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Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
B

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

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Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

B

B (W3) [Adelung]


B, der zweyte Buchstab des Deutschen Alphabetes, welcher mit den Lippen ausgesprochen, und wegen seiner Leichtigkeit von den Kindern am ersten und liebsten hervor gebracht wird. Die gewöhnlichste Aussprache desselben hält das Mittel zwischen den mit ihm verwandten p und w; das ist, das b wird weicher als das p und härter als das w ausgesprochen. Nur am Ende eines Wortes oder einer Sylbe nähert es sich dem erstern; z. B. Sieb, Leib, Staub, Dieb, Trieb, Siebmacher, leiblich, Liebling, Triebfeder. Ist aber ein e weggeworfen, so behält es auch hier seine weichere Aussprache, z. B. Hebopfer, Knäblein, Weiblein u. s. f. weil diese Wörter eigentlich Hebeopfer, Knäbelein, Weibelein heißen sollen. Am weichesten wird dieser Buchstab ausgesprochen, wenn er in einfachen Wörtern in der Mitte zwischen zwey Selbstlautern stehet, wo er wenig von dem w unterschieden ist, wie in leben, geben, bleiben, Körbe, Hiebe. In den wenigen einfachen Wörtern, in welchen dieser Buchstab doppelt vorkommt, findet diese weiche Aussprache gleichfalls Statt, wie in Ebbe, Krabbe; kommen aber zwey b durch die Zusammensetzung zusammen, wie in abbrechen, so wird das erste hart, das andere aber gelinde ausgesprochen. S. die Orthogr. Th. 1. S. 155.Da diejenigen Buchstaben, welche mit einerley Sprachwerkzeugen vorgebracht werden, in allen Sprachen sehr gern mit einander verwechselt zu werden pflegen: so ist solches in der Deutschen auch dem b, f, v, w und p widerfahren. Beyspiele davon findet man in den Schriften der ältern und mittlern Zeiten fast in allen Zeilen. Ob nun gleich die Schreibart seitdem beständiger und gleichförmiger geworden ist, so sind doch noch einige Überbleibsel dieser Verwechselung zurück geblieben; z. B. Gift, von geben, Wapen, von Waffen u. s. f. So schreibt man auch wohl noch jetzt Ingber und Ingwer, Zittwer und Zittber, Wittwe und Wittib. So sehr die Niederdeutsche Mundart diesen Buchstaben liebt, so sparsam gehet die rauhere Oberdeutsche mit demselben um, indem sie fast gar kein Anfangs - B kennet, sondern Par, Pär, Purk, Paum u. s. f. für Baier, Bär, Burg, Baum, spricht, und wenn sie sich selbst überlassen wird, auch schreibet. Das b, welches im Oberdeutschen so gern dem m nachschleicht, als Lamb, frommb, umb, Ambt, nimmbt u. s. f. ist im Hochdeutschen längst verbannt werden.Das Anfangs-b ist nicht alle Mahl ein Stammbuchstab, sondern oft nur die Ableitungssylbe be, welche ihr e verloren; ein Umstand, welcher für die Wortforschung sehr wichtig ist. Man sehe, was von der Abstammung der Wörter bang, barmherzig, bleiben, Blut, Brücke und hundert anderer angemerket worden.


Baacke (W3) [Adelung]


Baacke, S. Bake.


Baals-Pfaffe (W3) [Adelung]


Der Baals-Pfaffe, des -n, plur. die -n, ein Schmähwort auf einen gottlosen abergläubigen Priester, dergleichen diejenigen waren, welche dem ehemahligen morgenländischen Götzen Baal dieneten.


Baar (W3) [Adelung]


Baar, S. Bar.


Baare (W3) [Adelung]


Die Baare, S. Bahre.


Bacchant (W3) [Adelung]


Der Bacchant, des -en, plur. die -en, Fämin. die Bacchantinn, plur. die -en, ein Priester, oder Priesterinn des Bacchus bey den ehemahligen Griechen und Römern. S. Bacchus.

Anm. Das Wort Bachant, mit welchem man ehedem auf den Universitäten einen angehenden Studenten bezeichnete, hat mit diesem nichts gemein, sondern ist vermuthlich aus dem Latein. Beanus entstanden, welches in den mittlern Zeiten, besonders auf der Universität zu Paris, einen solchen jungen Studenten bezeichnete, und in welches die Alemannische Mundart ihren gewöhnlichen Hauchlaut eingeschoben hat. S. Frisch v. Bachant, und des du Fresne Glossar. v. Beanus.


Bacchus (W3) [Adelung]


Bacchus, plur. car. 1) Der eigenthümliche Nahme des Gottes des Weine, in der Götterlehre der Griechen und Römer. Ein Sohn des Bacchus, figürlich ein Liebhaber des Weines. 2) Figürlich und in der dichterischen Schreibart, der Wein selbst. Im Scherze auch so wohl ein Liebhaber des Trunkes, als auch eine kleine ungewöhnlich dicke Person.

Anm. Weil dieses Wort im Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - geschrieben wird: so haben einige Neuere angefangen, es auch im Deutschen mit zwey cc zu schreiben. Man könne dawider den nicht ungegründeten Einwurf machen, daß unser ch nach einem geschärften Vocale bereits doppelt lautet, und daß man, wenn man dieses Wort ja dem Griechischen gemäß schreiben wollte, es eigentlich Bakchus schreiben müßte, welches doch noch niemanden eingefallen ist.


Bach (W3) [Adelung]


Der Bach, des -es, plur. die Bäche, Diminutivum das Bächlein, ein fließendes Wasser, welches kleiner ist, als ein Fluß. Nahe Bäche lispelten durch das Gras, oder rauschen in kleinen Fällen sanft in das Getöse, Geßn. Im gemeinen Leben einiger Gegenden bedeutet Bach ohne Artikel Röhrwasser, im Gegensatze des Brunnenwassers. Es ist Bach, Röhrwasser.

Anm. 1. Dieser Ausdruck ist ein allgemeiner Nahme eines jeden fließenden Wassers von geringerer Größe, es mag nun aus seiner eigenen Quelle beständig fließen, oder nur von dem Regen- oder Schneewasser zu gewissen Zeiten entstehen. Die letztern pflegt man auch Gießbäche, Feldbäche und Regenbäche zu nennen. Die meisten Bäche im gelobten Lande waren von dieser Art, daher das Wort Bach in Luthers Bibel oft auch das Bett eines solchen Regenbaches bedeutet, welches nur zu gewissen Zeiten mit Wasser angefüllet war. Dagegen Wasserbach Ps. 1. einen Bach bezeichnet, welcher beständig mit Wasser angefüllet ist. In Niedersachsen unterscheidet man auch die Bäche nach Maßgebung ihrer Größe durch besondere Nahmen. Ein kleiner Bach heißt daselbst Rihe, welches mit dem Gothischen Richa, dem Angelsächsischen Riw, und dem Lateinischen Rivus überein kommt; ein größerer Bach, wird Beke (Bäke) ein Fluß aber Fleet genannt.

Anm. 2. In Oberdeutschland ist dieses Wort weiblichen Geschlechtes, und wird daselbst die Bach, oder die Bache gesprochen, welcher Mundart nicht nur die Schlesier, sondern auch viele Obersachsen und die Einwohner des Saalreises folgen. Opitz gebraucht Bach Ein Mal für Wasser, welche sonst ungewöhnliche Figur wohl nur eine poetische Freyheit ist: - Man soll, daß uns der Wein Nicht Schaden bringen mag, ihm selber schädlich seyn,Und Bach darunter thun.

Anm. 3. Bach lautet schon bey dem Willeram Bach, im Niedersächsischen Beke, im Schwed. Baek, im Dänischen Bäk, und im Wendischen Bec. Frisch glaubt mit dem Dietrich von Stade, daß in diesem Worte vornehmlich auf das ausgehöhlte Bett eines fließendes Wassers gesehen werde, so daß Bach mit Becken, Becher, Backen und Bauch zu einerley Stammworte gehören würde. Allein es scheinet vielmehr, daß Bach in den ältesten Mundarten überhaupt Wasser, oder doch ein fließendes Wasser bedeutet habe; welches die Vergleichung mit dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, manavit, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, fluctus rivorum, und mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und im Dorischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, sehr wahrscheinlich macht. Das Böhmische Bahno, bedeutet Sumpf, Morast, und viele mit Bach zusammen gesetzte Nahmen der Pflanzen, bezeichnen solche Gewächse, welche an wässerigen, sumpfigen Orten wachsen, im Gegensatze derer, welche einen trockenen Boden verlangen.


Bachamsel (W3) [Adelung]


Die Bachamsel, plur. die -n, ein Nahme, welchen in Oberdeutschland die Bachstelze führet. Bey andern ist es ein Vogel, welcher sich an Wasserfällen und Bächen aufhält, wo er von kleinen Fischen und Wasser-Insecten lebt, Sturnus Cinclus, L. im Deutschen auch Bachvögel, Seeamsel, Wasseramsel, Wassermerle, Wasserstahr.


Bachbambele (W3) [Adelung]


Die Bachbambele, plur. die -n, in der Schweiz der Nahme der glatten Elritze, Cyprinus phoxinus, L.


Bachblume (W3) [Adelung]


Die Bachblume, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Dotterblume, Caltha palustris, L.


Bachbohne (W3) [Adelung]


Die Bachbohne, plur. die -n, S. das folgende.


Bachbunge (W3) [Adelung]


Die Bachbunge, plur. die -n, ein Nahme, welchen man im gemeinen Leben zwey Pflanzen beyleget, welche Linne beyde zu den Arten des Ehrenpreises rechnet. Die erste heißt bey ihm Veronica Beccabunga, ist eine sehr saftige Pflanze und hat rundliche, fette, saftige und eingekerbte Blätter, fast wie die Bohnen. Die andere, Veronica Anagallis, hat lanzettförmige eingezähnte Blätter, und wird sonst auch Wassergauchheil genannt. Beyde Arten haben blaue Blumen, wachsen in rinnenden Wasser, welche im Winter nicht zufrieren, und werden im gemeinen Leben oft mit der Brunnenkresse verwechselt. Wie sanft rieselst du vorüber, kleine Quelle, durch die Wasserkresse, und durch die Bachbungen, die ihre blaue Blumen empor tragen! Geßner.

Anm. Diese Pflanze heißt bey den ältern Kräuterkennern Beccabunga, und Baccabunga, ein Nahme, welcher unstreitig aus dem Deutschen gemacht worden. Was aber Bunge in demselben bedeutet, ist so ausgemacht noch nicht. Bunge bedeutet im Niedersächsischen eine Trommel; Bunge, Pinge, ist bey den Bergleuten die Grube von einem eingefallenen Schachte; das Schwed. bunga, bedeutet schlagen, binge, einen Hügel, und bunke, ein Geschwür. Keines von diesen Wörtern schicket sich hierher. Vermuthlich ist Bunge eine verderbte Aussprache von Bohne; indem die Blätter der ersten Art Bachbungen den Bohnenblättern ziemlich gleich sehen, daher auch einige Neuere den Nahmen Bachbohne wieder einzuführen gesucht. Im Dänischen und Norwegischen heißt diese Pflanze Vandarve und Ledmyge.


Bach-Conferve (W3) [Adelung]


Die Bach-Conferve, plur. die -n, eine Pflanze mit unkenntlichen Geschlechtern, welche zu den Aftermoosen gerechnet wird, und sehr lange haarförmige Fäden mit unähnlichen Höckern hat; Wasserschlamm, Grasleder, Conferva rivularis, L. Sie wächst in den Europäischen Bächen.


Bache (W3) [Adelung]


Die Bache, plur. die -n, bey den Jägern, das Weibchen von den wilden Schweinen, eine wilde Sau; Lehne. S. das folgende.


Bacher (W3) [Adelung]


Der Bacher, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, ein zweyjähriges wildes Schwein männlichen Geschlechtes; ein Keiler, bey einigen, besonders Niedersächsischen Jägern, ein Bäcker, oder Becker.

Anm. Weil Back im Niedersächsischen den Rücken bedeutet, dieser aber an den Schweinen das beste ist, so leiten Wachter und Frisch diese Benennung davon ab; eine sehr gezwungene Ableitung, die Frischens Scharfsinne in andern Fällen gar nicht angemessen ist. Das Holländische Backe, Baecke, bedeutet bey dem Kilian ein jedes Schwein; im Dänischen ist Bagge ein untersetztes Pferd, und im Schwedischen bedeutet Bagge, einen Widder, und Baegga ein Schaf. Bacharus ist bey dem Älfrie ein großes Schwein, und Baca kommt in dem Lateine der mittlern Zeiten nicht selten für vacca, eine Kuh, vor; welches Lateinische Wort selbst hierher gehöret. Es scheinet daher fast, daß Bach ehedem ein Nahme gewesen, welcher mehrern Thieren gemein gewesen, dergleichen von dem Worte Bär und andern unläugbar ist. S. auch Bachmatt. In Pommern ist Bacher oder Bächer ein Bauernkittel.


Bächern (W3) [Adelung]


* Bächern, verb. reg. act. ein nur in einigen Gegenden bekanntes und aus dem Niedersächsischen bakern entlehntes Wort, für wärmen. Sich recht ausbächern, auswärmen. Es ist das Intensivum von bähen.


Bachfahrt (W3) [Adelung]


Die Bachfahrt, plur. die -en, ein Oberdeutsches Wort, einen hohlen Weg zu bezeichnen, welchen das Regen- oder Schneewasser ausgewaschen hat. Dieses Wort verdienet das Hochdeutsche Bürgerrecht, weil man kein anderes hat, einen solchen hohlen Weg auzudrucken, indem Schluchter theils sehr niedrig, theils nur in einigen Provinzen bekannt ist.


Bachfeger (W3) [Adelung]


Der Bachfeger, S. Bachstecher.


Bachfisch (W3) [Adelung]


Der Bachfisch, des -es, plur. die -e, ein Fisch, welcher sich in Bächen aufhält, im Gegensatze der Teich-See- und Flußfische.


Bachforelle (W3) [Adelung]


Die Bachforelle, plur. die -n, eine der besten Art Forellen, welche sich nur in fließenden Wald- und Bergbächen aufhält; Waldforelle, in Oberdeutschland Bachfohre, Waldfohre.


Bachhase (W3) [Adelung]


* Der Bachhase, des -n, plur. inusit. im gemeinen Scherze einiger Gegenden, der Nahme eines Wassermußes oder Wasserbreyes, welcher auch wohl ein Landläufer genannt wird.


Bachhund (W3) [Adelung]


Der Bachhund, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, diejenigen Dachsschliefer, welche sich zur Biber- und Otterjagd abrichten lassen, weil sich diese Thiere gern an Bächen aufhalten.


Bachkrebs (W3) [Adelung]


Der Bachkrebs, des -es, plur. die -e, diejenigen Krebse, welche sich in Bächen und fließenden Wassern aufhalten, im Gegensatze der See- und Meerkrebse.


Bachkresse (W3) [Adelung]


Die Bachkresse, plur. die -n. 1) Ohne Plural, ein Nahme derjenigen Kresse, welche auch Brunnenkresse genannt wird; S. dieses Wort. 2) In Oberdeutschland wird der Gründling, Cy- prinus Gobio, L. die Bachkresse oder der Bachgräßling genannt. S. Gründling und Gräßling.


Bachmatt (W3) [Adelung]


Der Bachmatt, des -en, plur. die -en, eine Art Podolischer sehr dauerhafter Pferde, vor dem Pohlnischen Worte Bachmat, welches einen Zelter, Paßgänger bedeutet.


Bachmücke (W3) [Adelung]


Die Bachmücke, plur. die -n, eine Art großer Mücken mit glasartigen Flügeln, welche sich auf den Wiesen und an den Bächen aufhält; Tipula rivalis, L.


Bachmünze (W3) [Adelung]


Die Bachmünze, plur. inusit. eine Art wilder Münze, Mentha aquatica, L. Fischmünze, Krötenmünze. Sie Wächst gern an Bächen und feuchten Ortern. Auch die Ackermünze, Mentha arvensis, ingleichen die Feldkresse, oder Wiesenkresse, Cardamine arvensis, werden von einigen, obgleich unbillig, mit diesem Nahmen belegt.


Bachsand (W3) [Adelung]


Der Bachsand, des -es, plur. car. feiner Sand aus Bächen, zum Unterschiede von dem gröbern Fluß- oder Kiessande.


Bachschmerle (W3) [Adelung]


Die Bachschmerle, plur. die -n, eine Art Schmerlen, welche sich vorzüglich in fließenden Wassern aufhält, im Gegensatze der Teichschmerlen.


Bachstadt (W3) [Adelung]


* Die Bachstadt, plur. die -städte, eine an einem oder mehrern Bächen gelegene Stadt; ein Ausdruck, welcher nur Jos. 13, 9, vorkommt, sonst aber nicht gebräuchlich ist


Bachstecher (W3) [Adelung]


Der Bachstecher, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, Leute, welche sich zu Ausräumung der heimlichen Gemächer gebrauchen lassen, und daher für anrüchtig, oder gar für unehrlich gehalten werden; auch Bachfeger. Bach hat in dieser Zusammensetzung die Bedeutung eines Canales, eines Abzuges.


Bachstelze (W3) [Adelung]


Die Bachstelze, plur. die -n, ein hochbeiniger Vogel, welcher etwas länger als ein Sperling, aber nicht so dick ist, den Schwanz hoch träget, ihn stets beweget, und sich gern an Bächen aufhält. Die eine Art dieses Vogels ist weiß und schwarz, die andere hat eine gelbe Brust und einen gelben Bauch. Die erste Art liebt die frisch geackerten Felder, und pflegt sich gern nahe zu dem Viehe zu halten; daher man sie auch Kuhstelze und Ackermännchen zu nennen pflegt.

Anm. Weil dieser Vogel den Schwanz beständig beweget, so wird er im Niedersächsischen Quicksteert, Quäcksteert, Swicksteert, Wippsteert genannt, von quicken, wippen, vibrare, und Steert, Schwanz. Von eben diesem Umstande rühret auch dessen Oberdeutscher Nahme Pillwenken, Pillwegischen bey dem Pictorius, ingleichen die Dänische Benennung Vippestiärt, die Norwegische Quickstiert, die Engl. Wag-Tail, die Ital Codatremola, Codasquassola, Codaccivola, die Franz. Hauchequeue, die Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und die Latein. Motacilla her. Frisch glaubet daher, daß auch der Hochdeutsche Nahme Bachstelze so viel als Wacksterze bedeute, und aus dem Niedersächsischen verderbet worden. Diese Ableitung ist nicht unwahrscheinlich. Weil sich aber dieser Vogel wirklich gerne an Bächen aufhält, daher er im Oberdeutschen auch Bachamsel, Wasserstelze, und im Dänischen auch Elvekonge genannt wird, so hat auch Wachters Meinung ihre Wahrscheinlichkeit, nach welcher dieser Vogel von diesem Aufenthalte, und von seinen langen Beinen, auf welchen er als wie auf Stelzen einher gehet, so genannt worden.


Bächten (W3) [Adelung]


* Bächten, verb. reg. neutr. mit haben, ein Meißnisches Provinzial-Wort, welches kleinen Unrath verstreuen bedeutet. Bächte mir die Stube nicht voll. Die Abstammung ist mir unbekannt. Vielleicht ist es ein Überbleibsel der ehedem in Meißen herrschenden Wendischen Sprache, welche daselbst unter dem Volke mehrere Spuren zurück gelassen hat.


Bachvogel (W3) [Adelung]


Der Bachvogel, S. Bachamsel.


Bachwanze (W3) [Adelung]


Die Bachwanze, plur. die -n, eine Art springender Wanzen, welche sich gern an Bächen aufhält; Cimex saltatorius, L. bey einigen Neuern der Springer.


Bachwasser (W3) [Adelung]


Das Bachwasser, des -s, plur. inusit. fließendes Wasser, im Gegensatze des Brunnenwassers.


Bachzahn (W3) [Adelung]


Der Bachzahn, S. Backenzahn.


Back (W3) [Adelung]


* Das Back, des -es, plur. die -e, ein Niederdeutsches Wort, welches in Niedersachsen in mehrern Bedeutungen vorkommt, von welchen folgende die vornehmsten sind. 1) Der vordere inwendige Theil eines Schiffes, wo sich die Küche und die Ankertaue befinden. 2) Eine tiefe hölzerne Schüssel auf den Schiffen, in welcher den Seeleuten das Essen angerichtet wird, daher diejenigen, welche aus Einer Schüssel mit einander essen, und deren auf den Holländischen Schiffen sechs bis acht, auf den Englischen aber nur vier sind, ein Backvolk heißen. 3) Ein hölzerner Kasten, in verschiedenen Niederländischen und aus Niederdeutschland herstammenden Fabriken. Bey den Zuckersiedern ist es ein Kasten, worin die Moskovade aufbehalten wird. Bey den Kattundruckern ist es ein hölzernes Gefäß von Böttcherarbeit, worin der Farberahm schwimmet, und so in andern Fällen mehr. In allen diesen Fällen ist der Begriff der Vertiefung der herrschende, daher es mit unsern Becken eines Geschlechtes ist. Außer dem bedeutet der Back im Niedersächsischen auch den Rücken.


Backapfel (W3) [Adelung]


Der Backapfel, des -s, plur. die -äpfel, in der Haushaltung, Äpfel, welche gut zum Backen sind; ingleichen gebackene Äpfel.


Backbirn (W3) [Adelung]


Die Backbirn, plur. die -en, gebackene Birnen; ingleichen Birnen, die gut zum Backen sind.


Backbort (W3) [Adelung]


* Das Backbort, des -es, plur. die -e, auf den Schiffen, die linke Seite des Schiffes, wenn man aus dem Hintertheile nach vornen zu siehet; im Gegensatze, des Steuerbortes oder der rechten Seite. Vermuthlich von dem Niedersächsischen Back, der Rücken, und back, hinten. S. Bort.


Backbret (W3) [Adelung]


Das Backbret, des -es, plur. die -er, in den Küchen, ein dünnes rundes Bret, allerley Gebackenes darauf zu verfertigen. Bey den Bäckern, ein Bret, worauf das Brot und die Semmeln nach dem Ofen getragen werden.


Backdöse (W3) [Adelung]


* Die Backdöse, plur. die -n, in Obersachsen, eine Döse, d. i. ein rundes hölzernes Gefäß, welches auf drey verlängerten Dauben stehet, unten weiter als oben ist, und zum Brotbacken gebaucht wird. S. Döse.


Bäcke (W3) [Adelung]


* Die Bäcke, plur. die -n, ein im gemeinen Leben, obgleich nicht überall gebräuchliches Wort. 1) Die Handlung des Brotbackens; ohne Plural. 2) So viel man auf Ein Mahl in einem Ofen backen kann; das Gebäcke, in Oberdeutschland der Back, der Buch, in Niedersachsen Bakkels oder ein Backen.


Backe (W3) [Adelung]


Die Backe, plur. die -n, Diminutivum das Bäckchen, vulg. Bäckelchen, in Oberdeutschland Bäcklein. 1) Der erhabene fleischige Theil des Gesichtes unter den Augen, zu beyden Seiten der Nase. Runde, eingefallene, aufgeblasene Backen. 2) Figürlich. a) Gewisse erhabene Theile an andern Theilen des Leibes, oder an andern Körpern. So werden die Fleischigen Theile an dem Gefäße der Menschen an den Hinterbeinen der Pferde gleichfalls Backen genannt. Die Backen im Gehirne, bey den Zergliederern, sind auch solche erhabene Theile. Auch die Wölbungen an den Seiten eines Gewehrschaftes, die Hintertheile der Messerklingen, woraus die Stiele geschmiedet werden, die vier Pfeiler- chen an den Vorhängeschlössern, worein der Bogen des Schlosses eingelenket ist, an den Spundstücken die hohe Seite, so auf dem Boden stehet, und andere ähnliche Erhöhungen werden im gemeinen Leben gleichfalls Backen genannt. b) Verschiedene Seitenflächen, wenn sie gleich keine Wölbung aufzuweisen haben. In den Salzfiedereyen führen daher die schräg hinauf gemauerten Steine in den Öfen, welche das Feuer näher an die Pfanne leiten, diesen Nahmen. An einem Hammer sind es die beyden Seitenflächen, und an den Batterien die beyden innern Seiten der Schließscharten, welche Backen genannt werden.

Anm. 1. Dieses Wort ist nur in den gewöhnlichen Sprecharten üblich, dagegen sich die edlere das Wort Wange vorbehalten hat. Das Geschlecht und die letzte Sylbe dieses Wortes sind nicht in allen Mundarten gleich. Die meisten Oberdeutschen sagen die Backe, andere das Backe, und noch andere der Backen; welche letztere Form auch in dem zusammen gesetzten Worte, der Kinnbacken, üblich ist.

Anm. 2. Back bedeutet ehedem eine jede Erhöhung, welche Bedeutung noch in Kinnbacken übrig ist. Das Schwed. Backe, das Dän. Bakke, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bedeuten einen Hügel. Bühel und Buckel sind bloße Diminutiva von Back und Buck. Bey den Wallisern und Bretagnern bedeutet Boch gleichfalls die Wange. S. auch Back, Becken, Buckel. Bey den Franken und Alemannen waren Bahhon, Hiufilon und Huffelo in der Bedeutung der Wangen üblich; das letztere kommt mit Hübel oder Hügel genau überein. Bey den Niedersachsen ist Leer, Angels. Hleare, in gleicher Bedeutung im Gange. Doch gebrauchen sie auch Backe, welches aber in einigen Gegenden auch den Unterleib bedeutet.


Backen (W3) [Adelung]


Backen, Ich backe, du bäckst, er bäckt, wir backen, u. s. f. Imperf. ich buk, Conj. büke, Partic. gebacken; ein unrichtiges Verbum, welches in doppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Activum, mit dem Hülfsworte haben, in welcher Gattung es im Hochdeutschen nur von solchen Dingen gebraucht wird, welche am oder im Feuer bis zu einem gewisse Grade austrocknen. Besonders von dem Brote. Das Brot bäckt schon. Noch mehr aber,II. Als ein Activum. 1) Vermittelst des Feuers bis zu einem gewissen Grade hart und dürre machen, ohne Brühe kochen. Obst backen, am oder im Ofen dörren. Eyer, Kuchen, Brot backen. Gebackene, gebrannte, Steine, S. Backstein. 2) In engerer Bedeutung, Brot backen, mit Einschließung aller dazu nöthigen Hülfsarbeiten. Wir haben noch nicht gebacken. Der Bäcker bäckt heute nicht. Auf die Hefe backen, bey den Bäckern, mit Hefen backen. Auf den Zeug backen, ohne Hefen backen. 3) In einen Teig einhüllen, und backen. So werden in den Küchen die Fische, Frösche, Hühner u. s. f. in Pfannen, bey den Perrückenmachern die Haare im Ofen gebacken u. s. f. 4) In weiterer Bedeutung bäckt man die Seidenhäuschen oder die Cocons, wenn man sie in einen heißen Ofen schiebt, um den Wurm zu tödten. Stahl backen, Eisen durch Cementiren in Stahl verwandeln.

Anm. Die Oberdeutsche Mundart spricht dieses Wort mit ihrem Lieblingslaute bachen, im Imperf. ich buch, aus. Das Niedersächsische backen gehet regulär, ich backte u. s. f. Selbst in einigen Oberdeutschen Gegenden sagt man im Partic. gebachet. Man könnte diese Verschiedenheit sehr nützlich zur Unterscheidung des Neutrius von dem Activo anwenden. Bey dem Notker lautet dieses Wort pacchen, bey den Dänen bage, bey den Schweden baka, bey den Angelsachsen bacian, bey den Engländern to bake, bey den Pohlen piece. Frisch glaubt, daß mit diesem Zeitworte auf den Back oder Trog gesehen werde, worin derTeig zubereitet wird. Allein man findet dieses Wort schon, ehe man vermuthlich noch an einen Trog gedacht hat. Folgende Ableitungen sind daher so wohl natürlicher, als auch fruchtbarer. 1. Das Hebräische Bag bedeutet eine jede Speise und das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - essen. Herodotus versichert, daß schon bey den Phrygiern, denen die Erfindung des Getreides, Ackerbaues und Brotbackens zugeschrieben wird, das Brot Bek geheißen. Bäk konnte also überhaupt eine jede Speise, backen aber solche zubereiten bedeuten. 2. Die Griechen hatten ein Verbum, welches - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - hieß, und erwärmen bedeutete; mit diesem kommt unser noch übliches bähen genau überein, welches von bachen und backen nur dem stärkern Hauchlaute nach verschieden ist, oder Vielmehr, bachen oder backen ist das Iterativum von bähen. Nach dieser Ableitung würde der Begriff des Röstens oder Dörrens der herrschende seyn, welcher zugleich der ältesten Beschaffenheit des Brotes genau entspricht. 3. Das Nieders. backen druckt außer der Bedeutung, die es mit dem Hochdeutschen backen gemein hat, auch den Begriff des Klebens und Kleibens oder Kleisterns aus, es mag nun solches durch Austrocknung, oder vermittelst eines Klebers geschehen. Das Haar ist mit Blut zusammen gebacken, sagt sogar Opitz. Auch dieser Begriff, wenn man ihn als den herrschenden ansiehet, lässet sich auf das Backen des Brotes u. s. f. anwenden, indem solche gebackene Körper wirklich mehrere Festigkeit und Haltung bekommen. Indessen läßt sich auch dieser Begriff sehr bequem auf den Begriff des Bähens oder Erwärmens zurück führen. Die im gemeinen Leben übliche Redensart, es wird diese Nacht backen, d. i. heftig frieren, ist wohl ursprünglich Niedersächsisch, und soll eigentlich so viel sagen, daß alle Körper zusammen frieren werden. Das Verbale Backung ist nicht üblich.


Backenbart (W3) [Adelung]


Der Backenbart, des -es, plur. die -bärte, diejenigen Haare, welche auf den Backen stehen, wenn sie nicht abgenommen, sondern als ein Bart beybehalten werden.


Backenbein (W3) [Adelung]


Das Backenbein, des -es, plur. die -e, gewisse Beine auf beyden Seiten des menschlichen Gesichtes, welche den erhabenen Ort unter den Augen, nach der auswärtigen Seite zu, einnehmen, einem schiefen Vierecke gleichen, und eigentlich die Backen bilden; Ossa zygomatica, genae. Wegen der runden Gestalt, die sie von außen zu haben scheinen, werden sie von einigen auch Apfelbeine genannt.


Backenblase (W3) [Adelung]


Die Backenblase, plur. die -n, bey den Hamstern, zwey häufige Säcke zu beyden Seiten in dem Munde, in welchen sie ihren Vorrath in ihre Höhlen tragen.


Backenbüchse (W3) [Adelung]


Die Backenbüchse, plur. die -n, eine allgemeine Benennung unserer heutigen kleinen Feuergewehre, welche bey dem Abfeuern an die Backen gelegt werden; zum Unterschiede von den ehemaligen größern Hakenbüchsen.


Backendrüse (W3) [Adelung]


Die Backendrüse, plur. die -n, in der Zergliederungskunst, zwey Drüsen an jeder Seite des Kinnbackens, welche sich in den Mund ergießen; Glandulae maxillares.


Backeneisen (W3) [Adelung]


Das Backeneisen, des -s, plur. ut nom. sing. in verschiedenen Künsten und Handwerkern, gewisse eiserne Theile, welche die so genannten Backen ausmachen, oder sich an denselben befinden. In den Kupferhämmern sind es z. B. die Pflannen, worin die Zapfen der Hülsen der von dem Wasser getriebenen Hämmer stecken.


Backengrube (W3) [Adelung]


Die Backengrube, plur. die -n, Diminutivum das Backengrübchen; eine kleine Vertiefung in den Backen mancher Personen; das Grübchen.


Backenhaken (W3) [Adelung]


Die Backenhaken, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Tischlern, diejenigen Bolzen an der Hobelbank, zwischen deren Backen oder Seitenflächen man allerley Sachen, die man bearbeiten will, fest keilet.


Backenhaube (W3) [Adelung]


Die Backenhaube, plur. die -n, eine Art Hauben des andern Geschlechts, welche die Backen bedecken.


Bäckenherr (W3) [Adelung]


Der Bäckenherr, S. Bäckerherr.


Backenknochen (W3) [Adelung]


Der Backenknochen, des -s, plur. ut nom. sing. an den Hinterfüßen der Pferde, der erste röhrförmige Knochen, der sich unten mit dem obern Röhrknochen verbindet, und an welchem die Hinterbacken des Pferdes liegen; der Hankenknochen.


Backenlehne (W3) [Adelung]


Die Backenlehne, plur. die -n, an einem Lehnstuhle, die beyden obern Theile, an welche man die Backen lehnet.


Backenriemen (W3) [Adelung]


Der Backenriemen, des -s, plur. ut nom. sing. an den Hintergeschirren der Pferde, Riemen, welche sich an den Hinterbacken befinden.


Backenschlag (W3) [Adelung]


Der Backenschlag, des -es, plur. die -schläge, in der edlern Schreibart, ein Schlag mit der flachen Hand auf die Backe; ein Wort, welches schon in einer Thüringischen Urkunde von 1289 vorkommt. Sie geben mir schimpfliche Backenschläge, Hiob 16, 10 in Herrn Michaelis Übersetzung. S. Backenstreich.


Backenschmiege (W3) [Adelung]


Die Backenschmiege, plur. die -n, bey den Zimmerleuten, die Schmiege, oder die schräge Linie, welche der Schriftsparren da macht, wo er an dem Grathsparren anliegt, und welche auch die Klebenschmiege genannt wird.


Bäckenstock (W3) [Adelung]


Der Bäckenstock, S. Bäckerstock.


Backenstreich (W3) [Adelung]


Der Backenstreich, des -es, plur. die -e, in der anständigern Schreibart, ein Schlag mit der flachen Hand auf die Backen; ehedem Bäkeling, Bekeling, bey dem Tatian Hantslac, oder Handschlag, so fern er mit der Hand geschiehet, im Schwabenspiegel Halsslag. Alle diese eigentlichen und anständigen Ausdrücke sind im gemeinen Leben durch die figürlichen Benennungen einer Ohrfeige, Maulschelle, Schelle, Dachtel u. s. w. verdränget worden.


Backenstück (W3) [Adelung]


Das Backenstück, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, solche Theile, welche sich an den Backen befinden, oder die figürlich so genannten Backen ausmachen. An einem Pferdezaume sind die Backenstücke diejenigen Theile, welche sich an den Backen des Pferdes befinden; im Bergbaue sind es die Erhöhungen an den Seiten eines Gerinnes u. s. f.


Backenstuhl (W3) [Adelung]


Der Backenstuhl, des -es, plur. die -stühle, ein Stuhl mit Backenlehnen.


Backenzahn (W3) [Adelung]


Der Backenzahn, des -es, plur. die -zähne, die letzten vier Zähne in jedem Kinnbacken unter den Backen, welche größer als die übrigen, und an dem obern Ende breit und ungleich sind, und daher auch Stockzähne genannt werden. Weil der letzte von ihnen selten vor den Jahren des Verstandes aus seiner Höhle tritt, so wird er auch der Weisheitszahn genannt.

Anm. Rabanus Maurus nennt die Backenzähne Chinne zane, im Angelsächsischen heißen sie Gomateth, in Niedersachsen Rusen, und in Schlesien verderbt Backzähne. Ihr Lateinischer Nahme, dentes molares, beziehet sich auf ihre Verrichtung, indem sie zur Zermalmung der Speisen dienen. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit den Ochsenzähnen, heißen sie im Schwed. Oxeltander, im Isländ. Jaksel, und bey den nördlichen Engländern Axelteeth.


Bäcker (W3) [Adelung]


1. Der Bäcker, des -s, plur. ut nom. sing. ein wildes Schwein männlichen Geschlechts; S. Bacher, aus welchem Worte verderbt ist.


Bäcker (W3) [Adelung]


2. Der Bäcker, des -s, plur. ut nom. sing. die Bäckerinn, plur. die -en, eine Person, welche das Backen verstehet, und sich davon nähret. Ein Kuchenbäcker, Pastetenbäcker, Zuckerbäcker, Obstbäcker, Brotbäcker u. s. f. Besonders ein Hand-werksmann, der das Backen des Brotes erlernet hat, und sich davon nähret.

Anm. Dieses Wort, welches im Angels. Baecere, im Engl. Baker, im Schwed. Bakare, im Dänischen Bager, im Böhmischen Pekar, und im Pohlnischen Piekarsz lautet, ist von dem Verbo backen abgeleitet. In der Oberdeutschen Mundart, welcher noch viele Obersachsen im gemeinen Leben folgen, lautet dasselbe der Beck, des -en, plur. die -en, daher auch in allen folgenden Zusammensetzungen daselbst für Bäcker - Becken - gesetzt wird. Da dieses Wort unmittelbar von backen herkommt. so wird es auch billig mit einem ä in der ersten Sylbe geschrieben. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist für Bäcker, aus dem Lateinisch. Pistor auch das Wort Pfister üblich.


Back-erbe (W3) [Adelung]


* Das Back-erbe, plur. die -n, in einigen Niedersächsischen Städten, ein Haus, auf welchem die Backgerechtigkeit haftet, ein Backhaus; von Erbe, so fern es in Niedersachsen ein Haus bedeutet.


Bäckerbrot (W3) [Adelung]


Das Bäckerbrot, des -es, plur. inus. im Oberdeutschen Beckenbrot, Brot, welches der Bäcker gebacken hat, im Gegensatze des hausbackenen, oder Bauerbrotes.


Bäckerbursch (W3) [Adelung]


Der Bäckerbursch, des -en, plur. die -en, vulg. Beckenbursch, ein Gesell bey den Bäckern; ein Nahme, welchen sie sich selbst beylegen, dagegen sie von andern, so wie die Gesellen der Fleischer, Schuster u. s. w. nur Bäckerknechte heißen.


Bäckerey (W3) [Adelung]


Die Bäckerey, plur. die -en. 1) Alles was zum Backen, besonders des Brotes gehöret. 2) Der Ort, der zum Backen bestimmt ist. Besonders ist an Höfen die Bäckerey, eine besondere Küche zur Verfertigung des Backwerks, welcher ein Backmeister vorgesetzt ist. So auch Zuckerbäckerey u. s. f. Im Oberdeutschen auch die Pfisterey.


Bäckerhandwerk (W3) [Adelung]


Das Bäckerhandwerk, des -es, plur. inus. 1) Das Handwerk, welches die Bäcker erlernen, als ein Abstractum. 2) Die sämmtlichen Bäckermeister eines Ortes, als ein Collectivum.


Bäckerherr (W3) [Adelung]


Der Bäckerherr, des -en, plur. die -en, vulg. Beckenherr. An einigen Orten, 1) diejenigen Glieder des Stadtrathes, welche bey dem Marktamte die Brottaxe besorgen, und die Aufsicht über die Bäcker haben. 2) Der Abgeordnete des Rathes, der den Zusammenkünften des Bäckerhandwerkes beywohnet, der Patron des Bäckerhandwerkes.


Bäckerknecht (W3) [Adelung]


Der Bäckerknecht, des -es, plur. die -e, vulg. Beckenknecht, ein Gesell bey den Bäckern. S. Bäckerbursch. In engerer Bedeutung werden diejenigen Gesellen Bäckerknechte genannt, welche wirklich in Arbeit stehen, im Gegensatze der Feyerburschen, welche auf der Herberge liegen. Nach den verschiedenen Verrichtungen, welche jeder Bäckerbursch bey seinem Meister hat, werden sie Werkmeister, Kneter, Sichter, Junker u. s. w. genannt. S. diese Wörter.


Bäckerschabe (W3) [Adelung]


Die Bäckerschabe, plur. die -n, ein schwarzer, breiter Mehlwurm, der bey den Bäckern am häufigsten angetroffen wird, und wegen seiner Schwärze auch bey einigen Kußwurm heißet.


Bäckerschneider (W3) [Adelung]


Der Bäckerschneider, des -s, plur. ut nom. sing. vulg. Beckenscheider, an einigen Orten, ein Bäckerknecht, der beständig in der Mühle bleibt, und das Geschrotene für die Bäcker siebet; am häufigsten der Sichter.


Backfisch (W3) [Adelung]


Der Backfisch, des -es, plur. die -e, eine allgemeine Benennung aller derjenigen Fische, welche man in den Küchen lieber zu backen, als zu kochen pflegt. Im Scherze nennt man in Niedersachsen ein junges, zum Heirathen noch nicht tüchtiges Mädchen, ein Backfisch.


Backform (W3) [Adelung]


Die Backform, plur. die -en, kleine Arten von Backwerk darin zu backen.


Backgast (W3) [Adelung]


Der Backgast, des -es, plur. die -gäste, ein Nahme, welcher die Bäcker denjenigen Kunden geben, welche ihr Brot gewöhnlich bey ihnen backen lassen.


Backgeld (W3) [Adelung]


Das Backgeld, des -es, plur. von mehreren Summen, die -er, dasjenige Geld, welches man dem Bäcker für das Backen des Brotes bezahlet.


Backgerechtigkeit (W3) [Adelung]


Die Backgerechtigkeit, plur. die -en, das Recht, einen Backofen anzulegen und Brot zu backen, es geschehe nun zu seinem eigenen Gebrauche, oder für andere.


Backhaus (W3) [Adelung]


Das Backhaus, des -es, plur. die -häuser. 1) Ein besonderes Gebäude, in welchem das Brot für eine Haushaltung gebacken wird. 2) Ein Wohnhaus, welches mit der Backgerechtigkeit versehen ist, in welchem das Bäckerhandwerk getrieben werden darf; an einigen Orten eine Backstube, ein Backerbe.


Backholz (W3) [Adelung]


Das Backholz, des -es, plur. car. grob gespaltenes Holz, den Backofen damit zu heitzen.


Bäckig (W3) [Adelung]


Bäckig, mit Backen, (genis) versehen; ein Bey- und Nebenwort, welches nur in den Zusammensetzungen rothbäckig, dünnbäckig, dickbäckig, bausbäckig u. s. f. üblich ist.


Backkammer (W3) [Adelung]


Die Backkammer, plur. die -n, an Höfen, derjenige Theil der Küche, in welchem das Gebackene zubereitet wird.


Backkoch (W3) [Adelung]


Der Backkoch, des -es, plur. die -köche, eben daselbst, ein Koch, der unter der Aufsicht des Backmeisters das Gebackene verfertiget; der Bäckereykoch.


Backkorb (W3) [Adelung]


Der Backkorb, des -es, plur. die -körbe, ein Korb, worin der Bäcker den zu einem Brote geformten Teig noch ein Mahl aufgehen läßt, und ihn dann darin zum Ofen trägt; der Backnapf, die Backschüssel.


Backmeister (W3) [Adelung]


Der Backmeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Aufsicht über die Bäckerey und das Backwerk an den Höfen hat.


Backobst (W3) [Adelung]


Das Backobst, des -es, plur. car. 1) Gebackenes Obst. 2) Obst, welches nur zum Backen taugt, oder gut zu backen ist; dergleichen Backäpfel, Backbirnen, Backkirschen, Backpflaumen sind.


Backofen (W3) [Adelung]


Der Backofen, des -s, plur. die -öfen. 1) Ein Ofen zum Backen, besonders des Brotes. Daher der Backofenzins, so wohl dasjenige Geld, welches die Unterthanen der Herrschaft, die einen Zwangofen hat, entrichten, als auch dasjenige, was ein Nachbar dem andern für den Gebrauch seines Backofens bezahlet. 2) Figürlich, von einiger Ähnlichkeit, bey den Minirern, eine wie ein Backofen gestaltete Mine.


Backordnung (W3) [Adelung]


Die Backordnung, plur. die -en, diejenige Ordnung, nach welcher die Bäcker eines Orts zu backen verbunden sind.


Backpfanne (W3) [Adelung]


Die Backpfanne, plur. die -n, in den Küchen, eine Pfanne, Fische und andere Speisen darin zu backen.


Backprobe (W3) [Adelung]


Die Backprobe, plur. die -n. 1) Das Meisterstück, welches ein angehender Bäcker zu backen verbunden ist. 2) Dasjenige Getreide, welches die Obrigkeit zur Probe mahlen und backen lässet, um den Preis des Brotes darnach zu bestimmen. 3) Die Brottaxe, welche den Bäckern gesetzt wird; doch nur in Niedersachsen.


Backschaufel (W3) [Adelung]


Die Backschaufel, plur. die -n, ein dünnes an einer langen Stange fest gemachtes Bret, worauf der Teig in den Ofen geschoben oder geschossen wird; die Brotschiebe, Brotschieße, Schiebe oder Schieße, der Schieber.


Backschüssel (W3) [Adelung]


Die Backschüssel, plur. die -n, hölzerne oder ströherne Schüsseln, in welchen die Brote zum Ofen getragen werden. S. Backkorb.


Backstein (W3) [Adelung]


Der Backstein, des -es, plur. die -e. 1) Gebackene, d. i. gebrannte Steine, Ziegel, im Gegensatze der gehauenen, oder an der Luft getrockneten Steine. 2) In einigen Gegenden, eine Art Märgel, welcher so hart, wie Stein ist, und in Gestalt der Backsteine gebrochen wird; Steinmärgel.


Backstube (W3) [Adelung]


Die Backstube, plur. die -n, S. Backhaus.


Backtafel (W3) [Adelung]


Die Backtafel, plur. die -n, bey den Bäckern, das auf einer Tafel befindliche Verzeichniß, wie sie nach einander die Mühle besprechen und erhalten.


Backtrog (W3) [Adelung]


Der Backtrog, des -es, plur. die -tröge, ein unten gewölbter Trog, in welchem der Teig zum Brotbacken angemacht und geknetet wird; Nieders. Backeltrog, an andern Orten die Beute, oder der Beuten.


Backtuch (W3) [Adelung]


Das Backtuch, des -es, plur. die -tücher, bey den Bäckern, Tücher, deren man sich zu den Broten bedienet.


Backwerk (W3) [Adelung]


Das Backwerk, des -es, plur. inus. in den Küchen, allerley gebackene Speisen, doch mit Ausschließung des Brotes. Eine Köchinn, die mit dem Backwerke gut umzugehen weiß, Kuchen u. s. w. backen kann.


Bad (W3) [Adelung]


Das Bad, des -es, plur. die Bäder. 1. Der flüssige Körper, in oder mit welchem man sich badet. a) Eigentlich; in welcher Bedeutung oft ein Wasser, in welchem man badet, diesen Nahmen führet; ohne Plural. Das Bad wärmen. Einem ein schlimmes Bad zurichten, figürl. und im gemeinen Leben, ihm etwas Böses zubereiten. Das Bad austragen müssen, auch nur im gemeinen Leben, eigentlich, das Wasser, worin sich ein anderer gebadet, austragen, figürl. für andere büßen müssen. Das Kind mit dem Bade ausschütten, gleichfalls nur im gemeinen Leben, das Gute mit dem Bösen verwerfen. b) In engerer Bedeutung wird ein warmes mineralisches Wasser, in welchem man badet, ein Bad, ein warmes Bad, ein Wildbad, und zuweilen auch im Plural die Bäder genannt. c) Figürlich heißen oft auch verschiedene andere, theils flüssige, theils nicht flüssige Körper ein Bad, wobey der Grund der Benennung theils von dem Überflusse, theils von einiger Ähnlichkeit des Gebrauches hergenommen ist. So heißt bey den Färbern eine Kufe voll Wasser mit den zum Färben nöthigen Ingredienzen, worin man die Zeuge, die man färben will, einweicht, ein Bad. Bey den Ärzten hat man Milchbäder, Sandbäder, Rosinenbäder, und bey den Scheidekünstlern Dampf- Sand- und Aschenbäder. S. ein jedes an seinem Orte. Bey den Maurern ist das Bad eine größere Menge Mörtel, als gewöhnlich ist. Ein Kalkbad machen, viel Kalk gebrauchen. In das Bad setzen, mehr Mörtel als gewöhnlich nehmen. In dem Worte Blutbad beziehet sich Bad bloß auf die Menge des vergossenen Blutes.2. Der Gebrauch des Bades; ohne Plural. a) Eigentlich. Einem Kranken das Bad verordnen. Sich des Bades bedienen. Einem das Bad gesegnen, im gemeinen Leben, eigentlich wünschen, daß es ihm wohl bekomme; figürl. ihn ausprügeln. b) Figürlich. (1) Ein trockenes Bad, heißt bey einigen Ärzten, wenn der Leib, oder einige Theile desselben mit Rauche gebähet werden. (2) Das Bad der Wiedergeburt, in der biblischen Schreibart, die Taufe.3. Ein Zimmer, ein Gebäude, welches zum Baden bestimmt ist, ingleichen ein Ort, an welchem sich ein mineralisches Bad befindet. In das Bad gehen, reisen. Daher auch die eigenthümlichen Nahmen des Carlsbades, Emserbades, Schlangenbades, Wißbades u. s. w.

Anm. 1. Oft bedienet man sich anstatt des Singulares des Plurals von diesem Worte; z. B. sich der Bäder bedienen, die Bäder zu Wißbaden u. s. f. besonders wenn von einem mineralischen warmen Bade die Rede ist. Alsdann geschiehet solches entweder in Rücksicht auf den mehrmaligen Gebrauch, oder auf mehrere an einem Orte befindliche Quellen, oder auch aus bloßer Nachahmung des Latein. thermae, arum.

Anm. 2. Bad ist sich fast in allen abendländischen und mitternächtigen Sprachen gleich geblieben. Bey dem Kero Pad, Angels. Baeth, Engl. Bath, Schwed. Bad, Holländ. Baed. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Latein. Balneum haben außer der Verlängerung am Ende, statt des d, ein l, welches die Töchter der Lateinischen Sprache wieder weggeworfen, oder vielmehr nur ihren Sprachwerkzeugen gemäß ausgedrucket haben. Die ältesten Lateiner hatten das Wort Bajae, für mineralische Bäder. Die Italiäner sagen Bagno, die Franzosen Bain, und die Russen Banjo. Ihre hält auch hier bähen für das Stammwort, zumahl da das Schwedische Badd auch Sonnenhitze bedeutet. Das Wort Bad würde also eigentlich und zunächst einen warmen Bade zukommen. Allein es scheinet immer, als wenn Wachters Meinung, der dieses Wort zu Vadum, waten, und Wasser, im Nieders. Water, ziehet, dießmahl den Vorzug verdiene. Schon das Phrygische Bedy bedeutete Wasser, das Goth. Wate hatte gleiche Bedeutung, und selbst im Schwedischen ist wat, für feucht, und wäta, für befeuchten, noch üblich. Bad würde also eigentlich einen jeden flüssigen Körper, und besonders das Wasser bedeuten.

Anm. 3. Als sich die Deutschen zum Vortheile ihrer Stärke und Gesundheit des Bades noch häufiger bedienten als jetzt, hatte man eine Menge mit Bad zusammen gesetzter Wörter, die zum Baden nöthigen Bedienten, Werkzeuge, Gefäße, Kleider u. s. f. auszudrucken. In den Oberdeutschen Gegenden, wo man sich noch jetzt zu baden pfleget, sind diese Wörter noch üblich. Dergleichen sind Badehaube, Badehut, Badekessel, Badekleid, Badeknecht, Bademagd, Bademantel, Badeschürze u. s. f. die sich leicht von selbst verstehen, und daher hier keiner weitläufigen Erklärung bedürfen.


Bade-Cur (W3) [Adelung]


Die Bade-Cur, plur. die -en, der Gebrauch eines mineralischen Bades zur Gesundheit. Einem die Bade-Cur verordnen. S. Cur.


Badefrau (W3) [Adelung]


Die Badefrau, plur die -en, an einigen Orten, besonders in Niedersachsen, eine Hebamme, oder Wehmutter, weil sie das neu geborene Kind zuweilen auch zu baden pflegt. S. Bademutter.


Badegast (W3) [Adelung]


Der Badegast, des -es, plur. die -gäste, eine Person, welche des Badens wegen in eine Badestube kommt; ingleichen, welche sich der mineralischen Bäder eines Ortes bedienet. S. Gast.


Badegeld (W3) [Adelung]


Das Badegeld, des -es, plur. inusit. 1) Das Geld, welches man für das Baden in den Badestuben erleget. 2) Bey einigen Handwerkern, so viel als Trinkgeld für die Gesellen, welches ehedem zum Baden angewandt wurde, und den vierten Theil des Wochenlohnes ausmachte. Weil das Baden nicht mehr üblich ist, so ist auch dieses Badegeld abgekommen.


Badekappe (W3) [Adelung]


Die Badekappe, plur. die -n, eigentlich ein langes leinenes Kleid, darin zu baden. In Niedersachsen bedeutet es auch ein langes nesseltuchenes Sterbekleid.


Badekopf (W3) [Adelung]


Der Badekopf, des -es, plur. die -köpfe, in den gemeinen Mundarten so viel als Schröpfköpfe, Ventosen, weil man sie nach dem Gebrauche des Bades aufzusetzen pflegte.


Badekraut (W3) [Adelung]


Das Badekraut, des -es, plur. die -kräuter, ein Nahme, welchen man im gemeinen Leben allen denjenigen Kräutern beyleget, die man zum Baden zu nehmen pflegt, z. B. dem Liebstöckel, den Kamillen, dem Roßmarin, Steinklee u. s. f.


Badelehm (W3) [Adelung]


Der Badelehm, des -es, plur. inusit, S. Badeschlamm.


Bade-Medicus (W3) [Adelung]


Der Bade-Medicus, des -Medici, plur. die -Medici, ein Arzt, welcher sich in einem mineralischen Bade aufhält, die Kranken daselbst zu besorgen; der Badearzt.


Bademulde (W3) [Adelung]


Die Bademulde, plur. die -n, eine Mulde, neu geborene Kinder darin zu baden.


Bademutter (W3) [Adelung]


Die Bademutter, plur. die -mütter, in Niedersachsen, eine Hebamme, Wehmutter. S. Badefrau.


Baden (W3) [Adelung]


Baden, verb. reg. act. 1) Eigentlich, mit Eintauchen des ganzen Leibes, oder doch eines großen Theiles desselben in einen flüssigen Körper, waschen oder bähen. Sich baden. Sich im Flusse, in einem Teiche baden. Ein Kind baden. Er siehet aus wie eine gebadete Katze, im gemeinen Scherze, d. i. sehr naß. Ingleichen absolute, mit Weglassung des Accusativs, baden, das Bad gebrauchen. Ich werde heute baden. Komm, bade sicher, ich störe dich nicht, Raml. 2) Figürlich. Sich im Blute der Erschlagenen baden, viel Blut vergießen. In dem Tumult des Aufruhrs seinen Arm In Blut zu baden Weiße. Sich in allen Wollüsten baden, sie auf eine unmäßige Art genießen. Sich in Thräumen baden, heftig weinen. Oft siehet mich noch der Morgenstern in Gedanken vertieft, und in Thränen gebadet, Dusch. Auf ähnliche Art sagte schon Winsbeck: Di wange vs ougen baden, d. i. weinen. Sie badet seinen Leichnam mit ihren Thränen, Weiße, benetzt ihn häufig damit. Die Müller sagen, das Rad bade, wenn das Wasser so hoch stehet, daß es die Schaufeln erreicht, und folglich die Bewegung hindert.

Anm. Das Verbale die Badung ist von diesem Zeitworte nicht gebräuchlich. Von dessen Abstammung, S. Bad.


Badeordnung (W3) [Adelung]


Die Badeordnung, plur. die -en, die einer Badestube von der Obrigkeit vorgeschriebene Ordnung.


Badequast (W3) [Adelung]


Der Badequast, des -es, plur. die -e, ein Büschel grüner Kräuter, womit man in den Badestuben die Geburtstheile bedeckt.


Bader (W3) [Adelung]


Der Bader, des -s, plur. ut nom. sing. dessen Gattinn die Baderinn, plur. die -en, der die Erlaubniß hat, eine Badestube für andere um Geld zu halten, und vom Baden und Schröpfen Profession macht. Ingleichen ein Wundarzt, der auch Baden und Schröpfen gelernet hat, zum Unterschiede eines Wundarztes, der dabey nur barbieren kann.

Anm. Obgleich das Baden in dem halben Deutschlande gänzlich abgekommen ist, so ist doch die Benennung der Bader geblieben. Im gemeinen Leben pflegt man sie oft mit den Barbierern zu verwechseln, ob sie gleich sich sorgfältig von ihnen unterscheiden. S. Zinkens Manufactur- und Handwerks-Lexicon v. Bader. Eine ihrer vornehmsten Berrichtungen ist noch das Schröpfen, die übrigen Beschäftigungen haben sie mit den Barbierern gemein. Ehedem hieß Bader, was jetzt ein Badegast heißt, d. i. einer der gebadet wird; der Bader aber hieß Bademeister, Stübner, Stubrer, ( S. Badestube) und im Nieders. Badstäver, Stöver.


Baderey (W3) [Adelung]


Die Baderey, plur. die -en, die Wohnung eines Baders, ingleichen ein Haus, welches die Gerechtigkeit hat, eine Badestube zu halten.


Badeschaum (W3) [Adelung]


Der Badeschaum, des -es, plur. car. eine weiße alkalische Guhr, welche mit einigen warmen mineralischen Bädern hervor sprudelt, und als ein weißer Schaum auf dem Wasser schwimmet.


Badeschicht (W3) [Adelung]


Die Badeschicht, plur. die -en, bey den Handwerkern und andern Arbeitern, das Aufhören von der Arbeit, unter dem Vorwande, in das Bad zu gehen. S. Schicht. Besonders pflegte man um dieser Ursache willen Sonnabends früher als gewöhnlich Feyerabend zu machen, welches aber mit dem Baden selbst, an den meisten Orten abgekommen ist.


Badeschlamm (W3) [Adelung]


Der Badeschlamm, des -es, plur. car. der feine, einem Milchrahme ähnliche Schlamm, welcher sich in manchen natürlichen Bädern auf den Boden setzt; der Badelehm, wenn er dem Lehm an Farbe gleicht.


Badeschwamm (W3) [Adelung]


Der Badeschwamm, des -es, plur. die -schwämme, ein Nahme, welchen man dem Meerschwamme gibt, weil man ihn zum Baden und Waschen gebraucht; zum Unterschiede von dem Baumschwamme.


Badeschwefel (W3) [Adelung]


Der Badeschwefel, des -s, plur. car. natürlicher Schwefel, welcher in Schwefelquellen, und besonders in heißen Bädern, z. B. zu Aachen, gesammelt wird.


Badestein (W3) [Adelung]


Der Badestein, des -es, plur. inusit. ein Tropfstein oder Tof, der sich in den warmen Bädern anzulegen pfleget; der Badesinter, Badetof, im Carls-Bade der Sprudelstein, Prudelstein.


Badestube (W3) [Adelung]


Die Badestube, plur. die -n, vulg. die Badstube. 1) Eine Stube oder Zimmer, welches zum Baden bestimmet ist. 2) Ein öffentliches Haus zum Baden, Schröpfen und Schwitzen; die Baderey. Ehedem nannte man eine solche Badstube nur - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - eine Stube, und im Nieders. Stave, Stove.


Badewanne (W3) [Adelung]


Die Badewanne, plur. die -n, eine an beyden Seiten breite, Am Ende aber länglich runde hölzerne Wanne, sich darin zu baden.


Badewarm (W3) [Adelung]


Badewarm, adj. et adv. so warm, als ein zum Baden gewärmtes Wasser, im gemeinen Leben.


Badewisch (W3) [Adelung]


Der Badewisch, des -es, plur. die -e, eine von Stroh geflochtene Unterlage, worauf die neu gebornen Kinder bey dem Baden in der Bademulde gelegt werden.


Badian (W3) [Adelung]


Badian, S. Sternanis.


Badstube (W3) [Adelung]


Badstube, S. Badestube.


Bäffchen (W3) [Adelung]


Das Bäffchen, des -s, plur. ut nom. sing. eine besonders in Niedersachsen übliche Benennung des zweytheiligen weißen Läppchens, welches die Landgeistlichen statt des Priesterkragens tragen. In Obersachsen nennt man es das Hälschen. Daß der Nahme Bäffchen nicht von dem Niedersächsischen buffen oder puffen, bauschig machen, kommen könnte, zeiget die bloße Gestalt. Im Niedersächsischen ist bäbken, naß machen, und Bäbke-dook, ein kleines Tuch, welches man den Kindern unter dem Kinne fest macht, damit sie die Kleider nicht besudeln, mit welchem ein Bäffchen viele Ähnlichkeit hat.


Bäffen (W3) [Adelung]


Bäffen, Bäffzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülsworte haben, schwach bellen. Dieses Wort ist, so wie dessen Frequentativum bäffzen, im Hochdeutschen wenig üblich; indessen ist es doch um des zusammen gesetzten wiederbäffzen willen zu merken, welches zuweilen vorkommt. S. dieses Wort. Bäffen ahmet den Schall nach, den die Hunde durch ihr schwaches Bellen machen, und kommt darin mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und dem Latein. baubare überein.


Bagage (W3) [Adelung]


Die Bagage, (sprich Baggasche,) plur. inus. 1) Das Geräth, oder Gepäck, besonders einer Armee im Felde. Daher der Bagage-Wagen. 2) Figürlich in der niedrigen Sprechart, liederliches Gesindel, dergleichen sich gemeiniglich bey dem Gepäcke der Armeen aufzuhalten pflegt.

Anm. Wir haben dieses Wort von dem Franz. Bagage angenommen. Indessen stammet es doch aus den mitternächtigen Mundarten her. Das Schwedische Bagg, und das Alt-Französische Bague, bedeuten einen Mantelsack. Das Englische Bag ist ein Beutel, und die Bedeutung des Deutschen Pack ist bekannt. S. du Fresne Glossar, v. Bagagium. Auch die figürliche Bedeutung ist bey den Ausländern nicht unbekannt, indem das Engl. Bagage, und das Franz. Bagasse, das Span. Bagassaund das Ital. Bagascia, so wie das Deutsche Pack, gleichfalls von einem liederlichen Weibesbilde gebraucht werden.


Baggern (W3) [Adelung]


* Baggern, verb. reg. act. ein Niederdeutsches Kunstwort, den Schlamm aus der Tiefe ziehen. Einen Hafen oder Canal baggern, ihn von dem Schlamme reinigen, welches vermittelst eines Baggerprahmes oder Baggers geschiehet, der ein Schöpfrad mit langen Schaufeln hat, den Schlamm zu heben. Eben daselbst baggert man auch den Torf, wenn man ihn mit Netzen aus einer sumpfigen Tiefe ziehet, dergleichen Torf denn Baggertorf genannt wird.


Bähekraut (W3) [Adelung]


Das Bähekraut, des -es, plur. die -kräuter, ein allgemeiner Nahme aller derjenigen Kräuter, welche zum Bähen des Leibes dienlich sind.


Bähen (W3) [Adelung]


Bähen, verb. reg. act. welches in seiner allgemeinsten Bedeutung erwärmen bedeutet, aber in den verschiedenen Fällen, in welchen es gebraucht wird, allerley Nebenbegriffe bekommt. So bedeutet Holz bähen, es am Feuer erwärmen und hernach den Bast abziehen, oder auch es biegen; Brot, Semmeln bähen, in den Küchen, es rösten. Kranke Glieder bähen, bey den Ärzten, sie mit warmen Tüchern reiben, ingleichen sie beräuchern, den Dunst von warmen Kräutern daran gehen lassen, wie auch warme äußerliche Arzeneymittel überlegen. Daher die Bähung, so wohl das Bähen, als auch eine äußerliche Arzeney, mit welcher ge bähet wird.

Anm. Bähen, Nieders. bähen, bäen, hat mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, calere, zu viele Gleichheit, als daß man selbige sollte verkennen können. Das alte Lateinische Bajae, warme Bäder, und das Schwed. badda, erwärmen, gehören gleichfalls zu dieser Familie. S. Bad und das Verbum backen. Die gemeinen Mundarten haben von diesem Worte auch ein Intensivum, dergleichen das Oberdeutsche bächern, und das Niedersächsische bäckern, erwärmen, ist. S. Bächern.


Bähesäcklein (W3) [Adelung]


Das Bähesäcklein, des -s, plur. ut nom. sing. Kräuter oder andere in Leinwand genähete Arzeneymittel, kranke Glieder damit zu bähen.


Bähestube (W3) [Adelung]


Die Bähestube, bey den Alaungärbern, S. Gärbestube.


Bahn (W3) [Adelung]


Die Bahn, plur. die -en. 1) Eigentlich ein betretener, gangbarer Weg zum Gehen oder Reisen. Eine Bahn machen. Die Bahn brechen, so wohl eigentlich, zum ersten Mahle auf einem Wege reisen, als auch figürlich, in einem schweren Geschäfte den Anfang machen. Von der Bahn kommen. Die Bahn verlieren. Einem die Bahn verhauen, ihm den Weg versperren. Bahn halten, eben den Weg gehen, den andere gehen; besonders bey den Fleischern, im Austragen des Fleisches auf den Verkauf, eben den Weg auf die Dörfer nehmen, den ein anderer Fleischer gehet. Etwas auf die Bahn bringen, figürlich, der Urheber einer Sache seyn. Besonders wird der Weg im Winter durch den Schnee eine Bahn genannt; daher die Schlittenbahn. Figürlich druckt dieses Wort oft den Inbegriff der moralischen Handlungen und deren Art und Weise aus. Führe mich auf rechter Bahn. Der Tugend Bahn ist voll von Arbeit und Beschwerden, Can. Was ist der Mensch, der auf der Bahn dieses Lebens noch so vorsichtig wandelt? Gell. In der blutigen Schlacht auf der Bahn der Helden Ehre suchen.2) In weiterer Bedeutung, (a) die Linie, welche ein Körper in seiner Bewegung beschreibt, und der Eindruck, welchen er dadurch auf einen andern Körper macht. So heißt in der Astronomie und Mechanik eine jede Linie, welche die Körper in ihrer Bewegung in der Luft beschreiben, eine Bahn. Die Drahtplätter nennen den runden Kreis, welchen der durchgehende Draht auf der Walze macht, und die Bergleute, die Nuth, in welcher der Laufkarren mit seinen Rädern auf- und abläuft, eine Bahn. (b) Ein eben gemachter Platz, allerley Berrichtungen darauf vorzunehmen. Daher die Reitbahn, die Regelbahn, die Reiserbahn, die Rennbahn, die Stechbahn u. s. f. S. diese Wörter. (c) An verschiedenen Werkzeugen eine jede glatte Fläche, welche den Wirkungen eines andern Körpers unmittelbar ausgesetzet ist. Daher die Bahn eines Hammers, die breite und glatte Fläche, mit welcher der Schlag geschiehet; die Bahn des Amboßes, dessen obere glatte Fläche, auf welcher die Schläge geschehen; die Bahn eines Hobels, dessen untere ebene Fläche; die Bahn an einer Art, oder an einem Beile, die Fläche welche längs der Schneide hinläuft; die Bahn an einem Grabstichel, dessen unterste Fläche, mit welcher der Künstler arbeitet, u. s. f.

Anm. 1. Der Plural kommt im gemeinen Leben seltener, bey den Dichtern aber häufiger vor. Die Schiffe finden sichre Bahnen, Selbst auf den wilden Oceanen, Cram. Und neue Bahnen sich zu brechen. Heißt in ein Nest gelehrter Wespen stechen, Wiel.

Anm. 2. Bahn lautet im Schwed. Ban, im Dänischen und Holländ. Bane. Wachter hält eben für das Stammwort; allein die Ehre gehöret wohl dem alten nordischen Zeitworte bana, schlagen, womit das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein kommt; denn gehen ist doch nichts anders, als die Erde mit den Füßen schlagen. Bey der ersten Armuth der Sprachen hat diese Vereinigung der Begriffe nichts Widerwärtiges. Im Französischen heißt chemin battu, auch nichts anders als ein gebahnter, ebener Weg. S. auch Bohnen, das Zeitwort. Im Niedersächsischen bedeutet Baan, die ganze Breite der Zeuge, woraus die Weiberröcke bestehen.


Bahnen (W3) [Adelung]


Bahnen, verb. reg. act. gangbar machen, eben machen. Eigentlich, von dem Wege. Einen Weg bahnen. Ein gebahnter Weg. Figürlich bedeutet diese R. A. auch, die Hindernisse aus dem Wege räumen, die Mittel zur Erreichung einer Absicht barbiethen. Die Alten haben uns den Weg zu den Wissenschaften gebahnet. Er würde nie zu dieser Würde gelanget seyn, wenn ihm nicht die Gunst den Weg dazu gebahnet hätte. Zuweilen wird auch das Hauptwort ausgelassen. Ich will ihm die Rückkehr zur Tugend bahnen, Weiße.

Anm. Bahnen im Schwed. bana, im Dänisch. bane, in einigen Gegenden Englands to boon, bey den Oberdeutschen bähnen und in einigen gröbern Mundarten ponen. S. Bohnen.


Bahnenschlägel (W3) [Adelung]


Der Bahnenschlägel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bergleuten, der große Hammer, womit die Bahn des großen Schmiedehammers wieder ausgebessert wird; in ihrer Mundart Pfähnenschlägel.


Bahnenwärter (W3) [Adelung]


Der Bahnenwärter, des -s, plur. ut nom. sing. an den Höfen, derjenige, welcher die fürstliche Reitbahn in Ordnung zu erhalten hat.


Bahn-Galopp (W3) [Adelung]


Der Bahn-Galopp, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, der künstliche, oder auf der Reitbahn erlernte Galopp eines Pferdes, zum Unterschiede von dem natürlichen oder Feld-Galoppe.


Bahnhobeln (W3) [Adelung]


* Bahnhobeln, verb. reg. act. bey den Böttchern, den Boden eines Gefäßes aushobeln, glatt hobeln.


Bahnig (W3) [Adelung]


* Bahnig, was Bahnen, oder glatte Flächen hat, ein Bey- und Nebenwort, welches nur in den Bergwerken üblich ist, wo gewisse eckige Zinngraupen mit glatten Flächen bahnige Zinngraupen genannt werden.


Bahre (W3) [Adelung]


Die Bahre, plur. die -n, im gemeinen Leben, ein Werkzeug zum Tragen, welches aus zwey Stangen bestehet, die mit Querhölzern verbunden sind; edler eine Trage. Daher die Mist-bahre, die Handbahre, die Todtenbahre, welche letztere auch nur schlechthin die Bahre genannt wird. In Thüringen ist Radebahre, oder Radebärge, ein Schiebekarren, zum Unterschiede von einer Tragebahre, welcher Ausdruck sonst ein Pleonasmus seyn würde; und ein Netz, worin man Fische trägt, wird in Schwaben eine Fischbär und bey den Minnesingern Bere genannt. Bey den Papiermachern ist die Bahre oder der Seihekasten ein kleiner Trog, welcher statt des Bodens einen feinen wollenen Zeug hat, die Unreinigkeiten des Wassers von dem Wasserkasten abzuhalten.

Anm. 1. Der Nahme dieses Werkzeugs ist sehr alt, heut zu Tage aber besonders den Niederdeutschen Mundarten eigen, wo es Barre, Berrje, Böre, Bärge, Borge u. s. f. gesprochen wird. Das Alemannische Baru und Bara, das heutige Oberdeutsche Par, das Schwed. Bar, das Dänische Baar, das Engl. Barrow, das Franz. Bar, und Biere, das Ital. Bara und Barra, bedeuten insgesammt theils eine jede Bahre, theils ins besondere eine Todtenbahre, zuweilen aber auch einen Sarg. Ja Herodotus versichert, daß die Ägyptier einen Kahn, worin die Todten abgeführet wurden, Barin genannt. S. Barke. Das Stammwort ist das noch im Niedersächischen so übliche bären, oder bören, tragen, heben, welches mit dem Alemannischen peran, dem Gothischen bairan, dem Schwedischen baera, dem Dänischen bäre, dem Angels. baeran, dem Engl. to bear, und to wear, dem Wendischen bieru, beru, dem Lateinischen ferre und Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, allein der Bedeutung des Tragens, einerley ist. Vermuthlich gehöret auch das Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine Last hierher. S. auch Bar, die Endung, Gebären, Pferd, und Schwer.

Anm. 2. Die alten Schreibarten kennen in diesem Worte kein h. Erst in den neuern Zeiten hat man angefangen, es bald Baare, bald Bahre zu schreiben, wovon doch die letzte Form den Vorzug erhalten hat. S. die Orthogr. Th. 1, S. 249, 282.


Bahrrecht (W3) [Adelung]


Das Bahrrecht, des -es, plur. inusit. in den Rechten der mittlern Zeiten, 1) eine Art eines peinlichen Prozesses, da man Personen, die wegen einer Mordthat verdächtig waren, an den auf einer Bahre liegenden Leichnam des Ermordeten führte, und ihre Finger auf die Wunde des Entleibten legte, in Erwartung, daß bey der Gegenwart der schuldigen Person die Wunde anfange zu bluten; Jus cruentationis, Sandapilae; welches abergläubige Verfahren an einigen Orten nicht üblich ist. 2) Das Recht einen Ermordeten gerichtlich aufzuheben und abzuführen.


Bahrtuch (W3) [Adelung]


Das Bahrtuch, des -es, plur. die -tücher, an einigen Orten das Leichentuch, weil es über die Bahre und den darauf stehenden Sarg gezogen wird.


Bähung (W3) [Adelung]


Die Bähung, S. Bähen.


Bai (W3) [Adelung]


Die Bai, S. Bay.


Baiern (W3) [Adelung]


Baiern, der eigenthümliche Nahme eines Deutschen Herzogthumes, aus dem Latein. Bajoaria, verderbt Bavaria; woraus zugleich erhellet, daß das y, welches man ehedem in diesem Worte schrieb, und wohl noch schreibt, keinen hinlänglichen etymologischen Grund hat. Daher der Baier, des -s, plur. die -n, Fämin. die Baierinn, eine Person aus diesem Lande; und das adj. et adv. Baierisch, aus diesem Lande her. Baierisches Bier, Baierisches Geld, der Baierische Stich, in der Rahmnähterey.


Baiern (W3) [Adelung]


Baiern, eine Art des Läutens, S. Beiern.


Bajonnet (W3) [Adelung]


Bajonnet, S. Bayonnet.


Baitzen (W3) [Adelung]


Baitzen, S. Beitzen.


Bake (W3) [Adelung]


* Die Bake, plur. die -n, in der Seefahrt, ein Zeichen für Schiffende, damit sie wissen, wo entweder die Anfurt und Einfahrt, oder auch das Fahrwasser ist. Dieses Zeichen ist entweder eine Tonne, welche so im Wasser befestiget wird, daß sie auf demselben schwimmet, oder auch ein Feuerbecken auf einem erhabenen Orte oder Thurme, oder auch nur eingeschlagene Pfähle oder Stangen. Alle diese Zeichen heißen Baken, und nach Maßgebung ihrer Beschaffenheit, eine Baktonne, eine Feuerbake, in Hamburg Blüse, Bleuster, von Blaß, Flamme, Gluth u. s. f. Derjenige, der die Aufsicht über eine solche Bake hat, wird der Bakenmeister, und das Geld, welches die einlaufenden Schiffe dafür erlegen, das Bakengeld genannt. S. auch Tonnengeld und Tonnenmeister.

Anm. Das a lautet in diesem Worte gedehnt; der darauf folgende Consonans muß also ein einfaches k und kein ck seyn. Das Wort selbst ist Niederdeutschen Ursprunges, ohne Zweifel von dem Angels. Beacn, Engl. Beacon, ein Zeichen, wovon auch in dem mittlern Lateine Bagia ein Zeichen bedeutet. Von einem andern ähnlichen Worte, in welchem der Begriff der Vertiefung der herrschende ist, S. Becken, ist die Bake in einigen Gegenden eine Öffnung in dem Eise, in welchem Falle es aber doch am häufigsten Wake geschrieben und gesprochen wird; S. dasselbe.


Bakel (W3) [Adelung]


Der Bakel, des -es, plur. ut nom. sing. ein Stock, besonders in den Schulen. Es ist zwar zunächst aus dem Latein. Baculus entlehnet, allein dieses Lateinische Wort selbst kann seinen nördlichen Ursprung nicht verläugnen. Es ist das Diminutivum, von einem Worte, wovon noch das Schwed. Pak, ein Prügel, übrig ist. Das Schwedische Bagal, und Wallisische Bagl, bedeuten gleichfalls einen Prügel. S. Bängel, und Bakern.


Bakeler (W3) [Adelung]


Der Bakeler, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Kürschnern und Weißgärbern, ein eisernes Werkzeug, welches wie ein Säbel gekrümmt, aber ohne Schärfe ist, die Felle daran abzuziehen; das Bakeleisen, verderbt Böckeleisen. Vermuthlich mit dem vorigen aus Einer Quelle.


Bakeljau (W3) [Adelung]


Der Bakeljau, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, in der Handlung, eine Art Stockfisches, welcher aus gedörreten Felsenfischen bestehet. Da dieser Fisch an den Süd-Amerikanischen Küsten bereitet wird, so stammet auch dessen Nahme daher. Im Spanischen wird er Baacalao genannt.


Bakengeld (W3) [Adelung]


Das Bakengeld, des -es, plur. inusit. S. Bake.


Bakenmeister (W3) [Adelung]


Der Bakenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. S. ebend.


Bakern (W3) [Adelung]


* Bakern, verb. reg. act. welches nur in einigen gemeinen Mundarten üblich ist, wo es so viel als klopfen bedeutet. Daher Baker, eben daselbst, ein Hammer. Es ist ein Iterativum von dem gleichfalls noch in manchen Gegenden gangbaren baken, schlagen, klopfen, welches das Stammwort des Latein. Baculus ist, und wovon unser pochen als ein Intensivum angesehen werden kann.


Balance (W3) [Adelung]


Die Balance, (sprich Balangße,) plur. die -n, aus dem Französischen Balance, das Gleichgewicht. Die Balance in der Handlung, das Gleichgewicht, die Gleichheit der Einfuhre und Ausfuhre, der Einnahme und Ausgabe. Die Balance ziehen, diese Gleichheit berechnen. Daher balanciren, verb. reg. neutr. mit haben, das Gleichgewicht halten. Besonders in der Tanzkunst, mit dem einen Fuße stehend und mit dem andern schwebend, das Gleichgewicht nach Anordnung der Musik halten, welches von den Seiltänzern vermittelst einer eigenen Balancir-Stange geschiehet. Figürlich ist balanciren unschlüssig, ungewiß seyn. Die Tanzkunst allenfalls ausgenommen, könnte man so wohl das Verbum als das Substantiv sehr füglich entbehren.


Balander (W3) [Adelung]


Der Balander, eine Art Fahrzeuge, S. Belander.


Balanit (W3) [Adelung]


Der Balanit, des -en, plur. die -en, in der Naturgeschichte, eine versteinerte Meer- oder Seeeichel, aus dem Griech. und Latein. Balanus.


Balaß (W3) [Adelung]


Der Balaß, eine Art Edelsteine, S. Ballaß.


Balbahn (W3) [Adelung]


* Der Balbahn, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, die ausgestopfte Figur eines Birkhahnes, die Birkhühner damit an-zulocken. Auf den Balbahn schießen, sie dadurch zum Schuße anlocken. Ohne Zweifel von dem alten bal, unächt, falsch, böse, und Hahn, einen falschen, nachgemachten Hahn zu bezeichnen, daher das Wort eigentlich Balhahn lauten sollte.


Balbier (W3) [Adelung]


Balbier, S. Barbier.


Balche (W3) [Adelung]


Die Balche, plur. die -n, ein in Oberdeutschland sehr berühmter und schmackhafter Fisch, welcher dem Häringe gleicht, außer daß er größer und bis 17 Zoll lang wird, auch von bläulicher Farbe ist. Er wird nur allein in dem Bodensee gefangen, gehöret zu dem Salmo des Linne und wird auch Baal, Felche, Blauling, Gangfisch, Pferren, Lat. Farra, Fora, Pala genannt. S. davon Sparrmanns Nachricht in Martini's Geschichte der Natur, Th. 4, S. 651. Er hat den Nahmen ohne Zweifel von der fahlen, falben, oder bläulichen Farbe, welcher auch die Bilchmaus ihren Nahmen zu danken hat. Am Bodensee nennt man diesen Fisch im ersten Jahre Henerling, im zweyten Stübe oder Steube, im dritten Gangfisch, und gegen das Ende Springer, im vierten Ränke, im fünften Halbfelch, im sechsten Dreyer, und im siebenten eigentlich erst Balche oder Felche. Außer dieser edlern Art, welche völlständig Blaubalche oder Blaufelche genannt wird, gibt es noch eine geringere, welche weißlich von Farbe ist, und Weißfelche oder Adelfisch genannt wird.


Balcon (W3) [Adelung]


Der Balcon, (sprich Balkong,) des -s, plur. die -s, ein Austritt vor einem Fenster in der Höhe, ein unbedeckter Ärker. Ingleichen ein bedeckter oder auch offner Gang an dem Hintertheile großer Schiffe. Daher das Balcon-Fenster, eine Art großer Fenster, welche bis auf den Boden gehen, und zugleich eine Thür vorstellen, wie man sie bey den Balcons an Gebäuden hat.

Anm. Wir haben dieses Wort aus dem Franz. Balcon, und Ital. Balcone übernommen. Die meisten Deutschen Wortforscher leiten es von Balken her, weil ein solcher Austritt auf Balken ruhet. Allein aus des Angeli a S. Joseph Gazophylaz. ling. Pers. erhellet, daß es Persischen Ursprunges ist. Die Perser nennen einen solchen Balcon Bala-c. haneh. Wenigstens ist wohl gewiß, daß die Sache selbst eine morgenländische Erfindung ist. In dem Lateine der mittlern Zeiten kommt auch Balcus für einen Balcon vor, und Balcius bedeutete damahls ein Fenster. S. Carpentier Glossar. Im Bremischen bedeutet Balke auf dem Lande einen Boden, aber dieses gehöret unstreitig zu Balken, tignus.


Bald (W3) [Adelung]


Bald, ein Umstandswort oder Adverbium.1. Der Zeit, da es alle Mahl eine kurze Zeit bezeichnet, doch mit verschiedenen Nebenbegriffen.1) In Ansehung der Zwischenzeit, für, in kurzer Zeit. Er wird bald sterben. Ich werde bald kommen. Kommen sie ja bald wieder. Wir werden bald Rath schaffen. Bald wird uns die Liebe unzertrennlich vereinigen. Wie bald kann das geschehen? Bald zuvor. Bald hernach. Bald darauf. Wenn es eine Frage begleitet, so wird dieser Begriff zum Theil unscheinbar. Wird es sie bald reuen? Hat sie sich bald zufrieden gegeben? Vornehmlich, wenn die Frage mit Unwillen verbunden ist. Wirst du bald schweigen? Wirst du bald kommen? Ist aber die Rede eine Vereinigung, so stehet zuweilen das so vor dem bald, ohne daß eben ein Nachsatz nöthig wäre. Er wird so bald nicht wieder kommen. Ich werde ihn so bald nicht wieder sehen.Dieses so bald aber, welches einige unnöthiger Weise in ein Wort zusammen ziehen, wird auch oft zu einem Bindewort, da es denn so wohl in dem Vordersatze als in dem Nachsatze stehet, und in dem ersten Falle zuweilen das so vertragen kann, welches aber doch am häufigsten weggelassen wird. So bald es vier schlägt, so will ich sie melden, Gell. Besser: will ich sie mel- den; oder: ich will sie melden so bald es vier schlägt. So bald ich deinen Brief gelesen hatte, schrieb ich. Wird ein solcher Satz verneinungsweise ausgedruckt, so fängt sich der Nachsatz mit der Partikel als an. Z. B. Ich hatte deinen Brief so bald nicht gelesen, als ich schrieb. So bald sieht jener nicht den Prinz allein, Als er ihn tödten will, Schleg. Indessen läßt sich diese Wendung nicht überall anbringen. Am weisten hüthe man sich vor einigen falschen Wortfügungen; z. B. Ich hatte deinen Brief so bald nicht gelesen, so kamst du. So bald gesagt, so bald gethan.2) In Rücksicht auf die Hurtigkeit der Bewegung, für geschwinde. Vierzehn Tage gehen bald hin. Die Zeit geht bald vorüber. Was bald entsteht, vergeht auch bald.3) Bey Zeiten, frühe. Wer sein Kind lieb hat, züchtiget es bald. Was zum Haken werden will, krümmet sich bald. Ich habe es sehr bald erfahren. Warum kömmst du heute so bald?4) Ohne Verzug. Erbarme dich unser bald, Ps. 79, 8. Sey willfährig deinem Widersacher bald, Matth. 5, 25. Welcher Gebrauch aber im Hochdeutschen nicht sehr gewöhnlich ist.2. Der Art und Weise.1) Für leichtlich, mit weniger Mühe, welche Bedeutung die figürliche von der zweyten der vorigen Abtheilung ist, aber nur im gemeinen Leben gebraucht wird. Die Sache ist bald zu fassen. Arme Leute kommen nicht bald empor. Es wird sich nicht bald jemand gelüsten lassen, das zu thun. Nein, nein, man fängt mich nicht so bald, Haged. 2) Für bey nahe. Ich wäre bald gefallen. Ich habe es ihnen bald angemerket. Ich hätte es bald geglaubt. Sie machen mich schamroth; bald dürfe ich mich dafür rächen, Less. Das habe ich bald gedacht, Gell. Ich dürfte es bald nicht annehmen, ebend. Ich könnte bald eifersüchtig werden, ebend.3. Der Abwechslung, in welchem Falle, es ein zweytes bald nach sich hat. Er ist hier, bald da. Er will bald dieß, bald jenes. Was für Ströme von Ergetzungen ergießen sich bald durch die Augen, bald durch das Gehör in unsere Seele! Dusch. Bald schlugest du dein nasses Auge gen Himmel auf; bald fiel es fittsam vor dir auf die Gegend zurück, ebend. Bald wünscht' ich mir die Eyl (Eil,) bald wünscht' ich den Verzug, Gell. Ein Domherr schöpft aus seiner PfründeBald rothen und bald weißen Wein, Haged. 4. * Des Ortes, für, nicht weit von, welche Bedeutung aber nur in den gemeinen, besonders Oberdeutschen Sprecharten üblich ist. Der Garten ist bald an der Stadt. Er wohnet bald am Ende des Dorfes.

Anm. 1. Bald, Nieders. balde, Goth. balth, Angels. bald, beald, bey den Alemannischen und Fränkischen Schriftstellern palde, baldo, balde, bedeutet ehedem kühn, muthig, getrost, wovon in den Schriften der mittlern Zeiten häufige Beyspiele vorkommen. Diese Bedeutung ist im Deutschen verloren gegangen, und hat nur die oben gedachten figürlichen übrig gelassen. Die verwandten Sprachen haben sie indessen noch behalten; denn das Engl. bold, das Holländ. boud, das Ital. baldo, das Franz. baude, das Schwed. bald, das Isländ. balldr, bedeuten noch jetzt kühn, muthig, wild. Indessen war doch auch dieß nicht die erste Bedeutung dieses Wortes; denn da es so wohl im Schwedischen, als Englischen, und Isländischen zunächst mächtig bedeutet, so ist zu vermuthen, daß es mit dem Schwedischen baella, kön-nen, dem Deutschen Walt, Gewalt und wollen, ja selbst mit dem Latein. validus, und volo, verwandt ist. S. auch -bold.

Anm. 2. Bey den Franken und Alemannen war dieses Wort zugleich ein Adjectiv, welches ordentlich compaviret wurde, bald, balder oder bälder, und baldest oder bäldest. Allerbelldelt kommt im Schwabenspiegel, und aufs peldist, im Theuerdanke vor. Die Oberdeutschen haben diese Comparation noch behalten; allein die Hochdeutschen machen dafür den Comparativum von ehe, bald, eher, am ehesten. S. auch Baldig. Auch das Substantiv die Balde, ist noch in Oberdeutschland in den adverbischen Redensarten in Balden, und in Bälde, für bald, in kurzem, vorhanden.


Baldachin (W3) [Adelung]


Der Baldachin, des -es, plur. die -e, ein beweglicher Himmel, eine zierlich ausgespannte Decke über einen Altar, Sitz u. s. f. ein Prachthimmel, Tragehimmel, Thronhimmel. Unter einem Baldachine sitzen, einher gehen.

Anm. Baldachin, Ital. Baldachino, Franz. Baldachin, und Baudequin, alt Englisch Bandekin, kommt seit dem 12ten Jahrhunderte in den Europäischen Sprachen vor, und wird in dem Lateine der damahligen Zeiten Baldakinus, Baldekinus, Baldekinius, Baldechinus, bald aber auch Baldochinus, Bandaquinus und Baudequinus geschrieben. S. du Fresne und Carpentiers Glossaria. Allein es bedeutete anfänglich einen kostbaren mit Gold gewirkten Zeug, und wurde erst nachmahls von einer aus solchem Zeuge gemachten beweglichen Decke gebraucht. Um das Jahr 1278 wird Baldekin durch purpura vel Samyt erkläret. Bey dem Carpentier kommt Baldicuarius für einen Sticker vor. In den Niedersächsischen Urkunden ist Boldek ein Thronhimmel, welches mit Baldicum in den Annal. Colmariens bey dem du Fresne überein kommt. Um Bremen bedeutet Boldten noch jetzt ein Leichentuch. Wachter leitet dieses von dem Wallisischen Pali, Seide, und Dach ab. In dem Bremisch-Niedersächsischen Wörterbuche hingegen, wird es durch das noch jetzt in Niedersachsen übliche Boll und Polle, das Haupt, und Decke, erkläret. Allein der ausländische Klang dieses Wortes macht es noch immer wahrscheinlich, daß es fremden Ursprunges ist, und einen Zeug bedeutet, der in Baldach, dem neuern Nahmen der Stadt Babylon, gewirket worden, und den die Kreuzzüge in Europa bekannt gemacht; so wie der Nahme des Damastes, von der Stadt Damascus seinen Ursprung hat. Die Babylonischen Zeuge kommen schon bey dem Plinius und Plutarch vor, und in der Schweiz heißt ein gewisses Blumengewirk von Wolle noch jetzt heidnisch Werk.


Baldgreis (W3) [Adelung]


Das Baldgreis, plur. inusit. ein Nahme, welcher an einigen Orten der Kreuzwurz, Senecio, L. gegeben wird, weil der Same bald grau wird, daher auch die Lateinische Benennung rühret. S. Kreuzwurz.


Baldig (W3) [Adelung]


Baldig, ein Adjectiv, was bald oder in kurzer Zwischenzeit erfolgt oder geschiehet. Ich wünsche ihnen eine baldige Besserung, Gell. Ihr baldiger Abschied von der Welt, ebend.

Anm. Da das Wort bald in der Gestalt eines Adjectives ungebräuchlich geworden, so haben einige dieses Adjectiv dagegen einzuführen gesucht. Allein es hat noch bey weitem nicht allgemeinen Beyfall gefunden. In der edlern und feyerlichen Schreibart würde es seine Rolle am schlechtesten spielen.


Baldrian (W3) [Adelung]


Der Baldrian, des -es, plur. inusit. eine Pflanze mit drey Staubfäden, und einem Staubwege, ohne Kelch, mit einer einblätterigen Krone, von welcher man verschiedene Unterarten hat; Valeriana, L. von welchem Lateinische Nahmen der Deutsche nur eine verderbte Ansprache ist. Eine Art derselben, welche häufig auf den Alpen wächset, Valeriana celtica, L. wird in Oberdeutschland Alpenkraut genannt. Weil die Katzen dieses Kraut, besonders die officinelle Art dessen sehr lieben, so wird es im gemeinen Leben auch Katzenwurzel genannt. Der Nahme Augenwurzel beziehet sich auf dessen medicinische Kräfte, die Benennung wilder Kalmus und Theriakskraut aber auf die gewürzhafte Beschaffenheit der Wurzel. Einige nennen diese Pflanze auch Wendwurzel, welches mit ihrem Norwegischen Nahmen Vendelröd überein kommt. Der so genannte Griechische Baldrian, Polemonium, L. gehöret zur Klasse der Pflanzen mit fünf Staubfäden und einem Staubwege.


Balduin (W3) [Adelung]


Balduin, Genit. -s, ein alter Deutscher männlicher Taufnahme, von bald, kühn, und win, der Wurzel von gewinnen, überwinden, einem kühnen Überwinder zu bezeichnen.


Balester (W3) [Adelung]


Der Balester, des -s, plur. ut nom. sing. eine Armbrust, welche eine Kugel schießet, von dem Ital. Balestra, und dem Latein. der mittlern Zeiten Balestrum, welches aus Balista gemacht worden. S. du Fresne und Carpentier Glossar. v. Balista.


Baley (W3) [Adelung]


Baley, S. Balley.


Balg (W3) [Adelung]


Der Balg, des -es, plur. die Bälge. Diminutivum das Bälglein, des -s, plur. ut nom. sing.1. Eigentlich, überhaupt ein jeder hohler und weicher Körper, in welchem ein anderer enthalten ist. Besonders: a) die Haut an gewissen Früchten und um ihren Samen. Daher die Bälge an den Weinbeeren, Erbsenbälge. In der Kräuterkunde wird auch der Kelch der Grasblumen, gluma, ein Balg, oder Bälglein genannt. Daher im gemeinen Leben das Verbum sich bälgen, die Haut fahren lassen. Die Erbsen bälgen sich. Schon das Angelsächsische Baelga kommt für eine Hülse vor, und unter den Schwäbischen Kaisern sang Schenk Ulrich von Winterstetten: Towig rose Gegen der sunnen diu sich izt neigt us ir belgelin. b) Die Haut aller derjenigen Thiere, welche ganz abgestreifet wird, ohne vorher aufgeschnitten zu werden. Daher nennen die Jäger und Kürschner alle noch mit Wolle und Haaren versehene Häute der Hasen, Kaninchen, Luchse, Füchse, Wölfe, Marder, Eichhörnchen, Hamster, Iltisse u. s. f. Bälge, weil sie abgestreift werden; ein Umstand, der sie von den Fellen in engerer Bedeutung, welche aufgeschnitten und abgezogen werden, hinlänglich unterscheidet. Um deßwillen werden auch die Häute, welche das Ungeziefer ableget, wenn es sich häutet, Bälge genannt. Daher ein Schlangenbalg.c) Der Blasebalg, der im gemeinen Leben, besonders bey denjenigen Handwerkern, die ihn nicht entbehren können, ein Balg genannt wird. S. die folgenden Zusammensetzungen. Diese Bedeutung hat auch das Schwedische Baelg, das Angels. Bilig und Blaest-belg, und das Engl. Bellow. Vermuthlich von der ersten und ältesten Bedeutung dieses Wortes, da es einen Sack, Beutel oder Schlauch bedeutete. S. die Anmerkung.d) Der Bauch, Schmerbauch, welche Bedeutung zwar im Hochdeutschen nicht üblich ist, aber im Niedersächsischen noch häufig vorkommt, wo man auch davon das Verbum balgen, d. i. den Leib aufblähen, hat. Auch das Schwed. Baelg, das Engl. Belly, und Holländ. Balg, bedeuten den Bauch.2. In weiterer und figürlicher Bedeutung.a) Was aus dem Balge eines Thieres verfertigt worden. So nennen die Vogelsteller einen ausgestopften Vogel, die Vögel damit zu fangen, einen Balg, und im gemeinen Leben wird eine aus dünnen Leder verfertigte und ausgestopfte Puppe, so lange sie noch unbekleidet ist, gleichfalls mit diesem Nahmen beleget.b) Ein Kind, doch nur aus Verachtung; im Niedersächsischen eine Balge, Bikbalge, und in Westphalen Blage. Schon inder Dorischen Mundart bedeutete - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein kleines Kind. S. auch Wechselbalg.c) Ein liederliches Weibsbild, eine Hure, gleichfalls nur im verächtlichen Verstande. Wachter leitet diese Bedeutung von den vorigen ab; allein seine Erklärung ist nicht allein schmutzig, sondern auch unrichtig. Das Altfranz. Balle, Baille, und das heutige Ital. Baila und Balia, bedeuten eine Magd, oder Säugamme. S. Carpentier v. Balia. Dieses Wort ist alt und kommt mit puella, und in der nachmahligen verächtlichen Bedeutung mit pellex und dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein; daher es in dieser Bedeutung mit dem obigen Balg nichts gemein hat.

Anm. Balg ist ein sehr altes Wort, denn Festus versichert, daß Bulga schon bey den alten Galliern einen ledernen Beutel bedeutet habe. In den folgenden Mundarten, z. B. der Gothischen, Angelsächsischen und Alemannischen kommt es von einem Schlauche vor. S. auch das folgende.


Balgen (W3) [Adelung]


Balgen, verb. reg. recipr. sich mit jemanden ringend schlagen. Sich mit einem balgen. Daher das Balgen.

Anm. Da belgen bey den alten Alemannischen und Fränkischen Schriftstellern sehr oft für zürnen, erpolganer und irbolgono für zornig, Gibulihti aber, Abulki und Balg, für Zorn vorkommt, so haben die meisten Wortforscher unser heutiges balgen von diesem, beyde aber von dem veralteten bal, böse, abgeleitet. Wachter hält Balg, in der Bedeutung des Bauches für das Stammwort, so wie etwa die Römer von stomachus das Verbum stomachari, zürnen, eifern, hatten. Frisch hingegen bleibt bey der Bedeutung der Haut stehen, und erkläret balgen durch streiten, daß es an Haut und Haar gehet. Allein es scheint immer, als wenn unser heutiges balgen einem andern Stammworte angehörete, wozu sich vielleicht das größten Theils veraltete Fillen, oder das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, am besten schicken möchte. S. Rafiller, und Fillen. In der alten Schwedischen Sprache bedeutet Wile, Wale, Hull, Chull, einen Kämpfer.


Balgenbret (W3) [Adelung]


Das Balgenbret, des -es, plur. die -er, die beyden langen und starken Breter an einem Blasebalge, wovon das obere, (der Deckel,) beweglich, das untere, (der Boden,) aber unbeweglich ist. Bey den Orgeln ruhen sie auf dem Balggerüste.


Balgenkopf (W3) [Adelung]


Der Balgenkopf, des -es, plur. die -köpfe, an den Blasebälgen ein hohles etwas zugespitztes Stück Holz, welches sich vorn am Blasebalge befindet, und woran die Balgliese befestiget wird; das Balghaupt.


Balgentreter (W3) [Adelung]


Der Balgentreter, des -s, plur. ut nom. sing. der die Blasebälge an den Orgeln durch Treten in Bewegung setzet; ein Calcant, im gemeinen Leben verderbt Balkentreter.


Balger (W3) [Adelung]


Der Balger, des -s, plur. ut nom. sing. einer der sich balget, oder sich gerne balget. Laß jene Balger etwas ruhn, Haged.


Balgerey (W3) [Adelung]


Die Balgerey, plur. die -en, die Handlung, da sich zwey oder mehr Personen balgen. In weiterer Bedeutung oft auch eine jede Schlägerey.


Balggerüst (W3) [Adelung]


Das Balggerüst, des -es, plur. die -e, das hölzerne Gerüst, auf welchem der Blasebalg ruhet.


Balghaupt (W3) [Adelung]


Das Balghaupt, des -es, plur. die -häupter, S. Balgenkopf.


Balgleiste (W3) [Adelung]


Die Balgleiste, plur. die -n, lange hölzerne Stäbe, welche inwendig in den Blasebälgen an das Leder über den Bügeln befestiget werden.


Balgliese (W3) [Adelung]


Die Balgliese, plur. die -n, ein beweglicher Deckel von Blech an der Schnautze oder Deute der Blasebälge in den hohen Öfen, damit das Feuer nicht mit hinein gezogen werde; die Liese, und in den gemeinen Mundarten die Lisse, ohne Zweifel von dem Worte Lid, ein beweglicher Deckel.


Balgpfenig (W3) [Adelung]


Der Balgpfenig, des -es, plur. die -e, in den Bergwerken, das Geld, welches zur Unterhaltung der Blasebälge gegeben wird.


Balg-Register (W3) [Adelung]


Das Balg-Register, des -s, plur. ut nom. sing. der in den Orgeln befindliche Zug, welcher nach den Blasebälgen geht, und sie los lässet, und verschließet.


Balhorn (W3) [Adelung]


Balhorn, S. Ballhorn.


Balje (W3) [Adelung]


Die Balje, S. Balge.


Balken (W3) [Adelung]


Der Balken, des -s, plur. ut nom. sing. Diminutivum Bälkchen, Oberdeutsch Bälklein. 1) Eigentlich, ein viereckt behauenes Stück Bauholz, welches im Bauen auf seiner langen Fläche ruhet, und gemeiniglich durch die Tiefe eines Gebäudes gehet; zum Unterschiede von einem Ständer, Hauptholze, einer Schwelle u. s. f. Einen Balken einlegen, einziehen. Er lügt, daß sich die Balken biegen, figürlich, und im gemeinen Leben, für sehr lügen. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung. (a) Verschiedene Arten eines langen starken Holzes. An einer Wage heißt die Querstange, woran sich die Wageschalen befinden, der Wagebalken. Der Balken an einem Pfluge, der an andern Orten der Grengel heißt, ist ein langes mit Löchern durchbohrtes Holz, welches der Deichsel an einem Wagen gleichet. So auch der Eggebalken, u. s. f. (b) In der Mathematik ein Körper, dessen Breite und Dicke einander gleich, die Länge aber um ein Ansehnliches größer ist. (c) In der Wapenkunst, der mittlere Theil eines zwey Mahl gespaltenen Schildes, wenn die zwey äußern Plätze einerley Tinctur haben. Ingleichen wird derjenige Platz, welchen in einem mit verschränkten Wapen angefüllten Schilde die Quartiere einnehmen, eine Reihe, oder ein Balken genannt. (d) In den Scheuern, Der Raum über den Balken, die Emporscheune; so wie in Niedersachsen, besonders auf dem Lande, der Kornboden, der Balken genannt wird. (e) In der Landwirthschaft einiger Gegenden sind Balken die Zwischenräume zwischen den Furchen; von der Ähnlichkeit der Gestalt.

Anm. Balken, bey dem Tatian balco, Dän. Biälke, Schwed. Balk, und im Diminutivum Bjälke, Engl. Balk, Polnisch Balka, stammet, dem Wachter zu Folge, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, behauen, nach dem Frisch aber von bären, tragen, her, weil r und l in vielen Mundarten verwechselt werden; indem z. B. die spätern Griechen ohne Unterschied - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, für Barke, oder Fahrzeug sagen. Allein beyde Ableitungen sind noch nicht so deutlich, daß man nicht eine bessere mit Danke annehmen sollte. Die Sylbe ken gehöret nicht zur Wurzel, sondern ist vielleicht ein Merkmahl des Niedersächsischen Diminutivi. Balken würde also zu Pfahl, Latein. Palus, im alten Französ. Bail, Baille, gehören. In dem Lateine der mittlern Zeiten kommt Ballium, und Bailleium mehrmals für einen umpfählten Platz vor. S. auch Bohle und Bollwerk. In den alten Mundarten kommt dieses Wortselten, und vielleicht nur ein einziges Mahl bey dem Tatian vor. Die Gothen gebrauchen statt dessen anza und thrams, S. Tram, Kero hepret die Angelsachsen aber beam, Baum. In den Statuten der Stadt Aquila im Königreiche Napoli bey dem Carpentier bedeutet Balcha Rohr. Das Ital. Palco, ein Gerüst, Bühne, ist unstreitig aus dem Deutschen entlehnet.


Balkenanker (W3) [Adelung]


Der Balkenanker, des -s, plur. ut nom. sing. in der Baukunst, ein Anker, den Balken mit der Hauptmauer zu verbinden.


Balkenband (W3) [Adelung]


Das Balkenband, des -es, plur. die -bänder, der Balken oder Steg inwendig auf dem Boden einer Laute; der Lautensteg.


Balkendecke (W3) [Adelung]


Die Balkendecke, plur. die -n, eben daselbst, die mit Balken belegte Decke eines Zimmers, zum Unterschiede von einem Gewölbe.


Balkengesimse (W3) [Adelung]


Das Balkengesimse, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst ein aus dem Architrabe oder Hauptbalken einer Ordnung hergenommenes Gesimse, dergleichen das unter dem Dache ist.


Balkenhauer (W3) [Adelung]


Der Balkenhauer, des -s, plur. ut nom. sing. Arbeiter, welche das Holz zum Schiffe baue in dem Wald aus dem Groben zuhauen; auch Balkenschläger.


Balkenkeller (W3) [Adelung]


Der Balkenkeller, des -s, plur. ut nom. sing. ein ungewölbter Keller, der statt des Gewölbes oben mit Balken belegt ist; auch Blockkeller, und im gemeinen Leben eine Tunke, S. dieses Wort.


Balkenkopf (W3) [Adelung]


Der Balkenkopf, des -es, plur. die -köpfe, in der Baukunst, das Ende eines Balkens, so fern es über der Wand, auf welcher er lieget, hervor raget. Ingleichen Zierathen, welche einen solchen Balkenkopf vorstellen.


Balkenmaß (W3) [Adelung]


Das Balkenmaß, des -es, plur. inusit. ein körperliches Längenmaß, welches in der Breite und Dicke das nächste kleinere Maß hat, und darin einen Balken gleicht; dergleichen Balkenklafter, Balkenrüthe und Balkenschuh sind, welche Benennungen doch wenig mehr gebraucht werden.


Balkenrecht (W3) [Adelung]


Das Balkenrecht, des -es, plur. inusit. ein Recht, nach welchem der Nachbar geschehen lassen muß, daß in seine Wand ein Balken eingeleget wird; in Oberdeutschland das Tramrecht.


Balkenriß (W3) [Adelung]


Der Balkenriß, des -sses, plur. die -sse, ein Bauriß, welcher das Gebälk eines Gebäudes darstellet.


Balkenruthe (W3) [Adelung]


Die Balkenruthe, plur. die -n, in der Geometrie, ein Körper, dessen Länge eine Ruthe, die Breite und Dicke aber einen Schuh austrägt; der also der zehnte Theil einer Schachtruthe, und der 100ste Theil einer Cubik-Ruthe ist. Eine solche Balkenruthe wird in zehn Balkenschuhe, dieser aber wieder in zehn Balkenzolle eingetheilet.


Balkenschleuse (W3) [Adelung]


Die Balkenschleuse, plur. die -n, in dem Wasserbaue, eine Schleuse, welche aus an und auf einander gelegten Balken bestehet; in Niedersachsen ein Balkenstel.


Balkenschnur (W3) [Adelung]


Die Balkenschnur, plur. die -schnüre, bey den Kanefaß-Webern, eine Schnur, welche vermittelst anderer daran befestigter Schnüre die Fußtritte in Bewegung setzt.


Balkenschuh (W3) [Adelung]


Der Balkenschuh, des -es, plur. die -e, der zehnte Theil einer Balkenruthe, folglich ein Körper, der einen Schuh lang, aber nur einen Zoll breit und dick ist. S. Balkenruthe.


Balkenstein (W3) [Adelung]


Der Balkenstein, des -es, plur. die -e, in der Baukunst, ein Stein in der Mauer, auf welchem ein Balken ruhet; an einigen Orten auch ein Kragstein, Kraftstein, Nothstein.


Balkenstreif (W3) [Adelung]


Der Balkenstreif, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst, der dritte Theil eines Balkens. S. Balkenstrich.


Balkenstreifen (W3) [Adelung]


Balkenstreifen, verb. reg. act. in der Landwirthschaft an einigen Orten, den gebrachten Acker mit dem Hakenpfluge quer über- fahren; daher diese Verrichrung an andern Orten auch hakenpflügen, rühren, ingleichen quiren genannt wird.


Balkenstrich (W3) [Adelung]


Der Balkenstrich, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst, so viel als ein Balkenstreif. Andere hingegen belegen den Balken eines Schildes mit diesem Nahmen, wenn die beyden äußern Plätze zwey verschiedene Farben haben; indem zu einem eigentlichen Balken erfordert wird, daß beyde einerley Tinctur haben.


Balkentracht (W3) [Adelung]


Die Balkentracht, plur. die -en, auf den Schiffen, lange Stücke Bauholz längst dem Borte, welche die Balken tragen, daher sie auch den Nahmen haben.


Balkenwage (W3) [Adelung]


Die Balkenwage, plur. die -n. 1) Eine Wage mit einem Balken. 2) Ein Hebezeug, welches aus einem beweglichen Balken an einer hölzernen Säule bestehet, große Lasten damit zu heben.


Balkenzoll (W3) [Adelung]


Der Balkenzoll, des -es, die -e, in der Geometrie, der zehnte Theil eines Balkenschuhes, d. i. ein Körper, der einen Zoll lang, und eine Linie breit und dick ist. S. Balkenruthe und Balkenmaß.


Ball (W3) [Adelung]


1. * Der Ball, des -es, plur. inusit. von dem Verbo bellen, bey den Jägern, das Bellen der Hunde und der dadurch hervorgebrachte Laut. Auf den Ball hetzen, die Hetzhunde an den Ort streichen lassen, wo der Saufinder durch sein Bellen die Gegenwart eines wilden Schweines verkündiget. Nach dem Balle gehen, dahin gehen, wo der Schweißhund ausgibt.


Ball (W3) [Adelung]


2. Der Ball, des -es, plur. die Bälle, ein jeder runder Körper, und was ihm ähnlich ist. Im Hochdeutschen wird dieses Wort nur in einigen wenigen besonderen Fällen gebraucht, indem man von den übrigen das Wort Ballen hat. Ball bedeutet also: 1) eine weiche zum Spielen gebräuchliche Kugel. Den Ball schlagen, fangen. Ball spielen, (nicht den Ball spielen,) mit dem Balle spielen. 2) Verschiedene einer Kugel ähnliche Körper. Ein Schneeball, Feuerball u. s. f. Besonders die elfenbeinerne Kugel in dem Billiard-Spiele. Einen Ball machen, den Ball seines Gegners in eines der Löcher treiben. In der dichterischen Schreibart, wird zuweilen auch ein Himmelskörper, besonders aber die Erde mit diesem Nahmen belegt. Der Erdball. Fern von der Sonne rollt der runde Ball der Erde, Cron. Auch dieser Ball wird einst durch deinen Wink vergehn, ebend. In diesem poetischen Gebrauche hat Ball keinen Plural, sondern das folgende Wort Ballen gibt, wenn es nöthig ist, den seinigen dazu her. Die Himmelsballen, nicht die Himmelsbälle. 3) Einige halbrunde erhabene Körper, oder Theile eines Körpers. So nennen einige den untersten runden Theil der Nase, welchen andere die Kugel heißen, den Ball. Aber auch in dieser Bedeutung ist Ballen üblicher.

Anm. Ball lautet im Engl. Ball und Pill, im Franz. Balle, im Ital. Balla und Palla, im Latein. Pila, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Span. Bolo, im Dän. Bold. So fern es eine Kugel zum Spielen bedeutet, kann man es füglich von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich werfe, oder - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich schleudere, ableiten. Allein Ball bedeutet in den ältesten Mundarten überhaupt einen jeden runden Körper. S. Ballen. Im Oberdeutschland hat auch ein Ball zum Spielen ein Genit. des Ballen, und im Plural die Ballen. Einige Mundarten sagen auch das Ball.


Ball (W3) [Adelung]


3. Der Ball, des -es, plur. die Bälle, eine Versammlung mehrerer Personen beyderley Geschlechtes zum Tanzen, ein feyerlicher Tanz. Einen Ball geben, eine solche Versammlung auf seine Kosten veranstalten. Auf den Ball gehen. Auf demBalle seyn. Den Ball eröffnen, den ersten Tanz in einer solchen Versammlung thun.

Anm. Wir haben dieses Wort den Italiänern und Franzosen abgeborget die ihr Ballo und Bal, von dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - tanzen, haben. S. auch du Fresne Glossar. v. Balare.


Ballaß (W3) [Adelung]


Der Ballaß, des -sses, plur. die -sse, eine Art blasser oder auch völlig weißer Rubine, daher dieses Wort auch selten allein, sondern gemeiniglich in der Verbindung mit dem letzten gebraucht wird; Rubin Ballaß. Im Französischen heißt dieser Stein Balais, in dem Lateine der mittleren Zeiten aber Balascus, Balasus, Baleis, Baleius, Beleius. Er hat den Nahmen von Balassia, und Balasam, einem Königreiche und einer Stadt, nicht in Amerika, wie Ramusio und nach ihm viele andere behaupten, sondern in Ostindien, wo er zuerst gefunden worden. S. auch du Fresne v. Balascius, und die daselbst aus dem Paulus Venetus angeführte Stelle.


Ballast (W3) [Adelung]


Der Ballast, des -es, plur. car. in der Schifffahrt, die unterste Last in einem Schiffe, welche dasselbe im Gleichgewichte erhält, und gemeiniglich aus Sand bestehet; die Unterladung. Daher die Ballastbrücke, in den Seestädten, wo der Ballast ausgeladen wird.

Anm. Dieses Wort lautet im Niedersächsischen, Englischen und Schwedischen gleichfalls Ballast, im Französischen Lest, im Dänischen aber Baglast. Wegen der Abstammung sind die Wortforscher noch sehr uneinig. Iunius und die Verfasser der Bremisch-Nierdersächsischen Wörterbuches leiten es von Bat, ein Both, Schiff, und Last ab; Skinner von belasten; Wachter von bal, böse, und Last, Frisch endlich von bas, unten, und Last. Allein die Dänische Mundart kommt der wahren Abstammung vielleicht am nächsten. Bag, Bak bedeutet in den Nordischen Mundarten hinten. Weil nun der Ballast eigentlich in den hintern Theil des Schiffes geworfen wird, so kann er füglich Baglast oder Ballast heißen. Opitz nennt den Ballast Lastsand; andere Schiffssand und Unterlast.


Ballasten (W3) [Adelung]


Ballasten, verb. reg. act. mit Ballast beladen. Ein Schiff ballasten.


Bällchen (W3) [Adelung]


Das Bällchen, des -s, plur. ut nom. sing. das Diminutivum so wohl von Ball, als auch von Ballen. Besonders wird dieses Wort im gemeinen Leben als ein Maß gewisser Zeuge gebraucht, und ist alsdann so viel, als ein halbes Stück. Ein Bällchen Leinwand, ein halbes Stück von 12 bis 30 Ellen. Daher auch der Bällchen-Atlaß, eine Art schlechten Atlasses, der in Bällchen, oder halben Stücken verkauft wird, und von welchem die schlechteste Art Satin heißt.


Balleisen (W3) [Adelung]


Das Balleisen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ohne Plural, ein starkes Stangeneisen, welches in dem Hammerwerke zu Sangerhausen gemacht wird, und bollig ist, daher es auch Bolleisen und Polleisen genannt wird. S. Boll und Bollig. 2) Bey einigen so viel als Balleneisen, welches siehe.


Ballen (W3) [Adelung]


Der Ballen, des -s, plur. ut nom. sing. alles, was eine runde oder rundliche Gestalt hat, und nicht aus einer festen harten Masse bestehet, in welchem letztern Falle es eine Kugel heißt. Besonders, 1) bey den Buchdruckern, ausgestopfte halb runde lederne Küssen, womit die Farbe auf die Formen getragen wird. 2) An den Rappieren die lederne ausgestopfte Angel vorn an der Spitze. 3) An den Händen und Füssen, der erhabene halb runde Muskel unter dem Daumen und unter der großen Zehe. Bey den Jägern heißen auch die Fersen von allem gespaltenen Wildbrete Ballen, und in einigen Niedersächsischen Gegenden wird das Zahnfleisch im Plural die Ballen genannt. 4) An den Fausthobeln der rundliche Theil hinten an der Bahn, wo der Faustballen angesetzet wird. Bey den Künstlern und Handwerkern werden noch mehrere hervor stehende Theile eines Körpers, auch wenn sie nicht rund sind, mit diesem Nahmen belegt. 5) Ein Haufen in Matten, Leinwand u. s. f. zusammen gepackter Waare, im Gegensatze derjenigen, welche in Fässern oder Kisten befindlich ist. Ein Ballen Waare, Papier u. s. f. Daher dieses Wort, 6) auch ein gewisses bestimmtes Maß verschiedener Waaren ist. Ein Ballen Papier, der an einigen Orten auch ein Kiem genannt wird, hält zehen Rieß. Ein Ballen Leinwand, hält von 12 bis 30 Ellen. S. Bällchen. In einigen Gegenden werden die Tücher, nach Ballen gerechnet. Ein Ballen hält alsdann 12 Tücher, ein Tuch aber 32 Ellen; dagegen ein Saum 22 Tücher hält.

Anm. Auch in diesem Worte ist der Begriff der Ründe der herrschende, S. Ball und Boll; obgleich Wachter glaubt, daß Ballen in der 5ten Bedeutung von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich presse zusammen, herkomme. Das Engl. Bail und Bale, das Ital. Balla, das Dänische Ball, das Latein. Bala und Balla bey dem du Fresne, und das Pohlnische Bela werden gleichfalls von einem Pack Waaren gebraucht.


Ballen (W3) [Adelung]


Ballen, verb. reg. act. in Gestalt eines Balles zusammen drücken; doch nur in der R. A. mit geballter Faust. Ingleichen von dem Schnee; der Schnee ballet sich, lässet sich zusammen drücken, hänget sich im Gehen an die Schuhe an.


Ballenbinder (W3) [Adelung]


Der Ballenbinder, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, der die Waaren geschickt in Ballen zu packen weiß, und an einigen Orten Packer, Packknecht und Kramknecht heißet.


Ballenbund (W3) [Adelung]


Der Ballenbund, des -s, plur. inusit. bey den Feuerwerkern, eine Art der Beschnürung der Feuer-Leucht-Brand- und andern Kugeln.


Ballendegen (W3) [Adelung]


Der Ballendegen, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten so viel als ein Rapier, weil es vorn mit einem Ballen versehen ist. Daher auch die Ballenklinge, die Rapierklinge.


Balleneisen (W3) [Adelung]


Das Balleneisen, des -s, plur. ut nom. sing. gemeiniglich Balleisen, bey den Tischlern und Bildhauern ein schräge geschliffener Meißel mit scharfer Schneide, der mit dem Ballen in der Hand geschlagen wird. S. Ballenmeißel.


Ballenfieber (W3) [Adelung]


Das Ballenfieber, S. Podagra.


Ballenknecht (W3) [Adelung]


Der Ballenknecht, des -es, plur. die -e, an den Buchdruckerpressen zwey hölzerne Zapfen, worauf die Ballen ruhen.


Ballenkreuz (W3) [Adelung]


Das Ballenkreuz, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst, ein Kreuz, welches an den Enden runde Ballen hat, und von einigen mit dem wunderlichen Nahmen eines Kugelstabkreuzes beleget wird.


Ballenmeißel (W3) [Adelung]


Der Ballenmeißel, des -s, plur. ut nom. sing. ein starker Flachmeißel bey den Büchsenschätftern, der an der Schneide einen Ballen, d. i. eine starke schräge Fläche hat; oder vielleicht auch, weil er mit dem Ballen in der Hand gestoßen wird. S. Balleneisen.


Ballenmeister (W3) [Adelung]


Der Ballenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige bey den Buchdruckern, der an der Presse die Farbe auf die Form trägt.


Ballenwaare (W3) [Adelung]


Die Ballenwaare, plur. die -n, eine Waare, welche in Ballen gepackt wird; zum Unterschiede von andern Arten von Waaren.


Ballenwälzer (W3) [Adelung]


Der Ballenwälzer, des -s, plur. ut nom. sing. ein langbeiniger schwarzer Mistkäfer, welcher aus dem Menschenkothe Kugeln formirt, und selbige mit den Hinterfüßen hinter sich her wälzet.


Ballenzinn (W3) [Adelung]


Das Ballenzinn, des -es, plur. inusit. dasjenige Zinn, welches auf den Schmelzhütten über große eiserne Platten gegossen, und hernach in Ballen zusammen gerollet wird.


Ballett (W3) [Adelung]


Das Ballett, des -es, plur. die -e, ein dramatischer Tanz, ein Tanz von verkleideten Personen, deren Schritte und Stellungen eine gewisse Handlung vorstellen; von dem Ital. Balletto, und Franz. Ballet. Daher der Ballett-Meister, der solche Tänze erfindet und aufführet.


Ballette (W3) [Adelung]


Die Ballette, an den Knopflöchern, S. Pallette.


Balley (W3) [Adelung]


Die Balley, plur. die -en, ein Wort, welch es noch bey Ritterorden, besonders bey dem Deutschen Orden üblich ist, wo es eine gewisse Provinz, oder einen District bedeutet, dem ein Land-Commenthur, vorgesetzet ist; eine Land-Commenthurey, welche in Commenthureyen, und diese wieder in Ämter getheilet werden.

Anm. Dieses Wort ist aus dem spätern Latein. Ballivia, Balliva und Ballia, eingeführet worden. S. du Fresne v. Baiulus. Daß dieses Wort ehedem auch von andern Gerichtsbarkeiten gebraucht worden, erhellet aus den Verhandlungen des Reichstages zu Eger von 1431, woselbst verordnet wurde: daß die Hofgerichte und Landgerichte dheins dem andern in seine Palye greiffe.


Balleyrath (W3) [Adelung]


Der Balleyrath, des -es, plur. die -räthe, in den Balleyen des Deutschen Ordens, so viel als ein Kanzelleyrath.


Ballhaus (W3) [Adelung]


Das Ballhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, in welchem die Ballen mit dem Rackete geschlagen werden.


Ballholz (W3) [Adelung]


Das Ballholz, des -es, plur. die -hölzer, ein vorn breites Holz, den Ball damit zu schlagen; die Ballpritsche.


Ballhorn (W3) [Adelung]


Ballhorn . Die im gemeinen Leben übliche sprichwörtliche R. A. verbessert durch Johann Ballhorn, welche man von einer unnützen oder lächerlichen Verbesserung gebraucht, ist eine Anspielung auf einen ehemaligen Buchdrucker zu Lübeck dieses Nahmens, welcher um 1550 lebte, und in den Büchern, welche er druckte, gern allerley ungereimte Veränderungen vorzunehmen pflegte. Nach andern soll er einmahl das A B C Buch heraus gegeben und auf dessen Titelblatt gesetzet haben: vermehrt und verbessert durch Johann Ballhorn, S. Behms Seeleniana S. 275.


