Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
DE Deutschland, Alemania, Allemagne, Germania, Germany
Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
A

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

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Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

a (W3) [Adelung]


a, ein Vocal, und zugleich der erste Buchstab des Deutschen Alphabetes, welcher unter allen Vocalen für die Aussprache der einfachste und leichteste ist, er mit der weitesten Öffnung des Mundes gebildet wird, daher er auch der erste vernehmliche Ton ist, welchen die Natur in den neugebornen Kindern von sich gibt. Sprichw. Wer A sagt muß auch B sagen, wer sich einmahl in etwas eingelassen hat, muß darin fortfahren.Bey den Hochdeutschen hat dieses a nur einen einzigen Laut, welcher entweder gedehnt ist, wie in da, Gabe, laben, oder geschärft, wie in was, raffen, Pallast. Allein in den verschiedenen Mundarten wird es fast durch alle Schattirungen der Aussprache hindurch geführet; wovon man, was die Oberdeutschen Provinzen betrifft, Popowitschens Untersuchung vom Meere S. 89, 288 f. nachsehen kann. Am häufigsten nähert man es daselbst dem o, da es denn dem Schwedischen u sehr ähnlich wird. Oft wird das a von dem o gänzlich verdränget, und es gibt auch noch Hochdeutsche, welche Odem für Athem sprechen und schreiben. In manchen Provinzen verwandelt man es in den unangenehmen Doppellaut oa, z. B. foahren, troan, für fahren, tragen, und in noch andern läßt man ein u hinter her schleichen, wie jau für ja, oder fetzet wohl gar das u an dessen Stelle, wie hust du, für hast du, ju für ja, Klufter für Klafter. Von der Bezeichnung des gedehntem a, S. Orthogr. Th. I, S. 248. In der Ableitung und der Wörter wird dieses a sehr oft in ä verwandelt; als Anfang, anfänglich; Zahl, zählen; Pfalz, Pfälzer; Hand, Hände; Mangel, Mängel; ich dachte, ich dächte; ich schlage, du schlägst, er schlägt; wovon die Regeln, wenn anders welche davon gegeben werden können, in der Sprachlehre gesucht werden müssen.Das a privativum, welches einige in den alten Deutschen Mundarten angetroffen haben wollen, ist nichts anders, als eine verkürzte Aussprache des heutigen un oder ohn; z. B. adeilon, untheilhaft, ateilig, verlustig, Achusti, Untugend, Amalia, die Unbefleckte, von Mail.Auf gleiche Art sprechen einige Niedersachsen noch heut zu Tage Amacht, amächtig, awiesig, Awiesigkeit u. s. f. für Ohnmacht, ohnmächtig, unweise oder läppisch u. s. f. Eben diese Bewandtniß hat es auch mit Wachters so genanntem a positivo, welches wohl auch nichts anders, als der durch eine geschwinde Aussprache verkürzte unbestimmte Artikel ein ist, Statt dessen nicht nur viele Deutsche Provinzen im geschwinden Reden, sondern auch die Engländer allemahl, ein a oder ä, und wenn ein Vocal darauf folgt, an gebrauchen; z. B. a Finger, a Fisch, a Gürtel, a Glas, än, oder an Altar, an Ofen, an Arm, an Ochs und s. f. und Engl. a finger, a fish, a girdle, a glass, an altar, an oven, an arm, an ox, u. s. f. welcher Artikel denn nachmahls mit vielen Hauptwörtern auf eine nunmehr unzertrennliche Art zusammen geschmolzen seyn kann. S. Ein, und Ameise.Das a drucket, wie in den meisten Sprachen, so auch in der Deutschen, fast alle Bewegungen und Leidenschaften der Seele aus, und um den Ausdruck zu verstärken, hat man demselben von den ältesten Zeiten an noch die Hauchlaute ch und h beygefüget. S. Ach und Ha.Am Ende vieler heutigen eigenthümlichen Nahmen der Flüsse und Örter ist a aus acha, aha, oder ach, d. i. Wasser, zusammen gezogen. S. Ach.


Ä (W3) [Adelung]


Ä ein einfacher Vocal, welcher einen Mittellaut zwischen dem a und hohen e hat, und so, wie das a, bald gedehnt, bald aber auch geschärft ausgesprochen wird. Die meisten Sprachlehrer haben diesen Buchstaben für einen wahren Doppellaut ausgegeben; andere haben solches geläugnet, und Gründe für ihre Meinung angeführet, die aber größten Theils wenig oder gar nichts beweisen. Indessen ist doch der Streit sehr leicht zu entscheiden, wenn man nur den Laut selbst von dem Zeichen des Lautes unterscheidet. Der Laut an und für sich selbst, wird mit einer eben so einfachen Öffnung des Mundes hervor gebracht, und läßt so wenig doppeltes oder zusammen gesetztes hören, als die Laute a, e, i, o und u; und wenn er gleich ein Mittellaut zwi dem a und e ist, so folgt daraus noch nicht, daß er aus diesen beyden Vocalen zusammen geflossen ist. In allen Sprachen sind die Vocale nur stufenweise von einander unterschieden, und wenn man die Mundarten mit in Anschlag bringt, so werden diese Stufen unmerklich. Im Deutschen würde es nicht schwer fallen, zwanzig solche Vocalen anzugeben, deren Unterschied dem Gehöre noch immer merklich genug ist; S. Lamberts neues Organon Th. 2, S. 47. Warum sollen aber alle diejenigen Doppellaute heissen, die sich von den fünf am meisten hervorstechenden Vocalen mehr oder weniger entfernen? Noch eins, welches besonders das ä betrifft. Es hat eben denselben Laut, den das erste e in Besen, lesen, Wesen und hundert andern Wörtern hat. Machte der Laut einen Buchstaben zum Doppellaute, so müßte man dieses e auch einen Doppellaut nennen, welches doch noch niemanden eingefallen ist.Aber nun zu dem Zeichen. Gemeiniglich schreibt man die Laute ä, ö, ü, durch Ae, Oe und Ue, und in der kleinen Schrift durch ae, oe, ue und sind nun freylich doppelte Buchstaben, die aber darum keine Doppellaute machen. Als die Deutschen die Lateinischen Buchstaben annahmen, so finden sie in denselben für die Vocale nur fünf Zeichen, und sie hatten doch deren mehr nöthig. Sie halfen sich also dadurch, daß die theils diese Zeichen zusammen setzen, theils den am meisten verwandten Lauten einerley Zeichen gaben. Unwissenheit, Verschiedenheit der Meinungen und vielleicht auch der Mundarten, und die nur nach und nach geschehene Annahme des Lateinischen Alphabetes machten, daß man dabey nicht gleichförmig zu Werke ging; und daher kam es, daß man besonders den Laut ä in einigen Fällen durch das Zeichen a, in andern aber durch ein bloßes e ausdruckte. Die Sprachlehrer, welche selten philosophische Köpfe haben, blieben bey dem Zeichen stehen, und so wurden aus ae, oe, und ue Doppellaute, da man sie höchstens Doppelbuchstaben hätte nennen können. In der größern oder so genannten Versal-Schrift machte man es in den Druckereyen noch ärger, und setzte den andern Vocal aus Armuth an Schriftzeichen gar daneben, Ae, Oe, Ue. Wie viele Schwierigkeiten solche Kindern und Ausländern in Erlernung des Lesens macht, und wie viele Verwirrung solches in einem Wörterbuche nach alphabetischer Ordnung anrichtet, ist leicht einzusehen. Man hat daher in diesem Wörterbuche für die drey Selbstlaute ä, ö, und ü, sowohl in der größern als kleinern Schrift, besondere Zeichen gewählet, die der Natur der Sache hoffentlich mehr angemessen, und nicht so vielen Mißdeutungen unterworfen seyn werden. Man muß daher auch diejenigen Wörter, welche sich mit diesen drey Selbstlautern anfangen, nicht in Ae, Oe und Ue, sondern nach Maßgebung des darauf folgenden Consonanten aufsuchen. Von dem Gebrauche dieses Vocals S. Orthogr. Th. 1, S. 140.


Aa (W3) [Adelung]


Aa, das Zeichen eines gedehnten a, welches erst in den spätern Zeiten, aber nur in einigen wenigen Fällen eingeführet worden, wovon ich die Ursachen in der Orthogr. 1, S. 240 entwickelt habe. Diejenigen, welche die Laute mit ihren Zeichen verwechseln, rechnen auch dieses a unter die Doppellaute. Siehet man aber, wie doch billig ist, bloß auf den Laut, so lässet es sich so wenig unter die Diphthongen zählen, als das ah und alle übrige gedehnte Vocale. Einige haben es wieder abschaffen wollen, weil man dessen Gebrauch in den ältesten Zeiten nicht findet; allein da es heut zu Tage in einigen Wörtern, als Aal, Aas, Aar, Haar, Paar, Schaar, Quaal, Saal u. s. f. überall angenommen ist, und das Alterthum an und für sich nirgends weniger Richter seyn kann, als in der Sprache: so würde solches eine so vergebliche als unnöthige Neuerung seyn. In der Verlängerung des Wortes wird dieses aa oft in ein gedehntes ä verwandelt, als Äser, quälen, Älchen, Härchen, Pärchen u. s. f. In andern aber bleibt es, als die Aale, die Haare, haarig, paaren, u. s. f. In denausländischen Wörtern macht es zwey Sylben aus, als Aaron, Baal.


Aal (W3) [Adelung]


Der Aal, des -es, plur. die Aale, Diminut. das Älchen. 1) Eigentlich ein bekannter Fisch mit einem langen und schlüpfrigen Körper, wovon die gewöhnlichste eßbare Art in süßen Wassern lebt; Muraena Anguilla, L. Seine Schlüpfrigkeit hat einige sprichwörtliche Redensarten veranlasset, welche aber nur im gemeinen Leben üblich sind. 2) Figürlich, in den Küchen, ein Gebackenes aus Butterteige in Gestalt eines Aales. Bey den Tucharbeitern die falschen Brücke, welche bey dem Walken in den Tüchern entstehen. Älchen nennet man auch die kleinen länglichen Würmer in dem Sauerteige, Essige und andern sauren Körpern, welche lebendige Jungen zur Welt bringen; auch Essigaale, Kleisteraale.

Anm. 1) Wachters Ableitung ist zu gezwungen. Frisch hingegen hat die Übereinstimmung der Deutschen Benennung mit dem Nahmen dieses Fisches in der übrigen Europäischen und der Hebräischen Sprache glücklicher gezeiget. Nach ihm liegt der Grund der Benennung in der Schlüpfrigkeit; worin ihm auch Herr Ihre beypflichtet. Man könnte ihn aber auch aus der Länge und geringen Dicke dieses Fisches herleiten; denn es scheint, daß Al oder El in den ältesten Sprachen einen jeden langen, dünnen und spitzigen Körper bedeutet habe. S. Ahl und Elle.2) In einigen Oberdeutschen Gegenden declinirt man der Aal, des Aalen, u. s. w., und im Plur. die Aalen. In andern Gegenden ist es weiblichen Geschlechts, die Aal, und in der Schweiz macht man den Plur. Äle.3) Die großen Aale werden in und um Bremen Pann-ale, die mittlern aber Pinnken genannt. Eine Art mit einem dicken Kopfe heißt im Lauenburgischen Klauskopf. Aale, die in trüben Wassern leben, werden in Holland schlechthin Aale, in Deutschland aber Mooraale genannt, dagegen die Aale aus frischen Wassern in Holland Paaling heißen.


Aalbeere (W3) [Adelung]


Aalbeere, S. Alantbeere.


Aaleidechse (W3) [Adelung]


Die Aaleidechse, plur. die -n, eine Art ausländischer Eidechsen mit einem langen aalförmigen Körper, Lacerta anguina, L.


Aalen (W3) [Adelung]


+ Aalen, fangen, ist nur in gemeinen Sprecharten üblich.


Aalfang (W3) [Adelung]


Der Aalfang, des -es, plur. die -änge. 1) Der Fang oder das Fangen der Aale und dessen Art und Weise. 2) Die Zeit, wenn dieser Fisch am bequemsten zu fangen ist; und 3) der Ort, wo solches geschiehet. Der Plur. ist nur in dieser letztern Bedeutung üblich.


Aalgabel (W3) [Adelung]


Die Aalgabel, plur. die -n, eine eiserne Gabel mit drey Zacken, welche mit Widerhaken versehen sind, die Aale damit auf dem Grunde anzuspitzen. Sie heißt auch das Aaleisen, der Aalstecher, der Aalstachel, ingleichen der Dreystachel.


Aalhälter (W3) [Adelung]


Der Aalhälter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ort, wo die gefangenen Aale im Wasser aufbehalten werden.


Aalkasten (W3) [Adelung]


Der Aalkasten, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art des Aalfanges, welche in einem Gebäude an solchen Wassern bestehet, die einen Fall haben, in welchen der Aal zu gewissen Zeiten häufig gefangen wird.


Aalkirsche (W3) [Adelung]


Aalkirsche, S. Ahlkirsche.


Aalmutter (W3) [Adelung]


Die Aalmutter, plur. die -ütter, eine Art Meergroppen, welche keinen Kamm auf dem Kopfe trägt, und lebendige Jungen gebieret, Blennius Mustela vivipara, L. Bey einigen auch Aalfrau, in Schweden Tannlacke. Von einigen wird auch die Aalraupe mit diesem Nahmen belegt.


Aallege (W3) [Adelung]


Die Aallege, S. Aalwehr.


Aalquappe (W3) [Adelung]


Die Aalquappe, S. Aalraupe.


Aalquast,Aalquaße (W3) [Adelung]


Der Aalquast, des -es, plur. die -e, oder, die Aalquaße, plur. die -n, ( S. Quast,) ein Bündel grüner Reiser, welches man an eine lange Stange steckt, und unter das Wasser stellt, da sich denn die Aale und Weißfische häufig darauf setzen.


Aalraupe (W3) [Adelung]


Die Aalraupe, plur. die -n, ein Fisch in süßen Wassern, welcher an der glatten Haut dem Aale gleicht, oder einen großen Kopf und dicken Bauch hat. Gadus Lota, L. Der Nahme Aalraupe, oder Aalraupe, wie er auch gefunden wird, ist ohne Zweifel von rauben, weil er ein Raubfisch ist, und dabey dem Aale gleicht. In der Schweiz heißt er Raubaal, am Rheine verderbt Ruffelß, Ruffolk, in andern Gegenden Ruppe, in Österreich die Rutte, in Baiern der Rutten. Sein Holländischer und Niedersächsischer Nahme ist Quappe, auch wohl Aalquappe, Aalquabbe, Dän. Quabbe, Engl. Quab, von dem Niedersächsischen Quapp, ein Beutel, Wamme, oder Schlauch, wegen seines dicken Bauches. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird er auch Trusch, Trusche, Trüsche, genannt. Mit der Niedersächsischen Benennung kommt die Griechische K - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und die daraus gemachte Lateinische Gobio überein; obgleich Wachter die beyden letztern von Kopf oder Caput herleitet, wegen des dicken Kopfes dieses Fisches.


Aalreuse (W3) [Adelung]


Die Aalreuse, plur. die -n, Reusen, so fern sie zum Aalfange gebraucht werden.


Aalstecher (W3) [Adelung]


Der Aalstecher, des -s, plur. ut. nomin. sing. S. Aalgabel.


Aalstreif (W3) [Adelung]


Der Aalstreif, des -es, plur. die -e, ein schwarzer Streif, welchen besonders fahle Pferde auf dem Rücken haben; weil die Aale mit einem ähnlichen dunkeln Streife gezeichnet sind. Auch der Aalstrich.


Aalwehr (W3) [Adelung]


Das Aalwehr, des -es, plur. die -e, ein durch Zäune oder Pfähle verengter Ort in einem Flusse, vor welchen man Hamen oder Fischkörbe stellet, Fische und besonders Aale darein zu fangen, Nieders, Aallege, von Lage, Nachstellung.


Aar (W3) [Adelung]


Der Aar, des -en, plur. die -en, (nicht Aare), eine sehr alte Benennung aller großen Raubvögel, und besonders des Adlers, welche heut zu Tage noch am meisten in Niedersachsen üblich ist. So wie der Aar das Huhn, der Hecht die Gründel frißt. Opitz. Bald werdet ihr im Meer der Hayen, am Gestade. Der Aaren Beute seyn. Raml.

Anm. Frisch und Wachter haben die Übereinstimmung dieses Nahmens in den ältern und neuern Sprachen sehr gut gezeiget, daher ich hier weiter nichts hinzu setzen will, als das er noch jetzt in Bretagne einen Adler bedeutet, und daß die erste Hälfte des Latein. Aruspex vermuthlich auch hierher gehöret, so wie die letzte Hälfte zu dem Geschlechte des alten spähen gerechnet werden kann.


Aaron (W3) [Adelung]


Aaron, eine Pflanze, S. Arum.


Aarweihe (W3) [Adelung]


Die Aarweihe, plur. die -n, eine Art Weihen oder Geyer, welche dem Aaren oder Adler ähnlich ist; eine Benennung, welche größten Theils nur in Niedersachsen vorkommt. In einigen Gegenden gebraucht man es, so wie das einfache Weihe, männlich, der Aarweihe.


Aas (W3) [Adelung]


Das Aas, des Aases, plur. die Äser. 1 In die Fäulniß gegangenes Fleisch eines gefallenen Thieres; ohne Plural. Es stinkt wie Aas. S. auch Luder. Luthers Aas vom eßbaren Fleische geschlachteter Thiere ist veraltet, und gehöret vermuthlich auch zu Aß. 2. Ein riechender todter Körper, mit dem Plural; eigentlich nur von Thieren, im verächtlichen Verstande auch von Menschen. Auf jeder Küste liegen Äser von Barden. Ebert. Im gemeinen Leben im verächtlichsten Verstande auch von lebendigen Personen, besonders weiblichen Geschlechtes.

Anm. Dieses Wort ist mit dem folgenden Aß, von essen, nicht zu verwechseln, von welchem es sich auch in der gelindern Aussprache des s in der Verlängerung des Wortes unterscheidet. Es lautet schon im 10ten Jahrh. As und Az, bald darauf aber Aweis und Auwesel, von welchen letztern Formen doch noch ungewiß ist, ob sie bloße Verlängerung der ersten sind. 1477 lautete der Plural in Schwaben Osse und in Luthers Bibel die Aase. Der Stammbegriff scheint Fäulniß, Schmutz zu seyn; daher ist noch im Niedersächsischen asig, schmutzig, naß, asen, schmutzige Arbeit verrichten, ingleichen, auf eine ekelhafte Art in etwas herum wühlen, sich zuasen, sich beschmieren.


Aasblatter (W3) [Adelung]


Die Aasblatter, plur. die -n, bösartige, schwarze, stinkende Blattern; in Niedersachsen Aaspocken.


Aasen (W3) [Adelung]


Aasen, verb. reg. act. nur bey den Gärbern, das Aas oder Fleisch auf der linken Seite der Felle abschaben, sie abaasen; wofür die Kürschner fleischen gebrauchen.


Aasfliege (W3) [Adelung]


Die Aasfliege, plur. die -n, eine Art gemeiner großer Fliegen, welche sich gern bey dem Aase aushält; die Fleischfliege, Schmeißfliege, Musca cadaverina, L.


Aasfressend (W3) [Adelung]


Aasfressend, adj. ein Beywort solcher Thiere, welche sich von dem Aase nähren, und von den fleischfressenden noch unterschieden werden können; im gemeinen Leben aasfressig.


Aasgeyer (W3) [Adelung]


Der Aasgeyer, des -s, plur. ut. nom. sing. eine allgemeine Benennung aller derjenigen Geyer, welche nicht auf den Raub ausgehe, sondern sich von Äsern nähen; Roßgeyer, weil sie den gefallenen Pferden nachgehen; bey den ältern Schriftstellern Reibgeyer, von dem veralteten Reib, Aas. Martini in dem Schaupl. der Natur und andere hingegen, nennen den Hasengeyer oder Gänseaar, die größte Art unter den Raubgayern, den Aasgeyer.


Aaskäfer (W3) [Adelung]


Der Aaskäfer, des -s, plur. ut. nom. sing. eine Art Käfer, welche sich im Aase aufhalten, und daher sehr stinken; Silpha, L. S. Gräber und Todtengräber.


Aaskopf (W3) [Adelung]


Der Aaskopf, des -es, plur. die -köpfe, in der Baukunst, ein Zierath der Dorischen Ordnung, besonders in den Friesen und Zwischentiefen, welcher dem Kopfe eines todten und von der Haut entblößten Opferthieres gleicht.


Aaspocke (W3) [Adelung]


Die Aaspocke, plur. die -n, S. Aasblatter.


Aasseite (W3) [Adelung]


Die Aasseite, plur. die -n, bey den Lederarbeitern, diejenige Seite des Leders, welche auf dem Fleische gewesen ist; edler die Fleischseite.


Aaß (W3) [Adelung]


Das Aaß, Nahrung, Speise, Aaßen, fressen, S. Aß und Aßen.


Ab (W3) [Adelung]


Ab, eine Partikel, welche in gedoppelter Gestalt vorkommt.I. Für sich allein, und als ein eigenes Wort. 1. Als ein Umstandswort, (a) eine Trennung, Absonderung zu bezeichnen; doch nur im gemeinen Leben. Der Kopf ist ab. Kopf ab! Hand ab! (b) Für hinab, und figürlich, eine Entfernung zu bezeichnen, in Verbindung mit auf. Den Berg auf und ab fahren, gehen, reiten, d. i. bald hinauf, bald hinab, und figürlich sich bald nähern, bald entfernen. Nach einer noch weitern Figur ist auf und ab im gemeinen Leben so viel als ungefähr: zehn Thaler auf und ab. c. Als eine Präposition, für von, an vor und aus; in welcher Gestalt es im Hochdeutschen völlig veraltet ist, aber noch im Oberdeutschen lebt: ab dem Wege kommen, ab den Augen gehen, einen Gräuel ab den Götze haben. Daher auch die gleichfalls nur Oberdeutschen Zusammensetzungen, abhinnen, von hinnen, bevorab, zumahl, hierab, hiervon, hieraus, worab, woraus, abhanden, ( S. dieses Wort.) u. s. f.II. In der Zusammensetzung, in welcher Gestalt es im Hochdeutschen am üblichsten ist, und am häufigsten mit Verbis gebraucht wird. Es vertritt alsdann die Stelle des Vorwortes von, mit welchem keine Verba zusammen gesetzet werden können, und bezeichnet überhaupt eine Trennung und Absonderung, deren besondere Art durch das beigefügte Zweitwort näher bestimmt wird. Insbesondere aber,1) eine Entfernung von einem nähern Orte nach einem niedrigern, in welcher Bedeutung es für hinab, oder herab steht, wie in abfallen, abfließen, abhangen, abhängig, abklappen, abnehmen, für herab, nehmen, absteigen u. s. f. Und hierher gehören auch die Umstandswörter bergab, herab, hinab und abwärts.2) Eine Entfernung von einem Orte, so wohl in eigentlicher als uneigentlicher Bedeutung, für weg, oder hinweg; als abgeben, abtreten, abreisen, abfahren, abstehen, abziehen u. s. f. in welchem Falle der terminus a quo als ein höher gelegener Ort voraus gesetzet wird. Hiermit ist,3) der Begriff der Trennung oder Absonderung verbunden, wie in abbeißen, abblasen, abpflücken, abbürsten, abstreifen, abschneiden u. s. f. wobey sich die Partikel ab so wohl auf diejenige Sache beziehet, welche angesondert wird, als auch metonymisch auf die, von welcher die Absonderung geschieht. Denn man sagt so wohl, den Staub abbürsten, (nehmlich von dem Kleide) als auch das Kleid abbürsten; die Federn abrupfen, (nehmlich der Gans) und die Gans abrupfen u. s. f. Doch läßt sich diese letztere Wortfügung nicht in allen Fällen gebrauchen, sondern nur da, wo der Gebrauch sie, um der Kürze willen, eingeführet hat. Ingleichen, 4) der Begriff der Erreichung, wie in abgehen, ablangen, absehen, abspannen, u. s. f. durch gehen, langen, sehen, spannen, erreichen. Aus diesen vier Bedeutungen, welche man als die eigentlichen ansehen kann, fließen folgende figürlichere: 5) des Verminderns und Tilgens, wie in abbüßen, abarbeiten, abdienen, absitzen u. s. f. das ist, eine Schuld oder Strafe durch Buße, Dienste, Arbeit, Verhaft u. s. f. vermindern und bezahlen; ingleichen, 6) des Entkräftens und Schwächens, als abängsten, abtreiben, (ein Vieh), sich abseufzen, sich abweinen u. s. f. Die meisten Zeitwörter dieser Art sind niedrig, und nur dem gemeinen Gebrauche zu überlassen. 7) Der Nachbildung, der Übertragung der Gestalt einer Sache auf die andere, wie in abbilden, abmahlen, abschreiben, abzeichnen u. s. f. 8) Der Vollendung, weil man von demjenigen abzulassen, oder sich zu entfernen pfleget, was seine Endschaft und Vollkommenheit erreicht hat, wie abfüttern, abkochen, abbrauen, absieden, abspeisen neutr. das Ableben u. s. f. Auch von diesen Zeitwörtern sind viele niedrig und nur im gemeinen Leben üblich. In andern ist der Begriff der Vollendung etwas versteckter, und da dienet das ab,9) zum Theil die Bedeutung des folgenden Zeitwortes zu verstärken, wie in abglühen, abprügeln, abscheiden, Abschied, abschließen (eine Rechnung), absondern, absterben, abwägen u. s. f. obgleich auch bey vielen dieser der Begriff der Entfernung, Vollendung u. s. f. Statt findet. Endlich 10) bezeichnet es auch vor einigen Wörtern, die nicht von Verbis bekommen, so viel als das Gegentheil dessen, womit es verbunden ist; wie in Abgott, Abgrund, Abgunst, abhold, abgeschmackt, wo die Bedeutung gleichfalls eine Figur der Entfernung ist.

Anm. 1) In Ansehung der Conjugation gehöret ab zu den trennbaren Partikeln, weil es sehr oft von seinem Verbo getrennt wird; ich messe ab, maß ab, nicht ich abmesse, abmaß. Es hat daher auch allemahl den Hauptton: abbringen, Abart, Ab-bruch, obgleich in solchen Fällen, wo auf das ab noch eine Partikel folgt, um der Länge des Wortes willen, das Verbum einen merklichern Nebenton bekommt als in andern Fällen: aberkennen, abgewinnen, abverdienen. 2) Ab, Nieders. Holl. Goth. Schwed. und Dän. af, Angels. und Engl. of, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und Latein: ab, abs, ist ein sehr altes Stammwörtchen, welches in den meisten Sprachen angetroffen wird. Wenn es so viel als hinab bedeutet, so gebrauchen die Niedersachsen dafür ihr daal; als daalbreken, daalriten u. s. f für abbrechen, abreißen. Luthers abe, welches in der Deutschen Bibel häufig vorkommt, ist veraltet.


Abaasen (W3) [Adelung]


+ Abaasen, verb. reg. act. bey den Gärbern, die Häute auf der Fleischseite abschaben; S. Aasen.


Sich (W3) [Adelung]


+ Sich Abächzen, verb. reg. recipr. sich durch Seufzen oder Ächzen entkräften; im gemeinen Leben.


Abackern (W3) [Adelung]


Abackern, verb. reg. act. durch ackern oder pflügen absondern, entziehen. Einem eine Furche, ein Stück Feldes abackern, abpflügen.


Abändern (W3) [Adelung]


Abändern, verb. reg. act. 1) Eigentlich, ein wenig ändern, d. i. in Nebenumständen anders bestimmen. Ein Kleid abändern, ein wenig ändern. Besonders zur Vermeidung der Einförmigkeit. Pope hat seine Perioden ungemein abgeändert. Dusch. Seine Schreibart abändern. Den Unterschied von ändern, umändern und verändern, S. in diesen Wörtern. 2) Bey einigen neuern Sprachlehrern bedeutet es so viel, als decliniren, d. i. durch Casus verändern; wo doch das Wort den Begriff nicht erschöpft. 3) Im Kanzelley-Style ist abändern so viel als ändern überhaupt. Einen Mißbrauch abändern, ihn aufheben, wegschaffen, einen Befehl abändern, ihn widerrufen.


Abänderlich (W3) [Adelung]


Abänderlich, adj. et. adv. was abgeändert werden kann oder darf, in allen Bedeutungen des Verbi.


Abänderung (W3) [Adelung]


Die Abänderung, plur. die -en. 1) Eine geringe Änderung, andere Bestimmung in Nebendingen. Einförmige Perioden ohne alle Abänderung. In der Naturlehre ist daher Abänderung so viel als Spielart, Varietas, d. i. die zufällige Abweichung von andern Körpern. Einer Art, und dieser Körper selbst. 2) Bei einigen Sprachlehrern, die Declination. 3) In den Kanzelleyen, die Änderung, Aufhebung.


Abängsten (W3) [Adelung]


+ Abängsten, und dessen Frequentat. Abängstigen, verb. reg. act. et recipr. sehr ängsten oder ängstigen, durch Angst entkräften; im gemeinen Leben. Einen abängsten, sich abängsten.


Abarbeiten (W3) [Adelung]


Abarbeiten, verb. reg. act. 1) Durch Arbeit wegschaffen. Einen Ast abarbeiten. Daher ist bey einigen Handwerkern abarbeiten, durch Wegschaffung des Unebenen glatt machen, und der Abarbeiter, der solches verrichtet. 2) Durch Arbeit von etwas los machen. Ein Schiff arbeitet sich ab, von der Sandbank, oder von dem, der es geentert hat. 3) Durch vieles Arbeiten abnützen. Und die Schneiden an den Sensen und Hauen - waren abgearbeitet, 1. Sam. 13, 21. 4) Durch vieles Arbeiten entkräften. Süß ist der Trost, der den matten abgearbeiteten Sclaven erquicket, wenn er sich unschuldig weiß. Am häufigsten als ein Reciprocum, sich abarbeiten. 5) Eine Schuld mit seiner Arbeit bezahlen. Den Vorschuß abarbeiten. 6) Bey den Tuch- und Zeugmachern, ein Stück Zeug mit der Arbeit zu Ende bringen; auch abwirken.


Abarbeitung (W3) [Adelung]


Die Abarbeitung, plur. inusit. in den vorigen Bedeutungen.


Abärgern (W3) [Adelung]


+ Abärgern, verb. reg. act. et recipr. durch Ärgerniß entkräften, bis zur Ermattung ärgern. Jemanden abärgern, sich sehr abärgern.


Abärnten (W3) [Adelung]


Abärnten, S. Abernten.


Abart (W3) [Adelung]


Die Abart, plur. die -en, die Abweichung von der ursprünglichen Art, ohne Plural; und ein solches abweichendes Ding, mit dem Plural. Der Rheinwein ist eine Abart des Ungarischen Weines. Der Pudel, der Spitz, der Windhund u. s. f. sind lauter Abarten des Schäferhundes. Da es denn in der Naturlehre oft für Spielart gebraucht wird. In engerer Bedeutung, eine von der besseren ursprünglichen Art abgewichene Art, ein ausgeartetes Ding. Den kaum nach langer Zeit der Enkel Abart löscht, Hall. Von Tadel freye Herden, Noch lange nicht, wie wir zur Abart so vermocht, Withof; wo es in dem letzten Falle das Abstractum ist.


Abarten (W3) [Adelung]


Abarten, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt, von der ursprünglichen Art abweichen. Der Sohn ist von den Tugenden des Vaters abgeartet. Weiße Menschen arten in heißen Ländern nach und nach in braune ab. Abarten bezeichnet eine geringere, ausarten oder eine größere Abweichung von der eigentlichen Art.


Abartung (W3) [Adelung]


Die Abartung, plur. die -en, 1) Der Zustand des Abartens; ohne Plural. 2) Ein Ding, dessen gewöhnliche Art zufälliger Weise verändert worden; wie Abart.


Abartig (W3) [Adelung]


Abartig, -er, -ste, adj. et adv. abgeartet, abartend. Abartige Bienen, abgeartete.


Abäschern (W3) [Adelung]


Abäschern, verb. reg. act. in den Küchen, schleimige Fische mit heißer Asche abreiben. Ein anderes dem Klange nach gleiches Wort S. in Abeschern.


Abaßen (W3) [Adelung]


+ Abaßen, verb. reg. act. welches aber nur noch bey den Jägern üblich ist, und so viel als abfressen bedeutet. Es wird indessen nur von den Hirschen und dem Wildpret gesagt, wenn es das junge Holz oder die Ähren abbeißt. S. Aß. Wenn es das Gras abbeißt, so wird solches abrasen genannt.


Abästen (W3) [Adelung]


Abästen, verb. reg. act. der Äste berauben. Einen Baum abästen.


Abäthmen (W3) [Adelung]


Abäthmen, verb. reg. act. bey verschiedenen Metallarbeitern, eine Kapelle oder andern Körper ausglühen, um alle in den Poris befindliche Luft zu vertreiben. S. Athem. Daher die Abäthmung.


Abätzen (W3) [Adelung]


Abätzen, verb. reg. act. durch ätzende Mittel wegschaffen, abbeitzen. Daher die Abätzung.


Abäugeln (W3) [Adelung]


+ Abäugeln, verb. reg. act. bey den Jägern, die Spur bloß mit den Augen, ohne Hund, suchen.


Abäußern (W3) [Adelung]


* Abäußern, verb. reg. act. an einigen Orten, einen Leibeigenen oder Unterthan von dem Gute, welches er besessen, treiben. Am Niederrheine wird solches auch abmeiern genannt. Daher die Abäußerung.


Abba (W3) [Adelung]


Abba, ein Syrisches Wort, welches durch die Übersetzung des neuen Testamentes in die biblische Schreibart gekommen ist, und so viel als Vater bedeutet, aber nur von Gott gebraucht wird. Es ist so wie Aba, Appa, Ba, Baba, Papa, Atta und andere, das erste Stammeln unmündiger Kinder, und ein Wort, welches die Natur sie gewisser Maßen selbst lehret; daher sich dasselbe auch in den meisten ältern und neuern Sprachen ähnlich geblieben ist.


Abbacken (W3) [Adelung]


Abbacken, verb. irreg. S. Backen. 1) Als ein Neutrum mit seyn. Das Brot ist abgebacken, wenn die Rinde im Backen von der Krume abgelöset wird. Ausgewachsenes Getreide macht, daß das Brot abbäckt. 2) Als ein Activum, (1) das Backen des Brotes vollenden oder zu Ende bringen. Der Bäcker hat bereits abgebacken. (2) Durch jähe Hitze das Brot abbacken machen.


Abbaden (W3) [Adelung]


Abbaden, verb. reg. act. 1) Völlig rein baden, oder im Bade ab-waschen. Ein Kind abbaden. Ingleichen durch Baden wegschaffen. 2) Das Baden zu Ende bringen.


Abbähen (W3) [Adelung]


Abbähen, verb. reg. act. gehörig bähen. Brot und Semmel abbähen.


Abbaizen (W3) [Adelung]


Abbaizen, S. Abbeitzen.


Abbaken (W3) [Adelung]


* Abbaken, verb. reg. act. in der Schifffahrt, mit Baken bezeichnen. Das Fahrwaffer abbaken.


Abbalgen (W3) [Adelung]


1. Abbalgen, (von Balg,) verb. reg. act. einem Thiere den Balg abstreifen. Einen Fuchs abbalgen.


Abbalgen (W3) [Adelung]


2. + Abbalgen, (von balgen,) verb. reg. recipr. Sich abbalgen, im gemeinen Leben, sich durch Balgen oder Kaufen ermüden.


Abbamsen (W3) [Adelung]


+ Abbamsen, verb. reg. act. bey den Weißgärbern und Pergamentern so viel, als abpelzen, d. i. die Felle gehörig durchklopfen. S. Bams.


Abbannen (W3) [Adelung]


* Abbannen, S. Abfinden, in der Anmerkung.


Abbatissinn (W3) [Adelung]


Abbatissinn, S. Äbtissinn.


Abbauen (W3) [Adelung]


Abbauen, verb. reg. act. 1) Mit dem Ertrage des Bergbaues bezahlen. Den Receß abbauen, die Zubuße von dem gewonnenen Erze bezahlen. 2) gleichfalls nur im Bergbaue, zu Ende bauen, d. i wegen der großen Tiefe der Arbeit nicht weiter fortbauen können. So sagt man z. B. die Zeche ist abgebauet. 3) Eben daselbst. Die in den Firsten übrig gebliebenen Anbrüche abbauen, d. i. wegbrechen. 4) Die zufließenden Tagewasser abbauen, ebendaselbst, durch geführte Grubengebäude wegschaffen. 5) Ein Gebäude ganz oder zum Theil wegnehmen, in der Baukunst. Einen Ärker abbauen. Besonders von leichten Holzgebäuden. Eine Bude abbauen. So auch das Abbauen, seltener die Abbauung.


Abbaumen (W3) [Adelung]


+ Abbaumen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, von einem Baume nieder fliegen, nur bey den Jägern, und auch hier nur von dem großen Geflügel oder den Raubvögeln. Ingleichen von Thieren, von einem Baume niedersteigen, wie abholzen.


Abbäumen (W3) [Adelung]


Abbäumen, verb. reg. act. bey den Webern, das fertige Gewebe von dem Baume nehmen. S. Baum.


Abbeeren (W3) [Adelung]


Abbeeren, verb. reg. act. die Beeren abbrechen. Ingleichen, der Beeren berauben. Einen Strauch abbeeren.


Abbeißen (W3) [Adelung]


Abbeißen, verb. irreg. act. ( S. Beißen,) durch Beißen absondern. Daher die sprichwörtliche R. A. sich vor Angst die Nägel abbeißen; sich vor Lachen fast die Zunge abbeißen.


Abbeitzen (W3) [Adelung]


Abbeitzen, verb. regul. act. 1) Mit Beitzen oder einer beißenden Schärfe wegbringen; abätzen. Die Haare abbeitzen, bey den Gärbern und Lederbereitern. Ein Fell abbeitzen,die Haare von demselben abbeitzen. Abgebeitzte Wolle, welche mit Kalk von den Schaffellen abgebeitzet worden, Beitzwolle. 2) Gehörig beitzen, durch Beitzen gar machen, bey den Weitzgärben. So auch die Abbeitzung.


Abbersten (W3) [Adelung]


Abbersten, verb irreg. neutr. ( S. Bersten,) mit haben, bersten und abfallen, abspringen. Der Kalk ist überall abgeborsten.


Abberufen (W3) [Adelung]


Abberufen, verb. irreg. act. ( S. Rufen,) von einem Orte weg berufen, feyerlich abrufen. Der Gesandte ist bereits abberufen worden. Daher die Abberufung, das Abberufungsschreiben.


Abbestellen (W3) [Adelung]


+ Abbestellen, verb. reg. act. im gemeinen Leben, eine bestellte Sache wieder absagen. Ein Kleid, einen Tagelöhner abbestellen.


Abbethen (W3) [Adelung]


Abbethen, verb. reg. act. 1) Eine bestimmte Anzahl von Gebethen hersagen. Den Rosenkranz abbethen. Gewisse Mannspersonen haben ihren Vorrath von Lobsprüchen, den sie immer abbethen. 2) + Durch Bethen abwenden. Ein Unglück abbethen.


Abbetteln (W3) [Adelung]


Abbetteln, verb. reg. act. durch Betteln oder vieles Bitten erhalten. Einem etwas abbetteln. Man muß ihm alle Worte abbetteln.


Abbetten (W3) [Adelung]


+ Abbetten, verb. reg. act. Sich von einem abbetten, sein, Bette von des andern seinem entfernen, nicht mehr bey ihm schlafen. Sich von der Wand abbetten, das Bett von der Wand rücken.


Abbeugen (W3) [Adelung]


Abbeugen, verb. reg. act. S. Abbiegen.


Abbezahlen (W3) [Adelung]


+ Abbezahlen, verb. reg. act. nur im gemeinen Leben. 1) Völlig bezahlen, besonders eine Schuld. 2) Einen Theil davon bezahlen.


Abbiegen (W3) [Adelung]


Abbiegen, verb. irreg. act. ( S. Biegen,) durch Biegen entfernen oder absondern. Die Sprößlinge der Nelken zum verpflanzen abbiegen. Daher die Abbiegung.

Anm. Die vollere Alemannische Mundart sagt für abbiegen, abbeugen, und hierin folgt ihr die erhabene, dichterische Schreibart der Hochdeutschen, weil abbeugen wegen des breiten Doppellautes den Mund mehr füllet. S. Beugen und Biegen.


Abbiethen (W3) [Adelung]


Abbiethen, verb. irreg. act. ( S. Biethen.) + Einen abbiethen, mehr biethen, als ein anderer, und ihn dadurch vertreiben; edler, ihn überbiethen. In einigen Gegenden auch wie aufbiethen, proclamiren, da denn Abgeboth so viel wie Aufgeboth ist.


Abbild (W3) [Adelung]


Das Abbild, des -es, plur. die -er, ein im Hochdeutschen seltenes Wort für Bildniß. Wie angenehm ist doch die Liebe!Erregt ihr Abbild zarte Triebe; Was wird das Urbild selber seyn: Hall. Ingleichen in weiterm Verstande, das was einem andern Dinge ähnlich ist. Die Sonne quoll hervor, wie Kuh aus Güte quillt, Sie, Gottes Abbild selbst, verließ ihr Ebenbild.In die vor Dankbarkeit mir abgefloßne Zähre, Withof. In einer Urkunde Königs Johann von Böhmen von 1334 bedeutet dieses Wort so viel als ein Beyspiel: darum, daß andere Leuthe dar Abbilde nehmen.


Abbilden (W3) [Adelung]


Abbilden, verb. reg. act. 1) Eigentlich die Gestalt einer Sache, auf sinnliche Art nachahmen, ein Bild von einem Dinge machen. Einen Garten abbilden. Eine Frucht in Wachs abbilden. Gott unter menschlicher Gestalt abbilden. 2) Figürl. überhaupt so viel, als lebhaft vorstellen, wofür doch schildern edler und üblicher ist. 3) Ein Vorbild einer Sache seyn. Moses bildete Christum ab.


Abbildung (W3) [Adelung]


Die Abbildung, 1) Die Handlung des Abbildens; plur. inusit. 2) Das dadurch entstandene Bild, oder die dadurch entstandene Vorstellung selbst; wofür doch Bild, Bildniß, Nachbild u. s. f. üblicher sind. Plur. die -en.


Abbilligen (W3) [Adelung]


* Abbilligen, verb. reg. act. welches nur noch in dem Kanzelley-Style einiger Gegenden üblich ist, gerichtlich absprechen, aberkennen; wie zubilligen, zuerkennen. Von dem veralteten Bill, Recht, S. Billig.


Abbinden (W3) [Adelung]


Abbinden, verb. irreg. act. ( S. Binden.) 1) Was angebunden war, durch Auflösung des Bandes los machen. Den Mantelsack abbinden. Den Wein im Herbste abbinden. 2) In einer Entfernung von dem andern anbinden; daher in der Landwirthschaft, ein Kalb abbinden, figürlich so viel als es entwöhnen, weil es alsdann besonders angebunden und allein gestellet wird. 3) Durch Binden, oder durch ein angelegtes Band absondern. Eine Warze, eine Ader, ein Fleischgewächs, ein Glied abbinden; bey den Wundärzten. 4) Die Verbindung einer Sache zu Stande bringen, völlig fertig binden. So heißt bey den Zimmerleuten, ein Gebäude abbinden, so viel, als alle Säulen, Bänder, Riegel, Schwellen u. s. f. gehörig mit einander verbinde; ingleichen bey den Faßbindern, ein Faß abbinden, es mit allen gehörigenReifen oder Bändern versehen. Daher die Abbindung, in allen obigen Bedeutungen.


Abbiß (W3) [Adelung]


Der Abbiß, des -sses plur. die -sse, überhaupt die Handlung des Abbeißens, ohne Plural; der Ort, wo etwas abgebissen worden, und das abgebissene Stück selbst, mit dem Plurale. Besonders, 1) bey den Jägern, der Ort, wo das Wildpret das junge Laubholz, Getreide u. s. f. abgebissen hat. 2) Abbiß, oder Teufelsabbiß, eine Pflanze, welche zu den Scabiosen gehöret, Scabiosa succisa, L. Den Nahmen hat sie daher, weil ihre Herzwurzel kurz abgebissen zu seyn scheinet, welches der Aberglaube dem Teufel zuschrieb, und sich daher dieser Pflanze wider vorgegebene Bezauberungen bediente. Engl. Devilsbit.


Abbitte (W3) [Adelung]


Die Abbitte, plur. inusit. die Bitte um Vergebung eines begangenen Fehlers oder Verbrechens. Abbitte thun. Einem Abbitte thun. Eine gerichtliche Abbitte, welche vor Gerichte geschiehet. Die R. A. kniende Abbitte thun, rühret aus der Oberdeutschen Mundart her, wo man den Particip. Activ. wenn sie adverbialiter stehen, ein e anzuhängen pfleget; richtiger kniend Abbitte thun.


Abbitten (W3) [Adelung]


Abbitten, verb. irreg. act. ( S. Bitten,) durch Bitten gleichsam tilgen oder auslöschen, einer Vergehung wegen um Vergebung bitten. Einem etwas abbitten. Dagegen etwas abbitten ohne Dativ nicht so gewöhnlich ist. Denn er kam nicht, um Fehler abzubitten. Gieseke.


Abblasen (W3) [Adelung]


Abblasen, verb. irreg. ( S. Blasen.) 1) Activum. (a) Durch Blasen wegbringen, den Staub abblasen; und dann auch metonymisch, das Buch abblasen, den Staub von dem Buche blasen. (b) Ein Lied abblasen, dessen Melodie von einem höhern Orte, z. B. einem Thurme, blasen. (c) Durch das Blasen auf einem Instrumente von einem höhern Orte verkündigen. Der Wächter bläst die Stunden ab. Ein Fest abblasen. (d) Das Ende einer Zeit oder Handlung durch Blasen verkündigen. So wird in Schweden der Reichstag von dem Thurme abgeblasen.2) Neutrum, mit haben. (a) Zum Abzuge blasen. Der Obergott war froh, befahl, nun abzublasen, Opitz. Auf gleiche Art bedeutet es bey den Jägern, das Ende der Jagd durch das Hifthorn verkündigen. (b) Zum letzten Mahle blasen. Der Wächter bläst ab. (c) Aufhören zu blasen. Daher das Abblasen, seltener die Abblasung, und dieses nur zuweilen in den thätigen Bedeutungen.


Abblatten (W3) [Adelung]


+ Abblatten, verb. reg. act. in der Landwirthschaft, die Blätter eines Baumes oder einer Pflanze abbrechen, welches besonders bey dem Weine, Tabak und Kohl geschiehet. Den Wein abblatten, in der Schweiz falchen. Bey den Jägern ist abblatten, wenn das Wild von dem grünen Laube frißt.


Abblättern (W3) [Adelung]


Abblättern, verb. reg. act. wie das vorige, nur daß es von allgemeinerm und zum Theil auch edlerm Gebrauche ist. Man sagt auch sich abblättern, von manchen Körpern, wenn sich ihre Theile in Gestalt einzelner Blätter von einander geben. Der Kuchen, der Stein u. s. f. hat sich ganz abgeblättert. Daher die Abblätterung.


Abbläuen (W3) [Adelung]


Abbläuen, verb. reg. 1) + Activum von bläuen, schlagen, im gemeinen Leben, sehr schlagen. Und sorgte, ihr mit jedem Tage Den Rücken zehnmal abzubläuen. Weiße. 2) Neutrum, mit haben, von blau, die blaue Farbe fahren lassen. Das Tuch bläuet sehr ab.


Abblicken (W3) [Adelung]


Abblicken, verb. regul. neutr. welches das Hülfswort haben, erfordert, und auf den Schmelzhütten und bey den Probirern so viel, als gehörig blicken, zum Zeichen der völligen Reinigkeit blicken, bedeutet. Daher das Abblicken.


Abblühen (W3) [Adelung]


Abblühen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, das Blühen vollenden. Bis der Weinberg, oder der Weinstock abgeblühet hat. Das Getreide hat noch nicht abgeblühet. Mir dem Hülfsworte seyn, aufhören zu blühen, für verblühen, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich, wenigstens unedel: die Rosen sind abgeblühet, besser verblühet.


Abblüthen (W3) [Adelung]


Abblüthen, verb. reg. act. an einigen Orten, der Blüthen berauben. Die Orangenbäume abblüthen.


Abborgen (W3) [Adelung]


Abborgen, verb. reg. act. von einem borgen, entlehnen. Welchem Collins haben sie diesen armseligen Einwurf abgeborgt: Less. So auch die Abborgung.


Abbrand (W3) [Adelung]


Der Abbrand, des -es, plur. inus. in den Schmelzhütten dasjenige, was dem Blicksilber im Brennen, oder in der Reinigung, am Gewichte abgehet.


Abbraten (W3) [Adelung]


Abbraten, verb. irreg. act. ( S. Braten,) fertig braten, in den Küchen. Eine Gans, ein Huhn abbraten, wenn sie kalt gegessen werden sollen.


Abbrauchen (W3) [Adelung]


* Abbrauchen, verb. reg. act. durch den Gebrauch verderben, abnützen; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Verbum, welches aber bey dem Opitz vorkommt. Dein Rock ist abgebraucht. Und figürlich. Das Grauseyn schleicht herbey. Dein Stolz ist abgebraucht.


Abbräunen (W3) [Adelung]


Abbräunen, verb. reg. act. in den Küchen, gehörig braun machen. Einen Braten abbräunen.


Abbrausen (W3) [Adelung]


Abbrausen, verb. reg. neutr. mit haben, das Brausen, d. i. Gähren, vollenden. Der Most hat abgebrauset.


Abbrechen (W3) [Adelung]


Abbrechen, verb. irreg. ( S. Brechen.) Es ist:I) Ein Activum. (1) Durch Brechen absondern, und zwar a) in der eigentlichen Bedeutung, z. B. Blumen, Früchte abbrechen. Der Wind hat den Baum gerade über der Wurzel abgebrochen. Daher auch die sprichwörtlichen R. A. + etwas über das Knie abbrechen, oder, eine Sache zu grün abbrechen, d. i. sich dabey übereilen, nicht die rechte Zeit erwarten, sie obenhin verrichten. + Eine Ursache vom Zaune brechen, oder abbrechen, einen leeren Vorwand anführen. Ingleichen so viel, als mit einiger Gewalt abnehmen, los machen. Die Hunde abbrechen, wenn sie sich verbissen haben. Dem Pferde die Hufeisen abbrechen, ein Schloß abbrechen u. s. f. Die Glieder abbrechen, bey den Soldaten, lange Glieder in mehrere kurze theilen. In dem Brauwesen ist, das Bier abbrechen, das mit dem Hopfen gekochte Bier in den Kühlfässern mit langen Stangen, welche vorn durchlöcherte Breter haben, fleißig umrühren. b) Figürlich. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ) Abziehen, entziehen, doch mit dem Nebenbegriffe mehrerer Gewalt. Einem etwas an dem Lohne abbrechen. Ich habe ihm nichts abgebrochen, nehmlich an dem Preise, an der Bezahlung u. s. f. Können sie sich denn nicht eine Stunde von ihrer Ruhe abbrechen? Ich habe mir schon vieles an meiner Zeit abgebrochen. Er bricht sich nicht ab, d. i. versaget seinem Körper nichts, was zur Nothdurft und zum Vergnügen gehöret. Sich den Wein abbrechen, keinen Wein mehr trinken. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ) Plötzlich unvollender endigen, besonders von Wörtern, Ausdrücken u. s. f. in welchem Falle aber nur das Particip. passiv. üblich ist. Abgebrochene Wörter. Er antwortete mir mit nichts, als mit Thränen und abgebrochenen Seufzern. S. Abgebrochenheit. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ) Den Fortgang einer Sache plötzlich hemmen, ihr plötzlich ein Ende machen. Die Unterhandlungen abbrechen. Wir wollen unser Gespräch abbrechen. (2) Niederbrechen, einreißen. Ein Gebäude, ein Haus, ein Dach, eine Mauer u. s. f. abbrechen. Den Zeug abbrechen, bey den Jägern, den gestelltenZeug wegnehmen. Hingegen ein Jagen abbrechen, eben daselbst, den Jagdbogen enger fassen. (3) Mit dem Begriffe der Vollendung ist es in den Blechhämmern üblich, wo die Bleche abgebrochen werden, wenn man sie zum letzten Mahle glühet und glatt klopfet.II) Ein Neutrum (1) mit dem Hülfsworte seyn, abgebrochen werden, in der ersten eigentlichen Bedeutung. Das Messer bricht ab, die Nadel ist abgebrochen. (2) Mit haben, nicht weiter fortfahren, aufhören. Mit dem zweyten Bande brach er ab. Lassen sie uns davon abbrechen. Du brichst mit Fleiß ab, (hörest auf davon zu reden), weil du dich fühlst, Gell. Mit einem abbrechen, die bisherige Verbindung mit ihm aufheben.

Anm. Abbrechen, mit Auslassung des Accusativs, für Abbruch thun, ist im Hochdeutschen veraltet, war aber sonst üblich; z. B. den veindten abbrechen, Theuerd. Kap. 93. Seiner Seele abbrechen, Pred. Sal. 4, 8. Warum dürften wir dem Leibe abbrechen: Opitz Die poetische R. A. eines Tage abbrechen, gewaltsam verkürzen, ist alt. Schon Stricker sang im 13ten oder 14ten Jahrhunderte: Herre dueselber dein rich (Gericht) Brich ihm sein tage abe. In Oberdeutschland bedeutet, das Licht abbrechen, so viel, als dasselbe putzen; daher bezeichnet Abbreche daselbst auch eine Lichtputze.


Abbrechung (W3) [Adelung]


Die Abbrechung, plur. inusit. die Handlung des Abbrechens in den eigentlichen Bedeutungen des Activi. S. auch Abbruch.


Abbreiten (W3) [Adelung]


Abbreiten, verb. reg. act. ein Kunstwort der Kupferhämmer für breit machen,oder schlagen; besonders von dem gegossenen Kupfer, wenn es unter dem Breithammer zu breiten Scheiben geschlagen wird; auch abpochen. Daher die Abbreitung.


Abbrennen (W3) [Adelung]


Abbrennen, verb. irreg. ( S. Brennen,) welches auf gedoppelte Art üblich ist.I) Als ein Activum, da es auch zum Theil schon regelmäßig conjugiret wird, ich brennete ab, abgebrennet, obgleich die irreguläre Form, brannte ab, abgebrannt, noch die gewöhnlichste ist. (1) Durch Feuer absondern. Die Haare abbrennen. Eine Warze mit einem glühenden Eisen abbrennen. (2) Durch Feuer zerstören, in die Asche legen, von großen Massen. Die Feinde haben die Stadt, das Haus, das Dorf u. s. f. abgebrannt oder abgebrennt. Einen Wald abbrennen, um Acker daraus zu machen, welches auch abschwenden heißt; ingleichen metonymisch, den Acker abbrennen, d. i. das Gras, oder die Stoppeln auf demselben abbrennen. (3) Anzünden, losbrennen, besonders von Feuerwerken und Schießgewehren. Ein Gewehr, eine Kanone abbrennen. Das Feuerwerk wird bald abgebrennet werden. In der Chymie bedeutet es, Weingeist über gewisse Körper verbrennen lassen. Ingleichen, entzündbare, besonders mineralische Körper in einem glühenden Schmelztiegel plötzlich entzünden. Geschiehet dieses mit einem merklichen Knalle, so heißt es verpuffen. (4) Das Brennen einer Sache vollenden, ingleichen, einem Körper durch das Feuer die gehörige Vollkommenheit geben, und auf diese Art wird das Zeitwort in verschiedenen Künsten und Handwerken gebraucht. So bedeutet es z. B. bey den Ziegelstreichern und Kalkbrennern so viel, als dem Ofen mit Reisholze die letzte Hitze geben, welches auch ausbrennen genannt wird. Bey den Töpfern, die getrockneten Gefäße gehörig brennen. In der Schmelzkunst heißt abbrennen, das Blicksilber durch das Feuer von aller Unart reinigen; wo aber auch der Begriff der Verminderung Statt finden kann. S. Abbrand. Bey den Gelbgießern ist abbrennen auf eine sehr uneigentliche Art, die Farbe des Messinges mit Scheidewasser erhö- hen, indem man es damit bestreicht und es alsdann schnell in kaltes Wasser steckt, damit das Messing von dem Scheidewasser nicht zu sehr angegriffen werde. Auf ähnliche Art bezeichnet es bey den Eisenarbeitern die Härtung des Eisens und Stahles, wenn solches durch Ausglühung und nachmahlige Ablöschung geschiehet. Auf den Blechhütten hingegen ist abbrennen so viel, als die Eisenbleche zum ersten Mahle in das flüssige Zinn tauchen, um sie dadurch zu verzinnen; bey welchen Arten des Gebrauches der Grund der Benennung zuweilen freylich etwas dunkel ist. So auch die Abbrennung, in allen Bedeutungen des Activi.II) Als ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt, und allemahl irregulär conjugiret wird. (1) Niederbrennen, durch Feuer verwüstet werden, von Gebäuden, Wäldern und hohen Massen. Das Haus brannte ab. Die Stadt ist abgebrannt. Ingleichen seine Wohnung durch Feuer verlieren. Unsere Freunde sind abgebrannt. Ein abgebrannter Mann, der das Seinige in einer Feuersbrunst verloren hat. (2) Entzündet werden. Das Gewehr muß schnell abbrennen. (3) Durch Feuer abgesondert werden. Der Ast ist abgebrannt. (4) In der Feuerwerkskunst, sich fruchtlos entzünden, versagen. Das Zündkraut ist abgebrannt.

Anm. Der Unterschied in der Conjugation zwischen dem Activo und dem Neutro hat seinen guten Grund, ob er gleich noch von den wenigsten beobachtet wird; S. Brennen. In einigen Fällen ist es gleichgültig, ob man das Activum oder Neutrum gebraucht. So kann man sagen ein abgebrennetes Haus, und ein abgebranntes Haus; weil hier beyde Bedeutungen Statt finden können. Einen abbrennen, für, sein Haus und Vermögen in die Asche legen, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. In Österreich heißt Abbranntler, einer der für abgebrannte Kirchen sammelt.


Abbreviiren (W3) [Adelung]


Abbreviiren, verb. reg. act. aus dem mittlern Lat. abbreviare, doch nur in der Grammatik. Ein Wort abbreviiren, es abkürzen. Daher die Abbreviatur, plur. die -en, die Abkürzung, ein abgekürztes Wort.


Abbringen (W3) [Adelung]


Abbringen, verb. irreg. act. ( S. Bringen.) 1) Eigentlich wegbringen, wegschaffen. Ich kann den Schmutz nicht abbringen. In der Landwirthschaft bringt man das Heu, das Getreide ab, wenn man es abmähet, oder abschneidet. 2) Figürlich. a) Entfernen. Einen von dem rechten Wege abbringen. Ich bin dadurch ganz von meinem Gegenstande abgebracht worden. b) Bewegen, etwas fahren zu lassen. Einen von seiner Meinung, von seinem Sinne, von seinem Vorhaben abbringen. Nichts konnte ihn von dem Müßiggange abbringen. c) Aufhören machen, von Gebräuchen und Gewohnheiten. Eine Gewohnheit, ein Recht, eine Mode abbringen; besonders wenn solches nach und nach, durch bloße Unterlassung der Ausübung geschiehet. Geschiehet es durch einen Befehl, so heißt es eigentlich abschaffen, obgleich dieses im gemeinen Leben auch abbringen genannt wird. Daher die Abbringung in den obigen Bedeutungen.


Abbröckeln (W3) [Adelung]


Abbröckeln, verb. reg. act. in Gestalt kleiner Brocken abbrechen. Den Kalk von der Mauer abbröckeln. Sich abbröckeln, in kleinen Brocken herab fallen. So auch die Abbröckelung.


Abbruch (W3) [Adelung]


Der Abbruch, des -es, plur. die -üche, von dem Verbo abbrechen, in einigen figürlichen Bedeutungen. 1) Die Handlung des Abbrechens, so wohl in der eigentlichen Bedeutung, besonders in den Bergwerken, als auch in den uneigentlichen des Abzuges am Preise, am Gelde; ohne Plural. Ich muß ohne Abbruch bezahlet werden. Sich Abbruch thun, sich an der Nothdurft und am Vergnügen etwas abbrechen. In den Marschländern bedeutet Abbruch, Nieders. Afbrake, Afdrang, dasWegspühlen eines angesetzten Landes oder Ufers durch die Wellen oder den Strom. 2) Dasjenige was abgebrochen ist, besonders in den Bergwerken, ingleichen in den Marschländern, ein von dem Wasser wieder weggespühltes angesetztes Land; mit dem Plural. Bey den Schriftgießern ist Abbruch das überflüssige Metall, welches über der Form stehen bleibt, und abgebrochen wird. Am häufigsten aber 3) in figürlicher Bedeutung, für Verminderung des Vermögens, des Ansehens, des Rechtes, der Würde, wofür auch das sich weiter erstreckende Nachtheil gebraucht wird; ohne Plural. Einem Abbruch thun. Abbruch an seiner Ehre, an seinem guten Nahmen, an seinem Vermögen leiden. Dadurch geschiehet seinem Ansehen Abbruch. Den Gesetzen Abbruch thun. Zuweilen auch für Schaden, Nachtheil überhaupt. Dem Feinde vielen Abbruch thun. Im Bergbaue ist dem harten Gesteine Abbruch thun, es durch geschickte Mittel brechen.

Anm. Das Beywort abbrüchig, könnte allenfalls etwas bedeuten, das sich leicht abbrechen läßt. Allein, wenn es einige für nachtheilig gebrauchen, so ist das völlig wider die Natur der Beywörter auf -ig. Eben dieses gilt auch von unabbrüchig.


Abbrühen (W3) [Adelung]


Abbrühen, verb. reg. act. 1) Mit heißem Wasser wegbringen. Die Federn, die Haare abbrühen; und dann auch metonymisch, ein Huhn, ein Schwein abbrühen, demselben die Federn, die Haare abbrühen. 2) Gehörig brühen. Das Kraut wohl abbrühen.


Abbrunften (W3) [Adelung]


Abbrunften, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, bey den Jägern, die Brunsthitze abgekühlet haben, aufhören zu brunsten. S. Brunst.


Abbuden (W3) [Adelung]


+ Abbuden, verb. reg. neutr. mit haben, die Buden abbrechen, im gemeinen Leben.


Abbürsten (W3) [Adelung]


Abbürsten, verb. reg. act. mit der Bürste wegschaffen; den Staub abbürsten. Ingleichen metonymisch, mit der Bürste reinigen; den Hut, das Kleid u. s. f. abbürsten.


Abbüßen (W3) [Adelung]


Abbüßen, verb. reg. act. durch Buße, d. i. Reue, Strafe, oder Genugthuung tilgen. Seine Sünden abbüßen. Ein Verbrechen mit Gelde abbüßen. Daher die Abbüßung.


Abc (W3) [Adelung]


+ Das Abc, (sprich Abece) des -ees, plur. inusit. eine im gemeinen Leben übliche Benennung des Alphabetes, welche von dessen drey ersten Buchstaben hergenommen ist. Etwas nach dem Abc ordnen. Das Abc lernen; noch im Abc seyn; auf der Abcbank sitzen. Figürlich auch wohl, die ersten Gründe einer Kunst oder Wissenschaft. Er ist noch im Abc der Weltweisheit.

Anm. Schon um 1400 wurden in Frankreich das Französische Alphabet l'Abecoy genannt.


Abcbuch (W3) [Adelung]


Das Abcbuch, des -es, plur. die -bücher. 1) Ein Buch, welches das Abc oder die ersten Gründe des Lesen enthält; Nieders. die Bibel, und in Oberdeutschland das Nahmenbuch. 2) Eine Art Kegelschnecken mit schwarzen Zügen, welche einiger Maßen den Buchstaben gleichen; das Letterhörnchen, Conus literatus L.


Abcediren (W3) [Adelung]


Abcediren, verb. reg. neutr. mit haben, in der Musik, die Noten mit den ihnen zukommenden Buchstaben c, d, e etc. absingen; Ital. solfeggiare, auch solmisiren.


Abcschüler (W3) [Adelung]


Der Abcschüler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schüler, der noch die ersten Gründe des Lesens erlernet; der Abcknabe.


Abcschütz (W3) [Adelung]


Der Abcschütz, des -en, plur. die -en, in eben der Bedeutung. Der Grund der Benennung ist unbekannt. Vielleicht hat man sie aus Scherz gemacht, und dabey vornehmlich auf die Griffel und andere Werkzeuge der Abcschüler gesehen, welche man mit Waffen verglichen.


Abcirkeln (W3) [Adelung]


Abcirkeln, S. Abzirkeln.


Abcopiren (W3) [Adelung]


Abcopiren, verb. reg. act. etwas, es copiren, eine Copie davon nehmen, in manchen Bedeutungen abschreiben, abzeichnen, u. s. f. Ehedem abcopeyen. S. Copie.


Abdachen (W3) [Adelung]


Abdachen, verb. reg. act. 1) Des Daches berauben. Ein Haus abdachen. 2) Abhängig wie ein Dach machen; besonders in der Kriegsbaukunst und dem Gartenbaue. S. das folgende. Im Deichbaue abflachen.


Abdachung (W3) [Adelung]


Die Abdachung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Abdachens; ohne Plural. 2) Eine solche abhängig gemachte Fläche, welche mit dem Horizonte einen spitzigen Winkel macht; mit dem Plural. In der Kriegsbaukunst unterscheidet man Böschung (Franz. Talut,) und Abdachung, Franz. Pente.) Diese steiget allmählich, jene aber steiler in die Höhe. Das Glacis hat die Abdachung nach dem Felde, die Böschung aber nach dem Graben zu. Der Wall hat oben eine Abdachung; unten aber eine gedoppelte Böschung, die eine inwendig und die andere auswendig. S. auch Abhang.


Abdämmen (W3) [Adelung]


Abdämmen, verb. reg. act. durch einen Damm absondern, abhalten, oder ableiten. Das Wasser abdämmen. Daher die Abdämmung.


Abdampfen (W3) [Adelung]


Abdampfen, verb. reg. 1. Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, bey den Scheidekünstlern, sich im Dämpfe auflösen und verfliegen, evaporiren. Alle Feuchtigkeiten abdampfen lassen. 2. Activum, abdampfen lassen. Substanzen bis zur Trockenheit abdampfen. Daher die Abdampfung. S. Dampfen.


Abdanken (W3) [Adelung]


Abdanken, verb. reg. 1. Activum, der bisherigen Dienste entlassen. Seine Bedienten abdanken. Soldaten abdanken. Ein abgedankter Soldat, Officier. Der König von Frankreich hat die Parlaments - Räthe abgedankt. Bey der Reformation wurden die meisten katholischen Geistlichen abgedankt. Einen Minister abdanken. Nach geendigter Jagd werden die Treiber und Jäger abgedankt, wenn man sie aus einander gehen läßt. Ja alsdann dankt man auch wohl den Hund ab, wenn man ihm für seine Dienste schmeichelt, welches auch ablieben genannt wird. Und dann auch figürlich. Scherz und Lachen werden abgedankt, man nimmt ein ernsthaftes Gesicht an. Der abgedankte Schild, Günth. Ein abgedanktes Kleid, ein abgelegtes. Pferde und Wagen abdanken, abschaffen.2, Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. a) Ein Amt, einen Dienst niederlegen. Der Minister hat abgedanket. Alle seine Leute danken ab. Pitt dankte aus einem unwürdigen Verdrusse ab, daher erstaunte ganz Europa über seine Abdankung. Man sagt zwar auch, von einem Amte abdanken; aber am häufigsten bedienet man sich doch dieses Zeitwortes absolute, und ohne Beyfügung eines Substantives. b) Abschied nehmen, im weitesten Verstande; doch im Hochdeutschen nur noch von dem Nachtwächter, wenn er mit anbrechendem Morgen zum letzten Mahle abruft. Ehedem war es in weiterer Bedeutung üblich. Der Lazar wird erweckt, und dankt den Würmern ab, Scultet. c) Eine Versammlung mit Dank für ihre Gegenwart entlassen, ohne Accusativ. Bey einer Leiche abdanken, die Abdankung thun, welches vermittelt einer kurzen Rede geschiehet. Im Oberdeutschen sagt man, einer Leiche abdanken.

Anm. Abdanken in der thätigen Bedeutung des Entlassens führet eigentlich nichts Beleidigendes bey sich, so wie absetzen, welches allemahl ein Vergehen voraus setzet, und denn auch nur von Würden und Ehrenstellen gebraucht wird; dagegen abdanken von viel weiterm Umfange der Bedeutung ist. Man kann auch eben nichts sagen, daß es niedrig wäre; indessen wird es doch nur von geringern Bedienten, von höhern aber nur höchstens in der mittlern Schreibart gebraucht. In der höhern, und von angesehenen Personen wird man allemahl lieber entlassen, und in der neutralen Bedeutung, sein Amt, seine Stelle niederlegen gebrau-chen. Was die Etymologie betrifft, so bringt sich der Begriff des Dankes gleichsam von selbst auf, und in manchen Bedeutungen, z. B. in der letztern neutralen, ist er unläugbar. Da indessen danken ehedem in mehrern längst veralteten Bedeutungen vorkam, so kann sich auch eine derselben noch in diesem Worte erhalten haben. So bedeutete es auch sprechen und sagen, wie die Latein. dicere und dicare, und so könnte abdanken wohl nach dem Lat. abdicare gebildet seyn. Wenigstens ist der Begriff des Dankes für geleistete Dienste, oder für das anvertrauete Amt, in den meisten Bedeutungen so erloschen, daß der bloße Begriff der Entlassung oder Niederlegung übrig geblieben ist. Hier in Dresden heißt das äußerste Ende der Ränitz-Gasse der Abdankeplatz, weil ehedem die Missethäter bis dahin den Staupbesen bekamen, und dann entlassen wurden.


Abdankung (W3) [Adelung]


Die Abdankung, plur. die -en. 1) Die Entlassung eines andern aus seinen Diensten. 2) Die eigene Niederlegung eines Amtes; in beyden Fällen ohne Plural. 3) Die Rede, worin den Leichenbegleitern für die Begleitung gedankt wird. Die Abdankung thun. Eine Abdankung halten. Ingleichen die Danksagungsrede eines Schauspielers an die Zuhörer, nach geendigtem Schauspiele.


Abdankungsrede (W3) [Adelung]


Die Abdankungsrede, plur. die -n, wie das vorige in der letzten Bedeutung. Es muß diese Rede nicht mit der Standrede oder Parentation verwechselt werden.


Abdarben (W3) [Adelung]


Abdarben, verb. reg. act. et reciproc. bis zu dem Grade des Darbens oder Nothleidens entziehen. Ich darbe es meinem Leibe, ja meiner Seele selbst ab, Gell. Sie darbten sich oft das frische Wasser ab, Ebend. Ich habe meinem eigenen Maule den Bissen abgedarbt, Ebend. Es ist eigentlich ein Reciprocum. Gebraucht man es ja als ein Activum, so kann es doch nur von den Theilen dessen gebraucht werden, der sich etwas abdarbet, wie aus obigen Beyspielen erhellet. Einem andern etwas abdarben, ist nicht gebräuchlich.


Abdarren (W3) [Adelung]


Abdarren, S. Abdörren.


Abdecken (W3) [Adelung]


Abdecken, verb. reg. act. 1) Die Decke einer Sache, und was deren Stelle vertritt, wegnehmen. Das Dach abdecken. Noch mehr aber metonymisch, eine Sache ihrer Decke berauben. Den Tisch abdecken. Das Haus abdecken. Der Wind hat das ganze Haus abgedeckt. 2) Figürlich deckt der Jäger das Wild ab, wenn er es auswirft: im Oberd. ihm die Decke abnehmen. Ferner wird es in der anständigern Sprechart für das niedrige schinden gebraucht, d. i. dem umgefallenen Viehe die Haut abziehen. So auch die Abdeckung. 3) Derb ausprügeln, im gemeinen Leben, so wie zudecken; wo es wohl eigentlich nicht zu Decke gehöret, sondern eine unmittelbare Onomatopöie ist, wie das bekannte tax, tax erit in tergo tuo.


Abdecker (W3) [Adelung]


Der Abdecker, des -s, plur. ut nom. singul. eine etwas anständigere Benennung dessen, was der Pöbel einen Schinder nennet. S. Kafiller und Schinder.


Abdeckerey (W3) [Adelung]


Die Abdeckerey, plur. die -en; 1) das Amt eines Abdeckers, und 2) dessen Wohnung.


Abdeckerleder (W3) [Adelung]


Das Abdeckerleder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut. nom. sing. dasjenige Leder, welches von dem Abdecker dem gefallenen Viehe abgezogen worden; im Gegensatze dessen, was die Fleischer abziehen.


Abdeichen (W3) [Adelung]


Abdeichen, verb. reg. act. in den Marschländern, vermittelst eines Deiches absondern, einschließen. S. Deich. Daher die Abdeichung.


Abdielen (W3) [Adelung]


Abdielen, verb. reg. act. 1) Mit Dielen oder Bretern absondern. Eine Kammer abdielen. 2) Mit den gehörigen Dielen versehen; dielen, bedielen. Den Fußboden, ein Zimmer, abdielen.


Abdienen (W3) [Adelung]


Abdienen, verb. reg. act. 1) + Durch persönliche Dienste bezahlen; im gemeinen Leben. Der Knecht dienet eines Schuld, der Sol- dat einen Vorschuß ab. Abdienen gehet mehr auf die persönlichen Dienste selbst, das gleichfalls niedrige abverdienen aber auf den Verdienst oder den Werth des Dienstes nach Gelde berechnet. 2) An einigen Oberdeutschen Höfen heißt es so viel, als die Speisen von der Tafel tragen, so wie aufdienen daselbst, die Tafel damit besetzen, bedeutet.


Abdingen (W3) [Adelung]


Abdingen, verb. irreg. act. ( S. Dingen) einen Nachlaß an dem geforderten Kaufpreise durch Dingen erhalten; edler abhandeln. Ich habe ihm fünf Thaler abgedungen. Er läßt sich nichts abdingen.

Anm. Ehedem bedeutete dieses Zeitwort auch so viel als abspänstig machen; wovon man ein Beyspiel beym Haltaus h. v. sehen kann. Im Oberdeutschen sagt man für abdingen auch abmarkten.


Abdisputiren (W3) [Adelung]


+ Abdisputiren, verb. reg. act. einem etwas, es ihm abstreiten; im gemeinen Leben.


Abdocken (W3) [Adelung]


Abdocken, verb. reg. act. abwickeln, bey den Jägern, von Leinen, Seilen und Archen. S. Docke und Docken.


Abdonnern (W3) [Adelung]


+ Abdonnern, verb. reg. imperf. mit haben. Es hat abgedonnert, im gemeinen Leben, es höret auf zu donnern.


Abdoppeln (W3) [Adelung]


Abdoppeln, verb. reg. act. bey den Schustern, die Rahmen an den Weiberschuhen mit einem gedoppelten Faden durchnähen, welches bey den Männerschuhen durchnähen heißt. Weiß abdoppeln.


Abdorren (W3) [Adelung]


Abdorren, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt. 1) Durch Austrocknen abgesondert werden, dürre werden und absterben oder abfallen. Die Warze dorret ab. Der Aussatz ist ausgedorret. Die Blumen sind abgedorret. Das Holz dorret ab, wenn es auf dem Stamme dürre wird, welches auch abstehen, und abfliegen genannt wird. 2) Sehr dürre werden, für ausdorren. Der abgedorrte Leib, Gryph.


Abdörren (W3) [Adelung]


Abdörren, verb. reg. act. 1) Durch Austrocknen absondern. 2) Zur Gnüge dörren, gehörig dürre machen. Getreide abdörren. Malz abdörren, wofür man auch wohl abdarren sagt; S. Darre. Figürlich auf den Bergwerken, das in den Kienstöcken noch befindliche Silber oder Bley völlig heraus schmelzen. Daher die Abdörrung.


Abdraht (W3) [Adelung]


Der Abdraht, des -es, plur. inus. bey den Zinngießern, die Späne, welche bey dem Drehen oder Drechseln des Zinnes abgehen.


Abdrängen (W3) [Adelung]


Abdrängen, verb. reg. act. durch Drängen absondern, oder wegdrängen, welches aber wenig gebräuchlich ist. S. Abdringen.


Abdräuen (W3) [Adelung]


Abdräuen, verb, reg. act. durch Drohungen erpressen, gewöhnlicher abdrohen. S. Dräuen. Ein Beyspiel aus dem 14ten oder 15ten Jahrhunderte stehet im Haltaus h. v.


Abdrechseln (W3) [Adelung]


Abdrechseln, verb. regul. act. 1) Durch Drechseln absondern. 2) Völlig fertig drechseln. Eine Kugel abdrechseln.


Abdrehen (W3) [Adelung]


Abdrehen, verb. reg. act. 1) Durch Umdrehen absondern. Einem die Knöpfe abdrehen, d. i. von dem Rocke. Einem Vogel den Kopf abdrehen. 2) Wie abdrechseln in beyden Bedeutungen; da denn abdrehen mehr bey den Künstlern, abdrechseln aber mehr im gemeinen Leben üblich ist.


Abdreschen (W3) [Adelung]


Abdreschen, verb. irreg. act. S. Dreschen. 1) Eigentlich. a) Durch Dreschen absondern, oder bekommen. Man hat dießmahl aus einem Schocke nicht so viel abgedroschen, als ehedem; für ausdreschen. Abgedroschenes Stroh, leeres. b) Das Getreide abdreschen, das vorräthige Getreide, oder eine bestimmte Quantität desselben ausdreschen. c) Das Dreschen beschließen, als ein Neutrum, doch auch mit haben. Wir werden bald abgedroschen haben. d) Durch Dreschen bezahlen. Eine Schuld abdreschen. 2) Figürlich, a) + für abprügeln, aber nur in niedrigen Redensarten. Man drasch ihn weidlich ab, Bernh. b) Im Partic. Passiv. ist abgedroschen, etwas das schon oft gesagt, oder oft wiederhohlet worden. Das ist lauter abgedroschenes Zeug, d. i. ein schon oft wiederhohltes Geschwätz. Abgedroschene (längst bekannte) Wahrheiten mit aufgeblasenen Backen predigen. Und mit dieser abgedroschenen Ausflucht denken, sie durchzukommen. Less. c) Heimlich verabreden, in verächtlicher Bedeutung. Das haben sie längst mit einander abgedroschen. Ein abgedroschener Handel.


Abdringen (W3) [Adelung]


Abdringen, verb. irreg. act. ( S. Dringen.) durch Dringen, ungestümes Anhalten, Dröhen, oder sonst eine Art von Gewalt von einem erhalten; ungefähr wie abdrücken. Einem Geld, einen Eid, ein Versprechen, eine Erklärung abdringen. Er hat mir zehn Thaler abgedrungen, d. i. von mir erbettelt. Von allem, was das Glück den Fürsten übergeben, Ist das betrübteste, das Recht auf Tod und Leben, Es dringt uns Strafen ab. Schleg.


Abdrohen (W3) [Adelung]


Abdrohen, verb. reg. act. durch Drohungen erhalten. Einem etwas abdrohen. Im Oberdeutschen abdräuen.


Abdruck (W3) [Adelung]


Der Abdruck, des -es, plur. die -ücke. 1) Die Handlung des Abdruckens und Abdrückens; ohne Plural. Der Abdruck eines Gewehres, eines Buches, einer Pflanze, einer Figur in Wachs, in Thon, in Zinne, in Gyps u. s. f. Hieher gehöret auch die figürliche Bedeutung für den letzten Athem eines Sterbenden, welche aber niedrig ist, wenn gleich Canitz singt: Wenn mich die Zeit wegnimmt, Die du zum Abdruck mir bestimmt. 2) Das durch Abdrücken und Abdrucken entstandene Bild. Der Abdruck einer Pflanze, eines Siegels, einer Münze, eines Kupferstiches. Der erste, der zweyte Abdruck u. s. f. einen Abdruck von etwas machen oder nehmen. Auch bedeutet Abdruck in diesem Verstande so viel, als das Lateinische Exemplar, wenn von einem Buche die Rede ist, die Abdrücke der ersten Auflage u. s. f. In der Naturgeschichte sind Abdrücke, oder Spursteine, solche Steine, an welchen ein ehemahliger thierischer oder vegetabilischer Körper seine äußere Gestalt zurückgelassen hat. Figürlich kommt Abdruck auch für ein Ebenbild überhaupt vor. Er ist der Abdruck seines Vaters, d. i. er ist ihm sehr ähnlich. Alle Werke der Natur sind Abdrücke der Gottheit, Gell. 3) An den Schießgewehren, die kleine bewegliche Zunge, vermittelst deren sie abgedruckt werden; auch der Abzug.


Abdrucken (W3) [Adelung]


Abdrucken, verb. reg. act. 1. Activum, durch Drücken nachahmen oder abbilden; und zwar, (1) durch das Drücken in einen weichen Körper. Ein Siegel in Wachs, eine Statue in Thon, eine Münze in Zinn abdrucken u. s. f. Ingleichen metonymisch, ein Buch abdrucken, bey den Buchbindern, mit dem Stämpel Figuren auf das Buch drucken. Und dann auch figürlich. Diese Züge, in denen sich die Verzweifelung und das Bild des Todes abdruckt. (2) Durch das Drucken mit Farben auf die Oberfläche eines andern Körpers. Einen Kupferstich abdrucken. Ein Buch abdrucken. Der Bogen ist noch nicht abgedruckt; in welcher Bedeutung es auch den Begriff der Vollendung mit in sich schließet. 2. Ein Neutrum mit haben, die aufgedruckte Farbe fahren lassen.


Abdrücken (W3) [Adelung]


Abdrücken, verb. reg. act. 1) Durch Drücken absondern, besonders in den im gemeinen Leben üblichen sprichwörtlichen R. A. Die Angst will das Herz abdrücken. Es würde ihm das Herz abgedrückt haben, wenn er es nicht ausgeplaudert hätte. Ingleichen figürlich für abdringen, doch mit dem Nebenbegriffe mehrern Nachtheiles von Seiten des andern. Einem eine Waare abdrücken.Noch einen neuen Schmuck den Männern abzudrücken, Gell. 2) Durch Drücken los machen, von Handgewehren, Schlössern u. s. f. die vermittelst einer Feder gespannt sind. Ein Gewehr abdrücken. Den Pfeil, den Bogen abdrücken. Drauf drückte sie die Schlösser selber ab, Rost. Daher die Abdrückung in beyden Bedeutungen.

Anm. Abdrücken, als ein Neutrum, für sterben, er wird bald abdrücken, ist niedrig. Von dem Unterschiede zwischen drucken und drücken. S. diese Wörter.


Abdrucksstange (W3) [Adelung]


Die Abdrucksstange, plur. die -n, in dem Schlosse eines Gewehres, eine kleine Stange, welche in die Nuß einspringt, damit das Gewehr nicht losgehe.


Abdunkeln (W3) [Adelung]


Abdunkeln, verb. reg. act. bey den Färbern, eine helle Farbe in dem Färben in eine dunklere verwandeln.


Abdunsten (W3) [Adelung]


Abdunsten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, sich in Dünste auflösen und verstiegen wie abdampfen. Einen flüssigen Körper abdunsten lassen. Daher die Abdunstung.


Abdünsten (W3) [Adelung]


Abdünsten, verb. reg. act. in Gestalt der Dünste vertreiben, das Abdunsten eines flüssigen Körpers zuwege bringen. Wasser, Wein u. s. f. abdünsten. Daher die Abdünstung.


Abebenen (W3) [Adelung]


Abebenen, verb. reg. act. völlig eben machen. Einen Garten, ein Feld abebenen. Einen Pelz abebenen, ihn am Rande gerade schneiden. Daher die Abebenung.


Abeifern (W3) [Adelung]


+ Abeifern, verb. reg. recipr. sich abeifern, sich durch Eifern oder Zürnen abmatten.


Abelmosch (W3) [Adelung]


Abelmosch, S. Bisamkorn.


Abend (W3) [Adelung]


Der Abend, des -es, oder -s, plur. die -e. 1) Die Zeit zwischen Tag und Nacht, oder kurz vor und nach dem Untergange der Sonne. Es wird Abend. Es gehet gegen den Abend. Der Abend überfiel uns. Der Abend brach an, da ich ihn verließ. Diesen Abend will ich zu dir kommen. Auf den Abend sehe ich dich. Gegen Abend. Mit dem Abend (d. i. bey Anbruch des Abends) in die Stadt kommen. Zu Abend essen, im gemeinen Leben, d. i. die Abendmahlzeit halten. Guten Abend! der gemeine Abendgruß; daher, einem einen guten Abend wünschen, sagen oder biethen. Sprw. Ein feuriger Abend bedeutet einen heitern Morgen. Es ist noch nicht aller Tage Abend, omnium dierum sol nondum occidit, Liv. In figürlicher Bedeutung, besonders in biblischen R. A. bezeichnet Abend das Ende einer gewissen bestimmten Zeit. Am Abend der jüdischen Cärimonien. Um den Abend wirds Licht seyn, Zach. 14, 7. So auch in der poetischen Schreibart für das Ende des Lebens, oder das Alter.Mein Abend kommt heran, jetzt sollen Thränen rinnen, Can. 2) Der Tag vor einem Feste, mit Beyfügung des Wortes heilig, oder auch des Nahmens Festes. Der heilige Abend, der Pfingstabend, der Osterabend. So auch Fastenabend, der Tag vor dem ersten Tage in der Fasten; Sonnabend, der Tag vor dem Sonntage, u. s. f. In Oberdeutschland heißt der Tag vor einem Feste auch der Vorabend. 3) Die Gegend am Himmel, wo die Sonne im Äquinoctio unterzugehen scheint, Westen. Gegen Abend liegen. Der Wind kommt aus oder von Abend. In dieser Bedeutung hat das Wort keinen Plural, wird auch nur mit den Präpositionen aus, gegen, gen und von, ohne Artikel, ja ohne alle Abänderung gebraucht. Nur die Dichter erlauben sich auch hier zuweilen Ausnahmen; so saget z. B. Dusch: die letzten Inseln des Abends.

Anm. 1) Nichts ist gewöhnlicher, als daß in der Declination dieses Wortes im Singular das e in der letzten Sylbe verbissen wird; am Abend für am Abende, des Abends für des Abendes. Allein da es im Plural ohne alle Ausnahme ein e bekommt, so sollte es dasselbe auch im Singular haben; weil es sonst eine Ausnahme von der Regel machen würde. Einige der Alten sindhierin genauer. Ottfried sagt am Abande, und der Vers des Rythm. de S. Annone: Einis abindis.2) Von der biblischen R. A. zwischen Abends S. das Adv. Abends.3) Abend, beym Kero Abunt, beym Notker Habant, beym Ottfried und Tatian Aband und Abant, Nieders. Avend, Holl. Avent, Angels. Aefen, Engl. Even, Evening, ist bisher von dem alten in der Hochdeutschen Mundart nicht mehr üblichen Zeitworte aben, absteigen, abnehmen, abgeleitet worden, dessen Stammwort wiederum die Partikel ab ist. Weil aber die nordischen Mundarten in diesem Worte wider ihre Gewohnheit härtere Mitlauter haben, indem Abend bey den Isländern Apton, bey den Schweden Affton, und bey den Dänen Aften heißt: so nimmt Herr Ihre mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit das Isl. aptan, Goth. aftana, und Angels. aeftana, nach, für das Stammwort an; so daß Abend eigentlich den letzten Theil des Tages bedeuten würde. Von Abend hatte man ehedem auch das unpersönliche Zeitwort abenden für Abend werden, so wie man von Tag saget, es taget; Is abandet, beym Tatian. Die Holländer und gemeinen Deutschen Mundarten haben es auch noch jetzt. Wachter hat schon angemerket, daß Abend in der Bedeutung einer Himmelsgegend neueren Ursprunges ist. Die Gothen nannten diese Gegend Saithqua, von Saitgan, ponere; die Angelsachsen Westdael; die nordischen Völker Sol-biorg, gleichsam die Schlafstätte der Sonne; die Franken und Alemannen aber Sedelgang d. i. Niedergang.


Abendandacht (W3) [Adelung]


Die Abendandacht, plur. die -en. 1. Die andächtige Gemüthsfassung am Abend; ohne Plural. Seine Abendandacht halten. 2. Eine erbauliche Betrachtung am Abend, ingleichen das Abendgebeth.


Abendbesuch (W3) [Adelung]


Der Abendbesuch, des -es, plur. die -e. 1. Der Besuch, welchen man am Abend macht oder bekommt. 2. Die besuchenden Personen.


Abendbrot (W3) [Adelung]


+ Das Abendbrot, des -es, plur. inusit. eine besonders in Niedersachsen übliche Benennung des Abendessens, vornehmlich, wenn von geringen Personen die Rede ist.

Anm. In denjenigen Provinzen, wo das Landvolk des Tages sehr oft und gemeiniglich sechsmahl isset, hat man ein gedoppeltes Abendbrot. Das erste, welches Nachmittags um drey Uhr gegessen wird, heißt in Niedersachsen das kleine Abendbrot, Halbabendbrot, ingleichen Vesperbrot, im Hannöverischen des Veremahl oder Verigermahl, in Oberdeutschland aber Jausen ingleichen Unteressen, und Abendzehr. Das zweyte wird schlechthin Abendbrot, in Westphalen Nachtmisse, im Chur-Braunschw. Nagtsen und in Oberdeutschl. Nachtimbiß und Nachtessen genannt.


Abenddämmerung (W3) [Adelung]


Die Abenddämmerung, plur. inus. die schwache Erleuchtung des Erdbodens durch die Refraction der Sonnenstrahlen, wenn sich die Sonne unter dem Horizonte verborgen hat. Angels. Aefenglomung. In Nieders. de Uhlenflucht, weil die Eulen alsdann auszufliegen anfangen.


Abendessen (W3) [Adelung]


Das Abendessen, des -s, plur. ut nomin. sing. 1. Eine Speise, welche man Abends, vor dem Schlafengehen zu sich nimmt, die Abendspeise. Schinken ist kein gutes Abendessen. 2. Das Speisen zur Abendzeit, die Abendmahlzeit; ohne Plural. Jemanden zum Abendessen rufen.

Anm. Die Alten, welche dieses zusammen gesetzte Wort nicht hatten, sagten dafür Abantcaumo und Abandmuas, und etwas später Nachtmahl, Nachtessen. Bey dem Ulphilas findet man Nahtamatz, und bey den Scandiern Nattord. Von Abandmuas hatten die Franken und Alemannen auch das Verbum abandmuasen, zu Abend essen.


Abendgang (W3) [Adelung]


Der Abendgang, des -es, plur. die -gänge, im Bergbaue, ein Gang, welcher nach Abend zu streicht.


Abendgebeth (W3) [Adelung]


Das Abendgebeth, des -es, plur. die -e. 1. Das Gebeth, in welchem man sich Abends vor Schlafengehen dem Schutze der Vorsehung empfiehlet; im gemeinen Leben der Abendsegen. 2. In einigen Gegenden, z. B. in Schlesien, ist es eine Bethstunde, welche Abends in der Kirche gehalten wird.


Abendglocke (W3) [Adelung]


Die Abendglocke, plur. inus. der Klang der Glocke, so fern er den Abend, oder die Zeit des Abendgebethes ankündiget.


Abendjagd (W3) [Adelung]


Die Abendjagd, plur. die -en, eine Jagd, welche bey der Nacht, vermittelst angezündeter Strohfackeln gehalten wird; auch die Fackeljagd.


Abendkost (W3) [Adelung]


+ Die Abendkost, plur. car. Das Abendessen, im gemeinen Leben, besonders in Niedersachsen. Zum süßen Schluß der Abendkost, Haged.


Abendland (W3) [Adelung]


Das Abendland, des -es, plur. die -länder, ein Land, welches gegen Abend liegt; am häufigsten im Plural.


Abendländer (W3) [Adelung]


Der Abendländer, des -s, plur. ut. nom. sing. der Einwohner eines gegen Abend gelegenen Landes.


Abendländisch (W3) [Adelung]


Abendländisch, adj. aus einem gegen Abend gelegenen Lande, oder dazu gehörig. Abendländische Sitten, Gewächse u. s. f.


Abendlich (W3) [Adelung]


Abendlich, adj. 1. Was zum Abende gehöret, oder am Abende geschiehet. Ein abendlicher Schmaus, Uz. Die abendliche Sonne warf noch die letzten ihrer Strahlen auf uns, ehe sie unterging, Dusch; die Abendsonne. 2. Gegen Abend gelegen, westlich; im Hochdeutschen nur selten.

Anm. Schon bey dem Kero findet man Abuntlih. Frisch sagt, dieses Beywort habe keine Analogie, daher man es habe veralten lassen. So viel ist gewiß, daß sich dessen die Dichter noch am häufigsten bedienen. Aber was die Analogie betrifft, so haben wir ja nächtlich und mitternächtlich in ähnlicher Bedeutung.


Abendlicht (W3) [Adelung]


Das Abendlicht, des -es, plur. car. 1. Figürlich bey den Dichtern, der Abendstern, der Abend. Komm du schönes Abendlicht, Das der Lieb Erfüllung giebet, Nachtstern komm und säume nicht. Opitz. 2. Das Zodiakal-Licht, wenn es sich im Frühlinge Abends zeiget.


Abendlied (W3) [Adelung]


Das Abendlied, des -es, plur. die -er, ein geistlicher Gesang, der Abends beym Schlafengehen gesungen wird.


Abendluft (W3) [Adelung]


Die Abendluft, plur. die -lüfte. 1) Die Luft oder ein gelinder Wind, der aus Abend kommt. 2) Die kühle Luft Abends nach Untergang der Sonne; ohne Plural. Die kühle Abendluft genießen.


Abendlust (W3) [Adelung]


Die Abendlust, plur. car. ein Vergnügen, welches man Abends genießet.


Abendmahl (W3) [Adelung]


Das Abendmahl, des -es, plur. car. 1) Ehedem das Abendessen, die Abendmahlzeit, in welcher nun veralteten Bedeutung, welche noch Joh. 12, 2, und Marc. 6, 21. vorkommt, auch der Plural üblich war. Die Schweden sagen noch jetzt Aftonmal. 2) Jetzt bedeutet das Abendmahl, das heilige Abendmahl, oder das Abendmahl des Herrn, in den protestantischen Kirchen noch den sacramentlichen Genuß des Leibes und Blutes Christi, welcher sonst auch das Sacrament des Altares, der Tisch des Herrn, die Communion, im gemeinen Leben das Nachtmahl und Gottestisch genannt wird, und hier ist der Plural nicht gebräuchlich. Das heilige Abendmahl halten, austheilen. Das Abendmahl empfangen, genießen. Zum heiligen Abendmahle gehen. Einem das Abendmahl reichen.

Anm. Wachter merket an, daß dieses Wort in beyden Bedeutungen den Alten unbekannt gewesen. Von der ersten Bedeutung S. Abendessen. Die Angelsachsen, Gothen und Scandierbedienten sich Statt desselben in der zweyten Bedeutung des Wortes Husl, Hunsl und Hust, Opfer, und die Franken des Wortes Wizzod, Gesetz, Beobachtung. Die unter dem gemeinen Volke noch übliche Betheuerung: ich will das heilige Abendmahl darauf nehmen, ist ein Überbleibsel der ehemahligen purgationis per eucharistiam, wovon Gericken ad Schottel. S. 197 und Grupens Observat. S. 63 nachgesehen werden können.


Abendmahlzeit (W3) [Adelung]


Die Abendmahlzeit, plur. die -en, die Mahlzeit, die man Abends hält, das Abendessen, in anständigen Ausdrücken von vornehmen Personen.


Abendmarkt (W3) [Adelung]


Der Abendmarkt, des -es, plur. die -märkte, an einigen Orten, eine Art von Vormarkt, welcher jeden Abend vor den Wochenmärkten gehalten wird.


Abend-Musik (W3) [Adelung]


Die Abend-Musik, plur. die -en, eine Musik, die man jemanden zu Ehren Abends veranstaltet. Einem eine Abend-Musik bringen. Ital. Serenata. Bringt man sie unter dem Fenster, so heißt sie ein Abendständchen.


Abendopfer (W3) [Adelung]


Das Abendopfer, des -s, plur. ut nom. sing. Bey den ältern Juden, dasjenige Brandopfer, welches Abends angezündet wurde, und die ganze Nacht durch brennen mußte. Schon bey dem Notker Abentopher.


Abend-Punct (W3) [Adelung]


Der Abend-Punct, des -es, plur. die -e; in der Astronomie, derjenige Punct, in welchem die Sonne untergehet, wenn sie im Äquator stehet, der wahre und eigentliche Abend.


Abendregen (W3) [Adelung]


Der Abendregen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eigentlich ein Regen, der Abends fällt. 2) In einigen Stellen von Luthers Bibelübersetzung, z. B. Jac. 5, 7. bedeutet es so viel, als der gleichfalls biblische Ausdruck Spatregen, wodurch diejenige Regenzeit angedeutet wird, welche in den Morgenländern kurz vor der Ernte im Aprill einfällt, im Gegensatze des Frühregens oder Morgenregens, der zur Saatzeit im October oder November fällt. Alle diese Benennungen sind freylich unbequem und bloß nach dem Hebräischen und Griechischen gebildet. Daher der Herr Hofrath Michaelis allerdings Beyfall verdienet, daß er in seiner Übersetzung für Spat- und Abendregen den Ausdruck Frühlingsregen gewählet hat.


Abendroth (W3) [Adelung]


Das Abendroth, des -es, plur. car. die Abendröthe. O laßt uns den Glanz des Abendrothes und den sanften Schimmer des Mondes betrachten! Gesn. froh bin ich, wenn das Abendroth am Himmel mich bescheinet, ebend. Dieses Wort kommt schon unter den Schwäbischen Kaisern, aber im männlichen Geschlechte vor. Si bran uf schone Sam der abend rot, singt Rudolph von Rottenburg. Bey dem gemeinen Manne, besonders in Niedersachsen ist dieses Wort üblicher, als Abendröthe; außerdem wird es in der Kürze willen am häufigsten in der höhern Schreibart gebraucht.


Abendröthe (W3) [Adelung]


Die Abendröthe, plur. die -n, 1) Der rothe Schein, der gleich nach dem Untergange der Sonne am Horizonte gesehen wird, und von der Refraction der Sonnenstrahlen in der Luft herrühret. 2) Die durch diese Strahlen gefärbten Wolken. In dieser Bedeutung sagt der Landmann: die Abendröthe ziehe über Land, wenn die solcher Gestalt erleuchteten Wolken gegen Osten fort ziehen, worauf den andern Tag heiteres Wetter zu erfolgen pfleget. Der Plural, die Abendröthen, ist wenig gebräuchlich, kommt aber doch zuweilen bey den Naturlehrern und Dichtern vor.


Abends (W3) [Adelung]


Abends, adv. am Abende, auf den Abend. Gestern Abends. Heute Abends. Abends zuvor. Ich werde erst Abends spät wieder kommen. Ich kann ihn vor Abends nicht sprechen. Den neunten Abends.

Anm. Eigentlich ist dieses Wort, so wie die verwandten Morgens, Mittags, Montags, Dinstags u. s. f. der verkürzte Genitiv des Substantives Abend, für Abendes, welches daraus erhellet, daß man auch mit Artikel des Abends, des Morgens sagt. Etwas mehr sticht die adverbische Beschaffenheit vor, wenn es mit der Präposition vor verbunden wird, die doch sonst keinen Genitiv regieret, vor Abends. Allein da dessen ungeachtet, der Begriff eines Substantives immer noch der merklichste ist, so schreibt man es am richtigsten mit einem großen Buchstaben. S. Orthogr. Theil 1, S. 351.


Abendschicht (W3) [Adelung]


Die Abendschicht, plur. die -en, in den Berg- und Hüttenwerken, die Schicht oder Arbeitszeit, welche Abends ihren Anfang nimmt, und an einigen Orten auch die Nachtschicht genannt wird, an andern aber von ihr noch verschieden ist.


Abendsegen (W3) [Adelung]


+ Der Abendsegen, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben so viel als das Abendgebeth. Den Abendsegen bethen.


Abendseite (W3) [Adelung]


Die Abendseite, plur. die -n, die gegen Abend gelegene Seite eines Landes, Feldes, Berges, Gebäudes u. s. f.


Abendsonne (W3) [Adelung]


Die Abendsonne, plur. die -n, bey den Dichtern, der Glanz der untergehenden Sonne. Und Abendsonnen kühlten sich zögernder im Meer, Mich. Fig. auch der Abend. Wir arbeiten von der Morgensonne bis zu der Abendsonne, und was haben wir denn gewonnen? Gesn.


Abendspeise (W3) [Adelung]


Die Abendspeise, plur. die -n, eine Speise, so fern sie Abends genossen wird, wie Abendessen 1.


Abendständchen (W3) [Adelung]


Das Abendständchen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Abend-Musik.


Abendstern (W3) [Adelung]


Der Abendstern, des -es, plur inusit, die Venus, wenn sie der Sonne nachgeht, und also bey ihrem Untergange in Westen sichtbar wird. Für stillere Stunden in der Dämmerung, wenn der Abendstern über mir wandelt, sparete ich die Thränen um dich, Dusch. Der Abendstern winkt unsrer Erde, Die Ruh am Horizont herauf. Zach. Opitz nennt ihn auch den Vesperstern.


Abendstillstand (W3) [Adelung]


Der Abendstillstand, des -es, plur. inusit. bey den Astronomen, wenn ein Planet Abends in einem Puncte des Thierkreises einige Tage stille zu stehen scheint; Statio vespertina.


Abendstunde (W3) [Adelung]


Die Abendstunde, plur. die -n, eine der Stunden des Abends. Figürlich, der Abend, die abendliche Zeit. Wie glücklich werden wir daselbst die stillen Abendstunden finden, Dusch.


Abendthau (W3) [Adelung]


Der Abendthau, des -es, plur. car. Der Thau, der zur Abendzeit aus der Luft fällt, und aus den Dünsten entsteht, welche den Tag über in die Luft aufgestiegen sind.


Abendtisch (W3) [Adelung]


Der Abendtisch, des -es, plur. inus. die gewöhnliche Abendmahlzeit, doch nur collective. Ich habe den Abendtisch bey ihm, speise alle Abende bey ihm. Er bezahlet für den Abendtisch wöchentlich zwey Gulden. Einem den Abendtisch geben.


Abenduhr (W3) [Adelung]


Die Abenduhr, plur. die -en, in der Gnomonik, eine Sonnenuhr, die auf einer Fläche beschrieben wird, welche gerade gegen Abend liegt, und also nur die Nachmittagsstunden zeiget.


Abendviole (W3) [Adelung]


Die Abendviole, S. Nachtviole.


Abendvogel (W3) [Adelung]


Der Abendvogel, des -s, plur. die -vögel, eine Art Schmetterlinge, welche nur Morgens und Abends in der Dämmerung herum flieget, auch der Dämmerungsvogel, Sphinx, L.


Abendvolk (W3) [Adelung]


Das Abendvolk, des -es, plur. die -völker, ein Volk, welches gegen Westen oder Abend wohnet; am häufigsten im Plural.


Abendwärts (W3) [Adelung]


Abendwärts, adv. gegen Abend, der Himmelsgegend nach, nach Westen zu. Abendwärts gehen, schiffen, wohnen u. s. f.

Anm. Abendwärts mit der zweyten Endung des Hauptwortes zu verbinden, z. B. abendwärts der Stadt, ist eben so ungewöhnlich, als die biblischen R. A. gegen abendwärts, Joh. 8, 9, 12. Kap. 16. 3. zum abendwärts, Kap. 19. 11. und von abendwärts der Stadt, 2 Chron. 32. 30.


Abendweite (W3) [Adelung]


Die Abendweite, plur. die -n, in der Astronomie, der Abstanddesjenigen Punctes, in welchem ein Stern untergehet, von dem Abend-Puncte, Amplitudo occidua.


Abendwind (W3) [Adelung]


Der Abendwind, des -es, plur. die -e, 1) Ein Wind, der aus Abend, oder Westen kommt; der West, Westwind. 2) Ein Wind, der am Abende wehet. O daß die kühlen Abendwinde dir nicht schaden, und der feuchte Thau! Gesn.


Abenteuer (W3) [Adelung]


Das Abenteuer, des -s, plur. ut nom sing. 1) Ein ungefährer Zufall, woran das Glück mehr Theil hat, als der Vorbedacht. In dieser Bedeutung ist das Wort noch bey den Handwerkern üblich, wo Abenteuer erwarten, oder sein Handwerk auf Abenteuer treiben, so viel heißt, als auf bestellte Arbeit warten, ingleichen Arbeit auf den Kauf verfertigen. In beyden Fällen bedeutet es so viel, als auf gut Glück arbeiten. 2) Ein seltsamer, wunderbarer oder gefährlicher Zufall, doch mehrentheils nur noch in scherzhaftem und verächtlichem Sinne. Ein Abenteuer wagen. Ein Abenteuer bestehen, jetzt nur noch im Scherze, eine gefährliche, oder doch seltsame Handlung unternehmen. Auf Abenteuer ausgehen, eine lächerliche, mißliche Sache unternehmen.

Anm. 1. Ehedem bedeutete Abenteuer auch, 1) eine herzhafte, männliche That; in welcher Bedeutung es sehr oft im Theuerdank vorkommt. Z. B. Kap. 115. Darumb sol ein yeder Man Sich kheiner abenthewer understan Aus Hochfart und eyteler eer. Und Kap. 57. Noch so wil ich mein abenthewerVersuchen gegen dem Held werth. Ingleichen die Erzählung einer wunderbaren Begebenheit. Conrad von Würzburg nennet sein Gedicht von Troja, eine Aventure. Der häufige Gebrauch, den die alten Romanenschreiber von diesem Worte machten, hat ihm endlich einen verächtlichen Nebenbegriff gegeben. 2) Die Begebung in die Gefahr eines Verlustes, und diese Gefahr selbst. So heißt es z. B. in der Würtenbergischen Landesordnung Tit. 11. so wird er darum seine Abentheuer und Gefahr stehen müssen. Und in einer Sächsischen Verordnung von 1482 wird gesaget, daß man den Gastwirthen für ihre Sorge, Abenteuer und Mühe einen ziemlichen Gewinn gönnen sollte. 3) Eine seltsame, wunderbare Erscheinung. So heißt bey dem Opitz Ebentheuer so viel als ein Wunderthier, und Gryphius nennet die Irrlichter ein Abentheuer der Nacht. Noch einige andere gleichfalls veraltete Bedeutungen führet Frisch h. v. an.2. Abenteuer, in der Oberd. Mundart um 1377 Aventäwer, Nieders. Eventür, Dän. Eventyr und Aventyr, Schwed. Äfwentyr, beym Berel. Acsintyr, kommt seit mehrern Jahrhunderten in den Deutschen und Nordischen Mundarten vor. Die Abstammung dieses Wortes hat die Sprachforscher von jeher sehr gemartert und sie oft auf abenteuerliche Muthmaßungen geführet, wovon man die vornehmsten beym Ihre angeführet findet. Wachter nimmt für drey verschiedene Bedeutungen dieses Wortes auch drey verschiedene Ableitungen an. Wenn er es in der Bedeutung einer tapfern That von dem Goth. Aba, ein Mann, und dürren, wagen, herleitet: so scheint ihm das zu Statten zu kommen, daß im Theuerdank und dessen Zeitgenossen theuer und theuerlich beständig so viel als tapfer, und eine theuerliche Gethat, so viel als eine herzhafte That bedeuten. Allein Herr Ihre zeigt v. Äfwentyr, daß Wachter in Ansehung des Aba sehr unrecht daran ist. Das natürlichste ist also wohl, daß man es von dem Franz. Avanture, und dieß von dem Lat. Adventus oder Eventus herleitet, wovon adventura, eventura, adventurarius, eventurare u. s. f. im mittlern Lateine in allen obigen Bedeutungen häu- fig vorkommen. Dadurch läßt sich alsdann auch die Schreibart Abenteuer rechtfertigen, welche in einigen Mundarten gewöhnlich ist. Allein das th, welches gemeiniglich in der dritten Sylbe geschrieben wird, läßt sich mit nichts vertheidigen. In den mittlern Zeiten sagte man bald die Abenteuer, bald das Abenteuer, und in Oberdeutschland ist es noch mehrentheils weiblichen Geschlechts; vermuthlich nach dem Muster des Franz. Avanture. Das Verbum abenteuern, wagen, sich mit jemanden abenteuern, mit ihm kämpfen, u. s. f. ist in der Hochdeutschen Mundart veraltet.


Abenteuerlich (W3) [Adelung]


Abenteuerlich, -er, -ste, adj. 1) Wunderbar ohne alle Wahrscheinlichkeit, seltsam, thöricht. Eine abenteuerliche, (unglaubliche, fabelhafte) Geschichte. Ein abenteuerlicher Mensch, Einfall, Gedanke u. s. f. Und wird nicht wunderbar nur abenteuerlich. Uz. 2. Fürchterlich, voll unerwarteter Auftritte. Es schien, als wenn sich die Natur hier eine besondere Mühe gegeben, diese ganze Gegend recht schwarz, traurig und abenteuerlich zu machen, Zach. Ehedem bedeutete es auch gefährlich, und ein abenteuerlicher Gesell, war ein Mensch, der weit gereiset war, viel erfahren hatte.


Abenteuerlichkeit (W3) [Adelung]


Die Abenteuerlichkeit, plur. die -en. 1) Die abenteuerliche Beschaffenheit einer Sache; ohne Plural. 2) Eine abenteuerliche Sache selbst; mit dem Plural.


Abenteurer (W3) [Adelung]


Der Abenteurer, des -s, plur. ut nom. sing. der auf Abenteuer, oder thörichte Glücksfälle ausgeht, keine bestimmte und vernünftige Lebensart hat. Ehedem bedeutete es einen jeden, der etwas wage, auch in einem guten Verstande, z. B. einen Freywilligen im Kriege, einen Gewerken im Bergbaue, einen Kaufmann, und im Engl. ist Adventurer noch jetzt ein Kaufmann, der über See handelt.


Abenteurig (W3) [Adelung]


* Abenteurig, adj. für abenteuerlich, welches aber wenig mehr gehöret wird.


Aber (W3) [Adelung]


Aber, eine Partikel, welche in gedoppelter Gestalt vorkommt.I. * Als ein Nebenwort der Zeit, für wiederum. Im Hochdeutschen ist es bis auf einige zusammen gesetzte Wörter, als abermahl, Aberacht, Abersaat, u. s. f. völlig veraltet, ob es gleich in Luthers Bibelübersetzung noch oft vorkommt und in Oberschwaben auch noch jetzt üblich ist. Die im gemeinen Leben übliche R. A. ich habe es tausend- und aber tausendmahl gesagt; ingleichen, seyn sie tausendmahl willkommen, und aber tausendmahl willkommen, Less. O Geitz und aber Geitz! Opitz, sind auch noch ein Überbleibsel davon.In einigen andern zusammen gesetzten Wörtern ist es aus after entstanden, und deutet alsdann eine unächte Beschaffenheit desjenigen Begriffes an, mit welchem es verbunden ist; wie z. B. in Aberknoblauch, Aberäsche u. s. f. besonders aber in den veralteten Aberkönig, Aberpapst u. s. f. für Afterkönig, Afterpapst.Es scheint, daß dieses Nebenwort, welches bey dem Kero und andern ältern Schriftstellern Auur, Abur, geschrieben wird, besonders der Alemannischen Mundart eigen gewesen. Doch kommen auch das Isl. aptur, das Goth. aftra. das Angels. eft, und das Schwed. ater, in eben dieser Bedeutung vor. Bis zu Ende des 15ten Jahrhunderts war es als ein Nebenwort der Zeit sehr gebräuchlich; z. B. Nu sint die liehten langen sumer tage Mir aber ane froeide hingescheiden, Markgraf Heinrich von Weißen. Allein nachmahls fing es an, nach und nach zu veralten, bis es von dem gleichbedeutenden wiederum völlig verdränget wurde, und dessen meisten Composita, z. B. Aberung, Wiederhohlung, Abirburt, Wiedergeburt, aburfangan, wiederhohlen, Aberene,Urgroßvater, Aberthat, Ausschweifung u. s. f. haben kein besseres Schicksal gehabt. Andere, wie z. B. Aberwille für Unwillen, sind noch in der Schweiz und andern Oberdeutschen Gegenden üblich.II. Als ein Bindewort, dessen Bedeutungen mit allen ihren Schattirungen eben nicht leicht zu bestimmen sind. Vielleicht werden sich die meisten derselben unter folgende Fälle bringen lassen. Es steht,1. Im Nachsatze, wo es dessen Verhältniß gegen den Vordersatz andeutet, und bezeichnet alsdann:(1) Die Ursache, warum der Ausspruch im Vordersatze nicht Statt findet. Er könnte gesund seyn, aber andere hetzen ihn auf. Ich hätte es gethan; aber, ach! es ist mein Vater. Ich hätte dir vergeben; nun aber, da du so frech bist u. s. f. Es wäre möglich, aber es ist verbothen, oder, so aber ist es verbothen.(2) Einen völligen Gegensatz dessen, was im vorher gehenden gesaget worden, und kann alsdann oft auch durch hingegen oder im Gegentheile ersetzet werden. Die Männer wissen von nichts als von Feuer und Schwerte; wir aber haben gelindere Mittel, uns zu rächen. Das sind Fehler der Sitten, nicht aber des Alters. Ich dachte immer, die Kälte oder die Hitze würde ihm die Gedanken schwächen; aber nein! er blieb artig, ohne Unterlaß witzig, Gell. Die schöne Morgenröthe hatte ihm sonst Lieder abgelocket; aber jetzt sang er nichts, Gesner. O, sage was du willst, du liebst ihn doch im Stillen, Ich aber lieb ihn nicht, Gell. (3) Eine nähere Bestimmung in Gestalt eines Gegensatzes, ingleichen eine Ersetzung ode Compensation dessen, was im Vordersatze war behauptet oder geläugnet worden. Ihre Schönheit blendet zwar nicht; aber sie gehet an das Herz. Du bist freylich nicht die schönste; aber du wirst gewiß versorgt werden, Gell. Da denn der Vordersatz nicht eben gerade eine Verneinung enthalten darf. Sie hat jetzt Besuch bey sich; sie wird aber auf den Abend die Ehre haben, ihnen ihre Visite zu geben, Gell. Die stille Gegend hat ihn bisher aufgehalten; aber jetzt kam er zurück, Gesner. Zwar kommen donnernde Wolken im segenvollen Sommer; aber murre nicht, wenn Zeus unter deine Hand voll Tage auch trübe Stunden mischet, Gesn.(4) Eine Einschränkung des Vordersatzes, für allein; und zwar, a) eine Vernichtung oder Entkräftung dessen, was im Vordersatze war gesaget worden, oder doch der Wirkung desselben. Ich suchte ihn; aber er war nicht da. Ich wartete auf ihn; aber er kam nicht. Sie hatte sich recht schön, sehr schön geputzt; aber, es ist alles eitel, Gell. Sie wissen, ich kann ihnen nichts abschlagen; aber ich bin gar zu krank, Gell. Wir sehen weit hinaus auf fremde Gefilde von Glück; aber Labyrinthe versperren den Zugang, Gesn. Ich wollte wünschen, daß es meine Kräfte zuließen; so aber muß ich mich noch heute auf den Weg machen, Less. Eh Sylvia noch kam, so hatt ich vielen Muth; Kaum aber sah ich sie, so wich bey ihrem Blicke, Mein erst so dreistes Herz schon ganz beschämt zurücke, Gell. b) Einen Einwurf; besonders wenn derselbe fragweise vorgetragen wird; ingleichen einen möglichen Fall in Gestalt eines Einwurfes. Die Natur ist hier schön; wird sie es aber auch für mich seyn? Ach, wenn ich ihn fände! - - Aber, ich träume. Sie sagen, sie liebten mich; aber wie kann ich glauben, ihnen zu gefallen? c) Eine Bedingung oder Ermahnung, in Gestalt eines Gegensatzes. Morgen erwarte ich sie; aber daß sie mir den Daphnis nicht vergessen. Vielleicht wird mir diese Pflicht künftig nicht schwer fallen; aber entziehen sie mir dabey ihre Hülfe nicht. Der Doctor hat mir befohlen, mich aus einem Zimmer in das andere zu begeben; aber wenn er mir erst Kräfte eingegeben hätte, Gell. d) Eine Einschränkung, oder Erläuterung des vorigen, Beyfügung eines Nebenumstandes u. s. f. Ach Phillis, wie schön bist du! Aber nicht nur deine Schönheit hat mich zur Liebe gereitzet, Gesn. Was? eines Mords wegen? Antw. Ja, aber eines honneten Mords, Less. Fürstenkinder haben Freude; Aber lange nicht, wie wir, Weiße. Denn unsrer Jugend gönnt die Liebe Viel Unschuld; aber nicht zu viel, Haged. Wenn die Einschränkung nachtheilig oder bedenklich ist, so wird der Nachlaß auch wohl verschwiegen, und das aber wiederhohlet; z. B. Es kann noch etwas aus ihm werden; aber, aber - - - Und in diesem Verstande kann aber auch als ein Substantiv gebraucht werden; z. B. die Sache hat ein Aber, eine bedenkliche Einschränkung, oder, sie ist nur unter gewissen Bedingungen wahr. Es ist nichts so schön, es ist ein Aber dabey. Das Aber eines Kenners ist schmeichelhafter, als alle Ausrufungen des Pöbels.In den meisten der obigen Fälle gehet die Partikel zwar entweder ausdrücklich, oder doch dem Verstande nach vorher. Das Semicolon ist das gewöhnlichste Zeichen, welches zwey mit aber verbundene Sätze unterscheidet, es müßte denn wegen der Kürze des Vordersatzes ein Komma hinlänglich seyn, oder ein Ausrufungs- oder Fragezeichen dessen Stelle einnehmen. Wenn Ausdrücke vorkommen, in welchen das aber im Nachsatze sich unter keinen der vorigen Fälle bringen läßt: so steht es daselbst wohl nicht an seinem rechten Orte. Z. B. Scherz ich, so ertönet mir Ein scherzhaftes Lied von dir; Will ich aber traurig seyn, Klagend stimmst du mit mir ein. Hier sollten beyde Sätze durch das einfache und mit einander verbunden seyn.Aber dienet oft auch, die Bedeutung verschiedener anderer Bindewörter zu verstärken; z. B. doch aber, jedoch aber, dennoch aber. Auf ähnliche Art sagten auch die Römer sed contra, sed enim u. s. f. Nur nach oder und vor allein, oder aber, aber allein, z. B. er muß mich bezahlen, oder aber ich verklage ihn, ist es völlig überflüssig. Indessen kommt doch dieser Pleonasmus zuweilen bey dem Opitz vor. Z. B. Das Best aus zweyen ist, gar nie gebohren werden, Nie, oder aber doch bald scheiden von der Erden. Auf der andern Seite wird auch die Bedeutung des aber zuweilen sehr schön durch andere Partikeln schattiret. Z. B. Sie lachen über mich, daß ich mich bey solchen Kleinigkeiten aufhalten kann. - - Ja wohl Kleinigkeiten! Wenn man denn nun aber u. s. f. Less. Wenn man denn nun aber einen Mann vor sich hat, der sich auf solche Kleinigkeiten brüstet, ebend. Nur hüte man sich vor dem unartigen Pleonasmus der Kanzelleyen, den noch aber und dieweil, u. s. f.2. Am Anfange einer Rede oder Periode, gleichsam einen Gegensatz des vorher gegangenen anzukündigen. Oft aber dienet es bloß dazu, einen Übergang von einer Sache auf die andere zu machen, wenn gleich beyde keine begreifliche Verbindung mit einander haben. Dieses geschieht besonders, (1) In affectvollen Ausdrücken, in Fragen, Ausrufungen u. s. f. Aber sehen sie einmahl, ihr Diener steht noch da, Less. Aber, was hat Amyntas zu dem Körbchen gesagt? Gesn. Aber wieder auf deinen Bruder zu kommen. Besonders wird aber gebraucht, wenn ein unerwarteter Umstand, oder eine schleunige Veränderung des Ent-schlusses der angefangenen Rede Einhalt thut. In melancholischen Gängen von Laub will ich irren. - - Aber, Himmel! was entdeckt mein Auge am Ufer im Sande? Ebend.(2) Im Umgange, wo oft die Einbildungskraft Dinge zusammen bringt, die keinen andern Zusammenhang unter sich haben, als daß sie uns gelegentlich in den Sinn kommen. Alsdann deutet das Französische a propos und das Deutsche aber eine solche gelegentliche Verknüpfung zweyer ganz verschiedener Gegenstände an, und es ist nichts seltenes, daß vermittelst solcher Aber endlich die ganze Welt durch die Musterung gehet, und man zuletzt fragen muß, wo das Gespräch angefangen hat.

Anm. Der biblische Gebrauch dieses Bindewortes, da es nicht nur in Luthers, sondern auch in den meisten ältern Übersetzungen das Hebr. 7 und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - fast beständig ausdrücken muß, z. B. Die Geburt Christi war aber also; Jesus aber antwortete und sprach u. s. f. ist wider die Natur der Deutschen Sprache. Es war daher nicht zu billigen, daß einige besonders Schweizerische und hexametrische Dichter vor einiger Zeit diesen Mißbrauch des aber allgemein zu machen suchten. So bath der Redliche, und Palämon ward gesund. Aber Amyntas sah den mächtigen Segen in seiner Herde, Gesn. In der komischen Schreibart hingegen thut dieser Gebrauch eine desto bessere Wirkung. Z. B. - So drangen die Knaben Jauchzend aus ihrem dumpfigen Kerker und liefen zum Schauplatz. Aber der Küster steckte die Fasces des wichtigen Lehramts, Seine birkene Ruth und den Stock an das schwitzende Fenster. Zach. Also sprach er prahlend und stolz, und drohte noch dreymal Mit dem knotigen Stock dem schon verblichenen Cyper. Aber das Fräulein weinte laut. Ebend. Aber kann so wohl zu Anfange eines Satzes, als auch nach einem oder mehrern Wörtern stehen. man kann sagen: aber hat er es noch? oder, hat aber er es noch? und, hat er es aber noch? da denn die Stelle bloß von dem Nachdrucke abhänget, welchen man auf das aber, oder auf ein anderes Wort leget. Übrigens verändert dieses Bindewort die natürliche Wortfügung nicht.Dieses Bindewort kommt zwar schon bey den ältesten Deutschen Schriftstellern, als dem Kero, dem Übersetzer des Isidor, dem Ottfried, Notker und andern, aber doch nur sehr selten vor. Die Niedersachsen sagen zwar auch aver und averst; allein sie bedienen sich Statt dessen eben so oft ihres man, wofür die Holländer und Dänen men und mar sagen. Da das Nieders. man ehedem auch me und meh geschrieben und gesprochen wurde, so scheinet es von mehr abzustammen, so wie das Franz. mais, das Ital. ma und Span. mas von magis. Dieß macht es wahrscheinlich, daß auch so wohl das Bindewort, als das Nebenwort aber, von ober oder über herkommt, obgleich andere dasselbe von ab herleiten wollen.


Aberacht (W3) [Adelung]


* Die Aberacht, plur. inusit, ehedem, 1) eine wiederhohlte Acht oder Achtserklärung; von aber, wiederum. 2) So viel als Oberacht, eine Achtserklärung, welche im Nahmen des Königes oder Kaisers geschiehet; im Gegensatze der Unteracht, welche von einem Unterrichter herrühret, und sich nur über eine gewisse Gegend erstreckt. In beyden Bedeutungen ist das Wort veraltet, und nur noch bey den Schriftstellern der mittlern Zeiten üblich. S. Haltaus v. Oberacht.


Aberäsche (W3) [Adelung]


Die Aberäsche, S. Eberäsche.


