Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
AT Österreich, Austria, Autriche, Austria, Austria
Militarismus, Militarismo, Militarisme, Militarismo, Militarism

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Militarismus, Militarismen (W3)

(E3)(L1) http://de.wikipedia.org/wiki/Militarismus
ist aus dem franz. "militarisme" übernommen und bezeichnet militärische Grundsätze, Ziele und Wertvorstellungen. Weiterhin werden damit die auf andere Lebensbereiche übertragenen militärischen Prinzipien bezeichnet.
Innerhalb des Etymologie-Portals möchte ich mit "Militarismen" speziell Begriffe bezeichnen, die aus dem militärischen Umfeld in die "Alltagssprache" übergegangen sind.

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tachanieren
tachinieren (W3)

Österr. "tachanieren", "tachinieren" = (während der Arbeitszeit) "untätig herumstehen", "faulenzen", "(Arbeitsunfähigkeit) "simulieren", "krankfeiern", wird in "Marianne Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache" auf tschech. "tahnouti se" = dt. "sich ziehen", "dehnen", "sich fortmachen", zurück geführt.

Das Wort ist anscheinend über rotw. "tarchenen", "derchen" = dt. "betteln", rotw. "Tarchener" = dt. "Bettler" entlehnt worden und könnte auch weiter auf jidd. "derech" = dt. "Weg", "Landstraße" zurück gehen.

(E?)(L?) http://diepresse.com/text/home/zeitgeschichte/4791781/Heute-vor-100-Jahren_Barackenlager-mit-30000-Fluchtlingen-in-Gmund

Neigt der Österreicher zum "Tachanieren"?

Über die Bedeutung eines Wortes der österreichischen Militärsprache.

Neue Freie Presse 18.9.1915

Kaum war ich eingerückt, hat der Zugsführer einen von uns beim Exerzieren mit den Worten apostrophiert: „Strammer, strammer! Auf Ihna hab ich’s überhaupt scharf, Sö Tachanierer!“ Die Bedeutung, die in der Soldatensprache dem Ausdruck "tachanieren" offenbar beigemessen wird, ließ mich nach der Etymologie dieses Wortes forschen: Es stammt aus der Gaunersprache, von "Tarchener", was soviel wie "Tagedieb" bedeutet. Diese Version hat entschieden viel für sich, denn bei den in Ausbildung befindlichen, also noch nicht im Felde stehenden Truppen bedeutet "tachanieren" wirklich soviel wie dem Herrgott den Tag stehlen, müßig herumstehen und nichts tun. Kurz, ein "Tachanierer" ist einer, der sich unter allen möglichen Vorwänden und Ausreden vom Dienste zu drücken sucht, wobei er natürlich zur wirksamen Unterstützung dieser Absicht in erster Linie sich krank zu stellen bemüht ist. Jedenfalls ist der "Tachanierer" durchaus kein Feigling, der sich etwa vor der Schlacht fürchtet, sondern ein gutmütiger Marodeur, der am strengen und schweren militärischen Dienst ebensowenig Gefallen findet, wie er wahrscheinlich auch im Zivilleben gegen jede geregelte Arbeit einen gewissen Widerwillen empfindet.

Anmerkung: Heute ist die Schreibweise "tachinieren" üblich geworden.


(E?)(L?) http://www.oesterreichisch.net/oesterreich-1127-Tachinierer.html?letter=T

...
Ein wunderbares österr. Wort "ungeklärter Herkunft", das seinen Weg mittlerweile auch nach Bayern gefunden hat, wo man eine Erklärung gefunden zu haben vermeint: Das Wort hat seinen Ursprung wohl in Österreich, vielleicht im Ersten Weltkrieg. Damals bedeutete "tachinieren" in der Soldatensprache "sich unerlaubt vom Dienst an der Front entfernen" oder "sich dem Dienst entziehen".

Und dahinter steckt letztlich das tschechische Wort "tachni", das "fort mit dir", "scher dich fort" bedeutet.
...


(E1)(L1) http://books.google.com/ngrams/graph?corpus=8&content=tachanieren
Abfrage im Google-Corpus mit 15Mio. eingescannter Bücher von 1500 bis heute.

Dt. "tachanieren" taucht in der Literatur nicht signifikant auf.

Erstellt: 2015-09

U

Uni Graz
Wehrhafte Wortschätze
martialische Wörter und Wortverbindungen

(E1)(L1) http://wortschaetze.uni-graz.at/


(E?)(L?) http://wortschaetze.uni-graz.at/de/wortschaetze/wehrkultur/begriffsdatenbank/

Menschliche Alltagssprache bedient sich seit jeher diverser Bilder aus verschiedenen Lebensbereichen, aus denen sie Wörter übernimmt, um sie (meist zwecks Erhöhung der Intensität des Ausdrucks) mit übertragener Bedeutung (auch) in neuen Sprechsituationen einzusetzen: So hat das Deutsche aus dem 'Bildspendebereich' des Sports vieles übernommen (wie sich die Latte hoch legen, zum Endspurt antreten oder den berühmtberüchtigten Sitzungsmarathon), aber auch aus dem Koch- und Ernährungsbereich (vgl. jemandem in die Suppe spucken sowie das Sprichwort Viele Köche verderben den Brei) oder aus dem der (technisierten) Mobilität (einen Gang zurückschalten müssen, so richtig Gas geben wollen, Ein alter Mann ist kein D-Zug etc.). Zu den allermarkantesten Erlebnis- und Erfahrungsbereichen zählen aber die martialischen (wehrhaften, 'kriegerischen', kampfbetonten) Wörter und Wortverbindungen, da sie besonders häufig verwendet werden: die schon eingangs erwähnten Ausdrücke etwas im Schilde führen, Lunte riechen oder der Spießrutenlauf sind Zeugen alter 'Fachausdrücke', die mittlerweile ihren ursprünglichen Fachbereich verlassen und sich mit neuer, übertragener Bedeutung in der Alltagssprache eingenistet haben. Möglichst viele von ihnen zu dokumentieren, lautete die reizvolle aber auch schwierige Aufgabe, da zu unserem 'wehrhaften Wortschatz' bislang kein wissenschaftliches Sammelwerk vorlag: Er war nämlich nur verstreut, unvollständig und mit oft unzureichender Beschreibung in den verschiedenen deutschsprachigen Wörterbüchern und Lexika verzeichnet.
...


(E?)(L?) http://wortschaetze.uni-graz.at/de/wortschaetze/wehrkultur/begriffsdatenbank/
27.05.2007:



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