Ballmeister (W3) [Adelung]


Der Ballmeister, des -s, plur. ut nom. sing der einem Ballhause vorgesetzet ist, und den Ballspielen in demselben vorstehet. S. auch Ballenmeister, welches im gemeinen Leben oft auch Ballmeister lautet.


Ballon (W3) [Adelung]


Der Ballon, (sprich Ballong,) des -s, plur. die -s, aus dem Französischen Ballon. 1) Ein großer mit Wind aufgeblasener Ball, damit zu spielen. Den Ballon schlagen, mit dem Ballon spielen. Daher das Ballon-Spiel; der Ballon-Platz, wo damit gespielet wird; der Ballon-Schuh, ein Werkzeug von Holz, welches man an die Hand ziehet, den Ballon damit zu schlagen; die Ballon-Spritze, womit die Luft in den Ballon gepumpet wird. 2) In der Chemie, eine große runde Vorlage mit einem kurzen Halse.


Ballote (W3) [Adelung]


Die Ballote, plur. inusit. ein Nahme derjenigen Pflanze, welche noch häufiger Andern genannt wird, w. s. Ballota, L.


Ballottiren (W3) [Adelung]


Ballottiren, verb. reg. act. aus dem Franz. ballotter. 1) Die Stimmen vermittelst kleiner Kugeln einsammeln. 2) An einigen Orten, Schweine verschneiden, von den ausgeschnittenen Bällen oder Hoden. Daher Ballottirer, ein Schweinschneider.


Ballrose (W3) [Adelung]


Die Ballrose, plur. die -n, die schirmförmige Blume des Bachholders, die einem Balle nicht unähnlich ist, daher der ganze Baum auch von einigen Ballrosen genannt wird. S. Bachholder.


Ballspiel (W3) [Adelung]


Das Ballspiel, des -s, plur. die -e, im Oberdeutschen, das Ballenspiel. 1) Das Spielen mit dem Balle. 2) Die Kunst, den Ball geschickt zu spielen; ohne Plural. Daher der Ballspieler, der diese Kunst versteht.


Balsam (W3) [Adelung]


Der Balsam, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e. 1) Eigentlich, der wohl riechende Saft des wahren oder Arabischen Balsamstrauches, der auch Balsam von Gilead, oder Balsam von Mecha genannt wird. S. Balsamstrauch. Er ist ein flüssiges, feines, durchsichtiges, weißliches Harz, welches einen ungemein angenehmen und stärkenden Geruch, einen bittern Geschmack, und eine heilende Kraft hat. 2) In weiterer Bedeutung werden alle flüssige Harze auch anderer, besonders ausländischer Bäume, Balsame genannt, zumahl wenn sie wohl riechend sind, und eine heilende zusammen ziehende Kraft haben. Dergleichen, der Balsam von Tolu, der Peruvianische Blasam, der Copaiva-Balsam n. a. m. sind. 3) In noch weiterer Bedeutung heißen in den Apotheken alle wohl riechende kleberige Säfte, welche aus destillirten Öhlen zusammen gesetzt sind, Balsame. 4) Figürlich, a) was einen angenehmen Geruch hat, und ein solcher angenehmer Geruch selbst. Die Blumen duften Balsam aus. Doch Zephyrs wehten ihm mit frischen Balsamdüften Gesunden Schlummer zu, Wiel. b) Trost, Linderung, für das Gemüth, in der höhern Schreibart. Der sanfte Zuspruch eines Freundes ist ein Balsam für unsere Wunden, Dusch. Was für Balsam hast du durch diese Erzählung in mein verwundetes Herz gegossen! Less. Welch ein süßer schmeichelhafter Gedanke! wie ein Balsam floß er durch meine Seele, Weiße.

Anm. Balsam, bey dem Ulphilas Balsan, im Engl. Balsam, Balm, Franz. Baume, Lat. Balsamus, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wird wohl mit mehrerm Rechte von Ballessan, Balsan, dem Arabischen Nahmen des wahren Balsamstrauches, als von dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Amos 6, 6, hergeleitet.


Balsamapfel (W3) [Adelung]


Der Balsamapfel, des -s, plur. die -äpfel, die einem Apfel ähnliche Frucht einer ausländischen Pflanze; Momordica, L. Besonders diejenige Art derselben, welche bey dem Linne Momordica Balsamina heißt, weil sie eine sehr heilende und schmerzstillende Kraft hat. Auch die Pflanze selbst führet diesen Nahmen.


Balsamäspe (W3) [Adelung]


Die Balsamäspe, plur. die -n, S. Balsampappel.


Balsambaum (W3) [Adelung]


Der Balsambaum, des -es, plur. die -bäume, ein jeder Baum, der Balsam gibt, deren in den entlegenen Welttheilen viele, zum Theil noch sehr unbekannte, vorhanden sind. Die bekanntesten sind der Balsambaum von Tolu, Toluifera, L. welcher um Carthagena in Amerika einheimisch ist, und der weiße Balsambaum, Copaifera, L. welcher in Brasilien und auf den Antillen wächset, und den Copaivischen Balsam liefert.


Balsambüchse (W3) [Adelung]


Die Balsambüchse, plur. die -n, eine Büchse, in welcher Balsam verwahret wird.


Balsamduft (W3) [Adelung]


Der Balsamduft, des -es, plur. die -düfte, in der dichterischen Schreibart, ein angenehmer wohl riechender Duft. Die Blumen brachen auf und streuten Balsamdüfte, Less. S. auch Balsam 4.


Balsamfrucht (W3) [Adelung]


Die Balsamfrucht, plur. die -früchte, die Frucht des Balsambaumes, besonders des weißen, welcher in länglich runden, rothen, wohl riechenden Beeren bestehet.


Balsamholz (W3) [Adelung]


Das Balsamholz, des -es, plur. inusit. das wohl riechende Holz des Balsambaumes.


Balsamine (W3) [Adelung]


Die Balsamine, plur. die -n, ein ausländisches Blumengewächs; Impatiens Balsamina, L. Diese Pflanze ist in Ostindien zu Hause, wird aber jetzt in unsern Gärten häufig gezeuget, und von einigen auch Balsamkraut genannt. Die gelbe Balsamine, Impatiens Noli me tangere, L. wird auch Springsamen, Springkraut und Ungeduld genannt, weil ihr Same bey der geringsten Berührung heraus springet.


Balsamiren (W3) [Adelung]


Balsamiren, verb. reg. act. mit Balsam oder andern wohl riechenden Harzen bestreichen oder ausfüllen. Eine Leiche balsamiren. Handschuhe balsamiren. Daher die Balsamirung. Ehedem gebrauchte man dafür balsamen, welches Zachariä noch beybehalten hat.


Balsamisch (W3) [Adelung]


Balsamisch, -er, -ste, adj. et adv. 1) Was von Balsam ist, oder nach Balsam riecht. 2) Figürlich, wohl riechend. Der balsamische Duft der Blumen. Ingleichen, 3) erquickend, tröste. o, stärkend. Süßer Schlaf, balsamisches Labsal der matten Natur. Vergebens hoffest du die balsamische Ruhe des Schlafes, Dusch.


Balsamkrämer (W3) [Adelung]


Der Balsamkrämer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art wandernder Krämer, welche allerley Balsame und Salben verkaufen.


Balsampappel (W3) [Adelung]


Die Balsampappel, plur. die -n, eine Amerikanische Pappel, welche ein klebriges, wohl riechendes, balsamisches Harz gibt, und auch Balsamäspe, und Tacamahac-Pappel genannt wird; Populus balsamifera, L.


Balsampflanze (W3) [Adelung]


Die Balsampflanze, plur. die -n, eine Art ausländischer Pflanzen, welche Balsam von sich geben, Amyris, L.


Balsamstaude (W3) [Adelung]


Die Balsamstaude, plur. die -n, oder der Balsamstrauch, des -es, plur. die -sträuche, ein Strauch, der Balsam gibt; besonders der Arabische Strauch, der den wahren Balsam von Gilead oder Mecha liefert, und im Arabischen Ballessan und Balsan genannt wird; Amyris Gileadensis, L. An einem andern Orte rechnet Linne diesen Strauch zu den Tannen, und nennet ihn Pinus abies balsamea, die Balsamtanne.


Balsteurig (W3) [Adelung]


* Balsteurig, adj. et adv. welches nur in Niedersachsen üblich ist, wo es widerspänstig und hartknäckig bedeutet, von dem veralteten bal, böse, und stür, im Dänischen styre, störrig; welche Ableitung natürlicher ist, als die sind, welche in dem Bremisch-Niedersächsischen Wörterbuche angegeben werden, wo auch die wahre Bedeutung dieses Wortes verfehlet worden.


Balthasar (W3) [Adelung]


Balthasar, ein männlicher Taufnahme, Hebräischen Ursprunges, welcher im gemeinen Leben häufig in Balzer verkürzet wird.


Balstich (W3) [Adelung]


Balstich, adj. et adv. S. Belt.


Balz (W3) [Adelung]


Die Balz, plur. car. ein Ausdruck, welcher noch bey den Jägern üblich ist, wo er von der Begattung der größern Vögel, besonders der Auerhähne gebraucht wird. Die Auerhahnen sind in der Balz, sie wollen sich gatten. Auf die Auerhahnbalz gehen, auf die Jagd der Auerhähne, wenn sie in der Balz sind. Ingleichen die Zeit, wenn sich diese Thiere zu begatten pflegen. S. das folgende.


Balzen (W3) [Adelung]


Balzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, sich paaren, sich begatten. Die Jäger gebrauchen dieses Wort von allen großen Vögeln. Die Auerhahnen, die Birkhühner balzen, sind in der Brunstzeit. Im gemeinen Leben sagt man es an einigen Orten auch von den Katzen, daher im Niedersächsischen ein Kater auch die Bolze genannt wird.

Anm. Die letzte Sylbe dieses Wortes zeiget, daß es ein Intensivum oder Frequentativum ist; es kommt also allein auf die erste Sylbe Bal an. Man könnte es von Ball, Boll, bellen ableiten, und glauben, daß dabey vornehmlich auf das Geschrey gesehen würde, welches manche Thiere in der Brunstzeit machen, welches besonders von den Katzen, Auerhähnen u. s. f. gilt. Allein es ist wahrscheinlicher, daß es von dem alten bela und bola, zur Liebe reitzen, abstammet. S. Buhlen und Bulle. In den gemeinen Mundarten wird dieses Wort bald falzen, bald pfalzen, geschrieben und gesprochen.


Balzzeit (W3) [Adelung]


Die Balzzeit, plur. inusit. die Zeit, wenn die großen Vögel, ingleichen die Katzen sich gewöhnlich zu begatten pflegen; die Balz.


Bambele (W3) [Adelung]


* Die Bambele, plur. die -n. 1) In der Schweiz, ein Nahme der Elritze; Cyprinus phoxinus, L. S. auch Bachbambele. 2) In dem Weinbaue einiger Gegenden, derjenige Theil des Weinsenkers außer der Erde, welcher ihn mit dem Mutterstocke verbindet; in dieser Bedeutung ohne Zweifel aus dem Latein. Pampinus verderbt.


Bamboschade (W3) [Adelung]


Die Bamboschade, plur. die -n, nach dem Französ. Bambochade, ein Gemählde, welches niedrig-komische Gegenstände oder Auftritte vorstellet; von Peter Bambosch oder van der Laar, einem Niederländischen Mahler, welcher viele solche Stücke gemahlet hat. Doch wird Erkenntniß nicht zugleich mit eingeladen, Gelüsten das Gesicht nur bloße Bamboschaden, Withof.


Bämme (W3) [Adelung]


Die Bämme, S. Butterbämme.


Bammeln (W3) [Adelung]


+ Bammeln, S. Baumeln.


Bams (W3) [Adelung]


Der Bams, des -es, plur. die Bämse, bey den Sattlern, ein ausgestopfter Sitz, oder ein dickes vollhäriges Fell auf dem Sitze eines Sattels. S. Wammes.


Bamsen (W3) [Adelung]


Bamsen, oder Bämsen, verb. reg. act. bey den Weißgärbern und Pergamentmachern, so viel als schlagen, wo es besonders von dem Schlagen und Klopfen der Felle gebraucht wird. Im gemeinen Leben heißt daher wamsen oft auch so viel als prügeln.

Anm. Vermuthlich wird mit diesem Worte auf den dumpfigen Schall gezielet, der durch ein solches Schlagen auf ausgespannte Felle hervor gebracht wird; dergleichen Schall auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Latein. Bombus ausdruckt. S. Bombe.


Banco (W3) [Adelung]


Banco, ein durch die Kaufleute aus dem Italiänischen Banco eingeführtes Wort, eine Bank auszudrucken. S. dieses Wort. Daher sein Geld in Banco legen, Banco-Geld, Banco-Pfund, Banco-Gewicht, Banco-Zettel u. s. f.


Band (W3) [Adelung]


Das Band, des -es, plur. die Bänder und die Bande, Diminutivum das Bändchen, Oberdeutsch, das Bändlein, von dem Imperfecto des Verbi binden; alles dasjenige, was andere Dinge zu binden oder zu verbinden dienet. Besonders,1. In eigentlicher und weiterer Bedeutung, in welcher der Plural Bänder lautet, den letzten besondern Fall ausgenommen. 1) Ein langes schmales Stück Zeug, welches eigentlich zum Binden, oft aber auch nur zum Putze dienet. Figürlich wird Band zuweilen für einen Ritterorden genommen. So heißt der Dänische Elephanten-Orden, der an einem blauen Bande getragen wird, oft das blaue Band, der Englische Orden des Hosenbandes, das Hosenband u. s. f. Hierher gehören auch die Bänder der Wundärzte, und zwar so wohl die einfachen als auch die zusammen gesetzten. S. auch Binde. Ingleichen die nach Art der Bänder aus edlen Metallen verfertigten Zierathen des weiblichen Geschlechtes, als Armbänder, Halsbänder u. d. g. 2) Rund zusammen gedrehte Hülfsmittel zum Binden; z. B. Strohbänder im Feldbau, Weidenbänder im Gartenbau, Sackbänder u. s. f. 3) Lange dünne Körper von Holz oder Metall, die Theile eines andern Körpers zu verbinden. So heißt bey den Faßbindern Band oft so viel als ein Reif; zumahl wenn er von Eisen ist. An großen Weinfässern hingegen werden fünf oder sechs Reife zusammen genommen ein Band genannt. Hierher gehöret vermuthlich auch die in einigen Seestädten übliche Art das Tonnenmaß zu bestimmen. So hält z. B. eine Tonne Butter schmal Band in Hamburg 224, in Bremen aber 220 Pfund, eine Tonne Butter buked (bäuchig, dick) Band aber am ersten Orte 230, an letzterm aber 300 Pfund. In einer Österreichischen Urkunde bey dem Huber kommen, 2 Pfund Salz weites Bands und 8 Pfund enges, vor. S. Gebinde. Bey den Metallarbeitern werden verschiedene lange, dünne und schmale Stücke Metall, welche gewisse Theile zusammen halten, ein Band genannt. Auch gehören hierher bey den Schlössern die Gewinde mit zwey Flügeln, Thüren, Fenster, Kastendeckel u. s. f. zu befestigen. Daher ein Thürband, Fensterband u. s. f. In dem Schiffsbaue ist das Band ein großes krummes Holz, an welchem der Boden und die Wand des Schiffes befestiget wird. 4) Bey den Zimmerleuten wird ein schräge liegendes Holz, welches die Säulen und Sparren verbindet, und eigentlich das Schieben verhütet, ein Band genannt. 5) In der Zergliederungskunst verstehet man unter Bän-der zarte zähe Häutchen, welche die Theile des Leibes mit einander verbinden. Auch die Sehnen, welche die Knochen an einander häften, führen diesen Nahmen. 6) Verschiedene physische Hülfsmittel, den freyen Gebrauch der Glieder eines Menschen zu hindern. In dieser Bedeutung ist der Plural die Bande, der Singular aber gar nicht üblich. Einem Bande anlegen. In Ketten und Banden liegen. Sich der Bande entledigen. Schlug ich nicht den Gemahl in unverdiente Bande? Weiße. Oft druckt dieser Ausdruck figürlich das Gefängniß, den Verhaft aus. Einen der Bande entschlagen, ihn aus dem Verhafte befreyen. In der Kunstsprache der Henker und Scharfrichter werden die Schnüre, womit ein Verbrecher in der Tortur gepeiniget wird, Bande genannt; daher das Schnüren mit vollen Banden.2. In figürlicher Bedeutung, in welcher beyde Arten des Plurals üblich sind. 1) Um einiger Ähnlichkeit willen, wird so wohl in der Baukunst, ein großes gerades Glied, welches unten nach dem Winkelhaken abgeschnitten ist, als auch ein Reif, der den Lauf einer Kanone umgibt, ein Band genannt. In der Wapenkunst ist das Band das mittlere Stück eines durch zwey aus dem rechten Ober- nach dem linken Unterwinkel gezogene Linien getheilten Schildes, welches andere auf eine sehr unschickliche Art die rechte Steg-Straße nennen. Hier lautet der Plural Bänder. Das gestreifte Spanische Riedgras, Phalaris picta, L. wird, um seiner Ähnlichkeit mit einem Bande willen, gleichfalls das Band genannt. 2) Dasjenige, was zusammen gebunden ist, und eine gewisse Anzahl zusammen gebundener Stücke. In dieser Bedeutung ist Band in einigen Seestädten, z. B. in Riga eine Zahl von 30. 3) Alles dasjenige, wodurch man in figürlicher Bedeutung mit etwas verbunden wird, in welchem Sinne der Plural Bande heißt. Das Band der Freundschaft, der Ehe, des Friedens u. s. f. Die Hochachtung bleibet doch alle Mahl das festeste Band zweyer Seelen. Er ist entschlossen, dich noch durch ein heiliger, süßer Band, als das Band der Wohlthaten ist, mit sich zu verbinden, Weiße. Also zerreißt das Schicksal das goldene Band, das die Tugend so fest geschlungen hatte! Dusch. 4) Ein sittliches Hinderniß, alles was uns an dem freyen Gebrauche der Kräfte des Geistes besonders zum Guten hindert, in welcher Bedeutung, die sich auf die sechste eigentliche beziehet, der Plural am gebräuchlichsten ist. So sehr sich auch meine Seele von allen irdischen Banden los gewunden hat, Dusch.

Anm. Band, bey dem Ottfried und Notker Band und Pand, ist ein altes Wort, welches in allen mit den Deutschen verwandten Sprachen häufig angetroffen wird. Banda, Bandellum, Bandum, Bandus, und hundert andere, kommen in dem Lateine der mittlern Zeiten in allerley Bedeutungen vor. Die Franzosen haben ihr Bandage, Bande, Bandeau, Bandelette, Bander, Bandereau u. s. f. gleichfalls daher, anderer Sprachen zu geschweigen. Sogar im Persischen ist Bend, ein Band, und Banden, binden, und gleiche Bedeutung hat das Hebräische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . S. Bande, Binde, Binden, Fahne, Winden. Der doppelte Plural dieses Wortes gründet sich auf keinen wesentlichen Unterschied in der Bedeutung, sondern rührt bloß aus den Mundarten her. Bande ist der Oberdeutsche, Bänder aber der Niederdeutsche Plural. Daß die Hochdeutschen beyde aufgenommen haben, beweiset weiter nichts, als daß sie einige Bedeutungen dieses Wortes von den Oberdeutschen, andere aber von den Sachsen bekommen haben.


Band (W3) [Adelung]


Der Band, des -es, plur. die Bände, das vorige Wort, welches in dieser Gestalt aber nur allein von Büchern gebraucht wird. Es bezeichnet daselbst, 1) diejenige Materie, in welcher ein Buch eingebunden worden, und die Beschaffenheit der Arbeit an demselben. Der Band kostet mehr als das Buch selbst. Ein Pergamentband, Lederband, Hornband u. s. f. Ein Englischer Band, Französischer Band, Franzband u. s. f. 2) So viel von einem Buche, als jedes Mahl zusammen gebunden wird. Das Werk bestehet aus sechs Bänden. Der erste Theil des dritten Bandes, wenn ein Band mehrere Theile in sich fasset, und der erste Band des dritten Theiles, wenn ein Theil aus mehrern Bänden bestehet.


Band-Achat (W3) [Adelung]


Der Band-Achat, des -es, plur. die -e, eine Art Achate mit schmalen Streifen von verschiedenen Farben.


Bandader (W3) [Adelung]


Die Bandader, plur. die -n, ein Nahme, den einige, besonders ältere Zergliederer, den Sehnen oder Flächsen beylegen, die man auch schlechthin Bänder zu nennen pfleget. Mit den Bandadern pindet die Natur die hertzen (härtesten) bain in den gelidern zusamen, heißt es in dem 1483 zu Augsburg gedruckten Buche der Natur.


Band-Alabaster (W3) [Adelung]


Der Band-Alabaster, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. eine Art Alabaster mit schmalen hell weißen und milchtrüben Streifen.


Bandblume (W3) [Adelung]


Die Bandblume, plur. die -n, künstliche aus seidenen Bändern nachgemachte Blumen; Bänderblumen.


Bandbohrer (W3) [Adelung]


Der Bandbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Zimmerleuten, ein Bohrer, womit die Löcher zu den hölzernen Nägeln der Bänder oder Schrägebalken gebohret werden; der Riegelbohrer.


Bande (W3) [Adelung]


Die Bande, plur. die -n. 1. Die Seite, der Rand; doch nur in einigen Fällen. Bey den Seefahrern wird so wohl die Seite des Schiffes, als auch die Breite eines festen Landes die Bande genannt. Besonders der erhabene Rand, welcher um ein Billiard herum gehet. Die Bande halten, im Billiard-Spiele, den Leib mit der Bande parallel halten. Auf den Galeeren wird auch der Gang an dem Borte längs der Ruderbänken mit diesem Nahmen belegt.2. Ein langer und breiter Streifen, besonders in den seidenen und andern gestreiften Zeugen. Daher Bandenfäden, Bandenschäfte und Bandentritte, an den Stühlen der Seidenweber, wodurch diese Banden gebildet werden. Eine Bande Tapeten, ein Stück Zeug oder Papier, von der Höhe des Zimmers, es damit auszuschlagen.3. Mehrere zu einerley Endzweck verbundene Personen. Eine Bande Schauspieler, Musikanten. Indessen wird es hier am häufigsten im verächtlichen Verstande gebraucht: eine Bande Diebe, Räuber, Landstreicher u. s. f. Daher die Schauspieler lieber das Französische Wort Trouppe, oder Gesellschaft, gebrauchen.

Anm. Es ist in allen Bedeutungen zunächst aus dem Franz. Baude entlehnet, obgleich dieses wieder von dem Deutschen Band und binden abstammet. In der letzten Bedeutung kommt in den mittlern Zeiten der Band mehrmahls vor: Sit ich struthe in dinen bant, seit ich unter deiner Schaar streite, Schenk Ulrich von Winterstetten; und in Österreichischen ist ein Bandel noch jetzt eine Herde.


Bandeisen (W3) [Adelung]


Das Bandeisen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ohne Plural, eine Art verarbeiteten Eisens, welches dünn geschlagen ist, und zu Bändern um Weinfässer u. s. f. gebraucht wird. 2) Bey den Messerschmieden ein eiserner Stock, das Band zu den Messer unter der Klinge zu verfertigen.


Bändel (W3) [Adelung]


Das Bändel, des -s, plur. ut nom. sing. das verkürzte Diminutivum von Band, für Bändelein, welches nur in den gemeinen Sprecharten üblich ist. In verschiedenen Oberdeutschen Gegenden bezeichnet es besonders eine Kopfbinde des weiblichen Geschlechtes. In Niedersachsen aber ist Bändel eine Art Fische, welche dem Lachse sehr ähnlich ist.


Bandelier (W3) [Adelung]


Das Bandelier, des -s, plur. die -e, ein breiter Riemen, welchen die Reiter und die Musketier über die linke Schulter tragen, erstere den Carabiner, letztere aber die Patronentasche daran zu hängen. Ingleichen ein breites über die Schulter hangendes Degengehenk, dergleichen an manchen Orten die Schweizer haben; das Schultergehenk. In den Tobaks-Fabriken ist es eine Schnur aufgereiheter Tobaksblätter.

Anm. Dieses Wort ist aus dem Ital. Bandeliera, und Franz. Bandouliere, von den Deutschen aufgenommen worden. Wachter leitet es von Band, und dem Holländischen Leer, Leder, ab, daß es also eigentlich einen ledernen Riemen bedeuten würde.


Bänderblume (W3) [Adelung]


Die Bänderblume, S. Bandblume.


Bänder-Jaspiß (W3) [Adelung]


Der Bänder-Jaspiß, des -sses, plur. inusit. ein Jaspiß, welcher allerley farbige Schichten und Streifen, in Gestalt der Bänder, über einander hat.


Bänderlatz (W3) [Adelung]


Der Bänderlatz, des -es, plur. die -lätze, ein Stück des Frauenzimmerputzes, welches aus einem Brustlatze bestehet, der mit Bändern und Schleifen gezieret ist.


Bändern (W3) [Adelung]


Bändern, verb. reg. act. Das Wachs bändern, in den Wachsbleichen, das Wachs zum Bleichen über eine Walze in dünne Bänder gießen; welches vermittelst einer eigenen Bänder-Maschine geschiehet. S. auch Bebändern.


Band-Fabrik (W3) [Adelung]


Die Band-Fabrik, plur. die -en, eine Anstalt, in welcher allerley Arten Bänder in Menge gewebet werden.


Bandfaß (W3) [Adelung]


Das Bandfaß, des -sses, plur. die fässer, ein in der Schweiz übliches Weingemäß, welches 1 und ein halbes Faß oder 600 Schweizerische Maß hält.


Bandfisch (W3) [Adelung]


Der Bandfisch, des -es, plur. die -e, bey einigen ein Nahme des Klippfisches; Cepola, L.


Bandfrau (W3) [Adelung]


Die Bandfrau, plur. die -en, eine gemeine Frau, welche mit Bändern handelt.


Bandhaken (W3) [Adelung]


Der Bandhaken, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Bey den Schlössern ein eiserner Haken, um welchen ein einfaches Band zu Thüren, Fenster u. s. f. beweglich ist; Bandkegel, Thürhaken, Häspe. 2) Bey den Böttchern, ein starkes Holz mit einem krummen beweglichen eisernen Haken, die Bänder über die Stäbe zu ziehen. 3) Bey manchen Holzarbeitern, ein Haken mit einem Ringe, eine Stange dadurch zu stecken, und Röhrbäume u. s. f. damit umzuwälzen. 4) In manchen Gegenden auch ein jeder Klammerhaken.


Bandhandel (W3) [Adelung]


Der Bandhandel, des -s, plur. inusit. der Handel mit seidenen, wollenen oder leinenen Bändern. Daher der Bandhändler, im gemeinen Leben der Bandmann, und die Bandhändlerinn, im gemeinen Leben die Bandfrau.


Bandholz (W3) [Adelung]


Das Bandholz, des -es, plur. inusit. bey den Böttchern, Reifholz, woraus die Reise oder Bänder gespalten werden.


Bandig (W3) [Adelung]


* Bandig, adj. et adv. welches nur in den Fabriken und im gemeinen Leben üblich ist. Bandige Zeuge, welche mit Banden oder breiten Streifen versehen sind.


Bändig (W3) [Adelung]


Bändig, adv. was sich binden lässet, oder die Bande leidet; am häufigsten mit dem Verbo machen. Ein Thier, einen Hund bändig machen, zähmen. Es sind rasche Pferde, aber er wird sie schon bändig machen. Es kommt von Band, wie ständig von Stand, händig von Hand u. s. f. und ist eigentlich ein Adjectiv, wird aber nur als ein Adverbium gebraucht, obgleich unbändig in beyden Formen üblich ist. Das Schwedische baen- dig bedeutet biegsam, in der eigentlichsten Bedeutung. Das Neiders. bändig und bänsk hat mit dem Hochdeutschen einerley Bedeutung.


Bändigen (W3) [Adelung]


Bändigen, verb. reg. act. bändig machen. 1) Eigentlich. Ein wildes Thier bändigen, machen, daß es die Bande willig erträgt, es zähmen. 2) Figürlich. Ein Mensch, der nicht zu bändigen ist. Ich will sehen, was ich mit meinem Herzen machen, ob ich es zum Gehorsam bändigen kann, Weiße. Lehre mich die Martern bändigen, die meine Seele ängstigen. Daher die Bändigung. Das Substantiv der Bändiger ist nur im Scherze gebräuchlich. Lyäus, der Bändiger sterblicher Sorgen, Cron.


Bandit (W3) [Adelung]


Der Bandit, des -en, plur. die -en, ein Verbanneter, besonders ein solcher, welcher sich nach seiner Verbannung auf den Straßenraub leget. In weiterer Bedeutung auch wohl ein jeder Straßenräuber und Meuchelmörder. Von dem Ital. Bandito, welches von bandire, verbannen, abstammet; daher dieses Wort eigentlich nur den Italienischen Straßenräubern und Meuchelmördern zukommt, welche durch die in diesem Lande ehedem so häufigen Verbannungen oft zu dieser verhaßten Lebensart gezwungen wurden. Bluntschli gebraucht dieses Wort in seiner ersten und eigentlichen Bedeutung von einem verbannten Rathsherren.


Bandkegel (W3) [Adelung]


Der Bandkegel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Bandhaken 1.


Bandkiesel (W3) [Adelung]


Der Bandkiesel, des -s, plur. ut nom. sing. ein gestreifter Kiesel. S. Bandstein.


Bandmacher (W3) [Adelung]


Der Bandmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein unzünftiger Handwerker, welcher sich mit Verfertigung des Zwirnbandes ernähret.


Bandmarmor (W3) [Adelung]


Der Bandmarmor, des -s, plur. inusit. ein gestreifter Marmor. S. Bandstein.


Bandmeißel (W3) [Adelung]


Der Bandmeißel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Schlössern, ein Meißel, welcher in der Schneide nach einem Zirkelbogen ausgeschnitten ist, und zu den Thürbändern gebraucht wird.


Bandmesser (W3) [Adelung]


Das Bandmesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Messer der Faßbinder, in Gestalt eines Handbeiles, die Bänder damit abzuschneiden; auch Bindemesser.


Bandmotte (W3) [Adelung]


Die Bandmotte, plur. die -n, eine Art Motten; Phalaena Geometra fasciaria, L.


Bandmühle (W3) [Adelung]


Die Bandmühle, plur. die -n, eine Maschine, alle glatte und schmale Bänder darauf zu verfertigen. Sie gleicht einem Weberstuhle, der durch ein Rad in Bewegung gesetzt wird, und webet 16 bis 20 Bänder zugleich; der Mühlenstuhl.


Bandnagel (W3) [Adelung]


Der Bandnagel, des -s, plur. die -nägel, bey den Zimmerleuten, hölzerne Nägel, die Bänder damit zu befestigen.


Bandreif (W3) [Adelung]


Der Bandreif, des -es, plur. die -e, bey den Faßbindern Reife, welche mit besondern weidenen Bändern verbunden werden.


Bandschleife (W3) [Adelung]


Die Bandschleife, plur. die -n, eine Schleife von Band zum Putze.


Bandstein (W3) [Adelung]


Der Bandstein, des -es, plur. die -e, der Nahme einer jeden Steinart, welche farbige Streifen wie Bänder hat. Besonders einer Achat-Art, welche zu Berg-Gießhübel gebrochen wird, streifig, und zu beyden Seiten mit Eisenmann vermengt ist.


Bandstreif (W3) [Adelung]


Der Bandstreif, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst, ein schmales Band. S. Band.


Bandstuhl (W3) [Adelung]


Der Bandstuhl, des -es, plur. die -stühle, ein Weberstuhl, auf welchem Bänder gewirket werden.


Bandtresse (W3) [Adelung]


Die Bandtresse, plur. die -n, eine Art Tressen, welche einem Bande gleicht, und woran nur die eine Seite reich, die andere aber seiden ist.


Bandwurm (W3) [Adelung]


Der Bandwurm, des -es, plur. die -würmer, ein glatter, langer, meisten Theils weißer Wurm, mit vielen Gelenken, welcher einem Bande nicht unähnlich ist, und sich größten Theils in den Körpern der Menschen und Thiere aufhält, wo man ihn viele Ellen lang will bemerket haben; Taenia, L. im Oberdeutschen der Nestelwurm, im Niedersächs. Fiek. Die Gelenke an dem breiten Ende lassen sich leicht ausziehen, und diese Stücke nennt man im gemeinen Leben, wegen ihrer Ähnlichkeit mit den Kürbiskernen, Kürbiswürmer.


Bandzwitter (W3) [Adelung]


Der Bandzwitter, des -s, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, ut nom. sing. eine Art Zwitter- oder Zinnerz, welche aus verschiedenen gefärbten Lagen von Thon, Steinmark, Speckstein und Zinnwitter bestehet.


Bange (W3) [Adelung]


Bange, bänger, bängste, adj. et adv. welche die Empfindung einer schmerzhaften Furcht ausdruckt.1. In eigentlicher Bedeutung, in welcher es als ein Adverbium gebraucht, und mit den Verbis seyn, werden, und machen verbunden wird. Die beyden ersten stehen alsdann impersonaliter mit der dritten Endung der Person, das letztere, aber erfordert die vierte Endung. Es ist ihm angst und bange. Es ist mir bange um ihn. Dafür ist mir nicht bange. Es ist mir doch bange bey der Sache. Für Görgen ist mir gar nicht bange, Gell. Es wird mir bange. Wird dir schon bange? Gell. Einen bange machen, ihn angst und bange machen. Der Gebrauch mit dem Verbo thun, es thut mir bange, ich sehne mich darnach, ist provinziell und niedrig. Heut aber zeuch getrost aus Leipzigs Lustgefilden; Dir kann kein Paradies so sehr nicht bange thun, Günth. 2. Figürlich, in welcher Bedeutung dieses Wort nur als ein Adjectivum gebraucht wird. 1) Was diese schmerzhafte Furcht verursacht. Die bange Einsamkeit. In den bängsten Nöthen, Schleg. Bange unglückliche Stunde, o, erscheine nie. 2) Was mit derselben verbunden ist. Aus banger Vorsicht, Haged. 3) Was solche empfindet, oder verräth. Bald schickt ein banges Reich an ihn Gesandten ab, Haged. Ein banger angstvoller Blick.

Anm. 1. In den ersten adverbischen Bedeutung werden die Verba seyn und werden in der Niedersächsischen Mundart persönlich gebraucht, ich bin bange, ich werde bange; welche Wortfügung sich denn auch zuweilen in das Hochdeutsche mit einschleicht, wo sie aber alle Mahl fehlerhaft ist. Was hör ich? ist dein Herz denn unaufhörlich bang? Schleg. Der Bös ist unter Hutten und unter Kronen bang? Dusch. In Verbindung mit dem Verbo machen, setzen einige die dritte Endung der Person, statt der vierten, einem bange machen. Du hast mir ganz bange gemacht, Cron. Diese Wortfügung ließe sich rechtfertigen, wenn bang ein Substantiv wäre, wie man in andern Fällen sagt: einem Angst, Furcht, Freude, Schande u. s. f. machen. Frisch gibt es auch wirklich für ein Substantiv aus. Allein, da solches erweislich unrichtig ist, so wird sich auch die dritte Endung so wenig vertheidigen lassen, als wenn man sagen wollte, einem zornig, lustig, traurig, u. s. f. machen.

Anm. 2. Die Abstammnung dieses Wortes, welches in den alten Deutschen und verwandten Mundarten selten und fast gar nicht vorkommt, ist noch ungwewiß. Wachter leitet es sehr sinnreich von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, adstringo, ab; Frisch mit eben so weniger Wahrscheinlichkeit von Bann, welches eigentlich ein Einschließen, Binden, bedeutet. Mit mehrerm Grunde kann man es zu dem alten ango, angst, oder auch zu enge, rechnen, weil die Bangigkeit wirklich mit einer Beengung oder Beklemmung der Brust verbunden ist. Das voran gesetzte b kann die Vorsylbe be seyn, welche ihren Vocal auch in vielen andern Fällen wegwirft. Das e am Ende ist um der gelinden Aussprache des g willen nothwendig, weil bang nichts anders als ank gesprochen werden kann, so wie man das g in lang, Gesang u. s. f. spricht. Ehedem wurde bange auch von andern Leidenschaften als der Furcht gebraucht; z. B. von der Sehnsucht:Die Künigin zu sehen ist mir pang, Theuerd. Kap. 98. In einigen gemeinen Mundarten hat man auch das Verbum sich bängen, sich ängsten, welches aber im Hochdeutschen eben so wenig üblich ist, als das Bey- und Nebenwort bangsam, für bange, und das Substantiv Bangsamkeit, für Bangigkeit.


Bängel (W3) [Adelung]


Der Bängel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Knüttel, Prügel, ein kurzes und starkes Holz; in welcher Bedeutung dieses Wort noch in dem Preßbängel der Buchbinder und Buchdrucker, womit die Pressen zugezogen werden, üblich ist. Im Niedersächsischen ist es in diesem Verstande gewöhnlicher. 2) Figürlich, in den niedrigen Sprecharten ein grober, ungesitteter junger Mensch.

Anm. Bängel ist das Diminutivum von einem ziemlich unbekannt gewordenen Worte Bang oder Bank, welches noch bey den Jägern üblich ist, wo es ein Strickholz bedeutet, über welches die Jagdnetze gestricket werden. S. auch Fügebank. Eine kleine untersetzte Statur drucken die Österreicher durch Bunker, aus. In der figürlichen Bedeutung ist Bang bey dem Ulphilas ein Schlag, eine Wunde, zu welchem auch das Schwed. bana, banka und baengia, das Engl. to bang, und das Dänische banke, schlagen, gehören. Um dieser Abstammung willen schreibt man es richtiger mit einem ä, als mit einem e. Mit dem Deutschen Bängel kommt auch das Lateinische Diminutivum Baculus überein; denn das k wird durch die Aussprache durch die Nase oft in ng verwandelt. S. auch Bakel.


Bängeln (W3) [Adelung]


* Bängeln, verb. reg. act. Die Hunde bängeln, im gemeinen Leben, ihnen einen Bängel, oder Knüttel anhängen. S. das vorige.


Bangigkeit (W3) [Adelung]


Die Bangigkeit, plur. inusit. eine schmerzhafte Furcht vor einem nahen Übel. Angst und Bangigkeit überfiel den Verbrecher. S. Bange.


Bänglich (W3) [Adelung]


Bänglich, adj. et adv. ein wenig bange. Mir ist bänglich. Ein bänglicher schmachtender Blick. Daher die Bänglichkeit.


Banier (W3) [Adelung]


Das Banier, S. Panier.


Bank (W3) [Adelung]


Die Bank, plur. die Bänke, und in zwey Bedeutungen Banken, Diminutivum das Bänkchen, im Oberdeutschen das Bänklein, überhaupt eine jede Erhöhung. Besonders,1. Eine Erhöhung des Erdbodens. In der Schifffahrt werden seichte Örter, Untiefen, wo nicht Wasser genug ist, ein Schiff zu tragen, Bänke genannt. Daher die Sandbank, wenn die Untiefe durch einen Haufen Sandes verursachet wird; die Auster-bank, wenn sie den Austern zum Aufenhalte dienet, Perlenbank, u. s. f. In dem Festungsbaue heißt eine kleine Erhöhung des Bodens, unten an der Brustwehre, worauf die Soldaten treten, die Bank, Franz. Banquete. Auch dicke Schichten. oder Lagen in den Steingebirgen werden häufig Bänke genannt. Der Granit liegt in starken Bänken. So auch die Kohlenbank, Sandbank, Schieferbank u. s. f. Oft wird auch der Treppen ähnliche Absatz eines Ufers, ingleichen eine Terasse in den Gärten mit diesem Nahmen beleget, welche Bedeutung im Niedersächsischen am gewöhnlichsten ist. S. auch Hängebank und Eisbank. Ingleichen die oberste Fläche der Brustwehre eines Walles, Franz. Barbette; doch nur in der R. A. über Bank schießen, wenn keine Schießscharten in die Brustwehre eingeschnitten sind.2. Ein langer hölzerner Sitz, auf welchem mehrere zugleich sitzen können. 1) In eigentlicher Bedeutung, zu welcher folgende sprichwörtliche R. A. gehören, welche aber insgesammt nur von sehr niedrigem Gebrauche sind. Unter der Bank liegen, im Verborgenen, in Verachtung leben. Etwas unter der Bank hervor ziehen, es aus dem Verborgenen an das Licht bringen. Etwas unter die Bank stecken, es als etwas Verächtliches verbergen. Jemanden unter die Bank stecken, ihn überwältigen und zum Gespötte haben. Durch die Bank, ohne allen Unterschied, ein Ausdruck, dessen Ursprung noch dunkel ist. Etwas durch die Bank verkaufen, in Bansch und Bogen, das Gute mit dem Schlechten. Mit einer Person von der Bank fallen, ein uneheliches Kind mit ihr erzeugen. Seinen Kindern auf der Bank sitzen, von ihnen ernähret werden. Um einiger Ähnlichken willen wird in der Wapenkunst diejenige Figur, welche gemeinig lich ein Thurnierkragen heißt, von einigen auch eine Bank genannt. 3) Bey den Reichs- und Kriegsversammlungen werden seit 1474 nicht nur die Sitze der Reichsstände, sondern auch die Ordnung, in welcher sie sitzen, und die Stände und ihre Deputirten selbst, unter diesem Ausdrucke verstanden. Die weltliche Bank, die weltlichen Glieder des Fürstenstandes. So auch die geistliche Bank, die Grafenbank, die Rheinische Bank, die Schwäbische Bank u. s. f.3. Ein Tisch, welche Bedeutung ehedem häufiger war, aber jetzt nur noch in folgenden Fällen vorkommt. 1) Von gewissen niedrigen und festen Tischen verschiedener Handwerker und Verkäufer. Daher eine Drehbank, oder Drechselbank, Hobelbank u. s. f. Ingleichen die Brotbank, die Fleischbank, Tische vor welchen die Bäcker und Fleischer feil haben, und der Ort, oder das Gebäude, wo sich dieselben befinden, welches oft nur schlechthin die Bänke genannt wird. Daher auch die im gemeinen Leben üblich R. A. einen zur Bank hauen, alle einzelne Handlungen eines Menschen verleumden. Daß diese niedrige R. A. von den Fleischern entlehnet ist, erhellet aus dem ehrlichen Hans Sachs, der an einem Orte noch sagt: Also Kan ich beyde man und frawen Hinterrück zu der fleischbank hauen. S. auch Einhauen. 2) Der Tisch eines Wechslers und das darauf befindliche Geld, Ital. Banco, Franz. la Banque. In dieser Bedeutung ist das Wort noch in verschiedenen Hasard-Spielen üblich, wo es das Geld desjenigen bedeutet, gegen welchen die übrigen Spieler spielen. Daher, Bank halten, eine Bank machen, dieses Geld hergeben. Einen aus der Bank heben, oder die Bank sprengen, ihm dieses Geld abgewinnen. 3) Daher in weiterer Bedeutung eine öffentliche gemeine Casse, bey welcher man zu dem sichern Besitze einer Geldsumme gelangen kann, und welche nach der Verschiedenheit ihrer Einrichtung auch verschiedene Nahmen bekommt; S. Girobank, Leihbank, Wechselbank, Zettelbank. Ingleichen das Gebäude, in welchem sich eine solche Casse befindet. Da diese Anstalt eine Italiänische Erfindung ist, so ist im gemeinen Leben auch der Italiänische Ausdruck Banco üblicher, als der Deutsche. In diesen beyden letzten, eigentlich ausländischen Bedeutungen, lautet der Plural nicht Bänke, sondern Banken.4. Ein Streichholz, S. Bängel, in der Anmerkung. Bey den Papiermachern und einigen andern Künstlern wird auch das Laufbret in einer großen Presse die Bank genannt.

Anm. Das Angels. Benc und Baence, das Engl. Bench und Bank, das Ital. Banca, Banco, und Panca, das Franz. Banque, das Dänische Bänk, das Schwed. Baenk, und das Latein. Banca, Bancha und Banchus, bey dem du Fresne, sind in allen obigen Bedeutungen üblich. Das n vor dem k ist kein Stammbuchstabe, sondern hat seinen Grund bloß in der Aussprache durch die Nase, welches das Isländische beweiset, wo eine Bank Beck heißet. Bank gehöret also zu dem Geschlechte des Wortes Bake, und bedeutet eigentlich einen jeden erhöheten Ort. Das Angels. Banc wurde auch von einem jeden Hügel gebraucht. Diese Ableitung hat mehrere Wahrscheinlichkeit, als wenn man dieses Wort von dem Latein. Abacus herleitet. Ehedem wurde Bank auch häufig für ein Gericht gebraucht, welche Bedeutung noch im Englischen Statt findet. Im Oberdeutschen ist es männlichen Geschlechtes, daher man auch im Schwabenspiegel der Bank findet.


Bank-Actie (W3) [Adelung]


Die Bank-Actie, plur. die -n, Scheine, welche die Eigenthümer der Bank über ihr eingelegtes Capital erhalten, und welche alle Mahl auf eine gewisse Summe, z. B. auf 100 Thaler gestellet sind. Die letzte Hälfte dieses Wortes ist aus dem Franz. Action, eine schriftliche Versicherung.


Bankarbeiter (W3) [Adelung]


Der Bankarbeiter, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Handwerkern, ein Handwerker, welcher seine Arbeit sitzend verrichten kann. Besonders werden bey den Messerschmieden die Beschaler Bankarbeiter genannt, zum Unterschiede von den Klingenschmieden, welche ihre Arbeit stehend verrichten müssen.


Bankart (W3) [Adelung]


Der Bankart, des -s, plur. die -e, im gemeinen Leben und in verächtlicher Bedeutung, 1) ein von seinem Vater außer dem Ehebette erzeugtes Kind. 2) In weiterer Bedeutung, ein uneheliches Kind, auch ein solches, dessen Vater unbekannt ist, foetus vulgo quaesitus.

Anm. Im Niedersächsischen lautet dieses Wort Bankert. In den ältern Zeiten findet man dafür auch Bänkling. Es ist sehr glaublich, daß mit dieser Benennung auf den Ort der Zeugung gezielet wird, welches nicht nur die gemeine Redensart, mit einer Person von der Bank fallen, sondern auch andere ähnliche Ausdrücke bestätigen, welche sich gleichfalls auf das Lager beziehen. So wird in einem 1482 gederuckten Vocabelbuche Bankart durch Kotzensun, erkläret, von Kotze, eine grobe Decke, und im Magdeburgischen ist für Bankart auch Bankbein üblich. Bank wird also in diesem Worte dem Ehebette entgegen gesetzet. In einem zu Rom 1501 gedruckten Italiänischen und Deutschen Vocabulario heißt es: Il bastardo, der Bankart, la bastarta, die Bankerein; obgleich Bastard und Bankart noch von einander unter-schieden sind, S. Bastard; Bankarein oder Bankarinn sonst aber nicht vorkommt. Wachter hält die letzte Sylbe für das Wort Art und erkläret es durch vitio affectum; allein es scheinet vielmehr eine harte Aussprache der Ableitungssylbe er zu seyn, welche eine Person männlichen Geschlechtes bedeutet, wie aus dem vorigen gedachten Worte Bankarinn glaublich wird. Die Böhmen haben ihr Pankhart, ein Hurkind, vermuthlich von den Deutschen bekommen; das Pohlnische Beckart, ein Hurensohn, scheint mit dem Isländ. Beck, eine Bank, verwandt zu seyn. Das Englische Bantling, ein uneheliches Kind, gehöret, aller Wahrscheinlichkeit nach, nicht hierher. Im Oberdeutschen ist dieses Wort auch ungewissen Geschlechtes, das Bankart.


Bankbein (W3) [Adelung]


Das Bankbein, des -es, plur. die -e. 1) Der hölzerne Fuß in einer Bank, worauf sie ruhet. 2) Im Magdeburgischen, für Bankart, w. S.


Bankbohrer (W3) [Adelung]


Der Bankbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Tischlern, ein Bohrer, mit welchem die Löcher zu den Beinen der Bänke gebohret werden, daher er auch der Beinbohrer heißt.


Bankeisen (W3) [Adelung]


Das Bankeisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Eisen, welches an dem einen Ende spitz zu gehet, in der Mitte einen Ansatz hat, an dem andern Ende aber breit ist, Bänke, Repositoria, Schränke u. s. f. damit an Wände zu befestigen.


Bänkelsänger (W3) [Adelung]


Der Bänkelsänger, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher auf den Gassen von hölzernen Bänken allerley Mordgeschichten absinget; der Bänkelreiter. Figürlich und in verächtlichem Verstande, ein schlechter Dichter, der sich ein Geschäft daraus macht, gemeine Gegenstände auf gemeine Art zu besingen.


Bankerott (W3) [Adelung]


Bankerott, adj. et adv. unvermögend, seine Schulden zu bezahlen, besonders bey Kaufleuten und kramenden Handwerkern. Daher, bankerott werden. Ingleichen das Hauptwort der Bankerott, des -es, plur. die -e, die Unvermöglichkeit eines Handelsmannes, seine Schulden zu bezahlen, und der öffentliche Ausbruch dieses Zustandes. Bankerott machen oder spielen, in diesen Zustand gerathen. Der Bankerottier, des -s, plur. ut nom. sing. der in diesen Zustand gerathen ist.

Anm. Alle diese Wörter sind aus dem Ital. Bancorotto, welches eigentlich eine zerbrochene Wechselbank bedeutet, und auch im Italiänischen in der obigen Bedeutung gebraucht wird. Banqua rupta kommt in eben demselben Verstande schon in den alten Statuten der Stadt Avignon bey Carpentier vor. Nach dem Französ. Banquerout, lauten diese Wörter auch zuweilen Banquerout, Banqueroutier u. s. f.


Bankett (W3) [Adelung]


Das Bankett, des -es, plur. die -e, ein feyerlicher Schmaus, ein Gastmahl; ein Wort, welches aus dem Italiänischen Banchetto entlehnet ist, aber nach und nach ungewöhnlich zu werden anfängt, so wie das Verbum banketiren, und das Substantiv Banketirer, ein Schlämmer, der beständig schmauset.


Bankfrau (W3) [Adelung]


Die Bankfrau, plur. die -en, bey den Bäckerzünften, eine Frau, welche an ihrer Statt das Brot in der Bank verkauft.


Bankhader (W3) [Adelung]


Der Bankhader, des -s, plur. die -n, ein Hader oder Lappen, womit man die hölzernen Bänke zu scheuern pflegt.


Bankhaken (W3) [Adelung]


Der Bankhaken, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Tischlern, ein Eisen, welches in die Hobelbank gesteckt wird, zwischen zwey solchen Bandhaken ein Brett zum Behobeln zu befestigen.


Bankhammer (W3) [Adelung]


Der Bankhammer, des -s, plur. die -hammer, bey den Schlössern, ein Hammer, der auf der Bank zum Verniethen gebraucht wird; der Niethhammer.


Bankhobel (W3) [Adelung]


Der Bankhobel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Böttchern, ein großer Hobel, der als eine Bank auf vier Füssen stehet. Bey den Tischlern ist es gleichfalls einer der größten Hobel, die Fugen damit auszuhobeln.


Bankhorn (W3) [Adelung]


Das Bankhorn, des -es, plur. die -hörner, ein kleiner Amboß der Schlösser, der in einem Schraubestock in der Bank geschraubet wird. S. Horn.


Bankmeißel (W3) [Adelung]


Der Bankmeißel, des -es, plur. ut nom. sing. bey den Schlössern, ein Meißel, das Eisen damit kalt zuzuhauen.


Bankmeister (W3) [Adelung]


Der Bankmeister, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Handwerkern, besonders Bäckern, ein Meister, der seine Arbeit auf dem Markte in einer Bude verkaufen darf. S. auch Großbänker und Kleinbänker. Bank hat hier vermuthlich noch seine alte Bedeutung, da es ehedem nicht nur die Werkstätte eines Handwerksmannes, sondern auch den Ort ausdruckte, wo er seine Arbeit verkaufte. S. du Fresne v. Bancus.


Bankmesser (W3) [Adelung]


Das Bankmesser, des -s, plur. ut nom. sing. im Wallfischfange, ein großes Messer, mit welchem der Wallfischspeck auf einer Bank zerschnitten wird.


Banknote (W3) [Adelung]


Die Banknote, plur. die -en, ein Schein, welchen jemand, der kein Eigenthümer einer Bank ist, für sein hinein gelegtes Geld erhält, und gegen welchen er dieses alle Mahl heraus nehmen kann, zum Unterschiede von einer Bank-Actie. S. auch Note.


Bankrichter (W3) [Adelung]


Der Bankrichter, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Böttchern, ein Böttchermeister, der den andern ihre großen Bankhobel wieder gerade und eben macht.


Bankschlachten (W3) [Adelung]


Das Bankschlachten, des -s, plur. car. bey den Fleischern das Schlachten zum öffentlichen Verkaufe in den Fleischbänken, im Gegensatze des Hausschlachtens.


Bankschneider (W3) [Adelung]


Der Bankschneider, des -es, plur. ut nom. sing. im Wallfischfange, ein Arbeiter, der den Wallfischspeck vor einer Bank zerschneidet.


Bankstimme (W3) [Adelung]


Die Bankstimme, plur. die -en, im Deutschen Staatsrechte, eine Stimme, welche nicht von einem einzelnen Reichsstande, sondern von einer ganzen Bank derselben, z. B. von den Reichsgrafen, gegeben wird; wofür doch das Latein. Votum curiatum üblicher ist.


Bankstück (W3) [Adelung]


Das Bankstück, des -es, plur. die -e, in den Steinbrüchen, ein Mühlstein, welcher so wie er seine Lage im Bruche hat, ausgehauen wird, so daß seine Cylinder-Fläche lothrecht die geraden Flächen aber wagerecht bleiben; zum Unterschiede von einem Querstücke.


Banktüchtig (W3) [Adelung]


Banktüchtig und Bankuntüchtig, adj. et adv. bey den Fleischern, von demjenigen Fleische, welches in der Fleischbank verkauft, oder nicht verkauft werden darf. Banktüchtiges Fleisch.


Bankzettel (W3) [Adelung]


Der Bankzettel, des -s, plur. ut nom. sing. eine von dem Eigenthümer einer Geldbank geschriebene Anweisung an dieselbe.


Bankzins (W3) [Adelung]


Der Bankzins, des -es, plur. inus. der Zins, welchen die Fleischer und Bäcker von den Fleisch- und Brotbänken entrichten müssen; in dem Lateine der mittlern Zeiten Banchagium und Bangagium.


Bann (W3) [Adelung]


Der Bann, des -es, plur. inus. ein ehedem sehr gebräuchliches Wort von weitem Umfange, welches überhaupt alles dasjenige bedeutete, wodurch die freyen Handlungen eines Menschen eingeschränket werden, diese Einschränkung selbst, und endlich auch die eingeschränkte Sache. Alle diese Bedeutungen und die darunter gehörigen besondern Fälle sind jetzt veraltet, und das Wort wird fast nur noch allein von der kirchlichen Ausschließung, von der gottesdienstlichen Gesellschaft gebraucht, welche in enger Bedeutung der Bann, oder Kirchbann genannt wird, zum Unterschiede von dem weltlichen Banne, welcher gewöhnlicher die Acht heißt. Einen in den Bann thun. Im Banne, oder unter dem Banne seyn.

Anm. 1. Da dieses Wort in den Deutschen Rechten der mittlern Zeiten von einem so großen Umfange war: so sind auch dessen Bedeutung so wohl von den Wortforschern, als auch von denRechtslehrern hinlänglich untersucht worden, daher ich hier nur auf die Glossaria des du Fresne, Schilter, Wachter, und Halthaus verweisen darf. Die vornehmsten Bedeutungen, welche dieses Wort ehedem hatte, sind: 1) Der gerichtliche oder obrigkeitliche Zwang. 2) Ein obrigkeitlicher Befehl, es mochte derselbe nun ein Geboth oder Verboth enthalten. 3) Eine gerichtliche Vorladung. 4) Die obrigkeitliche Strafe. 5) Das Recht, Strafen aufzulegen, nebst dem ganzen Gerichtszwange. 6) Der Bezirk und Umfang nicht nur eines Gerichtes, sondern auch einer jeden Gemeinheit, oder obrigkeitlichen Veranstaltung. 7) Eintreibung öffentlicher Gefälle. 8) Öffentliche Bekanntmachung einer Sache. 9) Ausschließung aus einer bürgerlichen oder kirchlichen Gemeinschaft. Hierzu kommen noch folgende Bedeutungen, in welchen Luther in seiner Bibelübersetzung dieses Wort gebraucht; nehmlich, 10) die Zerstörung einer Stadt. 11) Die Ausrottung eines Volkes, welche beyde zu der allgemeinen Bedeutung obrigkeitlicher Strafen gehören. 12) Das Gut der Verbanneten, 5. Mos. 13, 17. und 13) eine Person, welche ein verbannetes Gut zurück behält, Jos. 7, 12. Einige dieser Bedeutungen kommen noch in den folgenden Zusammensetzungen vor, welche aber gleichfalls nur noch in den Schriften der vorigen Jahrhunderte, und in den provinzial-Rechten einiger Gegenden angetroffen werden, in dem gemeinen Gebrauche aber meisten Theils veraltet sind.

Anm. 2. Man leitet dieses Wort, welches in den meisten Europäischen Sprachen angetroffen wird, gemeiniglich von binden her. S. Bannen. Wenigstens wird bey dem Kirchenbanne wohl zunächst auf den Bindeschlüssel gesehen. Das Italiänische Bando, Bandire, Bandito, u. s. f. und das Dänische Band, haben das d beybehalten. Wachter hält das alte Ban, Pen, im Gothischen Fan, hoch, der Gipfel, ein Oberherr, für das Stammwort, worin ihm aber wohl wenige beypflichten werden. Der Plural war bey dem ehemaligen häufigen Gebrauche dieses Wortes, wenigstens in einigen Bedeutungen üblich.


Bannen (W3) [Adelung]


Bannen, verb. reg. act. welches Schicksalen des Substantives Bann gleichfalls Theil genommen hat. Es bedeutet nur noch, 1) zwingen, besonders in den gemeinen abergläubigen Ausdrücken: die Geister bannen, sie durch Beschwörungen zu etwas zwingen. Die Schlangen bannen. 2) Figürlich für vertreiben. Ich suche dieses Bild aus meiner Brust zu bannen, Cron.O Jugend, holde Führerinn, Bereite hier den Sitz der Fröhlichkeiten, Und banne Frost und Eigensinn! Haged.

Anm. Die vornehmsten unter den veralteten Bedeutungen dieses Wortes sind: 1) Bändig machen, in dem alten Sprichworte: alte Hunde sind bös zu bannen; welches die Abstammung dieses Zeitwortes von binden bestätiget. 2) Durch obrigkeitlichen Befehl zu etwas verbinden. So heißt es noch in den Rechten an einigen Orten: zu der Mühle ist ein ganzes Dorf gebannet, es ist verpflichtet auf der Mühle mahlen zu lassen. 3) Verordnen, befehlen. 4) Vorladen. 5) Verbiethen; besonders, den Gebrauch einer Sache zur Schonung verbiethen, in welcher Bedeutung es in manchen Gegenden noch zuweilen vorkommt. Die abgetriebenen Gehaue müssen eine Zeit lang geschonet und gebannet werden. 6) Bestrafen. 7) Verweisen. 8) In gewisse Grenzen einschließen. 9) Steuern und Abgaben eintreiben. 10) Bekannt machen. Ehedem wurde es irregulär conjugiret, daher man oft gebannen findet. Das Hauptwort Banner kommt nur in einigen Zusammensetzungen, z. B. Teufelsbanner vor.


Bannerherr (W3) [Adelung]


Der Bannerherr, des -en, plur. die -en, überhaupt derjenige, welcher ein Panier führet, oder zu führen befugt ist. Besonders, 1) einer hohen Adel, welcher eine beträchtliche Anzahl Vasallen in das Feld führet, und folglich das Recht hat, sein Panier fliegen zu lassen. In diesem Verstande war das Wort ehedem mit Baron gleich bedeutend, und wenn ein solcher Bannerherr Ritter zugleich war, so ward er auch wohl ein Bannerritter genannt. In der Vorrede zur goldnen Bulle heißt es: Fürsten, Grafen, Panerherren, Freyen, Edlen und der Städte; wofür in dem Lateinischen Texte steht: Principum, Comitum, Baronum, Procerum, Nobilium et Civitatum. S. Panier. Franz. Banneret. 2) Ein mit der peinlichen Gerichtsbarkeit beliehener Herr, in den mittlern Zeiten; weil die Fahne das Zeichen der oberstrichterlichen Gewalt war. S. J. C. H. Dreyers Samml. vermischter Abhandl. Th. 2. S. 785. 3) Ein Fähnrich, welche Bedeutung noch in der Schweiz Statt findet. In Cöln werden die Häupter der Zünfte gleichfalls Banierherren genannt, vermuthlich weil sie bey feyerlichen Auszügen das Banier oder die Fahne tragen.

Anm. In den mittlern Zeiten kommt dieses Wort häufiger vor als heut zu Tage. S. du Fresne Glossar. v. Banderesius, Banneretus, und Banderarius in Bandum. Indessen pflegen doch die Kaiser noch jetzt zuweilen die Würde eines Bannerherren in der ersten Bedeutung zu ertheilen. S. Panier und Erbbannerherr.


Bannerschild (W3) [Adelung]


Der Bannerschild, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst, ein ganz viereckter Schild, dergleichen ehedem die Bannerherren geführet haben sollen.


Bannforst (W3) [Adelung]


* Der Bannforst, des -es, plur. die -förste, in den Rechten, ein Forst, dessen gemeiner Gebrauch verbothen ist, wofür man im gemeinen Leben lieber ein Gehäge, ein gehägter Forst sagt. S. auch Wildbann.


Banngut (W3) [Adelung]


* Das Banngut, des -es, plur. die -güter, in einigen Gegenden ein Gut, welches in einem gewissen Banne oder Bezirke lieget.


Bannherr (W3) [Adelung]


* Der Bannherr, des -en, plur. die -en, an einigen Orten, besonders am Oberrheine noch, ein Gerichtsherr. Bannherrlich, adj. et adv. dazu gehörig. So befindet sich zu Kehl am Rheine ein gemein-bannherrlicher Amtsschultheiß.


Bannkelter (W3) [Adelung]


* Die Bannkelter, plur. die -n, eine Kelter, in welcher die Einwohner einer gewissen Gegend, gegen Erlegung eines Zinses zu keltern verbunden sind; eine Zwangkelter, im Franz. Pressoir a ban, oder Pressoir bannal.


Bannleute (W3) [Adelung]


* Die Bannleute, singul. inusit. in einigen Gegenden, die Unterthanen eines gewissen Bezirkes, oder Gerichtes.


Bannmarkt (W3) [Adelung]


* Der Bannmarkt, des -es, plur. die -märkte, in Baiern, ein Markt oder Marktflecken, welchem die peinliche Gerichtsbarkeit verliehen ist. Die Bannstadt, eine solche Stadt.


Bannmühle (W3) [Adelung]


* Die Bannmühle, plur. die -n, an einigen Orten, eine Mühle, auf welcher gewisse Unterthanen zu mahlen gezwungen sind; eine Zwangmühle, Franz. Moulin a ban, Moulin bandier, oder bannal.


Bannofen (W3) [Adelung]


* Der Bannofen, des -s, plur. die -öfen, auf eben dieselbe Art, ein Backofen, in welchem die Leute gewissen Bezirkes zu backen gehalten sind; ein Zwangofen, Franz. Four a ban, Four bandier oder bannal, bey dem Carpentier, Furnus banderius.


Bannreitel (W3) [Adelung]


* Der Bannreitel, des -s, plur. ut nom. sing. im Forstwesen einiger Gegenden, ein junger Stamm, welchen man stehen lässet, ihn folglich schonen oder bannet; ein Laßreis. S. Reitel.


Bannrichter (W3) [Adelung]


* Der Bannrichter, des -s, plur. ut nom. sing. im Österreichischen, der Richter in einem Criminal-Gerichte, welcher in andern Oberdeutschen Gegenden der Zentgraf heißt.


Bannstadt (W3) [Adelung]


* Die Bannstadt, plur. die -städte. 1) Eine Stadt, welche mit einer Bannmeile versehen ist, in einigen Gegenden. 2) In Baiern, S. Bannmarkt.


Bannstein (W3) [Adelung]


Der Bannstein, des -es, plur. die -e. 1) Ein Grenzstein, welcher den Bann oder die Grenze eines Ortes oder Feldes bezeichnet. 2) Ein Gerichtsstein, welcher die Grenzen einer Gerichtsbarkeit bezeichnet.


Bannstrahl (W3) [Adelung]


Der Bannstrahl, des -es, plur. die -en, figürlich der Kirchenbann. Jemanden mit dem Bannstrahle bedrohen. Den Bannstrahl wider ihn schießen lassen.


Bannvogt (W3) [Adelung]


* Der Bannvogt, des -es, plur. die -vögte, in Oberdeutschland, der Aufseher über den Bann oder die Grenze eines Ortes; der Bannwart, oder Bannwärter, (welches in der Schweiz auch einen Förster bedeutet,) in Thüringen der Flurschütz, an andern Orten Feldwächter.


Bannwald (W3) [Adelung]


* Der Bannwald, des -es, plur. die -wälder, ein gehägter Wald, S. Bannforst.


Bannwart (W3) [Adelung]


* Der Bannwart, des -es, plur. die -e, oder der Bannwärter, S. Bannvogt. Banwardia kommt bey dem du Fresne vor.


Bannwasser (W3) [Adelung]


* Das Bannwasser, des -s, plur. ut nom. sing. ein gebannetes oder gehägtes Wasser, in welchem nicht ein jeder fischen darf, in einigen Oberdeutschen Gegenden.


Bannwein (W3) [Adelung]


* Der Bannwein, des -es, plur. inusit. der Wein, welchen man von jemanden zu kaufen verpflichtet ist. Die Gerechtigkeit dazu heißt der Weinbann; Franz. Banvin, bey dem du Fresne Bannum vini.


Bannwerk (W3) [Adelung]


* Das Bannwerk, des -es, plur. die -e, in einigen Oberdeutschen Gegenden, der Frohndienst, gleichsam gebannetes, d. i. befohlnes Werk; bey dem du Fresne Banwere.


Bannzaun (W3) [Adelung]


* Der Bannzaun, des -es, plur. die -zäune. 1) Ein Grenzzaun. 2) Ein Zaun, welchen die Unterthanen zu verfertigen und zu unterhalten verbunden sind.


Banse (W3) [Adelung]


Die Banse, oder Banze, plur. die -n. 1) In der Landwirthschaft, der Platz in einer Scheuer zu beyden Seiten der Tenne, wohin die Garben gelegt werden; in Oberdeutschland Tast, in der Lausitz Alter, und in einigen Gegenden im Reiche Baar, und Barn, S. Barn, in Nieders. Fack, Fach, ingleichen Taß, womit das Franz. Tas, ein Haufen, überein kommt. 2) Ein großer viereckter Korb, zu Verführung allerley Waaren, vornehmlich der Kessel und Arbeiten der Kupferschmiede.

Anm. Schon bey den Gothen bedeutete Bansta eine Scheuer, und bey den Niedersachsen hat Banse und Kornbanse eben diese Bedeutung. Banasta, Banastum, Bansta, Bansella, bedeutet in dem Lateine des 13ten und des folgenden Jahrhunderts einen Korb, besonders aber einen größern. In den Französischen Niederlanden ist Banse ein jeder Korb; in der Provence aber wird Banasto ein großer, und Banastoun ein kleiner Korb genannt. In einigen Mundarten lautet dieses Wort auch der Bansen. S. das folgende und das Verbum Bansen, ingleichen Benne.


Bansen (W3) [Adelung]


Der Bansen, des -s, plur. ut nom. sing. der erste Magen des wiederkäuenden Viehes, in welchen die Speise durch die Speiseröhre gebracht wird; in einigen härtern Mundarten der Panzen, Nieders. Pansse, Panze.

Anm. In den niedrigen Sprecharten wird ein jeder dicker Bauch ein Panzen oder Pantsch genannt. Hiermit kommt das Engl. Paunch, das Franz. Pance, das Holländ. Pens, das Ital. Pancia, Panza, das Span. Panca und das Latein. Pantex überein. S. auch Wanst, Panster, Panzer, und das folgende.


Bansen (W3) [Adelung]


Bansen, verb. reg. act. die Garben in die Bansen legen; in Nieders. tasten, tassen, und in der Lausitz altern. Daher der Banser, ein Knecht in der Ernte, der die Garben in der Banse zurecht leget. In weiterer Bedeutung, fest auf einander legen, packen, im gemeinen Leben. Das Getreide auf einander bansen, es in Feimen bansen. Fest gebansete Feimen. Sich im Bette einbansen, einhüllen, einpacken.

Anm. Frisch leitet dieses Wort von Band her, weil die Garben so geleget würden, daß sie einander gleichsam binden, Ihre aber von dem alten bana, schlagen, weil die Garben in der Scheuer gedroschen werden. Beyde Ableitungen sind gezwungen und unfruchtbar. Die letzte Sylbe se und sen, an Banse und bansen, ist bloß die Endung des Intensivi; Ban, aber ist das alte Ban, Pen, welches eine Höhe, den Gipfel u. s. f. bedeutet, und womit das Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Hügel überein kommt. Eine Banse, bedeutet also überhaupt einen Haufen, welche Bedeutung auch das Österreichische Tast und Nieders. Taß hat, welches mit dem Franz. und Hollönd. Tas, ein Haufe, genau überein kommt. Die ältesten Scheuern oder Bansen waren wohl nichts anders, als solche Haufen Garben, dergleichen man jetzt Feimen und Miethen nennt. Aufbansen bedeutet in den gemeinen Mundarten noch jetzt überhaupt aufhäufen. Nachmahls hat man dieses Wort auch auf verschiedene andere Dinge übertragen, welche erhabene oder ausgebogene Flächen haben, als auf bauchige Körbe, auf den Bauch u. s. f. S. auch Wanst.


Banzbirn (W3) [Adelung]


* Die Banzbirn, plur. die -en, eine Art dicker Birnen, welche gleichsam einen Bansen oder Bauch haben.


Bar (W3) [Adelung]


1. Bar, ein nur noch in Zusammensetzung übliches Wort, welches verschiedenen Nenn- und Zeitwörtern angehänget wird, und alsdann Bey- und Nebenwörter aus ihnen macht. Es bezeichnet aber,1. Einen Mangel dessen, mit welchem es verbunden ist, wie - los. Dahin gehören die veralteten mundbar, was keinen Mund oder Vogt hat, leutbar, von Leuten entblößet, volkesbar, ohne Volk, gutesbar, ohne Geld und Gut u. s. f. Diese Ableitungssylbe war bey den Dichtern der mittlern Zeiten sehr gewöhnlich; allein man hat sie mit allem Rechte veralten lassen, weil sie mit den folgenden Bedeutungen eine sehr nachtheilige Zweydeutigkeit machte. Bar ist hier das folgende bar, bloß, nackend, welches siehe.2. Eine Deutlichkeit, einen Augenschein. Hierher gehöret allein das Wort offenbar, welches ehedem nur schlechthin bar hieß, und das im folgenden Artikel befindliche bar, bloß, in seiner figürlichen Bedeutung ist, welchem man nachmahls zu Verhütung aller Zweydeutigkeit noch das offen vorgesetzet hat.3. Eine Ähnlichkeit, Gleichheit, Gemäßheit, wie - lich und - sam, und zwar jenes in seiner eigentlichen Bedeutung. In diesem Verstande wird bar verschiedenen Substantiven und einigen Adverbien und Adjectiven angehänget, wovon aber auch schon viele veraltet sind. Indessen scheinet hierher zu gehören: ehrbare Handlungen, die der Ehre gemäß sind; wunderbar, einem Wunder ähnlich; scheinbar, so fern es einem Scheine oder der Wahrheit ähnlich bedeutet; schöppenbar, einem Schöppen gleich, schöppenmäßig; ein mannbarer Mensch, der einem Manne gleich ist, in einer andern Bedeutung wird es unten vorkommen; schandbar, einer Schande gleich, schändlich; sonderbar, etwas besondern ähnlich. So auch kundbar, ruchtbar, lautbar, mittelbar, unmittelbar, sichtbar, jagdbar, vogtbar; die veralteten standbar, für standesmäßig, gewaltbar für gewaltsam, friedbar für friedlich, u. s. f.In dieser Bedeutung, in welcher bar mit dem Lateinischen par, z. B. aequipar, überein kommt, scheinet es zu bar, bloß, zu gehören, welches in seiner figürlichen Bedeutung auch manifestus bedeutete, wenn man es nicht lieber von dem veralteten wara, sehen, scheinen, ableiten will. S. Gewahr.4. Das Tragen einer Sache, in welcher Bedeutung es nur Substantiven angehänget wird, Adverbia und Adjectiva daraus zu bilden. Und zwar1) In eigentlicher Bedeutung, wohin lastbar und fruchtbar gehören, was eine Last, was Früchte trägt. Bey den Longobarden hieß Schilpor, ein Waffenträger, und die Lateinischen Endungen - fer und - ger sind in dieser Bedeutung gleichfalls sehr häufig; z. B. fructifer, frugifer, armiger, signifer, alifer, arundifer, astriger, auriger, baccifer, barbiger u. s. f.2) Figürlich. (a) Den Besitz einer Sache; z. B. wandelbar, in der heutigen Bedeutung, was einen Wandel, oder Fehler hat; eine gangbare Münze, welche Gang oder Cours hat, ein gangbarer Weg. So auch das Lateinische anguifer, voller Schlangen, aerifer, erzreich u. s. f. (b) Die Hervorbringung, Verursachung einer Sache. Urbar, einträglich, was Nutzen einträgt; furchtbar, was Furcht erwecket; kostbar, was Kosten verursacht; nutzbar, was Nutzen bringet, und vielleicht auch schandbar und ehrbar, wenigstens in einigen Bedeutungen. Auf gleiche Art gebrauchten die Lateiner ihr aestifer, hitzend, anxifer, was bange macht, fatifer, tödtlich u. a. m. (c) die Leistung, Entrichtung einer Sache. Dankbar; dienstbar, so fern es etwas bedeutet, das wirklich Dienste leistet; zinsbar, schoßbar, zollbar, steuerbar, so fern sie wirkliche Entrichtung der Zinsen, Zölle und Steuern ausdrucken; denn in Ansehen der Verbindlichkeit dazu, gehören sie zu einer der folgenden Bedeutungen. Das Lateinische munifer, dienstbar, und andere mehr kommen in gleicher Bedeutung vor.Es ist kein Zweifel, daß bar in dieser ganzen vierten Bedeutung zu dem alten Verbo bären oder baren gehöret, welches nicht allein tragen, sondern auch hervor bringen, leisten, entrichten, bedeutete. S. Bahre und Gebären.5. Wird diese Sylbe auch sehr vielen Verbis und besonders den Infinitivis, mit Wegwerfung der Sylbe en, angehängt; da es denn daraus Bey- und Nebenwörter macht, welche bald eine thätige, bald aber auch eine leidende Bedeutung annehmen, und die Lateinischen Participia auf -ns und -ndus, und die Adjectiva auf -bilis sehr geschickt ausdrucken.1) In der thätigen Bedeutung bezeichnen diese Wörter, (a) das wirkliche Thun einer Sache, wie die Lateinischen Participia auf -ns. Ein tragbarer Baum, der wirklich Früchte trägt. Ein haltbares Erz, bey den Bergleuten, das wirklich Metall enthält. Wachbar, bey dem Stettler, für wachsam, vigilans. (b) Die Möglichkeit, und das Vermögen etwas zu thun. Fehlbar und unfehlbar, der fehlen kann, oder nicht fehlen kann. Ein haltbarer Ort, der sich halten kann. Brennbar, was brennen kann. Streitbar, was streiten kann. Eine mannbare Jungfrau, von dem veralteten mannen, einen Mann nehmen, die heirathen kann.2) In der leidenden Bedeutung. (a) Ein Vermögen etwas zu leiden, oder was gethan werden kann. Tröstbar, untröstbar, was getröstet, oder nicht getröstet werden kann. Eßbar, was gegessen werden kann. Ein lehnbares Gut, das zu Lehn gegeben werden kann. Ein lehnbarer Mann, der belehnet werden kann, lehnsfähig ist. So auch unläugbar, brauchbar, theilbar, wohnbar, kennbar, zählbar, schmelzbar, schlachtbar, dehnbar, empfindbar, trinkbar, heilbar, hörbar, reitzbar, fühlbar, schiffbar, klagbar, mit ihren Gegensätzen, unbrauchbar, untheilbar u. s. f. (b) Eine Verbindlichkeit oder Nothwendigkeit etwas zu thun, oder was gethan zu werden verdienet. Achtbar, was zu achten ist. Ein ehrbarer Mann, so fern es einen Mann bedeutet, der Ehre verdienet. Ein zahlbarer Wechsel, der bezahlet werden kann und muß. Eine strafbare That. Staffelbare Güter, die gestaffelt werden können oder müssen.Auch hier scheinet bar zu dem Verbo baren zu gehören, welches ehedem auch überhaupt thun, oder handeln bedeutete. S. Geberde. Vielleicht lässet es sich aber noch bequemer zu der zweyten Hauptbedeutung zurück führen, und auch hier durch eine Ähnlichkeit, Gleichheit und Gemäßheit erklären.

Anm. 1. Diese Endung ist ein sehr fruchtbares Hülfsmittel, die Bedeutung eines Wortes auf mancherley Art zu verändern und zu bestimmen. Allein ihr Gebrauch ist nichts weniger als willkürlich, indem es nicht erlaubt ist, durch Beyfügung dieser Endung neue Wörter zu machen, den ersten Fall der leidenden Bedeutung ausgenommen, wo man dergleichen noch am ersten wagen darf. Singbar, spielbar, ziehbar, für, was sich singen, spielen, ziehen lässet, und hundert andere ähnliche, können, wenn es nöthig ist, immer gebraucht werden, wenn man in denselben gleich keinen Vorgänger aufzuweisen haben sollte.

Anm. 2. Die auf diese Art zusammen gesetzten Wörter behalten in der Comparation ihr a unverändert; z. B. brauchbarer, nicht brauchbärer. Die Oberdeutsche Mundart, welche die Begriffe so gern zu häufen pflegt, als die Sylben, hängt an dergleichen Bey- und Nebenwörter noch ein lich, um neue Bey- und Nebenwörter daraus zu machen; z. B. dankbarlich, eigentlich auf einer der Dankbarkeit gleiche Art, oder einem Dankbaren gleich. Die Hochdeutschen haben diese Weitschweifigkeit lange bey behalten; allein gegenwärtig hat sie ihr ganzes Ansehen mit Recht verloren, weil dankbarlich mit drey Sylben eben das sagt, was dankbar schon mit zweyen ausdruckt. Für lich pflegte man ehedem auch wohl die Endung ig, aber gleichfalls ohne Noth, daran zu hängen; dankbarig für dankbar. Mit mehrerm Nutzen lassen sich vermittelst der Endung keit, Hauptwörter aus diesen Adverbiis bilden; Dankbarkeit, Dienstbarkeit, Fruchtbarkeit, Furchtbarkeit, Jagdbarkeit u. s. f. nur daß sie eben auch nicht von allen üblich sind.

Anm. 3. Im Oberdeutschen lautet diese Endung par. Ehedem gebrauchte man statt derselben auch die Endungen -brecht, -mer, und -ig; als lautbrecht für lautbar, früchtig für fruchtbar, unsichtig für unsichtbar u. s. f. In den Fällen wo bar von bären, tragen, herkommt, kommen die damit zusammen gesetzten Wörter bey den alten Alemannen selten, bey den Angelsachsen aber häufiger vor. Hingegen sind die Wörter, welche unter die dritte Bedeutung gehören, auch bey den erstern nicht selten. Es findet sich indessen schon in den ältesten Sprachen eine Ableitungssylbe, welche mit unserm bar, so wohl in dem Klange, als in der Bedeutung überein kommt. So sind im Hebräischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - zwey Endungen subiecti denominativi et possessivi; z. B. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Schatzmeister, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Schatz. Auch im Persischen bedeutet die Endung -ber einen, der etwas träget oder bringet; ein Umstand, der das hohe Alterthum des Verbi bären, tragen, schon allein beweisen würde, wenn dasselbe gleich nicht aus andern Gründen bekannt wäre. S. Bahre und Gebären. Das Wort Nachbar gehöret nicht hierher, denn hier ist die letzte Sylbe aus Bauer zusammen gezogen.


Bar (W3) [Adelung]


2. Bar, adj. et adv. 1. Eigentlich, von aller äußern Decke befreyet. In dieser Bedeutung ist bar im Hochdeutschen, außer dem zusammen gesetzten barfuß nicht mehr üblich. Allein in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes kommtes noch häufig vor, und bedeutet daselbst besonders unbekleidet, nackend. Dahin gehöret das Niedersächsische bar, bloß, unbedeckt, das Oberdeutsche barköpfig, mit unbedecktem Kopfe, der Barfrost, das Bareis, Frost und Eis, welche nicht mit Schnee bedecket sind, und das gleichfalls Oberdeutsche Hauptwort die Bare, die Blöße, welches so wohl von einem mit Gesträuchen bewachsenen aber an hochstämmigen Bäumen bloßen Ort, eine Blöße, im mittlern Lateine Barta, Beria, Berra, als auch von dem Barfroste gebraucht wird; z. B. die Bare verbrennet die Saat, bey einem Frost ohne Schnee erfrieret die Saat.2. Figürlich. 1) Gegenwärtig, besonders von dem Gelde. Bares, gegenwärtiges, aufgezähltes, Geld. Jemanden bar bezahlen. Bare Bezahlung, im Gegensatze des Borgens. Die tausend Thaler muß ich bar und auf einem Brete haben, Gell. Da hast du bare funfzig Thaler, Nur unterlasse den Gesang, Haged. Daher die im gemeinen Leben üblichen sprichwörtlichen Redensarten: bar Geld lacht; bar Geld ist die Losung; wer bar Geld gibt, hat Macht zu dingen u. s. f. 2) * Lauter, unverfälscht, rein, welche Bedeutung nur noch in der Niedersächsischen Mundart vorhanden ist. Bare Milch, reine Milch. 3) * Einer Sache beraubt, wie bloß, in dem figürlichen Verstande. Diese Bedeutung, welche in den Schriften der Alemannen und Franken sehr häufig vorkommt, ist im Hochdeutschen längst veraltet. Sven dins lobes ie bevilde Der ist rehter sinne bar, d. i. beraubt, Bruder Eberhart von Sar. S. die Endung-bar 1. 4) * Augenscheinlich, bekannt. Auch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet, und nur noch in den zusammen gesetzten offenbar übrig, für welches man ehedem das einfache bar gebrauchte, und wovon man das Beywort bärlich, offenbar, und die Verba baren und erbaren, für offenbaren hatte.

Anm. Bar, in der Oberdeutschen Mundart par, ist nicht nur in den Deutschen und allen mit derselben verwandten Sprachen, sondern auch in einigen morgenländischen ein sehr altes Wort. Die Hebräischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, entblößen, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, rein und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, offenbaren, oder in den alten Mundarten baren, gehören ohne Zweifel zu dessen Verwandtschaft. Für bar, vom Gelde gebraucht, war im Oberdeutschen ehedem auch bereit, und im Niedersächsischen rede üblich. Der Unterschied, welchen schon vor Gottscheden einige Sprachlehrer in der Rechtschreibung zwischen bar, bloß, und baar vom Gelde gebraucht, einzuführen suchten, streitet wider die gemeinschaftliche Abstammung beyder Wörter, und ist ohne dieß nun längst vergessen.


Bär (W3) [Adelung]


1. Der Bär, des -en, plur. die -en, Fämin. die Bärinn. 1) Eigentlich, ein großes fünfzehiges fleischfressendes Thier der mitternächtigen Länder, welches sich durch seine zotigen Haare, seinen breiten und großen Leib, und durch seine brummende Stimme leicht von andern Thieren unterscheidet. Einen Bären anbinden, im figürlichen aber niedrigen Scherze, Schulden machen, vermuthlich in Anspielung auf eine nunmehr unbekannte Geschichte eines Bärenführers. Im Österreichischen hingegen bedeutet, einem einen Bären anbinden, ihm etwas weiß machen. 2) Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit, zwey nördliche Sternbilder, deren eines, welches der große Bär genannt wird, unter allen das kenntlichste ist, und bey uns niemahls untergehet. Das andere, oder der kleine Bär, steht dem Nordpole am nächsten. S. auch den Wagen. 3) In einigen Gegenden, ein unverschnittenes männliches Schwein, ein Eber, vulg. Beier, Bier.

Anm. Der Nahme dieses Thieres lautet im Oberdeutschen Par, im Niedersächsischen Baar, im Engl. Bear, im Dän. Biorn und im Schwed. Björn. Man könnte denselben mit Frischen füglich von dem alten baren, brummen. ( S. Barde) ableiten, weil sich dieses Thier durch seine brummende Stimme von andern sehr deutlich unterscheidet; wenn man nicht wüßte, daß Bär eine Art eines allgemeinen Nahmens gewesen, welchen man in mehrern Sprachen verschiedenen großen Thieren gegeben, Im Hebräischen bedeutet Par einen Ochsen, Pere den onager, und Pered einen Maulesel. Im Chaldäischen ist Beira der Nahme des Elephanten, welchen die Sabiner und alten Lateiner Barrus nannten, und die Indianer noch jetzt Barre nennen. Das Arabische Phar wird, so wie das Deutsche Farr, von einem Stiere gebraucht. Ein wilder Hirsch heißt im Pohlnischen Ber, und ein Eber, wird nicht nur im Oberdeutschen Par, oder Saupar, zum Unterschiede von dem Bären oder Tatzpar, sondern auch im Englischen Boar, im Angelsächsischen Tambar, gleichsam zahmer Bär, im Niedersächsischen Beer, im Longobardischen Pair, im Lateinischen Verres und im Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - genannt. S. Eber, Farr und Pferd. Bey diesem Unbestande, der mehrern Nahmen der Thiere gemein ist, wie schon bey dem Worte Bacher bemerket worden, und bey dem hohen Alterthume des Wortes Bär, wird es schwer seyn, dessen eigentliche Bedeutung zu erforschen, obgleich einige auf das Hebräische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein wildes Thier, andere auf das Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, in eben der Bedeutung, oder auf - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, zotig, und noch andere auf das alte bären, tragen, gefallen sind. Im Oberdeutschen wird der Bär auch Bätz genannt; S. dieses Wort. Die Art der Abänderung der Bär, des -es, plur. die -e, ist nur in einigen Mundarten üblich.


Bär (W3) [Adelung]


2. Der Bär, des -en, plur. die -en. 1) Ein schwerer Klotz in einer Ramme, Pfähle damit einzuschlagen; ein Rammklotz, Stampfklotz, Hoye oder Hoje. 2) In den Bergwerken werden an einigen Orten die Aftern, welche bey den trocken gepochten Kobaldausschlägen im Siebwaschen abgehoben werden, die Bären genannt. S. Bärenschlamm. Auf ähnliche Art ist der Bär bey den Müllern ein großer Haufen abgemahlnen Schrotes.

Anm. Die Deutschen Wörterbücher halten dieses und das folgende Bär für bloße figürliche Bedeutungen von Bär, ursus. Allein sie lassen sich figürlicher von andern Stammwörtern herleiten. Dieses kommt in der ersten Bedeutung vermuthlich von dem alten und noch in Niederdeutschland üblichen bären, schlagen, von welchem Wachter und Frisch nachgesehen werden können. Behren bedeutet noch bey den Bergleuten heftig schlagen, und in einigen gemeinen Mundarten höret man noch, jemanden abbären, ihn abprügeln. In der zweyten Bedeutung scheinet der Begriff der Größe und Menge der herrschende zu seyn.3.


Bär (W3) [Adelung]


Der Bär, des -es, plur. die -e, in dem Festungsbaue, ein starker aus Steinen gemauerter Querdamm in einem Festungsgraben, mit einem scharfen Rücken; Franz. Batardeau, im mittlern Lateine Berum.

Anm. Da man dieses Wort in Oberdeutschland Wuhr ausspricht, so gehöret ohne Zweifel zu Wehr, so fern dieses Wort eine Mauer oder Damm bedeutet, und ist vermuthlich nur eine verderbte Sprech- und Schreibart desselben.


Barake (W3) [Adelung]


Die Barake, plur. die -n, richtiger Barrake. 1) Eigentlich, schlechte Hütten für gemeine Soldaten. 2) In weiterer Bedeutung, kleine Häuser an den Wällen zur Wohnung für gemeine Soldaten; und 3) in noch weiterer Bedeutung zuweilen auch ein jedes schlechtes und kleines Haus. S. Barrake.

Anm. Barrake soll ein Arabisches Wort seyn, welches eigentlich ein Zelt bedeutet. Von den Arabern haben es die Spanier bekommen, bey welchen Barracas kleine Hütten der Fischer am Strande bedeuten. Aus dem Spanischen ist das Italiänische Baracca, und das Französische Baraque gebildet worden. Das La-teinische Baraca und Baradha kommt schon in einigen Französischen Urkunden von 1319 und 1381 bey dem Carpentier vor.


Baranke (W3) [Adelung]


Die Baranke, plur. die -n, ungeborne Lämmerfelle; ein zunächst aus dem Pohlnischen entlehntes Wort, wo Baran ein Lamm bedeutet, weil die meisten Felle dieser Art aus dem südlichen Pohlen zu uns gebracht werden. Mit dem Pohlnischen kommen das Böhmische Beranek, das Ungarische Barany, das Tartarische Boranez, und selbst das Persische Barah, alle in der Bedeutung eines Lammes überein.


Barbar (W3) [Adelung]


Der Barbar, des -s, plur. die -n, ein Pferd aus der Barbarey in Afrika; Engl. Barb, Franz. Barbe.


Barbar (W3) [Adelung]


Der Barbar, des -en, plur. die -n. 1) Eigentlich, in welcher Bedeutung dieses Wort bey den Griechen und Römer üblich war, ein Ausländer von einer fremden Sprache und von fremden Sitten. Rom ist mehr als ein Mahl von Barbaren geplündert worden. In dieser Bedeutung wird das Wort nur noch von den alten fremden Völkern im Gegensatze der Griechen und Römer gebraucht, und sollte alsdann den verhaßten Begriff nicht bey sich haben, welchen man gemeiniglich damit verbindet. Weil aber fast alle alte Völker außer den Griechen und Römern zu ihrer Zeit wild und ungesittet waren: so wird dieses Wort, 2) auch in figürlicher Bedeutung gebraucht, nicht nur einen wilden und ungesitteten, sondern auch, und zwar am häufigsten, einen harten, grausamen Menschen zu bezeichnen. Cato wollte gerecht seyn, und ward ein Barbar, dessen Strenge sich weder durch Thränen noch durch die Menschlichkeit mildern ließ. Und Lucia Ergibt sich thränend dem Barbaren, Gell.

Anm. Wir haben dieses Wort aus dem Latein. barbarus und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - angenommen, über dessen Abstammung die Wortforscher noch nicht einig sind. S. Wachters und su Fresne Glossaria. Nach dem poetischen Sylbenmaße der Lateiner zu urtheilen, sollte dieses Wort im Deutschen freylich den Ton auf der ersten Sylbe haben, wie man es ausspricht, wenn man ein Pferd aus der Barbarey ausdrucken will. Allein der allgemeine Gebrauch legt den Ton, nach dem Beyspiele der Franzosen, auf die zweyte Sylbe, welches auch schon die Griechen in einigen Endungen thaten.


Barbara (W3) [Adelung]


Barbara, ein eigenthümlicher Taufnahme für Personen weiblichen Geschlechtes, welchen man im gemeinen Leben im Hochdeutschen in Barbe und Bärbchen, im Oberdeutschen in Wawerle und Wahm, und in Preußen in Busch zu verstümmeln pflegt. Barbara-Heller und Barbara-Pfennige, ehemahlige Scheidemünzen in Schlesien, welche von der darauf geprägten heil. Barbara den Nahmen haben. S. 1 Barbe.


Barbarey (W3) [Adelung]


Die Barbarey, plur. inusit. 1) Ein großer Landstrich in dem nördlichen Afrika, welcher das ehemahlige Mauritanien unter sich begreift. Vor Alters wurde dieser Nahme demjenigen Theile von Afrika gegeben, welcher den Römern nicht unterworfen war. S. du Fresne Glossar. v. Barbaricum. 2) Ein jedes wüstes und wildes Land, besonders wenn es von wilden, ungesitteten Völkern bewohnet wird; und poetisch auch wohl ein Inbegriff barbarischer Völker. Auf einmahl wachet auf Die ganze Barbarey, ein Herr von Gothen, Wenden, u. s. f. Canitz. 3) Unwissenheit, Wildheit, Grobheit der Sitten, kurz der Inbegriff aller bösen Eigenschaften, welche man barbarischen Völkern beyzulegen pflegt; besonders aber Grausamkeit und Unmenschlichkeit. 4) Auch wohl eine grausame und unmenschliche That in welchem Falle sich auch der Plural gebrauchen lässet.


Barbarfalk (W3) [Adelung]


Der Barbarfalk, des -en, plur. die -en, die vorzüglichste Art der Falken aus Tunis in der Barberey herstammet, weiß und voller Flecken, klein aber stark ist, und von einigen auch Alphanet genannt wird.


Barbarisch (W3) [Adelung]


Barbarisch, -er, -te, adj. et adv. welches nur in den figürlichen Bedeutungen des Hauptwortes Barbar üblich ist. 1) In der Sprachkunst, den Gesetzen und dem Genie einer Sprache nicht gemäß. Ein barbarisches Wort, eine barbarische Wortfügung. 2) Wild, rauh, ungesittet. Ein barbarisches Volk. Barbarische Zeiten, im Gegensatze der gesitteten. Eine barbarische, d. i. rauhe, ungebildete, Sprache. Ingleichen grausam, unmenschlich, hart. Ein barbarischer Vater. Er wurde sehr barbarisch behandelt.


Barbarkraut (W3) [Adelung]


Barbarkraut, S. Barbenkraut.


Barbe (W3) [Adelung]


1. Barbe, Diminutivum Bärbchen, der verkürzte weibliche Taufnahme Barbara, welcher in den mittlern Zeiten Bäba, und im Engl. noch jetzt Bab lautet. Auf den Schiffen ist die heil. Barbara oder Barbe die Schutzheilige des Pulvers und der Constabler, daher auch die Pulverkammer daselbst S. Barbe genannt wird.


Barbe (W3) [Adelung]


2. Die Barbe, plur. die -n, zwey mit Spitzen frisirte Streifen an den weiblichen Kopfzeugen, die Haube damit unter dem Kinne zuzubinden. Daher die Barbenhaube, welche mit solchen Streifen versehen ist. Es ist aus dem Franz. Barbe, weil sie das Kinn gleichsam wie ein Bart umgeben, und lautet im gemeinen Leben oft verderbt Barme.


Barbe (W3) [Adelung]


3. Die Barbe, plur. die -n, ein Nahme, welcher zweyerley Fischen, wegen ihrer Bartfäden, die ihnen das Ansehen eines Bartes geben, beygeleget wird. 1) Der Flußbarbe, welche gemeiniglich nur schlechthin Barbe genannt wird, und welche Linne zu dem Karpfengeschlechte rechnet, und sie Cyprinus Barbus nennet. Sie hat die Bauchfinnen hinter den Brustfinnen, und vier Bartfäden. 2) Der See- oder Meerbarbe, Mullus Barbatus, L. welche zu der Classe gehöret, die die Bauchfinnen unter den Brustfinnen haben, purpurrothe und wie Gold glänzende Flecken und zwey Bartfäden hat. Sie wird auch Rothbart, und bey Eckernförde Schmexbutte und Baguntken genannt.

Anm. Die Flußbarbe, oder am häufigsten nur schlechthin genannte Barbe, heißt bey dem Cicero und Varro barbatulus und barbatus, im Franz. Barbeau und Barbon, im Ital. Barbo, im Engl. Barb und Barbel, im Dänischen Barbe, und im Russischen Barbera. Die Oberdeutschen nennen sie vermittelst einer gewöhnlichen Verwechselung der Lippenbuchstaben Barme, womit auch das Böhmische Parma überein kommt.


Bärbeißig (W3) [Adelung]


+ Bärbeißig, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben gebraucht wird, für zänkisch, auffahrend. Thue nur recht bärbeißig, Weiße.


St. Barbenkraut (W3) [Adelung]


Das St. Barbenkraut, oder St. Barbarakraut, des -es, plur. inusit. eine Pflanze mit Schoten, welche Linne zu den Arten des Hederichs rechnet, und sie Erysimum Barbarea nennet. Sie wächset an den Gräben und Wegen und wird auch Winterkresse genannt, weil die junge Pflanze als ein Kohl gegessen werden kann.


Barbett (W3) [Adelung]


Der Barbett, des -es, plur. die -e, eine Art zotiger Wasserhunde mit langen Ohren, welche als Bastarte von rothen Jagdhunden und Isländischen Pudeln fallen. Der Nahme ist von dem Franz. Barbet, entlehnet, welchen sie daher erhalten haben, weil man ihnen, wenn man sie scheret, einen Bart stehen lässet.


Barbier (W3) [Adelung]


Der Barbier, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher Profession davon macht, andern das Gesicht von den überflüssigen Haaren zu reinigen; ehedem ein Scherer, und in einigen gemeinen Sprecharten noch jetzt ein Bartscherer, oder Bartputzer.Die Barbierinn, plur. die -en, des Barbiers Gattinn. Die zusammen gesetzten Wörter, Barbierdecken, Barbiergesell, Barbierkunst, Barbiermesser, Barbierzeug, u. s. f. bedürfen keiner weitern Erklärung.

Anm. Dieses Wort ist aus dem Lateine der mittlern Zeiten, Barbarius und Barberius entstanden, von welchem auch das Ital. Barbiere, das Franz. Barbier, und das Schwed. Barberare entsprungen sind. Im Persischen heißt ein Barbier gleichfalls Berber. Die Niedersächsische Mundart vertauschet das r mit dem l, und spricht dieses Wort Balbier, worin ihr auch die Dänen in ihrem Balbeer folgen. Wenn man dieses Wort, wie zuweilen geschiehet, Barbierer schreibt und spricht, so ist es von dem Verbo barbieren abgeleitet.


Barbieramt (W3) [Adelung]


Das Barbieramt, des -es, plur. die -ämter, ein nur in Niedersachsen übliches Wort, so wohl die Barbierzunft oder Innung, als auch eine Barbierstube zu bezeichnen. S. Amt.


Barbieren (W3) [Adelung]


Barbieren, verb. reg. act. den Bart abnehmen, im Niedersächsischen balbieren, Dän. balbern.


Barbierstunde (W3) [Adelung]


Die Barbierstunde, plur. die en. 1) Eine Stunde, in welcher die Barbier ihre Kunst auszuüben pflegen. 2) Auch ein Haus, auf welchem die Barbiergerechtigkeit häftet, und zuweilen diese Gerechtigkeit selbst.


Barchent (W3) [Adelung]


Barchent, adj. et adv. von Barchent. Barchentes Zeug. Ein barchentes Kleid.


Barchent (W3) [Adelung]


Der Barchent, des -es, plur. die -e, wenn mehrere Arten dieses Zeuges ausgedruckt werden sollen, eine Art baumwollenen Zeuges, welcher auf der einen Seite gekreuzet zu seyn scheinet. Der Zettel bestehet aus leinenen Fäden, der Eintrag aber aus Baumwolle; in einigen Mundarten Barchet, im Nierdersächsischen Parchem. Daher die Barchentweber, der sich vorzüglich auf die Verfertigung dieses Zeuges leget; welche Weber ehedem nur Schwabenweber genannt wurden, weil sie in Schwaben sehr häufig waren, und es noch sind.

Anm. Dieses Wort soll nach dem Frisch von dem Ital. Bucherame abstammen, welches aber nicht einen jeden baumwollenen Zeug, sondern eine Art mit Löchern durchwirkten baumwollenen Zeuges oder breiter Spitzen, von Buco, ein Loch, bedeutet; daher sich dieses Wort auf keine Weise hierher schicken will.


Barchet (W3) [Adelung]


* Das Barchet, Barchant, oder Barchent, des -s, plur. ut nom. sing. in Oberdeutschland ein Maß, nach welchem die Tücher gemessen zu werden pflegen. In Ulm hat ein Barchet Tuch 24 Ellen; in Nürnberg aber hat ein Barchant nur 22 Ellen. 45 Barchet machen in Ulm, Wien und Nürnberg ein Fardel.


Barde (W3) [Adelung]


Der Barde, des -n, plur. die -n, ein Nahme, welchen bey den ältesten abendländischen und mitternächtigen Völkern die Sänger oder Dichter führeten, und der in der poetischen Schreibart der Neuern zuweilen noch jetzt für einen ehrwürdigen Dichter gebraucht wird. Herauf, o Sonne! lange schon harret dir Der Bard' entgegen! Denis.

Anm. Ammianus Marcellinus, Strabo und andere versichern, daß bey den alten Galliern Bardus einen Sänger bedeutet habe. Das Stammwort ist ohne Zweifel das alte baren, welches nicht nur schreyen, und brummen, sondern auch singen bedeutete. S. Schilters Glossar. v. Burdus, Wachters Glossar. v. Bardus und Baren, Frischens Wörterb. v. Baren, und des du Fresne Glossar. v. Bardire, Bardaea, Bardicatio. In Bretagne werden die Geigenspieler, welche auf den Dörfern herum ziehen, noch jetzt Barden genannt, und da auch die Waldenser nicht nur einen Geistlichen, sondern auch einen jeden angesehenen Mann Barba, oder Bart zu nennen pflegen, so ist glaublich, daß auch dieser Nahme von dem alten Gallischen Bardus abstimmet. Denn daß dieser Ausdruck das folgende Bart, barba, seyn sollte, ist wohl nicht glaublich, weil die Gewohnheit Bärte zu tragen ehedem allgemein war, die Figur auch zu hart und ungewöhnlich seyn würde. S. indessen den du Fresne v. Barbanus. Bar kommt in der Bedeutung eines Liedes noch bey dem Hans Sachs vor. Was übrigens das Verbum baren betrifft, so ist solches für schreyen, rufen, noch im Niedersächsischen üblich, und kommt in der Bedeutung des Singens mit dem Hebräischen Parat, singen, überein.


Bärdill (W3) [Adelung]


Bärdill, S. Bärwurz.


Bare (W3) [Adelung]


* Die Bare, plur. die -n, ein größten Theils Niedersächsisches Wort, welches vornehmlich in folgenden zwey Bedeutungen vorkommt. 1) Von dem rohen und unbereiteten Fischbeine, in welchem Verstande es mit Barre einerley ist, das durch die weiche Aussprache der Niedersachsen das eine r verloren hat. S. Barre. 2) Von den Wellen, Wasserwogen. In dieser Bedeutung leiten einige es von baren, schreyen, ein Getöse machen, andere von bären, heben, ab. Allein Bar scheinet vielmehr ein eigenes altes Wort gewesen zu seyn, welches Wasser bedeutet hat. Das Isländische Bar bedeutet gleichfalls eine Welle, und in Deutschland, besonders in Sachsen, gibt es mehrere Flüsse, welche den Nahmen Bare führen. S. Born.


Baren (W3) [Adelung]


* Der Baren, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Orgelbauern, ein still und gelinde anstimmendes gedecktes Orgelregister. Auch dieses Wort erhält noch das Andenken des im Hochdeutschen veralteten Verbi baren, brummen, oder singen. S. Barde, und Bärpfeife.


Bären (W3) [Adelung]


Bären, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches besonders bey den Jägern üblich ist, und von der Bärinn gebraucht wird, wenn sie nach dem Bären verlanget, oder brünstig ist. Die Bärinn bäret; so wie man von den Kühen sagt, sie stieren, von den Stuten, sie hengsten u. s. f. wenn sie die Gesellschaft des Stieres und Hengstes verlangen. In einigen Gegenden gebraucht man es auch von den zahmen Schweinen, wenn sie nach dem Bär oder Eber verlangen. Die Sau bäret.


Bärenbeißer (W3) [Adelung]


Der Bärenbeißer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Art Hunde mit kurzen Haaren, kurzem dicken Kopfe, breiter schwarzer Schnautze, und weitem Rachen, welche nicht nur zur Bärenjagd, sondern auch zur Schweins- und Wolfs- und Ochsenhatz gebraucht, und daher auch Bullenbeißer genannt werden. 2) In einigen Mundarten so viel als Barnbeißer; welches siehe.


Bärendecke (W3) [Adelung]


Die Bärendecke, plur. die -n, ein zubereitetes Bärenfell, wenn es als eine Decke gebraucht wird, besonders Koffer damit auf Reisen zu verwahren.


Bärenfang (W3) [Adelung]


Der Bärenfang, des -es, plur. die -fänge. 1) Ohne Plural, das Fangen eines Bären. 2) Am häufigsten ein Ort, in welchem sich die Bären fangen müssen, es mag nun solcher eine Grube, oder ein ummauerter und mit Fallthüren versehener Platz seyn. 3) Ein Ort, in welchem Bären aufbehalten und gefüttert werden.


Bärenführer (W3) [Adelung]


Der Bärenführer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Müßiggänger, welche mit ihren Tanzbären weit und breit herum ziehen. Sie sind meisten Theils Pohlen; viele derselben aber wohnen auch zu Jakobsstadt in Semgallen; Bärenleiter, Niedersächs. Bärentrekker und Bärenleiter.


Bärenfuß (W3) [Adelung]


Der Bärenfuß, des -es, plur. inusit. eine Äthiopische Pflanze, deren dicke und stachelige Blätter einige Ähnlichkeit mit einer Bärentatze haben; Arctopus, L.


Bärenhaut (W3) [Adelung]


Die Bärenhaut, plur. die -häute, die Haut von einem Bären. Auf der Bärenhaut liegen, figürlich, müßig seyn, sich durch Müßiggang verzehren.


Bärenhäuter (W3) [Adelung]


Der Bärenhäuter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schmähwort auf einen feigen, nichtswürdigen Menschen. Daher im gemeinen Leben die Bärenhäuterey, ein nichtswürdiges, feiges Betragen, und Bärenhäuterisch.

Anm. So natürlich es ist, dieses Wort aus der Redensart, auf der Bärenhaut liegen, herzuleiten, so gezwungene und wunderliche Ableitungen hat man doch davon gesucht. Der Gebrauch der Bärenhäute war bey der einfältigen genügsamen Lebensart unsrer Vorfahren bey ihnen häufiger als jetzt, wie schon aus dem Tacitus erhellet; und da die Feigheit und Unthätigkeit bey ihnen das größte Laster war, so hat man nachmahls einen jeden nichtswürdigen Menschen mit dem Nahmen eines Bärenhäuters beleget, welcher eigentlich einen Menschen bedeutet, der anstatt in den Krieg zu ziehen, seine Tage auf der Bärenhaut im Müßiggange verzehret. Bey dem du Fresne ist Bernarius ein Jagdbedienter, der die zur Bärenhatz nöthigen Bären und Hunde in seiner Aufsicht hatte.


Bärenhetze (W3) [Adelung]


Die Bärenhetze, plur. die -n, Oberdeutsch die Bärenhatz, die Hatz, oder das Hetzen eines oder mehrerer Bären zur Lust. S. Hatz.


Bärenhüter (W3) [Adelung]


Der Bärenhüter, des -s, plur. inusit. ein nördliches Gestirn hinter dem Schwanze des großen Bären, unter dessen Sternen der Arctur der größte ist; Arctophylax, Bootes.


Bärenkasten (W3) [Adelung]


Der Bärenkasten, des -s, plur. ut nom. sing. ein Behältniß, einen lebendigen Bären von einem Orte zum andern darin zu führen.


Bärenklau (W3) [Adelung]


Die Bärenklau, plur. inusit. ein Nahme, welcher zweyen von einander sehr verschiedenen Pflanzen gegeben wird. 1) Dem Acanthus, L. welche in den feuchten Gegenden Italiens zu Hause ist. S. du Fresne Glossar. v. Branca. 2) Dem Heracleum Sphondylium, L. welche überall in den Hainen wächset, und auch Bärwurz, Kälberkraut, Porst, und in Preußen Bartsch genannt wird. Beyde haben ihren Nahmen von einiger Ähnlichkeit ihrer Blätter mit einer Bärentatze.


Bärenkoth (W3) [Adelung]


Der Bärenkoth, des -es, plur. car. figürlich in den Schmelzhütten, das Unreine, welches bey dem Schmelzen des Silbers oben auf schwimmt, und nicht leicht herunter zu bringen ist.


Bärenkraut (W3) [Adelung]


Das Bärenkraut, des -es, plur. inusit. S. Königskerze.


Bärenmotte (W3) [Adelung]


Die Bärenmotte, plur. die -n, eine Art schwarzer oder brauner raucher Motten, daher sie einige Ähnlichkeit mit einem Bären haben; Phalaena Bombyx, L.


Bärenohr (W3) [Adelung]


Das Bärenohr, des -es, plur. inusit. eine Äthiopische Pflanze, Arctotis, L.


Bärenöhrlein (W3) [Adelung]


Das Bärenöhrlein, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welcher an einigen Orten den Aurikeln und ihren Blumen gegeben wird, von der Gestalt der Blumenblätter, welche einiger Maßen den Ohren eines Bären gleichen.


Bärenpfennig (W3) [Adelung]


Der Bärenpfennig, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welchen man im gemeinen Leben allen kleinen Münzsorten, die einen Bären im Gepräge haben, zu geben pflegt; z. B. den Berenburgischen, Berner, Appenzeller, St. Galler und andern Scheidemünzen.


Bärenraupe (W3) [Adelung]


Die Bärenraupe, plur. die -n, eine haarige braune Raupe, welche sich in der Erde verwandelt, einen schönen Nachtvogel gibt, und alles Grüne ohne Unterschied frißt. Im gemeinen Leben wird sie Hundespur genannt.


Bärenschlamm (W3) [Adelung]


Der Bärenschlamm, des -es, plur. von mehrern Arten, die -schlämme, in den Schmelzhütten, der Schlamm, der aus den naß gepochten Bären entstehet. S. Bär 2.


Bärentatze (W3) [Adelung]


Die Bärentatze, plur. die -n. 1) Eigentlich die Füße des Bären, welche bey den Jägern Tatzen, Pratzen oder Branten heißen. 2) Figürlich, dasjenige Kraut, welches man gemeiniglich Bärenklau nennet. S. dieses Wort.


Bärenthaler (W3) [Adelung]


Der Bärenthaler, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, ein Nahme der Berenburgischen Thaler, von dem darauf geprägten Bären.


Bärentraube (W3) [Adelung]


Die Bärentraube, plur. die -n, eine Pflanze, welche Linne zu dem Geschlechte des Erdbeerbaums, oder Arbutus rechnet, und sie Arbutus Uva ursi nennet. Sie wächset in den kältern Gegenden Europens, wo ihre rothe und mehlige Frucht eine angenehme Speise der Bären ist, und wird am häufigsten Sandbeere genannt.


Bärenwärter (W3) [Adelung]


Der Bärenwärter, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher in fürstlichen Jagdhäusern die Aufsicht über die Bären hat; der Bärmeister.


Baret (W3) [Adelung]


Baret, S. Barrett.


Barfenchel (W3) [Adelung]


Der Barfenchel, S. Bärwurz.


Barfrost (W3) [Adelung]


Der Barfrost, des -es, plur. die -fröste, in der Landwirthschaft so wohl Ober- als Niederdeutschlandes, ein Frost, welcher eintritt, ehe das Land mit Schnee bedeckt worden, der also den Acker bar, d. i. bloß, unbedeckt antrifft; auch Blachfrost. S. Bar, das Beywort. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist für Barfrost auch das Hauptwort die Bare üblich.


Barfuß (W3) [Adelung]


Barfuß, adv. mit bloßen unbekleideten Füßen. Barfuß gehen. Barfuß da stehen. Niedersächsisch barbeent, barfot und zusammen gezogen barft, Dän. barfoed, Schwed. barfotad.


Barfüßer (W3) [Adelung]


Der Barfüßer, des -s, plur. ut nom. sing. einer der barfuß gehet; besonders in der Römischen Kirche, einer von dem Orden des heil. Francisci, dessen Glieder mit unbekleideten Füßen gehen. Daher der Barfüßermönch, das Barfüßerkloster u. s. f. S. Bar, das Beywort. Dieses lautet eigentlich gedehnt, wie man es auch in Barfrost, und barfüßig, ausspricht. Allein in Barfuß, Barfüßer und barfüßig wird es gemeiniglich geschärft gesprochen.


Barfußig (W3) [Adelung]


Barfußig, adj. et adv. mit bloßen Füßen.


Barg (W3) [Adelung]


Der Barg, des -es, plur. die Bärge, in der Landwirthschaft, ein verschnittener Eber; Nieders. Borg, Borgswien, und in Pommern, Polk, Pork, Angels. Bearg. Barecho, kommt von einem verschnittenen Schweine schon in dem Salischen Gesetze vor, nur daß man es gemeiniglich Brarecho gedruckt findet. Wachter und Eckard behaupten, daß ein veraltetes Verbum bargen, schneiden, das Stammwort sey. Allein die Übereinstimmung mit dem Lat. Porcus ist zu groß, als daß man sie sollte verkennen können, obgleich dieses ein jedes Schwein bedeutet.


Barille (W3) [Adelung]


Die Barille, S. Amarelle 2.


Bärinn (W3) [Adelung]


Die Bärinn, plur. die -en, das Weibchen des Bären.


Bariton (W3) [Adelung]


Der Bariton, des -es, plur. inusit. in der Musik, eine Baßstimme, welche auch der hohe Baß, oder der tiefe Tenor genannt wird, weil derjenige, der sie singet, so wohl die Höhe des Tenors, als auch die Tiefe des Basses haben muß. Es ist aus dem Griech. und Lat. Barytonus; daher es eigentlich Baryton geschrieben werden sollte.


Barke (W3) [Adelung]


Die Barke, plur. die -n, ein kleines Lastschiff, welches gemeiniglich drey Masten führet und bis 200 Tonnen trägt. Ingleichen ein noch kleineres Fahrzeug ohne Mastkorb, große Schiffe in seichten Gewässern zu beladen, oder auszuladen. An einigen Orten werden endlich alle Schiffe, welche keinen Mastkorb haben, Barken genannt.

Anm. Der Nahme dieses Fahrzeuges ist alt und kommt schon in den Salischen Gesetzen vor; Barca wurde aber ehedem nur von einem Bothe gebraucht. In Bremen heißt es eine Barse;daher Barsemeister daselbst den Schiffer oder Herren einer solchen Barse bedeutet. Das Holländ. Baergie, das Dänische Barke, das Engl. Barge, Bark, das Franz. Barque, und das Ital. Barca, kommen dem Hochdeutschen näher. Die Abstammung dieses Wortes ist noch nicht ausgemacht. Das alte Verbum bären, tragen, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches eine besondere Art Schiffe war, das Nieders. Barke, Birke, ingleichen das Niedersächsische Bark, Borke, welche im Engl. auch Bark heißet, das alte Bare, Welle, Fluth und andere mehr, haben Anspruch darauf gemacht. S. du Fresne v. Barca, und Barga.


Barkhalter (W3) [Adelung]


Der Barkhalter, des -s, plur. ut nom. sing. im Schiffsbaue, diejenigen dicken Breter, welche in der Länge um den Bauch des Schiffes gehen, und auf welche man bey dem Ein- und Aussteigen tritt. Das Wort ist Niedersächsisch, und lautet in dieser Mundart Bargholt und Borgholt, Holländ. Barkouten, daher man im Hochdeutschen auch Bargholz und Barkhölzer daraus gemacht hat. Die erste Hälfte ist vermuthlich das vorige Barke, welches hier ein jedes Schiff oder Fahrzeug zu bezeichnen scheinet.


Barköpfig (W3) [Adelung]


Barköpfig, adj. et adv. mit bloßem unbedeckten Kopfe, nur im gemeinen Leben. S. Bar das Adjectivum.


Bärlappen (W3) [Adelung]


Der Bärlappen, des -s, plur. inus. eine Moosart, welche in der Gestalt eines Strickes auf der Erde hin und wieder kriecht, und oft sechs oder mehr Ellen in der Länge hat. Wenn man den Blüthenstaub dieses Mooses in ein brennendes Licht bläset, so gibt er eine so starke Flamme wie Schießpulver von sich; Lycopodium, L. besonders das Lycopodium clavatum, L. Die Gestalt dieses Mooses und dessen Kräfte haben demselben allerley zum Theil wunderliche Nahmen zuwege gebracht. Um Zelle heißt es Krähenklauen; an andern Orten aber Santanne, Gürtelkraut, Johannisgürtel, Erdmoos, Haarschaar, Neunheil, Wolfsklau, Teufelsklau, Löwenfuß, Drudenfuß, Drudenkraut, Jungfernkraut, Weinkraut, weil man verdorbenen Wein damit zurecht bringen will, Kolbenmoos, Schlangenkraut, Erdschwefel u. s. f. Die letzte Hälfte ist unstreitig unser Lappen, vermuthlich wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt; daher die Schreibarten Bärlapp und Bärlappe irrig sind.


Bärlatsche (W3) [Adelung]


Die Bärlatsche, plur. die -n, in den gemeinen Sprecharten, eine Art raucher und warmer Schuhe und Quartier-Pantoffeln aus geflochtenen Kälberhaaren, von dem niedrigen Worte lätschen, träge und nachlässig einher gehen; weil man in diesen Schuhen wegen ihrer unförmlichen Gestalt einen solchen Gang hat.


Bärenmaus (W3) [Adelung]


Die Bärenmaus, plur. die -mäuse, bey einigen ein Nahme des Murmelthieres, weil es einige Ähnlichkeit, so wohl mit einem Bären, als einer Maus hat.


Bärme (W3) [Adelung]


Die Bärme, plur. car. 1) Der Schaum, welcher sich bey dem Einschenken auf dem Biere setzet; der Gäscht. 2) Die Hefen.

Anm. Dieses Wort lautet im Niedersächsischen der Barm, und in Franken der Barmen. Das Angels. Bearm, Engl. Barm, Dän. Bärme, Schwed. Berma, und Irländ. Borra, bedeuten gleichfalls Hefen. Ohne Zweifel stammet es von bären, heben, ab, so wie von dem letztern Zeitworte Hefen, und von levare, das Französ. levain, Sauerteig herkommen. Bärme bedeutet also so wohl dasjenige, was hebt, die eigentlich so genannten Hefen, als auch, was gehoben wird, d. i. den Schaum.


Barme (W3) [Adelung]


Die Barme, S. Barbe.


Bärmeister (W3) [Adelung]


Der Bärmeister, S. Bärenwärter.


Barmherzig (W3) [Adelung]


Barmherzig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Mitleidig gegen niedrige Nothleidenden und Elende. Barmherzig seyn. Barmherzig gegen jemanden seyn. Barmherzige Brüder, oder die Barmherzigen, in der Römischen Kirche, gewisse Ordensleute, welche sich außer den drey gewöhnlichen Gelübden auch zur War- tung der Kranken verpflichten müssen. Der Stifter ihres Ordens hieß Jean de Dieu. 2) Erbärmlich, Barmherzigkeit verdienend, gemeiniglich nur im vertraulichen Scherze. Er steht seyn barmherzig aus. Ein barmherziger Reiter. Da geht er, der barmherzige Schlucker, Less.

Anm. Nieders. barmhartig, Angels. earmheort, Schwed. barmhertig, Dän. barmhiertig, bey den Franken und Alemannen armherze. Man hat sich über die Abstammung der ersten Hälfte dieses Wortes lange nicht vergleichen können. Einige haben es von dem alten Barm, der Schooß, andere von einem erdichteten Beyworte barm, klein, andere von warm, und noch andere endlich von arm, welches ehedem gnädig, gütig, bedeutet haben soll, hergeleitet. S. Schilters, Wachters und Ihres Gloss. und Frischens Wörterb. Niemand hat bemerket, daß barmherzig, eine bloß buchstäbliche Übersetzung des Lateinischen misericors ist. Die Deutsche Sprache war, so wie alle Sprachen in ihrer rohen Kindheit, an Wörtern, welche moralische Gegenstände bezeichnen, sehr arm. Die ersten christlichen Lehrer suchten sich daher mit buchstäblichen Übersetzungen der Lateinischen Ausdrücke zu helfen, welche zwar oft sehr ungeschickt geriethen, aber doch die Sprache nach und nach sehr bereichert haben, wie aus hundert Beyspielen gezeiget werden könnte. Das Wort barmherzig ist gleichfalls eine solche verunglückte Übersetzung. Weil miser im Deutschen arm bedeutet, so übersetzten sie misereri durch armen, misericors durch armaherzi, und misericordia durch armaherzide. Diese Wörter kommen so wohl bey dem Ulphilas, als bey dem Kero, dem ältesten Deutschen Schriftsteller vor, der in dergleichen ungeschickten Übersetzungen besonders glücklich ist. Patiens et multum misericors heißt bey dem Notker, gedultiger unde ioh filo arme herzen. Die spätern Alemannen setzten vor armen, misereri, die Vorsylbe be, welche nachmahls mit dem a zusammen floß, und auch dem armherzig vorgesetzet wurde, so daß barmen, für bearmen, und barmherzig daraus entstand. S. auch Erbarmen.


Barmherzigkeit (W3) [Adelung]


Die Barmherzigkeit, plur. car. die Fertigkeit, Mitleiden gegen niedere Elende, Güte gegen niedere Nothleidende zu empfinden, und zuweilen auch diese Empfindung selbst. Jemanden um Barmherzigkeit anflehen. Jemanden Barmherzigkeit widerfahren lassen. Einem Barmherzigkeit erweisen. Barmherzigkeit bey jemanden finden.