Aberglaube (W3) [Adelung]


Der Aberglaube, des -ns, plur. car. 1) Derjenige Zustand des Gemüthes, da man äußern Handlungen und Erscheinungen mehr Kraft beylegt, als ihrer eigentlichen Beschaffenheit gemäß ist. In engerer Bedeutung der Glaube an eingebildete unsichtbare wirkende Ursachen, die Neigung, natürlichen Dingen übernatürliche Kräfte beyzulegen. 2) In der höhern Schreibart, auch figürlich für abergläubige Menschen. Wie manche Scepter hat der Aberglaube nicht zerbrochen, wie viel Thronen hat er nicht umgestürzt, wie viele gütige Monarchen hat er nicht der Wuth eines aufgebrachten Pöbels Preis gegeben! Der Aberglaube zürnt im Dunkel heiliger Wetter Und schleudert Fluch und Bann auf Denken mehr als Spötter. Dusch

Anm. Aberglaube ist ohne Zweifel nach dem Lateinischen Superstitio gebildet worden, daher Aber hier nicht so wohl after, als vielmehr über bedeutet; Overglivinghe, in einem alten geschriebenen Wörterbuche. Dieses Wort, welches neuern Ursprunges ist, war den ältern Jahrhunderten unbekannt. Der alte Übersetzer des Isidor braucht dafür Dhrugida, spätere Schriftsteller aber Apostüzlerey, Beyglaube u. s. f. Biglove ist auch noch bey den Niedersachsen üblich.


Abergläubig (W3) [Adelung]


Abergläubig, -er, -ste, adject. et adv. Aberglauben habend oder enthaltend, darin gegründet. Ein abergläubiger Mensch. Abergläubige Gebräuche. Daher die Abergläubigkeit, wenn man es nöthig finden sollte, den Zustand oder die Fertigkeit als ein Abstractum, von dem Aberglauben selbst, als einem Concreto, zu unterscheiden.

Anm. So wie man gläubig, kleingläubig und ungläubig sagt; so sollte man doch abergläubig und nicht abergläubisch sagen, obgleich solches von den meisten geschiehet. Abergläubisch ist wie viele andere Beywörter auf isch, wenigstens gemein und niedrig.


Ab-erkennen (W3) [Adelung]


Ab-erkennen, verb. irreg. act. ( S. Erkennen.) Einem etwas aberkennen, es ihm durch ein Erkenntniß, oder förmliches Urtheil absprechen. - - Es mag der Leute Wahn Mir immerhin die Klugheit aberkennen, Haged. In der Schweiz bedeutet abkennen, durch ein Urtheil abschaffen, aufheben.


Aberklaue (W3) [Adelung]


Die Aberklaue, S. Afterklaue.


Abermahl (W3) [Adelung]


Abermahl, adverb. temp. noch einmahl, wieder einmahl, von neuen. Er ist abermahl in die Stadt gegangen. Man rufte mich abermahl bey Seite.

Anm. Abermahl von aber, wiederum, ist erst in den mittlern Zeiten entstanden, und es scheinet, als wenn dieses Nebenwort im Hochdeutschen nach und nach veralten würde. Viele sprechen und schreiben abermahle; allein da in einmahl, zweymahl, dreymahl u. s. f. allemahl, diesmahl, und andern, welche eine bestimmte Zeit bezeichnen, kein s angetroffen wird, so ist es auch hier überflüssig. S. Mahl die Anm. Abermahl ist das Himmelreich gleich, Math. 13. für ferner, ist veraltet.


Abermahlig (W3) [Adelung]


Abermahlig, adject. von neuen, noch einmahl geschehend. Ein abermahliges Verlangen. Eine abermahlige Bitte. Es verstattet der Bedeutung wegen keine Steigerung.


Abernten (W3) [Adelung]


Abernten, verb. reg. act. 1. Die Erntenfrüchte völlig abschneiden oder abhauen. Das Getreide abernten. Ingleichen das Feld von den Früchten leer machen. Das Feld der Verwandlung ist für Werke, welche das Gepräge unserer Zeit haben, schonvöllig abgeerntet, Dusch. 2. Die Erntearbeit vollenden; als ein Neutrum, mit haben.


Aberraute (W3) [Adelung]


Die Aberraute, plur. car. ein Nahme, welchen einige der Stadtwurz geben; ohne Zweifel von dem Griechischen und Lateinischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Abrotonum, woraus andere auch Abraute, Ebenraute, Alpraute, und Affrusch, die Dänen aber Abred machen.


Abersaat (W3) [Adelung]


* Die Abersaat, plur. von mehrern Arten, die -en, nur in einigen Gegenden, was auf einem bereits abgeernteten Felde gesäet wird, von aber, wiederum; in andern Gegenden die Schmalsaat.


Aberwitz (W3) [Adelung]


Der Aberwitz, des -es, plur. car. 1) Die Thorheit, welche aus allzu vielem Wissen entstehet. 2) Die Einbildung eines großen Verstandes bey augenscheinlichem Mangel desselben. 3) Die völlige Abwesenheit des Verstandes. In Aberwitz gerathen, verfallen.

Anm. Aber scheint in den beyden ersten Fällen so viel als über zu bedeuten; obgleich auch die Bedeutung des Unächten hier Statt finden kann. Uparwizzo kommt bey dem Raban Maurus in der guten Bedeutung eines Philosophen vor, oder eines, der mehr weiß, als andere Leute. In den spätern Zeiten findet man für Aberwitz auch Hinterwitz und Nachwitz.


Aberwitzig (W3) [Adelung]


Aberwitzig, -er, -ste, adject. von Aberwitze befallen, in Aberwitz gerathen, darin gegründet. Ein aberwitziger Mensch. Aberwitziges Zeug vorbringen. Er ist aberwitzig geworden.


Abeschern (W3) [Adelung]


+ Abeschern, verb. reg. act. et recipr. sich durch eine heftige Bewegung in Schweiß und außer Athem bringen; ein Wort, welches nur an einigen Orten in Ober- und Niedersachsen im gemeinen Leben üblich ist. Er ist ganz abgeeschert, Weiße. Er hatte sich ganz abgeeschert.

Anm. Das einfache eschern ist, so viel ich weiß, nicht üblich. Es ist ohne Zweifel eine Nachahmung des feichenden Lautes, den man in solchen Umständen von sich gibt. Da es nun mit dem Zeitworte äschern von Asche nichts gemein hat, obgleich einige es auf eine höchst gezwungene und unwahrscheinliche Art von dem Bestreuen mit Asche an der Aschermittwoche herleiten wollen: so ist auch nicht nöthig, es in der ersten Sylbe mit einem ä zu schreiben. Nahe verwandt ist damit das gleichfalls gemeine äspern, welches S.


Abessen (W3) [Adelung]


Abessen, verb. irreg. S. Essen. Es ist 1. ein Activum. (1) Durch Essen wegschaffen. Die Kirschen von dem Baume abessen. Das Fleisch von dem Knochen abessen. Und dann auch durch Essen lehr machen. Einen Knochen abessen. (2) Eine Forderung, die man an einen andern hat, durch Essen vermindern oder tilgen. Ich habe meinen Vorschuß bey ihm abgegessen. (3) + Ich habe dir nichts abgegessen, habe nichts von dir genossen, nichts von dem Deinigen verzehret. 2. Ein Neutrum mit haben, aufhören bey Tische zu essen, die Mahlzeit vollenden.Sie haben noch nicht abgegessen. Von Vornehmen sagt man dafür abspeisen, und von noch Höhern, von der Tafel aufstehen, die Tafel aufheben.


Abfachen (W3) [Adelung]


Abfachen, verb. reg. act. in Fächer theilen. Daher die Abfachung.


Abfädmen (W3) [Adelung]


Abfädmen, verb. reg. act. Die Schoten abfädmen, die so genannten Fäden an den Schoten der Erbsen, Bohnen, u. s. f. abziehen.


Abfahen (W3) [Adelung]


Abfahen, S. Abfangen.


Abfahren (W3) [Adelung]


Abfahren, verb. irreg. S. Fahren. Es ist1. Ein Activum, und bedeutet: (1) Durch Fahren, oder im Fahren absondern. Ein Stück von der Mauer abfahren. Die Schienen von den Rädern abfahren. Einem einen Arm, einen Fuß abfahren. (2) Das Zugvieh durch vieles Fahren abmatten. Die Pferde sind ganz abgefahren worden. (3) Einen Weg abfahren, ihn durch mehrmahliges Fahren machen; ingleichen ihn durch ein Fuhrwerk abmessen. (4) Eine Forderung oder Schuld durch Fahren vermindern oder tilgen. So kann der Kutscher einen erhaltenen Vorschuß abfahren. (5) Heu und Grummet abfahren, von dem Acker. 2. Ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt. (1) Sich mit einem Fuhrwerke von einem Orte entfernen. Die Post ist schon abgefahren. Der Schiffer wird bald abfahren. Wir sind von dem rechten Wege abgefahren. Auch wohl in weiterer Bedeutung überhaupt so viel als abreisen, wenn solches gleich zu Fuße geschiehet. (2) * Hinab fahren, herab fahren; im Hochdeutschen ungewöhnlich. Da, (nehmlich auf dem Rheine) kömmt das edle Maß auf Dordrecht abgefahren, Das Niederland erfreut, Opitz. (3) Fig. von andern schnellen Bewegungen lebloser Dinge von einem Orte. Der Hammer, die Axt ist abgefahren, nehmlich von dem Stiele. Das Messer fuhr im Schneiden ab. (4) Im verächtlichen Sinne von dem Tode eines Menschen. Auch er ist abgefahren.


Abfahrt (W3) [Adelung]


Die Abfahrt, plur. inusit. 1) Das Abreisen von einem Orte vermittelst eines Fuhrwerks oder Schiffes. 2) In weiterer Bedeutung, besonders in den Rechten, ein jeder Abzug von einem Orte; ja auch wohl das Abzugsgeld. 3) Die Abfahrt aus diesem Leben, fig. der Tod; auch wohl in guter Bedeutung.


Abfahrtsflagge (W3) [Adelung]


Die Abfahrtsflagge, plur. die -n, in der Schifffahrt, die Flagge, welche auf das Hintertheil des Schiffes gesteckt wird, ein Zeichen zur Abfahrt damit zu geben.


Abfahrtsgeld (W3) [Adelung]


Das Abfahrtsgeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er. 1) In den Rechten an einigen Orten, so viel als Abzugsgeld, oder das Geld, welches Unterthanen, die aus einem Lande oder Gerichte abziehen, von ihrem Vermögen der Obrigkeit entrichten müssen. 2) Bey den Handwerkern, ein Reisegeld, welches die Gesellen zuweilen bekommen, wenn sie zum ersten Mahle auswandern.


Abfahrtsschuß (W3) [Adelung]


Der Abfahrtsschuß, des -sses, plur. die -schüsse, in der Schifffahrt, der Kanonenschuß, der zum Zeichen der Abfahrt eines Schiffes dient.


Abfall (W3) [Adelung]


Der Abfall, des -es, plur. die -fälle; bedeutet nach Maßgebung des verschiedenen Gebrauches des Zeitwortes abfallen, 1) im physischen Sinne. (1) Das Fallen von einem höhern Orte, nach einem niedrigern; ohne Plural. Der Abfall der Blätter von den Bäumen. Der Abfall des Wassers. (2) Der Ort, durch welchen dieses Fallen geschiehet, besonders vom Wasser; ingleichen figürlich die abschüssige Lage des Bodens, der Fall. Einem Damme oder Pflas=ter den gehörigen Abfall geben. (3) Dasjenige, was von einer andern Sache abfällt oder abgehet, besonders in figürlicher Bedeutung. So heißen bey verschiedenenen Handwerkern die Abgänge von ihrer Arbeit auch Abfall oder Abfälle; z. B. bey den Fleischern verschiedene Nebentheile der geschlachteten Thiere, als Kopf, Füße, Leber u. s. f. welche in Osnabrück Potthast, in Hamburg Hüßputt, im Hannöv. Reßelse, an andern Orten die Zulage, das Kleine, letzteres mit Vorsetzung des Nahmens des Thieres, von welchem es ist, z. B. Hasenklein u. s. f. heißt. So auch der Abfall von dem Getreide, oder Spreukorn, im Hannöv. Reß von ressen, abfallen. In Wasserwerken und Wasserkünsten wird das überflüssige Wasser, welches abgeleitet, oder an andere überlassen wird, gleichfalls der Abfall genannt, welchen Nahmen auch wohl die Röhre führet, durch welche dieses Wasser abgeführet wird. In dieser Bedeutung des Abganges sagen einige auch wohl das Abfall.2) In moralischer Bedeutung. (1) Die bösliche Verlassung eines rechtmäßigen Herrn oder einer Religion. Der Abfall von einem Herrn, vom Glauben, von der Religion. Der Abfall zu dem Feinde. Einen zum Abfalle bewegen, verleiten, verführen. Der Stolz ist nach der Vernunft ein Abfall von der Wahrheit, Gell. (2) + Die Verschlimmerung seines häuslichenZustandes; im gemeinen Leben. In Abfall der Nahrung kommen oder gerathen, für Verfall. So auch in den Bergwerken, die Abnahme des innern Gehaltes der Erze. (3) Die zufällige Abweichung von der gewöhnlichen Beschaffenheit, die Verschiedenheit in Nebendingen. Eigentlich von der schwächern Beschaffenheit. In einem etwanigen Abfalle von Farben in Ansehung ihrer Lebhaftigkeit und Reinigkeit mochte die ganze Luft-Perspectiv des Polignotus bestehen, Less. In weiterer Bedeutung aber auch eine solche Abweichung überhaupt. Es gibt so viele Schattirungen der Empfindungen, als Abfälle zwischen einer Habichts- und Stumpfnase, Göthe. Wo doch wegen der Vieldeutigkeit dieses Wortes Abänderung, Abstufung u. s. f. klärer und deutlicher sind. (4) Einschränkung, Verminderung desjenigen, was vorher war behauptet worden. Das ist ein großer Abfall, kommt mit der davon gemachten Hoffnung, Versicherung, u. s. f. nicht überein. Das leidet einen starken Abfall, ist einer großen Einschränkung unterworfen. In dieser Bedeutung findet man auch wohl den Plural. Diese Regel leidet große Abfälle, Gottsch. (5) Bey einigen auch so viel als Contrast. Es ist unbeschreiblich, welchen Abfall ihr Betragen gegen ihre Kleidung machte, wie sehr es dagegen abstach. (6) Einige Sprachlehrer haben auch die Casus der Nennwörter Abfälle nennen wollen, aber damit wenig Beyfall erhalten.


Abfallen (W3) [Adelung]


Abfallen, verb. irreg. S. fallen. Es ist,1. Ein Activum, durch Fallen, oder im Fallen absondern. Ein Stück von der Wand abfallen. Er hat sich die Nase abgefallen. Am häufigsten aber,2. Ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert. (1) In physischer Bedeutung. a) Von einem höhern Orte abgesondert werden und herunterfallen. Die Blätter, Früchte u. s. f. sind abgefallen. Die eingebildete Glückseligkeit der Jugend ist eine unfruchtbare Blüthe, welche nach dem Frühlinge abfällt, ohne eine Frucht zu setzen, Dusch. So auch, der Kalk fällt ab, von der Mauer. Der Hut ist ihm abgefallen. Ingleichen das Wasser fällt ab, es nimmt ab, wird vermindert. Bey den Jägern bedeutet abfallen, von den großen Geflügel, von dem Baume fliegen, welches auch abbaumen, abstehen genannt wird. b) Abgesondert werden, besonders von demjenigen, was in der Arbeit, als minder brauchbar, abgehet, bey verschiedenen Handwerkern und Arbeitern. Im Bergbaue fällt ein Gang ab, wenn er sich von einem andern Gange absondert. (2) Im moralischen Verstande. a) Einen Herrn oder eine erkannte Wahrheit böslich verlassen. Von einem abfallen, seine Partey verlassen. Von dem Glauben, von der Religion abfallen. So auch, von der Tugend abfallen. Ein Abgefallener, ein Apostat. b) Eine Verminderung, Ausnahme, Einschränkung leiden, verschieden seyn. Das fällt gar sehr ab. Es fällt viel ab von ihrem Willen, Logau. So auch von den Farben. Diese Farbe fällt von der andern gar sehr ab, ist von ihr sehr verschieden; und in den Bergwerken, die Erze fallen ab, d. i. werden ärmer, am innern Gehalte schlechter. Bey den Jägern ist abfallen, schmal, mager werden.

Anm. Die im gemeinen Leben übliche Redensart, er ist vom Fleische abgefallen, oder, er fällt am ganzen Leibe ab, für, er nimmt ab, wird mager, ist eben so unrichtig und wider den Sprachgebrauch, als die Redensart, einer Meinung abfallen, d. i. anderer Meinung seyn. Die Bäume fallen ab, für, das Laub fällt von den Bäumen, ist eine ungewöhnliche Metonymie. Der biblische Gebrauch für fliehen, z. B. Ps. 78, 9. die Kinder Ephraim fielen ab zur Zeit des Streites, ist ungewöhnlich und veraltet.


Abfällig (W3) [Adelung]


+ Abfällig, adj. et adv. von Abfall, welches nach Art aller solcher Adjectiven auf ig etwas anzeigen würde, was gewöhnlicher Weise abfällt, z. B. Blätter, Blumen, u. s. f. Allein in dieser Bedeu- tung scheint es nur in Oberdeutschland üblich zu seyn. So saget zum Beyspiel Bluntschli, ein Zürchischer Geschichtsschreiber: das Laub blieb an den Bäumen, so daß weder Reifen noch Schnee selbiges mögen abfällig machen. Am häufigsten wird dieses Beywort in der figürlichen Bedeutung, und auch hier oft sehr unrichtig gebraucht. Z. B. ein Abfälliger in der Religion, von einem, der wirklich abgefallen ist, besser ein Abgefallener. Abfällig werden, für abfallen, und abfällig machen, für zum Abfalle bewegen, möchten sich noch eher vertheidigen lassen. Luthers Wortfügungen, einem abfällig werden oder machen, für von einem, 5. Mos. 2, 4. Es. 36, 7. und die noch ungewöhnlichere, Judas machte viel Volks abfällig ihm nach, Apg. 5, 37. taugen nichts. Abfällige leere Entschuldigungen, für ungegründete, die von sich selbst dahin fallen, kann man den Kanzeleyen überlassen.


Abfallsröhre (W3) [Adelung]


Die Abfallsröhre, plur. die -n, in den Wasserwerken und Wasserkünsten, diejenige Röhre, welche das überflüssige Wasser wieder abführet. S. Abfall.


Abfalzen (W3) [Adelung]


Abfalzen, verb. reg. act. 1) Bey den Gärbern, mit dem Falzmesser wegnehmen oder reinigen. Das Fleisch von der Aasseite abfalzen. Ein Fell abfalzen; eine Arbeit, welche sonst auch abaasen, bey den Sattlern aber abfleischen genannt wird. 2) Bey den Tischlern und Zimmerleuten ist abfalzen oder abfälzen, Falze mit den Gesimshobeln in Säulen und an Bretern machen; welches auch ausfalzen, ingleichen fälzen schlechthin genannt wird.

Anm. Frisch leitet dieses Zeitwort in der ersten Bedeutung von Fell her. In der zweyten stammet es ohne Zweifel von Falte ab. S. Falz.


Abfangen (W3) [Adelung]


Abfangen, verb. irreg. act. S. Fangen. 1) Durch Fangen seinem rechtmäßigen Herren entziehen. Einem die Tauben, dem Nachbar das Wild abfangen. So auch figürlich, einem das Wasser abfangen, heimlich entziehen und auf seinen Grund und Boden leiten. 2) In den Bergwerken, das Gestein oder Erdreich mit Hölzern oder Balken stützen, oder einfassen, damit es nicht einfalle. Den Sand mit Zimmerwerk abfangen, bey Absinkung eines Schachtes. 3) Bey den Jägern, einen Hirsch abfangen, ihm den Fang geben, oder ihn mit dem Hirschfänger tödten. So auch die Abfangung.


Abfärben (W3) [Adelung]


Abfärben, verb. reg. 1) Ein Activum, bey den Gärbern, dem Leder die gehörige Farbe geben. 2) Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, farbige Theile fahren lassen. Das Tuch färbt ab. Die Wand hat abgefärbt.


Abfaßen (W3) [Adelung]


Abfaßen, verb. reg. act. von dem Franz. Face, bey den Tischlern eine scharfe Ecke mit dem Hobel abstoßen, welches auch brechen genannt wird.


Abfassen (W3) [Adelung]


Abfassen, verb. reg. act. Könnte 1) eigentlich so viel bedeuten, als durch Fassen absondern oder vollenden, ingleichen aufhören zu fassen, welche Bedeutungen aber nicht üblich sind. Doch ist bey den Huf- und Waffenschmieden abfassen so viel, als ein Stück Eisen auf dem Amboße umschlagen; und bey den Jägern bedeutet es abwickeln, wie abdocken. Bey den Material-Krämern bedeutet es abtheilen, d. i. trockne Sachen zum voraus lothweise u. s. f. abwägen und einwickeln, damit es bey dem einzelnen Verkaufe nicht so viele Zeit wegnehme. 2) Figürlich, die Worte und Sätze einer Rede oder Schrift ordnen. Einen Bericht, einen Satz, eine Bittschrift, eine Klage, ein Urtheil, eine Schrift abfassen. Etwas schriftlich abfassen, aufsetzen, verfassen. Ab hat hier den Begriff der Vollendung, gleichsam gehörig fassen. Abfassen wird nur von kürzern, verfassen aber von längern Aufsätzen gebraucht. Ein Buch abfassen sagt man nicht, aber wohl verfassen. Daher die Abfassung, in beyden Bedeutungen.


Abfasten (W3) [Adelung]


+ Abfasten, verb. reg. act. 1) Sich abfasten, sich durch Fasten entkräften. 2) Durch Fasten büßen. Eine Sünde, eine Vergehung abfasten. Beydes im gemeinen Leben.


Abfaulen (W3) [Adelung]


Abfaulen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, durch Faulen abgesondert werden. Die Wurzel fault ab, ist abgefault. Von einem edlen Baum ein abgefaulter Ast, Can.


Abfäumen (W3) [Adelung]


Abfäumen, verb. reg. act. von Faum, folglich nicht abfeimen. 1) Eigentlich, den Faum oder Schaum abschöpfen, von dem Schaume befreyen. Honig, Talg u. s. f. abfäumen, abschäumen. 2) Figürlich in der Redensart, ein abgefäumter Schalk, der Ausbund von allen Schälken, ein listiger, durchtriebener Mensch, der zu allen Schelmereyen gleichsam verfeinert ist. Ich weiß, daß er ein abgefäumter Schlangenkopf ist, Weiße.


Abfechten (W3) [Adelung]


+ Abfechten, verb. irreg. act. S. Fechten. 1) Einem etwas abfechten, durch Fechten von ihm erhalten. 2) Sich abfechten, sich durch Fechten ermüden.


Abfedern (W3) [Adelung]


Abfedern, verb. reg. act. an einigen Orten, der Federn berauben. Eine Gans, ein Huhn abfedern, rupfen.


Abfegen (W3) [Adelung]


Abfegen, verb. reg. act. durch Fegen absondern, oder wegschaffen. Den Staub, Unrath abfegen. Ingleichen durch Fegen reinigen. Den Tisch, die Bücher abfegen. Abfegende Mittel heißen bey einigen Ärzten auch diejenigen Arzeneyen, welche die Schärfe des Geblütes durch Ausführen lindern, abstergentia, abluentia. Daher die Abfegung, in den obigen Bedeutungen.


Abfeilen (W3) [Adelung]


Abfeilen, verb. reg. act. 1) Mit der Feile wegnehmen, absondern. Das Gröbste abfeilen. Ein Stück von einem Nagel abfeilen. Ingleichen durch Feilen verkürzen oder kleiner machen. Einen Nagel abfeilen. 2) Mit der Feile zur Vollkommenheit bringen, völlig fertig feilen. Einen Schlüssel abfeilen.


Abfeilicht (W3) [Adelung]


+ Das Abfeilicht, des -es; plur. car. bey einigen Eisenarbeitern, so viel als Feilstaub, oder Feilspäne.


Abfeimen (W3) [Adelung]


Abfeimen, S. Abfäumen.


Abfertigen (W3) [Adelung]


Abfertigen, verb. reg. act. 1) Fertig machen, und fortschicken; so wohl von Personen als Sachen. Einen Brief, einen Bothen, ein Schiff abfertigen. Einen Courier an jemanden abfertigen, abschicken. 2) Die schuldige Bezahlung, verlangte Antwort u. s. f. geben, und damit gehen lassen, nach vollendetem Geschäfte gehen lassen. Ich bin bald abgefertiget worden. 3) Figürlich. Einen kurz oder kahl abfertigen, ihm eine herbe Antwort geben und damit gehen lassen. So siehet er ihn kaum halb über Achsel an, Und fertigt ihn kahl ab, Opitz. So auch: jemanden schimpflich abfertigen, ihn mit einer Tracht Schläge abfertigen.


Abfertigung (W3) [Adelung]


Die Abfertigung, plur. die -en. 1) Das Absenden eines Bothen oder einer Sache; ohne Plural. Der Bothe wartet auf eine Abfertigung. 2) Die Bezahlung, Antwort, Entschließung, u. s. f. damit jemand gehe. Die Leute bekommen ihre Abfertigung aus der Kriegskasse, ihre Bezahlung. 3) Eine herbe oder unerwartete Antwort, womit jemand entlassen wird. Da hast du deine Abfertigung.


Abfesseln (W3) [Adelung]


Abfesseln, verb. reg. act. Einen abfesseln, ihn der Fessel entledigen, ihm die Fessel abnehmen; edler entfesseln.


Abfeuern (W3) [Adelung]


Abfeuern, verb. reg. act. 1) Bey den Feuergewehren so viel als abbrennen. Ein Gewehr, eine Kanone, eine Flinte abfeuern. Unter Abfeuerung der Kanonen. 2) In den Schmelzhütten das Feuer abgehen lassen, das Feuern beschließen. Daher die Abfeuerung, in beyden Bedeutungen.


Abfiedeln (W3) [Adelung]


+ Abfiedeln, verb. reg. act. 1) Durch Fiedeln; d. i. hin und her reiben, absondern; im gemeinen Leben. 2) In den Schmelzhütten auf dem Oberharze, den groben Abstrich, der nicht zergangen ist, mit einem Eisen abziehen.


Abfiedern (W3) [Adelung]


Abfiedern, verb. reg. act. bey den Glasern an einigen Orten, die überflüssigen Theile des Glases mit dem Fiedermesser oder Fügeeisen abkneipen; eine Arbeit, welche bey den meisten Glasern auch abfügen genannt wird.


Abfinden (W3) [Adelung]


Abfinden, verb. irreg. act. S. Finden. Einen abfinden, ihn wegen seiner Ansprüche befriedigen, ihm geben, was ihm gehöret, und damit gehen lassen. Seine Gläubiger abfinden, oder sich mit ihnen abfinden. Doch gabst du ihr aus eitlem Sinn Den besten Kern des Lebens hin, Gott ward mit Hülsen abgefunden, Can. Besonders in den Rechten, jemanden durch ein Äquivalent von allen Ansprüchen auf eine Erbschaft ausschließen. Einen Prinzen abfinden, ihm seinen Unterhalt auswerfen, damit er auf die Länder keinen weitern Anspruch machen dürfe. Ein abgefundener oder apanagirter Herr. In gleicher Bedeutung saget man auch, sich mit einem wegen einer Sache abfinden, sich durch Abtretung des schuldigen Theiles mit ihm vergleichen. Sie werden sich schon mit mir abfinden, Gell.

Anm. Ein Urtheil finden, bedeutete ehedem so viel, als ein Urtheil sprechen, und abfinden, durch Urtheil und Recht entscheiden. Daher sind die Abfinder in den Holsteinischen Landgerichten das, was in andern Gegenden die Beysitzer und Schöppen sind. Vermuthlich stammt die heutige Bedeutung des Zeitwortes abfinden daher. Abfinden und abgüten werden in dem gemeinen Rechte oft als Synonyma gebraucht. In andern Gegenden, z. B. im Jülichischen, wird abgüten nur von den Töchtern gebraucht, wenn sie vermittelst einer Mitgabe von der Erbschaft ausgeschlossen werden. In dem Deutschen Staatsrechte findet noch ein anderer Unterschied Statt. Abgefundene Töchter sind diejenigen, welche vermittelst einer erhöheten Mitgabe nach Ausgang des männlichen Geschlechtes ihrer Linie durch die entfernten Stammvettern von der Erbschaft zwar ausgeschlossen worden, aber doch nach Erlöschung des ganzen männlichen Stammes ihren Regreß darauf behalten; abgegütete Töchter aber diejenigen, welche durch eine ansehnliche Erhöhung des Heirathsgutes auf immer davon ausgeschlossen worden. Für abfinden, apanagiren, war ehedem auch abbannen üblich, von Bann, Gericht, gerichtliche Entscheidung; Abgebannte Brüder, abgefundene. Und es ist die Frage, ob sich das mittlere Lat. apanare, Franz. apanager; davon nicht schicklicher würde herleiten lassen, als von panis, wie gemeiniglich geschiehet. Eine Bemerkung, welche ich dem Hrn. Diac. Rinderling in Kalbe zu danken habe.


Abfindung (W3) [Adelung]


Die Abfindung, plur. die -en, die Befriedigung eines andern wegen seiner Ansprüche; besonders in Erbschaftssachen, der Vergleich über den Theil, den der andere zu fordern berechtiget ist, und auch wohl dieser Theil selbst. Abfindungsgelder sind daher solche Gelder, welche von den Lehnsfolgern oder Landerben, zur Befreyung des Lehnes, bezahlet werden müssen.


Abfinnen (W3) [Adelung]


Abfinnen, verb. reg. act. 1) Bey den Grobschmieden und Schlossern, das Eisen mit der Finne, oder dem dünnen Ende des Hammers, dünner schlagen. 2) Bey den Klämpenern, mit der Finne des Hammers Ecken in das Blech treiben. Gemeiniglich sprechen die Klämpener dieses Zeitwort abpinnen aus, welches denn dem Niedersächsischen afpinnen näher kommt. S. Finne 2.


Abfischen (W3) [Adelung]


Abfischen, verb. reg. act. 1) Ausfischen. Einen Teich abfischen, alle Fische aus demselben fangen. 2) Das Fischen zu Ende bringen. 3) + Abschöpfen; im gemeinen Leben. Das Fett abfischen, das Beste von einer Sache an sich nehmen. Daher die Abfischung in den obigen Bedeutungen.


Abfitzen (W3) [Adelung]


Abfitzen, verb. reg. act. bey den Mäurern, eine mit Kalk be-worfene und ausgestrichene Mauer mit dem Sprengpinsel glatt machen. S. Fitzen 2.


Abflachen (W3) [Adelung]


Abflachen, verb. reg. act. im Deichwesen, so viel als abdachen. Daher die Abflachung, die Abdachung.


Abflammen (W3) [Adelung]


Abflammen, verb. reg. act. bey den Gärbern, Leder mit Talg tränken, und diesen über einem Kohlfeuer einziehen lassen.


Abflattern (W3) [Adelung]


Abflattern, verb. reg. 1) Ein Reciprocum, sich abflattern, sich durch Flattern abmatten, von Vögeln und dem Federviehe. 2) Ein Neutrum, mit dem Hülfsw, seyn, von dem Geflügel, sich flatternd entfernen. Figürlich aber auch von der flüchtigen Entfernung einer leichtsinnigen Person. Er ist schon wieder abgeflattert.


Abflauen (W3) [Adelung]


+ Abflauen, verb. reg. act. in fließendem Wasser abspülen; nur noch in einigen Fällen. So bedeutet es 1) in den Bergwerken, die gepochten Erze abwaschen; welches so wohl in Abflaufässern, als auch auf Abflauherden geschiehet, welche aus Unwissenheit auch wohl Abflachherde und Abflichherde genannt werden. 2) In Oberdeutschland aber, die mit Seife und Lauge gewaschene Wäsche in kaltem Wasser abspülen; welches man in Ober- und Niedersachsen spülen nennt. S. Flauen.


Abflecken (W3) [Adelung]


Abflecken, verb. reg. neutr. mit haben, Theile fahren lassen, und dadurch Flecken verursachen. Nasse Farbe fleckt ab.


Abfledern (W3) [Adelung]


Abfledern, verb. reg. act. in der Landwirthschaft, das ausgedroschene Getreide mit einem Flederwische an einer langen Stange abkehren, es dadurch von den Ähren zu reinigen.


Abflegeln (W3) [Adelung]


Abflegeln, verb. reg. act. bey einigen Landwirthen, Früchte von verschiedener Art und Länge, wie z. B. Weitzen und Linsen, welche unter einander gebauet worden, vermittelst des Flegels, d. i. durch Dreschen, von einander absondern.


Abfleischen (W3) [Adelung]


Abfleischen, verb. reg. act. 1) Bey den Sattlern und Kürschnern, das noch an den Fellen befindliche Fleisch abschaben, welches bey den letztern auch abziehen, bey den Gärbern aber abaasen heißt. Es geschieht solches bey ihnen mit krummen scharfen Messern, welche daher Abzieheisen oder Abfleischeisen genannt werden. S. auch Abfalzen. 2) * Für zerfleischen, bey dem Flemming; aber im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Abflichherd (W3) [Adelung]


Der Abflichherd, S. Abflauen.


Abfliegen (W3) [Adelung]


Abfliegen, verb. irreg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, S. Fliegen, 1) Eigentlich sich fliegend entfernen, hinweg fliegen, von Vögeln und dem Federviehe. 2) Figürlich auch von andern schnellen und unerwarteten Bewegungen lebloser Dinge. Der Pfeil ist von der Sehne abgeflogen. Er stieß sich, daß ihm der Hut abflog. 3) Im Forstwesen flieget das Holz ab, wenn es auf dem Stamme dürre wird und abstirbt; welches auch abdorren und abstehen heißt.


Abfließen (W3) [Adelung]


Abfließen, verb. irreg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, S. Fließen. 1) * Von einer Höhe hinunter fließen, hinab fließen; im Hochdeutschen ungewöhnlich. - Wie fleußt der Thränen Bach Die bleichen Wangen ab, Opitz. 2) Hinweg fließen, wobey doch der erste Begriff mit zum Grunde liegt. Das Wasser fließt durch die Röhre ab. Als die Wasser der Sündfluth abgeflossen waren. Der abgeflossene Strom kehret nicht wieder zu seiner Quelle zurück, Dusch. Daher das Abfließen. S. auch Abfluß.


Abflößen (W3) [Adelung]


Abflößen, verb. reg. act. abfließend machen, so wohl von einer Höhe hinab, als auch von einem Orte hinweg. Holz abflößen, auf dem Flusse. Daher die Abflößung.


Abfluß (W3) [Adelung]


Der Abfluß, des -sses, plur. die -üsse, 1) Das Abfließen des Wassers; ohne Plural. Der Ab- und Zufluß des Meeres, die Ebbe und Fluth. 2) Der Ort, durch welchen ein flüssiger Körper abfließt.


Abfodern (W3) [Adelung]


Abfodern, S. Abfordern.


Abfolgen (W3) [Adelung]


Abfolgen, verb. reg. neutr. welches aber nur im Infinitiv mit dem Zeitworte lassen üblich ist, eine Person oder Sache einem andern auf sein Verlangen aushändigen. Einen Gefangenen abfolgen lassen. Er will mir das Meinige nicht abfolgen lassen. Wenn einige dafür verabfolgen sagen, so ist solches eine unnöthige Verlängerung. In Oberdeutschland gebraucht man dieses Zeitwort auch als ein thätiges. So heißt es z. B. bey dem Bluntschli: daß den Armen Korn abgefolget werden möge.


Abfolgung (W3) [Adelung]


Die Abfolgung, plur. inusit: die Aushändigung oder Zurücksendung dessen, was man von einem andern in seiner Gewalt hat. Man hat um die Abfolgung des Gefangenen angehalten.


Abfordern (W3) [Adelung]


Abfordern, verb. reg. act. 1) Eine Person oder Sache von einem Orte wegrufen. Man hat ihn von dem Rathause abgefordert, weggerufen. Am häufigsten, wenn man über die Person oder Sache ein Recht hat. Einen abfordern, ihn aus eines andern Dienst oder Gewalt zurück berufen. Der König hat die Sache von dem Gerichte abgefordert. Von der Welt abgefordert werden, figürlich für sterben. Wenn der Tag kommt, da der Herr des Lebens mich abfordern wird. 2) Einem etwas abfordern, es von ihm fordern. Wer nichts hat, dem kann man nichts abfordern. Man forderte uns kein Geld für den Einlaß ab. Einem Gefangenen den Degen abfordern. Die Kleider von dem Schneider abfordern. Von der unbilligen Auslassung des r in diesem Zeitworte, S. Fordern.


Abforderung (W3) [Adelung]


Die Abforderung, plur. die -en. 1) In der Bedeutung des Verbi überhaupt. Abforderungsbriefe, Avocatoria. 2) Das Recht, flüchtige Unterthanen zurück zu fordern, welches auch das Abforderungsrecht, das Besatzungsrecht, ingleichen das Satzrecht genannt wird.


Abformen (W3) [Adelung]


Abformen, verb. reg. act. 1) Bey verschiedenen Künstlern und Handwerkern, die Gestalt einer Sache in einen weichen Körper drücken, um hierin den Abdruck oder Abguß zu verfertigen. Eine Bildsäule, eine Glocke u. s. f. abformen. 2) Das Modell zu einem Kunstwerke aus einem weichen Körper formen. 3) Bey den Schustern, den Schuh wieder von dem Leisten herunter schlagen. Daher die Abformung. In Oberdeutschland, besonders in Baiern, bedeutet abfürmen figürlich jemand anschwärzen, einen nachtheiligen Begriff von ihm erwecken.


Abformiren (W3) [Adelung]


Abformiren, verb. reg. act. bey den Buchbindern, ein aus dem Lateinischen entlehntes Kunstwort, den angesetzten Deckeln der Bücher ihre völlige Gestalt geben.


Abfragen (W3) [Adelung]


Abfragen, verb. reg. act. S. Fragen, durch Fragen von einem heraus bringen. Einem etwas abfragen. Er läßt sich alles abfragen, man kann alles von ihm heraus bringen. Und wer sie nicht beym Trunk entdecken kann, Sucht sie umsonst den Schönen abzufragen, singt Hagedorn von der Wahrheit. + So fraget man den Bauern die Künste ab, so pflegt man die Dummen auszufragen, ist eine niedrige sprichwörtliche Redensart. Noch niedriger und zugleich possierlich ist die R. A. der Niedersachsen: er sollte wohl der Kuh das Kalb abfragen, d. i. er hat die Gabe einen auf das genaueste auszufragen.


Abfressen (W3) [Adelung]


Abfressen, verb. irreg. act. S. Fressen. 1) Eigentlich von Thieren, durch Fressen absondern oder verzehren. Die Raupen haben die Blätter abgefressen. Die Käfer fressen die Knospen ab. Ingleichen durch Fressen leer machen, verwüsten. Das Vieh hat die Äcker abgefressen. Die Schnecken fressen die Weinstöcke ab. Wenn dieses Zeitwort in dieser und andern Bedeutungen des Abessens auch von Menschen gebraucht wird, so geschiehet solches nur in sehr niedrigen Redensarten. 2) Figürlich auch von leblosen Dingen, für verzehren. Der Gram frißt ihm das Herz ab, verkürzet seyn Leben. Wenn einige dafür sagen,er frißt sich das Herz ab, nehmlich durch Gram, so ist die Figur ein wenig zu hart und unedel.


Abfrieren (W3) [Adelung]


Abfrieren, verb. irreg. neutr. mit seyn, S. Frieren. 1) Durch Frost abgesondert werden. Die Nase ist ihm abgefroren, wofür man in einigen Gegenden sehr unrichtig sagt, er hat sich die Nase abgefroren. 2) Sehr frieren. Er ist tüchtig abgefroren.


Abfröhnen (W3) [Adelung]


Abfröhnen, verb. reg. act. 1) Durch Frohn- oder Handdienste bezahlen. Eine Schuld, einen Vorschuß abfröhnen. 2) Die schuldigen Frohndienste leisten. Die Hoftage abfröhnen. Daher die Abfröhnung.


Abfügen (W3) [Adelung]


Abfügen, verb. reg. act. 1) Bey den Glasern die überflüssigen Glastheile oder auch die Zacken, die der Diamant an den Glasscheiben stehen gelassen, mit dem Fügeeisen abkneipen. S. auch Abfiedern. 2) Bey den Tischlern, Breter, welche zusammen geleimet werden sollen, mit dem Fügehobel glatt hobeln.


Abfuhre (W3) [Adelung]


Die Abfuhre, plur. inusit. das Wegschaffen einer Sache von einem Orte vermittelst des Fuhrwerkes, in der eigentlichen Bedeutung des Verbi abführen. Die Abfuhre des Holzes, der Lebensmittel, des Getreides, u. s. f. das Wegführen desselben, die Wegschaffung.


Abführung (W3) [Adelung]


Die Abführung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Abführens, in den meisten Bedeutungen des Zeitwortes; ohne Plural. 1) Bey den Ärzten, ein abführendes Arzeneymittel. Eine Abführung einnehmen.


Abfüllen (W3) [Adelung]


1. Abfüllen, (von voll,) verb. reg. act. durch Schöpfen oben wegnehmen. Ein Maß Wasser, Bier, u. s. f. abfüllen, von dem Fasse. Ingleichen metonymisch, die Fülle eines flüssigen Körpers vermindern. Den Wein abfüllen. Das Faß, (den Wein, Bier u. s. f. in dem Fasse,) abfüllen. Daher die Abfüllung.


Abfüllen (W3) [Adelung]


2. Abfüllen, (von Füllen, pullus,) verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, in den Stutereyen, ein Füllen werfen. Daher die Abfüllung.


Abfurchen (W3) [Adelung]


Abfurchen, verb. reg. act. in der Landwirthschaft. 1) Durch Furchen abtheilen. 2) Furchenweise abpflügen.


Abfüttern (W3) [Adelung]


Abfüttern, verb. reg. act. in der Landwirthschaft, das Vieh gehörig satt füttern, besonders demselben gegen die Nacht das letzte Futter geben. Daher Abfütterung.


Abgabe (W3) [Adelung]


Die Abgabe, plur. die -n. 1) Die Handlung des Abgebens in den eigentlichen Bedeutungen des Zeitwortes; ohne Plural. Die Abgabe eines Briefes, eines Buches u. s. f. 2) Dasjenige, was einem andern abgegeben wird; besonders, was Unterthanen von ihrem liegenden und fahrenden Vermögen der Obrigkeit entrichten. Die Abgaben einfordern. Seine Abgaben entrichten, berichtigen. Eine Abgabe auf den Wein legen. Die Abgabe von dem Weine, Biere u. s. f. Ein Land, das mit vielen Abgaben beschweret ist. Abgabe ist zwar keine ganz allgemeine Benennung alles dessen, was Unterthanen der Obrigkeit zu entrichten haben; indessen schließet es doch mehrere besondere Arten in sich, dergleichen z. B. Steuer, Accise, Kopfgeld u. s. f. sind. S. auch Auflage.


Abgähren (W3) [Adelung]


Abgähren, verb. irreg. neutr. ( S. Gähren,) mit haben, bis zu Ende gähren, völlig ausgähren. Das Bier hat bereits abgegohren.


Abgang (W3) [Adelung]


Der Abgang, des -es, plur. die -gänge. 1) Die Handlung des Abgehens von einem Orte, ohne Plural; und zwar, (1) in engerer Bedeutung, vermittelst der Füße. Der Abgang des Bothen. Abgang nehmen, bedeutet in den Seifenwerken so viel als Schicht machen, von der Arbeit abgehen. (2) In weiterer Bedeutung, fast eine jede Entfernung von einem Orte. Der Abgang der Post, des Briefes, des Schiffes, der Gelegenheit, nehmlich eine Sache oder Person fortzuschaffen. Mit Abgang der Post. Vor Abgang des Briefes. (3) Figürlich. (a) Der Vertrieb der Waaren. Diese Waare hat guten Abgang, findet viele Käufer, hat schlechten oder gar keinen Abgang. Der Kaufmann hat guten Abgang, an Waaren. (b) Die Unterlassung der Ausübung, des Gebrauches einer Sache. Dieser Gebrauch kommt in Abgang, ist schon lange in Abgang gerathen. Etwas in Abgang bringen. In Abgang gekommene (besserveraltete) Moden. (c) Die Abnahme, nachtheilige Verminderung. Ich spüre noch keinen Abgang an meinen Kräften. Sein Hauswesen kommt in Abgang. In Abgang der Nahrung gerathen, kommen. Jemanden in den Abgang der Nahrung bringen. Die Schäferey leidet durch die Pocken dieses Jahr großen Abgang. (d) Zuweilen auch Mangel, der Zustand, da eine Sache abgegangen ist. Der Abgang des Wassers, oder an Wasser. Der Abgang an Lebensmitteln. Man spüret keinen Abgang daran. (e) Das Absterben. Der Abgang aus diesem Leben. Der tödtliche Abgang. Nach Abgang des männlichen Geschlechtes, der weiblichen Linie.2) Was von einer Sache abgehet. (1) In körperlicher Bedeutung, was bey ihrer Verfertigung, als minder brauchbar abgesondert wird; als ein Collectivum, so wohl im Singular, als im Plural allein. Bey verschiedenen Arbeitern haben diese Abgänge besondere Nahmen. Bey den Metallarbeitern heißen sie mehrentheils Krätz, oder Gekrätz, bey den Goldschlägern die Schabine, bey den Fleischern Abfall, im Forstwesen Afterschlag und Abraum, bey den Böttchern Miesel, u. s. f. In dieser Bedeutung ist im gemeinen Leben auch das Verkleinerungswort im Plur. die Abgänglein, und das abgeleitete die Abgängsel üblich. (2) Was einer Sache in der Bearbeitung oder Behandlung an Zahl, Maß oder Gewicht abgehet; ohne Plural. Dieses Erz hat auf hundert Pfund sechzig Pfund Abgang, d. i. ein Zentner Erz gibt nur vierzig Pfund reines Metall. Der Abgang bey dem Getreide durch Mäusefraß, der Verlust. Der Abgang an der Casse, der Defect.


Abgängig (W3) [Adelung]


+ Abgängig, adj. et adv. Abgang habend, in den mehresten Bedeutungen des Zeitwortes abgehen. Eine abgängige Waare, welche gut abgehet. Eine abgängige Post, welche im Begriffe ist, abzugehen, besser die abgehende. Abgängige Stücke Holz, welche von etwas abgehen. Einige gebrauchen dafür abgänglich; allein beyde Beywörter sind nur den niedrigen Sprecharten eigen.


Abgärben (W3) [Adelung]


+ Abgärben, verb. reg. act. im niedrigen Scherze, so viel als abprügeln.


Abgaukeln (W3) [Adelung]


Abgaukeln, verb. reg. act. Einem etwas, es durch Gaukeley, Blendwerk von ihm erhalten.


Abgeben (W3) [Adelung]


Abgeben, verb. irreg. act. S. Geben.1) In eigentlicher Bedeutung. (1) Von sich geben, einem andern übergeben, besonders von Dingen, welche uns anvertrauet worden, oder von uns andern anvertrauet werden. Der Brief ist richtig abgegeben worden. Wo ist der Brief abzugeben? Ich habe etwas an dich abzugeben. Ich habe das Buch an euren Bruder abgegeben. Er hat die Sache abgegeben, einem andern übertragen. Das Commando abgeben. Seinen Degen abgeben. Im Kartenspiele, die Blätter im Spiele von sich geben, häufiger ablegen. Von den Pferden gebraucht, heißt abgeben, vermuthlich als ein Neutrum, so viel als schieben, d. i. die Zähne verlieren.2) Einen Theil von etwas an einen andern geben. (1) Eigentlich. Er hat mir nichts davon abgegeben. Jedes Regiment soll hundert Mann abgeben. (2) In engerer Bedeutung, einen Theil seiner Habe oder seines Erwerbes an die Obrigkeit geben. Zoll von etwas abgeben. Von dieser Waare muß man viel abgeben, oder diese Waare gibt viel ab. (3) + Die unpersönliche figürliche Redensart, es wird nicht viel abgeben, es ist wenig Gewinn dabey zu hoffen, kann man immer dem großen Haufen überlassen. (4) + Einem etwas abgeben, so wohl ihm eine derbe, bittere Antwort, als auch einen Schlag geben. (5) + Verursachen. Es wird etwas abgeben, nehmlich Verdruß, Zank, Schläge. Das wird einen rechten Lärm abgeben. Es gibt Schläge ab, es setzt Schläge.3). Sich mit jemanden abgeben, sich mit ihm einlassen, Umgang, Unterredung, Gemeinschaft mit ihm haben, mit einem schwachen verächtlichen Nebenbegriffe. Gib dich mit dem Thoren nicht ab. Sich mit den Kindern abgeben, sich mit ihnen zu thun machen. Sich mit einer Sache abgeben, Theil daran nehmen, sich mit ihr beschäftigen.4) Sich mit einer Sache abgeben, sich damit als mit einer Nebensache beschäftigen, ohne sie gründlich zu verstehen. Sich mit dem Griechischen abgeben. Er gibt sich mit Verse Machen, mit Curiren u. s. f. ab. Gottsched nannte diesen Gebrauch des Zeitwortes abgeben einen häßlichen Mißbrauch; aber er sagte nicht warum. Genug diese Art zu reden ist alt und im gemeinen und gesellschaftlichen Leben allgemein.5) Zu etwas gebraucht werden, sich zu etwas gebrauchen lassen, so wohl von Personen, als von Sachen, zu etwas dienen, ohne dazu bestimmt zu seyn. Dieser Stock sollte einen guten Spazierstock abgeben. Das kann einen Mantel abgeben. Er gibt einen Dollmetscher, Mahler, Arzt u. s. f. ab. Er würde einen guten Soldaten abgeben. Oft auch überhaupt zu etwas dienen, dessen Stelle vertreten. Wie freue ich mich, daß ich heute einen Zeugen ihres Vergnügens abgeben soll! Gell. Die Empfindungen können keinen Bestimmungsgrund dessen, was recht oder unrecht ist, abgeben. Aber ein Mißbrauch ist es, wenn dieses Wort von der pflichtmäßigen Bekleidung eines Amtes oder Verwaltung einer Stelle gebraucht wird. So heißt es im Jöcherschen Gel. Lex. immer, er gab einen Professor, einen Advocaten u. s. f. ab, für er war ein Professor u. s. f. weil sich da der Begriff der Nebenbeschäftigung immer mit einschleicht.

Anm. In dieser letzten Bedeutung findet man bey dem Opitz häufig das einfache geben. Z. B. er hat einen artlichen Poeten gegeben. Ferner, Ach daß ich einen Fremdling gebe, Und bey den Mesechitern lebe! Ingleichen, Ich will um meines Gottes Thor Viel lieber einen Hüter geben.


Abgeboth (W3) [Adelung]


Das Abgeboth, des -es, die -e, S. Abbiethen.


Abgebrochenheit (W3) [Adelung]


Die Abgebrochenheit, plur. car. von abgebrochen und abbrechen, diejenige Eigenschaft einer Rede, wenn sie aus mehrern unverbundenen Hauptbegriffen bestehet, dergleichen besonders heftigen Gemüthsbewegungen eigen ist; eine fortgesetzte Ellipse.


Abgehen (W3) [Adelung]


Abgehen, verb. irreg. S. Gehen. Es ist:I. Ein Activum, und bedeutet alsdann, (1) durch Gehen oder im Gehen absondern, abnützen. Die Absätze an den Schuhen abgehen. (2) Durch Gehen oder mit Schritten abmessen. Einen Platz, einen Weg abgehen. Wir haben die ganze Wiese abgegangen. (3) + Sich abgehen, als ein Reciprocum, sich durch vieles Gehen ermüden; im gemeinen Leben.II. Ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, und den Begriff der Entfernung, der Absonderung, der Verminderung und des Aufhörens durch alle Schattirungen der eigentlichen und uneigentlichen Bedeutungen ausdrucket.1. Der Entfernung, und zwar theils, (a) im eigentlichen Verstande, vermittelst der Füße, für von einem Orte gehen. Der Bothe ist abgegangen. Einen Bothen abgehen lassen. Von dem rechten Wege abgehen. Abgehen, von der Schaubühne abtreten. Lisette ging betrübt zu der Gesandtschaft ab, Zach. Theils aber auch (b) auf jede andere Art, als ein allgemeiner Ausdruck für die besondern abreiten, abfahren, absegeln u. s. f.Die Post geht ab. Einen Brief, eine Waare abgehen lassen, absenden. Der Courier ist bereits abgegangen, abgeritten, abgefahren. Ich werde morgen nach Berlin abgehen, abreisen. Mit der Post abgehen. (c) Sich entfernen überhaupt, in einigen Fällen. Hier gehet die Straße ab. Von seinem Texte, von der Materie abgehen, ausschweifen. (d) Käufer finden, gesuchet werden, besonders von Waaren. Das Buch will nicht abgehen. Die Waare geht stark ab. Der Wein gehet gut ab. Der im gemeinen Leben von einer solchen Waare übliche Ausdruck: sie geht reißend ab, ist eine falsche Ellipse, die so viel sagen soll, daß man sich gleichsam um sie reiße, welches aber durch das thätige Mittelwort reißend nicht ausgedruckt wird. + Die Kinder gehen ihm gut ab, so wohl sie werden schnell versorgt, als auch im Scherze, sie sterben ihm schnell dahin. (e) Sich mit dem Gemüthe entfernen, anderer Meinung seyn. Von einem abgehen, so wohl seine Partey verlassen; als auch anderer Meinung seyn. Von eines Meinung abgehen. In dieser Sache muß ich von dir abgehen. Hierin gehen sie von einander ab. (f) Nachgeben, von seinen Forderungen nachlassen. Hiervon kann ich nicht abgehen. Und überhaupt, anderes Sinnes werden. Von seinem Vorhaben, von seiner Entschließung abgehen. Er geht nicht ab, er bleibt standhaft dabey. (g) Die Verbindung mit jemanden aufheben. Von einem Kaufmanne, Künstler, Handwerker u. s. f. abgehen, nichts mehr von ihm kaufen, nicht mehr bey ihm arbeiten lassen. Von seinem Advocaten, Beichtvater, Arzte abgehen. (h) Einen Dienst, oder ein Amt niederlegen, auch wenn es der Ordnung zu Folge auf eine Zeit geschiehet. Von einem Amte abgehen. Der regierende Bürgermeister geht morgen ab. So sagt man auch an einigen Orten von dem Gesinde, daß es abgehe, wenn es abzieht. (i) Sterben, so wohl von dem Viehe: es sind ihm in diesem Jahre viele Schafe abgegangen; als auch in edlerer Bedeutung von dem Menschen, wo es vielleicht eine Anspielung auf das Abgehen des Schauspielers von der Schaubühne ist. Mit Tode abgehen, und auch nur schlechthin, abgehen. Wann aber er schleicht zu den Vätern hin Und gehet ab - - Opitz. Geht wo ein Schulregent in einem Flecken ab, Mein Gott, wie rasen nicht die Dichter um sein Grab! Can. Diese Bedeutung ist nicht neu. In dem 1514 gedruckten Deutschen Livius kommt schon die R. A. mit Tode abgehen vor, und in einem andern zu Mainz 1518 gedruckten Buche lieset man: er ist todtshalben abgegangen. Ingleichen im Theuerdank: Von der ich gehört hab Wie yetzt ir Vater abMit tode sey gegangen. 2. Der Absonderung. (a) Abgesondert werden. Von dem Holze wird im Behauen noch viel abgehen. Die Farbe gehet ab, der gefärbte Körper läßt färbende Theile fahren. Im Schmelzen geht von dem Bleye viel ab. (b) Abgesondert und geschieden werden. Das Silber geht auf der Kapelle ab, im Hüttenwesen, es wird von allem Zusatze geschieden. Der Nagel geht mir ab. Der Urin gehet blutig ab. Es ist ihm ein Wurm abgegangen. Es ist ihr ein Kind abgegangen, und das Abgehen der Leibesfrucht hat den Begriff des allzu frühen Abganges einer unzeitigen Geburt bey sich, daher auch einige Abgängling für eine solche abgegangene unzeitige Leibesfrucht gebrauchen.3. Der Verminderung und des Mangels, und zwar (a) vermindert werden, Abzug leiden. Von dieser Summe muß noch viel abgehen. Es geht kein Heller ab. + Was abgeht, geht an Gelde ab. (b) Mangeln, fehlen. Das Geld gehet ihm ab. Einer schlechten Haushaltung gehet immer etwas ab. Damit ihr auch auf jenen Tag besteht, So will er das, was eurer Lieb abgeht,Von seiner Liebe geben. Opitz. Es ging auch dieses Mahl nichts der Bewirthung ab, Haged.Wenn Theben einst Athen der Mundart Vorzug gab, Was ging Böotien an seiner Freyheit ab, Kästn. Es geht ihm nichts ab, er leidet keinen Mangel. So auch, er läßt sich nichts abgehen, er thut seinem Leibe gütlich. Oft schließt abgehen in dieser Bedeutung auch das Gewahrwerden, die lebhafte Empfindung des Verlustes oder Mangels ein, in welcher Bedeutung es in Oberdeutschland sehr üblich ist, und alsdann so viel als das mehr Niedersächsische vermissen bedeutet; z. B. es gehen mir zehn Thaler ab, nicht bloß, sie fehlen mir, sondern, ich empfinde es, daß ich sie verloren habe.4. Des Aufhörens, und zwar, (a) nach und nach aufhören. Das Feuer abgehen lassen. Eine Gewohnheit abgehen lassen. In Oberdeutschland sagt man auch ein abgegangenes, d. i. verfallenes, eingegangenes, Schloß. (b) Einen Ausgang gewinnen, mit Beyfügung der Art und Weise; wie ablaufen. Wir wollen sehen, wie es abgeht. Die Sache ist schlecht, gut, nach Wunsche abgegangen. Es wird ohne Blutvergießen, ohne Thränen nicht abgehen.


Abgelebt (W3) [Adelung]


Abgelebt, partic. pass. von dem veralteten Verbo ableben. 1) Vor Alter matt und kraftlos. Ein abgelebtes Alter, Dusch. Das Alter beugte schon den abgelebten Rücken. Zach. 2) Im figürlichen Scherze, veraltet: Die schlummert auf bestäubtem Boden Bey andern abgelebten Moden, Uz. 3) * Verstorben; in dieser Bedeutung ist abgeleibt im Hochdeutschen unbekannt, in Oberdeutschland aber sehr häufig, wo man oft höret. Se. abgeleibte kaiserl. Majestät, die abgeleibten Seelen, die Seelen der Verstorbenen. S. Leib.


Abgelegen (W3) [Adelung]


Abgelegen, -er, -ste, das Partic. Präter. des in dieser Bedeutung ungewöhnlichen Verbi abliegen. 1) Entfernt, von der Erdfläche und den darauf befindlichen Gegenständen; edler entlegen. Sehr weit abgelegene Länder. Weit von dem Meere abgelegen seyn. 2) In engerer Bedeutung, in einer entfernten und dabey unbequemen Gegend gelegen. Ein abgelegener Ort. So abgelegen die Gegend auch ist. Die Stadt ist zu sehr abgelegen, in Rücksicht auf einen andern Handelsort, eine Straße, u. s. f.


Abgelegenheit (W3) [Adelung]


Die Abgelegenheit, plur. inusit. die entfernte und unbequeme Lage eines Ortes.


Abgeneigt (W3) [Adelung]


Abgeneigt, part. pass. des ungewöhnlichen Verbi abneigen; nicht bloß einen Mangel der Neigung, wie ungeneigt, sondern vermöge der Präposition ab, schon einen gewissen Grad der gegenseitigen Neigung empfindend; am häufigsten als ein Adverbium. Einem abgeneigt, nicht günstig, seyn. Er ist mir nicht abgeneigt, ist mir so ziemlich günstig. Ich bin nicht abgeneigt, es zu thun.


Abgeneigtheit (W3) [Adelung]


Die Abgeneigtheit, plur. car. der Gegensatz der Geneigtheit, der thätige Mangel der Neigung; ein neues Wort, das Abstractum der Abneigung zu bezeichnen. Die Abgeneigtheit vom Guten, der Zustand, die Fertigkeit der Abneigung.


Abgesandt (W3) [Adelung]


Abgesandt, partic. pass. von absenden, welches aber vornehmlich als ein Substantiv üblich ist, und jemanden bezeichnet, der von einem Staate oder Fürsten an den andern in öffentlichen Angelegenheiten geschickt wird. Einige Lehrer des Staatsrechts habeneinen Unterschied unter einen Gesandten und Abgesandten machen, und behaupten wollen, daß jener nur von souverainen Monarchen, dieser aber nur von Ständen und Unterthanen geschickt werde. Allein dieser Unterschied ist weder in der Abstammung noch in dem Gebrauche gegründet, und Abgesandter scheint eine bloß, der Oberdeutschen Mundart nicht ungewöhnliche Verlängerung des gleich viel bedeutenden Gesandter zu seyn. Die Abgesandtinn ist die Gemahlinn eines Abgesandten; eine solche abgeschickte Person weiblichen Geschlechtes aber würde eine Abgesandte heißen. S. Gesandter.


Abgeschiedenheit (W3) [Adelung]


Die Abgeschiedenheit, plur. inus. 1) Der Zustand der Absonderung von einer Sache, im moralischen Verstande. Die friedliche Abgeschiedenheit von der Welt, in den Klöstern; da denn auch wohl ein hoher Grad der Einsamkeit mit diesem Nahmen belegt wird. 2) Bey den Mystikern, der Zustand der Unterdrückung aller Empfindungen und ihres Bewußtseyns, mit einem Griechischen Kunstworte, die Apathie; sonst auch die Abgezogenheit. Wie süß ist doch ein freyer Wandel,In voller Abgezogenheit, Arnold.


[Adelung]

Abgeschmackt (W3) [Adelung]


Abgeschmackt, -er, -ste, adj. et adv. 1) Eigentlich ungeschmack, entweder gar keinen, oder doch einen widerlichen Geschmack habend, besonders wegen Mangel des Salzes. Kann man das abgeschmackte ungesalzene genießen? Hiob 6, 6. nach des Herrn Hofr. Michaelis Übersetzung. Das sind, gerechter Gott! die abgeschmackten Früchte, Gryph. 2) Figürlich, der allgemeinen Empfindung des Schicklichen, der gesunden Vernunft, in einem hohen Grade zuwider laufend, thöricht, ungereimt, im gemeinen Leben absurd. Ein abgeschmacktes Gedicht. Ein abgeschmackter Mensch; wie bey den Römern insipiens von sapere in eben der Bedeutung üblich war. Ein abgeschmackter Einfall. Sich auf eine sehr abgeschmackte Art betragen.

Anm. 1. Ab bedeutet hier so viel als un. Das Wort ist eigentlich das Particip. Passiv. von abschmecken, so fern es ehedem irregulär conjugiret wurde, es schmackte ab, abgeschmackt; stehet aber, freylich wider alle Analogie, an Statt des Partic. Activi abschmeckend. Indessen ist es doch schon sehr alt, und wird durch den allgemeinen Gebrauch unterstützet. Frisch, der nicht sahe, daß es das Particip. Passiv. ist, wußte sich in das t am Ende nicht zu finden, hielt es für einen fehlerhaften Zusatz und wollte abgeschmack geschrieben wissen; worin ihm denn auch manche andere nachfolgten. Im Niedersächsischen bedeutet Abschmack, einen unangenehmen Nebengeschmack, und in einigen Gegenden ist auch das Verbum abschmecken, für, einen solchen Nebengeschmack haben, üblich. 2. In den Ober- und Niederdeutschen Provinzen hat man noch verschiedene andere Wörter, den verdorbenen Geschmack, oder Mangel des gehörigen Geschmackes der flüssigen und festen Körper auszudrucken. Dergleichen sind die Niedersächsischen liflaf, sulwassen, fade, abel, flakk und flau, und das Oberdeutsche laff; obgleich jedes derselben seine eigene Nebenbedeutung hat.


Abgeschmacktheit (W3) [Adelung]


Die Abgeschmacktheit, plur. die -en. 1) Der Zustand, da etwas abgeschmackt ist; ohne Plural. 2) Eine abgeschmackte Sache mit demselben.


Abgewähren (W3) [Adelung]


Abgewähren, verb. reg. act. in den Bergwerken so viel, als abschreiben, im Gegensatze des zugewähren oder zuschreiben. Daher ein Abgewährzettel oder eine Bescheinigung, daß die Gewähr in das Gegenbuch eingetragen worden. S. Gewähr.


Abgewinnen (W3) [Adelung]


Abgewinnen, verb. irreg. act. S. Gewinnen. Durch glückliche Bemühung, durch Bemühung verbunden mit Glück von einem andern erhalten. Zunächst im Spiele. Einem sein Geld abgewinnen. In weiterer Bedeutung auf andere Art, woran das Glück seinen Theil hat, von einem bekommen. Einem den Vorzug abgewinnen. Dem Feinde eine Schlacht abgewinnen. Glauben sie, daß dieß der Weg ist, einer Frau ihre Liebe abzugewinnen? Weiße. In noch weiterer Bedeutung, auf jede mühsame Art von einer Person oder Sache erhalten. Ich, der ich mir noch nie einen reimlosen Vers habe abgewinnen können, Less. Er sahe kein Mittel, der Natur diese Veränderung abzugewinnen, ebend. Einer Sache Geschmack abgewinnen, eigentlich, ihren wahren Geschmack empfinden; figürlich Geschmack an derselben bekommen, Gefallen daran finden.

Anm. Abgewinnen bedeutete ehedem auch durch Urtheil und Recht erhalten. Der Gebrauch dieses Zeitwortes mit Auslassung der vierten Endung der Sache ist im Hochdeutschen ungewöhnlich, obgleich Günther singt: Die Jugend war an nichts, als der Gestalt zu schauen, Die in dem Sarge noch der Schönsten abgewinnt.


Abgewohnen (W3) [Adelung]


* Abgewohnen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, durch die Gewohnheit verlieren; sehr ungewöhnlich, besser entwöhnen.


Abgewöhnen (W3) [Adelung]


Abgewöhnen, verb. reg. act. 1) Durch Gewohnheit oder öftere Übung verlieren machen. Einem das Spielen abgewöhnen. Sich das Fluchen abgewöhnen. Die Wortfügung, einen oder sich von etwas abgewöhnen, die man auch zuweilen findet, ist wenigstens ungewöhnlich. 2) Ein Kind abgewöhnen; besser entwöhnen, es von der mütterlichen Brust zu andern Speisen gewöhnen. - Ein Kind, Das von der Milch wird abgewöhnt, Opitz.


Abgezogenheit (W3) [Adelung]


Die Abgezogenheit, plur. car. S. Abgeschiedenheit.


Abgießen (W3) [Adelung]


Abgießen, verb. irreg. act. S. Gießen. 1) Den oben befindlichen flüssigen Körper durch Gießen von dem übrigen Theile absondern. Das Fett von der Brühe abgießen. Das Gefäß ist zu voll, man muß etwas abgießen. Alles Wasser abgießen. 2) Durch Gießen abbilden, Einen Kopf in Bley, eine Frucht in Wachs, eine Münze in Gyps abgießen. So auch die Abgießung. S. auch Abguß.


Abgießer (W3) [Adelung]


Der Abgießer, des -s, plur. ut. Nom. sing. der etwas durch Gießen abbildet. Ehedem pflegte man die falschen Münzer so zu nennen, weil sie die guten Münzen abgossen.


Abgift (W3) [Adelung]


* Die Abgift, plur. die -en, ein veraltetes und nur noch bey den Rechtslehrern übliches Wort, für Abgabe. S. Gift.


Abglanz (W3) [Adelung]


Der Abglanz, des -es, plur. car. eigentlich das glänzende Bild einer Sache, und dann auch ein glänzendes Ebenbild, doch nur von Gott gebraucht. Schon lernten beßre Menschen in einer Welt, so schön, So reich und so harmonisch den Abglanz Gottes sehn, Dusch. Ab hat hier den Begriff der Nachbildung. Indeß ist doch dieser Ausdruck unbequem, und kann heterodoxe Mißdeutungen veranlassen, besonders, wenn Christus der Abglanz seines Vaters genannt wird.


Abglätten (W3) [Adelung]


Abglätten, verb. regul. act. völlig glatt machen; besonders bey den Buchbindern, die Lederbände gehörig glätten. Daher die Abglättung.


Abgleichen (W3) [Adelung]


Abgleichen, verb. reg. act. daher Imperf. ich gleichte ab, und im Part. Pass. abgegleicht, S. Gleichen völlig gleich machen, bey verschiedenen Handwerkern, z. B. bey den Uhrmachern, dieFeder abgleichen, ihr überall eine gleiche Stärke geben; auf den Blechhämmern, das Eisenblech bis zur Hälfte ausdehnen und dünn schlagen. Auch in Rechnungssachen, wo es auch ausgleichen, abrechnen, und mit einem ausländischen Worte scontriren und rescontriren genannt wird. Daher die Abgleichung, die Abrechnung, der Scontro, Rescontro.


Abgleiten (W3) [Adelung]


Abgleiten, verb. irreg. neutr. ( S. Gleiten,) welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt, durch Gleiten von etwas abkommen. Von der Leiter, von der Treppe, von einem Steine abgleiten; und dann auch wohl figürlich, von dem rechten Wege abgleiten, unmerklich in einen Irrthum gerathen. In den niedrigen Mundarten ist auch das Frequentat. abglitschen üblich. - Doch glitschen ihre Augen Sogleich von Gruppen ab, die nicht für Mädchen taugen, Wiel. In eben diesen Mundarten sind auch die gleich bedeutenden Wörter abrutschen, abhutschen und abschurren bekannt, welche insgesammt den Schall nachahmen, der mit dem Abgleiten verbunden ist, und daher, so wie abglitschen, in einem hohen Grade niedrig sind.


Abglimmen (W3) [Adelung]


Abglimmen, verb. irreg. und regul. neutr. ( S. Glimmen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, zu Ende glimmen, nach und nach aufhören zu glimmen. Die Kohlen sind schon abgeglommen, oder abgeglimmet.


Abglitschen (W3) [Adelung]


+ Abglitschen, S. Abgleiten.


Abglühen (W3) [Adelung]


Abglühen, verb. regul. act. 1) Durch und durch glühen, und dadurch geschmeidig machen, ausglühen; ein Zeitwort, welches bey den Metallarbeitern üblich ist. 2) Den Wein abglühen, Wein mit Gewürzen gehörig kochen, oder warm werden lassen. S. Glühen. So auch die Abglühung.


Abgott (W3) [Adelung]


Der Abgott, des -es, plur. die -götter, ein endliches oder erdichtetes Wesen, welchem man göttliche Ehre erweiset. So ist die Sonne der Abgott der Sabier. Am häufigsten von einer körperlichen Abbildung einer solchen vorgegebenen Gottheit, welche mit einem verächtlichen Ausdrucke auch ein Götze, ein Götzenbild genannt wird. Am häufigsten von beyden Geschlechtern; indem die Abgöttinn in diesem eigentlichen Verstande nicht üblich ist. Figürlich, der Gegenstand einer sehr hohen, einer übertriebenen Verehrung oder Liebe. Einen Abgott aus etwas machen. In welcher Bedeutung auch wohl das Fämininum gebraucht wird. Abgöttinn meiner Seele!Anm. Angels. und Nieders. Afgod, Dänisch und Schwedisch Afgud, und bey den ältesten Fränkischen Schriftstellern Afgot, Abkot, und Abgud. Ab hat in dieser Zusammensetzung allein Ansehen nach die Bedeutung der Nachbildung, ob es gleich auch den Begriff des Unechten verstattet.


Abgötter (W3) [Adelung]


Der Abgötter, des -s, plur. ut. nom. sing. von beyden Geschlechtern, eine Person, welche erdichtete göttliche Wesen verehret, noch mehr aber, welche körperlichen Dingen oder Bildern göttliche Ehre erweiset, und welche in einem härtern und verächtlichen Verstande ein Götzendiener, eine Götzendienerinn genannt wird.


Abgötterey (W3) [Adelung]


Die Abgötterey, plur. die -en. 1) Eigentlich die Verehrung einer falschen Gottheit; ohne Plural. 2) Figürlich, die übertriebene Verehrung auch anderer Gegenstände; ohne Plural. Abgötterey mit etwas treiben. 3) Einzelne abgöttische Handlungen; mit dem Plural.


Abgöttisch (W3) [Adelung]


Abgöttisch, -er -te, adj. et adv. der Abgötterey ähnlich, in derselben gegründet. Eine abgöttische Handlung. Einen abgöttisch verehren. Eine abgöttische Meinung von sich selbst.


Abgraben (W3) [Adelung]


Abgraben, verb. irreg. act. S. Graben. 1) Durch Graben niedriger machen. Einen Hügel, Berg abgraben. 2) Durch Graben wegnehmen, entziehen. Einem etwas von seinem Acker abgraben. 3) Vermittelst eines Grabens absondern. Einen Acker, ein Stück Feldes abgraben, mit einem Graben einschließen. Einen Weg abgraben, dessen Gebrauch durch einen vorgezogenen Graben untersagen. Das Feuer in einem Walde abgraben, dessen Ausbreitung durch einen gezogenen Graben hindern. 4) Durch einen Graben ableiten. Einen Fluß, einen Teich abgraben. Einer Stadt das Wasser abgraben. So auch die Abgrabung.


Abgrämen (W3) [Adelung]


Abgrämen, verb. reg. recipr. sich abgrämen, sich durch Gram entkräften, abzehren. Ein jeder sehne sich nach dem fatalen Glück, Zu ihren Füßen sich zum Schatten abzugrämen, Wiel. Etwas ungewöhnliches ist es, wenn Günther dieses Zeitwort als ein thätiges gebraucht: Grämt euch den Purpur ab, bis wir so bleich erscheinen, Als dieses Leichentuch, das eure Schwester nimmt.


Abgrasen (W3) [Adelung]


Abgrasen, verb. reg. act. das Gras abfressen, wofür die Jäger abrasen sagen. Ingleichen das Gras abmähen, nur von Angern. Einen Hain, oder Anger abgrasen. An einigen Orten wird es auch für schrepfen gebraucht. Die junge Saat abgrasen. Daher die Abgrasung.


Abgreifen (W3) [Adelung]


Abgreifen, verb. irreg. act. ( S. Greifen,) durch vieles Angreifen oder Begreifen abreiben, abnützen. Ein abgegriffener Hut.


Abgrund (W3) [Adelung]


Der Abgrund, des -es, plur. die -gründe. 1) Eigentlich im Gegensatze des Grundes, ein Ort der keinen Grund hat, oder sich doch schwer ergründen läßt, eine sehr große Tiefe, so wohl auf dem festen Lande, als in dem Wasser. Der Abgrund des Meeres, in einem Berge. Der Abgrund zwischen zwey Bergen, eine große Tiefe. 2) Figürlich. (a) Eine jede große Entfernung. Meine Seele war, trotz der Abgrunde, die uns trenneten, stets bey dir, Weiße. (b) Eine unbegreifliche Sache, bey welcher sich der Verstand im Nachdenken verlieret. So reden die Gottesgelehrten von einem Abgrunde der Güte und Liebe Gottes. (c) Eine fürchterliche Gefahr, ein augenscheinliches Verderben. An welchem Abgrunde stand ich! Dusch. Ich schaudre, ja es liegt vor uns der Abgrund offen, Weiß.

Anm. Abgrund, Nieders. Dän. und Schwed. Afgrund, beym Ulphilas Afgrunditha, beym Kero, Ottfried und Notker Abcrunt und Abgrund, ist schon von den ältesten Zeiten an in der Bedeutung eines unergründlichen Ortes üblich gewesen.


Abgründen (W3) [Adelung]


Abgründen, verb. reg. act. 1) Ergründen, obgleich seltener. 2) Bey den Tischlern, die Vertiefung, wohin eine Einschiebeleiste kommen soll, mit dem Grundhobel aushobeln, welches auch ausgründen genannt wird.


Abgucken (W3) [Adelung]


Abgucken, verb. reg. act. einem etwas, es ihm verstohlner Weise absehen; in der vertraulichen Sprechart.


Abgunst (W3) [Adelung]


+ Die Abgunst, plur. car. die Gemüthsbeschaffenheit, da man andern das Gute, welches sie besitzen, nicht gönnet; am häufigsten im gemeinen Leben für das edlere Mißgunst.

Anm. Abgunst ist von Ab und Anst, Wohlwollen, wofür man nachmahls mit dem vorgesetzten Ge, Geanst, und noch später Gunst sagte. Abanst kommt bey den Kero, Abjunst aber schon bey dem Tatian vor. Ab hat hier die Bedeutung des Verneinens; Abgunst sollte also so viel als Ungunst, oder Abneigung anzeigen. Es hat diese Bedeutung auch wirklich gehabt; indessen ist es doch auch schon sehr frühe für Mißgunst und Neid gebraucht worden.Es haben einige zwischen Neid, Mißgunst und Abgunst einen Unterschied in der Bedeutung annehmen wollen. Neid kann allenfalls den höchsten Grad der Mißgunst bezeichnen; allein Mißgunst und Abgunst scheinen völlig gleich bedeutend zu seyn, und hier eigenmächtig etwas festsetzen wollen, würde keinen Nutzen haben. Der wahre Unterschied ist der, daß Abgunst heut zu Tage mehr in Niederdeutschland und im gemeinen Leben, Mißgunst aber am meisten in Oberdeutschland und der anständigern Sprechart üblich ist. Das Schwed. Afund und Dän. Avind ist dem ersten Ursprunge getreuer geblieben; doch sagt man in Dänemark auch, wie in Niedersachsen, Afgunst. Ehedem war auch das Zeitwort abansten für mißgönnen üblich, wofür die Schweden noch jetzt afunna sagen. S. auch Gönnen.


Abgünstig (W3) [Adelung]


Abgünstig, -er, -ste. et adv. 1. + Abgeneigt, in welcher Bedeutung das Substantivum nicht üblich ist; im gemeinen Leben. Einem abgünstig seyn. 2. Für das edlere mißgünstig. Auf eines Lob abgünstig seyn.


Abgurgeln (W3) [Adelung]


Abgurgeln, verb. reg. act. an einigen Orten im gemeinen Leben so viel, als die Gurgel abschneiden. S. auch Abhalsen.


Abgürten (W3) [Adelung]


Abgürten, verb. reg. act. den Gurt auflösen, und was damit befestigt war, abnehmen. Sich den Degen abgürten. Dem Pferde den Sattel abgürten. Ingleichen metonymisch, das Pferd abgürten. So auch die Abgürtung.


Abguß (W3) [Adelung]


Der Abguß, des -sses, plur. die -güsse, von Abgießen. 1) Die Handlung des Abgießens, so wohl in der Bedeutung der Verminderung, als der Nachahmung eines andern Körpers; ohne Plural. 2) Das durch Abgießen in der letzten Bedeutung entstandene Bild. Der Abguß einer Münze, einer Statue u. s. f.


Abgüten (W3) [Adelung]


* Abgüten, verb. reg. act. vermittelst Ertheilung eines Gutes, besonders eines Heurathsgutes von den Ansprüchen an etwas ausschließen; ein Wort, welches vornehmlich in den Rheinischen Provinzen in Erbfolgssachen üblich ist. Von dem Unterschiede unter abfinden und abgüten, S. Abfinden. Daher die Abgütung, in eben dieser Bedeutung.


Abhaaren (W3) [Adelung]


Abhaaren, verb. reg. 1. + Neutrum mit haben, die Haare fahren lassen, im gemeinen Leben. Der Pelz haaret ab. 2. Activum, bey den Lohgärbern, die Haare mit dem Haareisen wegnehmen; auch abhären und abpöhlen. Daher die Abhaarung.


Abhacken (W3) [Adelung]


+ Abhacken, verb. reg. act. durch Hacken oder Hauen absondern, im gemeinen Leben. Einem den Kopf, die Hand abhacken. Daher die Abhackung.


Abhadern (W3) [Adelung]


Abhadern, verb. reg. act. durch Hader, d. i. Zank und unnöthige Rechtshändel von einem erzwingen. Einem ein Haus, einen Garten, eine Summe Geldes abhadern.


Abhäften (W3) [Adelung]


Abhäften, verb. reg. act. was angehäftet war, los machen. Daher die Abhäftung.


Abhageln (W3) [Adelung]


+ Abhageln, verb. reg. imperson. aufhören zu hageln, im gemeinen Leben. Es hat abgehagelt.


Abhägen (W3) [Adelung]


Abhägen, verb. reg. act. vermittelst eines Hages oder Zaunes absondern, einschließen. Ein Stück Feldes, einen Acker zur Wiese abhägen. Daher die Abhägung.


Abhäkeln (W3) [Adelung]


Abhäkeln, verb. reg. act. was mit Häkeln oder kleinen Haken befestigt ist, los machen.


Abhaken (W3) [Adelung]


Abhaken, verb. reg. act. 1) Was mit Haken befestiget ist, los machen. 2) Wo man den Acker Statt des Pfluges mit dem Haken bearbeitet, da ist abhaken, vermittelst des Hakens von dem Grunde eines andern wegnehmen.


Abhalsen (W3) [Adelung]


Abhalsen, verb. reg. act. 1) Den Hals, die Kehle abschneiden; im gemeinen Leben einiger Gegenden, wie abkehlen und abgurgeln. 2) Den Leithund abhalsen, bey den Jägern, ihm die Halse, oder das Halsband abnehmen. So auch die Abhalsung.


Abhalten (W3) [Adelung]


Abhalten, verb. irreg. S. Halten. 1. Activum. (1) Eigent- lich, etwas in einer Entfernung von einer andern Sache halten. So heißt z. B. besonders in Niedersachsen, die kleinen Kinder abhalten, sie so von sich halten, daß sie ihre Nothdurft verrichten können. (2) Figürlich. (a) Die Annäherung einer Person oder Sache hindern, es geschehe auf welche Art es wolle. Das Wasser abhalten. Den Feind von der Stadt abhalten. Den Hund mit dem Stocke abhalten. Kann wohl deine Leibwache den unsichtbaren Kummer abhalten, der dir überall nachschleicht Dusch. (b) An Vollbringung einer Sache hindern, auch in sehr weitem Verstande, es geschehe durch körperliche Gewalt, physische Hindernisse, Bewegungsgründe, u. s. f. Einen von der Flucht, von einer schändlichen That, von seiner Arbeit abhalten. Jemanden von dem Essen, von der Kirche abhalten. Es soll mich nichts abhalten, dir zu dienen. Neutrum mit haben, nur in der Seefahrt, so steuern,daß das Schiff von dem Winde abkomme, ihn in den Rücken bekomme. Unsere Flotte segelte nahe am Winde, hielt hierauf von ihm ab, und ging auf den Feind los.


Abhaltung (W3) [Adelung]


Die Abhaltung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Abhaltens in allen obigen Bedeutungen; ohne Plural. 2) Dasjenige, was uns an der Verrichtung einer Sache hindert, davon abhält. Diese Abhaltungen haben.


Abhandeln (W3) [Adelung]


Abhandeln, verb reg. act. 1) Von Handeln, mercari, (a) durch Handel, d. i. Kauf oder Tausch, von einem andern an sich bringen. Einem ein Haus, einen Garten, ein Stück Waare abhandeln. (b) An dem geforderten Kaufpreise durch Handeln, d. i. Biethen und Wiederbiethen, einen Erlaß erhalten, vulg. abdingen. Wir haben noch zehn Thaler abgehandelt.2) Von handeln, thun, verrichten, in so fern es von den Verrichtungen des Geistes gebraucht wird. (a) * Durch sorgfältige Bemühung, durch gegenseitige Überlegung, durch Erwägung der Gründe und Gegengründe zu Stande zu bringen suchen. Einen Frieden, einen Vergleich abhandeln, unterhandeln. (b) * In den Rechten ist abhandeln oft so viel, als eine Sache schlichten, durch einen Ausspruch abthun. (c) Mündlich oder schriftlich nach allen Gründen und Umständen ausführen. Einen Satz, ein Thema, abhandeln. Eine Sache schriftlich abhandeln. Die Lehre von der Tugend in einer Rede abhandeln.


Abhanden (W3) [Adelung]


+ Abhanden, adv. welches nur von Sachen, und auch hier nur mit den Zeitwörtern seyn und kommen üblich ist. Abhanden seyn, nicht bey den der Hand, abwesend seyn; abhanden kommen, verlegt oder verloren werden.

Anm. Abhanden, oder wie es richtiger geschrieben wird, ab Handen, ist eine Oberdeutsche Redensart, die sich aber auch im Hochdeutschen erhalten hat, ob man gleich daselbst reinere Ausdrücke für diesen Begriff hat, und gebrauchen sollte. Ab ist das alte Vorwort von, und handen ist der Oberdeutsche Dativ. Plur. von Hand. Ein Hochdeutscher würde dafür sagen müssen, von Händen kommen oder seyn. Man sieht hieraus, was man von dem Ausspruche Gottscheds zu halten hat, wenn er sagte, abhanden sey von einem Halb-Lateiner gemacht worden, der gewußt, daß ab im Lateinischen von heiße. Wenn einige Hochdeutsche von abhanden sagen, so geschieht es freylich nur von solchen, denen die Bedeutung des Oberdeutschen Wortes ab unbekannt ist. Das Beywort abhändig, für abwesend, flüchtig, und das Zeitwort abhändigen, veräußern, entreißen, sind nicht nur in Oberdeutschland, sondern auch im Niedersächsischen, Schwedischen und Dänischen üblich. Ältere Beyspiele von abhändig führet Haltaus h. v. an.


Abhandlung (W3) [Adelung]


Die Abhandlung, plur. die -en, von der zweyten Bedeutung des Zeitwortes. 1) Die Unterhandlung und Vollendung eines Geschäftes; ohne Plural. Die Abhandlung eines Vertra-ges, eines Friedens u. s. f. 2) Die mündliche oder schriftliche Ausführung eines Satzes oder einer Materie. Eine Abhandlung schreiben, drucken lassen u. s. f.


Abhang (W3) [Adelung]


Der Abhang, des -es, plur. die -änge, von dem Neutro abhangen. 1) Die abhängige Seite einer Fläche, besonders eines Berges. Ein sanfter Abhang, wenn die Höhe unvermerkt abnimmt. Ein starker, jäher Abhang, wenn die Abnahme sehr merklich ist. Sein sanfter Abhang glänzt von reifendem Getreide, Hall. Ingleichen die Neigung, welche eine abhängige Fläche gegen den Horizont hat. Der Garten hat drey Fuß Abhang; ein Umstand, den man bey dem Wasser den Fall nennet. 2) Das Abhangen von einem andern, in figürlicher Bedeutung und ohne Plural, der Zustand, da ein Ding seinem Wesen oder auch nur seinen Umständen nach, in einem andern gegründet ist; noch häufiger die Abhängigkeit.

Anm. Der Plural ist schon in der ersten Bedeutung selten, in der zweiten aber ist er es noch mehr. Es ist daher nicht nachzuahmen, wenn Kleist singt: Sieh Wesen ohne Gestalten, merk ihre Abhäng und Kräfte. Die abhängige Seite eines Berges wird sonst auch die Berglehne, die Thalhänge, und wenn sie sehr steil ist, die Bergwand, in Oberdeutschland der Hang, die Laiten, der Abstieg, die Abseite, die Berghalde, im Bergbaue das Gehänge, in den Niederdeutschen Marschländern die Glöyung, und im Garten- und Festungsbaue die Abdachung, Böschung genannt; ohne dabey auf den schwachen oder starken Abhang zu sehen, welche in vielen Fällen wieder ihre eigene Benennungen haben.


Abhangen (W3) [Adelung]


Abhangen, verb. reg. neutr. ( S. Hangen,) welches mit haben verbunden wird.1. In eigentlicher Bedeutung (a) + Von etwas herunter hangen, wofür man noch richtiger und edler herab hangen sagt. (b) Von körperlichen Flächen, sich neigen; mit dem Horizonte einen spitzigen Winkel machen. Der Fußboden hangt etwas ab; in welcher Bedeutung das Zeitwort doch nicht so üblich ist, als die abgeleiteten Abhang und abhängig. (c) In einer Entfernung von etwas hangen. Der Mantel hängt noch ziemlich weit von der Wand ab. Noch mehr aber2. In figürlicher Bedeutung, in einem andern Dinge seinem Wesen, oder seinen Umständen nach gegründet seyn. Von einem abhangen, ihm unterworfen, Gehorsam schuldig seyn. Dieß hängt ganz allein von mir ab, steht allein in meinem Willen, in meiner Gewalt. Die Stärke und Schwäche des Geistes hangen sehr von der Art ab, wie man die Dinge ansteht. Wie viel hängt von einem Augenblicke ab! Dusch. Alle zufällige Dinge hangen von Gott ab, haben ihm ihr Daseyn und alle ihre Bestimmungen zu verdanken. Hängt denn die Wahrheit von dem Munde desjenigen ab, der sie vorträgt? Less. bekommt sie ihren Werth von ihm? Von des Siegers Gnade abhangen.

Anm. Opitz gebraucht in dieser Bedeutung auch das einfache Hangen: der, von welchem alles hanget.


Abhängen (W3) [Adelung]


Abhängen, verb. reg. act. dasjenige, was angehänget war, abnehmen, herab hängen. Die Gewichte einer Uhr abhängen. Die Blasebälge abhängen, in den Schmelz- und Hammerwerken, damit sie nicht mehr gehen.


Abhängig (W3) [Adelung]


Abhängig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Eigentlich, herab hangend, doch nur von den Flächen, mit dem Horizonte einen spitzigen Winkel machend. Die abhängige Seite des Berges. Ein abhängiger Ort. 2) Figürlich, zu einem andern Dinge gehörig, seinen Grund in demselben habend, demselben unterworfen. Diese Sache ist von jener abhängig. Die ganze Natur ist von Gott abhängig.

Anm. Abhängig, kommt von dem Neutro abhangen; das ä in der zweyten Sylbe ist das bloße Zeichen der Ableitung. Statt dessen findet man auch, obwohl nur selten, mit einer andern Endsylbe, das unedlere abhänglich. Abheng für abhängig in der ersten Bedeutung kommt im Theuerdank vor.


Abhängigkeit (W3) [Adelung]


Die Abhängigkeit, plur. inusit. das Abhangen von einem andern in der figürlichen Bedeutung, der Zustand, da ein Ding in dem andern gegründet ist; in der höhern Schreibart der Abhang, in der niedrigern, die Abhänglichkeit. In der Abhängigkeit leben.


Abhangung (W3) [Adelung]


Die Abhangung, plur. inusit. von dem Neutro abhangen. 1) * Das Herabhangen von einem Orte; sehr ungewöhnlich. 2) Die Abhängigkeit, Dependenz.


Abhängung (W3) [Adelung]


Die Abhängung, plur. inusit. von dem Activo abhängen, die Handlung des Abhängens.


Abhären (W3) [Adelung]


Abhären, S. Abhaaren.


Abhärmen (W3) [Adelung]


Abhärmen, verb. reg. recipr. sich abhärmen, sich durch Harm entkräften, verzehren; im gemeinen Leben abgrämen. Blaß, wie ein Eremit stand er hier abgehärmt, Zach. Der ungezäumte Neid, der sonst nach allem geitzt, Verlieret hier die abgehärmten Blicke, Rost.


Abhärten (W3) [Adelung]


Abhärten, verb. reg. act. gehörig hart machen, so wohl in der eigentlichen, als figürlichen Bedeutung. Den Stahl abhärten. Ein abgehärtetes Volk. Er ist gegen alle Unbequemlichkeiten der Witterung abgehärtet. Durch Arbeit abgehärtet werden. Der Winter härtet ab und macht die Geister munter, Günth. Sein Gemüth ist gegen alles Mitleiden abgehärtet. Daher die Abhärtung.


Abhaschen (W3) [Adelung]


+ Abhaschen, verb. reg. act. einem etwas, es von ihm erhaschen.


Abhaspeln (W3) [Adelung]


Abhaspeln, verb. reg. act. Fäden oder Stricke durch Haspeln von etwas herunter bringen. Daher die Abhaspelung.


Abhauben (W3) [Adelung]


Abhauben, verb. reg. act. bey den Jägern, dem Falken die Haube abnehmen. Einen Falken abhauben. So auch die Abhaubung.


Abhäucheln (W3) [Adelung]


Abhäucheln, verb reg. act. durch Häucheln von einem erhalten. Einem etwas abhäucheln. Gott läßt sich nichts abhäucheln. Daher die Abhäuchelung.


Abhauen (W3) [Adelung]


Abhauen, verb. irreg. act. ( S. Hauen,) durch Hauen oder mit Hieben absondern. Einen Baum, Getreide, Gras abhauen. Einen den Kopf abhauen. Das Getreide mit der Sense abhauen. Daher die Abhauung. Beym Tatian kommt für abhauen abafurhouuan vor.


Abhäuten (W3) [Adelung]


Abhäuten, verb. reg. 1 Activum, der Haut berauben, die Haut abziehen. Bey den Jägern, von dem Bären für auswirken. Auch außer dem in der anständigern Sprechart für abdecken, ab ziehen oder schinden. In den Küchen, der zarten Haut unter dem Felle berauben. Einen Kälberstoß, einen Hasen abhäuten. 2. Neutrum mit haben, das Häuten oder Ablegen der Haut vollenden, von solchen Insecten, welche sich zu häuten pflegen. Wenn der Seidenwurm abgehäutet hat, fängt er an zu spinnen. So auch die Abhäutung.


Abheben (W3) [Adelung]


Abheben, verb. irreg. act. S. Heben, herab heben, durch Heben von etwas wegnehmen. Ein Tischblatt abheben. Den Kessel abheben, von dem Feuer. Die Speisen abheben, von der Tafel, S. Abhub. Die Karten abheben, im Kartenspiele. So. auch das Abheben, seltener die Abhebung.


Abheften (W3) [Adelung]


Abheften, S. Abhäften.


Abheilen (W3) [Adelung]


Abheilen, verb. reg. 1. Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, durch Heilen abgesondert werden, heilen und abfallen. Der Ausschlag heilet ab. Die Blattern sind abgeheilet. 2 Activum, durch Beförderung des Heilens zum Abfallen bringen. Dieses Pflas=ter wird die Blattern schon abheilen. Daher die Abheilung.


Abheischen (W3) [Adelung]


* Abheischen, verb. reg. act. fordern, abfordern, S. Heischen. Die Schuld wird abgeheischt, Opitz. In der Hochdeutschen Mundart ist dieses Zeitwort nicht üblich, wohl aber in der Oberdeutschen.


Abhelfen (W3) [Adelung]


Abhelfen, verb. irreg. act. S. Helfen. 1) + Eigentlich, von einem höhern Orte herunter helfen; im gemeinen Leben. Einem abhelfen, von dem Wagen, oder einem anderen erhöheten Orte, besser herab helfen. Helfen sie mir den Sack ab. 2) Figürl. mit dem Dative der Sache, einer Sache abhelfen, sie als ein Übel aufhören machen. Der Sache ist noch abzuhelfen. Dem Dinge ist leicht abzuhelfen. Einem Fehler abhelfen. Wenn dieses das Lächerliche allein an mir ist, so kann ich ihm bald abhelfen. Raben Der Krankheit abzuhelfen suchen. - Ach möchte sich begeben Daß doch ein grimmes Thier abhülfe meinem Leben, Opitz. Welche letztere R. A. doch ungewöhnlich ist. Mit dem Accusative der Person, einen von der Mühe abhelfen, ihn davon befreyen, ist undeutsch, so wie die R. A. einen abhelfen, ihn aus der Welt schaffen, ihn von dem Brote helfen, niedrig. Daher die Abhelfung, in der eigentlichen Bedeutung.


Abhelflich (W3) [Adelung]


* Abhelflich, adj. welches aber nur in den Kanzelleyen in der R. A. üblich ist, einer Sache abhelfliche Maße geben oder verschaffen, d. i. ihr abhelfen, sie aufhören machen.


Abhellen (W3) [Adelung]


Abhellen, verb. reg. act. von hell; gehörig hell machen, eigentlich nur von flüssigen Körpern, das Helle derselben von dem trüben Bodensatze abgießen, abklären. Den Wein abhellen.


Abhenken (W3) [Adelung]


Abhenken, verb. reg. act. welches eigentlich das Intensivum von abhängen ist, aber mit demselben gleich bedeutend gebraucht wird, ob es gleich seltener vorkommt, das angehenkte abnehmen, S. Henken.


Abherkommen (W3) [Adelung]


* Abherkommen, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Verbum für herab kommen. Die abherkommen waren von Jerusalem, Marc. 3, 22. In der Oberdeutschen Mundart ist es nichts seltenes, daß man die mit her und hin zusammen gesetzten Nebenwörter umkehret. So heißt es z. B. im Theuerdank Kap. 95.Gebt uns den fremden Man außer, für heraus.So auch abhin, für hinab. Luther hat mehrere dergleichen Oberdeutsche Wörter aus der ältern Schriftsprache beybehalten.


Abhetzen (W3) [Adelung]


Abhetzen, verb. reg. act. durch Hetzen oder Jagen entkräften. Die Hunde abhetzen. Einen Hirsch oder anderes Wild abhetzen, so daß dessen Fleisch zur Speise untüchtig wird.


Abheucheln (W3) [Adelung]


Abheucheln, S. Abhäucheln.


Abheulen (W3) [Adelung]


+ Abheulen, verb. reg. recipr. sich abheulen, sich durch Heulen abmatten, entkräften; im gemeinen Leben.


Abhinnen (W3) [Adelung]


* Abhinnen, eine veraltete Oberdeutsche Partikel, für von hier, und in einigen Fällen von hinnen, S. Hinnen.


Abhobeln (W3) [Adelung]


Abhobeln, verb. reg. act. 1) Eigentlich mit dem Hobel wegschaffen. Einen Ast, eine Ungleichheit abhobeln. Ingleichen mit dem Hobel gehörig glatt machen. Ein Bret abhobeln. Bey den Weißgärbern werden die Felle abgehobelt, wenn sie mit dem Schlichtmonden auf der Fleischseite bearbeitet werden. 2) + Fi- gürlich, gesittet machen, ein niedriger Ausdruck, so noch ein Überbleibsel der ehemahligen Pennal-Gebräuche ist. Daher die Abhobelung.


Abhocken (W3) [Adelung]


+ Abhocken, verb. reg. act. eine Last durch Niederhocken von den Schultern ablegen, im Gegensatze des Aufhockens. In den niedrigen Sprecharten abhucken.


Abhohlen (W3) [Adelung]


Abhohlen, verb. reg. act. 1) Von einem Orte hohlen. Einen Übelthäter, einen Brief u. s. f. abhohlen. Jemanden aus einer Gesellschaft abhohlen, abrufen und begleiten. Der Wagen wird mich abhohlen. 2) Bey den Kattundruckern werden die gedrückten Zeuge abgehohlet, wenn man sie mit Weitzenkleye auskochet, das Gummi und die Stärke der Farbe wieder wegzuschaffen. So auch die Abhohlung.


Abhold (W3) [Adelung]


* Abhold, adv. welches noch aus der Oberdeutschen Mundart übrig, aber größten Theils veraltet ist, für ungünstig, abgeneigt. Einem abhold seyn.


Abholzig (W3) [Adelung]


* Abholzig, -er, -ste, adj. et adv. im Forstwesen, ein abholziger Baum, der über dem Stamme zu schwach ausfällt, und folglich zu Bauholz unbrauchbar ist, und auch abschüssig genannt wird.


Abhorchen (W3) [Adelung]


Abhorchen, verb. reg. act. nach dem Muster des Zeitwortes abhören, durch Horchen erfahren oder lernen. Sie hat uns alle unsere Geheimnisse abgehorcht, Weiße. O wenn die frohen Lieder dir gefielen, die meine Muse oft den Hirten abhorcht! Gesn.


Abhören (W3) [Adelung]


Abhören, verb. reg. act. 1) In den Rechten, einen Zeugen seine Aussage gehörig thun lassen. Einen Zeugen abhören. Man hat ihn noch nicht abgehöret. Daher die Abhörung. 2) Durch das Gehör von einem anderen erfahren, erlernen. Was hörest du dir davon ab? Less. Daran wüßte ich mir nun nichts abzuhören, ebend.


Abhub (W3) [Adelung]


Der Abhub, des -es, plur. car. von abheben, dasjenige, was abgehoben wird, besonders in den Bergwerken, die Unart, welche in der Wäsche von den Erzen abgehoben wird, welches vermittelst der Abhubkiste geschiehet. An einigen Höfen nennet man die Speisen, welche von der herrschaftlichen Tafel abgetragen werden, den Abhub.


Abhucken (W3) [Adelung]


Abhucken, S. Abhocken.


Abhülsen (W3) [Adelung]


Abhülsen, verb. reg. act. von der Hülse befreyen. Die Mandeln abhülsen.


Abhungern (W3) [Adelung]


Abhungern, verb. reg. recipr. durch Hunger entkräften. Sich abhungern.


Abhuren (W3) [Adelung]


+ Abhuren, verb reg. recipr. Sich abhuren, sich durch Hurerey entkräften; ein niedriges Wort, welches Luther indessen doch in der Bibelübersetzung mit aufgenommen hat.


Abhüten (W3) [Adelung]


Abhüten, verb. reg. act. in der Landwirthschaft, von dem weidenden Viehe abfressen lassen, abweiden. Die Saat, das Gras abhüten. Ingleichen metonymisch, einen Acker, ein Stück Feldes, eine Wiese abhüten. So auch die Abhütung.


Abhütten (W3) [Adelung]


* Abhütten, verb. reg. act. im Bergbaue, eine Grube oder Zeche aus Nachlässigkeit oder Muthwillen verderben, und zu Grunde richten, welches auch abköhlen genannt wird. Vermuthlich von Hütte, so fern es ehedem alles Zimmerwerk bedeutete, und bey den Bergleuten zum Theil noch bedeutet. Daher die Abhüttung.


Abjagen (W3) [Adelung]


Abjagen, verb reg. act 1) + Durch Jagen ermüden. Ein Pferd abjagen. Sich abjagen. 2) Bey den Jägern, einer großen Jagd ein Ende machen, und zwar durch Erlegung alles eingestellten Wildes, welches auch abschießen genannt wird. Ein Abjagen halten. Daher die Abjagungsflügel, die zunächst an dem Laufe durchgehauenen Wege, woraus das Abjagen gehalten wird. 3) Durch Jagen von einem andern erhalten, ihm unversehens und mit Gewalt abnehmen. Dem Feinde den Raub abjagen. - Ein Lamm das er dem Wolf erst abgejaget, Opitz. 4) + Plötzlich verursachen, doch nur in einigen meisten Theils niedrigen R. A. Einem eine Angst, einen Schrecken abjagen. So auch die Abjagung.


Äbicht (W3) [Adelung]


* Äbicht, adj. et adv. welches noch in einigen Provinzen, z. B. in Schlesien, auch im Hochdeutschen bey einigen Handwerkern, z. B. den Hutmachern, Tuchmachern u. s. f. üblich ist, und so viel als umgekehrt bedeutet. Die äbichte Seite des Tuches, die linke, umgekehrte. + Einem eine Äbichte geben, eine Maulschelle mit verwandter Hand.

Anm. Äbicht, oder wie es in einigen Provinzen auch geschrieben wird, eiwig, ist ein altes und in Oberdeutschland noch überall gebräuchliches Wort. Abahe beym Kero, aboha beym Isidor, und abaho beym Ottfried, bedeuten nicht allein im physischen, sondern auch im moralischen und figürlichen Sinne, so viel als verkehrt, falsch; wovon Schilters Gloss. v. Abahe nachzusehen ist. Das Schwed. afwig hat noch eben dieselben Bedeutungen, S. Ihre h. v.


Äbichten (W3) [Adelung]


Äbichten, verb. reg. act. bey den Tuchmachern, ein Tuch auf der linken Seite karten. S. das vorige.


Abjochen (W3) [Adelung]


Abjochen, verb. reg. act. das Joch abnehmen. Die Ochsen abjochen.


Abirren (W3) [Adelung]


Abirren, verb reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, durch Irrthum von etwas abkommen. Von dem rechten Wege abirren.


Abirrung (W3) [Adelung]


Die Abirrung, plur. die -en. 1) Das Abirren, ohne Plural. Die Abirrung des Lichts oder der Firsterne, in der Astronomie, die scheinbare Veränderung ihrer Stellen am Himmel. 2) Irrige Abweichungen von etwas, mit dem Plural.


Abkalben (W3) [Adelung]


Abkalben, verb. reg. neutr. mit haben, das Kalben vollenden, in der Landwirthschaft, gehörig kalben. Die Kühe haben nach und nach abgekalbet.


Abkämmen (W3) [Adelung]


Abkämmen, verb reg. act. 1) Von Kamm, pecten, mit dem Kamme herab bringen, ingleichen, mit dem Kamme reinigen. Abgekämmte Wolle. 2) Von Kamm, die Spitze, das Obertheil, in der Kriegsbaukunst, den obern Rand der Wolle und Brustwehren abschießen, gleichsam den Kamm abnehmen. So auch die Abkämmung.


Abkämpfen (W3) [Adelung]


Abkämpfen, verb. reg. act. kämpfend abtreiben, ein Zeitwort, welches besonders bey den Jägern von den Hirschen gebraucht wird, wenn einer den andern in der Brunstzeit abtreibet.


Abkanten (W3) [Adelung]


+ Abkanten, Abkanteln, verb. reg. act. der Kanten berauben. Ein Bret abkanten, bey den Holzarbeitern, die scharfe Ecke abnehmen. Einen Zeug abkanten, die Kante oder Einfassung abschneiden.


Abkanzeln (W3) [Adelung]


+ Abkanzeln, verb. reg. act. Jemanden abkanzeln, eigentlich seine Vergehungen von der Kanzel bekannt machen.


Abkappen (W3) [Adelung]


Abkappen, verb. reg. act. 1) Von Kappe, die Kappe abnehmen, bey den Falkenieren. den Falken abkappen, ihn abhauben. Hierher gehöret auch wohl die figürliche Bedeutung, wenn im gemeinen Leben, einen abkappen, so viel ist, als ihm einen unerwarteten derben Verweis, eine herbe Antwort geben. Er ist weidlich abgekappet worden. 2) Von kappen, hauen, schneiden, so viel als abhauen: Das Ankertau, ingleichen den Anker abkappen. Einen Mast abkappen. Die Bäume abkappen, ihre Gipfel oder Zweige abhauen. In dieser Bedeutung ist das Zeitwort am häufigsten in Niedersachsen üblich, und wird in einigen Gegenden auch abkoppen, abküppen ausgesprochen. So auch die Abkappung.


Abkargen (W3) [Adelung]


Abkargen, verb. reg. act. durch Kargheit oder niedrige Sparsamkeit entziehen. Sie kargt ihrem Manne sogar die Nothdurft ab.


Abkarten (W3) [Adelung]


Abkarten, verb. reg. act. nur in der figürlichen von dem Kartenspiele hergenommenen Bedeutung, etwas Böses heimlich verabreden. Er hatte es schon so mit ihr abgekartet. Ein abgekartetes Spiel. Ein abgekarteter Handel.


Abkauf (W3) [Adelung]


Der Abkauf, gen. des -es, plur. doch seltener die -käufe, die Handlung des Abkaufens, und zuweilen auch wohl die abgekaufte Sache selbst.


Abkaufen (W3) [Adelung]


Abkaufen, verb. reg. act 1) Käuflich von einem andern an sich bringen. Einem etwas abkaufen. 2) Eine Sache durch Geld hindern, sich durch Geld von etwas befreyen. Eine Strafe abkaufen. Die Bürger haben die Plünderung abgekauft, oder auch, haben sich von der Plünderung abgekauft. Ich habe die Beschwerden von meinem Hause abgekauft. Man verläßt oft die Welt aus Begierde alte Sünden abzukaufen, Zimmerm. So auch die Abkaufung in beyden Bedeutungen.


Abkäufer (W3) [Adelung]


Der Abkäufer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die -inn, eine Person, welche einem andern etwas abkauft, der Käufer, zum Unterschiede von dem Verkäufer.


Abkäuflich (W3) [Adelung]


Abkäuflich, adv. vermittelst des Abkaufes, als ein Abkauf. Etwas abkäuflich von jemanden erhalten.


Abkehlen (W3) [Adelung]


Abkehlen, verb. reg. act. 1) Die Kehle abstechen, bey den Fleischern. Ein Kalb, einen Ochsen abkehlen. 2) Bey den Tischlern, mit den gehörigen Kehlen versehen.


Abkehr (W3) [Adelung]


* Die Abkehr, plur. car. die Abneigung, ingleichen die Aufhebung der Gemeinschaft mit einer Person oder Sache; ein seltenes Wort, für Abkehrung. Die Abkehr von Gott, von der Sünde. Es ist besonders in Niedersachsen für Widerwillen und Abscheu üblich, wo auch abkehrig, abgeneigt, abwendig bedeutet.


Abkehren (W3) [Adelung]


Abkehren, verb. reg. Es ist 1) * ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt, sich entfernen, die Verbindung mit etwas aufheben; eine Bedeutung, welche noch in den Bergwerken üblich ist, wo man von einem Arbeiter, der nicht mehr an einem Orte arbeiten, oder von einem Gewerken, der nicht mehr bauen will, saget: er kehret ab.2) Ein Activum, und zwar, (a) von kehren, wenden, so viel als von etwas wegwenden, in der eigentlichen und figürlichen Bedeutung. Sein Gesicht von etwas abkehren. Eine Gefahr, ein Unglück abkehren, besser abwenden. Sich von der Welt abkehren, alle Gemeinschaft mit ihr aufheben. (b) Von kehren, bürsten, mit der Bürste oder dem Besen wegschaffen. Den Staub von dem Kleide, von der Wand abkehren. Ingleichen metonymisch, mit der Bürste reinigen. Den Hut, das Kleid, die Wand abkehren. So auch die Abkehrung in allen obigen Bedeutungen, besonders der figürlichen.


Abkeifen (W3) [Adelung]


+ Abkeifen, verb. irreg. act. S. Keifen. Einem etwas abkeifen, durch Keifen oder Zanken von ihm erhalten.


Abkeltern (W3) [Adelung]


Abkeltern, verb. reg. act. 1) In der Kelter gehörig auspressen. Die Beeren abkeltern. 2) Das Keltern des Weines zu Ende bringen; als ein Neutrum. Wir haben bereits abgekeltert.


Abketteln (W3) [Adelung]


Abketteln, verb. reg. act. bey den Strumpfwirkern, die Maschen bey dem Abnehmen mit der Kettelnadel gehörig befestigen.


Abkimmen (W3) [Adelung]


Abkimmen, verb. reg. act. bey den Böttchern, die Kimme einer Daube abschneiden. S. Kimme. Daher die Abkimmung.


Abkippen (W3) [Adelung]


Abkippen, verb. reg. neutr. mit seyn, auf der Kippe stehend abgleiten. Das Bret kippte ab.


Abklaffen (W3) [Adelung]


* Abklaffen, verb. reg. neutr. mit haben, ein nur in den Oberdeutschen Mundarten übliches Zeitwort, für abstehen, in der eigentlichsten Bedeutung. Die Thür klaffet ab, schließt nicht genau. S. Klaffen.


Abklappen (W3) [Adelung]


Abklappen, verb. reg. act. eine Klappe, oder was ihr ähnlich ist, niederlassen. Ingleichen metonymisch, einen Tisch abklappen.


Abklären (W3) [Adelung]


Abklären, verb. reg. act. gehörig klar machen. Dieses geschieht theils, indem man das Klare eines flüssigen Körpers von dem Trüben abgießt, den Kaffe, einen Liquor abklären; theils auch, wenn man die Unreinigkeiten, welche das Klarwerden hindern, wegschaffet. So saget man den Zucker abklären, d. i. abschäumen. Sich abklären, von dem Himmel, besser aufklären. S. auch die Abklärung. Abklären bey den Färbern, S. Abklören.


Abklatschen (W3) [Adelung]


+ Abklatschen, verb. reg. act. bey einigen Metallarbeitern, in Holz geschnittene Formen in flüssiges Metall abdrücken, welches auch abplanschen, noch besser aber abschlagen genannt wird, weil es wirklich vermittelst eines Schlages geschieht.


Abklauben (W3) [Adelung]


Abklauben, verb. reg. act. mit den Fingern nach und nach abnehmen. Den Kalk von der Mauer abklauben. Die verdorreten Blattern abklauben. Ingleichen mit andern Werkzeugen. Das Fleisch von einem Knochen abklauben, und einen Knochen abklauben, mit den Zähnen.


Abkleiden (W3) [Adelung]


Abkleiden, verb. reg. act. 1) + Die Kleider ablegen, auskleiden, entkleiden. Sich abkleiden. 2) Mit einer Zwischenmauer oder einer Scheidewand abtheilen. Ein Zimmer abkleiden. Kleid bedeutet in den ältesten Mundarten alles, was die Härte der Witterung abhält, dasher wird es auch in mehreren Fällen von Holzarbeiten gebraucht. So auch Bekleiden.


Abkleidung (W3) [Adelung]


Die Abkleidung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Abkleidens in beyden Bedeutungen; ohne Plural. 2) Ein abgekleideter Platz, und die Scheidewand selbst, wodurch ein Ort abgekleidet wird.


Abklemmen (W3) [Adelung]


Abklemmen, verb. reg. act. durch Klemmen absondern. Sich einen Finger abklemmen. Daher die Abklemmung.


Abklopfen (W3) [Adelung]


Abklopfen, verb. reg. act. 1) Durch Klopfen wegbringen. Den Staub von dem Hute abklopfen. Ingleichen durch Klopfen reinigen. Den Hut abklopfen 2) Zur Gnüge klopfen oder schlagen. Eyer abklopfen. Und dann auch im Scherze, einen abklopfen, ihn wacker ausprügeln. So auch die Abklopfung.


Abklören (W3) [Adelung]


+ Abklören, verb reg act. ein Kunstwort der Färber, die Farbe aus einer gefärbten Waare wieder heraus bringen, welches edler abziehen, absieden genannt wird. Dieses Zeitwort kommt von dem Franz. Couleur, und stammet vermuthlich aus Niedersachsen her, wo sich dieses Französische Wort in mehrere Wörter eingeschlichen hat, z. B. Klöre, die Farbe, verklören, die Farbe verlieren, verschießen.


Abklötzen (W3) [Adelung]


Abklötzen, verb reg. act. Einen Sägeblock abklötzen, an dessen Stammende, so weit als der Kerb gehet, der bey dem Abhauen gemacht worden, einen Klotz abhauen, damit der Block gerade werde.


Abknappen (W3) [Adelung]


+ Abknappen, verb. reg. act. im gemeinen Leben, besonders in Niedersachsen von knapp. 1) Eigentlich in kleinen Stücken abbrechen, in welcher Bedeutung es aber nicht üblich ist, außer daß die Bergleute davon das Frequentat. abknapsen haben, das Abschlagen eines Stückes von dem Stufwerke damit anzudeuten. 2) Figürlich, unbilliger Weise abziehen, abkürzen, abzwacken. Sich etwas abknappen, abdarben. Dem Gesinde etwas an seinem Lohne abknappen. S. Knapp.


Abknattern (W3) [Adelung]


Abknattern, verb. reg. act. bis zu Ende knattern lassen, von verschiedenen Metallen und Mineralien, welche so lange mit Kochsalz über Kohlen geröstet werden, bis sie nicht mehr knattern oder prasseln. Auch Abprasseln.


Abkneipen (W3) [Adelung]


Abkneipen, verb. irreg. act. S. Kneipen, mit den Fingern, den Nägeln oder einer Zange, absondern, abzwicken. Ein Stück von einem Nagel mit der Zange abkneipen. Bringt sie (die Tauben) dem Priester, der soll die erste zum Sündopfer machen, und ihr den Kopf abkneipen hinter dem Genicke, und nicht abbrechen, 3 Mos. 5, 8. So auch Kap. 1, 15. In den niedrigen Sprecharten abknirpsen.


Abknicken (W3) [Adelung]


Abknicken, verb. reg. act. 1) Einknicken und abbrechen. 2) Bey den Jägern, von Genick, das Genick abstechen, welches bey dem Rothwilde mit dem Genickfänger, bey dem Geflügel aber mit einer Feder geschiehet. Eben daselbst wird es auch als ein Neutrum von dem Wilde gebraucht, wenn es im Jagen todt niederfällt.


Abknöpfen (W3) [Adelung]


Abknöpfen, verb. reg. act. aufknöpfen und herunter nehmen.


Abknüpfen (W3) [Adelung]


Abknüpfen, verb. reg. act. durch Auflösung eines Knotens, herab nehmen. Ein Band, ein Seil abknüpfen. Einen Gehenkten wieder abknüpfen.


Abkochen (W3) [Adelung]


Abkochen, verb. reg. act. 1) Zur Gnüge kochen, gar kochen. Einen Fisch abkochen. Abgekochtes Wasser, ein abgekochter Trank. Besonders gewisse Speisen zum künftigen Gebrauche kochen. Milch, Fleisch abkochen. 2) Bey den Färbern auch so viel als absieden, welches S.


Abköhlen (W3) [Adelung]


* Abköhlen, verb. reg. act. in den Bergwerken, so viel als abhütten, welches S.


Abkommen (W3) [Adelung]


Abkommen, verb. irreg. neutr. ( S. Kommen,) mit dem Hülfsworte seyn. 1) Eigentlich von einem Orte oder einer Sache entfernet werden, doch mit verschiedenen Nebenbegriffen. Von dem rechten Wege abkommen, sich verirren. Ich konnte aus der Gesellschaft nicht abkommen, konnte oder durfte sie nicht verlassen. Er kann ganz wohl abkommen, er wird durch keine Geschäfte abgehalten zu kommen. + Er kann abkommen, man kann seiner entbehren. Von seiner Rede, von seinem Vorhaben, von seinem Zwecke abkommen, davon entfernet werden. Um kurz von der Sache abzukommen, sie kurz zu endigen. Um von dem Menschen abzukommen, um seiner los zu werden, nicht um des Menschen abzukommen. + Ich konnte nicht wohlfeiler abkommen, aus der Sache kommen. 2) Figürlich, aus dem Gebrauche kommen, sich aus dem Gebrauche verlieren, abgebracht werden. Eine Gewohnheit abkommen lassen. Das ist bey uns ganz abgekommen. Ein abgekommener Gebrauch.

Anm. Zu den im Hochdeutschen entweder gar nicht, oder doch nur selten üblichen Bedeutungen dieses Zeitwortes, welche aber in Oberdeutschland noch sehr gewöhnlich sind, gehören vornehmlich folgende. (a) Herstammen; davon haben wir indessen noch die Hauptwörter, der Abkömmling und die Abkunft. (b) Mit einem abkommen, sich mit ihm vergleichen, S. den folgenden Artikel. (c) Von einem Amte abkommen, dessen entsetzet werden. (d) Einer Sache abkommen, sie nach und nach verlieren, darum kommen. Von dem Viehe abkommen. Ob wir sein dadurch kommen ab, Theuerd. Kap. 66. ob wir dadurch seiner los werden können. Was trauren wir denn viel, daß der und jener stirbt, Und kömmt der Sorgen ab, Opitz. Eben diese Wortfügung hat auch Luther in seiner Bibelübersetzung mit aufgenommen. (e) Am Verstande, an Kräften, an Leibes-Gestalt abnehmen. Er kommt am Leibe ab, Steinb. Er kommt wegen vieler Arbeit ab, ebend. Siehe, wie ich ab sey kommen, Wie mir alle Kraft genommen, Opitz.


Abkommen (W3) [Adelung]


Das Abkommen, des -s, plur. car. bedeutet außer den Bedeutungen des Verbi auch den Vergleich in einer streitigen Sache. Ein gütliches Abkommen mit einem treffen. Ist denn kein Abkommen zu treffen? Diese Bedeutung ist durch die Kanzelleyen aus Oberdeutschland zu uns gekommen, wo das Verbum in dieser Bedeutung nicht ungewöhnlich ist. Für das Abkommen in diesem Verstande findet man bey einigen auch wohl die Abkommung.


Abkömmling (W3) [Adelung]


Der Abkömmling, des -es, plur. die -e, einer aus den Nachkommen einer Person oder eines Geschlechtes, ein Substantiv, welches bey uns nach und nach zu veralten scheint, so wie die ähnliche Bedeutung des Zeitwortes schon veraltet ist.


Abkömmniß (W3) [Adelung]


+ Die Abkömmniß, plur. die -e, bey den Bergleuten, so viel als das Abkommen, oder die Entfernung eines Trumms von dem Hauptgange, und ein solcher abgekommener Trumm selbst. Die Bergleute verunstalten dieses Wort, indem sie es gemeiniglich Abkenniß aussprechen. Komniß von kommen ist in der Oberdeutschen Mundart auch noch in Überkomniß und Vorkomniß üblich, welche beyde einen Vertrag bedeuten.


Abköpfen (W3) [Adelung]


Abköpfen, verb. reg. act. das Frequentat. von abkappen, abschneiden, abhauen, welches einige Mundarten abkoppen aussprechen, oder auch von Kopf, welches zuweilen einen jeden Gipfel bedeutet. Die Spitze einer Sache abbrechen, besonders in der Landwirthschaft von Pflanzen; in einigen Gegenden abküpfeln. Den Tabak abköpfen, die Gipfel an den Stängeln abbrechen. Die Bäume abköpfen, welches an einigen Orten auch abmutzen genannt wird, den ganzen Gipfel abhauen. Daher die Abköpfung. Abköpfen für köpfen oder enthaupten, ist noch in Oberdeutschland üblich.


Abkoppeln (W3) [Adelung]


Abkoppeln, verb. reg. act. von der Koppel los machen. Die Pferde, die Jagdhunde abkoppeln.


Abkräften (W3) [Adelung]


* Abkräften, verb. reg. act. welches nur im Oberdeutschen für entkräften üblich ist.


Abkramen (W3) [Adelung]


+ Abkramen, verb. reg. act. nur im gemeinen Leben, für abräumen.


Abkrämpen (W3) [Adelung]


Abkrämpen, verb. reg. act. die Krämpe an einem Dinge niederlassen. Den Hut abkrämpen.


Abkranken (W3) [Adelung]


* Abkranken, verb. reg. neutr. mit seyn, welches bey den Dichtern des vorigen Jahrhunderts, und noch jetzt in Oberdeutschland nicht ungewöhnlich ist, durch eine langwierige Krankheit entkräftet werden. Der abgekrankte Leib, Gryph. S. Krank und Kranken.


Abkränken (W3) [Adelung]


+ Abkränken, verb. reg. act. et reciproc. durch Gram entkräften. Sich abkränken. Das Herz ist mühsam abgekränket, Opitz. Kommt ihr abgekränkte Herzen, Gryph. Ein höher Wesen stärkt den abgekränkten Geist, Ebend.


Abkratzen (W3) [Adelung]


Abkratzen, verb. reg. act. durch Kratzen herunter bringen. Den Salpeter von den Wänden abkratzen. Ingleichen durch Kratzen leer machen, reinigen. Eine Wand abkratzen.


Abkrauten (W3) [Adelung]


Abkrauten, verb. reg. act. von dem Unkraute gehörig reinigen, bey den Winzern, wo es auch nur krauten genannt wird. Einen Weinberg abkrauten.


Abkriegen (W3) [Adelung]


+ Abkriegen, verb. reg. act. 1) Von kriegen, bekommen. (a) Herab bringen. Ich kann es nicht abkriegen. (b) Zugleich mit andern bekommen. Er kriegt von unsern Gütern nichts ab. (c) Figürlich, etwas Nachtheiliges davon tragen, einen Verweis, eine Strafe bekommen, einen Verlust leiden. Warte, für die kleine Bosheit mußt du eins abkriegen, Weiße. Er ruhet nicht ehe, bis er etwas abkriegt, bis ihm etwas Übels widerfähret. So wie das einfache kriegen in der guten Sprech- und Schreibart veraltet ist, so gilt solches auch von dessen Zusammensetzungen; außer daß abkriegen in der zweyten figürlichen Bedeutung, noch zuweilen in der vertraulichen und scherzhaften Sprache gehöret wird. 2) Von Krieg, bellum. Einem etwas abkriegen, es ihm im Kriege entreißen; ganz ungewöhnlich.


Abkröschen (W3) [Adelung]


Abkröschen, verb. reg. act. bis zum Ende kröschen lassen. So kröschen die Buchdrucker das Leinöhl ab, wenn sie es mit einem Stücke Brotes sieden, und dadurch reinigen.


Abkühlen (W3) [Adelung]


Abkühlen, verb. reg. act. gehörig kühl oder kalt machen. Eisen in Wasser, Stahl in Milch abkühlen, ablöschen, wenn beyde vorher glühend gemacht worden. In den Schmelzhütten hat man so wohl Abkühltröge, etwas darin abzukühlen, als auch Abkühlrinnen, Wasser auf das verblickte Silber zu leiten, es abzukühlen. Sich abkühlen. Der Regen kühlt die Luft ab. Die Weste kühlten sich an Silberbächen ab, Wiel. Das Wetter kühlt sich ab, ist ein gemeiner Ausdruck des Landmannes, wenn weit entfernte Blitze, deren Donner man nicht hören kann, einen Wiederschein in den Wolken machen.


