Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
DE Deutschland, Alemania, Allemagne, Germania, Germany
Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
E

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

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Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

B

C

D

E

E (W3) [Adelung]


E, der fünfte Buchstab des Deutschen Alphabetes und der zweyte unter den Vocalen oder Hülfslauten.1. Dieser Buchstab hat im Hochdeutschen einen doppelten Laut, indem er theils wie das e der Lateiner in meus, heri, bene, merito u. s. f. theils aber auch wie a lautet.Das erste e, welches auch aus das hohe e genannt wird, und, wenn es den Ton hat, dem e ferme der Franzosen gleicht, wird am häufigsten gebraucht; ob sich gleich alle die Fälle, in welchen es vorkommt, nicht leicht unter gewisse bestimmte Regeln bringen lassen. Vor dem h ist es in den meisten Fällen hoch, und hat zugleich den Ton; wie in gehen, sehen, stehen, mehr, u. s. f. Indessen gibt es auch Fälle, wo es wie ä lautet, wie in fehlen, hehlen, Hehler, stehlen, Mehl, nehmen, sehnen u. s. f. In zehren, wehen, drehen und andern mehr, wird es selbst im Hochdeutschen oft hoch, am häufigsten aber tief ausgesprochen.Das tiefe e, das e ouvert der Franzosen, lautet wie ä, und findet sich in der ersten Sylbe vieler zweysylbigen Wörter, dergleichen leben, geben, Hebel, ledig, reden, Segel, Kegel Elend, lesen, Wesen, bethen, treten, selig u. s. f. sind. In allen diesen Fällen ist es zugleich gedehnt und hat den Ton. Geschärft aber ist es in Berg, Werk, Zwerg, Essig, Kessel, lecken, Zweck, strecken u. s. f.Das verdoppelte e oder ee, oder das Zeichen des gedehnten e, ist in den meisten Fällen hoch, See, Klee, Meer, Heer, Beere, leer, Seele, das Beet, Allee, die Beete. Denn Scheere, scheeren, scheel, Meet, sind bloße Neuerungen, für Schere, scheren, schel, Meth.Da der Übergang von einem Selbstlaute zu dem andern in allen Sprachen etwas gewöhnliches ist, so darf man sich auch nicht wundern, wenn verschiedene Deutsche Mundarten statt des Hochdeutschen e andere Töne hören lassen. So sprechen die rauhern Oberdeutschen Mundarten, linka Seitha für linke Seite, Wunda für Wunde; die Schlesier Fahl für Fell, Nalken für Nelken, ihrlich für ehrlich, Siele für Seele, gihe für gehe; die Pfälzer Ältisten für Ältesten, spätisten für spätesten, wehrtister für werthester; einige Niedersachsen Bieke, in Zwey Sylben, für Beke, Bach, Tiewe für Tewe, Hündinn, Jesel für Esel u. s. f. Selbst die Hochdeutsche Mundart ist davon nicht frey; denn daher rühret unter andern auch die Verwandtschaft der Vocale so wohl in vielen abgeleiteten Wörtern, als auch in der Conjugation der irregulären Zeitwörter. So kommt von Berg Gebirg, und von Werk wirken; so gehet das e in a über, in kennen, ich kannte, gekannt, brennen, brannte, gebrannt, genesen, genas; in ie, befehlen, du befiehlst, schwer, schwierig; in i, bergen, du birgst, geben, du gibst, brechen, du brichst, brich, ich esse, du issest; in o, ich pflege, gepflogen, brechen, gebrochen, schelten, gescholten, zuweilen, obgleich seltener, auch in u, stehen, ich stund, für ich stand, werden, ich wurde.2. Der Gebrauch dieses Buchstaben ist von einem sehr weiten Umfange. Ohne hier dasjenige zu wiederhohlen, was in der Sprachlehre und Orthographie davon gesagt worden, sollen nur ein Paar Stücke davon bemerket werden.1) Am häufigsten dienet dieser Vocal zur Flexion der Wörter am Ende, welche der Regel nach allein durch ihn geschiehet. Erdienet zur Declination, der Mann, des Mannes, dem Manne, die Männer; der Trieb, des Triebes, dem Triebe, die Triebe. Zur Comparation, süß, sußer, der süßeste; hoch, höher, am höchsten. Zur Conjugation, ich tödte, du tödtest, er tödtet, ich tödtete, getödtet, tödten. In allen diesen Fällen ist er kurz, und gemeiniglich auch von dem Tone verlassen. Ja er wird in vielen Fällen gar weggelassen, wie hernach wird gesagt werden.2) Dienet dieser Buchstab auch zur Bildung neuer Wörter. So werden aus Adverbien vermittelst des angehängten e Hauptwörter, das Abstractum derselben auszudrucken; gut, Güte, lieb, Liebe, stark, Stärke, groß, Größe, mild, Milde, dürr, Dürre u. s. f. Alle solche Substantive sind weiblichen Geschlechtes.3) Eine der vornehmsten Verrichtungen dieses Vocales ist die Beförderung des Wohlklanges. Dieses e euphonicum verdienet hier ein wenig umständlicher entwickelt zu werden.Die Hochdeutsche Mundart beobachtet die Mittelstraße zwischen der allzu großen Weichlichkeit der Niedersächsischen, und der rauhen Härte der Oberdeutschen Mundart. Die letztere zu mildern, hat sie unter andern auch den weichen Consonanten b, d, g, s, dem gelinden ß, und dem w, welche am Ende nicht anders als hart ausgesprochen werden können, ihre erste gelinde Aussprache wieder gegeben, und dieses konnte nicht anders als durch Anhängung eines e geschehen. In Bild, Sieb, Raub, lang, des, Haß lauten die letzten Consonanten wie t, p, k, ß und ss. Allein in tausend andern Wörtern, wo die Hochdeutsche Mundart weichere Mitlaute hören lassen will und muß, ist das e unentbehrlich. Dahin gehören Bube, Knabe, Schwabe, Gewölbe, Gewerbe, Glaube, Rabe, Gnade, Friede, behende, spröde, blöde, Schade, geschwinde, Heide, Habe, Stube, gerade, herbe, Gebäude, Gewinde, Gemählde, Ende, enge, geringe, träge, das Beschläge, das Auge, Gebirge, Gedränge, böse, lose, leise, weise, Franzose, Matrose, Hase, Accise, Gekröse, Getöse, Preuße, Löwe; ingleichen die Imperativi, welche sich auf einen von diesen Mitlauten endigen, liebe, büße, begnüge, borge, sage, klage u. s. f. Alle diese Wörter lautet im Oberdeutschen hart Bub, Knab, Schwab, blöd, Rab, Heid, bös, weis, Has u. s. f. In andern Wörtern aber, wo die Hochdeutsche Mundart die Oberdeutsche Aussprache behalten hat, würde es ein Fehler seyn, sie durch ein angehängtes e weicher zu machen. Man spricht und schreibt also bald, Geduld, Schuld, lang, (außer wenn es das Nebenwort der Zeit lange ist,) jung, gib, lis u. s. f.Dieser Regel folgen auch einige andere Wörter, welche sich auf einen Hauch- oder Lippenbuchstab endigen, denen im Hochdeutschen gleichfalls ein e angehänget wird, vermuthlich, um die harte Einsylbigkeit dadurch zu heben. Dergleichen Wörter sind, z. B. Affe, Laffe, Gedanke, Funke, Schnepfe, Franke, Türke, Sache, Stampfe, Drache u. s. f. dagegen Glück, Geschick, dick, Graf, Gespräch und andere dieser Milderung nicht bedürfen.Auch gehören hierher die Gentilia, welche sich nicht auf ein r endigen, und dergleichen außer den oben gedachten sind, der Däne der Schwede, der Pohle, der Russe, der Norwege, der Böhme, der Hesse, u. s. f. welche dieses e nur um des Wohl- lautes willen annehmen, dagegen die, so sich auf ein r endigen, wie Baier, Perser, Indier, Pommer, Märker u. s. f. es nicht bedürfen.Hieraus erhellet zugleich, wie unrecht diejenigen daran sind, welche manchen Wörtern, die nicht unter diese Fälle gerechnet werden können, ein unnützes e anhängen, und späte, ofte, dünne, Narre, schöne, ihme, indeme, Poete, Prophete, Fürste u. s. f. sprechen und schreiben. Eben so merklich ist der Übelklang bey den auf solche Art ohne gehörige Ursache verlängerten Neutris, Glück, Geschick, Geschenk, Geschlecht, Geblüt, Gemüth, Gesetz, Netz, Gedicht, Gerücht, Gewicht, Geräusch, Gewächs u. s. f. Nur einige einsylbige Nebenwörter vertragen dieses e, wenn sie am Ende einer Periode zu stehen kommen, um den Mißklang zu vermeiden, den ein einsylbiges Wort in diesem Falle verursachen würde, Mehr ist von diesem e in der Orthographie gesagt worden.3. Weil das e, nicht das e euphonicum, sondern dasjenige, welches die Wörter am Ende beugen hilft, die Rede oft schleppend macht, so kann und muß es oft weggelassen werden. Diese Weglassung ist,1) Nothwendig. (a) Im Dative der Hauptwörter, wenn sie ohne Artikel stehen, S. 1 Der, S. 1454. (b) In einigen Superlativen. Der beßte oder beste für besseste, der liebste für liebeste, der dümmste, frömmste, gröbste, höchste, nächste, schwächste, jüngste, längste, u. s. f. Besonders diejenigen, welche sich im Positive auf ig, lich, ach, bar, sam, em, en und er endigen. (c) In den Mittelwörtern der vergangenen Zeit auf et, ein Geliebter, Betrübter für Betrübeter, verstimmte Saiten, ein geübter Redner u. s. f. Nur nicht, wenn schon ein anderes t vorher gehet; ein gerichtetes Haus, nicht gerichttes, ein verpflichteter Diener. (d) In einigen Zeiten mancher Verborum. Ich liebte, lobte, für liebete, lobete. (e) In den Endungen elen, eren der Zeitwörter, wo am besten das zweyte, von härtern Mundartern aber das erste e verbissen wird. Mauern (mauren) dauern, (dauren), lauern, (lauren) für maueren, daueren, laueren; mangeln, (manglen) segeln, (seglen) für mangelen, segelen.2) Bloß erlaubt ist sie, besonders in der vertraulichen Sprache des Umganges und in der Poesie, in allen Fällen, wo der Wohlklang nicht darunter leidet, das ist, wo durch die Zusammenziehung nicht zu viele und zu harte Mitlauter zusammen kommen. So wird das e des Genitivs und Dativs, auch wenn ein Artikel vorhanden ist, in den Adjectiven auf ein kurzes en, in den Mittelwörtern der vergangenen Zeit auf en, in den Infinitiven mancher Zeitwörter, in den Comparativen und Superlativen u. s. f. sehr oft verschlungen. Die kühle Luft am Abend, die Stärke des Thiers, sein eignes Vermögen; geh, steh, beßre Menschen, das völlste Faß.


Ebbanker (W3) [Adelung]


Der Ebbanker, des -s, plur. ut nom. sing. in der Seefahrt, ein Anker, welcher der Ebbe oder fallenden Fluth widerstehet, im Gegensatze des Fluthankers, welcher sich der steigenden Fluth widersetzet. Beyde Anker zusammen genommen werden Teyanker oder Gabelanker genannt.


Ebbe (W3) [Adelung]


Die Ebbe, plur. inus. der Abfluß des Meerwassers nach der Fluth. Ebbe und Fluth, das periodische Steigen und Fallen des Wassers in dem Weltmeere. Es ist Ebbe. Die Ebbe tritt ein.

Anm. Dieses Wort lautet im Angels. Ebba, Ebbe, im Engl. Ebb, Ebbing, im Franz. Ebe, im mittlern Lateine Ebba, im Dän. und Nieders. gleichfalls Ebbe. Es scheinet von dem veralteten Verbo aben, hinab gehen, abnehmen, herzustammen. S. Ab und Abend. Die Niedersachsen und Dänen haben auch dasVerbum ebben, und die Engländer to ebb, nach der Fluth ablaufen, als ein Neutrum. Das Meer fängt an zu ebben.


Eben (W3) [Adelung]


Eben, ein Wort in doppelter Gestalt üblich ist.I. Als ein Bey- und Nebenwort, und da bedeutet es, 1. eigentlich, gleich, was keine hervor stehende Erhöhungen oder Ungleichheiten hat, am häufigsten von der Oberfläche des Erdbodens. Ein ebenes Feld, welches keine Berge, Hügel, oder Thäler hat. Ein ebener Weg. Der Weg ist sehr eben. Etwas eben machen. 2. In figürlicher Bedeutung, 1) * hübsch, fein, von der Gesichtsbildung. Wer Jüngling ebener Gestalt, Wer Jungfrau ist, ja jung und alt, Opitz Ps. 148. Diese Bedeutung ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. S. Uneben. 2) Genau, eigensinnig, im gemeinen Leben einiger Gegenden. Er ist ein ebener Mann, ein Mann, der alles sehr genau haben will. Er ist in seinen Sachen sehr eben.II. Als ein bloßes Nebenwort, oder Adverbium.1. * Gleich, aequalis, gemäß; welche Bedeutung aber im Hochdeutschen veraltet ist. Als es der Natur der Dinger eben kommt, Buch der Natur, Augsb. 1483. Es gilt alles eben viel, Opitz.2. Genau, accurat, im gemeinen Leben. Eben voll, ganz voll. Ich kann es so eben nicht wissen. Jemanden gar eben ansehen. Merke eben darauf, was ich dir zeigen will, Ezech. 40, 4. Da sah ich eine Magd sitzen - und sahe eben auf ihn, Luk. 22, 56.3. Besonders wird es in diesem Verstande gebraucht, ein Wort und den dadurch ausgedruckten Begriff sehr genau zu bestimmen, da es denn zu allerley Redetheilen gesetzet werden kann, 1) Zu Nebenwörtern und Bindewörtern. Es geschiehet dir eben recht. Du thust eben als wenn du mich fragtest. Eben damahls, genau zu derselbigen Zeit. Eben jetzt habe ich ihn gesehen. Eben daselbst. Ich wollte eben gern ein Wort mit ihm allein reden, Gell. Eben, weil sie fühlt, daß ihr Herz überwunden ist, so wendet sie auch noch die letzte Bemühung an u. s. f. ebend. Eben deßwegen singt und bethet sie alle Stunden, weil, sie alle Stunden reicher werden will, ebend. Es ist eben heute ein Jahr, da sie ihr Vermögen verloren, ebend. Besonders stehet es gern bey der Partikel so, die Ähnlichkeit noch genauer zu bestimmen. Ich bin eben so alt als du. Er ist eben so groß als ich. Eben so reich als Crösus. Eben so, auf eben dieselbe Art. Er ist eben so glücklich als vorher. Ich verlange den Reichthum eben so wenig, als die Armuth, Gell. 2) Zu Pronominen. Eben dich meine ich. Besonders zu den anzeigenden der, die, das, derselbe, dieselbe, dasselbe. Ich sahe ihn noch an eben demselben Tage. Er ist noch an eben dem Orte, wo er gestern war. Eben derselbe Mensch, welchen wir gesehen haben. Im gemeinen Leben setzet man die Präposition gern zwischen eben und das Pronomen, welches aber in der edlen Schreibart nur selten eine gute Wirkung thut. Ich sahe ihn noch eben an demselben Tage. Eben mit dem Maß, da ihr mit messet, Luc. 6, 38. Noch weniger ist es zu rathen, das Nebenwort in dieser Bedeutung zu verschweigen. Es ist derselbe Mensch, welchen wir gestern gesehen haben. Oder noch das und einzuflicken, welches hier völlig unnütz ist: hat es vor diesem Menschen gegeben, so kann es auch wohl eben und dieselben Fehler gegeben haben. Die gemeinen Sprecharten gebrauchen für eben derselbe gern der nehmliche, der nehmlichste, der gleiche, welche Ausdrücke aber einem Hochdeutschen Ohre anstößig sind. 3) Zu Nenn- und Zeitwörtern. Es ist mir eben eins, in gemeinen Leben, es ist mir gleich viel. Das mußte ich eben nicht, das war eigentlich die Sache, welche ich nicht wußte. Das läugnet er eben. Das ist eben, was ich sage. Dieses ist eben mein Wunsch, Gell. Sie sagte, sie wäre unruhig, und das war eben schlimm, ebend. Eben der Leute wegen will er nur Abends kommen, Weiße. Du hättest sie eben sollen ruhig machen, Gell. Eben durch die Gutheit macht man nur mehr Bettler, ebend. Man weiß, daß nicht eben die besten Schriften am häufigsten abgehen.4. Auch eine Zeit sehr genau zu bestimmen, in welcher etwas geschehen ist. Da das Thor eben zugeschlossen war. Wir haben eben deiner gedacht, eben jetzt. Du warst eben weggegangen, den Augenblick zuvor. So eben erhalte ich einen Brief, im gemeinen Leben. Eben da ich trinke. Wir wollten eben gehen und sie rufen, Weiße, eben jetzt, oder zu eben derselben Zeit. Dahin gehören auch die Oberdeutschen Ausdrücke, eben gedachter, eben bemeldeter u. s. f. für jetzt gedachter.5. Zuweilen hat diese Partikel eine bloß einschränkende Kraft, zumahl wenn sie einer Verneinung beygefüget wird, deren Härte sie oft bloß mildert; welcher Gebrauch der vertraulichen Sprech- und Schreibart vorzüglich eigen ist, und der Bedeutung des Wortes zwar nahe kommt. Das wäre mir nun eben nicht recht, wenn mir so einer wieder Querfeld ein käme, Weiße. Ich will mich eben nicht groß damit machen, Gell. Das will ich eben nicht sagen. Die Frage geschahe eben aus keinem Mißtrauen. Das dächte ich eben nicht, Gell. Die Hand, die könnet ihr mir küssen, Dieß wird mich eben nicht verdrießen, Gell.

Anm. Eben, in Oberschwaben eban, im Nieders. even und effen, kommt fast in allen obigen Bedeutung schon bey den Alten vor. Für gleich gebraucht Kero eban, ebanlih. Bey dem Ottfried bedeutet ebeno genau, eban gleich als, ebanon vergleichen; dem Isidor ist eban so, und Notker gebraucht diese Partikel auch für ja. Ze mannis ebin christanin minno, zu des Menschen ja Christen Liebe; anderer veralteten Bedeutungen zu geschweigen. Das alte Goth. ibn, das Angels. efn, efen, em, das Schwed. efwen, jafn, jefn, aem, das Wallis. eun, das Engl. even, das Dän. effen und jävn, kommen mit dem Deutschen genau überein. Selbst das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und die Latein. imitor, imago, gehören, dem Ihre zu Folge, zu dieser Verwandtschaft, wohin man denn auch unser Deutsches ahmen rechnen müßte; S. Nachahmen.


Ebenbaum (W3) [Adelung]


Der Ebenbaum, des -es, plur. die -bäume, S. Ebenholz.


Ebenbild (W3) [Adelung]


Das Ebenbild, des -es, plur. die -er. 1) Ein Bild, welches der abgebildeten Sache gleich ist. Und da er einen Altar sahe, der zu Damasco war, sandte der König Ahas desselben Altars Ebenbild und Gleichniß zum Priester Uria, 2 Kön. 16, 10. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet, wo man es nur noch in engerer Bedeutung von einer Person gebraucht, die einer andern sehr ähnlich oder gleich ist. Er ist das völlige Ebenbild seines Vaters. Du bist der Demuth Ebenbild, die in der Stille wohnt, Weiße. In eben diesem Verstande wird Christus in dem neuen Testamente mehrmahls das Ebenbild Gottes, oder seines Vaters genannt, Col. 1, 15. Ebr. 1, 3. 2 Cor. 11, 4. 2) Diejenigen Eigenschaften, worin eine Person oder Sache der andern ähnlich ist; in welcher Bedeutung es nur in der Theologie üblich ist, wo das Ebenbild Gottes in den vollkommenen sittlichen Eigenschaften der ersten Menschen gesetzet wird; so unbequem dieser Ausdruck auch ist, vornehmlich weil er eine sehr genaue und vollkommene Ähnlichkeit bezeichnet, die kein endliches Wesen mit einem unendlichen haben kann. 3) Ein Muster, Beyspiel, Vor-bild, welche Bedeutung gleichfalls unter die veralteten gehöret. Daß sie gleich seyn sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, Röm. 8, 29. Und wenn die gelehrten und schrifft weisen Den leyen bose ebenpild vortragen, heißt es in dem ungedruckten Vaßnachtspil des Türken, aus dem 15ten Jahrhunderte. In eben derselben Bedeutung kommt dieses Wort auch in einer alten Übersetzung der goldenen Bulle aus dem 15ten Jahrhunderte vor.

Anm. In der ersten Bedeutung ist der Plural selten, in der zweyten kommt er gar nicht vor. S. Bild.


Ebenbürtig (W3) [Adelung]


Ebenbürtig, adj. et adv. von gleicher Geburt, d. i. von gleichem Stande. Ebenbürtige Kinder, welche von Ältern gleiches Standes erzeuget worden, deren Ältern von einerley Heerschilde sind. So auch die Ebenbürtigkeit.


Ebendrähtig (W3) [Adelung]


Ebendrähtig, adj. et adv. keine unebene Stellen, in den Fäden keine Knoten habend, von einem Gewebe. Ebendrähtige Leinwand. S. Draht 1.


Ebene (W3) [Adelung]


Die Ebene, plur. die -n, eine ebene Fläche, welche keine Ungleichheiten hat; doch nur in engerer Bedeutung, ein ebener Theil auf der Oberfläche des Erdbodens. In der Mark Brandenburg gibt es viele unfruchtbare Ebenen. Die Städte auf der Ebene, 5 Mos. 3, 10. Auf der Ebene wohnen, Jer. 21, 13.

Anm. In dieser Bedeutung kommt Epani schon in den Monseeischen Glossen vor. Bey den ältern Schriftstellern findet sich Ebini und Ebinu auch als ein Abstractum, für die Billigkeit des Gemüthes.


Ebenen (W3) [Adelung]


Ebenen, verb. reg. act. eben, gleich machen, besonders von der Oberfläche des Erdbodens. Einen Garten, einen Platz ebenen. Plötzlich aber ebnen sich Alle Wasserwogen, Gleim. Daher die Ebenung.

Anm. Das Nieders. evenen, verevenen, das Holl. effenen, Engl. to even, und Dän. jävnen haben gleiche Bedeutung. Bey dem Notker lautet dieses Zeitwort ebenon, aber Ottfried gebraucht es auch für vergleichen. In Niedersachsen war es ehedem auch als ein Neutrum üblich, für gelegen, bequem seyn; es ebenet mir nicht.


Ebenfalls (W3) [Adelung]


Ebenfalls, adv. gleichfalls, in eben demselben Falle befindlich. Dein Bruder wird mich besuchen, und ich hoffe deine Schwester wird ebenfalls kommen. Sie heißt ebenfalls wie du, Julchen, Gell. Im Oberdeutschen ist dafür auch ebener Maßen üblich. S. Fall und Ebenmäßig.


Ebenholz (W3) [Adelung]


Das Ebenholz, des -es, plur. car. 1) Eigentlich, das schwarze, feine und überaus harte Holz eines Baumes, der in Afrika, besonders auf den Inseln St. Helena und Mauritius, sehr häufig wächset, und zu feinen Tischlerarbeiten gebraucht wird. Der Baum, welcher dieses Holz gibt, wird der Ebenbaum genannt. In Luthers Deutscher Bibel heißt das Holz mit dem vorgesetzten Hauchlaute Hebenholz. Die Schiffe Hiram, die Gold aus Ophir führeten, brachten sehr viel Hebenholz und Edelgesteine, 1 Kön. 10, 11. Es kam nicht mehr solch Hebenholz, ward auch nicht gesehen, bis auf den heutigen Tag, V. 12. 2) Um der Härte willen, hat man in den neuern Zeiten auch das Holz verschiedener anderer ausländischen Bäume mit diesem Nahmen benannt. Das Amerikanische Ebenholz, ist ein hartes Holz von einer schönen grünlich braunen Farbe, welches von einem Strauche in dein südlichen Amerika kommt, der bey dem Linne Aspalathus Ebenus heißt. Das Kretische Ebenholz wächst auf der Insel Kreta, Ebenus Cretica, L. Im Han- del und Wandel ist noch ein anderes rothes Ebenholz bekannt, welches auch Granadillenholz genannt wird. S. auch Eibenbaum.

Anm. Das wahre Ebenholz heißt im Latein. Ebenus, im Ital. Ebano, im Pers. Ebanus. Es hat seinen Nahmen vermuthlich von dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Stein, weil es den Steinen an Härte fast gleich kommt.


Ebenmaß (W3) [Adelung]


Das Ebenmaß, des -es, plur. inus. in der Baukunst, die Ähnlichkeit der Seiten bey einem unähnlichen Mittel; mit Griechischen Wörtern, die Symmetrie, oder Evrythmie. Das Ebenmaß beobachten.

Anm. Brockes gebrauchte dieses Wort im weiblichen Geschlechte, die Ebenmaße, S. Maß. Im Nieders. bedeutet Ebenmate auch das Gleichgewicht.


Ebenmäßig (W3) [Adelung]


Ebenmäßig, adj. et adv. welches im Oberdeutschen am bekanntesten ist, für gleich, ähnlich. Eine ebenmäßige Frist, die eben so lang ist. Ingleichen als ein Nebenwort für ebenfalls.

Anm. In diesem Sinne kommt ebenmaze schon bey dem Notker vor, und bey dem Willeram ist ebenmazzen so viel als vergleichen. Das Nieders. ebenmate bedeutet mittelmäßig.


Ebensöhlig (W3) [Adelung]


Ebensöhlig, adj. et adv. wagerecht, horizontal, im Bergbaue. S. Sohle.


Ebenteuer (W3) [Adelung]


Das Ebenteuer, S. Abenteuer.


Ebentischler (W3) [Adelung]


Der Ebentischler, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Kunsttischler, der künstliche Arbeiten aus Ebenholz und andern seltenen Hölzern verfertiget.


Eber (W3) [Adelung]


1. Der Eber, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben einiger Gegenden, so viel als ein Näber oder Bohrer, S. Näber.


Eber (W3) [Adelung]


2. Der Eber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fahrzeug auf der Niederelbe, mit einem flachen Boden, und nur Einem Segel, zuweilen auch ein jedes Both. Im Nieders. lautet dieses Wort Ever.


Eber (W3) [Adelung]


3. Der Eber, des -s, plur. ut nom. sing. eine Niedersächsische Benennung des Storches, S. Storch.


Eber (W3) [Adelung]


4. Der Eber, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Das männliche Geschlecht der Schweine, so wohl der wilden, als auch der zahmen. Ein wilder Eber. Ein zahmer Eber. 2) Figürlich, eine veraltete Art des groben Geschützes, welches eine außerordentliche Viertelskarthaune war, 12 Pfund Eisen schoß und 23 Centner wog. Ehedem war es sehr gewöhnlich, die verschiedenen Arten des groben Geschützes nach gewissen Thieren zu benennen.

Anm. Eber lautet im Nieders. Ever im Osnabrückischen Aubär, Obär, bey dem Notker Eber, bey dem Stryker Eberswein. Das Latein. Aper ist genau damit verwandt, obgleich solches nur von wilden Schweinen üblich ist, von denen Eber auch im Deutschen am häufigsten gebraucht wird. Die zahmen Eber werden in vielen Gegenden nur Beer, Bier, Beerschwein, im Oberdeutschen Bar, Par genannt, mit welchem Worte nicht nur das alte Longobard. Pair, das Engl. Boar, das Angelsächsische Bar, Bare, sondern auch das Latein. Verres, das Ital. Verro, das Franz. Verrat, das Span. Berraco, das mittlere Latein. Bevralis porcus, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein kommen. Frisch leitet dieses Wort von dem alten bären, schlagen, her; allein bey dem Worte Bär ist schon angezeiget worden, daß ehedem mehrere größere Thiere mit diesem Nahmen beleget worden. Das e in Eber scheinet der alte Artikel a, ein, zu seyn, der in mehrern Fällen mit dem Hauptworte zusammen geflossen ist, S. A und Ein. Übrigens heißt ein zahmer Eber auch im Nieders. ein Kämpe, in Preußen Kujjel, in Thüringen und andern Provinzen ein Hacksch, Hätschel, in Baiern eine Rennsau, anandern Orten ein Stammschwein, im Dänischen Orne, im Schwed. Fargalt, von fara, coire, u. s. f.


Eberäsche (W3) [Adelung]


Die Eberäsche, plur. die -n. 1) Im gemeinen Leben, eine Benennung des Sperberbaumes, oder des Vogelbeerbaumes, dessen rothe sauere Beeren eine angenehme Speise vieler Vögel sind; Sorbus aucuparia, L. 2) In manchen Gegenden wird auch die Zitterpappel, Populus tremula, L. Eberäsche genannt.

Anm. Den Nahmen Äsche hat dieser Baum vermuthlich wegen seiner Ähnlichkeit mit der eigentlich so genannten Äsche. Der Vorsatz Eber ist vermuthlich aus aber oder after verderbt, eine schlechtere Art des Äschenbaumes zu bezeichnen, im Gegensatze des eigentlichsten Sperberbaumes oder Speyerlings, Sorbus domestica, L. welcher in einigen Gegenden auch Adeläscht genannt wird, im wärmern Europa wächst, und eßbare Beeren trägt. Übrigens wird der Nahme Aberäsche und Eberäsche in den gemeinen Mundarten häufig in Abrasch, Everesche, Eibischbaum, Eibraschbaum, Ehrischbaum, Ebritzbaum, Aressel u. s. f. verderbt. S. auch Arlesbeere. In den gemeinen Mundarten Ober- und Niedersachsens heißt er Quitzenbaum, Quitschenbaum, die Beeren aber Quitsen, Quitser.


Ebergeld (W3) [Adelung]


Das Ebergeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches die Bauern dem Gutsbesitzer geben, wenn er einen Eber für die Gemeinde hält; an einigen Orten das Obley, aus dem Lateinischen.


Eberhard (W3) [Adelung]


Eberhard, ein Mannsnahme, welcher von dem Worte Eber, aper, vermittelst der Endsylbe hard gebildet worden; S. Hard. Im gemeinen Leben wird dieser Nahme wieder in Ebert, und in Niedersachsen in Everd, Epke, Aapke, zusammen gezogen, wohin auch die Nahmen Ebbo, Abo, Hepo, Heppo, Eppo u. s. f. aus den Mittlern Zeiten gehören.


Eberhirsch (W3) [Adelung]


Der Eberhirsch, des -es, plur. die -e, bey den neuern Schriftstellern des Naturreiches, eine Art Schweine auf den Moluckischen Inseln, welche die Größe eines Hirsches, aber die ganze Gestalt eines Schweines haben, nur daß sie die Erde nicht umwühlen; Schweinhirsch, Babirussa, in dem Lande selbst Babi-Roesa, d. i. Schweinhirsch.


Eberraute (W3) [Adelung]


Die Eberraute, plur. inus. S. Aberraute und Stabwurz.


Eberschwein (W3) [Adelung]


Das Eberschwein, des -es, plur. die -e. 1) Ein Eber, d. i. ein Schwein männlichen Geschlechtes. 2) Unter den Landleuten zuweilen auch ein fleischiges Gewächs an dem Kälbersacke kalbender Kühe, welche die Größe einer starken Wälschen Nuß hat.


Eberwurz (W3) [Adelung]


Die Eberwurz, plur. inus. 1) Ein Nahme der Aberraute oder Stabwurz, S. diese Wörter. 2) Eine Pflanze, welche auf den Deutschen und Italiänischen Bergen wächset, und eine scharfe, bittere, gewürzhafte Wurzel hat; Carlina acaulis, L. Kreuzdistel.


Eccho (W3) [Adelung]


Das Eccho, (sprich Echcho,) plur. ut nom. sing. der von festen Körpern zurück prallende Schall, wenn er deutlich empfunden wird, der Wiederschall, in der höhern Schreibart der Wiederhall; aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Im Oberdeutschen ist dieses Wort weiblichen, zuweilen aber auch männlichen Geschlechtes. Unser Gesagt tönt dann weit umher, und das Eccho singet uns nach, Geßn. Opitz gebraucht es gleichfalls im weiblichen, Walser, ein Schweizer, aber im männlichen Geschlechte. Im Hochdeutschen ist das ungewisse Geschlecht am üblichsten.


Echinit (W3) [Adelung]


Der Echinit, des -en, plur. die -en, eine versteinerte vielschalige Muschel, welche in Gestalt halber oder ganzer Kugeln gefunden wird, daher der große Haufe sie auch Knopfstein, Schlangenstein, Krötenstein, Igelstein, zu nennen pflegt. Die unversteinerte Muschel wird Echinus, Seeigel, oder Seeapfel genannt.


Echt (W3) [Adelung]


Echt, -er, -este, adj. et adv. 1) Eigentlich, den Gesetzen gemäß, rechtmäßig; in welcher Bedeutung doch dieses Wort wenig mehr gebraucht wird. Echte Kinder, eheliche Kinder, welche aus einer rechtmäßigen Ehe herstammen. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung, seiner Bestimmung gemäß, unverfälscht, rein. Echter Wein. Echte Waaren. Echtes Silber. Echte Perlen, Tressen u. s. f. im Gegensatze der nachgemachten, oder falschen. Ingleichen beständig, dauerhaft, von Farben. Echte Farben, welche nicht verschießen. Die Farbe ist echt.

Anm. Echt, Nieders. echt, Dän. ägte, egte, Schwed. ekta, ist von Ehe, welches ehedem ein jedes Gesetz bedeutete, und wird daher sehr unbillig von einigen mit ä, ächt geschrieben. In einigen Niedersächsischen Gegenden, und im Schwed. heißt Echt, Echta, noch jetzt die Ehe. Die Alten hatten noch ein anderes Wort von gleichem Klange, Echt, welches bey dem Kero und andern Schriftstellern Vermögen, Meublen, Eigenthum bedeutete, und noch in einigen Niedersächsischen Gegenden üblich ist, aber wohl vielmehr zu eigen, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, haben, als zu Ehe, Gesetz, gehöret. S. auch Eichen, das Verbum.


Echtheit (W3) [Adelung]


Die Echtheit, plur. car. die Eigenschaft, der Zustand, da eine Sache echt ist; nicht Echtigkeit, wie man bey einigen findet.


Echtmaß (W3) [Adelung]


Das Echtmaß, des -es, plur. die -e, S. Eichmaß.


Eckband (W3) [Adelung]


Das Eckband, des -es, plur. die -bänder, ein Band, welches um die Ecke eines Körpers geleget wird. So führen diesen Nahmen die eisernen Bänder, mit welchen die Ecken eines Kastens oder Koffers beschlagen werden. Die untersten Eckbänder werden auch Eckschuhe genannt.


Ecke (W3) [Adelung]


Die Ecke, plur. die -n, Diminut. das Eckchen, des -s, plur. ut nom. sing. die scharfe Fläche, welche aus dem Zusammenstoßen der äußersten Puncte zweyer Linien gebildet wird. 1. Eigentlich, da dieses Wort so wohl von der äußern scharfen Fläche, als auch von dem innern Winkel gebraucht wird. 1) Von der äußern scharfen Fläche. Eine Figur von drey Ecken. Die Ecke des Hauses. Und lauret an allen Ecken, d. i. der Häuser, Sprichw. 7, 12. Die Ecke eines Waldes. In etwas weiterer Bedeutung wurden auch Vorgebirge, Landzungen u. s. f. ehedem Ecken genannt. Von der Ecke an dem Salzmeer, das ist, von der Zungen die gegen Mittagwärts gehet, Jos. 15, 2. Daher rühren noch viele eigenthümliche Nahmen, z. B. Saneck, eigentlich ein Vorgebirge an dem Sanflusse, Mureck u. s. f. 2) Von dem innern Winkel; doch nur in einigen Fällen des gemeinen Lebens. Sich in eine Ecke verstecken. Der Stock stehet in der Ecke. Die Ecken des Auges, des Mundes. Ingleichen, ein jeder kleiner verborgener Ort, ein Ort, wo man sich verbirgt. Ich habe ihn in allen Ecken gesucht. 2. Figürlich. 1) Das äußerste Ende einer Sache. In diesem Verstande werden die vier Enden oder Gegenden der Welt, so wohl in der Deutschen Bibel, als im gemeinen Leben, häufig die vier Ecken genannt. Ich sahe vier Engel stehen auf den vier Ecken der Erde, Offenb. 7, 1. Vermuthlich gehöret hierher auch die im gemeinen Leben übliche R. A. bunt über Eck gehen, d. i. verwirrt zugehen, welche mehrmahls bey dem Opitz vorkommt; z. B. Sollt alles nach der Zeit bunt über Ecke gehen. 2) Ein kurzer Raum, eine kurze Weite, im gemeinen Leben. Es ist nur eine kleine Ecke bis dahin. Darf ich nicht ein Eckchen mitgehen? 3) Ecken, Eckchen heißen in manchen Gegenden zwey an einander gebackene Brote oder Semmeln; S. Ecksemmel. An andern ist es dasjenige Stück, welches zuerst von einen Brote abgeschnitten wird.

Anm. 1. Ecke lautet in der heutigen Bedeutung bey dem Stryker Ekke, und im Niedersächsischen Egge. Die erste Bedeutung dieses Wortes ist scharf, spitzig. Daher ist zwiekkiu bey dem Notker so viel als zweyschneidig, und egge Wapen, egge Tüg, bedeuteten ehedem in Niedersachsen schneidende Waffen, schneidende Werkzeuge. In dieser Bedeutung gehöret es zu einem sehr zahlreichen Geschlechte von Wörtern, welches sich durch alle ältern und neuern Sprachen ausgebreitet hat. Dergleichen sind das Dän. Eg, und Schwed. Aegy, die Schneide, das Engl. Edge, das Angels. Ecge, die Schärfe, ecged, scharf, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, die Spitze, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich wetze, das Latein. acies, acus, acidus, acuo, selbst das Latein. ignis, das Wend. oign, Feuer, und das Ungar. egek, ich brenne, entweder von der spitzigen Gestalt der Flammen des Feuers, oder auch von der durch das Brennen verursachten Empfindung, und tausend andere. S. Art, Achel, Hacke u. s. f. Im Nieders. bedeutet Egge auch den äußersten Rand an der Leinwand und dem Tuche, die Salleiste; Oker ist in eben dieser Mundart der scharfe Winkel des Dache mit dem Boden, und Huuk der Winkel, ingleichen das Zäpfchen in dem Halse. S. auch Ort, Horn, Kante, welche viele Bedeutungen mit Ecke gemein haben.

Anm. 2. Dieses Wort ist im Oberdeutschen ungewissen Geschlechtes, das Eck, des -es, plur. die -e, welches Geschlecht auch von einigen Hochdeutschen beybehalten worden. Das Eck der Erden, Cron. Wenn dieses Wort eine mit Ecken versehene Figur bedeutet, in den Zusammensetzungen, Dreyeck, Viereck, Sechseck u. s. f. da ist es auch im Hochdeutschen ohne Ausnahme ein Neutrum.


Eckel (W3) [Adelung]


Eckel, S. Ekel.


Eckenzierde (W3) [Adelung]


Die Eckenzierde, S. Eckzierde.


Eckfeile (W3) [Adelung]


Die Eckfeile, plur. die -n, eine Feile mit Ecken, im Gegensatze der runden Feilen.


Eckforst (W3) [Adelung]


Der Eckforst, des -es, plur. die -förste, in der Baukunst, die von dem Hauptforste nach den vier Ecken des Hauses abhangenden Ecken an einem Holländische Dache; richtiger die Eckfirste.


Eckhaus (W3) [Adelung]


Das Eckhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, welches an der Ecke einer Gasse stehet, oder welches an einem Platze stehet, wo zwey Gassen einander begegnen; im Niedersächsischen ein Ordhuus.


Eckig (W3) [Adelung]


Eckig, -er, -ste, adj. et adv. Ecken habend, besonders auswärts gehende Winkel habend. Ein eckiges Glas. Eine eckige Feile. So auch in den Zusammensetzungen dreyeckig, viereckig u. s. f. Im Nieders. kantig. Die figürliche Bedeutung, in welcher Logau sagt: Runcus ist recht eckigt (eckig) grob, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Eckkachel (W3) [Adelung]


Die Eckkachel, plur. die -n, nach einem Winkel gebogene Kacheln, welche die Ecken des Ofens bilden.


Eckloche (W3) [Adelung]


Die Eckloche, plur. die -n, in dem Forstwesen, eine Loche, oder ein Lochbaum, der an der Ecke einer Grenze, oder, wo dieselbe von geraden Linie abweichet, gemarket wird. Siehe Lochbaum.


Eckpfeiler (W3) [Adelung]


Der Eckpfeiler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Pfeiler an der Ecke eines Gebäudes.


Ecksäule (W3) [Adelung]


Die Ecksäule, plur. die -n. 1) Eine Säule an der eines Gebäudes, es mag nun ein Ständer, oder eine in höherm Verstande so genannte Säule seyn; S. Eckständer. 2) Eine Benennung das Griech. Prisma auszudrucken, welche J. C. Sturm im Jahr 1670 zuerst versucht hat. S. Prisma.


Eckschaft (W3) [Adelung]


Der Eckschaft, des -es, plur. die -schäfte, in der Baukunst, ein Stück Mauer, welches von dem äußersten Fenster bis an die Ecke eines Hauses gehet; Franz. Jambe d'encognure.


Eckschuh (W3) [Adelung]


Der Eckschuh, des -es, plur. die -e, S. Eckband.


Ecksparren (W3) [Adelung]


Der Ecksparren, des -s, plur. ut nom. sing. ein Sparren an der Ecke des Daches, der nächste Sparren an dem Giebel.


Eckstämpel (W3) [Adelung]


Der Eckstämpel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Buchbindern, ein Stämpel, die Ecken der Bücher damit zu zieren.


Eckständer (W3) [Adelung]


Der Eckständer, des -s, plur. ut nom. si. in der Zimmermannskunst, ein Ständer an der Ecke eines Gebäudes; eine Ecksäule.


Eckstein (W3) [Adelung]


Der Eckstein, des -es, plur. die -e, ein jeder Stein, welcher bestimmt ist, an einer Ecke zu liegen. 1) An einem Gebäude, ein Stein, der so wohl in dessen Grinde an einer Ecke gelegt wird, als auch die äußern Ecken mit ausmachen hilft, wozu gemeiniglich die größten und besten Steine gewählet werden. Wer hat der Erden einen Eckstein gelegt? Hiob 38, 6. Auf ähnliche Art wird Christus in mehrern Fällen ein Eckstein genannt. 2) Ein Stein, welcher von außer an der Ecke eines Gebäudes gesetzt wird, damit dieselbe von den Vorüberfahrenden nicht beschädiget werde. 3) Ein Grenzstein, welcher in die Ecke einer Markung gesetzet wird, wo die Grenze von der geraden Linie abweicht; ein Hauptstein, Ortstein.

Anm. Das Wort Ekkestain kommt in der ersten Bedeutung in dem Fragmente eines alten Gedichtes auf Carln den Großen bey dem Schilter zuerst vor. Notker gebraucht dafür Haubetstein, Vuinkelstein, Ortstein. Ps. 117, 22, heißt es bey ihm: Der stein den zimberonde ferchuren, der uuard ze houbete des uuincheles - Daz chit, ze houbet steine. Der houbet stein, daz ist der uuinchelstein, der beide wendezesamene fuoget. Im Angels. heißt ein solcher Stein Hyrnstan, von Hyrn, Horn, Ecke, im Nieders. aber Endelstein, Ortstein.


Eckthor (W3) [Adelung]


Das Eckthor, des -es, plur. die -e, ein nur in der Deutschen Bibel übliches Wort, ein Thor der Stadt Jerusalem zu bezeichnen, welches sich an der Ecke gegen Mitternacht befand: 2 Kön. 14, 13; 2 Chron. 25, 23; Kap. 26, 9; Jer. 31, 18 u. s. f.


Eckzahn (W3) [Adelung]


Der Eckzahn, des -es, plur. die -zähne, bey den Pferden, die letzten Zähne, welche gleich auf die Haken folgen, und im vierten Jahre abgeworfen werden.


Eckzierde (W3) [Adelung]


Die Eckzierde, plur. die -n, in der Baukunst, Zierathen, mit welchen die Ecken der Thüren und Fenster verzieret werden.


Edel (W3) [Adelung]


Edel, edler, edelste, adj. et adv. welches von den ältesten Zeiten an in sehr verschiedenen Bedeutungen gebraucht worden.1. * Die erste und älteste Bedeutung, wenigstens von welcher man in Schriften Nachricht hat, ist verwandt, von dem alten nordischen Worte Ätt, Geschlecht, S. Atte. Daß diese Bedeutung, in welcher auch Edel und Adel als Hauptwörter für Geschlecht üblich waren, die älteste ist, hat Ihre v. Adel sehr weitläufig und überzeugend erwiesen. Bey dem Isidor heißt es Kap. 5, Chechundemes auh nu des edhili endi odhili, nun wollen wir auch sein Geschlecht und Vaterland zeigen. Und bey dem Ottfried B. 4, Kap. 15: Thar sihit er thuz edili, joh sines selbes bilidi, da stehet er seine Verwandtschaft und sein eigenes Bild. In einer alten geschriebenen Übersetzung der Bibel bey dem Frisch heißt es 2 Kön. 15: Asaria liegt begraben bey seinen Meren oder Edelen, d. i. bey seinen Vätern oder Vorfahren. Da nun in den ältesten Zeiten nur allein dieFreygebornen ein Geschlecht und eine Familie hatten, so kam es, daß das Wort edel nachmahls,2. Auch einen jeden Freyen, oder Freygebornen bedeutete. Ihre hat auch diese Bedeutung aus alten Schwedischen Stellen sehr gelehrt bewiesen, und zugleich bemerket, daß edel in diesem Verstande mit dem Franz. Gentilhomme und Engl. Gentleman sehr genau überein komme, welche gleichfalls von dem Lat. Gens, Geschlecht, abstammen.3. Allein man machte doch auch schon sehr frühe einen Unterschied unter den Freyen, und nannte nur diejenigen edel, welche sich unter ihnen durch besondere Verdienste hervor thaten. In diesem Verstande war edel sehr lange ein vorzüglicher Ehrentitel der Glieder des hohes Adels, die Fürsten selbst nicht ausgenommen, welche sich sehr häufig edle Herren, edle Fürsten, edle Grafen, zu schreiben pflegten. Noch 1331 nannte der Graf von Hohenlohe die Pfalzgrafen am Rheine die edila hochwerdigen Herren, S. C. L. Scheidts Nachrichten von dem hohen und niedern Adel. Noch jetzt ist die Würde eines Edelen des Reichs oder Edelen Herren eine Würde, welche einen Freyherren bedeutet, und von dem Kaiser ertheilet wird, obgleich diejenigen, welche solche erhalten, sie oft so wenig kennen, daß sie sich über den Titel eines Freyherren noch ein eigenes Diplom geben lassen. Die Edlen zu Venedig.4. Ob man nun gleich schon ältere Beyspiele findet, daß Personen des niedern Adels gleichfalls edel genannt worden, so ward doch dieser Titel zu Anfange des 15ten Jahrhundertes, da der hohe Adel andere Titel anzunehmen anfing, ihnen besonders eigen, und von ihnen werden die Wörter Edelmann, Edelfrau u. s. f. nur noch allein gebraucht; obgleich das Wort edel selbst in dieser Bedeutung ungewöhnlich geworden, seitdem adelig mehrern Beyfall gefunden. Doch werden noch die Glieder der Reichsritterschaft von dem Kaiser Edle, die Directores und Ausschüsse aber Wohlgeborne und Edle genannt. Auch der Magistrat der Reichsstadt Nürnberg bekommt vermöge einer besondern Vergünstigung von dem Jahre 1697 von dem Kaiser den Titel Edel, dagegen andere nur Ehrsam von ihm genannt werden. Denn das Wort edel blieb auch nicht lange ein Ehrentitel des niedern Adels, sondern ward gar bald5. Auch dem bürgerlichen Stande eigen, unter welchem diejenigen, die sich durch Gelehrsamkeit und Verdienste von andern unterschieden, edel und Edele genannt wurden. Und in diesem Verstande sind noch jetzt die Wörter edel, wohledel, hochedel, edelgeboren, wohledelgeboren und hochedelgeboren üblich, die man Personen bürgerlichen Standes nach Maßgebung ihrer Würde ertheilet. S. diese Wörter. Das einfache edel hat dabey von seiner alten Würde so viel verloren, daß man es heut zu Tage sogar geringen Bürgern und kleinen Krämern beyleget, obgleich auch diese wohledel und hochedel genannt seyn wollen.6. Am häufigsten wird dieses Wort in figürlichem Verstande gebraucht, und da bedeutet es, 1) * rechtmäßig, echt, von welcher veralteten Bedeutung Frisch v. Adel einige Beyspiele angeführet hat. 2) Vorzüglich, das Beste in seiner Art, in welchem Verstande schon Isidor adhal gebraucht. Die Edlen des Volkes, in der bibl. und höhern Schreibart, die vornehmsten, die würdigsten Personen in einem Staate, nicht allein dem Stande, sondern auch der Tugend, der Denkungsart nach. Die Edelsten in Israel sind auf deiner Höhe erschlagen, 1 Sam. 1, 19. Der Himmel, der sich nur die Rache vorbehält, Wählt sich zum Werkzeug nie die Edelsten der Welt, Weiße. Nach einer noch weitern Figur werden im gemeinen Leben auch leblose Körper edel genannt, wenn sie sich durch vorzügliche Eigenschaften von andern Dingen, so wohl ihrer, als fremder Art unterscheiden. Nimm die besten Specereyen, die edelsten Myrrhen, 2 Mos. 30, 27. Ein edler Gang, ein edles Gebirge, edles Erz, werden im Bergbaue ein reichhaltiger Gang, ein reichhaltiges Gebirge, ein reichhaltiges Erz genannt. Edle Metalle, welche im Feuer unverändert bleiben, wie Gold und Silber, zum Unterschiede von den unedlen. Die ältern Kräuterkenner setzen vielen Nahmen der Pflanzen das edel vor, um sie von unkräftigern oder gemeinern ihrer Art zu unterscheiden; edel Gamanderlein, edel Leberkraut u. s. f. und bey den Jägern wird ein völlig ausgewachsener Hirsch ein edler Hirsch genannt. Indessen ist doch diese ganze Figur beynahe veraltet, außer daß sie in dem höhern Style noch von Personen gebraucht wird. 3) Kostbar, köstlich, schätzbar. Er wird sein Füllen an den. Weinstock binden und seiner Eselinn Sohn an den edlen Reden, 1 Mos. 49, 11. Da sind edle Früchte vom Himmel, - da sind edle Früchte von der Sonnen u. s. f. 5 Mos. 33, 13. Es ist eine edle Sache um den Hausfrieden. Auch diese Bedeutung fängt an seltener zu werden, vermuthlich weil sie von den Dichtern der ältern und neuern Zeiten zu sehr gemißbrauchet worden. 4) Was sich von dem Gewöhnlichen und Gemeinen auf eine vorzügliche Art unterscheidet, und dessen höchsten Grab man erhaben nennet. Edle Gesinnungen. Edel denken. Edel handeln. Wie edel gesinnt ist ihre Seele! Gell. Eine edle Kühnheit. Deine Seele ist werbt, einen edlern Stolz zu haben. Er hat viel Edles in seinen Mienen. Welch edler Anstand herrscht in seinen jungen Mienen! Weiße. Die edle Schreibart, die eine genaue Auswahl der Wörter und Gedanken beobachtet, im Gegensatze der gemeinen und niedrigen. Das Edle in den schönen Künsten, was sich über die gemeinen Bilder und Vorstellungen erhebt. Ein Mahler kann auch gemeine Sachen edel behandeln.

Anm. Edel und Adel sind genau verwandt, und bloß der Mundart nach verschieden. Edel wurde ehedem auch als ein Hauptwort für Adel gebraucht, und das Beywort edel lautete vor diesem mehrmahls adel, wofür jetzt in den eigentlichern Bedeutungen von dem Vorzuge des Standes adelig üblicher ist. Die drey e, welche in der Verlängerung des Wortes dem Gehöre unangenehm fallen, machen, daß man gern eines derselben wegwirft. Im Positive und Comparative widerfähret solches dem zweyten, der edle, die Edlen, edler, für edele, Edelen, edeler; im Superlative aber darf es nicht weggeworfen werden, edelster, die Edelsten.


Edeldame (W3) [Adelung]


Die Edeldame, plur. die -n, eine adelige Dame, für das niedrigere Edelfrau.


Edelfrau (W3) [Adelung]


Die Edelfrau, plur. die -en, eine adelige Frau, in der gemeinen Schreibart. S. Edelmann.


Edelgestein (W3) [Adelung]


Der Edelgestein, S. Edelstein.


Edelhof (W3) [Adelung]


Der Edelhof, des -es, plur. die -höfe, in den gemeinen Sprecharten, ein adeliger Hof, der Hof, d. i. das Wohnhaus eines Edelmannes, besonders auf dem Lande.


Edelknabe (W3) [Adelung]


Der Edelknabe, des -n, plur. die -n, an einigen Höfen, ein junger von Adel, der Höhern aufzuwarten verbunden ist; mit einem Französischen Ausdrucke ein Page. Die letzte Hälfte dieses Wortes hat hier noch die alte Bedeutung, nach welcher Knabe oder Knappe einen Famulum bedeutete; denn von adeligen Knaben überhaupt ist dieses Wort nicht gebräuchlich.


Edelknecht (W3) [Adelung]


* Der Edelknecht, des -es, plur. die -e, eine veraltete Benennung der ehemahligen Schildträger oder Gehülfen der alten Ritter, welche auch Knapen, Knechte, Armigeri, Clientes, Famuli u. s. f. genannt wurden, von adeliger Geburt waren, und, wenn sie sich wohl verhielten, endlich zu Rittern geschlagenwurden; die Lehrlinge oder Gesellen der ritterlichen Übungen und Würde. Dieses veraltete Wort ist erst in den neuern Zeiten von den reichsritterschaftlichen Kanzelleyen wieder aufgewärmet worden, welche sich in den Unterschriften gegen den Kaiser des Ausdruckes: Ew. Kaiserliche Majestät allerunterthänigste Edelknechte zu bedienen pflegen; obgleich schon Moser und Scheidt wider diesen seltsamen, den unmittelbaren Reichsadel entehrenden Ausdruck mit Recht geeifert haben.


Edelmann (W3) [Adelung]


Der Edelmann, des -es, plur. die Edelleute, eine Person männlichen Geschlechtes aus dem niedern Adel. Ehedem bedeutete edel Mann und Edelmann eine Person des hohen Adels, wie Scheidt in seinen Nachrichten von dem hohen und niedern Adel S. 13 f. mit vielen Beyspielen erweiset. S. auch Edel. Nachmahls ward dieser Ausdruck nur dem niedern Adel eigen; aber auch hier hat er viel von seiner ehemahligen Würde verloren, weil man in ehrerbiethigen Ausdrücken einen Adeligen wohl nicht gern einen Edelmann nennen wird. Schon in einer Urkunde Kaiser Ludwigs IV. von 1331 in Hunds Baierischem Stammb. Th. r. S. 368 werden Personen des niedern Adels Edelleute genannt. Statt des ungewöhnlichen Fäminini Edelmänninn ist Edelfrau üblich.


Edelmännisch (W3) [Adelung]


Edelmännisch, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben für adelig üblich ist. Versprechen ist edelmännisch, Weiße.


Edelmarder (W3) [Adelung]


Der Edelmarder, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben einiger Gegenden, eine Benennung der Baummarder, weil ihre Bälge höher geschätzt werden, als die Bälge der Steinmarder.


Edelmuth (W3) [Adelung]


Der Edelmuth, des -es, plur. car. eine edle, über das Gewöhnliche erhabene Gemüthsstellung oder Gesinnung, von welcher die Großmuth eine Unterart ist. Wie tief bist du von deinem Edelmuth gefallen! Raml. S. Muth.


Edelmüthig (W3) [Adelung]


Edelmüthig, -er, -ste, adj. et adv. ein edles Gemüth habend, ein edles Gemüth verrathend. Ein edelmüthiger Freund. Eine edelmüthige Handlung. Das ist sehr edelmüthig.


Edelstein (W3) [Adelung]


Der Edelstein, des -es, plur. die -e, ein edler, sehr kostbarer Stein; mit welchem Nahmen man die härtesten, schweresten und durchsichtigsten unter den glasartigen Steinen zu belegen pfleget, welche auch wohl echte Edelsteine heißen, zum Unterschiede von den unechten oder falschen, worunter man theils allerley gefärbte Quarze und Bergkrystalle, theils künstliche Zusammensetzungen, welche den Edelsteinen gleichen, zu rechnen pfleget. Daher der Edelsteinhandel, Edelsteinschneider oder Jubelirer u. s. f.

Anm. Seit den Zeiten Winsbecks und des Schwabenspiegels ist für Edelstein in einigen gemeinen Mundarten auch Edelgestein üblich, welches Wort unter andern oft in der Deutschen Bibel vorkommt. Indessen sind die vorn mit Ge verlängerten Hauptwörter der Regel nach Collectiva und ungewissen Geschlechtes. Das Edelgestein müßte also eigentlich mehrere Edelsteine bedeuten, ob es gleich in diesem Verstande nicht gebraucht wird. Doch sagen auch die Niedersachsen eddele Gesteinte für Edelstein. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno kommt Goltstein für Edelstein vor.


Edeltanne (W3) [Adelung]


Die Edeltanne, plur. die -n, S. Fichte.


Edict (W3) [Adelung]


Das Edict, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Latein. Edictum, ein öffentlicher und allgemeiner Befehl eines Landesherren, eine Verordnung, Mandat u. s. f.


Effern (W3) [Adelung]


* Effern, S. Äfern, und 2 Eifern.


Efloch (W3) [Adelung]


Das Efloch, des -es, plur. die löcher, im gemeinen Leben, die zwey Einschnitte auf der Decke der Violinen, welche einem geschriebenen Lat. f ähnlich sehen.


Efter (W3) [Adelung]


Der Efter, S. der After.


Ege (W3) [Adelung]


Die Ege, plur. die -n, ein mit vielen Zinken oder Zähnen versehenes Werkzeug der Ackerleute, den gepflügten Acker damit zu ebenen, die Schollen zu zerbrechen, und den Acker von dem ausgepflügten Unkraute zu befreyen.

Anm. Im Nieders. lautet dieses Wort Egge, im Dithmars. Eide, im Angels. Egtha, in einigen Oberdeutschen Gegenden Egde, im Schwabensp. Eged, in dem Ebersheimischen Salbuche bey dem Schilter Egide, und im Latein. Occa. Es scheinet, daß mit dieser Benennung auf die scharfen Zähne dieses Werkzeuges gesehen worden, und alsdann würde es zu dem Geschlechte des Wortes Ecke gehören. Sonst könnte auch das Schwed. aka und Isländ. aka, fahren, im Imperf. ek, womit auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich fahre, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Wagen, überein kommen, eine gute Abstammung an die Hand geben. Im Dän. ist Eege eine Speiche.


Egebalken (W3) [Adelung]


Der Egebalken, des -s, plur. ut nom. sing. die langen starken Hölzer in einer Ege, worin die Zähne befestiget sind.


Egeblock (W3) [Adelung]


Der Egeblock, des -es, plur. die -blöcke, ein starker Block, welchen man auf die Ege leget, den Nachdruck zu befördern.


Egehaken (W3) [Adelung]


Der Egehaken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Stecken mit einem Haken, die Ege damit von Zeit zu Zeit zu lüften, damit sie den Samen nicht zusammen schleife, oder auch sie von dem Unkraute zu befreyen.


Egel (W3) [Adelung]


Der Egel, des -s, plur. ut nom. sing. ein länglicher Wurm, der sich im Wasser aufhält, und Menschen und Thieren das Blut aussauget. S. Blutegel. Vermuthlich ist der gelblich graue Wurm, der die Gallengefäße der Leber in den Schafen, dem Rindviehe und den Eseln bewohnet, mit dem Wasser in den Magen dieser Thiere kommt, und gleichfalls Egel genannt wird, Fasciola hepatica, L. nur eine Abänderung dieses Blutegels.

Anm. In den Monseeischen Glossen lautet dieses Wort Egal, im Nieders. Ile, Eile, in andern gemeinen Mundarten Igel, in der Deutschen Bibel Sprichw. 30, 15 Eigel, wo es nach dem Muster der Oberdeutschen zugleich weiblichen Geschlechtes ist. Frisch glaubt, daß mit diesem Worte auf die lange schlüpfrige Gestalt dieses Wurmes gesehen worden, und daß dasselbe mit Aal einerley Bedeutung und Abstammung habe.


Egelkraut (W3) [Adelung]


Das Egelkraut, des -es, plur. inus. eine Benennung des Pfennigkrautes, oder Wiesengeldes, Lysimachia Nummularia, L. weil es für eine gute Arzeney wider die Egeln der Schafe gehalten wird.


Egen (W3) [Adelung]


Egen, verb. reg. act. mit der Ege bearbeiten, oder überfahren. Einen gepflügeten, einen besäeten Acker egen. Daher der Eger, derjenige, welcher eget.


Egert (W3) [Adelung]


* Das Egert, oder Eggert, des -es, plur. die -e, oder -en, in einigen Provinzen, z. B. in Franken, eine ungebauete, magere, mit Wachholder und anderm Gebüsche bewachsene Gegend, dergleichen man in Obersachsen Lehden nennet. Wüste Äcker und Egerten aufreißen, sie pflügen, um sie urbar zu machen. Die Abstammung ist ungewiß; die letzte Sylbe könnte aus Gereut zusammen gezogen seyn, wenn nicht dieses Wort in manchen Gegenden ausdrücklich Ehegarten lautete. Lässige Hausväter, welche ihre Felder ungebauet und in Ehegarten liegen lassen, in einer Baierischen Schrift.


Egeschiene (W3) [Adelung]


Die Egeschiene, plur. die -n, dünne hölzerne Scheinen, vermittelst welcher die Egebalken mit einander verbunden werden.


Egeschlitten (W3) [Adelung]


Der Egeschlitten, des -s, plur. ut nom. sing. eine hölzerne Schleife, die Egen damit auf das Feld und wieder nach Hause. zu führen.


Egezinken (W3) [Adelung]


Der Egezinken, des -s, plur. ut nom. sing. die hölzernen oder eisernen Zinken oder Zähne in einer Ege.


Egle (W3) [Adelung]


* Der Egle, des -n, plur. die -n, ein Nahme des Börses in einigen Oberdeutschen Gegenden. S. Börs. Um Zürch heißt der Börs im zweyten Jahre, um Costnitz aber nach dem dritten Jahre ein Egle, oder Renkernegle. Diejenigen Börse, welche im Zürchersee in der Tiefe gefangen werden, heißen Triechteregle, und sind von Farbe weißer als diejenigen, welche sich am Ufer aufhalten, und Landegle, Rohregle, Kräbegle heißen. Der Nahme rühret von den scharfen und spitzigen Floßen auf dem Rücken her, S. Ecke, Achel, Stichling.


Egoist (W3) [Adelung]


Der Egoist, des -en, plur. die -en, aus dem Lateinischen, ein Mensch, welcher aus ungeordneter Eigenliebe in allen Dingen nur sich und seine Vortheile sucht. Daher egoistisch, in dieser Gemüthsart gegründet.


Eh (W3) [Adelung]


Eh, S. das folgende.


Ehe (W3) [Adelung]


Ehe, eher, ein Umstandswort der Zeit, welches im Positive eh, ehe, und zuweilen auch eher, im Comparative eher, und im Superlative aufs eheste, am ehesten, lautet. Es wird,1. Eigentlich, von einer Zeit oder Begebenheit gebraucht, welche vor einer andern vorher gehet.1) Im Positive. Ich sahe ihn, ehe ich ihn noch hörte. Er kam zu mir, ehe ich ihn darum gebethen hatte. Denn ehe der Herr Sodom und Gomorra verderbte, war sie wasserreich, 1 Mos. 13, 10. Ich will hin und ihn sehen, ehe ich sterbe, Kap. 45, 48. Er kam, ehe man es sich versah. Ich merkte es, ehe du noch anfingest zu reden. Das denn oder als dem ehe noch beyzufügen ist unnöthig, ja unrichtig, weil solches eigentlich für den folgenden Comparativ gehöret; obgleich solches so wohl im gemeinen Leben, als in der Deutschen Bibel häufig geschiehet. Ehe als man sichs versiehet. Ehe als er kam. Ehe denn der Bothe kam, 2 Kön. 6, 32. Ehe denn ein König regierete, 1 Chron. 1, 43. Ehe denn die Sonne kommt, Hiob 8, 16. Ehe denn ich hingehe, Kap. 10, 21; und an andern Orten mehr. Er für ehe ist nur im gemeinen Leben üblich, doch pflegen es auch die Dichter zu gebrauchen, besonders wenn ein Vocal folget. Im folgenden werden einige Beyspiele vorkommen. Im Oberdeutschen macht man mit diesem ehe viele Zusammensetzungen, ungeachtet es in denselben eine bloß verstärkende Bedeutung hat. Dahin gehören, ehemöglichst, so sehr, oder so bald als möglich, ehebaldigst, so bald als möglich ist, ehenächstens, nächstens, ehevor, zuvor, ehegefälligst u. s. f.2) Im Comparative. Wer eher kommt, mahlt eher, nehmlich als der andere. Je eher je lieber. Je eher je besser. Ein Paar Tage eher oder später kommen bey einer so wichtigen Sache in keine Betrachtung, Weiße. Warum bist du nicht eher gekommen? Besonders mit dem Wörtchen als. Er hat mir eher geschrieben als du. Ich hörete ihn eher, als ich ihn sahe. Er kam eher, als alle andere. Welches auch wohl ausgelassen wird. Lottchen will nichts eher sagen, bis Herr Damis wieder kommt, Gell. Ehedem war dieser Comparativ auch als ein Adjectiv üblich. Thi ererun ziti, die vorigen Zeiten, Ottfried. Ererun lustani, die vorigen Vergnügungen, Notker. Unser Frauen Tag der ehern oder erren, in den Urkunden der mittlern Zeiten, das Fest der Himmelfahrt Mariä, zum Unterschiede unserer Frauen Tages der letztern, wodurch das Fest der Geburt Mariä angedeutet wurde. Doch in dieser Gestalt ist es im Hochdeutschen längst veraltet.3) Im Superlative, in welcher Staffel es zuweilen noch als ein Adjectiv vorkommt. Auf das eheste, mit dem ehesten, auf das geschwindeste, mir der ersten Gelegenheit. Am ehesten. Ich fühle dieses Unglück am ehesten, eher als irgend jemand. Mit ehester Gelegenheit. Ehester Tagen, so bald als möglich. Doch ist dafür der andere Superlativ erste beynahe üblicher. Denn dieses Wort hat einen doppelten Superlativ, eheste und erste, wovon der letzte aus eheste zusammen gezogen, oder auch unmittelbar von dem alten Positive ar, er abgeleitet ist. Ehest wird, wie jetzt gedacht worden, bloß von der Zeit, erst aber so wohl von der Zeit, als dem Orte und der Ordnung gebraucht. S. dieses letzte an seinem Orte besonders.2. In etwas weiterer Bedeutung wird ehe und eher in der Sprache des täglichen Umganges auch absolute von einer bereits verflossenen Zeit gebraucht, für ehedem, vormahls. Da must ich uuerben bas den e, König Wenzel. Besonders mit einem schwachen Nebenbegriffe der Wiederhohlung. Er hat wohl ehe einen Reichsthaler an die Armen gegeben. Ich weiß wohl eher, daß sie mir eine finstere Miene gemacht haben, es ist nicht das erste Mahl, daß sie mir eine finstere Miene machen. Ich habe es wohl eher gesehen, daß du hast gehen wollen, Gell.3. Figürlich, für lieber, vielmehr, in welchem Verstande oft ehe, noch besser aber eher gebraucht wird. Wir wollen ehe sterben, denn etwas wider unser väterlich Gesetz handeln, 2 Macc. 7, 2. Die Zöllner und Hurer mögen wohl eher in das Himmelreich kommen, denn ihr, Matth. 21, 31. Die Besatzung wollte eher Hungers sterben, als die Stadt aufgeben. Ingleichen mit Verdoppelung des ehe oder eher. Ehe sie den kleinen Fischbeinrock fahren ließe, ehe bestätigte sie die Unschuld dieser Sitten mit dem Tode, Gell. Ehe er dich zu Frau bekommen soll, ehe will ich selbst ins Consistorium gehen, ebend. Ehe sie sich in ihrer Andacht stören läßt, eher läßt sie Herrn Simon wieder fortreisen, ebend. Eh ich mich von euch rühmen höre, Eh wollt ich noch gescholten seyn, Hall. Der Superlativ ist in dieser Bedeutung nicht üblich.

Anm. Dieses Wort lautet im Nieders. eer, im Engl. ere, im Isländ. aer, im Angels. aere, im Holländ. eer, und gehöret vermuthlich zu dem Goth. Air, im Schwed. Ar, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, frühe, der Anfang, S. Jahr. Es ist, wenigstens im Alemannischen, von den ältesten Zeiten an in einer doppelten Gestalt üblich gewesen; indem es wohl eh, bey dem Willeram e, im Compar. eher, und im Superl. ehest, als auch er, ar, im Compar. erer, erre, erero, und im Superl. erist, herist, errist, zusammen gezogen erst, lautete. Daher kommt es vermuthlich, daß ehe und eher noch jetzt sehr oft verwechselt, und eher häufig für den Positiv ehe gebraucht wird. Ehedem war es auch eine Präposition, welche vor bedeutete, in welcher Gestalt es aber veraltet ist. Ehender für ehe, eher, in allen Bedeutungen dieses Wortes, ist Oberdeutsch. In einigen Alemannischen Mundarten ist für ehe auch eb üblich. S. auch Erst, Vor und Ehre.


Ehe (W3) [Adelung]


Die Ehe, plur. die -n. 1) Die gesetzmäßige Verbindung zweyer Personen beyderley Geschlechtes, Kinder mit einander zu zeugen und zu erziehen; ohne Plural. Der Stand der Ehe. In den Stand der Ehe treten, sich in denselben begeben. Eine sehr zufriedene Ehe mit einander führen. Die Ehe brechen, diese Verbindung durch fleischliche Vermischung mit einer andern Person übertreten; S. Ehebrechen. Eine Person zur Ehe nehmen, von Personen beyderley Geschlechtes, eine alte aber doch noch überall übliche Wortfügung, aus welcher beynahe erhellen möchte, daß Ehe auch eine auf solche Art verbundene Person bedeutet habe. Eine Person zur Ehe haben, auf solche Art mit ihr verbunden seyn. In der Ehe, außer der Ehe leben, verheirathet, unverheirathet seyn. Zur zweyten Ehe schreiten. Kinder von der ersten, von der zweyten Ehe. 2) Diese Verbindung als einConcretum betrachtet. Eine Ehe stiften. Es sind in diesem Jahre nicht viel Ehen geschlossen worden.

Anm. Ehe in der heutigen Bedeutung kommt bey dem Notker am ersten vor, wo es E, bey dem Winsbeck und in dem alten Fragmente auf Carls des Großen Feldzug gleichfalls E lautet. Bey den Niedersachsen heißt die Ehe wider ihre Gewohnheit mit einem starken Hauchlaute die Echt, ehedem aber nur E, Ee, Eh, im Dän. Ägteskab, im Schwed. E. S. Echt. Es scheinet, daß dieses Wort ehedem eine jede Verbindung, oder einen jeden eingeschränkten Zustand, und die Sache, wodurch jemand verpflichtet oder eingeschränket wird, bedeutet habe. So bedeutet Eo bey dem Ottfried, Euua bey dem Kero und Isidor, ein Gesetz, weil doch die ersten Gesetze in einer freywilligen Verbindung und Einschränkung bestanden, bey andern aber den Eid, eidliche Bürgschaft, Huldigung. Das alte Testament, das neue Testament, wurden noch sehr lange die alte und neue Ee genannt, so ferne damit auf den Bund gesehen wird, den Gott mit seinen Anbethern errichtet hat. Alle diese Bedeutungen sind veraltet, und das Wort ist nur noch in der oben gedachten eingeschränkten Bedeutung üblich geblieben. Daß es aber mit dem Umstandsworte der Zeit ehe und dem Lat. aevum verwandt seyn sollte, wie Wachter will, wird sich ohne unnatürlichen Zwang nicht leicht beweisen lassen. Die nordischen Mundarten haben noch ein anderes Wort, die Ehe zu bezeichnen; dieses ist das Nieders. Hillik, das Angels. Hileihi, das Holländ. Houwelyk, Huuwelyk, das Schwed. Hjonolag, daher das Nieders. hilligen, hilliken, heirathen. Im dem Bremisch-Niedersächsischen Wörterbuche wird dieses Wort von hold, Holländ. houw, getreu, abgeleitet; nach Ihre aber stammet das Schwed. von Hjon, eine Person, ein Ehegatte, und Lag, Gesellschaft, Verbindung, ab. Im Dän. heißt die Ehe Kuld, im Engl. aber Wedlock. Eh war ehedem auch ein Beywort, welches für echt gebraucht wurde, und noch im Oberdeutschen kommt Ehtafern zuweilen für eine rechtmäßige Taverne oder Schenke vor.


Eheberedung (W3) [Adelung]


Die Eheberedung, plur. die -en, der Vertrag, welchen zwey Eheleute vor der Hochzeit wegen ihres Eigenthumes und dessen Anwendung mit einander machen, und die Schrift, welche solchen enthält; die Ehe-Pacten, die Ehestiftung.


Ehebett (W3) [Adelung]


Das Ehebett, des -es, plur. inus. das Bett zweyer Eheleute. Das Ehebett beschreiten. Am häufigsten in figürlicher Bedeutung, die Ehe, in Absicht auf die Treue, die Ehegatten einander schuldig sind. Die Ehe soll ehrlich gehalten werden, und das Ehebett unbefleckt, Ebr. 13, 4.


Ehebrechen (W3) [Adelung]


Ehebrechen, verb. reg. neutr. welches nur im Infinitive üblich ist. Du sollst nicht ehebrechen. Stehlen und Ehebrechen hat überhand genommen, Hos. 4, 2. In den übrigen Arten und Zeiten wird die vollständige Redensart, die Ehe brechen, gebraucht. S. Ehe 1. Zwar heißt es noch Jerem. 23, 14: wie sie ehebrechen, aber im Hochdeutschen ist solches ungewöhnlich. S. Ehebruch.


Ehebrecher (W3) [Adelung]


Der Ehebrecher, des -s, plur. ut nom. sing. Fäminin. die Ehebrecherinn, plur. die -en, eine Person, welche die Ehe bricht, in der engsten Bedeutung des Wortes Ehebruch. Der Ehebrecher soll des Todes sterben, 3 Mos. 20, 10. Ehedem bedeutete dieses Wort einen jeden Übertreter eines Gesetzes, ingleichen einen Bundbrüchigen.


Ehebrecherey (W3) [Adelung]


* Die Ehebrecherey, plur. die -en, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort für Ehebruch, welches nur in der Deutschen Bibel vorkommt: Jer. 13, 27; Ezech. 23, 27, 43; Hos. 2, 2.


Ehebrecherinn (W3) [Adelung]


Die Ehebrecherinn, S. Ehebrecher.


Ehebrecherisch (W3) [Adelung]


Ehebrecherisch, adj. et adv. zum Ehebruche gehörig, dem Ehebruche ergeben. Das ehebrecherische Weib, die Ehebrecherinn, Hos. 3, 1. Die ehebrecherische Art, Matth. 12, 39.


Ehebruch (W3) [Adelung]


Der Ehebruch, des -es, plur. die -brüche. 1) Die Verletzung der ehelichen Treue durch fleischliche Vermischung mit andern verheiratheten oder unverheiratheten Personen; ohne Plural. Ehebruch begehen. Ehebruch treiben, in der biblischen Schreibart. Sich des Ehebruches schuldig machen. Im Ehebruche ergriffen werden. 2) Dieses Verbrechen im Concreto betrachtet, einzelne Fälle, da sich Personen des Ehebruches schuldig gemacht. Es sind jetzt viele Ehebrüche vor Gerichte anhängig.

Anm. Eigentlich bedeutet dieses Wort die Verletzung einer jeden Verbindlichkeit. Für Ehebruch in der heutigen Bedeutung gebrauchten Ottfried und Notker Huor, Vberhuor, Legir huor, ( S. Hure,) der Schwabenspiegel Überhure, und noch Besold Oberhurerey, der Verfaser von Boxhorns Glossen Vbarligida, ein alter Schriftsteller bey dem Pez Merhuar, die Niedersachsen Averspel, Bysprung, Bytritt, die Holländer Overspel, die Schweden Forlegnysse, und Mathesius in der Berg-Postille Eheketzerey. Ehebrechen aber heißt bey dem Tatian forlegen, im Schwed. förligga, und ein Ehebrecher bey dem Notker Uberhuorar, Nieders. Averspeller.


Ehebrüchig (W3) [Adelung]


Ehebrüchig, adj. et adv. einen Ehebruch begehend. Ehebrüchig werden. Ingleichen, in einem Ehebruche gegründet.


Ehedem (W3) [Adelung]


Ehedem, ein Umstandswort der Zeit, welches eine vergangene Zeit anzeiget, für vor diesem, vor dieser Zeit. Ich habe ihn ehedem gesehen. Ehedem waren die Leute nicht so böse als jetzt.

Anm. Ehe hat in dieser Zusammensetzung noch die alte Gestalt einer Präposition, da es sehr häufig für vor gebraucht wurde; S. auch Ehegestern, Ehemahls. Er dera sunnun sedalkange, vor Untergang der Sonne, Kero. Er tage, vor Tage, Mons. Gloss. Wanta her er mir uuas, weil er vor mir war, Tatian. Ehedem bedeutet also gerade so viel als vor diesem. Im Oberdeutschen ist für dieses Wort ehedessen, ehevor, hiebevor, im Nieders. aber wanne, oldings u. s. f. üblich. S. Ehe, das Umstandswort.


Ehedessen (W3) [Adelung]


Ehedessen, S. Ehedem.


Ehefrau (W3) [Adelung]


Die Ehefrau, plur. die -en, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche mit einem Manne im Ehestande lebt; in der anständigern Sprechart, und wenn man solchen Personen Achtung schuldig ist, eine Ehegattinn; in den niedrigen Sprecharten, oder wenn man ohne Achtung von Personen spricht, ein Eheweib. Ist aber die Rede von vornehmen Personen, denen man Ehrfurcht schuldig ist, eine Gemahlinn. S. Ehegattinn.


Ehegarten (W3) [Adelung]


* Der Ehegarten, S. Egert.


Ehegatte (W3) [Adelung]


Der Ehegatte, des -n, plur. die -n, eine Person männlichen oder weiblichen Geschlechtes, welche mit einer andern ehelich verbunden ist; ein Gatte, in Beziehung auf diese Person. Er ist mein Ehegatte, in den gemeinern Sprecharten, er ist mein Mann. Die arme Frau, hat ihren Ehegatten verloren. Ein Ehegatte ist dem andern Liebe und Treue schuldig. Der arme Mann hat seinen Ehegatten verloren. S. Gatte. Von höhern Personen, denen man Ehrerbiethung schuldig ist, braucht man das Wort Gemahl. S. das folgende. In der Jülichischen Polizeyordnung kommt für Ehegatte auch Ehegesell, in der Straßburgischen Polizeyordnung aber von beyden Geschlechtern Ehegemächt, Ehegemal vor.


Ehegattinn (W3) [Adelung]


Die Ehegattinn, plur. die -en, eine Person weiblichen Geschlechtes, die mit einem Manne ehelich verbunden ist, in der vorigen Beziehung; eine Gattinn, in den gemeinern Sprecharten eine Ehefrau, und noch niedriger ein Eheweib. Ehegatte und Ehegattinn beziehen sich, so wie die einfachen Gatte undGattinn, alle Mahl auf die andere verbundene Person. Die übrigen jetzt gedachten Wörter aber können auch außer dieser Beziehung gebraucht werden. Z. B. man sagt wohl, es sind in diesem Jahre hier zehen Ehemänner und zwölf Ehefrauen oder Eheweiber gestorben; aber nicht, zehen Ehegatten und zwölf Ehegattinnen.


Ehegemahl (W3) [Adelung]


Das Ehegemahl, des -es, plur. die -e, wie Ehegatte, von beyden Geschlechtern; in welcher Bedeutung es aber veraltet ist. Doch gebraucht man es noch zuweilen, aber mit Bezeichnung der Geschlechter, von vornehmen Personen, der Ehegemahl von dem männlichen, und die Ehegemahlinn von dem weiblichen; obgleich auch hier die kürzern Gemahl und Gemahlinn üblicher sind.


Ehegenoß (W3) [Adelung]


Der Ehegenoß, des -ssen, plur. die -ssen, in der anständigern Schreibart, Personen, die mit einander ehelich verbunden sind, von beyden Geschlechtern. Zuweilen wird Ehegenoß nur allein von dem männlichen, Ehegenossin aber von dem weiblichen gebraucht. Auch dieses Wort ist, so wie Ehegatte, und Ehegattinn, nur in Beziehung auf die andere verbundene Person üblich. S. Ehegattinn.


Ehegericht (W3) [Adelung]


Das Ehegericht, des -es, plur. die -e, ein zur Entscheidung der in Ehesachen vorfallenden Händel niedergesetztes Gericht, dergleichen Gerichte sich an verschiedenen Orten befinden; an andern aber sind sie mit den Consistoriis, den geistlichen und weltlichen Gerichten verbunden.


Ehegestern (W3) [Adelung]


Ehegestern, ein Umstandswort der Zeit, denjenigen Tag zu bezeichnen, der unmittelbar vor dem gestrigen hergehet, vorgestern. Ich sprach ihn ehegestern. Daher ehegesterig, zusammen gezogen ehegestrig, adj. Der ehegestrige Schmaus.

Anm. Dieses Wort lautet in den Monseeischen Glossen ergestre, im Nieders. eergistern. Ehe ist hier gleichfalls die alte Präposition, welche so viel als vor bedeutet; S. Ehedem.


Ehegürtel (W3) [Adelung]


Der Ehegürtel, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden ein Nahme des eßbaren Schwammes, welcher unter dem Nahmen Champignon am bekanntesten ist, S. dieses Wort.


Ehehaft (W3) [Adelung]


Die Ehehaft, plur. die -en, ein zum Theil veraltetes Wort, welches nur noch in einigen Gegenden üblich ist. 1) In Oberdeutschland, besonders in Baiern und der Schweiz, bedeutet es noch so viel als Eigenthum, Allodium, im Gegensatze des Lehens, und solche Güter, welche eine Person oder Gemeine eigenthümlich besitzet. In dieser Bedeutung kommt es von dem alten Worte Echt, Eigenthum, Besitz, her; S. Echt, Anmerk. ingleichen Eigen und Eigenschaft. 2) So fern aber dieses Wort unmittelbar von dem Hauptworte Ehe, Recht, Gesetz, Verbindlichkeit, abstammet, war ehehaft ein Bey- und Nebenwort, welches unter andern auch rechtmäßig, gesetzmäßig bedeutet. Daher kommt in dem Schwaben- und Sachsenspiegel so oft ehehafte Noth von einer rechtmäßigen, rechtskräftigen Verhinderung vor, besonders von einer solchen, die den Beklagten von der persönlichen Erscheinung vor Gerichte befreyete; im Nieders. noch jetzt echte Noth, und im Friesischen Noodschining. In diesem Verstande wird noch jetzt in dem Sächsischen Rechte Ehehaft, noch öfter aber der Plural Ehehaften, als ein Hauptwort, von einer rechtmäßigen, in den Gesetzen gebilligten Hinderniß gebraucht. Ehehaften. haben. 3) Bey den kaiserlichen Landgerichten in Schwaben find die Ehehaften, oder, wie sie dort lauten, die Ehehäftinnen, diejenigen Fälle, in welchen diese Gerichte auch ungeachtet aller Exemtions-Privilegien sprechen wollen.


Ehehalt (W3) [Adelung]


Der Ehehalt, des -n, plur. die -en, ein Dienstbothe, er sey nun männlichen oder weiblichen Geschlechtes. Am häufigsten wird dieses Wort in Obersachsen und Oberdeutschland im Plural gebraucht, das Befinde auszudrucken.

Anm. Halt, Hold ist ein altes Wort, einen Menschen zu bezeichnen, der einem andern zu gewissen Diensten verbunden, aber von einem Leibeigenen noch verschieden ist. In diesem Verstande kommen Alde im Gothischen und Longobardischen und Aldio, Aldius im mittlern Lateine häufig vor. Das letztere erkläret eine alte Glosse bey dem Lindenbrog, durch libertum cum impositione operarum factum, S. Grundholde, Holde. Nur die Bedeutung des Wortes Ehe ist in dieser Zusammensetzung dunkel. Vermuthlich bedeutet es hier so viel als das alte echt, d. i. eigen, eigenthümlich. Ein Ehehalt würde alsdann einen eigenthümlichen Unterthan, einen Leibeigenen bedeuten. Im Schwabenspiegel ist Ehalt ein Knecht. Nach einer andern Bedeutung des Wortes Ehe, nach welcher es Verbindung, Verbindlichkeit überhaupt ausdruckte, kommt Ehalti bey dem Notker für Religion vor, welche Raban Maurus durch Ehaftida gibt. In Boxhorns Glossen ist ehaltic rechtmäßig, gesetzmäßig.


Eheherr (W3) [Adelung]


Der Eheherr, des -en, plur. die -en, der Ehegatte, wenn dessen mit Ehrerbiethung gedacht werden soll. S. Ehegatte.


Ehekrüppel (W3) [Adelung]


Der Ehekrüppel, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Scherze, ein alter, gebrechlicher, zum Ehestande untauglicher Mann.


Eheleiblich (W3) [Adelung]


Eheleiblich, adj. et adv. aus rechtmäßiger Ehe geboren; ein Ausdruck, der nur in dem feyerlichen Gerichts- und Kanzelstyl üblich ist. Des N. N. eheleiblicher ältester Sohn.


Eheleute (W3) [Adelung]


Die Eheleute, sing. car. zwey Personen, welche mit einander ehelich verbunden sind; doch in Rücksicht auf geringere Personen, von denen man ohne Achtung spricht. In anständigerer Bedeutung ist dafür Ehepaar üblich.


Ehelich (W3) [Adelung]


Ehelich, adj. et adv. welches von Ehe in der heutigen Bedeutung abstammet. Der eheliche Stand, der Ehestand. Eheliche Kinder, welche aus rechtmäßiger Ehe geboren sind. Ehelich werden, in dem feyerlichen Kanzelstyl, sich verheirathen. Es ist nicht gut ehelich werden, Matth. 19, 10. Aber für verheirathet, wie 1 Cor. 7, 10. den Ehelichen gebiethe ich, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich.

Anm. Ehedem war dieses Wort in der weitern Bedeutung für rechtmäßig sehr häufig. Elich besammet ist daz Concilium ze Basel, heißt es doch in einer Urkunde Kaisers Sigismund von 1432. In einem alten Deutsch-Latein. Vocabulario von 1477 wird legitimatio durch elychunge, und legitimare durch ehlich machen übersetzt. Elich weib, für rechtmäßige Gattinn, kommt schon in der Paraen. Tyrolis vor. Daß adel und edel ehedem so wie ehelich, rechtmäßig bedeutet habe, ist schon bey Edel angemerket worden. S. auch Frischens Wörterb. v. Ehe.


Ehelichen (W3) [Adelung]


Ehelichen, verb. reg. act. zur Ehe nehmen, heirathen, in dem feyerlichen Gerichts- und Kanzelstyl, und mit der vierten Endung der Sache. Das Frauenzimmer hat keine Neigung ihn zu ehelichen. Wenn sie anders noch Willens sind, meine Tochter zu ehelichen, Gell. Wenn jemand ein Weib nimmt und ehelichet sie, 5 Mos. 24, 1.

Anm. Im Nieders. lautet dieses Zeitwort echten, ingleichen hilligen, im Schwed. ächta. S. auch Verehelichen. Ehelichen für legitimiren, für rechtmäßig erklären, kommt noch in Hamelmanns Oldenb. Chron. vor.


Eheliebste (W3) [Adelung]


Der Eheliebste, des -n, plur. die -n, Fämin. die Eheliebste, plur. die -n, ein Eheliebster, eine Eheliebste, der Ehemann, die Ehefrau, in der anständigern Sprechart des gemeinen Lebens, oder aus Höflichkeit von geringern Personen. S. Liebster, in Lieb.


Ehelos (W3) [Adelung]


Ehelos, adj. et adv. ohne Ehe, unverheirathet. Der ehelose Stand. Ein eheloses Leben führen, unverheirathet bleiben. Er hat Lust ehelos zu bleiben. Nieders. echtlos.


Ehelosigkeit (W3) [Adelung]


Die Ehelosigkeit, plur. car. der ehelose Stand, das ehelose Leben.


Ehemahlig (W3) [Adelung]


Ehemahlig, adj. von dem folgenden Nebenworte, was ehemahls gewesen oder geschehen ist. Von allen deinen ehemahligen Versprechen ist keines erfüllet worden. Unsere ehemahligen Freunde.


Ehemahls (W3) [Adelung]


Ehemahls, adv. von dem Nebenworte ehe und Mahl, vor dieser Zeit, ehedem, vormahls. Ehemahls waren wir gute Freunde. Ehe hat auch hier noch die alte Gestalt einer Präposition. S. Ehedem.


Ehemann (W3) [Adelung]


Der Ehemann, des -es, plur. die -männer, eine verheirathete Mannsperson, so wohl in Beziehung auf dessen Ehefrau, als auch überhaupt und außer diesem Verhältnisse betrachtet. Ein Weib, die einen Ehemann hat, 5 Mos. 22, 22. Sechs Ehemänner, d. i. verheirathete Mannspersonen. In beyden Fällen wird dieses Wort heut zu Tage nur von geringen Personen gebraucht. S. Ehegatte und Eheherr.

Anm. Ehman kommt in diesem Verstande schon in dem Schwabenspiegel vor. In ältern Zeiten findet sich dafür Commen, Virt, Wirth, Kunne, Hauswirth, Ehevogt, Egewirth, u. s. f.


Ehender (W3) [Adelung]


Ehender, S. Ehe das Umstandswort.


Eheordnung (W3) [Adelung]


Die Eheordnung, plur. die -en, an einigen Orten, eine obrigkeitliche Verordnung in Ehesachen.


Ehepaar (W3) [Adelung]


Das Ehepaar, des -es, plur. die -e, ein Paar mit einander verheiratheter Personen. Ein glückliches Ehepaar.


Ehe-Pacten (W3) [Adelung]


Die Ehe-Pacten, sing. inus. von dem Lat. Pacta, der Vertrag zweyer künftiger Eheleute wegen ihres Eigenthumes, und die Schrift, worin dieser Vertrag enthalten ist; die Eheberedung, Ehestiftung, der Heirathsbrief, u. s. f. In Nieders. Hilkesberedung, von Hillig, oder Hilke, die Ehe.


Eher (W3) [Adelung]


Eher, S. Ehe, das Umstandswort.


Ehern (W3) [Adelung]


Ehern, adj. von Erz, d. i. von Metall überhaupt, oder auch von mehrern mit einander vermischten unedeln Metallen. 1. Eigentlich, für metallen. Ehern Gitter, 2. Mos. 27, 4. Eherne Ringe, ebend. Eherne Knäufe,. 10. Das eherne Handfaß, Kap. 30, 18. Die eherne Schlange, 4. Mos. 21, 8, 9. Das eherne Meer, 2 Kön. 25, 14. u. s. f. Doch in dieser eigentlichen Bedeutung kommt es heut zu Tage fast gar nicht mehr vor, S. Erz. Man gebraucht es, 2. nur noch figürlich, in der höhern Schreibart. 1) Die eherne Zeit, das eherne Jahrhundert, das dritte schlechtere Alter der Welt zwischen dem silbernen und eisernen. 2) Hart, fest. Er hat eine eherne Stirne, er ist unverschämt, kann nicht mehr erröthen. Denn ich weiß, daß du hart bist- und deine Stirn ist ehern, Es. 48, 4. Ehern wird der Himmel seyn, er wird keinen Regen geben, 5. Mos. 28, 23. Denn ich will heut zur festen Stadt - zur ehernen Mauer machen, Jer. 1, 18. 3) Der eherne Donner, in der höhern Schreibart, der Donner des metallenen Geschützes. Wenn im Streite Der eherne Donner von den Bergen, ihm zur Seite Die Feldherrn niederschlug, Raml.

Anm. Bey dem Isidor und Notker lautet dieses Wort erin, im Angels. aber aren. Es stammet von dem alten Ar, Er, Erz, her, welches den harten Zischlaut am Ende nicht in allen Mundarten gehabt hat. S. Erz und Eisen. Von dem Worte Erz findet sich bey dem Opitz auch das Beywort ertzen, und bey dem Lohenstein ertzten, welche bare in Hochdeutschen nicht üblich sind.


Ehesache (W3) [Adelung]


Die Ehesache, plur. die -n, eine jede Sache, welche die Ehe betrifft; besonders in engerer Bedeutung, eine Sache, welche für das Ehegericht gehöret, ein Rechtsstreit, der die Ehe betrifft.


Ehescheidung (W3) [Adelung]


Die Ehescheidung, plur. die -en, die Trennung oder Aufhebung einer Ehe, so fern selbige von der Obrigkeit geschiehet. Auf die Ehescheidung klagen.


Ehesegen (W3) [Adelung]


Der Ehesegen, des -s, plur. inus. 1) Kinder, welche aus einer rechtmäßigen Ehe erzeuget werden, und in der heil. Schrift mehrmahls ein Segen Gottes heißen. 2) Die Segens-Formel bey der Copulation. Der Ehesegen wurde gesprochen.


Ehestand (W3) [Adelung]


Der Ehestand, des -es, plur. inus. der Stand der Ehe, der eheliche Stand, d. i. derjenige Stand, in welchem sich zwey Personen beyderley Geschlechtes verbinden, bey einander zu wohnen und Kinder zu zeugen und zu erziehen; S. Stand. Im Nieders. Echtschop.


Eheste (W3) [Adelung]


Eheste, S. Ehe, das Umstandswort.


Ehestens (W3) [Adelung]


Ehestens, ein Umstandswort der Zeit, welches von dem Superlative des Wortes ehe gebildet ist, auf das eheste, in sehr kurzer Zeit. Ich hoffe, ihn ehestens zu sprechen. Ich werde ehestens zu ihm gehen.


Ehesteuer (W3) [Adelung]


Die Ehesteuer, plur. die -n, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, das Heirathsgut, S. dieses Wort.


Ehestiftung (W3) [Adelung]


Die Ehestiftung, plur. die -en. 1) Die Stiftung, d. i. Veranlassung und Vermittelung einer Ehe; ohne Plural. Daher der Ehestifter, die Ehestifterinn, Personen, welche eine Ehe zwischen zwey Personen stiften. 2) Der Betrag zwischen zwey verlobten Personen in Ansehung ihres Eigenthumes in und nach der Ehe, und die Schrift, die denselben enthält; die Eheberedung, Ehe-Pacten, u. s. f. Die Ehestiftung schreiben, Lob. 7. 16, 23.


Eheteufel (W3) [Adelung]


Der Eheteufel, des -s, plur. ut nom. sing. in der harten Schreibart, eine Person, welche zwischen Eheleuten Uneinigkeiten stiftet, eine Benennung, wozu vermuthlich der Eheteufel Asmodi im Buche Anlaß gegeben. Einen Eheteufel abgeben.


Eheverlöbniß (W3) [Adelung]


Das Eheverlöbniß, des -sses, plur. die -sse, S. Verlöbniß.


Ehevogt (W3) [Adelung]


Der Ehevogt, des -es, plur. die -vögte, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, eine Person, welche dazu gesetzt ist, über die Gerechtsamen einer Ehefrau zu wachen; in Obersachsen ein Curator.


Eheweib (W3) [Adelung]


Das Eheweib, des -es, plur. die -er, in den niedrigen Sprecharten, oder von geringen Personen, eine verheirathete Person weiblichen Geschlechtes, so wohl in Rücksicht auf ihren Mann, als auch überhaupt; eine Ehefrau. S. Ehegattinn.


Ehezarter (W3) [Adelung]


* Der Ehezarter, oder Ehezärter, des -s, plur. ut nom. sing. eine noch in einigen Niedersächsischen Gegenden übliche Benennung derjenigen Urkunde, welche die Ehestiftung enthält. S. Zarter.


Ehr (W3) [Adelung]


Ehr, Genit. und Dat. Ehrn, Plur. Ehrn, ein größten Theils veralteter Titel, welcher heut zu Tage nur noch in einigen Kanzelleyen verschiedenen, besonders geistlichen Personen von Höhern gegeben wird, und weniger als Herr bedeuten soll. Ehr Johann-Pfarrer zu - Aber nicht allein geistliche, sondern auch weltliche Personen mittlern Standes bekommen zuweilen diesen Titel. So hieß es noch 1772 in einem Anschlage der Universität zu Halle: Von Königlicher Friedrichs-Universität allhier wird auf des Auctionator Ehrn Joh. Ge. Veists Ansuchen u. s. f.

Anm. Ehedem war dieser Titel auch von vornehmen, so wohl geistlichen als weltlichen Personen üblich, und wurde oft mit dem Worte Herr verbunden. Folgende Beyspiele führet Frisch an. Der erbar Herr Er Jost, Domherr, u. s. f. in Tenzels Both. Chron. S. 306. Unser gnädiger Herr, Er Caspar, Bischof zu Meißen, in Schöttchens Wurz. Chron. S. 25. Er Albrecht von Lindenau Ritter, ebend. S. 26. Wir, Er Busse von Querfort, in Thuring. S. Auch im Niedersächsischen ist dieses Wort üblich, wie unter andern auch aus einer 1529 gedruckten Schrift erhellet, welche die Ausschrift hat: Grund und Orsake, worup Marquardus Schuldorp hesst syner Syster Dochter thor Ehe genamen, beweret dorch Ehrn Nicolaum Amsdorp- und Ehrn Martinum Luther. Der Ursprung und die eigentliche Bedeutung dieses Wortes ist noch nicht ausgemacht; doch scheinet es aller Wahrscheinlichkeit nach mit Herr und Herus aus Einer Quelle herzustammen, zumahl da in Lateinischen Urkunden Dominus für beyde gebraucht wird. Denn Frischens Meinung, Ehr bedeutete einen Mann, zu welchem man seines Standes wegen Er gesagt habe, ist mehr ein witziger Einfall, als eine gründliche Ableitung. S. Er 1. 2. Im Niedersächsischen hat man außer diesem Worte Ehr, welches daselbst, so wie im Hochdeutschen, nur noch ein Titel der Kanzelleyen ist, noch das Wort Heer, welches von Herr so wohl in der Aussprache, als in dem Gebrauche eben so genau unterschieden wird, wie im Latein. Herus und Dominus. Das Befinde auf dem Lande nennt daselbst seinen Haus- und Brotherren Heer, vornehmere Personen aber Herr. S. Ehre und Er.


Ehrbar (W3) [Adelung]


Ehrbar, -er, -ste, adj. et adv. 1) Ehre verdienend, werth geehret zu werden; S. Bar 5. 2) (b). In diesem Verstande ist es heut zu Tage vorzüglich als ein Titel üblich, der aber seit seinem Ursprunge mancherley Schicksale erfahren hat. Anfänglich und noch bis in das vierzehente Jahrhundert war es ein Titel, den selbst Könige und Fürsten zu führen sich nicht schämten. Scheidt hat in seinen Nachrichten von dem hohen und niedern Adel S. 149 verschiedene Urkunden angeführet, in welchen Fürsten ehrbare Fürsten genannt werden. Im vierzehenten und funfzehenten Jahrhunderte ward dieser Titel auch dem niedern Adel zu Theile, der sich gestrenge, fest und ehrbar nennen ließ, aber im sechzehenten Jahrhunderte dieses ehrbar, vermuthlich, weil es nunmehr schon Bürgerlichen gegeben wurde, mir dem ehrenfest vertauschte, bis er im siebzehenten Jahrhundert anfing, die Geburt in seinen Titeln auszudrucken. Heut zu Tage ist dieses Wort von seiner ehemahligen Würde so tief herab gesunken, daß man es auch geringen Handarbeiten und Tagelöhnern beyleget, da es denn weiter nichts bedeutet, als den Ruf eines ehrlichen Mannes habend. Etwas mehr hat dieses Wort von seiner alten Würde in den Titeln der Reichsstädte behalten, welche nicht nur von andern ehrbar genannt werden, sondern sich auch diesen Titel sel bst beylegen. Weil aber dieses Wort oft abgekürzet geschrieben wurde, die Erb. freyen Reichsstädte, so sind daraus, nach des Hrn. von Mosers Bemerkung, von Unwissenden mehrmahls Erbstädte gemacht worden. Joseph von Arimathia ein ehrbarer Rathsherr, Marc. 15, 43. 2) Der Ehre, d. i. dem äußern Wohlstande, dem Begriffe von Ehre gemäß, S. Bar 3. Ehrbare Handlungen. Sie hält mit der größten Demuth an den ehrbaren Sitten ihrer Vorfahren, Gell. Was wahrhaftig ist, was erbar, was gerecht, Phil. 4, 8. Ingleichen, den äußern Wohlstand beobachtend, von Personen. Ein ehrbarer Mensch. Eine ehrbare Frau. Andächtige und ehrbare Weiber, Apostelg. 13, 30. Die Diener sollen ehrbar seyn, nicht zweyzüngig, 1 Tim. 3, 8.

Anm. Schon Stryker gebraucht erber für honestus. Im Dän. lautet dieses Wort ärbar, und im Schwed. arbar. in der Deutschen Bibel wird es erbar geschrieben, und in vielen gemeinen Mundarten wird es noch jetzt mit einem kurzen e ausgesprochen.


Ehrbarkeit (W3) [Adelung]


Die Ehrbarkeit, plur. inus. die ehrbare Beschaffenheit einer Sache, in der zweyten Bedeutung des Wortes ehrbar. Noch mehr aber, der äußere Wohlstand selbst, die Übereinstimmung einer Handlung oder eines Betragens mit den Begriffen von Ehre. Sich der Ehrbarkeit befleißigen, Röm. 12, 17. In aller Ehrbarkeit sein Leben führen, 1 Tim. 2, 12Anm. Im Oberdeutschen wird dieses Wort auch von ehrbaren Personen, d. i. den Vornehmsten einer Stadt, gebraucht. Darumb ist euch erberkait Hold vnnder der ganntzen landtschaft, Theuerd. Kap. 95. Die Ober- und Ehrbarkeit, d. i. die Obrigkeit und Vornehmsten der Stadt, Bluntschli.


Ehrbarlich (W3) [Adelung]


Ehrbarlich, -er, -ste, adj. et adv. welches im Hochdeutschen veraltet ist, und nur noch in der Deutschen Bibel in der zweyten Bedeutung des Wortes ehrbar vorkommt. Lasset uns ehrbarlich wandeln, als am Tage, nicht in Treffen und Saufen, Röm. 13, 13. Auf daß ihr ehrbarlich wandelt, Thess. 4, 12.


Ehrbegierde (W3) [Adelung]


Die Ehrbegierde, plur. car. die Begierde oder das lebhafte thätige Verlangen nach Ehre, d. i. so wohl nach äußern Vorzügen, als auch nach dem innern Urtheile anderer von unsern Vollkommenheiten. er hat viel Ehrbegierde. Das läßt seine Ehrbegierde nicht zu.

Anm. Ehrliebe, Ehrtrieb, Ehrbegierde, Ehrdurst, Ehrgeitz und Ehrfurcht, sind bloß in der innern Stärke des thätigen Verlangens nach Ehre, und der darin gegründeten Sittlichkeit desselben unterschieden. Ehrliebe und Ehrtrieb drucken weniger Thätigkeit aus, und werden jederzeit in gutem Verstande gebraucht. Ehrbegierde, bezeichnet ein lebhafteres, mehr thätiges Verlangen, und kann so wohl in gutem als bösem Verstande gebraucht werden, nachdem die Mittel sind, die man zu Befriedigung dieses Verlangens wählet. Ehrdurst und Ehrgeitz, welche aus einem höhern Grade dieser Begierde bestehen, werden häufiger in nachtheiligem als gutem Verstande gebraucht; Ehrfurcht aber, der höchste Grad des Ehrgeitzes, ist keiner guten Auslegung fähig. S. diese Wörter.


Ehrbegierig (W3) [Adelung]


Ehrbegierig, adj. et adv. Ehrbegierde habend. Ein ehrbegieriger Mensch. er ist sehr ehrbegierig. Eregerend bey der Winskeckinn. S. Ehrgierig.


Ehrdurst (W3) [Adelung]


Der Ehrdurst, plur. car. S. Ehrbegierde.


Ehre (W3) [Adelung]


1. Die Ehre, plur. die -n, in einigen Gegenden, der Ahorn. S. dieses Wort.


Ehre (W3) [Adelung]


2. Die Ehre, plur. die -n. In der weitesten Bedeutung, das vortheilhafte Urtheil anderer von dem Guten, welches wir anuns haben, und die thätige Erweisung dieses Urtheiles. Allein in dem gemeinen Sprachgebrauche findet dieser Begriff oft nur unter verschiedenen Einschränkungen und mit mancherley Nebenbegriffen Statt. Ehre bedeutet daselbst.1. Vorzug im Äußern; ohne Plural. 1) Vorzug in Ansehung der Ordnung, welches die erste und ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes zu seyn scheinet. Man muß dem Frauenzimmer die Ehre lassen, d. i. voran zu gehen, eine Handlung zuerst zu verrichten u. s. f. Ich werde nicht voran gehen, diese Ehre gebühret ihnen. Ehre dem Ehre gebühret, im gemeinem Leben. Habe du die Ehre vor mir, und stimme mir, 2 Mos. 8, 9. 2) Ein jeder Vorzug, so fern er von andern thätig erkannt wird. Ich halte es für die größte Ehre, in ihrer Gesellschaft zu seyn. Ich schätze es mir für eine Ehre. Ich habe die Ehre, ihnen zu sagen u. s. f. Diese Ehre kommt ihm nicht zu. Er macht mir Ehre. Ich hoffe Ehre damit einzulegen, d. i. zu erwerben, S. Einlegen. Wenn ich sie in meinem Hause haben dürfte, ich wollte Ehre an ihr erziehen, ich wollte sie so erziehen, daß ich Ehre davon haben würde, Gell. Die Ehre Gottes, dessen unendlicher Vorzug vor allen Geschöpfen. Gott die Ehre geben, dieses Vorzug erkennen, und demselben gemäß handeln, Gottes Ordnung die höchste Richtschnur seines Willens seyn lassen. Gebt unserm Gott allein die Ehre, 5 Mos. 32, 5. Allein die Ausdrücke, der Gott der Ehren, der König der Ehren, d. i. der Gott, der König, dem unendliche Ehre gebühret, sind außer der biblischen Schreibart ungewöhnlich. 3) Äußeres Ansehen. Gott gibt dem Menschen Ehre. Er lebt hier in großer Ehre. Wieder zu Ehren kommen. Er hat ein Vermögen, wovon er mit Ehren leben kann. Die Ausdrücke, zu Ehren setzen, zu Ehren machen, Ehre, Ansehen ertheilen, sind biblisch und im Hochdeutschen ungewöhnlich.2. Diesen Vorzug, dieses Ansehen verursachend. 1) Würde, ein obrigkeitliches Amt, dessen Besitz Ehre und Ansehen gewähret, eine Ehrenstelle; in welcher Bedeutung auch zuweilen der Plural gebraucht wird. Der König hat ihn zu großen Ehren erhoben. Zu großen Ehren kommen. Denk an den Tod, wenn Ruhm und Ehren, Wenn deine Schätze sich vermehren, Opitz. Doch diese Bedeutung fängt an im Hochdeutschen zu veralten. 2) Hochachtung, Hochschätzung, und deren thätige Erweisung. Eine Person, eine Sache in Ehren halten, im gemeinen Leben. Ich habe es ihm Zu Ehren gethan, aus Achtung gegen ihn, und diese Achtung zu beweisen. Einem alle Ehre anthun, einem viele Ehre erweisen. Einem göttliche Ehre erweisen. Einem die letzte Ehre erweisen, ihn zu Grabe begleiten. Ich konnte es ihm Ehren halber nicht abschlagen, ich mußte Ehren halber mit gehen, im gemeinem Leben. Ihr Wort in Ehren, in der Höflichkeit des großen Haufens, einen Widerspruch zu begleiten, unbeschadet der Achtung, die ich ihren Worten schuldig bin. Besonders, 3) allgemeine Hochschätzung, welche auf dem allgemeinen Zeugnisse anderer beruhet, daß wir vorzügliche Güte, Eigenschaften und Geschicklichkeiten besitzen, da denn Ehre ein höhern Gras des guten Nahmens ist. In großer Ehre stehen oder leben. Nach Ehre trachten. Er hält auf Ehre, er schätzet die allgemeine Hochachtung anderer hoch, und sucht sie zu erhalten. Gleich wird sichs offenbaren, Wer unter euch den Kranz mit Ehren trägt, Gell. so daß er sich dadurch allgemeine Hochachtung erwirbt, oder selbige wenigstens nicht vermindert oder verlieret. 4) Guter Nahme, oder das Zeugniß anderer, daß wir die in der bürgerlichen Gesellschaft eingeführten Obliegenheiten erfüllen; ein geringerer Grad der vorigen Ehre. Ehre verloren, alles verloren. Jemanden seine Ehre abschneiden, im gemeinen Leben; daher das niedrige ein Ehrenabschneider. Seine Ehre retten, vertheidigen. Bey Ehren bleiben, seinen guten Nahmen erhalten. Der Vater, der kein Mittel sah, Bey Ehren in der Stadt zu bleiben, Gell. Wer will bey Ehren erhalten, der sein Amt selbst unehret? Sir. 10, 32. Um Ehre und Reputation kommen. Es betrifft deine Ehre. Bey meiner Ehre, eine im gemeinen Leben üblicher Betheurung. 5) Reinigkeit der Sitten, sittlicher Wohlstand. Ein jeder wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, 1 Thess. 4, 4. Ein Kuß in Ehren, im gemeinen Leben. Wir waren lustig, aber in allen Ehren, auch im gemeinen Leben. Mit Ehren zu melden, eine im gemeinen Leben übliche Formel, solche Ausdrücke zu begleiten, welche den angenommenen gesellschaftlichen Wohlstand beleidigen würden. S. Ehrbar. 2. In engerer Bedeutung, jungfräuliche Unschuld. Einer Person ihre Ehre rauben. Sie hat ihre Ehre verloren.3. Die Wirkung dieses Vorzuges, vortheilhaften Urtheiles; welche Bedeutung hoch mit einigen der vorigen zusammen fließet. 1) Äußerung dieses Urtheiles durch Worte. Eines in alen Ehren gedenken, mit rühmlicher Erwähnung. 2) Wort, Ausdrücke, welche ein scheinbares Merkmal der Hochachtung sind, aber nicht so gemeinet werden; in welcher Bedeutung Ehrenwort, Ehrenbrief, im gemeinen Leben für Compliment, Complimentbrief üblich sind. 3) Wohlthaten, so fern sie als ein Merkmahl der Achtung anzusehen sind: Einem alle Ehre und Liebe erweisen. Im Niedersächsischen ist diese Bedeutung von einem noch weitern Umfange, indem ehrenthätig, und Ehrenthätigkeit daselbst gutthätig, Gutthätigkeit, freygebig bedeuten; welchen Verstand auch ehrgebig, Ehrgebigkeit bey dem Pictorius haben. S. auch Ehrschatz, Ehrung, und Verehren. dahin gehöret auch Col. 2, 23: dadurch, daß sie des Leibes nicht verschonen, und dem Fleisch nicht seine Ehre thun zu seiner Nothdurft, d. i. ihm nicht die gebührende Pflege erweisen.4. Empfindung des Werthe der Ehre, und des guten Nahmens, in der im gemeinen Leben üblicher Redensart: er hat Ehre im Leibe.5. Eine Person oder Sache, die andern Ehre macht. Er ist die Ehre unserer Zeiten. das Weib ist des Mannes Ehre. Er ist seines Hauses Ehre. Dahin gehöret auch die sonst ganz ungewöhnliche Bedeutung, welche dieses Wort einige Mahl in der Deutschen Bibel hat, wo es für Zunge stehet, dem edelste Werkzeuge des menschlichen Körpers. Wache auf, meine Ehre, wache auf Psalter und Harfe, Pf. 57, 9; nach Michaelis Übersetzung: Wache auf, mein besserer Theil, Cither und Harfe, wach auf! - Darum freuet sich mein Herz, und meine Ehre ist fröhlich, Pf. 16, 9; Michaelis: Darum freuet sich mein Herz, und der edlere Theil von mir jauchzet. - Auf daß dir lob singe meine Ehre, Pf. 0,; Michaelis: Damit mein besserer Theil dir Liebe singe. So auch Pf. 108, 2.

Anm. 1. In vielen zum Theil oben angeführten Arten des Ausdruckes ist dieses Wort im Genitive und Dative des Singulars noch in der alten Oberdeutschen Declination der Ehren für der Ehre üblich. Doch findet diese Declination am häufigsten ohne Artikel, seltener mit demselben Statt. Es hat dieses das Wort Ehre mit Erde, Hölle, Gnade, Grube, Wiege, Frau, Seele und vielen andern gemein, welche in manchen andern Redensarten auch im Hochdeutschen immer noch in der alten Oberdeutschen Form abgeändert werden. Wenn dieses Wort nichtEhrenstellen oder Ehrenbezeigungen ausdruckt, so ist es eigentlich keines Plurals fähig. Allein, es wird doch außer diesen Bedeutungen so wohl in gemeinen Leben, als bei manchen Dichtern häufig in der mehrern Zahl gebraucht. Eines in allen Ehren gedenken. Läßt seinen Ehren ihren Lauf, Opitz Pf. 66, 1; wo es Luther gibt: lobsinget zu Ehren seinem Nahmen. In der edlern Schreibart wird man sich dieses Plurals gern enthalten. Ehre finden, einem Ehre thun, und andere biblische Ausdrücke mehr sind im Hochdeutschen ungewöhnlich.

Anm. 2. Ehre, Nieders. Eere, lautet in den meisten heutigen Bedeutungen schon bey dem Kero Heri. Era, bey dem Ottfried Era und Ero, im Angels. Are, im Schwed. Aera, im Dän. Äre, im Longob. Ari. Wachter leitet es sehr gezwungen von ähren, colere, das Land bauen, Ihre aber von dem alten ar, her, hoch, her. Allein es stammet wohl zunächst von dem Umstandsworte der Zeit und des Ortes Er, eher, ab, wie sich aus der großen Übereinstimmung beyder Wörter bey dem Kero und Ottfried leicht zeigen läßt. Ar, her, hoch, aber, um ehe, eher, sind vielleicht näher verwandt, als Ihre glaubte. S. Hehr.


Ehreifer (W3) [Adelung]


Der Ehreifer, des -s, plur. car. ein gutes Oberdeutsches, im Hochdeutschen aber wenig bekanntes Wort, das Thätige Bestreben auszudrucken, seine Ehre, d. i. die allgemeine Hochschätzung, zu erhalten und zu verteidigen, worauf man auch diese Hochachtung gründen mag. Das Franz. Point d'honneur wird im Deutschen auf ähnliche Art gebraucht.


Ehren (W3) [Adelung]


Ehren, verb. reg. act. Ehre erweisen, in verschieden Bedeutungen des Hauptwortes. 1) Eine Person andern vorziehen; in welcher Bedeutung doch dieses Wort wenig mehr gebraucht wird. Jemanden ehren. 2) Äußeres Ansehen, Würden, Ehrenstellen ertheilen; eine gleichfalls wenig mehr übliche Bedeutung. Denn ich will dich doch ehren, und was du mir sagest, das will ich thun, 4. Mos. 22, 1. 3) Hochschätzen, und diese Hochschätzung thätig erweisen; in welcher Bedeutung es noch am meisten gebraucht wird. Er wird von jedermann geehrt. Ehre Vater und Mutter. Die Alten soll man ehren. In engerer Bedeutung wird dieses Wort so wohl in der Deutschen Bibel, als bey den Dichtern der vorigen Zeiten häufig für verehren gebraucht, welche Bedeutung aber im Hochdeutschen veraltet ist. Den Gott aber, der deinen Odem und alle deine Wege in seiner Hand hat, hast du nicht geehret, Dan. 5, 23. Sie verachtet dein Geboth und ehren deine Götter nicht, Kap. 7, 12, 18. Und haben geehret und gedienet dem Geschöpf mehr denn dem Schöpfer, Röm. 1, 25. Mein König lebe wohl, ich ehre deinen Willen, Hofmansw. Dahin gehören auch die Mittelwörter geehrt, und zu ehrender, noch mehr aber die Zusammensetzungen hochgeehrt, hochzuehrender, welche sehr häufig in den Überschriften im Innern der Briefe gebraucht werden, und bey welchen nur dieses zu merken ist, daß das Mittelwort der vergangenen Zeit, geehrt und hochgeehrt, alle Mahl mehr ausdruckt, als das Mittelwort der gegenwärtigen, hochzuehrend. Dieses bezeichnet nur jemanden, der geehret werden soll, oder Ehre verdienet; jenes aber einen, der wirklich Ehre genießet. 4) loben, rühmen, jemandes Vorzüge durch Worte erheben; eine gleichfalls veraltete, und mir noch in der Deutschen Bibel übliche Bedeutung. Ich will den Nahmen Gottes loben, und will ihn hoch ehren mit Dank, Pf. 69, 31. 5) Seine, Achtung gegen jemanden durch Geschenke an den Tag legen. ein ebenfalls veralteter Gebrauch. Ehre den Herrn von deinem Gut, Sprichw. 3, 9. Logau und andere Oberdeutsche gebrauchen daher Ehrung noch für Ver- ehrung, d. i. ein Geschenk. 6) Gott ehre mir den Thrax. Günth. Gott her mir den vorm Petersthore, Mich eine im gemeinen Leben übliche Formel, den Vorzug an den Tag zu legen, den man einer Person oder Sache von andern ähnlichen gibt.

Anm. Schon bey dem Kero und Ottfried lautet dieses Wort eren, in dem heutigen Oberschwaben ära, im Angels. arian, im Schwed. ara. Das Hauptwort die Ehrung ist im Hochdeutschen nicht üblich.


Ehrenamt (W3) [Adelung]


Das Ehrenamt, des -es, plur. die -ämter, ein Amt, dessen Besitz mit Ehre, d. i. mit Vorzügen vor ander, mit äußerm Ansehen verbunden ist. Ein Ehrenamt erhalten. Ein Ehrenamt verwalten, bekleiden u. s. f. S. Ehrenstelle.


Ehrenbahn (W3) [Adelung]


Die Ehrenbahn, pur. die -en, bey den Dichtern der vorigen Zeiten, eine Laufbahn, d. i. Lebensar, in welcher man Ehre erwirbt.


Ehrenbett (W3) [Adelung]


Das Ehrenbett, des -es, plur. die -e, ein Bett, welches einer Tochter außer dem Ehebette zum Staate mitgegeben wird.


Ehrenbezeugung (W3) [Adelung]


Die Ehrenbezeugung, plur. die -en. 1) Die Erweisung seiner Hochachtung durch äußere Merkmahle; ohne Plural. 2) Diese äußern Merkmahle selbst. Jemanden mit vielen Ehrenbezeigungen empfangen.


Ehrenbild (W3) [Adelung]


Das Ehrenbild, des -es, plur. die -er, S. Ehrenstück.


Ehrenbogen (W3) [Adelung]


Der Ehrenbogen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Ehrenpforte.


Ehrenbothe (W3) [Adelung]


* Der Ehrenbothe, des -n, plur. die -n, eine im Hochdeutschen ungewöhnliche, im Oberdeutschen aber noch hin und wieder übliche Benennung eines Gesandten, eines Bothens höherer Art; ehedem ein Scheinbothe, S. Bothe.


Ehrenbrauen (W3) [Adelung]


Das Ehrenbrauen, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, ein Brauen, welches einem Bürger, der das Braurecht hat, außer der Ordnung bey einer feyerlichen Gelegenheit, z. B. bey der Hochzeit seiner Tochter; verstattet wird. S. Ehrentag.