Anm. Die Redensarten, Barmherzigkeit zu einem neigen, einem Barmherzigkeit halten, Barmherzigkeit an jemanden thun, Barmherzigkeit überkommen u. s. f. sind bloß biblisch. Bey dem Ulphilas lautet dieses Hauptwort Armahirthita, bey dem Kero Armiherzida, bey dem Isidor und Notker Armherzi, Erbarmherzi, bey dem Winsbeck Barmekeit und Erbarmekeit. S. das vorige.


Bärmuff (W3) [Adelung]


Der Bärmuff, des -es, plur. die -müffe, ein Muff von Bärenfell für Mannspersonen.


Bärmutter (W3) [Adelung]


Die Bärmutter, plur. die -mütter, ein hohler Theil in dem untern Schmerbauche des weiblichen Geschlechtes, worin die Frucht empfangen und bis zur Geburt getragen wird; auch nur schlechthin die Mutter. Es stammen von dem alten bären, tragen, nicht aber von gebären ab, daher die Benennung Gebärmutter unrichtig ist. S. dieses Wort und Mutter.


Barn (W3) [Adelung]


Der Barn, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden besonders Oberdeutschlandes, 1) ein langer ausgehöhlter Futtertrog für das Vieh, eine Krippe. 2) Die halb vermachten Seiten in den Scheuern, in welchen das Getreide verwahret wird, die Bansen, in welcher Bedeutung man es an einigen Orten auch Baarn spricht. 3) Ein Netz, in welcher Bedeutung es im gemeinen Leben auch Bärn und Beeren gesprochen wird. S. Fischbärn.

Anm. Frisch leitet Barn in der ersten Bedeutung von Barre her, weil die Barne, Krippen und Raufen aus Stangen und Querhölzern bestehen. Alles das gilt nur von den Raufen, die von den Krippen weit unterschieden sind. Er selbst führet das alte Vocabular. von 1482 an, worin Barn oder Parn von einem, jeden Troge, besonders aber von einem Backtroge gebraucht wird. In der zweyten Bedeutung kommt Barn mit dem Angels. Bern und Engl, Barn, eine Scheuer überein. S. Banse.


Barnabit (W3) [Adelung]


Der Barnabit, des -en, plur. die -en, gewisse Mönche in der Römischen Kirche, welche 1533 von Anton Maria Zacharia gestiftet worden, und ihren Nahmen von der Kirche des heiligen Barnabas zu Mailand haben. Sie gehen schwarz, und haben die Kleidung beybehalten, welche die Priester zur Zeit ihrer Stiftung trugen.


Barnbeißer (W3) [Adelung]


* Der Barnbeißer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Pferd, welches bey dem Treffen in den Barn, oder die Krippe beißet, oder vielmehr bey dem Niederschlucken der Speise und dem Athemhohlen die Zähne auf die Krippe setzet und bey jedem Schlucke grolzet; ein Barngrolzer, und nach einer verderbten Aussprache Bärenbeißer, Bärengrolzer, noch häufiger aber Krippenbeißer, Krippensetzer.


Barometer (W3) [Adelung]


Das Barometer, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Griech. und Lat. Barometrum, ein Werkzeug, die Schwere der Luft und deren Veränderungen zu bestimmen, welches Torricelli 1643 erfand, und damit die ganze scholastische Physik stürzte; der Schwermesser, im gemeinen Leben das Wetterglas, welche letztere Benennung aber auch das Thermometer oder den Wärmmesser mit unter sich begreift.


Baron (W3) [Adelung]


1. Der Baron, des -s, plur. die -s, oder -e, ein Ausdruck, welcher einen Freyherren bedeutet, d. i. einen von Adel, welcher in der Würde unmittelbar nach den Grafen folget. Obgleich dieses Wort ein altes, wo nicht Deutsches doch wenigsten Gallisches Wort ist, so zeiget doch die Endsylbe, daß wir es zunächst von den Franzosen angenommen haben, daher es auch wohl den Französischen Plural behält. Man hat allerley weit hergehohlte Ableitungen dieses Wortes versucht; indem einige es von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, schwer, andere von dem Nordischen bardas oder barjas, streiten, andere von wehren, vertheidigen, noch andere von dem alten Barn, ein Kind, wiederum andere von bar, frey, abstammen lassen. Diese letzte Ableitung würde noch die wahrscheinlichste seyn, wenn man nicht das alte Substantivum Bar hätte, welches fast in allen abendländischen und mitternächtigen Sprachen angetroffen wird, und uns weit näher zum Ziele führet. Dieses Bar bedeutete, 1) eine Person männlichen Geschlechtes, in welcher Bedeutung Barus und Baro, in den Salischen und andern alten Gesetzen häufig vorkommen, S. Wachters Gloss. v. Bar; S. auch Wärwolf. 2) Einen Ehemann, in welcher Bedeutung dieses Wort noch hin und wieder in England und Frankreich vorkommt. In der Picardie nennen die Weiber ihre Männer Barons, und in den Normannischen Gesetzen heißen Mann und Frau Baron und Baronne. 3) Einen Vasallen höherer Art, der unmittelbare Lehen von dem Reiche besaß. In dieser Bedeutung wurde es zuweilen auch gebraucht, den gesammten Adel, in Rücksicht auf seine Lehensverbindung zu bezeichnen, so wie man auf gleiche Art das Wort Mann, und im Plural Manne gebrauchte. Die eigentlichen alten Barone nahmen nach und nach den gräflichen Titel an, der auch wohl solchen beygeleget wird, die gar keine Güter, geschweige unmittelbare Reichslehen besitzen. S. auch du Fresne Gloss. v. Baro. Unter den Krimmischen Tartarn ist Baron Mursa die zweyte Classe des Adels. Die erste heißt Schyrin Mursa, die dritte Monsur Mursa, und die vierte Sutschuwud Mursa.


Baron (W3) [Adelung]


2. Der Baron, des -es, plur. die -e, eine Art Pflöcke, womit die Saiten auf der Harfe in dem Boden befestiget werden. Dieses Wort stammet ohne Zweifel von dem Worte Barre ab, welches ehedem nicht nur einen Riegel, sondern auch einen jeden Pflock bedeutet. S. Barre.


Baronesse (W3) [Adelung]


Die Baronesse, plur. die -n, eine mit der freyherrlichen Würde bekleidete Person weiblichen Geschlechtes; eine Freyinn, Freyfrau, Freyherrinn, Freyfräulein; von dem Altfranz. Baronnesse, wofür die heutigen Franzosen lieber Baronne sagen. Im gemeinen Leben gebraucht man dafür oft Baroninn.


Baronie (W3) [Adelung]


Die Baronie, oder Baroney, plur. die -en, eine Freyherrschaft, welche in der Würde unmittelbar auf die Grafschaften folget, und eigentlich unmittelbar von dem Reiche zu Lehen gehen sollte; von dem Franz. Baronnie.


Bärpfeife (W3) [Adelung]


Die Bärpfeife, plur. die -n, in den Orgeln, ein tief brummendes Schnarrwerk, welches 16 bis 18 Fuß Ton hat; entweder, weil es das Brummen der Bären nachahmet, oder von baren, brummen.


Barrake (W3) [Adelung]


Die Barrake, plur. die -n, aus dem Franz. Barraque, und dieß aus dem Spanischen Barracca, eine kleine Hütte für Fischer an der Küste, oder auch für Soldaten in Felde. In weiterm Verstande werden auch die kleinen Häuser für die Soldaten in der Garnison Barraken genannt. S. Barake.


Bärraupe (W3) [Adelung]


Bärraupe, S. Bärenraupe.


Barre (W3) [Adelung]


Die Barre, plur. die -n, oder der Barren, des -s, plur. ut nom. sing. ein größten Theils veraltetes Wort, welches eigentlich einen langen aber schmalen und dünnen Körper bedeutet, und ehedem so wohl von Pfählen, als Stangen, Riegeln, Schlagbäumen u. s. f. gebraucht wurde. Heut zu Tage kommt es nur noch in dem Ausdrucke eine Silberbarre, oder ein Silberbarren vor, worunter man in den Münzen ein langes dickes Stück gegossenen Silbers verstehet; zum Unterschiede von dem schmalern und dünnern Zaine. Daher der Barreneinguß, eine eiserne Form, die größten Silberbarren darein zu gießen. In den Niedersächsischen Handelsstädten nennet man eine Stange rohes Fischbeines auch noch eine Bare, oder Barte, welches gleichfalls dieses Wort zu seyn scheinet, S. Barte. In der Seefahrt ist eine Barre, eine Sandbank oder Reihe. Klippen vor einem Hafen oder Flusse, welche bey niedrigem Wasser das Einlaufen hindert; Franz. Barre, Engl. Bar.

Anm. Vitruv gebraucht Vara von einem Pfahle, oder einer Stange. Barri und Barra kommen in dem mittlern Lateine häufig vor, S. du Fresne Glossar. Einige leiten es von baren, heben, her, weil dergleichen Stangen unter andern auch zum Heben gebraucht werden; andere von dem Hebr. Beriah, ein Hebel. Barre, Barriere, Barriage, Barreau u. s. f. sind am Französischen noch von einem häufigen Gebrauche. Das Span. Barra und Engl. Bar, bedeutet gleichfalls eine Stange. S. auch Sparre, 2 Baron und Pferch.


Barrett (W3) [Adelung]


Das Barrett, des -es, plur. die -e, ein ziemlich selten gewordener Nahme einer veralteten Kopfzierde, oder Art von Hüten, welche unten einen breiten halben Rand hatte. Ingleichen ein viereckter Hut von Sammet oder Tuch, welcher den Doctoren ausgesetzet wird, und in der Römischen Kirche noch bey einigen Geistlichen üblich ist.

Anm. Barrett, Franz. Barrete, Ital. Barretta. Bareta, im mittlern Lateine Barretum, Birretum, war anfänglich eine Art enger Mützen, welche nur die Päpste trugen. Nachmahls bekamen allerley Arten der Kopftrachten, welche keine Hüte waren, diesen Nahmen. In Oberschwaben ist Barrett noch jetzt die Haupt-decke der Jungfern bey Hochzeiten. Wachter leitet dieses Wort von bären, tragen, her, weil das Barrett auf dem Kopfe getragen wird, Frisch aber von bereiten. Allein so machten die alten Deutschen ihre Ableitungen nicht, und schon der Klang des Wortes verräth dessen ausländischen Ursprung. Vermuthlich haben wir es aus Italien bekommen, weil diese Tracht und ihr Nahme in diesem Lande jederzeit am üblichsten gewesen, und es noch ist. Die Mützen so wohl der Edlen zu Venedig, als auch der Cardinäle werden Barrette, oder Berrette genannt. Und da kann man es mit du Fresne immer als das Diminutivum von Birrus ansehen, oder es zum mittlern Latein. Barda, eine Decke, Franz. Barde, eine Decke, barder, decken, bedecken, pflas=tern u. s. f. rechnen.


Barrett-Krämer (W3) [Adelung]


Der Barrett-Krämer, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, z. B. in Leipzig, eine Art kramender Handwerker, welche anfänglich vermuthlich nichts als Barrette machten und verkauften; jetzt aber zugleich Kürschner oder Rauchmützenmacher sind, und auch mit wollenen Stümpfen, Handschuhen u. s. f. handeln.


Bars (W3) [Adelung]


Der Bars, oder Barsch, ein Fisch, S. Börs.


Bär-Sanikel (W3) [Adelung]


Der Bär-Sanikel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, der in einigen Gegenden Oberdeutschlandes den Aurikeln gegeben wird.


Barsch (W3) [Adelung]


* Barsch, -er, -este, adj. et adv. welches eigentlich ein Niedersächsisches Provinzial-Wort ist, rauh, hart, von Gegenständen des Gefühls und Geschmackes. Die Wolle ist barsch. Das Tuch fühlet sich barsch an. Der Wein hat einen barschen (herben) Geschmack. Figürlich, unfreundlich, mürrisch, rauh. Das Tyrannenvolk, das barsch vom Thron gebeut, Göckingk.


Barschaft (W3) [Adelung]


Die Barschaft, plur. die -en, bares Geld, am häufigsten im Plural. Er hatte viele Barschaften bey sich. Die Barschaft, die zu sehr an kargen Fäusten klebt, Nur ihrem Hüther lacht, der stets nach mehrern strebt, Haged.

Anm. Was man heut zu Tage unter dem Nahmen Barschaft begreift, nannte man ehedem Reidengüter, d. i. Güter, die bereit liegen, die man gleich haben kann, weil bereit auch für bar üblich war. S. Bar, das Adjectivum.


Bart (W3) [Adelung]


Der Bart, des -es, plur. die Bärte, Diminutivum das Bärtchen, im Oberdeutschen das Bärtlein. 1. Die Haare am Kinne und über den Lefzen der Männer und gewisser Thiere. Den Bart scheren, abscheren, abnehmen. Sich den Bart putzen. Es in seinem Bart hinein lügen, im gemeinen Leben figürlich, auf eine unverschämte Art lügen; vermuthlich von der alten Gewohnheit bey seinem Barte zu schwören. Etwas in den Bart hinein murmeln, leise. Um des Kaisers Bart streiten, um eine Sache streiten, woran man kein Recht hat, noch haben kann; wofür die Franzosen sagen, se debattre de la chape a l'Eveque, über des Kaisers Bart streiten, über eine unbedeutende, unerhebliche Sache. Vermuthlich von dem Barte Kaiser Carls des Großen, über dessen Beschaffenheit ehedem viel gestritten wurde. In weitere Bedeutungen, doch nur in niedrigen Ausdrücken, wird nicht allein das Kinn, sondern auch das Gesicht unter diesem Ausdrucke verstanden. Einem etwas in den Bart sagen, es ihm ungescheut unter die Augen sagen. Ingleichen die ganze Person, in einigen zusammen gesetzten verächtlichen Ausdrücken, z. B. ein Graubart.2. Figürlich von einiger Ähnlichkeit. 1) In den Schlüsseln der unten an der Röhre befindliche hervor ragende Theil, welcher eigentlich das Schließen verrichtet, und auch der Kamm heißet. 2) An den Austern der so genannte Schweif, der das zarte Fleisch umgibt. 3) An dem schwarzen Wildbrete wird der Rüssel von den Jägern auch der Bart, oder das Gebreche genannt. 4) An den zinnernen Orgelpfeifen sind es zwey Stücke zinnernes Blech, womit sie gestimmet werden. 5) Die Läppchen am Halse eines Hahnes. 6) In der Kräuterkunde das unterste Blatt an den helmförmigen Blumen, welches allezeit drey Einschnitte hat. 7) Lange Grannen an einigen Getreidearten, z. B. der Gerste. S. auch Bartgerste und Barthafer. 8) An den Kometen, diejenigen Strahlen, die der Komet nach der Seite des Himmels wirft, wohin seine Bewegung ihn zu tragen scheinet, im Gegensatze des Schweifes. 9) Der Gang setzt einen Bart, sagen die Bergleute, wenn er in der Sicherung Erz oder Steine führet. 10) In dem Bergbaue ist der Bart ein Holz mit halb abgeschnitzten Spänen, das Feuer in der Grube damit anzuzünden; ingleichen, 11) ein Holz, welches die Stürzer an die Tonne befestigen, denen so unten sind, ein Zeichen damit zu geben. Dagegen man 12) in den Schmelzhütten das gepochte Erz, welches im Waschtroge sitzen bleiben, einen Bart zu nennen pfleget; und so in andern Fällen Mehr.

Anm. Bart kommt mit Barba genau überein. Bey den Wallisern lautet dieses Wort Barf, im Engl. Barb und Beart, in der Crimm Bars und Barda. Die Slavonischen Mundarten versetzen das t; daher heißt der Bart bey den Krainern, Böhmen und Russen Brada. Wachter glaubt, daß das alte Bar, ein Mann, oder baren, zeigen, das Stammwort sey; allein sollte angeben können. Sonst könnte man noch auf Borst rathen. S. dieses Wort.


Bartbeißker (W3) [Adelung]


Der Bartbeißker, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Beißker, d. i. eine Art Lampreten, von mittlerer Größe, welche mit einem Barte versehen ist.


Barte (W3) [Adelung]


1. Die Barte, plur. die -n, hornartige Körper in einigen Wallfischarten, die ihnen statt der Zähne dienen, in der obern Kinnlade fest sitzen, und in eine in der untern Kinnlade befindliche Vertiefung passen. Das so genannte Fischbein wird aus diesen Barten gespalten, die bey den jungen Wallfischen blau, bey alten braun und schwarz, bey den Finnfischen aber gelb gestreift aussehen.

Anm. Die weichere Niedersächsische Mundart spricht dieses Wort gemeiniglich Bare aus. Da dieses Barten inwendig mit Fäden, wie Schweinsborsten, versehen und rauch sind, so könnte man glauben, daß sie so viel als bar, Bärte bedeutet sollten. Allein es scheinet vielmehr, daß dieses Wort zu Barre gehöret, weil die rohen unzubereiteten Barten den Barren nicht unähnlich sehen.


Barte (W3) [Adelung]


2. Die Barte, plur. die -n, ein breites Beil, Breitbeil, dergleichen z. B. die Fleischer und Bergleute führen. S. Bergbarte. In Thüringen heißt ein jedes Beil, welches man in der Haushaltung gebraucht, eine Barte. Und zerhauen alle seine Tafelwerke mit Beil und Barten, Ps. 74, 6; und nach Opitzens Übersetzung. Wie viel sie da mit Beil und Barten fällen.

Anm. In der weichern Niederdeutschen und den damit verwandten Mundarten Barde, Bare, Schwed. Bard, bey dem Notker hingegen Parta. Es scheinet von dem alten bartan, bardan, schlagen, hauen, abzustammen, indem dieses Wort ehedem vorzüglich von einer Streitart, oder einem so genannten Fausthammer gebraucht wurde, welcher hinten mit einem breiten Beile versehen war. S. auch Hellebarte und Partisane. Das gedehnte a in diesem und dem vorher gehenden Worte ist ein Beweis, daß die Wurzel bar oder baren gelautet, und daß das t ein bloßer Ableitungslaut ist. In Hellebarte und Partisane hingegen wird das a gemeiniglich geschärft.


Bärteisen (W3) [Adelung]


Das Bärteisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Eisen, womit der Bart der Männer gekräuselt wird.


Bärteln (W3) [Adelung]


Bärteln, verb. reg. act. bey den Tuchscherern, das Tuch zum ersten Mahle, oder zu halben Haaren scheren, wodurch die Wolle gleichsam das Ansehen eines Bartes bekommt. S. Ausscheren.


Bartfaden (W3) [Adelung]


Der Bartfaden, des -s, plur. die -fäden, an den Lippen mancher Fische, einem Faden, oder starken Haaren ähnliche Auswüchse, die so wie eine Röhre inwendig hohl sind; oft auch nur der Bart.


Bartfisch (W3) [Adelung]


Der Bartfisch, des -es, plur. die -e, eine Art Wallfische um Grönland, welche keine Floßfedern auf dem Rücken neben dem Schwanze, wie der Finnfisch hat, und mit einer dicken schwarzen, weiß marmorirten Haut bedecket ist. Der Kopf macht das Drittheil des ganzen Körpers aus. Er hat keine Zähne, sondern Barten, wovon er auch den Nahmen hat; Cyclopterus Liparis, L.


Bartfliege (W3) [Adelung]


Die Bartfliege, plur. die -n, eine der größten Fliegenarten unserer Gegend, mit einem ovalen wolligen Körper und Haaren an den Spitzen der Fühlhörner, welche einem Barte gleichen; Musca mystacea, L.


Bartgerste (W3) [Adelung]


Die Bartgerste, plur. inusit. eine Art Gerste mit zwey unbewehrten männlichen Blüthen, welche auf beyden Seiten der fruchtbaren Zwitterblüthe stehen, und weit von dem Halme abstehenden Samen; Reißgerste, Hordeum Zeocriton, L. Sie wird in England und Frankreich häufig, in Deutschland aber nur sparsam gebauet. Den Nahmen hat sie ohne Zweifel von den langen, spitzigen, von einander stehenden Grannen.


Bartgras (W3) [Adelung]


Das Bartgras, des -es, plur. inus. eine Grasart; Andropogon, L. besonders aber das Andropogon Ischoemum, und das Andropogon Schoenanthus, welches auch Kamehlheu und Kamehlstroh genannt wird.


Bartgründel (W3) [Adelung]


Der Bartgründel, S. Bachkresse und Gründling.


Barthaar (W3) [Adelung]


Das Barthaar, des -es, plur. die -e, diejenigen Haare, welche den Bart an Menschen und Thieren bilden.


Barthafer (W3) [Adelung]


Der Barthafer, des -s, plur. inusit. eine Art rauchen Hafers mit kleinen, grauen, spitzigen Körnern, welcher auch Schwarzhafer oder Rauchhafer genannt, und als eine Ausartung des glatten grauen Hafers in magern Boden angesehen wird.


Barthe (W3) [Adelung]


Die Barthe, S. Barte.


Barthel (W3) [Adelung]


Barthel, der verkürzte Nahme Bartholomäus, der im Nieders. auch Meves lautet. Er weiß, wo Barthel Most hohlt, im gemeinen Leben, er weiß mehr davon, als man glaubt, er weiß alle Schliche; vielleicht, muthmaßet Frisch, weil bald nach Bartholomäi der Most anfängt zu reifen.


Bärtig (W3) [Adelung]


Bärtig, -er, -ste, adj. et adv. mit einem Barte versehen. Du wirst eine Anzahl bärtiger und tapferer Männer anführen. Der bärt'ge Zeus ersah die Freude Und des vergnügten Flüchtlings Glück, Haged.


Bartisane (W3) [Adelung]


Bartisane, S. Partisane.


Bartkarpfen (W3) [Adelung]


Der Bartkarpfen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Karpfen mit Bartfäden.


Bartklappe (W3) [Adelung]


Die Bartklappe, plur. die -n, bey den Schlössern, eine Art Zange mit einer Schraube, deren Mäuler durch eine Feder zusammen gedrücket werden, und mit welcher man den Bart der Schlüssel in dem Schraubstocke hält.


Bartläppchen (W3) [Adelung]


Das Bartläppchen, des -s, plur. ut nom. sing. die unter dem Schnabel herab hangende Haut an dem Hühnerviehe.


Bartlos (W3) [Adelung]


Bartlos, adj. die -n, unbärtig, des Bartes beraubt.


Bartnelke (W3) [Adelung]


Die Bartnelke, plur. die -n, eine Art Nelken mit gehäuften, bündelweise zusammen gesetzten Blumen, mit eyrunden, pfriemenförmigen Kelchschuppen und lanzettförmigen Blättern. Einige lange Blätter stehen seitwärts heraus und bilden gleichsam einen Bart; Dianthus barbatus, L. Bartnägelein, Karthäusernelke.


Bartmoos (W3) [Adelung]


Das Bartmoos, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e. 1) Eine Art Mooses mit einer eyrunden Kapsel, welche an ihrer Mündung mit steifen Borsten eingefasset ist; Phascum, L. 2) Auch eine Art des Korallen-Mooses.


Bartneige (W3) [Adelung]


+ Die Bartneige, plur. die -n, in den niedrigen Sprecharten, die Neige, d. i. der Überrest, welchen man von einem Trunke in dem Glase oder Kruge zurück lässet.


Bartnuß (W3) [Adelung]


Die Bartnuß, plur. die -nüsse, ein Nahme der langen rothschäligen Haselnüsse, und besonders der Lombards-Nüsse unter ihnen, weil die lange hervor ragende grüne Schale einem Barte nicht unähnlich siehet; die Blutnuß, Zeller-Nuß, Lamperts-Nuß.


Bartplanke (W3) [Adelung]


Die Bartplanke, plur. die -n, im Wasserbaue, dicke Bohlen, die Schleusenkammern und Häupter im Grunde damit einzufassen, damit das Wasser den Boden nicht unterwühlen könne; vermuthlich verderbt für Bortplanke.


Bartputzer (W3) [Adelung]


+ Der Bartputzer, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, so wie Bartscherer, eine verächtliche Benennung eines Barbiers.


Bartsch (W3) [Adelung]


Bartsch, S. Bärenklau 2.


Bärtschwamm (W3) [Adelung]


Der Bärtschwamm, des -es, plur. die -schwämme, eine Art Schwämme, die ihren Samen in bärtigen Büscheln tragen, und welche Linne Hydna nennet; Stachelschwamm, weil der Hut mit Stacheln versehen ist.


Bartseife (W3) [Adelung]


Die Bartseife, plur. car. Seife, welche bey dem Barbieren oder Abnehmen des Bartes gebraucht wird.


Bartwachs (W3) [Adelung]


Das Bartwachs, des -es, plur. car. ein zubereitetes Wachs, die Stutzbärte damit zu wichsen.


Barutsche (W3) [Adelung]


Die "Barutsche", plur. die -n, ein vornehmlich in Österreich übliches Wort, eine "Halb-Chaise" zu bezeichnen. "Baroccia", "Barrotum", "Barrota", "Barrotium" kommen bey dem du Fresne und Carpentier, theils von einem jeden Wagen, theils von einer besondern Art Wagen vor; vermuthlich von dem alten Römischen "Birota" und "Birotum", welche ein zweyräderiges Fuhrwerk war.


Bärwinkel (W3) [Adelung]


Der Bärwinkel, des -s, plur. inusit. ein Nahme, welcher in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden dem Sinngrüne oder Durchwachs gegeben wird, und aus dem Barbarisch-Lateinischen Pervinca verderbt ist, welchen Nahmen man, dem Lobinell zu Folge, dieser Pflanze um deßwillen gegeben, weil sie das Blut stillet, und gleichsam überwindet. Frisch glaubet hingegen, daß der Lateinische Nahme nach dem Deutschen gemacht sey, den diese Pflanze wegen ihrer Wirkungen in Zufällen der Bärmutter bekommen habe. S. Durchwachs und Sinngrün. Im Angels. heißt diese Pflanze gleichfalls Pervinc, im Engl. Perwinkle, im Böhmischen Barwinck, und im Deutschen zuweilen Bärwinde.


Bärwolf (W3) [Adelung]


Der Bärwolf, S. Wärwolf.


Bärwurz (W3) [Adelung]


Die Bärwurz, plur. inusit. ein Nahme, welcher im gemeinen Leben mehreren von einander verschiedenen Pflanzen gegeben wird. 1) Der Bärenklau, Heracleum Sphondylium, L. S. dieses Wort. 2) Dem Bärwinkel, Vinca, L. S. Sinngrünn, Durchwachs. 3) Dem Haarstrang, oder Roßkümmel, Peucedanum, L. der auch Saufenchel, Bärfenchel, Bärdill, genannt wird. 4) Dem Athamantha Meum, L. welches haarförmige Blättchen, und glatten gestreiften Samen hat, und auf den Gebirgen Italiens, der Schweiz und Thüringens wächset. Es scheinet, daß in einigen dieser Nahmen die erste Sylbe nicht so wohl von Bär, ursus, herkomme, sondern von den Wirkungen, welche man diesen Pflanzen in Zufällen der Bärmutter zugeschrieben, herrühre. Das Peucedanum wird in einigen Mundarten auch Burtillen, Bartillen genannt, welches wohl so viel als Bauerdill heißen soll.


Bärzeit (W3) [Adelung]


Die Bärzeit, plur. die -en, bey den Jägern die Brunstzeit der Bären. S. Bären, das Verbum.


Barzen (W3) [Adelung]


* Barzen, verb. reg. recipr. welches im Hochdeutschen größten Theils veraltet, und nur noch im Oberdeutschen üblich ist. Es ist das Frequentativum von berden, geberden, und bedeutet, allerley Geberden machen. Das Pferd barzet sich, brüstet sich. Das Kind barzet sich, wenn man es wickelt, es sperret sich.


Bas (W3) [Adelung]


Bas, S. Baß, für besser.


Basalt (W3) [Adelung]


Der Basalt, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, eine thonartige, schwere, harte, glänzende Bergart, welche sich in vier- bis achteckiger Figur krystallisiret, und Säulen ausmacht, welche anderthalb Fuß dick und zwölf bis vierzehn Fuß hoch sind, uns alsdann Basalt-Säulen heißen. Er gleicht einer Eisenschlacke, ist etwas durchsichtig, und von Farbe schwarz, braun, oder grün; Basaltes, bey dem Plinius. Er soll den Nahmen von dem Äthiopischen Worte Basal, Eisen haben, weil er sehr eisenschüssig ist, und in Äthiopien häufig gefunden wird. Diese Ableitung ist wenigstens wahrscheinlicher als Herrn Henkels seine, der ihn von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - herleitet, weil er gemeiniglich zu Probiersteinen gebraucht wird. Indessen nennet Isidor B. 16. Orig. Kap. ihn wirklich Basanites, erkläret ihn aber, durch genus marmoris ferrei coloris siue duritia, unde et nomen ei datum est. Invenitur in Aegypto et Aethiopia. Heut zu Tage findet man dieses Steinart häufig genug in Frankreich, Schweden, Sachsen, Böhmen u. s. f. wo er auch Säulenstein, Eisenmarmor, und von dem Gebrauche Probierstein und Strichstein genannt wird. In der Gegend der Stadt Unkel im Cölnischen, wo er sehr häufig ist, wird er Unkel-Stein, so wie in Meißen von der Stadt Stolpen, Stolpischer Stein genannt.


Basalt-Fels (W3) [Adelung]


Der Basalt-Fels, des -en, plur. die -en, ein Fels, welcher aus Basalt mit vielen groben Einmischungen bestehet, dergleichen Basalt man Fels-Basalt zu nennen pflegt.


Basalt-Glimmer (W3) [Adelung]


Der Basalt-Glimmer, des -s, plur. inus. eine Glimmerart, welche aus kleinen kaum zu unterscheidenden basaltartigen Säulen bestehet, und eigentlich ein Schörl ist, daher er auch Schörlglimmer genannt wird.


Basalt-Kugel (W3) [Adelung]


Die Basalt-Kugel, plur. die -n, eine Art eyförmiger Steine von Basalt-Masse, von verschiedener Größe, welche im gemeinen Leben wegen einiger Ähnlichkeit Zwiebelsteine genannt werden.


Baschen (W3) [Adelung]


Baschen, S. Paschen.1.


Base (W3) [Adelung]


Die Base, plur. die -n, der Grund, worauf etwas ruhet, die Unterlage, Grundlage; ohne Noth aus dem Latein. Basis.2.


Base (W3) [Adelung]


Die Base, plur. die -n, Diminutivum Bäschen, und im Oberdeutschen Bäselein, Bäsel. 1) Des Vaters oder der Mutter Schwester, 3 Mos. 18, 14, 2) Im gemeinen Leben, in weiterer Bedeutung auch eine jede Verwandte. 3) Unter dem Adel, besonders dem Oberdeutschen, ist es ein Ehren- und Freundschaftswort, welches auch solchen adeligen Personen weiblichen Geschlechtes gegeben wird, mit denen man gar nicht verwandt ist.

Anm. Dieses Wort ist am häufigsten im Oberdeutschen üblich. Die Hochdeutschen und Oberdeutschen sagen dafür lieber Muhme. Indessen sind Wase, und die Diminutiva Waseke, und Wäsche auch in Niedersachsen üblich. In Bremen sagte man für Wase ehedem Vade und bezeichnete dadurch bloß des Vaters Schwester, so wie Mödder von der Mutter Schwester gebraucht wurde. Frisch hat den wunderlichen Einfall, dieses Wort komme von baß. her, und bedeute so viel als Baßverwandte. Wachters Ableitung von wetten, verbinden, ist wenig besser. Das sicherste ist, daß man seine Unwissenheit bekennet, welches Schande ist. Festus versichert, daß Pusa schon bey den alten Lateinern eine Freundinn, Verwandte, bedeutet habe. Im Schwedischen ist Pusa, eine Ehe- gattinn, welches Wort Ihre für ein ausländisches hält, welches mit dem Franz. Epouse, Span. Esposa, Ital. Sposa, Engl. Spouse, von dem Latein. Sponsa herkomme. In Boxhorns Glossen wird Pasa durch amita erkläret. Bäs, bedeutete, dem Schilter zu Folge, einen Freund, und im Angelsächsischen ist Fatha des Vaters Schwester, welches mit dem vorhin gedachten veralteten Bremischen Vade genau überein kommt. Übrigens wird dieses Wort, auch Wase geschrieben und gesprochen.


Basilisk (W3) [Adelung]


Der Basilisk, des -en, plur. die -en. 1) Eine Art gelber sehr giftiger Schlangen, welche am häufigsten in Afrika gefunden wird. Sie hat drey hell glänzende weiße Flecken auf dem Kopfe, welche einiger Maßen das Ansehen einer Krone haben, daher schon die Alten sie für den König der Schlangen gehalten, und ihr den Nahmen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gegeben haben. Allein schon die Alten haben die Naturgeschichte dieses Thieres mit so vielen Fabeln entstellet, daß von demselben fast nichts mehr als ein Hirngespinst übrig geblieben ist. Eine der vornehmsten Erdichtungen war, daß es aus dem Eye eines alten Hahnes geboren würde, daher der Basilisk im Englischen noch jetzt Cockatrice, und im Französ. Coquatris genannt wird, von Cock, ein Hahn, und Otter, Angels. Aetther, eine Schlange. Notker gebraucht statt dessen das Wort Unch. S. Unke. Sonst wird sie auch Cerast und Hornschlange genannt. 2) Ehedem nannte man auch eine Art sehr großer Kanonen, welche bis 300 Pfund schossen, oder die doppelten Feldschlangen, Basilisken. Nach andern schossen sie nur 48 Pfund.


Basilisken-Ey (W3) [Adelung]


Das Basilisken-Ey, des -es, plur. die -er, bey dem großen Haufen, ein kleines Hühnerey, welches die Hühner zuweilen wider ihre Gewohnheit legen. Der Aberglaube bildet sich alsdann ein, daß es von einem alten Hahne gelegt worden, und weil er glaubt, daß aus einem solchen Eye ein Basilisk entstehe, so pfleget er es in ein, in einen Ständer gebohrtes Loch sehr sorgfältig zu verspünden. In Nieders. ein Spooksey.


Baß (W3) [Adelung]


Baß, der veraltete Positivus von besser, der aber doch am häufigsten in der comparativen Bedeutung gefunden, aber nur als ein Adverbium gebraucht wird, und in der Deutschen Bibel das lautet. Desto das gehen, 1. Mos. 12, 13. Bas plagen, Kap. 19, 9. Bas gefallen, 1 Sam. 29, 4. Bas bey Leibe seyn, Dan. 1, 15 u. s. f. S. Besser

Anm. 2.


Baß (W3) [Adelung]


Der Baß, des -sses, plur. die Bässe. 1) Ohne Plural, die niedrigste Stimme in der Musik, die Grundstimme. Den Baß singen, spielen. 2) Ein Instrument, worauf man den Baß spielet; eine Baßgeige. Es rauschte Wettern gleich der fürchterliche Baß, Zachar. In beyden Bedeutungen ist dieses Wort aus dem Ital. Basso entlehnet.


Bassa (W3) [Adelung]


Der Bassa, plur. die Bassen, aus dem Türkischen, den Statthalter einer Türkischen Provinz zu bezeichnen, da es denn bey einigen auch Pascha lautet. Figürlich, ein stolzer, despotischer Beamter.


Bassaner (W3) [Adelung]


Der Bassaner, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Gänse, welche sehr lange Flügel, kurze Füße, und einen geraden und langen Schnabel hat. Sie hat den Rahmen von der Schottischen Insel Bassa, auf welcher sie vornehmlich nistet, wird aber auchauf den übrigen Westerneu angetroffen; Anser Bassanus, Engl. Soland Goose, Schottische Gans.


Bassett (W3) [Adelung]


Bassett, aus dem Franz. Bassette, der Nahme eines Hazard-Spieles mit Karten, welches in Venedig soll seyn erfunden worden. Bassett spielen. Das Bassett-Spiel.


Bassettchen (W3) [Adelung]


Das Bassettchen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Bey den Jägern, kleine Englische Hasenhündchen, die kleinsten unter allen Jagdhunden, welche bloß dazu gebraucht werden, den Hasen aufzustoßen; vom Franz. balset, bassette, niedrig. 2) Eine kleine Baßgeige.


Bassett-Flöte (W3) [Adelung]


Die Bassett-Flöte, plur. die -n, in der Musik, eine Flöte, welche um eine Quinte niedriger ist, als eine Alt-Flöte; und unten ein Schloß hat; auch von dem Franz. basset, niedrig.


Baßflöte (W3) [Adelung]


Die Baßflöte, plur. die -n, eine Flöte, welche noch um eine Quinte niedriger ist als die Bassett-Flöte.


Baßgeige (W3) [Adelung]


Die Baßgeige, plur. die -n, eine große Geige mit fünf starken Seiten, worauf man den Baß geiget; der Baß, Nieders. der Brummbaß.


Baßglas (W3) [Adelung]


Das Baßglas, S. Paßglas.


Bassig (W3) [Adelung]


Bassig, S. Passig.


Bassist (W3) [Adelung]


Der Bassist, des -en, plur. die -en, ein Sänger, der den Baß singet.


Baßlade (W3) [Adelung]


Die Baßlade, plur. die -n, in den Orgeln, eine Windlade für die Baßstimmen.


Basson (W3) [Adelung]


Der Basson, (sprich Bassong,) des -s, plur. die -s, das Französ. Basson, ein musikalisches Instrument zu bezeichnen, auf welchem der Baß zu den Hautbois geblasen wird; ein Fagot, die Baßpfeife.


Baßpommer (W3) [Adelung]


Der Baßpommer, des -s, plur. ut nom. sing. ein ehemahliges musikalisches Instrument, auf welchem der Baß zu den Schalmeyen geblasen wurde. Die letzte Hälfte dieses Wortes ist aus dem Ital. bombare, brummen, daher dieses Instrument auch ein Brummer genannt wurde. S. Bombarde.


Baßstimme (W3) [Adelung]


Die Baßstimme, plur. die -n. 1) Wie Baß in der ersten Bedeutung, die niedrigste Stimme in der Musik. 2) Ein Papier, auf welchem die Noten für den Baß befindlich sind.


Bast (W3) [Adelung]


Der Bast, des -es, plur. car. überhaupt eine jede Haut, oder Bekleidung der vegetabilischen und animalischen Körper; doch nur noch in einigen besondern Fällen.1. Die innere zarte Rinde an der Bäumen, zwischen dem Holze und der äußern groben Rinde. Die Schuhe mit Bast binden. Das Bastschälen, das Abschälen des Bastes von den Bäumen, welches in Niedersachsen den Bast fließen genannt wird. Im gemeinen Leben wird auch die äußere Schale an manchen Pflanzen Bast genannt, z. B. der Bast an den Flachse; ingleichen die äußere Haut an thierischen Körpern. - Das Bißchen Gras verwelkt, Daß man des Abends fast das Bast von Fingern melkt, Rost. Besonders nennen die Jäger die rauche Haut, die der Hirsch von dem neu gewachsenen Gehörne abschlägt, den Bast, oder das Gefege.2. Figürlich, was aus Bast verfertiget wird. Besonders ein halbseidener Zeug aus Seide Kamehlhaaren; der vermuthlich diesen Nahmen daher erhalten hat, weil er eine Nachahmung eines schönen Afrikanischen Zeuges ist, welcher zu Angola wirklich aus Baumbast verfertiget wird. S. auch Baumbast.

Anm. Wachter und Ihre leiten dieses Wort von binden her, weil der Bast von Bäumen sehr frühe zu dieser Verrichtung gebraucht worden. Diese Ableitung ist nicht ohne Beyspiel, weil man von glänzen, nicht nur das Hauptwort Glanz, sondern ehedem auch Glast hatte, und von verlieren, brechen u. s. f. Verlust und Brust herkommen. Im Wendischen bedeutet wiasu gleichfalls binden. Übrigens lautet dieses Wort so wohl im Niedersächsischen, als Englischen, Holländischen, Dänischen, Schwedischen und Isländischen gleichfalls Bast. In einigen Deutschen Mundarten ist es ungewissen Geschlechtes, das Bast.


Bastant (W3) [Adelung]


+ Bastant, adv. einer Sache gewachsen; aus dem Franz. bastant. Er ist dazu nicht bastant, nicht tüchtig.


Bastard (W3) [Adelung]


Der Bastard, des -es, plur. die -e, 1. Eigentlich. 1) Ein in rechter Ehe, aber mit einer Mutter von ungleichem oder niedrigerm Stande erzeugtes Kind. Diese Bedeutung ist im Deutschen nicht mehr üblich, war aber ehedem, besonders in auswärtigen Ländern sehr gewöhnlich. 2) Ein außer der Ehe erzeugtes Kind, dessen Vater aber bekannt ist, ein natürliches Kind. In dieser Bedeutung ist das Wort bey sich, und wird von solchen natürlichen Kindern beyderley Geschlechtes gebraucht.2. Figürlich, alles was von seiner gewöhnlichen Art abweicht, besonders wenn es schlechter ausfällt, als gewöhnlich. 1) Thiere, welche von Ältern zweyerley Art erzeuget worden. Z. B. ein Hund, der von einem Jagdhunde mit einer Hirtenhündinn erzeuget worden, dergleichen Thiere man im gemeinen Leben auch Zwitter zu nennen pflegt. 2) Im Pflanzenreiche, Pflanzen oder Gewächse, die von ihrer Art abweichen. So nennet man einen gewissen Spanischen Wein, Bastard, oder Bastardwein, weil er um Guadalcazar aus Rheinischen Reden erhalten wird, die ein gewisser Holländer, Namens Peter Simon, dahin gebracht, daher er auch Peter Simons Wein heißt. Er ist nicht so hoch von Farbe, auch nicht so fett als die andern Spanischen Weine, und hat eine scharfe Süßigkeit. In Niedersachsen nennet man einen jeden jungen Franzwein, der mit Schwefel süß gemacht wird, weißen Barstad. 3) Das Geringere, Schlechtere, Untaugliche in seiner Art. So nennen die Gärtner oft alle Auswüchse und untaugliche Sprößlinge, Bastarde. Im Bernsteinhandel belegt man mit diesem Nahmen alle untaugliche, löcherige Stücke Bernstein von einer gewissen Größe; und unter den Geschützen heißen alle Arten von unrichtiger Proportion Bastard. 4) In noch weiterer Bedeutung wird so wohl in dem Naturreiche, als im gemeinen Leben, alles was einem andern Dinge ähnlich ist, und wofür man keinen eigenen Nahmen hat, mit einem zusammen gesetzten Ausdrucke benannt, wovon Bastard die erste Hälfte ausmacht. S. die folgenden Zusammensetzungen.

Anm. Bastard, Franz. Bastard, Batard, ehedem Bestard, Bertard, Ital. Bastardo, im mittlern Lateine Bastardus, ist kein urspünglich Deutsches Wort, sondern von den Franzosen oder Italiänern zu uns gekommen, bey welchen es in den mittlern Zeiten sehr üblich war, und den schimpflichen Nebenbegriff nicht bey sich hatte, den die ältern Deutschen damit verbunden haben. Wilhelm der Eroberer, schämete sich als König von England nicht, sich zu schreiben: Ego Wilhelmus cognomento Bastardus, S. die Glossaria des du Fresne und Carpentier. Man hat allerley wunderliche Ableitungen dieses Wortes versucht, die man in den Glossariis nachsehen kann. Selbst Wachters seine von dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , das Ehebett, und Art, ist außerordentlich gezwungen. Die erste Hälfte dieses Wortes ist unstreitig das Französische bas, niedrig, welches ehedem auch bast lautete. Dieses wird daraus erweislich, weil man einen unehelichen Sohn, Bruder u. s. f. im Französ. ehedem Fils oder Frere de bast oder de bas nannte, und die R. A. venir de bas, noch jetzt bedeutet von unehelicher Abstammung seyn. In einer Französischen Urkunde von 1377 bey dem Carpentier heißt es ausdrücklich: Pourquoyille avoit appelle Jehan de Bas, quit estoit adire Bastart et filz de putain. In einer andern von 1378 Perrette fille de Bast. Die letzte Hälfte des Wortes Bastars; ist ohne Zweifel die Ableitungssylbe er, welche in einigen ausländischen Mundarten, ard, ardo, art, lautet, wie in Canard. S. auch Bankart. Von der figürlichen Bedeutung dieses Wortes kommt in Französischen Urkunden schon 1265 Charrette bastarde, 1416 Coustel Bastard, 1386 Coustel Bastardeau, und 1460 Vin batard vor, welches letztere Carpentier durch gemischten Wein erkläret. In einer Deutschen Übersetzung der Bibel aus dem 14ten Jahrhunderte stehet. 1. Sam. 17, 5 für Riese, ein Bastart, wofür eine andere Übersetzung von 1477 ein man ein baster hat. S. kritische Beytr. Th. 7. S. 13.


Bastardadler (W3) [Adelung]


Der Bastardadler, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Geyer, welche einige zu den Adlern rechnen; Aquila vulturina, Geyeradler, Engl. Buld. Eagle.


Bastardart (W3) [Adelung]


Die Bastardart, plur. die -en, eine Art, welche entstehet, wenn sich zwey organische Körper von verschiedener Art begatten; die Mittelart.


Bastardbrut (W3) [Adelung]


Die Bastardbrut, plur. inusit. in der Bienenzucht, die Brut der Drohnenweiser, welche in dem Bienenstocke untauglich ist.


Bastardfenster (W3) [Adelung]


Das Bastardfenster, des -s, plur. ut nom. sing. in der Baukunst, ein Fenster dessen Höhe der Breite gleich ist, oder nur 2/3 derselben ausmacht; Halbfenster, und mit einem Italiänischen Ausdrucke Mezzanine.


Bastard-Galeere (W3) [Adelung]


Die Bastard-Galeere, plur. die -n, eine Galeere, welche größer ist, als die gewöhnlichen, und ein breites Hintertheil hat.


Bastardklee (W3) [Adelung]


Der Bastardklee, des -s, plur. inusit. eine Art Klee mit doldenförmigen Blumenköpfchen, viersamigen Hülsen, und einem aufsteigenden Stamme; Trifolium hybridum, L.


Bastardlorber (W3) [Adelung]


Der Bastardlorber, des -s, plur. die -n, eine Art des Mehl- oder Schlingbaumes, welche in den mittägigen Ländern Europens wächset, und eyförmige Blätter mit glatten Rändern hat, deren ästige Adern auf der untern Fläche mit rauchen Drüsen versehen sind; Viburnum Tinus, L.


Bastardmakrele (W3) [Adelung]


Die Bastardmakrele, plur. die -n, eine Art Makrelen, welche im mittelländischen Meere gefangen wird; Trachurus, L.


Bastardmohn (W3) [Adelung]


Der Bastardmohn, des -es, plur. inusit. eine Art Mohn im mittägigen Europa, welche fast kugelrunde knotige Capseln, die mit steifen Borsten besetzt sind, und einen blätterigen vielblümigen Stamm hat; Papaver hybridum, L.


Bastardwein (W3) [Adelung]


Der Bastardwein, des -es, plur. inusit. S. Bastard 2.


Bastdecke (W3) [Adelung]


Die Bastdecke, plur. die -n, eine aus Bast geflochtene Decke.


Bastdohne (W3) [Adelung]


Die Bastdohne, plur. die -n, bey den Vogelstellern, Dohnen, welche aus Bast verfertiget werden.


Basten (W3) [Adelung]


Basten, adj. et adv. aus Bast oder von Bast. Eine bastene Decke. Bastene Schuhe.


Bastey (W3) [Adelung]


Die Bastey, plur. die -en, in dem Festungsbaue, ein spitzig auslaufendes Werk an dem Hauptwalle; ein Bastion, Bollwerk.

Anm. Aus dem Italiänischen Bastia, und dem spätern Lateine Bastia, welches einen hölzernen Thurm, ja oft ein jedes Gebäude bedeutete, von bastire, Franz. batir, bauen. S. du Fresne Glossar. v. Bastia. Die Heutigen Basteyen sind anstatt der alten Thürme eingeführet worden. S. auch Bastion.


Basthut (W3) [Adelung]


Der Basthut, des -es, plur. die -hüte, ein aus Bast geflochtener Hut, dergleichen die Jäger, Gärtner u. s. f. zu tragen pflegen.


Bast-Ilme (W3) [Adelung]


Die Bast-Ilme, oder Bast-Ulme, plur. die -n, eine Art Ulmen, die aber, so wie mehrere Abänderungen dieses Baumes, noch nicht genug bestimmt ist.


Bastion (W3) [Adelung]


Das Bastion, des -es, plur. die -e, wie Bastey, aus dem Franz. Bastion, und Ital. Bastione.


Bästling (W3) [Adelung]


Der Bästling, des -es, plur. car. ein Nahme, welchen man im Oberdeutschen und besonders in Österreich dem Weiblein des Hanfes gibt, welches man an andern Orten Fimmel nennet.


Bastpfeife (W3) [Adelung]


Die Bastpfeife, plur. die -n, eine Pfeife der Vogelsteller aus Birkenbast, womit sie die Töne der Vögel nachahmen.


Bastseil (W3) [Adelung]


Das Bastseil, des -es, plur. die -e, ein aus Bast, besonders Lindenbast geflochtenes Seil. So auch Bastschuhe und Baststricke.


Bast-Ulme (W3) [Adelung]


Die Bast-Ulme, S. Bast-Ilme.


Bastwurm (W3) [Adelung]


Der Bastwurm, des -es, plur. die -würmer, eine Art schädlicher Würmer, welche den Bast der Apfelbäume durchbohren.


Batate (W3) [Adelung]


Die Batate, oder Patate, plur. die -n, eine Ost- und Westindianische Pflanze, deren knollige eßbare Wurzel den Erdäpfeln gleich, nur daß sie einen bessern Geschmack hat; Convolvulus Batatas, L. Der Nahme ist ausländisch, so wie es die Pflanze selbst ist. S. auch Patate.


Bathengel (W3) [Adelung]


Der Bathengel, des -s, plur. inusit. eine Pflanze, welche zu dem Geschlechte des Gamanders gehöret; Teucrium Chamaedrys, L. Frauenbiß. Der Lachenknoblauch, Teucrium Scordium, wird von einigen auch Wasserbathengel genannt.

Anm. Es scheinet, daß man diese Pflanze ehedem mit der Betonie, Betonica, L. verwechselt habe, woraus denn der Nahme Bathengel leicht hat können gemacht werden. Gewiß ist, daß die Betonie ehedem auch unter dem Nahmen Batenige und Patenige vorkommt, welchen Ausdruck man in einigen Mundarten auch für Bathengel gebraucht.


Batist (W3) [Adelung]


Der Batist, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, eine sehr feine weiße Leinwand, welche sich nur durch die größere Dichtigkeit von dem Kammertuche unterscheidet. Diese Leinwand, welche jetzt in Frankreich und den Niederlanden häufig verfertiget wird, stammt ursprünglich aus Ostindien her, wo sie Bastas genannt wird; woraus vermuthlich Batist gemacht worden. Daher Batisten, aus Batist verfertiget.


Battaille (W3) [Adelung]


Die Battaille, (sprich Battalje,) plur. die -n, ein Treffen zwischen zwey Kriegesheeren, eine Schlacht; aus dem Franz. Battaille, welches von dem alten batten, Franz. battre, Schwed. badda, Lat. battuo, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, schlagen, streiten, abstammet. Daher ein Battaillen-Pferd, ein starkes und geschicktes Pferd, welches die Officier in den Battaillen zu reiten pflegen, ein Schlachtpferd, ein Battaillen-Stück, ein Gemählde, welches eine Battaille vorstellet, u. s. f.


Battallion (W3) [Adelung]


Das Battallion, (sprich Battaljon,) des -es, plur. die -s, die Hälfte, oder der dritte Theil eines Regimentes zu Fuße; aus dem Franz. Battaillon, und dieß gleichfalls von battre, schlagen.


Batten (W3) [Adelung]


* Batten, verb. reg. neutr. mit haben, welches im Hochdeutschen völlig veraltet, aber noch im Niederdeutschen üblich ist, für helfen, nutzen. Das battet nicht, hilft mir nicht. Es kommt noch in einigen alten Kirchenliedern vor, und gehöret zu dem Geschlechte des Wortes besser. S. daselbst.


Batterie (W3) [Adelung]


Die Batterie, (dreysylbig,) plur. die -n, (viersylbig). 1) Ein erhabener Ort, auf welchen man das schwere Geschütz stellet, einen Ort zu beschießen; ein Stückbett, eine Stückbettung, ein Stückwall. Auch das darauf befindliche Geschütz selbst. Diese Batterie hat ihre Wirkung gethan. Daher ein Batterie-Stück, eine schwere Kanone, welche nur auf den Batterien gebraucht wird, im Gegensatze Feldstücke. 2) Der Deckel auf der Pfanne an einem Französischen Büchsenschlosse.

Anm. Auch dieses Wort ist aus dem Franz. Batterie entlehnet, und zwar in der ersten Bedeutung, so fern battre auch schießen, beschießen bedeutet, in der zweyten aber, weil der Feuerstein an den Pfanndeckel schläget.


Bätz (W3) [Adelung]


Der Bätz, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welcher in der Oberdeutschen Mundart einen Bären bedeutet. Hier sträubet sich der Petz, Haged. Es scheinet, daß es mit diesem Worte eben die Bewandtniß habe, wie mit Bär, Bache, und andern Thiernahmen. Wenigstens bedeutet Bätz in der Alemannischen Mundart auch ein Schaf. Das Isländische Besse bezeichnet einen Bären, das Schwedische Bassa bedeutet ein wildes Schwein, und Suidas versichert, das Bassarus bey den Thraciern einen Wolf bedeutet habe. S. auch Betze.


Bätze (W3) [Adelung]


Die Bätze, S. Betze.


Batzen (W3) [Adelung]


Der Batzen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Angehänge von Gold, Silber oder Edelgesteine, welches das Frauenzimmer an dem Halse träget; in welcher Bedeutung aber dieses Wort nur in einigen Gegenden üblich ist. 2) In den hohen Öfen ein Stück Lehm, womit das im Tümpel befindliche Loch verkleidet wird; und im manchen Gegenden, ein jeder Klumpen Lehm. 3) Bey den Zinngießern große Stück Zinn, welche abgedrechselt, und wornach die messingenen Formen gemacht werden. 4) Eine Oberdeutsche Münzsorte, welche meisten Theils vier Kreuzer oder sechzehn Pfennige gilt. Figürlich, im gemeinen Leben auch so viel, als Geld. Er hat Batzen. Das wird Batzen kosten.

Anm. Batz, Batze, oder Batzen, denn alle drey Formen sind in den Mundarten üblich, bedeutete ehedem ein jedes Stück einer dicken und weichen Materie; daher man auch sich batzen, für sich ballen, gebrauchte. In dieser Bedeutung kommt es mir dem Ital. Pezzo, ein Stück, überein. So fern Batzen der Nahme einer Münzsorte ist, leitet Schilter denselben von Bätz, ein Bär her, weil die Berner diese Münze zuerst haben schlagen, und einen Bären darauf prägen lassen. Nach Wachtern stammet er von batten, schlagen, ab. Allein man hat keine Ursache, von der allgemeinen Bedeutung eines Stückes abzugehen, weil das Ital. Pezzo und Franz. Piece häufig von Münzen gebraucht worden, und die Oberdeutsche Mundart mehrere Wörter aus dem Italiänischen angenommen hat. Über dieß ist Bezzo in der Lombardey der Nahme einer geringen Münze, welche ungefähr einen Kreuzer gilt.


Bau (W3) [Adelung]


Der Bau, des -es, plur. die Baue, von dem Verbo bauen; ein Wort, welches so wohl ohne als mit dem Plural üblich ist.1. Ohne Plural. 1) Die Handlung des Bauens in beyden Hauptbedeutungen des Verbi. Der Bau eines Hauses, oder der Hausbau. Einem einen Bau verdingen. Der Bau des Feldes, des Ackers, eines Bergwerkes, eines Gartens, des Weines u. s. f. oder der Feld-Acker-Berg-Garten-Weinbau u. s. f. welche Ausdrücke denn nicht allein alle dazu gehörigen Verrichtungen mit in sich schließen, sondern oft auch die zum Baue bequemen Plätze, und ihren Ertrag ausdrucken; z. B. dieses Gut hat vielen Ackerbau. In den Ausdrücken Seidenbau und Honigbau, wird Bau in einer sehr weiten Bedeutung gebraucht, indem weder Seide noch Honig in eigentlichem Verstande gebauet oder erbauet werden. 2) Die Strafe des Festungsbaues, und das Gefängniß, in welchem die dazu verurtheilten Übelthäter verwahret werden. Jemanden auf den Bau bringen. Er ist auf den Bau genommen. 3) Die Art und Weise, wie eine Sache gebauet oder eingerichtet ist, am häufigsten in figürlicher Bedeutung. Wir könnten ohne Krankheiten aus der Welt gehen, wenn wir genugsame Einsichten in den Bau unsers Körpers hätten, um das zu vermeiden, was ihm schädlich ist. Der ganze Bau der Welt zeigt seiner Hände Spur. Hall. 2. Mit dem Plural, was gebauet worden, oder gebauet wird, in der ersten Bedeutung des Zeitwortes. 1) Die Handlung des Bau ens als ein Concretum betrachtet. Alle Baue einstellen. 3) Ein Gebäude. Einen Bau aufführen, vollführen. Wer seinem Reiche traut herrscht inner großen Bäuen, Opitz. Laßt ihr nur darum ew'ge Bäue gleißen, Um schnell dieselben wieder einzureißen? Kleist. Ingleichen figürlich: Auf ein Mahl fiel der Bau von meinen künft'gen Glücke, Cron. In dem Bergbaue ein Gruben- oder Hüttengebäude. Sich neue Baue ausrichten, einen neuen Gang u. s. f. ausfindig machen. 3) Bey den Jägern die Löcher der Dachse, Füchse, Kaninchen und Fischottern. Zu Baue gehen, oder kriechen.

Anm. Bau lautet im Niedersächsischen Buw, bey dem Ottfried Bu, im Angels. Bye, im Isländ. Bo. Obgleich der Plural in der Bedeutung eines Gebäudes der Analogie völlig gemäß ist, und schon im Theuerdank vorkommt: so macht er doch einigen im Hochdeutschen Schwierigkeit. Indessen ist Baue der Analogie gemäßer und üblicher als Bäue. Die Niedersächsischen Hochdeutschen gebrauchen dafür Bauten, welches das Niedersächsische Buwte, ein Gebäude, ist. In eben dieser Mundart bedeutet Bau auch so viel Land, als zu einem völligen Meierhofe gehöret, und bey dem Kaisersberg kommt Bau für Dünger vor. S. Bauen 3.


Bauamt (W3) [Adelung]


Das Bauamt, des -es, plur. die -ämter, ein Amt, welches die Errichtung und Erhaltung öffentlicher Gebäude zu besorgen hat; an andern Orten Baugericht, Bau-Commission.


Bauanschlag (W3) [Adelung]


Der Bauanschlag, des -es, plur. die -schläge, das Verzeichniß aller zu Aufführung eines Gebäude nöthigen Kosten.


Bauart (W3) [Adelung]


Die Bauart, plur. die -en, der Inbegriff aller Regeln und Gewohnheiten, welche man in Aufführung der Gebäude beobachtet. Die Griechische, Römische, Gothische Bauart u. s. f. Figürlich, die Art und Weise, wie ein Ding eingerichtet ist. Die Bauart einer Sprache.


Baubegnadigung (W3) [Adelung]


Die Baubegnadigung, plur. die -en, die Unterstützung, welche ein Landesherr denenjenigen zugestehet, welche neue Gebäude aufführen; z. B. der Erlaß an Steuern, Zuschuß an barem Gelde u. s. f.


Bauch (W3) [Adelung]


Der Bauch, des -es, plur. die Bäuche, Diminutivum vulg. das Bäuchelchen, im Oberdeutschen das Bäuchlein. 1) Eine jede auswärts gebogene rundliche Fläche. Daher der Bauch an einem Schiffe, an einem Fasse, an einem Lastwagen, an einer Flasche, an einer Laute u. s. f. Der Gang wirft einen Bauch, bey den Bergleuten, wenn er sich in der Breite ausdehnet und mächtiger wird. Eine Mauer macht einen Bauch, wenn sie sich in der Mitte heraus begibt.2) Besonders an den thierischen Körpern, der vordere, gemeiniglich auswärts gebogene Theil von dem Zwergfelle an bis zu dem Schambeine, welcher den Magen, das Gedärm, die Leber, Milz u. s. f. enthält; in der anständigern und edlern Sprechart der Unterleib. In engerer Bedeutung, ein starker auswärts gebogener Unterleib. Einen Bauch haben, bekommen. Dem Bauche dienen, figürlich die Pflege des Leibes seine größte Sorge seyn lassen. In der biblischen Sprechart und in verächtlicher Bedeutung auch zuweilen für den ganzen Menschen. Die Cretenser sind faule Bäuche, Tit. 1, 12.

Anm. Bauch ist mit Bug einerley, nur daß jenes der Oberdeutschen und dieses der Niedersächsischen Mundart gemäßer ist. Beyde scheinen von dem Zeitworte biegen herzukommen. Im Niedersächs. lautet dieses Wort Buuk, im Holländ. Buck, im Schwedischen Buk, im Dänischen Bug, im Angels. Buce, im Altfränk. Buh, und Buch. Der unangenehme Doppellaut anist erst durch die neuern Alemannen hinein gekommen. S. auch Wampe und Wanst.


Bauchband (W3) [Adelung]


Das Bauchband, des -es, plur. die -bänder, der Reif um den Bauche einer Tonne, oder um ihren weitesten Theil.


Bauchbläsig (W3) [Adelung]


Bauchbläsig, S. Herzschlächtig.


Bauchbohrer (W3) [Adelung]


Der Bauchbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Drechslern ein Bohrer, die innere Weite eines Stückes auszubohren.


Bauchdiener (W3) [Adelung]


Der Bauchdiener, des -s, plur. ut nom. sind. der dem Bauche dienet, oder aus der Sorge für den Leib seine vornehmste Beschäftigung macht; im verächtlichen Verstande.


Bäuche (W3) [Adelung]


Die Bäuche, das Einweichen der Wäsche in Lauge. Bäuchen, einlaugen. S. Beuche und Beuchen.


Baucheisen (W3) [Adelung]


Das Baucheisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Dreheisen der Drechsler, bauchige Sachen damit inwendig auszudrehen.


Bauchfinne (W3) [Adelung]


Die Bauchfinne, plur. die -n, an den Fischen, die Finnen oder Floßfedern unter dem Bauche.


Bauchfluß (W3) [Adelung]


Der Bauchfluß, des -sses, plur. die -flüsse, eine Krankheit, da die Speise unverdauet fortgehet; ein hoher Grad des Durchfalles, oder Durchlaufes. S. Ruhr.


Bauchgrimmen (W3) [Adelung]


Das Bauchgrimmen, des -s, plur. inusit. im gemeinen Leben, Schmerzen in den Gedärmen; das Bauchweh, die Bauchschmerzen, die Kolik.


Bauchgurt (W3) [Adelung]


Der Bauchgurt, des -es, plur. die -e, ein breiter Gurt um den Bauch, besonders den Sattel um des Pferdes Leib damit zu befestigen; Sattelgurt. S. Bauchriemen.


Bauchhaken (W3) [Adelung]


Der Bauchhaken, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Drechslern, ein Dreheisen in Gestalt eines Hakens, ein Stück inwendig auszudrehen.


Bauchig (W3) [Adelung]


Bauchig, oder Bäuchig, -er, -ste, adj. et adv. mit einem Bauche versehen. Bauchige Gefäße. Bauchig geschliffene Steine. Ingleichen in den Zusammensetzungen dickbäuchig, großbäuchig u. s. f.


Bauchkette (W3) [Adelung]


Die Bauchkette, plur. die -n, eine Kette an den Rüstwägen, vermittelst deren man in dem Bauche, d. i. den offenen Seiten derselben etwas laden kann. Sind es Stricke, so heißen sie Bauchstricke, Bauchseile.


Bauchnath (W3) [Adelung]


Die Bauchnath, plur. die -näthe, bey den Mundärzten, eine besondere Nath, nach welcher die Bauchwunden zugenähet werden.


Bauchpfaff (W3) [Adelung]


+ Der Bauchpfaff, des -en, plur. die -en, ein niedriges Schmähwort auf einen Geistlichen, der mehr für die Pflege seines Leibes, als für das Wohl der ihm anvertrauten Gemeine sorget.


Bauchredner (W3) [Adelung]


Der Bauchredner, des -s, plur. ut nom. sing. der die Geschicklichkeit besitzet, im Reden die Stimme in den Schlund hinunter zu drucken, da es denn scheinet, als wenn sie aus dem Bauche komme. Welche Art zu reden die Bauchsprache genannt wird. Die ganze Kunst wird am häufigsten zur Betriegerey angewandt.


Bauchriemen (W3) [Adelung]


Der Bauchriemen, des -s, plur. ut nom. sing. ein breiter Riemen, welchen man um den Unterleib schnallet, die Erschütterung des Eingeweides im Reiten zu verhindern. S. auch Bauchgurt.


Bauchschmerzen (W3) [Adelung]


Die Bauchschmerzen, singul. inusit. S. Bauchgrimmen.


Bauchsorge (W3) [Adelung]


Die Bauchsorge, plur. die -n, in verächtlicher Bedeutung, die übertriebene Sorge für die Pflege des Leibes.


Bauchstück (W3) [Adelung]


Das Bauchstück, des -es, plur. die -e, 1) Im Schiffsbaue, diejenigen Stücke oder Theile eines Schiffes, welche dessen Bauch bilden, und zuerst auf dem Kiel befestiget werden. 2) Bey den Fleischern, ein Stück von dem Bauche eines geschlachteten Thieres.


Bäuchung (W3) [Adelung]


Die Bäuchung, plur. die -en, in der Baukunst, eine fehlerhafte Verdickung des Säulenstammes in der Gegend des ersten Drittheils der Höhe.


Bauchwassersucht (W3) [Adelung]


Die Bauchwassersucht, plur. car. eine Wassersucht, wo sich das Wasser in der Höhlung des Unterleibes sammelt.


Bauchweh (W3) [Adelung]


Das Bauchweh, des -es, plur. inusit. S. Bauchgrimmen.


Bauchzirkel (W3) [Adelung]


Der Bauchzirkel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Zinngießern, die Hälfte eines Dickzirkels, bauchige Sachen damit zu messen.


Baudienst (W3) [Adelung]


Der Baudienst, des -es, plur. die -e, Frohndienste, welche Unterthanen leisten müssen, wenn der Guts- oder Grundherr einen Bau aufzuführen hat; Baufrohnen.


Baueisen (W3) [Adelung]


Das Baueisen, des -s, plur. ut nom. sing. Eisen, welche den Baugefangenen an manchen Orten, z. B. zu Dresden, an die Füße geschmiedet werden.


Bauen (W3) [Adelung]


1. Bauen, verb. reg. act. welches noch in einer gedoppelten Bedeutung gebraucht wird. 1. Wohnen, sich an einem Orte aufhalten; so wohl von dem beständigen Aufenthalte an einem Orte, in welchem Verstande man nur noch im Hochdeutschen sagt, das Elend bauen, sich im Elende, oder außerhalb seinem Vaterlande aufhalten. Daß ich vor langer Zeit Von meinem Vater daheym muß reyt Frömde Land und Leut zu pawen, Theuerd. Kap. 116. Als auch von einem kurzen Aufenthalte, wie besuchen; in welchem Verstande man im gemeinen Leben noch häufig sagt: einen Jahrmarkt, eine Messe bauen, als Verkäufer besuchen. Viel lieben von dem Strand auf einen hinzuschauen, Der in Gewitters Noth die strenge See muß bauen, Opitz. S. auch Baulich.2. Tragbar, nutzbar machen. 1) Eigentlich von dem Acker. Den Acker, das Feld bauen, den Acker zubereiten, daß er Früchte bringen kann. Ein gebauetes Land. Hier liegen viele Plätze angebauet. Einen Garten, einen Weinberg bauen. 2) In weiterer Bedeutung, auch von der Gewinnung der Erze mit allen dazu gehörigen Nebenarbeiten. Ein Bergwerk bauen, es bearbeiten. Eine Grube bauet sich frey, wenn sie so viele Ausleute gibt, als die Kosten erfordern. 3) Durch Bauen, d. i. Bearbeiten, Bestellen erzeugen, vornehmlich von Feldfrüchten. Wir haben dieses Jahr wenig Getreide gebauet. In diesem Lande bauet man vielen Weizen. Vielen Flachs, Hopfen, Wein bauen. Ein wenig uneigentlich ist es daher, wenn man auch Honig, Seide, Wolle u. s. f. bauet, wofür erzeugen oder ein anderer ähnlicher Ausdruck schicklicher ist. So auch der Bau, denn die Bauung ist nicht gewöhnlich.

Anm. Die Bedeutung des Wohnens ist schon sehr alt, indem bua, boo, bey dem Ulphilas, puan bey dem Kero, buen, buiuuen bey dem Ottfried, und byan im Angelsächsischen eben das bedeuten. In den spätern Zeiten ist wohnen daraus entstanden, welches im Dänischen noch jetzt bon lautet. Um die zweyte Hauptbedeutung aus der ersten des Wohnens herzuleiten, muß man sich an die unstäte und herum schweifende Lebensart der ältesten Völker erinnern, welche noch jetzt bey vielen Tartarischen Horden Statt findet. So bald die Noth ein solches Volk zwinget, auf die Bestellung des Feldes zu denken, so bald muß es sich auch eine beständigere Art daselbst aufhalten, und daher ist es vermuthlich gekommen, daß bey anfänglichen Armuth der Sprachen bauen so wohl für wohnen, als bestellen, bearbeiten gebraucht wurde.


Bauen (W3) [Adelung]


2. Bauen, verb. reg. in welchem der Begriff der Höhe der herrschende ist, und welches in gedoppelter Gattung vorkommt.I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, sich in der Höhe erstrecken hoch seyn, mit der vierten Endung des Maßes; in welcher Bedeutung es doch nur als ein Kunstwort der Werk-leute, Förster u. s. f. üblich ist. der Baum bauet 50 Fuß, wenn er 50 Fuß hoch ist. In engere Bedeutung gebraucht man es nur von derjenigen Höhe, in welcher ein Baum zu Bauholz tauget, mit Ausschließung der Spitze. Ferner für hervor ragen, hervor stehen. Die Sakristeyen bauen auf jeder Seite sechs Ellen heraus, wenn sie um so viel hervor ragen. Figürlich gemäß seyn überein stimmen, doch wohl nur allein von Bauwerken. Damit die Lage der Kirche mit der Gasse besser baue, besser überein stimme. Das bauet nicht, sagt man im gemeinen Leben von Tischler- und andern ähnlichen Arbeiten, wenn sie kein gutes Verhältniß gegen einander haben.II. Als ein Activum, zusammen setzen, aufführen, und zwar, 1) eigentlich von Gebäuden, ein Gebäude aufführen. Ein Haus, einen Stall, ein Schloß, ein Schiff bauen. Eine Stadt, einen Thurm, eine Festung bauen. Schlösser in die Luft bauen, figürlich, chimärische Entwürfe machen. Der Mann, auf den ich Schlösser gebauet hätte, hintergeht mich, figürlich, dem ich alles anvertrauet hätte, auf den ich mich völlig verlassen hätte. Ingleichen absolute, mit Auslassung des Accusativs. Sich arm bauen. Wer am Wege bauet, hat viel Meister. In welcher Wortfügung bauen auch zuweilen so viel als an Gebäude ändern, bessern, bedeutet. Er hat immer was zu bauen.2) In weiterer Bedeutung, wird dieses Wort zuweilen auch von der Zusammensetzung kleiner vergänglicher Arbeiten gebraucht, die man sonst eben nicht Gebäude zu nennen pflegt. Eine Kanzel, einen Altar bauen. Ein großes Faß zusammen setzen, heißt bey den Böttchern, ein Faß bauen, dagegen sie von kleinern nur das Zeitwort aufschlagen gebrauchen. Von den Vögeln sagt man gleichfalls, daß sie ihre Nester bauen, und da gebraucht man es auch wohl zuweilen absolute; z. B. dieser Vogel bauet auf den höchsten Bäumen. So auch von den Ameisen, und andern Thieren, welche sich künstliche Wohnungen verfertigen. Die kleinen schwarzen Ameisen bauen im Getreide und auf Wiesen. Die Biene bauet, wenn sie ihr Gewirk macht.3) Figürlich. (a) Von der äußern Gestalt, und besonders dem Verhältnisse der Theile gegen das Ganze, von Menschen und einigen Thieren; in welcher Bedeutung aber nur das Mittelwort gebauet Statt findet. Eine wohl gebauete Brust. Das Pferd ist sehr schön gebauet. Ein Edelmann, sehr wohl gebaut, Weiße. (b) Auf etwas bauen, sich darauf verlassen. Auf den Sand bauen, ein ungegründetes Vertrauen auf etwas setzen. O wenn er es erfähret, daß ich von alle dem nichts mehr habe, worauf er seine letzte Hoffnung bauet! Weiße. Das ist schön, daß er nicht schwört, desto mehr kannst du auf sein Wort bauen, Gell. Hierauf ist nicht zu bauen, man kann sich nicht darauf verlassen. (c) * Erhalten und vermehren, doch nur in der biblischen Sprechart. Gott baue das Haus Israel. (b) * Für erbauen, figürlich. Darum ermahnet euch unter einander, und bauet einer den andern, wie ihr denn thut, 1 Thessal. 5, 11. So auch Apostelg. 9, 31. Welche Bedeutung im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnlich ist.

Anm. 1. Wenn bauen mit dem Vorworte auf verbunden wird, so erfordert dieses ordentlich die vierte Endung des Hauptwortes, weil dabey zunächst auf den Ort gesehen wird, auf welchen die Bewegung gerichtet ist. Ein Haus auf einen Felsen, auf den Sand bauen. In einigen Fällen aber findet auch die dritte Endung Statt, besonders wenn nicht bloß der Platz, welchen das Gebäude einnimmt, sondern die Gegend überhaupt angedeutet wird. Du hießest mich, ein Haus bauen auf deinem heiligen Berge, Weish. 9, 8. In der figürlichen Bedeutung hingegen wird alle Mahl die vierte Endung erfordert. Anm. 2. Auch dieses Wort ist bereits sehr alt. Schon das vorhin angeführte Gothische bua und boo, besonders aber das Frequentativum bygga, bedeutete aedificare. Bajith, zusammen gezogen Beth, Baitha, Betha, Baito, Baiton, Bet, bedeuten fast in allen ältern morgenländischen Sprachen, einen Ort, wo man wohnet, ein Haus, Gebäude. Bathanum ist bey den heutigen Malabaren eine Stadt, und Wuda, ein Haus. Boy, Poy, bedeutet bey den Mungalen eine Wohnung, und Abat, bey den Persern ein Haus. Selbst bey einigen Amerikanischen Völkern, sind Boa, Wetu, und Pat, für eine Wohnung üblich. Man findet dieses Wort auch in den Slavonischen Mundarten; denn Bauda, Buda, Bude und Podworie, bedeuten im Pohlnischen, Wendischen, Böhmischen und Russischen ein Haus. S. auch Bude. Es ist wenigstens sehr wahrscheinlich, daß in diesem Worte der Begriff der Höhe der herrschende ist, S. Baum. Übrigens ist noch dieß anzumerken, daß bauen in der Alemannischen Mundart irregulär abgewandelt wird, wenigstens hat es im Particip. Pass. daselbst noch jetzt gebauen, für gebauet.


Bauer (W3) [Adelung]


Der Bauer, ein von den beyden vorigen Verbis gemachtes Hauptwort, welches überhaupt einen Menschen bedeutet, der da bauet, aber nach den verschiedenen besondern Bedeutungen dieses Zeitwortes, auch auf verschiedene Art bestimmt und decliniret wird.1. Von bauen, wohnen, bedeutete dieses Wort ehedem so viel als einen Einwohner, und wurde auch von den Bürgern, d. i. Einwohnern der Städte, gebraucht. Diese Bedeutung, von welcher man die Glossaria nachsehen kann, ist im Hochdeutschen veraltet; indessen kommt sie noch in einigen Niedersächsischen Zusammensetzungen vor. S. Bauermeister. Das Schwed. Byr bedeutet noch jetzt einen jeden Einwohner, so wie das Gothische Baurja, das Angelsächsische Bure, das Alemannische und Fränkische Puarre, Buara und Giburo, gleiche Bedeutung hatten.2. Von bauen, aedificare, der Bauer, des -s, plur. ut nom. sing. der etwas bauet; doch nur in einigen Zusammensetzungen, dergleichen Schiffbauer, Orgelbauer, Erbauer, uns vielleicht noch einige andere sind.3. Von bauen, colere, der Bauer, des -s, im Oberdeutschen -n, plur. die -n, Fämin. die Bäuerinn, plur. die -en, der das Feld bauet. 1) Eigentlich, da es denn wieder auf verschiedene Art gebraucht wird. (a) In der weitesten Bedeutung wird es von allen gebraucht, die auf dem Lande leben, im Gegensatze der Bürger, in der weitesten Bedeutung. So pflegt man in Schwaben die Edelleute, welche auf dem Lande leben, sammetne Bauern zu nennen. Dahin auch der obgleich falsche Satz gehöret: Bürger und Bauer scheidet nichts als die Mauer, indem der Unterschied in den Rechten und Nahrungen groß genug ist. (b) In etwas engerer Bedeutung, Landleute, die noch nicht bürgerlichen Standes sind, so daß nicht nur die eigentlichen Bauern, sondern auch die so genannten Brinksitzer, Häusler, Häuslinge, Tagelöhner u. s. f. die keinen eigenen Ackerbau haben, darunter begriffen werden. (c) In noch engerer Bedeutung werden unter diesem Ausdrucke nur diejenigen Landleute begriffen, welche eigenen Ackerbau haben, sich davon nähren, und bey dem Grundherren zu Zinsen, Gülten oder Frohndiensten verbundes sind, im Gegensatze der Brinksitzer, Häusler u. s. f. die entweder gar keinen aber doch nicht eigenen Ackerbau haben. Diese Bauern, welche an einigen Orten in Franken Hofbauern und in Österreich Hofstätter genannt werden, besitzen entweder so viel Land, daß sie ein Paar Pferde darauf halten können, oder sie haben dessen weniger. Im ersten Falle werden sie ganze Bauern, oder auch Bauern in den engsten Bedeutung, in Niedersachsen Meier, Spannmeier, Vollmeier, Bauleute, im Österreichischen Ganz-lehner, Bauleute, und an andern Orten Hüfner, Halbhüfner u. s. f. genannt. Im zweyten Falle heißen sie nach Verschiedenheit der Gegenden Halbbauern, Kossäten, Köther, Halbmeier, Hintersassen, Halbspänner, Halblehner, Halbfröhner u. s. f. S. auch Anspänner.2) Figürlich. (a) Den Sitten nach, ein grober, ungesitteter Mensch. Er ist ein rechter Bauer. Ein grober Bauer. (b) Im Schachspiele, diejenigen Steine, welche in die erste Reihe gestellet werden, und die gemeinen Soldaten vorstellen. Ehedem wurden diese Steine Fänten genannt, von dem alten Worte Fänt, Italiänisch Fante, ein Fußknecht. Bey den Persern und Arabern heißen sie Beilack.

Anm. Bey den alten Fränkischen und Alemannischen Schriftstellern kommt das einfache Puarre, Buara mehr von einem Einwohner, das zusammen gesetzte Gibura, Giburo aber von einem Ackerbauer vor. Auch im Hebräischen bedeutet - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - agrestis, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im Chaldäischen, auf dem Felde seyn. In der Abänderung des Wortes Bauer kommen die Mundarten nicht mit einander überein. Bey den ältesten Schriftstellern lautet es im Plural die Bauer. Die heutigen Oberdeutschen sprechen es Baur, gen. des -en, plur. die -en, welcher Plural denn auch im Hochdeutschen allgemein geworden ist, da sonst dieses Wort, nach der Analogie der Abgeleiteten auf -er, im Plural die Bauer lautet sollte. Von dieser Verschiedenheit rühret auch die Verschiedenheit in den Zusammensetzung her, indem dieses Wort in denselben bald Bauer, - bald Bauern - bald aber auch Bauers - lautet. Das letzte beziehet sich auf den Singular, das mittelste auf den Plural, das erste aber kann beyde ausdrucken. So ist es z. B. gleichgültig, ob man sagt Bauergut oder Bauerngut.


Bauer (W3) [Adelung]


Das Bauer, des -es, plur. ut nom. sing. von der ersten Bedeutung des Verbi 1 Bauen, ein Ort da man wohnet; doch nur noch von den Behältnissen der Vögel, ein Käfich. Man muß erst den Vogel im Bauer haben, ehe man ihn will pfeifen lehren, Weiße.

Anm. Bauer, Nieders. Buur, in Schlesien Gebauer, ist in einigen, besonders Niedersächsischen, Mundarten männlichen Geschlechtes, der Bauer. Das Angels. Bur, Holländ. Buer, Dän. Buur, Isländ. Bur, Schwed. Bur, Französ. Buron, das spätere Latein. Burum, bedeuten ein Gemach, eine enge schlechte Wohnung, eine Hütte, womit das Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - eine Wohnung, überein kommt. Im Englischen ist Bower, eine Laube. Im Sachsenspiegel bedeutet Bur, ein Dorf, und in den eigenthümlichen Nahmen der Örter auf - beuren, z. B. Ottenbeuren, Blaubeuren, hat die letzte Hälfte gleiche Bedeutung.


Bauerband (W3) [Adelung]


Das Bauerband, des -es, plur. inusit. in der Handlung, eine Art Curländischen Flachses, welcher in Rollen von acht Ließpfund zu uns kommt, und deßwegen so heißt, weil er so, wie ihn die Bauern zur Stadt bringen, unsortiret versandt wird.


Bauerbier (W3) [Adelung]


Das Bauerbier, des -es, plur. inus. in einigen Niedersächsischen Gegenden, dasjenige Bier, welches ein neuer Wirth den Bauern seines Dorfes zu verzehren gibt.


Bauerbrot (W3) [Adelung]


Das Bauerbrot, des -es, plur. wenn es collective oder materialiter stehet, inusit. von einzelnen Broten aber die -e, Brot welches die Bauern zur Stadt bringen, zum Unterschiede von dem Bäckerbrote.


Bau-erde (W3) [Adelung]


Die Bau-erde, plur. car. die oberste Erde auf der Erdfläche, welche zu Ernährung der Pflanzen tauglich ist, und daher gebauet wird; die Dammerde.


Bauerdille (W3) [Adelung]


Die Bauerdille, S. Barwurz.


Bauererz (W3) [Adelung]


Das Bauererz, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, gediegenes sehr kenntliches Erz, besonders dergleichen Silbererz, welches auch ein Bauer erkennen kann.


Bauerflöte (W3) [Adelung]


Die Bauerflöte, plur. die -n, in den Orgeln, eine gedackte Pedalstimme vom Fußtone.


Bauerfrau (W3) [Adelung]


Die Bauerfrau, plur. die -en, die Frau eines Bauern; in der härtern Sprechart, das Bauerweib.


Bauerfriede (W3) [Adelung]


Der Bauerfriede, des -ns, plur. die -n, im Osnabrückischen in den großen Holzmarken, in welchen mehrere Dorfschaften das Märkerrecht haben, derjenige Bezirk, der einer jeden Dorfschaft besonders angewiesen ist, und der auch Heimschnaat, Heimschaar, Landwehr genannt wird. Friede bedeutet in dieser Zusammensetzung eine befriedigte, mit Grenzen versehene Gegend.


Bauerfuß (W3) [Adelung]


Der Bauerfuß, des -es, plur. die -füße, bey den Tuchbereitern, ein eiserner Hebel, welcher an dem einen Ende als eine Gabel gestaltet ist, die Tücher damit in den Rahm zu spannen; der Breitbaum.


Bauerglocke (W3) [Adelung]


Die Bauerglocke, plur. die -n, an einigen Orten eine Glocke, durch deren Klang die Bauern zusammen berufen werden.


Bauergroschen (W3) [Adelung]


Der Bauergroschen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Groschen, welchem ehedem in Meißen die Bauern dem Zinsherren entrichten mußten, und der bald 12, bald 15, bald auch 18 Meißnische Pfennige galt. S. auch Spitzgroschen.


Bauergut (W3) [Adelung]


Das Bauergut, oder Bauerngut, des -es, plur. die -güter. 1) In der weitesten Bedeutung, ein jedes Gut, welches von Bauern besessen oder bewohnet wird. 2) In engerer Bedeutung, ein Gut, welches mit Diensten und Frohnen beschweret ist, im Gegensatze der Frey- und Rittergüter. 3) In der engsten Bedeutung, ein solches Bauergut, worauf wenigstens zwey Pferde gehalten werden können; in Meißen, ein Pferdgut, oder Pferdnergut, in andern Obersächsischen Gegenden ein Anspänner- oder Spannergut u. s. f. S. Bauer 3.


Bauerhaft (W3) [Adelung]


Bauerhaft, -er, -este, adj. et adv. nach Art der Bauern, d. i. ungesittet, unhöflich, bäuerisch.


Bauerhof (W3) [Adelung]


Der Bauerhof, oder Bauernhof, des -es, plur. die -höfe, ein Hof, der von einem Bauer bewohnet wird; im Gegensatze eines Meierhofes und adeligen Hofes.


Bauerhufe (W3) [Adelung]


Die Bauerhufe, plur. die -n, eine Hufe, deren Besitzer zu Land- und Kriegessteuern, Herrendiensten u. s. f. verbunden ist; im Gegensatze der Ritterhufen.


Bauerhund (W3) [Adelung]


Der Bauerhund, des -es, plur. die -e, ein schlechter unansehnlicher Hund, dergleichen die Bauern gemeiniglich zu halten pflegen.


Bauerhütte (W3) [Adelung]


Die Bauerhütte, plur. die -n, die Hütte, d. i. ein schlechtes Wohnhaus, eines Bauers.


Bäuerinn (W3) [Adelung]


Die Bäuerinn, plur. die -en. 1) Die Frau eines Bauern. 2) In weiterer Bedeutung, eine jede Person weiblichen Geschlechtes, welche zu dem Bauerstande gehöret.


Bäuerisch (W3) [Adelung]


Bäuerisch, -er, -te, adj. et adv. nach Art der Bauern, ländlich; ohne Comparation. 1) Eigentlich.Beym rauhen Klang der bäurischen Schalmeyen, Cron. Bäuerisches Werk, in der Baukunst, wenn eine Mauer nicht glatt abgeputzet, sondern mit grob behauenen Steinen überkleidet, oder doch so mit Kalk beworfen wird, daß sie aus dem Groben gehauenen Steinen ähnlich siehet. Noch mehr aber, 2) figürlich, ungesittet, unhöflich, grob, in welcher Bedeutung es am üblichsten ist. Bäuerische Sitten. Eine bäuerische Aufführung.


Bauerlehen (W3) [Adelung]


Das Bauerlehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lehen, welches statt der Ritterdienste mit Zins und Gülte beschweret ist, und daher auch von Bauern besessen werden kann; im Gegensatze der adeligen oder Ritterlehen. Dergleichen Lehen werden in Österreich Beutellehen, an andern Orten Seßlehen, Schulzenlehen, Gemeinlehen, Zinsgüter, Erbzinsgüter, u. s. f. genannt. S. diese Wörter.


Bauermeister (W3) [Adelung]


Der Bauermeister, des -s, plur. ut nom. sing. 1) * So fern Bauer ehedem auch den Einwohner einer Stadt bedeutete, bezeichnete dieses Wort ehedem auch einen Bürgermeister. In Bremen ist Bauermeister noch jetzt ein Bedienter des Stadtrathes, der Acht geben muß, daß niemand in der Stadt wohne, der nicht das Bürgerrecht hat. S. Bauer 1. 2) Der den Bauern in einem Dorfe vorgesetzet ist. In diesem Verstande ist Bauermeister im Chur-Braunschweigischen so viel als ein Schulze oder Dorfrichter, an andern Orten aber so viel als in Thüringen ein Heimbürge, oder ein Syndicus der Dorfschaft.


Bauermiethe (W3) [Adelung]


* Die Bauermiethe, Baumiethe, plur. inus. 1) In dem Sächsischen Landrechte, dasjenige Geld, wodurch sich die leibeigenen Bauern von den schuldigen Frohndiensten los kaufen, und welches heut zu Tage am häufigsten Dienstgeld genannt wird. 2) An einigen Orten, besonders Niedersachsens, dasjenige Geld, wodurch die Töchter der Leibeigenen die Erlaubniß zu heirathen erkaufen müssen. S. Miethe und Bedemund.


Bauernäppich (W3) [Adelung]


Der Bauernäppich, des -es, plur. inusit. in einigen Gegenden, ein Nahme des gemeinen Wasseräppiches; Apium graveolens, L.


Bauerndeich (W3) [Adelung]


Der Bauerndeich, des -es, plur. die -e, in den Marschländern, besonders um Bremen, ein Deichpfand, welches von der ganzen Bauerschaft gemeinschaftlich gemacht und unterhalten wird. S. Deich.


Bauernkönig (W3) [Adelung]


Der Bauernkönig, des -es, plur. die -e, an einigen Orten und bey manchen feyerlichen Gelegenheiten, ein Anführer der Bauern. So heißt in der Grafschaft Öttingen derjenige Bauer der Bauernkönig, welcher einen neu angehenden Bauer feyerlich einsetzet und bestätiget, und die übrigen Bauern dazu einladet. S. davon Lang's Materialien zur Ötting. Gesch. Th. 1, S. 109.


Bauernköste (W3) [Adelung]


Die Bauernköste, plur. die -n, im gemeinen Leben, besonders in Niedersachsen, ein ländlicher Schmaus, ein Bauernschmaus. S. Köste. Wenn ihr gefahren kommt zu einer Bauernköste, Can.


Bauernkrieg (W3) [Adelung]


Der Bauernkrieg, des -es, plur. die -e, ein Krieg, welcher von Bauern erreget, oder wider Bauern geführet wird; besonders der große Aufstand der Bauern in Deutschland in der ersten Hälfte des 16ten Jahrhundertes.


Bauernpfeffer (W3) [Adelung]


Der Bauernpfeffer, des -s, plur. inusit. im gemeinen Leben, die schlechteste Art Pfeffer, welche aschfarbig aussiehet.


Bauernplatzer (W3) [Adelung]


Der Bauernplatzer, des -s, plur. ut nom. sing. ehemahlige kurze krumme Säbel, deren sich die Bauern in dem Bauernkriege bedienet haben sollen; Schwäbische Bräxer, weil sie vornehm lich in Schwaden üblich waren.


Bauern-Practik (W3) [Adelung]


Die Bauern-Practik, plur. die -en, von dem Latein. Worte Practica, im gemeinen Leben, Witterungs-Regeln, welche die Bauern anzunehmen pflegen, die folglich in der Naturlehre nicht gegründet sind.


Bauernschinder (W3) [Adelung]


+ Der Bauernschinder, oder Bauernplacker, des -s, plur. ut nom. sing. ein niedriger Ausdruck, einen Menschen zu bezeichnen, der die ihm untergebenen Bauern über die Gebühr beschweret.


Bauernsenf (W3) [Adelung]


Der Bauernsenf, des -es, plur. car. eine Pflanze, welche auf allen Äckern wächset, und deren Same an Schärfe dem Senfe gleicht; Thlaspi arvense, L. Brillenkraut, Heiderich, Täschelkraut. S. Klafter. Von einigen wird auch die große Wegekresse, Alyssum incanum, L. großer Bauernsenf genannt.


Bauernstück (W3) [Adelung]


Das Bauernstück, des -es, plur. die -e, ein Gemählde, auf welchem Bauern vorgestellet werden.


Bauernweihrauch (W3) [Adelung]


Der Bauernweihrauch, des -es, plur. inusit. im gemeinen Leben, das flüssige, dichte und weiße Fichtenharz, welches in den kat holischen Dörfern und von den Bauern anstatt des ächten Weihrauches gebraucht wird; Dorfweihrauch.


Bauernzwang (W3) [Adelung]


Der Bauernzwang, des -es, plur. car. das Recht, die dienstpflichtigen Bauern zu züchtigen, und zum Dienste anzuhalten; der Dienstzwang, Hofzwang, in Westphalen die Holzgrafschaft; Jurisdictio colonaria.


Bauerpflichtig (W3) [Adelung]


Bauerpflichtig, adj. et adv. zu Bauerdiensten verpflichtet. Ein bauerpflichtiges Gut, ein Bauergut.


Bauerrecht (W3) [Adelung]


Das Bauerrecht, des -es, plur. die -e, das Recht, dessen ein Bauer genießet. Zu Bauerrechte wohnen, ein Bauer seyn.


Bauerregel (W3) [Adelung]


Die Bauerregel, plur. die -n, muthmaßliche Regeln der Bauern von den Witterungen. S. Bauern-Practik.


Bauerrose (W3) [Adelung]


Die Bauerrose, plur. die -n, ein Nahme der Stockrose, weil sie von den Bauern zu dem Erntentkranze gebraucht wird.


Bauersand (W3) [Adelung]


Der Bauersand, des -es, plur. car. bey den Zinngießern, ein Sand zur Verfertigung der Formen, welcher gemeiniglich mit Salmiakwasser angefeuchtet wird. Er führet diesen Nahmen vermuthlich daher, weil die Zinngießer ihn von den Bauern bekommen.


Bauerschaft (W3) [Adelung]


Die Bauerschaft, plur. die -en, 1) Der Inbegriff aller Bauern eines Dorfes oder einer Gegend; in Oberdeutschland die Bauersame. Die junge Bauerschaft, die jungen Bauersleute. Im Osnabrückischen bedeutet Bauerschaft ein Dorf ohne Kirche, Dorf aber ein Kirchdorf. 3) Das Dorfrecht; aber nur in einigen Gegenden. 4) An einigen Orten, z. B. in Bremen, wird dieses Wort auch noch von dem Bürgerrechte genommen, ingleichen von einem gewissen Theile einer Stadt, und den darin wohnenden Bürgern. S. Bauer 1.


Bauerschenke (W3) [Adelung]


Die Bauerschenke, plur. die -n, eine Schenke, in welcher die Bauern zusammen zu kommen pflegen; eine Dorfschenke.


Bauerschwalbe (W3) [Adelung]


Die Bauerschwalbe, plur. die -n, eine Nahme, welchen man im gemeinen Leben auch den Rauch- oder Küchenschwalben gibt, weil sie sich gern in den Häusern der Landleute aufhalten. S. Rauchschwalbe.


Bauersleute (W3) [Adelung]


Die Bauersleute, singul. car. Personen beyderley Geschlechtes aus dem Bauerstande; in niedrigen Ausdrücken das Bauervolk.


Bauersmann (W3) [Adelung]


Der Bauersmann, des -es, plur. die -leute, im gemeinen Leben oft so viel als ein Bauer.


Bauerspiel (W3) [Adelung]


Das Bauerspiel, des -es, plur. die -e, ein Schauspiel, in welchem die handelnden Personen aus Bauern bestehen. Die Italiäner haben es erfunden, und die Tancia des Michael Angelo Buonarotti ist das einzige Meisterstück in dieser überhaupt seltenen Art von Schauspielen.


Bauersprache (W3) [Adelung]


* Die Bauersprache, oder Bauernsprache, plur. inusit. in Westphalen, die alten schriftlich verfaßten Gewohnheiten eines Dorfes. Ehedem bedeutete dieses Wort auch eine Versammlung der Bürger und die in derselben errichteten Stadtgesetze, in welchem Verstande es noch in den Hamburgischen Statuten vorkommt. S. Sprache und Bauer 1. Das Schwed. Bursprak, bedeutet so wohl die Versammlung der Bürger, als auch den Ort, wo sie geschiehet.


Bauerstand (W3) [Adelung]


Der Bauerstand, oder Bauernstand, des -es, plur. inusit. 1) Der Zustand, die Beschaffenheit der Bauern. 2) Der Inbegriff aller Bauern eines Landes, oder einer Provinz, und deren Bevollmächtigte; z. B. der Bauernstand auf dem Reichstage in Schweden.


Bauerstolz (W3) [Adelung]


Bauerstolz, -er, -este, adj. et adv. auf eine ungeschickte und ungesittete Art stolz.


Bauerstolz (W3) [Adelung]


Der Bauerstolz, oder Bauernstolz, des -es, plur. car. ein mit Ungeschicklichkeit versehener ungesitteter Stolz, der gemeiniglich einer schlechten Herkunft und Erziehung anklebt.


Bauervolk (W3) [Adelung]


Das Bauervolk, des -es, plur. car. S. Bauersleute.


Bauerweib (W3) [Adelung]


Das Bauerweib, oder Bauernweib, des -es, plur. die -er, S. Bauerfrau.


Bauerwezel (W3) [Adelung]


Der Bauerwezel, des -s, plur. inusit. im gemeinen Leben, diejenige Entzündung des Halses, welche mit einer Geschwulst der Ohren- und Speicheldrüsen verbunden ist; vermuthlich, weil sie unter dem Landvolke am häufigsten ist; Cynanche parotidaea, Franz. Oreillons, S. Wezel.


Bauerwolle (W3) [Adelung]


Die Bauerwolle, plur. car. in der Handlung, diejenige Wolle, welche die Bauern ihren Schafen abnehmen, im Gegensatze der Schäfereywolle.


Baufällig (W3) [Adelung]


Baufällig, -er, -ste, adj. et adv. dessen Bau den Einfall drohet, wandelbar, von Gebäuden und allen denjenigen Zusammensetzungen, von welchen sich das Zeitwort bauen gebrauchen lässet. Ein baufälliges Haus, eine baufällige Mauer, ein baufälliges Schiff u. s. f. Baufällig seyn, werden. Daher das Hauptwort die Baufälligkeit.


Baufeld (W3) [Adelung]


Das Baufeld, des -es, plur. die -er, überhaupt ein jedes Feld, welches gebauet wird. Das Baufeld war eine Wüste, Jer. 4, 26. Auf dem Schwarzwalde nennet man Baufelder in engerer Bedeutung die gewöhnlichen Äcker, im Gegensatze der Mähfelder, welche geschwendet werden.


Bauflöße (W3) [Adelung]


Die Bauflöße, plur. die -n, im gemeinen Leben, eine mit Bauholz beladene, oder aus Bauholz verfertigte Flöße; gleichsam Bauholzflöße.


Baufreyheit (W3) [Adelung]


Die Baufreyheit, plur. die -en. 1) Die Freyheit oder Erlaubniß zu bauen; ohne Plural. 2) Am gewöhnlichsten, eine Freyheit oder ein Nachlaß von obrigkeitlichen Abgaben und Beschwerden, zum Behufe eines neuen Baues; in welchem Verstande die Baufreyheiten eine Art der Baubegnadigungen sind.


Baufrohne (W3) [Adelung]


Die Baufrohne, plur. die -n, S. Baudienst.


Baufuhre (W3) [Adelung]


Die Baufuhre, plur. die -n, Fuhren, welche zum Behufe eines Baues geschehen, besonders wenn sie von den Unterthanen zur Frohe verrichtet werden.


Baufuß (W3) [Adelung]


Der Baufuß, des -es, plur. die -füße, ein Fußmaß, welches vornehmlich im Bauwesen üblich, und von dem gemeinen Fußmaße verschieden ist.


Baugefangene (W3) [Adelung]


Der Baugefangene, des -n, plur. die -n, zum Festungsbaue verurtheilter Verbrecher.


Baugeist (W3) [Adelung]


Der Baugeist, des -es, plur. die -er. 1) Eine heftige Neigung zum Bauen; ohne Plural. Einen starken Baugeist haben. 2) Eine Person, welche diesen Baugeist hat; mit dem Plural.


Baugeld (W3) [Adelung]


Das Baugeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er. 1) Ein jedes Geld, welches zu einem Baue bestimmet ist. 2) In einigen Gegenden, dasjenige Geld, welches neuen Anbauern von der Obrigkeit zur Erleichterung gegeben wird; eine Art der Baubegnadigung.


Baugericht (W3) [Adelung]


Das Baugericht, des -es, plur. die -e. S. Bauamt.


Baugerüst (W3) [Adelung]


Das Baugerüst, des -es, plur. die -e, ein Gerüst von Stangen und Bretern zum Behufe eines Baues, welches im gemeinen Leben nur schlechthin ein Gerüst genannt wird.


Bauhaft (W3) [Adelung]


Bauhaft, adj. et adv. was gebauet wird, besonders im Bergbaue. Eine bauhafte Zeche, welche wirklich gebauet wird, im Gegensatze einer verlassenen. Ein Berggebäude bauhaft halten, in dem gehörigen Stande erhalten.


Bauhandwerk (W3) [Adelung]


Das Bauhandwerk, des -es, plur. die -e, ein Handwerk, welches zur Aufführung eines Gebäudes nöthig ist; dergleichen das Handwerk der Zimmerleute, Mäurer, Steinmetzen, Ziegel- und Kalkbrenner, Tischler, Schlösser u. s. f. ist.


Bauherr (W3) [Adelung]


Der Bauherr, des -en, plur. die -en. 1) Derjenige, welcher ein Gebäude aufführen lässet. 2) In den Städten, derje- nige Rathsherr, welcher die Aufsicht über die Öffentlichen Gebäude hat; an andern Orten Baumeister, und in einigen Klöstern Werkmeister.


Bauhof (W3) [Adelung]


Der Bauhof, des -es, plur. die -höfe. 1) Ein Platz, auf welchem die Baugeräthe verwahret, und die Gebäude von den Zimmer leuten zugerichtet werden. In Nürnberg wird der Stadtbauhof die Beund, oder Peunt genannt, von dem alten Beund, ein verzäunter Platz. 2) An einigen Orten so viel als Bauerhof.


Bauholz (W3) [Adelung]


Das Bauholz, des -es, plur. car. Holz, welches zu Aufrichtung eines Gebäudes an Schwellen, Balken u. s. f. erfordert wird. Ingleichen Bäume, welche zu solchem Bauholze gebraucht werden können, im Gegensatze des Brennholzes.


Baujoch (W3) [Adelung]


Das Baujoch, des -es, plur. die -jöcher, in den Bergwerken, die Oberschwellen, welche auf den Seitenpfählen eines Ganges liegen, daß nichts von oben einfallen kann; auch nur schlechthin die Jöcher.


Bauknecht (W3) [Adelung]


Der Bauknecht, des -es, plur. die -e. 1) Auf großen Höfen derjenige Knecht, welcher zu Bau- und andern Fuhren gebraucht wird, im Gegensatze des Ackerknechtes, oder Pferdeknechtes. 2) Ein Knecht, d. i. geringer Aufseher der Baugefangenen, welcher unter dem Bau-Profoße stehet.


Baukosten (W3) [Adelung]


Die Baukosten, singul. car. alle zur Aufführung oder Unterhaltung eines Gebäudes nöthigen Kosten.


Baukothe (W3) [Adelung]


Die Baukothe, plur. die -n, in den Salzwerken, eine Kothe, welche nur alsdann gebraucht wird, wenn an der ordentlichen etwas zu bauen oder zu bessern ist.


Baukunst (W3) [Adelung]


Die Baukunst, plur. inusit. die Kunst, bequeme, sichere und zierliche. Gebäude aufzuführen; welche nach Verschiedenheit der Gebäude wieder besondere Nahmen bekommt, als der bürgerlichen Baukunst, der Kriegsbaukunst, der Schiffsbaukunst, der Wasserbaukunst u. s. f. Mit einem Griechischen Worte die Architektur. Das von einige gewagte Baukünstler, einen Bauverständigen, Baumeister, Architekt, zu bezeichnen, hat wenig Beyfall gefunden.


Bauland (W3) [Adelung]


Das Bauland, des -es, plur. die -länder, fruchtbares Ackerfeld, welches gebauet wird; Baufeld.


Bäule (W3) [Adelung]


Die Bäule, S. Beule.


Baulebung (W3) [Adelung]


Die Baulebung, plur. inusit. oder das Baulebungsrecht, des -es, plur. die -e, ein Recht, nach welchem der Grundherr berechtiget ist, nach dem Tode eines Unterthanen ein Stück Vieh wegzunehmen. Dieses Recht ist noch in Franken, Schwaben, Pfalz, Braunschweig und Westphalen üblich, und wird auch das Baudeling, das Hauptrecht, der Hauptfall, das Besthaupt, der Erbfall, das Trauerrecht, das Erbrecht, das Weidmal, die Curwede oder Körmede, das Budtheil, der Todtenfall, und das Gelaß genannt. So fern der Grundherr, oder der als ein solcher angesehen wird, anstatt des Viehes das beste Kleid fordern kann, heißt es auch der Gewandfall.


Baulehm (W3) [Adelung]


Der Baulehm, des -es, plur. car. Lehm, der zum Bauen gebraucht wird; besonders in den Schmelzhütten, Lehm, womit die Schmelzöfen gebauet werden.


Bauleute (W3) [Adelung]


Die Bauleute, singul. car. 1) Leute, welche unter der Aufsicht eines Baumeisters an einem Baue arbeiten. In der Deutschen Bibel kommt dieser Ausdruck einige Mahl für Baumeister vor, welcher Gebrauch aber ungewöhnlich ist. 2) Bauern, in der engern Bedeutung dieses Wortes, in einigen Gegenden. S. Baumann.


Baulich (W3) [Adelung]


Baulich, -er, -ste, adj. et adv. wohnbar; doch nur in der R. A. ein Haus, ein Gebäude in baulichem Stande erhalten. Bauen hat in dieser Zusammensetzung noch die alte Bedeutung des Wohnens. Opitz gebraucht dafür bauständig. Bey dem Königshoven bedeutet baulich so viel als wohnhaft, ansässig.


Baulust (W3) [Adelung]


Die Baulust, plur. car. die Lust oder Neigung zu bauen.


Baulustig (W3) [Adelung]


Baulustig, -er, -ste, adj. et adv. Lust zu bauen habend, besonders in dem Bergbaue. Baulustige Gewerken.


Baum (W3) [Adelung]


Der Baum, des -es, plur. die Bäume, Diminutivum Bäumchen, Oberdeutsch Bäumlein. 1. Eigentlich, die größte Art des Pflanzenreiches, oder eine Pflanze, welche ihre Blätter und neuen Theile aus Augen an einem einzigen Stamme über der Erde entwickelt, im Gegensatze der Kräuter und Sträuche, welche theils keinen Stamm über der Erde, theils mehrere Stämme haben, theils ihre neuen Theile nicht aus Augen entwickeln. Ein angehender Baum, ein junger Baum; zum Unterschiede von einem bloßen Reise. Ein Gartenbaum, Ostbaum, Waldbaum, Eichbaum, Apfelbaum u. s. f. Der Baum des Lebens, ein dem Nahmen nach bekanntes Gewächs in dem ehemahligen irdischen Paradiese. In den Gärten nennet man einen gewissen ausländischen Baum, dessen Blätter dem Sadebaum gleichen, und der eine rothbraune, rauhe Rinde, kleine gelbliche Blumen, und schuppige Samenknospen hat, gleichfalls den Baum des Lebens; Thuja, L. Er bleibet auch im Winter grün, und hat einen angenehmen Geruch; Eigenschaften, welchem er vermuthlich seinen stolzen Nahmen zu verdanken hat.2. Figürlich, im gemeinen Leben alles, was aus einem ganzen Baume verfertiget worden, oder doch die Gestalt eines Baumes hat. Daher die zusammen gesetzten Wörter, Hebebaum, Fachbaum u. s. f. Besonders wird in verschiedenen Maschinen ein großes Stück Holz, welches eines der vornehmsten Theile der Maschine ist, ein Baum genannt. Dahin gehöret der Baum bey den Webern, das runde starke Holz, um welches so wohl das Garn, als auch das verfertigte Gewebe gewickelt wird; die Bäume an den Schlitten, die untern starken Hölzer, welche auch Schwellen genannt werden u. s. f.

Anm. Baum, bey dem Ottfried Boum, bey den Notker Poum, bey dem Ulphilas Bagm, bey den Angels. Beam, Nieders. Boom, Holländ. Boom, Dän. Bom, Schwed. Bom, scheinen den Nahmen von der Höhe zu haben. Im Hebr. heißt - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - hoch; das Persische Bam bezeichnet den Gipfel eines jeden Dinges, und das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, steigen, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , einen Altar, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine Kanzel. S. Bäumen, das Zeitwort, und 2. Bauen. Die Lateiner nannten eine besondere Art Bäume Pomus, und deren Frucht Pomum.


Baum-Achat (W3) [Adelung]


Der Baum-Achat, des -es, plur. die -e, ein Achat, mit Figuren, die den Bäumen einiger Maßen ähnlich sehen; mit einem Griechischen Worte, Dendrachat.


Baumameise (W3) [Adelung]


Die Baumameise, plur. die -n, eine Art Ameisen in Amerika, welche ihre Nester auf Bäumen bauen.


Baumanger (W3) [Adelung]


Der Baumanger, des -s, plur. ut nom. sing. ein mit Bäumen bepflanzter Anger.


Baumann (W3) [Adelung]


* Der Baumann, des -es, plur. die Bauleute, an einigen Orten, besonders Oberdeutschlandes, so viel als ein Bauer oder Ackermann; in welcher Bedeutung dieses Wort schon in dem Schwabenspiegel vorkommt. Daher die Baumannschaft, die Bauerschaft. Im Bremischen wird dieses Wort in engerer Bedeutung nur von einem ganzen Meier oder Vollbauer gebraucht, im Gegensatze des Meiers, Halbmeiers oder Kothsassen.


Baumänte (W3) [Adelung]


Die Baumänte, plur. die -en, eine Art wilder Änten in den nordischen Gegenden, von welcher man ehedem glaubte, daß sie auf den Bäumen wüchsen; Dän. Hvinand, Blankekniv, Anas Clangula, L.


Bau-Materialien (W3) [Adelung]


Die Bau-Materialien, singul. inusit. alle zu Aufführung eines Gebäudes nöthigen Materialien oder Bedürfnisse; der Baustoff.


Baumauster (W3) [Adelung]


Die Baumauster, plur. die -n, eine Art großer Ostindischer Austern, welche sich an die Bäume und ihre Wurzeln hängen; die Holzauster.


Baumbast (W3) [Adelung]


Der Baumbast, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, 1) Eigentlich der Bast von Bäumen. 2) Ein aus solchem Baste von Bäumen verfertigter Zeug, welcher in Angola in Afrika verfertiget wird und dem schönsten seidenen Zeuge gleichet. 3) Ein halb seidener Zeug, aus schlechter Seide und Kamehlhaaren; ein glatter Basin. S. Bombasin.

Anm. In dieser letzten Bedeutung kommt dieses Wort unstreitig aus dem Ital. Bombasina, Bombaggine, her, welches einen baumwollenen Zeug bedeutet, von Bombace, Latein. Bombyx, Baumwolle, zuweilen aber auch Seide. Aus dem Ital. Worte haben die Franzosen ihr Bombalin, die Holländer ihr Bombasyn, Bummesin, die Engländer ihr Bumbasin, und die Deutschen ihr Baumbast gemacht. Bambacinum, Bambucinum, Bambasium, Bambicium, Bombasum u. s. f. bedeutete in dem mittlern Lateine dergleichen baumwollene Zeuge. S. auch Baumseide.


Baumbicker (W3) [Adelung]


Der Baumbicker, des -s, plur. ut nom. sing. ein allgemeiner Nahme aller derjenigen Spechte, welche mit dem Schnabel in die Rinde der Bäume bicken, und daselbst ihre Nahrung suchen. S. auch Baumgrille und Baumhacker.


Baumblüthe (W3) [Adelung]


Die Baumblüthe, plur. die -n, 1) Die Blüthe der Bäume. 2) Die Zeit, wenn die Bäume zu blühen pflegen. In einigen Gegenden die Baumbluth.


Baumbohne (W3) [Adelung]


Die Baumbohne, plur. die -n, ein Nahme, der verschiedenen Gewächsen und ihren Früchten gegeben wird, die den Samen wie die Bohnen in Schoten tragen, oder deren Blättern der Bohnen gleichen. 1) Einer Ostindischen Pflanze, welche röthliche Schoten mit einer einzigen Bohne trägt; Connarus, L. 2) Dem Cytifus Laburnum, L. S. Bohnenbaum. 3) Der Anagyris, L. S. Stinkbaum.


Baumbrand (W3) [Adelung]


Der Baumbrand, des -es, plur. car. eine Krankheit der Bäume, wie der Brand bey den Menschen, da das Holz von innen heraus schwarz wird, und der Baum abstirbt.


Baumbruch (W3) [Adelung]


Der Baumbruch, des -es, plur. die -brüche, im Forstwesen. 1) Der Schaden, welcher durch Stürme an niedergerissenen Bäumen verursachet wird. 2) Dergleichen niedergerissenes Holz; ohne Plural. Daher baumbrüchig, vom Winde niedergerissen. Baumbrüchiges Holz. In beyden Fällen ist dafür auch Baumfall und baumfällig üblich.


Baumeister (W3) [Adelung]


Der Baumeister, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der die Baukunst verstehet und ausübet; ein Architekt. 2) Eine obrigkeitliche Person, welche die Aussicht über die öffentlichen Gebäude hat. S. Bauherr 2. 3) In dem Amte Kleeberg, welches Hessen-Darmstadt mit Nassau-Weilburg gemeinschaftlich besitzet, heißet derjenige Baumeister, der den Vorgang hat. So ist Hessen-Darmstadt zwey Jahre Baumeister, und Nassau-Weilburg ein Jahr. 4) * Von bauen, colere, so viel als Bauermeister; in welcher Bedeutung Baumeister im Hennebergischen einen Heimbürgen, d. i. Syndicum des Dorfes bedeutet.


Baumeln (W3) [Adelung]


Baumeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, sich im Hangen hin und her bewegen, schwankend herab hangen. Es baumelten ihnen goldne Bänder um die Achseln, Weiße. S. auch Ohrenbaumel.

Anm. Im Niedersächsischen lautet diese Zeitwort bammeln. Das Betragnische bwhmman bedeutet fluctuare, und das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, beben. Dieses Wort mit Wachtern von beben herzuleiten, scheinet eben so gezwungen zu seyn, als mit Frischen bam, den Ausdruck des Schalles, den eine Glocke im Baumeln macht, als das Stammwort anzunehmen.


Bäumen (W3) [Adelung]


Bäumen, adj. et adv. von Baum, welches aber nur in den Zusammensetzungen apfelbäumen, birnbäumen, eichbäumen u. s. f. üblich ist.


Baumfalk (W3) [Adelung]


Der Baumfalk, des -en, plur. die -en, ein kleiner, herzhafter und schöner Falk, der dunkelblau und weiß gestreift, und sehr flüchtig ist, sich aber nicht zum Beißen abrichten lässet. Zum Lerchenfange ist er gut zu gebrauchen, daher er auch Lerchenfalk genannt wird.


Baumfall (W3) [Adelung]


Der Baumfall, des -es, plur. die -fälle, S. Baumbruch.


Baumfalle (W3) [Adelung]


Die Baumfalle, plur. die -n, eine Falle mit einem Schlagbaume, so auch wohl von noch stehenden jungen Bäumen gemacht, und im Walde aufgestellet wird, die Marder, Ratzen u. s. f. darin zu fangen.


Baumfarn (W3) [Adelung]


Das Baumfarn, des -es, S. Farnkraut.


Baumflechte (W3) [Adelung]


Die "Baumflechte", plur. inusit. ein Moos, welches zu den Flechten gehöret, gespaltene stumpfe glatte Blätter hat, welche oben vertieft, unten aber filzig sind, und auf den Eich- und Buchbäumen häufig wächset; "Moosflechte", "Lichen pulmonarius, L." Der gemeine Mann schreibt diesem Moose große Kräfte in Lungenkrankheiten zu, und pflegt es daher auch "Lungenkraut", "Baumlunge", und "Eichenlunge" zu nennen.


Baumfloh (W3) [Adelung]


Der Baumfloh, des -es, plur. die -flöhe, ein Insect, welches noch kleiner als ein Floh ist, und sich so wohl auf den Bäumen, als auf der Erde aufhält; Podura plumbea, L.


Baumfrosch (W3) [Adelung]


Der Baumfrosch, des -es, plur. dir -frösche, ein kleiner grüner Frosch, der auf die Bäume kriecht, und welchen Klein noch von dem Laubfrosche unterscheidet.


Baumfrucht (W3) [Adelung]


Die Baumfrucht, plur. die -früchte, eine jede Feucht, welche auf Bäumen gezeuget wird.


Baumfutter (W3) [Adelung]


Das Baumfutter, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Sattlern, dasjenige, womit der Baum eines Wagens neben dem Fußtritte überzogen und gefüttert wird.


Baumgans (W3) [Adelung]


Die Baumgans, plur. die -gänse, eine Art schwarzer aschfarbiger Wasservögel, welche in Schottland sehr häufig gefunden werden; Rothgans, Engl. Rood-Goose, Brentgans, Engl. Brent-Goose, bey dem Klein Anser Brenta. Ehedem glaubte man, sie wüchsen auf den Bäumen und würden aus den Bernacken-Muscheln erzeuget.


Baumgarten (W3) [Adelung]


Der Baumgarten, des -s, plur. die -gärten, ein Garten, in welchem nur Obstbäume gezeuget und gewartet werden; ein Obstgarten. Bey dem Notker Boumgarten, bey dem Willeram Bomgarto. Daher der Baumgärtner, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gärtner, der sich vornehmlich auf die Wartung der Bäume versteht, und einen Baumgarten hält.


Baumgericht (W3) [Adelung]


Das Baumgericht, des -es, plur. die -e, in Ostfriesland ein Gericht, welches öffentlich unter einem Baume gehalten wurde. Am Rheinstrome werden die Sprenkel der Dohnen an den Bäumen Baumgerichte genannt, von richten, stellen.


Baumgrendel (W3) [Adelung]


Der Baumgrendel, Baumgrindel, oder Grängel, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. der Lausitz, der Baum oder die Deichsel an dem Pfluge; der Pflugbaum. S. Grendel.


Baumgrille (W3) [Adelung]


Die Baumgrille, plur. die -n, eine Art Sichler, oder Sichelschnäbler. (Falcator bey dem Klein), welcher einen dünnen langen Schnabel hat, der wie eine Sichel gestaltet ist; Certhia, L. Weil der Vogel an die Bäume hinauf klettert, und seine Nahrung in ihren Rinden sucht, so wird er auch Baumklette, oder Baumkletter genannt, und von einigen zu den Spechten gerechnet. Klein zählet neunzehn Arten der Baumgrillen. S. das folgende.


Baumhaker (W3) [Adelung]


Der Baumhaker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Vogel, der auch zu dem Geschlechte des vorigen gehöret, im gemeinen Leben aber mit demselben verwechselt wird. Er macht die kleinste Art Spechte aus, und wird sonst auch Grauspecht, Baumspecht, Hierengryll, Engl. The Creeper, von dem Klein Falcinellus arboreus, von dem Linne aber Certhia familiaris genannt. Weil dieser Vogel mit seinen scharfen Klauen an den Bäumen hinauf und herunter zu laufen pfleget, so hat man ihm daher im gemeinen Leben auch die nahmen Baumklette, Baumkletter, Baumkletterlein, Baumhäckel, Baumläufer, Baumreiter, Baumrutter und Baumsteiger gegeben. S. Baumbicker.


Baumharz (W3) [Adelung]


Das Baumharz, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, Harz von Bäumen, zum Unterschiede von dem Bergharze.


Baumhebe (W3) [Adelung]


Die Baumhebe, plur. die -n, ein hölzernes Werkzeug, schwere Bäume mit leichter Mühe auf den Wagen, oder auch die Stöcke der Bäume mit Vortheil aus der Erde zu heben. Auch der Baumheber.


Baumhecke (W3) [Adelung]


Die Baumhecke, plur. die -n, im Gartenbaue, eine Hecke, die von Baumästen in der Höhe gezogen und beschnitten wird.


Baumholder (W3) [Adelung]


Der Baumholder, des -s, plur. inusit. ein Nahme, den man auch dem gemeinen Hohlunder, Sambucus nigra, L. zu geben pfleget, weil er zu starken Bäumen wächset.


Baumholz (W3) [Adelung]


Das Baumholz, des -es, plur. die -hölzer, im Forstwesen, 1) ohne Plural, zu bäumen gewachsenes Holz; Oberholz. In diesem Walde stehet viel Baumholz. 2) Ein Stück Wald von solchem Holze.


Baumhüpfer (W3) [Adelung]


Der Baumhüpfer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art sehr kleiner Spinnen an solchen Bäumen, die der Sonne ausgesetzt sind, welche springt, und alsdann einen Faden nach sich schleppt; Aranea truncorum, L.


Baumiethe (W3) [Adelung]


Die Baumiethe, S. Bauermiethe.


Baumkäfer (W3) [Adelung]


Der Baumkäfer, des -s, plur. ut nom. sing. eine große Art Käfer, welche sich gern auf den Bäumen aufhält.


Baumkanne (W3) [Adelung]


Die Baumkanne, plur. die -n, eine große hölzerne Kanne, vielleicht weil sie, wenn sie gefüllet ist, an einem Baume getragen wird.


Baumkantig (W3) [Adelung]


Baumkantig, adj. et adv. welches bey den Zimmerleuten von einem Baume gebraucht wird, der nicht auf allen Seiten nach demWinkel glatt beschlagen ist, sondern noch Spuren von der Rinde aufzuweisen hat, im Gegensatze des vollkantig. S. Kante.


Baumkelter (W3) [Adelung]


Die Baumkelter, plur. die -n, eine Große Kelter, welche vermittelst des Druckbaumes regieret wird, im Gegensatze der Spindelpresse.


Baumkiehn (W3) [Adelung]


Der Baumkiehn, des -es, plur. inusit. Kiehn, der aus den Stämmen alter Kiefern geschlagen wird, im Gegensatze des Stock- und Vogelkiehns.