Abkühlfaß (W3) [Adelung]


Das Abkühlfaß, S. Kühlfaß.


Abkühlung (W3) [Adelung]


Die Abkühlung, plur. die -en, die Handlung des Abkühlens, und auch wohl ein flüssiger Körper, womit etwas abgekühlet wird.


Abkümmern (W3) [Adelung]


+ Abkümmern, verb. reg. recipr. Sich abkümmern, sich durch Kummer verzehren.


Abkündigen (W3) [Adelung]


Abkündigen, verb. reg. act. welches das Frequentat. von dem im Hochdeutschen ungebräuchlichen abkünden ist. 1) Eigentlich, von einem erhabenen Orte bekannt machen; besonders von der Kanzel. Einen Verstorbenen abkündigen. Am häufigsten, die bevorstehende eheliche Verbindung zweyer Personen von der Kanzel bekannt machen, welches in Obersachsen gemeiniglich aufbiethen, in einigen Gegenden abbiethen, in Oberdeutschland aber verkünden, sonst aber auch mit einem Lateinischen Ausdrucke proclamiren genannt wird. 2) * In den Rechten sich von einer Sache los sagen, auf dieselbe Verzicht leisten.


Abkündigung (W3) [Adelung]


Die Abkündigung, plur. die -en, 1) Die Bekanntmachung von einem erhabenen Orte, besonders verlobter Personen; ein Kirchengebrauch, welcher in Obersachsen auch das Aufgeboth, oder Aufboth, in manchen Gegenden das Abgeboth, die Proclamation, in Oberdeutschland die Verkündigung, im Jülichischen der Kirchenruf, und in Ostfriesland die Kirchensprache genannt wird. Ehedem hieß er auch der Bann, wovon die Abkündigung im Franz. noch jetzt Ban de mariage genannt wird. 2) * Die Lossagung von einer Sache, die Verzicht auf dieselbe.


Abkunft (W3) [Adelung]


Die Abkunft, plur. car. 1) Die Abstammung, die Herkunft. Er ist von guter Abkunft. Ein Mensch von schlechter Abkunft. Völker von deutscher Abkunft. 2) Der Vergleich, das Abkommen. Eine Abkunft mit jemanden treffen, sich mit ihm vergleichen. Beyde Bedeutungen sind von zwey im Hochdeutschen veralteten Bedeutungen des Zeitwortes abkommen.


Abküpfeln (W3) [Adelung]


+ Abküpfeln, verb. irreg. act. welches das Diminutivum des folgenden, und größten Theils nur in Franken üblich ist, wo es so viel als beschneiden bedeutet, und vornehmlich von dem Beschneiden des Weines gebraucht wird.


Abküpfen (W3) [Adelung]


Abküpfen, + Abküpfen, verb. reg. act. Intensiva von abkuppen, die Spitze abschneiden. Ich will nur meine Feder erst abküpfen, Less.


Abkuppen (W3) [Adelung]


Abkuppen, verb. reg. act. an einigen Orten so viel als abkappen, d. i. die Kuppe, oder Spitze von etwas abschneiden oder abbrechen.


Abkürzen (W3) [Adelung]


Abkürzen, verb. reg. act. 1) Eigentlich kürzer machen. Wörter abkürzen, abbreviiren. Eine Predigt, eine Rede, eine Schrift abkürzen, sie enger zusammen ziehen und dadurch kürzer machen. Sich das Leben abkürzen. 2) Von etwas abziehen; am häu-figsten mit dem Nebenbegriffe der unbilligen Verminderung. Einem etwas an der Bezahlung abkürzen. Einem den Lohn abkürzen. Etwas seinem Leibe abkürzen. Die Alten brauchten das einfache Kürzen in beyden Bedeutungen.


Abkürzung (W3) [Adelung]


Die Abkürzung, plur. die -en, die Handlung des Abkürzens; ingleichen eine abgekürzte Sache, besonders ein abgekürztes Wort, eine Abbreviatur. Jemanden ohne Abkürzung bezahlen, ohne ihm etwas abzuziehen.


Ablachen (W3) [Adelung]


+ Ablachen, verb. reg. recipr. sich ablachen, bis zur Ermattung lachen.


Ablactiren (W3) [Adelung]


+ Ablactiren, verb. reg. act. ein aus dem Lateinischen ablactare entlehntes Kunstwort der Gärtner, eine Art des Pfropfens, einen Zweig ohne ihn abzuschneiden, auf einen andern Stamm pfropfen, welches auch absäugeln und absäugen genannt wird, welches S.


Abladen (W3) [Adelung]


Abladen, verb. irreg. act. ( S. Laden,) eine aufgeladene Last herunter heben. Die Fracht, das Holz, Steine abladen, sie von dem Wagen heben. Ingleichen von einer aufgeladenen Last befreyen. Den Wagen, einen Esel abladen. Daher die Abladung.


Ablader (W3) [Adelung]


Der Ablader, des -s, plur. ut nom. singul. ein Arbeiter, der sich in den Städten zum Abladen der Waaren und Güter gebrauchen läßt, und auch Auflader genannt wird; an einigen Orten Wagenlader, Schröter, in Hamburg Litzenbrüder, in Böhmen Baumträger und Maskupträger, in Zürich und Strasburg Spänner u. s. f. Der im gemeinen Leben übliche Plural Abläder, mit der Umendung des a in ä, ist ein Überbleibsel der ehemahligen irregulären Conjugation des Verbi, ich lade, du lädst, er lädt. Da man es jetzt regulär gebraucht, so bleibt auch in den Abgeleiteten die Form billig regulär.


Ablage (W3) [Adelung]


Die Ablage, plur. die -n, 1) Die Handlung des Ablegens, ohne Plural, und das was abgelegt wird. Besonders in den Rechten, eine Handlung zwischen Ältern und Kindern, da jene diese durch eine Aussteuer von aller künftigen Erbschaft auschließen; da denn auch wohl das, was Kinder auf diese Art bekommen, die Ablage genannt wird. Die Abtheilung ist davon noch verschieden. S. Ablegen. 2) Im Forstwesen, ein Ort am Wasser, wo man die Bäume, welche abgeflößet werden sollen, niederleget. 3) * Die Ablage, von Lage, die Entfernung; im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Ablager (W3) [Adelung]


* Das Ablager, des -s, plur. die -läger, bedeutete ehedem, 1) ein jedes Einkehren auf der Reise, und der Ort, wo solches geschahe. Daher sagte man, ein Ablager halten, sein Ablager an einem Orte nehmen, wenn Reisende, besonders vornehme Personen, die mit einem großen Gefolge reisen, an einem Orte einkehren. 2) Besonders das Recht, welches ein Schutz und Landesherr hat, in den Klöstern und bey seinen Vasallen und Schutzverwandten einzukehren, und sich von ihnen verpflegen zu lassen; ein Recht, welches auch die Ausspann, die Atz, die Atzung, das Atzungsrecht, und im barbarischen Latein Albergaria genannt wird. S. Abliegen, ingleichen Haltaus v. Ablager und Lager.


Abländen (W3) [Adelung]


Abländen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, in der Seefahrt, vom Lande abfahren, im Gegensatze des Anländens. Daher die Abländung.


Ablang (W3) [Adelung]


+ Ablang, adj. et. adv. länglich, was mehr Länge als Breite hat. Es scheinet, daß dieses Wort erst in den neuern Zeiten, aus dem Lateinischen oblongus gebildet worden, daher es auch nicht überall aufgenommen ist. Eine ablange Vierung. Logau gebrauchte schon ablangs rund, und eine ablange Kundung, für ein Oval, sagte I. C. Sturm um 1670.


Ablangen (W3) [Adelung]


+ Ablangen, verb. reg. act. im gemeinen Leben. 1) Mit ausgestrecktem Arme erlangen. Es stehet zu weit, ich kann es nicht ablangen, kann nicht bis dahin langen. 2) Mit ausgestrecktem Arme herab langen oder hohlen, und dann auch überhaupt so viel als abhohlen. Einen Brief ablangen. - Aus Rache fiel mir ein, Ein überflüssiges Huhn zu Zeiten abzulangen, sind Worte des Fuchses beym Hagedorn. S. Langen, reichen.


Ablängen (W3) [Adelung]


Ablängen, verb. reg. act. 1) In den Bergwerken, in die Länge graben oder bauen. Eine Strecke ablängen. 2) Bey den Zimmerleuten, nach der gehörigen Länge abhauen oder abschneiden. Einen Stamm zu einer Röhre ablängen.


Ablaschen (W3) [Adelung]


Ablaschen, verb. reg. act. im Forstwesen, einen Weg durch einen Wald an den Bäumen bezeichnen; weil es durch Laschen geschiehet. S. dieses Wort.


Ablaß (W3) [Adelung]


Der Ablaß, des -sses, plur. -ässe. 1) Die Handlung des Ablassens eines flüssigen Körpers; ohne Plural. Der Ablaß eines Teiches. + Ohne Ablaß, besser ohne abzulassen, oder unablässig. 2) Der Ort, durch welchen das Wasser abgelassen wird, im Gegensatze des Einlasses. 3) In der Römischen Kirche eigentlich die Erlassung oder Milderung der kirchlichen Strafe der Sünde, Indulgenz; ob es gleich auch sehr häufig von der Vergebung der Sünde selbst gebraucht worden, und zum Theil noch jetzt gebraucht wird. Ablaß geben, ertheilen, bekommen, predigen. Daher der Ablaßbrief, diejenige Urkunde, worin dieser Ablaß ertheilet wird; der Ablaßprediger, der den Ablaß bey feyerlichen Gelegenheiten öffentlich verkündiget; das Ablaßjahr, ein Jubeljahr, dessen Feuer in Rom mit vorzüglichem Ablasse versehen ist; die Ablaßkirche, eine Kirche, welche mit vorzüglichem Ablasse versehen ist; der Ablaßkram, der unerlaubte Handel mit dem Ablasse; der Ablaßkrämer, der ihn treibt; die Ablaßwoche, die Frohnleichnamswoche, u. s. f. 4) Weil in der Römischen Kirche gewisse Tage, z. B. die Kirchweihe mit vorzüglichen Ablässen versehen sind, so werden an verschiedenen Orten auch die an solchen Tagen angestellten weltlichen Feyerlichkeiten Ablaß genannt. So heißt z. B. zu Grünstadt in Thüringen der Jahrmarkt der Ablaß, und auf vielen Dörfern werden die ländlichen Feste, welche nach der Ernte und gemeiniglich bey der Kirchweihe angestellet werden, auch Ablässe genannt.

Anm. Ablaß von der Vergebung der Sünde gebraucht, ist ein altes Wort, welches bey unsern ältesten Schriftstellern vorkommt. Ablazi, Ottfr. Dar du mir ablaz hebest, in tempore misericordiae, Notk. Ps. 118, 149. Goth. Ableta und Schwed. Ablata. Antlaß, gleichsam Entlaß, bedeutet in der Alemannischen Mundart eben dasselbe. Antlaz, Kero; Antlaz sunton, Vergebung der Sünden, Notk. ein Wort, welches noch jetzt in Oberdeutschland üblich ist, wo der Frohnleichnamstag auch der Antlaßtag, die Woche, worein derselbe fällt, die Antlaßwoche, und der grüne Donnerstag der Antlaßpfingsttag genannt wird; weil diese Zeiten vorzüglich mit Ablaß versehen sind.


Ablassen (W3) [Adelung]


Ablassen, verb. irreg. S. Lassen, welches in seinen meisten Bedeutungen elliptisch ist, und ein anderes ausgelassenes Zeitwort voraus setzet. Es ist aberI. Ein Activum, und bedeutet alsdann überhaupt, einen Körper seiner natürlichen Bewegung überlassen. Besonders, 1) was zurück gehalten war, seiner Schnellkraft überlassen. Den gespannten Bogen ablassen. Ein Schloß ablassen, dessen Feder abgehen lassen, im gemeinen Leben, es abschnappen. Ein Schiff ablassen, es vom Stapel laufen lassen. Einen Teich, einen Fluß ablassen, das Wasser in demselben abfließen lassen. Ein Faß Wein, (den Wein im Fasse,) ablassen, abzapfen. Den Ofen ablassen, in den Schmelzhütten, das flüssige Metall aus demselben abfließen lassen, welches auch abstechen genannt wird. 2) Je-manden eine Sache ablassen, abtreten, sie ihm überlassen. 3) Abschicken, absenden. Einen Brief, ein Schreiben an jemanden ablassen, erlassen. Er hat versprochen, einige Zeilen an mich abzulassen. 4) Etwas am Preise ablassen, nachlassen, eine Verminderung des geforderten Preises bewilligen. Ich kann von den zehn Thalern nichts ablassen. 5) Die Sohlen ablassen, bey den Schustern, bedeutet so viel, als sie am Rande abhängig schneiden, dünner machen, welches vermittelst eines gegen die Spitze des Messers gehaltenen Hornes geschiehet, welches daher das Ablaßhorn genannt wird.II. Ein Neutrum, welches das Hülfswort haben zu sich nimmt, aufhören etwas zu thun, Gemeinschaft damit zu haben, darnach zu streben, eine Sache nicht weiter fortsetzen; doch nur mit einem Substantive und der Präposition von. Von der Arbeit ablassen. Vom Bösen ablassen. Von seinem Vorsatze, von einem Prozesse ablassen. Von einer Person ablassen, die Liebe zu ihr fahren lassen. Sind sie denn nicht selbst Schuld, daß er von ihr ablässet? Gell. Von einem ablassen, so wohl ihm seine Hülfe versagen, als auch aufhören, ihn zu strafen, kommt in Luthers Bibelübersetzung zwar oft, außerdem aber fast gar nicht mehr vor. Eben so unangenehm klingen im Hochdeutschen die Oberdeutschen R. A. ablassen zu zürnen, zu weinen, zu bauen u. s. f. für aufhören. Überhaupt fängt es in dieser ganzen neutralen Bedeutung an zu veralten, und wird daher nur noch am häufigsten im gemeinen Leben und in der biblischen Schreibart gebraucht. Daher die Ablassung in allen obigen Bedeutungen, besonders des Activi.

Anm. Ablassen, war in der vierten thätigen Bedeutung ehedem von weiterm Umfange, wie man aus einigen Beyspielen beym Haltaus h. v. sehen kann. Und von dieser Bedeutung kommt vermuthlich auch das Hauptwort Ablaß in der kirchlichen Bedeutung her.


Ablativ (W3) [Adelung]


Der Ablativ, des -es, die -e, aus dem Lat. Ablativus, die sechste Endung in der Declination der Nennwörter der Lateinischen Sprache; dagegen die Deutschen deren nur vier haben. Die von einigen Sprachlehrern versuchten Deutschen Nahmen Nehmendung und Nehmfall sind bloße buchstäbliche Übersetzungen des Lateinischen, welche den Begriff keines Weges erschöpfen; also als Kunstwörter fehlerhaft sind.


Ab-latten (W3) [Adelung]


Ab-latten, verb. reg. act. der Latten berauben. Ein Dach ablatten, die Latten davon abbrechen.


Ablauben (W3) [Adelung]


Ablauben, verb. reg. act. von Laub, des Laubes berauben. Einen Baum, einen Ast ablauben.


Ablauern (W3) [Adelung]


Ablauern, nicht Ablauren, verb. reg. act. durch Lauern ersehen, erhalten, in verächtlichem Verstande, wofür man in der vertraulichen Sprechart ablauschen sagt. Eine Gelegenheit, einen Vortheil ablauern. Einem etwas ablauern, es ihm heimlich absehen. Einem einen Kunstgriff ablauern.


Ablauf (W3) [Adelung]


Der Ablauf, des -es, plur. die -läufe, von dem folgenden, ob es gleich nicht in allen Bedeutungen desselben üblich ist. 1) Die Handlung des Ablaufens, in den eigentlichen Bedeutungen des Verbi, so fern es ein Neutrum ist; ohne Plural. Der Ablauf des Meeres, die Ebbe. Das Wasser muß seinen Ablauf haben. Der Ablauf der Post, eines Briefes u. s. f. der Abgang. 2) Das Ende einer gewissen bestimmten Zeit; doch am häufigsten nur mit gewissen Vorwörtern ohne Artikel, und ohne Plural. Von Ablauf des Jahres. Mit Ablauf des Monathes, der Woche, des Winters, u. s. f. Der Ablauf eines Wechsels, dessen Verfallzeit. 3) Der Ort, durch welchen das Wasser abläuft. Der Ablauf eines Teiches, welcher auch wohl ein Teichfenster heißt. 4) Bey verschiedenen Künstlern die unmerkliche Vereinigung zweyer ungleicher Flächen vermittelst einer eingebogenen, und diese letztere Fläche selbst. So ist in der Baukunst Ablauf ein Glied, welches aus einem eingebogenen Viertel-Zirkel besteht, und ein vorspringendes oberes Glied mit dem untern verbindet, zum Unterschiede von dem Anlaufe.


Ablaufen (W3) [Adelung]


Ablaufen, verb. irreg. S. Laufen, welches theils als ein Neutrum, theils aber auch als ein Activum üblich ist.I. Als ein Neutrum, welches mit dem Hülfsworte seyn verbunden wird.1) Von einem höhern Orte laufen und sich entfernen. (a) Eigentlich. Die Dächer müssen abhängig seyn, damit das Wasser ablaufen könne. Die Fluth läuft ab, und ruft mich von dem Lande, Dusch. Ein Schiff ablaufen lassen, es von dem Stapel laufen lassen. Die Fläche läuft allmählich ab, senkt sich. (b) Von vorragenden Flächen, wenn sie sich unmerklich niederwärts oder zurück ziehen. So ist bey den Tischlern und andern Holzarbeitern ablaufen lassen, so viel als die obere vorragende Fläche vermittelst eines Viertel-Zirkels mit der untern vereinigen, S. Ablauf. (c) Auf dem Fechtboden bezeichnet die R. A. seinen Gegner ablaufen lassen, eine Art zu pariren, da man dessen Klinge an der seinigen fruchtlos hinab gleiten lässet. Hiervon ist auch die figürliche R. A. entstanden, einen ablaufen lassen, d. i. seine Beleidigung verächtlich abweisen. (d) Sich schnell von einem Orte entfernen, wie abgehen. Die Post wird bald ablaufen, abfahren, abgehen. Einen Brief ablaufen lassen, fortschicken.2) Völlig zu Ende laufen, und daher aufhören. a) In eigentlicher und weiterer Bedeutung. Die Uhr ist abgelaufen, die Schnur, woran die Gewichte hängen, ist abgewickelt und zu Ende. Die Spulen sind abgelaufen, bey den Webern. b) Figürlich, von der Zeit, zu Ende gehen. Bis die Zeit der Prüfung abgelaufen seyn wird, Mosh. Seine Jahre mit Schrecken ablaufen sehen. Der Wechsel ist noch nicht abgelaufen, noch nicht verfallen. Ein abgelaufener Wechsel. c) Sich endigen, mit Bemerkung der Art und Weise. Die Sache ist wohl, übel, nach Wunsch abgelaufen. Wir wollen sehen, wie der Krieg, das Vorhaben, der Anschlag u. s. f. ablaufen wird. Die Person, und zuweilen auch die Sache bekommen mit. Wie wird es noch mit mir ablaufen. Es mag mit uns ablaufen, wie es will.II. Als ein Activum.1) Durch Laufen, oder schnelles Bewegen abnutzen. Sich die Sohlen, die Schuhe ablaufen. Sich bald die Füße ablaufen. Der Mühlstein hat sich ganz abgelaufen, ist stumpf geworden. Sich die Hörner ablaufen, oder auch die Hörner ablaufen, figürlich im gemeinen Leben, seinen Ungestüm durch Schaden verlieren, durch Erfahrung klüger werden. + Das habe ich längst an den Schuhen abgelaufen, das weiß ich schon von meiner Kindheit an. + Sich ablaufen, bis zur Ermattung laufen.2) Im Besitze eines Dinges durch Laufen zuvor kommen, mit dem Dative der Person; besonders in Wettläufen und Rennspielen. Einem den Preis, das Kleinod ablaufen. Und dann auch figürlich, einem durch Hurtigkeit oder List in einer Sache zuvor kommen. Einem den Weg ablaufen. Er hat mir den Rang, den Vortheil abgelaufen. Er wird ihm nicht viel ablaufen. Einem kleine Ränke ablaufen, sie durch Gegenränke vereiteln.3) Von einem Orte wegschaffen, besonders in den Bergwerken, wo das Erz ablaufen, die Fortbringung nach den Förderschächten bezeichnet; weil laufen daselbst überhaupt so viel bedeutet, als mit dem Karren fortschaffen.4) Durch Laufen erreichen. + Man kann es mit dem nassen Finger ablaufen, im Scherze, es ist sehr nahe.


Abläufer (W3) [Adelung]


Der Abläufer, des -s, plur. ut. nom. sing. was abläuft und abgelaufen ist, besonders, 1) bey den Tuchmachern, die abgelaufen und also leer gewordenen großen Spulen. 2) Bey den Webern, ein Fehler, der daraus entstehet, wenn sie die Fäden unrecht in das Sieb, oder aus einem Gange in den andern ziehen.


Ablaugen (W3) [Adelung]


Ablaugen, verb. reg. act. bey den Färbern, die Lauge aus dem Garne heraus waschen. Daher die Ablaugung.


Ablauren (W3) [Adelung]


Ablauren, S. Ablauern.


Ablauschen (W3) [Adelung]


Ablauschen, verb. reg. act. in der vertraulichen Sprechart, durch Lauschen ersehen, erhalten. Der Beyfall, den er uns abgelauschet hat, Less. S. Ablauern.


Abläutern (W3) [Adelung]


Abläutern, verb. reg. act. einen flüssigen oder flüssig gemachten Körper völlig lauter oder klar machen, es geschehe nun, durch einen Zuschlag, oder durch Abschäumen, oder durch das Setzen lassen, oder auf andere Art. Ein Metall abläutern. Zucker abläutern. Ein abgeläuterter Wein. In den Bergwerken wird abläutern so wohl von dem Waschen der Erze, als auch von dem Durchrädern derselben in Wasser gesagt. Das letzte geschiehet in dem Abläuterfasse; das erste aber vermittelst der Abläuterkiste, von den Abläuterjungen. Daher die Abläuterung.


Ableben (W3) [Adelung]


Das Ableben, des -s, plur. car. eigentlich der Infinitiv des veralteten Verbi ableben für sterben, doch so, daß das Unangenehme und Widrige, was man gemeiniglich mit dem Worte Tod verbindet, durch diesen Ausdruck gemildert wird. Nach meinem Ableben. Nach meines Vaters Ableben.

Anm. Ableben, in Oberdeutschland ableiben, kommt zunächst von Lyb, das Leben, nicht aber von Leib, corpus, her. Es war ehedem sehr gebräuchlich für sterben, ist aber außer dem aus dem Infinitive gemachten Hauptworte und dem Partic. Pass. abgelebt, wenigstens im Hochdeutschen nicht mehr üblich, obgleich Frisch das Zeitwort ableben, noch in der Bedeutung des Überlebens und des Erlebens anführet. Eben so ungebräuchlich ist das Oberdeutsche ableibig werden, und das alte Niedersächsische aflivig werden, für sterben. Im Suidas - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Ablecken (W3) [Adelung]


Ablecken, verb. reg. act. durch Lecken wegschaffen. Den Zucker ablecken. Ingleichen mit der Zunge reinigen. Den Teller, die Finger ablecken.


Abledern (W3) [Adelung]


+ Abledern, verb. reg. act. nur in den niedrigen Sprecharten. 1) Die Haut, das Leder abziehen, wie abdecken. 2) Derb abprügeln:


Ableeren (W3) [Adelung]


Ableeren, verb. reg. act. abräumen und leer machen. Ein Bret, den Tisch ableeren. Daher die Ableerung.


Ablegen (W3) [Adelung]


Ablegen, verb. reg. welches sowohl in der thätigen, als in der Mittelgattung üblich ist.I. Das Activum bedeutet,1. Herab legen, von einem höhern Orte legen, nur in einigen Fällen. So sagt man, ein Geschütz ablegen, es von den Laveten legen.2. Aus einander legen, auch in einigen Fällen. Die Schriften ablegen, oder ablegen schlechthin, in den Buchdruckereyen, sie aus einander nehmen, und wieder in ihre Kästen legen.3. Von sich weglegen, eine Bedeutung von weitem Umfange. a) Eigentlich, in vielen Fällen. Die Kleider, die Schuhe, den Mantel, den Degen, den Hut, die Trauer ablegen; im Gegensatze des Anlegen. Legen sie ab, eine höfliche Einladung, den Hut und andere entbehrliche Kleidungsstücke von sich wegzulegen. Eine Last ablegen. Den Skat ablegen, im Tarok-Spiele, die überflüssigen Karten von sich legen. Den Skis ablegen, eben daselbst, ihn von sich legen, und dafür ein anderes Blatt nehmen. (b) Figürlich mit allerley Nebenbedeutungen und Figuren. (1) Sich einer lästigen Sache entledigen; nur in einigen Fällen. Eine Schuld ablegen, ein Capital ablegen, es bezahlen. Hierher gehöret auch die in den Rechten übliche Bedeutung, wo ein Kind ablegen, so viel ist, als es in Ansehung der künftigen Erbschaft abfinden, so daß es keinen Anspruch mehr daran hat. S. auch Abfinden und Abtheilen. * Einen Erben ablegen, ihn abfinden, befriedigen. Aus einigen beym Haltaus v. Ablegen angeführten Beyspielen erhellet, daß dieses Zeitwort ehedem in mehrern Fällen in der Bedeutung des Bezahlens gebraucht worden. (2) Bezahlen und seiner Dienste entlassen. So sagt man im Bergbaue, dem Forstwesen u. s. f. die Arbeiter ablegen, sie ihrer Arbeit entlassen; im Gegensatze des Anlegens. (3) Sich eines Geschäftes entledigen, in vielen einzelnen Fällen. Eine Rede, eine Predigt ablegen, wofür man doch lieber halten sagt. Einen Gruß von jemanden ablegen, überbringen. Ein Bekenntniß, ein Zeugniß, eine Probe, einen Besuch ablegen. Eine Rechnung ablegen, Rechnung thun. Einen Eid ablegen. + Seine Pflicht, seine Schuldigkeit ablegen, besser thun. (4) Kleidungsstücke oder ähnliche zum täglichen Gebrauche bestimmte Dinge auf immer von sich weglegen, in einigen Gegenden absetzen. Ein Kleid, ein Paar Schuhe ablegen, sie als minder brauchbar nicht mehr tragen wollen. Ein abgelegtes Kleid. + Die Kinderschuhe ablegen, die Kinderjahre verlassen. Die Sterblichkeit ablegen, sterben. (5) Sich nachtheiliger oder tadelhafter Dinge entwöhnen. Sorgen, Thorheiten, Laster, eine Gewohnheit ablegen. Legen sie doch die Vorurtheile des Pöbels ab. Die Furcht, den Neid ablegen. (6) Durch Legen und Entfernen von dem Mutterstamme fortpflanzen, im Gartenbaue. Baumreiser, Pflanzen, Nelken ablegen, einen Zweig davon umbiegen und mit Erde beschütten, damit er Wurzel schlage, und zu einer eigenen Pflanze werde; welches man auch absenken, senken, legen, einlegen nennet. S. Ableger. In den neuern Zeiten hat man auch angefangen, auf ähnliche Art Bienenstöcke abzulegen.4) + Etwas mit einem andern ablegen, heimlich verabreden, im gemeinen Leben. Ein abgelegter Handel. S. auch Abkarten.II. Das Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Entbunden werden. Besonders gebraucht man es in Niedersachsen von dem Kalben der Kühe. Sie hat abgelegt, sagt man auch wohl aus Beachtung von einer unverheiratheten Person, wenn sie heimlich entbunden werden. 2) In der Schifffahrt bedeutet, mit dem Schiffe ablegen, so viel als vom Lande absegeln, sich aus dem Hafen auf die Rhede legen, so wie anlegen, sich dem Lande nähern. 3) + Das Gesicht legt ihm ab, die Kräfte legen ihm ab, verlassen ihn, im gemeinen Leben. + Er legt sehr ab, nimmt an Gestalt und Kräften ab. 4) + Einem ablegen, dessen Partey verlassen, ingleichen ihm Unrecht geben. + Er wird ihm niemahls ablegen, wird nie etwas auf ihn kommen lassen. + Der Ungerechtigkeit ablegen, Raben entsagen. + Er legt niemanden ab, stimmt einem jeden bey.Daher das Ablegen und die Ablegung, letzteres in den eigentlichen Bedeutungen des Activi. S. auch Ablage.


Ableger (W3) [Adelung]


Der Ableger, des -s, plur. ut. nom. sing. eigentlich im Gartenbaue, derjenige Zweig einer Pflanze oder eines Baumes, welcher zur künftigen Fortpflanzung abgeleget worden; ein Senker, Absenker. Ingleichen ein abgelegter Bienenstock. Im Tarok-Spiele heißt der Skis zuweilen auch der Ableger, weil er abgeleget wird.


Ablehnen (W3) [Adelung]


Ablehnen, mit dem hohen e, verb. reg. act. als ein Darlehn von jemanden bekommen. Einem Geld, ein Pferd, ein Buchu. s. f. ablehnen. In der höhern Schreibart ableihen. Daher die Ablehnung. S. auch Ableihen.


Ablehnen (W3) [Adelung]


Ablehnen, (mit dem tiefen e, verb. reg. act. 1) Eigentlich, einen Körper von einem Orte weglehnen. Das Bret von der Wand ablehnen. 2) Figürlich, mit Glimpf von sich abwenden. Einen Verdacht von sich ablehnen. Einwürfe ablehnen, entkräften. Einen Antrag, eine Gevatterschaft, eine Ehre ablehnen, auf eine glimpfliche Art ausschlagen. In den Kanzelleyen ist davon das Beywort unablehnlich üblich, für unwiderleglich. In Oberdeutschland wird dieses Zeitwort ableinen gesprochen und zuweilen auch geschrieben, und an andern Orten findet man auch ablenden dafür: Wann dann es Gott beliebt, die Stäbe zu verwenden, Kein Rathschalg noch Gewalt vermag es abzulenden, Opitz. Welches aber auch von lenken hergeleitet werden kann, S. Haltaus v. Lenden. Das Hauptwort die Ablehnung ist am meisten in der figürlichen Bedeutung üblich.


Ableibig (W3) [Adelung]


Ableibig, adv. S. Ableben die Anm.


Ableihen (W3) [Adelung]


Ableihen, verb. irreg. act. S. Leihen, so viel als ablehnen, als ein Darlehn erhalten, in der höhern Schreibart. Einem eine Summe Geldes, ein Buch, ein Pferd ableihen. So auch die Ableihung.

Anm. Ablehnen und ableihen, sind so wie die einfachen lehnen und leihen bloß in der Mundart unterschieden, indem jenes mehr Nieder-dieses aber mehr Oberdeutsch ist. Man hält daher auch ableihen für edler und anständiger als ablehnen, weil es durch den allgemeinen Gebrauch im Hochdeutschen nicht so verunedelt worden, als das letztere.


Ableiten (W3) [Adelung]


Ableiten, verb. reg. act. 1) Eigentlich, von einem Ort hinab wegleiten; am häufigsten von flüssigen Körpern. Das Wasser ableiten. Einen Fluß, einen Teich, einen See ableiten, den Blitz ableiten. 2) Figürlich. (a) Durch Bewegungsgründe von etwas abbringen. Jemanden von dem rechten Wege ableiten. Einen von seinem Vorhaben, von der Tugend ableiten. (b) Herleiten, die Abstammung von etwas behaupten. Ein Geschlecht von Carln dem Großen ableiten. Ein Wort aus dem Griechischen, von einem andern ableiten, dessen Abstammung darthun. Ingleichen, ein Wort durch Veränderung, oder Beyfügung einer Sylbe (welche daher die Ableitungssylbe heißt,) aus einem andern bilden. So ist z. B. günstig ein abgeleitetes Wort von Gunst, und ig die Ableitungssylbe. Daher die Ableitung in allen obigen Bedeutungen.


Ableiter (W3) [Adelung]


Der Ableiter, des -s, plur. ut nomin. sing. ein Werkzeug, eine Anstalt, den Blitz von einem Gebäude abzuleiten; der Blitzableiter.


Ablenden (W3) [Adelung]


* Ablenden, S. Ablehnen.


Ablenken (W3) [Adelung]


Ablenken, verb. reg. act. 1) Von einer Sache weglenken, in eigentlicher Bedeutung. Die Pferde von dem Wege ablenken, 2) Figürlich. (a) Das Gespräch von etwas ablenken, von einem Gegenstande weglenken. (b) Wie ablehnen in der figürlichen Bedeutung. Einen Verdacht von sich ablenken, Less. Daher die Ablenkung.


Ablernen (W3) [Adelung]


Ablernen, verb. reg. act. durch Zeichen oder Beobachten von einem andern erlernen. Einem eine Kunst, einen Handgriff ablernen. Die Luft, vom Wahn mich zu entfernen,Und deinem Flaccus abzulernen, Wie man durch ächten Witz gefällt, Haged.


Ablerschen (W3) [Adelung]


Ablerschen, S. Ablörschen.


Ablesen (W3) [Adelung]


Ablesen, verb. irreg. act. S. Lesen.1) Von lesen, colligere, einzeln herab oder wegnehmen. Die Blüthen von den Baume, die Steine von dem Acker ablesen. Die Weintrauben, die Raupen ablesen. Ingleichen durch ein solches Ablesen reinigen. Einen Acker ablesen., die Steine auf demselben; einen Weinberg ablesen, die Weintrauben in demselben abbrechen und einsammeln; ingleichen, einen Baum ablesen, die Raupen, Blüthen u. f. f. auf demselben einzeln abnehmen.2) Von lesen, legere, etwas Geschriebenes oder Gedrucktes laut oder öffentlich herlesen. Einen Brief, einen obrigkeitlichen Befehl ablesen. Jemanden ablesen, dessen Nahmen herlesen. Daher die Ablesung, besonders in der letzten Bedeutung.


Ableser (W3) [Adelung]


Der Ableser, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die -inn, der oder die das Ablesen besonders der Weintrauben verrichtet; der Leser.


Ablieben (W3) [Adelung]


+ Ablieben, verb. reg. act. ein Kunstwort der Jäger. Einen Leithund ablieben, einen Hund, den man abrichten will, unter allerley Liebkosungen von der Fährte abrufen, damit er solche wieder finden lerne. Ingleichen ihn zur Belehrung gehörig liebkosen.

Anm. Die letzte Hälfte dieses Wortes ist wohl nicht das Zeitwort lieben, amare, sondern das veraltete Kleiben, Angels. clypian, rufen, dessen Stammwort noch in der Wallisischen Sprache übrig ist, wo Clef, die Stimme bedeutet. Ablieben würde also abrufen bedeuten, so wie zulieben 2. Sam. 22, 42. nach Luthers Übersetzung, zurufen bedeutet. S. auch Klaffen. Ablieben, für abschmeicheln, durch Liebkosungen von einem erhalten, welches bey dem Logau vorkommt, ist von lieben, amare, wird aber von ihm nur im Scherze gebraucht.


Abliefern (W3) [Adelung]


Abliefern, verb. reg. act. 1) In eines andern Gewahrsame liefern. Getreide, Soldaten, Geld, einen Gefangenen abliefern. 2) Gehörig oder völlig liefern. Die Bauern haben das ausgeschriebene Getreide noch nicht abgeliefert. Daher die Ablieferung, so wohl die Handlung des Ablieferns, als auch was geliefert wird.


Abliegen (W3) [Adelung]


Abliegen, verb. irreg. act. S. Liegen. Es ist 1. Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, entfernt liegen, welches aber nur zuweilen im gemeinen Leben gehört wird. Üblicher und edler ist das Particip. abgelegen, S. dasselbe. 2. Ein Activum. (a) Durch Liegen absondern, im Liegen abdrücken. Das Pferd hat sich die Haare abgelegen. (b) Durch Liegen, d. i. im Gefängnisse, büßen oder bezahlen. Eine Schuld im Gefängnisse abliegen, wofür man doch lieber absitzen sagt. (c) Zur Genüge liegen. So sagt man, das Bier, der Wein muß erst abliegen, ehe man ihn trinken kann. Ein abgelegenes Bier. (d) + Sich abliegen, durch langes Liegen entkräften, ist niedrig.

Anm. Abliegen bedeutete ehedem auch so viel, als auf der Reise an einem Orte einkehren, so wie man jetzt absteigen in dieser Bedeutung gebraucht. Und davon ist noch das Hauptwort Ablager übrig, welches S.


Ablisten (W3) [Adelung]


Ablisten, verb. reg. act. Einem etwas ablisten, es durch List von ihm erhalten. Daher die Ablistung.


Abloben (W3) [Adelung]


+ Abloben, verb. reg. act. geloben, etwas zu unterlassen. Das Fluchen abloben.


Ablocken (W3) [Adelung]


Ablocken, verb. reg. act. 1) Eigentlich, von einem anderen zu sich locken. Einem einen Hund, die Tauben ablocken. 2) Figürlich. (a) Durch List oder Schmeicheley von jemanden erhalten. Einem sein Geld ablocken, wofür man im gemeinen Leben auch wohl das niedrige Frequent. ablockern gebraucht. Einem sein Geheimniß ablocken. Aus allzu jungfräulicher Bedenklichkeit wagte sie es nicht, dir ein Bekenntniß abzulocken. Weiße.(b) Durch angenehme oder rührende Empfindungen entstehen machen. Das wird ihm Thränen ablocken. Ich will ihm damit noch Zähren ablocken. Wüßte sie, wie viele wehmüthige Thränen ihm dein Unglück abgelockt hat, von Brawe. Die schöne Morgenröthe hatte ihm sonst Lieder abgelockt, Gesn. Aber wenn Günther sagt: Die Schmähsucht läßt sich durch den Eifer nicht bekehren, Den ein gerechter Schmerz der Unschuld abgelockt, so stehet das Zeitwort ablocken hier wohl nicht an seinem rechten Orte., So auch die Ablockung.


Ablohnen (W3) [Adelung]


Ablohnen, verb. reg. act. den völligen verdienten Lohn geben; ingleichen, mit Reichung des bedungenen Lohnes verabschieden. Gesinde ablohnen. Zimmerleute, Mäurer, Handlanger ablohnen. Einen Gesellen ablohnen, bey einigen Handwerkern. So auch die Ablohnung.


Ablörschen (W3) [Adelung]


* Ablörschen, oder ablerschen, verb. reg. act. welches nur im Bergbaue üblich ist; in eine geringe Tiefe graben, zum Unterschiede von absinken; ein Wort von unbekannter, wenigstens ungewisser Abstammung. S. auch Gelörsche.


Ablöschen (W3) [Adelung]


Ablöschen, verb. reg. act. 1) Gehörig kalt oder kühl machen, besonders einen glühenden oder heißen Körper mit einem flüssigen gehörig oder völlig abkühlen. Ein glühendes Eisen in Wasser, in Öhl ablöschen. Ingleichen, völlig auslöschen; die Kohlen, das Feuer ablöschen. Und dann figürlich, den Durst ablöschen, besser löschen. 2) Von etwas wegwischen, besonders was mit Kreide oder auf ähnliche Art angeschrieben war. Eine Rechnung, eine Schuld, von der Tafel ablöschen. So auch die Ablöschung.


Ablösen (W3) [Adelung]


Ablösen, verb. reg. act. überhaupt so viel als los machen, doch mit verschiedenen Nebenbegriffen. Es bedeutet aber,1) In den eigentlichern Bedeutungen; (a) was an- oder aufgebunden, oder auf ähnliche Art befestiget war, los machen. Den Mantelsack ablösen. Angebundene Gewächse von dem Stocke ablösen. (b) Behutsam abschneiden; vornehmlich bey den Jägern und Wundärzten. Das Fleisch von den Beinen ablösen. Ein Glied, ein Fleischgewächs ablösen. Wenn dieses Ablösen vermittelst einer Säge geschiehet, so nennen die Wundärzte es lieber absetzen. (c) Los machen auf mancherley andere Art. So heißen bey den Ärzten, ablösende Mittel, besonders diejenigen, welche den zähen Schleim auf der Brust auflösen und abführen. (d) Das Reciproc. sich ablösen, für losgehen, sich absondern, wird gleichfalls von mancherley Arten der eigenen Ablösung gebraucht. Das Fleisch löset sich von den Zähnen ab. Der Schleim löset sich ab. Der Gang löset sich ab, in den Bergwerken, er hängt mit dem Gestein nicht unmittelbar zusammen. Der Kalk hatte sich abgelöset.2) In figürlichern Bedeutungen. (a) Für losschießen, besonders von dem groben Geschütze, besser lösen. Ein Geschütz, eine Kanone ablösen, losbrennen; wo die Figur vermuthlich von den alten Rüstwerken hergenommen ist, welche mit mancherley Arten von Federn gespannet waren. (b) Absondern, abscheiden. So sagt man z. B. in den Bergwerken: Die Gänge werden an den Saalbändern durch den Besteg von dem Gesteine abgelöset, geschieden. (c) In noch figürlicherer Bedeutung, eine Sache durch Erstattung des Werthes, der Gebühr, oder der Kosten an sich bringen. Ein Pfand, ein verpfändetes Gut ablösen, einlösen. So auch in den Gerichten, einen Bericht, ein Urtheil u. s. f. ablösen, mit Bezahlung der Gerichtsgebühren zu sich nehmen. Ingleichen, einen Zins, Zehenten u. s. f. ablösen, abkaufen. Daß man im 14ten Jahrhundert in der Niedersächsischen Mundart auch gesagt, einem ein Pfand ablösen, erhellet aus dem Bremisch-Nieders. Wörterbuche v. Los. (d) Jemanden ablösen, dessen Stelle entweder selbst, oder durch einen andern ersetzen, und ihn dadurch von seiner Verrichtung, oder von einer Verbindlichkeit los machen. Einen von der Arbeit ablösen. Die Wache ablösen. Ingleichen, einen von der Wache ablösen. Es löset immer einer den andern ab. Ein abgelöseter Deich, heißt in den Marschländern, ein Deich, vor welchem ein neuer weiter hinaus gelegt ist. In Oberdeutschland sagt man in einem noch weitern Umfange der Bedeutung, mit etwas ablösen, abwechseln, dessen Stelle ersetzen. Entzückung löst mit Wehmuth ab, Hall. Allein im Hochdeutschen ist diese Wortfügung nicht üblich.


Ablöslich (W3) [Adelung]


Ablöslich, adj. was sich ablösen lässet, besonders in den Rechten, ablösliche Zinsen, welche gegen Erlegung des Kapitals wieder aufhören, und welche in einigen Mundarten auch ablösige Zinsen genannt werden.


Ablösung (W3) [Adelung]


Die Ablösung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Ablösens in allen Bedeutungen des Zeitwortes. 2) In den Rechten auch das Geld, mit welchem ein Bericht, ein Urtheil u. s. f. abgelöset wird. 3) In den Bergwerken, dasjenige, was den Gang von dem Gesteine ablöset, der Raum zwischen dem Gange und dem Gesteine, welcher auch das Besteg genannt wird.


Ablöthen (W3) [Adelung]


Ablöthen, verb. reg. act. was angelöthet ist, durch Schmelzung des Lothes wieder abnehmen.


Abludern (W3) [Adelung]


+ Abludern, verb. reg. act. welches nur in der niedrigsten Sprechart üblich ist, für das etwas anständigere abdecken.


Ablügen (W3) [Adelung]


+ Ablügen, verb. irreg. act. S. Lügen. Einem etwas ablügen, im gemeinen Leben, es vermittelt einer Lüge von ihm erhalten. Oft wird dieses Zeitwort auch irrig mit abläugnen verwechselt.


Ablugsen (W3) [Adelung]


+ Ablugsen, verb. reg. act. in niedrigen Ausdrücken. 1) Ablauern. Einem etwas ablugsen, heimlich absehen. 2) Durch List und Ränke von einem erhalten. Einem Geld ablugsen.

Anm. Wachter leitet das verwandte belugsen von Luchs, lynx, her, und schreibt es folglich mit einem ch. Das Bremisch-Nieders. Wörterbuch hält das Wort Luke, eine Öffnung, Fallthüre, für das Stammwort, und schreibt es abluksen. Allein da eben daselbst hinzu gesetzt wird, daß es im Hannöverischen so viel bedeute, als verborgen auflauern, so kann man den Begriff des Lauerns figürlicher als den Hauptbegriff ansehen, und das Wort für das Frequentat. des noch im Oberdeutschen gangbaren lugen, sehen, lauern, halten, woraus vermittelst der sehr gewöhnlichen frequent. Ableitungssylbe -sen, lugsen gebildet worden. S. Lugen.


Abmachen (W3) [Adelung]


+ Abmachen, verb. reg. act. 1) Eigentlich, und im gemeinen Leben so viel als absondern, los machen, ohne Bestimmung der Art und Weise. Das Pferd abmachen, los binden. Ein Bret abmachen, abbrechen. 2) Völlig fertig machen, die letzte Zubereitung geben. Ein Gericht Essen abmachen. Ein Stück Leinwand, Zeug abmachen, bey den Webern. 3) Figürlich, eine streitige Sache zu Ende bringen; edler abthun. Es sind noch wichtige Sachen abzumachen. Ich glaubte, sie hätten eine wichtige Sache mit einander abzumachen. S. Machen.


Abmähen (W3) [Adelung]


Abmähen, verb. reg. act. mit der Sense abbauen. Das Getreide, das Gras abmähen. Metonymisch, die Wiese, den Acker abmähen. Die Nieders. und gemeine Oberdeutsche Mundart spricht dieses Zeitwort abmeihen aus. Was wir haben ausgestreut, Wird von andern abgemeyt, Opitz. Schon bey dem Ulphilas kommt afmaitan für abschneiden vor, S. Mähen. Wenn einige neuere Schriftsteller in der poetischen Schreibart von dem Viehe sagen, daß es die Pflanzen mit denZähnen oder der Zunge abmähe, so ist solches eine Figur, welche in das Possierliche fällt.


Abmahlen (W3) [Adelung]


1. Abmahlen, (von mahlen, molere,) verb. reg. act. außer daß das Partic. Pass. abgemahlen heißt, ( S. Mahlen,) das auf die Mühle gebrachte Getreide, oder so viel, als auf einmahl aufgeschüttet wird, völlig fertig mahlen. Wenn ich meinen Steinen etwas aufzuschütten habe, so mahle ich es ab, Less.


Abmahlen (W3) [Adelung]


2. * Abmahlen, (von Mahl, signum,) verb. reg. act. durch Zeichen bestimmen; nur an einigen Orten. Ein Feld abmahlen, wie abmarken. Einen Fluß abmahlen, die tiefen oder seichten Stellen mit Zeichen bemerken.3.


Abmahlen (W3) [Adelung]


Abmahlen, (von mahlen, pingere,) verb. reg. act. 1) Eigentlich, die Gestalt einer Sache durch Mahlen abbilden. Eine Stadt, eine Landschaft, eine Person abmahlen. 2) + Figürlich, lebhaft beschreiben, gemeiniglich mit den Nebenwörtern übel, häßlich u. s. f. Einen übel abmahlen. Er ist sehr häßlich bey mir abgemahlet worden, oder er ist mir sehr häßlich abgemahlet worden.


Abmahnen (W3) [Adelung]


Abmahnen, verb. reg. act. ermahnen, etwas zu unterlassen, oder zu meiden. Einen von Bösen, von einem Laster, von einer Handlung abmahnen. Daher die Abmahnung.


Abmärgeln (W3) [Adelung]


Abmärgeln, verb. reg. act. in einem hohen Grade entkräften, besonders durch schwere Arbeit von Kräften bringen. Ein Vieh abmärgeln. Ein abgemärgeltes Pferd. Sich abmärgeln. Die Krankheit hat ihn sehr abgemärgelt. Daher die Abmärgelung.

Anm. Es stammet von Mark, medulla, her, in welchem verschiedene ältere Mundarten Statt des k ein g haben, und bedeutet eigentlich, gleichsam das Mark aus den Beinen pressen; man müßte es denn als ein zusammen gezogenes Diminutivum von dem Niedersächsischen marachen, abmarachen, ansehen, welches eben das bedeutet, und welches man gemeiniglich von dem alten Mar, Marach, ein Pferd, herleitet. S. auch Ausmärgeln. In beyden Fällen wird es richtiger mit einem ä als e geschrieben. In Oberdeutschland ist in dieser Bedeutung auch abkräften, und abkräftigen üblich.


Abmarken (W3) [Adelung]


Abmarken, verb. reg. act. von Mark, limes, mit Marken oder Gränzen bezeichnen und dadurch absondern. Ein Feld, einen Acker, eine Flur abmarken. Daher die Abmarkung.


Abmarkten (W3) [Adelung]


* Abmarkten, S. Abdingen.


Abmarsch (W3) [Adelung]


Der Abmarsch, des -es, plur. inusit. der Abzug der Soldaten von einem Orte. Zum Abmarsche blasen. Den Abmarsch nehmen. Von dem Franz. Marche.


Abmarschiren (W3) [Adelung]


Abmarschiren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, eigentlich ein Französisches Zeitwort, mit einem Deutschen Vorworte. Es wird nur von Soldaten gebraucht, wenn deren mehrere von einem Orte wegziehen, besonders wenn solches in geschlossener Ordnung geschiehet. Die Wache marschiret ab. Das Regiment ist bereits abmarschiret. Im gemeinen Leben auch für fortgehen überhaupt. Wenn du nicht gleich abmarschirest.


Abmartern (W3) [Adelung]


+ Abmartern, verb. reg. act. sehr martern, in figürlicher Bedeutung. Einen mit etwas abmartern. Sich abmartern.


Abmaße (W3) [Adelung]


* Die Abmaße, plur. inusit. ein sehr ungewöhnliches Wort von abmessen. Die Abmaße nach etwas nehmen, die Sache darnach bestimmen.


Abmatten (W3) [Adelung]


Abmatten, verb. reg. act. matt machen; und zwar, 1) Matt und kraftlos machen. Sich durch Arbeit abmatten. Die große Hitze mattete die Soldaten ab. Durch Hunger abgemattet. 2) Matt, d. i. glanzlos machen, ohne Glanz lassen, besonders von dem Golde. Das Gold abmatten, bey verschiedenen Metallarbeitern, es nach der Vergoldung so lassen, wie es ist, ohne es zu poliren; bey denen aber, welche mit Wasserfarbe vergolden, es mit einer schwachen Zinnoberfarbe bestreichen. 3) Abgemattetes Kohl, Kohlenstaub, im Hüttenbaue. So auch die Abmattung in beyden Bedeutungen.


Abmehren (W3) [Adelung]


* Abmehren, verb. reg. act. welches nur allein im Oberdeutschen üblich ist. 1. Von mehren, theilen, abtheilen, S. Abfinden und Mehren. 2. Von mehr, plus, durch die meisten Stimmen abschaffen. Ein Gesetz abmehren.


Abmeiern (W3) [Adelung]


* Abmeiern, verb. reg. act. S. Meier, in verschiedenen Oberdeutschen und Niedersächsischen Gegenden, einen Meier oder Pachter, eines Gutes entsetzen, von dem Gute vertreiben. Daher die Abmeierung.


Abmeißeln (W3) [Adelung]


Abmeißeln, verb. reg. act. mit dem Meißel absondern, wegschaffen. Einen Ast abmeißeln. Eine Ungleichheit auf dem Steine abmeißeln. Ingleichen vermittelst des Meißels eben und glatt machen. Einen Stein abmeißeln. Daher die Abmeißelung.


Abmergeln (W3) [Adelung]


Abmergeln, S. Abmärgeln.


Abmerken (W3) [Adelung]


Abmerken, verb. reg. act. durch Aufmerksamkeit von einem erlernen, oder zu erkennen suchen, absehen. Einem einen Handgriff abmerken. Er thut alles, was er mir nur an den Augen abmerken kann.

Anm. In den Schriften der vorigen Jahrhunderte findet man dieses Zeitwort auch mit der vierten Endung allein, für das einfache merken. Nicht lang darnach es sich begab Das Unfall ward merkhen ab Ein künftigs Wetter, Theuerdank Kap. 43.


Abmessen (W3) [Adelung]


Abmessen, verb. irreg. act. S. Messen. Es bedeutet1) Eigentlich. (a) Das Maß einer Sache genau bestimmen. Einen Thurm, einen Acker abmessen. Etwas mit der Schnur, mit der Ruthe, mit Schuhen abmessen. Er gehet mit stolzen abgemessenen Schritten einher, in figürlicher Bedeutung. Verse, Sylben abmessen. Besonders (b) zur Erreichung eines gewissen Endzweckes messen. Einen Ort zum Lager, einen Platz zum Hause abmessen. Einen Garten abmessen, das Maß seiner künftigen Größe bestimmen. Sechs Ellen von einem Stücke Zeuges abmessen, um sie abzuschneiden.2) Figürlich. (a) Das Verhältniß einer Sache nach einer andern einrichten und genau bestimmen. Die Strafe nach dem Verbrechen abmessen. Eine übel abgemessene Handlung. Ein weises Wesen hat alle unsere Pflichten nach unsern Kräften abgemessen. Wer für sein Vaterland keine Liebe empfindet, wird alle seine Dienste nach seinen eigenen Vortheilen abmessen, Dusch. Wer sein Betragen nach den Urtheilen des großen Haufens abmisset, ist seiner selbst niemahls sicher. (b) Nach dem Maße oder Verhältnisse eines andern Dinges beurtheilen. Andere nach sich abmessen. Die Glückseligkeit nach dem Reichthume abmessen. So auch die Abmessung in allen obigen Bedeutungen.


Abmetzen (W3) [Adelung]


Abmetzen, verb. reg. act. bey den Müllern, die für das Mahllohn gesetzte Metze von etwas nehmen. Daher die Abmetzung.


Abmiethen (W3) [Adelung]


Abmiethen, verb. reg. act. zur Miethe von jemanden nehmen, oder den Gebrauch einer Sache von jemanden gegen einen gewissen Miethzins erhalten. Einem ein Pferd, ein Haus, einen Garten, ein Zimmer abmiethen. Nieders. abheuern. Daher die Abmiethung, ingleichen der Abmiether, Fämin. die Abmietherinn, im Gegensatze des Vermiethers.


Abmisten (W3) [Adelung]


Abmisten, verb. reg. act. in der Landwirthschaft. 1) Den Mist völlig wegschaffen. 2) Vom Miste reinigen. Einen Stall abmisten. Das Vieh abmisten. Daher die Abmistung.


Abmodeln (W3) [Adelung]


Abmodeln, verb. reg. act. das Modell von etwas nehmen.


Abmühen (W3) [Adelung]


* Abmühen, verb. reg. act. sehr bemühen, ermüden, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Zeitwort, welches noch bey dem Opitz vorkommt; - Durch Unverstand der Heiden abgemüht.


Abmüßigen (W3) [Adelung]


Abmüßigen, verb. reg. act. 1) Als das Frequentativum des ungewöhnlichen abmüßen, Muße machen, von etwas abhalten, größten Theils aber nur als ein Reciprocum. Sich von etwas abmüßigen, die Verrichtung desselben aufschieben. Wenn sie sich hiervon abmüßigen können. Ich habe mich hiervon nicht gern abgemüßiget. Einen abmüßigen, ihn von einer Arbeit abhalten, ist nicht so gewöhnlich. 2) * Von müssen, ist abmüßigen in den Kanzelleyen oft so viel als abnöthigen, abdringen. Jemanden eine Erklärung abmüßigen. Daher die Abmüßigung.


Abmutzen (W3) [Adelung]


+ Abmutzen, verb. reg. act. stutzen, abstutzen, im gemeinen Leben einiger Gegenden. Ein Thier abmutzen, ihm den Schwanz abhauen. Bäume abmutzen, sie stutzen.


Abnagen (W3) [Adelung]


Abnagen, verb. reg. act. durch Nagen absondern. Das Fleisch abnagen, nehmlich von dem Knochen. Sich die Nägel abnagen. Metonymisch. Einen Knochen abnagen. Figürlich sagt man auch: der Kummer nagt ihm das Herz ab, er wird von heimlichen Kummer verzehret; ingleichen, aber nicht auf die beste Art, sich das Herz abnagen, durch Kummer. Daher die Abnagung, doch nur im eigentlichsten Verstande.


Abnähen (W3) [Adelung]


Abnähen, verb. reg. act. 1) Durch Nähen absondern, abtheilen. So heißt bey den Nähterinnen, einen Rock abnähen, durchgenähete Felder machen, daß die unter dem Oberzeuge gelegte Wolle nicht auf und nieder rücken könne. 2) Durch Nähen abbilden. Einen Baum, eine Landschaft abnähen. 3) Durch Nähen vermindern, tilgen. Eine Schuld abnähen.


Abnahme (W3) [Adelung]


Die Abnahme, plur. inusit. 1) Das Abnehmen in einigen Bedeutungen des Neutrius, der Zustand der Verminderung an innerer Stärke. Die Abnahme des Gedächtnisses, des Gesichtes. Die Abnahme der Kräfte, und an Kräften. Die Abnahme am Fleiße, an Tugend. Er ist in Abnahme gerathen, in Verfall der Nahrung. Die Abnahme (der Verfall) der Handlung. Dieser Gebrauch ist ganz in Abnahme gerathen, ist nicht mehr üblich. Die Natur hat seit ihrem ersten Anfange eine sehr merkliche Abnahme aller ihrer Kräfte erlitten. Der Anwachs und die Abnahme alter und neuer Reiche. Von der Verminderung der Größe, der Dauer u. s. f. gebraucht man lieber den Infinitiv, z. B. das Abnehmen des Mondes, des Tages, der Nacht u. s. f.2) Die Handlung des Abnehmens in einigen wenigen eigentlichen Bedeutungen des Activi. Denn so sagt man zwar, die Abnahme einer Rechnung, die Abnahme des Eides; aber nicht die Abnahme des Hutes, der Bäume, des Bartes u. s. f. in welchen Fällen man sich entweder des Infinitivs oder des Hauptwortes, die Abnehmung, bedienet. Verschiedene gebrauchen es auch für den Abgang einer Waare, z. B. die reißende Abnahme ihrer Werke, Gottsch. Dieser Kaufmann hat keine Abnahme, seine Waaren gehen nicht ab. Allein dieser Gebrauch ist gewiß nicht der beste, besonders da Abnahme hier wider die Analogie den Zustand bedeuten soll, da einem eine Waare abgenommen oder abgekaufet wird.3) * Die Entlassung eines abgelebten Leibeigenen von dem Gute, S. Abschied.


Abnarben (W3) [Adelung]


Abnarben und Abnärben, verb. reg. act. 1) Bey den Lederbereitern und Pergamentern, die Haare von der äußern Seite abstoßen; welche Seite alsdann narbig aussiehet, und daher die Narbenseite genannt wird, im Gegensatze der Aas- oder Fleischseite. In dieser Bedeutung lautet es gemeiniglich abnärben. 2) Bey andern Lederarbeitern ist abnarben, die Narbe, d. i. die- Oberhaut der Felle abnehmen. 3) In Niederdeutschland ist abnarben, eine Heide abmähen. S. Narbe. Daher die Abnärbung und Abnarbung.


Abnarren (W3) [Adelung]


+ Abnarren, verb. reg. act. im gemeinen Leben, durch Possen, durch leere Vorspiegelungen, von jemanden erhalten. Die Gaukler wissen einem sein Geld artig abzunarren.


Abnaschen (W3) [Adelung]


Abnaschen, verb. reg. act. durch Naschen von etwas nehmen. Den Rahm von der Milch abnaschen.


Abnehmen (W3) [Adelung]


Abnehmen, verb. irreg. S. Nehmen, welches auf zweyerley Art üblich ist.I. Als ein Activum, wo es überhaupt den Begriff des Herabnehmens und der Absonderung ausdruckt, so daß nehmen als ein allgemeines Zeitwort verschiedene besondere Arten des Nehmens begreift, und zwar1. In eigentlicher Bedeutung. (a) Von einem höhern Orte, oder von der Oberfläche eines Dinges herab nehmen. Den Hut abnehmen, ihn von dem Kopfe ziehen. Die Früchte abnehmen, sie von dem Baume brechen oder pflücken. Abnehmen, im Kartenspiele, die obern Karten abheben. (b) Von einer Person oder Sache nehmen, mit verschiedenen Nebenbedeutungen. Den Gefangenen das Gewehr abnehmen, es sie ablegen lassen. Einem ein Buch, Hut und Stock abnehmen, aus seiner Hand nehmen. Einem eine Last, eine Bürde abnehmen, in eigentlicher, noch mehr aber in uneigentlicher Bedeutung. Den Rahm abnehmen, von der Milch, ingleichen metonymisch, die Milch abnehmen, den Rahm von der Milch abschöpfen. (c) Vermittelst des Messers, der Schere, der Säge oder ähnlicher Werkzeuge wegnehmen, in der anständigern Schreib- und Sprechart. Einem ein Glied abnehmen, abschneiden. Sich die Haare, den Bart abnehmen, abscheren lassen. Den Schafen die Wolle abnehmen. Noch etwas abnehmen, abschneiden, abhauen, absägen u. s. f. (d) Im Stricken bedeutet abnehmen, die Maschen vermindern, damit ein Strumpf enger werde, welches vermittelst des Abstrickens zweyer Maschen auf einmahl geschiehet. In Niedersachsen abkanteln, mindern.2) Figürlich. (a) Ein Kalb abnehmen, in der Landwirthschaft, es von der Kuh trennen, und dadurch entwöhnen; auch abbinden. (b) Abkaufen. Einem eine Waare abnehmen. (c) Von einer Sache befreyen, derselben entledigen. Einem eine Last, eine Bürde abnehmen, in figürlicher Bedeutung. Bedauerst du mich, daß der Tod mir diese Bürde abnimmt?. Dusch. So auch, einem ein Amt abnehmen. (d) Ablegen lassen. Einem einen Eid, eine Rechnung abnehmen. Das Gedinge abnehmen, im Bergbaue, die verdingte Arbeit besichtigen. (e) Mit List oder Gewalt einer Sache berauben. Dem Feinde den Raub abnehmen. Einem sein Geld abnehmen, im Spiele abgewinnen. (f) Aus etwas erkennen, urtheilen. Die Sache, woraus man es erkennet, bekommt an, oft auch aus. Es läßt sich dieses leicht daraus oder daran abnehmen, schließen. So viel ich abnehmen kann. Ich konnte es leicht an deinem Gesichte abnehmen. Die Stunde eines Ganges abnehmen, im Bergbaue, dessen Streichen nach dem Compasse wahrnehmen, messen. Kommt, nehmet ab an mir, ob jemahls euer Herz, Empfunden solche Pein, Opitz. Im Oberdeutschen entnehmen.II. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben zu sich nimmt, bedeutet es so wohl an körperlicher Größe, als auch an Dauer, an Kräften und innerer Güte nach und nach vermindert werden. (a) An körperlicher oder doch scheinbarer Größe. Der Mond nimmt ab. Das Abnehmen des Mondes. Im abnehmendem Monde, wofür man im Osnabrückischen im Wannen sagt. Der Mond ist im Abnehmen. (b) An Anzahl und Menge.Die Soldaten nehmen ab, es werden ihrer immer weniger. Die Heiligen haben abgenommen. Das Geld nimmt ab. (c) An Leibesgestalt und Kräften. Er hat sehr abgenommen, ist mager geworden. Er nimmt zusehends ab. Am Leibe, an Kräften abnehmen. (d) An Vermögen und Ansehen. Dieses Haus hat gar sehr abgenommen. Dieses Geschlecht kommt, geräth ins Abnehmen, ist in Abnehmen gerathen. (e) An Dauer. Die Tage nehmen ab. Die Nächte haben abgenommen. (f) An innerer Stärke. Die Hitze, die Kälte nimmt ab. Mein Gesicht, Gedächtniß hat gar sehr abgenommen. Die Krankheit nahm ab. Die Lust zum Studiren wird bey ihm bald abnehmen.

Anm. Abnehmen, beym Notker abanemen, hatte in der thätigen Gattung ehedem noch verschiedene andere Bedeutungen, die man bey dem Haltaus h. v. finden kann.


Abnehmen (W3) [Adelung]


Das Abnehmen, des -s, plur. car. der Infinitiv des vorigen, welcher in allen Bedeutungen desselben gebraucht werden kann. So wohl in den thätigen, wo auch Abnehmung üblich ist, als auch, und zwar am häufigsten, in den neutralen. In beyden wird in einigen Fällen auch Abnahme gebraucht.


Abnehmer (W3) [Adelung]


Der Abnehmer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die -inn, eine Person, welche einem andern etwas abnimmt, doch nur in der Bedeutung des Abkaufens. So nennen die Kramer und Handwerker diejenigen, die ihnen Waare in Menge abnehmen, ihre Abnehmer. Viele Abnehmer haben. Eine gute Waare findet leicht Abnehmer.

Anm. Dieses Wort scheint ehedem einen weiteren Umfang der Bedeutung gehabt zu haben. Abanemare bedeutet bey dem Notker einen jeden, der etwas wegnimmt. Ein Paar andere, im Hochdeutschen gleichfalls nicht mehr übliche Bedeutungen, kommen bey dem Haltaus h. v. vor.


Abneigen (W3) [Adelung]


* Abneigen, verb. reg. act. von etwas wegneigen, und figürlich, sich von etwas abneigen, demselben ungünstig werden. Beyde Bedeutungen sind jetzt ungewöhnlich. In der letztern aber ist noch das Mittelwort abgeneigt übrig, welches S.


Abneigung (W3) [Adelung]


Die Abneigung, plur. inus. 1) Die Neigung von etwas hinweg, in eigentlicher Bedeutung. 2) In der figürlichen, Entfernung des Gemüthes von einer Person oder Sache, als ein gemilderter Ausdruck für Widerwillen; im Gegensatze der Zuneigung. Abneigung gegen einen, oder gegen eine Sache haben, bey sich empfinden. Die natürliche Abneigung, die Antipathie. S. auch Abgeneigtheit.


Abnießeln (W3) [Adelung]


+ Abnießeln, verb. reg. act. welches das Diminutivum des folgenden ist, und im Bergbaue so viel bedeutet, als abnutzen. Die Bergeisen abnießeln. Nicht so richtig abnießeln.


Abnießen (W3) [Adelung]


* Abnießen, verb. irreg. act. S. Genießen, welches nur noch in den Rechten üblich ist, wo es so viel bedeutet, als eine Sache nützen oder brauchen, den Genuß, Nießbrauch einer Sache haben. Daher die Abnießung, der Nießbrauch. Ältere Beyspiele von beyden Wörtern kommen bey dem Haltaus vor.


Abnieten (W3) [Adelung]


Abnieten, verb. reg. act. bey den Schlössern, was angenietet war, durch Abfeilung des Nietes abnehmen.


Abnöthigen (W3) [Adelung]


Abnöthigen, verb. reg. act. durch Nöthigen, durch unwiderstehliche Bewegungsgründe, von einem erhalten. Ich wundere mich nicht, daß der heutige Tag dir einige Unruhe abnöthiget, Gell. Mein Entschluß kostet mir eine Verläugnung, die mir stille Zähren abnöthiget, Dusch. So auch durch höfliche Worte von jemanden erhalten. Daher die Abnöthigung.


Abnützen (W3) [Adelung]


Abnützen, Abnutzen, verb. reg. act. 1) Bey den Rechtslehrern, als ein Überbleibsel der Oberdeutschen Mundart, die Nutzung oder den Genuß einer Sache haben, wie abnießen. Ein Gut abnützen. 2) Durch Gebrauch schlechter, unbrauchbarer machen, besonders von Werkzeugen. Ein Messer abnützen. Der Stein nützt sich durch langes Schleifen ab. Ein abgenütztes Beil. Bey den Bergleuten abnießeln. Alle geschaffene Dinge werden durch die Zeit und den Gebrauch abgenützt. Ein Trinkgeschirr, das noch nicht abgenützt, Haged. Daher die Abnützung in beyden Bedeutungen.

Anm. Die Oberdeutschen lieben in diesem Zeitworte das breite u, abnutzen, die Obersachsen aber das rundere ü. Es wäre zu wünschen, daß nutzen und nützen so unterschieden würden, wie trinken und tränken, sinken und senken, und hundert andere, so daß nutzen das Neutrum, nützen aber das Activum ausdrückte; alsdann würde abnützen dem abnutzen in allen Fällen vorzuziehen seyn, weil es sich schicklicher von dem Activo nützen, als von dem Neutro nutzen ableiten lässet. Für Abnützung in der ersten Bedeutung findet man auch Abnutz, S. Haltaus h. v.


Aböden (W3) [Adelung]


Aböden, verb. reg. act. im Forstwesen, völlig öde machen. Einen Wald aböden, ihn durch Ausbauung der Bäume öde machen. So auch die Abödung. In einigen Gegenden ist auch das Frequentativum abödigen und die Abödigung üblich. S. auch Abräumen.


Aboliren (W3) [Adelung]


+ Aboliren, verb. reg. act. aus dem Lateinischen abolere, aufheben, abschaffen. Ein Gesetz aboliren.


Abolition (W3) [Adelung]


Die Abolition, plur. die -en, aus dem Lateinischen abolitio. 1) + Die Aufhebung, Abschaffung. 2) Besonders in den Rechten, die Aufhebung der Schuld und Strafe aus landesherrlicher Macht.


Abominabel (W3) [Adelung]


+ Abominabel, adj. et. adv. aus dem Franz. abominable, abscheulich.


Abonniren (W3) [Adelung]


+ Abonniren, verb. reg. recipr. aus dem Franz. abonner. Sich oder sich zu etwas abonniren, sich als ein Theilnehmer zu einem Geschäfte unterschreiben; mit einem Lat. Ausdrucke subscribiren. Daher der Abonnent, des -en, plur. die -en, der sich als Theilnehmer unterschrieben hat, der Subscribent.


Abordnen (W3) [Adelung]


Abordnen, verb. reg. act. mit einem Befehle oder mit Vollmacht abschicken. Einen Bevollmächtigten, einen Bothen abordnen. Ein Abgeordneter, der von einem Höhern zwar mit Vollmacht, aber ohne einen bestimmten öffentlichen Charakter abgeschicket worden, mit einem Lat. Worte ein Deputirter. Vermuthlich mehr von dem Franz. Ordre, Befehl, als vom Lat. ordo, Ordnung. Daher die Abordnung.


Abort (W3) [Adelung]


* Der Abort, des -es, plur. die -e, ein abgelegener Ort, nur in Niedersachsen.


Abörtern (W3) [Adelung]


* Abörtern, verb. reg. act. 1) Von Ort, das Ende; bey den Tischlern, das abgehobelte Holz nach der wahren Länge absägen. 2) In den Rechten durch gerichtliches Erkenntniß entscheiden, aburtheilen. S. Erörtern.


Abortiren (W3) [Adelung]


Abortiren, verb. reg. neutr. mit haben, zu früh gebären; ein Zeitwort, welches ohne Roth aus dem Lat. abortire aufgenommen worden, weil es unsern Vorfahren an guten Deutschen Ausdrücken nicht fehlte. Das gebräuchlichste war mißgebären, dessen sich noch Opitz bedienet, und wovon wir das Hauptwort die Mißgeburt haben, welches aber jetzt ganz etwas anders ausdruckt, als ehedem, da es weiter nichts als eine unzeitige Leibesfrucht bedeutete. In diesem letztern Sinne findet man bey dem Opitz auch Frühgeburt, und bey andern Mißfall, Abgängling, und für abortiren, einen Mißfall haben.


Abpachten (W3) [Adelung]


Abpachten, verb. reg. act. pachtweise von jemanden erhalten; im Gegensatze des verpachten. Einem ein Gut, dem Landesherren die Zölle abpachten. Daher der Abpachter, Fämin. die -inn, und die Abpachtung.


Abpacken (W3) [Adelung]


Abpacken, verb. reg. act. was aufgepackt war, herab nehmen. Waaren, einen Koffer abpacken. Ingleichen des Gepäckes entledigen. Einen Wagen, ein Pferd, einen Esel abpacken. So auch die Abpackung.


Abpassen (W3) [Adelung]


+ Abpassen, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. 1) Mit dem Zirkel abmessen, besonders in Niedersachsen, wo Paß den Zirkel bedeutet. 2) Figürlich, die bequemste Zeit oder Gelegenheit mit Vorsicht abwartin. Eine Gelegenheit, eine bequeme Zeit zu etwas abpassen. Ach sie hätten es in der Welt nicht besser abpassen können! Weiße. Passe es ab, wenn der König vorbey reitet. Und hätte nur Sejan den Vortheil abgepaßt, Canitz. S. Passen.


Abpeitschen (W3) [Adelung]


Abpeitschen, verb. reg. act. 1) Mit der Peitsche absondern. Eine Blume abpeitschen. 2) + Sehr peitschen. Einen wacker abpeitschen.


Abpelzen (W3) [Adelung]


Abpelzen, verb. reg. act. 1) Bey den Weißgärbern und Pergamentern, ein Fell gehörig durchklopfen, welches auch abbamsen genannt wird. 2) + Im gemeinen Leben, für abprügeln.


Abpfählen (W3) [Adelung]


Abpfählen, verb. reg. act. mit eingesteckten Pfählen bemerken, oder absondern. Einen Acker, ein Stück Feldes, eine Wiese abpfählen. Die Gränzen abpfählen. Daher die Abpfählung.


Abpfänden (W3) [Adelung]


Abpfänden, verb. reg. act. mit Gewalt zum Pfande nehmen. Einem ein Pferd, sein Hausgeräth abpfänden. Daher die Abpfändung.


Abpflöcken (W3) [Adelung]


Abpflöcken, verb. reg. act. mit Pflöcken, d. i. kleinen Pfählen bezeichnen.


Abpflücken (W3) [Adelung]


Abpflücken, verb. reg. act. mit den zwey vordersten Fingern der Hand abbrechen. Eine Blume, eine Pflanze, unreifes Obst abpflücken. Ingleichen durch Pflücken, d. i. Rupfen, kahl machen; eine Gans, ein Huhn abpflücken, welche letztere Bedeutung aber mehr Niedersächsisch ist.


Abpflügen (W3) [Adelung]


Abpflügen, verb. reg. act. 1) Mit dem Pfluge absondern, Einem Baume die Wurzeln abpflügen. Den Rand eines Ackers abpflügen. 2) Durch Pflügen entziehen. Einem eine Furche, ein Stück Acker abpflügen, welches man an einigen Orten abzackern nennet.


Abpinnen (W3) [Adelung]


+ Abpinnen, S. Absinnen.


Abplanschen (W3) [Adelung]


+ Abplanschen, S. Abklatschen und Planschen.


Abplacken (W3) [Adelung]


+ Abplacken, verb. reg. recipr. Sich abplacken, sich bis zur Ermattung plagen, sich durch schwere Arbeit abmatten.


Abplaggen (W3) [Adelung]


* Abplaggen, (nicht abplacken,) verb. reg. act. von dem Niedersächsischen Plagge, Rasen; in Niedersachsen, den Rasen abstechen. Ingleichen die kleinen Erhöhungen in einem abgelassenen Bruche abhauen, um das Bruch zu ebenen.


Abplätten (W3) [Adelung]


Abplätten, verb. reg. act. völlig glatt und eben plätten. Manschetten abplätten. Ein Hemd abplätten. Einen Draht abplätten, in den Gold- und Silber-Fabriken. Ingleichen das Plätten vollenden.


Abplätzen (W3) [Adelung]


Abplätzen, verb. reg. act. 1) Im Forstwesen, die verkauften Bäume mit dem Waldhammer zeichnen; und daher auch, 2) bey den Böttchern und Zimmerleuten, einen geschlossenen Holzkauf vollziehen. S. auch Anplätzen. 3) Bey den Kupferschmieden ist abplätzen so viel als ablöschen, welches in dem Plätzfasse geschiehet.

Anm. Frisch leitet dieses Wort von Platz, locus, her, weil vorher ein kleines Plätzchen an dem Baume abgehauen wird, damit man ihn daselbst mit dem Waldhammer zeichnen könne. Allein schicklicher nimmt man plätzen, einen kleinen Schlag geben, welches das Activum von plagen, und das Frequentativum von dem Angels. plaetan, schlagen, ist, für das Stammwort an. S. Plätzen und Plätzer.


Abplündern (W3) [Adelung]


Abplündern, verb. reg. act. bey den Täschnern, einen Stuhl abplündern, dasjenige, womit er bezogen ist, abnehmen. S. Plündern.


Abpochen (W3) [Adelung]


Abpochen, verb. reg. act. 1) Von pochen, schlagen, durch Pochen oder Stoßen absondern; ingleichen das Pochen oder Schlagen vollenden; wie auch sehr pochen und schlagen. So werden auf den Kupferhämmern die Schrote zu Scheiben abgepachet, wenn sie zu breiten runden Scheiben geschlagen werden, welches auch abbreiten heißt. 2) Von pochen, minari, durch Pochen oder heftiges Drohen erhalten. Einem etwas abpochen. Daher die Abpochung, in der ersten Bedeutung.


Abpöhlen (W3) [Adelung]


+ Abpöhlen, verb. reg. act. ein Kunstwort der Gärber, für abhaaren, die Haare abstoßen, welches ohne Noth aus dem Franz. poile, das Haar, gebildet ist.


Abposten (W3) [Adelung]


Abposten, verb. reg. act. in gewissen Posten oder Summen abzählen, ein Zeitwort, welches nur im Forstwesen üblich ist, wo es so viel bedeutet, als das verkaufte Holz dem Käufer in gewissen Posten zuzählen. Daher die Abpostung.


Abprägen (W3) [Adelung]


Abprägen, verb. reg. act. 1) Völlig ausprägen. Eine Münze, ein Schaustück abprägen. 2) Die Gestalt einer Sache durch das Gepräge abbilden, so wohl in eigentlicher, als auch in figürlicher Bedeutung.So wird in uns die Welt in Bildern abgeprägt, Dusch. Daher die Abprägung, in der eigentlichen Bedeutung.


Abprallen (W3) [Adelung]


Abprallen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, an oder von etwas herab prallen, ingleichen wegprallen. Die Art prallte an dem Aste ab. Der Ball ist von der Mauer abgeprallt.


Abprasseln (W3) [Adelung]


Abprasseln, S. Abknattern.


Abprellen (W3) [Adelung]


Abprellen, verb. reg. das Activum von abprallen, von etwas herab oder hinweg prallen machen.


Abpressen (W3) [Adelung]


Abpressen, verb. reg. act. 1) Durch Pressen absondern. 2) Zur Genüge pressen, und daher aus der Presse nehmen, bey den Buchbindern. Ein Buch abpressen. Bey den Strumpfwirkern bedeutet abpressen, die gemachten Maschen auf den Nadeln des Stuhles vermittelst der Nadelpresse vereinigen. 3) Figürl. durch Pressen, d. i. unerlaubte Zwangsmittel, von jemanden erhalten. Einem Geld, seine Einwilligung, ein Geständniß abpressen. So auch die Abpressung.


Abprotzen (W3) [Adelung]


Abprotzen, verb. reg. act. in der Geschützkunst, von dem Protzwagen heben; im Gegensatze des aufprotzen. Ein Stück, eine Kanone abprotzen.


Abprügeln (W3) [Adelung]


Abprügeln, verb. reg. act. gehörig, nach Verdienst prügeln. Einen abprügeln, ihn derb, wacker abprügeln.


Abpuffen (W3) [Adelung]


+ Abpuffen, verb. reg. act. 1) Durch Püffe, d. i. dumpfig klingende Schläge, absondern. So nennen verschiedene Handwerksleute das Abziehen des todten Viehes, abpuffen. Einem Aase die Haut abpuffen, ingleichen, ein umgefallenes Stück Vieh abpuffen. 2) Mit der Faust wacker schlagen. Einen wacker abpuffen; palmis depuvire, Lucil. 3) In der Chymie, so viel als verpuffen, welches üblicher ist. S. dasselbe.


Abputzen (W3) [Adelung]


Abputzen, verb. reg. act. überhaupt, den Putzen und die hervor ragende Unreinigkeit wegschaffen. Besonders, 1) den Putzen an dem Lichte wegnehmen. Das Licht abputzen, oder putzen. 2) Glatt, eben machen; so heißt bey den Mäurern abputzen, den angeworfenen Kalk mit dem Reibebrete gleich aus einander streichen. 3) In noch weiterm Umfange der Bedeutung, als unrein, untauglich wegschaffen. Die Unreinigkeiten abputzen. Noch mehr aber metonymisch, gehörig reinigen, säubern. Die Weinstöcke abputzen. Ein Gefäß abputzen. Die Wurzeln eines Baumes umher abputzen. 4) + Figürlich, einen wacker abputzen, ihm einen derben Verweis geben, im gemeinen Leben. S. auch Ausputzer.


Abquälen (W3) [Adelung]


+ Abquälen, verb. reg. act. 1) Im gemeinen Leben, durch Quälen, ingleichen durch unverschämtes Bitten, von einem erhalten. Einem etwas abquälen. 2) Sehr quälen. Drum hab ich auch zu weinen angefangen, Und meinen Geist mit Fasten abgequält, Opitz.


Abquerlen (W3) [Adelung]


Abquerlen, verb. reg. act. gehörig querlen. Die Suppe mit einem Eye abquerlen, in den Küchen.


Abquetschen (W3) [Adelung]


Abquetschen, verb. reg. act. durch Quetschen absondern. Sich den Finger abquetschen. Daher die Abquetschung.


Abquicken (W3) [Adelung]


Abquicken, verb. reg. act. welches nur in den Hüttenwerken und der Scheidekunst üblich ist. 1) Golderz abquicken, es durch Quecksilber von andern Mineralien scheiden, welches in dem Abquickbeutel von Leder oder Parchent geschiehet. 2) Das abgetriebene Silber auf dem Herde mit Wasser abkühlen. S. Quick. Daher die Abquickung in beyden Bedeutungen.


Abrädeln (W3) [Adelung]


Abrädeln, verb. reg. act. vermittelst eines kleinen Rades absondern. Den Teig rings herum abrädeln, in den Küchen und bey den Pasteten-Bäckern.


Abraffen (W3) [Adelung]


Abraffen, verb. reg. act. 1. Durch Raffen oben abnehmen, besonders in den Mühlen. Die Müller raffen von vier Säcken oft ein Viertel ab. 2) In der Landwirthschaft, das gehauene Getreide auf dem Felde zusammen raffen, um es in Garben zu binden, welches von den Abraffern geschiehet.


Abrafft (W3) [Adelung]


+ Das Abrafft, des -es, plur. inusit. dasjenige was abgeraffet wird, besonders in den Mühlen, was an Korn, Schrot und Mehl oben in dem Laufe bleibt, und von den Müllern zur Ungebühr heimlich weggeraffet wird, daher es auch nur Raps oder Räps heißet.


Abrahams-Baum (W3) [Adelung]


Der Abrahams-Baum, des -es, plur. die -Bäume, ein Nahmen des Keuschbaumes, der in Italien und Frankreich wild, in Deutschland aber in den Gärten wächst. S. Keuschbaum.


Abrahmen (W3) [Adelung]


Abrahmen, verb. reg. act. den Rahm oder die Sahne von der Milch nehmen; auch abfahnen. Die Milch abrahmen. In einigen Mundarten, z. B. der Lausitzischen, auch Niedersächsisch abrohmen, ingleichen abflöten.


Abrainen (W3) [Adelung]


* Abrainen, verb. reg. act. an einigen Orten, mit Rainen, d. i. Grenzen, absondern, abmarken. Ein Feld abrainen. Daher die Abrainung.


Abrasen (W3) [Adelung]


Abrasen, verb. reg. act. das Gras auf den Wiesen und Rasenflecken abfressen; ein Wort, welches größten Theils nur bey den Jägern gehöret wird.


Abraspeln (W3) [Adelung]


1. Abraspeln, verb. reg. act. mit der Raspel wegnehmen. Einen Ast, eine Ecke abraspeln. Ingleichen mit der Raspel eben machen. Ein Bret, ein Stück Holz abraspeln.


Abraspeln (W3) [Adelung]


2. + Abraspeln, ausfallen, von dem Getreide, S. Abrispeln.


Abraspen (W3) [Adelung]


Abraspen, S. Abrispen.


Abrathen (W3) [Adelung]


Abrathen, verb. irreg. act. S. Rathen. Durch guten Rath von einer Sache abzuhalten suchen. Einen abrathen. Ingleichen, einen von etwas abrathen, wie auch, einem eine Sache abrathen. Daher die Abrathung. Abrathen bedeutet eigentlich durch guten Rath von einem Gegenstande entfernen; daher ist es fehlerhaft, wenn man die Person, so fern sie die Stelle der Sache vertritt, in der dritten Endung setzt, einem von etwas abrathen. Wohl aber stehet die Person im Dative, wenn die Sache im Accusative beygefüget wird: einem etwas abrathen.


Abrauben (W3) [Adelung]


* Abrauben, verb. reg. act. als einen Raub entziehen. Einem etwas abrauben; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Zeitwort, welches aber im Opitz vorkommt. Abgeraubtes Gut.


Abrauchen (W3) [Adelung]


Abrauchen, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit seyn, in der Scheidekunst, so wohl abdampfen, sich in Rauch auflösen, als abdampfen machen. Einen flüssigen Körper in der Wärme abrauchen, oder abrauchen lassen.


Abraufen (W3) [Adelung]


Abraufen, verb. reg. act. durch Raufen ab- oder wegnehmen. Die Wolle von einem Felle abraufen. Abgeraufte Wolle, welche auch Raufwolle heißt.


Abraum (W3) [Adelung]


Der Abraum, des -es, plur. inusit. 1) Die Handlung des Abräumens, doch nur in einigen wenigen Fällen. So bedeutet das Wort im Forstwesen, so wohl die Abführung, des einem Käufer angewiesenen und gefälleten Holzes, als auch die Abödung eines Waldes, d. i. die völlige Ausrottung des Holzes mit Stamm und Wurzeln. 2) Was ab- oder weggeräumt wird. So bezeichnet es im gemeinen Leben alles, was von einer Sache nach der daran verrichteten Arbeit übrig bleibt, und weggeräumt wird. Ingleichen im Forstwesen, die kleinen Äste und Zweige eines gefälleten Baumes, welche nicht zu Lager- und Klafterholz taugen, und welche an einigen Orten auch der Afterschlag, Abschlag, in der Schweiz das Abholz, und in Sachsen der Schoppen, der Schuppenschlag genannt werden, von Schopf, der Wipfel. Im Bergbaue, die Dammerde, welche eine Erzader, oder einen Steinbruch bedecket, und abgeräumt werden muß. Im Bauwesen, den Schutt u. s. f.


Abräumen (W3) [Adelung]


Abräumen, verb. reg. act. von einem Raume oder Platze wegschaffen, wegschaffen um Raum zu machen. Die Schüffeln, Töpfe, Bücher abräumen, von dem Tische schaffen. Ingleichen, leer machen. Den Tisch, die Bank, den Stuhl abräumen. Besonders im Forstwesen, so wohl, die gefälleten Bäume aus dem Walde schaffen; als auch, das Holz in einem Walde ausrotten, aböden, ausstocken. Einen Gang abräumen, im Bergbaue, die darüber liegende Dammerde wegschaffen.

Anm. Die Oberdeutsche Mundart liebet, wie in andern Fällen, also auch hier, in der zweyten Sylbe das a, daher man auch bey den meisten Förstern dieses Wort abraumen aussprechen höret.


Abraupen (W3) [Adelung]


Abraupen, verb. reg. act. die Raupen ablesen, wegschaffen. Einen Baum abraupen, ihn von den Raupen befreyen.


Ab-rechen (W3) [Adelung]


Ab-rechen, verb. reg. act. mit dem Rechen abnehmen. Besonders in der Landwirthschaft, die durch das Dreschen abgeschlagenen Ähren und Stürzel mit dem Rechen wegnehmen.


Ab-rechling (W3) [Adelung]


+ Das Ab-rechling, des -es, plur. inusit. eben diese Ähren und Stürzel, welche von einigen Landleuten auch das Grobe, das Afterig, und das Kleine genannt werden.


Abrechnen (W3) [Adelung]


Abrechnen, verb. reg. act. 1) Durch Rechnen absondern, abziehen. Diese zehn Thaler müssen von der Summe abgerechnet werden. 2) Mit einem abrechnen, zusammen rechnen, und die Rechnung schließen.


Abrechnung (W3) [Adelung]


Die Abrechnung, plur. die -en. 1) Die Absonderung durch Rechnen, oder der Abzug von der Rechnung; ohne Plural. Einem etwas auf Abrechnung geben, auf Abschlag, damit es abgerechnet werde. 2) Die Zusammenrechnung mit jemanden. Abrechnung mit einem halten.


Abrechte (W3) [Adelung]


* Die Abrechte, plur. die -n, ein nur bey den Tuchbereitern übliches Wort, die linke Seite eines Tuches zu bezeichnen, von recht, und ab, un. Daher ist bey ihnen abrechten, die groben Haare auf der linken Seite der Tücher wegkratzen.


Abrechten (W3) [Adelung]


Abrechten, verb. reg. act. durch einen Rechtshandel von einem erhalten. Einem etwas abrechten.


Abrecken (W3) [Adelung]


Abrecken, verb. reg. act. gehörig recken, nur auf den Blechhämmern, wo die erste Ausdehnung des zu Blech bestimmten Eisens abrecken genannt wird.


Abrede (W3) [Adelung]


Die Abrede, plur. die -n. 1) Eine vollendete gemeinschaftliche Unterredung über etwas, Verabredung. Abrede mit einem nehmen. Abrede wegen einer Sache nehmen. Genommener Abrede nach. Der genommenen Abrede nachkommen. 2) Die Verneinung einer Sache; doch nur in der R. A. nicht in Abrede seyn. Ich bin es nicht in Abrede, läugne es nicht. Ichbin nicht in Abrede, daß nicht mancher Fehler dabey sollte vorgegangen seyn. Er ist nichts in Abrede, Less. Bejahender Weise ist dieses Wort nicht gebräuchlich.

Anm. Ab druckt in der ersten Bedeutung ein Vollenden, in der zweyten aber den Gegensatz aus. Der Plural ist in der ersten Bedeutung selten, in der zweyten aber ganz ungewöhnlich.


Abreden (W3) [Adelung]


Abreden, verb. reg. 1. Activum a) Sich wegen einer Sache hinlänglich unterreden, sich über etwas bereden. Etwas mit einem abreden. Es ist eine abgeredete Sache. Abgeredeter Maßen. Reden sie das Nöthige mit ihm ab, Less. b) + Sich abreden, durch vieles Reden ermüden. 2. * Neutrum, mit haben, aberwitzig reden, besonders in hitzigen Krankheiten; welche Bedeutung im Hochdeutschen aber eben so ungewöhnlich ist, als die Bedeutung des Abrathens, welche letztere nur Steinbach anführet.

Anm. In Oberdeutschland ist auch das Nebenwort abredig, in der zweyten Bedeutung des Hauptwortes Abrede üblich; etwas abredig seyn, es verneinen. Allein im Hochdeutschen kennet man es nicht.


Abregnen (W3) [Adelung]


+ Abregnen, verb. imperf. reg. im gemeinen Leben, bis zur Erschöpfung regnen, völlig ausregnen. Es hat schon abgeregnet.


Abreiben (W3) [Adelung]


Abreiben, verb. irreg. act. S. Reiben. 1) Durch Reiben wegschaffen. Den Roth abreiben, von dem Kleide reiben. Den Rost abreiben. Ingleichen durch Reiben gehörig reinigen, glätten. Die Kleider abreiben. Ein Gewehr mit Bimsstein, eine Fläche mit Schachtelhalm abreiben. 2) Durch Reiben abnützen. Die Schuhe abreiben. Das Geld reibt sich durch vieles Ausgeben ab. 3) Durch Reiben zur Vollkommenheit bringen. Die Farben abreiben, gehörig, zur Genüge reiben. Einen Wetzstein abreiben, ihm durch Reiben die gehörige Gestalt geben. So auch die Abreibung.


Abreichen (W3) [Adelung]


Abreichen, verb. reg. act. 1) Mit ausgestrecktem Arme erreichen, daran reichen. Ich kann es kaum abreichen, kann daran reichen. 2) + Im gemeinen Leben auch wohl so viel, als abgeben, einen Brief abreichen.


Abreifen (W3) [Adelung]


Abreifen, verb. reg. 1. * Neutrum, mit seyn, von reif, maturus, völlig reif werden; im Hochdeutschen sehr ungewöhnlich.Ihr abgereifter Witz beschämte tausend Frauen, Günth.2. Activum, von Reif, circulus, den Reif oder Rand einer Sache wegnehmen. So bedeutet reifen oder abreifen bey den Schlössern, an der groben geschwärzten Schlösserarbeit mit dem Reifkolben die scharfen Ecken abstoßen. Ingleichen in der Holstein. Landgerichtsordnung, einem von seinem Acker etwas abreifen, abzwacken. Daher die Abreifung in der Bedeutung des Activi.


Abreihen (W3) [Adelung]


Abreihen, verb. reg. act. was aufgereihet ist, aus einander nehmen. Perlen, Äpfel abreihen.


Abreise (W3) [Adelung]


Die Abreise, plur. inusit. die Reise von einem Orte. Am Tage vor meiner Abreise. Unsere Abreise ist auf morgen festgesetzet. Seine Abreise beschleunigen.


Abreisen (W3) [Adelung]


Abreisen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt, von einem Orte reisen. Wann werden sie abreisen? + Über Hals und Kopf abreisen, in der größten Eil. Der König ist bereits von Berlin abgereiset.


Abreißen (W3) [Adelung]


Abreißen, verb. irreg. S. Reißen.1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, schnell und mit Gewalt abgehen, abgerissen werden. Der Strick riß ab. Der Knopf ist abgerissen. Die Kleider sind abgerissen, durch langen Gebrauch zerrissen.2) Als ein Activum. (a) Durch Reißen absondern, so wohl in der eigentlichen Bedeutung, vermittelst eines Risses absondern. Ein Stück von einem Kleide, von einem Zeuge, von einem Papiere abreißen. Das Pferd hat sich abgerissen, hat die Halfter zerrissen. Als auch in uneigentlicherer, mit Gewalt absondern. Einer Taube den Kopf abreißen. Das Siegel abreißen. Ein Schloß abreißen. Ich riß ihr armes Häuschen ab, Weiße. Sein frischer Lorber ward ihm vom Tode abgerissen, Dusch. Und in figürlicher. Sich von einem, oder von einer Gesellschaft abreißen, sich ungern, mit einer Art von Zwange von derselben trennen. (b) Durch den Gebrauch zerreißen, abnützen, besonders von Kleidungsstücken. Er reißt viel Kleider ab. Ein abgerissener (zerrissener) Rock; wofür die Oberdeutschen abschleißen, verschleißen, sagen. Ein abgerissener Mensch, der in zerrissenen Kleidern einher gehet. (c) Durch Reißen, d. i. Zeichnen, abbilden. Eine Person, ein Gebäude, eine Gegend abreißen. Daher die Abreißung, in der ersten und zweyten Bedeutung des Activi.


Abreißer (W3) [Adelung]


Der Abreißer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug zum Abreißen, d. i. Figuren, oder Linien zu reißen, bey verschiedenen Handwerkern. Bey den Holzarbeitern ist es ein Pfriemen, Linien damit vorzureißen; bey den Gärtnern, ein mit Eisen beschlagener Stab, die Figuren in den Lustgärten damit abzureißen.


Abreiten (W3) [Adelung]


Abreiten, verb. irreg. S. Reiten. Es ist:1. Ein Neutrum, mit seyn, von einem Orte wegreiten. Wir sind gestern von Hause, von Dresden, aus Berlin abgeritten.2. Ein Activum. (a) Durch Reiten, oder im Reiten absondern. Er hat dem Pferde beyde Hufeisen abgeritten. (b) Durch vieles Reiten entkräften. Sich abreiten, ein Pferd abreiten, ein abgerittenes Pferd. (c) Gehörig zureiten. Ein Pferd abreiten. Ein auf der Schule abgerittenes Pferd.


Abrennen (W3) [Adelung]


Abrennen, verb. irreg. S. Rennen, welches auf gedoppelte Art üblich ist.1. Als ein Neutrum, mit seyn, von einem Orte hinweg rennen. Sie sind von hier abgerannt. Die Pferde rannten von dem Wege ab.2. Als ein Activum, da es billig regulär conjugiret werden sollte, obgleich es noch von den wenigsten geschiehet. (a) Durch Rennen oder im Rennen absondern. Einem den Hut abrennen. Ingleichen, sich die Hörner abrennen, in figürlichem Verstande, wie sie ablaufen, durch nachtheilige Erfahrung klüger werden.Der sich bereits schon längst die Hörner abgerannt, Rost.(b) Durch Rennen einer Sache berauben, im Rennen zuvor kommen, so wohl in eigentlicher als figürlicher Bedeutung, wie ablaufen. Einem den Rang, den Vortheil abrennen.Dem Heere, so ihr naht, das Vortheil abzurennen, Opitz. S. Rennen.


Abrichten (W3) [Adelung]


Abrichten, verb. reg. act. einer Sache die gehörige Richtung geben, doch mit verschiedenen Nebenbegriffen. 1) Im eigentlichsten Verstande. So bedeutet auf den Eisenhämmern, das Stabeisen abrichten, es völlig gerade richten, welches vermittelst des Abrichthammers auf dem Abrichtstabe oder Abrichtstocke, einer Art eines Amboßes, geschiehet. Die Schienen abrichten, ihnen die gehörige Krümme geben. Bey den Tischlern richtet man ein Bret ab, wenn es so wohl in der Länge als Breite gerade abgehobelt wird. Bey den Böttchern richtet man den Boden ab, wenn man ihn rings herum eben macht. 2) In weiterer Bedeutung, einer Sache die gehörige Richtung zur völligen Bearbeitung geben, besonders durch richtige Abmessung. Dahin gehöret das Abrichten oder Formiren der Buchbinder, wenn nach dem Ansetzen die gehörige Größe der Schalen eines Buches bestimmt wird; ingleichen abrichten in den Bergwerken, das Bühnloch und den Anfall, worein der Stämpel gelegt wird, richtig abmessen. Auch bey den Mäurern wird eine Mauer abgerichtet, wenn sie mit der Setzwage abgewäget wird, damit sie überall wasserrecht bleibe. 3) In figürlicher Bedeutung, die gehörige Fertigkeit beybringen,durch beygebrachte Fertigkeiten geschickt machen, so wohl von Thieren. Einen Jagdhund abrichten. Einen Hund zur wilden Schweinsjagd abrichten. Ein Pferd zur Jagd, einen Vogel zur Beitze abrichten. Als auch von Menschen. Einen Bedienten, einen Lehrling abrichten. Er ist auf seinen Nutzen vortrefflich abgerichtet. Seine Kinder auf das Stehlen, oder zum Stehlen abrichten. Er ist zu aller Bosheit abgerichtet. Daher die Abrichtung in allen obigen Bedeutungen.

Anm. Abrichten gehet in der dritten Bedeutung mehr auf die Fertigkeit, so wie unterrichten mehr auf die Erkenntniß. Abrichten, durch Urtheil und Recht absprechen, von richten, judicare, ist veraltet, so wie verschiedene andere Bedeutungen dieses Zeitwortes, welche beym Haltaus h. v. nachgesehen werden können. Abrichten bedeutet in Preußen auch so viel als beschmutzen, so wie in andern Niedersächsischen Gegenden zurichten.


Abriegeln (W3) [Adelung]


Abriegeln, verb. reg. act. durch Vorschiebung des Riegels verschließen. Eine Stube abriegeln.


Abrieseln (W3) [Adelung]


Abrieseln, verb. reg. neutr. mit seyn, los gehen und herunter rieseln, sich in kleinen festen Theilchen absondern, wofür in einigen Gegenden abröhren üblich ist. Der Kalk ist von der Mauer abgerieselt. Der Sand rieselte von dem Berge ab. S. Rieseln.


Abriffeln (W3) [Adelung]


+ Abriffeln, verb. reg. act. welches ein Intensivum von abreiben und abraufen ist, S. Riffeln. Den Flachs abriffeln, oder riffeln, die Samenkapseln vermittelst der Raufe oder Riffel absondern.


Abrinden (W3) [Adelung]


+ Abrinden, verb. reg. act. der Rinde berauben. Einen Baum abrinden, die Rinde abschälen. Das Brot abrinden.


Abrindig (W3) [Adelung]


Abrindig, -er, -ste, adj. et adv. Abrindiges Brot, abgebackenes, wenn die Rinde von der Krume abstehet. + Sich abrindig sitzen oder gehen, im Scherze, sich durch vieles Sitzen oder Gehen Blasen verursachen.


Abrinnen (W3) [Adelung]


+ Abrinnen, verb. irreg. neutr. S. Rinnen, welches das Hülfswort seyn erfordert, hinab rinnen. Das Wasser ist von dem Berge abgeronnen, doch nur in der niedrigen Sprechart.


Abrippen (W3) [Adelung]


Abrippen, verb. reg. act. von welchem doch nur das Particip. Pass. im gemeinen Leben üblich ist. Ein gut abgeripptes Pferd, welches einen guten Bau der Rippen hat.


Abrispen (W3) [Adelung]


+ Abrispen, verb. reg. neutr. mit seyn, in der Landwirthschaft. Der Hafer rispet ab, wenn er bey dem Aufharken aus der Rispe fällt; in manchen Gegenden abraspen, abraspeln.


Abriß (W3) [Adelung]


Der Abriß, des -sses, plur. die -sse, von abreißen, in der dritten Bedeutung des Activi, die Abbildung einer Sache nach ihren wesentlichen Theilen, der Riß, Entwurf. Der Abriß eines Hauses, einer Festung. Einen Abriß von etwas machen oder nehmen. Einen Abriß lesen, oder nennen, bey den Webern, den Arbeitern stückweise sagen, was für Fäden vermöge des Abrisses gehoben werden müssen.


Abrohren (W3) [Adelung]


Abrohren, verb. reg. act. mit dem gehörigen Rohre versehen. So wird von den Mäurern eine Decke oder Wand abgerohret, wenn sie gehörig mit Rohr beschlagen wird.


Abröhren (W3) [Adelung]


* Abröhren, S. Abrieseln.


Abrollen (W3) [Adelung]


Abrollen, verb. reg. 1. Ein Neutrum. (a) + Mit seyn, rollend herab fallen. Es rollten Steine von dem Berge ab. Die Thränen rollten hier von ihren Wangen ab, Rost. (b) Mit haben, das Rollen der Wäsche vollbringen. Die Wäscherinnen haben abgerollet. In einigen Gegenden abmangeln.2. Ein Activum. (a) + Hinab rollen. Einen Stein von dem Berge abrollen. (b) Was zusammen gerollet war, völlig aus einander rollen. Ein Stück Zeuges abrollen. (c) Bey den Buchbindern, die krausen Einfassungen der Bücher mit dem Rolleisen völlig abdrucken. Geschiehet es mit Stämpeln, so heißt es abstämpeln. (d) Mit der Wäschrolle zur Genüge glätten. Ein Stück Zeuges abrollen.


Abrosten (W3) [Adelung]


Abrosten, verb. reg. neutr. mit seyn, durch Rost abgesondert werden. Der Knopf ist von der Stange abgerostet.


Abrotten (W3) [Adelung]


+ Abrotten, verb. reg. neutr. mit seyn, durch Fäulniß abgesondert werden, besonders in Niedersachsen. So sagt man von dem Getreide, daß es abrotte, wenn es zu lange auf dem Schwade liegen bleibt, so daß es ausfällt.


Abrücken (W3) [Adelung]


Abrücken, verb. reg. act. von etwas hinweg rücken. Den Tisch abrücken. Den Stuhl von der Wand abrücken. Die Zeilen abrücken, absetzen, neue anfangen. Daher die Abrückung.


Abrudern (W3) [Adelung]


Abrudern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, vermittelst der Ruder sich von einem Orte entfernen. Von dem Lande abrudern.


Abruf (W3) [Adelung]


Der Abruf, des -es, plur. inusit. von dem folgenden. 1) Die Verkündigung von einem höhern Orte. 2) Die Abforderung oder das Abrufen eines Vasallen aus einem fremden Dienste.


Abrufen (W3) [Adelung]


Abrufen, verb. irreg. act. S. Rufen. 1) Von einem erhabenen Orte mit lauter Stimme verkündigen. Der Nachtwächter hat schon zehen abgerufen, weil solches ehedem von einem erhöheten Orte geschah. 2) Zum letzten Mahle rufen. Der Wächter ruft ab, hat schon abgerufen, ruft gegen Morgen zum letzten Mahle ab. 3) Von einem Orte wegrufen. Jemanden aus der Kirche, aus der Komödie abrufen. Einen von seinen Geschäften abrufen. Einem die Kunden, die Kaufleute abrufen, eine gewöhnliche Unart der kramenden Handwerker, wenn sie nicht weit von einander feil haben. Besonders in fremden Diensten befindliche Vasallen zu sich rufen, mit einem Lateinischen Worte avociren. S. auch Abberufen. 4) Durch Rufen erreichen. Er ist bereits so weit, daß man ihn nicht mehr abrufen kann. 5) + Sich abrufen, sich matt und müde rufen, ist niedrig. Daher die Abrufung.

Anm. Geld abrufen, wird in Oberdeutschland auch für verrufen gesaget; ingleichen der Abruf des Geldes.


Abrühren (W3) [Adelung]


Abrühren, verb. reg. act. 1) Zur Genüge rühren, zu einem Breye rühren. Das Mehl, die Eyer abrühren, in den Küchen. Die Suppe mit einem Eye abrühren, wie abquerlen. 2) Durch Rühren absondern. Pflaumen abrühren, sie im Sieden durch Umrühren von den Kernen absondern.


Abründen (W3) [Adelung]


Abründen, oder Abrunden, verb. reg. act. gehörig rund machen. Ein Brett, ein Stück Metall abründen. So auch die Abründung oder Abrundung.


Abrupfen (W3) [Adelung]


Abrupfen, verb. reg. act. durch Rupfen absondern, wegschaffen. Blätter von einem Baume abrupfen. Der Gans die Federn abrupfen. Ingleichen, durch Rupfen kahl machen. Eine Gans, ein Huhn abrupfen. Daher die Abrupfung.

Anm. Die figürliche Bedeutung, in welcher Opitz sang: Wenn nachmahls uns der kurzen Rast Gewinn Wird abgerupft, so fliegen wir dahin, ist im Hochdeutschen nicht gebräuchlich.


Abrüsten (W3) [Adelung]


Abrüsten, verb. reg. neutr. mit haben, ein Gerüst abbrechen, im Gegensatze des aufrüsten.


Abrutschen (W3) [Adelung]


+ Abrutschen, verb. reg. neutr. mit seyn, in den niedrigsten Sprecharten für abgleiten.


Abrütteln (W3) [Adelung]


Abrütteln, verb. reg. act. durch Rütteln absondern, wegschaffen.


Absäbeln (W3) [Adelung]


Absäbeln, verb. reg. act. mit dem Säbel abhauen. Einem den Kopf, einen Arm absäbeln. S. Säbel.


Absacken (W3) [Adelung]


Absacken, verb. reg. act. 1) Eigentlich, eine in einem Sacke befindliche Last abnehmen. Einen Esel absacken. 2) + Figürlich, doch nur im niedrigen Scherze, einen des Seinigen berauben. Einem sein Geld, eine gemachte Beute absacken.

Anm. Absacken in der Bedeutung des Abpflügens, wird richtiger abzacken und abzackern geschrieben. S. das letzte.


Absäen (W3) [Adelung]


Absäen, verb. reg. act. 1) Bey den Fell- und Lederbereitern, dieFelle inwendig vor dem Beitzen mit Schrot von Getreide gehörig bestreuen. S. auch Ansäen. 2) Abgesäeter Lein, in Schlesien, der durch wiederhohlte Aussaat schlechter geworden ist, im Gegensatze des frischen Samens. 3) Ein abgesäeter Acker, der durch fortgesetzte Bestellung entkräftet worden, dem man keine Brache oder Ruhe verstattet hat.


Absage (W3) [Adelung]


Die Absage, plur. die -n, von dem folgenden. 1) Die Aufkündigung oder Widerrufung einer vorher bedungenen oder bestellten Sache; die Aufsagung. Besonders, 2) * die ehedem so übliche Aufkündigung der Freundschaft, und damit verbundene Ankündigung thätlicher Feindseligkeiten. Einem Absage thun. Ingleichen die Schrift, worin solches geschahe, welche auch ein Absagebrief, oder Fehdebrief, und im Nieders. Entsagebrief genannt wurde. 3) * Die Begebung eines Rechts, die Verzicht. In allen drey Bedeutungen kommt dieses Wort heut zu Tage wenig mehr vor.


Absagen (W3) [Adelung]


Absagen, verb. reg. Es ist:I. Ein Activum. 1) Eine getroffene Abrede widerrufen, eine bestellte Sache aufsagen. Eine bestellte Arbeit absagen. Einen Besuch absagen lassen. Die Versammlung absagen. 2) + Einem etwas absagen; es ihm absprechen, nur im gemeinen Leben.II. Ein Neutrum, mit haben, und dem Dative der Person. 1) * Einem absagen, ihm thätliche Feindseligkeiten ankündigen. Diese Bedeutung ist mit den ehemahligen Formalien der Sache selbst veraltet, und nur noch der Ausdruck, ein abgesagter, d. i. öffentlicher, erklärter Feind, davon übrig. 2) Sich einer Person oder Sache förmlich begeben, erklären, daß man keinen Theil an derselben, keine Verbindung mit ihr haben wolle; edler ihr entsagen. Einem Knechte, einer Sache, einer Person absagen. Dem unordentlichen Leben absagen. Sind diese Ergetzungen es werth, daß man ihnen zu Gefallen der Vernunft und der Gottheit absaget? Kästn. Und sie, sie selbst sagen Climenen ab? Cron. So auch die Absagung, in allen obigen Bedeutungen.

Anm. Einem etwas absagen, für abschlagen, im Gegensatze des Zusagens, und, einem das Leben absagen, bey dem Opitz, Ps. 109, 31. für absprechen, sind im Hochdeutschen ungewöhnlich. Der Unterschied, welcher in den Rechten zwischen Absage in der zweyten Bedeutung und Fehde gemacht wird, ist eine bloße Grille der neuern Rechtslehrer. Wachter leitet absagen in der zweyten Bedeutung nicht von sagen, dicere, sondern von dem alten sachan, litem contestari, her; aber ohne Roth und ohne Anführung hinlänglicher Beweisgründe. S. auch Entsagen, ingleichen Sache.


Absägen (W3) [Adelung]


Absägen, verb. reg. act. mit der Säge absondern. Einen Ast, einen Baum, ein Glied absägen. Daher die Absägung.


Absahnen (W3) [Adelung]


Absahnen, verb. reg. act. die Milch absahnen, die Sahne davon nehmen, wie Abrahmen.


Absatteln (W3) [Adelung]


Absatteln, verb. reg. act. den Sattel abnehmen. Ein Pferd absatteln.


Absatz (W3) [Adelung]


Der Absatz, des -es, plur. die -sätze, von absetzen, doch nur in einigen Bedeutungen. 1) Die Handlung des Absetzens, ohne Plural; nur in einigen wenigen Fällen. Der Absatz einer Münzsorte, besser die Abwürdigung, Verrufung derselben. Ein Glas ohne Absatz austrinken, ohne es von dem Munde abzusetzen. + Zuweilen auch in weiterer Bedeutung, die Unterbrechung einer Handlung. Ohne Absatz laufen, welches aber zweydeutig ist. 2) Der Zustand, da etwas abgesetzet wird; auch ohne Plural, und gleichfalls nur in einigen figürlichen Bedeutungen. (1) Der Vertrieb, Verkauf einer oder mehreren Waaren. Vielen Absatz haben, viele Waaren verkaufen. Ein Kaufmann hat starken, schlechten Absatz wenn er viel, wenig verkauft. Ich verspreche mir von dieser Waare einen guten Absatz. In dieser Be- deutung sagt man im Oberdeutschen Verschließ oder Verschluß, in Westphalen Slett, Slette, und in andern Niedersächsischen Gegenden Bedrief, (2) * Der Zustand merklicher Unähnlichkeit bey erwarteter Ähnlichkeit. Einen Absatz gegen etwas machen, einen Contrast, dagegen abstechen. Es ist unbeschreiblich, welchen rührenden Absatz ihr Betragen gegen ihre Kleidung machte. Die Liebe macht in den Augen eines Menschen, der ihr Gegenstand nicht ist, einen Absatz, der diesem letztern nachtheilig werden kann, Hermes. In dieser Bedeutung ist es von einigen Neuern versucht worden, das ausländische Contrast zu ersetzen, wozu es aber wegen seiner Vieldeutigkeit eben nicht sehr geschickt ist. S. Absetzen, auch Abstich und Abstechen.3) Dasjenige, was abgesetzet wird, oder abgesetzet worden, mit dem Plural; in verschiedenen Bedeutungen des Zeitwortes. Besonders der Ort, wo eine gerade Linie oder Fläche, und in weiterer Bedeutung, wo eine Handlung in ihrem Fortgange unterbrochen wird. Der Absatz eines Berges, wo er in seiner geraden Höhe unterbrochen wird. Der Absatz an einem Kohre oder Halme, welcher auch der Knoten, und in Oberdeutschland das Gleich, d. i. Gelenk, genannt wird. Der Absatz in der Baukunst, die Glieder des Säulenfußes zwischen dem Grundsteine und dem Würfel. Der Absatz in den Gärten, ein eingefaßtes Blumenbeet längs den Gängen und Wänden. Der Absatz einer Treppe. Der Absatz an einem Fahrschachte, in den Bergwerken, so auch ein Abtritt, ingleichen eine Wechselbühne genannt wird. Der Absatz eines Ganges, wenn der Gang von seinem Streichen absetzet oder abweichet. Der Absatz in einer Schrift, wenn eine neue Zeile vorne angefangen wird, und in weiterer Bedeutung, oft eine jede Abtheilung in derselben. Der Absatz in einem Liede, die Strophe. Der Absatz an den Schuhen, der erhöhete Theil unter der Ferse. Daher bey den Schuhmachern der Absatzdraht, womit die Absätze vermittelst des Absatzortes und der Absatzwecken angenähet werden; der Absatzschneider, der die hölzernen Absätze für die Schuhmacher schneidet.


Absätzig (W3) [Adelung]


+ Absätzig, adj. et adv. welches nur in den Bergwerken üblich ist. Ein absätziger Ort, dessen Beschaffenheit eine Abänderung leidet; wenn sich z. B. in einem geschmeidigen Steine eine Bergfeste zeiget.


Absäubern (W3) [Adelung]


Absäubern, verb. reg. act. sauber machen, von Unreinigkeiten befreyen. Einen Topf, ein Geschirr absäubern. Das Erz absäubern, in den Bergwerken. Daher die Absäuberung.


Absaufen (W3) [Adelung]


+ Absaufen, verb. irreg. act. S. Saufen. 1) Durch Saufen wegnehmen. Etwas oben absaufen. 2) Sich durch Saufen in Ansehung einer Schuldforderung bezahlt machen. Eine Schuldforderung absaufen. 3) Durch Saufen einer Sache berauben, ein dem gelehrten Pöbel auf Universitäten hinlänglich bekannter Gebrauch. Und Leipzigs Krone ward dem Feigen abgesoffen, Zach. 4) Sich absaufen, durch unmäßiges Trinken entkräften. In allen diesen Bedeutungen gehöret es, so wie das einfache saufen, in die niedrigste Schreib- und Sprechart.


Absäugeln (W3) [Adelung]


Absäugeln, verb. reg. act. welches das Diminutivum von absäugen ist, und von den Gärtnern auch in dessen Bedeutung gebraucht wird.


Absaugen (W3) [Adelung]


Absaugen, verb. irreg. act. S. Saugen. 1) Das Äußere einer Sache durch Saugen wegnehmen. 2) Durch vieles Saugen entkräften. Das Kind hat die Amme ganz abgesogen.


Absäugen (W3) [Adelung]


Absäugen, verb. reg. act. 1) Zur Genüge säugen. Ein Kind absäugen, es bis zur Sättigung säugen. 2) * Entwöhnen, im Hochdeutschen ungewöhnlich. Als er ist abgeseuget vonsiner muter, heißtes in einem alten Psalter von 1503. 3) Durch Säugen absondern, besonders im Gartenbaue, einen Zweig eines Baumes, ohne ihn abzuschneiden, auf einen andern Stamm pfropfen; welche Verrichtung auch absäugeln und ablactiren genannt, und irrig mit dem Ablegen verwechselt wird. Daher die Absäugung.


Absceß (W3) [Adelung]


Der Absceß, des -sses, plur. die -sse, aus dem Lateinischen abscessus, bey den Mundärzten, ein Geschwür, eine Eiterbeule.


Abschaben (W3) [Adelung]


Abschaben, verb. reg. act. durch Schaben wegschaffen. Den Koth von dem Kleide, das Moos von den Bäumen abschaben. Ingleichen durch Schaben reinigen. Das Kleid, den Baum abschaben. Wie auch durch Schaben glatt machen, beschaben. Ein Holz mit Glas abschaben.


Abschäbsel (W3) [Adelung]


+ Das Abschäbsel, des -s, plur. inus. was von einer Sache abgeschabet worden, das Schabsel.


Abschachern (W3) [Adelung]


+ Abschachern, verb. reg. act. welches aus der Jüdisch-Deutschen Mundart entlehnet, und nur in niedrigen Ausdrücken üblich ist, für abhandeln. Einem etwas abschachern.


Abschachteln (W3) [Adelung]


Abschachteln, verb. reg. act. bey verschiedenen Künstlern, mit Schachtelhalm abreiben, oder glatt machen. Einen Tisch, ein Kästchen abschachteln.


Abschaffen (W3) [Adelung]


Abschaffen, verb. reg. act. von schaffen, befehlen. 1) Was man gewöhnlich um sich hatte, zu seinem Dienste hatte, wegschaffen, von Menschen und Thieren. Einen Bedienten abschaffen. Sein Gesinde abschaffen. Pferde und Wagen abschaffen. Einen Hund, eine Katze, das Federvieh abschaffen. 2) Durch einen Befehl aufhören machen, aufheben. Ein Gesetz, einen Gebrauch, eine Gewohnheit abschaffen. Die vielen Feyertage sind in den meisten Ländern abgeschaffet worden. Dieser Mißbrauch ist längst abgeschaffet worden. So auch die Abschaffung.

Anm. Die Sache, welche abgeschaffet wird, wird in beyden Fällen als nachtheilig, wenigstens als überflüssig voraus gesetzt; daher dieses Zeitwort allemahl einen harten Nebenbegriff hat. In der ersten Bedeutung wird es im Hochdeutschen außer den angeführten Fällen nicht leicht gebraucht. Allein in Oberdeutschland bedeutet es überhaupt so viel, als sich einer Person entledigen, und man sagt daselbst so wohl, einen Bettler abschaffen, einen mit Ungestüm abschaffen, d. i. abweisen, als auch, einen aus der Gesellschaft abschaffen.


Abschälen (W3) [Adelung]


Abschälen, verb. reg. act. der Schale berauben, als Schale absondern, schälen. Obst abschälen, abgeschälte Äpfel. Einen Baum abschälen. Die Rinde abschälen. Sich abschälen, als Schale, blätterweise abgehen; in den gemeinen Sprecharten abschelfern. Einen wilden Boden abschälen, den Rasen mit dem Schälpfluge wegnehmen, ihn entrasen. Daher die Abschälung.


Abschalmen (W3) [Adelung]


+ Abschalmen, verb. reg. act. welches in der Niedersächsischen Mundart, besonders in der Mark Brandenburg, im Forstwesen üblich, und eigentlich mit abschälen einerley ist. Besonders bedeutet es daselbst, 1) die Bäume im Walde vermittelst des Anschälens zeichnen; und dann, 2) figürlich, einen Theil der Weide in den Wäldern absondern, welches vermittelst eines solchen Anschälens der Bäume geschiehet. S. Schalm und Schalmen.


Abschank (W3) [Adelung]


* Der Abschank, des -es, plur. car. S. Abschenken.


Abschärfen (W3) [Adelung]


Abschärfen, verb. reg. act. 1) Der Schärfe, besonders der scharfen Ecken berauben. So wird bey den Buchbindern und Schustern das Leder abgeschärft, wenn es am Rande dünner geschnitten wird. In eben demselben Verstande gebrauchen es auch die Holz- und Metallarbeiter. 2) Bey den Jägern so viel als ablösen oder abschneiden. Daher die Abschärfung.


Abscharren (W3) [Adelung]


Abscharren, verb. reg. act. durch Scharren wegbringen. Den Ruß, den Teig abscharren. Den Kalk von der Wand abschar- ren. Ingleichen durch Scharren gehörig reinigen. Den Trog, die Wand abscharren. Die Hauptwörter Abscharrsel und Abscharricht, für dasjenige, was abgescharret wird, sind nur im Oberdeutschen üblich.


Abschatten (W3) [Adelung]


Abschatten, verb. reg. act. einen Schattenriß von etwas machen; Franz. silhouetter. Eine Person abschatten. So auch die Abschattung.


Abschauen (W3) [Adelung]


* Abschauen, verb. reg. act. Einem etwas, nur im Oberdeutschen, für, es ihm absehen.


Abschauern (W3) [Adelung]


+ Abschauern, verb. reg. act. vermittelst einer Scheidewand absondern, nur in einigen Gegenden. In Niedersachsen abscheren. S. auch Abkleiden.


Abschaufeln (W3) [Adelung]


Abschaufeln, verb. reg. act. mit der Schaufel von etwas wegschaffen. Den Schnee abschaufeln, von dem Dache. Ingleichen, auf diese Art reinigen. Das Dach abschaufeln.


Abschaum (W3) [Adelung]


Der Abschaum, des -es, plur. car. 1) Eigentlich, was abgeschäumet worden, eine abgeschäumte Unreinigkeit; welche Bedeutung doch selten ist. 2) Figürlich, das schlechteste, schändlichste seiner Art. Der Abschaum des Witzes eines Zotenreißers. Er ist der Abschaum von allen bösen Buben. Der Abschaum des menschlichen Geschlechts, Faex perditorum sentina et purgamenta reipublicae.


Abschäumen (W3) [Adelung]


Abschäumen, verb. reg. act. in Gestalt des Schaumes wegschaffen. Die Unreinigkeiten abschäumen. Ingleichen, von dem Schaume befreyen, der in Gestalt des Schaumes vorhandenen Unreinigkeiten entledigen. Das Fleisch, den Honig, den Zucker abschäumen. Daher die Abschäumung.


Abscheeren (W3) [Adelung]


Abscheeren, S. Abscheren.


Abscheiden (W3) [Adelung]


Abscheiden, verb. irreg. ( S. Scheiden,) welches auf gedoppelte Art üblich ist.1. Als ein Activum, von andern Dingen scheiden. a) In der Chymie, Körper, die mit einander vermischt sind, von einander sondern. Gold von dem Silber abscheiden, wo aber das einfache Scheiden üblicher ist. In den Hüttenwerken nennet man besonders das Scheiden des Goldes von dem Silber vermittelst des Scheidewassers, abscheiden. b) In den Rechten an einigen Orten, Kindern ihren Antheil an der künftigen Erbschaft geben, und sie dadurch von allen künftigen Ansprüchen ausschließen, welches an einigen Orten auch absondern, abtheilen, abschichten, und ablegen genannt wird. Abgeschiedene Kinder. c) * Den Abschied geben, verabschieden, welche Bedeutung aber veraltet ist, und unter andern nur noch in Luthers Übersetzung der Bibel vorkommt, wo man Matth. 5, 32. Kap. 19, 9. Luc. 16, 18. das Partic. Pass. eine Abgescheidete findet. S. Scheiden. d) Von der Verbindung mit andern Menschen absondern, in welcher Bedeutung doch nur das Particip. abgeschieden üblich ist. Ein abgeschiedenes Leben führen, ein einsames. In den Klöstern sollte man von der Welt abgeschieden seyn, abgesondert. S. auch Abgeschiedenheit.2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, sich von einem Orte entfernen, aber jetzt nur noch als ein gemilderter Ausdruck des Sterbens. Aus dieser Welt, oder von der Welt abscheiden. Er ist bereits abgeschieden, d. i. verstorben; wofür man auch verscheiden saget. Ich habe Lust abzuscheiden und bey Christo zu seyn, Phil. 1, 27. Die abgeschiedenen Seelen, die Seelen der Verstorbenen.So auch die Abscheidung in der thätigen Bedeutung, das Abscheiden, besonders in der neutralen, und der Abschied in beyden.