Ehrenbürger (W3) [Adelung]


Der Ehrenbürger, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten eine Person, welche aus Achtung gegen ihre Verdienste von einer Stadt mit dem Bürgerrechte beehret wird.


Ehrendame (W3) [Adelung]


Die Ehrendame, plur. die -n, ein Nahme, welcher an einigen Höfen der oberste Hofdame gegeben wird; franz. Dame d'honneur.


Ehrendieb (W3) [Adelung]


Der Ehrendieb, des -es, plur. die -e, in den niedrigen Sprecharten, eine Person, welche uns vorsetzlich unserer Ehre, d. i. unsers guten Nahmens, beraubet. Ehrenabschneider, Ehrenräuber, sind so niedrige Ausdrücke. S. Ehrenschänder.


Ehrendienst (W3) [Adelung]


Der Ehrendienst, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben ein Dienst, welchen man jemanden zu Bezeigung seiner Achtung erweiset; besonders in der Redensart: einem den letzten Ehrendiensten erweisen, mit zur Leiche gehen.


Ehrenerklärung (W3) [Adelung]


Die Ehrenerklärung, plur. die -en, in den Rechten, eine feyerliche Erklärung, daß man jemanden, dessen Ehre oder guten Nahmen man angegriffen, für eine ehrliche Person erkenne. Einem eine Ehrenerklärung thun.


Ehrenfall (W3) [Adelung]


Der Ehrenfall, des -es, plur. die -fälle, eine vorfallende feyerliche Gelegenheit, und die Obliegenheit, welche selbige erfordert. Besonders in den Lehensrechten, ein feyerlicher Fall, bey welchem die Lehensleute den Glanz des Hofes ihres Lehensherren vermehren müssen.


Ehrenfest (W3) [Adelung]


Ehrenfest, S. Ehrenvest.


Ehrengedächtniß (W3) [Adelung]


Das Ehrengedächtniß, des -sses, plur. die -sse, ein Gedächtniß, d. i. Denkmahl, welches jemanden zu Ehren errichtet oder verfertiget wird; ein großen Theils veraltetes Wort, welches nur noch zuweilen von Lobschriften, Leichenpredigten und andernMitteln, das rühmliche Andenken eines Verstorbenen zu erhalten, gebraucht wird.


Ehrengericht (W3) [Adelung]


Das Ehrengericht, des -es, plur. die -e, an einigen, besonders Oberdeutschen Orten, ein Gericht, von welchem die Streithändel adeliger Personen untersucht und entschieden werden. das Schlesische Ritter- und Ehrengericht, welches sein eigenes Ehrenrecht und seinen Ehrenrichter hat. S. Ehrentafel.


Ehrengeschenk (W3) [Adelung]


Das Ehrengeschenk, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, besonders in Reichsstädten, dasjenige Geschenk, welches durchreisenden fürstlichen Personen von dem Magistrate zu Bezeigung seiner Ehrerbiethung gemacht wird. S. Ehrenwein.


Ehrenhold (W3) [Adelung]


Der Ehrenhold, des -es, plur. die -e, S. Herold.


Ehrenkleid (W3) [Adelung]


Das Ehrenkleid, des -es, plur. die -er, im gemeinen Leben, ein Kleid, welches man nur bey feyerlichen Gelegenheiten anleget; ein Feyerkleid, im gemeinen Leben ein Ehrenrock. Sein Ehrenkleid anlegen.


Ehrenkrone (W3) [Adelung]


Die Ehrenkrone, plur. die -n, bey den Dichtern der vorigen Zeiten, die Krone, der Kranz, als eine Belohnung vorzüglicher Tugenden und Verdienste, besonders so fern diese Belohnung nach diesem Leben zu Theile wird; noch einer aus der biblischen Schreibart entlehnet Figur, 1 Petr. 5, 4.


Ehrenleute (W3) [Adelung]


Die Ehrenleute, sing. ins. S. Ehrenmann.


Ehrenlinie (W3) [Adelung]


Die Ehrenlinie, plur. die -n, in der Chiromantie, eine Linie unter dem Goldfinger, welche das künftige äußere Ansehen und de Ehrenstellen einer Person verkündigen soll.


Ehrenlohn (W3) [Adelung]


Der Ehrenlohn, des -es, plur. car. bey den Dichtern der vorigen Zeiten, die rühmliche Belohnung vorzüglicher Verdienste und Tugenden.


Ehrenlüge (W3) [Adelung]


Die Ehrenlüge, plur. die -n. 1) Eine Lüge, welche man zur Erhaltung seines guten Nahmens für nothwendig erachtet; eine Art der Nothlügen. 2) Eine Lüge, die man aus Gefälligkeit, aus Achtung gegen eine andere Person saget.


Ehrenmahl (W3) [Adelung]


Das Ehrenmahl, des -es, plur. die -e, und -mähler, ein Denkmahl, welches jemanden zu Ehren errichtet wird. Der Plural Ehrenmähler ist in der gewöhnlichen, Ehrenmahle aber in der höhern Schreibart am üblichsten. S. Mahl.


Ehrenmann (W3) [Adelung]


Der Ehrenmann, des -es, plur. die -männer, im Oberdeutschen, ein geehrter, angesehener Mann, ein Mann, der nicht nur auf Ehre hält, sondern auch wirklich geehret wird; in welchem Verstande Erman schon in dem Schwabenspiegel vorkommt. Im Hochdeutschen wird dieses Wort nur im Scherze gebraucht. Seht, seht auf unsern Ehrenmann, Den wir so schön begraben, Haged. in dem Leichengedichte auf Hrn. Jost. Im Oberdeutschen werden angesehene Personen auch im Ernste Ehrenleute genannt.


Ehren-Marschall (W3) [Adelung]


Der Ehren-Marschall, des -s, plur. die -schälle, S. Ehrentafel.


Ehrenmitglied (W3) [Adelung]


Das Ehrenmitglied, des -es, plur. die -er, eine Person, welche ihres vorzüglichen Standes, oder anderer Vordienste wegen zu einem Mitgliede einer Akademie oder andern gelehrten Gesellschaft erwählet wird, und zu keinen Arbeiten verbunden ist; zum Unterschiede von den ordentlichen Mitglieder.


Ehrennahme (W3) [Adelung]


Der Ehrennahme, des -n, plur. die -n, ein Nahme, welcher jemandes Ehre oder Würde bezeichnet, für das halb Lateinische Ehrentitel. Ingleichen ein Nahme, der jemanden gegeben wird, um seine Achtung für dessen Verdienste an den tag zu legen.


Ehrenpfennig (W3) [Adelung]


Der Ehrenpfennig, des -es, plur. die -e. 1) Eine Münze, welche jemanden zu Ehren gepräget worden, oder welche ihm als ein Denkmal der Achtung gegeben wird; eine Gnadenpfennig, Gedächtnißmünze u. s. f. 2) Im gemeinen Leben, Gold, welches man beyleget, um sich dessen in Fällen, die der Wohl- stand nothwendig macht, zu bedienen, im Gegensatze des Noth- und Zehrpfenniges, ohne Plural. S. Pfennig.


Ehrenpforte (W3) [Adelung]


Die Ehrenpforte, plur. die -n, eine prächtige Bogenstellung in Gestalt eines Stadtthores, zum Durchzuge großer Herren; ein Ehrenbogen, Triumphbogen, arcus triumphalis, weil die Römer sie besonders bey einem Siegesgepränge aufzuführen pflegten.


Ehrenpreis (W3) [Adelung]


Der Ehrenpreis, des -es, plur. car. eine Pflanze; Veronica Linn. besonders diejenige Art dieses Geschlechtes, welche ihm Veronica officinalis heißt, in den Europäischen Wäldern wild wachset, und den Deutschen Nahmen ohne Zweifel wegen ihrer besondern Heilkräfte erhalten hat. Dänisch Ärenprüs.


Ehrenräuber (W3) [Adelung]


Der Ehrenräuber, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Ehrendieb.


Ehrenrecht (W3) [Adelung]


Das Ehrenrecht, des -es, plur. inus. der Inbegriff der Rechte und Gesetze, nach welchem die Ehrensachen des Adels abgethan werden. S. Ehrengericht.


Ehrenrede (W3) [Adelung]


Die Ehrenrede, plur. die -n, eine Rede, welche bey einer feyerlichen Gelegenheit jemanden zu Ehren gehalten wird: z. B. eine Glückwunschrede, Leichenrede u. s. f.


Ehrenreich (W3) [Adelung]


Ehrenreich, adj. et adv. reich an Ehre und Tugend; ein größten Theils veraltetes Wort, welches nur noch zuweilen in den weiblichen Titeln, besonders von dem Kanzelstyle, gebraucht wird. Die Her- und Tugendreiche Jungfrau oder Frau u. s. f. Der Nahme des Gallischen Königes Orgetorix bey dem Cäsar soll nach einigen so viel als ehrenreich bedeutet haben.


Ehrenreihe (W3) [Adelung]


Die Ehrenreihe, plur. die -n, in der Wappenkunst, die Reihe Felder unmittelbar über dem Mittelschilde, S. Ehrenstelle.


Ehrenrettung (W3) [Adelung]


Die Ehrenrettung, plur. die -en, die Rettung, d. i. Vertheidigung seiner oder eines andern Ehre, d. i. guten Nahmens, und die Schrift, die selbige enthält.


Ehrenrichter (W3) [Adelung]


Der Ehrenrichter, des -s, plur. ut nom. sing. S. Ehrengericht.


Ehrenrock (W3) [Adelung]


Der Ehrenrock, des -es, plur. die -röcke, S. Ehrenkleid.


Ehrenrührig (W3) [Adelung]


Ehrenrührig, -er, -ste, adj. et adv. in den niedrigen Sprecharten ehrenrührisch, was jemandes Ehre oder dessen guten Nahmen angreifet. Ehrenrührige Worte. Eine ehrenrührige Schrift. Das war sehr ehrenrührig.


Ehrensache (W3) [Adelung]


Die Ehrensache, plur. die -n, eine Sache, d. i. ein Rechtsstreit, der jemandes Ehre betrifft. Ingleichen, eine Sache, die um des Wohlstandes willen unternommen wird.


Ehrensäule (W3) [Adelung]


Die Ehrensäule, plur. die -n, eigentlich, eine hohe Säule auf einem niedrigen Stuhle, welche die Griechen und Römer denen zu Ehren errichteten, welche zur Erhaltung des Friedens beförderlich gewesen waren.


Ehrenschänder (W3) [Adelung]


Der Ehrenschänder, des -s, plur. ut nom. sing. der jemandes Ehre, d. i. guten Nahmen schändet, in der harten Schreibart. Das Bey- und Nebenwort ehrenschänderisch ist nur in der niedrigen Sprechart üblich.


Ehrenschatz (W3) [Adelung]


Der Ehrenschatz, S. Ehrschatz.


Ehrenschuß (W3) [Adelung]


Der Ehrenschuß, des -sses, plur. die -schüsse, ein Schuß, der jemanden zu Ehren geschiehet.


Ehrenspiegel (W3) [Adelung]


Der Ehrenspiegel, des -s, plur. ut nom. sing. eine in der guten Schreibart veraltete figürliche Bedeutung der Schilderung der Tugenden und Verdienste einer oder mehrerer Personen. Ehrenspiegel des Hauses Österreich, ist der Titel einer von Fugger geschriebenen Geschichte der Regenten dieses Hauses.


Ehrenstaffel (W3) [Adelung]


Die Ehrenstaffel, plur. die -n, S. Ehrenstufe.


Ehrenstand (W3) [Adelung]


Der Ehrenstand, des -s, plur. inus. ein mit Ehre und Achtung anderer verbundener Stand.


Ehrenstelle (W3) [Adelung]


Die Ehrenstelle, plur. die -n. 1) Eine Stelle, d. i. ein Amt, welches mit Ehre und Würde verbunden ist; ein Ehrenamt. 2) In der Wapenkunst, die Stelle nahe über den Mittelschilde, in der Ehrenreihe.


Ehrenstrafe (W3) [Adelung]


Die Ehrenstrafe, plur. die -n, in den Rechten, eine Strafe, welche den Verlust der Ehre mit sich führet, welche ehrlos macht.


Ehrenstück (W3) [Adelung]


Das Ehrenstück, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst, diejenige Stücke eines Wapens, welche demselben zu besonderer Ehre des Besitzers einverleibet worden, und von welchen die Lehrer der Kunst verschiedene zum Theil seltsame Regeln geben; ein Ehrenbild. S. Heroldsfigur.


Ehrenstufe (W3) [Adelung]


Die Ehrenstufe, plur. die -n, eine Stufe der Ehre, der Würde, des äußern Ansehens; im Oberdeutschen eine Ehrenstaffel. Die höchste Ehrenstufe besteigen, zu der höchsten Ehre gelangen.


Ehrentafel (W3) [Adelung]


Die Ehrentafel, plur. die -n, in einigen Gegenden, z. B. in der Ober-Lausitz, ein Ehrengericht, d. i. ein Gericht, vor welchem die Ehrensachen der Ritterschaft abgethan werden, und in welchem eine Ehren-Marschall den Vorsitz hat. in der Nieder-Lausitz wird es auch die Rittertafel genannt. S. Tafel.


Ehrentag (W3) [Adelung]


Der Ehrentag, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein feyerlicher Tag, an welchem jemanden besondere Erre erwiesen wird; besonders der Hochzeittag. Seinen hochzeitlichen Ehrentag begehen.


Ehrentanz (W3) [Adelung]


Der Ehrentanz, des -es, plur. die -tänze, im gemeinen Leben, ein Tanz bloß um des Wohlstands willen, oder aus Achtung gegen eine andere Person. Einen Ehrentanz mit der Braut thun. Ein Ehrentänzchen machen.


Ehrentitel (W3) [Adelung]


Der Ehrentitel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Titel, welcher demjenigen, der ihn führet, eine vorzügliche Ehre ertheilet.


Ehrentrunk (W3) [Adelung]


Der Ehrentrunk, des -s, plur. die -trünke, im gemeinen Leben, ein Trunk, welchen man um des Wohlstandes willen, aus Achtung gegen einen andern thut. Bey den Handwerkern auch dasjenige Bier, welches einem wandernden Gesellen gereichet wird.


Ehrenvest (W3) [Adelung]


Ehrenvest, adj. et adv. ein veraltetes Wort, welches nur noch in einigen Gegenden in den Titel angesehener weltlichen Personen üblich ist, das lat. Amplissimus auszudrucken. Zu Anfange des sechzehnten Jahrhunderts ward dieses Wort ein Titel des niedern Adels. In verschiedenen Kanzelleyen gibt man noch Doctoren diesen Titel. Der alte Nahme Areovistus soll so viel als ehrenvest bedeuten. S. Fest und Vest.


Ehrenvoll (W3) [Adelung]


Ehrenvoll, -er, -este, adj. et adv. 1) Viele Ehre habend oder genießend. Ein ehrenvoller Stand. 2) Viele Ehre bringend. Ein ehrenvoller Tod.


Ehrenwein (W3) [Adelung]


Der Ehrenwein, des -es, plur. inus. ein Geschenk von Wein, welches fürstlicher Personen bey ihrer Durchreise durch die Reichsstädte von den Magistrate überreichet ward. S. Ehrengeschenk.


Ehrenwerth (W3) [Adelung]


Ehrenwerth, -er, -este, adj. et adv. werth geehrt zu werden. Ein ehrenwerther Mann.


Ehrenwort (W3) [Adelung]


Das Ehrenwort, des -es, plur. die -e. 1) Im gemeinen Leben, Worte, die um des Wohlstandes willen gesprochen werden, seine Achtung gegen jemanden dadurch an den Tag zu legen. In engerer Bedeutung, dergleichen Worte, die nur zum Scheine gesprochen werden, ein Compliment; z. B. wenn man jemanden zum Essen einladet, und es doch ungern sehen würde, wenn er die Einladung annehmen sollte. Ein Ehrenwort ist darum kein Ernstwort. Ehrenwort bindet nicht. 2) Ein Versprechen bey seiner Ehre; ohne Plural. Jemanden sein Ehren- wort geben. Jemanden auf sein Ehrenwort in Freyheit setzen.


Ehrenzeichen (W3) [Adelung]


Das Ehrenzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. ein jedes Zeichen verdienter Ehre, ein Zeichen, welches dem Besitzer Ehre und Ansehen ertheilet. Dergleichen Ehrenzeichen sind Wapen, Orden, Titel u. s. f.


Ehrerbiethig (W3) [Adelung]


Ehrerbiethig, -er, -ste, adj. et adv. seine Verehrung eines andern äußerlich an den Tag legend und darin gegründet. Ein ehrerbiethiger Mensch. Eine ehrerbiethige Furcht vor Gott haben. Jemanden sehr ehrerbiethig grüßen. Das verlängerte Oberdeutsche ehrerbiethiglich ist im Hochdeutschen veraltet.


Ehrerbiethigkeit (W3) [Adelung]


Die Ehrerbiethigkeit, plur. car. die Neigung ehrerbiethig zu seyn, und die thätige Erweisung dieser Neigung. Ehrerbiethigkeit gegen jemanden haben. S. das folgende.


Ehrerbiethung (W3) [Adelung]


Die Ehrerbiethung, plur. car. die Sorgfalt, jemanden auf alle mögliche Art zu verehren, d. i. seine Hochachtung gegen ihn an den Tag zu legen. S. Erböthig. Ehrerbiethung gegen jemanden haben. Einander mit Ehrerbiethung zuvor kommen, Röm. 12, 10. S. Ehrfurcht.

Anm. Dieses Wort ist das Verbale von dem ungewöhnlichen Zeitworte ehrerbiethen, Ehre erweisen. Den Endsylben nach findet zwischen Ehrerbiethung und Ehrerbiethigkeit allerdings ein Unterschied in der Bedeutung Satt, S. Keit; allein im gemeinem Leben werden sie häufig für einander gebraucht. In der edlern Schreibart fängt Ehrerbiethigkeit an zu veralten. Notker gebraucht dafür Erafti.


Ehrfurcht (W3) [Adelung]


Die Ehrfurcht, plur. car. die aus der lebhaften Erkenntniß der Größe oder Vorzüge eines andern herrührende Furcht, oder Sorgfalt, alles dasjenige zu vermeiden, was seiner Überlegenheit über uns entgegen ist. In weiterer Bedeutung auch, ein hoher Grad der Hochachtung, der Ehrerbiethigkeit. Ehrfurcht gegen jemanden haben. Erhabenen Verdiensten, gekrönten Häuptern ist jedermann Ehrfurcht schuldig.


Ehrgefühl (W3) [Adelung]


Das Ehrgefühl, des -es, plur. car. das Gefühl seiner Vorzüge und der darin gegründeten Ehre, nebst der damit verbundenen Bemühung, letztere, weder selbst zu verletzen, noch von andern verletzen zu lassen; mit einem Französischen Ausdrucke, die Ambition, wofür andere nicht so schicklich Ehrtrieb gebraucht haben.


Ehrgeitz (W3) [Adelung]


Der Ehrgeitz, des -es, plur. car. der Geitz, d. i. die unerlaubte heftige Begierde nach Ehre, die Begierde mehr Ehre zu erlangen, als man verdienet. Viel Ehrgeitz besitzen. Der Ehrgeitz beherrscht seine ganze Seele. S. Geitz, ingleichen Ehrbegierde.


Ehrgeitzig (W3) [Adelung]


Ehrgeitzig, -er, -ste, adj. et adv. Ehrgeitz habend, verrathend, darin gegründet. Ein ehrgeitziger Mensch. Ein Ehrgeitziger. Er hat nichts als ehrgeitzige Absichten. Das Hauptwort, die Ehrgeitzigkeit, welches Weish. 14, 18, vorkommt, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Ehrgierig (W3) [Adelung]


Ehrgierig, -er, -ste, adj. et adv. wie das vorige, eine unmäßige Begierde nach Ehre habend oder verrathend. Ein ehrgieriger Mensch. S. Gierig.


Ehrhaft (W3) [Adelung]


* Ehrhaft, -er, -este, adj. et adv. welches im Hochdeutschen veraltet ist, und nur noch zuweilen in einigen Oberdeutschen Gegenden vorkommt, für geehrt, ehrwürdig, der Ehre, dem Wohlstande und guten Nahmen gemäß. Kero gebraucht eerhaft für fromm, erhafter ist Got, fromm, heilig ist Gott; Notker erhaft für rühmlich. Bey eben demselben ist Erhafti, Ehrerbiethigkeit, Ehrfurcht.


Ehrlich (W3) [Adelung]


Ehrlich, -er, -ste, adj. et adv. der Ehre gemäß, doch nach dem verschiedenen Gebrauche dieses Hauptwortes auch mit verschiedenen Nebenbegriffen und Einschränkungen.1. Äußeres Ansehen, äußere Vorzüge, vornehm. Rathsherren und ehrliche Leute, 4 Mos. 16, 2. Hauptleute über funfzig und ehrliche Leute, Ps. 3, 3. Ein ehrlicher Mann und am königlichen Hofe wohl gehalten, Esth. 6, 1. Daß nicht etwa ein ehrlicher denn du von ihm geladen sey, Luc. 14, 8. Die ehrliche Pracht des Königreiches, Ps. 145, 12. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung, wenigstens in der edlern Schreibart, veraltet. Allein im gemeinem Leben wird ehrlich noch oft für ansehnlich, in der figürlichen Bedeutung dieses Wortes, gebraucht. Meine Blüthe brachte ehrliche und reiche Frucht, Sir. 24, 24. Ein ehrliches, beträchtliches, ansehnliches, Heirathsgut. Das hat mich ein Ehrliches gekostet. Ja es scheinet, daß dieses Wort, wenigstens in einigen Gegenden für gut gebraucht worden; denn in den alten Niedersächsischen Urkunden findet man mehrmahls des de erliker für desto besser.2. Der öffentlichen Achtung, dem guten Nahmen gemäß; obgleich wiederum mit mancherley Einschränkungen. 1) In Ansehung der durch die äußere Ordnung eingeführten Begriffe von Ehre und Schande. Er ist ehrlichen Herkommens, er ist von ehrlichen Ältern geboren. Ein ehrliches Begräbniß. Ein ehrlicher Ort. Eine ehrliche Hantierung. Sich ehrlich nähern. S. Unehrlich. 2) Der äußern Gerechtigkeit, den Pflichten der bürgerlichen Gesellschaft gemäß. Ein ehrlicher Mann, der diese Pflichten erfüllet. Der ehrliche Nahme, der allgemeine Ruf, daß man solche erfülle. Ich schwöre es als ein ehrlicher Mann. Besonders so fern die Haltung der Treue und des Glaubens, und die Beobachtung der natürlichen Billigkeit eine dieser Pflichten ist. Ein ehrlicher Mann hält sein Wort. Ehrlich währet am längsten. Eine Sache ehrlich bezahlen. Ich habe es ja mit ehrlichen Leuten zu thun. Ehrlich und redlich mit jemanden umgehen. Ich habe ihm ehrlich gedienet. 3) Seit der Verfeinerung und mit derselben erfolgten Verschlimmerung der Sitten bedeutet der Ausdruck, ein guter ehrlicher Mann, oft nur einen Mann, der weiter nichts als diese bürgerliche Tugend besitzet, übrigens aber Mangel an derjenigen Klugheit leidet, welche die feine Lebensart eingeführet hat, und die mit der bürgerlichen Ehrlichkeit freylich nicht alle Mahl bestehen kann. In der engsten Bedeutung ist ein ehrlicher Mann oft so viel als ein geduldiger Hahnrey.3. Besonders, dem äußern Wohlstande, der Reinigkeit der Sitten gemäß, im gemeinem Leben. Die Ehe soll ehrlich gehalten werden, Ebr. 13, 4. Lasset alles ehrlich und ordentlich zugehen, 1 Cor. 14, 40. Ein ehrliches Mädchen, das nicht wider die äußere Ehrbarkeit handelt. Sie ist ehrlich, handelt nicht wider die guten Sitten.4. Rühmlich, löblich, was Ehre oder Ruhm verdienet. Menigklich nam groß frewd ab der erlichen rat, Theuerd. Kap. 82. Tilgte die alten ehrlichen (löblichen) Gesetze ab, 2 Macc. 4, 11. Ehrlich (löblich) regieren, in einem 1514 gedruckten Deutschen Livius. Und ist ihm ehrlich (rühmlich), daß er Untugend überhören kann, Sprichw. 19, 11. Doch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet.

Anm. Schon bey dem Ottfried und Willeram bedeutet erlicho, eerlich, anständig, decorus, honestus, ingleichen ehrerbiethig, reverenter. Das Schwed. arlich und Dän. ärlig kommen mit dem Deutschen in der Bedeutung überein.


Ehrlichkeit (W3) [Adelung]


Die Ehrlichkeit, plur. car. der Zustand, da eine Sache oder Person ehrlich ist, in allen den Bedeutungen, in welchen noch das Beywort ehrlich üblich ist. er hält viel auf Ehrlichkeit, auf die Neigung, die natürliche Billigkeit zu beobachten, und da- durch den Nahmen eines ehrlichen Mannes zu behaupten. Er ist die Ehrlichkeit selbst.


Ehrliebe (W3) [Adelung]


Die Ehrliebe, plur. car. die thätige Liebe zur Ehre, d. i. zu der öffentlichen Hochachtung anderer, die Bemühung sich durch seine Handlungen Ehre zu erwerben. Viel Ehrliebe besitzen. Das leidet seine Ehrliebe nicht. Dieses Wort wird jederzeit in einem guten Verstande gebraucht, und druckt ein rechtmäßiges Bestreben nach Ehre aus, so fern sich solche auf Verdienste und auf den Beyfall rechtschaffener Leute gründet. S. Ehrbegierde.


Ehrliebend (W3) [Adelung]


Ehrliebend, -er, -ste, adj. et adv. welches aus der R. A. Ehre liebend, zusammen gezogen ist, Ehrliebe habend, besitzend. Ein ehrliebendes Gemüth.


Ehrlos (W3) [Adelung]


Ehrlos, -er, -ste, adj. et adv. der Ehre, d. i. des guten Nahmens im hohen Grade beraubt, den Verlust des guten Nahmens im hohen Grade nach sich ziehend. Ein ehrloser Mensch. Ein ehrloses Leben führen. Eine ehrlose That. Da der Verlust des guten Nahmens das größte Übel in der bürgerlichen Gesellschaft ist, so gehören ehrlos und Ehrlosigkeit auch unter die harten Ausdrücke, welche mit Behutsamkeit angewendet werden müssen. Isidors Übersetzer gebraucht aerloso für gottlos.


Ehrlosigkeit (W3) [Adelung]


Die Ehrlosigkeit, plur. inus. die ehrlose Beschaffenheit, der ehrlose Zustand. Bey dem Kero ist Erlosida Gottlosigkeit, S. das vorige.


Ehrsam (W3) [Adelung]


Ehrsam, -er, -ste, adj. et adv. der Ehre, der öffentlichen Achtung gemäß, löblich, ingleichen wirklich geehrt; ein in dem gemeinen Sprachgebrauche veraltetes Wort, welches nur noch in den Titeln zuweilen vorkommt, So pflegen der Kaiser, die churfürstlichen und fürstlichen Gesandten nicht nur den Schweizer-Cantons, sondern auch den meisten Magistraten der freyen Reichsstädte den Titel ehrsam zu gebe. Auch die Magistrate landsässiger Städte, und die zünftigen Handwerker bekommen diesen Titel von ihres Gleichen, und solchen, die dem Stande nach wenig über sie erhaben sind. Ein ehrsames Handwerk. Ein ehrsames Publicum, ein geehrtes.

Anm. Wenn man bloß auf die Endsylbe siehet, so würden ehrsam, ehrbar und ehrlich wenig von einander unterschieden seyn. Der vornehmste Unterschied beruht auf der Bedeutung des Wortes Ehre. Indessen hat auch bey einerley Bedeutung dieses Wortes der Gebrauch dennoch einen Unterschied unter ehrsam und ehrbar eingeführet; wenigstens glaubt man, daß ein ehrsames Handwerk mehr sagen solle als ein ehrbares, obgleich Frisch das Gegentheil behauptet.


Ehrschatz (W3) [Adelung]


Der Ehrschatz, des -es, plur. inus. ein nur noch in dem Lehensrechte übliches Wort, diejenige Abgabe zu bezeichnen, welche man dem Landesherren bey der Veränderung des Besitzers eines Lehens entrichten muß; S. Lehnsware. Daher ehrschätzig, adj. et adv. den Ehrschatz zu entrichten verbunden. Ehrschätzige Güter, welche so oft sie ihren Besitzer verändern, dem Lehensherren den Ehrschatz entrichten. Verehrschatzen, verb. reg. act. den Ehrschatz entrichten von einem Gute bezahlen.


Ehrsucht (W3) [Adelung]


Die Ehrsucht, plur. car. die Sucht, d. i. ungeordnete heftige Begierde nach Ehre oder äußern Vorzügen, der höchste Grad des Ehrgeitzes; ein Wort, welches jederzeit in einem nachtheiligen Verstande gebraucht wird, S. Sucht. Seine Ehrfurcht gehet über alles. Von der Ehrfurcht besessen seyn.


Ehrsüchtig (W3) [Adelung]


Ehrsüchtig, -er, -ste, adj. et adv. Ehrsucht habend, verrathend, darin gegründet. Ein ehrsüchtiger Mensch. Ein Ehrsüchtiger. Ehrsüchtige Absichten.


Ehrtrieb (W3) [Adelung]


Der Ehrtrieb, des -es, plur. inus. S. Ehrgefühl und Ehrbegierde.


Ehrvergessen (W3) [Adelung]


Ehrvergessen, -er, -ste, adj. et adv. welches aus der R. A. seine Ehre vergessen, aus den Augen setzen, zusammen gezogen ist. Ein ehrvergessener Mensch, der um die Erhaltung seiner Ehre oder seines guten Nahmens unbekümmert ist. Es ist das Mittelwort der vergangenen Zeit des Verbi vergessen; das Mittelwort der gegenwärtigen Zeit ehrvergessend, wird in eben dieser Bedeutung auch zuweilen gebraucht.


Ehrwürde (W3) [Adelung]


Ehrwürde, ein veraltetes Hauptwort, welches nur noch als ein Abstractum in den Titeln geistlicher Personen gebraucht wird. Ew. Ehrwürden. Im gemeinem Leben bekamen diesen Titel bey den Evangelischen vor kurzen nur noch die Landprediger, dagegen die untern Prediger in den Städten Wohlehrwürden, die obern Hochwohlehrwürden und Hochehrwürden, Doctores und vornehmere Geistliche Hochwürden genannt wurden. S. das folgende.


Ehrwürdig (W3) [Adelung]


Ehrwürdig, -er, -ste, adj. et adv. der Ehre, d. i. des Vorzuges, der öffentlichen Achtung würdig. Ein ehrwürdiger Greis. Ein überaus ehrwürdiger Mann. Besonders in den Titeln geistlicher Personen, da das einfache ehrwürdig gemeiniglich noch den Candidaten des Predigtamtes, wirklichen Predigern aber die zusammen gesetzten wohlehrwürdig, hochwohlehrwürdig und hochehrwürdig gegeben werden; S. diese Wörter, ingleichen das vorige.

Anm. Bey dem Kero ist Eruunirdi Ehrfurcht und eeruuirdig, anständig, honestus. Isidor gebraucht aeruuurdigh für rühmlich. Ehedem scheuete man sich nicht, auch gekrönte Häupter ehrwürdig zu nennen, und in Königshovens Chronik heißt noch König Sigismund der geborne ehrwürdige Fürst und Herr.


Ehs (W3) [Adelung]


* Ehs, oder ehse, adj. et adv. welches nur bey den Bäckern üblich ist, wo es eßbar bedeutet. Das Brot ist ehse, wenn es wegen des guten Mehles eßbar ist, im Gegensatze des unehse, welches von verdorbenem schlechten Mehle herrühret. Ohne Zweifel stammet dieses Wort von essen her, welches in mehrern Mundarten ein gedehntes e hat. In Oberdeutschland ist äßig für eßbar üblich. S. Essen.


Ei (W3) [Adelung]


Ei, ein Doppellaut, welcher so ausgesprochen werden muß, daß man in dessen ersten Hälfte ein deutliches e höret. Bein, mein, dein, Leib, bleiben. Die Oberdeutsche Aussprache weicht hiervon sehr ab, indem die rauhern Mundarten derselben statt des ei ein ai, und wohl gar ein oi und oa hören lassen, Bain, main, Stain, Laid, koi für kein, Boan, Stoan, für Bein, Stein, ( S. Ai und Oi,) die gezierten Mundarten aber dem ei ein ee unterschieben, Seel für Seil, Kleed für Kleid, Steen für Stein, Eche für Eiche, nee für nein, Eenigkeet für Einigkeit, mehnen für meinen, wehnen für weinen; welchen Fehler nicht allein manche gemeine Meißner, sondern auch die Schlesier, Pfälzer u. s. f. an sich haben, wozu sie vermuthlich durch die Niedersächsische Mundart verleitet worden, welche statt des Hochdeutschen ei in vielen Fällen ein gedehntes e hören lässet. Die Oberpfälzer sprechen dieses e gar wie ein gedehntes a aus, naa für nein, Stahn, Bahn, für Stein, Bein u. s. f. In dem Worte eilf und dessen Ableitungen, lassen die meisten, auch Obersächsischen Mundarten, nach dem Vorgange der Niedersachsen nur ein kurzes e hören, als wenn es elf, elfte u. s. f. geschrieben wäre.Diese Verschiedenheit der Aussprache hat oft ein Wort unter verschiedenen Gestalten auch in die Deutschen Schreibarten eingeführet. Dergleichen sind besonders lehnen und leihen, lehnen und leinen, fehlen und feilen und andere mehr; S. diese Wörter. In Deist, Atheist und andern fremden Wörtern, welches e und i deutlich als zwey besondere Laute, nicht aber als ein Doppellaut ausgesprochen.Manche Verba verwandeln ihr ei des Infinitives in der Conjugation in ein langes i oder ie, ich rieb, gerieben; treiben, ich trieb, getrieben; bleiben, ich blieb, geblieben; schreiben, ich schrieb, geschrieben u. s. f.


Eibe (W3) [Adelung]


Die Eibe, plur. die -n, oder der Eibenbaum, des -es, plur. die -bäume, der alte Deutsche Nahme desjenigen immer grünen Baumes, welcher unter dem Nahmen des Taxus am bekanntesten ist, Taxus, L. rothe fleischige Beeren mit einem harten Samenkorne trägt, und in den Lustgärten zu Pyramiden und Hecken gezogen wird. In dem südlichen Deutschlande wächset er wild.

Anm. In den Ober- und Niederdeutschen gemeinen Mundarten lautet dieser Nahme Ibe, Ive, Ife, Ifenbaum, Eifenbaum, Eyenbaum u. s. f. im Angels. Iv, im Engl. Yew, Yew-tree, im Dän. Ibenholt, im Franz. I'lf, im mittlern Latein. Jvus, Euves. Andere Mundarten haben statt des b und f ein d, wie das Schwed. Ide, das Wallis. Eiddew, das Irländ. Eidean, das Cornwallis. Iddio. Frisch bemerket, daß der Nahme dieses Baumes von den Schriftstellern mehrmahls mit den Nahmen anderer Bäume und Gewächse verwechselt worden, S. Ulme. Eibisch und Epheu, welches letztere im Angelsächsischen gleichfalls Iv heißt. Ja man hat Spuren, daß die Tanne ehedem von einigen Eibe genannt worden, welches desto weniger zu verwundern, da nicht nur der Latein. Nahme Abies diesem Worte sehr nahe kommt, sondern auch beyde Bäume in der äußern Gestalt viele Ähnlichkeit mit einander haben. Est autem id genus arboris aptum spiculis et arcubalistis, heißt es von dem Eibenbaume in dem Lib. Miracul. S. Martini Abbat. Vertrauensis bey dem du Fresne. Vermuthlich hat dieser Gebrauch Anlaß gegeben, daß ehedem die Armbrüste häufig Eiben, die Armbrustschützen aber Eibenschützen genannt worden. Die Arbalestes d'Yf kommen schon in einer Französ. Urkunde von 1338 bey dem Carpentier vor.


Eibischbaum (W3) [Adelung]


Der Eibischbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, eine Benennung der Sorbus aucuparia. L. oder Eberäsche ( S. dieses Wort,) deren Beeren auch wohl Eibischbeeren genannt werden.


[Adelung]

Eich (W3) [Adelung]


Die Eich, S. 2 Eiche


Eichapfel (W3) [Adelung]


Der Eichapfel, des -s, plur. die -äpfel, derjenige runde Auswuchs an den Blättern der Eichbäume, welche unter dem Nahmen der Galläpfel am bekanntesten ist, S. dieses Wort. Nieder. Eekappel.


Eichbaum (W3) [Adelung]


Der Eichbaum, des -es, plur. die -bäume, S. 1 Eiche.


Eiche (W3) [Adelung]


1. Die Eiche, plur. die -n, oder der Eichbaum, des -es, plur. die -bäume. 1) Ein Baum, welcher eine ansehnliche Höhe und Dicke, und ein gelbliches oder bräunliches har-tes dauerhaftes Holz hat. er wächst in den Wäldern des südlichen Europa, viele, zum Theil noch nicht genug bekannte Arten, aber auch in Nordamerika; Quercus, L. S. Steineiche, Früheiche, Sommereiche, Wintereiche, Loheiche, Rotheiche, Raseneiche, Hageiche, Stecheiche, u. s. f. durch welche Nahmen oft mehr zufällige Abänderungen als wahre Unterarten angedeutet werden. Ein Mann, wie ein Eichbaum, im gemeinen Leben, ein großer starker Mann. 2) In einigen Niedersächsischen Gegenden, besonders um Bremen, eine Art langer platter Flußschiffe, welche einen eichenen Boden haben, zum Unterschiede von den Bukken, oder Büchen, welches ähnliche Schiffe mit einem büchenen Boden sind. Nieders. Eeke. Ein solcher Kahn heißt schon im mittlern Lateine Acon, im Holländ. Aeke, und im Schwed. Eka.

Anm. Der Nahme dieses Baumes ist alt, und lautet im Nieders. Eeke, im Angels. Ac, Aec, im Schwed. Ek, im Engl. Oak, im Holländ. Eike, im Dän. Eeg. Einige leiten ihn von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Speise, her, weil dessen Früchte in den ersten Zeiten der Einfalt auch zur Speise für Menschen gedienet; Wachter von dem alten ogan, fürchten, verehren, weil er von den ältesten Zeiten an ein Hülfsmittel der gottesdienstlichen Verehrung gewesen, anderer Ableitungen zu geschweigen. Allein da dieser Baum wegen der Stärke seines Holzes im Latein. auch Robur genannt worden, so stehet es dahin, ob der Deutsche Nahme nicht eine ähnliche Bedeutung hat. Eich wird in den Monseeischen Glossen durch rubor erkläret, welches vermuthlich ein Schreib- oder Druckfehler für robur ist. Eben daselbst ist Eih terebinthus, hartira eih oder quercus. Bey den alten Galliern hieß der Eichbaum, dem Ammian Marcellin V. 30 zu Folge, Basil. S. Eichel.


Eiche (W3) [Adelung]


2. Die Eiche, plur. die -n. 1) Das Abstractum des Verbi eichen, die Handlung des Eichens zu bezeichnen; ohne Plural. Die Eiche vornehmen. Im Nieders. die Wroge. 2) Ein gewisses vorgeschriebenes Maß oder Gewicht eines Ortes oder Landes, und dasjenige Maß oder Gewicht, welches den übrigen zum Muster und zur Vorschrift dienet, S. Eichmaß. Die alte, die neue oder verbesserte Eiche. Ein Mark Nürnberger Silbergewicht jetziger Eiche, thut in Hamburg 15 Loth 12 Pfennige. Vier Bier- oder Methfuder sollen fünf Weinfuder an der Eich machen, in einer Verordnung Kaiser Friedrichs III. In den Mühlen ist die Eiche die vorgeschriebene Höhe des Wassers in dem Mühlgraben, S. Eichpfahl und Eichen, das Verbum. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort nur Eich.


Eichel (W3) [Adelung]


Die "Eichel", plur. die -n,

1) Die längliche runde Frucht des Eichbaumes, welche vornehmlich zur Mastung der Schweine gebraucht wird. Die Schweine in die Eicheln schlagen, oder treiben. S. "Dachseichel" und "Harzeichel".

2) Figürlich, die Gestalt einer Eichel habend. Besonders wird so wohl in der Anatomie, als im gemeinem Leben, der äußerste Theil des männlichen Gliedes die Eichel genannt.

Anm. Die "Eichel", im Österreichischen "Dechel", ist vermittelst der Ableitungssylbe "-el" von dem Worte "Eiche" gebildet. Daß diese Form schon alt ist, erhellet aus dem Griech. "???", "Eichel", welches bereits bey dem Homer vorkommt, aber, dem Plato zu Folge, von nördlichern Völkern entlehnet ist. Ihre leitet unser Hochdeutsches "Eichel" von dem Schwed. "Ekallon" her, welches aus "Allon", "Frucht", zusammen gesetzt ist, und eigentlich "Eichfrucht" bedeutet; eine Ableitung, welche bey dem hohen Alter des Deutschen Wortes nicht Stich hält. Im Dän. heißt die "Eichel" nur schlechthin "Ollen" und "Olden", von dem alten "ala", "nähren" "alere", womit das Griech. "???" verwandt zu seyn scheinet.

Die gemeinen Mundarten Ober- und Niederdeutschlandes haben, so wie die nördlichen Sprachen, noch ein anderes Wort, die Frucht des Eichbaumes zu bezeichnen, welches "Ecker", Nieders. "Ekker", Dän. "Äggern", Angels. "Accaeren", "Accorn", "Aecern", Engl. "Acorn", Isl. "Akern", Griech. "???", lautet, aber so wie das Goth. "Akran" ursprünglich eine jede Frucht bedeutet. Die Frucht des Buchbaumes heißt im Österreichischen "Ackeram", an andern Orten "Buchecker", S. "Buscheichel". In einigen eigenthümlichen Nahmen, z. B. "Eichelstein", soll "Eichel" aus dem Latein. "Aquila" verderbt seyn. Schilter kennet noch ein anderes Wort "eichel", welches "ganz" bedeutet haben soll. Doch er führet zu dessen Beweise nur die Oberdeutschen Ausdrücke, "eichel" "ganz", "eichel" "weis", d. i. "völlig ganz" an, welche aber auch Figuren von "Eichel", "glans", seyn können, weil an der glatten runden Eichel die geringste Verstümmelung sichtbar ist.


Eicheldaus (W3) [Adelung]


Das Eicheldaus, des -es, plur. die -däuser, in der Deutschen Karte, das Daus aus der mit Eicheln bezeichneten Farbe. Nieders. Eckerndaus.


Eichelgarten (W3) [Adelung]


Der Eichelgarten, des -s, plur. die -gärten, S. Eichelkamp.


Eichelhafer (W3) [Adelung]


Der Eichelhafer, des -s, plur. car. in der Landwirthschaft, eine Art glatten schwarzen Hafers, welche sehr dickhülsig ist, und besonders in bergigen und waldigen Gegenden gebauet wird; ohne Zweifel wegen der Ähnlichkeit mit den Eicheln in Ansehung der Glätte. Der rauhe schwarze Hafer ist eine Abart dieses Eichelhafers.


Eichelhäher (W3) [Adelung]


Der Eichelhäher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Nußhäher.


Eichelkamp (W3) [Adelung]


Der Eichelkamp, des -es, plur. die -kämpe, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, ein mit Eicheln besäetes Feld: im Oberdeutschen ein Eichelgarten.


Eichelle (W3) [Adelung]


Die Eichelle, plur. die -n, eine von der Obrigkeit aufbehaltene Elle, nach welcher die Ellen der Einwohner eines Ortes geeichet werden; in Danzig die Musterelle, an andern Orten der Eichstab. S. Eichen, das Verbum.


Eichelmast (W3) [Adelung]


Die Eichelmast, plur. car. die Mast von Eicheln, d. i. Eicheln, so fern sie zur Mastung der Schweine dienen; die Eichmast, im Oberdeutschen das Eckerrich. Schweine in die Eichelmast oder Eichmast treiben.


Eichelschwein (W3) [Adelung]


Das Eichelschwein, des -es, plur. die -e, Schweine, welche in die Eichelmast getrieben werden.


Eichen (W3) [Adelung]


Eichen, adj. et adv. aus Eichholz verfertiget. Eichene Bretter, eichene Pfähle u. s. f. Ingleichen, von der Eiche genommen. Eichenes Holz.


Eichen (W3) [Adelung]


Eichen, verb. reg. act. eigentlich, vergleichen, gleich machen; doch nur in engerer Bedeutung, dem Maße und Gewichte seine gehörige und bestimmte Größe und Schwere geben. Scheffel, Fässer, Ellen, Wagen u. s. f. eichen. Dieses Eichen geschiehet von gewissen von der Obrigkeit dazu bestellten Personen, ( S. Eicher,) welche das Maß oder Gewicht mit einem von der Obrigkeit dazu verordneten Maße oder Gewichte ( S. Eichmaß,) vergleichen, es demselben gleich machen, und endlich ein Zeichen der Richtigkeit darauf drücken. Ein Fischergarn eichen, vermittelst des Strickspanes, damit die Maschen nicht zu klein seyn, um der jungen Brut zu schonen. Die Schiffe eichen, ihren kubischen Inhalt bestimmen.

Anm. Eichen, im Oberdeutschen eichen, Im Nieders. iken, kommt entweder von Ehe, echt, Gesetz, rechtmäßig, oder welches noch wahrscheinlicher ist, von einem alten eich, übereinstimmig, gemäß, her, welches mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und dem Latein. aequus überein stimmt, und in dem Worte gleich zum Grunde lieget; zumahl da im Nieders. auch liken und geliken für iken oder eichen üblich ist. S. Gleich. Es ist daher kein begreif-licher Grund vorhanden, warum dieses Wort auch im Hochdeutschen nach Oberdeutscher Art aichen geschrieben werden sollte. Übrigens hat die Handlung, welche durch dieses Verbum ausgedruckt wird, in verschiedenen Gegenden verschiedene andere Nahmen. Im mittlern Latein. heißt sie adrechurare, alialare, allegalare, von lex, legis, adjoustare, adjustitiare, coaequare, gaugiare, eschantillare, u. s. f. im Oberdeutschen ächten, fächten, finnen, justiren, cimentiren, haimen, im Niedersächsischen wrogen, kämpen, von Gewichten auch im Hochdeutschen abziehen. S. 2 Eiche, Eichmaß und Ohmen.


Eichenkraut (W3) [Adelung]


Das Eichenkraut, des -es, plur. inus. S. Vergiß mein nicht.


Eichenlunge (W3) [Adelung]


Die Eichenlunge, plur. inus. S. Steinflechte.


Eichenmistel (W3) [Adelung]


Die Eichenmistel, plur. inus. eine Art Mistel, welche von den übrigen bekannten Mistelarten, welche auf den Bäumen einheimisch sind, in weiter nichts verschieden ist, als daß diese auf den Eichbäumen wächset; Viscum album, L. S. Mistel, ingleichen Alpranken 2.


Eichenrose (W3) [Adelung]


Die Eichenrose, plur. die -n, zusammen geformte Auswüchse der Eichenblätter, welche in ihrem frischen Zustande den Rosen ähnlich sehen und zur Wohnung eines Gall-Insectes dienen. Sie haben mit den Weidenrosen einerley Ursprung; S. dieses Wort, ingleichen Eichenwurm.


Eichenschwamm (W3) [Adelung]


Der Eichenschwamm, S. Eichschwamm.


Eichenwurm (W3) [Adelung]


Der Eichenwurm, des -es, plur. die -würmer, dasjenige Gall-Insect, welchem die Eichenrose zur Wohnung dienet; Cynips Quercus folii, L. S. Gall-Insect.


Eicher (W3) [Adelung]


Der Eicher, oder Eichner, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine von der Obrigkeit gesetzte Person, welche das Maß und Gewicht an einem Orte zu eichen gesetzt ist; der Eichmeister, im Nieders. Iker, Wroger, im Oberdeutschen Sinner, Fächter. S. Eichen, das Zeitwort, ingleichen Eichherr. 2) In einigen Oberdeutschen Gegenden auch so viel als das Eichmaß, S. dieses Wort.


Eichfarn (W3) [Adelung]


Der Eichfarn, des -es, plur. car. derjenige Steinfarn, welcher um die Eichbäume wächset, und in der Arzeney dem gewöhnlichen Steinfarn vorgezogen wird, ob er gleich sonst von demselben nicht verschieden ist; S. Steinfarn.


Eichgebühr (W3) [Adelung]


Die Eichgebühr, plur. die -en, die Gebühr, oder dasjenige Geld, welches der Eicher für das Eichen der Maße und Gewichte bekommt.


Eichgrund (W3) [Adelung]


Der Eichgrund, des -es, plur. die -gründe, ein Grund, d. i. ein Thal, eine niedrige Gegend, welche mit Eichen bewachsen ist: 1 Sam. 17, 2, 19; Kap. 21, 9.


Eichhase (W3) [Adelung]


Der Eichhase, des -n, plur. die -n, in dem Oberdeutschen Gegenden, ein oft sehr großer Klumpen zusammen gewachsener Schwämme, weil sie gern an den Wurzeln der Eichbäume wachsen, und bräunlich grau, wie ein Hase sind.


Eichherr (W3) [Adelung]


Der Eichherr, des -en, plur. die -en, an einigen Orten, diejenigen Rathsherren, welche das Eichen verrichten, und das Maß und Gewicht in ihrer Aussicht haben.


Eichholz (W3) [Adelung]


Das Eichholz, des -es, plur. die -hölzer, ein Gehölz, welches größten Theils aus Eichen bestehet.


Eichicht (W3) [Adelung]


Das Eichicht, des -es, plur. die -e, eine mit Eichbäumen dick bewachsene Stelle in einem Walde; ingleichen ein Eichwald. S. -icht.


Eichmaß (W3) [Adelung]


Das Eichmaß, des -es, plur. die -e, ein von der Obrigkeit verordnetes und aufbehaltenes Maß, nach welchen die Maße der Einwohner eines Ortes geeicht werden; S. Eichen, das Zeitwort. Ein solches Maß heißt in den Actis des Klosters Mur Fronomen, von frohn, öffentlich, und Ohme, Ahm, ein jedes Maß; im Hannöverischen das Probemaß, in Danzig das Richtmaß, und wenn es ein Scheffel ist der Richtscheffel, wenn es eine Elle ist, die Musterelle, Eichelle, im Oberd. das Echtmaß, Probemaß, in Zürich das Muttermaß oder Urmaß, bey dem Alberus der Eicher.


Eichmast (W3) [Adelung]


Die Eichmast, S. Eichelmast.


Eichner (W3) [Adelung]


Der Eichner, S. Eicher.


Eichpfahl (W3) [Adelung]


Der Eichpfahl, des -es, plur. die -pfähle, bey den Wassermühlen, ein langer eichener Pfahl, welcher die Eiche oder verordnete Höhe des Wassers zeiget, und zugleich das Maß gibt, wie hoch der Fachbaum geleget werden muß; der Mahlpfahl, Sicherpfahl, im Oberdeutschen Haimstock, von haimen, eichen. Es wird, wenn er gehörig eingeschlagen ist, von der Obrigkeit besichtiget und gerichtet. S. 2 Eiche und Eichen, das Zeitwort.


Eichpilz (W3) [Adelung]


Der Eichpilz, des -es, plur. die -e, S. Eichschwamm.


Eichschälchen (W3) [Adelung]


Das Eichschälchen, des -s, plur. ut nom. sing. bey Probirern, Schälchen an der Probirwage, vermittelst deren die Silberkörner geeicht oder abgezogen werden.


Eichschwamm (W3) [Adelung]


Der Eichschwamm, des -s, plur. die -schwämme. 1) Eine Art Blätterschwamm, dessen Blätter unter einander laufen; Agaricus quercinus, L. Er ist eßbar, wächset an den Wurzeln der Eichbäume, und wird auch Eichschwamm genannt. 2) Eine Art des Feuerschwammes, welche gleichfalls häufig an den Eichbäume wächset, und auch Eichpilz, ingleichen Hasenöhrlein genannt wird; Boletus igniarius, L. S. Eichtraube.


Eichstab (W3) [Adelung]


Der Eichstab, des -s, plur. die -stäbe, ein Stab, welcher das gesetzliche Maß eines Ortes zeiget, und nach welchem andere Maße geeichet werden. S. Eichelle und Eichen, das Zeitwort.


Eichstadt (W3) [Adelung]


Die Eichstadt, plur. die -städte, diejenige Stadt einer Provinz, in welcher die in der Provinz gangbare Maße verfertiget aber doch geeichet werden müssen.


Eichtraube (W3) [Adelung]


Die Eichtraube, plur. die -n, eine Menge kleiner Schwämme, welche in Gestalt einer Traube an einander hangen, im Frühlinge an den Wurzeln der Eichbäume gefunden werden, und von außen roth, inwendig oder weiß und milchig aussehen, S. Eichschwamm 2, und Eichhase.


Eichwald (W3) [Adelung]


Der Eichwald, des -es, plur. die. -wälder, ein Wald von Eichen, ein mit Eichbäumen bewachsener Wald.


Eid (W3) [Adelung]


Der Eid, des -es, plur. die -e. 1) Die feyerliche Betheuerung, bey welcher man Gott zum Zeugen und zum Rächer der Wahrheit anrufet. Jemanden einen Eid auflegen, ihm den Eid zuerkennen. Einen Eid ablegen, schwören. Mit einem Eide betheuern. Sich zu einem Eide erbiethen. Den Eid halten, ihn brechen. Er will es zu keinem Eide kommen lassen. Sich mit einem Eide rechtfertigen, reinigen, S. Reinigungseid. Einem den Eid abnehmen, ihn denselben ablegen lassen. An Eides Statt. Der Eid der Treue, womit man sich jemanden zur Treue und zum Gehorsam verbindet. Ein leiblicher, ein körperlicher Eid, ein feyerlicher Eid, welchen man in eigener Person ableget, ( S. Körperlich,) der ehedem ein zierlicher Eid genannt wurde. Ein gelehrter oder gestabter Eid, ehedem, ein Eid, wobey dem Schwörenden die Eidesformel vorgesagt wird. Der Eid vor Gefährde, in den Rechten, der Eid, daß man den Gegner nicht übervortheile, Juramentum calumniae, S. Gefährde. Ein falscher Eid, S. Meineid. Die biblischen Ausdrücke, einen Eid machen, aufrichten, thun, einen Eid darauf geben u. s. f. sind im Hochdeutschen ungewöhnlich. 2) Die Formel des Eides, die Worte, welche diese Betheuerung ausmachen. Der Juden-Eid. Einem den Eid vorsagen. Dasjenige, wozu man sich durch einen Eid verbindlich gemacht. Seinen Eid und seine Pflicht in Acht nehmen.

Anm. Dieses Wort lautet in der heutigen Bedeutung schon bey dem Kero, Ottfried, Notker und Tatian Eid, bey dem Stryker Ait, im Oberdeutschen noch jetzt Aid, Ayd, im Niedersächs. Holländ. und Dän. Eed, im Angels. Ath. im Engl. Oath, bey den Ulphilas Aiths, im Schwed. Ed, im mittlern Lateine Atha. Das hohe Alter und die wenige Veränderung, welche dieses Wort erlitten machen dessen Ableitung ungewiß. Wachter leitet es sehr unwahrscheinlich von Eh, Gesetz, Religion, her. Schon im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - das Zeugniß, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein Zeugniß ablegen. S. Eichschwur.


Eidam (W3) [Adelung]


Der Eidam, des -es, plur. die -e, ein Oberdeutsches Wort, welches im Hochdeutschen zu veralten anfängt, den Ehemann der Tochter, einen Schwiegersohn zu bezeichnen. Er ist mein Eidam. In der Deutschen Bibel kommt dieses Wort mehrmahls vor.

Anm. In den Monseeischen Glossen lautet dieses Wort Eidum, in Österreichischen Urkunden des vierzehnten Jahrhundertes mehrmahls Ayde, Aide, bey dem Apherdian Ehethum. Frisch vermuthet, daß es von Ehe, echt, rechtmäßig, abstamme. Füglicher würde es sich zu At, Geschlecht, Familie, rechnen lassen, zumahl da es in einigen gemeinen Mundarten, z. B. in Meißen, Eidmann lautet. S. Atta und Edel.


Eidbruch (W3) [Adelung]


Der Eidbruch, des -es, plur. inusit. der Bruch seines Eides, die Verletzung desjenigen, wozu man sich durch einen Eid verbindlich gemacht hat. Sich einen Eidbruches schuldig machen, meineidig werden.


Eidbrüchig (W3) [Adelung]


Eidbrüchig, adj. et adv. den Eid brechend. Eidbrüchig werden. Ein eidbrüchiger Mensch. S. Meineidig. Daher die Eidbrüchigkeit.


Eidbruder (W3) [Adelung]


Der Eidbruder, des -s, plur. die -brüder, in einige Gegenden, ein Nahme, mit welchem die Marksteinsetzer sich unter einander zu benennen pflegen, weil sie durch einerley Eid mit einander verbunden sind.


Eidechse (W3) [Adelung]


Die Eidechse, plur. die -n. 1) Ein beydlebiges Thier mit vier Füßen, einer glatten Haut, und langen Schwanze. Es ist ein unschädliches Thier, ob es an dem Kopfe, der Schnauze, der gespaltenen Zunge und dem gespaltenen Schwanze den Schlan- gen gleicht; Lacerta, L. S. Erdeidechse und Wassereidechse. In den entfernten Welttheilen gibt es eine große Menge Abänderungen von diesem Thiere. Die neuern Schriftsteller begreifen unter diesem Nahmen auch das Krokodill, den Chamäleon, Salamander, Iguana, Stincus u. s. f. 2) Der Nahme eines neuen Gestirnes zwischen dem Schwane, dem Cepheus und der Kassiopea.

Anm. In den Monseeischen Glossen heißt dieses Thier Edehsa und Egidehsa, in einer handschriftlichen Übersetzung der Bibel 3 Mos. 11, bey dem Frisch, Eydels, Edyß, bey dem Dasipodius Eglaß, Egdes, bey dem Pictorius Heidechs, Heidochs, im Angels. Athexe, im Osnabrückischen Everdyssel, Everdysse, Egedasse, Adesse, Jeewke, im Holländ. Haghedisse, Aketisse, Aerdisse, Echdisse, im Schwed. Ödla, im Isländ. Ethla. Alle diese Nahmen können ihre Übereinstimmung mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - nicht verlängern, und es ist wahrscheinlich, daß das alte Ait, Gift, Feuer, das Stammwort derselben ist, weil dieses Thier von dem großen Haufen zu allen Zeiten für giftig und schädlich gehalten worden, einige ausländischen Arten es auch wirklich sind. Die Schreibart Eidechse ist der Hochdeutschen Mundart gemäßer, als die mit einem r, Eidexe. In einigen Gegenden ist dieses Wort männlichen Geschlechtes. So oft ein Eidechs die Stauden durchschlüpft, Gieseke.


Eider (W3) [Adelung]


Der Eider, des -s, plur. ut nom. sing. S. Eidergans.


Eiderdunen (W3) [Adelung]


Die Eiderdunen, sing. inus. die zarten Federn von dem Bauche des Eidervogels, welche unter allen Flaumfedern die größte Elastizität haben; in den gemeinen Mundarten Etterdunen, Otterdunen, Fiderdunen, Sterndunen. S. das folgende. Die letzte Hälfte dieses Wortes ist das Nieders. Dunen, Flaumfedern, welches in dem Munde der Hochdeutschen oft in Daunen verwandelt wird. S. Dehnen und Flaumfeder. Im Franz. heißen diese Federn Aigledon, im Engl. Down.


Eidergans (W3) [Adelung]


Die Eidergans, plur. die -gänse, oder der Eidervogel, des -s, plur. die -vögel, ein Vogel, der zu den Gänsen gerechnet wird, sich auf den kalten Klippen des beeiseten Islandes und Grönlandes aufhält, und der Lüsternheit der Reichen die weichen Flaumfedern liefert, die unter dem Nahmen der Eiderdunen bekannt sind, mit welchen er sein Rest ausfüttert; Anas mollissima, L. Diese Vogel wird auch der Eider, im Norwegischen Edder, Ädder, Ärfugl, im Dänischen Ederfugl genannt.


Eidesformel (W3) [Adelung]


Die Eidesformel, plur. die -n, die Formel des Eides, ein feyerlicher Eid, so fern derselbe aus Worten bestehet. Jemanden die Eidesformel vorlesen.


Eidgenoß (W3) [Adelung]


Der Eidgenoß, des -ssen, plur. die -ssen, der Genoß eines Eides, oder eidlich beschwornen Bundes. Besonders pflegen sich die Schweizer-Cantons und deren Bürger Eidgenossen zu nennen, wil sie vermittelst eines Eides mit einander verbunden sind. Daher die Eidgenossenschaft, plur. inus. so wohl die eidliche Verbindung der Schweizer-Cantons als auch die auf solche Art verbundenen Cantons selbst, die Schweiz; eidgenossisch, adj. et adv. Theil an dieser Verbindung habend. Die eidgenossische Republik. Die eidgenossischen Lande. Ingleichen, dieser Verbindung gemäß, den Eidgenossen eigen u. s. f. Das eidgenossische Recht, die gütliche Entscheidung der Streitigkeiten unter den verbündeten Schweizer-Cantons, welche durch Schiedsrichter nach der Billigkeit geschiehet.


Eidhaft (W3) [Adelung]


* Eidhaft, adj. et adv. welches in der guten Schreib- und Sprechart veraltet ist, und nur noch bey den Handwerkern vorkommt, für vereidet. Eidhafte oder eidhaftige Meister, geschworne Meister.


Eidlich (W3) [Adelung]


Eidlich, adj. et adv. in Gestalt eines Eides, oder vermittelst eines Eides. Etwas eidlich betheuern, versprechen, ange-loben. Eine eidliche Versicherung. Ein eidlicher Vertrag. Eidliche Verzicht leisten.


Eidschoß (W3) [Adelung]


Der Eidschoß, des -sses, plur. die -sse, an einigen Orten, eine Vermögensteuer, welche nach der eigenen eidlichen Angabe seines Vermögens entrichtet wird.


Eidschwur (W3) [Adelung]


Der Eidschwur, des -es, plur. die -schwüre. 1) Die feyerliche Ablegung des Eides; ohne Plural. Sich zu einem Eidschwure erbiethen, verstehen. Etwas mit einem Eidschwure betheuern. 2) Zuweilen auch ein Schwur, d. i. bloße Betheuerung, im gemeinen Leben. Etwas mit schrecklichen Eidschwüren bekräftigen. S. Schwur.

Anm. Eidswertiu kommt schon bey dem Kero für Eidschwur vor. Im Angels. lautet dieses Wort Athswara, im Isländ. Eidsöre, im Schwed. Edsöre. Tatian gebraucht dafür Eidbusti, ein Wort, dessen letzte Hälfte noch unbekannt ist.


Eifer (W3) [Adelung]


* Eifer, adj. et adv. welches überhaupt heißend, scharf, bedeutet; aber nur noch in den Schmelzhütten und in der Niedersächsischen Mundart gebraucht wird. In den erstern wird es für salzig gebraucht, und besonders von der Asche gesagt, wenn sie zu kalkig und salzig ist. Das süße Wasser auf eferer Asche nimmt derselben Schärfe und Efrigkeit an sich und wird desto efere und schärfer Lauge, Matthes. Im Nieders. bedeutet efer beißend, und efern, inefern, fressen, um sich fressen, besonders von dem Eiter in den Wunden. Notker gebraucht eiuer für bitter, und eiuer ding für eine bittere Sache.


Eifer (W3) [Adelung]


Der Eifer, des -s, plur. car. 1. * Eigentlich, die beißende bittere Beschaffenheit eines Körpers; welche Bedeutung aber längst veraltet ist, S. das vorige. 2. Figürlich, von verschiedenen mit Unruhe verbundenen Gemüthsbewegungen. 1) Heftiger Unwille, Zorn; welche Bedeutung nur noch im gemeinen Leben Statt findet, in der guten Schreibart aber veraltet ist. Daß ich nicht in meinem Eifer die Kinder Israel vertilgte, 4 Mos. 25, 11. dann wird sein Zorn und Eifer rauchen über einen solchen Mann, 5 Mos. 29, 20. Und hat ihn zum Eifer gereizt durch Fremde, 5 Mos. 32, 16. Er kam in einen außerordentlichen Eifer. 2) In engerer Bedeutung, thätiger Unwille über das Böse, oder über etwas, welches man für böse hält; in welcher Bedeutung es auch noch in der edlen Schreibart gebraucht wird. Ein heiliger Eifer, wenn derselbe wegen der Übertretung des göttlichen Gesetzes an den Tag geleget wird. Der Eifer für die Wahrheit, oder um die Wahrheit. Ein unbesonnener Eifer, oder Eifer mit Unverstand. 3) Heftiger Unwille über gekränkte Gerechtsamen, besonders über die gekränkten Gerechtsamen der Ehre und Liebe, Eifersucht; in welchem Verstande es doch nur im Oberdeutschen üblich ist. 4) * Neid; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung. Den Albern tödte der Eifer, Hiob 5, 2; wo es in Michaelis Übersetzung dafür heißt der Neid. 5) Eine lebhafte und mit Unruhe verbundene Bemühung. Eine Sache mit vielem Eifer betreiben. Es ist weder Ernst noch Eifer da. Sein Eifer ist gar sehr erkaltet. Er dienet mir mit einem außerordentlichen Eifer. 6) im Oberdeutschen wird es noch in engerer Bedeutung, besonders für Nacheiferung gebraucht; jemanden zum Eifer reizen, zur Nacheiferung, welche Bedeutung aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist.

Anm. In der Bedeutung des Zornes lautet dieses Wort schon bey dem Notker Eiuero. Das Nieders. und Dän. Iver, und das Schwed. Ifwer, werden so wohl von dem Zorne, als auch von einer heftigen Bemühung gebraucht. Im Isländ. ist aefr brennend, hitzig, aefast aufsieden, yfast zürnen, und yfr zornig.


Eiferer (W3) [Adelung]


Der Eiferer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher eifert, welcher Eifer von sich blicken lässet; doch nur in der Be- deutung des Eiferns um oder für eine gerechte, oder für gerecht gehaltene Sache. Bist du der Eiferer für mich: 4. Mos. 11, 29. Und sind alle Eiferer über dem Gesetz, Apostelg. 21, 20. Ein Eiferer für die Deutsche Sprache, für die Ehre Gottes u. s. f. Doch halt - ihr kennt der Eifrer Weise, Haged.


Eifergeist (W3) [Adelung]


Der Eifergeist, des -es, plur. car. ein ungewöhnliches Wort, welches nur in der Deutschen Bibel für Eifersucht vorkommt. Vom Eifergeist entzündet werden, 4 Mos. 5, 14, 30.


Eifergesetz (W3) [Adelung]


Das Eifergesetz, des -s, plur. die -e, ein gleichfalls nur in der Deutschen Bibel befindliches Wort, dasjenige Gesetz zu bezeichnen, welches den Juden des alten Testamentes in Ansehung der Eifersucht zwischen zwey Eheleuten gegeben wurde.


Eiferig (W3) [Adelung]


Eiferig, zusammen gezogen, eifrig -er, -ste, adj. et adv. Eifer habend, Eifer verrathend, in den meisten figürlichen Bedeutungen des Wortes Eifer. 1) Zornig, im gemeinen Leben. Jemanden eifrig machen. Der Herr dein Gott ist ein eifriger Gott, 2 Mos. 20, 5; Kap. 34, 14. Denn des Eifrigen (des eifrigen Gottes) Ohr höret alles, Weish. 1, 10. Vermuthlich wird in diesen Stellen auf die Niedersächsische Bedeutung des Wortes eifern gesehen, wo es besonders bedeutet, eine Beleidigung durch den Weg Rechtens zu rächen suchen. 2) Zornig über gekränkte Gerechtsame, eifersüchtig, in einigen Oberdeutschen Gegenden. 3) Neidisch, auch nur in einigen Oberdeutschen Mundarten. 4) Mit lebhafter, unruhiger Bemühung. Ein eifriges Gebeth. Eifrig bitten. Eine eiferige Liebe. Er arbeitet sehr eiferig. Sie stritten sehr eifrig mit einander. Eiferig auf etwas seyn, im gemeinen Leben.

Anm. Im Nieders. und Dän. ivrig, im Isländ. yfr.


Eifern (W3) [Adelung]


1. Eifern, verb. reg. welches in doppelter Gattung vorkommt. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Eifer an den Tag legen, Eifer blicken lassen, in allen Bedeutungen des Hauptwortes Eifer. 1) Zürnen, seinen Zorn thätig erweisen; welche größten Theils veraltete Bedeutung nur noch zuweilen gebraucht wird. Eifere nicht über die Gottlosen, Sprichw. 24, 10. Ich habe sehr geeifert über Jerusalem, Zachar. 1, 14. Er hat immer mit mir geeifert, daß ich stets über den Büchern gelegen habe, Weiße. S. auch Ereifern. 2) Seinen Unwillen über das Böse an den Tag legen, jemandes Vorrechte mit ernstlichen Unwillen über ihre Kränkung vertheidigen. Ich habe geeifert um den Herrn, Kön. 19, 10. Denn ich eifere mich schier zu Tode um dein Haus, Pf. 69, 10. Daß er für seinen, Gott geeifert, 4 Mos. 25, 13. Mit Unverstand eifern. Für das Gute eifern. 3) Heftigen Unwillen über gekränkte Gerechtsame, besonders über gekränkte Gerechtsame der Liebe blicken lassen, eine Person wegen ungetreuer Liebe in Verdacht haben, und diesen Verdacht mit Unwillen merklich machen. Um sein Weib eifern, 4 Mos. 5, 14. Der Grimm des Mannes eifert und schonet nicht zur Zeit der Rache, Sprichw. 6, 34. Eifere nicht über dein frommes Weib, Sir. 9, 1. Doch diese Bedeutung ist nur noch im Oberdeutschen üblich, wo man mit einer Person eifern sagt; im Hochdeutschen ist dafür eifersüchtig seyn, üblich. 4) Neid blicken lassen; ein im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnlicher Gebrauch, Mit einem Freunde soll man nicht eifern, im Oberdeutschen. 5) Lebhafte Bemühung in einer Sache an den Tag legen. Mit zärtlicher Sorgfalt eiferte sie, wer mehr den frommen Alten erfreuen könnte, Geßn. S. Beeifern. 2. Als ein Activum, welche Gattung doch nur im Oberdeutschen üblich ist, in der letzten Bedeutung des vorigen Neutris. Etwas eifern, mit Eifer betreiben; im Hochdeutschen Beeifern.

Anm. Das Nieders. evern, fressen, beißen, hat noch die erste eigentliche Bedeutung dieses Wortes beybehalten, S. Eifer,das Beywort. Vermuthlich ist Hrn. Ihre diese Bedeutung unbekannt gewesen, sonst würde er nacheifern nicht von efwen, eben, gleich, ähnlich, hergeleitet haben. S. Nacheifern.


Eifern (W3) [Adelung]


2. * Eifern, verb. reg. act. wiederholen, von neuen rege machen; ein im Hochdeutschen völlig veraltetes Wort. Wer Sünde zudecket, der macht Freundschaft, wer aber die Sache eifert, der macht Fürsten uneins, Sprichw. 17, 9. Das soll nymmer fürgenommen oder geefert werden, heißt es in einer Österreichischen Urkunde von 1440; d. i. dessen soll nie wieder gedacht werden. Von dem veralteten Nebenworte aber, wiederum, eigentlich äffern. S. Aber, das Nebenwort, und Äfern.


Eiferopfer (W3) [Adelung]


Das Eiferopfer, des -s, plur. ut nom. sing. in der Kirchengebräuchen der ehemahligen Juden, ein Opfer, welches ein eifersüchtiger Ehegatte bringen mußte, und auch das Rügeopfer hieß; 4 Mos. 5, 15; 18, 25.


Eifersucht (W3) [Adelung]


Die Eifersucht, plur. car. der Eifer, wenn derselbe in eine Sucht ausartet, S. Sucht; doch nur in einigen Bedeutungen des Hauptwortes Eifer. 1) Eine gemilderte Benennung des Neides, Mißvergnügen über die Vorzüge eines andern, und Bestreben, dieselben gleichfalls zu erlangen. Er ließ viele Eifersucht über das Glück seines Freundes blicken. 2) Zorn über die wahre oder eingebildete Untreue einer geliebten Person. Voller Eifersucht seyn. Im Oberdeutschen der Eifer.


Eifersüchtig (W3) [Adelung]


Eifersüchtig, -er, -ste, adj. et adv. Eifersucht habend, Eifersucht verrathend, in beyden Bedeutungen des Hauptwortes. 1) Über das Glück anderer eifersüchtig seyn. 2) Eifersüchtig werden. Jemanden eifersüchtig machen. Ein eifersüchtiger Ehegatte. Ein eifersüchtiger.


Eigen (W3) [Adelung]


Eigen, adj. et adv. welches überhaupt den Besitz einer Sache, mit Ausschließung jeden andern Besitzers andeutet.1. Eigentlich. 1) Von Theilen unseres Körpers, ingleichen, von allem, was von einem Wesen herkommt, und von demselben gewirket wird; in welchen Fällen das Wort eigen oft den Possessivis mein, dein, sein u. s. f. zur desto genauern Bestimmung und um desto mehrern Nachdruckes willen beygefüget wird. Ich habe es mit eigenen Hand geschrieben, S. Eigenhändig. Dein eigener Mund verräth dich. Er kann es nicht läugnen, seine eigenen Worte verrathen ihn. Ich tue es aus eigenem Triebe, ohne Bewegungsgründe außer mir. Es war ja dein eigener Wille. Eigenes Lob, welches man sich selbst beyleget, stinkt, im gemeinen Leben. Es betrifft deine eigenen Angelegenheiten, deine eigene Ehre, deinen eigenen Nutzen u. s. f. Jeder Tag hat seine eigene Plage. Eigene Wechsel, worin man sich über eine Schuld nach Wechselrecht verschreibt, die man auf sich selbst anstellet. Sein eigenes Haar tragen, im Gegensatze des fremden oder falschen. S. auch Eigenlob, Eigenliebe, Eigennutz u. s. f. In der adverbischen Form ist eigen in dieser Bedeutung nicht üblich. 2) Was man mit Ausschließung anderer zu seinem Nutzen anwenden kann, von Dingen außer uns. Dein eigenes Haus haben. Eigener Herd ist Goldes werth, Sprichw. Er besitzet nichts Eigenes. Ich habe es von meinen Eigenen gegeben. Ein freyes eigenes Gut, ein Allodium. Eigene Leute, in den mittlern Zeiten und noch jetzt in einigen Gegenden, Leibeigene, die dem Eigenthumsherren mit Leib und Gut gehören, S. Eigenbehörig. Min eigen lute lasse ich fri, Winsbeck Str. 75. Es ist mein eigen, es gehöret mir allein eigenthümlich zu. Das Land zu eigen haben, 4. Mos. 32, 22. Einem etwas zu eigen geben, oder machen, ihm das Recht des Eigenthumes darüber übertragen; welche Wortfügung mit Wörtchen zu doch, in der guten Schreibart wenig mehr gebraucht wird. Sie einem ganz zu eigen geben, figürlich, sich seinem Dienste widmen. Der ich wil fur eigen leben, Heinr. von Sax. Ich bin nicht mein eigen, oder ich bin nicht mein eigener Herr, ich hänge nicht von mir allein ab. Wär ich auch frey, wär sich mein Herz so eigen, Als. u. s. f. Schleg. S. Eigenthum.Ehedem wurde Eigen auch als Hauptwort gebraucht, eigene oder eigenthümliche Güter, besonders Landgüter zu bezeichnen, in welchem Sinne schon bey dem Kero Eikan, bey dem Ottfried Eigan, und bey dem Notker Eigen vorkommt. Si machent breitu eigen smal, sie (Spiel und Üppigkeit) machen große Güter klein, Winsbeck Str. 42. Baide ir Erbe und ir aigen Vnd darzu alle ir varende habe, Stryker Kap. 13. Im Oberdeutschen wird Aigen noch jetzt für eigenthümliche Landgüter, Dörfer und Marktflecken gebraucht; ja auch in den Hochdeutschen Kanzelleyen ist der Ausdruck Erb und Eigen nicht unbekannt. S. Erbe.2. In weiterer und figürlicher Bedeutung. 1) Von denjenigen, was seinen Grund in dem Wesen eines Dinges hat, S. Eigenschaft. Eigene Wörter, eigene Bedeutungen der Wörter; wofür doch eigentlich üblicher ist, S. dieses Wort. Die Bewegung ist den Thieren eigen. Verstand ist den Geistern eigen. In weiterer Bedeutung, auch von zufälligen Beschaffenheiten, besonders solchen, welche häufig, oder auf eine herrschende Art bey einem Dinge angetroffen werden. Die Unbeständigkeit ist dem Glücke eigen. Krankheit ist dem Alter eigen. Diese Gewohnheit ist dir allein eigen. Er sprach es mit dem ihm eigenen Stolze. Sich etwas eigen machen, es sich ganz eigen machen, es sich angewöhnen, es gleichsam mit seinem Wesen verbinden. 2) Besonder, für eine Sache besonders bestimmt; nur als ein Beywort. Das ist alles geschrieben in einem eigenen Buche, 1 Macc. 16, 24. Jemanden ein eigenes Haus, ein eigenes Zimmer einräumen. Jemanden einen eigenen Bothen schicken. S. Eigens. 3) Genau, accurat; größten Theils nur als ein Adverbium. ich weiß es sehr eigen. Ich habe es eigen behalten. Ich verstehe es so eigen nicht. Wenn die Jugend eigen wüßte, Was das Alter haben müßte,Sparte sie die meisten Lüfte, Logau. Zuweilen auch als ein Adjectiv. Das waren die eigenen Worte, das waren genau dieselben Worte. In beyden Fällen findet diese Bedeutung nur im gemeinem Leben Statt. Im Oberdeutschen wird es auch für das Demonstrativum derselbe, dieselbe, dasselbe gebraucht. Noch den eigenen Abend, demselben Abend. Im Nieders. egen und enken. 4) Genau, accurat im Äußern; auch nur im gemeinem Leben. Er ist sehr eigen, er will alles sehr accurat haben, man kann ihm nichts zu Danke machen. 5) Sonderbar, seltsam, wunderlich. gleichfalls nur im gemeinen Leben. Er ist ein eigener Mann, eine gemilderte Benennung eines wunderlichen Mannes, eines Sonderlinges. Es ist doch eigen, oder es ist doch was eigenes, daß ich ihn niemahls antreffen kann.

Anm. Dieses Wort lautet so wohl in der eigentlichen, als ersten figürlichen Bedeutung bey dem Kero eigan, oigan, eikan, bey dem Ottfried eigan, bey dem Willeram eigen, bey dem Ulphilas aigin und aihn, im Angels. agen, im Nieders., Dän. und Schwed. egen, im Engl. own, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Es hän-get mit dem alten Zeitworte eigan, haben Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, sehr genau zusammen; S. Eigenen. Ihre leitet auch das alte nordische Wort Od, im Isländ. Audr, im Angels. Aeth, Ath, Besitz, Eigenthum, aus dieser Quelle. S. auch Echt und Ehe, welche in einigen Bedeutungen gleichfalls zu diesem Worte gehören. In verschiedenen Zusammensetzungen ist eigen auch in ein zusammen gezogen worden. Ehedem war Eige auch für Eigener, Eigenthümer üblich; wenigstens hat es noch in dem Worte Biereige diese Bedeutung.


Eigenbehörig (W3) [Adelung]


Eigenbehörig, Eigenhörig, adj. et adv. welches nur in einigen Niederdeutschen Gegenden, besonders im Osnabrückischen, für leibeigen üblich ist. Ein eigenbehöriger Unterthan, ein Eigenbehöriger. S. Leibeigen und Hofhörig.


Eigends (W3) [Adelung]


Eigends, S. Eigens.


Eigendünkel (W3) [Adelung]


Der Eigendünkel, des -s, plur. inus. der Dünkel, d. i. die ungegründete hohe Meinung, welche man von sich und seinen gurten Eigenschaften hat. Voller Eigendünkel seyn. Er besitzt einen außerordentlichen Eigendünkel. S. Dünkel, welches ehedem auch in weiterer Bedeutung eine jede Meinung, ein jedes Vorurtheil bedeutete.


Eigenen (W3) [Adelung]


Eigenen, zusammen gezogen eignen, verb. reg. welches theils als ein Activum, theils aber auch als ein Neutrum üblich ist. 1) Als ein Activum, eigen machen, eigenthümlich übergeben, widmen. Wie das Fett am Opfer Gott geeignet war, Sir. 47, 2. Der Herr von Schönaich eignet sein Herz mit aufrichtigster Neigung so seltener Tugend, Gryph. Diese Bedeutung ist im Hochdeutschen selten geworden, seitdem in einigen Fällen zueigenen dafür üblicher geworden. Ehedem sagte man auch vereigenen für veräußern. 2) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, doch nur noch zuweilen als ein Impersonale, theils von demjenigen, was man mit Recht fordern kann, was einem gebühret, das eigener mir; theils von demjenigen, was man andern zu leisten schuldig ist, mit der dritten Endung der Person. Beyde Bedeutungen sind im Hochdeutschen veraltet, doch heißt es in der letzten noch zuweilen in den Kanzelleyen: Wie es einem treuen Diener eignet und gebühret. Sie wußten nicht, was ihnen eignete und gebührete, Opitz.

Anm. Schon Ottfried sagt, sih eiginen, für sich zueigenen. Das Schwed. egna und Dän. egne bedeuten so wohl zueignen, als gebühren, sich geziemen. Eignen ist das Intensivum von einem im Hochdeutschen längst veralteten Zeitworte, welches haben bedeutete, und bey dem Ulphilas aigan, bey dem Kero und Ottfried eigan, bey dem Isidor eigun, bey dem Notker heigen, im Angels. agan, im Schwed. aega, im Isländ. eiga, im Dän. eye, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - lautet. Dieses Zeitwort ist noch jetzt im Nieders. üblich, wo es für berechtiget seyn, zu fordern haben, verdienen, so wohl persönlich als unpersönlich gebraucht wird. Ich eige oder mit eiget, competit mihi. Das Kind eiget Schläge, es verdienet Schläge. S. Eigen, das Beywort.


Eigener (W3) [Adelung]


Der Eigener, zusammen gezogen Eigner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Eignerinn, plur. die -en, der eigenthümlicher Besitzer, der Eigenthümer. Die Arglist und die Stärke, Bisher von Raube satt und Eigner fremder Werke, Dusch; wo es aber die ganz ungewöhnliche Bedeutung eines unrechtmäßigen, eines gewaltthätigen Besitzers, eines Usurpateurs, zu haben scheinet. Das Schwed. Ägare bedeutet gleichfalls einen Eigenthümer.


Eigengericht (W3) [Adelung]


Das Eigengericht, des -es, plur. die -e, in einigen, besonders Nieder-Rheinischen Gegenden, das Grundgericht, Hufengericht, die untere Gerichtsbarkeit, so fern sich selbige über die Eigen, d. i. Grundstück und deren Besitzer erstreckt. S. Grundgericht.


Eigenhändig (W3) [Adelung]


Eigenhändig, adj. et adv. was mit eigener Hand geschiehet, oder geschehen ist. Einem etwas eigenhändig übergeben. Ein eigenhändiges Schreiben, welches man selbst mit eigener Hand geschrieben hat. Etwas eigenhändig schreiben. Die eigenhändigen Schreiben großer Herren sind nicht allein von den Kanzelleyschreiben, sondern auch von den Handschreiben unterschieden, S. das letztere. Im Niedersächsische ist für eigenhändig händig und handig üblich.


Eigenheit (W3) [Adelung]


Die Eigenheit, plur. die -en. 1) Bey einigen, besonders mystischen Schriftstellern, die ungeordnete Liebe zu sich selbst, nebst dem Eigennutzen, Eigenwillen u. s. f. ohne Plural. 2) Was einem Dinge vor andern eigen ist. Die Eigenheiten einer Person, ihre besondern Meinungen, Gewohnheiten, u. s. f. Die Eigenheiten einer Sprache, ihre Idiotismi. Das sind Eigenheiten des Alters, das ist dem Alter vorzüglich eigen.


Eigenhörig (W3) [Adelung]


Eigenhörig, S. Eichenbehörig.


Eigenliebe (W3) [Adelung]


Die Eigenliebe, plur. car. die Liebe zu sich selbst; so wohl, 1) in gutem Verstande, da die Eigenliebe in dem natürlichen Triebe glücklich zu seyn bestehet, welcher der Grund des ganzen physischen und moralischen Lebens ist. In diesem Verstande ist das Wort nur bey einigen üblich, dagegen andere diesen Trieb mit mehrerm Rechte die Selbstliebe nennen, S. dieses Wort. Man gebraucht daher das Wort Eigenliebe, so wohl im gemeinem Leben als in der Büchersprache, am häufigsten, 2) von der ungeordneten Selbstliebe, welche das vernünftige Ziel überschreitet, und nur sich für das letzte Ziel seiner Bemühungen hält. In engerer und der gemeinsten Bedeutung ist die Eigenliebe das unregelmäßige Vergnügen, welches man aus vermeinten Vollkommenheiten empfindet, und der Trieb selbige zu befördern. Ein Mensch hat viele Eigenliebe, wenn er sich gern loben höret, sich auf eine eitele Art putzet, auf eine übertriebene Art für seine Bequemlichkeit sorget u. s. f. Die Bey- und Nebenwörter eigenliebig und eigenliebisch sind nur in den niedrigen Sprecharten üblich.


Eigenlob (W3) [Adelung]


Das Eigenlob, des -es, plur. car. ein Lob, welches man sich selbst beyleget; das Selbstlob. Eigenlob stinkt, im gemeinen Leben.


Eigenlöhner (W3) [Adelung]


Der Eigenlöhner, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, derjenige, welcher eine Zeche allein, auf eigene Kosten bauet, und auch ein Einspänniger genannt wird. S. auch Kießziemer.


Eigenmächtig (W3) [Adelung]


Eigenmächtig, adj. et adv. aus eigener Macht, doch nur in engerer, nachtheiliger Bedeutung, aus unbefugter eigener Macht. Etwas eigenmächtig thun. Im Oberdeutschen eigenthätig, im Nieders. sulfweldig.


Eigennutz (W3) [Adelung]


Der Eigennutz, des -es, plur. car. 1. Der eigene Nutzen, besonders in engerer nachtheiliger Bedeutung, der Nutzen, welchen man mit Ausschließung und auf Kosten des Nutzen anderer hat. Seinen Eigennutz suchen. Noch mehr und häufiger aber, 2. die Neigung seinen eigenen Nutzen zu befördern. 1) So wohl in weiterer und unschuldiger Bedeutung, da dieses Wort mit der Eigenliebe im guten Verstande beynahe von einerley Bedeutung ist, und in dem Triebe bestehet, seinen eigenen Nutzen zu befördern. Allein in diesem Verstande wird das Wort nur zuweilen von den Philosophen gebraucht. Am häufigsten nimmt man es, 2) in engerer und nachtheiliger Bedeutung, von dem Triebe, seinen eigenen Nutzen mit Anschlie-ßung und zum Nachtheile des Nutzens anderer zu befördern; welche Neigung der erste Grad desjenigen Lasters ist; welches durch eine übertrieben Liebe zu zeitlichen Gütern erzeuget wird. Er thut alles aus Eigennutz. Das lässet schon sein Eigennutz nicht zu. Er lobt mich nur aus Eigennutz, um wieder gelobt zu werden. S. das folgende.


Eigennützig (W3) [Adelung]


Eigennützig, -er, -ste, adj. et adv. Eigennutz habend, Eigennutz, darin gegründet, in der letzten Bedeutung des vorigen Hauptwortes. Ein eigennütziger Mensch. Er ist überaus eigennützig. Eine eigennützige Liebe, eine eigennützige Freundschaft. Nutz hat in diesem und dem vorigen Worte die allgemeine Bedeutung alles dessen, was unsern Zustand vollkommener macht; in engerem Verstande, für zeitliches Vermögen, ist eigennützig, bemühet, sein zeitliches Vermögen, mit Ausschließung des Nutzens anderer zu vergrößern. Statt dieses Beywortes ist im gemeinen Leben auch interessirt, im Niedersächsischen aber naganern und Naganernhet, nagreepsk, nataansk, üblich, von taan, tehen, ziehen.


Eigennützigkeit (W3) [Adelung]


Die Eigennützigkeit, plur. car. der Eigennutz als eine Fertigkeit, als ein Zustand der Seele betrachtet; dagegen Eigennutz nur von einzelnen Äußerungen derselben gebraucht wird.


Eigenrache (W3) [Adelung]


Die Eigenrache, plur. car. bey einigen so viel als Selbstrache, eigene Rache, die man selbst an dem Beleidiger ausübet.


Eigenruhm (W3) [Adelung]


Der Eigenruhm, des -es, plur. car. der Ruhm, den man sich selbst beyleget, Eigenlob.


Eigens (W3) [Adelung]


Eigens, adv. welches nur im gemeinen Leben in der zweyten figürl. Bedeutung des Wortes eigen üblich ist. Mit einem eigens, besonders, ausdrücklich in dieser Absicht, abgeschickten Bothen. Eigends für eigens hat keinen scheinbaren Grund.


Eigenschaft (W3) [Adelung]


Die Eigenschaft, plur. die -en, das Hauptwort von dem Beyworte eigen, welches vermittelst des Endsylbe schaft gebildet worden, welche sowohl einen Zustand, als auch das Concretum, die Sache selbst bedeutet.1. * Der Zustand des eigenthümlichen Besitzes; ohne Plural. 1) Von Dingen außer uns, in welcher Bedeutung dieses Wort ehedem für Eigenthum gebraucht wurde, wie aus Schilters Glossar. v. Eigen erhellet. In leidentlichem Verstande war es ehedem auch für Leibeigenschaft üblich, oder den Zustand, da man mit Leib und Gut ein Eigenthum eines andern ist. Doch in beden Fällen ist es im Hochdeutschen veraltet. 2) Figürlich, (a) * Die eigenthümliche Beschaffenheit eines Dinges, der ganze Umfang aller der Dinge, die in dessen Wesen gegründet sind, und dasselbe von allen andern Dingen unterscheiden. Ein jedes Ding hat seine besonderes Eigenschaft. Die Art und Eigenschaft der Sprache. Diese Bedeutung kommt nur noch im Oberdeutschen vor. (b) * In weiterer Bedeutung, auch der Umfang zufälliger Umstände an einem Dinge, wenn sie nur demselben mehrmahls oder größten Theils eigen sind, die Beschaffenheit. Ptolemais, welche wegen der Eigenschaft des Orts Rosenfrüchtig genannt wird, 3 Macc. 7, 17. Im Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung veraltet.2. Etwas, welches man eigenthümlich besitzet; mit dem Plural. 1) * Von Dingen außer uns, in welchem Verstande eigenthümlich liegende Güter, Allodial-Güter, im Oberdeutschen noch jetzt Eigenschaften genannt werden. den Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung fremd. 2) Was einem Dinge eigenthümlich zukommt. (a) Was in dem Wesen einer Sache gegründet ist, und dieselbe beständig von allen andern unterscheidet. Das Sehen ist eine Eigenschaft der Thiere. Die Allmacht ist eine Eigenschaft Gottes, oder eine göttliche Eigenschaft. (b) In weiterer Bedeutung wird dieses Wort auch von zufälligen Umständen gebraucht, wenn sie sich nur die meiste Zeit an einem Dinge befinden. Ein Mensch vor vortrefflichen Eigenschaften. Gute Bildung, ein gesunder Leib, Herzhaftigkeit u. s. f. sind Eigenschaften eines Soldaten.

Anm. Eigenschaft, Schwed. Egenskap, ist vermuthlich nach dem Muster des Lat. proprietas gebildet.


Eigenschaftswort (W3) [Adelung]


Das Eigenschaftswort, des -es, plur. die -wörter, S. Adjectiv.


Eigensinn (W3) [Adelung]


Der Eigensinn, des -es, plur. car. der eigene Sinn, d. i. die ungeordnete Neigung, seiner Meinung auch bey erkannter Unrichtigkeit derselben zu folgen. Einen entsetzlichen Eigensinn haben. Eines Eigensinn brechen. Seinem Eigensinne folgen. Rede ihr doch zu, daß sie ihren Eigensinn fahren läßt, Gell. Im gemeinen Leben auch ein eigensinniger Mensch. Er ist ein rechter Eigensinn. Im Nieders. Upsat, von der Redensart, seinen Kopf aufsetzen, Koppigheit, Koppskheit. S. Eigenwille.


Eigensinnig (W3) [Adelung]


Eigensinnig, -er, -ste, adj. et adv. Eigensinn habend, Eigensinnig verrathend, darin gegründet. Ein eigensinniges Kind. Ein eigensinniger Mensch. Er ist außerordentlich eigensinnig. Das Hauptwort die Eigensinnigkeit, für Eigensinn, ist in der guten Schreibart nicht üblich. Du weißt, wie eigensinnig wir auf den Adel sind, wie eigensinnig wir dessen Vorrechte zu behaupten suchen.


Eigenthätig (W3) [Adelung]


Eigenthätig, adj. et adv. S. Eigenmächtig.


Eigenthum (W3) [Adelung]


Das Eigenthum, des -es, plur. inus. ein Hauptwort von dem Beyworte eigen, welches vermittelst der Endsylbe thum gebildet worden, welche hier sowohl ein Recht, als auch das Concretum, oder die Sache selbst bedeutet.1. Das Recht. 1) In der engsten und schärfsten Bedeutung, das Recht, eine Sache auf beständig mit Ausschließung aller anderen zu gebrauchen, zum Unterschiede von dem Rechte des gegenwärtigen Besitzers. Als das menschliche Geschlecht anfing, sich in Gesellschaften zu bilden, wurde auch das Eigenthum unter demselben eingeführet. Das Eigenthum an etwas haben. Indessen leidet diese engste Bedeutung in manchen Fällen noch verschiedene Einschränkungen. Z. B. an einem Lehen haben zwey Personen das Eigenthum, der Lehensherr, dem das oberste Eigenthum oder Obereigenthum, dominium directum, und der Vasall, dem das nutzbare Eigenthum oder Untereigenthum, dominium utile, zukommt; keiner von beyden kann mit dem Lehen eigenmächtig verfahren. 2) In weiterer Bedeutung, das Recht, eine Sache gegenwärtig mit Ausschließung aller anderen zu gebrauchen, oder auch nur in seiner Gewalt zu haben, das Recht des gegenwärtigen Besitzes. In diesem Verstande heißen Unterpfänder, und andere Dinge, welche man nur auf gewisse Zeit in seiner Gewalt hat, oft ein Eigenthum dessen, der sie besitzet. 3) In der weitesten Bedeutung, das Recht eine Sache zu seinen Bedürfnissen zu gebrauchen; in welchem sehr uneigentlichen Verstande zuweilen eines Eigenthumes über die Luft, des Wassers, des Meeres u. s. f. gedacht wird. In allen drey Fällen wird dieses Wort wenig mehr gebraucht, indem der Ausdruck das Recht des Eigenthumes, oder das Eigenthumsrecht, üblicher ist; vermuthlich um die Zweydeutigkeit mit der folgenden Bedeutung zu vermeiden.2. Eine Sache, welche man vermöge des Eigenthumes oder des Rechts des Eigenthumes besitzet, in allen drey vorigen Bedeutungen, besonders in der ersten eigentlichen. Sein väterliches Eigenthum. Etwas zum Eigenthume bekommen. Ein Eigenthum besitzen. Gottes Eigenthum seyn, 2 Mos. 19, 5. Aber, ein Volk des Eigenthumes, oder zum Eigenthum, für ein eigenthümliches Volk, sind morgenländische Arten des Ausdruckes.

Anm. Nieders. Dän. und Schwed. Egendom. Im Holstein. soll dieses Wort auch männlichen Geschlechtes seyn. Obgleich in der zweyten Bedeutung der Plural gar wohl Statt finden könnte, so ist er doch nicht üblich; vielleicht, um nicht eine Zweydeutigkeit mit dem folgenden Worte zu veranlassen.


Eigenthümer (W3) [Adelung]


Der Eigenthümer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Eigenthümerinn, plur. die -en, der oder die eine Sache als ein Eigenthum besitzet. Der Eigenthümer des Hauses, des Gutes, der Äcker u. s. f. S. Eigenthumsherr.


Eigenthümlich (W3) [Adelung]


Eigenthümlich, adj. et adv. in Gestalt eines Eigenthumes. 1) Eigentlich, in beyden Bedeutungen des Hauptwortes. Etwas erb- und eigenthümlich besitzen, als ein Eigenthum, oder nach dem Rechte des Eigenthumes. Einem etwas eigenthümlich übergeben. Er hat nichts Eigenthümliches. Dieses Haus, dieses Gut gehöret mir eigenthümlich. 2) Für eigen, in der ersten figürlichen Bedeutung dieses Wortes. Eigenthümliche Nahmen, die einem Dinge allein zukommen, nomina propria, bey dem Notker Selbnami. Das ist ihm nun einmahl eigenthümlich, es ist seine Art so. Er sprach es mit dem ihm eigenthümlichen Stolze.

Anm. Im Nieders. egendömlik, egelik.


Eigenthümlichkeit (W3) [Adelung]


Die Eigenthümlichkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, da einem Dinge etwas eigenthümlich oder eigen ist; ohne Plural. Die Eigenthümlichkeit eines Nahmens, da er nur Einem Dinge allein zukommt. 2) Was einem Dinge vor andern eigen ist; besser die Eigenheit. Die Eigenthümlichkeiten der Niederdeutschen Mundart.


Eigenthumsherr (W3) [Adelung]


Der Eigenthumsherr, des -en, plur. die -en, der Eigenthümer, wenn man dessen mit Achtung gedenket; besonders wenn er das Obereigenthum, Dominium directum, über eine Sache hat.


Eigenthumsrecht (W3) [Adelung]


Das Eigenthumsrecht, des -es, plur. die -e. 1) Das Recht des Eigenthumes; ohne Plural. S. Eigenthum 1. Das Eigenthumsrecht an etwas haben. 2) Die darin gegründeten besondern Gerechtsame und Befugnisse.


Eigentlich (W3) [Adelung]


Eigentlich, adj. et adv. welches vermittelst der Endsylbe lich von dem Beyworte eigen gebildet worden. 1) * Eigenthümlich, in Gestalt eines Eigenthumes. Genigen si der guoten dan Der ich vil eigenliche bin, Heinrich von Sax. Doch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen längst veraltet. 2) Einer Sache allein eigen, oder derselben doch vor vielen andern zukommend. Die eigentliche Bedeutung eines Wortes, welche ihren Grund in einem wesentlichen Umstande der dadurch bezeichneten Sache hat; im Gegensatze der weitern und verblümten oder figürlichen, welche wegen einer wahren oder eingebildeten Ähnlichkeit auf andere Gegenstände übertragen worden. Z. B. Brechen ahmet den Schall nach, der durch das Zerbrechen verursachet wird, und in so fern ist dieses seine eigentliche Bedeutung. Wird es aber von Umständen gebraucht, die mit keinem solchen Schalle verbunden sind, so stehet es in der figürlichen, uneigentlichen, oder biblischen Bedeutung. Eigentliche Wörter, welche in dieser ihrer ersten und eigentlichen Bedeutung gebraucht werden. 3) Genau, der Sache völlig gemäß. Eigentlich (der Wahrheit nach, oder meinem Vorsatze nach,) werde ich heute nicht spazieren gehen. Eigentlich hättest du dieses nicht thun sollen, dem Rechte nach. Ich kann es so eigentlich (mit Gewißheit, so genau, so umständlich,) nicht sagen. Ich habe es so eigentlich (so genau,) nicht gehöret. Eigentlich zu reden, die Wahrheit zu sagen, so zu reden, wie die Sache es erfordert. Das ist des Verfassers eigentliche (wahre,) Meinung. Eigentlich (sehr genau,) besehen, im gemeinen Leben. Das eigentliche Griechenland, derjenige Theil Griechenlandes, welchem dieser Nahme der schärfsten Wahrheit nach zukommt, welcher ursprünglich nur allein mit diesem Nahmen beleget worden. Der eigentliche (der wahre,) Zinnober kommt aus der Erde. S. Uneigentlich.

Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort noch eigenlich, aigenlich. Das t vor dem l ist das t euphonicum, welches die Hochdeutsche Mundart nothwendig macht. S. T.


Eigenwille (W3) [Adelung]


Der Eigenwille, des -ns, plur. car. der eigene Wille und die ungeordnete Neigung, demselben mit Ausschließung des Willens anderer zu folgen; ein gemilderter Ausdruck des Eigensinnes. Vielen Eigenwillen haben. Das lässet sein Eigenwille nicht zu.


Eigenwillig (W3) [Adelung]


Eigenwillig, -er, -ste, adj. et adv. Eigenwillen habend, Eigenwillen verrathend, darin gegründet. Ein eigenwilliges Kind. Ein eigenwilliger Sohn, 5 Mos. 21, 18, 20.

Anm. Im Angels. anvilla, im Nieders. ewille, im Holländ. eighenwillig, eenwillig, im Schwed. egenwillig. Eigenwille für Monarchie, und eigenwillig für monarchisch, welches einige aufbringen wollen, sind unbequem, und haben daher auch wenig Beyfall gefunden; vermuthlich, weil eigen in den meisten Zusammensetzungen einen nachtheiligen Nebenbegriff hat.


Eigenwilligkeit (W3) [Adelung]


Die Eigenwilligkeit, plur. inus. der Eigenwille als ein Zustand, eine Fertigkeit betrachtet; dagegen Eigenwille mehr auf die Äußerungen in einzelnen Fällen gehet.


Eignen (W3) [Adelung]


Eignen, Eigner, S. Eigenen, Eigener.


Eile (W3) [Adelung]


Die Eile, plur. car. der Zustand, in welchem man eilet. In großer Eile. Ich habe es in der Eile geschrieben. Ich ging in aller Eile zu ihm. Die Sache ist in der Eile verfertiget. Mit Eile gehen, Marc. 6, 25, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Es hat keine Eile, oder es hat ja solche Eile nicht, die Sache erfordert keine solche Eile.

Anm. Kero gebraucht statt dieses Hauptwortes das Verbale Ilunga, Ottfried aber schon Ila und Ilu. Im Dänischen heißt dieses Wort Iil und bey einigen Niedersachsen Il. In andern Nieders. Gegenden ist dafür Hast und Spood üblich, welches letztere mit dem Engl. Speed, und dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - einerley ist. S. das folgende. Härtere Mundarten verbeißen in dem Worte Eile das letzte e, Eil, welches doch in der Hochdeutschen nothwendig ist.


Eilen (W3) [Adelung]


Eilen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1) Eigentlich, zu Erreichung einer Absicht mit Geschwindigkeit ge-hen oder reisen. Abraham eilete in die Hütte, 1 Mos. 18, 6. Loth eilete aus Sodom, Kap. 19, 15, 22. Jemanden zu Hülfe eilen. Man muß eilen. Er eilet nach der Stadt. Laß uns langsam gehen, wir haben nicht nöthig zu eilen. Sie eileten alle herbey. So bald er mich sahe, eilte er davon. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung, auch bey andern Handlungen Geschwindigkeit anwenden, sie in kurzer Zeit zu Stande zu bringen suchen. Mit etwas eilen. Gott eilet mit den Frommen aus dem bösen Leben, Weish. 4, 14. Man siehet es der Arbeit an, daß er damit geeilet hat. Er eilet mit der Heirath. Eile mit Weile, im gemeinen Leben. Er eilte sie zu kaufen, Rost. 3) Oft auch nur ein Verlangen äußern, eine Absicht ohne Aufschub zu erreichen. Nach Hause eilen.

Anm. Das Verbale, die Eilung, ist bey diesem einfachen Zeitworte so wenig üblich, als das Mittelwort der vergangenen Zeit geeilet, als ein Beywort betrachtet. Sich eilen, für eilen, ist nur einigen gemeinen Mundarten eigen. Bey dem Ottfried und Willeram lautet dieses Wort ilen, im Schwed. ila. Ihre hält das noch im Schwed. übliche Il, die Fußsohle, für das Stammwort, S. Weile. Allein, es stehet noch dahin, ob eilen nicht vielmehr eine Nachahmung des keichenden Lautes eines Eilenden ist; denn in den Monseeischen Glossen wird ilan ausdrücklich durch anhelare übersetzt. S. Eilend und Endelig. Die Niedersachsen gebrauchen dieses Zeitwort nur selten, und ersetzen es durch hasten, Schwed. hasta, Engl. haste, Franz. hater, durch spuden, bey dem Notker kespuotan, sih spuon, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Eile, Fleiß, durch beistern u. s. f. In den gemeinen Hoch- und Oberdeutschen Mundarten sind in der Bedeutung des Eilens auch fortmachen, sich fördern, sich schirgen, sich schicken, zauen u. s. f. üblich.


Eilend (W3) [Adelung]


Eilend, das Participium der gegenwärtigen Zeit des vorigen Verbi, welches im Oberdeutschen als ein Nebenwort für hurtig, geschwinde, üblich ist, aber im Hochdeutschen wenig gebraucht wird. Und eilend ließ sie den Krug hernieder auf ihre Hand, 1 Mos. 24, 18. Desto eilender, Phil. 2, 18, und in vielen andern Stellen mehr. Das von diesem Mittelworte gebildete Nebenwort eilends ist im Hochdeutschen eben so selten, im Oberdeutschen aber desto gewöhnlicher. Im Hochdeutschen ist dafür eilig und eilfertig üblich.

Anm. Bey dem Kero lautet dieses Nebenwort illantihho. In einigen gemeinen Mundarten hat es eine sonderbare Bedeutung, indem man daselbst von den Zähnen saget, sie werden eilend, wenn sie stumpf werden; in Schlesien eylich. Entweder erhält diese Bedeutung noch den ursprünglichen Sinn des Verbi, da es eine Nachahmung eines gewissen Schalles ist, oder sie gehöret auch zu dem noch in Schweden üblichen Zeitworte ila, zaudern, wofür die Deutschen weilen und verweilen brauchen. S. diese Wörter.


Eilf (W3) [Adelung]


Eilf, eine Grundzahl, welche die nächste Zahl nach zehen ist, und in allen Fällen unverändert bleibet, sie mag den Artikel oder das Vorwort vor sich, und das Hauptwort nach sich haben, oder nicht. Die eilf Männer, Frauen, Häuser u. s. f. Ich komme um eilf Uhr. Es waren ihrer eilf. Nur alsdann, wenn es ohne Hauptwort stehet, und ein Wort vorher gehet, welches die dritte oder sechste Endung erfordert, nimmt es nach dem Beyspiele anderer Grundzahlen am Ende ein en an. Er kam noch vor eilfen, d. i. vor eilf Uhr. Und sie gingen wieder vom Grabe und verkündigten das alles den Eilfen, Luc. 24, 9. Da trat Petrus auf mir den Eilfen, Apostelg. 2, 14. Einige hängen in diesem Falle auch den übrigen Endungen ein e an. Da die Eilfe zu Tische saßen, Marc. 16, 14. Und standen die Eilfe versammelt, Luc. 24, 33; wozu aber nicht der geringste Grund vorhanden ist.

Anm. Dieses Wort lautet in dem Salischen Gesetze anilaf, bey dem Kero einilif, bey dem Tatian in der dritten Endung then einlivin, bey dem Ottfried einlif. Die Sächsische und die verwandten Mundarten haben statt des Doppellautes ein a, ä oder e, wie das Angels. aendlefen, endleof, endlyfa, das Gothische andlefen, das Schwed. ellofwa, das Isländ. ellefu, das Nieders. elf, olf, das Holl. elf, das Engl. eleven, das Dän. elleve. Die Hochdeutschen haben in diesem Worte und dessen Ableitungen und Zusammensetzungen von den Oberdeutschen die Schreibart, von den Niederdeutschen aber die Aussprache behalten, indem sie es, wenigstens im gemeinen Leben, elf, elfte, u. s. f. aussprechen. Es ist wohl sehr wahrscheinlich, daß dieses Wort aus ein und dem alten leiben, Angels. lyfan, übrig bleiben, ( S. Bleiben,) Engl. to leave, übrig lassen, zusammen gesetzet ist, und eigentlich eins über zehen, so wie zwölf zwey über zehen, bedeutet. Im Wendischen heißt diese Zahl enaist, d. i. einzehen.


Eilfeck (W3) [Adelung]


Das Eilfeck, des -es, plur. die -e, in der Geometrie, eine Figur, welche von eilf Seiten eingeschlossen ist, und daher eilf Ecken hat; Hendecagonum, Vndecangulum.


Eilfertig (W3) [Adelung]


Eilfertig, -er, -ste, adj. et adv. Eile an den Tag legend, so wohl in der eigentlichen als figürlichen Bedeutung des Zeitwortes eilen. Er that sehr eilfertig. Er ist in allen seinen Sachen sehr eilfertig. Eilfertig arbeiten. Eine eilfertige Arbeit, die in der Eile verfertiget worden. Eine eilfertige Flucht, S. Fertig.


Eilfertigkeit (W3) [Adelung]


Die Eilfertigkeit, plur. car. der Zustand, da man eilfertig ist. Er arbeitet mit allzu vieler Eilfertigkeit. Ich kann deine Eilfertigkeit unmöglich loben.


Eilffach (W3) [Adelung]


Eilffach, adj. et adv. ein vermehrendes Zahlwort, eilf Mahl genommen. Lege es eilffach.


Eilfjährig (W3) [Adelung]


Eilfjährig, adj. et adv. eilf Jahr alt. Ein eilfjähriges Kind.


Eilfmahl (W3) [Adelung]


Eilfmahl, richtiger getrennt, eilf Mahl, adv. zu eilf verschiedenen Mahlen. Eilf Mahl des Jahres. S. Mahl.


Eilfte (W3) [Adelung]


Die Eilfte, adj. welches die Ordnungszahl von eilf ist. Der eilfte Tag. Zum eilften Mahle. Wir schreiben heute den eilften, den eilften Tag dieses Monathes.

Anm. Diese Ordnungszahl lautet bey dem Stryker ainleft, im Angelsächsischen endlyft, endlefta, im Holländischen und Niedersächsischen elfte.


Eilftel (W3) [Adelung]


Das Eilftel, des -s, plur. ut nom. sing. der eilfte Theil eines Ganzen. Ein Eilftel eines Centners.


Eilftens (W3) [Adelung]


Eilftens, adv. zum eilften.


Eilfterley (W3) [Adelung]


Eilfterley, adj. indecl. et adv. von eilf verschiedenen Arten und Beschaffenheiten. Eilfterley Sachen.


Eilfthalb (W3) [Adelung]


Eilfthalb, adj. indecl. zehen und halb. Eilfthalb Ellen. Eilfthalb Jahre.


Eilig (W3) [Adelung]


Eilig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Eile habend, Eile verrathend. Er thut sehr eilig. Er ging sehr eilig fort. Ein eiliger Gang. Doch kommt es in Gestalt eines Adjectives im Hochdeutschen seltener vor. Eiligst, in der größten Eile. 2) Eile erfordernd; nur als ein Adverbium. Die Sache muß wohl eilig seyn. S. auch Endelig.

Anm. Bey dem Willeram iligo. Die Niedersachsen gebrauchen dafür hastig, spodig, hilde, draht, gra, gray, gau, bey dem Ottfried gow, S. Gäh.