Baumklette (W3) [Adelung]


Die Baumklette, plur. die -n, oder der Baumkletter, des -s, plur. ut nom. sing. S. Baumhacker und Baumgrille.


Baumkratze (W3) [Adelung]


Die Baumkratze, plur. inusit. eine Art Moos mit gespaltenen in die Höhe steigenden Blättern, mit einem erhöheten eingefaßten Rande, Lichen Islandicus, L. welches aber auch auf den Alpen in Kärnthen und der Schweiz gefunden wird.


Baumkuchen (W3) [Adelung]


Der Baumkuchen, S. Stangenküchen.


Baumkunst (W3) [Adelung]


Die Baumkunst, plur. die -künste, im gemeinen Leben, Künste, die Natur der Bäume und ihrer Früchte zu verändern.


Baumläufer (W3) [Adelung]


Der Baumläufer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Baumhacker.


Baumlaus (W3) [Adelung]


Die Baumlaus, plur. die -läuse, ein kleines Ungeziefer, welches sich haufenweise auf den Bäumen und Pflanzen aufhält, und denselben vielen Schaden zufüget. Es ist größten Theils schwarz oder grün; die auf den Weidenbäumen wohnen, sind roth. Sie verwandeln sich, und sind eine angenehme Speise der Ameisen, die ihnen überall nachfolgen. Im Osnabrückischen werden sie Emmeln genannt. Er ist dieses eben das Insect, welches andere die Blattlaus, Linne aber Aphis nennet.


Baumleiter (W3) [Adelung]


Die Baumleiter, plur, die -n, eine Leiter, welche hinten mit Bäumen oder Stützen versehen ist, nicht angelehnet werden darf, und daher bey Bäumen gut zu gebrauchen ist.


Baumlerche (W3) [Adelung]


Die Baumlerche, plur. die -n, S. Heidelerche, Holzlerche.


Baumlunge (W3) [Adelung]


Die Baumlunge, plur. inusit. S. Baumflechte.


Baum-Malve (W3) [Adelung]


Die Baum-Malve, plur. die -n, ein Staudengewächs, dessen Blätter den gemeinen Pappelblättern gleichen. Die Blüthe ist roth und gleichet ebenfalls den Blüthen der Pappeln; Malva arborea.


Baummarder (W3) [Adelung]


Der Baummarder, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Marder, die sich vornehmlich in den Wäldern in hohlen Bäumen aufhält, von Farbe braun und unter der Kehle gelblich ist. Ihr Fell kommt den Zobelfällen sehr nahe. Im gemeinen Leben das Baummard, sonst auch Buchmarder, Edelmarder, Feldmarder.


Baummast (W3) [Adelung]


Die Baummast, plur. car. in der Landwirthschaft, diejenige Mast, welche auf Bäumen erzeuget wird, z. B. Eicheln, Bucheicheln, Nüsse und wildes Obst; die Holzmast, Obermast, im Gegensatze der Erdmast, oder Untermast.


Baummeißel (W3) [Adelung]


Der Baummeißel, des -s, plur. ut nom. sing. ein eisernes Werkzeug der Gärtner, welches oben breit und scharf ist, auf beyden Seiten aber krumme Haken hat, die Wasserschößlinge und andere unnütze Äste damit abzustoßen, und den Schnitt wieder glatt zu machen; das Schroteisen.


Baummesser (W3) [Adelung]


Das Baummesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein an der Spitze eingebogenes Messer der Gärtner, zum Beschneiden der Bäume; das Gartenmesser.


Baummoos (W3) [Adelung]


Das Baummoos, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein Nahme, welchen man allen denjenigen Moosarten zu geben pfleget, welche auf Bäumen wachsen, im Gegensatze der Stein- und Erdmoose. Dergleichen sind z. B. das Bryum striatum, Hypnum viticulosum, und velutinum, Jungermannia complanata, Lichen rugosus, pallescens, subfuscus, stellaris, ciliaris, farinaceus u. s. f. des Linne.


Baummörder (W3) [Adelung]


Der Baummörder, des -s, plur. ut nom sing. ein Nord-Amerikanisches Staudengewächs; Celastrus icandens, L. Es schlinget sich um andere Bäume herum und erstickt sie zuweilen, daher es den Deutschen Nahmen so wohl, als den Französischen, Bourreau des arbres, erhalten hat.


Baumnachtigall (W3) [Adelung]


Die Baumnachtigall, plur. die -en, eine Art Bachstelzen, welche angenehm singet; Motacilla modularis, L. das Bleykelchen, Brunellchen, der Krauthänfling.


Bäumnuß (W3) [Adelung]


Die Bäumnuß, plur. die -nüsse, ein Nahme, welchen man an einigen Örtern den Wälschen Nüssen gibt, weil sie auf Bäumen wachsen, zum Unterschiede von den Haselnüssen, die gemeiniglich die Frucht eines Strauches sind.


Baumöhl (W3) [Adelung]


Das Baumöhl, des -es, plur. von mehreren Arten, die -e, dasjenige Öhl, welches aus den reifen Oliven, der Frucht des Öhlbaumes oder Olivenbaumes gepresset wird, daher es auch Olivenöhl heißt.


Baumpappel (W3) [Adelung]


Die Baumpappel, plur. die -n, ein Sommergewächs, welsches einen vielfachen, hohen, rauhen Stängel und rosenähnliche Blumen von mancherley Farbe hat. Die Stockrose ist eine Art davon.


Baumpilz (W3) [Adelung]


Der Baumpilz, des -es, plur. die -e, eine Art Pilze ohne Stiel, Boletus, L. die auf den Ästen der Bäume wächset. Die Oberfläche ist braungrün und mit bunten wellenförmig im Kreise laufenden Streifen gezieret, zuweilen auch haarig oder sammetartig, die Unterfläche aber weiß.


Baumpresse (W3) [Adelung]


Die Baumpresse, plur. die -n, so viel als Baumkelter; S. dieses Wort


Baumrebe (W3) [Adelung]


Die Baumrebe, plur. die -n, eine Art Weinreben, welche nicht bepfählt, sondern an Bäumen gepflanzet werden, an welchen sie sich in die Höhe ranken. Man findet sie vornehmlich in Languedoc und Italien.


Baumreiter (W3) [Adelung]


Der Baumreiter, des -s, plur. ut nom sing. 1) Ein Nahme gewisser Spechte, S. Baumhacker. 2) Ein Nahme der wilden Katzen bey den Jägern, besonders des Männchens, weil sie auf den Bäumen herum schleichen, und gleichsam reiten.


Baumrinde (W3) [Adelung]


Die Baumrinde, plur. inusit. außer wo von mehreren Arten die Rede ist, die -n, die Rinde der Bäume, oder der äußerste Theil, der dem Holze zur Bedeckung dienet; Niedersächsisch Borke.


Baumruthe (W3) [Adelung]


Die Baumruthe, plur. die -n, bey den Webern, ein dünner Stab, welcher in die Fuge des Garnbaumes paßt, das Ende der Kettenfäden damit in dem Baume zu befestigen.


Baumsaft (W3) [Adelung]


Der Baumsaft, des -es, plur. von mehreren Arten, die -säfte, der in den Bäumen befindliche Saft.


Baumsäge (W3) [Adelung]


Die Baumsäge, plur. die -n. 1) Bey den Gärtnern, eine Säge mit einem eisernen Bügel über dem Blatte, die Äste an den Bäumen damit abzusägen. 2) Im gemeinen Leben, eine lange, breite Säge, große Bäume damit durchzusägen; die Schrotsäge.


Baumsalbe (W3) [Adelung]


Die Baumsalbe, plur. die -n, eine Salbe, und jede einer Salbe ähnliche Zusammensetzung, womit man die schadhaften Stellen der Bäume und ihrer Wurzeln bestreichet.


Baumsauger (W3) [Adelung]


Der Baumsauger, des -s, plur. ut nom sing. bey einigen ein Nahme solcher Pflanzen, welche von dem Safte andererBäume leben, und sie gleichsam aussaugen, dergleichen die Mistel, die Moose, Schwämme u. s. f. sind. Bey andern heißen sie Pflanzensauger, Safträuber, Saugepflanzen, und, obgleich nicht auf die schicklichste Art, Schmarotzerpflanzen.


Baumscheibe (W3) [Adelung]


Die Baumscheibe, plur. die -n, bey den Webern, die an dem Zeugbaume zur rechten Hand des Stuhles befindliche hölzerne Scheide, welche mit einer eisernen ausgezähnten Peripherie, und einer Klinke versehen ist, den Zeug vermittelst derselben auf den Baum zu winden.


Baumschere (W3) [Adelung]


Die Baumschere, plur. die -n, bey den Gärtnern, eine Schere an einer langen Stange, welche statt des andern Schenkels eine lange Schnur hat, das unsaubere und unnütze Holz damit von den Bäumen abzusondern.


Baumschiff (W3) [Adelung]


Das Baumschiff, des -es, plur. die -e, ein Kahn welcher aus einem ganzen Baume gehauen worden.


Baumschimmel (W3) [Adelung]


Der Baumschimmel, des -s, plur. von mehreren Arten, ut nom. sing. eine Art Schimmel, welche so wohl die Rinden der Bäume, als auch die Moosarten mit einer weißen Farbe überziehet; Moosschimmel, Byssus lactea, L.


Baumschlag (W3) [Adelung]


Der Baumschlag, des -es, plur. inusit. bey den Mahlern und Kupferstechern die Vorstellung des Laubwerkes an den Bäumen, und die Art und Weise, wie dasselbe abgebildet wird. S. Schlag.


Baumschließer (W3) [Adelung]


Der Baumschließer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bedienter, der zur Bewahrung des Einganges der Häfen und Flüsse bestellet ist, weil solcher oft vermittelst eines Baumes verschlossen werden kann.


Baumschnecke (W3) [Adelung]


Die Baumschnecke, plur. die -n, eine Art gemeiner Schnecken, welche an den Bäumen hinauf kriecht und auf denselben ihre Nahrung sucht; Helix nemoralis, L. die Waldschnecke.


Baumschnitt (W3) [Adelung]


Der Baumschnitt, des -es, plur. inusit. bey den Gärtnern, das Beschneiden der Bäume; noch mehr aber die Art und Weise, die Bäume zu beschneiden.


Baumschröter (W3) [Adelung]


Der Baumschröter, des -s, plur. ut nom. sing. die größte Art Käfer in Deutschland, dessen Hörner dem Geweihe eines Hirsches ähnlich sehen, und welcher sich gern an den Bäumen aufhält, deren ausgetretenen Saft er aufsauget; Lucanus, L. der Hirschkäfer, Feuerschröter, Berner, von dem alten bernen, brennen, weil er nach dem gemeinen Wahne mit seiner Hornzange glühende Kohlen auf die Dächer tragen, und selbige damit anzünden soll. S. Feuerschröter und Schröter.


Baumschule (W3) [Adelung]


Die Baumschule, plur. die -en, ein Ort, wo man junge Stämme der Bäume so lange erziehet, bis sie an den bestimmten Ort versetzt werden können.


Baumschwamm (W3) [Adelung]


Der Baumschwamm, des -es, plur. die -schwämme, ein Schwamm, oder dichtes, gelbes oder braunes Gewächs, welches aus den alten Stämmen der Bäume wächset, und woraus der Zunder bereitet wird; Tremella, L. zum Unterschiede von dem Meerschwämme.


Baumseide (W3) [Adelung]


Die Baumseide, plur. inusit. ein Zeug, welcher aus baumwollenem und gemeinem wollenen Garne verfertiget, und besonders zu Hamburg gemacht wird. S. auch Baumbast. Daher der Baumseidenweber, oder Baumseidenmacher, des -s, plur. ut nom. sing.


Baumspecht (W3) [Adelung]


Der Baumspecht, des -es, die -e, S. Baumhaker. Die erste Hälfte in dem Nahmen Baumspecht ist überflüssig, weil alle Spechte sich auf den Bäume aufhalten, und daselbst ihre Nahrung suchen.


Baumsperling (W3) [Adelung]


Der Baumsperling, des -es, plur. die -e, eine Art kleiner Sperlinge, welche in den Bäumen nistet, und sich niemahls unter die Haussperlinge mischet; Waldsperling, Weidensperling, Gerstendieb, Felddieb.


Baumspinne (W3) [Adelung]


Die Baumspinne, plur. die -n, eine Art Spinnen von vielerley Farben, welche sich auf den Bäumen aufhält.


Baumstark (W3) [Adelung]


Baumstark, adj. et adv. im gemeinen Leben, sehr stark, d. i. groß und dick von Leibe. Ein baumstarker Mensch.


Baumsteiger (W3) [Adelung]


Der Baumsteiger, des -s, plur. ut nom. sing. S. Baumhacker.


Baumstein (W3) [Adelung]


Der Baumstein, des -es, plur. die -e, ein Nahme aller derjenigen Steine, auf welchen die Natur Figuren, welche Bäumen oder Sträuchen ähnlich sehen, gebildet hat, und die man mit einem Griechischen Nahmen auch Dendriten nennet.


Baumstock (W3) [Adelung]


Der Baumstock, des -es, plur. die -stöcke, ein aus ganzem Holze gehauener Bienenstock, welcher eigentlich eine Beute genannt wird.


Baumstück (W3) [Adelung]


Das Baumstück, des -es, plur. die -e, in den Gärten, ein mit Hecken umschlossener Platz, der mit Bäumen bepflanzet wird.


Baumtorte (W3) [Adelung]


Die Baumtorte, plur. die -n, bey den Kuchenbäckern, eine Torte aus eben demselben Teige, aus welchem man den Baum- oder Stangenkuchen bäcket.


Baumwachs (W3) [Adelung]


Das Baumwachs, des -s, plur. car. ein Pflas=ter, von Wachs zum Verbinden der Bäume, besonders bey dem Pfropfen; Pfropfwachs.


Baumwagen (W3) [Adelung]


Der Baumwagen, des -s, plur. die -wägen, ein kleiner Wagen, der von Menschen gezogen wird, allerley Geräth darauf fortzubringen; vermuthlich weil die Räder zuweilen aus einem ganzen Baume geschnitten werden, oder auch, weil man sich desselben zur Fortschaffung der Bäume bedienet.


Baumwanze (W3) [Adelung]


Die Baumwanze, plur. die -n, ein fliegendes Ungeziefer, welches wie eine Wanze stinkt, und die Blüthen der Bäume, besonders die Rosenknospen, abfrist; die Gartenwanze, Feldwanze, in Obersachsen der Bürstwurm, Nieders. Qualster.


Baumwärter (W3) [Adelung]


Der Baumwärter, des -s, plur. ut nom. sing an einigen Orten so viel als ein Holzwärter, oder Forstknecht; an andern Orten auch so viel als ein Förster.


Baumwermuth (W3) [Adelung]


Der Baumwermuth, des -es, plur. inusit. eine Art Wermuth, welche zu Standen wächset, bis drey Ellen hoch wird, holzige Wurzeln hat, und in den Gärten erzeuget wird: Absynthium arborescens, Tabern.


Baumwinde (W3) [Adelung]


Die Baumwinde, plur. inusit. 1) Ein Nahme welchen man an einigen Orten dem Epheue oder Äppich, Hedera Helix, L. gibt, weil er sich an den Stämmen der Bäume hinauf windet, und solche bekleidet. 2) Eine Winde, Bäume damit auf den Wagen zu winden.


Baumwolle (W3) [Adelung]


Die Baumwolle, plur. inusit. die Wolle, welches aus den Samenkapseln gewisser Pflanzen gesammelt wird. Die bekanntesten Pflanzen, welche selbige liefern, sind: 1) Eine Pflanze, welche in Amerika, der Levante und Sicilien wächset, ein Sommergewächs ist, und blaßgelbe und am Boden purpurfarbige Blumen hat; die Baumwollenpflanze, Gossipium herbaceum, L. Die Wolle von diesem Gewächse ist die beste, aber auch die seltenste. 2) Ein Baum, der in Amerika und Ostindien angetroffen wird; der Baumwollenbaum, Bombax, L. Die Wolle ist sehr zart, kann aber nicht gesponnen werden, und kommt daher auch nicht zu uns. 3) Ein Staudengewächs, welches in Amerika und der Levante häufig angetroffen wird, und von welchem viele Baumwolle nach Europa gehet; Gossipium arboreum, L.


Baumwollen (W3) [Adelung]


Baumwollen, adj. et adv. von Baumwolle gemacht. Baumwollener Zeug. Baumwollene Kleider.


Baumwollenbaum (W3) [Adelung]


Der Baumwollenbaum, des -es, plur. die -bäume, S. Baumwolle 2.


Baumwollenpflanze (W3) [Adelung]


Die Baumwollenpflanze, plur. die -n, S. Baumwolle 1.


Baumwurz (W3) [Adelung]


Die Baumwurz, plur. car. an einigen Orten der Nahme des Engelsüß. S. dieses Wort.


Baumzucht (W3) [Adelung]


Die Baumzucht, plur. car. 1) Die Erziehung junger Bäume, und die Kunst selbige zu ziehen. 2) Junge erzogene Bäume selbst, als ein Collectivum.


Bauordnung (W3) [Adelung]


Die Bauordnung, plur. die -en, eine obrigkeitliche Verordnung, welche dasjenige enthält, was bey Errichtung der Gebäude in Ansehung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu beobachten ist.


Baupfennig (W3) [Adelung]


Der Baupfennig, des -es, plur. von mehreren Summen, die -e, an einigen Orten, ein bestimmtes Geld, welches für die Erlaubniß zu bauen an die Obrigkeit gegeben wird.


Bauprediger (W3) [Adelung]


Der Bauprediger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Prediger, welcher dazu bestimmt ist, den Baugefangenen zu predigen, zu deren Behuf man denn an manchen Orten eine eigene Baukirche hat.


Baurath (W3) [Adelung]


Der Baurath, des -es, plur. die -räthe, in manchen Gegenden, ein Bauverständiger mit dem Titel eines Rathes, welcher die Aufsicht über die öffentlichen Gebäude führet, und dem Bau-Inspector, Baumeister u. s. f. vorgesetzet ist.


Bäurisch (W3) [Adelung]


Bäurisch, S. Bäuerisch.


Bauriß (W3) [Adelung]


Der Bauriß, des -sses, plur. die -sse, ein Riß von einem Gebäude, welches erst aufgeführet werden soll, und welcher entweder ein Haupt- oder Grundriß, Aufriß oder Durchschnittsriß ist.


Bausand (W3) [Adelung]


Der Bausand, des -es, plur. car. grober Sand, so wie man ihn bey dem Bauen zu dem Mörtel gebraucht.


Bausback (W3) [Adelung]


Der Bausback, oft auch Pausback, des -es, plur. die -bäcke, im gemeinen Leben, der dicke aufgeblasene Backen hat. Daher das Bey- und Nebenwort bausbäckig, aufgeblasene Backen habend. Bausbäckige Reden, figürlich, schwülstige, aufgeblasene Reden. S. Bausen.


Bausch (W3) [Adelung]


Der Bausch, des -es, plur. die Bäusche, Diminutivum das Bäuschchen, Oberdeutsch das Bäuschlein. Überhaupt eine jede, besonders halbrundliche Hervorragung. Besonders. 1) Ein weicher Körper, der einige Kraft sich auszudehnen hat. So bedeutet Bausch bey den Wundärzten eine zusammen gelegte Leinwand, welche auf die Wunden, oder in die Gelenke gelegt wird: eine Compresse. Auch führen verschiedene Arten von Küssen, so wohl im gemeinen Leben, als bey einigen Handwerken, z. B. den Sattlern, den Nahmen der Bäusche. 2) Bey den Grenzen, eine Fläche, welche auf der einen Seite heraus gehet, im Gegensatze des Bogens, oder der auf der andern Seite hineinwärts gehenden Fläche. Daher die gemeine Redensart, in Bausch und Bogen, im Ganzen überhaupt gerechnet. Etwas in Bausch und Bogen kaufen, im Ganzen, ohne auf den Preis der einzelnen Stücke zu sehen. In Niedersachsen und Westphalen heißt es im Rämter, im Ramp, im Rummel, im Rump-Slump, oder in der Ruse kaufen. Diese Art des Kaufes oder Verkaufes, welche dem Handel nach Maß und Gewicht entgegen gesetzt ist, wird auch die Bogenfahrt genannt. S. dieses Wort. Anm. Bausch ist in der ersten Bedeutung am häufigsten in Oberdeutschland üblich. In Sachsen höret man es im gemeinen Leben nur selten. S. Bauschen.


Bauschälung (W3) [Adelung]


* Die Bauschälung, plur. die -en, in den Niederdeutschen Handelsstädten, ein gepflas=terter oder mit Bohlen ausgeschälter Platz längs dem Ufer des Hafens, zum Aus- und Einladen der Waaren.


Bauschen (W3) [Adelung]


Bauschen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, aufschwellen, sich von innen ausdehnen. Das Küssen bauschet. Dieses Wort, welches im Hochdeutschen gleichfalls wenig üblich ist, scheinet zu Bausen zu gehören, und nur durch den härtern Zischlaut davon verschieden zu seyn. Das Französ. Poche, eine Tasche, scheinet davon abzustammen. Ein anderes Zeitwort von ähnlichen Klange, welches aber gemeiniglich mit dem P ausgesprochen wird, S. unter Pauschen.


Bauschkauf (W3) [Adelung]


Der Bauschkauf, des -es, plur. die -käufe, im gemeinen Leben, ein Kauf in Bausch und Bogen; oft auch der Buschkauf, die Bogenfahrt.


Bauschreiber (W3) [Adelung]


Der Bauschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schreiber, der bey dem obrigkeitlichen Bauwesen verpfichtet ist.


Bausen (W3) [Adelung]


Bausen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, aufschwellen, von innen ausgedehnet werden, bauschen. Das Küssen bauset. Der Bauch bauset hervor, im Buche der Natur, Augsb. 1483. Auch dieses Zeitwort ist, so wie bauschen, im Hochdeutschen ziemlich ungewöhnlich. Es scheinet, daß es ehedem auch ein Activum gewesen, und blasen bedeutet habe. Wenigstens gebrauchen die Niedersachsen das Frequentativum pusten noch jetzt häufig für blasen. S. auch Busem. Die Niedersachsen, und mit ihnen viele Hochdeutsche, schreiben und sprechen dieses Wort pausen, dagegen die Oberdeutschen hier das b vorziehen.


Bauständig (W3) [Adelung]


Bauständig, S. Baulich.


Baustatt (W3) [Adelung]


Die Baustatt, plur. die -stätte, oder noch häufiger, die Baustätte, plur. die -n. 1) Ein leerer Platz, auf welchem ein Gebäude gestanden, oder der zu einem Gebäude bestimmt ist. 2) Oft auch eine bereits mit einem Gebäude besetzte Stätte und dieses Gebäude selbst, ein Haus.


Baustein (W3) [Adelung]


Der Baustein, des -es, plur. die -e, Steine, welche zum Bauen brauchbar sind, oder gebraucht werden, sie seyen nun gebrochen, gebauen oder gebrannt.


Bautag (W3) [Adelung]


Der Bautag, des -es, plur. die -tage. derjenige Tag, an welchem Unterthanen Baufrohnen zu verrichten schuldig sind.


Bauverständig (W3) [Adelung]


Bauverständig, adj. et adv. in dem Bauwesen, und allem, was dazu gehöret, erfahren. Ein Bauverständiger, der diese Kenntniß hat.


Bauverwalter (W3) [Adelung]


Der Bauverwalter, des -s, plur. ut nom. sing. dem die Verwaltung der zur Aufführung eines Gebäudes nöthigen Ausgaben aufgetragen ist, und der zuweilen auch die Aufsicht über den Bau selbst führet.


Bauwache (W3) [Adelung]


Die Bauwache, plur. die -n. 1) Die Bewachung der Baugefangenen; ohne Plural. 2) Die dazu bestimmte Mannschaft. 3) das Gebäude, worin sich dieselbe befindet.


Bauwesen (W3) [Adelung]


Das Bauwesen, des -s, plur. car. der Inbegriff alles dessen, was zur Aufführung und Unterhaltung der Gebäude gehöret.


Bauwürdig (W3) [Adelung]


Bauwürdig, -er, -ste, adj. et adv. würdig, gebauet zu werden, besonders in dem Bergbaue. Bauwürdige Anbrüche, Gänge, die man mit Nutzen bauen kann.


Bauzeug (W3) [Adelung]


Der Bauzeug, des -es, plur. von mehreren Arten, die -e, alle zu einem Baue nöthige Materialien, als Sand, Steine, Holz u. s. f.


Bauzierath (W3) [Adelung]


Der Bauzierath, des -es, plur. die -en, Theile, welche einem Gebäude bloß zur Zierde dienen, als Simswerk, Bildhauerarbeit u. s. f.


Bavian (W3) [Adelung]


Der Bavian, des -s, plur. die -e, eine Art großer Affen, mit einem kurzen Schwanze, einer langen, stumpfen Schnauzte, einem bloßen und blutrothen Hintern, und scharfen, spitzigen, gekrümmten Nägeln.

Anm. Der Bavian, oder nach einigen Mundarten Pavian, heißt im Franz. Babouin, im Ital. Babuino, Babbione. Schilter glaubt, der Nahme komme von Baba, ein Knabe her, weil dieses Thier ein Freund der Kinder sey. Allein man hat ihn mit allem Rechte für ein ausländisches Wort zu halten, welches vielleicht von dem Nahmen einer Afrikanischen Landschaft, in welcher diese Thiere zuerst gesehen worden, seinen Ursprung hat. In dem Lateine des 13ten Jahrhundertes heißt dieses Thier Babewynus, Baboynus, Babuynus und Babugnia.


Bayern (W3) [Adelung]


Bayern, S. Baiern.


Bayonnett (W3) [Adelung]


Das Bayonnett, des -es, plur. die -e; eine Art eines kurzen Degens, etwa anderthalb Fuß lang, ohne Gefäß, welcher auf den Lauf einer Flinte gesteckt wird.

Anm. Dieses Gewehr hat seinen Nahmen von der Stadt Bayonne in Frankreich, weil es daselbst entweder erfunden, oder doch ehedem am besten verfertiget worden. Bayonne war schon in den mittlern Zeiten seiner guten Armbrüste wegen berühmt; daher die Armbrustmacher sich im Französischen ehedem auch Bayonniers nannten.


Be- (W3) [Adelung]


Be-, das verkürzte Vorwort bey, welches im Hochdeutschen allein den Verbis, und den von ihnen abgeleiteten Nennwörtern eigen ist, welches es als eine untrennbare Partikel vorgesetzet wird. WasI. Den Gebrauch und die Bedeutung dieser Partikel betrifft, so wird sie so wohl schon vorhandenen Verbis vorgesetzet, als auch Nennwörtern, um aus den letztern Verba zu bilden.1. Die schon vorhandenen Verba sind entweder Activa oder Neutra.1) In den Activis hat diese Partikel, (a) zuweilen die eigentliche Bedeutung des Vorwortes bey; wie in begleiten, welches ehedem beleiten lautete, gleichsam beyleiten; beschließen, in der Oberdeutschen Bedeutung, sich verschließen, gleichsam beyschließen; sich begeben, so wohl von dem Begeben an einen Ort, sich bey, d. i. an denselben geben, als auch von dem Begeben einer Sache, sich derselben begeben, gleichsam sich bey Seite derselben geben; begraben, d. i. beygraben, bey Seite graben; berufen, gleichsam herbey rufen u. s. f. Doch in dieser Bedeutung ist bey in seiner vollständigen Gestalt üblicher. (b) Häufiger druckt sie den Gegenstand der Handlung, doch mit verschiedenen Nebenbegriffen aus, und zwar am häufigsten den Nebenbegriff der Anfüllung, oder der Ausdehnung der Handlung über den ganzen Gegenstand; wie aus den Verbis bedecken; einen Platz bebauen, einen Bogen Papier bedrucken, beschreiben, bemahlen, beschmieren, einen Acker besäen, bepflanzen, mit Tapeten behängen, mit Salz bestreuen, einen Ort belagern, gleichsam umlagern, mit Erde beschütten u. s. f. erhellet. (c) In vielen Fällen weiset sie auf den Gegenstand, an welchem die Handlung geschiehet, und bedeutet alsdann, daß selbige an demselben nur hin und wieder, oder ein wenig vorgenommem wird; welcher Begriff in den Verbis berühren, ausrühren, beschaben, d. i. hin und wieder etwas abschaben, berupfen, beschneiden, befeuchten, benetzen, besprengen, u. s. f. Statt findet. Oft aber druckt sie (d) auch im Gegentheile eine Intension, oder einen hohen, stärkern Grad der Handlung aus, wie in bedrücken, bedrängen, beängstigen, befestigen, beschimpfen, bewaffnen, bezwingen u. s. f.2) In den Neutris, oder Intransitivis, dienet be, (a) zuweilen, die Bedeutung des einfachen Verbi zu verstärken, so daß das Zusammengesetzte ein Intransitivum bleibt; z. B. bestehen bleiben, für stehen bleiben, beruhen lassen, für ruhen lassen, bedürfen, beharren, bedünken, u. s. f. Noch häufiger aber, (b) macht es aus Neutris Activa, oder aus Intransitivis Transitiva, indem es den Zustand, den jene ausdrucken, auf einen Gegenstand überträgt, und den Zustand dadurch zu einer Handlung macht. Die Verba dieser Art sind sehr häufig; z. B. beantworten, auf etwas antworten, bearbeiten, an etwas arbeiten, bebluten, an oder auf etwas bluten, bebrüten über etwas brüten, bedenken, so fern es über etwas nachdenken bedeutet, bedrohen, die Drohung an jemanden richten, begehren, nach etwas gehren, d. i. verlangen, beweinen, über etwas weinen, belachen, beseufzen, beherrschen, bewohnen, u. s. f. Zuweilen schleichen sich allerley Nebenbegriffe mit ein, am häufigsten aber der Anfüllung oder Verbreitung der Handlung, über den ganzen Gegenstand; wie in betrinken, beleuchten, bewachsen, belecken u. s. f. oder der öftern Wiederholung; einen Weg befahren, ein Meer besegeln, beschiffen, den Puls begreifen, befühlen, betasten, beriechen, besehen; zumahl wenn durch die öftere Wiederholung der Gegenstand eine Art von Vollkommenheit erhält, wie in bereiten, bereden, die Grenzen begehen, einen Baum behauen, ein Bret behobeln u. s. f. Oft auch der Intension oder der innern Stärke der Handlung, wohin besonders die Reciproca sich bedanken, sich beeifern, sich befinden, sich befleißigen, sich begatten, sich begnügen, sich behelfen, sich bekehren, sich besprechen u. s. f. gehören; denn der Form nach sind alle Reciproca wahre Activa, ob sie gleich der Bedeutung nach Intransitiva sind. In einigen, ob gleich wenigen Fällen, hat be, noch die eigentliche Bedeutung des Vorwortes bey; wie in beschlafen, für schwängern, wovon noch das Hauptwort Beyschlaf in der vollständigen Gestalt üblich ist, beschmausen, gleichsam bey einem schmausen, und vielleicht noch einigen andern.2. Eben so oft aber hilft diese Partikel auch Verba aus Nennwörtern bilden, und alsdann druckt sie gleichfalls die Übertragung oder Mittheilung derjenigen Sache, welche das Nennwort bezeichnet, an einen andern Gegenstand aus. Dahin gehören von Substantiven die Verba beädern, bebändern, beblümen, bedeichen, beamten, bedrücken, bedachen, beflügeln, begütern, behaaren, beherbergen u. s. f. mit Adern, Bändern, Blumen u. s. f. versehen. Ingleichen von Adverbien, befesten oder befestigen, befeuchten, befreyen, begütigen, bekräftigen, bereichen oder bereichern, besänften oder besänftigen, beschleunigen, beseligen u. s. f. fest, feucht, frey, gütig u. s. f. machen.3. Endlich muß noch eines Gebrauches dieser Partikel Erwähnung geschehen, obgleich derselbe nur in der niedrigen Sprechart Statt findet, wo man, wenn man eine Sache ahnden oder bestrefen will, den Nahmen derselben vermittelst dieser Partikel in ein Verbum verwandelt. Z. B. Es ist der Herr von Liebreich, du weißt nicht was du thust; worauf Jobst antwortet:Ich will dich und ihn beliebreichen, Weiße. Sie behauptet, sie frey die Frau Junkern. Aber ich will sie bejunkern, daß sie an mich denken soll, ebend. Doch, wie gesagt, dieser Gebrauch gehöret nur in die niedrigen Sprecharten.II. Was die Conjugation und Wortfügung der mit be zusammen gesetzten Zeitwörter betrifft, so gehöret diese Partikel zu den untrennbaren, welche ihr Verbum nie verlassen. Das ordentliche Merkmahl der vergangenen Zeit, die Sylbe ge, fällt alsbey diesen Verbis völlig weg, und man sagt nicht begesehen, begewandert, begebauet, sondern besehen, bewandert, bebauet. Es bekommt in der Rede niemahls den Accent; obgleich die mit bey zusammen gesetzten Verba denselben fast allezeit haben. Da diese Partikel in allen den Fällen, wo sie nicht bloß das Zeichen einer Intension ist, eine Richtung auf einen gewissen Gegenstand oder die Übertragung einer Sache auf denselben bedeutet, so wird sie auch alle Mahl, einige wenige Fälle ausgenommen, mit der vierten Endung der Sache verbunden. Eine Wand bemahlen, den Puls begreifen, den Degen bebändern. Eben so wurde ehedem auch das Vorwort bey, wenn es eine Bewegung nach einem Gegenstande bedeutete, mit dem Accusativ verbunden. S. Bey.

Anm. Es könnte bey dieser Partikel und den mit ihr zusammen gesetzten Verbis noch sehr vieles angemerket werden. Um aber diesen Artikel nicht zu lang zu machen, soll nur folgendes berühret werden. 1) Daß dieses be, wirklich das Vorwort bey ist, erhellet aus der ältesten Schreibart bey der, welche bey den Franken und Alemannen bi oder pi ist. Das ey in dem Vorworte gehöret den neuern Alemannen zu. Ehedem schrieb man auch in manchen Wörtern be-, wo man jetzt bey gebraucht. Henisch hat beseits für beyseit, und beruft sich auf 2 Kön. 5, 24, und 1 Chron. 14, 9 wo aber unsere heutigen Ausgaben beyseit haben. S. Bey. 2) In manchen Wörtern ist es neuern Ursprunges, und viele Verba sind in den gemeinen Mundarten in ihrer einfachen Gestalt üblich, wofür die Hochdeutschen das Compositum mit be haben; z. B. gehren für begehren, schädigen für beschädigen, festen für befestigen, deuten für bedeuten, fördern für befördern. Dagegen pflegen die Oberdeutschen diese Partikel manchen Verbis auch ohne Roth vorzusetzen; wie in belassen für lassen, benöthigen für nöthigen, behindern für hindern. 3) Be, ge und ver, werden oft mit einander verwechselt. So sagt Opitz besegnen für gesegnen, und im Oberdeutschen ist behörig für gehörig, beschehen für geschehen, besammeln für versammeln u. s. f. üblich. 4) Die Oberdeutschen haben an dieser Partikel einen solchen Geschmack gefunden, daß sie oft ganze Redensarten vermittelst derselben in thätige Verba verwandeln, welches ihr beabsichten, bewetteifern, beargwohnen, beanfragen, bewerkthätigen, beaugenscheinigen, beerbtheilen, begenehmigen u. s. f. beweisen. Da diese Verba eigentlich aus ganzen Redensarten verstümmelt sind, so beleidigen sie so wohl die Klarheit, als den guten Geschmack. 5) In manchen Wörtern ist dieses be mit dem folgenden Worte so zusammen geschmolzen, daß nichts als das bloße b übrig geblieben ist. S. die Wörter Barmherzig, Beicht, Bange, Brücke, Bleiben u. s. f. 6) Von allen oben angeführten Bedeutungen lassen sich jetzt nur noch folgende zur Bildung neuer Wörter vermittelst dieser Vorsylbe anwenden. (a) Die Erstreckung einer Handlung über den ganzen Gegenstand zu bezeichnen, einen Acker bepflügen, Can. (b) Activa aus Neutris zu bilden, beekeln, Hall. beeifen, Canitz. (c) Verba aus Substantiven und Adverbien zu bilden, beblätterte Zweige, begras'te Hügel, schwarz beharnischt, Gesn. Doch ist auch hier Behutsamkeit und Geschmack nothwendig, indem das be wegen seiner Kürze und vielfachen Bedeutung leicht Dunkelheit verursachen kann.


Beabsichten (W3) [Adelung]


* Beabsichten, oder Beabsichtigen, verb. reg. act. zur Absicht haben. Etwas beabsichtigen. S. Be-

Anm. 4).


Beachten (W3) [Adelung]


* Beachten, verb. reg. act. mit Aufmerksamkeit wahrnehmen; jetzt veraltet, weil beobachten deutlicher und bestimmter ist. Ein Umstand beachten.


Beädern (W3) [Adelung]


Beädern, verb. reg. act. mit Adern versehen, in welcher eigentlichen Bedeutung dieses Wort wenig üblich ist. Bey den Sattlern kommt es indessen als ein Kunstwort vor, wenn sie die Sattelbäume beädern, oder mit Pferdesehnen überziehen. Daher die Beäderung.


Beamte (W3) [Adelung]


Der Beamte, des -n, plur. die -n, ein Beamter; der mit einem Amte versehen ist; Forstbeamte, Justitz-Beamte, Berg- und Hüttenbeamte. Besonders derjenige, dem die Verwaltung eines Kammeramtes aufgetragen ist, ein Amtmann, Amtsverwalter, u. s. f. Es ist dieses Wort eigentlich das Particip. Pass. von dem Verbo beamten, mit einem Amte versehen, welches im Oberdeutschen sehr gebräuchlich ist, im Hochdeutschen aber wenig gehöret wird. Es sollte daher eigentlich der Beamtere heißen, wie es bey einigen Oberdeutschen auch wirklich lautet; allein im Hochdeutschen wird die letzte Sylbe um des Wohllautes willen gemeiniglich verschlungen.


Beängstigen (W3) [Adelung]


Beängstigen, verb. reg. act. Angst erwecken, verursachen, so wohl von der Angst des Leibes, als auch, und zwar am häufigsten, von der Angst des Gemüthes. Kein quälender Gedank beängstigt mein Gewissen, Weiße. Daher die Beängstigung, so wohl von der Verursachung der Angst, als auch der dadurch erweckten Empfindung, oder der Angst selbst. Das Verbum beängsten, von welchem dieses das Intensivum ist, ist im Hochdeutschen wenig gebräuchlich. S. Angst.


Beantworten (W3) [Adelung]


Beantworten, verb. reg. act. Antwort auf etwas ertheilen, in der weitesten Bedeutung dieses Wortes. Eine Frage, einen Einwurf, eine Schwierigkeit, einen Brief u. s. f. beantworten. Daher die Beantwortung, so wohl von der Handlung des Beantwortens, als auch der ertheilten Antwort selbst; beantwortlich, worauf sich antworten läßt; und die Beantwortlichkeit.


Bearbeiten (W3) [Adelung]


Bearbeiten, verb. reg. act. 1) An etwas arbeiten, durch Arbeit vollkommen zu machen suchen. Ein Stück Holz, Metall u. s. f. bearbeiten. Einen Graben, den Acker bearbeiten. Einen Gegenstand aus der Weltweisheit, aus den schönen Wissenschaften bearbeiten, daran arbeiten. 2) Sich bearbeiten, sich bemühen, bestreben. Daher die Bearbeitung.


Beargwohnen (W3) [Adelung]


* Beargwohnen, verb. reg. act. Argwohn über etwas schöpfen, ein vornehmlich im Oberdeutschen, und in den Hochdeutschen Kanzelleyen übliches Verbum. S. Be-

Anm. 4).


Bearmen (W3) [Adelung]


* Bearmen, verb. reg. act. in sich fassen, eigentlich, in den Armen halten; ein völlig ungewöhnliches Wort; welches nur Ein Mahl bey dem Opitz vorkommt: Es erquickt sich und erwarmt Durch die Kraft der güldnen Sonn, Was die reiche See bearmt.


Bearten (W3) [Adelung]


Bearten, verb. reg. act. welches in der Landwirthschaft üblich ist, arthaft machen, bearbeiten, pflegen und warten. Die Äcker zu Wiesen bearten. Die Hopfenfächser bearten, warten.


Beäugen (W3) [Adelung]


* Beäugen, verb. reg. act. in die Augen fassen, zu Gesichte bekommen, betrachten; ein nur in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes übliches Zeitwort. Nieders. beogen.


Beaugenscheinigen (W3) [Adelung]


* Beaugenscheinigen, verb. reg. act. persönlich besichtigen, in Augenschein nehmen. Daher die Beaugenscheinigung, die persönliche Besichtigung, ocularis inspectio. Beyde Wörter sind in der edlern Schreibart unbekannt. S. Be-

Anm. 4).


Bebaken (W3) [Adelung]


Bebaken, ver. reg. act. in den Seestädten, mit Baken oder schwimmenden Tonnen versehen. Daher die Bebakung. S. Bake.


Bebändern (W3) [Adelung]


Bebändern, verb. reg. act. mit Bänden besetzen, versehen; gemeiniglich nur im Scherze. Doch wärst du wohl so klein den Degen zu bebändern? Zachar.


Bebärten (W3) [Adelung]


Bebärten, verb. reg. act. mit einem Barte versehen; ein fast nur allein in der Wapenkunst übliches Wort. Koth bebärtet, mit einem rothen Barte versehen.


Bebauen (W3) [Adelung]


Bebauen, verb. reg. act. mit Gebäuden an- oder ausfüllen. Einen leeren Platz, eine Brandstelle bebauen.


Beben (W3) [Adelung]


Beben, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben, erfordert, sich hin und her bewegen. 1. Eigentlich. Ein bebendes Laub. Die Erde bebet. Vor Kälte beben. In deinem treuen Auge bebt die Thräne, die dich schmückt, Gieseke. Besonders als die Wirkung einer Leidenschaft. Komm und umarme mich! Mein ganzes Herze bebtVor Freuden, Weiße. Am häufigsten, als eine Wirkung der Furcht, der Angst, in welchem Falle es im gemeinen Leben oft mit zittern verbunden wird. Vor Furcht zittern und beben. Sie beben vor der Gefahr, die sie nur erst entdecken. In der höhern Schreibart, auch oft mit Weglassung des Substantives. Mein väterliches Herz bebet für dich, Dusch. Der Held, um den du bebtest, Kaml. d. i. vor Furcht.2. Figürlich. 1) Bebend gehen, in der dichterischen Schreibart. 2) Unterbrochen zum Vorscheine kommen, besonders wenn solches die Wirkung einer Leidenschaft ist, gleichfalls in der höhern Schreibart. Was für Verwirrung bebt aus jedem Blick hervor, Weiße. 3) Eine bebende Stimme, die der Stimme eines Menschen gleicht, der vor Furcht bebet. Oder sie (die Stimme) bebt durch schreckliche Wüsten und alte Gemäuer, Zachar. Daher die Bebung, so wohl eigentlich von einer bebenden Bewegung: Das Blut wird so träg in ihren Adern schleichen, daß kein Pulsschlag, keine Bebung seinen Gang verräth, Weiße, als auch figürlich von dem Tone.

Anm. Zittern druckt gemeiniglich eine schnellere, beben aber eine langsamere Bewegung aus; obgleich beyde Verba sehr oft mit einander verwechselt werden. Beben, Nieders. beven, Dän. bäve, Angel. bifjan, Schwed. bafwa, Isländ. bifaft, lautet bey dem Kero und Ottfried pievun, bibun und piben. Die Oberdeutschen sprechen es noch jetzt bidmen aus, daher auch das Erdbeben bey ihnen Erdbidem lautet. Das Latein. paveo, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , scheinen aus eben dieser Quelle herzustammen; ob sie gleich mit der Zeit allein auf die Furcht eingeschränket worden. Die gemeinen Mundarten haben von diesem Verbo die Frequentativa bevern, bebern, bobern und puppern.


Beberäsche (W3) [Adelung]


Die Beberäsche, plur. die -n, S. Aspe.


Bebinden (W3) [Adelung]


Bebinden, verb. reg. act. vermittelst eines angebundenen Körpers bedecken. Eine Laube Jasmin bebinden.


Beblechen (W3) [Adelung]


Beblechen, verb. reg. act. mit Blech bekleiden; doch meisten Theils nur im figürlichen Scherze, mit Treffen besetzen. Es gibt da (am Hofe) viel beblechte Herren, Weiße.


Beblümen (W3) [Adelung]


Beblümen, verb. reg. act. mit Blumen schmücken, in der poetischen Schreibart. Und Flora heißet es hier zwey Mahl Frühling seyn, Beblümet zwier das Feld, Opitz. Eile Lenz, beblüme die Triften und belaube den Wald, Geßn. Die Hügel und die WeideStehn aufgehellt; Und Fruchtbarkeit und Freude Beblümt das Feld, Haged. Wenn Canitz an einem Orte singt: Der Neid, der insgemein den Stachel zu beblümen, Die Tugend in dem Sarg am liebsten pflegt zu rühmen, d. i. unter einem angenehmen äußern Schein zu verbergen, so ist die Figur zu hart; und wohl nur bloß durch den Reim veranlasset worden.


Bebluten (W3) [Adelung]


Bebluten, verb. reg. act. mit seinem eigenen Blute benetzen, sein Blut auf etwas fließen lassen, so wohl im gemeinen Leben, als auch in der dichterischen Schreibart einiger Neuerern.


Bebrämen (W3) [Adelung]


Bebrämen, verb. reg. act. mit einem Gebräme oder einem Rande einfassen. Ein reich bebrämtes Kleid.


Bebrücken (W3) [Adelung]


Bebrücken, verb. reg. act. mit einer Brücke versehen. Einen Fluß bebrücken.


Bebrüten (W3) [Adelung]


Bebrüten, verb. reg. act. durch Brüten fruchtbar machen. Die Eyer sind schon bebrütet, wofür in einigen Gegenden befangen üblich ist. Ingleichen figürlich für sorgfältig bewachen. Der Geiz bebrütet Gold zu sein und andrer Plage. Hall. Daher die Bebrütung.


Bebung (W3) [Adelung]


Die Bebung, S. Beben.


Beccasine (W3) [Adelung]


Die Beccasine, plur. die -n, S. Wasserschnepfe, und Feldschnepfe.


Becherblume (W3) [Adelung]


Die Becherblume, plur. die -n, eine Pflanze, welche auch im Winter grün bleibt, eine schwarze Wurzel, und gefiederte Blätter hat. Sie gibt ein gutes Futterkraut ab, und wächset in den rauhen Gegenden des mittägigen Europa. Poterium Sanguisorba, L. Der Nahme Becherblume, welchen sie der Gestalt ihrer Blumen zu danken hat, ist ihr vermuthlich erst von den neuern Botanisten beygeleget worden; denn sonst wird sie auch rauches Blutkraut, Nagelkraut, kleine Pimpinelle, und kleines Sperberkraut genannt.


Becherdruse (W3) [Adelung]


Die Becherdruse, plur. die -n, in der Mineralogie, Krystalldrusen, deren Säulen hohl und halb leer, bald mit einer fremden Materie angefüllet sind.


Bechereisen (W3) [Adelung]


Das Bechereisen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Goldschmied, ein tragbarer Ambos, der aus einem Cylinder bestehet, dessen beyde Enden schief abgeschnitten sind, Becher oder gewölbte Bleche darauf zu schlagen.


Becherglas (W3) [Adelung]


Das Becherglas, des -es, plur. die -gläser, ein gewöhnliches Trinkglas zum Bier und Wasser; zum Unterschiede von einem Kelchglase.


Becherlehen (W3) [Adelung]


Das Becherlehen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Lehen in Baiern, welche mit den Schüssellehen einerley zu seyn scheinen, und diesen Nahmen vermuthlich daher haben, weil die Besitzer derselben dem Lehensherren zu Lehnserkenntniß eine Schüssel oder einen Becher überreichen müssen.


Becherschwamm (W3) [Adelung]


Der Becherschwamm, des -es, plur. die -schwämme, eine Art Schwämme ohne Stiel, welche einem Becher, oder einer Glocke gleichen; Peziza, L. im gemeinen Leben Napfmorchel, Schüsselmorchel.


Becherstürzer (W3) [Adelung]


Der Becherstürzer, des -s, plur. ut nom. sing. im Scherze, ein starker Trinker.


Bechertasse (W3) [Adelung]


Die Bechertasse, plur. die -n, kleine runde Becher nach Art der Tassen; in Niedersachsen Tümmelchen.


Bechertraube (W3) [Adelung]


Die Bechertraube, plur. die -n, ein hölzernes Werkzeug der Töpfer, die Schüsseln und Teller insgesammt von gleicher Tiefe zu machen.


Becken (W3) [Adelung]


Das Becken, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein flaches Gefäß, welches breiter, als tief ist, und dessen Vertiefung gemeiniglich eine halb runde Gestalt hat. Daher das Handbecken, Fußbecken, Barbierbecken, Kammerbecken u. s. f. 2) Eine jede Vertiefung des Erdbodens, besonders, wenn sie zu einem Wasserbehältnisse dienet. 3) In der Anatomie, der unterste Theil im Schmerbauche, wo das Hüftbein, das heilige Bein und das Darm- oder Schambein bey ihrer Vereinigung eine Höhle bilden, in welcher die Blase, der Mastdarm und bey dem weiblichen Geschlechte die Bärmutter liegen. 4) Eine Art der Gienmuscheln oder Chamen, welche einem Becken nicht unähnlich ist, und auch der Pferdefuß genannt wird; Lavacrum, Hippopos.

Anm. Becken, bey dem Ottfried Bekin, Dän. und Nieders. Becken, in dem mittlern Lateine Bachinus, Bacinus, Bacca, Ital. Bacino, Bacile, Franz. Bassin, kommt gleichfalls von Bak, ein hohles Gefäß her, daher man es ehedem auch Bäcken schrieb. Ehedem wurde es auch von einem Trinkgeschirre gebraucht, wofür jetzt Becher üblich ist.


Beckenherr (W3) [Adelung]


Der Beckenherr, des -en, plur. die -en, an einigen Orten der Vorsteher der Armen in einer Gemeinde, welche die Becken vor den Kirchthüren aussetzen, und wohl selbst dabey stehen; im mittlern Lateine Bassinarii und Bassinerii.


Beckenschläger (W3) [Adelung]


Der Beckenschläger, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Handwerksmann, der allerley Arten von Becken aus Metall schläget. In Hamburg werden sie auch Blechschläger genannt. Im gemeinen Leben werden die Beckenschläger, mit den Flaschnern, und Klempenern oder Klimperern häufig verwechselt, obgleich solches ganz verschiedene Handwerke sind. S. diese Wörter. 2) Bey der Janitscharen-Musik derjenige, welcher die metallenen Becken an einander streicht.


Becker (W3) [Adelung]


Der Becker, S. Bäcker.


Beckhammer (W3) [Adelung]


Der Beckhammer, des -s, plur. die -hämmer, bey den Kupferschmieden, ein scharfer Hammer zum Einbecken, d. i. den Draht unterzuschlagen. Bey den Steinnetzen führt gleichfalls eine Art Hämmer diesen Nahmen. In beyden Fällen ist dieses Wort von bicken, wofür man in einigen Mundarten auch becken sagt.


Bedachen (W3) [Adelung]


Bedachen, verb. reg. act. mit einem Dache versehen; doch größten Theils nur in der Wapenkunst, wo das Haus eines Schildes bedacht heißt, wenn dessen Dächer besondere Farben haben. Daher die Bedachung, im gemeinen Leben, so wohl von der Verfertigung eines Daches, als auch von dem Dache selbst.


Bedacht (W3) [Adelung]


Der Bedacht, des -es, plur. car. das Bedenken einer Sache, die Überlegung, Gegenwart des Geistes, doch nur ohne Artikel, und in einigen adverbischen Redensarten. Etwas mit oder ohne Bedacht thun, mit oder ohne Überlegung. Mit Bedacht reden. Alles mit Bedacht, alles muß mit Überlegung geschehen. Am Muthe fehlt mir nichts, doch an Bedacht fehlts dir, Less.

Anm. Bedacht, im Nieders. Beducht, ist von dem alten Dacht, welches wiederum von denken abstammt. Bedacht auf etwas haben, sich darauf bedenken, ist nicht mehr üblich, und den Bedacht wohin, oder auf etwas nehmen, kommt im Hochdeutschen am häufigsten in den Kanzelleyen vor. S. Bedenken.


Bedacht (W3) [Adelung]


Bedacht, adj. et adv. S. Bedenken.


Bedächtig (W3) [Adelung]


Bedächtig -er, -ste, adj. et adv. mit Bedacht. Bedächtig handeln, reden. Ein bedächtiger Mensch, der alles mit Bedacht thut. Daher die Bedächtigkeit, die Bedachtsamkeit. Bedächtiglich, Sprichw. 15, 14, ist im Hochdeutschen veraltet.


Bedächtlich (W3) [Adelung]


Bedächtlich, -er, -ste, adj. et adv. in eben dieser Bedeutung. Er ist in allen seinen Sachen sehr bedächtlich. Bedächtliche, wohl überdachte, Worte.


Bedächtlichkeit (W3) [Adelung]


Die Bedächtlichkeit, plur. inusit. der Bedacht. Er sprach mit vieler Bedächtlichkeit.


Bedachtsam (W3) [Adelung]


Bedachtsam, -er, -ste, adj. et adv. wie bedächtig und bedächtlich, d. i. genugsame Zeit auf die Überlegung und behutsame Vollziehung einer Handlung wendend, und darin gegründet. Bedachtsam reden, handeln. Ein bedachtsamer Mensch. Wir müssen den flüchtigen Anblick der Schöpfung in einen bedachtsamen verwandeln, Gell. Daher die Bedachtsamkeit. Da die Ableitungssylbe ig, lich, und sam nicht völlig gleich bedeutend sind, so lassen sich auch bedächtig, bedächtlich und bedachtsam noch unterscheiden; allein die Unterschiede sind so unbedeutend, daß man diese Wörter immer als gleich bedeutend gebrauchen kann.


Bedanken (W3) [Adelung]


Bedanken, verb. reg. recipr. mit Worten für etwas danken, sich bedanken, im täglichen Umgange; wofür man in den anständigern Schreibarten lieber danken oder Dank sagen gebraucht. Sich bey einem bedanken, sich für etwas bedanken. Sich bedanken lassen, das ist, Dank sagen lassen. Im Scherze auch zuweilen so viel als sich weigern, nicht wollen. Ich will einen Mann haben, und ohne gesunde Glieder bedankt sich einer, Weiße.

Anm. Bedanken mit der zweyten Endung, z. B. sich der Ehre bedanken, ingleichen mit dem Vorworte um, sich um etwas bedanken, sind im Hochdeutschen veraltet.


Bedarf (W3) [Adelung]


Der Bedarf, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen großen Theils veraltetes Wort, welches nur noch in den Kanzelleyen üblich ist. 1) Ohne Plural, für das Bedürfniß, oder den Zustand, da man einer Sache bedarf. 2) Dasjenige, dessen man bedarf. Die Lieferung des nöthigen Bedarfs an Schreibe-Materialien.

Anm. Dieses Wort war ehedem auch im Niedersächsischen üblich, wo es Bedarf lautet. Das alte Schwed. Tharf, und Angelsächsische Thearf hatten gleiche Bedeutung. S. Bedürfen und Darben.


Bedäuchten (W3) [Adelung]


Bedäuchten, S. Bedünken Anm.


Bedauern (W3) [Adelung]


Bedauern, verb. reg. act. 1) Mitleiden mit etwas haben und äußern. Den Sterbenden bedauern, hieße den bedauern, der glücklicher wird, Dusch. Wie müssen die Engel unsere Unwissenheit bedauern, wenn sie um unsere Leichname die Verzweifelung die Hände ringen sehen! ebend. Irrthum mit Redlichkeit ist zu bedauern, nicht zu verlachen. Bewundert will ein Held und nicht bedauert seyn, Wenn ihn ein Unglück trifft, Cron. 2) In weiterer Bedeutung, Reue, Schmerz, Unlust über etwas empfinden. Eines Abwesenheit bedauern. Wie sehr wirst du einmahl die übel angewandte Zeit bedauern.

Anm. Im Oberdeutschen wird dieses Verbum auch für kränken, impersonaliter gebraucht. Diese Schmach bedauerte den Propst und das Capitul, Bluntschli. Von der Rechtschreibung dieses Wortes S. Dauern. Das Hauptwort die Bedauerung, ist im Hochdeutschen nicht sehr gewöhnlich.


Bedecken (W3) [Adelung]


Bedecken, verb. reg. act. gänzlich decken. 1) In eigentlicher Bedeutung. Das Haupt, das Gesicht bedecken. Der Schnee bedeckt die Erde. Der Himmel sich mit Wolken. Sich bedecken, in höflichen Ausdrücken, den Hut aufsetzen. 2) Figürlich. (a) In der edlern Sprechart, von verschiedenen Thieren, sich zur Fortpflanzung vermischen. In diesem Verstande gebrauchen die Jäger dieses Wort von den Hirschen. S. auch Beschlagen und Begatten. (b) Beschützen, wider eine Gewalt von Außen sichern. Die Berge bedecken die Stadt. Das Lager wird von Bergen bedeckt. Besonders im Kriege, durch Soldaten von allem Anfall sichern. Eine Stadt, einen Transport Lebensmittel bedecken. (c) Dem Gesichte entziehen. Der bedeckte Weg, in dem Festungsbaue, der Weg vor der Brustwehre des Glacis, welchen man von Außen nicht siehet. Seine guten Eigenschaften bedecken diesen Fehler, Weiße. (d) Sicherheit gegen den Verlust seines Eigenthums gewähren. Ich bin bedeckt, oder gedeckt, sagt ein Gläubiger, wenn er außer dem Schuldscheine noch mit Hypothek, Pfand, oder Bürgen versehen ist.

Anm. Bedecken, Dän. bedäcke, bey dem Ottfried bitheken, bey dem Notker bedechen und pedechen, ging, so wie das einfache decken ehedem irregulär, daher es im Particip. Pass. auch badaht und pitact hatte. S. Decken.


Bedeckung (W3) [Adelung]


Die Bedeckung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Bedeckens in allen Bedeutungen des Verbi; ohne Plural. 2) Dasjenige, wodurch eine andere Sache bedeckt wird, so wohl in eigentlicher, als figürlicher Bedeutung. In den Ferngläsern ist es daher eine runde Scheibe, welche in der Mitte eine Öffnung hat, und das Objectivglas bedeckt, um die Lichtstrahlen von demselben abzuhalten; die Blendung. In dem Festungsbaue, ein jedes Werk, welches so hoch ist, daß man sich dahinter verbergen kann. Ingleichen eine Anzahl Soldaten, welche die Arbeiter, eine Zufuhre, einen Posten u. s. f. vor dem feindlichen Angriffe beschützen.


Bedeichen (W3) [Adelung]


Bedeichen, verb. reg. act. in den Marschländern, mit einem Deiche versehen. Daher die Bedeichung. S. Deich.


Bedell (W3) [Adelung]


Der Bedell, S. Pedell.


Bedemund (W3) [Adelung]


* Die Bedemund, plur. inusit. ein größten Theils veraltetes Wort, welches nur noch in einigen Niedersächsischen, Rheinischen und Fränkischen Gegenden üblich ist, wo es in doppelter Bedeutung vorkommt. 1) Von der Genugthuung, welche derjenige dem Grundherren geben muß, der eine seiner Leibeigenen schwängert. 2) Von denjenigen Gelde, womit die Leibeigenen die Erlaubniß zu heirathen von ihrem Grundherren erkaufen müssen.

Anm. Die Unwissenheit in den Deutschen Mundarten hat verschiedene ungereimte Ableitungen dieses Wortes veranlasset. Die erste Hälfte ist das alte und noch heutige Sächsische Bede, womit ein jeder Zins, oder eine jede ungewöhnliche Abgabe ausgedruckt wurde, und welches nicht so wohl von beden, d. i. biethen oder gebiethen, sondern von bidden, bitten, herkommt, S. Bethe. Die letzte Hälfte ist das Niedersächsische Munte oder Münthe, d. i. Münze; daher Bedemund, oder richtiger Bedemunte, eine jede Zinsenmünze, oder Abgabe in Geld bedeutet, die hernach besonders von obigen beyden Fällen gebraucht worden. Aus Herrn Hakens Gesch. der Stadt Cöslin S. 17, erhellet, das Bedemunte in Hinterpommern mit der so genannten Orbäre oder Orbede einerley gewesen, und diejenige Abgabe bedeutet hat, die man dem Grundherren in recognitionem dominii et proprietatis entrichtet. So fern die Bedemund für die Erlaubniß zu heirathen gegeben wurde, wird sie in dem Sächsischen Landrechte auch Bauermiethe genannt. S. dieses Wort.


Bedenken (W3) [Adelung]


Bedenken, verb. irreg. act S. Denken. 1) Über etwas nachdenken. Ich habe die Sache hin und her bedacht. Ich gebe dir dieses zu bedenken. Sprichw. Vor gethan und nach bedacht, hat manchen in groß Leid gebracht. Ein bedachter Rath, Apostelg. 2. 23. Ingleichen als ein Reciprocum, sich bedenken, bey sich nachdenken. Ich bedenke mich noch, ob ich es thun will. Ungewöhnlich ist die Verbindung mit dem Genitiv der Sache: Ich habe mich zweyer Wege bedacht, diesen Wunsch desto eher zu erreichen, Less. für, ich habe darauf gedacht. 2) Seine Entschließung ändern, als ein Reciprocum. Er hat sich wieder anders bedacht. Ingleichen mit der zweyten Endung; sich eines Bessern bedenken, eine bessere Entschließung fassen. 3) Mit Vorsorge an etwas denken, für etwas sorgen. Seine Gesundheit bedenken, sie zu erhalten suchen. Bedenke dein Gewissen. In diesem Verstande wird auch das Particip. Pass. bedacht in thätiger Bedeutung mit dem Vorworte auf gebraucht. Auf etwas bedacht seyn, nachdenken, wie man es erhalten möge. Auf die Befriedung seiner Begierden, auf die Ruhe seines Alters bedacht seyn u. s. f. 4) Diese Sorge thätig erweisen. Er hat sich dabey am besten bedacht, für seinen Nutzen gesorget. So wird er sie wohl gar noch in seinem Testamente bedenken. Gell.

Anm. In dieser letzten Bedeutung kommt dieses Verbum schon bey dem Ottfried vor: Sus math thih al bithenken, auf diese Art kannst du dich bedenken. Im Theuerdanke bedeutet es Kap. 90. auch so viel als erdenken: Er bedacht eine newe püberey. Und diese Bedeutung hat bedenken im Nieders. noch jetzt. Übrigens lautet dieses Wort bey dem Ulphilas bithagkjan, im Angels. bethencan, im Engl. bethink, im Schwed. betaenka, und im Dänischen betänke.


Bedenken (W3) [Adelung]


Das Bedenken, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Überlegung, Nachdenken; ohne Plural. Diese Sache erfordert noch viel Bedenken. Etwas in Bedenken ziehen, welche R. A. doch ein wenig nach dem Rechtsstyle schmeckt. 2) Dasjenige, was Überlegung und Nachdenken veranlasset oder erfordert, ein Zweifel; größten Theils auch ohne Plural. Ich trage Bedenken, dieses zu thun. Sich über etwas ein Bedenken machen. Einem ein Bedenken verursachen. Es ist kein Bedenken bey der Sache, man hat nicht Ursache, unentschlossen zu seyn. Ohne alles Bedenken. Ich habe bey der Sache noch mancherley Bedenken. 2) Ein nach reiflicher Überlegung gefälletes Privat-Urtheil, undder schriftliche Aufsatz, der solches enthält. Ein bedenken einhohlen. Sein Bedenken von sich stellen. Theologische, rechtliche Bedenken.


Bedenklich (W3) [Adelung]


Bedenklich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Im Bedenken, d. i. Nachdenken begriffen. Dieser einzige Umstand macht mich unruhig, macht mich bedenklich, Weiße. Man kann nicht zu bedenken wegen eines Standes seyn, der das Glück oder Unglück unsers Lebens bestimmen soll. Noch häufiger aber, 2) was Bedenken, Nachdenken oder Überlegung erfordert. Eine bedenkliche Sache. Ingleichen verdächtig, gefährlich. Dieser Antrag kömmt mir sehr bedenklich vor.


Bedenklichkeit (W3) [Adelung]


Die Bedenklichkeit, plur. die -en. 1) Derjenige Gemüthszustand, da man bey einer Sache Bedenken, d. i. Zweifel hat; ohne Plural. Aus jungfräulicher Bedenklichkeit wagte sie es nicht, dir ein Bekenntniß abzulocken, Weiße. 2) Der Zweifel selbst. Ich habe noch gar viele Bedenklichkeiten bey dieser Sache. 3) Bedenkliche Beschaffenheit; ohne Plural. Die Sache ist von großer Bedenklichkeit.


Bedenkzeit (W3) [Adelung]


Die Bedenkzeit, plur. inusit. außer wenn gewisse bestimmte Zeiten ausgedruckt werden sollen, die -en, die nöthige Zeit, eine Sache zu bedenken, d. i. zu überlegen. Sich Bedenkzeit nehmen. Einem Bedenkzeit geben. Sich einige Tage Bedenkzeit ausbitten. Ich will aber doch großmüthig seyn, und ihm bis auf den Abend Bedenkzeit lassen, Weiße.


Bedeuten (W3) [Adelung]


Bedeuten, verb. reg. welches in gedoppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Activum. 1) Durch Worte belehren, seines Irrthumes überführen, zurecht weisen. Ich suchte ihn zu bedeuten; allein er wollte nichts hören. Der Eigensinn der Künstler läßt sich selten bedeuten, nimmt selten Erinnerungen an. 2) Von seiner Willensmeinung belehren, in etwas milderer Bedeutung, als das härtere befehlen, doch größten Theils nur in der Sprache der Kanzelleyen. Es wurde ihm das Urtheil zugeschickt, mit dem Bedeuten, daß u. s. f.II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Ein Zeichen einer künftigen Begebenheit seyn. Das bedeutet etwas Gutes. Was wird das bedeuten: 2) Ein Zeichen eines Begriffes seyn. Das Wort As bedeutet in den ältesten Sprachen Gott. Abracadabra ist ein Wort, welches nichts bedeutet. Ein bedeutendes Zeichen, welches das Mannigfaltige in einer Sache ausdruckt. 3) Ein Zeichen einer wichtigen oder bedenklichen Sache seyn. Er schien in der äußersten Zerstreuung und in einer bedeutenden Eil mich nicht zu sehen, Dusch. Er trat mit einer bedeutenden Miene in das Zimmer. 4) Wichtig seyn, etwas Wichtiges vorstellen, viel auf sich haben. Mein Amt hat nicht sonderlich viel zu bedeuten. Unser Hochmuth mengt sich in alles; wir wollen durchaus etwas in der Welt bedeuten. In der Einsamkeit vergißt man viele von den angenehmen Kleinigkeiten, die an sich nichts bedeuten, und dennoch in dem Umgange der Welt so erheblich und nöthig sind. Die Hasen hatten ja vorzeitenWeit mehr als jetzo zu bedeuten, Haged. 5) Folgen haben, von Folgen seyn. Das hat nichts zu bedeuten. Das Frauenzimmer fängt nicht eher an, uns Schmeicheleyen vorzusagen, als bis sie glauben, daß es nichts mehr mit uns zu bedeuten habe, Schleg.

Anm. Bedeuten, Nieders. bedüden, Dän. betyde, Schwed. betyda, Holländ. beduyten, im Friesischen bethioten, ist als ein Neutrum eine bloß buchstäbliche Übersetzung des Latein. significare; denn das einfache Deut war ehedem so viel als ein Zeichen, S. Deuten. Das Activum bedeutet ehedem noch 1) durch Zeichen zu verstehen gehen, welches die erste eigentliche Bedeutung ist, welche noch im Schwabenspiegel, Kap. 323, vorkommt. 2) Nachricht geben, mit der dritten Endung der Person. Unnd uns wahrhaftig bedeuten, Theuerd. Kap. 96. Das sy mir nicht han bedewten, ebend. Kap. 98. Ingleichen durch Worte ausdrucken, bekannt machen. Ih will allen lüten betütenMins herzen klage, Schenk Ulrich von Winterstetten. Er wer ein selic man der das kunde betuten, Was iegliches menschen herzen minne, Hr. Burkart von Hohenfels. 3) Erklären, auslegen. Wie st die Geschrift bedewten, Hornegk. Kap. 13. Im Oberdeutschen gehet es irregulär, und hat alsdann im Particip. Pass. beditten.


Bedeutsam (W3) [Adelung]


* Bedeutsam, -er, -ste, adj. et adv. welches von einigen Neuern für bedeutend versucht worden, etwas Wichtiges, Bedenkliches bedeutend. etwas bedeutsames in seiner Miene haben. So auch die Bedeutsamkeit. Da die Ableitungsylbe - sam nicht mit zu denjenigen gehöret, vermittelst welcher sich noch jetzt neue Wörter bilden Lassen, so läset sich auch dieses Wort nicht völlig billigen.


Bedeutung (W3) [Adelung]


Die Bedeutung, plur. die -en. 1) In dem thätigen Sinne des Verbi, die Handlung des Bedeutens; obgleich sehr selten, und ohne Plural. 2) Von der mittlern Gattung des Zeitwortes. (a) Die Anzeige einer künftigen Sache, und die Sache selbst. Ich halte es für eine böse, für eine gute Bedeutung. (b) Der Begriff, der durch ein Wort oder Zeichen erreget werden soll. Dieses Wort ist mehr als Einer Bedeutung fähig. Unter allen diesen Bedeutungen ist keine die wahre. (c) Erheblichkeit, Wichtigkeit, ohne Plural; von der vierten Bedeutung des Neutrius. Ein Mann von Bedeutung, ein wichtiger Mann. Das ist ein Umstand von geringer Bedeutung.

Anm. Im Oberdeutschen hat man in der ersten thätigen Bedeutung dieses Zeitwortes auch noch das Hauptwort Bedeutniß; z. B. er nimmt keine Bedeutniß an, d. i. läßt sich nicht bedeuten. Allein im Hochdeutschen ist es nicht üblich.


Bedielen (W3) [Adelung]


Bedielen, verb. reg. act. mit Dielen oder Bretern belegen. Einen Fußboden bedielen, wofür man auch nur dielen schlechthin sagt.


Bedienen (W3) [Adelung]


Bedienen, verb. reg. act. 1) Eigentlich, Dienste leisten, so wohl niedrige häusliche, als auch anständigere, entweder um Lohn, oder aus Höflichkeit. Jemanden bey Tische bedienen, ihm aufwarten. Verschiedene Handwerker und Künstler, welche es für unanständig halten, zu sagen, daß sie jemanden um Lohn arbeiten, glauben sich anständiger und edler auszudrücken, wenn sie sagen, daß sie ihn bedienen, oder ihm bedient sind, welches denn auch wohl Sachwalter, Ärzte u. a. nachahmen. Indessen wird die Redensart, einem bedient seyn, nur in der jetzt angezeigten Bedeutung, und nie von eigentlichen Dienern oder Bedienten gebraucht. 2) Ein Amt bedienen, dasselbe verwalten, dem Staate die mit demselben verbundenen Dienste leisten. Was bedient er: was hat er für ein Amt? 3) Sich einer Sache bedienen, Gebrauch von etwas machen. Sich eines Hülfe bedienen. Sich einer Gelegenheit bedienen. 4) Bey einem Gegenstand die nöthige Handleistung thun, doch nur in einigen Fällen. Die Kanonen werden gut bedienet, wenn die dazu gehörige Mannschaft des Ihrige mit der gehörigen Fertigkeit verrichtet. 5) Eine Farbe bedienen, im Kartenspiele, Blätter von eben derselben Farbe zuwerfen, welches auch bekennen genannt wird.


Bediente (W3) [Adelung]


Der Bediente, des -n, plur. die -n, der jemanden bedient ist, demselben und Lohn Dienste leistet; so wohl 1) niedrige häusliche Dienste, in welcher Bedeutung auch das Fämin. die Bediente, (nicht Bedientinn,) als ein höflicher Ausdruck für eine Wand ge-braucht wird; als auch 2) der ein Amt bedient oder verwaltet, ein Beamter; in welcher Bedeutung dieses Wort in dem weiblichen Geschlechte nicht üblich ist, auch größten Theils nur in Zusammensetzungen vorkommt; z. B. ein Kriegs-Bedienter, Civil-Bedienter, Accis-Bedienter, Post-Bedienter u. s. f. der ein Amt bey der Armee, in dem Civil-Staate, bey dem Postwesen u. s. f. bedienet.

Anm. Man hat dieses Wort getadelt und behauptet, daß ein Bedienter nur in der passiven Form jemanden bedeuten könne, der von andern bedienet wird, aber nicht selbst dienet. Allein die heutige Bedeutung des Wortes ein Bedienter gründet sich auf die R. A. einem bedient seyn, und diese ist wohl eben so richtig, als einem zugethan, verbunden, verpflichtet, auf etwas bedacht seyn u. s. f. Der Irrthum rühret von dem irrigen Begriffe her, den alle unsere Sprachlehrer von dem Participiis der vergangenen Zeit haben, die schlechterdings nur dem Passivo zukommen sollen.


Bedienung (W3) [Adelung]


Die Bedienung, plur. die -en. 1) Die Leistung häuslicher und niedriger Dienste; ohne Plural. Er ist zu meiner Bedienung da 2) Als ein Collectivum, alle Bedienten, die jemand hat. Seine Bedienung und Küche bestehet aus sehr wenig Personen. Und dann aus übertriebener Höflichkeit bey einigen auch so viel als ein Bedienter, oder eine Bediente, in der ersten Bedeutung. Ist ihre Bedienung noch nicht da: 3) Ein Amt. Eine gute, austrägliche Bedienung. Er hat noch keine Bedienung. Einem eine Bedienung geben, zu einer Bedienung verhelfen. Im Oberdeutschen ist dafür Bedienstung üblich.


Beding (W3) [Adelung]


Der Beding, des -es, plur. die -e, ein größten Theils veraltetes Wort für Bedingung, welches nur noch in der R. A. üblich ist, mit dem Bedinge, unter dieser Bedingung.


Bedingen (W3) [Adelung]


Bedingen, verb. irreg. act. S. Dingen. 1) Etwas mit einem verabreden, im gemeinen Leben. So ist es unter uns bedungen worden. Am häufigsten aber, 2) einen Vertrag wegen des Preises einer Sache machen, in welcher Bedeutung dieses Wort von dem Käufer gebraucht wird. Eine Arbeit bey einem Handwerksmanne bedingen, mit ihm um den Preis einig werden. Man sieht es diesen Kleinigkeiten an, daß sie sehr genau bedungen sind. 3) Mit einer Bedingung versehen; in welcher Bedeutung aber nur das Mittelwort bedingt, in der regulären Form, da es in den übrigen Bedeutungen bedungen hat, ( S. Dingen,) üblich ist; z. B. der bedingte Ratschluß Gottes.


Bedingung (W3) [Adelung]


Die Bedingung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Bedingens, ohne Plural; in welcher Bedeutung dieses Wort aber wenig gebräuchlich ist. 2) Dasjenige, was man bedinget, in der weitesten Bedeutung des Verbi, d. i. dasjenige, unter dessen Leistung man sich zu einer Sache anheischig macht. Ich verspreche es, aber unter der Bedingung, daß u. s. f. Ohne alle Bedingung. Schwere, unerträgliche Bedingungen. Eine Bedingung erfüllen. 3) Der Vertrag selbst. Bey deiner Geburt hat der Tod die unveränderliche Bedingung mit dir gemacht, daß du sterben mußte, Dusch.


Bedrängen (W3) [Adelung]


Bedrängen, verb. reg. act. sehr drängen, in der figürlichen Bedeutung dieses Verbi, Kummer, Gram verursachen. Ein bedrängtes Gemüth. Meine Absicht war, ihn in seinen bedrängten Umständen zu trösten.


Bedrängniß (W3) [Adelung]


Die Bedrängniß, plur. die -sse, wie das folgende Bedrängung, so wohl für die Handlung des Bedrängens, als auch für die dadurch verursachte Verlegenheit, Unlust und unangenehme Empfindung. Das Ende meiner Bedrängnisse nahet heran, v. Brawe.


Bedrängung (W3) [Adelung]


Die Bedrängung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Bedrängens; ohne Plural. 2) Bedrängte Umstände und dadurch verursachter Kummer. Einem in seinen Bedrängungen trösten. Bedrängung des Gemüthes.


Bedräuen (W3) [Adelung]


Bedräuen, S. Bedrohen.


Bedrohen (W3) [Adelung]


Bedrohen, verb. reg. act. jemanden drohen. Einen bedrohen. Einen mit einer schweren Strafe, mit dem Gefängnisse bedrohen. Ingleichen figürlich. Wodurch wollen sie den Sturm abwenden, der uns bedrohet: Daher die Bedrohung.

Anm. In der Oberdeutschen Mundart lautet dieses Wort bedräuen. Und Jesus bedräuete sie und sprach u. s. f. Matth. 9, 30. Sonst pflegt er nur die Kinder zu bedräuen, Can. S. Drohen.


Bedrohlich (W3) [Adelung]


Bedrohlich, -er, -ste, adj. et adv. einer Bedrohung ähnlich, eine Bedrohung enthaltend. Bedrohliche Worte. Einem bedrohlich anreden.


Bedrucken (W3) [Adelung]


Bedrucken, verb. reg. act. voll drucken. Beyde Seiten des Bogens sind bedruckt. Das Blatt ist nur halb bedruckt. S. Drucken.


Bedrücken (W3) [Adelung]


Bedrücken, in der Oberdeutschen Mundart gleichfalls bedrucken, verb. reg. act. sehr drücken, auf allen Seiten drücken, doch nur in der figürlichen Bedeutung dieses Wortes. Er wird von seinen Gläubigern sehr bedrückt. Ich fand ihn in sehr bedrückten Umständen. Daher die Bedrückung, so wohl von der Handlung des Bedrückens, als auch der dadurch verursachten Verlegenheit. S. Drücken.


Bedüngen (W3) [Adelung]


Bedüngen, verb. reg. act. mit Dünger versehen. Einen Acker bedüngen. Daher die Bedüngung.


Bedünken (W3) [Adelung]


Bedünken, verb. reg. impers. welches mit der vierten Endung der Person für scheinen gebraucht wird, das Urtheil auszudrucken, welches man auf Veranlassung der Sinne von einer Sache fället. Mich bedünkt, es sey schon spät. Er ist, wie mich bedünkt, ein rechtschaffener Mann. So wird die Vorsicht uns weise, der Himmel uns gnädig bedünken, Kleist. Sich bedünken lassen, dafür halten, der Meinung seyn. Auch der Infinitiv wird zuweilen, am häufigsten aber in der Sprache der Kanzelleyen, als ein Hauptwort für Gutachten, Meinung, wahrscheinliches Urtheil gebraucht. Nach meinem Bedünken. Das ist, meines Bedünkens, sehr unrichtig. Gleichwohl geben sie ihm, meines Bedünkens, nichts nach. Doch soll ich anders sagen, was mein Bedünken ist, Opitz.

Anm. Ehedem war für dieses Zeitwort in der Oberdeutschen Mundart auch bedäuchten üblich, welches noch bey dem Hans Sachs vorkommt; z. B. als mich bedäucht. Allein im Hochdeutschen ist solches veraltet, und selbst bedünken scheint immer mehr aus dem Gebrauche zu kommen.


Bedupfen (W3) [Adelung]


Bedupfen, verb. reg. act. auf etwas dupfen. Eine Warze mit Scheidewasser bedupfen. S. Dupfen.


Bedürfen (W3) [Adelung]


Bedürfen, verb. reg. neutr. ( S. Dürfen,) mit dem Hülfsworte haben, für den gegenwärtigen Fall unentbehrlich nöthig haben, mit der zweyten Endung der Sache. die Starken bedürfen des Arztes nicht. Der Herr bedarf ihrer. Ich armer Mann, bedarf ihrer Freundschaft, ihres Trostes, Gell. Um deinen Hunger zu stillen bedarfst du wahrhaftig keiner Welt, ein Geld kann dazu deine Welt seyn, Dusch. Man findet dieses Wort auch zuweilen mit der vierten Endung der Sache; z. B. Gott wie, was ihr bedürfet, für wessen; allein die zweyte ist doch die üblichste, und daher auch die richtigste. Eben so ungewöhnlich ist es im Hochdeutschen, wenn dieses Verbum anstatt des Nennwortes mit der Partikel daß verbunden wird; z. B. ich bedarf, daß ich von dir getaufet werde.Ganz richtig wird es hingegen zuweilen impersonaliter gebraucht, das Lateinische opus est auszudrucken. Was bedorfte des ein wibDas ich u. s. f. Dietmar von Aft. Einen Nero mitten in seiner Glückseligkeit elend zu machen, bedarf es nicht der Gespenster des Seneca oder der Octavia, Dusch. Wenn es aber irgendwo heißt: Denn es bedurfte dich nur Liebe einzuhauchen, so ist solches eine unrichtige Wortfügung, welche noch dazu den Fehler der Zweydeutigkeit hat.

Anm. Kero gebraucht anstatt dieses Verbi das einfache duruftigon, und im Oberdeutschen ist dürfen in dieser Bedeutung noch üblich. Man darf der Waffen nicht, wo Liebe sich erreget, Opitz. S. Dürfen. Indessen kommt bithurfan schon bey dem Ottfried und Tatian, und zwar beyde mit dem Genitiv vor. Die Angelsachsen sagten bethearfen und die Niedersachsen im 14ten Jahrhunderte bedorften. Im Oberdeutschen wird es auch für dürfen, Macht, Erlaubniß haben, gebraucht. Die Schiffleut bedorften sich nitWeren, Theuerd. Kap. 32. Das nyemands ein einiges wortBedorfte sagen der Künigin, ebend.


Bedürfniß (W3) [Adelung]


Das Bedürfniß, des -sses, plur. die -sse: 1) Der Zustand, worin man einer Sache bedarf, besonders solcher Sachen, die zum Unterhalte und zur Bequemlichkeit gehören, Mangel. Die Natur fordert wenig, und der Schöpfer hat dir nach dem Bedürfnisse derselben nur zwo Hände gegeben, Dusch. Was die Bedürfnisse der Natur nicht fordern, das solltest du nicht wünschen, ebend. Bedürfniß macht uns kühn, Haged. 2) Die Sache selbst, deren man bedarf. Kriegsbedürfnisse, Schreibbedürfnisse, was man zum Kriege, zum Schreiben nöthig hat. Wie sehr hat Stolz und Wohlleben die Zahl unserer Bedürfnisse vermehret! Immer gegenwärtige Bedürfnisse ersticken den Geist, und machen die Seele stumpf.

Anm. Im Oberdeutschen ist dieses Wort, so wie viele andere auf -niß, weiblichen Geschlechtes. S. -Niß.


Bedürftig (W3) [Adelung]


Bedürftig, -er, -ste, adj. et adv. einer Sache bedürfend, mit der zweyten Endung der Sache. Ich bin deiner Hülfe bedürftig. Ingleichen überhaupt für arm, ein bedürftiger Mensch, wofür doch das einfache dürftig üblicher ist. Bedürftig wird dagegen in verschiedenen Zusammensetzungen mit dem Nahmen der Sache, deren man bedarf, gebraucht, z. B. geldbedürftig, heilsbedürftig, hülfbedürftig u. s. f.


Beecken (W3) [Adelung]


Beecken, verb. reg. act. mit Ecken versehen; ein nur in der Wapenkunst übliches Wort, wo ein Kreuz beeckt heißet, wenn aus dessen Ecken an den Enden längliche Figuren hervorragen.


Beehren (W3) [Adelung]


Beehren, verb. reg. act. Ehre erweisen. Einen mit etwas beehren. Beehren sie mich mit ihrem Besuche. Von welchem Helden steht sich unser Haus beehrt! Wiel.


Beeicheln (W3) [Adelung]


Beeicheln, verb. reg. act. mit Eicheln versehen; ein nur in der Wapenkunst übliches Wort, wo beeichelt von Eichbäumen gebraucht wird, wenn sie Eicheln haben.


Beeiden (W3) [Adelung]


Beeiden, oder Beeidigen, verb. reg. act. in der rechtlichen Schreib- und Sprechart. 1) Mit einem Eide bestätigen, beschwören. Eine Aussage beeiden, oder beeidigen. 2) Durch einen Eid verbinden. Ein beeidigter Zeuge. Daher die Beeidung, oder Beeidigung in beyden Bedeutungen.


Beeifern (W3) [Adelung]


Beeifern, verb. reg. act. 1) * Seinen Eifer, d. i. Unwillen, über etwas merklich werden lassen. Ein Versehen beeifern. Noch mehr aber, 2) sich beeifern, sich eifrig bemühen. Ich werde mich beeifern, alles genau zu bewerkstelligen. Daher die Beeiferung.

Anm. Die erste Bedeutung ist im Hochdeutschen wenig gebräuchlich, noch weniger aber der thätige Gebrauch des Reciproci sich beeifern, der im Oberdeutschen indessen so selten nicht ist; z. B. ich versichere, daß ich alles beeifern werde, was zu des Reiches Dienst gereicht, mit Eifer befördern.


Beeinträchtigen (W3) [Adelung]


Beeinträchtigen, verb. reg. act. in der rechtlichen Schreibart, Eintrag thun, Unrecht zufügen. Einen beeinträchtigen, einen in etwas beeinträchtigen. Daher die Beeinträchtigung, so wohl von der Handlung des Beeinträchtigens, als auch von dem zugefügten Unrecht selbst.

Anm. Dieses Wort, welches zunächst aus dem Oberdeutschen herstammet, kommt von Eintrag her, wofür man ehedem auch Eintracht sagte. Die Verwandlung des g in ch in mehreren von tragen abgeleiteten Wörtern üblich, besonders wenn sie Frequentativa werden, S. Tracht und Trächtig; daher man nicht nöthig hat, beeinträchtigen zu schreiben. Übrigens ist dieses Verbum eines von denen, welche die Begriffe mildern, und eine verhaßte Sache auf eine minder verhaßte Art ausdrucken, woran die Oberdeutsche Mundart so reich ist. Einen beeinträchtigen heißt eine Ungerechtigkeit an ihm begehen, oder doch begehen wollen, aber mit einem gelindern Ausdrucke. Man thut also Unrecht, wenn man dieses und andere ähnliche Wörter so gerade zu verwirft, weil Fälle genug vorkommen, wo man aus Achtung oder andern Ursachen genöthiget wird, die Ausdrücke zu mildern, und alles, was einer Beleidigung ähnlich sehen kann, zu vermeiden.


Beeisen (W3) [Adelung]


Beeisen, verb. reg. act. mit Eise erfüllen, mit Eise bekleiden, in der dichterischen Schreibart. Beeiste Gefilde. Beeiste Fluren. Opitz sagt zwar ein Mahl: der Wind beeist das Land: allein außer dem Mittelwort beeist ist dieses Zeitwort selbst bey den Dichtern nicht gebräuchlich.


Beekeln (W3) [Adelung]


Beekeln, verb. reg. act. Ekel gegen etwas empfinden und äußern, ein außer der dichterischen Schreibart ungewöhnliches Wort. Sein künstlicher Geschmack beekelt seinen Stand, Holl. Wasser löscht den Durst des Sybariten, dessen verwöhnte Zunge Leckerbissen und Wein beekelt, Dusch.


Been (W3) [Adelung]


Been, S. Behen.


Beenden (W3) [Adelung]


Beenden, oder Beendigen, verb. reg. act. zu Ende Bringen, enden, endigen, meisten Theils nur in den Kanzelleyen, indem dieses Wort nichts mehr sagt, als das thätige enden. Eine Sache beenden, oder beendigen. Daher die Beendung oder Beendigung.


Beengen (W3) [Adelung]


Beengen, verb. reg. act. enge einschränken, in die Enge treiben, größten Theils nur in der figürlichen Bedeutung, aber auch hier nur am häufigsten in der Oberdeutschen Mundart und ihrer Tochter. der Kanzelleysprache. Daher die Beengung.


Beer-Angelike (W3) [Adelung]


Die Beer-Angelike, plur. inus. eine Virginische Pflanze, welche Beeren trägt, und an gewürzhaftem Geschmacke und an Kräften der Angelike gleicht; Aralia, L. Beerendolde.


Beerben (W3) [Adelung]


Beerben, verb. reg. act. 1) Mit Leideserben versehen, in welcher Bedeutung aber nur das Mittelwort beerbt üblich ist. Er ist noch nicht beerbt, er hat noch keine Kinder. 2) Von einem erben. Einen beerben. Wenn einer ein Gut nicht beerben oder erkaufen wollte, Ruth. 4, 7. Daß ihr den Segen beerbet, 1 Petr. 3, 9. 3) * Als ein Erbe hinterlassen. Daß ihr besitzt das gute Land und beerbet auf euer Kinder, 2 Chron.29, 8. Auf daß ihr esset das Gute im Lande, und beerbet es auf eure Kinder, Esr. 9, 12.


Beerblau (W3) [Adelung]


Beerblau, adj. et adv. blauen Beeren an Farbe ähnlich. Ein beerblauer Zeug. Ingleichen als ein Hauptwort das Beerblau, genit. des Beerblau, plur. car. eine blaue Farbe, welche aus gewissen Beeren verfertiget wird. S. Beergelb.


Beerbtheilen (W3) [Adelung]


* Beerbtheilen, verb. reg. act. welches nur in einigen Gegenden Westphalens und des Niederrheines für erben üblich ist. Daher die Beerbtheilung, welches in dem Osnabrückischen so viel als der Sterbefall bedeutet, wenn der Grundherr von allen beweglichen Gütern eines verstorbenen Eigenbehörigen die Hälfte erbet.


Beerdigen (W3) [Adelung]


Beerdigen, verb. reg. act. welches das Frequentativum des noch im Oberdeutschen üblichen Verbi beerden ist, zur Erde bestatten, begraben, doch nur von menschlichen Leichen. Einen Verstorbenen beerdigen. Daher die Beerdigung.

Anm. Auf ähnliche Art gebrauchen die Schweden jordas und die Dänen jorde, begraben, von Jord, Erde. In den Niedersächsischen Marschländern bedeutet beerdigen bey der Deicharbeit, mit Erde versehen, Erde bey einer Deicharbeit anbringen.


Beere (W3) [Adelung]


Die Beere, plur. die -n, ein volles fleischiges oder saftiges Samengehäuse der Pflanzen, worin de Same ohne weiteres Gehäuse liegt. Diminutivum das Beerchen, im Oberdeutschen Beerlein. Die besondere Art der Beeren wird durch vorgesetzte Wörter in besondern Fällen näher bestimmt; daher die Heidelbeere, Schwarzbeere, Weinbeere, Blaubeere, u. s. f. durch welche Benennungen oft auch die Pflanze oder das Kraut, welches diese Beeren trägt, bezeichnet wird.

Anm. Wenn der Same in der Beere ein neues Samengehäuse hat, so bekommt sie nach dem heutigen Sprachgebrauche andere Nahmen; daher Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, u. s. f. nicht mehr Beeren genannt werden, obgleich auch diese Benennung in manchen Fällen unbestimmt ist. Beere lautet im Oberdeutschen die Beer, plur. die -e, bey dem Notker und Tatian Bere und Pere, im Dithmars. Beir, im Dänischen Bär, im Schwed. Bär, im Isländ. Ber, im Englischen Berry. In andern alten Mundarten lautet dieses Wort Bese, wovon noch das Niedersächsische Besing für Beere üblich ist, und in Bretagne ist Besi eine Birn. Beyde Wörter bedeuteten ehedem eine jede Frucht, und scheinen von bären, tragen, abzustammen, wurden vor diesem auch mehrern Arten von Früchten beygeleget, die man jetzt nicht mehr Beeren nennet. So bedeutet Bere, im Angelf. Gerste, und das Hebr. Bar, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Getreide. Das Goth. Basja, das Wallisische Pys, das Angels. Pisan, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Latein. Pisium, Erbsen, stammen, so wie das Deutsche Birn, gleichfalls aus dieser Quelle her.


Beerendolde (W3) [Adelung]


Die Beerendolde, S. Beer-Angelike.


Beerenwanze (W3) [Adelung]


Die Beerenwanze, plur. die -n, eine Art Wanzen, welche sich häufig auf den Brombeeren aufhält; Cimex Baccarum, L.


Beergelb (W3) [Adelung]


Das Beergelb, genit. des Beergelb, plur. car. eine gelbe Mahlerfarbe, welche zu den Saftfarben gehöret, und aus den unreifen Beeren des Kreuzbornes bereitet wird. So auch das Beergrün, eine solche grüne Saftfarbe; Saftgrün. Da alle Adverbia, wenn sie ohne Concretion als Substantiva gebraucht werden, in der Declination keine Casus-Zeichen annehmen, das Schwarz, des Schwarz, dem Schwarz; so gilt dieses auch von Beerblau, Beergelb und Beergrün.


Beerhacke (W3) [Adelung]


Die Beerhacke, plur. inus. in den Weinbergen, die letzte Behackung derselben, welche um Agidii geschiehet, zu welcher Zeit die Beeren bereits anfangen, helle zu werden. Sie wird auch die Beerkraute, ingleichen die Reinkraute genannt, weil die Weinberge dadurch zugleich von dem Unkraute gereiniget werden.


Beerhüter (W3) [Adelung]


Der Beerhüter, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten ein Feldwächter, der zur Bewachung der Weinberge bestellet ist.


Beerkraute (W3) [Adelung]


Die Beerkraute, plur. inus. S. Beerhacke.


Beermelde (W3) [Adelung]


Die Beermelde, plur. inus. eine Pflanze mit einem Kelche mit drey Einschnitten, welcher sich in eine Beere mit einem Samen verwandelt; Blitum, L. im gemeinen Leben Meier.


Beermost (W3) [Adelung]


Der Beermost, des -es, plur. inus. ungepreßter Most, der von selbst aus den Weinbeeren läuft.


Beerraute (W3) [Adelung]


Die Beerraute, plur. inus. eine Art Raute mit einer langen holzigen Wurzel, welche sich weit in die Quere ausbreitet. Die holzigen runden Stängel haben eine dunkelgrüne Rinde, dicke und steife Blätter und an dem obern Theile gelbe Blumen, die sich endlich in schwarze runde Beeren verwandeln, welche den Beeren des Faulbaumes gleichen und einen braunrothen Saft enthalten. Sie wird bey uns nur in Gärten erzeuget.


Beerreis (W3) [Adelung]


Das Beerreis, des -es, plur. die -er, bey den Vogelstellern, ein Reis mit dazwischen gelegten Vogelbeeren um die Bügel und Bastdohnen in dem Geschneide.


Beerwein (W3) [Adelung]


Der Beerwein, des -es, plur. inus. außer wenn von mehreren Arten solchen Weines die Rebe ist. 1) Ein Wein aus ungpreßtem Moste, der von selbst aus den Beeren rinnet; Vorlaß. 2) Ein Wein, der wieder auf frische Beeren gegossen und dadurch verstärket worden; in Elsaß Käpps, Kapswein', von Kap, Franz. Grappe, der Kamm an den Trauben.


Beerwinde (W3) [Adelung]


Die Beerwinde, plur. die -n, eine Art Winden oder schlingender Pflanze, welche ihren Samen in Beeren trägt; Convolvulus, L. Windelkraut, Zaunglocke.


Beest (W3) [Adelung]


Beest, S. Biest.


Beet (W3) [Adelung]


Beet, S. Vorstoß und Bienenharz.


Beet (W3) [Adelung]


Das Beet, des -es, plur. die -e, ein etwas erhöheter Platz in den Gärten, der zu Gewächsen bestimmt ist; ein Gartenbeet, im Gegensatze der Ackerbeete, oder der Beete auf den Ackern, welche zuweilen anstatt der so genannten Rücken auf den Ackern gemacht, und meisten Theils mit Gartengewächsen bepflanzet werden. Dort hat die Kunst Blumen in schön geordneten Beeten gesammelt, Geßn.

Anm. Beet ist in dieser Bedeutung von Bett entstanden, welches in der Niedersächsischen Mundart gelinder lautet. In den Monseeischen Glossen bey dem Pez wird Petiu durch ariolae in hortis gegeben, und Würzbett ist bey dem Willerameben das. In Schwaben heißt daher ein Beet noch jetzt ein Bett; dagegen das Dänische Beed so wohl ein Beet als ein Bett bedeutet. Wenn einige den Plural Beeter machen, so geschiehet solches zu Folge der Niedersächsischen Mundart. Ein eingefaßtes Beet bekommt den Nahmen einer Rabatte. in einigen Gegenden wird der Raum zwischen den Ähren und der Scheuntenne, wo die Garben zusammen stoßen, das Beet, oder der Zusammenstoß genannt.


Beete (W3) [Adelung]


Die Beete, plur. inus. der Niedersächsische Nahme einer Art Mangolds, oder der so genannten rothen Rüben, der mit dem Lat. Beta, Batis und Batus ( S. du Fresne Glossar. v. Batus, und Betalis,) Ital. Bieta, Franz. Bete, Engl. Beet überein kommt; Beta vulgaris, L. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist auch der Niedersächsische Nahme üblich, der aber alsdann oft in Beiße, Beißkohl und Biese verwandelt wird. In Baiern heißt die Beete Ranne, um Basel Rohne, im Hennebergischen aber Runkel. S. Mangold, ingleichen Rübe.


Beetochse (W3) [Adelung]


Der Beetochse, des -n, plur. die -n, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, derjenige Ochse, welcher zur linken Hand an dem Pfluge gehet, weil er allzeit auf dem Beete gehen muß;an andern Orten und am gewöhnlichsten der Handochse, beydes zum Unterschiede von dem Leinochsen.


Befächsern (W3) [Adelung]


Befächsern, verb. reg. act. im Weinbaue, mit Fächsern belegen. Einen Weinberg neu befächsern.


Befahren (W3) [Adelung]


1. * Befahren, verb. reg. act. et recipr. welches so viel als befürchten bedeutet, aber im Hochdeutschen veraltet ist, und um der Bequemlichkeit des Reims willen nur noch zuweilen von den Dichtern gebraucht wird. Es wird so wohl Active mit der vierten Endung des Hauptwortes, als auch Reciproce mit der zweyten Endung gebraucht. Ein Unglück befahren, und sich eines Unglückes befahren. Es lässet sich dieses nicht thun, ohne einigen Widerstand zu befahren. Es gehe, wie es will, was hab ich zu befahren: Weiße.

Anm. Dieses Verbum ist von dem alten Fahr, wofür jetzt Gefahr üblich ist; S. Gefahr und Fahren 1. Das einfache fara, bedeutet noch im Schwedischen so viel als befürchten. Auch im Niedersächsischen ist bevaren üblich, und zwar so wohl Active als Reciproce. Bey dem Opitz kommt dafür befohren vor. Eh als ich mich befohre; ingleichen Du Mörder hättest du ja müssen dich befohren u. s. f.


Befahren (W3) [Adelung]


2. Befahren, verb. irreg. act. S. Fahren. 1) Oft auf etwas fahren. Einen Weg befahren. Eine befahrne Straße, wo schon Leute gefahren sind. Ein nie befahrnes Meer. Da fahren ehedem nicht bloß von einem Fuhrwerke gebraucht wurde, so bedeutet befahren 2) in weiterer Bedeutung auch zuweilen so viel, als sich an einen Ort begeben. So befahren die Bergbeamten eine Grube, wenn sie sich in selbige verfügen, sie zu besichtigen; in den Lübeckischen Statuten heißt ein Haus befahren, so viel, als, es beziehen, in Besitz nehmen. Daher die Befahrung, besonders im Bergbaue, die Besichtigung der Grubengebäude, und der Befahrungsbericht, das Befahrungsbuch u. s. f.


Befallen (W3) [Adelung]


Befallen, verb. irreg. act. S. Fallen. 1) Eigentlich, auf etwas fallen, in welcher Bedeutung es aber nur selten und auch alsdann nur im Passivo gebraucht wird. Von Steinen, oder mit Steinen befallen seyn oder werden, von herab gefallenen Steinen bedeckt werden. Das Feld ist mit Schnee befallen. 2) Figürlich, in welcher Bedeutung es aber nur von Sachsen gebraucht wird, die man als ein Übel ansiehet. Es hat ihn eine Krankheit befallen. Mit, oder besser von einer Krankheit befallen werden. Furcht und Entsetzen möchte einen ehrlichen Mann darüber befallen.

Anm. Schon Ottfried sagt: sie alle tod bifalta, sie alle befiel der Tod. Das Englische to befall wird in noch weiterer Bedeutung für widerfahren gebraucht. In Niedersachsen und Hollstein ist dieses Verbum auch als ein Neutrum üblich: er befiel mit einer Krankheit.


Befangen (W3) [Adelung]


Befangen, verb. irreg. act. S. Fangen, ein vornehmlich in Oberdeutschen übliches Wort, welches in dieser Mundart verschiedene Bedeutungen hat. Es bedeutete nehmlich, 1) * umgeben, in welchem Verstande bifangan häufig bey dem Ottfried und Tatian vorkommt. Hierher gehören auch das alte Bifang, welches eigentlich einen befriedigten oder umzäunten Ort und hernach einen jeden Hof bedeutete, und im Mittlern Lateine durch Conceptio für Conseptio übersetzt wurde. Einen solchen Bifang oder Hof hatte Kaiser Carl der Große zu Vargala in Thüringen, den er daher in einer Urkunde terram conceptionis suae nennet, woraus ungeschickte Ausleger das Land seiner Empfängniß gemacht haben. 2) In sich fassen, in sich halten. Das ist schon mit darunter befangen, d. i. begriffen. Das ist nicht der in der Frage befangenen Fall. 3) * Wie befallen in der figürlichen Bedeutung. Mit Schlaf, mit Furcht befangen seyn. No e diu mih pefangen habet, Notker. 4) * Sich bemächtigen, überwinden, gefangen halten. Friuntlih bevangen Hat mih ein roter munt Vnd zwei lichtue wangen, Herzog Johann von Brabant. 5) * In Verbindung stehen. Mit jemanden in naher Verwandtschaft befangen seyn. 6) * Empfangen; daher sagt man in Franken ein befangenes, d. i. bebrütetes, Ey. S. auch Unbefangen.

Anm. Im Oberdeutschen ist befahen, bey dem Kero pivahen, in allen obigen Bedeutungen üblich, ja mit befangen eigentlich nur ein und eben dasselbe Wort, S. Fahen und Fangen. Von allen obigen Bedeutungen kommt im Hochdeutschen nur die zweyte, und auch diese nur selten vor.


Befassen (W3) [Adelung]


Befassen, verb. reg. act. begreifen, betasten, so aber nur als ein Reciprocum in figürlicher Bedeutung gebraucht wird. Sich mit einer Sache befassen, sich mit derselben beschäftigen, sich in dieselbe mengen. Im Nieders. befatte, im Schwed. befatta.


Befechten (W3) [Adelung]


* Befechten, verb. irreg. act. ( S. Fechten,) angreifen, feindlich anfallen; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches nur noch bey dem Opitz vorkommt: Samson - als er ward besprungen, Befochten und gedruckt.


Befehden (W3) [Adelung]


* Befehden, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen längst veraltet ist, für bekriegen, ingleichen den Krieg ankündigen. Doch wird es noch zuweilen von den Dichtern gebraucht, ob es gleich, wie andere veraltete Wörter, eigentlich nur für die komische Schreibart aufgesparet werden sollte. Wo alte Freyheit noch den angeerbten Hut Frisch in die Augen drückt und unbefehdet ruht, Haged. So auch die Befehdung. S. Fehde.


Befehl (W3) [Adelung]


Der Befehl, des -es, plur. die -e. 1) Eigentlich, der Ausspruch eines Obern, daß etwas geschehen soll, der verpflichtende Ausdruck seines Willens in einzelnen Fällen. Einen Befehl geben, ertheilen, bekommen, empfangen. Eines Befehl ausrichten, vollziehen, überschreiten, u. s. f. Es geschahe auf meinen Befehl. Ich habe Befehl dazu, es ist mir befohlen worden. Bis auf weitern Befehl, bis ein anderer Befehl gegeben wird. 2) Die Gewalt, das Recht, solche Befehle zu ertheilen, die Herrschaft über eine Sache. Unter eines Befehl stehen. Er hat zwey Provinzen unter seinem Befehle. Die Flotte segelte unter dem Befehle, oder unter den Befehlen, des Herzogs von York. Dieser Gebrauch ist vermuthlich von den Franzosen entlehnet, die ihr Commandement und Ordre auf gleiche Art gebrauchen. 3) In der höflichen Sprache des Umganges, der Wille, die Neigung, das Belieben, Was ist zu ihrem Befehle? was belieben sie? Es stehet ihnen zu Befehl, sie haben freye Gewalt darüber. Und was sie nur wünschte War zu ihrem Befehl, Zachar. d. i. ward ihr gewähret. 4) * Empfehlung, welche Bedeutung doch nur allein im Oberdeutschen üblich; z. B. machen sie dem Herren meinen Befehl, empfehlen sie mich ihm.

Anm. Im Oberdeutschen wird dieses Wort noch mit dem alten Alemannischen Hauchlaute Befelch oder Befehlich gesprochen. Ein Befehl gebt nur auf einzelne Fälle, eine Verordnung ist ein allgemeiner Wille, und wenn sie auf immer gültig bleiben soll, heißt sie ein Gesetz. S. Befohlen.


Befehlen (W3) [Adelung]


Befehlen, verb. irreg. act. Ich befehle, du befiehlst, er befiehlt, wir befehlen, u. s. f. Imperf. Ich befahl, Conj. befehle, Partic. befohlen. 1) Niedrigern seinen Willen auf einestrenge verpflichtende Art bekannt machen, einen Befehl ertheilen, in der ersten Bedeutung dieses Wortes. Ich habe ihm diese Sache befohlen. Der König befahl, daß sich jedermann von ihm entfernen sollte. Befiehlt er ihren Tod, Gell. gibt er Befehl zu ihrer Hinrichtung; welche Wortfügung sich doch nur in der Sprache der Dichter gebrauchen lässet. Figürlich stehet dieses Wort auch zuweilen für herrschen, regieren. Er versteht die Kunst zu befehlen vollkommen. Alexander wollte der ganzen Welt befehlen. Was, spricht er nur als Gast, wo er als Herr befahl: Schleg. In der Sprache der Höflichkeit wird dieses Wort oft für verlangen, belieben, Neigung zu etwas haben gebraucht. Was befehlen sie: Wie sie befehlen. 2) Anvertrauen, eines Aufsicht, Schutz, Treue übergeben. Seine Seele Gott befehlen. Ich befehle mich Gott, Apostelg. 20, 32. Befiehl dem Herren deine Wege. Gott befohlen! Dieser Gebrauch ist im Hochdeutschen größten Theils veraltet, und nur noch in der Schreibart der Gottesgelehrten üblich. Außerdem gebraucht man lieber empfehlen. Im Oberdeutschen ist befehlen überall für dieses letztere üblich, auch wenn man sich jemanden aus Höflichkeit empfiehlet.

Anm. In der zweyten Bedeutung, welche die älteste zu seyn scheinet, kommt im Gothischen schon anafihlha, und im Alemannischen filahan, und bey dem Kero pifelahan vor. Das Schwed. bifalla, Dän. Befale, und Isländ. bifala bedeutet so wohl befehlen als empfehlen. Indessen ist die eigentliche Abstammung dieses Wortes noch unbekannt. Im Oberdeutschen, in dessen rauhern Mundarten dieses Wort befehlchen lautet, gehet es regulär, ich befehle, du befehlest, er befehlet, ich befehlete u. s. f. bis auf das Supinum, welches daselbst gleichfalls befohlen lautet.


Befehlerisch (W3) [Adelung]


Befehlerisch, adj. et adv. auf eine befehlende, strenge verpflichtende Art. Reden sie nicht so befehlerisch. Nur im gemeinen Leben.


Befehligen (W3) [Adelung]


Befehligen, verb. reg. act. welches im Oberdeutschen und den Hochdeutschen, Kanzelleyen gewöhnlich ist, mit Befehl zu etwas versehen. Er wurde befehliget, abzureisen. Ich habe ihn dazu befehliget.


Befehlshaber (W3) [Adelung]


Der Befehlshaber, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der von einem andern Befehl oder Auftrag in einer Sache hat, ein Gevollmächtigter, in welcher Bedeutung es aber nur im Oberdeutschen üblich ist. 2) Der andern zu befehlen hat, besonders von einem Vorgesetzten bey der Armee. Der Befehlshaber eines Kriegesheeres, eines Regimentes; in welcher Bedeutung dieses Wort schon Nehem. 31, 24 vorkommt. Daher befehlshaberisch, im Scherze für gebietherisch, auf eine befehlend Art. Das klingt sehr befehlshaberisch, Weiße.


Befehlsweise (W3) [Adelung]


Befehlsweise, adv. nach Art eines Befehles, strenge verpflichtend. Etwas befehlsweise verlangen, vermittelst eines Befehles.


Befehlswimpel (W3) [Adelung]


Der Befehlswimpel, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Flotten, der Wimpel, wodurch der Befehlshaber einer Flotte den Schiffen seine Befehle ertheilet.


Befeilen (W3) [Adelung]


Befeilen, verb. reg. act. an etwas feilen, mit der Feile bearbeiten. Einen Schlüssel befeilen.


Befestigen (W3) [Adelung]


Befestigen, verb. reg. act. fest machen, so wohl in eigentlicher, als figürlicher Bedeutung. Ein Holz an der Wand befestigen. Eine Thür, ein Bret, einen Stein befestigen. Eine Stadt, eine Ort befestigen, ihn mit Festungswerken versehen, oder so einschließlich, daß er vor allem Überfalle gesichert wird. Die Freundschaft mit jemanden befestigen, dauerhaft machen. Daher die Befestigung, so wohl von der Verrichtung des Befestigens, als auch von demjenigen, wodurch etwas befestiget wird; die Befestigungskunst, die Kunst, einen Ort wider einen feind- lichen Angriff zu befestigen, die Fortification, Kriegsbaukunst.

Anm. Befestigen ist das Frequentativum von dem im Hochdeutschen veralteten befesten, welches in einigen Oberdeutschen Gegenden noch bevestnen lautet. Bey dem Kero kommt festinon, bey dem Ottfried festinan, bey dem Notker festenen und kefestinen, bey dem Willeram gefestinen, im Angels. festnian und afestnian, im Holländ. vasten, vesten, im Schwed. faesta, und im Dän. befäste und fäste in eben denselben Bedeutungen vor. Ehedem bedeutet dieses Wort auch durch Schrift und Siegel bestätigen; Befestigung war daher eine solche Bestätigung, und Handfeste die Urkunde derselben. S. Fest. Befestigung, welches für Festung in der Deutschen Bibel vorkommt, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Befeuchten (W3) [Adelung]


Befeuchten, verb. reg. act. feucht machen. Das Mehl, das Getreide befeuchten. Der Regen befeuchtet das Land. Daher die Befeuchtung.


Befeuern (W3) [Adelung]


Befeuern, verb. reg. act. im figürlichen Verstande feuerig, d. i. hitzig, muthig machen, heftige Leidenschaften in jemanden erregen. Die Muße und Ruhe haben unsere Begierden nach Vergnügen befeuert und ihren Kreis erweitert, Dusch. Der alte Wein befeuert mich Als mir bey Hochstädt alles wich, Haged.Wir trinken Wein, befeuern unsre TriebeUnd küssen muthiger als sie, ebend.


Befiedern (W3) [Adelung]


Befiedern, verb. reg. act. mit Federn versehen. Daß ihn die Natur recht schön befiedert hatte, sagt Hagedorn von einem Papagey. Besonders von den Zungen der Tangenten oder Docken der Clavicymbel und anderer Instrumente, welches auch befielen genannt wird. Daher die Befiederung.


Befinden (W3) [Adelung]


Befinden, verb. irreg. ( S. Finden,) welches in doppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Activum, für das einfache finden, so fern dasselbe, 1) so viel als erfahren, erkennen bedeutet. Ich habe die Sache ganz anders befunden, als ich geglaubt habe. Nach Befinden der Sache, wie man die Sache befinden wird; wofür man in einigen Oberdeutschen Gegenden sagt, nach Befund der Sache. 2) Dafür halten, meinen, oft mit der Präposition für. Ich befinde es nicht für gut. Wenn du es für nöhtig befindest.II. Als ein Reciprocum, sich befinden. 1) An einem Orte gegenwärtig seyn. Er befindet sich jetzt in Berlin. Ich befand mich damahls in Frankreich. Er befindet sich nicht mehr hier. Wer sind denn die Menschen, in deren Gesellschaft ich mich befinde: Dusch. 2) Befunden werden, sich verhalten. Es befindet sich in der That so. Die Sache befindet sich nicht so, als du sagtest. 3) Empfindung von dem Zustande seinen Gesundheit haben. Sich wohl befinden, gesund seyn. Sich übel befinden, nicht völlig gesund seyn, eine unangenehme Empfindung des Leides haben. Wie befinden sie sich: oder, wie ist ihr Befinden: wie stehet es mit der Empfindung von ihrer Gesundheit. Ingleichen figürlich, er befindet sich sehr wohl dabey, er ist damit sehr vergnügt. Ich befinde mich bey meinem Leichtsinne eben so wohl, als sie bey ihrer Ernsthaftigkeit. ich gesegneten Leibes befinden, schwanger seyn, welches die einzige Redensart ist, wo dieses Verbum im Hochdeutschen mit der zweyten Endung verbunden wird. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt befinden überhaupt für empfinden vor, wovon diese dritte Bedeutung noch ein Überrest ist. 4) Seyn, von verschiedenen Zuständen des physischen, bürgerlichen und sittlichen Lebens, welche der Gebrauch bestimmen muß. Sie befand sich in einem Alter von zwanzig Jahren. Sich in guten, schlech-ten, Umständen befinden. Ich befinde mich in einer großen Verlegenheit, Ungewißheit, Unruhe. Daher die Befindung, in der thätigen Bedeutung.

Anm. Befinden, bey dem Ottfried befindan, bedeutete ehedem so wohl finden in der eigentlichsten Bedeutung, als auch durch die Sinne empfinden, ingleichen erfahren. Daher gebraucht Kero Pifindungen für Erfahrung. Das Gothische finthan, bedeutete, so wie noch das heutige Schwedische finna, gleichfalls erfahren. S. Finden.


Befindlich (W3) [Adelung]


Befindlich, adj. et adv. welches nur in der ersten Bedeutung des Reciproci für gegenwärtig üblich ist, und so wohl von Personen als Sachen gebraucht wird. Er war damahls zu Berlin befindlich. Ich habe alle darin befindliche Waaren gesehen.


Befischen (W3) [Adelung]


Befischen, verb. reg. act. Ein Wasser befischen, darin fischen, die darin befindlichen Fische fangen.


Beflammen (W3) [Adelung]


Beflammen, verb. reg. act. mit Flammen versehen, in der dichterischen Schreibart. Der Gerechtigkeit beflammtes Schwert, Raml.


Beflecken (W3) [Adelung]


Beflecken, verb. reg. act. 1. Von Flecken, macula, Flecken in etwas machen. 1) Eigentlich. Die Wäsche mit Dinte, die Kleider mit Koth beflecken. 2) Figürlich, für verunreinigen. Sich mit Lästern beflecken. Einen Altar mit Blut beflecken. Die Wahrheit mit Lügen beflecken. Das Ehebett beflecken. Sich mit eines andern Blute beflecken. Ein beflecktes Gewissen. Ingleichen für schänden, Unehre bringen. Seinen guten Nahmen beflecken. Beflecken hat alle Mahl den Begriff einer zurück bleibenden Unehre bey sich, daher heißt es bey dem Hofmanswaldau ganz richtig: Mich hat zwar Mannes Blut bespringt doch nicht befleckt. So auch die Befleckung.2. Von Fleck, frustulum, mit Flecken besetzen, bey den Schustern. Schuhe, Absätze beflecken, lederne Flecke auf die Absätze befestigen. Daher die Befleckung.


Beflehen (W3) [Adelung]


* Beflehen, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen ganz ungewöhnlich, und nur bey dem Opitz Pf. 119; 27 für anflehen vorkommt. Ich müßte nur das lose Volk bestehen.


Befleißen (W3) [Adelung]


Befleißen, verb. irreg. recipr. Imperf. ich befliß mich, Supin. beflissen; oder Befleißigen, verb. reg. recipr. Fleiß auf die Erwerbung einer Sache wenden, mit der zweyten Endung des Nennwortes. Sich der Tugend, der Gottesfurcht, eines anständigen Wandels befleißigen. Ich muß mich der Kürze befleißigen. Ingleichen Fleiß auf die Erlernung einer Sache wenden. Sich der Rechtsgelehrsamkeit, der Weltweisheit, der Künste befleißigen. S. hernach Beflissen. Einige, besonders Oberdeutsche Schriftsteller, verbinden dieses Wort oft mit dem Vorworte auf, welche Wortfügung bey dem Opitz mehrmahls vorkommt. Sich auf Künste, auf etwas befleißigen. Allein im Hochdeutschen klingt diese Verbindung alle Mahl ungewöhnlich und widerlich, ob sich gleich das Mittelwort beflissen gar wohl auf diese Art gebrauchen lässet. Ganz richtig wird es dagegen mit dem Infinitiv verbunden. Ich habe mich jederzeit beflissen, eine gute Hand zu schreiben. Er befleißiget sich sehr, eine gute Hand zu schreiben.

Anm. Die Alten, von dem Kero an bis auf den Opitz, gebrauchten dafür das einfache flizzan, flizan, fleißen und fleißigen, auf eben die Art, und in eben derselben Wortfügung. Gevlizon, und givlizzan kommt indessen auch schon zu Ottfrieds Zeiten vor. Befleißigen, ist das Intensivum von befleißen, ist aber am häufigsten nur im Präsenti und Infinitivo üblich, dagegen man das Imperfectum und die zusammen gesetzten Zeiten lieber von be- fleißen macht. Das Verbale die Befleißung ist gar nicht, Befleißigung aber zuweilen üblich. Im Nieders. lautet dieses Zeitwort befliten, und im Dänischen beflitte. S. auch Beflissen.


Befliegen (W3) [Adelung]


Befliegen, verb. irreg. act. S. Fliegen. 1) Auf etwas fliegen, in der dichterischen Schreibart. Der nie beflogne Gipfel, Hall. auf den noch keine Vögel geflogen sind. 2) Bey den Jägern wird ein Vogel beflogen genannt, wenn er flück ist, oder fliegen kann.


Befließen (W3) [Adelung]


Befließen, verb. irreg. act. S. Fließen, an oder auf etwas fließen, im Fließen berühren, gleichfalls nur in der höhern Schreibart.


Beflissen (W3) [Adelung]


Beflissen, adj. et adv. welches eigentlich das Particip. der vergangenen Zeit von befleißen ist, aber doch als ein Beywort, oder auch mit dem Verbo seyn, auf besondere Art gebraucht wird, indem es sich theils zu dem Infinitiv, theils zu der Präposition auf, in einigen Fällen aber auch zu der zweyten Endung des Hauptwortes gesellet. Er ist sehr beflissen, sein Vermögen zu vergrößern. Was du nicht kannst, das sey zu lernen stets beflissen, Opitz. Der Beredsamkeit, der Arzeneywissenschaft, der Gottesgelehrsamkeit beflissen. Der Gottesgelehrsamkeit, Weltweisheit u. s. f. Beflissener. Er ist sehr darauf beflissen. Auf Tugend, auf Rechtschaffenheit beflissen seyn. Auf ein sinnlich Glück beflissen, Gell. Im gemeinen Leben wird beflissen zuweilen auch für dienstbeflissen gebraucht; z. B. er ist sehr beflissen gegen mich.

Anm. Viele unserer Sprachlehrer wollen beflissen eben so wenig für ein Participium gelten lassen, als bemüht, bedient und andere. Allein da bedacht, verpflichtet, verbunden, zugethan, und hundert andere doch immer Participia bleiben, wenn sie gleich in Verbindung mit dem Worte seyn eine thätige Bedeutung haben, so gilt solches auch von Beflissen. Hier ist aber nicht der Ort, solches weiter auszuführen.


Beflissenheit (W3) [Adelung]


Die Beflissenheit, plur. inusit. die beflissene Bemühung, etwas zu erhalten. Beflissenheit für das gemeine Beste. Im gemeinen Leben zuweilen auch so viel als Dienstbeflissenheit. Daraus erkenne ich deine Beflissenheit gegen mich. S. auch Geflissenheit.


Beflügeln (W3) [Adelung]


Beflügeln, verb. reg. act. mit Flügeln versehen. 1) Eigentlich, und in weiterer Bedeutung. So bedeutet einen Wald beflügeln, bey den Jägern, Flügel oder Stellwege in denselben machen. 2) Figürlich, die Geschwindigkeit einer Sache befördern, besonders in der poetischen Schreibart. Beflügelst du mit Sturm die noch verschobne Rache, Weiße. Ein Spornstich und ein Fluch beflügelten sein Roß, Zachar. Ihr Stunden, o! beflügelt euch! Cron. Du vergißt, daß sich die Liebe beflügelt, wenn sie einen Wunsch zu ereilen hat, Weiße. Daher die Beflügelung.

Anm. Bey den Schlesischen Dichtern kommt das einfache flügeln mehrmahls in dieser Bedeutung vor, welches aber im Hochdeutschen nicht gewöhnlich ist. Die Winde flügelst du, Opitz. Der Abend flügelt schon dem Hesperus den Lauf, Günth.


Beflüschen (W3) [Adelung]


Beflüschen, verb. reg. act welches nur bei den Köhlern üblich ist. Einen Meiler beflüschen, ihn mit grünen Tannen- oder Fichtenreisern bedecken. S. Flausch.