Anm. Abscheiden für abreisen, Goth. afskaida, war ehedem sehr gebräuchlich.Die Kunigin im ein urlaub gab,Mit solchem da schid der pot ab, Thruerb.Unfalo vom Heldan abschid, ebend.Und in Oberdeutschland kommt diese Bedeutung noch vor. S. Abschied.


Abscheider (W3) [Adelung]


Der Abscheider, des -s, plur. ut. nom. sing. in den Hüttenwerken derjenige, welcher das Gold vermittelst des Scheidewassers von dem Silber scheidet.


Abschenken (W3) [Adelung]


* Abschenken, verb. reg. act. das bestimmte Maß Getränkes austheilen. Besonders an einigen Höfen, den Cavaliers, welche dem Hofe folgen, auf Reisen etwas zum Schlaftrunke reichen, welches der Abschank genannt wird.


Abscheren (W3) [Adelung]


Abscheren, verb. irreg. act. S. Scheren. 1) Mit dem Schermesser wegnehmen. Die Haare, den Bart abscheren. Ingleichen auf solche Art reinigen; glatt machen. Das Haupt abscheren. 2) * Mit einer, Scheidewand absondern, abtheilen, in einigen Gegenden abschauern, in andern abkleiden.


Abscheu (W3) [Adelung]


Der Abscheu, des -es, plur. car. 1) Der höchste Grad der Abneigung der Empfindungen von einem Gegenstande. Einen Abscheu vor etwas haben, oder tragen, ist besser, als an etwas. Einem einen Abscheu vor etwas beybringen. Ich empfinde bey mir einen gewissen Abscheu vor diesem Gedanken, Dusch. 2) Figürlich, der Gegenstand des Abscheues. Diese Sache ist mir ein Abscheu. Er ist ein Abscheu in jedermanns Augen. Es ist ein Abscheu von einem Menschen, Gell.

Anm. In einigen Gegenden ist es im weiblichen Geschlechte üblich, die Abscheu. S. Scheu.


Abscheuern (W3) [Adelung]


Abscheuern, (nicht abscheuren, S. Scheuern,) verb. reg. act. 1) Durch Scheuern wegbringen. Den Schmutz abscheuern. Ingleichen, durch Scheuern gehörig reinigen. Einen Kessel, ein Gefäß abscheuern. 2) + Jemanden abscheuern, ihm einen derben Verweis geben.


Abscheulich (W3) [Adelung]


Abscheulich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Abscheu erweckend. Ein abscheulicher Mensch, ein abscheuliches Gesicht, abscheuliche Bilder, ein abscheulicher Gestank, ein abscheuliches Laster, eine abscheuliche That. Das ist abscheulich. Ich war mir selbst abscheulich, Dusch. Je näher ich dem Abscheulichen komme, desto abscheulicher wird er mir, Weiße. 2) + Sehr groß, sehr heftig, doch nur im gemeinen Leben und in niedrigen Ausdrücken. Abscheuliche Summen, abscheuliche Unkosten. Nun juckt mir das Schienbein abscheulich, Gell. Abscheulich reich, abscheulich schön u. s. f. sind noch widersinniger.


Abscheulichkeit (W3) [Adelung]


Die Abscheulichkeit, plur. die -en, 1) Die Eigenschaft, Abscheu zu erregen; ohne Plural. Kein Wort vermag, die Abscheulichkeit dieses Anschlages auszudrucken. 2) Eine abscheuliche Sache, mit dem Plural.


Abscheuren (W3) [Adelung]


Abscheuren, S. Abscheuern.


Abschichten (W3) [Adelung]


+ Abschichten, verb. reg. act. für abtheilen; besonders in den Rechten an einigen Orten, so viel, als abfinden, abscheiden, abtheilen, d. i. mit einem Theile des Vermögens von der künftigen Erbschaft ausschließen.


Abschicken (W3) [Adelung]


Abschicken, verb. reg. act. 1) Von einem Orte wegschicken, absenden. Einen Bothen, einen Brief, Waare abschicken, wofür man in der höhern Schreib- und Sprechart absenden saget. 2) Sein Gebeth zu Gott abschicken, Seufzer zu dem Himmel, fromme Wünsche zur Vorsicht abschicken, in figürlicher Bedeutung. Daher die Abschickung.


Abschieben (W3) [Adelung]


Abschieben, verb. irreg. S. Schieben.1) Ein Activum. (a) Durch Schieben von einem Orte entfernen, von etwas hinweg schieben. Den Tisch, einen Schrank abschieben, von der Wand. Und zuweilen im gemeinen Leben auch figürlich, eine Schuld, ein Verbrechen von sich abschieben. (b) Jemanden abschieben, im Kegelspiele, wenn auf die meisten geschoben wird, mehr schieben, als er. (c) Was zu viel war, abschieben, eben daselbst, durch Schieben vermindern. Das Verlorne abschieben, es wieder gewinnen.2. Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, nur in der Landwirthschaft, wo es von den Pferden, dem Horn- und Schafviehe gebraucht wird, und die letzten Füllen-Kalbs- oder Lammeszähne verlieren, bedeutet, welches bey den Schafen im fünften oder sechsten Jahre geschiehet. Die Kuh hat noch nicht abgeschoben. Abgeschobenes Vieh, welches abgeschoben hat.


Abschied (W3) [Adelung]


Der Abschied, des -es, plur. die -e, von dem Zeitworte abscheiden. Es führet überhaupt den Begriff der Absonderung und Abtheilung bey sich, wird aber nur in den figürlichen Bedeutungen des Verbi gebraucht. Es bezeichnet,1) Nach Maßgebung des Activi abscheiden. (a) Die Entlassung eines andern aus seinen Diensten; ohne Plural. Einem seinen Abschied geben, auch ihn verabschieden, so wohl in gutem als bösem Verstande; ersteres nur im gemeinen Leben, und wenn man ohne Achtung spricht. Einem Bedienten, einem Soldaten, einem Gesellen seinen Abschied geben. Den Abschied verlangen, fordern. Seinen Abschied nehmen, einen Dienst verlassen. Hiermit hast du deinen Abschied. Ingleichen das schriftliche Zeugniß, das man einem solchen bey seiner Entlassung gibt. Figürlich sagt man: den Sünden, den Lastern Abschied geben, sie verlassen, sie ablegen. Der Welt Abschied geben, so wohl sich der Verbindung mit der Welt und allen irdischen Dingen entziehen, als auch sterben. (b) Was bey dem Schlusse einer gerichtlichen oder andern feyerlichen Versammlung beschlossen und ausgesprochen wird. So bedeutet Abschied in den Rechten die gerichtliche Entscheidung einer Sache, und die Schrift, welche solche enthält. So auch ein Landtagsabschied, ein Reichstagsabschied, oder Reichsabschied, ein Schluß, der bey dem Abschiede der Reichs- oder Landstände bekannt gemacht wird. (c) In einigen Niedersächsischen Gegenden, die Entlassung eines abgelebten Leibeigenen von dem Gute, da man ihn in einem Häuschen zur Ruhe setzet, die Abnahme. Der ihm zu seinem Unterhalte ausgesetzte Theil wird alsdann das Altentheil genannt.2) Von dem Neutro, die Abreise von einem Orte, oder die Entfernung aus einer Gesellschaft, ohne Plural. Noch mehr aber die feyerlichen Umstände, welche die Höflichkeit in solchen Fällen eingeführet hat. Abschied von jemanden nehmen. Hinter der Thür Abschied nehmen, ohne Abschied zu nehmen fortgehen oder fortreisen. Der Abschied aus diesem Leben, der tödtliche Hintritt. Daher die Abschieds-Audienz eines Gesandten oder anderer vornehmen Personen; der Abschiedsbrief, der Abschiedsbesuch, das Abschieds-Compliment, die Abschiedsrede, das Abschiedsgedicht, der Abschiedsschmaus u. s. f.

Anm. Würde der Unterschied in der Conjugation zwischen dem Activo Scheiden und dem Neutro Scheiden beobachtet, so müßte auch dieses Hauptwort, so fern es von dem Imperfecto des Activi gebildet ist, Abscheid geschrieben und gesprochen werden, so wie man Halbscheid, und zuweilen auch Unterscheid findet. Einige Mundarten sagen auch wirklich Abscheid. Allein im Hochdeutschen ist Abschied allgemein. Der Plural, die Abschiede, kann nur von schriftlichen Zeugnissen der Entlassung, ingleichen von gerichtlichen Abschieden und den Abschieden der Land- und Reichstage gebraucht werden. Abschied ist in dieser Bedeutung vermuthlich nach dem mittlern Lateinischen Recessus gebildet worden, und beziehet sich zunächst auf das Auseinandergehen einer Versammlung. Von Reichsabschieden kommt dieses Wort zuerst unter dem Kaiser Friedrich dem Vierten vor. Die Rechtslehrer sindnicht einig, wie Abschied, Bescheid, und Urtheil von einander unterschieden sind. So viel ist gewiß, daß unter diesen drey Wörtern oft gar kein Unterschied beobachtet wird, zumahl da die Gewohnheit jedes Ortes bald dieses bald jenes von den gedachten drey Wörtern angenommen hat. Siehet man auf die Abstammung, so wird man denen beypflichten müssen, die eine sogenannte Sententiam interlocutoriam, oder den Ausspruch eines Richters über einen Nebenpunct, ingleichen den Ausspruch des Richters auf einseitiges Ansuchen einer Partey einen Bescheid, das Endurtheil aber, wodurch die Hauptsache entschieden wird, einen Abschied nennen, obgleich in den meisten Gerichten dafür das Wort Urtheil üblich ist. In den Graubünden wird auch der schriftliche Vortrag einer wichtigen Sache, welche an die ganze Versammlung gebracht wird, ein Abschied genannt. Daß Abschied ehedem auch einen bestimmten Theil von Gütern oder Einkünften, womit jemand abgeschieden wurde, bedeutet habe, erhellet aus dem Haltaus h. v.


Abschiedsbrief (W3) [Adelung]


Der Abschiedsbrief, des -es, plur. die -e, 1) Ein Brief, worin man von jemanden Abschied nimmt. 2) In den Rechten an einigen Orten ein Schreiben oder Bericht, welchen der Unterrichter nach geschehener Appellation an den Oberrichter ertheilet, Apostoli, Litterae dimissoriae. Ingleichen, ein schriftliches Zeugniß, welches man jemanden bey seinem Abschiede gibt.


Abschiefern (W3) [Adelung]


Abschiefern, verb. reg. act. nach Art des Schiefers, d. i. in dünnen Blättern, absondern. Sich abschiefern, sich auf solche Art ablösen. Die Wasserfarben schiefern sich durch vieles Reiben ab. Daher die Abschieferung.


Abschienen (W3) [Adelung]


Abschienen, verb. reg. act. 1) Mit den gehörigen Schienen versehen. 2) Die Schienen abnehmen. 3) In dem Bergbaue einiger Gegenden, eine Grube abziehen oder abmessen. Daher wird in den Ungarischen Bergwerken der Markscheider Abschiener genannt.


Abschießen (W3) [Adelung]


Abschießen, verb. irreg. S. Schießen, welches in gedoppelter Gattung üblich ist.1. Als ein Activum (a) Durch eine schnelle sausende Bewegung herab oder forttreiben. Einen Pfeil, einen Bolzen abschießen. Dann aber auch metonymisch, von allerley Schießgewehren. Einen Bogen, eine Armbrust, eine Flinte, eine Büchse, eine Kanone abschießen. (b) Vermittelst eines Schusses absondern. Einen Vogel abschießen, von der Stange. Einem eine Hand, den Fuß, den Arm u. s. f. abschießen. (c) Im Jagdwesen, alles eingestellte Wild niederschießen, und dadurch einer großen Jagd ein Ende machen; abschießen, ein Abschießen halten, welches auch abjagen, und ausschießen genannt wird. (d) Einen abschießen, näher am Ziele treffen als er, und ihn dadurch des Preises berauben.2. Als ein Neutrum. (a) Mit dem Hülfsworte seyn. (1) Mit einer schnellen schießenden Bewegung herab fallen, besonders von dem Wasser. Das Dach muß abhängig seyn, damit das Wasser abschießen könne. (2) Figürlich von den Farben, sein erstes Ansehen verlieren, an der Luft lichter werden, verschießen. Die Farbe ist sehr abgeschossen. Diese Farbe wird nicht so leicht abschießen. (b) Mit dem Hülfsworte haben, zum letzten Mahle schießen; bey den Schützen-Compagnien.Daher die Abschießung in den Bedeutungen des Activi.


Abschiffen (W3) [Adelung]


Abschiffen, verb. reg. 1. Activum, zu Schiffe fortbringen. Güter, Waaren abschiffen. Daher die Abschiffung. 2. Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, zu Schiffe von einem Orte wegfahren, absegeln. Vom Lande abschiffen. Sie waren schon aus dem Hafen abgeschiffet.


Abschildern (W3) [Adelung]


Abschildern, verb. reg. act. 1) Eigentlich, so viel als abmahlen. Eine Person, eine Blume abschildern. Noch mehr aber, 2) figür- lich, in der edlern und höhern Schreibart, sinnlich abbilden. Mit einem Gesichte, auf dem alle Furien abgeschildert sind. Diese Thräne, diese Seufzer, diese Sprache der Natur, wo sich die empfindlichste Seele mit so vieler Aufrichtigkeit abschildert, Weiße. Ingleichen lebhaft beschreiben. Ach laß mich die traurige Scene meines Jammers abschildern! Dusch. So auch die Abschilderung.


Abschinden (W3) [Adelung]


+ Abschinden, verb. irreg. act. S. Schinden, in gemeinen und niedrigen Ausdrücken, schneidend abziehen. Einem Stücke Vieh die Haut, das Fell abschinden. Dem Baume die Rinde abschinden. Und dann metonymisch, ein todtes Vieh, einen Baum abschinden.


[Adelung]

Abschlachten (W3) [Adelung]


Abschlachten, verb. reg. act. 1) Gehörig schlachten. Ein Schwein, ein Kalb, eine Kuh abschlachten. 2) Ohne Beysatz des Accusativs, das jährliche Schlachten des Mastviehes vollenden. Wir haben bereits abgeschlachtet. Daher die Abschlachtung.


Abschlag (W3) [Adelung]


Der Abschlag, des -es, plur. die -äge bedeutet:I. Nach Maßgebung der thätigen Bedeutung des Zeitwortes abschlagen. 1) Dasjenige, was abgeschlagen wird. So nennet man, (a) an einigen Orten den Tannenabschlag, Lichenabschlag u. s. f. dasjenige, was bey dem Fällen der Bäume und bey dem Schlagen des Klafterholzes an Ästen, Zweigen u. s. f. abgehet, und auch der Afterschlag, Schuppenschlag, der Abraum heißt. (b) Was durch Schlagen abgebildet worden; z. B. bey den Schriftgießern, die so genannte Matrize, welche entstehet, wenn der in Stahl geschnittene Stämpel in ein weicheres Metall geschlagen und dadurch abgebildet wird, daher eine solche Matrize auch der Abschlag heißt. 2) Die Handlung des Abschlagens, doch nur in einigen wenigen Fällen. Besonders die künstige Abrechnung, von dem veralteten abschlagen, abrechnen; doch nur mit der Präposition auf und einem Verbo. Einem etwas auf Abschlag geben oder bezahlen, einen Theil einer Summe bezahlen, der von derselben abgerechnet werden soll. Ich will es auf Abschlag nehmen. 3) Der Ort, wodurch das Wasser abgeschlagen, d. i. abgeleitet, wird. So werden in dem Teichwesen, diejenigen Abläufe, durch welche das überflüssige Wasser eines Teiches seitwärts abgeleitet wird, auch Abschläge genannt.II. Von dem Neutro des Zeitwortes, der Zustand, da etwas abschlägt, d. i. schnell vermindert wird. (a) Die schnelle Verminderung des Preises. Der Abschlag der Waare. In Abschlag kommen oder gerathen, wohlfeiler werden. (b) Wenn jemand von demjenigen, was er vorher behauptet oder gefordert hatte, bald darauf viel nachläßt, so pflegt man gleichfalls zu sagen: das ist ein großer Abschlag; wofür auch Abfall üblich ist. (c) Der Abschlag der Kälte, ihre plötzliche Abnahme.

Anm. Der Plural ist nur in den Bedeutungen des Activi üblich, wo es ein körperliches Individuum ausdrückt. Abschlag für eine abschlägige Antwort:- Bey mir findt ir kein Abschlag, Theuerd. Kap. 82.ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Abschlagen (W3) [Adelung]


Abschlagen, verb. irreg. S. Schlagen, welches in gedoppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Activum, da es denn so, wie das einfache schlagen verschiedene Bedeutungen hat. (a) Durch Schlagen absondern, und zwar so wohl eigentlich. Früchte, Nässe, Äpfel, Birnen abschlagen. Ein Stück von einem Steine abschlagen. Einem den Hut abschlagen. Einem Pferde ein Hufeisen abschlagen. Den Reif von einem Fasse abschlagen. Abschlagen bey den Jä-gern, wenn die Hirsche und Rehböcke die Haut von ihrem Gehörne an den Bäumen abstoßen und abreiben. Als auch in weitern Bedeutungen, für abhauen, abhacken, abbrechen, abziehen u. s. f. Einem den Kopf, die Hand abschlagen, abhauen. Ein Schloß abschlagen, abbrechen. Den Mist abschlagen, in der Landwirthschaft, ihn mit Misthaken von dem Wagen ziehen. Bey den Köhlern bedeutet abschlagen, an einem angezündeten Meiler die untern Plätze zumachen, und um und um eine Hand breit niederstechen. Bey den Kürschnern ist es so viel, als ein Stück von einem Pelze abschneiden. (b) Mit Hammerschlägen aus einander treiben, niederbrechen, im Gegensatze des Aufschlagens. Ein Bettgestell, eine Bude, eine Bühne abschlagen, ein Gezelt abschlagen. (c) Durch einen Schlag abwenden. Einen Streich, einen Stoß abschlagen, in der Fechtkunst, wofür man jetzt lieber pariren sagt. Noch mehr aber, (d) mit Schlägen in figürlicher Bedeutung abtreiben. Den Feind abschlagen. Den Sturm, d. i. den stürmenden Feind, abschlagen. (e) Vermittelst eines Schlages nachbilden oder abbilden. Einen Stämpel in Kupfer oder Messing abschlagen, bey den Schriftgießern und Stämpelschneidern. Eine Münze in Bley abschlagen, S. Abklatschen. In engerm Verstande sind abgeschlagene Münzen solche, wo das in die Platte geschlagene Gepräge sich auf der einen Seite rechts, und auf der andern links darstellet, nummi incusi. (f) Gehörig schlagen. Das Eyweiß mit einem Querl abschlagen. Ingleichen sehr schlagen. Einen wacker abschlagen. Er ist tüchtig abgeschlagen worden. (g) Ableiten, von flüssigen Dingen. Einen Fluß abschlagen, ihm einen andern Lauf geben. Einen Teich abschlagen, ablassen. An einigen Orten sagt man auch, das Bier abschlagen, für abziehen. So auch, sein Wasser abschlagen, seinen Urin fließen lassen. (h) Sich entfernen. Sich von dem Wege abschlagen. Sich von dem Wildpret, oder den wilden Sauen abschlagen, bey den Jägern, wenn ein Thier die übrigen seiner Art verläßt, und sich allein begibt. Im Wald mich von der Straß abschlug, Hans Sachs. (i) Durch Schlagen ein Zeichen zum Abzuge geben. So wird bey den Soldaten die Wache abgeschlagen, wenn der Tambour nach abgelöseter Wache einige Schläge auf der Trommel thut, worauf die Soldaten aus einander gehen, welches auch abtruppen genannt wird. (k) Vorsagen. Einem etwas abschlagen. Ich bath ihn zu mir, allein er schlug es ab. Er hat uns unsere Bitte rund abgeschlagen. Einen Besuch abschlagen. Diese Bedeutung stammet entweder durch eine Figur von der Bedeutung des Abtreibens her, oder auch von dem alten Gebrauche, da, wenn ein Betrag von einem Obern aufgehoben werden sollte, derselbe die Hände der Contrahenden aus einander schlug.II. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt. 1) Schnell vermindert werden, schnell abnehmen, besonders von dem Preise der Waaren, im Gegensatze des Aufschlegens. Das Getreide schlägt ab, wird wohlfeiler. Diese Waare ist gar sehr abgeschlagen. In dem barbarischen Latein sagte man in dieser Bedeutung ehedem auch abatere. Auf eine ähnliche Art sagt man auch, die Kälte, das Wetter schlägt ab, es wird gelinder; und in Westphalen schlägt die Kuh ab, wenn sich ihre Milch vermindert. 2) Von seiner Richtung schnell abweichen, nur in einigen Fällen. So sagt man, eine Kugel schlägt ab, wenn sie nicht gerade nach dem Ziele fliegt. Das Gewehr schlägt ab, wenn es die Kugel abschlagen macht. Die Niederdeutschen gebrauchen dieses Neutrum häufig mit dem Hülfsworte haben, das Korn, die Kälte hat abgeschlagen. Allein in der ersten Bedeutung wenigstens ist seyn analogischer und auch im Hochdeutschen üblicher. S. Schlagen. Anm. Das Hauptwort die Abschlagung, ist nur in den eigentlichen Bedeutungen des Activi üblich. Das Neutrum wird mit dem zweyten Hauptworte Abschlag ausgedruckt. Abschlagen, bedeutete ehedem auch abziehen, abkürzen; z. B. dez lones abslahen, im Schwadenspiegel. Mehrere Beyspiele haben Haltaus h. v. und das Bremisch-Niedersächsische Wörterbuch Th. 4. S. 807. Allein von dieser Bedeutung ist nur noch das Neutrum, vermindert werden, und das Hauptwort Abschlag, für Verminderung übrig; obgleich noch jetzt einige sagen, eine Münze abschlagen, abwürdigen; das Brot abschlagen, den Preis desselben herunter setzen.


Abschlägig (W3) [Adelung]


Abschlägig, adj. et. adv. von dem Hauptworte Abschlag, einen Abschlag, d. i. Verneinung, in sich fassend. Es ist größten Theils nur in der R. A. üblich, einem eine abschlägige Antwort geben, oder ertheilen. Eine abschlägige Antwort bekommen, erhalten, davon tragen. Man verwechselt dieses Beywort sehr oft, obgleich irrig, mit dem folgenden, und saget dafür eine abschlägliche Antwort.


Abschläglich (W3) [Adelung]


Abschläglich, adj. et. adv. von dem Zeitworte abschlagen, was abgeschlagen, d. i. abgerechnet, werden soll. Eine abschlägliche Bezahlung, die auf Abschlag geschieht. Einen abschläglich bezahlen.


Abschlämmen (W3) [Adelung]


Abschlämmen, verb. reg. act. 1) Vom Schlamme reinigen. Einen Teich, einen Graben abschlämmen. 2) Durch zugegossenes und wieder abgegossenes Wasser von Unreinigkeiten gehörig reinigen. So auch die Abschlämmung. Die breitere Oberdeutsche Mundart behält auch in diesem Zeitworte das a, abschlammen.


Abschläudern (W3) [Adelung]


Abschläudern, verb. reg. 1. Activum, mit der Schläuder forttreiben. Einen Stein abschläudern. Daher die Abschläuderung. 2. Neutrum, mit seyn, schläudernd abfahren. So schläudern, bey den Zeugwirkern die Spulen ab, wenn sie unter dem Spulen ab- und ausspringen.


Abschleichen (W3) [Adelung]


+ Abschleichen, verb. irreg. recipr. S. Schleichen. Sich abschleichen, sich wegschleichen, heimlich fortgehen. Sie haben sich von der Gesellschaft abgeschlichen, Cron.


Abschleifen (W3) [Adelung]


1. Abschleifen, verb. irreg. act. S. Schleifen, polire. 1) Durch Schleifen wegbringen. Eine Spitze von dem Messer abschleifen. Den Rost abschleifen. Eine Kupferplatte abschleifen, die darauf gestochenen Figuren abschleifen. 2) Zur Genüge schleifen, einem Körper durch Schleifen seine gehörige Gestalt geben. Eine marmorne Tafel abschleifen. Eine Klinge abschleifen. In den Spiegel-Fabriken ist der Abschleifer derjenige, der die Glastafeln glatt schleift. Daher die Abschleifung.


Abschleifen (W3) [Adelung]


2. Abschleifen, verb. reg. act. von schleifen, schleppen. 1) Durch vieles Schleifen, oder Schleppen abnutzen. Die Schuhe abschleifen. 2) Auf der Schleife abführen. Güter, Waaren abschleifen. Das Faß ist schon abgeschleifet worden. So auch die Abschleifung.


Abschleiffel (W3) [Adelung]


+ Das Abschleiffel, des -s, plur. inusit. was im Schleifen oder Poliren von einem Körper abgeht, und auch der Schliff genannt wird, Schleifspäne.


Abschleimen (W3) [Adelung]


Abschleimen, verb. reg. act. des Schleimes berauben. Zucker abschleimen. Teichfische in fließendem Wasser abschleimen. Daher die Abschleimung.


Abschleißen (W3) [Adelung]


Abschleißen, verb. irreg. S. Schleißen. Es ist vornehmlich im Oberdeutschen üblich; und zwar:I. Als ein Activum, und da bedeutet es, (a) durch den Gebrauch abnützen, von Kleidungsstücken. Die Kleider, die Schuhe abschleißen. Ein abgeschlissenes, abgetragenes, Tuch. (b) Abreißen, schleifen. Das Thürmlein auf dem Kloster war abgeschlissen, Bluntschli. Daher die Abschleißung. (c) Abspalten.II. Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, abgenützet werden. Die Schuhe schleißen ab. Die Kleider sind abgeschlissen.


Abschlendern (W3) [Adelung]


Abschlendern, verb. reg. neutr. mit seyn, mit langsamen, trägen Schritten abgehen. Er ist eben abgeschlendert. S. Schlendern.


Abschlenkern (W3) [Adelung]


Abschlenkern, verb. reg. act. schlenkernd fortschaffen, abschläudern. Den Koth von der Hand abschlenkern. S. Schlenkern.


Abschleppen (W3) [Adelung]


+ Abschleppen, verb. reg. act. 1) Heimlich entwenden und forttragen, im verächtlichen Verstande. Die Köchinnen haben Abschlepper, welche das Essen abschleppen. 2) Figürlich, durch Schleppen, d. i. vieles Tragen, abnützen. Die Kleider, die Schuhe abschleppen.


Abschlichten (W3) [Adelung]


Abschlichten, verb. reg. act. völlig glatt machen, in verschiedenen Fällen des gemeinen Lebens. Bey den Weißgärbern, die Felle abschlichten, sie mit dem Schlichtmonden reinigen. Ein Bret abschlichten, bey den Tischlern, es mit dem Schlichthobel glatt hobeln. Getriebene Arbeit abschlichten, bey den Klempenern, sie mit dem Abschlichthammer glätten. Die Kernstange abschlichten, bey den Stückgießern, den auf dieselbe getragenen Kernlehm mit Schlichte überziehen.


Abschließen (W3) [Adelung]


Abschließen, verb. irreg. act. S. Schließen. 1) Eigentlich. (a) Was angeschlossen war, los schließen. Einen Übelthäter abschließen. (b) Die Feder eines Schlosses ablassen. Ein Schloß abschließen. Ingleichen, die Thür, das Zimmer, das Haus abschließen. 2) Figürlich, den Schluß einer Sache machen, sie völlig zu Ende bringen, besonders von Rechnungen und Verträgen. Eine Rechnung abschließen. Die Handelsbücher abschließen, die Hauptsumme von der Einnahme und Ausgabe ziehen. Wir haben mit einander abgeschlossen, völlig abgerechnet. Einen Vertrag abschließen. Ein abgeschlossener, völlig zu Stande gebrachter, Handel. So auch die Abschließung, in allen obigen Bedeutungen.


Abschlüpfen (W3) [Adelung]


Abschlüpfen, verb. reg. neutr. mit seyn, von etwas hinweg schlüpfen, unvermerkt abgleiten. Damit das Band nicht abschlüpfe.


Abschlürfen (W3) [Adelung]


Abschlürfen, verb. reg. act. schlürfend abtrinken. Die Sahne von der Milch, das Fett von der Brühe abschlürfen.


Abschluß (W3) [Adelung]


Der Abschluß, des -sses, plur. doch seltener, die -schlüsse, von der figürlichen Bedeutung des Verbi abschließen, die Endigung, Berichtigung, der Schluß einer Sache, besonders einer Rechnung, oder eines Vertrages. Der Abschluß einer Rechnung, eines Handelsbuches, eines Geschäftes, eines Vertrages. Damit wir zum Abschlusse kommen.


Abschmack (W3) [Adelung]


* Der Abschmack, des -es, plur. car. ein verdorbener Geschmack; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort. S. Abschmecken.


Abschmausen (W3) [Adelung]


Abschmausen, verb. reg. act. durch Schmausen berauben. Einem sein Vermögen abschmausen.


Abschmecken (W3) [Adelung]


* Abschmecken, verb. reg. neutr. mit haben, welches im Hochdeutschen nur selten gehöret wird, einen verdorbenen Geschmack haben. Wenn eine Speise lange stehet, so wird sie abschmeckend. Üblicher sind Abgeschmackt und Abgeschmacktheit, welche S.


Abschmeicheln (W3) [Adelung]


Abschmeicheln, verb. reg. act. durch Schmeicheln von jemanden erhalten. Einem etwas abschmeicheln. Und mein Kind selbst hat er mir abgeschmeichelt, Weiße. Daher die Abschmeichelung.


Abschmeißen (W3) [Adelung]


+ Abschmeißen, verb. irreg. act. S. Schmeißen, schmeißend, durch Werfen, absondern. Die Äpfel von den Bäumen abschmeißen. Ingleichen herunter schmeißen. Das Pferd hat seinen Reiter abgeschmissen. Einem den Kopf abschmeißen, abschlagen. Die Hände sind entzwey, der Kopf ist abgeschmissen, Gryph. Anm. Abschmeißen für abwerfen ist mit dem einfachen schmeißen und allen dessen Zusammensetzungen nur noch in den niedrigen Sprecharten üblich.


Abschmelzen (W3) [Adelung]


Abschmelzen, verb. irreg. S. Schmelzen.I. Als ein Activum, wo es zuweilen regulär conjugiret wird. Imperf. ich schmelzte ab, Partic. abgeschmelzt. (a) Durch Schmelzen absondern, abschmelzen lassen. Er hat den Knopf von dem Becher, den Deckel von der Kanne abgeschmelzt. Das Bley von dem Silber abschmelzen, wofür man in den Hüttenwerken kunstmäßiger abtreiben sagt. Etwas von einem Dinge abschmelzen, es kleiner zu machen. (b) Zur Genüge schmelzen, durch Schmelzen reinigen. Butter abschmelzen. Abgeschmelzte Butter, Schmelzbutter.II. Als ein Neutrum. 1) Mit dem Hülfsworte seyn, abgeschmelzet werden, schmelzen und abfallen. Der Fuß von dem Leuchter ist abgeschmolzen. 2) Mit haben, das Schmelzen beschließen; wofür im Hüttenbaue Schicht machen üblicher ist.


Abschmieren (W3) [Adelung]


Abschmieren, verb. reg. Es ist, 1. Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, das Schmer oder Fett fahren lassen. Das Leder schmiert ab. 2. Ein Activum. (a) Geschwinde und nachlässig abschreiben, im verächtlichen Sinne. Etwas abschmieren. (b) + Derb abprügeln, in niedrigen Ausdrücken. Einen wacker abschmieren.


Abschmutzen (W3) [Adelung]


Abschmutzen, verb. reg. 1. Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, den Schmutz fahren lassen. Die Stiefeln schmutzen ab, die Wand schmutzet ab. 2. Activum, schmutzig machen, am häufigsten im Oberdeutschen. Viele Wäsche abschmutzen. Die Hochdeutschen sagen dafür lieber einschmutzen.


Abschnallen (W3) [Adelung]


Abschnallen, verb. reg. act. mit Öffnung der Schnalle abnehmen. Den Mantelsack abschnallen. Sich das Degengehenk abschnallen. Er schnallt den Harnisch ab, legt Helm und Lanze nieder, Wiel.


Abschnappen (W3) [Adelung]


Abschnappen, verb. regul. welches in gedoppelter Gattung gebraucht wird.I. Als ein Neutrum. (a) Mit dem Hülfsworte seyn, mit einem schnappenden Schalle schnell abfahren, von Schlössern und ähnlichen Dingen. Der Hahn am Schlosse, das Schloß ist abgeschnappt. Die Thür schnappte ab. + Figürlich, doch nur in den niedrigen Sprecharten, sterben. Er ist abgeschnappt. (b) + Mit dem Hülfsworte haben, im Reden oder Schreiben plötzlich abbrechen. Wir glaubten noch mehr zu hören, aber er schnappte plötzlich ab, brach ab. In weiterer Bedeutung, plötzlich aufhören überhaupt. Die Tändelwoche schnappt kurz ab, wie der neumodische Styl.II. Als ein Activum, abschnappen machen, in der ersten Bedeutung. Das Schloß, die Thür abschnappen. Schnappe die Thür ab, daß uns niemand störe.


Abschnellen (W3) [Adelung]


Abschnellen, verb. regul. 1. Activum, mit einer Schnellkraft abfahren machen. In Obersachsen im gemeinen Leben auch abschnicken. 2. Neutrum mit seyn, mit einer Schnellkraft abfahren.


Abschnippen (W3) [Adelung]


+ Abschnippen, verb. reg. act. die Spitze eines Dinges abschneiden. Die Haare, die Wolle abschnippen, bey den Tuchmachern. Daher die Abschnipperlinge, singul. inusit. bey den Tuchmachern, die Abgänge der Wolle damit zu bezeichnen, vom Nieders. snippern, snippeln, in kleine Stücke zerschneiden. S. auch Beschnippen.


Abschnittlein (W3) [Adelung]


+ Das Abschnittlein, des -s, plur. ut nom. sing. das Verkleinerungswort des vorigen, ein kleiner abgeschnittener Theil; besonders was bey der Bearbeitung als unnütz abgeschnitten wird. So heißen in den Blech-Fabriken und bey den Klempenern die Abgänge von dem Bleche Abschnittlein. Andere Handwerker nennen solche kleine Abgänge, welche im Schneiden von dem Leder, Pergamente, Tuche u. s. f. abgehen, Abschnitzlein, und Abschnitsel.


Abschnittswinkel (W3) [Adelung]


Der Abschnittswinkel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Geometrie, derjenige Winkel, welchen eine Linie, die den Zirkel berühret, daselbst mit dessen Sehne machet, Angulus Segmenti.


Abschnitzen (W3) [Adelung]


Abschnitzen, verb. reg. act. welches das Iterativum von abschneiden ist. 1) Mit mehrern behutsamen und kleinen Schnitten absondern. 2) Durch kleine behutsame Schnitte nachahmen. Eine Figur, eine Gestalt abschnitzen. Im gemeinen Leben macht man von diesem Verbo ein Diminutivum abschnitzeln.


Abschnüren (W3) [Adelung]


Abschnüren, verb. reg. act. 1) Nach aufgelöseter Schnur abnehmen. 2) Mit einer Schnur abmessen, bey den Zimmerleuten, Markscheidern, Gärtnern u. s. f. Ein Beet im Garten, einen Gang abschnüren, dessen Gestalt mit der Meßschnur bestimmen. 3) Mit einer Schnur absondern. Eine Warze abschnüren, abbinden. Wenn der Henker dem Diebe die Gurgeladern abschnüret.


Abschöpfen (W3) [Adelung]


Abschöpfen, verb. reg. act. 1) Durch Schöpfen oben abnehmen. Das Fett von der Brühe, den Schaum von dem Zucker, den Rahm von der Milch abschöpfen. 2) Auf solche Art einer andern Sache berauben. Die Milch abschöpfen, die Sahne von derselben abnehmen. Wie auch, durch Abschöpfen von einer Unreinigkeit reinigen. Den Zucker, das Wachs, den Honig abschöpfen, wofür man doch lieber und besser abschäumen sagt. So auch die Abschöpfung.


Abschoß (W3) [Adelung]


Der Abschoß, des -sses, plur. doch nur von mehrern Arten, die -sse, in den Rechten, so wohl dasjenige Geld, welches Personen, wenn sie aus einem Lande, oder aus einem Gerichte in das andere ziehen, von ihrem Vermögen der Landes- oder Gerichtsobrigkeit bezahlen müssen, und welches auch das Abfahrtsgeld, die Nachsteuer u. s. f. genannt wird; als auch, was von Erbschaften und andern ähnlichen Geldern in solchen Fällen gegeben wird, das Abzugsgeld, der Abzug. In Sachsen ist es nur in der ersten Bedeutung üblich.


Abschräpfen (W3) [Adelung]


Abschräpfen, S. Abschröpfen.


Abschrauben (W3) [Adelung]


Abschrauben, verb. reg. act. los schrauben und abnehmen. Ein Schloß, den Hahn von der Flinte abschrauben. Daher das Abschrauben.


Abschrecken (W3) [Adelung]


Abschrecken, verb. reg. act. 1) Durch Schrecken von etwas entfernen, abhalten. Das Wild abschrecken, es des Nachts erschrecken, und dadurch von dem Felde in das Gehölz jagen. Jemanden von seinem Vorhaben abschrecken. Er läßt sich durch nichts abschrecken. Ihre Geschichte ist so abschreckend (von dem Laster,) daß ich nichts gelesen habe, das so warnend wäre. 2) In verschiedenen Fällen, einen erhitzten Körper mäßig mitWasser besprengen. Einen Fisch mit Essig abschrecken, damit er blau anlaufe, in den Küchen. 3) * Einem etwas abschrecken, durch Schrecken von ihm erzwingen, ist im Oberdeutschen üblicher als im Hochdeutschen. Ir etwan groß geld abschrecken, H. Sachs. So auch die Abschreckung.


Abschreiben (W3) [Adelung]


Abschreiben, verb. irreg. act. S. Schreiben. 1) Durch vieles Schreiben abnützen. Eine Feder abschreiben. Ich habe mir bald die Finger abgeschrieben. 2) Eine Schrift durch Schreiben auf etwas anders übertragen, copiren. Ein Buch, ein Stück aus einem Buche, ein Gedicht, abschreiben. 3) Durch Schreiben wegnehmen, besonders in Rechnungssachen, im Gegensatze des An- und Zuschreibens. Eine Summe in einer Rechnung, in Banco abschreiben. Einem eine Summe, oder etwas abschreiben, es auf seiner Rechnung auslöschen. Einem ein Bergtheil, ein Haus, ein Stück Acker abschreiben, es unter seinem Nahmen auslöschen. 4) Schriftlich absagen. Einem etwas abschreiben. Einen Besuch, eine bestellte Arbeit, einen bestimmten Tag abschreiben. 5) Durch Schreiben bezahlen. Eine Schuld bey jemanden abschreiben. Daher das Abschreiben, und in einigen Fällen die Abschreibung. S. auch Abschrift.


Abschreiber (W3) [Adelung]


Der Abschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämininum die -inn, von Abschreiben, eine Person, welche etwas abschreibt, ein Copist.


Abschreiten (W3) [Adelung]


Abschreiten, verb. irreg. S. Schreiten. Es ist:I. Ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, aber nur in der figürlichen Bedeutung des Entfernens üblich ist. Von seinem Vorhaben abschreiten. Er ist von dem Wege der Tugend abgeschritten.II. Ein Activum, mit Schritten abmessen. Einen Garten, ein Feld, einen Platz zu einem Gebäude abschreiten. Daher die Abschreitung in dieser thätigen Bedeutung.


Abschreyen (W3) [Adelung]


Abschreyen, verb. irreg. act. S. Schreyen. 1) Mit einem Geschreye verkündigen. Etwas abschreyen. Der Wächter schreyet ab, rufet ab. 2) Mit einem Geschreye absprechen. - Viel stolze Kluge schreyen Dem armen Sterblichen des Willens Freyheit ab, Haged. 3) + Sich abschreyen, sich durch vieles Schreyen abmatten.


Abschrift (W3) [Adelung]


Die Abschrift, plur. die -en, eine abgeschriebene Schrift, eine Copie, im Gegensatze des Originals, oder der Urschrift. Eine Abschrift von etwas nehmen, oder verfertigen. Einem eine Abschrift von etwas geben.


Abschriftlich (W3) [Adelung]


Abschriftlich, adj. et adv. in Gestalt einer Abschrift. Ein abschriftlicher Beyschluß. Die verlangte Urkunde folget abschriftlich hierbey.


Abschröpfen (W3) [Adelung]


Abschröpfen, nicht so richtig abschräpfen, ( S. Schröpfen,) verb. reg. act. in der Landwirthschaft, der Spitzen mit der Sichel berauben. Den Weitzen, das Korn abschröpfen, auch nur schröpfen schlechthin. Daher die Abschröpfung.


Abschrote (W3) [Adelung]


Die Abschrote, plur. die -n, bey den Schlössern, ein kleiner Meißel in dem Amboße, kleine Stücken Eisen darauf abzuschroten. Der Schrotmeißel, Blockmeißel.


Abschroten (W3) [Adelung]


Abschroten, verb. reg. act. außer daß es im Partic. Pass. abgeschroten hat. Es ist nur noch in einigen seiner ehemahligen vielfachen Bedeutungen, besonders im gemeinen Leben üblich. 1) Von schroten, wälzen, hinab wälzen. Ein Faß Bier, ein Faß Wein abschroten, es von dem Wagen wälzen. 2) Von schroten, in die Quere theilen, es mag nun durch Schneiden, Sägen oder Hauen geschehen, bey verschiedenen Handwerkern. Ein Stück von einem Klotze abschroten, mit der Schrotsäge absägen. Den Draht abschroten, bey den Nadlern, ihn mit der Schrotschere abschneiden. Ein Stück Eisen abschroten, bey den Schmieden und Schlössern, es mit dem Schrotmeißel abhauen. 3) Das Getreide abschroten, bey den Müllern, es gehörig schroten, d. i. grob mahlen. 4) Einen Graben abschroten, ihm die gehörige Abdachung geben. 5) Eine Quelle abschroten, sie versetzen, ihren Lauf unterbrechen. Die Quelle ist abgeschroten.

Anm. Dieses alte Zeitwort wird, so wie das einfache schroten, größten Theils nur noch von einigen Handwerkern und Lebensarten aufbehalten. Ehedem war es gebräuchlicher. Min lib ist aba gescroten, mein Leben ist abgeschnitten, heißt es bey dem Notker. Das Niedersächsische afschraden bedeutet schräge abschneiden, einen schmalen Streif nach der Länge abschneiden, welches dem ersten Begriffe des einfachen Zeitwortes am nächsten kommt. S. Schroten.


Abschultern (W3) [Adelung]


Abschultern, verb. reg. act. von der Schulter nehmen oder legen. Besonders bey den Soldaten, das Gewehr von der Schulter in die rechte Hand nehmen.


Abschuppen (W3) [Adelung]


Abschuppen, verb. reg. act. der Schuppen berauben. Einen Fisch abschuppen.


Abschuß (W3) [Adelung]


Der Abschuß, des -sses, plur. die -schüsse, von dem Neutro abschießen. 1) Das Herabschießen des Wassers, dessen schneller Abfluß von einem abhängigen Orte; ohne Plural. Der Abschuß des Wassers, des Stromes. 2) Der Ort, wo das Wasser schnell abfließen kann, der Abfluß; im Hochdeutschen selten. Man muß dem Strome mehr Abschüsse verschaffen. 3) Eine jede stark abhängige Fläche. Der Abschuß des Daches, des Hügels, des Berges, des Ufers.


Abschüssig (W3) [Adelung]


Abschüssig, -er, -ste, adj. et adv. einen Abschuß habend, stark abhängig. Ein abschüssiges Ufer. Die abschüssige Seite eines Berges. Der Berg ist hoch und abschüssig. In dem Forstwesen nennt man einen Baum abschüssig, wenn er über dem Stammende zu schnell an Dicke abnimmt und spitzig wird, welches auch abholzig heißt.


Abschüssigkeit (W3) [Adelung]


Die Abschüssigkeit, plur. inusit. der Zustand, da eine Fläche abschüssig ist.


Abschütteln (W3) [Adelung]


Abschütteln, verb. reg. act. welches das Iterativum des folgenden ist. 1) Durch Schütteln herab bringen. Den Staub abschütteln. Früchte von einem Baume abschütteln. Bald wird der kalte Nordwind den Schmuck der Bäume abschütteln. + Er schüttelt alles wieder ab, Ermahnungen, Verweise, Strafen, machen bey ihm keinen Eindruck, werden sogleich wieder vergessen. Ingleichen auch wohl, einen Baum abschütteln, durch Schütteln seiner Früchte berauben. Das Joch abschütteln, figürlich, sich von einer Sclaverey, einer Unterdrückung befreyen. 2) Heftig schütteln. Das Fieber hat mich wacker abgeschüttelt.


Abschütten (W3) [Adelung]


Abschütten, verb. reg. act. durch Schütten von einem Körper oben wegnehmen. Das Gefäß ist zu voll, schütte etwas ab; besser abgießen. Es ist zu viel Mehl in dem Gefäße, schütte etwas ab. In Oberdeutschland sagt man auch, das Joch abschütten, wofür im Hochdeutschen abschütteln häufiger ist. Daher die Abschüttung.


Abschützen (W3) [Adelung]


Abschützen, verb. reg. act. 1) Den Lauf des Wassers vermittelst des Schutzbretes hemmen. Einen Bach, einen Teich abschützen. Dann auch figürlich im Berg- und Hüttenbaue, die Bälge, das Kunstgezeug abschützen, ihre Bewegung durch Hemmung des Wassers aufhalten, sie abhängen. 2) Durch Aufziehung des Schutzbretes ablassen. So sagt man auch, einen Teich, einen Fluß abschützen. Daher die Abschützung.


Abschwämmen (W3) [Adelung]


Abschwämmen, S. Abschwemmen.


Abschwären (W3) [Adelung]


Abschwären, verb. irreg. neutr. ( S. Schwären,) mit dem Hülfsworte seyn, durch ein Geschwür abgesondert werden. Der Nagel ist ihm abgeschworen.


Abschwärmen (W3) [Adelung]


Abschwärmen, verb. reg. neutr. mit haben, von den Bienen, das Schwärmen vollenden. Der Stock hat bereits abgeschwärmt.


Abschwarten (W3) [Adelung]


+ Abschwarten, verb. reg. act. bey den Fleischern, die Schwarte oder Haut abziehen. Einen Kalbskopf abschwarten. Auf den Bretmühlen schwartet man einen Bretblock ab, wenn man die so genannten Schwarten, oder die äußersten Breter absäget.


Abschwärzen (W3) [Adelung]


Abschwärzen, verb. reg. Ist 1. ein Activum, völlig schwarz machen, welche Bedeutung aber nur selten vorkommt. Denn abschwärzen, für einschwärzen, in der R. A. viele Wäsche abschwärzen, und für anschwärzen in dem Ausdrucke, einen abschwärzen, sind Oberdeutsch. 2. Ein Neutrum, mit haben, die Schwärze fahren lassen. Der Hut schwärzet ab, die Stiefeln schwärzen ab.


Abschwatzen (W3) [Adelung]


Abschwatzen, verb. reg. act. 1) Durch Schwatzen, d. i. gute oder listige Worte, von einem erhalten. Einem Geld, seine Einwilligung u. s. f. abschwatzen. 2) Durch leeres Geschwätz absprechen. Der Offenbarung Würde und Faßlichkeit abschwatzen, Herd.


Abschwefeln (W3) [Adelung]


Abschwefeln, verb. reg. act. von dem beygemischten Schwefel befreyen. Den Rieß, die Steinkohlen abschwefeln. Daher die Abschwefelung.


Abschweifen (W3) [Adelung]


Abschweifen, verb. reg. Es ist:I. Ein Activum. 1) Im Wasser abspülen. Fische, Garn, Wäsche abschweifen. Bey der Zubereitung der rohen Seide heißt abschweifen oder absieden auch, die rohen Seidenhäuschen in warmes Wasser einweichen. - So soll der Thränensee Auch schweifen von mir ab die Flecken meiner Sünden, Opitz. 2) Bey den Tischlern, mit der Schweifsäge krumm ausschneiden, ausschweifen.II. Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, sich weit von einem Gute entfernen; nur selten. Von dem Wege der Tugend, von der Wahrheit abschweifen. Im Oberdeutschen bedeutet es auch, sich in einem Vortrage von seinem Gegenstande entfernen, ausschweifen, eine Digression machen; in welchem Verstande es aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. So auch die Abschweifung in beyden Bedeutungen.

Anm. Aus dem Haltaus erhellet, daß Abschweif und das Beywort abschweifig ehedem auch in der Bedeutung der Abweichung von der schuldigen Treue gebraucht worden.


Abschwelgen (W3) [Adelung]


Abschwelgen, verb. reg. recipr. Sich abschwelgen, sich durch Schwelgerey entkräften, bis zur Entkräftung schwelgen.


Abschwemmen (W3) [Adelung]


Abschwemmen, verb. reg. welches das Activum von abschwimmen ist, abschwimmen machen, wegschwemmen. 1) Holz abschwemmen, wofür man doch lieber abflößen sagt. 2) Vermittelst vielen Wassers wegschaffen. Den Koth von etwas abschwemmen. Ingleichen auf solche Art reinigen. Die Pferde abschwemmen, oder nur schwemmen. 3) Der Platzregen hat die Felder abgeschwemmet, die obere Erde weggespület. Der Fluß schwemmet das Ufer ab, spület Erde davon ab. So auch die Abschwemmung.


Abschwenden (W3) [Adelung]


* Abschwenden, verb. reg. welches das Activum von abschwinden ist, verschwinden machen, und dadurch veröden oder verwüsten. Dieses Zeitwort wird nur noch in einigen, besonders nördlichen Gegenden von dem Abbrennen der Wälder gebraucht: einen Wald abschwenden, welches man in Liefland röden, und in Preußen pösern nennet. Einen Acker abschwenden, bedeutet auch in ei- nigen Gegenden, z. B. in Pommern, das alte Gras auf demselben abbrennen. S. Schwenden. Daher die Abschwendung.


Abschwimmen (W3) [Adelung]


Abschwimmen, verb. irreg. neutr. ( S. Schwimmen,) mit dem Hülfsworte seyn, von etwas wegschwimmen. Von dem Ufer abschwimmen. Er ist von dem Lande abgeschwommen.


Abschwinden (W3) [Adelung]


* Abschwinden, verb. irreg. neutr. ( S. Schwinden,) mit dem Hülfsworte seyn, abnehmen, abzehren; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Zeitwort. Von der Pein die ich empfunden,Ist mein Antlitz abgeschwunden, Opitz.


Abschwingen (W3) [Adelung]


Abschwingen, verb. irreg. act. S. Schwingen. 1) Durch Schwingen absondern. Den Staub von einem Tuche abschwingen. 2) Durch Schwingen reinigen, zur Genüge schwingen. Ein Tuch abschwingen. Den Flachs abschwingen, in der Landwirthschaft, wo es auch die gehörige Bearbeitung durch Schwingen, ingleichen die Vollendung des Schwingens andeuten kann. 3) Sich abschwingen, sich mit einer schnellen schwingenden Bewegung herablassen. Sich von dem Pferde abschwingen. Daher die Abschwingung in den beyden ersten Bedeutungen.


Abschwitzen (W3) [Adelung]


Abschwitzen, verb. reg. act. 1) Durch Schwitzen wegschaffen, und metonymisch durch Schwitzen reinigen. So nennen die Gärber, die Felle abschwitzen, wenn sie die Haare von denselben mit Salz wegbeißen, weil das Salz in denselben gleichsam ein Schwitzen hervor bringt. Abgeschwitztes Leder, welches auf solche Art zubereitet worden. 2) Durch Schwitzen büßen. Seine Sünden im Fegefeuer abschwitzen, im Scherze. 3) + Sich abschwitzen, durch vieles Schwitzen entkräften. Daher die Abschwitzung, besonders in der ersten Bedeutung.


Abschwören (W3) [Adelung]


Abschwören, verb. irreg. act. S. Schwören. 1) Einen Eid abschwören, ihn ablegen, die Eides-Formel feyerlich nachsprechen. 2) Sich eidlich von etwas los sagen, es verschwören. Seine Religion, eines Dienste, einen Irrthum abschwören. 3) Eine Sache eidlich, mit einem feyerlichen Schwure läugnen. Einen Diebstahl, ein empfangenes Darlehn, einen Wechsel, eine Schuld, seine Hand, seine Unterschrift u. s. f. abschwören. Hierher gehöret wohl auch die niedrige R. A. da man von einem in Ansehung der Eide leichtsinnigen Menschen sagt: er sollte dem Teufel wohl ein Bein abschwören. Daher die Abschwörung in allen obigen Bedeutungen.


Absegeln (W3) [Adelung]


Absegeln, verb. reg. Es ist,1. Ein Neutrum, welches mit dem Hülfsworte seyn verbunden wird, von einem Orte wegsegeln. Das Schiff ist bereits abgesegelt. Der Schiffer wird bald absegeln.2. Ein Activum, die Segel einziehen, in welcher Bedeutung es doch nur bey den Holländischen Windmühlen in Deutschland üblich ist, wo man die Ruthen absegelt, wenn man die Segel an denselben zusammen wickelt.


Absehen (W3) [Adelung]


Absehen, verb. irreg. act. S. Sehen. 1) Von etwas hinweg sehen, das Gesicht davon abwenden, und zwar so wohl in eigentlicher als figürlicher Bedeutung. Lasset uns von diesem Gegenstande absehen. Wenn ich auch davon absehe, es nicht in Betrachtung ziehe, davon abstrahire.2) Zu Ende sehen, das Ende einer Sache mit dem Gesichte erreichen. (a) In eigentlicher Bedeutung. Ich kann diese Fläche nicht absehen. Ein Garten, dessen Länge nicht abzusehen ist, unabsehbar ist. (b) Figürlich, den Endzweck, die Folgen einer Sache mit den Augen des Verstandes erreichen. Ich kann nicht absehen, wozu dieses dienen soll. Ich kann das Ende davon nicht absehen. Ich sehe nicht ab, was dir dieses nutzen soll. Es ist schwerlich abzusehen, warum er das nicht thun wollte. Less.3) Abwarten und sich zu Nutze machen. Seinen Vortheil absehen, ersehen. Er sahe die Gelegenheit ab. Der ober paur nam eben war Und sahs zuvor mit Fleys ab gar, Das er die stein mit maß abließ, Theuerd. Kap. 69. 4) Nach etwas zielen; etwas absehen, noch mehr aber, auf etwas absehen. Den Bogen spannen und sein Ziel So absehen, als der schießen will, Opitz. Besonders in der figürlichen Bedeutung, zur Absicht, zum Endzwecke haben, in welcher Bedeutung der Ausdruck abgesehen seyn, sehr häufig ist. Ich weiß nicht, worauf es damit abgesehen seyn muß, was die Absicht dabey seyn muß. Es muß doch auf etwas abgesehen seyn. Es war damit auf dein Bestes, auf unsern Untergang, auf euern Vortheil abgesehen.5) Durch Zusehen erlernen. Einem einen Handgriff absehen. Er hat es mir abgesehen. Ingleichen durch Aufmerksamkeit aus jemandes Mienen erkennen. Ich that alles, was ich ihm nur an den Augen absehen konnte.


Absehen (W3) [Adelung]


Das Absehen, des -s, plur. ut nom. sing. der Infinitiv des vorigen Zeitwortes, substantive gebraucht. Es bedeutet:1) Die Handlung des Absehens in allen Bedeutungen des Verbi, besonders in dessen vierten, die Bemühung nach einem gewissen Endzwecke; ohne Plural. Ich habe es in dem Absehen gethan daß u. s. f. Sein Absehen gehet dahin, oder ist darauf gerichtet. Ihr Absehn geht allein auf eine holde Dame, Zach. Ein Absehen auf etwas haben, dessen Besitz zu erlangen suchen. Es ist mir lieb, daß sie ein ehrliches Absehen auf meine Tochter haben, Gell. Absehen druckt als der Infinitiv mehr die Bemühung nach einem gewissen Endzwecke, Absicht aber mehr den Endzweck selbst aus, obgleich beyde häufig verwechselt werden.2) Dasjenige, wovon man auf etwas absiehet, oder zielet. So heißt an einigen Schießgewehren, besonders an den Kugelbüchsen, das Stückchen Metall auf deselben, wodurch man zielet, das Absehen, ingleichen die Absicht, oder das Gesicht, das Vister. Auf geometrischen und astronomischen Meß-Instrumenten ist das Absehen, oder die Diopter, ein senkrecht stehendes Blech oder Bretchen, mit einer Öffnung, wodurch man nach den verlangten Puncten siehet. In dieser Bedeutung allein ist der Plural gebräuchlich.


Abseide (W3) [Adelung]


Die Abseide, plur. inusit. im Seidenbauk, eigentlich diejenige Seide, die der Haspeler mit der Ruthe von den Seidenbälglein abziehet, wenn er den reinen Faden sucht, und dann auch alle Arten der Floret-Seide.


Abseifen (W3) [Adelung]


Abseifen, verb. reg. act. der Seife berauben, besonders bey den Seidenbereitern, die Seife, mit welcher die rohe Seide abgekocht worden, abspülen. Daher die Abseifung.


Abseigen (W3) [Adelung]


Abseigen, S. Abseihen.


Abseigern (W3) [Adelung]


Abseigern, verb. reg. act. 1) In den Bergwerken, die Tiefe eines Schachtes mit einer Schnur, oder einem Senibleye abmessen; von seiger, welches in den Bergwerken so viel als senkrecht bedeutet. 2) In den Hüttenwerken, das Seigern, d. i. das Scheiden des Silbers von dem Kupfer vollenden, zu Ende bringen. In dieser Bedeutung kommt es von seigern her, welches das Frequentativum von seihen ist. So auch die Abseigerung in beyden Bedeutungen.


Abseihen (W3) [Adelung]


Abseihen, verb. reg. act. 1) Durch Seihen absondern, wegschaffen. Das Wasser von den Erbsen, von der Grütze abseihen. 2) Metonymisch, durchseihen und dadurch reinigen. Die Milch abseihen. Wasser, Wein abseihen. Daher die Abseihung.


Abseite (W3) [Adelung]


Die Abseite, plur. die -n, in der Baukunst, alles dasjenige, was sich als Nebengebäude zur Seite eines Hauptgebäudes befindet. Besonders die gewölbten Gänge zur Seite des Schiffes einer Kirche. Auch wohl, obgleich seltener, die Flügel, oder Nebengebäude an weltlichen Gebäuden. In Meißen, selbst auf dem Lande, bedeutet es alles, was hinter einem Wohnhause angebauet ist.

Anm. Dieses Wort bedeutet im Oberdeutschen auch die abhängige Seite eines Berges, Daches oder einer andern Fläche. In dem Buche der Natur, welches 1483 gedruckt worden, wird auch der Abseiten nach (unter) der Brust des menschlichen Körpers gedacht. Abseite, im barbarischen Latein Absidis, Absida, kommt von Gebäuden in den mittlern Zeiten sehr oft vor. Es ist aber noch nicht ausgemacht, ob es in dieser Bedeutung Deutschen Ursprunges ist, oder vielmehr von dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Gewölbe, Bogen, herkomme. Mehrere Bedeutungen des Latein. Ausdrucks haben Spelmann und du Fresne gesammelt.


Abseits (W3) [Adelung]


* Abseits, ein im Hochdeutschen veraltetes Nebenwort des Ortes, welches noch hin und wieder im Oberdeutschen vorkommt, für beyseit. Abseits gehen, sitzen, stehen. Hiervon ist noch ein anderer Oberdeutscher Ausdruck, abseiten, oder richtiger ab Seiten, zu unterscheiden, für von Seiten; ab Seiten meiner, von meiner Seite, wo ab das Alemannische Vorwort für von ist.


Absenden (W3) [Adelung]


Absenden, verb. irreg. act. S. Senden, in der höhern Schreibart, so viel als abschicken. Einen Bothen, einen Brief, Waaren absenden. Daher die Absendung und ein Abgesandter; S. das letztere an seinem Orte.


Absengen (W3) [Adelung]


Absengen, verb. reg. act. 1) Durch Sengen wegbringen. Sich die Haare, einem Vogel die Federn absengen. Ingleichen durch Sengen reinigen. Eine Gans, ein Huhn, ein geschlachtetes Schwein absengen, es nach dem Rupfen oder Abbrühen durch Sengen von den noch übrig gebliebenen Federn oder Haaren befreyen; eine Verrichtung, welche man in einigen Oberdeutschen Gegenden auch flämen nennet, ohne Zweifel von Flamme. Daher die Absengung.


Absenken (W3) [Adelung]


Absenken, verb. reg. welches das Activum von absinken ist. 1) Im Gartenbaue, durch Senken fortpflanzen. Bäume, Weinstöcke, Pflanzen absenken, einen Zweig derselben, woran sich eine Knospe befindet, niederbeugen, und mit Erde bedecken, damit die Wurzeln des Auges sich entwickeln und anwachsen können, wie ablegen. 2) Im Bergbaue, die Tiefe hinab arbeiten, abteufen. Einen Schacht absenken, graben. Ein Luftloch oder einen Tageschacht auf den Stollen absenken. Ohne Zweifel ist es ein Mißbrauch, wenn die Bergleute dieses Zeitwort absinken aussprechen, und es auch irregulär abwandeln. S. Senken und Sinken. Daher die Absenkung.


Absenker (W3) [Adelung]


Der Absenker, des -s, plur. ut nom. sing. im Gartenbaue, dasjenige Reis eines Gewächses, welches zur Fortpflanzung abgesenket wird, der Ableger, Senker, das Senkreis.


Absetzen (W3) [Adelung]


Absetzen, verb. regul. welches in gedoppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Activum, und da bedeutet es,1. Herab setzen, von einem höhern oder obern Orte herunter setzen, niedersetzen, und zwar,1) Eigentlich, eine Last absetzen. Ingleichen etwas aus der Hand setzen. Die Speisen absetzen, sie, ehe sie auf die Tafel kommen, in der Nähe auf den Absetztisch setzen. In dieser eigentlichen Bedeutung kommt es nur wenig vor, desto häufiger aber,2) In der weitern, in welcher es auf mancherley Art gebraucht wird. (a) Schnell und auf kurze Zeit von etwas entfernen. Das Gewehr absetzen, es, nachdem es an den Backen gelegt war, abnehmen. So auch, im Trinken absetzen. Austrinken, ohne abzusetzen. (b) Für abwerfen. Das Pferd hat ihn abgesetzet, abgeworfen. Ingleichen bey dem Opitz, von dem Pferde schießen. Jetzt setzt ein kahler Troß, der in dem Vortheil liegt, Den besten Helden ab. (c) Für abschneiden, bey den Wundärzten. Ein Glied absetzen. Eine Brust absetzen. Einen Kopf absetzen, bedeutet in der Kunstsprache der Nachrichter so viel, als ihn abhauen. (d) Für abschlagen, besonders im Bergbaue. Ein Stück von einer Stufe, von dem Gesteine absetzen. (e) Für abziehen. Besonders in den Schmelzhütten, wenn bey dem Bley- und Kupfersteine der Stich geschehen ist, das was sich oben auf dem Werke gesetzet hat, abziehen. (f) Für abstreichen. Besonders bey den Tuchscherern, die ausgeschornen Tücher mit der Bürste auf dem Schertische streichen, welches auch zustreichen genannt wird. Der Tisch, worauf solches geschiehet, heißt daher der Absetztisch. (g) Für aussetzen und zurück lassen. Einen Koffer bey einem absetzen. Der Bothe hat ein Päktchen Waare bey uns abgesetzet. Einen Reisenden an einem Orte absetzen, von Kutschern, Fuhrleuten u. s. f. ihn daselbst zurück lassen. (h) * Kleider absetzen, wofür doch im Hochdeutschen ablegen üblicher ist, welches S. (i) + Zur Folge haben, nur im gemeinen Leben, und ohne Passivum. Es wird Schläge absetzen. Es setzte viele Thränen ab, es wurden viele Thränen dabey vergossen. Es setzte schon wunderliche Reden ab, als er so früh starb.3) In der figürlichen. (a) In Menge verkaufen, doch nur von eigentlich so genannten Waaren. Waaren absetzen. Wir haben diese Messe nicht viel abgesetzet. S. Absatz. (b) Für abwürdigen, des äußern Werthes berauben. Eine Münze absetzen, verrufen. (c) Noch mehr aber, jemanden wegen eines Vergehens der ihm aufgetragenen Würde berauben. Einen Beamten absetzen. Er ist abgesetzet, oder von seinem Amte abgesetzet worden. Einen König, Bischof, Priester, Civilbedienten u. s. f. absetzen. In der edlern Schreibart entsetzen. Da Absetzen in dieser Bedeutung den Begriff der Entfernung von einem höhern Orte hat, so führet es auch theils den Begriff einer Würde, theils eines wahren oder voraus gesetzten Vergehens bey sich, wodurch es sich von abdanken, entlassen und andern ähnlichen hinlänglich unterscheidet. In einigen Gegenden sagt man auch, einen Bauer absetzen, ihn von dem Gute setzen, im Gegensatze des Aufsetzens.2. Wegsetzen, setzend entfernen. Und zwar,1) Eigentlich. + Den Stuhl von der Wand, den Tisch von der Mauer absetzen. Nur im gemeinen Leben.2) In weiterer Bedeutung, den geraden Fortgang einer Sache unterbrechen, einen Absatz machen. Im Schreiben die Zeilen absetzen. Bey den Schmieden bedeutet absetzen, das Eisen an die Schärfe des Amboßes halten, damit es daselbst von den Schlägen nicht getroffen werde, sondern einen Absatz bekomme.3) In figürlicher Bedeutung. (a) * Entwöhnen. Ein Kind absetzen, welche R. A. in Schlesten sehr gewöhnlich, im Hochdeutschen aber nicht üblich ist. Desto häufiger gebraucht man absetzen in dieser Bedeutung in Obersachsen von dem zahmen Viehe. Lämmer, Kälber, Ferkel, Füllen absetzen, von der Muttermilch abgewöhnen. Absetzkälber, Absetzferkel, Absetzlämmer, sind daher solche junge Thiere, die man von den Müttern entfernet, um sie dadurch zu entwöhnen. (b) Abstechen machen, vornehmlich bey den Mahlern. Einen Schrank grün absetzen, das Leistenwerk u. s. f. grün anstreichen, wenn das übrige von einer andern Farbe ist. Dann aber auch in weiterer Bedeutung, einen Gegenstand durch einen unähnlichen oder entgegen gesetzten mehr heben oder hervor stechen machen. Die Farben absetzen, dunklere Farben neben den lichtern auftragen. So wenig eine Landschaft ohne Mannigfaltigkeit das Auge lange vergnüget, wenn das Schöne nicht hier gegen einen unfruchtbaren Hügel, dort gegen ein Sandfeld, dort wiederum gegen, wilde Dornstauden abgesetzet ist, Dusch. Schönheiten, die alle von einer, oder doch von nahe verwandter Art, und nicht genugsam gegen andere abgesetzet sind, ebend. Was wir an andern am meisten bewundern, Schönheit und Reitz, sind in ihr nur die Schatten, ein größeres Licht dagegen abzusetzen, Less. Sie wird die zärtlichen Stellen nicht verderben; sie wird sie noch genug absetzen, ebend. S. auch das Neutrum.3. Völlig zu Ende setzen, das Setzen einer Sache vollenden, besonders in den Buchdruckereyen. Eine Columne, einen Bogen absetzen. Ingleichen,4. Durch Setzen mit Schriften copiren. Eine Handschrift, ein Manuscript absetzen.II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Unterbrochen werden, seine Richtung und Beschaffenheit verändern. Besonders in den Bergwerken, der Gang setzt ab, fällt aus seiner Stunde, ingleichen verliert sich. Das Gestein setzt ab, wird brüchiger. 2) Verschieden seyn, und dadurch einander heben, einander mehr hervor stechen machen. Zunächst von Farben. Je lebhafter die Farben im Achat-Onyx sind, je stärker sie absetzen, desto höher wird der Stein geschätzt. Aber auch in andern Fällen, wie abstechen, in Vergleichung mit einem andern Dinge lebhaft empfunden werden. Der alte Hut setzt gegen das neue Kleid schlecht ab. Im Hochdeutschen in dieser Bedeutung nur selten. 3) + Von einem absetzen, ihn verlassen. Alles was ich hochgeschätzet, Hat jetzt von mir abgesetzet, Gryph. Im Hochdeutschen nur im gemeinen Leben.

Anm. Das Verbale die Absetzung, wird am häufigsten von dem Absetzen von einem Amte, und von dem Absetzen, d. i. Entwöhnen, des Viehes gebraucht. S. auch Absatz.


Abseufzen (W3) [Adelung]


+ Abseufzen, verb. reg. recipr. sich abseufzen, sich durch Seufzen oder Gram entkräften.


Abseyn (W3) [Adelung]


+ Abseyn, verb. irreg. neutr. ( S. Seyn,) welches sehr elliptisch ist, und daher im Hochdeutschen entweder gar nicht mehr gehöret wird, oder doch nur im gemeinen Leben vorkommt. Es bedeutet, 1) abgesondert seyn. Der Nagel ist ab, abgebrochen. Dem Bilde ist der Kopf ab, abgestoßen. Da Holoferni der Kopf ab war, abgehauen war, Richt. 15. 2) Abgelaufen seyn. Die Spule ist ab, ich will eine andere hohlen. 3) Abgeschaffet, aufgehoben, entkräftet seyn. Die Verheißung ist abe, Röm. 4, 14. Auf eben diese Art sagt man noch in den Rechten, besonders in den Reichskanzelleyen: dieses soll nichtig, todt und ab seyn, abgeschaffet seyn.

Anm. Weil dieses Zeitwort sehr elliptisch ist, so schreibt man es lieber getheilet, ab seyn. In Oberdeutschland bedeutet es auch so viel als entstehen, unterlassen. Z. B. die wir nicht abseyn werden.


Abseyn (W3) [Adelung]


+ Das Abseyn, des -s, plur. car. die Abwesenheit. In meinem Abseyn. Während meines Abseyns. - Wer den, der ihn liebt, In seinem Abseyn läßt bey ihm vergessen werden, Opitz. Mit Recht, sagt ihre Nachbarinn, Liegt dessen Abseyn dir im Sinn, Haged.


Absicht (W3) [Adelung]


Die Absicht, plur. die -en, von dem Verbo absehen.1) Die Handlung des Absehens in uneigentlicher Bedeutung, und ohne Plural. (1) Die Beziehung auf einen gewissen Gegenstand, auf ein gewisses Verhältniß, wie Rücksicht. Die Erkenntniß der Sünde in Absicht auf Gott, so wohl nach seinem Urtheile, als auch in Erwägung der Folgen in unsern Verhält-nissen gegen Gott. In Absicht auf die strenge Kälte. Wenn ich sie gleich den vierten nenne, so ist sie doch in aller Absicht die erste, Less. In dieser Bedeutung wird es ohne Artikel, und nur mit dem Vorworte in gebraucht. (2) Die Bemühung nach einem gewissen Endzwecke, wie das Absehen. Meine Absicht ist darauf gerichtet. Ich habe es in guter Absicht gethan. Er hat eine Absicht auf die junge Witwe hier im Hause.2) Dasjenige, worauf man absiehet; mit dem Plural. (1) Eigentlich, an den Schießgewehren das Stückchen Metall auf dem Rohre, wodurch man zielet, um den Zweck zu treffen, das Absehen, das Vister. Ingleichen an einigen geometrischen und astronomischen Instrumenten, die Dioptern, die Absehen, wodurch man siehet. Noch mehr (2) im figürlichen Verstande, dasjenige, was man bey einer Handlung mit Bewußtseyn und deutlicher Erkenntniß will, durch dieselbe zu erreichen sucht. Seine Absicht erreichen. Traurig, daß ihm seine Absicht fehl geschlagen war. Ihre Verwandelung hat bloß dein Glück zur Absicht. Unsere Absicht mit dem Briefe schlägt leider fehl, Gell. Die Natur erschuf den Menschen zu größern Absichten, als zu bloßer Betrachtung, Dusch. Sollte er wohl unerlaubte Absichten haben? Da es denn zuweilen auch für Ursache gebraucht wird. Gut, das ist auch die Absicht, warum ich nicht will erkannt werden, Weiße.

Anm. Absicht setzt vermöge der eigentlichen Bedeutung des Verbi absehen, allemahl ein vernünftiges Wesen voraus; Zweck und Endzweck aber können auch unvernünftigen und leblosen Dingen beygeleget werden. Der Endzweck einer Schrift, der Endzweck der Welt; aber, die Absicht Gottes, die Absicht der Natur, so fern der Schöpfer darunter verstanden wird, die Absicht eines Menschen. Die Besserung der Zuhörer ist die Absicht des Predigers, aber der Zweck oder Endzweck seiner Predigt.


Absichten (W3) [Adelung]


+ Absichten, verb. reg. act. nur im Niedersächsischen für absieben. S. Sichten.


Absichtlich (W3) [Adelung]


Absichtlich, adj. et adv. mit ausdrücklicher Absicht, in einer bestimmten Absicht gegründet. Leser, welche absichtlich lesen, mit klarem Bewußtseyn, warum sie lesen. Eine absichtliche Beleidigung, in der Absicht zu beleidigen. Er hat es absichtlich gethan.


Absieben (W3) [Adelung]


Absieben, verb. reg. act. vermittelst des Siebes absondern. Die Spreu von dem Getreide absieben. Ingleichen vermittelst des Siebes reinigen. Das Getreide absieben. Niedersächsisch absichten.


Absieden (W3) [Adelung]


Absieden, verb. irreg. act. S. Sieden. 1) Gehörig sieden. Einen Fisch absieden. Seide absieden, mit guter Seife kochen und dadurch zubereiten. S. auch Absud. 2) Durch Sieden reinigen. Ein Stück Zeuges absieden, die Farbe heraus sieden. 3) Zum künstigen Gebrauche sieden. Milch absieden.


Absingen (W3) [Adelung]


Absingen, verb. irreg. act. S. Singen, hersingen, singend hersagen. Ein Lied auf der Gasse absingen. Das Evangelium, die Epistel vor dem Altare absingen. Daher die Absingung.


Absinken (W3) [Adelung]


* Absinken, verb. irreg. neutr. ( S. Sinken,) welches das Hülfswort seyn erfordern, und herab sinken, und niedersinken bedeuten würde, wenn es üblich wäre. Daß die Bergleute dieses Zeitwort für das thätige absenken gebrauchen, ist schon oben bemerket worden.


Absitzen (W3) [Adelung]


Absitzen, verb. irreg. ( S. Sitzen,) welches in gedoppelter Gartung üblich ist.I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, von dem Pferde steigen, absteigen. Von dem Pferde absitzen. Man ließ die Dragoner absitzen. Das Pferd bringt den Reiter zum Absitzen, setzt, wirft ihn ab. Von dem Wagen absitzen, wie man ehedem auch sagte, ist jetzt nicht mehr üblich. II. Als ein Activum. 1) Durch Sitzen vermindern. So sagt man, so wohl eine Schuld absitzen, von einem Schuldner, wenn er aus Unvermögen zu bezahlen, dafür in dem Gefängnisse büßen muß; als auch, einen Vorschuß, eine Forderung absitzen, von dem Gläubiger, wenn er sich durch den Besitz des Nießbrauches eines Gutes oder Hauses bezahlt macht. 2) + Bey den Tuchmachern wird es für absetzen, oder abnehmen gebraucht. Das Tuch von dem Rahmen absitzen, abnehmen. 3) + Bis zu Ende der bestimmten Zeit sitzen. Die Miethzeit absitzen, im gemeinen Leben. 4) + Sich absitzen, sich durch langes Sitzen entkräften, besonders von brütendem Federviehe.

Anm. Absitzen, als ein Neutrum für entfernt wohnen, weit abgesessene Leute, Opitz, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Absocken (W3) [Adelung]


* Absocken, verb. reg. neutr. mit seyn, nur in den Salzhütten, für abtröpfeln. Die Salzstücke absocken lassen, abtröpfeln. S. Socken.


Absod (W3) [Adelung]


Der Absod, S. Absud.


Absohlen (W3) [Adelung]


* Absohlen, verb. reg. act. in den Bergwerken, so viel als abnützen, doch nur von den Bergseilen. Die Bergseile absohlen. Es scheinet, daß dieses Zeitwort, welches außer dem Bergbaue nicht gehöret wird, von Seil herkomme, weil es nur allein von den Seilen gebraucht wird.


Absolviren (W3) [Adelung]


+ Absolviren, verb. reg. act. von dem Lat. absolvere. 1) Von der Schuld und Strafe eines Schuld gegebenen Verbrechens frey sprechen, los sprechen; im gerichtlichen Verstande. 2) Die Vergebung der Sünde im Beichtstuhle ankündigen; im kirchlichen Verstande. 3) Zu Ende, zu Stande bringen; in den niedrigen Sprecharten.


Absolut (W3) [Adelung]


+ Absolut, adj. et. adv. von dem Lat. absolutus. 1) An und für sich betrachtet, ohne Beziehung auf ein anderes Ding, im Gegensatze des relativ; im philosophischen Style. 2) Ohne Bedingung, unbedingt, schlechterdings. Ich will es absolut. Ein absoluter Herr, ein unumschränkter.


Absolution (W3) [Adelung]


+ Die Absolution, plur. die -en, von dem Lat. absolutio. 1) In den Rechten, die gerichtliche Lossprechung von der Schuld und Strafe eines Verbrechens, dessen jemand beschuldiget worden. 2) In der Theologie, die Ankündigung der Vergebung der Sünden nach der Beichte.


Absonderlich (W3) [Adelung]


+ Absonderlich, adj. et adv. was abgesondert werden kann, von andern abgesondert zu werden verdienet, und wirklich abgesondert ist, so wohl 1) in der eigentlichen Bedeutung, als auch 2) in der uneigentlichen, besonders in Rücksicht auf die verschiedenen Ursachen der Absonderung. (a) Für eigen, besonder. Dieses erfordert ein absonderliches Buch. Ein absonderliches Zimmer. (b) Für allein, einsam. Absonderlich wohnen, schlafen, essen. Mit einem absonderlich, (allein) reden. Welche Nothwendigkeit leget dir auf, die Zeit dermaßen absonderlich zu verschleißen, und in solcher Einsamkeit herum zu wandern? Opitz. (c) Für einzeln. Jemanden über einen absonderlichen Umstand befragen. Die absonderlichen Umstände erzählen. Insgemein und absonderlich. (d) Für vor andern, insonderheit. Dieß ist überall üblich, absonderlich aber in Franken. Alles wird jetzt theurer, absonderlich das Getreide. (e) Vorzüglich. Eine absonderliche Klugheit, Schönheit, Gnade. Ich bin ihnen absonderlich Dank schuldig. Es ist nichts absonderliches daran. (f) Seltsam, sonderbar. Ein absonderlicher Mensch.

Anm. In allen obigen Bedeutungen ist dieses Wort nur noch in einigen Kanzelleyen und den Oberdeutschen Mundarten üblich. In der anständigern Schreib- und Sprechart bedienet man sich dafür der Wörter besonder und besonders.


Absondern (W3) [Adelung]


Absondern, verb. reg. act. von einem andern Dinge sondern oder trennen, als ein allgemeiner Ausdruck, der die besondere Art und Weise unbestimmt läßt. 1) Eigentlich, dem Orte nach. Ein räudiges Schaf von der Herde, die Lämmer von den Schafen absondern. Die Gefangenen von dem Regimente absondern. Ein großer Fluß sonderte uns von einander ab. Er lebt von allen Menschen abgesondert. Ein abgesonderter Ort. Man sondere den Begriff der Tugend von der Freundschaft ab, so verschwindet ihr Werth und ihr heiliger Glanz, Gell. Fleisch, Muskeln, Drüsen, Häute, sind in den thierischen Körpern lauter Maschinen, welche theils salzige, theils öhlige, theils geistige, theils wässerige Theile aus dem Blute absondern; so lange diese Absonderungen (Secretiones) gehörig von Statten gehen, befindet sich der Mensch in seinem natürlichen gesunden Zustande. 2) In Gedanken absondern, eine Sache deutlicher als eine andere denken, abstrahiren, wofür einige das unbequeme abziehen einführen wollen. Sich Merkmahle von etwas absondern, abstrahiren. Daher die Absonderung, die Abstraction, und das Absonderungsvermögen, die Kraft der Seele, Dinge von einander abzusondern. 3) Der Verbindung, dem Zusammenhange, der Gemeinschaft nach. Sich von einer Gesellschaft absondern. Sich von der Welt absondern. So auch in den Rechten, besonders in Niedersachsen, mit Reichung eines Theils seines Vermögens von allen künftigen Ausprüchen auf seine Verlassenschaft abfinden. Ein Kind absondern. Abgesonderte Kinder, Brüder, Schwestern. Man pflegt diese Handlung auch abfinden, ablegen, abtheilen und in Soest abschichten zu nennen. Doch wird zu der Absonderung besonders erfordert, theils daß solche von den Ältern bey ihren Lebzeiten, theils aber auch mit Einwilligung der Kinder geschiehet. Das Hauptwort, die Absonderung, kann in allen obigen Bedeutungen gebraucht werden.

Anm. Angels. asyndrian, Schwed. assindra, Holl. afzonderen.


Absonnig (W3) [Adelung]


+ Absonnig, absönnig, adj. et adv. im gemeinen Leben von den Strahlen der Sonne entfernt. Ein absonniger (schattiger) Ort. Ein absönniges Gebirge, bey den Bergleuten, welches von der Sonne nicht beschienen wird.


Absorgen (W3) [Adelung]


+ Absorgen, verb. reg. recipr. Sich absorgen, im gemeinen Leben, sich durch vieles Sorgen entkräften.


Abspalten (W3) [Adelung]


Abspalten, verb. reg. act. außer daß es im Partic. Pass. abgespalten hat, ( S. Spalten,) vermittelst eines Spaltes absondern. Ein Stück von einem Brete abspalten. So auch, sich abspalten, sich vermittelst eines Spaltes ablösen. Daher die Abspaltung.


Abspänen (W3) [Adelung]


+ Abspänen, verb. reg. act. welches in den gemeinen Mundarten so wohl in Ober- als Niederdeutschland üblich ist, so viel als entwöhnen bedeutet, und so wohl von Menschen als Thieren gebraucht wird. Niedersächsisch afspeinen, afspönen, speinen, spenen, spennen.

Anm. Das Stammwort ist das Angels. Spana, Schwed. Spena, Isl. Spini, Holl. Spene, Sponne, Alem. Spune, Spunne, welches so wohl die Brust an den Weibern der Menschen und Thiere, als auch die Milch bedeutet. In Österreich heißet die Spän und in Schwaben das Gespind noch jetzt die Milch. In Westphalen bedeutet Spunner, das Kuheiter, und in Dithmarsen Spön die Zitzen daran. Das Zeitwort spänen bedeutete ehedem eben so wohl säugen, als auch abspänen, d. i. abgewöhnen. Frisch bemerket ganz richtig, daß die erste und eigentliche Bedeutung dieses Wortes noch in dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ziehen, aufbehalten wird. Für abspänen gebrauchen die Hochdeutschen von Kindern lieber abgewöhnen, und in noch edlerer Schreib- und Sprechart entwöhnen. Von Thieren, besonders von Kälbern, ist in Obersachsen und an- dern Gegenden, abbinden, absetzen, abstoßen, und von Ferkeln, an einigen Orten auch abstecken üblich. S. auch Spanferkel.


Abspannen (W3) [Adelung]


1. * Abspannen, verb. reg. act. durch Bereden, Locken oder Körnen abwendig machen. Einem sein Gesinde, sein Vieh, seine Kunden, seine Arbeit abspannen. Daher die Abspannung. S. auch Abspänstig.

Anm. Dieses Zeitwort ist im Hochdeutschen wenig mehr üblich, und kommt nur in Luthers Katechismo und in den Rechten an einigen Orten vor. Es kommt von dem alten spanen, Angels. Sponan, Schwed. Spana, bereden, reißen, locken, her, dessen erste Bedeutung gleichfalls ziehen gewesen seyn mag, so wie das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - beyde Bedeutungen hat, und von welchem es das Intensivum seyn kann, wie aus dem verdoppelten n erhellet. Das einfache spanan, bereden, kommt in unsern ältesten Alemannischen und Fränkischen Schriftstellern sehr häufig vor.


Abspannen (W3) [Adelung]


2. Abspannen, verb. reg. act. von Spannen, was gespannet, oder angespannet war, los machen. Den Hahn an einem Feuergewehre, die Sehne am Bogen abspannen. Die Pferde, die Ochsen abspannen, sie von dem Wagen, Pfluge los spannen. Ingleichen metonymisch, den Wagen abspannen. Daher die Abspannung.


Abspännig (W3) [Adelung]


+ Abspännig, adj. et adv. bey den Bergleuten und in einigen gemeinen Mundarten, so viel als abspänstig. Einem einen Arbeiter, sein Gesinde abspännig machen.


Abspänstig (W3) [Adelung]


Abspänstig, adj. et adv. ungetreu, abgeneigt, so fern man durch Beredung oder Reißung dazu verleitet worden. Einem sein Gesinde abspänstig machen. Einem abspänstig werden.

Anm. Abspänstig ist von 1. Abspannen so fern es durch Bereden abwendig machen bedeutet. Das st ist in den von spannen, bereden, abgeleiteten Wörtern nichts seltenes. Spenst, Gispuans, Kespanst, kommen bey dem Ottfried und Kero für Beredung vor, und Notker gebraucht Ps. 67, 31. spenstige und ferleitige Meniscen, für Menschen, die sich leicht bereden und verführen lassen.


Absparen (W3) [Adelung]


Absparen, verb. reg. act. durch Sparsamkeit entziehen. Er hat es sich, seinem Munde, seinem Leibe abgesparet.


Abspeisen (W3) [Adelung]


Abspeisen, verb. reg. Es ist:I. Ein Neutrum, welches das Hülfswort haben zu sich nimmt, aufhören zu speisen, Mahlzeit zu halten, von vornehmen Personen. Sie haben abgespeiset, werden bald abgespeiset haben.II. Ein Activum. (a) Mit Speise sättigen, die gehörige Speise reichen. Sein Gesinde abspeisen. Er hat täglich viele Leute abzuspeisen. An den Höfen heißt der abspeisende Marschall, der diesen Tag das Abspeisen, die Abspeisung hat, d. i. die Speisen für den Hof besorget. (b) + Einen abspeisen, im gemeinen Leben, ihm das Abendmahl reichen. Sich privatim abspeisen lassen. (c) Figürlich, mit solchen Dingen zu befriedigen suchen, die dem Verlangen des andern keine Genüge thun. Jemanden mit leerer Hoffnung, mit guten Worten, mit eiteln Versprechungen abspeisen. - Die Hoffnung beßrer Zeiten. Speist mein Verlangen nur mit faulen Fischen ab, Günth.- Wenn Schmeichler preisen, Das Ohr der Eitelkeit mit Lügen abzuspeisen, Dusch.


Abspiegeln (W3) [Adelung]


Abspiegeln, verb. reg. act. die Gestalt eines Dinges in einem Spiegel, oder gleichsam als in einem Spiegel abbilden. Wenn der sanfte Fluß zwischen den lispelnden Röhren dahin gleitete, und die lieben Wolken abspiegelte, Werth. Leid.


Abspinnen (W3) [Adelung]


Abspinnen, verb. irreg. act. S. Spinnen. 1) Durch Spinnen leer machen. Den Rocken abspinnen. 2) Durch Spinnen bezahlen. Eine Schuld, einen erhaltenen Vorschuß abspinnen. Daher die Abspinnung.


Abspitzen (W3) [Adelung]


Abspitzen, verb. reg. act. 1) Mit einer Spitze abnehmen. So spitzen die Mäurer einen hervor ragenden Stein ab, wenn sie ihn mit der Zweyspitze abhauen. 2) Der Spitze berauben. 3) Gehörig spitz machen. So auch die Abspitzung.


Absplittern (W3) [Adelung]


Absplittern, verb. reg. 1) Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, sich in Gestalt eines Splitters ablösen. 2) Activum, in Gestalt der Splitter absondern. Daher die Absplitterung.


Absprechen (W3) [Adelung]


Absprechen, verb. irreg. act. S. Sprechen. 1) Durch einen förmlichen Spruch, d. i. gerichtliches Urtheil, einer Sache berauben. Einem den Besitz eines Gutes absprechen. Der Richter hat ihm das Leben abgesprochen. 2) In weiterer Bedeutung, die Erlangung eines künstigen Gutes verneinen. Die Ärzte haben ihm das Leben abgesprochen, haben versichert, daß er an dieser Krankheit werde sterben müssen. Man spricht mir alle Hoffnung ab, den Gegenstand der Hoffnung, die gehoffte Sache. Ich will ihm sein Glück nicht absprechen. 3) Jemanden die Anwesenheit einer Eigenschaft verneinen. Man spricht ihm alles Verdienst, alle Gelehrsamkeit ab. Ich will ihm diesen Vorzug nicht absprechen. Daher die Absprechung in der ersten Bedeutung.

Anm. In verschiedenen Provinzen hat dieses Verbum noch einige andere Bedeutungen, die man auch wohl in das Hochdeutsche einzuführen versucht hat. (a) Unrecht geben. Wir können ihm nicht ganz absprechen. (b) Abschaffen. Die Kaiser haben selbst den Irrthum abgesprochen,Den Mißbrauch hingethan, die Bilder weggebrochen, Opitz. (c) Verabreden, besonders in Niedersachsen. Etwas mit einander absprechen. Daher Absprache daselbst auch Abrede bedeutet.


Abspreitzen (W3) [Adelung]


Abspreitzen, verb. reg. act. in dem Bergbaue, mit den gehörigen Spreitzen, d. i. Stützen, versehen. Einen Schacht, einen Gang abspreitzen. Daher die Abspreitzung.


Absprengen (W3) [Adelung]


Absprengen, verb. reg. act. abspringen machen. Eine Saite absprengen. Ein Stück von einer Maner mit Pulver absprengen. Dem Pferde im Reiten ein Hufeisen absprengen. Gläser und Kolben mit dem Abnehmeisen absprengen, bey den Scheidekünstlern. Die Krebse pflegen sich die Scheren abzusprengen. Daher die Absprengung. In dem Ausdrucke, die Gasse auf und ab sprengen, ist es, wie in andern ähnlichen, kein Compositum.


Absprießen (W3) [Adelung]


Absprießen, verb. irreg. neutr. ( S. Sprießen,) mit dem Hülfsworte seyn, welches in der höhern Schreibart in figürlicher Bedeutung für abstammen, gebraucht wird, aber größten Theils nur in der Oberdeutschen Mundart üblich ist. S. auch Absprossen.


Abspringen (W3) [Adelung]


Abspringen, verb. irreg. neutr. ( S. Springen,) mit dem Hülfsworte seyn. 1) In der eigentlichsten Bedeutung, sich mit einem Sprunge von etwas entfernen. Der Hase ist von dem Wege abgesprungen. Ingleichen hinab springen. Von dem Pferde, von dem Wagen abspringen. So gleich springt Raufbold ab, d. i. von dem Pferde, Zachar. 2) In weiterer Bedeutung, schnell von etwas entfernet werden, für absprallen. Die Art springt von dem Aste ab. Die Rugel sprang von der Wand ab. Besonders, wenn solches mit einem Zerbrechen verbunden ist. Die Farbe, der Leim springt ab. Die Saite ist abgesprungen. 3) Figürlich, sich mit dem Gemüthe plötzlich von etwas entfernen, schnell anderes Sinnes werden. Von einer Meinung, von einer Partey, von einer Religion abspringen. So auch absolute, er will wieder abspringen. Auf gleiche Art bedeutet dieses Zeitwort in den Bergwerken, sein Vorhaben ändern, besonders wenn ein Muther einen aufgenommenen Ort verläßt, und einen andern wählet. Ingleichen 4) starken Abfall, oder starke Einschränkung leiden. Man vergleiche beyde, so wird man sehen, wie sehr dieses gegen jenes abspringt.


Absprossen (W3) [Adelung]


Absprossen, verb. reg. neutr. welches aber im Partic. Pass. abgesprossen hat, und mit dem Hülfsworte seyn verbunden wird, in der edlern und dichterischen Schreibart so viel als abstammen. Er ist von Helden abgesprossen, noch edler entsprossen.

Anm. Absprießen und absprossen sind, so wie die einfachen Zeitwörter sprießen und sprossen, bloß in der Mundart unterschieden, jenes ist in Ober- dieses aber in Niederdeutschland üblich. Beyde aber werden nur in der höhern Schreibart gebraucht.


Absprößling (W3) [Adelung]


Der Absprößling, des -es plur. die -e, in der höhern Schreibart, eine Person, zuweilen auch eine Sache, welche von einer andern abgesprossen ist, ein Abkömmling.


Absprung (W3) [Adelung]


Der Absprung, des -es, plur. die -ünge. 1) Das Abspringen in der ersten, eigentlichen Bedeutung des Zeitwortes. Der Hase macht einen großen Absprung, springt weit von der Fährte ab, bey den Jägern. 2) Das Abspringen in der dritten figürlichen Bedeutung des Verbi. Der Absprung von der Religion, von einer Partey, von einer Meinung. Ingleichen die plötzliche Entfernung von einer Materie. Weil ihr von der Hauptsache einen abermahligen Absprung nehmet, in den Kanzelleyen. 3) Der Abfall, die beträchtliche Einschränkung des Gesagten oder Geforderten. Das ist ein großer Absprung, Abfall. 4) * In einigen Gegenden, die Begebung eines Rechtes oder eines Anspruches. Einem zehn Thaler für den Absprung geben, für den Abtritt. Da es denn auch wohl die Schadloshaltung für diesen Abtritt bedeutet.

Anm. In der zweyten Bedeutung des Zeitwortes gebraucht man lieber den Infinitiv, das Abspringen, als dieses Hauptwort.


Abspülen (W3) [Adelung]


Abspülen, verb. reg. act. 1) Durch Spülen wegschaffen. Den Roth von den Pferden, von einem Gefäße abspülen. 2) Metonymisch, durch Spülen von außen reinigen. Die Pferde, den Wagen, ein Gefäß, das Garn, die Häringe abspülen. Ingleichen von dem Wasser, vermindern, erniedrigen. Das Wasser spület die Berge ab. Der Fluß hat das Ufer abgespület. Daher die Abspülung.


Abspulen (W3) [Adelung]


Abspulen, verb. reg. act. von der Spule abwinden. Garn, Seide, Wolle abspulen, bey den Webern und in den Spinnereyen. Ingleichen das Garn von den Schläuchen abspulen, große Spulen auf kleinere Spulen oder Pfeifen treiben, bey den Tuchmachern und andern Webern. Daher der Abspuler, und im Fämin. die Abspulerinn, diejenige Person, welche solches verrichtet.


Abstählen (W3) [Adelung]


Abstählen, verb. reg. act. 1) Bey den Färben, die Brühe in der Blauküpe probiren, welches dadurch geschiehet, daß man ein in dieselbe getunktes Läppchen in den so genannten Stahl steckt, und es an die Luft setzt. 2) In einem hohen Grade abhärten. Ein abgestählter Mensch.


Abstammen (W3) [Adelung]


Abstammen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, herkommen, dem Geschlechte nach, herstammen. Er stammt von hohen Ahnen ab. Wir stammen alle von Adam ab. Ingleichen von Wörtern. Dieß Wort stammet von keinem andern ab. Daher die Abstammung in beyden Fällen. Abstämmling, für Abkömmling, Absprößling, ist ungewöhnlich und unnöthig.


Abstämmen (W3) [Adelung]


Abstämmen, verb. reg. act. 1) Im Forstwesen, von dem Stamme sondern, d. i. abhauen. Einen Baum abstämmen. 2) Mit dem Stömmeisen wegnehmen, absondern, bey den Tischlern. Daher die Abstämmung. In einigen Mundarten lautet dieses Zeitwort auch abstammen.


Abstämpeln (W3) [Adelung]


Abstämpeln, verb. reg. act. bey den Buchbindern, mit den gehörigen Stämpelzierathen versehen. Ein Buch abstämpeln.


Abstampfen (W3) [Adelung]


Abstampfen, verb. reg. act. 1) Durch Stampfen absondern. 2) Durch Stampfen abnützen. 3) Gehörig stampfen. 4) Das Stampfen vollenden.


Abstand (W3) [Adelung]


Der Abstand, des -es, plur. die -ände, von abstehen. 1) Das Abstehen, in so fern die Entfernung eines Ortes von dem andern dadurch angedeutet wird. Der Abstand eines Hauses von dem andern. Der Abstand eines Sternes von dem andern. Der Abstand der Sonne von der Erde. In allen diesen Fällen nur von solchen Dingen, welchen man ein Stehen beylegt. 2) Figürlich, die Entfernung, so wohl der Zeit nach. Das wird erst in beträchtlichen Abständen der Zeit merklich. Als auch der Macht und Würde nach. Siehe deinen Abstand von mir an, du bist reich, ich habe nichts, Weiße. Wie blind oder eitel müßte ich nicht seyn, wenn ich den großen Abstand zwischen ihm und mir nicht sehen sollte! Dusch. Ach, der Abstand zwischen dir und mir ist zu weit, zu unendlich! ebend. 3) In den Rechten, das Abstehen von einem Rechte, oder die Begebung desselben; ohne Plural. Ich habe ihm fünfzig Thaler für den Abstand gegeben. In Niedersachsen sagt man in dieser Bedeutung, Abstand thun, welches aber im Hochdeutschen nicht gewöhnlich ist.


Abständer (W3) [Adelung]


+ Der Abständer, des -s, plur. ut nom. sing. im Forstwesen, ein abgestandener Baum.


Abständig (W3) [Adelung]


+ Abständig, adj. et adv. welches nur im Forstwesen üblich ist, und von dem Holze gebraucht wird, wenn es abgestanden, oder auf dem Stamme verdorret ist. Abständiges Holz. Das Holz ist abständig geworden.


Abstatten (W3) [Adelung]


Abstatten, verb. reg. act. 1) In den Rechten, mit Ertheilung der gehörigen Mitgabe verheirathen. Eine Tochter, eine Jungfrau abstatten, wofür aber ausstatten gebräuchlicher ist. 2) * Entrichten, nur in einigen Gegenden. Die Unkosten abstatten, erstatten. Die Gebühren abstatten, entrichten. 3) In der edlern und feyerlichern Schreibart, so viel als ertheilen, leisten, geben, ablegen. Einen Besuch bey jemanden abstatten, ablegen. Einen Gruß von jemanden abstatten, ablegen. Ein Zeugniß abstatten, ablegen. Einem die letzte Ehre abstatten, erweisen. Dank abstatten, sagen. Schon wollte ich ihm den feurigsten Dank abstatten. Daher die Abstattung in beyden Bedeutungen.

Anm. Das einfache statten bedeutete in den Nordischen Mundarten ehedem auch so viel als geben und schenken, und hiervon leitet Ihre beyde Bedeutungen des Deutschen abstatten ab. Es läßt sich hören; es hat aber auch die Ableitung von Statt, locus und statten, den gehörigen Platz anweisen, stellen, nichts unwahrscheinliches. Denn wenn eine Tochter abgestattet wird, so verläßt sie die Stätte oder Wohnung ihres Vaters und bekommt ihre eigene. Auf gleiche Art sagten die Lateiner von locus, locare, und elocare, wovon das Deutsche abstatten und ausstatten eine bloße Übersetzung ist, welches von mehrern, besonders gerichtlichen Ausdrücken gilt.


Abstäuben (W3) [Adelung]


Abstäuben, verb. reg. act. den Staub wegschaffen, noch mehr aber metonymisch, von dem Staube reinigen. Ein Buch, den Tisch, die Schuhe, die Wand abstäuben. Daher die Abstäubung. In den gemeinen Mundarten sind auch die Frequentativa abstäubern, abstöbern und abstöpern, üblich.


Abstäupen (W3) [Adelung]


Abstäupen, verb. reg. act. gehörig oder nach Verdienst stäupen. Ein Kind abstäupen.


Abstechen (W3) [Adelung]


Abstechen, verb. irreg. S. Stechen. Es ist:I. Ein Activum, und bedeutet:1) Herab stechen, mit Stichen von einem höhern Orte herunter bringen. Seinen Gegner von dem Pferde abstechen. So auch, ein Fuder Heu, Stroh, Garben abstechen, in der Landwirthschaft, es mit der Gabel abladen, Nieders abstaken. 2) Mit einem Stiche absondern. Einem Thiere die Kehle, sich die Gurgel abstechen. Rasen abstechen. Ein abgestochener Rasen. Bey den Drechslern ist abstechen mit dem umgekehrten Meißel abnehmen. Von dieser Art des Abstechens hat bey den Zinngießern ein gewisses Dreheisen den Nahmen des Abstecheisens. Ingleichen metonymisch, mit einem Stiche in die Gurgel tödten. Ein Schwein, ein Kalb, ein Schaf, eine Gans, ein Huhn abstechen.3) Im Stechen übertreffen, so wohl, (a) eigentlich in den Ritterspielen, einen abstechen, den Ring oder aufgesteckten Preis mit der Lanze eher erreichen als er; als auch (b) uneigentlich, in jeder andern Sache den Vorzug abgewinnen, übertreffen. So sagt man im Kartenspiele, einen abstechen, ihn durch eine höhere Karte des Stiches berauben. Ingleichen im Scheibenschießen, näher als ein anderer zum Ziele treffen. Ferner: Der Tauben Atlas stach Dianens Silber ab, Günth. Dieser Blumen Jaspis kann Sarder und Schmaragd abstechen, Gryph. 4) Mit Stechen ableiten. Das Wasser abstechen, abgraben. Ingleichen, einen Fluß, Teich, Sumpf abstechen. Den Wein abstechen, abzapfen, in einigen Gegenden. So auch in den Hüttenwerken, das geschmolzene Erz abstechen, es vermittelst eines Stiches durch das Auge in die Abstechgrube oder den Abstechherd ableiten. Auf den hohen Öfen wird das Eisen mit dem Abstechstachel gleichfalls abgestochen.5) Mit Stechen oder Graben nachbilden. Eine Zeichnung, ein Gemählde, ein Kupfer abstechen, mit dem Grabstichel nachstechen. Ein Muster abstechen, bey den Nähterinnen, ein Muster nach allen Zügen mit Nadeln durchstechen, und dadurch auf ein untergelegtes Papier abbilden. Ein Lager, einen Garten, einen Platz zu einem Hause abstechen, durch ausgestochene oder ausgegrabene Erde bezeichnen. Geschiehet solches durch eingeschlagene Stäbe, so heißt es abstecken.II. Ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert, als verschieden lebhaft empfunden werden, und zwar in Vergleichung mit einem andern Dinge, welches alsdann die Vorwörter gegen und von, seltener und nicht so richtig mit bekommt. Diese Farbe sticht gut, schlecht gegen jene ab. Der alte Hut sticht schlecht gegen das neue Kleid ab. Ihre fröhlichen Entzückungen stechen mit den gründlichen Eigenschaften ihrer Schwester vortrefflich ab, Less. Sie überlegen nie, daß die Stickerey von dem Grunde abstechen muß, Ebend. Man wird durch das Abstechende beyderseitiger Gedanken ungemein gerühret werden. Alberts gelassene Außenseite sticht gegen die Unruhe meines Charakters sehr lebhaft ab, Werth. Leid. Das Perfect und Plusquamperf. sind von diesem Neutro wenig üblich.

Anm. Das Hauptwort das Abstechen kann in allen Bedeutungen der thätigen so wohl, als Mittelgattung, die Abstechung aber nur in den eigentlichen Bedeutungen der ersten gebraucht werden. Doch kommt das letztere auch zuweilen in der neutralen Bedeutung vor. Lessing hat (in der Minna von Barnhelm) die Abstechung seiner Personen aus den Verstößungen ihrer Charaktere heraus zu hohlen gewagt, Sonnenf. für Contrast. Die Charaktere, welche zur Abstechung gegen die Hauptfigur geordnet worden, ebenders. S. auch Abstich.


Abstecken (W3) [Adelung]


Abstecken, verb. reg. act. 1) Was mit Nadeln angesteckt war, los stecken. Das Halstuch, eine Schleife abstecken, wofür man in Oberdeutschland abhäfteln und abspäneln sagt. 2) Durch Stecken bezeichnen. Ein Lager, einen Garten, den Lauf einer Jagd abstecken, mit eingesteckten Pfählen, welches vermittelst des Absteckeisens, ingleichen der Absteckschnur oder Abstecklinie geschiehet.Doch diese Dunkelheit hat abgesteckte Schranken, Opitz.3) * Abgesondert stecken oder stellen. In diesem Verstande bedeutet abstecken, von den Ferkeln gebraucht, an einigen Orten so viel als absetzen, d. i. entwöhnen. So auch die Absteckung in allen obigen Bedeutungen.

Anm. Von dem Unterschiede zwischen abstechen und abstecken, der so oft vernachlässiget wird, S. Stechen und Stecken.


Abstehen (W3) [Adelung]


Abstehen, verb. irreg. ( S. Stehen,) welches auf gedoppelte Art üblich ist.I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn. 1) Von etwas entfernt oder abgesondert stehen. Der Tisch stehet weit von der Wand ab. Der Schrank stehet nicht weit genug ab, von der Mauer. Der Stuhl muß noch weiter abstehen. S. Abstand. 2) Sich in der stehenden Stellung entfernen. (a) Eigentlich, nur in einigen wenigen Fällen. Der Jäger stehet ab, wenn er den Anstand vergebens verläßt. Das große Geflügel stehet bey den Jägern ab, wenn es von einem Baume fliegt, welches auch abbaumen genannt wird. (b) Figürlich. (1) Ablassen, nicht fortsetzen. Von dem Schreiben, Bauen abstehen. Von einem Kaufe, von einer Klage, von einer Forderung, von seinem Vorhaben, seiner Meinung abstehen. Er ist von seinem Rechte, von seinen Ansprüchen abgestanden, hat sich derselben begeben. Die Wortfügung einer Sache abstehen, z. B. Noch wollt er dennoch nichtSeiner poßheit absteen, Theuerd. Kap. 25. ist Oberdeutsch. (2) Verderben, besonders von flüssigen Dingen. Der Wein, der Essig, das Bier ist abgestanden. Abgestandener Essig. Ingleichen von den Bäumen, wie abdorren und abfliegen. Der Baum wird bald abstehen. Ein abgestandener Baum. Wie auch von den Fischen, sterben. Die Fische sind abgestanden. Ein abgestandener Aal. Wenn es den Fischen im Winter an Luft mangelt, oder das Wasser in den Teichen verdorben ist, so pflegen sie aus ihrem Lager in der Tiefe herauf und an die Muhnen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - zu kommen, und dieses heißt aufstehen. Leistet man ihnen nicht schleunige Hülfe, so sterben sie, und dieß heißt im eigentlichsten Verstande abstehen, weil sie alsdann in einiger Entfernung von dem Ufer stille stehen. Vielleicht ist der Ausdruck von diesem Umstande entlehnet, und hernach auf die Bäume und flüssigen Dinge übergetragen worden.II. Als ein Activum. 1) Einem etwas abstehen, abtreten, es ihm überlassen; am häufigsten in Niedersachsen. 2) * Eben daselbst sagt man auch ein Amt abstehen, es niederlegen, ein abgestandener (abgegangener) Bürgermeister, bey welcher R. A. man nur nicht an einen abgestandenen Fisch denken muß. Schon die Griechen sagten in dieser Bedeutung, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein obrigkeitliches Amt niederlegen. 3) + Sich abstehen, als ein Reciprocum, sich müde stehen, von vielem Stehen Schaden leiden. Das Pferd hat sich in dem Stalle ganz abgestanden.

Anm. Abstehen, Goth. afstandan, Schwed. afsta, wird in den Provinzen noch auf verschiedene andere Arten gebraucht, die aber im Hochdeutschen unbekannt sind. (a) Einem abstehen, seine Partey verlassen, ist so wohl in Oberdeutschland, als in Niedersachsen gebräuchlich, aber im Hochdeutschen eben so ungewöhnlich, als die R. A. von einem abstehen, in gleicher Bedeutung. (b) Abschlagen, z. B. Theuerd. Kap. 105. (c) Absteigen, aussteigen, wovon im Theuerdank häufige Beyspiele vorkommen, z. B. Als er nun abgestanden was Vom scheff, Kap. 43.- Herr steet ab drat Zu Füßen von eurem pferdt, Kap. 38. Und Kap. 64. An das Land abstehen. (d) Stille stehen. Die Mühlen stunden mehrentheils ab, Bluntschli, ein Zürchischer Geschichtschreiber.


Abstehlen (W3) [Adelung]


Abstehlen, verb. irreg. act. S. Stehlen. 1) Eigentlich, verstohlner Weise entwenden. Dem lieben Gott die Tage abstehlen, Gell. Ich stahl ihr schnell ein Mäulchen ab, Gerstenb. Durch ein verdreht Gesicht, durch ein verwirrt Erzählen Glückt es dem Zänker nicht, ihm Beyfall abzustehlen, Kästn. 2) In weiterer Bedeutung, heimlich ablernen, verstohlner Weise absehen. Einem eine Kunst, einen Handgriff abstehlen.


Absteifen (W3) [Adelung]


Absteifen, verb. reg. act. 1) Gehörig steif machen. 2) Einen Schacht absteifen, im Bergbaue, ihn inwendig mit den gehörigen Steifen oder Spreitzen versehen, damit er nicht einfalle; welches auch abspreitzen genannt wird.


Absteigen (W3) [Adelung]


Absteigen, verb. irreg. neutr. ( S. Steigen,) welches mit dem Hülfsworte seyn verbunden wird. 1) Herab steigen. Von dem Pferde, von dem Wagen absteigen, oder auch absolute, absteigen. 2) In weiterer Bedeutung, auf der Reise einkehren. Wir sind unter Weges in keinem Gasthofe abgestiegen. Bey einem absteigen. Daher das Absteige-Quartier, wo man gewöhnlich abzusteigen pflegt. 3) Figürlich, in den Geschlechtsregistern, die absteigende Linie, diejenigen Personen, welche in gerader Linie von einem angenommenen Stammvater herkommen; im Gegensatze der aufsteigenden Linie.


Absteinen (W3) [Adelung]


+ Absteinen, verb. reg. act. 1) Durch Grenzsteine absondern. Einen Acker absteinen. 2) Mit den gehörigen Grenzsteinen versehen. Eine Flur absteinen. Beydes im gemeinen Leben.


Abstellen (W3) [Adelung]


Abstellen, verb. reg. act. 1) * Eigentlich, der Stelle berauben, in welcher Bedeutung aber dieses Zeitwort nicht üblich ist. 2) Figürlich, als schädlich abschaffen, aufhören machen. Eine übele Gewohnheit abstellen. Dieser Mißbrauch muß abgestellet werden. Daher die Abstellung.


Abstemmen (W3) [Adelung]


Abstemmen, S. Abstämmen.


Abstempeln (W3) [Adelung]


Abstempeln, S. Abstämpeln.


Absteppen (W3) [Adelung]


Absteppen, verb. reg. act. Einen Rock absteppen, bey den Nähterinnen, ihn gehörig durchnähen.


Absterben (W3) [Adelung]


Absterben, verb. irreg. neutr. ( S. Sterben,) welches das Hülfswort seyn erfordert. Es bedeutet:1) So viel als das einfache sterben, indem die Partikel nur die Bedeutung verstärkt, versterben; und zwar, (a) eigentlich, wo aber nur der Infinitiv als ein Hauptwort üblich ist, und Statt des härtern Wortes Tod gebraucht wird. Vor meinem Absterben. Es ist die Pflicht unserer Freunde, bey unserm Absterben Thränen zu vergießen. (b) Figürlich, von den Gliedern und Theilen des menschlichen Leibes, fühllos werden, alle Empfindung verlieren, zum animalischen Leben nach und nach unbrauchbar werden. Der Aussatz nimmt den Gliedern mit der Zeit das Gefühl, bis sie endlich gar absterben. Ein abgestorbenes Glied. Der Unglückliche, dessen Leben unter einer schleichenden Krankheit allmählich abstirbt, Götze. Ingleichen von den Bäumen, verdorren, abstehen. Der Baum stirbt auf dem Stamme ab. Ein abgestorbener Baum. Wie auch in den Bergwerken von den Erzen. Die Erze sterben ab, nehmen ab, werden geringer. Ferner, alle Lebhaftigkeit verlieren. Handel und Wandel, alles ist abgestorben.2) Durch den Tod aller seiner Individuen beraubet werden, aussterben. Ein Kloster absterben lassen, die Mönche in dem Kloster. Dieses Haus wird bald absterben. Ein längst abge-storbenes Geschlecht. Ingleichen figürlich. Ein abgestorbener Wald. Schon lange grünt uns nicht mehr der abgestorbene Wald, Der in die süßen Schatten uns rief, Zachar. 3) Durch den Tod von etwas getrennet werden, und zwar a) in eigentlicher Bedeutung. Seine Ältern sind ihm sehr früh abgestorben. Es ist mir an ihm ein sehr guter Freund abgestorben. b) Figürlich, sich auf immer von etwas trennen, im moralischen und theologischen Verstande, keine Empfindung mehr von und gegen etwas haben. Der Sünde, der Welt, den Wollüsten abgestorben seyn. Der Eitelkeit absterben. Welcher Mensch ist so sehr verloren, daß er schon aller Reue abgestorben sey: Dusch.


Absteuer (W3) [Adelung]


* Die Absteuer, plur. die -n, an einigen Orten z. B. in der Mark Brandenburg, eine Art des Abschosses oder des Abfahrtsgeldes, welches ein Unterthan bey seinem Abzuge aus einer Gerichtsbarkeit erleget. So heißt es in der Märkischen Amtsordnung N. 68. Ein Hüfner gibt einen Thaler Abfahrtsgeld, ein Coffäte einen halben Thaler Absteuer. S. Abzug.


Absteuern (W3) [Adelung]


Absteuern, verb. reg. act. in der Schifffahrt, so viel als ablenken, abstoßen. Das Schiff von dem Lande absteuern.


Abstich (W3) [Adelung]


Der Abstich, des -es, plur. die -e, von abstechen. 1) Alles dasjenige, was abgestochen worden. Besonders in den Hüttenwerken, die durch das Stichauge in den Tiegel oder Stichherd geflossene Materie. Ingleichen bey den Nähterinnen, was nach einem Muster zum Ausnähen abgestochen ist. 2) * Bey einigen, obgleich nur selten, die Abstechung, der Contrast. Das machte mit seiner gewöhnlichen Heiterkeit einen Abstich, besser, stach dagegen ab, fiel dagegen auf.


Abstimmen (W3) [Adelung]


Abstimmen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1) * Eigentlich, nicht zusammen stimmen, von den Tönen in der Musik. 2) * Figürlich, anderer Meinung seyn. Von einem abstimmen. Beyde Bedeutungen sind, so wie das Bey- und Nebenwort abstimmig in der letztern, im Hochdeutschen wenig, im Oberdeutschen aber desto mehr bekannt. 3) Einen abstimmen, dessen Stimme oder Votum durch die folgenden Vota verwerfen; für das ausländische abvotiren.


Abstoßen (W3) [Adelung]


Abstoßen, verb. irreg. act. S. Stoßen. Es ist:I. Ein Activum, und bedeutet:1. Mit einem Stoße absondern, und zwar 1) eigentlich. Ein Stück von der Mauer abstoßen. Dem Ochsen sind die Hörner abgestoßen worden, und er hat sich die Hörner abgestoßen. Daher die sprichwörtliche R. A. sich die Hörner abstoßen, durch gefundenen Widerstand behutsamer, nachgebender werden, S. auch Ablaufen. Einem zum Galgen verurtheilten das Genick, einem zum Rade verurtheilten das Herz abstoßen. + Die Angst will ihm das Herz abstoßen, tödten. Daher die sprichwörtliche R. A. er mußte es ausplaudern, sonst hätte es ihm das Herz abgestoßen. Es wird dir das Herz nicht abstoßen, nehmlich, wenn du es verschweigest. 2) In weiterer Bedeutung, drückt es verschiedene, mit einem Stoße verbundene Arten der Absonderung aus. So bedeutet z. B. abstoßen bey den Tischlern so viel als abhobeln. Das Rauhe am Holze mit dem Hobel abstoßen, und metonymisch, ein Bret abstoßen, ihm die Ungleichheiten mit dem Hobel benehmen. Bey den Weißgärbern und Pergamentern bedeutet, die Haare abstoßen, ingleichen metonymisch, ein Fell abstoßen, die Haare von dem noch nassen Felle auf dem Streich- oder Abstoßbaume, mit dem Abstoßmesser abschaben. Bey den Mäurern und Zimmerleuten ist abstoßen, die scharfen Ecken an einem Steine oder Stücke Bauholz abhauen. 2. Mit einem Stoße entfernen. 1) Eigentlich. Den Kahn abstoßen, von dem Ufer. Den Stuhl von der Wand abstoßen. 2) In weiterer Bedeutung, a) an einigen Orten, besonders in Oberdeutschland, so viel als entwöhnen, von Thieren. Kälber, Füllen, Lämmer abstoßen. b) In der Landwirthschaft, von dem Rindviehe, die Kälberzähne abstoßen, sie verlieren, welches bey den Pferden abschieben und schieben, und bey den Rindern abzahnen und zahnen genannt wird. c) Bey den Treibejagden, denjenigen Treibeleuten, welche aus der Linie gekommen sind und zurück bleiben, fortzugehen befehlen, bis sie mit den übrigen eine Linie machen. d) In der Landwirthschaft stößet man die Bienen ab, wenn man sie tödtet, und ihnen den Honig nimmt. 3) Figürlich. Eine Schuld abstoßen, bezahlen, im gemeinen Leben.3. Mit Stoßen zur Vollkommenheit bringen, durch Stöße die gehörige Gestalt geben. So heißt in den Hüttenwerken, eine Höhle oder Grube abstoßen, sie mit Gestübe oder Asche ausfüllen, und selbige fest einstampfen.4. Sich abstoßen, durch vieles Anstoßen abgenützet werden. Die Kleider stoßen sich ab. Die Schuhe haben sich abgestoßen.II. Ein Neutrum. 1. Mit dem Hülfsworte seyn. Von dem Lande abstoßen, mit dem Schiffe oder Kahne von dem Lande abfahren. Wir sind gestern früh vom Lande abgestoßen. 2. Mit haben, nur bey den Jägern, so viel als abblasen, d. i. das Ende der Jagd durch einen Stoß in das Hifthorn verkündigen.

Anm. Das Hauptwort die Abstoßung kann in allen eigentlichen Bedeutungen des Activi gebraucht werden. In Oberdeutschland bedeutet abstoßen, von Waaren gebraucht, auch so viel als absetzen, d. i. verkaufen, und der Abstoß, so viel als Absatz oder Verkauf.


Abstract (W3) [Adelung]


Abstract, adj. et adv. von dem Lat. abstractus. 1) An einem andern Dinge befindlich, aber von demselben abgesondert gedacht; im Gegensatze des concret. Die Tugend ist ein abstracter Begriff, ein abgesonderter, allgemeiner, bey einigen auch wohl, aber nicht so schicklich, ein abgezogener; weil sie nicht für sich bestehet, sondern immer an einem andern Dinge befindlich ist, S. Abstrahiren. 2) Ein abstracter Kopf, der Fertigkeit besitzet, abstracte Begriffe zu bilden. 3) Durch allzu starke Abstraction dunkel, schwer zu verstehen. 4) + Zerstreut, unaufmerksam. Ein abstracter Mensch.


Abstraction (W3) [Adelung]


Die Abstraction, plur. die -en, von dem Latein. abstractio. 1) Die Handlung des Absonderns in Gedanken von einem selbstständigen Dinge. 2) Ein solcher abgesonderter Begriff. 3) + Zerstreuung, Mangel der Aufmerksamkeit, Distraction.


Abstrafen (W3) [Adelung]


Abstrafen, verb. reg. act. gehörig strafen, mit der verdienten Strafe belegen, doch nur von leichten Strafen. Einen seiner Vergehen wegen abstrafen. Ein Kind mit Worten, mit der Ruthe abstrafen. Sich abstrafen lassen, sich der verdienten Strafe unterwerfen. Daher die Abstrafung.


Abstrahiren (W3) [Adelung]


Abstrahiren, verb. reg. act. von dem Lat. abstrahere. 1. In Gedanken absondern, besonders unselbstständige Begriffe von selbstständigen Dingen absondern; bey einigen, obgleich nicht so schicklich, abziehen. Sich Merkmahle abstrahiren. 2. + Von etwas abstrahiren, als ein Neutrum, mit haben, davon abstehen, die Hoffnung dazu, und das Bemühen darnach aufgeben.


Abstreifen (W3) [Adelung]


Abstreifen, verb. reg. act. durch Streifen absondern. Die Blätter eines Zweiges abstreifen, und metonymisch, einen Zweig abstreifen. Ingleichen bey den Jägern, einem Thiere die Haut abziehen, ohne solche am Bauche zu öffnen, welche Haut alsdann ein Balg genannt wird. Einem Wolfe, Luchse, Fuchse, Hasen, Biber, Marder, einer Otter, Katze den Balg abstreifen; ingleichen metonymisch, einen Wolf, Luchs, Fuchs, Hasen abstreifen. So auch, einen Aal, eine Schlange abstreifen. Daher die Abstreifung.


Abstreiten (W3) [Adelung]


Abstreiten, verb. irreg. act. S. Streiten. 1) Durch einen Rechtshandel entziehen, abrechten. Er hat mir einen Garten, ein Haus abgestritten. Noch mehr aber, 2) streitig machen, durch Gründe und Gegengründe zu entziehen suchen. Einem seinen Grund und Boden abstreiten. Ein Kind sucht Kindern oft den Apfel abzustreiten, Haged. 3) Mit Gründen gegen geäußerte Gegengründe absprechen, dessen Besitz verneinen. Man will uns alle Vorzüge abstreiten. 4) Durch Gründe gegen eines andern Gegengründe verneinen. Das lasse ich mir nicht abstreiten.


Abstrich (W3) [Adelung]


Der Abstrich, des -es, plur. inusit. 1) Die Handlung des Abstreichens, in manchen einzelnen Fällen. 2) Was abgestrichen wird. Besonders in den Hüttenwerken, die Unart, welche sich bey dem Abtreiben des Silbers auf dem Treibeherde in die Höhe begibt, und abgestrichen wird. In den Zinnwäschen wird die taube Schlacke, welche in dem Siebe abgehoben wird, gleichfalls der Abstrich genannt.


Abstricken (W3) [Adelung]


Abstricken, verb. reg. act. 1) Von stricken, acu texere. (a) Durch Stricken leer machen. Eine Nadel abstricken. (b) Durch Stricken bezahlen. Eine Schuld abstricken. 2) * Von Strick, laqueus, gewaltsam berauben. Einem sein Vermögen abstricken, verkümmern. Einem Lande die Zufuhre, die Lebensmittel abstricken, abschneiden. Hast alle Weg und Bahn Den Bothen abgestrickt, daß niemand für dich kann, Opitz. Ich besorgte, daß durch solche Ankunft anderer mir meine Einsamkeit möchte abgestrickt werden, ebend. Eben derselbe übersetzt auch die Worte Grotii, Votaque mors rumpit, durch der Tod strickt alles ab. Daher die Abstrickung. Anm. In dieser zweyten Bedeutung ist das Wort vornehmlich in Oberdeutschland üblich; allein es kommt in der Bedeutung des Verkümmerns auch zuweilen in der gerichtlichen Sprache anderer Gegenden vor. Haltaus hielt es für das Niedersächsische abstrecken, abziehen; allein es läßt sich ganz füglich von Strick ableiten. S. Strick und Verstricken.


Abstriegeln (W3) [Adelung]


Abstriegeln, verb. reg. act. 1) Mit der Striegel wegnehmen. Den Staub abstriegeln, von dem Pferde. Ingleichen auf solche Art reinigen. Ein Pferd abstriegeln. 2) Gehörig striegeln. Die Pferde abstriegeln.


Abströmen (W3) [Adelung]


Abströmen, verb. reg. 1. Activum. (a) Auf einem Strome hinab fließen machen. Holz abströmen. (b) Durch Strömen abreißen, absondern. Der Rhein strömet immer viel von seinem Ufer ab. 2. Ein Neutrum, mit seyn, (a) In der Schifffahrt, durch den Strom in den See abgetrieben werden. (b) Heftig abfließen.


