Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
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Zum 65. Geburtstag der bulgarischen Onomastin und Etymologin Liljana Dimitrova-Todorova

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Zum 65. Geburtstag der bulgarischen Onomastin und Etymologin Liljana Dimitrova-Todorova

Dozent Dr. habil. Dimitrova-Todorova leitete bis zu ihrer rezenten Pensionierung die "Sektion für Bulgarische Etymologie" des Institutes für Bulgarische Sprache an der Akademie der Wissenschaften in Sofia/Bulgarien, in der sie seit 1970 tatig war, und die zuvor als "Sektion für allgemeine, indoeuropaische und balkanologische Sprachwissenschaft mit den klassischen und neuen Sprachen" benannt war. Neben ihren zahlreichen Publikationen zur Etymologie und Soziolinguistik, wurde sie vor allem durch ihre onomastischen Arbeiten bekannt, mit einem bedeutenden Schwerpunkt auf slavistischen und balkanologischen sprachwissenschaftlichen Themen.

In diesem Bereich legte sie kürzlich zwei umfangreiche Monografien vor:

Zunachst in 2006 "Die Ortnamen im Gebiet Popovo" ("Mestnite imena v Popovsko"), herausgegeben von dem Verlag Akademicno izdatelstvo "Marin Drinov" in Sofia, 694 Seiten umfassend und über siebentausend Namen behandelnd,

und in 2009 schlieslich "Die Ortsnamen im Prozess der sprachlichen Kommunikation (auf der Grundlage von Material aus dem Gebiet Popovo)" (Mestnite imena v procesa na ezikovata komunikacija - vaz osnova na material ot Popovsko), 262 Seiten umfassend, Verlag und Ort wie zuvor angegeben.

Hierin befasst sie sich mit vielen komplexen Phänomenen, die Tausende von "Toponymen", "Hydronymen", "Oronymen" und "Oikonymen" im genannten Gebiet betreffen. Das namenkundlich relevante Material hat sie auf mehreren Untersuchungsreisen zum Zwecke der Feldforschung in den Jahren 1974 bis 1979 selbst erhoben. Die Vorgehensweise der Informantenbefragung wird anschaulich erläutert; ergänzend zog die Autorin historische Verzeichnisse und historisches Kartenmaterial für ihre Ausarbeitung heran. Die Monografie von 2009 zeigt eine breit angelegte theoretische Perspektive auf, behandelt beispielsweise phonetische, morphologische und lexikalische Problemstellungen, und illustriert damit in lebhafter Weise die komplexe Arbeit eines Onomasten, der sich mit dem Namenmaterial der Balkanhalbinsel befasst. Dabei kann Material antiker und thrakischer, protobulgarischer, slavischer und türkischer Herkunft aufgefunden werden, sowie die Spuren diverser Völkerschaften, die hierbei zu analysieren sind. Zu diesem Zwecke beschreibt sie das Wechselspiel der Bevölkerungsbewegungen im untersuchten Gebiet. Aktuell spiegeln sich dort die Ergebnisse rezenter Migrationsprozesse wider. Zudem werden im Gebiet Popovo mehrere bulgarische Dialekte gesprochen, was eine sorgfältige Zuordnung der sprachlichen Erscheinungen erfordert. Besonderes Augenmerk wird auf die dortigen Auswirkungen des Bilinguismus gerichtet. Dabei geht die Autorin achtsam vor, wobei sie sich auf ein breites Spektrum an einschlägiger Literatur stutzt, die sie in diesem Kontext zitiert und ihre Forschung dadurch in den aktuellsten Forschungsstand einbetten kann. Durch die Anwendung soziolinguistischer Methoden kann die Autorin die Variationsbreite der dort aufgefundenen Benennungen uberzeugend und innovativ erklären. Hierbei gibt sie auch die volksetymologischen Erklärungsversuche der Namen durch die ansässige Bevölkerung bei, die wichtige Einblicke in ethno-psychologische Prozesse und die damit in Zusammenhang stehenden Benennungsmotive erlauben. Die Volksetymologie wird kontrastiv zur tatsächlichen Etymologie eines Namens präsentiert, was sowohl für Onomasten als auch Etymologen interessant, ja geradezu kurzweilig zu lesen ist. Dass diese beiden Untersuchungen auf ein breites Interesse der Fachwelt stoßen, ist nicht zuletzt an der Vielzahl der Rezensionen abzulesen, die sich mit den beiden Monografien befassen.