Ein (W3) [Adelung]


1. Ein, ein Beywort, welches seiner Natur nach keines Plurals fähig ist, und dessen Declination zuförderst bemerket werden muß. Wenn es das Hauptwort nach sich, aber weder den bestimmten Artikel, noch ein Pronomen vor sich hat, gehet es folgender Gestalt: Nom. Ein Mann, eine Frau, ein Haus. Gen. Eines Mannes, einer Frau, eines Hauses. Dat. Einem Manne, einer Frau, einem Hause. Accus. Einem Mann, eine Frau,. ein Haus Stehet aber der bestimmte Artikel voran, so wird es auf folgende Art abgeändert, es mag ein Hauptwort nach sich haben oder nicht: Nom. Der eine, die eine, das eine. Gen. Des einen, der einen, des einen. Dat. Dem einen, der einen,, dem einen. Accus. Den einen, die eine,. das eine. .Ist statt des bestimmten Artikels ein Pronomen vorhanden, so wird es noch auf eine andere Art decliniret, wovon bey dem Zahlworte etwas angemerket werden soll. Hat ein endlich weder einen Artikel vor, noch ein Hauptwort nach sich, in welchem Falle andere Beywörter adverbialiter gebraucht werden, der Wald ist groß; so wird es nach der dritten Art der Beywörter abgeändert: Nom. Einer, eine, eines oder eins.Gen. Eines, einer, eines.Dat. Einem, einer, einem.Accus. Einen, eine, eines oder eins. Diese Arten der Abänderung finden Statt, es mag dieses Wort ein eigentliches Zahlwort, oder ein Artikel, oder auch ein Pronomen seyn. Denn es ist in der Deutschen Sprache unter mehr als Einer Gestalt üblich.I. Ohne alle weitere Rücksicht, als auf die Zahl, da es dem Mehrern entgegen gesetzet wird, und ein Zahlwort in der eigentlichsten Bedeutung ist. Es hat in dieser Gestalt einen scharfen Ton, und wird, um es von den folgenden Beywörtern zu unterscheiden, gern mit einem großen Buchstaben geschrieben. Ein Gott, Ein Glaube, Eine Taufe, Ephes. 4, 5, 6. Es ist auch nicht Ein Mann geblieben. Mit Einem Worte. Der eine, oder der Eine ist nicht mehr vorhanden. Einer wird ihrer tausend jagen, 5 Mos. 32, 20. Da ist keiner, der Gutes thue, auch nicht Einer, Ps. 14, 4. Es ist nicht Einer davon gekommen. Ihrer zwey jagen Einen. Das ganze Land gehöret Einem. Alle Menschen reden von der Ehre, und unter hunderten weiß kaum Einer, worin sie bestehet. Der letzte ohne Einen. Aus zweyen Eines, oder Eins machen. Eins bitte ich vom Herren, Ps. 27, 4.Um des größern Nachdruckes willen, oder wenn eine Verwechselung mit dem unbestimmten Artikel ein zu befürchten ist, werden diesem Zahlworte oft noch die Wörter nur, einig, einzig, beygefügt. Es ist nur Ein Kind gestorben. Es ist nur ein einiger, oder ein einziger Mann entkommen. In den beyden letzten Fällen übernehmen die Wörter einig und einzig den Ausdruck der Zahl, ein wird zum bloßen Artikel, und kann alsdann auch den großen Buchstaben entbehren.Wenn das Geschlecht oder die Art bestimmt wird, zu welcher das Eine Ding gehöret, so wird selbige entweder vermittelst des Genitives, oder auch vermittelst der Präpositionen von, aus, unter ausgedruckt. Einer von den Dieben. Einer unter euch. Einer von beyden. Einer aus der Gesellschaft. Einer meiner Freunde. Im Oberdeutschen ist es gewöhnlich, das Zahlwort alsdann hinter den Genitiv zu setzen. Ob wir mochten vellen seiner gesellen einen, Theuerd. Rüfft darauf zu im seiner Diener ein, ebend. Kap. 70. Der was there ratgeve eine, in dem alten Gedichte auf Carln den Großen bey dem Schilter. Und nahm seiner Ribben eine, 1 Mos. 2, 21. Der Obersten einer, Matth. 9, 18. Als ich bey meiner guten Freunde einem im Durchreisen einsprach, Opitz. Welche den Hochdeutschen unangenehme Schönheit auch von einigen neuern Dichtern nachgeahmet worden. O könnt ich, Seline, dir doch, der Stunden Eine belohnen! Zachar. Hat das Hauptwort ein Pronomen possessivum bey sich, so wird ein zwischen beyde gesetzt, und alsdann auf folgende Art decliniret.Nom. Mein einer Acker, meine eine Magd, mein eines Pferd.Gen. Meines einen Ackers, meiner einen Magd, meines einen Pferdes.Dat. Meinem einen Acker, meiner einen Magd, meinem einen Pferde.Acc. Meinen einen Acker, meine eine Magd, mein eines Pferd.Für einer meiner Äcker, oder einer von meinen Äckern. Das Pferd zertrat mein eines Bein, Geßn. Doch diese ganze Wortfügung ist nur den gemeinen Sprecharten eigen. Die alten Oberdeutschen setzten das Zahlwort voran. Ein sin stifsun, Schwäb. Dichter. Ein min wange, Herm. von der Vogelweide.Oft hat dieses Zahlwort noch einige Nebenbegriffe, welche dessen Bedeutung mehr oder weniger einschränken. Diese sind:1) Der Begriff, daß ein Ding das einzige in seiner Art sey. Es ist nur Ein Gott. Zu der Zeit wird der Herr nur Einer seyn, und sein Nahme nur Einer, Zach. 14, 9. 2) Der Begriff der Verknüpfung der Zeit und dem Raume nach. Und sie werden seyn Ein Fleisch, 1 Mos. 2, 24. Ein Herz und Eine Seele. S. Eins, welches in dieser Bedeutung am üblichsten ist. Es gehet in Einem fort, im gemeinen Leben, wenn die Theile eines Ganzen, oder mehrerer als ein Ganzes betrachteter Dinge, ununterbrochen auf einander folgen. Es regnet, es blitzet in Einem fort. 3) Der Identität des Individui, welchen Begriff man zuweilen auch durch ein und eben derselbe auszudrucken pfleget. Schon seit zwey Monathen sind wir in Einem Hause, Less. Sie sind mit meiner Frau von Einer Größe, Gell. Eben auf Einen Tag wurden sie alle beschnitten, 1 Mos. 17, 26. Es träumete ihnen beyden in Einer Nacht, Kap. 40, 5. Sie haben alle Einen Vater, Mal. 2, 10. Sieben Ähren auf Einem Halme. Wir schlafen in Einem Bette. Ingleichen der Identität der Art oder des Geschlechtes, für einerley. Sie haben Eine Krankheit.Wenn man aber ohne Hauptwort, und ohne Beziehung auf ein Hauptwort zählet, gebraucht man das Neutrum eins, welches alsdann keiner Veränderung fähig ist. Eins, zwey, drey, u. s. f. Hundert und eins. Ein Mahl eins ist eins. Es schlägt eins. Die Niedersachsen gebrauchen dafür das Neutrum ein, welches auch die Hochdeutschen in den zusammen gesetzten Grundzahlen nachahmen. Ein und zwanzig, ein und dreyßig. In einem 1501 zu Rom gedruckten Deutsch-Ital. Vocabulario heißt es aber auch: ains und zwenzig, ains und dreißig u. s. f. Dieses Neutrum kann auch als ein Hauptwort gebraucht werden, die Zahlfigur der Einheit auszudrucken, die Eins, eine Eins, welches Hauptwort alsdann in allen Endungen unverändert bleibt.II. In Rücksicht auf die übrigen zugleich vorhandenen Dinge eben derselben Art, da es dem Beyworte ander entgegen gesetzet, und in den meisten Fällen auch mit demselben verbunden wird. Es zeiget alsdann weiter nichts an, als daß aus zwey oder mehrern Dingen Einer Art eines ausgehoben und von demselben etwas gesagt wird, wodurch es sich von den übrigen unterscheidet. Der eine Garten ist groß, der andere klein. Der eine thut dieß, der ander das. Einer will, der andere will nicht. In dem einen Augenblicke behauptet er dieß, in dem andern etwas andres. Einer betriegt den andern. Einer lebt, der andere stirbt. Es hatte jemand zwey Söhne, der eine war munter, der andere faul und träge. S. Ander, wo auch die adverbischen und zum Theil figürlichen R. A. bemerket worden, die mit beyden Beywörtern gemacht werden.In manchen Fällen, nehmlich im Dative und Accusative, kann die R. A. einer dem andern, einer den andern u. s. f. in Ein Wort zusammen gezogen werden; S. Einander.Ein ist in dieser Bedeutung ein wahres Beywort, und hat den scharfen Ton, so wie das Zahlwort. Es findet auch Statt, wenn mehr als zwey Dinge angeführet werden. Es waren drey Personen zugegen; die eine war ein Soldat, die ander ein Geistlicher, die dritte ein Edelmann. Da die Zahlwörter hier keine Ordnung, sondern bloß die Individua ohne alle Ordnung bestimmen sollen, so ist es unbillig, wenn einige Sprachlehrer das ein in diesem Falle für eine Ordnungszahl ausgeben. Da es hier nicht leicht mit dem Artikel ein zu verwechseln ist, so ist auch der große Buchstab hier unnöthig.Die Hochdeutschen kennen das ein in dieser Bedeutung nur im Singular; allein im Oberdeutschen ist es auch im Plural üblich, so wie das Französ. les uns, für einige, im Gegensatze der an- der n. Die einen reden gut, die andern reden schlecht von ihm. Der einen Wesen ward vom Irdischen befreyet, Hall. welches auch Zachariä an einem Orte nachgeahmet hat: Die einen waffneten geschärfte Bilderscheren, Die andern wollten sich mit großen Nadeln wehren. Andere Oberdeutsche haben in dieser Bedeutung das den Hochdeutschen ganz unbekannte einte, so wohl im Singular, als im Plur. Dar sinen willen ob er wil Tuont ich eint und anders niht, Heinr. von Veldig. Die einten - die andern, Walser. An einten Orten mehr, am andern minder, Bluntschli. S. Entweder.III. In den beyden vorigen Fällen dienete ein zur genauern Bestimmung des Individui; aber in vielen andern wird es auch gebraucht, wenn das Individuum nicht genau bezeichnet, sondern nur überhaupt das Geschlecht, oder die Art, zu welcher es gehöret, angezeiget werden soll. In dieser Bedeutung wird es in den Sprachlehren der unbestimmte Artikel genannt, in welcher Gestalt es denn, besonders wenn es sein Hauptwort bey sich hat, des Tones beraubt ist, und sehr kurz und geschwinde ausgesprochen wird. Es war einmahl ein Mann, will weiter nichts sagen, als daß das Ding, von welchem etwas erzählet werden soll, zu den menschlichen Geschöpfen männlichen Geschlechtes gehöret habe. An einem Morgen geschahe es, u. s. f. Eine Menge Menschen. Ein Haus von Stein. Eine Krone von Gold. Was ist das für ein Mann? Ingleichen, ohne Hauptwort. Wer gibt mir ein Buch? - Da ist eines. Sahest du nicht einen Vogel? - Ich sahe einen. Wenn du keinen hast, will ich dir einen geben. Ich habe ein Haus gekauft. - Was für eines? Nehmen sie meine Schwachheit nicht übel, wenn es eine ist, Gell. Ist das ein Thaler? - Ja es ist einer.In einer noch weitern Bedeutung bekommen auch Individua diesen Artikel, wenn sie mehr ihrer Beschaffenheit und ihren Eigenschaften, als ihrer individuellen Art nach bezeichnet werden sollen. Das ist ein schönes Haus. Das war ein feiner Kunstgriff. Er hat einen sehr bosen Vater. Das ist ganz ein anderer Mann. Welch eine Luft! Welch ein Mensch! Welch einen guten Fang hast du gethan!Besonders mit solch. Ein solcher Vorwurf ist unverträglich. Das hätte ich nicht gedacht, daß er ein solcher Bösewicht seyn würde. In den gemeinen Sprecharten ist für ein solcher, eine solche u. s. f. solch einer, so einer üblich, welches aber in der reinen Hochdeutschen Schreibart eine schlechte Figur macht. So einen Freund, wie der war, bekomme ich nicht wieder. Ich traue ihm so eine Heldenthat nicht zu. So ein Vorwurf, Less. Dächten sie, daß ich zu so einer Boßheit geschickt wäre? Gell. Hingegen gebraucht man im Oberdeutschen ein solches oft, wo nicht die Beschaffenheit einer Sache, sondern bloß ein vorher genanntes Individuum angedeutet werden soll, welches Hochdeutschen Ohren eben so anstößig ist. Es ist auch ein solches mein einiges Verlangen.Von dieser Eigenschaft des Wörtchens ein, die Beschaffenheit auszudrucken, rühret auch der Gebrauch her, daß man es manchen eigenthümlichen Nahmen vorsetzet, wenn dadurch nicht so wohl die Person selbst, als deren hervor stechende Eigenschaft bezeichnet werden soll. Ein Demosthenes selbst würde ihn nicht überzeugen können, d. i. ein Redner wie Demosthenes. Die Demüthigung des Ottomannischen Reiches war einer Katharina vorbehalten, einer Kaiserinn von so erhabenen Eigenschaften, als Katharina besitzet. Ein David schlägt einen Goliath. Die größten Kenner des menschlichen Herzens, ein Socrates, ein Plato, ein Seneca haben es gesagt.Dahin gehöret auch der im Oberdeutschen und im gemeinen Leben übliche Gebrauch, ganzen Collegiis statt des bestimmten Artikels den unbestimmten vorzusetzen, besonders wenn zugleich eine rühmliche Beschaffenheit derselben ausgedruckt werden soll. Das gehöret für eine hohe Obrigkeit. Ein hochedler Rath hat verordnet u. s. f. Ein hochwürdiges Consistorium. Eine löbliche Universität. Ja auch wohl von einzelnen Personen in dem feyerlichen Kanzelstyle. Ein heiliger David spricht u. s. f.Ferner ist daraus die im gemeinen Leben üblicher Gewohnheit zu erklären, wo ein, wenn es den Zahlwörtern vorgesetzet wird, so viel als ungefähr bedeutet. Wir wollen noch ein acht Tage warten; wo acht Tage durch diesen Artikel zu einer Gattung wird, und dadurch, die genaue Bestimmung der Zeit, die es ursprünglich hatte, verlieret. Es kommt auf ein zehen Thaler nicht an. Er muß nun wohl ein neunzehen bis zwanzig Jahr alt seyn. Wärest du doch ein zwey Stunden eher gekommen. Zuweilen wird das Zahlwort hinter das Hauptwort gesetzet, und diesem die Sylbe er angehänget. Ein Tager vier, ungefähr vier Tage. Ein Ellener drey. Ein Meilener acht. Wo die Sylbe er das verkürzte oder zu seyn scheinet, weil man auch statt dessen saget, eine Meile oder acht, eine Elle oder drey. Doch diese ganze Form gehöret, wie schon gedacht worden, in die gemeinen Sprecharten.Wenn der unbestimmte Artikel eine Präposition vor sich hat, welche die dritte Endung erfordert, so kann der Artikel oft an die Präposition, zuweilen aber auch an das Beywort angehänget werden. In der vertraulichen Sprechart lässet sich dieses so oft anbringen, als der Wohlklang es erlaubet; ja es gibt Fälle, wo diese Zusammenziehung auch in der ernsthaften und höhern Schreibart nothwendig wird, wenn die Rede nicht schleppend und langweilig werden soll. Das dienet zum Beweise, für: zu einem Beweise. Er steckt in großer Noth, für: in einer großen Noth. Sich zum Lehrer aufwerfen. Die Grammatik zur Wissenschaft machen. In andern Fällen gewinnet die Kürze, wenn dieser Artikel völlig weggelassen wird, welches besonders bey solchen Hauptwörtern geschehen kann, welche nicht allein Individua bezeichnen sondern auch schon an und für sich ein Geschlecht oder eine Gattung ausdrucken. Da ich noch Jungfer war. Gell. Sie ist schon Frau. In Gedanken ist sie schon gnädige Frau. Ja bey solchen Wörtern, welche schon ursprünglich etwas Allgemeines, oder eine ganze Gattung bedeuten, würde es ein Fehler seyn, ihnen vermittelst des unbestimmten Artikels erst eine Eigenschaft ertheilen zu wollen, die sie schon an und für sich haben, und die sie nicht anders verlieren können, als bis sie durch den bestimmten Artikel der zu Individuis gemacht werden. Gib mir Brot, d. i. dasjenige Nahrungsmittel, welches man Brot nennet. Hast du Geld? Ich habe Wein. Es wird Winter. Fleiß anwenden. Wird aber ein Beywort beygefüget, die nähere Beschaffenheit dieser Dinge zu bezeichnen, so kann auch der Artikel Statt finden, oft aber auch wegbleiben. Das ist schones Brot, oder ein schönes Brot. Wir haben einen harten Winter. Das ist ein guter alter Wein, oder das ist guter alter Wein.Die Oberdeutschen pflegen auch diesen Hauptwörtern den unbestimmten Artikel vorzusetzen, sprechen ihn aber alsdann überaus kurz, vor einem Consonannten fast wie a oder ä, vor einem Vocale aber wie an, än, oder n aus. Sie haben noch ä Wein. Hast du noch ä Bier. Das ist ä Geld. Ich habe an Essig, oder ich habe n Essig. Es ist sehr wahrscheinlich, daß manche Wörter auf diese Art vorn mit einem A oder N vermehret worden, die diese Buchstaben ursprünglich nicht gehabt, wenn sie nehmlich von andern Mundarten angenommen werden, welche diesen verkürzten Artikel für einen wesentlichen Theil des Hauptwortes gehalten. So bedeuten Bohrer verkürzet Bor, Bahr, Äber und Näber in verschiedenen Mundarten einen Bohrer. Asch, ein Gefäß, lautet in andern Mundarten Nasch, Ast, Nast, Atter, Natter, Narb, Arb u. s. f. S. A, Ameis und N.Bey dem bestimmten Artikel Der ist bereits angezeiget worden, worin derselbe hauptsächlich von dem unbestimmten Artikel ein unterschieden ist, welches man mit demjenigen, was hier bemerket worden, vergleichen muß.IV. Wenn dieser Artikel ohne Hauptwort stehet, sich auch auf kein kurz vorher gegangenes Hauptwort beziehet, sondern überhaupt zur Bezeichnung einer gewissen unbestimmten Person gebraucht wird, so nimmt er die Gestalt eines Pronomens an, und stehet alsdann für jemand, oder man, besonders in den Casibus obliquis, wo man nicht gebraucht werden kann. Allein dieses ganze Pronomen ist nur den gemeinen Mundarten, vornehmlich der Niedersachsen eigen, obgleich die Franzosen ihr on, die Engländer ihr one, und die Schweden ihr en auf eben dieselbe Art gebrauchen. Ich weiß wohl, daß man glaubt, daß einer gerne thu, Das was er gerne sagt, Logau. Was einer nicht gelernet hat, das verstehet er auch nicht. Es' möchte einer sagen. Unter eines Bothmäßigkeit stehen. Unter einem stehen. Es stoßen einen tausend Leute dieser Art auf. Ich weiß schon wie sie sind, sie wollen einem stets Muth einsprechen, Gell. Wie viel Sorgen und Noth macht einem nicht die Welt! ebend. Ach, die Haussorgen nehmen einen so sehr mit, ebend. Zuweilen stehet auch das Neutrum eines oder eins für eine Person oder jemand. Sobald sich eins im Hause klaget, so verbiethe ich ihm das Essen, Gell.Dahin gehöret auch das im gemeinen Leben so übliche unser einer, d. i. jemand von meinem oder von unserm Stande, oder wohl gar ich selbst, wir selbst. Ging der Herr wie unser einer? Weiße. Wenn das unser einer auch hätte, ebend. Meinen sie denn nicht, daß unser einer auch sein Abenteuer hat? Aber gleich wohl ist unser einer auch kein Katzenkopf, Less. Und unser einer macht dabey gar schlechte Sprünge, Rost. Das einer behält hier sein männliches Geschlecht, wenn gleich die Person, die es gebraucht, und von sich verstanden wissen will, weiblichen Geschlechtes ist. Sonst ist auch das Neutrum für alle Geschlechter üblich. Der unser eins nie angeblickt, Weiße. Es gibt Sprachlehrer, welche dieses Fürwort vertheidigen; allein es würde dessen ungeachtet ein Flecken in der edlen Schreibart der Hochdeutschen seyn, wenn gleich die vertrauliche Sprechart es duldet, in welche auch die oben angeführten Beyspiele gehören. Im Oberdeutschen gebraucht man auch den Plural eine, für einzige, den aber die Hochdeutschen gleichfalls nicht kennen.

Anm. 1. Das Zahlwort Ein ist denjenigen entgegen gesetzet, was mehr ist als eins, das Beywort dem ander, der Artikel und das Fürwort aber dem kein. Der Artikel ist eigentlich eine figürliche Bedeutung des Zahlwortes, wodurch Ein Individuum aus der Menge heraus gehoben, und zum Repräsentanten der ganzen Gattung gemacht wird. Beyde grenzen daher so nahe an einander, daß es Ausdrücke gibt, wo man ungewiß bleibt, ob das ein zu dem Zahlworte oder zu dem Artikel gehöret.

Anm. 2. Man wird wenig Mühe haben, den Artikel, besonders aber das Zahlwort ein in allen Europäischen Mundarten wieder zu finden. Bey dem Ulphilas lautet es ains, aina, ain,bey dem Kero ein, einaz, im Angels. an, aenc, im Engl. one, im Holländ. Dän. und Nieders. een, im Schwed. en, im Isl. eirn, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, einige, im Latein. unus, im Franz. un und on. Dem Hebr. Echat kommt das Indische und Persische ik und vielleicht auch das Wendische edek näher. Im Pohln. heißt ein jeden, in Neu Guinea und den Inseln der Südsee aber Tacü, Taci, Tika, Kaou. S. auch Kein und Allein.


Ein (W3) [Adelung]


2. Ein, eine im Hochdeutschen außer der Zusammensetzung veraltete Partikel, welche nur noch in einigen besondern Redensarten üblich ist. Sie ist die Präposition in nach einer rauhern Oberdeutschen Aussprache. Man gebraucht sie noch in einigen Ausdrücken, wo eigentlich in mit dem Accusative stehen sollte, in welchem Falle das ein hinter das Hauptwort gesetzet wird. Jahr aus, Jahr ein, das ganze Jahr hindurch. Der Hase lief Berg ein, lief in das Gebirge. Feld ein rennen. Einem quer Feld ein kommen. Den Pilgram, welchen du siehst außer Weges wallen, Und irrig gehn Wald ein, Opitz. Kein Tag wird Abend ein nicht eilen ohne Schrecken, ebend. Laß mein Schreyen kräftig seyn, Daß es bringe Himmel ein, ebend. Ps. 102. Du hättest mich, o Feind, gefället, Und stießest heftig zu mir ein, ebend. Ps. 118. Welche Arten des Ausdruckes doch im Hochdeutschen ungewöhnlich sind.Am häufigsten ist diese Partikel noch in vielen Zusammensetzungen üblich, theils für in, wie in Einung für Innung, Eingeweide, eingeboren, in einem Lande geboren, einländisch, einheimisch, Einwohner; theils für hinein, oder für in, wenn es eine Bewegung in einen Ort hinein ausdrucket, darein, herein, hinein u. s. f. besonders mit vielen Zeitwörtern, in welchen diese Bedeutung zum Grunde lieget, wenn sie gleich in besondern Fällen besondere Nebenbedeutungen bekommen. S. In, und die folgenden Zusammensetzungen.Man muß die mit diesem Neben- oder Vorworte zusammen gesetzten Wörter nicht mit denjenigen verwechseln, in welchen ein das Zahlwort ist, wohin unter andern einäugig Einbeer, Einblatt, Einfalt, einfältig, einmüthig, einsylbig u. s. f. gehören.


Einackern (W3) [Adelung]


Einackern, verb. reg. act. hinein ackern, oder pflügen, in der Landwirthschaft. Den Mist einackern, ihn unterackern. Daher die Einackerung. S. Ackern und 2 Ein.


Einander (W3) [Adelung]


Einander, adv. oder pronom. indecl. welches aus der R. A. einer den andern, einer dem andern u. s. f. zusammen gezogen ist, und von dem gegenseitigen Verhältnisse nicht nur zweyer, sondern auch mehrerer Dinge gegen sich gebraucht wird. 1) Eigentlich. Wir begegneten einander, d. i. einer von uns beyden begegnete dem andern. Sie hindern einander. Einander lieben, betriegen u. s. f. Wir sind einander von Kindheit an gut gewesen, Weiße. Man kann einander in allen Ehren lieben, Gell. Ingleichen mit Vorwörtern; welche aber nicht mit diesem Worte zusammen gezogen werden müssen. Wir wohnen, wir stoßen an einander. An einander hängen, binden. Im gemeinen Leben auch von einer zusammen hängenden Zeitdauer. Es regnete drey Tage an einander. Auf einander folgen, liegen, sitzen, stehen u. s. f. Aus einander gehen, laufen, bringen, treiben. Wir wollen sehen, wie wir mit ihr aus einander kommen, Gell. Alles durch einander werfen. Hier lieget alles verwirren durcheinander. Es regnet und schneyet durch einander. Sie sind für ein- ander geboren. Man muß es gegen einander halten. Hinter einander gehen. In einander wickeln, fügen. Was habt ihr denn mit einander vor? Mit einander zanken. Nach einander gehen, kommen. Sie gingen nach einander fort. Neben einander wohnen, stehen. Von einander reißen, trennen. Über einander werfen. Alles unter einander mischen. Sie sind alle wider einander. 2) Figürlich, für insgesamt, in Gesellschaft des Vorwortes mit; doch nur im gemeinen Leben. Alles Fleisch mit einander wird sehen, Es. 40, 5. Tannen, Buchen und Buchsbaum mit einander, Kap. 41, 19. Laß sich versammeln, und kommen mit einander herzu die Helden der Heiden, Es. 45, 20.

Anm. Bey dem Notker lautet dieses Wort noch getheilt, einero andere; allein schon in den Monseeischen Glossen heißt es im Dative einandremo, und im Oberdeutschen, besonders in der Schweiz, wird es noch heut zu Tage decliniret. Bey einanderen wohnen, Bluntschli. Die Niedersachsen gebrauchen dafür malkander, von malk, ein jeder, jemand. Einander hat den Ton gewöhnlich auf der mittelsten Sylbe; wenn aber ein Vorwort vorhanden ist, so wirft es den Hauptton auf dieses, und die Sylbe an behält nur einen schwachen Nebenton. S. 1 Ein II.


Einankern (W3) [Adelung]


* Einankern, verb. reg. act. die Anker einwerfen; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Zeitwort. Streicht Segel, ankert ein, Opitz.


Einantworten (W3) [Adelung]


Einantworten, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, für überliefern, einhändigen. Einem etwas einantworten. Daher die Einantwortung. S. Antworten

Anm. und Überantworten.


Einartig (W3) [Adelung]


Einartig, adj. et adv. von einerley Art, eine und eben dieselbe Art habend. Je schärfer die Sinne der Thiere sind, desto kleiner ist ihr Kreis, desto einartiger ist ihr Kunstwerk, Herd.


Einäschern (W3) [Adelung]


Einäschern, verb. reg. act. 1) Zu Asche brennen, in welchem eigentlichen Verstande dieses Wort bey den Scheidekünstlern der vorigen Zeiten üblich war, und auch für calciniren oder verkalken gebraucht wurde. Heut zu Tage gebraucht man es nur im gemeinen Leben, für die R. A. in die Asche legen, d. i. anzünden und verbrennen. Die feindlichen Husaren haben das ganze Dorf eingeäschert. S. Asche und Äschern. 2) Mit Asche beitzen oder kochen. Das Garn einäschern, in der Hauswirthschaft. Häute einäschern, oder äschern, bey den Gärbern, sie mit Kalk und Asche beitzen. So auch die Einäscherung. 3) An der Aschermittwoche mit Asche bestreuen, in der katholischen Kirche. S. 2 Ein.


Einathemen (W3) [Adelung]


Einathemen, zusammen gezogen einathmen, verb. reg. act. mit dem Athmen oder in Gestalt des Athems hinein ziehen. Wir athemen mit der Luft allerley schädliche Dünste ein. Daher die Einathemung.


Einätzen (W3) [Adelung]


Einätzen, verb. reg. act. hinein ätzen, durch Ätzmittel hinein bringen. Buchstaben mit Scheidewasser einätzen. Daher die Einätzung.


Einäugig (W3) [Adelung]


Einäugig, adj. et adv. Ein Auge habend. Ein armer einäugiger Mensch. Ein Einäugiger.


Einballen (W3) [Adelung]


Einballen, verb. reg. act. in einen Ballen bringen. Waaren einballen. Mit einer ausländischen Endung auch wohl einballiren. Daher die Einballung und Einballirung.


Einbalsamiren (W3) [Adelung]


Einbalsamiren, verb. reg. act. mit Balsam oder wohl riechenden Harzen inwendig ausfüllen, oder auch damit von außen umgeben; balsamiren. Eine Leiche einbalsamiren. So auch die Einbalsamirung.


Einband (W3) [Adelung]


Der Einband, des -es, plur. die -bände. 1) Die Handlung des Einbindens eines Buches; ohne Plural. Ich habezwölf Groschen für den Einband bezahlet. 2) Der Band eines Buches selbst, und dessen Art und Weise; besser der Band. S. Einbinden.


Einbansen (W3) [Adelung]


Einbansen, verb. reg. act. in der Landwirthschaft, in die Bansen bringen. Das Getreide einbansen. S. Bansen.


Einbau (W3) [Adelung]


Der Einbau, des -es, plur. die -bäue, ein Bau an dem Ufer eines Flusses, die Verminderung und Anspülung des erstern zu verhüthen; das Eingebäude. Vermuthlich weil es in den Fluß hinein gebauet wird.


Einbauen (W3) [Adelung]


Einbauen, verb. reg. 1) Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, von den Bienen, sich in dem Innern einer Sache anbauen. Die Bienen haben hier eingebauet. Figürlich sagt Günther ein Mahl: Hier scheint die Wissenschaft auf ewig einzubaun. 2) Activum. Ein Gut in das Hauptgut einbauen, es nicht selbst bewohnen, sondern es als ein Nebengut von dem Hauptgute aus bauen.


Einbecken (W3) [Adelung]


Einbecken, verb. reg. act. bey den Kupferschmieden, den Draht unterschlagen. Daher die Einbeckung. S. Beckhammer und Bicken.


Einbeere (W3) [Adelung]


Die Einbeere, plur. inus. eine Pflanze, welche eine einzelne schwarzbraune runde vierfächerige Beere trägt, und in den Europäischen Hainen wird wächset; Paris, L. Sie wird auch Wolfsbeere und Sauauge genannt.


Einbeeren (W3) [Adelung]


Einbeeren, verb. reg. act. bey den Jägern und Vogelstellern, die Vogelbeeren in die Schneißen hängen, absolute.


Einbehalten (W3) [Adelung]


Einbehalten, verb. irreg. act. ( S. Behalten,) für das bessere inne behalten, nicht ausliefern. Jemanden seinen Lohn einbehalten. So auch die Einbehaltung.


Einbeißen (W3) [Adelung]


Einbeißen, verb. irreg. neutr. ( S. Beißen,) mit dem Hülfsworte haben, hinein beißen, im gemeinen Leben; ingleichen figürlich, beißend eindringen, von Schlägen u. s. f.


Einbeitzen (W3) [Adelung]


Einbeitzen, verb. reg. act. einbeißen machen. Fleisch einbeitzen, es in Essig legen, damit es von demselben gebeitzet werde. Buchstaben einbeitzen, durch Scheidewasser u. s. f. einfressen lassen.


Einbekennen (W3) [Adelung]


Einbekennen, verb. irreg. act. ( S. Kennen,) welches nur im Oberdeutschen und im gemeinen Leben üblich ist, für bekennen, eingestehen.


Einbekommen (W3) [Adelung]


Einbekommen, verb. irreg. neutr. ( S. Kommen,) mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den niedrigen Sprecharten vorkommt, bekommen und hinein ziehen. Der Feind hat die Stadt, die Festung nicht einbekommen.


Einberichten (W3) [Adelung]


Einberichten, verb. reg. act. an einen Ort berichten, Bericht erstatten. Die Amtleute haben einberichtet, daß u. s. f. So auch die Einberichtung.


Einbetteln (W3) [Adelung]


Einbetteln, verb. reg. act. 1) Bettelnd einsammeln. Almosen einbetteln. Hier kann er einen Brocken Weisheit auskramen, den er sich erst gestern einbettelte, Less. 2) Sich einbetteln, figürlich, sich durch vieles Bitten Eingang verschaffen, einschmeicheln. Er hat sich bey mir eingebettelt. Sich in ein Amt einbetteln.


Einbeugen (W3) [Adelung]


Einbeugen, verb. reg. act. einwärts beugen, hinein beugen, in der edlern Schreibart. Die Knie einbeugen. So auch die Einbeugung, so wohl von der Handlung des Einbeugens, als auch von der eingebeugten Sache und der dadurch verursachten Krümme. S. Beugen und das folgende.


Einbiegen (W3) [Adelung]


Einbiegen, verb. irreg. act. ( S. Biegen,) wie das vorige, im gemeinen Leben, einwärts biegen, hinein biegen. Einen Ast einbiegen. S. Biegen.


Einbilden (W3) [Adelung]


Einbilden, verb. reg. act. 1. * Eigentlich, das Bild einer Sache einer andern einverleiben; in welcher im Hochdeutschen völlig ungewöhnlichen Bedeutung es noch bey dem Opitz heißt: Ich fand in ihr dich so gebildet ein, für abgebildet. 2. Figürlich, als ein Reciprocum, sich einbilden, sich in Gedanken ein Bild, eine Vorstellung von einer Sache machen. 1) Überhaupt. Ich konnte es mir leicht einbilden, daß es so kommen würde. Ich kann mir unmöglich einbilden, daß er dieser Boßheit fähig seyn sollte. Das konnte ich mir einbilden, daß sie mir widersprechen werden, Gell. Ehedem war auch das einfache bilden in diesem Verstande üblich. Ey wenn ich bilde mir ir zuht So wirt mein muot u. s. f. König Wenzel. 2) In engerer Bedeutung, mit verschiedenen Nebenbegriffen und Einschränkungen. (a) * Sich Hoffnung auf etwas machen; ein im Hochdeutschen ungewöhnlicher Gebrauch. Ich bilde steif mir Gottes Beystand ein, Opitz. (b) Sich eine ungegründete Vorstellung, einen falschen Begriff machen. Bilde dir doch das nicht ein. Er bildet sich ein, alle Leute wären so wie er. Sich etwas steif und fest einbilden, im gemeinen Leben. Auch active, einem etwas einbilden, ihn bewegen, eine ungegründete Sache für wahr zu halten, kommt zuweilen vor. Eine eingebildete Hoffnung, eine ungegründete Hoffnung. (c) Sich eine ungegründete Vorstellung von seinen eigenen Vollkommenheiten machen. Er bildet sich viel ein. Er bildet sich nichts geringes ein. Darauf darfst du dir nichts einbilden, du hast nicht Ursache stolz darauf zu seyn. Was bildest du dir ein? Wozu verleitet dich dein Stolz? Ein eingebildeter Mensch, der sich viel einbildet, ein stolzer Mensch; in den niedrigen Sprecharten ein einbildischer oder einbilderischer Mensch.


Einbildung (W3) [Adelung]


Die Einbildung, plur. die -en. 1. Der Zustand, da man sich etwas einbildet, oder Vorstellungen in sich erwecket; ohne Plural. 2. Das Vermögen der Seele, sinnliche Vorstellungen hervor zu bringen; wofür doch das zusammen gesetzte, die Einbildungskraft, üblicher ist. Am häufigsten, 3. die Vorstellung selbst, doch nur mit einigen Nebenbegriffen. 1) Eine falsche, eine ungegründete Vorstellung. Die Sache ist ungegründet, es ist eine bloße Einbildung. 2) Eine ungegründete Vorstellung, die man von sich und seinen Vollkommenheiten hat. Er hat eine große Einbildung von sich. Er ist voller Einbildung.


Einbildungskraft (W3) [Adelung]


Die Einbildungskraft, plur. die -kräfte, das Vermögen der Seele, sich ein Bild, oder eine sinnliche Vorstellung von einer abwesenden Sache zu machen. Eine starke Einbildungskraft, welche sich das Abwesende klar und deutlich vorstellen kann.


Einbinden (W3) [Adelung]


Einbinden, verb. irreg. act. S. Binden. 1. Eigentlich einen Körper in einen andern hinein binden. Junge Bäume in Stroh einbinden. Waaren in Papier einbinden. Sich den Kopf einbinden. Einen Haarbeutel einbinden, ihn an den Hinterhaaren befestigen. Die Segel einbinden, sie zusammen rollen und an die Rahe befestigen. Die Garne einbinden, bey den Jägern, sie an Reife oder Stäbe anheften. 2. In engerer und figürlicher Bedeutung. 1) Mit einem Bande versehen, von Büchern. Ein Buch einbinden. Ein Buch in Leder, in Pergament, in Pappe einbinden. 2) Dem Pathen bey der Taufe ein Geschenk an Gelde geben, weil es bey geringern Leuten ehedem in das Tuch des Kindes gebunden wurde. Sie haben viel, wenig eingebunden. Daher das Einbindegeld, im gemeinen Leben, das Pathengeschenk. 3) Sorgfältig empfehlen, genau anbefehlen, einschärfen, im gemeinen Leben. Ich habe es ihm sorgfältig, scharf, eingebunden.


Einbindenadel (W3) [Adelung]


Die Einbindenadel, plur. die -n, bey den Schustern, eine Nadel, die ledernen Absätze damit aufzunähen.


Einblasen (W3) [Adelung]


Einblasen, verb. irreg. act. S. Blasen. 1) Blasend in etwas hinein bringen. So blies Gott dem Adam einen lebendigenAthem ein, 1 Mos. 2, 7. Figürlich, im gemeinen Leben, heimlich vorsagen. Der Redner konnte nicht fort, man mußte es ihm einblasen. Nach einer noch weitern Figur, heimlich von etwas überreden. Wer hat dir das eingeblasen? 2) Durch Blasen einwerfen. Ein Haus von Kartenblättern einblasen. So auch die Einblasung.


Einblatt (W3) [Adelung]


Das Einblatt, des -es, plur. car. ein Nahme verschiedener Pflanzen, welche nur ein einziges Blatt haben. 1) Einer Pflanze, welche an den feuchten Orten Europas wild wächset; Parnassia, L. Parnassus-Gras. 2) Einer Art der Mayblumen, deren Blätter zwey bis drey an der Zahl einzeln aus der Erde hervor kommen; Convallaria bifolia, L. kleine Mayblume, Monophyllon, Matth. 3) Der Natterzunge, oder Schlangenzunge, Ophioglossum, L. welche auch nur ein einziges spitziges Blatt hat, und auf schattigen Wiesen wächset.


Einbläuen (W3) [Adelung]


Einbläuen, verb. reg. act. durch Bläuen oder Schlagen hinein bringen; doch nur figürlich und im gemeinen Leben. Einem etwas einbläuen, ihn durch Schläge zur Erlernung einer Sache nöthigen. Daher die Einbläuung. S. Bläuen.


Einblinden (W3) [Adelung]


Einblinden, verb. reg. act. in der Baukunst, mit einer Blende oder Blinde umgeben. Eingeblindete Säulen, frey stehende Säulen, hinter welchen die Wand ausgehöhlet wird, damit sie darin als in einer Blende stehen; Franz. Colonnes nichees. So auch die Einblindung.


Einbökeln (W3) [Adelung]


Einbökeln, verb. reg. act. in den Bökel legen, mit Bökel begießen und darin verwahren, einsalzen. Fleisch einbökeln. Nieders. inpekeln. S. Bökel.


Einbohrig (W3) [Adelung]


Einbohrig, adj. et adv. von dem Zahlworte ein und bohren. Einbohrige Röhren, in den Wasserleitungen, welche nur Ein Mahl gebohret worden, und deren Öffnung 1 3/4 Zoll im Durchmesser hält; zum Unterschiede von zwey- drey- und vierbohrigen.


Einbrechen (W3) [Adelung]


Einbrechen, verb. irreg. ( S. Brechen,) welches in doppelter Gattung üblich ist. I. Als ein Activum, niederbrechen, zerbrechen, und einreißen. Ein Haus einbrechen. So auch die Einbrechung. II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn. 1) Brechen und herein fallen, nach innen zu brechen. Das Eis brach ein. In der Landwirthschaft brechen Gerste und Hafer ein, wenn die Ähren vor allzu großer Reife von selbst abbrechen. 2) Mit Zerbrechung der Hindernisse in etwas hinein dringen. Es sind Diebe eingebrochen, in das Haus. Figürlich, mit Überwindung der Hindernisse hinein dringen. So bricht die Reiterey in den Feind ein, wenn sie dessen Glieder trennet und aus einander sprenget. Nach einer noch weitern Figur, plötzlich annahen. Die Gerichte Gottes brechen ein. Die einbrechenden Gerichte Gottes. Ja für kommen überhaupt, doch nur in einigen Redensarten. Die Nacht bricht ein. Die Kälte bricht ein. S. Anbrechen, Brechen und Einbruch.


Einbrennen (W3) [Adelung]


Einbrennen, verb. reg. act. S. Brennen. 1) Brennend eindrücken, mit einem glühenden Eisen eindrücken. Ein Zeichen einbrennen. 2) In einen brennenden oder heißen Körper legen, oder mit einem heißen Körper vermischen. In den Blechhämmern werden die Bleche eingebrennet oder eingebrannt, wenn sie in das flüssige Zinn gelegt werden, um sie zu verzinnen. In der Landwirthschaft brennet man das Futter ein, oder man brennet den Schweinen ein, wenn man das für sie bestimmte Futter mit heißem Wasser brühet. Eben so wird auch die Wäsche eingebrannt. S. Einbrühen. Und in den Küchen brennet man Mehl ein, wenn man dasselbe mit zerlassener Butter über dem Feuer vermischet und hernach an die Speisen thut. 3) Vermittelst eines brennenden Körpers durchdringen; So brennen die Weinküfer die Weinfässer ein, wenn sie ein mit Schwefel und Gewürzen bestrichenes Stückchen Leinwand in denselben verbrennen lassen. So auch die Einbrennung.


Einbrocken (W3) [Adelung]


Einbrocken, verb. reg. act. brockenweise hinein werfen. Brot einbrocken, in die Milch oder in einen andern flüssigen Körper. Hast du es eingebrocket, so mußt du es auch ausessen, in der niedrigen Sprechart hast du etwas versehen, so mußt du auch dafür büßen. Was hab ich eingebrockt? sagt Gryphius sehr ernsthaft zu Gott.


Einbruch (W3) [Adelung]


Der Einbruch, des -es, plur. die -brüche, die Handlung des Einbrechens. 1) Als ein Abstractum, ohne Plural, in allen Bedeutungen des Neutrius einbrechen. Der Einbruch des Eisens. Der Einbruch des Diebes. Der Einbruch des Feindes. Vor Einbruch der Nacht. 2) Als ein Concretum, oder von einzelnen Fällen, da jemand einbricht; vornehmlich von dem Einbrechen der Diebe. Es sind in der vorigen Nacht verschiedene Einbrüche geschehen.


Einbrühen (W3) [Adelung]


Einbrühen, verb. reg. act. mit Brühe, d. i. siedendem Wasser, durchdringen. Wäsche einbrühen. Das Futter für das Vieh einbrühen; an einigen Orten einbrennen.


Einbündeln (W3) [Adelung]


Einbündeln, verb. reg. act. S. Einwindeln.


Einbuße (W3) [Adelung]


Die Einbuße, plur. die -n, der Verlust an zeitlichem Vermögen, ohne Plural, und dasjenige, was man einbüßet oder verlieret. Er hat viele Einbuße erlitten. Ich habe wenig Einbuße dabey. S. das folgende.


Einbüßen (W3) [Adelung]


Einbüßen, verb. reg. act. Verlust an zeitlichem Vermögen leiden. Ich habe bey dieser Sache viel, wenig eingebüßet. Wir haben hundert Thaler eingebüßet. In weiterer Bedeutung überhaupt für Schaden leiden, verlieren. Seinen ehelichen Nahmen einbüßen. Das Leben einbüßen. Die Feinde haben in dieser Schlacht viel eingebüßt, viele Leute verloren.

Anm. Büßen bedeutet in dieser Zusammensetzung entweder, wie Frisch will, bessern, verbessern, und einbüßen durch Bessern aufgehen lassen, oder auch nur überhaupt bezahlen, Strafe in dem Gerichte erlegen. S. Buße und Büßen.


Eincassiren (W3) [Adelung]


Eincassiren, verb. reg. act. im gemeinen Leben, eine Geldsumme, die man zu fordern hat, zur Casse schaffen. Eine Geldposteincassiren, Schulden eincassiren. So auch die Eincassirung. S. Cassiren.


Eindächtig (W3) [Adelung]


* Eindächtig, adj. et adv. welches im Hochdeutschen völlig veraltet ist, und nur noch 1 Thess. 2, 9, für eingedenk vorkommt. Ihr seyd wohl eindächtig unserer Arbeit. S. Eingedenk und Eindenken.


Eindammen (W3) [Adelung]


Eindammen, verb. reg. act. mit in den Damm oder Deich befestigen, Holz, Buschwerk eindammen. Daher die Eindammung.


Eindämpfen (W3) [Adelung]


Eindämpfen, verb. reg. act. welches nur bey den Vogelstellern üblich ist. Einen Vogel eindämpfen, ihn in das Dunkele einsperren. Daher die Eindämpfung. S. 1 Dämpfen.


Eindecken (W3) [Adelung]


Eindecken, verb. reg. act. Ein Dach eindecken, die Ziegel ordentlich mit Kalk verbinden, welches auch einkalken genannt wird; zum Unterschiede von dem bloßen einhängen.


Eindeichen (W3) [Adelung]


Eindeichen, verb. reg. act. in den Marschländern, mit einem Deiche oder Damme einschließen. Ein Stück Landes eindeichen. Eingedeichtes Land. Daher die Eindeichung.


Eindenken (W3) [Adelung]


* Eindenken, adj. et adv. eingedenk; welches eben so ungewöhnlich ist als eindächtig. Und wirft allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe, Matth. 5, 23. S. Eingedenk.


Eindeutig (W3) [Adelung]


Eindeutig, adj. et adv. nur Eine Bedeutung habend; zum Unterschiede von dem vieldeutig. So auch die Eindeutigkeit.


Eindicken (W3) [Adelung]


Eindicken, verb. reg. act. in der Chymie, einen flüssigen Körper bis zu einer gewissen Dicke abrauchen lassen. So auch die Eindickung.


Eindingen (W3) [Adelung]


Eindingen, verb. irreg. act. ( S. Dingen,) bey dem Unterhandeln mit einen Vergleich einschließen, im gemeinen Leben. Das habe ich mit eingedungen. Von Ding, ein Vertrag, und dingen, einen Vergleich machen. Daher die Eindingung.


Eindorren (W3) [Adelung]


Eindorren, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, dorren und kleiner werden, dürre werden und einen kleinern Raum einnehmen, eintrocknen. Der Käse ist sehr eingedorret.


Eindrängen (W3) [Adelung]


Eindrängen, verb. reg. act. welches als ein Reciprocum am üblichsten ist. Sich eindrängen, durch Drängen in einen Ort zu kommen suchen. Er drängt sich überall ein. Auch figürlich, durch unerlaubte Mittel in einen Ort oder zu einer Würde gelangen. Er würde nicht Rathsherr geworden seyn, wenn er sich nicht eingedränget hätte. So auch die Eindrängung. S. Eindringen, ingleichen Eintränken.


Eindrehen (W3) [Adelung]


Eindrehen, verb. reg. act. in etwas hinein drehen. Eine Wieke in die Wunde eindrehen. So auch die Eindrehung.


Eindrillen (W3) [Adelung]


Eindrillen, verb. reg. act. Ein Loch eindrillen, vermittelst des Drillbohrers einbohren, bey verschiedenen Metallarbeitern. So auch die Eindrillung. S. Drillen.


Eindringen (W3) [Adelung]


Eindringen, ver. irreg. ( S. Dringen,) welches in doppelter Gattung üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, und in einen Ort dringen, in figürlicher Bedeutung. Die Feinde sind eingedrungen, in die Stadt, in die Glieder u. s. f. Der Feind drang auf uns ein. Unfälle des Lebens, welche auf uns eindringen, Sonnenf. Das Wasser, die Fluth dringt ein, dringt herein. II Als ein Activum, wie eindrängen; gleichfalls nur als ein Reciprocum. Sich eindringen. Er weiß sich überall einzudringen.


Eindruck (W3) [Adelung]


Der Eindruck, des -es, plur. die -drücke. 1. Die Handlung des Eindruckens; ohne Plural. Der Eindruck einer Kupferplatte in ein Buch. S. Eindrucken. 2. Die durch Eindrücken gemachte Vertiefung in einem Körper, die von dem Eindrücken zurück bleibende Spur. 1) Eigentlich. Man sie- het den Eindruck noch auf dem Wachse. Noch mehr aber, 2) figürlich, die Wirkung einer Sache auf das menschliche Gemüth. Der Tod eines Freundes hat vielen Eindruck auf ihn gemacht. Seine Worte haben einen tiefen Eindruck. Alle Vorstellungen machten bey ihm keinen Eindruck, blieben ohne Eindruck.


Eindrücken (W3) [Adelung]


Eindrücken, verb. reg. act. 1) Hinein drücken. Butter eindrücken, in das Faß. Etwas fest eindrücken. Dein Bild hat sich tief in mein Herz eingedrückt. Du drückst den Tod tief ihren Schädeln ein, Kleist. Das drückt sich dem Gedächtnisse besser ein. 2) Einwärts drücken, und dadurch zerbrechen. Ein Ey eindrücken. Einem Vogel den Kopf eindrücken. So auch die Eindrückung.


Eindrucken (W3) [Adelung]


Eindrucken, verb. reg. act. 1) Wie das vorige im Oberdeutschen und in der höhern Schreibart der Hochdeutschen. 2) Eingedruckte Kupferstiche, die nicht auf besondern Blättern befindlich, sondern in die Materie des Buches mit eingedrucket sind. 3) Farben eindrucken, sie durch Drucken in den Kattun bringen; zum Unterschiede von dem Einschildern. S. Drucken.


Eindupfen (W3) [Adelung]


Eindupfen, S. Eintüpfen.


Einebenen (W3) [Adelung]


Einebenen, verb. reg. act. völlig eben machen. Hügel, Halden einebenen. So auch die Einebenung.


Einegen (W3) [Adelung]


Einegen, verb. reg. act. vermittelst der Ege in die Erde bringen. Den Samen einegen, in der Landwirthschaft.


Einen (W3) [Adelung]


Einen, verb. reg. act. Einung, S. Vereinen, Vereinigung.


Einer (W3) [Adelung]


Einer, das Zahlwort ein, wenn es ohne Hauptwort und ohne Artikel stehet, S. 1 Ein.


Einer (W3) [Adelung]


Der Einer, des -s, plur. ut nom. sing. in der Rechenkunst, eine Ziffer oder Zahlfigur, welche so viel Einheiten bedeutet, als ihre Figur anzeiget; im Gegensatze der Zehner Hunderter u. s. f. Folglich gehöret jede einzelne Zahlfigur, und in zusammen gesetzten Zahlen diejenige, welche die erste Stelle zur rechten Hand einnimmt, unter die Einer. In 489 ist die 9 ein Einer, die 8 ein Zehner, und die 4 ein Hunderter, weil die erste bloße Einheiten, die zweyte so viele zehen, und die dritte so viele hundert Einheiten andeuten, als ihre Zahlfigur verlangt. S. - Er.


Einerley (W3) [Adelung]


Einerley, adj. indecl. et adv. welches aus dem weiblichen Genitiv einer und dem Worte ley, oder lich, gleich, zusammen gesetzet ist. 1) Eines und eben dasselbe Individuum; welche Bedeutung nur noch zuweilen vorkommt. Es hatte aber alle Welt einerley Zungen und Sprache. 1 Mos. 11, 1. Habt einerley Sinn unter einander, Römer 12, 16. Daß ihr einerley gesinnet seyd, Kap. 14, 5. Er bleibt nicht auf einerley Rede. Sie sind von einerley Religion, von einerley Alter. 2) Von einer und eben derselben Art; wenigstens in einigen Betrachtungen, so daß man ein Ding für das andere setzen kann, und alles wie vorhin bleibt. Wenn man eine Sache mit einem bleyernen, oder mit einem eisernen Pfunde abwieget, so sind beyde Gewichte in dieser Betrachtung einerley, ob sie gleich der Materie nach verschieden sind. Einerley Speise, einerley Trank genießen. Sie haben beyde einerley Vorhaben. Er sagt immer einerley. In Welchem Falle dieses Wort auch als ein unabänderliches Hauptwort gebraucht werden kann. Wem schmeckt ein ewig Einerley? Und Bäche rauschen hier ein ewiges Einerley, Zachar. Er ist allezeit einerley, er ist sich immer gleich gesinnet. Es ist ihm alles einerley, man mag ihm höflich oder grob begegnen.

Anm. Das Hauptwort die Einerleyheit, welches einige neuere Philosophen für Identität einführen wollen, hat außer einigen Compendien sein Glück zur Zeit noch nicht gemach. Für einerleyist im Nieders. in der zweyten Bedeutung een-doont, ein Thun, als ein Nebenwort üblich.


Einernten (W3) [Adelung]


Einernten, verb. reg. 1) Neutrum, mit haben, die Feldfrüchte in die Scheuern bringen. Wir haben noch nicht eingeerntet. 2) Activum, mit dem Accusative der Sache. Die Feldfrüchte einernten, zur Erntezeit in die Scheuern bringen. Ingleichen figürlich. Lob einernten, in reichem Maße erhalten. In der Geschichte treten die Menschen auf, nicht um Schmeicheley einzuernten, sondern um gerichtet zu werden, Sonnenf. Daher die Einerntung.


Einfach (W3) [Adelung]


Einfach, adj. et adv. nur Ein Mahl genommen, im Gegensatze dessen, was doppelt, dreyfach u. s. f. ist. 1. Eigentlich. Der Zeug liegt einfach, nicht doppelt. Eine einfache Mauer. Ein einfacher Ducaten, eine Münze, welche nur Einen Ducaten gilt, im Gegensatze eines Doppel-Ducatens. Einfachen Sold bekommen. 2. In weiterer und figürlicher Bedeutung. 1) Woran ein oder mehrere Theile sich nur Ein Mahl befinden. Ein einfacher Adler, in der Wapenkunst, der nur Einen Kopf hat, im Gegensatze des doppelten. Eine einfache Flinte, die nur Einen Lauf hat. 2) Was von geringere Stärke und Güte ist, als ein anderes seiner Art. Einfaches Bier, einfacher Taffet, einfacher Zeug, im Gegensatze des doppelten Bieres u. s. f. 3) Ungefüllt, von Blumen. Einfache Narzissen, einfache Nelken u. s. f. 4) In der Rechenkunst heißt eine einfache Zahl oft auch so viel als eine solche ungerade Zahl, welche sich durch keine andere als durch sich selbst und durch 1 vollkommen ausmessen lässet, dergleichen Zahlen 1, 3, 5, 7, 11, 13 u. s. f. sind. 5) Noch häufiger aber ist einfach dem zusammen gesetzten entgegen gesetzet. Da ist eine einfache Zahl, welche nur aus einer einzigen Ziffer bestehet, im Gegensatze der zusammen gesetzten, welche deren mehr haben. Eine einfache Bewegung, welche von einer einzigen Kraft herrühret, die nach einer und eben derselben Richtung wirkt. Ein einfaches Wort, welches nicht aus zwey andern zusammen gesetzt ist. Ingleichen in weiterer Bedeutung, was nicht aus überflüssigen oder sehr künstlich zusammen gesetzten Theilen bestehet. Eine einfache Maschine, welche nicht mehr Theile hat, als zur Bewegung unentbehrlich sind. In einem Trauerspiele muß die Handlung einfach seyn, im Gegensatze des Verwickelten, wo sie mit so vielen Zwischenhandlungen vermischt ist, daß dadurch der Lauf der Haupthandlung verwirret wird. 6) In der engsten Bedeutung heißt einfach, was gar keine Theile hat. In diesem Verstande heißt ein jeder Geist ein einfaches Wesen.

Anm. Einfach heißt im Nieders. enkeld, in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes einfächtig, bey ältern Alemannischen Schriftstellern ainvehen, im Schwed. enkel. S. Fach.


Einfachheit (W3) [Adelung]


Die Einfachheit, plur. car. der Zustand, da etwas einfach ist, in allen vorigen Bedeutungen. Die Einfachheit eines Zeuges, der Lebensart u. s. f.


Einfädeln (W3) [Adelung]


Einfädeln, verb. reg. act. den Faden durch das Ohr der Nähenadel ziehen. Eine Nadel einfädeln. Figürlich, doch nur in der Sprache des täglichen Umganges, eine Sache einfädeln, sie mit Verschlagenheit veranstalten. Wenn sie mit der Frau Schwägerinn reden, und etwas heimlich einfädeln sollen: so haben sie diese Sorge nicht, Gell. Er weiß es alle Mahl so einzufädeln, daß er niemahls dabey zu kurz kommt.

Anm. Dieses Zeitwort ist das Diminutivum von dem ungewöhnlichen einfädenen. Dafür Faden so wohl im Oberdeutschen als Niedersächsischen auch Fadem, Faem, üblich ist, so lautet dieses Wort in der erstern Mundart auch einfädemen, und in der letztern infaemen, infämen.


Einfahren (W3) [Adelung]


Einfahren, verb. irreg. ( S. Fahren,) welches in doppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Activum. 1) Vermittelst eines Fuhrwerkes hinein schaffen. Das Getreide einfahren, es in der Ernte von Felde in die Scheuern fahren, in welchem Falle einfahren, auch absolute gebraucht wird. Wir werden heute einfahren, nehmlich das Getreide. In den meisten andern Fällen ist einführen üblicher. 2) Zum Fahren abrichten, geschickt machen, im gemeinen Leben. Ein Paar wohl eingefahrene Kutschpferde. 3) Darnieder fahren. Die Fuhrleute haben den Zaun eingefahren. Mit dem Wagen eine Bude einfahren.II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn. 1) Im Bergbaue, für einsteigen. Einfahren, d. i. in ein Grubengebäude steigen. S. Fahren. 2) Vermittelst eines Fuhrwerkes in einen Ort kommen; wofür doch hinein fahren üblicher ist. 3) Figürlich, von andern schnellen Bewegungen in einen Ort; doch auch hier nur in einigen wenigen Fällen, weil in den meisten hinein fahren gewöhnlicher ist. In den Hafen einfahren.


Einfahrer (W3) [Adelung]


Der Einfahrer, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Bergbaue, ein Bergbeamter, der eine oder mehrere Gruben in seiner Aufsicht hat, weil er in selbige einfahren muß. Der Einfahrer eines ganzen Refieres wird Obereinfahrer genannt.


Einfahrt (W3) [Adelung]


Die Einfahrt, plur. die -en. 1) Die Handlung des Einfahrens, so fern das Zeitwort ein Neutrum ist; ohne Plural, außer wenn im Concreto einzelne Fälle angedeutet werden sollen. Die Einfahrt eines Bergmannes. Die Einfahrt in den Hafen. 2) Der Ort, wo man einfähret, oder hinein fähret. Die Einfahrt des Hafens, des Hofes. Die Einfahrt an einem Hause, der Thorweg. Schon Notker gebraucht Infart, für Eingang, von der Handlung des Eingehens.


Einfall (W3) [Adelung]


Der Einfall, des -es, plur. die -fälle. 1. Der Zustand, da eine Sache einfällt, ohne Plural. 1) So fern einfallen für hinein fallen stehet. (a) Eigentlich. Der Einfall der Klinke. Daher die Einfallschnalle, an den Repetiruhren, welche mit der Spitze auf dem Arme der Auslösung ruhet, und den Rechen unbeweglich erhält, wenn das Schlagwerk sich nicht bewegt. (b) Figürlich, die plötzliche Annäherung, so wohl lebendiger als lebloser Dinge. Der Einfall des Feindes in das Land. In welchem Falle auch von wiederhohlten Handlungen dieser Art der Plural üblich ist. Die Türken haben ehedem sehr häufige Einfälle in Ungarn gethan. Ein feindseliger Einfall. Der Einfall der Vögel auf den Vogelherd. Der Einfall des Lichtes in ein Zimmer. Daher der Einfallswinkel, der Winkel, den der einfallende Strahl mit dem Spiegel macht, in welchem er gebrochen wird. 2) So fern einfallen so viel als einwärts fallen bedeutet. Der Einfall eines Gebäudes, des Hauses, der Mauer u. s. f. Das Haus drohet alle Augenblicke den Einfall.2. Was einfällt. 1) In einigen Niedersächsischen Gegenden bedeutet Einfall so viel als Aussaat, d. i. dasjenige Getreide, welches in einen Acker gesäet wird. Ein Stück Land von drey Himten Einfall. 2) Ein unerwarteter Gedanke, der mit dem vorher gehenden keinen deutlichen Zusammenhang hat. Ein artiger, ein kluger, ein scherzhafter, ein sinnreicher, ein seltsamer, ein thörichter Einfall u. s. f. Er hat oft wunderliche Einfälle. Hier hast du doch Ein Mahl einen klugen Einfall gehabt. Wie kommen sie heute auf diesen Einfall? Er hat Einfälle wie ein altes Haus, eine niedrige Anspielung auf eine der vorigen Bedeutungen dieses Wortes.


Einfallen (W3) [Adelung]


Einfallen, verb. irreg. neutr. ( S. Fallen,) welches das Hülfswort seyn erfordert.1. Hinein fallen, in etwas fallen. 1) Eigentlich, in eine dazu bestimmte Öffnung fallen, von verschiedenen Werkzeugen. Die Klinke fällt nicht gut ein, nehmlich in die bestimmte Öffnung. 2) Figürlich, plötzlich, unvermuthet gegenwärtig werden, in verschiedenen besondern Fällen. (a) Von der unvermutheten Einrückung eines feindlichen Kriegsheeres in ein fremdes Gebieth. Die Türken sind ehedem sehr oft in Ungarn eingefallen. (b) Bey den Vogelstellern fallen die Vögel ein, wenn sie sich auf den Vogelherd setzen, und bey den Jägern fällt das Federwildbret ein, wenn es Abends an denjenigen Ort flieget, wo es die Nacht zubringen will. (c) In der Musik, von einer Stimme, wenn sie sich plötzlich neben einer andern Stimme hören lässet. Bey dieser Stelle muß der Baß, müssen die Waldhörner einfallen. Zuweilen, besonders bey den Dichtern, findet sich dieses Zeitwort auch statt der Redensart, einem in die Rede fallen. Mein Herr, fiel ihm der Vater ein, Gell. Mein Herr, was will er mit der Liebe? Fiel ihm Elmire hitzig ein, ebend. (d) Von dem Lichte und den Lichtstrahlen. Das einfallende Licht, welches aus einem erleuchteten Orte in einen unerleuchteten geleitet wird. Der Ort in einem Spiegel, wo der Lichtstrahl einfällt. (e) Von verschiedenen Arten der Witterung u. s. f. Es ist diese Nacht eine strenge Kälte eingefallen. Es fällt Frost, Regenwetter, schlechtes Wetter ein. Wenn Mißwachs einfällt. Es fällt diesen Abend eine Mondfinsterniß ein. (f) Von Gedanken, wenn sie ohne deutliches Bewußtseyn und ohne Zusammenhang mit dem vorigen, in uns entstehen; mit der dritten Endung der Person. Er redet, was ihm einfällt. Wenn wir allein sind, fällt uns allerley ein. Es ist mir ein Mittel eingefallen. Es wird mir schon noch einfallen, ich werde mich schon darauf noch besinnen. Was fällt dir ein? Wer konnte sich einfallen lassen, daß u. s. f. Im Oberdeutschen wird die dritte Endung zuweilen durch das Vorwort in ersetzet. Da fiele im in seinen syn Mocht ich den Held bringen dahin, Theuerd. Kap. 29. Das fällt mir stets in den Gedanken ein, Opitz Ps. 29. Welche Wortfügung aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist.2. Einwärts fallen. 1) Zusammen fallen, von Gebäuden und gegrabenen Öffnungen. Das Haus ist eingefallen. Das Dach, die Mauer, die Wand, der Keller fällt ein. Der Brunnen, die Grube will einfallen. 2) Figürlich. Tiefe eingefallene Augen haben, welche tief in dem Kopfe liegen. Sein Gesicht ist ganz eingefallen. Eingefallene Backen.

Anm. Wenn dieses Zeitwort für hinein fallen stehet, so ist das Participium der gegenwärtigen Zeit in einigen Bedeutungen, das Participium der vergangenen Zeit aber nie üblich. Im Nieders. lautet dieses Zeitwort infallen, im Schwed. infalla, im Dän. infalda.


Einfalt (W3) [Adelung]


Die Einfalt, plur. car. 1. * Die einfache Beschaffenheit eines Körpers, im Gegensatze des Doppelten, Dreyfachen u. s. f. in welcher eigentlichen Bedeutung aber dieses Wort völlig veraltet ist. S. Falte und Einfältig. 2. Figürlich. 1) In den Werken der Kunst und des Witzes ist die Einfalt dem Gekünstelten entgegen gesetzet, und bestehet in der Eigenschaft einer Vorstellung, da sie gerade eben dieselben und nicht mehr Empfindungen erreget, als der Urheber hat erregen wollen. In den Gemählden des Raphael herrscht Würde und edle Einfalt. Die edle Einfalt der Schreibart, wenn die Sache mit wenig Worten und in gewöhnlichen, aber doch edlen Ausdrücken vorgetragen wird, im Gegensatze des Gekünstelten, Schwulstes, u. s. f. 2) In der Sitten- lehre, da die Einfalt ein Prädicat der menschlichen Seele ist, und ihren Sitz bald in dem Verstande, bald aber im Willen, oft auch, obgleich nicht alle Mahl, in beyden zugleich hat. (a) In Ansehung des Verstandes, bezeichnet sie einen Mangel desselben, es mag nun derselbe aus einem natürlichen Unvermögen, oder aus Unwissenheit und Ungeschicklichkeit herrühren. In beyden Fällen bringt dieses Prädicat demjenigen, von welchem es gesagt wird, wenig Ehre. Er hat es aus Einfalt gethan. Der Mensch besitzt eine unglaubliche Einfalt. Er ist die Einfalt selbst. Zuweilen bezeichnet es auch ein bloßes Nichtwissen in einzelnen Fällen. Sie gingen in ihrer Einfalt und wußten nichts um die Sache, 1 Sam. 15, 11. (b) In Ansehung des Willens ist die Einfalt so viel als Gleichförmigkeit des Verhaltens, d. i. die Fertigkeit, in allen Fällen nach einerley einfachen Grundsätzen zu handeln. Ehedem wurde die Einfalt auch der Arglist entgegen gesetzet, und war alsdann mit Redlichkeit einerley. Sie bestehet alsdann in der Abneigung, seine Einsichten zum Schaden anderer anzuwenden; es mag nun diese Abneigung auf einen natürlichen Mangel an Einsichten oder auf Entschließung gegründet seyn. In diesem Verstande ist es im Hochdeutschen veraltet, obgleich Einfältigkeit in diesem Sinne in der Deutschen Bibel noch sehr oft vorkommt. In Einfältigkeit wandeln, 2 Cor. 1, 12. Reichlich in aller Einfältigkeit geben, Kap. 7, 12. Reich seyn mit aller Einfältigkeit, Kap. 9, 11. Die Einfältigkeit des Herzens, Ephes. 6, 5. S. Einfältig.


Einfälteln (W3) [Adelung]


Einfälteln, verb. reg. act. in Fältchen oder kleine Falten legen. Manschetten einfälteln. Das Zeitwort einfalten, in Falten legen, von welchem dieses das Diminutivum ist, kommt auch noch zuweilen vor. Daher die Einfältelung und Einfaltung.


Einfältig (W3) [Adelung]


Einfältig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Eigentlich, einfach, welche Bedeutung aber wenig mehr gebraucht wird. Doch höret man noch zuweilen im gemeinen Leben einfältig, im Gegensatze des zwiefältig, dreyfältig u. s. f. 2. Figürlich, Einfalt besitzend, Einfalt verrathend. 1) Im Gegensatze des Gekünstelten. Die einfältige ungeschminkte Natur nachahmen. Eine einfältige Lehrart. Allein um die Verwechselung mit der folgenden Bedeutung zu vermeiden, thut man besser, wenn man sich dieses Gebrauches völlig enthält, und dafür lieber einfach gebraucht. 2) So fern die Einfalt ihren Sitz in der menschlichen Seele hat. (a) Mangel am Verstande, an Erkenntniß, an Einsichten habend oder verrathend. Ein einfältiger Mensch. Ein einfältiger Tropf, im gemeinen Leben; in den niedrigen Sprecharten ein Einfaltspinsel. Er ist so einfältig nicht, als er aussiehet. Wir sind arme einfältige, (unwissende,) Leute. Die Einfältigen klug machen, Ps. 119, 130. Ein Lehrer der Einfältigen, Röm. 2, 20. Eine einfältige Kleidung, eine einfältige Tracht, welche Mangel des Verstandes und Geschmackes bey dem verräth, der sie trägt. Das ist eine alberne, einfältige Entschuldigung. (b) * Mangel der Falschheit, Arglist habend und verrathend, redlich, aus gutem Herzen kommend. Die Einfältigen behüthet der Herr, Ps. 116, 6. Habe ich doch das gethan mit einfältigem Herzen und unschuldigen Händen, 1 Mos. 20, 5, 6. Und preisen Gott - über eurer einfältigen Steuer an sie und alle, welche willig und mit gutem Herzen gegeben wird, 2. Cor. 9, 13. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung veraltet, außer daß sie noch zuweilen in der biblischen Schreibart vorkommt.

Anm. In der ersten eigentlichen Bedeutung, für einfach, lautete dieses Wort im Nieders. ehedem eenvolt, und im Schwabenspiegel Tit. 37, ainvalt. Schon Ulphilas gebraucht ainfalth und Ottfried einfalt für redlich, aufrichtig. Bey dem letztern heißtes B. 2, Kap. 7, von dem Nathanael: In thir haben ich mir funtan thegan einfaltan, in dir habe ich einen Diener ohne Falsch gefunden. In eben diesem Verstande gebraucht Kero einfaltlicho und Willeram einualtig. Für dumm, unwissend, kommt einfolto gleichfalls bey dem Ottfried vor. Alle diese Wörter sind nach dem Muster des Lat. simplex, simplicitas, und des Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gebildet. Daher Wachters Vermuthung, der ein in dieser Zusammensetzung für un hält, keinen Beyfall verdienet. Das Schwed. enfaldig, Anfels. anfeald, Isländ. einfalldur, Dän. eenfaldig, kommen mit dem Deutschen überein. Einfältiglich, für einfältig, und Einfältigkeit für Einfalt, sind im Hochdeutschen veraltet. S. Einfalt.


Einfalzen (W3) [Adelung]


Einfalzen, verb. reg. act. mit einem Falze versehen. Die Dauben einfalzen, bey den Böttchern.


Einfangen (W3) [Adelung]


Einfangen, verb. irreg. S. Fangen. Es ist, 1. ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, bey den Jägern für einbeißen, wenn ein Raubthier in das andere, oder ein Hund in ein Thier gebissen hat. S. Fang. 2. Ein Activum. 1) Für einfüllen, einschaufeln, im gemeinen Leben. Daher die Einfangeschaufel in den Schmelzhütten, eine Schaufel, womit der gepochte und gereinigte Zinnstein eingefangen, d. i. von dem Herde in den Trog gethan wird. 2) Fangen und einsperren. Ein Raubthier einfangen, es lebendig in einen verschlossenen Ort bringen. Rebhühner, Feldhühner einfangen, sie fangen und in eine verschlossene Kammer bringen. In noch weiterer Bedeutung wird in einigen Gegenden ein Garten mit einer Mauer, ein Ort mit einem Zaune eingefangen, d. i. umgeben. S. Befangen. So auch die Einfangung in den Bedeutungen des Activi.

Anm. In den alten Baierischen Gesetzen wird Infanc für Eingriff, gewaltthätige Bemächtigung gebraucht: Si in eum contra legem manus iniecerit, quod Infanc dicunt, Tit. 3, Kap. 1.


Einfärbig (W3) [Adelung]


Einfärbig, adj. et adv. nur eine einzige Farbe habend, im Gegensatze des bunt. Ein einfärbiger Zeug. In dem alten Gedichte auf Kaiser Carl den Großen bey dem Schilter ainvare, bey dem Hornegk ainvehen.


Einfassen (W3) [Adelung]


Einfassen, verb. reg. act. 1) In einen verschlossenen Raum bringen. Getreide einfassen, es in Säcke schütten. Bier einfassen, es auf Fässer füllen; wofür doch das einfache fassen üblicher ist. Einen Bienenschwarm einfassen, oder fassen, ihn in den Korb oder Stock bringen. 2) Mit einem Rande umgeben, oder mit einer Sache als mit einem Rande einschließen. Einen Garten mit einer Mauer einfassen. Beete mit Buchsbaum, ein Bild mit einem Rahmen, die Fenster und Thüren mit Schnitzwerk einfassen. Etwas mit einem Bande, mit einem Saume einfassen. Einen Stein in Gold einfassen; wofür doch das einfache fassen üblicher ist. Er verdienet in Gold eingefasset zu werden.


Einfassung (W3) [Adelung]


Die Einfassung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Einfassens, ohne Plural. 2) Dasjenige, womit eine Sache eingefasset oder am Rande umgeben wird. Die Einfassung eines Beetes, einer Thür, eines Fensters, einer Tapete u. s. f.


Einfehmen (W3) [Adelung]


Einfehmen, verb. reg. act. im Forstwesen, in die Mast treiben. Schweine einfehmen, sie mit Bewilligung des Eigenthümers eines Waldes in die Buch- oder Eichelmast treiben. Daher die Einfehmung. S. Fehm.


Einfeilen (W3) [Adelung]


Einfeilen, verb. reg. act. hinein feilen, vermittelst des Feilens in der Tiefe bilden. Buchstaben in ein Stück Eisen einfeilen. Eine Kerbe einfeilen.


Einfeuchten (W3) [Adelung]


Einfeuchten, verb. reg. act. zu einem gewissen Gebrauche feucht machen, befeuchten. Papier einfeuchten, bey den Buchdruckern. Die Wäsche einfeuchten, bey den Wäscherinnen. Daher die Einfeuchtung.


Einfeuern (W3) [Adelung]


Einfeuern, verb. reg. act. stark einheitzen. Den Brauofen einfeuern, bey den Bierbrauern, bey welchen das Ofenloch daher die Einfeuerung heißt. S. auch Feuern.


Einfinden (W3) [Adelung]


Einfinden, verb. irreg. act. ( S. Finden,) welches nur als ein Reciprocum üblich ist. Sich einfinden, gegenwärtig werden, doch nur in einigen Fällen. Es hat sich noch niemand von den Gästen eingefunden. Sich zu rechter Zeit einfinden. Ich werde mich mit der Zahlung schon einfinden. Kaum hatte mit den Morgenstunden Sein erster Schlaf sich eingefunden, Haged. Daher die Einfindung. S. Finden. Das Schwed. infinna sig, und Dän. indfinde sig, werden auf dieselbe Art gebraucht.


Einfitzen (W3) [Adelung]


Einfitzen, verb. reg. act. welches nur bey den Nadlern üblich ist. Das Öhr in eine Nähenadel einfitzen, d. i. einfeilen. S. Fitzfeile. Daher die Einfitzung.


Einflechten (W3) [Adelung]


Einflechten, verb. irreg. act. S. Flechten. 1) Zusammen flechten, im Gegensatze des Ausflechtens. Die Haare zierlich einflechten. Eingeflochtenes Haar. 2) In Flechten mit einverleiben. Perlen, Bänder mit einflechten, in die Haare. Eben der Gott, der die ganze Welt regieret, hat auch unser Glück, wie er ihren Grund legte, in ihren Zusammenhang mit eingeflochten, Kästn. Er flicht sich überall ein, oder er flicht sich überall mit ein, er menget sich in alles. So auch die Einflechtung.


Einfleischen (W3) [Adelung]


Einfleischen, verb. reg. act. von welchem nur das Participium eingefleischt, mit Fleische bekleidet, in figürlicher Bedeutung üblich ist. Ein eingefleischter Teufel, ein Teufel in menschlicher Gestalt, ein Teufel der Boßheit nach; außer welcher Redensart dieses Wort nicht mehr vorkommt. Isidor gebraucht Infleiscnissa von der Menschwerdung Christi, nach dem Muster des barbarisch Latein. Incarnatio.


Einflicken (W3) [Adelung]


Einflicken, verb. reg. act. nur in den niedrigen Sprecharten, in einigen figürlichen Ausdrücken. Etwas einflicken, einschalten. Er flickt sich überall ein, schmeichelt sich ein, verschafft sich Zugang. Sich bey einem einflicken.


Einfliegen (W3) [Adelung]


Einfliegen, verb. irreg. neutr. ( S. Fliegen,) mit dem Hülfsworte seyn, hinein fliegen, doch nur in der Redensart ein- und ausfliegen.


Einfließen (W3) [Adelung]


Einfließen, verb. irreg. neutr. ( S. Fließen,) mit dem Hülfsworte seyn, hinein fließen. 1) Eigentlich, in welchem Verstande doch dieses Wort wenig gebraucht wird. Ströme, welche in das Meer einfließen, besser fließen. 2) Figürlich. Etwas in eine Schrift oder Rede mit einfließen lassen, es in derselben berühren, dessen Erwähnung thun. Ursachen, welche in eine Begebenheit und Handlung einfließen, in und auf dieselbe wirken. Der Ehrgeitz fließt oft in unsere rühmlichsten Handlungen ein, und verunstaltet sie, Sonnenf.


Einflößen (W3) [Adelung]


Einflößen, verb. reg. act. einfließen machen. Einem Kinde Milch, einem Kranken Wein einflößen. Figürlich. Einem die Wissenschaften einflößen, ihn in denselben unterrichten. Jemanden ein lebhaftes Verlangen nach etwas einflößen, es nach und nach in ihm entstehen lassen. Daher die Einflößung.


Einfluß (W3) [Adelung]


Der Einfluß, des -sses, plur. die -flüsse. 1) Das Einfließen, in der ersten eigentlichen Bedeutung; ohne Plural. Der Einfluß eines Stromes in das Weltmeer. Ingleichen der Ort, wo ein flüssiger Körper in einen Raum fließet, der doch häufiger der Ausfluß genannt wird. 2) Figürlich, die Wirkung einer Sache in und auf eine andere. Sein Unglück hat keinen Einfluß in seine Gesinnungen. Die Verbesserung der Schu-len hat einen großen Einfluß in das Glück der Staaten. Die Einflüsse der Planeten auf die Erde. Die Einflüsse der göttlichen Gnade. Er hat viel Einfluß bey Hofe, er gilt viel daselbst.


Einfolglich (W3) [Adelung]


Einfolglich, S. Folglich.


Einfordern (W3) [Adelung]


Einfordern, verb. reg. act. herein fordern; doch nur von ausstehenden Geldsummen. Seine Schulden einfordern, einmahnen, eintreiben. Geld einfordern. Die Zinsen einfordern. Daher die Einforderung.


Einförmig (W3) [Adelung]


Einförmig, -er, -ste, adj. et adv. einerley Form habend, sich den Sinn auf einerley Art darstellend; im Gegensatze des mannigfaltig. Eine gar zu einförmige Rede, welche immer einerley Gang, einerley Wendung hat. Eine einförmige Landschaft. Eine einförmige Musik. Das sieht gar zu einförmig aus. S. Form.


Einförmigkeit (W3) [Adelung]


Die Einförmigkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand da eine Sache einförmig ist, der Mangel der Verschiedenheit, der Abänderung; ohne Plural. 2) Einförmige Dinge selbst.


Einfressen (W3) [Adelung]


Einfressen, verb. irreg. act. ( S. Fressen,) fressend eindringen. Die Maden haben sich in den Käse eingefressen. Ingleichen von leblosen beißenden Dingen. Buchstaben von dem Scheidewasser einfressen lassen, sie einbeitzen, einätzen. Staub einfressen, für einathmen, gehöret in die niedrigen Sprecharten, so wohl als der Ausdruck, vielen Verdruß, bittere Vorwürfe einfressen, d. i. erdulden, müssen.


Einfreyen (W3) [Adelung]


Einfreyen, verb. reg. act. welches im gemeinen Leben als ein Reciprocum am üblichsten ist, durch Heirath in eine Gesellschaft, in eine Zunft gelangen. Er hat sich in das Bäckerhandwerk eingefreyet.


Einfrieden (W3) [Adelung]


Einfrieden, verb. reg. act. welches nur noch hin und wieder im gemeinen Leben üblich ist, zur Sicherheit einschließen. Ein Stück Feld, einen Garten mit einer Mauer, mit einem Zaune einfrieden. Daher die Einfriedung. S. Friede und Befriedigen 1.


Einfrieren (W3) [Adelung]


Einfrieren, verb. irreg. neutr. ( S. Frieren,) welches das Hülfswort seyn erfordert, von dem Froste oder gefrornen Körpern umschlossen werden. Die Schiffe sind in den Häfen eingefroren. Oft frieren die Wasserräder an den Mühlen ein.


Einfügen (W3) [Adelung]


Einfügen, verb. reg. act. hinein fügen, genau in eine Fuge bringen. Daher die Einfügung.


Einfuhre (W3) [Adelung]


Die Einfuhre, plur. inus. das Einführen einer Sache in einen Ort, in der eigentlichen Bedeutung des Verbi. Die Einfuhre des Getreides, in die Scheuer. Die Einfuhre fremder Waaren, in ein Land. Die Waaren müssen bey der Einfuhre verzollet werden.


Einführen (W3) [Adelung]


Einführen, verb. reg. act. in einen Ort führen, hinein führen. 1. Eigentlich, vermittelst eines Fuhrwerkes. Getreide einführen, es in der Ernte von dem Felde in die Scheuer führen. Waaren einführen, sie in ein Land führen. 2. Figürlich. 1) Durch Zeigung des Weges, Erleichterung der Mittel u. s. f. in einen Ort bringen. Einen Dieb einführen, in das Gefängniß führen. Seinen Freund in eine Gesellschaft einführen, ihn mit in die Gesellschaft nehmen, und derselben darstellen. Einen neuen Prediger, einen neuen Beamten einführen, ihm sein Amt übergeben und ihn seinen Untergebenen darstellen. Einen Gesellen einführen, bey den Handwerkern, ihn einem Meister darstellen und zur Arbeit empfehlen; ihm einbringen. Einen Verstorbenen, einen Abwesenden redend einführen, ihn gleichsam redend darstellen. 2) Gangbar machen, in den Gebrauch bringen. Neue Wörter, ungewöhnliche Sitten einführen. Er führet immer etwas Neues ein. Eingeführte Rechte, Gewohnheiten. So auch die Einführung.


Einfüllen (W3) [Adelung]


Einfüllen, verb. reg. act. hinein füllen. Wasser einfüllen, in ein Gefäß. Daher die Einfüllung.


Eingang (W3) [Adelung]


Der Eingang, des -es, plur. die -gänge, von dem Verbo eingehen.1. Die Handlung, da man in einen Orte hinein gehet; ohne Plural. 1) Eigentlich, das Eingehen vermittelst der Füße. Der Eingang in ein Haus. Gott behüthe deinen Eingang und deinen Ausgang. Ich stutzte sogleich bey dem Eingange, als ich hinein trat. Jemanden den Eingang verbiethen, ihm den Eingang verstatten. Die Eingangsfährte, bey den Jägern, die Fährte, welche der Hirsch bey seinem Eingange in das Holz macht. 2) Figürlich. (a) Bey den Handwerkern wird die vierteljährige Zusammenkunft zuweilen auch der Eingang genannt, mit welchem Nahmen auch wohl die Collecte beleget wird, die sie alsdann zusammen bringen, und welche auch das Eingangsgeld, das Quartalgeld heißt. (b) Der Zustand, da eine Sache in einen Ort oder in ein Land eingeführet wird. Der Eingang der Waaren, ihre Einfuhre in ein Land. Manche Waaren werden nur bey dem Eingange verzollet. Nach einer noch weitern Figur ist Eingang auch diejenige Abgabe, welche von eingehenden Waaren entrichtet wird, und welche zuweilen auch das Eingangsgeld genannt wird. (c) In moralischer Bedeutung, Wirkung einer Vorstellung auf den Willen. Er findet mit seinen Gründen wenig Eingang.2. Der Ort, durch welchen man in einen Ort hinein gehet; mit dem Plural. 1) Eigentlich. Der Eingang eines Hauses, eines Hafens, einer Höhle u. s. f. An dem Eingange stehen bleiben. Alle Eingänge mit Truppen besetzen. Der Garten hat einen schönen Eingang. 2) Figürlich, eine Zubereitung zu einer folgenden Handlung. Der Eingang einer Musik, oder zu einer Musik, das Präludium, wodurch die Zuhörer zur Aufmerksamkeit gereitzet werden sollen. Der Eingang eines Tractates, die in Worten abgefaßte Vorbereitung zu demselben. Der Eingang einer Komödie, der Prologus. Besonders in der Redekunst, derjenige Theil der Rede, welcher die Vorbereitung der Zuhörer zu der folgenden Rede enthält. In noch weiterer Bedeutung wird Eingang im Oberdeutschen von einem jeden Anfange, besonders von dem Anfange einer Schrift gebraucht, in welchem Falle in eben dieser Mundart auch das Nebenwort Eingangs üblich ist. Da wir nun die Eingangs erwähnte Gnade mit allem Danke erkennen.

Anm. Inganc und Inkange finden sich schon bey den Kero, und Ingang bey dem Ottfried. S. Eingehen.


Eingebäude (W3) [Adelung]


Das Eingebäude, des -s, plur. ut nom. sing. S. Einbau.


Eingeben (W3) [Adelung]


Eingeben, verb. irreg. act. S. Gehen. 1) Zum Hinunterschlucken in den Mund geben. Einem Kranken Arzeney eingeben. Jemanden Gift eingeben. 2) In den Sinn geben, Vorstellungen und Begierden bey jemanden hervor bringen; obgleich wiederum mit verschiedenen Einschränkungen und Nebenbegriffen. Das hat dir Gott eingegeben. Alle Schrift von Gott eingegeben, 2 Tim. 3, 16. Gelobet sey - Gott, der solches hat dem Könige eingegeben, Esra. 7, 27. Satan gab dem David ein, daß er das Volk zählen ließ, 1 Chron. 22, 1. Das gibt ihm der Ehrgeitz ein. Einem eingeben was er reden soll, ihm solches an die Hand geben, vorsagen, lehren. 3) Eine Schrift bey dem Rathe eingeben, sie hinein geben, überreichen. Es ist etwas wider dich eingegeben worden. Ein Memorial, eine Bittschrift, eine Klage eingeben. 4) Zum Gebrauche einräumen. Das Land - das euch Mose - eingegeben hat zu besitzen, Jos. 1, 15. Einem ein Haus, ein Zimmer, einen Garten, ein Bett eingeben. Hier geb' ich ihm zwey Stübchen ein, Gell. So auch die Eingebung, von der Handlung des Eingebens, in allen obigen Bedeutungen. Statt der Eingebung in der zweyten Bedeutung gebraucht Kero das Hauptwort Anaplasanne, als eine buchstäbliche Übersetzung des Lat. Inspiratio.


Eingebinde (W3) [Adelung]


Das Eingebinde, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, dasjenige Geld, welches einem Kinde bey seiner Taufe von den Pathen eingebunden wird; das Pathengeschenk. S. Einbinden.


Eingeboren (W3) [Adelung]


1. Eingeboren, adj. von dem Zahlworte ein und dem Mittelworte geboren, wird eigentlich von einem Kinde gebraucht, welches das einzige seiner Ältern ist. Ich und min eingeborner sun, Winsbeck. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur noch in der biblischen Schreibart, von der zweyten Person des göttlichen Wesens, welche der eingeborne Sohn seines Vaters, oder der eingeborne Sohn Gottes genannt wird, das Latein. Unigenitus auszudrucken, in welchem Verstande einboron und einborne schon bey dem Ottfried und Notker vorkommt.


Eingeboren (W3) [Adelung]


2. Eingeboren, adj. et adv. von dem Vorworte ein oder in, und dem Mittelworte geboren, in einem Lande oder einem Orte geboren. Ein eingeborner Unterthan, oder ein Eingeborner, ein Einwohner, der in dem Lande oder in dem Orte geboren ist; im Gegensatze derjenigen, die sich aus einem andern Lande daselbst niedergelassen haben.


Eingedenk (W3) [Adelung]


Eingedenk, adv. welches den Genitiv der Sache erfordert, im Andenken, im Gedächtnisse behaltend; am häufigsten mit dem Verbo seyn. Einer Sache eingedenk seyn, sie im Andenken behalten, im Gegensatze des Vergessens. Sey meiner eingedenk. Seiner Zusage eingedenk seyn. Im Oberdeutschen gebraucht man es auch mit dem Verbo werden, einer Sache eingedenk werden, sich derselben erinnern. Eines eingedenk leben, für seyn, kommt nur noch zuweilen im Hochdeutschen vor.

Anm. Eingedenk fängt an im Hochdeutschen zu veralten. Die Sprachlehrer nennen es gemeiniglich ein unabänderliches Adjectiv, welches nur in der ersten und vierten Endung gebraucht wird. Warum nicht lieber geradezu ein Adverbium, da es doch nicht mit Substantiven, wohl aber mit Verbis verbunden wird? Die Niedersachsen gebrauchen statt dessen indächtig und gedächtig, Opitz indenk, und Luther in der Deutschen Bibel eindenken und eindächtig; S. die beyden letzten Wörter.


Eingefleischt (W3) [Adelung]


Eingefleischt, adj. S. Einfleischen.


Eingehen (W3) [Adelung]


Eingehen, verb. irreg. neutr. ( S. Gehen,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1. Hinein gehen. 1) Eigentlich, vermittelst der Füße, in welchem Verstande es im Oberdeutschen noch häufig ist. Daher die biblischen Ausdrücke, zu jemanden eingehen, zum Thore eingehen, zur rechten Thür eingehen, durch die enge Pforte zum Leben eingehen u. s. f. Da Jesus einging zu Kapernaum, Matth. 8, 5. Darum sind sie unter die Schatten meines Daches eingegangen, 1 Mos. 19, 8. Da Noah zu der Arche einging. Im Hochdeutschen ist diese Art zu reden veraltet, und man gebraucht dafür entweder hinein gehen, oder das einfache gehen mit dem Vorworte in, oder auch andere Zeitwörter. Doch sagt man noch im gemeinen Leben, bey jemanden aus- und eingehen, zu seinen Bekannten gehören, sein Haus fleißig besuchen. 2) Figürlich. (a) Hinein gebracht, hinein gethan werden, in einigen Fällen. Eingehende Waaren, die in ein Land hinein gebracht werden, im Gegensatze der ausgehenden. Der Degen gehet schwer aus und ein, schwer aus der Scheide und in dieselbe. Was zum Munde eingehet, verunreiniget den Menschen nicht. Es sind noch keine Briefe, keine Nachrichten eingegangen; angekommen. Es gehet bey ihm zu einem Ohre ein, (besser hinein,) zu dem andern wieder her- aus. (b) Nach einer noch weitern Figur, begriffen werden, in der vertraulichen Sprechart. Die Sprachen gehen ihm hart ein, gehen ihm schwer in den Kopf, werden ihm schwer zu erlernen. Dieser Punct ging ihm sehr schwer ein, er war schwer dazu zu bewegen. Geht es gleich sauer ein, Opitz. Ingleichen, (c) bewilligen, seinen Willen zu etwas geben. Wir gingen die Wette ein, wir ließen uns die Wette gefallen. Das gehe ich niemahls ein. Aber ich werde den Vorschlag nicht eingehen. (d) In die Casse geliefert werden, von ausstehenden Geldsummen; eine Unterart der ersten figürlichen Bedeutung. Es gehet gar kein Geld ein, nehmlich in die Casse. Es gehet nichts ein. Die Schulden wollen nicht eingehen. So bald die Gefälle eingehen werden. S. Einkommen. (e) In etwas eingehen, in dem Kanzel- und Kathederstyl, es untersuchen, sich dabey aufhalten. Ohne in die Hauptsache einzugehen.2. Einwärts gehen, in verschiedenen figürlichen Bedeutungen. 1) Ein eingehender Winkel, angle rentrant, der von der Peripherie nach dem Mittelpuncte zu gehet, aber doch lieber ein einwärts gehender genannt wird. 2) Sich zusammen ziehen, im gemeinen Leben. Das Tuch gehet ein, wenn es naß wird. Es ist um eine halbe Elle eingegangen. S. Einkriechen. 3) Nach und nach einfallen, von Gebäuden. Das Haus gehet ganz ein. Er läßt die Mauer ganz eingehen. Nach einer noch weitern Figur, nach und nach aufhören, im gemeinen Leben. Ich will den Garten eingehen lassen. Seine Handlung gehet ganz ein. Es sind viele Bäume in der letzten Kälte eingegangen; wofür doch ausgehen üblicher ist. Seine Wirthschaft gehet ganz ein. Der Seidenbau ist in dieser Gegend längst eingegangen. Aber: Dein Gedächtniß bleibt, o Gott, Und gehet ewiglich nicht ein, wie Opitz Ps. 135, singt, ist für die edle Schreibart zu niedrig. Ingleichen, für einstellen, unterlassen. Sie läßt drey bis vier Stunden von ihrer Andacht eingehen. Wir wollen die Bethstunde dieß Mahl eingehen lassen.

Anm. Das Verbale die Eingehung ist, wie bey den meisten Neutris, ungewöhnlich. Statt dessen ist Eingang üblich, doch nur so fern eingehen für hinein gehen gebraucht wird. Schon Kero gebraucht inkan und Ottfried ingan für hinein gehen.


Eingenommenheit (W3) [Adelung]


Die Eingenommenheit, plur. inus. von eingenommen, dem Participio des Verbi einnehmen, der Zustand, da man für oder wider etwas eingenommen ist, Neigung für oder Abneigung gegen dasselbe empfindet. Die Eingenommenheit gegen einen Schriftsteller, für sich selbst. Vorurtheil und Eingenommenheit. Franz. Prevention.


Eingerichte (W3) [Adelung]


Das Eingerichte, des -s, plur. ut nom. sing. an den Schlössern, S. Besatzung 2. und Einrichten.


Eingeschenk (W3) [Adelung]


Das Eingeschenk, des -es, plur. die -e, bey den Handwerkern, die Bewillkommung fremder ankommender Gesellen, im Gegensatze des Ausgeschenkes. S. Einschenken.


Eingeschneitel (W3) [Adelung]


Das Eingeschneitel, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben einiger Gegenden, was einer Wittwe nach ihres Mannes Tode an Lebensmitteln ausgesetzt wird. Auch wohl ein jedes Vermächtniß an Lebensmitteln.


Eingeschränktheit (W3) [Adelung]


Die Eingeschränktheit, plur. inus. von dem Verbo einschränken, der Zustand, da etwas eingeschränkt ist. Die Eingeschränktheit des Verstandes.


Eingesessen (W3) [Adelung]


Eingesessen, adj. et adv. welches eigentlich das Mittelwort des ungewöhnlichen Verbi einsitzen ist, und nur in einigen Gegenden für einen Einwohner gebraucht wird; im Gegensatze der Ausleute, Ausgesessenen, oder Ausländer. Nieders. Insate. S. Sitzen.


Eingeständniß (W3) [Adelung]


Das Eingeständniß, des -sses, plur. die -sse, eine Oberdeutsche Verlängerung des Wortes Geständniß, dessen Nachdruck durch das Vorwort ein nur verstärket werden soll. S. das folgende.


Eingestehen (W3) [Adelung]


Eingestehen, verb. irreg. act. ( S. Stehen,) gestehen, bekennen. Der Dieb hat noch nichts eingestanden. Ingleichen für einräumen, zugestehen, zugeben. Einem nicht die geringste Klugheit eingestehen, nicht gestehen, daß er sie besitze. Gesetzt, aber nicht eingestanden, daß u. s. f.


Eingewohnen (W3) [Adelung]


Eingewohnen, verb. reg. neutr. mit seyn, eines Ortes, einer Wohnung gewohnt werden; nur im gemeinen Leben. Ich bin hier noch nicht eingewohnt.


Eingezogen (W3) [Adelung]


Eingezogen, und Eingezogenheit, S. in Einziehen.


Eingießen (W3) [Adelung]


Eingießen, verb. irreg. act. S. Gießen. 1) Hinein gießen. Einem Pferde einen Trank eingießen. Ingleichen figürlich. Der ihm die Seele eingegossen hat, Weish. 15, 11. 2) Mit einem geschmelzten flüssigen Körper in etwas befestigen. Eiserne Klammern in den Stein eingießen. So auch die Eingießung. S. Einguß.


Eingraben (W3) [Adelung]


Eingraben, verb. irreg. act. 1) Durch Graben hinein bringen. Einen todten Körper eingraben, d. i. in die Erde graben. Pfosten eingraben, in einem gegrabenen Loche befestigen. Fi- gürlich, für verschanzen. Die Belagerer haben sich bis an den Hals eingegraben. 2) Mit dem Grabstichel vertiefen. Eine Schrift in Stein, in Marmor eingraben. 3) Einen Acker eingraben, ihn mit einem Graben einfrieden. Daher die Eingrabung in allen Bedeutungen.


Eingreifen (W3) [Adelung]


Eingreifen, verb. irreg. neutr. ( S. Greifen,) welches das Hülfswort haben erfordert, in etwas greifen, hinein greifen; doch nur in weiterer und figürlicher Bedeutung. Die Zähne der Kammräder greifen gut ein, d. i. in das Getriebe, wenn sie demselben den gehörigen Grad der Bewegung mittheilen. Die Zähne des Rades sind zu kurz, sie können nicht eingreifen. Bey den Jägern greift der Hirsch ein, wenn er seine Fährte sehr deutlich in den Erboden eindrückt. Im Oberdeutschen bedeutet, in eine Sache eingreifen, auch, sich derselben bemächtigen, und einem eingreifen, seine Vorrechte kränken, welche Arten des Ausdrucks aber im Hochdeutschen ungewöhnlich sind, wo man statt deren sagt Eingriff thun. S. Eingriff und Vorgreifen.


Eingreifig (W3) [Adelung]


Eingreifig, adj. et adv. welches nur im Forstwesen üblich ist, wo ein eingreifiger oder greifiger Baum, ein junger Baum ist, den man mit Einer Hand umgreifen oder umspannen kann, im Gegensatze eines klafterigen.


Eingriff (W3) [Adelung]


Der Eingriff, des -es, plur. die -e, das Eingreifen, auch wenn diese Handlung als ein Concretum betrachtet wird. Der Eingriff des Kammrades in das Getriebe. Besonders figürlich, der unerlaubte Gebrauch einer fremden Sache; am häufigsten aber die Kränkung eines fremden Rechtes. Ein Eingriff in ein fremdes Amt. Eingriff in jemandes Rechte thun. Dieser Eingriff in seine Gerechtsame wird nicht ungeahndet bleiben. Gewaltthätige Eingriffe. Die Oberdeutschen Ausdrücke, in fremdes Vermögen Eingriff thun, sich desselben bemächtigen, in jemandes Habe und Gut Eingriff thun u. s. f. sind im Hochdeutschen wenig üblich. S. Eingreifen. Opitz gebraucht Ps. 73 das Wort Eingreif in einer besondern Verbindung: - Sie vollziehn den Lebenslauf Ohn allen Eingreif der Gefahr, In Luft und Freuden ganz und gar, Sind stark und mästen sich recht auf; wo es vermuthlich für Angriff, Anfall stehet.


Einguß (W3) [Adelung]


Der Einguß, des -sses, plur. die -güsse, von dem Verbo eingießen. 1) Die Handlung des Eingießens in beyden Bedeutungen des Verbi; ohne Plural, außer wenn diese Handlung als ein Concretum betrachtet wird. Der Einguß eines Trankes. 2) Dasjenige, was eingegossen wird. So pfleget man einen Trank, den man einem Pferde, oder einem andern Thiere als eine Arzeney eingießet, einen Einguß zu nennen. 3) Dasjenige, in welches ein anderer Körper gegossen wird. So sind in den Münzen und Schmelzhütten die Eingüsse oder Ingüsse Eisen mit Rinnen, worein die Silberzaine gegossen werden. An den Gieß-Instrumenten der Schriftgießer, an den Forme der Metallarbeiter u. s. f. ist der Einguß derjenige Ort, durch welchen das flüssige Metall in die Formen hinein gegossen wird. In einigen Gegenden wird auch eine Bettzüge, worein die Federn gethan werden, ein Einguß oder Inguß genannt; Oberdeutsch ein Indelt, Nieders. ein Inlid.


Einhaben (W3) [Adelung]


Einhaben, S. Inhaben.


Einhäften (W3) [Adelung]


Einhäften, verb. reg. act. 1) Hinein häften. In einem Buche ein Blatt Pergament einhäften. 2) Zusammen häften. Ein Buch einhäften, oder häften. Wenn du sieben Locken meines Hauptes flechtetest, - und heftetest sie mit einem Nagel ein, Richt. 16. 13. So auch die Einhäftung.


Einhägen (W3) [Adelung]


Einhägen, verb. reg. act. mit einem Hage oder Gehäge einschließen. Einen Acker, eine Wiese einhägen, sie mit einem Zaune oder Gehäge umgeben. Daher die Einhägung.


Einhäkeln (W3) [Adelung]


Einhäkeln, verb. reg. act. welches das Diminut. des folgenden ist. Den Haft einhäkeln, den kleinen Haken des Haftes in das Öhr thun. Sich einhäkeln, eigentlich von den Vögeln und Katzen, die Klauen in etwas schlagen. Daher die Einhäkelung.


Einhaken (W3) [Adelung]


Einhaken, verb. reg. act. den Haken in etwas schlagen. Eine von den Schaufeln des Ankers muß alle Mahl in den Grund einhaken. So auch die Einhakung.


Einhällig (W3) [Adelung]


Einhällig, -er, -ste, adj. et adv. 1) * Eigentlich, einerley Hall, d. i. Ton oder Laut, habend; in welcher Bedeutung dieses Wort aber nicht üblich ist. 2) Figürlich, einmüthig, so fern sich die Einmüthigkeit durch die Sprache an den Tag leget, oder doch so vorgestellet wird; einstimmig. Sie waren alle einhällig der Meinung. Da sie nun solches einhellig mit einander thaten, 2. Macc. 13, 12. Er wurde mit einhälliger Stimme erwählet. Eine einhällige Meinung. Sich einhällig widersetzen.

Anm. Wachter hält einhällig für ein neues Wort, allein es scheinet doch so neu nicht zu seyn, da schon in Boxhorns Glossen enthellan, als das Gegentheil von einhällig, für uneins seyn vorkommt, und in den Monseeischen Glossen ist gihel einstimmig. S. Hall. Einhälliglich ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Das Schwedische enhallig hat mit dem Deutschen einerley Bedeutung.


Einhälligkeit (W3) [Adelung]


Die Einhälligkeit, plur. car. die Übereinstimmung der Gesinnung, so fern sie sich durch die Rede äußert. Er wurde mit großer Einhälligkeit erwählet.


Einhalt (W3) [Adelung]


Der Einhalt, des -es, plur. car. 1) Die Handlung, da man einen Körper in seiner Bewegung aufhält; am häufigsten in figürlicher Bedeutung, und mit dem Verbo thun. Jemanden Einhalt thun, ihn an der Fortsetzung einer Handlung hindern. Der Dieberey, der Schwelgerey, dem Duelliren Einhalt thun, diese Laster hindern, verbiethen. Im Oberdeutschen ist dieses Wort von einem weitern Umfange der Bedeutung, denn da geschiehet Einhalt der Strafe, wenn man selbige aufhören lässet; man thut seinen Begierden Einhalt, wenn man sie mäßiget und unterdrücket, u. s. f. welche Arten des Ausdruckes im Hochdeutschen seltener sind. Nieders. Inhalt. S. Einhalten, das Activum. 2) Einige Niedersachsen, wenn sie Hochdeutsch schreiben wollen, gebrauchen Einhalt oft für Inhalt, d. i. was in einem andern Dinge enthalten ist, werden aber dadurch seinen Hochdeutschen Ohren ein Ärgerniß, weil ein wohl die Präposition in ausdruckt, wenn sie die vierte, nicht aber, wenn sie die dritte Endung erfordert.


Einhalten (W3) [Adelung]


Einhalten, verb. irreg. ( S. Halten,) welches in doppelter Gattung üblich ist. I. Als ein Activum, einen Körper in seiner Bewegung aufhalten; welcher Gebrauch doch mehr Oberdeutsch als Hochdeutsch ist. Jemanden im Laufe einhalten. Jemanden auf seiner Reise einhalten. Seine Begierden, die Laster anderer einhalten. Im Hochdeutschen gebraucht man dafür die R. A. Einhalt thun, in der vorigen gedachten Einschränkung. So auch die Einhaltung. II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Stille halten; eine Zeit lang aufhören, eine Handlung zu verrichten. Im Lesen einhalten, im Lesen absetzen, von Zeit zu Zeit aufhören. Halt ein! fahre nicht fort. Mit der Arbeit, mit dem Schlägen, mit den Schießen u. s. f. einhalten. Mit der Bezahlung einhalten, solche aufschieben. Aber in dieser letztern R. A. ist, 2) mit der Bezahlung einhalten, in manchen Gegenden oft auch das Gegen- theil, nehmlich sich mit der Bezahlung zur gehörigen Zeit einfinden.

Anm. In den gemeinen Mundarten ist in der Bedeutung des Neutrius, für einhalten, innehalten sehr gewöhnlich, S. Inne.


Einhandeln (W3) [Adelung]


Einhandeln, verb. reg. act. 1) Vermittelst eines Handels zu seinem Eigenthume machen. Waaren einhandeln. Was hast du Gutes eingehandelt? S. Erhandeln. 2) Sich arm handeln, über der Handlung verarmen, in den gemeinen Sprecharten. Er hat längst eingehandelt. Haus und Hof einhandeln, bey der Handlung zusetzen. 3) Etwas mit einhandeln, durch Handeln noch mit in einen Kauf einschließen. Daher die Einhandlung in der ersten Bedeutung.


Einhändig (W3) [Adelung]


Einhändig, adj. et adv. von dem Zahlworte ein, nur Eine Hand habend. Ein einhändiger Mensch.


Einhändigen (W3) [Adelung]


Einhändigen, verb. reg. act. in jemandes Hände geben, jemanden übergeben. Einem etwas einhändigen. Daher die Einhändigung. Von dem Worte handen, übergeben, welches noch in dem alten Gedichte auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter vorkommt. S. Hand und Behändigen.


Einhängen (W3) [Adelung]


Einhängen, verb. reg. act. hinein hängen. Eine Thür, ein Fenster einhängen, in die für sie bestimmte Öffnung, oder auch in die Angeln. Eine Glocke einhängen, in den Glockenstuhl. Die Hemmkette einhängen, sie in das Rad hängen; S. Einhemmen. Die Ohrgehänge einhängen, in das Ohr. Das Dach einhängen, die Ziegel ohne Kalk auf das Dach hängen, zum Unterschiede von dem Eindecken. S. Einhenken. So auch die Einhängung.


Einhängig (W3) [Adelung]


Einhängig, adj. et adv. von dem Zahlworte ein, nur auf Einer Seite abhängig, in der Baukunst. Ein einhängiges Dach, welches nur auf Einer Seite abhängig ist, und daher auch ein Pultdach heißt, im Gegensatze der zweyhängigen Dächer.


Einhäsen (W3) [Adelung]


Einhäsen, S. Einhösen.


Einhauchen (W3) [Adelung]


Einhauchen, verb. reg. act. mit dem Hauche, oder in Gestalt des Hauches in etwas bringen. So auch die Einhauchung.


Einhauen (W3) [Adelung]


Einhauen, verb. irreg. act. S. Hauen. 1) Durch Hauen hinein bringen. Ein Kreuz einhauen, in einen Baum. Ingleichen, vermittelst des Meißels u. s. f. Sein Zeichen einhauen, in metallene Arbeiten, bey verschiedenen Handwerkern. 2) Durch Hauen öffnen. Ein Thor, eine Thür einhauen. 3) In etwas hauen, mit Säbelhieben eindringen, in der Kriegskunst. Die Reiterey hieb ein, in den Feind. Die Reiterey wollte in das Fußvolk einhauen. In welcher Bedeutung dieses Verbum die Gestalt eine Neutrius hat. 4) Zerhauen, um es in Salz zu legen, auf welche Art die Fleischer Fleisch einzuhauen pflegen, im Gegensatze des Aushauens, wenn es zum Verkauf zerhauen wird. Daher die im gemeinen Leben übliche figürliche Redensarten: jemanden einhauen, jemanden bey seinem Herren einhauen, oder vollständiger, jemanden ins Salz einhauen, ihn verleumden, bey einem andern verdächtig machen. S. die R. A. jemanden zur Bank hauen, in Bank 3. So auch die Einhauung.


Einhauig (W3) [Adelung]


Einhauig, adj. et adv. von dem Zahlworte, was nur Ein Mahl gehauen werden kann, in der Landwirthschaft. Einhauige Wiesen, welche nur Ein Mahl des Jahres gemähet werden können, im Gegensatze der zwey- und dreyhauigen. S. auch Einschürig.


Einheben (W3) [Adelung]


Einheben, verb. irreg. act. ( S. Heben,) hinein heben. Eine Thür, ein Fenster einheben, in die Angeln. Eine Form einheben, bey den Buchdruckern, sie in ihr Lager heben, um sie unter die Presse zu bringen. Daher die Einhebung.


Einheften (W3) [Adelung]


Einheften, S. Einhäften.


Einheilen (W3) [Adelung]


Einheilen, verb. reg. act. machen, daß etwas mit einer Wunde verwachse. Eine Kugel mit einheilen, sie in der Wunde lassen,und die letztere zuheilen. Jemanden magische Zettel in die Haut einheilen. Daher die Einheilung.


Einheimisch (W3) [Adelung]


Einheimisch, adj. et adv. von der Präposition ein, welche hier für in stehet, in einem Lande oder Orte, daheim, d. i. in demselben erzeuget oder erwachsen, im Gegensatze des Fremden oder Ausländischen. Einheimische Waaren, einheimische Gewächse, welche in dem Lande gemacht oder gebauet worden. Die einheimischen Fleischer, die Fleischer aus der Stadt, im Gegensatze der Landfleischer oder fremden Fleischer. Die Einheimischen, die Einwohner und Schutzverwandten eines Ortes oder Landes. Er ist hier einheimisch. In manchen Fällen bekommt die Bedeutung dieses Wortes allerley Einschränkungen. So werden z. B. in Sachsen unter die einheimischen Bettler auch diejenigen gerechnet, welche sich in den letzten zwey Jahren an einem Orte genähret haben. Ein einheimischer Krieg, ein innerlicher oder bürgerlicher Krieg, ein Krieg der Einwohner eines Landes wider einander.

Anm. Einheimisch, in Niedersachsen inheims, hemelik, im Oberdeutschen heimisch, ist von Heim, w. s. Inheimon kommt bey dem Ottfried für Heimath vor. Im Oberdeutschen ist statt dessen auch hieländisch üblich.


Einheirathen (W3) [Adelung]


Einheirathen, verb. reg. recipr. Sich in eine Familie einheirathen, durch Heirath in selbige gelangen.


Einheit (W3) [Adelung]


Die Einheit, plur. die -en, von dem Zahlworte ein, das Lat. unitas auszudrucken. 1. Die Eigenschaft, da ein Ding Eins ist; ohne Plural, außer zuweilen von mehrern Arten. 1) Die Eigenschaft, da ein Ding das einzige seiner Art ist, in welchem Verstande zuweilen die Einheit Gottes vorkommt. Die Einheit des Verstandes einer Schrift, nach welcher nur ein einziger Verstand der wahre ist. 2) Die Eigenschaft, da ein Ding unter gewissen Umständen einerley oder unverändert bleibt. Die Einheit des Ortes, in der Schauspielkunst, wenn der Ort durch alle Auftritte unverändert bleibt. 3) Die Eigenschaft, da mehrere Dinge so genau mit einander verbunden sind, daß sie nur ein und eben dasselbe Wesen ausmachen; in welchem Sinne die Einheit Gottes, die genaue Vereinigung dreyer Personen in Einem Wesen ausdruckt, welche Isidor durch Einnissa, Notker durch Einhafti, und ein Angelsachse durch Annysse gibt. S. Einigkeit. 4) Die Zusammenstimmung mehrerer Dinge auf Einen Endzweck. Die Einheit der Handlung, in der Schauspielkunst, wenn nur Eine Handlung in derselben vorkommt, auf welche sich alle übrige als Nebenhandlungen beziehen. Die Einheit in der Ode, wenn nur ein Hauptaffect in derselben herrschet. So auch die Einheit eines Gemähldes u. s. f. Schönheit ist Einheit im Mannigfaltigen. 5) Die Eigenschaft, da ein Ding untheilbar ist. Die Einheit der Monaden. 2. Ein Ding selbst, welches Eins ist, so fern es Eins ist; mit dem Plural. 1) in der Rechenkunst, ein Ding, aus dessen mehrmahligen Setzung eine Zahl entstehet, so fern sie daraus entstehet. So besteht die Zahl sechs aus sechs Einheiten. 2) In weiterer Bedeutung werden auch diejenigen Zahlen, welche kleiner als Zehner sind, oder die Einer, Einheiten genannt. 3) Ein untheilbares Ding, in der Methaphysik. So nannte Leibnitz die Monaden Einheiten der Natur.


Einheitzen (W3) [Adelung]


Einheitzen, verb. reg. act. Feuer in den Ofen machen, absolute. Die Magd hat noch nicht eingeheitzet. Statt der Oberdeutschen Ausdrücke, den Ofen, ein Zimmer einheitzen, gebraucht man im Hochdeutschen das einfache Zeitwort heitzen. So auch die Einheitzung.


Einhelfen (W3) [Adelung]


Einhelfen, verb. irreg. act. ( S. Helfen,) hinein helfen, doch nur figürlich, eines Gedächtnisse zu Hülfe kommen. Einem Redner, einem Schauspieler einhelfen. Daher die Einhelfung.


Einhellig (W3) [Adelung]


Einhellig, S. Einhällig.


Einhemmen (W3) [Adelung]


Einhemmen, verb. reg. act. die Hemmkette in das Rad hängen, um dessen Umlauf zu verhindern. Wir werden einhemmen müssen. Das Rad einhemmen. Daher die Einhemmung.


Einhenken (W3) [Adelung]


Einhenken, verb. reg. act. welches das Frequentativum von einhängen ist, und im gemeinen Leben so wie dieses gebraucht wird. Die Thür, das Fenster einhenken. Eine Glocke einhenken. Die Ohrgehänge einhenken. S. Henken. So auch die Einhenkung.


Einher (W3) [Adelung]


Einher, adv. loci, für herein, oder von einem andern Orte her, welches aber in dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen wenig mehr vorkommt. 1) * Eigentlich, in welcher Bedeutung es völlig veraltet ist. 2) Figürlich, wo der Begriff der Bewegung in einen Ort hinein verschwindet, und einher so wie daher in der höhern Schreibart verschiedenen Wörtern zugesellet wird, welche eine Bewegung bedeuten. In dem Bunde des Herren einher gehen, 5 Mos. 29, 12. Herr, da du von Seir auszogest, und einher gingest vom Felde Edom, Richt. 5, 4. Und der Philister ging auch einher und machte sich zu David, 1 Sam. 17, 41. Auf der Bahn der Tugend einher gehen. Majestätisch einher treten, einher ziehen. Wo einher alle Mahl der Ausdruck eines feyerlichen Ganges ist.


Einherbsten (W3) [Adelung]


Einherbsten, verb. reg. act. welches in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, für einernten gebraucht wird, weil Herbst zuweilen auch die Ernte bedeutet. Das Getreide einherbsten. Um Matthäi hatte man eingeherbstet, Bluntschli. Den Wein einherbsten, oder nur schlechthin einherbsten, die Weinlese halten. So auch die Einherbstung.


Einhetzen (W3) [Adelung]


Einhetzen, verb. reg. act. durch Hetzen, oder zum Hetzen geschickt machen, von Hunden; zuhetzen. Einen Hund einhetzen. Ein eingehetzter Hund. Die Jäger gebrauchen diesen Ausdruck auch von den Jagdhunden, nicht nur von den Leit-Schweiß- und Bürschhunden, welche gearbeitet werden, so wie die Hühnerhunde nur abgerichtet werden. So auch die Einhetzung.


Einheurathen (W3) [Adelung]


Einheurathen, S. Einheirathen.


Einhohlen (W3) [Adelung]


Einhohlen, verb. reg. act. 1) Herein hohlen, in einigen Fällen. Einen vornehmen Herren einhohlen, ihm entgegen gehen, und ihn feyerlich in die Stadt führen. 2) In einen nähern Ort hohlen. Die Stimmen einhohlen. Nachricht von etwas einhohlen, einziehen. 3) In der Geschwindigkeit zuvor kommen. Den fliehenden Feind einhohlen. Wenn du nur ein wenig eilest, kannst du sie noch einhohlen. Ein Schiff einhohlen. Ingleichen figürlich. Jemanden im Schreiben, im Lernen einhohlen, ihm gleich kommen. 4) Im Forstwesen heißt einen Wald einhohlen, zuweilen so viel, als ihn ausmessen. So auch die Einhohlung.


Einhorn (W3) [Adelung]


Das Einhorn, des -es, plur. die -hörner, von dem Zahlworte ein. 1. Ein Thier, welches nur ein einziges Horn hat. 1) Ein vierfüßiges Thier, welches nur ein einziges langes spitziges Horn vor der Stirn haben soll, und von welchem die ältern und neuern Schriftsteller allerley Erdichtungen erzählet haben. Gemeiniglich gibt man ihm die Gestalt eines Pferdes; wenigstens wird es in den Wapen noch auf diese Art abgebildet. Der einhurn in megede schose Git dur kuische sinen lib, Dem wild ich mich wol genose, u. s. f. Burkart von Hohenfels. Meinest du, das Einhorn werde dir dienen, und werde bleiben an deiner Krippen? Kannst du ihm dein Joch anknüpfen, die Furchen zu machen, daß es hinter dir broche in Gründen? u. s. f. Hiob 39, 9, f. Da sich dieses Thier, welches die Alten unter dem Nahmen des Einhornes unter so mancherley und oft fürchterlichen Gestalten beschrieben haben, in den neuern Zeiten nirgends finden wollen, so haben einige eine Art wilder Indianischer Waldesel, andere eine Art großer zweyhörniger Arabischer Ziegen, und noch andere das Rhinoceros oder Nasehorn für das Einhorn der heil. Schrift gehalten. Wenigstens ist das Nasehorn von ältern Schriftstellern mehrmahls mit dem Nahmen eines Einhornes beleget worden. In den Monseeischen Glossen wird Einhurn ausdrücklich durch Rhinoceros erkläret. Dalechamp zählet in seinen Anmerkungen über den Plinius sieben Arten vierfüßiger Einhörner, an welchen aber Kenner des Thierreiches noch manches auszusetzen haben. 2) Der Narwall, eine Art großer Fische in den nordischen Gewässern, der einen langen hervor ragenden gewundenen Zahn an der linken Seite der obern Kinnlade hat, Monodon, L. wird von einigen gleichfalls Einhorn oder Einhornfisch genannt. Er ist 16 bis 22 Fuß, sein Zahn oder Horn aber 9 bis 10 Fuß lang, und läuft vorn spitzig zu. 2. Das Horn dieses Thieres, besonders des Fisches, dessen Zahn von Unwissenden unter den Alten und Neuern für das Horn eines vierfüßigen Thieres gehalten worden, und die meisten Fabeln von dem Einhorne veranlasset hat. Wenigstens sind die meisten so genannten Einhörner, die man in der Erde gefunden hat, nichts als die jetzt gedachten Zähne des Narwalls. 3. Figürlich, eine Art langer Kanonen von kleinem Caliber, welche sehr weit tragen, und von einem Russischen Officier, Nahmens Schuwalow, erfunden worden, und daher auch Schuwalowsche Einhörner heißen.


Einhösen (W3) [Adelung]


Einhösen, verb. reg. act. welches nur bey den Jägern üblich ist. Einen Hasen einhösen, zwischen der Röhre und der Hose ein Loch in den Balg machen, und den andern Lauf dadurch stecken, und ihn daran zu tragen, oder aufzuhängen. S. Hose. Daher die Einhösung. Gemeiniglich wird dieses Wort einhäsen geschrieben und gesprochen.


Einhufig (W3) [Adelung]


Einhufig, adj. et adv. von dem Zahlworte ein, nur. Einen Huf habend. Einhufige Thiere, welche einen ganzen ungespaltenen Huf haben, wie das Pferd, der Zebra und der Esel; zum Unterschiede von den zwey- drey- und mehrhufigen.


Einhüllen (W3) [Adelung]


Einhüllen, verb. reg. act. in etwas verhüllen, mit einer Hülle umgeben. Sich in einen Mantel einhüllen. Den Kopf, das Gesicht einhüllen. Figürlich, in der höhern Schreibart. Sein verfallenes Gesicht war in kranke Schwermuth und finstern Verdruß eingehüllt.


Einjagen (W3) [Adelung]


Einjagen, verb. reg. act. 1) In etwas jagen, hinein jagen; doch nur in einigen figürlichen Ausdrücken, mit der dritten Endung der Person. Einem eine Furcht, einen Schrecken einjagen, sie ihm plötzlich verursachen. 2) Einen Hund einjagen, bey den Jägern, ihn zum Jagen geschickt machen, ihn abrichten.


Einjährig (W3) [Adelung]


Einjährig, adj. et adv. von dem Zahlworte ein, nur Ein Jahr alt. Ein einjähriges Kind. Ein einjähriges Füllen.


Einig (W3) [Adelung]


Einig, adj. et adv. welches vermittelst der Endsylbe ig, von dem Neutro des Beywortes ein gebildet worden, und nach dessen verschiedenem Gebrauche auch verschiedene Bedeutungen hat. I. So fern ein das Zahlwort ist, bedeutet einig etwas, welches nur das Eine seiner Art ist, obgleich wiederum mit mancherley Einschränkungen und Nebenbegriffen.1. Eigentlich, was entweder in dem schärfsten Verstande, oder doch unter gewissen Umständen, nur Ein Mahl vorhanden ist; da es denn am häufigsten als ein Adjectiv gebraucht wird, aber im Hochdeutschen veraltet ist, indem einzig dafür eingeführet worden. Indessen kommt es noch häufig in der Deutschen Bibel vor, wird auch in der Theologie noch von Gott in diesem Verstande gebraucht. Es ist nur ein einiger Gott. Du bist der einige Fremdling hier, 1 Mos. 19, 9. Bist du denn der einige Fremdling in Jerusalem? Luc. 24, 18. Wie durch des einigen Sünders einige Sünde u. s. f. Röm. 5, 16. Unsere einige Freude, unser einiger Trost in unserm Alter, Tob. 10, 5. Er (Gott) ist einig, wer will ihm antworten? Hiob 23, 13. Ingleichen als ein Umstandswort, für allein, eine Sache mit Ausschließung aller andern anzudeuten, oder mit Ausschließung aller andern Dinge von ihr zu behaupten. Denn mein Vorsatz einig der gewesen, mich selber in der Einsamkeit aufzumuntern, Opitz. Das ist einig und allein die Ursache. S. Einzig, welches in dieser ganzen Bedeutung im Hochdeutschen üblicher ist. Noch ungewöhnlicher ist es, das einig in diesem Verstande als ein Adjectiv zu gebrauchen. Niemand ist gut, denn der einige Gott, denn Gott allein, Marc. 10, 18. Der einige Paulus, für Paulus allein.2. Figürlich. 1) Bey den neuern Philosophen heißt ein einiges Wesen, ein solches, in welchem alle Eigenschaften, welche man in demselben denket, zu gemeinschaftlichen darin gegründeten Folgen vereiniget sind. S. auch Dreyeinig. 2) Einerley Meinung, einerley Willen habend; am häufigsten als ein Adverbium. Ich bin darin mit ihm einig, d. i. ich habe darin einerley Meinung mit ihm. Die Schriftsteller sind hierin nicht einig, d. i. sie sind verschiedener Meinung. Sie wurden einig, den Feind in der Nacht anzugreifen, sie vereinigten sich. Wer mit sich selbst nicht einig ist, der ist mit jedermann uneinig. In der Lehre nicht einig seyn. In einigen Fällen auch mit der zweyten Endung des Hauptwortes. Des Handels, des Preises einig werden. In engerer Bedeutung ist einig, dem zwieträchtig entgegen gesetzet, und da wird man einig, wenn man vorher in Feindschaft gelebet oder sich gezanket hat. Einig werden, sich aussöhnen. Sie leben sehr einig mit einander. In welchem Verstande es auch zuweilen als ein Adjectiv gebraucht wird. Ein Paar sehr einige Eheleute. Einige Amtsgenossen. S. Eins.II. So fern ein ein Pronomen ist, und jemand bedeutet, wird einig gleichfals als ein unbestimmtes Pronomen gebraucht, mehrere Dinge Einer Art sehr unbestimmt anzudeuten. Es wird alsdann ohne Artikel und so wohl mit als ohne Hauptwort gebraucht. 1. Eigentlich, mehrere Dinge Einer Art zu bezeichnen, deren Anzahl so unbestimmt ist, daß nicht einmahl der Begriff der Vielheit oder Wenigkeit ausgedruckt werden soll. Ich habe ihn einige Mahl gesehen. Es sind noch einige Äpfel da. In einigen Stücken hast du vollkommen Recht. Er sagte mir einige Worte, die ich aber nicht recht verstand. Er sprach nur einige wenige Worte. Es wollen einige behaupten, daß u. s. f. Oft auch in Beziehung auf andere, in welchem Falle im Singular ein gebraucht wird. Einige sagen dieß, andere jenes. An einigen Orten mehr, an andern weniger. Einige lieben, andere hassen ihn. Die Verbindung mit dem voran gehenden Genitive des Hauptwortes, der Freunde, der Häuser einige, für einige Freunde, einige Häuser, ist veraltet, und nur noch zuweilen im Oberdeutschen üblich.Nur mit den Relativen kommt sie noch zuweilen vor. Sind Käufer da? - Ja, es sind deren einige da, oder, es sind ihrer einige da. Richtiger hat es den Genitiv des Hauptwortes nach sich, wenn dasselbe mit einem Pronomine possessivo verbunden ist. Einige meiner Freunde haben ihn gesehen. Einige deiner Verwandten. Einige der Unserigen. Daß dieser Genitiv auch mit andern Pronominen gebraucht werden könne, ist von einigen bestritten worden. Indessen höret man doch oft: einige dieser Unglücklichen; es waren ihrer sechs, einige derselben waren krank. Es scheinet nicht, daß diese Fälle tadelhaft wären. Wenn aber gar kein Pronomen vorhanden ist, so ist es der Hochdeutschen Mundart freylich gemäßer, statt des Oberdeutschen Genitives, die Vorwörter von, unter und aus zu gebrauchen. Einige von den Gefangenen, für einige der Gefangenen; einige unter den Soldaten, einige aus der Mitte u. s. f. S. Ein, welches in diesem Falle mit einig einerley Wortfügung hat, ingleichen Etlich, welches in der Sprache des täglichen Umganges für einig üblich ist. Eigentlich ist einig in diesem Verstande nur im Plural gebräuchlich, Allein, wenn das Hauptwort ein Collectivum ist, welches nur im Singular am gewöhnlichsten ist, so findet auch der Singular Statt. Es ist noch einiges Getreide vorhanden. Er hatte einiges Geld bey sich. Man gebraucht es im gemeinen Leben zwar auch noch in andern Fällen. Ich glaube nicht, daß er einigen Bekannten hier habe. Noch über einigen Baum, Offenb. 7, 1. Allein alsdann ist es entweder das Zahlwort, oder es hat auch die folgende Bedeutung. Denn, es wird dieses Wort auch, 2. Im Singular gebraucht, eine unbestimmte Mehrheit zu bezeichnen. Ich leide einigen Schaden dabey. Er hat bey dieser Sache einiges Glück gehabt. Du wirst nie einiges Glück haben. Einiger Maßen. Er sucht seine Einkünfte auf einige Art zu vermehren. Einige Zeit darauf. Besonders mit verneinenden Wörtern, in deren Gesellschaft es die Verneinung verstärkt. Ohne einigen Schaden. Wir wurden ohne einige Ursache geschmähet. Kein Handwerksmann - einiges Handwerks, Offenb. 22, 8. Ohne einig Schwert oder Siangen, Bel. V. 25.