Abstrossen (W3) [Adelung]


Abstrossen, verb. reg. act. in den Bergwerken, strossenweise gewinnen, oder abhauen. Das Erz, einen Gang abstrossen.


Abstufen (W3) [Adelung]


Abstufen, verb. reg. act. 1) Von Stufe, ein Stück, im Bergbaue, stufen- oder stückweise abhauen. Erz abstufen. 2) * Von Stufe, gradus, stufenweise verschieden machen; ein nur von einigen Schriftstellern gewagtes Wort, welches so wie das Substantiv, die Abstufung, doch wenig Beyfall gefunden hat. Der Dichter muß seine Charaktere gehörig abzustufen wissen. Welche Mannigfaltigkeit in der Abstufung seiner Charaktere! Alle kleine Verflößungen der Leidenschaften, Schattirungen, und Abstufungen. Wo Abänderung wohl eben das würde gesagt haben.


Abstülpen (W3) [Adelung]


Abstülpen, verb. reg. act. die Stulpe oder Krämpe niederlassen. Den Hut abstülpen, die Krämpe an demselben niederlassen. Niedersächsisch abstulpen, wo es überhaupt den Deckel abnehmen bedeutet.


Abstümpfen (W3) [Adelung]


Abstümpfen, und abstumpfen, verb. reg. act. 1) * Stumpf machen. Das Beil; den Degen abstümpfen; im Hochdeutschen ungewöhnlich. Besonders 2) der Spitze oder der scharfen Ecke berauben. Ein abgestümpfter Kegel, conustruncatus. Ingleichen im Bergbaue, einen Stein abstümpfen, die scharfen Ecken an demselben abschlagen.


Absturz (W3) [Adelung]


Der Absturz, des -es, plur. die -stürze, die jähe Seite eines Berges oder Felsens, S. Sturz. - So zeigen sich Hier enge Pfade, dort ein steiler Absturz, Schleg.


Abstürzen (W3) [Adelung]


Abstürzen, verb. reg. act. 1) Hinab stürzen, vornehmlich in der Oberdeutschen Mundart. Sie werden oftermahls ganz plötzlich abgestürzet, Von ihrer Majestät, Opitz.- Er hat die Herrlichkeit Und Ansehn Israels, den Ruhm der alten Zeit Vom Himmel abgestürzt, ebend. 2) In weiterer Bedeutung, so viel als abladen, abwerfen. Ein Fuder Kohlen abstürzen, im Bergbaue und dem Forstwesen. 3) Im Stürzen absondern. Sich den Hals abstürzen. Daher die Abstürzung.


Abstutzen (W3) [Adelung]


Abstutzen, verb. reg. act. abschneiden oder abhauen und kürzer machen. Sich die Haare abstutzen. Einem Pferde die Ohren, den Schwanz abstutzen. Den Buchsbaum abstutzen. Bey den Tuchscherern bedeutet, wollene Zeuge abstutzen, sie zum ersten Mahle scheren. Daher die Abstutzung.


Absuchen (W3) [Adelung]


Absuchen, verb. reg. act. 1) Suchen und abnehmen. Die Raupen von einem Baume absuchen. 2) Gehörig durchsuchen. So suchen die Jäger ein Stück Feld, eine Wiese, ein Revier ab, wenn sie solche sorgfältig durchgehen, und den Hund fleißig suchen lassen. So auch die Absuchung.


Absud (W3) [Adelung]


Der Absud, des -es, plur. inus. von absieden. 1) Die Handlung des Absiedens. In der Münze wird die Reinigung der Münzen vor dem Prägen durch Sieden, der Absud oder Weißsud genannt. Bey den Färbern ist der Absud oder Absod, die Probe der ächten Beschaffenheit der Farbe in einem wollenen Tuche, indem man dasselbe mit Alaun, Seife oder Weinstein absiedet. 2) Dasjenige, was abgesotten ist. So ist der Absud in den Apotheken, ein flüssiger Körper, welcher die Kräfte eines andern durch Sieden in sich genommen hat; mit einem Lat. Worte, ein Decoct. Ein Absud von Lorberblättern.


Absurd (W3) [Adelung]


+ Absurd, -er, -este, adj. et. adv. von dem Lat. absurdus, der gesunden Vernunft zuwider, ungereimt, abgeschmuckt.


Absurdität (W3) [Adelung]


+ Die Absurdität, plur. die -en, von dem vorigen. 1. Der Zustand, da etwas absurd ist, ohne Plural; die Ungereimtheit, Abgeschmacktheit. 2. Eine ungereimte Sache, eine Ungereimtheit, Abgeschmacktheit.


Absüßen (W3) [Adelung]


Absüßen, verb. reg. act. 1) Gehörig süß machen, wofür doch süßen oder versüßen üblicher sind. Eine Arzeney absüßen. 2) In der Scheidekunst und dem Hüttenwesen bedeutet absüßen, die salzigen und sauern Theile von einem in Säuren aufgelöseten Körper abwaschen. Gold oder Silberkalk absüßen. In den Hüttenwerken geschieht solches in dem kupfernen Absüßkessel. In mehr uneigentlicher Bedeutung ist absüßen bey den Stärkmachern, in dem getretenen Weitzen die reine Stärke durch hinzu gegossenes Wasser von den Hülsen absondern, welches in der Absüßwanne oder dem Absüßbottiche geschiehet. So auch die Absüßung.


Abt (W3) [Adelung]


Der Abt, des -es, plur. die Äbte, ein Prälat, der einer Abtey vorgesetzet ist. Ein insulirter Abt, der bischöfliche Ehrenzeichen und Vorrechte hat. Ein gefürsteter Abt, im Deutschen Reiche, der zugleich die fürstliche Würde besitzet. Sprichwort: Wie der Abt so die Mönche. Wenn der Abt die Würfel auflegt, hat das Convent Macht zu spielen. Den Abt reiten lassen, sich ohne Zwang lustig machen; Und drauf lassen wir den Abt Auf dein Wohlergehen reiten, Can. ist eine sprichwörtliche R. A. welche vermuthlich von einem ernsthaften Abte entstanden, den man in Gesellschaften nicht gerne gesehen, und ihn daher auch nicht da zu bleiben genöthiget. Von dem Fämin. S. Äbtissinn.

Anm. Abt, Latein. Abbas, Angels. Abbad, Dän. Abbed, Schwed. Abbot, ist ein Syrisches Wort, welches einen Vater bedeutet, und zugleich mit der bezeichneten Sache aus den Morgenländern in die Abendländer gebracht worden. S. Abba.


Abtafeln (W3) [Adelung]


+ Abtafeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im Scherze im gemeinen Leben üblich ist, von der Tafel aufstehen, aufhören zu speisen.


Abtäfeln (W3) [Adelung]


Abtäfeln, verb. reg. act. mit dem gehörigen Täfelwerke versehen. Ein Zimmer abtäfeln. Daher die Abtäfelung.

Anm. In Oberdeutschland bedeutet, einen abtäfeln, ihn gleichsam mit lebendigen Farben abmahlen, nach allen seinen Fehlern schildern, und hier ist es von dem Lat. tabula, ein Gemählde, entlehnet.


Abtakeln (W3) [Adelung]


Abtakeln, verb. reg. act. der Takel oder Schiffsseile berauben, in der Sprache der Seefahrer. Ein Schiff abtakeln, das Tauwerk aus dem Schiffe nehmen und verwahren. Daher die Abtakelung.


Abtanzen (W3) [Adelung]


Abtanzen, verb. reg. act. 1) Durch Tanzen, oder im Tanzen entziehen. Einem ein Frauenzimmer abtanzen. 2) Tanzend abnehmen. Einer Braut den Kranz abtanzen. 3) Durch Tanzen absondern. Sich die Absätze von den Schuhen abtanzen. 4) + Sich abtanzen, sich durch vieles Tanzen entkräften.


Abtauschen (W3) [Adelung]


Abtauschen, verb. reg. act. durch Tausch von jemanden erhalten, tauschweise an sich bringen. Ich habe ihm ein Buch, seinen Garten abgetauschet. Daher die Abtauschung.


Abteufen (W3) [Adelung]


* Abteufen, verb. reg. act. bey den Bergleuten, in die Teufe, das ist Tiefe, arbeiten, für abtiefen. Einen Schacht abteufen, graben, absinken. Daher die Abteufung.


Abtey (W3) [Adelung]


Die Abtey, plur. die -en. 1) Ein zu einer Prälatur erhobenes Kloster, dessen Vorgesetzter ein Abt ist. 2) Die Pfründe, Würde, das Amt eines Abtes. Eine einträgliche Abtey erhalten. 3) Das Gebieth eines solchen Klosters oder Abtes. 4) Die Wohnung eines Abtes. In der Abtey wohnen.


Abteylich (W3) [Adelung]


Abteylich, adj. et adv. zur Abtey gehörig. Abtheyliche Zinsen, Güter u. s. f.


Abtheilen (W3) [Adelung]


Abtheilen, verb. reg. act. 1) Theilen, d. i. in Theile zerlegen, und diese Theile merklich machen, welcher letztere Begriff in der Partikel ab liegt; dagegen eintheilen mehr auf die bestimmte Anzahl der Theile siehet. Die Grade auf dem Quadranten abtheilen. Ein Feld, eine Fläche, ein Zimmer, ein Kriegsheer, ein Buch abtheilen. Ein Ganzes in seine Theile abtheilen. Den Tag in zwölf Stunden abtheilen.Wie theilt der Sonnenlauf so schnell die Zeiten ab, Can. Wörter abtheilen, oder auch nur theilen, welches vermittelst des Abtheilungszeichens (-) oder auch nur Theilungszeichens geschiehet. 2) Mit einem Theile eines gemeinschaftlichen Vermögens abfinden, absondern. Seine Rinder abtheilen. Abgetheilte Rinder. Nachgeborne Prinzen abtheilen. Ein abgetheilter Herr oder Prinz, den man mit einem ausländischen Worte gemeiniglich einen apanagirten Prinzen nennet. Diese Art des Abtheilens wird in den besondern Rechten verschiedener Orte auch abfinden, ablegen, abmehren, absondern, abscheiden u. s. f. genannt. S. diese Wörter.


Abtheilung (W3) [Adelung]


Die Abtheilung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Abtheilens, in beyden Bedeutungen. 2) Einer derjenigen merklich gemachten Theile, worin, ein Ganzes abgetheilet worden. Die erste, zweyte Abtheilung eines Buches, einer Schrift, eines Gartens, eines Gebäudes u. s. f.


Abthon (W3) [Adelung]


Der Abthon, des -es, plur. inusit. ein Nahme, der an einigen Orten, besonders Oberdeutschlandes, dem so genannten Frauenhaare gegeben wird, und ohne Zweifel aus der Lat. Benennung Adiantum verunstaltet ist. S. Frauenhaar.


Abthun (W3) [Adelung]


Abthun, verb. irreg. act. S. Thun.1. Herab thun, wegthun, d. i. ablegen, abziehen, von sich legen, und zwar, 1) in eigentlicher Bedeutung. Den Hut abthun, abnehmen, ingleichen von sich legen. Den Mantel, die Schürze, den Ring abthun. Den Unflath am Fleische abthun. Die Hand von einem abthun, besser abziehen, verlassen, sich seiner nicht mehr annehmen. 2) In figürlicher Bedeutung. (a) Abschaffen, abstellen. Eine Gewohnheit, einen Mißbrauch abthun. Den Unterschied abthun, Opitz. In beyden Bedeutungen kommt dieses Zeitwort im Hochdeutschen wenig mehr, im Oberdeutschen aber desto häufiger vor, aus welcher Mundart es auch Luther in seine Bibelübersetzung aufgenommen hat. (b) Zu Stande bringen, beylegen, weil eine Sache alsdann gleichsam weggethan wird. Eine Rechnung, einen Streit abthun. Wir haben noch viel mit einander abzuthun. Das ist eine längst abgethane Sache. Die Schuld ist abgethan.2. Hinrichten, schlachten. Einen Übelthäter abthun, im verächtlichen Verstande. Besonders gebraucht man es in den Küchen von dem Federviehe. Ein Huhn, eine Gans, ein Paar Tauben abthun. In Oberdeutschland wird es in der Bedeutung des Schlachtens und Hinrichtens häufiger gebraucht. Wozu wird so viel Vieh von euch doch abgethan? Opitz. Wie, daß man dir den Hund zum Opfer abgethan! Ebend. Der Knabe ward gestürzt, die Jungfrau abgethan, Ebend.

Anm. 1. In Oberdeutschland höret man dieses Verbum auch sehr häufig mit der zweyten Endung des Substantives, für, sich einer Sache begeben, sich ihrer entschlagen, Verzicht darauf leisten. Sich der Welt, eines Amtes, eines Gebrauches abthun. Ingleichen mit der dritten, einer Sache abgethan, ihr abgestorben seyn. Wer aber ganz dem Leib ist abgethan, Und nimmt sich nur der Himmels Sorgen an, Opitz. Bis ich der Sterblichkeit inkünftig abgethan, Ebend. Mehrere Beyspiele führet Haltaus h. v. an.

Anm. 2. Abthun, Niedersächsisch afdoen, in der dritten Bedeutung des Tödtens, wird gemeiniglich zu thun, facere, gerechnet. Allein es scheint vielmehr, daß es von tödten abstamme, welches die Niedersachsen mit Auslassung des mittlern dt, doen schreiben und sprechen. Vielleicht haben die Oberdeutschen, die dieses Zeitwort von den Niedersachsen entlehnet, dessen wahre Bedeutung nicht gewußt, und es daher nicht nur zu thun (Nieders. doon) gerechnet, sondern es auch auf gleiche Art conjugiret. Was diese Vermuthung bestätiget, ist dieses, daß statt dessen bey einigen Oberdeutschen Schriftstellern wirklich abtödten gefunden wird, welches denn dem Goth. afdauthjan näher kommt.


Abtiefen (W3) [Adelung]


Abtiefen, S. Abteufen.


Abtilgen (W3) [Adelung]


* Abtilgen, verb. reg. act. welches nur in Oberdeutschland üblich ist, und tilgen und abschaffen bedeutet, aber doch 2. Macc. 4, 4. vorkommt: und tilgete die alten ehrlichen Gesetze ab.


Äbtissinn (W3) [Adelung]


Die Äbtissinn, plur. die -en, die Vorsteherinn einer weiblichen Abtey, im Schwabenspiegel Abtissa, vom Lat. Abbatissa, daher das Wort in Titulaturen auch oft noch Abbatissinn lautet. Von der Gattinn eines protestantischen Abtes hingegen, gebraucht man das Wort Äbtinn.


Äbtlich (W3) [Adelung]


Äbtlich, adj. et. adv. dem Abte gehörig, in dessen Würde gegründet. Die äbtliche Würde, äbtliche Ehrenzeichen, Truppen, u. s. f. Äbtisch, welches ehedem in dieser Bedeutung sehr üblich war, ist veraltet. Um das Jahr 1385 findet sich auch abtig, in gleicher Bedeutung: Unser abtige Ingesiegel.


Abtoben (W3) [Adelung]


Abtoben, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben zu sich nimmt, aufhören zu toben. Seine Wuth wird bald abgetobet haben. Der Sturm hat abgetobet.


Abtraben (W3) [Adelung]


Abtraben, verb. reg. neutr. mit seyn, wegtraben, d. i. fortgehen, im verächtlichen Verstande. Er mußte leer abtraben.


Abtrag (W3) [Adelung]


Der Abtrag, des -es, plur. car. die Handlung des Abtragens, doch nur 1) in der figürlichen Bedeutung der Bezahlung. Der Abtrag einer Schuld, der obrigkeitlichen Gefälle. Ingleichen 2) in den Rechten, Schadloshaltung, Vergütung, Ersatz eines zugefügten Schadens, so wohl an Vermögen, als auch an der Ehre. Einem einer Beleidigung wegen Abtrag thun oder machen. Damit ihnen Abtrag geschehe. Abtrag begehren, verlangen. In dieser Bedeutung wird das Wort mehrentheils ohne Artikel gebraucht.


Abtragen (W3) [Adelung]


Abtragen, verb. irreg. act. S. Tragen.1. Herab tragen, doch nur, (a) in metonymischer Bedeutung, durch Tragen niedriger machen, nach und nach einreißen. Ein Gebäude, einen Berg, eine Mauer, einen Wall, ein Dach abtragen. Poch- und Kunsträder, eine Radstube abtragen, in den Bergwerken. (b) In figürlicher Bedeutung bey den Feldmessern, einen Riß abtragen, oder auf das Feld abtragen, den- selben nach dem wahren Maße auf das Feld übertragen, nach einer Zeichnung auf dem Papiere eine ähnliche Figur auf dem Felde machen. Ingleichen gewisse Maße von dem Maßstabe mit dem Zirkel abnehmen und auf das Papier tragen.2. Wegtragen, und zwar, a) in eigentlicher Bedeutung. Die Speisen abtragen, von dem Tische, und nach einer gewöhnlichen Metonymie auch, den Tisch abtragen. Das Getreide von der Tenne abtragen. Einen Leithund abtragen, bey den Jägern, ihn, wenn man ihn abrichtet, von der Fährte tragen, damit er sie wieder finden lerne. b) Figürlich, für bezahlen. Seine Schuld abtragen. Zoll, Steuern und Gaben abtragen. Die Zinsen auf den bestimmten Tag abtragen. Hierher gehöret, c) auch die veraltete Bedeutung des Ersetzens, oder Vergütens, wovon Haltaus Beyspiele anführet, und wofür man jetzt lieber sagt, Abtrag thun. Wachter glaubt, daß mit dieser gerichtlichen Bedeutung auf die ehemahlige Strafe der Ehebrecher angespielet werde, welche in einigen nördlichen Gegenden einen Stein tragen mußten. Allein wenn man sich erinnert, daß in den ältesten Zeiten alle Bezahlung, folglich auch der gerichtliche Ersatz mit Feldfrüchten oder Viehe geschahe, so wird man den Begriff des Abtragens in der eigentlichsten Bedeutung hier wahrscheinlicher finden, als eine so gezwungene Anspielung.3. Durch langes Tragen abnützen. Ein Kleid abtragen. Ein abgetragener Hut. Ein Paar Schuhe trägt sich bald ab. Ingleichen, + sich abtragen, sich durch vieles Tragen, d. i. lange Fruchtbarkeit entkräften, von Fruchtbäumen.4. Durch Tragen zur Vollkommenheit bringen. So heißt bey den Jägern, einen Falken abtragen, ihn so lange tragen, bis er zahm und abgerichtet wird.Daher die Abtragung in allen obigen Bedeutungen. In der Schweiz bedeutet es auch so viel als eintragen, und da ist denn auch Abtrag für Ertrag üblich.


Abträufeln (W3) [Adelung]


Abträufeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfswort seyn, welches eigentlich das Frequentativum und Diminutivum von dem ungewöhnlichen abtraufen ist, wofür man im Hochdeutschen abtriefen sagt; in Gestalt kleiner Tropfen herab fallen. Das Wasser abträufeln lassen.


Abtreiben (W3) [Adelung]


Abtreiben, verb. irreg. S. Treiben, welches in doppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Activum.1. Hinweg treiben, in welcher Bedeutung treiben von weitem Umfange ist, und mancherley, von einander oft sehr verschiedene Mittel in sich fasset. So sagt man, den Feind abtreiben oder ihn von der Stadt, von den Festungswerken abtreiben, Gewalt mit Gewalt abtreiben. Die Bienen abtreiben, S. Abtrommeln. Ingleichen in den Rechten. Einen von seinem Besitze, von einem Gute abtreiben. Einen von einem Kaufe abtreiben, so wohl durch ein höheres Geboth, als auch durch das Einstandsrecht. Ferner, einem Kinde die Würmer abtreiben, durch Arzneymittel. Sich ein Kind abtreiben, dessen unzeitige Geburt durch Arzneymittel verursachen. Abtreibende Mittel, in der Arzneykunst. Wie auch in dem Bergbaue, das Gestein abtreiben, locker gewordenes Gestein völlig los brechen. In Forstwesen, Holz abtreiben, ein Revier, einen Wald abtreiben, alle darin befindliche Bäume fällen und wegschaffen. So auch nach einer bey den mit ab zusammen gesetzten Zeitwörtern sehr gewöhnlichen Metonymie, in den Hüttenwerken, Gold und Silber abtreiben, alle Unreinigkeiten vermittelst des Bleyes von demselben wegtreiben. Derjenige Schmelzer, welcher solches verrichtet, wird daher der Abtreiber genannt, der nebst seinen Gehülfen einen gesetzten Abtreibelohn, und zum Trinkgelde ein so genanntes Abtreibebier erhält. Ferner beyden Jägern, einen Ort, ein Dickicht abtreiben, alles Wildbret aus demselben treiben. Ingleichen bey den Papiermachern, das Papier abtreiben, das gemachte Papier an den Enden mit einem großen Reibeisen abreiben.2. Durch vieles Treiben entkräften, von dem Zug- und Lastviehe. Das Zugvieh abtreiben, ein abgetriebenes Pferd.II. Als ein Neutrum, mit seyn, nur in der Schifffahrt. Ein Schiff treibet ab, wenn es von seiner Fahrt abgebracht wird. Daher die Abtreibung in den activen Bedeutungen.


Abtrennen (W3) [Adelung]


Abtrennen, verb. reg. act. was an eine andere Sache befestiget ist, mit einiger Gewalt absondern. Besonders bey den Nähterinnen, was auf- oder angenähet ist, mit einem schneidenden Werkzeuge nach und nach ablösen. Einen Ärmel von dem Hemde, die Spitzen von einer Haube abtrennen. Daher die Abtrennung. In den übrigen Fällen bedienet man sich lieber des einfachen Trennen. Für abtrennlich ist trennbar edler und üblicher.


Abtreten (W3) [Adelung]


Abtreten, verb. irreg. S. Treten. Es ist:I. Ein Activum, und bedeutet: 1) Durch Treten, oder im Treten absondern. Einen Nagel, ein Stück von einer Mauer abtreten. Den Absatz abtreten. Ingleichen metonymisch, durch vieles Treten oder Gehen abnutzen. Die Schuhe abtreten. Ein abgetretener Absatz. 2) Durch Treten bezeichnen. Ein Beet, einen Weg im Garten abtreten. 3) Durch Treten zur Vollkommenheit bringen. Einen Weg abtreten, fest treten. Den Lehmen, den Thon wohl abtreten, ihn zur Genüge treten, bey den Töpfern. 4) Überlassen. Einem sein Recht, sein Haus, seine Güter, sein Amt, die Regierung abtreten. Er mußte seinen Gläubigern Haus und Hof abtreten. Gern will ich dem, der nach mir kommt, den Besitz alles dessen abtreten, was ich noch das Meinige nenne, Dusch. Ich trete dir den Sieg ab, erkenne mich für überwunden. Es ist dieses ohne Zweifel die figürliche Bedeutung der folgenden zweyten der Mittelgattung, in welcher das Zeitwort wegen der damit verbundenen Thätigkeit zu einem Activo gemacht worden.II. Ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt. 1) Herab treten, vornehmlich in der weitern Bedeutung des Einkehrens. Bey einem abtreten, nemlich von dem Wagen, d. i. auf kurze Zeit einkehren. Es wird heute ein guter Freund bey mir abtreten. Wir sind in keinem Gasthofe abgetreten. 2) Wegtreten, sich entfernen, und zwar, (1) eigentlich, einen Abtritt nehmen. Von der Schaubühne abtreten. Der Richter befahl den Parteyen, daß sie abtreten sollten. (2) Figürlich. a) Sich seines Rechtes, seiner Ansprüche begeben. Ich trete gern von meinem Rechte ab, Dusch. Valer mußte abtreten. b) Von einem abtreten, seine Partey verlassen. Von einer Gesellschaft abtreten, die Verbindung mit derselben aufheben. So auch, von einem geschlossenen Kaufe abtreten, abgehen. Von seiner Religion, von seiner Meinung abtreten, dieselbe verlassen. Tretet ab von der Ungerechtigkeit, Luth.

Anm. Die Abtretung läßt sich in allen Bedeutungen des Activi gebrauchen, dagegen in den Bedeutungen des Neutrius das Hauptwort der Abtritt üblich ist.


Abtrieb (W3) [Adelung]


Der Abtrieb, des -es, plur. inusit. die Handlung des Abtreibens, doch nur in folgenden beyden Fällen. 1) Im Forstwesen, der Abtrieb des Holzes, eines Waldes, das Fällen und Wegschaffen der Bäume in demselben. 2) In den Rechten, das Abtreiben eines Käufers von dem Kaufe einer Sache, vermittelst des Einstands- oder Näherrechts, welches Recht an einigen Orten gleichfalls der Abtrieb genannt wird.


Abtriefen (W3) [Adelung]


Abtriefen, verb. reg. neutr. ( S. Triefen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, tropfenweise abfallen, herab triefen. Das Fett trieft ab. Den Braten mit dem abtriefenden Fette begießen. Es wird etwas für mich abtriefen, figürlich, ich werde einigen Gewinn bey der Sache haben. Der Ausdruck, der Himmel trieft ab, für es regnet, dessen sich Opitz Pf. 68, 4. bedienet, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Abtrift (W3) [Adelung]


Die Abtrift, plur. inus. das Recht, seine Schafe auf fremde Felder zu treiben, und von ihnen abweiden zu lassen. S. Trift.


Abtrinken (W3) [Adelung]


Abtrinken, verb. irreg. act. S. Trinken. 1) Das Obere eines flüssigen Körpers herab trinken. Das Glas ist zu voll, man muß etwas abtrinken. Den Schaum abtrinken. Der Wein im Fasse ist schon bis auf die Hälfte abgetrunken. 2) Durch Trinken des aufgegossenen flüssigen Körpers schwächen, kraftlos machen. Der Thee ist schon abgetrunken, hat durch aufgegossenes und getrunkenes Wasser bereits alle Kraft verloren. Den abgetrunkenen Kaffee wieder aufkochen. Die (zum Bischof gebrauchten) Pomeranzen sind schon abgetrunken. 3) Durch stärkeres Trinken von einem andern erhalten. Einem seine Schöne abtrinken, S. Absaufen. 4) + Sich durch Trinken wegen einer Forderung bezahlt machen. Eine Schuld, eine Rechnung bey einem Weinschenken abtrinken.


Abtritt (W3) [Adelung]


Der Abtritt, des -es, plur. die -e, von dem Verbo abtreten.1) Die Handlung des Abtretens, so fern dieses Zeitwort ein Neutrum ist; ohne Plural. (1) Die Einkehr auf der Reise. Einen Abtritt bey einem nehmen, bey ihm abtreten. 2) Die Entfernung an einen nahe gelegenen Ort. Einen Abtritt nehmen, abtreten. Der Richter befahl den Parteyen, einen Abtritt zu nehmen, sich auf kurze Zeit zu entfernen. 3) Die Begebung eines Rechtes. Wir mußten ihm hundert Thaler für den Abtritt geben. (4) Die Verlassung einer Partey oder Sache, am meisten in Oberdeutschland. Der Abtritt von einem, von einer Gesellschaft, von einer Religion, von einer Meinung u. s. f.2) Ein Ort, auf welchen man von einem höhern Orte niedertritt, der Absatz. Der Abtritt vor einer Thür. Falle nicht, hier ist ein Abtritt.3) Ein Ort, an welchen man sich bey Seite begibt. (1) In den Bergwerken, kleine Sitze in den Schächten zum Ausruhen, welche auch Absätze, und Wechselbühnen genannt werden. (2) Im gemeinen Leben, ein abgesonderter Ort zur Erleichterung des Leibes. Da es der Wohlstand nothwendig gemacht hat, manche Dinge nicht bey ihrem rechten Nahmen zu nennen, so hat man auch diesem Orte schon in den mittlern Zeiten verschiedene, theils allgemeine, theils mildere Nahmen gegeben, den damit verbundenen schmutzigen Begriff zu verstecken. So nannte man ihn z. B. ehedem das Läublein, von Laube, den Gang, Ausgang, das Sprachhaus u. s. f. Und an manchen Orten führet er noch jetzt die Nahmen das Häuschen, die Gelegenheit u. s. f. S. auch Privet und Secret. Abtritt ist eine ähnliche Benennung, welche anfänglich auch dem strengsten Wohlstande nicht anstößig scheinen konnte, aber durch den immer gemeiner gewordenen Gebrauch auch schon niedrig zu werden anfängt, daher sich viele Statt derselben lieber des Ausdruckes heimliches Gemach bedienen.4) Dasjenige, was abgetreten worden, in der ersten Bedeutung des Activi. So nennen die Jäger dasjenige junge Getreide oder Gras, welches der Hirsch mit seinen Schalen abgetreten hat, den Abtritt.


Abtrocknen (W3) [Adelung]


Abtrocknen, verb. reg. Es ist:I. Ein Activum. 1) Die Nässe von einem andern Körper wegschaffen, in der niedrigen Sprechart abwischen. Sich den Schweiß abtrocknen. Die Thränen abtrocknen. Aber ach,verlorne Thränen, seine Hand trocknet euch nicht ab! Less. Ingleichen, der Nässe berauben, trocken machen. Sich die Augen, die Hände, das Gesicht mit einem Tuche abtrocknen. Sich abtrocknen. Den Tisch abtrocknen. 2) Völlig trocken machen, vermittelst der Wärme oder Luft. Obst im Ofen abtrocknen. Die Wäsche abtrocknen. Daher die Abtrocknung.II. Ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, trocken werden und abfallen. Die Blattern sind bereits völlig abgetrocknet.


Abtrollen (W3) [Adelung]


+ Abtrollen, verb. reg. neutr. mit seyn, abgehen, fortgehen, im verächtlichen Verstande. S. Trollen.


Abtrommeln (W3) [Adelung]


Abtrommeln, verb. reg. act. durch Trommeln vertreiben; ein Ausdruck, welcher besonders von den Bienen gebraucht wird, wenn man ihnen den Honig nimmt, ohne sie zu tödten, indem man sie mit angebranntem Schwefel betäubet, hierauf einen leeren Stock unter einen vollen hält, und mit den Händen auf den ersten trommelt, da sie denn in den untern fallen; welches auch abtreiben genannt wird.


Abtröpfeln (W3) [Adelung]


Abtröpfeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, welches das Diminutivum von dem folgenden ist, in kleinen Tropfen herab fallen.


Abtropfen (W3) [Adelung]


Abtropfen, verb. reg. neutr. gleichfalls mit dem Hülfsworte seyn, tropfenweise herab fallen.


Abtrotzen (W3) [Adelung]


Abtrotzen, verb. reg. act. durch Trotzen von einem erzwingen. Er würde mich nie ansehen können, ohne mich heimlich anzuklagen, wie viel ich ihm abzutrotzen, mich unterstanden, Less. Wer trotzte Waffen oder WeisheitIhr (nehmlich der Natur) oder ihrem Schöpfer ab? Gleim.


Abtrumpfen (W3) [Adelung]


+ Abtrumpfen, verb. reg. act. Einen abtrumpfen, eigentlich, ihn im Kartenspiele mit einem Trumpfe abstechen. Figürlich, ihn mit einer derben Gegenrede abfertigen. Er ist wacker abgetrumpfet worden.


Abtrünnig (W3) [Adelung]


Abtrünnig, adj. et adv. den bisherigen Verbindungen untreu. Von seinem rechtmäßigen Herrn abtrünnig werden. Ein Abtrünniger in oder von der Religion. Die Abtrünnigen, d. i. Anführer, zum Gehorsam bringen.

Anm. Abtrünnig, oder wie es auch hieß, trunnig und trünnig, bedeutete ehedem eigentlich einen Überläufer von dem Kriegesheere, und hernach einen jeden Entrunnenen, wie aus dem Haltaus h. v. erhellet. Es scheint zunächst nicht so wohl von dem Zeitworte abtrennen, als vielmehr von dem damit genau verwandten, aber längst veralteten Hauptworte Trunn herzukommen. Wenigstens ist in dem Verbo das u und i ehedem so selten nicht gewesen, wie Frisch zeiget. Ein Abtrünniger hieß ehedem auch ein Abtrünner und Abtrünnling. Antrunnigi, apostasia, in Gloss. Pez. ist wohl von rennen, und der Partikel ant, oder ent zusammen gesetzt, gleichsam Entrennung. Indessen ist Abtrünnig heut zu Tage im Hochdeutschen nicht mehr so sehr üblich, als in Oberdeutschland, wo man auch das Hauptwort die Abtrünnigkeit, Abfall von der Religion oder von seinem Herrn, hat.


Abtruppen (W3) [Adelung]


Abtruppen, verb. reg. 1. + Neutrum, mit seyn, truppweise abgehen, von mehrern Personen. Sie sind schon abgetruppt. 2. Activum. Die Wache abtruppen, bey den Soldaten, nach abgelöseter Wache mit der Trommel das Zeichen zum Auseinandergehen geben, welches auch abschlagen genannt wird.


Abtuschen (W3) [Adelung]


Abtuschen, verb. reg. act. 1. Mit Tusche nachbilden. Eine Zeichnung abtuschen. 2. + Wacker abprügeln, in der niedrigen Sprechart, von tuschen, schlagen.


Aburtheilen (W3) [Adelung]


Aburtheilen, verb. reg. act. in den Rechten, 1) durch Urtheil und Recht aberkennen. Einem etwas aburtheilen. 2) Mit einem Endurtheile entscheiden. Einen abgeurtheilten Rechtshandel wieder auf die Bahn bringen.


Abverdienen (W3) [Adelung]


+ Abverdienen, verb. reg. act. 1) Durch Dienste von einem andern an sich bringen. Einem viel Geld abverdienen. 2) Durch Dienste und deren Werth bezahlen. So kann der Handwerker einen Vorschuß, eine Schuld abverdienen, wenn er sich selbige an dem verdienten Arbeitslohne abziehen läßt. S. auch Abdienen.


Abvieren (W3) [Adelung]


Abvieren, verb. reg. act. ins Gevierte bringen, viereckt, würfelförmig machen, und zwar, 1) in der eigentlichen Bedeutung. Einen Stein, einen Klotz abvieren, zu einem Würfel hauen. 2) In der figürlichen, in welcher aber nur das Partic. Pass. abgeviert üblich ist, gesetzt, auf alle Fälle gefaßt, verschlagen. Ein abgevierter, d. i. gewandter, Mann, der sich in alles zu schicken weiß. Eine stolze abgeführte Dame, denn so nennen sie unsere Aufwärter, Opitz. Die Römer wußten schon, was hier sey zu erlangen, Das abgeführte Volk hat wohl das Land durchgangen, Eben.

Anm. Abgeviert in der figürlichen Bedeutung ist am meisten in Oberdeutschland üblich. Es ist bloß der Unwissenheit zuzuschreiben, daß man es größten Theils so schreibt und spricht, als wenn es von abführen herkäme, wie schon Frisch v. Vier gezeiget hat. Vieren, gevieren und abvieren in der eigentlichen Bedeutung sind alte und bekannte Zeitwörter. Gisiarun bedeutete aber auch schon zu Ottfrieds Zeiten so viel als zubereiten, tüchtig machen, einrichten, wie aus den beym Schilter v. Fiar angeführten Beyspielen erhellet. Einige Alte wußten die wahre Abstammung schon, wie man aus einem von Frisch angeführten Beyspiele sehen kann, und das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Lat. vir quadratus, ein weiser, standhafter, unbeweglicher Mann, haben wohl eine mehr als bloß zufällige Ähnlichkeit damit, ob sie gleich in der Bedeutung einige Verschiedenheit haben.


Abvisiren (W3) [Adelung]


Abvisiren, verb. reg. act. welches in Ansehung seiner zweyten Hälfte aus dem Lat. visus, oder vielmehr dem Ital. visiera gemacht worden, durch Visiren abmessen. Besonders im Forstwesen, die Länge eines Baumes, ehe er gefället wird, auf solche Art messen.


Abvotiren (W3) [Adelung]


+ Abvotiren, verb. reg. act. von votiren und dem Lat. votare. Jemanden abvotiren, dessen Meinung oder Stimme durch die folgenden mehrern Vota verwerfen; auch abstimmen.


Abwachen (W3) [Adelung]


+ Abwachen, verb. reg. recipr. sich abwachen, sich durch vieles Wachen entkräften.


Abwage (W3) [Adelung]


Die Abwage, plur. inusit. ein neu gemachtes Wort einiger neuen Meßkünstler. 1) Der Unterschied, welchen eine Tiefe gegen eine Höhe, und diese gegen jene hat. 2) In der Mechanik, die Entfernung so wohl der Last als der Kraft, von dem Ruhepunkte, der Abstand.


Abwägen (W3) [Adelung]


Abwägen, verb. reg. am häufigsten irreg. act. S. Wägen.1. Das Gewicht einer Sache gehörig bestimmen. 1) Eigentlich. Die Güter abwägen lassen. Ehedem zählte man das Geld nicht ab, sondern man wägte es ab. 2) In weiterer Bedeutung, das Gefälle eines Flusses, den Abhang eines Erdreiches, und überhaupt die horizontale Lage eines Ortes gegen den andern durch die Grund- oder Wasserwage bestimmen, nivelliren. Eine Fläche abwägen. Den Fall des Wassers mit der Wasserwage abwägen, welches in der Abwägungskunst gelehret wird. So auch, den Mahlpfahl abwägen, bey den Mühlen. Schächte abwägen, im Bergbaue, anweisen, wie solche von unten und oben gehörig zusammen treffen. 3) Figürlich, das Verhältniß einer Sache gegen die andere genau bestimmen. Alle seine Worte auf der Goldwage abwägen. Die Bewegungsgründe müssen auf das genaueste gegen einander abgewäget werden. Wäg unser Schicksal ab, sprich, welches heischt mehr Zähren, Weiße. Der Freund der stets sein Glück nach meinem abgewogen, Ebend. 2. Nach dem Gewichte abtheilen. Den Soldaten das Brot abwägen. Wäget mir von dieser Waare zehn Pfund ab. So auch die Abwägung.

Anm. Abwägen wird von den meisten eben so irregulär conjugiret als wiegen. Allein es wäre zu wünschen, daß man den Unterschied zwischen den Activis und Neutris in der Conjugation überall so genau beobachtete, als in senken und sinken, tränken und trinken, sprengen und springen, setzen und sitzen und andern geschiehet. Wägen würde alsdann mit allen seinen Compositis regulär gehen, und bloß die thätige Bedeutung haben, so wie wiegen mit seinen Compositis und mit seiner irregulären Conjugation allein die Mittelgattung ausdrücken würde. Aber alsdann würde abwiegen, welches einige für abwägen gebrauchen, gar keine Bedeutung haben. S. Wägen und Wiegen.


Abwälzen (W3) [Adelung]


Abwälzen, verb. reg. act. 1) Herab wälzen. Steine von dem Berge, Klötze von der Mauer abwälzen. Auf deine Seele wälzt mein unbegrenzt Vertrauen Die schwerste meiner Sorgen ab, Wiel. 2) Wegwälzen. Und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war, Marc. 16. Alles von sich abwälzen, in figürlichem Verstande, alles Beschwerliche von sich abzuwenden suchen. Daher die Abwälzung.


Abwandeln (W3) [Adelung]


Abwandeln, verb. reg. act. 1) Von wandeln, wenden, bey einigen neuern Sprachlehrern so viel als conjugiren, oder ein Verbum durch seine Zeiten und Personen verändern. Daher die Abwandelung, wofür einige Zeitwandelung einführen wollen, weil sie auch die Declination mit jenem Nahmen belegt hatten. Da man von neuen Kunstwörtern mit Recht fordert, daß sie nicht allein den Begriff erschöpfen, sondern ihn auch klar und bestimmt ausdrucken sollen, dieses aber von abwandeln nicht gesagt werden kann, so ist das fremde conjugiren ihm immer noch vorzuziehen. Zeitwandeln ist noch schlechter, weil die Composition sich auf eine ungewöhnliche Ellipse gründet. 2) * Von dem veralteten Wandel, Buße, Ersetzung, für ersetzen, büßen. Und Fehler -Durch strenge Bußen abzuwandeln, Wiel. In dieser Bedeutung ist das Zeitwort nur in Oberdeutschland üblich.


Abwandern (W3) [Adelung]


Abwandern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, sich wandernd entfernen, wegwandern. Zum unsterblichen Leben abwandern.


Abwärmen (W3) [Adelung]


Abwärmen, verb. reg. act. zur Genüge wärmen, durch die gehörige Wärme zu einem gewissen Gebrauche geschickt machen. So werden in den Hüttenwerken die Öfen, Schmelzherde und Kapellen abgewärmet, d. i. erhitzet und ausgeglühet, ehe sie gebraucht werden. So auch die Abwärmung.


Abwarten (W3) [Adelung]


Abwarten, verb. reg. act. 1) Von warten, expectare, warten bis jemand komme, bis etwas erfolge, erwarten. Wir wollen ihn hier abwarten, erwarten. Ich will es schon abwarten. Ich kann seine Ankunft nicht abwarten. Es will abgewartet seyn, man muß darauf warten. Besonders, das Ende einer Sache erwarten. Den Gottesdienst abwarten. Er wollte die Schlacht erst abwarten. 2) Von warten, curare, die gehörige Zeit und Sorgfalt auf etwas wenden. Einen Termin abwarten, sich zur bestimmten Zeit einfinden. Sein Amt, seine Geschäfte, seine Arbeit abwarten, sie mit dem gehörigen Fleiße verrichten. Ich kann es nicht abwarten, kann nicht die gehörige Zeit darauf wenden. Die Sache will abgewartet, d. i. mit Sorgfalt gewartet, seyn. Den Schweiß abwarten. Daher die Abwartung.

Anm. Die Oberdeutsche Mundart gebraucht dieses Zeitwort in der ersten Bedeutung mit der zweyten Endung des Nennwortes, der Zeit, des Gottesdienstes abwarten, und in der zweyten Bedeutung so wohl mit der zweyten als dritten Endung, seinen Geschäften abwarten, eines Dinges und einem Dinge abwarten; worin manche Hochdeutsche es ihr nach thun.


Abwärts (W3) [Adelung]


Abwärts, ein Nebenwort des Ortes, welches aus dem alten Hauptworte Wart und dem Vorworte ab zusammen gesetzet ist. 1) Hinabwärts, von oben nach unten zu. Alles Wasser fließt abwärts. Abwärts gehen, schiffen. 2) Seitwärts, in einiger Entfernung. Es führte sie abwärts an das Fenster. Oft reichte Mars ein volles Glas, Wenn ihr Vulcan nur abwärts saß, Der himmlisch lächelnden Cythere, Haged. In dieser Bedeutung gebraucht schon Ottfried abuuertaz für abwesend.

Anm. Abwärts mit der zweyten Endung des Substantives, z. B. abwärts des Berges, ist nur den Oberdeutschen Mundarten eigen.


Abwaschen (W3) [Adelung]


Abwaschen, verb. irreg. act. S. Waschen. 1) Eigentlich durch Waschen wegbringen. Den Koth, den Wust von etwas abwaschen. Das Abwaschen des Unflathes vom Fleische. Ingleichen metonymisch, durch Waschen gehörig reinigen. Sich die Hände, das Gesicht abwaschen. Sich abwaschen. Eine Leiche abwaschen. Das Geschirr abwaschen. 2) In weiterer Bedeutung, wegspülen, wegschwemmen. Der Regen wäscht den Lehm von der Wand ab. Der Fluß hat alle Erde von dem Ufer abgewaschen. Ingleichen metonymisch. Der Regen wäscht die Berge ab. Der Fluß hat das Ufer abgewaschen. 3) Durch Waschen bezahlen. Eine Schuld bey jemanden abwaschen. So auch die Abwaschung.


Abwässern (W3) [Adelung]


Abwässern, verb. reg. act. 1) * Von dem überflüssigen Wasser befreyen; nur in einigen Gegenden. Die Wiesen abwässern, Den Feldern eine Abwässerung verschaffen. 2) Gehörig wässern. Den Stockfisch abwässern.


Abweben (W3) [Adelung]


Abweben, verb. reg. act. ein Gewebe zu Ende bringen, das Weben vollenden. Ein Stück Tuch abweben; auch abwirken,


Abwechseln (W3) [Adelung]


Abwechseln, verb. reg. Es ist:I. Ein Activum, und bedeutet,1) Durch Wechsel, d. i. Tausch, an sich bringen, doch nur von dem Gelde. Einem ein Goldstück abwechseln. Ich habe meinem Freunde sein altes Silbergeld abgewechselt. Ehedem gebrauchte man es auch von einem jeden Tausche, für abtauschen.2) Wechselweise auf einander folgen lassen, und zwar, (a) gleichgültige Sachen für einander setzen, ablösen. Ein Regiment abwechseln, ein anderes an dessen Stelle setzen. Es wechselt immer einer den andern ab. Diese Bedeutung ist in Oberdeutschland am häufigsten, wo man auch sagt, die Wache abwechseln, d. i. ablösen. (b) In weiterer Bedeutung, abändern, Dinge von verschiedener Art auf einander folgen lassen. Mit den Speisen abwechseln. Ingleichen, die Speisen abwechseln. Gott hat seine Einrichtungen in dem Reiche der Natur unendlich abgewechselt.II. Ein Neutrum, welches das Hülfswort haben zu sich nimmt, wechselsweise auf einander folgen. Glück und Unglück wechseln immer mit einander ab. Ein abwechselndes Glück. Das Fieber wechselt ab. Ein abwechselndes Fieber. Alle Dinge wechseln in der Welt ab, folgen wechselsweise auf einander.


Abwechselung (W3) [Adelung]


Die Abwechselung, plur. die -en, in allen obigen Bedeutungen, so wohl der thätigen als Mittelgattung, besonders in der Bedeutung der Veränderung. Die Abwechselung lieben. Esgeschiehet bloß um der Abwechselung willen. Die Abwechselungen, welche mit allen erschaffenen Dingen vorgehen, belehren uns, daß sie einmahl einen Anfang gehabt haben, und daß der, von dem sie entstanden sind, keinen Abwechselungen unterworfen seyn müsse. In Oberdeutschland ist in dieser Bedeutung auch das Hauptwort der Abwechsel üblich.


Abweg (W3) [Adelung]


Der Abweg, des -es, plur. die -e. 1) Eigentlich, ein Weg, der von dem rechten Wege abführet; ingleichen, ein Nebenweg, Umweg, wie auch ein Schleifweg. Die Straße hat viele Abwege. Durch Abwege entkommen, Einen Abweg nehmen, fahren, reiten. 2) Figürlich, was der Tugend, der Rechtschaffenheit u. s. f. entgegen gesetzt ist. Der junge Mensch ist auf Abwege gerathen, auf Ausschweifungen. Abwege suchen, leere Ausflüchte.

Anm. Von Abweg, beym Ottfried auuigg, hatte man ehedem auch ein Beywort, welches böse, verderbt bedeutete. Auuekkiu Slahta, gebraucht Notker für ein verderbtes Geschlecht, und bey dem Berelio bedeutet afvega, verborgen, geheim. Man findet in der Oberdeutschen Mundart auch das Nebenwort abwegs, welches aber im Hochdeutschen unbekannt ist.


Abwegsam (W3) [Adelung]


Abwegsam, adj. et adv. außer dem Wege gelegen. Ein abwegsamer Ort.


Abwehen (W3) [Adelung]


Abwehen, verb. reg. act. 1) Herab wehen. Der Wind hat alles Obst von den Bäumen abgewehet. Der Wind wehete die Ziegel von den Dächern ab. 2) Wegwehen. Die Weste wehen auf schnellen Flügeln meine Seufzer von Themiren ab. Von der Aussprache des ersten e in diesem Zeitworte, S. Wehen.


Abwehren (W3) [Adelung]


Abwehren, verb. reg. act. 1) Die Annäherung einer Sache hindern, sie mit Nachdruck abhalten, mit der vierten Endung des Nennwortes. Das Vieh von der Saat abwehren. Der Pelz wehret die Kälte ab. Einem die Fliegen abwehren. Es ist nicht mehr abzuwehren. Die Sorgfalt -Mit der ich mich bemüht, dein Unglück abzuwehren, Gell. 2) In weiterer Bedeutung, an etwas hindern, oft mit der dritten Endung der Person. Er läßt sich nicht abwehren. Sie sucht den Kindern abzuwehren, Michael. 3) Einem Übel abhelfen, gleichfalls mit der dritten Endung; obgleich diese Bedeutung und Construction im Hochdeutschen eben nicht die gewöhnliche ist. Der aus Sicilien der Theurung abgewehrt, Gell. 1. Abweichen, ver. reg. von weich, mollis. Es ist 1) ein Activum, durch Erweichen absondern. Ein Pflas=ter abweichen. Daher die Abweichung. 2) Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, weich werden und abfallen. Das Pflas=ter ist abgeweichet. Vermuthlich gehöret hierher auch das Oberdeutsche das Abweichen, die Diarrhöe, der Durchfall. Das Abweichen haben.2. Abweichen, verb. irreg. neutr. ( S. Weichen,) welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt, sich nach und nach und unvermerkt von etwas entfernen, und zwar, 1) eigentlich, dem Orte nach. Von dem rechten Wege abweichen. Abweichen von der Magnetnadel, wird gebraucht, wenn sie nicht gerade nach Norden zeigt, sondern sich auf einer oder der andern Seite davon entfernet. Eine abweichende Sonnenuhr ist eine Vertical-Uhr, welche nicht gerade nach einer der vier Weltgegenden siehet, sondern davon abweicht. Daher das Abweichungs-Instrument, instrumentum declinatorium, in der Gnomonik, ein Instrument, die Abweichung einer jeden Fläche von einer der vier Hauptgegenden zu finden. In der Astronomie bedeutet abweichen, von den Sternen gebraucht, sich von dem Äquator nach einem der beyden Pole entfernen, welche Abweichung vermittelst des Abweichungszirkels, des circuli declinationum, den man in Gedanken durch die Weltpole und den gegebenen Stern ziehet, gemessen wird. 2) Figürlich. (a) Der Zeit nach. In dieser Bedeutung ist besonders das Participium abgewichen für verwichen, verflossen, vergangen, üblich. Im abgewichenen Jahre, in der abgewichenen Woche, in dem abgewichenen Monathe, in abgewichener Nacht; wofür die Niedersachsen ehedem bigeweken, jetzt aber verleden und verschenen, gebrauchen. (b) Der Beschaffenheit nach. (1) Verschieden seyn. Die Menschen weichen bloß nach Maßgabe ihrer Erziehung von einander ab. (2) Sich von etwas entfernen, im moralischen Verstande. Von den Sitten der Vorfahren, von den Gebräuchen der Alten, von seinem Lehrer, von der allgemeinen Gewohnheit abweichen. Oft mit einer nachtheiligen Nebenbedeutung, welche in dem Begriffe der Heimlichkeit, des Unvermerkten, welchen das Verbum weichen hat, gegründet zu seyn scheinet. Von dem Wege der Tugend, von der Wahrheit, von seiner Religion, von seinen Grundsätzen abweichen. Daher die Abweichung in allen obigen Bedeutungen.


Abweifen (W3) [Adelung]


Abweifen, verb. reg. act. vermittelst der Weife abnehmen, abhaspeln. Das Garn von der Spule oder Spindel abweifen, und metonymisch, die Spule oder Spindel abweifen. Daher die Abweifung.


Abweinen (W3) [Adelung]


Abweinen, verb. reg. act. 1) Durch Thränen erhalten, ein ungewöhnliches Verbum, welches aber doch dem Sprachgebrauche gemäß ist, und von Günthern gebraucht wird. - Ein Kaiser,Den Sehnsucht und Gebeth dem Himmel abgeweint. 2) + Sich abweinen, durch viel Weinen abmatten. 3) Durch Thränen tilgen, büßen. O, daß du vergeben könntest! daß ich zu deinen Füßen das alles abweinen könnte! Göthe.


Abweisen (W3) [Adelung]


Abweisen, verb. irreg. act. S. Weisen. 1) Eigentlich, mit der Hand ein Zeichen geben, sich zu entfernen. Einen abweisen. 2) In figürlicher Bedeutung. (a) Jemandes Bitten, Verlangen, Anbringen nicht annehmen wollen, ihn mit seinem Anbringen von sich wegweisen; mit einem verächtlichen Nebenbegriffe. Einen Bettler abweisen. Er will sich nicht abweisen lassen. Er ist mit seinem Gesuche abgewiesen worden. Er wurde mit seiner Klage abgewiesen. Auch mit dem Accusativ der Sache. Eine Bitte abweisen, eigentlich von sich wegweisen. (b) In den Rechten, besonders der mittlern Zeiten, durch gerichtliches Urtheil des Besitzes einer Sache berauben, wovon beym Haltaus Beyspiele zu finden sind. (c) Die Feinde sind mit blutigen Köpfen abgewiesen worden, abgetrieben. Einen mit Schlägen abweisen. Daher die Abweisung.


Abweißen (W3) [Adelung]


Abweißen, verb. reg. 1. Ein Activum, völlig weiß machen, gehörig tünchen. Ein Zimmer abweißen. 2. Ein Neutrum mit haben, die weiße Farbe fahren lassen. Die Wand weißet ab. Daher die Abweißung in der ersten Bedeutung.


Abweite (W3) [Adelung]


* Die Abweite, plur. die -n, die Entfernung; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort. Landkarten, die auf kleine Abweiten gerichtet sind.


Abwelken (W3) [Adelung]


Abwelken, verb. reg. 1. Activum, völlig oder gehörig welk machen. Obst in einem Ofen, Pflaumen an der Sonne abwelken. 2. Neutrum, mit seyn, welk werden und abfallen.Die Blumen sind bereits abgewelket. Daher die Abwelkung in der thätigen Bedeutung.


Abwenden (W3) [Adelung]


Abwenden, verb. reg. et irreg. act. et recipr. S. Wenden. 1) Die horizontale Richtung von etwas wenden. Die Augen abwenden, von etwas. Mit abgewandtem Gesichte reden. Ein Schiff vom Lande abwenden. Einen Hieb, einen Streich von sich abwenden; und figürlich, der Himmel hat den Streich abgewendet, der mein qualvolles Leben endigen sollte, Dusch. 2) Figürlich, die Annäherung eines Übels hindern. Die Gefahr abwenden. Ein Unglück von dem Staate abwenden. Das wolle Gott abwenden! Ehedem nur wenden. Wende Schaden und Verdruß, Can. 3) Mit dem Gemüthe, der Neigung, von etwas entfernen. Einen andern von seinem Vorhaben abwenden, sein Vorhaben zu ändern bewegen. Sich von seinem Vorhaben abwenden, sich anders entschließen. Sein Gemüth von dem Kummer, sein Herz von der Liebe abwenden, dem Kummer, der Liebe entsagen. Bleibt ihr Herz so, wie ihre Augen, von mir abgewandt? Weiße, mir abgeneigt. Sich von einem abwenden, so wohl alle Verbindung mit ihm aufheben, als auch ihm abgeneigt werden. Daher die Abwendung.


Abwendig (W3) [Adelung]


Abwendig, adv. welches von dem vorher gehenden Zeitworte gemacht worden, so fern dasselbe eine Abneigung von etwas beybringen bedeutet. 1) Anderes Sinnes. Einen von seinem Vorhaben abwendig machen. Er läßt sich durch nichts abwendig machen, von seiner Entschließung abbringen. Besonders, 2) ungetreu, abgeneigt, ein gemilderter Ausdruck dessen, was man sonst abtrünnig, treulos nennet; wie abspänstig. Abwendig von einem werden. Du machst meine Bedienten von mir abwendig. Er hat ihm seine Gattinn abwendig gemacht. Die Gemüther abwendig machen.

Anm. Im Niedersächsischen abkehrig. Die Oberdeutsche Mundart gebraucht auch für dieses Nebenwort das einfache wendig. Du hast nicht verstatten wollen, Daß der Feind dein Eigenthum, Von dir wendig machen sollen, Gryph. Die meisten Sprachlehrer rechnen abwendig unter diejenigen Adjective, welche indeclinabel sind, und nur in der ersten und vierten Endung gebraucht werden. Aber warum nennet man es nicht lieber geradezu ein Adverbium, da es nie mit Substantiven, sondern jederzeit mit Verbis, und unter diesen nur allein mit werden und machen verbunden wird?


Abwerfen (W3) [Adelung]


Abwerfen, verb. irreg. S. Werfen. Es ist:I. Ein Activum, welches ein anständigerer Ausdruck für das niedrige abschmeißen ist. 1) Mit einem Wurfe absondern. (a) Eigentlich. Äpfel, Birnen abwerfen. Einer Bildfäule den Arm abwerfen, vermittelst eines darnach geworfenen andern Körpers. (b) Figürlich. Einen abwerfen, im Würfelspiele, mehr Augen werfen als er. 2) Von einem höhern Orte herunter werfen, und zwar, (a) eigentlich. Das Pferd hat den Reiter abgeworfen. Das Joch abwerfen, besonders in der figürlichen Bedeutung, sich einer unangenehmen Verbindlichkeit mit Gewalt entziehen. (b) In weiterer Bedeutung, verschiedene besondere Arten der Absonderung, die mit einiger Gewalt verbunden sind. So sagt man, eine Brücke abwerfen, sie abbrechen oder abtragen. Bey den Jägern wird, das Gehörn abwerfen, und auch nur schlechthin abwerfen, von den Hirschen und Rehböcken, gesagt, wenn sie ein neues Gehörn bekommen, indem sie alsdann das alte an einem Baume abzustoßen pflegen, welches in Ansehung des neuen Gehörnes, auch aufsetzen genannt wird. Außerdem bedeutet abwerfen auch in dem Jagdwesen, theils das Jagdzeug von den Stellstangen abnehmen, theils die aufgestrickten Maschen von dem Strickholze herunter thun. Auf den hohen Ofen werden die Schlacken mit der Abwerfgabel von dem Herde abgeworfen, d. i. abgezogen. In den Blechhämmern bedeutet abwerfen, das überflüssige Zinn von den verzinnten Blechen in dem Abwerfpfännchen abschmelzen. Wenn im Weinbaue den jungen Weinstöcken im dritten Jahre alles Holz über der Erde abgeschnitten wird, so heißt solches an einigen Orten, besonders in Franken, gleichfalls abwerfen, oder reißen. (c) Figürlich, eintragen. Es wirft die Kosten einer neuen Reise nicht ab. Dieses Gut wirft jährlich ein Ansehnliches ab. Eine Arbeit, welche wenig abwirft. (b) * Sich mit einem abwerfen, entzweyen; wofür doch überwerfen üblicher ist.II. Ein Neutrum, welches das Hülfswort haben zu sich nimmt. 1) Bey den Jägern, von den Hirschen und Rehböcken, das Gehörn völlig verlieren, wenn nehmlich abwerfen absolute, ohne den Accusativ, gebraucht wird. 2) Von den Hunden, Katzen und einigen andern Thieren, und bey den Jägern von den Wölfen und Füchsen, so viel als das einfache werfen, Junge werfen. Die Hündinn, die Wölfinn hat abgeworfen, ihre Jungen geboren. 3) Das Werfen vollenden, keine Jungen mehr werfen, von Thieren. Die Hündinn hat bereits abgeworfen.


Abwesen (W3) [Adelung]


Das Abwesen, des -s, plur. car. ist eigentlich der Infinitiv des im Hochdeutschen längst veralteten Zeitwortes abwesen, entfernt seyn. Es ist in meinem Abwesen geschehen. Auch dieses Hauptwort ist im Hochdeutschen ziemlich ungewöhnlich, seitdem es von dem daraus gebildeten Abwesenheit verdränget worden. Indessen kommt es noch in Luthers Übersetzung 2. Cor. 10, 1. 11. Kap. 13, 2. Pf. 2, 12. vor. S. Wesen.


Abwesend (W3) [Adelung]


Abwesend, das Particip. des vorhin gedachten Zeitwortes abwesen, welches als ein Bey- und Nebenwort üblich ist, im Gegensatze des anwesend. Er ist abwesend, nicht gegenwärtig. Ich bin lange Zeit von Hause, aus der Stadt, aus meinem Vaterlande abwesend gewesen. Ein Abwesender, der nicht zugegen ist. In figürlicher Bedeutung heißt abwesend seyn, zerstreut, mit seinen Gedanken abwesend seyn. So auch, ein verstörtes und abwesendes, zerstreutes, Gesicht.


Abwesenheit (W3) [Adelung]


Die Abwesenheit, plur. die -en, der Mangel der Gegenwart einer Person oder Sache, im Gegensatze der Anwesenheit. In seiner Abwesenheit. Es geschahe in meiner Abwesenheit. In Abwesenheit des Königes. Dergleichen häufige Abwesenheiten sind dem Rufe eines jungen Mädchens nachtheilig. Die Abwesenheit einer Bestimmung durch das Gesetz. Abwesenheiten des Geistes haben, zerstreut seyn. In Abwesenheit meiner, seiner u. s. f. wie einige zu reden pflegen, ist ein Überbleibsel der Oberdeutschen Mundart.


Abwetten (W3) [Adelung]


Abwetten, verb. reg. act. durch Wetten von jemanden erhalten. Einem zehn Thaler abwetten.


Abwettern (W3) [Adelung]


Abwettern, verb. reg. 1. + Neutrum mit haben, aufhören zu wettern, d. i. zu donnern und blitzen. Es hat endlich abgewettert. Üblicher ist abwittern. 2. * Activum. Eine Schwelle abwettern, bey den Zimmerleuten, sie schräge hauen, wie an den Treibhäusern, damit das Wetter, d. i. das Wasser, ablaufen könne.


Abwetzen (W3) [Adelung]


Abwetzen, verb. reg. act. 1) Durch Wetzen wegschaffen. Die Spitze von einem Messer, den Rost von einer Klinge abwetzen. Ingleichen, 2) metonymisch durch Wetzen dünner machen, abnützen. Das Messer abwetzen, durch zu vieles Wetzen dünn machen. Das Geld wird durch vieles Ausgeben abgewetzt, oder wetzt sich durch vieles Ausgeben ab, reibt sich ab. Ein abgewetzter Wetzstein, der durch vieles Wetzen abgenützt worden. Daher die Abwetzung.


Abwichsen (W3) [Adelung]


+ Abwichsen, verb. reg. act. abprügeln; in den niedrigen Sprecharten. S. Wichsen.


Abwickeln (W3) [Adelung]


Abwickeln, verb. reg. act. was aufgewickelt war, durch Wickeln abnehmen. Garn, Seide, Wolle, abwickeln. Ingleichen metonymisch, einen Knauel abwickeln. Daher die Abwickelung.


Abwiegen (W3) [Adelung]


Abwiegen, S. Abwägen, in der Anmerkung.


Abwinde (W3) [Adelung]


Die Abwinde, plur. die -n, ein Werkzeug der Weber und Nähterinnen, Seide, Wolle, und leinen Garn darauf abzuwinden, welches auch nur schlechthin die Winde heißt.


Abwinden (W3) [Adelung]


Abwinden, verb. irreg. act. S. Winden. Durch Winden abnehmen. Garn, Seide, Wolle, abwinden. Ingleichen metonymisch, einen Knauel Garn, eine Spule abwinden. So auch ein Seil abwinden, ein über eine Welle gewickeltes Seil herab winden. Daher die Abwindung.


Abwirken (W3) [Adelung]


Abwirken, verb. reg. act. welches nach Maßgebung des einfachen Zeitwortes wirken verschiedene Bedeutungen hat. 1) Durch Wirken absondern. Besonders bey den Jägern, für abziehen. Einem Thiere die Haut abwirken, und metonymisch, einen Hirsch, einen Gäms, ein Schwein abwirken, mit Aufschneidung des Felles am Bauche die Haut abziehen, im Gegensatze des Abstreifens. 2) Zur Genüge wirken. So heißt bey den Bäckern, den Teig wohl abwirken, so viel als ihn gehörig durchkneten. 3) Aufhören zu wirken, zu Ende wirken, besonders in den Salzsiedereyen, aufhören zu sieden. Ingleichen, das Wirken oder Weben vollenden, wie abweben. So auch die Abwirkung.

Anm. Abwirken, für abbrechen oder zerstören, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Indessen sang doch Opitz: Die There sind versenkt, die Riegel ganz zerbrochen, Und sämmtlich abgewirkt.


Abwischen (W3) [Adelung]


Abwischen, verb. reg. act. 1) Durch Wischen wegbringen. Den Staub von dem Tische, den Schweiß von dem Gesichte, das Blut von den Händen abwischen. Der Wangen Lilien und Rosen lagen nun In Tüchern abgewischt, Zachar. In welchem letztern Beyspiele zugleich der Begriff der übertragenen Farbe mit Statt findet. Sich die Thränen abwischen. Einem die Thränen abwischen, figürlich dessen Kummer lindern. Thränen, die wir nicht abwischen, wenn wir können, sind so gut als Thränen, die wir erzwingen, Dusch. Ingleichen, abwischen und auslöschen, mit Kreide geschriebene Buchstaben abwischen. Eine Rechnung abwischen, von der Tafel. 2) Metonymisch, durch Abwischen reinigen. Den Tisch, die Fenster, die Hände, das Gesicht abwischen.


Abwittern (W3) [Adelung]


Abwittern, verb. reg. neutr. mit haben, aufhören zu wittern, wie abwettern 1. Es hat endlich abgewittert.


Abwölfen (W3) [Adelung]


Abwölfen, verb. reg. neutr. mit haben, das Wölfen, oder Gebären vollenden, nicht mehr Junge werfen, besonders bey den Jägern von den Hündinnen. S. Wolf.


Abwuchern (W3) [Adelung]


Abwuchern, verb. reg. act. Einem etwas abwuchern, durch Wucher von ihm erhalten.


Abwürdigen (W3) [Adelung]


Abwürdigen, verb. reg. act. seiner Würde berauben. Das wird ihn in jedermanns Augen zu einem Scheusal der Natur abwürdigen. Besonders von Münzen. Eine Münze, eine Geldsorte abwürdigen, sie ihres scheinbaren Werthes berauben, sie absetzen, verrufen. Daher die Abwürdigung.


Abwürgen (W3) [Adelung]


Abwürgen, verb. reg. act. völlig würgen, schlachten, umbringen, eigentlich von dem Geflügel. Tauben, Hühner, Gänse, Enten abwürgen. In der höhern Schreibart zuweilen überhaupt für schlachten, tödten. Und würgten wir ihm gleich auf jedes TagelichtDrey hundert Ochsen ab, Opitz.- Hier hat man dich geehrt, Die Opfer abgewürgt, Ebend. Daher die Abwürgung.


Abwürzen (W3) [Adelung]


Abwürzen, verb. reg. act. mit dem gehörigen Gewürze versehen. Eine Speise abwürzen. Die Speisen wohl abwürzen. Und im niedrigen Scherze, einen abwürzen, mit einer bittern Antwort, einem derben Verweise abfertigen. So auch die Abwürzung.


Abwüthen (W3) [Adelung]


Abwüthen, verb. reg. 1. Recipr. sich abwüthen, bis zur Entkräftung wüthen. 2. Neutrum, mit haben, aufhören zu wüthen.


Abzackern (W3) [Adelung]


* Abzackern, verb. reg. act. an einigen Orten, besonders in Franken, so viel als abackern, abpflügen. Vielleicht von dem Zacken am Pfluge, und dem ungewöhnlichen Zeitworte zacken, wovon zackern das Frequentativum ist. S. Zackern. + Einem etwas abzäckern, ihm in kleinen Summen ablocken, ist nur in einigen niedrigen Sprecharten üblich.


Abzahlen (W3) [Adelung]


Abzahlen, verb. reg. act. völlig bezahlen, durch Bezahlen tilgen. Eine Schuld, eine Rechnung abzahlen. Ingleichen mit Bezahlung einer Schuld abfinden, abfertigen. Einen abzahlen. Ich habe ihn längst abgezahlt. Und im gemeinen Scherze, einen abzahlen, ihm nach Verdienste höhnisch oder mit Verweisen begegnen; ingleichen sich an einem rächen. In den niedrigen Sprecharten abbezahlen. So auch die Abzahlung.


Abzählen (W3) [Adelung]


Abzählen, verb. reg. act. 1) Zählend wegnehmen, von einer größern Summe eine kleinere wegzählen. Ich habe von diesen hundert Thalern fünfzig abgezählet. 2) Herzählen, genau nach einer gegebenen Zahl bestimmen. Geld abzählen. Das Geld ist schon abgezählt. Die Garben in dem Felde, die Mandeln nach Schocken abzählen. Etwas an den Fingern abzählen, herzählen; und in figürlicher Bedeutung, das kann ich mir an den Fingern abzählen, davon kann ich mich sehr leicht überzeugen, das kann ich leicht begreifen. So auch die Abzählung.


Abzahnen (W3) [Adelung]


Abzahnen, verb. reg. 1. Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, die letzten Kinderzähne verlieren. Das Kind hat schon abgezahnt, im gemeinen Leben. 2. Activum, bey den Tischlern, mit dem Zahnhobel abhobeln. Daher die Abzahnung.


Abzanken (W3) [Adelung]


Abzanken, verb. reg. act. durch Zank von jemanden erhalten. Einem etwas abzanken.


Abzapfen (W3) [Adelung]


Abzapfen, verb. reg. act. 1) Eigentlich, einen flüssigen Körper vermittelst des Zapfens ablaufen lassen. Wein, Bier, Essig abzapfen. Ingleichen metonymisch, ein Faß Bier abzapfen. 2) In weiterer Bedeutung, durch eine Röhre ablaufen lassen. Das Wasser eines Teiches, und einen Teich abzapfen. Einem Wassersüchtigen das Wasser abzapfen. Sich Blut abzapfen lassen, im Scherze, für, sich die Ader schlagen lassen. So auch die Abzapfung.


Abzäumen (W3) [Adelung]


Abzäumen, verb. reg. act. von dem Zaume befreyen. Ein Pferd abzäumen. Daher die Abzäumung.


Abzäunen (W3) [Adelung]


Abzäunen, verb. reg. act. 1) Mit einem Zaune absondern, einschließen. Ein Stück Feldes, eine Wiese abzäunen. 2) Vermittelst des Zaunes entziehen. Einem ein Stück Acker, ein Stück von dem Garten abzäunen, seinen Zaun zu weit in dessen Acker oder Garten machen. Daher die Abzäunung.


Abzehenten (W3) [Adelung]


Abzehenten, verb. reg. act. im gemeinen Leben an einigen Orten, 1) den Zehenten von etwas völlig entrichten, absolute und ohne Nennwort. 2) Mit Ertheilung des Zehenten abfinden. Die Drescher, die Schnitter, den Pfarrer abzehenten. So auch die Abzehentung.


Abzehren (W3) [Adelung]


Abzehren, verb. reg. Es ist:I. Ein Activum, durch Zehren vermindern, absondern, und zwar, 1) + im gemeinen Leben, eine Summe, die man zu fordern hat, durch Zehrung, d. i. durch Essen und Trinken, vermindern und tilgen. Seine Forderung bey einem abzehren. 2) Nach und nach entkräften, mager machen. Die langwierige Krankheit hat ihn ganz abgezehret. Eine abzehrende Krankheit, die den Körper nach und nach abzehret. Sich abzehren, oder abgezehret werden, mager, kraftlos werden. Ein abgezehrter Leib. Ein abgezehrter Wolf, Haged. Mein Gebein wird abgezehret, Opitz. Sich durch Sorgen, durch Gram abzehren.II. Ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert, abgezehret werden, in der Bedeutung, des mager, kraftlos werden. Er zehrt zusehends ab.


Abzehrung (W3) [Adelung]


Die Abzehrung, plur. inusit. 1) Die Handlung des Abzehrens in den Bedeutungen des Activi. 2) Eine abzehrende Krankheit, wie Auszehrung.


Abzeichen (W3) [Adelung]


Das Abzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. am häufigsten in den gemeinen Mundarten, ein natürliches Zeichen, besonders, wodurch eine Person oder ein Thier von dem andern unterschieden wird. Ein Abzeichen an sich tragen. Abzeichen und Kennzeichen unterscheiden sich durch die vorgesetzten Bestimmungswörter: das erste siehet zunächst auf den Unterschied von andern, dieses auf die Erkenntniß. Überdieß hat der Gebrauch jenes auf natürliche Zeichen eingeschränkt, dagegen dieses auch von künstlichen und willkürlichen gebraucht wird.


Abzeichnen (W3) [Adelung]


Abzeichnen, verb. reg. act. 1) Die Gestalt einer Sache durch Zeichen bemerken. Ein Lager abzeichnen, abstecken. Einen Platz zu einem Gebäude, zu einem Garten u. s. f. abzeichnen. 2) Durch Zeichen, d. i. Linien und Striche, abbilden. Ein Lager, einen Garten, ein Gebäude, eine Blume abzeichnen. Eine Person mit Kohlen, mit Röthel abzeichnen.


Abzeichnung (W3) [Adelung]


Die Abzeichnung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Abzeichnens; ohne Plural. 2) Ein durch Abzeichnen entstandenes Bild einer Sache.


Abzielen (W3) [Adelung]


Abzielen, verb. reg. 1. Ein Neutrum, welches das Hülfswort haben zu sich nimmt, und so viel bedeutet, als das einfache zielen, nur mit einigem Nachdrucke, gleichsam von sich wegzielen. Am häufigsten figürlich, zum Endzwecke haben. Auf etwas abzielen. Sein Vorhaben zielet auf lauter Unglück ab. Alle meine Bemühungen zielen auf dein Bestes ab. 2. Ein Activum, mit der vierten Endung des Nennwortes, ob es gleich in dieser Gattung nur selten vorkommt. Etwas abzielen. Zum mindsten wird bey dieser Art von Liebe nichts körperliches abgezielt, Wiel.


Abzirkeln (W3) [Adelung]


Abzirkeln, verb. reg. act. mit dem Zirkel abmessen. Eine Figur abzirkeln. Ingleichen figürlich, aber nur in der vertraulichen Sprechart, genau bestimmen. Wer kann alle Worte so genau abzirkeln. Daher die Abzirkelung.


Abzucht (W3) [Adelung]


Die Abzucht, plur. die -züchte, von abziehen, der Ort, durch welchen ein flüssiger Körper abgezogen, d. i. abgeleitet wird. Besonders in den Hüttenwerken, die kreuzweise geführten Canäle unter den Öfen und Herden, die Feuchtigkeiten abzuleiten, welche, in so fern sie diese an sich ziehen, auch Anzüchte genannt werden. Ingleichen in Oberdeutschland, eine Cloak, oder ein Graben, den Unflath abzuführen.

Anm. Abzucht ist ein gutes, aber in der Büchersprache der Hochdeutschen wenig bekanntes Wort. S. auch Canal.


Abzug (W3) [Adelung]


Der Abzug, des -es, plur. die -züge, von abziehen.1. Die Handlung des Abziehens. 1) Von dem Activo. Seine Karte gleich in den ersten Abzügen verlieren. Nach Abzug aller Unkosten. Am häufigsten 2) in den Bedeutungen der Mittelgattung. (a) Der Abzug des Feindes, einer Armee. Zum Abzuge blasen. Sich zum Abzuge rüsten. Die Besatzung bedung sich einen freyen Abzug. (b) Der Abzug des Gesindes, aus einem Dienste, oder eines Unterthanen aus einer Gerichtsbarkeit. Daher die Abzugszeit, die Zeit, da das Gesinde gewöhnlich abzuziehen pfleget. Ingleichen der Abzugsbrief, an einigen Orten, ein Schein, womit ein Leibeigener beweisen muß, daß er mit Bewilligung seines Herrn abgezogen ist. (c) Die Entfernung einer jeden andern Person aus einer Gegend, die Abreise. Sein Abzug geht mir herzlich nah, Haged. In diesen Bedeutungen ist der Plural selten.2. Dasjenige, was abgezogen wird. (a) In Rechnungssachen, was von einer Summe abgezogen wird. Ich muß ohne Abzug bezahlet werden. Bey der Verwechselung einer Geldsorte wird dasjenige, was von der bessern abgezogen wird, der Abzug, und in Ansehung des schlechtern Geldes Aufgeld genannt. So auch, (b) in den Rechten, dasjenige Geld, welches von einer Erbschaft, die einem Fremden zufällt, abgezogen, und auch das Abzugsgeld, ingleichen der Erbgulden genannt wird. Daher das Abzugsrecht, das Recht, dergleichen Abzug zu fordern, welches zuweilen auch wohl schlechthin der Abzug heißt. An einigen Orten wird auch die Nachsteuer, welche ein Einwohner, wenn er in eine fremde Gerichtsbarkeit ziehet, von seinem unbeweglichen Vermögen entrichten muß, der Abzug genannt. S. Abschoß, Absteuer. (c) In den Hüttenwerken, Schlacken und andere Unarten, welche sich auf das flüssige Metall setzen, und abgezogen werden. Dasjenige Kupfer, welches aus solchem Abzuge geschmelzet wird, wird daher am Unterharze das Abzugskupfer, an andern Orten Königskupfer genannt. In der Schweiz heißet dasjenige schäumige Wesen, welches sich auf der mit Lab geschiedenen Milch setzet, gleichfalls der Abzug. (d) Im Weinbaue werden diejenigen Enden der Weinstöcke, welche abgezogen, d. i. nicht so tief, als die Senker in die Erde gelegt werden, Abzüge genannt. In den drey ersten Fällen ist der Plural gleichfalls nicht gebräuchlich.3. Das Werkzeug, welches zum Abziehen dienet. So führet in den Hüttenwerken das eiserne Instrument, womit die Unart von dem flüssigen Metalle abgezogen wird, den Nahmen des Abzuges; und an den Schießgewehren wird der kleine eiserne Griff unter dem Schlosse, womit das aufgezogene Gewehr abgedrückt wird, und welcher in dem Abzugsbleche geht, gleichfalls der Abzug genannt. S. auch Abdruck.4) Der Ort, durch welchen ein flüssiger Körper abgezogen, d. i. abgeleitet, wird. So werden so wohl die Abläufe des Wassers aus den Teichen, als auch die Gräben auf dem Acker, die Canäle in den Hüttenwerken, und zur Abführung des Unrathes in den Städten, welche sonst Abzüchte, Schleusen, u. s. f. heißen, auch Abzüge genannt. In weiterer Bedeutung führet auch der Fall des Wassers, wodurch dessen Ab-fluß befördert wird, diesen Nahmen. Daher sagt man, das Wasser hat keinen Abzug, dem Wasser einen Abzug geben.


Abzupfen (W3) [Adelung]


Abzupfen, verb. reg. act. durch Zupfen absondern. Seide abzupfen. Die Blätter von den Bäumen abzupfen. Ingleichen metonymisch, Rosen, Blumen abzupfen. Daher die Abzupfung.


Abzwacken (W3) [Adelung]


Abzwacken, verb. reg. act. 1) Eigentlich, durch Zwacken, d. i. mit den zwey Vorderfingern, oder einem den Fingern ähnlichen Werkzeuge, z. B. einer Zange, wegnehmen, in welcher Bedeutung aber jetzt abzwicken üblich ist. 2) Figürlich, unter dem Scheine Rechtens und in kleinen Theilen abdringen. Ein Geiziger zwackt überall etwas ab. Man zwackte mir hier und da etwas ab. Einem das Seinige abzwacken. Daher die Abzwackung.


Abzwecken (W3) [Adelung]


Abzwecken, verb. reg. 1. Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, so viel als abzielen, in der Mittelgattung. Dieß zwecket darauf ab, der Endzweck hiervon ist. 2. * Activum, sich zum Endzwecke setzen; sehr ungewöhnlich und hart. Der von mir abgezweckte Erfolg. Daher die Abzweckung.


Abzwicken (W3) [Adelung]


Abzwicken, verb. reg. act. welches mit abzwacken einerley Ursprung und Bedeutung hat, nur daß abzwicken allein in der eigentlichen, abzwacken aber mehr in der figürlichen Bedeutung üblich ist. Einen Nagel abzwicken, mit der Zange abkneipen. Bey den Schustern hingegen bedeutet abzwicken, die Aufziehzwecken heraus ziehen und dadurch abnehmen; im Gegensatze des Aufzwickens. Daher die Abzwickung.


Abzwingen (W3) [Adelung]


Abzwingen, verb. irreg. act. S. Zwingen, durch Zwang von jemanden erhalten. Die Furcht zwingt oft den Bösen das Bekenntniß ihrer Unthaten ab, Dusch.


Acacie (W3) [Adelung]


Acacie, S. Schotendorn.


Academie (W3) [Adelung]


Die Academie, S. Akademie.


Accent (W3) [Adelung]


Der Accent, des -es, plur. die -e, von dem Lat. Accentus. 1) In der Sprachlehre, überhaupt die Abänderung der Stimme in der Aussprache der Wörter, Sylben und Vocale; ohne Plural. Allein da es mehrere Arten dieser Abänderung gibt, welche man ohne Unterschied Accent oder Ton zu nennen pflegt, so hat solches zu allen Zeiten viele Verwirrungen in den Sprachlehren verursacht. Im Deutschen unterscheidet man die drey vornehmsten Abänderungen der Stimme durch die Nahmen Ton, Accent und Quantität oder Zeitmaß am richtigsten so. (a) Der Ton ist die merkliche Erhebung der Stimme, mit welcher eine Sylbe vor der andern ausgesprochen und dadurch gleichsam heraus gehoben wird. So wird in den Wörtern gehen, der Abfall, die erste, in verwesen und verlassen aber die mittelste Sylbe mit einer vorzüglichen Erhebung der Stimme vorgetragen. Das nennet man fast in allen Sprachen den Accent, im Deutschen aber am richtigsten den Ton. S. dieses Wort. (b) Der Accent ist alsdann die längere oder kürzere Verweilung der Stimme auf einem Vocale, und theilet sich folglich in den geschärften Accent, wenn die Stimme schnell über den Vocal wegeilet, wie in ab, ob, mit und den ersten Sylben der Wörter treffen, fallen, binden; und in den gedehnten, wenn die Stimme länger darauf verweilet, wie in da, gar, her und in den ersten Sylben der Wörter gehen, stehen, lieben. In verstehen haben die erste und letzte Sylbe den geschärften, die mittelste aber den gedehnten Accent. Daraus erhellet, daß der Accent mit dem Tone zwar oft zusammen trifft, aber nichts weniger als einerley mit demselben ist. Hiervon ist (c) noch die Quantität, das Zeitmaß, oder die prosodische Länge und Kürze der Sylben, unterschieden, welche im Deutschen zwar ganz von dem Tone abhängt, aber mit demselben wieder nicht einerley ist. Alles was den Haupt- oder ganzen Ton hat, ist in der Prosodie lang; was den halben oder Nebenton hat, ist gleichzeitig, d. i. es kann lang oder kurz gebraucht werden; was aber tonlos ist, ist kurz. S. davon mit mehrern die Sprachlehre. 2) Das Zeichen des Accentes. Wo man Accent für Ton gebraucht, da pflegt man auch die Tonzeichen mit dem Nahmen der Accente zu belegen. Allein im Deutschen nennet man nur diejenigen Zeichen Accente oder Accent-Zeichen, womit man die Schärfung oder Dehnung eines Vocales bezeichnet, und welche (´) und (`) sind; z. B. da, ab. Daher accentuiren, die Sylben mit diesen Accent-Zeichen versehen, in andern Sprachen aber, sie mit den gehörigen Tonzeichen versehen. 3) Bey einigen der neuern Dichter oft so viel, als die Stimme, Worte, Töne, wo es eine unnöthige Nachahmung des Franz. Accent ist, welches gleiche Bedeutung hat. Alsdann aber wird es nur im Plural gebraucht. Die Nachtigall schwieg und horchte die zärtlichen Accente; Gesn. 4) In der Musik, nach dem Ital. Accento, eine Art zu singen, oder zu spielen, da man, ehe die vorgeschriebene Note ausgedruckt wird, schon die darüber oder darunter stehende hören läßt, der Vorschlag.


Acceptiren (W3) [Adelung]


+ Acceptiren, verb. reg. act. aus dem Lateinischen accipere, barbarisch Lat. acceptare, annehmen. Besonders in der Handlung, einen Wechsel acceptiren, sich zu dessen Bezahlung verbindlich machen. Daher der Acceptant, des -en, plur. die -en, der sich zur Bezahlung eines Wechsels verbindlich macht.


Acceß (W3) [Adelung]


Der Acceß, des -sses, plur. inusit. von dem Lat. Accessus; bey verschiedenen Gerichtshöfen und Collegiis, die Freyheit, Theil an ihren Verhandlungen zu nehmen, ohne ein förmliches Glied von ihnen zu seyn, der Zutritt; womit zuweilen die nächste Anwartschaft auf diejenige Stelle, welche in einem solchen Collegio am ersten erlediget wird, verbunden ist. Daher der Accessist, des -en, plur. die -en, der einen solchen Zutritt hat.


Accidenz (W3) [Adelung]


Das Accidenz, des -es, plur. die Accidenzien, die mit einem Amte verbundenen zufälligen und ungewissen Einkünfte, im Gegensatze des gewissen Gehaltes, zufällige Amtsgebühren, Sporteln. Vom Lateinischen Accidens und Accidentia.


Accise (W3) [Adelung]


Die Accise, plur. inusit. 1) Überhaupt eine obrigkeitliche Auflage auf Lebensmittel und solche Waaren, welche sich durch den Gebrauch abnützen lassen, wenn sie in ein Land, oder in eine Stadt eingeführet werden. Besonders, so wohl die Abgabe von den von außen in ein Land eingeführten Waaren, welche in Sachsen die Land-Accise genannt, und Churfürst Johann Georg des Ersten Verordnung von 1615 zu Folge, für die Sicherheit der Landstraßen gegeben wird; als auch die Abgabe von den Nahrungsmitteln, welche von dem Lande zum Verkaufe in die Stadt geführet werden, welche in Sachsen den Nahmen der Consumtions-Accise, ingleichen der General-Accise führet, weil von deren Erlegung niemand ausgenommen ist. Accise von etwas geben. Diese Waare gibt viel, wenig Accise. Accise auf etwas legen. Ingleichen, die zusammen gesetzten Wörter, accisbar, der Accise unterworfen, die Accisbarkeit; accisfrey, von Erlegung derselben befreyet, die Accisfreyheit; das Accis-Collegium, welches die oberste Aussicht über alles, was zur Accise gehöret, und in Sachsen besonders über die General-Accise hat; die Accis-Kammer, das Gemach, wo die Accise entrichtet wird; der Accise-Zettel, ein Schein, daß die Accise entrichtet worden; der Accise-Bediente, Accis-Einnehmer u. s. f. 2) Im gemeinen Leben, auch der Ort, wo sich die Accise-Bedienten versammeln, und wo die Accise entrichtet wird. Auf die Accise gehen.

Anm. Da Accise, Niedersächsisch Zise, heut zu Tage nur von solchen Auflagen gebraucht wird, die von den im Handel und Wandel umlaufenden Waaren gehoben werden, und wodurch von dem Gewinne des Käufers wirklich etwas abgekürzet und gleichsam abgeschnitten wird; so glaubt man gemeiniglich, daß dieses Wort von accidere, beschneiden, herstamme. Diese Ableitung istschon alt, indem an einigen Orten der Schweiz, besonders in Graubünden, eine solche Abgabe im Deutschen der Schnitz, der Landschnitz, im Franz. Taille, im mittlern Lat. aber Incisio, Incisura, genannt wird. Allein in des du Cange Glossar. v. Assisa, der neuesten Ausgabe, wird gezeiget, daß es vielmehr von Assisa abstamme, welches Wort in den mittlern Zeiten nicht allein eine Versammlung der Reichs- und Landstände, sondern auch die von denselben bewilligten Abgaben bedeutete. Es wäre also ursprünglich eine allgemeine Benennung aller Abgaben, die nachmahls bloß auf die umlaufenden Waaren eingeschränkt worden, und mit der Sache selbst aus Frankreich und den Niederlanden nach Deutschland gekommen ist. Das Niedersächsische Zise findet sich schon im Magdeburgischen um das Jahr 1314, wo es Syse geschrieben wird; welches des du Cange Ableitung zu bestätigen scheinet. Nach der Verschiedenheit der Waaren und Lebensmittel, ingleichen der Absicht, um welcher willen diese Abgabe gehoben wird, bekommt sie wieder allerley besondere Benennungen, die aber fast in jedem Lande verschieden sind.


Accord (W3) [Adelung]


Der Accord, des -es, plur. die -e. 1) Eigentlich, und zwar in der Musik, (a) der Zusammenklang mehrerer Töne, und diese Töne selbst. Gemeiniglich werden zu einem Accorde drey Töne erfordert, der Grundton, dessen Tertie und dessen Quinte. (b) Der Zusammenklang mehrerer Instrumente, besonders bey den Orgelbauern, ein ganzes Stimmwerk von allerley Pfeifen, welche zu einander gehören. 2) Figürlich, ein Vertrag, besonders, (a) im Kriege, der Vertrag zwischen den Belagerern und Belagerten wegen der Übergabe eines Ortes. Eine Festung mit Accord einnehmen. Einen Accord treffen, schließen. Die Besatzung hat den Accord angenommen. (b) Im gemeinen Leben, fast ein jeder Vertrag wegen einer zu liefernden Arbeit und Waare. Einen Accord mit einem machen. Wie auch der Vertrag eines bösen Schuldners mit seinen Gläubigern, etwas für das Ganze zu nehmen.

Anm. Dieses Wort ist aus dem Franz. und Ital. Accord und Accordo zu uns gekommen, welche wieder aus dem barbarischen Latein Accordium entstanden sind; S. du Cange Gloss. h. v.


Accordiren (W3) [Adelung]


Accordiren, verb. regul. Es ist:I. Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, und bedeutet alsdann, 1) eigentlich, zusammen klingen, von Tönen und musikalischen Instrumenten. Diese Töne, diese Instrumente accordiren nicht mit einander. 2) Figürlich. (a) + Überein stimmen, sich schicken. Seine Worte accordiren nicht mit seinen Handlungen, besser, stimmen nicht damit überein. (b) Unterhandeln, besonders im Kriege, wegen der Übergabe eines Ortes unterhandeln. Die Besatzung verlangte zu accordiren. Ingleichen, von einem bösen Schuldner, wenn derselbe mit seinen Gläubigern handelt, daß sie für ihre ganze Forderung etwas nehmen sollen. Er hat accordirt. Er verlangt zu accordiren. + Ferner im gemeinen Leben, wegen einer Sache unterhandeln, und wirklich einig werden. Wegen einer Arbeit, wegen einer Lieferung von Waaren mit jemanden accordiren.II. Ein Activum. 1) Eigentlich, zusammen klingend machen, in der Musik. Töne, Instrumente accordiren. 2) Figürlich. (a) Überein stimmend machen, so wohl bey den Kaufleuten, wo die Rechnungen accordiren, so viel bedeutet, als sie gegen einander halten, ob sie zusammen treffen; als auch bey den Mahlern, die Farben accordiren, sie verschmelzen, damit das Harte vermieden werde. Ein Gemählde accordiren, die Übereinstimmung der Farben hinein bringen. (b) + Bewilligen, doch nur im gemeinen Leben. Ich habe es ihm noch nicht accordiret, zugestanden. Anm. Man könnte dieses aus dem Französischen und mit demselben aus dem barbarisch Lateinischen accordare erborgte Zeitwort gar füglich entbehren. Wenigstens sollte man es aus dem gesellschaftlichen Leben völlig verbannen, weil nicht die geringste Nothwendigkeit vorhanden ist, es beyzubehalten.


Accurat (W3) [Adelung]


+ Accurat, -er, -este, adj. et adv. aus dem Lateinischen accurratus. 1) Objective, genau, richtig, der Sache, dem Ebenmaße, dem Vorbilde in allen Theilen gemäß. 2) Subjective, Fertigkeit besitzend, sich der Genauigkeit, Richtigkeit in allen Stücken zu befleißigen. Ein sehr accurater Mann. In beyden Bedeutungen ist es im Deutschen überflüssig.


Accusativ (W3) [Adelung]


Der Accusativ, des -es, plur. die -e, in der Sprachlehre, die vierte Endung in der Declination. Die Deutschen Sprachlehren haben seit Schottels Zeit dafür Klagendung oder Klagefall einzuführen gesucht, welches aber eine bloße buchstäbliche Übersetzung des Lateinischen Ausdruckes ist, und von den vielen Fällen, worin dieser Casus gebraucht wird, nur einen einzigen, und noch dazu sehr eingeschränkten, bezeichnet.


Ach (W3) [Adelung]


1. * Ach, eines der ältesten Wörter der Nordischen Mundarten, welches Wasser, und besonders fließendes Wasser bedeutete. Im Deutschen ist dasselbe nur noch als ein eigenthümlicher Nahme vieler Bäche und Flüsse, und in den Nahmen noch mehrerer Städte und Dörfer übrig, welche an solchen fließender Wassern liegen. In allen Provinzen findet man kleinere Flüsse, welche Acha, Aha, Ach, oder nur schlechthin A heißen, und in Fulda, Gotha, Conna, und hundert anderen Nahmen gehöret das letzte a gleichfalls hierher, welches augenscheinlicher wird, wenn man ihre ältere Schreibart betrachtet, wo sie Fuldaha, Gotaha, Connaha lauten. Bey den Angelsachsen hieß Ea ein jedes Wasser, womit auch das Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - bey dem Hesychius, das heutige Französische Eau, Wasser, das Dänische Aa und Schwedische A ein Fluß, und das Deutsche Aue, überein kommen. Die Alemannen und andere noch ältere Völker setzten ihren gewöhnlichen Hauchlaut hinein, und da ward Aha, Acha, Ach, bey den älteren Griechen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bey den Gothen Ahwa, und bey den Lateinern Aqua, daraus. Ein mehreres von diesem Worte haben Frisch, v. Ach, Schilter, v. Ach, und Ihre in Gloss. v. A angeführet.


Ach (W3) [Adelung]


2. Ach, eine Interjection, welche der natürliche Ausdruck nicht nur aller Leidenschaften, mit allen ihren Schattirungen, sondern auch aller Gemüthsbewegungen und lebhaften Vorstellungen überhaupt ist. Es ist also, und zwar 1) eigentlich und zunächst, der Ausdruck des Schmerzens, und zwar nach allen seinen Stufen und Abänderungen. Ach, ich Unglücklicher! Ach, wie schmerzet diese Wunde! Ach und weh! Daher die gemeine Redensart, Ach und weh schreyen. In dieser Bedeutung wird Ach! auch zuweilen als ein Substantiv gebraucht, welches indeclinabel ist, und alsdann bedeutet es so wohl den Ausbruch der schmerzhaften Empfindung durch Seufzer, als auch den Schmerz selbst. Mein Ach ist deine Freude. Das Ach, das ihn mitleidig machen soll, Gell. Manich achFueget mir dü reine, sang Werner von Teusen, unter den Schwäbischen Dichtern. 2) Der Angst. Ach, wie beklemmt es mir das Herz! Ach, wie schlägt mir das Herz! Ach, ach, ich bin des Todes! 3) Der Furcht. Ach, was wird dieses Anzeichen bedeuten! 4) Des Schreckens. Ach, ein Geist! ein Geist! Ach, mein ganzes Geblüt starret mir in den Adern! Ach, das ist ja erschrecklich! 5) Des Unwillens. Ach, daß ich jetzt nicht Zeit habe, dich nach Verdienst zu strafen! Ach, daß du kalt wärest! Ach, wir brauchen deiner Hülfe nicht! Ach, denken sie mir nur nicht wieder daran! Ach, warum wird er dich dennnicht haben wollen! 6) Des Mitleidens, der Bedaurung. Ach, das ist ewig Schade! Ach, daß der gute Mann gestorben ist! Ach, du armes Kind! 7) Der Wehmuth, des Grames. Ach, liebstes Kind, Julchen wird glücklicher, weit glücklicher, als sie! Gell. Ach, wenn ihr wüßtet, was das gute Kind ausgestanden hat! Weiße. Besonders des zärtlichen Kummers, indem mit seinem Ach und O niemand verschwenderischer umgeht, als die Verliebten. Ach, ich Unglücklicher, wie gut wäre es für mich, wenn ich sie weniger liebte! Ach, werden sie es denn niemahls glauben, wie zärtlich ich sie liebe? 8) Der Klage. Ach, bin ich doch so müde! Ach, die Haussorgen nehmen einen gar sehr mit! 9) Der Sehnsucht, des Verlangens, des Wunsches. Ach, wollte doch der Himmel, daß ich etwas zu ihrer Beruhigung beytragen könnte! Ach, warum kann nicht die ganze Welt ihrer Großmuth zusehen! Ach, hätte ich diese unglückliche Entdeckung doch nie gemacht! Ach, lassen sie mich es doch sehen! Ach ja, thun sie es doch! 10) Des Beyfalls, des Vergnügens, der Freude, der Entzückung. Ach, das ist schön! Ach, wie entzücken sie mich durch ihre Güte! Ach, hören sie doch, was für ein Glück und bevor steht! Ach, wie froh bin ich, daß ich ihn nicht gesehen habe! Ach, was ist der Umgang mit großen Herzen für eine Wollust? Gell. 11) Der Bewunderung. Ach, was für ein vortrefflicher Mann er nicht ist! Ach, das ist ja etwas Englisches! Ach, Himmel! mit welcher Annehmlichkeit, mit welcher Unschuld sagt sie dieß! Gell. 12) Endlich begleitet dieses Wörtchen oft auch weit schwächere Empfindungen, und da dienet es der folgenden Rede gleichsam zum Eingange, anzudeuten, daß das Herz seinen Antheil daran habe. Ich habe ihnen recht viel zu sagen, ach viel. Ach, es hat nichts zu sagen. Ach, wenn sie so hübsch ist, wie ihr seyd, so muß das ein artiges Pärchen werden, Weiße. Indessen ist nicht zu läugnen, daß es oft sehr übel angebracht wird, und besonders im gesellschaftlichen Umgange von manchen Personen, auch an solchen Stellen eingeflickt wird, wo kein begreiflicher Antheil des Herzens vorhanden ist, wohin denn das so gemeine ach ja! ach nein! ach freylich! und andere Kernausdrücke der gezierten Sprechart, in den meisten Fällen gehören.

Anm. 1. Ach ist der Schall, den der von einer beängstigten Brust ausgestoßene Athem verursacht. Es ist die natürliche Sprache des Herzens, und daher ist es sich auch, so wie dieses, unter allen Himmelsstrichen und in allen Sprachen gleich. Der Hebräer seufzete - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, der Grieche - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ohne Hauchlaut, der Lateiner Aha, Ah, der Perser Ah. S. auch Ächzen. Einige Deutsche gröbere Mundarten haben ihr och! und die Niedersachsen ihr o! außer wenn es einen Beyfall, eine Bewunderung ausdrücken soll, welche Empfindungen sie lieber mit aa! an den Tag legen.2. So wie sich die Leidenschaft keiner Regel unterwirft, so bindet sich auch dieses Wörtchen an keine bestimmte Wortfügung. Wenn es ein Nennwort bey sich hat, so steht dieses am häufigsten in der ersten Endung. Ach, ich armer Mann! Etwas seltener findet man es mit der zweyten. Ach miner not, klagt Heinrich von Framenberg, einer von den Schwäbischen Dichtern. Ach meines Jammers und Herzeleides! Jer. 10, 19. Wenn man es mit der dritten Endung findet, so rühret diese von dem ausgelassenen weh her, welches oft mit ach verbunden wird. Mit der vierten Endung, z. B. ach mich armen! ist es wohl eine Nachahmung des Lateinischen, obgleich schon Notker, vermuthlich durch die Vulgata verleitet, ah mih! hat.3. Gemeiniglich stehet ach zu Anfange des Satzes, der die Empfindung entwickelt; aber es kann seinen Platz auch hinter einem oder mehrern Worten finden; ein Umstand, der besonders den Dichtern wohl zu Statten kommt. Mitleidig, ach! verweilte, Ich keinen Augenblick, Weiße. Gnug, Hannchen war für mich geboren, Und, ach! sie ist verloren, Ebend. 4. Wenn die Empfindung, welche dieses Wörtchen ankündiget, so stark ist, daß sie sich durch einen wahren Ausruf äußert, so erfordert es auch das Ausrufungszeichen; nur daß dieses zu Ende des ganzen Satzes, der den Ausruf enthält, gesetzet, das ach aber bloß mit einem Komma begleitet wird: ach, welch ein Schmerz! Macht dieses Wörtchen aber einen Ausruf allein aus, wie in den oben angeführten Stellen, so bekommt es dieses Zeichen auch unmittelbar nach sich. S. die Orthogr.


Achat (W3) [Adelung]


Der Achat, des -es, plur. die -e, bey den neuern Naturkennern, ein Geschlechtsnahme aller feinen Hornsteine, welche verschiedene, so wohl einfache als vermischte Farben haben, eine feine Politur annehmen, und daher unter die Halbedelsteine gerechnet werden. Der Deutsche Nahme rühret aus dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - her, welches der Nahme eines Flusses in Sicilien war, der jetzt Drillo heißt, und an welchem die ersten Achate gefunden worden. Hieraus erhellet, daß die Schreibarten Agat und Agath unrichtig sind, wozu die Verwechselung mit dem Agtsteine und dem Gagat wohl auch das ihrige mag beygetragen haben.


Achat-Galle (W3) [Adelung]


Die Achat-Galle, plur. die -n, eine fremdartige Materie, welche zuweilen den Achat wie ein Saalband umgibt, und sich, wie die Glasgalle von dem Glase, von ihm trennen läßt.


Achat-Kiesel (W3) [Adelung]


Der Achat-Kiesel, des -s, plur. ut nom. sing. bey einigen Neuern ein Nahme eines bräunlichen Achates, mit gelblichen, braunen, schwärzlichen und grauen Streifen, welcher in Ägypten einheimisch ist, daher er von einigen auch nur der Ägyptische Stein genannt wird.


Achat-Kugel (W3) [Adelung]


Die Achat-Kugel, plur. die -n, ein rohes Stück Achat in rundlicher Gestalt, welches auch eine Achat-Niere genannt wird.


Achat-Muschel (W3) [Adelung]


Die Achat-Muschel, plur. die -n, eine jede Muschelart, welche bey ihrer glänzenden Politur und schönen Farben einem polirten Achate gleicht, deren es bey den Liebhabern mehrere Arten gibt. Von eben der Art sind auch die Achat-Schnecken.


Achat-Onyx (W3) [Adelung]


Der Achat-Onyx, des -es, plur. die -e, eine Steinart, welche aus einer Vermischung des Achates mit dem Onyx bestehet.


Achel (W3) [Adelung]


Die Achel, am Getreide, S. Age.


Achse (W3) [Adelung]


Die Achse, (sprich Akse,) plur. die -n, 1) Eigentlich, dasjenige Querholz, auf welchem der Obertheil eines Wagens oder Karrens ruhet, und um welches sich die Räder bewegen. Die vordere Achse, oder Vorderachse, die hintere Achse, oder Hinterachse. In metonymischer Bedeutung auch wohl der Wagen selbst, doch nur in der R. A. etwas auf der Achse herzu führen, eine Waare auf der Achse kommen lassen, fortbringen, im Gegensatze der Fortbringung derselben zu Wasser. 2) In weiterer Bedeutung ein jeder langer, runder Körper, um welchen sich ein anderer herum drehet. Ingleichen, 3) in der Mathematik, eine jede gerade Linie, welche durch den Mittelpunct eines Körpers gehet oder gedacht wird. Daher die Erdachse, die Weltachse, die Achse des Thierkreises, die Sehachse u. s. f. In der höhern Geometrie führet diejenige Linie, welche alle gerade, innerhalb einer krummen, parallel gezogene Linien, in zwey gleiche Theile theilet, und mit ihnen einen rechten Winkel macht, gleichfalls diesen Nahmen. 4) In der Anatomie, das dritte, oder vielmehr das zweyte Wirbelbein des Halses, weil das erste Wirbelbein sich auf demselben, wie um eine Achse drehet; Epistrophus.

Anm. Achse, Alem. Ahsa, Angels. Eax, Nieders. Asse, Dän. Ax, Russ. Oss, Engl. Axel tree, Schwed. Axel, Ital. Asse,haben mit dem Lateinischen und Griechischen Axis und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - einerley Ursprung. Es ist aus der Wurzel Ach, Ack, und der Ableitungssylbe -se gebildet, Ach-se, oder auch aus Achs und der Endsylbe -e. Aber welches der Stammbegriff ist, wird sich bey dem hohen Alter dieser Wörter wohl schwerlich entscheiden lassen. Wahrscheinlich ist es die lange, spitzige Gestalt, so daß es als ein Verwandter von Ecke, Age, (Niedersächsisch Achel,) Igel, dem Lat. Acus, und hundert andern dieser Art anzusehen ist. S. auch das folgende. Da in der Aussprache zwischen dem chs und x kein Unterschied ist, so wäre es in dieser Rücksicht gleichgültig, mit welchem Buchstaben man es schreibt. Im Hochdeutschen ist das ch am gebräuchlichsten und richtigsten, weil es den Bau des Wortes Ach-se unverstümmelt darstellt, welchen Axe nur verdunkeln würde; zumahl, da es mit dem Lat. axis zwar verwandt, aber nicht aus demselben entlehnet ist. Aber wenn es den Theil eines Wagens bedeutet, Achse, und wenn es von einen Weltkörper gebraucht wird, Axe schreiben zu wollen, ist eine Grille, indem solches bloße Abänderungen einer und eben derselben Bedeutung sind.


Achsel (W3) [Adelung]


Die Achsel, plur. die -n. 1) Eigentlich, der oberste Theil des Armes, wo er in das Schulterblatt gefüget ist, und der zum Tragen dienet. Etwas auf die Achsel nehmen. Figürliche R. A. sind: Jemanden über die Achsel ansehen, ihm einen verächtlichen Seitenblick zuwerfen, ihn verachten, geringe schätzen. Die Achsel ziehen oder zucken, zum Zeichen, daß man Bedenklichkeiten bey einer Sache habe, die man nicht gern sagen wolle, oder daß man das geduldig leiden müsse, was man nicht ändern kann, Nieders. mit einem eigenen Worte tuckschuldern, gleichsam zuckschultern. Daher, das Achselzucken. Ich antwortete ihm mit einem beredten Achselzucken, Raben. In Schwaben sagt man dafür die Achseln schupfen, oder schmucken. Auf beyden Achseln tragen, zwey widrig gesinnten Herren dienen, häucheln. + Etwas auf die leichte Achsel nehmen, sich eine schwere Sache als sehr leicht vorstellen, ist eine harte und ungewöhnliche Figur. 2) In weiterer Bedeutung, führet bey einigen Zergliederern auch wohl das ganze Armbein den Nahmen der Achsel oder des Achselbeines.

Anm. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe -El, welche ein Werkzeug, Ding, Subject bezeichnet, S. -el, und in dieser Gestalt ist es schon alt, wie aus dem Ahsalo des Kero, dem Ahsela des Notker, dem Lat. axilla, dem Angels. Ehsle, Eaxle, und dem Wallisischen Asgell erhellet. Dieses letztere bedeutet einen Flügel; daher Wachter und Ihre glauben, daß das Stammwort gleiche Bedeutung gehabt, und erst nachmahls auf den obersten Theil des Armes übergetragen worden, so wie die Lateiner aus ala das Diminutivum axilla gemacht hätten. Allein es ist ungegründet, daß axilla das Diminutivum von ala ist; -illa ist vielmehr mit der Deutschen Ableitungssylbe -el gleich bedeutend, daher es hier nur auf die Wurzelsylbe Achs ankommt, welche gleichfalls das vorige Ack, Eck, mit dem Begriffe der Höhe, der Schärfe, der hervor ragenden Beschaffenheit zu seyn scheinet. S. auch Axt, Hacke, Age, Igel, Ecke. In Baiern bedeutet die Uchse und Yexe, mit drey Sylben, in Schwaben Weichse und Uchse, bey dem Rabanus Maurus Oahchasa, die Höhle unter dem Arme, für welche die Hochdeutschen keinen eigenen Nahmen haben. - Thewrdank dem Ritter gab ein Stich Unnder den Uchsen zum Herzen ein, Theuerd. Kap. 77. Rabanus Maurus unterscheidet Uchse und Achsel sehr genau; jene heißt bey ihm, wie schon gedacht, Oahchasa, diese aber Ahsala. Achsel und Schulter werden im gemeinen Leben oft für gleich bedeutend gehalten. Allein dieses bedeutet eigentlich den obersten Theil des Rückens an den Achseln, und jenes den Theil zwischen dem obersten Ende des Armes und dem Halse.


Achselader (W3) [Adelung]


Die Achselader, plur. die -n, eine Ader, die nach der Achsel zu gehet, Vena axillaris. Bey dem Verheyn heißt besonders die Milchbrustader, Ductus thoracicus, die Achselader.


Achselband (W3) [Adelung]


Das Achselband, des -es, plur. die -bänder, ein zierliches Band, oder eine Bandschleife, welche noch in einigen Fällen von Soldaten und Livree-Bedienten auf der rechten Achsel getragen wird, und ehedem dazu diente, die doppelten über beyde Schultern kreuzweise geschlungenen Scherpen der Soldaten damit anzubinden; die Achselschnur, wenn es eine runde Schnur ist.


Achselbein (W3) [Adelung]


Das Achselbein, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welcher von einigen Zergliederern dem Schulterblatte, von andern aber dem darein gefügten Armbeine gegeben wird. Irrig aber ist es, wenn einige die Schlüsselbeine, claviculas, mit diesem Nahmen belegen.


Achselfleck (W3) [Adelung]


Der Achselfleck, des -es, plur. die -e, oder im Diminut. das Achselfleckchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein schmaler Streifen an den Hemden, der sich von dem Halsbunde bis zum Anfange des Ärmels erstrecket; das Achselstück.


Achselhemd (W3) [Adelung]


Das Achselhemd, des -es, plur. die -en, ein grobes Weiberhemd des Gesindes auf dem Lande, ohne Ärmel. In manchen Gegenden auch ein halbes Hemd der Mannspersonen, gleichfalls ohne Ärmel.


Achselschnur (W3) [Adelung]


Die Achselschnur, plur. die -schnüre, S. Achselband.


Achselseil (W3) [Adelung]


Das Achselseil, des -es, plur. die -e, ein Band oder Seil, welches über die Achsel gehänget wird, wenn man eine Last auf der Trage trägt, oder auf dem Schiebebocke fortschiebet; das Trageseil, Trageband, in Schlesien die Schande.


Achselstück (W3) [Adelung]


Das Achselstück, S. Achselfleck.


Achselträger (W3) [Adelung]


+ Der Achselträger, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Munde des großen Haufens, einer, der auf beyden Achseln trägt, ein Häuchler. Das Unschickliche in diesem zusammen gesetzten Worte, welches eigentlich einen bedeuten müßte, der Achseln trägt, hat schon Frisch bemerket. Die Niedersachsen nennen einen solchen Menschen Hoikenträger, von Hoiken, einer veralteten Art Mäntel, und der R. A. den Hoiken auf beyden Schultern tragen. Die Oberdeutschen druckten den Begriff eines solchen Häuchlers ehedem durch Paidenthalbner, eigentlich Beidenhalbner, aus, der auf beyden Halben, d. i. Seiten, trägt, oder auch, der es mit jedem von beyden Theilen halb hält; welches aber eben so sprachwidrig gebildet ist.


Achsenblech (W3) [Adelung]


Das Achsenblech, des -es, plur. die -e, die eisernen Schienen, welche oben und unten an die Achse angenagelt werden, damit sie sich nicht abreibe; das Achseisen oder Achseneisen, die Achsenschiene.


Achseneisen (W3) [Adelung]


Das Achseneisen, S. das vorige.


Achsengeld (W3) [Adelung]


Das Achsengeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, an einigen Orten eine Abgabe, welche von dem Fuhrwerke entrichtet wird.


Achsennagel (W3) [Adelung]


Der Achsennagel, des -s, plur. die -nägel, ein starker eiserner Nagel, der vor das Rad in die Achse gesteckt wird, damit es nicht herab laufe. In den gemeinen Mundarten hat dieser Nagel verschiedene andere Nahmen, worunter Lünse der vornehmste ist, der auch Lunse, Lunze, Lönse, Linse, Lünsch, Lehne, Leine, Lyn u. s. f. ausgesprochen wird, und von Lehnen abstammt.


Achsenriegel (W3) [Adelung]


Der Achsenriegel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Geschützkunst, der vorderste von den zwey hölzernen Riegeln, wodurch die Laveten-Wände vorn zusammen gehalten werden.


Achsenring (W3) [Adelung]


Der Achsenring, des -es, plur. die -e, ein Ring an der Achse, das Spalten derselben zu verhüten, und deren an einer Achse mehrere sind.


Achsenschiene (W3) [Adelung]


Die Achsenschiene, S. das Achsenblech.


Achsenstoß (W3) [Adelung]


Der Achsenstoß, des -es, plur. die -stöße, der Stoßring an der Achse, S. dieses Wort.1. Acht, eine Haupt- oder Grundzahl, welche ihren Platz zwischen der Sieben und Neun hat, und in gedoppelter Gestalt üblich ist.1. Als ein Adjectivum, welches in allen Endungen und Geschlechtern unveränderlich ist. Acht Männer, acht Städte, acht Kinder. Der Besitzer dieser acht Häuser. Ein Vater von acht Kindern. Acht Tage, d. i. eine Woche, so wie man lieber vierzehen Tage, als zwey Wochen, sagt. Heut über acht Tage, oder wie man auch im gemeinen Leben mit Auslassung des Vorwortes saget, heut acht Tage werden wir abreisen. So auch, gestern acht Tage waren wir beysammen, gestern vor acht Tagen. Die Glocke schlägt acht. Alle acht gingen zugleich fort. Es waren der Männer acht, es waren acht Männer. Es kamen ihrer acht, es kamen acht von ihnen. Acht und zwanzig, acht und dreyßig, acht und vierzig u. s. f. nicht zusammen gezogen achtundzwanzig, weil zwey mit und verbundene Wörter keine Composita machen können; außer wenn Zeitzahlen als Substantiva gebraucht werden, wo die gemeinschaftliche Ableitungssylbe die Zusammenziehung entschuldigt: ein Achtundzwanziger, ein Achtunddreyßiger, ein Mann von acht und zwanzig, von acht und dreyßig Jahren. Ein Achtundvierziger, ein Wein von dem Jahre 1748. Eine Achtundfunfzigerinn, eine Frau von acht und funfzig Jahren u. s. f.2. Als ein Hauptwort, eine Zahlfigur zu bezeichnen. Die Acht, plur. die -en. Eine Römische Acht, eine Arabische Acht. Die Acht oder eine Acht, ein Blatt von acht Augen, in dem Kartenspiele. Zwey Achten, zwey Blätter von acht Augen u. s. f.

Anm. 1. Von der Übereinstimmung dieses Deutschen Zahlwortes mit dessen Benennung in andern Sprachen kann man den Frisch nachsehen. Es bleibt in allen Fällen unverändert; außer wenn es ohne Substantiv mit solchen Präpositionen verbunden wird, welche die dritte Endung regieren, da es denn, wie alle übrige Hauptzahlen noch ein en am Ende annimmt, den Casum zu bezeichnen. Wähle dir aus den achten eins. Er fähret mit achten, mit acht Pferden. Ich komme nach achten, nach acht Uhr. Ich sahe ihn vor achten, vor acht Uhr. Die beyden letztern Fälle sind nur im gemeinen Leben üblich, und nicht völlig richtig, weil hier kein Dativ zu bezeichnen ist. Richtiger spricht man vollständig, vor, nach acht Uhr. Hierher gehöret auch die Spanische Münzsorte, welche im Deutschen ein Stück von achten genannt wird, weil sie acht Reales de Plata hält, gleichsam ein Stück von acht Realen.2. Acht kann, wie andere Zahlwörter, mit allen Adjectiven zusammen gesetzet werden, zu denen es sich nur dem Verstande nach schickt. Besonders hält es sich gern zu den Adjectiven auf ig: Achtseitig, achtfüßig, achtbeinig, achteckig, achtäugig u. s. f. Diese Wörter verstehen sich größten Theils von selbst, und bedürfen keiner weitern Erklärung. Aber achtmahl, achthundert, achttausend sind keine wahren Zusammensetzungen, sondern müssen acht Mahl, acht hundert, acht tausend geschrieben werden, wenn gleich die Ableitungen achtmahlig, der achthundertste, achttausendste um der gemeinschaftlichen Ableitungssylbe willen die Zusammenziehung fordern. S. die Orthogr. ingleichen Mahl.2. Die Acht, ein Substantiv, welches nur im Singular, und zwar größten Theils ohne Artikel, auch nur mit den Verbis haben, nehmen, geben, lassen und fallen üblich ist. Es bedeutet,1. Wahrnehmung mit Bewußtseyn. Etwas an einem in Acht nehmen, gewahr werden. Ohne, daß es jemand in Acht nahm, bemerkte. Das würde auch ein Blinder in Acht nehmen, sehen. Ich hatt' es nicht in Acht genommen, Haged. Diese Bedeutung fängt an, selten zu werden, und wird nur noch zuweilen im gesellschaftlichen Umgange gehöret.2. Aufmerksamkeit, sorgfältige Beobachtung. Auf etwas Acht haben oder geben. Gib genau Acht. Nehmt meine Worte wohl in Acht, merkt genau darauf. Ein jeder habe Acht auf mich. Ich habe es aus der Acht oder außer Acht gelassen, ich habe nicht darauf gemerket, nicht mehr daran gedacht, und im gemeinen Leben auch wohl, es ist mir aus der Acht gefallen, ich habe es wieder vergessen.3. Sorgfalt, Anwendung der Aufmerksamkeit, so wohl ein Gut zu bewahren, als ein Übel zu vermeiden. Eine Sache in Acht nehmen, sie sorgfältig vor Schaden bewahren. Nimm das Deine wohl in Acht, suche es zu erhalten. Er nimmt seine Gesundheit außerordentlich in Acht. Er nimmt sich gar nicht in Acht, ist in seinem Betragen sehr unvorsichtig; ingleichen, hegt nicht die gehörige Sorgfalt für seine Gesundheit. Sich vor einem in Acht nehmen, sich vor ihm hüthen, alle Verbindung mit ihm zu vermeiden suchen, ingleichen, sich vor allem Schaden von seiner Seite zu bewahren suchen. Nimm dich in Acht, daß du ihm nicht zu nahe kommst, hüthe dich. Man hat sich wohl mit ihm in Acht zu nehmen, Less. man muß in dem Umgange mit ihm beständig auf seiner Huth seyn.

Anm. 1. In der Ableitung dieses Wortes und des dazu gehörigen Verbi achten, sind die Wortforscher verschiedener Meinung. Wachters Einfall, der das neue Holländische Wort achter, nach, als das Stammwort ansiehet, ist wohl der unwahrscheinlichste unter allen. Frisch fällt auf das Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und behauptet, daß der Begriff des Verfolgens, des Treibens, der Hauptbegriff sey, der in dem Worte Acht, proscriptio, noch der herrschende sey, und durch eine gewöhnliche Figur auf die Verfolgung mit den Kräften des Geistes angewendet worden. Ihre findet viele Ähnlichkeiten mit dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich denke, und nach ihm ist denken die erste und eigentliche Bedeutung dieses Zeitwortes. Alle kommen darin überein, daß Acht von dem Verbo achten herkomme. Mir ist es wahrscheinlicher, daß dieses von jenem abstamme. Acht aber kann füglich von einem Verbo herkommen, welches ehedem sehen bedeutet, und zu Auge gehöret hat; S. dieses und Achten. Daß das t in achten nicht wesentlich ist, und daß Acht auch mit einem u nach dem A gefunden wird, erhellet aus dem Frisch. Die Bildung hat auch nichts Ungewöhnliches, denn die Gothen machten aus auchjan, ahjan, sehen, in einer andern Bedeutung Auhode, so daß das t der Ableitungslaut -de, oder auch -t seyn kann, welcher gebraucht wurde, Abstracta aus Verbis zu bilden; wie Sicht, Flucht, Sucht u. s. f. von sehen, fliehen, siechen. Der Begriff des Sehens würde also der Stammbegriff in diesem Worte seyn.2. Dieses Substantiv war ehedem mit dem Artikel nicht so selten, als heut zu Tage. Ni nemen in thia ahta Manno scalk slahta, singt Ottfried B. 3. K. 3. V. 31. Und in Stryckers Rhythm. kommt die ahte für Beobachtung, Aufmerksamkeit vor. Sie suln mih finden in der acht, sie sollen mich auf der Huth finden, bey der Winsbeckinn. Hieraus erhellet zugleich, daß diejenigen irren, welche es für ein Adverbium halten, und daher mit einem kleinen a schreiben. Es ist vielmehr ein wahres Substantiv, welches aber auf dem Wege ist, völlig abzusterben, daher sein Gebrauch jetzt nur noch so eingeschränkt ist. In allen drey Bedeutungen wurde es ehedem sehr häufig mit der zweyten Endung verbunden. So nam sy (die wilde Sau) ires Jägers acht, Und lief an in mit solcher macht, Theuerd. Kap. 61.Habe doch des Erden Kreises acht, Wie er ihn wüst und öde macht, Opitz. Seiner Wirthschaft, der Nahrung Acht haben, kommen bey eben demselben vor. In Oberdeutschland ist diese Wortfügung noch jetzt gebräuchlich, aber die Hochdeutschen haben sie veralten lassen. Verschiedene jetzt nicht mehr übliche Bedeutungen dieses Wortes haben Wachter, Frisch und Haltaus gesammelt.3. Die Acht, plur. car. die Verfolgung und Gefangennehmung eines Übelthäters auf richterlichen Ausspruch. Die Aberacht oder Oberacht, Unteracht, Reichsacht, Stadtacht, S. diese Wörter. Jemanden in die Acht thun, erklären, erkennen. Mit der Acht wider jemanden verfahren, ihn mit der Acht belegen. Einen der Acht entbinden, von der Acht befreyen.

Anm. Frisch und Wachter halten in diesem Worte verfolgen für den Hauptbegriff, und da würde es ein Verwandter von jagen, dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, dem Lat. agere, treiben, u. s. f. seyn. Es kann aber auch der Begriff des Hasses der Stammbegriff seyn, weil Reichsacht von den Schriftstellern der mittlern Zeiten oft durch des Reiches Haß umschrieben wird, auch das Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich hasse, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, der Haß, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Feind, damit verwandt zu seyn scheinen. Übrigens gehöret dieses Wort mit seinen Zusammensetzungen unter diejenigen, welche mit der Sache selbst größten Theils aus der Übung gekommen sind; indem man von der Acht, dem Achts-Processe und der Achtserklärung nur noch zuweilen bey den Reichsgerichten reden höret. Daß zu Aachen die Gerichtsstube noch jetzt die Acht genannt wird, wird niemanden befremden, der da weiß, daß dieses Wort ehedem auch so viel als Berathschlagung, und den Ort, wo solche angestellet wurde, bedeutet hat. Für Acht findet man in den mittlern Zeiten auch Verfehmung, Veste, Urpön u. s. f. Von dem Unterschiede zwischen Acht und Bann, S. Bann.


Ächt (W3) [Adelung]


Ächt, S. Echt.


Achtbar (W3) [Adelung]


* Achtbar, -er, -ste, adj. et adv. Acht, d. i. Achtung, Ansehen habend, Achtung verdienend; ein Wort, welches nur noch in den großen Theils auch schon veralteten Titeln achtbar, großachtbar, hochachtbar und vorachtbar gebraucht wird. Ehedem war auch das einfache achtbar, ein Titel, der sogar fürstlichen und andern Standespersonen beygeleget wurde. Bey der nach und nach erfolgten Abwürdigung der Titel, fiel er auf die Ritter von dem fünften Schilde, auf Rathsherren bürgerlichen Standes, auf Doctores und andere Gelehrte. Heut zu Tage wird er nur gemeinen Bürgern gegeben, und auch hier am häufigsten noch in den Reichsstädten. Das Hauptwort, die Achtbarkeit, für Ansehen, Ehre, Würde, ist noch mehr veraltet.


Achtbätzner (W3) [Adelung]


Der Achtbätzner, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden im Reiche, eine Münzsorte von acht Batzen, d. i. ein halber Gulden, weil der Gulden daselbst sechzehn Batzen hält.


Achtdraht (W3) [Adelung]


Der Achtdraht, des -es, plur. inusit. von dem Zahlworte acht, in einigen Gegenden der Nahme eines groben Landtuches.


Achte (W3) [Adelung]


Achte, die Ordnungszahl von acht, octo, welche wegen des in der Hauptzahl schon vorhandenen t Statt der Sylbe te, wie andere Zahlen, nur ein bloßes e am Ende bekommt. Der achte Tag, die achte Stunde, das achte Jahr.