2010 legte die Wissenschaftlerin ihre Habilitationsschrift "Die Eigennamen in Bulgarien (Forschungen, Analyse, Probleme)" vor, in der sie sich auf 443 Seiten dem Thema widmet.

Unter ihren uber 200 Publikationen finden sich zahlreiche Veröffentlichungen in bulgarischen und in internationalen Fachzeitschriften, wie zum Beispiel in

Balgarski ezik, Sapostavitelno ezikoznanie, Palaeobulgarica, Linguistique Balkanique, Ezik i literatura, Slavisticen cbornik, Slavjanska filologija, Sastojanie i problemi na balgarskata onomastika,

und in

Etimologija, Onomastica, Namenkundliche Informationen, Österreichische Namenforschung, Patronimica Romanica, Rivista Italiana di Onomastica, Folia onomastica croatica, Zunamen/Surnames, Zeitschrift für Namenforschung/Journal of Name Studies, Acta onomastica, Onomasticke prace, Studia etymologica Brunensia

und in weiteren, sowie im

Handbuch der Südosteuropa-Linguistik (Slavistische Studienbücher, Neue Folge)

und in:

Europäische Personennamensysteme: Ein Handbuch von Abchasisch bis Zentralladinisch.

Mit diesen Arbeiten gehört sie zu den wichtigsten Erforschern der slavischen Namenwelt. Die Wissenschaftlerin ist darüber hinaus Mitglied des internationalen Autorenkollektivs, das den in Polen erscheinenden slavschen onomastischen Atlas herausgibt.

Zudem verfasste sie das Kapitel uber die Onomastik in Bulgarien für die zweibändige Enzyklopadie der slavischen Onomastik.

Etymologen ist sie durch ihre intensive Mitarbeit am Bulgarischen etymologischen Wörterbuch (BER) im Kreise der bekannten Etymologen bzw. Onomasten, den Akademiemitgliedern Prof. Dr. Vladimir Georgiev und Prof. Dr. Ivan Duridanov, Prof. Dr. Jordan Zaimov und Prof. Dr. Todor Todorov ein Begriff.

Bereits seit dem dritten Band des BER, der in 1980 herausgegeben wurde, beweist sie ihre Autorität als Etymologin im Bereich der slavischen, balkanischen und indoeuropäischen Etymologie. In kontinuierlicher Weise führt sie ihre etymologischen Untersuchungen fort, was sich zunächst in ihren breit angelegten Beiträgen zum BER Band 4 aus 1995, Band 5 aus 1996, Band 6 aus 2002, und schließlich Band 7 aus 2010 äußert. Für die bis dato unpublizierten Bände 8 und 9 des BER hat sie eine Vielzahl von Abschnitten ausgearbeitet. Die Wissenschaftlerin hat zahlreiche Publikationen mit etymologischen Untersuchungen zu bulgarischen Wörtern der Schriftsprache und der Dialekte, der slavischen und der balkanischen Lexik vorgelegt.

Ihr Schaffen konzentriert sich auch in ihren zahlreichen Studien auf die Bereiche Onomastik und Etymologie. In Zusammenarbeit mit weiteren Autoren legte sie 2002 den Beitrag

"Onomastic studies in the world: Past, present and future", in: Rivista Italiana di Onomastica, VIII (2002), 2, 439 502 vor.

Welche Facetten die onomastische Forschung umfassen kann, wird zum Beispiel auch in der Studie "Die anatomische Lexik in der bulgarischen geografischen Terminologie" deutlich ("Anatomicnata leksika v balgarskata geografska terminologija i v balgarskata toponimija"), in: Ezik i literatura, XLII/ 1987, 6, 109 124.

Liljana Dimitrova-Todorova hat an rund siebzig meist international angelegten Kongressen in ihrem Fachgebiet teilgenommen, und sich in Polen in slavischer Etymologie und Onomastik spezialisiert. Sie ist Mitglied in internationalen Verbänden und Gremien, wie dem "ICOS" - der "Internationalen Kommission für Onomastik", und der Etymologischen Kommission beim Internationalen Slavistenkommittee und mehreren weiteren.


Erstellt: 2014-09

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