Anm. Dieses Wort lautet in beyden Hauptbedeutungen bey dem Kero einig, bey dem Übersetzer Isidors einic, einich, bey dem Ottfried einig, und mit dem Hauchlaute heinig, bey dem Notker unga, bey dem Ulphilas einaha, im Schwed. enig, enke, im Angels. aenig, anig, aenlic, anlic, im Latein. unicus. Die eigentliche Bedeutung der Endsylbe ig ist in diesem Worte noch dunkel. Statt des Pronominis gebrauchte man ehedem auch nur das Pronomen ein, und setzte alsdann nicht nur den Hauchlaut, sondern oft auch noch de voran, hein, dehein, und mit der Endsylbe ig, heinig, theheinig, bey dem Ottfried ni heiniga sacha. Thegein vrsach, ulla occasio, in dem Gesetze Ludwigs und Lothars um das Jahr 840. Daher kommt es, das chain so oft für ullus als für nullus gefunden wird; zu chainer wer, zu einiger Wehr, Stryker. S. Kein.


Einigen (W3) [Adelung]


Einigen, S. Vereinigen.


Einigerley (W3) [Adelung]


* Einigerley, adj. indecl. welches im Hochdeutschen veraltet ist. Wo einer den andern schuldiget um einigerley Unrecht, um irgend einiges Unrecht, es sey von welcher Art es wolle, 2 Mos. 22, 9. Am Werft, oder am Eintracht, oder an einigerley Ding, 3. Mos. 13, 49. Und machet euch Bilder einigerley Gleichniß, 5 Mos. 4, 23, 25.


Einigkeit (W3) [Adelung]


Die Einigkeit, plur. car. von dem Adjective einig, doch nur in einigen Bedeutungen desselben. 1. Die Eigenschaft eines Dinges, nach welcher es nur Ein Mahl vorhanden ist, oder nach welcher es das einzige seiner Art ist; in welchem Verstande zuweilen die Einigkeit Gottes gebraucht wird, obgleich diese Bedeutung ungewöhnlich ist. 2. Die Vereinigung aller Eigenschaften in einem Dinge zu gemeinschaftlichen darin gegründeten Folgen. 1) In der schärfsten Bedeutung, in welcher durch die Einigkeit Gottes, die Vereinigung der drey Personen zu einem einzigen göttlichen Wesen angedeutet wird; in welchem Verstande schon bey dem Notker Drisgheit in Einigheit vorkommt. 2) In weiterer Bedeutung, die Übereinstimmung der Meinungen und besonders des Willens. In großer Einigkeit leben. In brüderlicher Einigkeit leben. Es herrschet eine große Einigkeit unter ihnen. Friede und Einigkeit stiften. S. Einig.


Einigung (W3) [Adelung]


Die Einigung, S. Vereinigung.


Einkalken (W3) [Adelung]


Einkalken, verb. reg. act. 1) Ein Dach einkalken, die Ziegel auf demselben mit Kalk verbinden; wie eindecken. 2) Die Felle einkalken, bey den Weißgärbern, sie auf der Fleischseite mit Kalk bestreichen, damit man sie abharren könne; welches auch schwöden genannt wird.


Einkauen (W3) [Adelung]


Einkauen, verb. reg. act. eigentlich, gekauete Speisen in den Mund streichen, auf welche Art es noch im Oberdeutschen üblich ist. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur figürlich, in den niedrigen Sprecharten, für sehr deutlich machen. Einem etwas einkauen. Im Oberdeutschen einkäuen.


Einkauf (W3) [Adelung]


Der Einkauf, des -es, plur. inus. die Handlung des Einkaufens. Den Einkauf der Lebensmittel besorgen. Sich gut auf den Einkauf verstehen.


Einkaufen (W3) [Adelung]


Einkaufen, verb. reg. act. 1) Kaufen, um es nach Hause zu schaffen. Eßwaaren auf dem Markte einkaufen. Waaren einkaufen. Vorrath auf den Winter einkaufen. 2) Vermittelst eines Kaufes, oder vermittelst des Geldes einer Gesellschaft einverleiben. Jemanden in das Armenhaus, in ein Hospital einkaufen. Sich in eine Zunft einkaufen. Daher die Einkaufung in der zweyten Bedeutung.


Einkäufer (W3) [Adelung]


Der Einkäufer, des -s, plur. ut nom. sing. die Einkäuferinn, plur. die -en, der oder die einkauft. Besonders in großen Haushaltungen, Personen, welche den Einkauf der Lebensmittel besorgen.


Einkehle (W3) [Adelung]


Die Einkehle, plur. die -n, eine Kehle oder ein Winkel auf dem Dache. Daher der Einkehlstein, des -es, plur. die -e, Dachziegel oder Schiefer, welche für dergleichen Kehlen besonders zubereitet werden. Bey den Fischern ist die Einkehle die Öffnung an den Garnfäden, welche die Gestalt eines Trichters hat. S. Kehle.


Einkehlen (W3) [Adelung]


Einkehlen, verb. reg. act. mit einer Kehle oder Rinne versehen. Eine Säule einkehlen, welches in einer andern Beziehung auch auskehlen genannt wird. Ein Dach einkehlen. Daher die Einkehlung.


Einkehr (W3) [Adelung]


Die Einkehr, plur. die -en. 1) Die Einkehrung, die Handlung des Einkehrens, ohne Plural. Seine Einkehr in einem Gasthofe nehmen, daselbst einkehren. Wer darf es wagen, Dem Glück und was ihm folgt, die Einkehr abzuschlagen? Haged. Das Wirthshaus hat viele Einkehr, es kehren viele Leute daselbst ein. 2) Ein Wirthshaus, ein Gasthaus, wo man einkehret, nur im gemeinen Leben. 3) In der Mystik ist die Einkehr des Gemüthes, die Abziehung desselben von allen äußern Gegenständen.


Einkehren (W3) [Adelung]


Einkehren, verb. reg. neutr. welches mit dem Hülfsworte seyn verbunden wird, unterweges in ein Haus treten, sich kurze Zeit daselbst aufzuhalten. Bey einem guten Freunde einkehren.In einen Gasthof einkehren. Wir sind nirgends eingekehret. Die biblische Wortfügung, zum Hause einkehren, zu einem einkehren, 1 Mos. 19, 2, 3; Jos. 2, 1; Luc. 19, 5, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Im Oberdeutschen wird dieses Wort häufig für besuchen gebraucht. Kehren sie doch bey mir ein, besuchen sie mich doch. Daher die Einkehrung.


Einkeilen (W3) [Adelung]


Einkeilen, verb. reg. act. mit Keilen in etwas befestigen, bey verschiedenen Handarbeitern. Einen Stiel in der Axt einkeilen. Einen Mühlstein einkeilen. Figürlich, bey den Tischlern, einen Gesellen einkeilen, ihn vermittelst eines Schmauses bey einem Meister in Arbeit bringen. Daher die Einkeilung.


Einkellern (W3) [Adelung]


Einkellern, verb. reg. act. in den Keller schaffen, im gemeinen Leben. Den Wein einkellern.


Einkindschaft (W3) [Adelung]


Die Einkindschaft, plur. die -en, ein im Hochdeutschen veraltetes, aber im Oberdeutschen noch völlig übliches Wort, diejenige Anordnung zu bezeichnen, durch welche Kinder verschiedener Ehen in der Erbschaft einander gleich gemacht werden; dergleichen Kinder zuweilen auch wohl Einkinder heißen.


Einkitten (W3) [Adelung]


Einkitten, verb. reg. act. mit Kitt in etwas befestigen. Eine Messerklinge einkitten, in das Häft. Einen Anwurf in eine Mauer einkitten. So auch die Einkittung.


Einklagen (W3) [Adelung]


Einklagen, verb. reg. act. ausstehende Geldsummen durch gerichtliche Klage zu erhalten suchen. Eine Schuld einklagen. Eingeklagte Schulden.


Einklang (W3) [Adelung]


Der Einklang, des -es, plur. inus. in der Tonkunst, einerley Klang, ein gleichförmiger Klang, im Gegensatze der Terzen, Quinten u. s. f. Unisonus. Wenn z. B. zwey Saiten gleich dick, gleich lang und gleich stark gespannet sind, so gibt die eine den Einklang von der andern an d. i. sie geben einerley Ton.


Einkleiben (W3) [Adelung]


Einkleiben, oder einkleben, verb. reg. act. vermittelst eines Klebers in etwas befestigen. Ein Blatt Papier in ein Buch einkleiben, einkleben.


Einkleiden (W3) [Adelung]


Einkleiden, verb. reg. act. 1) Einen Mönch, noch häufiger aber, eine Nonne einkleiden, sie durch feyerliche Anlegung der Ordenskleider in einen Klosterorden aufnehmen. 2) Einen Geistlichen einkleiden, bedeutet in der Römischen Kirche, ihn vermittelst der feyerlichen Anlegung seiner geistlichen Kleidung in den Besitz der Kirchenlehen setzen; im mittlern Lateine advestire und investire. S. des du Fresne Glossar. v. Investire. 3) Eine Sache gut einzukleiden wissen, sie auf eine geschickte Art vorzutragen wissen. Er wußte seine Entschuldigung so gut einzukleiden, daß ihn jedermann für unschuldig hielt.


Einkleidung (W3) [Adelung]


Die Einkleidung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Einkleidens, in allen drey Bedeutungen des Verbi; ohne Plural, außer wenn im Concreto einzelne Fälle angedeutet werden sollen. 2) Dasjenige, womit etwas eingekleidet wird, in der dritten Bedeutung des Verbi, der Vortrag. Gemeine Gedanken, welche nur durch die Einkleidung das Ansehen der Neuheit bekommen.


Einkleistern (W3) [Adelung]


Einkleistern, verb. reg. act. mit Kleister in etwas befestigen. Daher die Einkleisterung.


Einklemmen (W3) [Adelung]


Einklemmen, verb. reg. act. in oder zwischen etwas klemmen. Jemandes Finger einklemmen, zwischen der Thür. Daher die Einklemmung.


Einklinken (W3) [Adelung]


Einklinken, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, die Klinke in den für sie bestimmten Haken fallen lassen. Die Thür klinket nicht recht ein. Klinke doch ein.


Einklopfen (W3) [Adelung]


Einklopfen, verb. reg. act. durch Klopfen hinein treiben. Einen Pflock, einen Zapfen einklopfen. Die Weisheit läßt sich nicht einklopfen. Daher die Einklopfung.


Einknebeln (W3) [Adelung]


Einknebeln, verb. reg. act. den Knebel in die für ihn bestimmte Öffnung thun. Ingleichen, vermittelst eines Knebels in etwas befestigen. Den Hund einknebeln, ihn vermittelst des in dem Halsbande befindlichen Knebels an die Kette legen. Daher die Einknebelung.


Einknicken (W3) [Adelung]


Einknicken, verb. reg. act. einen Knick in etwas machen. Eyerschalen, einen Strohhalm, ein Reis von einem Baume einknicken. Daher die Einknickung. S. Knicken. Das Niedersächsische inknikken bedeutet über dieses auch in Falten biegen.


Einknüpfen (W3) [Adelung]


Einknüpfen, verb. reg. act. vermittelst eines Knotens in etwas befestigen. Ein Band, einen Strick einknüpfen. Geld einknüpfen, es in das Schnupftuch knüpfen. Daher die im gemeinen Leben übliche figürliche Redensart, einem etwas einknüpfen, es ihm einbinden, einschärfen, ernstlich anbefehlen. Daher die Einknüpfung.


Einkochen (W3) [Adelung]


Einkochen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, durch Kochen vermindert, verdicket werden. Die Brühe ist sehr eingekocht. Den vierten Theil, die Hälfte einkochen lassen. 2) Als ein Activum, einkochen machen, einkochen lassen. Einen Trank bis zur Honigdicke einkochen. Daher die Einkochung in der letzten Bedeutung.


Einkommen (W3) [Adelung]


Einkommen, verb. irreg. neutr. ( S. Kommen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, in einen Ort kommen, hinein kommen. 1. Eigentlich. Und die Sonne war aufgegangen, da Loth gen Zoar einkam, 1 Mos. 19, 23. Die Einwohner des Landes, da du einkömmst, 2 Mos. 34, 12. Die Städte da wir einkommen sollen, 5 Mos. 1, 22. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung veraltet, weil man statt derselben lieber das einfache kommen mit einem Vorworte gebraucht. Doch sagt man noch: hier kann niemand aus- oder einkommen, für hinein kommen. 2. Figürlich. 1) In dem Bergbaue sind die Örter eingekommen, wenn die gegen einander getriebenen Örter zusammen kommen. 2) Mit einem Geschäfte vor einen Höhern kommen. Mit einer Bittschrift, mit einer Klage einkommen. Bey dem Rathe, bey dem Gerichte einkommen, mit einer Bittschrift, oder mit einer Klage. Schriftlich einkommen. Wider jemanden einkommen. Ungewöhnlich ist es im Hochdeutschen, wenn Opitz Ps. 119, 29, zu Gott sagt: Mit Flehen kam ich herzlich bey dir ein. 3) In die Casse kommen, von Geldsummen und andern Nutzungen. So viel kommt jetzt von den Bergwerken ein. Es ist noch kein Geld eingekommen. Es kommt jetzt nichts ein. In dieser Bedeutung ist auch der Infinitiv in Gestalt eines Hauptwortes für Einkünfte üblich. Das Einkommen vom Lande, 3 Mos. 23, 39. Ein ehrliches Einkommen haben. Er hat von seinem Gute tausend Thaler Einkommens. Von seinem Einkommen leben. 4) In die Gedanken kommen, einfallen. Was kommt ihm ein? was fällt ihm ein? Gesetzt es sollte ihnen über lang oder kurz einkommen, ihr diese Sache vorzuhalten, Gell. Das laß dir nur nicht einkommen, Less. 5) In die Wochen kommen, im gemeinen Leben. Sie wird bald einkommen. Sie ist mit einem Sohne eingekommen.


Einkömmling (W3) [Adelung]


Der Einkömmling, des -es, plur. die -e. 1) An einigen Orten, ein aus einem fremden Gerichte oder Orte gekommener Einwohner; ein Ankömmling, Einlieger. 2) An andern Orten werden die unangesessenen Einwohner auf den Dörfern, die Häuslinge, Einkömmlinge genannt. 3) Der Einkömmlingsschein, in den Kalendern, der eingeschaltete Mondschein.


Einkoppeln (W3) [Adelung]


Einkoppeln, verb. reg. act. in der Landwirthschaft einiger Gegenden, ein Stück Feld durch Befriedigung zu einer Koppel machen, es einfrieden oder einfriedigen. Daher die Einkoppelung. S. Koppel.


Einkörben (W3) [Adelung]


Einkörben, verb. reg. act. in den Korb fassen oder bringen, im gemeinen Leben. Einen Bienenschwarm einkörben.


Einkorn (W3) [Adelung]


Das Einkorn, des -es, plur. inus. eine Art des Dinkels oder der Spelte, welche statt zweyer neben einander befindlicher Körner deren eins über dem andern träget, und auch wilder Dinkel, St. Peterskorn genannt wird.


Einkramen (W3) [Adelung]


Einkramen, verb. reg. act. 1) Den Kram, d. i. die ausgelegten Waaren, einlegen; im Gegensatze des Auskramens. 2) Aufhören mit Kramwaaren zu handeln, darüber zu Grunde gehen. 3) Im Oberdeutschen wird dieses Wort auch für einkaufen gebraucht. So auch die Einkramung.


Einkreisen (W3) [Adelung]


Einkreisen, verb. reg. act. welches nur bey den Jägern üblich ist. Ein Wild einkreisen, das Gebüsch, in welchem sich ein Wild verborgen hat, umgehen. So auch die Einkreisung. S. Kreisen.


Einkriechen (W3) [Adelung]


Einkriechen, verb. irreg. neutr. ( S. Kriechen,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1) Hinein kriechen, doch nur in einigen wenigen Fällen. Er mußte einkriechen, in das Gefängniß wandern, im gemeinen Leben. Aus- und einkriechen. 2) Verkürzet werden, einlaufen. Leder kriechet ein, wenn es naß wird. Das Tuch ist in der Farbe gar sehr eingekrochen.


Einkünfte (W3) [Adelung]


Die Einkünfte, sing. inus. dasjenige, was einkommt, der Ertrag, die Nutzung. Viele Einkünfte haben. Von seinen Einkünften leben. Seine Einkünfte wollen nicht viel sagen. Die Einkünfte, des Landesherren, die der Landesherr hat oder genießet. Die Einkünfte eines Landes, eines Gutes u. s. f. von dem Lande, von dem Gute. Im Nieders. Upkome, Upkumst, Upkumft, Inkumst, im Schwed. Afkomst, Inkomst, sonst auch das Einkommen. S. Einkommen.


Einkütten (W3) [Adelung]


Einkütten, S. Einkitten.


Einladen (W3) [Adelung]


Einladen, verb. irreg. act. S. Laden. 1) Von laden, onerare, als eine Last in einen Ort bringen. Waaren einladen, in das Schiff. Waaren ein- und ausladen. 2) Von laden, invitare, in einen Ort laden, d. i. höflich rufen. Gäste einladen. Jemanden zu einem Gastmahle, zu einem Besuche, zu dem Abendessen einladen. Zu einer Hochzeit eingeladen werden. In dieser ganzen zweyten Bedeutung ist es im Oberdeutschen und der anständigen Schreibart der Hochdeutschen am üblichsten. In dem täglichen Umgange der letztern sind statt desselben bitten und invitiren gewöhnlicher. Inladen kommt in dieser Bedeutung schon bey dem Notker vor. Der Einlader ist im Oberdeutschen so viel als ein Hochzeitbitter. Figürlich, Bewegungsgründe zum Genusse darbiethen, reitzen. Die Freundschaft zu welcher wir von der Natur eingeladen werden, Gell. Die einladenden Schatten, Klopst.


Einladung (W3) [Adelung]


Die Einladung, plur. die -en, die Handlung des Einladens, in beyden Bedeutungen, besonders in der zweyten. Eine höfliche Einladung. Ich komme auf deine Einladung. Daher das Einladungsschreiben, worin man jemanden einladet.


Einlage (W3) [Adelung]


Die Einlage, plur. die -n, von dem Verbo einlegen. 1. Die Handlung des Einlegens oder Hineinlegens; in welchem Verstande die Kramer und kramenden Handwerker das Einlegen ihrer Waaren gegen Abend zuweilen die Einlage nennen. In den übrigen Fällen ist Einlegung üblicher. 2. Was eingeleget wird, oder eingeleget worden. 1) Was hinein geleget wird. (a) Die Einlage eines Briefes, eines Packetes, was in einen Brief, in ein Packet mit hinein geleget wird; im gemeinen Leben, nach dem Vorgange der Niedersachsen, die Inlage. (b) Derjenige Theil eines zusammen gelegten Stückes Waare, welcher in dem Innern zu liegen kommt, führet gleichfalls den Nahmen der Einlage, im Gegensatze des Umschlages. (c) Geld, welches zu einem Gebrauche ein- oder zusammen geleget wird. Die Einlage in die Lotterie. 2) Was einwärts geleget wird, in welchem Verstande in den Marschländern, die Einlage ein Deich ist, der um einen Bruch einwärts gegen das Land gezogen wird, im Gegensatze der Auslage, welche sich nach dem Wasser zu erstrecket. 3. Das Recht, Bier oder Wein einzulegen, und die Abgabe, welche dafür an die Obrigkeit entrichtet wird, in einigen Gegenden.


Einlager (W3) [Adelung]


Das Einlager, des -s, plur. inus. das Lager, d. i. der Aufenthalt in oder an einem Orte. Besonders verstand man in den mittlern Zeiten unter dem Einlager diejenige Art des Arrestes oder der Geißelschaft, nach welcher der Schuldner, in Ermangelung der Bezahlung, in einer von dem Gläubiger ihm angewiesenen öffentlichen Herberge erscheinen, und nicht von dannen gehen mußte, bis er seinen Gläubiger befriediget hatte. Dieser Gebrauch, welcher noch in Schleßwig und andern Niedersächsischen Gegenden anstatt des Wechselrechtes üblich ist, hieß auch der Eintritt, das Leistungsrecht, und im mittlern Lateine, Intrada, Obstagium, Jacentia. Das Einlager halten. Sich zu dem Einlager verbindlich machen. S. J. P. Cassels Bremensia Th. 2, S. 19 f. J. F. Hansens Staatsbeschreibung des Herzogthumes Schleßwig, S. 298 f.


Einländer (W3) [Adelung]


Der Einländer, S. Inländer.


Einländisch (W3) [Adelung]


Einländisch, adj. et adv. was innerhalb eines Landes geschiehet, oder in demselben entsprossen ist, in Beziehung auf dieses Land; im Gegensatze des ausländisch. Einländische Waaren, Producte. Ein einländischer Krieg, ein innerlicher, bürgerlicher Krieg.

Anm. Ein stehet hier unläugbar für in, so fern diese Präposition die dritte Endung erfordert. Billig sollte daher dieses Wort nach dem Beyspiele der Niedersachsen inländisch lauten. Statt desselben ist im Oberdeutschen und Niedersächsischen auch hierländisch und binnenländisch üblich. In der letztern Mundart ist Inland und Ingeland ein innerhalb eines Gebiethes oder Bezirkes gelegenes Stück Landes, im Gegensatze des Auslandes oder Usgelandes.


Einlangen (W3) [Adelung]


Einlangen, verb. reg. welches in doppelter Gattung angetroffen wird. 1) Als ein Activum, für einreichen, hinein langen, hinein geben, im gemeinen Leben. Eine Schrift, eine Klage einlangen, sie bey der Obrigkeit eingeben. 2) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, in einen Ort gelangen, eintreffen, auch nur im gemeinen Leben. Er ist noch nicht eingelangt, besser angelangt. Es sind Beschwerden, Klagen eingelangt, eingegangen. So auch die Einlangung, in beyden Bedeutungen.


Einlaß (W3) [Adelung]


Der Einlaß, des -sses, plur. die -lässe. 1) Die Handlung des Einlassens, in einigen Fällen; ohne Plural. Bis zehn Uhr ist Einlaß, so lange wird man noch in die Stadt gelassen. Daher das Einlaßgeld, welches man nach geschlossenen Thoren für den Einlaß bezahlet. 2) Ein kleines Nebenthor in den Städten, Fußgänger einzulassen, damit das große Thor nicht geöffnet werden darf.


Einlassen (W3) [Adelung]


Einlassen, verb. irreg. act. S. Lassen. 1) Hinein fließen lassen. In diesem Verstande wird die Sohle in den Salzwerken eingelassen, wenn man sie aus der Siedepfanne in die Wärmpfanne fließen lässet. 2) Herein gehen lassen, nach Öffnung der Thür oder Wegräumung der Hindernisse den Eingang verstatten. Jemanden einlassen, in das Zimmer, in das Haus, in die Stadt. Man will uns nicht einlassen, man verwehret uns denEingang. Die Truppen näherten sich der Stadt, allein man ließ sie nicht ein. 3) Versenken, bey verschiedenen Arbeitern. Klammern in Stein einlassen und mit Bley vergießen. Eine Schraube einlassen, ihren Kopf so tief in das Holz oder Metall versenken, daß er mit dem letztern eine ebene Fläche macht. Ein eingelassener Kopf, tete perdue, der auf solche Art eingesenkte Kopf eines Nagels; einer Schraube u. s. f. 4) Sich mit jemanden in ein Gespräch, in eine Unterredung, in einen Handel einlassen, ein Gespräch u. s. f. mit ihm anfangen und fortsetzen. Sich in eine Schlacht, in einen Proceß einlassen. Ich mag mich in diese Sache nicht einlassen. Ich lasse mich mit ihm nicht ein, habe nichts mit ihm zu schaffen. Sich auf eine Klage einlassen, in den Rechten, sich darüber erklären, darauf antworten. Laß dich darauf nicht ein, bewillige solches nicht, gib dich damit nicht ab. Auf solche Fragen lasse ich mich nicht ein, ich beantworte sie nicht. So auch die Einlassung.


Einlauf (W3) [Adelung]


Der Einlauf, des -es, plur. inus. das Einlaufen. Der Einlauf eines Schiffes in den Hafen. Einem Schiffe den Einlauf verwehren.


Einlaufen (W3) [Adelung]


Einlaufen, verb. irreg. neutr. ( S. Laufen,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1. Hinein laufen; doch nur in einigen Fällen. 1) Eine Kugel einlaufen lassen, sie in den Flintenlauf rinnen lassen. 2) Mit dem Schiffe in den Hafen einlaufen, in den Hafen segeln. Das Schiff will einlaufen. 3) Im gemeinen Leben läuft ein Hengst ein, wenn man ihn frey unter den Stuten herum gehen lässet, und er sie bespringen kann wenn er will; welche Art des Beschälens dem Beschälen aus der Hand entgegen gesetzet ist. 4) Für eingehen, anlangen. Es sind eben nicht die besten Nachrichten eingelaufen. Es lief eine Menge Klagen wider ihn ein. Die eingelaufenen Briefe melden, daß u. s. f. 2. Zusammen laufen, einkriechen, verkürzet werden. Das Tuch läuft ein, wenn es naß wird. Bey den Buchdruckern läuft eine Schrift, eine Materie ein, wenn sie weniger Raum einnimmt, als bey der ersten Auflage, oder als in der Handschrift; im Gegensatze des Auslaufens.


Einlaugen (W3) [Adelung]


Einlaugen, verb. reg. act. in die Lauge legen, mit Lauge beitzen. Garn, Wäsche, Leinwand einlaugen. Daher die Einlaugung.


Einlaut (W3) [Adelung]


Einlaut, -er, -este, adj. et adv. welches nur an einigen Orten figürlich für einförmig üblich ist. Der Hof lebet sehr stille und einlaut.


Einläuten (W3) [Adelung]


Einläuten, verb. reg. act. den Anfang einer Sache durch Läuten verkündigen. Ein Fest einläuten. Die Messe einläuten. Im gemeinen Leben bedeutet einläuten, absolute, oft auch zur Kirche läuten. Man hat schon eingeläutet. Daher die Einläutung.


Einlegen (W3) [Adelung]


Einlegen, verb. reg. act. 1. Hinein legen, in einen Ort legen. 1) Eigentlich. Holz einlegen, in den Ofen. Feuer einlegen, in ein Gebäude. Geld einlegen, in das Becken, in die Büchse, in die Lotterie u. s. f. Daher das Einlegegeld, dasjenige Geld, welches die Innungen in manchen Fällen dem gemeinen Wesen entrichten; z. B. die Fleischer für die Fleischbänke. Stockfisch, Häringe einlegen, sie in Wasser legen. In dem Bergbaue heißen diejenigen Register, welche der Schichtmeister zu gewissen Zeiten in das Bergamt einleget, die Einlegeregister.2) Figürlich. (a) Zum künftigen Gebrauche in einen Ort, oder in eine andere Materie legen. Bier, Wein einlegen, es in den Keller legen und aufbehalten. Wälsche Nüsse, Rüben u. s. f. in Sand einlegen. Gurken einlegen, in Essig legen. Fleisch einlegen, es in Salz oder Essig legen. Waaren bey jemanden einlegen, sie zur Verwahrung bey ihm niederlegen. (b) Zur Fortpflanzung in die Erde legen, in welchem Verstande das Einlegen eine Art der Baumvermehrung ist, S. Ablegen, Senken. Ein Reis einlegen. Reben einlegen. Daher der Einleger, ein eingelegter Rebe. (c) Eingelegte Arbeit, eine künstliche Arbeit, da allerley Figuren in Elfenbein, Holz, Metall, Steine u. s. f. ausgeschnitten, in die Vertiefungen einer andern Materie gelegt, und in derselben befestiget werden. In Holz, in Stein, in Eisen, in Stahl einlegen, ausgeschnittene Stücke einer andern Materie darin befestigen. Mit Elfenbein, Bernstein, Gold, Silber, Marmor einlegen, die einzulegenden Stücke aus diesen Materien bereiten. Eingelegte Arbeit verfertigen. (d) Soldaten zur Besetzung einlegen, in eine Stadt. Es sind sechs Mann Wache bey ihm eingeleget worden. Sich bey jemanden einlegen, eigenmächtig bey ihm das Quartier nehmen. (e) Im Bergbaue leget man sich an einem Gebirge ein, wenn man daselbst anfängt zu schürfen. (f) Bey den Jägern leget sich der Leithund in das Hängeseil ein, wenn er dasselbe straff anziehet. (g) Ein gutes Wort für jemanden einlegen, zu seinem Besten reden. Legen sie eine Fürbitte für mich ein. (h) Lob, Ehre, Schande mit etwas einlegen, erwerben. Damit wirst du nicht viel Ehre einlegen.2. Zusammen legen, einwärts legen. Ein Messer einlegen, ein Einschlagemesser zusammen legen. Daher ein Einlegemesser, ein Einlegelöffel, die auf solche Art eingeleget werden können. Ein Stück Waare einlegen, es zusammen legen. Die Kramer legen ihre Waaren ein, wenn sie solche zusammen legen, wegräumen, und ihre Bude oder ihren Laden zumachen; im Gegensatze des Auslegens. Er hat schon eingelegt, d. i. seinen Laden, seine Bude zugemacht. Daher einlegen oft so viel ist als zu Grunde gehen, in Verfall der Nahrung gerathen.So auch die Einlegung, plur. inus. in allen obigen Bedeutungen.


Einleger (W3) [Adelung]


Der Einleger, des -s, plur. ut nom. sing. S. Einlegen 1. 2).


Einleiben (W3) [Adelung]


* Einleiben, verb. reg. act. ein veraltetes Wort, für einverleiben, welches noch Ephes. 3, 6, vorkommt: Die Heiden sind mit eingeleibet und Mitgenossen der Verheitzung in Christo. S. Einverleiben.


Einleimen (W3) [Adelung]


Einleimen, verb. reg. act. vermittelst eines Leimes in etwas befestigen. Einen Zapfen einleimen. Daher die Einleimung.


Einleiten (W3) [Adelung]


Einleiten, verb. reg. act. in einen Ort leiten, oder begleiten, einführen. Und ward - herrlich empfangen und eingeleitet mit Fackeln und großem Triumph, 2 Macc. 4, 22; welche Bedeutung doch im Hochdeutschen veraltet ist, wo man dieses Wort nur figürlich gebraucht. Er wußte die Sache so einzuleiten, daß er seine Absicht völlig erreichte, so vorzubereiten und zu lenken. Ich habe es schon so eingeleitet, daß es dir nicht fehl schlagen kann. Schwedisch inleda.


Einleitung (W3) [Adelung]


Die Einleitung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Einleitens, in der letzten Bedeutung des Verbi, denn in der ersten eigentlichen ist es gleichfalls veraltet; ohne Plural. 2) Die Anleitung zu einer Sache, der Unterricht, und die Schrift, welche solchen enthält; in welchem Verstande dieses Wort auf den Titeln vieler Bücher vorkommt. Einleitung in die Rechtsgelehrsamkeit, in die Naturkunde, in die Bergwerkswissenschaft u. s. f. 3) Die Vorbereitung zu einem nachfolgenden Vortrage, und da ist die Einleitung bey Schriften, Abhandlungen u. s. f. das, was bey einer Rede der Eingang ist.


Einlenken (W3) [Adelung]


Einlenken, verb. reg. Es ist, 1) ein Activum, durch Lenken in die gehörige Lage bringen. Ein verrenktes Glied wieder einlenken. 2) Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, durch Lenken in einen Raum, in einen Ort gelangen. So lenkt der Fuhrmann mit dem Wagen ein, wenn er die Pferde wieder in den Weg lenket, aus welchem sie geschritten waren. Daher die figürliche R. A. wieder einlenken, von einer Ausschweifung im Reden wieder auf die Hauptsache kommen; ingleichen, von einersittlichen Ausschweifung wieder zur Tugend zurück kehren. So auch die Einlenkung in beyden Gattungen.


Einlesen (W3) [Adelung]


Einlesen, verb. irreg. act. ( S. Lesen,) bey den Webern, die Fäden bey dem Aufzuge in Ordnung bringen. Daher das Einlesebretchen, ein längliches Bret der Kattunweber mit zwanzig Löchern, wodurch die Fäden auf den Scherrahmen geleitet werden. S. Lesen. Im Oberdeutschen bedeutet einlesen auch so viel als einsammeln. Früchte, Obst, Wein einlesen.


Einleuchten (W3) [Adelung]


Einleuchten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, mit seinem Lichte in einen Ort bringen; doch nur in figürlicher Bedeutung, für klar und deutlich werden, in welchem Verstande dieses Wort neuern Ursprunges ist. Wenn dir meine Gründe nicht einleuchten. Ein einleuchtender Beweis. Das ist sehr einleuchtend. Das natürlichste leuchtet uns immer am spätesten ein, Less.


Einlieben (W3) [Adelung]


Einlieben, verb. reg. recipr. welches im Hochdeutschen ganz ungewöhnlich ist, und nur bey dem Opitz für beliebt machen vorkommt. Sollte nicht diese edle Stadt würdig seyn, daß die besten Gemüther sich bey derselben einzulieben und ihre Gunst zu erwerben möglichen Fleiß und Sorge trügen?


Einliefern (W3) [Adelung]


Einliefern, verb. reg. act. in einen Ort liefern, im gemeinen Leben. Geld, Getreide einliefern. Man hat die Briefe, die Waaren noch nicht eingeliefert. Daher die Einlieferung.


Einliegen (W3) [Adelung]


Einliegen, verb. irreg. neutr. ( S. Liegen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, aber nur in einigen gemeinen Mundarten üblich ist, zur Miethe wohnen. Bey einem einliegen. Daher der Einlieger, des -s, plur. ut nom. sing. in Niedersachsen, ein Einwohner, der kein eigenes Haus hat, der nur bey andern zur Miethe wohnet; ein Häusler, Beysaß, Inste, Insaß. Im Bergbaue wird auch der Hüttenwächter ein Einleger genannt.


Einlochen (W3) [Adelung]


Einlochen, verb. reg. act. bey den Zimmerleuten, ein Loch in etwas machen; größten Theils absolute. Daher die Einlochung.


Einlogiren (W3) [Adelung]


Einlogiren, (sprich einloschiren,) verb. reg. act. von dem Nebenworte ein und dem Franz. loger, im gemeinen Leben. Sich bey jemanden einlogiren, sein Logis bey ihm nehmen. Einen Freund bey jemanden einlogiren, ihn zu ihm in das Logis bringen. So auch die Einlogirung. S. Logiren.


Einlösen (W3) [Adelung]


Einlösen, verb. reg. act. los machen und in seine Verwahrung bringen, doch nur von Pfandstücken. Ein Pfand einlösen, durch Erlegung des Pfandschillinges es wieder in seine Gewalt bringen. Ein verpfändetes Gut einlösen. Daher die Einlösung.


Einlöthen (W3) [Adelung]


Einlöthen, verb. reg. act. vermittelst eines Lothes, d. i. leicht flüssigen Metalles, in etwas befestigen. Einen abgebrochenen Fuß wieder einlöthen. Daher die Einlöthung.


Einmachen (W3) [Adelung]


Einmachen, verb. reg. act. hinein machen; größten Theils nur in einigen besondern Fällen. 1) In ein Packer einmachen, in ein Packet zusammen bringen. Handschuhe in ein Papier einmachen, einwickeln. Ein Buch einmachen, bey den Buchbindern, es in der Pergamentdecke befestigen. Einen Haarbeutel einmachen, einbinden. 2) In einen andern Körper legen und aufbewahren. Früchte einmachen, sie in gesottenen Zucker oder Honig legen; candiren. Eingemachte Früchte, eingemachtes Obst, eingemachter Ingber u. s. f. In weiterer Bedeutung wird dieses Wort im Oberdeutschen auch für einsalzen und einbökeln gebraucht. Fleisch, Fische einmachen. Fleisch einmachen ist auch in den Hochdeutschen Küchen, es in einer kräftigen Brühe dämpfen lassen. 3) Den Teig einmachen, ihn mit Wasser kneten. Kalk einmachen, ihn vom Wasser durchdringen lassen. So auch die Einmachung.


Einmähdig (W3) [Adelung]


Einmähdig, adj. et adv. in der Landwirthschaft, was nur Ein Mahl gemähet werden kann, einhauig. Einmähdige Wiesen, im Gegensatze der zwey- und dreymähdigen.


Einmahl (W3) [Adelung]


Einmahl, ein Umstandswort der Zeit, welches mit dem Hauptworte Mahl und dem Worte ein zusammen gesetzet ist, und dessen verschiedene Bedeutungen von dem verschiedenen Gebrauche des letztern herrühren.I. So fern ein das Zahl- und Beywort ist, hat einmahl (richtiger getrennt, Ein Mahl) den Ton auf der ersten Sylbe. Es ist alsdann,1. Dem mehr als Ein Mahl entgegen gesetzet. Ich habe ihn in meinem Leben nur Ein Mahl gesehen. Wir haben es mehr als Ein Mahl gehöret. Das ist zu viel auf Ein Mahl. Ein Mahl eins ist eins. Das Ein Mahl eins, ein Täfelchen, welches alle Producte enthält, welche heraus kommen, wenn man die Einer nach der Reihe mit einander multipliciret; Abacus Pythagoricus, von dessen Erfinder, dem Pythagoras. Ist das mein Freund, dem ich mehr als Ein Mahl mein Haus und mein Vermögen angebothen habe? Gell. Ein Glas auf ein Mahl austrinken. Im gemeinen Leben wird auf Ein Mahl oft für zu Einer Zeit gebraucht. Also fielen diese sieben auf Ein Mahl, 2 Sam. 21, 9. Er schlug acht hundert auf Ein Mahl, Kap. 23, 8. Ingleichen für plötzlich, schnell. Auf Ein Mahl kam ein Blitz. Alles war still; auf Ein Mahl entstand ein Lärmen. In welchem Falle die Niedersachsen mit Ein Mahl und mit Eins sagen. Ein Mahl für alle Mahl, oder Ein für alle Mahl, ist eine gleichfalls in der Sprache des täglichen Umganges übliche Formel, den Nachdruck einer Versicherung, eines Verbothes, eines Befehles zu vermehren. Ich sage es dir Ein Mahl für alle Mahl. Ich befehle, verbiethe es dir Ein Mahl für alle Mahl. In dieser ganzen Bedeutung wird es richtiger getrennt, als zusammen gezogen geschrieben, weil hier weiter nichts als die gewöhnliche Verbindung eines Adjectivi mit seinem Substantivo ist, auch keine hervor stehende Figur die Zusammenziehung erfordert. S. Mahl, ingleichen in der Orthographie die Lehre von der Zusammensetzung. Es erhellet dieses unter andern auch daraus, weil beyde Wörter zuweilen ordentlich decliniret werden können und müssen. Daß er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu Einem Mahle, Röm. 6, 10. Und ward mit Einem Mahl erweicht, Gell. Wo um des größern Nachdruckes willen oft noch das einzig eingeschaltet wird. Ich habe ihn nur ein einziges Mahl gesehen. Da Ein hier das bestimmte Zahlwort ist, so schreibt man es auch gern mit einem großen Buchstaben, S. Ein.2. Nach einer besondern Figur wird dieses Umstandswort zuweilen gebraucht, bloß den Nachdruck eines Satzes zu verstärken, doch mit einem Nebenbegriffe, der sich besser empfinden als beschreiben lässet. Es ist nun Einmahl geschehen. Was Einmahl geschehen ist, läßt sich nicht ändern. Er liebt sie, das ist Einmahl gewiß. Wenn man Einmahl in Gesellschaft ist, so kann man nicht zu aufgeweckt seyn. Da du es Einmahl hast, so kannst du es behalten. Weil ich doch Einmahl auf dem Wege bin, so will ich ihn besuchen. Es ist nun Einmahl nicht anders. Er ist nun Einmahl mein Freund nicht. Zuweilen verräth dieser Ausdruck einen gebietherischen Stolz. In dem Lustspiele Doris, oder die zärtliche Schäferinn, sagt Tiren: Ich schenk' ihn aber dir; und Einmahl lieb' ich dich. Doris antwortet darauf: Und Einmahl lieb' ich dich? Tiren, darf ich wohl fragen, Was willst du eigentlich mit diesen Worten sagen? Du dünkst dich, wie mir scheint, gewiß nichts schlechts zu seyn. Und Einmahl lieb' ich dich! Was bildst du dir denn ein? Da hier eine wahre Figur Statt findet, so ist die Zusammenziehung hier eher zu billigen. Auch das große E läßt sich hier vertheidigen, wäre es auch nur, dieses Nebenwort dem Tone und der Bedeutung noch von dem folgenden zu unterscheiden.So wie das Beywort Ein oft in Rücksicht auf die andern gebraucht wird, so beziehet sich auch Ein Mahl zuweilen auf das andere Mahl; wo denn wieder keine Zusammenziehung Statt findet. So wenig als in dem andern Mahl. Ein Mahl reden sie so verliebt, daß man erschrickt, und das andere Mahl so gleichgültig, als wenn sie mich zum ersten Mahle sähen, Gell. Ein Mahl ist er glücklich, das andere Mahl ist er unglücklich. Ein Mahl über das andere, d. i. mehrmahls schnell hinter einander. Ich besinne mich, ihn Ein oder das andere Mahl gesehen zu haben, einige Mahle.II. So fern aber ein der unbestimmte Artikel ist, hat das Umstandswort einmahl den Ton auf der letzten Sylbe. Es bezeichnet alsdann eine unbestimmte Zeit, sie mag nun vergangen, zukünftig oder gegenwärtig seyn. 1. Eine vergangene unbestimmte Zeit. Es war einmahl ein Mann, der gewöhnliche Anfang der Feen-Mährchen. Er sagte einmahl zu mir, er hätte dich nie gekannt. Ich habe ihn wohl einmahl gesehen, aber ich weiß nicht wenn. Du hast einmahl was gehöret, und weißt nicht mehr was. Sollte wohl einmahl eine Zeit gewesen seyn, da die Menschen vollkommen tugendhaft gelebt haben? 2. Eine künftige unbestimmte Zeit. Er wird mich schon einmahl bezahlen. Ich hoffe ihn einmahl wieder zu sehen. Ich will schon einmahl kommen. Wenn du es einmahl lernen wirst. Was wird ihr Herz empfinden, wenn es sich einmahl von ihm trennen soll? Gell. S. Einst, Dereinst, Dermahleinst, welche auf ähnliche Art gebraucht werden. 3. Eine gegenwärtige, aber doch unbestimmte Zeit. 1) Den Nachdruck des endlich zu verstärken, oder dieses Wort zu ersetzen. Kommst du endlich einmahl? Damit ich endlich einmahl schließe. Läßt du dich auch einmahl hören? 2) Oft, besonders in der vertraulichen Sprechart, wird es gern den Imperativen zugesellet, und verstärket alsdann den Nachdruck derselben. Hören sie einmahl, was die Leute dazu sagen. Kommen sie doch einmahl her. Stelle dir einmahl vor. Laß einmahl sehen, ob ich mir von deiner Lehrbegierde viel zu versprechen habe. 4. Figürlich begleitet dieses Nebenwort gerne die verneinenden Wörter, und druckt alsdann das tantum abest der Lateiner aus. Wie sollte ich es verstanden haben? ich habe es nicht einmahl gehöret. Ich kenne ihn noch jetzt nicht einmahl recht genau. Und hatte nicht einmahl sauer dazu gesehen, 1 Sam. 3, 13. Ach, ich mag nicht einmahl sagen, was er sagt. Weiße. Dieß alles sagst du mir und wirst nicht einmahl roth? Gell. wo aber der Ton irrig auf dem ein lieget.

Anm. Das Zahlwort Ein Mahl heißt bey dem Ottfried einaz, bey spätern Schriftstellern ein Fahrt, ein Stund u. s. f. S. Mahl und Eins. Für das unbestimmte Umstandswort der künftigen Zeit gebraucht Kero eonasdre, ein Alter, d. i. eine unbestimmte Zeit.


Einmahlig (W3) [Adelung]


Einmahlig, adj. von dem Zahlworte Ein Mahl, was nur Ein Mahl geschiehet, im gemeinen Leben.


Einmahnen (W3) [Adelung]


Einmahnen, verb. reg. act. durch Mahnen eintreiben, in seine Gewalt zu bekommen suchen; besonders von geborgten Sachen. Schulden einmahnen. Wenn einer seinem Nächsten etwas borget, der solls - nicht einmahnen, 5 Mos. 15, 2. Von einem Fremden magst du es einmahnen, V. 3. Daher die Einmahnung.


Einmännisch (W3) [Adelung]


Einmännisch, adj. et adv. von dem Zahlworte Ein und Mann, auf Einen Mann, d. i. auf Eine Person, im gemeinen Leben, im Gegensatze des zweymännisch. Ein einmännisches Bett, in Obersachsen, worin nur eine Person schlafen kann; in andern Gegenden ein einschläferiges, einspänniges Bett. Ein einmännischer Kübel, in dem Bergbaue, ein Kübel, der von einer einzigen Person aus der Grube gefördert werden kann. Ein einmännischer Tuchmacher, ein Tuchmacher von der Art derer, da nur Einer an einem Stücke wirket. S. Zweymännisch.


Einmarken (W3) [Adelung]


Einmarken, verb. reg. act. welches nur in einigen gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes, für einkaufen üblich ist. Daher die Einmarkung. S. Marken.


Einmarschiren (W3) [Adelung]


Einmarschiren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, hinein marschiren. Die Truppen sind noch nicht einmarschiret, in die Stadt. Daher der Einmarsch, des -es, plur. die -märsche. S. Marschiren.


Einmaß (W3) [Adelung]


Das Einmaß, des -es, plur. inus. in der Landwirthschaft, der Abgang an aufgeschüttetem Getreide, welcher durch Eintrocknung, mehrmahliges Messen u. s. f. verursacht wird. Einmaß ist der allgemeine Ausdruck; Bodenriß, Fruchtschrumpf, Mäusefraß u. s. f. bezeichnen besondere Arten desselben. S. Einmessen.


Einmauern (W3) [Adelung]


Einmauern, verb. reg. act. 1) Mit Stein und Kalk in einer Mauer befestigen. Einen Stein mit einmauern. Eine eingemauerte Aufschrift. 2) Mit einer Mauer umgeben, mit einer Mauer umschließen, vermauern. Einen Schatz einmauern. Einen Verbrecher einmauern, auch figürlich, ihn auf Lebenszeit zu einer engen Gefangenschaft verurtheilen. Daher die Einmauerung.


Einmeischen (W3) [Adelung]


Einmeischen, verb. reg. act. bey den Bierbrauern. Malz einmeischen, siedendes Wasser auf dasselbe gießen, die Kraft aus demselben heraus zu ziehen. S. Meisch. Daher die Einmeischung.


Einmeißeln (W3) [Adelung]


Einmeißeln, verb. reg. act. mit dem Meißel hinein bringen. Ein Loch einmeißeln, in einen Stein. Daher die Einmeißelung.


Einmengen (W3) [Adelung]


Einmengen, verb. reg. act. hinein mengen. Futter für das Vieh einmengen, es mit Wasser vermengen. Auch figürlich. Er will sich in alles einmengen. So auch die Einmengung.


Einmessen (W3) [Adelung]


Einmessen, verb. irreg. act. S. Messen. 1) Hinein messen, messen und in ein Behältniß schütten. Getreide, Erbsen u. s. f. einmessen, es messen und in Fässer, Säcke u. s. f. thun. Den Wein, das Bier einmessen, in ein Geschirr. 2) Im Messen vermindert werden oder bey wiederhohltem Messen weniger befunden werden als zuvor; als ein Reciprocum. Das Korn hat sich sehr eingemessen. S. Einmaß. Daher die Einmessung in der ersten Bedeutung.


Einmiethen (W3) [Adelung]


Einmiethen, verb. reg. act. in eine Miethe bringen, zur Miethe in einen Ort, in eine Wohnung bringen. Er hat seinen Freund bey mir eingemiethet, er hat ein Logis für ihn bey mir gemiethet. Sich bey jemanden einmiethen. Sich in einen Wald einmiethen, sich vermittelst einer Abgabe, welche an einigen Orten auch die Einmiethe genannt wird, die Erlaubniß erkaufen, Brennholz aus demselben hohlen zu dürfen. Daher die Einmiethung.


Einmischen (W3) [Adelung]


Einmischen, verb. reg. act. hinein mischen, doch mehr in figürlichem als eigentlichem Verstande. Verse mit in eine Rede ein-mischen. Er mischt allerley Mährchen mit ein. Er mischt sich überall mit ein. In die Sache mag ich mich nicht mit einmischen. Mußtest du dich eben mit in unser Gespräch einmischen. So auch die Einmischung. S. Mischen.


Einmünzen (W3) [Adelung]


Einmünzen, verb. reg. act. in Münze verwandeln. Gold, Silber einmünzen. Ingleichen, in neue Münze verwandeln. Abgesetzte Geldsorten einmünzen. Daher die Einmünzung.


Einmuth (W3) [Adelung]


Die Einmuth, plur. car. die Übereinstimmung des Gemüthes. Sie gingen mit großer Einmuth zu Werke.


Einmuthen (W3) [Adelung]


Einmuthen, verb. reg. act. welches nur noch im gemeinen Leben üblich ist, um die Aufnahme in eine Zunft oder Gesellschaft bitten. Sich bey einer Zunft, bey einer Innung, bey einem Gewerke einmuthen, bey den Handwerkern. Daher die Einmuthung. Die Einmuthung thun, verrichten. S. Muthen.


Einmüthig (W3) [Adelung]


Einmüthig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Zahlworte ein, Einmuth habend, Einmuth verrathend, dem Gemüthe nach einstimmig. Einmüthige Eheleute, Einmüthige Bürger. Am häufigsten als ein Nebenwort. Sie leben sehr einmüthig mit einander. Eine Sache einmüthig beschließen. Das Oberdeutsche einmüthiglich, welches noch so oft in der Deutschen Bibel vorkommt, ist im Hochdeutschen veraltet. Da huben sie ihre Stimme auf einmüthiglich, Apostg. 4, 24.

Anm. Dieses einmuatlicho kommt schon bey dem Kero vor, allein er gebraucht es für schlechthin, simpliciter. In der heutigen Bedeutung lautet in einer Thüringischen Urkunde von 1355 eynmudeclichen. Einmuate, einmuotigo, ainmutich, finden sich schon bey dem Ottfried, Notker, und Stryker.


Einmüthigkeit (W3) [Adelung]


Die Einmüthigkeit, plur. car. die Einmuth, Übereinstimmung des Gemüthes, als ein Zustand oder eine Fertigkeit betrachtet. Es herrschet eine außerordentliche Einmüthigkeit unter ihnen. Die Sache wurde mit großer Einmüthigkeit beschlossen und ausgeführet.


Einnähen (W3) [Adelung]


Einnähen, verb. reg. act. 1) Hinein nähen, mit Nadel und Zwirn in etwas befestigen. Einen Ärmel einnähen, in den Rumpf des Hemdes, in das Kleid. Geld einnähen, in die Kleider. Eine Kindermörderinn einnähen, in einen Sack. 2) Figuren in etwas nähen, welches auch ausnähen genannt wird. Blumen, Laubwerk einnähen. Eingenähete Arbeit. 3) Enger nähen. Das Kleid ist zu weit, man muß es einnähen. So auch die Einnähung.


Einnahme (W3) [Adelung]


Die Einnahme, plur. die -n, von dem Verbo einnehmen. 1. Die Handlung des Einnehmens; ohne Plural. 1) Von der Besitznehmung eines Ortes oder Landes. Die Einnahme einer Stadt, eines Schlosses, eines Landes. Die Einnahme dieses Ortes hat vieles Blut gekostet. 2) Von der Einnehmung des Geldes, der Früchte u. s. f. Wer hat die Einnahme? wer nimmt das Geld in Verwahrung? 2. Was eingenommen wird, in der 5ten Bedeutung des Verbi, Geld und andere bewegliche Güter, welche man einnimmt, Einkünfte. Viele, wenige Einnahmen haben. Er hat gute Einnahme. Haben sie heute gute Einnahme gehabt? Die Ausgabe übersteiget die Einnahme. Seine Einnahme vermehren. Ingleichen die Rechnung, welche man über die Einnahme führet. Etwas mit in die Einnahme bringen. 3. Der Ort, wo Geld eingenommen wird, im gemeinen Leben. Daher die Geleitseinnahme, Steuereinnahme, Accis-Einnahme u. s. f.


Einnehmen (W3) [Adelung]


Einnehmen, verb. irreg. act. ( S. Nehmen,) hinein nehmen; doch in verschiedenen besondern Fällen und mit allerley Nebenbegriffen. 1. Von außen herein nehmen. Die Segel einnehmen, einziehen. Die Wäsche einnehmen, sie herein nehmen. 2. In sich nehmen. 1) Eigentlich. (a) Arzeneyen einnehmen, Pulver, Pillen, Tropfen einnehmen. Er nimmt nicht gern ein, nehm- lich Arzeney. Gift einnehmen. (b) Das Mittagmahl einnehmen, die Mahlzeit einnehmen, sagt man von dem Speisen vornehmer Personen. Das Frühstück bey jemanden einnehmen. (c) Einen Gestank, einen üblen Geruch einnehmen, ihn einziehen. 2) Figürlich. (a) Stachelreden, bittere Vorwürfe, harte Beschuldigungen einnehmen, sie geduldig anhören. (b) Genau hören. Eine Sache genau einnehmen. Er hat wohl etwas gehöret, aber er hat es nicht recht eingenommen. Im Oberdeutschen sagt man auch, einen Bericht, eine Klage, einen Vortrag einnehmen, für anhören. S. Nehmen. 3. In sein Haus, in seine Wohnung nehmen. Es will ihn niemand einnehmen, in sein Haus, entweder als einen Gast, oder zur Miethe. Einen Gast einnehmen. Jemanden zur Miethe einnehmen. Nimmst du einen Fremden zu dir ein, so wird er dir Unruhe machen, Sir. 11, 35. Ingleichen, Besatzung einnehmen, in die Stadt. Die Stadt weigerte sich, die Truppen, die Besatzung einzunehmen. Ballast, neue Vorräthe einnehmen, in das Schiff schaffen. 4. In Besitz nehmen. 1) Eigentlich. (a) Eine Stadt, ein Land einnehmen, es durch die Waffen in seine Gewalt bringen. Eine Stadt mit stürmender Hand einnehmen, sie mit Sturm erobern. Einen Hügel, einen Wald, einen Posten einnehmen. (b) Einen Platz, einen Raum einnehmen. Eines andern Stelle einnehmen, sich an seine Stelle setzen: ingleichen figürlich, sein Amt, seine Würde bekommen, oder doch auf kurze Zeit verwalten. 2) Figürlich. (a) Mit dem Nebenbegriffe der Ausfüllung. Sein Gefolge nahm das ganze Haus ein. Der Schrank nimmt das ganze Zimmer ein. Das Regiment nahm den ganzen Mark mit seinem Gepäcke ein. Der Wein, das Bier nimmt den Kopf ein, macht trunken oder doch dumm. (b) Die Kräfte der Seele bestimmen. Sich von jemanden einnehmen lassen, sich von ihm überreden lassen. Eine einnehmende Beredsamkeit, die uns ganz dahin reißt. Jemanden mit etwas einnehmen. Er ist ganz von Vorurtheilen eingenommen. Besonders von Leidenschaften. Ich lasse mich weder von Freude, noch von Betrübniß einnehmen, Gell. So oft ich ihn im Geist betrachte, Nimmt ein gewisser Trieb, ein süßer Trieb mich ein, ebend. Welch freudig Schrecken nimmt mich ein! ebend. (c) In engerer Bedeutung, sich jemandes Wohlwollen, Neigung und Liebe verschaffen. Sie ist ganz eingenommen von ihm. Er hat ihn ganz eingenommen. Für jemanden eingenommen seyn. Jemanden mit seiner Gestalt, mit seiner Höflichkeit, mit seiner Schmeicheley einnehmen. Er nimmt jedermann ein. Eine einnehmende Gesichtsbildung. Man mag gleich stumm und hirnlos seyn, Man seh' nur schön, so nimmt man ein, Gell. 5. In Empfang nehmen, besonders Geld, und andere bewegliche Güter, die ein Mittel unserer Nothdurft und Bequemlichkeit sind; in Empfang und Verwahrung nehmen. Die herrschaftlichen Bedienten nehmen jetzt wenig ein. Er wendete vor, er müßte Renten einnehmen, 2 Macc. 3, 8. Die den Zinsgroschen einnehmen, Matth. 17, 24. Zoll, Geleit, Accise einnehmen. In engerer Bedeutung, Geld für Waaren lösen, Ich habe heute noch nichts eingenommen. Man nimmt jetzt wenig ein. Ingleichen, Einkünfte, Einkommen haben. Er nimmt das Jahr über viel ein. S. Einnahme.


Einnehmer (W3) [Adelung]


Der Einnehmer, des -s, plur. ut nom. sing. der da einnimmt; doch nur in der fünften Bedeutung des Zeitwortes, der dazu gesetzt ist, die Einkünfte eines andern in Empfang undVerwahrung zu nehmen, in welchem Verstande die Einnehmer eine Art öffentlicher Bedienten sind; Einnehmerinn, plur. die -en, dessen Ehegattinn. Ein Geleitseinnehmer, Zolleinnehmer, Accis-Einnehmer, Steuereinnehmer, Obereinnehmer u. s. f.


Einnehmung (W3) [Adelung]


Die Einnehmung, plur. inus. die Verrichtung des Einnehmens, in den meisten Bedeutungen des Verbi, die ausgenommen, wo Einnahme üblicher ist.


Einnetzen (W3) [Adelung]


Einnetzen, verb. reg. act. durch und durch benetzen. Die Wäsche einnetzen, wenn sie geplättet werden soll; wofür auch einsprengen üblich ist. Im Oberdeutschen sagt man auch Stockfische, Häringe u. s. f. einnetzen, wo die Hochdeutschen einwässern, auswässern u. s. f. sagen. So auch die Einnetzung.


Einniethen (W3) [Adelung]


Einniethen, verb. reg. act. vermittelst eines Niethes in etwas befestigen. Daher die Einniethung.


Einnisten (W3) [Adelung]


Einnisten, und dessen Diminut. einnisteln, verb. reg. act. eigentlich, sein Nest in einen Ort machen; als ein Reciprocum. Die Schwalben haben sich hier eingenistet. Ingleichen, im gemeinen Leben, figürlich seine Wohnung heimlich, und gleichsam verstohlner Weise an einem Ort nehmen, sich heimlich an einem Orte fest setzen. Er hat sich bey mir eingenistet, oder eingenistelt. Nieders. innesten.


Einnöthigen (W3) [Adelung]


Einnöthigen, verb. reg. act. in sich zu nehmen nöthigen. Man muß ihm die Arzeney jedes Mahl einnöthigen, durch vieles Bitten einzunehmen bewegen. Jemanden Speise und Trank einnöthigen. Daher die Einnöthigung.


Einöde (W3) [Adelung]


Die Einöde, plur. die -n, eine wüste unbewohnte Gegend. In der Einöde wohnen. Er fand ihn in der Wüsten, in der dürren Einöde, 5 Mos. 32, 10. Da sollen die Städte wüste und die Höhen zur Einöde werden, Ezech. 6, 6. Da in dem bevölkerten Deutschlande die Einöden etwas Seltenes sind, so gebraucht man im Hochdeutschen dieses Wort am häufigsten figürlich von wüsten, verfallenen, verwilderten Örtern. Das Haus ist eine wahre Einöde.

Anm. Dieses Wort lautet bey dem Ottfried Einoti, bey dem Notker Einote. Es scheinet sehr natürlich zu seyn, dieses Wort von öde herzuleiten, zumahl da für Einöde ehedem auch das einfache Hauptwort Öde üblich war, wie aus dem Gothischen Authids, dem Isländ. Eide, Audn, dem Schwed. Öde, und dem Holländ. Oode erhellet. Freylich bleibt alsdann die Bedeutung des Wortes ein noch ein wenig dunkel. Frisch und andere halten daher die letzte Hälfte dieses Wortes für die bloße Endung der Abstractorum, und glauben, daß aus Einete, durch Unwissenheit der Herkunft, Einöde gemacht worden. Einöde würde also eigentlich die Einsamkeit bedeuten, oder den Zustand da man allein und von andern Menschen abgesondert ist. Allein diese Bedeutung streitet doch wider den Gebrauch, da Einöde jederzeit von einer wüsten, unbewohnten Gegend vorkommt. S. Öde.


Einöhlen (W3) [Adelung]


Einöhlen, verb. reg. act. inwendig mit Öhl benetzen, oder von Öhl durchdringen lassen. Ein Schloß einöhlen, Leder einöhlen. Daher die Einöhlung.


Einpacken (W3) [Adelung]


Einpacken, verb. reg. act. in einen Pack bringen. Waaren, Briefe, Kleider u. s. f. einpacken. Wir haben schon eingepackt. In weiterer Bedeutung, packt der Kramer ein, wenn er die zur Schau ausgelegten Waaren wieder an ihren Ort legt. Einpacken, figürlich, für schweigen müssen, gehöret in die niedrigen Sprecharten. Daher die Einpackung.


Einpappen (W3) [Adelung]


Einpappen, verb. reg. act. mit Pappe, d. i. Kleister in etwas befestigen. So auch die Einpappung.


Einparthiren (W3) [Adelung]


Einparthiren, verb. reg. act. hinein parthiren, in den niedrigen Sprecharten. Verbothene Waaren einparthiren, heimlich in ein Land, oder in einen Ort bringen; im Oberdeutschen einpaschen, einschwärzen. Daher die Einparthirung, S. Parthiren.


Einpassen (W3) [Adelung]


Einpassen, verb. reg. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. Es ist, 1) ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, genau in eine Öffnung passen. 2) Ein Activum, einpassen machen. Einen Fuß einpassen, in einen Schämel. Daher die Einpassung, in der letzten Gattung. S. Passen.


Einpassiren (W3) [Adelung]


Einpassiren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, hinein passiren, im gemeinen Leben. Es sind heute viele Fremde einpassiret, in die Stadt, in das Thor. Acht geben was aus- und einpassiret, zum Thore.


Einpfählen (W3) [Adelung]


Einpfählen, verb. reg. act. mit Pfählen einschließen. Einen Garten, einen Weinberg einpfählen. Daher die Einpfählung.


Einpfarren (W3) [Adelung]


Einpfarren, verb. reg. act. zu einer Pfarre schlagen; im Gegensatze des auspfarren. Dieses Dorf ist nach Nischwitz eingepfarret, gehöret zu der Pfarre Nischwitz. Eingepfarrte Dörfer, die zu einer Pfarre gehören. Eingepfarrte Einwohner, die Eingepfarrten, die sämmtlichen zu einer Pfarre gehörigen Personen, die Kirchgenossen, Pfarrkinder, Pfarrgenossen.


Einpflanzen (W3) [Adelung]


Einpflanzen, verb. reg. act. hinein pflanzen. 1) Eigentlich, in die Erde pflanzen. Bäume, Gewächse einpflanzen. Daher die Einpflanzung. 2) Figürlich, eingepflanzt, angeboren, oder doch in dem Gemüthe tief eingewurzelt, nach einer ziemlich unschicklichen Figur. Ein eingepflanzter Haß. Die Sünde ist den Menschen von Natur eingepflanzet.


Einpflöcken (W3) [Adelung]


Einpflöcken, verb. reg. act. mit Pflöcken in etwas befestigen. Daher die Einpflöckung.


Einpflügen (W3) [Adelung]


Einpflügen, verb. reg. act. 1) Mit dem Pfluge in oder unter die Erde bringen. Den Mist, den Dünger, den Märgel einpflügen. Stroh statt des Düngers einpflügen. 2) Mit dem Pfluge einreißen. Die Raine einpflügen, sie umpflügen und zu Acker machen. So auch die Einpflügung.


Einpfropfen (W3) [Adelung]


Einpfropfen, verb. reg. act. 1) In die Rinde eines Baumes pfropfen. Einen Zweig, ein Reis einpfropfen. Röm. 11, 23, 24. 2) Fest einstopfen. So auch die Einpfropfung.


Einpfützen (W3) [Adelung]


Einpfützen, verb. reg. act. welches nur im Bergbaue üblich ist. Wasser einpfützen, es mit dem Pfützeimer einschöpfen. So auch die Einpfützung. S. Pfütze.


Einpichen (W3) [Adelung]


Einpichen, verb. reg. act. mit Pech in etwas befestigen. Daher die Einpichung.


Einplaudern (W3) [Adelung]


Einplaudern, verb. reg. act. im gemeinen Leben. 1) Jemanden etwas einplaudern, ihn durch Plaudern davon überreden. 2) Jemanden einplaudern, ihn in den Schlaf plaudern.


Einplumpen (W3) [Adelung]


Einplumpen, verb. reg. act. S. Einpumpen.


Einprägen (W3) [Adelung]


Einprägen, verb. reg. act. hinein prägen, als ein Gepräge eindrücken; doch am häufigsten figürlich, tief in das Gemüth drücken. Sein Bild ist meinem Herzen tief eingepräget. Einem etwas einprägen, es ihm nachdrücklich anempfehlen, einschärfen. Präge diese Lehren deinem Herzen ein. Und präg er ihnen ja das Christenthum wohl ein, Gell. So auch die Einprägung.


Einpredigen (W3) [Adelung]


Einpredigen, verb. reg. act. mit vielen und nachdrücklichen Worten in das Gemlich bringen, von etwas überreden. Ich habe es ihm nicht einpredigen können.


Einpressen (W3) [Adelung]


Einpressen, verb. reg. act. in die Presse legen oder bringen. Tücher einpressen. Ein Buch einpressen. So auch die Einpressung.


Einprügeln (W3) [Adelung]


Einprügeln, verb. reg. act. durch Prügeln in etwas bringen. Einem die Wissenschaften einprügeln.


Einpudern (W3) [Adelung]


Einpudern, verb. reg. act. durchaus pudern, im gemeinen Leben. Die Haare einpudern.


Einpumpen (W3) [Adelung]


Einpumpen, verb. reg. act. vermittelst der Pumpe hinein bringen; im gemeinen Leben auch einplumpen. Wasser einpumpen, in ein Gefäß.


Einquartiren (W3) [Adelung]


Einquartiren, verb. reg. act. in das Quartier legen; am häufigsten von Soldaten. Die Truppen auf das Land einquartiren. Soldaten in die Bürgerhäuser einquartiren. Sie sind bey mir einquartiret. Sich bey jemanden einquartiren, das Quartier bey ihm nehmen. Daher die Einquartirung, welches oft auch für einquartirte Soldaten gebraucht wird.


Einquellen (W3) [Adelung]


Einquellen, verb. reg. act. in einen flüssigen Körper legen und aufquellen machen. Erbsen, Samen einquellen. Die Gerste einquellen. S. Quellen.


Einquerlen (W3) [Adelung]


Einquerlen, verb. reg. act. durch Querlen in etwas bringen. Das Mehl zur Suppe einquerlen, in den Küchen.


Einrammeln (W3) [Adelung]


Einrammeln, verb. reg. act. welches das Iterativum des folgenden ist, mit der Ramme einschlagen. Pfähle einrammeln. Daher die Einrammelung.


Einrammen (W3) [Adelung]


Einrammen, verb. reg. act. wie das vorige. Einen Pfahl einrammen. So auch die Einrammung.


Einrathen (W3) [Adelung]


Einrathen, verb. irreg. act. ( S. Rathen,) durch guten Rath zu etwas zu bewegen suchen. Einem etwas einrathen. Er lässet sich nicht einrathen. Ich habe es auf sein Einrathen, oder auf seine Einrathung, gethan. In dem Österreichischen Geschäfts-Style bedeutet einrathen ein Gutachten durch Gründe unterstützen.


Einräumen (W3) [Adelung]


Einräumen, verb. reg. act. 1. Hinein räumen, in den gehörigen Raum bringen. Waaren einräumen, sie in ihre bestimmten Plätze räumen. Hausrath, Meublen einräumen, in die Zimmer räumen. 2. Einen Raum eingeben, einen Raum überlassen. 1) Eigentlich. Jemanden seinen Platz, die vornehmste Stelle einräumen. Jemanden ein Zimmer in einem Hause; ein Haus einräumen, ihn in dasselbe aufnehmen, ihm ein Zimmer, ein Haus auf einige Zeit überlassen. 2) Figürlich. (a) Einen Satz, einen Ausspruch zugeben, für wahr annehmen. Ich räume diesen Satz ein. Ich will es einräumen, daß u. s. f. Ich räume dir dieses nicht ein, d. i. nehme solches von dir nicht als wahr an. (b) Ingleichen, Freyheit, Nachsicht verstatten. Er räumet seinen Kindern gar zu vieles ein. Das muß man dem Gesinde nicht einräumen. Man muß dem Teufel nichts einräumen. So auch die Einräumung. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort einraumen, in welcher Gestalt es auch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt.


Einrechnen (W3) [Adelung]


Einrechnen, verb. reg. act. mit in eine Rechnung bringen. Und soll sein Tagelohn der ganzen Zeit mit einrechnen, 3 Mos. 25, 50, 53. Die Zehrungskosten sind mit eingerechnet. Dieß nicht mit eingerechnet.


Einrede (W3) [Adelung]


Die Einrede, plur. die -n, der Widerspruch. Er kann keine Einrede ertragen. Ohne alle Einrede, ohne allen Widerspruch. In engerer Bedeutung zuweilen, der gerichtliche Widerspruch wider die Heirath verlobter Personen; der Einspruch. Einrede thun. Ingleichen eine Exception.


Einreden (W3) [Adelung]


Einreden, verb. reg. welches in gedoppelter Gestalt vorkommt. 1. Als ein Activum, durch Reden zu etwas bewegen, im gemeinen Leben, mit der vierten Endung der Sache. Einem etwas einreden, ihn bereden, dasselbe zu glauben. Jemanden Muth einreden, ein Herz einreden, einsprechen, ihm durch Worte Muth zu machen suchen. Er wollte mir diese Münze für ein Werk des Alterthums einreden, er wollte mich bereden, sie für ein Werk des Alterthums zu halten. Ich kann es ihm nicht einreden, daß sein so genannter Freund ein Betrieger ist. Das will ich ihm schon einreden. Einreden druckt eben denselben Begriff aus als bereden, nur mit einem andern Nebenbegriffe. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) In die Rede fallen, Rede mir nicht ein. Wo doch darein reden üblicher ist. 2) Widersprechen. Man darf ihm nicht einreden. Er lässet sich nicht gern einreden. Ingleichen, glimpflich tadeln, ermahnen. Du hast mir nichts einzureden, du bist nicht berechtiget mich zu ermahnen. Er läßt sich nicht einreden, gibt keinen Ermahnungen Gehör.Daher die Einredung, in der thätigen Gattung. Den Begriff des Neutrius druckt Einrede aus.


Einreffen (W3) [Adelung]


Einreffen, verb. reg. act. in der Schifffahrt. Die Segel einreffen, sie einziehen und zusammen rollen. S. Reffen.


Einreiben (W3) [Adelung]


Einreiben, verb. irreg. act. ( S. Reiben,) hinein reiben. 1) Durch Reiben machen, daß etwas eindringe. Eine Salbe einreiben, in die Haut. Du willst den Schmutz ausreiben und reibst ihn nur tiefer ein. 2) Brot, Zwieback einreiben, in die Schüssel, in die Milch u. s. f. reiben. So auch die Einreibung.


Einreichen (W3) [Adelung]


Einreichen, verb. reg. act. hinein reichen. 1) Für hinein geben. Eine Bittschrift bey dem Rathe, bey der Kammer einreichen, überreichen. 2) Figürlich reichet das Pferd ein, wenn es im Gehen die Vorderfüße mit den Hinterfüßen erreichet und verletzet. So auch die Einreichung.


Einreihen (W3) [Adelung]


Einreihen, verb. reg. act. bey den Nähterinnen, in Reihen, d. i. kleine Falten legen, und hernach mit einem Faden fassen. Daher die Einreihung.


Einreißen (W3) [Adelung]


1. Einreißen, verb. irreg. ( S. Reißen,) welches in doppelter Gattung üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, einen Riß einwärts bekommen, im Gegensatze des Ausreißens. Der Zeug reißet ein. Ingleichen nach innen zu reißen, d. i. gespalten werden. So reißet das Holz zuweilen ein, wenn es gespalten wird, d. i. die Spalte gehet zu tief nach innen zu. S. Ausreißen. 2. Als ein Activum. 1) Einen Riß in etwas machen. Ein Stück Zeuges, die Leinwand einreißen. 2) Niederreißen, von Gebäuden, Mauern u. s. f. Ein Haus, ein Gebäude, eine Mauer, einen Zaun einreißen. Götzenaltäre einreißen. Das Dach einreißen. So auch die Einreißung, in der thätigen Gattung.


Einreißen (W3) [Adelung]


2. Einreißen, verb. irreg. neutr. welches wie das vorige conjugiret wird, und das Hülfswort seyn erfordert, Beyfall gewinnen, in Gebrauch kommen, sich ausbreiten, von Dingen, welche als ein Übel angesehen werden. Bey der jetzigen Jahrszeit reißen allerley ansteckende Krankheiten ein. Es sind verschiedene böse Gewohnheiten bey euch eingerissen. Bey diesen Umständen müssen die Laster und Untugenden immer weiter einreißen. Damit das Übel nicht weiter einreiße.

Anm. Der biblische Ausdruck, Apostg. 4, 17: auf daß es (das Wunder) nicht weiter einreiße unter das Volk, d. i. bekannter werde, sich ausbreite, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich, ob er gleich der eigentlichen Bedeutung dieses Wortes völlig gemäß ist.Denn es ist alle Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß reißen in dieser Zusammensetzung ein von reißen, rumpere und rumpi, ganz verschiedenes Zeitwort ist, welches allem Ansehen nach zu reisen und reiten gehöret, und eine schnelle Bewegung in einen Ort ausdruckt, in welcher Bedeutung auch ausreißen für entfliehen gebraucht wird. S. Reisen und Reißen 2. Einreißen lautet in dieser Bedeutung im Niedersächsischen inriten, und im Schwed. inrita.


Einreiten (W3) [Adelung]


Einreiten, verb. irreg. S. Reiten. Es ist, 1) ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, hinein reiten, in einen Ort reiten, in welcher Bedeutung es doch wenig mehr vorkommt. Ehedem gebrauchte man es theils von einem feyerlichen Einzuge zu Pferde, in eine Stadt, in einen Ort einreiten; theils aber auch von dem Einreiten zum Einlager, oder von der persönlichen Stellung zur Versicherung einer Schuld, in welchem Verstande es noch in einigen Niedersächsischen Gegenden üblich ist, wo auch das Einlager selbst nicht selten der Einritt genannt wird. 2) Ein Activum, einwärts reiten, im Reiten einstoßen, öffnen. Eine Thür einreiten. Einen Zaun einreiten, ihn niederreiten.


Einrenken (W3) [Adelung]


Einrenken, verb. reg. act. durch Renken in seine gehörige Lage bringen, im Gegensatze des Ausrenkens. Ein ausgerenktes oder verrenktes Glied wieder einrenken, es wieder in sein Gelenk bringen. So auch die Einrenkung.


Einrennen (W3) [Adelung]


Einrennen, verb. reg. act. im Rennen einstoßen. Eine Thür einrennen.


Einrichten (W3) [Adelung]


Einrichten, verb. reg. act. 1. In einen Raum richten. So wird bey den Jägern das Wild und besonders das Hirschwildbret eingerichtet, wenn es mit dem hohen Zeuge umgeben und eingeschlossen wird; S. Einstellen, welches eben diese Verrichtung andeutet. 2. In die gehörige Richtung bringen. 1) Eigentlich. Ein Glied einrichten, ein verrenktes Glied wieder in seine gehörige Lage bringen, S. Einrenken. 2) Figürlich, in die gehörige Richtung bringen, mehrere zu einem Endzwecke nöthige Dinge in eine gewisse Ordnung richten. Die Schlachtordnung einrichten. Sein Hauswesen einrichten. Er ist vortrefflich eingerichtet, sein Hauswesen ist im guten Stande, besonders in Rücksicht auf die Bequemlichkeit, und das zur Bequemlichkeit nöthige Geräth. Ich bedauere, daß ich sie nicht bey mir behalten kann, denn ich bin noch nicht eingerichtet, d. i. meine Haushaltung ist noch nicht in dem gehörigen Stande. Daher heißt, eine Tochter, einen Sohn einrichten, in einigen Gegenden oft so viel als ausstatten, sie mit dem nöthigen Hausgeräthe von sich lassen. Alle seine Sachen nach den Vorschriften der Vernunft einrichten. Die Zuhörer waren sehr unwissend, er mußte daher seinen Vortrag darnach einrichten. Richte deine Reise so ein, daß du morgen wieder da bist. Ich will es schon so einrichten, daß nichts übrig bleiben soll. Gemischte Brüche einrichten, heißt in der Rechenkunst, sie in unechte reine Brüche verwandeln. Daher die Einrichtung, so wohl von der Handlung des Einrichtens, als auch in einigen Fällen von dem, was eingerichtet wird. Die Einrichtung eines Gliedes, einer Haushaltung, eines Geschäftes u. s. f. Auch was zu einer Haushaltung an Geräth, Kleidern u. s. f. ingleichen zu einer Kunst oder zu einem Handwerke an Werkzeugen u. s. f. erfordert wird, heißt in der Sprache des täglichen Umganges die Einrichtung. An den Schlössern sind die Einrichtungen oder das Eingerichte diejenigen Stücke Eisen, welche in die Figuren des Schlüsselbartes passen, S. Besatzung. In einem Schranke werden die Fächer von Bretern die Einrichtung genannt.


Einriegeln (W3) [Adelung]


Einriegeln, verb. reg. act. 1) Den Riegel in seine gehörige Öffnung schieben. 2) Vermittelst eines Riegels einschließen. Jemanden einriegeln. Ich hatte mich eingeriegelt, die Thüre hinter mir verriegelt. So auch die Einriegelung.


Einritt (W3) [Adelung]


Der Einritt, des -es, plur. inus. das Einreiten, so wohl von dem feyerlichen Einzuge zu Pferde, den Einritt halten; als auch von dem Einreiten in das Einlager. In beyden Bedeutungen kommt es im Hochdeutschen wenig mehr vor. S. Einreiten und Einlager.


Einritzen (W3) [Adelung]


Einritzen, verb. reg. act. 1) Einen Riß in etwas machen. Einen Stamm zum Pfropfen einritzen. 2) Vermittelst des Ritzens hinein bringen. Seinen Nahmen in Glas einritzen. So auch die Einritzung.


Einrosten (W3) [Adelung]


Einrosten, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, durch den Rost in etwas befestiget werden. Der Nagel ist ganz eingerostet. Daher die Einrostung.


Einrucken (W3) [Adelung]


Einrucken, oder Einrücken, verb. reg. welches in gedoppelter Gattung üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, hinein rücken. 1) Langsam in einen Ort ziehen, besonders von Soldaten. In ein Land, in eine Stadt einrücken. Die Truppen sind gestern in das Lager eingerücket. 2) In eines Stelle treten. Nach Caji Tode ist Titius eingerücket, d. i. er hat Caji Stelle, Bedienung u. s. f. bekommen. Gemeiniglich hat es hier den Begriff der Ordnung bey sich, d. i. es setzet voraus, daß Titius bereits die Anwartschaft auf Caji Stelle hatte. 2. Als ein Activum. 1) Hinein rücken, doch nur figürlich. Eine Stelle in einen Brief einrücken, sie demselben einverleiben. Rücke das noch mit ein. 2) Einwärts rücken, doch nur von geschriebenen oder gedruckten Zeilen. Eine Zeile einrücken. So auch die Einrückung in beyden Gattungen. S. Rucken und Rücken.


Einrühren (W3) [Adelung]


Einrühren, verb. reg. act. 1) Hinein rühren. Mehl einrühren, in die Brühe, in die Butter u. s. f. 2) Unter einander rühren. Ein Pulver mit Rosenwasser einrühren. Eyer einrühren. Eingerührte Eyer, oder ein Eingerührtes.


Eins (W3) [Adelung]


Eins, das zusammen gezogene ungewisse Geschlecht des Zahlwortes Ein, welches in dreyfacher Gestalt üblich ist.I. Als ein Hauptwort, die Zahlfigur auszudrucken, eine Eins; S. 1. Ein I.II. Als ein Beywort, ein Ding, eine Person zu bezeichnen, so wohl, wenn Ein das Zahlwort ist, als auch wenn es dem ander entgegen stehet, als endlich auch, wenn es das unbestimmte Pronomen ist. Eins ist Noth, d. i. ein Ding, eine Sache. Ich und der Vater sind Eins, eines und eben desselben Wesens, Joh. 10, 30. Eins um das andere singen, sprechen u. s. f. einer um den andern, eine um die andere. Ihn sehen und ihn lieben war Eins, geschahe zu einer und eben derselben Zeit. Am Ende kommt alles auf Eins hinaus. Besonders für einerley, in der vertraulichen Sprechart. Es ist mir alles Eins. Bey mir ist beydes Eins zu lieben und zu schweigen, Gell. S. 1 Ein, wo diese verschiedenen Bedeutungen genauer aus einander gesetzt worden.III. Als ein Umstandswort. 1. Eines Sinnes, Eines Willens, von einerley Meinung und Neigung. 1) Einerley Meinung habend. Darin bin ich mit dir eins, darin bin ich deiner Meinung. In dieser Sache sind wir eins. 2) Einerley Willen habend. Wir wollen heute schon noch eins werden, wir wollen uns schon noch vergleichen. Des Handels eins werden. Sie wurden eins, den Feind in der Nacht anzugreifen. Ich ward mit ihr eins um funfzehn Silberlinge, Hos. 3, 3. Hiobs Freunde wurden eins, daß sie kämen, ihn zu klagen, Hiob. 2, 11. Besonders, 3) nach einem vorher gegangenenStreite, einig. Auch Brüder sind selten eins. Das Herze war nicht eines mit dem Munde, Opitz. Mögen auch zween mit einander wandeln, sie seyn den eins unter einander? Amos 3, 3. Wenn Brüder eins sind, und die Nachbarn sich lieb haben, Sir. 25, 2. Bey dem Worte einig ist schon angemerket worden, daß der Unterschied, welchen einige zwischen diesen beyden Wörtern angegeben haben, ohne wahren Grund und bloß willkührlich ist. Der einzige Unterschied bestehet darin, daß eins in dieser ganzen Figur niedriger ist als einig, und nur in den vertraulichen Sprecharten gebraucht wird, es mag nun von der Übereinstimmung der Meinungen oder des Willens und der Gemüther gebraucht werden. 2. * Für Ein Mahl, welcher ganze Gebrauch doch niedrig, und besonders den Niedersachsen eigen ist. 1) Eigentlich. Gehe noch eins hin und buhle um das buhlerische Weib, Hos. 3, 1. Sie ist noch eins so schön als du. Du wirst noch eins so viel Boßheit von ihm empfangen, als du ihm Gutes gethan hast, Sir. 12, 6. Deß lebet er noch eins so lange, Kap. 26, 11. Ich konnte gegen dich noch eins so zärtlich seyn, Rost. Mit eins, auf Ein Mahl, plötzlich. Auch 2) von einer unbestimmten Zeit. Ich war eins in Wien. S. Einst. 3) Ingleichen bey einer Verneinung. Er kann nicht eins gehen, geschweige tanzen. Wie auch, 4) für nur. Hat nicht, womit er eins den heißen Hunger pflege, Dusch. Doch in allen diesen Fällen ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. 3. * Für ein wenig, etwas, auch nur in den niedrigen Sprecharten, besonders im Niedersächsischen. Es ist hier das ungewisse Geschlecht des unbestimmten Fürwortes ein, und eigentlich ein Pronomen indeclinabile. Wir wollen eins trinken, eins spielen. Ich schwatze eins mit, es mag seyn von was es will, Less.


Einsaat (W3) [Adelung]


Die Einsaat, plur. car. in der Landwirthschaft, dasjenige Getreide, welches in den Acker gesäet wird, und auch Einfall, noch häufiger aber Aussaat genannt wird.


Einsacken (W3) [Adelung]


Einsacken, verb. reg. act. in den Sack füllen, in Säcke thun. Getreide einsacken. Figürlich, in die Tasche stecken, in den niedrigen Sprecharten. Er hat es schon eingesackt. Im Oberdeutschen hat man in dieser letzten Bedeutung auch das Diminut. einsäckeln, von Säckel, Beutel. Bey dem Opitz bedeutet, sich einsacken, sich mit Kleidern zu sehr verhüllen. Denn er übersetzt das Nec bis cincta Diana placet, nec nuda Cythere, des Ausonius, durch: Diana sackt sich ein, und Venus geht zu bloß. So auch die Einsackung.


Einsäen (W3) [Adelung]


Einsäen, verb. reg. act. hinein säen. S. Einsaat. In engerer Bedeutung verstehet man an einigen Orten, z. B. in dem Churkreise, unter dem Einsäen des Gesindes, dasjenige Land, welches der Landmann dem Gesinde zur Aussaat und zum Gebrauche überlassen muß.


Einsagen (W3) [Adelung]


Einsagen, verb. reg. act. vorsagen, im gemeinen Leben. Einem etwas einsagen, ihm im Reden, oder Hersagen einhelfen. Daher die Einsagung. Im Oberdeutschen bedeutet dieses Zeitwort auch einschärfen, im Niedersächsischen auch widersprechen, einreden. Daher ist in den Niedersächsischen Rechten die Einsage so viel als Einrede, Gegenrede, Exceptio. So fern das Gegentheil nicht rechtmäßige Einsage hätte, in den Hamburg. Stadtrechten.


Einsägen (W3) [Adelung]


Einsägen, verb. reg. act. mit der Säge einen Schnitt in etwas machen. Ein Bret, ein Stück Holz einsägen. Daher die Einsägung.


Einsalben (W3) [Adelung]


Einsalben, verb. reg. act. mit wohl riechenden Salben bestreichen oder ausfüllen; am häufigsten im Oberdeutschen. Eine Leiche einsalben, im Hochdeutschen sie einbalsamiren. So auch die Einsalbung.


Einsalzen (W3) [Adelung]


Einsalzen, verb. irreg. act. ( S. Salzen,) zur Abhaltung der Fäulniß in Salz legen, oder mit Salz bestreuen. Fleisch, Fische einsalzen. Eingesalzenes Fleisch. Daher die Einsalzung.


Einsam (W3) [Adelung]


Einsam, -er, -ste, adj. et adv. allein, von Dingen seiner Art entfernt. 1. Eigentlich. Einsame Thiere, welche sich nicht paarweise, noch in Haufen, sondern von andern ihrer Art abgesondert, aufhalten. Ich bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dache, Ps. 102, 8. Ganz einsam hinter dem kleinen Lustwäldchen liegt ein altes Gebäude. In engerer Bedeutung, von der menschlichen Gesellschaft abgesondert. Ein einsamer Mensch. Er lebt sehr einsam. Ein einsames Leben führen. Einsam und verwaist um seine Freunde weinen. Die biblischen Ausdrücke, einsam lassen, einsam sitzen, Es. 49, 21; Esr. 9, 4, sind im Hochdeutschen ungewöhnlich. 2. Figürlich. 1) Der Menschen und der menschlichen Gesellschaft beraubt, von Örtern. Ein einsamer Ort. Eine einsame Stadt, welche wenig Einwohner hat, oder in welcher wenig Geschäftigkeit, wenig Lebhaftigkeit verspüret wird. Es ist hier sehr einsam. Die Stadt muß einsam werden, Es. 27, 10. Einsame, stille Wälder. 2) Von der Zeit, eine Abwesenheit des Geräusches der menschlichen Gesellschaft zu bezeichnen. Siehe die Nacht müsse einsam seyn, und kein Jauchzen darinnen seyn, Hiob 15, 34. Besonders bey den neuern Dichtern. Einsame Nächte. Die einsame Stunde der Mitternacht. 3) Was in der Einsamkeit empfunden wird; auch nur bey den neuern Dichtern. Ein einsames stilles Vergnügen. 4) Unverheirathet, im Oberdeutschen. Sie lebt einsam, ist einsam. 5) Kinderlos, ohne Kinder, doch nur in Luthers Deutscher Bibel. Er hat beleidiget die Einsame, die nicht gebieret, Hiob 23, 21. Die Einsame hat mehr Kinder u. s. f. Es. 54, 1.

Anm. 1. Außer diesen Arten des Gebrauches kommt einsam in der Deutschen Bibel noch in zwey den Hochdeutschen ganz fremden Bedeutungen vor. (a) Für einzeln. Von Mitternacht kommt ein Rauch, und ist kein Einsamer in seinen Gezeiten, Es. 15, 31; d. i. von Mitternacht kommt ein großes Heer, welches nicht einzeln, sondern in ganzen Haufen einher ziehet (b) Für einzig. Errette meine Seele von Schwert, meine Einsame von den Hunden, Ps. 22, 21; wo es bey Herrn Michaelis heißt: Errette mein Leben vom Schwert, und dieß mein: Einziges von den Jägern.

Anm. 2. Im Schwed. lautet dieses Wort einsam, im Dän. eensam. Im Isländ. bedeutet einsamal allein, solum. Bey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern kommt dieses Wort nicht vor, sondern sie bedienen sich statt dessen des einfachen ein, oder auch, wie Ottfried, des einluzze. Doch übersetzt Notker unitatem ecclesiae durch Einsamina. Es ist noch ungewiß, ob die Endsylbe die gewöhnliche Ableitungssylbe sam ist, ( S. Sam,) oder ob sie von dem alten samman, versammeln, herstammet, wie Wächter und Ihre behaupten. Beynahe sollte man auf die Gedanken gerathen, daß sam in dieser Zusammensetzung noch eine dritte Bedeutung habe, und schon für sich genommen einsam bedeute, so daß das Zahlwort ein eine bloße Verstärkung ist. Denn in den Slavonischen Mundarten sind sam, samy, somotne und osamety; so viel als einsam. Dieß führet uns aufdas Goth. sama, samo, das Isländ. same, samr, das Schwed. samme, Engl. same, und Pohln. sam, selbst, eben derselbe, auf das Goth. sams, eins, einzig, ein, so fern dieses letztere der Artikel ist, auf das Schwed. som, und Isländ. sem, welcher, wie auch auf das Schwed. somme, somlige, das Angels. sum, das Engl. some, das Alemann. sum, sumilih, bey dem Ulphilas sums, einige, und endlich auch auf das Latein. semel, Ein Mahl.


Einsamig (W3) [Adelung]


Einsamig, adj. et adv. von Samen und dem Zahlworte Ein, nur Einen Samen tragend, in der Botanik. Einsamige Beeren, welche nur Ein Samenkorn enthalten.


Einsamkeit (W3) [Adelung]


Die Einsamkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, da ein Ding oder eine Person einsam ist, in allen Bedeutungen dieses Wortes; ohne Plural. Die Einsamkeit lieben. Sein Leben in der Einsamkeit zubringen. Der Einsamkeit überdrüssig seyn. 2) Ein Ort, wo man einsam ist, ein einsamer Ort. Sich in die Einsamkeit begeben. Hier in dieser fürchterlichen Einsamkeit will ich mein trauriges Leben verweinen. In welcher Bedeutung im Falle der Noth auch der Plural gebraucht werden könnte.


Einsammeln (W3) [Adelung]


Einsammeln, verb. reg. act. sammeln, um es in einen Ort zu bringen. Früchte einsammeln, Wein einsammeln, im Oberdeutschen und der höhern Schreibart der Hochdeutschen, für einernten, den Wein lesen. Sechs Jahre sollt du dein Land besäen und seine Früchte einsammeln, 2 Mos. 23, 10. Die Steuern, Abgaben einsammeln. Schulden einsammeln, eincassiren. Zwar der kühne Sänger Sammelt Lorbern ein, Less. Daher die Einsammelung, welches Wort im Oberdeutschen, so wie 2 Mos. 23, 16, und in andern Stellen auch von der Ernte oder Weinlese gebraucht wird.


Einsatz (W3) [Adelung]


Der Einsatz, des -es, plur. die -sätze, von dem Verbo einsetzen. 1) Die Handlung des Einsetzens, in einigen wenigern Bedeutungen; ohne Plural. Den Einsatz thun, Geld einsetzen, in eine Lotterie u. s. f. Ehedem bedeutete dieses Wort auch so viel als die Einsetzung in ein Amt, in ein Lehen, die Investitur. An dem Hofgerichte zu Rothweil werden diejenigen obrigkeitlichen Personen, welche man vermittelst eines Schirmbriefes ersuchet, einen Gläubiger in des Schuldners Güter einzusetzen, Einsatzherren genannt. 2) Was eingesetzet wird, in verschiedenen Fällen. So ist der Einsatz dasjenige Geld, welches in eine Lotterie, oder in eine andere gemeinschaftliche Casse gesetzet wird, die Einlage. Ducaten im Einsatze wägen, sie nicht Stück für Stück, sondern in ganzen ein- oder zusammen gesetzten Haufen wägen. Einen Einsatz von Schachteln, mehrere in einander gesetzte Schachteln. So auch ein Einsatz von Bechern, Schüsseln, Gewichten u. s. f. mehrere Dinge dieser Art, welche in einander gesetzt werden können, und alsdann Einsatzschachteln, Einsatzgewichte, Einsatzbecher, Einsatzschüsseln heißen. Im Oberdeutschen pflegt man ein bewegliches Pfand zuweilen auch einem Einsatz zu nennen. 3) Der Ort, in welchen etwas gesetzet wird. In diesem Verstande werden besonders kleine Teiche, Fische darin eine Zeit lang aufzubehalten, Fischhälter, Einsätze oder Einsatzteiche genannt.


Einsäuern (W3) [Adelung]


Einsäuern, ver. reg. act. mit Sauerteige vermischen, in der Hauswirthschaft. Den Teig einsäuern. Im Oberdeutschen bedeutet dieses Wort auch nach dem Muster des einsalzen, im Essig legen, denn da säuert man auch die Gurken ein. Daher die Einsäuerung.


Einsaugen (W3) [Adelung]


Einsaugen, verb. irreg. act. ( S. Saugen,) hinein saugen, in sich saugen. Von einer kranken Mutter sauget ein Kind viel Böses mit ein. Am häufigsten figürlich. Die Laster mit der Muttermilch einsaugen. Er hat die Liebe zu seinem Vaterlande, so wie Hannibal den Haß wider Rom mit der Milch eingesogen. Ingleichen sich eigen machen, von Irrthümern, Vorurtheilen angestecket werden. Er hat in diesem Umgange die gröbsten Irrthümer eingesogen. Eingesogene Vorurtheile.


Einsäumen (W3) [Adelung]


Einsäumen, verb. reg. act. mit einem Saume einschließen, säumen, bey den Nähterinnen; im Oberdeutschen einsaumen. Daher die Einsäumung.


Einsäuseln (W3) [Adelung]


Einsäuseln, verb. reg. act. in den Schlaf säuseln, d. i. durch eine säuselnde Art des Singens einschläfern; Nieders. insusken. Ein Kind einsäuseln. Das Verbum einsausen, von welchem dieses das Diminut. ist, ist in diesem Verstande in einigen Gegenden gleichfalls üblich.


Einschaffen (W3) [Adelung]


* Einschaffen, verb. reg. act. welches nur im Oberdeutschen für einkaufen üblich ist. Lebensmittel, Eßwaaren einschaffen. Daher die Einschaffung. S. Schaffen.


Einschalig (W3) [Adelung]


Einschalig, adj. et adv. mit einer einzigen Schale versehen. Einschalige Muscheln, deren Schale nur aus einem einzigen Stücke bestehet, zum Unterschiede von den zwey- und mehrschaligen.


Einschalten (W3) [Adelung]


Einschalten, verb. reg. act. in die Reihe oder Ordnung anderer Dinge bringen; vornehmlich nur von der Zeit und von geschriebenen Sätzen. Alle vier Jahre wird ein Tag eingeschaltet. S. Schaltjahr. Eine Stelle in eine Schrift, in einen Brief einschalten. Daher die Einschaltung.


Einschärfen (W3) [Adelung]


Einschärfen, verb. reg. act. in das Gedächtnis schärfen, scharf anbefehlen, einprägen; mit der dritten Endung der Person und der vierten der Sache. Ich habe es ihm sehr nachdrücklich eingeschärfet. Die Lehren der Tugend müssen den Kindern täglich eingeschärfet werden. So auch die Einschärfung.


Einscharren (W3) [Adelung]


Einscharren, verb. reg. act. in einen andern Körper scharren. Das Feuer einscharren, in die Asche. Einen todten Körper einscharren, in die Erde, verächtlich für begraben. Geld einscharren, es in seinen Beutel streichen, im gemeinen Leben. Daher die Einscharrung.


Einschattig (W3) [Adelung]


Einschattig, adj. et adv. von dem Zahlworte Ein, den Schatten nur auf Eine Seite werfend. In der Erdbeschreibung heißen diejenigen Völker einschattige, heteroscii, welche das ganze Jahr hindurch ihren Schatten im Mittage auf eine und eben dieselbe Seite werfen, welches zwischen den Wende- und Polarzirkeln geschiehet.


Einschenken (W3) [Adelung]


Einschenken, verb. reg. act. hinein schenken, eingießen. Wein, Bier einschenken, in das Glas oder den Becher schenken. Kaffeh, Bier einschenken, in die Tasse. Es ist schon eingeschenkt. Figürlich auch, ein Glas Bier, ein Glas Wein, eine Tasse Thee einschenken. Einem einschenken, ein Glas, eine Tasse u. s. f. für ihn voll schenken. Klaren Wein einschenken, figürlich, im gemeinen Leben, die Wahrheit sagen. Bey den Handwerkern ist einschenken so viel, als einen angekommenen Gesellen mit einem Trunke bewirthen, im Gegensatze des Ausschenkens; daher diese Bewirthung auch das Eingeschenk genannt wird. Er muß vor ihm einschenken, da muß er einschenken, oder er muß einschenken, d. i. weichen, er ist mit ihm nicht zu vergleichen, ist eine im gemeinen Leben übliche Figur, vielleicht weil der Geringere dem Höhern und Überlegenern einschenken mußte. Daher die Einschenkung. S. Einschürig.


Einscherig (W3) [Adelung]


Einscherig, adj. et adv. S. Einschürig.


Einscheuern (W3) [Adelung]


Einscheuern, verb. reg. act. in die Scheuern bringen, in der Landwirthschaft. Die Frucht einscheuern.


Einschichtig (W3) [Adelung]


Einschichtig, adj. et adv. von dem Zahlworte ein, nur aus Einer Schicht bestehend. Ein einschichtiges Zeidelgut, in Oberdeutsch-land, figürlich, ein unmittelbares Zeidelgut, - welches andere unter sich hat.


Einschicken (W3) [Adelung]


Einschicken, verb. reg. act. abschicken, um einem andern übergeben zu werden, an jemanden schicken. Man hat mir die Briefe, die Waaren, noch nicht eingeschickt. Eine Klage, eine Bittschrift einschicken.


Einschieben (W3) [Adelung]


Einschieben, verb. irreg. act. S. Schieben. 1) Hinein schieben. Eine Leiste einschieben, in den für sie bestimmten Grad. Daher die Einschiebeleiste, welche auf solche Art eingeschoben wird. Geld einschieben, es in die Tasche stecken. Das Brot einschieben, es in den Ofen schieben, S. Einschießen. 2) Zwischen andere Dinge schieben, in die Reihe andrer Dinge bringen. Einen Tag einschieben, S. Einschalten. Eingeschobene Speisen, Zwischenspeisen, welche zwischen andere eingeschoben werden. Eine eingeschobene Stelle, eine Parenthesis. Am häufigsten, wenn solches heimlich und mit Verletzung der Ordnung geschiehet. Einen Officier bey dem Regimente einschieben, ihn wider die Ordnung bey demselben befördern. Besonders wenn ein falsches, unechtes Ding anstatt eines echten eingeschoben wird. Ein falsches Testament einschieben. Die Stelle ist nicht echt, sie ist eingeschoben. Ein eingeschobener Knabe. S. Unterschieben und Einschub. So auch die Einschiebung.


Einschiebsel (W3) [Adelung]


Das Einschiebsel, des -s, plur. ut nom. sing. etwas das eingeschoben wird, in der zweyten Bedeutung des Zeitwortes, es sey nun eine Leiste, oder ein Gericht, oder eine Stelle in einer Schrift u. s. f. Einige haben auch die Epenthesis, eine grammatische Figur, weil sie etwas in die Mitte eines Wortes einschiebet, ein Einschiebsel nennen wollen, ohne zu bedenken, daß dieser Ausdruck für die anständige Sprechart zu niedrig ist.


Einschießen (W3) [Adelung]


Einschießen, verb. irreg. act. S. Schießen. 1) Hinein schießen, d. i. schieben, in welchem Verstande die Bäcker das Brot einschießen, wenn sie den zu Broten geformten Teig auf der Brotschiebe in den Ofen schieben. 2) Mit unter andere Dinge schießen, d. i. werfen. So werden oft schlechte Münzsorten unter die guten mit eingeschossen, wenn das Geld wurfweise gezählet wird. 3) Mit einem Feuergewehre einwärts schießen, danieder schießen. Die Häuser mit Kanonen einschießen. Eine Mauer, einen Thurm einschießen. Die Thür einschießen. 4) Zum Schießen geschickt machen. Ein Pferd einschießen, es auf den Schuß abrichten, es den Schuß ertragen lehren. Sich einschießen, sich auf einem Schießgewehre üben. Ein Gewehr einschießen, es durch mehrmahliges Schießen versuchen. Eine wohl eingeschossene Büchse. Auch im Kegelspiele sagt man, sich auf einer Kegelbahn einschießen, durch mehrmahliges Kegelschieben die Schwächen und Vortheile derselben kennen lernen. Vermuthlich rühret von diesem Gebrauche auch die im gemeinen Leben übliche figürliche R. A. her, sich bey jemanden einschießen, sich bey ihm einschmeicheln, dessen Gunst und Vertrauen erwerben.


Einschiffen (W3) [Adelung]


Einschiffen, verb. reg. 1) Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, mit dem Schiffe in einen Ort fahren. In den Hafen einschiffen. Am häufigsten, 2) als ein Activum, in das Schiff bringen; Nieders. inscheppen, Franz. embarquer. Waaren, Truppen einschiffen, sie zu Schiffe bringen. Er hat sich zu Hamburg eingeschifft, auf das Schiff begeben. Die Güter sind schon eingeschiffet worden. Daher die Einschiffung.


Einschildern (W3) [Adelung]


Einschildern, verb. reg. act. von schildern, mahlen. Farben einschildern, bey den Kattundruckern, auf den Kattun mahlen; zum Unterschiede von dem Eindrucken.


Einschlachten (W3) [Adelung]


Einschlachten, verb. reg. act. zum Gebrauch seines Hauswesens schlachten. Gänse, Schweine einschlachten. Wir haben bereits eingeschlachtet, so vieles Vieh geschlachtet, als wir das Jahr über gebrauchen. Daher die Einschlachtung.


Einschlafen (W3) [Adelung]


Einschlafen, verb. irreg. neutr. ( S. Schlafen,) welches das Hülfsworte seyn erfordert, in den Schlaf kommen, anfangen zu schlafen. 1. eigentlich. Das Kind will nicht einschlafen. Der Kranke ist eben jetzt eingeschlafen. Über einer Arbeit, über einem Buche einschlafen. 2. Figürlich. 1) Von Gliedern sagt man im gemeinen Leben, sie schlafen ein, wenn sie durch eine Art eines vorüber gehenden Krampfes auf kurze Zeit taub oder fühllos werden. Der Fuß, die Hand ist mir eingeschlafen. 2) Eines sanften Todes sterben; wofür doch in der edlen Schreibart entschlafen üblicher ist. 3) Nach und nach aufhören, im Abgang kommen. Sein Fleiß schläft bald ein. Die Sache ist ganz eingeschlafen, sie wird nicht mehr betrieben. Der Leinwandhandel schläft bey uns nicht ganz ein.

Anm. Die Oberdeutschen gebrauchen dieses Wort mit dem Hülfsworte haben, und da haben sie nicht nur das einfache schlafen, sondern auch das zusammen gesetzte ausschlafen für sich. Allein im Hochdeutschen bekommt einschlafen, so wie entschlafen, jederzeit das Hülfswort seyn.


Einschläfen (W3) [Adelung]


Einschläfen, S. Einschläfern.


Einschläferig (W3) [Adelung]


Einschläferig, adj. et adv. von dem Zahlworte Ein, worin nur Eine Person schlafen kann, im gemeinen Leben. Ein einschläferiges Bett. Das Bett ist nur einschläferig. S. Einmännisch.


Einschläfern (W3) [Adelung]


Einschläfern, verb. reg. act. in den Schlaf bringen. 1) Eigentlich. Jemanden einschläfern. Ein Kind einschläfern. Die Liebe ist schlauer als die Freundschaft, ihr süßes Pfeifchen schläfert wohl einen Argus ein, Weiße. 2) Figürlich, nachlässig, sicher machen. Man suchte ihn mit einer falschen Hoffnung einzuschläfern. Laß dich durch keine süßen Verheißungen einschläfern. Der Feldherr ließ sich durch die verstellte Unthätigkeit seines Feindes endlich einschläfern. So auch die Einschläferung.

Anm. Das thätige einschläfen, von welchem dieses das Iterativum ist, und welches regulär abgewandelt wird, kommt bey dem Opitz vor: So wie dein edler Muth Doch nie nicht eingeschläft. Und an einem andern Orte: Ein süßer Wein Der uns erquickt und schläft die Sinnen ein.


Einschlag (W3) [Adelung]


Der Einschlag, des -es, plur. die -schläge, von dem folgenden Verbo einschlagen. 1) Die Handlung des Einschlagens, so fern dieses Wort ein Activum ist; doch nur in einigen wenigen Fällen. So wird das Einschlagen des Eintragens bey den Webern zuweilen der Einschlag genannt, welchen Nahmen aber noch häufiger die eingeschlagenen Fäden selbst bekommen, S. die folgende Bedeutung. Der ehemahlige Streit unter den Tuch- und Zeugmachern wegen des so genannten Rechts-Einschlages und Links-Einschlages ist bekannt. Das Schlagen in die Hand zur Bestätigung eines Vergleiches oder Vertrages heißt im gemeinen Leben zuweilen auch noch der Einschlag. 2. Was eingeschlagen wird, gleichfalls nur in einigen bereits eingeführten Bedeutungen des Zeitwortes. 1) bey den Webern sind es diejenigen Fäden, welche in den Aufzug geschlagen werden, um dasGewebe hervor zu bringen, und auch der Eintrag, der Einschuß, im Oberdeutschen das Wäfel, Nieders. Inslag heißen. 2) Ein Brief oder andere bewegliche Sache, welche in einen Brief oder ein Packet mit eingeschlagen wird, ist gleichfalls unter dem Nahmen des Einschlages bekannt. Einem etwas durch Einschlag überschicken, es bey einem andern einschlagen. 3) Derjenige Theil eines Kleides oder Stückes Zeug, welcher eingeschlagen wird, bey den Nähterinnen und Schneidern. 4) Arzeneymittel, welche um den Huf des Pferdes geschlagen, d. i. gebunden werden, Umschläge: Einen Einschlag machen. Dem Pferde einen Einschlag geben. 5) Dasjenige, was in das Faß, oder auch in den Wein geschlagen, d. i. gethan oder gehänget wird, dessen Kraft, Geschmack und Farbe zu verbessern. Ein Einschlag von Schwefel. Einen Einschlag machen. dem Weine einen Einschlag geben. Der Wein hat einen starken Einschlag. 6) Was der Hirsch von dem Erdboden mit seinen Schalen auffasset und mit fort nimmt, wird von den Jägern gleichfalls der Einschlag genannt. 7) Im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes, wird Einschlag oft für Anschlag, Rathschlag gebraucht, obgleich das Verbum einschlagen in dieser Bedeutung nicht üblich ist. Einem allerley Einschläge geben. Auf wessen Einschlag hast du dieses gethan? Ein kluger Einschlag. Die Niedersachsen gebrauchen ihr Inslag auf eben diese Art. 3. Dasjenige, worein etwas geschlagen wird, auch nur in einigen Fällen. So wird dasjenige, worein ein anderer Körper gewickelt wird zuweilen ein Einschlag, noch häufiger aber ein Umschlag genannt. In dem Bergbaue heißen diejenigen Gruben in den Seifenwerken, worin sich der Zinnstein unter der Dammerde gesammelt hat, Einschläge.


Einschlagen (W3) [Adelung]


Einschlagen, verb. irreg. ( S. Schlagen,) welches in gedoppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Activum. 1. Hinein schlagen, mit Schlägen hinein treiben. 1) Eigentlich. Einen Pfahl einschlagen, in die Erde. Einen Nagel einschlagen, in die Wand. Einen Keil einschlagen, in das Holz. Den Eintrag einschlagen, bey den Webern; daher der Eintrag gemeiniglich auch der Einschlag genannt wird. Tugend und Wissenschaft lassen sich nicht einschlagen, durch Schläge einprägen. Eyer einschlagen, sie mit einem Schlage öffnen, und in den Tiegel oder in Butter laufen lassen, in den Küchen. Eingeschlagene Eyer. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung gebraucht man dieses Wort im gemeinen Leben in vielen besondern Fällen, wo eine Sache in die andere gethan wird, wenn solches gleich nicht mit einem Schlage verbunden ist. (a) Für einfüllen, einschütten; Nieders. inslaen. Getreide einschlagen, es vermittelst der Schaufel in den Scheffel, oder in Säcke füllen. Salz einschlagen, es in Körbe schlagen oder stellen. Holz einschlagen, es in Klafter setzen. Schwefel, Muskatnüsse einschlagen, sie in den Wein, oder in das Faß thun; und nach einer noch weitern Figur, den Wein einschlagen, ihm einen Einschlag geben. (b) Einwickeln, locker einpacken, mit einem andern Körper umgeben. Waaren einschlagen, sie in Papier u. s. f. schlagen oder wickeln, ihnen einen Umschlag geben. Zuweilen bedeutet dieser Ausdruck auch so viel als sie in Fässer, in Ballen u. s. f. packen. Etwas in eine Decke, in eine Serviette, in ein Tuch einschlagen, es locker einwickeln. Einen Brief einschlagen, ihn in einen andern Brief, in einem Packet legen, ihn einschließen. Ich habe den Brief bey deinem Bruder mit eingeschlagen, in den Brief an deinen Bruder. Bäume einschlagen, sie wenn sie ausgehoben worden, an den Wurzeln mit Erde bedecken, oder auf kurze Zeit in Kübel setzen. Rüben in den Sand einschlagen, sie mit Sande bedecken. Einem Pferde den Fuß einschlagen, einen Umschlag darum machen, heilende Mittel um denselben legen, besonders um den Huf, S. Einschlag 2. (c) Jagdhunde bey dem Landmanne einschlagen, sie dem Landmanne zu ernähren geben. Schweine einschlagen, sie in die Mast treiben, sie einfehmen. 2. Einwärts schlagen, mit einem Schlage einbrechen. Die Fenster, die Thüren einschlagen. Ein Faß, den Boden eines Fasses einschlagen. Eine Wand, einen Ofen einschlagen. Sich den Kopf an der Mauer einschlagen. Jemanden die Zähne einschlagen. Einem Hasen das Genick einschlagen. Ingleichen, schnell einwärts bewegen. Mit eingeschlagenen Armen da stehen. 3. Zusammen schlagen, einwärts biegen und befestige, bey den Nähterinnen und Schneidern. Die Leinwand einschlagen, sie umlegen und zusammen nähen. Ingleichen, in Falten legen und dadurch enger machen. Ein Kleid, einen Rock einschlagen. 4. Einen Weg einschlagen, denselben wählen und betreten. Den rechten Weg, die rechte Straße einschlagen. Den Weg der Güte einschlagen, die Güte versuchen. Den Weg der Tugend, des Lasters einschlagen.II. Als ein Neutrum, und zwar wiederum auf gedoppelte Art.1. Mit dem Hülfsworte haben. 1) In die Hand schlagen, bey Vergleichen und Verträgen; ein Überbleibsel der alten Redlichkeit, in welchem Verstande dieses Wort zuweilen noch im gemeinen Leben absolute gebraucht wird. Schlag ein. Ich habe schon eingeschlagen. Im Oberdeutschen sagt man indessen auch active, einen Vergleich einschlagen, zu dessen Verkräftigung in die Hand des andern schlagen. 2) In einen Ort schlagen, von dem Blitze, wenn derselbe in einen Ort bringet, oder daselbst zündet. Der Blitz, der Donner, das Gewitter schlägt ein. Der Blitz hat in freyem Felde eingeschlagen. Ingleichen unpersönlich, es schlägt ein, es hat eingeschlagen. Man gebraucht dieses Zeitwort, so wie das einfache schlagen, mit dem Vorworte in, nur von leblosen Dingen; Menschen und andere lebendige Geschöpfe werden von dem Blitze erschlagen, oder gerühret, getroffen u. s. f. 3) In die Erde graben, den Anfang mit Graben machen. So schlägt der Jäger nach einem Dachse ein, wenn er denselben ausgraben will. Der Bergmann schlägt ein, wenn er einen Schurf aufwirft, oder anfängt nach Erz zu graben. Man muß hier einschlagen. 4) Hier schlage: sehr viele verdächtige Umstände mit ein, d. i. sie kommen hier zusammen. diese Materie schlägt in die Hoheitsrechte ein, betrifft die Hoheitsrechte, gehöret zu den Hoheitsrechten. Alle diese Beleidigungen schlagen sehr tief in die Grundverfassung des Reiches ein.2. Mit dem Hülfsworte seyn. 1) Einwärts schlagen, eine Bewegung von außen nach innen zu bezeichnen. Bey den Mahlern schlägt die Farbe ein, wenn sie in den Grund dringet, und daher matt wird. Die Blattern, das Friesel, die Krätze schlagen ein, wenn die schädliche Materie, anstatt ihren Ausgang nach außen zu nehmen, nach den innern Theilen bringet. 2) Der Absicht gemäß ausfallen. Alle seine Kinder sind vortrefflich eingeschlagen. In engerer Bedeutung ohne Nebenwort, für gut einschlagen. Die Sache wollte mir nicht einschlagen. Das Getreide, der Wein ist dieses Jahr nicht eingeschlagen. Endlich schlug ihm das Spiel ein, und er gewann.Die Einschlagung ist nur in den Bedeutungen des Activi üblich, der Infinitiv aber kann in allen Fällen als ein Hauptwort gebraucht werden. S. auch Einschlag.


Einschläger (W3) [Adelung]


Der Einschläger, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher einschläget, in einigen Bedeutungen des Verbi. So wird derjenige Bergmann, welcher nach Erzen einschläget oder schürfet,ein Einschläger genannt. Auch derjenige beeidigte Arbeiter, welcher das zum Bergbaue nöthiges Holz einschläget, oder in Klafter setzet, führet den Nahmen eines Einschlägers oder Holzeinschlägers. In Niedersachsen sind die Einschläger Arbeitsleute, welche Getreide oder andere Waaren mit Schaufeln in die Gefäße füllen, Torf in die Schiffe laden u. s. f.


Einschleichen (W3) [Adelung]


Einschleichen, verb. irreg. neutr. ( S. Schleichen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, hinein schleichen, in einen Ort schleichen. Die Katze ist unbemerkt eingeschlichen. Auch figürlich, heimlich, unbemerkt unter andere Dinge gerathen. Es sind viele Druckfehler mit eingeschlichen. Da etliche falsche Brüder - neben eingeschlichen waren, zu verkundschaften unsere Freyheit, Gal. 2, 4. Denn es sind etliche Menschen neben eingeschlichen, Br. Jud. V. 4. Am häufigsten wird dieses Wort, so wohl in der eigentlichen als figürlicher Bedeutung in Gestalt eines Reciproci gebraucht, sich einschleichen. Es hat sich eine Katze eingeschlichen, in das Zimmer. Es schlich sich ein Dieb ein, in das Haus. Es haben sich allerley Mißbräuche, Laster, böse Gewohnheiten bey uns, unter uns, eingeschlichen. Das Laster schleicht sich oft unter dem Nahmen der Tugend ein. Sich bey jemanden einschleichen, sich durch Schmeicheley oder andere verdächtige Mittel in dessen Gunst setzen.


Einschleifen (W3) [Adelung]


Einschleifen, verb. reg. act. 1) Von Schleife, traha, auf der Schleife einführen, oder hinein führen; besonders, von der heimlichen Einfuhre verbothener Waaren. Verbothene Waaren einschleifen. 2) Von Schleife, Schlinge, wie es scheinet. Bey den Schlössern wird der Stulp eines Schlosses eingeschleifet, wenn es vermittelst einiger Einschnitte, welche den Schwalbenschwänzen der Tischler gleichen, in den Umschweif des Schlosses gefüget wird. So auch die Einschleifung.


Einschleppen (W3) [Adelung]


Einschleppen, verb. reg. act. hinein schleppen, in einigen Fällen. Verbothene Waaren einschleppen, in das Land, in eine Stadt. Ein Schiff einschleppen, es vermittelst Taues in den Hafen ziehen. Im Oberdeutschen sagt man auch, sich in einen Ort einschleppen, für einschleichen. Daher die Einschleppung.


Einschließen (W3) [Adelung]


Einschließen, verb. irreg. ( S. Schließen,) welches in gedoppelter Gattung üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, genau in die bestimmte Öffnung treffen. Das Schloß schließt nicht recht ein. Das Schloß will nicht einschließen. II. Als ein Activum. 1. Einschließen machen, in der Bedeutung des vorigen Neutrums. Hast du das Schloß gehörig eingeschlossen? 2. vermittelst eines Schlosses einsperren, verbergen, verwahren, verschließen. Das Brot, die Eßwaaren einschließen. Sein Geld einschließen. Jemanden einschließen, das Zimmer, worin er sich befindet, verschließen; ingleichen ihn in Fesseln schließen. Jemanden eingeschlossen halten. Sich einschließen, sich mit jemanden einschließen. 3. In weiterer Bedeutung, einsperren. Einen Vogel in einen Käfig einschließen. Ingleichen einlegen, von Briefen, Packeten u. s. f. Einen Brief mit einschließen. Ich habe die Rechnung, das Packet mit eingeschlossen. 4. Figürlich. 1) Umgeben. Der Zaun, die Mauer schließt den Garten ein. Der Himmel schließt Gott nicht ein. Gott ist in keinen Raum eingeschlossen. Einen Garten, einen Weinberg mit einer Mauer, mit einem Zaune einschließen, einen Zaun, eine Mauer um dieselben aufführen. Eine Stadt mit Mauern, mit einem Walle einschließen. Eine Stelle in einer Schrift einschließen, sie mit Klammern oder halben Zirkellinien, welche daher Einschließungszeichen genannt werden, von den übrigen Theilen der Schrift absondern und unterscheiden. In engerer Bedeutung, eine Stadt, eine Festung einschließen, sie mit Truppen umgeben, und nichts hinein lassen, sie berennen, blockiren. Ein feindliches Corps einschließen, eingeschlossen halten, es auf diese Art mit Truppen umgeben. 2) Mit in etwas begreifen, eine Sache auf andere Gegenstände ausdehnen. Deutschland wurde mit in den Frieden eingeschlossen. Der Kaiser verlangte mit in das Bündniß eingeschlossen zu werden. Jemanden in sein Gebeth einschließen, für ihn bethen. Ich will ihn alle Tage in mein Gebeth einschließen, Gell. So auch die Einschließung, in allen Bedeutungen des Activi. S. auch Einschluß.

Anm. Insliazen kommt zwar schon bey dem Ottfried vor; allein es stehet daselbst für entschließen, aufschließen. Indessen findet sich in den heutigen Bedeutungen einsliezzen und ainsliuzzen schon in dem Schwabenspiegel.


Einschlucken (W3) [Adelung]


Einschlucken, verb. reg. act. hinein schlucken, verschlucken. Pillen einschlucken. der Fisch hat die Angel eingeschluckt. Vielen Staub einschlucken müssen. Figürlich, doch nur im gemeinen Leben, geduldig, obgleich mit Widerwillen ertragen. Vielen Verdruß, manche Anzüglichkeiten einschlucken müssen.