Anm. Bey dem Ulphilas heißt diese Ordnungszahl ahtaude, im Angels. eathode, bey dem Kero ahtodo, in den spätern Zeiten auch achteste, achtente, und achtete.


Achteck (W3) [Adelung]


Das Achteck, des -es, plur. die -e, ein Körper, welcher acht Ecken hat. Daher das Adjectiv achteckig.


Achtel (W3) [Adelung]


Das "Achtel", des -s, plur. ut nom. sing. ein von der Ordnungszahl "der achte" abgeleitetes Substantiv, den achten Theil eines größern Maßes, zuweilen auch wohl, ein größeres Maß, welches acht kleinere in sich begreift, zu bezeichnen. Besonders kommt dieses Wort in den Künsten und im gemeinen Leben in verschiedenen Fällen vor.

1) Als ein Maß fester und flüssiger Körper. In Preußen ist ein Achtel Holz, ein Haufen Scheitholz, der neun Schuh hoch und acht Schuh breit ist. Im Würtembergischen ist Achtel ein Getreidemaß; 4 Achtel machen daselbst einen Vierling, oder eine Unze, 16 Achtel aber ein Simri, und 128 Achtel einen Scheffel. In Frankfurt am Main hingegen ist ein Achtel so viel als ein "Malter", indem es daselbst 4 Simri oder acht Metzen hält. In Ansehung flüssiger Dinge ist dieses Wort besonders in Augsburg üblich, wo ein Achtele der achte Theil eines Maßes, der vierte Theil eines Seidels, und die Hälfte eines Quärtels ist. An andern Orten ist Achtel der achte Theil einer Tonne, daher man daselbst ein Achtel Butter, ein Achtel Bier u. s. f. höret.

2) In den Bergwerken ist Achtel der vierte Theil einer Schicht, welche acht Kuxe in sich begreift.

3) In der Markscheidekunst führet diesen Nahmen der achte Theil einer Stunde, oder eines von den vier und zwanzig Theilen, worin daselbst der Zirkel Statt der Grade eingetheilet wird. Eben daselbst ist es aber auch der achte Theil eines Lachters, da es denn 10 Zoll hält.

4) In der Musik ist das Achtel eine ein Mahl geschwänzte Note, oder der achte Theil eines Tactes.

5) Ein Achtelsthaler ist an einigen Orten so viel als der achte Theil eines Thalers, d. i. drey Groschen.

Anm. Daß dieses Wort nicht so wohl aus achte Theil zusammen gezogen, sondern vermittelst der Ableitungssylbe "-el", von der Ordnungszahl achte gebildet worden, werde ich bey "-El" zu zeigen suchen. Man hat von diesem Worte in einigen Gegenden auch das Verbum "achteln", in acht Theile theilen, welches aber nicht überall gebräuchlich ist.


Achten (W3) [Adelung]


Achten, verb. reg. act. 1) Aufmerksam anhören, aufmerksam beobachten; am häufigsten mit der Präposition auf, seltener und vornehmlich im Oberdeutschen, mit der zweyten Endung. Ein Miethling achtet der Schafe nicht. Man achtet meiner Worte nicht, man höret nicht darauf. Kein einziger achtet auf deinen Kummer, und die meisten spotten desselben, Dusch.2) Mit einem Urtheile beobachten, dafür halten. Etwas für Gewinn, für Schaden achten. Etwas für eine Schande, für eine Ehre achten. Ich habe es für gut geachtet. Sich weit von dem Unglücke achten. In dieser Bedeutung fängt es im Hochdeutschen an zu veralten, indem halten und in manchen Fällen glauben dafür üblicher sind. Die Wortfügung mit der vierten Endung ohne Präposition, ich achte ihn treu, halte ihn für treu, ist Oberdeutsch. Besonders,3) Mit Bestimmung des Werthes dafür halten, für schätzen, mit den Adverbiis, hoch, geringe, werth, u. s. f. oder andern Vergleichungswörtern. Etwas dem Golde gleich achten. Eine Sache für nichts achten. Ich achte mich dieser Gnade unwürdig. Wüßten sie, wie hoch ich sie im Herzen achte. Ich werde mein Leben für nichts achten, wenn ich dich verlieren soll, Dusch. Auch hier ist im Hochdeutschen schätzen üblicher und edler. In noch eingeschränkterer Bedeutung,4) Für wichtig halten und sich darnach bestimmen. Das muß ein Soldat nicht achten, daraus muß er sich nichts machen. Es macht mir zwar viele Kosten, aber das achte ich nicht. Kein Ansehen der Person achten. Was acht ich es, wenn über mirKanonen-Donner brüllt, Gleim. In Oberdeutschland ist auch in dieser Bedeutung die zweyte Endung nicht selten, die auch zuweilen im Hochdeutschen vorkommt: Entheiligt die Altäre vor Gottes Angesicht Und achtet seiner Qualen und seines Zornes nicht, Dusch. Des Lebens nicht achten, der Schande nicht achten. Ingleichen hoch, werth halten. Er wird geachtet. Er ist sehr geachtet. Man achtet ihn nicht. Die zweyte Endung, man achtet seiner nicht, sie achtet ihres Mannes nicht, ist im Oberdeutschen üblicher, als im Hochdeutschen.5) Mit dem Vorsatze zu folgen beobachten. Auf Träume, auf Vögelgeschrey achten, sie nicht nur beobachten, sondern sie auch als eine Vorschrift seines Verhaltens ansehen. Im Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung ungangbar geworden, außer daß der Ausdruck: wornach man sich zu achten, noch eine gewöhnliche Schlußformel obrigkeitlicher Befehle ist.

Anm. In den ältesten Mundarten hatte dieses Zeitwort kein t. Bey den Gothen hieß es ahgan, ahjan, und bey einigen der ältesten Alemannischen Schriftsteller ahon. Das t ist entweder das Merkmahl eines Intensivi, oder auch der unmittelbaren Abstammung von dem vorigen 2 Acht. Ohne Zweifel bedeutete es anfänglich sehen, wahrnehmen, welche Bedeutung noch in Acht übrig ist, und war also mit Auge genau verwandt. S. dieses. Die Übertragung von dem körperlichen Sehen auf die Wirkungen des Verstandes ist eine in allen Sprachen sehr gewöhnliche Figur. Das Verbale Achtung, S. hernach besonders.


Ächten (W3) [Adelung]


Ächten, verb. reg. act. gerichtlich verfolgen, in die Acht erklären. Einen Friedbrüchigen ächten. Ein Geächteter.

Anm. Das Fränkische und Alemannische ahton und echton, bedeutete unter andern auch bedrücken und verfolgen, und hernach in engerer Bedeutung, gerichtlich verfolgen; Angels. ehtan, Niedersächsisch echten. In der Oberdeutschen Mundart findet man auch achten mit dem breiten - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ingleichen das Frequentativum ächtigen. S. 3. Acht.


Achtens (W3) [Adelung]


Achtens, ein Nebenwort der Zahl, zum achten.


Achter (W3) [Adelung]


Der Achter, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Zahl von achten, ein Ganzes, das aus acht bestimmten Theilen bestehet, acht Theile enthält. Besonders in Thüringen und Franken eine Münze von acht Pfennigen, ein halber Batzen, welche auch ein Achtpfenniger heißt. An andern Orten ein Achtgroschenstück oder halber Gulden. Hierher gehöret auch das Schweizerische Diminutiv. Achterli, welches in Bern ein Fruchtmaß ist, welches acht Sechzehnerli hält. Ingleichen das Österreichische Weinmaß ein Achtering, welches so viel als ein Maß, oder 1 2/3 Köpf, oder 4 Seidel ist. Vierzig solche Achtering machen einen Eimer. Bey den Jägern ist ein Achter, ein Hirsch von acht Enden. 2) Ein Glied aus einem Collegio von acht Personen. 3) Ein Achter, könnte auch einen Wein bedeuten, der im Jahre 1708 gewachsen ist. Von einer noch andern Bedeutung des Wortes Achter, S. Achtsmann.


Ächter (W3) [Adelung]


Der Ächter, des -s, plur. ut nom. sing. einer der geächtet, oder in die Acht erkläret worden. Dieses Wort kommt nicht unmittelbar von dem Verbo ächten her, weil es sonst jemanden bedeuten müßte, der einen andern in die Acht thut, in welcher Bedeutung ein Feind, Verfolger bey den Franken Ahtor, Ehter, und bey den Angels. Ehtere hieß; sondern von 3. Acht, mit der Ableitungssylbe -er, welche in den ältesten Mundarten einen Mann andeutete, gleichsam Vir banni.


Achtering (W3) [Adelung]


Das Achtering, S. Achter.


Achterley (W3) [Adelung]


Achterley, adject. indeclinab. von acht verschiedenen Arten und Beschaffenheiten. Achterley Menschen. Achterley Eigenschaften. Ein Stück Zeug von achterley Farben. Dieses Wort ist im gemeinen Leben am häufigsten; in der anständigern Schreibart bedienet man sich lieber einer Umschreibung, z. B. acht Arten von Menschen, ein Stück Zeug von acht verschiedenen Farben. S. -Ley.


Achtersleute (W3) [Adelung]


Achtersleute, S. Achtsmann.


Achtfach (W3) [Adelung]


Achtfach, adj. et adv. ein vermehrendes Zahlwort, acht Mahl genommen. Eine Sache achtfach wieder erstatten. S. Fach.


Achtfältig (W3) [Adelung]


Achtfältig, adj. et adv. gleichfalls ein vermehrendes Zahlwort, welches mit dem vorigen gleich bedeutend ist, aber im Hochdeutschen seltener gebraucht wird. S. Fältig.


Achthalb (W3) [Adelung]


Achthalb, adject. indeclin. sieben und ein halbes. Achthalb Scheffel. Ein Kind von achthalb Monaten. S. auch Halb.


Achthalber (W3) [Adelung]


Der Achthalber, des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich, eine Größe von sieben und einer halben andern Größe; ein Nahme, welcher in Preußen den Brandenburgischen und Sächsischen Zweygroschenstücken gegeben wird, weil sie 71/2 Preußische Groschen machen.


Achtjährig (W3) [Adelung]


Achtjährig, adj. et adv. was acht Jahre dauert oder gedauert hat. Ein achtjähriger Krieg. Ein achtjähriges Kind, das acht Jahre alt ist.


Achtig (W3) [Adelung]


Achtig, die Ableitungssylbe, S. Icht und Artig.


Achtlos (W3) [Adelung]


Achtlos, -er, -ste, adj. et adv. ohne Acht; d. i. Aufmerksamkeit, Sorgfalt, Hochachtung. Ein achtloser Mensch. Eine achtlose Gleichgültigkeit.Gleich achtlos sieht sie uns zu ihren Füßen liegen. Wiel.


Achtlosigkeit (W3) [Adelung]


Die Achtlosigkeit, plur. die -en. 1) Nachlässigkeit, Mangel der Aufmerksamkeit und der Hochachtung; ohne Plural. 2) Eine nachlässige, leichtsinnige Handlung.


Achtmahl (W3) [Adelung]


Achtmahl, besser acht Mahl, getheilt, S. Mahl.


Achtmahlig (W3) [Adelung]


Achtmahlig, adj. von acht Mahl, welches hier richtig zusammen gezogen wird, da eine gemeinschaftliche Ableitungssylbe dazu kommt. Ein achtmahliges Versprechen, welches acht Mahl geschehen ist.


Achtmann (W3) [Adelung]


Der Achtmann, des -es, plur. die -männer, und wenn es niedrige Personen sind, im Plural auch wohl Achtleute, einer aus einem Collegio von acht Personen. So heißen z. B. zu Halle in Sachsen diejenigen acht Personen an einer Kirche, welche die Kirche verstellen, und an andern Orten Vorsteher, Kirchenväter genannt werden, Achtmänner.


Achtpfenniger (W3) [Adelung]


Der Achtpfenniger, des -s, plur. ut nom. sing. S. Achter.


Achtsam (W3) [Adelung]


Achtsam, -er, -ste, adj. et. adv. mit Acht, d. i. Aufmerksamkeit, Sorgfalt; im Gegensatze des unachtsam. Er ist sehr achtsam darauf. Und seht ihn nur recht achtsam an. Man höre bey seiner achtsamen Wahl zuerst auf die Stimme des Herzens, Gell. für sorgfältig. Die achtsame Beschauung der Werke Gottes, eben derselbe, für aufmerksam. Es wird im Hochdeutschen immer seltener, indem aufmerksam und sorgfältig deutlicher und bestimmter sind; obgleich der Gegensatz unachtsam noch völlig gangbar ist, weil sich von den beyden eben gedachten keine solche Gegensätze bilden lassen. Achtsamlich verdient, wie alle dergleichen ohne Noth durch lich verlängerte Wörter, am wenigsten beybehalten zu werden.


Achtsamkeit (W3) [Adelung]


Die Achtsamkeit, plur. inusit. die Aufmerksamkeit, ingleichen die Sorgfalt; im Gegensatze der Unachtsamkeit. Es verliert sich eben so sehr aus dem Gebrauche, als das Adjectiv.


Achtschatz (W3) [Adelung]


* Der Achtschatz, des -es, plur. car. bedeutet nur noch an dem kaiserlichen Gerichte zu Rothweil, das Geld, womit sich ein Geächteter von der Acht los kaufet, der Achtschilling. S. Haltaus v. Achtschatz.


Achtschildig (W3) [Adelung]


Achtschildig, adj. et adv. Ein achtschildiger Edelmann, der seine acht Ahnen beweisen kann. S. Ahn.


Achtserklärung (W3) [Adelung]


Die Achtserklärung, plur. die -en, so wohl die feyerliche Erklärung in die Acht, als auch die Schrift, in welcher solches geschiehet, S. 3. Acht.


Achtsmann (W3) [Adelung]


Der Achtsmann, des -es, plur. die -männer, oder Achtsleute. 1) An einigen Orten, z. B. in dem Ding und Recht in Hollstein, noch so viel als Schöppe, oder Beysitzer in einem Gerichte, in der veralteten Bedeutung des Zeitwortes achten, da es rathschlagen, ingleichen Recht sprechen bedeutete. Es werden diese Beysitzer auch wohl Achter, ingleichen Achtersleute genannt. S. Haltaus v. Achtsleute. 2) An andern Orten wird ein gerichtlicher Taxator ein Achtsmann genannt.


Achts-Prozeß (W3) [Adelung]


Der Achts-Prozeß, des -sses, plur. die -sse, das gerichtliche Verfahren, welches vor der Achtserklärung vorher zu gehen pflegt; ein Wort, welches, so wie die Sache selbst, nur noch in den Reichsgerichten vorkommt.


Achtstrahl (W3) [Adelung]


Der Achtstrahl, des -es, plur. die -e, bey den Naturkundigen, eine Art geritzter Seesterne mit acht Strahlen, Octactis. S. Strahl.


Achtstündig (W3) [Adelung]


Achtstündig, adj. et adv. acht Stunden dauernd. Ein achtstündiges Feuer, welches acht Stunden angehalten hat.


Achtstündner (W3) [Adelung]


Der Achtstündner, des -s, plur. ut nom. sing. in den Bergwerken, 1) diejenigen Bergleute, welche nur acht Stunden in der Grube arbeiten, im Gegensatze der Zwölfstündner. 2) Eine große Sanduhr, in den Huthäusern, welche acht Stunden läuft, nach welcher sich die Bergleute bey dem Ein- und Ausfahren richten.


Achttägig (W3) [Adelung]


Achttägig, adj. et adv. was acht Tage dauert oder gedauert hat. Eine achttätige Krankheit. Ein achttätiges Kind, welches acht Tage alt ist.


Achttheil (W3) [Adelung]


Achttheil, S. Achtel.


Achttheilig (W3) [Adelung]


Achttheilig, adj. et adv. aus acht Theilen bestehend.


Achtung (W3) [Adelung]


Die Achtung, plur. inusit. von achten. 1) + Ohne Artikel und größten Theils nur mit dem Verbo geben, so viel als Aufmerksamkeit und 2 Acht, im gemeinen Leben. Achtung auf etwas geben. Gib Achtung. Gebet Achtung auf meine Worte. Warum geben sie auf meine kleinste Miene Achtung, und nicht auf meine Worte? Gell. Ingleichen, Aufsicht. Gib Achtung auf meinen Sohn, auf das Gesinde. 2) Das innere Urtheil von des andern Vorzügen und Verdiensten, so wohl active, als passive. Viele Achtung für jemand haben. Meine Achtung gegen ihn kennet keine Grenzen. Der schuldigen Achtung für sein Vaterland zu nahe treten. Achtung ist in diesem Gebrauche etwas weniger als Hochachtung; jene kann ein Höherer gegen einen Geringern haben, aber dieser muß gegen jenen Hochachtung haben. Ingleichen passive, für Ansehen. Er lebt in großer Achtung, es achtet ihn jedermann hoch. In Achtung stehen. Einen in Achtung bringen. Er ist in keiner Achtung. Daher Achtungswürdig. 3) * Die Befolgung, wohl nur noch in den Kanzelleyen, wo es z. B. heißt: Wir lassen euch dieses zu eurer Nachricht und Achtung zufertigen; wofür denn auch wohl Nachachtung gebraucht wird.


Achtzehen (W3) [Adelung]


Achtzehen, Achtzehn, eine indeclinable Hauptzahl für acht und zehen. Achtzehen Monathe. Achtzehen Jahre. Ein Kind von achtzehen Wochen. So auch achtzehenjährig, achtzehentägig, u. s. f.

Anm. Es scheinet, daß die ältesten Franken diese Zahl noch nicht mit Einem Worte ausdrücken können, denn im Salischen Gesetze wird achtzehen hundert, durch tue nuenet chunna, d. i. zwey Mahl neun hundert gegeben. Angels. eahtatyne, Holl. achtien, Nieders. achtein, Dän. atten.


Achtzehner (W3) [Adelung]


Der Achtzehner, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Ganzes, das achtzehen Theile hält. So heißt eine Münzsorte in Preußen, welche 18 Preußische Groschen gilt; ein Achtzehner. 2) Ein Glied aus einem Collegio von achtzehen Personen. In dieser Bedeutung kommt das Wort in der Schweiz vor. 3) Ein Wein, der in dem Jahre 1718 gewachsen ist.


Achtzehnte (W3) [Adelung]


Achtzehnte, adj. et adv. welches die Ordnungszahl von achtzehen ist. Der achtzehnte Monath. Der achtzehnte Theil. In den Bergwerken ist das Achtzehnte, der achtzehnte Theil, welchen der Landesherr von tief ausgebaueten Zechen Statt des gewöhnlichen neunten bekommt.


Achtzig (W3) [Adelung]


Achtzig, eine indeclinable Hauptzahl, für zehen Mahl acht. Bey dem Willer ahzoh, bey dem Tatian ahtuzug, bey dem Notker ahzeg, Angels. eahtatig, Holl. achtentigh, Nieders. achtig.


Achtziger (W3) [Adelung]


Der Achtziger, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Mitglied aus einem Collegio von achtzig Personen. 2) Achtzig Jahre alt. Er ist schon ein Achtziger. Sie ist bald eine Achtzigerinn. 3) Im Jahre 1680 gewachsen oder verfertiget. So kann ein Achtziger, so wohl einen Wein bedeuten, der 1680 oder 1780 gewachsen ist, als auch einen Thaler, der in diesen Jahren gepräget worden.


Achtzigste (W3) [Adelung]


Achtzigste, adj. et adv. welches die Ordnungszahl von achtzig ist. Bey dem Kero aktozogosto.


Ächzen (W3) [Adelung]


Ächzen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, vom Schmerz erpreßte Ach! oder Seufzer von sich hören lassen. Vor Schmerzen ächzen. Ein leidendes Thier wird, wenn der Schmerz dasselbe anfällt, eben so wohl wimmern und ächzen, als der Held Philoktet, Herd.

Anm. Ächzen kommt von Ach! und druckt mit diesem den Schall aus, den eine schmerzhafte Empfindung veranlasset. Zugleich ist es das Intensivum von dem längst veralteten achen, welches ehedem in der Deutschen Sprache vorhanden war, und noch jetzt von andern Völkern aufbehalten wird. Ein Beweis davon ist das alte Fränkische und Alemannische agan und ahan, wovon die Franzosen ihr ahannen haben, das alte Britannische ochain, das Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Englische to ake und das Slavonische ochati. Schon die Griechen hatten das Intensivum - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Andere Deutsche, besonders Niedersächsische Mundarten, druckten das Ächzen durch anken und janken aus.


Acker (W3) [Adelung]


Der Acker, des -s, plur. die Äcker, Diminutivum Äckerchen, Oberdeutsch Äckerlein. 1) Ein gebautes, zum Feldbaue urbar gemachtes Feld, wenn es gleich dieses Jahr nicht bestellet wird. Den Acker bestellen, zur Hervorbringung der Feldfrüchte geschickt machen. Den Acker düngen, pflügen, egen, zusäen oder besäen. Einen Acker aussaugen, ausmärgeln, durch Unterlassung des Düngens, oder durch Versagung der nöthigen Ruhe, entkräften. Figürlich, auch wohl zuweilen, was auf dem Acker wächst. Der ganze Acker ist verhagelt. Einen Acker abbrennen, die Stoppeln oder das Unkraut auf demselben anzünden.2) Das Erdreich, der Boden eines solchen Ackers in Betrachtung seiner natürlichen Beschaffenheit; ohne Plural. Ein schwarzer Acker, fetter Acker, sandiger Acker, Lehmacker, Thonacker, guter Weitzenacker u. s. f. Ich glaube, daß Herr Stosch in den Krit. Anm. S. 36 Recht hat, wenn er versichert, daß man das Wort in dieser Bedeutung von dem Boden eines Waldes, eines Gartens oder einer Wiese nie gebrauche.3) Ein Flächenmaß, welches in einigen Gegenden nicht bloß von dem tragbaren Lande, sondern auch von Holzungen, Wiesen, Weinbergen und Teichen gebraucht wird, und überhaupt so viel Land begreift, als mit einem Pfluge in einem Tage umgepflüget werden kann, sonst aber von sehr verschiedener Größe ist. In Sachsen, wo man alles Land, es mag tragbares Feld, oder Wiese, oder Waldung seyn, nach Äckern mißt, hält ein Acker 300 Quadrat-Ruthen, jede von 71/2 Ellen und 2 Zoll Leipziger Maß. In Oberdeutschland bestimmt man nur das Maß der Felder und Wälder nach Äckern, das Maß der Wiesen aber nach Tagewerken. Allein in Österreich ist für Äcker auch das Wort Joch, und Bifang, und in der Schweiz die Benennung Juchart üblich. Anmanchen Orten ist Morgen und Acker einerley; in den meisten Gegenden aber sind sie verschieden. In Sachsen ist ein Morgen nur ein halber Acker.

Anm. 1. Dieses Wort ist sich in den meisten Europäischen und in vielen Morgenländischen Sprachen ähnlich geblieben. Zu den von Frisch und Wachter gesammelten Beyspielen kann man noch das Persische ackar setzen. Was dessen Abstammung betrifft, so könnte man theils auf das Morgenländische und besonders Arabische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, er hat gegraben, rathen, wovon auch das Hebräische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, einer der die Erde umgräbt, herkommt, theils auf das alte Nordische und Isländische aka, fahren, davon akare, ein Fuhrmann. Beyde Begriffe werden sich zu dem Ackerbaue nicht übel schicken.2. Feld und Acker werden im gemeinen Leben oft als gleich bedeutend angesehen, gemeiniglich aber genau unterschieden. Feld bedeutet ein tragbares Land, es mag gebauet werden oder nicht. Acker aber nur ein wirklich gebauetes Feld, wenn es gleich nicht alle Jahr bestellet wird. Auf diese Art sind die zusammen gesetzten Wörter Brachacker und Brachfeld, Sommerfeld und Sommeracker, Winterfeld und Winteracker, Weitzenfeld und Weitzenacker u. s. f. völlig gleich bedeutend.3. Wenn Acker ein Feldmaß ist und ein bestimmtes Zahlwort vor sich hat, so wird Statt des Plurals der Singular gesetzt, z. B. zehen Acker Wiesen, funfzig Acker Feld, hundert Acker Wiesewachs. Man hat dieses tadeln wollen; aber nicht bedacht, daß wir sehr viele andere Nahmen haben, welche ein Maß, Gewicht und oft auch nur Zeit bedeuten, und mit bestimmten Zahlwörtern keinen Plural leiden, ohne Zweifel, weil Zahl, Maß, und Gewicht hier als bloße Materialia betrachtet werden, welche als solche niemahls eines Plurals fähig sind. S. mein Lehrgeb. Th. 1, S. 377-383.4. Wenn Acker mit den Nahmen der Pflanzen zusammen gesetzet wird, so bezeichnet es theils solche Pflanzen, welche wild wachsen, im Gegensatze derjenigen Pflanzen gleiches Nahmens, welche nur in den Gärten fortkommen, theils solche, welche auf den Äckern angetroffen werden, im Gegensatze der Wasser- Wiesen- und Waldpflanzen gleicher Art. Andere Zusammensetzungen, z. B. Ackerarbeit, Ackerbestellung, Ackergeräth, Ackergeschirr, Äckerreich, u. s. f. sind leicht zu verstehen, daher sie im folgenden übergangen worden.


Acker-Akademie (W3) [Adelung]


Die Acker-Akademie, plur. die -n, eine zur Beförderung des Ackerbaues gestiftete Akademie, dergleichen man z. B. in Dänemark hat. In andern Ländern ist sie mit unter den ökonomischen Gesellschaften begriffen.


Ackerbau (W3) [Adelung]


Der Ackerbau, des -es, plur. car. 1) Eigentlich und zunächst, die Beschäftigung mit der Bestellung des Ackers, der Feldbau. In weiterer Bedeutung, aber nicht so richtig, der ganze Erdenbau über der Erde, den Weinbau, Gartenbau, die Viehzucht, das Forstwesen u. s. f. nicht ausgeschlossen, der Landbau. Den Ackerbau treiben. Von dem Ackerbaue leben. Sich auf den Ackerbau legen. 2) Die Kunst oder Wissenschaft beyder Beschäftigungen. Den Ackerbau erlernen. Der Ackerbau ist die nützlichste Wissenschaft unter allen. 3) Diejenigen Ackerfelder, welche zu einem Gute gehören. Dieses Gut hat vielen Ackerbau. Der Hof hat wenig Ackerbau.


Ackerbeet (W3) [Adelung]


Das Ackerbeet, des -es, plur. die -e, der Theil eines Ackers zwischen zwey ausgestrichenen Furchen, welcher an andern Orten, besonders in Niedersachsen, ein Rücken genannt wird.


Ackerbohne (W3) [Adelung]


Die Ackerbohne, S. Saubohne.


Ackerbürger (W3) [Adelung]


Der Ackerbürger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bürger, welcher sich zugleich von dem Ackerbaue nähret, dergleichen es in kleinen Städten viele giebt.


Ackerdistel (W3) [Adelung]


Die Ackerdistel, plur. die -n, ein Nahme, welchen auch die Haferdistel oder das Schartenkraut führet, weil es gerne auf den Fruchtäckern wächset; Serratula arvensis, L.


Ackereichel (W3) [Adelung]


Die Ackereichel, plur. die -n, S. Erdnuß.


Ackerfeld (W3) [Adelung]


Das Ackerfeld, des -es, plur. die -er, ein aus Äckern, d. i. bearbeiteten Ländereyen, bestehendes Feld; im Gegensatze des Gartenfeldes. Zu diesem Gute gehören vier Hufen Ackerfeld.


Ackerfrohn (W3) [Adelung]


Der Ackerfrohn, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme des Feldhüters, Feldvogtes, Flurschützen.


Ackerfrohne (W3) [Adelung]


Die Ackerfrohne, plur. die -n, Frohndienste, welche zur Bestellung des Ackers, mit Pflügen, Düngen, u. s. f. geleistet werden.


Ackergalle (W3) [Adelung]


Die Ackergalle, plur. die -n, in der Landwirthschaft, ein kleiner Quell auf dem Acker, wo das Wasser nur unvermerkt aus der Erde dringet. S. Galle.


Ackergaul (W3) [Adelung]


Der Ackergaul, des -es, plur. die -gäule, ein Pferd geringerer Art, so wie man es zum Ackern gebraucht.


Ackergeld (W3) [Adelung]


Das Ackergeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, 1) Dasjenige Geld, welches man der Grundherrschaft von den Äckern entrichtet, Ackerzins. 2) Auch das Geld, welches man für das Ackern, d. i. für die Bestellung des Ackers, bezahlet; in Thüringen Artlohn.


Ackergericht (W3) [Adelung]


Das Ackergericht, des -es, plur. die -e, ein Gericht, welches über die Feld- und Flurstreitigkeiten zu erkennen hat, dergleichen z. B. zu Frankfurt am Main ist; das Feldgericht, Flurgericht. An andern Orten führen dergleichen Gerichte andere Nahmen. S. Feldgericht.


Ackerhaken (W3) [Adelung]


Der Ackerhaken, S. Haken.


Ackerheu (W3) [Adelung]


Das Ackerheu, des -es, plur. car. dasjenige Heu, welches von Brachäckern gewonnen wird, zum Unterschiede von dem Wiesenheu.


Ackerhof (W3) [Adelung]


Der Ackerhof, des -es, plur. die -höfe, an einigen Orten, ein Vorwerk, zu welchem Ackerbau gehöret; ingleichen, ein Bauergut.


Ackerhohlunder (W3) [Adelung]


Der Ackerhohlunder, S. Attich.


Ackerholz (W3) [Adelung]


Das Ackerholz, des -es, plur. die -hölzer, im Forstwesen, ein Nahme der Busch- und Laubhölzer, weil sie an den meisten Orten ackerweise ausgemessen und verkauft werden, im Gegensatze der schwarzen oder todten Hölzer.


Ackerhuhn (W3) [Adelung]


Das Ackerhuhn, S. Feldhuhn, Rephuhn.


Äckerig (W3) [Adelung]


Das Äckerig, S. Eichel.


Acker-Kamille (W3) [Adelung]


Die Acker-Kamille, plur. die -n, eine Kamillenart mit kegelförmigen Böden, welche mit borstigen Spreublättchen besetzt sind. Sie wächset auf den Äckern Europens, Streichblume, Krötendill; Anthemis arvensis, L.


Ackerklee (W3) [Adelung]


Der Ackerklee, S. Hasenklee.


Ackerklette (W3) [Adelung]


Die Ackerklette, plur. die -n, ein Nahme der kleinen Klette oder Spitzklette, weil sie gerne auf den Brachäckern wächset.


Ackerknecht (W3) [Adelung]


Der Ackerknecht, des -es, plur. die -e, auf großen Landgütern, ein Knecht, der die Bestellung des Ackers zu besorgen hat, im Gegensatze des Bauknechtes, der Fuhrknecht, oder Pferdeknecht, an einigen Orten ein Änke, oder Enke, und in der Mark Brandenburg, dem Frisch zu Folge, ein Ledighütter.


Ackerknoblauch (W3) [Adelung]


Der Ackerknoblauch, des -es, plur. inusit. eine Knoblauchsart mit purpurfarbigen, schirmförmigen Blumen, welche in den Wäldern, auf den Feldern und Wiesen wächset, Feldknoblauch; Allium vineale, L.


Ackerkohl (W3) [Adelung]


Der Ackerkohl, des -es, plur. inusit. ein Nahme, 1) des so genannten Kainkohles oder wilden Kohles, welcher gern in Gartenfeldern wächset; Lapsana communis, L. 2) Des Acker-senfes, Hederichs, wilden Senfes; Sinapis arvensis, L. Niedersächsisch Küdik.


Ackerkrähe (W3) [Adelung]


Die Ackerkrähe, plur. die -n, ein Nahme der gewöhnlichen schwarzen Saatkrähe, Corvus frugilegus, L. welche von den Feld- und Holzkrähen noch unterschieden wird.


Ackerkraut (W3) [Adelung]


Das Ackerkraut, des -es, plur. inusit. ein Nahme, welcher von einigen auch der Bachbunge oder Bachbohne gegeben wird, welches S.


Ackerkrebs (W3) [Adelung]


Der Ackerkrebs, des -es, plur. die -e, S. Erdgrille.


Ackerkummet (W3) [Adelung]


Das Ackerkummet, des -es, plur. die -e, ein mit Leinewand überzogenes Kummet für die Ackerpferde, im Gegensatze des Fahrkummetes, welches mit Leder überzogen ist.


Ackerland (W3) [Adelung]


Das Ackerland, des -es, plur. die -länder, Land, welches gebauet wird, oder doch zum Ackerbau geschickt ist; im Gegensatze des Gartenlandes, Wiesenlandes u. s. f.


Ackerlattig (W3) [Adelung]


Der Ackerlattig, S. Feldlattig.


Ackerlehne (W3) [Adelung]


Die Ackerlehne, plur. die -n, an einigen Orten, z. B. der Lausitz, ein kleiner Hügel auf den Äckern, Feldlehne.


Ackerleine (W3) [Adelung]


Die Ackerleine, plur. die -n, in der Landwirthschaft, eine dünne Leine, womit die Pferde vor dem Pfluge regieret werden; das Leitseil.


Ackerlerche (W3) [Adelung]


Die Ackerlerche, plur. die -n, in einigen Gegenden die gewöhnliche Feld- oder Sanglerche.


Ackerlohn (W3) [Adelung]


Der Ackerlohn, des -es, plur. car. der Lohn für die gesammte Bestellung des Ackers; in engerer Bedeutung der Lohn für das Pflügen, der Artlohn, Pfluglohn.


Ackermaß (W3) [Adelung]


Das Ackermaß, des -es, plur. die -e, ein Maß, wonach die Äcker gemessen zu werden pflegen, das Feldmaß, dergleichen Morgen, Acker, Juchart, Hufe u. s. f. sind.


Ackermann (W3) [Adelung]


Der Ackermann, des -es, plur. die Ackerleute. 1) Ein Mann, der den Ackerbau verstehet und ausübet; eine glimpflichere Benennung dessen, was man sonst einen Bauer nennt. 2) In engerer Bedeutung in einigen Gegenden, z. B. im Braunschweigischen, ein völliger Bauer oder Vollbauer, ein Pferdner, zum Unterschiede von dem Halbbauer oder Halbspänner. Angels. Aecermon, Aecer-ceorl, Alemann. Acharman, Schwed. Akermann, beym Tatian auch Akarbigengiro. Die gemeinen Mundarten sprechen es mit einem s, Ackersmann aus. 3) In einigen Gegenden ein Nahme des Kalmus, der so wie Ackerwurz, welchen er gleichfalls führet, ohne Zweifel aus Acorus verderbt ist. S. Kalmus.


Ackermännchen (W3) [Adelung]


Das Ackermännchen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Bachstelzen, welche grau und schwarz ist, und ihre Nahrung in dem frisch geackerten Lande suchet. Niedersächsisch Ackermännken, im Hannöverschen Ackermere.


Ackermaus (W3) [Adelung]


Die Ackermaus, S. Feldmaus.


Ackermelde (W3) [Adelung]


Die Ackermelde, S. Waldmelde.


Ackermesser (W3) [Adelung]


Das Ackermesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein in Italien vom dem Marchese del Borro um das Jahr 1713 erfundenes Werkzeug, mit Ersparung des Zugviehes zu pflügen.


Ackermohn (W3) [Adelung]


Der Ackermohn, des -es, plur. inusit. S. Agrimone.


Ackermünze (W3) [Adelung]


Die Ackermünze, plur. inusit. ein Nahme, 1) einer Art der wilden Poley, welche auf den Äckern wächset, und auch von einigen Bachmünze genannt, richtiger aber von derselben noch unterschieden wird; Mentha arvensis, L. S. Feldmünze. 2) Einer Art der wilden Melisse, mit zweytheiligen Blumenstielen, welche aus den Winkeln der Blätter entspringen, und länger als die Blätter sind, Acker-Nept, Melissa Nepeta, L.


Ackern (W3) [Adelung]


Ackern, verb. reg. act. von Acker. 1) Überhaupt so viel als pflügen. 2) Besonders, bey der Sommersaat, zum letzten Mahle pflügen, welches auch zur Saat pflügen, und saatfurchen, in der Mark Brandenburg aber, in Ansehung der Gerstensaat, strei- chen, genannt wird. Das letzte Pflügen bey der Wintersaat wird dagegen an den meisten Orten ären genannt. 3) Bey den Kupferstechern bedeutet es die zur schwarzen Kunst bestimmte Platte mit der Wiege aufreißen, um hernach das Licht hinein zu schaben.


Acker-Nept (W3) [Adelung]


Der Acker-Nept, des -es, plur. inusit. an einigen Orten, eine Art der Ackermünze, welches S. Die Hälfte ist aus dem Lateinischen Nahmen Nepeta gebildet.


Ackerpflege (W3) [Adelung]


Die Ackerpflege, plur. die -n, eine Gegend, in Ansehung ihres Ackerbaues betrachtet. Ein in der besten Ackerpflege gelegenes Gut. S. Pflege.


Ackerrain (W3) [Adelung]


Der Ackerrain, des -es, plur. die -e, ein Rain zwischen zwey Äckern; der Feldrain, auch nur Rain schlechthin.


Ackerraute (W3) [Adelung]


Die Ackerraute, plur. inusit. ein Nahme, der von einigen auch dem Erdrauche, Taubenkropfe gegeben wird, weil er auf den Äckern wächset; Fumaria officinalis, L.


Ackerrecht (W3) [Adelung]


Das Ackerrecht, des -es, plur. die -e. 1) Gerechtsame und Verbindlichkeiten, welche dem Ackerbaue ankleben. 2) Der Inbegriff derselben; entweder im Singular allein, oder im Plural allein.


Ackerrettig (W3) [Adelung]


Der Ackerrettig, des -es, plur. inusit. eine Art des Hederiches, mit länglich runden einfächerigen Schoten, und entweder gelben; oder weißen, oder weißen mit violbraunen Strichlein gezierten Blumen. Von dem Ackerkohle unterscheidet man ihn am besten durch die Kelchblätter, welche an jenem offen stehen, an dem Ackerrettige aber geschlossen sind; Raphanus Raphanistrum, L.


Ackerried (W3) [Adelung]


Das Ackerried, des -es, plur. die -e, ein sumpfiger, mit Rohr bewachsener Platz auf einem Acker. S. Ried.


Ackerriedgras (W3) [Adelung]


Das Ackerriedgras, des -es, plur. inusit. eine Art Schmielen, mit langen, an der innern Seite tief gefurchten und sehr scharfen, an der äußern Seite aber glatten Blättern; Aira cespitosa, L.


Ackerrixe (W3) [Adelung]


Die Ackerrixe, plur. die -n, an einigen Orten, der Nahme des so genannten Wachtelköniges oder Schnerfes, welche S.


Ackerruhrkraut (W3) [Adelung]


Das Ackerruhrkraut, des -es, plur. inusit. eine Art Ruhrkraut, mit einem büschelförmigen Stamme, und seitwärts befestigten kegelförmigen Blumen; Filago arvensis, L.


Ackersalat (W3) [Adelung]


Der Ackersalat, S. Feldlattich.


Acker-Scabiose (W3) [Adelung]


Die Acker-Scabiose, plur. die -n, eine Scabiosenart, mit vierspaltigen gestrahlten Krönchen, in Querstücke getheilten Blättern, und einem mit steifen Borsten besetzten Stamme; Scabiosa arvensis, L.


Ackerschnecke (W3) [Adelung]


Die Ackerschnecke, plur. die -n, diejenigen Erdschnecken oder nackten Schnecken, welche sich auf den Äckern aufhalten, und von den Feld- Gras- Holz- Berg- Land- und Wegeschnecken wohl, aber nicht sehr verschieden seyn mögen.


Ackerscholle (W3) [Adelung]


Die Ackerscholle, plur. die -n, ein von dem Pfluge abgelösetes Stück Erde, eine Erdscholle.


Ackersenf (W3) [Adelung]


Der Ackersenf, des -es, plur. inusit. eine wilde Senfart, mit vieleckigen, knotigen, ebenen Schoten, welche in großer Menge unter der Gerste blühet; Sinapis arvensis, L. Ackerkohl, Hederich. S. auch Ackerrettig.


Ackersmann (W3) [Adelung]


Der Ackersmann, S. Ackermann.


Ackerspark (W3) [Adelung]


Der Ackerspark, des -es, plur. inusit. eine Pflanze, welche zu den Sparkarten gehöret, und an einigen Orten auch Knöterich oder Knebel, genannt wird. Sie hat schmale und fadenförmige Blätter, welche wie ein Querl um den Stängel sitzen, und etwas weiße große Blumen; Spergula arvensis, L.


Ackersteuer (W3) [Adelung]


Die Ackersteuer, plur. die -n, diejenige Steuer, welche dem Landesherren von den Äckern entrichtet wird; der Hufenschoß, die Hufensteuer, so fern sie nach den Hufen gegeben wird.


Ackerstraußgras (W3) [Adelung]


Das Ackerstraußgras, S. Windhalm.


Ackertag (W3) [Adelung]


Der Ackertag, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, z. B. in Meißen, ein Tag, an welchem jemand zur Frohne ackern muß. Ein Gut hat z. B. zwölf Ackertage, wenn dessen Besitzer so viel Tage zur Frohne ackern muß.


Der Ackertheil, des -es, plur. die -e, in den Bergwerken, so viel als der Erbtheil oder Erbkur, d. i. derjenige Kux, welcher dem Grundherrn des Bergwerkes frey gebauet wird.


Die Ackertrappe, plur. die -n, die gewöhnliche große Art Trappen, welche sich auf den Feldern aufhält; die Feldtrappe.


Die Ackertrespe, plur. inusit. eine Trespenart, welche lange, scharfe, etwas haarige Blätter, einen hohen Halm, einen ausgebreiteten Strauß, lange und dünne Nebenstängel, und in jedem Kelche sechs bis acht Blüthen mit ziemlich langen Grannen hat; Bromus arvensis, L.


Das Ackervieh, des -es, plur. car. das zum Ackerbaue nöthige Zugvieh, d. i. Pferde und Ochsen.


Die Ackerviole, S. Frauenspiegel.


Der Ackerumsatz, des -es, plur. die -sätze. 1) Diejenige Veränderung in den Äckern, da ein jeder Eigenthümer seine zerstreut liegenden Grundstücke durch Tausch in an einander hangende große Stücke zusammen bringt; der Ackertausch, in einigen Gegenden die Magschiftung. 2) In andern Gegenden verstehet man unter Ackerumsatz diejenige Einrichtung, da man die Ackerfelder wechselweise einige Jahre als Anger, und hernach wieder als Getreidefelder nutzet, welches auch die Wechselwirthschaft und Koppelwirthschaft genannt wird.


Der Ackervogel, S. Feldläufer.


Der Ackervogt, des -es, plur. die -vögte. 1) An einigen Orten, ein Wächter, welcher die Äcker und Feldfrüchte bewachen muß, S. Flurschütz. 2) An andern Orten ist es der Aufseher über die Fröhner auf dem Felde, und oft über den ganzen Ackerbau eines Gutes, welcher auch Feldvogt genannt wird.


Die Ackerwalze, plur. die -n, in dem Ackerbaue, eine starke, schwere Walze, welche durch Pferde fortgeschleppet wird, die Klöße auf den Äckern zu zerdrücken.


Der Ackerweg, des -es, plur. die -e, ein Weg, der allein auf Äcker zuführet; ein Feldweg.


Das Ackerwerk, des -es, plur. die -e. 1) * Der Ackerbau, die Ackerarbeit; ohne Plural, aber wenig mehr gebräuchlich. 2) Ein Vorwerk, nur in einigen Gegenden, wie Ackerhof.


Die Ackerwiese, plur. die -n, in einigen Gegenden, z. B. in Thüringen, eine Wiese, welche eigentlich Ackerland ist, und in manchen Jahren auch so bestellet wird; die Feldwiese.


Die Ackerwinde, plur. von mehrern Arten, die -n, eine Pflanze aus dem Geschlechte der Winden, mit pfeilförmigen Blättern, die an beyden Enden spitzig sind, und mit oft einblümigen Blumenstielen, kleine Winde; Convolvulus arvensis, L.


Die Ackerwurz, plur. car. ein Nahme, der von einigen so wohl, 1) dem Kalmus, als auch 2) der Tormentill oder Blutwurz gegeben wird. S. diese Wörter. In der ersten Bedeutung ist er vermuthlich aus Acorus verderbet worden.


Der Ackerzins, des -es, plur. von mehrern Summen, die -e, der Zins, oder das Pachtgeld von zinsbaren, oder gepachteten Äckern; das Ackergeld.


Die Ackerzwiebel, plur. die -n, ein Zwiebelgewächs, welches auf feuchten Äckern und in den Wäldern wächset, theils weiße, theils gelbe lilienförmige Blumen bringt, und auch Vogelkraut, Vo- gelmilch, Hühnermilch, und Feldzwiebel genannt wird; Ornithogalum, L.


Der Act, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Actus, derjenige Theil eines Schauspieles, in welchem die Handlung ununterbrochen fortgehet; die Handlung, oft auch, aber nicht so richtig, der Aufzug, indem in den wenigsten tragischen Stücken ein Aufzug des Vorhanges Statt findet.


Acten (W3) [Adelung]


Die Acten, sing. car. eine aus dem Lateinischen Worte Acta gebildete Benennung, 1) aller öffentlichen Verhandlungen, welche schriftlich abgefasset worden. Besonders, 2) gerichtlich niedergeschriebener Gerichtshändel; und 3) in noch engerer Bedeutung, die von den streitenden Parteyen dem Gerichte übergebenen Streitschriften, im Gegensatze des Protocolles. 4) In der Schweiz sind Acten bedeckte Abzugsgräben auf dem Felde; aber da ist das Wort aus Aquaeductus zusammen gezogen.


Acteur (W3) [Adelung]


+ Der Acteur, (sprich Actör,) des -s, plur. die -s, Fämin. die Actrice, (sprich Actriße,) plur. die -n, zwey ohne Noth aus dem Französischen erborgte Wörter, einen Schauspieler und eine Schauspielerinn zu bezeichnen.


Actie (W3) [Adelung]


Die Actie, (sprich Akzie,) plur. die -n, derjenige Antheil, welchen jemand an einer Handlungs- oder andern Gesellschaft nimmt, welche Capitalia zu ihren Unternehmungen gebraucht; ingleichen die Obligation, welche jemand über diesen seinen Antheil bekommt, so fern selbige wieder ein Gegenstand des Handels ist. Das Wort scheinet aus dem Holländischen Actie, von dem Lat. Actio, entlehnet zu seyn; im Franz. heißen dergleichen Actien Actions, und im Engl. Stocks. Daher der Actien-Händler, der mit solchen Actien einen wucherlichen Handel treibt; Engl. Stock-jobber.


Action (W3) [Adelung]


+ Die Action, plur. die -en, ein ohne Noth aus dem Franz. Action und Lat. Actio entlehntes Wort, ein Gefecht zu bezeichnen; ingleichen in der Physik, Action und Reaction, Druck und Gegendruck, oder Wirkung und Gegenwirkung, Wirkung und Widerstand.


Activ (W3) [Adelung]


+ Activ, -er, -este, adj. et adv. aus dem Lat. activus, thätig, im Gegensatze des passiv, oder leidend; ingleichen geschäftig, lebhaft, thätig. Sehr activ seyn. In beyden Fällen kann man es entbehren. Daher der Activ-Handel, der Handel, welchen man auf eigene Rechnung treibt, zum Unterschiede von dem Passiv-Handel, wohin der Commissions- und Speditions-Handel gehören. Ferner die Activ-Schuld, eine Schuld, welche ein anderer mir zu bezahlen hat, zum Unterschiede von einer Passiv-Schuld, welche ich zu bezahlen habe. Daher + die Activität, plur. inusit. die Thätigkeit, Lebhaftigkeit. In Activität setzen, thätig, wirksam machen.


Activum (W3) [Adelung]


Das Activum, des Activi, plur. die Activa, aus dem Latein. Activum, in der Sprachlehre, die thätige Gattung der Verborum, zum Unterschiede von dem Passivo, der leidenden, und dem Neutro, der Mittelgattung oder mittlern Gattung.


Actrice (W3) [Adelung]


Die Actrice, S. Acteur.


Actuarius (W3) [Adelung]


Der Actuarius, des -rii, plur. die -rii, aus dem mittlern Lat. der Gerichtsschreiber.


Adam (W3) [Adelung]


Adam, -s, plur. car. 1) Der Nahme des ersten Menschen, der Hebräischen Ursprunges ist, und als ein eigenthümlicher Nahme von den Juden auch auf die Christen fortgepflanzet worden; wo er im Diminutiv. oft nur Damchen lautet. 2) Der alte Adam, eine biblische Benennung der Erbsünde, zum Andenken des durch den ersten Menschen auf das ganze menschliche Geschlecht vererbten Übels.


Adams-Apfel (W3) [Adelung]


Der Adams-Apfel, des -s, plur. die -Äpfel. 1) Eine Art Citronen, deren Frucht größer und dunkler von Farbe, als eine Pomeranze ist. Die Schale hat viele Narben, welche so aussehen, als wenn davon gebissen worden; daher denn die mor-genländische Leichtgläubigkeit solche zu derjenigen Frucht gemacht hat, die für Adams Lüsternheit so unwiderstehliche Reitze hatte; daher sie auch der Paradies-Apfel genannt wird. 2) An der Kehle des menschlichen Körpers, die äußere Erhöhung des ersten und größten Knorpels der Luftröhre, welche in der Anatomie der Schildknorpel heißt, und von welcher der Aberglaube die Überlieferung hat, daß sie durch ein Stück von dem verbothenen Apfel entstanden, welches dem Adam daselbst sitzen geblieben; Pomum Adami, Franz. le Morceau oder Pomme d'Adam, Holländ. Adamsbrok. Da andere die noch genauere Nachricht haben wollen, daß dieses Stück des verbothenen Apfels das Kerngehäuse, oder der so genannte Kröbs gewesen, so wird diese Erhöhung, von ihnen auch der Kröbs, und in Oberdeutschland das Gröbschel genannt. Noch andere nennen sie Adamsbissen, den Kehlkopf, die Niedersachsen bey dem Chyträus das Kropfbein, und der große Haufe den Bierknoten.


Adams-Feige (W3) [Adelung]


Die Adams-Feige, plur. die -n, ein Nahme der kleinen Indianischen Feige, welche auch die Maulbeerfeige genannt wird, weil die Blätter des Baumes den Maulbeerblättern gleichen; Ficus Indica, L.


Adams-Holz (W3) [Adelung]


Das Adams-Holz, des -es, plur. inusit. eine Art schwarzen festen Holzes, welches in dem südlichen Rußlande und Siberien aus der Erde gegraben wird, und vermuthlich verschlemmtes Ebenholz ist.


Addiren (W3) [Adelung]


Addiren, verb. reg. act. aus dem Lat. addere, in der Rechenkunst zusammen zählen. Daher die Addition, plur. inusit. die Zusammenzählung.


Addresse (W3) [Adelung]


+ Die Addresse, plur. die -n, aus dem Franz. die Überschrift eines Briefes, die Aufschrift; ingleichen die Nachricht, wo man jemanden zu erfragen hat; ein eben so entbehrliches Wort als das Verbum addressiren. Sich an jemanden addressiren, sich an ihn wenden. Einen Brief an jemanden addressiren, überschreiben, richten. Einen an jemanden addressiren, an ihn weisen, empfehlen. Daher das Addreß-Comtoir, eine öffentliche Anstalt zu öffentlichen Anfragen und Bekanntmachungen, auch das Intelligenz-Comtoir, im Oberdeutschen mit einem guten einheimischen Ausdrucke das Fragamt; das Addreß-Blatt oder Intelligenz-Blatt, ein wöchentlich gedrucktes Blatt, welches öffentliche Anfragen und Bekanntmachungen enthält. An einigen Orten wird auch ein Leih-Haus ein Addreß-Haus genannt.


Ade (W3) [Adelung]


* Ade, ein aus dem Französischen a Dieu verderbtes Abschiedswort, für Lebe wohl! dessen sich die Dichter des vorigen Jahrhunderts oft zu bedienen pflegten. Ade! Weld Ade! Gryph.Nun Ade ihr Feldgöttinnen, Nun Ade du grüne Luft! Opitz. Und das bekannte Lied: Welt Ade! ich bin dein müde. Die Neuern haben zwar dieses verstümmelte Wort mit allem Rechte veralten lassen, aber dafür ist noch im gemeinen Leben das nicht viel bessere adje üblich.


Adel (W3) [Adelung]


Der Adel, des -s, plur. car. 1. Ein gewisser Vorzug des Standes und Geschlechtes, welcher diejenigen, so damit begabet sind, unter andern auch berechtiget, ihrem Geschlechtsnahmen das Vorwörtchen von vorzusetzen, S. Von. Und zwar, (a) in eigentlicher Bedeutung, im Gegensatze des bürgerlichen Standes. Einer von Adel. Er ist von Adel. Er ist von gutem alten Adel. Ich weiß, daß ihm mein Adel im Wege steht. Sein Vater hielt steif über den alten Adel. (b) Figürlich, Würde, erhabene Eigenschaften des Geistes, Hoheit der Seele. Der Adel des Geistes ist mehr werth, als aller Adel des Geschlechtes. Der Adel seiner Seele both allen Widerwärtigkeiten des Schicksals Trotz. Sich unter den Adel seines Wesens erniedrigen. 2. Mehrere mit der adeligen Würde begabte Personen. Der hohe Adel, d. i. Fürsten, Grafen und Barone. Der niedere Adel, die gemeinen Edelleute. Der mittelbare Adel, der einem Reichsstande mit Eid und Pflicht zugethan ist. Der unmittelbare Adel, der allein dem Kaiser und dem Reiche unterworfen ist, der Reichsadel. Der Landadel, der Stadtadel. Der ganze umliegende Adel kam in die Stadt.

Anm. Die Etymologen sind bey der Ableitung dieses Wortes auf sehr verschiedene und zum Theil ungereimte Meinungen gerathen; bey welchen ich mich hier nicht aufhalten, sondern bloß auf Wachters, Frischens und Ihre's Wörterbücher, und Grupens Observatt. rerum et antiquit. German. S. 513. verweisen will. Die Endsylbe ist bloß die Ableitungssylbe -el, ein Ding, Subject, zu bezeichnen; es kommt hier also nur auf die Sylbe ad, oder wie sie ehedem lautete od, an, und diese bedeutete ehedem Eigenthum, Besitz, ein Gut; S. Ihre's Glossar. v. Od, ingleichen hier die Wörter Allodial und Kleinod. Diese Ableitung ist nicht allein sehr ungezwungen, sondern auch der ältesten Verfassung der Deutschen gemäß, wo sich der Adel ganz auf den Kriegesstand gründete, dieser aber allein der freye Besitzer der Ländereyen war. S. auch Edel.


Adelfisch (W3) [Adelung]


Der Adelfisch, des -es, plur. die -e, in Oberdeutschland, eine Art schmackhafter Weißfische, die wegen der kurzen an der Oberlippe befindlichen Nase, an der Elbe auch Schnäpel, sonst aber auch weiße Bläulinge genannt werden; Salmo Lavaretus, L. Der Nahme Adelfisch soll so viel bedeuten als edler Weißfisch. Vermuthlich ist es eben der Fisch, welcher an andern Orten unter dem Nahmen Adelfelches oder Sandfelches bekannt ist; wenigstens ist dieses auch ein edler Weißfisch.


Adelheit (W3) [Adelung]


Adelheit, ein noch heut zu Tage hin und wieder üblicher weiblicher Taufnahme, welcher vermittelst der Ableitungssylbe für Abstracta, heit, von Adel gebildet ist, und adeligen Stand und Würde bedeutet. In Niedersachsen und Westphalen wird aus diesem Nahmen in dem Munde des Volkes Ahlke, Tählke, Thaulke, und in der verkleinernden Form Leidjen, worin ein Wortforscher der folgenden Jahrhunderte wohl schwerlich den Nahmen Adelheit wieder finden wird.


Adelig (W3) [Adelung]


Adelig, adj. et. adv. 1) Eigentlich, mit dem Adel bekleidet. Von adeliger Geburt. Von adeligem Geblüte herkommen. Ein adeliges Geschlecht. Adeliges Siegel und Wapen. 2) Figürlich, nach Art des wahren Adels, großmüthig, tapfer, vortrefflich. Eine adelige That. Das ist nicht adelig. In dieser figürlichen Bedeutung fängt das Beywort an zu veralten, vermuthlich weil die Sache selbst bey unserm heutigen Adel aus der Gewohnheit gekommen ist.

Anm. Die gemeine Schreibart adelich, mit einem ch am Ende, ist nicht etymologisch richtig; denn wäre -lich hier die Ableitungssylbe, so müßte es adellich, mit zwey l heißen. Da aber das Wort von je her nur mit einem l geschrieben worden, so findet hier nur die Ableitungssylbe ig Statt. Zu behaupten, daß das eine l ausgeworfen worden, heißt die Ausnahmen von der Regel ohne Noth und Nutzen häufen. Adellich war indessen schon den Alten bekannt, denn bey dem Pez heißt adallicho, eleganter, und im Angelsächsischen kommt aethellice vor. Auch die Schweden und Dänen schreiben adelig, mit einem g.


Adeln (W3) [Adelung]


Adeln, verb. reg. act. 1) Eigentlich, adelige Würde und Vorzüge ertheilen. Von dem Kaiser geadelt werden, sich adeln lassen. 2) Figürlich, über andere erheben, der innern Würde nach. Tugend adelt, Hall. - Der Vorzug weiser Sitten Macht alles herrlicher und adelt auch die Hütten, Haged. Die Freyheit adelt euch, und nicht ein fremdes Land, Schleg. Im Schwabenspiegel adeln. Das Verbale die Adelung ist ganz ungewöhnlich.


Adelsbeere (W3) [Adelung]


Die Adelsbeere, S. Elsebeere.


Adelsbrief (W3) [Adelung]


Der Adelsbrief, des -es, plur. die -e, diejenige Urkunde, in welcher ein Bürger geadelt wird.


Adelskunde (W3) [Adelung]


Die Adelskunde, plur. inusit. die Kunde oder Kenntniß des Adels, seiner Vorzüge und Befugnisse, wovon denn die Wapenkunde ein Theil ist.


Adelschaft (W3) [Adelung]


* Die Adelschaft, plur. inusit. ein nunmehr veraltetes Wort, den Adel, oder die adelige Würde anzudeuten, welches indessen noch bey dem Opitz vorkommt.


Adelstand (W3) [Adelung]


Der Adelstand, des -es, plur. car. 1) Adelige Würde und Vorzüge. Jemand in den Adelstand erheben. 2) Collective, die Edelleute eines Landes oder einer Gegend, als ein Körper betrachtet, wofür man doch lieber der Ritterstand sagt.


Adept (W3) [Adelung]


Der Adept, des -en, plur. die -en, aus dem Lateinischen Adeptus. 1) Ein jeder, welcher in den Geheimnissen seiner Kunst oder Wissenschaft erfahren ist. 2) In engerer Bedeutung, ein Goldmacher.


Aderbinde (W3) [Adelung]


Die Aderbinde, plur. die -n, ein schmaler Streif Leinwand, die Ader nach dem Aderlassen damit zu verbinden, auch die Aderlaßbinde.


Aderbruch (W3) [Adelung]


Der Aderbruch, des -es, plur. die -brüche, in der Arzneywissenschaft, eine Art falscher Brüche, welche in einer Geschwulst der Samengefäße bestehet, welche durch Aderkröpfe hervor gebracht wird; der Krampfaderbruch, Cirsocele, Varicocele, Hernia varicosa.


Aderhäutchen (W3) [Adelung]


Das Aderhäutchen, des -s, plur. ut nom. sing. die äußere Haut der Nachgeburt, welche mit vielen Adern durchflochten ist; das Netzhäutchen, Chorion.


Äderig (W3) [Adelung]


Äderig, -er, -ste, adj. et adv. viele Adern habend, in allen Bedeutungen dieses Wortes. Ein äderiges Fleisch, welches viele Sehnen und Nerven hat. Äderiges Holz, äderiger Marmor.

Anm. Einige, besonders Oberdeutsche, schreiben und sprechen aderig, welches sich endlich auch noch vertheidigen lässet, weil nicht alle abgeleitete Beywörter das a in der ersten Sylbe des Hauptwortes in ä verwandeln. Man findet auch adericht und adricht mit der Ableitungssylbe -icht, welche eine Ähnlichkeit anzeiget. Adericht würde also etwas ausdrücken, das den Adern gleich siehet, oder deren Stelle vertritt, und sich von dem Holze und Steinen ganz wohl brauchen lassen. Da aber diese Züge wirklich Adern heißen, so kann ihnen auch äderig mit allem Rechte zukommen. Die Beywörter auf -ig und -icht werden in hundert andern Fällen mit einander verwechselt; und es ist zu vermuthen, daß wir dieser Verwechselung auch das adericht zu verdanken haben.


Aderkropf (W3) [Adelung]


Der Aderkropf, des -es, plur. die -kröpfe, in der Arzneywissenschaft, eine Geschwulst, welche durch die Erweiterung einer Blutader verursacht wird, wenn ein dickes oder aufgehaltenes Ge-blüt selbige verstopfet; Varix. Ein solcher Aderkropf wird auch eine Krampfader, und an den Schenkeln schwangerer Personen im gemeinen Leben, die Kindesader genannt. Ein Aderkropf an der Kniekehle eines Pferdes heißt die Blutschwelle, der Blutspath.


Aderlaß (W3) [Adelung]


Der Aderlaß, des -sses, plur. die -lässe, das Abzapfen des Blutes durch die Öffnung einer Blutader. Einem Kranken einen Aderlaß verordnen. Und weil der Doctor ihr den Aderlaß befohlen, Gell.

Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort nicht nur Aderläß und Aderlässe, sondern es ist daselbst auch meisten Theils weiblichen Geschlechtes, die Aderlaß, oder die Aderlässe. Beydes ist wider die Analogie der Hochdeutschen Mundart. Das Substantiv von lassen lautet nicht nur in allen damit zusammen gesetzten Wörtern Laß, sondern ist auch jederzeit männlichen Geschlechtes, wie aus Ablaß, Anlaß, Durchlaß, Einlaß, Erlaß, Gelaß, Unterlaß u. a. m. erhellet.


Aderlassen (W3) [Adelung]


+ Aderlassen, verb. reg. welches einige als ein einziges Wort für die R. A. Ader lassen gebrauchen. Ich habe adergelassen, kann bedeuten, ich habe einem andern die Ader geöffnet, und ich habe mir eine Ader öffnen lassen. Man thut indessen besser, wenn man dieses Wort getheilt schreibet, obgleich die Schweden gleichfalls das Zeitwort aderlata haben; außer, wenn der Infinitiv als ein Substantiv gebraucht wird, da man, wie in tausend ähnlichen Fällen, ganz richtig das Aderlassen schreibt.


Aderlaßkreuz (W3) [Adelung]


Das Aderlaßkreuz, des -es, plur. die -e, ein Kalenderzeichen, welches aus einem Kreuze mit einem einfachen oder doppelten Querstriche bestehet, und denjenigen Tagen beygefügt wird, welche zum Aderlassen gut, und vorzüglich gut seyn sollen. Frisch merket an, daß dieses Kreuz aus einer menschlichen Figur mit ausgestreckten Armen entstanden, an welcher alle Adern zum Besten der Wundärzte bezeichnet waren; das Aderlaßzeichen.


Aderlaßtafel (W3) [Adelung]


Die Aderlaßtafel, plur. die -n, die Vorstellung derjenigen Adern an einem gemahlten Menschen oder Pferde, aus welchen Blut gelassen werden kann; ein Hülfsmittel, welches jetzt nur noch bey den Roßärzten, Quacksalbern und unwissenden Wundärzten in einigem Ansehen stehet.


Aderlaßzeichen (W3) [Adelung]


Das Aderlaßzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Aderlaßkreuz.


Adermennige (W3) [Adelung]


Adermennige, S. Agrimone.


Ädern (W3) [Adelung]


Ädern, verb. reg. act. 1) Mit Adern im eigentlichen Verstande versehen, in welcher Bedeutung das Partic. Passiv. geädert am üblichsten ist. Ein wohl geädertes Bild, bey den Bildhauern, ein Bild, an welchem alle Adern gehörig ausgedruckt sind. 2) Mit Adern in weiterer Bedeutung, d. i. den Adern ähnlichen Zügen, versehen. So ädern die Kunsttischler, wenn sie das Holz nach Art des äderigen Marmors auslegen, und die Blecharbeiter, wenn sie Laubwerk und andere Zierrathen mit einem zarten Meißel aushauen, als wenn es gestochen wäre. Auch bey den Sattlern bedeutet ädern, zierliche Adern in einen Sattel ausnähen oder steppen.

Anm. Ädern muß ehedem auch so viel als ausädern, d. i. aller Adern berauben, und in figürlicher Bedeutung martern, bedeutet haben, wie aus einigen Stellen bey dem Opitz erhellet. - Der lose Haufe -Der mir anthut Schmach und Spott Und mich ädert auf den Tod. Ferner Da tausend Schmerzen mir den kranken Muth betrüben, Und ädern meinen Geist. Ingleichen Indem das ganze Land auf seiner Baare steht, Indem uns Freund und Feind bis auf die Seele geht Und ädert in den Grund.


Aderschlag (W3) [Adelung]


Der Aderschlag, des -es, plur. die -schläge, der Schlag der Pulsader, welche von ihrer schlagenden Bewegung auch die Schlagader genannt wird.


Aderwasser (W3) [Adelung]


Das Aderwasser, des -s, plur. inusit. ein kleberiges, gelbliches Wasser, welches dem Geblüte durch die Wasseradern zugeführet wird; richtiger das Blutwasser.


Adjectiv (W3) [Adelung]


Das Adjectiv, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Adjectivum, in den Sprachlehren, ein Redetheil, welcher eine beygelegte Beschaffenheit, d. i. eine Eigenschaft bezeichnet, und daher nur vor Substantiven stehen kann, weil nur diese einer Eigenschaft fähig sind. Früh ist eine Beschaffenheit, und kann in so fern nur vermittelst eines Verbi dem Substantive beygelegt werden: der Winter kommt früh. Soll sie dem Substantive unmittelbar beygeleget werden, so muß die Beschaffenheit vermittelst der Concretion zur Eigenschaft erhöhet werden, und alsdann heißt ein solches Wort ein Adjectiv: der frühe Winter. Im Deutschen nennt man die Adjective gemeiniglich Beywörter, welcher Ausdruck aber viel zu weit ist, indem auch die Adverbia, Artikel, Zahlwörter und viele Pronomina wahre Beywörter sind. Am richtigsten nennt man sie, wenn man einen Deutschen Ausdruck verlangt, Eigenschaftswörter, weil dieß den wahren Begriff derselben ausdruckt.


Adjudant (W3) [Adelung]


Der Adjudant, des -en, plur. die -en, ein subalterner Officier bey einem Regimente oder Bataillion, welcher dem Major bey Erhaltung guter Ordnung an die Hand gehet. Aus dem veralteten Franz. Adjudant, Adjutant, wofür jetzt Aide-Major üblich ist.


Adjunct (W3) [Adelung]


Der Adjunct, des -en, plur. die -en, von dem Lateinischen Adjunctus, überhaupt ein jeder, der einem andern zur Unterstützung in seinen Amtsverrichtungen zugeordnet ist, es mag nun solches auf Lebenszeit, oder nur zu einem gewissen Geschäfte geschehen. So heißt derjenige, der bey einer Commission dem Commissario zugeordnet wird, sein Adjunct. Ferner gibt es Adjuncten der Amtleute, welche besonders Amts-Adjuncten genannt werden; Adjuncten der Professoren auf manchen Universitäten, die zugleich die Anwartschaft auf die erledigten Stellen in den Facultäten haben; Adjuncten der Superintendenten, wie z. B. in den Fürstlich-Sächsischen Ländern, welche wahre Ephori sind, eine gewisse Anzahl von Pfarren unter ihrer Aufsicht haben, und an andern Orten Inspectores und Präpositi genannt werden u. s. f. Daher die Adjunctur, plur. die -en, so wohl die Würde und das Amt eines Adjuncten, als auch die unter seiner Aufsicht stehende Gegend.


Adjungiren (W3) [Adelung]


Adjungiren, verb. reg. act. aus dem Lat. adjungere. Jemanden einem andern adjungiren, ihn demselben zum Gehülfen in seinem Amte verordnen, gemeiniglich mit der Hoffnung der Nachfolge. S. Adjunct.


Adler (W3) [Adelung]


Der Adler, des -s, plur. ut nom. sing. Diminutiv. Adlerchen. 1) Ein Nahme, welchen man denjenigen Vögeln aus dem Falkengeschlechte gibt, welche die andern an Größe übertreffen, und befiederte Füße haben. Der Adler stößt auf Gänse, Hasen und Rehe, ist der größte und stärkste unter allen Raubvögeln, hat einen schnellen Flug, und erhebt sich in demselben höher als alle andere Vögel; Eigenschaften, um welcher willen man ihn schon in den ältesten Zeiten für den König, d. i. den edelsten, unter den Vögeln gehalten hat. Seine Augen sind safrangelb und feurig, daher man scharfe und blitzende Augen in der höhern Schreibart Adleraugen zu nennen pfleget. Wenn er alt geworden ist, mauset er sich, und bekommt neue Federn, wodurch er gleichsam verjüngtwird; ein Umstand, den schon die ältesten Dichter der Juden zu nutzen gewußt. Sprw. Ein Adler hecket keine Tauben. Adler fangen keine Fliegen. 2) Das Bild eines Adlers in den Wapen. Der Reichsadler, der Preußische Adler, der Polnische Adler; und in der höhern Schreibart auch das Reich selbst, welches einen solchen Adler im Wapen führet, besonders das Römische Reich, dessen vornehmstes Kriegeszeichen schon in den ältesten Zeiten ein Adler war. 3) Ein Gestirn am Himmel, welches aus eilf Sternen bestehet, und dessen rechter Flügel an den Äquator stößt.

Anm. Die ältesten Deutschen nannten den Adler nur Aar, welches eine allgemeine Benennung aller großen Raubvögel war. Hernach unterschied man auch unter diesen die größten und stärksten, und nannte sie Adelare, gleichsam edle Aaren, woraus in noch spätern Zeiten Adler geworden. Siu muot der fluget also ho Alsam der edel adelar, Markgraf Heinrich von Meißen, unter den Schwäbischen Dichtern. In dem Fragmente des Gedichtes von dem Kriege Carls des Großen, bey dem Schilter, kommen thie adelaren in der mehrern Zahl vor, und die Holländer schreiben und sprechen diesen Nahmen noch jetzt Adelaar.


Adlerbeere (W3) [Adelung]


Die Adlerbeere, S. Arlesbeere.


Adlereule (W3) [Adelung]


Die Adlereule, plur. die -n, eine Eule, welche nicht so breit ist, als der Uhu, und kürzere Füße hat; Bubo Italicus, Franz. Le Grand Duc.


Adlerholz (W3) [Adelung]


Das Adlerholz, des -es, plur. inusit. ein seltenes Holz, welches in beyden Indien und China wächst, und fast wie Aloeholz riecht, daher es auch oft mit diesem verwechselt wird. Die Spanier nennen es Lacca.


Adlerkraut (W3) [Adelung]


Das Adlerkraut, des -es, plur. inusit. eine Art des Farrenkrautes, welches häufig in den Wäldern wächst; Pieris aquilina, L. Einige der ältern Kräuterkenner nennen es Farrenkrautweiblein.


Adlerorden (W3) [Adelung]


Der Adlerorden, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ritterorden, dessen Ehrenzeichen in dem Bilde eines Adlers bestehet. Man pflegt diese Orden vornehmlich nach der Farbe des Adlers zu unterscheiden. Denn so hat man den schwarzen, den weißen, und den rothen Adlerorden.


Adlerpfennig (W3) [Adelung]


Der Adlerpfennig, des -es, plur. die -e, bey dem großen Haufen, alle diejenigen Pfennige, welche in ihrem Gepräge einen Adler führen, deren denn freylich vielerley Arten sind.


Adlersbeere (W3) [Adelung]


Die Adlersbeere, S. Arlesbeere.


Adlersblume (W3) [Adelung]


Die Adlersblume, S. Akeley.


Adlersnase (W3) [Adelung]


Die Adlersnase, S. Habichtsnase.


Adlerstein (W3) [Adelung]


Der Adlerstein, des -es, plur. die -e, ein hohler Stein, welcher einen andern lockern Stein in sich hat, und daher klappert, der Klapperstein; Aetites. Den Nahmen hat er von der Überlieferung des gemeinen Mannes, daß er in den Nestern der Adler gefunden würde. Diejenigen Arten, welche Statt eines Steines, Sand oder Wasser enthalten, werden Geodes und Hydrotites genannt. Im Deutschen hat man keine besonderen Nahmen für sie, indem man alle drey Arten unter der allgemeinen Benennung des Klappersteines begreifet. Indessen stehet doch in einem vor einem halben Jahrhunderte im Hennebergischen gedruckten Vocabelbuche bey Aetites, Adlerstein, und bey Geodes, Atterstein.


Adlerzange (W3) [Adelung]


Die Adlerzange, plur. die -n, in den Seigerhütten, Zange, welche aus zwey Haken an einem Baume bestehet, und womit die Kienstöcke heraus gehoben werden; vermuthlich wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt.


Administriren (W3) [Adelung]


+ Administriren, verb. reg. act. von dem Lat. administrare, verwalten, besonders im Nahmen eines andern verwalten. Daher die Administration, so wohl die Verwaltung eines Amtes, besonders der Regierung eines Landes im Nahmen eines andern; als auch der thätige oder ausübende Theil der Regierung, zum Unterschiede von der Legislation, oder der Gesetzgebung, welche Bedeutung in der Englischen Verfassung vorzüglich üblich ist, wo die Gesetzgebung der Nation, die ausübende Gewalt oder Administration aber dem Könige zustehet. Ferner der Administrator, des -s, plur. die -stratores, derjenige, welcher etwas verwaltet, der jemandes Güter in dessen Nahmen verwaltet, ingleichen, der die Regierung eines Landes in dem Nahmen eines andern verwaltet; der Reichsverweser.


Admiral (W3) [Adelung]


Der Admiral, des -es, plur. die -rale, nicht -räle. 1) Eigentlich, der vornehmste Befehlshaber einer Flotte, und zwar nicht allein einer Kriegsflotte, sondern auch derjenige, welchen mehrere zusammen segelnde Kauffahrer zu ihrem Führer erwählen. 2) Eine Art seltener und theurer Meerschnecken, welche unter allen Schalthieren die schönsten Farben zeiget. Dieser Nahme ist neu und bloß willkürlich, so wie auch der folgende, indem die neuern Naturkenner auch 3) eine Art Schmetterlinge den Admiral zu nennen pflegen; Atalanta, L.

Anm. Admiral wird gemeiniglich aus dem Arabischen Amir oder Emir hergeleitet, welches einen Herrn oder Befehlshaber bedeutet, und durch die Züge der so genannten Saracenen in Europa bekannt geworden seyn soll; S. du Fresne Gloss. v. Amir. Indessen wäre noch zu untersuchen, ob es nicht vielmehr von dem alten Ital. Miraglio, der Spiegel des Schiffes, herstammet. Da dieß ehedem der eigentliche Platz des Befehlshabers war, so ertheilte er seine Befehle al miraglio. So viel ist wohl gewiß, daß das Wort in Italien am frühesten vorkommt. Das d findet sich auch in dem Spanischen Admirante. Der Plural, die Admiräle, ist eine Unart der Niedersachsen, welche auch Generäle, Herzöge, u. s. f. haben.


Admiralität (W3) [Adelung]


Die Admiralität, plur. die -en, so wohl die Gerichtsbarkeit, welche im Nahmen des Admirales ausgeübet wird, ohne Plural; als auch dasjenige Collegium, welches die oberste Aufsicht im Seewesen hat. Daher das Admiralitäts-Gericht, das Admiralitäts-Collegium, die Admiralitäts-Rechte, plur. tant. d. i. die Einkünfte, welche ein Admiral an manchen Orten von den Schiffen zu heben hat.


Admiralschaft (W3) [Adelung]


Die Admiralschaft, plur. inusit. die Würde eines Admirales, besonders bey den Kauffahrteyschiffen. In Admiralschaft fahren, sich einen gemeinschaftlichen Befehlshaber wählen.


Admirals-Flagge (W3) [Adelung]


Die Admirals-Flagge, plur. die -n, diejenige Flagge des Admirals-Schiffes, welche von dem Topp des großen oder mittelsten Mastes wehet.


Admirals-Schiff (W3) [Adelung]


Das Admirals-Schiff, des -es, plur. die -e, das vornehmste Schiff einer Flotte, auf welchem sich der Admiral befindet.


Adolf (W3) [Adelung]


Adolf, oder nach dem Lat. Adolph, ein alter männlicher Taufnahme, der im gemeinen Leben gern in Dolf, Dolfchen und Olfchen verkürzet wird. Das hohe Alter dieses Nahmens erhellet aus dessen Bestandtheilen. Die letzte Sylbe olf, ist vermuthlich die alte Form des Wortes Hülfe, welche auch in den Nahmen Rudolf, Ludolf, Landolf, Gangolf, Arnolf, Gandolf, u. s. f. in dieser Gestalt vorkommt. Nur die erste Sylbe Ad ist dunkel, ob man sie gleich gemeiniglich von Atta, Vater, herleitet, und das Ganze durch einen helfenden Vater erkläret. In der breiten Longobardischen Mundart lautete dieser Nahme Athaulfus.


Adonis-Blume (W3) [Adelung]


Die Adonis-Blume, plur. die -n, oder das Adonis-Röschen, eine Pflanze, welche wild unter dem Getreide wächst; Feuerröschen, Feld-Anemone, Feuerflamme, Brunet-Röschen, Teufelsauge, und unter den Landleuten auch wohl braune Mädchen;Adonis, L. Von einigen wird auch die Anemone Adonis-Röschen genannt.


Adoptiren (W3) [Adelung]


Adoptiren, verb. reg. act. aus dem Lat. adoptare, an Kindes Statt annehmen. Daher die Adoption, die Annahme an Kindes Statt. Im Oberdeutschen hat man dafür den Deutschen Ausdruck anwünschen, und Anwünschung; aber man siehet gleich, daß dieß eine verstandlose buchstäbliche Übersetzung des Lateinischen Ausdruckes ist, welche gerade nichts von dem Begriffe ausdruckt.


Advent (W3) [Adelung]


Der Advent, des -es, plur. car. ein Kirchenwort, aus dem Lateinischen Adventus, die vier Wochen zu bezeichnen, welche zunächst vor Weihnachten hergehen, und wo in den Kirchen von verschiedenen Arten der Zukunft Christi geprediget wird. Daher die Advents-Zeit, die Advents-Sonntage, die Advents-Woche u. s. f.


Advents-Vogel (W3) [Adelung]


Der Advents-Vogel, des -s, plur. die -Vögel, eine Art Taucher oder Lommen der nördlichen Meere, der sich nur allein um den vierten Advents-Sonntag auf dem Lande sehen läßt, daher er auch den Nahmen bekommen hat; bey den Norwegern Imber, Immer, Colymbus Immer, L.


Adverbium (W3) [Adelung]


Das Adverbium, des -bii, plur. die -bia, in der Sprachlehre, ein Redetheil, welcher etwas Unselbstständiges, an und für sich betrachtet, ausdruckt, und in dieser Gestalt nur vermittelst eines Verbi einem Substantive beygeleget werden kann. Der Winter kommt früh, die Sonne gehet auf. Fast alle bekannte Sprachen machen unter diesem Unselbstständigen keinen weitern Unterschied, daher macht das Adverbium bey ihnen nur einen einzigen Redetheil aus; allein die Deutsche unterscheidet hier zwey Arten desselben, die Beschaffenheit, und den Umstand; daher haben wir für das Adverbium anderer Sprachen zwey Redetheile, das Adverbium Qualitatis, und das Adverbium Circumstantiä, welche wesentlich von einander unterschieden sind, wie ich in meinem Lehrgebäude weitläufig gezeiget habe. Die Deutschen Sprachlehrer nannten das Adverbium von Schottels Zeit an, bald Zuwort, bald Nebenwort, bald Zeitnebenwort, wovon das mittlere am üblichsten geworden ist, ungeachtet es nichts von dem Begriffe ausdruckt. Da man im Deutschen zwey Redetheile unterscheiden muß, wovon jeder einen eigenen Nahmen bedarf, so sind die Ausdrücke Beschaffenheitswort, und Umstandswort noch die schicklichsten, weil sie die Begriffe bestimmt und klar ausdrucken. Die Art zu decliniren, das Adverb, des -es, die -e, ist viel zu hart, und schneidet über dieß eine wesentliche Ableitungssylbe mit weg; daher man am besten thut, wenn man die Lateinische Declination behält. Allenfalls ginge im Plural die Adverbien an.


Advocat (W3) [Adelung]


Der Advocat, des -en, plur. die -en, eine Person, welche von der Obrigkeit angenommen ist, andere vor Gerichte zu vertreten, von dem Latein. Advocatus; im Oberdeutschen ehedem ein Fürsprach, Fürsprecher, in der Tyrolischen Landesordnung, ein Redner, in Liefland ein Rechtsfinder, im Hochdeutschen ein Anwalt, Sachwalter, (ehedem auch Sachführer,) ein rechtlicher Beystand. Daher advociren, andere vor Gerichte vertreten; die Advocatur, das Amt eines Advocaten; die Advocaten-Gebühren u. s. f.


Aerometrie (W3) [Adelung]


Die Aerometrie, plur. inusit. aus dem Griech. und Lat. Aerometria, die mathematische Lehre von den Eigenschaften der Luft.


Aerostat (W3) [Adelung]


Der Aerostat, des -en, plur. die -en, aus dem Französ. Aerostat, und dieß aus dem Lat. machina aerostatica, eine in den neuesten Zeiten versuchte Benennung eines Luft-Ballons, welche doch dem Begriffe nicht ganz angemessen ist.


Aerostatik (W3) [Adelung]


Die Aerostatik, plur. inusit. aus dem Griech. und Lat. Aerostatica, derjenige Theil der Aerometrie, welcher von dem Gleichgewichte der Luft, so wohl mit sich als andern Körpern handelt.


Äfern (W3) [Adelung]


* Äfern, oder Äffern, ein im Hochdeutschen längst veraltetes Verbum, welches aber noch Sprichw. 17, 9. vorkommt: wer eine Sache äfert, macht Fürsten uneins, wo die meisten Herausgeber aus Unwissenheit der wahren Bedeutung eifern daraus gemacht haben. Äfern von dem veralteten aber, wiederum, bedeutete ehedem wiederhohlen, eine längst vergessene Sache wieder aufrühren, rege machen; bey dem Ottfried, Afaron, avaron. Schottel nannte noch die Relativa, freylich sonderbar genug, wiederäfferige Wörtlein. Ein mehreres haben Schilter, Wachter, Frisch, und Diet. von Stade in der Erklärung der vornehmsten Wörter in Luthers Bibel, h. v. S. auch After und 2 Eifern.


Affe (W3) [Adelung]


Der Affe, des -n, plur. die -n, Fämin. die Äffinn, Diminutiv. das Äffchen, Oberdeutsch Äfflein. 1) Eigentlich, ein Thier, welches unter allen bekannten Thieren dem Menschen am nächsten kommt, nur daß alles an ihm mehr unausgearbeitet und verwildert ist. Es ist in Amerika, Indien und Afrika sehr häufig, wo es dessen verschiedene Arten gibt. Man theilet sie überhaupt in drey Classen, in ungeschwänzte, welches die Affen im engsten Verstande sind, in kurzgeschwänzte, welche mit einem allgemeinen Nahmen Baviane heißen, und in langgeschwänzte, welches eigentlich Meerkatzen sind. Sprichwörtliche R. A. sind: einem Affen drehen, jemand bey der Nase herum führen; Affen ausnehmen, ein thörichtes Geschäft verrichten; je höher der Affe steigt, desto mehr zeigt er seinen Schwanz, je höher ein Untüchtiger steigt, desto mehr verräth er seine Schwäche. 2) Figürlich, theils eine Person, welche ohne Beurtheilungskraft nachahmet, jemandes Affe seyn; theils aber auch eine Person mit einem häßlichen Gesichte, und in beyden Fällen auch von einer Person weiblichen Geschlechtes; denn Äffinn ist in der figürlichen Bedeutung nicht gewöhnlich. Was? Einen alten Affen meine Frau zu nennen? Weiße. 3) In der Mathematik, ein Werkzeug, welches aus zwey Parallelogrammen bestehet, und einen Riß zu vergrößern und zu verkleinern dienet, ein Storchschnabel, Instrumentum Pantographum; vermuthlich von der Nachahmung. 4) In der Mechanik, ein Hebezeug, große Lasten mit Vortheil in die Höhe zu bringen, welches gleichfalls ein Storchschnabel genannt wird.

Anm. Der Nahme dieses Thieres ist sich in den meisten bekannten Sprachen ähnlich. Zu den von Wachter, Frisch und Ihre angeführten Nahmen kann man noch das Nieders. Aape, Schwed. Apa, Dän. Abe und Abekat, und Böm. Opice setzen. Man glaubt, daß Afrika von diesen Thieren den Nahmen habe, und so viel als das Land der Affen bedeute, welchen Nahmen die Phrygier und Celten diesem Welttheile gegeben, weil dieses Thier das erste und wichtigste gewesen, was den ersten Seefahrern daselbst in die Augen gefallen. In dem niedrigen Maulaffe scheint die letzte Hälfte nicht so wohl zu diesem Worte, als vielmehr zu offen zu gehören, S. dasselbe. Im Oberdeutschen lautet die erste Endung des Singulars der Affen.


Affect (W3) [Adelung]


Der Affect, des -es, plur. die -en, vom Lateinischen Affectus, ein hoher Grad einer Gemüthsbewegung und dessen Ausbruch. Viele Affecten haben. Seinen Affecten nachhängen. Voller Affecten seyn. Seine Affecten zwingen, bändigen u. s. f.

Anm. Leidenschaft und Affect werden oft für gleich bedeutend gehalten, sind es aber nicht. Affect bezeichnet eine jede starke Gemüthsbewegung; aber Leidenschaft setzet vermöge der Ableitungssylbe-schaft eine Thätigkeit voraus, und bezeichnet eine zur Fertigkeit gewordene Gemüthsbewegung. Man kann dieses ausländische Wort nicht ganz entrathen, weil wir kein einheimisches haben, welches den Begriff, den wir einmahl mit Affect verbinden, er-schöpfte; denn Gemüthsbewegung ist das Geschlecht, von welchem Affect eine Art, d. i. einen höhern Grad bezeichnet.


Affectiren (W3) [Adelung]


+ Affectiren, verb. reg. act. aus dem Franz. affecter. 1) Den Schein von etwas zu haben suchen, ohne übereinstimmige Gemüthsfassung im Äußern annehmen. Freundlichkeit affectiren. 2) Auf eine gezwungene und unnatürliche Art nachahmen; in welcher Bedeutung besonders das Participium affectirt üblich ist. Ein affectirter Mensch. In beyden Fällen ist das Wort im Deutschen überflüssig, weil es hier an guten einheimischen Ausdrücken nicht fehlt, den Begriff zu bezeichnen; besonders läßt sich das Participium sehr gut durch gezwungen, gesucht, verstellt, geziert u. s. f. ausdrucken; z. B. Es misch ein heimlich Mißvergnügen Sich in die Freundlichkeit, sie sey gesucht, verstellt, Weiße.


Affectlos (W3) [Adelung]


Affectlos, -er, -este, adj. et adv. der Affecten beraubt, ohne Affect. So auch die Affectlosigkeit.


Affect-Zeichen (W3) [Adelung]


Das Affect-Zeichen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Orthographie, ein orthographisches Zeichen, welches die Gemüthsstellung des Sprechenden bezeichnet; dergleichen denn das Fragezeichen und das Ausrufungszeichen sind.


Äffen (W3) [Adelung]


Äffen, verb. reg. act. 1) Auf eine ungeschickte Art, ohne Beurtheilungskraft nachahmen; doch nur in dem zusammen gesetzten nachäffen, welches S. 2) Jemandes Leichtgläubigkeit mißbrauchen, ihn gleichsam zum Affen machen, oder ihm wie einem Affen begegnen, ihn täuschen. Einen äffen. Ich lasse mich nicht äffen. Wo mich nur nicht ein Schatten äfft, Günth. Was macht den Stern vor uns verschwinden, Äfft unsern Fleiß wohl sein Betrug? Kästn. Die Götter lassen sich nicht äffen, Haged.

Anm. Die Provinzen sind an gleich bedeutenden Worten sehr reich. So drucken das Oberdeutsche fatzen, das Westphälische öven, gleichsam üben, das Niedersächsische brüden, brüen, foppen, fuppen und fokken, das Englische to fob, von dem alten fop, ein alberner Mensch u. s. f. fast eben denselben Begriff aus.


Affenbeere (W3) [Adelung]


Die Affenbeere, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme des Felsenstrauches; Empetrum, L. In Nieders. Apenbeere, wovon das Hochdeutsche eine Übersetzung zu seyn scheinet. Was aber die erste Hälfte hier sagen will, ist mir unbekannt, denn von Affe, Nieders. Ape, kann sie wohl nicht seyn.


Affen-Bezoar (W3) [Adelung]


Der Affen-Bezoar, des -s, plur. ut nom. sing. S. Affenstein.


Affenfisch (W3) [Adelung]


Der Affenfisch, S. Meeraffe.


Affengesicht (W3) [Adelung]


Das Affengesicht, des -es, plur. die -er. 1) Ein ungestaltes possierliches Gesicht, wie an einem Affen. Ingleichen, eine mit einem solchen Gesichte begabte Person. 2) Der Nahme einer Ostindischen Pflanze; Mimusops, L.


Affen-König (W3) [Adelung]


Der Affen-König, des -es, plur. die -e, der König unter den Affen; eine Würde, welche man den Brasilischen Affen, Aquiqui genannt, beylegt, unter welchen sich einer befinden soll, der die andern zu gewissen Zeiten durch sein Geschrey zusammen rufet.


Affenliebe (W3) [Adelung]


Die Affenliebe, plur. car. eine blinde, unvernünftige Liebe, besonders der Ältern gegen ihre Kinder, dergleichen die Affen gegen ihre Jungen haben, welche sie oft aus allzu großer Zärtlichkeit zu erdrücken pflegen.


Affen-Muse (W3) [Adelung]


Die Affen-Muse, plur. inusit. der Nahme einer Pflanze auf den Moluken, welche zu den Musen gehöret, eine aufrecht stehende Blumenkolbe und abfallende Blumenscheiden hat; Musa Troglodytarum, L.


Affennase (W3) [Adelung]


Die Affennase, plur. die -n, eine stumpfe aufgeworfene Nase, dergleichen die Affen haben.


Affenstein (W3) [Adelung]


Der Affenstein, des -es, plur. die -e, eine Art Bezoar, welche sich in den Bavianen, einer großen Art Affen, erzeugen soll, Affen-Bezoar.


Äfferey (W3) [Adelung]


Die Äfferey, plur. die -en, Mißbrauch der Leichtgläubigkeit eines andern, die Täuschung. Von äffen, welches S.


Äffern (W3) [Adelung]


Äffern, S. Äfern.


Äffinn (W3) [Adelung]


Die Äffinn, plur. die -en, das Weibchen des Affen, S. Affe.


Affner (W3) [Adelung]


Der Affner, S. Afner.


Affodillen,Affodillilie,Affodillwurz (W3) [Adelung]


Affodillen, Affodillilie, Affodillwurz, S. Asphodille.


Afholder (W3) [Adelung]


Der Afholder, des -s, plur. inusit. oder Affolter, Afholderbaum, ein Nahme, welcher in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden dem Wasserhohlunder gegeben wird, der bey andern auch Hirschholder, Rosenholder, Schwelgenbaum heißt. S. diese Wörter. In andern Gegenden führet auch die weiße Mistel diesen Nahmen, S. Mistel. Der Ursprung des Nahmens Afholder ist noch ungewiß, indem derselbe so wohl aus Opulus, als auch aus Afterhohlunder verderbt seyn kann; denn Aphaldera und Apholdera, ein Apfelbaum der alten Fränkischen und Alemannischen Schriftsteller, gehöret nicht hierher, weil solches aus Aphal, Apfel, und Deru, ein Baum, zusammen gesetzet ist.


Afholderwurz (W3) [Adelung]


Die Afholderwurz, plur. inusit. bey einigen Schriftstellern, so viel als Asphodill-Wurz, welches S.


Afner (W3) [Adelung]


Der Afner, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen die Weber auch dem Rädelkamme geben, und welchen sie auch Öfner aussprechen.


Afrika (W3) [Adelung]


Afrika, genit. Afrika's, oder, obgleich nicht so häufig, Afrikens, der südliche Theil der alten Welt, welcher von den Affen den Nahmen haben soll, S. dieses Wort. Daher Afrikanisch, diesem Welttheile eigen, aus demselben gebürtig; der Afrikaner, Fämin. die Afrikanerinn, ein Einwohner dieses Welttheiles.


Afrusch (W3) [Adelung]


Afrusch, in einigen Gegenden, ein Nahme der Stabwurz, welcher ohne Zweifel aus Abrotanum verunstaltet worden, S. Stabwurz.


After (W3) [Adelung]


After, eine ehemahlige Präposition, welche nach bedeutete, jetzt aber nur noch in der Zusammensetzung mit einigen Verbis, noch mehr aber mit Substantiven üblich ist. Sie bedeutet alsdann,1. Überhaupt, was der Zeit, dem Orte und der Ordnung nach auf ein anderes folget, und zwar, a) der Zeit nach, wie in Aftergeburt, Afterkind, Aftersabbat, Aftersprache, bey den Handwerkern, Aftermontag, in Oberschwaben, so viel als der Dinstag, Aftersonntag, ehedem der Montag u. s. f. In einem andern Verstande bedeuten Aftersonntag, Aftermontag, u. s. f. in den Urkunden des 13ten und der folgenden Jahrhunderte so viel als den folgenden Sonntag, den folgenden Montag. b) Dem Orte nach, für hinter, in Afterdarm, Afterleder, Afterstück, Afterrede, in der figürlichen Bedeutung der übeln Nachrede u. s. f. c) Der Ordnung nach, wie in Afteranwalt, Afterbelehnung, Afterbürge, Aftererbe, Afterlehn, u. a. m.2. In figürlicher Bedeutung, was in Ansehung der Gestalt und des innern Werthes einem andern Dinge gleicher Art nachzusetzen ist, und zwar, a) in Ansehung der Gestalt, was einem andern Dinge ähnlich ist, aber sich doch noch merklich von demselben unterscheidet; als Afterkegel, Afterkugel, Afterblatt, Afterflügel, Afterhorn, Afterkamehl u. s. f. Die meisten Wörter dieser Art sind neu, und von den Lehrern der Naturgeschichte zusammen gesetzet worden, solchen Körpern aus dem Thier- und Pflanzenreiche, welche andern bekannten Thieren und Pflanzen ähnlich sehen, aber noch keinen bekannten Nahmen hatten, eigene Nahmen zu geben, worin ihnen die Mathematiker des vorigen Jahrhunderts schonmit ihrem Beyspiele vorgegangen waren, welche die Benennungen Conoides und Sphaeroides durch Afterkegel und Afterkugel ausdruckten. b) Was geringer und schlechter ist, als ein anderes bestimmtes Ding gleicher Art; wie in Afterholz, Afterkorn, Aftermehl, After-Topas, Afterkönig, Afterpabst, u. s. f. Viele dieser Wörter haben sich aus den alten Mundarten noch bey den Künstlern und Handwerkern erhalten. Aber viele haben wir auch den neuen Schriftstellern zu verdanken; denn in dieser Bedeutung des Unächten lassen sich noch täglich neue Wörter damit bilden. Dahin gehören, Zachariä's Afterblitz, die Afterehre, das Afterglück. So schwärzt sein Afterglück das Laster und die Schande, Haged. Die Afterliebe, und hundert andere, welche im folgenden nicht besonders angeführet werden dürfen. Nur in der ersten eigentlichen Bedeutung ist es zu neuen Zusammensetzungen ungeschickt, weil der Begriff des Unächten zu sehr vorsticht; daher Aftergraf, für Vice-Graf, Afterbürgermeister, ein nachgeordneter oder Stellvertreter, u. s. f. nicht zu billigen sind. Eben diese Bedeutungen könnten auch bey den Verbis Statt finden; allein die mit after zusammen gesetzten Verba sind selten, und wir kennen im Hochdeutschen nur das einzige, aber auch schon veraltete Afterreden; denn von afterbelehnen ist nur allein das Partic. Pass. ein Afterbelehnter üblich, und aftersiedeln wird nur noch zuweilen in einigen Gegenden gehöret. Von der Conjugation dieser Wörter S. das folgende Afterreden.

Anm. After, Alemann. und Fränk. after, aefter, Goth. aptar, Angels. aeft, Isl. aptur, Schwed. eftir, Dän. efter, Engl. after, und das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, haben mit dem veralteten Umstandsworte aber, mit dem gleichfalls ungewöhnlichen Zeitworte äfern, mit dem Umstandsworte oft, und vielleicht auch mit äbig einerley Stamm, für welchen man die Präposition af oder ab hält. Affa und aft sollen in Franken, Österreich und Schwaben noch jetzt hernach bedeuten. S. Frisch v. Affter und Ihre v. Eftir. Die Niedersachsen und Holländer haben dafür achter, doch nur in der Bedeutung des Vorwortes hinter.


After (W3) [Adelung]


1. Der After, des -s, plur. die -n, der hintere Theil eines Körpers; besonders, 1) der hintere Theil des menschlichen Körpers, das Gesäß, posteriora; eine Benennung, welche in Oberdeutschland am üblichsten ist. Im Hochdeutschen nennet man den Mastdarm an Menschen und Thieren zuweilen noch den After. S. Afterdarm. 2) Bey den Sattlern, die Rücklehne eines Sattels, woran sich der After des Reiters lehnet, da es denn von manchen auch wohl Äfter und Efter geschrieben und gesprochen wird. Bey den Sattlern in der Grafschaft Schönberg soll das vordere Stück Holz an einem Sattelgestelle, welches zwey Flügel hat, der Efter, und der Sattelknopf, in welchem sich diese zwey Stücke schließen, der Efterknopf heißen. Die Niedersächsischen Sattler sprechen dieses Wort achter aus. 3) Bey den Jägern werden die Afterklauen oft auch nur die Aftern genannt.

Anm. After war, wenn es hinter bedeutete, so wohl bey den Pontischen Gothen, als auch bey den Alemannen ein Adjectiv, welches seinen Comparativ und Superlativ hatte. An den aftarin, bedeutete schon bey dem Notker an dem Hintern, woraus zugleich erhellet, daß es anfänglich, so wie das Lateinische posteriora, ein Plurale gewesen.


After (W3) [Adelung]


2. Das After, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. überhaupt, was in der Bearbeitung einer Sache von derselben abgehet, und daher geringer und schlechter ist. Besonders, 1) in den Bergwerken, alles, was von den gepochten und gewaschenen Erzen übrig bleibt, und wenig Silber hält; ingleichen der Schlamm, welcher bey dem Abläutern der Schliche abgewaschen wird, und über den Planenherd in die in dem Aftergraben befindlichen Afterfalle läuft. 2) Bey den Müllern, dasjenige Getreide, welches schon ein oder mehrere Mahle aufgeschüttet worden, und welches alsdann das Aftermehl liefert, welches auch wohl selbst das oder der After genannt wird. 3) Bey einigen Fleischern auch das Gekröse oder Geschlinge des geschlachteten Viehes, weil es geringer ist, als das übrige Fleisch. 4) In der Landwirthschaft an einigen Orten, besonders in Oberdeutschland, so viel als das Aftergetreide, welches S.

Anm. In den beyden ersten Fällen wird dieses Wort auch wohl als ein Masculinum gebraucht, der After.


Afteranwalt (W3) [Adelung]


* Der Afteranwalt, des -es, plur. die -e, in den Rechten, besonders Oberdeutschlandes, der Anwalt, den ein anderer Anwalt Statt seiner bestellet; Actor substitutus.


Afterbelehnen (W3) [Adelung]


Afterbelehnen, ein Verbum, von welchem nur das Partic. Pass. üblich ist, ein Afterbelehnter; der von einem Lebensmanne mit einem Leben weiter belehnet worden.


Afterbelehnung (W3) [Adelung]


* Die Afterbelehnung, plur. die -en, in dem Lehnrechte, die Belehnung, welche von einem Lehensmanne, mit dem von einem andern empfangenen Lehen geschiehet; Subinfeudatio.


Afterbier (W3) [Adelung]


Das Afterbier, des -es, plur. car. in Oberdeutschland so viel als Kofent oder Nachbier.


Afterbürde (W3) [Adelung]


* Die Afterbürde, plur. die -n, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort für Aftergeburt oder Nachgeburt. Bürde bedeutet hier nicht so wohl Last, als vielmehr Geburt, von bären, oder gebären. Die Jäger gebrauchen es noch von der Nachgeburt der Thiere. Außerdem ist es auch in Schwaben üblich, wo es Afterburdi ausgesprochen wird. Schwed. Efterbörd.


Afterbürge (W3) [Adelung]


* Der Afterbürge, des -n, plur. die -n, in den Rechten, ein Bürge, der sich für einen andern Bürgen verpflichtet, im Falle diesen seine Verbindlichkeit nicht erfüllen sollte, ein Rückbürge.


Afterdarm (W3) [Adelung]


* Der Afterdarm, des -es, plur. die -därme, der äußerste Theil der Gedärme, welcher sich am Grimmdarme anfängt, und bis zu dem Ausgange in dem Gefäße reicht; Intestinum rectum, der After, der Mastdarm, Grimmdarm, und bey dem Viehe, der fette Darm, oder Fettdarm, in Gloss. Pez. Aphtarlinga, und Crozdarma. Die Benennung Afterdarm ist noch am meisten in Oberdeutschland üblich.


Afterdrohne (W3) [Adelung]


Die Afterdrohne, plur. die -n, in der Bienenzucht, eine Art kleiner Drohnen, welche bey einem kalten Frühlinge in den Stöcken gefunden werden, und wegen der Kälte zu keinen vollkommenen Drohnen werden können; auch, aber nicht so richtig, Afterthränen. S. Drohne.


Aftereinsetzung (W3) [Adelung]


* Die Aftereinsetzung, plur. die -en, in den Rechten; die Ernennung eines nachgesetzten Erben, im Falle der zuerst eingesetzte absterben, oder nicht zur Erbschaft gelangen sollte.


Aftererbe (W3) [Adelung]


* Der Aftererbe, des -n, plur. die -n, der auf solche Art zum Erben eingesetzet worden; ein Nacherbe.


Afterfalle (W3) [Adelung]


Die Afterfalle, plur. die -n, S. Aftergefälle.


Afterfinne (W3) [Adelung]


Die Afterfinne, plur. die -n, bey den neuern Lehrern der Naturgeschichte, eine Art der Finnen oder Floßfedern, welche sich zuweilen bey den Fischen auf dem Rücken befindet, und nur aus einer Haut ohne Gräten besteht; die Fettfinne, Afterfloßfeder, Pinna adiposa.


Afterflügel (W3) [Adelung]


Der Afterflügel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Benennung derjenigen kleinen Federn an den Vögeln, welche sich an dem Daumenknochen des Flügels befinden, Ala spuria, notha, exterior.


Aftergeburt (W3) [Adelung]


* Die Aftergeburt, plur. die -en, am häufigsten in der Oberdeutschen Mundart, so viel als Afterbürde, welches S.


Aftergefälle (W3) [Adelung]


Das Aftergefälle, des -s, plur. ut nom. sing. in den Bergwerken, breterne Kasten, worin das After aufgefangen wird.


Aftergetreide (W3) [Adelung]


Das Aftergetreide, des -s, plur. car. S. Afterkorn.


Aftergraben (W3) [Adelung]


Der Aftergraben, des -s, plur. die -gräben, in den Bergwerken, ein Graben, durch welchen das After in die Aftergefälle gehet.


Afterhase (W3) [Adelung]


Der Afterhase, des -n, plur. die -n, S. Meerschwein.


Afterhaufen (W3) [Adelung]


Der Afterhaufen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Bergwerken, ein Platz, wo das After auf einen Haufen geschüttet worden.


Afterherr (W3) [Adelung]


Der Afterherr, S. Afterlehnsherr.


Afterheu (W3) [Adelung]


* Das Afterheu, des -es, plur. car. an einigen Orten, besonders Oberdeutschlandes, so viel als das Nachheu, Grummer, welches S.


Afterholz (W3) [Adelung]


Das Afterholz, des -es, plur. car. im Forstwesen, alles Holz, welches nicht grün von dem Stamme kommt, sondern von Windfällen, Schneebrüchen und dürren Wipfeln gesammelt wird.


Afterhorn (W3) [Adelung]


Das Afterhorn, des -es, plur. die -hörner, in der Naturgeschichte der Neuern, ein hornähnlicher Auswuchs mancher Thiere, der aber doch kein eigentliches Horn ist; dergleichen z. B. die geschnittenen Böcke und Ziegen haben.


Afterhummel (W3) [Adelung]


Die Afterhummel, plur. die -n, bey einigen ein Nahme der Drohnen oder Brutbienen. S. Drohne.


Afterig (W3) [Adelung]


Das Afterig, des -s, plur. doch nur von mehreren Arten, die -e. 1) Das Afterkorn, welches S. 2) In Obersachsen, der Unrath, welchen die Bienen auf den Boden fallen lassen; an andern Orten das Grießig.


Afterkamehl (W3) [Adelung]


Das Afterkamehl, des -es, plur. die -e, der Nahme eines morgenländischen Thieres, welches dem Kamehle gleicht, aber einen ebenen Rücken und dagegen eine höckerige Brust hat; Camelus spurius, Kl.


Afterkaninchen (W3) [Adelung]


Das Afterkaninchen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Halbkaninchen und Meerschwein.


After-kanonisch (W3) [Adelung]


* After-kanonisch, adj. et. adv. die after-kanonischen Bücher der heiligen Schrift, deutero-canonici; eine sehr unschickliche Benennung, weil after jetzt nur mit dem Begriffe des Unächten zu neuen Zusammensetzungen angewandt werden kann.


Afterkegel (W3) [Adelung]


Der Afterkegel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den neuern Meßkünstlern, ein dem Kegel ähnlicher Körper, welcher entstehet, wenn sich eine krumme Linie um eine Axe drehet; Conoides.


Afterkiel (W3) [Adelung]


Der Afterkiel, des -es, plur. die -e, an den Schiffen, ein starker Balken, welcher an dem Kiele befestiget wird, dessen untere Seite zu verstärken.


Afterkind (W3) [Adelung]


Das Afterkind, des -es, plur. die -er. 1) * Eine veraltete Benennung eines nachgebornen Kindes; Postumus. 2) * In den Rechten, auch wohl ein Kind, welches geboren wird, nachdem der Vater bereits sein Testament gemacht hat. 3) Ein uneheliches, unächtes Kind, nur bey einigen neuern Dichtern. Allein die Schmeicheley, des Glückes Afterkind, Günth. Der Neid, des Glückes Aftersohn, Rost.


Afterklaue (W3) [Adelung]


Die Afterklaue, plur. die -n, bey den Jägern, die kleinen Klauen, oder Hornspitzen, welche so wohl das rothe, als auch das schwarze Wildpret unten an den Läuften über den Ballen hat, und welche von einigen auch die Aberklauen, die Aftern, das Geäftere, die Spornen, ingleichen die Oberrücken, die Oberklauen genannt werden; wo Ober vermuthlich für aber oder after stehet. Auch die Hunde haben zuweilen ähnliche Afterklauen an den Hinterfüßen mit einem krummen Nagel.


Afterkohlen (W3) [Adelung]


Die Afterkohlen, sing. inusit. in den Bergwerken, das kleine Gestiebe von den Kohlen, welches einige auch wohl in der einfachen Zahl, das Afterkohl nennen.


Afterkönig (W3) [Adelung]


Der Afterkönig, des -es, plur. die -könige, ehedem so viel als der Stellvertreter eines Königes, ein Vicekönig. Jetzt nur noch, obgleich selten, ein Gegenkönig, der sich unrechtmäßiger Weise zum Könige aufwirft.


Afterkorn (W3) [Adelung]


Das Afterkorn, des -es, plur. inus. 1) In der Landwirthschaft an einigen Orten, das geringere Korn, welches bey dem Werfen mit der Wurfschaufel zurück bleibt; das Aftergetreide, in Franken das Äfterig, in Baiern, das Gaffter, und in Niedersachsen das Achterkorn, das Achterste. 2) In einigen Gegenden auch das Mutterkorn, S. dieses.


Afterkugel (W3) [Adelung]


Die Afterkugel, plur. die -n, in der Geometrie, eine unächte Kugel, d. i. eine solche Kugel, welche entstehet, wenn sich eine Ellipse um eine ihrer Achsen drehet; Sphaeroides.


Afterläufer (W3) [Adelung]


Der Afterläufer, des -s, plur. ut nom. sing. in den Bergwerken, ein Arbeiter, der das After auf einen Haufen läufet, d. i. führet.


Afterlauge (W3) [Adelung]


Die Afterlauge, plur. inus. bey den Weißgärbern, eine Lauge aus Asche, den Thran aus den gewalkten semischgaren Fellen damit heraus zu waschen.


Afterleder (W3) [Adelung]


Das Afterleder, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Schustern, 1) schlechte Abgänge von dem Leder; ohne Plural. 2) Das inwendige Spornleder an den Stiefeln, welches die Gestalt eines halben Mondes hat.


Afterlehen (W3) [Adelung]


Das Afterlehen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Lehnrechten, ein Lehen, welches von einem Vasallen oder Lehnsmanne weiter verliehen wird; Subfeudum.


Afterlehner (W3) [Adelung]


Der Afterlehner, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, besonders in Franken und Hessen, der Besitzer eines Bauergutes, welches nur ein Theil einer Hufe ist, im Gegensatze des Hüfeners, welcher eine volle Hufe besitzet. S. auch Aftersiedler.


Afterlehnsherr (W3) [Adelung]


Der Afterlehnsherr, des -en, plur. die -en, derjenige, der ein empfangenes Leben weiter verleihet, im Gegensatze des Oberlehnsherren; Dominus feudi intermedius; fecundarius, dergleichen ehedem auch ein Afterherr genannt wurde.


Afterlehnsmann (W3) [Adelung]


Afterlehnsmann, des -es, plur. die -männer, oder -leute, der von einem Vasallen weiter belehnet wird; Subvasallus.


Aftermehl (W3) [Adelung]


Das Aftermehl, des -es, plur. car. bey den Müllern, dasjenige Mehl, welches aus dem zum dritten Mahle abgemahlenen Getreide entstehet, und auch nur schlechthin das After, sonst auch das Pollmehl und Mittelmehl heißt.


Aftermoos (W3) [Adelung]


Das Aftermoos, des -es, plur. doch nur so fern Arten dieses Geschlechtes angedeutet werden, die -e, ein Pflanzengeschlecht, mit unkenntlichen Geschlechtern, welches dem Moose in vielen Stücken ähnlich, in andern aber noch davon unterschieden ist, und bey welchem Wurzel, Stamm und Blatt nur Ein Stück zu seyn scheinen; Algae, L. Die Flechten, Lichenes, die Grasfeder, Conferva, und das Meergras, Fucus, gehören dahin.


Aftermotte (W3) [Adelung]


Die Aftermotte, plur. die -n, bey den neuern Lehrern der Naturgeschichte, eine Benennung aller derjenigen Würmer oder Larven, welche die Futterale oder Gänge, welche sie zu ihrer Bedeckung machen, nicht mit sich nehmen, dagegen die wahren Motten sie überall mit sich herum tragen; Afterschaben.


Aftern (W3) [Adelung]


Aftern oder aftern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben bekommt, bey den Jägern, die Afterklauen in der Fährte ausdrucken, welches besonders von dem rothen Wildprete geschiehet. Der Hirsch aftert jederzeit auswärts, das Thier aber einwärts. In des Spaten Sprachschatze wird aftern auch mit derBedeutung des Verhinderns angeführet, welche aber im Hochdeutschen völlig unbekannt ist.


Afterpacht (W3) [Adelung]


Der Afterpacht, des -es, plur. die -pächte, ( S. Pacht,) der Pacht, welcher von dem ersten Pächter einem andern übertragen wird. Daher der Afterpächter.


Afterpapst (W3) [Adelung]


Der Afterpapst, des -es, plur. die päpste, ein unrechtmäßiger Papst, im Gegensatze des rechtmäßigen.


After-Polyp (W3) [Adelung]


Der After-Polyp, des -en, plur. die -en, bey den neuern Naturkundigen, eine weiche Thierpflanze, welche einen beweglichen sich zusammen ziehenden Rand hat, der, wenn er sich ausdehnet, sich wellenförmig beweget; Brachyonus, L.


Afterrede (W3) [Adelung]


* Die Afterrede, plur. die -n, böse Nachrede hinter eines andern Rücken, im mittlern Lat. Dorsiloquium; eine glimpfliche Benennung der Verleumdung, welche aber im Hochdeutschen fast völlig veraltet ist. S. das folgende.


Afterreden (W3) [Adelung]


* Afterreden, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, hinter eines Rücken, in seiner Abwesenheit, Böses von ihm reden. Dieses Zeitwort, dessen sich noch Luther bedienet hat, kommt jetzt fast gar nicht mehr vor, und wenn es ja noch im theologischen Verstande gebraucht wird, so geschiehet solches nur absolute, ohne ein Nennwort. Ehedessen aber sagte man so wohl, von einem afterreden, als auch einem afterreden, z. B. Jac. 4, 11. Afterredet nicht; wer seinem Bruder afterredet, der afterredet dem Gesetz. So auch 1 Petr. 2, 12.

Anm. After ist bey den Verbis eine von denjenigen Partikeln, welche ihre Stelle vor dem Verbo die ganze Conjugation hindurch unverändert behalten: ich afterrede, du afterredest, afterredete, aftergeredet. Es bedeutet hier hinter; afterreden ist also eigentlich, hinter eines Rücken reden, und in eingeschränkter Bedeutung, Böses in seiner Abwesenheit reden. Dieser Begriff ist in den Deutschen Mundarten noch auf andere ähnliche Art ausgedruckt worden; denn das Alemann. hinderreden, und im Substantiv Hinderrede, (in Scherzii Philos. mor. S. 14,) hintarsprechan und hintarchoson, ingleichen aftersprechan und afterkosen, das ehemahlige Niedersächs. backreden, das Dän. bagtale das Schwed. baktala und das heutige Nieders. bakwaschen von Back, Rücken, ingleichen die Nieders. und Holländ. Hauptwörter Achterklapp, Bakwort und Bakrede, sagen genau eben das. Ja in der alten Persischen Sprache soll schon Achterratz so viel als Afterrede bedeutet haben.


After-Sabbath (W3) [Adelung]


* Der After-Sabbath, des -es, plur. inusit. in Luthers Übersetzung des neuen Testamentes Luc. 6, 1. der Tag nach dem Sabbathe, oder wie andere wollen, der erste Sabbath nach dem andern Tage des Osterfestes, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Ohne auf den Griechischen Ausdruck zu sehen, müßte die erste Bedeutung der letztern allerdings vorgezogen werden, weil sie dem Gebrauche des Wortes after am gemäßesten ist. Denn auf gleiche Art würde der Montag ehedem der Aftersonntag genannt, und der Dienstag heißt in Schwaben noch jetzt der Aftermontag.


Afterschabe (W3) [Adelung]


Die Afterschabe, S. Aftermotte und Riehwurm.


Afterschanze (W3) [Adelung]


* Die Afterschanze, plur. die -n, in der Befestigungskunst, bey einigen so viel, als eine Verschanzung, oder ein Retranchement auf dem Felde.


Afterschirm (W3) [Adelung]


Der Afterschirm, des -es, plur. car. in dem Deutschen Staatsrechte, die Schirmgerechtigkeit, besonders über geistliche Güter, die jemand von dem eigentlichen Schutzherren übertragen worden; der Afterschutz.


Afterschirmherr (W3) [Adelung]


Der Afterschirmherr, des -en, plur. die -en, ein solcher untergeordneter Schirmherr, besonders geistlicher Güter; Afterschutzherr, Aftervogt, Advocatus substitutus.


Afterschlacke (W3) [Adelung]


Die Afterschlacke, plur. die -n, in den Hüttenwerken, Schlacken, welche zwey Mahl durch die Probe gegangen sind.


Afterschlag (W3) [Adelung]


Der Afterschlag, des -es, plur. inusit. im Forst- und Zimmerwesen, die Äste und Wipfel der abgehauenen Bäume; der Abraum, Afterzagel, S. diese Wörter. In einigen Orten auch die Gräte. S. auch Haltaus h. v. Eine andere längst veraltete Bedeutung dieses Wortes führet Frisch v. After an.


Afterschmetterling (W3) [Adelung]


Der Afterschmetterling, S. Frühlingsfliege.


Afterschutz (W3) [Adelung]


Der Afterschutz, des -es, plur. car. S. Afterschirm.


Aftersiedel (W3) [Adelung]


Das Aftersiedel, des -s, plur. ut nom. sing. und in der verkleinernden Form, das Aftersiedlein, des -s, plur. ut nom. sing. in den Lebensrechten, besonders in Franken und Hessen, einer von denjenigen kleinern Theilen, worin jemand sein Lehen zertheilet hat. S. Siedel.


Aftersiedeln (W3) [Adelung]


Aftersiedeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, mit einem andern in einem solchen abgetheilten Stücke eines Lehens sitzen. Particip. Passiv. aftergesiedelt.


Aftersiedler (W3) [Adelung]


Der Aftersiedler, des -s, plur. ut nom. sing. der ein Stück von einem zertheilten Lehngute, als ein Afterlehnsmann besitzet. S. auch Afterlehner.


Aftersilber (W3) [Adelung]


Das Aftersilber, des -s, plur. inus. in den Hüttenwerken, unreines Silber, welches noch After bey sich führet.


Aftersohn (W3) [Adelung]


Der Aftersohn, S. Afterkind.


Afterspinne (W3) [Adelung]


Die Afterspinne, plur. die -n, in der Naturgeschichte der Neuern, eine Spinnenart mit langen Fühlhörnern, Lauffüßen, eyrundem Körper und vier Augen; der Weberknecht, Phalangium, L.


Aftersprache (W3) [Adelung]


* Die Aftersprache, plur. die -n. 1) Üble Nachrede, wie Afterrede, jetzt ganz veraltet. 2) Bey den Handwerkern, und besonders den Schustern, eine Versammlung, die sie ehedem nach der so genannten Morgensprache hielten, und in welcher sie nur von Nebendingen und Kleinigkeiten handelten, dagegen sie sich in der Morgensprache mit wichtigen Gegenständen beschäftigten. Und auf solche Morgensprachen allezeit vierzehen Tage hernach eine freye Aftersprach gewesen ist, u. s. f. Ordnung der Schuster zu Zeit von 1684. S. auch Haltaus h. v.


Afterstück (W3) [Adelung]


Das Afterstück, des -es, plur. die -e, bey den Sattlern, das hintere Stück eines Sattels.


Afterthräne (W3) [Adelung]


Die Afterthräne, S. Afterdrohne.


After-Topas (W3) [Adelung]


Der After-Topas, des -es, plur. die -e, ein Nahme des Böhmischen Rauch-Topases, Morion, welcher eigentlich ein schwärzlicher Krystall ist.


Afterweisel (W3) [Adelung]


Der Afterweisel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Bienenzucht, der Weisel der Drohnen, der Drohnenweisel.


Afterwelt (W3) [Adelung]


* Die Afterwelt, plur. inus. ein veraltetes Wort für Nachwelt, welches einige Neuere, um des bequemen Sylbenmaßes willen, wieder in Gang zu bringen gesucht haben. Vergebens schreiben wir für Welt und Afterwelt, Haged. Der, hoffend auf die Krone der Afterwelt, Den bürgerlichen Ehren entsagete, Raml. Wegen der Zweydeutigkeit des after, welches in neuern Zusammensetzungen allemahl den Begriff einer unächten Beschaffenheit hat, sollte man sich dieses Wortes lieber enthalten, um nicht wider seinen Willen einen Begriff rege zu machen, den Günther in einer Stelle ausdrücklich vor Augen hatte, als er sagte: Herzen, die der Himmel bindt, Füllen keine Wollustflammen, Die die Afterwelt empfindt, d. i. die ausschweifende, ausgeartete Welt.


Afterwespe (W3) [Adelung]


Die Afterwespe, plur. die -n, bey einigen ein Nahme der Schlupfwespen, oder der Fliegen mit vier Flügeln.


Afterzagel (W3) [Adelung]


* Der Afterzagel, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden des Rheines, so viel als der Afterschlag, d. i. die Äste und Gipfel der gefälleten Bäume. S. Zagel.


Afterzeidler (W3) [Adelung]


Der Afterzeidler, des -s, plur. ut nom. sing. um Nürnberg, diejenigen, welche den Bienenbau in den kaiserlichen und Reichswäldern von den privilegirten Zeidlern pachtweise im Besitz haben. S. Zeidler.


Afterzins (W3) [Adelung]


Der Afterzins, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, z. B. um Nürnberg, eine Art Zinse, welche außer den Eigenzinsen von einem Gute gegeben werden, und auch Gatterzinse heißen. S. dieses Wort.


Afterzwang (W3) [Adelung]


Der Afterzwang, des -es, plur. inus. der Zwang des Afters oder im After, wofür doch Stuhlzwang üblicher ist, welches S.


Agath (W3) [Adelung]


Agath, S. Achat.


Agende (W3) [Adelung]


Die Agende, plur. die -n, ein Kirchenwort, welches aus dem mittlern Latein. Agenda, von den Protestanten beybehalten worden, die Vorschrift des öffentlichen Gottesdienstes und der dazu gehörigen Amtsverrichtungen der Geistlichen zu bezeichnen; die Kirchen-Agende. S. du Fresne Gloss. v. Agentes.


Agent (W3) [Adelung]


Der Agent, des -en, plur. die -en, aus dem Lat. agens, ein jeder, der eines andern, besonders eines Höhern Privat-Geschäfte an einem Orte besorgt; der Geschäftträger, im Oberdeutschen Gerhab, Gewalthaber. Daher die Agentur, plur. die -en, das Amt eines Agenten, welches auch wohl die Agentschaft genannt wird. Der Agent regierender Herren, hat keine öffentlichen, sondern nur Privat-Geschäfte zu besorgen, daher er auch mit keinen Beglaubigungsschreiben versehen wird.


Aggregat (W3) [Adelung]


Das Aggregat, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Aggregatum, ein Haufen mehrerer zusammen gebrachter Dinge. Besonders, 1) in der Rechenkunst, wo das Aggregat so viel als die Summe ist. 2) In der Physik ist das Aggregat, eine Verbin- dung mehrerer solcher Theile zu einem Ganzen, welche wieder aus merklich verschiedenen Theilen bestehen, und ein auf solche Art zusammen gesetztes Ding; die Zusammenhäufung, ein Haufwerk.


Aglarkraut (W3) [Adelung]


Das Aglarkraut, des -es, plur. car. ein Nahme, welcher in Österreich der Hauhechel, oder dem Stachelkrante, Ononis spinosa, L. beygeleget wird; ohne Zweifel von den Ageln, Agen, oder Stacheln, womit es besetzt ist. S. Age und Hauhechel.


Aglaster (W3) [Adelung]


Aglaster, S. Älster.


Agley (W3) [Adelung]


Agley, S. Akeley.


Agnes (W3) [Adelung]


Agnes, ein weiblicher Taufnahme, dessen Ursprung noch dunkel ist. Vielleicht ist er eine Verkürzung von Ignatia.


Agrest (W3) [Adelung]


Der Agrest, des -es, plur. inus. vom Lat. Agresta, und dieß vom Ital. Agresto, ein jeder säuerlicher Saft. Besonders in den Küchen und Apotheken, 1) ein aus unreifen Weintrauben gepreßter Saft, er mag mit Zucker abgesotten seyn oder nicht. 2) Eingemachte unreife Weinbeeren selbst.


Agrimone (W3) [Adelung]


Die Agrimone, plur. inusit. eine Pflanze, welche wild an den Wegen und Zäunen, und auf ungebaueten Feldern wächst; Agrimonia Eupatoria, L. Da diese Pflanze schon lange als ein heilsames Wundkraut bekannt ist, so ist ihr Nahme in dem Munde des Volkes auch gar sehr verunstaltet, und bald Adermennig, bald Angermennig, am häufigsten aber Odermennig daraus gemacht worden. Im Dän. heißt sie Agermaane, gleichsam Ackermohn. Es wäre zu untersuchen, ob dieses letztere nicht ihr wahrer Nahme ist, aus welchem der Lateiner Agrimonia gemacht worden. Übrigens wird sie im Deutschen auch Leberkraut, Leberklette, Königskraut, Gränsich, Bruchkraut, Drachenkraut und Heil aller Welt genannt.