Befolgen (W3) [Adelung]


Befolgen, verb. reg. act. einer Sache folgen. Ein Beispiel befolgen. Noch mehr aber in der figürlichen Bedeutung, Folge leisten, als einen Bestimmungsgrund seines Verhaltens ansehen.Eines Befehl, einen Vorschlag, einen Rath, die Vorschrift des Arztes befolgen. Daher die Befolgung.


Beförderer (W3) [Adelung]


Der Beförderer, des -s, plur. ut nom. sing. der eine Sache, besonders der eines andern Glück und Wohlfahrt befördert.


Beförderlich (W3) [Adelung]


Beförderlich, adj. et adv. zur Beförderung einer Sache oder eines Menschen gereichend, im gemeinen Leben. Er ist mir sehr beförderlich, er läßt sich die Beförderung meiner Angelegenheiten sehr angelegen seyn, ist mir nützlich.


Befördern (W3) [Adelung]


Befördern, verb. reg. act. vorwärts bringen, aber nur in einigen figürlichen Bedeutungen. 1) Für beschleunigen. Eine Sache befördern. Dieser Umstand hat seinen Tod befördert. 2) Dem gesetzten Ziele nahe bringen. Dieses Mitte ist sehr geschickt, meine Absicht zu befördern. Eines Augen befördern. 3) Ein Ehrenamt verschaffen, zu weitern Ehren verhelfen. Einen befördern. Er ist von ihm befördert worden. Er ist noch nicht befördert, hat noch kein Ehrenamt. Gemeiniglich wird es in dieser Bedeutung nur absolute gebraucht; denn die Redensart, einen zu Ehren, zu einem Amte, zu einer ansehnlichen Würde befördern, sind im Oberdeutschen gebräuchlicher als im Hochdeutschen. Daher die Beförderung, so wohl von der Handlung des Beförderns, als auch von einem Ehrenamte. Eine Beförderung erhalten. Beförderung suchen, ein Ehrenamt. S. Fördern.


Befrachten (W3) [Adelung]


Befrachten, verb. reg. act. mit Fracht versehen. Ein Schiff, einen Wagen befrachten. Daher die Befrachtung, und der Befrachter, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, der ein Schiff befrachtet, oder mit Waaren, die es überbringen soll, versiehet.


Befragen (W3) [Adelung]


Befragen, verb. reg. act. 1) Sich mit einer Frage an jemanden wenden. Jemanden befragen, ihn um etwas, oder wegen einer Sache befragen. Es hat mich niemand befragt. Ich habe ihn oft darum befragt. Aber darüber hat er mich noch nicht befragt, Weiße. 2) Sich befragen, sich durch Fragen Raths erhohlen, im täglichen Umgange. Ich will mich zuvor ein wenig befragen, nach der Sache erkundigen. Sich mit jemanden über etwas befragen, unterreden, gleichfalls nur im gemeinen Leben. Daher die Befragung, in der ersten Bedeutung. Die peinliche Befragung, die Tortur.

Anm. In dem zu Basel 1523 gedruckten neuen Testamente Luthers wird befragen unter die unbekannten Wörter gesetzt, und durch zanken, zweyträchtig seyn, erkläret.


Befremden (W3) [Adelung]


Befremden, verb. reg. neutr. fremd scheinen, mit der vierten Endung der Person. Es befremdet mich gar sehr. Das hat mich im geringsten nicht befremdet. Laß dich meine Gegenwart nicht befremden. Daher die Befremdung.

Anm. In der vorhin gedachten Baselschen Ausgabe des neuen Testamentes wird befremden durch verwundern erkläret; ein Beweis, daß dieses Wort damahls im Oberdeutschen unbekannt gewesen.


Befremdlich (W3) [Adelung]


Befremdlich, -er, -ste, adj. et adv. was da befremdet, fremd scheinet. Das kommt mit sehr befremdlich vor. Das Befremdliche in dieser Sache.


Befressen (W3) [Adelung]


Befressen, verb. irreg. act. S. Fressen, hin und wieder anfressen. Die Mäuse haben den Käse, das Brot befressen.


Befreunden (W3) [Adelung]


Befreunden, verb. reg. act. Sich mit jemanden befreunden, in Blutsfreundschaft mit ihm treten. Mit einem befreundet seyn, verwandt. Einem befreundet seyn, in der höhern Schreibart. Israels Volk das er erkiest, Und welches ihm befreundet ist, Opitz Pf. 148. Daher ein Befreundeter, eine Befreundete, ein Verwandter, eine Verwandte. Er ist mein Befreundeter. Ingl. die Be- freundung, so wohl für die Handlung des Befreundens, als auch für das dadurch geknüpfte Band, Verwandtschaft.

Anm. Befreunden, Nieders. befründen, Schwed. befrynda, wird im Hochdeutschen nur von der Freundschaft des Blutes, im Oberdeutschen aber auch von der Freundschaft des Gemüthes gebraucht. Daher sagt man daselbst auch, sich wieder mit jemanden befreunden, für aussöhnen.


Befreyen (W3) [Adelung]


Befreyen, verb. reg. act. frey machen, sowohl von einem physischen, als moralischen Übel, und mit den Vorwörtern von und aus. Jemanden aus dem Gefängnisse, aus einer großen Noth, aus einer augenscheinlichen Gefahr befreyen. Ein Land von Räubern, seinen Freund von einer Gefahr, von den Schulden, von dem Kummer, von der Furcht befreyen. Die Stadt von der Belagerung, ein Haus von dem Brande, einen Missethäter von der Schande befreyen. Oft auch absolute, besonders von öffentlichen Abgaben befreyen, oder gewisse Freyheiten ertheilen. Eine Stadt, einen Ort befreyen, ihm gewisse Freyheiten ertheilen; ein befreyeter, privilegirter, Ort. Daher die Befreyung, so wohl von der Handlung des Befreyens, als auch zuweilen von einem befreyeten Orte, wofür man ehedem auch die Freyung sagte, und endlich auch für Freyheit, das Privilegium.

Anm. In den mit der Deutschen verwandten Sprachen ist das einfache freyen, Angels. frian, Schwed. frya, Engl. to free, für befreyen üblich. Auch im Deutschen gebrauchte man ehedem freyen so. Der Gebrauch mit der zweyten Endung, z. B. Meine Hülf ist schon vorhanden, Sie befreyt dich aller Noth, Gryph. ist im Hochdeutschen veraltet.


Befriedigen (W3) [Adelung]


Befriedigen, verb. reg. act. 1) Vor dem Anlaufe in Sicherheit stellen, indem Friede ehedem auch so viel als Schutz und Sicherheit bedeutete. Einen Garten, ein Feld, einen Wald befriedigen, mit einem Zaume, einer Mauer u. s. f. umgeben. Da versuchets der König auch und ließ den Ort aussondern und befriedigen, 2 Maccab. 1, 34 d. i. befestigen. 2) In Frieden stellen, eines Ansprüchen, Verlangen ein Genüge thun, und ihn dadurch beruhigen. Die Natur verlangt wenig, und ist leicht befriedigt. Reich seyn heißt nicht den Überfluß besitzen, woraus man alle Wünsche befriedigen kann, Dusch. Einen Gläubiger befriedigen, bezahlen, daher dieses Zeitwort oft auch für bezahlen gebraucht wird. Er hat mich befriedigt. Befriedige ihn. In dem mittlern Lateine übersetzt man solches durch pacare, woraus das Ital. pagare, und Französ. payer, bezahlen, geworden ist. 3) Besänftigen, zu Frieden stellen, von der Leidenschaft des Zornes. Einen Zornigen befriedigen. Er wollte sich durch nichts befriedigen lassen. Den Feind mit Geschenken befriedigen. Daher die Befriedigung, so wohl für die Handlung des Befriedigens in allen obigen Bedeutungen; als auch für dasjenige, womit eine Sache in der ersten Bedeutung befriediget wird, ein Zaun, u. s. f. Ingleichen für Bezahlung. Er hat seine Befriedigung erhalten.

Anm. Befriedigen ist das Frequentativum von dem nunmehr veralteten befrieden, im 11ten und 12ten Jahrhunderte befriden und befrithen, welches schon vor Alters für befestigen gebraucht wurde. In Oberdeutschland sagt man auch, einen Streit, Zank, Krieg befriedigen, beylegen.


Befrieren (W3) [Adelung]


Befrieren, verb. irreg. neutr. ( S. Frieren,) mit seyn. Mit Frost oder Eis überzogen werden. Das Wasser ist befroren.


Befrohnen (W3) [Adelung]


Befrohnen, verb. reg. act. 1) Mit Frohnen, oder Zwangdiensten belegen. Die Unterthanen befrohnen. 2) Noch in einigen Niedersächsischen und Rheinischen Gegenden, mit Arrest be-legen, so wohl von Personen, als Sachen. Eines Güter befrohnen, oder befröhnen. Ehedem bedeutete es überhaupt, den Gerichtszwang in einer Sache ausüben. S. Frohn.


Befruchten (W3) [Adelung]


Befruchten, verb. reg. act. 1) Fruchtbar machen. Ein Ey befruchten. Der Regen befruchtet das Land. 2) In der Wapenkunst, mit Früchten versehen. Ein befruchteter Baum. Daher die Befruchtung in der ersten Bedeutung.


Befugen (W3) [Adelung]


Befugen, verb. reg. act. Fug, d. i. Recht, Gewalt zu etwas ertheilen. Ich befuge dich hiermit dazu. Wer hat dich dazu befugt? Am häufigsten ist das Participium befugt als ein Bey- und Nebenwort üblich. 1) Fug, d. i. Recht zu etwas habend. Er war nicht befugt dazu. Ich verlange weiter nichts, als wozu ich befugt bin. Er ist befugt, so zu reden. In welcher Bedeutung es doch nur in der adverbischen Form üblich ist. 2) Rechtmäßig, in welchem Falle es nur als ein Adjectiv vorkommt. Ein befugter Meister in einer Stadt. Nur Frost und Falschheit nicht, den Grund befugter Klagen, Haged.

Anm. Befugt, Dän. befoyed, Schwed. befogad, nimmt im Oberdeutschen auch die zweyte Endung zu sich, welches aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Eines Dinges befugt seyn. Befugter Dingen, mit Recht, gehöret in die Beredsamkeit der Kanzelleyen. S. Fug.


Befugniß (W3) [Adelung]


Die Befugniß, plur. die -sse, oder das Befugniß, des -sses, plur. die -sse, das Recht, oder moralische Vermögen etwas zu thun oder zu lassen. Er hat keine Befugniß dazu. Wer hat dir dazu Befugnis gegeben?Anm. Wir haben dieß Wort zunächst von den Oberdeutschen, daher es bey uns auch in dem weiblichen Geschlechte am gebräuchlichsten ist, obgleich die Hochdeutschen die Hauptwörter auf -niß sonst lieber im sächlichen Geschlechte gebrauchen. Die Befugsame, für Befugnis, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Befugt (W3) [Adelung]


Befugt, S. Befugen.


Befühlen (W3) [Adelung]


Befühlen, verb. reg. act. oft an etwas fühlen, überall an einer Sache fühlen. Die Magd befühlt die Hühner, der Arzt den Puls, der Wundarzt das schadhafte Bein. Daher die Befühlung.


Befürchten (W3) [Adelung]


Befürchten, verb. reg. act. fürchten, daß etwas geschehen werde. Ich befürchte keine Untreue von ihm. Man befürchtet ein Gewitter. Es ist zu befürchten, er möchte die Arbeit nicht ertragen können. Befürchtest du nicht, daß es geschehen werde? Das habe ich längst befürchtet. Daher die Befürchtung.

Anm. Die Wortfügung, sich einer Sache befürchten, ist im Hochdeutschen wenig üblich.


Begaben (W3) [Adelung]


Begaben, verb. reg. act. mit etwas als einer Gabe versehen. Ein Mann der von der Natur mit vielem Verstande begabet ist. Mit einem guten Herzen, mit vieler Tapferkeit begabet seyn. Daher die Begabung.


Begaffen (W3) [Adelung]


Begaffen, verb. reg. act. mit unwissender Neugier besehen. So auch die Begaffung.


Begängniß (W3) [Adelung]


Das Begängniß, des -sses, plur. die -sse, das feyerliche Begehen einer Sache, in welchem Verstande dieses Wort nur noch von der feyerlichen Beerdigung eines Verstorbenen gebraucht wird; ein Leichenbegängniß. S. dieses Wort. Ehedem sagte man auch das Begängniß eines Festes, eines Geburtstages u. s. f. Das Begängniß der Todten, Bar. 6, 31 ist im Hochdeutschen eben so ungewöhnlich. S. Begeben.


Begatten (W3) [Adelung]


Begatten, verb. reg. act. et recipr. Sich begatten. 1) Sich mit dem andern Geschlechte zur Fortpflanzung vermischen. 2) Sich vertragen. doch nur in einigen Mundarten. Eheleute, die sich wohl mit einander begatten. S. Begehen, von welchem Zeit- worte begatten nur das Frequentativum ist. 3) Einen Acker, ein Feld, einen Garten begatten, bestellen. So auch die Begattung.

Anm. Bey dem Notker kommt pegaton auch für widerfahren, begegnen vor; daz pegatot in, das widerfährt ihm. Bey andern Schriftstellern bedeutete es ehedem auch begeben, thun. S. Gatten. In der ersten der obigen Bedeutungen lautet es im Niedersächsischen begaben, oder begaen, wird daselbst aber auch Active für befruchten gebraucht. Übrigens ist begatten ein allgemeines Zeitwort, welches man in der edlen Art des Ausdruckes von allen Thieren gebrauchen kann. Die Jäger und die Sprache des gemeinen Umganges haben für jedes Thier besondere Nahmen. Von den Raubthieren heißt es ranzen, rollen oder sich streichen; von den Hunden sich belaufen, sich bestreichen, oder auch streichen; von dem Hirsche beschlagen und beschicken; von dem Hengste bedecken, belegen, beschälen, oder beschlagen; von den Hasen rammeln; von dem Auerhahne betreten; von den Katzen balzen; von den wilden Schweinen berauschen; von den Ochsen im Hannöverischen repen, dagegen die Osnabrücker von dem Hengste reppen gebrauchen u. s. f.


Begeben (W3) [Adelung]


Begeben, verb. irreg. recipr. S. Geben. Sich begeben.1) Sich an einen Ort verfügen, mit verschiedenen Präpositionen. Sich nach Berlin, nach Paris begeben. Ich werde mich bald nach Hause, nach Hofe begeben. Sich in einen Ort, in eine andere Stadt, in ein Kloster, in den Krieg, in sein Zimmer, ins Bett, in eines Schutz begeben. Er begab sich in Gefahr. Sich aus dem Lande, aus der Stadt begeben. Sich in das Elend, in einen neuen Stand begeben. Sich wieder auf den Weg begeben. Sich zur Ruhe, sich zu Schiffe begeben. Die Armee begab sich auf die Flucht. Sich auf Reisen begeben. Sich weg begeben. Lucinde kommt, begib dich gleich von hier, Gell. 2) Wirklich werden, geschehen. Wenn es sich ja begeben sollte, daß u. s. f. So oft sich der Fall begibt. Nach Verlauf der Zeit begab es sich, daß ein gefährlicher Streit entstand. Es hat sich seit dem gar viel begeben. Ehedem war auch das einfache geben in dieser Bedeutung üblich, denn im Theuerd. Kap. 55 heißt es: Es gab sich auf ein annder zeit, für es begab sich.3) Von etwas abstehen, sein Verlangen darnach fahren lassen, mit der zweyten Endung der Sache. Sich seines Rechtes begeben. Ich begebe mich dessen, lasse alle Gedanken und Hoffnung darauf fahren. Ich habe mich dieser Hoffnung längst begeben. Ich han der welte mich begeben, sang schon Winsbeck.Daher die Begebung, doch nur in der ersten und dritten Bedeutung, indem für die zweyte Begebenheit das Hauptwort ist.

Anm. Folgende Bedeutungen sind im Hochdeutschen veraltet. 1) Ergeben, als ein Activum. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, Röm. 6, 13. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienst der Ungerechtigkeit, u. s. f. V. 19. 2) Verlassen, gleichfalls als ein Activum. Begib dina heizmuoti, verlaß deinen Zorn, Notker. Ich will si nicht begeben, Christian von Hamle. Bey dem Opitz kommt diese Bedeutung noch sehr oft vor. Z. B. Wenn das Glück uns plötzlich hat begeben. Ingleichen: Dein Gebot ist mirTief eingepflanzt, ich will es nicht begeben. 3) Ausgeben, vom Gelde, welche Bedeutung noch das Niedersächsische begeven hat. 4) Heirathen, welcher Gebrauch gleichfalls nur in der Niedersächsischen Mundart vorhanden ist. Übrigens istnoch dieses zu bemerken, daß dieses Verbum, so wie die meisten Reciproca sein Participium der vergangenen Zeit leidet; daß man also auch nicht sagen kann, die Nachricht von einem daselbst begebenen Unglücke.


Begebenheit (W3) [Adelung]


Die Begebenheit, plur. die -en, eine Sache, welche sich begibt, oder begeben hat, eine Veränderung, welche wirklich geworden ist. Es hat sich dabey eine traurige Begebenheit zugetragen. So oft ich mich dieser Begebenheit erinnere. S. Begeben 2. Den Unterschied von Handlung und Geschichte S. bey Handlung. Im Oberdeutschen ist für dieses Wort auch Begebniß üblich.


Begegnen (W3) [Adelung]


Begegnen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, auf dem Wege antreffen, unvermuthet entgegen kommen. 1. Eigentlich. Einem begegnen. Er ist mir begegnet. Ich bin ihm begegnet. Wir begegneten ihm auf dem Wege, unterweges, auf der Reise. 2. Figürlich. 1) Als eine Veränderung von außen erfahren; unpersönlich, oder doch in der dritten Person. Es ist mir ein großes Unglück begegnet. Die Übel, die uns begegnen. Was ist ihnen begegnet? Dergleichen ist mir noch nie begegnet. Es ist uns auf der Reise nichts Widriges begegnet. Es ist mir wohl öfters begegnet, daß u. s. f. Es muß ihnen etwas Großes begegnet seyn, Gell. 2) Sich gegen jemanden betragen, wenn die Art und Weise des Betragens zugleich mit ausgedruckt wird. Einem wohl, übel, schlecht, hart, freundlich, grob, höflich begegnen. Ist man jemahls einem Frauenzimmer so begegnet? So kaltsinnig ist sie mir noch nie begegnet. Man begegnet mir wie einem Freunde. Er Weiß Groß und Kleinen zu begegnen, Günth. sich gegen einen jeden auf die gehörige Art zu betragen. 3) Widerstand leisten, einer Sache abzuhelfen suchen. Einem Zufalle, einem Unglücke begegnen. Der Gefahr durch Klugheit, der Krankheit durch Arzeneymittel begegnen. Den Regungen seines Herzens durch Überlegung begegnen. Wie muß man dem Dinge begegnen? Dieß ist das sicherste Mittel, der Furcht zu begegnen, wenn sie sich unserer Herzen bemeistert.Daher die Begegnung, welches für die Handlung des Begegnens in allen obigen Bedeutungen, die erste figürliche ausgenommen, gebraucht wird.

Anm. Begegnen, Niedersächs. bejegenen, Dän. begiägne, kommt von dem Vorworte gegen, her. Ehedem gebrauchte man für das zusammen gesetzte Zeitwort das einfache gegnen, bey dem Kero kagannan, bey dem Ottfried gagan, welches im Theuerdanke noch oft vorkommt. Thar imo Martha gaganta, da ihm Martha begegnete, Ottfr. B. 3 Kap. 24. Thaz im hiar al gaganta, was ihm hier begegnete, B. 4. Kap. 18. Abentheur gegnet in manchfaldt, Theuerd. Euch wird auch gegnen groß sachen, ebend. Bey den Schweden ist noch gina oder gena, für begegnen üblich, von. gen, gegen. Indessen kommt doch schon bey dem Notker begagenen und bey dem Ottfried ingagen, für begegnen, so wohl in der eigentlichen, als auch in der ersten und zweyten figürlichen Bedeutung vor. Viele Niedersachsen gebrauchen, wenn sie Hochdeutsch schreiben, dieses Zeitwort, ihrer Mundart zu Folge, mit dem Hülfsworte haben, welches aber keine Ausnahme von der Regel machen kann. Da es nichts ungewöhnliches ist, Neutra zuweilen im Passivo, aber nur impersonaliter zu gebrauchen: so läßt es sich immer noch vertheidigen, wenn einige sagen: es ist ihm wohl, oder übel begegnet worden, es ist der Krankheit mit den gehörigen Mitteln begegnet worden.


Begegniß (W3) [Adelung]


Die Begegniß, plur. die -sse, ein zunächst Oberdeutsches Wort, dasjenige auszudrucken, was uns begegnet oder wi- derfähret, in der ersten figürlichen Bedeutung des Verbi, welches auch von einigen Hochdeutschen Schriftstellern gebraucht wird. Die Gottesfurcht wirket Gelassenheit in widrigen Begegnissen. Wie sie sich bey allen Begegnissen im Glück und Unglück betragen, Geßn.


Begehen (W3) [Adelung]


Begehen, verb. irreg. act. S. Gehen. 1. An einen Ort gehen, vornehmlich um ihn zu besichtigen. So sagt man noch im gemeinen Leben. Das ganze Feld begehen. Die Grenzen begehen. Die Jäger haben das Holz nicht fleißig genug begangen.2. Figürlich. 1) Eine Weise begehen, einen Gebrauch, eine Gewohnheit mitmachen. Vornehmlich aber, 2) mit gewissen Feyerlichkeiten auszeichnen, wie feyern. Daher, ein Fest begehen, einen Geburtstag, einen Nahmenstag begehen, für feyern überhaupt. Ingleichen, die Fasten mit Schmausen begehen, das Andenken einer wichtigen That begehen. Ehedem war eine Leiche begehen, auch so viel, als sie feyerlich zur Erde bestatten. Daher heißt es noch in dem Theuerdank: Bis sein Leib nach küngklichem sytIst begangen und begraben. Auch das Schwedische bega bedeutet noch zur Erde bestatten. Allein im Deutschen ist davon nur noch das Hauptwort Begängniß, oder Leichenbegängniß üblich. 3) Überhaupt so viel als thun, ausüben, doch nur im nachtheiligen Verstande von bösen oder wenigstens fehlerhaften Handlungen. Ein Laster, einen Diebstahl, einen Mord, eine Thorheit begehen. Eine Untreue an jemanden begehen. Er hat viele Fehler begangen. Ich würde eine solche Unhöflichkeit gewiß nicht begehen. Es ist nicht möglich, daß er eine solche Niederträchtigkeit begehen sollte. Wie hast du das an mir begehen können? Ehedem wurde es auch in gutem Verstande gebraucht; denn so findet man z. B. bey den Schwäbischen Dichtern, ein Wunder begen, verrichten. Im Oberdeutschen ist dieser im Hochdeutschen veraltete Gebrauch auch noch hin und wieder üblich, weil man daselbst auch herrliche Thaten begehet. 4) Sich mit einem begehen, vertragen, eine Bedeutung, welche im Oberdeutschen häufiger ist als im Hochdeutschen. Wenn Mann und Weib sich mit einander wohl begehen, Sir. 25, 2. Daß sich der grimme Wolf mit Lämmer soll begehn, Opitz. Wie naß und trucken sich, wie warm und kalt begehn, ebend. Wenig, die sich wohl verstehn, Gut begehn, Günth. Ich wußte mich mit allen zu begehn, Wiel. 5) Sich begehen, sich zur Fortpflanzung vermischen, wie begatten; doch nur in einigen Gegenden.Daher die Begehung in allen obigen Bedeutungen; die Begehungssünden, in der theologischen Sittenlehre, im Gegensatze der Unterlassungssünden.

Anm. Außer diesen bedeutet begehen, 1) in Niedersachsen begaan, in dieser Mundart auch so viel als überfallen, feindlich anfallen. 2) In der Schlesischen Mundart, heftig empfinden. Er hat es sehr begangen, wird bey dem Steinbach durch valde doluit übersetzet, und, er begehet es um des Vaters Tod nicht wenig, non parum morte patris adficitur.


Begehr (W3) [Adelung]


* Das Begehr, des -es, plur. car. ein größten Theils veraltetes Wort für das Begehren. Was ist dein Begehr? Auf sein Begehr. Eines Begehr nicht thun wollen. Um des Reimes und Sylbenmaßes willen wird es noch zuweilen von den Dichtern, aber nicht ohne merklichen Übelklang gebraucht.


Begehren (W3) [Adelung]


Begehren, verb. reg. act. 1) Sinnlich oder mit Lebhaftigkeit verlangen. Er hat was sein Herz begehret. Reich seyn, heißtwenig begehren. Wer ein Weib ansiehet sie zu begehren, Matth. 5, 28. Wie er das Glück der Menschen aufrichtig begehrt, so rühret ihn auch das Elend derselben, Gell. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung. (a) Dieses Verlangen wirklich machen, nach etwas streben, die Vereinigung mit einer Sache suchen; in welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen größten Theils veraltet ist. Er begehrt die ganze Erbschaft, strebt nach derselben. Bey den Jägern kommt begehren in dieser Bedeutung noch häufig vor. Der Hirsch begehrt das Wildbret, die Hündin den Hund u. s. f. wenn sie die Begattung suchen; der Hirsch begehrt den Zeug, wenn er darüber zu springen sucht; er begehrt den Jäger, wenn er ihn aufzuspießen trachtet u. s. f. (b) Dieses Verlangen äußern, um etwas anhalten. Eine Person zur Ehe begehren. Was ist dein Begehren? In eines Begehren willigen, eines Begehren Abschlagen. Auf sein Begehren. (c) Fordern, als eine Schuldigkeit verlangen. Gehorsam von einem begehren. Hierher gehöret auch die Oberdeutsche Wortfügung etwas an einen begehren, als ein glimpflicher und gemilderter Ausdruck für befehlen. Als der Erzbischof von Bremen 1636 an die Stadt Bremen schrieb, und sich darin des Ausdruckes befehlen bedienete, beschwerete sich die Stadt darüber, und behauptete, daß statt dessen bisher begehren üblich gewesen. (d) * Nöthig haben, bedürfen, bey einigen, besonders ältern Dichtern. Recht alsam ein rose diu sich us ir klosen lat Wenn si des siussen touwes gert, König Wenzel. Ich kann, weil Wahrheit Licht begehrt, Von dir kaum ohne Sünde schweigen, Günth. Ja man findet dieses Wort bey einigen Dichtern auch wohl von leblosen Dingen gebraucht, wenn sie ihrer natürlichen Schwere folgen. Der schwert knopff hinab ins tal gert, heißt es in dem Theuerdank Kap. 38.Statt des ungewöhnlichen Substantives Begehrung, woraus doch einige Neuere das Begehrungsvermögen zusammen gesetzet haben, ist das Begehren in allen obigen Bedeutungen, in der ersten eigentlichen aber auch die Begierde üblich.

Anm. Für begehren, Dän. begiare, Schwed. begaera, war ehedem das einfache gehren sehr gebräuchlich, keron bey dem Kero, geron bey dem Ottfried, Notker, Willeram und Isidor, bey dem Ulphilas gairnan, im Angels. geornan, gyornan. Im Niedersächs. hat man auch noch giren, und im Holländ. gheren. Statt des Vorwortes von, etwas von einem begehren, gebrauchen die ältern so wohl als neuern Oberdeutschen das Vorwort an mit der vierten Endung, etwas an einen begehren. Bey beyden wird dieses Wort häufig mit der zweyten Endung der Sache verbunden, welche Wortfügung in Luthers Übersetzung der Deutschen Bibel hin und wieder beybehalten worden. Die all meiner Tochter begern, Theuerd. Niemand soll deines Landes begehren, 2 Mos. 34, 22. Im Hochdeutschen ist dieser Gebrauch, so wie die Verbindung so vieler anderer Zeitwörter mit dem Genitiv, abgekommen; daher der Unterschied, den Frisch und Aichinger zwischen, eine Sache begehren, und einer Sache begehren, machen, nicht nur unnöthig, sondern auch völlig unrichtig ist, wie sich leicht mit vielen Zeugnissen beweisen ließe, wenn es nöthig wäre.


Begehrlich (W3) [Adelung]


Begehrlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Was begehret werden kann, in welcher Bedeutung dieses Wort aber nur selten vorkommt. 2) Ungeordnete Neigung besitzend, etwas von andern zu begehren. Sie wird doch nicht so begehrlich seyn, Weiße. Die Demuth hat selten Ursache mißvergnügt zu seyn, weil sie nicht so begehrlich ist. Gell. In welcher Bedeutung auch das Hauptwort die Begehrlichkeit gebraucht wird. Alle besondere Absichten der Rathschlüsse Gottes einsehen wollen, ist unsinnige Begehrlichkeit, Gell.


Begeifern (W3) [Adelung]


Begeifern, verb. reg. act. mit Geifer besudeln. Daher die Begeiferung.


Begeilen (W3) [Adelung]


* Begeilen, verb. reg. act. welches nur in einigen Gegenden, z. B. dem Braunschweigischen, für düngen, bedüngen, üblich ist, weil Geil, und Geilung daselbst auch für Dünger gebraucht wird. S. Geil.


Begeistern (W3) [Adelung]


Begeistern, verb. reg. act. 1. * Eigentlich, mit Geist, d. i. Leben versehen, beleben, beseelen. Die feurigen Liebesseufzer, mit welchen sie, wenn es möglich, seine erstarrte Gebeine begeistern würde, Gryph. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen nicht üblich. 2. Figürlich. 1) Mit Kraft, Stärke, Muth versehen. Ihre Reden haben meine Standhaftigkeit mit neuer Kraft begeistert, von Brawe. 2) Mit lebhaften Vorstellungen, lebhaften Empfindungen erfüllen, die Einbildungskraft erhitzen. In diesem Verstande wird begeistern sehr häufig in den schönen Künsten und Wissenschaften gebraucht, wo Begeisterung, die lebhafte Empfindung eines Gegenstandes ausdruckt. Auch die Liebe begeistert zu Gesängen mehr als das helle Morgenroth, Geßn. 3) Mit ausschweifenden Empfindung, die aus einer verderbten Einbildungskraft herrühren, erfüllen, in welchem Sinne dieses Zeitwort besonders in Oberdeutschland von schwärmerischen Empfindungen, eingebildeten Inspirationen u. s. f. vorkommt. So auch die Begeisterung.


Begier (W3) [Adelung]


* Die Begier, plur. inus. ein veraltetes Wort für Begierde, wie Zier für Zierde, welches zuweilen nur noch von den Dichtern um des Reimes und bequemen Sylbenmaßes willen gebraucht wird. Ehedem war auch das einfache Giri üblich, welches noch in Rachgier, und in dem Niedersächsischen Gier, Begierde übrig ist. S. Begierig.


Begierde (W3) [Adelung]


Die Begierde, plur. die -n, das lebhafte oder sinnliche Verlangen nach einem Gegenstande. Die Begierde nach Ruhm, nach zeitlichem Vermögen, nach Ehre, die Ruhmbegierde, Geldbegierde, Ehrbegierde u. s. f. Einem eine Begierde machen, die Begierde erwecken. Er kann sich in der Begierde nach dem Vergnügen nicht mäßigen. Er brannte vor Begierde dich zu sehen. Ingleichen im Plural, so wohl von dem ganzen Umfange des sinnlichen Verlangens und dessen Anwendung auf einzelne Gegenstände, als auch von dem Vermögen, sinnlich zu verlangen. Seinen Begierden ein Genüge thun. Den Begierden den Zügel schießen lassen. Sehr heftige Begierden haben. Wenn einige Philosophen die Begierden in sinnliche und vernünftige unterscheiden, so geschiehet solches nur in Ansehung des Gegenstandes oder auch der Vorstellung, wodurch sie erreget werden. Beyde können entweder sinnlich oder vernünftig seyn; die Begierde selbst aber bleibt doch alle Mahl eine sinnliche Empfindung.

Anm. Begierde lautet bey dem Kero Kirida, und bey dem Notker Kiride. Im Oberdeutschen wird es zuweilen auch für Begehren, die Bitte gebraucht, welches auch in der Deutschen Bibel beybehalten werden. Hab ich den Dürftigen ihre Begierde versagt? Hiob 31, 16. Daß meine Begierde der Allmächtige erhöre! V. 35. Alle meine Begierde ist vor dir, Pf. 38, 10.


Begierig (W3) [Adelung]


Begierig, -er, -ste, adj. et adv. sinnlich verlangend, Begierde habend, am häufigsten mit dem Vorworte nach. Begierig nach Ehre, nach Ruhm, nach Reichthum. Nach nichts als nach der Herrschaft begierig seyn. Begierig zu streiten, zu sterben, zu siegen. Wie begierig blieb mein Auge auf allen deinen Schönheiten, haften! Dusch. Ein begieriger Mensch, ein begieriges Verlangen.

Anm. Man hat von diesem Worte auch noch das einfache gierig; allein es ist im Hochdeutschen nur im nachtheiligen Verstande üblich. S. Gierig. Begierig mit dem Genitiv kommt im Hochdeutschen wenig mehr vor. Daher das Hauptwort die Begierigkeit, für starke Begierde; aber begierlich, und Begierlichkeit, ungeordnete Begierden besonders nach zeitlichem Vermögen auszudrucken, sind veraltet. S. Begehrlich.


Begießen (W3) [Adelung]


Begießen, verb. irreg. act. S. Gießen. 1) Durch Gießen naß machen. Die Pflanzen begießen. Ingleichen für häufig benetzen. Lassen sie mich ihre mütterliche Hand mit Thränen begießen, Weiße. + Sich die Nase begießen, ist ein niedriger Ausdruck, für sich betrinken; indessen hat doch Opitz denselben an einem Orte nachgeahmet, wenn er sagt: Dem Amor ist der Wein auch ziemlich eingeflossen, So daß er ganz und gar Gemüth und Sinn begossen. 2) Einen flüssig gemachten harten Körper um etwas gießen. Mit Bley, mit Wachs begießen. Daher die Begießung, besonders in der ersten eigentlichen Bedeutung.

Anm. Im Niedersächsischen lautet dieses Wort begeten, bey dem Ottfried begiazen, und noch jetzt in Oberschwaben begiaßen.


Begine (W3) [Adelung]


Die Begine, plur. die -n. 1) Ehedem gewisse andächtige ledige Frauenspersonen, welche eine Art Nonnen waren, aber keine Gelübde ablegten. Es gibt ihrer in Flandern, Picardie und Lothringen noch, in den übrigen Ländern aber sind sie aufgehoben worden. Von der Andächteley, von welcher diese Personen ihr Hauptwerk machten, und von den Ausschweifungen, welchen sie sich nicht selten ergaben, ist es gekommen, daß noch in einigen Gegenden eine alte Begine als ein Schimpfwort gebraucht wird, und so wohl eine Betschwester, als auch eine liederliche Weibsperson bedeutet. In dem mittlern Lateine hieß diese Art von Nonnen Beguinae, Beginae, und im Franz. Beguines. Der Ursprung dieses Nahmens ist noch ungewiß. Einige leiten ihn von der Begga, der Schwester der heiligen Gertrud her, die ihre Stifterinn seyn soll; andere von Lambert le Begue, einem Priester, der gleichfalls für ihren Urheber ausgegeben wird; noch andere von der Begga, Pipins Tochter, welche in ein Kloster gegangen ist. Am wahrscheinlichsten kommt dieser Nahme von dem alten begge, betteln, her, welches noch im Englischen üblich ist, weil die Beginen sich vornehmlich auf das Betteln legten. Wie fern das Osnabrückische Begyne, ein verschnittenes Mutterschwein, hierher gehöret, mögen andere untersuchen. S. Frischens Wörterbuch v. Beginnen, du Fresne Beghardi, und Mosheims Kirchenhift. 2) Eine Art leinener Hauben, besonders in Niedersachsen, welche unter dem Kinne zugebunden werden, etwa von der Art, die in Obersachsen mit einem Französischem Worte Cornetten genannt werden; vermuthlich, weil die Beginen dergleichen getragen. Die Art Hauben wird im Französischen gleichfalls Beguin, im Italiänischen Beghino und im Englischen Biggin genannt.


Beginn (W3) [Adelung]


Der Beginn, des -es, plur. inusit. der Anfang, so wohl in der thätigen als mittlern Bedeutung. Der Vater gab dem Sohn als Vater den Beginn, Opitz. Beginn, bey dem Isidor bighin, ist im Hochdeutschen veraltet, und wird nur noch zuweilen von der erhabenen Schreibart im Andenken erhalten. S. das folgende, ingleichen Anbeginn.


Beginnen (W3) [Adelung]


Beginnen, verb. irreg. Imperf. ich begann, oder begonnte, Particip. begonnen, oder begonnt. Dieses Wort ist,I. Ein Neutrum, welches mit dem Hülsfworte haben verbunden wird, und bedeutet alsdann, seinen Anfang nehmen, oder bekommen. Es beginnt zu regnen. Meine Haare beginnen grau zu werden. Dusch. Wenn kaum die nächtliche Stille beginnt, Uz. Eh' ich zu seyn begonnte, Gell. Hier war es, wo ich mir bewußt zu seyn begann, Wiel. Erst seit dem Augenblick, Da ich dich sah, begann mein wahres Leben, ebend. Entfernt vom Land, wo ich begann zu leben, Hall. II. Ein Activum, den Anfang machen, und zwar, 1) eigentlich. Ein Werk, eine Arbeit beginnen. Wer viel beginnt, endet wenig. Wohl begonnen, ist halb gewonnen. Leb' und vollende deines Ruhmes Laufbahn, Die erst begonnen ist, Schleg. 2) Figürlich, unternehmen, vorhaben. Was wird er wieder beginnen? Einen von seinem Beginnen abbringen. Ein löbliches, frevelhaftes Beginnen. Ein sonderbarer Gebrauch ist es endlich, 3) * wenn dieses Zeitwort in Meißen für sich betragen, sich bezeigen, gehöret wird, in welchem Falle es nicht allein auf eine ungewöhnliche Art construiret, sondern auch nur im nachtheiligen Verstande gebraucht wird. Er beginnet seiner sehr albern, er geberdet, bezeigt sich sehr albern. Sie sehen, wie sie ihrer beginnt, wenn ich nur ein Wort erwähne, Weiße. In andern Gegenden ist diese Bedeutung nicht üblich.

Anm. Beginnen, Nieders. beginnen, bey dem Kero pikinnan, bey dem Willeram und Ottfried beginnan, im Angels. beginnan, im Schwed. beginna, im Dän. begynde, im Engl. to begin, ist im Hochdeutschen größten Theils veraltet, und wird nur noch in der höhern Schreibart gebraucht, theils weil man es, obgleich irrig, für edler hält als anfangen und sich anfangen, theils aber auch, weil es gegen das Sylbenmaß biegsamer ist als dieses. Das einfache ginnen kommt in eben dieser Bedeutung nicht nur bey dem Tatian, sondern auch noch bey dem Hans Sachs vor. Es ist ohne Zweifel das Frequentativum von gehen, welches auch dadurch bestätiget wird, daß im Nieders. und Holländ. bestaan auf ähnliche Art gleichfalls anfangen bedeutet. Aichinger behauptet, begann im Imperfecto sey analogischer und richtiger als begonnte, oder nach einer rauhern Aussprache begunnte. Allein dieses hat wenigsten eben so viele Autorität vor sich als jenes. Ottfried sagt zwar ein Mahl bigan, allein an einem andern Orte sagt er bigonde; bey dem Tatian findet sich gonta, bey dem Bruder Eberhart von Sax bigiund, und bey dem ehrlichen Hans Sachs gund für begunnte. Ottfried gebraucht dieses Zeitwort schon für unternehmen, sich unterfangen. Hornegk verbindet es als ein Activum mit dem Genitiv: Uncz ich der Aribait began.


Begittern (W3) [Adelung]


Begittern, verb. reg. act. mit Gittern verwahren. Ein begittertes Fenster.


Beglänzen (W3) [Adelung]


Beglänzen, verb. reg. act. mit Glanz versehen, in der höhern Schreibart. Wie er (der Mond) die Schatten beglänzt, Herd.


Beglauben (W3) [Adelung]


Beglauben, oder Beglaubigen, verb. reg. act. 1) Glaubwürdig machen, bestätigen, beweisen. Einem etwas mit Gründen beglaubigen. Etwas mit einem Eide beglaubigen. Eine Urkunde beglaubigen, vidimiren. Ein beglaubtes Zeugniß, ein beglaubter Mann, dem man glauben kann, der glaubwürdig ist. Nachrichten von beglaubter Hand. Daher die Beglaubigung, und das Beglaubungsschreiben, oder Beglaubigungsschreiben, ein Schreiben, womit man einem Gevollmächtigten oder Abgeordneten bey dem andern Glauben erwecket, ein Creditiv, Credenz-Schreiben. Ingleichen der Beglaubigungseid, in den Rechten, ein Eid, wodurch jemand in Ermanglung der Zeugen seine Aussage glaubhaft macht; Juramentum credulitatis. Über dieß bedeutet 2) beglaubt seyn, in Oberdeutschlandso viel, als glauben. Wir sind allzu wohl beglaubt, wir glauben allzu wohl. Herr Idris fest beglaubt, Zeniden selbst zu sehen, Wiel.


Begleiten (W3) [Adelung]


Begleiten, verb. reg. act. das Geleit geben. 1) Eigentlich, mit einem andern zugleich gehen. Er hat mich auf der ganzen Reise begleitet. Ich werde sie bis Berlin begleiten. Einen nach Hause begleiten. Einen Fremden die Treppe hinunter begleiten. Besonders, wenn es um der Sicherheit willen geschiehet. Die Handlungsschiffe von Kriegsschiffen begleiten lassen. Einen Transport Lebensmittel begleiten. 2) Figürlich, mit einer Sache zugleich, oder neben derselben, da seyn oder handeln. So heißt in der Wapenkunst eine Figur begleitet, wenn um und neben derselben noch andere Figuren stehen. Kann eine größere Armuth gedacht werden, als die, welche den Überfluß begleitet? Dusch. Sie begleiten unsere Thränen mit den ihrigen. Deinen Gesang würde keine Flöte besser begleiten, als meine, Geßn. Daher die Begleitung, so wohl von der Handlung des Begleitens, als auch von den Personen und Sachen, womit etwas begleitet wird. Z. B. die Leichenbegleitung, die Personen, welche die Leiche begleiten. Die Begleitung in der Musik, wenn sich Instrumente der Singestimme hören lassen; Franz. Accompagnement.

Anm. Begleiten ist aus begeleiten zusammen gezogen. S. Geleit. Ehedem sagte man auch nur beleiten, welches noch im Theuerdanke, und in dem 1514 zu Mainz gedruckten Livius vorkommt. Einen Graben beleiten bedeutet in Fausts Limburgischen Chronik so viel als das einfache leiten oder führen, und Beleidt in der Jülichischen Rechtsordnung so viel als Besichtigung.


Begleiter (W3) [Adelung]


Der Begleiter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Begleiterinn, plur. die -en, der oder die jemanden begleitet. Die Schande würde sonst eine ewige Begleiterinn meiner Tage gewesen seyn.


Begliedern (W3) [Adelung]


Begliedern, verb. reg. act. 1) Mit Gliedern versehen. Wohl begliedert, mit wohl gestalteten Gliedern versehen. 2) In der Mahlerey bedeutet die Begliederung, die Verbindung der Glieder, oder Gelenke mit dem Rumpfe einer Figur, und die Art und Weise, wie solche ausgedruckt wird; Franz. Emmanchement. Die Ellbogen, die Knie u. s. f. machen die Begliederung aus. Eine gute, schlechte Begliederung, Ausdruck derselben.


Beglücken (W3) [Adelung]


Beglücken, verb. reg. act. glücklich machen. Der Himmel beglückte deinen neuen Stand! Ein beglückter, glücklicher, Mensch. Beglückt leben. Er ist in den beglücktesten Umständen erzogen worden. War eine Welt nicht genug Alexandern zu beglücken? Dusch. In der Modesprache der Höflichkeit wird dieses Wort oft auf eine sehr übertriebene Art gebraucht; z. B. jemanden mit seinem Besuche, mit seiner Gegenwart beglücken. So auch die Beglückung. In Oberdeutschland ist dafür auch beglückseligen üblich.


Begnadigen (W3) [Adelung]


Begnadigen, verb. reg. act. Gnade erweisen, Gnade widerfahren lassen. Einen Missethäter begnadigen, ihm die verwirkte Strafe aus Gnade erlassen. Einen mit einem Amte, mit einem Jahrgelde begnadigen, ihm solches als eine Gnade verleihen. Daher die Begnadigung, und das Begnadigungsrecht, das Recht, einen Missethäter zu begnadigen; Jus aggratiandi. Das Zeitwort begnaden, von welchem dieses das Frequentativum ist, kommt noch 1 Cor. 2, 12 und bey dem Opitz vor.


Begnügen (W3) [Adelung]


Begnügen, verb. reg. genug haben, welches so wohl als ein Reciprocum, als auch als ein Impersonale gebraucht, und in beyden Fällen gern mit den Vorwörtern an und mit verbunden wird. 1) Als ein Reciprocum. Er begnüget sich mit wenigem. Am häufigsten mit dem Verbo lassen. Ich will mich damit begnügen lassen, daran genug haben, damit zufrieden seyn. Er läßt sic h leicht begnügen. Wer sich begnügen läßt, ist immer reich genug. 2) * Als ein Impersonale mit der dritten Endung der Person, welcher Gebrauch aber im Oberdeutschen bekannter ist, als im Hochdeutschen. Begnüget dir an diesem Gelde? S. Genügen, welches in dieser Verbindung gewöhnlicher ist.

Anm. Begnügen ist aus begenügen zusammen gezogen. Im Oberdeutschen und Niedersächsischen ist noch benügen und benögen, mit Weglassung des müßigen ge üblich. Im Dänischen heißt dieses Zeitwort gar nur noye. S. Genug. Opitz gebraucht es einmahl als ein Activum: Ich begnüge meine Sinnen, für begnüge mich.


Begnügsam (W3) [Adelung]


Begnügsam, -er, -ste, adj. et adv. sich leicht begnügen lassend; ingleichen die Begnügsamkeit, plur. inus. die Fassung des Gemüthes, da man sich leicht begnügen lässet. Für beyde ist im Hochdeutschen genügsam und Genügsamkeit üblicher.


Begraben (W3) [Adelung]


Begraben, verb. irreg. act. S. Graben, in die Erde graben; besonders von einem Todten, beerdigen, zur Erde bestatten. Einen Todten begraben. Man will ihn nicht begraben lassen. Er wurde ansehnlich, ohne alle Pracht begraben. Ingleichen von verstorbenen Thieren, von welchen doch auch vergraben gebraucht wird. + Da liegt der Hund begraben, das ist die Hauptsache, darauf kommt es an. In anständigen Reden und von Personen, von denen man mit Achtung zu sprechen Ursache hat, gebraucht man statt dieses Zeitwortes lieber beerdigen, oder zur Erde bestatten. Figürlich wird es zuweilen auch für verbergen gebraucht. Möchte es doch in der tiefsten Vergessenheit begraben liegen! Einsam begrub ich mich wie ein Eremit in meine Wälder, Dusch. Daher die Begrabung, besonders in der eigentlichen Bedeutung.

Anm. Begraben, Nieders. begraven. Dän. begrave, Schwed. begrafwa, lautet bey dem Kero picraban und bey dem Ottfried bigraben. Be bedeutet hier bey, gleichsam beygraben, bey Seite graben. S. Grab, und Graben.


Begräbniß (W3) [Adelung]


Das Begräbniß, des -sses, plur. die -sse. 1) Die Handlung des Begrabens einer Leiche, die Beerdigung. Ein Begräbniß ausrichten. Ein ehrliches Begräbniß bekommen. Jemanden zum Begräbnisse bitten. Mit zum Begräbnisse geben. Daher der Begräbnißpfennig, Begräbnißgroschen u. s. f. Münzen, welche auf Todesfälle hoher Personen geschlagen werden. 2) Der Ort, wo ein Verstorbener begraben wird, oder begraben worden. Die Leiche in das Begräbniß setzen. Sich einen Ort zum Begräbnisse ausersehen. Ein Erbbegräbniß.

Anm. Statt dieses Wortes war so wohl in der Sächsischen als Allemannischen Mundart ehedem Bigrafft, Beygrefft, Beygrufft, und Beygroff üblich. In der Oberdeutschen Mundart ist dieses Wort weiblichen Geschlechtes. S. -Niß.


Begrasen (W3) [Adelung]


Begrasen, verb. reg. act. 1) Mit Gras bekleiden; in welcher Bedeutung doch nur das Particip. gebraucht wird. Sein Wollen-Vieh springt auf begrasten Hügeln, Kleist,- Wie auf begrasten Hügeln Die Anmuth grünt, Haged. 2) Die Fährte begrasen, bey den Jägern, mit den Fingern durch das Gras behuthsam nach der Fährte suchen. 3) Das Gras abfressen, in der Landwirthschaft und dem Forstwesen. Die Tangelhölzer von dem Viehe begrasen lassen. Ingleichen das Gras abhauen. Die Raine begrasen. 4) Sich begrasen, eigentlich von dem Viehe, wenn es eine Zeit lang im Grase gegangen ist, und darin zugenommen hat, in welcher Bedeutung man in Niedersachsen die Wortfügung begraset seyn gebraucht. Im niedrigen Scherze auch an Vermögen und äußerm Wohlstande zunehmen. Daher die Begrasung in der zweyten Bedeutung.


Begraut (W3) [Adelung]


Begraut, adj. et adv. welches eigentlich das Particip des im Hochdeutschen ungewöhnlichen Zeitwortes begrauen, grau oder alt werden, ist. Er ist darin begrauet, alt geworden. Dein Lorbeer trogt begrauter Zeit, Utz.

Anm. Das Zeitwort begrauen, grau oder alt werden, ist noch in der Niedersächsischen Mundart üblich. In manchen Gegenden begrauen die Wände, wenn sie von ausgeschlagener Feuchtigkeit grau werden.


Begreifen (W3) [Adelung]


Begreifen, verb. irreg. act. S. Greifen.1. Ergreifen, angreifen und fest halten. 1) * Eigentlich, in welcher Bedeutung dieses Zeitwort jetzt im Hochdeutschen veraltet ist, sonst aber üblich war. Denn so kommt bigriffen für anfassen noch in dem alten Gedichte auf den heil. Anno vor, und bey dem Theuerdank Kap. 60 heißt es auch noch: Begreif den gauch bym grindt, ergreif den Narren bey dem Kopfe. Indessen sind doch 2) noch ein Paar figürliche Bedeutungen davon üblich. (a) Antreffen, ertappen. Einen im Ehebruche, in einem Diebstahle, auf frischer That begreifen. Und kann sie nicht überzeugen, denn sie ist nicht darin begriffen, 4 Mos. 5, 13. So auch Sprichw. 6, 31. Jer. 2, 26. Joh. 8, 3, 4. welche Bedeutung doch auch im Oberdeutschen gebräuchlicher ist, als im Hochdeutschen. (b) Sich begreifen, heißt in Niedersachsen so viel, als sich Fallen an etwas anhalten, den Fall zu vermeiden. Im Hochdeutschen bedeutet daher, sich begreifen, figürlich, sich seiner bewußt werden, besonders in einer heftigen Leidenschaft zu sich selbst kommen, vernünftigen Vorstellungen Raum geben. Begreifen sie sich doch, sagt man zu einen Zornigen, den man zu besänftigen zu sucht.2. Oft an etwas greifen. 1) Eigentlich. So begreift der Arzt den Puls, der Fleischer das Vieh. Tritt herzu mein Sohn, daß ich dich begreife, ob du seyest mein Sohn Esau oder nicht, 1. Mos. 27, 21. Ingleichen durch vieles Angreifen abnutzen. Ein begriffener Hut. Sage du begriffne Leyer, Wem ich dich vermachen darf, Günth. 2) Figürlich, sich mit etwas beschäftigen, in welcher Bedeutung doch nur die Wortfügung begriffen seyn, üblich ist. Auf der Reise begriffen, befindlich, seyn. Er ist eben im Ausziehen begriffen. Über der Arbeit, oder in der Arbeit begriffen seyn. Die Truppen sind im vollen Marsche begriffen.3. Mit der Hand umfassen, umspannen. 1) Eigentlich, in welcher Bedeutung doch dieses Zeitwort wenig mehr üblich ist. Er begreifet die Erde mit einem Dreyling, Es. 11, 12. Ein Maß von dreyßig Ellen mochts umher begreifen, 2 Chr. 4, 2. 2) Figürlich. (a) Einschließen. Jemanden mit in dem Frieden begreifen. Er ist nicht mit in dem Bündnisse begriffen. Ingleichen mit Worten umfassen. Viel mit wenig Worten begreifen, ausdrucken. (b) Intransitive, in sich enthalten. Der äußere Zirkel, der die andern alle in sich begreift. Das ist mit darunter begriffen. Alles was die Welt in sich begreift. Dieser Satz begreift gar vielerley in sich. (c) Mit dem Verstande begreifen, eine Sache nach ihren Gründen einsehen. Das ist leicht, schwer zu begreifen. Er hat diese Sache bald begriffen, erlernet. Jetzt begreife ich es, wie es möglich war. Ich begreife nicht was du willst. Nun das begreife ich doch in aller Welt nicht, Weiße. Ein edler Geist begreift aus einem einigen großen Beyspiele die ganze Lehre seiner Pflichten, Dusch. In dieser Bedeutung kommt begriffen schon bey dem Notker und Tatian vor. Indessen würde sich diese figürliche Bedeutung eben so bequem aus einer der beyden ersten eigentlichen herleiten lassen, zumahl da auch im Oberdeutschen eine Sprache ergreifen, für sie begreifen, üblich ist. Anm. Begreifen, Nieders. begripen, Dän. begribe, bedeutete ehedem auch bloß berühren. Und begreif den Felsen wider mit dem eisen, heißt es im Theuerd. Kap. 56. Das Hauptwort die Begreifung wird nur in der zweyten eigentlichen Bedeutung gebraucht, in verschiedenen der übrigen ist Begriff üblicher.


Begreiflich (W3) [Adelung]


Begreiflich, -er, -ste, adj. et adv. was sich mit dem Verstande begreifen läßt. Eine begreifliche Sache. Das ist leicht begreiflich. Ich rede ja begreiflich. Daher die Begreiflichkeit, plur. inusit. die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie sich leicht begreifen läßt.


Begrenzen (W3) [Adelung]


Begrenzen, verb. reg. act. mit Grenzen versehen. Einen Acker, eine Flur, ein Feld begrenzen. Ingleichen figürlich, einschränken. Die zu sehr begrenzte Zeit, die mir noch übrig ist. Mein Verständniß ist begrenzet, Haged. Daher die Begrenzung.


Begriff (W3) [Adelung]


Der Begriff, des -es, plur. die -e. 1) In dem figürlichen Verstande der zweyten Bedeutung des Verbi begreifen, die völlige Bereitschaft zu dem Anfange einer freywilligen Handlung; ohne Plural. Im Begriffe seyn oder stehen. Er stehet im Begriffe abzureisen. Ich war eben im Begriffe zu ihnen zu kommen. 2) In der dritten Bedeutung des Verbi. (a) Derjenige Raum welcher etwas in sich begreifet. Der Begriff des Hauses, der ganze Umfang desselben. Der ganze Begriff der Welt. Dieser Gebrauch ist im Oberdeutschen gewöhnlicher, als im Hochdeutschen. (b) Dasjenige, was begriffen, oder kurz zusammen gefasset worden. Ein kurzer Begriff der christlichen Lehre. (c) Eine jede Vorstellung in der Seele. Ich kann mir keinen Begriff von dieser Sache machen. Einen klaren oder dunkeln Begriff von etwas haben. Nach meinem Begriffe, nach der Vorstellung, die ich mir von der Sache mache.


Begründen (W3) [Adelung]


Begründen, verb. reg. act. 1) Mit Gründen beweisen, am häufigsten in der Oberdeutschen Mundart. Er suchte es damit zu begründen, u. s. f. Eine begründete, gegründete, gründliche, Antwort. Im Schwedischen bedeutet begrunda, erwägen, betrachten, von grunda, nachdenken. S. Ergründen. 2) * Seinen Grund in etwas haben, als ein Reciprocum; ein völlig Oberdeutscher Gebrauch. Worin sich diese Gefahr begründet, gegründet ist. 3) Fest, dauerhaft machen; gleichfalls nur im Oberdeutschen. Das gute Vernehmen auf das beste zu begründen, zu befestigen. In eben dieser Mundart hat man auch das Substantiv die Begründniß, so wohl für Beweis und Befestigung, als auch für den Grund einer Sache selbst.


Begrünen (W3) [Adelung]


Begrünen, verb. reg. act. grün machen, wovon aber nur das Participium begrünet bey den Dichtern üblich ist. Das begrünte Sommerkleid der Wälder, Opitz. Das begrünte Feld, Can. Du Schmelz der bunten Wiesen, Du neu begrünte Flur! Haged.


Begrüßen (W3) [Adelung]


Begrüßen, verb. reg. act. 1) Mit einem Gruße bewillkommen, empfangen. Freudenthränen begrüßen das Morgenroth, Geßn. Den Feind mit Kanonen begrüßen, ironisch. 2) Jemanden um etwas begrüßen, dessen Einwilligung zu etwas aus Höflichkeit oder Ehren halber verlangen. Er will wenigstens darum begrüßt seyn. So auch die Begrüßung, besonders in der ersten Bedeutung. 3) Im gemeinen Leben wird es auch zuweilen für Gruß gebraucht. So heißt es z. B. am Schlusse freundschaftlicher Briefe: Ich verharre nach freundlicher Begrüßung von meiner Frau u. s. f.


Begucken (W3) [Adelung]


Begucken, verb. reg. act. neugierig besehen. Etwas begucken. Niedersächs. bekiken, Dän. bekige.


Begünstigen (W3) [Adelung]


Begünstigen, verb. reg. act. von Gunst. Jemanden begünstigen, ihm eine Gunst erweisen, aus Gunst etwas dessen Vortheile thun. Einen mit etwas begünstigen. Ein begünstigterLiebhaber. Ingleichen in weiterer Bedeutung, vortheilhaft seyn, befördern. Seine glücklichen Fähigkeiten begünstigten meine Absichten gar sehr. Die Umstände haben dieß Vorhaben ungemein begünstiget.


Begünstigung (W3) [Adelung]


Die Begünstigung, plur. die -en. 1) Von dem vorigen Verbo, die Handlung, da man aus Gunst etwas zu jemandes Vortheile thut. 2) * In den Rechten, ein geringes Verbrechen, welches noch keine Leib- oder Lebensstrafe nach sich ziehet. Der Beleidiger muß seine Begünstigung wieder gut zu machen suchen, sein Vergehen. In dieser zweyten Bedeutung ist es von beginnen, unternehmen, sich unterfangen. Indessen ist es unnöthig, es um deßwillen mit einem i, Beginstigung zu schreiben, wie Frisch wollte, theils weil die allgemeine Aussprache hier ein deutliches ü hören läßt, theils aber auch, weil dasselbe von der Abstammung unterstützet wird, indem Anbegunst ehedem für Anfang, und Begunst, für das Beginnen üblich war. Man weiß ohnehin, daß in den irregulären Verbis der Vocal oft durch alle Stufen der Schattirung durchläuft: beginnen, begann, Conj. begänne, oder begonnte. Conj. begönnte, ehedem begunnte, Conj. begünnte.


Begürten (W3) [Adelung]


Begürten, verb. reg. act. mit einem Gurte versehen, umgürten; ein Wort, welches einige Wahl in der Deutschen Bibel vorkommt. Und war begürtet mit einem leinen Leibrock. 2 Sam. 6, 14. So begürte nun deine Lenden, Jer. 1, 17. Begürtet euch und klaget, Joel. 1, 13. So auch Offenb. 1, 13. 1 Pet. 1, 13


Begüten (W3) [Adelung]


Begüten, S. Begütigen.


Begütern (W3) [Adelung]


Begütern, verb. reg. act. mit Gütern, d. i. zeitlichem Vermögen versehen. Gott begütert einen mehr als den andern. Am häufigsten ist das Participium der vergangenen Zeit üblich. Begütert seyn, mit Gütern oder liegenden Gründen angesessen seyn. Ingleichen in weiterer Bedeutung, ein begüterter Mann, der so viel zeitliches Vermögen besitzet, daß er nicht nur seine völlige Bequemlichkeit, sondern auch einigen Überfluß hat. Zuweilen kommt auch das Hauptwort die Begüterung in der ersten Bedeutung des Participii vor. Die unmittelbare Begüterung war ehedem ein nothwendiges Stück der Reichsstandschaft.


Begütigen (W3) [Adelung]


Begütigen, verb. reg. act. gut machen, besänftigen, im gemeinen Leben. Einen Zornigen begütigen. Das Verbum begüten, von welchem dieses das Frequentativum ist, ist auch noch hin und wieder üblich.


Behaaren (W3) [Adelung]


Behaaren, verb. reg. act. mit Haaren versehen. Ein wohl behaarter Hund, bey den Jägern, der ein gutes Haar hat. Sich behaaren, Haare bekommen.


Behäb (W3) [Adelung]


* Behäb, Behäbig, S. Gehäbe.


Behacken (W3) [Adelung]


Behacken, verb. reg. act. mit Hacken, oder mit der Hacke bearbeiten. 1) Das Holz, die Bäume behacken, das Unnütze oder Grobe davon weghacken. 2) Die Erde um etwas mit der Hacke aufhäufen. Den Kohl, den Wein, den Hopfen behacken; wofür man in einigen Gegenden bewallen und im Braunschweigischen beroden sagt. Daher die Behackung.


Behaftet (W3) [Adelung]


Behaftet, adj. et adv. eigentlich das Participium des ungewöhnlichen Zeitwortes behaften. Mit etwas behaftet seyn, damit beladen seyn, es an sich haben, im nachtheiligen Verstande. Mit Schulden, Sünden, Lastern behaftet seyn. Er ist mir einer bösen Krankheit behaftet. Mit Mängeln und Gebrechen behaftet seyn. Mit mancherley Seuchen und Qual behaftet, Matth. 4, 24. Mit einem harten Fieber behaftet, Luc. 4, 38.

Anm. Pihafet, kommt schon bey dem Kero für beschäftiget vor, und mit iamer sint behaft, heißt es in der Parean. Tyrolis. Im Oberdeutschen wird dieses Wort auch in einem guten Verstande gebraucht. Mit was für Begier der Wissenschaft ihr behaftet seyd, heißt es bey dem Opitz. In eben dieser Mundart bedeuten behaftete Güter, solche, die noch streitig sind. Ehedem war behaftet seyn, von dem Teufel besessen seyn, und ein Behafteter, ein Besessener. S. Haften.


Behagen (W3) [Adelung]


Behagen, verb. reg. act. eine gewisse dunkele und dabey schwache angenehme sinnliche Empfindung erwecken, welche mehr eine dunkele, lebhafte Zufriedenheit mit seinem gegenwärtigen Zustande, als ein Vergnügen oder Wohlgefallen ist. Es wird nur unpersönlich oder in der dritten Person, mit dem Dative der Person gebraucht. Kein Trinken und kein Essen,Ja nichts hat mir behagt, Opitz.Die ihm vor so sehr behagt, ebend.Vermeint ihr blindes Volk, daß ihr Gott wohl behagt? ebend.Dem alles auf der Welt ergehet nach Behagen, ebend.Mir ist nicht unbewußt, daß ihr dein Schmerz behagt, Canitz.Was unsern Fleisch am heftigsten behagt, ebend.Und weil die Wahrheit auch den Göttern selbst behagt, Günth.Und da den Osten schon ein Kranz von Rosen schmückt,Wird jetzt die Morgenruh' uns beyden wohl behagen, Weil. So auch das Behagen, plur. car. diese dunkele angenehme Empfindung. Der Graf fand Behagen an diesen Besuche.

Anm. Behagen ist von je her mit dem Dativ verbunden worden. Das mir wol behagt, heißt es bey dem Stryker; das sie den wisen wol behage, bey Winsbecken, und das im wol behage, bey einem der Schwäb. Dichter. Das Stammwort ist das alte Hug, bey dem Ottfried Hugu, im Isländ. Hugga und Hag, im Schwed. Hog und Hug, welches nicht nur das Gemüth, die Seele und deren Wirkungen, sondern auch Anmuth, Vergnügen, bedeutet. Irhugen kommt daher bey dem Ottfried für erinnern, hugulusti, für Freude, und bihugan, bey eben demselben für bemerken vor. Hugian heißt bey dem Ulphilas denken, gehygan im Angelsächsischen sich erinnern, und noch jetzt gebrauchen die Holländer Heughe und Hoge für das Gemüth. Ehedem war auch das einfache hügen für behagen üblich. Mir ist kommen ein hugender wan Vnd ein wunneklicher trost, Heinr. von Moringe. Haage heißt daher noch im Dänischen belieben, sich hägen, im Niedersächsischen, sich an etwas vergnügen, und nach etwas hagen, sich darnach sehnen. So fern Hug und Haag die Seele, und deren Vermögen zu denken und sich zu erinnern bedeutete, kommt es mit dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, meditatus est, dem Gr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und dem Latein. cogo, wofür nachmahls das Frequentativum cogito üblicher geworden, überein. Behagen ist in den gemeinen Sprecharten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes noch völlig gangbar. Es druckt eigentlich diejenige sinnliche oder dunkele Zufriedenheit mit seinem gegenwärtigen Zustande aus, welche sich durch ein sanftes Lächeln verräth, und um dieses Nebenbegriffes der Dunkelheit oder Sinnlichkeit willen hat man es vermuthlich in der edlern Schreibart veralten lassen, bis es von einigen neuern Schriftstellern wieder hervor gezogen worden. Wenn es in der philosophischen Schreibart geschiehet, wo es nothwendig ist, einen Begriff zu bezeichnen, für welchen man sonst keinen guten Nahmen hat, so ist nichts dawider einzuwenden; allein in andern Fällen sollte man damit ein wenig sparsamer seyn, indem das Behagen in seiner wahren Bedeutung sinnlichen und uncultivirten Menschen angemessener ist, als aufgeklärten. Eben dieses gilt auch von dem folgenden Behaglich und Behaglichkeit.


Behaglich (W3) [Adelung]


Behaglich, und in einigen gemeinen Mundarten Behäglich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Behagen äußernd oder verrathend. Da wo andere mit ihrem Bißchen Talent in behaglicher Selbstgefälligkeit herum schwadroniren, Göthe. 2) Behagen erweckend. Er lernet kluge Sachen, Zeucht Bürgerkleider an, kann sich behäglich machen, Opitz. Wer redlich ist im Herzen, und mit dem Munde frey, Der wisse, daß bey Hof, er nicht behäglich sey, Logau. 3) * Leicht zu befriedigen, genügsam, nur allein im Niedersächs. Ein behäglicher Mensch, der sich alles gefallen läßt. Daher die Behaglichkeit, plur. car. die dunkele, angenehme Empfindung, welche aus der Zufriedenheit mit seinem gegenwärtigen Zustande entstehet, und sich eigentlich durch Lächeln verräth.


Behälligen (W3) [Adelung]


Behälligen, S. Behelligen.


Behalt (W3) [Adelung]


* Der Behalt, des -es, plur. car. ein nur im Oberdeutschen und einigen Kanzelleyen übliches Wort. 1) Die Meinung. Meines Behalts, wie ich dafür halte, nach meiner Meinung. 2) Der Inhalt.


Behaltbar (W3) [Adelung]


Behaltbar, -er, -ste. adj. et adv. leicht zu behalten, oder mit dem Gedächtnisse zu fassen. Etwas dem Gedächtnisse behaltbar machen. So auch die Behaltbarkeit.


Behalten (W3) [Adelung]


Behalten, verb. irreg. act. S. Halten. 1) Nicht von sich lassen, im Besitze einer Sache bleiben. (a) In eigentlicher und weiterer Bedeutung. Ein Pfand behalten, es nicht wieder heraus geben. Was allen gefällt, ist schwer zu behalten. Behalte das für dich; als dein Eigenthum. Seine alten Gewohnheiten behalten. Seine Ehre, seinen guten Nahmen behalten, im Besitze derselben bleiben. Die Oberhand behalten. Recht behalten, den Sieg, das Feld behalten. Er kann keine Speise mehr bey sich behalten. Ich habe nicht viel übrig behalten. Seinen Sohn zu Hause behalten. Jemanden bey sich behalten, als einen Gast in seinem Hause. Man behielt die ganze Gesellschaft zum Abendessen. Er will uns zu Tische behalten. (b) Figürlich. Etwas bey sich behalten, verschweigen. Im Gedächtnisse behalten, nicht vergessen. Etwas aus der Predigt, aus einem Gedichte behalten. Behalten sie dieses wohl. Dieses Wort ist schwer zu behalten. 2) * Aufbehalten, welche Bedeutung aber im Hochdeutschen veraltet ist, indessen noch sehr oft in Luthers Übersetzung der Bibel vorkommt. Herr behalte ihnen diese Sünde nicht! Apostelg. 7, 59. Denn der Böse wird behalten auf den Tag des Verderbens, Hiob. 21, 30. Und so in mehrern Stellen. 3) * Erhalten, bewahren, welche im Hochdeutschen gleichfalls wenig mehr üblich ist. Dadurch behielt sich der jung man, Sonst het se sein Leben müssen lan, Theuerd. Kap. 54. Ich will mir sie auf Erden zum Samen behalten, Hos. 2, 23. Und ein jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, 1 Thess. 4, 4. Indessen sagt man doch noch, wohl behalten ankommen, für sicher, unbeschädigt. Jemanden wohl behalten nach Hause bringen.

Anm. Für bewahren, bewachen, kommt bihaltan schon bey dem Ottfried und Tatian vor. Das Niedersächsische beholden bedeutet auch stille halten. Das Schwädische behalla und Dän. behold kommen in der Bedeutung mit dem Deutschen überein.


Behälter (W3) [Adelung]


Der Behälter, im Oberdeutschen Behalter, des -s, plur. ut nom. sing. der Ort, wo man etwas aufbehält, besonders ein Fischhälter. An einigen Orten bedeutet Behalter auch einen Schrank, und Frisch behauptet, daß das Nürnbergische Kalter, für Schrank, aus diesem Worte entstanden sey. Anm. Bihaltara bedeutet bey dem Tatian so wohl einen Wächter, Bewahrer, als auch die Verwahrung. Außer dem wird es von einigen Alten auch für Erhalter, Servator, gebraucht.


Behältniß (W3) [Adelung]


Das Behältniß, des -sses, plur. die -sse, ein jeder Ort, wo etwas aufbehalten wird, oder aufbehalten werden kann. Das Behältniß eines Gefangenen, der Ort eines Gefängnisses. Das Behältniß der Waaren, wilder Thiere u. s. f. Bey den Jägern werden die dicken morastigen Örter, in welchen sich das Wild gerne aufzuhalten pfleget, Behältnisse genannt.


Behaltsam (W3) [Adelung]


Behaltsam, -er, -ste, adj. et adv. fähig, etwas zu behalten, oder dem Gedächtnisse einzuverleiben. Daher die Behaltsamkeit, diese Fähigkeit. Gedächtniß ist Behaltsamkeit der Ideen.


Behämmern (W3) [Adelung]


Behämmern, verb. reg. act. mit dem Hammer bearbeiten, an etwas hämmern.


Behandeln (W3) [Adelung]


Behandeln, verb. reg. act. 1) So fern handeln mit dem Händen bearbeiten bedeutet. (a) Mit den Händen, und figürlich mit den Kräften des Geistes, Veränderungen an einem Gegenstande hervor bringen, ihn dadurch bearbeiten. Den Teig behandeln. Eine Materie behandeln. Ein Geschäft behandeln. (b) Einen übel behandeln, ihm übel begegnen. Ist es auch erlaubt, daß du mich so behandelst? daß du so mit mir umgehest? 2) Von handeln, einen Kauf oder Handel schließen. Eine Waare behandeln, um ihren Preis einig werden. Es ist um, oder für zehn Thaler behandelt worden. So auch die Behandlung in allen obigen Bedeutungen.


Behändigen (W3) [Adelung]


Behändigen, verb. reg. act. einhändigen, Übergeben. Einem etwas behändigen. In einigen Gegenden bedeutet dieses Wort auch so viel als belehnen, und Behändigungsgüter sind in Westphalen eine Art von Kurmeden oder Erbzinsgütern, welche auf eine Hand oder auf zwey Hände, d. i. Lebenszeiten, eingegeben werden. Behandeln ist für behändigen noch hin und wieder üblich, und ehedem wurde auch das einfache handen in dieser Bedeutung gebraucht. Indessen spottet noch Luther in der Vorrede zum ersten Theile des alten Testamentes von 1524 sehr nachdrücklich über die neuen Wörter behändigen und beherzigen.


Behangen (W3) [Adelung]


* Behangen, verb. irreg. neutr. ( S. Hangen,) welches mit dem Zeitworte bleiben nur noch zuweilen im gemeinen Leben für das einfache hangen üblich ist. Behangen bleiben, hangen bleiben. Herr meine Seele bleibt behangen An dir, Opitz Ps. 63.

Anm. Ehedem wurde es auch ohne bleiben gebraucht. Denn er hofft mit den sporen sein Würdt er in stauden behangen, Theuerd. Kap. 30. Da behieng im an einem paum Sein pferdt mit dem Zügel am zaum, ebend. Kap. 35. Und da das Maul unter eine große dicke Eiche kam, behing sein Haupt an der Eichen, 2 Sam. 18, 19.


Behängen (W3) [Adelung]


Behängen, verb. reg. act. mit einem angehängten Dinge bedecken. 1. Eigentlich. Ein Zimmer mit Tapeten behängen. Man behängte die Waffen mit Kränzen. 2. Figürlich. 1) Der Hund ist wohl Behangen, besser behängt, hat wohl gestaltete lange Ohren, und breite Lefzen, bey den Jägern; welches auch wohl belappt genannt wird. 2) Die Hunde behängen das Wild, bey eben denselben, wenn sie es anfallen, und sich daran hängen. 3) Sich mit etwas behängen im gemeinen Leben, und in verächtlicher Bedeutung, sich in Verbindung mit etwas einlassen. Er behängt sich mit allerley Leuten. Er hat sich mit einer Frau behängt. 4) Einen Hund behängen, bey den Jägern, dem Leithunde das Hängeseil anlegen, und ihn daran auf das Feld führen. Daher das Behängen, das Ausziehen mit demLeithunde auf den Besuch, und die Zeit wenn solches geschiehet. Da die Kunst, eine Leithund gehörig abzurichten, und sich dessen geschickt zu bedienen, das wichtigste Stück in der Jägerey ist, so werden von diesem Behängen, oder Ausführen des Leithundes, in weiterer Bedeutung auch die drey Lehrjahre der Jägerbursche, die drey Behängen genannt. S. auch Hängeseil.


Beharnischen (W3) [Adelung]


Beharnischen, verb. reg. act. mit einem Harnische versehen. Jetzt rauschet ein Würmchen schwarz beharnischt auf glänzend rothen Flügeln vorbey, Geßn.


Beharren (W3) [Adelung]


Beharren, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, fortfahren zu harren, verharren, verbleiben. 1. Eigentlich. Bey einem beharren, bleiben. Sie beharren schon drey Tage bey mir, Marc. 8, 7. In einem Amte beharren. 2. Figürlich. 1) Auf seiner Meinung, auf seinem Vorhaben beharren, solche standhaft zu behaupten, ins Werk zu richten suchen; dagegen, in derselben verharren, bloß die Beybehaltung derselben ausdruckt. Er beharret nun einmahl darauf, bestehet darauf. Weil alle steif auf ihren Sinn beharrten, Gell. 2) Dauerhaft, standhaft seyn, aushalten. Wer beharret bis ans Ende u. s. f. Sein Glück beharren nicht, Hiob 20, 21. nach des Herrn Hofr. Michaelis Übersetzung. So auch die Beharrung.

Anm. Man Gebraucht es fast eben so oft mit dem Hülfsworte haben, als mit seyn, obgleich dieses letztere demselben angemessener zu seyn scheinet. In Oberdeutschland wird es zuweilen mit dem Genitiv verbunden; z. B. Seine Majestät beharren des unveränderlichen Vorsatzes.


Beharrlich (W3) [Adelung]


Beharrlich, -er, -ste, adj. et adv. standhaft fortdauernd, anhaltend. Ein beharrlicher Fleiß. Beharrlich um etwas bitten. Eine beharrliche Treue, beharrliche Liebe. Sich zu beharrlichem Wohlwollen empfehlen. Daher die Beharrlichkeit, plur. inus. die standhafte Fortdauer in einem Zustande.


Beharschen (W3) [Adelung]


Beharschen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, hart werden, besonders von flüssigen oder feuchten Dingen, wenn sie durch Ausdünstungen eine harte Rinde bekommen, oder auch gefrieren. Die Wunde ist beharscht. Das Wasser beharscht vor Kälte. S. Hart.


Beharzen (W3) [Adelung]


Beharzen, verb. reg. act. 1) Mit Harz überziehen. Beharzte Hauer gehn um diesen Aufenthalt, Zachar. 2) Des Harzes berauben, im Forstwesen. Wo die Harzhölzer belochet oder beharzet werden. So auch die Beharzung.


Behauchen (W3) [Adelung]


Behauchen, verb. reg. act. den Hauch an etwas gehen lassen. Ein Glas, einen Spiegel behauchen.


Behauen (W3) [Adelung]


Behauen, verb. irreg. act. S. Hauen, an etwas hauen, und zwar, 1) durch Hauen bearbeiten. Ein Stück Bauholz, einen Stein, einen Klotz behauen. Einen Baum behauen, ihm die unnöthigen Zweige abhauen. 2) Durch Hauen versuchen. Einen Gang, ein Gestein behauen, bey den Bergleuten, durch Abhauen einiger Stücke dessen Härte versuchen. So auch die Behauung.


Behaupten (W3) [Adelung]


Behaupten, verb. reg. act. 1) Fortfahren zu bejahen; es mag nun solches mit Gründen geschehen oder nicht. Eine Meinung behaupten. Er behauptet immer das Widerspiel. Ingleichen oft auch so viel als versichern. Man will für gewiß behaupten, daß u. s. f. 2) Sich in dem Besitze einer Sache erhalten. Eine eroberte Festung behaupten. Wer hat den Platz behauptet? d. i. gesieget. Sein Recht, sein Ansehen behaupten. Er kann das Gut nicht behaupten. So auch die Behauptung.

Anm. Wenn man dieses Zeitwort von Haupt herleitet, so ist die Figur in demselben ein wenig dunkel, man mag es nun durch den Urheber einer Meinung, oder für das Erste, Oberste erklären. Für behaupten war ehedem behaben und beheben üblich. Wer die mehrer Folge hat, der hat sein Urtheil be- hebt, Schwabensp. Kap. 107. Wenn du das Land behabest, in einer alten Übersetzung der Bibel von 1433. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt behaben mehrmahls für fest halten vor; z. B. ein nagel behabt ein eisen. Man kann daher behaupten füglicher als das Intensivum von behaben ansehen.


Behausen (W3) [Adelung]


Behausen, verb. reg. act. 1) In sein Haus aufnehmen, beherbergen, im gemeinen Leben. Einen behausen, bey sich behausen. 2) Sich behausen, sich ansässig machen; daher besonders in Oberdeutschland, ein behauster Unterthan, der ansässig ist, ein eigenes Haus hat.


Behausung (W3) [Adelung]


Die Behausung, plur. die -en. 1) Das Behausen, die Aufnahme in sein Haus; ohne Plural. Noch mehr aber, 2) das Haus, die Wohnung. In meiner Behausung. Sich in seine Behausung verfügen.


Behäuten (W3) [Adelung]


Behäuten, verb. reg. act. welches am häufigsten bey den Sattlern üblich ist, mit einer Haut, oder was derselben ähnlich ist, überziehen. Den Baum eines Wagens behäuten, mit Leinwand und Leim überziehen. Einen Kutschkasten behäuten, die Fugen mit Leinwand bekleben. Daher die Behäutung.


Beheften (W3) [Adelung]


* Beheften, verb. reg. act. hintergehen, betriegen; nur in einigen gemeinen Sprecharten. Geht nicht auf ein Zeichen allein (bey dem Viehhandel) sondern auf mehrere zugleich, so werdet ihr am wenigsten beheftet.


Behelf; (W3) [Adelung]


Der Behelf; des -es, plur. die -e, in den Rechten, Ausflucht, Entschuldigung, meisten Theils im nachtheiligen Verstande. Ungegründete, nichtige Behelfe vorbringen. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort auch Behülf. Behelfrede, im Niedersächsischen Behelperede, Helperede, waren ehedem für Ausflucht, Ausrede gleichfalls sehr gebräuchlich. S. das folgende, ingleichen Behelflich.


Behelfen (W3) [Adelung]


Behelfen, verb. irreg. recipr. S. Helfen. 1) Sich mit Lügen behelfen, zu helfen suchen. Es wird sich behelfen, zu helfen. Er kann sich mit Worten nicht gut behelfen, der mündliche Ausdruck fällt ihm schwer. 2) Beholfen wird zuweilen auch im gemeinten Leben für behülflich gebraucht. Ein beholfener Mensch, der gerne hilft. S. Behülflich. Diese Bedeutung ist aber jetzt veraltet, und kommt nur noch im gemeinen Leben vor. Ehedem wurde dieses Wort auch sehr häufig für entschuldigen gebraucht, sich mit einer Ausflucht zu behelfen suchen. So heißt es z. B. in einer Urkunde von 1409: Auch soll sich undir uns keyner mit deme andirn behelffen noch entschuldigen; und Sir. 32, 21: Ein Gottloser - - weiß sich zu behelfen mit anderer Leute Erempel. S. Behelf. 3) Sich mit etwas behelfen, damit auskommen, damit zufrieden seyn, besonders von demjenigen, was man zur Nothdurft und Bequemlichkeit gebraucht. Er muß sich kümmerlich behelfen, lebt sehr ärmlich. Ich kann mich mit wenigem behelfen, damit auskommen. Behelft euch nur heute, morgen soll es besser werden, seyd heute mit einer schlechten Bequemlichkeit zufrieden.


Behelflich (W3) [Adelung]


Behelflich, -er, -ste, adj. et adv. 1) In den Rechten, von Dingen, die man zu seinem Behelfe vorbringt; ohne Comparation. Eine behelfliche Widerrede, eine nichtige Einwendung. S. Behelf. 2) * Geneigt andern zu helfen; doch nur in einigen Mundarten, für behülflich. So auch die Behelflichkeit.


Behelligen (W3) [Adelung]


Behelligen, verb. reg. act. Unruhe, Beschwerde erwecken, beschwerlich fallen. Einen mit etwas behelligen. Wiewohl wir dieselben mit weitläuftigen Schreiben zu behelligen uns nicht vorgenommen. Daher die Behelligung, plur. die -en, für Beschwerde, Unlust.

Anm. Frisch leitet dieses Wort sehr ungeschickt von hall-her, und erkläret es, sich gleichsam müde schreyen, will es daher auch mit einem ä geschrieben haben. Allein es gehöret wohl unstrei-tig, zu dem noch im Niedersächsischen üblichen Worte hellig, müde. Helligen bedeutete ehedem gleichfalls ermüden, und behellen kommt schon bey dem Ottfried für unterdrücken vor. Das Gr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - bedeutet gleichfalls Gewalt anthun, beunruhigen. Behellen findet sich noch bey dem Logau, dessen Sinngedicht auf den Verläumder so lautet: Mein Urtheil, daß mit fällt, Das kostet nimmer Geld,Weil solches unbehellt Mein Richter mir bestellt; ohne daß man ihn sehr darum behelligen, oder beschwerlich fallen dürfe.


Behen (W3) [Adelung]


Der Behen, des -s, plur. inus. der ausländische Rahme eines gewissen Pflanzengeschlechts; Cucubalus, L. Vornehmlich führet diesen Nahmen diejenige Gattung derselben, welche auf den dürren Wiesen wächset, fast kugelrunde, glatte, auf der Oberfläche mit vielen Gefäßchen durchwirkte Kelche hat, und sonst auch Widerstoß, ingleichen Gliedkraut, Seifenkraut, und Schachtkraut heißt; Cucubalus Behen, L. S. das folgende.


Behen-Baum (W3) [Adelung]


Der Behen-Baum, oder Behen-Nußbaum, des -es, plur. die -bäume, ein ausländischer Baum, welcher in Zeylon, Amerika und Ägypten wächset, und welchen Linne Guilandina Moringia nennet. Die Behen-Nuß ist die Frucht dieses Baumes, von welcher man das Behen-Öhl erhält; der Baum selbst aber liefert das wahre Grieß- oder blaue Sandelholz; S. diese Wörter. Der Nahme ist vermuthlich Arabischen Ursprunges.


Behende (W3) [Adelung]


Behende, -r, -ste, adj. et adv. welches am stärksten noch in Oberdeutschland üblich ist, wo es so viel als mit Leichtigkeit, hurtig oder geschwinde bedeutet. Ein behender Bothe. Eine behende Antwort. Ein behender Mensch. Ich konnte ihn nicht einhohlen, weil er mir zu behende war. Lannd (lasset)Unns fliehen behenndt, Theuerd. Dir kürzt der grimme Tod dein schnelles Leben ab, Und führet dich behend' aus dieser Welt ins Grab, Opitz.

Anm. Wachter nimmt ein doppeltes behende an; eines, welches geschwinde bedeutet, und von ihm von den alten Verbo enden, eilen, davon noch endelich für eilend in Luthers neuem Testamente vorkommt, abgeleitet wird; und ein anderes, welches geschickt bedeuten soll, und von welchem, ihm zu Folge, Hand das Stammwort ist, so wie im Latein. von dexter, dexteritas, herkommt. Allein behende bedeutet eigentlich niemahls geschickt, wohl aber auf eine leichte oder geschickte Art geschwinde, so daß der Begriff der Geschwindigkeit doch immer der Hauptbegriff bleibet. Indessen würde sich dieses Wort mit Wachtern füglich von enden, eilen, herleiten lassen, wenn nicht das Isländische hentig, das Schwedische handig und behaendig, das Holländ. und Nieders. handig, handig und händig, und das Engl. handy, welche insgesammt geschwinde bedeuten, den Ursprung von Hand zu deutlich verriethen. Das e am Ende ist das Hochdeutsche e euphonicum, welches nicht unterdrückt werden darf.


Behendigkeit (W3) [Adelung]


Die Behendigkeit, plur. inus. die Geschwindigkeit, besonders die mit einer gewissen Geschicklichkeit oder Leichtigkeit verbunden ist; ein Wort, welches im Hochdeutschen eben so selten zu werden anfängt, als behende.


Behen-Nuß (W3) [Adelung]


Behen-Nuß, Behen-Öhl, S. Behen-Baum.


Behen-Wurzel (W3) [Adelung]


Die Behen-Wurzel, plur. die -n, eine bittere Wurzel, welche getrocknet aus Syrien gebracht wird, und nach dem Tournefort die Wurzel einer Art Flockenblumen ist. S. Behen.


Beherbergen (W3) [Adelung]


Beherbergen, verb. reg. act. Herberge gehen. Einen beherbergen, ihn als einen Gast in sein Haus aufnehmen, behausen. Es hat uns ein guter Freund beherberget. Der Wirth darf niemanden mehr beherbergen. S. Herberge.


Beherrschen (W3) [Adelung]


Beherrschen, verb. reg. act. die Herrschaft über etwas haben, und üben. Ein Land beherrschen. Seine Leidenschaften beherrschen. Er lässet sich von dem Geitze beherrschen. Der Hügel beherrschet die Stadt, figürlich, man kann die Stadt von dem Hügel mit Geschütz bestreichen; eine wörtliche Übersetzung des Französischen dominer, wofür man besser bestreichen sagt. Daher die Beherrschung.


Beherrscher (W3) [Adelung]


Der Beherrscher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Beherrscherin, plur. die -en, der oder die die Herrschaft über etwas führet; Wörter, welche nur in der höhern Schreibart üblich sind. Der Beherrscher des Himmels. Die Beherrscherin seines Herzens. So möcht' ich um den Preis nicht ein Beherrscher werden, Weise, ein Monarch.


Beherzigen (W3) [Adelung]


Beherzigen, verb. reg. act. zu Herzen nehmen, mit Empfindung betrachten, mit warmen Gefühle überdenken. Eine Sache wohl beherzigen. Den Zustand des Vaterlandes patriotisch beherzigen. Daher die Beherzigung, so wohl von der Handlung der Beherzigens, als auch der daraus entstandenen Betrachtung. Mosers Beherzigungen sind einem jeden bekannt.

Anm. Das Schwed. behjerta wird auf eben diese Art gebraucht. Zu Luthers Zeiten muß dieses Wort noch sehr unbekannt gewesen seyn, weil er in der Vorrede zum ersten Theile seines alten Testamentes von 1524 auf seine Art sehr nachdrücklich darüber spottet. Indessen kommt beherzen, wovon beherzigen das Intensivum ist, mehrmahls bey dem Opitz vor. Z. B. Man kann in tiefen Schmerzen Ja freylich, sag' ich wohl, ein Ding nicht recht beherzen. Logan gebraucht dieses Wort in einem ganz andern Verstande: Mutius ist eine Bien, fleucht herum auf allen Süßen, Ist nicht stolz was nur begegnet, zu beherzen, zu beküssen; von Herzen, welches im gemeinen Leben so viel als umarmen bedeutet. Das einfache herzigen kommt in dem 1514 zu Mainz gedruckten Livius auch für Muth machen, beherzt machen, vor.


Beherzt (W3) [Adelung]


Beherzt, -er, -este, adj. et adv. mit Herz, d. i. Muth versehen. Ein beherzter Mann, der in der Gefahr seine Furcht mäßigen kann. Einen beherzt machen. Den Feind beherzt angreifen. Eine beherzte That.

Anm. das Dän. behierdet hat gleiche Bedeutung. Im Lateinischen kommt cordatus gleichfalls zuweilen für beherzt vor. S. Herz und Herzhaft.


Behetzen (W3) [Adelung]


Behetzen, verb. reg. act. welches nur bey den Jägern üblich ist. 1) Ein Wildpret behetzen, die Hunde auf dasselbe hetzen. 2) Einen Hund behetzen, ihn durch Hetzen abrichten, ihn einhetzen. So auch die Behetzung.


Beheulen (W3) [Adelung]


Beheulen, verb. reg. act. über etwas heulen. Laß doch die schönen Sachen hören, um die er die Nachwelt so sehr beheulet, Weiße.


Behexen (W3) [Adelung]


Behexen, verb. reg. act. im gemeinen Leben, für bezaubern. Einen behexen. Er ist behext. Ich war wie behext.


Behindern (W3) [Adelung]


Behindern, verb. reg. act. welches nur im Oberdeutschen und in den Hochdeutschen Kanzelleyen für hindern und verhindern üblich ist. Einen behindern. Daher die Behinderung.


Behner (W3) [Adelung]


Der Behner, des -s, plur. ut nom. sing. ein Korb, besonders bey den Gärtnern, ein länglich runder aus Weiden gefloch-tener Korb, mit einem hölzernen Querbügel in der Mitte; in Meißen ein Behnerich oder Behnert.

Anm. Es scheinet, daß dieses Wort vornehmlich in Obersachsen üblich ist. Indessen ist es doch schon ein sehr altes Wort, wie bey Benne gezeiget werden wird, welches zu dessen Geschlecht gehöret. Paneretta, Panarolus, Panerius, Panerium, haben im mittlern Lateine ähnliche Bedeutungen.


Behobeln (W3) [Adelung]


Behobeln, verb. reg. act. mit dem Hobel bearbeiten. Ein Bret, ein Stück Holz behobeln.


Behör (W3) [Adelung]


Die Behör, S. Behörde.


Behorchen (W3) [Adelung]


Behorchen, verb. reg. act. heimlich auf etwas horchen. Einen behorchen, heimlich auf dessen Reden horchen. Wir wurden behorcht. Sie wird ste hier aus diesem Kabinettchen behorchen, Weiße.


Behörde (W3) [Adelung]


Die Behörde, plur. die -n, am häufigsten in der Oberdeutschen Mundart. 1) Was sich gehöret, oder geziemet, was nöthig ist. Wir werden die Behörde verfügen. 2) Was zu etwas gehöret, das Zubehör. Das Gut mit aller seiner Behörde; in welcher Bedeutung auch im Niedersächsischen Behör üblich ist. 3) Der gehörige Ort, der Ort, an welchen eine Sache hin gehöret; besonders in den Rechten, für Instanz. Etwas an die Behörde bestellen. Sie haben sich bey der Behörde zu melden. Es sind die nöthigen Befehle an die Behörde ergangen.

Anm. Dieses Wort, welches zuweilen auch Behör lautet, und auch in den Hochdeutschen Kanzelleyen üblich ist, ist von dem Verbo behören, welches im Oberdeutschen für gehören üblich ist.


Behörig (W3) [Adelung]


Behörig, adj. et adv. gleichfalls am häufigsten in der Oberdeutschen und Niedersächsischen Mundart, für gehörig, was sich gehöret, oder geziemet. Der behörige Ort. Sich behörig betragen. Die Sache ist behörig angebracht.


Behren (W3) [Adelung]


Behren, schlagen, S. Bären.


Behuf (W3) [Adelung]


Der Behuf, des -es, plur. car. ein größten Theils veraltetes Wort für Nothdurft, Nutzen, Bequemlichkeit, Zum Behufe dieser Sache, zu ihrem Nutzen, zu ihrer Beförderung. Etwas in seinen Behuf, oder zu seinem Behufe verwenden, zu seinem Nutzen. Etwas zu seinem Behufe anfüren, zu seiner Vertheidigung. Zu dessen Behuf, zu dem Ende.

Anm. Behuf, Nieders. Behoof, Holländ. Behoef, Dän. Behov, Angels. Beheve, Behevenesse, Engl. Behoof, Schwed. Behof, wird in der Oberdeutschen und Niedersächsischen Mundart noch häufig für Nothdurft, Bedürfniß, und Nutzen gebraucht. Sein Behuf thun, heißt in der letztern in höflichen Ausdrücken, so viel als seine Nothdurft verrichten. In eben diesen Mundarten ist auch das Zeitwort behufen und behäven, Holländ. behaefen, Schwed. behöfwa, Angels. behofan, Dän. behovt, für bedürfen üblich. Das Stammwort Hof ist noch im Schwedischen vorhanden, und bedeutet daselbst, was sich schickt, was zu einer Sache nöthig ist. S. Hübsch. Das Wort Behuf kommt im Hochdeutschen, besonders in der Sprache der Kanzelleyen, größten Theils aber nur mit den Vorwörtern zu und in, mehrmahls, das Verbum behufen aber gar nicht vor; so wie auch die Bey- und Nebenwörter behufig und behuflich nur in Oberdeutschland bekannt sind. Hätte Wachter die Verwandtschaft dieses Wortes gewußt, so würde er Behuf nicht von dem Lateinischen opus abgeleitet haben.


Behuft (W3) [Adelung]


Behuft, adj. et adv. mit einem Hufe, ungula, vesehen. Ein wohl, schlecht behuftes Pferd, welches einen guten oder schlechten Huf hat.


Behülflich (W3) [Adelung]


Behülflich, -er, -ste, adj. et adv. Hülfe leistend. Ein behülflicher Mensch, der gerne hilft. Einem zu etwas behülflich seyn, dazu verhelfen. Einem in oder bey etwas behülflich seyn, ihm in oder bey der Sache helfen. So mancher Freund ist in der Nähe, Und jeder wird behülflich seyn, Haged.

Anm. Bey dem Opitz kommt auch das einfache hülflich in eben dieser Bedeutung vor: Laß sich dein Heil doch hülflich zu mir neigen. Die Niedersachsen gebrauchen beholpen oder behulpen in eben diesem Verstande, welches auch von einigen Oberdeutschen geschiehet. Einem beholfen seyn, behilflich seyn,


Behüthen (W3) [Adelung]


Behüthen, verb. reg. act. 1) So fern hüthen pascere bedeutet. Einen Ort, ein Feld mit dem Viehe behüthen, das Vieh dahin zur Weide treiben. 2) Von hüthen, custodire, bewahren, beschützen, das Böse von jemanden abwenden; in welchem Verstande dieses Wort noch häufigsten von Gott gebraucht wird. Gott wir mich davor behüthen. Der Himmel behüthe dich! Behüthe Gott! Behüthe der Himmel! ist oft im gemeinen Leben eine Formel, theils seine Furcht und seinen Widerwillen vor oder wider etwas an den Tag zu legen, theils auch mit einer Art des Affectes zu verneinen.

Anm. Pehueten kommt in dieser Bedeutung schon bey dem Notker vor. Winsbeck gebraucht sich behuetan auch intransitive, für sich hüthen. Im Niedersächsischen lautet dieses Zeitwort behöden. Das Hauptwort die Behüthung ist nur im der ersten Bedeutung gebräuchlich.


Behuthsam (W3) [Adelung]


Behuthsam, -er, -ste, adj. et adv. bemüht, sich vor einer gegenwärtigen Gefahr oder Fehlern zu hüthen. Ein behuthsamer Mensch. Man kann in dieser Sache behutsam genug gehen. Behutsam im Schreiben, im Reden u. s. f. Im Niedersächsischen behot.


Behuthsamkeit (W3) [Adelung]


Die Behuthsamkeit, plur. inus. die Bestrebung, eine gegenwärtige Gefahr oder Fehler zu vermeiden. Viele Behutsamkeit in einer Sache anwenden, gebrauchen. Man muß in dieser Sache mit Behutsamkeit verfahren.


Bejagen (W3) [Adelung]


Bejagen, verb. reg. act. die Jagd an einem Orte üben. Einen Wald, eine Flur bejagen, daselbst jagen.


Bejahrt (W3) [Adelung]


Bejahrt, -er, -este, adj. et adv. mit vielen Jahren versehen, alt; eigentlich nur von Menschen. Ein bejahrter Mann.Er ist bejahrt. In der höhern Schreibart auch von andern Dingen. Bejahrte Eichen, Zachar.

Anm. Bejahrt druckt im gemeinen Leben selten den Begriff eines hohen, sondern größten Theils nur eines mittelmäßigen oder ziemlichen Alters aus. Man gebraucht es besonders alsdann, wenn man den Nebenbegriff der Schwäche des Alters, den alt gemeiniglich bey sich führet, aus Achtung vermeiden will. Betagt wird dagegen nur von einem hohen Alter gebraucht, obgleich Jahr einen längern Zeitraum bezeichnet, als Tag. S. Betagt.


Bejammern (W3) [Adelung]


Bejammern, verb. reg. act. seinen Jammer, d. i. lauten Ausbruch des Schmerzens, über etwas merklich werden lassen, und figürlich auch überhaupt so viel als schmerzhaft beklagen. Einen bejammern. Das ist zu bejammern. Daher bejammernswürdig, adj. et adv. was bejammert zu werden verdienet, und die Bejammernswürdigkeit.


Bejauchzen (W3) [Adelung]


Bejauchzen, verb. reg. act. über etwas jauchzen. Mehr als ein großes Land bejauchzet dein Erhöhen, Canitz. Vom ganzen Walde bejauchzt steigt jetzt mit segnenden Tritten Der Morgen von den Gebirgen herab, Gieseke. S. Jauchzen.


Beicht (W3) [Adelung]


Die Beicht, plur. doch nur von mehrern Formeln, die -en, das Bekenntniß seiner Sünden, besonders vor dem Genusse des heil. Abendmahles. Seine Beicht thun, oder ablegen. Zur Beicht gehen. Beicht sitzen, in dem Beichtstuhle sitzen, um die Beicht anderer anzuhören. Einem Beicht hören, oder einem Beicht sitzen, dessen Beicht anhören. Dem Priester nur geziemt, daß er auch Beichte sitzt, Haged. Lange Beichten, lange Beichtformeln.

Anm. Die Beicht, Nieders. Bicht, Bigt, Schwed. Bikt, Dän. Bigt, bey dem Kero Pigiht, bey Ottfried Bigihti, bey dem Isidor Vbijithi, bey dem Notker Gejiht und Piuht, in Oberschwaben noch jetzt Buicht, im Osnabrückischen Begicht, bedeutete ehedem ein jedes, besonders feyerliches Bekenntniß, in welcher Bedeutung auch das einfache Gicht und Gigt von nicht langer Zeit noch in Niedersachsen üblich war: Jetzt wird Beicht nur noch im kirchlichen Verstande gebraucht. S. das folgende und Urgicht.


Beichten (W3) [Adelung]


Beichten, verb. reg. act. seine Sünden dem Geistlichen bekennen, besonders vor dem Genusse des heil. Abendmahles. Einem beichten, vor ihm seine Beicht ablegen. Seine Sünden beichten. Im gemeinen Leben wird dieses Wort auch zuweilen noch in seiner alten Bedeutung für bekennen, gestehen, gebraucht. Er will noch nicht beichten. Er wird schon beichten müssen, man wird ihm schon zum Geständnisse der Wahrheit bringen.

Anm. Man hatte ehedem ein altes Verbum, welches gehan, gahan, jihan hieß, nicht nur bekennen, sondern auch überhaupt sagen und sprechen bedeutete, und von dem Kero an bis auf den ehrlichen Hans Sachs in der Oberdeutschen Mundart angetroffen wird; z. B.: Des mag mich ye wol iehen Unschuldig und alls wandels frey, Theuerd, Kap. 46. Selbst Opitz gebraucht noch verjähen für erzählen: Dieß pflag man weit und breit Von Momus und von ihr vorweilen zu verjähen. Von diesem gehen hatte man hernach das Intensivum gichten, welches als ein Neutrum nicht nur sagen, sprechen, bekennen, sondern auch active, peinlich befragen bedeutete. Menigklich euch deßhalb Lob gicht, Theuerd. Kap. 95. Wie denn das alte Srüchwort gicht, Hans Sachs. Aus diesem gichten entstand nun durch Vorsetzung der Sylbe be - das Activum begichten, und zusammen gezogen beichten, welches heut zu Tage nur noch im kirchlichen Verstande gebraucht wird. S. auch Bejahen und Ja.


Beichtgeld (W3) [Adelung]


Das Beichtgeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, bey den Protestanten, dasjenige freywillige Geschenk, welches man dem Beichtvater für die Anhörung der Beicht gibt, und welches im gemeinen Leben auch der Beichtgroschen, oder der Beichtpfennig genannt wird.


Beichtiger (W3) [Adelung]


* Der Beichtiger, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches aber ehedem in folgenden Bedeutungen üblich war. 1) Für einen, der da beichtet, wofür man jetzt lieber Beichtkind gebraucht, und in weiterer Bedeutung auch für Bekenner, so fern dieses Wort im kirchlichen Verstande einen Märtyrer bedeutet. In beyden Fällen wird es noch häufig in Oberdeutschland gebraucht. 2) Für einen, der dem andern Beicht höret, für einen Beichtvater, in welchem Verstande noch Hagedorn dieses Wort gebraucht, obgleich im Hochdeutschen Beichtvater üblich ist.

Anm. Von beichten hatte man ehedem das Bey- und Nebenwort beichtig, im achten Jahrhunderte begihdic, und bey dem Notker jihtig. Gichtig oder begichtig werden bedeutete zu eben derselben Zeit bekennen oder beichten, und Pigihtar, Bihter und Iehara, so wohl einen Bekenner oder Märtyrer, als auch einen, der seine Sünden beichtet. In der Bedeutung eines Beichtvaters ist dieses Wort so wohl wider die Natur der Beywörter auf ig, als auch wider den Gebrauch.


Beichtkind (W3) [Adelung]


Das Beichtkind, des -es, plur. die -er, derjenige, der seine Sünden beichtet; am häufigsten aber jemand, der gewöhnlich bey einem Geistlichen beichtet. S. Beichtvater.


Beichtpfennig (W3) [Adelung]


Der Beichtpfennig, des -es, plur. die -e, S. Beichtgeld.


Beichtschein (W3) [Adelung]


Der Beichtschein, des -es, plur. die -e, das Zeugniß eines Geistlichen, daß jemand vor ihm gebeichtet, und das Abendmahl empfangen hat; der Beichtzettel.


Beichtspiegel (W3) [Adelung]


Der Beichtspiegel, des -s, plur. ut nom. sing. ein figürlicher Ausdruck, mit welchem verschiedene erbauliche Bücher beleget werden, in welchem Anweisung gegeben wird, wie man sein Gewissen zu untersuchen hat, ehe man zur Beicht gehet.


Beichtstuhl (W3) [Adelung]


Der Beichtstuhl, des -es, plur. die -stühle, der abgesonderte Ort in der Kirche, in welchem der Geistliche Beicht sitzet.


Beichtvater (W3) [Adelung]


Der Beichtvater, des -s, plur. die -väter, derjenige Geistliche, dem man gewöhnlich beichtet, in Beziehung auf den oder diejenigen, welche ihm beichten oder auf seine Beichtkinder. Der Gebrauch, die Verbindung zwischen einem Geistlichen und denjenigen, welche ihm beichten, als eine Verbindung zwischen Ältern und Kindern zu betrachten, ist in der christlichen Kirche schon alt, und wird in der Römischen Kirche am weitesten getrieben.


Beiern (W3) [Adelung]


* Beiern, verb. reg. act. welches nur in einigen Gegenden, z. B. in Niedersachsen, Lausitz, der Mark und Preußen üblich ist, wo es eine Art des Läutens bedeutet, da die Glocken unbeweglich bleiben, und nur die Klöppel nach gewissen Melodien an den Rand derselben angeschlagen werden. Daher heißt in der Lausitz eine Beierleiche, eine Leiche, bey deren Beerdigung nur auf diese Art geläutet wird.

Anm. Beiern, im Holländ. beyaerden, im Dän. kime, Schwed. kimma, Engl. to chime, kann entweder von alten bären, schlagen, herkommen, S. Bären, oder auch von dem eben so alten Zeitworte bären, im Angels. berian, im Altfries. baria, tönen, schreyen. S. Bär und Barde.


Beil (W3) [Adelung]


Das Beil, es -es, plur. die -e, Diminutivum das Beilchen, ein Werkzeug zum Hauen, welches einen kürzern Stiel, alseine Axt hat. Etwas mit dem Beile behauen. Einen mit dem Beile hinrichten, ihm den Kopf mit dem Beile abschlagen. Es ist ihm das Beil, die Hinrichtung mit dem Beile, zuerkannt worden.

Anm. So häufig der Gebrauch des Beiles, und so alt dessen Benennung auch ist, so ungewiß ist noch dessen Abstammung, weil der Gebrauch in der alten Mundarten sehr verschieden ist. So fern in dieser Benennung auf das Hauen gesehen wird, könnte man es zu dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ictus, rechnen; zumahl da auch das alte Schwed. bula, spalten, verstümmeln, und byl, bohl, den Stamm eines Baumes bedeutet. S. Bohle. Mit eben so vielem Rechte kann man aber auch diesen Nahmen von der Materie herleiten, aus welcher die Beile zum Theile verfertiget werden; denn Bill bedeutete im Angelsächsischen ehedem Stahl. Beil würde also ein jedes stählernes oder verstähltes Werkzeug bedeuten können. Es ist ehedem auch wirklich ein allgemeiner Nahme gewesen, den man mehrern sehr verschiedenen Werkzeugen gegeben hat. Das Schwed. Bil, Wallisische Bwial, Holländ. Byl, und Litthauische Bila, bedeuten eine Axt, besonders von der größern Art; das Angels. Bill, eine Sichel; das Bretagnische Ebill, einen Bohrer; das Schwed. Bill, eine Pflugschar; das Isländ. Billda, und alte Schwed. Bijl, Pijl, einen Pfeil u. s. f. Siehe auch Pfeil und Hobel. Das Niedersächsische Bihl, kommt mit dem Hochdeutschen in der Bedeutung überein.


Beilbrief (W3) [Adelung]


* Der Beilbrief, des -es, plur. die -e, in den Seestädten, ein schriftlicher Vertrag mit einem Schiffszimmermanne wegen des Baues eines Schiffes. Frisch leitet dieses Wort, welches im Niedersächsischen Biilbreef lautet, von Beil her, weil dar Bau eines Schiffes vermittelst des Beiles geschiehet. Allein es ist wahrscheinlicher, daß es von bauen herkommt. Das alte Schwed. Byla, bedeutete bauen, und Byle, ein Gebäude.


Beileisen (W3) [Adelung]


Das Beileisen, des -s, plur. inus. ein auf den Hammerwerken aus dem Groben geschmiedetes Eisen, aus welchem die Schmiede hernach die Beile verfertigen.


Beilgeld (W3) [Adelung]


Das Beilgeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, in den Bergwerken, dasjenige Geld, welches die Gewerken dem Steiger und Untersteiger alle Vierteljahre für die Ausbesserung der Beile geben.


Beilketafel (W3) [Adelung]


Die Beilketafel, plur. die -n, das Deutsche Billiard, oder eine lange, schmale Tafel mit einem Rande, und Rinnen an den beyden Seiten, auf welcher man mit eisernen, unten glatt geschliffenen runden Steinen spielet.

Anm. Es ist dieses eigentlich die Niedersächsische Benennung dieser Tafel, welche auch Pilketafel lautet, und in Ansehung ihrer ersten Hälfte das Diminutivum von Ball, eine Kugel, ist, wovon auch das Französische Billiard seinen Nahmen hat, welches aus diesem Spiele entstanden ist. Im Oberdeutschen heißt diese Tafel Drucktafel, und das Spiel selbst Druckspiel oder Trockspiel, weil die Steine mit einem Drucke fortgeschoben werden. In Nürnberg heißt sie Schießtafel, im Altfranz. Bellent, im mittlern Lateine Belencus. In einer Verordnung des Parisischen Parlamentes von 1371 bey dem Carpentier heißt es: Emolumentum ex sicca tabula seu ludo ad belencum proveniens ordinavimus converti in solutionem reddituum ad vitam; wo der Ausdruck sicca tabula merkwürdig ist, indem er eine sehr ungeschickte buchstäbliche Übersetzung des Oberdeutschen Nahmens Drucktafel ist. S. dieses Wort. Übrigens findet man dieses Spiel heut zu Tage nur noch auf den Dörfern.


Beilkraut (W3) [Adelung]


Das Beilkraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche Linne zu der Kronwicke rechnet, und Coronilla Securidaca nennet. Sie hat ihren Nahmen ihren beil- oder sichelförmigen Hülsen zu danken, trägt Schoten, wächset an ungebaueten Orten unter dem Getreide, und wird im gemeiner Leben auch große Peltschen genannt. S. Peltschen.


Beilpflanze (W3) [Adelung]


Die Beilpflanze, plur. die -n, eine Pflanze aus eben dieser Classe, welche in dem mittägigen Amerika einheimisch ist; Securidaca, L.


Bein (W3) [Adelung]


Das Bein, des -es, plur. die -e, Diminutivum das Beinchen, im Oberdeutschen das Beinlein. 1. Der Köhrknochen in dem Fuße zwischen dem Knie und dem Plattfuße, und dann auch der ganze Fuß. 1) Eigentlich. Ein Bein brechen. Die Beine sind ihm geschwollen, u. s. f. Das dicke Bein, oder Dickbein, derjenige Theil des ganzen Fußes, der zunächst am Unterleibe sich befindet, der Schenkel. Figürliche, aber nur im gemeinen Leben übliche Redensarten sind: Sich auf die Beine machen, sich auf den Weg begeben. Ich will dir Beine machen, dich zum Gehen bewegen, dir forthelfen. Einem Kranken wieder auf die Beine helfen, ihm seine Gesundheit verschaffen. Einem auf die Beine helfen, seinen verfallenen Nahrungsstand verbessern. Auf die Beine kommen, gesund werden, ingleichen in bessern Wohlstand gerathen. Ein Kriegesheer auf die Beine bringen, anwerben, aufrichten. Viel Volk auf den Beinen haben, unterhalten. Eine über das Bein werfen, einem ein Bein vorhalten, ihm ein Bein unterschlagen, ihn durch Lift stürzen, ihm hinterlistig schaden. Verläumdung aber wirft die Unschuld übers Bein, Lohenstein. Das Unglück aber schlägt uns unter noch ein Bein, ebend. Einem ein Bein stellen, ihm hinterlistig zu schaden suchen. Etwas aus Bein binden, einen Verlust zu verschmerzen suchen. 2) Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit, dasjenige, worauf eine künstliche Sache stehet. Die Beine eines Stuhles, einer Bank, eines Schämels u. s. f. Alles worauf ein künstlicher Körper stehet, heißet dessen Fuß. Ist dieser Fuß lang und dünne, so wird er ein Bein genannt. Daher sagt man wohl ein Bankbein, ein Schämelbein u. s. f. aber nicht ein Bankfuß, ein Schämelfuß. 2. Ein jeder Knochen. Es ist nichts als Haut und Bein an ihm. Die Beine aus dem Fleische nehmen. Es gehet, oder dringet mir durch Mark und Bein, es rühret mich auf das empfindlichste. Der Arzt, dem dieses Wort durch Mark und Beine bringt. Canitz. Stein und Bein schwören, in niedrigen Ausdrücken, heftig schwören. Und meine Beine schwinden, Opitz. Das ungenannte Bein, in der Zergliederungskunst, das Hüftbein. Das heilige Bein, S. Heilig. Besonders wird Bein häufig materialiter gebraucht, wenn nur die Materie angedeutet werden soll, in welchem Falle Knochen nicht so üblich ist. In Bein arbeiten.

Anm. Dieses Wort lautet im Oberdeutschen Pain, um Nürnberg Baan, im Salzburgischen Bui, in Niedersachsen, im Dänischen und Holländ. Been, im Angels. Ban, im Engl. Bone, im Schwed. Ben, im Isländ. Bein. Die Ähnlichkeit des Klanges mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich gehe, hat gemacht, daß man gemeiniglich die Bedeutung des Fußes für die erste und eigentliche hält; obgleich die zweyte Bedeutung eben so vielen Anspruch darauf machen kann. Wenigstens wird Bein in den ältesten Mundarten so oft von einem Knochen, als von einem Fuße gebraucht. Der Plural, die Beiner, ist nur in den gemeinen Mundarten üblich.


Beinarbeiter (W3) [Adelung]


Der Beinarbeiter, des -s, plur. ut nom sing. ein Drechsler oder Bildhauer, der künstliche Arbeiten aus Bein oder Knochen verfertiget. S. Beindrechsler.


Beinasche (W3) [Adelung]


Die Beinasche, plur. inus. Asche von verbrannten Schafbeinen, welche besonders in den Schmelzhütten zu den Treibeherden und Testen gebraucht, und in den Tyrolischen Bergwerken Beinmehl genannt wird.


Beinbohrer (W3) [Adelung]


Der Beinbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) S. Bankbohrer. 2) Ein Bohrer, in Bein oder Knochen damit zu bohren.


Beinbrecher (W3) [Adelung]


Der Beinbrecher, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Art großer Landadler, welche die Beine der Thiere, auf welche sie stoßen, zu zerbrechen pflegen; der große Hasenadler, Gänseadler. 2) Eine Art Adler mit hellgelben Füßen, schwarzen durchsichtigen Klauen, und aschgrauen, erd- und eisenfarbenen Federn, welche auf Vögel, am häufigsten aber auf Fische stoßen.; Meeradler, Fischaar, Fischadler, Aquila ossifraga, L. Wenn nicht beyde Arten einerley sind.


Beinbrechgras (W3) [Adelung]


Das Beinbrechgras, des -es, plur. inus. S. Beingras.


Beinbruch (W3) [Adelung]


Der Beinbruch, des -es, plur. die -brüche. 1) Der Bruch eines Beines, besonders in dem Fuße. 2) Eine Steinart, welche aus Kalkstein, seinem Sande und verfaulten Pflanzentheilen bestehet, sich um die Wurzeln der faulen Stöcke abgehauener Bäume anleget, und daher einiger Maßen einem Knochen Ähnlich siehet. Diese Ähnlichkeit ist aber auch die einzige Ursache, warum der große Haufe dieser Steinart eine besondere Kraft in Heilung aller Beinbrüche bey Menschen und Vieh zuschreibet; Beinwell, Beinheil, Bruchstein, Knochenstein, Olteocolla. S. Beinwell.


Beinbrüchig (W3) [Adelung]


Beinbrüchig, adj. et adv. was einen Beinbruch hat, oder das Bein gebrochen hat. Beinbrüchiges Vieh, bey den Fleischern, welches nicht zum Schlachten tauget.


Beindrechsler (W3) [Adelung]


Der Beindrechsler, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Kunstdrechsler, welche allerley seine Sachen aus Bein, Horn, Silber, Stahl u. s. f. verfertigen.


Beindürre (W3) [Adelung]


Beindürre, adj. et adv. im gemeinen Leben, sehr dürre, so trocken, wie ein Knochen.


Beinern (W3) [Adelung]


Beinern, adj. et adv. aus Bein oder Knochen verfertiget. Ein beinerner Kamm. Eine beinerne Schachtel. Die Schale ist beinern. S. -Ern. Im Oberdeutschen beinen.


Beinfäulniß (W3) [Adelung]


Die Beinfäulniß, Beinfäule, plur. inus. S. Beinfraß.


Beinfolter (W3) [Adelung]


Die Beinfolter, plur. die -n, ein Werkzeug der Tortur, wodurch ein heftiger Schmerz in den Schienbeinen erreget wird, und die Anlegung dieses Werkzeuges, aber ohne Plural. Das Werkzeug selbst wird auch die Beinschrauben, die Beinstöcke, die Beinstiefeln, und Spanische Stiefeln, in Holland und Friesland aber Scheen-Iser, d. i. Schieneisen, genannt. In Sachsen wurde es bey dem zweyten Grade der Tortur gebraucht und die peinliche Frage ziemlicher Maßen genannt.


Beinfraß (W3) [Adelung]


Der Beinfraß, des -es, plur. inus. 1) Eine Krankheit der Beine und Knochen in dem thierischen Körper, da selbige nach und nach ausgezehret werden und faulen; die Beinfäule, Beinfäulniß, Caries. Ingleichen, ein jeder Fall, da die Knochen von Geschwüren angefressen werden, und der beschädigte Theil eines solchen Knochens selbst. 2) Ein Nahme des Beingrases. S. dieses Wort.


Beingeripp (W3) [Adelung]


Das Beingeripp, des -es, plur. die -e, ein neues Wort, das Lateinische Skelet auszudrucken, wofür andere lieber Beingerüst sagen. In dem erstern ist das Wort Bein überflüssig, weil Geripp diesen Begriff schon bey sich hat. S. Skelet.


Beingewächs (W3) [Adelung]


Das Beingewächs, des -es, plur. die -e, die Auswachsung der Substanz des Knochens in eine Geschwulst; bey den Ärzten.


Beingras (W3) [Adelung]


Das Beingras, des -es, plur. inus. eine Grasart, welche schwertförmige Blätter und mollige Staubfäden hat; Anthericum Ossifragum, L. Es wächset in den mitternächtigen Theilen Deutschlandes und Europens, und soll dem Hornviehe die Knochen so erweichen, daß es nicht mehr stehen kann, welches aber nach Linnes Versicherung eine Fabel ist. Es wird daher auch Beinbrechgras, Beinfraß, Knochenbrecher, in Niedersachsen Beengras, in Norwegen Sturegras, und in Dänemark Beenbrud genannt.


Beinharnisch (W3) [Adelung]


Der Beinharnisch, des -es, plur. die -e, ein eiserner Harnisch, mit welchem man ehedem die Beine im Kriege verwahrete, 1 Sam. 17, 6. Beinschiene, Beinrüstung, und in noch ältern Zeiten Beinberge, von dem alten bergen, verwahren.


Beinhart (W3) [Adelung]


Beinhart, adj. et adv. so hart wie Bein oder Knochen, sehr hart.


Beinhaus (W3) [Adelung]


Das Beinhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus auf den Kirchhöfen, in welchem die ausgegrabenen Gebeine verwahret werden; in der Oberdeutschen Mundart ehedem Gernerhaus, Gärnerhaus, Gärner.


Beinhaut (W3) [Adelung]


Die Beinhaut, plur. die -häute, Diminutivum das Beinhäutlein, eine zarte, sehr empfindliche Haut, welche die Knochen sehr genau umgibt, und viele Blutgefäße enthält; Periostium, die Knochenhaut.


Beinheil (W3) [Adelung]


Das Beinheil, des -es, plur. inus. S. Beinbruch.


Beinholz (W3) [Adelung]


Das Beinholz, des -es, plur. inus. ein Nahme, welcher im gemeinen Leben einem dreyfachen Staudengewächse, vornehmlich wegen der Härte seines Holzes gegeben wird. 1) Der Rainweide; Ligustrum vulgare, L. welche auch Hartriegel, Mundholz, Rehlholz, Grießholz u. s. f. genannt wird. Der Nahme Beinhülsen, welchen diese Staude in einigen Mundarten führet, ist vermuthlich aus Beinholz vererbt. S. Rainweide. 2) Der Heckenkirsche oder Zaunkirsche; Lonicera Xylosteum, L. welche auch Ahlkirsche, Zweckholz, Röhrholz, Schießbeer u. s. f. genannt wird. S. Heckenkirsche. 3) Dem Heckenbaum, oder dem eigentlich so genannten Hartriegel; Cornus sanguinea, L. S. Hartriegel.


Beinhülsen (W3) [Adelung]


Die Beinhülsen, S. Beinholz.


Beinicht (W3) [Adelung]


Beinicht, adj. et adv. Beinen oder Knochen ähnlich, vornehmlich in der Härte.


Beinig (W3) [Adelung]


Beinig, adj. et adv. Beine habend, und zwar, 1) Knochen habend. Beiniges Fleisch, welches mit vielen Knochen versehen ist. 2) Füße habend. In dieser Bedeutung ist es nur in den Zusammensetzungen zweybeinig, dreybeinig, vierbeinig u. s. f. kurzbeinig, langbeinig, krummbeinig u. s. f. üblich. In Niedersachsen bedeutet beenig einen der zu Beine ist, oder herum gehen kann, besonders von einem, der bettlägerig gewesen ist.