Einschlummern (W3) [Adelung]


Einschlummern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, in den Schlummer gerathen, anfangen zu schlummern; in der edlern Schreibart entschlummern. er ist eingeschlummert. Im Oberdeutschen nafzen, entnafzen, entnaften, entnucken, im Niders. indusken, indrömken. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist einschlummern auch thätig üblich, in den Schlummer bringen, einschläfern.


Einschlürfen (W3) [Adelung]


Einschlürfen, verb. reg. act. in sich hinein schlürfen. Eine Brühe, einen Trank einschlürfen.


Einschluß (W3) [Adelung]


Der Einschluß, des -sses, plur. die -schlüsse, von dem Verbo einschließen. 1) Das Einschließen; ohne Plural. Das Heer bestand mit Einschluß der Officiers aus 10 000 Mann 2) Dasjenige, was eingeschlossen wird, doch nur in einigen Bedeutungen. Der Einschluß eines Briefes, dasjenige, was in einem Briefe eingeschlossen, oder demselben beygeschlossen ist. Aus dem Einschlusse ist zu ersehen u. s. f. aus dem eingeschlossenen Briefe, der beygeschlossenen Rechnung u. s. f. Auch eine mit Klammern eingeschlossene Stelle einer Schrift, eine Parenthese, wird zuweilen einen Einschluß genannt.


Einschmeicheln (W3) [Adelung]


Einschmeicheln, verb. reg. act. welches nur als ein Reciprocum gebraucht wird. Sich bey jemanden einschmeicheln, sich durch Schmeicheley in dessen Gunst setzen. er weiß sich überall einzuschmeicheln. Daher die Einschmeichelung.


Einschmeißen (W3) [Adelung]


Einschmeißen, verb. irreg. act. ( S. Schmeißen,) durch Schmeißen zerbrechen, einwerfen, in den gemeinen Sprecharten. Die Thür, den Ofen einschmeißen. Jemanden die Fenster einschmeißen. Daher die Einschmeißung. S. Schmeißen.


Einschmelzen (W3) [Adelung]


Einschmelzen, verb. irreg. et reg. act. ( S. Schmelzen,) schmelzen und dadurch zerstören. Geld einschmelzen, es schmelzen, wodurch es aufhöret Geld zu seyn. Zu den neuen Species-Thalern ist vieles Silbergeschirr eingeschmolzen oder eingeschmelzet worden. Daher die Einschmelzung.


Einschmieden (W3) [Adelung]


Einschmieden, verb. reg. act. mit zusammen genietheten Fesseln zum künftigen Festungsbaue belegen, zum Unterschiede von dem Ausschmieden. Einen Dieb zum Festungsbaue einschmieden.


Einschmieren (W3) [Adelung]


Einschmieren, verb. reg. act. 1) Hinein schmieren, oder streichen. Einem Kinde den Brey einschmieren. Figürlich, in den niedrigen Sprecharten, einem etwas einschmieren, es ihm sehr deutlich machen. 2) Beschmieren und den Schmer eindringen lassen, im gemeinen Leben. Den Kopf mit Salbe einschmieren. Das Leder einschmieren. Die Wäsche einschmieren, sie mit Seife bestreichen. Ingleichen, überall mit Fett be-streichen. die Schlösser, Haspen, Angeln, Schrauben einschmieren. So auch die Einschmierung.


Einschmutzen (W3) [Adelung]


Einschmutzen, verb. reg. act. durch und durch schmutzig machen. Die Wäsche, die Kleider einschmutzen.


Einschnallen (W3) [Adelung]


Einschnallen, verb. reg. act. die Zunge der Schnalle auf die gehörige Art befestigen. Die Schuhe einschnallen. Ingleichen, vermittelst einer Schnalle in einen andern Körper befestigen. So auch die Einschnallung.


Einschneide (W3) [Adelung]


Die Einschneide, plur. die -n, bey den Drechslern, ein etwas flaches hohles Eisen mit einer umgelegten Spitze in Gestalt eines Hakens, Einschnitte in das Holz zu machen, und die Vertiefungen zu hohlen Sachen auszudrehen.


Einschneiden (W3) [Adelung]


Einschneiden, verb. irreg. act. S. Schneiden. 1) Einen Schnitt in etwas machen. Eine Schachte einschneiden. In weiterer Bedeutung gebraucht man dieses Wort als ein Neutrum von Stricken, Bändern u. s. f. wenn sie einen tiefen Eindruck in die Haut machen. Der Faden schneidet ein, verletzt die Haut. 2) Vermittelst eines Schnittes in einen andern Körper bringen. Buchstaben einschneiden, in das Glas. Seinen Nahmen einschneiden, ihn in Holz, in einen Baum schneiden. Den Boden einschneiden, bey den Faßbindern, ihn zurichten, und in dem Fasse befestigen. Die Sohlen einschneiden, bey den Schustern, sie nach vorher gegangenem Schritte annähen. Schießscharten einschneiden, den Wall mit Schießscharten versehen. 3) Zerschneiden und in einen andern Körper thun. Brot einschneiden, in die Suppe. Den Kohl, die Rüben einschneiden, sie zerschneiden und in den Topf werfen. Kalten Braten einschneiden, ihn zerschneiden und in eine Brühe thun. 4) Abschneiden und einführen. Das Getreide einschneiden. Wenn ihr euer Land erntet sollt ihrs nicht gar auf dem Feld einschneiden, 3 Mos. 23, 22. 5) Die Leinwand schneidet sich ein, wenn sie durch den Ausschnitt, d. i. Verkauf im Einzelnen, an dem Ellenmaße verlieret. So auch die Einschneidung. S. auch Einschnitt.


Einschneidig (W3) [Adelung]


Einschneidig, adj. et adv. von dem Zahlworte Ein, nur Eine Schneide habend, im Gegensatze des zweyschneidig.


Einschnitt (W3) [Adelung]


Der Einschnitt, des -es, plur. die -e, 1) Der Schnitt in einen Körper, so wohl eigentlich, als auch figürlich. Einen Einschnitt machen. Der Einschnitt an einer Schachtel, an einem Schlüssel. Die Einschnitte an den Blumen und Blättern, an den Raupen u. s. f. von einer Ähnlichkeit mit einem gemachten Schnitte. 2) Der Ort, wo der Körper eingeschnitten ist. So werden in dem Bergbaue die eingeschnittenen Enden der Jöcher und Kappen, welche aufeinander geleget werden, einschnitte genannt. 3) was eingeschnitten wird, eingeschnittene Früchte. Der Einschnitt des letzten Jahres, die im letzten Jahre eingeernteten Feldfrüchte. 4) In der Dichtkunst ist der Einschnitt oft so viel als Cäsur. In der Musik hingegen werden die unvollkommenen Cadenzen, welche von Zeit zu Zeit im Laufe der Melodie angebracht werden, Einschnitte genannt.


Einschnupfen (W3) [Adelung]


Einschnupfen, verb. reg. act. hinein schnupfen, in die Nase ziehen. Daher die Einschnupfung.


Einschnüren (W3) [Adelung]


Einschnüren, verb. reg. act. vermittelst einer Schnur in etwas befestigen. Ein Packet Waaren einschnüren. Ein Frauenzimmer einschnüren, die Schnürbrust um den Leib zuschnüren. Sich einschnüren, sich selbst die Schnürbrust anlegen, und selbige zuschnüren. Im Oberdeutschen schnüret man auch Perlen, Korallen u. s. f. ein, wenn man sie aufreihet, oder auf eine Schnur ziehet. So auch die Einschnürung.


Einschöpfen (W3) [Adelung]


Einschöpfen, verb. reg. act. hinein schöpfen, schöpfen und in ein Gefäß gießen. Wasser einschöpfen, in ein Faß, einen Kübel u. s. f. Daher die Einschöpfung.


Einschränken (W3) [Adelung]


Einschränken, verb. reg. act. mit Schranken umgeben, in Schranken einschließen. 1) Eigentlich; in welcher Bedeutung dieses Wort noch zuweilen im Oberdeutschen vorkommt, wo ein Platz, ein Feld eingeschränkt wird, wenn man es mit Schranken umgibt. In eben dieser Mundart wird eine Parenthese eingeschränkt, wenn man sie zum Unterschiede von der übrigen Rede mit Häkchen einschließet. So haben ihn des Satans Schergen Mit schweren Fesseln eingeschränkt, Gryph. Im Hochdeutschen gebraucht man dieses Wort in der edlen und anständigen Schreibart, 2) nur figürlich, dem Umfange, dem Wirkungskreise Grenzen, oder Ziel und Maß setzen. Eines Freyheit einschränken, ihr Gesetze vorschreiben, ihr Grenzen setzen. Er wird sehr eingeschränkt gehalten, sehr eingezogen, unter scharfer Aufsicht. Man muß seine Begierden, seine Wünsche, seinen Ehrgeiz einzuschränken wissen, zu mäßigen. Gott hat die Dauer unsers Lebens auf wenig Jahre eingeschränkt. Wer seine Begierden auf das bloße Nothwendige einschränket, wird sich keinem stürmischen Meere anvertrauen. Der Befehl wurde nochmahls bloß auf die Einheimischen eingeschränkt, nur die Einheimischen wurden angewiesen, demselben zu gehorchen. Sich auf eine einzige Wissenschaft einschränken, sich ihr allein widmen. Eine eingeschränkte Gewalt, welche ihre vorgeschriebenen Grenzen hat. Eine eingeschränkte Aussicht, welche sich nicht weit erstrecket. Eingeschränkte Geister (kleine Geister,) bewundern alles. Ein eingeschränktes (mittelmäßiges,) Glück. Das traurige, eingeschränkte (gezwungene,) Wesen, welches man mit der Liebe annimmt. So auch die Einschränkung, welches Wort oft auch für Bedingung gebraucht wird. Ich erlaubte es dir, aber mit der Einschränkung u. s. f. Ingleichen die Eingeschränktheit, der Zustand, da etwas eingeschränkt ist.


Einschrauben (W3) [Adelung]


Einschrauben, verb. reg. et irreg. act. S. Schrauben. 1) Hinein schrauben, durch Schrauben hinein bringen. Den Knopf, den Zapfen, den Fuß einschrauben. 2) Vermittelst einer Schraube befestigen. Ein Stück Eisen, ein Stück Holz einschrauben, in den Schraubestock. Einem Missethäter in der Tortur die Daumen einschrauben. So auch die Einschraubung.


Einschrecken (W3) [Adelung]


Einschrecken, verb. reg. act. vermittelst eines Schreckes hinein bringen; ein im Oberdeutschen sehr bekanntes Wort. Jemanden eine Arzeney einschrecken, ihn durch schreckhafte Vorstellungen bewegen, sie einzunehmen. Bey den Jägern werden die Vögel eingeschreckt, wenn man sie erschreckt, und dadurch zwinget, in den Vogelherd zu gehen. Auf ähnliche Art wird das Wild eingeschreckt, d. i. in das Garn getrieben. So auch die Einschreckung.


Einschreiben (W3) [Adelung]


Einschreiben, verb. irreg. act. ( S. Schreiben,) in ein Buch, in ein Verzeichniß, in eine Rechnung schreiben. Es ist schon eingeschrieben, in das Rechnungsbuch. Sich einschreiben, sich oder seinen Nahmen in ein Stammbuch u. s. f. schreiben. Sich einschreiben lassen, sich in ein Verzeichniß u. s. f. eintragen lassen. Daher das Einschreibegeld, oder die Einschreibegebühr, welches für das Einschreiben einer Person oder Sache entrichtet wird; die Einschreibung u. s. f. Im Oberdeutschen wird dieses Wort auch für anschreiben im figürlichen Verstande gebraucht. Wohl oder übel bey jemanden angeschrieben seyn, in einem guten oder üblen Begriffe bey demselben stehen.


Einschroten (W3) [Adelung]


Einschroten, verb. reg. act. in den Keller schroten. Ein Faß Wein einschroten. S. Schroten.


Einschrumpfen (W3) [Adelung]


Einschrumpfen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, Runzeln bekommen und kleiner werden; in den gemei-nen Mundarten einschrumpeln. Das Obst, die Citronen sind eingeschrumpft. er ist ganz eingeschrumpft, er ist runzelig und dürre geworden. Auch für einkriechen. Das Tuch im Wasser einschrumpfen lassen, es krimpen, oder krimpen lassen.


Einschub (W3) [Adelung]


Der Einschub, des -es, plur. car. ein nur zuweilen im gemeinen Leben übliches Wort, von dem Verbo einschieben. Der Einschub eines Officiers, die Beförderung desselben wider die hergebrachte Ordnung.


Einschürig (W3) [Adelung]


Einschürig, oder einscherig, adj. et adv. von dem Zahlworte Ein, was des Jahres nur Ein Mahl geschoren wird, im gemeinen Leben. Einschürige Schafe, im Gegensatze der zweyschürigen. Einschürige Wolle, die Wolle von solche Schafen. In einigen Gegenden, z. B. in Thüringen, nennt man die einhauen oder einmähdigen Wiesen auch einschürige.


Einschustern (W3) [Adelung]


* Einschustern, verb. reg. neutr. mit haben, welches nur in den gemeinen Mundarten üblich ist. 1) Schaden an seinem Vermögen leiden, zusetzen, zubüßen. Er schustert jährlich ein, er setzt von seinem Vermögen zu. Ich habe bey dieser Sache hundert Thaler eingeschustert, zugesetzet, verloren. 2) In völligen Verfall seiner Nahrung kommen. Er hat eingeschustert. Dieß muß auch jede thun, und nicht zu herrlich seyn, Sonst schustert sie gewiß mit ihrem Junker ein, Günth. Anm. Frisch leitet dieses Wort von dem längst veralteten Schuste, Franz. Jouste, einer Art der Thurniere, her, weil die Thurniere viele Kosten und oft Schaden verursachten. Allein diese Ableitung ist sehr weit gesucht. Am besten thut man daher, wenn man bey der nächsten Ableitung von dem Worte Schuster stehen bleibt. Einschustern, Niedersächsisch inschostern, bedeutet eigentlich, durch ungeschickte Übung des Schusterhandwerkes, und besonders durch ungeschicktes Zuschneiden, Schaden leiden oder verarmen; von welchem besondern Falle dieses Wort nochmahls, durch eine sehr gewöhnliche Figur, eine allgemeinere Bedeutung bekommen hat. Schustern bedeutet in den gemeinen Mundarten nicht allein Schuhe machen, sondern überhaupt etwas verfertigen. S. dieses Wort.


Einschütten (W3) [Adelung]


Einschütten, verb. reg. act. hinein schütten. Einem Pferde einen Trank einschütten, eingießen. Mehl einschütten, in ein Faß. Daher die Einschüttung. Das Nieders. einschütten, Vieh einschütten, es pfänden, in den Pfandstall treiben, gehöret nicht zu diesem Worte, sondern kommt von Schott, ein beschützter, fester Ort, her.


Einschwärzen (W3) [Adelung]


1. Einschwärzen, verb. reg. act. durchaus schwarz machen. So schwärzen die Kupferdrucker die Kupferplatte ein, wenn sie die Farbe auftragen. Figürlich, durchaus schmutzig machen, einschmutzen. Die Wäsche einschwärzen. Daher die Einschwärzung.


Einschwärzen (W3) [Adelung]


2. Einschwärzen, verb. reg. act. hinein schwärzen, d. i. heimlich in ein Land, in einen Ort bringen, von verbothenen oder accisbaren Waaren, im Oberdeutschen. Waaren, Güter, Kaffeh einschwärzen. So auch die Einschwärzung. S. Schwärzen.


Einschwatzen (W3) [Adelung]


Einschwatzen, verb. reg. act. 1) Durch Schwatzen bewegen, eine Sache zu glauben, oder zu verlangen, im gemeinen Leben. Wer hat dir das eingeschwatzt? Einem allerley Mährchen einschwatzen. 2) Sich bey jemanden einschwatzen, sich durch seine Schwatzhaftigkeit in jemandes Gunst setzen. er weiß sich überall einzuschwatzen, durch Schwatzen den Zutritt zu verschaffen. So auch die Einschwatzung.


Einsegnen (W3) [Adelung]


Einsegnen, verb. reg. act. mit dem Segen zu einer bevor stehenden Veränderung versehen. Einen Strebenden einsegnen, ih der göttlichen Gnade feyerlich empfehlen. Ein Paar Verlobte einsegnen, sie copuliren, ihnen den priesterlichen Segen zu ihrem Ehestande ertheilen. Eine Sechswöchnerinn einsegnen, ihr den Segen ihrem ersten Kirchgange nach gehaltenen sechs Wochen ertheilen. Kinder einsegnen, ihnen den Segen zur Erneuerung ihres Taufbundes ertheilen, welches man gemeiniglich confirmiren, in der Römischen Kirche aber firmeln nennet. Brot und Wein einsegnen, im Abendmahle, es consecriren. So auch die Einsegnung.


Einsehen (W3) [Adelung]


Einsehen, verb. irreg. act. ( S. Sehen,) hinein sehen. 1. Eigentlich, in welcher Bedeutung dieses Wort zuweilen im gemeinen Leben als ein Neutrum gebraucht wird. Man kann ihm überall einsehen, d. i. in sein Zimmer sehen. Bey dem Hersagen einsehen, in das Buch sehen. Am häufigsten und richtigsten gebraucht man es, 2. figürlich. 1) Sich den Zusammenhang einer Sache deutlich vorstellen. Jetzt sehe ich es ein, wie die Sache zugegangen ist. Alle besondere Absichten der Rathschlüsse Gottes einsehen wollen ist unsinnige Begehrlichkeit, Gell. Ein Einsehen kriegen oder bekommen, ist in dieser Bedeutung niedrig. S. Einsicht. 2) Diese deutliche Vorstellung des Zusammenhanges einer Sache wirksam machen, doch nur in engerer Bedeutung, für Bestrafen, ahnden; in welchem Verstande aber nur der Infinitiv als ein Hauptwort mit dem Zeitworte haben üblich ist. Ein Einsehen haben, eine Sache ahnden, bestrafen, den Fortgang einer bösen Sache durch Ahnden hindern; wofür man in Oberdeutschland auch darein sehen sagt. Ein Einsehen thun, für haben, ist eben so ungewöhnlich, als der Gebrauch, Weish. 19, 14: Es wird noch ein anderes Einsehen über sie kommen, daß sie die Fremden so unfreundlich hielten, für Strafe, Ahndung.


Einseifen (W3) [Adelung]


Einseifen, verb. reg. act. zu einem gewissen Gebrauche mit Seife bestreichen, durchaus seifen. Den Bart einseifen. Die Wäsche einseifen.


Einseitig (W3) [Adelung]


Einseitig, adj. et adv. von dem Zeitworte ein, nur Eine Seite habend. Ein einseitiges Dach, welches nur auf Einer Seite abhängig ist, und gewöhnlicher ein einhängiges genannt wird. Am häufigsten figürlich, was wider die Regel nur von Einer Seite, oder Rücksicht auf die Eine Partey geschiehet. Ein einseitiger Contract, bey welchem sich nur der Eine Theil verbindlich macht, etwas zu leisten; im Gegensatze des zweyseitigen. Eine Sache einseitig behandeln, ohne Zuziehung des andern Theiles. Ein einseitiger Geschmack, welcher nur eine oder die anderer Art der Schönheit empfindet. So auch die Einseitigkeit in der figürlichen Bedeutung, in welcher das Adjectiv auch die Comparation leidet.


Einsenden (W3) [Adelung]


Einsenden, verb. irreg. act. ( S. Senden,) in jemandes Hände senden; im gemeinen Leben einschicken. Man hat uns den Bericht noch nicht eingesandt. Gelder, Briefe, Waaren einsenden. So auch die Einsendung.


Einsenken (W3) [Adelung]


Einsenken, verb. reg. act. hinein senken, doch nur in einigen bereits hergebrachten Fällen. Eine Leiche einsenken, in die Gruft. Einen Stein einsenken, in den Grund. Ein Stück Metall, den Kopf von einer Schraube u. s. f. einsenken, ihn in eine Vertiefung bringen, so daß er der übrigen Fläche gleich kommt, versenken. S. Einlassen. Zweige, Reben, Pflanzen einsenken, sie zur Fortpflanzung in die Erde senken; wofür doch absenken üblicher ist. So auch die Einsenkung.


Einser (W3) [Adelung]


Der Einser, des -s, plur. ut nom. sing. in der Rechenkunst, diejenige Ziffer, welche nur eine einzige Einheit andeutet; die Eins.


Einsetzen (W3) [Adelung]


Einsetzen, verb. reg. act. hinein setzen. 1. Eigentlich, in einen Ort oder Raum setzen. Sich einsetzen, sich in den Wagen, oder in das Schiff setzen. Einen Missethäter einsetzen, ihn in das Gefängnis setzen. Ich habe allhie nichts gethan, daß sie micheingesetzt haben, 1 Mos. 40, 15. Einen Vogel einsetzen, ihn in den Käfig einsperren. Eine Scheibe einsetzen, in das Fenster. sich falsche Zähne einsetzen lassen. Waaren bey jemanden einsetzen, sie ihm in Verwahrung geben. Bley, Silber, Kupfer einsetzen, es in den Schmelztiegel thun, und in das Feuer setzen. Eine Bombe einsetzen, in den Mörser. Eisen einsetzen, es mit geraspeltem Horn und Salz glühen und dann ablöschen, wodurch es eine stahlartige Rinde bekommt. Das Leder einsetzen, bey den Lohgärbern, es in die Grube setzen, damit es gar werde; zum Unterschiede von dem Einstäben. Brot einsetzen, bey den Bäckern, es in den Ofen schieben, es einschießen. Geld einsetzen, in die Lotterie, oder in das Spiel. Bäume, Blumen, Zwiebeln einsetzen, sie in die Erde setzen, in die Erde pflanzen. Ein Stück einsetzen, es in das Tuch, in das Holz u. s. f. setzen und daselbst befestigen. Edelsteine einsetzen, in Gold, Silber u. s. f. Gänse, Kapaunen einsetzen, sie zum Mästen einsperren. Die Klauen einsetzen, sie in das Fleisch setzen oder schlagen, von Raubvögeln und Raubthieren. Das Einsetzeisen, bey den Goldschmieden, ein Amboß mit Löchern an den beyden Enden, allerley kleine Stämpel hinein zu setzen, oder zu stecken. 2. Figürlich. 1) Als ein Unterpfand anvertrauen. Jemanden ein Pfand, oder etwas zum Pfande einsetzen. Ich will dir diesen Ring so lange einsetzen, zum Pfande geben. 2) In den Besitz einer Sache setzen. Jemanden zum Könige, zum Hohenpriester u. s. f. einsetzen; in welcher Verbindung dieses Wort doch wenig mehr vorkommt. Jemanden in ein Amt einsetzen. Der abgesetzte Bürgermeister wurde wieder eingesetzt. Die Gläubiger in die Güter des Schuldners einsetzen. Jemanden wieder in sein Eigenthum einsetzen. jemanden in eines andern Stelle einsetzen. 3) Anordnen, bestimmen, doch nur in einigen Fällen. Jemanden zum Erben einsetzen, ihn förmlich zu seinem Erben ernennen. Christus setzte vor seinem Tode das heil. Abendmahl ein. Die Worte der Einsetzung, die Einsetzungsworte, diejenigen Worte, mit welchen dieses geschahe. Einen Feyertag einsetzen. So auch die Einsetzung, in allen obigen Bedeutungen. S. Einsatz.


Einsicht (W3) [Adelung]


Die Einsicht, plur. die -en. 1) Das Hineinsehen in eine Sache, ohne Plural; doch mehr in der figürlichen als eigentlichen Bedeutung, die deutliche Vorstellung des Zusammenhanges einer Sache, und das Vermögen, sich denselben deutlich vorzustellen. Seine Einsicht erstreckt sich nicht so weit. Glaube nicht, daß diese Sache seiner Einsicht entgehen werde. Ein Mann voll dieser Einsicht, ein einsichtsvoller Mann. Zuweilen wird es auch für Ahndung, Bestrafung für das Einsehen gebraucht, doch mehr im Oberdeutschen als im Hochdeutschen. 2) Die durch mehrmahlige deutliche Vorstellung des Zusammenhanges der Dinge erlangte Erkenntniß, in welcher Bedeutung dieses Wort auch im Plural gebraucht wird. Er hat wenig Einsicht in diese Sache. Ein Mann von vielen Einsichten. Er sucht nichts so ängstlich, als sich seinen Einsichten Bewunderung zu verschaffen. So weit erstrecken sich deine Einsichten nicht.


Einsichtig (W3) [Adelung]


Einsichtig, adj. et adv. Einsicht oder Einsichten habend, im gemeinen Leben. Ein sehr einsichtiger Mann, der viele Einsichten hat, oder auch eine Sache bald einzusehen vermag.


Einsichtsvoll (W3) [Adelung]


Einsichtsvoll, adj. et adv. voller Einsicht, S. Einsicht.


Einsiedeley (W3) [Adelung]


Die Einsiedeley, plur. die -en, die einsame Wohnung eines Einsiedlers. figürlich, einsames Leben, Einsamkeit. Misanthropie und Einsiedeley schränken den Genuß des moralischen Lebens gar sehr ein. S. Einsiedlerey.


Einsieden (W3) [Adelung]


Einsieden, verb. irreg. ( S. Sieden,) welches theils als ein Neutrum gebraucht wird, mit dem Hülfsworte seyn, durch langes Sieden vermindert werden, einkochen, die Brühe siedet ein, ist eingesotten, einsieden lassen; theils als ein Activum, einsieden lassen, eine Brühe bis zur Honigdicke einsieden. In der letzen Gattung könnte auch das Hauptwort die Einsiedung gebraucht werden.


Einsiedler (W3) [Adelung]


Der Einsiedler, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zahlworte Ein, der allein, von andern seiner Art abgesondert, wohnet. In Baiern werden die großen Bauern oder Vollbauern Einsiedler, und ihre Höfe Einöden genannt, weil sie gemeiniglich weit von den Dörfern entlegen sind. 1) In engerer Bedeutung, der aus Andacht oder natürlicher Neigung zur Einsamkeit, allein an einem wüsten Orte lebet, dergleichen Einsiedler sich noch zuweilen in der Römischen Kirche finden; Anachoreta, Eremita, und in den gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes, ein Waldbruder, weil sie sich vornehmlich in den Wäldern aufzuhalten pflegen. Er lebt wie ein Einsiedler. S. Eremit. 2) Eine Art Brachvögel, welche einsam lebet, und besonders in der Schweiz angetroffen wird, S. Bergeremit. 3) Eine Art Krebse, welche den Taschenkrebsen ähnlich siehet, lange und schmale Scheren, einen breiten Schild, und einen weichen, durchsichtigen, ganz nackten Hintertheil hat, den er in ledige Schneckenschalen verbirgt, und solche überall mit sich herum führet. Weil er nun auf diese Art in einer fremden Wohnung einsam lebet, so hat man ihm die Nahmen der Einsiedler und Soldat gegeben. Indessen wird er auch Cuman und Cumaner genannt.

Anm. Kero nennet einen Einsiedler bald Einchoraner, vermuthlich nach dem griech. Anachoreta, bald Vualdlihher, einer der in Wäldern lebet, ein Waldbruder. Allein bey dem Notker kommt schon das Wort Einsideli vor. Ein ist das Zahlwort, welches hier noch so viel als allein bedeutet. Die zweyte Hälfte dieses Wortes ist von dem alten Worte Siedel, ein Sitz, eine Wohnung; S. dieses Wort. Das Hauptwort die Einsiedel, eine einsame Wohnung, ist nur noch in einigen eigenthümlichen Nahmen üblich.


Einsiedlerey (W3) [Adelung]


Die Einsiedlerey, plur. die -en. 1) Die Wohnung eines Einsiedlers, oder mehreren Einsiedler. die Einsiedlerey zu Camaldoli in Toscana. 2) In den Gärten, eine durch die Kunst nachgeahmte Wohnung eines Einsiedlers; eine Eremitage. S. auch Einsiedeley, welches Wort richtiger und besser ist als dieses.


Einsiedlerisch (W3) [Adelung]


Einsiedlerisch, adj. et adv. nach Art eines Einsiedlers, einsam. Ein einsiedlerisches Leben führen. Sey mir gegrüßet einsames Thal, einsiedlerisch will ich in deinen Schatten ruhen, Geßn. Einige neuere Dichter haben dieses Wort bis zum Ekel gemißbraucht, ohne zu bedenken, daß die Bey- und Nebenwörter auf sich in der höhern Schreibart nur selten eine erträgliche Figur machen.


Einsiegeln (W3) [Adelung]


Einsiegeln, verb. reg. act. vermittelst eines Siegels in einen Brief, in ein Packet verschließen. Einen Brief einsiegeln. Ich habe es mit eingesiegelt, in das Packet gelegt, und dasselbe versiegelt. So auch die Einsiegelung.


Einsingen (W3) [Adelung]


Einsingen, verb. irreg. act. ( S. Singen,) in den Schlaf singen. Ein Kind einsingen.


Einsinken (W3) [Adelung]


Einsinken, verb. irreg. neutr. ( S. Sinken,) welches das Hülfswort seyn erfordert, einwärts sinken. In den letztern Erdbeben sind viele Häuser eingesunken. Der Keller ist ganz eingesunken. Die Erde sank ein.


Einsitzen (W3) [Adelung]


Einsitzen, verb. irreg. neutr. ( S. Sitzen,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1) Sich hinein setzen, im gemeinen Leben. Wollen sie nicht einsitzen? sich nicht in das Schiff, in denWagen setzen? Er ist schon eingesessen. In dieser Bedeutung ist es vorzüglich den Oberdeutschen bekannt. Bey einigen Handwerkern, besonders solchen, die ihre Arbeit sitzend verrichten, ist einsitzen figürlich so viel, als sich zur Arbeit vermiethen. 2) In einem Orte sitzen, oder wohnen; in welchem Verstande nur das Mittelwort ein Eingesessener, zuweilen für Einwohner gebraucht wird, im Gegensatze der Ausgesessenen, oder Auswärtigen. Im Oberdeutschen bedeutet ein eingesessenes Übel, ein eingewurzeltes Übel.


Einsitzig (W3) [Adelung]


Einsitzig, adj. et adv. von dem Zahlworte Ein, nur Einen Sitz habend. Ein einsitziger Wagen, wo in dem Hauptsitze nur Eine Person sitzen kann.


Einsmahls (W3) [Adelung]


Einsmahls, Einstmahls, adv. temp. welches im gemeinen Leben für einst, einstens, von einer künftigen ungewissen Zeit üblich, und aus Eines Mahles zusammen gezogen ist.


Einsöhlig (W3) [Adelung]


Einsöhlig, adj. et adv. nur Eine Sohle habend. Einsöhlige Schuhe, im Gegensatze der zweysöhligen.


Einspänen (W3) [Adelung]


Einspänen, verb. reg. act. ist nur bey den Tuchscherern üblich, welche das Tuch einspänen, wenn sie zwischen dessen Lagen dünne Breter oder Späne legen, ehe sie es in die Presse bringen. Daher die Einspänung.


Einspannen (W3) [Adelung]


Einspannen, verb. reg. act. 1) Hinein spannen, spannend in etwas befestigen. Zeug, Leinwand einspannen, in den Rahmen. Die Pferde, die Ochsen einspannen, sie in das Geschirr, vor den Wagen spannen, sie anspannen. Die Pferde sind noch nicht eingespannet. 2) Figürlich, einen Fluß oder Mühlenbach einspannen, ihn mit einem Damme, Fluthbette u. s. f. einfassen, um ihn dadurch zu spannen, d. i. so hoch aufzuschwellen, als man will. So auch die Einspannung.


Einspänner (W3) [Adelung]


Der Einspänner, des -s, plur. ut nom. sing. von dem vorigen Zeitworte, ein Büchsenspanner; welche Bedeutung doch veraltet ist, und wenig mehr vorkommt. An einigen Niedersächsischen Orten sind die Einspänner Auflader, welche die Waaren, Fässer u. s. f. auf die Wagen spannen oder befestigen. An andern Orten ist es ein Wagen oder Pflug, welcher nur mit Einem Pferde bespannet ist. In einer Stelle aus Renners Chronik, welche in dem Bremisch-Nieders. Wörterbuche Th. 4, S. 935 angeführet wird, ist Einspanner ohne Zweifel das folgende Einspänniger in der zweyten Bedeutung.


Einspännig (W3) [Adelung]


Einspännig, adj. et adv. von dem Zahlworte Ein. 1) Eigentlich, nur mit Einem Pferde bespannet. Einspännig fahren. Ein einspänniges Fuhrwerk. Ein einspänniger Wagen. 2) Figürlich, einzeln, von Personen, doch nur in einigen wenigen Fällen. Ein einspänniges Bett, worin nur Eine Person schlafen kann, welches in Obersachsen ein einmännisches, an ander Orten aber ein einschläferiges genannt wird. Im Bergbaue wird derjenige, welcher eine Zeche allein bauet, ein Eigenlöhner, auch ein Einspänniger genannt. In einigen Städten, z. B. in Nürnberg, in Erfurt u. s. f. sind es obrigkeitliche Diener, welche gemeiniglich beritten sind, und einzeln in allerley Verrichtungen gebraucht werden, reitende Bothen, einzelne Reiter; im Schwed. Enspaennare.

Anm. In der zweyten Bedeutung stammet spännig von Span oder Gespan, ein Mitarbeiter, Nebengesell ab. Ein Einspänniger bedeutet also nicht, wie Gottsched will, jemanden, der die Verbrecher in das Gefängniß spannet, zu welcher Verrichtung die Einspänniger vielleicht nirgends gebraucht werden, weil sie von besserer Art sind, als die Schärgen, Häscher, Stadtknechte u. s. f.


Einsperren (W3) [Adelung]


Einsperren, verb. reg. act. hinein sperren. 1) Vermittelst eines Schlosses einschließen, in welcher Bedeutung es im Oberdeutschen sehr üblich ist. Den Schlüssel einsperren. Sich einsperren. Sein Geld, die Speisen einsperren. Jemanden einsperren. 2) In weiterer Bedeutung. Eine Stadt einsperren, besser, sie einschließen, alle Zugänge zu derselben mit Truppen besetzen. 3) Figürlich wird das Mittelwort der vergangenen Zeit im gemeinen Leben oft für eingezogen, eingeschränkt, gebraucht. Er lebt sehr eingesperrt. Seine Kinder eingesperrt halten. So auch die Einsperrung. Insperran kommt schon bey dem Ottfried vor.


Einspinnen (W3) [Adelung]


Einspinnen, verb. irreg. act. S. Spinnen. 1) Mit in ein Gespinnst bringen. Haare mit einspinnen, in den Flachs. 2) Mit einem Gespinnste umgeben. Sich einspinnen, wie die Seidenwürmer und andere Arten von Insecten zu thun pflegen. So auch die Einspinnung.


Einsprechen (W3) [Adelung]


Einsprechen, verb. irreg. ( S. Sprechen,) welches in doppelter Gestalt gebraucht wird. I. Als ein Activum, durch Worte in eines der Gemüthe hervor bringen, gleichsam hinein sprechen; doch nur mit den Hauptwörtern Herz, Muth und Trost. Jemanden ein Herz einsprechen, ihn durch Zureden herzhaft zu machen suchen. Ich sprach ihm Trost ein, tröstete ihn. Suche ihr Muth einzusprechen, Weiße. Sie wollen mir stets einen Muth einsprechen, Gell. II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. I. Widersprechen, mit der dritten Endung der Person, im Oberdeutschen, jemanden einsprechen; besonders, gerichtlich widersprechen, wofür doch im Hochdeutschen Einspruch thun üblicher ist. In einigen Gegenden kommt auch das Hauptwort der Einsprecher vor, von demjenigen, welcher Einspruch thut. 2. Bey jemanden einsprechen, ihn auf kurze Zeit besuchen. Sprechen sie doch einmahl bey mir ein. Von allen Schäfern, die ich kenne, Spricht wohl Damöt am meisten ein, Bernh.

Anm. Es scheinet, daß Opitz dieses Zeitwort für versprechen gebraucht habe: Drum sprachen sie ihm auch mit wahren Worten ein, Als Gottes treuem Knecht, ihm künftig treu zu seyn. welcher Gebrauch doch im Hochdeutschen ganz fremd ist.


Einsprengen (W3) [Adelung]


Einsprengen, verb. reg. act. 1) Zu einem gewissen Gebrauche besprengen. Das Fleisch mit Salz einsprengen. Die Wäsche einsprengen, sie wenn sie geplättet werden soll, vorher mit Wasser besprengen. 2) Hinein sprengen. So heißt eine Erd- oder Erzart im Bergbaue einsprengt, wenn sie in Gestalt kleiner Puncte oder Flecken mit einem andern Gesteine oder Erze vermischt ist, zum Unterschiede von denjenigen Mineralien, womit ein Gestein durchsetzet ist. So auch die Einsprengung.


Einspringen (W3) [Adelung]


Einspringen, verb. irreg. S. Springen. Es ist, 1) ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, hinein springen, doch nur in einigen figürlichen Ausdrücken. Das Schloß, die Feder will nicht einspringen, in die bestimmte Öffnung. 2) Ein Activum, einwärts springen, springend zerbrechen, im gemeinen Leben. Eine Treppe, eine Thür einspringen.


Einspritzen (W3) [Adelung]


Einspritzen, verb. reg. act. hinein spritzen. Balsam einspritzen, in eine Wunde. Rosenwasser einspritzen, in den Hals.


Einspruch (W3) [Adelung]


Der Einspruch, des -es, plur. die -sprüche, der gerichtliche Widerspruch wider die Vollziehung einer Handlung, besonders wider die Verheirathung verlobter Personen. Einspruch thun. Die Copulation konnte nicht vor sich gehen, weil ihnen ein Einspruch geschahe. Indem das Haus verkauft werden sollte, that einer der Verwandten Einspruch. S. Einsprechen II.


Einsprüßelig (W3) [Adelung]


Einsprüßelig, adj. et adv. nur Einen Sprüßel habend, bey den Jägern. Einsprüßelige Hirsche, welche entweder gar keine, oder neben den Augensprossen nur noch die Eissprüßel haben.


Einst (W3) [Adelung]


Einst, adv. welches einmahl gebraucht wird. 1. So fern dieses, oder vielmehr das Ein in dessen Zusammensetzung, ein Zahlwort ist, für Ein Mahl. Schon Notker gebraucht in diesem Verstande einest. Man sol in furtedigen ainost, anderost, dristunt, man soll ihn vorladen. Ein Mahl, zum andern Mahle und zum dritten Mahle, im Schwabensp. Wer dich des iares einest siht, der von Gliers. Der Jupiter volpringt seinen Lauf in zwölf jaren einest, Buch der Natur, Ausg. 1483. Ich habe einst geschworen bey meiner Heiligkeit, Ps. 89, 36; einmahl habe ich bey meiner Gottheit geschworen, Michaelis. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung veraltet, nicht aber im Oberdeutschen. S. Eins, welches in den gemeinen Mundarten Ober- und Niederdeutschlandes auf eben dieselbe Art gebraucht wird. 2. So fern das ein der unbestimmte Artikel ist, für einmahl, als ein Nebenwort einer unbestimmten Zeit. So wohl, 1) einer vergangenen, in der höhern Schreibart der Hochdeutschen. Auch sie empfand einst die Liebe. Als ich dich einst weinen sahe. Das liebe kleine Bäumchen hier, Das einst gepflanzet ward mit mir, Weiße. Als auch, 2) von einer unbestimmten künftigen Zeit, auch nur in der höhern Schreibart der Hochdeutschen. Wenn werd' ich dich einst wiedersehen? Erde mein mütterliches Land, die du mich in kühlenden Schoße einst zu den Schlafenden Gottes begräbst, Klopst. S. Dereinst und Dermahleinst, welche gleichfalls von einer unbestimmten künftigen Zeit gebraucht werden.

Anm. Von beyden Arten der Zeit ist einst und auch in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als auch Niederdeutschlandes üblich. In Oberschwaben lautet es noch einzen, welches Wort schon bey den alten Alemannischen Schriftstellern vorkommt. Einist, für künftig einmahl, findet sich bey dem Notker. Ihre glaubt, daß einst oder eins aus dem alten Sin, vices, Mahl, zusammen gesetzet sey. Allein es scheinet doch wohl, daß eins das bloße Neutrum des Zahlwortes ist, welches hier adverbisch stehet. Einst kann durch eine härtere Oberdeutsche Aussprache aus eins entstanden seyn. Einsten und einstens scheinen bloße müßige Alemannische Verlängerungen zu seyn, ob sie gleich in der höhern Schreibart der Hochdeutschen auch nicht selten sind. Untereinstens kommt im Oberdeutschen häufig für inzwischen, indessen vor.


Einstäben (W3) [Adelung]


Einstäben, verb. reg. act. welches nur bey den Lohgärbern üblich ist. Das Leder einstäben, es warm gar machen, im Gegensatze des Einsetzens. Daher die Einstäbung.


Einstallen (W3) [Adelung]


Einstallen, verb. reg. act. in den Stall führen oder ziehen, im gemeinen Leben. Ein Pferd einstallen.


Einstämmen (W3) [Adelung]


Einstämmen, verb. reg. act. hinein stämmen. Bey den Schlössern sind eingestämmte Verniethungen, wenn in einem Stücke Eisen ein nicht tiefes Loch gebohret, dieses unten weiter als oben gemacht, und ein Nieth mit einem Kopfe darein verniethet wird. Im Forstwesen stämmet man einen Baum ein, wenn man ihn so stämmet oder fället, daß er in einen andern Baum fällt, und an dessen Zweigen hangen bleibet.


Einstämmig (W3) [Adelung]


Einstämmig, adj. et adv. von dem Zahlworte Ein, nur Einen Stamm haben, oder aus einem ganzen Stamme bestehend. Einstämmiges Holz, einstämmige Balken, einstämmige Pfähle, deren nur Einer aus einem Stamme geschnitten wird, im Gegensatze der zwey- drey- und vierstämmigen; Nieders. eenbömeln, von Boom, Baum.


Einstampfen (W3) [Adelung]


Einstampfen, verb. reg. act. hinein stampfen. Kraut, Mehl einstampfen, in das Faß. So auch die Einstampfung.


Einstand (W3) [Adelung]


Der Einstand, des -es, plur. inus. die Handlung des Einstehens; doch nur noch in einigen wenigen Fällen, in welchen selbst das Verbum ungewöhnlich geworden ist. 1) Der Antritt eines Amtes oder Dienstes, in einigen Gegenden. Daher das Einstandsgeld, welches man bey dem Antritte eines Amtes erleget. 2) Der Eintritt in die Rechte eines Käufers, und das Recht in den von einem andern geschlossenen Kauf einzutreten, welches auch das Einstandsrecht, die Einstandsgerechtigkeit, der Abtrieb, das Näherrecht, der Vorkauf genannt wird; Jus retractus. S. Einstehen.


Einstänkern (W3) [Adelung]


Einstänkern, verb. reg. act. mit Gestank durchdringen, in den gemeinen Sprecharten. Ein Buch, ein Zimmer einstänkern.


Einstechen (W3) [Adelung]


Einstechen, verb. irreg. act. ( S. Stechen,) in etwas stechen, im gemeinen Leben. Löcher einstechen, in das Papier. Bey den Schustern ist einstechen, die Brandsohle mit dem Oberleder zusammen nähen. Im Kartenspiele sticht man mit einer Farbe ein, wenn man mit derselben sticht, und das Gestochene zu sich nimmt. Daher der Einstechohrt bey den Schustern.


Einstecken (W3) [Adelung]


Einstecken, verb. reg. act. hinein stecken. Den Degen, das Messer einstecken, in die Scheide. Einen Stock einstecken, in die Erde. Einen Verbrecher, einen Dieb einstecken, ihn in das Gefängniß stecken. Dann mußten sie vertragen, Daß man sie eingesteckt, dann daß man sie geschlagen, Opitz. Ingleichen in die Tasche stecken. Geld einstecken. Daher die Im gemeinen Leben übliche Figur: Schläge, Schimpfreden, bittere Vorwürfe einstecken, sie geduldig ertragen.


Einstehen (W3) [Adelung]


Einstehen, verb. irreg. neutr. ( S. Stehen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, hinein stehen, d. i. Eintreten, doch nur In einigen Fällen. 1) Ein Amt, einen Dienst antreten, in einigen Gegenden Oberdeutschlandes. Der Amtmann ist noch nicht eingestanden. Besonders von dem Gesinde. Der Knecht, Die Magd wird bald einstehen. In eine Kost einstehen, eintreten. In die Miethe einstehen, sie beziehen. S. Einstand. 2) In einen Kauf, in einen Handel mit einstehen, mit Theil daran nehmen; wofür doch im Hochdeutschen anstehen üblicher ist. 3) Die Gewähr leisten, Bürge werden; vermuthlich als eine Anspielung auf das in Niedersachsen noch übliche Einlager. Ich kann dafür nicht einstehen, nicht gut seyn. Ich stehe für Alles ein. Niedersächsisch instaan. 4) In einen Kauf einstehen, in des Käufers Rechte treten, kommt wenig vor, obgleich das Hauptwort Einstand in dieser Bedeutung noch üblich ist, S. dieses Wort.


Einstehlen (W3) [Adelung]


Einstehlen, verb. reg. act. Welches nur als ein Reciprocum Gebraucht wird. Sich einstehlen, sich heimlich einschleichen. Sich in ein Amt einstehlen. Eine Beredsamkeit, welche sich Auf eine unwiderrufliche Art in die Seelen einstiehlt.


Einsteigen (W3) [Adelung]


Einsteigen, verb. irreg. neutr. ( S. Steigen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, hinein steigen. Die Passagiere sind schon eingestiegen, in den Wagen, in das Schiff. Die Diebe wollten zum Fenster einsteigen.


Einstellen (W3) [Adelung]


Einstellen, verb. reg. act. 1. Mit dem Stellzeuge umgeben. So wird bey den Jägern ein Wild eingestellet, wenn es mit Netzen oder Garnen umgeben und eingeschlossen wird. Einige gebrauchen dieses Zeitwort nur von den Sauen, dagegen sie von dem Rothwildbrete lieber einrichten sagen. 2. Hinein stellen, in einen Raum stellen. 1) Eigentlich. Waaren einstellen, Waaren, die man nicht verkauft hat, in jemandes Verwahrung geben, sie einsetzen. Ein Pferd einstellen, in den Stall ziehen. Hühner, Gänse, Enten u. s. f. einstellen, sie einsperren, um sie zu mästen. 2) Figürlich, unterlassen. Die Kleiderpracht, denAufwand einstellen. man hat den Festungsbau wieder eingestellet. Es kam ein Befehl, die Arbeit einzustellen. Eine Reise einstellen. Das Schreiben einstellen. O stellt das Zanken ein! O Phyllis stelle doch die leeren Seufzer ein, Rost. Im Oberdeutschen gebraucht man dieses Wort fast in allen Fällen, wo ein Unterlassen angedeutet werden soll; allein im Hochdeutschen hat es seine Grenzen, die nicht wohl durch Regeln bezeichnet werden können. 3. Sich einstellen, gegenwärtig werden. Stellen sie sich zu rechter Zeit ein, zu dem Gastmahle, zu dem Schmause. Weil sie es so befohlen haben, so stelle ich mich ein. Sich vor Gerichte, vor dem Richter einstellen, auf dessen Befehl erscheinen. Die Schmerzen stellen sich wieder bey mir ein. Die Grillen, die Sorgen, die Zweifel wollen sich wieder einstellen.So auch die Einstellung, ausgenommen in der letzten dritten Bedeutung. Im Oberdeutschen wird dieses Wort auch in einigen Fällen für einsetzen gebraucht, weil man da jemanden auch zum Erben, und in ein Amt einstellet.


Einsten (W3) [Adelung]


Einsten, Einstens, S. Einst.


Einsticken (W3) [Adelung]


Einsticken, verb. reg. act. hinein sticken. Blumen einsticken, in einen Zeug, zum Unterschiede von dem Aufsticken.


Einstimmen (W3) [Adelung]


Einstimmen, verb. reg. neutr. mit haben. 1) Seine Stimme zugleich mit der Stimme anderer hören lassen. Ich stimme in das Jubelgeschrey dieser glücklichen Völker mit ein. 2) Seine Stimme mit zu etwas geben. Es wollte niemand mit einstimmen. Er war der einzige, der nicht mit einstimmte, als man dich verstoßen wollte. 3) Figürlich, mit andern einerley Meinung haben und äußern, einstimmig seyn. So auch die Eistimmung.


Einstimmig (W3) [Adelung]


Einstimmig, adj. et adv. 1) Nur Eine Stimme habend, oder nur aus Einer Stimme bestehend. Eine einstimmige Arie, welche mit einer einzigen Stimme gesungen wird. 2) Figürlich, gleichsam nur eine Stimme habend. er wurde von allen einstimmig gewählet. Alle Schriftsteller sin darin einstimmig, kommen darin mit einander überein. In dieser figürlichen Bedeutung kommt einstimme und einstimmu schon bey dem Ottfried vor. Daher die Einstimmigkeit.


Einstmahls (W3) [Adelung]


Einstmahls, adv. S. Einsmahls.


Einstopfen (W3) [Adelung]


Einstopfen, verb. reg. act. hinein stopfen. Die Federn einstopfen in den Einguß. Den Tobak einstopfen, in die Pfeife. So auch die Einstopfung.


Einstoßen (W3) [Adelung]


Einstoßen, verb. irreg. act. S. Stoßen. 1) Hinein stoßen. Einen Pfahl einstoßen, in die Erde. Sich einen Splitter einstoßen, in die Hand, in die Finger. Das Pulver einstoßen, es in einen Raum fest stoßen. Die Farbe einstoßen, in den Blaufarbenwerken, sie in Fässern packen. Die Butter einstoßen, sie fest in ein Faß drücken. Das Leder einstoßen, bey den Gärbern, es in Kufen einpacken. 2) Einwärts stoßen, mit Stoßen zerbrechen. Die Thür, das Fenster einstoßen. Ein Faß einstoßen. Einem Fasse den Boden Einstoßen. Die Mauer mit Sturmböcken einstoßen. So auch die Einstoßung.


Einstreichen (W3) [Adelung]


Einstreichen, verb. irreg. act. S. Streichen. 1) Hinein streichen. Einem Kinde den Brey einstreichen, in den Mund. Ich will dir es einstreichen, eine niedrige Figur, ich will es dir gedenken, es dir zu seiner Zeit wieder vergelten. Geld einstreichen, im gemeinen Leben, es in den Beutel, in die Tasche streichen. Er hat heute viel Geld eingestrichen, eingenommen. 2) Einschnitte mit der Frile machen, bey den Schlössern. Einschnitte einstreichen, d. i. einfeilen. S. Einstrich. So auch die Einstreichung.


Einstreuen (W3) [Adelung]


Einstreuen, verb. reg. act. hinein streuen. Ein Pulver einstreuen in die Wunde. Den Pferden einstreuen, ihnen Stroh in den Stall streuen. Stroh, Blätter u. s. f. einstreuen, in den Mist. Figürlich, eingeben, im nachtheiligen Verstande, und am häufigsten im Oberdeutschen. Wer hat dir das eingestreuet? wer hat dir das eingegeben, in den Kopf gesetzet? Das hat dir der Teufel eingestreuet. Daher kommen in der Oberdeutschen Kanzelleysprache Einstreuungen so oft als ein gemilderter und anständigerer Ausdruck für das grobe und harte Lügen vor. Betrachtungen mit einstreuen, hin und wieder anbringen.


Einstrich (W3) [Adelung]


Der Einstrich, des -es, plur. die -e, was eingestrichen wird; in einigen wenigen Fällen. Bey den Schlössern werden die Einschnitte in den Riegeln der Schlösser, worein ein Stift fällt, die verschiedenen Figuren in dem Barte der Schlüssel u. s. f. Einstiche genannt. S. auch Reif, Vorstrich, und Mittelbruch. In dem Bergbaue sind die Einstiche die Querhölzer über dem Schachte, an welche die Seiten angeschlagen werden. Mit Einstichen fangen, solche Querhölzer einlegen.


Einstücken (W3) [Adelung]


Einstücken, verb. reg. act. hinein stücken, stückweise einsetzen, vornehmlich bey den Schneidern und Nähterinnen. Ein Stück Zeuges einstücken, im Gegensatze des Aufstückens. So auch die Einstückung.


Einstürmen (W3) [Adelung]


Einstürmen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, hinein stürmen, doch nur figürlich. Auf jemanden einstürmen, mit Ungestümm auf ihn eindringen. Sie stürmeten einmüthiglich zu ihm ein, flitzen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn, Apostelg. 7, 56.


Einsturz (W3) [Adelung]


Der Einsturz, des -es, plur. inus. das Einstürzen oder plötzliche Einfallen. Der Einsturz eines Hauses, eines Berges, eines Daches. Das Haus drohet alle Augenblicke den Einsturz.


Einstürzen (W3) [Adelung]


Einstürzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, plötzlich einfallen. Bey dem letztern Erdbeben stürzten Kirchen und Palläste ein. Der Thurm ist mit einem fürchterlichen Krachen eingestürzet. Wenn die Erde unter dir einstürzen wird. Als ein Activum, eine Mauer, ein Haus einstürzen, kommt es nur selten vor, obgleich diese Bedeutung der Analogie völlig gemäß ist. So auch die Einstürzung.


Einstutzen (W3) [Adelung]


Einstutzen, verb. reg. act. stutzen und dadurch niedriger machen, besonders bey den Gärtnern. Einen Baum einstutzen. S. Stutzen.


Einstweilen (W3) [Adelung]


Einstweilen, ein nur in den gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes, übliches Umstandswort der Zeit, für indessen, inzwischen, auf kurze Zeit. Ich werde gleich wieder kommen, gehe einstweilen in mein Zimmer.


Einsümpfen (W3) [Adelung]


Einsümpfen, verb. reg. act. welches nur bey den Ziegelstreichern üblich ist. Die zu Ziegeln bestimmte Erde einsümpfen, sie in dem Sumpfe mit Wasser begießen und dadurch einweichen. So auch die Einsümpfung. S. Sumpf.


Einsylbig (W3) [Adelung]


Einsylbig, adj. et adv. nur aus einer einzigen Sylbe bestehend. Ein einsylbiges Wort.


Eintägig (W3) [Adelung]


Eintägig, adj. et adv. nur Einen Tag, während, nur Einen Tag alt. Ein eintägiges Insect, welches nur Einen Tag leben, und von einigen Schriftstellern sehr ungeschickt die Eintagsfliege genannt wird; Ephemera, L. S. Haft und Uferaas. Ein eintägiges Kind, welches erst Einen Tag alt ist.


Eintauchen (W3) [Adelung]


Eintauchen, verb. reg. act. hinein tauchen. Das Brot eintauchen, in die Brühe; im gemeinen Leben eintunken. Der ists, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er tauchte den Bissen ein u. s. f. Joh. 13, 26. Die Feder eintauchen, in die Tinte. Das Tuch eintauchen, in die Farbe. Daher die Eintauchung.


Eintauschen (W3) [Adelung]


Eintauschen, verb. reg. act. durch Tausch in seine Gewalt bringen. Ein Haus gegen einen Garten eintauschen. Ein Pferd eintauschen. Was hast du Gutes eingetauschet? So auch die Eintauschung.


Einteichen (W3) [Adelung]


Einteichen, S. Eindeichen.


Einteigen (W3) [Adelung]


Einteigen, verb. reg. act. zu Teig machen, in Teig verwandeln; ingleichen, den Teig mit dem Sauerteig durcharbeiten, bey den Bäckern. Das Mehl einteigen. Ich eß' ein selig Brot, mit Schweiß zwar eingeteiget, Logau.


Eintheilen (W3) [Adelung]


Eintheilen, verb. reg. act. ein Ganzes in feine Theile zerlegen, und in noch weiterer Bedeutung, die Theile einer Sache bestimmen. Die Felder eintheilen, die Theile, welche sie haben sollen, bestimmen. Man muß das Geld eintheilen, einer jeden Ausgabe den nöthigen und möglichen Theil des Geldes bestimmen. Einen Zirkel eintheilen, in feine Grade. Eine Rede, eine Predigt eintheilen, sie in gewisse Theile ordnen. Seine Zeit sehr ordentlich eintheilen, einem jeden Geschäfte den nöthigen Theil der Zeit bestimmen. Den Tag eintheilen, in zwölf Stunden. Die Kräuter, die Thiere eintheilen, die Geschlechter, die Gattungen und Arten derselben bestimmen. So auch die Eintheilung.

Anm. Außer demjenigen, was schon bey dem Worte abtheilen von der Bedeutung des Wortes eintheilen angeführet worden, ist noch zu bemerken, daß dieses Zeitwort nur absolute gebraucht wird, d. i. ohne Benennung der Theile und ihrer Zahl, es mag nun die Theilung wirklich, oder nur in Gedanken geschehen. wird dieser ausdrücklich gedacht, so gebraucht man, wie in tausend andern Fällen, das einfache Zeitwort mit dem Vorworte in. So wird der Zirkel in 360 Grade, eine Predigt in drey Theile, der Tag in zwölf Stunden u. s. f. getheilet. S. Theilen und Vertheilen.


Eintheilig (W3) [Adelung]


Eintheilig, adj. et adv. nur aus einem Theile bestehend. So auch die Eintheiligkeit.


Einthun (W3) [Adelung]


Einthun, verb. irreg. act. ( S. Thun,) hinein thun, doch nur in den gemeinen Sprecharten und in einigen besondern Fällen. 1) Für einsperren, einschließen. Das Vieh einthun, es in den Stall sperren. Einen Dieb einthun, in das Gefängniß stecken. Ach meine Jungfraun sind gefänglich eingethan, Opitz. Den Schenkeln schlug man Fessel an, Er ward in Eisen eingethan, ebend. 2) Für einlegen. Waaren, Früchte, Getreide einthun, im Oberdeutschen, es an dem gehörigen Orte verwahren. Wein, Bier einthun, es zum Gebrauche in den Keller schaffen, einlegen. 3) Einhändigen, übergeben, in den niedrigen Sprecharten. Ein Mensch, der über Land zog, rufte seinen Knechten, und that ihnen seine Güter ein, Math. 25, 14. Die Lande einzunehmen, die ihm der König eingethan hatte, 1 Macc. 11, 63. 4) Wechselbriefe einthun, in einigen Gegenden, für einhandeln, erhandeln.


Einthüren (W3) [Adelung]


Einthüren, verb. reg. act. welches nur bey den Windmüllern üblich ist. Die Flügel einthüren, oder auch nur absolute, einthüren, Schindelthüren in die Flügel befestigen, damit der Wind sie desto stärker fasse. Daher die Einthürung.


Eintönig (W3) [Adelung]


Eintönig, adj. et adv. nur einen Ton habend, in einem und eben demselben Tone. Nur der güldne Hammerling sitzt im Haselgebüsche Auf dem schwankenden Ast, und singt den ruhigen Hainen Stets eintönig sein Lied, Zachar. Figürlich, auf eine fehlerhafte Art einerley Klang, und in weiterer Bedeutung, einerley Form habend; mit einem Griechischen Worte monotonisch. Eine eintönige Periode, wo die Worte zu sehr einerley Länge und Sylbenmaß haben. Im Umgange sehr eintönig seyn. So auch die Eintönigkeit, die Monotonie.


Eintrag (W3) [Adelung]


1. Der Eintrag, des -es, plur. car. Nachtheil, Kränkung; mit dem Zeitworte thun. Das wird dir keinen Eintrag thun, dir und deinen Gerechtsamen nicht nachtheilig seyn. Meine besuche werden deiner Liebe wenig Eintrag thun. Das thut meiner Freyheit, meinen Gerechtsamen vielen Eintrag.

Anm. Da dieses Hauptwort weder mit dem folgenden Verbo eingetragen, noch mit dem einfachen tragen einige begreifliche Verwandtschaft hat, so stammet es ohne Zweifel aus einer andern Quelle her. Im Schwedischen bedeutet Indrang iccommodum, von tranga, drängen. Es kann seyn, daß Eintrag eine ähnliche Abstammung hat; denn die Gegenwart und Abwesenheit des n vor manchen Buchstaben rühret oft bloß von den Mundarten her. Im Niedersächsischen bedeutet Indrang nicht nur Zudringlichkeit, Widersetzung, Widerspruch, sondern Afdrang wird selbst auch für Eintrag, Abbruch, Schaden, Nachtheil, und, so wie das Hochdeutsche, nur mit dem Verbo thun gebraucht. S. Beeinträchtigen.


Eintrag (W3) [Adelung]


2. Der Eintrag, des -es, plur. inus. was eingetragen wird, doch nur bey den Webern, diejenigen Fäden, welche in den Aufzug eingetragen werden, und mit demselben eigentlich das Gewebe ausmachen; der Einschlag, im Oberdeutschen das Wäfel. In einigen gemeinen, besonders Oberdeutschen Mundarten, lautet dieses Wort Eintracht, welches denn auch nicht unrichtig ist, weil von tragen so wohl Trag als Tracht gemacht wird. Wenn an einem Kleid eines Aussatzes Mahl seyn wird - am Werft oder am Eintracht; 3 Mos. 13, 47, f.


Eintragen (W3) [Adelung]


Eintragen, verb. irreg. act. ( S. Tragen,) hinein tragen. 1. Eigentlich, in einigen wenigen Fällen. Wasser eintragen. das zur Haushaltung nöthige Wasser in das Haus tragen. Die Bienen tragen ein, wenn sie Honig und Wachs in ihre Zellen tragen. Daher der Eintragelöffel oder Eintragekolben, in den Glashütten, eine Schaufel mit einem langen Stiele, die zum Glase erforderlichen Materialien damit in den Ofen zu tragen. Sie trugens (das Geräth) gezählet aus und ein, Chron. 10, 28. Des sechsten Tages sollen sie sich schicken, daß sie zwiefältig eintragen (das Manna), 2 Mos. 16, 5. 2. Figürlich. 1) Bey den Webern bedeutet eintragen, die Querfaden, welches das Gewebe eigentlich ausmachen, in den Aufzug tragen, welches auch einschlagen, und im Oberdeutschen wiefeln, wäfeln, genannt wird. 2) Einschreiben. Die Schulden eintragen, in das Rechnungsbuch. Diese Post muß noch eingetragen werden. Er trägt alles ein, was er sieht und höret, in ein dazu bestimmtes Buch. So auch die Eintragung. 3) Gewinn bringen. Die Bergwerke tragen wenig mehr ein. Der Handel trägt noch das meiste ein. Das Gut trägt ihm ein Ansehnliches ein. Sein Dienst, seine Bedienung trägt nicht viel ein. Das hat mir viel eingetragen. S. Ertrag.


Einträglich (W3) [Adelung]


Einträglich, -er, -ste, adj. et adv. Gewinn eintragend, von dem vorigen Verbo. Ein einträgliches Gut. Ein einträglicher Dienst. Dieser Handel ist sehr einträglich. Dieses Gewerbe ist mir sehr einträglich. Daher die Einträglichkeit, plur. inus.


Eintränken (W3) [Adelung]


Eintränken, verb. reg. act. 1) In den Trank oder einem andern flüssigen Körper legen. In dieser Bedeutung tränken die Scheidekünstler und Schmelzer derbe Erze und feste Metalle ein, wenn sie selbige in flüssiges Bley werfen, damit sie desto eher in den Fluß kommen. 2) Ein erlittenes Unrecht vergelten, einem etwas eintränken, sich deßwegen an ihm rächen, im gemeinen Leben. Ich will es dir schon wieder eintränken. Er hat mich sehr beleidigt; allein es soll ihm schon wieder eingetränket werden. Nun spare keine Küsse Und tränk' ihm den Verdruß des langen Wartens ein, Günth. 3) Von einem flüssigen Körper durchdringen lassen. So tränken die Mahler eine Fläche, auf welche sie mahlen wollen, mit Leimwasser ein, ehe sie den Grund darauf legen. So auch die Eintränkung.

Anm. In der figürlichen Bedeutung heißt dieses Wort auch im Niedersächsischen indränken. Eigentlich bedeutet es auszutrinken geben, so wie man in den niedrigen Sprecharten etwas austrinken oder ausessen muß, wenn man für ein begangenes Unrecht büßen muß. Ich will es ihm genießen lassen, hat eben dieselbe Bedeutung als eintränken. Es würde also diese sehr gewöhnliche Figur keine Schwierigkeit haben. Da indessen indrang im Schwedischen Bedrückung, Kränkung, Hinderniß bedeutet, so könnte es durch eine härtere Aussprache auch wohl von drängen abgeleitet werden, obgleich dieses kein so bequemes Bild für diese Bedeutung gibt als tränken. Das sind Injurien, die ich dir eindrängen will, Weiße. S. 1 Eintrag.


Einträufeln (W3) [Adelung]


Einträufeln, S. Eintröpfeln.


Eintreffen (W3) [Adelung]


Eintreffen, verb. irreg. neutr. ( S. Treffen,) mit dem Hülfsworte seyn, in etwas treffen, doch nur in einigen figürlichen Bedeutungen. 1) Zur bestimmten Zeit ankommen, oder in einem Orte gegenwärtig werden, am häufigsten von Personen. Der Freund, den wir erwarten, ist noch nicht eingetroffen. Wir sind erst gestern spät hier eingetroffen. ich weiß nicht, wenn der Courier eintreffen wird. Die Post ist schon eingetroffen. In einigen Fällen auch von leblosen Dingen. Die Waaren, die Güter sind noch nicht eingetroffen. Frisch irret sich gewiß, wenn er behauptet, eintreffen wäre in dieser Bedeutung erst in den neuern Zeiten von den Zeitungsschreibern aufgebracht worden, indem es noch die alte Bedeutung des Gehens, Laufens aufbehält. S. Treffen. 2) Mit etwas übereinstimmig seyn, zutreffen. Die Rechnung trifft genau ein, mit der Wahrheit. Die Zeit, die er angibt, trifft ein, die angegebene Zeit ist richtig. Deine Gütigkeit trifft mit meinem Urtheile ein. Seine Reden treffen nicht ein, bleiben sich nicht gleich. Im Oberdeutschen hat diese Bedeutung einen noch weitern Umfang, denn da treffen auch zwey Personen mit einander ein, wenn sie einstimmig, Eines Sinnes sind. 3) Erfüllet werden. deine Prophezeiungen hat (ist) nicht eingetroffen. Was ich vorher sagte, traf richtig ein. Meine Hoffnung traf nicht ein. Wenn anders meine Muthmaßungen eintreffen sollte.In den beyden letzten Bedeutungen hat dieses Wort bey vielen Hochdeutschen das Hülfswort haben; andere geben ihm das Hülfswort seyn, und diese haben die Bedeutung des Ankommens für sich, von welcher die beyden letzten Arten des Gebrauches nur Figuren sind, obgleich so wohl das einfache Zeitwort treffen, als auch dessen übrige Zusammensetzungen insgesammt das haben zu sich nehmen.


Eintreiben (W3) [Adelung]


Eintreiben, verb. irreg. act. ( S. Treiben,) hinein treiben. 1. Eigentlich. Der Hirte treibt das Vieh ein, in den Stall. Es ist noch nicht Zeit, das Vieh einzutreiben, 1 Mos. 29, 7. Ingleichen absolute. Der Hirte wird bald eintreiben. Und ich, ach Sylvia, und ich treib noch nicht ein, Rost. Einen Keil eintreiben, ihn in das Holz treiben. Einen Pfahl eintreiben, in die Erde. Die Gräber treiben das Leder ein, wenn es in das Treibefaß legen. 2. Figürlich. 1) Geld eintreiben, Geld, welches man zu fordern hat, in seine Gewalt zu bekommen suchen, es beytreiben. Schulden, alte Reste eintreiben. Die rückständigen Gefälle sollen mit aller Schärfe eingetrieben werden. 2) In die Enge treiben, im gemeinen Leben, mit Worten und Gründen in Verlegenheit bringen. Der Respondent wurde von seinen Gegnern sehr eingetrieben. Er trieb ihn rechtschaffen ein. Delila trieb den Simson durch ihr Weinen ein, Richt. 14, 17. Saulus aber ward je mehr kräftiger, und trieb die Jüden ein, nehmlich mit Gründen, Apostelg. 9, 22. Für die anständige und edle Schreibart ist diese Figur zu niedrig, wenn gleich Opitz Ps. 70, 2, den David zu Gott sagen lässet: Halt sie zurück und treib sie ein, Die solche böse Mäuler haben; und Ps. 135: Treib die wie Sünder ein, Die irrig gehn auf krummen Wegen, wo es in Luthers Übersetzung heißt: die aber abweichen auf ihre krummen Wege, wird der Herr wegtreiben mit den Übelthätern. So auch die Eintreibung.


Eintreten (W3) [Adelung]


Eintreten, verb. irreg. ( S. Treten,) welches in doppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, hinein treten, herein treten. 1. Eigentlich, in einen Orte treten. Er war kaum eingetreten, in das Haus, in das Zimmer. wenn dein Fuß zur Stadt eintritt, 1 Kön. 14, 12. Aber, da die Jünger versammelt waren, trat Jesus mitten ein, Joh. 20, 19, 26, für, trat Jesus mitten hinein, oder, mitten unter sie ist wider den Sprachgebrauch. 2. Figürlich. 1) Einen Dienst, ein Amt antreten, nur im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes. Der neue Pachter ist noch nicht eingetreten. Die Magd wird erst morgen eintreten. 2) Gegenwärtig, sichtbar, merkbar werden. Wenn das neue Licht eintritt, wenn der Neumond zum Vorscheine kommt. Die Dämmerung trat schon ein. Der Frühling, der Winter, die Hundstage werden bald eintreten. Es ist eine heftige Kälte eingetreten. Es tritt der Fall ein, daß u. s. f. S. Eintritt.II. Als ein Activum. 1) Hinein treten, durch Treten in etwas befestigen. Kraut, Waaren eintreten, in das Faß. Die Wurzeln eintreten, die Erde fest um sie zusammen treten. Das Pferd hat sich einen Nagel eingetreten, in den Fuß. 2) Einwärts treten, durch Treten zerbrechen. Die Thür eintreten. Ein Faß, einem Fasse den Boden eintreten. Die Treppe eintreten. Einer Schlange den Kopf eintreten. 3) Die Schuhe, die Pantoffeln eintreten, das Fersenleder, anstatt es herauf zu ziehen, einwärts treten. Daher die Eintretung in den Bedeutungen des Activi.


Eintrichtern (W3) [Adelung]


Eintrichtern, verb. reg. act. vermittelst eines Trichters einfüllen, doch nur figürlich im gemeinen Leben. Die Wissenschaften lassen sich nicht eintrichtern.


Eintritt (W3) [Adelung]


Der Eintritt, des -es, plur. inus. die Handlung des Eintretens, so fern dieses Wort ein Neutrum ist. Bey dem Eintritt in das Zimmer. Der Eintritt in die Stadt, in ein Amt. Der Eintritt der Sonne in das Zeichen des Krebses. Der Eintritt des Frühlinges, der Hundstage u. s. f.


Eintrocknen (W3) [Adelung]


Eintrocknen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert. 1) Trocken werden und einziehen. Die Tinte ist ganz eingetrocknet. du wirst wohl wissen, - daß kein Wasser geschwinder eintrocknet, als Weiberthränen, Opitz. 2) Durch Trocknen kleiner werden. Die Wurzeln, Rüben trocknen ein, wenn sie lange liegen. Daher die Eintrocknung.


Eintröpfeln (W3) [Adelung]


Eintröpfeln, verb. reg. act. tropfenweise hinein laufen lassen. Öhl eintröpfeln, in die Wunde. In der höhern Schreibart, einträufeln. Das Zeitwort eintropfen, von welchem eintröpfeln das Dimin. ist, ist im Oberdeutschen am häufigsten. Daher die Eintröpfelung.


Eintunken (W3) [Adelung]


Eintunken, verb. reg. act. hinein tunken, in einen flüssigen Körper tunken. Die Feder eintunken, in die Tinte, oder auch nur absolute, eintunken. In den niedrigen Mundarten eintütschen, im Nieders. instippen.


Eintüpfen (W3) [Adelung]


Eintüpfen, im Oberdeutschen eintupfen, eindupfen, einstupfen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, hinein tüpfen. Die Jäger gebrauchen dieses Wort von den Leithunden, wenn sie im Suchen mit der Nase auf die Erde tüpfen, oder zeigen. In Schwaben ist eintupfen so viel als mit einem Handschlage versprechen. S. Tüpfen.


Einung (W3) [Adelung]


Die Einung, plur. die -en, S. Vereinigung.


Einverleiben (W3) [Adelung]


Einverleiben, verb. reg. act. ein nach dem Latein. incorporare gebildetes Wort, mit einem moralischen oder politischen Körper verbinden, in eine enge Verbindung mit etwas versetzen. Einem Collegio einverleibter werden, als ein Glied derselben aufgenommen werden. Jemanden einer Gesellschaft, einer Zunft einverleiben. Die der Chur Sachsen einverleibten Lande. Nach einer noch weitern Figur. Es wurde dem Tractate noch ein Artikel einverleibet. Etwas seinem Gedächtnisse einverleiben. Etwas der Vergessenheit einverleiben, übergeben. So auch die Einverleibung.

Anm. Notker übersetzt das Latein. incorporare noch durch einlichamen, von Licham, Leichnam, Körper. Einverleiben rühret zunächst aus dem Oberdeutschen her, und könnte eines seiner beyden Vorwörter gar wohl entrathen, wenn es nicht schon durchgängig üblich wäre. Luther gebraucht Ephes. 3, 6, noch das einfachere aber ganz veraltete einleiben. Verleiben, für eintragen, einschreiben, etwas dem Protokolle, dem Stadtbuche verleiben, war in den vorigen Jahrhunderten gleichfalls üblich.


Einverständniß (W3) [Adelung]


Das Einverständniß, des -sses, plur. inus. ein gleichfalls ohne Noth verlängertes Wort der Kanzelleyen, für Verständniß, gutes Vernehmen, äußerliches friedfertiges Betragen. In einem guten Einverständnisse leben. Eben so wird auch das Zeitwort einverstehen gebraucht. Sich mit ihm einverstehen, oder mit ihm einverstanden seyn, sich mit ihm verstehen, d. i. in gutem Vernehmen mit ihm leben, ingleichen seiner Meinung seyn, wie auch mit ihm um eine Sache wissen. Wir hoffen, es werde jedermann hierüber einverstanden seyn, es werde jedermann darin mit uns einig seyn. S. Verstehen und Verständniß.


Einvieren (W3) [Adelung]


Einvieren, verb. reg. act. mit einer Vierung einschließen, in eine Vierung bringen; ein Wort, welches nur selten gebraucht wird. Wie daß ein Zirkel wohl sey eckig einzuvieren, Opitz, wie die Quadratur des Zirkels zu erfinden, oder ein Zirkel in ein Quadrat zu verwandeln sey. So auch die Einvierung.


Einwachsen (W3) [Adelung]


Einwachsen, verb. irreg. act. ( S. Wachsen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, im Wachsen eingeschlossen werden. Der Nagel ist mir eingewachsen, in die Rinde, in den Baum.


Einwägen (W3) [Adelung]


Einwägen,. verb. reg. et irreg. act. S. Wägen, 1) Wägen, und es sogleich in ein Gefäß thun, nach dem Gewichte in ein Gefäß, in ein Behältniß thun. Mandeln, Rosinen einwägen, sie wägen, und in ein Faß, in einen Sack u. s. f. thun. Auf eben die Art werden in den Schmelzhütten die Proben von den Erzen eingewogen, d. i. in den Tiegel. Daher die Wage, vermittelst welcher solches geschiehet, auch die Einwägwage genannt wird. Du wägest dein Gold und Silber ein, warum wägest du nicht auch deine Worte auf der Goldwage? Sir. 28, 29. 2) Im wägen, oder durch mehrmahliges Wägen vermindert werden, als ein Reciprocum. Es wägt sich alle Mahl etwas ein. Dasjenige, um wie viel eine Sache im Wägen vermindert wird, heißt zuweilen die Einwage. Zwey, drey Pfund Einwage auf den Zentner. Im gemeinen Leben ist statt dieses Zeitwortes einwiegen üblicher. S. Wägen und Wiegen.


Einwalken (W3) [Adelung]


Einwalken, verb. reg. act. 1) Hinein walken, durch Walken einbringen machen. Den Thran einwalken, in das Leder, bey den Lederarbeitern. 2) Durch Walken kürzer und dichter machen. Das Tuch einwalken, bey den Tucharbeitern. So auch die Einwalkung.


Einwand (W3) [Adelung]


Der Einwand, des -es, plur. die -wände, was eingewendet oder eingewandt wird, in der figürlichen Bedeutung des Zeitwortes. Dieser Einwand will nichts sagen. Leere, ungegründete Einwände. S. Einwendung, welches üblicher ist.


Einwandern (W3) [Adelung]


Einwandern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, in ein Land wandern. die in Italien eingewanderten fremden Völker. Bey jemanden einwandern, bey den Hand-werkern, auf der Wanderschaft bey jemanden einkehren. So auch die Einwanderung. Bey einigen Handwerkern, z. B. den Tuchscherern, werden diejenigen Meister, welche die Herberge haben, Einwanderungsmeister genannt.


Einwärts (W3) [Adelung]


Einwärts, adv. hineinwärts, nach innen zu. Aus dieser Seite erstrecket sich das Meer einwärts, in das Land hin. Mit den Füßen einwärts gehen, nach innen zu. Seine Knie stehen einwärts.


Einwässern (W3) [Adelung]


Einwässern, verb. reg. act. in das Wasser legen, von dem Wasser durchdringen lassen. Häringe, Stockfische, geräuchertes Fleisch einwässern. So auch die Einwässerung. S. auch Auswässern.


Einweben (W3) [Adelung]


Einweben, verb. reg. act. hinein Weben, im Weben mit in ein Gewebe bringen, einwirken. Buchstaben, Bilder, Blumen einweben. Figürlich, genau mit der Anlage und der ganzen Einrichtung einer Sache verbinden. Die Fehler, welche dieses Gedicht hat, sind in den ganzen Plan zu tief eingewebt, als daß sie jetzt könnten verbessert werden. So auch die Einwebung.


Einwechseln (W3) [Adelung]


Einwechseln, verb. reg. act. 1) Durch einen Wechsel an sich, in seine Gewalt bringen, besonders von Münzen und Geldsorten. Ducaten, harte Thaler einwechseln, andere Geldsorten dafür geben. So fern eine Sache dadurch in eines andern Gewalt kommt, heißt solches auswechseln. Ich will dir die Ducaten auswechseln, ich will dir andere Geldsorten dafür geben, und dich auf solche Art der Ducaten entledigen. 2) Neue Säulen, neue Balken einwechseln, in der Zimmermannskunst, die alten mit neuen vertauschen, neue statt derselben einziehen. So auch die Einwechselung.


Einwehen (W3) [Adelung]


Einwehen, verb. reg. act. einwärts wehen, durch Wehen einfallen machen. Ein altes Haus, welches jeder Wind einwehen kann.


Einweichen (W3) [Adelung]


Einweichen, verb. reg. act. zu einem gewissen Gebrauche von einem flüssigen Körper erweichen lassen. Leim, Leder einweichen. Brot, Stockfische, schwarze Wäsche einweichen. Ruthen, Reife einweichen, damit sie geschmeidig werden. So auch die Einweichung.


Einweihen (W3) [Adelung]


Einweihen, verb. reg. act. zu einem gewissen Gebrauche weihen. Eine Kirche, einen Altar einweihen. In der Römischen Kirche gebraucht man dieses Zeitwort auch von geistlichen Personen. Einen Papst, einen Bischof, eine Abt, einen Priester, eine Nonne einweihen.; wofür die Protestanten das Latein. ordiniren gebrauchen. Ein niedriger Scherz ist es, wenn man im gemeinen Leben von Dingen, die man zum ersten Mahle gebraucht, saget, daß man sie einweihe. So auch die Einweihung, S. Weihen.


Einweisen (W3) [Adelung]


Einweisen, verb. irreg. act. ( S. Weisen,) hinein weisen, doch nur in einigen figürlichen Arten des Gebrauches. Jemanden in ein Amt einweisen, ihn in dasselbe einführen und ihm weisen, was er in demselben zu beobachten hat. Jemanden in eines andern Güter einweisen, ihm dieselben übergeben, ihn in den Besitz derselben setzen, in welchem Verstande dieses Wort schon in dem Schwabenspiegel vorkommt. S. auch Anweisen. Daher die Einweisung.


Einwenden (W3) [Adelung]


Einwenden, verb. reg. et irreg. act. ( S. Wenden,) welches nur in figürlicher Bedeutung üblich ist, einen Gegengrund gegen des andern Willen anführen, einwerfen. Du hast immer was einzuwenden. Ich habe nichts dawieder einzuwenden. Man wandte dagegen ein, daß u. s. f. Hier möchte jemand einwenden u. s. f. Ich sehe nichts was man dagegen einwenden könnte. Schwed. inwaenda, im Nieders. wenden. S. auch Einwerfen, welches mehr von Gegengründen gegen eine Wahrheit, einwenden aber von solchen Gründen gegen des andern Willen gebraucht wird.


Einwendung (W3) [Adelung]


Die Einwendung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Einwendens, ohne Plural. Ohne alle Einwendung. 2) Der Gegengrund gegen des andern Willen selbst. allerley Einwendungen dagegen vorbringen. Viele Einwendungen machen. S. auch Einwand


Einwerfen (W3) [Adelung]


Einwerfen, verb. irreg. act. ( S. Werfen,) 1. Hinein werfen. 1) Eigentlich. Bomben, Granaten, Feuerkugeln einwerfen, in eine Stadt oder Festung. 2) Figürlich. (a) Flüchtig einnähen, bey den Schneidern. Einen Ärmel einwerfen. (b) In dem Gemüthe entstehen machen, im Oberdeutschen. Jemanden einen Zweifel, einen Scrupel einwerfen, in ihm hervor bringen, veranlassen. (c) Einen Gegengrund gegen eine Wahrheit anführen. Dawider läßt sich vieles einwerfen. Hier möchte jemand einwerfen und sagen u. s. f. Ha! wirft ein Klügling ein, Günth. S. Einwurf. 2. Einwärts werfen, durch einen Wurf zerstören. Die Fenster einwerfen. die Thür mit Steinen einwerfen. Die Mauer einwerfen. Der Wind warf viele Häuser ein. So auch die Einwerfung in den eigentlichen Bedeutungen.


Einwickeln (W3) [Adelung]


Einwickeln, verb. reg. act. 1. Hinein wickeln, in einen Umschlag wickeln. 1) Eigentlich. Ein Stück Zeug, Geld, Kleider einwickeln. etwas in Papier, in Stroh einwickeln. Die Haare einwickeln, in Papier. Ein Kind einwickeln, in die Windeln. sich in seinen Mantel einwickeln. 2) Figürlich. (a) Sich in einen Prozeß, in einen Handel, in eines Verbrechen einwickeln; wofür doch verwickeln üblicher ist. (b) Sie wickelt ihre Vertheidigung in lauter Sittensprüche ein, trägt sie in Sittensprüchen vor, Weiße. 2. Zusammen wickeln, aufwickeln, welche Bedeutung doch nur einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt. Und der Himmel entwich, wie ein eingewickelt Buch, Offenb. 6, 14. Und der Himmel wird eingewickelt werden, wie ein Brief, Es. 34, 4. So auch die Einwickelung.


Einwiegen (W3) [Adelung]


1. Einwiegen, verb. irreg. act. S. Einwägen.


Einwiegen (W3) [Adelung]


2. Einwiegen, verb. reg. act. in den Schlaf wiegen. Ein Kind einwiegen. So auch die Einwiegung.

Anm. Ottfried gebraucht statt dieses Wortes einsueben, wenn er von der Jungfrau Maria sagt: Scono 'nan insuebita, Inti b'irn 'nan gilegita, schön wiegte sie ihn ein, und legte ihn neben sich, B. 1, Kap. 11, V. 83; entweder von dem Verbo schweben, oder auch als eine Nachahmung des summenden Schalles, welchen die Mütter bey dem Einschläfern der Kinder mit dem Munde zu machen pflegen. S. Einsäuseln. In Lipsii Glossen wird besuevet durch soporatus übersetzt.


Einwilligen (W3) [Adelung]


Einwilligen, verb. reg. neutr. mit haben, in etwas willigen, seinen Willen in etwas geben; am häufigsten absolute. Als der Landesherr neue Abgaben verlangte, wollten die Stände nicht einwilligen. Nach vielen Streitigkeiten willigten sie endlich ein. Zuweilen, besonders im Oberdeutschen, auch mit der vierten Endung der Sache, etwas einwilligen. So auch, sein Einwilligung geben. Sie haben ihre Einwilligung dazu gegeben. Es ist ihrer aller Einwilligung geschehen.


Einwindeln (W3) [Adelung]


Einwindeln, verb. reg. act. in die Windeln wickeln. Ein Kind einwickeln.; in den gemeinen Mundarten einbündeln, im Oberdeutschen einfätschen. So auch die Einwindelung.


Einwintern (W3) [Adelung]


Einwintern, verb. reg. act. in den Winter bringen, bis zum Winter durchbringen, im Gegensatze des Auswinterns. Er hatseine Schafe glücklich eingewintert. Daher die Einwinterung.


Einwirken (W3) [Adelung]


Einwirken, verb. reg. 1) Hinein wirken, mit in ein Gewirke bringen; als ein Activum. Blumen, Buchstaben einwirken, in das Zeug. 2) In oder auf etwas wirken; als ein Neutrum, mit haben. Daher die Einwirkung.


Einwittern (W3) [Adelung]


Einwittern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, vermittelst der Witterung, d. i. der unterirdischen Dämpfe hinein gebracht werden, im Bergbaue. Eingewittertes Erz, welches durch unterirdische Dünste in das Gestein gebracht worden. Daher die Einwitterung.


Einwohner (W3) [Adelung]


Der Einwohner, des -s, plur. ut nom. sing. Fäm. die Einwohnerinn, plur. die -en, der oder die in einem Orte wohnet. Die Einwohner Leipzigs, Dresdens, Wiens. Die Einwohner eines Landes, einer Insel, eines Dorfes. Ein Land, eine Stadt mit Einwohnern versehen. Ein Ort, der wenig Einwohner hat. In engerer Bedeutung werden die Einwohner eines Ortes zuweilen den Bürgern entgegen gesetzet, und alsdann verstehet man unter den ersten bloß die Schutzverwandten.

Anm. Der Gebrauch hat dieses Wort nur auf Länder und deren Theile, Städte, Flecken und Dörfer eingeschränket. Häuser haben Bewohner. Eben so legt man der Erde, dem Wasser, der Luft, den Wäldern zwar Bewohner, aber nicht gern Einwohner bey. Dieser Unterschied hat seinen Gebrauch bloß in dem Eigensinne des Gebrauches. Ein ist in dieser Zusammensetzung die Präposition in mit der dritten Endung; denn man sagt in einem Orte wohnen. Billig sollte es also Inwohner heißen, weil die Präposition in, in der Zusammensetzung nur in denjenigen Fällen ein lautet, wo sie den Accusativ erfordert. Allein der Gebrauch hat doch das Einwohner im Hochdeutschen fast allgemein gemacht, und den meisten würde Inwohner vermuthlich zu Niedersächsisch klingen. Eben dieses gilt auch von dem Zeitworte einwohnen, welches aber nur selten, besonders in dem Kanzelstyle vorkommt. Die einwohnende Gnade Gottes, für die Gnade Gottes, die in uns wohnet.


Einwühlen (W3) [Adelung]


Einwühlen, verb. reg. act. hinein wühlen. Sich einwühlen, in die Erde, von wühlenden Thieren. Daher die Einwühlung.


Einwünschen (W3) [Adelung]


Einwünschen, verb. reg. act. S. Anwünschen, Anm.


Einwurf (W3) [Adelung]


Der Einwurf, des -es, plur. die -würfe, was eingeworfen wird, in der figürlichen Bedeutung des Verbi, ein Grund, welchen man anführet, eine Wahrheit oder Behauptung zu bestreiten. Einen Einwurf machen, vorbringen. Eines andern Einwürfe widerlegen, beantworten. Mache mir keine Einwürfe.


Einwurzeln (W3) [Adelung]


Einwurzeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, in die Erde wurzeln, sich mit den Wurzeln in der Erde befestigen. 1. Eigentlich. Der Baum ist noch nicht eingewurzelt. Noch mehr aber, 2. figürlich. 1) Eingewurzelt, unbeweglich, wie eingewurzelt. Ganz eingewurzelt steht er da, Und gafft ihr staunend nach, Weiße. 2) In einem Lande befestiget und ausgearbeitet werden, in einen glücklichen Zustand gerathen, von den Einwohnern eines Landes oder Ortes; welcher Gebrauch doch bloß biblisch ist. Ich sah einen Tollen eingewurzelt, und ich fluchte plötzlich seinem Haus, Hiob. 5, 3. Du hast vor ihm die Bahn gemacht, und hast ihn lassen einwurzeln, daß er das Land erfüllet hat, Ps. 80, 10. Ich habe eingewurzelt bey einem geehrten Volk, Sir. 24, 16; wo auch das Hülfswort haben wider den Sprachgebrauch ist. 3) In dem Leibe und Gemüthe befestiget werden, sich dem Gemüthe und Leibe auf eine beständige Art einverleiben. Eine alte eingewurzelte Krankheit. Ein eingewurzeltes Übel. Man muß das Böse nicht einwurzeln lassen. Die Boßheit, das Laster ist schon tief bey ihm eingewurzelt. Im Hochdeutschen gebraucht man diese Figur, die von eingewurzeltem Unkraute entlehnet ist, nur in nachtheiligem Verstande, von Dingen, welche ein Übel sind, oder doch als ein solches angesehen werden. So auch die Einwurzelung.


Einzählen (W3) [Adelung]


Einzählen, verb. reg. act. 1) Hinein zählen, nach der Zahl in ein Gefäß oder Behältniß thun. Einem die Äpfel einzählen, in die Tasche, in das Faß u. s. f. Die Schafe einzählen, in den Stall. 2) Mit in eine Zahl bringen. Es sind ihrer achtzehn, die letzten mit eingezählet. 3) Eine im Hochdeutschen ganz ungewöhnliche Bedeutung ist es, wenn Opitz dieses Wort Ps. 119, gegen das Ende, für einschärfen, einprägen, gebraucht: Denn dein Befehl ist ganz mir eingezählet, Mein Herz hat ihn erkoren unverwandt. So auch die Einzählung.


Einzängeln (W3) [Adelung]


Einzängeln, verb. reg. act. mit der Zange fassen, in der Zange befestigen; ein nur auf den Hammerwerken übliches Zeitwort. Ein Stück Eisen einzängeln. So auch die Einzängelung.


Einzapfen (W3) [Adelung]


Einzapfen, verb. reg. act. hinein zapfen. 1) Nach Ausziehung des Zapfens in ein Gefäß laufen lassen, von flüssigen Dingen. Wein, Bier einzapfen, in ein Gefäß. 2) Einen Zapfen in oder an etwas bilden, bey den Zimmerleuten und Holzarbeitern. Eine Säule einzapfen. 3) Vermittelst eines Zapfens in etwas befestigen. Eine Säule einzapfen, in die Schwelle. So auch die Einzapfung.


Einzäunen (W3) [Adelung]


Einzäunen, verb. reg. act. 1) Mit einem Zaune einschließen, umgeben. Einen Acker, einen Garten, einen Platz einzäunen. So auch die Einzäunung.


Einzehren (W3) [Adelung]


Einzehren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, durch Zehren vermindert werden, von flüssigen Dingen. Der Wein im Fasse zehret ein, wenn dessen Masse durch Ausdünstung, Eintrocknung u. s. f. vermindert wird. Auch als Reciprocum, der Wein zehret sich ein. Daher die Einzehrung.


Einzeichnen (W3) [Adelung]


Einzeichnen, verb. reg. act. hinein zeichnen. Eine Blume einzeichnen, in ein Spitzenmuster. Figürlich, für einschreiben. Etwas einzeichnen, es in ein Tagebuch, in eine Rechnung, in den Kalender u. s. f. schreiben. So auch die Einzeichnung.


Einzeln (W3) [Adelung]


Einzeln, adj. et adv. von dem Zahlworte Ein. 1. Nur Ein Mahl vorhanden. 1) Eigentlich; theils in der schärfsten Bedeutung, was überhaupt nur Ein Mahl da ist, für einzig. Gott ist ein einzelnes Wesen. Gott hat nur eine einzelne Welt erschaffen. Welcher Gebrauch zwar im Oberdeutschen, aber nicht im Hochdeutschen üblich ist. Theils in weiterer Bedeutung, was unter gewissen Umständen nur Ein Mahl vorhanden ist. Es soll kein einzelner Zeuge wider jemand auftreten, 5 Mos. 19, 15; nicht ein Zeuge allein, im Gegensatze mehrerer Zeugen. wenn zwey bey einander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein einzelner warm werden? Pred. 4, 4. Daß du die Midianiter schlagen sollst, wie einen einzelnen Mann, Richt. 6, 16. Ein einzelnes Ding, ein Individuum, oder ein Ding, welches so wohl in dem, was es an sich hat, als in dem, was ihm von außen in Ansehung anderer Dinge zufällt, bestimmt ist. Als ein Nebenwort wird es in dieser Bedeutung wohl nicht leicht vorkommen. 2) Figürlich. (a) Allein, frey stehend, von andern Dingen seiner Art abgesondert. Mitten im Walde liegt ein einzelnes Haus. Das Haus liegt vor dem Thore ganz einzeln. Einzelne Zahlen, welche allein stehen;zuweilen auch, obgleich eben nicht auf die beste Art, Einer, Einheiten. Es regnet nicht, es fallen nur einzelne Tropfen. (b) Einfach, doch nur in einigen gemeinen Mundarten, im Gegensatze des doppelt, dreyfach u. s. f. Der Zeug liegt einzeln. (c) Einsam, verlassen, doch nur in der Deutschen Bibel. Ich bin unfruchtbar, einzeln, vertrieben und verstoßen, Es. 49, 21. (d) Ein einzelner Mensch, eine einzelne Person, eine Person, die theils unverheirathet ist, theils keine oder doch wenige Hausgenossen, Bedienten u. s. f. hat. In diesem Verstande gebraucht schon Ottfried einluzzo für unverheirathet. (e) Einzelnes Geld, im gemeinen Leben, Ausgebegeld, Münze, im Gegensatze des harten oder ganzen Geldes. Ich habe kein einzelnes Geld bey mir. 2. Einer nach dem andern, ein vertheilendes Zahlwort. Und dauchten ihm als wärens einzelne Tage, 1 Mos. 29, 30; die sieben Jahre verstrichen ihm so geschwinde hinter einander, als wenn es Tage gewesen wären. Am häufigsten als ein Nebenwort. Einzeln nach einander will ich sie vor dir her ausstoßen, 2 Mos. 23, 30. Sie kommen ganz einzeln. Einzeln gehen.

Anm. Im Nieders. lautet dieses Wort enteln, bey dem Ottfried einzen, und bey dem Notker als ein Nebenwort einzent, in den späten Zeiten einzeling. Die eigentliche Bedeutung der Endsylbe ist so ausgemacht noch nicht. Frisch hält das Wort entweder für das Diminut. von eins, oder glaubt, daß es nach dem Muster von doppelt gebildet sey. Beyde Muthmaßungen sind zu gezwungen. Eher könnte man noch glauben, daß zel aus Zahl zusammen gezogen sey. Die ältesten Oberdeutschen Schriftsteller, wie Kero und Ottfried, gebrauchen für einzeln auch einluzzo und einluzlih, welches in Oberdeutschland, besonders in Oberschwaben, noch nicht veraltet ist, wo man noch zuweilen einletzig höret. Im Oberdeutschen lautet einzeln, so fern es ein Beywort ist, ohne n, einzel, einzele Person, ein einzeler Mensch, welches auch wohl einige Hochdeutsche nachahmen. Einzelig für einzeln, und das Hauptwort die Einzeligkeit, sind gleichfalls nur in Oberdeutschland üblich.


Einziehen (W3) [Adelung]


Einziehen, verb. irreg. ( S. Ziehen,) welches in doppelter Gattung üblich ist.I. Als ein Activum. 1. Hinein ziehen, in einen Ort ziehen. Einen Balken, eine Schwelle einziehen, in einem bereits stehenden Gebäude einen Balken, eine Schwelle befestigen. Einen Faden einziehen, ihn mit Stichen durch ein Stück Zeuges ziehen. S. Einzug. 2. 2. In engerer Bedeutung, in seine Gewalt, in seine Gewahrsam ziehen, doch nur in einigen figürlichen Arten des Ausdruckes. 1) Gelder einziehen, Geld, welches man zu fordern hat, heben und in seine Verwahrung nehmen, es beziehen, eincassiren. 2) In gerichtlichem Verstande werden jemandes Güter von der Obrigkeit eingezogen, wenn sie ihn derselben beraubet, und sie zum Nutzen des gemeinen Wesens in Besitz nimmt; sie confisciren. Jemandes Erbschaft einziehen. Sein ganzes Vermögen ist eingezogen worden. Man hat ihm seine Besoldung eingezogen. In allen diesen Fällen ist die Einziehung die Folge eines begangenen Verbrechens. Aber der Landesherr ziehet zuweilen ein Lehen, eine Besoldung, ein Amt, einen Pacht u. s. f. ein, wenn er das Lehen nicht weiter verleihet, die Besoldung nicht weiter bezahlet, das Amt nicht weiter besetzet u. s. f. sondern alle diese Dinge unmittelbar in seine Verwaltung nimmt, oder doch den Ertrag davon an sich ziehet. 3) Einen Verbrecher einziehen, ihn in Verhaft nehmen. Man hat die Diebe, die Ausreißer eingezogen. Gerichtlich zieht er bald des Weibes Ehemann ein, Gell. 3. Nach innen zu ziehen, einwärts ziehen. 1) Eigentlich. Die Segel einziehen, in der Schifffahrt. Die Hörner einziehen, wie die Schnecken.Sonst zieh ich meinen Kopf, als wie die Schnecken ein, Can. Den Hals einziehen, in den Körper. Die Pfeife einziehen, eine niedrige Figur, nachgeben, sich in seinem Affecte, in seinen Forderungen mäßigen, gelindere Saiten aufspannen. 2) Figürlich. (a) Einen Damm, einen Wall einziehen, ihn besser nach innen zu aufwerfen. So auch eine Linie, einen Graben einziehen. (b) Nach einer, vermuthlich von den Schnecken entlehnten Figur, bedeutet das Mittelwort eingezogen, und das Hauptwort die Eingezogenheit, diejenige Eigenschaft, da man im Gebrauche des gesellschaftlichen Vergnügens einen hohen Grad der Mäßigkeit beobachtet, sich des Umganges mit andern entschlägt. Er lebt sehr eingezogen, er kommt nicht viel aus dem Hause; ingleichen, er lebt einsam, ohne vielen Umgang. Ein eingezogenes Leben führen. Ein eingezogenes Frauenzimmer. Sich eingezogen halten, wenig unter die Leute gehen. Ich wundere mich über ihre Eingezogenheit. In Ansehung der weitern Bedeutung könnte dieses Wort auch zu der folgenden Art des Gebrauches gerechnet werden. 4. Zusammen ziehen, in die Enge ziehen, zusammen ziehen und dadurch enger machen; eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung. 1) Eigentlich. Manschetten einziehen, sie auf einen Faden reihen, und enger zusammen ziehen. Das Hemd ist zu weit, man muß es ein wenig einziehen. Das Tuch ziehet sich ein, wenn es naß wird, kriecht ein. 2) Figürlich. (a) In einen engern Raum bringen. Die Goldschmiede ziehen das Metall, welches sie bearbeiten, ein, wenn sie die Schläge unter einem Winkel auf das Blech führen, wodurch der Körper länger aber auch enger wird. (b) In einen moralisch oder bürgerlich engern Raum bringen. Den Aufwand einziehen. Er ziehet sich sehr ein, vermindert seinen Aufwand gar sehr. Seine Haushaltung einziehen. Er hat alle seine Bedienten bis auf zehen eingezogen. So auch die Einziehung in allen Bedeutungen dieses Activi.II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn. 1. Hinein ziehen. 1) Mit einem Gefolge oder feyerlichen Gepränge in einen Ort ziehen. Der neu erwählte Kaiser zog gestern ein, in die Stadt; wofür man doch in der anständigern Schreibart lieber die Redensart gebraucht, seinen Einzug halten. Doch sagt man noch von Truppen, sie sind eingezogen, in die Stadt. Die Besatzung wird erst morgen einziehen. S. Einzug 1. 2) Mit seinem Gepäcke in einen Ort, in ein Haus ziehen. Sind sie schon eingezogen? Haben sie das Haus, die Miethe schon bezogen? Wir werden erst morgen einziehen. Die Miethleute sind noch nicht eingezogen. S. Ziehen. 2. Einwärts ziehen, nach innen zu ziehen, von flüssigen Körpern, wenn sie in die Zwischenräume eines dichtern dringen. Das Wasser ist schon eingezogen, in die Erde. Das Öhl will nicht einziehen. Bestreiche das Leder mit Thran und laß ihn über dem Feuer einziehen.


Einzig (W3) [Adelung]


Einzig, adj. et adv. Welches vermittelst der Endsylbe ig von dem Zahlworte Eins gebildet ist, und alle Mahl etwas bedeutet, welches nur das Eine seiner Art ist. 1) Eigentlich, was entweder in dem schärfsten Verstande, oder doch unter gewissen Umständen nur Ein Mahl vorhanden ist. Heil uns, daß unser Morgen in die Tage des einzigen Monarchen fiel! Raml. O du einzige, in der alle meine besten Wünsche ihr Ende finden! Dusch. Besonders zur Verstärkung und nähern Bestimmung des Zahlwortes Ein, welches alsdann sein großes E verlieren kann, weil durch diese Bestimmung die Verwechselung mit dem Artikel ein ohnehin wegfällt. Es ist nur ein einziger Mann geblieben.Der einzige Sohn seiner Ältern. Das ist noch seine einzige Beschäftigung. Nenne mir einen einzigen, der vollkommen tugendhaft wäre. Das ist noch das einzige, was mich tröstet. Für sich allein kann es auch im Plural gebraucht werden. Seine zwey einzigen Kinder. Das sind die einzigen Bücher, welche ich habe. Als ein Adverbium wird es in dieser Bedeutung nur selten gebraucht. Das ist in seiner Art einzig, besser, ist das einzige in seiner Art. 2) Wie allein, eine Sache mit Ausschließung aller andern anzudeuten, oder mit Ausschließung aller andern Dinge von ihr zu behaupten; so wohl in Verbindung mit dem allein, als auch ohne dasselbe. Das ist einzig und allein die Ursache. Mein Vorsatz ist einzig der gewesen, u. s. f. In welcher Bedeutung es nur allein als ein Umstandswort gebraucht wird. S. Ein, die Anm.


Einzögling (W3) [Adelung]


Der Einzögling, des -es, plur. die -e, ein nur in einigen Gegenden, z. B. in dem westlichen Preußen, übliches Wort, einen Einheimischen, ein Landeskind auszudrucken, einen Einwohner, der in dem Lande selbst geboren und erzogen ist, im Gegensatze eines Ausländers. Daher das Einzöglingsrecht, in eben diesen Gegenden, das Indigenat, Jus indigenatus. S. Zögling.


Einzug (W3) [Adelung]


Der Einzug, des -es, plur. die -züge. 1) Die Handlung des Einziehens in der ersten Bedeutung des Neutrius. Der Einzug des Landesherren in die Stadt. Ein feyerlicher Einzug. Einen Einzug, seinen feyerlichen Einzug halten. Der Einzug der feindlichen Truppen, der Besatzung in die Stadt. Von dem Einziehen eines Eigenthümers oder Miethmannes in ein Haus oder in eine Wohnung wird dieses Wort nur selten gebraucht. 2) Was eingezogen wird, in der ersten Bedeutung des Activi. So wird nun den Zimmerleuten ein eingezogener Balken, eine eingezogene Schwelle zuweilen ein Einzug genannt.


Einzwängen (W3) [Adelung]


Einzwängen, verb. reg. act. 1) Hinein zwängen, mit Zwang hinein bringen. 2) Zusammen zwängen. Ein geleimtes Bret einzwängen. Ingleichen für das niedrige einklemmen. Sich die Hand einzwängen. 3) Figürlich, einschränken, einschließen, in einen engern Raum bringen. Die Baukunst zwängt Seen ein, Dusch. So auch die Einzwängung.


Einzwingen (W3) [Adelung]


Einzwingen, verb. irreg. act. ( S. Zwingen,) hinein zwingen, in sich zu nehmen zwingen. Jemanden die Speise, den Trank einzwingen, entweder durch eigentliche Gewalt, oder durch wiederholtes Nöthigen.


Eis (W3) [Adelung]


Das Eis, des -es, plur. car. gefrornes Wasser. Es frieret Eis, es ist so kalt, daß das Wasser in Eis verwandelt wird. Es hat diese Nacht Eis gefroren. Das Wasser ist zu Eis gefroren. Der Fluß, der See wird mit Eis belegt. Das Eis trägt, wenn es so dick und stark ist, daß Menschen und Wagen darüber gehen können. Das Eis gehet auf, wenn es bricht und anfängt zu schmelzen. Der Fluß gehet mit Eis, wenn das Eis aufgegangen ist, und stückweise in dem Flusse treibt. Das Eis brechen, figürlich, die Bahn brechen, den Weg bahnen, die ersten Hindernisse eines Geschäftes aus dem Wege räumen, eine von der Schiffahrt auf den Flüssen entlehnte Figur.

Anm. Im Nieders. lautet dieses Wort Is, mit einem gedehnten I, im Holländ. Ys, im Dän. Iis, im Schwed. Is, im Angels. Is, Isa, im Engl. Ice, bey dem Notker Is. Wachter leitet es auf eine seltsame Art von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, gleich, ab, wozu ihn nichts als die Ähnlichkeit des Lautes beweget haben kann. Eher könnte man noch auf das Nieders. aisen, esen; im Oberdeutschen eißen, schauern, horrere, fallen, weil die Kälte des Eises wirklich einen Schauer erreget. S. auch Eisen. Allein das Wort ist zu alt und zu einfach, als daß man dessen Abstammung mit entscheidender Wahrscheinlichkeit untersuchen könnte. Die Beywörter eisig und eisicht, sind dem guten Sprachgebrauche unbekannt.


Eis-Achat (W3) [Adelung]


Der Eis-Achat, des -es, plur. inus. ein Krystall-Achat, der eine Eisfarbe hat, bey den Schriftstellern des Mineralreiches. S. Krystall-Achat.


Eisalabaster (W3) [Adelung]


Der Eisalabaster, des -s, plur. inus. eine Art Alabaster im Hohensteinischen, welcher dem Eise ähnlich stehet.


Eisänte (W3) [Adelung]


Die Eisänte, plur. die -n, eine Art großer weiß und schwarzer Taucher, welche sich in dem Rheine aufhalten: Mergus brumalis major, Gesn. Eben derselbe nennet eine andere Art kleinerer Taucher mit einem röthlichen Kopfe und Halse, weiß und schwarz gesprengten Flügeln, und aufgerichteten Federn über dem Nacken, das Eisäntlein, Mergus brumalis minor, capite ruffo. Vielleicht ist eine von beyden die Anas clangula, L. welche im Deutschen gleichfalls Eisänte, im Schwedischen aber Knipa genannt wird.


Eisapfel (W3) [Adelung]


Der Eisapfel, des -s, plur. die -äpfel, eine Art Äpfel mit einer halb grünen und halb gelben Schale, welche wie Eis oder Glas glänzet; Glasapfel.


Eisbad (W3) [Adelung]


Das Eisbad, des -es, plur. die -bäder, bey den Ärzten, ein Bad von Eis; das Eis als ein Bad gebraucht.


Eisbahn (W3) [Adelung]


Die Eisbahn, plur. die -en, die Bahn auf dem Eise; besonders die Bahn, welche sich die Knaben im Winter auf dem Eise machen, darauf fortzugleiten; die Schleifbahn, Schleife, in den gemeinen Mundarten Glander, Schlitterbahn, Hutsche, Glitschbahn u. s. f.


Eisbank (W3) [Adelung]


Die Eisbank, plur. die -bänke, in der Seefahrt, große lange Stücken Eis, welche in der See schwimmen; zum Unterschiede von den Sandbänken, Felsenbänken u. s. f. S. Bank.


Eisbär (W3) [Adelung]


Der Eisbär, des -en, plur. die -en, eine Art großer zotiger Bären in den Polar-Ländern, welcher auf dem Eise lebt; der Polar-Bär.


Eisbaum (W3) [Adelung]


Der Eisbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum, welcher an den Jochen und Pfeilern der Brücken schräge in das Wasser gestellet wird, die in dem Flusse treibenden Eisschollen abzuhalten. S. Eisbock.


Eisbecher (W3) [Adelung]


Der Eisbecher, des -s, plur. ut nom. sing. ein aus Eis, besonders aus dem Eise der Schweizerischen Gletscher gedreheter Becher, das Getränk darin frisch und kühl zu halten; dergleichen Becher in Oberdeutschland und Italien gewöhnlich sind, und, wenn sie aus Gletschereise verfertiget worden, nicht so leicht schmelzen.


Eisbein (W3) [Adelung]


Das Eisbein, des -es, plur. die -e, die eine Hälfte des Schlosses oder Schlußbeines an den zahmen und wilden Thieren; das Hüftbein. Beyde Eisbeine zusammen genommen machen das Schloß- oder Schlußbein aus.

Anm. Im Nieders. heißt dieses Bein das Isbeen, im Holl. Is been, Isch-been, welche Nahmen mit dessen Griech. und Latein. Benennung Ischium, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, die Lende, sehr genau verwandt sind. Aber ist wohl glaublich, daß die gemeinen Mundarten dieses Wort aus dem Lateinischen hergehohlet haben, und daß sie dieses Bein nicht eher zu benennen gewußt, als bis sie es von den Griechen und Römern gelernet? Mit mehr Wahrscheinlichkeit siehet man daher dieses Wort nebst so vielen andern als einen Überrest einer weit ältern Mundart an, von welcher die Griechische und Deutsche Sprache zwey Töchter sind, die durch eine lange Reihe von Jahrhunderten sich freylich sehr unähnlich geworden.


Eisberg (W3) [Adelung]


Der Eisberg, des -es, plur. die -e, eine hohe Masse Eis in Gestalt eines Berges, so wohl auf dem festen Lande, als in den nördlichen Meeren. In Tyrol werden die EisbergeFerner, in der Schweiz Gletscher, in Kärnthen aber Knäß genannt.


Eisbier (W3) [Adelung]


Das Eisbier, des -es, plur. inus. im gemeinen Leben, dasjenige Bier, welches an einigen Orten jährlich für die Aufeisung gefrorner Wasser gegeben wird. Besonders ist in den Sächsischen Bergwerken unter diesem Nahmen dasjenige Bier bekannt, welches die Hüttenarbeiter für die Aufeisung der gefrornen Gräben von dem Landesherren um Pfingsten bekommen, und welches in andern Umständen und bey andern Arten von Arbeitern das Pfingstbier genannt wird.


Eisbirn (W3) [Adelung]


Die Eisbirn, plur. die -en, eine Art langer, dicker, gelber Birnen, deren Schale wie Eis oder Glas glänzet, und welche im November reift; die Glasbirn.


Eisbock (W3) [Adelung]


Der Eisbock, des -es, plur. die -böcke, hölzerne oder gemauerte Pfeiler an den Jochen und Pfeilern der Brücken, welche gemeiniglich pyramidenförmig sind, alle Wahl aber nach dem Wasser zu scharf zulaufen, damit die großen Eisschollen sich daran zerstoßen, ohne die Brücke zu beschädigen; der Eisbrecher, Eispfeiler. Wenn diese Eisböcke aus bloßen Bäumen bestehen, welche schräge in das Wasser gesetzet worden, so werden sie nur Eisbäume genannt. S. 2, 3 und 4 Bock.


Eisbrecher (W3) [Adelung]


Der Eisbrecher, des -s, plur. ut nom. sing. eine jede Anstalt in einem Flusse, besonders vor einer Brücke, an welcher sich die großen Eisschollen zerbrechen, es seyen nun Eisbänke, Eispfähle, Eispfeiler, oder Eisböcke.


Eisbruch (W3) [Adelung]


Der Eisbruch, des -es, plur. inus. der Bruch des Eises, wenn dasselbe den gelinder Witterung anfängt zu brechen und aufzugehen.


Eisdach (W3) [Adelung]


Das Eisdach, des -es, plur. inus. in der Landwirthschaft, besonders Niedersachsens, das Riet oder Schilfrohr, welches im Winter auf dem Eise geschnitten worden, und zu den Dächern der Häuser gebraucht wird. Dach ist hier ein Collectivum, und deutet dasjenige an, womit ein Gebäude gedecket wird.


Eisen (W3) [Adelung]


Eisen, verb. reg. act. das Eis aufhauen, absolute. Die Landleute erhielten Befehl zu eisen, d. i. das Eis in dem Flusse, in dem Graben u. s. f. aufzubauen. Noch üblicher ist dieses Zeitwort in den Zusammensetzungen aufeisen, auseisen und loseisen.


Eisen (W3) [Adelung]


Das Eisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein unedles weißgraues Metall, welches die meiste Härte und Elasticität hat, unter allen Metallen am häufigsten gefunden, und daher auch am wenigsten geschätzt wird. 1. Eigentlich. Gediegenes Eisen, welches schon unter der Erde gediegen gefunden wird. Rohes Eisen, in den Eisenhütten, so wie es aus den Eisensteinen in Gänse geschmelzet worden, da es noch viele Unreinigkeiten bey sich hat. Sprödes Eisen, welches nicht die gehörige Elasticität hat, sondern leicht bricht. Rothbrüchiges, kaltbrüchiges Eisen u. s. f. S. diese Wörter. Das Eisen schmieden, weil es warm ist, figürlich im gemeinen Leben, sich die Gelegenheit zu Nutze machen. Noth bricht Eisen, auch nur im gemeinen Leben. In dieser Bedeutung hat es in dem gewöhnlichen Sprachgebrauche, wie andere Nahmen der Metalle, keinen Plural. Allein in dem Bergbaue, Eisenhämmern u. s. f. pflegt man nicht nur mehrere Arten dieses Metalles, sondern auch wohl mehrere Massen desselben, die Eisen zu nennen. 2. Dinge, welche aus Eisen oder Stahl verfertiget worden, in welchem Verstande auch der Plural sehr häufig ist. Besonders, 1) allerley Werkzeuge aus Eisen, so wohl im gemeinen Leben, als auch in den Handwerken und Künsten. So nennen die Bildhauer, Drechseler u. s. f. ihre Meißel nur schlechthin Eisen; besonders führen bey den erstern diesen Nahmen die groben stählernen Meißel, womit sie Stücken von dem Steine los sprengen. S. auch Dreheisen. Die Amboße der Gold- und Silberarbeiter sind ihnen nur unter dem Nahmen der Eisen bekannt. Das Berlinische Eisen, ist eine zum Fange der Raubthiere und besonders der Füchse bequeme Maschine; S. Schwanenhals. Und hohlte mit der Hand die Art aus - und das Eisen führe vom Stiel, 5 Mos. 19, 5. Und solle - einen steinern Altar bauen, darüber kein Eisen fähret, Kap. 27, 5, kein eisernes Werkzeug. So auch die Zusammensetzungen Brecheisen, Fuchseisen, Pflugeisen, Bergeisen, Stecheisen, Krauteisen, Bügeleisen, Brenneisen, Brummeisen, Reibeisen und andere mehr. 2) Das Hufeisen, womit der Huf der Pferde beschlagen wird, heißt im gemeinen Leben nur schlechthin das Eisen. Einem Pferde ein Eisen aufschlagen. Dem Pferde die Eisen abbrechen. Daher der figürliche Ausdruck in den niedrigen Sprecharten, jemanden beständig in den Eisen liegen, ihm überall auf dem Fuße nachfolgen, genaue Aufsicht auf ihn haben; wofür Kaisersberg sagt, jemanden uff die Yssen lugen, d. i. auf die Eisen sehen. 3) Eiserne Fessel, in welcher Bedeutung es nur allein im Plural gebraucht wird. Jemanden in die Eisen schmieden, ihn auf immer in eiserne Fessel schlagen. Sie zwungen seine Füße im Stock, sein Leib mußte in Eisen liegen. Ps. 105, 18. Gefangen im Zwang und Eisen, Ps. 107, 10. Daher wird in Nürnberg ein gewisses Gefängniß für schwangere Huren die Eisen, und in Baiern der Schließer oder Gefangenwärter der Eisenamtmann genannt.

Anm. Die älteste Gestalt dieses Hauptwortes ist Isar und Isarn, denn so lautet es schon bey dem Kero. Die Angelsachsen kannten dieses Wort mit und ohne r, Isen und Isern; auf gleiche Art sagen die Niedersachsen noch Isen und Isern, und die Holländer Iser, obgleich im Hochdeutschen das letzte nur in der Gestalt eines Beywortes üblich ist, S. Eisern. Viele nordische Mundarten verbeißen den Zischlaut, wie das Schwedische Jern, das Angels. Iren, das Dän. Jern, das Engl. Iron, das Wallis. Hajarn, das Irländ. Jarann, wohin auch das Span. Hierro gehöret. Das Lat. Ferrum und unser Deutsches ehern sind mit dieser Form genau verwandt, so wie unser Hochdeutsches Eisen dem Lat. aes, ehedem aesis, nahe kommt, welches eine allgemeine Benennung aller Metalle, besonders aber auch des Eisens und Stahles war. Ob dieses Wort ursprünglich zu dem Worte Eis gehöret, läßt sich wegen des Alterthumes nicht entscheiden.


Eisenader (W3) [Adelung]


Die Eisenader, plur. die -n, eine Ader Eisenerz in einem Eisenbergwerke, die, wenn sie von beträchtlicher Stärke ist, ein Eisengang genannt wird.


Eisenarzeney (W3) [Adelung]


Die Eisenarzeney, plur. die -en, eine jede Arzeney, welche aus dem Eisen und dessen Roste verfertiget wird.


Eisenbart (W3) [Adelung]


Der Eisenbart, des -es, plur. die -bärte, S. Eisvogel.


Eisenbaum (W3) [Adelung]


Der Eisenbaum, des -es, plur. die -bäume. 1) In den Eisenhämmern, eine hölzerne mit Eisen beschlagene Stange, die Theile und Stücke damit vor den Hammer zu heben. 2) Ein Baum, welcher schwarze saftige Beeren bringet, und in dem südlichen Afrika, Malabar und Carolina wächset; Sideroxylon L. Er hat seinen Nahmen der großen Härte seines Holzes zu danken, welche der Härte des Eisens nahe kommt, daher er von einigen auf Eisenholz genannt wird. 3) Auch eine Art des Drachenbaumes, welche in China einheimisch ist und lanzettförmige spitzige Blätter trägt, wird, vermuthlich auch wegen der Härte ihres Holzes, Eisenbaum genannt; Dracaena ferrea L.


Eisenbeerbaum (W3) [Adelung]


Der Eisenbeerbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, eine Benennung der Rainweide oder des Beinholzes,Ligustrum vulgare, L. ohne Zweifel auch wegen des zähen harten Holzes. S. Hartriegel.


Eisenbeitze (W3) [Adelung]


Die Eisenbeitze, plur. von mehrern Arten, die -n, in den Eisenhämmern, eine Beitze, worein das abgeschmiedete Eisen gelegt wird, damit es die schwarze Rinde verliere, ehe es verzinnet wird.


Eisenbergwerk (W3) [Adelung]


Das Eisenbergwerk, des -es, plur. die -e, ein Bergwerk, in welchem Eisenstein gegraben wird.


Eisenbeschlag (W3) [Adelung]


Der Eisenbeschlag, des -es, plur. inus. S. Eisenblüthe.


Eisenblech (W3) [Adelung]


Das Eisenblech, des -es, plur. inus. außer von mehrern Arten, die -e, eisernes Blech, aus Eisen geschmiedetes Blech, zum Unterschiede des Messingbleches, Kupferbleches u. s. f.


Eisenblumen (W3) [Adelung]


Die Eisenblumen, sing. inus. S. Eisenblüthe.