Agtstein (W3) [Adelung]


Der Agtstein, des -es, plur. inusit. eine Benennung, welche an einigen Orten, besonders in Oberdeutschland, dem Bernsteine gegeben wird. Wachter glaubt, es müsse Achstein heißen, von Ach, Wasser, weil er im Wasser gefunden werde, oder Augstein, weil er den Augen heilsam sey. Allein es ist wohl gewiß, daß dieser Nahme von dem veralteten aiten, brennen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - herkommt, und also Brennstein bedeutet, welches mit dem mehr Niedersächsischen Bernstein genau überein kommt. Man findet ihn auch in den ältern Zeiten wirklich Aidstein geschrieben. S. Eiter und Eiternessel. Verschiedene Schriftsteller, die des Mineralreiches unkundig waren, haben sich durch die Ähnlichkeit der Nahmen verleiten lassen, so wohl den Achat als auch den Gagat, Agtstein zu nennen, so sehr auch alle drey verschieden sind. Oft nennet man auch den Gagat schwarzen, den Bernstein aber gelben Agtstein. Übrigens sind in Oberdeutschland so wohl das Adjectiv agtsteinen, als auch alle die Zusammensetzungen üblich, welche mit dem Worte Bernstein gemacht werden.


Ägypten (W3) [Adelung]


Ägypten, Genit. Ägyptens, plur. car. ein bekanntes Königreich auf der östlichen Grenze Africa's. Daher Ägyptisch, aus Ägypten, daselbst einheimisch, daselbst erfunden, entstanden. Die Ägyptische Salbe, bey den Hufschmieden, eine Salbe aus Honig, Essig, Leber-Aloe und Grünspan. Ferner ein Ägyptier, oder Ägypter, Fämin. -inn. Das Wort stammet aus dem Griechischen her, und da es hier ein - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und im Lat. ein ae hat, so ist die Schreibart mit einem bloßen e, Egypten, wider die Gesetze der nächsten Abstammung, und das Beyspiel der Franzosen und anderer Völker, deren Sprachen keine Eigenthümlichkeit mehr haben, kann selbige so wenig rechtfertigen, als die Gewohnheit der vorigen Jahrhunderte, wo man a und e ohne allen Unterschied gebrauchte.


Ahlbaum (W3) [Adelung]


Der Ahlbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, ein Nahme des Zaun- oder Heckenkirschbaumes, Lonicera Xylosteum, L. dessen Frucht alsdann Ahlkirsche genannt wird.


Ahlbeere (W3) [Adelung]


Die Ahlbeere, S. Alantbeere.


Ahle (W3) [Adelung]


Die Ahle, plur, die -n, ein spitziges Werkzeug von Stahl verschiedener Handwerker, besonders solcher, die in Leder arbeiten, Löcher damit in dasselbe vorzustechen. Die krummen Ahlen heißen bey den Schustern und Sattlern gemeiniglich Orte; Pfriemen aber sind eine Art dickerer und stärkerer Ahlen.

Anm. Dieses Wort ist in allen drey Geschlechtern üblich, der Ahl, des -es, und im Plural die Ahle, und das Ahl. Am häufigsten wird es indessen im weiblichen Geschlechte gebraucht. Die Niedersachsen haben dieses Wort auch; doch gebrauchen sie Statt dessen auch Ort, Souel, Suel, Subbel oder Sugel. Dieses letztere kommt mit dem barbarisch Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, dem Lat. Subula, dem Schwed. Syl, dem Dän. Syel, und dem Ital. Sublia genau überein. Das Stammwort ist unstreitig das alte Nordische sy und Lat. suere, nähen. Wenn aber Wachter davon auch die Ahle herleiten will, so ist das eine von den willkürlichen und künstlichen Ableitungen, die bey ihm nichts seltenes sind. Frisch merkt richtiger an, daß Ahle die Benennung von der scharfen Spitze hat, und also mit Achel, Age, und dem Lat. Acus verwandt ist. S. Age und Ecke. Mit Ahl kommen auch das Angels. Aele, Ale, das Engl. Awl, und das Holländ. Aelsene überein.


Ahlenmacher (W3) [Adelung]


Der Ahlenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. oder der Ahlenschmid, des -s, plur. die -schmiede, ein Handwerker, der die Ahlen verfertiget.


Ahlkirsche (W3) [Adelung]


Die Ahlkirsche, plur. die -n. 1) An einigen Orten, besonders in Schlesten, die Frucht des schwarzen Vogelkirschbaumes, und dieser Baum selbst; Prunus Padus, L. S. Vogelkirsche. 2) In andern Gegenden führet die Zaun- oder Heckenkirsche, Lonicera Xylosteum, L. diesen Nahmen. 3) In noch andern ist es ein Nahme der Faulbeere oder Elsebeere, Rhamnus Frangula, L. S. Elsebeere.


Ahm (W3) [Adelung]


Die Ahm, plur. die -en, ein Maß flüssiger Dinge, besonders des Weines, welches in jedem Lande zwar von verschiedenem Gehalte ist, aber doch meisten Theils zwey Eimer hält. In Sachsen hält eine Ahm 126 Kannen; im Hannöverischen, in Lübeck, in Hamburg, und in Hessen 40 Stübchen oder 80 Kannen; im Osnabrückischen 112 Kannen oder Maß; in Bremen 15 Stübchen oder 180 Quart; in Cöln 104 Maß; in der Pfalz 12 Viertel; in Basel 32 alte oder 40 neue Pott, und in Danzig 4 Anker. In der Pfalz machen 10 Ahm, in Frankfurt, im Würtembergischen, im Hannöverischen, und ganz Niedersachsen aber 6 Ahm ein Fuder.

Anm. Wenn dieses Wort eine bestimmte Zahl vor sich hat, so lautet es im Nomin. Plural. nur Ahm, Sechs Ahm, zehn Ahm, wie man sechs Fuß, zehn Mann u. s. f. sagt. S. auch Acker, Ahm ist an einigen Orten nicht nur männlichen Geschlechtes, der Ahmen, sondern es wird auch so wohl in Ober- als Niederdeutschland häufig Ohm geschrieben und gesprochen. Indessen scheint das a doch der Abstammung gemäßer zu seyn. Denn schon bey den Griechen war - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - in der Bedeutung eines Gefäßes üblich, woraus hernach die Lateiner ihr Amphora zusammen gesetzt haben. Engl. Ame, Awn, Ome, Holländ. Ame, Aem, Dän. Ahme, Schwed. Am, Isl. Amr. S. auch Eimer.


Ähmchen (W3) [Adelung]


Das Ähmchen, des -s, plur. ut nom. sing. das Verkleinerungswort des vorigen, welches in der Mark Brandenburg ein Biermaß ist, so 24 Quart oder Maß hält, und deren vier eine Tonne, acht aber ein Faß machen.1. Ahmen, imitari, S. Nachahmen.2. Ahmen, oder Ohmen, verb. reg. act. den körperlichen Inhalt eines leeren Fasses messen, es mag eine Ahm halten oder nicht. Ein Faß ahmen. Daher der Ahmer, die dazu bestellte obrigkeitliche Person, der Visirer. Es ist noch ungewiß, ob dieses Wort von dem vorigen Ahm abstammet, oder nur eine zufällige Ähnlichkeit des Klanges mit demselben hat. Denn im alten Franz. bedeutet Esme, ein Gewicht, und esmer, aesmer, aymer, haumer, hausmer, so wohl wägen, als auch visiren, eichen. S. Carpentiers Glossar. v. Esmerare.


Ahmig (W3) [Adelung]


Ahmig, oder Ohmig, adj. et adv. eine Ahm haltend. Ein ahmiges Faß. Am häufigsten mit Zahlwörtern; zweyahmig, dreyahmig u. s. f.


Ahn (W3) [Adelung]


Der Ahn, des -en, plur. die -en. 1) * Der Großvater; eine im Hochdeutschen veraltete, im Oberdeutschen aber noch völlig gangbare Bedeutung, wo es in Österreich und Baiern Än, Ändel und Andel, am Rheinstrome Anichen und Annichen, lautet. In eben diesen Gegenden heißt die Großmutter die Ahn, und die Ahnfrau. In Oberschwaben heißt der Großvater Ehni, die Großmutter aber Ahna, der Altervater der Urahn, Urahni, in andern Gegenden Aberahn, Alterenn, und die Großmutter Urahna. In Baiern ist Ähnl der Großvater, Ahnl die Großmutter, und Guckahnl die Urgroßmutter. Was der Ahn zusammen scharrt, heißt es in dem alten Liede: Wohl dem der um den armen Mann. 2) Überhaupt einer von den Vorältern, welche über die Großältern hinauf steigen, Hast munter dich geübet Zu zieren deinen Stand mit etwas, das kein Ahn, Kein Schild noch offner Helm den Menschen geben kann, Opitz. Des Ahnen Aberwitz wird auch des Enkels seyn, Hall. wo es aber zunächst den Großvater zu bezeichnen scheint. Oder nennt ihr diese Vortheile etwas das der Fleiß eures Ahnen verdiente? Dusch. Sein Ur-Ur-Ur-Ur-Älterahn War älter noch als unser aller Ahn, Less. Aller dieser Beyspiele ungeachtet, ist es doch in dieser Bedeutung im Hochdeutschen im Plural am üblichsten, Vorältern, collective ohne Unterschied des Geschlechtes zu bezeichnen besonders adelige Vorältern. Von adeligen Ahnen entsprossen. Seine acht Ahnen beweisen; beweisen, daß man ehelicher Weise von acht adeligen Vorältern, so wohl von väterlicher als mütterlicher Seite, also auf beyden Seiten von sechzehn adeligen Personen abstamme und also ein echtschildiger Edelmann sey.

Anm. Das Wort ist alt, aber zunächst im Oberdeutschen einheimisch. Schon in den Florent. Glossen ist Ano, avus, Ana, avia, und Altirano, proavus. Bey dem Ottfried sind ira anon, ihre Ahnen, und Altano, einer der Vorältern. In dem Sachsenspiegel wird dieses Wort in allem Ernste von Anus, der Hintere, hergeleitet. Wachter läßt es von der Partikel an, Frisch aber von dem Lat. Avus abstammen; das erste ist zu künstlich, das letztere aber zu unwahrscheinlich. Vermuthlich ist das Angels, eanian, gebären, das Stammwort, und im Türkischen bedeutet Ana wirklich die Mutter. Wahrscheinlich ist auch das Lat. Anus, eine alte Frau, damit verwandt, und in einigen Oberdeutschen Gegenden ist eine Ahne noch jetzt eine alte Frau.


Ahnden (W3) [Adelung]


1. Ahnden, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, eine dunkele Empfindung von einer künftigen Sache haben. Es wird auf gedoppelte Art gebraucht. 1) Als ein persönliches Verbum. Was ahnden sie? was sagen sie? Göthe. Ein kleiner Anfangs-versuch, an dem man aber, was noch dahinten sey, ahnde und rathe, Herd. Daher haben denn auch einige das Particip. Präs. gebraucht. Meine ahnende (ahndende) Angst hatte nicht falsch geweissaget. Mit ahnender Betrübniß, Schleg. Da diese ganze persönliche Form mehr Nieder- als Hochdeutsch ist, so gilt dieses vornehmlich auch von dem Participio. 2) Am häufigsten unpersönlich, mit der dritten Endung der Person. Es ahndet mir nichts Gutes, oder mir ahndet nichts Gutes. Das hat mir lange geahndet. Meinem Herzen ahndete ein Unglück. Es ahnt mir, Schlesien verliere seine Schwäne; Ich sah sie, sah ich recht, vorlängst nach Norden fliehn, Günth. Anm. Bey den Niedersachsen bedeutet es auch Empfindung, Begriffe von etwas haben; z. B. das Kind ahnet die Schläge noch nicht, hat noch keine Begriffe davon. Eben dieselben schreiben und sprechen gern ahnen, und die gröbern Mundarten aunen, so wie sie das d und t in der Mitte vieler andern Wörter aus Trägheit verschlucken; z. B. been, für beden, oder Hochdeutsch bethen, döen, für tödten, höen, für hüten u. s. f. Indessen ist es doch in diesem Worte bey ihnen nicht allgemein, denn man findet bey ihnen auch aanden. Es ist also ein Fehler, wenn manche Hochdeutsche die Niedersächsische Bequemlichkeit nachahmen und gleichfalls ahnen schreiben und sprechen; zumahl da sogleich erhellen wird daß das d zur Wurzel gehöret. Denn Frischens Ableitung von an, und Ihre's von ohne, so daß die Emfindung des Mangels der Stammbegriff sey, sind viel zu künstlich und unwahrscheinlich. Es ist vielmehr glaublich, daß in dem vorhin gedachten Niedersächsischen aanden, Begriff von etwas haben, empfinden, der Stammbegriff verborgen liegt, und dann kann man mit Wachtern immer das alte Nordische Ande, Aund, Geist, für das Stammwort annehmen, welches noch jetzt im Isländischen Ond, im Dänischen aber Aand lautet. Ahnden kommt in der Bedeutung der dunkeln Empfindung des Zukünftigen bey den Fränkischen und Alemannischen Schriftstellern, so viel ich weiß, nicht vor, wohl aber das gleichbedeutende Suanon, welches noch in Niedersachsen üblich ist, S. Schwanen, ingleichen das folgende.


Ahnden (W3) [Adelung]


2. Ahnden, verb. reg. act. sein Mißfallen über eine Sache mit Worten oder mit der That zu erkennen geben, eine Sache bestrafen. Das Böse ahnden. Wollen wir diesen Schimpf nicht ahnden? Der Frevel muß an ihm und an den Seinigen geahndet werden. Es ist hier von sehr weitem Umfange, indem es alle Arten der Bestrafung von dem bloßen Verweise an, unter sich begreift, und im letztern Falle im Oberdeutschen eine gelindere Art des Verweises andeutet, als verweisen, obgleich eine stärkere als vorhalten und ausstellen.

Anm. Das vorhin gedachte Aand, Aund, bedeutet in den alten Mundarten nicht allein den Geist, die Seele, das Gemüth, sondern auch alle stärkere Gemüthsbewegungen, besonders aber, 1) des Zornes, des Eifers. So braucht Kero das Hauptwort der Ando, für Zorn, Eifer. Wanda ih iz andon, wenn ich es ahnde, d. i. bestrafe, Notker. Auf ir drey Haubtlewt tets ir andt, Theuerd. Kap. 99. war sie zornig. 2) Der Unlust, des Mißfallens. Denn mir das anndt thut, Theuerd. Kap. 58. es kränket mich. Herr mich bedünckt euch thu ant Hierinn also zu liegen still, Ebend. Kap. 66. In Baiern ist ahnti und ahndig noch jetzt mürrisch, verdrießlich, und in den gemeinen Mundarten, besonders in Oberdeutschland, ist die R. A. sehr gemein: es thut mir ahnd, es schmerzet mich. 3) Der Sehnsucht, wohin die unter dem großen Haufen aller Provinzen Oberdeutschlandes so bekannte R. A. gehöret: es thut mir ahnd um ihn oder nach ihm. Auch bey den alten Isländern findet man, margum war ant heim, viele sehneten sich nach Hause. 4) Des Wohlgefallens, obgleich etwas seltener. Were es unserm herren ande, wäre es unsern Herren lieb, Minnes.Wachter, der für jede Bedeutung eines Wortes so gern ein neues Stammwort annimmt, leitet ahnden in der Bedeutung des Unwillens, der gerechten Bestrafung von and, ent, gegen, wider, ab. Allein man sieht leicht, wie gekünstelt und gezwungen eine solche Herleitung ausfallen muß. Braucht man für Aand, Aund, Geist, Seele, noch ein Stammwort, so kann man es mit Herrn Ihre ganz füglich zu dem Geschlechte des Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und des Deutschen wehen rechnen; indem die Benennungen des Geistes in den meisten Sprachen von dem Winde, und dem Athem hergenommen sind, Aande auch im Dänischen noch jetzt Athem, und aande athemen bedeutet. Da das erste a in allen diesen Wörtern gedehnt ist, und in einigen Mundarten sogar in den Doppellaut au verwandelt worden: so siehet man leicht, daß das h nach demselben nicht füglich weggelassen werden könne.


Ahndung (W3) [Adelung]


Die Ahndung, plur. die -en, nach Maßgebung obiger beyder Zeitwörter. 1) Die dunkele Empfindung des Zukünftigen. Als unser Herz vielleicht von trauriger Ahndung schlug, Dusch. Traurige Ahndungen verfolgen mich, und die Nächte quälen mich mit fürchterlichen Träumen, Weiße. 2) Thätige Erweisung des Mißfallens, Bestrafung, so wohl mit Worten, als mit der That. Würde ich mir nicht selbst die schärfste Ahndung von meiner Herrschaft zuziehen? Weiße. In dieser letzten Bedeutung ist der Plural seltener.


Ähneln (W3) [Adelung]


+ Ähneln, ähnlich seyn, S. Ähnlichen.


Ahnen (W3) [Adelung]


Die Ahnen, S. Ahn.


Ahnenprobe (W3) [Adelung]


Die Ahnenprobe, plur. die -n, der Beweis, daß man von der vorgeschriebenen Zahl von Ahnen abstamme. S. Ahn.


Ahnenrecht (W3) [Adelung]


Das Ahnenrecht, des -es, plur. inus. das Recht derer, welche viele Ahnen zählen können, d. i. das Recht, welches die von erweislich altem und unbeflecktem Adel genießen.


Ahnenzahl (W3) [Adelung]


Die Ahnenzahl, plur. inusit. die zur Erlangung gewisser Vorzüge nothwendige Anzahl ebenbürtiger Ahnen.


Ahnfrau (W3) [Adelung]


Die Ahnfrau, plur. die -en. 1) In Oberdeutschland, die Großmutter, wenn man derselben mit einer Art von Ehrerbiethung gedenket; in der Oberpfalz die Fraula. 2) Unter den Ahnen eine Person weiblichen Geschlechtes, doch auch nur, wenn man mit Ehrerbiethung von derselben spricht. S. Ahn.


Ahnherr (W3) [Adelung]


Der Ahnherr, des -en, plur. die -en. 1) So wie das vorige, der Großvater; in der Oberpfalz Herrla. 2) Einer aus den Ahnen. In beyden Fällen nur alsdann, wenn man mit Achtung von demselben reden will. Den großen Ahnherrn eines größern Urenkels, Raml. 3) Figürlich, auch ein jeder Vorgänger in einer Kunst, Wissenschaft oder Sache. Phil. von Zesen, der Ahnherr aller Neuerer in der Orthographie.


Ähnlich (W3) [Adelung]


Ähnlich, -er, -ste, adj. et adv. ein wenig gleich, mehrere übereinstimmige Merkmahle habend; zum Unterschiede von gleich, wenn alle Merkmahle überein stimmen. Das Gemählde ist ihm ziemlich ähnlich. Der Sohn steht seinem Vater im geringsten nicht ähnlich. Das ist der Wahrheit vollkommen ähnlich. Er ist ihm in den Sitten, in der Sprache ähnlich. Das sieht ihm sehr ähnlich, ist seiner Art zu handeln, seiner Gemüthsbeschaffenheit gemäß. Ein ähnlicher Fall ist mir noch nicht vorgekommen. Es geschahe mir ein ähnlicher Antrag. Was hat man wohl von einer ähnlichen Veränderung zu besorgen? In der Mathematik nennt man Dinge ähnlich, wenn sie einerleyVerhältnisse haben, d. i. wenn alles bis auf die Größe an ihnen einerley ist; gleich hingegen, wenn auch die Größe einerley ist. Im gemeinen Leben hingegen werden gleich und ähnlich sehr oft für einander gesetzt, S. Gleich.

Anm. Aus der alten Oberdeutschen Schreibart, anachilihho bey dem Isidor, und angelich noch bey dem Tschudi, erhellet, daß die letzte Hälfte dieses Wortes lich oder gleich ist. In der ersten Hälfte haben schon Wachter und Frisch das Vorwort an erkannt: nur haben sie dessen Nachdruck verfehlet, wenn sie auf die Bedeutung des Ursprunges fallen. Vielleicht leistet uns die Niedersächsische Mundart hier bessere Dienste. Hier wird an häufig mit Adverbien und Adjectiven verbunden, wenn nur etwas weniges von der Eigenschaft angedeutet werden soll, in welchem Falle die Hochdeutschen ihr lich anzuhängen pflegen; z. B. angelb, gelblich, anroth, röthlich, ansüß, füßlich, anhart, härtlich, anreich, reichlich, ankleyig, ein wenig kleyig oder lettig, u. s. f. Angleich oder ähnlich würde dem zu Folge ein wenig gleich bedeuten, und dessen heutigen Gebrauch sehr gut ausdrucken. S. An

Anm. 7. An wird in dieser Zusammensetzung zugleich gedehnt ausgesprochen, woraus sich das seit langer Zeit hergebrachte h in ähnlich erklären läßt. Die Niedersachsen haben dieses Beywort, so viel ich weiß, nicht, ungeachtet anlic schon bey den Angelsachsen üblich war. Es scheint auch im sechzehnten Jahrhunderte, wenigstens in einigen Oberdeutschen Gegenden, fremd gewesen zu seyn, indem es in der Baseler Ausgabe des neuen Testamentes Lutheri von 1523 mit in das Verzeichniß der unbekannten Wörter gesetzt, und daselbst durch gleich erkläret wird. Es scheinet, daß man von diesem Worte auch ein Verbum ahnen gehabt; wenigstens läßt sich dieses Wort in der alten sprichwörtlichen R. A. Gute Nahmen gerne ahnen, conveniunt rebus nomina saepe suis, am besten hierher rechnen.


Ähnlichen (W3) [Adelung]


+ Ähnlichen, verb. reg. neutr. mit haben, ähnlich seyn; nur im gemeinen Leben, wo man dafür auch ähneln hat.


Ähnlichkeit (W3) [Adelung]


Die Ähnlichkeit, plur. die -en. 1) Die Übereinstimmung mehrerer Merkmahle; ohne Plural. Dieß Gemählde hat viel Ähnlichkeit mit ihm. Die Ähnlichkeit zwischen beyden ist so groß eben nicht. 2) Mehrere überein stimmende Merkmahle selbst. Das sind Ähnlichkeiten, die einem jeden in die Augen fallen.


Ahorn (W3) [Adelung]


Der Ahorn, des -es, plur. die -e, oder der Ahornbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum, der zu den harten Laubhölzern gehöret; Acer, L. Er hat ein hartes und weißes Holz, und ist aus Asien über Griechenland und Italien nach Deutschland gekommen, wo er jetzt in den Wäldern, doch nur noch einzeln wächst. Wegen seines angenehmen Schattens und geraden Stammes ist er in den Spaziergängen sehr beliebt. - Im stillen Schatten des Ahorns Ruht, ungerühmt von panegyrischem Marmor, Des Weisen Aschenkrug, Zach.

Anm. 1. Der Deutsche Nahme dieses Baumes ist vermittelst einer nicht ungewöhnlichen Verwechselung des c mit dem h aus dem Latein. Acer, gebildet. Luthers Plural Ahörnen, Sir. 24, 19. ist ganz ungewöhnlich. In den Slavonischen Mundarten heißt dieser Baum Gawor.

Anm. 2. Man kennet in den Deutschen Wäldern fünf Arten dieses Baumes. 1) Den gemeinen weißen Ahorn, der grün-gelbliche Blumen, eine weißliche Rinde und das weißeste Holz hat, und dessen Blätter auf der untern Seite weißgrau und mit einer zarten Wolle bedeckt sind. Er wird in den gemeinen Mundarten auch Anchore, Amhorn, die Ohre, in Thüringen und Franken, die Ehre und Arle, in Schlesien die Urle, in Sachsen, wegen des vornehmsten Gebrauches, der davon gemacht wird, Spindel- oder Spillenholz, in der Schweiz Waldäsche und Steinahre, und in andern Gegenden Geißbaum genannt. 2) Der gemeine Ahorn mit scheckigen Blättern. 3) Die Lehne ( S. dieses Wort,) welche in Norden und Niedersachsen häufig wächst, eine weiße glatte Rinde, und ein hartes und zähes Holz hat, welches aber nicht so weiß und fein ist, als an dem vorigen. 4) Die Lehne mit scheckigen Blättern, welche eine bloße Abänderung der vorigen ist. 5) Der kleine Deutsche Ahorn, welcher kleine, unten hellgrüne, oben aber dunkle Blätter und eine gelbbraune Rinde hat, und unter dem Nahmen des Masholders, oder der Maserle am bekanntesten ist; S. Masholder.


Ahornlaus (W3) [Adelung]


Die Ahornlaus, plur. die -läuse, eine Art Blattläuse, welche auf den Ahornarten angetroffen werden; Aphis aceris, L.


Ahornen (W3) [Adelung]


Ahornen, adj. et. adv. aus Ahornholze verfertigt, zum Ahornbaume gehörig; im Hochdeutschen sehr ungewöhnlich.


Ahornzucker (W3) [Adelung]


Der Ahornzucker, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. Zucker, welcher aus dem Safte des Ahornbaumes, besonders des weißen, gesotten wird.


Ahre (W3) [Adelung]


+ Die Ahre, oden Ähre, plur. die -n, ein Nahme, der in den gemeinen Mundarten auch dem Ahorne gegeben wird; S. dieses Wort.


Ähre (W3) [Adelung]


1. * Die Ähre, plur. die -n, ein nur in einigen Provinzen, z. B. in Thüringen, Franken und am Ober-Rheine, übliches Wort, den Platz in einem Hause unmittelbar nach der Hausthüre, aus welchem man in die Zimmer tritt, zu bezeichnen; die Hausflur, das Vorhaus. In einigen Gegenden Ern, im mittlern Lat. Oriolum, und Era, welches aber auch eine Tenne bedeutet. Es ist mit dem Lat. Area verwandt, woraus aber nicht folget, daß es unmittelbar davon abstamme.


Ähre (W3) [Adelung]


2. Die Ähre, plur. die -n. Diminutiv. das Ährchen, der oberste Theil der Halmen an den Grasarten, besonders an den Getreidearten, welcher der Sitz der Blüthe und des Samens ist. Ähren bekommen, oder gewinnen. Das Korn fängt an in die Ähren zu schießen, es gehet in die Ähren, wenn die Ähren aus ihren Schoßbälgen hervor kommen. Ähren lesen, auslesen, sammeln, in Schwaben klauben, ein Hülfsmittel armer Leute, nach abgeschnittenen und aufgebundenen Getreide, die übrig gebliebenen Ähren aufzusammeln. Daher die Ährenlese, oder Halmlese, und der Ährenleser, oder Halmleser. Dort schwimmen die Westwinde auf der grünen Fläche der ährenvollen Gefilde, Dusch. In der Kräuterkunde heißt eine Ähre, eine jede Sammlung von Blüthen, welche entweder ohne, oder mit sehr kurzen angedrückten Stängeln an dem Hauptstängel sitzen.

Anm. Dieses Wort lautet im Nieders. Aar, Are, und im Holländ. Are. Viele rechnen es mit zu dem Geschlechte, zu welchem ären, pflügen, Arbeit in Ansehung seiner ersten Sylbe, Ärnde, Jahr, und noch andere gehören. Allein wenn man bedenket, daß dieses Wort in allen alten Mundarten in der Mitte eine starke Aspiration hatte, wie aus dem Angels. Aechir, woraus nachmals Ear zusammen gezogen worden, dem Gothischen Ahs, dem heutigen Dänischen Ax, und dem alten Alemann. Ahir (denn diese sprachen das h wie das heutige ch aus) und dem heutigen Oberschwäbischen Aher erhellet; so wird man Wachtern gerne beyfallen, wenn er behauptet, daß in dieser Benennung zunächst auf die Agen, Acheln oder Grannen an den Fruchtähren gesehen worden, und daß man daher dieses Wort auch zu Agen, Ahle, Ecke, und so vielen andern dieses Geschlechts rechnen müsse. Bey den Wenden in Krain bedeutet Ersh, Korn, Dinkel.


Ähren (W3) [Adelung]


Ähren, verb. reg. act. von dem vorigen, Ähren sammeln, oder auflesen, welches an einigen Orten auch nachähren genannt wird. In Oberdeutschland sagt man, sich ähren, von dem Getreide, wenn es Ähren bekommt, oder in die Ähren schießt.


Ähren (W3) [Adelung]


Ähren, pflügen, S. Ären.


Ährenfisch (W3) [Adelung]


Der Ährenfisch, des -es, plur. die -e, ein kleiner Seefisch, dessen viele Gräten den Spitzen der Ähren gleichen; Stechfisch, Atherina Hepsetus, L. in Italien Anguella.


Ährenfrucht (W3) [Adelung]


Die Ährenfrucht, plur. die -früchte, eine jede Frucht, welche in Ähren erzeiget wird, im Gegensatze der Hülsenfrüchte.


Ährengebund (W3) [Adelung]


Das Ährengebund, des -es, plur. die -bünde, in der Landwirthschaft besonders in Obersachsen, Strohbünde, welche von dem kürzesten Strohe des ausgedroschenen Getreides gemacht, und zur Fütterung gebraucht werden; Wirrbünde, und nach einer verderbten Aussprache Wurmbünde, weil sie aus verworrenen Strohe bestehen, welches in Obersachsen Wirrstroh, in Niedersachsen aber Krummstroh genannt wird.


Ährenkranz (W3) [Adelung]


Der Ährenkranz, des -es, plur. die -kränze, ein aus Kornähren geflochtener Kranz, der an einigen Orten an dem Erntefeste dem Herrn der Ernte in ländlich feyerlichem Gepräuge überreicht wird. Sprich selbst, ist nicht ein Ährenkranz mehr als ein Lorber werth? Weiße. S. Erntekranz.


Ährenlese (W3) [Adelung]


Die Ährenlese, plur. inusit. S. Ähre.


Ährenmonath (W3) [Adelung]


Der Ährenmonath, S. August.


Ährensieb (W3) [Adelung]


Das Ährensieb, des -es, plur. die -e, ein stehendes Sieb, vermittelst dessen das ausgedroschene Getreide durchgesiebt, und von den Ähren oder Agen geschieden wird; an andern Orten eine Kornfege, Fege oder Werfte, und in Obersachsen eine Kornrolle oder Kolle.


Ährenstein (W3) [Adelung]


Der Ährenstein, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welcher in Steiermark einer Art von Asbest gegeben wird, dessen Fäden Ähren vorstellen; Spreustein, Asbestus acerosus.


Ährenweiderich (W3) [Adelung]


Der Ährenweiderich, des -s, plur. inusit. eine Art Weiderichs, dessen purpurrothe oder blaue Blumen in Gestalt einer Ähre zusammengesetzt sind. Er wächst in den Europäischen Sümpfen, und wird für ein gutes Heilkraut gehalten; Blutkraut, rother Weiderich, Lythrum Salicaria, L.


Ährenwurm (W3) [Adelung]


Der Ährenwurm, des -es, plur. die -würmer, ein kleiner Wurm, der innerhalb der Blätterhülsen der Getreidehalmen liegt, und den Stiel aussaugt, worauf die Ähren weiß und abgezehret werden. Befindet er sich in der Gerste, so wird er der Gerstenwurm genannt.


Ährig (W3) [Adelung]


Ährig, adj. et adv. welches aber nicht allein, sondern nur in den Zusammensetzungen kurzährig, vollährig, langährig, kleinährig u. s. f. üblich ist, die verschiedenen Beschaffenheiten der Ähren am Getreide auszudrucken.


Ahrt (W3) [Adelung]


Die Ahrt, aratio, mit den Zusammensetzungen dieses Wortes, S. Art.


Ai (W3) [Adelung]


Ai, ein Doppellaut der Oberdeutschen, welcher von ihnen gemeiniglich in der Gurgel gebildet wird, und daher für einen Hoch- und Niederdeutschen unangenehm klinget. Da die südlichen Oberdeutschen diese Gurgellaute sehr lieben, so sprechen sie fast alle ei wie ai aus, Bain, Stain, ain, und in den gröbsten Mundarten gar wie oi, gleichfalls tief aus der Gurgel gehohlt. Daß diese Aussprache ein bloßer Provinzial-Fehler ist, sahe schon der berühmte Hieronymus Wolf in der 1556 ohne Beyfügung seines Nahmens heraus gegebenen Schrift, de orthographia Germanica ac potius Suevica ein, und rieth daher das ai ganz zu verbannen, welches denn auch nach und nach in der Hochdeutschen Mundart geschahe, und mit desto größerm Rechte geschehen konnte, da es in den meisten Fällen der Abstammung widerspricht. In einigen wenigen behielt man es, theils um des verjährten Ge- brauches willen, wie in Kaiser, theils aus etymologischen Gründen, wie in Hain und Kain, wovon das erstere aus Hagen zusammen gezogen, das letztere aber mit Rand eines Geschlechtes ist; theils zur Unterscheidung einiger gleich lautender Wörter, wie in Waise, orphanus, Saite, chorda. In andern legte man es nach und nach ab, und aichen, vom dem Gemäße, laichen, Froschlaich, Aimer, maischen, Getraide, Haide für Wald, Waitzen, welche noch am längsten damit geschrieben wurden, sind jetzt mit einem ei am üblichsten. Laie, Waid, Isatis, Main, Mainz und andere sind theils fremde Wörter, theils eigene Nahmen, welche sich an keine Regel binden. Laib, ein ganzes Brot, und Fraiß sind ohnehin Oberdeutsche Wörter, welche im Hochdeutschen nicht üblich sind. Wenn nun aber dieser Doppellaut gleich in manchen Wörtern von den Hochdeutschen beybehalten worden, so haben sie doch dessen unangenehme Aussprache durch die Gurgel nicht mit aufgenommen, sondern sie sprechen ai fast so wie ei aus. S. auch Ay. Unverantwortlich ist es, wenn man diesen den Hochdeutschen fremden Doppellaut dazu mißbrauchen will, gewisse Unterschiede in der Bedeutung, auch bey einem unläugbar gemeinschaftlichen Ursprunge, damit zu bezeichnen, und solches gar zu einer grammatischen Regel zu machen, wie man mit Laib, baitzen, Waidwerk u. a. versucht hat. S. diese Wörter.


Aichen (W3) [Adelung]


Aichen, mit seinen Zusammensetzungen, S. Eichen.


Aigelbeere (W3) [Adelung]


Die Aigelbeere, S. Heidelbeere. 1.


Aimer (W3) [Adelung]


Aimer, S. Eimer.


Aja (W3) [Adelung]


Die Aja, plur. die Aja's, ein Spanisches und nur an einigen Höfen übliches Wort, die Hofmeisterinn eines fürstlichen Kindes zu bezeichnen.


Akademie (W3) [Adelung]


Die Akademie, plur. die -n, aus dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, überhaupt ein Ort, wo sowohl Wissenschaften als auch Künste und Leibesübungen gelehret werden. Besonders, 1) eine hohe Schule oder Universität, weil das Landgut vor Athen, wo Plato ehedem die Weltweisheit lehrete, diesen Nahmen führte. Auf die Akademie gehen, nach einer hohen Schule reisen. Seine Lebenszeit auf Akademien zubringen. Von der Akademie zu Hause kommen, wo man im gemeinen Leben auch wohl im Plural sagt, von Akademien zu Hause kommen. 2) Eine Gesellschaft gelehrter Männer, welche sich unter landesherrlichem Schutze zu gewissen Zeiten versammeln, eine oder mehrere Wissenschaften zu bearbeiten. Diese Art von Akademien entstand zuerst in Italien, wo Cosmus, der erste Beherrscher zu Florenz, der einen Griechen mehrmahls die Platonische Philosophie vortragen hörte, zuerst auf den Gedanken kam, eine solche Akademie für die Platonische Philosophie zu stiften, welche sein Enkel, Laurentius der prächtige nachmahls in Ordnung brachte. Eine Akademie der Wissenschaften. Ingleichen der Ort, wo sich eine solche Gesellschaft versammelt. In die Akademie gehen. 3) Eine Kunst- und Ritterschule, ein Ort, wo entweder ritterliche Übungen, oder auch einzelne freye Künste gelehret und geübet werden. So hat man Ritter-Akademien, Akademien der Mahler, der Bildhauer, der Tonkünstler, des Ackerbaues, und in Frankreich sogar der Wundärzte. 4) An einigen Oberdeutschen Höfen heißt auch die Versammlung bey Hofe, wo Concert und Spiel ist, eine Akademie; vermuthlich nach dem Italienischen und Französischen, wo alle öffentliche Örter, wo Musik gehalten, oder in Karten und mit Würfeln gespielet wird, Akademien genannt werden. 5) Bey den Mahlern sind Akademien und Studien nackte Figuren, welche entweder nach der Natur oder nach einem Modelle gezeichnet werden.

Anm. Im Plural sollte dieses Wort Akademieen geschrieben werden. Allein, den Übelstand der auf einander folgenden zwey e zu vermeiden, läßt man das eine weg, und spricht es dennochfünfsylbig aus. Daher akademisch, zu einer Akademie gehörig, in derselben gegründet; der Akademist, des -en, plur. die -en, der in einer Akademie der Künste unterrichtet wird. Das Substantiv ein Akademiker, ein Mitglied einer Akademie der Wissenschaften, ingleichen ein Student, welches einige von Academicus einführen wollen, hat bisher noch nicht allgemeinen Beyfall gefunden.


Akeley (W3) [Adelung]


1. Die Akeley, plur. die -en, eine Pflanze, welche sich durch ihre schöne Blume auszeichnet, und daher in den Gärten geliebt wird; Aquilegia, L.

Anm. Die Sprachforscher und Kräuterkenner haben sich wenig um die Abstammung des Nahmens dieser Pflanze gekümmert. Im Oberdeutschen heißt sie Agley, und dieß, nebst ihrem Lateinischen Nahmen, könnte leicht die Muthmaßung erregen, daß sie von der Stadt Aquileja in Histerreich benannt worden, welche bey den Deutschen Schriftstellern der mittlern Zeiten mehrmahls Agley genannt wird. Allein es scheint vielmehr, daß mit ihrem Nahmen auf die spitzigen und gekrümmten Honigbehältnisse gezielet worden. Agaleia war bey den alten Alemannen der Nahme des Rhamnus, ohne Zweifel auch wegen der Dornen, womit derselbe besetzt ist, und Egle, Eglan, hieß bey den Angelsachsen, eine jede dünne Spitze, besonders die Grannen an den Getreideähren, S. Age und Igel. Der Französische Nahme dieser Pflanze ist Ancolie, und dieser soll gleichfalls die krummen, einem Adlerschnabel ähnlichen Saftbehältnisse ausdrucken. An einigen Orten Deutschlands soll diese Pflanze auch Adlersblume, Glocken, Glockenblume und Schafgarte genannt werden.


Akeley (W3) [Adelung]


2. Akeley, eine Art Weißfische, S. Ukeley.


Akustik (W3) [Adelung]


Die Akustik, plur. car. aus dem Griech. und Lat. Acustica, in der Mathematik und Physik, die Lehre von dem Schalle und Tone, die Gehörlehre. Daher akustisch, adj. et adv. in derselben gegründet. Akustische Werkzeuge, die Wirkung des Schalles auf das Gehör zu verstärken, dergleichen z. B. das Hörrohr ist.


Alabaster (W3) [Adelung]


Der Alabaster, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein feiner Gypsstein, der nur eine matte Politur annimmt, und gemeiniglich weiß, oft aber auch gelb, grün, grau, roth oder bunt ist. Da einige Arten dieses Steines von einer sehr schönen weißen Farbe sind, so bedienet man sich desselben im gemeinen Leben, ein blendendes Weiß auszudrucken. Hände, so weiß wie ein Alabaster.

Anm. Der Nahme ist aus dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, obgleich die Alten eine ganz andere Steinart, und gemeiniglich weißen Marmor unter diesem Nahmen verstanden. An den Orten, wo der Alabaster gebrochen wird, bekommt derselbe von seiner Farbe und Bildung allerley, und oft sehr wunderliche Nahmen. Denn da hat man den Tigerstein, den Cyper-Katzenstein, den Sonnenstein, den Nußholzstein, den Forellenstein, den Fliegenstein, den Schöne-Mädchenstein, den Wurststein u. s. f.


Alabasterbruch (W3) [Adelung]


Der Alabasterbruch, des -es, plur. die -brüche, ein Ort, wo Alabaster gebrochen wird.


Alabasterdruse (W3) [Adelung]


Die Alabasterdruse, plur. die -n, im Hohensteinischen, ein Alabaster, in welchem die ablaufenden Regengüsse Spalten und Risse verursacht haben, so daß er wie eine Druse aussieht.


Alabasterer (W3) [Adelung]


Der Alabasterer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Künstler, welcher allerley schöne Arbeiten aus natürlichem so wohl als nachgemachtem Alabaster verfertiget, dergleichen besonders in Nürnberg anzutreffen sind.


Alabastergyps (W3) [Adelung]


Der Alabastergyps, des -es, plur. inusit. ein Gyps, welcher aus Alabaster gebrannt wird.


Alabastern (W3) [Adelung]


Alabastern, ad. et adv. 1) Aus Alabaster bereitet; doch nur selten. 2) Dem Alabaster an Weiße ähnlich. Alabasterne Hände.


Alabastersalbe (W3) [Adelung]


Die Alabastersalbe, plur. die -n, in den Apotheken, eine Salbe, zu welcher gepülverter Alabaster kommt, und welche ehedem häufig wider Kopf- und Rückenschmerzen gebraucht wurde, daher sie auch Kopfsalbe und Rücksalbe, genannt wird; Unguentum alabastrinum.


Alabasterstein (W3) [Adelung]


Der Alabasterstein, des -es, plur. die -e, bey einigen so viel als Alabaster.


Alabastrit (W3) [Adelung]


Der Alabastrit, des -en, plur. die -en, aus dem Griechischen und Lateinischen Alabastrites, eine Art Alabaster, welche undurchsichtig, und härter ist, als der gemeine.


Alant (W3) [Adelung]


1. Der Alant, des -es, plur. die -e, der Nahme eines weißlichen eßbaren Flußfisches, welcher mehr Gräten als der Brachsen, auch keinen so guten Geschmack, breite silberfarbene Schuppen, einen großen Kopf und ein weites Maul hat. Wegen des großen Kopfes, wird er im Latein. auch Capito fluviatilis, ingleichen Cephalus, sonst aber Squalus major, in mittlern Lat. Helna, bey dem Linne aber Cyprinus Cephalus genannt. Seine Floßfedern sind roth, sein Fleisch aber ist fett und weich. Er leichet im May und Junius. Dieser Fisch wird in der Mark Brandenburg Alant, Gäse oder Göse, und Döbel, in Sachsen Diebel und Alten, in Meißen Alte, Elte, Altfisch, in Oberdeutschland und der Schweiz Alet und Alant, in Schlesien Alat, am Rheinstrome Diebel, Alte und Elte, in Elsaß Mäuser, weil er die Wassermäuse verschlingt, zu Strasburg Forn oder Furn, in Böhmen aber Hlawe genannt, und ist vermuthlich nur eine Abänderung von dem Fische, der in Oberdeutschland Hassel, bey dem Pictorius Squalus minor, in Niedersachsen Häseling, Dänisch Hässel und Hesseling, bey dem Linne aber Cyprinus Dobula heißt. S. Döbel und Hassel.


Alant (W3) [Adelung]


2. Der Alant, des -es, plur. inusit. eine Pflanze, welche bey uns wild wächset, und deren Wurzel einen starken gewürzhaften Geruch und einen scharfen bittern Geschmack hat; Inula Helenium, L. Ital. Enola, Franz. Aunee; Dän. Ellens-Roed. Den Nahmen Helenium soll sie von der Helenen-Insel haben, von welcher sie zuerst nach Europa gebracht worden, und aus diesem Lateinischen Nahmen soll auch der Deutsche Nahme Alant entstanden seyn. Inula, quam rustici Alam vocant, herba est radice aromatica, odoris summi cum leni acrimonia, heißt es aber schon bey dem Papias, der lange vorher lebte, ehe die St. Helenen-Insel 1502 von den Portugiesen entdeckt wurde.


Alantbeere (W3) [Adelung]


Die Alantbeere, plur. die -n, ein Nahme der schwarzen Johannis-Beere und ihres Strauches, vermuthlich weil sie an herben Geschmacke und widerlichen Geruche dem Alante gleichet. Aalbeere, Ahlbeere, Nieders. Albesing, Holl. Aelbesien sind verderbte Sprech- und Schreibarten des obigen Nahmens.


Alantbier (W3) [Adelung]


Das Alantbier, des -es, plur. inusit. ein Bier, welches mit einem Zusatze von Alantwurzel gebrauet worden, um es dadurch zu einer Arzeney zu machen.


Alantwein (W3) [Adelung]


Der Alantwein, des -es, plur. inusit. ein Wein, der mit Alantwurzel gegoren hat.


Alarm (W3) [Adelung]


Der Alarm, des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Alarme, und dieß aus dem Ital. all'arme, woraus sich auch die Schreibart Allarm vertheidigen läßt. Eigentlich das Geschrey, zu den Waffen zu greifen, das Lärmgeschrey, und in weiterer Bedeutung im gemeinen Leben, Tumult, Lärm. S. Lärm. Daher + alarmiren oder allarmiren, durch Lärm beunruhigen.


Alaun (W3) [Adelung]


Der Alaun, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein zusammen ziehendes Erdsalz, welches aus Verbindung der Vitriolsäure mit einer thenartigen Erde entstehen soll. Alaun sieden, durch Sieden und Auslaugen aus den Alaunerzen Alaun bereiten. Den Alaun anschießen lassen. Gesottener, gegrabener, oder gediegener Alaun.

Anm. Alaun, in der Schweiz Alet, Nieders. Aluun, Holl. Aluyn, Dän. und Schwed. Alun, Engl. Allum, Allom, Franz Alun, sind von dem Lat. Alumen, und dieß von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, weil Plinius dieses Mineral ausdrücklich Salsuginem terrae nennet. Den Plural gebraucht man im Handel und Wandel sehr häufig, und oft ohne Noth, theils von mehrern Quantitäten, theils völlig Statt des Singulars: Alaune sieden, die Alaune anschießen lassen, die Alaune reinigen, verwahren, u. s. f.


Alaunartig (W3) [Adelung]


Alaunartig, -er, -ste, adj. et adv. etwas von dem Alaune an sich habend, nach Alaun schmeckend. Alaunartiges Wasser. Alaunartige Erde.


Alaunbergwerk (W3) [Adelung]


Das Alaunbergwerk, des -es, plur. die -e, ein Ort, wo gediegener Alaun, oder doch Alaunerz auf bergmännische Art gewonnen wird.


Alaunblumen (W3) [Adelung]


Die Alaunblumen, sing. inus. bey den Alaunsiedern, das weiße Salz, welches an den Alaunerzen, wenn sie lange genug gewittert haben, ausschlägt.


Alaunbruch (W3) [Adelung]


Der Alaunbruch, des -es, plur. die -brüche, ein Ort, wo Alaun oder alaunhaltige Steine gebrochen werden.


Alaunbrühe (W3) [Adelung]


Die Alaunbrühe, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, die -n, die Brühe von Alaun, womit die Weißgärber das Leder gar machen; die Garbrühe.


Alaunen (W3) [Adelung]


Alaunen, verb. reg. act. bey verschiedenen Handwerkern, mit Alaun versehen, mit Zuthuung des Alaunes zubereiten. So werden bey den Färbern, Papiermachern und Kupferdruckern die Zeuge, Papiere u. s. f. alaunet, wenn sie mit aufgelösetem Alaune gesotten, oder in denselben eingeweichet werden. Da alle aus fremden Sprachen entlehnte Zeitwörter die Sylbe ge, als das Merkmahl der vergangenen Zeit, nicht annehmen, so gilt solches auch von diesem Zeitworte, obgleich einige gealaunt für alaunet sagen.


Alaunerde (W3) [Adelung]


Die Alaunerde, plur. von mehreren Arten oder Quantitäten, die -n. 1) Eine Erde, welche Alaun in sich enthält. 2) Diejenige Erde, welche einen Bestandtheil des Alaunes selbst ausmacht, und nach einigen kalk- nach andern aber thonartig ist.


Alaunerz (W3) [Adelung]


Das Alaunerz, des -es, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, ein jedes Mineral, aus welchem Alaun gesotten werden kann.


Alaunfaß (W3) [Adelung]


Das Alaunfaß, des -sses, plur. die -fässer, in den Alaunwerken, ein Faß, in welchem die Sode zu Alaun-Krystallen anschießet.


Alaungar (W3) [Adelung]


Alaungar, adj. et adv. bey den Lederbereitern, so viel als weißgar, weil diese Gare mit Alaun und Salz hervor gebracht wird. Alaungares Leder, Alaungarleder, oder Alaunleder, weißgares Leder.


Alaungärber (W3) [Adelung]


Der Alaungärber, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Gärber, welche das Leder auf Ungarische Art mit Alaun und Talg zubereiten, und von den Weißgärbern noch verschieden sind; Franz. Ongrieurs.


Alaungeist (W3) [Adelung]


Der Alaungeist, des -es, plur. inusit. in der Chymie, ein aus dem Alaune destillirter Vitriolgeist.


Alaungrube (W3) [Adelung]


Die Alaungrube, plur. die -n, eine Grube, in welcher entweder gediegener Alaun oder Alaunerz gebrochen wird; der Alaunbruch.


Alaunhaltig (W3) [Adelung]


Alaunhaltig, -er, -ste, adj. et adv. Alaun in sich enthaltend. Alaunhaltige Erde, alaunhaltiges Holz, alaunhaltiges Wasser.


Alaunhaufen (W3) [Adelung]


Der Alaunhaufen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Alaunhütten, das auf einen Haufen geschüttete Alaunerz, welches zur Hervorbringung des Alaunmehles mit Wasser begossen wird.


Alaunholz (W3) [Adelung]


Das Alaunholz, des -es, plur. inusit. 1) Ein Nahme, welchen man alaunhaltigen Steinkohlen beyzulegen pfleget, weil sie einem halb zerstörten Holze nicht unähnlich sehen. 2) Gegrabenes Holz, welches von einem Alaunsalze durchdrungen ist.


Alaunhütte (W3) [Adelung]


Die Alaunhütte, plur. die -n, das Gebäude auf einem Alaunwerke, in welchem die Alaunlauge gemacht und eingesotten wird. In weiterer Bedeutung, der Inbegriff aller zu dem Alaunsieden gehörigen Gebäude; die Alaunsiederey, das Alaunwerk.


Alaunig (W3) [Adelung]


+ Alaunig, adj. et adv. wie alaunhaltig. Alauniges Wasser, alauniger Schiefer, alaunige Steine.


Alaunkessel (W3) [Adelung]


Der Alaunkessel, des -s, plur. ut nom. sing. in den Alaunhütten, ein bleyerner Kessel, worin die alaunhaltige Lauge eingesotten wird; die Alaunpfanne.


Alaunkies (W3) [Adelung]


Der Alaunkies, des -es, plur. die -e, ein Schwefel- oder Vitriolkies, welcher zugleich Alaun in sich enthält.


Alaunlauge (W3) [Adelung]


Die Alaunlauge, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -n, in den Alaunhütten, die aus den Alaunerzen gezogene Lauge, welche hernach eingesotten wird, um das Anschießen des Alaunes zu befördern.


Alaunleder (W3) [Adelung]


Das Alaunleder, des -s, plur. inusit. bey den Lederarbeitern, weißgares Leder, oder solches, welches mit Alaun und Salz gar gemacht worden. S. Alaungar.


Alaunmehl (W3) [Adelung]


Das Alaunmehl, des -es, plur. inusit. 1) Der Bodensatz, welcher nach dem Sieden der Alaunlauge, und nach der Anwendung des Niederschlages, sich in Gestalt eines Mehles setzet. 2) Alaun in Gestalt eines Mehles, welcher sich auf die verwitterten Alaunerze ansetzet; die Alaunblumen.


Alaunmutter (W3) [Adelung]


Die Alaunmutter, plur. die -mütter, eine jede Erd- oder Steinart, so fern sich in derselben Alaun erzeuget.


Alaunpfanne (W3) [Adelung]


Die Alaunpfanne, S. Alaunkessel.


Alaunquelle (W3) [Adelung]


Die Alaunquelle, plur. die -n, eine Quelle, deren Wasser aufgelöseten Alaun bey sich führet.


Alaunschiefer (W3) [Adelung]


Der Alaunschiefer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schiefer, welcher Alaun in sich enthält, und das gemeinste Alaunerz ist.


Alaunsieder (W3) [Adelung]


Der Alaunsieder, des -s, plur. ut nom. sing. ein landwirthschaftlicher Handwerksmann, welcher die Kunst verstehet, den Alaun aus den Alaunerzen zu sieden.


Alaunsiederey (W3) [Adelung]


Die Alaunsiederey, plur. die -en. 1) Diejenige Anstalt, wo solches geschiehet; das Alaunwerk. 2) Die Wissenschaft, den Alaun mit Vortheil aus seinen Erzen zu sieden; ohne Plural.


Alaunstein (W3) [Adelung]


Der Alaunstein, des -es, plur. die -e, eine jede Steinart, aus welcher Alaun gesotten werden kann.


Alaunwasser (W3) [Adelung]


Das Alaunwasser, des -s, plur. ut nom. sing. von mehrern Arten, ein Wasser, in welches Alaun aufgelöset worden, es mag solches von der Natur, oder durch die Kunst geschehen seyn.


Alaunwerk (W3) [Adelung]


Das Alaunwerk, des -es, plur. die -e, eine Anstalt, in welcher Alaun gesotten wird.


Alaunzucker (W3) [Adelung]


Der Alaunzucker, des -s, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, ut nom. sing. in den Apotheken, ein Alaun, der mit Eyweiß und Rosenwasser in Gestalt kleiner Zuckerhüte geformet wird, und von dem Zucker weiter nichts als die Gestalt hat; auch Zuckeralaun.


Albatroß (W3) [Adelung]


Der Albatroß, des -ssen, plur. die -ssen, ein ausländischer Nahme einer Art Wasservögel, welche zu Klein's dreyzehigen Patschfüßen gehören, und sich am Vorgebirge der guten Hoffnung aufhalten; die Johannis-Gans, Plautus Albatrus, Kl.


Albe (W3) [Adelung]


Die Albe, der Alben, S. Albule.


Albeln (W3) [Adelung]


+ Albeln, verb. reg. neutr. mit haben, welches nur in einigen Gegenden Obersachsens üblich ist, und von den Bienen gebraucht wird, matt und kraftlos werden; ingleichen aus der Art schlagen. Daher ausalbeln, ausarten.


Alber (W3) [Adelung]


* Die Alber, plur. die -n, oder der Alberbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Oberdeutscher Nahme des weißen Pappelbaumes, oder der Weißpappel, Populus alba, L. welcherohne Zweifel aus dem Lateinischen Worte albus entstanden ist; weil dieser Baum nicht nur eine weiße Rinde hat, sondern dessen Blätter auch auf der untern Seite weiß sind. Um eben dieses Umstandes willen, wird er im Ital. auch Albare, im Span. Alber, im Holl. Alberboom, Albboom, und im Engl. Abeltree genannt. In den gemeinen Deutschen Mundarten lautet dieser Nahme Abelen, Abelke, Albe, Belle, Tabelke, Alaprobst, u. s. f. In Österreich hingegen wird nur die schwarze Pappel Alber genannt.


Alberbrosse (W3) [Adelung]


* Die Alberbrosse, oder Alberknospe, plur. die -n, der Oberdeutsche Nahme der Pappelaugen, oder Pappelknospen, welches S. Die letzte Hälfte des ersten Wortes ist das Oberdeutsche Brosse, eine Knospe, S. Bröschen.


Alberkeit (W3) [Adelung]


Die Alberkeit, plur. die -en, von dem folgenden Beyworte albern, so wohl die alberne Beschaffenheit einer Sache, ohne Plural, als auch alberne Handlungen selbst. Es ist indessen im Hochdeutschen nicht so gewöhnlich, als das gleich bedeutende Hauptwort, Albernheit.


Albern (W3) [Adelung]


Albern, -er, -ste, - adj. et adv. 1) * Ein widerwärtiges ausländisches, fremdes Ansehen habend; eine längst veraltete Bedeutung, welche aber doch die erste ist, wie aus der

Anm. erhellet. 2) Den Absichten, den Umständen, und in weiterer Bedeutung der gesunden Vernunft in einem hohen Grade unangemessen, ungereimt. Albern reden, handeln. Ein albernes Geschwätz. Ein alberner Mensch, im gemeinen Leben Meißens, ein Alberling. Es klingt zu albern, wenn ich ihnen auf Deutsch sagen wollte, daß ich sie liebe, Dusch. Wenn sie es nun auch gethan hätten, wollten sie wohl so albern seyn, und sich noch dazu auslachen lassen? Gell. Sie können leicht denken, daß ich jetzt eine sehr alberne Figur machte. In einer engern Bedeutung ist albern, Mangel der Beurtheilungskraft bey einem lebhaften Ingenio verrathend und darin gegründet. 3) Einfältig, an gesundem Verstande Mangel leidend. Diese Bedeutung scheinet in der gesellschaftlichen Sprache zu veralten; indessen kommt sie doch in Luthers Bibelübersetzung, und in der höhern Schreibart einiger Neuern vor. Das ist die Glückseligkeit des Thoren, daß ihn der Alberne bewundert, Dusch. So wohl wo Weisheit ist, als wo die Albern leben, Opitz.

Anm. 1. Die Ableitungen dieses Wortes sind insgesammt sehr unglücklich gerathen. Wachter läßt es von bar, bloß, und all, ganz, ganz bloß, d. i. am Verstande, abstammen; Frisch von Alp, Nieders. Alf, Alp, welches bey den alten Deutschen ein jedes Nachtgespenst bedeutete, dem man zuweilen allerley possenhafte Handlungen zuschrieb; andere von dem Westphälischen abel, welches anfänglich sein, klug, witzig bedeutet hat, nun aber mit albern gleich bedeutend ist. Es ist vielmehr aus dem alten al, el, fremd, und bar, Geberde, äußeres Betragen, zusammen gesetzt, ( S. in Ansehung des erstern Alefanz, und Elend, in Ansehung des letztern aber Geberde,) oder vielmehr, vermittelst der Ableitungssylbe bar, welche eine Ähnlichkeit, oft aber auch eine Anwesenheit, einen Besitz bezeichnet, ( S. dieselbe,) von dem vorigen al abgeleitet. Alber bedeutet also ein fremdes Anschen habend, wie ehrbar, scheinbar, sonderbar, wunderbar u. s. f. woraus denn die figürliche Bedeutung des Unangemessenen, des Unschicklichen sehr leicht folget. Es erhellet dieses zum Theil aus dem Niedersächsischen, wo elagt, welches daselbst für albern üblich ist, auf ähnliche Art, von el, fremd, und Laat, Gelaat, das Lassen, die Art, wie etwas in die Augen fällt, zusammen gesetzet ist. Daß dieses bar in ber übergegangen, wird wohl keinen Anstoß machen. Eher könnte das angehängte n befremden; zumahl da dieses Wort in der Oberdeutschen Mundart alber ausgesprochen, und durch alle Endungen ohne n declinirt wird. Ein alberer Mensch. Hören sie doch mit diesem alberen Geschwätze auf. Frisch suchte dieses n auch im Hochdeutschen zu verbannen, bedachte aber nicht, daß en, und verkürzt n eine Ableitungssylbe ist, welche unter andern auch häufig den Adjectiven auf el und er angehängt wird: einzeln, wofür die Oberdeutschen auch nur einzel sagen, eisern, ströhern, kupfern, silbern, nüchtern; schüchtern u. s. f. Siehe En.

Anm. 2. Obgleich dieses Wort der Oberdeutschen Mundart vorzüglich eigen ist, so stehet es doch in der Baseler Ausgabe von Luthers neuem Testamente von 1523 mit unter den unbekannten Wörtern, und wird daselbst durch närrisch, fanteschtisch erkläret. Den Niederdeutschen Mundarten ist es ganz fremd, ob sie gleich an andern gleich bedeutenden Ausdrücken reich genug sind. Besonders drucken sie unser albern durch das vorhin schon gedachte elaat und elaatsk aus.


Albern (W3) [Adelung]


+ Albern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, sich albern betragen, nur im gemeinen Leben.


Albernheit (W3) [Adelung]


Die Albernheit, plur. die -en. 1) Die alberne Beschaffenheit eines Menschen oder einer Sache; ohne Plural. Er glaubt bey aller seiner Albernheit noch zu gut an seinen Katechismus, Weiße. 2) Eine alberne Handlung. Willst du mich mit deinen Albernheiten noch verdrüßlicher machen, als ich schon bin? Weiße. In den niedrigen Sprecharten hat man auch das nach Lateinischer Art gebildete Albertät, plur. -en.


Albertiner (W3) [Adelung]


Der Albertiner, des -s, plur. ut nom. sing. oder der Albertus-Thaler, des -s, plur. ut nom. sing. eine harte Münzsorte, welche von dem Erzherzoge Albert in Österreich den Nahmen hat, und ungefähr 1 Thlr. 6 bis 9 Gr. Sächsisches Geld gilt. Von dem darauf geprägten Burgundischen Kreuze wird sie auch Kreuzthaler, oder Burgundischer Thaler genannt.


Albule (W3) [Adelung]


* Die Albule, plur. die -n, eine Art Weißfische, in den Schweizerischen und Oberdeutschen Seen und Flüssen, die nicht über ein halb Pfund schwer wird, und der Bleihe sehr ähnlich ist, von welcher sie sich bloß durch die geringe Größe und durch die weißere Farbe unterscheidet.

Anm. Der Nahme ist aus dem Lateinischen Albula. Es scheinet, daß Albe, Alben, Albel, Alfen, und wie dieß Wort in den gemeinen Mundarten sonst noch verändert worden, eine allgemeine Oberdeutsche Benennung aller kleinen Weißfische sey, die wegen der schlechten Achtung, worin sie stehen, auch Schneiderfische genannt werden. Henisch erkläret Albel durch, Langel, "Alffen, Weißfischlein, Schneiderfischlein, a vilitate; Zwie-belfischlein, weil er mit Zwiebeln gesotten wird: Rothäugle, von den rothen Augen." Und gleich darauf ist bey ihm "Alfen, Alben, Bliegg, Blickt, Bliggle, alburnus, pisciculus fluviatilis." Blickt ist vermuthlich das Diminutivum von Bleihe, denn auch in Niedersachsen bedeutet Bleiken oder Bleken, eine Art kleiner Weißfische. Das Rothauge hingegen ist eine besondere Art der Weißfische.


Albus (W3) [Adelung]


Der Albus, substant. indeclinab. eine Silbermünze, welche noch am Rheinstrome üblich ist, und gemeiniglich zwey Kreuzer oder acht Pfennige, in Hessen neun Pfennige, in Cöln nur 31/4 Pfennig, in manchen Oberdeutschen Gegenden aber 5 1/3 Pfennig gilt. Der Nahme ist von dem Latein. Albus, und bedeutet so viel als Weißpfennig, im Gegensatze der schwarzen oder Kupfermünze. S. du Fresne v. Albus.


Alchemille (W3) [Adelung]


Alchemille, S. Löwenfuß, ingleichen Sinnan.


Alchymie (W3) [Adelung]


Die Alchymie, plur. car. aus dem Latein. Alchymia, und dieß aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, mit dem Arabischen Artikel Al, der geheime und höhere Theil der Chemie, welcher sich mit der Verwandlung der Metalle beschäftiget, die Kunst Gold zu machen. Daher alchymisch, zu derselben gehörig, in derselben gegründet; der Alchymist, des -en, plur. die -en, der diese Kunst suchet, oder sie zu besitzen sich rühmet, ein Goldmacher; alchymistisch, nach Art der Alchymisten. S. Chymie.


Alcoran (W3) [Adelung]


Alcoran, S. Alkoran.


Aldermann (W3) [Adelung]


Aldermann, S. Ältermann.


Alefanzerey (W3) [Adelung]


+ Die Alefanzerey, plur. die -en, ein größten Theils veraltetes Wort, welches noch hin und wieder im gemeinen Leben für unwitzige Possen, alberne, ungereimte Handlungen gebraucht wird. Alefanz bedeutete ehedem in Oberdeutschland List, Verschlagenheit, besonders aber deren Anwendung zum Gewinn, wie Frisch mit verschiedenen Beyspielen beweiset, denen man noch folgende aus dem ehrlichen Hans Sachs beyfügen kann: - Die Land und Leut beschweren, Als Räuber, Landzwinger, Finantzer, Aufsetzmacher und Alefanzer. Ingleichen an einem andern Orte: Mit Schinderey und Finanz, Mit Wucher, Färkauf und Alefanz. Wie auch: Wie nimbt ober handt die Finanz, Wie spitzig ist der Alefanz. Woraus man siehet, daß Alefanz und Alefanzer damahls ungefähr das bedeutete, was man im Brandenburgischen unter König Fridrich Wilhelm einen Plusmacher und Plusmacherey nannte.

Anm. Frisch leitet dieses Wort von dem Ital. al avanzo ab; allein, wenn auch der Begriff der Verschlagenheit in Absicht auf seinen Vortheil der Stammbegriff wäre, so ist doch eine solche Bildung eines Wortes ganz wider alle Analogie. Ihre läßt es von dem Schwedischen fane, nörrisch, und dieß von dem veralteten Lat. fanus, welches ehedem für fatuus üblich war, abstammen, welches sehr weit gesucht ist, und doch die erste Hälfte des Wortes unerklärt läßt. Bey dem Ottfried findet sich ein Wort elibenzo, welches daselbst mit fremd verbunden wird: Vuir zellent thir es ouch mer Bist elibenzo fremider; wo Schilter es durch einen Verbanneten erkläret; Diet. von Stade sehr albern durch ein einem Elephanten ähnliches Ungeheuer; Wachter aber richtiger, durch einen, der eine fremde ausländische Sprache spricht, von el, fremd, ( S. Elend, Albern,) und dem veralteten benzin, fanzen, reden, sprechen. Alefanz würde also fremdartig in Ansehung der Sprache, wie albern, in Ansehung der Geberde und Tracht bedeuten, wovon denn der Begriff des Ungereimten und Thörichten eine Figur seyn könnte. Daß der Begriff der Verschlagenheit auf seinen Vortheil damit verbunden worden, rühret vielleicht daher, weil man selbigen durch Fremde und von Fremden kennen gelernet. S. auch Firlefanzerey.


Alet (W3) [Adelung]


Der Alet, des -s, plur. die -e, ein Fisch, S. Alant.


Alexandrinisch (W3) [Adelung]


Alexandrinisch, adj. et adv. von dem Substantive Alexander. Besonders nennet man eine gewisse Versart die Alexandrinische, weil sie zuerst in Frankreich im 12ten oder 13ten Jahrhunderte in einen Helden-Romane von Alexander dem Großen gebraucht worden.


Alfranken (W3) [Adelung]


Alfranken, S. Alpranken.


Algebra (W3) [Adelung]


Die Algebra, plur. car. ein Arabisches Wort von ungewisser Abstammung, die Wissenschaft, aus gegebenen endlichen Größen andere ihres gleichen zu finden; auch, obgleich seltener, die Algeber, nach dem Franz. Algebre, und bey den ältern Mathematikern, die Stellkunst, welches doch so viel wie nichts sagt. Daher algebraisch, zu der Algebra gehörig, in derselben gegründet; der Algebraist, des -en, plur. die -en, der die Algebra verstehet.


Alimente (W3) [Adelung]


* Die Alimente, sing. car. aus dem Lat. Alimenta, in den Rechten, der durch die Gesetze bestimmte Unterhalt, welchen jemand in manchen Fällen dem andern geben muß. Daher die niedrigen veralimentiren, diesen Unterhalt reichen, die Alimentation, die Reichung dieses Unterhaltes.


Alkali (W3) [Adelung]


Das Alkali, plur. doch nur von mehreren Arten, ut nom. sing. ein Arabisches Wort, eine Substanz zu bezeichnen, welche mit den Säuren in eine Gährung geräth. Daher alkalisch, nicht so richtig alkalinisch, die Natur eines Alkali habend, laugenartig, weil man das Alkali auch ein Laugensalz nennet.


Alkermes (W3) [Adelung]


Alkermes, S. Kermes.


Alkoran (W3) [Adelung]


Der Alkoran, des -es, plur. die -e, der Nahme des Muhamedanischen Gesetzbuches, Alcoranus, von dem Arabischen kara, er hat gelesen, und dem Artikel Al; auch oft ohne diesen Artikel der Koran.


Alkoven (W3) [Adelung]


Der Alkoven, des -s, plur. ut nom. sing. der abgesonderte Theil eines Zimmers, der vermittelst einer größern Öffnung oder anderer Verzierungen zu einem Schlafgemache abgesondert worden.

Anm. Man könnte leicht in Versuchung gerathen, dieses Wort zu den ursprünglichen Deutschen zu rechnen; denn Kave oder Koben bedeutet in Niedersachsen eine eingeschlossene Ecke, Vieh darein zu stellen; ja in Alfriks Glosse kommt Bed-cofa schon von einem Schlafgemache vor. Allein, es ist wohl ausgemacht, daß wir es vermittelst der Franzosen aus Spanien herhaben, wo Alcoba eben das bedeutet. Das Spanische aber kommt vermuthlich von dem Arabischen Elkanf, ein Schlafzimmer, her, oder vielmehr von Alcova, welches nach einigen Reisebeschreibern bey den Arabern den abgesonderten Theil eines Zimmers bedeutet, wohin heidnische Einwohner ihre Hausgötzen stellen. Das Mecklenburgische Kahlafen, ein Alkofen, ist vermuthlich aus diesem Worte verderbt.


All (W3) [Adelung]


All, Aller, alle, alles, ein Wort, welches in den meisten Fällen den Begriff der Allgemeinheit ausdrucket, und in dreyerley Gestalt üblich ist.I. * Als ein Umstandswort, welches dessen ursprüngliche Gestalt ist, der Zahl, Menge und innern Stärke nach erschöpft. Der Wein ist schon all, es ist kein Wein mehr da, er ist verbraucht. Sein Vermögen all machen, erschöpfen, verzehren. Es wird bald alles all seyn. Bis daß eure Leiber all werden in der Wüsten, 4. Mos. 14, 33. Die Missethat der Ammoniter ist noch nicht alle, 1. Mos. 15, 16. Das größte Vergnügen wird alle, wenn die Frau keine Wirthinn ist, Gell. Eigentlich kann es hier nicht anders als all lauten; wird ihm zuweilen das e angehängt, alle, so geschiehet es um des Wohllautes willen, die harte Einsylbigkeit zu vermeiden. Doch dieses ganze Umstandswort ist in der anständigen Sprech- und Schreibart der Hochdeutschen veraltet, und nur noch im gemeinen Leben, und im gesellschaftlichen Umgange, besonders in Niedersachsen, üblich. In der edlern Schreibart bedient man sich dafür lieber einer Umschreibung.II. Als ein Adjectiv,welches durch die Concretion aus dem vorigen gebildet worden, überhaupt den Begriff der Allgemeinheit bezeichnet, aber so wohl in der Declination, als auch in seinem Verhältnisse gegen andere Wörter viel von der Natur der Pronominum an sich hat, und daher auch von einigen zu diesen, von andern aber richtiger zu den allgemeinen Zahlwörtern gerechnet wird. Vermöge seiner Bedeutung ist es keines Comparatives noch Superlatives fähig, und bestimmt die Substantiva, die es bey sich hat, oder die darunter verstanden werden, so genau, daß ordentlicher Weise kein Artikel mehr Statt hat. Es wird aber in dieser Form auf eine gedoppelte Art gebraucht.1. Mit ausdrücklicher Beyfügung des Substantivi und Pronominis, und da bezeichnet es die Allgemeinheit.1) Der Zahl nach, oder distributive, in Rücksicht auf die verschiedenen Individua einer gewissen Art, die als zusammen genommen vorgestellet werden sollen, in welchem Falle es mit seinem Substantive und Pronomine alle Mahl im Plural stehet. Alle Menschen müssen sterben. Der Wechsel aller Sachen. Vor allen Dingen. Zu allen Zeiten. Wir alle, die wir hier sind. Er wird noch leben, wenn sie alle todt sind. Das wußten wir alle. Ich komme von ihnen allen. Plato, Seneca, und wie sie alle heißen.Ordentlicher Weise stehet es alsdann vor dem Substantive oder unmittelbar nach dem Pronomine, welches dessen Stelle vertritt. Wenn aber das Substantiv einen Artikel bey sich hat, so tritt es hinter dasselbe, und oft hinter das Verbum; oder vielmehr, wenn man das all um eines Nachdruckes willen aus seiner Stelle reißen, und es hinter sein Substantivum setzen will, so muß dieses den bestimmten Artikel bekommen. Die Leute alle sahen es. Die Juwelen habe ich noch alle. Die Arten, wodurch man das Geld verthut, sind mir alle zu beschwerlich. Die Narren sehen, wie die Menschen, alle einander ähnlich. Im Genitiv findet diese Versetzung nicht Statt; nicht, die Rechtschaffenheit dieser Menschen aller, sondern aller dieser Menschen. Nothwendig hingegen ist sie bey allen Pronominibus, und zwar in allen Endungen. Sie arbeiten alle. Sie lieben alle die Alten. Sie werden alle kommen. Wir können nicht alle so gelehrt sprechen. Wir können nicht alle so gelehrt sprechen. Wir haben alle unsere Fehler, Gell. Ihrer aller Freund, Unser aller Vater.Besonders thut die Inversion nach Substantiven, welche doch nur um eines besondern Nachdruckes willen geduldet werden kann, in der höhern Schreibart gute Dienste, nur daß ein richtiges Gehör erfordert wird, dem alle seine rechte Stelle anzuweisen. Wie hat dieser grausame Frevler die Blumen alle zerstreuet! Die Stimme wird gelassener, die Glieder alle gerathen in einen Stand der Ruhe, Less. Und die Thränen ihres Sohnes flossen alle umsonst, Dusch. Erst werden die Welten alle vergehen, Klopst. Nein! nein! die Weiber stechten alle, Wenn dieses Übel schädlich wär, Gell. O Freund, der du die Sterne Des Himmels alle zählst, Gleim. Die Weisen alle dienen, Die Völker lernen schon, Raml. Diese Wortfügung war schon den Alten bekannt. So singt z. B. Ottfried, Unio er fuar ouh thanne Ubar himila alle, d. i. wie er auch von dannen fuhr über die Himmel alle; und an einem andern Orte, thie odegun alle firliuze er itale, die Reichen alle ließ er leer. Ingleichen, so fint thie thegana alle, so sind die Knechte alle. Ferner, Minnisgon alle, alle Menschen. Alsam die toren alle tuont, Reimar der Alte. Doch da es bey ihnen ganz etwas gewöhnliches war, die Adjectiva den Substantiven nachzusetzen, so scheinet diese Inversion mit dem alle noch ein Überrest davon zu seyn.Zuweilen, wo keine Nothwendigkeit vorhanden ist, die Allgemeinheit besonders auszudrucken, stehet es um eines entweder wahren oder eingebildeten Nachdruckes willen. Z. B. Und wer sind denn alle diese feinen Leute? Sagen sie mir, was sie mit allen den vergeblichen Reden haben wollen. Besonders geschiehet solches mit einigen Zahlwörtern. Alle beyde. Sie kommen alle drey. Ich sah den Kutscher mit allen vier Pferden ersaufen, Gell.Die Redensart auf alle Tage ist elliptisch, und bedeutet so viel, als auf alle gemeine Tage, d. i. auf die Wochen- oder Werktage, im Gegensatze der Fest- und Feyertage. Ein Kleid, ein Hut auf alle Tage. S. auch Alltäglich und Alltags.2) Der Quantität oder Menge nach, collective, in Beziehung auf das Ganze, welches die entweder neben einander bestehenden Individua, oder die auf einander folgenden Theile, ausmachen, und da stehet es mit seinem Substantive im Singular und vertritt die Stelle des Adjectives ganz. Alles Land in Contribution setzen, das ganze. Ich bin ihnen dafür mehr verbunden, als für alle Wartung. Alle meine Freude hat nun ein Ende. Ich arme Frau, komme um alle meine Freude, die ich mir eingebildet hatte, Gell. Alle unsere Sorge wäre durch diese Schickung gehoben, ebend. Es ist mir lieb, daß sie noch nicht alle Hoffnung von mir verloren haben, ebend. Wollen sie uns denn um alle Sittsamkeit und um allen Wohlstand bringen? ebend. Besonders liebt alle in dieser Bedeutung das Substantiv Welt, welches in dieser Verbindung oft verschiedene Nebenbedeutungen bekommt. Alle Welt redet davon, jedermann. Alle Welt fliehet seine Gegenwart. Er freuet sich, wenn es aller Welt wohl gehet. Und wenn ich aller Welt Reichthümer besäße. Das ist in aller Welt bekannt. Nun das begreife ich doch in aller Welt nicht. Dann können sie alle Welt auslachen. S. Welt.Auch in dieser Bedeutung war dieses Wort schon den Alten bekannt. Alla so baurgs, die ganze Stadt, Ulphil. Alliu ruahha, alle Sorge, Kero. Ellu sin giuualto, alle seine Gewalt, Ottfr. Allen dag, den ganzen Tag, Notk. Und swiget allen einen tag, einen ganzen Tag, Reimar der Alte. Allan thesan worolt thiot, alles dieses Volk der Welt, Ottfr.3) Der Intension, der innern Stärke und Vollkommenheit dieses Ganzen nach. Sind sie ein Thor, fing ich in aller Angst an, voller Angst. Er wollte mir es mit aller Gewalt aufdringen. Ich kam noch zu allem Glücke dazu. Er hat alle Ursache dazu gehabt. Ich sage es dir in allem Ernste. Ich redete mit ihm in aller Gelassenheit. Ich sagte in allem Gu-ten zu ihm. Das Loos! das Loos! Um aller Barmherzigkeit willen! Gell. Ich habe alle Hochachtung für sie. Ich that mir alle Gewalt an. Mir muß er mit aller Achtung begegnen. Es ist mit allem Fleiße gemacht. Aller Kürze unbeschadet. Der Plural kommt in dieser Bedeutung wenig vor; doch sagt man: man kann einander in allen Ehren lieben.Soll der Gegensatz von dem alle in dieser Bedeutung ausgedruckt werden, so wird demselben das Vorwort ohne vorgesetzet. Ohne allen Zweifel. Ohne alle Ursache. Ohne alles Bedenken. Das Leichenbegängniß wurde ohne alle Pracht gefeyert. Ohne alle Barmherzigkeit. Ich will mich glücklich schätzen, wenn sie mich nicht ohne alle Hoffnung fortreisen lassen, Gell. Ich bin ja ohne alle Schuld, ebend.4) In Rücksicht auf das Gegentheil des bezeichneten Ganzen, welches dadurch völlig ausgeschlossen und verneinet wird, für nichts als. Ich ziehe euch zu allem Guten. Ich habe ihm alle Wohlthaten erwiesen. Er redet alles Böse von mir. Einem alles Liebe und Gute erweisen. S. im folgenden die Anm.5) In Rücksicht auf jeden einzelnen Theil, der das Ganze mit ausmacht, besonders; in welchem Falle es für jeder stehet, und so wohl im Singular als Plural üblich ist. Aller Anfang ist schwer. Aller Wollust (einer jeden Art von Wollust) ergeben seyn. Alles Wasser ist dazu gut. Das muß ihnen Statt alles Beweises dienen. Das Haus drohet alle Augenblicke (jeden Augenblick) einzufallen. Ich dächte, daß er ihrer alle Stunden werth wäre, Gell. Eben deßwegen singt und bethet sie alle Stunden, weil sie alle Stunden reicher werden will, Gell. Sie ist eine Feindinn aller Eitelkeit, ebend. Auf allen Fall, auf jeden Fall der sich zutragen kann. Alle Tage, alle Jahre, alle Wochen, alle Stunden. Alle Sonnabend gehet er in die Stadt, jeden Sonnabend. Alle vier Jahre, nach jedem dritten Jahre. Alle drey Monathe, nach jedem zweyten Monathe. So auch, alle sechs Meilen, alle zwanzig Ellen, alle zehn Schuh. Indessen kann all nicht in jedem Falle die Stelle des jeder vertreten, besonders, wenn dieses im Singular stehet. Aller Mensch hat seine Fehler, sie fanden bey allem Diebe drey Messer u. s. f. läßt sich nicht sagen, ob man gleich keine andere Ursache, als den Mangel des Gebrauches, davon wird angeben können.Wenn alle in dieser Bedeutung mit solchen Wörtern verbunden wird, die eine Zeit oder ein Maß bedeuten, so ist in einigen Provinzen dafür die zweyte Endung aller gebräuchlich. Man siehet ja nicht aller zwey Meilen einen Galgen, Less. Ich richte mich so ein, daß ich meisten Theils aller sechs Wochen eine neue Herrschaft habe, ebend. Allein dem guten Geschmacke ist diese Wortfügung fremd.2. Mit Auslassung des Substantives und Pronominis, den schon oben bemerkten Begriff der Allgemeinheit auszudrücken. Und zwar,1) Im Plural, wo die Hauptwörter Menschen, Dinge, Sachen, Stücke u. s. f. darunter verstanden werden. Alle sagen es. Aller Augen warten auf dich. Sein Haus steht allen offen. Es war der liebreichste Mann, der mich und alle zum Mitleiden bewog, alle, die ihn sahen. Du übertriffst sie in allen, in allen Stücken. Alle die ihr hier seyd, ihr alle Vornehmlich aber,2) Im Singular, wo das Neutrum alles sehr häufig Statt eines ausgelassenen Substantives, oder auch Statt einer verschwiegenen ganzen Redensart stehet, welche die bezeichnete Allgemeinheit näher bestimmet, und wobey es zuweilen auf verschiedene Nebenbegriffe weiset. Es stehet aber,(a) Sofern nur überhaupt eine Allgemeinheit ausgedruckt werden soll, ohne Bezug auf deren übrige Verhältnisse. Alles zürnet wider mich, alle Menschen. Alles was Waffen tragen konnte. Wo er nur hinkommt, läuft ihm alles entgegen. Gaubius im Haag, Schlosser zu Amsterdam, Camper zu Harlem, alles berühmte Ärzte, d. i. welche Männer insgesammt berühmte Ärzte sind. Denn alles will den grünen Esel sehn, Und alle konnten doch nicht mit dem Esel gehn, Gell. So auch von Sachen. Alles dieses, oder, dieses alles, habe ich längst wahrgenommen. Alles dieses ist Ursache, daß ich nicht gekommen bin. Das thue ich um alles in der Welt nicht, um alle Reichthümer in der Welt. So bald alles fertig seyn wird, will ich dich rufen. So lange ich lebe, will ich alles an dich wenden. Ich verspreche dir alles. Der Himmel gebe ihnen alles, was sie sich selber wünschen. Wegen alles dessen konnte ich nicht kommen. Ich bin in allem seiner Meinung. Er schickt sich zu allem. Die Religion ist das heiligste unter allem, was ein Vernünftiger hochschätzen kann, Gell. Ingleichen, in manchen Fällen mit der Inversion. Allein es hilft ihm alles nichts. Das ist alles nichts. Gedulden sie sich, es wird noch alles gut werden. Das mag ich alles nicht wissen. Da alles, hier ein wahres Collectivum ist, so leidet es auch das Verbum im Plural, wenn das folgende Substantiv denselben erfordert. Alles übrige sind Possen, Gell. Alles das sind Lügen. Aber dieses sind ja alles unschuldige Dinge, ebend. Oft nimmt es auch, besonders im gemeinen Leben, verschiedene Zusätze an, die Allgemeinheit noch nachdrücklicher vorzustellen. Er gilt alles in allem bey ihm. Ich will alles in der Welt für dich thun. Alles mit einander. Alles und jedes.(b) Sofern die einzelnen Theile als zusammen gezählet vorgestellt werden. Es sind in allem sechs Thaler. Es währete in allem vier Wochen. Wie viel sind es in allem. Es kostet mir alles in allem zehn Thaler.(c) So fern der einzelnen Theile viele sind, besonders mit was, und ausrufungsweise. Es ist erstaunlich, was er alles weiß. Ach, was wollte ich nicht alles für dich thun! Was fordern sie nicht alles von mir!(d) So fern dadurch der Gegenstand so erschöpft wird, daß nichts übrig bleibt. Das ist alles, nun ist weiter nichts mehr vorhanden. Das ist noch lange nicht alles, was ich ihnen zu sagen habe. Das ist auch alles, was ich ihm nur wünschen kann. Alles was ich thun kann, ist dieses, oder, dieses ist alles, was ich thun kann. Alles, was sie mir antwortete, war dieses, oder, dieses war alles, was sie mir antwortete.Obgleich alles in allen bisher angeführten Bedeutungen die Stelle eines Substantives vertritt: so ist es doch nicht gewöhnlich, dasselbe mit einem großen Buchstaben zu schreiben. Indessen gibt es Fälle, wo es,III. Als ein Substantiv,im eigentlichen Verstande gebraucht wird. Man bedienet sich dazu so wohl,1. * Des unconcrescirten Adverbii all, den ganzen Umfang gewisser Dinge anzudeuten, in welchem Fall es auch den Artikel vor sich leidet.Das ist ihr ganzes All, ihr Trost und ihre Ruh, Opitz. Allein, da das Umstandswort all in der anständigen Schreibart veraltet ist, so hat man auch dieses Substantiv mit allem Rechte veralten lassen, und die neuern Dichter haben daher nicht wohl gethan, wenn sie es, besonders in dem Begriffe der Welt, wieder zu Ehren zu bringen gesucht, zumahl da es nicht das mindeste Anschauliche hat. Der Vater der Natur denkt, weist in jedem Falle, Im All auf jedes Glied, in jedem Glied aufs Alle, Dusch. Nur eine schwache Änderung darf ihren Gang verdrehn, So wird in einem Schiffbruch das All zu Grunde gehn, Ebend. Und schmölze dieses All in seine Elemente, ebend. In der ersten Stelle ist noch dazu die Declination aufs alle unrichtig, indem die unconcrescirten Adverbia, wenn sie als Substantiva gebraucht werden; völlig indeclinabel sind, das Schwarz, des Schwarz, dem Schwarz. So auch das Grün, das Weiß, das Allgut, u. s. f.2. Als auch des vollständigen Neutrius Alles, in der höhern Schreibart, für aller Trost, aller Reichthum u. s. f. doch nur im Singular, und als ein Indeclinabile ohne Artikel, auch nur mit den Possessivis mein, dein u. s. f. Ja du Hälfte meiner selbst, mein Leben, mein Alles, Weiße. Unser Schutz, unsere Hoffnung, unser Alles ist mit ihm gestorben. Grausamer, was hast du gethan? Du hast meinen Vater, meinen Trost, mein Alles ermordet! Barbar, du hast mich von meinem Alles getrennet!Anmerkungen.I. Wenn im vorigen gesagt worden, daß alle und alles eine Allgemeinheit ausdrucken, so muß solches nicht alle Mahl in dem schärfsten Verstande genommen werden; denn zuweilen stehen sie, vermöge der Vergrößerung, einer in allen Sprachen nicht ungewöhnlichen Figur, für viel. Aus dem vorigen erhellet zugleich, daß dieses Wort eben so oft im Singular, als im Plural gebraucht wird. Daher nicht zu begreifen ist, wo ein gewisser Sprachlehrer seine Gedanken gehabt haben müsse, als er feyerlich behauptete, es finde nur im Plural Statt.2. Da dieses Adjectiv keinen Artikel vor sich leidet, wenn man nur nicht das Pronomen Demonstrativum der, die, das, für den Artikel hält: so ist es auch nur in der bestimmten Declination der Adjectiven üblich. Folglich gehet es so: Singular Plural Aller, alle, alles, Alle. Alles, aller, alles. Aller. Allem, aller, allem. Allen. Allen, alle, alles. Alle. Nur daß es im Dativo Singularis des männlichen und sächlichen Geschlechtes, wenn ein Pronomen vorher gehet, Statt allem, nur allen lautet. Bey dem allen. Wie dem allen sey. Welches auch in andern Fällen um des Wohlklanges willen geschiehet, um nicht zwey em unmittelbar auf einander folgen zu lassen.Da nun alle bloß in der bestimmten Declination der Adjectiven üblich ist, so bekommen auch die darauf folgenden Adjectiven wie in andern Fällen, nur die unbestimmte Declination. Alles äußerliche Ansehen. Aller große und viele Reichthum. Bey allem großen Vermögen. Aller goldenen Schätze ungeachtet. Aller guten Dinge sind drey. Ich erziehe sie zu allem Guten. Ausgenommen ist, (a) das im gemeinen Leben übliche, einem alles Liebes und Gutes erweisen, für alles Liebe und Gute, wie schon Burkard von Hohenfels sang, alles liebes wil ich ir nimer abegan. Ingleichen alles Gutes von einem sprechen, lauter Gutes; dagegen es in andern Fällen alles Gute heißt. (b) Im Nominative des Plurals wird das folgende Adjectiv lieber ohne n als mit demselben declinirt, welches auch nach einiger, mancher, viel und ander Statt findet. Alle gute Männer, für guten. Alle gute Frauen. Alle gute Ermahnungen helfen nichts. Ich habe deiner Tochter alle mögliche Vorstellungen gethan, Gell. Ach es kostet viel, wenn eine Frau alle neue Moden mitmachen will, eben derselbe.Da die Pronomina nur allein die bestimmte Declination der Adjectiven leiden, so behalten sie selbige auch nach dem alle. Alles mein Blut ist in Unordnung gerathen. Er richtet mit allem seinem Gelde nichts aus. Aller dieser Segen, Gell. nicht diese. Mit allem dem. Die Tugend in allem ihrem Glanze zeigen. Bey allem meinem Glücke mache ich vielleicht meine Freundinn unglücklich, Gell. Nichts will ich von allem dem sagen, was sie hier finden soll, Dusch. Sagen sie ihr, daß sie bey allen ihren Büchern eine Närrinn ist, Gell.Es ist daher fehlerhaft, wenn das all in solchen Fällen verstümmelt, und seiner Declinations-Zeichen beraubt wird. Alle mein Blut ist in Unordnung gerathen, für alles. Sie will alle ihr Vermögen daran setzen, Gell. Er richtet mit alle seinem Gelde nichts aus, für mit allem. Bey alle dem, für bey allem dem, oder besser, bey dem allen. Sie ist das Werkzeug, an dem sie alle den Gift ausläßt, den ihr Stolz hervor bringt, Gell. für allen. Bey alle den Schwachheiten meiner Schwägerinn, eben derselbe.Es ist dieser auch noch im Hochdeutschen sehr übliche Fehler ein Überrest der Oberdeutschen Mundart, wo es sehr gewöhnlich ist, für dieses Wort in allen Zahlen, Endungen und Geschlechtern das unconcrescirte Umstandswort all an Statt des concrescirten Adjectives aller, alle, alles zu gebrauchen, und demselben den Artikel nachzusetzen, so wie es noch die Franzosen mit ihrem tout machen. Al der werlte pris, vor al der werlte, al den gruenen walt, us al der werlte, al der Selde der beste teil, al den siu, al die sinne, und hundert andere Beyspiele kommen noch häufig bey den Schwäbischen Dichtern vor. Oft pflegte man auch diesen Artikel mit dem all in Ein Wort zusammen zu ziehen. In alder werlte, vor alder werlte, des froit sich herze und alder lib, sind auch Beyspiele aus den Schwäbischen Dichtern. Wenn nun ein Pronomen folgte, so war es natürlich, daß der Artikel wegfallen mußte, und blieb denn nur das all übrig; z. B. wieder aus den vorigen: Al min truren, dar inne al min froide lit, got nem im al sin ere, al solcher eren u. s. f. Indessen wurde dieses auch nicht alle Mahl beobachtet, denn bey eben denselben findet man auch: Aller min gedane, allen minen muot, alle ir mere, alle ir arbeit, u. s. f. Diese alte indeclinable Form ist, obgleich auf eine sehr unregelmäßige Art, noch jetzt im Oberdeutschen üblich. Z. B. All dein Reichthum. All mein Verstand. All deines Glückes. All das Land, so du siehest. Wie all solches daraus erhellet. Die Stände all des Ihrigen berauben. Von Ausübung all anderer Feindseligkeiten abstehen. Da man es denn mit dem folgenden Nennworte wohl gar in Eines zusammen ziehet. Allthunlicher Dingen nach. Allgedeihlicher Vorschub. Allobiges. Mehrere Beyspiele werden die Schriften der Reichskanzelleyen im Überflusse gewähren. Man sollte daher diese im Hochdeutschen mit Recht veraltete Form nie wieder der Vergessenheit zu entreißen suchen. Wie rauh und kanzelleymäßig klingt nicht folgende Stelle aus dem Schlegel? Wie unnütz ist all äußerlich Bestreben? 3. Außer den obigen angeführten Bedeutungen dieses Wortes wird dasselbe in den Provinzen noch auf verschiedene Arten gebraucht, die aber im Hochdeutschen unbekannt sind. So wird, 1) der Genitivus Pluralis aller in Oberdeutschland als ein Adverbium für ganz gesetzet; oder vielmehr aller ist ein eigenes, vermittelst der Ableitungssylbe - er von all gebildetes Umstandswort, für ganz. - Silenus aller trunken, Opitz. Der eingetheilte Witz wird aller angewandt, Hall. Er war so gar erschrocken, daß er aller zitterte, 2. Marc. 3, 17. am ganzen Leibe. Ihr Körper wird aller zu Ausdruck, Bodmer, für ihr ganzer Körper. Ich bin aller krank. Er ist aller närrisch. Das Papier ist aller naß. In ähnlicher Bedeutung sagte schon Ottfried: Thaz sus aller uuas funtan, daß es aller, oder wirklich, so gefunden wurde; und wenn man den Sächsischen Bergmann fragt, wie es gehe, so ist die Antwort: aller höflich, d. i. ganz hoffnungsvoll. 2) Das Neutrum alles, oder zusammengezogen alls, ist gleichfalls in Oberdeutschland eine versichernde Partikel, für allezeit, immer nur, anders. Man ist alls den Reichen günstiger; als den Armen. Es muß es alls der Teufel gethan haben. Danach fährst du alles im Wagen, Weiße. Auch dieser Gebrauch ist schon alt. Alles bedeutet schon bey dem Kero omnino, und in allum alles steti, heißt bey ihm so viel als an allen Orten. Wiht alles ni, ist auch bey dem Ottfried so viel als nichts. Uua iz alles uuar in uuar, ebend. für wenn es anders wahr wäre. Aichinger, der doch selbst ein Oberdeutscher ist, weiß S. 381. seiner Sprachlehre nicht, was er aus dieser Partikel, die größten Theils ein sehr überflüssiges Flickwort ist, machen soll. Aber er irret sehr, wenn er sie mit also für einerley hält. Auf ähnliche Art gebrauchen 3) die Niedersachsen ihr al. Al darum, eben darum. Das ist al lustig, das ist doch lustig. Aber noch häufiger bedeutet es bey ihnen, 4) so viel als schon, bereits. Er ist al groß, er ist schon groß. Das ist al all, das ist schon all, oder schon zu Ende.4. Man hat viele Wörter, die mit diesem Beyworte zusammen gesetzt sind. Es zeiget sich daselbst in einer dreyfachen Gestalt.(a) Das unconcrescirte Adverbium all, wird so wohl mit Partikeln, als auch mit Adjectiven und Substantiven zusammen gesetzt. Jene haben wir insgesammt der Oberdeutschen Mundart zu danken, die sich durch ihren Hang zur Weitschweifigkeit und zu langen viersylbigen Wörtern vorzüglich unterscheidet. All soll alsdann ihre Bedeutung verstärken, obgleich diese Verstärkung oft sehr unnöthig und unmerklich ist. Dergleichen sind, allbereits, allda, allhier, allwo, allso, oder wie man es beständig schreibt, also, u. a. m. die im folgenden vorkommen werden, wo man aber kein allschon, allforderist, alldaselbst, allfolglichen und hundert andere Oberdeutsche Verlängerungen suchen darf, mit welchen alle Kanzelleyschriften dieser Gegenden reichlich versehen sind. Bey einigen einsylbigen Partikeln hat diese Verlängerung zuweilen ihren Nutzen, weil sie den Numerum der Rede befördern kann, und dem kleinen Worte, wenn es mit einem Nachdrucke versehen ist, mehrern Umfang gibt; besonders wenn diese Partikeln am Ende eines Satzes zu stehen kommen; S. Allda, Allhier, Also. In allen diesen Fällen wird all voran gesetzet, nur in dem einzigen überall hängt es sich hinten an. Vor den Adjectiven und Substantiven hat es theils den Begriff der Allgemeinheit, theils auch der innern Vollkommenheit und Stärke. Dergleichen sind Allgegenwart, allgegenwärtig, Allmacht, allmächtig, allgütig, allgemein u. s. f. In Oberdeutschland hat man auch von diesen Zusammensetzungen eine große Menge: alldasig, alldortig, allgedeylich, allgefällig, allschuldig und tausend andere sind ein Beweis davon. Nur sind die meisten Beywörter dieser Art daselbst unschickliche Zusammensetzungen von aller gedeylicher, aller gefälliger, aller schuldiger; z. B. allgedeylichen Vorschub thun, allgefällige Dienste leisten, allschuldigen Dank sagen. Ein Oberdeutscher wird daher einige unserer neuern Dichter, die mit solchen Zusammensetzungen sehr freygebig sind, gewiß sehr unrecht verstehen, wenn er bey ihnen eine allgefällige Göttinn, einen allgütigen May, eine allwachsame Sorge u. s. f. lieset. Da die ganze unconcrescirte Form all, wie schon gesagt worden, im Hochdeutschen veraltet ist, und nur noch in der niedrigen Sprechart lebt, so ist es wider die Analogie, sie zu neuen Zusammensetzungen zu gebrauchen, so häufig solches auch von manchen Schriftstellern geschiehet, wo man ein allbelebend, allbeseligend, allliebend, allnährend, u. s. f. findet. Allvater, von Gott gebraucht, hat wegen dieser veralteten Form sogar einen komischen Nebenbegriff. Übrigens waren dergleichen Zusammensetzungen schon den Alten geläufig. Alsuslich stehet bey dem Notker für solch. Alatharba bedeutet bey dem Ulphilas sehr bedürftig, alazioro und alafesti, bey dem Ottfried sehr zierlich und sehr fest, und aluualt bey dem Tatian sehr mächtig. Selbst die Angelsachsen sagten ael-grene für sehr grün, und bey den alten und heutigen Isländern kommt diese Art von Intension gleichfalls sehr häufig vor.(b) Der Nominat. so wohl Singular. als Plural. alle findet sich nur in den Adverbiis allemahl, allesammt, allewege, alleweil und allezeit, die dadurch zum Begriffe der Allgemeinheit erhöhet werden. Man hat zwar in den neuern Zeiten auch Zusammensetzungen mit dem Dativo Plur. allen versucht, wohin die Allengefallenheit des Logau gehöret; allein auch diese sind wider die Analogie, weil der erste Theil einer Zusammensetzung nach der Regel seine Biegungszeichen verlieren muß. Es müßte eigentlich Allgefallenheit heißen, welches aber, wenn es auch erlaubt wäre, einen andern Begriff geben würde. Desto häufiger kommt,(c) Der Genit. Plural. aller vor, der sich so wohl zu einigen Substantiven gesellet, die dadurch das Ansehen der Adverbien und Adjectiven bekommen, wie in allerdings, allermaßen, allerseits und allerwegen, ingleichen in allerhand und allerley, als auch, und zwar am häufigsten, zu den Superlativis, deren Bedeutung dadurch verstärket werden soll. Der allerglücklichste Mensch. In dem allerhärtesten Winter. Er war der allerletzte. Der allerbeste Wein. Wer am allerwenigsten hat, muß oft am allermeisten geben. So auch in den aus solchen Adjectiven gemachten Nebenwörtern, allererst, allernächst, allermeist. Da die Superlativi bereits das höchste in ihrer Art andeuten, so hilft dieser so genannte Nachdruck eigentlich zu weiter nichts, als daß durch die Verlängerung des Wortes die Aufmerksamkeit des Zuhörers sich desto länger dabey verweilet. Es kommen daher diese verlängerten Superlativi, die sich gleichfalls aus der weitschweifigen Alemannischen Mundart herschreiben, in der gemeinen und gesellschaftlichen Sprache am häufigsten, in der ernsthaften und höhern Schreibart aber seltener vor. Im gemeinen Leben gehet man mit diesem verstärkenden Zusatze so weit, daß man ihn zuweilen auch solchen Wörtern anhängt, deren Bedeutung schlechterdings keine weitere Erhöhung leidet. Dahin gehöret unter andern das so gemeine, ein allereinzig Mahl, welches der komische Dichter in folgender Stelle sehr gut angebracht hat: Ein allereinzig Mahl in seinem ganzen Leben Hat er dieß Tuch gewebt, Zach. Daß dieses aller wirklich der Genitivus Pluralis ist, erhellet aus der Art, wie die Alten die damit zusammen gesetzten Wörter geschrieben, zumahl wenn man bedenkt, daß der Genitiv bey ihnen, so wie bey den alten Griechen, weit häufiger gebraucht wurde, als bey uns. Allerhandelüte, und allerleige, für allerhand Leute und allerley, kommen im Schwabenspiegel und bey den Schwäbischen Dichtern mehrmahls vor, und wenn Willeram das aller beste Gold nennen will, so drückt er es durch aller golde bezzesto aus. Indessen kommen doch auch die zusammen gezogenen Formen, alleromeist, allervortheroston u. a. m. bey dem Kere und spätern Schriftstellern vor. Diese ganze Form ist freylich noch eine Ausnahme von der Regel, nach welcher in Zusammensetzungen der erste Theil seine Biegungszeichen verlieret; abereine Ausnahme, welche der allgemeine Gebrauch bereits so geheiliget hat, daß der Sprachlehrer dabey die Hand gerne auf den Mund leget und schweiget.4. All, Goth. all, alls, bey den Alemannen, el und all, Angels. eal, Engl. all, whole, Dän. al, ald, Isl. all, Wallis. und Irländ. oll, ist ein altes Wort, welches sich nicht nur in die ersten Zeiten der Nordischen Mundarten verlieret, sondern auch mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - genau überein kommt. In den mittlern Zeiten wurde es in Oberdeutschland ellew und elliu geschrieben, und noch jetzt sprechen die Schwaben es älle aus. Ehedem hatte es von ganz, auch die figürliche Bedeutung gesund. Die heutigen Mundarten haben es aber getheilt. All bedeutet bey den Holländern und Niedersachsen omnis, hel und heel aber ganz, und figürlich gesund. Hel kommt bey den Schwaben, und helen bey den Schweden in eben dieser Bedeutung vor. S. Heil.


Allarm (W3) [Adelung]


Der Allarm ; S. Alarm.


Allbereits (W3) [Adelung]


Allbereits, ein Umstandswort der vergangenen Zeit, für bereits, schon. Es ist allbereits geschehen. Es ist nichts, das ich nicht allbereits an ihn gewendet hätte. Dieses ohne Noth verlängerte Wort ist in dem Kanzelley-Style am üblichsten. Im Hochdeutschen gebraucht man lieber das kürzere bereits, zumahl da es eben das sagt. Die Oberdeutschen Mundarten verbeißen das s, ob sie es gleich in bereits deutlich hören lassen, albereit. Die Niederdeutschen und Nordischen Mundarten lassen das be weg; Nieders. alreeds, Holl. alreede, Engl. already, Dän. allerede, Schwed. allaredan, allaredo. S. Bereits.


Allda (W3) [Adelung]


Allda, ein bezeichnendes Umstandswort des Ortes, für da, daselbst. Er besuchte seine Freunde, die er allda hatte. Ich will dich allda suchen und sprechen. Dieses Wort wird am besten da gebraucht, wenn das kürzere da bey einem auf demselben gelegten Nachdrucke zu wenig Umfang hat; besonders wenn sich eine Periode mit da schließen sollte, da denn allda dem Ausdrucke mehr Ründe und Stärke gibt als jenes. Vielleicht erwarten dich Verläumdung und Undank am Ende deiner Laufbahn, aber die Ehre ist auch allda. In andern Fällen gebraucht man dafür lieber daselbst. Al thar kommt schon bey dem Ottfried vor.


Alldieweil (W3) [Adelung]


* Alldieweil, eine Causal-Conjunction für dieweil, oder weil. Alldieweil nun das nicht geschehen kann, so u. s. f. Diese völlig Alemannische Partikel stehet nur noch in der Kanzelley- und Gerichtssprache in einigem Ansehen, wo man sie wohl noch gar mit einem demnach zu verlängern pflegt, demnach und alldieweil. Bey dem Strycker, bey den Schwäbischen Dichtern und im Schwabenspiegel bedeutet alle dieuuile, und alle di weile, so lange als, und in dem Gedichte auf den Erzbischof Anno bey dem Schilter kommt al di wili für damahls vor. S. Dieweil.


Alldort (W3) [Adelung]


* Alldort, oder alldorten, ein Umstandswort des Ortes, für dort, welches nebst dem davon gemachten Adjective alldortig, gleichfalls in Oberdeutschland zu Hause ist.


Allee (W3) [Adelung]


Die Allee, plur. die -n, nach dem Französischen Allee, in den Gärten, ein zu beyden Seiten mit Bäumen besetzter Gang, ein Schattengang, und wenn er überwölbet ist, ein Bogengang. Den Übelstand drey auf einander folgenden e zu vermeiden, läßt man im Plural das eine e weg, und spricht das Wort dennoch dreysylbig aus, Alleen, für Alleeen.


Allegorie (W3) [Adelung]


Die Allegorie, (viersylbig,) plur. die -n, (fünfsylbig,) aus dem Griech. und Lat. Allegoria, die anschauliche Darstellung einer allgemeinen Wahrheit unter einem sinnlichen Bilde; zum Unterschiede von der Metapher, welche bloß einen einzelnen Begriff unter einem sinnlichen Bilde darstellet. Die Allegorie ist eine fortgesetzte oder ausgeführte Metapher. Daher allegorisch, eine Allegorie enthaltend, darin gegründet, und oft in weiterm Verstande, bildlich, figürlich überhaupt. Der allegorische Styl.


Allein (W3) [Adelung]


Allein, eine Partikel, welche in gedoppelter Gestalt üblich ist.I. Als ein Umstandswort, eine Sache mit Ausschließung aller andern zu bezeichnen. Besonders,1. Eine Sache mit Ausschließung aller andern anzudeuten, oder etwas mit Ausschließung aller andern Dinge von derselben zu behaupten. Den Wein allein trinken, ihn ohne Vermischung mit Wasser trinken. Nur allein Wein trinken, nichts als Wein trinken. Du sollst deinem Gott allein dienen, keinem andern als Gott. Ihm allein, (keinem andern als ihm) gebühret diese Ehre. Dieser allein hat sie alle übertroffen. Vielleicht ist es auch die Katze allein, die sie durch ihre Andacht erbauet, Gell. Ingleichen, mit einigen Zusätzen zur Verstärkung der Bedeutung. Ich war ganz und allein von dem Gefühle eingenommen. Er lebt einzig und allein für andere.Man siehet hieraus, daß allein, wie manche andere Umstandswörter, auch bey Nennwörtern stehen könne. Die Ursache davon wird in der

Anm. gezeiget werden. Es stehet alsdann hinter dem Nennworte, außer wenn eine Präposition darauf folgt, oder nur vorher geht, da es auch vor demselben stehen kann. Allein von dir hoffe ich Trost. Nur allein du hilfst mir, Herr! Uns spricht der Scheinfreund, so wie du, Allein bey guten Tagen zu, Haged. Allein steht hier für nur. Doch kann es dessen Stelle nicht überall vertreten, besonders wenn eine Zweydeutigkeit mit der folgenden Bedeutung zu besorgen ist. Z. B. ich habe nicht geschlafen, ich habe allein geschlummert. Diese Zweydeutigkeit wird in den meisten Fällen vorhanden seyn, wenn allein in dieser Bedeutung den Verbis zugesellet wird.2. In engerer Bedeutung, die Anwesenheit oder Gesellschaft anderer auszuschließen, in welcher Bedeutung es bloß zu den Verbis gehöret. Allein wohnen, schlafen, essen. Lassen sie mich allein. Erlauben sie mir, daß ich sie allein lasse. Ich will dich mit ihm allein lassen. Er ist niemahls gern allein. Kein Unglück kommt allein. Fürchten sie sich denn, mit einer Mannsperson allein zu seyn? Gell. Einsam wirst du dich dünken, und öde werden die Tage seyn, die du allein leben mußt. Dusch. Um des Nachdruckes willen, werden dieser Partikel zuweilen noch einige Zusätze beygefüget. Dahin gehöret besonders das ganz allein, und in der Kernsprache des großen Haufens das Mutter Seel allein.Wenn es am Ende des Satzes stehet, so pflegen viele, aber unnöthiger Weise, ein e daran zu hängen. Er wich in die Wüsten alleine. Lassen sie uns doch nicht alleine.3. In noch engerer Bedeutung, die Beyhülfe anderer auszuschließen. Das Kind kann noch nicht allein gehen. Ich bin der Sache allein nicht gewachsen. Das haben wir ganz allein gemacht. Er spricht ja ganz allein, Gell.

Anm. 1. Ohne allein, für außer, ist im Hochdeutschen veraltet. Sy waren all mit Freud beladen On allein der valsch Neydelhart, Theuerd. Kap. 85. In den neuern Zeiten hat man verschiedene Composita mit dieser Partikel versucht; z. B. Alleinkauf, Alleinhandel, für Monopolium, Alleingespräch, besser Selbstgespräch, Alleinherr und Alleinherrschaft, für Monarch und Monarchie, welche aber wenig Liebhaber gefunden haben, weil die Partikeln zu neuen Zusammensetzungen am unschicklichsten sind.

Anm. 2. Für allein war in allen obigen Bedeutungen anfänglich das Zahlwort ein üblich, welches denn seine ordentliche Abänderung behielt, und der damahligen Gewohnheit zu Folge, den Substantiven und Pronominibus auch nachgesetzet wurde. Ih eine, ich allein, Notker. Si einu, sie allein, ebend. Imo ei-nemo,ihm allein, Tatian. In themo einen brote ni libet ther man, der Mensch lebet nicht von dem Brote allein, ebend. Du ritest hinnen und last mich einen,du reitest von hinnen und lässest mich allein, Ditmar von Ast, unter den Schwäbischen Dichtern. Ich vant si verborgen Eine und ir wengel von trehen nas, ich fand sie verborgen und allein, und ihre Wange von Thränen naß, Heinrich von Moringen. Und daher kommt es auch, daß allein noch heut zu Tage zu Nennwörtern gesetzt wird, ob es gleich nunmehr seine Declination verloren hat. Mit dem verstärkenden Zusatze all, alaine, kommt es zuerst bey dem Strycker vor. Bey noch spätern Oberdeutschen Schriftstellern, z. B. dem Hornegk, findet man dafür auch altersain, altersalain, alterayns.II. Als eine Conjunction, welche1. In allen Stücken mit dem aber überein kommt und daher, so wie dieses, so wohl im Nachsatze, als im Vordersatze, stehen kann, nur daß es seinen Platz allemahl zu Anfang der Rede bekommt, und nicht wie das aber, einem oder mehrern Wörtern nachgesetzt werden kann. Im Nachsatze bezeichnet es theils einen Gegensatz, er wollte gern, allein er kann nicht; theils eine Ersetzung und Einschränkung des Vordersatzes, durch alle mögliche Schattirungen. Z. B. Er ist ein rechtschaffener Mann; allein es hilft ihm nichts. Sie sind zwar etwas weitläufig; allein sie sollen ohne Einwurf Recht haben, Gell. Ich wußte wohl, daß sie es nicht waren; allein ich wollte mir meinen Antrag durch eine verstellte Ungewißheit leichter machen, ebend. Wie spielt die schöne Blase nicht So bunt am goldnen Sonnenlicht? Allein, ein Hauch! Weg ist die Pracht, Und ihrer wird nicht mehr gedacht, Weiße. Im Vordersatze kann allein gleichfalls den Übergang von einer Sache zur andern machen, wenn gleich kein begreiflicher Zusammenhang zwischen beyden vorhanden ist; indeß ist doch in diesem Falle das aber gebräuchlicher.Da sich wohl nicht leicht ein Fall finden wird, in welchem man nicht diese beyden Bindewörter ohne Nachtheil des Verstandes oder des Wohlklanges mit einander vertauschen könnte; so kann alles, was oben bey aber angemerket worden, auch auf dieses angewandt werden.2. Nicht allein, - sondern auch, gehöret unter die verbindenden Redensarten. S. Nicht.

Anm. Für nicht allein - sondern auch, findet sich zwar schon bey dem Notker, nit ein - nub ouh; aber als ein eigentliches Bindewort betrachtet, scheinet allein doch neuern Ursprunges zu seyn; wenigstens ist es mir bey den ältern Fränkischen und Alemannischen Schriftstellern in dieser Gestalt nicht vorgekommen.


Alleinhandel (W3) [Adelung]


Der Alleinhandel, S. das vorige.


Alleinig (W3) [Adelung]


Alleinig, adj. et adv. von dem vorigen Umstandsworte. 1. + Für allein, in der ersten Bedeutung, so fern dieser Begriff concrescirt, folglich als ein Adjectiv gedacht wird. Drey alleinige Höfe, drey Höfe allein. Diese Verordnung verbietet die Einfuhre aller fremden Waaren mit alleiniger Ausnahme der Böhmischen. In dieser Bedeutung ist das Wort nur in Oberdeutschland gebräuchlich.2. Was nur Eins in seinem Wesen ist, in welcher Bedeutung dieses Wort von einigen Neuern von Gott gebraucht wird, die höchste Einheit seines Wesens auszudrucken. Der alleinige Gott.


Alleluja (W3) [Adelung]


Alleluja, S. Halleluja.


Allemahl (W3) [Adelung]


Allemahl, ein Umstandswort der Zeit. Es bedeutet:1. Eigentlich, zu allen Mahlen, in allen vorkommenden und nöthigen Fällen. Ich erschrecke allemahl, wenn ich sehe u. s. f. Die Hände der Vorsehung theilen allemahl weise aus, Gell. Ich habe sie wohl zehen Mahl gefragt, und allemahl hat sie ja geantwortet, ebend. Das Amt macht wohl satt, aber ich weiß nicht, ob es auch allemahl klug macht, ebend. Ich verbiethe dir es ein- für allemahl, ein Mahl, an Statt alle Mahl. Ein- für allemahl du sollst nicht so sprechen. Allemahl über den andern Tag, so oft der zweyte Tag kommt. Sie soll allemahl über den andern Tag an sie schreiben, Gell.2. Uneigentlich dienet es Statt einer Versicherung, oder zur Verstärkung einer andern versichernden Partikel. Und dennoch ist er allemahl weit erträglicher, als jener. Er wird doch allemahl mehr schaden als nutzen. Zween (zwey) unter uns können allemahl Verstand entbehren, wenn der dritte zugleich in unserm Nahmen verständig ist, Raben. Ein Buch früh bey dem Thee ist allemahl eine gute Sache, Gell.

Anm. Allemahl für so oft, z. B. allemahl, wenn er nach Hause kommt, so ist er voll; allemahl, daß ich hingehe, für, so oft ich hingehe; allemahl, wenn ich ein Geheimniß ausforschen will, ist mir, als wenn ich auf bösen Wegen ginge, Hermes, ist Oberdeutsch. Allemahl und allezeit können in den meisten Fällen für einander gesetzt werden, denn dieses schließt gleichfalls alle vorkommende Zeiten und Gelegenheiten in sich. Alle stehet in dieser Zusammensetzung für jedes, in allezeit aber druckt es auch die Allgemeinheit aus. Billig sollte man dieses Wort in der ersten eigentlichen Bedeutung getheilt schreiben, alle Mahl, weil es wider die Analogie der Deutschen Sprache ist, das Bestimmungswort, wenn es decliniret wird, mit seinem Substantive zusammen zu ziehen, hier auch keine eigentliche Figur, wie in der zweyten Bedeutung, Statt findet. S. Mahl.


Allenfalls (W3) [Adelung]


Allenfalls, ein Umstandswort für auf allen Fall, vielleicht, und zwar am häufigsten in der Gesellschaft des Nebenwortes wenn. Wenn ich ihn allenfalls nicht wieder sehen sollte. Allenfalls ich ihn nicht wieder sehen sollte, mit Auslassung des wenn ist niedrig. In diesem Worte kann die elliptische Form, allenfalls für auf allen Fall, die Zusammenziehung entschuldigen, welche bey der Declinative des all sonst gleichfalls wider die Analogie seyn würde.


Allenthalben (W3) [Adelung]


Allenthalben, ein Umstandswort des Ortes, an allen Orten, auf allen Seiten. Der Bösewicht ist niemahls frey; er hat allenthalben Gesetze über sich, die er fürchten muß, Dusch.

Anm. Dieses Wort ist aus all und Halbe, die Seite, zusammen gesetzet. S. Halbe. Allen halbon, in allen ala halba, in ala halba, an allen haluen, allen halbon, kommen bey dem Ottfried, Willeram und Notker vor. In den spätern Zeiten zog man beyde Wörter vermittelst des t euphonici zusammen, und so findet sich in dem Gedichte auf den h. Anno und im Schwabenspiegel schon allinthalbin und allenthalben. Sonst findet man in den vorigen Zeiten in eben dieser Bedeutung auch allend, allent, von Ende, gleichsam an allen Enden. Die Allenthalbenheit einiger Gottesgelehrten ist eben so barbarisch als das Lateinische Ubiquietas, welches dadurch ausgedruckt werden soll.


Aller (W3) [Adelung]


Aller, S. oben All.


Allerchristlichst (W3) [Adelung]


Allerchristlichst, adject. welches eine Übersetzung des Titels der Könige von Frankreich Christianissimus ist, den schon Clodewig erhalten, Papst Paul der zweyte aber in der zweyten Hälfte des funfzehnten Jahrhundertes erneuert haben soll. Der Allerchristlichste König. Se. Allerchristlichste Majestät. S. du Fresne v. Christiauitas.


Allerdings (W3) [Adelung]


Allerdings, ein Umstandswort. 1. Für ganz oder gänzlich. Sieist nicht allerdings unschuldig. Die Stadt wurde allerdings in die Asche gelegt. Er hat mich allerdings (völlig) bezahlt. Diese Bedeutung ist im Hochdeutschen wenig mehr üblich, ob sie gleich einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt.2. Eine bejahende Partikel, für in jeder Betrachtung, freylich, vollkommen. Sie hat allerdings Ursache, mir meine Zerstreuung vorzuwerfen. Allerdings muß diese dabey seyn.

Anm. Dieses Umstandswort ist eines von den vielen, welche aus dem Substantive Ding gebildet worden. In Oberdeutschland lautet es auch allerding und allerdinge, mit Weglassung des s, welches einer der Ableitungslaute für Adverbia ist; und bey den Schwäbischen Dichtern kommt aller dinge mehrmahls als eine Versicherung vor. Alls tinges bedeutet auch im Schwedischen gänzlich.


Allerdurchlauchtigst (W3) [Adelung]


Allerdurchlauchtigst, adject. welches einer von den Titeln ist, welche heut zu Tage nur Kaisern und Königen in der Anrede gegeben werden, ob er gleich eine ungeschickte Übersetzung des Lateinischen Illustrissimus ist. Allerdurchlauchtigster König. S. Durchlauchtig.


Allererst (W3) [Adelung]


+ Allererst, ein Umstandswort der Zeit, welches nur im gemeinen Leben üblich ist, für erst. Jetzt allererst. Er ist allererst jetzt, oder jetzt allererst gekommen. Ich werde ihn allererst morgen sehen. S. Erst.

Anm. Die verstärkte Ordnungszahl der allererste, bedeutet nichts mehr als der erste. Indessen ist doch die im gemeinen Leben übliche R. A. zu merken: mit dem allerersten, auf das eheste, mit dem ehesten. Do aller erest kommt schon bey dem Willeram, und alrest, aldrest bey dem Stryker und in den Gedichten der Schwäbischen Dichter vor.


Allergetreuest (W3) [Adelung]


Allergetreuest, adject. durch welches gemeiniglich der Titel Fidelissimus übersetzt wird, welchen König Johann der Fünfte von Portugall im Jahre 1748 von Benedict dem Vierzehenten erhielt. Die Zweydeutigkeit des Lateinischen Ausdruckes macht es noch ungewiß, ob allergetreuest oder allergläubigst die wahre Übersetzung dieses Titels ist; denn in der Urkunde selbst kommt nichts vor, was diese Frage mit Gewißheit entscheiden könnte.


Allergläubigst (W3) [Adelung]


Allergläubigst, adject. S. das vorige.


Allerhand (W3) [Adelung]


Allerhand, ein Adjectiv, welches im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart am üblichsten, völlig unbiegsam ist, und dabey keinen Artikel leidet, von aller, d. i. mancherley Art, wie allerley. Allerhand Gutes. Allerhand Menschen. Ein Strauß von allerhand Blumen. Wenn ich argwöhnisch wäre, so könnte ich mir allerhand Gedanken machen, Gell. allerley arge Gedanken.

Anm. Hand scheinet hier das veraltete Chund ober Kund, Geschlecht zu seyn, S. Hand. Allerhande clag, allerhande lüte, finden sich schon in dem Schwabenspiegel. Auf gleiche Art sagte man auch ehedem in Oberdeutschland, mancher hande, für mancherley, zweyerhand, dreyerhand, u. s. f. für zweyerley, dreyerley.


Allerheiligen (W3) [Adelung]


Allerheiligen, der Nahme eines Festes, in der Römischen Kirche, welches den ersten November gefeiert wird, und bey welchem das Wort Fest verstanden werden muß. Auf Allerheiligen will ich zu dir kommen, am Feste aller Heiligen. Papst Bonifacius der Vierte soll dieses Fest angeordnet haben, um dasjenige an demselben wieder zu ersetzen und gut zu machen, was an dem Feste eines jeden einzelnen Heiligen das Jahr über aus Unwissenheit etwa versehen worden. Der Form nach ist das Wort grammatisch unrichtig, weil das Adjectiv mit seinem Substantive nicht zusammen gezogen werden kann, ohne vorher seine Biegungszeichen zu verlieren. Man sollte daher billig getheilt schreiben, aller Heiligen, oder vollständiger, das Fest aller Heiligen, so wie man aller Seelen, am Feste aller Seelen schreibt. Das folgende ist noch unrichtiger zusammen gezogen.


Allerheiligenholz (W3) [Adelung]


Das Allerheiligenholz, des -es, plur. inus. eine Art Brasilien- oder Campecheholzes, welches von der Allerheiligen-Bay in Amerika, in welcher es eingeschiffet wird, den Nahmen hat, und sonst auch Lamoner-Holz genannt wird.


Allerheiligst (W3) [Adelung]


Allerheiligst, adject. ein Titel, der dem Papste von den Gliedern der Römischen Kirche gegeben wird. Der allerheiligste Vater. Das Allerheiligste, des -n, plur. car. war hingegen der Nahme desjenigen abgesonderten Ortes in der Stiftshütte und dem Tempel der Juden, in welchem sich die Bundeslade befand, und welchen niemand als der hohe Priester, und auch dieser des Jahres nur Ein Mahl betreten durfte.


Allerhöchst (W3) [Adelung]


Allerhöchst, adj. et adv. welches der verlängerte Superlativus von hoch ist, und 1) von Gott gebraucht wird, dessen unendliche Erhabenheit über alle Geschöpfe auszudrucken. Der allerhöchste Gott. Ingleichen, als ein Substantiv: der Allerhöchste wolle sie begleiten. 2) In der Hofsprache der Kanzelleyen wird dieses Wort häufig von königlichen und kaiserlichen Personen gebraucht. Se. Majestät haben die allerhöchste Entschließung gefasset. Besonders zur Verlängerung des Fürwortes derselbe. Allerhöchstdieselben geruhen, sich in Unterthänigkeit vortragen zu lassen, u. s. f. Kaiserliche Majestät wollen hiermit ohnverhalten, wie Allerhöchstdenenselben hinterbracht worden. Der Hofstyl wird nun wohl von dergleichen Barbarismen nicht zu reinigen seyn, wenn gleich die Sprachlehrer es noch so oft wiederhohlen, daß die Pronomina keiner Comparation fähig sind. In den Kanzelleyen wird dieses Allerhöchst in noch mehrern eben so widersinnigen Zusammensetzungen angebracht, und man würde daselbst einen verstorbenen Monarchen zu entehren glauben, wenn man ihn nicht den Allerhöchstseligen nennete. S. auch Höchst in Hoch.