Beinkleider (W3) [Adelung]


Die Beinkleider, singul. inus. in anständigen Ausdrücken die Bekleidung der Hüften und Dickbeine. Es ist dieses ein neues Wort, welches man eingeführet hat, seitdem die Benennung der Hosen für niedrig und unanständig gehalten worden. Luther gebraucht 3 Mos. 6, 10. dafür Niederwand. Beingewand kommt zwar schon im Königshofen vor; allein es bedeutet daselbst Strümpfe, die Bekleidung der untern Beine. Leinene Unterhosen werden in Österreich und Steiermark Gaten, von dem Ungarischen Worte Gatya, genannt, welches eben das bedeutet. Die Benennung Bruch, Brüche, im Nieders. Brock, ist in Oberdeutschland und Niedersachsen nur noch unter dem gemeinen Volke üblich, und bedeutet eigentlich sehr weite Hosen, so wie das Nieders. Boxe und Büchse nur von engen Hosen gebraucht wird. S. Bruch und Hose.


Beinkrebs (W3) [Adelung]


Der Beinkrebs, des -es, plur. inus. der Krebs in den Beinen oder Knochen, der Knochenkrebs.


Beinlade (W3) [Adelung]


Die Beinlade, plur. die -n, ein hölzernes Werkzeug der Wundärzte, zerbrochene Beine darin gerade zu heilen.


Beinleder (W3) [Adelung]


Das Beinleder, des -s, plur. ut nom. sing. an den Courier-Stiefeln eigentlich ein zweyter Schaft von starken gebrannten Leder, welcher über den rechten gezogen wird, und von dem Sporne bis unter das Knie gehet, das Bein bey einem Sturze vor dem Zerbrechen zu sichern.


Beinling (W3) [Adelung]


Der Beinling, des -es, plur. die -e, bey den Lederarbeitern, diejenigen Theile einer Haut, welche bey den Thieren unmittelbar über den Beinen gesessen haben, und stärker sind, als das übrige Leder. Ingleichen der obere Theil eines Strumpfes bis an den untern Fuß.


Beinlos (W3) [Adelung]


Beinlos, adj. et adv. keine Beine oder Knochen habend. Beinloses Fleisch.


Beinmark (W3) [Adelung]


Das Beinmark, des -es, plur. inus. das Mark in den Knochen, zum Unterschiede des Markes in den Bäumen.


Beinmehl (W3) [Adelung]


Das Beinmehl, des -es, plur. inus. S. Beinasche.


Beinöhl (W3) [Adelung]


Das Beinöhl, des -es, plur. inus. Öhl, welches aus den Knochen von Menschen oder Thieren destilliret wird.


Beinrüstung (W3) [Adelung]


Die Beinrüstung, plur. die -en, S. Beinharnisch.


Beinsame (W3) [Adelung]


Der Beinsame, des -ns, plur. inus. ein Nahme, welchen die neuern Kräuterkundigen einer Afrikanischen Pflanze gegeben haben; Osteospermum, L. Sie hat den Nahmen von ihrem beinichten oder beinartigen Samen, der in der Beere enthalten ist.


Beinschelle (W3) [Adelung]


Die Beinschelle, plur. die -n, eine figürliche Benennung der Fesseln den Füßen, welche sie von dem Schalle, den sie machen, erhalten haben. Einem Beinschellen anlegen.


Beinschiene (W3) [Adelung]


Die Beinschiene, plur. die -n. 1) Bey den Wundärzten, dünne Hölzer, gebrochene Beine damit zu schienen. 2) Eine ehemahlige Rüstung der Beine, S. Beinharnisch.


Beinschraube (W3) [Adelung]


Die Beinschraube, S. Beinfolter.


Beinschrötig (W3) [Adelung]


Beinschrötig, adj. et adv. welches nur noch in den Rechten üblich ist, was die Beine, d. i. Knochen verletzet. Eine beinschrötige Wunde. S. Schroten.


Beinschwarz (W3) [Adelung]


Das Beinschwarz, indeclin. plur. inus. bey den Mahlern, eine schwarze Farbe, welche aus gebrannten Ochsenbeinen oder Elfenbein bestehet, und diese gebrannten Beine selbst; Knochenschwarz. Von der Declination S. Beergelb.


Beinspath (W3) [Adelung]


Der Beinspath, des -es, plur. inus. bey den Pferden, eine Art des Spathes, welcher an dem Innern des Schenkels lieget, im Gegensatze des Ochsenspathes, der seinen Sitz hinten an dem Knie hat. S. Spath.


Beinstiefel (W3) [Adelung]


Der Beinstiefel, des -s, plur. die -n. 1) Eine Art der Folter; am häufigsten im Plural. S. Beinfolter. 2) Bey den Schultern, Stiefeln mit kurzen Schäften, dergleichen die Husarenstiefeln sind.


Beinstöcke (W3) [Adelung]


Die Beinstöcke, S. Beinfolter.


Beinwell (W3) [Adelung]


Das Beinwell, des -es, plur. inus. 1) Ein Nahme der Osteocolla, oder des so genannten Beinbruches. S. dieses Wort. 2) Ein Nahme der Wallwurz oder so genannten Schwarzwurz, Symphytum officinale, L. welche ein gutes Wundkraut ist, und vornehmlich in Beinbrüchen gelobet wird. S. Schwarzwurz. Die letzte Sylbe in beyden Nahmen ist vermuthlich das Wort wohl, welches in den ältesten Mundarten auch wall und well lautet. Pater eius nobilium nobilissimus Walo est dictus, qui lingua Austrasiorum est bonus, heißt es in einer alten Schrift von dem heil. Aderaldus, bey dem du Fresne v. Walo. Beinwell bedeutet also in beyden Fällen so viel als Beinheil, das ist, ein Product, welches in den Beinschäden heilsam ist, welches auch mit der gemeinen Meinung von beyden überein kommt. S. Wohl. In Böhmischen wird die Osteocolla gleichfalls Kostjwal genannt, von Kost, ein Knochen.


Beiße (W3) [Adelung]


* Die Beiße, plur. die -n, ein nur in einigen gemeinen Mundarten übliches Wort. 1) Für Beiße, in dessen sämmtlichen Bedeu- tungen, S. dieses Wort. 2) Die Krätze auszudrucken. S. Krätze. 3) Einige Oberdeutsche, welchen der Nahme der Beete zu Niedersächsisch klinget, verwaltet solches in Beiße, oder Beißkohl. S. Beete.


Beißel (W3) [Adelung]


* Der Beißel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Stämmeisen, S. Beißer und 4 Beutel.


Beißelbeere (W3) [Adelung]


Die Beißelbeere, plur. die -n, S. Berberis.


Beißen (W3) [Adelung]


Beißen, verb. irreg. neutr. et act. Imperf. ich biß, Supin. gebissen; mit den Zähnen drücken oder verwunden. Im ersten Falle wird es als ein Neutrum mit haben und mit dem Vorworte auf, in dem letztern aber, oder als ein Activum, mit dem Accusativ verbunden.1. Eigentlich, von Menschen und Thieren. Der Hund biß ihn in den Fuß. Einen in den Backen beißen. Sich auf die Zunge oder auf die Lippen beißen, das Lachen zu unterdrücken. Auf einen Stein, einen Knochen beißen. Nach jemanden beißen, ihn beißen wollen. Um sich beißen. Die Zähne zusammen beißen, aus einer heftigen unangenehmen Empfindung auf einander drücken. In einen sauern Apfel beißen müssen, figürlich, sich zu einer unangenehmen Sache entschließen müssen. Bey den Jägern, welche dieses Wort nicht gerne gebrauchen, ist statt dessen fangen üblich. S. dieses Wort. Im gemeinen Leben wird dieses Wort aus Unwissenheit von einigen Thieren gebraucht, die eigentlich nur durch Stechen verwunden; z. B. die Flöhe beißen ihn. In das Gras beißen. S. in der Anm.2. Figürlich. 1) Zerbeißen. Ich kann es nicht beißen. 2) Essen, nur in dem niedrigen Ausdrucke, nichts zu beißen noch zu brechen haben, Mangel an der höchsten Nothdurst leiden. 3) Eine scharfe, zusammen ziehende körperliche Empfindung verursachen. Der Pfeffer beißt auf der Zunge. Der Rauch beißet in die Augen. Der Essig beißt, ist sehr scharf. Ingleichen von einer stechenden oder juckenden Empfindung. Es juckt und beißt mich auf der Haut. S. Beitzen. 4) Durch Spötterey eine unangenehme Empfindung des Gemüthes erregen, in welcher Bedeutung vornehmlich das Participium üblich ist. Ein beißender Scherz. Beißende Lieder, Spöttereyen u. s. f. 5) Qual, Angst, Unruhe verursachen, besonders von dem Gewissen. Mein Gewissen beißt mich nicht, macht mir keine Vorwürfe. S. Gewissensbiß. 6) Sich beißen, im gemeinen Leben, sich zanken.

Anm. Beißen lautet bey dem Ottfried bizen, bey dem Notker pizzen und peizen, und bedeutete ehedem so wohl mordere, als auch essen, ja überhaupt, mit einem jeden scharfen oder spitzigen Werkzeuge verletzen. Mit bizenden suerton, mit scharfen Schwertern, Ottfr. B. 1, Kap. 19. Der Zischlaut in der Mitte ist der Oberdeutschen Mundart eigen. Alle übrigen haben statt dessen ein t. Nieders. biten, Holländ. byten, Dän. bide, Angels. bitan, Engl. to bite, Schwed. und Isländ. bita, in Bretagne bwytta. Vielleicht gehören auch das Griech, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, in kleinen Bissen essen, und das Hebr. pathath, mit den Zähnen zermalmen, hierher. Die im gemeinen Leben übliche Redensart, ins Gras beißen müssen, umkommen, sein Leben verlieren, welche vornehmlich von Soldaten gebraucht wird, welche in einem Treffen umkommen, gehöret vermutlich nicht hierher, sondern zu dem veralteten Zeitworte baißen, herab lassen, herab steigen, ingleichen fallen, von welchem in dem Lateine der mittlern Zeiten bassus für niedrig sehr üblich war, wovon noch das Franz. bas abstammet. In Strykers Gedichte auf Carls des Großen Spanischen Feldzug kommt erpaissen für fallen, umkommen, mehrmahls vor. Z. B. Er mues vnsamft erpaissen, Sect. 23. An einem andern Orte: Vnz si erpaisten darnider, ingleichen Er erpaist gahes darnider.In Heinr. von Osterdingen Heldenbuch bedeutet beyßen, ingleichen in das Gras beyßen, vom Pferde steigen. Z. B. Er beyßte von dem Rosse Hinnieder auf das Landt, Bl. 118.Da beyßt Wolf Dieteriche Wohl nieder in das Gras, Bl. 144. S. auch Beitzen, ingleichen Böschung.


Beißer (W3) [Adelung]


Der Beißer, des -s, plur. ut nom. sing. einer der da beißet; aber nur in den Zusammensetzungen, Kernbeißer, Nußbeißer, Bärenbeißer, Bullenbeißer, Steinbeißer u. s. f. Allein in Oberdeutschland wird Beißer und Beißerinn auch figürlich für einen Zänker und Zänkerinn, Beißer, Beißerchen und Beißerlein, im gemeinen Leben von den Zähnen der kleinen Kinder, und Beißel von einem eisernen Keile gebraucht. S. auch Beißker.


Beißig (W3) [Adelung]


Beißig, -er, -ste, adj. et adv. der gerne beißt. Ein beißiger Hund. Der Hund ist beißig. Ingleichen figürlich im gemeinen Leben für zärtlich. Ein beißiger Mensch. Die Leute, welche sich auf Streitgespräche legen, Sind beißig, unverschämt, verwaschen, voller Pracht, Opitz.

Anm. In den gemeinen Mundarten lautet dieses Wort oft bissig, Nieders. betsk, Dän. bidsk.


Beißker (W3) [Adelung]


Der Beißker, des -s, plur. ut nom. sing. der Obersächsische und Märkische Nahme eines kleinen, ländlichen und runden eßbaren Fisches, der den Neunaugen und Lampreten nicht unähnlich ist; Cobitis fossilis, L. an einigen Orten Peißker, Peitschker, Peitsche, Pisgurre. S. Schlammbeißer und Steinbeißer, welches die beyden Arten desselben sind. Der Nahme bedeutet so viel als Beißer, weil er sich theils in den Schlamm hinein wühlet, theils mit den Zähnen an die Steine anhänget. Im Böhmischen heißt er Piskor, vermuthlich nach dem Deutschen Nahmen. S. auch Gründling.


Beißkohl (W3) [Adelung]


Der Beißkohl, des -es, plur. inusit. S. Beete.


Beißkorb (W3) [Adelung]


Der Beißkorb, des -es, plur. die -körbe, ein Geschirr von Leber oder Blech, welches man beißigen Thieren vor das Maul thut, ihnen das Beißen zu verwehren; ein Maulkorb.


Beißrübe (W3) [Adelung]


Die Beißrübe, plur. die -n, ein Nahme, der in einigen Oberdeutschen Gegenden den rothen Rüben oder der Beete gegeben wird. S. Beete.


Beißzahn (W3) [Adelung]


Der Beißzahn, des -es, plur. die -zähne, bey Menschen und Thieren, die vordern scharfen Zähne zum Beißen und Schneiden; Schneidezähne.


Beißzange (W3) [Adelung]


Die Beißzange, plur. die -n, eine Zange, welche so wohl im gemeinen Leben, als bey verschiedenen Handwerkern gebraucht wird, vorn scharf ist, um so wohl etwas damit abzukneipen, als auch das Angefaßte desto fester zu halten; die Kneipzange.


Beiten (W3) [Adelung]


* Beiten, ein im Hochdeutschen völlig veraltetes Wort, welches ehedem in allen Deutschen Mundarten üblich war, und warten bedeutete. Ich seiner Kunft mit verdrieß biet, Theuerd. Kap. 87. Sagt im sein Herr peyttet sein, ebend. Kap. 23. Mit marter er der Zeit erpit, ebend. Kap. 54. Der tewrlich Man der her kein pit, ebend. Kap. 92. In Oberdeutschland, besonders in Baiern, ist so wohl dieses Zeitwort, als auch das Hauptwort die Beite, oder Biete noch gebräuchlich; z. B. wenn es so lange Zeit hat, wenn man so lange damit warten kann, wenn es so lange Zeit hat, und im Anhältischen heißt die Bäckerstube, worin die Backgäste warten, die Beite. Beidan kommt in dieser Bedeutung schon bey dem Ulphilas vor, bey dem Isidor heißt es büdan, bey dem Notker biten, im Angelsächs. bidan, abidan, Engl. to bide, abide, im Schwed. bida, im Dän. bie. In Niedersachsen wird beyden, und im Holländ. beyden zuweilen noch in eben dieser Bedeutung gebraucht. Vermuthlich haben die Italiäner ihr badare, bleiben, daher. S. Wachters Glossar, und Frischens Wörterbuch.


Beitzbrühe (W3) [Adelung]


Die Beitzbrühe, plur. die -n, bey verschiedenen Handwerkern, z. B. den Gärbern, der flüssige Körper, worin etwas gebeitzet wird, oder gebeitzet worden.


Beitze (W3) [Adelung]


Die Beitze, plur. die -n, von dem folgenden Verbo beitzen.1. Die Handlung des Beitzens, ohne Plural, und zwar, 1) die Jagd mit abgerichteten Raubvögeln. Auf die Beitze gehen. Die Falkenbeitze, die Jagd mit Falken. Die Äntenbeitze. Die Reiherbeitze, die Jagd der Reiher mit Falken u. s. f. 2) Das Beitzen eines Körpers durch einen andern, entweder flüssigen oder trocknen. Die Beitze vornehmen.2. Dasjenige womit gebeitzet wird, eine jede saure, salzige oder fressende Materie, welche die Oberfläche anderer Körper zernaget. Besonders, 1) ein solcher flüssiger Körper. So ist bey den Gärbern und Kürschner die Beitze eine Brühe aus Salz, Kalk und Wasser, worin die Felle gebeitzet werden. In den Blechhämmern ist die Beitze ein Essig, der aus Korn zubereitet wird, und womit man die Oberfläche der Bleche vor dem Verzinnen bestreichet. In den Hüttenwerken, wo man dieses Wort gemeiniglich Beiß anspricht, ist es eine Lauge, womit den Erzen die Wildigkeit und die raubenden Geister benommen werden. Andere Arbeiter haben Beitzen anderer Art. 2) Bey den Jägern werden die Salzlecken, womit die wilden Tauben angelocket werden, die sonst auch Sulzen heißen, gleichfalls Beitzen genannt, entweder von dem Engl. bait und Angels. batan, anködern, anlocken, S. Beitzen,

Anm. oder auch, weil man das Salz wegen seiner Schärfe nur überhaupt die Beitze genannt. Denn, 3) in den Salzwerken nennt man auch dasjenige Salz Beitze, welches von der auf den heißen Herd gegossenen Sohle, wenn das Wasser davon abgedämpfet ist, zurück bleibt, und welches hernach zur Verstärkung schwacher Sohle gebraucht wird.

Anm. In verschiedenen, besonders Oberdeutschen Mundarten wird dieses Wort auch Beiße oder Baiße geschrieben und gesprochen.


Beitzeisen (W3) [Adelung]


Das Beitzeisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleiner Meißel bey den Bildhauern, vornehmlich die Falten zu ebenen. Beitzen bedeutet in dieser Zusammenfassung so viel als beißen.


Beitzen (W3) [Adelung]


Beitzen, verb. reg. welches auf eine dreyfache Art üblich ist.I. * Als ein Activum, für beißen, auf welche Art dieses Wort doch ehedem gebräuchlicher war, als jetzt. S. Beißen, wo aus dem Ottfried und Notker angeführet worden, daß peizen, pizzen und bizen ehedem für beißen gebraucht worden. Pictorius sagt Bitz für Biß, und noch Günther singet: Wir merken auch ein Salz, daß in die Augen beitzet. II. Als ein Factitivum von beißen, daß machen, und zwar,1. Eigentlich von Thieren, da dieses Wort so viel als hetzen, mit Thieren jagen, bedeutet, im Deutschen aber nur von dem Hetzen mit Raubvögeln gebraucht wird, und zwar so, daß sich das Zeitwort, 1) auf dasjenige Thier beziehet, mit welchem gejaget wird. Einen Falken auf einen Hasen beitzen. Es werden oft zwey Falken auf Einen Reiher gebeitzet. Daher die Falkenbeitze. Frisch erkläret diesen Gebrauch für unrichtig, allein er hat nicht gedacht, daß das alte beitzen, Angels. betan, Isländ. beita, Schwed. beta, überhaupt hetzen, anreitzen bedeutete, und nicht allein von Stoßvögeln, sondern auch von Hunden gebraucht wurde, und im Schwedischen noch gebraucht wird. 2) Auf dasjenige, welches gejaget oder gehetzet wird. Hasen, Rebhühner beitzen. Einen Reiher mit Falken beitzen. Daher auchdie Zusammensetzungen, die Reiherbeitze, die Äntenbeitze, die Hasenbeitze u. s. f.2. Figürlich von einer jeden scharfen Materie, welche einige Theile eines andern Körpers auflöset, und ihn dadurch zu einem gewissen Gebrauche geschickt macht. In dieser Bedeutung ist es in vielen Lebensarten und Beschäftigungen sehr gebräuchlich, wird aber nur in Beziehung auf diejenige Sache gebraucht, die dadurch zubereitet wird. So beitzen die Köche das Fleisch, wenn sie es eine Zeit lang in Essig liegen lassen, damit es mürbe werde. Die Gärber beitzen die Häute, die Hammerschmiede das Eisen, welches verzinnet werden soll, die Schreiner das Holz u. s. f. Auch in dieser Bedeutung ist beitzen schon sehr alt, denn Beisto, welches bey dem Ulphilas Sauerteig bedeutet, gehöret vermuthlich hierher. Das Schwedische Beta bedeutet gleichfalls fermento macerare.III. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, gebeitzet werden, d. i. von einer scharfen Materie durchfressen werden. Das Fleisch in Essig beitzen lassen. Lasse diese Wurzel darin beyssen, heißt es in dem 1490 gedruckten Garten der Gesundheit.

Anm. Aus dem obigen erhellet, daß beitzen in allen seinen Bedeutungen von beißen herkomme, nicht aber, so fern es von der Jagd gebraucht wird, von baißen oder beißen, niederlassen, herab steigen, indem es sich alsdann wohl auf die Jagd mit Stoßvögeln, nicht aber mit Hunden schicken würde, von welcher es doch ehedem, wenigstens in den verwandten Mundarten, auch gebraucht worden. Der orthographische Unterschied, beitzen, wenn es von der Jagd gebraucht wird, zum Unterschiede von dem andern mit ai zu schreiben, hat daher auch nicht einmahl den Schein einiges Grundes vor sich. Das ai ist ein Oberdeutscher Doppellaut, der noch dazu mehr der neuern als der ältern Oberdeutschen Mundart eigen, und den Hochdeutschen Sprachwerkzeugen fremd ist. Notker und die Schwäb. Dichter brauchen dieses Zeitwort einige Mahl von der Vögeljagd, schreiben es aber alle Mahl beitzen oder beissen. Selbst in beißen, demittere, ist das a nicht wesentlich, sondern gehöret bloß der Mundart zu, obgleich die Franzosen es in bas und baisser beybehalten haben. S. auch Ätzen.


Beitzhund (W3) [Adelung]


Der Beitzhund, des -es, plur. die -e, eine Art kleiner Spürhunde, welche den Hühnerhunden gleichen, und vornehmlich bey der Hasenbeitze gebraucht werden.


Beitzkraft (W3) [Adelung]


Die Beitzkraft, plur. die -kräfte, die beitzende, oder scharfe, fressende Kraft gewisser Körper, ihr Bestreben andere Körper aufzulösen; vis caustica.


Beitzkufe (W3) [Adelung]


Die Beitzkufe, plur. die -n, bey den Gärbern und Kürschnern, eine Kufe, worin die Häute und Felle gebeitzet werden.


Beitzvogel (W3) [Adelung]


Der Beitzvogel, des -s, plur. die -vögel, diejenigen Raubvögel, welche zum Beitzen, oder zum Fangen anderer Vögel gebraucht werden, wie Falken, Sperber und Habichte.


Beitzwasser (W3) [Adelung]


Das Beitzwasser, des -s, plur. inusit. ein jedes Wasser zum Beitzen, besonders bey den Gärbern und Kürschnern, die Beitzbrühe, w. f.


Bekalken (W3) [Adelung]


Bekalken, verb. reg. act. mit Kalk bewerfen, oder überziehen. Bekalkte Wände.


Bekalmen (W3) [Adelung]


* Bekalmen, verb. reg. neutr. mit seyn, welches nur in der Seefahrt üblich ist, von einer Windstille überfallen werden, folglich stille legen müssen. Das Schiff bekalmet, ist bekalmt. S. Kalmen.


Bekämpfen (W3) [Adelung]


Bekämpfen, verb. reg. act. wider eine Person oder Sache kämpfen, größten Theils nur in figürlicher Bedeutung. Seine Leidenschaften bekämpfen. Seine Feinde bekämpfen. Mangel läßt sich ordentlich nicht anders bekämpfen, als durch Arbeit. Dusch. Daher die Bekämpfung.


Bekannt (W3) [Adelung]


Bekannt, -er, -este, adj. et adv. welches eigentlich das Participium der vergangenen Zeit des Verbi bekennen ist, so fern dasselbe ehedem so viel als kennen, wissen, bedeutete. 1) Was man kennet, oder was viele Leute kennen, so wohl in guter als böser Bedeutung. Ein bekannter Mensch, den alle oder doch viele Leute kennen. Ein bekannter Dieb. Er ist fast niemahls bekannt geworden. Er macht sich durch Tugend, Verdienste u. s. f. bekannt. Trau nicht, sie sind bekannt durch niederträcht'ge Thaten, Weiße. Mit einem bekannt seyn. Es ist einer meiner Bekannter. Eine Bekannte, eine weibliche Person, welche man kennet, nicht Bekanntinn. Ich habe hier niemand Bekanntes, im gemeinen Leben, ich kenne hier niemanden. Einen mit jemanden bekannt machen. 2) Vertraut, vertraulich, im gemeinen Leben. Er thut sehr bekannt mit mir. Und thun nach Ritter-Art beym ersten Blick bekannt, Wiel. 3) Was man weiß, was viele wissen. Alle Dinge sind Gott bekannt. Es ist aller Welt bekannt. Das ist eine längst bekannte Sache. Sich eine Sprache, eine Wissenschaft bekannt machen, oder, sich mit derselben bekannt machen, sich von derselben Kenntniß erwerben. Einem etwas bekannt machen, es zu seiner Wissenschaft oder Kenntniß bringen. Etwas für bekannt annehmen, sich dasselbe nicht befremden lassen.

Anm. Ehedem wurde auch das einfache kandt in eben dieser Bedeutung gebraucht. - Denn würd er euch kandt, Theuerd. Kap. 107. Bekanntlich, für, wie bekannt ist, in der dritten Bedeutung, ist aus dem Oberdeutschen auch in die Hochdeutschen Kanzelleyen eingedrungen.


Bekanntschaft (W3) [Adelung]


Die Bekanntschaft, plur. die -en. 1) Das Kennen einer Person oder Sache. Bekanntschaft mit jemanden machen, ihn kennen lernen. Ich bin mit ihm auf Reisen in Bekanntschaft gerathen. Unsere Bekanntschaft ist schon sehr alt. Haben sie hier schon einige Bekanntschaft gemacht? Weiße. Die größere Bekanntschaft mit den Gegenstände, erzeuget eine größere Kenntniß derselben. 2) Personen, die man kennet. Große Bekanntschaft haben, viele Personen kennen. Er ist von meiner Bekanntschaft, einer meiner Bekannten. In beyden Bedeutungen gebrauchen die Niedersachsen dafür das Wort Kennis.


Bekappen (W3) [Adelung]


Bekappen, verb. reg. act. 1) Von kappen, koppen, die Gipfel der Bäume abhauen. Die Weidenbäume bekappen. S. Kappen. 2) Von Kappe, cucullus, mit einer Kappe versehen. Daher die Bekappung.


Bekehren (W3) [Adelung]


Bekehren, verb. reg. act. umkehren machen, doch nur in der figürlichen und besonders theologischen Bedeutung, eines Neigungen von dem Sinnlichen und Bösen auf das wahre Gute richten. Einen bekehren. Er hat viele Seelen zu Gott bekehret. Sich bekehren. In weiterer Bedeutung auch zur äußern Annehmung der wahren Religion bewegen. Die Heiden, Juden u. s. f. bekehren. * Ich wußte nicht, wie ich bekehrt war, in den niedrigen Sprecharten, ich wußte nicht, woran ich war, konnte mich in die Sache nicht finden, den Zusammenhang derselben nicht einsehen. Daher der Bekehrer, des -s, plur. ut nom. sing. welches am häufigsten in den Zusammensetzungen Heidenbekehrer, Judenbekehrer, Türkenbekehrer vorkommt. Barbaren, die der Himmel oft zu Bekehrern der Gottlosen macht, Dusch. Ingleichen die Bekehrung, plur. inus. die Richtung der Neigungen auf das wahre Gute, wie auch die äußere Annehmung der wahrenReligion. Die Bekehrsucht, plur. car. die ungeordnete Neigung andere zu bekehren. * Bekehrlich, adj. et adv. welches nur in einigen gemeinen Sprecharten für bequem üblich ist. Es ist eine gar bekehrliche Witterung, bey welcher man etwas bequem und ohne Hinderniß verrichten kann.

Anm. In der heutigen besonders theologischen Bedeutung kommt sih bikeren, und picheren sih, als eine buchstäbliche Übersetzung des Latein. convertere se, und das Hauptwort Becherida, schon bey dem Ottfried und Notker vor. Ehedem bedeutete dieses Zeitwort auch, 1) umkehren, und umkehren machen. Mine sienda uuerden becheret zeruke, zurück getrieben, Notk. Pf. 55, 11. Gott möchte sich bekehren, Jon. 3, 9 nach Luthers Übersetzung. 2) Kehren, in welcher Bedeutung Ottfried dieses Wort noch gebraucht; ingleichen abwenden, wegwenden. Das ich das herze von ir niemer bekere, Graf Rudolph von Niuwenburg. 3) Umstoßen, aufheben, welche Bedeutung sich schon in dem Gesetze der Könige Ludwig und Lothars vom Jahre 84 findet. 4) Einen zugefügten Schaden ersetzen, da denn Bekehrung für Ersatz noch in Goldast Reichsspiegel angetroffen wird. 5) Becherten Lüte, wird in dem Augsburg. Stadtrechte von 1276 und anderwärts von einem gewissen Orden gebraucht, dessen Glieder sonst auch Reuer und Reuerinnen genannt werden. Bekehrniß für Bekehrung kommt noch zuweilen im Oberdeutschen vor.


Bekeilen (W3) [Adelung]


Bekeilen, verb. reg. act. mit Keilen befestigen.


Bekennen (W3) [Adelung]


Bekennen, verb. reg. act. S. Kennen. 1) Bekannt machen, in welcher Bedeutung dieses Wort nur im biblischen und theologischen Verstande üblich ist. Gottes Nahmen bekennen. Christum bekennen. 2) Gestehen, besonders von Vergehungen und Verbrechen. Seine Sünden bekennen. Er hat den Diebstahl bereits bekannt. Der Verbrecher will noch nicht bekennen. Auf jemanden bekennen, ihn als den Urheber oder Mitschuldigen eines Verbrechers angeben. In weiterer Bedeutung auch im gleichgültigen oder guten Verstande. Auch ihre Feinde bekennen ihre Unschuld. Sich zu einer That bekennen, gestehen, daß man sie begangen habe. Er will sich nicht zu dem Kinde bekennen, nicht gestehen, daß er dessen Vater sey. 3) Sich zu einer Sache bekennen, seine Verbindung mit derselben nicht läugnen, ingleichen überhaupt, derselben zugethan seyn. Er bekennet sich zur evangelischen Religion, ist derselben zugethan. Sich zu einer Kunst bekennen, dieselbe üben. 4) Farbe bekennen, im Kartenspiele, Blätter von eben derselben Farbe zuwerfen.

Anm. Willeram gebraucht bekennen schon in der heutigen Bedeutung. Bey den ältern Schriftstellern kommt verjehen in derselben vor. Außer dem bedeutete bekennen ehedem auch, 1) Erkennen, denn so gebrauchen der Übersetzer Isidors und Notker dieses Wort. 2) Wissen, welche Bedeutung in dem alten Gedichte auf den heil. Anno vorkommt. 3) Bestätigen. Unde bechante und unsere Räthe, in dem Augsburgischen Stadtrechte von 1276. 4) Kennen. Mich bekennen noch die lute, bey einem der Schwäbischen Dichter. Diese Bedeutung ist noch in bekannt übrig.


Bekenner (W3) [Adelung]


Der Bekenner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Bekennerinn. 1) Im theologischen Verstande, der die wahre Religion öffentlich und unter den Martern bekannt hat, ein Märtyrer, in welcher Bedeutung ehedem das veraltete Beichter üblich war. 2) In weiterer Bedeutung zuweilen auch ein jeder, der sich öffentlich zu einer Religion bekennet. Werden sie der Bekenner einer Religion, der ihre Bekenner weit über die Classe gemeiner Menschen empor hebt, von Brawe.


Bekenntniß (W3) [Adelung]


Das Bekenntniß, des -sses, plur. die -sse. 1) Das Bekennen einer Sache, so wohl im guten als nachtheiligen Verstande. Ein freyes und ungezwungenes Bekenntniß. Ein Bekenntniß thun, ablegen. Einem Missethäter das Bekenntniß seiner Verbrechen abzwingen. Sein eigenes Bekenntniß streitet wider ihn. Liebe lässet sich ohne Bekenntniß genug durch Zeichen errathen, Dusch. 2) Die Worte oder Ausdrücke eines Bekenntnisses, besonders in der Zusammensetzung Glaubensbekenntniß, welches siehe.

Anm. Die Verbalia auf -niß vertreten bey einigen Zeitwörtern die Stelle der Verbalia auf -ung, und werden größten Theils von den Infinitivis gemacht. Ist in den Stammbuchstaben schon ein n, so wird das t euphonicum eingeschoben, und so entstehen aus kennen, bekennen, erkennen, die Substantiva Kenntniß, Bekenntniß, Erkenntniß, anstatt der ungewöhnlichen Kennung, Bekennung, Erkennung. S. -Niß. Es irren also diejenigen, welche dieses Wort Bekänntniß schreiben, als wenn es von dem Participio der vergangenen Zeit bekannt wäre. Die Niedersachsen sagen noch Kennis, für Bekanntschaft. In Oberdeutschland ist dieses Wort weiblichen Geschlechtes. Die Hochdeutschen folgen den Niedersachsen, bey welchen die Wörter auf -niß mehr sächlichen Geschlechtes sind. Aber Bekenntniß in der ersten Bedeutung für ein Fämininum und in der zweyten für ein Neutrum auszugeben, ist ein bloßer willkürlicher Einfall, der wider die Analogie ist, und nicht den mindesten Nutzen hat.


Bekielen (W3) [Adelung]


Bekielen, verb. reg. act. mit Kielen versehen. S. Befiedern. Daher die Bekielung.


Beklagen (W3) [Adelung]


Beklagen, verb. reg. act. Klage über etwas erheben. 1) Klage, Beschwerde über etwas führen, in welchem Verstande dieses Wort nur als ein Reciprocum gebraucht wird. Sich über jemanden beklagen. Er beklagt sich, daß er zu viel geben müsse. Er beklagte sich über die allzu große Arbeit. Du versagst mir die Freyheit, mich bey dir beklagen zu dürfen, Dusch. Daher der Beklagte, die -n, plur. die -n, in den Rechten, derjenige, über welchen vor Gericht Klage erhoben wird, im Gegensatze des Klägers; im Österreichischen der Geklagte. 2) Einen beklagen, sein Mitleiden über seinen Zustand durch Worte an den Tag legen. Eines Zustand beklagen. Jedermann beklagte sein Unglück. Den Tod eines Freundes, das Elend der Menschen u. s. f. beklagen. Er ist zu beklagen. Daher beklagenswerth, und beklagenswürdig, was beklagt zu werden verdienet. Ein beklagenswerther Verlust. S. auch Bedauern.

Anm. Die Verbindung dieses Verbi mit der zweyten Endung der Sache, z. B. sich des verweigerten Rechtes beklagen, ist Oberdeutsch. In dieser Mundart ist erklagen in eben der Bedeutung üblich. Das Schwed. beklaga hat beyde Bedeutungen mit dem Hochdeutschen gemein. In der ersten gebrauchen die Niedersachsen dieses Zeitwort als ein Activum, etwas beklagen, gerichtliche Klage über erheben; in der zweyten haben sie ihr bekarmen, welches von dem alten Garm, Klagen, Wehklagen, Geschrey, abstammet.


Beklagte (W3) [Adelung]


Der, oder die Beklagte, des, oder der -n, plur. die -n, S. Beklagen 1.


Beklammern (W3) [Adelung]


Beklammern, verb. reg. act. figürlich für fest umfassen, heftig begreifen. Der Arzt - - Fällt auf den Kranken zu, beklammert Puls und Hand, Canitz. S. Klammer.


Beklatschen (W3) [Adelung]


Beklatschen, verb. reg. act. 1) Etwas beklatschen, seinen Beyfall durch Händeklatschen an den Tag legen. Um bewundert und beklatschet zu werden. 2) * Von klatschen, schwatzen, plaudern, beklatscht man jemanden, wenn man bey andern Heimlichkeiten von ihm bekannt macht.


Beklauben (W3) [Adelung]


Beklauben, verb. reg. act. welches aber am häufigsten im Oberdeutschen vorkommt. 1) Klaubend von etwas abbrechen. Das Brot, den Käse beklauben. 2) Begreifen, betasten. Eine Sache lange in den Händen beklauben. S. Klauben.


Bekleben (W3) [Adelung]


Bekleben, verb. reg. welches in doppelter Gattung üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, kleben bleiben, so wohl in eigentlicher Bedeutung, als figürlich, für anwachsen, fortdauern, u. s. f. In beyden Bedeutungen ist dieses Wort von dem folgenden bekleiden verdränget worden. Indessen heißet es noch Hiob 31, 7 nach Luthers Übersetzung: Ist et was in meinen Händen beklebet? wofür der Herr Hofr. Michaelis setzet: Blieb etwas an meinen Händen kleben? 2. Als ein Activum, vermittelst einer klebenden Sache mit etwas überziehen. Mit Papier, mit Leinwand bekleben. Daher die Beklebung, in dieser thätigen Bedeutung. S. Bekleiden.


Beklecken (W3) [Adelung]


Beklecken, verb. reg. act. mit Klexen bewerfen, und in weiterer Bedeutung beflecken. Das Kleid mit Koth, das Papier mit Dinte beklecken.

Anm. Beklecken, Nieders. beklacken, ist ein altes Wort, welches ehedem irregulär war. Beclocken kommt schon in dem alten Fragmente auf Carl den Großen beym Schilter für besudelt vor. Der Infinitiv heißt daselbst beclecken. S. Klecken.


Bekleiben (W3) [Adelung]


Bekleiben, verb. reg. welches in doppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Activum, welches dessen eigentliche Gattung ist, vermittelst einer klebenden Sache mit etwas überziehen; wie Bekleben. 2. Mit Papier, mit Leinwand bekleiben. Eine Wand bekleiben, mit Lehm überziehen.II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, kleben bleiben, doch nur in verschiedenen figürlichen Bedeutungen, besonders im Oberdeutschen und in der höhern Schreibart der Hochdeutschen. 1) Anwurzeln, fortkommen, von Pflanzen und Gewächsen. Eine Pflanze, die oft versetzet wird, bekleibet nicht. Der Zweig ist recht schön bekleibet. Ein Baum bekleibet sonst nicht leicht auf fremder Erde, Gryph. 2) Fortdauern. Doch Herr du wirst ewig bleiben, Dein Gedächtniß stets bekleiben, Opitz Ps. 102, 6. So wird mein Lob bekleibenUnd grünen für und für, ebend. 3) Die verlangte Wirkung hervor bringen. Weil nie dein Wort an ihnen kann bekleiben, Opitz Ps. 119, 79. Dein Fluch wird ganz gewiß an dieser Frau bekleiben, Rost. 4) Stärke, innere Kraft erreichen. - Dein früh bekliebnes Wissen, Gryph.- Der in seiner Brust bekliebne Hochmuthssame, Günth.

Anm. In dieser ganzen Mittelgattung kommt dieses Wort im Hochdeutschen nur noch sparsam vor. Im Oberdeutschen gehöret es zugleich unter die irregulären Verba, wie aus einigen der angeführten Beyspiele erhellet. Die Verwechslung des Neutrius kleben mit dem Activo kleiben ist sowohl im Ober- als Niederdeutschen schon sehr alt. Haben ih gemenit in muate becleibit, ich habe einen Vorsatz in meinem Gemüthe befestiget, heißt es bey dem Ottfried B. 1, Kap. 5, V. 78; obgleich diese Stelle auch einen thätigen Sinn verstatten könnte. An einem andern Orte gebraucht eben derselbe biklan, welches aus bekleben zusammen gezogen ist, für bekleistern. S. Kleben und Kleiben. Ehedem bedeutete bekleiben auch empfangen, concipere, daher Mariä Bekleibung, Unser Frauen Tag bekleibin, Unser Frauen Cleybel-Tag, Klybel-Tag, der Bekleiber u. s. f. alles Nahmen waren, die man dem Feste der Empfängniß Mariä beylegte.


Bekleiden (W3) [Adelung]


Bekleiden, verb. reg. act. 1. Eigentlich, mit einem Kleide, oder mit Kleidern anthun, mit Kleidern versehen, kleiden. Die Nackenden bekleiden.2. Figürlich. 1) Überziehen, bedecken. So werden in der Seefahrt bis Anker bekleidet, wenn die Fliegen derselben in zwey Breter eingefasset werden, damit sie in dem lockern Sande nicht um sich wühlen. Ein Zimmer bekleiden, es mit Tapeten ausschlagen. Eine Wand bekleiden, sie mit Gewächsen überziehen. 2) Mit etwas, als mit einem Kleide schmücken, in der höhern Schreibart. Die Sonne macht das Erdreich grün, Bekleidet Feld und Blumenstücke, Günth. Wenn die Seele, mit Lichte bekleidet, dem Körper entflohn ist, Klopst. Feld und anger stet bekleit, sang schon Werner von Tuisen; und Sy sey auch bekleyd mit Schön und Schicklichkeit, heißt es im Theuerdank Kap. 25. 3) Jemanden mit einem Amte, mit einer Bedienung, mit einer Ehrenstelle bekleiden, ihm dieselbe ertheilen, weil es ehedem gewöhnlich war, daß die Fürsten auch ihren vornehmsten Hofbedienten jährlich gewisse Kleider gaben, von welcher Gewohnheit sich noch im 16ten Jahrhunderte häufige Beyspiele finden. S. Altes aus allen Theilen der Gesch. Th. 1, S. 589. Vornehmlich wurde einem Beamten oder Hofbedienten gleich bey dem Antritte des Amtes ein Kleid verliehen; daher auch in dem Lateine der mittlern Zeiten vestire, investire und advestire so viel bedeutete, als den Besitz einer Sache übertragen. S. du Fresne und Wachtern v. Investiren, und Carpentier v. Drappus. 4) Ein Amt, eine Ehrenstelle bekleiden, verwalten, damit bekleidet seyn, welche Figur ohne Zweifel aus der vorigen entstanden ist, indem es im Deutschen nichts ungewöhnliches ist, das einerley Zeitwort in einer thätigen und intransitiven Bedeutung gebraucht wird. Haltaus und Ihre leiten diese Redensart von den ehemahls mit Tuch bekleideten Bänken in den Gerichtstuben her, von welchen man Anlaß genommen haben soll, auch von denjenigen, die darauf gesessen, zu sagen, daß sie die Bänke bekleideten, welche Figur auch hernach auf die ganze Versammlung des Amtes übertragen worden. Allein man stehet leicht, daß diese Erklärung viel zu gezwungen ist. Daher die Bekleidung, so wohl von der Handlung des Bekleidens, in allen obigen Bedeutungen, als auch in einigen Fällen von demjenigen, womit etwas bekleidet wird, besonders in der zweyten Bedeutung; z. B. die Bekleidung eines Ankers, eines Zimmers u. s. f.


Bekleistern (W3) [Adelung]


Bekleistern, verb. reg. act. vermittelst eines Kleisters mit etwas überziehen. Etwas mit Papier bekleistern. Figürlich, einer bösen Sache mit etwas einen guten Schein geben. Damit wir uns auch der Hochachtung der Tugend bey unsern Lastern theilhaftig machen, so bekleistern wir unsere Handlungen mit einer Scheintugend.


Beklemmen (W3) [Adelung]


Beklemmen, verb. reg. act. wie das einfache klemmen, in die Enge bringen und drücken; doch nur in der figürlichen Bedeutung. Verlegenheit, Beängstigung verursachen. Sich in beklemmten Umständen befinden. Ach wie beklemmt mirs das Herz! Gell. Ich weiß nicht was für Angst mein traurig Herz beklemmt, Weiße. Daher die Beklemmung, so wohl von der Handlung, als auch der Empfindung eines hohen Grades der Angst, wobey die Brust gleichsam zusammen gepresset wird.

Anm. Einige gebrauchen dieses Zeitwort noch, irregulär, z. B. Mit aufgerecktem Hals schnauft der beklommne Stier, Haged. S. Klemmen. Die Niedersachsen gebrauchen für beklemmen und Beklemmung benauen und Benautheit, von nau, genau; enge.


Beklopfen (W3) [Adelung]


Beklopfen, verb. reg. act. 1) Mehrmahls an etwas klopfen. So beklopfen die Bergleute das Gestein, um zu versuchen, ob es fest ist. 2) Oft und viel auf etwas klopfen, um ihm dadurch eine gewisse Gestalt zu geben. So werden in der Münze die Schrötlinge beklopfet, damit sie die gehörige Gestalt erhalten. So auch die Beklopfung.


Beklügeln (W3) [Adelung]


Beklügeln, verb. reg. act. über etwas flügeln. Daß ich, was bey Gott geschehen, Nicht zu viel beflügeln soll, Gryph. Daß ich, was ich gut gefunden, Zu beklügeln und erwunden, Canitz. Daher die Beflügelung.


Beködern (W3) [Adelung]


Beködern, verb. reg. act. mit Köder versehen. Die Angeln beködern, bey den Fischern.


Bekohlen (W3) [Adelung]


Bekohlen, verb. reg. act. 1) Einen Platz bekohlen, Kohlen darauf brennen, bey den Kohlenbrennern. 2) Eine Bank bekohlen, in den Steinkohlenwerken, eine Kohlenbank mit Arbeitern belegen.


Bekommen (W3) [Adelung]


Bekommen, verb. irreg. neutr. ( S. Kommen,) welches auf gedoppelte Art gebraucht wird.1. Mit dem Hülfsworte haben, da es denn alle leidentliche Veränderungen eines Dinges bezeichnen kann, welche vermittelst eines Substantives ausgedruckt werden, ob es gleich nicht in allen Fällen üblich ist. Man gebraucht es, 1) eigentlich von solchen Sachen, die einem Dinge von außen widerfahren. Geld, Briefe bekommen. Er hat Befehl bekommen, abzureisen. Zeit, Gelegenheit, Ursache bekommen. Sie haben derbe Schläge bekommen. Er hat seinen Lohn, einen Dienst bekommen. Händel mit jemanden bekommen. Das Mädchen hat einen Mann, der Mann eine Frau bekommen. Große Geschenke von jemanden bekommen. Einen zum Freunde bekommen. Ich habe einen wahren Freund an ihm bekommen. Wir haben noch keine Antwort bekommen. Ich bekam zur Antwort, es sey niemand zu Hause. Hier ist nichts zu bekommen. Das Vieh hat sein Futter bekommen. Verdruß mit jemanden bekommen. Einen Verweis bekommen. Etwas zu Gesichte bekommen, gewahr werden. Ingleichen in einigen R. A. auch mit dem Infinitiv. Kann man nichts zu essen bekommen? Ich konnte ihn nicht zu sehen bekommen. Wenn ich ihn nur zu sehen bekomme. 2) Figürlich, auch von solchen Veränderungen, welche sich aus der Natur eines Dinges selbst entwickeln, sie mögen nun durch eine Ursache von außen veranlasset werden oder nicht. Die Bäume bekommen Laub, Wurzeln, Blüthen, Früchte. Eine Krankheit bekommen. Er hat das Fieber, die Schwindsucht, das Podagra u. s. f. bekommen. Ich habe Lust bekommen, zu ihm zu reisen. Die Thiere bekommen Haare, die Vögel Federn. Die Mauer hat ein Loch, das Bret einen Riß, das Faß ein Loch bekommen.2. Mit dem Hülfsworte seyn. 1) Zum Nutzen oder Schaden gereichen, eigentlich nur in Beziehung auf die Gesundheit des Körpers. Die frische Luft will mir nicht recht bekommen. Diese Speise ist mir übel bekommen. Die Bewegung ist mir vortrefflich bekommen. Wohl bekomme es! ein gewöhnlicher Glückwunsch, so wohl bey dem Niesen, als Trinken. Figürlich wird dieses Wort oft auch im moralischen Sinne gebraucht. Diese Verwegenheit wird dir übel bekommen. Es hätte ihnen sch lecht bekommen sollen, wenn sie es mir nicht gestanden hätten. 2) Fortkommen, bekleiden, von Gewächsen. Die Pflanzen sind sehr gut bekommen. Die Bäume wollen hier nicht bekommen.

Anm. Ob man gleich gegen Wachters oft zu künstliche Ableitungen mehrmahls auf seiner Huth seyn muß, so scheinet er doch Beyfall zu verdienen, wenn er bekommen in der ersten Hauptbedeutung nicht von kommen, venire, sondern von einem alten Worte kam, welches eine Hand bedeutet haben soll, herleitet; wenn nur dieses kam, welches sich zur Zeit nur noch in dem Salischen Gesetze findet, völlig erweislich wäre. Was diese Muthmaßung, wenigstens in Absicht auf ein doppeltes Stammwort für bekommen, wahrscheinlich macht, ist, daß kommen in dieser Bedeutung mit dem Hülfsworte haben verbunden wird, da es in allen übrigen Bedeutungen und Zusammensetzungen das Wort seyn zu sich nimmt. S. auch überkommen. Wenn man indessen dieses Wort durch beykommen erkläret, so lassen sich beyde Bedeutungen ziemlich ungezwungen daraus herleiten. Begegnen würde alsdann dessen erster eigentlicher Verstand seyn, der noch bey den Schwäbischen Dichtern vorkommt. Nu suogt es sich so von geschicht Das inen luite bekamen, Fabeln der Minnesänger. S. 120. Do bekamen in zwen ander man, ebend. S. 121. Do in die luit bekamen, ebend. So fern dieses Wort schaden oder nützen bedeutet, war es ehedem von einem weit größern Umfange, und wurde nicht bloß in Rücksicht auf dem Bau des menschlichen Körpers, sondern in einem jeden andern Verhältnisse gebraucht. Daher kommt biqueman bey dem Ottfried so oft für sich schicken, nützlich, ersprießlich seyn, vor. S. Bequem. Zu eben derselben Zeit bedeutete dieses Wort aber auch so viel, wie das einfache kommen, doch so, daß das Vorwort be- die Stelle des Vorwortes zu vertritt; z. B. biqueme uns thinaz richi, zu uns komme dein Reich, Ottfr. B. 2, Kap. 21. In Oberdeutschland bedeutet einem bekommen nicht so viel, als einem begegnen. Bekommlich für bequem, und Bekomst für Genüge, sind gleichfalls Oberdeutsch. Doch gebrauchen auch die Niedersachsen Bikumst für ein bescheidenes Theil. In der ersten Hauptbedeutung aber ist ihnen dieses Wort größten Theils unbekannt, weil sie dafür ihr kriegen haben.


Beköstigen (W3) [Adelung]


Beköstigen, verb. reg. act. mit der nöthigen Kost, d. i. Speise und Trank, auf geraume Zeit versehen. Einen beköstigen. Sich selbst beköstigen, sich seine gewöhnlichen Speisen selbst zurichten lassen. Daher die Beköstigung, so wohl für die Handlung des Beköstigung, als auch den Unterhalt selbst.

Anm. Das Zeitwort bekösten, von welchem dieses das Frequentativum ist, kommt auch im Oberdeutschen vor. In eben dieser Mundart bedeutet beköstigen auch noch, 1) die Kosten zu etwas hergeben, welche Bedeutung auch das Niedersächsische bekostigen hat. 2) Kosten verursachen. 3) Opitz gebraucht dieses Wort in einer Bedeutung, die der Hochdeutschen zwar nahe kommt, aber in derselben doch nicht üblich ist: Und das ohne alle Müh der Menschen erster Stand Beköstigt sey mit dem, was trägt das grüne Land.


Bekräftigen (W3) [Adelung]


Bekräftigen, verb. reg. act. Kraft geben, mit Kraft versehen. 1) * In eigentlicher Bedeutung. Und die bebenden Knie hast du bekräftiget, Hiob. 4, 4. Diese Bedeutung ist im Hochdeutschen ungewöhnlich, daher es in des Hrn. Hofr. Michaelis Übersetzung dafür heißt: und die sinkenden Knie machtest du straff. 2) * Dauerhaft machen. Und Salomo ward in seinem Reich bekräftiget, 2. Chron. Auch diese Bedeutung ist höchstensnur noch in biblischen Ausdrücken üblich. 3) Bestätigen. Eine Schrift, einen Vertrag bekräftigen, ihnen durch die Unterschrift ihre völlige Kraft geben. Eines Aussage bekräftigen, ihre Wahrheit durch sein Zeugniß bestätigen. Etwas mit einem Eide bekräftigen. Daher die Bekräftigung.

Anm. Bekräften ist gleichfalls nur noch im Oberdeutschen üblich.


Bekränzen (W3) [Adelung]


Bekränzen, verb. reg. act. mit einem Kranze zieren. Ein Bild mit Blumen bekränzen. Daher die Bekränzung.


Bekratzen (W3) [Adelung]


Bekratzen, verb. reg. act. an etwas kratzen. Etwas bekratzen. Daher die Bekratzung.


Bekrauten (W3) [Adelung]


Bekrauten, verb. reg. act. Einen Acker bekrauten, in der Landwirthschaft, das Kraut oder Gras auf demselben abschneiden. So auch die Bekrautung.


Bekreisen (W3) [Adelung]


Bekreisen, verb. reg. act. bey den Jägern, ein Gehölz bekreisen, im Kreise um ein Gehölz herum gehen, um zu sehen, ob sich Wild darin befindet; welches auch in Bezirk bringen heißt. Daher die Bekreisung.


Bekreuzen (W3) [Adelung]


Bekreuzen, verb. reg. act. kreuzweise, oder über das Kreuz bestreichen; nur in einigen Fällen. Batterien, welche die Einfahrt des Hafens bekreuzen.


Bekreuzigen (W3) [Adelung]


* Bekreuzigen, verb. reg. act. mit einem oder mehrern Kreuzen versehen. In den Rechten der mittlern Zeiten bedeutete ein Haus bekreuzigen, dasselbe durch Aufsteckung des Kreuzes befrohnen, d. i. den Gerichtszwang daran ausüben; von welchem Gebrauche C. V. Grupens deutsche Alterth. S. 94. f. nachgesehen werden können. * Man möchte sich bekreuzigen, sich mit dem Zeichen des Kreuzes davor verwahren, im gemeinen Leben. So auch die Bekreuzigung.


Bekriechen (W3) [Adelung]


Bekriechen, verb. irreg. act. ( S. Kriechen,) auf etwas kriechen. Die Raupen bekriechen den Baum. Blätter, die die Seidenwürmer bekrochen haben.


Bekriegen (W3) [Adelung]


Bekriegen, verb. reg. act. mit Krieg überziehen. Ein Volk, ein Land bekriegen. Ingleichen figürlich, für bestreiten. Jenseits des Grabes, wo kein Verhängniß das sturmlose Leben bekriegt, Dusch.


Bekrippen (W3) [Adelung]


Bekrippen, verb. reg. act. welches nur in den Marschländern üblich ist, mit einer Krippe, d. i. einem geflochtenen Zaune versehen. Einen Deich, ein Ufer bekrippen. Daher die Bekrippung.


Bekritzeln (W3) [Adelung]


Bekritzeln, verb. reg. act. mit schlechten, unleserlichen Zügen beschreiben. Die Fenster bekritzeln.


Bekrönen (W3) [Adelung]


Bekrönen, verb. reg. act. mit einer Krone versehen, krönen. Ein bekrönter Helm. Ingleichen figürlich, schmücken, zieren. Mit Ruhm und Ehre bekrönen. Daher die Bekrönung.


Bekümmern (W3) [Adelung]


Bekümmern, verb. reg. act. 1) * Mit Kummer, d. i. Arrest, belegen, welche Bedeutung nur noch in den Rechten üblich ist. Eines Güter, eines Vermögen, jemandes Gehalt bekümmern. Ehedem erstreckte sich diese Bedeutung noch weiter, und druckte überhaupt den Begriff der Beraubung und Verhinderung des freyen Gebrauches einer Sache aus. Sie bekümmerten die Furt des Jordans, sie besetzten dieselbe, heißt es in einer alten Übersetzung der Bibel aus dem 15ten Jahrhunderte. Sie bekümmerten ihnen das Wasser, schnitten ihnen das Wasser ab, in einer andern alten Übersetzung an einem andern Orte. S. Kummer und Verkümmern.2) Kummer, d. i. Gram, Sorgen verursachen. Das bekümmert ihn gar sehr. Du kümmerst mich außerordentlich, machst mir außerordentlichen Kummer. Eine ungerathene Tochter bekümmert ihren Vater, Sir. 22, 4. Dieser Gebrauch des Zeitwortes bekümmern kommt im Hochdeutschen nur sparsam, im Oberdeutschen desto häufiger vor. Zuweilen gebraucht man es in dieser Bedeutung als ein Reciprocum. Eine edle Seele, die sich ihrer Unschuld bewußt ist, ist zu groß, sich über Beleidigungen zu bekümmern, Dusch. Am häufigsten ist in dieser Bedeutung das Participium der vergangenen Zeit üblich. Ein bekümmertes Herz, ein bekümmertes Gemüth. Das macht mich sehr bekümmert. Besonders mit dem Verbo seyn und den Präpositionen um, über und wegen. Ich bin sehr bekümmert um dich. Er war über diese Nachricht, oder wegen dieser Nachricht sehr bekümmert.3) Um, oder für etwas bekümmert seyn, angelegentliche oder mit Gemüthsunruhe verbundene Sorge für etwas tragen. Der mit wahrhaftem Eifer für dein Glück bekümmert ist, Dusch. So würd' er nur für sich allein Und nicht für mich bekümmert seyn, Gell. 4) Sich um etwas kümmern, in weiterer Bedeutung, Antheil daran nehmen, wenn derselbe auch noch so geringe ist, darnach fragen. Es hat sich niemand hierum zu bekümmern. Ich würde mich wenig darum bekümmern, wenn ich nicht dein Freund wäre. Das wächst alles, ohne daß ich mich darum bekümmern darf. Er bekümmert sich um nichts, nimmt sich keiner Sache an. Die Wortfügung, sich eines Dinges bekümmern, ist Oberdeutsch, und sich mit einem bekümmern, Hiob. 7, 17 statt um einen, ist nirgends üblich.


Bekümmerniß (W3) [Adelung]


Die Bekümmerniß, plur. die -sse, der Kummer des Gemüthes; ein Wort, welches im Oberdeutschen häufiger ist, als im Hochdeutschen, daher man in dem letztern auch das Oberdeutsche Geschlecht beyzubehalten pfleget, da sonst die Wörter auf -niß im Hochdeutschen gemeiniglich sächlichen Geschlechtes sind.


Bekunden (W3) [Adelung]


* Bekunden, verb. reg. act. im rechtlichen Style, besonders Niederdeutschlandes. 1) Etwas bekunden, eidlich aussagen. 2) Die Zeugen bekunden, eidlich anhören. S. Kunde und Urkunde.


Beküssen (W3) [Adelung]


Beküssen, verb. reg. act. etwas oft und sehr küssen; ein sonst ungewöhnliches Wort, welches von dem Logau gebraucht worden, in der bey dem Worte Beherzen angeführten Stelle.


Belachen (W3) [Adelung]


Belachen, verb. reg. act. Etwas belachen, darüber lachen. Einen Spaß. eine lustige Erzählung belachen. Die Thorheiten der Menschen, die Fehler anderer belachen. Daher die Belachung.

Anm. Bihlohan kommt in eben dieser Bedeutung schon bey dem Ulphilas vor. Opitz gebraucht dieses Zeitwort für anlachen, einer im Hochdeutschen ganz ungewöhnlichen Bedeutung: Wie Luna das Firmament belacht. S. auch Auslachen und Verlachen.


Beladen (W3) [Adelung]


Beladen, verb. irreg. act. ( S. Laden,) mit einer Ladung versehen. Einen Wagen, ein Pferd, einen Esel beladen. Ein beladener Wagen. Figürlich, ein lästiges oder beschwerliches Geschäft übertragen. Sich mit Sorgen, mit anderer Leute Geschäften beladen, sie als eine Last übernehmen. Einen mit vieler Arbeit beladen. Das Grab würde mir fürchterlich scheinen, wenn es mich, mit ihrem Hasse beladen, empfangen sollte, von Brawe. Daher die Beladung.

Anm. Biladan findet sich schon bey dem Ottfried und Tatian, und wird daselbst auch im guten Verstande für reichlich versehen gebraucht. Z. B. Vuisduames biladane, voller Weisheit, bey dem Ottfr. B. 1, Kap. 22. Diese Wortfügung mit dem Genitiv der Sache ist noch im Oberdeutschen üblich. S. auch Belasten und Belästigen, welche nur dem Grade nach von beladen unterschrieben sind.


Belageren (W3) [Adelung]


Belageren, zusammen gezogen Belagern, verb. reg. act. 1) Den Boden mit Schafen belagern lassen, in der Landwirthschaft ei-niger Gegenden, die Schafe sich darauf lagern lassen, um ihn zu düngen. 2) Vermittelst eines Lagers einschließen, und zur Übergabe zu bringen suchen. Eine Stadt, eine Festung belagern. Die Soldaten wurden in dem Schlosse belagert. Die Belagerten, welche belagert werden. Eigentlich druckt belagern dasjenige aus, was man jetzt mit einem fremden Worte blocquiren nennet, nehmlich sich um eine Stadt lagern. Heut zu Tage aber verbindet man mit demselben alles, was zum feindlichen Angriffe derer, die belagert werden, gehöret. 3) Figürlich wird dieses Wort auch von allem gebraucht, was um uns ist, und uns dieses Wort auch von allem gebraucht, was um uns ist, und uns ohne Aufhören beunruhiget. Die Könige werden unaufhörlich von Schmeichlern belagert. Der Alte wird beständig von seinen Verwandten belagert. Dich wird in Zukunft ein Volk, ein Volk der Schmeichler belagern, Die Pest der großen und glücklichen Welt, Gell Daher die Belagerer, die einen Ort belagern in der eigentlichen Bedeutung, und die Belagerung, die Handlung des Belagerns. Eine Belagerung aushalten, ausstehen. Die Belagerung Wiens, oder die Stadt Wien, und nicht, wie einige nach dem Französischen sagen, die Belagerung von Wien.

Anm. Belagern, im Oberdeutschen belägern, Schwedisch belaegre, im alten Engl. beleaguer, Nieders. belegen, kommt zunächst von Lager her, und ist zugleich das Frequentativum von belegen, welches ehedem in beyden Mundarten gleichfalls für belagern gebraucht wurde. Das letztere Wort bedeutete ehedem auch nur so viel als das einfache lagern. Er belegert sich hart neben sie, heißt es in dem 1514 gedruckten Livius. Eine Belagerung machen, Ezech. 4, 2, ist ungebräuchlich.


Belander (W3) [Adelung]


Der Belander, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Franz. Belandre, eine Art kleiner Lastschiffe mit plattem Boden, welche besonders in den Niederlanden auf den Flüssen und Canälen gebraucht werden. Es soll aus dem Niederdeutschen Binnen-Lander zusammen gezogen seyn, ein Schiff zu bezeichnen, welches innerhalb Landes gebraucht wird; im Gegensatze eines Seeschiffes.


Belang (W3) [Adelung]


Der Belang, des -es, plur. car. ein in Ober- und Niederdeutschland und den Hochdeutschen Kanzelleyen übliches Wort. 1) Eigentlich, das Belangen, das Erreichen einer Sache. Nochmehr aber, 2) figürlich, für Wichtigkeit. Eine Sache von großem Belange, eigentlich, welche weit langet oder reichet, wichtige Folgen haben kann. Das ist eine Sache von keinem Belange. Diese Nachricht ist von großem Belange. Die Seltenheit des Geldes und anderer Dinge von gleichem Belange.


Belangen (W3) [Adelung]


Belangen, verb. reg. act. welches in allen seinen Bedeutungen nur in den gemeinen Mundarten üblich ist. Es bedeutet aber, 1) * eigentlich, an etwas langen, es mit ausgestrecktem Arme erreichen, welche Bedeutung noch das Niedersächsische belangen hat. In etwas weiterer Bedeutung sagt man im Oberdeutschen auch, jemanden belangen, ihn einhohlen, auf dem Wege erreichen. Er ist mehr auf dem Wege zu belangen. 2) Figürlich, (a) betreffen, Einfluß auf etwas haben, besonders in der so gemeinen R. A. was mich belangt, was das belanget, das belangend, welche in den Kanzelleyen am häufigsten sind. S. auch Anbelangen und Anlangen. (b) Jemanden belangen, ihn rechtlich, gerichtlich, oder vor Gericht belangen, ihn verklagen; im mittlern Lateine appropinquare. So auch die Belangung.

Anm. Ehedem bedeutet dieses Wort auch noch, 1) verlangen, und wurde alsdann zuweilen mit der zweyten Endung der Sache verbunden, auf welche Art schon Notker dieses Wort gebraucht. Des muos mich nach ir belangen, heißt es bey einem der Schwäbischen Dichter. 2) Sich die Zeit lang werden lassen, wo- von in Pezens Wörterbuche zu dem Hornegk v. Pelangen Beyspiele vorkommen. So fern belangen verklagen bedeutet, wird es in Oberdeutschland auch noch mit dem Genitiv verbunden. Einen des Diebstahles belangen.


Belappen (W3) [Adelung]


Belappen, verb. reg. act. mit Lappen versehen. Im Niedersächsischen bedeutet belappen ausflicken, Lappen darauf nähen. Die Jäger belappen das Wild, oder ein Gehölz, wenn sie Lappen, d. i. niedrige Tücher, um dasselbe aufhängen, das Wild damit abzuschrecken. Wohl belappet seyn, wird gleichfalls bey den Jägern figürlich von den Jagdhunden gebraucht, wenn ihnen die Oberlefzen stark herunter hangen. Daher die Belappung.


Belassen (W3) [Adelung]


* Belassen, verb. irreg. neutr. ( S. Lassen,) welches nur im Oberdeutschen für bewenden lassen, üblich ist. Ich habe es dabey belassen, gelassen. Wie er nicht gemeinet sey, von seiner Erklärung abzugehen, sondern es vollkommen dabey belasse. Bey dem Ottfried bedeutet bilazzen so viel als erlassen.


Belasten (W3) [Adelung]


Belasten, verb. reg. act. 1. Eigentlich, mit einer Last belegen. Einen Wagen, einen Esel belasten, wofür aber beladen üblicher ist. 2. Figürlich, 1) über die Gebühr mit etwas versehen. In dieser Bedeutung sagen die Mahler, daß die Züge eines Gemähldes belastet sind, wenn sie übertreiben, oder übermäßig bezeichnet sind. 2) Mit etwas als mit einer Last belegen, in der höhern Schreibart. Mit Schande belastet. Vernichtender Gedanke, ewig von Gott gehasset, ewig mit seinen unerträglichen Gerichten belastet zu seyn! von Brawe. Belastet sinkt mein Haupt, wie meine Hände nieder, Weiße. So auch die Belastung.

Anm. Belasten, Angels. behlaestan, bedeutet im Oberdeutschen auch, Auftrag geben. Ich bin belastet, ihnen zu hinterbringen u. s. f.


Belästigen (W3) [Adelung]


Belästigen, verb. reg. act. welches das Iterativum des vorigen ist, und nur in dessen figürlichen Bedeutungen vorkommt. 1) Mit einer Sache, als mit einer Last, belegen. Die Unterthanen mit Steuern und Gaben belästigen. Sich mit anderer Leute Kindern belästigen. 2) Beschwerlich fallen, zur Last seyn. Jemanden mit seinen Besuchen belästigen. Dieser Richter in dir, der dich so oft mit seiner ungestümen Stimme belästiget, Dusch. So auch die Belästigung.


Belatten (W3) [Adelung]


Belatten, verb. reg. act. mit Latten versehen. Ein Dach belatten, bey den Zimmerleuten. Daher die Belattung.


Belauben (W3) [Adelung]


Belauben, verb. reg. act. 1) Mit Land bekleiden. Einen Meiler belauben, bey den Kohlenbrennern, ihn statt der bloßen Erde mit Laub, Kohlenstaub und Erde bedecken. Außer dem ist dieses Wort nur in der höhern Schreibart üblich. Eile Lenz, beblüme die Tristen und belaube den Wald! Geßn. Die belaubten Zweige der Bäume. 2) Des Laubes berauben. In dieser Bedeutung gebrauchen die Gärtner dieses Wort oft für blatten, d. i. dem Weine, Hopfen u. s. f. die überflüssigen Blätter abbrechen. So auch die Belaubung.


Belauern (W3) [Adelung]


Belauern, verb. reg. act. 1) Lauernd beobachten. Jemanden belauern, seine Worte und Handlungen heimlich bemerken. 2) Hinterlistig betriegen, im gemeinen Leben. S. Belauschen


Belauf (W3) [Adelung]


Der Belauf, des -es, plur. inusit im gemeinen Leben, die Summe wie hoch sich eine Sache beläuft, der Vertrag. Der Belauf der Rechnung, der Waaren. S. Belaufen II.


Belaufen (W3) [Adelung]


Belaufen, verb. irreg. ( S. Laufen,) welches in doppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Activum, auf oder zu etwas laufen, doch nur in einigen uneigentlichen Bedeutungen. 1) Die Grenzen belaufen, sie begehen, oder persönlich besichtigen. Die Wolfsjagd belaufenmüssen, bey den Jägern, den Wolf mit verfolgen helfen. 2) Zur Fortpflanzung befruchten, von dem männlichen Geschlechte einiger Thiere. Der Hund beläuft die Hündinn. Eine Hündinn belaufen lassen. S. Belegen. Im gemeinen Leben sagt man auch sich belaufen, von beyden Geschlechtern.II. Als ein Reciprocum, sich erstrecken, von dem Werthe, der Zahl einer Sache, oder der Summe einer Rechnung. Es beläuft sich auf hundert Thaler. Es wird sich nicht hoch belaufen, keine große Summe ausmachen. Ich dächte, ich sollte am besten wissen, wie hoch sich ihr Vermögen beläuft, Gell. Die Zahl der Erschlagenen belief sich auf tausend.Daher die Belaufung in der thätigen Bedeutung. Das Nieders. belopen bedeutet außer dem auch noch durch Laufen ausrichten. Eine Bothschaft belaufen.


Belauren (W3) [Adelung]


Belauren, S. Belauern.


Belauschen (W3) [Adelung]


Belauschen, verb. reg. act. auf jemanden oder auf etwas lauschen, lauschend beobachten und entdecken, wie belauern, doch in einer anständigen Bedeutung. Ich habe ihn belauschet. Wie süß ist es in diesen Lauben von einem Freunde belauschet zu werden! Nieders. belustern.


Beläuten (W3) [Adelung]


Beläuten, verb. reg. act. über etwas läuten, im gemeinen Leben. Eine Leiche, einen Sieg, ein Freudenfest beläuten. Das Gericht beläuten, an einigen Orten, die Hegung des Halsgerichtes durch Läuten ankündigen. Daher die Beläutung.


Beleben (W3) [Adelung]


Beleben, verb. reg. act. 1) Erleben. Ich habe diese Sache selbst belebt, welche Bedeutung doch nicht überall üblich ist. 2) Leben ertheilen, mit Leben versehen. (a) Eigentlich. Einen Todten beleben. Pygmalions Bildsäule ward auf sein Bitten von den Göttern belebt. Alle belebte Wesen, Gell. für lebendige. Noch mehr aber, (b) figürlich, mit Kräften, Munterkeit, Lebhaftigkeit versehen. Die Sonne belebt durch ihren wohlthätigen Einfluß die Erde und alle Gewächse. Eine beständige Geschäftigkeit belebt und erhält Würmer, Menschen, Welten und Engel, Dusch. Wenn die Harfe mit ihrem vollstimmigen Klange die Töne einer annehmlichen Stimme belebt. Daher heißt im gemeinen Leben so wohl in Ober- als Niederdeutschland ein belebter Mensch, der munter, aufgeweckt und gesprächig ist. Ein gutes Naturell wird durch gute Beyspiele bald witzig und belebt, Gell. Auch das Substantiv Belebtheit, für gesellschaftliche Lebhaftigkeit, Munterkeit, Gefälligkeit, ist so wohl im Ober- als Niederdeutschen bekannt.

Anm. Das Dänische beleven und Schwed. belefwad bedeuten gleichfalls artig, aufgeweckt. In den höhern Schreibart bedeutet belebt zuweilen mit lebendigen Geschöpfen versehen. Der Teich und mein belebter Hof, Geßn. Indem die Musik des belebten Waldes erwachet, Zachar. Das Substantiv die Belebung ist nur in der zweyten Hauptbedeutung üblich.


Belecken (W3) [Adelung]


Belecken, verb. reg. act. an etwas lecken, ingleichen oft und viel an etwas lecken. So beleckt der Bär seine Jungen, der Hund seine Wunden. Daher die Beleckung. Bey dem Ulphilas lautet dieses Wort bilaigwodan.


Belege (W3) [Adelung]


Das Belege, des -s, plur. ut nom. sing. dasjenige, womit etwas beleget wird, doch nur in einigen besondern Fällen. Bey den Schneidern heißt dasjenige das Belege, womit der Saum eines Kleides verstärkt wird. Die Belege, in Plural, heißen in Rechnungssachen, u. s. f. diejenigen Schriften oder Scheine, womit eine Rechnung oder ein anderer Aufsatz beleget wird; Belegscheine, Belegezettel. In diesem Verstande ist dieses Wort in einigen Gegenden als ein Masculinum üblich. Ich will die Abschrift als einen Beleg zu der Rechnung bringen, Gell. Endlich werden auch diejenigen Kennzeichen, welche man unter die Marksteine leget, Belege, noch häufiger aber Beylagen genannt.


Belegen (W3) [Adelung]


Belegen, adj. et adv. und Belegenheit, S. in Beliegen.


Belegen (W3) [Adelung]


Belegen, verb. reg. act. mit einem gelegten Dinge bedecken. 1. Eigentlich. Einen Boden mit Bretern, den Tisch mit Geld belegen. Einen Saal mit Steinen, ein Gesicht mit Schönpflästerchen belegen. Eine Pflugschar belegen, neues Eisen daran schmieden. Ein Kleid mit Schnüren belegen, selbige darauf befestigen. 2. Figürlich. 1) Zur Fortpflanzung befruchten, von einigen Thieren. Der Hengst belegt die Stute, der Hund die Hündinn, der Ochs die Kuh. S. Belaufen. Ingleichen als ein Factitivum, eine Stute, eine Kuh belegen, den Hengst, den Ochsen zu ihr lassen. So auch eine Hündinn belegen, bey den Jägern. S. auch Begatten. 2) Mit Beweisschriften versehen, besonders von Rechnungen. Eine Rechnung belegen. Ich kann alles belegen, mit Scheinen, Quittungen beweisen. 3) Mit Leuten versehen. Eine Stadt mit Truppen, ein Haus mit Soldaten belegen. Ein Bergwerk, einen Steinbruch mit Arbeitern belegen. 4) Zuerkennen, zutheilen, auflegen, größten Theils nur von unangenehmen Dingen. Jemanden mit einer schweren Strafe, mit einer Geldbuße belegen. Das Volk mit Steuern und Abgaben belegen. Unser Leben ist vielleicht deswegen mit so vielen Beschwerlichkeiten belegt, daß wir es uns desto mehr sollen leicht und angenehm zu machen suchen, Gell. 5) Etwas mit einem Nahmen belegen, ihm selbigen geben. das ist, um es mit dem gelindesten Nahmen zu belegen, frommer Betrug. So auch die Belegung.

Anm. Die nunmehr ungewöhnlichen Bedeutungen dieses Wortes sind: 1) Belagern, welche das Schwedische belaegga und Niedersächsische beleggen, noch hat. Als Troja ward belegt, o Mars, von allen Seiten, Opitz. In der Deutschen Bibel kommt diese Bedeutung noch mehrmahls vor: Jos. 11, 31, 34; 2 Sam. 11, 1; Pred. 9, 14.2) Beschuldigen. Nicht einer ist zu finden Der ihn belegen kann mit den geringsten Sünden, Opitz. 3) Beschönigen, bemänteln, und 4) vergüten, ersetzen; welche beyde nur noch im Niedersächsischen vorhanden sind. 5) Für das einfache legen, welches noch in einigen gemeinen Sprecharten vorkommt. Capitalien auf ein Gut belegen, leihen.


Belehnen (W3) [Adelung]


Belehnen, verb. reg. act. mit einem Lehn feyerlich versehen, auch in der weitesten Bedeutung, in welcher dieses Wort oft von Erbzinsgütern u. s. f. gebraucht wird, welche im engsten Verstande nicht Lehen genannt werden. Jemanden belehnen. Einen mit etwas belehnen. Ein Belehnter. Daher die Belehnung, die feyerliche Handlung des Belehnens. S. Lehnen.

Anm. In der Oberdeutschen Mundart, besonders der vorigen Jahrhunderte, kommt das Wort beleihen in diesem Verstande häufig vor. S. Leihen.


Belehren (W3) [Adelung]


Belehren, verb. reg. act. eine Lehre, d. i. Nachricht, Unterricht, in einzelnen Fällen ertheilen. Laß dich doch belehren, dir deinen Irrthum in dieser Sache benehmen. Ich will mich anders belehren lassen. Ich lasse mich gerne belehren, nehme gerne Unterricht an. Sich in einer Sache belehren lassen. Ingleichen mit der zweyten Endung, doch nur in den Redensarten: sich eines andern, sich eines bessern belehren lassen. Daher die Belehrung; ingleichen das Belehrungsurtheil, in den Rechten, wenn sich der Richter oder eine Partey von einem Schöppenstuhle u. s. f. belehren lässet, was in einer Sache Rechtens ist.


Beleibt (W3) [Adelung]


Beleibt, adj. et adv. welches von dem ungewöhnlichen Verbo beleiben, nur in den Ausdrücken schwer beleibt, mit einem schwe-ren starken Körper versehen, und wohl beleibt, mit hinlänglichem Fleische und Fette versehen, üblich ist. Der träge Schwarm von schwer beleibten Rüben, Hall.


Beleibzüchtigen (W3) [Adelung]


Beleibzüchtigen, verb. reg. act. in den Rechten, mit einer Leibzucht versehen. Daher die Beleibzüchtigung. S. Leibzucht.


Beleidigen (W3) [Adelung]


Beleidigen, verb. reg. act. ein Leid zufügen, doch nur in engerer Bedeutung, wider seine Pflichten gegen jemanden handeln; besonders wenn dadurch eine unangenehme Empfindung bey dem andern erwecket wird. Gott, seinen Nächsten beleidigen. Jemanden mit Worten beleidigen. Worin habe ich dich beleidiget? Keusche Ohren durch unanständige Scherze beleidigen. Beleidigende Ausdrücke, Scherze. Sich durch etwas beleidigt finden, für beleidigt halten. Der beleidigte Theil, die Person, oder die Personen, welche beleidiget worden. Das Laster der beleidigten Majestät. S. Majestät. Daher der Beleidiger, des -s, plur. ut nom. sing. und die Beleidigung, plur. die -en, so wohl für die Handlung des Beleidigens, als auch die Sache, womit man jemanden beleidiget. Eine schwere, gröbliche Beleidigung.

Anm. Dieses Zeitwort ist von leiden, so fern solches ehedem active verletzen, Leid zufügen bedeutete. Beleiden kommt noch bey dem Opitz, und zwar in der allgemeinen Bedeutung für verletzen vor: Daß dich ja nimmermehr der Sonnen heißer Schein, Noch deine klare Bach, was trübes mag beleiden. Eben diese Bedeutung hat auch Beleidigung, Apost. 27, 10. Die Frequentativa leidigen und keleidigen finden sich schon bey dem Notker. So fern leiden ein Neutrum ist, bedeutete beleidigen im Nieders. ehedem auch Leid tragen.


Beleihen (W3) [Adelung]


* Beleihen, verb. irreg. act. ( S. Leihen,) welches nur im Oberdeutschen für belehnen üblich ist, S. Belehnen.


Belemnit (W3) [Adelung]


Der Belemnit, des -en, plur. die -en, eine versteinerte ungewundene Schnecke, welche einige Ähnlichkeit mit einem Pfeile hat, daher sie so wohl diesen Griechischen Nahmen, als auch den Deutschen Pfeilstein erhalten hat. Weil man ehedem glaubte, daß diese Steine mit dem Blitze auf die Erde fallen, so werden sie von dem großen Haufen auch Donnerkeile, Donnersteine, von ihrer vorgegebenen Wirkung wider den Alp, auch Alpsteine, Alpschosse, sonst aber auch noch Luchsteine, Teufelskegel, Storchsteine, Rabensteine, Stahlsteine, Teufelsfinger genannt.


Belesen (W3) [Adelung]


Belesen, -er, -ste, adj. et adv. welches eigentlich das Partic. des ungewöhnlichen Verbi belesen ist. Ein belesener Mann, der viel gelesen hat. Er ist in den Kirchenväter sehr belesen. Daher die Belesenheit, plur. inusit. die Eigenschaft, nach welcher jemand vieles gelesen hat.

Anm. Von dem Zeitworte lesen, eligere, sagt man im Oberdeutschen auch, den Salat, die Erbsen u. s. f. belesen, für auslesen.


Beleuchten (W3) [Adelung]


Beleuchten, verb. reg. act. 1) Hell machen, erleuchten. Die Sonne beleuchtet die Erde. Ein Zimmer, ein Gerüst, einen Garten beleuchten. 2) Mit Vorhaltung des Lichtes hell machen, um etwas zu suchen, oder zu untersuchen. Jemanden beleuchten. Eine Sache von allen Seiten beleuchten. Ingleichen figürlich, für prüfen, untersuchen. Einen Satz, einen Ausspruch, eine Stelle in einem Buche beleuchten. So auch die Beleuchtung, welches zuweilen aber auch dasjenige, womit ein Ort erleuchtet wird, als Lampen, Lichter u. s. f. ausdruckt.


Belfern (W3) [Adelung]


Belfern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben, erfordert, und das Frequentativum von bellen ist; oft und viel bellen, eigentlich von Hunden, figürlich aber auch, doch nur im gemeinen Leben, zanken, mit Worten streiten, widersprechen, beson- ders in der Zusammensetzung widerbelfern, sich auf eine unanständige Art verantworten. Wachter leitet dieses Wort, nach dem ihm gewöhnlichen Witze, nicht von bellen, dem natürlichsten Stammworte, sondern von dem alten bal, böse, her.


Belieben (W3) [Adelung]


Belieben, verb. reg. neutr. welches mit der dritten Endung der Person, so wohl persönlicher als unpersönlicher Weise üblich ist. 1) Gefallen an etwas tragen, Neigung zu etwas haben. Diese Speise beliebt mir nicht. Was schön ist, beliebt einem jeden. Herr dein Befehl beliebt mir für und für, Opitz Ps. 119, 8. In welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen wenig mehr vorkommt. S. Beliebt. 2) Sich aus Neigung zu etwas entschließen. Wenn es beliebt werden sollte, diese Sache einzuführen. Thut was euch beliebt. Es beliebt mir nun so. Wenn es Gott beliebt. Ingleichen überhaupt für wollen, doch nur als ein Ausdruck der gesellschaftlichen Höflichkeit von andern, und nicht von sich selbst. Es beliebte ihm wegzugehen. Ich erwarte was ihnen im dieser Sache belieben wird. Belieben sie doch zu trinken, trinken sie doch. Das was ihr die Seele zu nennen beliebt, was ihr die Seele nennet, Dusch. Ingleichen höhnisch, er beliebte zu glauben.

Anm. Das Hauptwort die Beliebung wird zwar auch von einigen gebraucht, allein das folgende Belieben ist in dieser Bedeutung häufiger. Bey den Handwerkern druckt Beliebung, eine jede freywillige Anstalt, einen freywilligen Vertrag aus; z. B. die Todtenbeliebung, ein freywillige Anstalt zur Beerdigung ihrer Todten; eine Leichen-Casse. Das einfache liben kommt mit der dritten Endung der Person für placere schon bey dem Ottfried vor. Das Lateinische libet kommt so wohl in dem Klange, als der Bedeutung und Wortfügung damit überein. Ottfried hat auch schon giliuben, und noch heut zu Tage ist geliebt es Gott, für beliebt es, üblich. S. Gelieben.


Belieben (W3) [Adelung]


Das Belieben, des -s, plur. car. Gefallen, Neigung, freywillige Entschließung; doch nur in einigen bereits eingeführten Redensarten, in welchen dieses Hauptwort fast niemahls mit dem bestimmten Artikel gebraucht wird. Belieben an etwas haben, oder finden. Nach ihrem Belieben, d. i. Willkür. Ich stelle es in ihr Belieben. Aber: Achilles änderte sein voriges Belieben, Gottsch. schmeckt nach dem siebzehnten Jahrhunderte, in welchem wohl Opitz singen konnte: Den Mund hab ich begierig aufgethan Und ganz gekeucht aus ungemein Belieben Nach deinem Wort, Ps. 119, 66.


Beliebig (W3) [Adelung]


Beliebig, adj. et adv. was einem beliebt, wie es beliebt. Ich will in einen jeden ihm beliebigen Ort kommen. Wie es dir beliebig ist. In beliebiger Größe.


Beliebt (W3) [Adelung]


Beliebt, -er, -este, adj. et adv. 1) Was einem gefällt, beliebig. In beliebter Größe. S. Belieben. 2) Angenehm, besonders von Personen, als das Participium von Belieben. 1. Ein beliebter Mensch, an dem jedermann Belieben hat. Er ist in diesem Hause sehr beliebt. Er weiß sich ungemein beliebt zu machen. Wie haben sie sich denn so beliebt bey ihr gemacht? Gell. Eine beliebte Schrift, welche von jedermann gerne gelesen wird.


Beliegen (W3) [Adelung]


+ Beliegen, verb. irreg. ( S. Liegen,) welches in doppelter Gattung üblich, in beyden aber nur von niedrigem Gebrauche ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, für das einfache liegen. Er mußte auf dem Wege beliegen bleiben, liegen bleiben. Das an der Gasse belegene Haus, das Haus, welches an der Gasse lieget. So auch die Belegenheit, welches in einigen Mundarten für Lage gebrauchtwird. 2. Als ein Activum. Etwas beliegen, wegen einer Sache zu Bette liegen müssen. Ich habe den Zorn lange beliegen müssen. Er muß es beliegen, durch Krankheit dafür büßen; welcher ganze Gebrauch nur in einigen Provinzen bekannt ist.


Belisten (W3) [Adelung]


Belisten, verb. reg. act. durch List hintergehen. Jemanden belisten. Daher die Belistung.


Belittern (W3) [Adelung]


* Belittern, verb. reg. act. welches nur in den Bergwerken üblich ist, mit Leitern oder Fahrten versehen. Einen Schacht belittern, die Fahrten in denselben einhängen. Daher die Belitterung.


Belle (W3) [Adelung]


* Die Belle, plur. die -n, oder der Bellen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, der an einigen Orten dem Alber- oder weißen Pappelbaume, Populus alba; L. gegeben wird, und von Albula, Alber, oder auch von Populus, Pappel, verstümmelt ist, indem die schwarze Pappel an einigen Orten auch Bollen genannt wird. S. Alber.


Bellen (W3) [Adelung]


Bellen, verb. reg. neutr. (ich belle, du bellst, er bellt; ich bellte; gebellt,) welches das Hülfswort haben erfordert, und heut zu Tage eigentlich von der lauten Stimme der Hunde und der Füchse, bey den Jägern aber auch von dem eigenthümlichen Laute der Rehe gebraucht wird. Der Fuchs bellt. Ein Hund der beißen will, bellt nicht. Figürlich bedeutet dieses Wort zuweilen auch mit einem lauten Geschreye zanken. Er hört den Zank vor Gerichte bellen, Haged.

Anm. 1. Bellen, bey dem Notker pillen, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno, bellin, in dem Lateine der mittlern Zeiten baulare, ist nicht so wohl eine Nachahmung des Schalles, welchen das Bellen der Hunde macht, als vielmehr eine allgemeine Benennung eines jeden lauten Schalles. Belle kommt noch bey den Schwäbischen Dichtern von einer Schelle vor. Das Holländ. bellen bedeutet schellen, das Angels. und Engl. Bell eine Glocke, und Peal das Getön, den Klang. S. Bellhammel. Einer der Schwäbischen Dichter nennet die geschwätzigen Frauenzimmer bey Hofe Hove bellen, gleichsam Hofschellen. In dem Nordstrandrechte Th. 2, Art. 35 wird bellen daher noch für laut schreyen, laut rufen, gebraucht. Wer da will, heißt daselbst, Land kaufen, der soll laut rufen; wer da will Land sellen (verkaufen) der soll laut bellen, mit lauter Stimme biethen. Daß diese Bedeutung sehr alt sey, erhellet unter andern auch aus dem Lat. appellare. S. auch Spiel. Im deßwillen ist es auch von dem Laute mehrerer Thiere gebraucht worden. Das Engl. to bell bedeutet schreyen wie ein Hirsch, to bellow aber blöcken, brüllen, womit auch das Nieders. Frequentativum bölken, welches von dem Blöcken des Rindviehes gebraucht wird, das Schwed. balla, mugire, das Isländ. baula und belja und das Latein. balare, welches letztere nur von dem Schreyen der Schafe üblich ist, überein kommt. Im Oberdeutschen gehet dieses Zeitwort irregulär, ich belle, du billst, er billt; ich boll; gebollen. Einige Hochdeutsche Schriftsteller behalten solches gleichfalls; allein die reguläre Anwandelung ist doch weit gewöhnlicher.

Anm. 2. Andere Mundarten und Sprachen haben andere Wörter, das Bellen der Hunde ausdrucken. Einige sind allgemeine Benennungen, wie das Schwedische skalla, und Isländ. gialla, welche mit dem Deutschen schellen und gellen überein kommen. Andere sind Nachahmungen des dadurch verursachten Lautes, wie das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Latein. baubari, das Niedersächsische wouwen, das Altdeutsche wuwen, das Oberdeutsche baffen, bäffen, bäffzen, gautzen, gelfen, das Französ. abbojer, das Krainerische lajam, das Nieders. blaffen, das Dän. blaffe und biäffe, das Westphälische jeewken, jawken, u. s. f. S. auch Belfern.


Belletrist (W3) [Adelung]


Der Belletrist, des -en, plur. die -en, ein in den neuern Zeiten aus dem Französ. belles lettres gebildetes Wort, eine Person zu bezeichnen, welche sich vorzüglich den schönen Wissenschaften widmet. Daher die Belletristerey, plur. inusit. im gemeinen Leben und verächtlichen Verstande, die ungeordnete Neigung zu den schönen Wissenschaften, mit Vernachlässigung nothwendigerer.


Bellhammel (W3) [Adelung]


* Der Bellhammel, des -s, plur. die -hämmel, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, derjenige Hammel einer Herde, welcher eine Schelle hat, und dem das übrige Schafvieh folget, daher er auch der Leithammel, genannt wird, weil er die Herde gleichsam leitet; Französ. Cloche-man, Dän. Biälde-Faar. Bell hat hier die alte Bedeutung einer Schelle. S. Bellen

Anm. 1.


Beloben (W3) [Adelung]


* Beloben, verb. reg. act. welches in Oberdeutschland und den Hochdeutschen Kanzelleyen einheimisch ist. 1) Für das einfache loben. Er ist bey jedermann belobt, wird von jedermann gelobt. 2) Mit Lob, mit Ruhm erwähnen, ingleichen überhaupt Erwähnung thun. Der belobte Verfasser. Das belobte Brautpaar, das erwähnte. Daher das Belobungs-Decret, ein Decret, worin jemand wegen einer guten Handlung von seinen Obern gelobt wird.


Belochen (W3) [Adelung]


Belochen, verb. reg. act. im Forstwesen, die Harthölzer belochen, Löcher in die Bäume hauen oder bohren, um ihnen das Harz anzuzapfen, welches auch beharzen genannt wird. Daher die Belochung.


Belohnen (W3) [Adelung]


Belohnen, verb. reg. act. 1) Für eine gute Handlung freywillig Gutes erweisen. Gott belohnt tugendhafte Handlungen auch noch in diesem Leben. Jemanden für seine Redlichkeit belohnen. Ich habe ihm seine Mühwaltung reichlich belohnet, oder ich habe ihn für seine Mühwaltung u. s. f. Es belohnet die Mühe nicht, sich lange bey dieser Sache aufzuhalten. Wie reichlich belohnet mir dieser Augenblick ihre lange Anwesenheit! den in ihrer Abwesenheit erduldeten Kummer, Weiße. 2) Figürlich, bestrafen, den verdienten Lohn ertheilen. So ward ihm seine Untreue belohnet. Es ist für sein Verbrechen mit dem Schwerte belohnet worden.

Anm. Belohnen bedeutet vermöge der Zusammensetzung eigentlich den Lohn ertheilen; wenn es also am häufigsten nur von der freywilligen Belohnung einer guten Handlung gebraucht wird, so rühret solches bloß von dem Gebrauche her. Dienstbothen, Arbeiter u. s. f. werden gelohnet, oder bekommen ihren Lohn; haben sie sich vorzüglich gut gehalten, so werden die noch über dieß belohnet. Auch wenn sich die Belohnung auf einen wirklichen Verdienst beziehet, wird dieses Wort zuweilen gebraucht, den unangenehmen Nebenbegriff des Wortes Lohn und lohnen zu vermeiden, besonders wenn man freywillig mehr gibt, als der Belohnte fordern kann. So belohnet man Sachwalter, Ärzte, Geistliche u. s. f. für ihre Bemühung. Wenn aber belohnen zuweilen für bestrafen gebraucht wird, so tritt es wieder in seine eigenthümliche Bedeutung zurück. S. Lohn.


Belohner (W3) [Adelung]


Der Belohner, des -s, plur. ut nom. sing. der eine gute Handlung freywillig belohnet; ein Wort, welches nur selten, und gemeiniglich nur in der theologischen Schreibart gebraucht wird. Gott ist ein Belohner des Guten.


Belohnung (W3) [Adelung]


Die Belohnung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Belohnens; ohne Plural. Noch mehr aber, 2) dasjenige, womit etwas belohnet wird. Einem eine Belohnung geben, versprechen. Er hat eine ansehnliche Belohnung bekommen. Eine Belohnung auf etwas setzen. Ich habe nicht viel dafür zur Belohnung bekommen. Nie wird es den Verdiensten an Belohnung fehlen. Für Bestrafung ist dieses Wort nicht gebräuchlich.


Belügen (W3) [Adelung]


Belügen, verb. irreg. act. S. Lügen. 1) Mit Lügen zu hintergehen suchen. Er hat mich belogen, mir eine Lüge vorgesagt. Der Sohn hat den Vater belogen. Gott kann man wohl belügen aber nicht hintergehen. Diese Bedeutung ist der Zusammensetzung und Analogie vollkommen gemäß, verdienet daher auch Gottscheds Tadel nicht. Vorlügen, welches eben das bedeuten soll, ist von einem niedrigen Gebrauche. 2) Lügen von jemanden zu dessen Nachtheile erzählen. Er hat mich gar sehr belogen. Er ist in der ganzen Stadt belogen geworden. Das Hauptwort die Belügung ist so wenig üblich, als der Belüger, obgleich Opitz das letztere gebraucht: Mein Auge wird sich wohl An den Belügern letzen, Ps. 92, 6.

Anm. Im Angels. lautet dieses Wort belecgan, und im Engl. to bely. Im Schwabenspiegel kommt anliugen für belügen in der ersten Bedeutung vor.


Belugsen (W3) [Adelung]


+ Belugsen, (sprich beluksen,) verb. reg. act. welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, für hinterlistig betriegen. Jemanden belugsen. Nieders. beluksen, Dän. belugse, behende betriegen. Die Abstammung dieses Wortes von lugen, sehen, lauern, welches noch in der gröbern Oberdeutschen Mundart üblich ist, ist schon bey dem Worte Ablugsen bemerket worden. Auch im Schwed. bedeutet lucksa betriegen, welches Herr Ihre von dem alten Alemannischen lucko falsus ableitet; allein dieses stammet wieder von lügen ab.


Belustigen (W3) [Adelung]


Belustigen, verb. reg. act. Lust, Vergnügen aus anschauender Erkenntniß erwecken. Einen mit angenehmen Erzählungen belustigen. Sich an oder mit etwas belustigen, seine Lust oder Vergnügen an etwas finden. Sich an Büchern, sich mit der Jagd u. s. f. belustigen. Daher die Belustigung, so wohl von der Handlung des Belustigens, als auch von der angenehmen Empfindung, die dadurch erwecket wird, und der Sache, die zur Belustigung dienet.


Belzen (W3) [Adelung]


Belzen, S. Pelzen.


Bemächtigen (W3) [Adelung]


Bemächtigen, verb. reg. recipr. welches die zweyte Endung der Sache erfordert. Sich einer Sache bemächtigen, sie in seine Macht oder Gewalt in Besitz nehmen. Sich einer Stadt, einer Festung, eines Landes bemächtigen. Sich der Oberherrschaft bemächtigen. Sich einer Person bemächtigen, sie in Verhaft nehmen. Auch figürlich. Eine tiefe Schwermuth bemächtigt sich meiner Seele. Unter den angenehmsten Vorstellungen bemächtigte sich der Schlaf meiner Sinne. So auch die Bemächtigung.


Bemahlen (W3) [Adelung]


Bemahlen, verb. reg. act. 1) Von Mahl, signum, mit einem Mahle oder Zeichen bemerken, bey den Jägern. Einen Ort bemahlen, zeichnen. 2) Von mahlen, pingere, mit gemahlten Figuren bedecken. Sich im Gesichte bemahlen. Die Wände mit Landschaften bemahlen lassen. 3) * Von mahlen, molere, da es dem zugleich im Participio bemahlen hat, ist ein bemahlnes Land in den Marschländern, ein durch Mühlen oder andere Wasser-Maschinen ausgetrocknetes Land. 4) Bey den Jägern bedeutet bemahlen, mit seinem Kothe besudeln, beschmeißen, von Vögeln; wo es von bemakeln zusammen gezogen zu seyn scheinet. Daher die Handlung, in der ersten Bedeutung.


Bemakeln (W3) [Adelung]


Bemakeln, verb. reg. act. beflecken. Etwas bemakeln. Niedersächsisch bemaken, im Oberdeutschen bemailen, bemeiligen. S. Makel. Daher die Bemakelung.


Bemannen (W3) [Adelung]


Bemannen, verb. reg. act. mit Mannschaft besetzen, in welcher Bedeutung es nur von Schiffen üblich ist. Ein Schiff, eine Flotte bemannen, mit der gehörigen Mannschaft versehen. Daher die Bemannung.

Anm. Ehedem bedeutet sich bemannen, auch einen Mann nehmen, wie beweiben, ein Weib nehmen. Das Schwedische bemanna wird auch für bemächtigen, ingleichen für muthig machen, anfeuern gebraucht.


Bemänteln (W3) [Adelung]


Bemänteln, verb. reg. act. 1) Eigentlich, mit einem Mantel bedecken. Ehedem pflegte man an einigen Orten die vor der Ehe erzeugten Kinder bey der priesterlichen Copulation unter den Mantel entweder des Vaters oder der Mutter zu setzen, und sie dadurch zu legitimieren. S. du Fresne v. Pallium und C. U. Grupen de uxore theotisca S. 256. Und dieß hieß Pallio cooperire und im Deutschen bemänteln und Bemäntelung. 2) Figürlich, eine böse Sache mit einer bessern zu decken, ihr einen guten Schein zu geben suchen. Seinen Geiz mit der Sparsamkeit, seine Lügen mit der Nothwendigkeit, seine Faulheit mit der Unpäßlichkeit bemänteln. Es läßt sich nicht alles bemänteln. Daher die Bemäntelung.

Anm. Das Ital. ammantare und Dän. bemantle sind in eben derselben figürlichen Bedeutung üblich.


Bemasten (W3) [Adelung]


Bemasten, verb. reg. act. mit einem Maste versehen. Ein Schiff bemasten. Daher die Bemastung.


Bemauern (W3) [Adelung]


Bemauern, verb. reg. act. mit einer Mauer einfassen. Eine Stadt bemauern. Wofür doch ummauern üblicher ist.


Bemausen (W3) [Adelung]


Bemausen, verb. reg. act. in Kleinigkeiten bestehlen. Jemanden bemausen.


Bemeiern (W3) [Adelung]


Bemeiern, verb. reg. act. mit einem Meier versehen, in einigen Niedersächsischen und Niederrheinischen Gegenden. Ein Gut, einen Hof bemeiern. Ingleichen mit einem Meiergute versehen. Jemanden bemeiern. So auch die Bemeierung. S. Meier.


Bemeistern (W3) [Adelung]


Bemeistern, verb. reg. act. mit der vierten Endung der Sache, noch häufiger aber reciproce mit der zweyten Endung der Sache. Sich einer Sache bemeistern, sich zum Meister, d. i. Herrn derselben machen, sich derselben bemächtigen. Sich einer Stadt, eines Landes, einer Brücke bemeistern. Der Neid hat sich seiner ganzen Seele bemeistert. Zu sehr, ach zu sehr hast du mein Herz bemeistert! Geßn. Die Ungeduld bemeistert ihn, Lichtw. Gryphius gebraucht das einfache meistern in eben dieser Bedeutung. Die Regung meistert mich, bemeistert. Daher die Bemeisterung.


Bemelden (W3) [Adelung]


Bemelden, verb. reg. act. von welchen im Oberdeutschen und den Hochdeutschen Kanzelleyen das Mittelwort bemeldet, für gemeldet, erwähnt, gedacht, üblich ist. Die bemeldete Sache. Bemeldeter Maßen.


Bemengen (W3) [Adelung]


Bemengen, verb. reg. recipr. welches nur in der figürlichen Bedeutung des einfachen Verbi mengen gebraucht wird. Sich mit einer Sache bemengen, sich in dieselbe mengen, unnöthigen Antheil daran nehmen. Bemenge dich nicht mit solchen Sachen, wozu dich die Natur nicht bestimmt hat.


Bemerken (W3) [Adelung]


Bemerken, verb. reg. act. 1) Merken, gewahr werden, wahrnehmen. Ich habe ihn gar wohl bemerket. Wir wurden von niemanden bemerket. Er gibt sich viele Mühe, bemerket zu werden. 2) Etwas übel bemerken, es bestens bemerken, in der Sprache der Höflichkeit, es übel, oder zum besten auslegen; wofür doch vermerken üblicher ist. 3) Mit wenig Worten ausdrucken, vortragen, erwähnen. Die bemerkte Sache, deren bereits Erwähnung geschehen. Wir haben bereits bemerket, (erzählet,) was in dieser Sache vorgegangen ist. So auch die Bemerkung. Hast du nicht erst spät die Bemerkung gemacht, daß hier deine Seele niemahls Ruhe findet? Dusch.


Bemisten (W3) [Adelung]


Bemisten, verb. reg. act. mit Mist oder Dünger versehen. Einen Acker bemisten, düngen. Daher die Bemistung.


Bemitleiden (W3) [Adelung]


+ Bemitleiden, verb. reg. act. sein Mitleid über etwas ausdrucken. Ein Unglück, eine Person bemitleiden. Da dieses Verbum auf eine sehr ungewöhnliche Art aus dem Substantivo Mitleid gebildet ist, so ist es auch nur in den niedrigen Sprecharten üblich. S. Be-.


Bemittelt (W3) [Adelung]


Bemittelt, -er, -ste, adj. et adv. von dem ungewöhnlichen Verbo bemitteln, mit Mitteln, d. i. zeitlichem Vermögen versehen. Ein bemittelter Mann, der so viel Vermögen hat, als nicht nur zu seiner Notdurft, sondern auch zu den nöthigen Bequemlichkeiten zureicht. Er ist sehr bemittelt, nicht sehr bemittelt.


Bemoos't (W3) [Adelung]


Bemoos't, Bemoost, adj. et adv. mit Moos bekleidet. Oft besucht die Muse bemooste Hütten, um die der Landmann stille Schatten pflanzet, Geßn.


Bemorgengaben (W3) [Adelung]


+ Bemorgengaben, verb. reg. act. mit einer Morgengabe versehen; ein eben so sprachwidriges Wort wie bemitleiden, welches indessen, in manchen Kanzelleyen gebraucht wird.


Bemühen (W3) [Adelung]


Bemühen, verb. reg. act. Mühe machen, Mühe verursachen. Ich will sie nicht mit dieser Sache bemühen. Jemanden mit seinen Briefen bemühen. Er bemüht gern jedermann mit seinen Angelegenheiten. Ingleichen als ein Reciprocum, sich bemühen, sich Mühe geben, mit Überwindung der Hindernisse handeln, S. Mühe. Sich um etwas bemühen, sich bemühen, es zu erlangen. Er will sich um die Abschrift des Testamentes bemühen, Gell. Sich für jemanden bemühen, sich zu seinem Besten Mühe geben. Du bemühest dich vergebens. Umsonst bemüht sich das Glück mit aller seiner verschwenderischen Güte, dich glücklich zu machen. In dem gesellschaftlichen Leben stehet dieses Zeitwort als ein Höflichkeitswort oft müßig. Wollen sie sich nicht heraus bemühen? d. i. heraus kommen. Wollen sie sich in die Stube bemühen? Bitte sie, sich hierher zu bemühen.Das Participium der vergangenen Zeit bemühet, hat mit dem Zeitworte seyn, eben dieselbe Bedeutung, welche Wortfügung Gottsched irrig für ein Verbum Neutrum ausgibt. Ich bin bemüht, dieses zu Stande zu bringen. Ich war sehr für dein Glück bemüht. Ich bin nunmehr bemüht, mich selber zu bezwingen, Hofmannsw. An einem Hügel voller Linden Saß Amaril und war bemüht Aus Blumen einen Kranz zu winden, Haged. Als Hauptwörter sind so wohl das Bemühen, als die Bemühung üblich, jenes mehr bey den Dichtern, und dieses mehr im gemeinen Leben. Seine Bemühung ist ihm reichlich vergolten worden. Was ist für ihre Bemühung?Anm. Bemühen lautet im Nieders. bemoien, im Dän. bemoye, und im Schwed. bemöda. Das einfache mühen wurde ehedem sehr häufig in eben dieser Bedeutung gebraucht, und kommt nicht nur bey den Dichtern des vorigen Jahrhundertes, sondern in einigen Mundarten noch vor. S. Mühen. Weil Mühe ehedem auch Kummer, Gram bedeutete, so wurde bemühen auch für Gram verursachen gebraucht. Wo sie (die Seele) Noth und Kummer drückt, Und viel Angst bemühet, Gryph. welche Bedeutung aber im Hochdeutschen veraltet ist. Für sich bemühen, ist in Baiern auch sich nieten üblich, welches mit dem Latein. niti überein kommt.


Bemüßigen (W3) [Adelung]


Bemüßigen, verb. reg. act. welches am häufigsten in Oberdeutschland und den Hochdeutschen Kanzelleyen üblich ist, nöthigen, zwingen, doch mit einiger Milderung des unangenehmen Nebenbegriffes. Ich würde es nicht gethan haben, wenn mich nicht dieses dazu bemüßiget hätte. Zu etwas bemüßiget werden. Sich bemüßiget sehen, etwas zu thun. Daher die Bemüßigung.

Anm. Dieses Wort kommt nicht von Muße, otium, her, wie Frisch glaubet, sondern allem Ansehen nach von müssen, von welchem es das Factitivum ist. Über dieß scheinet es so gar alt nicht zu seyn. S. 2. Müßigen.


Benachbaren (W3) [Adelung]


Benachbaren, verb. reg. recipr. Sich mit jemanden benachbaren, dessen Nachbar werden. Noch mehr aber ist das Mittelwort benachbart üblich. Die benachbarten Häuser, Städte, Länder, die in der Nähe gelegenen. Wie dem, der vom Olymp benachbart mit dem Himmel, Auf eine halbe Welt den freyen Blick erstreckt, Wiel.


Benachrichtigen (W3) [Adelung]


Benachrichtigen, verb. reg. act. mit Nachricht versehen. Jemanden von etwas benachrichtigen. Daher die Benachrichtigung.


Benageln (W3) [Adelung]


Benageln, verb. reg. act. mit Nägel versehen. Die Schuhe benageln, Nägel in den Rand der Sohlen schlagen. Ingleichen vermittelst der Nägel mit etwas überziehen. Einen Kasten mit Wachsleinwand benageln. Daher die Benagelung.


Benagen (W3) [Adelung]


Benagen, verb. reg. act. an etwas nagen. Die Hunde benagen den Knochen, die Mäuse den Käse. Sich die Nägel benagen. Daher die Benagung.


Benähen (W3) [Adelung]


Benähen, verb. reg. act. Etwas nähen, eine andere Sache darüber nähen.


Benahmen (W3) [Adelung]


+ Benahmen, verb. reg. act. welches nur in den gemeinen Mundarten üblich ist, mit einem Nahmen versehen, benennen. Ein Kind benahmen. Er ist Caspar benahmt, er heißt Caspar. Daher die Benahmung.

Anm. Im Niedersächsischen lautet dieses Wort benömen. Kinamen kommt in dieser Bedeutung schon bey dem Kero vor. Benahmsen für benahmen ist noch niedriger, obgleich in Oberdeutschland und besonders in der Schweiz das einfache nahmsen für nennen üblich ist. So auch Beniemen und Benennen.


Benarbt (W3) [Adelung]


Benarbt, adj. et adv. von dem ungewöhnlichen Zeitworte benarben, mit Narben versehen, mit Narben bedeckt, voller Narben. Und daß du, wenn ein Held auf der benarbten Brust Ruhmvolle Wunden zeigt, die deinen bergen mußt, Schleg.


Benaschen (W3) [Adelung]


Benaschen, verb. reg. act. von etwas naschen. Eine Speise benaschen. Daher die Benaschung.


Benebeln (W3) [Adelung]


Benebeln, verb. reg. act. mit einem Nebel verhüllen, mit Nebel verdecken. Lieblich lächelt die Sonne durch die dünn benebelte Luft, Geßn. Ingleichen in figürlicher Bedeutung, den freyen Gebrauch der Augen des Körpers und des Geistes hindern. Eine tödtliche Schwäche benebelt alle meine Sinne, Cron. Welche Nacht benebelt meine Sinne! ebend. Die Leidenschaften benebeln die Vernunft. Sich benebeln, für sich betrinken.


Benebst (W3) [Adelung]


+ Benebst, adv. welches in allen seinen Bedeutungen eine unnöthige Verlängerung des einfachen nebst ist, und daher auch am häufigsten nur im Oberdeutschen und den Hochdeutschen Kanzelleyen gebraucht wird. S. Nebst. Die Abänderungen beneben, benebenst, anbenebenst, anbenebst, beynebens u. s. f. sind noch niedriger. S. Beyneben.


Benedeihen (W3) [Adelung]


* Benedeihen, verb. reg. act. segnen, preisen. Der gebenedeihete Gott. Er benedeyte sein Geschick, Lichtw.

Anm. Dieses Wort ist im Hochdeutschen grüßten Theils veraltet, und kommt nur noch zuweilen in der theologischen, ingleichen in der scherzhaften Schreibart vor. Es ist aus dem Latein. benedicere, gebildet, und beweiset, daß man das Römische c vor Alters in Oberdeutschland nicht mit dem Zischlaute, sondern mit dem Hauchlaute ausgesprochen, gleichsam benedichen; daher man es auch richtiger benedeihen als benedeyen schreibt.


Benedicten-Kraut (W3) [Adelung]


Das Benedicten-Kraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze, Geum, L. Sie wächst in den schattigen Gegenden Europens, und ist wegen ihrer heilsamen Kräfte schon längst von den Ärzten Herba benedicta genannt worden, woraus auch der Deutsche Nahme entstanden ist. Weil ihre Kräfte der Wurzel vorzüglich eigen sind, so wird sie auch Benedicten-Wurz, übrigens aber auch Märzwurz, Nägeleinwurz genannt, weil die Wurzel gegen den Frühling zu Anfange des Märzes, wie Gewürznägelein riechet, und daher auch um diese Zeit gegraben wird.


Benedictiner (W3) [Adelung]


Der Benedictiner, des -s, plur. ut nom. sing. ein Mönch, der nach der Regel des heil. Benedictus lebt. Daher der Benedictiner-Mönch, das Benedictiner-Kloster, der Benedictiner-Orden u. s. f. Man hat auch Nonnen, die dieser Regel folgen, und daher Benedictinerinnen, oder Benedictiner-Nonnen genannt werden.


Benedictiner-Eisen (W3) [Adelung]


Das Benedictiner-Eisen, des -s, plur. inus. ein ausgeschmiedetes Stabeisen, welches aus starken Stangen bestehet, und von einem Hammerwerke in Böhmen kommt, welches einer, Nahmens Benedict, angeleget haben soll.


Benehmen (W3) [Adelung]


Benehmen, verb. irreg. act. ( S. Nehmen,) welches auf doppelte Art üblich ist.1. Auf die dem Vorworte be und den damit zusammen gesetzten Verbis gewöhnliche Art, da es mit der vierten Endung allein verbunden wird. In dieser Bedeutung kommt es aber nur in den Münzen und bey einigen Metallarbeitern vor, und heißt alsdann so viel als beschneiden. Die Münzen benehmen, sie so lange beschneiden, bis sie das gehörige Gewicht bekommen. Daher die Benehmschere, die Schere, womit solches geschiehet; ingleichen diejenige Schere, womit die Kupferschmiede die Zaine durchschneiden. Die Benehmwage, worauf die Münzen bey dem Benehmen gewogen werden.2. Für das einfache nehmen, so oft solches mit der dritten Endung der Person, und der vierten der Sache verbunden wird, so daß das Vorwort be nur die Alemannische Verstärkung ist. Allein in dieser Bedeutung hat der Gebrauch das Wort benehmen nur auf gewisse besondere Fälle eingeschränkt, die man nicht nach Gutdünken vermehren darf. Besonders wird es gebraucht, 1) so oft die Hinderung des freyen Gebrauches einer Sache ausgedruckt werden soll. Einem das Licht benehmen. Durch dieses Haus wird uns die freye Aussicht benommen. Der Dampf benimmt mir den Athem. Dadurch ward ihm die Sprache, der Schlaf benommen. Einer Stadt die Zufuhre benehmen. Einem alle Gelegenheit zu fliehen, die Gewalt etwas zu thun benehmen. Es ist mir der Zutritt zu ihm benommen. Es ist ihm aller Vorwand, alle Ausflucht benommen worden. Warum benimmst du dir dadurch alle Gelegenheit Gutes zu thun. Hier- durch wird ihm nichts benommen, entzogen. Das benimmt der Sache nichts, schadet ihr nichts. Ingleichen, 2) durch Gründe von der Unrichtigkeit einer Sache überzeugen. Einem seinen Zweifel benehmen. Dadurch ist mir alle Hoffnung benommen worden. Ich habe ihm seine Furcht, seine Sorge benommen. Man muß ihm seinen Argwohn, seinen Verdacht benehmen. Diese Gedanken müssen den Leuten benommen werden. So auch die Benehmung.3. Sich benehmen, sich in einer Sache verhalten oder betragen. Wir wollen sehen, wie er sich dabey benehmen wird. Sich gut, schlecht benehmen. Wir haben euer Benehmen mit Mißfallen vernommen, in den Kanzelleyen.

Anm. Bineman, beneman, war schon dem Ottfried, Notker und Willeram bekannt, und wurde von ihnen für nehmen auch in solchen Fällen gebraucht, wo es jetzt nicht mehr üblich ist. Z. B. Inan tode binam, er entriß ihn dem Tode, Ottfr. B. 4, Kap. 3. Einem einen Amt, das Leben benehmen u. s. f. sind im Oberdeutschen noch üblich, in welcher Mundart dieses Wort auch zuweilen noch mit der zweyten Endung der Sache gebraucht wird; z. B. benimm mich aller vergeblichen Sorgen. Sich mit etwas benehmen bedeutet im Niedersächsischen so viel, als sich damit beschäftigen.


Beneiden (W3) [Adelung]


Beneiden, verb. reg. act. Neid gegen eine Person oder über eine Sache äußern. Jemanden beneiden, ingleichen, einen um etwas, oder wegen einer Sache beneiden. Er wird beneidet. Man beneidet dein Glück. Um dieß Vergnügen muß mich ein Prinz beneiden, Gell. Sie haben eine Wahl gethan, um die die ganze Welt sie beneiden würde, Weiße. Welch ein Trost ist es für den, Mitleiden zu verdienen, der sonst hoffte, beneidet zu werden! Dusch. Zuweilen auch mit dem Dative der Person und dem Accusative der Sache. Die ganze Welt wird dir dein Glück beneiden. Daher die Beneidung, ingleichen beneidenswerth, beneidenswürdig.

Anm. Ehedem war das einfache neiden in eben dieser Bedeutung üblich. Diu nide ein ander drumbe niht, die Winsbeckinn. Der jetzt uns neiden kann, Opitz.


Benennen (W3) [Adelung]


Benennen, verb. irreg. act. S. Nennen. 1) Einen Nahmen beylegen. Die Blumen nach den Jahreszeiten benennen. Neue Dinge mit neuen Nahmen benennen. Benannte Zahlen, in der Rechenkunst, welchen gewisse Bedeutungen eines Werthes gegeben worden, als 8 Rthlr. 16 gr. im Gegensatze der unbenannten, 8 16, deren Werth nicht ausgedruckt worden. 2) Nahmentlich ausdrucken, nach allen seinen besondern Umständen bestimmen. Einem Zeit und Ort benennen. Einem ein Buch, ein Haus benennen. Ohne alles stückweise zu benennen. Jemanden zu seinem Erben benennen, ernennen nahmentlich bestimmen. Daher die Benennung, so wohl die Handlung des Benennens in beyden Bedeutungen, als auch zuweilen der Nahme selbst, im letztern Falle aber nur von leblosen Dingen. Einem eine Benennung geben. Brüche unter einerley Benennung bringen, in der Rechenkunst, ihnen ohne Veränderung ihres Werthes einerley Nenner geben. S. Benahmen und Beniemen.


Benetzen (W3) [Adelung]


Benetzen, verb. reg. act. naß machen, in der edlern Schreibart. Einen Brief mit seinen Thränen benetzen. Daher die Benetzung.


Bengel (W3) [Adelung]


Der Bengel, S. Bängel.


Benicken (W3) [Adelung]


Benicken, verb. reg. act. Etwas benicken, es mit einem Kopfnicken bejahen oder bestätigen.


Beniemen (W3) [Adelung]


+ Beniemen, verb. reg. act. welches in der Oberdeutschen Mundart einheimisch ist, sich aber auch in die gemeine Mundart der Hochdeutschen eingeschlichen hat, und so viel als benennen bedeutet, besonders in dessen zweyten Bedeutung. Einem Zeit undOrt beniemen u. s. f. In eben dieser Mundart ist auch das einfache niemen für nennen üblich, welches schon bey dem Kero nemman, und bey dem Isidor neman lautet. Peneimen, beneimen aber kommt bey dem Notker für benennen, bestimmen, verordnen, vor. Auch Kero hat kenemmin, für genannt. S. Nahme und Nennen. Im Niedersächsischen lauten diese Wörter nömen und benömen. Notker gebraucht Beneimeda für ein Testament, Vermächtniß, und an einem andern Orte nennt er das alte Testament, daz alte Beneimedo.


Beniesen (W3) [Adelung]


Beniesen, verb. reg. act. Etwas beniesen, durch Niesen bestätigen, als ein Überbleibsel eines alten Aberglaubens, da man das Niesen für etwas Übernatürliches hielt, und es als eine Bestätigung ansahe, wenn man bey der Versicherung, oder Erzählung eines andern von ungefähr niesen mußte. Daher die Beniesung.


Benöthigen (W3) [Adelung]


Benöthigen, verb. reg. 1. * Activum, nöthigen, zwingen. Ich bin dazu benöthiget worden; welcher Gebrauch aber nur im Oberdeutschen Statt findet. 2. Neutrum, nöthig haben; in welcher Bedeutung aber nur das Mittelwort benöthiget als ein Bey- und Nebenwort mit der zweyten Endung der Sache üblich ist. Einer Sache benöthiget seyn. Ich bin Geldes benöthigt. Alles Benöthigte anschaffen.


Benutzen (W3) [Adelung]


Benutzen, verb. reg. act. den Nutzen von etwas genießen, nutzen. Er benutzet das Meinige wie sein Eigenthum. In engerer Bedeutung druckt es zuweilen nur den Nießbrauch aus, mit Ausschließung des Eigenthumes. Ein Gut, ein Haus, einen Acker benutzen. Daher die Benutzung. S. auch Abnutzen.


Benzoe (W3) [Adelung]


Das, bey vielen auch die Benzoe, plur. inus. das gelbbraune oder braunrothe, trockne, glänzende Harz eines Virginischen Baumes, welcher daher der Benzoe-Baum genannt, und vom Linne zu den Lorberbäumen gerechnet wird; Laurus Benzoin, L. Der Nahme ist eben so ausländisch, als der Baum selbst. Die Franzosen nennen dieses Harz Benjouin, die Engländer Benjamin, die Italiener aber Belzoino. Daher die Benzoe-Blumen, singul. inus. in der Chymie ein wesentliches flüchtiges Salz, welches man durch die Sublimation des Benzoe erhält; die Benzoe- Tinctur, eine Art Schminke, welche im gemeinen Leben Jungfernmilch genannt wird.


Beobachten (W3) [Adelung]


Beobachten, verb. reg. act. 1) * Wahrnehmen, bemerken, im gemeinen Leben. Ich habe es nicht beobachtet, daß er zur Thür herein kam. 2) Mit Vorsichtigkeit und Bewußtseyn, mit Aufmerksamkeit auf die einzelnen Merkmale, wahrnehmen. Den Lauf der Sterne, die Veränderung der Witterung beobachten. S. Versuch. Den Feind beobachten. Beobachte dein eigen Herz. Ein Mann, der immer erblickt, selten siehet, nie beobachtet. 3) Mit Einfluß auf seine Handlungen beobachten. Seine Schuldigkeit, seine Pflicht beobachten, sie erfüllen, ihr Genüge thun. Sein Amt beobachten, den Pflichten desselben Genüge thun. Die Zeit beobachten, die bequemste Zeit ausersehen. 4) Ein tiefes Stillschweigen beobachten, mit Überlegung und Absicht schweigen. Daher der Beobachter, des -s, plur. ut nom. sing. besonders in der zweyten Bedeutung, und die Beobachtung, in allen obigen Bedeutungen. Ich werde es an Beobachtung meiner Pflicht niemahls fehlen lassen. S. Obacht.