Eisenblüthe (W3) [Adelung]


Die Eisenblüthe, plur. inus. ein weißer spathartiger korallenförmig angeschossener Tropfstein, der zuweilen auf den Eisensteinen, oft aber auch auf andern Mineralien angetroffen wird; daher der Nahme Eisenblüthe sehr unbequem ist, es müßte denn damit auf dessen Härte gezielet werden, woran er alle übrige Arten des Tropfsteines übertrifft. Andere nennen ihn Eisenblumen, Eisenbeschlag und Eisenfluß. S. 2 Blüthe.


Eisenbrand (W3) [Adelung]


Der Eisenbrand, des -es, plur. die -brände, ein Nahme, der von einigen dem Magnet gegeben werden soll, weil er das Eisen an sich ziehet. Matthesius nennet ihn Eisenbraut. Beyde Benennungen, wo nicht eine derselben ein Druckfehler ist, sind veraltet.


Eisenbrech (W3) [Adelung]


Das Eisenbrech, des -es, plur. inus. S. Mondraute.


Eisenbruch (W3) [Adelung]


Der Eisenbruch, des -es, plur. die -brüche, ein Ort über der Erde, wo Eisenstein gebrochen wird.


Eisendraht (W3) [Adelung]


Der Eisendraht, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, eiserner Draht, aus Eisen gezogener Draht, im Gegensatze des Messingdrahtes u. s. f.


Eisendruse (W3) [Adelung]


Die Eisendruse, plur. die -n, in den Naturalien-Cabinettern, ein krystallinisch angeschossenes Eisenerz.


Eisenerde (W3) [Adelung]


Die Eisenerde, plur. die -n, die eisenhaltige Erde, eine Erde, welche verwittertes Eisenerz in sich enthält. Der Plural ist nur von mehrern Arten dieser Erde üblich.


Eisenerz (W3) [Adelung]


Das Eisenerz, des -es, plur. von mehrern Arten die -e, überhaupt ein jedes Erz, welches Eisen in sich enthält; im gemeinen Leben die Eisenminer. In engerer Bedeutung wird nur das geringhaltige Eisenerz, welches die Schmelzkosten nicht überträgt, Eisenerz genannt, zum Unterschiede von dem Eisensteine, womit man alsdann das reichhaltige Eisenerz zu benennen pfleget.


Eisenfarbe (W3) [Adelung]


Die Eisenfarbe, plur. inus. eine weißgraue Farbe, welche der Farbe des Eisens gleicht. Daher das Bey- und Nebenwort eisenfarbig. S. Eisengrau.


Eisenfeil (W3) [Adelung]


Das Eisenfeil, des -es, plur. car. zu Spänen gefeiltes Eisen, was von dem Eisen im Feilen abgehet; Eisenspäne, im gemeinen Leben Eisenfeilicht.


Eisenfleck (W3) [Adelung]


Der Eisenfleck, des -es, plur. die -e, oder der Eisenflecken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fleck oder Flecken, der von gerostetem Eisen in dem leinen oder baumwollenen Geräthe entstehet; im gemeinen Leben ein Eisenmahl.


Eisenfluß (W3) [Adelung]


Der Eisenfluß, des -sses, plur. inus. S. Eisenbluthe.


Eisenfresser (W3) [Adelung]


Der Eisenfresser, des -s, plur. ut nom. sing. in den gemeinen Sprecharten, ein Prahler, der seine Tapferkeit zur Ungebühr erhebet, und gleichsam Eisen fressen zu können vorgibt. Gevatter, hilf, und wirf das Glas Dem Eisenfresser ins Gesichte, Haged.


Eisenfunke (W3) [Adelung]


Der Eisenfunke, des -n, plur. die -n, Funken, welche von dem glühenden Eisen springen, wenn es geschmiedet wird.


Eisengang (W3) [Adelung]


Der Eisengang, des -es, plur. die -gänge, in dem Bergbaue, ein Glanz, der Eisenerz enthält.


Eisengans (W3) [Adelung]


Die Eisengans, plur. die -gänse, S. Gans 1.


Eisengart (W3) [Adelung]


Der Eisengart, des -es, plur. die -gärte, S. Eisvogel.


Eisengehalt (W3) [Adelung]


Der Eisengehalt, des -es, plur. inus. der Gehalt eines Körpers an Eisen, was ein Körper von Eisen in sich enthält. Der Eisenstein ist von einem guten Eisengehalte.


Eisengießer (W3) [Adelung]


Der Eisengießer, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Eisenhämmern, ein Arbeiter, der Öfen, Töpfe, Grapen u. s. f. aus Eisen gießet, und auch nur schlechthin der Gießer genannt wird.


Eisenglanz (W3) [Adelung]


Der Eisenglanz, des -es, plur. von mehrern Arten, die -glänze, im Bergbaue, 1) ein einfarbiger Glanz oder Glimmer, ein glänzendes, abfärbendes und zuweilen staubiges Eisenerz, welches von einem schlechten Eisengehalte ist; Eisenglimmer. S. Eisenmann und Eisenschwärze. 2) Der rothe Eisenstein, welcher glänzende Flächen hat, wird zuweilen gleichfalls Eisenglanz genannt.


Eisenglas (W3) [Adelung]


Das Eisenglas, des -es, plur. inus. im Bergbaue, ein Eisenerz, welches wie Glas zerspringet.


Eisenglimmer (W3) [Adelung]


Der Eisenglimmer, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. S. Eisenglanz und Glimmer.


Eisengranaten (W3) [Adelung]


Die Eisengranaten, sing. inus. eisenhaltige Granaten, zum Unterschiede von den so genannten Goldgranaten.


Eisengrau (W3) [Adelung]


Eisengrau, adj. et adv. grau wie Eisen, der grauen Farbe des Eisens gleich; eisenfarbig.


Eisengraupe (W3) [Adelung]


Die Eisengraupe, plur. die -n, ein den Zinngraupen ähnliches Eisenerz, welches den Bergleuten unter dem Nahmen des Wolframs bekannt ist. In engerer Bedeutung führet den Nahmen der Eisengraupen ein schwarzbraunes Eisenerz, welches zwischen den Kupfer- und Eisenerzen zu Berg-Gieshübel in Gestalt der Graupen bricht. S. Graupe.


Eisengrube (W3) [Adelung]


Die Eisengrube, plur. die -n, ein Ort, wo Eisenerz oder Eisenstein gegraben wird, besonders wenn solches über der Erde geschiehet.


Eisenhaltig (W3) [Adelung]


Eisenhaltig, -er, -ste, adj. et adv. Eisen in sich enthaltend. Eisenhaltige Erde. Eisenhaltige Steine. Eisenhaltige Wasser, welche die Landleute rostige Wasser oder Rostjauche zu nennen pflegen.


Eisenhammer (W3) [Adelung]


Der Eisenhammer, des -s, plur. die -hämmer. 1) Eigentlich, ein großer Hammer, mit welchem das Eisen in den Eisenhütten in großen Stücken geschmiedet wird. 2) Figürlich, die Hütte oder das Gebäude, in welchem solches geschiehet, die Hammerhütte; und in weiterer Bedeutung, der Umfang aller Gebäude und Hütten, wo der Eisenstein gepocht, geschmelzet, das Eisen gereiniget, gegossen und zu allerley groben Geräthschaften verarbeitet wird, von welcher Fabrik die Hammerhütte nur ein Theil ist.


Eisenhandel (W3) [Adelung]


Der Eisenhandel, des -s, plur. car. der Handel mit Eisen oder eisernen Waaren.


Eisenhändler (W3) [Adelung]


Der Eisenhändler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Eisenhändlerinn, plur. die -en, der mit Eisen oder eisernen Waaren handelt, und dessen Ehegattin; im Österr. ein Eisler.


Eisenhart (W3) [Adelung]


Eisenhart, adj. et adv. so hart wie Eisen. Ein eisenhartes Holz.


Einsenhart (W3) [Adelung]


Das Einsenhart, des -es, plur. inus. ein Nahme eines Krautes. S. Eisenkraut.


Eisenhart (W3) [Adelung]


Der Eisenhart, des -es, plur. inus. ein Nahme, welchen man in Steiermark demjenigen Goldsande gibt, welcher aus der Trau gewaschen wird, weil er sehr eisenschüssig ist. Die Bedeutung der letzten Sylbe in diesem Worte ist dunkel. Vielleicht ist siedas alte Hore, Hort, welches nicht allein Roth, sondern auch Lehmen, Thoa, und vielleicht auch Sand bedeutete.


Eisenhieke (W3) [Adelung]


Die Eisenhieke, S. Hieke.


Eisenholz (W3) [Adelung]


Das Eisenholz, des -es, plur. inus. S. Eisenbaum.


Eisenhütchen (W3) [Adelung]


Das Eisenhütchen, oder Eisenhütlein, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eigentlich, ein kleiner Eisenhut, mit welchem Worte ehedem auch die Helme benannt wurden. In diesem Verstande kommt es nur noch in der Wappenkunst vor, wo die Figuren solcher Helme, dergleichen besonders in den Wappen der Grafen von Öttingen und Pappenheim vorkommen, noch Eisenhütchen genannt werden. 2) Figürlich. Eine Pflanze, welche wegen ihrer giftigen Eigenschaften bekannt ist; Aconitum L. Den Deutschen Nahmen hat sie der Gestalt ihrer Blumen zu danken, daher sie auch Sturmhut, Kappenblume, Narrenkappe, von andern aber auch Wolfswurz und Teufelswurz genannt wird. Sie wächset auch in Deutschland, Schweden, Frankreich u. s. f. wild.


Eisenhütte (W3) [Adelung]


Die Eisenhütte, plur. die -n, im Bergbaue, diejenige Hütte, wo der Eisenstein gepocht und geschmelzt wird. In weiterer Bedeutung wird auch wohl der ganze Umfang aller zur Zubereitung des Eisens gehörigen Werkstätten eine Eisenhütte genannt. S. Eisenhammer 2.


Eisenkalk (W3) [Adelung]


Der Eisenkalk, des -es, plur. von mehrern Arten desselben, die -e, ein in Kalk verwandeltes Eisen, in allen den Bedeutungen, in welchen das Wort Kalk in der Chymie genommen wird; S. dasselbe.


Eisenkies (W3) [Adelung]


Der Eisenkies, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein eisenhaltiges Kies, der mit dem Stahle Feuer gibt, und nach der Röstung schwarz wird.


Eisenkitt (W3) [Adelung]


Der Eisenkitt, des -es, plur. von mehrern Arten die -e, 1) Ein Kitt von gebrannten Gyps und Eisenfeil, mit Essig zu einem Teige gemacht. Steine im Wasser damit zu verbinden; Steinkitt, Wasserkitt. 2) Eine rothbraune eisenhaltige Erde aus Pozzuolo in Neapel, welche einen sehr festen Kitt unter dem Wasser abgibt.


Eisenkloß (W3) [Adelung]


Der Eisenkloß, des -es, plur. die -klöße, S. Rasenstein.


Eisenknecht (W3) [Adelung]


Der Eisenknecht, des -es, plur. die -e. 1) Auf den Kupferhämmern, ein schmales Eisen auf dem Amboßstocke, worauf die Kupferscheibe ruhet. 2) Eine Art Bader, S. Eisern 2.


Eisenkram (W3) [Adelung]


Der Eisenkram, des -es, plur. inus. der Kram, d. i. Handel, mit Eisenwaaren; der Eisenhandel.


Eisenkrämer (W3) [Adelung]


Der Eisenkrämer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Eisenkrämerinn, plur. die -en, der oder die mit Eisenwaaren handelt; der Eisenhändler.


Eisenkraut (W3) [Adelung]


Das Eisenkraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche an den Zäunen und Wegen wild wächset, und kleine bleichblaue Blumen träget; Verbena, L. Sie wird auch Eisenhart, ingleichen Taubenkraut genannt. Sie hat eine anziehende Kraft, und wird im gemeinen Leben als ein Wundmittel gebraucht, daher sie vielleicht den Nahmen hat. Die Crepis tectorum L. wird von einigen auch großes Eisenkraut, von andern aber Berghabichtskraut genannt. Auch der Ackerandorn, Stachys annua L. ist unter dem Nahmen des Eisenkrautes bekannt.


Eisenkrystallen (W3) [Adelung]


Die Eisenkrystallen, sing. inus. Krystallen, welche man aus dem Eisen erhält, wenn dasselbe in Säuren aufgelöset worden.


Eisenkuchen (W3) [Adelung]


Der Eisenkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Gebackenes von Schmalz, Zucker und Eyern, welches in einer eisernen Form mit einem langen Griffe gebacken wird.


Eisenkütte (W3) [Adelung]


Die Eisenkütte, S. Eisenkitt.


Eisenmahl (W3) [Adelung]


Das Eisenmahl, des -es, plur. die -mähler. 1) Ein Flecken von gerosteten Eisen, S. Eisenfleck. 2) Im Bergbaue führet diesen Nahmen so wohl eine dunkle, braune, taube Berg- art, welche dem Eisensteine gleicht, und auch Eisenschuß genannt wird, als auch ein ähnliches taubes Gestein, welches bey den Zwittern oder Zinnerzen bricht. In dieser Bedeutung ist der Plural ungewöhnlich.


Eisenmann (W3) [Adelung]


Der Eisenmann, des -es, plur. car. im Bergbaue, ein schwarzer Eisenglimmer, welcher Schwefel und Arsenik bey sich führet, sehr strengflüssig ist, und zum Schwärzen der Öfen gebraucht wird, daher er auch Eisenschwärze heißt. Mann scheinet in dieser Zusammensetzung das alte Man oder Mein, im Angels. Man, zu seyn, wodurch ehedem etwas falsches, unechtes, im Gegensatze des Echten ausgedruckt wurde. S. Meineid und Mangold. Eisenmann würde also ein Eisenerz bedeuten, welches nur den Schein des Eisens hat, ein unechtes Eisenerz, einen Eisenglimmer.


Eisenminer (W3) [Adelung]


Die Eisenminer, plur. die -n, im gemeinen Leben, das Eisenerz; von dem Lat. Minera.


Eisenmohr (W3) [Adelung]


Der Eisenmohr, des -es, plur. inus. in der Chymie, ein durch bloßes Wasser in sehr feine Theile verwandeltes Eisen, wegen seiner schwarzen Farbe; Lat. Aethiops mineralis.


Eisenoccher (W3) [Adelung]


Der Eisenoccher, des -s, plur. inus. ein Occher, der aus aufgelöseten oder verwitterten Eisen entstehet. S. Occher.


Eisenofen (W3) [Adelung]


Der Eisenofen, des -s, plur. die -öfen, auf den Eisenhämmern, ein Ofen, in welchem das Eisen geschmelzet wird.


Eisenplatte (W3) [Adelung]


Die Eisenplatte, plur. die -n, eine eiserne Platte, dergleichen z. B. zu den Öfen gebraucht werden.


Eisenprobe (W3) [Adelung]


Die Eisenprobe, plur. inus. 1) Die Probirung eines Erzes auf Eisen. 2) In den mittlern Zeiten, eine Art des Ordalii, da der Beklagte zum Beweise seiner Unschuld ein glühendes Eisen tragen mußte.


Eisenrahm (W3) [Adelung]


Der Eisenrahm, des -es, plur. inus. ein schwarzgrauer oder dunkelrother Eisenglimmer mit glänzenden abfärbenden Theilen, welcher sich fettig anfühlen lässet, und von dem Eisenmann oder der Eisenschwärze wenig unterschieden zu seyn scheinet. Er gibt wenig und dabey sprödes Eisen. Er hat den Nahmen nicht daher, weil die Gänge damit als mit einem Rahmen eingefaßt zu seyn pflegen, sondern ohne Zweifel von dem Worte Rahm, Ruß, Schwärze, weil er am häufigsten von schwärzlicher Farbe ist, und daher auch Eisenschwärze genannt wird. In dem Munde der Bergleute lautet dieses Wort bald Eisenrohm, bald auch Eisenraum.


Eisenrahmig (W3) [Adelung]


Eisenrahmig, adj. et adv. Eisenrahm bey sich führend. Ein eisenrahmiges Erz. Ingleichen dem Eisenrahme ähnlich, und in weiterer Bedeutung, den Schein eines Eisenerzes habend; eisenschweifig.


Eisenrost (W3) [Adelung]


Der Eisenrost, des -es, plur. inus. der Rost des Eisens, gemeiniglich nur schlechthin der Rost. S. dieses Wort.


Eisensafran (W3) [Adelung]


Der Eisensafran, des -es, plur. inus. ein aus dem Eisen verfertigter Saftan, Crocus Martis, der nichts anders als ein Rost oder eine unvollkommene Auflösung des Eisens ist. S. Safran.


Eisensalz (W3) [Adelung]


Das Eisensalz, des -es, plur. inus. ein Salz, welches man erhält, wenn man Eisen in Vitriol-Öhl auflöset, und die Auflösung abdünstet; Eisen-Vitriol, Sal Martis, Vitriolum Martis.


Eisensand (W3) [Adelung]


Der Eisensand, des -es, plur. inus. ein eisenhaltiger Sand, der von allerley Farben, am häufigsten aber schwärzlich oder braunroth ist.


Eisensau (W3) [Adelung]


Die Eisensau, plur. die -säue, oder -sauen, bey dem Schmelzen auf Schwarzkupfer, dasjenige Eisen, welches nicht mit verschlacket worden, Kupfer und andere fremdartige Theile enthält, und sich in unförmlichen Klumpen an die Wände des Schmelzofens anhänget.


Eisenscheibe (W3) [Adelung]


Die Eisenscheibe, plur. die -n, in der Markscheidekunst, eine messingene Scheide, welche wie ein Gruben-Compaß eingetheilet ist, und dessen Stelle in solchen Gruben vertritt, wo Eisenerze oder Magnetsteine brechen, welche die Magnetnadel aus ihrer Richtung bringen, und dadurch den Gebrauch des Gruben-Compasses unsicher machen würden; die Stundenscheide.


Eisenschicht (W3) [Adelung]


Die Eisenschicht, plur. die -en, auf den Eisenhämmern, so viel Eisen, als auf ein Mahl durchgesetzet und geschmelzet wird.


Eisenschimmel (W3) [Adelung]


Der Eisenschimmel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schimmel, d. i. weißes Pferd, dessen weiße Farbe mit einer Eisenfarbe durchsetzt ist.


Eisenschlacke (W3) [Adelung]


Die Eisenschlacke, plur. die -n, die Schlacke von dem geschmiedeten, und noch mehr von dem geschmelzten Eisen.


Eisenschlag (W3) [Adelung]


Der Eisenschlag, des -es, plur. inus. 1) Diejenigen dünnen Schlacken, welche von dem Eisen im Schmieden abspringen, und unter dem Nahmen des Hammerschlages am bekanntesten sind. 2) An einigen Orten, das Recht, mit Eisenwaaren zu handeln, und Fremde von diesem Handel auszuschließen; welches Recht zuweilen den Kleinschmieden zustehet. Den Eisenschlag haben.


Eisenschlich (W3) [Adelung]


Der Eisenschlich, des -es, plur. inus. ein Eisenerz in Gestalt eines Schliches, dergleichen sich zuweilen in den Sümpfen findet, da denn gutes Eisen daraus verfertiget werden kann.


Eisenschmid (W3) [Adelung]


Der Eisenschmid, des -s, plur. die -schmiede, ein Schmid, der in Eisen arbeitet, zum Unterschiede von den Kupferschmieden und Goldschmieden. Daher die Eisenschmiede, plur. die -n, die Werkstätte eines solchen Schmids.


Eisenschneider (W3) [Adelung]


Der Eisenschneider, des -s, plur. ut nom. sing. in den Münzen, ein Künstler, der die Stämpel zu den Münzen schneidet; der Stämpelschneider.


Eisenschuß (W3) [Adelung]


Der Eisenschuß, des -sses, plur. von mehrern Arten die -schüsse, im Bergbaue, eine Steinart, welche eisenhaltig zu seyn scheinet, es aber nicht, oder doch nur sehr geringe ist; ein Eisenglimmer, Eisenmahl, S. das letztere. In weiterer Bedeutung, werden zuweilen auch alle Eisenerze Eisenschüsse genannt.


Eisenschussig (W3) [Adelung]


Eisenschussig, -er, -ste adj. et adv. im Bergbaue, dem Eisen und Eisenerze gleich, Eisen enthaltend. Eisenschüssiger Sand, eisenschüssiges Gestein, welches Eisenerz enthält. Eisenschüssiger Stahl, der dem Eisen noch so sehr gleichet, der nicht genug gereiniget und gehärtet worden; welcher Fehler am Bruche erkannt wird.


Eisenschwärze (W3) [Adelung]


Die Eisenschwärze, plur. von mehrern Arten, die -n. 1) Im Bergbaue, ein schwärzlicher Eisenglimmer, S. Eisenmann und Eisenrahm. 2) Eine aus Eisen zubereitete Schwärze. So ist die Eisenschwärze der Buchbinder, womit sie die Lederbände schwarz färben, eine schwarze Farbe, welche vermittelst des Essiges aus altem Eisen, Hammerschlage, und wälschen Nußschalen gezogen wird.


Eisenschweif (W3) [Adelung]


Der Eisenschweif, des -es, plur. inus. im Bergbaue, ein klarkörniger Eisenglimmer, und zuweilen auch ein jeder Eisenglimmer.


Eisenschweifig (W3) [Adelung]


Eisenschweifig, adj. et adv. Eisenschweif enthaltend, dem Eisenschweife gleich. Ein eisenschweifiges Erz. In weiterer Bedeutung so viel als eisenschüssig, den Schein eines Eisenerzes habend.


Eisensinter (W3) [Adelung]


Der Eisensinter, des -s, plur. inus. ein Nahme, der zuweilen auch den Eisenblumen oder der Eisenblüthe gegeben wird, weil sie ein wirklicher Sinter ist; Erdkobalt.


Eisenspath (W3) [Adelung]


Der Eisenspath, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein eisenhaltiger Spath, welcher gemeiniglich weiß, zuweilen auch hellbraun ist, am Tage eine schwärzlich braune oder schwarze Verwitterung und im Feuer eine schwärzliche Farbe bekommt.


Eisenspiegel (W3) [Adelung]


Der Eisenspiegel, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. ein Eisenstein, welcher aus lauter über einander liegenden glänzenden Schalen bestehet, und von einigen zu dem Glaskopfe gerechnet wird.


Eisenstahl (W3) [Adelung]


Der Eisenstahl, des -es, plur. inus. in den Eisenhämmern, derjenige Hammerschlag, welcher unter dem Hämmern des Eisens abspringt, und von den Schmieden zum Stählen gebraucht wird.


Eisenstein (W3) [Adelung]


Der Eisenstein, des -es, plur. die -e, ein jeder Stein, welcher Eisen enthält. In engerer Bedeutung werden nur die reichhaltigen Eisensteine, welche schmelzwürdig sind, mit diesem Nahmen beleget. S. Eisenerz. Ottfried nennt den Eisenstein Isiner Steina. Daher der Eisensteingang, des -es, plur. die -gänge, ein Gang, auf welchem Eisenstein bricht; der Eisensteinmesser, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Geschworner, welcher darauf siehet, daß der Eisenstein gehörig gemessen wird; die Eisensteinzeche, plur. die -n, eine Zeche, wo Eisenstein gebrochen wird u. s. f.


Eisenstufe (W3) [Adelung]


Die Eisenstufe, plur. die -n, eine Stufe Eisenstein oder Eisenerz.


Eisensumpf (W3) [Adelung]


Der Eisensumpf, des -es, plur. die -sümpfe, in einigen Gegenden, z. B. in Steiermark, Sümpfe oder Schrote, welche in das ausgehauene Gebirge geschlagen werden, worein sich ein eisenschüssiges Wasser sammelt, welches in einigen Jahren zu Schlich, und hernach zu Eisenstein wird, und den besten Stahl liefert.


Eisensyrupp (W3) [Adelung]


Der Eisensyrupp, des -es, plur. inus. ein mit weißem Weinsteine gemachte Eisen-Tinctur, welche bis zur Syruppdicke eingekocht wird, und süß ist; Syrupus Martis.


Eisen-Tinctur (W3) [Adelung]


Die Eisen-Tinctur, plur. von mehrern Arten, die -en, ein von aufgelösetem Eisen oder Eisenroste gefärbter flüssiger Körper; Tinctura Martis.


Eisen-Vitriol (W3) [Adelung]


Der Eisen-Vitriol, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein von einem Sauern Salze aufgelösetes und wieder zu Krystallen verdicktes Eisen, welches so wohl von der Natur, als auch von der Kunst hervor gebracht wird; Vitriolum Martis. Der natürliche Eisen-Vitriol ist grün, und unterscheidet sich dadurch von dem Kupfer-Vitriole, welcher blau, und von dem Zink-Vitriole, welcher weiß ist. Der künstliche Eisen-Vitriol wird auch Eisensalz genannt.


Eisenwaare (W3) [Adelung]


Die Eisenwaare, plur. die -n, eine jede Waare von Eisen, eisernes Geräthe, als eine Waare betrachtet. Mit Eisenwaaren handeln.


Eisenwasser (W3) [Adelung]


Das Eisenwasser, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. ein jedes Wasser, welches aufgelösete Eisentheilchen, oder einen aufgelöseten Eisen-Vitriol bey sich führet, und auch Stahlwasser und Sauerbrunnen genannt wird. Auch dasjenige Wasser, worin glühendes Eisen abgelöschet worden, wird Eisenwasser genannt.


Eisenweinstein (W3) [Adelung]


Der Eisenweinstein, des -es, plur. inus. ein in Weinsteinsäure aufgelösetes und daraus niedergeschlagenes Eisen.


Eisenwerk (W3) [Adelung]


Das Eisenwerk, des -es, plur. die -e. 1) Ein Werk, d. i. durch die Kunst verfertigtes Geräth, aus Eisen; als ein Collectivum, ohne Plural. Thubalkain, der Meister in allerley Eisenwerk, 1 Mos. 4, 22. Dan und Javan - haben auf deine Märkte bracht Eisenwerk, Ezech. 27, 19. 2) Ein Werk, eine Fabrike, wo Eisen zubereitet und verarbeitet wird; in welchem Verstande dieses Wort am häufigsten in weiterer Bedeutung gebraucht wird, den ganzen Umfang aller an einem Orte befindlicher und mit einander in Verbindung stehender Werkstätten dieser Art zu bezeichnen.


Eisenzeug (W3) [Adelung]


Das Eisenzeug, des -es, plur. car. im gemeinen Leben, ein Collectivum, allerley aus Eisen zubereitete Werkzeuge und Geräthschaften auszudrucken.


Eisern (W3) [Adelung]


Eisern, adj. et adv. von Eisen, aus Eisen verfertiget. 1. Eigentlich. Eiserne Ketten. Ein eiserner Ring. Ein eiserner Ofen u. s. f. Das Gitter ist eisern. 2. Figürlich. 1) Fest, dauerhaft, im gemeinen Leben. Ein eisernes Pferd, welches alle Beschwerlichkeiten ertragen kann. 2) Im gemeinen Leben werden diejenigen Dinge, welche bey einer Sache unveränderlich und beständig bleiben, und wenn sie verderben, wieder hergestellet werden müssen, eisern genannt. Eisernes Vieh, eiserne Pferd, eiserne Kühe, welche als Stücke des Inventarii zu einem Gute u. s. f. gehören, und von dem Besitzer bey dessen Abtritte wieder mit eingeliefert, oder an deren Stelle andere Stücke von eben der Güte angeschaffet werden müssen. Dergleichen Vieh wurde schon im mittlern Lateine Bestia ferri, im Franz. aber ehedem Beste de fer genannt. So auch eisernes Geschirr, eiserne Werkzeuge, eisernes Geräth u. s. f. welche Dinge im gemeinen Leben auch Inventarien-Stücke genannt werden, ehedem aber auch stählernes Vieh, stählernes Geräth u. s. f. hießen. Daher der eiserne Brief, eine Urkunde, worin sich jemand anheischig macht, die ihm anvertraueten Stücke in eben dem Zustande wieder abzuliefern. Auf ähnliche Art sind an einigen Orten, z. B. zu Straßburg und Frankfurt eiserne Knechte oder Eisenknechte, eine Art unzünftiger Bader, welche an dem Orte, wo sie einmahl sind, bleiben müssen, und nicht wandern können, auch nur für geringe Leute kleine Badstuben halten, daher sie in den gemeinen Mundarten auch nur Stüblesbader heißen. 3) Ein eiserner Pacht, ist in einigen Gegenden ein Pacht auf sehr lange Zeit, der einem Erbpachte sehr nahe kommt. 4) Ein eiserner Brief, eine Urkunde, worin der Landesherr einen verschuldeten Unterthan auf einige Zeit wider seine Gläubiger in Schutz nimmt, und ihn dadurch gleichsam eisern, d. i. unverletzlich macht; ein Anstandsbrief, Literae moratoriae, Von einem solchen in Schutz genommenen Schuldner pflegt man auch wohl zu sagen, er sey eisern geworden. 5) Die eiserne Zeit, das eiserne Jahrhundert, bey den Dichtern der Griechen und Römer, das vierte schlechteste Alter der Welt, welches auf das eherne folgte. In weiterer Bedeutung in der dichterischen Schreibart, eine schlechte, unfruchtbare, traurige Zeit. Wie eisern sind doch ohne dich die Zeiten, O Jugend, holde Führerinn! Haged. - Freund, unsre Zeit von EisenIst sehr an Menschen arm, obgleich sehr reich an Weisen, Gieseke. 6) Fühllos. Ein eisernes Herz haben, ein unempfindliches, grausames.

Anm. Dieses Wort lautet schon bey dem Isidor, Kero, und in dem alten Gedichte auf den h. Anno isarn, isirn. Es ist von dem Hauptworte Isar, welches ehedem für Eisen üblich war, ganz regelmäßig gebildet, daher Frischens Tadel hier sehr unzeitig ist. Von dem Hauptworte Eisen kommt bey dem Ottfried, Notker, Stryker und andern auch das Beywort ilinin, iseninro, eisnein, eyßnin, vor, welches in den gemeinen Mundarten Oberdeutschlandes noch vorkommt, eisene Riegel, im Hochdeutschen aber ungewöhnlich ist.


Eisfahrt (W3) [Adelung]


Die Eisfahrt, plur. die -en, S. Eisgang.


Eisfeld (W3) [Adelung]


Das Eisfeld, des -es, plur. die -er, in der Seefahrt, eine große Fläche von Eis in den nördlichen Gewässern.


Eisfisch (W3) [Adelung]


Der Eisfisch, des -es, plur. die -e, eine Benennung derjenigen Wallfische, welche sich an und unter dem Eise des Nordpoles aufhalten, und in die Südeisfische, Westeisfische und Nordkaper getheilet werden.


Eisfischerey (W3) [Adelung]


Die Eisfischerey, plur. die -en, diejenige Fischerey, welche im Winter mit Eisnetzen, auf dem Eise der gefrornen Teiche, Seen und Flüsse angestellet wird.


Eisgang (W3) [Adelung]


Der Eisgang, des -es, plur. die -gänge, der Zustand, da ein Fluß mit Eis gehet, d. i. wenn bey dem Anfange des Thauwetters die zerbrochenen Eisschollen von dem Wasser mit fortgetrieben werden; die Eisfahrt.


Eisgrau (W3) [Adelung]


Eisgrau, adj. et adv. grau wie Eis, doch nur von den vor Alter grau gewordenen Haupthaaren. Er hat einen eisgrauen Kopf, eisgraue Haare. Wie es denn seinem hohen Alter und eisgrauen Kopf - - auch gemäß war, 2 Macc. 6, 23. Ein alter eisgrauer Mann.


Eisgrube (W3) [Adelung]


Die Eisgrube, plur. die -n, eine Grube, in welcher das Eis aufbehalten wird, das Getränk im Sominer damit abzukühlen.


Eisholz (W3) [Adelung]


Das Eisholz, des -es, plur. von mehrern Arten, die -hölzer, im gemeinen Leben einiger Gegenden, alles harte Holz von solchen Bäumen, welche keinen Jahrwuchs zeigen. Eis bedeutet hier so viel als Eisen, wegen der Festigkeit und Dauer solcher Holzarten.


Eiskalt (W3) [Adelung]


Eiskalt, adj. et adv. so kalt wie Eis. Eine eiskalte Hand. Der Verstorbene ist bereits eiskalt.


Eiskessel (W3) [Adelung]


Der Eiskessel, des -s, plur. ut nom. sing. ein kupferner zierlich gearbeiteter Kessel, das zur Kühlung des Getränkes bestimmte Eis darin in das Speisezimmer zu tragen.


Eiskluft (W3) [Adelung]


Die Eiskluft, plur. die -klüfte, im Forstwesen, eine Kluft, d. i. ein Riß, welcher von einem starken Froste zuweilen in den Bäumen entstehet; eine Wetterkluft.


Eisklüftig (W3) [Adelung]


Eisklüftig, adj. et adv. Eisklüfte habend. Ein eisklüftiger Baum. Eisklüftiges Holz.


Eisknochen (W3) [Adelung]


Der Eisknochen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Eisbein.


Eiskraut (W3) [Adelung]


Das Eiskraut, des -es, plur. inus. eine Art der Afrikanischen Feige, mit eyförmigen Blättern, welche mit kleinen Blasen, die wie durchsichtige Krystalltropfen aussehen, dergestalt bedeckt sind, daß sie mit Eis überzogen zu seyn scheinen; Mesembryanthemum crystallinum, L.


Eislauf (W3) [Adelung]


Der Eislauf, des -es, plur. car. das Laufen auf dem Eise mit Schrittschuhen.


Eismarkt (W3) [Adelung]


Der Eismarkt, des -es, plur. die -märkte, ein Jahrmarkt, der in einigen nordischen Gegenden außer Deutschland zuweilen auf dem Eise gehalten wird, dergleichen der Eismarkt zu Upsal ist.


Eismeer (W3) [Adelung]


Das Eismeer, des -es, plur. die -e, der Theil des großen Weltmeeres um die Pöle, besonders um den Nordpol, welcher die meiste Zeit des Jahres über mit Eis bedecket ist.


Eismewe (W3) [Adelung]


Die Eismewe, plur. die -n, eine Art großer Mewen in den nördlichen Gewässern.


Eisnebel (W3) [Adelung]


Der Eisnebel, S. Frostrauch.


Eisnetz (W3) [Adelung]


Das Eisnetz, des -es, plur. die -e, ein großes Netz, auf gefrornen Seen, Teichen und Flüssen damit unter dem Eise zu fischen.


Eispfahl (W3) [Adelung]


Der Eispfahl, des -es, plur. die -pfähle, ein Pfahl, der zur Abhaltung der Eisschollen in das Wasser geschlagen wird; S. Eisbaum. Besonders die Pfähle vor den Mahlgerinnen, welche die Eisschollen und andere schädliche Dinge von den Wasserrädern abhalten.


Eispfeiler (W3) [Adelung]


Der Eispfeiler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Pfeiler zur Abhaltung und Zerbrechung des Eises in einem Flusse. S. Eisbock.


Eispflug (W3) [Adelung]


Der Eispflug, des -es, plur. die -pflüge, eine Maschine in Gestalt eines Pfluges, das Eis eines Grabens oder Flusses damit zu durchschneiden und zu öffnen.


Eispunct (W3) [Adelung]


Der Eispunct, des -es, plur. die -e, der feste Punct auf der Scala des Thermometers, welcher den Grad der Kälte bezeichnet, in welchem das Wasser zu gefrieren pflegt; der Gefrierpunct.


Eissäge (W3) [Adelung]


Die Eissäge, plur. die -n, eine solche Maschine in Gestalt einer Säge, welche von Menschen in Bewegung gesetzet wird.


Eisscholle (W3) [Adelung]


Die Eisscholle, plur. die -n, eine Scholle, d. i. ein Stück Eis; im Nieders. Glander, Isglander.


Eisschuh (W3) [Adelung]


Der Eisschuh, des -es, plur. die -e, eine Art Schuhe, oder Bekleidung der Fußsohlen, damit auf dem Eise zu gehen, oder vielmehr zu gleiten und zu schreiten; daher sie auch nur Schlittschuhe, Schreitschuhe, Schrittschuhe genannt werden. S. das letztere.


Eisspiegel (W3) [Adelung]


Der Eisspiegel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Zuckerbäckern, eine Art eines Gusses auf Torten und anderm Gebackenen, welche einem glänzenden Eise gleicht, aus Zuckermehl und Rosenwasser verfertiget wird, und auch Zuckereis, heißt.


Eissporn (W3) [Adelung]


Der Eissporn, des -es, plur. die -e, eiserne Stacheln oder Zacken, welche unter die Schuhe gebunden werden, um sicher auf dem Eise gehen zu können.


Eissprießel (W3) [Adelung]


Der Eissprießel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, diejenigen Enden an jeder Stange des Hirschgeweihes, welche sich unmittelbar über den Augensprossen befinden. In den gemeinen Mundarten der Jäger werden diese Sprossen bald Eisprüßel, Eisprässel, bald nur Prüsel, Prässel, Sprüsel u. s. f. genannt. S. Sprießel. Die Bedeutung des Wortes Eis ist in dieser Zusammenfassung dunkel.


Eisstecher (W3) [Adelung]


Der Eisstecher, des -s, plur. ut nom. sing. ein spitziges Eisen mit einem Häft, die Stücken Eis auf den Tafeln damit zu zerstechen.


Eisstein (W3) [Adelung]


Der Eisstein, des -es, plur. inus. eine Steinart bey Lüneburg, welche dem Eise gleicht, aber eigentlich ein rauher Kalkspath ist, welcher hin und wieder rothe Flecken hat, und zum Kalkbrennen gebraucht wird.


Eisvogel (W3) [Adelung]


Der Eisvogel, des -s, plur. die -vögel, eine Art Wasservögel, welche die Größe einer Wachtel hat, oben grün, unten roth, auf dem Rücken und am Schwanze aber blau ist. Er sucht auch im Winter seine Nahrung, welche aus Fischen bestehet, an und auf dem Eise, daher er den Nahmen bekommen hat; Ispis, Alcyon, L. Ispida, Kl. Klein will ihn lieber den Königsfischer nennen, und führet verschiedene Arten desselben an. In einigen Oberdeutschen Gegenden kennet man diesen Vogel unter dem Nahmen des Eisenbartes, Eisengartes und Golanders. Der letzte Nahme scheinet zu dem Nieders. Glander, eine Eisscholle, zu gehören.


Eiszapfen (W3) [Adelung]


Der Eiszapfen, des -s, plur. ut nom. sing. wie das vorige, in den anständigern Sprecharten. Die Eiszapfen entstehen aus langsam herunter fallenden Wassertröpfen, wenn selbige zu Eis frieren.


Eiszucker (W3) [Adelung]


Der Eiszucker, des -s, plur. inus. ein Nahme des weißen Kandelzuckers, weil er hell und durchsichtig wie Eis ist.


Eitel (W3) [Adelung]


Eitel, eitler, eitelste, adj. et adv. leer, der Gegenwart anderer Dinge beraubt. Eigentlich, im physischen Verstande leer. So quement Romani ouh ubar thaz nement thaz lant allaz, ioh ouh thes giflizent, iz italaz lazent, über dieß werden alsdann auch die Römer kommen, das ganze Land besetzen, und sich befleißigen, es leer zurück zu lassen, Ottfr. B. 3, Kap. 25. Thie odegun alle firliaze er itale, die Reichen alle ließ er leer, ebend. B. 1, Kap. 7; welches auch bey dem Tatian Kap. 3, heißt: Otage forliez itale. De ydele wagen sal rumen dem geladenen, der leere Wagen soll dem geladenen ausweichen, im Sachsensp. und den Goslar. Statuten. Wenn jemand eines andern Sacke idel edder full van der Moelen foeret, in den Brem. Statuten. In dieser eigentlichen Bedeutung kommt es nur noch hin und wieder in den gemeinen Mundarten vor. Es ist mir so eitel in dem Magen, sagt man im Oberdeutschen, wenn man eine unangenehme Leere in demselben empfindet. Das Brot eitel essen, im Oberdeutschen, es leer, ohne Butter essen.2. Figürlich. 1) Aller andern Dinge oder Prädicate entblößet, für lauter. Bey eytler vinster Nacht, Theuerd. Kap. 29. Eitele Butter, eiteles Brot, eiteles Fleisch essen, lauter Butter, Butter allein u. s. f. essen, ohne Brot essen, in den gemeinen Mundarten Oberdeutschlandes. Am häufigsten wird es in dieser Bedeutung so wohl im Niedersächsischen als Oberdeutschen als ein Nebenwort für nichts als gebraucht, welches sich noch häufig in der Deutschen Bibel findet. Die machten beyde Isaac und Rebecca eitel Herzleid, 1. Mos. 26, 35. Und war eitel Segen des Herren in allem, Kap. 39, 5. Esset eitel ungesäuert Brot, 2 Mos. 12, 20. Da eitel Dürre und kein Wasser war, 5 Mos. 8, 15. Es ist eitel Boßheit unter ihrem Haufen. Ps. 55, 16. Es ist eitel nichts und ein verführisch Werk, Jer. 10, 15. Und so in vielen andern Stellen mehr. Ihm träumt von eitel Rache, Uz. Allein in der guten Schreibart der Hochdeutschen ist es veraltet. 2) Im moralischen Verstande leer, leer an Gründlichkeit, an Wahrheit, an Dauer, an Nutzen. (a) Leer an Gründlichkeit und Wahrheit. Es ist ein eiteles Gedicht, ein leeres Gedicht, eine bloße Erdichtung. Ein eiteles (grundloses,) Geschwätz. Eine eitele (ungegründete,) Hoffnung. Ihre Götzen sind Wind und eitel, Es. 41, 29. Und weichet nicht dem Eiteln nach, denn es nutzet nicht, und kann nicht erretten, weil es ein eitel Ding ist, 2 Sam. 12, 21. Wie habt ihr das Eitel so lieb, und die Lügen so gern? Ps. 4, 3; wo es in der Michaelischen Übersetzung heißt: wie lange wollt ihr leere Erdichtungen lieben? Auch in dieser Bedeutung wird es in der anständigern Schreibart der Hochdeutschen wenig mehr gebraucht. (b) Leer an Dauer, vergänglich, welche Bedeutung auch in der edlen Schreibart noch gangbar ist. Es ist alles eitel. So lange du das eitle Leben hast, Pred. 9, 9. Denn alles was ihm begegnet ist eitel, Kap. 11, 18. Eitele (vergängliche,) Freuden, eitele Schönheit, eitele Wollüste. Eitele (zeitliche, vergängliche,) Ehre, welche nur von kurzer Dauer ist. Eitler Ruhm u. s. f. In welchem Verstande ital Ruam schon bey dem Kero vorkommt. (c) Leer an wahrem Nutzen, unnütz, vergeblich. Thaz sin tod ubaral ni uuese in uns so idal, daß sein Tod an uns keineswegs vergebens sey, Ottfr. B. 3, Kap. 36. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, 1 Cor. 15, 17. Eitele, brotlose Künste, die keinen wahren Nutzen bringen. Mache dir nicht solche eitele (vergebliche,) Gedanken. (b) Leer an Tugend, leer an Frömmigkeit, lasterhaft; doch nur an einigen Stellen der Deutschen Bibel. Ich sitze nicht bey den eiteln Leuten, ich habe nicht Gemeinschaft mit den Falschen, Ps. 26, 4; wo es bey Michaelis heißt: ich sitze nicht bey denen die Böses thun. 3) Neigung zu eiteln Dingen habend, so fern eitel, leer an Gründlichkeit, Dauer und bleibendem Nutzen bedeutet, als eine Fortsetzung der vorigen Figur. So nennet man eine Person eitel, wenn sie dem Putze, der Eigenliebe, dem Lobe mehr ergeben ist als diese Dinge eswerth sind, und als der Wohlstand es erfordert. Sie ist sehr eitel, sie ist dem Putze zu sehr ergeben. Ingleichen, diese Neigung an den Tag legend, darin gegründet. Ein eiteler Anzug, eine eitele Kleidung, ein eiteles Betragen.

Anm. Eitel ist, wie aus dem vorigen erhellet, ein Wort, welches sich so wohl in der eigentlichen, als figürlichen Bedeutung schon bey unsern ältesten Schriftstellern findet. Im Angels. lautet es idel, aidlige, aydlige, im Nieders. Holländ. Schwed. und Dän. idel. Das Nieders. bedeutet über dieß auch flüchtig, munter, lebhaft. Im Engl. ist idle müßig. Das Zeitwort aritalen gebraucht Tatian als ein Neutrum für dumm, kraftlos, unbrauchbar werden, von dem Salze; aber bey dem Isidor heißt es so viel als erniedrigen, und wird daselbst von Christo gesagt. S. Vereiteln. Ihre hält das Wallisische eidil, dünn, geschlank, für das Stammwort des Beywortes eitel; wenn es aber so viel als lauter, nichts als, bedeutet, soll es von dem Schwed. Id, ein Werk, Geschäft, und ida, handeln, wirken, bewegen, abstammen; allein dieser Unterschied ist unnöthig und ein wenig zu spitzfindig. Beyde Bedeutungen lassen sich vermittelst der Ableitungssylbe -el ganz bequem von einem einzigen Stammworte ableiten, welches das Wort öde zu seyn scheinet, S. dasselbe. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Possen, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, schlecht, geringe, und das Latein. futilis, sind wenigstens dem Klange und der Bedeutung nach diesem Worte verwandt.


Eitelkeit (W3) [Adelung]


Die Eitelkeit, plur. die -en, von dem vorigen Beyworte, die eitele Beschaffenheit der Sachen und Personen, und eitele Dinge selbst. 1. Die eitele Beschaffenheit, ohne Plural. 1) Die eitele Beschaffenheit der Dinge, in allen Bedeutungen des Beywortes, und unter den daselbst schon gedachten Einschränkungen. In der eigentlichen Bedeutung, von der physischen Leere ist es im Deutschen völlig veraltet. Man gebraucht es nur noch figürlich, (a) von der Leere an Wahrheit und Gründlichkeit; wohin doch nur einige Stellen der Deutschen Bibel zu gehören scheinen. Hab ich gewandelt in Eitelkeit, oder hat mein Fuß geeilet zum Betrug? Hiob 31, 5. Im Hochdeutschen ist es in diesem Verstande veraltet. (b) Von dem Mangel der Dauer, für Verträglichkeit. Die Eitelkeit unsers Lebens. Ich sahe die Eitelkeit unter der Sonnen, Pred. 4, 7. So lang der Mensch lebt in seiner Eitelkeit, Pred. 7, 1. Sintemahl die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit, Röm. 8, 20. (c) Mangel des wahren Nutzens, zuweilen noch im gemeinen Leben. (d) Mangel der Frömmigkeit, Tugend, für Bosheit, in einigen Stellen der Deutschen Bibel. Wie die Heiden wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes, Ephes. 4, 17. Sie wandelten ihrer Eitelkeit nach und wurden eitel den Heiden nach, 2 Kön. 17, 15. 2) Eitele Beschaffenheit einer Person, die übertriebene Neigung zu Dingen, die keinen wahren und bleibenden Nutzen haben, besonders zum Putze, zur Schönheit, zum Ruhme u. s. f. Er besitzt eine große Eitelkeit. Das lässet ihre Eitelkeit nicht zu. Besonders eine ungeordnete Neigung gelobt, geehrt oder bewundert zu werden. 2. Eitele Dinge, Dinge welche keine Dauer, keinen wahren Nutzen haben. 1) Von einzelnen Dingen dieser Art; da auch der Plural üblich ist. Die den nichtigen Eitelkeiten dienen, hasse ich, Ps. 31, 6, nach der Michaelischen Übersetzung. Das sind Eitelkeiten. Ein Weiser hängt sein Herz nicht an dergleichen Eitelkeiten. 2) Der ganze Umfang aller eiteler, d. i. vergänglicher Dinge, im Gegensatze der Ewigkeit, ohne Plural; in welchem Verstande dieses Wort doch außer dem Kanzelstyle wenig gebraucht wird. So lange wir noch in dieser Eitelkeit leben. Aus der Eitelkeit in die Ewigkeit versetzet werden. Anm. In dem 1514 zu Mainz gedruckten Deutschen Livius lautet dieses Wort Yttelkeit. Isidor gebraucht dafür Idalnisse, die Angelsachsen Idlenesse, und die heutigen Niedersachsen Idelheit. Notker übersetzt vanitas durch Vuehsalheit.


Eiter (W3) [Adelung]


Der Eiter, des -s, plur. car. die dicke, weiße oder gelbliche Materie, welche sich von dem Geblüte absondert, und sich in einer Wunde oder in einem Geschwüre sammelt. Eiter setzen, anfangen zu schwären; wenn sich das Blut in Eiter auflöset. Den Eiter (die Auflösung des Blutes im Eiter,) befördern.

Anm. In der heutigen Bedeutung lautet dieses Wort im Nieders. Etter, im Holländ. Eyter und Etter, in Dän. Edder, und in einigen Gegenden Englands Atter. Im Deutschen scheinet es in diesem Verstande so gar alt nicht zu seyn; wohl aber kommen Eitar und Eitter bey dem Isidor, Notker und Ottfried, und Aetter und Ater im Angels. für Gift vor, welche Bedeutung das Schwed. Etter noch hat; S. Otter. Ohne Zweifel stammet dieses Wort von dem alten Eit, Feuer, und eiten, brennen, ab, welches bey dem Notker, den Schwäb. Dichtern und andern vorkommt, und sich zu der brennenden Empfindung, welche so wohl ein Geschwür, als auch das Gift verursacht, ganz wohl schicket. S. Eiternessel, Heiß, Hitze, und Heiter. Im Oberdeutschen ist dieses Wort ungewissen Geschlechtes, das Eiter. In eben dieser Mundart hat man noch ein anderes Wort, ein Geschwür zu benennen, welches Aiß, Eiß lautet, und vermittelst einer gewöhnlichen Vertauschung des s und t mit Eiter aus einer Quelle herstammet, oder auch zu dem Oberdeutschen und Niedersächsischen eisen, aisen, eißen, grauen, schauern, gehöret. S. Eis und Haß.


Eiterbäule (W3) [Adelung]


Die Eiterbäule, plur. die -n, eine Bäule, worin sich Eiter sammelt, eigentlich eine brennende Bäule; im Schwed. Etterböld, Oberdeutsch ein Ais, oder ein Aißen.


Eiterbrust (W3) [Adelung]


Die Eiterbrust, plur. inus. bey den Ärzten, eine Brustentzündung, welche sich mit einer Vereiterung endigt; Empyema.


Eiterfluß (W3) [Adelung]


Der Eiterfluß, des -sses, plur. die -flüsse. 1) Der Fluß des Eiters, ohne Plural. Den Eiterfluß befördern. 2) Der Ort, die Bäule, aus welcher Eiter fließt; welche Bedeutung doch außer der Deutschen Bibel wenig vorkommt. Alle die Eiterflüsse haben, 4 Mos. 5, 2; 2 Sam. 3, 29.


Eiterfraß (W3) [Adelung]


Der Eiterfraß, des -es, plur. inus. das um sich Fressen des Eiters, und die Stelle des Leibes, die von solchem bösartigen Eiter angefressen worden. Meine Haut, dieser Eiterfraß, wird eine andere seyn, Hiob 19, 26, nach der Michaelischen Übersetzung.


Eitericht (W3) [Adelung]


Eitericht, adj. et adv. dem Eiter ähnlich. Eine eiterichte Feuchtigkeit.


Eiterig (W3) [Adelung]


Eiterig, adj. et adv. Eiter enthaltend. Eine eiterige Wunde. Ein eiteriges Geschwür.


Eitern (W3) [Adelung]


Eitern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Eiter geben, das Blut in Eiter verwandeln. Die Wunde eitert. Eine Wunde, ein Geschwür zum Eitern bringen. Daher die Eiterung. Die Eiterung einer Wunde befördern.


Eiternessel (W3) [Adelung]


Die Eiternessel, plur. die -n, eine im gemeinen Leben übliche Benennung der Brennnessel, besonders der kleinesten Art derselben, welche am empfindlichsten brennet, Urtica urens, L. und auch Heiternessel, im Nieders. Hiddernettel, im Schwedischen Etternässla genannt wird.

Anm. Die erste Hälfte dieses Wortes ist das alte Verbum eitern, brennen, welches das Iterativum von dem veralteten eiten, brennen, ist, und noch zuweilen im Nieders. vorkommt, wo es hiddern lautet. Das Zeitwort eiten, kommt so wohl als ein Neutrum für brennen, bey dem Notker, als auch als ein Activum für hitzen, bey den Schwäbischen Dichtern vor. In demo eiteirsuochtest du mich, im Feuer prüfetest du mich, Notker Kap. 16. S. Heiß, Hitze und Heiter. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, brennen, hat mit diesem eiten eine sehr sichtbare Übereinstimmung. Die Stachelbeeren werden wegen ihrer Stacheln, welche so wie die Stacheln der Nessel eine brennende Empfindung verursachen, in Baiern und Österreich Eiterbutzen genannt, von Butz, ein runder Körper.


Eiterruhr (W3) [Adelung]


Die Eiterruhr, plur. inus. eine Art der Ruhr, in welcher mit dem Blute zugleich Eiter abgehet.


Eiterstaar (W3) [Adelung]


Der Eiterstaar, des -es, plur. inus. der graue Staar, wenn sich derselbe in eine dem Eiter ähnliche Materie verwandelt, welche bey der Operation heraus fließt; der Milchstaar.


Eiterstock (W3) [Adelung]


Der Eiterstock, des -es, plur. die -stöcke, der dickere verhärtete Theil in einer Eiterbäule, welcher im Oberdeutschen der Eiterbutzen, im Nieders. aber der Paddik, Peddik genannt wird, welches Wort eigentlich das Mark, das Innere einer Sache bedeutet.


Eiterweiß (W3) [Adelung]


* Eiterweiß, adj. et adv. weiß wie Eiter, die Anwesenheit des Eiters, besonders des aussätzigen Eiters, durch die weiße Farbe verrathend; ein Wort, welches nur in der Deutschen Bibel vorkommt. Wenn ein Mensch schäbicht oder eiterweiß wird, als wollt ein Aussatz werden, 3 Mos. 13, 2. Wenn aber etwas eiterweiß ist an der Haut seines Fleisches, B. 4, 19. Wo dieses Wort auch als ein Hauptwort von einer unter diesen Umständen weißen Stelle gebraucht wird. Bleibt aber das Eiterweiß also stehen und frißt nicht weiter, V. 23, 39; Kap. 14, 56.


Ekel (W3) [Adelung]


Der Ekel, des -s, plur. car. 1) Eigentlich, diejenige unangenehme Empfindung, welche vorher gehet, wenn man sich übergeben will; die Übelkeit. Einen Ekel bekommen. Der Ekel ist wieder vergangen. Jemanden einen Ekel verursachen, eine Neigung zum Erbrechen bey ihm erregen. Noch mehr aber, 2) in weiterer Bedeutung, ein sinnlicher Abscheu gegen solche Gegenstände, welche durch den Geschmack und Geruch empfunden werden, weil sie ein Erbrechen, folglich auch einen Ekel in der eigentlichen Bedeutung, erregen können. Einen Ekel vor gewissen Arten von Speisen haben. Einen Ekel vor etwas bekommen. Dieser Ekel entstehet nicht nur von gewissen dem Geschmacke und Geruche widerwärtigen Dingen, sondern auch von einem Übermaße der Sättigung, weil man sich auch bis zum Ekel satt essen kann, so daß man von allen Arten von Speisen einen Ekel empfindet. Vermöge einer sehr gewöhnlichen Verbindung der Begriffe können auch Gegenstände, die durch das Gesicht, durch das Gefühl und durch das Gehör empfunden werden, einen Ekel erwecken. Körper, welche widerwärtig weich anzufüllen sind, häßliche, scheusliche Gegenstände für das Gesicht, öftere Mißtöne und lauter Consonanzen können figürlich gleichfalls einen Ekel erwecken; obgleich in Ansehung des Gehöres die Figur ein wenig hart zu seyn scheinet. Bis zum Ekel häßlich seyn. Jemanden mit Ekel ansehen. In allen diesen Fällen druckt Ekel den hohen Grad eines sinnlichen Abscheues aus. Nach einer noch weitern Figur, gebraucht man dieses Wort, 3) auch von einem hohen Grade des geistigen Abscheues, des Unwillens, Widerwillens. Und meine Seele wird an euch Ekel haben, 3 Mos. 26, 30. Daß ihre Seele an meinen Satzungen Ekel gehabt hat, V. 43. Darum hatte er einen Ekel wider Israel, 1 Kön. 11, 25. Doch ist die Wortfügung mit den Vorwörtern an und wider im Hochdeutschen ungewöhnlich. 4) Ein Gegenstand, welcher sinnlichen, noch mehr aber geistigen Ekel erwecket. Dein Betragen, deine Aufführung ist mir ein Ekel.

Anm. Im Nieders. lautet dieses Wort Ekern, bey dem Pictorius Erkung, der auch das Beywort erklich, für ekelig, und das Zeitwort erkeln, für Ekel erwecken, hat. Die Neigung zum Erbrechen ist wohl die erste Bedeutung dieses Wortes, und da kann es figürlich als eine Onomatopöie angesehen werden. Doch lässet es sich auch zu der zahlreichen Familie des Wortes Eg, Eck, rechnen, da es denn die stechende oder drückende Empfindung ausdrücken würde, welche man bey dem Ekel in dem Magen empfindet, S. Ekeln und Jucken. Die Endsylbe -el ist bloß die Ableitungssylbe. In der heutigen Bedeutung kommt es bey den alten Schriftstellern nicht vor, indem diese Mazleidi, von Mazze, Speise, Unwille u. s. f. für Ekel, und maßleidig, unwillig, für Ekel empfindend gebrauchen. Dagegen findet sich von des Kero Zeiten an Ege, Ekiso Egiso, sehr häufig für Schrecken, egan, für schrecken, drohen, egebare, ekislih, für fürchterlich, schrecklich. Ob auch das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ekeln, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, der Ekel, hierher gehöret, mögen andere entscheiden. Ist Eckel eine Nachahmung des mit der Neigung zum Erbrechen verbundenen Schalles, so sind sie gewiß verwandt. Was die Rechtschreibung dieses Wortes betrifft, so lautet das erste E im Hochdeutschen durchgängig wie ein gedehntes Ä. Es ist also unrichtig, wenn man es, wie häufig geschiehet, Eckel schreibet, dieses würde ein geschärftes E voraus setzen.


Ekel (W3) [Adelung]


Ekel, -er, -ste, adj. et adv. von dem vorigen Hauptworte. 1. Ekel erweckend, in der ersten und zweyten Bedeutung des Hauptwortes; bestimmter ekelhaft. Ein ekler Gegenstand, Less. Es ist ein ekler Anblick, wenn man eine Spinne die andere fressen siehet, ebend. Ich muß ihnen sagen, daß sie mir von Herzen ekel sind, daß ich sie kaum ausstehen kann, Weiße. Der Speisen ekle Menge, Die fesseln Scherz und Freude nicht, Uz. Noch mehr aber, 2. Ekel empfindend. 1) In der eigentlichen Bedeutung des Hauptwortes, Neigung zum Erbrechen empfindend, im gemeinen Leben. Mir ist so ekel. 2) Figürlich gebraucht man dieses Wort von solchen Personen, welche leicht zum Ekel zu bewegen sind, und da druckt es eine Unart aus, welche sich zunächst bey der Wahl der Speisen und des Getränkes äußert, wenn die Abneigung, deren hoher Grad ein Ekel heißt, aus Eigensinn oder Wollust übertrieben, und auf Gegenstände angewendet wird, die solche nicht verdienen. Er ist sehr ekel, d. i. er isset nicht alles, ist in der Wahl seiner Nahrungsmittel sehr eigensinnig; welche Unart die Oberdeutschen durch häkel, häkelig, wählerisch, uretzen und uretzig, die Niedersachsen aber durch quäletisch, eigentlich wählessend, körisch, körsk, bekörisch, krüsk, köretig, klistern, klestern, gleichsam gelüstern, kiessättig, kiesfretig u. s. f. ausdrucken. In weiterer Bedeutung wird dieses Wort auch von allen andern Gegenständen gebraucht. In der Wahl seiner Vergnügungen, seiner Freunde u. s. f. ekel seyn. In dieser ganzen Bedeutung ist es in Gestalt eines Nebenwortes am häufigsten, als ein Beywort aber nur selten üblich, vermuthlich um die Zweydeutigkeit mit der ersten Bedeutung, Ekel erweckend, zu vermeiden. Denn ein ekeler Mensch, könnte auch einen Menschen bedeuten, der Ekel gegen sich einflößet. 3) Nach einer noch weitern Figur gebraucht man dieses Wort im gemeinen Leben auch von leblosen Dingen, welche leicht Schaden nehmen, leicht verderbt werden können, mit denen man also sehr behuthsam umgehen muß. Roth ist eine sehr ekele Farbe, welche leicht fleckt. Das ist eine ekele (bedenkliche kitzliche,) Sache. Im Oberdeutschen heikel, häkel, häkelig, welches in dieser Mundart noch von einem weitern Umfange der Bedeutung ist, und sich von dem folgenden ekelig bloß durch den voran gesetzten Hauchlaut unterscheidet.


Ekelhaft (W3) [Adelung]


Ekelhaft, -er, -este, adj. et adv. 1) Ekel erweckend, wie ekel 1. Eine ekelhafte Speise. Ein ekelhafter Geruch. Ein ekelhafter Mensch, der durch seine Gestalt, durch seine Unreinlichkeit Ekel einflößet. Das ist mir ekelhaft. Garstige, ekelhafte Dinge. 2) * Ekel empfindend, leicht zum Ekel zu bewegen, wie ekel 2 2). Er ist sehr ekelhaft, ekel. Sie ist ein wenig ekelhaft. Welche Bedeutung doch nur allein im Oberdeutschen üblich ist.


Ekelig (W3) [Adelung]


Ekelig, -er, -ste, adj. et adv. welches mit dem Beyworte ekel einerley Bedeutung hat, aber nur im gemeinen Leben gebraucht wird. 1) Ekel erweckend, für ekelhaft 1. Eine ekelige Sache. Eine ekelige Verrichtung. 2) Leicht zum Ekel zu bewegen, wie ekel 2 2). Ein ekeliger Mensch, der leicht einen Eckel vor etwas empfindet.


Ekeln (W3) [Adelung]


Ekeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. Ekel erwecken. 1) Sinnlichen oder geistigen Ekel erwecken, mit der dritten Endung der Person. Der Zepter ekelt ihm, wie dem sein Hirtenstab, Hall. Wo aufgethürmte Speisen Ihm ekeln, Cron. Ingleichen absolute. Wollust ekelt, Reichtum macht uns müde, Hall. Güter, Die nimmer ekeln, nimmer fehlen, ebend. Doch diese ganze Bedeutung ist im Hochdeutschen ungewöhnlich, und läßt sich höchstens in der höhern Schreibart entschuldigen. 2) * Figürlich, Unwillen, Verdruß erwecken; ein im Hochdeutschen gleichfalls unbekannter Gebrauch. Dieß ekelt mich, daß der König vor andern eine solche Person ausliest, Opitz, für, dieß ärgert mich. Auf eben diese Art gebrauchen die Niedersachsen ihr echeln. Dat echelde mi, das ärgerte mich. Im Angelsächsischen ist aeglan gleichfalls ärgern. 2. Ekel empfinden. 1) Eigentlich, sinnlichen oder geistigen Abscheu im hohen Grade empfinden, als ein unpersönliches Zeitwort. Mir ekelt, dergleichen anzurühren, Hiob 6, 7, nach der Michaelischen Übersetzung. In Luthers Übersetzung heißt es: Was meiner Seele widerte, anzurühren. Den Egyptern wird ekeln zu trinken des Wassers aus dem Strom, 2 Mos. 7, 18. Daß ihm für (vor) der Speis ekelt, Hiob 33, 20. Zuweilen, aber nicht so richtig, mit der vierten Endung der Person, mich eckelt davor. Mit der ersten Endung ist es im Hochdeutschen eben so ungewöhnlich: Unsere Seele ekelt über dieser losen Speise, Hiob 33, 20; als in der reciproken Gestalt: wenn er sich zum voraus an jeder Rettung ekelt, Herd. 2) * Eine unerlaubte oder doch unzeitige Begierde nach etwas empfinden; S. das Beywort Ekel 2 2). Ihr Vorwitz ekelt nicht nach unerlaubten Gütern, Hall. Den Hochdeutschen ist diese Bedeutung fremd.

Anm. Im Engl. bedeutet it irketh me gleichfalls, es ekelt mich, verdrießt mich, und irksome ist in dieser Sprache ekelhaft, verdrießlich. Im Oberdeutschen war für ekeln ehedem auch unwillen üblich. Also daß dem Menschen darob unwillet, Buch der Natur. Augsb. 1482. S. Ekel, das Hauptwort.


Ekelnahme (W3) [Adelung]


Der Ekelnahme, des -n, plur. die -n, im gemeinen Leben, ein Schimpfnahme, ein Beynahme, welche man jemanden aus Verachtung oder zur Beschimpfung gibt; ein Spitznahme, Ökelnahme, im Nieders. Ökernahme, im Schwed. Ökname, im Dän. Öyenavn. Da Ekel auch überhaupt Verdruß, Unwillen, kurz alles was ein hoher Grad der unangenehmen Empfindung ist, bedeutet, so lässet sich dieses Wort auch ganz füglich von demselben herleiten; zumahl da hohneken und ausecken in den gemeinen Mundarten auch für verspotten gebraucht werden. In- dessen hat auch Ihres Ableitung ihre Wahrscheinlichkeit, der es von dem alten Zeitworte aukan, vermehren, abstammen lässet, ( S. Auch,) so daß Ekelnahme eigentlich einen jeden Beynahmen bedeuten würde. Es ist nur dabey zu bedenken, daß dieses Wort jederzeit im nachtheiligen Verstande für einen Spottnahmen gebraucht wird; daher die erste Ableitung doch immer mehr Wahrscheinlichkeit hat.


Ekliptik (W3) [Adelung]


Die Ekliptik, plur. inus. ein aus dem Griechischen entlehntes Wort, in der Astronomie und Geographie den jährlichen Sonnenweg um die Erde, oder vielmehr den jährlichen Weg der Erde um die Sonne zu bezeichnen; die Sonnenbahn. Sie bestehet aus einem Zirkel, welcher den Äquator an zwey Orten durchschneidet.


Ekloge (W3) [Adelung]


Die Ekloge, plur. die -n, ein gleichfalls nach dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gebildetes Wort, welches eigentlich eine Sammlung auserlesener Stücke bedeutet, aber hernach eine Benennung des Schäfergedichtes geworden ist. Man hat die Eklogen von den Idyllen noch unterscheiden wollen, und in jenen mehr Handlung, in diesen aber mehr Bilder und Empfindungen verlangt.


Elastisch (W3) [Adelung]


Elastisch, -er, -te, adj. et adv. aus dem Griech. bemüht, nach dem Drucke oder nach der Biegung seinen vorigen Raum wieder einzunehmen, von gewissen Körpern; federhart, weil diese Eigenschaft an den stählernen Federn am merklichsten ist. Daher die Elasticität, plur. von mehrern Arten, die -en, diese Eigenschaft; die Federkraft, Schnellkraft.


Elbbutte (W3) [Adelung]


Die Elbbutte, plur. die -n, in Niedersachsen, besonders in Hamburg, ein Nahme der Glattbutte, Pleuronectes Rhombus, L. weil sie in die Elbe geht.


Elbe (W3) [Adelung]


Die Elbe, plur. inus. der eigenthümliche Nahme eines großen Flusses in Deutschland, der auf dem Riesengebirge entspringet, und sich in der Nordsee ergießet. Daher der Elbdeich, des, -es, plur. die -e, ein Deich an der Elbe u. s. f.

Anm. Der Nahme dieses Flusses ist ein altes Deutsches Nennwort, welches noch in den mitternächtlichen Ländern üblich ist. Denn im Dänischen bedeutet Elve, und im Schwed. und Isländ. Elf, einen jeden großen Fluß. Es ist daher zu verwundern, wie man auf so viele zum Theil ungereimte Muthmaßungen verfallen, und den Nahmen unserer Deutschen Elbe bald von albus, weiß, bald von den vorgegebenen eilf Quellen, bald von Alpen, bald aber auch, wie Frisch, von Halbe, die Seite, herleiten können.


Elbkage (W3) [Adelung]


Die Elbkage, S. Fleiß


Elbling (W3) [Adelung]


Der Elbling, des -es, oder der Elblinger, des -s, plur. inus. eine Art Weinstöcke, welche große Trauben mit hellen dünnschäligen Beeren tragen, aber einen schlechten wässerigen Wein geben; in Meißen Elbricht. Anm. Im gemeinen Leben wird dieser Wein auch Elbisch genannt. Die Bedeutung dieses Nahmens ist unbekannt, er müßte denn von dem veralteten Worte elb, weiß, herkommen, von welchem der Schwan bey alten Oberdeutschen Schriftstellern noch häufig Elbsch genannt wird. Wenigstens haben die Trauben dieses Weinstockes eine helle weißgrüne Farbe. Coler sagt in seinem Hausbuche, dieser Wein werde Lateinisch Vitis elbolia genannt.


Elbogen (W3) [Adelung]


Der Elbogen, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige Theil des Armes, wo sich das Armbein bieget, oder einen Bug hat, das mittlere Gelenk des Armes, der Ort, wo die beyden Beine zusammen stoßen und dieses Gelenk bilden. Sich auf den Elbogen stützen. In weiterer Bedeutung auch der ganze Theil des Armes von diesem Gelenke an Ibis zur Handwurzel. Daher die Elbogenröhre, oder die große Elbogenröhre, plur. die -n, das lange Bein, welches den Elbogen oder diesen Theil des Armes ausmacht; Focile majus. Die kleine Elbogenröhre, oder die Schiene, welche andere auch die Spindel heißen; Focile minus, das daneben liegende kleinere Bein. Auch an den Pferden pflegt man den Knochen, der den Kegel mit dem Schenkel verbindet, oder das Gelenk zwischen dem Schenkel und dem Kegel, den Elbogen zu nennen.

Anm. Im Nieders. lautet dieses Wort Elbogen, im Angels. Elboga, im Holländ. Ellebooge, im Dän. Albue, im Engl. Elbow, im Isländ. Olenbogo. Die letzte Hälfte dieses Wortes bedeutet so viel als Bug oder Biegung, daher es in einem alten Oberdeutschen Vocabulario aus dem funfzehnten Jahrhunderte auch Ellenböch lautet. Die erste Hälfte ist das alte Wort Ell, Ellen, bey dem Raban Maurus Helina, im Schwed. Aln, welches gleichfalls den Theil des Armes bedeutet, den wir jetzt Elbogen nennen. Es stammet entweder von dem alten Worte El, Al ab, welches ehedem überhaupt einen langen dünnen Körper bedeutet, S. Ahl, Ahle; oder auch von dem gleichfalls veralteten Ellen, Stärke, große Kraft, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - weil der Mensch in diesem Theile des Armes eine vorzügliche Kraft besitzet; S. Elle. In einigen gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes lautet dieses Wort Ellenbogen, welche Form auch in der Deutschen Bibel vorkommt. Im Sachsenspiegel heißt der Elbogen die Gare.


Elbthier (W3) [Adelung]


Das Elbthier, S. Iltiß.


Elderitz (W3) [Adelung]


Elderitz, S. Elritze.


Elektrisch (W3) [Adelung]


Elektrisch, -er, -te, adj. et adv. aus dem Griechischen, fähig, nach geschehenen Reiben andere Körper an sich zu ziehen, und leuchtende und stechende Funken von sich zu geben. Daher die Electricität, plur. von mehreren Arten, die -en, diese Eigenschaft, ingleichen deren Ursache; elektrisiren, verb. reg. act. einen Körper durch Reiben in diesen Zustand versetzen; die Elektrisir-Maschine, wodurch dieses geschiehet; der Elektrometer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Veranstaltung, die Stärke oder Beschaffenheit der Electricität zu bestimmen; der Elektrophor, des -s, plur. die -e, ein von Volta 1775 erfundenes Instrument, vermittelst dessen man lange Zeit elektrisiren kann, ohne die Electricität aufs neue erregen zu dürfen.


Elegie (W3) [Adelung]


Die Elegie, (dreysylbig,) plur. die -n, (viersylbig,) aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, die Klage, in der Dichtkunst der Alten und der Neuern. 1) Eigentlich, ein Klagegedicht, ein Gedicht, in welchem der Dichter klaget, oder sich über etwas beklaget. 2) In weiterer Bedeutung war die Elegie schon bey den Alten ein Gedicht, welches den sanften Empfindungen der Traurigkeit oder Freude, besonders den verliebten Empfindungen einer so wohl glücklichen als unglücklichen Zärtlichkeit gewidmet war. 3) In der weitesten Bedeutung hieß bey den Lateinern die Elegie ein jedes Gedicht, welches aus abwechselnden Hexametern und Penta-metern bestand, weil diese Versart am häufigsten zu den eigentlichen Elegien gebraucht wurde. Daher das Bey- und Nebenwort elegisch.


Element (W3) [Adelung]


Das Element, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Elementum. 1. Inder schärfsten metaphysischen Bedeutung, die einfachen Theilchen der Materie, welche nicht mehr aus andern trennbaren Theilen zusammen gesetzt sind, die kleinsten Substanzen, woraus alle Körper zusammen gesetzt sind, und die sich, wenigstens durch menschliche Kraft, nicht weiter theilen lassen; der Grundstoff, Urstoff, die Bestandtheile. In dieser Bedeutung ist der Singular ungewöhnlich. 2. In weiterer Bedeutung, werden so wohl in den Wissenschaften als auch im gemeinen Leben verschiedene Körper, die man aus Bequemlichkeit oder aus Unwissenheit für die ersten einfachen Bestandtheile aller oder doch gewisser Körper hält, Elemente genannt. Dahin gehören die vier Elemente der alten Naturforscher, Feuer, Luft, Erde, und Wasser, aus welchen alle übrige Körper zusammen gesetzt seyn sollen. Die Luft ist ein sehr elastisches Element. Daß ich weiß, wie die Welt gemacht ist, und die Kraft der Elemente, Weish. 7, 17. Die Elemente gingen durch einander, Kap. 19, 17. Die Elemente aber werden für Hitze zerschmelzen, 2 Petr. 3, 10, 12. Bey den mittlern Lateinischen Schriftstellern kommen die Himmelskörper, besonders die Sonne und der Mond mehrmals unter dem Nahmen der Elemente vor. Die alten Scheidekünstler hielten das Quecksilber, den Schwefel, das Salz, das Phlegma und eine taube Erde für die Elemente aller Metalle. S. Elementsgang. 3. Figürlich. 1) Was zum thierischen Leben unentbehrlich ist, vermuthlich in Anspielung auf Luft und Wasser, zwey Elemente, ohne welche kein Thier leben kann; ohne Plural. Wasser ist das Element der Fische. Das ist kein Element, oder jetzt ist er in seinem Elemente, sagt man im gemeinen Leben von jemanden, der sich in seinem Zustande befindet, der seinen Wünschen gemäß ist. Der Hof ist sein Element, die Gegenwart am Hofe ist in seinen Augen das höchste Gut. 2) Die ersten Anfangsgründe einer Wissenschaft, doch mehr im Lateinischen als Deutschen; ohne Singular. 3) In den niedrigen Sprecharten ist, beym Element, zum Element, Gotts oder Potz Element, im Nieders. Salement, eine Art des Fluches, oder vielmehr eines sinnlosen Ausdruckes einer heftigen Leidenschaft; wovon man auch das eben so niedrige elementisch hat.


Elementarisch (W3) [Adelung]


Elementarisch, adj. et adv. in der ersten engsten Bedeutung des vorigen Wortes. Das elementarische Feuer, oder Elementar-Feuer, ein sehr feines, menschlichen Sinnen unempfindbares Feuer, welches durch alle Körper vertheilet seyn soll.


Elements-Gang (W3) [Adelung]


Der Elements-Gang, des -es, plur. die -Gänge, im Bergbaue, Gänge, welche zwar kein Erz, aber doch auch nicht ganz taube Bergarten führen, sondern Flüsse, Spath, Blende u. s. f. enthalten; vermuthlich, weil die Bergleute diese Bergarten für die Elemente, oder den Grundstoff der Erze und nutzbaren Mineralien halten.


Element-Stein (W3) [Adelung]


Der Element-Stein, des -es, plur. die -e, ein Nahme, der zuweilen dem Opale gegeben wird, der allerley Regenbogenfarben spielet, und auch Augenstein, Katzenauge, Sonnenauge, genannt wird.


Elend (W3) [Adelung]


1. Das Elend, oder Elendthier, des -es, plur. die -e, ein zweyhufiges vierfüßiges Thier, mit einem breiten, flach gedruckten schaufeligen Geweihe, welches dicker und stärker als ein Hirsch ist, sehr schnell laufen kann, und in den nordischen Gegenden Europens angetroffen wird; Alces, L. Dasjenige Thier, welches Luther 5. Mos. 14, 5, Elend nennet, und welches den Juden zu essen erlaubt war, heißt im Hebräischen Samer, ist aber dem Michaelis zu Folge, eine noch unbekannte Art von Thieren.

Anm. Bey den Schwäb. Dichtern heißt dieses Thier Eln, in Deutschen Urkunden des 11ten Jahrhunderts, wo dieses Thier noch am Nieder-Rheine vorkommt, Elo, im Dän. Elsdyr, im Schwed. Elg. im Angels. Elch, im Engl. Elk, im Isländ. Yllgur, im Norweg. Elling, im Franz. Elan, im Holländ. Eeland, Eland, Elch, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im Latein. Alce. Seitdem man dieses Thier genauer kennen lernen, sind auch verschiedene ungereimte Ableitungen seines Nahmens von selbst weggefallen. Eine der erträglichsten Ableitungen lässet dieses Wort von dem alten ellen, eilen, abstammen. Allein wenn man bedenkt, daß in verschiedenen Sprachen mehrere große Thiere ähnliche Nahmen führen, so will auch diese Ableitung nicht mehr hinreichen. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - bedeutet mehrmahls sowohl einen Löwen, als auch ein wildes Schwein. Im Wallisischen ist Elain ein Hirschkalb, und Helahun der Tragelaphus, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und im Slavon. Jelen, der Hirsch, im Russischen Oleen das Rennthier, und im Finnischen bedeutet Elein, und im Hungar. Allat, ein jedes großes Thier. S. auch Elephant, welches Wort seiner ersten Hälfte nach gleichfalls hierher gehöret. Vermuthlich erhält noch das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und das alte Deutsche Ellen, Stärke, den Stammbegriff dieses Wortes, zumahl da die Holländer das Elend auch Sterk, einige Deutsche Provinzen aber eine junge Kuh eine Stärke nennen, S. Elbogen; wenn man nicht lieber das folgende Elend, fremd, für das Stammwort halten will, so daß Elend eigentlich ein ausländisches Thier bedeuten würde. Die Russen nennen das Elend Loss.


Elend (W3) [Adelung]


2. Das Elend, des -es, plur. inus. ein fremdes Land, so fern der Aufenthalt in demselben als eine Strafe, oder als eine Widerwärtigkeit angesehen wird, exilium; ein größten Theils veraltetes Wort, welches nur noch in den Redensarten vorkommt, jemanden in das Elend verweisen, ins Elend gehen, im Elende leben, das Elend bauen, d. i. als ein Fremdling in einem fremden Lande wohnen, S. 1 Bauen u. s. f. Und wie er viele Leute aus ihrem Vaterlande vertrieben hatte, so mußte er auch selbst im Elende sterben zu Lacedämon, 2 Macc. 5, 9. Sie sind neulich wieder kommen aus dem Elende darin sie waren, Jud. 5, 21.

Anm. Ehedem war dieses Wort in der jetzt gedachten Bedeutung üblicher, als es jetzt ist. Du mußt denken, daß nirgend kein Elend, sondern wo du hinkommst, daß du überall daheim seyst, Kaisersb. Es bedeutet aber nicht bloß ein fremdes Land und den Aufenthalt in demselben, sondern auch einen Vertriebenen, exulem, einen Fremdling: ja es waren auch das Beywort, elend, fremd, das Zeitwort ellenden, ein Fremdling seyn, sich ellenden, sich entfernen, nebst vielen andern Zusammensetzungen und Ableitungen üblich. Den schon von Frischen angeführten Beyspielen können noch folgende beygefüget werden. Ich war froidebere, Sorge was ellende (fremd) in minem herzen, Gottfr. von Nisen. Mir seit ein ellender bilgerin, mir sagte ein fremder Pilgrim, Rudolph von Rothenburg. O we, was eren sich ellendet (sich entfernet) von tiutschen landen! Walther von der Vogelweide. Muos sich min lip von ir elenden, (entfernen,) Friedr. von Hufen. Daher wird eine Herberge für fremde, ausländische Personen in den vorigen Jahrhunderten sehr häufig eine Elend-Herberge genannt. Was die Abstammung dieses Wortes betrifft, so ist dessen erste Hälfte leicht zu bestimmen. Es ist das alte el, fremd, ander, welches schon in dem Latein. alius und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - zum Grunde lieget, und noch in der Niedersächsischen und einigen verwandten Mundarten, wenigstens in Zusammensetzungen angetroffen wird. Dahingehören das mittlere Latein. albanus, albanagium, das Goth. aljath, anders wohin, das Engl. else, sonst, das Nieders. elaat, welches so viel als das Hochdeutsche albern bedeutet, das gleichfalls Nieders. eeldanken, an fremde Sachen denken, das Schwed. elidheodig, ein Fremder, das Angels. eltheedig, ein Proselyt, das Oberdeutsche Ellentuom, Gefangenschaft in einem fremden Lande, welches bey dem Notker und in den Monseeischen Glossen vorkommt, das alte Elirater, ein Ausländer, Barbarus, bey dem Raban Maurus, und Eilporo, ein Fremder, in Boxhorns Glossen. In manchen großen Städten, z. B. zu Augsburg, findet man eine Straße, welche das Elend genannt wird; vielleicht weil sie zum Aufenthalte der Fremden bestimmt war. Die letzte Hälfte des Wortes Elend ist, dem Wachter zu Folge, das Deutsche Wort Land, welche Muthmaßung dadurch wahrscheinlich wird, daß dieses Wort bey dem Ottfried beständig Elilent lautet. S. auch das folgende.


Elend (W3) [Adelung]


3. Das Elend, des -es, plur. inus. 1. Überhaupt, ein jeder hoher Grad der physischen so wohl als sittlichen Unvollkommenheit eines Dinges. In der Welt ist nichts wie Jammer und Elend. Er klagte mir sein Elend, den hohen Grad seiner Noth, von was für Art solche auch seyn mag. 2. Besonders. 1) Gebrechlichkeit des Leides, schwere Krankheit. Er hat vieles Elend ausgestanden. 2) Hoher Grad der Armuth und Dürftigkeit. In großes Elend gerathen. In seinem Elende vergehen. Vor Elend verschmachten. Sich in das äußerste Elend stürzen. Jemanden aus dem Elende helfen. Da ist nichts wie Noth und Elend. 3) Bedrückung, Drangsale. Ich habe gesehen, das Elend meines Volkes in Egypten, 2 Mos. 3, 7. Siehe an mein Elend unter den Feinden, Ps. 9, 14. 4) Hoher Grad der Betrübniß, des Kummers, und anhaltender Schmerzen. Vieles Elend ausstehen. In seinem Elende vergehen. Es ist ein Elend anzusehen. Er jammert, daß es ein Elend ist, im gemeinen Leben. 5) Im gemeinen Leben, oft vermittelst einer Vergrößerung von einer jeden, auch noch so geringen unangenehmen Empfindung. Es ist ein wahres Elend mit den Dienstbothen. Es ist ein rechtes Elend, wenn mir Ein Mahl etwas fehlet, so sind mir nachdem auch die gesündesten Dinge schädlich, Gell. 6) Hoher Grad des sittlichen Verderbens, besonders im theologischen Verstande. 7) Der ganze Inbegriff der natürlichen und nothwendigen Übel, das menschliche Leben selbst, gleichfalls nur in der Kanzelberedsamkeit. Aus diesem Elende scheiden, sterben. Gott hat ihn aus diesem Elende zu sich genommen.

Anm. In Strykers altem Gedichte kommt Ellend zuerst für miseria vor, womit auch das Schwed. Elande, und das Isländ. Illendu, Illende, miseria, überein kommt. Gemeiniglich hält man diese Bedeutung für eine Figur des vorigen Wortes; allein, ob sich gleich diese Meinung zur Noth rechtfertigen ließe, so ist doch wahrscheinlicher, daß Elend in dieser Bedeutung, wenigstens seiner Form nach, ein eigenes und besonderes Wort ist. Ihre leitet es von dem alten ill, böse, schlecht, her, aus welchem vermittelst des Ableitungslautes d oder end, das Abstractum Elend geworden; so wie auf ähnliche Art aus jung, das Hauptwort Jugend, und von taugen, Tugend geworden ist. Indessen stehet es noch dahin, ob dahin, ob dieses ill nicht auch zudem oben gedachten alten Worte el, alius, fremd, gehöret, so daß Elend eigentlich alles bedeuten würde, was einem Dinge fremd ist, oder zu dessen Vollkommenheit nicht gehöret. S. das folgende. Einige Mundarten sprechen das erste e in diesem Worte hoch, wie das erste e in gehen, die meisten aber tief, wie ein ä aus. In allen drey Substantiven, so wie in dem folgenden Adjective hat die erste Sylbe den gedehnten Hauptton, die zweyte aber einen sehr be- stimmten halben Ton, daher man, z. B. Elend nicht mit fehlend reimen kann, weil hier die letzte Sylbe tonlos ist.


Elend (W3) [Adelung]


Elend, -er, -este, adj. et adv. welches zu dem vorigen Hauptworte gehöret, aber doch in einigen Bedeutungen gebraucht wird, in welchen jenes nicht mehr üblich ist. 1) In einem hohen Grade schlecht, seiner Bestimmung und der Vollkommenheit in einem hohen Grade nicht gemäß. Das ist sehr elendes Brot. Ein elender Wein. Eine elende Herberge. Ein elendes Gedicht. Ein elender Schriftsteller, der nichts als sehr schlechte Sachen schreibet. Elende Entschuldigungen, Ausflüchte. Elende Arbeit machen. Ein elender Trost. Mein Herz wird das Opfer eines elenden Staats-Interesse, Less. Ein Elender, ein nichtswürdiger, lasterhafter Mensch. 2) Sehr arm, armselig. Ein armer elender Mensch. Ein elender Zustand. Er muß sich sehr elend behelfen. Elend leben. Es gehet ihm sehr elend. Der Glücklichste, heute noch der Glücklichste, und morgen schon ein Elender, Sonnenf. 3) Armselig und verächtlich. Eine elende Hantierung. Ein elendes Leben führen. 4) Gebrechlich. Ein alter elender Mann. Ein lahmer elender Mensch. 5) Ungesund, mager, im gemeinen Leben. Er siehet sehr elend aus. Er ist sehr elend geworden. 6) Große Schmerzen, vielen Verdruß, vielen Kummer empfindend, sehr unglücklich, Mitleiden verdienend. Ein elendes Leben führen. Er mußte elend sterben. Der Kranke liegt elend danieder. Sie ist elend, weil sie ihre Schande fühlt, Sonnenf. Ingleichen, was diese Empfindungen erwecket. Ein elender Anblick. Elende kümmerliche Zeiten.

Anm. Das Beywort ellend, miser, findet sich zuerst in dem alten Gedichte auf den heil. Anno. S. das vorige Hauptwort. In den meisten Bedeutungen hat dieses Wort einen verächtlichen Nebenbegriff, daher es oft nicht ohne Verletzung des Wohlstandes gebraucht werden kann. Elendig und elendiglich, für elend, gehören unter die veralteten Formen, die in den guten Sprecharten nicht mehr gebraucht werden. Das Osnabrückische elendig für sehr, elendig gern, elendig schön, elendig häßlich, u. s. f. gehöret allem Ansehen nach nicht hierher, sondern zu dem veralteten Worte Ellen, Stärke, und ellend sehr, S. Elle.


Elendhirsch (W3) [Adelung]


Der Elendhirsch, des -es, plur. die -e, bey den neuern Schriftstellern des Naturreiches, besonders dem Klein, eine Art Elende, welche an Hals und Kopf den Damhirschen gleichen, die Größe eines Stieres haben, und in Nordamerika einheimisch sind, wo sie von den Wilden Moose genannt werden.


Elendig (W3) [Adelung]


Elendig, S. Elend das Beywort in der Anm.


Elendrecht (W3) [Adelung]


Das Elendrecht, des -es, plur. inus. 1) An einigen Orten so viel als Armenrecht; S. dieses Wort. 2) An andern Orten, z. B. in Bremen, so viel als das Gastrecht; von Elend, fremd, ein Fremder. S. 2 Elend und Gastrecht.


Elendthier (W3) [Adelung]


Das Elendthier, des -es, plur. die -e, S. Elend.


Elephant (W3) [Adelung]


Der Elephant, des -en, plur. die -en, ein fünfhusiges vierfüßiges Thier, welches das größte unter allen Landthieren ist, einen langen Rüssel, kurzen Hals, kleine Augen, große, weite herab hangende Ohren und eine dicke Haut hat. Er lebt in Ostindien und Afrika, frißt Gras und Zweige von den Bäumen, und erreicht oft eine Höhe von 16 Schuhen. In dem Schachspiele wird der Koche von einigen der Elephant genannt, dagegen der eigentliche Elephant in dem Schachspiele der Morgenländer bey uns zum Läufer geworden ist. S. Roche.

Anm. In den mittlern Zeiten lautete dieses Wort im Deutschen Helphant, Olbande, Olbend, Olhenthier, welches ver-derbte Anssprachen des Lateinischen und Griechischen Eleph und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - sind, von welchem Worte auch die Dänen ihr Elefant und die Schweden ihr Elfant haben. Dieses Wort hat mit dem Nahmen des Elendthieres vermuthlich einerley Ursprung; daher man sich nicht wundern darf, daß es mit demselben auch einerley Schicksale gehabt hat, indem es bey verschiedenen Völkern von mehrern großen Thieren gebraucht wird. Das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - bedeutet einen Ochsen, daher die Lateiner die Elephanten auch Boves nannten. Das Kamehl hat diesen Nahmen sehr frühe und in mehreren Sprachen geführet. Bey dem Ulphilas beißt es Ulband, im Angels. Olfend, bey dem Tatian Olbem, in den Monseeischen Glossen Olbentar, bey den spätern Oberdeutschen Schriftstellern, Olbenthier, Olbentin, Olbend, im Isländ. Ullfold, Ulfbald. Im Hehr. Heißt der Elephant - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im Arabischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - woher den auch der Schwed. und Isländ. Nahme Fil stammet, den dieses Thier gleichfalls führet. S. 1 Elend und Elfenbein.


Elephantenfuß (W3) [Adelung]


Der Elephantenfuß, des -es, plur. inus. bey den neuern Schriftstellern des Naturreiches, der Nahme einer indianischen Pflanze; Elephantopus, L.


Elephantenkopf (W3) [Adelung]


Der Elephantenkopf, des -es, plur. inus. eine Art des Hahnenkammes, mit Blumen deren pfriemenförmige Oberlippe gerade in die Höhe stehet, und einiger Maßen einem Elephantenkopfe gleichet; Rhinanthus Elephas, L. Er wächset in den sandigen Gegenden Europens.


Elephantenlaus (W3) [Adelung]


Die Elephantenlaus, plur. die -läufe. 1) Eine Art Läufe, welche bey den Elephanten angetroffen werden. 2) Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, die Frucht eines Ostindischen Baumes, welcher bey den ältern und neuern Kräuterkennern unter dem Nahmen Anacardium bekannt ist. Die Frucht bestehet aus einer nierenförmigen Nuß, welche auf der Spitze eines fleischigen, eyförmigen, gleichsam gewundenen Körpers sitzet, und einen eßbaren Kern nebst einem scharfen beißenden Safte enthält.


Elephantenorden (W3) [Adelung]


Der Elephantenorden, es -s, plur. ut nom. sing. ein Dänischer Ritterorden, der 1190 von dem Könige Canut IV, als er wider die Saracenen im Morgenlande zu Felde ging, gestiftet, 1458 von Christian I wieder erneuert worden. Das Ordenszeichen bestehet in einem goldenen weiß emaillirten Elephanten mit goldenem Rüssel und Zähnen.


Elephantenpapier (W3) [Adelung]


Das Elephantenpapier, des -es, plur. inus. eine Art großen starken Schreibpapieres, welches einen Elephanten zum Zeichen führet, und nach dem königl. Französischen Tarif so Zoll breit und 24 Zoll hoch seyn soll. Das Rieß nicht unter 80 Pfund wiegen.


Elephantenzahn (W3) [Adelung]


Der Elephantenzahn, des -es, plur. die -zähne. 1) Die langen hervor stehenden Hundszähne der männlichen Elephanten, welche das bekannte Elfenbein geben; S. dieses Wort. 2) Eine Art einschaliger ungewundener Schnecken, welche zu den Meerröhren (Tubulis) gehören, und einiger Maßen einem Elephantenzahne gleichen; Dentalis.


Elf (W3) [Adelung]


Elf, das Zahlwort, S. Eilf.


Elfe (W3) [Adelung]


Die Elfe, die -n, ein Seefisch, S. Alose.


Elfenbein (W3) [Adelung]


Das Elfenbein, des -es, plur. car. die seine weiße harte Substanz, woraus die langen hervorragenden Hundszähne der männlichen Elephanten bestehen, und welche wegen ihres seinen Gewebes, ihrer Festigkeit, und blendenden Weiße von je her sehr hoch geschätzet worden. Daher der Elfenbeindrechsler, eine Art Kunstdrechsler, die nur Elfenbein, Knochen und andere harte Körper bearbeiten; das Eifenbeinschwarz, subst. indecl. plur. car. eine schwarze Farbe der Mahler, welche aus gebranntem Elfenbein bereitet, und auch Sammtschwarz genannt wird; elfenbeinen oder elfenbeinern, adj. et adv. aus Elfenbein bereitet.

Anm. Die erste Hälfte dieses Wortes ist aus Elephant zusammen gezogen. Ottfried nennet diese Masse Helphantes bein, und bey dem Notker und Willeram kommt das Beywort helfentpeinin, elfenbeinern, vor. Helfenbein für Elfenbein ist im Hochdeutschen veraltet.


Elfte (W3) [Adelung]


Die Elfte, plur. die -n, der Nahme eines Seefisches, S. Alose.


Elisabeth (W3) [Adelung]


Elisabeth, ein weiblicher Taufnahme, der aus dem Hebr. Elischeba, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Gott, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, der Eidschwur, unter den christlichen Völkern üblich geworden, und so viel als einen Eidschwur Gottes bedeutet. In den gemeinen Mundarten wird dieser Nahme in Isabelle, Ilsebe, Ilse, Lise, Lieschen, im Engl. aber in Betty, Bess, verwandelt.


Elixier (W3) [Adelung]


Das Elixier, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, bey den Ärzten und in den Apotheken eine dicke undurchsichtige Essenz, welche aus Theilen der Pflanzen bestehet, die vermittelst des Weingeistes aus denselben gezogen werden; aus dem Lat. elixare, sieden, auslaugen.


Elldritz (W3) [Adelung]


Die Elldritz, S. Elritze.


Elle (W3) [Adelung]


Die "Elle", plur. die -n.
1) * Eigentlich, der Theil des Vorderarmes von dem Elbogen bis zur Handwurzel; in welcher Bedeutung es aber längst veraltet ist.
2) Ein Längenmaß, welches in den ältesten Zeiten der Länge dieses Theiles des Armes glich, aber nachmahls allerley Veränderungen ausgesetzet ist, und noch jetzt in Deutschland von ungleicher Länge ist; ingleichen der Maßstab, welcher dieses Längenmaß enthält und vorstellet. Etwas mit der Elle messen.
3) Die nach dem Ellenmaße bestimmte Sache. Eine Elle Tuch. Sechs Ellen Band.

Anm. Dieses Längenmaß wird am häufigsten bey Zeugen gebraucht. Von der Abstammung dieses Wortes in der ersten Bedeutung, S. "Elbogen",

Anm. In der zweyten Bedeutung lautet es bey dem Tatian "Elina", im Goth. "Alleina", im Dän. "Aln", "Alen", im Engl. "Ell", im Schwed. "Aln", im Wallis. "Elin", im Angels. "Eln", im Isländ. "Aln", im Franz. "Aune", im Ital. "Alna", im Griech. "???", im Lat. "Ulna", und im mittlern Lat. "Alna", wo auch "Ala" einige Mahl von einer Klafter vorkommt. Die Oberdeutschen geben dem ersten "e" einen gedehnten Ton, als wenn das Wort "Ehle" geschrieben wäre.


Ellenbogen (W3) [Adelung]


Der Ellenbogen, S. Elbogen.


Eller (W3) [Adelung]


Die Eller, S. Erle.


Elleritz (W3) [Adelung]


Die Elleritz, S. Elritze.


Elms-Feuer (W3) [Adelung]


Das Elms-Feuer, S. Helenen-Feuer.


Elritze (W3) [Adelung]


Die Elritze, plur. die -n, vornehmlich in Sachsen, der Nahme eines eßbaren kleinen Bach- und Flußfisches, welchen Linne zu dem Geschlechte der Karpfen rechnet; Cyprinus Phoxinus, L. In Oberdeutschland wird dieser Fisch Pfrill, Pfrüll, Pfellen, ingleichen Bambele, Bachbambele und Haselung genannt; eine Menge anderer Nahmen zu geschweigen, die bey dem Geßner angetroffen werden.

Anm. In dem Munde des großen Haufens lautet dieser Nahme bald Elleritz, bald Eldritz, bald Elderisse, bald wieder anders. Die Abstammung muß entscheiden, welche Sprechart die wahre ist. Einige behaupten, daß dieser Fisch den Nahmen von den Ellern oder Erlen habe, deren Same ihm eine angenehme Speise ist. Alsdann müßte er billig Elleritz oder Ellritz heißen. Allein, da dieser Fisch in Norwegen Elveritze genannt wird, weil er nur allein in den Elven oder Strömen gefangen wird, so leitet man ihn wahrscheinlicher von diesem Worte her. Nur die letzte Hälfte bedarf noch einer Aufklärung.


Els (W3) [Adelung]


Die Els, ein Seefisch, S. Alose.


Else (W3) [Adelung]


Die Else, plur. die -n. 1) Ein Seefisch, S. Alose. 2) Ein Nahme der Erle, S. Erle.


Elsebaum (W3) [Adelung]


Der Elsebaum, des -es, plur. die -bäume, S. das folgende.


Elst (W3) [Adelung]


Die Elst, ein Seefisch, S. Alose.


Elster (W3) [Adelung]


Die Elster, S. Älster.


Elte (W3) [Adelung]


Die Elte, ein Flußfisch, S. Alant.


Eltern (W3) [Adelung]


Die Eltern, S. Ältern.


Eltis (W3) [Adelung]


Der Eltis, S. Iltis.


Em (W3) [Adelung]


Em, ein untrennbares Vorwort, welches sich theils bey dem Umstandsworte empor befindet, theils einigen Verbis vorgesetzet wird. In jenem ist es ohne Zweifel das Vorwort in, welches um des Wohlklanges willen in im und nachmahls in em verwandelt worden. S. Empor. Der Zeitwörter, welche dieses Vorwort bekommen, sind gegenwärtig nur noch vier, nehmlich empfahen, empfangen, empfehlen, und empfinden. In diesen ist es das Vorwort ent, so fern es eine Bewegung in und nach einem Gegenstand ausdruckt, ( S. Ent - 2) welches in den spätern Zeiten, als man auf den Wohlklang zu sehen anfing, um des folgenden f willen, in em und emp verwandelt worden. Wenn aber dieses ent eine beraubende Bedeutung hat, so bleibet es unverändert, wenn sich gleich das folgende Verbum mit einem f anfängt. Daher sagt man nicht empfallen, empfahren, empführen, sondern entfallen, entfahren, entführen. Ein mehreres S. bey Ent- und den mit Emp- anfangenden Zeitwörtern.


Email (W3) [Adelung]


Die Email, (sprich Emalj,) plur. inus. aus dem Franz. Email, Schmelz oder Schmelzglas, ingleichen, was durch Schmelz vermittelst des Feuers gemahlet werden. Daher emailliren, in Schmelzwerk arbeiten, mit Schmelz mahlen, oder im Feuer mahlen, die Email-Mahlerey, der Email-Mahler, der in Schmelzwerk, oder mit Schmelzglas mahlet, der Emailleur, Franz. Emailleur, der in Email oder Schmelzwerk arbeitet. S. Schmelz und Schmalte.


Embargo (W3) [Adelung]


Das Embargo, subst. indecl. aus dem Spanischen, der Befehl des Landesherren, Schiffe; welche in einen Hafen einlaufen, an- und zurück zu behalten; im Deutschen der Beschlag, S. dieses Wort. Ein Embargo auf die Schiffe legen, einen Beschlag.


Ember-Gans (W3) [Adelung]


Die Ember-Gans, plur. die -gänse, eine Art wilder Gänse, welche sich auf den Schottlands-Inseln aufhält, und von welcher man die unwahrscheinliche Erzählung hat, daß sie ihr Nest unter dem Wasser bauen, und daselbst auch ihre Eyer ausbrüten soll. Der Nahme ist nach dem Engl. Embergoose.


Emberitz (W3) [Adelung]


Der Emberitz, Embritz, ein Vogel, S. 1 Ammer.


Emblem (W3) [Adelung]


Das Emblem, des -es, plur. die -e, aus den Griechischen, ein Sinnbild mir einer Denk- oder Überschrift; z. B. die Sonne mit der Überschrift: nec pluribus impar, das bekannte Emblem Ludwigs XIV. In engerer Bedeutung nennt man das sinnliche Bild das Emblem oder Sinnbild, und die Überschrift die Devise.


Embryo (W3) [Adelung]


Der Embryo, plur. die Embryonen, aus dem Griechischen, die menschliche oder thierische Frucht, so lange sie noch in dem Leibe der Mutter verschlossen ist.


Emigrant (W3) [Adelung]


Der Emigrant, des -en, plur. die -en, aus dem Lat. emigrare, Personen, welche aus ihrem Vaterlande ausgewandert sind. So auch die Emigration, die Auswanderung; emigriren, auswandern.


Emilia (W3) [Adelung]


Emilia, indecl. oder Emilie, genit -ns, plur. car. ein guter alter Deutscher weiblicher Taufnahme, welcher aus Irmengard zusammen gezogen ist. Emilia vel Immula, seu Irmengardis dicta fuit, heißt es in dem Annalista Saxo bey dem Jahre 1036.


Eminenz (W3) [Adelung]


Eminenz, aus dem mittlern Lat. Eminentia, ein abstracter Ehrentitel, den ehedem Kaiser und Könige führten, den aber Papst Urban VIII. im Jahr 1630 den Cardinälen und Churfürsten beylegte. Die erstern bekommen ihn jetzt von jedermann; die letztern aber vielleicht nur aus der Römischen Kanzelley. S. des du Fresne Glossar.


Emmel (W3) [Adelung]


Die Emmel, plur. die -n, der Niedersächsische Nahme der Baumläuse, S. Baumlaus. In andern Gegenden sind die Emeln eine Art kleiner bloßen Augen unsichtbarer Würmer, welche das Haupthaar abfressen. Im Angelsächsischen bedeutet Haemil den Kornwurm.


Emmerling (W3) [Adelung]


Der Emmerling, des -es, plur. die -e, 1) Ein Vogel, S. 1 Ammer. 2) Die Made, woraus der Maykäfer wird. S. auch Engerling. 3) In einigen Gegenden führen auch die schwarzen sauern Kirschen, welche eigentlich unter dem Nahmen der Amarellen bekannt sind, den Nahmen der Emmerlinge. S. Amarelle, 1.


Emmern (W3) [Adelung]


Die Emmern, sing. inus. glühende Asche, S. Ammern.


Empfahen (W3) [Adelung]


Empfahen, verb. irreg. act. ( S. Fahen,) welches im Hochdeutschen veraltet ist, nur noch in der Deutschen Bibel vorkommt, und zuweilen auch in der höhern Schreibart, besonders von den Dichtern gebraucht wird. Es hatte ehedem alle Bedeutungen mit empfangen gemein, durch welches es im Hochdeutschen verdränget worden. Der wird den Segen vom Herren empfahen. Ps. 24, 5. Sein Amt müsse ein anderer empfahen, Ps. 109, 8. Die Erde empfähet Segen von Gott, Ebr. 6, 7. Wer da bittet, der empfähet, Matth. 7, 8. Ihn freundlich zu empfahen, 1 Macc. 7, 23. Sie wird ihn empfahen, wie eine junge Braut, Sir. 15, 2.

Anm. Die erste und älteste Form dieses Wortes ist infahan, denn so lautet es bey dem Kero, bey dem Übersetzer Isidors, in dem Gesetze Ludwigs und Lothars von 840, und selbst noch bey dem Ottfried. Indessen findet man doch so wohl bey dem letztern, als auch bey dem Kero intfahen. Notker schreibt zuerst inphahen und so findet sich dieses Wort auch noch bey den Schwäb. Dichtern. Alle die Vogel froeliche den sumer singende enpfant, für empfahen, Heinr. von Veldig. Wol mich dirre stunde die solde enpfahen mit gesange, der Schenk von Limpurg. In den folgenden Zeiten räumete man dem Wohlklange noch mehr ein, und so ward empfahen daraus. Aus allem erhellet, daß em oder emp hier das Vorwort in oder an ist, welches den Gegenstand, oder auch nur eine Verstärkung der Bedeutung ausdruckt. S. Empfangen.


Empfang (W3) [Adelung]


Der Empfang, des -es, plur. inus. die Handlung, da man eine Person oder Sache empfängt, oder in seine Gewalt bekommt. Eine Sache in Empfang nehmen. Er läugnet den Empfang, daß er es empfangen habe. Daher der Empfangschein, ein Schein, worin man bezeuget, daß man eine Sache empfangen habe; ein Recepisse. Ingleichen; die Aufnahme einer Person. Es sind schon alle Anstalten zu seinem Empfange gemacht worden. In der dritten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes ist Empfang nicht, wohl aber Empfängniß üblich.


Empfangen (W3) [Adelung]


Empfangen, verb. irreg. act. S. Fangen. 1. Eigentlich, in seine Verwahrung bekommen, von einem anderen an sich nehmen. Geld empfangen. Ich habe das Geld noch nicht empfangen. Wir haben die Waaren bereits empfangen. Einen Theil von der Beute empfangen. Almosen, seinen Sold, seinen Theil empfangen. Empfangene Wohlthaten läugnen. Briefe empfangen. Ein Lehen empfangen. Das heilige Abendmahl empfangen. S. Bekommen und Erhalten, welche einige Bedeutungen mit diesem Worte gemein haben. 2. Figürlich. 1) Oft auch von solchen Dingen, die einem Gegenstande von außen widerfahren, wenn er sich gleich leidend dabey verhält. Einen Befehl empfangen. Vergebung der Sünde, die heilige Taufe, den heiligen Geist empfangen, u. s. f. Eindrücke von außen empfangen. Freylich findet dieses Gebrauch nur in einigen bereits eingeführten Fällen Statt, weil das Zeitwort bekommen in dieser Bedeutung üblich ist. Indessen wird empfangen so wohl in der Deutschen Bibel, als auch im Oberdeutschen noch häufig in solchen Fällen, selbst von leblosen Körpern gebraucht, wo man sich im Hochdeutschen lieber des Zeitwortes bekommen oder eines andern Ausdruckes bedienet. Die Erde, die deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen, 1 Mos. 4, 11. Wenn die Erde den Samen empfängt, 4 Est. 9, 34. Die Verdammniß empfangen, Matth. 23, 14; Luc. 20, 47. Vierzig Streiche empfangen. 2 Cor. 14, 24. Von solchen Veränderungen, die sich aus dem Innern eines Dinges selbst entwickeln, ist nur allein bekommen, niemahls aber empfangen üblich. Blätter, Laub, die Blattern, das Fieber bekommen u. s. f. 2) Einen Ankommenden bewillkommen, ohne Rücksicht auf die Art und Weise. Jemanden mit vieler Ehrerbiethung, mit großer Pracht empfangen. Der Landesherr wurde von der Obrigkeit vor der Stadt empfangen. Er empfing mich mit offenen Armen aber weinenden Augen. Jemanden kaltsinnig, mit Vorwürfen, mit Schlägen empfangen. 3) Schwanger werden, so wohl als ein Activum, als auch als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. Die Frau hat empfangen. Von jemanden empfangen. Das Kind ist von seiner Mutter empfangen worden. In der anständigern Sprechart gebraucht man dieses Zeitwort auch von den Thieren; im gemeinen Leben aber sind dafür die Zeitwörter ansetzen, aufnehmen, zukommen u. s. f. üblich.Das Hauptwort die Empfangung wird wenig gebraucht, weil dafür Empfang und in der letzten Bedeutung Empfängniß eingeführet sind.

Anm. Die erste Sylbe diese Wortes hat mit der ersten Sylbe in empfahen einerley Schicksale gehabt. Kero gebraucht antfangan, Notker und Ottfried aber wechselsweise infangan undintfangan; die heutige Form ist neuer. Empfangen ist vermuthlich nach dem Muster des Lat. accipere und concipere gebildet worden. S. Ent- und Fangen. Im Niedersächsischen der vorigen Zeiten kommt auch untfangen vor. In eben dieser Mundart bedeutete entfangen ehedem auch Feuer fangen, in Brand gerathen.


Empfänger (W3) [Adelung]


Der Empfänger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Empfängerinn, plur. die -en, der oder die etwas empfängt, in der ersten eigentlichen Bedeutung des Verbi. Der Empfänger des Geldes, eines Wechselbriefes, u. s. f.


Empfänglich (W3) [Adelung]


Empfänglich, -er, -ste, adj. et adv. fähig, geschickt, eine Sache zu empfangen, in der eigentlichen und ersten figürlichen Bedeutung des Verbi. Sich der Gnade Gottes empfänglich machen. So auch die Empfänglichkeit.


Empfängniß (W3) [Adelung]


Die Empfängniß, plur. car. der Zustand des weiblichen Geschlechtes, da es empfänget, oder schwanger wird, so wohl active, als auch passive. Die Empfängniß der Jungfrau Maria. Die Empfängniß Christi, da er von seiner Mutter empfangen wurde. Ehedem war in diesem Verstande auch das Wort Bekleibung üblich; S. Bekleiben

Anm. Der alte Übersetzer Isidors gebraucht Infancnissa für assumptio.


Empfehl (W3) [Adelung]


Der Empfehl, der -es, plur. die -e, ein Oberdeutsches Wort, welches in dieser Mundart für Empfehlung üblich ist, aber auch von einigen Hochdeutschen Schriftstellern gebraucht worden. Macht ihr meinen Empfehl, Less. Bleibt die nur, wenn ich sterbe, Mein Nahme zum Empfehl, und meine Zucht zum Erbe, Schleg.


Empfehlen (W3) [Adelung]


Empfehlen, verb. irreg. act. ( S. Befehlen,) eines Schutz, Liebe oder Vorsage mit Worten und bittend anvertrauen und übergeben. Ich habe ihm meinen Freund auf das angelegentlichste empfohlen. Er ist mir sehr dringend empfohlen worden. Ich empfehle ihnen diese Sache. Jemanden Gottes Schutz empfehlen. Besonders pflegt man sich bey dem Abschiede des andern Liebe und Andenken zu empfehlen, daher dieses Wort in der Modesprache der Höflichkeit oft für Abschied nehmen gebraucht wird. Ich will mich ihnen empfehlen, d. i. Abschied von ihnen nehmen. Nein, denn sie fängt schon an, sich bestens zu empfehlen, Gell. Figürlich, der Grund von dem Wohlwollen anderer seyn. Seine gute Meine empfiehlt ihn. Sein Unglück empfahl mir ihn nachdrücklich. Ein empfehlendes Gesicht.So auch das Hauptwort die Empfehlung, welches über dieß auch die Formel bedeutet, mit und in welcher man sich jemanden empfiehlet, und in diesem Verstande auch den Plural leidet.

Anm. Enpfelan kommt zuerst im Schwabenspiegel vor. Indessen ist dieses Wort so neu doch nicht. Denn Anafilhan bedeutet schon bey dem Ulphilas, eines Sorge und Aufsicht anvertrauen, und Anafilh die Übergabe. S. Befehlen, und Anbefehlen. Die erste Sylbe ist auch in diesem Worte das Vorwort an oder in, welches nachmahls in ent und in den spätern Zeiten in emp verwandelt worden. S. Em und Ent.


Empfindbar (W3) [Adelung]


Empfindbar, -er, -ste, adj. et adv. 1) Fähig, vermögend zu empfinden. Die Nerven sind empfindbar. 2) Fähig, empfunden zu werden. Das Licht ist unsern Sinnen empfindbar. 3) Was empfunden wird. Ein empfindbares Vergnügen, welches lebhaft empfunden wird. Bis ich mir Die Art erst ausgedacht, die ihm der Tod Empfindet machen soll, Weiße. In allen drey Bedeutungen ist dieses Wort richtig gebildet, aber dennoch wenig gebräuchlich. S. Bar. Daher die Empfindbarkeit.


Empfindeley (W3) [Adelung]


Die Empfindeley, plur. die -en. 1) Der Hang zu rührenden sanften Empfindungen ohne vernünftige Absicht und über das gehörige Maß; ohne Plural. 2) Die Äußerung dieses Hanges in einzelnen Fällen; mit demselben.


Empfindeln (W3) [Adelung]


Empfindeln, verb. reg. neutr. mit haben, das Iterativum und zugleich Diminutivum des folgenden, rührende und sanfte Empfindungen ohne vernünftige Absicht und über das gehörige Maß haben und äußern.


Empfinden (W3) [Adelung]


Empfinden, verb. irreg. act. S. Finden 1. In der weitesten Bedeutung, sich einer Sache als gegenwärtig bewußt seyn. So empfindet man den Schall, das Licht einen Schmerzen, seine eigenen Gedanken u. s. f. Er empfindet nichts davon. Freude, ein großes Vergnügen über etwas empfinden. Hunger und Durst, Hitze und Kälte empfinden. 2. In engerer Bedeutung. 1) Zärtlichkeit empfinden. O, wüßten sie, was ich alles für sie empfinde, oder, wie viel ich für sie empfinde! 2) Etwas Unangenehmes empfinden. Er soll es zu anderer Zeit schon empfinden, was das heißt, mich beleidigen. Dergleichen Leute sind gefährlich, ich habe es empfunden. 3) Übel nehmen, sich durch etwas für beleidiget halten, mit den Nebenwörtern übel und hoch. Er wird es übel empfinden. Wer bist du, der den Schimpf So hoch empfindet? Weiße. Daher die Empfindung, S. hernach besonders.

Anm. Bey dem Notker lautet dieses Wort inphinden, wo es zugleich mit der zweyten Endung verbunden wird; Ist einimo lide uue, des inphindent alliu diu andrin. Em ist auch hier das Vorwort an oder in; gleichsam an und in sich finden. S. Em und Ent.


Empfindlich (W3) [Adelung]


Empfindlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Fähig, leicht zu empfinden; besser empfindsam. Das Auge ist sehr empfindlich, es empfindet alles sehr leicht. Kinder haben sehr empfindliche Nerven. Er ist sehr empfindlich, er empfindet alles sehr bald und lebhaft. Besonders, fähig leicht Unlust, Zorn zu empfinden, fähig sich bald beleidiget zu finden, in der Sprache des Umganges. Ein empfindlicher Mensch. Wer wollte so empfindlich seyn! 2) Wirklich Empfindungen habend, doch nur in engerer Bedeutung, Empfindungen des Zornes, des Unwillens habend. Empfindlich werden. Darüber ward er empfindlich, und sagte mir die unverschämtesten Dinge, Gell. Die Mama möchte sonst empfindlich werden, wenn er erst zu mir käme, ebend. 3) Was empfunden wird, besonders was lebhaft empfunden wird. Ein empfindliches Vergnügen. Besonders von den Empfindungen des Schmerzens, der Unlust, des Zornes. Das ist ein empfindlicher Schmerz. Ich will ihn empfindlich strafen. Der Tod deines Vaters war mir sehr empfindlich. Sie scherzt empfindlich und doch fein, Less. Er gab mir sehr empfindliche Reden. Wenn sie mir noch ein empfindliches Wort sagen. 4) Empfindung verrathend, an den Tag legend. Wenn sie mich nur mit einer empfindlichen (zärtlichen) Miene belohnet hatte, Gell. Ich weiß ihre Großmuth durch nichts, als die empfindlichsten Thränen zu belohnen, ebend.


Empfindlichkeit (W3) [Adelung]


Die Empfindlichkeit, plur. inus. das Vermögen, die Fähigkeit, empfindlich zu seyn oder zu werden, in allen obigen Bedeutungen. Besonders, die Fähigkeit, bald Unlust und Zorn zu empfinden.


Empfindniß (W3) [Adelung]


Die Empfindniß, plur. die -sse, ein von einigen Neuern gewagtes Wort, eine Idee zu bezeichnen, welche nicht durch sinnliche Eindrücke von außen, sondern durch die Vorstellungskraft und Fantasie hervor gebracht wird; zum Unterschiede von der Empfindung, welche man alsdann bloß auf die Sinne einschränket. Ob es gerade nothwendig ist, diesen Unterschied durch einzelne Wörter zu bezeichnen, weiß ich nicht; aber das weiß ich, daß er, etymologisch betrachtet, bloß willkührlich ist, und daß in der Ableitungssylbe niß kein Grund dazu vorhanden ist. In dem gewöhnlichen Sprach gebrauche druckt Empfindung beyde Begriffe ohne Unterschied aus. Der Sylbe niß angemessener wäre es, Empfindniß von dem Vermögen zu empfinden, zu gebrauchen, um es von der Empfindsamkeit zu unterscheiden, welche nur in engerer Bedeutung gebraucht wird; allenfalls auch von dem Zustande, da man empfindet.


Empfindsam (W3) [Adelung]


Empfindsam, -er, -ste, adj. et adv. ein in den neuern Zeiten sehr richtig gebildetes und durch Yoricks empfindsame Reisen in Aufnahme gebrachtes Wort. 1) Fähig, leicht sanfte Empfindungen zu bekommen, fähig leicht gerührt zu werden; für das gemeinere und vieldeutige empfindlich. Die Seinigen gegen das Glück eines guten Nahmens empfindsam machen. 2) Sanfte Empfindungen verrathend, erweckend. Eine empfindsame Komödie. Empfindsame Reisen, welche aber nur zu oft in empfindelnde ausgeartet sind. So auch die Empfindsamkeit, die Fähigkeit, leicht zu sanften Empfindungen gerühret zu werden. Das weibliche Geschlecht hat eine größere Empfindsamkeit, als das männliche.


Empfindung (W3) [Adelung]


Die Empfindung, plur. die -en, das Verbale des Zeitwortes empfinden. 1) Der Zustand, da man sich einer gegenwärtigen Sache, oder einer Sache als gegenwärtig bewußt ist; ohne Plural. Die Empfindung des Lichtes, der Schmerzen, der Liebe, des Todes u. s. f. 2) Das Vermögen, sich gegenwärtiger Dinge, oder der Dinge als gegenwärtig bewußt zu seyn, die Empfindungskraft, das Empfindungsvermögen; auch ohne Plural. Er hat keine Empfindung mehr. Er liegt ohne alle Empfindung. S. Empfindniß. 3) Die Vorstellung einer gegenwärtigen Sache selbst, die Wirkung, welche dadurch in der Seele hervor gebracht wird; mit dem Plurale. Ich habe keine Empfindung davon. Das Licht der Sterne erweckt eine geringere Empfindung, als das Licht der Sonne. Eine stärkere Empfindung verdunkelt die geringere. Wir müssen die Empfindungen annehmen, wie sie kommen. Lauter angenehme Empfindungen haben wollen. In engerer Bedeutung, eine lebhafte Vorstellung solcher Dinge und deren Ausdruck. In diesem Verstande sagt man, ein Gedicht, eine Rede sey voller Empfindungen, wenn sie auch bey andern lebhafte Empfindungen zu erregen fähig ist.