Allerley (W3) [Adelung]


Allerley, ein Adjectiv, welches so wie das gleich bedeutende allerhand keiner Biegung fähig ist, und auch keinen Artikel vor sich leidet, von aller, d. i. sehr vieler, Art. Allerley Volk. Allerley Leute. Auf allerley Art. Es wird auch zuweilen als ein Substantiv gebraucht, das Allerley, plur. die Allerley, welches gleichfalls unabänderlich, und eine etwas anständigere Benennung des niedrigern Wortes Mischmasch ist. Es wird alsdann so wohl von Schriften gebraucht, welche mehrere verschiedene Gegenstände enthalten, das Schlesische Allerley, das Leipziger Allerley, als auch in den Küchen, von einem Gerichte, in welchem der sinnreiche Witz des Koches vielerley oft sehr widrige Ingredienzien mit einander zu verbinden weiß, und welches man mit einem Französischen Nahmen auch wohl eine Potage nennet. Ein Allerley. Ein junges Huhn mit Allerley. Kalbfleisch, Fische mit Allerley. Ein Allerleyessen.

Anm. Die ältesten Deutschen Schriftsteller gebrauchen für allerley, allerslachto. Erst bey den Schwäbischen Dichtern kommt aller leige vor. S. Ley.


Allerleygewürz (W3) [Adelung]


Das Allerleygewürz, des -es, plur. inusit. ein Gewürz, welches für Körner des Amomum oder Cardemomum ausgegeben wird; aber vermuthlich die unreif abgenommene und getrocknete Frucht des Pimenta-Baumes, Myrtus Pimenta, L. ist. Es wird auch neue Würze, Jamaika-Pfeffer und Wunderpfeffer genannt, weil es einen gewürzhaften Geschmack von mehrern Gewürzen zugleich, besonders von Pfeffer, Nelken und Zimmet hat.


Allerliebst (W3) [Adelung]


Allerliebst, adj. et adv. von dem Beyworte lieb. 1) Im höchsten Grade geliebt. Allerliebster Freund. Allerliebstes Kind. Mein Allerliebster. + Am allerliebsten, für am liebsten, Was ist es für ein Thier, du Held von seltnen Gaben, Das wir gemeiniglich am allerliebsten haben? Can. ist wider den Gebrauch, so wie alle übrige mit aller verlängerte Superlativi, wenn sie mit am und auf das, als Adverbia gebraucht werden. 2) Der höchsten Liebe werth, und nach einer gewöhnlichen Vergrößerung im gesellschaftlichen Leben, so viel als sehr liebenswürdig, sehr artig. Ein allerliebstes Mädchen. Ach, das ist allerliebst! Sie hat mein Gärtchen allerliebst angelegt, Gell.


Allermannsharnisch (W3) [Adelung]


+ Der Allermannsharnisch, des -es, plur. car. im gemeinen Leben, der Nahme einer Pflanze, welche zu den Laucharten gehöret; Allium Victorialis, L. Die Zwiebel dieser Pflanze ist wie mit einem Harnische bekleidet, und weil sie, einem sehr alten Aberglauben zu Folge, fest machen, und vor dem Teufel bewahren soll, so hat sie daher nicht nur den oben gedachten, den Regeln der Zusammensetzung nach sehr barbarischen, Nahmen, sondern auch die Nahmen Heilwurz, Hülfwurz, Siegwurz und Siegmarswurz erhalten. An einigen Orten, z. B. in Thüringen, wird auch die rothe Schwertlilie, oder runde Siegwurz, Gladiolus communis, L. Allermannsharnisch genannt.


Allermaßen (W3) [Adelung]


* Allermaßen, eine Oberdeutsche Partikel, welche sich auch in einige Niederdeutsche Kanzelleyen eingeschlichen hat. Sie ist 1. ein Adverbium, und bedeutet alsdann, (a) auf alle Art und Weise. In allermaßen, wie es unsere Vorfahren besessen und genossen haben. Aber, da sollte es billig wie zwey Wörter aller Maßen geschrieben werden. (b) Ganz, völlig. Dieß Wasser ist den Augen nicht allermaßen dienlich, Opitz. Uns war nicht allermaßen wohl bey der Sache, ebend. 2. Eine Conjunction, für weil. Er kann nicht kommen, allermaßen er krank ist. In beyden Gestalten ist diese Partikel den reinen Hochdeutschen Schreib- und Sprecharten unbekannt.


Allermeist (W3) [Adelung]


* Allermeist, der verlängerte Superlativ von mehr, der hier nur wegen der besondern adverbischen Bedeutung angeführet wird, da er auch für hauptsächlich, besonders gebraucht wird. Allermeist weil du weist alle Sitten, Apost. Gesch. 26, 3. Allermeist aber bey euch, 2. Cor. 1, 12. Im Hochdeutschen ist diese Partikel längst veraltet, und sie scheinet auch bey den Oberdeutschen wenig mehr üblich zu seyn. Indessen ist sie doch alt; denn allerumeist, kommt in eben derselben Bedeutung schon bey dem Kero, und alleromeist bey dem Ottfried vor.


Allernächst (W3) [Adelung]


+ Allernächst, ein Adverbium des Ortes und zuweilen auch der Zeit, welches aber nur im gemeinen Leben, besonders in Oberdeutschland üblich ist. Er wohnet allernächst bey mir, nahe bey mir an. Frankreich grenzet allernächst an Spanien, zunächst, unmittelbar. Ich habe es allernächst gehöret, den Augenblick. Der Brief, den ich allernächst von dir erhalten habe.


Allerseits (W3) [Adelung]


Allerseits, ein Umstandswort, 1) * des Ortes, für auf allen Seiten, allenthalben. Der Sack war allerseits mit Kräutern ausgeziert, Opitz. Der Weg nach Sion hin liegt allerseits verwüstet, ebend. Der Busch, so allerseits den ganzen Ort umringt, ebend. Bey eben demselben kommt es auch getrennt, in seiner ersten Gestalt vor. Ein steter Gegenwind bekriegt des Lebens Meer, Das aller Seiten wird geworfen hin und her. Allein in dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen unbekannt, wo es 2) nur noch zuweilen für insgesammt gebraucht wird. Welche allerseits Kinder eines Vaters waren, Raben. Die Absicht unserer Zusammenkunft ist ihnen allerseits bekannt, Gell. Besonders wird es noch in den Anreden eines Redners an seine Zuhörer gebraucht. Allerseits hochgeehrte Anwesende. Das davon abgeleitete Adjectiv allerseitig, ihre allerseitige Frömmigkeit, ist wider die neuere Analogie, und daher im Hochdeutschen unrein und unedel.


Allerunterthänigst (W3) [Adelung]


Allerunterthänigst, adj. et adv. welches nur im Curial-Style gegen Kaiser und Könige gebraucht wird. Allerunterthänigst bitten. Ew. Majestät allerunterthänigster Knecht.


Allerwärts (W3) [Adelung]


+ Allerwärts, ein Umstandswort des Ortes, an allen Orten, welches nur im gemeinen Leben für allenthalben üblich ist.


Allerwegen (W3) [Adelung]


Allerwegen, S. Allewege.


Allesammt (W3) [Adelung]


Allesammt, ein Umstandswort, für sämmtlich, insgesammt. Wir grüßen euch allesammt. Wir wollen seines Nahmens Zier Erhöhen allesammt, Opitz. Wir irren allesammt, nur jeder irret anders, Hall.

Anm. Dieses Wort, welches im Hochdeutschen zu veralten anfängt, ist von dem alten sammen, Goth. saman, S. Sammt und Sammeln. Bey dem Ottfried lautet es alsamant, bey dem Stryker allesant und allesammt, und im Theuerdank, allsandt.


Allewege (W3) [Adelung]


Allewege, ein im Hochdeutschen veraltetes Umstandswort, welches noch hin und wieder in den Kanzelleyen vorkommt, in Oberdeutschland aber noch völlig üblich ist. 1) Für allenthalben. - Ich ways ein gepyrg ist mar (mürbe,) Und die stein brechen allweg gar, Theuerd. Kap. 69. Hierher gehöret auch das Niedersächsische allerwegen, welches auch wohl einige Hochdeutsche für allenthalben gebrauchen. 2) Für allezeit, beständig. Jedoch der Held allwegen entrann, Theuerd. Kap. 26.- Das ihm all sein anschleg Wolten felen in alle weg, Theuerd. Kap. 63. In deines Weibes Almanach steht Stilpo allewegeTrüb, Ungestüm, Platzregen, Sturm, Wind, Hagel, Donnerschläge, Logau. 3) Für völlig, gänzlich, auf alle Art und Weise. Welches uns in alleweg empfindlich gewesen. Daß jedermann mit guter Waare in allweg sich bedient finden wird. 4) Für eben jetzt. Er hat es alleweg empfangen.

Anm. Ottfried gebraucht allafart für allenthalben, welches mit allerwegen einerley ist. Indessen sagten schon die Angelsachsen eallewaege für allezeit, wovon auch das Engl. always abstammet. In einer Oberdeutschen Urkunde von 1440 steht albeg für allezeit.


Alleweile (W3) [Adelung]


+ Alleweile, ein Oberdeutsches Umstandswort der Zeit, welches im Hochdeutschen nur noch in den gemeinen Sprecharten üblich ist, für eben jetzt. Ich habe alleweile mit ihm gesprochen. Alleweile kommt er gegangen. Willeram gebraucht allewila für allezeit, beständig.


Allezeit (W3) [Adelung]


Allezeit, ein Umstandswort der Zeit. 1) Zu allen Zeiten, so wohl in dem schärfsten logischen Verstande, eine ununterbrochene Fortdauer anzudeuten, für beständig oder das niedrige immer; als auch in eingeschränkter Bedeutung, zu allen vorkommenden Zeiten und Gelegenheiten, wie jederzeit. Allezeit fröhlich seyn. Man muß allezeit tugendhaft seyn. Es ist allezeit gut arbeiten. Niemand ist allezeit aufgeräumt. In ihrer Gesellschaft wird er mir allezeit gut schmecken, Gell. Er kann so treuherzigmit mir thun, daß mirs allezeit warm ums Herz wird, Weiße. 2) Dienet dieses Wort, so wie allemahl, auch zuweilen zu einer Versicherung, wird aber über dieser Beschäftigung oft zu einem bloßen Füllworte, der Rede etwas mehr Ausdehnung zu geben. Sie werden allezeit denken, ich erzählete ihnen eine Fabel, Gell. S. auch Allemahl, ingleichen Beständig.

Anm. Nieders. altied, Dän. altid. Das Hochdeutsche Allezeit, hat den Ton bald auf der ersten, bald aber auch auf der letzten Sylbe, so wie es der Nachdruck der Rede erfordert. Allezeit findet sich erst bey den Schwäbischen Dichtern.


Allgegenwart (W3) [Adelung]


Die Allgegenwart, plur. car. das Vermögen, auf die vollkommenste Art gegenwärtig zu seyn, ein Vermögen, welches nur allein dem höchsten Wesen zukommen kann.


Allgegenwärtig (W3) [Adelung]


Allgegenwärtig, adj. et adv. auf die vollkommenste Art, folglich an allen Orten zugleich, gegenwärtig. Einige haben von diesem Beyworte ein neues Hauptwort Allgegenwärtigkeit versucht, welches nur dann seinen Nutzen hat, wenn man die Eigenschaft dieses vollkommensten Daseyns, als ein Abstractum von der Allgegenwart, als dem Daseyn selbst zu unterscheiden hat. Für das Adverbium allgegenwärtig findet man in der Oberdeutschen Mundart auch allgegen und allzugegen.


Allgemein (W3) [Adelung]


Allgemein, adj. et adv. allen, oder doch den meisten einer Art gemein, ihnen zukommend. Eine allgemeine Krankheit. Ein allgemeines Übel. Die allgemeine christliche Kirche. Ein allgemeiner Befehl. Ein allgemeines Sprichwort. Dem allgemeinen Gebrauche nachgehen. Mit allgemeiner Bewilligung. Ein allgemeiner Begriff, der allen Dingen einer Art zukommt. Das ist nicht allgemein. Man muß nicht so allgemein urtheilen. Das Gespräch ward bald allgemein, alle anwesende Personen nahmen daran Theil; ingleichen es erstreckte sich über allgemeine Gegenstände.

Anm. Allgemein für überall, oder von jedermann, sie wurden allgemein bewundert, das ist allgemein bekannt, ist ganz wider die Bedeutung dieses Wortes; indessen kommt algemaine doch für einmüthig schon in dem Überreste eines Gedichtes von dem Kriege Carls des Großen, bey dem Schilter vor. Eben so fehlerhaft ist es im Hochdeutschen, wenn einige, besonders Niedersachsen, für gemein, d. i. niedrig, schlecht, allgemein gebrauchen; eine allgemeine Redensart. Allgemeinsam und allgemeinschaftlich für gemeinschaftlich, sind Oberdeutsch. Man muß den Superlativ allgemeinste mit dem durch aller verlängerten Superlativ von gemein, niedrig, allergemeinste, nicht verwechseln, weil beyde einen ganz verschiedenen Begriff haben. Die Angelsachsen und Niedersachsen gebrauchen Statt dieses verlängerten Wortes das einfache mäne, mene. S. das folgende.


Allgemeinheit (W3) [Adelung]


Die Allgemeinheit, plur. die -en. 1) Die Eigenschaft einer Sache, vermöge welcher sie allen, oder doch den meisten Dingen einer Art gemein ist; ohne Pural. Die Allgemeinheit eines Befehls, eines Gesetzes, eines Begriffes, u. s. f. 2) Eine Sache, welche allen gemein ist, oder ihnen zugehöret, besonders Grundstücke, die einer Gemeine gemeinschaftlich zustehen. Gemeinheiten, gemeine Wiesen, Triften, Wälder, u. s. f. In Oberdeutschland werden dergleichen gemeine Güter Almänden, Almeinden und Almenden genannt, daher es zu Strasburg noch Almende- herren, Almendeschreiber, Almendesteine, Grenzsteine der gemeinen Güter, Almendezins, u. s. f. gibt. Allmann bedeutet schon bey dem Ottfried Volk, eine Menge Menschen, und Notker gebraucht alman chunne für das menschliche Geschlecht. In Niedersachsen heißt ein solches gemeines Gut, Meenhet, Meente, und Mahnte, und im Dän. und Schwed. Allmänning.


Allgenugsam (W3) [Adelung]


Allgenugsam, adj. et adv. allen genug, ein Adjectiv, welches einige Neuere eingeführet, eine Eigenschaft des göttlichen Wesens auszudrucken, vermöge welcher es sich und allen Geschöpfen auf die vollkommenste Art genug oder hinlänglich ist. Daher die Allgenugsamkeit.


Allgewaltig (W3) [Adelung]


Allgewaltig, adj. et adv. mit der höchsten Gewalt bekleidet, ein Beywort, welches sich im schärfsten Verstande gleichfalls nur von Gott gebrauchen lässet. Ein Mißbrauch ist es, und eine sehr widerwärtige Übertreibung, wenn einige dieses Wort für gewaltig, heftig überhaupt gebrauchen. O, die Stille der Seele wie allgewaltig rettet sie in allen Gefahren! Allgewaltig wüthet der Schmerz in meiner Seele. Die Allgewaltigkeit für Allmacht, ist neu, aber auch nurichtig, weil das einfache Gewaltigkeit nicht gebräuchlich ist. Die Schweden haben allswaldig und die Isländer allwaldr in eben dieser Bedeutung. S. Allwaltend.


Allgut (W3) [Adelung]


Das Allgut, plur. inus. ein Nahme, der an einigen Orten derjenigen Pflanze gegeben wird, welche an andern guter Heinrich, Schmerbel, schmieriger Gänsefuß, und bey dem Linne Chenopodium bonus Henricus genannt wird. Den Nahmen Allgut, Engl. Allgood, hat sie theils wegen ihrer heilsamen Kräfte in der Arzneykunst, theils auch, weil ihre Blätter und Wurzeln eine gute Speise abgeben. S. Heinrich. Da derselbe mit gut, als der adverbischen Form des Adjectives zusammen gesetzet ist, so leidet er auch, wie alle übrige dieser Art, z. B. das Schwarz, das Weiß, das Grün u. s. f. keine Biegungszeichen. Genit. des Allgut, Dat. dem Allgut u. s. f.


Allgütig (W3) [Adelung]


Allgütig, adj. et adv. im höchsten Grade gütig, welches sich doch nur von Gott gebrauchen läßt. Außerdem ist höchst gütig schicklicher und üblicher.


Allhier (W3) [Adelung]


Allhier, ein Umstandswort des Ortes, für hier, an diesem Orte. All dienet hier bloß zur Verlängerung des Wortes, welche der Numerus der Rede zuweilen nothwendig macht, und welche andere Oberdeutsche durch ihr dahier zu bewerkstelligen suchen. Wer hat allhier der Vorgebürge Rücken Zu Tempeln und Pallästen ausgehöhlt? Raml. Allhiesig, das Beywort für hiesig ist mit dieser Verlängerung unnöthig, weil das einfache schon zweysylbig ist.


Allianz (W3) [Adelung]


Die Allianz, plur. die -en, eine ohne Noth aus dem Franz. Alliance entlehntes Wort, eine Verbindung, oder ein Bündniß, besonders unter freyen Staaten und deren Häuptern, auszudrucken. So auch für Allürter, Bundesgenoß, ein Bundesverwandter, in der Schweiz ein Verbündeter, ein Bündner.


Allmacht (W3) [Adelung]


Die Allmacht, plur. car. die höchste Macht, welche im schärfsten Verstande nur Gott zukommen kann. Es wird alsdann durch die vollkommenste Kraft erkläret, alles mögliche ohne Mühe zu bewirken. Die dichterische Schreibart der Neuern gebraucht dieses Wort zuweilen auch, nach einer freylich etwas starken Hyperbel, von einer jeden vorzüglichen Macht. Die Allmacht ihrer Reitze.


Allmächtig (W3) [Adelung]


Allmächtig, adj. et adv. mit Allmacht begabt. Der allmächtige Gott, und substantive, der Allmächtige. Einige neuere Dichter haben dieses Wort für sehr stark, sehr heftig einführen wollen. - Allmächtigs Mitleid faßt Die bebende Versammlung, Dusch.

Anm. Dieses Wort ist alt. Schon im achten Jahrhundert kannten die Franken das Wort almahtig. Bey den alten Scan-diern lautet es almakti, und bey den heutigen Dänen allmeckig und allmägtig. Die Alten machten hieraus ein neues Hauptwort, die Allmächtigkeit, welches in der goldenen Bulle für Majestät, und geletzte Allmächtigkeit, für beleidigte Majestät vorkommt. Jetzt verdienet es nur dann beybehalten zu werden, wenn man die Eigenschaft als ein Abstractum, von der Allmacht oder höchsten Macht selbst zu unterscheiden nöthig findet.


Allmählich (W3) [Adelung]


Allmählich, adv. mit einer sanften gelinden Bewegung, und figürlich, nach und nach, allgemach. Allmählich sah ich nun das Räthsel aufgeklärt, Weiße.

Anm. Die dieses Wort von Mahl herleiten wollen, werden ihre Ableitung nicht ohne großen Zwang beweisen können. Wachter fällt auf das Wendische maly, klein. Hätten nicht die künstlichsten Herleitungen immer die größten Reitze für ihn, so würde er bey dem bekannten gemach geblieben seyn. Für allgemach sagte man auch allgemächlich, und hieraus ist allmählich entstanden. Jeroschin schrieb, dem Frisch zu Folge, im 14ten Jahrhunderte noch allmächlich; aber im Theuerdank findet man schon gemelig, ohne Aspiration. Vermöge dieser Ableitung muß auch die letzte Sylbe ein ch bekommen, weil es die Ableitungssylbe lich ist. Das h in der Mitte muß gleichfalls beybehalten werden, um das Andenken der nächsten Abstammung zu erhalten. S. Gemach, Allgemach und Mählich.


Allodial (W3) [Adelung]


Allodial, adj. et adv. aus dem mittlern Lat. allodialis, in den Rechten, von niemand zu Lehen rührend, freyeigen; im Gegensatze des feudal, lehnbar, lehnspflichtig. Ein allodiales Gut. Ein Gut allodial machen. Am häufigsten ist es in Zusammensetzungen, von welchen folgende die vornehmsten sind.

Anm. Allod ist ein altes Deutsches Wort, welches aber mit der Zeit veraltet, und durch die Latein. Schriftsteller der mittlern Zeiten mit einer fremden Endung (Allodium) erst wieder zu uns gekommen ist. Od bedeutet das Eigenthum; nur die Sylbe all hat noch einige Dunkelheit, die durch alle Muthmaßungen und Träume der Wortforscher noch nicht aufgekläret worden. S. du Fresne Gloss. v. Alodis, und Ihre Gloss. v. Od. S. auch Kleinod.


Allodial-Erbe (W3) [Adelung]


Der Allodial-Erbe, des -n, plur. die -n, derjenige, welcher ein Allodial-Gut erbet, in Hessen und andern Gegenden der Landerbe, im Gegensatze des Lehenserben.


Allodial-Schuld (W3) [Adelung]


Die Allodial-Schuld, plur. die -en, eine Schuld, welche auf ein Allodial-Gut gemacht wird; zum Unterschiede von einer Lehensschuld.


Allsehend (W3) [Adelung]


Allsehend, adj. et adv. welches eigentlich das Participium des Zeitwortes sehen, mit dem Beyworte all ist, der auf das vollkommenste siehet; ein Wort, welches einige Neuere von Gott gangbar gemacht haben. Der Allsehende Gott. Das Allsehende Auge des Höchsten.


Alltägig (W3) [Adelung]


Alltägig, oder alltäglich, adj. et adv. 1) Eigentlich, was alle Tage kommt, oder geschiehet, für täglich, doch fast nur in der Benennung des alltägigen oder alltäglichen Fiebers. In Oberdeutschland hingegen wird dieses Wort fast in allen Fällen für täglich gebraucht. 2) In eingeschränkter Bedeutung, was den Wochentagen zukommt, oder gehöret, im Gegensatze des festtäglich. Ein alltägliches Kleid. 3) Figürlich, gewöhnlich, gemein, niedrig, im Gegensatze dessen, was selten, ausgesucht, vortrefflich ist. Ein alltäglicher Scherz. S. das folgende.

Anm. Beyde Formen dieses Wortes sind richtig. Alltägig, ist nach der Analogie von eintägig, zweytägig, u. s. f. und alltäglich nach täglich, festtäglich u. s. f. gebildet. Doch ist dieses in den beyden letzten Bedeutungen gebräuchlicher als jenes.


Alltäglichkeit (W3) [Adelung]


Die Alltäglichkeit, plur. inusit. von der letzten Bedeutung des vorigen, die gemeine, gewöhnliche Beschaffenheit. Sich mit seinen Gedanken über die niedrige Alltäglichkeit erheben.


Alltags- (W3) [Adelung]


Alltags-, ein aus alle Tage zusammen gezogenes Bestimmungswort, welches mit verschiedenen Substantiven zusammen gesetzet werden kann. Es bedeutet alsdann, 1) eigentlich, ihre Bestimmung für die gemeinen Wochentage, im Gegensatze der Festtage, wie Alltagskleid, Alltagshut, Alltagsspeise u. s. f. 2) Aber auch figürlich, eine Person oder Sache von gewöhnlicher, und folglich gemeiner, geringer Beschaffenheit. In dieser Bedeutung sagt man, ein Alltagsgesicht, von der gemeinen Bildung einer Person, Günth. Ein langweiliges Alltagsgewäsch, Less. Ein Alltagsheiliger, ein Heiliger von geringerem Range. Ein Alltagspoet. Der Alltagston der gewöhnlichen Predigten. Ein Alltagswitz u. s. f.


Alludiren (W3) [Adelung]


+ Alludiren, verb. reg. act. von dem Lat. alludere, eine Sache auf eine verdeckte mittelbare Art erwähnen, darauf anspielen, mit auf. Auf eine alte Geschichte alludiren, anspielen.


Allusion (W3) [Adelung]


Die Allusion, plur. die -en, von dem Lat. Allusio, und dieß von dem vorigen, die Anspielung. Besonders in den schönen Wissenschaften, die Beziehung auf einen einzelnen Gegenstand, einen andern Begriff dadurch anschaulich zu machen; auch hier die Anspielung.


Allwaltend (W3) [Adelung]


Allwaltend, adject. welches eigentlich das Participium des veralteten Zeitwortes walten, regieren, mit dem Worte all ist, alles regierend, ingleichen, alles vermögend; ein Beywort, welches nur von Gott gebraucht wird. Die allwaltende Beschirmung Gottes.

Anm. Dieses Wort ist sehr alt. Der aluualdendeo kommt bey dem Isidor, ala uualtentan, im Accusat. bey dem Ottfried, und ther alwalten Kaisare, bey dem Tatian vor. Im Nieders. hingegen ist allweldig, der sich zu viel Gewalt anmaßer, übermüthig.


Allweise (W3) [Adelung]


Allweise, adj. et adv. mit der höchsten Weisheit begabt, eine Eigenschaft, die sich gleichfalls nur von dem höchsten Wesen sagen läßt. Das allweise Wesen. Die allweise Vorsehung.


Allweisheit (W3) [Adelung]


Die Allweisheit, plur. car. die höchste Weisheit.


Allwissend (W3) [Adelung]


Allwissend, adj. et adv. alles wissend, von allen Dingen die vollkommenste Wissenschaft habend. Niemand ist allwissend als Gott. Der Allwissende siehet alles und höret alles.


Allwissenheit (W3) [Adelung]


Die Allwissenheit, plur. car. die Eigenschaft, alles auf das vollkommenste zu wissen, das Vermögen, sich alle Dinge auf das vollkommenste vorzustellen.


Allwo (W3) [Adelung]


* Allwo, das ohne Noth verlängerte Umstandswort wo, welches an dessen Statt nur noch in den Kanzelleyen gangbar ist.


Allzu (W3) [Adelung]


Allzu, das mit dem emphatischen all verlängerte Nebenwort zu, wenn es den Adjectiven und Adverbiis vorgesetzet wird, und alsdann einen Überfluß dessen andeutet, wobey es steht. Allzu groß, allzu sehr, allzu klein, allzu zärtlich. In dem ernsthaften und erhabenen Style wird zu lieber ohne diese matte Verlängerung gebraucht. Zu den Participiis schickt sich dieses Wort so wenig als das einfache zu; allzu lermende Ergetzlichkeiten, ist ein Barbarismus. Viele schreiben dieses allzu mit dem folgenden Adjective oder Adverbio als Ein Wort, allzugroß, allzuviel, allzuunwürdig. Allein, da das einfache zu in diesem Falle jederzeit getrennt geschrieben wird, so muß es mit diesem gleichfalls geschehen. Die beyden folgenden gehören nicht hierher.


Allzugleich (W3) [Adelung]


* Allzugleich, eine veraltete Zusammenziehung der Worte alle zugleich.


Allzumahl (W3) [Adelung]


* Allzumahl, ein im Hochdeutschen gleichfalls veraltetes Oberdeutsches Umstandswort, für alle, insgesammt. - Uns Männer allzumahl, Opitz. Doch angesehn das Volk noch durch dieß allzumal Zu keiner Buße kam, ebend. Ist Erz gleich zu den ThürenUnd zu den Riegeln Stahl, Wenn er sie an will rühren,So bricht es allzumahl, ebend.


Almanach (W3) [Adelung]


Der Almanach, des -es, plur. die -e, ein Kalender; eine Benennung, welche im gemeinen Leben wenig mehr vorkommt, aber noch bey den Dichtern lebt. Außer dem gebraucht man es auch am häufigsten von solchen jährlichen Handbüchern, bey welchen die voran gehenden Kalender-Nachrichten nur zur Empfehlung dienen. Ein Musen-Almanach, Theater-Almanach, Kriegs-Almanach, der berichtigte Kirchen- und Ketzer-Almanach u. s. f. wofür doch auch Kalender üblich ist. Rich. Verstechan versichert nach dem Journal Encyclop. die Angelsachsen hätten ihre Runstäbe, welche ihnen Statt des Kalenders gedienet, All-moon-aght, d. i. Tafel aller Monden genannt. Ich habe davon bey andern nichts gefunden; allein gesetzt, seine Versicherung wäre keine bloße etymologische Muthmaßung, so ist doch unser Almanach gewiß nicht daher entlehnet; denn dieses ist ganz Arabisch, und mit der Astronomie, die wir in den mittlern Zeiten von den Arabern erhielten, zu uns gekommen. Im Persischen lautet es Elmenach. Ich finde dieses Wort zuerst bey dem Georg von Peuerbach, einem der ersten Deutschen Astronomen, welcher um 1460 zu Wien lebte und Almanach pro annis pluribus berechnete.


Almandin (W3) [Adelung]


Der Almandin, des -es, plur. die -e, ein Edelstein, der eigentlich zu den Rubinarten gehöret, ganz dunkel und den hochrothen Granaten ähnlich ist, und mit dem wenigsten Feuer spielet; Carbunculus Alabandicus, Almandinus. Er hat den Nahmen von der Stadt Alabanda in Carien, wo er, dem Plinius zu Folge, hergebracht wurde, und sollte also billig Alabandin geschrieben werden. Allein daß das b schon vorlängst durch das m verdränget worden, erhellet aus dem du Fresne v. Alamandinae.


Almende (W3) [Adelung]


Die Almende, plur. die -n, S. Allgemeinheit.


Almer (W3) [Adelung]


1. Die Almer, plur. die -n, der Österreichische Nahme des Faulbaumes, S. dieses Wort.


Almer (W3) [Adelung]


2. Die Almer, plur. die -n, eine Oberdeutsche Benennung eines Schrankes, welche aus dem spätern Lat. Armarium, Armaria und Almaria entstanden ist, wovon auch die Franzosen ihr Armoire, die Spanier ihr Almario, die Holländer ihr Almaris, Armaris, Ammaris, die Ungarn ihr Almarion und die Böhmen ihr Almara haben. In der Oberpfalz ist dieses Wort ungewissen Geschlechtes; allein in Schlesien und dem Meißnischen Erzgebirge sagt man die Almer, und spricht es in dem letztern auch wohl Alment, Almut, und Ulm aus. Auch die Hochdeutschen Kartenmacher nennen den Schrank mit einem Ofen, worin die gemachten Karten getrocknet werden, eine Alme. Das Verkleinerungswort wird bald Älmerlein, bald Elmerlein, bald Almerchen ausgesprochen. Daß ehedem auch Almerey für Sacristey üblich gewesen, erhellet aus dem Frisch. S. du Fresne v. Almaria, Armaria und Eleemosynaria.


Almey (W3) [Adelung]


Der Almey, des -es, plur. inusit. ein Nahme, der in den Messinghütten auch dem weißen Nicht oder Galmeyfluge gegeben wird, und vermuthlich mit Galmey eines Ursprunges ist. S. Augennicht, Nicht, ingleichen Galmeyflug.


Aloe (W3) [Adelung]


Die Aloe, plur. car. ein Nahme, der verschiedenen ausländischen Producten des Pflanzenreiches beygeleget wird. 1) Einem Indianischen Baume, dessen Holz bitter und schwer ist, aber, wenn es auf Kohlen gelegt wird, einen angenehmen Geruch gibt; Aloeholz, Paradiesholz, Xylaloe, Agallochium. Die beste Art davon, welche in Indien selbst sehr kostbar ist, wird daselbst Calambac genannt. Dieser Aloe geschiehet in der Bibel einige Mahl Meldung, und unter andern auch Ps. 45, 9. wo sie imHebräischen im Plural - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - genannt wird. 2) Einem andern Indianischen und Chinesischen Baume, dessen Holz gleichfalls selten ist, und fast wie das wahre Aloeholz riecht. Die Spanier nennen es Lacca, die Deutschen aber Adlerholz, Augenholz, Kreuzholz. 3) Einer Pflanze, welche in Ostindien, Zeylan und Guinea wächset, und auch Hyacinthen-Aloe genannt wird; Aletris, L. 4) Einer Pflanze, welche sehr viel Unterarten unter sich begreift, welche insgesammt in Ostindien und Afrika zu Hause sind, Eine Art ausgenommen, welche bey dem Blakwell die wahre Aloe heißt, und in Italien und Sicilien auf den Dächern und Mauern wächset; Aloe, L. 5) Noch einer andern Pflanze, welche in Amerika zu Hause ist, aber jetzt in Portugall und Spanien sehr häufig wächset, und bey den Deutschen Gärtnern eigentlich unter dem Nahmen der Aloe, oder der Amerikanischen Aloe bekannt ist; Agave, L. 6) In den Apotheken, einem bräunlichen, harzigen Schleimsafte, welcher hart und brüchig ist, einen durchdringend bittern und ekeln Geschmack und widrigen Geruch hat, und von einer Abänderung der Num. 4. beschriebenen Aloe-Pflanze in Ostindien, Afrika, und den Amerikanischen Inseln gesammelt wird. Die reinste Art desselben, welche eine reine Leberfarbe hat, wird Leber-Aloe, die gröbste unreinste Art aber Roß-Aloe genannt.

Anm. Gemeiniglich glaubt man, daß dieser Nahme aus dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - komme, weil alle diese Pflanzen über Meer nach Europa gebracht werden. Allein es scheinet vielmehr, daß der Num. 1. angezeigte Hebräische Nahme das Stammwort sey. Der bittere Geschmack, welchen das daselbst beschriebene kostbare Holz hat, ist vielleicht die Veranlassung gewesen, das bittere Gummi gleiches Nahmens, und die Pflanzen, welche es liefern, gleichfalls so zu benennen. Isidor unterscheidet schon die Aloa, arborem odoris suavissimi ac summi, von der Aloe, herba amarissimi succi.


Aloe-Holz (W3) [Adelung]


Das Aloe-Holz, des -es, plur. inusit. S. oben Aloe 1 und 2.


Alp (W3) [Adelung]


Der Alp, des -es, plur. die -e, 1) Eigentlich, in der Geisterlehre des großen Haufens, ein bösartiger Geist, dem man den Krampf im Zwergfalle zu schreibet, welcher sich zuweilen bey Schlafenden einfindet, und mit einem Magendrücken und schweren Träumen verbunden ist. Man glaubt alsdann, der Alp komme in Gestalt einer Katze oder andern Thieres, lege sich auf den Menschen und verhindere ihn am Athemhohlen; und dieß nennet man denn, von dem Alpe gedrückt oder geritten werden. Daher das Alpdrücken, dieser Zufall. 2) Figürlich, auch das Keichen oder der schwere Athem bey dem Viehe, welcher an einigen Orten der Hintsch genannt wird.

Anm. Frischens und Wachters Ableitungen dieses Wortes von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - sind viel zu weit hergehohlet. Alle untere Geister, und das, was die Römer Faunen, Satyren und Nymphen hießen, führeten bey allen alten nordischen Völkern den Nahmen der Alfen oder Elfen; vielleicht von dem folgenden Worte Alp, ein Berg, weil man ihnen vornehmlich die Berge zu ihrer Wohnung anwies. Wachter selbst und nach ihm Ihre und andere führen von diesen Alfen und Elfen Beyspiele genug an. Unter andern Wirkungen, deren Ursache die damahligen eingeschränkten Einsichten nicht sogleich begreifen konnten, schrieb man ihnen auch das krampfartige Magendrücken im Schlafe zu, welcher Aberglaube sich denn noch bis auf die heutigen Zeiten erhalten hat. Im Niedersächs. und allen damit verwandten Mundarten ist diese Beschwerde und der Geist, der sie verursachen soll, auch unter dem Nahmen des Mahren bekannt; S. dieses Wort. Die Oberdeutschen nennen ihn hingegen auch das Schröterlein, und nach einer verderbten Aussprache Schrötle, Schretzel, Schretz, Scherzel, ingleichen das Nachtmännlein, Wichtele, den Druden, Nachtdruden, und das Alpdrücken selbst, das Druddrücken. S. Drud. Von der ersten Benennung kommt vermuthlich auch das Slavonische Skrjter her, womit die Böhmen diesen Geist benennen. Einige Niedersachsen kennen ihn auch unter dem Nahmen des Huckup von aufhucken. Bey den Franzosen heißt er Appesart, und Cauchemar, bey den Ital. Pesarvolo, bey den Spaniern Pesadilla, und im Lateine der mittlern Zeiten Babutzicarius. In der Mark Brandenburg wird der fliegende Drache der Alft genannt.


Alpen (W3) [Adelung]


Die Alpen, singul. inus. eine der ältesten Benennungen aller hohen Berge, welche heut zu Tage vorzüglich noch denjenigen Bergen eigen ist, welche Deutschland von Italien scheiden; das Alpengebirge. Obgleich die einfache Zahl, die Alp, im Oberdeutschen gemeiniglich die Alb, oder wie es in der Schweiz gewöhnlich ist, der Alp, im Hochdeutschen mangelt, so ist sie doch in ganz Oberdeutschland gäng und gebe, wo sie eigentlich die mittlern mit Gras bewachsenen Gegenden der hohen Berge bedeutet, welche auch Alpungen genannt werden. Daher kommt die Oberdeutsche Redensart, zu Alp fahren, das Vieh in diese Weide treiben.

Anm. Das hohe Alter dieses Wortes, wovon in den eigenthümlichen Nahmen aller Länder so viele Spuren vorkommen, bestätigen alle Wörterbücher. Gemeiniglich glaubt man, daß es mit albus, weiß, Griechisch - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von einerley Stamme herkomme, und daß mit dieser Benennung auf die weißen, mit ewigem Schnee bedeckten Gipfel solcher Berge gesehen werde. Es kann seyn; indessen bleibt die Ableitung doch nur eine Muthmaßung, die nichts als eine Ähnlichkeit in dem Schalle beyder Wörter für sich hat. Bey Wörtern von einem so hohen Alter als das gegenwärtige ist, enthält man sich am sichersten aller weitern Ableitung. Notker gebraucht dieses Wort noch als eine allgemeine Benennung für Berg: Muspergisin dien lochen dero alpon, die Bergmaus in den Löchern der Berge, P. 103, 18. Und der Verfasser des Gedichtes von dem Kriege Carls des Großen wider die Saracenen, V. 1896. Tho Kerte ther Helet iunge uf eine hohe ther alben. S. du Fresne Gloss. v. Alpes, und Frisch h. v. In den mit dieser Benennung zusammen gesetzten Wörtern, ist theils der Singular, theils auch der Plural üblich. In diesem bedeutet das Wort oft ein jedes hohes Gebirge. Jene stammen zunächst aus Oberdeutschland her, wo der Singular von Alpen überall gebräuchlich ist.


Alpenbalsam (W3) [Adelung]


Der Alpenbalsam, des -es, plur. car. S. Alprose.


Alpenbärlapp (W3) [Adelung]


Der Alpenbärlapp, des -es, plur. inus. ein Moos, welches zu den Bärlappen gehöret; Lycopodium alpinum, L. Es wird auf den hohen Bergen in Lappland und in der Schweiz gefunden.


Alpenbirke (W3) [Adelung]


Die Alpenbirke, plur. die -n, eine Art kleiner Birken mit zirkelförmigen gekerbten Blättern, welche auf den Bergen in Lappland, ingleichen auf dem Harze wächset; die Zwergbirke, Betula nana, L. Schwed. Fiäll-Biörk.


Alpengeld (W3) [Adelung]


Das Alpengeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, eine Auflage auf die eigenen Leute in den Schweizerischen Gebirgen. S. auch du Fresne v. Alpagium und Alpaticum.


Alpenkiefer (W3) [Adelung]


Die Alpenkiefer, plur. die -n, eine Art Kiefern, welche auf den Alpen wächset, zu keinem hohen Baume wird, sondern ihre Zweige bis 30 Schuhe lang auf der Erde fortkriechen lässet. Sie liefert das so bekannte Krummholzöhl, und wird im gemeinen Leben auch Krummholzbaum, Zunderbaum, Lackholz, Löwenforche, Dosenbaum, Grünholz, Rothfohre, Felsenfohre, in Österreich mit einem Wendischen Nahmen Serp, in Steyermark Läggerstaude, von liegen und lege, niedrig, im Würtembergischen Legfohre, in Österreich und Tyrol Zerm und Zürm genannt. S. Krummholzbaum.


Alpenklee (W3) [Adelung]


Der Alpenklee, des -s, plur. inus. eine Art Klee, der gebirgigen Gegenden; brauner Bergklee, Trifolium alpinum, L.


Alpenkrähe (W3) [Adelung]


Die Alpenkrähe, plur. die -n, S. Bergkrähe.


Alpenkraut (W3) [Adelung]


Das Alpenkraut, des -es, plur. die -kräuter. 1) Ein jedes Kraut, welches auf den Alpen oder andern hohen Bergen wächset. 2) Ohne Plural, besonders ein Oberdeutscher Nahme des Baldrians; S. dieses Wort.


Alpenkreuz (W3) [Adelung]


Das Alpenkreuz, des -es, plur. die -e. S. Alpfuß.


Alpenmohn (W3) [Adelung]


Der Alpenmohn, des -es, plur. inusit. eine Mohnart der Alpen und Pyrenäen; Papaver alpinum. L.


Alpensalz (W3) [Adelung]


Das Alpensalz, des -es, plur. inusit. ein Salz, welches aus den Alpen gegraben werden soll, und in der Medizin gebraucht wird, aber in der Wirkung dem Epsomschen oder Seidlitzer Salze völlig gleich ist.


Alpenscharte (W3) [Adelung]


Die Alpenscharte, plur. inusit. eine Art der Scharte mit beynahe zotigen eyförmigen Kelchen und ungetheilten Blättern, welche auf hohen Gebirgen einheimisch ist; Serratula alpina, L.


Alpfuß (W3) [Adelung]


Der Alpfuß, des -es, plur. die -füße, eine fünfeckige Figur, welche aus fünf geraden Linien mit an einander geschlossenen Enden besteht, und in Einem Zuge gezeichnet werden kann; der Drudenfuß, Signum Pythagoricum. In der Wapenkunst wird diese Figur auch das Alpenkreuz, richtiger Alpkreuz, Pentalpha, Franz. Pentalphe genannt. Auch die sechseckige Figur, welche aus zwey verschrenkten Dreyecken bestehet, davon eins die Spitze über sich, das andere aber unter sich kehret, und deren sich ehedem die Planeten-Steller bedieneten, wird von einigen so genannt. Die Deutschen Nahmen rühren daher, weil man sich dieser Figuren ehedem zu allerley Aberglauben, und besonders auch wider den vermeinten Alp bediente. S. Drudenfuß.


Alphabet (W3) [Adelung]


Das Alphabet, des -es, plur. die -e, eine von den beyden ersten Griechischen Buchstaben hergenommene Benennung des A, B, C. Etwas nach dem Alphabete ordnen. Besonders wird in den Buchdruckereyen und bey den Buchhändlern eine Zahl von 23 gedruckten Bogen mit diesem Nahmen belegt, weil dergleichen Bogen unten mit einem Buchstaben des Alphabetes bezeichnet sind, wobey aber das W ausgelassen wird. Ein Buch von drey Alphabeten, d. i. von 69 Bogen. Außer dem pflegen auch die Buchbinder ihre messingene Schriftstämpel und die Kaufleute ein nach der Ordnung des A, B, C geordnetes Register über die Rubriken der Hauptbücher ein Alphabet zu nennen.


Alphabetisch (W3) [Adelung]


Alphabetisch, adj. et adv. nach der Folge der Buchstaben, nach dem Alphabete. Die alphabetische Ordnung.


Alphof (W3) [Adelung]


Der Alphof, des -es, plur. die -höfe, ein Viehhof der Hirten auf den Alpen.


Alphorn (W3) [Adelung]


Das Alphorn, des -es plur. die -hörner, ein aus Baumrinden verfertigtes Horn der Kuhhirten auf den Alpen.


Alpkirsche (W3) [Adelung]


Die Alpkirsche, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der schwarzen Vogelkirsche, welches S.


Alpkraut (W3) [Adelung]


Das Alpkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme, welcher von einigen dem Hirschklee, oder Wasserdost, Eupatorium, L. gegeben wird, vermuthlich wegen der guten Wirkungen, die man ihm ehedem wider den Alp zugeschrieben. S. Hirschklee.


Älpler (W3) [Adelung]


Der Älpler, des -s, plur. ut nom. sing. in Oberdeutschland, besonders der Schweiz, ein Nahme derjenigen Hirten, welche den Sommer über mit ihrem Viehe die grasreichen Gegenden der Alpen bewohnen.


Alpmaus (W3) [Adelung]


Die Alpmaus, plur. die -mäuse. S. Murmelthier.


Alpmeier (W3) [Adelung]


Der Alpmeier, des -s, plur. ut nom. sing. ein Meier oder Aufseher, der an einigen Orten der Schweiz über die Alphöfe und Alpenweiden gesetzt ist.


Alprabe (W3) [Adelung]


Der Alprabe, des -n, plur. die -n. 1) Ein Nahme, welchen die Dohle in der Schweiz führet, wo sie auch Albrapp, Albkachle, Bergdohle, Steinhatz genannt wird. S. Bergdohle. 2) Der Berg-Eremit. S. dieses Wort.


Alpranken (W3) [Adelung]


Die Alpranken, singul. inus. ein Nahme, 1) des Nachtschattens, oder Je länger je lieber, Solanum dulcamara, L. weil die Landleute es dem Viehe wider den Alp oder schweren Athem an den Hals zu hängen pflegen. Im gemeinen Leben Alfranken. S. Nachtschatten. 2) Der Eichenmistel, welche gleichfalls ein bewährtes Mittel wider das Alpdrücken abgeben soll, daher sie auch, besonders in Niedersachsen, Marentacken genannt wird.


Alprauch (W3) [Adelung]


Der Alprauch, des -es, plur. inus. an einigen Orten der Erdrauch; Fumaria officinarum, L. vermuthlich, weil man ihn wegen seiner den Magen stärkenden Kraft gleichfalls als ein gutes Mittel wider den Alp angesehen.


Alpruthe (W3) [Adelung]


Die Alpruthe, plur. die -n, bey dem großen Haufen, in einander gewachsene Zweige eines Baumes, Strauches oder einer Pflanze, dergleichen man oft in Weidengehölzen und unter dem Spargel findet; Alpschoß, im Oberdeutschen ein Drudenbusch. Der Nahme rühret von dem Aberglauben her, den man ehedem mit dergleichen Zweigen getrieben, und wohl noch treibet.


Alpschoß (W3) [Adelung]


Der Alpschoß, des -sses, plur. die -sse, ein Nahme, 1) der vorigen Alpruthe. 2) Des Belemniten oder so genannten Donnersteines, dem in der Rockenphilosophie eine bewährte Wirkung wider den Alp zugeschrieben wird, daher er auch Alpschoßstein, und Alpstein genannt wird. S. Belemnit.


Alpzopf (W3) [Adelung]


Der Alpzopf, des -es, plur. die zöpfe, ein verworrener und verwachsener Haarzopf, der, wenn er mit der Schere durchschnitten wird, blutet; der Weichselzopf, Marenzopf, Marenzotten, Nieders. Elfklatte, Engl. Elf-lock, Schwed. Marlock. Der gemeine Aberglaube schreibet diese Krankheit den bösen Geistern, und unter diesen besonders dem Alpe zu. S. Weichselzopf.


Alpstein (W3) [Adelung]


Der Alpstein, des -es, plur. die -e. 1) S. Alpschoß. 2) Eine jede Steinart, welche der Aberglaube wider das Alpdrücken anzuhängen pflegt; z. B. Korallen, der Chrysolith, Jaspis, und selbst der Adlerstein.


Alraun (W3) [Adelung]


Der Alraun, des -es, plur. die -e. 1) Eine Pflanze mit einer glockenförmigen Krone, und einer kugelrunden Beere, welche mit zwey Fächern versehen ist, ohne Plural; Atropa Mandragora, L. im Deutschen auch Wolfskirsche, Schlafapfel, Hintschapfel. Diese Pflanze, welche in Spanien, Italien und der Insel Creta wild wächset, war wegen ihrer medicinischen Kräfte schon bey den ältesten Völkern bekannt, und der Aberglaube dichtete ihr noch weit mehr Kräfte an, als sie wirklich hatte. Damahls ging Ruben zur Zeit der Weitzenernte aus, und fand Alraun auf dem Felde; den brachte er Lea, seiner Mutter, 1. Mos. 30, 14. f. nach des Herrn Hofr. Michaelis Übersetzung. 2) Die zu einem Hausgeiste zubereitete Wurzel der vorhin beschriebenen Pflanze; wo es auch wohl im Diminutivo gebraucht wird, das Alraunchen. Diese Wurzel ist weiß, dick, unten gespalten, wie zwey über einander geschränkte Menschenbeine, und mit dünnen Zäserchen, wie mit Haaren bedeckt; welches alles ihr einiger Maßen die Gestalt einer menschlichen Bildung gibt. Man pflegt diese Wurzel unter allerley abergläubigen Umständen zu graben, anzukleiden, und als einen heilsamen Hausgeist der Leichtgläubigkeit sehr theuer zu verkaufen. Ein solcher Hausgeist wird noch jetzt an einigen Orten Galgenmännchen, weil die Wurzel unter dem Galgen wachsen soll, Heinzelmännchen, Glücksmännchen, Erdmännchen, Geldmännchen, weil er Geld bringt, Herenmännchen, und in Niedersachsen Alruniken genannt. Weil die wahre Alraunwurzel in Deutschland selten ist, so wird auch wohl die Wurzel der Zaunrübe, Bryonia, L. die in der äußern Gestalt einige Ähnlichkeit mit jener hat, für dieselbe verkauft.

Anm. Schon bey den alten Gothen hieß eine Art Zauberinnen oder weiser Weiber Alirumnae, welche für das heutige Alrunae gehalten wird, und da auch Tacitus einer ähnlichen Aurinia bey den alten Deutschen gedenkt, so wollen viele auch dafür Alruna gelesen wissen. Dem sey wie ihm wolle, so ist das Wort schon sehr alt, und wird am wahrscheinlichsten von all und dem alten runa, wissen, ( S. Raunen,) abgeleitet, eine Person zu bezeichnen, welche alles weiß, eine weise Frau. Da man mit der Wurzel der Pflanze schon sehr frühe Aberglauben getrieben, so läßt sich die Übertragung des Nahmens von einer weisen Frau auf einen vermeinten Geist und dessen Pflanze leicht begreifen. S. Keyßlers Antiquit. septemtr. Wachter v. Alraun, und Ihre v. Runa. Wenn dieses Wort von einer weiblichen Person gebraucht wurde, so war es vermuthlich weiblichen Geschlechtes, die Alraune. Aber in der Bedeutung der Pflanze und ihrer Wurzel ist es unstreitig männlichen Geschlechts, ob gleich Frisch und andere die Pflanze weiblich, die Wurzel aber männlich gebrauchen, und dadurch auch mich in der ersten Ausgabe dieses Wörterbuches zu gleichem Irrthume verleitet haben.


Als (W3) [Adelung]


Als, eine Conjunction, deren Verrichtungen vornehmlich in folgenden Stücken bestehen. Es ist nehmlich:1. Comparativ, eine Vergleichung auszudrucken, da es denn diejenige Sache, welche zum Maßstabe der Vergleichung oder zum Gleichnisse dienet, mit der vorher gehenden verbindet. Es geschiehet solches,1) In eigentlichen Vergleichungen, wo bloß die Ähnlichkeit zweyer Dinge bestimmt werden soll. Da nun das Wesen der Comparativen in der Vergleichung bestehet, so können sie dieses Wörtchen auch am wenigsten entbehren. Ich weiß, daß ihr mehr Einsicht habt als ich. Süßer als Honig. Größer als sie alle. Mein Leben ist mir nicht lieber, als ihre Ruhe. Es könnte ihr kein größeres Unglück widerfahren, als wenn man ihren Schatz ungeraubt ließe, Gell. Man kann ihr keinen größern Vorwurf machen, als daß sie nicht reich ist. Man pflanzt elende Vorurtheile oft lieber fort, als daß man sich bemühete, sie zu bestreiten. Das ist nicht mehr als billig, das ist vollkommen billig. Die Partikel wie dem als noch beyzufügen, sie sah einem Affen ähnlicher, als wie ihnen, ist überflüssig, und macht nur den Ausdruck schleppend. Wohl aber können wie und denn die Stelle des als vertreten; S. diese Wörter. Noch fehlerhafter ist es, wenn nach den Comparativis die Vergleichung verneinungsweise ausgedruckt wird; schärfer als kein zweyschneidig Schwert; alte Leute sagen oft mit einem Worte mehr, als die Jugend in einem Jahre nicht fassen kann, Gell. Obgleich im Positivo gar wohl gesagt werden kann: so scharf als kein schweyschneidig Schwert.Denn auch der Positivus der Adjectiven und Adverbien hat, wenn diese den Gegenstand einer Vergleichung enthalten, das als nach sich. So roth als eine Rose. Es ist so gut als Gold. So viel, als genug ist. Ich trinke so gern Wasser, als Wein. So sehr als sie es verdienet. Deine kleinen Fehler sind fast eben so gut als Schönheiten, Gell. Das Wörtchen so kann alsdann in einigen Fällen auch weggelassen werden. Roth als eine Rose. Kühl als der sanfte West. Schön als die Göttin der Liebe. Nur gehet solches vor gut, viel und den Umstandswörtern nicht an.Wenn der Nachsatz, der den Maßstab der Vergleichung enthält, ein Verbum ist, so kann auch als verbissen werden. So sehr sie es verdienet. So viel genug ist. Sie will mir nichts mehr sagen, bis ihr Bruder kommt. Dieß gilt auch von solchen Redensarten, wo die Form der Vergleichung für ungeachtet stehet. So geitzig als sie ist, so gab sie doch dießmahl. So krank als er war, so ging er doch zu Fuße; wo als auch weggelassen werden kann. Nimmt dich die Zärtlichkeit nur erst vollkommen ein, So sey so stolz du willst, du hörst es auf zu seyn, Gell. Nur geht solches nicht in allen Fällen an; z. B. er mag nun ein so seltsamer Kopf seyn, als er will.2) In Gleichnissen, wo eine Sache durch eine andere ähnliche erläutert werden soll. Er redet davon, als von einer eitelen Beschäftigung. Er stehet als ein Berg Gottes. Mein wallend Herz erhob sich als auf Flügeln, Schleg. In diesem Falle haben einige Dichter solches wegzulassen, und dadurch den Accusativ der Griechen nachzuahmen gesucht. Gott sitzt König immerdar, Opitz. Da ward er böse, zornig, Ein kleiner Mars stand er, Gleim. Ich stand vor ihm gerüstet,Ein andrer Goliath, ebend. Allein diese Ellipse ist zu stark, und hat im Deutschen keine Analogie; macht auch in den meisten Fällen eine unangenehme Dunkelheit der Hauptbegriffe, welche die Dichtung eben so sehr vermeiden muß, als die Prose.Wenn das Gleichniß die Ursache einer Wirkung erläutert; so werden dem als noch die Wörter ob und wenn zugesellet. Du thust eben, als wenn du mich fragtest. Gleich als wenn ich schon überwunden hätte. Ich muß also thun, als ob ich gar nichts wüßte. Es scheinet recht, als ob ich das Ängstliche heute suchte und liebte, Gell. Sie kamen, als wenn sie gerufen wären, ebend. Wenn und ob können auch ausgelassen werden; alsdann wird aber die Wortfügung verändert, und das Verbum unmittelbar nach dem als gesetzet. Es ist, als wendete die Natur darauf doppelten Fleiß. Doch ich that, als schlummert' ich, Weiße.- Du sitzest traurig hier, Als hättest du recht schwere Sorgen, ebend. Das als wegzulassen, ist beynahe auch eine zu starke Ellipse. Mir ist, ich sey erst jetzt aus jener alten Nacht Dich anzuschaun, zu lieben aufgewacht, Weiße. Ihr ist, nachdem sie ihn verloren Und wieder fand, sie hab ihn erst geboren, ebend. Oft dienet diese ganze Vorstellungsart zur Einkleidung eines glimpflichen Verweises, oder einer unwilligen Antwort. Als wüßtest du nicht, daß ich kommen wollte! Pfui, als ob man die Hände sonst zu nichts brauchen könnte! Weiße. Was das für Zeug ist! Als wenn er nicht schon eine Frau hätte! ebend. Ja, als ob es eine Schande wäre, zu nehmen was man uns gibt! ebend. Und als wenn ich das nicht so gut wüßte als du! ebend.Aus obigen Beyspielen erhellet zugleich, daß als wenn und als ob den Conjunctiv nach sich haben; nicht, als wenn diese Partikeln denselben regierten, sondern weil der ungewisse Zustand der Rede denselben erfordert.3) In der unterrichtenden Schreibart, in Anführung eines Beyspieles, oder der einzelnen Theile eines Ganzen. Einige wenige Präpositionen stehen hinter ihren Hauptwörtern, als: der Gestalt nach, dem Himmel zuwider, des Gerichtes wegen. Die Wörter auf - all sind männlichen Geschlechtes als: der Ball, der Fall, der Knall u. s. f. In diesem Falle wird dem als gemeiniglich ein Kolon nachgesetzet. Nur hüthe man sich, daß das als keine Zweydeutigkeit mache. Am vierten Tage wurden andere Weltkörper, als Sonne, Mond und Sterne sichtbar; besser nehmlich, weil als leicht unmittelbar auf andere gezogen, und vergleichend verstanden werden kann.2. Die genaue Bestimmung des Subjectes auszudrucken. Die Bedeutung hängt mit der vorigen genau zusammen; allein die Vergleichung verschwindet und läßt nur den Begriff der Bestimmung zurück. Diese Bestimmung ist,1) Bloß einfach, da es denn eine explanative Conjunction ist. Er hält sich als ein rechtschaffener Mann. Ich kann dieses als eine Pflicht verlangen. Er darf nur sagen, daß wir als Freunde schreiben. Als ein Märtyrer der Wahrheit sterben. Sie hat eine goldene Kette, als ihren ganzen Reichthum, bey mir versetzet. Ich will es Ihnen als eine kleine Erkenntlichkeit geben. Ehe ich als Vater ein Machtwort rede. Ist das die tugendhafte Frau, von der alle Leute, als von einem Wunder ihres Geschlechtes reden? Gell. Nun man sollte denken, ich, als ein funfzigjähriger Mann, sollte wohl wissen, was ein Glück wäre, ebend.Einige Dichter haben das als auch hier, obgleich nicht ohne merkliche Dunkelheit und Härte, wegzulassen versucht. Wenn der, so mich mit Schmach beschwert, Sich jemals hätte Feind erklärt, Opitz. Und unter den neuern besonders Hr. Gleim: Zwar unser Vater ist nicht mehr; Jedoch er starb ein Held. Ingleichen: Ein Held fall ich; noch sterbend droht Mein Säbel in der Hand. 2) Oft enthält diese genauere Bestimmung des Subjectes zugleich eine Einschränkung, welche unter mehrern Gesichtspuncten denjenigen bezeichnet, aus welchem man es betrachtet wissen will; da es denn eine restrictive Partikel ist. Der König als Churfürst. Wir mögen den Menschen als einen Menschen, oder als einen Christen betrachten. Leo X. führete Kriege, aber nicht als Papst, sondern als ein weltlicher Herr. Die Kleider, welche sie als Braut anhatte.Hierher gehöret auch die Gewohnheit, da man das als so gern vor den Relativis voraus zu schicken pfleget, eine genauere Bestimmung dadurch zu erhalten. Unser Freund, als welcher bereits angekommen ist. Was sich an den Grenzen zuträgt, als wohin er auch selbst reiset. Als wozu schon der Befehl ergangen ist. Allein dieser vermeintliche Nachdruck macht die Rede in den meisten Fällen nur schleppend und kanzelleymäßig.3) In andern Fällen, besonders nach nichts und andern verneinenden Ausdrücken, hat als eine ausschließende Bedeutung. Ich weiß ihre Großmuth durch nichts, als die empfindlichsten Thränen zu belohnen, Gell. Die Freundschaft läßt sich bey niemand, als rechtschaffenen Leuten finden. Ich habe sonst keine Vorzüge, als meine Unschuld, Gell. Ich bin auf nichts so stolz, als daß ich einen rechtschaffenen Vater gehabt habe, ebend. Sie dürfen sich dieses Geschenkes wegen nicht so wohl bey mir, als bey dieser liebenswürdigen Frau bedanken, ebend. So auch, nirgends als, kein anderer als, u. s. f. Ingleichen, wenn die Verneinung in Gestalt einer bejahenden Frage vorgetragen wird. Was nutzen mir die Himmels-Sphären, Als daß sie mir im Wege stehn? Gell. 3. Ist es auch copulativ, und wird gebraucht, zwey Glieder der Rede auf eine ganz einfache Art mit einander zu verbinden. Alsdann stehet es aber nicht allein, sondern die ganze Formel heißt, so wohl - als auch. So wohl dieser, als auch jener. So wohl die Kleinen, als auch die Großen. Das auch kann in den meisten Fällen dem Nachdrucke unbeschadet, auch wegfallen. Er besitzt so wohl Tugend, als Verstand; und zuweilen bleibt auch das wohl weg. Ein so natürlicher, als rühmlicher Eifer. So Geduld als Zeit verstrich, Haged. Wenn zwey Hauptwörter durch diese Formel verbunden werden, so kann so wohl, zuweilen auch hinter dem seinigen stehen. Er besitzt Tugend so wohl, als Verstand. Die Annehmlichkeit der Künste so wohl, als ihr Nutzen, oder der Künste Annehmlichkeit so wohl, als ihr Nutzen.Wenn mehrere Glieder folgen, so werden diese mit ferner, wie auch, deßgleichen, nicht weniger, das letzte aber mit endlich, oder dann auch, mit den ersten verbunden.4. Ist es consecutiv, und dienet, eine Zeitfolge anzudeuten, und die Stelle des da zu vertreten, und dann stehet es so wohl zu Anfange einer Rede, als auch im Nachsatze. Als sich die Zeit nahete, u. s. f. Als dieses geschahe, oder geschehen war. Vier Jahre hernach, als sich dieses zugetragen hatte. Ich dachte eben zu verreisen, als ich deinen Brief erhielt. Kaum hatte ich vier Jahre erreicht, als ich merkte, u. s. f. Kaum war er von seinem Schrecken wieder zu sich gekommen, als er sich seine Bestürzung als eine Schwachheit vorwarf. Wie viel empfand mein Herz, als ich sie schlafen sah! Gell. 5. Hilft dieses Wörtchen, als eine causale Partikel, auch das Verhältniß der Wirkung gegen ihre Ursache ausdrucken. Alsdann begleitet es das Bindewort daß, und hat das Wörtchen zu im Vordersatze. Ich bin zu froh, als daß ich tanzen könnte, ich bin so froh, daß ich nicht tanzen kann. Er ist viel zu billig, als daß er sein Wort nicht halten sollte, Gell. Ihr Beyfall ist mir gar zu kostbar, als daß ihn meine Eigenliebe nicht mit Vergnügen anhören sollte, ebend. Ich bin zu zärtlich gerührt, als das ich viel reden könnte, ebend.6. Endlich werden als wenn und als ob auch gebraucht, die Stelle des Bindewortes daß zu vertreten, wenn gleich oft weiter nichts, als eine bloße Fortsetzung der Rede damit angedeutet werden soll; da es denn eine circumscriptive Bedeutung hat. Du äußertest den Verdacht, als wenn sie ungetreu wäre, Dusch. Er will das Ansehen haben, als wenn er es recht gut mit mir meinte. Er hat meinen Vater überreden wollen, als ob ich ihn selbst liebte, und als wenn du hingegen den Herrn Damis liebtest, Gell. Sie wird denken, als ob sie ihm deßwegen erst recht gewogen würde, ebend. Ingleichen, mit Weglassung des wenn, oder ob. Wenn ich nicht den Verdacht von mir abzulehnen suchte, als mache mich die Religion zu einem Verräther der Freundschaft, Less. Allein dieser ganze Gebrauch ist gewiß nicht der beste, und verdienet nur alsdann eine Entschuldigung, wenn mehrere daß auf einander folgen sollten, da man denn, um den Übelklang zu vermeiden, das eine durch als wenn, oder als ob, oder nur als ersetzen kann. Es sey ferne, daß ich behaupten wollte, als müsse man u. s. f. oder als wenn man müsse.

Anm. 1. Als ist aus also entstanden, und druckt ursprünglich eine Vergleichung aus; obgleich diese Bedeutung in manchen Fällen durch verschiedene Nebengriffe geschwächet, und oft gar verdunkelt wird. Es stehet im Hochdeutschen allezeit im Nachsatze, den einzigen Fall ausgenommen, da es eine Zeitfolge bezeichnet. Über dieß bindet es, wenn es zwischen Nennwörtern stehet, allezeit gleiche Casus zusammen. Es ist daher ein Fehler, wenn dieses nicht beobachtet wird; z. B. der gekünstelte Styl des spätern Griechenlandes hat mehr Blumen, als deren unsere Sprache fähig ist; wo es heißen sollte, als unsere Sprache. Paulus zeigt, wie durch Christum als dem Sohne des Allerhöchsten alles geschaffen sey; wo es als den Sohn heißen muß. Bey den Reciprocis kann es zuweilen zweifelhaft scheinen, ob sich das mit als begleitete Substantiv auf das Subject beziehen, folglich im Nominative stehen, oder ob es dem Pronomini Reciproco folgen, und in den Accusativ treten müsse. Man darf alsdann nur das Verbum wiederhohlen, um sich des wahren Casus zu versichern. Er verhält sich als ein Feiger, d. i. so, als sich ein Feiger verhält. Es hungert mich als einen Wolf, nicht als ein Wolf, weil man sagen müßte, als es einen Wolf hungert. Selten stehet bey einigen persönlichen Reciprocis der Accusativ: er hat sich als einen großen Mann gezeigt; wo doch der Nominativ analogischer wäre. Man hüthe sich vor dem Mißklange, wenn mehrere als in verschiedenen Bedeutungen zu nahe auf einander folgen. Es kommt mir mehr als ein Spiel der Einbildungskraft, als eine wahre Geschichte vor. Das eine von den zwey letzten als zu unterdrücken, würde Dunkelheit machen, daher es durch wie ersetzet werden muß: mehr wie ein Spiel der Einbildungskraft als wie eine wahre Geschichte. Einige ältere Sprachlehrer rechnen als nur halb zu den Conjunctionen, halb aber zu den Adverbiis, und schreiben es in dem ersten Falle alß, in dem letztern aber als. Allein zu geschweigen, daß diese Partikel im Hochdeutschen niemahls ein eigentliches Adverbium ist; so ist diese orthographische Unterscheidungssucht schon so lächerlich geworden, daß es unnöthig ist, sich länger dabey aufzuhalten. Anm. 2. Unter den veralteten Bedeutungen dieses Wortes, die im Hochdeutschen gar nicht mehr vorkommen, oder doch nur noch von den Kanzelleyen aufbehalten werden, sind vornehmlich folgende zu merken. (a) Für so, oder eben so, wenn es eine Vergleichung andeutet. Als besonnen war der tewer Man, Theuerd. Kap. 47.- Ich jag noch Als gerne als all mein Lebtag, ebend. Kap. 55. Als lange sich der Tag erstrecket, Hat seine Wolke sie bedecket, Opitz. Dahin auch das gemeine als mir Gott helfe, für so wahr als ec. gehöret. (b) für so, wenn es eine Schlußfolge begleitet. Weil du mein guter Freund bist, als werde ich nicht unterlassen. Demnach dieses Haus verkauft werden soll, als wird solches hiermit bekannt gemacht. (c) Für wenn. Indem er, wenn du kommst, den Haber bald verkauft, Und als er nichts mehr hat, u. s. f. Opitz. Das ehrliche Gemüth, als es an Tugend denkt, So wird ihm süße Lust mit stiller Ruh geschenkt, ebend. (d) Vor gestern und heute, wo es im gemeinen Leben oft überflüssig gesetzet wird. Als gestern kam er zu mir. Ich erwarte ihn als heute. Wo sinds Herr Müllers Schreiben Fing ich als gestern an, Opitz. (e) In einigen Oberdeutschen Redensarten ist als das zusammen gezogene alles. Als das ich wil uf einen tag. Fabeln der Schwäbischen Dichter. Durch das als, Ged. der Minnes. Das redt er als aus valschem Muth, Theuerd.

Anm. 3. Oben ist schon angemerket worden, daß diese Partikel aus also zusammen gezogen ist. Diese Zusammenziehung ist schon alt. Die Sächsischen Mundarten haben auch das l weggeworfen; Nieders. as, Fries. az, Engl. as, womit denn das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein kommt.


Als (W3) [Adelung]


Als, der Nahme eines Fisches, S. Alose.


Alsbald (W3) [Adelung]


Alsbald, eine Partikel, welche ist 1) * ein Bindewort, eine Zeitfolge anzudeuten, für sobald, als. Alsbald er der Rät wurd gewahr, Schueff er sy für sich zu khomen, Theuerd. Alsbald dir aber nur was Übels widerfährt Dann, u. s. f. Opitz. Alsbald er gen Jerusalem käme, 2. Macc. 9, 4. Alsbald alles Volk ihn sahe, Marc. 9, 15. Dieses im Oberdeutschen noch übliche Bindewort ist im Hochdeutschen völlig veraltet. Dagegen haben wir von demselben noch,2) Das Umstandswort der Zeit, alsbald, für sogleich, den Augenblick. Er wird alsbald kommen. Du sollst es alsbald erfahren. Allein auch in dieser Bedeutung fängt es schon an, ziemlich sparsam vorzukommen.

Anm. Das Bindewort ist älter als das Umstandswort; doch ist auch jenes so gar alt nicht. Es ist aus alsobald zusammen gezogen, und wird auch noch jetzt von einigen so geschrieben. Der Liebe Traum ist alsobald verschwunden, Schleg. Das Umstandswort ist elliptisch, und bedeutet so viel als: so bald als ich kann, oder so bald als es möglich ist.


Alsdann (W3) [Adelung]


Alsdann, ein Umstandswort der Zeit und Ordnung, welches sich allemahl auf einen vorher gegangenen Ausspruch beziehet. Wenn du dein Versprechen gehalten hast, alsdann will ich das meinige auch halten. Er will morgen kommen; aber alsdann wird es mir auch nicht gelegen seyn. Um acht Uhr wollen wir spazieren gehen; alsdann ist es erst kühl, Gell. Alsdann nur wär' es ein Vergehn, Wenn sie gelassen bliebe, Gell.

Anm. Dieses Wort ist gleichfalls aus alsodann zusammen gezogen, welches daraus erhellet, weil auch sodann mit Weglassung der Sylbe al dafür übrig ist. Es ist gleichfalls neu, denn die ältesten Alemannischen und Fränkischen Schriftsteller gebrauchen dafür nur das einfache thane, thanne, dhanne. Doch kommt bey dem Notker schon isdanna vor. In der höhern Schreibart bedienet man sich auch jetzt lieber des einfachen dann; S. dieses Wort.


Alse (W3) [Adelung]


Die Alse, S. Alose.


Alsenach (W3) [Adelung]


Alsenach, S. Olsenich.


Also (W3) [Adelung]


Also, eine Partikel, welche in gedoppelter Gestalt üblich ist.1. Als eine vergleichende Conjunction, für das einfache so.1) Eine bloß einfache Vergleichung auszudrucken. Ein Laster oftermahls wird also sehr erhöht, Als diese Tugend selbst, die ihm entgegen steht, Opitz. 2) Eine bestimmte Beschaffenheit, in Beziehung auf etwas vorher gegangenes oder Nachfolgendes auszudrücken, für auf diese Art und Weise. Die Schamhaftigkeit will es also haben, Gell. Schön, wenn ich also sagen mag, Schön, wie das Morgenroth, ebend. Man bedienet sich dieser verlängerten Partikel nur noch dann, wenn bey dem kurzen einfachen so die Ründe und Vollständigkeit der Rede leidet. Um dieser letztern willen wird das zusammen gesetzte also am Ende einer Periode beynahe nothwendig. War dieses deine eigene Sprache? Redete dein Herz also? Dusch.2. Als eine illative Conjunction, einen Schluß, der aus dem vorher gegangenen gezogen wird, zu begleiten, da es denn so wohl zu Anfange des Satzes, als auch nach einem oder mehrern Wörtern stehen kann. Es bezeichnet aber, 1) eine einfache Schlußfolge. Sie ist die Erbinn des ganzen Vermögens, und also auch des Rittergutes. Die bloße Ermahnung würde nicht hinlänglich gewesen seyn; ich mußte also nachdrücklichere Maßregeln ergreifen. Also bleibt es dabey, oder es bleibt also dabey. Ohne uns also weiter darum zu bekümmern, wollen wir davon abbrechen. 2) Besonders eine durch das vorher gegangene veranlaßte Frage. Also sollen dich meine Augen nie wieder sehen? Cron. Sie haben mirs also geschenkt? Sie sagen also gar nichts dazu? Gell. Auch dann wenn diese Frage mit Unwillen verbunden ist, und zugleich einen Verweis enthält. Sie wollen ihn also nicht zur Rede setzen? Gell. Also ist deine Ehre nichts? Weiße. So? Also hat er meine Tochter nur in die Rede bringen wollen? Gell. 3) Oft begleitet diese Partikel, besonders im gesellschaftlichen Umgange eine bloße Wiederhohlung einer im vorigen unterbrochenen Rede, da sie denn ihren Platz lieber nach einigen Wörtern, als am Anfange der Rede nimmt. Die damit verbundenen vielen Geschäfte nöthigen mich also, u. s. f.

Anm. Also ist aus All und so zusammen gesetzet, welches erstere bloß den Nachdruck vermehren soll. Es sollte daher, wie andere ähnliche Zusammensetzungen, billig allso geschrieben werden. Allein das einfache l hat einmahl den Gebrauch vieler Jahrhunderte für sich. Notker und Willeram schrieben bereits also, und in alsam, alsus, und dem Nieders. aldus, welche insgesammt für also üblich waren, findet man jederzeit nur ein l. Es hat den Ton gemeiniglich auf der ersten Sylbe; außer wenn der Nachdruck auf dem so ruhet, welches in der vergleichenden Bedeutung zuweilen der Fall ist. Gehest du also mit mir um? Besonders am Ende eines Satzes. Es ist dem also. Redest du also?


Alsobald (W3) [Adelung]


Alsobald, S. Alsbald.


Alsofort (W3) [Adelung]


+ Alsofort, ein überflüssiges Umstandswort, für sofort oder sogleich.


Älster (W3) [Adelung]


Die Älster, plur. die -n, ein Raubvogel, welcher zu dem Geschlechte der Krähen oder Raben gehöret, eine schwarze mit weiß vermischte Farbe und einen langen Schwanz hat, den er beständig bewegt. In der Jugend lernet er reden, und ist alsdann sehr geschwätzig; Corvus Pica, L.

Anm. In Oberdeutschland heißt dieser Vogel Aglaster, Algaster, Agerst und bey dem Pez Agalaster. Bey den Angelsachsen war Agu sein Nahme. Wachter glaubt sehr unwahrscheinlich, daß der Zusatz an dem heutigen Nahmen von dem alten alen, gignere, herrühre, und daß Aglaster, oder nach der Hochdeutschen Mundart, Älster, eigentlich den jungen Vogel dieser Art bezeichne. Die erste Hälfte dieses Nahmens ist vielmehr eine Nachahmung seines natürlichen Geschreyes, welches auch das Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Ital. Gazza, und Gazzuolo, das Engl. Agasse, und das Franz. Agace, Geay oder Jay sind, welche alle diesen Vogel, zuweilen aber auch die Dohle bezeichnen; denn beyde Vögel werden von den Schriftstellern, besonders den ältern, oft mit einander verwechselt. Die Schlester nennen die Älster mit dem Zischlaute Schalaster, die Holsteiner Ärter, die Westphalen Erter, die Niedersachsen Hegester, Hester, Heher, andere Mundarten aber Atzel, Ätzel, Hetze, Gatze u. s. f.


Älsterauge (W3) [Adelung]


Das Älsterauge, des -s, plur. die -n, ein Nahme, welchen einige derjenigen Verhärtung der Nerven an den Füßen beylegen, welche unter dem Nahmen des Hühnerauges am bekanntesten ist.


Älsterspecht (W3) [Adelung]


Der Älsterspecht, des -es, plur. die -e, eine Art Buntspechte, die weiß und schwarz gesprenkelt ist, wie eine Älster, übrigens aber einen schwarzen Kopf, und zuweilen auch noch andere Farben hat.


Alt (W3) [Adelung]


Alt, älter, älteste, adj. et adv. welches in verschiedenem Verstande gebraucht wird.1. Die zurückgelegte Dauer einer Sache überhaupt zu bestimmen, in welchem Sinne es im Positivo doch nur als ein Adverbium üblich ist. Wie alt ist er? Er ist sechzig Jahr alt. Das Kind ist noch nicht acht Tage alt. Ich bin so alt als du. Er macht sich älter als er ist. Wer ist der älteste unter uns? Der Brief ist schon vier Wochen alt. Wenn das Alter eines Menschen deutlich bestimmt wird, so kann alt im gemeinen Leben auch weggelassen werden. Sie ist noch nicht achtzehn Jahr. Allein es in diesem Falle als ein Adjectiv zu gebrauchen, z. B. ein sechs Wochen altes Kind, für ein Kind, das sechs Wochen alt ist, ist wider den guten Sprachgebrauch.2. Die lange Dauer einer Sache anzudeuten, und zwar,1) In Rücksicht auf die bloße Länge der Dauer. Eine alte Eiche. Alte Thaler. Altes Geld. Alte Bücher. Von den ältesten Zeiten her. Besonders von der Lebenszeit eines lebendigen Geschöpfes, und unter diesen am häufigsten von dem Menschen. Ein alter Mann. Eine alte Frau. Alte Leute. Er ist schon alt. Sprichw. Jung gewohnt, alt gethan, was man sich in der Jugend angewöhnet, läßt sich im reifern Alter ohne Beschwerde verrichten. Keiner ist zu alt, etwas zu lernen. In der gesellschaftlichen Sprache ist der Ausdruck alte Tage auch in einigen Fällen für das Alter üblich. Wollen sie mir auf meine alten Tage, oder in meinen alten Tagen nicht noch eine Freude machen? Was mich angetrieben hat, in meinen alten Tagen die Feder zu ergreifen. In den Bergwerken bedeutet der alte Mann figürlich ein ehedem gebauetes, aber wieder verfallenes, oder zugestürztes Feld, daher in den alten Mann bauen, so viel ist, als ein verschüttetes Grubengebäude wieder aufräumen. Ur-alt, steinalt, sind im gemeinen Leben übliche Ausdrücke, ein hohes Alter anzudeuten.Ein Alter, eine Alte, wird in dieser Bedeutung, besonders in der vertraulichen Sprechart, auch substantive gebraucht, von einer alten Person. Alter, nimm dich in Acht! Wie froh wird der fromme Alte nicht seyn, wenn er ihren Entschluß hören wird! Gell. An einigen Orten, besonders in Niedersachsen, wird eine Hebamme die Alte genannt, weil dazu nur allein alte Personen genommen zu werden pflegen.2) In Rücksicht auf etwas das jünger ist, an Statt des Comparatives älter. So werden diejenigen Handwerke alte Handwerke genannt, welche in einem Orte oder Lande eher zünftig geworden sind, als andere. Alte Gewerken, in dem Bergbaue, sind diejenigen, welche eine Zeche zuerst zu bauen angefangen haben. So auch, die vier alten Grafen des Reiches, wofür ehedem die Grafen von Schwarzburg, Cleve, Savoyen und Zilley gehalten wurden, im Gegensatze der jüngern Reichsgrafen. Die alten Lateiner, im Gegensatze der neuern oder spätern. So auch im gemeinen Leben. So ein kleiner Naseweis muß nicht darein reden, wenn alte Leute mit einander schwatzen, Weiße. Ingleichen substantive, die Alten, für die Ältern, in Beziehung auf die Kinder. Sie freueten sich über der Alten Rückkunst. Mein Alter wird bald zu Hause kommen. Sieben junge Hühner mit der Alten, mit der Henne. Sprichw. Wie die Alten sungen, so zwitscherten die Jungen.3) In Rücksicht auf verschiedene durch die lange Dauer in den Dingen hervor gebrachte Veränderungen. (a) Durch das Alter entkräftet, unscheinbar, runzelig, besonders von Menschen. Er wird vor der Zeit alt. Die vielen Widerwärtigkeiten haben ihn alt gemacht. (b) Durch das Alter abgenutzt, unbrauchbar geworden. Alte Kleider. Ein altes Haus. (c) Durch Alter unschmackhaft, verderbt. Alte Butter. Altes Fleisch. (d) Durch eine lange Dauer bewährt, geübt. Ein alter Freund. Es ist eine alte ehrliche Haut, im gemeinen Leben. Alte Liebe rostet nicht. Ein alter Soldat, nicht so wohl wegen der Lebenszeit, als vielmehr wegen der langen Übung der Waffen. Das sind alte verständige Leute, die werden ihnen keinen Schaden thun. So auch, ein alter Fuchs, ein alter Schalk, ein alter Sünder. (e) Durch lange Dauer eingewurzelt. Ein alter Haß. Eine alte Krankheit. Ein altes Vorurtheil. Ein alter Aberglaube. (f) Wegen längerer Dauer bekannt. Das ist etwas Altes. Das sind alte bekannte Sachen.3. Das ehemahlige Daseyn einer Sache auszudrucken, und zwar,1) Für vormahlig, vorig, schlechthin. Er hat seine alte Würde wieder erlangt. Die Stadt hat ihre alte Freyheit behalten. Wie fürchte ich mich, diesen angenehmen Traum zu verlieren, und wieder in meinem alten Jammer zu erwachen! Less. Die Sache gehet noch immer ihren alten Gang. Wir wollen es bey dem Alten bewenden lassen. Wir sind gute Freunde, und es bleibt bey dem Alten.2) Was seine Dauer bereits geendiget hat, oder ehedem da gewesen ist. Das alte Testament. Alte Zeiten. Die alte Geschichte, die Geschichte der längst verflossenen Zeiten. So auch substantive, besonders im Plural. Die Alten, d. i. Menschen, die lange vor uns gelebt haben. Wer sich trägt, wie die Alten gingen, der ist bey ihr ehrbar und sittsam, Gell. - Der Schatz, den die guten Alten Aus Einfalt beygelegt, Cron. Wenn von den Alten in den Werken des Geistes die Rede ist, so werden dadurch besonders die Griechen und Römer bezeichnet. Man muß die Alten weder knechtisch, noch mit Verachtung, sondern mit der gehörigen Beurtheilung lesen.3) Was wegen seiner geendigten Dauer aus dem Gebrauche gekommen ist, veraltet. Alte Wörter. Alte Moden. Der alte Kalender.

Anm. 1. Von Alten her Es. 25, 1. für, von Alters her, ist ungewöhnlich. Der im gemeinen Leben übliche Ausdruck, Jung und Alt, wird am häufigsten adverbisch, ohne alle Abänderung gebraucht. Dir unterwirft sich Jung und Alt, Haged. Und Jung und Alt erschienen, Gell. Mit jung und alt, 2. Mos. 10, 9. Jos. 6, 21. Obgleich Luther solchen in andern Stellen decliniret hat. Alte mit den Jungen sollen loben den Nahmen des Herrn, Ps. 148, 12. Ich will die Alten und Jungen zerschmeißen, Jer. 51, 22.

Anm. 2. Wachter leitet dieses Wort von dem ehemahligen alen, wachsen, her, da es denn mit dem Lat. oleo und adultus, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ich wachse, viele Ähnlichkeit haben würde. Auch das Lat. olim scheint seiner ersten Sylbe nach zu der Verwandtschaft zu gehören. Die Ungarische und Lappländische Sprache geben uns vielleicht eine noch nähere Abstammung an. Elam bedeutet im Lappländ. und Elem, Elen, im Ungarischen, ich lebe, Aled oder Elet, im Lappländischen die Lebenszeit und im Ungarischen das Leben. S. Sajnovics Demonstrat. idioma Ungaror. et Lappon. idem esse, S. 35. Alt würde also ursprünglich eigentlich gelebt, und das alte Hauptwort Älte ( S. Alter) die Lebenszeit bedeuten. Indessen ist unser Wort in der Form, worin wir es jetzt haben, schon sehr alt, nur daß die Gothen und die damit verwandten Mundarten das o dem a vorziehen; Goth. old, Engl. old, Dän. old, Holl. oud, Nieders. old, Angels. eald, bey den Alemannen und Franken alt und ald. Die Niedersachsen werfen in der Verlängerung des Wortes das d heraus, de Ollen, für die Alten, und bringen dadurch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , alt, zugleich mit in Erinnerung.


Alt (W3) [Adelung]


1. Der Alt, ein Fisch, S. 1. Alant.


Alt (W3) [Adelung]


2. Der Alt, des -es, plur. car. in der Tonkunst, die nächste Stimme an dem Discant, die Altstimme. Den Alt singen. Daher der Altist, des -en, plur. die -en, der den Alt singet. Die Deutschen haben dieses Wort zunächst von dem Ital. l'alto angenommen, welches wieder aus dem Latein. altus gemacht ist, weil diese Stimme in Ansehung der Mittelstimme, oder des Tenors, höher gehet.


Altan (W3) [Adelung]


Der Altan, des -es, plur. die -e. Diminutiv. das Altänchen, ein flaches Dach, oder auch ein freyer Platz auf einem Dache, auf welchem man herum gehen kann.

Anm. Auch dieses Wort ist das Ital. Altana, welches durch die Baumeister nach Deutschland verpflanzet worden. Die ältern Deutschen hatten andere Wörter, einen solchen Platz zu benennen. Denn so findet man dafür die Wörter Hochhaus, Puny, Umlauf, Eßlaube, Truckeney, vermuthlich, weil man die Wäsche auf solchen Altanen trocknete, und am häufigsten Soller. Am Niederrhein wird ein Altan noch jetzt die Laube, oder Läube genannt. Übrigens ist dieses Wort in allen drey Geschlechtern üblich. Das männliche hat im Hochdeutschen den Vorzug; in den meisten Oberdeutschen Gegenden ist es nach dem Muster des Ital. Ausdruckes weiblichen Geschlechtes, die Altane; an andern Orten aber sagt man auch das Altan.


Altandach (W3) [Adelung]


Das Altandach, des -es, plur. die -dächer, ein flaches Dach in Gestalt eines Altanes.


Altar (W3) [Adelung]


Der Altar, des -es, plur. die -äre. Diminutivum das Altärchen, Oberdeutsch das Altärlein. 1) Eigentlich eine Erhöhung über dem Erdboden, Feuer darauf zu machen und der Gott-heit darauf zu opfern, ein Opferherd; dergleichen Altäre in den christlichen Kirchen nicht mehr üblich sind. 2) Ein steinerner Tisch in einer Kirche, vor welchem das Abendmahl ausgetheilet, und andere gottesdienstliche Handlungen verrichtet werden, und in weiterer Bedeutung, ein jeder zu einer gottesdienstlichen Handlung bestimmter Tisch. Daher das Sacrament des Altars. Dem Altare dienen, das gottesdienstliche Lehramt verwalten. Wirf den Altar der Freyheit selber um, Weiße. Der hohe Altar, oder Hochaltar, der vornehmste Altar in dem Thore einer Kirche. 3) Ein Gestirn an der südlichen Hälfte des Himmels, welches man sich in der Gestalt eines Altares vorstellet.

Anm. Dieses Wort ist das Latein. Altare, welches mit der christlichen Religion zugleich in Deutschland eingeführet worden. Die Gothen nannten einen Altar Hunslastads, Opferstätte, die Angelsachsen Weofod, Wigbed, einen geweiheten Tisch, und bey dem Ottfried kommt auch die Benennung Gotesbiete, Gottestisch, vor. Indessen ist doch der Lateinische Ausdruck bey Alemannischen Schriftstellern schon sehr alt, weil altarre, schon bey dem Kero, dem ältesten unter ihnen, und altar bey dem Isidor vorkommt. Bey den Oberdeutschen ist dieses Wort ungewissen Geschlechtes, das Altar, welches dem Lateinischen freylich gemäßer ist. Selbst Luther gebraucht es in der Deutschen Bibel einige Mahl so. Daß das Lat. Altare nicht von altus herkomme, sondern von einem alten Worte alt, Feuer, welches noch in dem Nordischen Elt und Angels. Eald, Feuer, lebet, und Ar, Herd, zusammen gesetzet sey, und also eigentlich einen Feuerherd bedeute, hat Herr Ihre sehr wahrscheinlich gemacht.


Altarblatt (W3) [Adelung]


Das Altarblatt, des -es, plur. die -blätter, das Rückenstück eines Altares. Bey einigen Oberdeutschen Schriftstellern kommen auch die tragbaren Altäre, altaria portatilia, unter dem Nahmen der Altarblätter vor.


Altarbuße (W3) [Adelung]


Die Altarbuße, plur. die -n, bey den Protestanten, die höchste Stufe der Kirchenbuße, da der Büßende sein Verbrechen vor dem Altare kniend bekennet, und um Vergebung bittet; im Gegensatze der Kanzel- und Stuhlbuße.


Altardiener (W3) [Adelung]


Der Altardiener, des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich ein jeder, der dasjenige besorget, was zum Dienste des Altares gehöret. Besonders in einigen protestantischen Kirchen, so viel als das folgende Altarmann.


Altargestift (W3) [Adelung]


Das Altargestift, des -es, plur. die -e, was einem Altare in einem Testamente vermacht ist, besonders in der Römischen Kirche.


Altarist (W3) [Adelung]


Der Altarist, des -en, plur. die -en, von dem spätern Lat. Altarista, ehedem eigentlich ein Capellan, der zu einem gewissen Altare bestellet ist, in der Römischen Kirche. An einigen protestantischen Orten werden die Altardiener oder Altarleute noch Altaristen genannt. S. du Fresne v. Altarista.


Altarkerze (W3) [Adelung]


Die Altarkerze, plur. die -n, dicke und lange Wachskerzen, welche auf den Altären gebrannt werden und auf den Altarleuchtern stecken.


Altarlehen (W3) [Adelung]


Das Altarlehen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Römischen Kirche, besonders der mittlern Zeiten. 1) Das Recht, den zu einem gewissen Altare gehörigen Geistlichen zu bestellen, oder ihn mit dem Altare zu belehnen, welches denn in Ansehung des Priesters ein Altarlehen, in Ansehung des Lehnherren aber ein wahres Patronat-Recht ist. 2) Eben dieses Recht, so fern es einem andern zu Lehen ertheilet wird. 3) Das Lehenrecht über die zu einem Altare gestifteten Güter und Einkünfte, und diese Güter selbst.


Altarmann (W3) [Adelung]


Der Altarmann, des -es, plur. die -männer, oder -leute, in den protestantischen Kirchen, Kirchenpfleger, welche während des Abendmahles bey dem Altare dienen und die Tücher unterbreiten; an einigen Orten Altardiener, ingleichen Altaristen. An manchen Orten sind sie mit den Kirchenvorstehern, und Kirchenvätern einerley, an andern aber noch von ihnen verschieden.


Altarstück (W3) [Adelung]


Das Altarstück, des -es, plur. die -e, das Gemählde über dem Altartische, oder an dem Altarblatte.


Altartuch (W3) [Adelung]


Das Altartuch, des -es, plur. die -tücher, das Tuch mit welchem ein Altar zur Zierde bedecket wird.


Altartüchlein (W3) [Adelung]


Das Altartüchlein, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleines Tüchlein, welches in einigen protestantischen Kirchen bey dem Abendmahle unter das Kinn der Communicanten gehalten wird.


Altbacken (W3) [Adelung]


+ Altbacken, Altgebacken, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, und eigentlich von demjenigen Brote gesagt wird, welches nicht von dem neuesten, sondern von dem vorigen Gebäcke ist, oder welches schon vor geraumer Zeit gebacken, und daher hart und spröde ist; im Gegensatze des frischbackenen. Altbackenes Brot. Das Brot ist schon altbacken. Figürlich gebrauchen es auch die Fleischer von demjenigen Fleische, welches von dem vorigen Markttage übrig geblieben ist.


Altbinder (W3) [Adelung]


Der Altbinder, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, besonders in Niedersachsen, ein Faßbinder, der nur alte Fäßer ausbessert.


Altdeutsch (W3) [Adelung]


Altdeutsch, adj. et adv. den Deutschen in den ältesten und ältern Zeiten eigen, nach Art der alten Deutschen. Altdeutsche Treue. Altdeutsche Redlichkeit. Zu Altdeutsch trinken, taumelnd küssen, Ist höchstens nur der Wenden Lust, Haged. Altdeutsch, für die alte Deutsche Sprache, alte Deutsche Wörter, wird besser getheilt altes Deutsch geschrieben.


Alte (W3) [Adelung]


Alte, Alten, ein Fisch, S. 1. Alant.


Älteln (W3) [Adelung]


Älteln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Diminutivum des folgenden ist, ein wenig alt werden, sein zunehmendes Alter durch äußere Merkmahle verrathen. Er hat seit einiger Zeit ziemlich geältelt. Figürlich auch, nach dem Alter riechen oder schmecken. Das Fleisch, die Butter ältelt, ist ein wenig anbrüchig. Der Wein ältelt, im guten Verstande, verräth sein Alter durch den Geschmack.


Alten (W3) [Adelung]


Alten, verb. reg. neut. welches das Hülfswort haben erfordert, alt werden. Wer jung erschossen wird, der pfleget nicht zu alten, Opitz. Der graue Nestor kann noch ferner friedlich alten, ebend. Im Hochdeutschen kommt dieses Zeitwort nur sparsam vor, weil man sich daselbst lieber des Diminutiv. älteln und des Intensivi altern bedienet.

Anm. Alten war in dieser Bedeutung schon bey den ältesten Fränkischen und Alemannischen Schriftstellern bekannt. Sold ich si küssen zeinem maleSo mueze ich nicht alden, sang der Herzog von Anhalt unter den Schwäbischen Dichtern. Die Niedersachsen drücken dieses Zeitwort oolden, oolen aus. Alten von andern Gegenständen, als von lebendigen Geschöpfen gebraucht, wie Esr. 14, 4. die Zeit beginnet zu alten, ist wohl selbst in Oberdeutschland ungewöhnlich.


Altentheil (W3) [Adelung]


Das Altentheil, des -es, plur. die -e, in Niedersachsen, derjenige Theil, den sich die Alten, d. i. die Ältern, vorbehalten, wenn sie einen Hof ihren Kindern übergeben; in der Mark Brandenburg das Alttheil. Wenn der Vater seinen Kindern seinen Hof übergibt, so ziehet er sich in das Altentheil zurück, und heißt alsdann ein Altsitzer, Altvater, und wenn es eine Frau ist, Altmutter.


Alter (W3) [Adelung]


Das Alter, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Die natürliche Dauer eines jeden Dinges, besonders eines Menschen. So bedeutet Alter oder Menschenalter oft einen Zeitraum von so viel Jahren, als ein Mensch ordentlicher Weise zu leben pfleget. Vor der Sündfluth währete das Alter der Menschen gemeiniglich neun hundert Jahr. Ingleichen einen Zeitraum, in welchem alle zugleich lebende Menschen auszusterben pflegen, eine Generation, wofür man eine Zeit von drey und dreyßig Jahren annimmt. Drey Alter, oder Menschenalter machen also ein Jahrhundert aus.Am häufigsten aber in eingeschränkterer Bedeutung, diejenige Zeit, welche ein Mensch, oder eine Sache durch die Dauer bereits zurückgeleget hat. An Alter zunehmen. Wir sind gleiches Alters, oder von gleichem Alter, in gleichem Alter. Er ist meines Alters, oder in meinem Alter. Das Alter eines Geschlechtes. Dieses Geschlecht ist von hohem Alter. Das Alter einer Stadt, eines Thieres, eines Baumes, u. s. f.2) Ein gewisser Zeittheil der menschlichen Dauer, und der Zustand des Menschen in demselben. So wird das menschliche Leben von einigen in sieben Alter getheilet. Er ist in seinem besten Alter. Das blühende, das männliche, das hohe Alter. Die Jugend hat ohne glücklich zu seyn, Freuden genossen, welche die folgenden Alter nur zu beweinen haben, Dusch. Die Glückseligkeit muß sich über alle Alter ausbreiten, worin wir empfinden und denken, Dusch. Figürlich wird auch die Dauer der Welt in gewisse Zeiträume eingetheilet, welche gleichfalls Alter genannt werden. Das goldene Alter der Welt, die vorgegebene Zeit der Einfalt und Genügsamkeit, da die Wünsche der Menschen sich noch nicht über die wahren Bedürfnisse der Natur erstreckt haben sollen. So auch, das silberne, das eherne Alter. Glückliches Alter unserer Väter, wie verschieden bist du von dem unsrigen! Dusch. In der Astronomie heißen zuweilen auch die scheinbaren Veränderungen des Mondes, Mondesalter, in welchem Verstande Aetas lunae schon bey dem du Fresne vorkommt. In engerer Bedeutung wird zuweilen auch eine längst verflossene Zeit das Alter genannt, doch nur in den adverbischen Redensarten, vor Alters, ehedem, und von Alters her, von langen Zeiten her. In den Rechten bedeutet von Alters her, seit einer Zeit von dreyßig Jahren.3) Eine längere Dauer und die damit verbundenen Vorzüge, im Gegensatze eines Jüngern ohne Plural. So sagt man im gemeinen Leben oft, das Alter haben, oder das Alter von einem andern haben, länger in dem Besitze einer Sache oder eines Rechtes seyn, als er. Ingleichen in den Bergwerken, sein Alter augenscheinlich machen, sein älteres Recht beweisen; das Alter erlangen, die mit dem ältern Rechte verbundenen Vorzüge bekommen; das Alter erhalten, durch pflichtmäßiges Betragen in dem Besitze dieser Vorzüge verbleiben.4) Der letzte Zeittheil des natürlichen Lebens der Menschen; ohne Plural. Mein Alter nahet heran, schleicht herein. Das Alter drückt mich noch nicht. Der Jugend Fleiß ist des Alters Ehre. Sprichw. Alter hilft für Thorheit nicht, alte Leute können eben so wohl Thorheiten begehen, als junge. Vor Alter sterben, aus bloßer Erschöpfung der Kräfte. Figürlich werden unter diesem Worte auch alte Personen verstanden. Das Alter ist mürrisch. Das Alter sucht die Ruh, die Jugend liebt die Freude, Hofmannsw. Im gemeinen Leben ist das Alter auch eine Krankheit der Kinder und jungen Leute, wenn sie sehr alt aussehen, auch das Älterlein; da denn der Aberglaube sie in den Backofen zu schieben pflegt, um sie wieder jung zu backen. Anm. Die Alten hatten so wohl dieses Hauptwort Alter, als das verwandte Elt, Aldi, Angels. Ylde, und noch jetzt sind in Oberdeutschland beyde üblich, doch mit einigem Unterschiede. Die Älte, und in Oberschwaben Alti, wird mehr von der Dauer überhaupt, besonders lebloser Dinge, das Elter oder Älter aber vornehmlich von dem hohen menschlichen Alter gebraucht. S. Alt.


Älterlich (W3) [Adelung]


Älterlich, adj. et adv. von dem Substantive, die Ältern, in dem Zustande, den Verhältnissen der Ältern gegen ihre Kinder gegründet. Die älterliche Zärtlichkeit. Ein neues aber analogisch richtiges Wort.


Ältermann (W3) [Adelung]


* Der Ältermann, des -es, plur. die Älterleute, derjenige der unter mehrern der älteste ist, und um deßwillen gewisse Vorzüge vor andern genießet. Besonders führen diesen Nahmen noch in Niedersachsen die Vorsteher der Kaufleute, Handwerker oder anderer Innungen, welche sonst auch Älteste, Oberälteste, Handwerksmeister, ingleichen Altermannschaften genannt werden. An einigen Niedersächsischen Orten belegt man auch die Kirchenvorsteher mit diesem Nahmen.

Anm. Bey den Angelsachsen wurde der Graf eines Gaues, eine beynahe fürstliche Würde, Ealdermann genannt. Übrigens ist dieses Wort nur allein in Niedersachsen und den damit verwandten Sprachen üblich. Nieders. Oldermann; Engl. Alderman, Schwed. Äldermann, Dän. Oldermand. S. Spellmanns Gloss. und Haltaus Glossar. h. v. Das Englische Alderman bedeutet vorzüglich einen Rathsherren, und wird von ungeschickten Übersetzern immer durch das im Hochdeutschen unbekannte Aldermann gegeben, da sie es doch durch Rathsherr übersetzen sollten.


Ältermutter (W3) [Adelung]


Die Ältermutter, plur. die -mütter, die Mutter des Großvater oder der Großmutter, Engl. Aunt, Nieders. Anke-moor, wo Anke das Verkleinerungswort von Ane, Großmutter, und Ano Großvater ist, S. Ahn. Altmutter und Altvater bedeuten in Oberdeutschland die Großmutter und den Großvater, und daher kommt es, daß man deren Ältern wieder im Comparativo Ältermutter und Ältervater nennet. S. auch Ältervater.


Ältern (W3) [Adelung]


Die Ältern, sing. car. eigentlich der Comparativ von alt, als ein Substantivum gebraucht, Eheleute oder überhaupt ältere Personen beyderley Geschlechts im Verhältnisse gegen ihre Kinder zu bezeichnen. Sprichw. Böse Ältern machen fromme Kinder. Die ersten Ältern, Adam und Eva.

Anm. Wachter leitet dieses Wort von dem alten alen, zeugen, gebären her. Allein es ist wohl ausgemacht, daß es unmittelbar von alt abstammet, daher man es auch billig mit einem Ä, und nicht, wie ehedem üblich war, mit einem E schreibet. Der Comparativ von alt war zwar allen alten Mundarten bekannt, allein in der gegenwärtigen Bedeutung war er doch nur vorzüglich den Franken eigen, obgleich das Angels. Yldran Vorfahren überhaupt bedeutet. Nieders. de Oldern, Olen. In Ostfriesland ist auch der Singular von diesem Worte üblich.


Altern (W3) [Adelung]


Altern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Intensivum von alten ist, sein zunehmendes Alter durch die äußere Gestalt verrathen. Wenn ich wie sie wäre, ich machte lauter solchen alternden Schönheiten meine Aufwartung, Weiße. Denn Geister altern nicht, sie reifen mit den Jahren, Kästn. Nieders. oldern.


Älternlos (W3) [Adelung]


Älternlos, adj. et adv. der Ältern beraubt. Älternlose Kinder, Waisen. Daher die Älternlosigkeit.


Alterthum (W3) [Adelung]


Das Alterthum, des -es, plur. die -thümer. 1) Das Alter, d. i. eine lange Dauer, in Ansehung der vergangenen Zeit; ohne Plural. Das Alterthum dieses Geschlechtes. Das Alterthum eines Gebäudes. Eine wegen ihres hohen Alterthumsberühmte Stadt. In Oberdeutschland wird Alterthum in dieser Bedeutung des hohen Alters auch von einzelnen Personen gebraucht; allein im Hochdeutschen ist dafür nur allein Alter üblich.2) Die alte längst verflossene Zeit und die Menschen, die darin gelebt haben; gleichfalls ohne Plural. Das heidnische Alterthum. Das christliche Alterthum. Das gelehrte Alterthum. Das schmeckt nach dem Alterthume. Besonders die schöne Zeit der Griechen und Römer, und die Schriftsteller die aus derselben übrig geblieben sind. Der gute Geschmack des Alterthums.3) Ehemalige, in alten Zeiten noch übliche Gebräuche, ingleichen Werke der Kunst, die aus alten Zeiten noch übrig sind, in welcher Bedeutung nur allein der Plural gebraucht wird. Griechische, Römische, Deutsche Alterthümer. Heidnische, christliche Alterthümer. Daher die Alterthumskunde, die Kunde oder Kenntniß der Alterthümer, und in engerer Bedeutung, der Alterthümer der Griechen und Römer; ein Alterthumskundiger, der diese Kenntniß besitzt; ein Alterthumsforscher, der sie sich in einzelnen Fällen zu erwerben sucht.


Ältervater (W3) [Adelung]


Der Ältervater, des -s, plur. die -väter, des Großvaters oder der Großmutter Vater, Nieders. Ankevaer, S. Ältermutter. Wenn man eines Ältervaters oder einer Ältermutter mit Ehrerbiethung gedenken will, so pflegt man beyde Wörter zu theilen, und die Ehrennahmen Herr und Frau dazwischen zu setzen; z. B. Ew. Churfürstl. Durchl. Ältern Herrn Vaters Majestät u. s. f.


Älteste (W3) [Adelung]


Der Älteste, des -n, plur. die -n, der Superlativ von alt, als ein Substantiv gebraucht, der erste und vornehmste in einer Gesellschaft, und zwar eigentlich den Jahren nach, dann aber auch der Würde, der Geschicklichkeit und dem Verstande nach. So werden an einigen Orten, besonders auf dem Lande, noch die Schöppen oder Beysitzer in den Gerichten Älteste genannt; S. Haltaus v. Eltesten. Am häufigsten kommt dieses Wort noch bey den Innungen und Handwerkern vor, wo die angesehensten Glieder zu Ältesten erwählet werden, da sie denn Beysitzer des Obermeisters sind, und mit ihm die ganze Innung vorstellen. Sie werden sonst auch Handwerksälteste, Vormeister, Kerzenmeister, und in Niedersachsen Älterleute genannt; S. diese Wörter.

Anm. Obgleich Ältester, als der Superlativ von alt, hier substantive gebraucht wird, so behält es doch, wie bey allen übrigen Superlativen geschiehet, die ihm als einem Adjective eigene Declination. Es ist also unrichtig, wenn es 2. Joh. 1. der Ältester heißt.


Älteste (W3) [Adelung]


+ Das Älteste, des -n, plur. inusit. bey den Handwerkern, das Amt eines Altgesellen.


Altfisch (W3) [Adelung]


Der Altfisch, S. 1. Alant.


Altflicker (W3) [Adelung]


* Der Altflicker, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, so viel als ein Schuhflicker, der an andern Orten auch Altlapper, Altmacher, Altputzer, Altreiß genannt wird. S. das letzte.


Altflöte (W3) [Adelung]


Die Altflöte, plur. die -n, eine Flöte, die den Alt bläset; zum Unterschiede von einer Diskant-Tenor- und Baßflöte.


Altfränkisch (W3) [Adelung]


Altfränkisch, -er, -te, adj. et adv. nach Art der alten Franken, und in weiterer Bedeutung, veraltet überhaupt. Altfränkische Wörter, Moden, Trachten. Altfränkische (veraltete, abgekommene) Meinungen.


Altfürstlich (W3) [Adelung]


Altfürstlich, adj. et adv. in dem Deutschen Staatsrechte, seit den ältesten Zeiten, d. i. vor der Mitte des 16ten Jahrhundertes, mit der fürstlichen Würde bekleidet. Ein altfürstliches Haus. Die Altfürstlichen, die altfürstlichen Häuser, im Gegensatze der Neufürstlichen, die erst in den neuesten Zeiten, d. i. seit der Mitte des 16ten Jahrhundertes, zu dieser Würde erhoben worden.


Altgebacken (W3) [Adelung]


Altgebacken, S. Altbacken.


Altgeige (W3) [Adelung]


Die Altgeige, plur. die -n, eine Geige, welche den Alt spielet, eine Bratsche; zum Unterschiede von einer Discant-Tenor- und Baßgeige.


Altgeschnitten (W3) [Adelung]


+ Altgeschnitten, adj. et adv. in der Landwirthschaft, so viel als im Alter geschnitten. Ein altgeschnittener Ochse, oder ein Altgeschnittener, ein Stammochse, der im Alter geschnitten worden, und der an einigen Orten wohl gar ein Altschneider, in der Lausitz aber auch ein Poiße genannt wird.


Altgesell (W3) [Adelung]


Der Altgesell, des -en, plur. die -en, bey den Handwerkern, derjenige Gesell, welcher bey einer Innung an einem Orte am längsten als Gesell gewesen, und daher verschiedene Vorzüge genießet. Bey einigen Handwerkern heißt er der Orten- oder Irtengesell, der Ortinger, bey denjenigen aber, die ihre Gesellen Knechte nennen, der Altknecht.


Altgläubig (W3) [Adelung]


Altgläubig, adj. et adv. den alten Glauben, d. i. die alte Religion, habend, der alten Religion gemäß, im Gegensatze des neugläubig. Besonders nennen sich in der Griechischen Kirche diejenigen die Altgläubigen, welche die von dem Patriarchen Nikon in der Mitte des 17ten Jahrhunderts vorgenommene Veränderung in den Kirchengebräuchen verwerfen, aber von der herrschenden Russischen Kirche Roskolniki, d. i. Abtrünnige, genannt werden.


Althee (W3) [Adelung]


Die Althee, plur. inusit. ein aus dem Griech. und Lat. Althea hergenommener Nahme derjenigen Pflanze, welche sonst auch Eibisch, oder weiße Pappel genannt wird. Der Nahme Althea, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich heile, bedeutet so viel als Heilwurz, Hülfswurz, welchen diese Pflanze auch im Deutschen führet.


Altherr (W3) [Adelung]


* Der Altherr, des -en, plur. die -en, ein Nahme, der zu Nördlingen in Schwaben den Rathsherren gegeben wird, und schon in dem alten Gedichte auf den h. Anno von den Römischen Rathsherren gebraucht wird.


Althiebig (W3) [Adelung]


+ Althiebig, adj. et adv. in dem Forstwesen, von den Laubhölzern, über zwanzig Jahre alt. Ein althiebiges Stangenholz, im Gegensatze des jungen, oder hiebigen Stangenholzes, wie diejenigen Schläge genannt werden, die zwischen zwölf und zwanzig Jahren alt sind.


Altjagdbar (W3) [Adelung]


+ Altjagdbar, adj. et adv. bey den Jägern, von den Hirschen, über acht Jahre alt. Ein altjagdbarer Hirsch, der auch ein überjagdbarer Hirsch, oder ein Haupthirsch, ein Capital-Hirsch genannt wird.


Altist (W3) [Adelung]


Der Altist, des -en, plur. die -en, S. 2. Der Alt.


Altklug (W3) [Adelung]


Altklug, adj. et adv. klug, wie die Alten, klüger als es die Jahre mit sich bringen, ein Wort, welches in der vertraulichen Sprechart eigentlich nur von Kindern gebraucht wird; frühklug, welches zugleich edler ist. Altklug thun. Ein altkluges Kind. Und diese holde Lehrerinn Kann auch die Jugend altklug machen, sang einst Hagedorn von der Liebe, Ihr Freunde, laßt uns altklug werden, Und weiser als die Weisen seyn, ebend. Lessing gebraucht dafür das Diminutivum ältlichklug.


Altknecht (W3) [Adelung]


Der Altknecht, des -es, plur. die -e, S. oben Altgesell. Indessen führen auch bey einigen Handwerkern, die ihre Gesellen sonst nicht Knechte zu nennen gewohnt sind, die Altgesellen diesen Nahmen, dergleichen z. B. von den Schneidern bekannt ist.


Altlapper (W3) [Adelung]


* Der Altlapper, des -s, plur. ut nom. sing. so viel als ein Schuhflicker, von Lappe, welches ehedem auch die Schuhsohle bedeutete.


Ältlich (W3) [Adelung]


Ältlich, adj. et adv. ein wenig alt. Ein ältliches Gesicht. Er siehet schon ganz ältlich aus. Ingleichen ein wenig anbrüchig. Ältlich riechen, schmecken.


Altmacher (W3) [Adelung]


* Der Altmacher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Altflicker.


Altmilchen (W3) [Adelung]


+ Altmilchen, adj. et adv. welches in der Landwirthschaft von denjenigen Kühen gebraucht wird, welche gälte geblieben sind, und also in diesem Jahre nicht gekalbet haben, im Gegensatze der frischmilchenen. An einigen Orten werden auch trächtige Kühe, welche noch kurz vor ihrer Kalbezeit Milch geben, altmilchene genannt. Im Nieders. altmelk, welches auch auf dem Lande in Obersachsen häufig ist. In einigen Gegenden gebraucht man dafür altmilchig.


Altmodisch (W3) [Adelung]


Altmodisch, -er, -te, adj. et adv. nach einer veralteten Mode. Altmodische Kleider, Wörter, Gesinnungen.


Altmutter (W3) [Adelung]


Die Altmutter, plur. die -mütter. 1) In Oberdeutschland die Großmutter, S. Ältermutter. 2) In Niedersachsen, die abgelebte Frau eines Dienstmannes, die ihr Gut einem ihrer Kinder abgetreten hat. S. Altvater und Altentheil.


Altputzer (W3) [Adelung]


* Der Altputzer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Altflicker.


Altreiß (W3) [Adelung]


* Der Altreiß, des -es, oder des -en, plur. die -en, ein Nahme, der in Oberdeutschland den Schuhflickern gegeben wird, Niederländisch Oldrüse. Die letzte Hälfte dieses Wortes scheinet von dem Zeitworte reißen zu seyn; wenigstens wird wohl kein Vernünftiger auf die Öhldrüsen fallen können, wie doch in dem Manufactur- und Handwerks-Lexiko geschiehet. In einem 1482 in Oberdeutschland gedruckten Vocabel-Buche heißt es: Rewse der alten Schuhmacher, Sutor.


Altschneider (W3) [Adelung]


+ Der Altschneider, des -s, plur. ut nom. sing. S. Altgeschnitten.


Altsitzer (W3) [Adelung]


Der Altsitzer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Altentheil.


Altstadt (W3) [Adelung]


Die Altstadt, plur. inusit. ein Nahme, der in vielen Städten demjenigen Theile derselben gegeben wird, welcher zuerst Stadtrecht gehabt hat, im Gegensatze der Neustadt, d. i. der mit Stadtrecht begabten Vorstadt. Daher der Altstädter, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, ein Einwohner der Altstadt.


Altstimme (W3) [Adelung]


Die Altstimme, plur. die -n, S. 2. Der Alt.


Alttestamentlich (W3) [Adelung]


Alttestamentlich, adj. et adv. in dem alten Testamente und dessen Verfassung gegründet; im Gegensatze des neutestamentlich.


Altvater (W3) [Adelung]


Der Altvater, des -s, plur. die -väter. 1) * Der Stammvater eines Geschlechtes, eines Volkes, einer Religion oder einer Secte. Besonders einer der so genannten Erzväter oder Patriarchen des alten Testamentes, welche beyde Benennungen aber üblicher sind, als jene, welche größten Theils veraltet ist. 2) Der Großvater, doch nur im Oberdeutschen, S. Ältermutter. 3) In einigen Niedersächsischen Gegenden wird ein abgelebter Dienstmann, welcher sein Gut an seine Kinder oder andere abgetreten hat, Altvater genannt. S. Altentheil.


Altväterisch (W3) [Adelung]


Altväterisch, -er, -te, adj. et adv. eigentlich nach Art der Altväter oder Vorfahren. Wo altväterische Treue altväterische Sitten begleitet, Zach. Doch größten Theils nur in figürlicher Bedeutung, für veraltet, im verächtlichen Verstande. Altväterische Moden, Trachten, Sitten, Gebäude. Er ist zu vornehm erzogen, als daß er dem gemeinen Manne die altväterische Glückseligkeit einer gesegneten Ehe beneiden sollte.


Altvertraut (W3) [Adelung]


Altvertraut, adj. et adv. so vertraut, als man nach einem alten, langen Umgange zu seyn pfleget. Wir thaten schon so altvertraut, Weiße.


Altvettelisch (W3) [Adelung]


+ Altvettelisch, adj. et adv. nach Art der alten Vetteln oder alten Weiber; ein niedriges Wort, welches man im Hochdeutschen mit allem Rechte veralten lassen, welches aber noch 1. Timoth. 4, 7. von Luthern gebraucht worden.


Altwasser (W3) [Adelung]


Das Altwasser, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, ein Nebenstrom, oder Arm eines Stromes der ehedem dessen Hauptbett gewesen; ein Beystrom.


Am (W3) [Adelung]


Am, die mit dem m, als dem Casus-Zeichen des Dativi Singularis des männlichen und sächlichen Geschlechtes, zusammen gezogene Präposition an, welche in einigen Fällen nothwendig ist, in andern aber nur geduldet wird.1. Nothwendig ist diese Zusammenziehung. 1) Vor den Superlativis, wenn sie als Nebenwörter stehen sollen. Am besten. Am größten. Ich sehe ihn am liebsten unter allen. Hier lebt man am vergnügtesten. In diesem Falle verträgt die Präposition den völlig ausgedruckten Artikel schlechterdings nicht, obgleich auf, wenn es auf ähnliche Art gebraucht wird, denselben leidet; z. B. aufs beste, oder auf das beste. Zwischen den mit an und auf als Adverbia gebrauchten Superlativis findet übrigens noch der Unterschied Statt, daß an eine wirkliche Vergleichung voraus setzet, auf aber nur schlechthin einen hohen Grad andeuten soll. Z. B. Er hat uns aufs beste bewirthet, sehr gut; er hat uns am besten bewirthet, unter allen andern hat uns niemand so gut bewirthet. So auch, er ging am prächtigsten gekleidet, und er ging auf das prächtigste gekleidet; er bewies sich noch am billigsten, unter den übrigen, und er bewies sich auf das billigste. 2) Wenn an den Dativum Singularis regieret und vor einem Hauptworte männlichen oder sächlichen Geschlechtes stehet, welches den bestimmten Artikel in diesem Falle nicht leidet, da denn der Casus an der Präposition bezeichnet werden muß. Ein Engel am Verstande. Ihre guten Absichten ersetzen das, was ihr am Verstande fehlet. Arm am Geiste. Krank am Leibe, am Gemüthe. Er ist noch am Leben. Groß an Gestalt, am Geiste klein, Weiße. Besonders, wenn dadurch adverbische Redensarten gebildet werden. Am Anfange, für anfänglich. Sie wird es am Ende doch errathen. Es ist noch hoch am Tage. Es liegt am Tage. Wenn aber vor einem solchen Substantive noch ein Adjectiv stehet, so bekommt dieses, nicht aber die Präposition das m, indem es hier bloß auf die Bezeichnung des Casus ankommt. Zehn Thaler an barem Gelde. An innerm Werthe reich, Haged. Vor Fämininis kann an den Dativ nicht bezeichnen, weil sich das r nicht mit dem n verbinden läßt; folglich reich an Schönheit.2. Geduldet wird diese Zusammenziehung überall wo an dem stehen sollte, doch nur in der vertraulichen Sprech- und Schreibart, dagegen man sie in der höhern lieber vermeidet; es müßte denn die vollständigere Form den dichterischen Styl matt machen. Der Garten ist gleich am Hause. Am Sonntage. Eine Wunde am Haupte. Am Tage des Gerichtes. So auch wenn ein Adjectiv zwischen an und dem Hauptworte stehet. Am heutigen Tage. Am dritten Tage. Findet aber der Artikel der nicht Statt, sondern es sollte eigentlich der unbestimmte Artikel ein stehen, oder stehet vor dem Substantive ein Pronomen oder ein dem Pronomen ähnliches Adjectiv, so bekommt dieses das m, und an behält seine natürliche Gestalt. Geschiehet das an grünem Holze, wenn man hier grünes Holz unbestimmt, folglich ohne Artikel verstehet; denn im entgegen gesetzten Falle müßte es heißen, am grünen Holze, für an dem grünen Holze. An barem Gelde. An jenem Tage. An einem Tage. An diesem Tage. Es hat mir an meinem Vermögen vielen Schaden gethan. Er arbeitet an deinem Verderben. Dieses gilt auch, wenn ein Genitiv vor dem Hauptworte vorher gehet. An Gottes Segen. In der ohnehin schon halb veralteten Anführungsart der Theologen, Matthäi am letzten Kapitel u. s. f. stehet am für im.


Amalgama (W3) [Adelung]


Das Amalgama, substant. indeclin. aus dem Griech. und Lat. Amalgama, eine Mischung des Quecksilbers mit einem andern verbundenen Metalle. Daher amalgamiren, zwey Metalle auf solche Art verbinden; mit einem Deutschen Kunstworte sie verquicken. Amalgamation, die Verquickung.


Amalia (W3) [Adelung]


Amalia, Genit. Amalia's; oder Amalie, Genit. Amaliens, Dat. Amalien, plur. car. ein eigenthümlicher weiblicher Nahme, der so viel als die Unbefleckte bedeutet, von Mal, Mail, Makel, und dem so genannten a privativo, oder vielmehr dem verkürzten un. S. A. Im gemeinen Leben wird dieser Nahme in Mälchen, und in Niedersachsen in Mälke verkürzt.


Amant (W3) [Adelung]


+ Der Amant, des -en, plur. die -en, aus dem Franz. Amant, im gemeinen Leben, derjenige welcher liebt oder geliebt wird, der Liebhaber, + der Liebste. Fämin. die Amante, plur. die -n, diejenige, welche liebt oder geliebt wird, die Geliebte, + Liebste.


Amarelle (W3) [Adelung]


Die Amarelle, plur. die -n, 1. Eine Art dunkelrother, großer saurer Kirschen, welche kurze Stiele haben, von einem angenehmen Geschmacke sind, und im Österreichischen Spanische Weichseln heißen. Eben daselbst werden die großen, hellrothen, runden, säuerlichen Kirschen, an langen und dünnen Stielen, Amarellen, in andern Gegenden Amorellen, Marillen, Marellen und Ammern genannt. In Meißen unterscheidet man beyde Arten durch die Nahmen schwarze und rothe Ammern. Einige belegen auch die Herzkirschen, und andere die so genannten Rheinischen Kirschen mit diesem Nahmen, welches aber wohl nur ein Mißbrauch desselben ist. Der Nahme ist zunächst aus dem Italiänischen Amarino, Amarella, welches aus Cerasum Armeniacum zusammen gezogen seyn soll, weil diese Kirschen zuerst aus Armenien gekommen sind. Henisch hat Amelbeer und setzt dazu Cerasum Julianum. In einer Urkunde von 1300 beym du Fresne wird Amarina schon von einer Art säuerlicher Kirschen gebraucht, und in einem 1501 zu Rom gedruckten Deutschen und Italiänischen Vocabulario heißt es: Cerase, Kyrsen, la marasche, die Wichlen (Weichseln) le verte, die Ambreln.2. Eine Art kleiner gelber Aprikosen, welche nicht so schmackhaft ist, als die übrigen Arten, und auch Marille genannt wird; obgleich andere alle Aprikosen überhaupt Marellen, Marillen, Morillen, die Schweizer aber Barillen nennen. Auch hier soll der Nahme so viel als Malum Armeniacum seyn. Henisch erkläret Amarelle, durch frühzeitige kleine Pfirsichen, Pruna Armeniaca, welche schon um St. Johannis reif werden, und daher auch St. Johannis-Pfirsiche heißen.


Amarellen-Baum (W3) [Adelung]


Der Amarellen-Baum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum, der Amarellen trägt, es mögen nun Kirschen oder Aprikosen seyn.


Amazone (W3) [Adelung]


Die Amazone, plur. die -n. 1) Der Nahme gewisser streitbarer Weiber, welche ehedem in klein Asien an dem Flusse Thermodon, ein eigenes Reich gestiftet haben sollen, deren Geschichte aber völlig fabelhaft ist. 2) Überhaupt eine muthige, kühne weibliche Person. Amazoninn für Amazone ist wider den Sprachgebrauch.


Amazonen-Kleid (W3) [Adelung]


Das Amazonen-Kleid, des -es, plur. die -er, eine in den neuern Zeiten aufgekommene Frauenzimmertracht, welche diesen Nahmen deßwegen bekommen hat, weil sie der männlichen Tracht gleichet, und dem schönen Geschlechte ein männliches Ansehen gibt. Den schlanken Leib umgab ein Amazonenkleid, Zachar.


Amazonen-Stein (W3) [Adelung]


Der Amazonen-Stein, des -es, plur. die -e, eine Art grüner Edelsteine, welche am Amazonen-Flusse gefunden wird. S. davon das Hamburg. Magaz. B. 6, S. 224.


Amazonen-Tobak (W3) [Adelung]


Der Amazonen-Tobak, des -es, plur. inusit. eine Art Tobakes, welcher dicke, an den Enden runde Blätter hat, die so lang als die am Zeugen-Tobak, aber breiter sind. Vermuthlich von dem Amazonen-Flusse in Süd-Amerika, von welchem er zu uns gebracht worden.


Ambacht (W3) [Adelung]


Ambacht, S. Amt.