Beordern (W3) [Adelung]


Beordern, verb. reg. act. welches aus dem Französischen Ordre, Befehl, in die Kunstsprache der Taktik eingeführet worden, und sich hernach auf andere Fälle ausgedehnet hat. Jemanden beordern, ihn mit Befehl versehen, ihm Befehl ertheilen. Er ist dazu beordert worden. Daher die Beorderung.


Bepacken (W3) [Adelung]


Bepacken, verb. reg. act. mit Gepäck versehen. Ein Pferd, einen Wagen bepacken. Mit Versen schwer bepackt steht schon der GratulantUnd wartet an der Thür auf seine milde Hand, Zachar. Daher die Bepackung.


Bepanzern (W3) [Adelung]


Bepanzern, verb. reg. act. mit einem Panzer bekleiden. Bepanzert erscheinen.


Beperlen (W3) [Adelung]


Beperlen, verb. reg. act. mit Perlen schmücken, bey den Dichtern, besonders des vorigen Jahrhundertes. Und trug den Lorberkranz auf den beperlten Haaren, Gryph.


Bepfählen (W3) [Adelung]


Bepfählen, verb. reg. act. mit Pfählen versehen, Nieders. bepaalen. Einen Weinberg bepfählen. Den Wein bepfählen, ihn mit Pfählen bestecken. Daher die Bepfählung.


Bepferchen (W3) [Adelung]


Bepferchen, verb. reg. act. in der Landwirthschaft, von dem Schafvieh düngen lassen. Einen Acker bepferchen.


Bepflanzen (W3) [Adelung]


Bepflanzen, verb. reg. act. pflanzend mit etwas besetzen. Ein Feld mit Gemüse, einen Garten mit Blumen, einen Acker mit Bäumen bepflanzen. Daher die Bepflanzung.


Bepflügen (W3) [Adelung]


Bepflügen, verb. reg. act. einen Boden überall pflügen. Der nach der Alten Brauch mit seinen eignen Zügen Das väterliche Feld bemüht ist zu bepflügen, Can.


Beplanken (W3) [Adelung]


Beplanken, verb. reg. act. mit einem Plankwerke versehen. Einen Garten beplanken. Daher die Beplankung.


Beplatten (W3) [Adelung]


Beplatten, verb. reg. act. mit einer oder mehrern Platten versehen; nur in einigen Fällen. Den Mahlpfahl beplatten, ihn mit einer kupfernen Platte versehen.


Bepurpern (W3) [Adelung]


Bepurpern, verb. reg. act. mit Purpur bekleiden; doch nur figürlich, bey einigen neuern Dichtern. Wenn Aurora darauf die östlichen Wolken bepurpert, Zach. Und an einem andern Orte gleichfalls von der Morgenröthe: Indem sie die Sterne Plötzlich vertilgt und die Wolken bepurpert.


Bequem (W3) [Adelung]


Bequem, -er, -ste, adj. et adv. 1) Zur Erreichung eines Endzweckes die Mühe erleichternd. Ich warte nur noch auf eine bequeme Zeit. Der Ort ist hierzu nicht bequem. Einbequemer Ort zu einem Lager. Das Haus wäre mir sehr bequem, wenn es nur nicht so theuer wäre. Auf bequeme Witterung zum Säen warten. Einen Weg zu Gehen bequem machen. Sie kommen mir heute gar nicht bequem. Wenn es ihnen so bequem ist. Sie wehrt sich ganz bequem, bequem wie eine Braut, Gell. 2) Hindernisse scheuend. Ein bequemer Mensch. Sie sind ein wenig gar zu bequem. Er ist so bequem, daß ihn auch so gar das Aufstehen verdrießt. 3) Dessen Gebrauch leicht ist, was unserer Neigung, Hindernisse zu scheuen, gemäß ist. Ein bequemes Zimmer, ein bequemes Bett. Dieß Haus ist überaus bequem eingerichtet. Machen sie es sich bequem, legen sie alles ab, was ihnen Beschwerlichkeit verursacht. Ihr könntet hier viel bequemer leben, wenn ihr nur wolltet. * Ein bequemer Mensch, der sich in alles zu schicken weiß, besonders in Niedersachsen. 4) Was unserer Neigung Hindernisse zu scheuen, zur Ungebühr gemäß ist, im nachtheiligen Verstande. Ein bequemer Beichtvater. Eine bequeme Sittenlehre. Wie? ist die Unschuld nichts als Kunst und schlauer Tand, Weil Itifall, vielleicht bequeme Nymphen fand? Wiel.

Anm. Dieses Wort lautet in Oberschwaben biquam, im Niedersächs. bequeem, bey dem Ottfried biquam, im Schwedischen bequaem, im Dänischen beqvem. Es ist ohne Zweifel von dem Zeitworte kommen, welches in den ältern Mundarten queman lautete. Bekommen bedeutet noch jetzt im Hochdeutschen eines Gesundheit gemäß seyn, und in dieser Betrachtung kann bequem zugleich nach dem Lateinischen conveniens gebildet seyn. Ehedem war auch kommlich in dieser Bedeutung üblich, und im Oberdeutschen kennet man es noch. Das Latein. commodus stammet mit demselben vermuthlich aus Einer Quelle her, wohin auch das Angels. cweman, gefallen, und cwemend, gefällig, gehöret. Bequem für geschickt, von Personen, z. B. bequeme Richter, wie Opitz sagt, ist im Hochdeutschen nicht mehr üblich.


Bequemen (W3) [Adelung]


Bequemen, verb. reg. act. bequem machen. 1. * Eigentlich, bequem, geschickt zu etwas machen. Ein Zimmer zur Wohnung bequemen. Dieser Gebrauch ist im Hochdeutschen veraltet, wo man es, 2. nur figürlich, und zwar als ein Reciprocum braucht. 1) Sich einer Sache gemäß bezeigen. Sich nach der Zeit bequemen. Er bequemte sich nach meinem Willen. Sich unter eines Gewalt bequemen. Die Wortfügung mit der dritten Endung: bequemen sie sich der Gewohnheit, Gottsched. Ich will mich ihrer Art in jedem Stück bequemen, ebend. ist Oberdeutsch. 2) Den Absichten eines Höhern oder Stärkern gemäß handeln. Er will sich noch nicht bequemen. Er hat sich endlich bequemet. Er bequemet sich zu allem. Wer - - den Sünden Der Fürsten sich bequemt, ein Rauchwerk anzuzünden, Dusch.

Anm. Das Verbum biqueman, welches bey dem Kero vorkommt, gehöret nicht hierher, sondern bedeutet sich zutragen, dergleichen Bedeutung das Nieders. bikamen noch hat.


Bequemlichkeit (W3) [Adelung]


Die Bequemlichkeit, plur. die -en. 1) Die Neigung Hindernisse oder Bemühung zu scheuen; ohne Plural. Nach seiner Bequemlichkeit leben, essen, schlafen u. s. f. Seine Bequemlichkeit lieben. Thun sie es nach ihrer Bequemlichkeit. Noch mehr aber, 2) die Eigenschaft einer Sache, da sie unsern Absichten bequem ist, oder in ihrem Gebrauche nicht viele Mühe verursacht; gleichfalls ohne Plural. Dieser Ort hat die Bequemlichkeit des Wassers, der Post, der Schiffe u. s. f. 3) Bequeme Dinge, die bey ihrem Gebrauche wenig Mühe verursachen. Eine Kut- sche ist eine große Bequemlichkeit. Ein Haus, welches viele Bequemlichkeiten hat. Es ist unvernünftig, sich der Bequemlichkeiten des Lebens aus bloßem Ehrgeize zu berauben. Brauchen sie ihre Bequemlichkeit, bedienen sie sich alles dessen, was ihnen bequem ist. 4) In der anständigen Art zu reden, auch zuweilen das heimische Gemach, der Abtritt.

Anm. Das Bey- und Nebenwort bequemlich ist für bequem im Oberdeutschen noch gänge und gebe. Im Hochdeutschen siehet man es als eine unnütze Verlängerung an. Die Niedersachsen haben auch das Hauptwort, welches aber im Hochdeutschen unbekannt ist, so wie die Kommlichkeit der Oberdeutschen, für Bequemlichkeit.


Berahmen (W3) [Adelung]


Berahmen, oder Beraumen, verb. reg. act. welches nur noch in der Schreibart der Kanzelleyen für bestimmen, ansetzen, üblich ist, und besonders von der Bestimmung einer Zeit gebraucht wird. Einen Tag zu einen gütlichen Vergleiche, einen Termin berahmen oder beraumen. So auch die Berahmung oder Beraumung. S. Anberahmen, welches gewöhnlicher ist, ob es gleich nicht so richtig ist.


Berainen (W3) [Adelung]


Berainen, verb. reg. act. mit den gehörigen Rainen, d. i. Grenzen, versehen. Ein Feld berainen. Daher die Berainung. S. Rain.


Beranden (W3) [Adelung]


Beranden, verb. reg. act. mit einem Rande versehen, besonders in den Münzstätten, wo die Münzen berandet werden. Daher die Berandung. S. auch Kräuseln.


Berappen (W3) [Adelung]


Berappen, verb. reg. act. bey den Mäurern, eine Wand berappen, sie vor dem Tünchen mit Kalk oder Mörtel bewerfen, oder überziehen. Im Schwedischen heißt diese Arbeit rappa, und im Französischen crepir. Ihre glaubt, das erstere könne von dem letztern, aber auch von dem Holländischen Rappe, die Rinde, die sch auf den Wänden setzet, abstammen. Allein es kann mit diesem Worte auch auf das Abraffen des angeworfenen Kolkes gesehen werden, welches bey dieser Arbeit wirklich geschiehet, um überall eine gleiche Fläche zu erhalten. Rapen und rappen bedeuten im Niedersächsischen raffen. So auch die Berappung.


Berasen (W3) [Adelung]


Berasen, verb. reg. act. 1. Activum, mit Rasen bekleiden. Einen Damm, ein Ufer berasen. Daher die Berasung. 2. Neutrum mit seyn, mit Gras überzogen werden. Nasse Felder pflegen wieder zu berasen, wenn sie zeitlich gebrachet werden.


Beraspeln (W3) [Adelung]


Beraspeln, verb. reg. act. mit der Raspel bearbeitet. Ein Stück Holz, ein Bret beraspeln. Daher die Beraspelung.


Berathen (W3) [Adelung]


Berathen, verb. irreg. act. ( S. Rathen,) welches nach dem verschiedenen Gebrauche des Wortes Rath auch verschiedene Bedeutungen hat.1. Mit dem nöthigen Geräthe versorgen, und zwar, 1) * in weitesten Bedeutung, begaben, begiften. Ein Gotteshaus berathen, es mit den nöthigen Einkünften versorgen, in Strykers altem Gedichte auf Carlu den Großen. Allein diese Bedeutung ist größten Theils veraltet; außer daß, Gott berathe dich! an einigen Orten noch eine gewöhnliche Formel ist, einen Bettler abzuweisen. 2) Ein Kind berathen, es mit der nöthigen Versorgung von sich lassen, es sey ein Sohn, oder eine Tochter, ausstatten, in der weitesten Bedeutung dieses Wortes. Berathe deine Tochter, Sprw. 7, 2. 3) In engerer Bedeutung, mit der nöthigen Gerade, oder Geräthschaft versehen, im Gegensatze der Aussteuer, besonders von Töchtern. In beyden Bedeutungen kommt dieses Wort so wohl in den Statuten mancher, besonders Niedersächsischer Gegenden, als auch in der rechtlichen Schreibart noch zuweilen vor. 4) Figürlich. a) * Bescheren. Wie der Wirth ist, so beräth Gott die Gäste, welche Redensart nebst dieser ganzen Bedeutung nur noch zuweilen im Oberdeutschengehöret wird. b) * Helfen, mit Rath und That an die Hand geben. Daß ich wohl berathe, die mich lieben, Sprichw. 8, 21. das Got di sele wol beriet, in Strykers altem Gedichte bey dem Schilter. Daß ich wohl berathen bin, Gryph. Auch diese Bedeutung gehöret im Hochdeutschen unter die veralteten.2. Von Rath, consilium. 1) Sich berathen, rathschlagen. Die auf meine Seele halten, berathen sich mit einander, Ps. 71, 10. Wohl berathen, gut berathen, bringt dem Rathe Ehr und Huld; Wohl berathen, mißgerathen, setzt dem Rath doch außer Schuld, Logau. Als dieses Paar die Welt betrat, Beriethen beyde sich, was bestens anzufangen, Haged. Diese Bedeutung kommt im Hochdeutschen nur noch im gemeinen Leben vor, seitdem berathschlagen üblicher geworden ist. 2) * Beschließen, einen Vorsatz fassen. Ich merke wohl, daß Gott sich berathen hat, dich zu verderben, 2 Chron 25. Auch dieser Gebrauch ist bey uns veraltet; indessen sagt doch noch einer der neuesten Schriftsteller: Fehler, die die Menschen berathen und unberathen an ihrer Gesundheit begehen, vorsetzlich und unvorsetzlich.So auch die Berathung in allen obigen Bedeutungen. Das Niedersächsische beraden kommt in den Bedeutungen mit dem Hochdeutschen überein. Rada bedeutet im Schwedischen verheirathen, rada aber geben. S. Gerade und Rath.


Berather (W3) [Adelung]


* Der Berather, des -s, plur. ut nom. sing. ein in der guten Schreibart längst veraltetes Wort, einen Helfer, Versorger auszudrucken, welches bey den Dichtern des vorigen Jahrhunderts häufig vorkommt. Gott wird dein Berather seyn, Hagedorn gebraucht dieses Wort ein Mahl für einen Berather: Domitian, Roms schändlicher Berather.


Berathschlagen (W3) [Adelung]


Berathschlagen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und nichts weiter bedeutet, als das einfache rathschlagen, außer, daß es auch als ein Reciprocum gebraucht werden kann; die Absichten und Mittel bey einer Sache überlegen und beurtheilen. Man hat lange über diese Sache berathschlaget. Die Belagerten berathschlagen noch, ob sie sich ergeben wollen. Sich mit jemanden berathschlagen. Sie haben sich lange über diese Sache, oder wegen dieser Sache berathschlaget. Daher die Berathschlagung.

Anm. Im Theuerdank kommt dieses Wort mit der vierten Endung der Sache vor: Alsdann wöllen wir ewre wort Nach notdurfften berathschlagen; welches dem eigenthümlichen Gebrauche der mit Be zusammen gesetzten Zeitwörter völlig gemäß ist. Indessen wird es doch heut zu Tage mehr als ein Neutrum gebraucht, so daß be eine bloße müßige Verlängerung ist.


Berauben (W3) [Adelung]


Berauben, verb. reg. act. 1) Eigentlich, und absolute, d. i. ohne die Endung der Sache beyzufügen, eines Eigenthum widerrechtlich und mit öffentlicher Gewalt wegnehmen. Die Reisenden berauben. Ein Haus, die Kirche berauben. 2) In weiterer Bedeutung, einem das Seinigen entziehen, es geschehe auf welche Art es wolle. Den Staat, die Cassen berauben. Am häufigsten aber mit der zweyten Endung der Sache. Jemanden seines Vermögens, seiner Ehre, seines Lebens berauben. Man hat ihn aller seiner Kinder beraubt. Durch den Krieg wird das Vaterland seiner besten Bürger beraubt. Ich will dich dieser Sache nicht berauben. 3) In noch weiterer Bedeutung, den Genuß einer Sache hindern. Dieser Umstand beraubet mich alles Trostes, aller Hülfe. Daher, einer Sache beraubt seyn, oft nur überhaupt den Mangel derselben ausdruckt. Seiner Eltern beraubt seyn. Er ist seines Gesichtes schon lange beraubt gewesen. Aller Hoffnung, alles Trostes beraubt seyn. So auch die Beraubung.

Anm. Birouban kommt schon bey dem Übersetzer Isidors vor. Lange vor ihm sagte schon Ulphilas birauban. Im Angelsächs. lautet dieses Wort bereafian, im Engl. bereave, im Holländ. berooven, im Schwed. beröfwa. Dietmar von Ast statt dessen das einfache rouban: Si roubt mih der sinne min.


Beräuchern (W3) [Adelung]


Beräuchern, verb. reg. act. den Rauch an etwas gehen lassen. Die Bienen beräuchern. Verdächtige Briefe beräuchern. Daher die Beräucherung.


Beraucht (W3) [Adelung]


Beraucht, adj. et adv. welches eigentlich das Mittelwort des ungewöhnlichen Neutrius berauchen ist, vom Rauche beschmutzt. Berauchte Wände, berauchte Wäsche.


Beraufen (W3) [Adelung]


Beraufen, verb. reg. act. welches aber im Hochdeutschen selten ist, und nur Hesek. 29, 18 für berupfen, berauben, vorkommt. Daß alle Häupter kahl und alle Seiten berauft waren.


Berauhen (W3) [Adelung]


Berauhen, verb. reg. act. durch Kratzen die Rauhigkeit benehmen, bey den Tuchbearbeitern, welche die Tücher berauhen. S. auch Rauhen.


Berauschen (W3) [Adelung]


Berauschen, verb. reg. act. 1) Von Rausch, crapula, ein wenig trunken machen. Jemanden berauschen, sich berauschen. Dieses Bier berauschet bald. Jemanden in Biere, in Weine berauschen. Auch figürlich, von Leidenschaften und heftigen Gemüthsbewegungen. Berauscht deine freundschaftliche Seele mich nicht vielleicht mit einem falschen Vergnügen? Ingleichen nach dunkeln Vorstellungen bestimmen. Die Unerfahrenen nur berauscht der Hoheit Wahn, Hagedorn. 2) Bey den Jägern bedeutet sich berauschen so viel als sich begatten, wird aber nur allein von den wilden Schweinen gebraucht. Der Eber berauscht die Sau, befruchtet sie. S. Rauschen. Daher die Berauschung, in beyden Bedeutungen.


Bercan (W3) [Adelung]


Der Bercan, S. Berkan.


Berden (W3) [Adelung]


* Berden, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches längst veraltet ist, und nur noch Es. 61, 10 vorkommt: Wie eine Braut in ihrem Geschmeide berdet, sich brüstet, stolze Geberden macht. S. Geberde, ingleichen Barzen, welches das Frequentativum davon ist.


Berechnen (W3) [Adelung]


Berechnen, verb. reg. act. 1) Mit Rechnungen belegen. Ich will es ihnen schon berechnen. Ausgabe und Einnahme berechnen. 2) Sich mit einem berechnen, beyderseitige Rechnungen mit einander vergleichen. So auch die Berechnung.


Berechtigen (W3) [Adelung]


Berechtigen, verb. reg. act. Recht, d. i. Gewalt, Vollmacht ertheilen. Du bist dazu nicht berechtiget, hast kein Recht dazu. Glaube nicht, daß dich deine Jahre zu Thorheiten berechtigen. Daher die Berechtigung.

Anm. Die Wortführung mit der zweyten Endung, einer Sache berechtiget seyn, ist mehr Oberdeutsch als Hochdeutsch. Ehedem bedeutete berechtigen auch, jemanden sein Recht anthun, d. i. ihn hinrichten, und diese Bedeutung hat berechten in der Schweiz noch jetzt.


Bereden (W3) [Adelung]


Bereden, verb. reg. act. 1) Durch scheinbare, oder höchstens wahrscheinliche Gründe zu etwas bewegen. Ich will ihn dazu zu bereden suchen. Jemanden zum Heirathen bereden. Er läßt sich leicht bereden. 2) Durch wahrscheinliche Gründe überzeugen, überreden, in welcher Bedeutung es im Oberdeutschen mit der zweyten Endung der Sache verbunden wird, welches auch einige Hochdeutsche nachahmen. Baruch beredet dich dessen, Jerem. 43, 3. Seine Aufführung hat mich dessen längst beredet. Wahre Freunde sind nicht so selten, als du dich selbst beredet hast, als du dir eingebildet hast, Dusch. 3) Sich mit jemanden bereden, unterreden. Wir müssen uns zuvor darüber bereden, ehe wir uns entschließen können. Ingleichen, verabreden. Sie beredeten sich, nichts davon zu sagen. 4) Etwas bereden, darüber reden, besonders um sein Mißfallen zu erkennen zu geben, welche Bedeutung doch wohl nur im Oberdeutschen einheimisch ist. Ingleichen nachtheilig von jemanden reden, im gemeinen Leben. Er beredet die ganze Stadt. So auch die Beredung, besonders in der ersten und zweyten Bedeutung.

Anm. Ehedem bedeutete dieses Wort nach Maßgebung des verschiedenen Gebrauches des Wortes Rede auch, 1) beweisen, welche Bedeutung in dem Schwabenspiegel häufig vorkommt. Zu den Heiligen bereden, ist in dem alten Augsburgischen Stadtbuche aus dem 13ten Jahrhunderte so viel als zu den Heiligen schwören. 2) Durch vernünftige Gründe überzeugen, wie redinon schon bey dem Ottfried vorkommt. Das Altfriesische bireda hatte gleiche Bedeutung. 3) Beschuldigen, und 4) in Anspruch nehmen, wovon in F. G. Struvens rechtlichen Erklärung Deutscher Wörter Beyspiele vorkommen. S. Rede.


Beredsam (W3) [Adelung]


Beredsam, -er, -ste, adj. et adv. welches nur noch im gemeinen Leben für beredt üblich ist, mit der Gabe zu bereden, d. i. zu überreden, versehen. Sie ist eine beredsame Frau. S. das folgende und Beredt.


Beredsamkeit (W3) [Adelung]


Die Beredsamkeit, plur. inusit. die Fertigkeit andere zu bereden, und zwar, 1) in der weitesten Bedeutung, da dieses von einem jeden gebraucht wird, der die Gabe hat, andere zu überreden. Er besitzet viele Beredsamkeit. 2) In der engern Bedeutung, die Fertigkeit eines Redners, Überredung zu wirken, und die Kunst, welche die dazu nöthigen Regeln an die Hand gibt. Ein Mann von großer Beredsamkeit. Die Beredsamkeit lehren. 3) In der engsten Bedeutung, da dieses Wort der Dichtkunst entgegen gesetzet wird, bedeutet es die Fertigkeit, in ungebundener Rede Überredung zu wirken, und die Kunst, welche solches lehret.

Anm. Eigentlich kommt dieses Wort wohl von dem Zeitworte bereden, und dessen ersten Bedeutung her. Indessen kann man es auch von dem folgenden beredt ableiten, und Beredtsamkeit schreiben; welches desto weniger Schwierigkeit hat, weil beyde Wörter neuern Ursprunges sind.


Beredt (W3) [Adelung]


Beredt, -er, -este, adj. et adv. 1) Mit der Gabe zu reden versehen. Dahin gehören, obgleich in figürlicher Bedeutung, die beredten Zeichen in der Astrologie, worunter die Zwillinge, die Jungfrau, der Wassermann, die Wage, und die 15 ersten Grade des Schützen verstanden werden. 2) Mit der Gabe viel zu reden versehen. Eine beredte Frau. Er hat eine beredte Zunge. 3) Mit der Gabe wohl zu reden, d. i. Überredung zu wirken, versehen.


Beredtsamkeit (W3) [Adelung]


Die Beredtsamkeit, plur. inusit. S. Beredsamkeit.


Beregnen (W3) [Adelung]


Beregnen, verb. reg. act. welches aber nur als ein Passivum gebraucht wird, beregnet werden, von Regen naß gemacht werden. Wir sind unter Weges gar sehr beregnet worden.

Anm. Beregenon kommt schon bey dem Notker vor. In einigen Oberdeutschen Mundarten wird es auch als ein Neutrum für beregnet werden gebraucht. Hin über das Gewölke steiget Der Reiger, daß er nicht beregne, Logau. Man muß sich in Acht nehmen, daß sie nicht beregnen, heißt es bey dem Leopold, einem Lausitzischen Schriftsteller.


Bereiben (W3) [Adelung]


Bereiben, verb. irreg. act. S. Reiben. 1) An etwas reiben, es durch Reiben bearbeiten. Holz mit Schachtelhalm bereiben. Sich mit wohl riechendem Wassern bereiben. 2) Im Reiben oder durch Reiben bedecken. Den Kuchen mit Zucker bereiben. So auch die Bereibung.


Bereichern (W3) [Adelung]


Bereichern, verb. reg. act. reich machen. Jemanden bereichern. Seine Freunde bereichern. Sich mit andere Leute Schaden bereichern. Ingleichen figürlich. Ein Buch, welches unsere Erkenntniß bereichert. Daher die Bereicherung.

Anm. Im Niedersächsischen lautet dieses Wort riken, verrikern, im Holländ. ryken, im Dänischen berige. Reichen kommt für bereichern schon in Strykers altem Gedichte bey dem Schilter vor.


Bereifen (W3) [Adelung]


Bereifen, verb. reg. act. mit Reif überziehen, wovon im gemeinen Leben aber nur das Mittelwort bereift üblich ist. Bereifte Felder. Der Wald steht bereift. Ingleichen figürlich. Wie hat des Alters Eis sein schwarzes Haar bereift? Weiße.


Bereimen (W3) [Adelung]


Bereimen, verb. reg. act. über etwas reimen. Nicht daß dein schmeichelnd Lob des Reichen Stolz bereime, Kästn.


Bereinen (W3) [Adelung]


Bereinen, S. Berainen.


Bereisen (W3) [Adelung]


Bereisen, verb. reg. act. Die Messen bereisen, gewöhnlich auf die Messen reisen. Ein Land bereisen, durch dasselbe reisen, um es zu untersuchen, daher die Bereisung.


Bereit (W3) [Adelung]


Bereit, adv. fertig, etwas zu verrichten oder zu leiden, von allen Hindernissen einer Veränderung frey. 1) Eigentlich. Ich bin bereit abzureisen. Sich zu etwas bereit machen. Bereit seyn, bereit stehen. Zum Kriege, zum Schlagen bereit. Etwas bereit halten. 2) Figürlich, von der Neigung des Willens, willig. Ich bin zu allen bereit. Ich bin bereit dich anzuhören. Bereit zum Verzeihen.

Anm. Die älteste Gestalt dieses Wortes in der Oberdeutschen Mundart ist reit, redi, welches bey dem Ottfried vorkommt, und fertig, ingleichen schnell bedeutet. Das heutige Niedersäch-sische rede, und Osnabrück. ree, kommt damit genau überein; so wie das Wallisische rhwyd, das. Angels. rath, rathe, das Holländ. reed, das Picardische rade, das Schwed. reda, das Engl. ready, das Isländ. radan, und das Latein. paratus, welche alle entweder fertig, oder schnell bedeuten. In den Slavonischen Mundarten bedeutet rad gern. Das Stammwort davon scheinet noch in dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich thut, mache, verborgen zu liegen. S. auch Rath und Geräth. Bereit war ehedem auch ein Adjectiv, in welcher Form es im Oberdeutschen noch üblich ist, weil man daselbst ein bereiter Tisch, ein bereites Schiff sagt. Ein bereit Volk, kommt auch noch Luc. 1, 17 vor; bereite Brote aber, 2 Chron. 13, 11, gehöret zu dem Verbo bereiten. Im Hochdeutschen ist es in dieser Gestalt eines Beywortes nicht mehr üblich, außer, daß man in den Rechten noch das bereiteste Vermögen, dasjenige Vermögen nennet, welches man sogleich und ohne viele Umstände haben kann. Bereites Geld bedeutete, nach dem Muster des Lateinischen parata pecunia, ehedem auch bares Geld, und im Niedersächsischen wird rede Geld noch so gebraucht.


Bereiten (W3) [Adelung]


1. Bereiten, verb. reg. act. bereit machen, zu einem gewissen Gebrauche geschickt machen. Tücher, Felle, Leder bereiten. Das Erdreich zur Saat bereiten. Das Essen, die Speisen bereiten. Es ist alles bereitet. Den Weg bereiten, größten Theils in figürlicher Bedeutung. Das ist nicht Freude, was nur unangenehmen Empfindungen den Weg bereitet, Dusch. Sich bereiten. Sich zur Reise, zu Tode, zum heil. Abendmahle bereiten. So auch die Bereitung.

Anm. Beraiten kommt in Strykers Gedichte mehrmahls vor, und in dem Lateine der damahligen Zeiten ist bareitare daraus geworden. Kero gebraucht dafür karatan, und die Angelsachsen geraedian. Das Isländ. reida, das Schwed. reda, Holl. reeden, und Nieders. reden, behalten dagegen noch das einfache Zeitwort in eben derselben Bedeutung auf. S. Geräth und Rath.


Bereiten (W3) [Adelung]


2. Bereiten, verb. irreg. act. ( S. Reiten,) von reiten, equitare. 1) An einen Ort reiten, ihn zu besichtigen. Die Äcker, die Grenzen bereiten. In Pohlen bedeutet ein Gut bereiten, es mit gewaffneter Hand in Besitz nehmen, ein Überbleibsel des alten Faustrechtes. 2) Durch mehrmahliges Reiten abrichten, geschickt machen, zureiten. Ein Pferd bereiten. Ein berittenes Pferd. 3) Das Mittelwort beritten, wird außer dem noch in einer besondern Bedeutung gebraucht, indem es so viel heißt, als mit einem Pferde versehen. Die Reiterey ist noch nicht beritten gemacht, hat noch keine Pferde. Sehr schlecht beritten seyn, ein schlechtes Pferd reiten. Ihr seyd sehr wohl beritten, ihr habt ein gutes Pferd. Dieser Gebrauch kann nur denen anstößig seyn, die die Natur der Participien der vergangenen Zeit nicht kennen, und sie nur allein dem Passivo beylegen.Ehedem wurde beritten seyn auch für reiten gebraucht. Darumb so reit Auf diesem prawnen türckhen mein Darauf mügt ir beritten seyn, Theuerd. Kap. 61. Daher die Bereitung in den beyden ersten Bedeutungen.


Bereiter (W3) [Adelung]


1. Der Bereiter, des -s, plur. ut nom. sing. von bereiten, parare, der etwas zubereitet, Fämin. die Bereiterinn, plur. die -en; aber nur in den Zusammensetzungen, Flachsbereiter, Tuchbereiter, Lederbereiter u. s. f.


Bereiter (W3) [Adelung]


2. Der Bereiter, des -s, plur. ut nom. sing. von bereiten, equitare. 1) Der die Kunst verstehet, die Pferde zu bereiten, d. i. abzurichten, zum Reiten geschickt zu machen. 2) Der dazu gesetzt ist, gewisse Gegenden zu bereiten; doch nur in den Zusammensetzungen, Forstbereiter, Wegebereiter, Zollbereiter u. s. f.


Bereits (W3) [Adelung]


Bereits, ein Nebenwort der Zeit, welches eben so viel bedeutet, als schon, nur daß es anständiger und edler ist. Es fängt bereits an zu regnen. Es ist bereits geschehen. Es ist bereits spät. S. Schon.

Anm. Dieses Adverbium gehöret zu dem Worte bereit. Schon Ulphilas gebraucht raihtis für iam, womit das Angels. rah, das Engl. already, das Holländ. reeds, das Schwed. redan, und das Niedersächsische reed und reeds überein kommen. Allbereits für bereits ist eine bloß müßige Alemannische Verlängerung, obgleich auch die Nieders. alreeds und alree sagen. S. Allbereits.


Bereitschaft (W3) [Adelung]


Die Bereitschaft, plur. die -en. 1) Der Zustand, da eine Person oder Sache zu etwas bereit und fertig ist; ohne Plural. In Bereitschaft seyn oder stehen, bereit seyn. Wir waren in völliger Bereitschaft abzureisen. Truppen, Gels in Bereitschaft haben, bereit haben. Die Schiffe liegen in Bereitschaft unter Segel zu gehen. Sich in Bereitschaft halten. Er ist noch in schlechter Bereitschaft dazu. 2) Was zu Erreichung einer Absicht bereit seyn muß. Die Bereitschaft zum Kriege, zu einem Gastmahle u. s. f. Und am dritten Tage warfen wir mit unsern Händen aus die Bereitschaft im Schiff, Apostlg. 27, 19. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung wenig mehr üblich. Im Niedersächsischen ist in beyden Bedeutungen Reedschup, Reeschup bekannt.


Bereitwillig (W3) [Adelung]


Bereitwillig, -er, -ste, adj. et adv. welches aus der Redensart bereit und willig zusammen gezogen ist, und besonders von der Neigung, andern zu dienen, gebraucht wird. Er ist ein bereitwilliger Mann. Er ist sehr bereitwillig.


Bereitwilligkeit (W3) [Adelung]


Die Bereitwilligkeit, plur. inusit. die Neigung des Gemüthes, etwas ohne Zwang und Aufschub zu thun, besonders, andern auf diese Art zu dienen.


Berennen (W3) [Adelung]


Berennen, verb. reg. act. ( S. Rennen,) an einen Ort rennen, oder auf einen Ort zu rennen; doch nur in figürlicher Bedeutung, da eine Stadt berennen, so viel heißt, als sie überall mit Truppen einschließen, welches alle Mahl das Vorspiel der Belagerung ist.

Anm. Heinrich von Morunge gebraucht dieses Wort noch in seiner eigentlichen Bedeutung, wenn er sagt: Din lant wil ich berennen gar, schnell durchreisen.


Berenten (W3) [Adelung]


Berenten, verb. reg. act. mit Renten versehen. Jemanden auf Lebenszeit berenten. Daher die Berentung. S. Renten.


Bereuen (W3) [Adelung]


Bereuen, verb. reg. act. Reue über etwas haben. Eine begangene That, seine Fehler, seine Sünden bereuen. Daher die Bereuung.

Anm. Es wird dich gereuen, druckt Kero durch hrivoes aus, und biriuuen kommt bey dem Ottfried für Mitleid empfinden vor. Ehedem wurde es auch impersonaliter für gereuen gebraucht; z. B. ihn soll dieses Irrthums bereuen.


Berg (W3) [Adelung]


Der Berg, des -es, plur. die -e, Diminutivum Oberdeutsch Berglein, contr. Bergel, Hochdeutsch vulg. Bergelchen. 1. Eigentlich, eine ansehnliche Erhöhung der Erde, zum Unterschiede von einer Anhöhe und einem Hügel, und im Gegensatze der Ebene und des Thales. Ein hoher Berg. Ein Berg besteigen. Über einen Berg reisen u. s. f. Figürliche, aber nur im gemeinen Leben übliche Redensarten sind: Es ist noch ein großer Berg zu übersteigen, noch ein großes Hinderniß zu überwinden. Wir sind noch nicht über den Berg, haben das Schwerste noch nicht überstanden. Die Ochsen stehen am Berge, es will mit der Sache nicht fort, ein Hinderniß hält sie auf. Die Haare standen mir vor Schrecken zu Berge, der Schrecken trieb mir die Haare zu Berge, einen großen Schrecken auszudrucken.Einem goldene Berge, sehr viel, versprechen. Er ist über alle Berge, er ist plötzlich entflohen. Mit etwas hinter dem Berge halten, geheim damit thun.2. Figürlich. 1) In dem Bergbaue bedeutet Berg, noch mehr aber im Plural Berge, eine jede taube Erd- oder Steinart, welche kein Erz in sich enthält, besonders wenn sie los gewonnen worden, oder von selbst abfällt. Daher die bergmännischen Redensarten, Berge bauen, die Berge fortschaffen, zu Tage ausfödern. Auf dem Unterharze hingegen führet diesen Nahmen auch alles kleine Erz, welches nicht in ansehnlichen Stücken gewonnen wird. 2) Im gemeinen Leben werden auch verschiedene andere Erhöhungen Berge genannt. In der Chiromantie führen diesen Nahmen die erhabenen Stellen unter den Fingern in der Hand, und die Jäger nennen das Erhabene in der Hirschfährte, welches die tiefen Eindrücke der Klauen von einander scheidet, das Berglein, oder nach der gemeinen Aussprache, das Birgel.

Anm. Eine geringe Erhöhung des Erdbodens heißt eine Anhöhe, eine etwas stärkere ein Hügel und an einigen Orten ein Anberg, die stärkste ein Berg, und eine fortlaufende Reihe von Bergen ein Gebirge. Berg, Nieders. Berch, Barg, ist ein sehr altes Wort, obgleich der Vocal allerley Veränderungen darin erlitten hat. Bey dem Ulphilas heißt es Bairg, bey dem Kero Pereg, bey den spätern Fränkischen und Alemannischen Schriftstellern Berg, im Angels. Beorg, im Isländ. Biarg, im Dän. Bierg, im Wendischen und Slavonischen Hora und Gory, im Lappländischen, Finnischen und Esthnischen Wari, Wuori, im Böhmischen Wrch. Sonst bedeutet in den Slavonischen Mundarten Pereg das Ufer, womit die Bedeutung des Zeitwortes bergen, die Güter an das Ufer bringen, überein kommt. S. Bergen und Burg. Die Schweizerische Mundart, die dem r gerne ein l unterschiebt, nennet den Gipfel eines hohen Berges Belch, so wie auch Kilch für Kirche sagt. Im Hollsteinischen bedeutet Berg einen Feldschupfen, eine Wetterhütte, welches aber zunächst von dem Verbo bergen gebildet ist. Es scheinet, daß der Hauptbegriff in dem Worte Berg die Höhe ist, und da könnte es wohl zu dem alten Zeitworte bären, heben, gehören. Die ältern Kräuterkundigen haben einer Menge Pflanzen, die auf allerley Boden fortkommen, die Wörter Berg- Feld- Wasser- u. s. f. vorgesetzt, wenn sie gleich in nichts, als in der Verschiedenheit des Bodens von einander unterschieden sind. Diese Häufung der Nahmen hilft zu weiter nichts, als daß sie die Verwirrung, die in den Deutschen Benennungen der Pflanzen ohnehin schon groß genug ist, nur noch mehr vergrößert. Man hat daher alle dergleichen Nahmen mit gutem Bedachte hier weggelassen, und nur diejenigen behalten, die wirklich besondere Arten ausmachen. In vielen andern Zusammensetzungen beziehet sich Berg - auf den Bergbau, und stehet für Bergwerk.


Bergab (W3) [Adelung]


Bergab, adv. für den Berg hinab. Bergab gehen, fahren, reiten. Es geht bergab, nach einer schiefen Fläche, niederwärts. So fern dieses Wort ein wirkliches Adverbium ist, kann es auch mit einem kleinen b geschrieben werden; obgleich andere in Rücksicht auf das Hauptwort Berg, ein großes B für schicklicher halten.


Bergacker (W3) [Adelung]


Der Bergacker, des -s, plur. die -äcker, ein an einem Berge liebender Acker.


Bergahorn (W3) [Adelung]


Der Bergahorn, des -es, plur. die -e. 1) Ein Nahme der Maserle; Acer campestre, L. S. Maserle. 2) In andern Gegenden führet der Pseudoplatanus L. diesen Nahmen.


Berg-Akademie (W3) [Adelung]


Die Berg-Akademie, (fünfsylbig,) plur. die -n, (sechssylbig,) eine Anstalt, wo die zu dem sämmtlichen Bergbaue gehörigen Kenntnisse wissenschaftlich gelehret werden; dergleichen z. B. zu Freyberg ist.


Bergalaun (W3) [Adelung]


Der Bergalaun, des -es, plur. inus. Alaun, welcher in fester Gestalt gebrochen wird, zum Unterschiede von dem gesottenen; Felsalaun.


Bergälster (W3) [Adelung]


Die Bergälster, plur. die -n, der Nahme eines kleinen Raubvogels, der nur auf kleine und junge Vögel stößt, und in den gemeinen Mundarten Neuntödter, Würger, Quargringel, und im Hannöverischen Rabraker genannt wird; Lanius, L. S. Neuntödter.


Bergälteste (W3) [Adelung]


Der Bergälteste, des -n, plur. die -n, der Älteste unter den Bergleuten, der in einigen Fällen die Stelle eines Syndici derselben vertritt.


Bergamotte (W3) [Adelung]


Die Bergamotte, plur. die -n, der Nahme einer grünen und runden Birn von einem angenehmen gewürzhaften Geschmacke, welche man wieder in Sommer- und Winter-Bergamotten einzutheilen pfleget. Wir haben diesen Nahmen von den Franzosen und Italiänern bekommen, welche diese Birn Bergamotte und Bergamotta zu nennen pflegen. Menage leitet denselben aus den Türkischen her, von Beg, ein Herr, Fürst, und Armout, Birn, so daß er eigentlich Herrenbirn bedeuten würde. Andere lassen ihn von dem Nahmen der Stadt Bergamo abstammen. Die Niedersachsen sprechen diesen Nahmen Permutte aus. Daher der Bergamotten-Baum, des -es, plur. die -Bäume. Das Bergamotten-Öhl, ein wohl riechendes Öhl, welches man aus der Schale der Frucht eines auf den Stamm der Bergamotten-Birn gepfropften Limonien-Zweiges erhält, und im gemeinen Leben nur Bergamott genannt wird.


Bergamt (W3) [Adelung]


Das Bergamt, des -es, plur. die -ämter, ein Amt oder Gericht, welches die erste Instanz in Bergwerkssachen, besonders in Ansehung des Grubenbauers, hat. Daher das Bergamtsbuch u. s. f. Der Bergamtsverwalter ist zu Freyberg eine obrigkeitliche Person, welche in Abwesenheit der Berghauptleute in verschiedenen Sachen den Vorsitz hat. Das Oberbergamt, welches in Bergwerkssachen die höchste Gerichtsbarkeit hat.


Bergan (W3) [Adelung]


Bergan, ein Nebenwort, für den Berg hinan. Bergan gehen, fahren. Es gehet bergan, sagt man von einer schiefen Fläche auf den Erdboden, die sich hinaufwärts beweget. Von der Rechtschreibung dieses Wortes gilt dasjenige, was schon bey Bergab erinnert worden.


Bergandorn (W3) [Adelung]


Der Bergandorn, des -es, plur. inus. eine Art der Roßpoley, welche auf Bergen einheimisch ist; Stachys Germanica, L.


Bergänte (W3) [Adelung]


Die Bergänte, plur. die -n, eine Art Grönländischen Änten, welche so groß wie eine mittelmäßige Gans ist, und deren Männchen die Stimme eines Täubers hat.


Bergäppich (W3) [Adelung]


Der Bergäppich, des -es, plur. inus. eine Pflanze; Athamanta Oreoselinum, L. Sie wächset auf den Europäischen Hügeln und wird auch Bergpetersilie, Bergpeterlein, Grundheil, Vielgut genannt.


Bergarbeit (W3) [Adelung]


Die Bergarbeit, plur. die -en, eine jede Arbeit, welche in einem Bergwerke geschiehet. Daher der Bergarbeiter, des -s, plur. ut nom sing. ein jeder Arbeiter, der in Bergwerken gebraucht wird.


Berg-Aron (W3) [Adelung]


Der Berg-Aron, des -s, plur. inus. eine Spielart der gewöhnlichen Arons oder Schlangenkrautes, welche eine dicke von außen bräunliche Wurzel hat, dagegen die Wurzel des gemeinen Arons weiß ist. S. Aron.


Bergart (W3) [Adelung]


Die Bergart, plur. die -en, bey den Bergleuten, ein jedes Gestein, oder eine jede Erde, welche bey und neben den Erzen bricht, und daher Anziehung auf Erz gibt. Selbst das rothe Moos, welches an dem büchenen Holze in den Stollen wächset, wird daher zuweilen eine Bergart genannt, weil man es für eine Anzeige des vorhandenen Erzes hält. Freundliche Bergarten sind diejenigen Steinarten, welche Metallmütter anzugeben pflegen.


Bergauf (W3) [Adelung]


Bergauf, ein Nebenwort, den Berg hinauf. Bergauf gehen, fahren, reiten. Es gehet bergauf. Von der Rechtschreibung dieses Wortes S. Bergab.


Bergauster (W3) [Adelung]


Die Bergauster, plur. die -n, in den Seestädten, ein Nahme derjenigen Austern, welche auf den Austerbänken gefischet werden, und die besten sind; zum Unterschiede von den schlechtern Sand- und Thonaustern.


Bergaustheiler (W3) [Adelung]


Der Bergaustheiler, des -s, plur. ut nom. sing. in den Bergwerken, derjenige, welcher das Geld, das von jeder Zeche an Zehenten einkommt, von den Zehentnern in Empfang nimmt und austheilet.


Bergbalsam (W3) [Adelung]


Der Bergbalsam, des -s, plur. inus. ein zartes, weißes und gelbliches Erdöhl, welches die Flamme anzieht, und das Gold aus dem Königswasser scheidet. Es wird auch Naphtha genannt. Andere nennen einen etwas schleimigeren, aber gleichfalls brennbaren Erdkörper Bergbalsam, der nicht so dick und zähe ist, als der Bergtheer oder das Bergwachs, und besonders in Persien in einer Höhle des Berges Benna gefunden, und auch Erdbalsam genannt wird.


Bergbarte (W3) [Adelung]


Die Bergbarte, plur. die -n, ein kleines Beil, oben mit einer langen Spitze, und unten mit einem langen Helme, welches die Bergleute zur Zierde tragen. S. Barte.


Bergbau (W3) [Adelung]


Der Bergbau, des -es, plur. car. der Inbegriff alles dessen, was zur Arbeit in den Bergwerken gehöret; ingleichen die Wissenschaft, welche die dazu nöthigen Regeln ertheilet. Den Bergbau unterstützen, verabsäumen u. s. f. Sich auf den Bergbau legen. Daher die Bergbaukunst, plur. inus. die Wissenschaft, den Bergbau gehörig zu treiben, oder den Erzen unter der Erde am besten und leichtesten beyzukommen, S. Bau.


Bergbeamte (W3) [Adelung]


Der Bergbeamte, des -n, plur. die -n, der einem Amte in einem Bergwerke vorgesetzt ist; ein Bergbedienter.


Bergbediente (W3) [Adelung]


Der Bergbediente, des -n, plur. die -n, S. das vorige.


Bergblau (W3) [Adelung]


Das Bergblau, indecl. plur. car. ein Nahme, welcher verschiedenen blauen oder bläulichen mineralischen Körpern gegeben wird. 1) Einem blauen gereinigten Thone. 2) Einem erdigen, lockeren, leichten Kupfererze von blauer Farbe, welches, wenn es derb und fest ist, Kupferblau, wenn es aber sehr erdig und locker ist, Kupferocher genannt wird. 3) Endlich dem Armenischen oder Lasursteine, und der blauen Farbe, welche daraus bereitet wird. Von der Declination S. Beergelb.


Bergbock (W3) [Adelung]


Der Bergbock, des -es, plur. die -böcke, ein wilder Bock, mit knotigen krummen Hörnern, welche nach den Rücken zu gebogen sind. Er ist dunkelbraun von Farbe, und hält sich auf den höchsten Bergen und Klippen auf, daher er auch Felsenbock, Klippenbock oder Steinbock genannt wird; Capra Ammon, L. Tragus montanus ferus, Kl. Das Weibchen davon heißt die Bergziege. Der Sibirische Bergbock, welchen die Mungalen, Kalmucken und Tungusen Argali, die Russen aber Kamennoi-Baran nennen, unterscheidet sich von dem Europäischen, besonders durch Mangel des Bartes und durch seine außerordentlich großen und schweren Hörner. S. auch Steinbock.


Bergbohrer (W3) [Adelung]


Der Bergbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Bohrer der Bergleute, Öffnungen in das harte Stein zu machen, um es zu sprengen. 2) Ein von dem Prof. Lehmann in Leipzig erfundener künstlicher Bohrer, die Erd- und Steinarten in der Tiefe damit zu erforschen; der Erdbohrer.


Bergbothe (W3) [Adelung]


Der Bergbothe, des -n, plur. die -n, ein Bothe, welcher von den Bergbeamten, gebraucht und in Bergwerkssachen verschickt wird.


Bergbraun (W3) [Adelung]


Das Bergbraun, indecl. plur. car. eine braune Erde, welche auch Umbra, Umber-Erde genannt wird.


Bergbuch (W3) [Adelung]


Das Bergbuch, des -es, plur. die -bücher, dasjenige Buch, in welches die Verhandlungen Berggerichtes verzeichnet werden.


Bergbüche (W3) [Adelung]


Die Bergbüche, plur. die -n, ein Nahme, welcher von einigen auch der Hage- oder Weißbüche gegeben wird, weil sie gern in bergigen Gegenden wächst; im Gegensatze der Thal- oder Rothbüche. S. diese Wörter.


Bergbutter (W3) [Adelung]


Die Bergbutter, plur. car. 1) Im Bergbaue, ein gelblicher sehr fetter Thon, welcher einige Ähnlichkeit mit der Butter hat, und auch Steinbutter genannt wird. 2) Ein gewisses Sibirisches Alaunerz von ähnlichen Beschaffenheit; Axungia Solis.


Berg-Compaß (W3) [Adelung]


Der Berg-Compaß, S. Gruben-Compaß.


Bergdachs (W3) [Adelung]


Der Bergdachs, des -es, plur. die -dächse, bey einigen ein Nahme des Murmelthieres, welches siehe.


Bergdistel (W3) [Adelung]


Die Bergdistel, plur. die -n, ein Nahme der Wegedistel, Onopordum Acanthium, L. weil sie gerne in rauhen gebirgigen Gegenden wächset. S. Wagedistel.


Bergdohle (W3) [Adelung]


Die Bergdohle, plur. die -n, eine Art Dohlen, welche in gebirgigen Gegenden einheimisch ist, und besonders in der Schweiz gefunden wird. Sie ist größer, als die gemeine Art, hat einen kürzern, krümmern und gelben Schnabel, und ist von Farbe entweder schwarz, oder grau uns schwarz. S. Alprabe.


Bergegeld (W3) [Adelung]


Das Bergegeld, plur. des -es, plur. inus. 1) Geld, welches denjenigen zur Belohnung gegeben wird, welche gestrandete Güter verborgen haben, und auch der Bergelohn heißt. 2) Dasjenige Geld, welches dem Grundherren einer Küste bezahlt wird, wenn er die gestrandeten und geborgenen Güter verabfolgen lassen soll. S. Bergen.


Bergeimer (W3) [Adelung]


Der Bergeimer, des -s, plur. ut nom. sing. ein in Regensburg übliches Weinmaß, welches 68 Köpfe und 136 Seidel hält.


Bergeinsiedler (W3) [Adelung]


Der Bergeinsiedler, des -s, plur. ut nom. sing. S. Berg-Eremit.


Bergeisen (W3) [Adelung]


Das Bergeisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Meißel der Bergleute mit einem Stiele, welchen auf das Gestein setzen, und mit einem Hammer oder Fäustel darauf schlagen. Das Bergeisen und der Fäustel werden zusammen Schlägel und Eisen genannt.


Bergelohn (W3) [Adelung]


Der Bergelohn, des -es, plur. inus. der Lohn derjenigen Arbeiter, welche gestrandete Güter geborgen haben. S. Bergegeld.


Bergen (W3) [Adelung]


Bergen, verb. irreg. act. ich berge, du birgst, er birgt; Imperf. ich barg; Supin. geborgen. 1. Aus einem Schiffbruche an das Ufer bringen und retten. 1) Eigentlich. Gestrandete Güter bergen. Es sind nur wenige Personen geborgen worden. Ein geborgenes, aus dem Schiffbruche gerettetes, Schiff. 2) Figürlich, doch nur im gemeinen Leben, in Sicherheit bringen. Er ist nunmehr geborgen, außer Gefahr.Besonders vor künftigem Mangel in Sicherheit setzen. Er birgt sich schon, er hat sein gutes Auskommen. Er ist geborgen, versorgt.2. Verbergen, so wohl in eigentlicher als figürlicher Bedeutung, welche beyde aber nur noch im Oberdeutschen üblich sind. Wer die Schmach birget, ist witzig, Sprichw. 12, 16. Wenns aber übel geht, so kann sich der Feind such nicht bergen, Sir. 12, 7. Besonders gebraucht Opitz bergen in dieser Bedeutung häufig, welches auch einige Hochdeutsche Dichter nachgeahmet haben. Und daß du, wenn ein Held auf der benarbten Brust Ruhmvolle Wunden zeigt, die deinen bergen mußt, Schleg. Bald berget (birgt) dich das stille Grab, ebend. Doch sagt man auch im Hochdeutschen: ich kann dir das nicht bergen, verschweigen, verhehlen. Hier konnte er seinen innern Gram nicht mehr bergen.Daher die Bergung, doch nur in der ersten Bedeutung.

Anm. Berg ist ohne Zweifel das Stammwort dieses alten Zeitwortes, und zwar in der ersten Bedeutung, so fern es ehedem auch für Ufer gebraucht wurde, welche Bedeutung das Slavonische bereg noch hat. Die zweyte Bedeutung rühret vielleicht daher, weil man Dinge, die man dem Blick und dem Anlaufe anderer entziehen wollte, auf Berge zu schaffen pflegte. Da aber das Angels. byrgan, auch unter einen Hügel begraben bedeutet, so gibt auch diese Bedeutung eine bequeme Ableitung an die Hand. Ottfried und Notker gebrauchen bergen häufig für verbergen. Das Gothische bairgan, bey dem Kero perken, bedeutet aufheben, verwahren, in Sicherheit bringen, welche Bedeutung auch das Russische beregu hat. Die Niedersachsen gebrauchen ihr bargen nicht nur mit den Hochdeutschen auf einerley Art, sondern auch für aufheben. Das Schwedische berga aber hat noch weit mehrere, und dem Anscheine noch mit den vorigen sehr fremde Bedeutungen, die man in Hrn. Ihres Glossar. nachsehen kann.


Bergen-Fahrer (W3) [Adelung]


Der Bergen-Fahrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen man in den Niedersächsischen Handelsstädten denjenigen Kaufleuten gibt, welche zu Bergen in Norwegen ein Comtoir und einen Fischhandel erreicht haben, daher sie auch Bergen-Händler heißen.


Berg-Eremit (W3) [Adelung]


Der Berg-Eremit, des -en, plur. die -en, eine Art Brachvögel in der Schweiz, welche von Farbe dunkelgrün ist, einen gelben Kopf und hin und wieder bluthrothe Flecken hat. Der Kamm hat die Gestalt einer Pferdemähne, und bestehet aus glänzenden Farben. Upupa montana, K. Weil er einsam lebt, wird er Berg-Eremit, Bergeinsiedler, Einsiedler, sonst aber auch Steinrapp, Waldrapp, Alprabe, Waldhof, ingleichen Schweizer genannt, weil er in der Schweiz am häufigsten getroffen wird.


Berger-Fisch (W3) [Adelung]


Der Berger-Fisch, des -es, plur. die -e, in der Handlung eine Art Stockfische, welche aus Bergen in Norwegen zu uns gebracht wird.


Bergerle (W3) [Adelung]


Die Bergerle, plur. die -n, eine Art Weißdorn oder Mehlbeere, deren Blätter auf beyden Seiten grün sind, und welche in Italien auf hohen Gebirgen wächset; Crataegus alpina, M.


Berger-Thran (W3) [Adelung]


Der Berger-Thran, des -es, plur. inus. eine Art Thranes, welche gleichfalls aus Bergen in Norwegen kommt, und aus den Lebern gewisser Seethiere gebrannt wird, daher er auch Leberthran heißt.


Bergeule (W3) [Adelung]


Die Bergeule, plur. die -n, eine Art großer Eulen, welche in gebirgigen Gegenden häufig ist, eine feuerrothe Farbe und große Ohren hat; Berguhu, Horneule, in Niedersachsen Schubut. In den gemeinen Oberdeutschen Mundarten heißt sie Hürru, Berghuw, Puhuy, Buhu, Huhay und Herzog, in Norwegen aber Bergugle.


Bergey (W3) [Adelung]


Das Bergey, des -es, plur. die -er, im gemeinen Leben; Kugeln von Schwefelkies, wenn sie die Gestalt eines Eyes haben.


Bergfalk (W3) [Adelung]


Der Bergfalk, des -en, plur. die -en, eine Art Falken, oder vielmehr Geyer, welche aschgrau mit schwarz vermenget ist, und auf den Felsen nistet; Vultur Percnopterus, L. Bergstorch, Geyeradler. Der Nahme Birkfalk, den er auch bey einigen führet, ist das Oberdeutsche Birgfalk, für Bergfalk.


Bergfall (W3) [Adelung]


Der Bergfall, des -es, plur. die -fälle. 1) Der Einfall Oder Einsturz eines Berges, ohne Plural; ingleichen der Ort, wo ein Berg, oder ein Stück desselben versunken ist. 2) Im Bergbaue, der Einfall eines ausgebühnten Schachtes. In beyden Fällen auch der Bergsturz.


Bergfarbe (W3) [Adelung]


Die Bergfarbe, plur. die -n. 1) Eine Erdart, welche durch die Beymischung eines aufgelösten Metalles eine gewisse Farbe bekommen hat; daher alle Ocherarten mit unter die Bergfarben gerechnet werden. Ingleichen diejenige Farbe, welche durch Schlämmen und Brennen aus solchen Erdarten verfertigt wird. 2) Einige belegen auch alle gefärbte und gereinigte Thonarten mit dem Nahmen der Bergfarbe, welcher Gebrauch aber von andern als ein Mißbrauch billig verworfen wird.


Bergfasan (W3) [Adelung]


Der Bergfasan, des -es, plur. die -en, ein Nahme, welcher im Oberdeutschen auch dem Auerhahne gegeben wird, weil er sich gern in gebirgigen Gegenden aufhält. S. Auerhahn.


Bergfein (W3) [Adelung]


Bergfein, adj. et adv. welches im Bergbaue und Hüttenwesen üblich ist, und nur von dem Silber gebraucht wird. Bergfeines Silber, welches so fein ist, als es nur durch den Bergbau erhalten wird. Man gibt diesen Nahmen, 1) dem gewachsenen Silber, welches beynahe 16löthig ist. 2) Demjenigen Silber, welches nach dem Treiben fein gebrennet worden, und 15 Loth 16 Gran hält. S. Fein.


Bergfenchel (W3) [Adelung]


Der Bergfenchel, des -s, plur. inus. eine Art Fenchel, welche in den gebirgigen Gegenden, besonders des südlichen Europa wild wächset; wilder Fenchel, Foeniculum silvestre, B.


Bergfertig (W3) [Adelung]


Bergfertig, adj. et adv. welches nur unter den Bergleuten üblich ist. Bergfertig seyn, mit der gewöhnlichen Krankheit der Bergleute, d. i. der Lungensucht, behaftet seyn. S. Bergsucht.


Bergfest (W3) [Adelung]


Das Bergfest, des -es, plur. die -e, ein Fest, welches von Bewohnern gebirgiger Gegenden mit Lustbarkeiten begangen wird. Besonders sind unter diesem Nahmen die ländlichen Feste der Bewohner der Alpen im Canton Bern bekannt, welche mit Ringen, Steinstoßen u. s. f. gefeyert werden.


Bergfeste (W3) [Adelung]


Die Bergfeste, plur. die -n, in den Bergbaue, ein festes Gestein oder Erz, welches man in der Mitte mächtiger Gänge wie Pfeiler stehen lässet, damit die Grube nicht zu Breche komme, d. i. nicht einfalle. Die Bergleute sprechen dieses Wort gemeiniglich Bergfestchen aus.


Bergfestung (W3) [Adelung]


Die Bergfestung, plur. die -n, eine Festung, welche auf einem Berge lieget.


Bergfett (W3) [Adelung]


Das Bergfett, des -es, plur. inus. ein fettiges, weißes, leichtes Erdharz, welches an einigen Orten aus den Bergen tröpfelt, auf dem Wasser schwimmet, und sich im heißem Mandelöhle auflösen lässet; Sevum minerale. Daher das Bergfettwasser, des -s, plur. inus. ein mineralisches Wasser, welches dergleichen Fett bey sich führet. Ist es von etwas festerer Art, so heißt es Bergtalg.


Bergfeuer (W3) [Adelung]


Das Bergfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Feuer, welches auf den Bergen angezündet wird, um den benachbarten Gegenden dadurch ein Zeichen zu geben. 2) Kleine Feuerflammen, welche sich des Nachts wie Lichter auf manchen Bergen sehen lassen, und von den Bergleuten für ein gutes Zeichen ergiebiger Anbrüche gehalten werden. 3) Die Entzündung der brennbaren Luft in Gruben und Brunnen.


Bergfink (W3) [Adelung]


Der Bergfink, des -en, plur. die -en, ein Fink mit gelben Schnabel und schwarzen Spitzen und Schneiden, mit bunten staarartigen Farben auf dem Kopfe und Rücken, und einer rothen Brust; Fringilla Montifringilla, L. Er hält sich in den Gebirgen auf, und wird wegen seines Geschreyes auch Gegler, Gogler, in Niedersachsen Quaker, in Österreich Nickawitz, sonst aber auch Zehrling, Schneefink, Waldfink, Tannenfink, Winterfink, und im Englischen Bramlay, Bramling genannt. Einige verwechseln ihn mit dem Buchfinken, von welchem er aber richtiger unterschieden wird. Der weiße Bergfink ist unter dem Nahmen der Schneeammer (Emberiza nivalis, L.) am bekanntesten.


Bergflachs (W3) [Adelung]


Der Bergflachs, des -es, plur. inus. 1) Ein Nahme des Amianthes, weil es aus zarten biegsamen Fasern besteht, welche sich wie Flachs spinne lassen; Bergwolle, Fadenstein. S. Amianth. 2) Eine Pflanze, welche in gebirgigen Gegenden einheimisch ist, und dem Flachse nicht unähnlich stehet; Leinblatt, Thesium, L. S. Leinkraut.


Bergflecken (W3) [Adelung]


Der Bergflecken, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein jeder Flecken, der auf einem Berge liegt. 2) Ein Flecken, der von Bergleuten bewohnet wird.


Bergfleisch (W3) [Adelung]


Das Bergfleisch, des -es, plur. inus. eine Art Asbest, welche aus dicken Blättern von harten und groben Fasern bestehet, und vornehmlich in Schweden bricht.


Bergflor (W3) [Adelung]


Der Bergflor, des -es, plur. car. der blühende Zustand des Bergbaues, oder eines Bergwerkes. S. Flor 3.


Bergfluß (W3) [Adelung]


Der Bergfluß, des -sses, plur. die -flüsse, ein Nahme, welchen besonders zwey mineralische Körper führen. 1) Ein undurchsichtiger, weißer, schwerer Spath, der für sich im Feuer nicht, wohl aber mit andern strengflüssigen Materien fließet, daher er auch Flußspath, ingleichen nur schlechthin Fluß genannt wird. 2) Ein jeder farbiger Bergkrystall, weil derselbe im Feuer leicht fließet. Von diesem werden in weiterer Bedeutung auch alle durch die Kunst gemachte falsche Edelsteine Bergflüsse genannt.


Bergforelle (W3) [Adelung]


Die Bergforelle, plur. die -n, eine Art Forellen, welche nur in hohen Gebirgen einheimisch ist; Salmo alpinus, L.


Bergfreyheit (W3) [Adelung]


Die Bergfreyheit, plur. die -en. 1) Die Freyheit, Erze zu graben, Bergwerke anzulegen, und zu unterhalten. 2) Die Freyheit einer Bergstadt, oder eines Bergfleckens; und 3) auch wohl ein solcher mit Bergfreyheit begabter Ort selbst; z. B. die Bergfreyheit Thal-Itter in Hessen.


Bergfuchs (W3) [Adelung]


Der Bergfuchs, des -es, plur. die -füchse, eine Art Füchse, welche sich im Sommer auf den Alpen, im Winter aber in den Thälern aufhalten, und gelb und weißlich von Farbe sind.


Berg-Gamander (W3) [Adelung]


Der Berg-Gamander, des -s, plur. inus. S. Bergpoley.


Berggebäude (W3) [Adelung]


Das Berggebäude, des -s, plur. ut nom. sing. ein jedes zu einem Bergwerke gehöriges Gebäude, mit Einschluß der Grubengebäude, oder solcher Örter, in welche man durch Schächte und Stollen fährt, und deren ganzen Umfang, d. i. das Bergwerk selbst. S. Gebäude.


Berggebeth (W3) [Adelung]


Das Berggebeth, des -s, plur. die -e, ein auf die besondern Umstände der Bergleute gerichtetes Gebeth, dergleichen besonders bey den Ein- und Ausfahrten gebetet werden.


Berggebrauch (W3) [Adelung]


Der Berggebrauch, des -s, plur. die -gebräuche, ein unter den Bergleuten üblicher Gebrauch.


Berggegend (W3) [Adelung]


Die Berggegend, plur. die -en. 1) Überhaupt eine jede bergige oder gebirgige Gegend. 2) In engerer Bedeutung, eine Geg end, welche von mehrern Arten von Bergen in einer gewissen Ordnung durchstrichen wird.


Berggegenschreiber (W3) [Adelung]


Der Berggegenschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. der Gegenschreiber in einem Bergamte, d. i. derjenige Schreiber, welcher die Bergbücher in seiner Verwaltung hat.


Berggeist (W3) [Adelung]


Der Berggeist, des -es, plur. die -er, ein Geist, welcher sich nach dem Aberglauben der Bergleute in den Bergwerken befinden, und ihnen zuweilen nützlich, zuweilen aber auch schädlich seyn soll; das Berggespenst, der Bergmönch. S. auch Kobold, und Bergmännchen.


Berggelb (W3) [Adelung]


Das Berggelb, indecl. plur. car. eine mit metallischen Theilen vermischte gelbe Erdart, welche auch unter dem Nahmen Ocher oder Ocker bekannt ist.


Berggenoß (W3) [Adelung]


Der Berggenoß, des -ssen, plur. die -ssen, ein Mitglied einer Gewerkschaft; ein Gewerk, und in Ungarn ein Waldbürger. S. Gewerk.


Berggericht (W3) [Adelung]


Das Berggericht, des -es, plur. die -e. 1) Ein Gericht, welches in Bergsachen zu erkennen hat. 2) Zu Halle in Sachsen führet das Schultheißengericht, welches sich über die Stadt und ihre Vorstädte erstrecket, den Nahmen eines Berggerichts, weil es hoch lieget, im Gegensatze des Thalgerichtes, welches über das Thal, und die darin befindlichen Salzwerke zu gebiethen hat.


Berggeschworne (W3) [Adelung]


Der Berggeschworne, des -n, plur. die -n, in den Bergwerken, ein beeidigter Bedienter, welcher eine gewisse Zeche in seiner Aufsicht hat. Der Bergobergeschworne, hat die Berggeschwornen unter sich, und berathschlaget sich mit dem Oberbergmeister über die Angelegenheiten des Bergwerkes.


Berggesetz (W3) [Adelung]


Das Berggesetz, des -es, plur. die -e, ein in Bergwerkssachen gegebenes Gesetz.


Berggespenst (W3) [Adelung]


Das Berggespenst, des -es, plur. die -er, S. Berggeist.


Berggestift (W3) [Adelung]


Das Berggestift, des -es, plur. die -e, ein Gestift oder Vermächtniß für arme oder kranke Bergleute.


Berggezeug (W3) [Adelung]


Das Berggezeug, des -es, plur. inus. bey den Bergleuten, alles Werkzeug, welches sie in den Gruben gebrauchen; in ihrer Mundart Berggezähe, Bergzähe.


Berggliedkraut (W3) [Adelung]


Das Berggliedkraut, des -es, plur. inus. eine Art des Gliedkrautes, welche einen krautartigen Stamm ohne Deckblätter, und stachelige Kelche hat, und auf den Gebirgen Italiens einheimisch ist; Sideritis montana, L.


Berggork (W3) [Adelung]


Der Berggork, S. Bergkork.


Berggott (W3) [Adelung]


Der Berggott, des -es, plur. die -götter, Götter, welche nach der Götterlehre der Heiden, die Berge bewohneten und die Aufsicht über selbige hatten, oder auch auf Bergen verehret wurden.


Berggras (W3) [Adelung]


Das Berggras, des -es, plur. von mehrern Arten, die -gräser, ein Nahme, der, wenigstens bey den Kräuterkundigen, verschiedenen Grasarten gegeben wird, welche auf Bergen und Gebirgen einheimisch sind. 1) Dem so genannten Ruchgrase, besonders derjenigen Art, welche bey dem Linne Anthoxanthum odoratum heißt. 2) Dem haarförmigen Straußgrase; Agrostis capillaris, L. 3) Dem Schafschwingel; Festuca ovina, L.


Berggrasblume (W3) [Adelung]


Die Berggrasblume, plur. die -n, S. Bergnägelein.


Berggrün (W3) [Adelung]


Das Berggrün, indecl. plur. car. 1) Ein grünes Kupfererz, welches erdig und weich ist, und auch grüner Kupferocher, Schiefergrün, Berglasur; Ochra Veneris. 2) Eine grüne gereinigte Thonart, welche aber nur aus einem Mißbrauche diesen Nahmen führet. 3) Einige geben auch dem Lasursteine den Nah-men des Berggrün. S. Bergblau, welche Benennung ihm mit mehrern Rechte zukommt.


Berggruß (W3) [Adelung]


Der Berggruß, des -es, plur. die -grüße, derjenige Gruß, womit die Bergleute einander begrüßen, besonders in feyerlichen Versammlungen.


Bergguhr (W3) [Adelung]


Die Bergguhr, S. Guhr.


Berghäklein (W3) [Adelung]


Das Berghäklein, zusammen gezogen Berghäkel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Bergbarten, welche die Obersteiger und Geschwornen statt eines Stabes zu tragen pflegen.


Berghahn (W3) [Adelung]


Der Berghahn, S. Birkhahn, und Goldhähnchen.


Berghalde (W3) [Adelung]


Die Berghalde, plur. die -n. 1) Im Oberdeutschen, die abhängige Seite eines Berges; die Berglehne, der Abhang. 2) Im Bergbaue, diejenigen Berge, oder tauben Erd- oder Steinarten, welche aus den Gruben gefördert, und in großen Häufen zusammen gestürzet werden; die Halde. S. dieses Wort.


Berghandlung (W3) [Adelung]


Die Berghandlung, plur. die -en, in einigen Gegenden, z. B. zu Hannover und Wolfenbüttel, eine Handlung, welche die Bedürfnisse für die Bergleute liefert, auch die Waaren aus den Bergwerken, das Silber ausgenommen, annimmt, und für den Landesherren verkauft.


Bergharz (W3) [Adelung]


Das Bergharz, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein Nahme, welcher alle dicken Erdsäfte oder Erdharze, als Judenpech, Agtstein, Steinkohlen u. s. f. unter sich begreift, weil sie am häufigsten in gebirgigen Gegenden gefunden werden.


Berghase (W3) [Adelung]


Der Berghase, des -n, plur. die -n, eine Art Hasen auf den Alpen, und in den nördlichen Ländern Europens, welche gegen den Winter ganz weiß werden, und auch Steinhasen, Sandhasen heißen.


Berghaspel (W3) [Adelung]


Der Berghaspel, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue ein Haspel oder eine Winde, womit Erze und Berge aus der Grube gewunden werden; der Hornhaspel.


Berghäuer (W3) [Adelung]


Der Berghäuer, S. Häuer.


Berghäufung (W3) [Adelung]


Die Berghäufung, plur. die -en, in der Naturgeschichte, ein Berg, welcher mehr aus gemengten, als geordneten Bergarten bestehet, wo die Bergarten unordentlich auf und über einander liegen.


Berghauptmann (W3) [Adelung]


Der Berghauptmann, des -es, plur. die -leute, der vornehmste Bediente in den Bergwerken, der des Landesherren Stelle vertritt, und gemeiniglich noch den Oberberghauptmann über sich hat. Auf dem Harze sagt man im Plural die Berghauptmänner. Daher die Berghauptmannschaft, plur. die -en, die Würde eines Berghauptmannes.


Berghauslaub (W3) [Adelung]


Das Berghauslaub, des -es, plur. car. eine Art Hauslaub, welche Blätterrosen mit glatten Rändern und sehr weit abstehende Fortsätze hat. Sie trägt eine rothe Blume und ist auf den Felsen in der Schweiz zu Hause; Sempervivum montanum, L.


Bergherr (W3) [Adelung]


Der Bergherr, des -en, plur. die -en, der Landesherr derjenigen Gegend, in welcher sich ein Bergwerk befindet.


Berghohlunder (W3) [Adelung]


Der Berghohlunder, oder Bergholder, des -s, plur. inus. eine Art Hohlunder oder Holders, mit zusammen gesetzten eyförmigen Blumentrauben, und baumartigen Stamme, welche auf den Bergen des südlichen Europa wächset; Traubenhohlunder, Steinholder, Waldholder, Hirschholder, weil die Blätter eine angenehme Speise der Hirsche sind; Sambucus racemosa, L.


Berghuhn (W3) [Adelung]


Das Berghuhn, des -es, plur. die -hühner, ein Nahme, welchen man den Repphühnern in gebirgigen Gegenden gibt, ob sie gleich von den gewöhnlichen Repphühnern wenig oder nicht unter- schieden sind. S. Repphuhn. In weiterer Bedeutung werden oft alle Arten wilder Hühner mit diesem Nahmen belegt.


Berghund (W3) [Adelung]


Der Berghund, des -es, plur. die -e, in den Bergwerken, ein länglicher schmaler Kasten auf vier Rädern, in welchem das Unbrauchbare aus den Gruben durch die langen Stollen ausgeführet wird; der Hund, welches S.


Bergicht (W3) [Adelung]


Bergicht, -er, -ste, adj. et adv. Bergen ähnlich, nach Art der Berge. Ein bergichter Wald, eine bergichte Gegend, welche Anhöhen hat, so Bergen gleichen. S. -icht.


Bergig (W3) [Adelung]


Bergig, -er, -ste, adj. et adv. was Berge hat, es mögen nun solches größere oder kleinere seyn. Eine bergige Gegend, ein bergiges Land. S. -ig.


Bergisopp (W3) [Adelung]


Der Bergisopp, des -es, plur. inusit. ein Nahme, welchen man dem Isoppe gibt, der in bergigen Gegenden wild wächset, und keinen Geruch hat. Wenn er sich auf unfruchtbaren Heiden befindet, wird er Heidenisopp genannt.


Bergjunge (W3) [Adelung]


Der Bergjunge, des -n, plur. die -n, in den Bergwerken, diejenigen Knaben, welche die Berge von den Erzen absondern, die Erze waschen, und andere leichte Arbeiten verrichten.


Bergkappe (W3) [Adelung]


Die Bergkappe, plur. die -n, ein dreyeckige Haube von Leinwand, welche die Bergleute so wohl bey der Arbeit unter dem Hute, als zur Zierde auf dem Rücken hangend tragen.


Bergkatze (W3) [Adelung]


Die Bergkatze, plur. die -n, eine Art wilder Katzen, welche drey Mahl so groß als eine gemeine Katze, und gelb und grau von Haaren ist. Sie hat einen dicken und langen Schwanz, und ist die boshafteste unter allen wilden Katzen; Felis Pardalis, L. Catus montanus, K. Das Männchen heißt der Bergkater, des -s, plur. ut nom. sing.


Bergkeller (W3) [Adelung]


Der Bergkeller, des -s, plur. ut nom. sing. ein Keller, welcher in einem Berg gegraben, oder in einem Felsen ausgehauen ist, dergleichen besonders in den Weinbergen angebracht werden.


Bergkessel (W3) [Adelung]


Der Bergkessel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bergleuten, eine Vertiefung des Erdbodens, besonders wenn sie von eingesunkenen Berggebäuden herrühret. S. Kessel.


Bergkette (W3) [Adelung]


Die Bergkette, plur. die -n, eine lange Reihe mehrerer an einander hangender Berge, ein sich in die Länge erstreckendes Gebirge; die Bergreihe. Der obere Theil derselben wird der Bergrücken genannt.


Bergkicher (W3) [Adelung]


Die Bergkicher, plur. die -n, am häufigsten im Plural Bergkichern, eine Art Kichern oder Platterbsen, mit zwey oder vier lanzenförmigen Blättern an einem jeden Stiele, langen Stängeln und größern Blumen, welche auf den Bergen unter den Kräutern wächset; Lathyrus heterophyllus, L.


Bergkiesel (W3) [Adelung]


Der Bergkiesel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bergleuten, ein unreiner Achat, welcher zu den gemeinen Feuersteinen gehöret, und auch Felskiesel, Felsachat genannt wird.


Bergklee (W3) [Adelung]


Der Bergklee, des -s, plur. inusit. S. Alpenklee.


Bergklette (W3) [Adelung]


Die Bergklette, plur. inusit. eine Art Kletten, mit filzigen Blumenköpfchen, welche auf Schutthaufen und an den Rändern der Wege wächset; Lappa major montana, L.


Bergknapp (W3) [Adelung]


Der Bergknapp, des -en, plur. die -en, unter den Bergleuten, ein junger Bergmann, und in weiterer Bedeutung, ein jeder Bergmann. S. Knapp.


Bergknecht (W3) [Adelung]


Der Bergknecht, des -es, plur. die -e, Knecht im Bergbaue, welche die Berge und Erze aus den Gruben ziehen und andere geringe Arbeiten verrichten müssen.


Bergknoblauch (W3) [Adelung]


Der Bergknoblauch, oder Berglauch, des -es, plur. inusit. eine Art wilden Knoblauches mit schirmförmigen weißlichen Blumen, welche breite purpurfarbene Streifen haben; Allium carinatum, L. Er wächset an bergigen Orten. An einigen Orten führet auch der Graslauch, Allium Scorodoprasum L. und das Allium Sphaerocephalum L. welches letztere in Italien, der Schweiz und Sibirien wächset, den Nahmen des Berglauches.


Bergkohle (W3) [Adelung]


Die Bergkohle, plur. die -n. 1) Ein Mineral, welches in Sachsen und dem Altenburgischen angetroffen wird, und ein weiches, in der Erde verfaultes Holz zu seyn scheinet, welches von etwas Erdpech durchdrungen worden; da es denn mit den so genannten Taubkohlen überein kommen würde. 2) In weiterer Bedeutung eine jede Erd- und Steinkohle.


Bergkorb (W3) [Adelung]


Der Bergkorb, des -es, plur. die -körbe, ein Korb, welchen die Bergleute gebrauchen, metallische Erden darin aus der Grube zu fördern.


Bergkork (W3) [Adelung]


Der Bergkork, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, eine Art groben Amianthes, welche dem Korke gleicht, und ein Gemenge von Thon, Flußspath, Sand u. s. f. ist; Suber montanum.


Bergkosten (W3) [Adelung]


Die Bergkosten, singul. inusit. alle Kosten, welche zur Anlegung und Unterhaltung eines Bergwerkes erfordert werden.


Bergkrähe (W3) [Adelung]


Die Bergkrähe, plur. die -n, eine Art Häher, welche sich auf den Alpen und andern hohen Gebirgen aufhält, und deren es wieder verschiedene Arten gibt Sie wird auch Alpenkrähe genannt. S. Nußhäher.


Bergkrampf (W3) [Adelung]


* Der Bergkrampf, des -es, plur. inusit. ein größten Theils veraltetes Wort, welches nur noch in einigen Kalendern angetroffen wird. In der Römischen Kirche wurde der Freytag vor dem Palmsonntage, an welchen man daselbst das Gedächtniß des Mitleidens der Jungfrau Maria, als sie Christum auf dem Berge Golgatha leiden sahe, Mariä Bergkrampf, Mariä Ohnmachtsfeyer genannt. Jetzt nennt man diesen Tag in der Römischen Kirche gemeiniglich den Tag der sieben Schmerzen Mariä. S. Krampf.


Bergkratze (W3) [Adelung]


Die Bergkratze, plur. die -n, ein eisernes Werkzeug der Minirer im steinigem Erdreiche.


Bergkresse (W3) [Adelung]


Die Bergkresse, plur. inusit. ein Pflanzengeschlecht mit Schoten, welche von einander springen, worauf sich die Schalenstücke aufrollen: Cardamine, L. Es gibt verschiedene Arten dieser Pflanzen, wohin nach dem Linne auch die Wiesenkresse und die Bitterkresse gehören.


Bergkrystall (W3) [Adelung]


Der Bergkrystall, des -es, plur. inusit. ein glasartiger durchsichtiger Stein, der theils in sechseckiger, theils in unförmlicher Gestalt, am häufigsten in den Höhlen und Ritzen der Berge erzeuget wird. S. Krystall.


Bergkübel (W3) [Adelung]


Der Bergkübel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kübel oder hölzernes Gefäß, worin Berge und Erz aus den Gruben gefördert werden.


Bergkuh (W3) [Adelung]


Die Bergkuh, plur. die -kühe, ein Amerikanisches Thier, welches so wohl auf der Erde, als im Wasser lebet, einer Kuh gleicht, aber weder Hörner noch starke Haare hat.


Berglachter (W3) [Adelung]


Das Berglachter, des -s, plur. ut nom. sing. ein in den Bergwerken übliches Längenmaß, welches so viel als eine Klafter ist, 3 und eine halbe Ellen hält, und in 80, im Mansfeldischen aber in 84 Zoll getheilet wird.


Bergland (W3) [Adelung]


Das Bergland, des -es, plur. die -länder, in der Landwirthschaft, ein Acker, der an einem Berge lieget, und an einigen Orten dem Gartenlande entgegen gesetzet wird. S. Bergschlag.


Berglasur (W3) [Adelung]


Die Berglasur, plur. inusit. S. Berggrün.


Berchlauch (W3) [Adelung]


Der Berchlauch, S. Bergknoblauch.


Bergläufig (W3) [Adelung]


Bergläufig, adj. et adv. welches unter den Bergleuten vorkommt, für bergüblich, nach Art und Gebrauch der Bergleute. Bergläufig reden, sich bergmännischer Redensarten bedienen.


Bergleder (W3) [Adelung]


Das Bergleder, des -s, plur. ut nom sing. 1) Dasjenige Leder, welches die Bergleute vor dem Hintern tragen; das Arschleder. 2) Eine Asbest-Art von weißlicher oder gelber Farbe, welche biegsame unter einander laufende Fasern hat, welche eine blätterige Gestalt hervor bringen; Aluta montana. In dieser Bedeutung ist der Plural nicht üblich.


Berglehne (W3) [Adelung]


Die Berglehne, plur. die -n, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, die abhängige Seite eines Berges. S. Berghalde und Abhang.


Berglerche (W3) [Adelung]


Die Berglerche, plur. die -n, eine Art Lerchen, welche sich nur in hohen Gebirgen aufhält; Alauda alpestris, L.


Bergletten (W3) [Adelung]


Der Bergletten, des -s, plur. inusit. im Bergbaue, derjenige Thon oder Letten, welcher zuweilen unter und neben den Erzen bricht.


Bergleute (W3) [Adelung]


Die Bergleute, S. Bergmann.


Berglilie (W3) [Adelung]


Die Berglilie, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme derjenigen Lilie, welche auch Türkischer Bund genannt wird; Lilium Martagon, L.


Berglosung (W3) [Adelung]


Die Berglosung, plur. die -en, im Bergbaue, ein geräumiger Platz in einer Grube, die Berge und andere Sachen, welche den Arbeitern hinderlich sind, dahin zu setzen. S. Losung.


Bergmaise (W3) [Adelung]


Die Bergmaise, S. Bergmeise.


Bergmann (W3) [Adelung]


Der Bergmann, des -es, plur. die Bergleute. 1) In der weitesten Bedeutung, der Einwohner eines bergigen Landes, in welcher Bedeutung der Plural Bergleute zuweilen vorkommt, im Gegensatze der Thalleute, oder Bewohner der Thäler. 2) In engerer und er gewöhnlichsten Bedeutung, ein jeder der bey dem Bergbaue gebraucht wird, und bergmännisch gekleidet gehet, die Hüttenarbeiter mit eingeschlossen. 3) In noch engerer Bedeutung, verstehet man unter diesem Ausdrucke zuweilen nur die Grubenarbeiter, mit Ausschließung der Hüttenleute. 4) In noch engerm Umfange der Bedeutung, diejenigen Grubenarbeiter, welche noch nicht für Häuer gelten, und daher diesen nacharbeiten müssen. 5) In der engsten Bedeutung, der in den zum Bergbaue, und besonders zum Grubenbaue gehörigen Wissenschaften erfahren ist, er mag nun bey dem Bergbaue gebraucht werden oder nicht. Ein Bergmann vom Leder, der das Mechanische der Grubenarbeiten verstehet, und auch wohl selbst ausübet. Ein Bergmann von der Feder, der bey deinem Bergwerke nur mit der Feder arbeitet; ingleichen der hinlängliche theoretischen Kenntnisse von den Bergwerkswissenschaften hat. Ein Bergmann vom Feuer, welcher das Schmelz- und Hüttenwesen verstehet, und dabey angestellet ist, drey nur in den Bergwerken übliche Ausdrücke.


Bergmännchen (W3) [Adelung]


Das Bergmännchen, im Oberdeutschen Bergmännlein, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Art Gespenster, welche nach dem Aberglauben der Bergleute gewisse Berge bewohnen, wirklich einen Leib haben, klein von Statur seyn, und ungereitzt niemanden beleidigen sollen. S. auch Kobold. 2) Die kleinen Zacken oder Hahnen, welche an den Brandstücken aufzuschießen pflegen, wenn sie nach dem Brennen zu geschwinde in das Kalte kommen, werden in den Schmelzhütten gleichfalls Bergmännchen genannt, weil man sie abergläubiger Weise für eine gute Vorbedeutung eines bevorstehenden neuen Schmelzens hält.


Bergmännisch (W3) [Adelung]


Bergmännisch, adj. et adv. was die Bergleute angeht, und von ihnen geschiehet, ingleichen nach Art der Bergleute. Ein bergmännischer Aufzug, der von Bergleuten vorgenommen wird. Bergmännisch reden, gekleidet gehen u. s. f. Bergmännisch bauen, vorsichtig. Eine bergmännische Anweisung, ein guter Anbruch, der dem Bergmanne reiche Ausbeute verspricht.


Bergmannstreu (W3) [Adelung]


Die Bergmannstreu, plur. inusit. eine Art Mannstreu, oder Brachdistel, welche an hohen ungebaueten Örtern wächset; Eryngium campestre, L. im Gegensatze der Mannstreu, die an den Seeküsten einheimisch ist, und daher Seemannstreu genannt wird. S. Mannstreu.


Bergmehl (W3) [Adelung]


Das Bergmehl, des -es, plur. car. ein zarter Schlich von verwitterten Kalkarten, welchen die Tagewasser in den Steinklüften absetzen; Erdmehl, Himmelsmehl. Es gleichet dem Mehle und ist von Unwissenden mehrmahls zu ihren großen Schaden gegessen worden. S. Mondmilch.


Bergmeierkraut (W3) [Adelung]


Das Bergmeierkraut, des -es, plur. inusit. ein besonders in Niedersachsen üblicher Nahme desjenigen Lab- oder Meierkrautes, welches gern in bergigen Wäldern wächset; Galium montanum, L.


Bergmeise (W3) [Adelung]


Die Bergmeise, plur. die -n, eine Art Meisen, welche sich gern in den Gebirgen aufhält; Parus caudatus, L. Weil sie an andern Orten auch die niedrigen und morastigen Gegenden liebt, so wird sie daselbst auch Moormeise, Rietmeise, wegen ihres langen Schwanzes Schwanzmeise, Zagelmeise, Zogelmeise, Pfannenstiel, sonst aber auch Schneemeise genannt. S. auch Aschmeise.


Bergmeister (W3) [Adelung]


Der Bergmeister, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Im Bergbaue, ein Bergbeamter, der im Nahmen des Lehensherren die Zeche verleihet, das ganze Bergwerk richtet, und den Oberbergmeister über sich hat, in welcher Rücksicht er auch Unterbergmeister genannt wird. 2) An einigen Orten, z. B. zu Nürnberg, führen diesen Nahmen auch die zwey Vorgesetzten der Steinbrecher-Innung. 3) An noch andern Orten heißt auch der Vorgesetzte eines Weinberges ein Bergmeister, S. Weinmeister.


Bergmesser (W3) [Adelung]


Der Bergmesser, des -s, plur ut nom. sing. ein gewisses Werkzeug der Feldmesser, die Höhen der Berge damit messen.


Bergmilch (W3) [Adelung]


Die Bergmilch, plur. car. ein Nahme, welchen man im Bergbaue allen denjenigen Metallen beyleget, welche in weicher und flüssiger Gestalt in der Erde angetroffen werden, weil sie alsdann einer Milch nicht unähnlich seyn. Dahin gehören alsdann auch die metallischen Guhren. Besonders führet diesen Nahmen eine reine weiße Kalkerde, wenn sie in flüssiger Gestalt angetroffen wird.


Bergmittel (W3) [Adelung]


Das Bergmittel, des -s, plur ut nom. sing. bey den Bergleuten so viel als Bergart. Taube Bergmittel, taube Bergarten.


Bergmönch (W3) [Adelung]


Der Bergmönch, des -es, plur. die -e, ein Berggespenst, welches sich zuweilen in Gestalt eines Mönches in den Bergwerken sehen lassen soll. S. Berggeist.


Bergmünze (W3) [Adelung]


Die Bergmünze, plur. inusit. eine Art Münze, oder Melisse, mit zweytheiligen Blumenstielen, welche aus den Winkeln der Blätter entspringen und so lang als die Blätter sind; Melissa Calamintha, L. Sie wächst auf den Bergen Italiens, Spaniens und Frankreichs. An einigen Orten wird auch die wilde Basilie, Thymus Acinos L. Bergmünze genannt, weil sie gleichfalls an dürren Orten wächset.


Berg-Musicant (W3) [Adelung]


Der Berg-Musicant, des -en, plur. die -en, Bergleute, welche die Musik verstehen, und sich bey bergmännischen Feyerlichkeiten hören lassen; Bergsänger.


Bergnachfahrer (W3) [Adelung]


Der Bergnachfahrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bergbeamter, welcher den Bergleuten auf den Zechen nachfahren, und auf die Bergmeister und Geschwornen Acht geben muß.


Bergnägelein (W3) [Adelung]


Das Bergnägelein, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art wilder Nägelein, oder Grasblumen, mit einem einfachen Schafte, welcher ein Blumenköpfchen trägt, und gleich breiten Blättern; Bergnelke, Berggrasblume, Statice Armeria, L.


Bergnelke (W3) [Adelung]


Die Bergnelke, plur. die -n, S. das vorige.


Berg-Nymphe (W3) [Adelung]


Die Berg-Nymphe, plur. die -n, in der Mythologie der Griechen und Römer, Nymphen, welche die Berge bewohneten.


Bergobergeschworne (W3) [Adelung]


Der Bergobergeschworne, S. Berggeschworne.


Bergöhl (W3) [Adelung]


Das Bergöhl, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein flüssiger brennbarer Erdsaft, welcher an einigen Orten aus den Bergen und Felsen quillet; Erdöhl. Es ist schwerer, als die Naphta, gelb oder braun von Farbe, zieht das Gold aus dem Königswasser nicht in sich, wie jene, und ist unter dem Nahmen des Steinöhles am bekanntesten; Petroleum.


Bergordnung (W3) [Adelung]


Die Bergordnung, plur. die -en, eine Verordnung des Landesherren, nach welcher sich die Bergbeamten und Bergleute richten müssen.


Berg-Papa (W3) [Adelung]


Das Berg-Papa, plur. car. eine ausländische Pflanze, welche in Peru auf den Anhöhen wächset, und womit Linne zu den Nachtschatten gerechnet wird. Sie hat einen unbewehrten krautartigen Stamm, und fast herzförmige ausgeschweifte Blätter; Solanum montanum, L. Der Nahmen Papa ist vermuthlich Amerikanisch.


Bergpapier (W3) [Adelung]


Das Bergpapier, des -es, plur. inusit. eine Art Asbest, welche harte und dünne Blätter hat, die dem Papiere gleichen; Bergzunder, Steinpapier. S. Bergleder, von welchem es sich bloß durch die geringere Dicke der Blätter unterscheidet.


Bergpech (W3) [Adelung]


Das Bergpech, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein schwarzes, trockenes und brüchiges Erdharz, welches dem Peche gleicht; Erdpech, Erdharz, Judenpech, Steinpech, Asphalt, Bitumen Asphaltum, L. Die härteste Art desselben ist unter dem Nahmen des Gagathes bekannt.


Berg-Petersilie (W3) [Adelung]


Die Berg-Petersilie, plur. inusit. eine Art Vogelnest oder Heilwurz, mit aus einander gesperrten Blättchen, welche auf freyen Hügeln wild wächset; Athamanta Oreoselinum, L. Sie wird auch Grundheil, Vielgut, und in der gemeinen Oberdeutschen Mundart Bergpeterlein genannt.


Bergpfleger (W3) [Adelung]


Der Bergpfleger, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person auf den Harzischen Bergwerken, welche die Kosten zu einer Grube einzutreiben und zu berechnen hat, und mit dem Schichtmeister anderer Orten einerley ist.


Bergpilz (W3) [Adelung]


Der Bergpilz, S. Birkenpilz.


Bergprediger (W3) [Adelung]


Der Bergprediger, des -s, plur. ut nom. sing. ein ordentlicher Prediger, der in den Bergstädten vor den Bergleuten predigt.


Bergpredigt (W3) [Adelung]


Die Bergpredigt, plur. die -en. 1) Einen Predigt, welche in Bergstädten zu gewissen Zeiten vor den Bergleuten gehalten wird. 2) Die Bergpredigt Christi, diejenige Rede, welche Christus von einem Berge an das versammelte Volk hielt, und welche Matth. 5-7 aufgezeichnet ist.


Bergpumpe (W3) [Adelung]


Die Bergpumpe, plur. die -n, Pumpen, welche in Bergwerken üblich sind, das Wasser aus dem Gesenke zu heben.


Bergrath (W3) [Adelung]


Der Bergrath, des -es, plur. die -räthe. 1) Ein fürstlicher Rath, welcher in Bergwerkssachen gebraucht wird. 2) Zu Halle in Sachsen, ein Rath in dem Berggerichte; S. dieses.


Bergratze (W3) [Adelung]


Die Bergratze, plur. die -n, 1) Ein Nahme des Murmelthieres; Mus Marmota, L. 2) Eine andere Art Ratzen gebirgiger Gegenden, welche auch Springer genannt wird; Mus Jaculus, L.


Bergraute (W3) [Adelung]


Die Bergraute, plur. inusit. 1) eine Raute mit ungetheilten rundlichen Blättern, welche in den Spanischen Gebirgen wächset; Ruta montana, L. 2) Eine Art wilder Raute, welche auch in den Deutschen Gebirgen wächset, eine dicke, harte, holzige Wurzel, und einen stärkern widrigen Geruch, auch schärfern und bittern Geschmack, als die Weinraute hat, und zu der Ruta graveolens L. zu gehören scheinet.


Bergrecht (W3) [Adelung]


Das Bergrecht, des -es, plur. die -e, 1) Das Recht, Bergwerke zu bauen, Bergleute zu halten, und der damit verknüpften Freyheiten genießen; ohne Plural. Einem Orte Bergrecht verleihen. In dieser Bedeutung kommt das Wort schon in einer Urkunde Kaiser Heinrichs vom Jahre 1189 beym Schilter im Gloss. S. 102 vor. Cum piscaturis et molendinis, alpibus et venis ferri, quod vulgo Bergrecht dicitur. 2) Bergrechte, d. i. Gesetze, welche in Bergwerkssachen von der Obrigkeit erlassen, oder durch das Herkommen eingeführet worden. Ingleichen deren Sammlung, und ganzer Inbegriff, welcher gleichfalls das Bergrecht genannt wird. 3) An einigen Orten, z. B. in Österreich, eine Abgabe, welche die Besitzer der Weinberge noch außer dem Zehenten an die Grundherrschaft entrichten müssen. Daher der Bergrechtsherr, der diese Abgabe einzuheben berechtiget ist; der Bergrechtsholde, der sie entrichten muß. S. Holde.


Bergrechtlich (W3) [Adelung]


Bergrechtlich, adj. et adv. den Bergrechten gemäß. S. Bergrecht 2.


Berg-Regal (W3) [Adelung]


Das Berg-Regal, des -es, plur. inusit. der Bergbau als ein Regal oder landesfürstliches Vorrecht betrachtet, das landesherrliche Eigenthum über die in dem Staate befindlichen Bergwerke und dahin gehörigen Mineralien.


Bergreihe (W3) [Adelung]


Die Bergreihe, plur. die -n, eine Reihe an einander hängender Berge, wie Bergkette.


Bergreihen (W3) [Adelung]


Der Bergreihen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bergleuten, ein jedes Lied, es sey geistlichen oder weltlichen Inhaltes. S. Reihen.


Bergrichter (W3) [Adelung]


Der Bergrichter, des -s, plur. ut nom. sing. eine obrigkeitliche Person, welche die Streitigkeiten unter den Bergleuten beyzulegen hat, welches an einigen Orten auch von dem Bergmeister geschiehet. Im Mansfeldischen heißt er Bergvogt.


Bergrietgras (W3) [Adelung]


Das Bergrietgras, des -s, plur. inusit. 1) Eine Art Rietgras mit sehr kurzen, gelblichen, weichen, gestreiften und nachenförmigen Blättern, welche auf den Bergen häufig wächset; Carex montana, L. 2) Eine Art Rohrgras oder Schilf, dessen Blätter an der innern Seite mit Haaren bewachsen, an der äußern aber glatt, und mit einer weißen erhabenen Mittelrippe durchgezogen sind, und gleichfalls auf den Bergen wächset; Bergschilf, Arundo Epigejos, L.


Bergrose (W3) [Adelung]


Die Bergrose, plur. die -n. 1) Ein Nahme der Alprose, welches S. 2) Die Virginische Bergrose; Azalea nudiflora L.


Bergroth (W3) [Adelung]


Das Bergroth, indecl. plur. inus. 1) Ein Nahme, der einige dem Rauschgeld geben, weil es von außen hochroth aussiehet. S. Rauschgeld. 2) S. Bergröthel.


Bergröthe (W3) [Adelung]


Die Bergröthe, plur. inus. 1) Bey einigen der gewachsene Zinnober. S. Bergzinnober. 2) Eine Pflanze, welche zu der Färberröthe gehöret, und auch wilde Röthe und Waldmeister genannt wird; Asperula tinctoria, L.


Bergröthel (W3) [Adelung]


Der Bergröthel, des -s, plur. inus. ein eisenschüssiger röthlicher abfärbender Speckstein, welcher unter dem Nahmen des Röthels oder Röthelsteines am bekanntesten ist, sonst aber auch Bergroth genannt wird.


Bergrücken (W3) [Adelung]


Der Bergrücken, des -s, plur. ut nom. sing. der oberste Theil einer Bergkette oder Bergreihe.


Bergruhrkraut (W3) [Adelung]


Das Bergruhrkraut, des -es, plur. inus. eine Art Ruhrkrautes mit gestreckten Ranken, sehr einfachem Stamme und einem einfachen flachen Blumenstrauße; Katzenpfötlein, Gnaphalium dioicum, L.


Bergrüster (W3) [Adelung]


Die Bergrüster, plur. die -n, S. Bergulme.


Bergruthe (W3) [Adelung]


Die Bergruthe, S. Wünschelruthe.


Bergsäbel (W3) [Adelung]


Der Bergsäbel, des -s, plur. ut nom. sing. ein bergmännisches Gewehr mit einem schwarzen Griffe, welches die Ältesten der Knappschaft tragen.


Bergsache (W3) [Adelung]


Die Bergsache, plur. die -n. 1) Eine jede Sache, welche den Bergbau betrifft. 2) Eine Sache, welche für das Berggericht gehöret.


Bergsaft (W3) [Adelung]


Der Bergsaft, des -s, plur. von mehrern Arten, die -säfte, eine allgemeine Benennung allen brennbaren mineralischen Körper, welche in flüssiger Gestalt zum Vorscheine kommen, oder solche doch ehedem gehabt haben. Nach ihrer verschiedenen Flüssigkeit und Dicke bekommen sie wiederum verschiedene Nahmen. S. Bernstein, Ambra, Sagat, ingleichen Bergbalsam, Bergfett, Bergöhl, Bergharz, Bergpech, Bergtheer u. s. f.


Bergsalz (W3) [Adelung]


Das Bergsalz, S. Steinsalz.


Bergsänger (W3) [Adelung]


Der Bergsänger, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bergleuten, ein Berg-Musicant, selbst wenn er nur allein die Instrumental-Musik verstehet.


Bergschänder (W3) [Adelung]


Der Bergschänder, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bergleuten, jemand, der den Bergbau eines Ortes verkleinert und verläumdet.


Bergscharte (W3) [Adelung]


Die Bergscharte, plur. inus. ein Nahme der Färberscharte; Serratula tinctoria, L.


Bergschicht (W3) [Adelung]


Die Bergschicht, plur. die -en, im Bergbaue, eine Schicht, d. i. Arbeit, welche die Bergleute in ihren Feyerstunden verrichten. S. Schicht.


Bergschichtmeister (W3) [Adelung]


Der Bergschichtmeister, S. Schichtmeister.


Bergschilf (W3) [Adelung]


Der Bergschilf, des -es, plur. inus. S. Bergrietgras 2.


Bergschlag (W3) [Adelung]


Der Bergschlag, des -es, plur. die -schläge, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, ein Schlag, oder Acker, welcher an einem Berge liegt. S. Schlag und Bergland.


Bergschlange (W3) [Adelung]


Die Bergschlange, plur. die -n, die größte Art Schlangen, welche in den gebirgigen Gegenden der wärmern Welttheile einheimisch ist, und auch Riesenschlange genannt wird; Boa Ophries, L.


Bergschloß (W3) [Adelung]


Das Bergschloß, des -sses, plur. die -schlösser, ein Schloß, welches auf einem Berge lieget.


Bergschmid (W3) [Adelung]


Der Bergschmid, des -es, plur. die -schmiede, ein Schmid welcher das zum Bergbaue nöthige Eisenwerk verfertiget; die Bergschmiede, plur. die -n, dessen Werkstätte.


Bergschmiele (W3) [Adelung]


Die Bergschmiele, plur. die -n, eine Art Schmielen mit schmalen und binsenförmigen Blättern, einem anfänglich engen Strauße, dessen Äste sich aber, wenn er verblühet hat, ausbreiten, mit brauner Blüthe und langen gebogenen Grannen; Aira montana, L. Sie wachsen in bergigen Wäldern.


Bergschnecke (W3) [Adelung]


Die Bergschnecke, plur. die -n, ein Nahme der rothen nackten Erdschnecken, so fern sie in gebirgigen Gegenden angetroffen werden.


Bergschnepfe (W3) [Adelung]


Die Bergschnepfe, plur. die -n, S. Waldschnepfe.


Bergschöppenstuhl (W3) [Adelung]


Der Bergschöppenstuhl, des -es, plur. die -stühle, ein Schöppenstuhl oder Gericht in Bergsachen; dergleichen sich z. B. zu Freyberg befindet, welches der dasige Stadtrath bestellet, und von welchem die Urtheile in Bergsachen eingehohlet werden.


Bergschreiber (W3) [Adelung]


Der Bergschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. der Schreiber in einem Bergamte.


Bergschüssig (W3) [Adelung]


Bergschüssig, -er, -ste, adj. et adv. im Bergbaue, mit Bergen, d. i. tauben Erd- oder Steinarten vermischt. Bergschüssiges Erz, wo Gestein mit eingesprenget ist, oder welches in Gängen weitläufig aus einander liegt, und viel Berg zwischen sich hat. S. Schuß.


Bergschwaden (W3) [Adelung]


Der Bergschwaden, des -s, plur. ut nom. sing. der in den Bergwerken befindliche Schwaden, oder die mit mineralischen Dünsten ausgefüllte Luft. S. Schwaden und Wetter.


Bergschwalbe (W3) [Adelung]


Die Bergschwalbe, plur. die -n, eine Art Schwalben, welche sich nur in hohen Gebirgen aufzuhalten pflegt; Hirundo alpestris, Daurica, Pall.


Bergschwefel (W3) [Adelung]


Der Bergschwefel, des -s, plur. inus. 1) Eine Art Vitriol, der wie ein gelbes Salz in den Bergwerken gediegen gefunden wird. Er hat mit dem Schwefel vielleicht nichts als die Farbe gemein. 2) Rother Bergschwefel, rother Arsenik.


Bergsegen (W3) [Adelung]


Der Bergsegen, des -s, plur. inus. der reichliche Ertrag des Bergbaues.


Bergseife (W3) [Adelung]


Die Bergseife, plur. inus. eine Art schwarzbläulichen Thonsteines, welche sich fettig, wie Seife anfühlet, und sich stark an die Zunge hängt.


Bergseil (W3) [Adelung]


Das Bergseil, des -es, plur. die -e, dasjenige Seil, welches in den Schächten gebraucht wird, allerley Lasten damit aus den Gruben zu ziehen.


Berg-Seseli (W3) [Adelung]


Das Berg-Seseli, plur. inus. eine Art Seseli mit häutigen, länglichen, ungetheilten, ästigen Blattstielen und schmalen Stammblättern; Seseli montanum, L. Es wächset auf den Bergen Italiens und Frankreichs.


Bergsohle (W3) [Adelung]


Die Bergsohle, plur die -n, bey den Bergleuten, der Grund, worauf sich ein Berg erhebt, S. Sohle.


Bergsperling (W3) [Adelung]


Der Bergsperling, des -es, plur. die -e, ein Sperling mit braunen Kopf, Rücken und Kehle, einem weißen Striche in dem Nacken und unter den Augen, welcher sich in gebirgigen Gegenden aufhält; Passer montanus minimus, Kl.


Bergspitze (W3) [Adelung]


Die Bergspitze, plur. die -n, die Spitze, oder der Gipfel eines Berges.


Bergstadt (W3) [Adelung]


Die Bergstadt, plur. die -städte. 1) Eine Stadt, welche auf einem Berge lieget. 2) Eine Stadt, welche von Bergleuten bewohnet wird, und die damit verbundenen Freyheiten genießet.


Bergsteiger (W3) [Adelung]


Der Bergsteiger, S. Steiger.


Bergstorch (W3) [Adelung]


Der Bergstorch, plur. die -störche, S. Bergfalk.


Bergstraße (W3) [Adelung]


Die Bergstraße, plur. die -n, überhaupt eine jede Straße, welche durch oder über einen Berg oder Gebirge gehet. Besonders ist unter diesem Nahmen die Landstraße am Odenwalde zwischen Darmstadt und Heidelberg bekannt.


Bergsträßer (W3) [Adelung]


Der Bergsträßer, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben. 1) Ein Einwohner der Gegend an und um der Bergstraße. 2) Ein Frankenwein, welcher in der Grafschaft Erbach, im Amte Schönberg an der Bergstraße wächset; ohne Plural.


Bergsturz (W3) [Adelung]


Der Bergsturz, des -es, plur. die -stürze, S. Bergfall.


Bergsucht (W3) [Adelung]


Die Bergsucht, plur. car. eine Art Lungensucht, welche die Bergleute von der ungesunden Luft oder dem matallischen Staube in den Bergwerken sehr häufig vorkommen. S. Hüttenkatze. Im Böhmischen heißt diese Krankheit Percoch, welcher Nahme vermuthlich aus dem Deutschen verstümmelt ist.


Bergsüchtig (W3) [Adelung]


Bergsüchtig, adj. et adv. mit der Bergsucht behaftet; bergfertig.


Bergtalg (W3) [Adelung]


Der Bergtalg, des -es, plur. inus. ein fettiges und dabey festes Erdharz, welches dem Talge gleicht, und eine Art des Bergfettes ist.


Bergtalk (W3) [Adelung]


Der Bergtalk, S. Talk.


Bergtaube (W3) [Adelung]


Die Bergtaube, plur. die -n, eine Art wilder Tauben, welche sich nur in gebirgigen Gegenden aufhält; Columba montana, L.


Bergther (W3) [Adelung]


Der Bergther, des -es, plur. inus. ein schwarzes dickes Bergöhl, welches einen starken und widerlichen Geruch hat; Petroleum tenax, Maltha.


Bergtheil (W3) [Adelung]


Das Bergtheil, des -es, plur. die -e, derjenige Antheil, welchen jemand an der Unterhaltung und dem Ertrage einer Zeche hat, und welcher gemeiniglich aus einem Kuxe, oder dem 128sten Theile einer Zeche bestehet. Indessen wird auch ein ganzer, halber u. s. f. Kur mit dem Nahmen eines Bergtheiles beleget. S. Kur.


Bergtorf (W3) [Adelung]


Der Bergtorf, des -es, plur. inus. derjenige Torf, welcher auf hoch liegenden Örtern angetroffen wird; im Gegensatze desjenigen, der in tiefen, sumpfigen Gegenden erzeuget worden.


Bergtrespe (W3) [Adelung]


Die Bergtrespe, plur. inus. eine Art Trespe, welche der Ackertrespe gleichet, nur daß sie nicht ey- sondern linienförmige und sehr schmale Ähren hat und auf den Bergen wächset; Bromus tectorum, L.


Bergtrog (W3) [Adelung]


Der Bergtrog, des -es, plur. die -tröge, im Bergbaue eine kleine Mulde, womit Erze und Zwitter in den Karren und Kübel gestürzet werden.


Bergüblich (W3) [Adelung]


Bergüblich, adj. et adv. den Gebräuchen und der Kunst der Bergleute gemäß; in der Sprache der Bergleute bergläufig. Bergüblich sprechen, bauen u. s. f.


Berguhu (W3) [Adelung]


Der Berguhu, des -s, plur. die -e, S. Bergeule.


Bergulme (W3) [Adelung]


Die Bergulme, plur. die -n, eine Art Ulmen, welche gern an hohen Örtern wächset, und sich von den übrigen Arten dieses Baumes, die ohne dieß noch sehr unbestimmt sind, wohl in keinem wesentlichen Stücke unterscheidet. S. Ulme. In Niedersachsen wird die Bergulme Bergrüster genannt.


Bergunter (W3) [Adelung]


Bergunter, adv. den Berg hinunter, bergab. Bergunter gehen, fahren u. s. f. Es gehet bergunter. Ingleichen figürlich, im gemeinen Leben. Nichts ist leichtgläubiger als ein weibliches Geschöpf, mit deren Reitzungen es bergunter geht, Weiße, welche abzunehmen anfangen.


Bergurtheil (W3) [Adelung]


Das Bergurtheil, des -es, plur. die -e, das Urtheil eines Berggerichtes oder Bergschöppenstuhles.


Bergviole (W3) [Adelung]


Die Bergviole, plur. die -n, eine Viole mit aufrecht wachsenden Stämmen, und länglichen herzförmigen Blättern, welche auf den Bergen Deutschlandes und Lapplandes wächset; Viola montana L.


Bergvogt (W3) [Adelung]


Der Bergvogt, des -es, plur. die -vögte, S. Bergrichter.


Bergwachs (W3) [Adelung]


Das Bergwachs, des -es, plur. inus. ein Erdharz, welches noch zäher als Bergther ist, und in Ansehung seiner Dicke zwischen den festen und flüssigen brennbaren Erdkörpern in der Mitte stehet.


Bergwand (W3) [Adelung]


Die Bergwand, plur. die -wände, im Bergbaue, eine taube Steinmasse, welche sich von dem übrigen klüftigen Gesteine absondert. Ist dieses Stück erzhaltig, so wird es eine Erzwand genannt. S. Wand.


Bergwasser (W3) [Adelung]


Das Bergwasser, des -s, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. Wasser, welches von Bergen kommt, und größten Theils aus geschmolzenen Schnee bestehet.


Bergweiderich (W3) [Adelung]


Der Bergweiderich, des -s, plur. inus. eine Art Weiderich mit eyförmigen, gezähnten Blättern, welche einander gegen über stehen; Epilobium montanum, L.


Bergwein (W3) [Adelung]


Der Bergwein, des -s, plur. inus. ein Wein, der in Weinbergen erbauet worden, im Gegensatze dessen, der auf ebenen Feldern gezeuget wird.


Bergwerk (W3) [Adelung]


Das Bergwerk, des -es, plur. die -e, ein Ort, wo man dem Bergbau treibet, d. i. auf bergmännische Art nach Erzen und Mineralien gräbet. Ein Bergwerk bauen. Ein Bergwerk fündig machen, oder erregen, es entdecken. Ein Bergwerk zu Sumpfe treiben, eine Zeche verderben, daß sie muß liegen bleiben. Daher das Goldbergwerk, Silberbergwerk, Zinnbergwerk, Kupferbergwerk, Vitriolbergwerk, Schwefelbergwerk, Alaunbergwerk u. s. f.


Bergwetter (W3) [Adelung]


Die Bergwetter, singul. inus. im Bergbaue, die Luft in den Bergwerken, S. Wetter.


Bergwiesel (W3) [Adelung]


Das Bergwiesel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Wiesel gebirgiger Gegenden, welche unter dem Nahmen der Hermelines am bekanntesten ist.


Bergwolle (W3) [Adelung]


Die Bergwolle, plur. inus. S. Bergflachs.


Bergzahn (W3) [Adelung]


Der Bergzahn, des -es, plur. die -zähne, eine Art pyramidenförmigen Kalkspathes, dessen Krystalle den Zähnen gleichen.


Bergzehente (W3) [Adelung]


Der Bergzehente, des -n, plur. die -n. 1) Der Zehente von den im Bergbaue gewonnenen Mineralien. 2) In engerer Bedeutung, der Zehente von denjenigen Erzen, welche aus den auf die Halde geworfenen Bergen, d. i. tauben Erd- und Steinarten, gewonnen wird. In dieser Bedeutung kommt es in den Urkunden der mittlern Zeit mehrmahls vor, und muß alsdann nicht mit dem Silberzehenten verwechselt werden. So schenkte Markgraf Heinrich dem Kloster Nimptschen 1277 den Bergzehenten von allen seinen Silberzechen im Lande; worunter denn nur dieser Zehente, dar m Ende nicht sehr wichtig seyn konnte, zu verstehen ist.


Bergzehentner (W3) [Adelung]


Der Bergzehentner, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bergbeamter, der das geschmelzte Metall, welches den Zehenten gibt, annimmt, und es so wohl dem Landesherren, als den Gewerken berechnet.


Bergzeitlose (W3) [Adelung]


Die Bergzeitlose, plur. inus. eine Art Zeitlosen mit gleich breiten, weit abstehenden Blättern, welche auf den Bergen in Spanien und der Schweiz wächset; Colchicum montanum, L.


Bergziege (W3) [Adelung]


Die Bergziege, plur. die -n, das Weibchen des Bergbockes, S. dieses Wort.


Bergzimmermann (W3) [Adelung]


Der Bergzimmermann, des -es, plur. die -leute, ein Zimmermann, welcher die zum Bergbaue nöthigen Kunst- und Wasserräder geschickt zu bauen weiß.


Bergzinn (W3) [Adelung]


Das Bergzinn, des -es, plur. inus. reines Zinn, so wie es aus der Schmelzhütte kommt, ehe es noch durch einen Zusatz von Arsenik weißer und klingender worden, Hüttenzinn; zum Unterschiede von dem Probezinne.


Bergzinnober (W3) [Adelung]


Der Bergzinnober, des -s, plur. inus. gewachsener Zinnober, so wie er von der Natur selbst in den Bergwerken hervor gebracht wird, Bergröthe; im Gegensatze des durch die Kunst verfertigten.


Bergzunder (W3) [Adelung]


Der Bergzunder, S. Bergpapier.


Bericht (W3) [Adelung]


Der Bericht, des -es, plur. die -e. 1) Die pflichtmäßige Erzählung einer geschehenen Sache an einen Obern, ingleichen die Schrift, worin selbige enthalten ist. Einem Bericht erstatten, ertheilen, abstatten. Bericht von etwas ertheilen, geben, erstatten. 2) Eine belehrende Antwort auf eine gethane Frage, doch nur in den gemeinen Mundarten. Einem Bericht geben.

Anm. Bericht wird in der ersten Bedeutung nur noch von der pflichtmäßigen Erzählung einer Sache eines Untern an seinen Vorgesetzten gebraucht; obgleich das Verbum berichten von einem größerm Umfange der Bedeutung ist Ehedem bedeutete dieses Wort auch Unterricht. Ein Dichter soll Bericht von wahrer Weisheit geben, Opitz. Es hat mich auch so witzig können machen,Herr, dein Befehl, dein heiliger Bericht, ebend. Ps. 119, 52. In dieser Bedeutung kommt Gerihti schon bey dem Ottfried vor. Die ehemahligen Bedeutungen eines Vertrages, ingleichen des Verstandes, sind im Hochdeutschen gleichfalls veraltet.


Berichten (W3) [Adelung]


Berichten, verb. reg. act. welches mit bereiten einerley Ursprung und Bedeutung hat, die nöthige Zubereitung zu etwas geben.1. Eigentlich, mit der vierten Endung der Sache, in welcher Bedeutung dieses Wort nur noch als ein Kunstwort in einigen wenigen Fällen gebraucht wird. So berichtet man in den Münzen die Münzstücke, wenn man sie zur Ründung zubereitet. Bey den Jägern heißt, einen Falken berichten, so viel als ihn abrichten, zahm machen.2. Figürlich. 1) Einen Kranken berichten, in den gemeinen Mundarten, ihm das heil. Abendmahl reichen, und ihn dadurch zum Sterben bereiten; in welcher Bedeutung auch das Schwedische beraetta und Dänische berette gebraucht wird. 2) Unterricht ertheilen, belehren, doch nur noch von dem Unterrichte in einzelnen Fällen, und im gemeinen Leben; gleichfalls mit der vierten Endung der Person. Bericht mich doch, wohin der Weg gehet. Einen unrecht berichten. Wo ich anders recht berichtet bin. Ihr seyd ganz falsch berichtet. Wie man fraget, so wird man berichtet. Im Oberdeutschen nimmt es in dieser Bedeutung die zweyte Endung der Sache zu sich. Jemanden eines Dinges berichten; welches auch im Hochdeutschen nachgeahmet wird, doch nur in der Redensart, jemanden eines andern oder eines bessern berichten. 3) Nachricht ertheilen, zu eines Wissenschaft bringen, mit der dritten Endung der Person und der vierten der Sache. Einem was berichten. Am häufigsten gebraucht man dieses Wort, von der Nachricht, welche ein Abwesender schriftlich ertheilet. Berichtet mir doch, was ihr macht. Er berichtet uns alles. Er hat nichts davon berichtet. Einem die Wahrheit berichten. Man wird ihnen den Erfolg davon berichten. Man berichtet aus Pohlen, daß u. s. f. Die Oberdeutschen gebrauchen berichten auch hier mit der vierten Endungder Person, welches auch in der gemeinen Hochdeutschen Redensart, einem mit Lügen berichten, nachgeahmet wird. Die Wortfügung mit der zweyten Endung der Sache, welche gleichfalls Oberdeutsch ist, findet sich noch Apostelg. 21, 24: Weß sie wider dich berichtet sind.

Anm. Das einfache rihten bedeutet schon bey den Ottfried unterrichten. Eben derselbe gebraucht B. 5, Kap. 9 girihten für berichten mit der zweyten Endung, girihtet mih thes. Berichten für regieren, beherrschen, kommt noch bey den Schwäbischen Dichtern vor. Über dieß bedeutete es ehedem auch begaben, begiften, versorgen; ingleichen versöhnen, einen Vergleich, Vertrag stiften, wovon Frisch einige Beyspiele gesammelt hat. Die Alten hatten auch ein Bey- und Nebenwort, bericht, für kundig, erfahren, welches aber im Hochdeutschen nicht mehr üblich ist. Welcher des wegs was nit bericht, nicht kundig, Theuerd. Kap. 33. Ihr habt denn ein berichten scheffmann, einen erfahrnen Schiffer, ebend. Kap. 65. Das Substantiv die Berichtung, ist nur in der eigentlichen Bedeutung, ingleichen von der Reichung des Abendmahles an einen Kranken üblich.


Berichtigen (W3) [Adelung]


Berichtigen, verb. reg. act. welches nicht das Intensivum oder Frequentativum des vorigen ist, sondern unmittelbar von dem Bey- und Nebenworte richtig herkommt, richtig machen, doch nur in einigen Fällen der figürlichen Bedeutung. Einen Aufsatz berichtigen, verbessern, die Sache ist nunmehr berichtiget, zu Ende gebracht, abgethan. Eine Rechnung berichtigen. Eine Schuldpost berichtigen, bezahlen. Es ist schon berichtiget, bezahlet, worden. So auch die Berichtigung.

Anm. Dieses Wort ist von richtig vollkommen regelmäßig abgeleitet, und auch fast durchgängig üblich, selbst außer den Kanzelleyen; daher es den Tadel nicht verdienet, den Gottsched in seiner Sprachkunst über dasselbe ausschüttet. In dem Lateine der mittlern Zeiten werden addretiare, adrechurare, adrecurare, adresciare, auf ähnliche Art gebraucht, besonders aber von der Ersetzung eines verursachten Schadens.


Beriechen (W3) [Adelung]


Beriechen, verb. irreg. act. S. Riechen, oft an etwas riechen, um es kennen zu lernen. Etwas beriechen.


Berill (W3) [Adelung]


Berill, S. Beryll.


Beringen (W3) [Adelung]


Beringen, verb. reg. act. mit einem Ringe versehen, einen Ring um etwas legen; im gemeinen Leben, besonders in der Landwirthschaft, wo die Säue und Stuten zuweilen beringet werden, die Befruchtung derselben zu verhindern. Ist der Finger beringt, so ist die Jungfer gedingt, ist ein alter Ausspruch, welcher zuweilen noch im gemeinen Leben gehöret wird, weil ehedem nur verlobte und verheiratete Personen Ringe tragen durften.


Beritt (W3) [Adelung]


* Der Beritt, des -es, plur. die -e, an einigen Orten derjenige District, welchen ein Forst- oder Wegebereiter zu bereiten hat. S. Bereiten.


Beritten (W3) [Adelung]


Beritten, S. Bereiten.


Berkan (W3) [Adelung]


Der Berkan, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein von Kameel- oder Ziegenhaaren gemachter Zeug, mit einem gezwirnter oder rund gedreheten Faden, oder eine Art Kamelot mit einem größern Korne, als der gewöhnliche. Heut zu Tage wird der Berkan gemeiniglich aus Wolle verfertiget. Der Nahme dieses Zeuges ist ausländisch. Im Ital. lautet er Barracano, Baracano, im Franz. Barracan und Bouracan, im Lateine der mittlern Zeiten Barracanus; dessen Abstammung aber ist ungewiß. S. das du Fresne Glossar. v. Barracanus.