Empfindungslos (W3) [Adelung]


Empfindungslos, -er, -ste, adj. et adv. der Empfindung beraubt, so wohl im schärfsten Verstande, keiner Empfindungen fähig; als auch in weiterer Bedeutung, unfähig leicht gerührt zu werden, im Gegensatze des empfindsam. Empfindungslos gegen das Schicksal anderer seyn. So auch die Empfindungslosigkeit.


[Adelung]

Empor (W3) [Adelung]


Empor, ein Umstandswort des Ortes, in die Höhe, in der Höhe, welches in den gemeinen Sprachgebrauche veraltet, und nur noch in einigen Ableitungen und Zusammensetzungen, ingleichen in der höhern Schreibart mit einigen Zeitwörtern, anstatt der mit auf zusammen gesetzten Zeitwörter, so wohl in eigentlicher, als figürlicher Bedeutung vorkommt. Die vornehmsten Verba, mit welchen dieses Umstandswort noch zuweilen gefunden wird, sind: Bleiben. Empor bleiben, in der Höhe bleiben, nicht untersinken; ingleichen figürlich, in Ehren, in Ansehen bleiben.Bringen. Empor bringen, in die Höhe, ingleichen zu Ansehen bringen, aufbringen.Gehen. Mein Herz geht empor, wie Meereswogen im Sturm, Weiße.Halten. Dieweil Mose seine Hände empor hielt, 2 Mos. 17, 11. Eine Art, die ihre Augen hoch trägt, und ihre Augenlieder empor hält, Sprichw. 30, 13.Heben. Datum wird er das Haupt empor heben, Ps. 110, 7. Du kränkest dich über das, was trösten und uns über die Widerwärtigkeiten empor heben sollte. Kaum heb' ich meine Hand empor. So steigt hier ein Pallast und dort ein Thron hervor, Gell. Helfen. Der den Betrübten empor hilft, Hiob 5, 11.Kommen. Empor kommen, in die Höhe kommen; ingleichen figürlich, zu Ehren, zu Ansehen kommen.Schweben. Wie die Vögel schweben empor, Hiob 5, 7. Ihre Widersacher schweben empor, Klagel. 1, 5.Schwingen. Sich durch seine Tapferkeit zur Höchsten Würde empor schwingen.Starren. Sein Auge starrte empor, er athmete ganz schwach, Weiße.Stehen. Hoch stehet dein Wipfel empor, Geßner, von der Eiche.Steigen. Empor steigen, in die Höhe steigen; ingleichen figürlich, zu Ehren, zu Ansehen gelangen.Stellen. - Denn wer jetzt kleinen Schein Erwählet, soll hernach empor gestellet seyn, Opitz. Tragen. Und die Wasser wuchsen, und huben den Kasten, und trugen ihn empor über der Erden, 1 Mos 7, 17.Treten. Und Abjathar trat empor, 2 Sam. 15, 24, trat auf.Wachsen. Und die Dornen wuchsen empor, Marc. 4, 7.Wallen. Wo der Rauch in die Luft empor wallt, Geßn.Wollen. Empor wollen, in die Höhe wollen, so wohl eigentlich, als figürlich.

Anm. Dieses Wort lautet unter den Schwäbischen Kaisern enbor, bey dem Hans Sachs entbor, in dem Theuerdank aber schon empor. Die letzte Hälfte gehöret zu dem Verbo bären, tragen, welches in dem Munde der neuern Oberdeutschen, denen dieses Nebenwort vorzüglich eigen ist, sein b in ein p verwandelt hat. S. Bahre und Borwisch. Die erste Sylbe ist gleichfalls das Vorwort in, welches um des folgenden Lippenbuchstabens willen, sein n in nt und nachmahls in m verwandelt hat. S. Em und Ent.


Empören (W3) [Adelung]


Empören, verb. reg. act. erheben, in die Höhe heben. 1) Eigentlich. Die Furcht, die mein Haar empört, Dusch. 2) Noch häufiger, in figürlicher Bedeutung, zur thätigen Widersetzlichkeit gegen jemanden bewegen, besonders Untreue zur Widersetzlichkeit gegen ihre Obern bewegen. Die Stadt, das Volk, die Unterthanen empören. Ingleichen als ein Reciprocum; sich empören, sich jemanden, besonders aber seinen Obern thätig widersetzen. Die ganze Stadt hat sich wider ihre Obrigkeit empöret. S. Aufstand, Aufruhr. Nach einer noch weitern Figur, in der höhern Schreibart, sich widersetzen. So bald sie ihren Irrthum sehen wird, so wird sich die Vernunft wider ihre Liebe empören, Gell. Und doch empöret sich ihr Hochmuth wider dich, Weiße. Ingleichen, einen hohen Grad des Umwillens erwecken. Das empöret alle Empfindungen. Einen empörende That. So auch die Empörung, plur. die -en.

Anm. Von dem Auflaufe mehrerer wider eine Person, die kein Vorgesetzter ist, wird dieses Wort im, Hochdeutschen nicht mehr gebraucht, ungeachtet sich Apostelg. 48, 12, die Juden wider Paulum, und Kap. 21, 31, ganz Jerusalem wider ihn empören. In Altensteigs Vocabulario wird exultare durch sich embören übersetzet, welches noch ein Überbleibsel der eigentlichen Bedeutung ist. Für Empörung in der heutigen Bedeutung kommt in einem Diplom Kaiser Heinrichs von 1107 Burinne vor, so wie Willeram und andere buren, buiren, für erheben im eigentlichen Verstande gebrauchen. Unser Zeitwort lautet noch in dem 1514 gedruckten Deutschen Livius. sich enbören; hingegen wird es in dem 1523 zu Basel gedruckten neuen Testamente Luthers, als ein unbekannter Wort durch erheben, strensen, erkläret. S. Empor.


Empörer (W3) [Adelung]


Der Empörer, des -s, plur. ut nom. sing. so wohl der andere empöret, als auch, und zwar am häufigsten, der sich empöret.


Emporkirche (W3) [Adelung]


Die Emporkirche, plur. die -n, die erhabenen Sitze in der Kirche, welche gemeiniglich das Chor genannt werden; im gemeinen Leben die Porkirche.


Emporscheune (W3) [Adelung]


Die Emporscheune, plur. die -n, in der Landwirthschaft, der obere Theil einer Scheune, von dem Balken über der Scheuntenne an, bis an die Kehl- oder Hahnbalken; im gemeinen Leben die Porscheune.


Emsig (W3) [Adelung]


Emsig, -er, -ste, adj. et adv. einer Sache mit Standhaftigkeit und Fleiß ergeben. Er arbeitet sehr emsig. Er ist emsig in seiner Arbeit. Ein emsiger Arbeitet. Aus der Liebe entstehen die emsigen Bemühungen, sich einander verbindlich zu machen. Eine kleine Biene flog emsig hin und her, und sog Süßigkeiten aus allen Blumen, Gleim.

Anm. Hr. Stosch hat den Unterschied zwischen arbeitsam und emsig sehr gut angegeben. Arbeitsam gehet auf die Neigung des Gemüthes, niemahls müßig zu gehen, sondern allezeit zu arbeiten; emsig aber auf die Sorgfalt und Standhaftigkeit, die man auf seine Arbeit wendet. Dieser Unterschied wird durch den Gebrauch der Alten bestätiget. Emmezico heißt bey dem Kero, oft, häufig, emmizzen bey dem Ottfried, beständig, sorgfältig, emezhic bey andern, täglich. Bey dem Kero kommt auch das Zeitwort emizzigen, fortfahren, und bey dem Notker das Zeitwort emezen, üben, vor. Die Abstammung dieses Wortes ist noch ungewiß. Wachter hält es für eine Zusammenziehung von unmüßig. Frisch leitet es von dem alten ambachten, arbeiten, Ihre von dem alten nordischen jämte, sorgfältig, fortwährend, her, wovon auch immer abstammen soll. Einige haben dieses Wort mit einem ä schreiben wollen: allein die das e behalten, haben den Gebrauch aller alten Schriftsteller für sich, und so lange man die Abstammung dieses Wortes nicht mit mehrerer Wahrscheinlichkeit darthut, als bisher geschehen ist, wird man sie auch deshalb nicht tadeln können; denn die Ableitung einiger von Ameise verdient nicht erwähnt zu werden.


Emsigkeit (W3) [Adelung]


Die Emsigkeit, plur. inus. 1) Ein anhaltender Fleiß. Ingleichen 2) eine mit Emsigkeit verfertigte Arbeit, obgleich diese Bedeutung eben nicht gewöhnlich ist; plur. die -en. Kleiner Geister Emsigkeiten Sind noch immer ungemein, Kästen.


Emsiglich (W3) [Adelung]


* Emsiglich, ein veraltes Nebenwort für emsig, welches aber noch Apostelg. 26, 7, und bey dem Opitz vorkommt, bey dem Hornegk aber eneziglich lautet.


En (W3) [Adelung]


En, eine Endsylbe vieler Deutschen Wörter, welche aber von verschiedener Bedeutung, und vermuthlich auch von verschiedenem Ursprunge ist.1. Bey den Verbis ist sie, 1) die gewöhnliche Endung des Infinitives der heutigen Hochdeutschen Zeitwörter, welche darin mit den Griechischen Zeitwörtern auf - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein kommen. Auch die Zeitwörter der Persischen, der Krimmisch-Tartarischen, und anderer, dem Ansehen nach sehr entfernter Sprachen endigen sich auf en, den und ten. Dieses Deutsche en der Infinitive ist sich indessen nicht zu allen Zeiten gleich geblieben, und noch jetzt wird es von manchen, besonders rauhern Mundarten im Deutschen sehr verschieden ausgesprochen. Bey den ältesten Alemannen, bey den Pontischen Gothen bey den Angelsachsen lautet es an; bey den Alemannen der mittlern Zeiten und noch in einigen Schwäbischen Mundarten ent und und, sattend, sättigen, wohnund, wohnen, frewund, freuen, werdent, werden, u. s. f. Andere gemeine Mundarten, wie die Thüringische, Fränkische, Schlesische, Pfälzische u. s. f. verbeißen n, und verwandeln das e wohl gar in ein a, wie esse und essa, für essen, gehe, geha, für gehen, lebe, leba, leben u. s. f. Auf ähnliche Art endigen sich noch jetzt die Zeitwörter der Schweden und Isländer auf ein a, und der Dänen auf ein e; flya, fliehen, flyta, fließen, gelda, gelten, ende, enden, tinge, dingen u. s. f. Auch die Infinitive in der alten Bretagnischen Sprache endigen sich auf ein a, anderer zu geschweigen. 2) Aber nicht allein der Infinitiv, sondern auch die erste und dritte Person des Plurals nehmen diese Endung an; wir haben, sie haben. Die mittlere Alemannische Mundart hatte auch hier ein ent; die sich ergebent, die sich encziehent. Diese Form näherte sich, wenigstens in der dritten Person, der Lateinischen Sprache; habent, amant, legunt. Einige Niedersächsische Mundarten der vorigen Jahrhunderte verbeißen das n ganz, wy bekennet unde betüget, wir bekennen und bezeugen; und noch jetzt spricht man in einigen Gegenden Niedersachsens so.2. Was die Substantive betrifft, so endigen sich nicht nur viele derselben auf ein en, sondern andere, die diese Sylbe in der ersten Endung des Singulars nicht haben, nehmen solche in den folgenden Endungen an. Doch dabey wollen wir uns hier nicht aufhalten.3. Wichtiger ist der Gebrauch dieser Sylbe, aus Substantiven Adverbia und Adjective zu bilden, da sie denn die Materie andeutet, woraus eine Sache bestehet. Sie wird alsdann nur an das Hauptwort angehänget, doch so, daß, wenn sich in der nächst vorher gehenden Sylbe ein a, o oder u befindet, diese gemeiniglich in ä, ö und ü verwandelt werden. Hären, von Haar, messingen, von Messing, leinen, von Lein oder Leinwand, ahörnen oder ahornen, zwillichen, hörnen, von Horn, flächsen, hänfen, golden, ehedem gülden, pergamenten, tuchen u. s. f. Wenn sich das Hauptwort bereits auf ein e endiget, so wird Ein e weggeworfen; wie in eichen für eicheen, fichten, büchen, irden, seiden, tännen, wöllen u. s. f. Auch fällt das e der Endsylbe weg, wenn das Hauptwort am Ende ein r hat; kiefern, küpfern, silbern, ledern, alabastern. Die alten und mittlern Oberdeutschen machen diese Beywörter auf in und ein, welche Form in Oberdeutschland noch jetzt hin und wieder angetroffen wird; güldin, silberin; hurnein, hörnen, hänfin, sichtin, seidin u. s. f. Auf eine sehr übereinstimmige Art bildeten die Lateiner dergleichen Beywörter vermittelst der Endung inus. asininus, caninus, bovinus, faginus, figulinus, faemininus, u. s. f. S. auch -enzen. In andern Wörtern ist dafür die Sylbe ern üblich, besonders im Hochdeutschen; hölzern, ströhern, drähtern, eisern, fleischern, zinnern, knöchern, beinern,steinern, wächsern, gläsern u. s. f. Die Oberdeutschen haben einige dieser Beywörter auch, viele derselben aber rechnen sie den Obersachsen als einen Fehler an, und sagen dafür wächsen, beinen, steinen, knöchen u. s. f. Von dieser Endsylbe ern soll an ihrem Orte noch etwas gesagt werden. Hier ist noch zu untersuchen, was die Sylbe en an solchen Beywörtern eigentlich bedeutet. Ein leerer Schall ist sie gewiß nicht. Hr. Rammler hält sie für das Vorwort in. Ein Recensent in der neuen Hamburger Zeitung läugnete solches, und behauptete, dergleichen Wörter würden in der Deutschen Sprache Monstra seyn. Und doch sind diese Monstra so selten eben nicht. Wir haben wenigstens viele Partikeln, in welchen die Endsylbe en unläugbar aus dem Vorworte an oder in entstanden ist, welche in dieser Zusammensetzung terminum a quo, und in weiterer Bedeutung einen Ort überhaupt bedeutet. Dergleichen sind oben, Schwed. ofwan, Isländ. ofan, hinnen, Schwed. hädan, Isländ. hiedan, dannen, Schwed. thädan, nieden, Schwed. nedan, unten, ferren, oder nach der neuern Mundarten fern, Schwed. fiärran, außen, innen u. s. f. wohin auch die Wörter Norden, Osten, Süden, Westen gehören. Sollte denn nun dieses Vorwort, nach einer gewiß nicht monströsen Figur, an den Hauptwörtern nicht auch materiam ex qua bedeuten können, zumahl wenn man das Vorwort an in der noch üblichen Bedeutung der Ähnlichkeit nimmt? S. Ähnlich, An,

Anm. 6. und -enzen. Doch bey dem hohen Alterthume dieser Endung bleibt dieses freylich nur eine Muthmaßung. Die Comparative und Superlative werden von diesen Beywörtern wenig gebraucht, weil die Sache selbst sie unnöthig macht. Ganz ungewöhnlich sind sie aber doch nicht, zumahl in figürlicher Bedeutung. Die eisernste Stirn. Das ehernste Herz. Die hölzernste (unempfindlichste) Mensch.4. Endlich ist auch des alten noch in Oberdeutschen üblichen Gebrauches dieser Sylbe zu gedenken, da sie der Beywörtern auf lich angehänget wird, Adverbia daraus zu bilden; bittlichen, für bittlich, willkührlichen, endlichen, jämmerlichen, wirklichen, schriftlichen, gänzlichen u. s. f. Ja man findet sie häufig an andern Nebenwörtern, wenn sie gleich nicht als Beywörter üblich sind; abermahlen, jedesmahlen, sintemahlen, alldieweilen, gleichwohlen, gestalten, warummen u. s. f. Dieser Anhang, der bloß auf Rechnung der Alemannischen Weitschweifigkeit zu schreiben ist, ist den Hochdeutschen fremd und anstößig, ungeachtet einige derselben ihn auch in indessen, sonsten und andern Wörtern aufgenommen haben.


Endabsicht (W3) [Adelung]


Die Endabsicht, plur. die -en, die letzte Absicht einer vernünftigen Handlung. So hält man die Verherrlichung des höchsten Wesens für die Endabsicht Gottes bey der Schöpfung der Welt. S. Endursache und Endzweck.


Ende (W3) [Adelung]


Das Ende, des -s, plur. ut nom. sing. und die -en, das Letzte, so wohl dem Orte, als der Zahl, ingleichen der Zeit und Dauer noch.1. Dem Orte oder körperlichen Raume nach. 1) Eigentlich, das Letzte in der Länge eines körperlichen Dinges. Das Ende eines Tisches. Der Stein liegt ganz am Ende des Ackers. Am Ende des Dorfes wohnen. Am Ende des Grabens, des Gartens, der Wiese u. s. f. 2) Das Letzte in der Ausdehnung eines Körpers nach allen Seiten. Hier hat der Wald ein Ende Von einem Ende der Stadt bis zum andern gehen. Er wohnet fast am Ende der Welt, im letzten, äußersten Raume. Die Stadt wurde an drey Enden (Seiten) bestürmet. Etwas an dem rechten Ende angreifen. Er siehet die Enden der Erden, Hiob 28, 24. 3) Die Grenze eines Landes, und in weiterer Bedeutung, eine Gegend, ein Land, ein Ort selbst, am häufigsten im gemeinen Leben. Die Sache ist in allen Ecken und Enden bekannt. Das Volk aus allen Enden, 2 Mos. 19, 4. Gott thut große Dinge an allen Enden, Sir. 50, 24. Von allen Enden kommen, Marc. 1, 45. Sey Herrscher aller Enden, So weit es Volk von deinen Feinden hat, Opitz. Ps. 110. Der Enden, für daselbst, in den dortigen Gegenden, ist Oberdeutsch. Schon bey dem Tatian heißt es: In then entin Zabulon, in den Grenzen oder Gegenden Sabulon. Auf ähnliche Art bedeutet nicht allein das Latein. Finis, sondern auch das Deutsche Ort, nicht nur das Äußerste eines Dinges, sondern auch die Grenze, eine Gegend selbst, locum. 4) Das gewöhnliche oder gehörige Ende eines Dinges, der Beschluß; ohne Plural. In diesem Verstande sagt man von einem Buche, daß es kein Ende habe, wenn dessen Beschluß, oder dasjenige fehlet, was eigentlich dessen Ende ausmachen sollte. 5) Ein kleines Stück eines länglichen Körpers. So nennet man im gemeinen Leben einen kurzen Überrest eines Dinges oft ein Ende, und im Diminutivo ein Endchen. Ein Ende Strick. Ein Endchen Licht. Die Weingärtner nennen jede Ruthe oder jeden Zweig, den der Weinstock an seinen Stein heraus treibt, ein Ende, und bey den Jägern heißt der kurze Schwanz des Hirsches oft das Ende oder der Sturz. Noch häufiger werden bey ihnen die Zacken an den Stangen des Rothhirsches, an den Schaufeln des Tannhirsches, und an dem Gehörne des Rehbockes Enden genannt. Den Hirsch nach seinen Enden ansprechen, dessen Größe und Stärke nach der Zahl dieser Zacken bestimmen. Ein Hirsch von zwölf Enden, der an jeder Stange sechs Enden hat. Ein Hirsch von vierzehn falschen Enden, wenn er an einer Stange sieben, an der andern aber nur sechs Enden hat.2. Der Zahl nach; ohne Plural. Und des Volkes war kein Ende, Pred. 11, 16. Die Leute wolle kein Ende nehmen. S. Unendlich.3. Der Zeit nach, das Letzte in der Zeit und Dauer einer Sache; ohne Plural. 1) Eigentlich. Das Ende des Jahres, des Frühlinges, eines Monathes, einer Woche, einer Rede, einer Lust u. s. f. Das Ende der Welt, wenn sie, wenigstens ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung nach aufhören wird. Warum beklagest du ihn ohne Ende? ohne Aufhören. Das Ende meines Lebens ist da. Die Rede war so lang, daß man das Ende nicht absehen konnte. Die Oper, die Komödie, die Predigt, das Lied ist zu Ende. Das Spiel, die Lust hat ein Ende. Die Feyertage haben ein Ende, sind zu Ende, haben aufgehöret. Das Morden hat kein Ende. Zum Ende eilen, zum Beschlusse einer Sache eilen. Eine Schraube ohne Ende, deren schraubenförmige Bewegung unaufhörlich fortdauern kann. Es wird dieses Wort so wohl in der Sprache des täglichen Umganges, als in der anständigern Schreibart mit manchen Zeitwörtern auf eine sonst ungewöhnliche Art verbunden, wovon die vornehmsten Arten des Ausdruckes etwa folgende seyn möchten. Einer Sache, einem Streite, einer Lust ein Ende machen, machen, daß sie aufhöret, mit dem Nebenbegriffe einiger Gewaltsamkeit. Mach meiner Furcht ein Ende, Less. Machen sie dem Dinge ein Ende, wenn wir Freunde bleiben sollen, Weiße. Es gehet zu Ende, die Sache wird bald aufhören. Es gehet damit zu Ende. Ein Ende nehmen, aufhören. Es will gar kein Ende nehmen. Die Sache hat ein trauriges Ende genommen. Es wird noch mit ihm, (mit seinem Wohlstande, ingleichen mit seinem Leben,) ein betrübtes Ende nehmen. Was hat das Spiel für ein Ende genommen? Seines Arbeitens ist kein Ende, Pred. 4, 8. Wenn wirds einmahl ein Ende werden? Sonst wird des Briefschreibens kein Ende werden. Mit solchen Leuten ist des Redens immerkein Ende. Es wird ja des Finstern etwa ein Ende, Hiob, 23, 3. Doch gehören die letztern Redensarten mit den Zeitwörtern seyn und werden nur in die vertrauliche Sprache des Umganges. Am Ende, stehet häufig als ein Nebenwort für endlich, oder nach einer genauern Untersuchung. Er wird es am Ende doch erfahren. Am Ende habe ich mich betrogen. Am Ende ist es noch die Frage, ob sie jemahls eine Gemahlinn gehabt haben, Weiße. 2) Das gehörige Ende einer Sache. Etwas zu Ende bringen, es vollbringen, zu Stande bringen, welches mehr sagt, als einer Sache ein Ende machen. Er bringt keine Arbeit zu Ende. Ich kann mit ihm nicht zu Ende kommen, nicht zur Berichtigung der Sache. 3) Die Art und Weise des Endes, d. i. des Ausganges einer Sache. Das Ende des Krieges ist ungewiß. 4) Das Ende des menschlichen Lebens, der Tod. Er behauptete es bis an sein Ende. Ein seliges Ende. Ich war bey dem Ende meines Freundes gegenwärtig. Mein Ende werde wie dieser Ende, 4 Mos. 23. Ein erschreckliches Ende nehmen, eines schrecklichen Todes sterben. Ein Pleonasmus ist es, wenn dem Hauptworte zuweilen das Beywort legt beygefüget wird. Bis an sein letztes Ende.4. Figürlich bedeutet dieses Wort auch zuweilen den Endzweck, nach dem Muster des Lateinischen Finis; gleichfalls ohne Plural, und nur mit dem Vorworte zu. Zu was für einem Ende? Ich habe es zu dem Ende gesagt, daß er es wieder erfahren soll. Des Ends, für zu dem Ende, ist Oberdeutsch, so wie die Formeln, Endes gesetzter, Endes genannter, Endes unterschriebener, der am Ende der Schrift gesetzte, genannte oder unterschriebene.

Anm. Bey dem Kero und Ottfried lautet dieses Wort Enti, in Oberschwaben Änta, bey dem Ulphilas Andei, im Schwed. Aenda, im Isländ. Dän. und Nieders. Ende, im Engl. und Angels. End. Raban Maurus und Ottfried nennen auch die Stirn Eindo, Andin, Enti, vermuthlich weil sie der äußerste Theil des menschlichen Körpers ist. Im Epirotischen bedeutet Vend so wohl das Ende, als einen Ort, eine Gegend, S. Wenden. Wachter leitet dieses Wort von dem alten Alemannischen anen, berauben, her, ( S. Ohne,) Frisch aber von dem Vorworte an. Beyde Ableitungen sind gezwungen und unsicher; daher man besser thut, wenn man sich bey einem so alten Worte, welches seit mehr als tausend Jahren keine merkliche Veränderung erlitten hat, mit dem Ihre aller Ableitungen enthält. Im Plural lautet dieses Wort so wohl Ende, als Enden; doch ist das letztere im Hochdeutschen üblicher, besonders von dem Letzten an oder von einem körperlichen Dinge.


Endelhocke (W3) [Adelung]


Die Endelhocke, plur. die -n, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, besonders Niedersachsens, diejenigen Hocken am Ende des Ackers, deren weniger als zehen sind, von welchen also auch der Zehente nicht genommen werden kann; an andern Orten Endelstiege, Freyhocken, und in Friesland Schäffer.


Endelich (W3) [Adelung]


* Endelich, oder Endlich, adj. et adv. welches im Hochdeutschen veraltet ist, arbeitsam, emsig, hurtig, und doch dabey pünctlich. Die Anschläge eines Endelichen bringen Überfluß, Sprichw. 21, 5. Ein Mann endlich in seinem Geschäfte, Kap. 22, 29. Maria ging über das Gebirge endelich, Luc. 1, 39, eilig, eilfertig. Die Ameise, ein endlich Thierlein, Marthes. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist dieses Wort noch nicht veraltet, denn Cramer und Steinbach führen es nicht nur als ein gangbares Wort an, sondern Günther sang noch: Die Falschheit hielt es nicht mit dem geschwinden Volke, Und zog so endelich als eine trübe Wolke. Anm. Dieses Wort lautet schon bey den Schwäbischen Dichtern endelich, und bedeutet daselbst emsig. Auch in der Niedersächsischen Mundart hatte man ehedem das Wort endig und endigen, welches so viel als hurtig, eilig, schnell, bedeutete. Gemeiniglich leitet man es von enden her, da es jemanden bedeuten soll, der eine Sache bald endet. Allein natürlicher und dem Sprachgebrauche gemäßer, siehet man entweder das alte, noch im Schwed. und Isländ. übliche anna, arbeiten, eilen, Annur, das Eilen, Ant, Aendt, Geschwindigkeit, oder auch das alte Alemannische einon, Schwed. ena, sich etwas standhaft vorsetzen, beschließen, für das Stammwort an, von welchem letztern die Schweden und Isländer noch das Wort enteligen, endeliga, standhaft, emsig, haben. S. Emsig.


Enden (W3) [Adelung]


Enden, verb. reg. so in dreyfacher Gestalt gefunden wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, aufhören, besonders aufhören zu reden. Hier endet Zevs, verneigt sich tief und geht, Wiel. Welche Form aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. 2. Als ein Reciprocum, sich enden, aufhören sich auszudehnen, ingleichen von der Dauer, aufhören zu seyn. Die Grenze endet sich am Meere, Jos. 17, 9. Wenn wird sich der Streit enden? Im Hochdeutschen ist dafür das folgende endigen üblich. 3. Als ein Activum. 1) Einer Sache ein Ende machen, machen daß etwas aufhöret zu seyn. Sein Leben enden, sterben. Seine Regierung enden, aufhören zu regieren. 2) In engerer Bedeutung, zu Ende bringen, zu Stande bringen und beschließen, vollbringen. Wir wollen die Sache mit Gottes Hülfe schon enden. Wir wollen die Sache zu unserm Vortheile enden, Gell. Kaum daß der Zofe Hand den langen Anputz endet, Zachar. In beyden Bedeutungen ist im Hochdeutschen, auch endigen übliche 3) Mit einem Ende, dem Raume nach versehen, besonders bey den Böttchern, wo die Dauben geendet werden, wenn man sie auf dem Endstuhle an beyden Enden stämmet. Daher die Endung, S. unten besonders.

Anm. Bey dem Kero lautet dieses Zeitwort mit der Partikel ge, kianton, keentan, bey dem Tatian gienton, bey dem Übersetzer Isidors endon, bey dem Ottfried enton, im Angels. endian, im Holländ. enden, im Dän. ende, im Engl. to end, im Schwed. aenda. In der alten Alemannischen Mundart war es auch absolute für sterben üblich. Ther geendido, der Verstorbene, in den Fränkischen Capitul. Pilatus wuntrota oba her ju entuti, bey dem Tatian, Pilatus wunderte sich, daß er schon gestorben sey; von welcher Bedeutung noch bey den Jägern das Zeitwort verenden üblich ist, S. dasselbe.


Enderling (W3) [Adelung]


Enderling, S. Engerling.


Endigen (W3) [Adelung]


Endigen, verb. reg. act. et recipr. welches das Intensivum von enden und neuern Ursprunges ist, aber im Hochdeutschen in den meisten Fällen statt desselben gebraucht wird. 1. Als ein Reciprocum, sich endigen, ein Ende haben, aufhören, so wohl dem Orte, als der Zeit und Dauer nach. Hier endiget sich der Wald. Hier endiget sich das erste Buch. Das Wort endiget sich mit einem Selbstlauter. Wenn wird sich meine Noth endigen? 2: Als ein Activum. 1) Überhaupt, machen daß etwas aufhöre, ohne Rücksicht auf die Art und Weise, wie es geschiehet. Sein Leben endigen, sterben, es sey nun eines natürlichen oder gewaltsamen Todes. Das Leben durch Hunger endigen. Den Streit endigen. 2) Eine Sache zu Ende bringen, sie vollbringen, sie auf die gehörige Art endigen. Einen Streit endigen, ihm durch einen Rechtsspruch ein Endemachen. Eine Sache endigen. Er fängt viel an, endiget aber nichts. Eine Rede, einen Brief endigen.


Endigung (W3) [Adelung]


Die Endigung, plur. die -en. 1) Die Handlung, da man eine Sache endiget; ohne Plural. Die Endigung eines Geschäftes, eines Streites. 2) Dasjenige, worauf oder womit sich etwas endiget, am häufigsten nur von den Wörtern. Die Endigungen der Wörter, wofür doch Endung üblicher ist.


Endlich (W3) [Adelung]


Endlich, ein Wort, welches in gedoppelter Gestalt üblich ist.1. Als ein Bey- und Nebenwort. 1) Ein Ende habend, der Dauer nach, in der höhern Schreibart. Meine Freude, unser Leben ist endlich. In der weitesten Bedeutung, was so wohl seinem Wesen, als seiner Dauer nach eingeschränket ist; im Gegensatze des unendlich. Ein endlicher Geist, dessen Wesen eingeschränket ist; im Gegensatze des unendlichen Geistes; oder Gottes. In der Mathematik werden Zahlen und Größen in engerer Bedeutung oft endlich genannt, so bald man sie bestimmen kann; im Gegensatze der unendlichen, welche man nicht bestimmen kann, wenn gleich auch diese im schärfsten Verstande endlich sind. 2) Was das Letzte in einer Sache ist, oder seyn soll, auf welches nichts von dieser Art mehr folgen soll. Das ist mein endlicher Entschluß, mein letzter. Besonders in den Rechten. Ein endlicher Bescheid, der letzte, wodurch eine Sache zu Ende gebracht wird. Eine endliche Ladung, citatio finalis. Die endliche Ursache, für Endursache, ist ungewöhnlich. 3) Was am Ende, oder nach geraumer Zeit geschiehet, bey einigen, obgleich nicht nach den besten Mustern. Der endliche Untergang der Stadt. Ihre endliche Bekehrung, Raben.2. Als ein Nebenwort allein. 1) Am Ende, zuletzt, der Dauer und Ordnung nach. Endlich wird gar nichts daraus. Endlich wird er doch kommen. Was soll endlich daraus werden? Was willst du endlich anfangen? Er muß endlich betteln gehen. O Sohn, was werd' ich endlich hören? Gell. 2) Zum Beschlusse. Endlich seyd allesammt gleich gesinnet, 1 Petr. 3, 8. Endlich wollen wir noch bemerken u. s. f. 3) Nach langer, oder doch geraumer Zeit. Endlich hat er sich entschlossen. Kommst du endlich einmahl? Endlich wird es wiederum schönes Wetter. 4) Oft, besonders in der Sprache des Umganges, werden die jetzt gedachten Bedeutungen ziemlich unscheinbar, und endlich wird zu einer bloßen Partikel, die sich entweder auf vorher gegangene Einwürfe beziehet, oder doch den Nachdruck befördert. Ich will es endlich wohl thun, aber u. s. f. ich will es aller Schwierigkeiten ungeachtet wohl thun. Läugne es nur nicht, ich kann endlich auch lesen, du magst sagen, was du willst, ich bin überzeugt davon, denn ich kann auch lesen. Machen sie mir das nicht weiß, ich kenne endlich ihre Hand, Weiße.

Anm. Bey dem Winsbeck, bey den Schwäbischen Dichtern, und noch bey den heutigen Oberdeutsch lautet das Nebenwort endelichen. S. -en 4. Das e in der Mitte behält auch das Dänische endelich bey.


Endlichkeit (W3) [Adelung]


Die Endlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, nach welcher es endlich ist. S. Endlich 1. 1).


Endlos (W3) [Adelung]


Endlos, adj. et adv. kein Ende habend, in der höhern Schreibart der Neuern. Du siehest noch nicht die ganze endlose Tiefe meines Elendes. Holländ. endeloos, Schwed. ändelos. So auch die Endlosigkeit.


Endreim (W3) [Adelung]


Der Endreim, des -es, plur. die -e, in der Dichtkunst, der Reim am Ende der Zeilen, zum Unterschiede der ehemahligen Künsteleyen, da man die Zeilen auch am Anfange und in der Mitten reimte.


Endschaft (W3) [Adelung]


Die Endschaft, plur. car. das gehörige Ende einer Sache, der Dauer nach, so fern es durch deren Vollendung gewirket wird; ein größten Theils veraltetes Wort, welches mit dem Zeitworte erreichen noch am üblichsten ist. Die Sache, der Prozeß hat seine Endschaft erreicht. Die Ausdrücke zur Endschaft kommen, zur Endschaft bringen, der Sache eine Endschaft geben u. s. f. sind in der guten Schreibart der Hochdeutschen unbekannt, wenn gleich noch Hagedorn singt: Dieß macht Die Endschaft alles Widerstrebens; wo es über dieß für Ende überhaupt stehet. S. -schaft.


Endsylbe (W3) [Adelung]


Die Endsylbe, plur. die -n, die letzte Sylbe eines Wortes.


Endung (W3) [Adelung]


Die Endung, plur. die -en, von dem Zeitworte enden. 1) Die Handlung, da man eine Sache endet, oder zu Ende bringet; ohne Plural. Die Endung eines Streites, eines Geschäftes; wofür aber Endigung im Hochdeutschen üblicher ist. 2) Das Ende einer Sache, so wohl dem Raume als der Zeit nach. Die Wohlthat wird stets währen, So weit sich ewig nicht in Endung wird verkehren, Opitz. Auch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen ungewöhnlich, wo man das Wort 3) nur noch in der Sprechkunst von den Endsylben und Endbuchstaben der Wörter gebraucht. Beywörter dreyer Endungen. Besonders werden bey den Nennwörtern ihre Abänderungen in der Declination Endungen genannt, welche bey den Lateinern Casus heißen, wofür einige durch eine ungeschickte Übersetzung die Ausdrücke Fälle oder Fallendungen einführen wollen. Die erste Endung, der Nominativ; die zweyte Endung, der Genitiv u. s. f.


Endursache (W3) [Adelung]


Die Endursache, plur. die -n, die letzte Ursache bey einer Handlung, der letzte Zweck, welchen man durch eine Handlung erreichen will, so fern derselbe noch zukünftig ist. Die Endursache, warum man Speise zu sich nimmt, ist die Erhaltung des Lebens, die mittlere Ursache, die Sättigung, der Bewegungsgrund aber der Hunger. S. Ursache.


Endurtheil (W3) [Adelung]


Das Endurtheil, des -es, plur. die -e, das letzte Urtheil des Richters, wodurch eine Sache völlig geendiget wird. S. Urtheil.


Endzweck (W3) [Adelung]


Der Endzweck, des -es, plur. die -e, überhaupt alles dasjenige, was ein vernünftiges Wesen durch seine Handlungen zu erreichen sucht, besonders dasjenige, was es mit Bewußtseyn und deutlicher Erkenntniß zu erreichen sucht. So wohl in Rücksicht auf das Wesen selbst; die Absicht, der Zweck. Der Endzweck Gottes bey der Schöpfung war seine Verherrlichung. Ich habe meinen Endzweck dabey nicht erreicht. Was hast du bey dieser Sache für Endzwecke gehabt? Als auch in Rücksicht der Handlungen, oder der Mittel, wodurch man diese Absicht zu erreichen sucht; der Zweck. Der Endzweck der Welt ist die Verherrlichung Gottes. Die Erbauung der Zuhörer ist der Endzweck der Predigt. Der Endzweck der Feldzüge ist der Sieg. S. Zweck.

Anm. Die letzte Hälfte dieses Wortes ist das Wort Zweck, welches den Nagel in der Scheibe, wornach man zielet, bedeutet, und figürlich wohl allein für Endzweck gebraucht wird. Das Wort Ende kann hier so wohl das letzte bedeuten, da denn Endzweck so viel als finis ultimus, die Endabsicht, seyn würde, zum Unterschiede von den Mittelzwecken; oder, welches noch wahrscheinlicher ist, es kann hier auch die vierte figürliche Bedeutung des Zieles haben, da denn Endzweck eigentlich den Nagel in dem Ziele bedeuten würde. Im Schwed. bedeutet Aendemalgleichfalls den Endzweck, die Niedersachsen aber haben dafür das Wort Toleg, welches eine aus der Schifffahrt entlehnte Figur ist, und das Ziel bedeutet, worauf man zuleget, oder wohin man seine Fahrt richtet.


Engbäuchig (W3) [Adelung]


Engbäuchig, -er, -ste, einen engen Bauch habend, besonders bey den Pferden, wenn sich der Bauch nach dem Hintertheile zu erhebt, wie bey den Windhunden.


Engbrüstig (W3) [Adelung]


Engbrüstig, -er, -ste, adj. et adv. eine enge Brust habend, nicht den gehörigen Raum in de Brusthöhle empfindend, und daher einen schweren Athem habend; Nieders. amburstig. Engbrüstig seyn. Daher die Engbrüstigkeit, plur. inus. welche Beschwerung in den gemeinen Mundarten der Dampf, der Dumpfen, ingleichen der Hinsch genannt wird; S. Dampf.


Enge (W3) [Adelung]


Enge, -r, -ste, adj. et adv. wenig Raum habend, im Gegensatze dessen, was weit ist. 1. Eigentlich. Ein enges Glas, ein Glas mit einem engen Halse. Ein enger Eingang, ein enger Weg, ein enger Paß. Das Zimmer, das Haus ist mir zu enge. Ihm wird die ganze Welt zu enge. Enge Schuhe, enge Kleider. Ein Kleid enger machen. Ein enger Kamm, dessen Zähne wenig Raum zwischen sich lassen, nahe bey einander stehen. Ein enges Sieb, welches enge, kleine Öffnungen hat. Man sitzet gar zu enge bey Tische. Enge schreiben, die Zeilen und Wörter nahe einander rücken. Ein enges Gewissen, figürlich, in welchem für böse Handlungen wenig Raum vorhanden ist; im Gegensatze des weiten Gewissens. Jemanden enge einschließen, einsperren, ihn in enge Verwahrung bringen. Die Truppen enge zusammen ziehen, so daß wenig Raum zwischen ihnen bleibet. Es ist mir so enge um das Herz, wenn man nicht den gehörigen Raum zum freyen Athemhohlen empfindet. 2. Figürlich. 1) Die engere Bedeutung eines Wortes, wenn dessen Bedeutung sich auf weniger Dinge erstrecket, im Gegensatze der weitern. Eine Erklärung, eine Definition ist zu enge, wenn man nach derselben nicht alle Dinge darunter begreifen kann, welche doch darunter gehören. 2) Zuweilen wird dieses Wort auch von einer Zahl gebraucht. Besonders in einigen Ländern, z. B. in Sachsen, der engere Ausschuß der Landstände, eine geringere Anzahl aus den Ständen erwählter Personen, im Gegensatze des weitern Ausschusses.

Anm. Bey dem Kero lautet dieses Wort enke, enga, bey dem Ottfried ango, bey dem Notker und Tatian eng, im Wallisischen ing, im Bretagnischen anc, im Lettischen ank, im Gothischen aggon, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich drücke, und das Latein. angere und angustia, sind genau damit verwandt. Das e am Ende ist das e euphonicum, welches wohl härtere Mundarten, nicht aber die Hochdeutsche, entbehren können. Im Nieders. ist statt dieses Wortes knapp, dunn, nau, und in einigen Oberdeutschen Gegenden auch pfräng üblich. S. Engen und Engern.


Enge (W3) [Adelung]


Die Enge, plur. die -n. 1) Die enge Beschaffenheit eines Raumes oder Ortes; ohne Plural. Die Enge des Weges, des Gewissens. 2) Ein enger Ort. Die Enge des Flusses, 4 Esr. 13, 43. Jemanden in der Enge einholen, in einem engen Passe. Etwas in die Enge bringen, in einen kleinen Raum. Dahin auch die Zusammensetzungen Landenge, und Meerenge. Noch häufiger gebraucht man dieses Wort im gemeinen Leben figürlich und ohne Plural, von einer jeden Verlegenheit; noch einer von dem Jagdwesen entlehnten Figur. Jemanden in die Enge bringen oder treiben. In die Enge kommen oder gerathen. In dero engi bin unir, heißt es schon bey dem Notker Ps. 117, 5. In note unde in engi hareta ih in ana in uuiti, ebend. 3) Der engere Anschuß, in einigen Gegenden. Des Raths Enge.


Engel (W3) [Adelung]


Der Engel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Engelchen, aus dem Latein. angelus, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . 1. Überhaupt, ein jeder Bothe und Gesandte Gottes; daher in der heil. Schrift die Propheten, Lehrer und Prediger noch mehrmahls Engel genannt werden, welche Bedeutung aber außer der biblischen Schreibart ungewöhnlich ist. 2. In engerm Verstande führen diesen Nahmen, 1) eigentlich, gewisse Geister höherer Art, welche nach dem christlichen Lehrbegriffe von Gott zur Vollziehung seiner Befehle gebraucht werden; besonders diejenigen von ihnen, welche in der ihnen anerschaffenen Güte beharret sind, und daher die guten Engel, die heiligen Engel, gemeiniglich aber auch nur die Engel schlechthin genannt werden, zum Unterschiede von den bösen Engeln oder Teufeln. Sie ist so schön wie ein Engel, sie singt wie ein Engel, er schreibt, hat Verstand wie ein Engel u. s. f. sind in der vertraulichen Sprache des Umgangs übliche Beschreibungen vorzüglicher Eigenschaften. S. Englisch. 2) Figürlich und in der vertraulichen Sprache der Liebe, eine Benennung geliebter Personen beyderley Geschlechtes. 3) Ein Nahme einiger Seefische, welche zu dem Geschlechte der Haien und Rochen gehören, S. Engelfisch und Engelroche.

Anm. Bey dem Ulphilas lautet dieses Wort noch Aggilos, aber bey dem Kero, Ottfried, Notker und Tatian schon Engil, bey dem Isidor Angil, im Dän. Engel, im Schwed. Aengel, im Böhm. und Krainischen Angel, im Franz. Ange, im Engl. Angel. Notker nennet die Engel auch Chundare, gleichsam Verkündiger, d. i. Bothen, und Metpotin.


Engelblume (W3) [Adelung]


Die Engelblume, plur. inus. eine Blume und deren Pflanze, wovon eine Art auf den Europäischen Gebirgen, eine andere aber in Sibirien und Kappadocien wächset; Trollius, L. Auch das Mausöhrchen, oder Feldkätzlein, Myosotis, L. führet bey einigen den Nahmen der Engelblume.


Engelbrot (W3) [Adelung]


Das Engelbrot, plur. car. ein Wort, welches nur in der Deutschen Bibel vorkommt, wo das Manna, welches die Juden in der Arabischen Wüste aßen, Ps. 78, 25; 4 Est. 1, 19, diesen Nahmen führet. Der Nahme Engelspeise, welcher Weisheit 16, 20 in eben diesem Verstande vorkommt, ist außer dieser Stelle eben so ungewöhnlich.


Engelfisch (W3) [Adelung]


Der Engelfisch, des -es, plur. die -e, eine Art Haifische, welche zuweilen die Größe eines Menschen erreicht, und eine scharfe Haut hat, die von den Tischlern und Künstlern zum Poliren gebraucht wird; Squalus Squatina, L. Er wird auch Meerengel, ingleichen Mönch genannt. Im mittlern Lat. heißt er Angelus, im Franz. aber Ange, und im Engl. Angelfish, weil er einem gemahlten Engel mit ausgebreiteten Flügeln ähnlich sehen soll.


Engelgroschen (W3) [Adelung]


Der Engelgroschen, des -s, plur. ut nom. sing. eine ehemahlige Silbermünze, welche den Nahmen von den darauf geprägten zwey Engeln hat, welche den Wapenschild halten. Der alten Sächsischen Engelgroschen gingen 52 auf die Mark, und galten 4 Gr. Meißnisch. Sie wurden auch Schreckenberger, von dem gemeinen Manne aber Mühlsteine genannt, weil sie anfänglich neben der neuen Mühle zu Annaberg gemünzet wurden.


Engelland (W3) [Adelung]


Engelland, zusammen gezogen England, plur. car. der Nahme eines bekannten Landes in Europa, welches seinen heutigen Nahmen von den Angeln hat, die dasselbe ehedem mit den Sachsen in Besitz nahmen. Daher der Engelländer, zusammen gezogen Engländer; Engelländisch, Engländisch, S. Englisch.


Engelot (W3) [Adelung]


Der Engelot, des -en, plur. die -en, oder die Engelotte, plur. die -n, eine ehemahlige Engländische Goldmünze, welche 1559 auf 2 Fl. 12 Gr. gesetzt wurde, und 23 Karat 8 Grän seinGold hielt. Sie hat den Nahmen von dem darauf geprägten Erzengel Michael, war schon 1340 üblich, wurde aber von verschiedenem Werthe geschlagen, wie denn 1666 ein Stück 4 Fl. 28 Kreuzer galt. Im mittlern Lateine hießen sie Angelotti, Franz. Angelots, welches das Diminutivum von Angelus ist. Stumpf nennet die Engländer Angelotten.


Engelrein (W3) [Adelung]


Engelrein, adj. et adv. so rein, d. i. unschuldig, wie ein Engel.


Engelroche (W3) [Adelung]


Der Engelroche, des -n, plur. die -n, eine Art Rochen, welche bey dem Geßner Squatoraja heißt, vermuthlich derjenige Fisch ist, der bey dem Linne Raja Rhinobatos, im Deutschen aber auch Seeengel heißt, und eine Reihe Stacheln auf dem Rücken hat.


Engelsat (W3) [Adelung]


Der Engelsat, des -es, plur. inus. ein ehemahliges Gewebe der Zeugwirker, welches eine Art Rasch war und 9 Pfund wog. Der Nahme ist vermuthlich aus Englischen Satin verderbet worden.


Engelspeise (W3) [Adelung]


Die Engelspeise, plur. inus. S. Engelbrot.


Engelsüß (W3) [Adelung]


Das Engelsüß, subst. indecl. plur. inus. eine Pflanze, welche zu den Farrenkräutern gerechnet wird, und verschiedene Unterarten begreift, deren Fructificationen aus rundlichen Puncten auf der Unterfläche des Blattes bestehen; Polypodium, L. Das gemeine Engelsüß, Polypodium vulgare, welches diesen Nahmen am gewöhnlichsten führet, wächset in den Ritzen der Klippen, daher es auch Steinwurzel genannt wird. Die Wurzel hat einen süßen aber dabey zusammen ziehenden Geschmack, und gehöret unter die abführenden Mittel.


Engelthaler (W3) [Adelung]


Der Engelthaler, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art ehemahliger Chursächsischer Thaler, welche so wie die Engelgroschen den Nahmen von den darauf geprägten Engeln hatten, und auf 40 Gr. geschlagen waren.


Engeltrank (W3) [Adelung]


Der Engeltrank, des -es, plur. inus. eine Pflanze. S. Wohlverley.


Engelwurz (W3) [Adelung]


Die Engelwurz, plur. inus. S. Angelike.


Engen (W3) [Adelung]


Engen, verb. reg. act. von enge, enge machen, und figürlich schmälern, in die Enge treiben, drücken; ein im Hochdeutschen veraltetes Zeitwort, welches schon bey dem Ottfried engen lautet. In Oberdeutschland sagt man noch, die Schuhe engen mich, für drücken. S. Beengen und Engern.


Engerling (W3) [Adelung]


Der Engerling, des -es, plur. die -e, 1) Eine dicke weiße Made, welche sich in der Haut des Rothwildbretes und des Hornviehes erzeuget, und daselbst ein Geschwür hervor bringet, worin sie den Winter durch lebet, im Sommer aber sich heraus begibt, um sich in der Erde wieder in eine Fliege verwandelt. Sie entstehet aus einem Eye, welches eine gewisse Brämse, Oestrus Bovis, L. in die Haut dieser Thiere sticht. Sie werden auch Ängerlinge, Ender, Enderlinge, im Schwed. aber Enger genannt. Bey den Weißgärbern führen die von diesen Würmern in der Haut verursachten Löcher gleichfalls diesen Nahmen. 2) Die Wagenwürmer der Pferde, welche ihnen durch den Hintern abgehen, und den eigentlichen Engerlingen ähnlich sind, werden im gemeinen Leben gleichfalls so genannt, wie auch diejenigen Maden, welche die Hirsche im Frühlinge oft durch die Nase und durch den Schlund von sich geben. 3) Die Maden, woraus die May- und andere Käfer entstehen. 4) Auch eine Art des Kornwurmes, welche sich unter der Erde aufhält, und daselbst die Wurzeln der jungen Saat, besonders der Gerstensaat abfrisset, ist dem gemeinen Manne unter dem Nahmen des Engerlinges, des Erdengerlinges, des Gerstenwurmes, Schrotwurmes, Gräbings, von dem Graben, Werren, Erdwürmer u. s. f. bekannt. Schon in den Florentinischen Glossen heißen sie Engiring. S. Erdgrille.


Engern (W3) [Adelung]


Engern, verb. reg. act. welches das Iterativum des Zeitwortes engen ist, und eben dieselben so wohl eigentlichen als figürlichen Bedeutungen hat. Wer seines Nächsten Grenze engert, d. i. schmälert, 5 Mos. 27, 17. Im Hochdeutschen ist auch dieses Zeitwort fremd und ungewöhnlich geworden.


England (W3) [Adelung]


England, S. Engelland.


Engländer (W3) [Adelung]


Der Engländer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Engländerinn, plur. die -en, für Engelländer; eine Person, welche aus England gebürtig ist. Auch Thiere aus diesem Reiche werden im gemeinen Leben Engländer genannt.


Engländern (W3) [Adelung]


Engländern, verb. reg. act. welches nur von Pferden gebraucht wird. Ein Pferd engländern, demselben ein Paar Schwanzgelenke abschlagen, und ihm dadurch das Ansehen eines Englischen Pferdes geben.


Englisch (W3) [Adelung]


1. Englisch, adj. et adv. welches aus Engelländisch und Engländisch zusammen gezogen worden, oder vielmehr das Engl. English ist, aus England herrührend, nach Art der Engländer u. s. f. Englisches Zinn, feines Zinn, welches aus England zu uns gebracht wird. Die Englische Kirche, die herrschende Kirche in England, welche die bischöfliche Regierung für eine apostolische Anordnung hält, daher sie auch die bischöfliche genannt wird. Die Englische Krankheit, eine Krankheit der Kinder, welche eine Art der Gicht ist, die die Knochen angreift; Rhachitis. In England wird sie the Rickets, Franz. Noveure genannt. Der Englische Haken, an den Uhren, ein Anker, der in das Steigerad greift, und daran immer ein Zahn in der Luft schwebet, wenn der andere das Steigerad hemmet, den ungeduldigen Lauf des Räderwerkes zu hemmen; die Hemmung, Französ. L'Echappement. Das Englische Salz, ein aus dem Bitterwasser in England zubereitetes Salz. Englische Sitten, Englische Gewohnheiten u. s. f.


Englisch (W3) [Adelung]


2. Englisch, adj. et adv. von dem Hauptworte Engel. 1) Eigentlich, von Engeln herkommend, den Engeln eigen, ähnlich u. s. f. Der englische Gruß, der Gruß, mit welchem der Engel Gabriel die Jungfrau Maria anredete. 2) Figürlich, vortrefflich. Eine englische Schönheit, ein englischer Verstand, eine englische Stimme. O, das ist englisch! Bey dem Ottfr. lautet dieses Wort noch engilichaz.


Engster (W3) [Adelung]


Der Engster, S. 2 Angster.


Enhinter (W3) [Adelung]


* Enhinter für anhinter, eine veraltete Partikel, welche noch in einigen Ausgaben 2 Mos. 3, 1 für das einfache hinter vorkommt. S. An, Anm. 6.


Enke (W3) [Adelung]


Der Enke, des -n, plur. die -n, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, besonders Ober- und Niedersachsens, ein junger Knecht, der nur als ein halber Knecht dienet, und den Großknecht über sich hat; ein Pferdeknecht, Ackerknecht. Auf großen Gütern hat man einen Oberenken oder Großenken, einen Mittelenken und einen Unterenken oder Kleinenken. Figürlich bedeutet dieses Wort zuweilen auch eine Grütze, besonders eine Gabel an dem Pfluge, worauf die Ackerleine ruhet; dergleichen Stütze in andern Mundarten ein Knecht genannt wird.

Anm. Daß dieses Wort sehr alt seyn müsse, erhellet aus den bey den Römern üblichen Diminut. desselben, anculus, ancula, ancilla, und dem Zeitworte anculare. Anculus kommt im mittlern Lateine auch von einem Dichter höherer Art, von einem Hofbedienten vor. Ob aber dieses Wort, wie du Fresne will von dem alten Bretagnischen anc, klein, niedrig, enge, abstamme, muß man dahin gestellet seyn lassen. S. das folgende.


Enkel (W3) [Adelung]


1. Der Enkel, des -s, plur. ut nom. sing. des Kindes Kind, in beyderley Geschlechtern. Sie ist mein Enkel. Er ist mein Enkel. Noch häufiger unterscheidet man beyde Geschlechter durchEnkel und Enkelinn. In weiterer Bedeutung, besonders in der höhern Schreibart, sind die Enkel die Nachkommen überhaupt.

Anm. Enkel ist ohne Zweifel mit dem vorigen verwandt, so fern dasselbe ehedem einen jungen Menschen überhaupt bedeutet haben mag. In Oberdeutschland lautet dieses Wort Enikel, Enenkel, Änenchel, welches, wie Frisch will, so viel bedeutet, als des Ahnen oder Großvaters, Knecht oder Knabe. S. Ahnen. Für Enkel ist in einigen Oberdeutschen Gegenden auch Großsohn und Großtochter, und in andern der Tiechter, Dichter, üblich, welches ohne Zweifel zu Tochter gehöret.


Enkel (W3) [Adelung]


2. Der Enkel, des -s, die Biegung des Fußes an dem Knorren, S. Änkel.


Enkel (W3) [Adelung]


* Enkel, adj. et adv. ein Nieders. Wort, welches so viel als einfach bedeutet, und auch in einigen Fabriken, z. B. in den Blechhämmern, üblich ist, wo Enkel einfache Bleche bedeutet. Das Dänische und Schwedische enkel bedeutet gleichfalls einfach. S. Einzeln.


Enkerzunft (W3) [Adelung]


Die Enkerzunft, S. Ankerzunft.


Ent (W3) [Adelung]


Ent, - eine untrennbare Partikel, welche nur in der Zusammensetzung mit Verbis und einigen wenigen andern Partikeln üblich ist. Sie bedeutet,1. Eine Bewegung von einem Orte, da sie denn so wohl den Verbis neutris, als activis vorgesetzet werden kann. 1) Eigentlich, für weg, und in einigen Fällen ach für aus und ab. Dahin gehören, entarten, sich von seiner Art entfernen, ausarten, entfahren, entfallen, entfernen, entfliegen, entführen, entgehen, entheben, entkommen, entlassen, entlaufen, entlegen, entlehnen, entlocken, entnehmen, entreißen, entrinnen, entrücken, entsagen, entschlagen, entsetzen, entsinken, entsteigen, entwachsen, entwehren, entweichen, entwenden, entwischen, entwöhnen, entziehen, entzücken u. s. f. 2) Figürlich, eine Beraubung, welche durch das folgende Verbum näher bestimmt wird, oder das Gegentheil von der Bedeutung des folgenden Verbi, für los, ab oder auch ver. In diesem Verstande sind die mit ent zusammen gesetzten Zeitwörter in den meisten Fällen das Gegentheil von denjenigen, welche die Partikel be vor sich haben. Dergleichen sind, entbinden, los binden, entbrechen, entdecken, entehren, enterben, entfalten, entfärben, entbehren, entfesseln, enthaupten, entheiligen, enthüllen, entkleiden, entleiben, entkräften, entladen, entlasten, entmannen, entmasten, entrathen, enträthseln, entrunzeln, entschuldigen, entseelen, entsiegeln, entstehen, fehlen, entsündigen, entvölkern, entwaffnen, entweihen, entwickeln, entwölken, entwurzeln, u. s. f. In beyden Bedeutungen ist diese Partikel schon alt. Denn es finden sich nur bey dem Ulphilas dergleichen mit and und anda zusammen gesetzte Zeitwörter, sondern sie kommen auch bey den Alemannischen und Fränkischen Schriftstellern von des Kero Zeiten an beständig vor, wo aber die Partikel ant, int, unt, bald nur en und in, und wenn ein f folgt, zuweilen inp oder emp lautet. So sagte man ehedem inpfaren, für entfahren; empfliehen, für entfliehen u. s. f. Doch diese Form ist veraltet, und man hat sie nur noch bey einigen Zeitwörtern in der folgenden zweyten Bedeutung behalten. Im Angelsächsischen lautet diese untrennbare Partikel aet, et, and, im Dänischen und und inde, im Holländ. ont, und im Nieders. unt. Das t scheinet bloß um des Wohlklanges willen eingeschaltet zu seyn, und es ist wahrscheinlich, daß diese Partikel zu dem Geschlechte der Wörter un, ohne und von, vielleicht auch zu dem Latein. inde, gehöret. Das Schwed. Nebenwort undan bezeichnet gleichfalls eine Bewegung von einem Orte. In beyden Bedeutungen können vermittelst dieser Partikel, neue Verba gebildet werden. Da über dieß mit derselben zusammen gesetzten edler und anständiger sind, als die mit den gleich bedeutenden Wörtern weg, ab, los u. s. f. so wissen sich die Dichter dieser Freyheit sehr gut zu bedienen, worin man sie auch nicht tadeln darf, wofern nur diese Zusammensetzung nicht wider die Analogie geschiehet.2. In einigen, obgleich wenigen, Zeitwörtern scheinet diese Partikel eine Bewegung in und nach einem Orte auszudrucken, und vermittelst des t euphonici aus den Vorwörtern an und in entstanden zu seyn. Dergleichen sind entbiethen für anbiethen, entrichten, sich enthalten, an sich halten, enthalten, in sich halten, das Nebenwort entgegen, ehedem ingegen, engegen, das im gemeinen Leben übliche entlang, längs, in die Länge, und die Zeitwörter empfahen, empfangen, empfehlen, und empfinden, wo das ent um des Wohlklanges willen in emp verwandelt worden. S. Em. Von mehrerer Erweislichkeit ist.3. Diejenige Bedeutung, nach welcher ent den Ursprung, den Anfang einer Handlung oder eines Zustandes ausdruckt. Dahin gehören, entbrennen, entglimmen, entschlafen, einschlafen, entschlummern, entspinnen, entsprießen, entspringen, entstehen, anfangen zu seyn, entzünden, und vielleicht auch entrüsten. Vermutlich ist auch hier die Partikel aus dem Vorworte an entstanden, weil man in eben der Bedeutung auch sagt, anbrennen, anglimmen, anspinnen, und anzünden. Die erstern sind auch in dieser Bedeutung von edlerm Gebrauche, als die mit andern gleich bedeutenden Partikeln zusammen gesetzten Zeitwörter; nur daß diese Bedeutung so wenig als die vorher gehende neue willkührliche Zusammensetzungen leidet.4. In vielen Zeitwörtern scheinet die Partikel bloß eine intensive Kraft zu haben, und die Bedeutung des folgenden Zeitwortes zu verstärken. Dergleichen sind, entäußern, entblöden, ehedem auch erblöden, entblößen, entledigen entleeren, entübrigen, entscheiden entsinnen, entsprechen, entwerfen, entlernen für erlernen u. s. f. Doch wenn man die Sache genau untersucht, so wird man finden, daß sich alle diese Zeitwörter zu einer von den beyden Bedeutungen der ersten Classe rechnen lassen; nur daß man auch in dieser Bedeutung mit dem ent keine neuern Zusammensetzungen wagen darf.5. Man leget dieser Partikel vor den Zeitwörtern noch verschiedene andere Bedeutungen bey, vornehmlich aber die Bedeutung des Vorwortes gegen oder wider nach dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; allein diese und andere Bedeutungen sind so erwiesen noch nicht. In entzwey, und dem veralteten entzwischen, ist ent das Vorwort in, weil man auch sagt inzwey und inzwischen. In entweder ist die erste Sylbe das Zahlwort ein, welches im Oberdeutschen einte lautet, S. Ein II. Das Oberdeutsche enthalb, auf jener Seite, jenseit, ist aus dem Oberdeutschen Nebenworte enthen, dort, daselbst, zusammen gesetzet, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Anderer veralteter Bedeutungen dieser Partikel nicht zu gedenken.

Anm. Überhaupt ist noch von dieser Partikel zu merken, daß sie in den mit derselben zusammen gesetzten Zeitwörtern niemahls den Ton hat; dagegen die zwey noch mit ant zusammen gesetzten Wörter Antlitz und Antwort, denselben jederzeit auf der ersten Sylbe haben. S. diese Wörter.


Entadeln (W3) [Adelung]


Entadeln, verb. reg. act. des Adels berauben, so wohl in eigentlicher, als auch in figürlicher Bedeutung. Das Laster entadelt den Geist.


Entädern (W3) [Adelung]


Entädern, verb. reg. act. der Adern berauben. Die Juden entädern, das geschlachtete Vieh, wenn sie die Spannadern aus dem Buge schneiden. Daher die Entäderung.


Entarten (W3) [Adelung]


Entarten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, in der höhern Schreibart, aus der Art schlagen, ausarten. Die entartete Schöne, Zachar.


Entäußern (W3) [Adelung]


Entäußern, verb. reg. recipr. mit der zweyten Endung des Nennwortes. Sich einer Sache entäußern, sich derselben begeben, sich ihrer enthalten. Er hat sich nicht der alten Mode gänzlich entäußert, Less. Christus entäußerte sich selbst, begab sich freywillig alle göttlichen Vorzüge. Indessen wird doch dieses Wort in der edlen Schreibart der Hochdeutschen wenig mehr gebraucht. In Oberdeutschland sagt man auch, sich aller schuldigen Pflicht, sich des Gehorsams entäußern, sich demselben entziehen. So auch die Entäußerung. Ent zeiget hier den terminum a quo an, gleichsam von sich weggeben. S. Äußern.


Entbehren (W3) [Adelung]


Entbehren, verb. reg. act. etwas nicht haben, Mangel daran leiden, in Beziehung auf die Art und Weise, wie man denselben erträgt, so wohl mit der zweyten, als mit der vierten Endung der Sache. Die Luft, welcher sie doch nicht entbehren konnten, Weish. 17, 9. Man kann ihrer in der Stadt nicht entbehren, Sir. 38, 36. Ich will diese Sache gerne entbehren, sie nicht haben. Entbehret Damis ja gewisse Freuden, so entbehret er sie weil er sie nicht bedarf, Gell. Seltener absolute und ohne Beziehung auf die Art und Weise, wie man das nicht haben erträgt. Die Gelassenheit zieht ihre Stärke aus dem Bewußtseyn höherer Güter, als die sind, die wie entbehren, Gell. Die Pflanzstadt ungeborner Söhne, die deiner milden Kunst entbehret, Raml.

Anm. Bey dem Ottfried, Notker und den spätern Schriftstellern lautet dieses Wort inberan, inberen, enpern, emperen, umberen, embearen, im Holländ, ontberen, im Dän. undväre, im Schwed. ombaera. Mit der vierten Endung kommt es schon bey der Winsbeckin vor: Wil es diu minne niht entbern. Die letzte Hälfte ist vermuthlich das alte Zeitwort baren, beren, tragen, welches unter andern auch thun, wirken, bringen bedeutete. Davon kommen die Zusammensetzungen verbaren, verwirken, urbaren, genießen, und dessen Gegensatz entbaren oder entbehren, ermangeln. S. 1 Bar. Im Oberdeutschen bedeutet sich entbehren, auch sich verstecken. S. Bahre.


Entbehrlich (W3) [Adelung]


Entbehrlich, -er, -ste, adj. et adv. dessen man entbehren kann. Ein entbehrlicher Mensch. Ausländische Gewürze sind entbehrlich. Daher die Entbehrlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Sache, nach welcher man sie entbehren kann.


Entbiethen (W3) [Adelung]


Entbiethen, verb. irreg. act. S. Biethen. 1) So fern biethen befehlen bedeutet, Befehl ertheilen. Und entboth den Klägern auch, daß sie vor dir sagten, was u. s. f. Apostelg. 23, 30. Alles, was du deinem Knecht entbothen hast, will ich thun, 1 Kön. 20, 9. Sie thaten, wie ihnen Jesebel entbothen hatte, Kap. 21, 11. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet. Doch sagt man noch, jemanden zu sich entbiethen, ihm befehlen, zu ihm zu kommen. Schon bey dem Ottfried bedeutet Imbot, einen Befehl. 2) Vermelden, bekannt machen. Durch dieselben kannst du mir entbiethen, was du hören wirst, 2. Sam. 15, 36. Und sie entbothen Isebel und ließen ihr sagen, 1 Kön. 21, 14. Der König Alexander entbeuth seinem Bruder Jonathä seinen Gruß, 1 Macc. 10, 18. Auch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet, außer daß die Redensart jemanden seinen Gruß entbiethen, noch zuweilen in den Kanzelleyen von Höhern gegen Geringere gebraucht wird. Ich enbuite in allen minen gruos, der Burggraf von Linnz. Er enpeutet eu er sei hie, er vermeldet euch, Stryker. 3) Anbiethen. Als Aster sich diesem Könige zu Dienst entbiethen ließ, Haged. Ihm wird die jüngste der Charitinnen sich zur Führerinn entbiethen, Raml. So auch die Entbiethung.

Anm. Im Niedersächsischen lautet dieses Wort entbeen. Ent druckt in allen drey Bedeutungen den Gegenstand aus, auf welchen die Handlung gerichtet ist, und stehet daher für an. S. Ent. 2.


Entbinden (W3) [Adelung]


Entbinden, verb. irreg. act. ( S. Binden,) los binden. 1. Eigentlich, in der höhern Schreibart. 2. Figürlich. 1) Aus der Verbindung mit andern Dingen bringen. So entbindet sich in der Chymie z. B. die fixe Luft, wenn sie von demjenigen Körper, mit welchem sie verbunden war, befreyet wird. 2) Von einer unangenehmen, beschwerlichen Sache befreyen, in einigen Fällen, und mit der zweyten Endung oder dem Vorworte von. Jemanden von dem Gesetze, von seiner Pflicht entbinden. Aller Noth entbunden seyn, gestorben seyn. 3) In der anständigen Schreibart, von dem weiblichen Geschlechte, von der Bürde des Leibes befreyen. Gott wolle sie ihrer weiblichen Bürde gnädig entbinden, eine gewöhnliche Formel der Vorbitte für Schwangere. Sie ist bereits entbunden worden. Von einem Sohne, von einer Tochter entbunden werden, wo einige unrichtig das Vorwort mit gebrauchen. So auch die Entbindung, besonders von der Geburt, in Ansehung der Mutter. Die Zeit ihrer Entbindung ist nahe. Eine leichte, eine schwere Entbindung haben. Die Entbindungskunst, die Kunst zu entbinden, die Geburt durch Handreichung zu erleichtern; die Hebammenkunst, Geburtshülfe.

Anm. Bey dem Kero lautet dieses Zeitwort anpintan, der es auch für los sprechen gebraucht. Bey dem Ottfried stehet intbindan figürlich für befreyen mit der zweyten Endung der Sache. Enbinde mich von sender not, Jacob von Warte. Will si mih nicht von herzelide enbinden, Walther von Tiufen. In der letzten Bedeutung des Gebärens gebrauchen die Niedersachsen dafür verlösen. Opitz gebraucht dieses Wort in einigen im Hochdeutschen ungewöhnlichen Verbindungen: Wir irren allesammt; kein Mensch kann sich entbinden, Als sey er Tadel frey, d. i. ausnehmen; und Ps. 89: Du hast dein wahres Wort im Himmel eingegründet, Da seinen festen Stand und Glauben nichts entbindet, d. i. auflöset, entkräftet.


Entblättern (W3) [Adelung]


Entblättern, verb. reg. act. der Blätter berauben, in der höhern, besonders dichterischen Schreibart. Sie hatte selbst den Schmuck von Rosmarin entblättert, Gryph. Im Scherze auch von Blättern eines Buches. Und was entblättern nicht der Haare Kräuseley,Tobak und Käsekram, Confect und Specerey? Hag.


Entblecken (W3) [Adelung]


* Entblecken, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen ungewöhnlich ist, und nur bey dem Opitz vorkommt, für entblößen. S. 2 Blecken.


Entblöden (W3) [Adelung]


Entblöden, verb. reg. recipr. 1) Sich entblöden, sich von der gehörigen Furcht, Ehrerbiethung und Schamhaftigkeit entfernen. Er entblödete sich, mir in das Gesicht zu sagen, er erkühnete sich. Entblöde dich nicht, unterstehe dich nicht, dieses zu thun. 2) In der entgegen gesetzten Bedeutung, sich scheuen, sich schämen. Er entblödete sich nicht, mir dieses in das Gesicht zu sagen. Frisch tadelt diese Bedeutung, weil in derselben nur allein erblöden üblich sey. Allein ent und er wurden ehedem oft für einander gesetzet; über dieß haben wir auch ein intensives ent; S. Ent - 4. Indessen fangen beyde Bedeutungen an im Hochdeutschen zu veralten. S. Blöde.


Entblößen (W3) [Adelung]


Entblößen, verb. reg. act. bloß machen. 1) Eigentlich. Einen Gang entblößen, im Bergbaue, ihn von der obern Dammerde befreyen, ihn entdecken. Den Degen entblößen. Ein entblößeter (bloßer) Degen. Du entblößtest die Grundfeste bis an den Hals, Habac. 4, 13. Besonders der Kleider berauben. Und soll das Weib vor den Herrn stellen und ihr Haupt entblößen, 4 Mos. 5, 18. Den Arm, den Fuß entblößen. Sich entblößen, sich bloß machen. 2) Figürlich, mit dem Vorworte von, in einigen Fällen auch mit der zweyten Endung der Sache. Von Freunden entblößet seyn, keine Freunde haben. Aller seiner Güter entblößet seyn, beraubt. Eine Festung, ein Land entblößen, es der Besatzung, des Schutzes berauben. Sich vom Gelde entblößen, alles vorräthige Geld ausgeben. Ich kann mich nicht entblößen, nehmlich vom Gelde. Daher die Entblößung.

Anm. Die Niedersachsen gebrauchen statt dieses Wortes nur das einfache blöten. Ent scheinet hier bloß eine intensive Bedeutung zu haben. S. Ent 4.


Entblühen (W3) [Adelung]


Entblühen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, in der Blüthe entrissen werden, in der höhern Schreibart. Als sie dem jungen Leben entblühend u. s. f. Klopst.


Entbrechen (W3) [Adelung]


Entbrechen, verb. irreg. recipr. ( S. Brechen,) sich mit Gewalt von etwas los brechen, mit der zweyten Endung der Sache. 1. Eigentlich, sich einer Sache mit Gewalt entschlagen. Sich alles Gehorsames, aller Pflicht entbrechen. Was Weise hat sie denn des Lebens sich entbrochen? Opitz; d. i. sich selbst getödtet. Doch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. 2. Figürlich. 1) Sich enthalten, den Umgang mit einer Person, den Gebrauch einer Sache vermeiden. Du mußt dich oder willst dich meiner selbst entbrechen, Günth. Denn sich meiner zu entbrechen,Ist sie schon gestraft genug, ebend. 2) Zurück halten, sich enthalten. Ich kann mich kaum der Thränen entbrechen. Ich konnte mich nicht entbrechen, ihm das Gegentheil zu versichern. Im Oberdeutschen sind in dieser Bedeutung auch entlegen und entschütten üblich.

Anm. Ent druckt in diesem Zeitworte den Terminum a quo aus. Da Brechen einen großen Umfang der Bedeutung hat, so würde es leicht seyn, entbrechen in dem gedoppelten figürlichen Sinne auch von andern Bedeutungen des einfachen Zeitwortes herzuleiten. So ferne brechen ehedem auch für verbrechen gebraucht wurde, bedeutete entbrochen auch ohne Schuld, unschuldig. Welcher nun nit volgt meinem rat,Gen den will ich embrochen sein, Theuerd. Kap 110; gegen den will ohne Schuld seyn.


Entbrennen (W3) [Adelung]


Entbrennen, verb. irreg. neutr. ( S. Brennen,) welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt, anfangen zu brennen, in der höhern Schreibart. Auf daß der Topf heiß werde, und sein Erz entbrenne, Ezech. 24, 11. Am häufigsten figürlich, von heftigen Begierden und Leidenschaften, besonders der Liebe und Zorne. Vor Liebe brennen. Gegen eine Person in Liebe, vor Liebe entbrennen. Wenn Gottes Zorn über uns entbrennen wird. Er entbrannte vor Zorn. Und nun entbrannt' ihr Durst nach mehr Eroberungen, Gieseke.

Anm. Schon Ottfried gebraucht das Neutrum inbrennan von der Leidenschaft des Zornes. Ehedem war dieses Wort auch in der thätigen Gattung für anzünden, entzünden üblich, und so lautet es bey dem Tatian intprennan, und bey den Schwäbischen Dichtern enbrennen.


Entbürden (W3) [Adelung]


Entbürden, verb. reg. act. der Bürde, ingleichen einer beschwerlichen Sache berauben, in der höhern Schreibart. Uns der Leiden zu entbürden.


Entdecken (W3) [Adelung]


Entdecken, verb. reg. act. Des Daches, der Decke, oder alles dessen, was einem Dinge zur Decke dienet, berauben. 1. Eigentlich, in welcher Bedeutung es im Hochdeutschen nur zuweilen in der höhern Schreibart vorkommt. Es ist aber bloß und entdeckt vor seinen Augen, Ebr. 4, 13. Im Oberdeutschen ist es auch in dem gemeinen Sprachgebrauche nicht selten; denn da sagt man ein Haus oder ein Dach, entdecken, abdecken, an einigen Orten auch entdachen. Einen Topf, ein Glas entdecken, den Deckel wegnehmen u. s. f. Entblöße den Fuß, entdecke den Schenkel, Es. 47, 2. In Obersachsen gebraucht man es an einigen Orten von dem Abdecken des umgefallenen Viehes, so fern es unbefugter Weise von Personen geschiehet, die von der Polizey nicht dazu berechtiget sind, z. B. von Hirten. In diesem Verstande wird es dem abdecken, welches die dazu berechtigten Personen sich allein anmaßen, entgegen gesetzet. Solche unbefugte Abdecker selbst heißen daher auch Entdecker. 2. Figürlich. 1) Eine unbekannte, vorher nicht empfundene Sache gewahr werden, empfinden, so wohl von allen Sinnen, besonders von dem Sinne des Gesichtes, als auch von den Kräften des Verstandes. Jetzt entdecke ich die Spitze des Thurmes, wenn man sie von weiten erblicket. Je mehr ich die Sache ansehe, desto mehr. Vollkommenheiten entdecke ich an derselben. Man wollte die Sache geheim halten; allein sie wurde dennoch entdeckt. Columbus hat eine Menge neuer Länder entdeckt. Entdecken setzt alle Mahl Dinge voraus, die schon da sind, aber noch nicht bemerket waren; erfinden aber Dinge, die noch nicht da sind. Seit dem das Mikroskop erfunden worden, hat man die Samenthierchen entdeckt. 2) Eine verborgene Sache bekannt machen, besonders im Vertrauen bekannt machen. Ich will dir mein Herz entdecken. Einem sein Anliegen, sein Vorhaben entdecken. Man hat mir ein großes Geheimniß entdeckt. Die Verschwörung wurde der Obrigkeit entdeckt. Die Verschwörer sind noch nicht entdeckt worden. Sich einem Freunde entdecken, ihm sein Anliegen bekannt machen; ingleichen, sich ihm zu erkennen geben.Daher die Entdeckung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Entdeckens, in allen obigen Bedeutungen; ohne Plural. 2) Die entdeckte Sache, in der ersten öffentlichen Bedeutung. Eine Entdeckung machen. Hätte ich doch diese unglückliche Entdeckung nie gemacht! In den neuern Zeiten sind in der Naturkunde viele wichtige Entdeckungen gemacht worden.

Anm. Dieses Zeitwort lautet bey dem Kero Indecchan, bey dem Übersetzer Isidors antdecchan, und bey dem Ottfried intheken, und kommt bey ihnen so wohl in der eigentlichen, als figürlichen Bedeutung vor. In dem mittlern Lateine wurde deoperire auf eben die Art gebraucht.


Entdecker (W3) [Adelung]


Der Entdecker, des -s, plur. ut nom. sing. der etwas entdecket, so wohl eigentlich. S. Entdecken 1. als auch figürlich, S. Entdecken 2.


Ente (W3) [Adelung]


Die Ente, plur. die -n, S. Änte.


Entehren (W3) [Adelung]


Entehren, verb. reg. act. der Ehre berauben. 1) Eigentlich. Einen Adeligen, einen Priester, einen Soldaten entehren, ich seiner adeligen, priesterlichen oder militärischen Würde berauben, ihn degradiren; welcher Gebrauch aber nur im Oberdeutschen üblich ist. Doch sagt man auch im Hochdeutschen in der anständigen Sprechart, eine Jungfrau entehren, für sie schänden, sie schwächen. 2) In weiterer Bedeutung, etwas thun, das widerdie Ehrerbiethung, die man einer Person oder Sache schuldig ist, streitet. Den Nahmen Gottes entehren. Durch dergleichen Betragen entehrest du deinen Stand. Den Tempel, das Haus entehren. Ein entehrendes Betragen. So auch die Entehrung.

Anm. Im Nieders. lautet dieses Wort unteren, bey dem Ottfried interen.


Enteilen (W3) [Adelung]


Enteilen, verb. reg. act. mit dem Hülfsworte seyn, von etwas hinweg eilen, in der höhern Schreibart. Den Armen des Freundes enteilen.


Enterben (W3) [Adelung]


Enterben, verb. reg. act. erblos machen, so fern es von einem Erblasser geschiehet. Einen Sohn, einen ungerathenen Verwandten enterben. Ein enterbter Sohn. In weiterer Bedeutung wird im Bergbaue ein Stollen enterbet, wenn dessen Besitzer die Einkünste von demselben verlieret. S. Erbstollen. So auch die Enterbung.

Anm. Bey dem Kero lautet dieses Wort erurerben, oder nach einer vielleicht bessern Leseart erereben. Im Schwabenspiegel wird enterben mit der zweyten Endung der Sache verbunden. Bey dem Hornegk kommt es auch als ein Neutrum, für erblos werden, vor.


Entfahren (W3) [Adelung]


Entfahren, verb. irreg. neutr. ( S. Fahren,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1) Eigentlich in der weitesten Bedeutung des Wortes fahren, von einer schnellen unerwarteten Bewegung von einem Orte weg. Die Art entfuhr dem Stiele. Der Fisch entfuhr mir unter den Händen. Noch mehr aber, 2) figürlich, von Worten und Tönen, wenn sie plötzlich und wider Willen, wenigstens ohne Bewußtseyn hervor gebracht werden. Bey diesen Worten entfuhr ihm ein Seufzer. Wie leicht kann uns nicht im Affect ein Wort wider unser Willen entfahren! Bist du nicht selber Schuld, wenn mir ein Wort im Zorne entfähret? Wie denn einem Menschen ein Schwur entfahren mag, ehe denn ers dachte, 3 Mos. 5, 4.

Anm. Bey dem Ottfried und Notker bedeutet intfuarin und inpharen auch entfliehen. In einigen Niedersächsischen Urkunden kommt den Zoll entfahren, active, für verfahren vor.


Entfallen (W3) [Adelung]


Entfallen, verb. irreg. neutr. ( S. Fallen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, sich durch den Fall von etwas entfernen. 1. Eigentlich, in der anständigen Schreibart. Vor Schrecken entfiel ihm der Degen, fiel ihm aus der Hand. Und hub auf den Mantel Eliä, der ihm entfallen war, 2 Kön. 2, 13. Daß ihm das Schwert aus seiner Hand entfallen muß. Ezech. 30, 22. Ungewöhnlich ist der absolute Gebrauch dieses Wortes mit Verschweigung des Dativs: wo ists entfallen, 2 Kön. 6, 6; wohin ist es gefallen, oder, wo ist es abgefallen? 2. Figürlich. 1) Plötzlich verlieren, fahren lassen. Es ist mir in der Hitze ein Wort entfallen; wofür doch entfahren üblicher ist. Es entfiel ihnen der Muth. Es entfalle keinem Menschen das Herz um deßwillen, 1 Sam. 17, 32. Wohl dem, dem seine Zuversicht nicht entfallen ist, Sir. 14, 2. 2) Besonders aus dem Gedächtnisse entfallen, vergessen werden. Die Sache ist mir wieder entfallen. Ich habe seinen Nahmen gewußt; all ein er ist mir längst wieder entfallen. Im Präsenti und Imperf. ist es in diesem Verstande ungewöhnlich.

Anm. Bey dem Ottfried lautet dieses Zeitwort intfallen, bey dem Notker infallen, in den folgenden Jahrhunderten empfallen. Der Gebrauch 2 Petr. 3, 17, daß ihr nicht durch Irrthum verführet werdet, und entfallet aus eurer eigenen Festung, ist ungewöhnlich.


Entfalten (W3) [Adelung]


Entfalten, verb. reg. act. die Falten aus einander legen, auffalten, in der dichterischen Schreibart. Bald wird sich diese Rose entfalten, aufblühen. Alle seine Züge verkündigten den kommenden Tod; doch herrschte eine Gelassenheit in ihren, die seine ganze edle Seele entfaltete. Die Räthsel des menschlichen Herzens entfalten. Jetzt entfalten das Nachtinsect die mehligen Flügel, Zachar. So auch die Entfaltung. Intfaldan, wird schon in Boxhorns Glossen durch explicare erkläret.


Entfärben (W3) [Adelung]


Entfärben, verb. reg. act. 1) Der Farbe berauben; in welcher Bedeutung doch dieses Zeitwort veraltet ist. Die Färber gebrauchen dafür abklören, abziehen. 2) Sich entfärben, die Farbe verändern, besonders von der Farbe des Gesichtes, so fern selbiges durch eine heftige Gemüthsbewegung der Furcht, der Scham, des Schreckens u. s. f. auf eine kurze Zeit verursachet wird. Da entfärbte sich der König, und seine Gedanken erschreckten ihn, Dan. 5, 6. Laß dich deine Gedanken nicht so erschrecken, und entfärbe dich nicht also, V. 10. Er entfärbte sich vor mir, vor meiner Gegenwart.


Entfernen (W3) [Adelung]


Entfernen, verb. irreg. act. von einem Gegenstande, in die Ferne bringen. 1) Eigentlich, dem Orte nach. Verdächtige Leute aus der Stadt, aus dem Lande entfernen. Sich entfernen, weggehen. Sich von dem rechten Wege entfernen. Jemanden von seinen Freunden entfernen. Ein entfernter, weit entlegener, Ort. Beyde Städte sind nicht weit von einander entfernt. 2) Figürlich, der Neigung, der Verbindung, der Ähnlichkeit nach. Sich von der Wahrheit entfernen. Die Sünde entfernet den Menschen von Gott. Je weiter man sich von dem Laster entfernet, desto näher kommt man der Tugend. Dieß entfernte mein Herz täglich mehr von ihm. Die besten Freunde entfernen sich von dem Armen, entziehen sich seiner, entsagen ihm ihre Hülfe; Sprichw. 19, 7. Auf eine entfernte oder entferntere Art, wo weniger Verbindung oder Ähnlichkeit Statt findet; im Gegensatze der nähern. 3) Seltener von der Zeit, für aufschieben. So oft ich sie noch geprüft, hat sie ihre Vermählung mehr zu entfernen als zu beschleunigen gesucht, Weiße.

Anm. Notker gebraucht so wohl das einfache ferren, als das zusammen gesetzte irferren, für entfernen. Das Nieders. entfeernen wird auch für entwenden gebraucht. S. Entfremden.


Entfernung (W3) [Adelung]


Die Entfernung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Entfernens, in beyden Bedeutungen. 2) Der Raum, um welchen zwey Örter oder Dinge von einander entfernet sind, so wohl eigentlich als figürlich. Man kann den Thurm in einer sehr weiten Entfernung sehen.


Entfesseln (W3) [Adelung]


Entfesseln, verb. reg. act. von den Fesseln befreyen, in der höhern Schreibart. Du hast dich noch nicht genug von den alten Vorurtheilen entfesselt.


Entflammen (W3) [Adelung]


Entflammen, verb. reg. act. in Flammen setzen, in der höhern Schreibart; besonders figürlich, heftige Begierden, Leidenschaften erregen. Doch muß euch auch ein edler Zorn entflammen, Zachar. Seine Begierde zu entflammen.


Entfliegen (W3) [Adelung]


Entfliegen, verb. irreg. neutr. ( S. Fliegen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, wegfliegen, davon fliegen, in der edlernSchreibart. Der Vogel ist mir entflogen. Ingleichen figürl. Selbst die Zufälle, welche wir ungefähr nennen, gleichen nicht der Bewegung eines geworfenen Steines, die von äußerlichen Ursachen gestöret wird, wenn er schon der Hand, die ihn warf, entflogen ist, Kästn.


Entfliehen (W3) [Adelung]


Entfliehen, verb. irreg. neutr. ( S. Fliehen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, davon fliehen, sich durch die Flucht von, einem Gegenstande entfernen, in der edlern Schreib- und Sprechart. David entflohe den Nachstellungen Sauls. Der Gefahr entfliehen. Der göttlichen Strafe wirst du nicht entfliehen. Aus der Schlacht, aus dem Gefängnisse, aus einem Orte entfliehen. Auf die Dächer, in die Wälder entfliehen. Ingleichen absolute. Hier konnte niemand entfliehen. Die Gefangenen versuchten zu entfliehen. Bey dem Ottfried intfliahen und infliahen, in den folgenden Jahrhunderten empfliehen.


Entfließen (W3) [Adelung]


Entfließen, verb. irreg. neutr. ( S. Fließen,) mit dem Hülfsworte seyn, sich fließend von etwas entfernen, in der höhern Schreibart. Eine wehmüthige Thräne entfloß seinem Auge. Wie wohl riechende Düfte dem Öhlbaum entfließen, Klopst.


Entfremden (W3) [Adelung]


Entfremden, verb. reg. act. 1) Entfernen, eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Sie sind entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, 1 Tim. 5, 6. Und meine Bekannten werden von mir entfremdet, Hiob 19, 13, nach der Michaelischen Übersetzung. Bey den Schwäb. Dichtern kommt das einfache fremden in diesem Verstande so wohl active, als auch ein Neutrum für meiden, entfernet seyn, vor. Es tuot ir froemden mir so we, Rudolph von Rothenburg. Sin froemden tuot mir den tot, Reinmar der Alte. Das ich si froemde, ebend. 2) Entziehen. Das si di guote enpfremde mir ir steten minne, Friedr. von Husen. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur noch für entwenden, als einen gemilderten Ausdruck für das härtere stehlen. Einem etwas entfremden. Die Sache ist mir entfremdet worden. Aber, ich bin der Kleider entfremdet worden, für beraubt, wie es bey Hans Sachs heißt, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. So auch die Entfremdung.

Anm. In dem ersten Verstande erhält dieses Wort noch die ursprüngliche Bedeutung des Wortes fremd, nach der es so viel als fern ist, von welchem Worte es auch abstammet. S. Fremd.


Entführen (W3) [Adelung]


Entführen, verb. reg. act. wegführen, davon führen. 1) Eigentlich. Es wurde viel Holz von dem Wasser entführet, Bluntschli. Einem Vieh, Geld entführen. In diesem eigentlichen Verstande kommt es im gemeinen Sprachgebrauche nur im Oberdeutschen vor. Im Hochdeutschen gebraucht man es am häufigsten von der heimlichen und gewaltsamen Wegführung einer Person, besonders des andern Geschlechtes. Eine Jungfrau entführen. Einem Vater seine Tochter, dem Bräutigam seine Verlobte entführen. 2) Figürlich, in der höhern Schreibart. So wird auch keine Zeit dir diesen Ruhm entführen, Hofmannsw. So auch die Entführung, ingleichen der Entführer, der eine Person weiblichen Geschlechtes entführet.

Anm. Ottfried gebraucht intfuaren in allgemeiner Bedeutung so wohl für educere, als auch für auferre. Nieders. untfören.


Entgegen (W3) [Adelung]


Entgegen, eine Präposition, welche die dritte Endung erfordert, den Nenn- und Fürworte jederzeit nachgesetzet wird, und eine Bewegung gegen einen Gegenstand bezeichnet, obgleich mit verschiedenen Einschränkungen. 1) Eine Bewegung, welche gerade auf einen andern Gegenstand zu gerichtet ist, dessen Bewegung ihre Richtung wieder gerade auf diese hat. Dem Winde entgegen reiten. Dem Strome entgegen schiffen. Die Ägypter flohen dem Strome entgegen, Mos. 14, 27. Dem Flusse entgegen fahren. Der Wind ist uns entgegen, oder gehet uns entgegen. Besonders, so fern es zur Bewillkommnung, zur Verkürzung des Weges u. s. f. geschiehet. Einem entgegen gehen, fahren, reiten, schiffen, kommen, ziehen, laufen. Die halbe Stadt kam ihm frohlockend entgegen. Jemanden etwas entgegen bringen. Ingleichen figürlich. Dem Tode, der Gefahr herzhaft entgegen gehen. Eines Ankunft froh entgegen sehen. Glücklich ist der, der dem Tode getrost entgegen sehen kann. In der dichterischen höhern Schreibart auch mit andern Verbis. Einem entgegen segnen, Klopst. Kaum lachet uns die Welt entgegen, Gell. Die Fächer rauschen ihm Beyfall entgegen, ebend. 2) In weiterer Bedeutung zuweilen auch, wenn der Körper, auf welchen die Bewegung gerichtet wird, in Ruhe ist. Die Hölle zitterte vor dir, da du ihr entgegen kamest, Es. 14, 19; welcher Gebrauch aber im Hochdeutschen veraltet ist. 3) Auch mit solchen Zeitwörtern, welche keine Bewegung ausdrucken, und alsdann bedeutet die Partikel so viel als gegen über. England liegt Frankreich entgegen. Dem Kranken entgegen sitzen. Ingagon der halpo, gegen über, in den Monseeischen Glossen. Dieser Gebrauch ist noch im Oberdeutschen üblich, im Hochdeutschen aber gänzlich veraltet. 4) Besonders mit dem Nebenbegriffe der Hinderniß, des Widerstandes, u. s. f. Dem Strome einen Damm entgegen setzen. Ingleichen figürlich, eine entgegen gesetzte Bewegung, die das Gegentheil von der andern ist. So auch entgegen gesetzte Begriffe, Neigungen u. s. f. Neue Hindernisse setzen sich unsern Wünschen entgegen, Gell. Was seiner eingebildeten Glückseligkeit entgegen stehet, Dusch. Sehr häufig gebraucht man es mit dem Worte seyn im figürlichen Verstande, für zuwider. Einem entgegen seyn, sein Vorhaben zu hindern suchen. Ich will dir darin gar nicht entgegen seyn. Er ist mir in allen Stücken entgegen. Die Sache ist mir nicht entgegen; mißfällt mir nicht, ist mir nicht zuwider. Mit andern Verbis wird es im Hochdeutschen nicht gern gebraucht. Daher die Ausdrücke, die Israeliten wandelten Gott entgegen; 3 Mos. 26, 21; Gott wandelte den Israeliten entgegen, V. 28, ungewöhnlich sind. Doch sagt man noch, eines Befehl entgegen handeln. Für das einfache wider oder gegen gebraucht man es nur in Oberdeutschland, ob man gleich auch in Hochdeutschen Gerichten oft höret, Caius entgegen Sempronius, und es auch noch Col. 2, 14 heißt: die Handschrift, welche wider uns war - und uns entgegen war.

Anm. Bey dem Ottfried lautet dieses Wort getheilet in gegini, in gegin, bey dem Notker ingagane, und in den folgenden Jahrhunderten entgegen. Ent ist hier ohne Zweifel das Vorwort in, gegen aber nicht so wohl das Vorwort, als vielmehr das Hauptwort Gegend; welches ehedem nur Gegene und Gegen lautete. Ehedem wurde es auch mit der vierten Endung für das einfache gegen gebraucht, eine Richtung nach einem Gegenstande auszudrucken. Min minna engegen dich, meine Liebe gegen dich, Willer. Im Oberdeutschen ist diese Partikel über dieß noch theils für zugegen, theils aber auch für hingegen gangbar.


Entgehen (W3) [Adelung]


Entgehen, verb. irreg. neutr. ( S. Gehen,) welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt, von einem Orte weggehen, sich von einem Orte entfernen. In dieser eigentlichen, aber veralteten Bedeutung, kommt ingan für abire, weggehen, bey dem Ottf. vor. Im Hochdeutschen gebraucht man es noch, 1) figürlich, in den Redensarten: die Kräfte sind ihm entgangen, er hat seine Kräfte verloren; der Athem entgehet mit; wenn einem Mann im Schlafe der Same entgehet, 3 Mos. 15, 16. Er lässet sich nicht leicht einen Vortheil entgehen. 2) In eingerer Be-deutung, einer unangenehmen Sache ausweichen. Einem Übel entgehen. Einer großen Gefahr entgehen. Dem Feuer kann man wohl entgehen, aber nicht so leicht dem Wasser. Gottes Händen Kann niemand entgehen. Er ist der Strafe entgangen, hat ein Mittel gefunden mit der Strafe verschont zu werden.

Anm. Bey dem Ottfried lautet dieses Wort ingan und intgan, im Nieders. untgaan. Veraltete, aber doch im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutungen sind: 1) Nicht entgehen können, nicht umhin können, im Oberdeutschen. 2) Nicht umhin können zu gestehen, einzuräumen. Ich aber sage dieß, daß niemand kann entgehen, Daß diese That doch nicht unmöglich könne seyn, Opitz. 3) Vor Gerichte frey gesprochen werden, sich einer Anklage entledigen, im Nieders. Mit seinem Eide entgehen, sich los schwören. 4) Ausgleiten. Es sollten bald die Füße mir Durch falschen Tritt entgangen seyn, Opitz.


Entgeistern (W3) [Adelung]


Entgeistern, verb. reg. act. welches nur in der Schreibart üblich ist. 1) Der Lebensgeister berauben, entseelen. 2) Entzücken, der Sinne, des Bewußtseyns berauben. Der Wollust süßer Traum entgeistert mein Gemüthe, Can. Ja Doris, ja ich sah uns beyde Für Zärtlichkeit entgeistert seyn, Rost.


Entgeld (W3) [Adelung]


Das Entgeld, ein Hauptwort, welches nur mit der Präposition ohne in einigen Redensarten vorkommt. Jemanden ohne Entgeld dienen, umsonst. Er hat es ohne Entgeld, umsonst, ohne Geld, bekommen. S. auch Unentgeldlich.

Anm. Dieses Hauptwort scheinet aus Ungeld entstanden zu seyn, welches ehedem nicht nur gewisse obrigkeitliche Abgaben, sondern auch Unkosten, Aufwand überhaupt bedeutete; S. Ungeld.


Entgelten (W3) [Adelung]


Entgelten, verb. irreg. neut. ( S. Gelten,) büßen, Strafe leiden, welches nur im Infinitive, und am häufigsten mit den Zeitwörtern müssen, sollen und lassen gebraucht wird. Es wird im Hochdeutschen mit der vierten Endung der Sache verbunden. Lassen sie es mich nicht entgelten, lassen sie mich nicht dafür büßen. Du sollst es mir schon entgelten. Das soll er mir entgelten, Less. dafür soll er mir büßen. Was andere verbrochen hatten, das mußten wir entgelten.

Anm. Im Hochdeutschen gebraucht man es am häufigsten nur dann, wenn sich der Accusativ der Sache mit es, oder höchstens mit dem Pronomine der, die, das ausdrucken lässet. Im Oberdeutschen nimmt es auch die zweyte Endung der Sache zu sich. Des engilte ich sere semmir Got, Reinmar der Alte. Ihr sollt dessen nicht entgelten. Welche Wortfügung auch noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Unsere Väter haben gesündiget - und wir müssen ihrer Missethat entgelten, Klagel. 5, 7. Sie lassen uns deß entgelten, 2 Chron. 20, 11. Intgeltan kommt schon bey dem Ottfried für büßen, Strafe leiden, vor. Eigentlich bedeutet es ehedem, so wie büßen, einen zugefügten Schaden ersetzen, mit Gelde dafür genug thun, und war in diesem Verstande auch als ein Activum üblich. Dat he eme nicht entgilt, in einer Nieders. Urkunde. Aus welchem Gebrauche auch die Bedeutung der Partikel ent deutlich wird. S. Gelten. Bey dem Notker ist Ingaltniss Strafe, im Schwed. aber omgelda Strafe erlegen.


Entglimmen (W3) [Adelung]


Entglimmen, verb. irreg. neutr. ( S. Glimmen,) welches das Hülfswort seyn, erfordert, anfangen zu glimmen. Es ist ein neues Licht entglommen, Gryph. Die Liebe muß darauf entglommne Kohlen streun, Günth. Im Hochdeutschen wird es nur in der höhern und dichterischen Schreibart, und am häufigsten in figürlicher Bedeutung gebraucht. In diesen ist zuerst der Deutsche Muth entglommen; Schleg. Ich spür' es, fast wär ich entglommen, Cron. Von hoher Lust entglommen, Ruft dir das ganze Volk den lauten Beyfall zu, Weiße.


Entgöttern (W3) [Adelung]


Entgöttern, verb. reg. act. der göttlichen Würde, auch wenn sie nur in der Einbildung beruhet, berauben, in der höhern Schreibart. Durch diese wirst du nun, elender Tropf, entgöttert, Gryph.


Enthaaren (W3) [Adelung]


Enthaaren, verb. reg. act. der Haare berauben, in der höhern Schreibart. Er sieht des Hundes Hals entharrt und abgeschabt, Haged.


Enthalt (W3) [Adelung]


* Der Enthalt, des -es, plur. inus. 1) Für Aufenthalt, der Ort; wo man sich aufhält. Die Welt ist dein Enthalt, das Kloster ist für mich, Hofmannsw. 2) Für Inhalt. Der Enthalt des Briefes, im Oberdeutschen. In beyden Bedeutungen ist dieses Wort im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Enthalten (W3) [Adelung]


Enthalten, verb. irreg. ( S. Halten,) welches in einer vierfachen Bedeutung üblich ist. 1. Für in sich halten, als ein Activum, dem Orte und Raume nach in sich fassen, oder in sich fassen können. Das Faß enthält 60 Kannen. Die Stadt enthält viele gute Häuser. Das Buch enthält viel Gutes. Der Brief enthält viele Neuigkeiten. Diese Bedingung ist bereits in der vorigen enthalten. In dieser Schrift ist wenig Neues enthalten. In sich enthalten ist ein Pleonasmus, weil ent hier schon, aus dem Vorworte in entstanden ist; wie unter andern auch aus dem Hauptworte Inhalt erhellet, welches zu dieser Bedeutung des Zeitwortes enthalten gehöret. Im Präsenti und Imperfecto ist das Passivum nicht gebräuchlich. In dieser Bedeutung kommt für enthalten bey dem Notker inthaben vor. 2. * Für, sich aufhalten, als ein Reciprocum, sich an einem Orte enthalten, sich daselbst aufhalten. Die Soldaten enthielten sich auf dem Felde. Da zog Abraham hinab in Egypten, daß er sich daselbst als ein Fremdling enthielte, 1 Mos. 12, 10. Das Land Gosen, da sich mein Volk enthält, 2 Mos. 8, 22. Die Hauptleute, so auf dem Felde sich enthielten, Jer. 40, 7, 13, und in andern Stellen mehr. Immer fragten wir nach Neuem, weil sich Krieg bey uns enthält, Logau. Im Hochdeutschen ist diese ganze Bedeutung veraltet. S. Aufenthalt und Aufenthalten. Das Nieders. entholden ist noch in derselben üblich. Ent hat auch hier die Bedeutung des Vorwortes in, sich an und in einem Orte halten. 3. * Für erhalten, ein im Hochdeutschen gleichfalls völlig veralteter Gebrauch. 1) Sich durch Halten vor dem Falle bewahren. Doch enthielt er sich vor dem vall, Theuerd, Kap. 26. 2) Zusammen halten. Der ganze Leib enthält sich an einander durch Gelenke und Fugen, Col. 2, 19. 3) Bewahren. Gelobet sey Gott - der seinen Knecht enthalten hat für dem Übel, 1 Sam. 25, 39. Also half der Herr Hiskia und denen zu Jerusalem - und enthielt sie für allen umher, 2 Chron. 32, 22. Tröste mich wieder mit deiner Hülfe und der freudige Geist enthalte mich, Ps. 51, 14. Indeß enthalte uns dein Wort, Jer. 15, 16. Ent und er wurden ehedem mehrmahls mit einander vertauscht. Ent dienet hier entweder zur Verstärkung des folgenden Hauptwortes, oder es deutet den terminum a quo an, zurück halten, abhalten, nehmlich von derGefahr, von dem Untergange. 4. Zurück halten, als ein Reciprocum. 1) Den Gebrauch einer Sache, ingleichen eine Handlung unterlassen, mit der zweyten Endung der Sache. Sich des Essens, des Trinkens, des Schlafes enthalten. Sich des Weines enthalten, keinen Wein trinken. Du mußt dich solcher anzüglichen Wörter enthalten. Sich einer Person enthalten, mit ihr nicht ferner umgehen, ihren Umgang meiden. Daß sie sich des Ortes enthalten sollten, 3 Esr. 6, 27. Daß er sich dessen (dieser Handlung,) bey Strafe zu enthalten. Man findet es zwar auch häufig mit dem Vorworte von. Daß sie sich enthalten von dem Heiligen, 3 Mos. 22, 2. Wenn sich nur die Knaben von Weibern enthalten hätten, 1 Sam. 21, 4. Daß ihr euch enthaltet vom Götzenopfer, Apostelg. 15, 29. Allein dieser Gebrauch ist zuverlässig nicht der beste, zumahl da ent in dieser Bedeutung schon eine Entfernung und Absonderung von dem Gegenstande ausdruckt, die nochmahlige Beyfügung des von also wirklich ein Pleonasmus ist. 2) Sich zurück halten, den Ausdruck einer Gemüthsbewegung u. s. f. hindern, auch mit der zweyten Endung der Sache, oder mit einem Verbo. Ich konnte mich des Lachens nicht enthalten, oder, konnte mich nicht enthalten zu lachen. Sich des Weinens, sich der Thränen nicht enthalten können. Ich konnte mich nicht enthalten, ihm einen derben Verweis zu geben. Kaum konnte ich mich enthalten, daß ich nicht vor Freuden vom Pferde riß, Weiße. Ich schweige wohl eine Zeit lang und bin still und enthalte mich, Es. 42, 14; Kap. 48, 9. Indessen ist der absolute Gebrauch mit Verschweigung der Sache im Hochdeutschen selten, noch mehr aber der active: enthalte die Zungen für dem Fluchen, Weish. 1, 11.In beyden Arten dieser Bedeutung kommt bey dem Kero und Ottfried inthaben, entheben, vor. Inthaban sih zaharin, sich der Zähren enthalten, Ottfr. Stryker gebraucht sich enthalten auch für schweigen.


Enthaltsam (W3) [Adelung]


Enthaltsam, -er, -ste, adj. et adv. Fertigkeit besitzend, sich des Genusses einer Sache zu enthalten, oder den Trieb nach dem Genusse auf die gehörige Art einzuschränken, in dem ersten Falle der vierten Bedeutung des Zeitwortes. Sehr enthaltsam seyn. Ein enthaltsamer Mensch. Daher die Enthaltsamkeit, plur. inus. die Fertigkeit, sich des Genusses anderer Sachen zu enthalten; abstinentia, bey dem Notker und in Boxhorns Glossen Furiburte, gleichsam Ver- oder Entbehrung.


Enthaltung (W3) [Adelung]


Die Enthaltung, plur. inus. das Enthalten, auch nur in dem ersten Falle der vierten Bedeutung. Mäßigung und freywillige Enthaltung sind das sicherste Mittel gegen Überdruß und Erschlaffung. Die Gabe der Enthaltung, die Enthaltsamkeit.


Enthärten (W3) [Adelung]


Enthärten, verb. reg. act. der Härte berauben, in der anständigen Schreibart. Vielleicht hat jetzt ein Mädchen dein Herz enthärtet, Geßn.


Enthaupten (W3) [Adelung]


Enthaupten, verb. reg. act. des Hauptes berauben, in der anständigen Schreibart von Menschen, anstatt des niedrigern Köpfen. Der Gefangene ist enthauptet worden. Daher die Enthauptung. Die Aphaeresis, eine grammatische Figur, die Enthauptung zu nennen, wie sich ein Sprachlehrer einkommen ließ, war wohl ein sehr geschmackloser Einfall.

Anm. In dem alten Gedichte auf Carln den Großen bey dem Schilter, in dem Schwabenspiegel und andern Denkmählern kommt dafür nur das einfache houbeten vor, welches mit dem Angels. haefdian überein stimmt. Inthalsen für enthaupten braucht Notker.


Entheben (W3) [Adelung]


Entheben, verb. irreg. act. ( S. Heben,) eigentlich wegheben, von einer Sache oder von einem Orte durch Heben entfernen; ein veraltetes Zeitwort, welches nur noch im Oberdeutschen und einigen Hochdeutschen Kanzelleyen, mit der vierten Endung der Person und der zweyten der Sache, für überheben üblich ist. Jemanden einer Sache entheben. Entheben sie mich dieser Arbeit, ersparen sie mir dieselbe, verschonen sie mich damit, befreyen sie mich davon. Im Oberdeutschen gebraucht man statt des Genitives der Sache auch wohl das Vorwort von, einen von etwas entheben. S. Enthalten.


Entheiligen (W3) [Adelung]


Entheiligen, verb. reg. act. der Heiligkeit berauben, doch nur figürlich, etwas thun, welches wider die Heiligkeit einer Sache streitet. Den Sabbath, den Nahmen Gottes, die Kirchen entheiligen. So auch die Entheiligung.

Anm. Intheiligon findet sich schon bey dem Notker. In den folgenden Zeiten kommt dafür auch vermeinen, von gemein, vor, und im gemeinen Leben sagt man auch verunheiligen.


Enthüllen (W3) [Adelung]


Enthüllen, verb. reg. act. der Hülle, der Decke, der Bekleidung berauben, im figürlichen Verstande und in der höhern Schreibart. Wenn sich die Zukunft unsern Augen enthüllen wird. In Boxhorns Glossen kommt schon das einfache hellen für entdecken vor.


Enthusiast (W3) [Adelung]


Der Enthusiast, des -en, plur. die -en, der Enthusiasmus, plur. car. Enthusiastisch, adj. et adv. S. Schwärmer, Schwärmerey und Schwärmerisch.


Entian (W3) [Adelung]


Der Entian, S. Enzian.


Entjochen (W3) [Adelung]


Entjochen, verb. reg. act. des Joches berauben, in der höhern Schreibart.


Entjungfern (W3) [Adelung]


Entjungfern, verb. reg. act. der Jungfrauschaft berauben; ein Zeitwort, welches schon Logau im Scherze gebraucht und Rost nachgeahmet hat. Ein Mädchen entjungfern, Rost.


Entkerkern (W3) [Adelung]


Entkerkern, verb. reg. act. des Kerkers berauben, aus dem Kerker befreyen, in der höhern Schreibart. Du bist es, Gott, - dein Hauch entkerkert Sturm und Meer.


Entkleiden (W3) [Adelung]


Entkleiden, verb. reg. act. die Kleider ausziehen, in der edlen und anständigern Schreibart. Jemanden entkleiden. Sich entkleiden, die Kleider ablegen, für das niedrige sich ausziehen. Nach einer sonst ungewöhnlichen Figur wird es 2 Cor. 5, 4 für sterben gebraucht. Daher die Entkleidung. Kero gebraucht statt dieses Zeitwortes intuuatan, von Watt, Gewand.


Entknüpfen (W3) [Adelung]


Entknüpfen, verb. reg. act. in der höhern Schreibart, für aufknüpfen, das zusammen geknüpfte auflösen, und dadurch frey machen.


Entkommen (W3) [Adelung]


Entkommen, verb. irreg. neutr. ( S. Kommen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, davon kommen, wegkommen, in der anständigen Schreibart. Der Hund ist mir entkommen, ich weiß nicht wie. Aus dem Gefängnisse entkommen. Die Gefangenen sind glücklich entkommen.


Entkörpern (W3) [Adelung]


Entkörpern, verb. reg. act. von dem Körper los und frey machen, in der höhern Schreibart. In der Mystik entkörpert man die Seele, wenn man die Einbildungskraft so sehr auf die innere Empfindung zurück ziehet, daß man sich selbst seines eigenen Körpers nicht mehr bewußt zu seyn glaubt. So auch die Entkörperung.


Entkräften (W3) [Adelung]


Entkräften, verb. reg. act. der Kräfte berauben. Zu viele Arbeit entkräftet den Menschen. Die Krankheit hat ihn ganz entkräftet. Ingleichen figürlich. Das Land entkräften, es seines Vermögens, seiner Kräfte berauben; im gemeinen Leben es aussaugen. Entkräftete Unterthanen. Der Krieg entkräftet die Länder. Daher die Entkräftung, plur. inus. so wohl von der Handlung des Entkräftens, als auch von dem Zustande, da man entkräftet ist.

Anm. Im Oberdeutschen ist statt dieses Wortes auch abkräften und abkräftigen, im Niedersächsischen aber verkräftigen üblich.


Entküssen (W3) [Adelung]


Entküssen, verb. reg. act. abküssen, in der dichterischen Schreibart der Neuern. Und entküssen die männliche Thräne dem Auge der Väter, Klopst.


Entladen (W3) [Adelung]


Entladen, verb. irreg. act. ( S. Leben,) von der Ladung, oder dem, womit etwas beladen war, befreyen, in der höhern Schreibart. Ein Schiff entladen; im gemeinen Leben es ausladen. Einen Wegen entladen; in gemeinen Leben ihn abladen. Ingleichen figürlich von einer unangenehmen, beschwerlichen Sache befreyen; mit der zweyten Endung der Sache, oder dem Vorworte von. Sein Gewissen entladen. Jemanden der Furcht, oder von der Furcht entladen. Intladen kommt schon bey dem Notker vor. Das ir sein werdet entladen, daß ihr von ihm befreyet werdet, Stryk.


Entlang (W3) [Adelung]


Entlang, adv. welches nur im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, mit vierten Endung des Hauptwortes üblich ist, für längs, in die Länge, der Länge nach, von dem Raume. Den Wald, den Weg entlang. Angels. andlong, Schwed. aendalongs, Nieders. entlangs. Ent ist hier ohne Zweifel das Vorwort in, für in die Länge.


Entlarven (W3) [Adelung]


Entlarven, verb. reg. act. der Larve berauben, die Larve abziehen, figürlich und in der edlern Schreibart. Das Laster entlarven, es in seiner wahren Gestalt darstellen. Daher die Entlarvung.


Entlassen (W3) [Adelung]


Entlassen, verb. irreg. act. ( S. Lassen,) weglassen, von einer Verbindung los lassen, in einigen figürlichen Ausdrücken der anständigern Schreib- und Sprechart, mit der zweyten Endung der Sache. Einen Sclaven entlassen, ihn frey lassen. Jemanden seines Dienstes, seines Amtes, seines Eides, seiner Pflicht entlassen, ihn von einem Dienste u. s. f. befreyen. S. Abdanken. Bey den Eisenarbeitern wird der Stahl entlassen, wenn er zu sehr gehärtet worden, und man ihn über einem mäßigen Feuer wieder anlaufen und weicher werden lässet. So auch die Entlassung. Das nezze intlazzen, für, es auswerfen, Tatian. S. Erlassen.


Entlasten (W3) [Adelung]


Entlasten, verb. reg. act. von einer Last befreyen, in der edlern Schreibart, so wohl eigentlich als figürlich, mit der zweyten Endung der Sache. Jemanden seiner Bürde entlasten. Auch das Iterativum entlästigen kommt in diesem Verstande zuweilen vor. Sich seiner Pflichten zu entlästigen, Rabener.


Entlauben (W3) [Adelung]


Entlauben, verb. reg. act. des Laubes berauben, in der dichterischen Schreibart. Der Herbst entlaubte schon den bunten Hain, Kleist.


Entlaufen (W3) [Adelung]


Entlaufen, verb. irreg. neutr. ( S. Laufen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, weglaufen, davon laufen, in der anständigern Schreibart. Es sind ihm zwey Bediente entlaufen. Aus der Schlacht entlaufen. Eine Gefahr entlaufen.


Entledigen (W3) [Adelung]


Entledigen, verb. reg. act. von etwas ledig, d. i. frey, los machen, mit der zweyten Endung der Sache. Und nach denselbigen Tagen entledigten wir uns, und zogen gen Jerusalem, Apostelg. 21, 15, wir legten unsere Geräthschaften ab. Sich der Sorgen entledigen. Jemanden der Bande entledigen. Sich seiner Zusage, seiner Pflicht entledigen, sich durch deren Erfüllung von ihrer Verbindlichkeit befreyen. Ja, ja, ich will reden, ich will mein Herz entledigen. Zuweilen auch mit dem Vorworte von. Da ich ihre Schulter von der Last entledigt hatte, Ps. 81, 7. Sich von einer Beschuldigung entledigen, ihren Ungrund darthun. Von der Sorge für etwas entledigt seyn, Mosh. Daher die Entledigung. Im Niedersächsischen lautet dieses Wort entleggen. S. Erledigen.


Entleeren (W3) [Adelung]


* Entleeren, verb. reg. act. leer machen, ein ungewöhnliches Wort, welches bey dem Logau vorkommt; Andre füllen, sich entleeren.


Entlegen (W3) [Adelung]


* Entlegen, verb. reg. recipr. welches nur im Oberdeutschen für sich entbrechen, umhin können, üblich ist. Wir haben uns also nicht entlegen können u. s. f.


Entlegen (W3) [Adelung]


Entlegen, -er, -ste, adj. et adv. welches eigentlich das Participium des ungewöhnlichen Zeitwortes entliegen ist, und in der anständigern Schreibart für abgelegen, enfernt, von Dingen gebraucht wird, denen man ein Liegen zuschreiben kann. Der Ort ist zehn Meilen von hier entlegen. Noch häufiger; für - weit abgelegen. Ein entlegener Ort. Der Acker ist mir zu weit entlegen. Daher die Entlegenheit, plur. inus. die Entfernung liegender Dinge, dem Raume nach. Die Entlegenheit eines Ortes, eines Gartens, eines Ackers.


Entlehnen (W3) [Adelung]


Entlehnen, verb. reg. act. von jemanden lehnen, d. i. als ein Darlehen nehmen, in der anständigern Sprechart, für das niedrigere borgen. Er hat es von mir entlehnt. Mir entlehnten Kleidern prangen. Wenn jemand von seinem Nächsten entlehnet, 2 Mos. 22, 14. Lasset uns Geld entlehnen auf Zins, Nehem. 5, 4. Ich will von der Vernunft Geduld und Trost entlehnen, Cron. Daher die Entlehnung, und der Entlehner, Fämin. die Entlehnerinn; im Gegensatze des Leihers. Entlehnen findet sich schon im Schwabenspiegel Kap. 13. S. Lehnen und Entleihen.


Entleiben (W3) [Adelung]


Entleiben, verb. reg. act. des Leibes, d. i. des Lebens widerrechtlich berauben, tödten; ein Wort, welches ein gemilderter Ausdruck anstatt des härtern ermorden, umbringen ist. Der Entleibete, der Ermordete. Sich selbst entleiben. Am häufigsten gebraucht man es von der Tödtung seines Gegners in einem Zweykampfe. Jemanden entleiben, ihn in einem Duelle tödten. Daher die Entleibung. S. Ableben und Leib.


Entleihen (W3) [Adelung]


Entleihen, verb. irreg. act. ( S. Leiben,) welches mit entlehnen einerley Bedeutung hat, aber im Oberdeutschen am üblichsten ist. Etwas von einem entleihen. Zu seinem (des Wiesen) Wesen wird vom Zufall nichts entliehen, Haged. Auf eben die Art kommt intlihan schon bey dem Notker und Tatian vor, die es aber auch für leihen, als ein Darlehn geben, gebrauchen. S. Leihen.


Entlocken (W3) [Adelung]


Entlocken, verb. reg. act. 1) Heraus locken, ablocken, figürlich, und in der dichterischen Schreibart. Des Mitleids edle Thräne, entlockt aus Männer Augen, trieft nieder, Dusch. Ihr, die ihr den Augen Oftmahls Thränen entlockt, Zachar. 2) Weglocken, gleichfalls in der höhern Schreibart. Einem seine Leser entlocken.


Entmannen (W3) [Adelung]


Entmannen, verb. reg. act. der Mannheit berauben, von Menschen; ein anständiger Ausdruck für das niedrigere castriren. Jemanden entmannen. Daher die Entmannung.


Entmasten (W3) [Adelung]


Entmasten, verb. reg. act. in der Seefahrt, des Mastbaumes berauben. Ein Schiff entmasten, den Mastbaum abschießen, abkappen u. s. f. Daher die Entmastung.


Entnebeln (W3) [Adelung]


Entnebeln, verb. reg. act. von dem Nebel befreyen, in der dichterischen Schreibart. Hohe durchsichtige Walder entnebeln ihr Antlitz und glänzen, Klopst. Der entnebelte Strand des ruhig schweigenden Weltmeers, Zachar.


Entnehmen (W3) [Adelung]


Entnehmen, verb. irreg. act. ( S. Nehmen,) welches im Oberdeutschen für wegnehmen, entziehen, üblich ist, aber auch in einigen Hochdeutschen Kanzelleyen gebraucht wird. 1. Eigentlich. Einem etwas entnehmen, es ihm entziehen, benehmen. Ach Fürst, ich bin verschenkt, und bin mir selbst entnommen, Hofmannsw. Auch die Hochdeutschen Kaufleute pflegen ihren Vorschuß auf ihren Freund zu entnehmen, wenn sie solchen Vorschuß auf ihn trassiren. 2. Figürlich. 1) Von etwas befreyen. Jemanden der Gefahr, der Strafe entnehmen. 2) Geld von jemanden entnehmen, es von ihm entlehnen. 3) Abnehmen, verstehen, ersehen, vernehmen. Wie uns daraus zu entnehmen gewesen. In allen diesen Bedeutungen kommt es im Hochdeutschen nur selten vor.


Entnerven (W3) [Adelung]


Entnerven, verb. reg. act. der Nerven, d. i. Kräfte berauben, schwächen, entkräften, in der höhern Schreibart. So auch die Entnervung.


Entohnigen (W3) [Adelung]


* Entohnigen, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen veraltet ist, einer Sache entschlagen, berauben, mit der zweyten Endung der Sache. Sich einer Sache entohnigen; sie von sich schaffen. Eines Dinges entohniget seyn, desselben beraubet seyn, dessen ermangeln.

Anm. Dieses Wort ist das Intensivum, von dem alten entahnen, berauben. Der winter hat mich entanet miner sinne, Walther von Tiufen. Enie bedeutete ehedem auch beraubt, so wie anen im Niedersächsischen ermangeln, und anig, onich, bey dem Willeram, arm, beraubt. S. Ohne, zu dessen Familie alle diese Wörter gehören. Einer Sache anig werden können, ist noch im Niedersächsischen derselben entehren, ermangeln können.