Berliner (W3) [Adelung]


Der Berliner, des -s, plur. ut nom. sing. Fäm. die Berlinerinn, plur. die -en, eine Person, welche aus Berlin gebürtig ist, oder von Berlin kommt. Übrigens ist Berliner auch ein unabänderliches Beywort, welches verschiedenen Werken der Kunst beygeleget wird, die in Berlin erfunden, oder daselbst verfertiget worden. Berliner-Blau, eine blaue Mahlerfarbe, welche zu Anfange des vorigen Jahrhunderts von Dippeln zu Berlin erfunden worden, und auch Preußisch-Blau heißt. Das Berliner Eisen, ein Fuchseisen mit zwey Bügeln, welche, wenn sie aufgestellet werden, eine Oval-Ründe machen; ein Schwanenhals. Die Berliner Witterung, eine besondere Materie die Fuchseisen damit zu bestreichen u. s. f.


Berme (W3) [Adelung]


Die Berme, plur. die -n, im Festungsbaue, ein schmaler Gang am Fuße des Walles unten am Graben, vornehmlich des Einfallen des Walles zu verhindern. Es ist aus dem Französischen Berme, obgleich dieses seinen Deutschen Ursprung von Bräme, ein Rand, nicht verlängern kann.


Berner (W3) [Adelung]


Berner, 1) Der verkürzte Nahme Bernhard, S. daselbst. 2) Von dem alten bernen, brennen, in einigen Gegenden ein Nahme des Feuerschröters, S. denselben.


Bernger (W3) [Adelung]


Bernger, ein alter Deutscher männlicher Taufnahme, von dem veralteten Bern, Glanz, Ruhm, Ehre, und ger, begierig, welcher so viel als ruhmbegierig bedeutet, und im Lateinischen Berengarius, Werengarius, Werinharius und zusammen gezogen Werinzo, Wernzo, Bernzo lautet.


Bernhard (W3) [Adelung]


Bernhard, ein gleichfalls männlicher Taufnahme, von Bern, Ruhm, und der alten Ableitungssylbe hard oder ard, welche so viel wie Er ist, und bloß ein Subject bedeutet, daher der Nahme oft auch nur Berner und verkürzt Bernd lautet. Alle diese Formen bedeuten einen Berühmten.


Bernhardiner (W3) [Adelung]


Der Bernhardiner, des -s, plur. ut nom. sing. ein Mönch von dem Orden des heil. Benedicts, so wie derselbe hernach von dem heil. Bernhard, Abt zu Clervaux, reformiret worden. Daher der Bernhardiner-Mönch, die Bernhardiner-Nonne, das Bernhardiner-Kloster u. s. f. Es wird dieser Orden auch der Cistercienser-Orden genannt, von Cisteaux, der vornehmsten Abtey dieses Ordens in Frankreich.


Bernstein-Alabaster (W3) [Adelung]


Der Bernstein-Alabaster, des -s, plur. inus. ein weißer Alabaster im Amte Hohenstein, der mit gelben durchsichtigen Spathstückchen durchsetzt ist.


Bernsteinarbeiter (W3) [Adelung]


Der Bernsteinarbeiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Künstler, der allerley künstliche Sachen aus Bernstein verfertiget.


Bernsteinern (W3) [Adelung]


Bernsteinern, adj. et adv. aus Bernstein verfertiget. Bernsteinerne Köpfe, Dosen, u. s. f.


Bernsteinfang (W3) [Adelung]


Der Bernsteinfang, des -es, plur. inus. das Fangen, d. i. Auffischen des Bernsteines aus der See.


Bernsteingericht (W3) [Adelung]


Das Bernsteingericht, des -es, plur. die -e, ein besonderes Gericht in Preußen zu Palminken, welches die Streitigkeiten schildert, welche über das Bernsteinsammeln entstehen.


Bernsteinkammer (W3) [Adelung]


Die Bernsteinkammer, plur. die -n, ein Collegium in Preußen, welches dem Bernsteinfange vorgesetzet ist, indem der Bernstein daselbst unter die Regalien gerechnet wird.


Bernsteinöhl (W3) [Adelung]


Das Bernsteinöhl, des -es, plur. inus. das aus dem Bernsteine destillirte Öhl.


Bernsteinsalz (W3) [Adelung]


Das Bernsteinsalz, des -es, plur. inus. 1) Ein saures flüchtiges Salz, welche durch die Destillation des Bernsteines erhalten wird, dessen Natur und Eigenschaft aber noch nicht völlig bekannt ist. 2) Ein salziges, schleimiges Wesen, welches mit harzigen Theilchen vermischt ist, und vermittelst warmen Wassers aus dem Bernsteine ausgelauget wird.


Bernsteinschöppe (W3) [Adelung]


Der Bernsteinschöppe, des -n, plur. die -n, in Preußen, der Schöppe, oder Beysitzer des Bernsteingerichtes.


Bernsteinverwalter (W3) [Adelung]


Der Bernsteinverwalter, des -s, plur. ut nom. sing. der die Aufsicht über den für den Landesherren gesammelten Bernstein hat, und die Einkünfte davon berechnet.


Bernsteinwind (W3) [Adelung]


Der Bernsteinwind, des -es, plur. die -e, bey dem Bernsteinfange, derjenige Wind, mit welchem der Bernstein an das Ufer getrieben wird.


Bern-Thaler (W3) [Adelung]


Der Bern-Thaler, des -s plur. ut nom. sing. eine Art Thaler, welche im Canton Bern geschlagen werden, und 30 gute Groschen gelten.


Beroden (W3) [Adelung]


* Beroden, verb. reg. act. in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, so viel als behacken. Den Kohl, die Kartoffeln beroden. Daher die Berodung. S. Roden.


Berohren (W3) [Adelung]


Berohren, verb. reg. act. mit Rohr versehen. Ein Zimmer berohren, das Holzwerk an den Wänden und Decken mit Rohr benageln, damit der Mörtel desto besser darauf hafte. Daher die Berohrung.


Berosten (W3) [Adelung]


Berosten, verb. reg. neutr. mit seyn, mit Rost überzogen werden. Das Eisen ist berostet.


Berschkohl (W3) [Adelung]


Berschkohl, S. Wirschkohl.


Berschling (W3) [Adelung]


Berschling, S. Börs.


Bersich (W3) [Adelung]


Bersich, S. Wirsching.


Bersten (W3) [Adelung]


Bersten, verb. irreg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert; ich berste, du berstest, er berstet, (du birstest, er birstet;) Imperf. ich borst, (ich barst); Supin. geborsten; einen Riß bekommen, von einander springen. Die Erde ist geborsten. Eine geborstene Mauer. Figürlich. Er will vor Zorn bersten. Mein Herz, ach, es berstet, Weiße.

Anm. Bersten, Nieders. barsten, basten, Schwed. brista, Angels. berstan, byrstan, beorstan, burstan, Engl. to burst, druckt den Schall aus, den einige Körper im Bersten machen. Es gehört in dieser Betrachtung zu dem Worte brechen, welches ehedem auch bresten lautete, und bey dem Ulphilas wird brikan sehr deutlich für bersten gebraucht. Heut zu Tage werden beyde Verba genau unterschieden; indem bersten, wenigstens im Hochdeutschen, eigentlich nur von verschiedenen harten Körpern gebraucht wird, dagegen von andern springen, reißen, brechen üblicher sind. Die irreguläre Conjugation im Präsenti, und das Imperfectum ich barst, werden zwar von einigen Hochdeutschen auch noch gebraucht, doch kommen sie in der edlern Schreibart seltener vor. In den gemeinen Mundarten hat man auch die Hauptwörter der Barst, der Berst oder der Borst, wovon die beyden ersten Oberdeutsch sind, das letzte aber Niedersächsisch ist; allein im Hochdeutschen sind sie, wenigstens in der edlen Sprechart, nicht üblich.


Berstgras (W3) [Adelung]


Das Berstgras, des -es, plur. inus. eine Art Rietgras, welches in den Wassergräben und an sumpfigen Örtern wächset, und dessen Blätter dreyeckig, wie eine Hohlklinge sind; Carex Pseudo Cyperus, L. In nassen Jahren ist es dem Rindviehe tödtlich, weil sich alsdann ein gewisser Wurm in dem hohlen Stängel von unten in die Höhe begibt, der, wenn er mit genossen wird, macht, daß das Vieh davon aufschwillet, und zerplatzet, wenn ihm nicht schleunig geholfen wird. Von dieser schädlichen Eigenschaft wird es Berstgras, Berstkraut, Berstschilf, Berstrohr, Platzkraut, Platzgras, in Sachsen auch Sprenggras, um Helmstädt aber Brenngras genannt.


Berstkraut (W3) [Adelung]


Das Berstkraut, des -es, plur. inus. 1) S. Berstgras. 2) Ein Nahme, der an einigen Orten auch dem Schierlinge, wegen seiner tödtlichen Eigenschaft gegeben wird. S. Schierling.


Bertha (W3) [Adelung]


Bertha, ein weiblicher Taufnahme, welcher von dem alten bert, glänzend, berühmt, abstammet, welches noch in den Endsylben vieler männlichen Taufnahmen, wie Eckbert, Adelbert, Albert, Siegbert u. s. f. übrig ist.


Bertram (W3) [Adelung]


1. Bertram, ein männlicher Taufnahme, gleichfalls von bert, berühmt, ingleichen Ruhm, und ram, dessen Bedeutung noch dunkel ist, ungeachtet es in vielen eigenthümlichen Nahmen so wohl vornen als hinten angetroffen wird, wie in Rambold, Ramfried, Waltram, Adelram, Gundram u. s. f.


Bertram (W3) [Adelung]


2. Das Bertram, des -s, plur. inus. ein Nahme der verschiedenen Pflanzen beygeleget wird. 1) Einer Art Chamillen, mit einfachen einblümigen niederliegenden Stämmen, und gefiederten, viel Mahl gespaltenen Blättern, welche in dem westlichen Asien und dem untersten Theile Italiens wächset, und eigentlich das wahre Bertram ist; Anthemis Pyrethrum, L. 2) Einer Art Achillen-Krautes mit lanzettförmigen, scharf zugespitzten Blättern, mit kleinen Sägeeinschnitten, welche in den gemäßigten Gegenden Europens wächset, und Deutsches oder wildes Bertram genannt wird; Achillea Ptarmica, L. 3) Einer Art Äppich, Apium sylvestre, L. welche auch Olsenich und wilder Bertram heißt. Der Nahme Bertram ist aus dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, den diese Pflanze wegen der scharfen brennenden Eigenschaft ihrer Wurzel bekommen hat. Weil das Kraut des wahren Bertrams im Munde Speichel erwecket, so wird es auch Geiferwurz und Speichelkraut genannt; das wilde hat an einigen Orten auch den Nahmen Dragun, Dorant, weißer Reinfaren, Berufkraut, Nieselkraut.


Berüchtigen (W3) [Adelung]


Berüchtigen, verb. reg. act. in ein nachtheiliges Gerücht bringen. Jemanden berüchtigen. Darum, daß er eine Jungfrau in Israel berüchtiget hat, 5. Mos. 22, 19. Der beständige Betrug dieser Götzen (der Reichthümer und der Ehre) hat sie noch nicht so übel berüchtiget u. s. f. Dusch. Am häufigsten ist in dieser Bedeutung das Mittelwort berüchtigt üblich. Ein berüchtigter Dieb. Des La Mettrie berüchtigte Schriften. Er ist wegen seiner Übelthaten im ganzen Lande berüchtigt.

Anm. Dieses Wort ist von dem alten Rucht, fama, S. Getücht und Ruchtbar, und wurde ehedem auch in gutem Verstande gebraucht. In einer Bremischen Urkunde von 1406 werden bedarve und beruchtigde Lüde, fromme Leute und die einen guten Ruf haben, zusammen gesetzt, und in dem neuen Testamente Luthers von 1523 wird rüchtig durch nahmhaftig, einesgroßen Rümß, erkläret. Das Zeitwort wird im Oberdeutschen auch mit der zweyten Endung der Sache verbunden. Jemanden eines Diebstahls berüchtigen. So jemandt eyner übelthat berüchtiget würde, heißt es in Kaiser Carls des Fünften Halsgerichtsordnung von 1523, Art. 6. Allein diese Wortfügung ist im Hochdeutschen nicht gewöhnlich, wo das Verbum überhaupt selten vorkommt, und nur das Participium berüchtigt, wo einem bösen, lasterhaften Rufe, üblich ist. Das Niedersächsische beruchten, und Schwed. berykta, kommen in der Bedeutung mit dem Hochdeutschen berüchtigen überein. S. Anrüchtig und Berufen.


Berücken (W3) [Adelung]


Berücken, verb. reg. act. 1. Eigentlich, das Netz über ein Thier rücken und es dadurch fangen. Einen Vogel berücken. In weiterer Bedeutung überhaupt, mit List fangen. Ein wildes Thier berücken. 2. Figürlich. 1) Unvermuthet überfallen. Indessen, daß der Frost sie nicht entblößt berücke, Hall. Wo ich weide, Da rath ich, schleiche mir nicht nach... Sie nicht so sträflich zu berücken, Verspricht und hält ihr Palydor, Haged. 2) Mit List betriegen, hintergehen. Jemanden berücken, Du borgst umsonst, uns zu berücken, Den Nahmen kalter Freundlichkeit, Cron. So auch die Berückung.

Anm. Es ist sehr wahrscheinlich, daß mit diesem Worte zunächst auf die Rückung des Netzes gesehen werde, wodurch ein Thier gefangen wird. Indessen ist doch auch wahr, daß das einfache Ruck schon vor Alters Betrug bedeutet hat. Denn in diesem Verstande kommt es bey dem Hornegk in Pezens Glossario vor, und das Englische to rook bedeutet noch jetzt betriegen.


Beruf (W3) [Adelung]


Der Beruf, des -es, plur. inus. 1. Die Handlung des Berufens. 1) Eigentlich, in welcher Bedeutung dieses Wort aber nur von dem feyerlichen Rufe zu einem Amte gebraucht wird. Ein rechtmäßiger Beruf. Einen Beruf zu etwas bekommen. Ingleichen in der Theologie von der Bekanntmachung des göttlichen Willens, wodurch die Menschen eingeladen werden, an den Gnadenwohlthaten Gottes Theil zu nehmen. Der Gnadenberuf Gottes an die Menschen. Dem göttlichen Berufe folgen. Doch sind in beyden Fällen auf Ruf und Berufung üblich. 2) Figürlich. (a) Neigung, innerlicher Trieb. Beruf bey sich zu etwas empfinden. Ich empfinde eben keinen Beruf, mir das zu versagen, worauf mir mein Leben ein Recht gibt. Wenn man im gemeinen Leben sagt, ich finde keinen Beruf, so steht finden alsdann für empfinden. S. beyde Wörter; z. B. ich finde heute keinen Beruf, einer solchen Versammlung beyzuwohnen. (b) Bewegungsgrund, Verbindlichkeit. Sorge für Mangel ist ein Beruf zum Fleiße.2. Dasjenige, wozu jemand berufen worden, in der weitesten Bedeutung diese Zeitwortes, Amt, pflichtmäßige Lebensart. Das erfordert mein Beruf. Das ist mein Beruf, mein Amt, meine Lebensart verbindet mich dazu. In seinem ordentlichen Berufe bleiben. Seinem Berufe nachgehen. Aus seinem Berufe schreiten. Er lebt in keinem gewissen Berufe, hat keine bestimmte Lebensart. Daher Berufsarbeit, Berufsgeschäfte, der Berufsgefährte, ein College.

Anm. Beruf, für Appellation, in den Rechte, ist im Hochdeutschen nicht, wohl oder im Oberdeutschen üblich. S. das folgende. In einigen gemeinen Mundarten wird es auch für das Gerücht, den Ruf, oder das Urtheil anderer von unsern sittlichen Eigenschaften, obgleich nur in nachtheiligen Verstande gebraucht. Er stehet in keinen guten Berufe. S. Berufen das Beywort.


Berufen (W3) [Adelung]


Berufen, verb. irreg. act. ( S. Rufen,) 1) Zu etwas rufen. Jemanden zu sich berufen, so fern solches schriftlich oder mittelbarer Weise geschiehet. Am häufigsten in engerer Bedeutung, zu einem Amte förmlich rufen oder einladen, besonders zu einem Kirchlichen Amte. Jemanden zu einem Pfarrdienste zu einem Schuldienste berufen. Daher das Berufungsrecht, das Jus patronatus. Ingleichen im theologischen Verstande, da von Gott gesagt wird, er berufe die Menschen, wenn er ihnen die Mittel zur Besserung bekannt machen lässet. Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen u. s. f. Röm. 8, 30. 2) Zusammen rufen, im gemeinen Leben. Die Gemeine berufen. 3) Mit Worten bezaubern, in der Naturlehre das Pöbels. Jemanden berufen, in Obersachsen beschreyen. Das Kind ist berufen. 4) Sich auf etwas berufen, dasselbe als einen Beweis, als ein Zeugniß u. s. f. anführen. Er berief sich auf mich, führete mich zum Zeugen an. Sich auf seine Unschuld berufen. Gegen Sterbliche können wir uns auf die Unsterblichen berufen, gegen die Welt auf ihren Schöpfer, Dusch. In engerer Bedeutung hieß, sich auf jemanden berufen, in den Gerichten ehedem auch so viel als an denselben appelliren, Apostelg. 25, 11; Kap. 26, 32; Kap. 28, 19, welcher Gebrauch aber in Hochdeutschen sehr ungewöhnlich geworden ist.So auch die Berufung, in allen obigen Bedeutungen. Das Substantiv der Berufer, welches Röm 9, 12 vorkommt, ist ungebräuchlich.


Berufen (W3) [Adelung]


Berufen, adj. et adv. ohne Zweifel das Participium der vergangenen Zeit von dem vorigen Worte, aber in einer längst verloren gegangenen Bedeutung desselben, was einen großen Ruf hat, wovon viel gesprochen wird. Er schien fast glücklicher zu preisen, Als die berufnen sieben Weisen, Haged. Oft auch im nachtheiligen Verstande, übel berufen, berüchtigt. Ein berufener Dieb.


Berufkraut (W3) [Adelung]


Das Berufkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme, welcher im gemeinen Leben verschiedenen Pflanzen gegeben wird, welche als ein Gegenmittel wider das Berufen, oder Beschreyen, besonders der Kinder dienlich seyn sollen. 1) Der Sideritis Scordioides, L. welche eine Art des Gliedkrautes ist, in Frankreich und Thüringen wild wächset, und auch Zeischenskraut genannt wird. 2) Der Conyza squarrosa, L. welche zu den Flöhpflanzen gehöret, und auch Dürrwurz, Dän. Tordenurt, Troldurt, genannt wird. S. Dürrwurz. 3) Dem Erigeron acre, L. welches auch blaue Zauberwurz, und im Dän. blaae Troldurt heißt. 4) Der tauben Nessel, Lamium, L. besonders derjenigen Art derselben, welche purpurrothe Blumen trägt, und ehedem für ein kräftiges Mittel wider die Zauberey gehalten wurde. 5) Dem Senecio vulgaris, L. welches auch unter dem Nahmen der Kreuzkrautes bekannt ist, und, besonders in Obersachsen, den Kindern, wenn sie beschrieen seyn sollen, eingegeben wird, und vielleicht noch andern mehr.


Beruhen (W3) [Adelung]


Beruhen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1) Wie das einfache ruhen. So wird euer Friede auf ihn beruhen, bleiben, Luc. 10, 6. Im Hochdeutschen wird es am häufigsten mit dem Hülfsworte lassen gebraucht. Man lässet dieses böse Betragen aus Langmuth beruhen, man lässet es ungestrafet ruhen. Wir wollen es dabey beruhen (bewenden) lassen. Im Oberdeutschen wird beruhen in dieser Bedeutung auch außer dem Infinitivo in den übrigen Arten gebraucht, welches aber im Hochdeutschen selten ist. Er beruhet bey dieser Erklärung, läßt es dabey bewenden. Auch in der eigentlichen Bedeutung kommt es bey den Logau vor: Jeder ruhe wie er will; ich beruhe in dieser Ruh. 2) Den Grund in etwas haben, mit dem Vorworte auf und der dritten Endung. Auf ihm beruhet das Wohl des ganzen Hauses, es kommt auf ihn an. Es beruhet nicht meine, deine eigene Glückseligkeit beruhet darauf, Dusch. Es beruhet bloß darauf, ob er kommen will. Die ganze Sache beruhet auf Muthmaßungen.

Anm. Das Niedersächsische berauen bedeutet nicht nur ruhen lassen, sondern auch Ruhe haben. Aus dem folgenden Intensivo erhellet, daß beruhen ehedem auch in der thätigen Gattung, für Ruhe geben, verschaffen, üblich gewesen seyn müsse.


Beruhigen (W3) [Adelung]


Beruhigen, verb. reg. act. welches das Intensivum des vorigen ist, so fern es ehedem auch als ein Activum üblich war, man müßte es denn zunächst von dem Beyworte ruhig ableiten wollen; ruhig machen, doch nur in den figürlichen Bedeutung, besonders von der Ruhe des Gemüthes, von einer Unruhe oder Unlust des Gemüthes befreyen. Beruhigen sie sich, lassen sie ihren Zorn, ihren Gram, ihre Sorgen fahren. Beruhige dich mit dem Gedanken, daß du mir alles wieder zurück giebest, Dusch. Ich kann mich dabey nicht beruhigen, ich kann mich dabey nicht zufrieden geben. Siehe zu, ob du ihn beruhigen kannst. Wie martert es mich, daß ich dir beruhigender (tröstender) Gedanke, nicht ganz glauben darf! Daher die Beruhigung, so wohl von der Handlung des Beruhigens, als auch von dem Zustande einer wieder hergestellten Ruhe des Gemüthes, und endlich auch von demjenigen, was diese Ruhe gewähret, Trost. Könntest du diese Beruhigungen empfinden! Dusch.


Berühmen (W3) [Adelung]


Berühmen, verb. reg. recipr. Sich einer Sache, oder mit einer Sache berühmen, im gemeinen Leben, sich derselben rühmen, sich dieselbe zum Ruhme erzählen, oft auch in nachtheiligem Verstande. Sich mit Dingen berühmen, die man niemahls genossen hat, Wiese. Berühme dich einer bessern That.

Anm. Peruomen, findet sich schon bey dem Notker, und sich beroumen, mit der zweyten Endung, in dem alten Gedichte auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter. Die Niedersachsen sagen so wohl berömen, als verrömen, beyde als ein Reciprocum, und in eben dieser Mundart war Beroom ehedem auch für Prahlerey, Selbstlob, üblich.


Berühmt (W3) [Adelung]


Berühmt, -er, -este, adj. et adv. welches eigentlich das Participium der vergangenen Zeit des vorigen Verbi ist, so fern dasselbe rühmen, sehr rühmen bedeutet haben mag, Ruhm habend, rühmlich bekannt. Ein berühmter Mann. Ein berühmtes Buch. Eine berühmte That. Er ist sehr berühmt. Sich berühmt machen. Berühmt werden. Hochberühmt, weltberühmt, einen hohen Grad des Ruhmes ausdrucken. Für berühmt ist im Oberdeutschen auch verrühmt üblich. Das Substantivum, die Berühmtheit, ist wenig gebräuchlich.


Berühren (W3) [Adelung]


Berühren, verb. reg. act. so neben einer andern Sache seyn, daß nichts dazwischen Statt finden kann. etwas mit der Hand, mit einem Stecken berühren, anrühren. Figürlich, einer Sache Erwähnung thun, ihrer mit wenig Worten gedenken. Ich will diese Sache nur berühren. Berührter (gedachter) Maßen, in den Kanzelleyen. So auch die Berührung, doch am häufigsten nur in der eigentlichen Bedeutung; der Berührungs-Punct, des -es, plur. die -e, in der Geometrie, derjenige Punct, in welchem zwey Linien sich berühren, punctum contactus; der Berührungswinkel, des -s, plur. ut nom. sing. der Winkel, der daraus entstehet, angulus contactus.

Anm. Ottfried gebrauchte biruaren schon im eigentlichen Sinne, dagegen Tatian, und Isidors Übersetzer in eben derselben Bedeutung noch das einfache ruaran, und hriran haben. Das sind Sachen, welche mich berühren, angehen, ist im Hochdeut- schen ungewöhnlich. Berührt, für vom Schlage getroffen, ist gleichfalls veraltet.


Berupfen (W3) [Adelung]


Berupfen, ver. reg. act. oft an etwas rupfen, durch Rupfen kahl machen. Eine Ganz berupfen. Figürlich und im Scherze, einen berupfen, ihn durch List des Seinigen berauben. Niedersächsisch beplücken. Daher die Berupfung.


Berußen (W3) [Adelung]


Berußen, verb. reg. act. mit Ruß beschmutzen. Sich berußen. Mit schwarz berußten Schwingen, Zachar. Der müß'ge Panzer hing an der berußten Wand, ebend.


Beryll (W3) [Adelung]


Der Beryll, des -es, plur. die -e, ein meergrüner Edelstein, der oft in das Weiße fällt, und so wohl im Oriente als auch in der Schweiz, Böhmen und Sachsen gefunden wird. Der Nahme Beryllus, der sich schon bey dem Plinius findet, ist nach dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . In den mittlern Zeiten bedeutete Bericle im Franz. und Bericlus im Latein. einen jeden Krystall, wie aus dem du Fresne und Carpentier erhellet. Der Verfasser des alten Gedichtes auf Carls des Großen Spanischen Feldzug, bey dem Schilter, braucht Berille für Perle. S. auch Brille und Aquamarin.


Beryll-Fluß (W3) [Adelung]


Der Beryll-Fluß, des -sses, plur. von mehrern Arten, die -Flüsse, ein durchsichtiger Spath, welcher dem Berylle an Farbe gleichet, oder auch ein dem Berylle ähnliches Glas.


Besaamen (W3) [Adelung]


Besaamen, S. Besamen.


Besacken (W3) [Adelung]


Besacken, verb. reg. act. mit gefüllten Säcken belegen. Einen Esel besacken. Im niedrigem Scherze, sich besacken, sich bepacken; ingleichen bereichern, unerlaubten Gewinn bey einer Sache erwerben. Nieders. besacken.


Besäen (W3) [Adelung]


Besäen, verb. reg. act. mit dem nöthigen Samen bestreuen. Ein Feld mit Weitzen, einen Acker mit Dinkel besäen. S. Besamen. Figürlich werden in der Wapenkunst Schilde besäet genannt, wenn sie mit Figuren von einerley Art ganz angefüllet sind.


Besage (W3) [Adelung]


Besage, ein aus dem Hauptworte Sage gebildetes Nebenwort, welches daher die zweyte Endung erfordert, aber am häufigsten im Oberdeutschen üblich ist. Besagen seines eigenen Bekenntnisses, wie sein eigenes Bekenntniß besaget, bezeuget. Besage seiner Rechnung. Besage dessen. S. das folgende.


Besagen (W3) [Adelung]


Besagen, verb. reg. act. welches im Oberdeutschen einheimisch ist, aber doch auch einigen Bedeutungen im Hochdeutschen, und besonders in der Gerichts- und Kanzelleysprache üblich geworden ist. 1) Für sagen, Erwähnung thun, melden. Dein Buch besagt von mir, Opitz. Der Brief besagt ein mehreres, Weiße. Der Titel besagt alles, was im Buche enthalten ist. Auf besagte Weise. Besagter Maßen. Ingleichen für bezeugen, ausweisen. Die Rechnung wird es deutlich besagen. Das besagt die Unterschrift zur Genüge, Weiße. 2) * Für anklagen; daher die Besagung, die Klage, und der Besagter, der Kläger; welche Bedeutung aber im Hochdeutschen eben so unbekannt ist, als die, nach welcher dieses Zeitwort, 3) * im Oberdeutschen auch für verrathen gebraucht wird. Du hast mich besagt. Ein Schalk besagt den andern nicht.


Besägen (W3) [Adelung]


Besägen, verb. reg. act. an etwas sägen. Einen Baum besägen.


Besaiten (W3) [Adelung]


Besaiten, verb. reg. act. mit Saiten beziehen, in der höhern Schreibart. In jene Laute, die dir jüngst besaitet ward, Ramler.


Besalben (W3) [Adelung]


+ Besalben, verb. reg. act. welches nur in den niedrigen Sprecharten vorkommt. 1) Mit Roth besudeln, beschmutzen. 2) Betriegen. Du hast mich besalbt.


Besamen (W3) [Adelung]


Besamen, verb. reg. act. 1) In einigen Gegenden so viel als besäen. Ein Feld mit Gerste besamen, 2) Sich besamen, sichdurch den Samen fortpflanzen. Die biblischen Redensarten: Wenn ein Weib besamet wird und gebieret ein Knäblein, 3 Mos. 12, 2; du sollst auch nicht bey deines Nächsten Weib liegen, sie zu besamen., Kap. 18, 20; es kommt die Zeit, daß ich das Haus Israel besamen will, Jer. 31, 27, sind im Hochdeutschen ungewöhnlich. So auch die Besamung.

Anm. Ehedem bedeutete dieses Wort auch versammeln, und, sich mit einem großen Heere besamen, hieß so viel als ein großes Heer auf die Beine bringen. S. Sammeln.


Besanden (W3) [Adelung]


Besanden, verb. reg. 1. Activum, mit Sand bestreuen, nur bey den Schmieden, welches das Eisen, wenn es in der Schweißhitze ist, besanden, damit es nicht verbrenne. 2. Neutrum, mit seyn, mit Sand angefüllet werden, von den Häfen und Flüssen, wofür doch versanden üblicher ist.


Besänftigen (W3) [Adelung]


Besänftigen, verb. reg. act. sanft machen, doch nur in figürlicher Bedeutung, von heftigen Leidenschaften. Einen Zornigen besänftigen. So auch die Besänftigung. In Strykers altem Gedichte bey dem Schilter wird semften und gesemften für lindern gebraucht, wovon unser besänftigen das Frequentativum ist. Die Niedersachsen gebrauchen dafür sachten, versachten, und die Schweden sackta, beydes von sacht.


Besanmast (W3) [Adelung]


Der Besanmast, des -es, plur. die -e, ein in den Seegegenden aus dem Holländischen aufgenommenes Wort, den hintersten kleinen Mast auf einem Schiffe auszudrucken. Das Besansegel, des -s, plur. ut nom. sing. das an demselben befindliche Segel.


Besatzung (W3) [Adelung]


Die Besatzung, plur. die -en. 1. * Von dem Verbo besitzen, welches in einigen Oberdeutschen Mundarten ehedem besatzen lautete, so viel als Besitz, oder Besitzung, in welcher Bedeutung dieses Wort aber nur in den Hallischen Salzwerken üblich ist, wo es auch wohl Besatz lautet, und so wohl den Besitz, als auch die des Besitzes wegen angestellte Zusammenkunft bedeutet.2. Von dem Verbo besetzen, welches in den meisten Oberdeutschen Mundarten noch jetzt besatzen angesprochen wird, so wohl die Handlung des Besetzens, als auch dasjenige, womit etwas besetzet wird. Im Hochdeutschen kommt dieses Wort noch in folgenden Fällen vor. 1) Von der Besetzung eines Ortes mit Mannschaft, und dieser Mannschaft selbst. Eine Stadt mit Besatzung versehen. Besatzung in einen Ort legen. Besatzung einnehmen. Zur Besatzung in einer Stadt liegen. Daher das Besatzungsrecht, kraft dessen jemand berechtiget ist, eine Festung zu besetzen. 2) Bey den Schlössern, werden diejenigen Stücke Eisen am einem Schlosse, welche in die Einstrichen des Schlüsselbartes passen, und welche verhindern, daß man ein Schloß nicht mit einem jeden andern Schlüssel aufschließen kann, gleichfalls die Besatzung, sonst aber auch das Gewirre, und das Eingerichte genannt. In den übrigen Bedeutungen des Zeitwortes besetzen ist im Hochdeutschen Besetzung üblicher. Ehedem wurde Besatzung auch für Arrest gebraucht.


Besauen (W3) [Adelung]


+ Besauen, verb. reg. act. welches nur in der niedrigen Sprechart für sehr beschmutzen üblich ist. So auch die Besauung.


Besaufen (W3) [Adelung]


+ Besaufen, verb. irreg. act. ( S. Saufen,) welches gleichfalls in die niedrige Sprechart gehöret, im hohem Grade trunken machen. Jemandem besaufen. Sich besaufen. Er war ganz besoffen. Ein Besoffener, der im hohem Grade betrunken ist. Bisoufan, besoufan, kommen schon bey dem Kero, Ottfried und Notker, aber in der Bedeutung des Ersäufens, vor. Die heutige Bedeutung scheinet neuer zu seyn.


Besäumen (W3) [Adelung]


Besäumen, verb. reg. act. mit einem Saume einfassen. Ein Halstuch besäumen; auch nur säumen schlechthin.


Beschaben (W3) [Adelung]


Beschaben, verb. reg. act. an etwas schaden, durch Schaben bearbeiten. Ein Stück Holz beschaben. Daher die Beschabung.


Beschädigen (W3) [Adelung]


Beschädigen, verb. reg. act. Schaden zufügen, doch nur von dem körperlichen Schaden, der dem Baue einer Schade zugefüget wird. Jemanden an seinem Leibe beschädigen. Einen Garten, ein Haus beschädigen. er fiel und wurde am Kopfe beschädiget. Von der Verletzung der Ehre, des Vermögens, wie Pf. 7, 5; Sprichw. 22, 3; Ezech. 18, 12, und an andern Orten der Deutsche Bibel, ist dieses Wort im Hochdeutschen ungewöhnlich. Daher die Beschädigung, so wohl von der Handlung, als auch dem dadurch zugefügten schaden selbst.

Anm. Beschaden, wovon unser Zeitwort das Intensivum ist, war ehedem so wohl im Oberdeutschen, als Niedersächsischen bekannt genug. In dem 1276 zusammen getragenen Augsburgischen Stadtrechte bedeutet beschädigen auch gerichtlich belangen. In der heutigen Bedeutung ist im Oberdeutschen das einfache schädigen üblich.


Beschaffen (W3) [Adelung]


Beschaffen, adj. et adv. welches doch am häufigsten nur als ein Adverbium mit dem Verbo seyn gebraucht wird, so wohl die innern oder wesentlichen, als auch zuweilen die äußern oder zufälligen Bestimmungen einer Sache auszudrucken. Die Sache ist so beschaffen. Ingleichen unpersönlich mit der Präposition mit. Es ist mit dem Schalle wie mit den Tönen beschaffen. Es ist sehr übel mit ihm beschaffen in weiterer Bedeutung, er befindet sich in schlechten äußern Umständen. Der Gebrauch dieses Wortes als ein Adjectiv, z. B. bey so beschaffenen Sache, ist seltener.

Anm. Das Verbum beschaffen, von welchem unser Nebenwort eigentlich das Participium der vergangenen Zeit ist, bedeutete ehedem schaffen, erschaffen, creare, und kommt in diesem Sinne in den vorigen Jahrhunderten häufig vor. Du weist nachdem dich Gott beschuf, heißt es noch bey dem Hans Sachs. Aus dem Henisch erhellet, daß es auch bescheren bedeutet habe, weil er das Sprichwort anführet; beschaffen Glück kommt oft und dick. Beyde Bedeutungen sind aber im Hochdeutschen eben so sehr veraltet, als Bescheffniß und Beschöpfung für Schöpfung. Von dem Oberdeutschen schaffen, befehlen, findet sich bey den Schwäbischen Dichtern auch beschaffen für verordnen.


Beschaffenheit (W3) [Adelung]


Die Beschaffenheit, plur. die -en. 1) Der Umfang aller innern Bestimmungen einer Sache, im Gegensatze des Verhältnisses, die Natur, innere Einrichtung einer Sache, ohne Plural; in welcher engern und eigentlichen Bedeutung dieses Wort aber nur selten vorkommt. 2) In weiterer Bedeutung, auch äußere und zufällige Bestimmungen, Nebenumstände eines Dinges, in welchem Falle auch der Plural gebraucht werden kann. Bericht von der Beschaffenheit eines Bergwerkes.

Anm. Kero, der sich, bey der damahligen Armuth der Deutschen Sprache an Ausdrücken für abstracte Begriffe, in Verlegenheit befand, das Lateinische qualitas auszudrucken, wußte sich nicht anders als mit einer buchstäblichen Übersetzung zu helfen, und ersann daher die schönen Wörter Huuialihhii und Vuealihnissi, gleichsam die Welchheit und Welchniß.


Beschäften (W3) [Adelung]


Beschäften, verb. reg. act. von Schaft, mit einem Schafte versehen. Ein Gewehr beschäften. So auch die Beschäftung.


Beschäftigen (W3) [Adelung]


Beschäftigen, verb. reg. act. mit Geschäften versehen, zu schaffen oder zu thun geben, in der anständigern Sprechart. Jemanden beschäftigen. Sich auf eine nützliche Art beschäftigen. Es ist schön, die Hände der Künstler für uns zu beschäftigen, Dusch. Beschäftigt, mit Geschäften versehen. Er ist immer beschäftigt. Seine Seele ist mit nichts, als mit seinem Glücke beschäftigt. Daher die Beschäftigung, so wohl von der Handlung des Beschäftigens, als auch von den Geschäften selbst. Das sind für mich sehr angenehme Beschäftigungen.


Beschalen (W3) [Adelung]


Beschalen, verb. reg. act. mit Schalen versehen. So beschalen die Messerschmiede die Messer, d. i. sie versehen sie mit Schalen oder Häften. Auch die Decken in den Zimmern werden beschalet, wenn sie mit Schalen, oder lichten rauhen Bretern beschlagen werden, damit man sie nach dem Berohren bewerfen könne, welches auch ausschalen genannt wird. So auch die Beschalung.


Beschälen (W3) [Adelung]


1. Beschälen, verb. reg. act. hin und wieder der Schale berauben. Einen Baum, einen Apfel beschälen. Daher die Beschälung.


Beschälen (W3) [Adelung]


2. Beschälen, verb. reg. act. zur Fortpflanzung seines Geschlechtes befruchten, aber nur von Hengsten. Eine Stute beschälen lassen. Daher die Beschälung; das Beschälgelb, welches der Herr des Beschälers bekommt; der Beschälknecht, der den Hengst zur Stute führet; die Beschälzeit, wenn die Stuten beschälet werden; das Beschälregister, welches in den Stutereyen über die Beschälung der Stuten gehalten wird, u. s. f. So auch Belegen, Bedecken, Bespringen, Begatten.

Anm. Wachters und Frischens Ableitungen dieses Wortes von Schale, concha venerea, und Schellen, welches irgend wo testiculos bedeutet haben soll, daher der letztere es auch beschellen geschrieben haben will, sind ungereimt. Besser nimmt man mit dem Herrn Ihre das alte nordische skala, skyla, bedecken, oder das Angelsächsische scaelan, springen, als das Stammwort an, zumahl da für beschälen auch bedecken und bespringen üblich sind. In den Gloss. Leg. Alemann, bey dem du Fresne bedeutet Scelo einen Hengst. S. auch Beschäler.


Beschaler (W3) [Adelung]


Der Beschaler, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Messerschmieden, ein Arbeiter, der die Messerklingen beschalet, und auch Bankarbeiter genannt wird. S. dieses Wort.


Beschäler (W3) [Adelung]


Der Beschäler, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Hengst, der dazu gehalten wird, Stuten zu beschälen, und der an einigen Orten auch Zuchthengst, Reithengst, Schälhengst, und im Niedersächsischen Stößer, Stöter genannt wir. 2) In den Stutereyen, ein Knecht, der den Hengst zur Stute lässet; der Beschälknecht.


Beschämen (W3) [Adelung]


Beschämen, verb. reg. act. Scham erwecken, schamroth machen. Einen durch Vorhaltung seiner Fehler beschämen. Seine Feinde durch Sanftmuth beschämen. Er stand beschämt da. In engerer Bedeutung, übertreffen und dadurch gleichsam schamroth machen. Die Einbildungskraft öffnet dir Gärten, die die Kunst beschämen. Sie beschämt uns alle beyde an Einsicht, Gell. Obgleich diese Wortfügung mit der Präposition an, ungewöhnlich und diesem Verbo nicht angemessen ist. So auch die Beschämung.

Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt dieses Wort auch intensive für schämen vor. Der darf sih uiuer niht beschamen inna, Walther von der Vogelweide. Beschamet, d. i. bloß, unbekleidet, seyn, so daß man sich schämen muß, Ezech. 16, 12, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Bescharren (W3) [Adelung]


Bescharren, verb. reg. act. mit angescharrter Erde bedecken.


Beschatten (W3) [Adelung]


Beschatten, verb. reg. act. mit Schatten bedecken, durch Schatten dunkler machen, am häufigsten in der höhern Schreibart. Eine kleine Insel, beschatten von hohen Fichten und Wachholderbäumen, Geßn. So auch die Beschattung. Bey dem Tatian biscatuen, bey dem Notker biscaten, scateuuen.


Beschatzen (W3) [Adelung]


Beschatzen, verb. reg. act. mit Schatzung belegen. Eine Stadt, ein Dorf beschatzen. So auch die Beschatzung.


Beschauen (W3) [Adelung]


Beschauen, verb. reg. act. welches am häufigsten im Oberdeutschen üblich ist, und nichts mehr bedeutet, als besehen. S. Schauen. Etwas beschauen. Ich habe es sorgfältig beschauet. Die Hochdeutschen gebrauchen statt dieses Wortes be- sehen und die Niedersachsen bekiken. So auch der Beschauer, die Beschauung, und die Beschauwalzen bey den Tuchmachern, zwey bewegliche Walzen, über welche das gewebte Tuch gegen das Tageslicht beschauet wird.


Beschaulich (W3) [Adelung]


Beschaulich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Was beschauet oder sinnlich erkannt werden kann, in der Oberdeutschen Mundart. Die Schönheit, die dem Geist allein Beschaulich aus dem innern strahlte, Wiel. 2) In der mystischen Theologie wird beschaulich auch für betrachtend gebraucht, besonders so fern eine sinnliche, anschauende Betrachtung darunter verstanden wird. Das beschauliche Leben, bey dem Notker uf scouuo lib, wo sich die Einbildungskraft mit Gott und göttlichen Wahrheiten beschäftiget; der Anfang der Schwärmerey. Der Stand des beschaulichen Lebens, wo die Einbildungskraft unaufhörlich mit Gott und dessen Genusse beschäftigt ist. Daher die Beschaulichkeit, plur. inus. diese sinnliche Beschäftigung der Einbildungskraft mit Gott.


Beschäumen (W3) [Adelung]


Beschäumen, verb. reg. act. mit Schaum benetzen. Die Wellen spielen da sanft mit den beschäumten Wurzeln der Weiden, Geßn.


Bescheeren (W3) [Adelung]


Bescheeren, S. Bescheren.


Beschehen (W3) [Adelung]


* Beschehen, verb. irreg. neutr. ( S. Geschehen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, aber nur im Oberdeutschen üblich ist, für geschehen, widerfahren. Mir beschah bi minen stunden Ni so senelihe not, Markgr. Otto von Brandenb. Herr ist euch etwas beschehen? Theuerd. Kap. 46. Dasselb beschach darum u. s. f. ebend. Kap. 20. In der Hochdeutschen Kanzelleysprache ist dieses Wort noch jetzt nicht selten.


Bescheid (W3) [Adelung]


Der Bescheid, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches nach der verschiedenen Bedeutung der Zeitwörter bescheiden und scheiden auch einen verschiedenen Verstand hat, in den meisten Fällen aber nur in den gemeinen Sprecharten üblich ist.1. Ein beschiedener, d. i. jemanden bestimmter Theil; ohne Plural. In dieser größten Theils veralteten Bedeutung heißt Bescheid und Abhandlung an einigen Orten noch so viel, als der einer weiblichen Person aus einem Leben oder aus einer Erbschaft gehörige bestimmte Theil. Auch bey einem Schmause der Handwerksleute wird der einem jeden gehörige Theil von den Speisen, der auch den Abwesenden nach Hause geschickt wird, zuweilen ein Bescheid, noch öfter aber ein Bescheidessen oder bescheiden Essen genannt.2. Antwort, im gemeinen Leben. Bescheid bekommen. Einen guten Bescheid geben. Mit wie viel Seufzern er dir den Bescheid gegeben, Schlegel. Bescheide sonder Licht, die Kindern gnügen werden, Less. 3. Besonders die Antwort, der Ausspruch eines Richters auf einseitiges Ersuchen einer Partey. S. auch Abschied. Einen Bescheid geben, ertheilen. An einigen Orten auch wohl ein Urtheil, in den Bergwerken ein Schied, Weisung. Daß das Nieders. scheden ehedem auch urtheilen bedeutet habe, erhellet theils aus dem Wachter, theils aber auch aus Herrn Ölrichs Glossar. ad Statuta Bremens.4. Ingleichen Erwiederung im Trunke, in der niedrigen Sprechart; ohne Artikel und ohne Plural. Einem Bescheid thun, den zugebrachten Trunk zu sich nehmen, im Schwed. göra besked. Weil keiner so im Trunk Bescheid und Wunder that, Haged. Der Herr, (hier fällt die Göttinn ein,) Hat warlich aus der Purpurflasche Bescheid gethan, Wiel. Dieser Gebrauch läßt sich aus dem Begriffe einer Antwort sehr ungezwungen erklären, daher man nicht nöthig hat, ihn mit Wachtern als eine Nachahmung des Ital. Fare raggione und Franz. Faire raison anzusehen.5. Kenntniß, Wissenschaft, gleichfalls im niedrigen Umgange, besonders Niedersachsen; ohne Artikel und nur mit dem Verbo wissen. Er weiß mit der Sache guten Bescheid, er weiß mit derselben gut umzugehen, Rede und Antwort davon zu geben. Er weiß in vielen Familien Bescheid, er hat Kenntniß von denselben. Ich weiß an diesem Orte nicht Bescheid, ich bin hier nicht bekannt, weiß mich hier nicht zu finden. Im Niedersächs. Scheed.

Anm. Veraltete Bedeutungen dieses Wortes sind, 1) Abrede, Bedingung eines Vertrages, wovon in dem Bremisch-Nieders. Wörterbuche ein Beyspiel aus Renners Chron. vorkommt. 2) Vernunft, Überlegung, Bescheidenheit, Franz. Discretion, Angels. Scad, Gescead, wie aus eben diesem Wörterbuche erhellet. 3) Befehl, z. B. in dem Theuerd. Kap. 45. S. Scheiden.


Bescheiden (W3) [Adelung]


Bescheiden, verb. irreg. act ( S. Scheiden,) welches in seinen meisten Bedeutungen im Hochdeutschen veraltet ist, oder doch zu veralten anfängt. Es bedeutet,1. Zutheilen, als einen bestimmten Theil anweisen, mittheilen. Einem etwas bescheiden. Die Vorsicht hat mir wenig Reichthümer, aber ein redliches Herz beschieden. Die Sterne haben mir der Sprödsten Gunst beschieden, Wiel. Es ist den Sterblichen kein festes Glück beschieden, Seit dem Asträa sich aus unsrer Welt verlor, Cron. Sein beschiedener, der ihm bestimmte, Theil, wofür doch im gemeinen Leben oft die alte Oberdeutsche Form, bescheiden üblich ist. Seinen bescheidenen Theil bekommen. Die Ruhe, die Zufriedenheit, ist das beschiedene Loos der Menschen, Dusch.2. Mit einem Befehle bestimmen, besonders von der Bestimmung eines Ortes, an welchen sich jemand einfinden soll. Jemanden am einen Ort bescheiden. Ich habe ihn zu mir beschieden. An dasselb Ort, dahin er war Von dem Unfalo bescheiden, Theuerd. Kap. 29. Daher an einigen Orten noch bescheidene, d. i. bestimmte, fest gesetzte Tage. Bescheidene, d. i. beschiedene, Jahre, bedeuteten im Oberdeutschen ehedem die zur Mündigkeit bestimmten Jahre. Bis zu seinen bescheidenen Jahren, bis zur Mündigkeit. Indessen kann bescheiden hier auch das folgende Beywort seyn, und so viel als vernünftig bedeuten.3. Bedeuten, als Vorgesetzter mit Ernst von seiner Pflicht belehren; in den Gerichten und Kanzelleyen. Du hast ihn, daß er solches unterlasse, gebührend zu bescheiden. Man muß ihn eines bessern bescheiden. 4. Esdr. 4, 52 steht noch in einigen Ausgaben: Von den Zeichen, darum du fragest, kann ich dich zum Theil bescheiden; wofür neuere Ausgaben haben; kann ich dir zum Theil Bericht geben. Und liesen sich ganntz in kein weyß Beschaiden, Theuerd. Kap. 95.Mit liebe ich dich bescheiden sol, Winsb. Als Salomo uns thut bescheiden, Hans Sachs. Ingleichen, erklären; jetzt ganz veraltet. Bescheid uns das Wortspiel, erkläre uns das Gleichniß, in einer handschriftlichen Übersetzung des neuen Testamentes bey dem Frisch. Ferner, sagen. Als wir iuch hernach bescheiden, Schwabenspiegel. Ach wolt ir mit rede bescheiden Was ich herze klage, Heinrich von Stretlingen. Wes schuld das si das wil ich iu bescheiden, Otto von Bottenlauben. 4. * Sich erinnern, als ein Reciprocum, in einer im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnlichen Bedeutung. Wer weiß sich zu bescheiden, Nur einer grimmen That, Opitz. 5. Mit Bewußtseyn einräumen, sich mit Überzeugung einer Sache, besonders einer Meinung, begeben; gleichfalls als ein Reciprocum, und mit der zweyten Endung, welche Bedeutung auch im Hochdeutschen nicht unbekannt ist. Ich bescheide dich dessen gern, ich räume es gern ein, gebe es gern zu. Er wird sich dessen schon zu bescheiden wissen. Nein, nein, bescheide dich, und hemme solche Triebe, Günth. Man sagte: du Betrieger! - - das wollte Franz nicht leiden. Man sagte: deiner selbsten! - - deß mußt er sich bescheiden, Logau. 6 * Sich etwas bescheiden, sich auf ihn verlassen; wenigstens scheinen folgende Stellen aus dem Opitz seinen andern Verstand zu verstatten: Gruß deinen Grimm viel lieber auf die Heyden, Die sich auf dich im mindsten nicht bescheiden, Und Pf. 82, 4: Komm du Richter aller Heyden. Auf dessen Macht wir uns bescheiden. 7. * Sich etwas bescheiden, es sich bedingen, ausbedingen, vorbehalten, welche im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnliche Bedeutung noch das Niedersächsische bescheeden hat.

Anm. Alle obige Bedeutungen lassen sich aus den Bedeutungen des einfachen Scheiden sehr gut herleiten; S. dieses Wort. Das Hauptwort, die Bescheidung, ist nicht üblich. S. Bescheid. Im Oberdeutschen gehet dieses Wort, wenigstens in der ersten Bedeutung, in einigen Gegenden regulär, ich bescheidete, für beschied, Participium bescheidet; in andern hat es in dem letztern bescheiden, wie aus einigen der oben angeführten Beyspiele erhellet. S. auch das folgende.


Bescheiden (W3) [Adelung]


Bescheiden, -er, -ste, adj. et adv. welches eigentlich das Participium passivum des vorige Verbi ist, aber außer den daselbst schon angemerkten Bedeutungen noch auf eine besondere thätige Art gebraucht wird. Es bedeutet aber,1. * Überhaupt, geschickt, einen Unterschied unter den Dingen zu machen, verständig. In dieser im Hochdeutschen veralteten Bedeutung kommt es in der Oberdeutschen Mundart der vorigen Jahrhunderte sehr oft vor. So bedeutet z. B. bey den Schwäbischen Dichtern ein bescheiden man, einen Mann, der alles gehörig zu unterscheiden weiß.2. Besonders, mäßig in seinen Begierden, Forderungen und Ansprüchen, so wohl, 1) überhaupt. Bescheiden in seinen Wünschen seyn. Mit bescheidenlicher Klage, Reiumar der Alte. Bescheidenliche Froide, Hermann von der Vogelweide. So auch in der höhern Schreibart der Neuern. Die bescheidenen Freuden der Tugend scheinen ihm so abgeschmackt, als eine Spartanische Mahlzeit dem weichlichen Sybariten, Dusch. 2) Als auch in verschiedenen besondern Fällen. (a) Bescheiden in seinen Ansprüchen auf Ehre und Verdienst; im Gegensatze des stolz. Ein bescheidener Mensch. Er ist sehr bescheiden. Ich begreife nicht, wie ein Mann, der so eitel und gebietherisch war, auf ein Mahl so bescheiden werden könne. S. Bescheidenheit. (b) Bescheiden, in Ansehung seines Rechtes, geneigt, sich seinesRechtes nicht nach der Schärfe zu bedienen. So heißt jemand bescheiden, der eine ihm in einem Testamente zum Nachtheile eines Dritten vermachte Summe nicht annimmt.

Anm. Dieses Wort ließe sich in den jetzt angeführten Bedeutungen ganz füglich von der ersten und fünften Bedeutung des Verbi bescheiden herleiten. Allein es scheint doch immer eine buchstäbliche Übersetzung des Latein. discretus zu seyn, mit welchem so wohl in der Bedeutung, als auch darin überein kommt, daß beyde eigentliche Participia passiva sind, und doch eine thätige Bedeutung haben. Vossius wollte discretus um deßwillen unter die barbarischen Ausdrücke verweisen; allein Faber hat ihm gezeigt, daß auch suspectus und notus von dem Cato und Plautus in thätigen Bedeutung gebraucht worden; ein Wink für unsere Deutschen Kritikaster, welche dergleichen Participia so gerne verwesen möchten, ohne zu bedenken, daß ihre Zahl größer ist, als sie vielleicht glauben. S. auch der Bediente. Ehedem war bescheiden auch ein Titel der angesehensten Bürger, und es scheinet, daß es alsdann so viel als verständig, klug, erfahren bedeutet habe. In einem 1501 zu Rom gedruckten Deutsch-Italiänischen Vocabelbuche wird bescheiden durch honesto und cortese, und Bescheidenheit durch honestamento und cortesia erkläret. Wenn in einem noch ältern Deutsch-Lateinischen Vocabelbuche von 1477 astutus durch bescheyde oder listig gegeben wird, so stehet das erstere ohne Zweifel für gescheid. Das Oberdeutsch bescheidentlich, ist im Hochdeutschen veraltet.


Bescheidenheit (W3) [Adelung]


Die Bescheidenheit, plur. car. 1 * Das Vermögen, Gutes und Böses, Nützliches und Schädliches gehörig zu unterscheiden, Einsicht, Wissenschaft, Kenntniß. In dieser im Hochdeutschen veralteten Bedeutung heißt es noch 1 Petr. 1, 5, 6: in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, wo es im Griech. lautet, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . S. Bescheid.2. Mäßigung der Begierde und Leidenschaft, so wohl, 1) überhaupt. So wöll wir euch ein Sach sagen Darab ir billich werd tragen laid, Dich hof wir es bschech mit Bscheidenheit, Theuerd. Die Liebe trauert zwar, doch mit Bescheidenheit, Günth. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung ziemlich selten geworden. 2) Als auch, (a) Die Fertigkeit, seine Ansprüche auf Verdienst und darin gegründete äußere Vorzüge zu mäßigen. Die Bescheidenheit richtet sich genau nach dem Verdienste, das sie vor sich hat, sie gibt jedem was jedem gebühret; aber die schlaue Höflichkeit gibt allen alles, um von allen alles wieder zu erhalten, Less. Ein eitler Mann ist zwar höflich aber nie bescheiden, ebend. Aber wissen sie auch, daß die Bescheidenheit tadelnswürdig ist, so bald man sie bis zum Mißtrauen gegen sich selbst treibet? Weiße. (b) Die Neigung und Fertigkeit, sich seines Rechtes nicht nach der Schärfe zu bedienen, seine gegründeten Forderungen zu mäßigen. Wie würdig ist diese liebenswürdige Bescheidenheit, diene übrige Tugend zu schmücken!Anm. Ehedem bedeutete dieses Wort auch noch, theils einen beschiedenen oder bestimmten Theil, theils aber auch eine Bedingung, wovon Frisch Beyspiele angeführet hat.


Bescheinen (W3) [Adelung]


1. Bescheinen, verb. irreg. act. ( S. Scheinen,) von scheinen, lucere, den Schein an etwas gehen lassen, besonders von den Himmelskörpern. Die Sonne bescheinet den Mond. Der Mond beschien die Erde. Bey dem Ottfried biscinan und bey dem Tatian bischeinan. Daher die Bescheinung.


Bescheinen (W3) [Adelung]


2. Bescheinen, verb. reg. act. von Schein, testimonium, mit einem Schein, oder schriftlichen Zeugnisse belegen. Den Em- pfang seiner Summe Geldes bescheinen. Die Wahrheit einer Sache bescheinen, schriftlich bezeugen. Daher die Bescheinung.

Anm. Von dem alten scheinen, zeigen, beweisen, wurde bescheinen ehedem überhaupt für beweisen gebraucht. Bloß durch den Gebrauch ist es heutiges Tages auf ein schriftliches Zeugniß, welches man im gemeinen Leben einen Schein nennet, eingeschränket worden. S. auch das folgende.


Bescheinigen (W3) [Adelung]


Bescheinigen, verb. reg. act. welches das Intensivum des vorigen ist, und mit demselben einerley Bedeutung hat, nur daß es im Hochdeutschen üblicher ist, als jenes, welches sich noch am stärksten im Oberdeutschen erhalten hat. So auch die Bescheinigung, so wohl für die Handlung, als auch für das schriftliche Zeugniß, oder den Schein selbst.


Bescheißen (W3) [Adelung]


+ Bescheißen, verb. irreg. act. ( S. Scheißen,) welches einer der niedrigsten und unanständigsten Ausdrücke ist, mit seinen Excrementen besudeln, und in einer eben so schmutzigen Figur auch betriegen. In dem Schwabenspiegel lautet diese jetzt so niedrige Wort beschizzen, und in Schlesien es überhaupt für besudeln, beschmutzen gebraucht, so wie auch im Osnabrückischen schetterig, schmutzig, unrein bedeutet. Der Beschiß, für Betrug, Bescheißer, ein Betrieger, und Bescheißerey, Betriegerey, sind so niedrig, daß sie kaum angeführet zu werden verdienen.


Beschelen (W3) [Adelung]


Beschelen, S. Beschälen.


Beschenken (W3) [Adelung]


Beschenken, verb. reg. act. mit einem Geschenke versehen. Jemanden mit einem Buche, mit einer Summe Geldes beschenken. Der Bothe wurde reichlich beschenkt. Daher die Beschenkung.

Anm. Das Niedersächsische beschenken bedeutet zugleich betrunken machen, und beschunken ist in eben dieser Mundart ein höflicher Ausdruck für trunken. S. schenken, welches in den gemeinen Mundarten auch zu trinken geben bedeutet.


Bescheren (W3) [Adelung]


1. Bescheren, verb. reg. act. von scheren, tondere, mit dem Schermesser bearbeiten, glatt machen. Sich den Kopf bescheren lassen.


Bescheren (W3) [Adelung]


2. Bescheren, verb. reg. act. als ein Geschenk zutheilen, obgleich nur noch in einigen wenigen Fällen. Am häufigsten gebraucht man dieses Wort im gemeinen Leben von Gott, und besonders von der Ertheilung zeitlicher Güter. Sprichw. Was Gott beschert, bleibt unverwehrt, was uns Gott zugedacht hat, das kann uns niemand hindern. Ingleichen von demjenigen, was und ohne unsere Bemühung zu Theile wird. Es ist ihm ein Schatz bescheret worden. Das ist mir nicht beschert gewesen, nicht bestimmt, nicht zugedacht; ein gemeiner Trostspruch träger oder ungeschickter Leute, wenn sie die Erlangung eines Gutes durch eigene Schuld versäumet haben. Endlich ist dieses Wort auch im gemeinen Leben von den Geschenken üblich, die man andern zum Weihnachtsfeste macht. Einem etwas bescheren, oder bescheren lassen. So auch die Bescherung, so wohl von der Handlung, als auch dem Geschenke selbst, besonders in dem letzten Falle. Im gemeinen Scherze wird dieses Wort auch wohl von einem jeden unangenehmen oder verächtlichen Vorfalle gebraucht. Bey meiner Zurückkunft finde ich die Bescherung, Weiße, von einer gestifteten Heirath.

Anm. Dieses Wort gehöret zu scheren, theilen. Es kommt schon bey dem Notker vor, und in dem alten Siegesliede auf den König Ludwig bey dem Schilter bedeutet giskeren geben, so wie das Schwed. beskaera und das Angels. sciran, gleichfalls ertheilen bedeuten. S. Scheren.


Beschicken (W3) [Adelung]


Beschicken, verb. reg. act. welches von einer gedoppelten Bedeutung des einfachen Zeitwortes schicken, vornehmlich in zweyerley Bedeutungen gebraucht wird.1. Von schicken, mittere, an jemanden schicken. Einen beschicken, einen Bothe an ihn schicken; gemeiniglich mit Beyfügung der Ursache, welche alsdann die Vorwörter um und wegen zu sich nimmt. Jemanden um etwas, oder wegen einer Sache beschicken. Besonders durch einen Bothen, oder auch schriftlich vor sich laden, hohlen lassen. In dieser Bedeutung, die eigentlich nur noch m Oberdeutschen üblich ist, heißen in dem Salzwesen zu Halle die acht Vorsteher aus den Innungen und der Gemeinheit, welche den Rechnungen beywohnen müssen, die Beschickten, weil sie von dem Rathe dazu beschickt, d. i. erfordert werden. In der Schweiz bedeutet Waaren beschicken, so viel als sie verschreiben. S. Frisch v. Schicken.2. Von schicken, ordinare, disponere, wird dieses Wort im gemeinen Leben noch häufig auf mancherley Art gebraucht. 1) Bedeutet es zubereiten, einer Sache zu einer gewisser Bestimmung die gehörige Vermischung und Zurichtung geben; in welchem Verstande es in vielen Handwerken und Manufacturen vorkommt. So werden in den Schmelzhütten die Erze beschickt, wenn ihnen im Schmelzen Schlacken und Rohstein zugesetzet werden. Der Schmelzer beschickt den Schmelzofen, wenn er ihn mit Gestiebe gehörig zumachet, den Herd und die Spur stößet, ausschneidet, abwärmet, die Bälge einhänget, u. s. f. kurz, ihn zu Schmelzen fertig und geschickt machet. Der Münzer beschickt das Silber oder Gold, wenn er demselben so viel von einem geringern Metalle zusetzet, bis es den verlangten Gehalt bekommt, S. Legiren. Den Acker beschicken, ihn düngen, pflügen, egen u. s. f. 2) Warten, pflegen. Ein Kind beschicken, es einwindeln; ingleichen demselben in den ersten Wochen nach der Geburt die gehörige Pflege und Wartung geben. Das Vieh beschicken, dasselbe zu rechter Zeit füttern, reinigen u. s. f. 3) In Ordnung bringen, gute Anstalt machen, welcher Gebrauch aber in Hochdeutschen wenig mehr vorkommt. Seine Sachen beschicken. Beschicke dein Haus, denn du wirst sterben, 2 Kön. 20, 1. Also ward der Gottesdienst beschickt, 2 Chron. 35, 10, 16. 4) Überhaupt ein jedes Geschäft verrichten; thun, im Hochdeutschen gleichfalls nur selten. Sechs Tage sollt du arbeiten und alle deine Dinge beschicken, 2 Mos. 20, 9. Er hat immer viel zu beschicken, zu verrichten. Ein Tagewerk Torfgrabens beschicken, zu Stande bringen, in den Marschländern. 5) Begraben, zur Erde bestatten. Es beschickten aber Stephanum gottesfürchtige Männer, Apostelg. 8, 2. Auch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen selten, daher auch in dem 1523 zu Basel gedruckten neuen Testamente Luthers beschickten, durch begrüben, volgten, bestatten, erkläret wird. 6) Befruchten, beschwängern, doch nur bey den Jägern, die es zuweilen von dem Hirsche gebrauchen. S. Begatten, Anm.So auch die Beschickung, so wohl von der Handlung des Beschickens in allen obigen Bedeutungen, als auch von demjenigen Körper, mit welchem ein anderer beschicket, d. i. vermischet wird; ingleichen die Beschickungsregel, diejenige Rechnungsart, welche lehret, wie die Beschickung, d. i. der Zusatz der Metalle zu berechnen, und in weiterer Bedeutung, wie man überhaupt mehrere Körper mit einander vermischen soll, damit das Vermischte einen verlangten Werth erhalte; die Alligations-Regel.


Beschienen (W3) [Adelung]


Beschienen, verb. reg. act. mit Schienen versehen. Eine Achse beschienen. Daher die Beschienung.


Beschießen (W3) [Adelung]


Beschießen, verb. irreg. act. S. Schießen. 1) Auf etwas schießen. Einen Harnisch beschießen, in den Gewehr-Fabriken, ihn mit einem Schusse probiren. Besonders, mehrmahls auf etwas schießen. Einen Haufen Wildbret beschießen, bey den Jägern, oft unter denselben schießen, und ihn dadurch scheu machen. Eine Stadt, eine Festung, ein Schloß, ein Lager beschießen, mit dem groben Geschütze darauf schießen. 2) Auf etwas schießen, mit einem Schusse probiren. So werden in den Gewehr-Fabriken die Feuerröhre beschossen wenn zur Probe aus denselben geschossen wird. Daher die Beschießhütte, wo die Röhre probiret und hernach gezeichnet werden; der Beschießmeister, der Vorgesetzte, der solches verrichtet; die Beschießordnung, die obrigkeitlich Vorschrift, die dabey zu befolgen ist; das Beschießzeichen, welches nach dem Beschießen auf die Röhre geschlagen wird.So auch die Beschießung, in beyden Bedeutungen.

Anm. Beschießen für ergeben, eintragen, Nutzen bringen, es wird nicht viel beschießen, ist nur noch in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich. Einen großen Herren beschießen, ihm zu Ehren das Geschütz lösen, ist im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnlich. Ein Zimmer beschießen, ausdielen, mit Bretern belegen, ist nach dem Nieders. wo bescheten gleichfalls diese Bedeutung hat. S. Schießen.


Beschiffen (W3) [Adelung]


Beschiffen, verb. reg. act. Einen Fluß, ein Meer beschiffen, oft auf demselben schiffen. Ein Land beschiffen, oft und viel nach demselben schiffen. In beyden Fällen wird dieses Wort am häufigsten passive gebraucht. Amerika wird von allen Europäischen Nationen beschifft. S. auch Besegeln.


Beschilft (W3) [Adelung]


Beschilft, adj. et adv. welches eigentlich das Participium des ungewöhnlichen Verbi beschilfen ist, mit Schilf bewachsen, in der höhern Schreibart der Neuern. Ein dick beschilfter Bach, Zach. Das beschilfte Ufer, Geßn.


Beschimmeln (W3) [Adelung]


Beschimmeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, mit Schimmel überzogen werden. Es beschimmelt hier alles. Es war alles beschimmelt.


Beschimpfen (W3) [Adelung]


Beschimpfen, verb. reg. act. einen Schimpf zufügen, einem etwas erweisen, welches ihm bey andern Unehre verursacht. Jemanden beschimpfen. Daher die Beschimpfung, so wohl für die Handlung, als auch den zugefügten Schimpf selbst Bey dem Opitz kommt verschimpfen und Verschimpfung für beschimpfen und Beschimpfung vor.


Beschirmen (W3) [Adelung]


Beschirmen, verb. reg. act. zum Schirme dienen. 1) Eigentlich, wider die Unbequemlichkeiten der Witterung bedecken. Sir. 14, 27: Darunter (unter der Laube) wird er von der Hitze beschirmet. 2) Wider einen feindlichen Angriff bedecken; wofür doch beschützen jetzt üblicher ist. Eine Stadt, ein Land, ein Volk beschirmen. S. auch Beschützen. So auch die Beschirmung. Das Hauptwort der Beschirmer, welches ehedem einen Schutzherren bedeutete, ist heut zu Tage sehr ungewöhnlich geworden; und wird nur noch im biblischen Style zuweilen von Gott gebraucht.

Anm. Biscirman, biskirmen, beskirmen, biscrimen, kommt in den obigen Bedeutungen schon bey dem Ottfried und Willeram vor. Die Schweden sagen gleichfalls beskerma und die Dänen beskiärme. S. Schirm.


Beschlafen (W3) [Adelung]


Beschlafen, verb. irreg. act. ( S. Schlafe,) 1. Über einer Sache zu Bette gehen und einschlafen. So sagt man noch im Oberdeutschen: Den Zorn gegen den Nächsten soll man nicht beschlafen. Im Hochdeutschen gebraucht man dieses Wort im gemeinen Leben nur in engerer Bedeutung, über dem Nachdenken, über eine Sache einschlafen. Ich will es beschlafen, ich will es die Nacht überlegen, wofür man in Niedersachsen sagt, ich will mich darauf beschlafen. Man soll ein Ding beschlafen, ehe man sich dazu entschließt. 2) Als ein anständiger Ausdruck im gemeinen Leben für schwängern. Eine Weibsperson beschlafen, sich auf unerlaubte Art fleischlich mit ihr vermischen; in welcher Bedeutung dieses Wort oft in der Deutschen Bibel und2 Mos. 22, 19 gar von der Sünde der Sodomiterey vorkommt. Daher die Beschlafung, besonders in der letzten Bedeutung.


Beschlag (W3) [Adelung]


Der Beschlag, des -es, plur. die -schläge, von dem folgenden Verbo beschlagen, und zwar,1. Von dem Activo. 1) Die Handlung des Beschlagens, ohne Plural, und zwar so wohl in der eigentlichen Bedeutung des Verbi, als auch in so ferne es zurück halten, pfänden, in Arrest nehmen, bedeutet. Ein gerichtlicher Beschlag. Güter, Waaren in Beschlag nehmen, sie in gerichtliche Verwahrung bringen. Schiffe in Beschlag nehmen, einen Beschlag auf die Schiffe legen, sie durch obrigkeitliche Gewalt zurück behalten, um sich ihrer zum öffentlichen Gebrauche zu dienen; mit einem Spanische Worte, das Embargo. 2) Dasjenige, womit etwas beschlagen wird, besonders Arbeiten von Metall, welche zur Stärke und Zierde auf etwas geschlagen, oder befestiget werden, und zwar am häufigsten, als ein Collectivum, alle Dinge einer Art auszudrucken, womit ein Körper beschlagen wird. Der Beschlag einer Thür, das Schloß, die Häspen, Angeln u. s. f. So auch der Beschlag eines Buches, eines Rades, eines Wagens u. s. f. Ein Beschlag von Eisen, von Messing. Dieß ist zugleich die einzige Bedeutung dieses Wortes, in welcher es den Plural leidet. S. Beschläge.2. Von dem Neutro. So wohl der Zustand, in welchem eine Sache beschlägt, oder mit Schimmel und Feuchtigkeiten überzogen wird, als auch dieser Schimmel über die Feuchtigkeit selbst, und in weiterer Bedeutung, in dem Bergbaue, Erzarten, welche sich in Gestalt eines Staubes oder Mehles auf Steine, oder andere Erzarten ansetze, und Folgen einer vorher gegangenen Verwitterung sind.


Beschläge (W3) [Adelung]


Das Beschläge, des -s, plur. ut nom. sing. alles dasjenige zusammen genommen, womit eine Sache so wohl zur Befestigung, als auch zur Zierde beschlagen wird, wie Beschlag in der zweyten Bedeutung des Activi. Das Beschläge einer Thür, eines Buches, eines Wagens, eines Rades u. s. f. Das Beschläge eines Pferdes, die Hufeisen, womit es beschlagen wird.


Beschlagen (W3) [Adelung]


Beschlagen, verb. irreg. ( S. Schlagen,) welches in doppelter Gestalte üblich ist.I. Als ein Activum, mehrmahls an etwas schlagen. So werden in den Münze die Thaler beschlagen, wenn sie rund geschlagen werden, wobey man sie mit der Beschlagezange hält. Am häufigsten wird es in verschiedenen weitern Bedeutungen gebraucht. 1) Dinge, die zur Befestigung oder zur Zierde einer Sache gereichen, mit Hammerschlägen an dieselbe befestigen. Eine Thür, ein Rad, einen Wagen beschlagen, das nöthige Eisenwerk daran befestigen. Mit Golde beslagen, in dem alten Gedichte auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter. Ein Pferd beschlagen, ihm die Hufeisen ausschlagen, in welcher Bedeutung es schon in dem Schwabenspiegel vorkommt. Einen Tisch mit Wachsleinwand beschlagen. 2) Behauen, bey den Zimmerleuten, Tischlern und Steinmetzen. Einen Baum beschlagen, ihn viereckt hauen. Einen Stein beschlagen. 3) Eine gläserne Retorte beschlagen, sie mir einer Rinde von Thonerde überziehen. 4) Befruchten, von einigen Thieren. So beschlägt bey den Jägern der Hirsch das Wild, und das Thier gehet hoch beschlagen, wenn es trächtig ist, und bald setzen will. Ein beschlagenes, d. i. trächtiges Thier. 5) Die Decke beschlagen, oder das Bett beschlagen, ist eine alte Redensart von der feyerlichen Beschreitung des Ehebettes nach der priesterlichen Einsegnung, welche aber doch nicht alle Mahl die wirkliche Vollziehung der Ehe mit in sich schließet. 6) Zeichnen, bezeichnen, besonders so fern solches vermittelst eines Schlages geschiehet. So werden in den Salzwerken zu Halle die Salzstücke beschlagen, wenn sie mit dem eisernen Thalzeichen bemerket werden, und in den Manufacturen wird ein Stück Zeug beschlagen, wenn es nach der Besichtigung mit einem Stückchen Bley behänget, und der Stämpel darauf geschlagen wird, welches man auch plombiren nennet. 7) Belegen, besonders in der R. A. eine Sache mit Arrest beschlagen. 8) Die Segel aufbinden, in der Seefahrt. Daher die Beschlaglinien, kleine Stricke, die Segel damit aufzubinden. 9) In einer Sache wohl, oder schlecht beschlagen seyn, im gemeinen Leben, in derselben wohl oder schlecht geübt, oder erfahren seyn; vielleicht als eine Anspielung auf ein wohl beschlagenes Pferd, zumahl da die Niedersachsen von einem listigen, verschlagenen Menschen sagen, daß er hinten und vorn beschlagen sey. S. auch Verschlagen. Daher die Beschlagung in allen obigen Bedeutungen. S. auch Beschlag.II. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, mit Feuchtigkeiten überzogen werden. So beschlagen die Gläser, die Fenster, metallene Gefäße, u. s. f. wenn sie erkältet sind, und sich wärmere Dünste daran hängen, und dem Auge sichtbar werden. Das Brot, das Leder u. s. f. beschlägt, wenn es schimmlig wird.

Anm. Veraltete, oder nur in einigen Mundarten übliche Bedeutungen sind noch: 1) Bedecken. So sagen noch die Niedersachsen, ein Land beschlagen, wenn sie es besäen, oder mit dem Viehe betreiben. 2) Bestellen, besprechen. Rom, Waaren beschlagen. Die Herberge beschlagen, bey dem Kaisersberg. 3) Über einem Verbrechen ertappen. Einen Dieb beschlagen, so wohl in Niedersachsen, als in Oberdeutschland. S. Schlagen. In Niedersachsen lautet dieses Zeitwort beslaen, und Im Osnabrückischen beslaunen.


Beschleichen (W3) [Adelung]


Beschleichen, verb. irreg. act. ( S. Schleichen,) hinzu schleichen und überraschen, schleichend überfallen. Ein Thier beschleichen. Ingleichen im gemeinen Leben zuweilen auch mit List und unter dem Scheine des Rechtes hintergehen.


Beschleunigen (W3) [Adelung]


Beschleunigen, verb. reg. act. schleunig machen, die Geschwindigkeit einer Bewegung vermehren, am häufigsten in figürlicher Bedeutung und in der edlern Schreibart. Das hat seinen Tod beschleuniget. Beschleunige nicht die Strafe des Himmels, die zu zögern scheinet. Man beschleuniget die Stunde, die uns auf ewig verbinden soll, Dusch. Daher die Beschleunigung. S. Schleunig.


Beschließen (W3) [Adelung]


Beschließen, verb. irreg. act. ( S. Schließen,) 1) * Mir einem Schlosse verwahren. Getreide, Eßwaaren u. s. f. beschließen. Was wollt ihr euch beschließen, Verriegeln um und um? Opitz Die Thore beschließen, zuschließen. Für welchen Oberdeutschen Gebrauch im Hochdeutschen aber verschließen und einschließen üblicher sind; S. Beschließerinn, und Beschluß. 2) * Umschließen, umgeben. Sie beschlossen eine große Menge Fische, Luc. 5, 6. Er fiel auch in eine Stadt, die - - mit einer Mauer beschlossen war, 2 Maccab. 12, 13. Ingleichen, in sich fassen. Was die Welt in sich beschließet. Ein Weiser beschließt alle Güter in sich. Die Wüste hat sie beschlossen, 2 Mos. 14, 3. Diese Bedeutung ist im Hochdeutschen gleichfalls veraltet. Doch nennet man an einigen Orten diejenigen Zünfte, in welchen die Meister, ja oft auch die Gesellen und Lehrlinge auf eine gewisse Zahl gesetzet worden, beschlossene oder geschlossene Zünfte. 3) * Übergeben. Gott der Höchste, der, deine Feinde in deine Hand beschlossen hat, 1 Mos. 14, 20. Daß mich der Herr hatte in deine Hände beschlossen, 1 Sam. 24, 19. Auch dieser Gebrauch ist bloß biblisch und im Hochdeutschen nicht nachzuahmen. 4) Zu Enge bringen, endigen, so wohl von der Zeit, als auch von Geschäften. Das Jahr, die Woche beschließen. Als den schönenTag ein noch schönerer Abend beschloß, Dusch. Der Feldzug ist schon beschlossen. Die Predigt war noch nicht beschlossen. Das Leben beschließen, sterben. Indessen lässet sich dieses Wort nicht in allen Fällen für endigen gebrauchen, sondern das Herkommen und ein gutes Gehör muß in jedem einzelnen Falle den Ausspruch thun. 5) Nach vorher gegangener Überlegung wollen, oder einen Vorsatz fassen. Ich habe es bey mir beschlossen. Ich habe beschlossen, zu dir zu kommen. Du beschlossest meinen Untergang. Über den Punct habe ich eigentlich noch nichts beschlossen. Wer weiß, was das Geschicke Mit dir beschließt, Cron. Welche Wortfügung mit dem Vorworte mit doch ungewöhnlich ist.Daher die Beschließung, in den drey ersten Bedeutungen. In der vierten und fünften sind Beschluß üblicher.

Anm. In der ersten, heut zu Tage nur noch Oberdeutschen Bedeutung dieses Wortes kommt besliezzen schon bey dem Notker und Tatian vor. Be bedeutet hier bey, gleichsam beyschließen, oder bey Seiten schließen. Beschlossene Geschlechter, für beschloßte, ist ein Mißbrauch. S. Beschlossen.


Beschließerinn (W3) [Adelung]


Die Beschließerinn, plur. die -en, an einigen Orten, besonders Oberdeutschlandes; so viel als Ausgeberinn, Haushälterinn, welche die zu einer Haushaltung gehörigen Bedürfnisse unter ihrem Beschlusse hat. S. Ausgeber. In dieser Bedeutung kommt das Wort schon in dem Augsbürgischen Stadtrechte von dem Jahre 1276 vor.


Beschlingen (W3) [Adelung]


Beschlingen, verb. irreg. act. ( S. Schlingen,) mit einem geschlungenen Körper überziehen. So werden bey den Feuerwerkern die Bomben mit dem Trommelbunde beschlungen.


Beschlossen (W3) [Adelung]


Beschlossen, verb. reg. act. von Schloß, castrum, von welchem aber nur das Mittelwort der vergangenen Zeit üblich ist, beschlosset, oder beschloßt, mit einem Schlosse, in engerer Bedeutung, versehen. So werden besonders in der Mark und Pommern diejenigen adeligen Geschlechter, welche das Recht haben, Bürge oder Schlösser mit den dazu gehörigen Regalien zu besitzen, beschloßte Geschlechter, beschloßte oder geschloßte Junkern, oder Schloßgesessene genannt. Wenn sie dieses Recht erblich besitzen, heißen sie Erbbeschloßte, oder Erbschlösser; haben sie aber ein solches Schloß nur als ein Unterpfand in Besitz, so führen sie den Nahmen der Pfandbeschlosseten. Daher beschloßte Gerichte, die Gerichte solcher Schloßgesessenen, welche von einigen zuweilen irrig geschlossenen Gerichte genannt werden, als wenn das Wort zunächst von schließen abstammete. S. Schloß.


Beschluß (W3) [Adelung]


Der Beschluß, des -sses, plur. -schüsse, von dem Verbo beschließen, so wohl die Handlung des Beschließens, als auch dasjenige, womit etwas beschlossen, d. i. geendiget wird. 1) Das Verschließen einer Sache, und das Recht sie zu verschließen. In dieser ersten Bedeutung des Verbi ist im Hochdeutschen nur die R. A. üblich, eine Sache in, oder unter seinem Beschlusse haben, sie in Verwahrung haben, das Recht haben, sie zu verschließen. Alle Zimmer sind unter Einem Beschlusse, können vermittelst einer einzigen Thür verschlossen werden. Der Plural ist hier nicht gebräuchlich. 2) Die Endigung einer Zeit oder Sache, und dasjenige, womit sie geendiget oder beschlossen wird, in welchem letztern Falle auch der Plural gebraucht werden kann, ob er gleich wenig vorkommt. Zum Beschlusse schreiten. Der Beschluß des Jahres, einer Woche, eines Tages, eines Feldzuges, einer Predigt u. s. f. Den Beschluß mit etwas machen. S. auch Schluß. 3) Das Wollen einer Sache nach vorher gegangener Überlegung, und die Sache, die man will, selbst. Den Tag nach diesem Beschlusse. Daher der Landtagsbeschluß, der Beschluß des Ritterstandes u. s. f. S. Entschluß.


Beschmausen (W3) [Adelung]


Beschmausen, verb. reg. act. Einen Freund beschmausen, bey ihm schmausen, und ihm dadurch Kosten verursachen. Daher die Beschmausung.


Beschmeißen (W3) [Adelung]


Beschmeißen, verb. irreg. act. ( S. Schmeißen,) welches nur im gemeinen Leben üblich ist. 1) Für bewerfen. Jemanden mit Roth beschmeißen. 2) Wenn die Insecten ihre Eyer in Eßwaaren legen, so sagt man gleichfalls, daß sie selbige beschmeißen. S. Schmetterling und Schmeißfliege. 3) Besudeln. Und sollten sie ihr Werk und offenbare Schriften Mit Lügen selber noch beschmeißen und vergiften, Opitz. Wofür aber im Hochdeutschen beschmitzen üblicher ist.

Anm. Im Niedersächsischen lautet dieses Wort besmiten. Bey dem Ulphilas kommt bismaitan für salben, beschmieren, vor. S. Beschmitzen.


Beschmieren (W3) [Adelung]


Beschmieren, verb. reg. act. 1) Eigentlich, mit Schmer, d. i. einer Fettigkeit, bestreichen. Brot mit Butter, den Leib mit Öhl beschmieren. Ingleichen mit einer andern Sache bestreichen, im verächtlichen Verstande. Das Gesicht mit Roth beschmieren. 2. Figürlich. 1) Besudeln, beschmutzen. Sich beschmieren, im gemeinen Leben. Die Bücher mit Dinte beschmieren. 2) Beschreiben, verächtlich. Das Papier, die Bücher beschmieren.


Beschmitzen (W3) [Adelung]


Beschmitzen, verb. reg. act. besudeln, beschmutzen, doch mehr im figürlichen als eigentlichen Verstande. eines guten Nahmen beschmitzen. Der Zeiten öftre Brut, der Frevel und die Schande Beschmitzten anfangs bald die Ehen, Haus und Stamm, Haged.

Anm. Dieses Wort kommt im Hochdeutschen nur noch in der Büchersprache vor; im gemeinen Leben ist dafür beschmutzen üblicher. Beyde sind nur der Mundart nach unterschieden. Beschmitzen, Nieders. besmitten, Dän. besmitte, Holländ. besmetten, Angels. besmittan, ist das Oberdeutsch Frequentativum von beschmeißen, Nieders. besmiten, welches schon bey dem Kero pismizzan lautet; alles in der Bedeutung des Befleckens, Besudelns, ob es gleich scheinet, daß es ursprünglich beschmieren bedeutet habe, in welchem Sinne bismaitan schon bey dem Ulphilas vorkommt. S. Schmitzen. Pismiz bedeutet bey dem jetzt gedachten Kero einen Flecken, und in Boxhorns Glossen contagia. Besmeizzen mit sindon findet sich bey dem Notker. S. Beschmutzen.


Beschmutzen (W3) [Adelung]


Beschmutzen, verb. reg. act. schmutzig machen, so wie das vorige beschmitzen, nur daß es im Hochdeutschen üblicher ist, als jenes. Die Kleider beschmutzen, sich beschmutzen. So wie beschmitzen mehr in der figürlichen Bedeutung vorkommt, so ist beschmutzen fast nur allein in der eigentlichen üblich, ob es gleich nur eine gröbere Mundart des vorigen zu seyn scheinet. Engl. to besmut.

Anm. Die gemeinen Mundarten haben viele Wörter, den Begriff des Beschmutzens auszudrucken. Eines der ältesten ist das Nieders. besölen, welches schon im Ulphilas bisoulnian, und im Franz. noch jetzt souiller lautet. S. Besudeln.


Beschnarchen (W3) [Adelung]


+ Beschnarchen, verb. reg. act. mit ungestümer Neugier besehen, im verächtlichen Verstande, und den niedrigen Sprecharten.


Beschnauben (W3) [Adelung]


Beschnauben, oder beschnaufen, verb. reg. act. im gemeinen Leben, schnaubend beriechen.


Beschnäufeln (W3) [Adelung]


Beschnäufeln, verb. reg. act. das Frequentativum des vorigen, welches mit demselben einerley Bedeutung hat, und eigentlich von den Jagdhunden gebraucht wird, welche die Fährten oft sehr kaltsinnig beschnäufeln. Nach einer andern Mundart lautet dieses Zeitwort auch beschnuffeln, Nieders. beschnüffeln, und nach einer andern Form beschnoppern und beschnuppern.


Beschneiden (W3) [Adelung]


Beschneiden, verb. irreg. act. ( S. Schneiden,) von einer Sache etwas abschneiden, an derselben schneiden. Ducaten beschneiden. Einem Vogel die Flügel beschneiden. Eine Hecke, den Wein, die Bäume beschneiden. Ein Buch beschneiden, bey den Buchbindern, es glatt und eben schneiden, welches in der Beschneidepresse, auf dem Beschneidebrete, vermittelst des Beschneidehobels oder Schnitthobels geschiehet. Einen Knaben beschneiden, bey den Juden, und einigen andern Morgenländern, ihm die Vorhaut vermittelst eines Schnittes benehmen. Figürlich, im gemeinen Leben auch in einigen Fällen für entziehen, benehmen. Einem seine Ehre beschneiden. Einem die Hoffnung, die Gelegenheit beschneiden. Daher die Beschneidung, besonders von der jüdischen Ceremonie, die Knaben am achten Tage an der Vorhaut zu beschneiden.

Anm. Diese letztere druckt Notker durch Umbesnida aus, nach dem Latein. Circumcisio. Eben derselbe gebraucht dafür aber auch Umbestritti und Scartlidi, das letztere von lid, Glied, und scart, Scharte, Schnitt. Das Zeitwort bisnidan findet sich schon bey dem Ottfried und Tatian.


Beschneiteln (W3) [Adelung]


Beschneiteln, verb. reg. act. welches das verkleinernde Frequentativum von beschneiden ist, umher beschneiden, und am häufigsten von dem Beschneiden der Bäume gebraucht wird. Nieders. besneteln. S. auch Beschnippen.


Beschnellen (W3) [Adelung]


Beschnellen, verb. reg. act. durch Geschwindigkeit hintergehen, von schnell, und in weiterer Bedeutung überhaupt als ein gemilderter Ausdruck für betriegen. Beschnelle wen du kannst, Günth.

Anm. Nieders. versnellen, Holländ. versnellen, Dän. besnilde, Schwed. försnilla. S. Schnellen.


Beschneyen (W3) [Adelung]


Beschneyen, verb. reg. act. ( S. Schneyen,) mit Schnee bedecken, von welchem aber nur das Mittelwort beschneyet üblich ist. Beschneyete Gipfel der Berge.


Beschnippen (W3) [Adelung]


Beschnippen, verb. reg. act. die Schneppen oder Spitzen von einer Sache abschneiden. So beschnippen die Tuchmacher die Wolle, wenn sie die groben Spitzen an derselben abschneiden. Ein niedriges Frequentativum davon ist beschnippern, Nieders. besnippeln.


Beschnoppern (W3) [Adelung]


Beschnoppern, Beschnuppern. S. Beschnäufeln.


Beschnuffeln (W3) [Adelung]


Beschnuffeln, S. eben daselbst.


Beschnüren (W3) [Adelung]


Beschnüren, verb. reg. act. mit Schnüren umwickeln oder umschlingen. So pflegt man in der Feuerwerkerkunst die Feuer-Leucht- und Brandkugeln zu beschnüren. Daher die Beschnürung.


Beschönen (W3) [Adelung]


* Beschönen, verb. reg. act. schön, d. i. scheinbar, machen, doch nur in der figürlichen Bedeutung, durch einen scheinbaren Vorwand entschuldigen. Ein Vergehen, eine böse That beschönen wollen. Im Hochdeutschen ist dieses Wort veraltet, seitdem das folgende beschönigen üblicher geworden ist. - Da du für ihn flehst, beschönst du den Verrath, Schleg. Ehedem sagte man auch sich beschönen, sich entschuldigen, welcher Ausdruck schon in Tyrols Paraenes. V. 43 vorkommt, und Walther von der Vogelweide singt: Gesueges mannes doenen Das sol man wol beschoenen. In der Jülichischen Rechtsordnung bey dem Frisch bedeutet sich beschönen, auch so viel als sich hüthen. Opitz gebracht beschö- nen Th. 4. S. 883 der neuen Ausgabe für beweisen, und an einem andern Orte singt er: Hier war der Tugend Feld Das Ort, von dem sich ließ der Erden Kreis beschönen, vermuthlich für verschönern, in welcher Bedeutung auch das einfache schönen ehedem sehr üblich war. S. Frisch v. Schön. So auch die Beschönung. Das Schwed. besköna, bedeutet so wohl zieren, als auch entschuldigen.


Beschönigen (W3) [Adelung]


Beschönigen, verb. reg. act. welches das Intensivum des vorigen ist, und im Hochdeutschen häufiger gebraucht wird, als jenes, durch einen scheinbaren Vorwand rechtfertigen, entschuldigen. Eine böse That, sein Vergehen beschönigen wollen. Daher die Beschönigung, so wohl von der Handlung, als auch von demjenigen, was man zur Rechtfertigung einer bösen That anführet.


Beschossen (W3) [Adelung]


Beschossen, verb. reg. act. von welchem nur das Mittelwort beschoßt in der Wapenkunst üblich ist, mit Schossen, d. i. Spitzen versehen. Ein beschoßter Schild, ist ein Schild, welcher in verschiedene Triangel-Spitzen getheilet ist, deren Enden in der Mitte zusammen stoßen.


Beschränken (W3) [Adelung]


Beschränken, verb. reg. act. mit Schranken umgeben; ein Wort, welches im Hochdeutschen nur in figürlicher Bedeutung für einschränken, umschränken, und auch hier nur in der höhern Schreibart üblich ist. Die reinste Wollust hat ein beschränktes Maß, Klopst. Kein Verstand ist so beschränkt, daß er nicht Gott aus seinen Werken erkennen könnte. Deiner Allmacht, Die den Himmel selbst beschränkt, Can. Anm. Ottfried und Notker gebrauchen biskrenken und beskrenchen für überwinden, demüthigen. S. Schranke.


Beschreiten (W3) [Adelung]


Beschreiten, verb. irreg. act. ( S. Schreiten,) an oder auf etwas schreiten, in der edlern Schreibart. Ein Pferd beschreiten, auf dasselbe steigen. das Ehebett beschreiten. Um etwas, Liebe, bitt' ich dich,Laß ihn nicht diesen Busch beschreiten, Du möchtest ihn vielleicht begleiten, Haged. Engl. to bestride. Nieders. bestriden.


Beschreyen (W3) [Adelung]


Beschreyen, verb. irreg. act. ( S. Schreyen,) 1) An oder gegen etwas schreyen. So sagt man in den Rechten von einem neu gebornen Kinde, daß es die vier Wände beschrien habe, wenn dessen Geschrey deutlich in dem Hause vernommen worden, welches als ein Beweis angesehen wird, daß das Kind lebendig zur Welt gekommen ist, und dadurch das Recht zur Erbfolge bekommen hat; außer welcher Redensart das Verbum in dieser Bedeutung wohl nicht weiter üblich ist. 2) Mit einem Geschreye, d. i. laut, öffentlich, vorfordern. So wurden ehedem flüchtige Verbrecher beschrien, wenn sie vor Gericht öffentlich drey Mahl vorgeladen wurden. Diese Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet. 3) Über etwas schreyen. Einen Übelthäter vor Gericht beschreyen. Zeter über ihn schreyen, welche Bedeutung nur noch in der Gerichtssprache einiger Orte üblich ist. Im gemeinen Leben sagt man auch wohl zuweilen, etwas beschreyen, laut darüber weinen. Hierher gehöret auch das Mittelwort beschrien, in der figürlichen aber nachtheiligen Bedeutung, für übel berüchtigt. Nero ist wegen seiner Grausamkeit in der ganzen gesitteten Welt beschrien. 4) Mit Worten bezaubern, besonders durch übermäßige Lobeserhebungen, in der Kunstsprache des Aberglaubens, welches man in Oberdeutschland auch berufen nennet. Ein Kind beschreyen. Das Kind ist beschrien. Von diesem Aberglauben rühret auch der alte Gebrauch des Deutschen Pöbels her, alle Lobsprüche auf Kinder und Vieh mit einem Gott behüte es! zu begleiten; wofür die alten Griechen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, die Römer aber praefiscine sagten.


Beschroten (W3) [Adelung]


Beschroten, verb. reg. act. nur daß das Mittelwort der vergangenen Zeit so wohl beschrotet, als beschroten lautet, beschneiden, besonders mit großen Werkzeugen beschneiden. Im Hochdeutschen ist dieses Wort wenig gebräuchlich, dagegen kommt es in den gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes desto häufiger vor, wo es auch figürlich gebraucht wird. Er beschrotete (beschnitt) ihre Pfründen, heißt es in Walfers Appenzell. Chron. S. Schroten.


Beschuhen (W3) [Adelung]


Beschuhen, verb. reg. act. mit Schuhen versehen. Ein Paar Stiefeln beschuhen, Schuhe daran setzen. Ingleichen figürlich. Einen Pfahl beschuhen, ihn an der Spitze mit Eisen beschlagen. daher die Beschuhung.


Beschulden (W3) [Adelung]


Beschulden, verb. reg. act. 1) Mit Schulden beschweren. Beschuldete Güter; wofür doch verschuldet üblicher ist. 2) S. das Folgende.


Beschuldigen (W3) [Adelung]


Beschuldigen, verb. reg. act. für schuldig ausgeben, eine böse Handlung beymessen, mit der zweyten Endung der Sache. Einen des Ehebruches, der Gotteslästerung beschuldigen, ihm dieselbe Schuld geben. Beschuldigen sie mich doch nicht so grober Verbrechen. Man muß niemanden auf bloßen Argwohn beschuldigen, ihn keines Verbrechens beschuldigen. Daher die Beschuldigung, so wohl für die Handlung des Beschuldigens; als auch der bösen That, die man jemanden Schuld gibt. Falsche, ungegründete Beschuldigungen.

Anm. Im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutungen sind: 1) Tadeln, für unbrauchbar erklären. So sagt man noch in Niedersachsen, eine Brücke beschuldigen. 2) Vergelten, verdienen. Ich wills beschuldigen, oder beschulden, im Oberdeutschen, wofür man im Hochdeutschen verschulden sagt. Das Zeitwort beschulden, wovon beschuldigen eigentlich Frequentativum ist, ist in dieser Bedeutung noch in Oberdeutschland üblich, im Hochdeutschen aber veraltet. Das einfache schuldigen, kommt in eben dieser Bedeutung noch in der Deutschen Bibel mehrmahls vor, bedeutet aber mehr, mit Beweisen eines Verbrechens überführen, besonders vor Gerichte; dagegen beschuldigen in den meisten Fällen bloße Muthmaßungen, und oft nur ungegründete Muthmaßungen voraussetzet. S. Schuldigen.


Beschuppen (W3) [Adelung]


Beschuppen, S. ebend. und 2 Schuppen.


Beschürfen (W3) [Adelung]


Beschürfen, verb. reg. act. im Bergbaue, durch schürfen entdecken, entblößen. Einen Gang beschürfen. Daher die Beschürfung. S. Schürfen.


Beschütten (W3) [Adelung]


Beschütten, verb. reg. act. auf etwas schütten. Die Wurzeln eines Baumes mit Erde beschütten. Ein Kleid mit Wasser beschütten. Mit Segen mich beschütte, nach einer niedrigen Figur. Einen Boden mit Getreide beschütten. Daher die Beschüttung.


Beschützen (W3) [Adelung]


Beschützen, verb. reg. act. zum Schutze, d. i. zur Abhaltung aller Beschädigung, dienen. So sagt man an einigen Orten noch, einen Garten, einen Acker beschützen, ihn einzäunen, befriedigen. Noch mehr aber figürlich, wider einen feindlichen Anfall bewahren, vertheidigen. Ein Land, eine Stadt beschützen. Wer sich auf den Herren verlässet, der wird beschützet, Sprichw. 29, 25. Daher die Beschützung.

Anm. Es ist nicht erweislich, daß beschützen eine mit einem Angriffe verbundene Vertheidigung, beschirmen aber bloß eine Bedeckung bedeute. In den Fällen, in welchen beyde Zeitwörter heit zu Tage gebraucht werden, ist die letztere ohne die erste nicht einmahl möglich. Auch die Abstammung ist dawider. S. Schutz.


Beschützer (W3) [Adelung]


Der Beschützer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die -inn, eine Person, welche jemanden zum Schutze dienet, ihn beschützet.


Beschwägern (W3) [Adelung]


Beschwägern, verb. reg. act. Sich mit einem beschwägern, dessen Schwager werden. Wir sind beschwägert, wir sind Schwäger. Daher die Beschwägerung.


Beschwämmen (W3) [Adelung]


Beschwämmen, S. Beschwemmen.


Beschwängern (W3) [Adelung]


Beschwängern, verb. reg. act. schwanger machen, schwängern, im gemeinen Leben. Eine Weibsperson beschwängern.


Beschwatzen (W3) [Adelung]


Beschwatzen, verb. reg. act. durch Geschwätz, d. i. Beredung, bewegen. Er hat ihn dazu beschwatzt. Ingleichen nachtheilig von jemanden schwatzen, oder reden. Jemanden beschwatzen. In einigen Mundarten beschwätzen. Daher die Beschwatzung oder Beschwätzung.


Beschweifen (W3) [Adelung]


Beschweifen, verb. reg. act. mit einem Schweife versehen, ein sonst ungewöhnliches aber doch richtig gebildetes Zeitwort. So zieht die Last der Bomben durch die Luft, Mit Feur beschweift, Kleist.


Beschweißen (W3) [Adelung]


Beschweißen, verb. reg. act. mit Schweiß benetzen, besudeln; ein anständiger Ausdruck für beschwitzen. Und dreht' es und entriß es der beschweißten Hand, Weiße. Bey den Jägern, welche Schweiß für Blut gebrauchen, bedeutet es mit Blut benetzen oder besudeln.


Beschwemmen (W3) [Adelung]


* Beschwemmen, verb. reg. act. welches aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist, für Überschwemmen. Der Felsen Haupt, das sich so hoch jetzt strecket, Stand ganz beschwemmt, war mit der Fluth bedecket, Opitz Ps. 104.


Beschwer (W3) [Adelung]


Die Beschwer, plur. die -en, S. das Folgende.


Beschwerde (W3) [Adelung]


Die Beschwerde, plur. die -n, alles, wodurch eine Sache schwer gemacht wird, eine Last; doch nur in verschiedenen figürlichen Bedeutungen. 1) Dasjenige, dessen Leistung schwer fällt, oder was man mit Widerwillen thut. In dieser Bedeutung werden alle diejenigen thätigen Verbindlichkeiten der Unterthanen gegen ihre Obrigkeit Beschwerden genannt, weil man sie schon von den ältesten Zeiten an als eine Last angesehen hat. Bürgerliche Beschwerden, wozu die Bürger oder Einwohner eines Landes verpflichtet sind, und wohin so wohl die persönlichen Dienste, die Heeresfolge, Wachhaltung u. s. f. als auch alle Steuern und Gaben gerechnet werden. In diesem Verstande ist das Wort ein allgemeiner Ausdruck, der alle besondere Arten unter sich begreift, und am häufigsten im Plural gebraucht wird. 2) Was man mit Widerwillen erduldet, alles, was unangenehme Empfindungen hervor bringet, und diese Empfindungen selbst. Hauptbeschwerden, Gliederbeschwerden, Mutterbeschwerden, Krankheiten des Hauptes, der Glieder, der Mutter. Ingleichen Noth, Gram, Sorgen u. s. f. welche letztere Bedeutung aber in Hochdeutschen, wenigstens in der edlern Schreibar, zu veralten anfängt, wozu vielleicht die Dichter der vorigen Jahre Anlaß gegeben haben, die dieses Wort um der Bequemlichkeit des Reimes willen, besonders in der veralteten Form Beschwer, gar sehr gemißbraucht haben. 3) Die Äußerung dieser unangenehmen Empfindung durch Worte; doch nur in engerer Bedeutung, von einer solchen Äußerung über das unrechtmäßige Verhalten anderer bey einem Obern, dagegen das Verbum sich beschweren in weiterer Bedeutung gebraucht wird. Beschwerde, oder Beschwerden über etwas führen, darüber Klage erheben. Es sind große Beschwerden wider dich eingelaufen.

Anm. Beswerde kommt schon in Strykers altem Gedichte bey dem Schilter vor. Indessen scheinet doch Swer oder Swere die älteste Form dieses Wort zu seyn, in welcher es für körperlichen Schaden, Gram, Sorge, Noth u. s. f. häufig bey den Schwäbischen Dichtern vorkommt; z. B. Ein swere an minem herzen lit Die kan mir nieman darabe genemen, Kraft von Toggenburg. Hieraus ward nachmahls das Hauptwort die Beschwer, welches in eben derselben Bedeutung sehr oft bey dem Opitz angetroffen wird; z. B. Erlöse dieses Land auch aus Beschwer, Ingleichen: O führe Herr auch aus Beschwer, Die noch bestrickt sind, wieder her, Ps. 126. Die Hochdeutschen Dichter haben es in dieser Gestalt noch sehr lange beybehalten, aber die Neuern haben es wegen des davon gemachten Mißbrauches veralten lassen. Schwer und Beschwer werden auch zuweilen als Neutra gefunden, welches Geschlecht auch in einigen Oberdeutschen Gegenden Beschwerde hat; das Beschwerd. In eben dieser Mundart ist dafür auch das und die Beschwerniß üblich.


Beschweren (W3) [Adelung]


Beschweren, verb. reg. act. schwer machen, mit einem Last belegen. 1. Eigentlich. Die Wage ist zu sehr beschwert. Ingleichen, schwer fallen, drücken. Das Gepäck beschweret die Kutsche. Und in weiterer Bedeutung. Krebse, rohe Speisen beschweren den Magen, sind schwer zu verdauen, und verursachen daher Beschwerden oder unangenehme Empfindungen. 2. Figürlich. 1) Mit einer lästigen Verbindlichkeit belegen. Das Volk mit Steuern und Gaben, die Unterthanen mit Frohnen beschweren. Das Reich mit Zöllen beschweren. Diese Waare ist mit zu vielen Abgaben beschweret. Ingleichen, beschwerlich fallen. Jemanden mit seinem Besuche beschweren. 2) Unangenehme Empfindungen verursachen, welche Bedeutung aber im Hochdeutschen veraltet ist. 3) Sich über etwas beschweren, das Gefühl der unangenehmen Empfindung durch Worte äußern. Sich über Leibesschmerzen beschweren. Sich bey der Obrigkeit, dem Richter beschweren. man hat sich gar sehr über dich beschweret.So auch die Beschwerung, in allen obigen Bedeutungen, die letzte ausgenommen, so wohl von der Handlung des Beschwerens, als auch von Beschwerden, d. i. Krankheiten des Leibes, Magenbeschwerungen, Hauptbeschwerungen, Mutterbeschwerungen, Steinbeschwerungen u. s. f. in welcher Bedeutung der Plural am üblichsten ist.


Beschwerlich (W3) [Adelung]


Beschwerlich, -er, -ste, adj. et adv. zu unangenehmen Verbindlichkeiten verpflichtend, Beschwerde, Mühe verursachend. Einem mit seinem Besuche, mit seinen Briefe beschwerlich seyn oder fallen. Das Reden fällt, oder wird mir gar zu beschwerlich. Ein beschwerlicher Mensch, der uns beschwerlich fällt. Eine beschwerliche Krankheit.


Beschwerlichkeit (W3) [Adelung]


Die Beschwerlichkeit, plur. die -en. 1) Die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie beschwerlich ist; ohne Plural. Die Beschwerlichkeit eines Menschen, eines Besuches, einer Krankheit. 2) Einen beschwerliche Sache. Die Beschwerlichkeiten eines Feldzuges. Die Beschwerlichkeiten dieses Lebens. Es ist eine große Beschwerlichkeit damit verbunden. Indessen ist in dieser concreten Bedeutung Beschwerde üblicher und auch edler.


Beschwitzen (W3) [Adelung]


Beschwitzen, verb. reg. act. mit Schweiß benetzen, besudeln. Der beschwitzt von seinem Jagdgaul steiget, Haged.


Beschwören (W3) [Adelung]


Beschwören, verb. irreg. act. ( S. Schwören,) 1) Mit einem Eide bestätigen. Die Zeugen haben ihre Aussage beschworen. Ich kann es beschwören. 2) Vermittelst eines Schwures, d. i. Anrufung des höchsten Wesens, zu etwas verpflichten. (a) Eigentlich. So wird der Teufel in der Taufe beschworen. (b) Durch abergläubige Worte und Zeichen zu etwas verpflichten. Die Geister, Schlangen, Ottern, u. s. f. beschwören. (c) Figürlich, heftig, und mit Anführung der triftigsten Bewegungsgründe um etwas bitten. Ich bitte und beschwöre dich. Ich beschwöre dich bey Gott. Ich beschwöre sie bey ihrer Aufrichtigkeit, lassen sie den Mann aus dem Verdachte, Gell. Nur dieß beschwör' ich dich, bey deines Thrones Pflicht, Bey allem, was du liebst, trau dem Verräther nicht, Weiße. Wo doch die Wortfügung mit dem Accusativ dieß in ungebundener Rede ungewöhnlich ist.Daher die Beschwörung, so wohl von der Handlung, als auch den Worten und Formeln, vermittelst deren man in dem ersten und zweyten Falle der zweyten Bedeutung beschwöret.

Anm. Bisueran und besuueron kommt in der ersten Bedeutung schon bey dem Tatian und Willeram vor; für heftig bitten aber gebraucht schon Kero pisuueron.


Beschwörer (W3) [Adelung]


Der Beschwörer, des -s, plur. ut nom. sing. der jemanden beschwöret, besonders durch abergläubige und so genannte zauberische Mittel. Daß sie nicht höre die Stimme des Zauberers, des Beschwörers, der wohl beschwören kann, Ps. 58, 6. Den tauben Ottern gleich, wenn ihr Beschwörer spricht, Hört er die süßen Worte nicht, Außer dieser Bedeutung ist dieses Wort nicht üblich.


Beseelen (W3) [Adelung]


Beseelen, verb. reg. act. mit einer Seele, d. i. mit Leben versehen. Wir sind Staub von einer allmächtigen Hand beseelt, Gell. O Liebe, deinen Schmeicheleyen Kann kein beseelt Geschöpf entgehn, Gell. Ingleichen figürlich, mit Lebhaftigkeit, Reitz, Anmuth versehen. Ein Blick, beseelt von Wehmuth und von Treue, Gell. Ihr Herz, von Redlichkeit beseelet, Gefällt und spricht in jedem Blick, ebend. Den die Liebe für sein Vaterland mit dem Muthe der feurigen Jugend im kalten Alter beseelte, Dusch.


Besegeln (W3) [Adelung]


Besegeln, verb. reg. act. 1) Mit Schiffen befahren. Ein Meer besegeln, oft auf demselben fahren. Ein Land besegeln, oft nach demselben segeln. S. Beschiffen. 2) Mit Segeln versehen. In dieser Bedeutung sagt man von einem Schiffe, daß es gut besegelt sey, wenn es gehörig fortsegelt.


Besegnen (W3) [Adelung]


* Besegnen, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen ungewöhnlich ist, aber doch ein Mahl von Opitz für das einfache segnen gebraucht worden: Der Herr wird euch besegnen immerdar, Ps. 115.


Besehen (W3) [Adelung]


Besehen, verb. irreg. act. ( S. Sehen,) auf etwas sehen, in der Absicht, etwas daran zu entdecken, oder es kennen zu lernen. Ein Land, das Feld, einen Acker, ein Haus besehen. Sich im Spiegel besehen. Als ich es beym Lichte besah, als ich es genau untersuchte. Daher der Beseher oder das Besehblech, bey den Schriftgießern, ein Blech, welches man auf eine Reihe Lettern setzet, um vermittelst desselben zu sehen, ob sie auch alle einerley Dicke haben. S. auch Besichtigen und Betrachten.

Anm. Für besehen ist im Oberdeutschen beschauen und im Niedersächsischen bekiken gebräuchlicher. Im Österreichischen wird die Wärterinn einer Kindbetterinn eine Beseherinn genannt. Bey dem Kero und Ottfried lautet dieses Zeitwort pisehan und bisihan, und bedeutet bey dem letztern auch theils sehen schlechthin, theils aufmerken, theils aber auch besorgen, versehen. Sich besehen, war eine ehedem übliche Redensart, für, mit einander fechten, seine Kräfte in einem Gefechte versuchen. Sich in einer Stadt besehen, sie besehen, oder sich darin umsehen, ist niedrig. Für das Hauptwort Besehung ist Besichtigung eingeführet. S. Besichtigen.


Beseilen (W3) [Adelung]


Beseilen, verb. reg. act. mit Seilen versehen. Ein Schiff beseilen, in den Seestädten. Daher die Beseilung.


Beseiten (W3) [Adelung]


Beseiten, verb. reg. act. von Seite, latus, mit Seiten versehen, ein nur in der Wapenkunst übliches Wort, wo beseitet so viel bedeutet, als auf der Seite mit Zierathen versehen; Franz. flanque.


Beseligen (W3) [Adelung]


Beseligen, verb. reg. act. selig, d. i. glücklich machen, in der höhern Schreibart. Auch du beseligst ihren Stand, Haged. O du süßer Augenblick, Wenn beseligst du mich wieder! Gleim. In dem gemeinen Umgange wird dieses Wort nur in einer niedrigen Ironie gebraucht. Einen mit etwas beseligen, ihm eine nachtheilige oder schimpfliche Sache aufhängen; daher unsere Dichter mit diesem Worte billig ein wenig sparsamer umgehen sollten, weil sich der unangenehme Nebenbegriff oft mit in die Vorstellung eindränget.


Besenbinder (W3) [Adelung]


Der Besenbinder, des -s, plur. ut nom. sing. S. Besen 2.


Besenden (W3) [Adelung]


Besenden, verb. irreg. act. ( S. Senden,) Einen besenden, zu ihm senden, ihm etwas sagen oder melden zu lassen, ihn beschicken. Besandt er seine schefflewt, Ließ ihnen sagen u. s. f. Theuerd. Bey den Handwerkern wird dieses Wort noch häufig gebraucht. Daher die Besendung.


Besenheide (W3) [Adelung]


Die Besenheide, plur. inus. eine Art Heide, welche zweyhörnige eingeschlossene Staubbeutel, glockenförmige Kronen, abstehende Blätter und weiße Äste hat; Erica scoparia, L. Sie wächset in Spanien und dem mittägigen Europa.


Besenpflanze (W3) [Adelung]


Die Besenpflanze, plur. die -n, bey den neuern Kräuterkennern, der Nahme einer Amerikanischen Pflanze, welche in Jamaica als Thee gebraucht wird, und daher auch Westindischer Thee heißt; Scoparia, L.


Besensohle (W3) [Adelung]


Die Besensohle, plur. inusit. in dem Salzwerke zu Halle, eine gewisse Menge Sohle, welche dem Bornmeister zum Besten gesotten wird, der dafür Besen und Handtücher halten muß.


Besessen (W3) [Adelung]


Besessen, S. Besitzen.


Besetzen (W3) [Adelung]


Besetzen, verb. reg. act. was zu einer Sache gehöret, in, auf oder an dieselbe setzen, in verschiedenen Bedeutungen dieses einfachen Verbi. Den Tisch mit Speisen besetzen, die nöthigen Speisen auf denselben setzen. Den Tisch mit Gästen besetzen, so viel Gäste daran setzen, als derselbe fassen kann. Der Tisch ist besetzt, es haben nicht mehr Gäste Platz. Der Platz, der Stuhl ist besetzt, es sitzt schon jemand darauf, oder er ist schon für jemanden bestellt. Ein Land mit Leuten, eine Stadt mit Einwohnern besetzen. Eine Stadt mit Truppen besetzen, oder nur schlechthin, eine Stadt, eine Festung, ein Land besetzen, Truppen, Besatzung darein legen, ingleichen in Besitz nehmen. Einen Teich mit Fischen, einen Garten mit Bäumen besetzen. Ein Amt besetzen, es jemanden anvertrauen. In welchem Lande sind die Ämter mit lauter würdigen Männern besetzt? Ein Kleid mit Tressen besetzen, oder schlechthin, ein Kleid besetzen, mit Tressen. Ein besetztes, bortirtes Kleid. Daherdie Besetzung, die Handlug des Besetzens, S. auch Besatzung.

Anm. Besetzen, Nieders. besetten, Holländ. besetten, Angelsächs. besittan, Engl. to beset, Schwed. besaetta, lautet bey dem Notker besezzen, und wird von ihm auch für blockiren, einschließen, gebraucht, welche Bedeutung im Schwedischen und Niedersächsischen noch üblich ist. Über dieß bedeutete dieses Wort ehedem, wie noch jetzt in Niedersachsen, mit Arrest belegen, ingleichen schriftlich verfassen, auffassen, aufsetzen, wie auch überführen, und endlich betriegen. in den gemeinen Mundarten hat man auch das Hauptwort, die Besetze, plur. die -n, eine Sache auszudrucken, mit welcher eine andere besetzet wird, z. B. die Besetzen an den Hemden. In der Schweiz bedeutet dieses Wort aber auch ein Gassenpflas=ter, so wie besetzen, daselbst für pflas=tern gebraucht wird; und daher kommt es auch, daß unsere Hochdeutschen Straßenpflas=terer denjenigen Schlägel, womit sie das Pflas=ter gleich und fest stoßen, einen Besetzschlägel nennen.


Beseufzen (W3) [Adelung]


Beseufzen, verb. reg. act. über etwas seufzen, es seufzend beklagen. Die Torheiten der Menschen; die Vergänglichkeit des Lebens beseufzen.


Besichtigen (W3) [Adelung]


Besichtigen, verb. reg. act. in Augenschein nehmen, feyerlich oder mit Sorgfalt besehen. Eine streitige Grenze, einen Erschlagenen, einen entblößten Gang besichtigen. Die Straßen besichtigen. In den meisten Fällen, in welchen dieses Wort im Hochdeutschen gebraucht wird, schließet es eine gewisse Feyerlichkeit ein, die mehr als das Besehen ausdruckt. Allein im Oberdeutschen wird es aller Fällen für besehen gebraucht, weil man daselbst auch ein schönes Haus, einen angenehmen Garten besichtiget, die man im Hochdeutschen nur besiehet. Doch wird das Hauptwort die Besichtigung auch für das Besehen gebraucht, weil dieses Verbum kein Hauptwort auf - ung hat. Daher der Besichtigungsschein, das visum repertum.

Anm. Es ist nicht zunächst von dem Beyworte sichtig, wie Frisch glaubt, sondern es ist das Frequentativum von dem veralteten besichten, welches noch in einer Urkunde von 1431 vorkommt; daher es schon vermöge dieser Form einen mehrern Nachdruck hat, als besichten und besehen.


Besiebenen (W3) [Adelung]


* Besiebenen, verb. reg. act. von dem Zahlworte sieben, mit sieben Zeugen überführen, oder in Gegenwart von sieben Zeugen befragen; ein veraltetes Wort, welches sich aus der Gerichtssprache der mittlern Zeiten nur noch an einigen Orten erhalten hat.


Besiegeln (W3) [Adelung]


Besiegeln, verb. reg. act. mit einem Siegel versehen. Eine Handschrift, eine Quittung besiegeln, sein Siegel beydrucken. Besigelen, bey dem Willeram. Daher die Besiegelung.


Besiegen (W3) [Adelung]


Besiegen, verb. reg. act. einer Person oder Sache Sieger werden. Den Feind besiegen, über ihn siegen. Ein Heer, das noch nie besieget worden. Ein besiegtes Volk. Bloß ihre verführte Einbildungskraft hat ihre Tugend besiegt. Im Oberdeutschen ansiegen, S. dieses Wort.


Besingen (W3) [Adelung]


Besingen, verb. reg. act. ( S. Singen,) 1) Bey oder über etwas singen. Eine Leiche besingen. 2) Zum Gegenstande eines Gedichtes machen, in edler Bedeutung. Das Lob Gottes, einen Helden, die Reitze des Frühlinges besingen. In Oberdeutschland ist Besingniß für Exequien üblich.


Besinnen (W3) [Adelung]


Besinnen, verb. reg. recipr. Imperf. ich besann mich; Partic. besonnen. 1) Sich erinnern. Ich besinne mich nicht, daß ich es gesehen hätte. Ich besinne mich, es dir versprochen zu haben. Ingleichen mit dem Vorworte auf. Ich kann mich nicht darauf besinnen. Ich werde mich wohl noch darauf besinnen. Besinnst du dich nicht auf unsre Marianne? Günth. Im Oberdeutschen wird dieses Wort sehr häufig mit der zweyten Endung der Sache gebraucht. Sich seiner Jugend besinnen. Besinne dich der vorigen Jahre. Als Vater Zeus - Sich glücklich einer List besann, Wiel. Allein im Hochdeutschen ist dafür erinnern oder entsinnen doch immer üblicher. 2) Mühe anwenden, sich einer Sache zu erinnern, sich bemühen, einen dunkeln Gedanken von etwas Vergangenen klar zu machen. Ich besinne mich hin und her. Ich habe mich schon lange darauf besonnen. 3) Überlegen, im gemeinen Leben und absolute. Ich will mich besinnen. Du besinnst dich immer gar zu lange. Im Oberdeutschen sagt man auch mit der vierten Endung der Sache. Ich habe es mir nicht recht besonnen. Besinne es dir wohl. 4) Sich nach vorhergegangener Überlegung entschließen, in einigen Fällen. Haben sie sich besonnen? entschlossen. Sich eines bessern besinnen, einen bessern Entschluß fassen. Vielleicht besinnt sie sich anders. Er wird sich wohl noch eines andern (d. i. bessern) besinnen. 5) Zu seinen Sinnen, d. i. in den Zustand deutlicher Begriffe, wieder zurück kehren. Besinnen sie sich doch, sagt man zu einem, der in einer heftigen Leidenschaft, im Schlafe, in einem starken Rausche u. s. f. ist. Und als er sich besinnte, (besann,) Apostelg. 12, 12, als er zu sich selber kam. Er kann sich nicht besinnen, nicht wieder zu sich selbst kommen. Daher die Besinnung, besonders in der letzten Bedeutung, welche von Besonnenheit noch verschieden ist; die Besinnungskraft, das Vermögen sich zu besinnen, oder dunkele Vorstellungen klar und deutlich zu machen, welches dem neuern Besonnenheit billig vorzuziehen ist. S. dasselbe.

Anm. Dieses Wort ist von Sinn und sinnen, welches ehedem alle Wirkungen der Seele ausdruckte. Im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutungen von besinnen sind, (a) über etwas nachdenken. Indem aber Petrus sich besinnt über dem Gesichte, Apostelg. 10, 19. (b) Erwägen, im Oberdeutschen. Sich das Unglück besinnen. (c) Ersinnen.So ser ich noch ains khan besynnen, Theuerd. Kap. 70. (d) Das Mittelwort besonnen, oder besinnt, ist im Oberdeutschen auch für behutsam, verständig üblich; S. Besonnenheit und Unbesonnen. Besinnen gehet in einigen Oberdeutschen Gegenden auch regulär, welches auch Luther in den oben angeführten Stellen nachgeahmet hat. Die Niedersachsen gebrauchen für besinnen, besonders in der ersten Bedeutung, versinnen, welches nicht so veraltet ist, als Frisch behauptet. Übrigens hatte man hiervon ehedem auch das Factitivum besinnigen, zum Besinnen, Verstehen, Erkennen bringen, wovon Frisch ein Beyspiel aus Menkens Script. Saxon. anführet.


Besippen (W3) [Adelung]


* Besippen, verb. reg. act. welches größten Theils veraltet ist, und wovon am einigen Orten nur noch das Mittelwort besippt, für befreundet, verwandt, üblich ist. S. Sippschaft.


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