Entpurpern (W3) [Adelung]


Entpurpern, verb. reg. act. der Purpurfarbe, ingleichen des Purpurs als eines Zeichens der höchsten Würde berauben, in der höhern Schreibart.


Entrasen (W3) [Adelung]


Entrasen, verb. reg. act. des Rasens berauben, auch im gemeinen Leben. Einen wilden Boden entrasen, den Rasen abstechen, ihn abschälen.


Entrathen (W3) [Adelung]


Entrathen, verb. irreg. neutr. welches nur im Infinitiv für entbehren üblich ist, und mir der zweyten Endung der Sache, im Hochdeutschen auch wohl mit der vierten Endung gebrauchen wird. Wir können euer schon entrathen. Einer Sache entrathen müssen. Ich kann es entrathen. Wenn daß der Sonne Licht soll entrathen, Opitz.

Anm. Dieses Wort ist der Gegensatz von berathen, welches ehedem auch geben, verleihen, bedeutete, und bey dem Kero, wo es schon untraatan lautet, auch active, für entziehen, entnehmen, vorkommt. S. Gerade und Rathen. Im Oberdeutschen ist für entrathen auch gerathen üblich.


Enträthseln (W3) [Adelung]


Enträthseln, verb. reg. act. ein Räthsel auflösen, ingleichen in weiterer Bedeutung, vor der Dunkelheit befreyen, klar und deutlich machen, in der höhern Schreibart. Selbst des Kometen Reise enträthselt sie (die Sternkunde,) durch Zahlen, Dusch.


Entreißen (W3) [Adelung]


Entreißen, verb. irreg. ( S. Reisen,) welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) * Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, für ausreißen, flüchtig werden. Der Gefangene ist entrissen. Der Bär entreißt. Die Geduld ist ihm entrissen, ist ihm ausgerissen. Des großen Carlens Knecht ist die Geduld entrissen, Hofmannsw. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen, nicht aber im Oberdeutschen veraltet. 2) Als ein Activum, wegreißen, in der anständigern Schreibart, mit Gewalt entziehen. Dem Wolfe ein Lamm entreißen. Er hat mir das Lob entrissen, welches mir gebührete. Jemanden dem Tode, der Gefahr entreißen. Die Augenblicke, welche die Natur dem Grame entriß, um sie dem Schlummer zu widmen, wurden durch fürchterliche Träume geschreckt. Keines Engels Arm kann mich dem Grabe entreißen.


Entreiten (W3) [Adelung]


Entreiten, verb. irreg. neutr. ( S. Reiten,) mit seyn, davon reiten, ingleichen durch Reiten entkommen, in der edlern Schreibart. Dem Feinde entreiten.


Entrichten (W3) [Adelung]


Entrichten, verb. reg. act. was man zu geben schuldig ist, geben. Seine Schulden entrichten, sie bezahlen. Ich habe die Summe bereits entrichtet. So auch die Entrichtung.

Anm. Schon das einfache richten wurde ehedem häufig für bezahlen gebraucht, welche Bedeutung auch das Nieders. wederrichten hat. Ent druckt hier den terminum a quo aus, oder verstärket bloß die Bedeutung. Bey dem Pictorius bedeutet entrichten, entrüsten, zornig machen, irritare, bey andern alten Schriftstellern aber ist eine Fehde entrichten, so viel als sie schlichten; endigen.


Entriegeln (W3) [Adelung]


Entriegeln, verb. reg. act. aufriegeln, in der höhern Schreibart. So auch die Entriegelung.


Entrinnen (W3) [Adelung]


Entrinnen, verb. irreg. neutr. ( S. Rinnen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, und in der anständigern Schreibart für das niedrigere entlaufen gebraucht wird. Aus der Schlacht entrinnen. Du wirst seinen Händen nicht entrinnen. Er ist dem Schwerte entronnen. Der Gefahr, einem Unglücke entrinnen. Schon bey dem Notker lautet dieses Zeitwort indrinnen, und in dem alten Gedichte auf den heil. Anno intrinnen.


Entrollen (W3) [Adelung]


Entrollen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, wegrollen, hinab rollen. Wenn eitler Hitze voll mir Thränen oft entrollten, Cron.


Entrücken (W3) [Adelung]


Entrücken, verb. reg. act. von etwas hinweg rücken, doch nur figürlich, und in der höhern Schreibart, besonders der Oberdeutschen. Das Kind ward entrückt zu Gott, Offenb. 12, 5. Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut entrücken? Gell. Im Oberdeutschen entrücket man auch einem etwas, wenn man es ihm entwendet.


Entrunzeln (W3) [Adelung]


Entrunzeln, verb. reg. act. der Runzeln berauben, in der dichterischen Schreibart. Ein Blick entrunzelt sein Gesicht, Uz.


Entrüsten (W3) [Adelung]


Entrüsten, verb. reg. act. zornig machen, zum Zorne reitzen. Sie erzürnten ihn gar oft in der Wüsten, und entrüsteten ihn in der Einöde, Ps. 78, 40. Ein Volk das mich entrüstet, Ps. 65, 3. Ingleichen als ein Reciprocum, sich entrüsten, zornig werden.

Anm. In dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen ist dieses Wort veraltet. Ent scheinet hier die Bedeutung des Anfanges zu haben, wie in entzünden, entbrennen und andern, so daß entrüsten so viel ist als in die Rüstung, in den Harnisch bringen, ( S. Rüsten,) wenn es anders nicht nach dem Lat. irritare gebildet ist. Das vorhin gedachte entrichten des Pictorius, irritare, scheinet gleichfalls hierher zu gehören.


Entsagen (W3) [Adelung]


Entsagen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, sich einer Person oder Sache völlig begeben, für das niedrigere absagen, mit der dritten Endung der Sache. Einem Anspruche, einer Forderung, einem Eigenthume, einem Vorsatze entsagen. Seinen Lastern entsagen. Einer Person entsagen, sich von aller Gemeinschaft mit ihr, von allen Ansprüchen auf dieselbe los sagen. Entsagest du dem Teufel? in der Tauf-Formel. Da-her die Entsagung. Wolt ich mich der entsagen, Rudolf von Niuwenburg.

Anm. Statt dieses Zeitwortes war ehedem von des Kero Zeiten an forsahhan, versagen, im Angels. forsecgan, im Engl. forsake, im Nieders. versäken, im Schwed. försaka üblich. Doch kommt aetsacan, andsacan, onsakan in dieser Bedeutung schon im Angels. vor. Veraltete oder doch im Hochdeutschen ungewöhnliche Arten des Gebrauches des Zeitwortes entsagen sind: 1) Nicht annehmen wollen, verwerfen, ausschlagen, mit der vierten Endung der Sache, im Nieders. Den Bürgen entsagen, ihn verwerfen. 2) Etwas entsagen, es verreden, geloben, es nie wieder zu thun, im Oberdeutschen. 3) Drohen, welche Bedeutung das Schwed. undsaega hat. 4) Entschuldigen, in welchem Verstande intsagen bey dem Notker vorkommt, nach dem Muster des Lat. excusare, von Sage, Sache, causa. 5) Verbiethen, untersagen. Einem das Wasser entsagen. Im Oberdeutschen.


Entsatz (W3) [Adelung]


Der Entsatz, des -es, plur. inus. 1) Die Handlung des Entsetzens, d. i. der Befreyung von einer Belagerung. Einer Stadt zum Entsatze kommen. Den Entsatz eines Ortes vornehmen. Sich zum Entsatze rüsten. 2) Truppen, die einem belagerten Orte zum Entsatze kommen. Der belagerten Stadt einen Entsatz zuschicken. Der Feind konnte keinen Entsatz haben. Die Belagerten hoffeten vergeblich auf den Entsatz. S. Entsetzen.


Entsceptern (W3) [Adelung]


* Entsceptern, verb. reg. act. des Scepters, d. i. der Regierung berauben, von dem Throne stoßen; ein ungewöhnliches Zeitwort, welches Ein Mahl bey dem Opitz vorkommt.


Entschädigen (W3) [Adelung]


Entschädigen, verb. reg. act. einen erlittenen Schaden ersetzen. Einen entschädigen. Wir sind völlig entschädiget worden. Daher die Entschädigung, nicht nur von der Handlung des Entschädigens, sondern auch von demjenigen, wodurch ein erlittener Schade ersetzet wird. Im mittlern Lateine dedamnificare.


Entscheiden (W3) [Adelung]


Entscheiden, verb. irreg. act. S. Scheiden. 1) * Unterscheiden. Das Böse von dem Guten unterscheiden. Im Oberdeutschen. 2) * Für das einfache scheiden, trennen, auch nur im Oberdeutschen. Sich von jemanden entscheiden. Weit von einander entschieden leben. Mich enscheide ein uuib von dirre klage, Reinmar der Alte. 3) In einer zweifelhaften oder streitigen Sache ein Urtheil fällen. Eine zweifelhafte Frage entscheiden. Einen Streit entscheiden. Die Sache ist längst entschieden. Eine entscheidende Antwort, bey welcher kein Zweifel mehr Statt findet. Nur mit der vierten Endung der Person, wie Opitz dieses Wort gebraucht, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich: Er wird die Völker um und an, Wie recht und billig ist, entscheiden, Ps. 96. d. i. richten. Wohl aber gebraucht man es in der edlen Schreibart figürlich. Dieser Tag entscheidet mein Unglück auf immer, gibt demselben den Ausschlag, macht, oder überzeuget mich, daß mein Unglück unvermeidlich ist. Ingleichen als ein Reciprocum, sich über etwas entscheiden, einen festen Schluß über etwas fassen. Er hat sich über die meisten Dinge schon viel zu früh entschieden, als daß u. s. f. Less. Daher die Entscheidung, in dem engern Gebrauche der dritten Bedeutung. Ingleichen der Entscheidungsgrund, der Grund, welcher eine zweifelhafte Sache entscheidet, oder beweiset, welchem unter zweyen Zweifelsgründen der Vorzug gebühre.


Entschlafen (W3) [Adelung]


Entschlafen, verb. irreg. neutr. ( S. Schlafen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, in den Schlaf gerathen, in der edlern Schreibart, für das niedrigere einschlafen. Er ist bereits ent- schlafen. Da ließ Gott einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er entschlief, 1 Mos. 2, 21. Und da sie schifften, entschlief er, Luc. 8, 23. Figürlich auch, eines sanften Todes sterben. Der Kranke ist bereits entschlafen. David entschlief mit seinen Vätern, 1 Kön. 2, 10.

Anm. Bey dem Notker und Tatian inslafan und intslafan, im mittlern Lat. addormire.


Entschlagen (W3) [Adelung]


Entschlagen, verb. irreg. act. ( S. Schlagen,) welches nur als ein Reciprocum mit der zweyten Endung der Sache gebraucht wird. Sie wurden ihrer Haft entschlagen, davon befreyet. Sich der Sorgen entschlagen, sich von ihnen befreyen, los machen. Sich der Geschäfte entschlagen, die Geschäfte vermeiden, sich von denselben los machen. Der ungeistlichen Fabeln entschlage dich, 1 Tim. 4, 7. Sich einer Person, einer Gesellschaft entschlagen, sie meiden. Ich will mich seiner ewig entschlagen. S. Schlagen.


Entschleichen (W3) [Adelung]


Entschleichen, verb. irreg. neutr. ( S. Schleichen,) welches das Hülfswort seyn bekommt, davon schleichen, wegschleichen, in der höhern Schreibart. Sucht jüngre Buhler auf, mit denen sie entschleicht, Haged.


Entschleyern (W3) [Adelung]


Entschleyern, verb. reg. act. von dem Schleyer befreyen, in der höhern Schreibart. Figürlich, was dunkel war, klar und deutlich machen. Die Zukunft entschleyern.


Entschließen (W3) [Adelung]


Entschließen, verb. irreg. act. S. Schließen. 1) Für aufschließen, doch nur im Oberdeutschen. Das Schloß, die Thür entschließen. Einen Brief entschließen, d. i. entsiegeln. Dieser entschloß die Lippen vor mir mit ernstlichen Worten, Noah. Min herze dir entsliessen, Winsb. Wenn sich die Wolken entschließen in regen, Buch der Natur 1482, d. i. auflösen. Von dem Frost entschließen sich Dünst in süsse feuchtin, ebend. 2) Sich entschließen, nach vorher gegangener Überlegung einen Vorsatz fassen, beschließen. Endlich hat er sich entschlossen. Ich kann mich noch nicht entschließen, ich habe noch Gegengründe, die mich keinen festen Vorsatz fassen lassen. Sich nach guter Freunde Rath entschließen. Sich zu etwas entschließen. Ich habe mich sehr ungern zu dieser Reise entschlossen. Entschlossen seyn, sich entschlossen haben. Ich bin entschlossen, eher alles zu leiden. Ich bin entschlossen, eine weite Reise vorzunehmen. Zuweilen druckt dieses Mittelwort auch die Fertigkeit aus, sich in allen Fällen geschwinde zu entschließen. Ein entschlossener Mensch. Der active Gebrauch etwas entschließen, für beschließen, ist zwar im Oberdeutschen, nicht aber im Hochdeutschen üblich. Daher die Entschließung, so wohl von der Handlung des Entschließens, als auch von dem gefaßten Vorsatze selbst. S. auch Entschluß.


Entschlossenheit (W3) [Adelung]


Die Entschlossenheit, plur. inus. die Fertigkeit, sich in allen Fällen bald und fest zu entschließen. Ein Mensch von vieler Entschlossenheit. Auch der Zustand, da man in einzelnen Fällen entschlossen ist. Er starb mit vieler Entschlossenheit.


Entschlummern (W3) [Adelung]


Entschlummern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, in einen Schlummer gerathen, in der edlern Schreibart, für einschlummern. Der Kranke ist entschlummert.


Entschlüpfen (W3) [Adelung]


Entschlüpfen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, wegschlüpfen, eigentlich von Dingen, die eine sehr glatte Oberfläche haben. Der Aal entschlüpft dem, der ihn halten will. Figürlich auch von andern Dingen. Und Seufzerchen, wie Liebesgötter, entschlüpfen ihr, Wiel. Die kurzen Sommernächte entschlüpfen leicht, ebend. Bey dem Ottfried intslupfan.


Entschluß (W3) [Adelung]


Der Entschluß, des -sses, plur. die -schlüsse, von dem Zeitworte entschließen, der Vorsatz, der nach vorher gegangener Überlegung gefasset worden. Einen Entschluß fassen. Seinen Entschluß ändern, fahren lassen. Bey seinem Entschlusse bleiben, im Oberdeutschen, des festen Entschlusses bleiben. Er kann zu keinem Entschlusse kommen, kann sich nicht entschließen.


Entschmeicheln (W3) [Adelung]


Entschmeicheln, verb. reg. act. durch Schmeicheley entziehen, bey den neuern Dichtern. Entschmeichelt euch dem nahen Rachen, Haged.


Entschuldigen (W3) [Adelung]


Entschuldigen, verb. reg. act. 1) Von aller Schuld befreyen, frey sprechen, doch nur in einigen figürlichen Ausdrücken. Das entschuldiget seinen Fehler. Doch sind sie damit nicht entschuldigt, Weish. 13, 8. Und doch keine Sache vorhanden ist, damit wir uns solcher Aufruhr entschuldigen möchten, Apostelg. 19, 40; welche Wortfügung mit der zweyten Endung der Sache doch bloß Oberdeutsch ist, und schon in dem Schwabensp. vorkommt. 2) Von aller Schuld zu befreyen suchen, Gründe anführen, warum man nicht für schuldig gehalten seyn will. Entschuldige seine Thorheit nicht, Sir. 30, 11. Da trat Lysis öffentlich auf, und entschuldigte den König, 2 Macc. 13, 26. Besonders, Gründe anführen, warum man jemanden nicht Folge leisten, seine Einladung nicht annehmen kann u. s. f. Die Geladenen fingen an, sich zu entschuldigen, Luc. 14, 18. Sich mit der Krankheit, mit seinen Geschäften entschuldigen. Sich entschuldigen lassen. Daher die Entschuldigung, plur. die -en, so wohl von der Handlung des Entschuldigens, ohne Plural, als auch von den angeführten Gründen selbst. Etwas zu seiner Entschuldigung vorbringen. Eines Entschuldigung annehmen. Es fehlet ihm nie an Entschuldigungen. Leere, ungegründete Entschuldigungen.

Anm. Dieses Zeitwort ist das Frequent. des noch im Oberdeutschen üblichen Zeitwortes entschulden. Die Alten hatten statt desselben andere ähnliche Ausdrücke. So kommt bey dem Kero antrahchon, bey dem Ottfried intzellen, bey dem Hornegk entsagen, bey andern ursagen, im Nieders. entreden, vor, welche insgesammt nach dem Lat. excusare gebildet sind.


Entschütten (W3) [Adelung]


* Entschütten, verb. reg. act. welches nur im Oberdeutschen üblich ist. 1) Für beschützen. Der sy schirmet und endtschüttet, und vor allem gewalt errettet, Theuerd. In engerer Bedeutung, für entsetzen. Die belägerte Stadt entschütten, Bluntschli. 2) Für entladen, befreyen. Sich der Furcht entschütten. Einen andern seines Kummers entschütten. Ich will mich des Handels entschütten. Sich eines Verdachtes entschütten. 3) Für entbrechen. Wir können uns um so weniger entschütten u. s. f. S. Schütten und Schützen.


Entschwellen (W3) [Adelung]


Entschwellen, verb. irreg. neutr. ( S. Schwellen,) mit dem Hülfsworte seyn, anschwellen und entzogen werden, in der dichterischen Schreibart. Dem Ufer entschwollen die Ströme, Kleist, die angeschwollenen Ströme überschritten das Ufer.


Entschwinden (W3) [Adelung]


Entschwinden, verb. irreg. neutr. ( S. Schwinden,) mit dem Hülfsworte seyn, ein ungewöhnliches Zeitwort für verschwinden. Bis langsam sie dem wachen Aug' entschwand, Schleg.


Entschwingen (W3) [Adelung]


Entschwingen, verb. irreg. recipr. ( S. Schwingen,) sich von etwas schwingen, in der dichterischen Schreibart. Mein Geist soll sich dem Tand der Erde kühn entschwingen, Kleist.


Entseelen (W3) [Adelung]


Entseelen, verb. reg. act. der Seele, d. i. des Lebens berauben, von welchem aber nur das Mittelwort entseelt, in der anständi- gern Schreibart, für todt üblich ist. Der entseelte Leichnam, der todte Körper.


Entsehen (W3) [Adelung]


Entsehen, verb. irreg. recipr. ( S. Sehen,) sich scheuen, sich entblöden. Er entsahe sich nicht, mir Unwahrheiten vorzusagen. Entstehest du dich nicht, vor mir zu erscheinen?Anm. Im Nieders. sik entseen, im Holl. ontzien, Nieders. Entsag, und Holl. Ontzag, die Scham, der Scheu. Sehen scheinet in dieser Zusammensetzung nicht das Activum videre, sondern das Neutrum scheinen zu seyn. Sich entsehen würde also eigentlich bedeuten, seine Gesichtsfarbe verändern, sich entblöden. Ehedem bedeutete dieses Wort auch gewahr werden, sehen; ingleichen ersehen, nach einer nicht seltenen Verwechselung des ent und er. Also ward ich von grosser libe entsehen Von der besten u. s. f. Heinr. v. Morunge.


Entsetzen (W3) [Adelung]


Entsetzen, verb. reg. act. welches noch in einer dreyfachen Bedeutung üblich ist. 1) Von einem Amte setzen, eines Amtes berauben, mit der zweyten Endung der Sache und der Voraussetzung eines begangenen Fehlers. Jemanden seines Dienstes, seines Amtes entsetzen, in der anständigen Schreib- und Sprechart, für das niedrigere absetzen. Der Hofmarschall, der Bürgermeister ist entsetzet, oder seiner Würde entsetzet worden. Entsetzen und absetzen sind in diesem Verstande bloß in der Würde, nicht aber in der Bedeutung verschieden, daher sich dieses Wort von bloßen Ehren und Würden im Hochdeutschen so wenig gebrauchen lässet als absetzen. So auch die Entsetzung. In dieser Bedeutung kommt intsezzan schon bey dem Kero und Notker, im mittlern Latein aber depossidere vor. 2) Einen belagerten Ort durch Anrückung mit einem Corps Truppen von der Belagerung befreyen, die Belagerer zu Aufhebung der Belagerung zwingen. Eine Stadt entsetzen. Das Hauptwort, welches zu dieser Bedeutung des Zeitwortes gehöret, ist Entsatz. Ehedem war dieses Wort von einem weitern Umfange der Bedeutung, weil man auch einen Gefangenen entsetzte, wenn man ihn aus dem Gefängnisse befreyete. Ja es muß sogar helfen überhaupt bedeutet haben, weil es noch bey dem Opitz heißt: Wir Menschen leben drum, einander zu entsetzen. S. auch Entschütten, welches im Oberdeutschen für entsetzen üblich ist. 3) Einen mit Erstaunen verbundenen hohen Grad des plötzlichen Schreckens, oder Abscheues über ein gegenwärtiges Übel empfinden, als ein Reciprocum. Sich entsetzen. Sich vor, oder über eine Sache entsetzen. Sich vor der Gefahr, vor dem Tode, über eines Anblick entsetzen. Die Oberdeutsche Wortfügung mit der zweyten Endung der Sache, sie werden erschrecken und sich entsetzen deines plötzlichen Falles, Ezech. 26, 16, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Das Hauptwort für diese Bedeutung ist das Entsetzen. Ich kann es ohne Entsetzen nicht ansehen. Dieses Wort scheinet eigentlich von etwas weg setzen, d. i. springen, zu bedeuten, welches oft die Wirkung eines großen Schreckens zu seyn pfleget; zumahl da in Fausts Lüneburg. Chron. enschupfet werden so viel ist als sich entsetzen. In der Deutschen Bibel kommt dieses Wort noch in der veralteten irregulären Conjugation vor, ich entsatzte mich, S. Setzen. Schon seit dem neunten Jahrhunderte findet sich intsetzen, etsetzen und antsazzan in der Bedeutung eines großen Schreckens. Allein man gebrauchte es theils active mit der vierten Endung der Sache, etwas entsetzen, für vor demselben, theils war es auch in weiterer Bedeutung für fürchten, Ehrfurcht gegen etwas hegen, zürnen, üblich, in welchen sämmtlichen Bedeutungen auch entsitzen ge-braucht wurde. Das wir dehaine geste nimmer mer entsitzen, Stryker.


Entsetzlich (W3) [Adelung]


Entsetzlich, -er, -ste, adj. et adv. Entsetzen verursachend. Eine entsetzliche Geschichte, ein entsetzliches Getöse, ein entsetzliches Geschrey, ein entsetzlicher Anblick. Entsetzlich schreyen, fluchen. Daher die Entsetzlichkeit, plur. inus. Die Alten bildeten dieses Beywort vermittelst der Endsylbe ig, antsazig, terribilis, Notker.


Entsiegeln (W3) [Adelung]


Entsiegeln, verb. reg. act. aufsiegeln, in der höhern Schreibart. Einen Brief entsiegeln. Ingleichen figürlich. Der Bach, den Eis verschloß und Sonn' und West entsiegeln, Haged.


Entsinken (W3) [Adelung]


Entsinken, verb. irreg. neutr. ( S. Sinken,) welches das Hülfswort seyn erfordert, von etwas wegsinken, in der edlern Schreibart. Welchem Baum entsinkt dann das sterbende Laub auf mein ruhiges Grab? Geßn. Alle Kraft entsinket mir, Opitz. Da entsank dein Hirtenstab der zitternden Hand, Geßn.


Entsinnen (W3) [Adelung]


Entsinnen, verb. irreg. act. S. Besinnen. 1) * Der Sinne berauben; eine nur bey einigen Oberdeutschen Dichtern übliche Bedeutung, in welcher das Zeitwort zugleich regulär abgewandelt wird. Ein entsinnter Körper, ein entseelter. 2) Sich erinnern, als ein Reciprocum, mit der zweyten Endung der Sache. Wo ich mich recht entsinne, so hat u. s. f. Man kann sich eines solchen Wetters nicht entsinnen. Ich kann mich dessen nicht entsinnen. Ich entsinne mich nicht, daß ich es gehöret hätte. S. Besinnen und Sinnen.


Entspinnen (W3) [Adelung]


Entspinnen, verb. irreg. act. ( S. Spinnen,) hervor bringen, in gehässigem Verstande, für das unedlere anspinnen. Einen Krieg entspinnen. Und in der Eintracht Schooß Unfrieden zu entspinnen, Schleg. Wir brachten seinem Groll von einer Meuterey, Die Mustapha entspönn, den ersten Funken bey, Weiße. Ingleichen als ein Reciprocum, sich entspinnen, hervor gebracht werden, nach und nach entstehen. Daraus wird sich nichts Gutes entspinnen. Es hat sich ein großer Streit entsponnen. Daraus entspann sich ein Prozeß. Das hat sich alles von euch entsponnen. S. Anspinnen und Spinnen.


Entsprechen (W3) [Adelung]


Entsprechen, verb. irreg. neutr. ( S. Sprechen,) welches das Hülfswort haben erfordert. 1) * Läugnen, eine im Hochdeutschen unbekannte, im Oberdeutschen aber in einigen Gegenden noch übliche Bedeutung. Etwas entsprechen. 2) Antworten, mit der dritten Endung der Sache. Auch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen unbekannt, doch kommt sie in Wurstisens Baseler Chronik vor. Figürlich wird es nach dem Muster des Latein. respondere, nach welchem es auch in der Bedeutung des Antwortens gebildet ist, im Oberdeutschen für überein kommen, gleich, gemäß seyn, gebraucht; im Gegensatze des widersprechen. Die Getät und der Nom sollen einander entsprechen, Kaisersberg. Diese Landgegene und des Dorfs Name entsprechen dem Wörtlein Kentbratien, Bluntschli. Neuere Schriftsteller haben diese Bedeutung im Hochdeutschen gangbar gemacht. Die Übersetzung entspricht dem Originale. Der Titel des Buches entspricht dessen Inhalte gar nicht.


Entsprießen (W3) [Adelung]


Entsprießen, verb. irreg. neutr. ( S. Sprießen,) mit dem Hülfsworte seyn, hervor sprießen, eigentlich von Gewächsen, in der höhern Schreibart. Er, unter dessen Tritt ein Lorberwald ent- sproß, Weiße. Figürlich auch von andern Dingen. Die Wahrheit wird hier entsprießen weit und breit, Opitz. Das Böse so entsprießet, Wie frisches Gras beginnt, ebend. Ps. 92. Aus dem Hochmuthe entsprießen viele andere Laster. Aus königlichem Geblüte, von Fürsten, von geringen Ältern entsprossen. Bey dem Jeroschin lautet dieses Zeitwort yntspruistn.


Entspringen (W3) [Adelung]


Entspringen, verb. irreg. neutr. ( S. Springen,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1) Davon springen. Aus dem Kloster springen. Der Gefangene ist der Wache entsprungen. Er ist entsprungen wie ein Reh aus dem Netz, Sir. 27, 22. 2) Hervor kommen, entstehen, eigentlich von Bächen und Quellen. Hier entspringt eine Quelle, dort ein Bach. Sin (des Winters) betwingen Lat nich bluomen entspringen, Graf Kraft von Toggenburg. Die bluomen entspringent an der heide, Heinr. v. Veldig. Figürlich auch von andern Dingen. Von Helden entsprungen. Die Langeweile entspringt aus der Unthätigkeit der Seele. Daraus wird viel Unglück entspringen. Der reciproke Gebrauch sich entspringen, für entspinnen, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Sinds nicht die Engel schöner Art, um die sich viele Krieg entspringen? Günth.


Entstammen (W3) [Adelung]


Entstammen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, welches von einigen neuern Dichtern für herstammen, abstammen, gebraucht worden.


Entstecken (W3) [Adelung]


* Entstecken, verb. reg. act. welches nur bey einigen Oberdeutschen Dichtern für anzünden, entzünden, oder das niedrigere anstecken vorkommt. Wird dich der Geist des Himmels nur entzünden, Der jede fromme Seele entsteckt, Gryph. O süße Liebesflammen, Entsteckt mit Brunst mein in dem Frost begrabnes Herz, ebend. Das Nieders. entsticken ist ein Neutrum, und bedeutet sich entzünden.


Entstehen (W3) [Adelung]


Entstehen, verb. irreg. neutr. ( S. Stehen,) welches auf gedoppelte Art gebraucht wird. 1) Mit dem Hülfsworte seyn, seinen Anfang nehmen, in welchem Verstande es ein sehr allgemeiner Ausdruck ist, den Anfang des Daseyns einer jeden Sache auszudrucken, wenn Dinge zusammen kommen, wie sie vorher nicht beysammen waren. Es entstehet ein Gewitter. Die Wolken entstehen aus Dünsten. Es entstand eine heftige Feuersbrunst. Es entstand ein Gelächter, ein Geschrey, ein heftiger Wind. Daraus entstehet die Faulheit. Aus einem Irrthume entstehen viele andere. Daraus kann eine gefährliche Krankheit, ein großer Schaden, vieler Nutzen entstehen. Der daraus entstandene Schaden. Daher das Entstehen, denn die Entstehung ist in dieser Bedeutung nur in den Zusammensetzungen Entstehungsart, u. s. f. üblich. Stehen hat in dieser Zusammensetzung die allgemeinste Bedeutung des Seyns, ent aber des Anfanges. 2) Mit dem Hülfsworte haben, mangeln, fehlen, mit der dritten Endung der Person. Das kann mir nicht entstehen. Was entstehet dir? Ich werde dir mit meinem Rathe nicht entstehen. In Entstehung des Rathes. Herr, meine Pflicht kann niemahls dir entstehen, Schleg. Im Hochdeutschen kommt es in dieser Bedeutung nur selten, und größten Theils nur im Infinitive vor; im Oberdeutschen ist es von einem größern Gebrauche. Das Glück hat allen entstanden. Es entstehet den Vätern an Hülfe. Ent hat hier die Bedeutung der Entfernung und figürlich der Beraubung. Mich duhte der sommer wolt entstan, Ulrich von Guotenberg, d. i. aufhören. Man sagte ehedem auch, sich einer Sache entstehen, sich derselben begeben, entschlagen. Sie entstat so mengereren sich, der von Gliers. Notker gebraucht für entstehen, fehlen, entweren, entwerden, welches noch jetzt in Niedersachsen üblich ist.


Entsteigen (W3) [Adelung]


Entsteigen, verb. irreg. neutr. ( S. Steigen,) mit dem Hülfsworte seyn, von etwas wegsteigen, in der dichterischen Schreibart. So wie sie dem Meer entstieg, Gleim. Blumen, die der offnen Erd' entsteigen, Raml.


Entstellen (W3) [Adelung]


Entstellen, verb. reg. act. die Gestalt eines Dinges verderben, eine andere nachtheilige Gestalt ertheilen, in der anständigern Schreib- und Sprechart für die gemeinern verstellen und verunstalten. Die Liebe hat sie am Leibe und Gemüthe entstellt. Gell. So auch die Entstellung.


Einstürzen (W3) [Adelung]


Einstürzen, verb. reg. neutr. mit seyn, von etwas wegstürzen, in der dichterischen Schreibart.


Entsündigen (W3) [Adelung]


Entsündigen, verb. reg. act. in der Sprache der Gottesgelehrten, von der Schuld und Strafe der Sünde befreyen. Entsündige mich mit Isopen, daß ich rein werde, Ps. 51, 9. Und sollt den Altar entsündigen, wenn du ihn versöhnest, 2 Mos. 29, 36. Wer - einen todten Menschen anrühret, - der soll sich entsündigen, 4 Mos. 29, 11. Den irdischen Trieb der Lüsternheit Entsündigte des Ehstands Schuldigkeit, Haged. Daher die Entsündigung.


Entthronen (W3) [Adelung]


Entthronen, verb. reg. act. von dem Throne stoßen, in der dichterischen Schreibart; bey dem Opitz entthrönen. Daher die Entthronung.


Entübrigen (W3) [Adelung]


Entübrigen, verb. reg. act. 1) Übrig behalten; für das bessere erübrigen. Jährlich etwas von seinen Einkünften entübrigen. Ich entübrige nichts. 2) Mit einer unangenehmen Sache verschonen; nur im Participio, mit dem Zeitworte seyn und der zweyten Endung der Sache. Ich hätte dieser Arbeit entübriget seyn können, hätte dieselbe ersparen können, sie nicht verrichten dürfen. Ich kann dessen nicht entübriget seyn, kann dessen nicht überhoben seyn. Ich möchte der Reise gern entübriget seyn. Dieser Mühe kannst du entübriget seyn, du kannst sie sparen. Bey dem Opitz kommt das einfache übrigen in einer ähnlichen Bedeutung vor. Welches Theil meines Leibes ist der Marter geübriget worden? ist damit verschonet worden. S. Übrig.


Entvölkern (W3) [Adelung]


Entvölkern, verb. reg. act. des Volkes, d. i. der Einwohner, berauben, von dem Plurale des Wortes Volk, so wie das nur noch im Oberdeutschen übliche entvolken von dessen Singular ist; im Gegensatze des bevölkern. Ein Land entvölkern. Ein entvölkertes Land. Im mittlern Lat. depopulare. Daher die Entvölkerung.


Entwachsen (W3) [Adelung]


Entwachsen, verb. irreg. neutr. ( S. Wachsen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, von etwas wegwachsen, figürlich, und in der anständigern Sprechart. Der Knabe ist den Kleidern entwachsen, im gemeinen Leben, ist aus den Kleidern gewachsen. So bald die Mädchen der Ruthe entwachsen sind, so sind ihnen die Mütter im Wege, Weiße.


Entwaffnen (W3) [Adelung]


Entwaffnen, verb. reg. act. der Waffen berauben, die Waffen abnehmen. Die Gefangenen wurden entwaffnet, man nahm ih- nen das Gewehr ab. Die Bürger entwaffnen. Ingleichen figürlich. Seinen Freund durch Wohlthun entwaffnen, ihm durch Wohlthun die Neigung zu schaden benehmen. Daher die Entwaffnung. Entwaffen findet sich in dieser Bedeutung schon in Strykers altem Gedichte bey dem Schilter.


Entwässern (W3) [Adelung]


Entwässern, verb. reg. act. der wässerigen Theile berauben, besonders wenn es durch Verdunstung in offenen und Destilliren in verschlossenen Gefäßen geschiehet; für das fremde dephlegmiren.


Entweder (W3) [Adelung]


Entweder, ein unterscheidendes Bindewort, welches gebraucht wird, 1) wenn unter zwey oder mehrern Dingen Eines mit Ausschließung der übrigen seyn oder geschehen muß, so daß die Glieder einander aufheben. Entweder wird alsdann dem ersten Satze vorgesetzet, und hat alle Mahl das oder nach sich. Man muß es entweder mit Gewalt, oder mit List versuchen. Entweder auf diese oder auf jene Art. Entweder kann in einigen Fällen auch verschwiegen werden. Vogel friß oder stirb. Man muß es mit Gewalt oder mit List versuchen. Gehorche, oder du wirst gestraft. 2) Wenn eine Eintheilung mehrerer Dinge ausgedruckt werden soll. Alle lebendige Geschöpfe sind entweder Menschen oder Thiere. Wenn mehr als zwey Glieder vorhanden sind, wird oder mehrmahls wiederhohlet, und demselben zuletzt wohl noch ein auch, oder endlich zugesellet. Die Thiere sind entweder vierfüßige Thiere, oder Vögel, oder Fische, oder Schlangen, oder Insecten, oder auch Würmer.

Anm. Ent ist in dieser Zusammensetzung das Zahlwort Ein, welches im Oberdeutschen in einigen Fällen einte lautet, S. Ein II. Daher lautet es bey dem Notker noch einuueder, im Dänischen aber nur unten. Im Schwabenspiegel und noch in der heutigen Mundart der Schweizer bedeutet einetweder, einer von beyden, keinetweder oder dwäders keiner von beyden. S. Weder.


Entwehren (W3) [Adelung]


Entwehren, verb. reg. act. 1) In einigen Gegenden, für erwehren, mit der zweyten Endung der Sache. Ich kann mich seiner nicht entwehren. Ich kann mich des Hungers, des Feindes kaum entwehren. 2) Einige Oberdeutsche Dichter haben es auch für entwaffnen gebraucht; alsdann aber stammet es unmittelbar von Wehr, Gewehr ab, und ist der Gegensatz von bewehren. 3) In den Rechten einiger Gegenden ist entwehren, eine erkaufte Sache dem Käufer auf Ansuchen des wahren Besitzers durch richterliche Gewalt wegnehmen, und die Entwehrschaft diese Wegnahme, die Eviction; im Gegensatze des gewehren, der Gewehr oder Gewehrschaft.


Entweichen (W3) [Adelung]


Entweichen, verb. irreg. neutr. ( S. Weichen,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1) Ausweichen, welche Bedeutung aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Der Fuß ist mir entwichen, ausgewichen, ausgeglitten. Ingleichen figürlich, einem entweichen, ihm ausweichen, im Schwabenspiegel, der Gefahr entweichen, entgehen, im Oberdeutschen. 2) Von einem Orte wegweichen. Und der Himmel entwich, wie ein eingewickelt Buch, Offenb. 6. 14. Unter den Schwäbischen Kaisern bedeutete einem entweichen oder einem geschwichen zuweilen so viel als ihn verlassen. Im Hochdeutschen gebraucht man dieses Wort nur für in der Stille von einem Orte weichen. Er ist aus der Stadt entwichen. Böslich entweichen. Ein entwichener (ausgetretener,) Schuldner. Die dicke Finsterniß entweicht, Uz. So auch die Entweichung. In diesem Verstande, in welchem es nach dem Latein. elabi gebildet ist, lautet es schon bey dem Ottfried intweichan, bey dem Willeram intuuichan, und in dem alten Gedichte auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter untwiken und untwigen. S. Weichen.


Entweihen (W3) [Adelung]


Entweihen, verb. reg. act. der Weihe berauben. 1) Eigentlich. Einen Priester entweihen, ihn des geistlichen Ordens, der Priesterweihe berauben, besonders in der Römischen Kirche, wo es mit vielen Feyerlichkeiten verbunden ist. 2) Wider die Heiligkeit eines Ortes handeln. Eine Kirche, einen Altar, heilige Örter entweihen. Für, den Sabbath entweihen, Es. 56, 6. gebraucht man im Hochdeutschen lieber entheiligen. Daher die Entweihung. S. Weihen.


Entwenden (W3) [Adelung]


Entwenden, verb. reg. et irreg. act. S. Wenden. 1) Wegwenden, entziehen, mit der dritten Endung der Person. Also hat Gott die Güter euers Vaters ihm entwandt und mir gegeben, 1 Mos. 31, 9, 16. Es wird das Scepter von Juda nicht entwendet werden, Kap. 49, 10. Du sollt den Knecht nicht seinem Herrn überantworten, der von ihm zu dir sich entwandt hat, 5 Mos. 23, 15. Einen einer Sache entwenden, ihn von dem Besitze derselben ausschließen, Pictorius. In allen diesen Arten des Gebrauches ist es im Hochdeutschen veraltet, wo man es 2) nur noch als einen gemilderten Ausdruck für das härtere stehlen, doch nur von leblosen Dingen gebraucht. Geld aus der Casse entwenden. Einem Geld u. s. f. entwenden. Entwendete Sachen verkaufen. So auch die Entwendung.


Entwerden (W3) [Adelung]


* Entwerden, verb. irreg. neutr. ( S. Werden,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1) Aufhören zu seyn, seines Daseyns, seiner Existenz beraubet werden. Daß wir entwerden und zu nichte gehen, in der Schweizerischen Übersetzung des Milton. Außer dem gänzlichen Entwerden, ebend. Was geworden ist, muß entwerden. 2) Seiner Sinne, seines Bewußtseyns beraubt werden. Ich fande sie, mein Lamm hier bey den Heerden, Da ich mir selbst mußt ersten Blicks entwerden, Aramena. 3) Eine Sache, oder einer Sache entwerden, dieselbe los werden, ingleichen verlieren. 4) Einem entwerden, ihm entgehen. In allen Bedeutungen ist dieses Wort nur hin und wieder im Oberdeutschen üblich, im Hochdeutschen aber unbekannt. In den beyden ersten Bedeutungen bedeutet ent eine Beraubung, in der vierten eine Entfernung, in der dritten aber ist es aus ohnwerden, anig werden, entstanden, wofür in einigen Gegenden noch anwerden üblich ist, S. dieses Wort.


Entwerfen (W3) [Adelung]


Entwerfen, verb. irreg. act. S. Werfen. 1) Die wesentlichen Theile eines künftigen Ganzen ordnen, oder abbilden. So entwirft der Mahler ein Gemählde, der Baumeister ein Gebäude, wenn er dessen Theile nicht nur in seinen Gedanken ordnet, sondern sie so geordnet auch abbildet. Und er nahm sie von ihren Händen, und entwarfs mit einem Griffel und machte ein gegossen Kalb, 2 Mos. 32, 4. Das Gemählde ist nur noch entworfen. Einen Brief, eine Rede, die Friedens-Artikel entwerfen, die Theile, aus welchen sie bestehen sollen, wählen und ordnen. S. Entwurf. 2) In weiterer Bedeutung auch flüchtig abbilden. Guot wib in eines jungen mannes muote Diu entwirfet dem sinne vil tugendliche bilde, Burkh. von Hohenfels. Mit gedanken sie in entwerfen kan Wunneklich in sime sinne, ebend. Nimm einen Ziegel, den lege vor dich, und entwirf darauf die Stadt Jerusalem, Ezech. 4, 1. So oft mir meine Sinnen dein Angesicht entwerfen, Opitz. Ingleichen, schriftlich aufsetzen, flüchtig zu Papiere bringen. Seine Gedanken entwerfen. Anm. Das Zeitwort werfen, jacere, scheinet von beyden Bedeutungen zu weit zu seyn, als daß sie sich ohne eine harte und ungewöhnliche Figur von demselben sollten herleiten lassen. Wachter behauptete daher, daß werfen ehedem auch anfangen bedeutet haben müsse, konnte aber sein Vorgeben mit nichts beweisen. Wahrscheinlicher wäre es geworden, wenn er sich auf das veraltete Werb, ein Geschäft, Werk, und werben, welches ehedem auch thun, verrichten überhaupt bedeutete, und mehrmahls werfen geschrieben wurde, besonnen hätte, S. Bewerben und Gewerbe. Im Nieders. bedeutet Warf noch ein jedes Geschäft, und verwarven besonders auch einen Vortrag machen, etwas vortragen. Entwerfen könnte also bedeuten, anfangen etwas zu thun oder zu verrichten. Wem diese Ableitung nicht gefällt, dem könnte das noch übliche Werft, der Aufzug eines Gewebes, ein bequemes Bild an die Hand geben; zumahl da mehrere figürliche Ausdrücke von dieser Beschäftigung entlehnet sind, z. B. anspinnen, entspinnen, anzetteln, einfädeln u. s. f. Bey dem allen wäre doch noch zu untersuchen, ob unser entwerfen und Entwurf nach dem Franz. Projet und projetter, und dem mittlern Latein. Projestum, ein Vorsatz, Anschlag, oder diese nach jenem gebildet worden. Das mittlere Latein. Projestum kommt schon in einer Urkunde Carls des Großen von 805 vor. In dem erstern Falle würde entwerfen anfänglich einen Vorsatz fassen, und Entwurf einen Vorsatz, propositum, bedeutet haben, welche Ausdrücke ein ähnliches Bild enthalten. Vor den Schwäbischen Kaisern finden sich die Wörter entwerfen, Entwurf in unsern alten Denkmählern nicht; wohl aber gebraucht Ottfried intuuerfen eigentlich für wegwerfen, abjicere.


Entwickeln (W3) [Adelung]


Entwickeln, verb. reg. act. was ein- oder zusammen gewickelt ist, aus einander wickeln. 1) Eigentlich, doch nur selten. Und gab das Haupt, das eingehüllt in schwarzer Decke lag, dem Kaiser hin, der eilig sie entwickelt, Zachar. Cortes. 2) Zusammen gelegte Theile aus einander legen und sie dem Auge darstellen, in der edlern Schreibart, so wohl eigentlich als figürlich. So entwickelt die Rose ihre Blätter, oder sie entwickelt sich, wenn sie aufblühet, oder in der höhern Schreibart sich entfaltet. Von sieben Larven entwickelten sich deren vier zu sehr schönen Schmetterlingen. Ingleichen figürlich. Es gehören günstige Umstände dazu, die Anlagen, welche in der Seele verborgen sind, zu entwickeln, nach und nach thätig zu machen und darzustellen. Soll die Seele sich entwickeln und in rechter Größe blühn, O, so muß kein klügelnd Meistern ihr die Majestät entziehn, Haged. Einen Gedanken aus den vorher gegangenen Vorstellungen entwickeln, nach allen seinen Theilen deutlich machen. 3) Nach einer noch weitern Figur, eine verworrene Sache durch Darstellung der einzelnen Theile klar und deutlich machen; im Gegensatze des verwickeln. Eine Sache entwickelt sich, wenn sie uns deutlich zu werden anfängt. Jetzt entwickelt es sich, (wird es mir klar,) warum er es mir so lange verschwiegen hat. Daher die Entwickelung in allen Bedeutungen; ingleichen der klare oder deutliche Ausgang einer dunkeln oder verworrenen Sache.


Entwinden (W3) [Adelung]


Entwinden, verb. irreg. act. ( S. Winden,) wegwinden, in der dichterischen Schreibart. Die halb zerquetschte Schlange entwindet sich dem Arm, Mich. In figürlichem Verstande sang schon Burkhard von Hohenfels: Die entwundent und entwindent Sich us leide.


Entwinken (W3) [Adelung]


Entwinken, verb. reg. act. von etwas wegwinken, in der höhern Schreibart. Der du ihn dem Tode entwinktest, von dem nahen Tode befreytest.


Entwischen (W3) [Adelung]


Entwischen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, sich in einer heimlichen Geschwindigkeit von einem Orte entfernen, in der vertraulichen Sprechart. Der Vogel ist mir entwischt. Der Gefangene ist der Wache entwischt. Du wirst die Gelegenheit gewiß entwischen lassen. Ich habe ihn genau erforscht, es ist mir kein Zug von seiner Denkungsart entwischt, entgangen.

Anm. In dem Fragmente eines alten Gedichtes auf Carln den Großen bey dem Schilter lautet dieses Wort untwisgen, im Oberdeutschen entwuschen. Wischen ist in dieser Zusammensetzung nicht wischen, tergere, sondern es kommt von dem noch im gemeinen Leben üblichen wisch, wits, eine geschwinde mit einem Zischen verbundene Bewegung auszudrucken, wovon auch das Franz. viste, vite, geschwinde, und das Ital. guizzare, squizzare, eben diese Bewegung auszudrucken, abstammen. S. Erwischen und Wischen.


Entwohnen (W3) [Adelung]


Entwohnen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, durch die Gewohnheit verlieren, nicht mehr gewöhnt seyn, für das niedrigere abgewohnen, mit der zweyten Endung der Sache. Der Arbeit entwohnen. Das Kind ist der Zucht, der Arbeit entwohnet.


Entwöhnen (W3) [Adelung]


Entwöhnen, verb. reg. welches das Activum des vorigen ist, aber nur in engerm Verstande gebraucht wird. Ein Kind entwöhnen, es von der Muttermilch zu andern Speisen gewöhnen; es gewöhnen, in den niedrigen Sprecharten es abgewöhnen. Ein entwöhntes Kind. Daher die Entwöhnung. Bey dem Notker intuuenan, im Engl. to wean. S. auch Abspänen.


Entwölken (W3) [Adelung]


Entwölken, verb. reg. act. von den Wolken befreyen, in der dichterischen Schreibart. Der trübste Tag entwölkte sich, Giseke. Doch wie schön entwölkt, wie verklärt lächelt der Himmel wieder! ebend. Ingleichen figürlich, der Dunkelheit berauben, deutlich machen. Sprich, was entwölkte dir Apollens Heiligthum? Haged.


Entwurf (W3) [Adelung]


Der Entwurf, des -es, plur. die -würfe, von dem Zeitworte entwerfen, die Abbildung, die Anordnung der wesentlichen Theile eines künftigen Ganzen. Der Entwurf eines Gemähldes, eines Gebäudes, einer Predigt, eines Gedichtes, eines Briefes u. s. f. Ingleichen der erste Aufsatz einer Schrift. Der Entwurf eines Friedens-Instrumentes, eines Tractates, eines Briefes u. s. f. Einen Entwurf von etwas, zu etwas machen. Der Entwurf muß vor dem Ausführen eines Kunstwerkes hergehen. Im Schwed. utkast, von kasta, werfen, nach dem Deutschen, im Nieders. Bestik, S. Besteck.


Entwurzeln (W3) [Adelung]


Entwurzeln, verb. reg. act. mit der Wurzel ausreißen, ausrotten, in der Sprache der Dichter. Entwuorzen kommt schon um das Jahr 1400 vor.


Entziehen (W3) [Adelung]


Entziehen, verb. irreg. act. ( S. Ziehen,) wegziehen, eine Sache von einem Orte oder von einer andern Sache ziehen. 1. Eigentlich, in welchem Verstande doch dieses Zeitwort im Hochdeutschen wenig gebraucht wird. Entzeuch deinen Fuß vom Hause deines Nächsten, Sprichw. 25, 17. 2. Figürlich. 1) Einem etwas entziehen, überhaupt, ihn hindern, dasselbe zu besitzen oder zu gebrauchen. Jemanden seine Hülfe entziehen, ihm seine Hülfe versagen, ihm nicht helfen. Die besten Männer werden dem Vaterlande entzogen, werden aus demselben weggezogen, außer Stande gesetzet, demselben zu dienen. Im Oberdeutschen auch mit Verschweigung der dritten Endung der Person. Er ließ eine Theurung in das Land kommen, und entzog allen Vorrath des Brotes, Ps. 105, 16. 2) In engerer Bedeutung, mit dem Nebenbegriffe der Unrechtmäßigkeit, einem etwas entziehen, das ihm gehöret oder zukommt. Den Bürgern die Nahrung entziehen. Dem Pferde sein Futter entziehen. 3) Sich einer Sache entziehen, sich von derselben entfernen; im Oberdeutschen auch mit dem Vorworte von. Sich den Sorgen entziehen, sie vermeiden. Sich den Geschäften, der Arbeit, dem Geräusche der Welt entziehen. Sich einer Person (im Oberdeutschen von einer Person,) entziehen, die Gemeinschaft mit ihr ganz oder eine Zeit lang aufheben. Ingleichen, jemanden seine Hülfe entziehen, ihm seine Hüfse versagen. Meine Nächsten haben sich entzogen, und meine Freunde haben mein vergessen, Hiob 19, 14. Daher die Entziehung in den beyden ersten figürlichen Bedeutungen.

Anm. Ottfried gebraucht das Reciprocum sih intzihan noch für, sich wegbegeben. An andern Orten stehet bey ihm irziehen statt des Activi entziehen.


Entzücken (W3) [Adelung]


Entzücken, verb. reg. act. wegzücken, d. i. wegziehen, eigentlich das Intensivum des vorigen, welches aber nur figürlich gebraucht wird. 1) Des Bewußtseyns berauben, und zugleich in den Zustand übernatürlicher Empfindungen versetzen, gleichsam jemanden sich selbst entziehen, in welchem Verstande aber nur das Mittelwort entzückt üblich ist. So ward Petrus entzückt, Apostelg. 10, 10; Paulus bis in den dritten Himmel, Kap. 22, 17; und in das Paradies, 2 Cor. 12, 2, 4. 2) In weiterer Bedeutung, von angenehmen Empfindungen, wenn sie uns gleichsam das Bewußtseyn unser selbst rauben, den höchsten Grad des Vergnügens auszudrucken; da es denn nach einer sehr gewöhnlichen Vergrößerung auch von geringern Graden des Vergnügens gebraucht wird. Die Musik hat mich ganz entzückt. Die Schönheit des Mädchens entzückt ihn. Er ist ganz entzückt vor Vergnügen. Ein entzückendes Vergnügen, eine entzückende Schönheit u. s. f. Ein entzückter Liebhaber. So bald ich dich gesehn, so hast du mich entzückt, Gell. So auch das Entzücken, plur. car. der Zustand, da man den höchsten Grad des Vergnügens empfindet, zum Entzücken schön; und die Entzückung, plur. die -en, so wohl von dem Zustande einer übernatürlichen Empfindung, Ecstasis, als auch von den Empfindungen eines großen sinnlichen Vergnügens.

Anm. In der eigentlichen Bedeutung für entziehen ist dieses Wort noch im Oberdeutschen üblich. Einem seine Nahrung entzücken. Auch Gryphius singt noch: Warum entzückst du mich nicht ganz und gar zu dir? d. i. ziehest. In der ersten heutigen Bedeutung kommt das einfache zucchan schon bey dem Notker vor. Aber eben derselbe nennet eine Entzückung noch ein Hinauuorten des muotes, und an einem andern Orte ein Hinairbrottini. Das letztere ist noch das heutige Norische Hirnbrüten, welches einen mit Handlungen verbundenen Mangel des Bewußtseyns, besonders das Fantasiren in hitzigen Krankheiten bedeutet.


Entzündbar (W3) [Adelung]


Entzündbar, -er, -ste, adj. et adv. fähig entzündet zu werden, in der eigentlichen Bedeutung, wie entzündlich. So auch die Entzündbarkeit.


Entzünden (W3) [Adelung]


Entzünden, verb. reg. act. anzünden, brennen machen. 1. Eigentlich, in der höhern Schreibart. Ein Haus entzünden. Entzündet theure Sachen, Opitz. Am häufigsten, als ein Re-ciprocum, sich entzünden, in Brand gerathen. Das Feuer entzündet sich bald im Stroh. 2. Figürlich. 1) In eine heftige Bewegung gerathen, besonders in der Arzeneywissenschaft, wo sich ein Glied, ein Theil des Leibes entzündet, wenn das Blut in den kleinern Gefäßen stockt, und wegen des übrigen darauf stoßenden Blutes eine größere Wärme in dem Theile entstehet, worauf derselbe anschwillet und von außen roth wird, welcher Zustand alsdann eine Entzündung oder Inflammation genannt wird. Daher das Entzündungsfieber, welches dergleichen Entzündungen zuweilen zu begleiten pfleget, ingleichen ein jedes Fieber, welches aus einer Entzündung oder ungewöhnlichen Wärme des Blutes entstehet, dergleichen Fieber gemeiniglich hitzige Fieber genannt werden. Ein entzündetes Geblüt, ein entzündetes Glied. Die Entzündung des Gehirnes, S. Hirnwuth. 2) Von heftigen Leidenschaften, besonders der Liebe und der Eifersucht. Eines Herz mit Liebe, eines Gemüth mit Eifersucht entzünden. Er ist entzündet gegen sie. Und der Eifergeist entzündet ihn, daß er um sein Weib eifert, 4 Mos. 5, 14, 30. Da sie vor ihn kam, ward er so bald entzündet gegen ihr, Judith 10, 19, vor Liebe. Weil die Figur von den Dichtern der vorigen Zeit zu sehr abgenutzt worden, so wird sie wenig mehr gebraucht; am häufigsten kommt sie noch im nachtheiligen Verstande von heftigen bloß sinnlichen Begierden vor. In edlerm Verstande sang ehedem Heinrich von Morunge: Mich entzuindet ir vil liehter ougen schin. 3) Von dem Entstehen anderer Dinge, welche sonst auch mit einem Feuer verglichen werden. Es hat sich ein Krieg entzündet.

Anm. Bey dem Notker lautet dieses Zeitwort inzunden. Im Oberdeutschen ist es auch ein Neutrum, für sich entzünden, entbrennen. Das Haus entzündet. Er entzündet vor Liebe.


Entzündlich (W3) [Adelung]


Entzündlich, -er, -ste, adj. et adv. was sich entzünden oder anzünden lässet, in der eigentlichen Bedeutung des Zeitwortes, wie das bessere entzündbar. Ein entzündlicher Körper.


Entzwey (W3) [Adelung]


Entzwey, adv. welches eigentlich, in zwey Theile getheilet, bedeutet, aber nur im gemeinen Leben für zerbrochen überhaupt, zuweilen auch für zerrissen gebraucht wird. Das Band, das Schiff, die Tasse, das Bein ist entzwey. Das Sehrohr, alles ist entzwey, Gell. wo man in der edlern Sprechart lieber sagt, ist zerbrochen. Das Kleid, der Zeug ist entzwey, ist zerrissen. Die Tasse ging entzwey, Gell. zerbrach. So auch mit den Zeitwörtern entzwey brechen, entzwey fallen, entzwey schlagen, entzwey reißen u. s. f. wo sich die anständigere Schreibart lieber der mit zer zusammen gesetzten Zeitwörter zerbrechen, zerschlagen, zerreißen u. s. f. bedienet.

Anm. Entzwey, in dem Fragmente eines alten Gedichtes auf Carln den Großen bey dem Schilter enzwai, bey dem Stryker entzwai, bey den Schwäbischen Dichtern entzwein, ist vermittelst des t euphonici aus in zwey, d. i. in zwey Theile, entstanden. Im Nieders. lautet es entwei, oder nur twei, wo es aber zugleich ein Beywort ist, entweie oder tweie Potte, zerbrochene Töpfe.


Entzweyen (W3) [Adelung]


Entzweyen, verb. reg. act. eigentlich theilen, welches aber im Hochdeutschen nur für uneins machen gebraucht wird. Eheleute entzweyen, sie uneins machen, verhetzen. Ingleichen als ein Reciprocum, sich entzweyen, uneins werden. Sie haben sich entzweyet. Im Oberdeutschen sich zweyen. Sie redet nicht zu viel, pflegt ungern sich zu zweyen, Opitz. In dem Schwabenspiegel bedeutet zuuaien so wohl trennen, als auch sia zuuaien, verschieden seyn. Im Oberdeutschen gebraucht man es noch in eigentlicher Bedeutung. Das entzweyte Stück Eisen, das entzwey geschlagene, Scopoli. Ingleichen für theilen. Der Feinde Macht entzweyen, theilen.


Entzwischen (W3) [Adelung]


Entzwischen, S. Zwischen und Inzwischen.


-enzen (W3) [Adelung]


-enzen, eine Endung gewisser Zeitwörter, welche eine Nachahmung bedeuten, und aus Hauptwörtern gebildet werden. Bockenzen, nach dem Bocke riechen, kupferenzen, nach Kupfer schmecken, bergenzen, sich auf bergmännische Art betragen, brenninzen, in Schlesien, nach dem Brande schmecken, schlammenzen, fischenzen, nach dem Schlamme schmecken, nach Fischen riechen, u. s. f. Im Hochdeutschen sind diese Zeitwörter, wenigstens in der guten Schreibart, völlig unbekannt. Faulenzen ist auch im Hochdeutschen, doch nur in den niedrigen Sprecharten gangbar. Im Oberdeutschen kommen sie häufiger vor, wo in einigen Gegenden auch dafür - einen üblich ist, wenn von der Ähnlichkeit des Geschmackes oder Geruches die Rede ist: kupfereinen, nach Kupfer schmecken, biereinen, nach Bier riechen, raucheinen, räucherig schmecken. Frisch glaubt, daß diese Endung von ein komme, und so viel bedeute, als mit etwas überein kommen. Vielleicht rechnet man sie richtiger zu der adjectivischen Endung -en, welche die Materie bedeutet, aus welcher eine Sache bestehet, und die im Oberdeutschen noch jetzt ein lautet, oder zu dem alten Zeitworte ahnen, überein kommen. S. Ähnlich, Anm. und -en 3.


Enzian (W3) [Adelung]


Der Enzian, des -s, plur. car. 1) Eine Pflanze, welche auf den hohen Gebirgen Europens und Asiens wächset, und verschiedene Unterarten hat; Gentiana, L. Weil die meisten Arten dieser Pflanze, besonders der gelbe Enzian, bittere Wurzeln haben, so werden sie auch Bitterwurz genannt. Der kleine Enzian, Kreuz-Enzian, Gentiana cruciata, L. führet im gemeinen Leben auch die Nahmen Sparenstich, und Himmelstengel. Das Laserpitium latifolium, L. heißt gleichfalls weißer Enzian. Der Nahme ist nach dem Latein. Gentiana gebildet. 2) Im gemeinen Leben wird der weiße Hundskoth zuweilen auch weißer Enzian genannt.


Ephemere (W3) [Adelung]


Die Ephemere, plur. die -n, aus dem Griechischen, ein gewisses Insect, welches nur Einen Tag lebt; im gemeinen Leben, das Haft, das Uferaß.


Ephemeriden (W3) [Adelung]


Die Ephemeriden, singul. inus. in der Astronomie, ein Jahrbuch, worin die täglichen Stellen der Sterne und die Erscheinungen am Himmel angegeben werden. Bey manchen, aber sehr ohne Noth, wird es von einer jeden periodischen Schrift gebraucht. Es ist gleichfalls aus dem Griechischen.


Epheu (W3) [Adelung]


Der Epheu, des -es, plur. car. eine staudenartige Pflanze, welche in Europa auf den Bäumen und Zäunen wohnet, an den Wänden und alten Stämmen hinauf klettert, und ihr Laub auch im Winter behält, daher sie auch Wintergrün genannt wird; Hedera Helix, L. Schon in den florentinischen Glossen heißt diese Pflanze Ebah und Ebeheue, bey dem Pictorius Äböw und Ebhöw, bey dem Matthesius Ebheuw, in andern Deutschen gemeinen Mundarten Eppich, Ewig, Ive, Ivenblätter, Ivenlaub oder Ilaub, (Nieders. Iloof,) Waldeppich, Mauerpfau, Mauerewig, Baumwinde, im Nieders; Klimmup, u. s. f. im Angels. Iv, und im Engl. Ivy. S. Äppich und Eibenbaum, welche mit dem Nahmen dieser Pflanze verwandt zu seyn scheinen.


Epheuharz (W3) [Adelung]


Das Epheuharz, des -es, oder Epheu-Gummi, plur. car. ein glänzendes, aber nicht durchsichtiges, hartes und festes Harz, von einem erdhaften, etwas zusammen ziehenden und scharfen Geschmacke. Von außen siehet es dunkelgrün, bräunlich, eisenfarbig oder schwärzlich, inwendig aber gelb- oder rothbraun aus, und wird aus Indien zu uns gebracht; indessen ist es noch unge-wiß, ob es aus dem Epheu, oder einem andern Gewächse, fließet.


Epikur (W3) [Adelung]


Epikur, Genit. -s, Dat. -en, ein bekannter Griechischer Philosoph, welcher lehrte, daß das höchste Glück in dem geistigen Vergnügen bestehe, welches aus der Zufriedenheit mit dem Bewußtseyn der Tugend herfließe; welchen sehr wahren Satz seine Feinde und spätere Wollüstlinge dahin verdreheten, als wenn er das höchste Glück des Menschen in den Genuß sinnlicher Wollüste gesetzt habe. In dieser letzten Bedeutung ist ein Epikurer, (nicht Epikuräer,) noch jetzt ein Mensch, welcher die gröbern Arten des sinnlichen Vergnügens für sein höchstes Gut hält, und Epikurisch, (nicht Epikuräisch,) in dieser Denkungsart gegründet.


Epilepsie (W3) [Adelung]


Die Epilepsie, plur. inus. aus dem Griechischen, eine Krankheit, welche in Zuckungen der Muskeln, mit Betäubung ohne Bewußtseyn bestehet; im gemeinen Leben die fallende Sucht, das böse Wesen, in der niedrigsten Sprechart die schwere Noth.


Episch (W3) [Adelung]


Episch, adj. et adv. aus dem Griechischen. Ein episches Gedicht, ein Heldengedicht.


Episode (W3) [Adelung]


Die Episode, plur. die -n, in der Dichtkunst, eine kleine Handlung eines historischen Gedichtes, welche der Haupthandlung untergeordnet ist, um der Geschichte eine neue Mannigfaltigkeit zu geben, die nicht zur Mannigfaltigkeit der Materie selbst gehöret; die Nebenhandlung, Nebenbegebenheit. Auch in der Mahlerey wird eine Nebenhandlung, welche zuweilen zur Haupthandlung gesetzt wird, eine Episode genannt; z. B. der Besessene in Raphaels Gemählde der Verklärung Christi. Aus dem Griech. welches eigentlich eine Erzählung bedeutete, worunter man lyrische Gesänge zum Lobe der Götter mischte.


Epistel (W3) [Adelung]


Die Epistel, plur. die -n, aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . 1) Ein jeder Brief; in welchem Verstande es aber nur in der Bibel von den Briefen der Apostel gebraucht wird. 2) Derjenige Theil dieser apostolischen Briefe, welcher zu ordentlichen Texten für Sonn- und Feyertage verordnet worden, zum Unterschiede von den Evangelien; daher in der Römischen Kirche die Subdiaconi zuweilen auch die Epistler genannt werden, weil sie das Ablesen der Episteln verrichten müssen. Jemanden die Epistel lesen, im gemeinen Leben, ihm einen scharfen Verweis geben, weil die Episteln mehrentheils ernstliche Sittenlehren enthalten.


Epoche (W3) [Adelung]


Die Epoche, plur. die -n, in der Zeitrechnung, der Anfang, von welchem man die Jahre zählet; der Zeitpunct. So ist die Geburt Christi die Epoche der christlichen, die Schöpfung der Welt der Jüdischen, die Flucht Mahomeds der Mahomedanischen Jahrzahl. Figürlich auch wohl von einem jeden wichtigen Zeitpuncte. Ein Zeitraum, welchen zwey Epochen einschließen, heißt eine Periode. Wolf machte eine Epoche in der Geschichte der Weltweisheit. Aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Wenn einige dieses Wort Epoke schreiben und sprechen, so geschiehet es nach dem Franz. Epoque.


Epopee (W3) [Adelung]


Die Epopee, plur. die -n, S. Heldengedicht.


Eppich (W3) [Adelung]


Der Eppich, des -es, plur. car. S. Äppich und Epheu.


Er (W3) [Adelung]


1. Der Er, plur. ut nom. sing. ein Hauptwort, welches eines der ältesten in den Europäischen Sprachen ist, und einen Mann, besonders einen Ehemann bedeutet. Im Hochdeutschen ist es veraltet. Man gebraucht es nur noch in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes, das männliche Geschlecht mancher Thiere, besonders der Vögel auszudrucken. Ist es ein Er oder eine Sie? ist es ein Männchen oder ein Weibchen? Es ist ein Er.

Anm. Schon bey den alten Scythen bedeutete - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, dem Herodotus zu Folge, einen Mann, womit das Latein. Vir, das Gothische Vair, das Isländ. Ver, das Finnische Uro, das alte Schwed. Wair, und vielleicht auch der Griechische Nahme des Mars - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, sehr deutlich überein kommen. S. Wärwolf. Obgleich dieses alte Wort in der Gestalt eines Hauptwortes größten Theils bey uns veraltet ist, so lieget es doch noch in dem folgenden Pronomine, wie auch in der Endsylbe vieler Nennwörter zum Grunde. S. die beyden folgenden Artikel. Im Niedersächsischen heißt das Männchen der Thiere und besonders der Vögel de He, und im Diminut. dat Heken. Daß dieses Wort von dem Oberdeutschen Er nicht verschieden ist, wird bey dem Fürworte gezeiget werden. S. auch Hahn


Er (W3) [Adelung]


2. Er, das persönliche Pronomen der dritten Person im männlichen Geschlechte, welches im Singular auf folgende Art abgeändert wird: Nom. Er. Gen. Seiner. Dat. Ihm. Accus. Ihn. Von dem Plural, der allen drey Geschlechtern gemein ist, S. Sie.Eigentlich ist dieses Pronomen ein beziehendes, welches alle Mahl auf eine vorher genannte Person oder Sache männlichen Geschlechtes deutet, und sich am liebsten zu Zeitwörtern gesellet. Was macht dein Bruder? Antw. Ich weiß nicht, was er macht. Wäre ich doch auch so glücklich wie er! Der Acker ist fruchtbar; allein er liegt mir zu weit. Wenigstens kann die dritte einfache Person der Zeitwörter, wenn sie männlichen Geschlechtes ist, dieses Pronomen nicht entbehren, es müßte denn durch ein anderes Nennwort unnöthig gemacht werden. Er schlägt. Er liebt. Er ging nach Hause. Wir suchten unsern Freund, allein wir fanden ihn nicht. Er bath mich, ich möchte mich seiner annehmen. Wenn mehrere Zeitwörter in der dritten Person zusammen kommen, kann es auch zuweilen verschwiegen werden. Tiren sagte, er wohne auf dem Lande, sey ein Schäfer und brauche keinen Puder. Den Ton hat dieses Fürwort nie, außer wenn es denselben wegen eines besondern Nachdruckes erfordert. Er hat es gesagt, er, und niemand anders. Er, dem ich so viele Wohlthaten erwiesen habe, ward mein Feind. Der Genit. seiner wird im Oberdeutschen und in der höhern Schreibart gern in sein abgekürzet. Erbarmen sie sich doch sein. Zuweilen kann dieses Pronomen auch als ein Hauptwort gebraucht werden. Mein ander Ich ist todt; o ich, sein ander Er, Ich wünschte, daß ich er, er aber ich noch wär, Logau. Von der Verwechselung dieses Fürwortes mit dem Reciproco sich, S. Sich.Als man vor einigen Jahrhunderten anfing, diejenigen Personen männlichen Geschlechtes, welchen man Achtung schuldig zu seyn glaubte, nicht mehr du und ihr, sondern er zu nennen, so ward aus diesem eigentlich demonstrativo-relativen Pronomine wirklich ein persönliches. Es verdiente untersucht zu werden, wenn und bey welcher Gelegenheit das du und ihr von demselben verdränget worden. Da endlich auch dieses er nicht mehr hinlänglich schien, und man statt dessen die dritte vielfache Person einführete, so bedienet man sich des er jetzt nur gegen geringere Personen, die man aber doch höher achtet, als daß man sie mit ihr und du anreden sollte. Guter Freund, was macht er da? Unter den Landleuten, so wohl Ober- als Niederdeutschlandes,wo die modische Höflichkeit noch nicht hingekommen ist, ist das er noch das einzige bekannte Pronomen, höhere und vornehmere Personen anzureden.

Anm. Bey dem Übersetzer Isidors lautet dieses Wort ir, bey dem Ottfried er, bey andern Oberdeutschen Schriftstellern her. Die Nieders. und die damit verwandten Mundarten verbeißen das r, behalten aber dafür das h, wie das Nieders. he, das Angels. und Engl. he, das Holländ. hy, das Dän. han, und das Schwed. han. Bey dem Oberdeutschen Pöbel lautet es gar nur a oder ä. Dieses er, und das Pronomen der scheinen der Abstammung nach genau mit einander verwandt zu seyn. Unter den Schwäbischen Kaisern wurden er, sie, es, sehr häufig nicht nur für derselbe, dieselbe, dasselbe gebraucht. Er sundet swer des niht geloubet, Kais. Heinrich. Ir stirbe twerre mer die niht minnent, Burggr. von Kilchberg; sondern auch für den bloßen bestimmten Artikel, Si selig wib enspreche sinc Niemer me gesinc ich liet, Reinmar der Alte. Si reiner hort des hat si pris, Hadloub. S. 1 Der 4. und das folgende - Er II. Im alten Schwed. und Isländ. bedeutet aer welcher, und alsdann ist es eine unveränderliche Partikel. Sa er, derjenige welcher, their er, diejenigen welche. Noch deutlicher erhellet diese Übereinstimmung, wenn man das Niders. he mit dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ille, dem Pers. ein, an, dem Wallis. hwn, hon, hyn und yn, und dem Slavonischen on, ona, ono, ille, illa, illud vergleicht. S. 1 Er. Wer, Hahn, Ihr, Sie, Es.


Er (W3) [Adelung]


3. Er, ein Ehrentitel, S. Ehr.-


Er (W3) [Adelung]


4. Er, eine Endsylbe der Deutschen Nennwörter, welche theils zu ihrer Bildung, theils zu ihrer Beugung dienet.I. Was die Bildung betrifft, so ist sie eine derjenigen Endsylben, durch welche die Deutsche Sprache mit einer Menge neuer Wörter bereichert worden, und zum Theil noch bereichert werden kann.1. Die meisten Wörter dieser Art sind Hauptwörter, doch scheinet die Endsylbe in denselben nicht überall von einerley Ursprung und Bedeutung zu seyn.1) In einigen ist sie sehr deutlich das alte Hauptwort Er, ein Mann, und alsdann wird sie dem weiblichen oder vielmehr dem gemeinschaftlichen Geschlechte verschiedener Thiere angehänget, das männliche zu bezeichnen. Der Anter, von Änte oder Ant, der Er, oder Mann der Änte. Der Ganser, von Gans. Der Täuber, von Taube. Der Kater, von Katze, Nieders. Kat. Einige Mundarten hängeten dem er noch ihren Hauchlaut an, und da ward aus Anter, Ganser, Täuber u. s. f. Änterich, Gänserich, Täuberich.2) In vielen andern bedeutet sie eine Person männlichen Geschlechtes, die etwas thut, oder ihr Geschäft aus derjenigen Verrichtung macht, die das Wort, dem sie angehänget wird, bezeichnet. Die Wörter dieser Art sind, (a) aus Zeitwörtern gebildet, indem die Endsylbe en des Infinitives weggeworfen, und dafür die Sylbe er angehänget worden. Bader, von baden, Bäcker von backen, Bettler, Bauer, der das Feld bauet, Färber, Henker, Jäger, Lügner, Mahler, Richter, Schneider, Träger, Diener, Läufer, Vater, Lehrer, und tausend andere. Oder (b) aus Nennwörtern, wie Einsiedler, von Einsiedel, Gärtner von Garten, Gesellschafter, Hüter, der Hüte verfertiget, von Hut, Sattler, Riemer, Seiler, Sporer, Thäter, Bothschafter, der Bothschaft bringet, Barfüßer, der barfuß gehet, Schäfer, der die Schafe hüthet, Bürger u. s. f. Ingleichen die Oberdeutschen Eyerer, Hühnerer, Häringer, Schmälzler u. s. f. der Eyer, Hühner, Häringe, Schmalz verkauft. In vielen nimmt die Sylbe er noch das n voran; wie in Schuldner, Bündner, der in Bunde stehet, Büttner, von Butte, Glöckner, Kellner, Zöllner, Mautner, Meßner, Pförtner u. s. f. In einigen schleichet sich auch der vorhin schon gedachte Hauchlaut mit ein, Wütherich, für Wüther, der da wüthet.Aus allen Wörtern dieser Art kann ein Fämininum durch Anhängung der Sylbe inn gebildet werden. Baderinn, Bäckerinn, Bettlerinn, Lügnerinn u. s. f.Daß die Sylbe er in diesen Wörtern kein anderes Wort ist, als das schon gedachte alte Er, Mann, erhellet unter andern auch daher, daß diesen Wörtern statt der Sylbe er oft auch die Sylbe mann angehänget wird, ohne ihre Bedeutung zu ändern. Bürger und Burgmann, Schuldner und Schuldmann, Reiter ehedem auch Reitmann, Bauer ehedem auch Baumann, Bettler und Bettelmann, Kaufer und Kaufmann, Schiffer und Schiffmann, Arbeiter und Arbeitsmann u. s. f. Hieher gehören auch viele Lateinische Wörter auf -er, besonders aber die Verbalia auf -or, wie adulator, apparitor, adorator, amator u. s. f.3) Eben dieselbe Bedeutung hat diese Sylbe auch, wenn sie den Nahmen der Länder und Städte angehänget wird, die Herkunft einer Person, zuweilen auch eines Thieres und leblosen Dinges anzudeuten. Ein Römer, der aus Rom gebürtig ist; so auch ein Frankfurter, Hamburger, Holsteiner, Berliner, Leipziger, Österreicher, Schweizer, Engländer, Holländer, Märker, Pfälzer u. s. f. Die sich auf e, en, und n endigen, werfen solches vor dieser Zusammensetzung gemeiniglich weg, wie Lothringer von Lothringen, Spanier, Thüringer; nur Meißen behält solches, ein Meißener oder Meißner. Andere nehmen ein n eigenmächtig an, wie Gothaner, von Gotha, anderer Veränderungen nicht zu gedenken. Indessen darf diese Zusammensetzung nicht willkührlich versucht werden, weil viele Gentilia in andern Formen hergebracht sind; z. B. ein Böhm, Kroat, Däne, Preuße, Pommer, Franke, Franzose, Pohle, Sachse, Schwede, Tartar, Deutscher, nicht Deutschländer, Ungar, Westphale, Indianer, Italiäner, Jenenser, Hallenser, u. s. f. Übrigens lassen sich von allen diesen Gentilibus auf -er auch Fäminina auf -inn bilden. Römerinn, Frankfurterinn, Schweizerinn, Tirolerinn u. s. f.Oft werden die Gentilia auf -er wie Beywörter gebraucht; Schweizer Käse, Nürnberger Witz, Straßburger Geschütz, Hamburger Rindfleisch, Leipziger Lerchen, Braunschweiger Würste, Berliner Blau, die Wiener Landwehre. Allein diese Art des Ausdruckes macht die gedachten Wörter gewiß nicht zu wahren Beywörtern. Sie stehen vielmehr nach Art der Lateiner in der unbestimmten zweyten Endung des Plurals, gleichsam Käse der Schweizer, so wie man auch in andern Fällen sagt, wer Menschen Blut vergießt, Weiber Zorn ist heftig, Gottes Güte, Herren Dienst geht vor u. s. f. Daher man sie allenfalls auch mit dem Verbindungszeichen schreiben könnte. Meißner-Porzellän, Berliner-Blau, Berger-Thran, Berger-Fische.4) Nach sehr gewöhnlichen Figuren bedeutet die jetzt gedachte Endsylbe er, besonders so fern sie eigentlich jemanden ausdruckt, der etwas thut, auch, (a) das Werkzeug, womit etwas gethan wird. Kiefer, maxilla, Bohrer, Schnitzer, Hammer, Klammer, Leuchter, Folter, Halfter, Zünder, Klapper, Leyer u. s. f. Daß dieses er in manchen Wörtern in el übergehet, ist schon bey dieser Ableitungssylbe angemerket worden. (b) Dasjenige, was gethan oder hervor gebracht wird. Der Donner,Fehler, Seufzer, Ableger, Absenker, Ausputzer u. s. f. (c) Den Gegenstand, dem etwas gethan wird. Der Ächter, der geächtet wird, Tagelöhner, der Tagelohn empfängt u. s. f. (d) Den Gehalt, das Alter u. s. f. besonders bey Zahlwörtern. Ein Zweyer, eine Münze, welche zwey Pfennige hält, ein Dreyer, ein Sechser, ein Siebener, eine Münze von sieben Kreuzern, ein Funfzehner, ein Siebzehner, eine Münze von funfzehen, von siebzehen Kreuzern, ein Achter, von acht Pfennigen; ein Einer oder Einser, die Zahlfigur eins; ein Achtziger, ein Mann von achtzig Jahren; ein Zentner, ein Gewicht von hundert Pfunden u. s. f. Dahin gehören auch die Wörter, ein Achter, ein Vierer, ein Sechziger u. s. f. ein Mitglied einer Gesellschaft von acht, vier, sechzig Personen anzudeuten, wofür an andern Orten Achtmann, Viermann u. s. f. üblich ist. (e) Ein Abstractum. Die Feyer, die Dauer, die Heuer, Miethe u. s. f. (f) In manchen Wörtern ist die Bedeutung dieser Sylbe freylich noch dunkel, wenigstens ungewiß, zu welchem der vorhin gedachten Fällen sie zu rechnen ist; wie in das Wetter, der Jammer, der Sommer, das Ufer, das Wasser, die Ader, die Natter, der Hafer, der Schlummer, das Alter u. a. m. gehören. Doch bey einer genauern Untersuchung wird vielleicht noch vieles von der vorgegebenen Dunkelheit verschwinden.5) In einigen Wörtern ist sie aus Aar, ein großer Vogel, entstanden, wie in den Nahmen Adler, Sperber, Reiher, Geyer, für Adelaar, Sperbaar u. s. f. In andern ist sie das verkürzte Herr, wie in Junker, für junger Herr, Pfarrer, für Pfarrherr, Kastener, für Kastenherr. In noch andern ist sie bloß aus der Endung -ern mancher Zeitwörter mit Wegwerfung des n gebildet worden. Das Geklapper, von klappern, das Geklimper, von klimpern. Endlich gibt es auch viele Wörter, wo sie fremden Ursprunges ist. Dergleichen sind Kaiser von Caesar, Kerker von carcer, Körper von corpus, Priester von Presbyter, Fenster von fenestra, Zepter von sceptrum, Fieber von febris, Pflas=ter von emplastrum, Pulver von pulvis, Letter von littera u. s. f.Die meisten Hauptwörter auf er bleiben im Hochdeutschen in der ersten Endung des Plurals unverändert, der Bürger, die Bürger, der Adler, die Adler, außer daß einige den vorher gehenden Selbstlaut verändern, der Bruder, die Brüder, der Vater, die Väter. Einige nehmen im Plural ein n an. Der Vetter, die Vettern, die Schwester, die Schwestern. Im Oberdeutschen hängt man den erstern noch ein e an, vermuthlich um den Plural desto sicherer von dem Singular zu unterscheiden. Die Bürgere, die Bürgermeistere, die Besitzere. Und dieß auch wohl bey solchen Wörtern und in solchen Endungen, wo keine Verwechselung zu befürchten ist. Den Töchteren, die Brüdere. Einige Hochdeutsche Kanzelleyen ahmen solches gleichfalls nach; allein alle Mahl zu einem großen Ärgernisse seinerer Ohren.2. Es gibt aber auch Beywörter, die sich in der ersten Staffel mit dieser Sylbe endigen, wie bitter, finster, sauer, sauber, u. s. f. wo aber der eigentliche Sinn derselben nicht so leicht mit Gewißheit zu bestimmen seyn möchte.3. Hier muß auch des Oberdeutschen Gebrauches gedacht werden, wo man sich dieser Sylbe bedienet, Nebenwörter aus Bey- und Mittelwörtern zu bilden. Er ist so kranker fortgereiset, für krank. Er hat mich unbekleideter angetroffen. Sie wurde todter hinaus getragen. Wir haben ihm die Nothdurft wiederhohlter zu erkennen gegeben. Die Hochdeutschen kennen dergleichen Nebenwörter nicht. S. -en, wo einer ähnlichen Bildung der Nebenwörter gedacht worden.II. In Ansehung der Beugung ist diese Endung bey den Nennwörtern von einem großen Gebrauche. 1. Die Beywörter nehmen sie an, wenn sie ohne den bestimmten Artikel stehen, und zwar das männliche Geschlecht in der ersten Endung des Singulars, großer Mann, weißer Zucker, ein junger Mensch, das weibliche aber in der zweyten und dritten des Singulars, meiner Seele eitler Ehre Tant, zu großer Ehre. Alle drey Geschlechter aber bekommen sie in der zweyten Endung des Plurals, wenn selbige keinen Artikel vor sich hat, grüner Gärten Pracht, voller Fluren Reitz, frommer Kinder Wohlergehen. Es ist wohl gewiß, daß er hier der alte Articulus postpositivus er ist, der statt des präpositivi der in den nordischen Sprachen noch merklicher ist, bey uns aber nur noch einige wenige Spuren zurück gelassen hat. S. 1. Der 4. und 2 Er.2. Ist diese Endung ein allgemeiner Comparativ aller Adverbien, welche dieselbe dem Positivo anhängen, und dadurch den Comparativ bilden; klein, kleiner, arm, ärmer, groß, größer. In der Declination bekommt dieses er allerley Zusätze. Der größere Mann, dein ärmerer Bruder, ein feinerer Leib, eine bessere Gestalt. Bey den Griechen lautet diese vergleichende Endung - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bey den Lateinern or, und bey den Angelsachsen er, era, or. Woher dieses er abstamme, und was es eigentlich bedeute, will ich hier nicht untersuchen; es scheinet das alte Nebenwort er, eher, zu seyn, S. Ehe.3. Wenigstens eben so wichtig ist das Amt dieser Endung, wenn sie bey vielen Hauptwörtern den Plural bilden hilft. Bad, Bäder, Glied, Glieder, Bild, Bilder, Kind, Kinder, Loch, Löcher, Reis, Reiser. Dieser Plural stammet ohne Zweifel zunächst aus den nördlichen Gegenden her, indem er die gewöhnliche Endung des Plurals im Dänischen und Schwedischen ist. Unter den Deutschen Mundarten ist er in der Sächsischen und ihren Töchtern am häufigsten, und aus derselben auch in die Hochdeutsche gekommen. Daher rühret es denn, daß viele Wörter, die im Hochdeutschen Plural ein -er bekommen, bey den ältern und mittlern Oberdeutschen ein bloßes -e haben. Die Manne, die Wibe oder Weibe, die Pfande, die Wälde, die Würme, die Zelte, die Fasse, die Rinde, die Leibe, die Orte u. s. f. welches e auch wohl weggeworfen wurde, die Thal, die Gemüth, die Geist, die Licht u. s. f.Die Hochdeutschen haben diesen verkürzten Plural in vielen Wörtern beybehalten, welche ein Maß, Gewicht, Zahl u. s. f. bedeuten. Sechs Faß Wein, für Fässer. Hundert Mann, für Männer. Zwanzig Pfund, für Pfunde. Dreißig Ahm Wein u. s. f.Viele Wörter sind im Hochdeutschen mit einem doppelten Plural üblich. Bande und Bänder, Lande und Länder, Lichte und Lichter, Mahle und Mähler, Worte und Wörter, Orte und Örter, Dornen und Dörner, Sträuche und Sträucher. Der ganze Unterschied bestehet zunächst in der Mundart, obgleich nunmehr bey manchen Wörtern jede Art des Plurals durch den Gebrauch genau bestimmt ist. Ein Mehreres ist bey jedem dieser Wörter besonders gesagt worden.Ob nun gleich der Plural auf -er in den ältesten Oberdeutschen, besonders Alemannischen Schriften sehr sparsam vorkommt, so ist er ihnen doch nicht ganz fremd; vermuthlich weil die Deutschen Mundarten schon in den ältesten Zeiten manches von einander entlehnet haben. In den mittlern Zeiten kommt er öfter vor; ja man findet bey neuern Oberdeutschen Schriftstellern diesen Plural bey Wörtern, die ihn nicht einmahl im Hochdeutschen haben. Bether, Betten, Gesänger, Gesänge, Bluntschli. Schon in dem Salischen Gesetze findet man Spuren dieses Plurals; aber bey dem Ottfried und andern Schriftstellern, zu deren Zeit die Fränkische Mundart schon fast ganz Oberdeutsch geworden war, ist er seltener. Die Longobarden, ein Niederdeutsches Volk, brachtendiesen Plural mit nach Italien, und hängten ihn sogar vielen Lateinischen Wörtern an; pratora, gradora, fundora, arcora, campora, censora u. s. f. für prata, gradus, fundi, arcus, campi, census.5.


Er (W3) [Adelung]


Er-, eine untrennbare Partikel, welche nur in der Zusammensetzung mit Zeitwörtern üblich ist, außer dem aber nicht mehr vorkommt. Sie ist von mannigfaltiger Bedeutung.1. Bedeutet sie so viel als auf, eine Bewegung in die Höhe anzudeuten. Erheben, in die Höhe heben, erstehen, aufstehen, erhöhen, erbauen, aufbauen, erhängen, aufhängen, errichten, aufrichten, ersprießen, aufsprießen, erwachsen, groß wachsen, erziehen, aufziehen, groß ziehen, erschrecken, aufschrecken, ernähren, eigentlich groß nähren. Auf ähnliche Art sagten die Lateiner irritare, irrogare, arrigere u. s. f. Ar, er, ist ein altes Wort, welches in vielen Sprachen nicht nur hoch, sondern auch auf, über u. s. f. bedeutet. Im Wallisischen hat ar noch die beyden letzten Bedeutungen.2. In andern, obgleich nur wenigen, hat sie die Bedeutung des Nebenwortes offen oder auf. Erbrechen, aufbrechen, eröffenen. Ehedem sagte man auch irbaren, für offenbaren, eigentlich entblößen.3. Etwas größer ist die Anzahl derjenigen Zeitwörter, in welchen diese Partikel so viel als aus bedeutet. Dahin gehören erwählen, auswählen, erkiesen, erlesen, sich ergießen, ermessen, ersehen, ertheilen, ernennen, gleichsam unter mehrern auswählen und nennen. Ingleichen in einer andern Rücksicht, erschöpfen, ganz ausschöpfen, erfüllen, ausfüllen. Er, ir, yr, war noch bis nach des Ottfried Zeiten ein bekanntes Vorwort, welches aus bedeutete, und auch außer der Zusammensetzung gebraucht wurde. Ir themo riche, aus dem Reiche, Ottfr. Ehedem gab es auch noch weit mehrere Zeitwörter, in welchen das er diese Bedeutung hatte. Aruuorzalen, auswurzeln, Tatian. Armeinsamen, excommunicare, Kero. Irrofzen, eructare, Notker. Arscutten, ausschütten, Tatian. Arthenon, ausdehnen, ebend. Aruuurphen, auswerfen, ebend. Irbannen, ausschließen, verbannen, Ottfr. Irdriban, austreiben, vertreiben, ebend.Von diesen drey Bedeutungen, besonders der ersten und dritten, sind die folgenden vermuthlich bloße Figuren. Denn er bezeichnet zuweilen auch,4. Eine Annäherung, wie in erreichen, erstrecken, erbiethen, eigentlich anbiethen, offerre, sich ergeben, erleben, ereilen, ermahnen, admonere, adhortari, jemanden erschreyen, errufen, etwas erlangen. Ingleichen eine Bemächtigung, ergreifen, erhaschen, erschnappen, ertappen, erwischen, erschleichen, Ferner, die Überkommung des Besitzes, eine Erwerbung, deren Art und Weise durch das Zeitwort bestimmt wird. Erwerben, ersparen, erstehen, erschwingen, erbetteln, erpressen, erträumen, erschiffen, ersiegen, erfahren, erarbeiten, erbeuten, erborgen, ergeitzen, erhandeln, erobern, erkaufen, erringen, erschmeicheln, erzwingen, erwarten, erübrigen, ererben, ertauschen, erjagen, erkargen. Ingleichen überhaupt die Erreichung einer Absicht mit Überwindung der Hindernisse, welche Zeitwörter im Oberdeutschen sehr häufig sind. Ich kann es nicht erbeißen, durchbeißen, jemanden erbitten, der Ast läßt sich nicht erbiegen, im Oberdeutschen. Auch die Lateiner sagten accipere, arripere, acquirere, arrogare u. s. f. und die ältern Sprachlehrer versichern uns, daß das Vorwort, ad in den ersten Zeiten Roms ar gelautet habe.5. In andern Zeitwörtern scheinet es für her, dar zu stehen. Geld erlegen, darlegen, herlegen, erzählen, herzählen, der Ertrag, reditus, ertragen, eintragen, erscheinen, erzeigen, erweisen, ergehen das Neutrum, erfolgen, erfordern, er- klingen, erschallen, erklecken. Irholon stehet bey dem Ottfried für herhohlen.6. Oft deutet es die Hervorbringung einer Sache an, die vorher nicht da war, wie das Vorwort aus. Erdichten, erdenken, ersinnen, erfinden, erlogen, ergrübeln, erkünsteln, erschaffen, errathen. Noch öfter eine Bewerkstelligung, die Versetzung in einen Zustand, der durch das Zeitwort näher bestimmt wird, in welchem Falle die meisten Zeitwörter dieser Art aus Bey- und Nebenwörtern gebildet sind. Erlängen, verlängern, länger machen, erleichtern, ermüden, müde machen, ermuntern, erniedrigen, ersättigen, erwärmen, erweichen, erweitern, ergänzen, ereifern, erfrischen, erschweren, ergetzen, erlustigen, erhellen, erklären, erläutern, erleuchten, erledigen, erzürnen, erheitzen, erhitzen, erkälten, erquicken, erschüttern, erbittern, erfreuen u. s. f.7. Mit diesen sind die Neutra genau verwandt, die ein Kommen oder Gerathen in einen Zustand andeuten, und oft auch aus Bey- und Nebenwörtern gebildet werden. Erwarmen, warm werden, erschlaffen, schlaff werden, erstarren, erstummen, erkranken, erblassen, erbleichen, erarmen, erblinden, sich erboßen, ergrimmen, erhärten, erkalten, erlahmen, ermüden, ernüchtern, im Oberdeutschen nüchtern werden, erröthen, erstaunen, erwachen, ermatten u. s. f. Alle Neutra dieser Art nehmen, wenn sie nicht Reciproca sind, das Hülfswort seyn zu sich. Sie gleichen den Lateinischen Zeitwörtern dieser Art mit in- und ir-, inarescere, bey dem Ottfried, irdorren, incalescere, erwarmen, incanescere, im Oberdeutschen ergrauen, incedere, ergehen, einher gehen, inclarescere, erhellen, incurvescere, im Oberd. erkrummen, indurescere, erharten, ingrandescere, ingravescere, innotescere, integrascere, sich erneuen, inveterascere, im Oberdeutschen eralten, veralten, irraucescere, irrugare u. s. f.8. In manchen bedeutet diese Partikel so viel als wieder, und die Zeitwörter dieser Art scheinen nach dem Lat. mit re - zusammen gesetzten gebildet zu seyn. Ersetzen, reddere, erstatten, restituere, erlassen, remittere, erneuern, renovare, erinnern, reminiscere, sich erhohlen, recolligere, erquicken, recreare, reficere. Erkeban, wieder geben, reddere, Kero. Arwegen, wieder kommen, redire, Isidor.9. Ehedem wurde diese Partikel auch häufig gebraucht, eine Entfernung von einem ausdrücklich genannten, oder auch als bekannt voraus gesetzten Gegenstande auszudrucken, in welchem Verstande noch heut, zu Tage das ent - üblich ist. Arfirran. Tat. eruirran, Kero, entführen, arfaran, Tat. entfahren, arwizin, entwischen, ebend. ercheren, entrücken, Kero, erfliuhan, entfliehen, ebend. erkezzan, vergessen, ebend. Daher rühret es auch, daß die mit ent und er zusammen gesetzten Zeitwörter ehedem so oft mit einander verwechselt wurden, und im Oberdeutschen noch jetzt verwechselt werden. Erlösen, erretten, u. a. scheinen noch diese Bedeutung zu haben. Figürlich bedeuten dergleichen Zeitwörter oft eine Zerstörung, eine Aufhebung des Daseyns einer Sache; welcher Sinn auch die Partikeln ver- und zer- ausdrucken. Irfullun, verfaulen, Ottfried, arqueman, aus sich selbst kommen, Tat. ardilen, vertilgen, Isidor, ergehan, vergehen, Tat. aritalen, vereiteln, ebend. Unter den noch gangbaren gehören dahin, erschlagen, erstechen, erfrieren, ersterben, erliegen, das Oberdeutsche sich erfallen, sich zu Tode fallen, erlöschen, ermorden, ersaufen, ersäufen, erschießen, ersticken, ertränken, ertrinken, erworgen, erwürgen, erdrosseln, erdrücken u. s. f.10. Bey dem so mannigfaltigen Gebrauche dieser Partikel ist es kein Wunder, daß ihre eigentliche Bedeutung in manchen Fäl-len zweifelhaft wird. Dahin gehören diejenigen Zeitwörter, wo man ihr eine bloß intensive und verstärkende Kraft beyleget, welche sie mit der Griech. Partikel - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gemein haben würde. Dergleichen sind vielleicht erachten, erlauben, erkennen, erhören, ertragen, erdulden, erleiden, erlaben, erwägen, erlernen, erkühnen, sich ermannen, erbeben, erschüttern u. s. f. welche wenigstens zum Theil nach Latein. mit per - zusammen gesetzten Zeitwörtern gebildet sind, percipere, permittere, perferre, perpeti, perpendere u. s. f.

Anm. Aus demjenigen, was bisher gesagt worden, erhellet, daß diese Partikel bereits sehr alt ist. Der Selbstlaut in derselben ist von den ältesten Zeiten an durch alle übrigen Selbstlaute durchgegangen, und noch jetzt lautet sie in einigen Wörtern ur, S. Ur. - Im Engl. ist for daraus geworden, und selbst das Deutsche ver - und zer - gehören zum Theil hierher. Zur Erläuterung des letztern dienet, daß noch in einigen rauhen, besonders Alemannischen Mundarten für er, der üblich ist, derfüllen, derschlagen, derkennen. Von dem d zum z aber ist der Übergang sehr leicht und gewöhnlich. Wenn er in der Zusammensetzung auf und aus bedeutet, so nimmt es in einigen Zeitwörtern auch noch diese Vorwörter vor sich an, wovon die Ursache schon bey den Wörtern Auferbauen, und Auferkiesen angezeiget worden. Übrigens ist noch dieses zu bemerken, daß die mit er - zusammen gesetzten Zeitwörter edler und anständiger sind, als die mit andern gleich bedeutenden Partikeln. Erbauen ist edler als aufbauen und bauen, erlesen edler als auslesen und aussuchen, erlöschen edler als auslöschen, erschlagen edler als todt schlagen u. s. f. Auch bekommt diese Partikel, die an sich kurz ist, und niemahls ohne Mißklang lang gebraucht werden kann, nie den Ton.


Erachten (W3) [Adelung]


Erachten, verb. reg. act. dafür halten. Ich erachte es für nothwendig. Es ist für dienlich erachtet worden. Ingleichen, begreifen, einsehen, doch nur noch in den R. A. das ist leicht zu erachten, es stehet leicht zu erachten. Der thue ihm meines Erachtens, d. i. so wie ich dafür halte, keinen geringen Dienst. Im Hochdeutschen fängt dieses Wort, so wie achten in den ähnlichen Bedeutungen, an zu veralten. Irahton hat schon Ottfried für existimare, nach welchem Latein. Worte es auch gebildet zu seyn scheinet, so daß er bloß die Bedeutung verstärkt.


Erarbeiten (W3) [Adelung]


Erarbeiten, verb. reg. act. durch Arbeit erwerben. Wer nichts hat, muß sich etwas erarbeiten. Daß wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, 2 Joh. V. 8. Erarbeiten kommt schon im Schwabenspiegel vor. Ehedem war statt dessen auch erarnen üblich.


Erarmen (W3) [Adelung]


* Erarmen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, arm werden, im Oberdeutschen; wofür im Hochdeutschen verarmen üblicher ist, S. dieses Wort.


Eräugnen (W3) [Adelung]


Eräugnen, S. Ereignen.


Erbacker (W3) [Adelung]


Der Erbacker, des -s, plur. die -äcker, ein ererbter Acker, 3 Mos. 27, 28. Ingleichen ein freyer eigenthümlicher Acker; zum Unterschiede von einem Zehentacker.


Erbadel (W3) [Adelung]


Der Erbadel, des -s, plur. car. die von den Vorältern ererbte adeliche Würde, der Geburtsadel, Standesadel; zum Unterschiede von dem Brief- oder Papieradel. S. Buchadel.


Erbällen (W3) [Adelung]


Erbällen, S. Verbällen.


Erbamt (W3) [Adelung]


Das Erbamt, des -es, plur. die -ämter, eigentlich ein erbliches Amt. Am häufigsten werden die Hof- und Landesämter ansehnlicher Länder und deren Besitzer in engerer Bedeutung Erbämter genannt, weil gewisse Familien erblich damit beliehen werden. Wenn aber von Erbämtern des H. R. Reichs die Rede ist, so werden die Unterämter des Reichs und deren Besitzer verstanden, welche anstatt der Churfürsten die Reichsämter verwalten; zum Unterschiede von den Erzämtern. S. Erzamt, und einige der gleich folgenden Artikel.


Erbarmen (W3) [Adelung]


Erbarmen, verb. reg. Barmherzigkeit empfinden, und diese Empfindung an den Tag legen. Es ist in einer doppelten Gestalt üblich. 1) Als ein Reciprocum, mit der zweyten Endung der Sache. Sich jemandes erbarmen. Weß ich mich erbarme, deß erbarme ich mich, 2 Mos. 33, 19. Gott erbarme dich unser! Ach, sprach er, erbarmt euch mein! Gell. Ingleichen mit dem Vorworte über. Erbarmen sie sich doch über mich. Der Herr wird sich erbarmen über seine Knechte, 5 Mos. 32, 36. 2) Als ein Impersonale, mit der vierten Endung der Person und der ersten der Sache, für jammern. Es möchte einen Stein in der Erde erbarmen, im gemeinen Leben. Und jeden Stein erbarmt mein ungewisser Tritt, Günth. Der Himmel ist gerecht und ihn erbarmt Orest, Schleg. Indessen ist doch diese Wortfügung in der guten Schreibart der Hochdeutschen selten. Im Oberdeutschen gebraucht man es auch mit der zweyten Endung der Sache. Mich erbarmet dieses Elenden. Was gilts, nun wird dichs erst der frommen Treu erbarmen? Günth. Daher die Erbarmung, S. hernach besonders; ingleichen das Erbarmen, plur. car. der hohe Grad des Mitleidens bey dem Elende anderer. Nun ist alles Erbarmen aus. Er wurde ohne alles Erbarmen niedergemacht.

Anm. Bey dem Ulphilas lautet dieses Zeitwort arman, bey dem Ottfried irbarmen, im Schwed. barma, im Angels. feormian, im Nieders. verbarmen, im Holländ. und alten Nieders. ontfermen, entfermen, fermen. Die Impersonal-Form ist den alten Oberdeutschen Schriftstellern vorzüglich geläufig. Laz sie thih ouh irbarmen, Ottfr. Thaz ire leid sie irbarme, ebend. Es erbarmet mih, das si alle iehen, Reinmar der Alte. Frowe Venus las erbarmen dih, Herz. Joh. von Brabant. Von der Abstammung dieses Wortes S. Barmherzig. Der große Haufe in Meißen gebraucht das einfache barmen für jämmerlich thun, wehklagen.


Erbarmer (W3) [Adelung]


Der Erbarmer, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in der Deutschen Bibel und der biblischen Schreibart übliches Wort, Gott damit zu bezeichnen: Es. 49, 10; Kap. 54, 10; Jac. 5, 11.


Erbärmlich (W3) [Adelung]


Erbärmlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Des Mitleidens, der Erbarmung werth. Ein erbärmlicher Anblick. Es ist erbärmlich anzusehen. Ein erbärmlicher Zufall. Jemanden erbärmlich mißhandeln. Auf eine erbärmliche Art hingerichtet werden. 2) Sehr schlecht, elend, im gemeinen Leben. Erbärmlich singen, schreiben u. s. f. Ein erbärmliches Geschmiere. Bey dem Ottfried armalih.


Erbarmung (W3) [Adelung]


Die Erbarmung, plur. car. die Empfindung eines hohen Grades des Mitleidens bey der Noth anderer, und dieses Mitleiden selbst. Jemanden zur Erbarmung bewegen. Ohne alle Erbarmung. Die mehrere Zahl, die Erbarmungen Gottes, Klopst. klingt freylich sehr hart.

Anm. Bey den Schwäb. Dichtern findet sich das einfache Barmunge, welches auch noch Hans Sachs hat. Außer dem sind im Oberdeutschen auch noch die Hauptwörter die Erbarmniß und die Erbärmde in eben dieser Bedeutung üblich. Das letzte hat schon Notker, Irbarmeda; das erste unter andern auch Opitz.


Erbauen (W3) [Adelung]


Erbauen, verb. reg. act. von er und bauen, aufbauen, in die Höhe bauen. 1) Eigentlich. Ein Haus, eine Kirche, einen Tempel erbauen; wofür im Hochdeutschen doch das einfache bauen üblicher ist. Eine Stadt erbauen. 2) Figürlich, zum Guten bewegen und darin befestigen, gottselige Empfindungen hervor bringen, in der biblischen Schreibart. Diese Predigt hat mich sehr erbauet. Ich bin durch seinen Wandel gar sehr erbauet worden. Ingleichen als ein Reciprocum. Ich habe mich sehr daran erbauet. So auch die Erbauung, plur. inus. so wohl in eigentlichem Verstande, vor Erbauung der Stadt Rom, als auch im figürlichen, von der Hervorbringung gottseliger Empfindungen. Ich habe ihn mit vieler Erbauung gehöret. Die Erbauung befördern. 3) Von bauen, colere, durch den Feld- oder Gartenbau erzeugen. Früchte, welche man selbst erbauet hat.

Anm. Im Oberdeutschen ist statt dessen in den beyden ersten Bedeutungen auferbauen üblich; S. dieses Wort. Erbauen ist in der figürlichen Bedeutung nach dem mittlern Latein. aedificare und exaedificare gebildet, welche in diesem Verstande schon sehr frühe üblich gewesen seyn müssen. Kero muß sehr in Verlegenheit gewesen seyn, wie er das Lateinische übersetzen sollte, bis er endlich zimbere, für Erbauung, und zimbirrono sprahho, für eine erbauliche Rede heraus brachte. Die biblischen Arten des Gebrauches, Rahel erbauen, ihr Nachkommen geben, eine Wüste erbauen, für anbauen u. s. f. sind ungewöhnlich. In der ersten Bedeutung kommt auch das Hauptwort der Erbauer vor, der ein Haus oder einen Ort erbauet.


Erbaulich (W3) [Adelung]


Erbaulich, -er, -ste, adj. et adv. in der natürlichen Bedeutung des Zeitwortes erbauen, Erbauung hervor bringend, der Erbauung gemäß. Erbaulich predigen. Ein erbaulicher Wandel. Im Oberdeutschen, auferbaulich, im mittlern Lat. aedificarius, aedificativus, aedificatorius. So auch die Erbaulichkeit.


Erbausträge (W3) [Adelung]


Die Erbausträge, singl. inus. in dem Deutschen Staatsrechte, erbliche Austräge, d. i. befreyete willkührliche Gerichte gewisser Reichsstände, welche sie für sich und ihre Nachkommen erwählet haben. S. Austrag 2.


Erbaxt (W3) [Adelung]


Erbaxt, S. Erbexe.


Erbbannerherr (W3) [Adelung]


Der Erbbannerherr, des -en, plur. die -en, ein Erbbeamter, dessen Amt darin bestehet, das Banier, d. i. die Landesfahne, bey feyerlichen Gelegenheiten seinem Lehenherren vorzutragen. Dergleichen Erbbannerherren gibt es in Österreich. Daher das Erbbannerherrenamt. S. Bannerherr.


Erbbau (W3) [Adelung]


Der Erbbau, des -es, plur. inus. in dem Bergbaue, der gesetzmäßige Bau eines Erbes, d. i. einer eigenthümlichen Lehn- und Fundgrube, wenn sich derselbe mit einem Stollen anfänget, und zuweilen auch die Grube selbst, welche auf diese Art gebauet wird.


Erbbeamte (W3) [Adelung]


Der Erbbeamte, des -n, plur. die -n, eigentlich ein Beamter, der ein Amt erblich besitzet. Indessen gebraucht man dieses Wort nur in engerer Bedeutung von denjenigen, welche ein Erbamt, d. i. ein erbliches Hofamt, besitzen, und ehedem Erbhofgesinde genannt wurden. So haben vornehme Stifter, ansehnliche Reichsstände ihre Erbbeamten. Die Erbbeamten des H. R. Reichs, dergleichen die weltlichen, nicht aber die geistlichen Churfürsten, zur Verwaltung ihres Erzamtes hatten.


Erbbegräbniß (W3) [Adelung]


Das Erbbegräbniß, des -sses, plur. die -sse, ein erbliches Begräbniß, eine Grabstätte, welche jemand eigenthümlich für sich und seine Erben besitzet; zum Unterschiede von einem Familien-Begräbnisse, welches wie ein Lehen, nur den männlichen Nachkommen gehöret.


Erbbereiten (W3) [Adelung]


Das Erbbereiten, des -s, plur. car. oder die Erbbereitung, plur. von mehrern Handlungen, die -en, in dem Bergbaue, die feyerliche Bereitung, d. i. Vermessung einer erbwürdigen Fundgrube; gleichsam das Bereiten des Erbes, d. i. des Eigenthumes, der eigenthümlichen Grube, weil selbiges ehedem zu Pferde geschahe. Daher das Erbbereitungsbuch, worein die Handlungen des Erbbereitens verzeichnet werden; das Erbbereitungsfeld, die Gegend welche vermessen wird; die Erbbereitungsgebühren, welche dafür erleget werden, u. s. f.


Erbbeschloßt (W3) [Adelung]


Erbbeschloßt, adj. in der Mark und Pommern, das Recht habend, Bürge oder Schlösser erblich zu besitzen; ein Erbschlosser. S. Beschlossen.


Erbbestand (W3) [Adelung]


Der Erbbestand, des -es, plur. inus. in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, der Erbpacht, ( S. dieses Wort;) auch wohl das Erbbeständniß, der Erbbestand. Daher der Erbbeständer, des -s, plur. ut nom. sing. der Erbpächter, derjenige, welcher ein Grundstück in Erbpacht hat, S. Erbpächter; das Erbbestandsgeld, oder Erbstandsgeld, so wohl dasjenige Geld, welches bey erster Antretung eines in Erbbestand gegebenen Grundstückes erleget wird, und dessen wahrem Werthe angemessen ist, als auch diejenige Summe, welche als ein Pacht jährlich dafür bezahlt wird; das Erbbestandgut, oder Erbstandgut, welches in Erbbestand gegeben wird u. s. f.


Erbbrotspender (W3) [Adelung]


Der Erbbrotspender, des -s, plur. ut nom. sing. ein ehemahliger Erbbeamter des Stiftes Bremen, S. Brotspende. Daher das Erbbrotspenderamt.


Erbbuch (W3) [Adelung]


Das Erbbuch, des -es, plur. die -bücher, in einigen Gegenden, ein Buch, in welchem die Erde, d. i. die eigenthümlichen Grundstücke der Unterthanen, nach ihrer Lage, ihren Besitzern, Abgaben u. s. f. verzeichnet sind; das Erbregister, Grundbuch, Saalbuch.


Erb-Capellan (W3) [Adelung]


Der Erb-Capellan, des -es, plur. die -Capelläne, ein Erbbeamter des Erzherzogthums Österreich, welcher bey feyerlichen Begebenheiten das Amt eines Capellanes verwaltet. Die Pröpste von St. Pölten bekleiden diese Würde seit langen Zeiten.


Erbdeich (W3) [Adelung]


Der Erbdeich, des -es, plur. die -e in den Marschländern, der erbliche und eigenthümliche Theil eines Deiches.


Erbdrescher (W3) [Adelung]


Der Erbdrescher, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, besonders Obersachsens, Häusler, welche für den Besitz ihrer Häuser das herrschaftliche Getreide für einen gewissen gesetzten Lohn ausdreschen müssen; Zwangdrescher, Hofdrescher.


Erbdrost (W3) [Adelung]


Der Erbdrost, des -en, plur. die -en, in Westphalen und an dem Niederrheine, ein Drost, der seine Würde erblich besitzet. S. Drost.


Erbe (W3) [Adelung]


Das Erbe, des -s, plur. ut nom. sing. ein altes Wort, welches seit tausend Jahren mancherley Veränderungen in seinen Bedeutungen erlitten hat. Dem Ihre nach folgen dessen Bedeutungen so auf einander. 1. Ursprünglich bedeutete es die Erde, wie aus dem Latein. arvum, dem Wallis. ar, Erde, und erw, ein Acker, dem Isländ. urfa, pflügen, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - erhellet, S. Ären und Erde. Im Deutschen ist diese allgemeinste Bedeutung veraltet, außer daß noch einige im Bergbaue übliche zusammen gesetzte Wörter etwas davon aufzubehalten scheinen, wo das Wort Erbe aber auch die Bedeutung eines Eigenthumes leidet. S. Erbbau, Erbbereiten, Erbfluß u. s. f. 2. Eigenthümliche Grundstücke, Grund und Boden mit seinem Zubehör, welche Bedeutung noch in dem gemeinen Sprachgebrauche vieler Gegenden Deutschlandes übrig ist. Diese Bedeutung hat Arbe bey dem Isidor, Erbe bey dem Ottfried,das Angels. Yrfe, Arf, Arft, Erue bey den ältern und neuern Schweden, und Arve, Erve im Niedersächsischen. 1) Eigenthümliche Grundstücke überhaupt. Erbe und Eigen, wo Erbe ein ererbtes Gut bedeutet, welches man ohne Einwilligung seiner Kinder und muthmaßlichen Erben nicht veräußern kann, Eigen aber ein selbst erworbenes Gut, womit man nach Belieben schalten kann; beyde im Gegensatze des Lehens. Baide ir Erbe und ir aigen Vnd darzu alle ir varende habe, in Strykers altem Gedichte. Darum sollen die Leviten kein Theil noch Erbe haben mit ihren Brüdern, 5 Mos. 10, 9. Ich will euch ein Land zum Erbe geben, darin Milch und Honig fleußt, 3 Mos. 20, 24; und so in andern Stellen mehr, wo es auch zuweilen für ein jedes Eigenthum gebraucht wird. Daß du unserer Missethat gnädig seyest, und lässest uns dein Erbe seyn, 2 Mos. 34, 9. Sprichw. Biedermanns Erbe liegt in allen Landen. 2) Ein eigenthümliches Gut, im Gegensatze eines Lehengutes, allodium; welche Bedeutung in den vorigen Jahrhunderten häufig vorkommt. Es ist Erbe und nicht Lehen. Sucht Pallas Liebling auf, der für sein Erbe streitet, Raml. 3) Ein Gut, besonders ein Bauergut, welches der Theilung unterworfen ist. Daher gibts in Thüringen ganze, halbe und viertel Erbe. 4) Ein Haus, welches man eigenthümlich besitzet, welche Bedeutung noch in vielen Gegenden üblich ist. Daher ein Backerbe, ein Backhaus, ein Brauerbe, ein Brauhaus, u. s. f. in Hamburg und an andern Orten. 3. Arbeit, besonders die Feld- und Ackerarbeit; welche veraltete Bedeutung Erf und Erfid noch bey den Isländern hat, wo auch erfida arbeiten, und arswid arbeitsam ist. Ihre ziehet auch die Stelle aus dem Ottfried B. 1, Kap. 5 hierher, wo von der Jungfrau Maria gesagt wird: Jh bin, quad siu, Gotes thiu, zi erbe geboraniu, ich bin, sprach sie, Gottes Magd, zur Arbeit geboren; wo es Schilter übersetzt hatte, zu Hause geboren. S. Arbeit. 4. Alles was man durch seine Arbeit erwirbt, welche gleichfalls veraltete Bedeutung mit der vorigen zweyten zusammen fließt. Daher bedeutet Yrf, Yrfe, im Angelsächsischen eine jede erworbene Sache, selbst das Vieh, und aerfwa erwerben, welche Bedeutung auch erben 4 Mos. 32, 19 hat: wir wollen nicht mit ihnen erben jenseits des Jordans. Selbst das Deutsche werben scheinet hierher zu gehören. 5. Güter, welche uns von andern erworben worden, besonders wenn sie uns nach ihrem Tode als ein Eigenthum überlassen werden, in welchem Verstande dieses Wort noch häufig für Erbschaft gebraucht wird. Das väterliche, das mütterliche Erbe, dasjenige was jemand von seinem Vater, von seiner Mutter erbet. Das dritte Gebethbuch hat sie aus dem väterlichen Erbe bekommen, Gell. Wenn die Zeit kommt, daß er seinen Kindern das Erbe austheile, 5 Mos. 21, 16. Wenn jemand stirbt, und hat nicht Söhne, so sollt ihr sein Erbe seiner Tochter zuwenden, 4 Mos. 27, 8; und so in andern Stellen mehr.

Anm. Vielleicht ließen sich die jetzt angeführten Bedeutungen dieses Wortes richtiger so ordnen. 1) Erde. 2) Deren Bearbeitung. 3) Was dadurch erworben wird, jedes Eigenthum; besonders 4) eigenthümliche Grundstücke. 5) Fremder Erwerb, so fern er nach des Erwerbers Tode unser Eigenthum wird.


Erbe (W3) [Adelung]


Der Erbe, des -n, plur. die -n, Fämin. die Erbinn, plur. die -en, ein Wort, welches nur noch in der fünften Bedeutung des vorigen Wortes üblich ist. 1) Ein jeder, der eines andern Vermögen nach dessen Tode als ein Eigenthum erhält. Jemanden zu seinem Erben einsetzen. Er ist mein Erbe. Sein Vermögen kommt an lachende (d. i. fremde,) Erben. 2) In engerer Bedeutung, leibliche Kinder, weil sie die natürlichen Erben des Vermögens ihrer Ältern sind, daher sie auch oft Leibeserben heißen, zum Unterschiede von den Testaments-Erben, Lehenserben u. s. f. Er ist ohne Erben gestorben, ohne Kinder. Besonders ein leibliches Kind männlichen Geschlechtes. Seine Frau hat ihm einen jungen Erben gebracht, ein Knäbchen. 3) In einigen Gegenden ist Erbe so viel als ein Eigenthümer eines Grundstückes, z. B. ein Holzerbe. An andern Orten wird der Erbe dem Fremden entgegen gesetzet.

Anm. Eribu kommt in der Bedeutung eines Erben schon bey dem Kero, und Erue im 9ten Jahrhunderte vor. Im Niedersächsischen lautet dieses Wort Arve. S. auch Erbnehmer.


Erbeben (W3) [Adelung]


Erbeben, verb. reg. neutr. welches im Perf. und Plusquamperf. ungewöhnlich ist, durchaus in eine bebende Bewegung versetzet werden, von dem Zeitworte beben, in der höhern Schreibart. So werden deine Mauern erbeben von dem Getümmel seiner Rosse, Ezech. 26, 10. Ihre Gäule schreyen, daß das ganze Land davon erbebet, Jer. 8, 16. Bey dem Notker irbibenen, bey dem Willeram erbiben, bey den heutigen Oberdeutschen erbidmen.


Erbeigen (W3) [Adelung]


Erbeigen, adj. et adv. welches noch in einigen Gegenden für erblich und eigen üblich ist. Ein erbeigenes Gut, welches von den Vorältern herkommt. Ein Erbeigener, ein eigenthümlicher Besitzer. S. Erbexe.


Erbeinigung (W3) [Adelung]


Die Erbeinigung, plur. die -en, in dem Deutschen Staatsrechte, eine Einigung, d. i. ein Vertrag, zwischen mehrern Geschlechtern, wegen gegenseitiger Freundschaft und Hülfe; ein Erbvertrag, Erbverein, welcher von der Erbverbrüderung noch verschieden ist. Das Haus Sachsen stehet in Erbeinigung mit Böhmen, aber in Erbverbrüderung mit Brandenburg und Hessen.


Erbeißen (W3) [Adelung]


Erbeißen, verb. irreg. act. S. Beißen. 1) Danieder beißen, d. i. todt beißen, im Oberdeutschen. Der Fuchs hat die Hühner erbissen. Hat dich ein Thier erbissen? Opitz. In welcher im Hochdeutschen ungewöhnlichen Bedeutung dieses Wort schon in Strykers altem Gedichte vorkommt. Die Bergleute gebrauchen es noch figürlich. Das Gestein hat ihn erbissen, getödtet. Sich die festen Knauer erbeißen lassen, wegen Härte des Gesteines von der Arbeit ablassen. 2) Aufbeißen. Eine Nuß erbeißen. 3) Mürbe beißen, durchbeißen, im gemeinen Leben. Das Fleisch ist so hart, man kann es nicht erbeißen.


Erbellen (W3) [Adelung]


Erbellen, S. Verbällen.


Erben (W3) [Adelung]


Erben, verb. reg. welches in doppelter Gattung üblich ist. I. Als ein Activum. 1) * Den eigenthümlichen Besitz einer Sache überkommen, in welcher veralteten Bedeutung dieses Wort noch in der Deutschen Bibel und der biblischen Schreibart üblich ist. Daß er ihn den Stuhl der Ehren erben lasse, 1 Sam. 2, 8. Das Land, darein ihr kommt, zu erben, ist ein unrein Land, Esr. 9, 11. In der Ernte, wenn du die Mandeln sollt erben, Es. 17, 11. S. das Erbe 2. 2) Eines Verstorbenen Güter eigenthümlich bekommen, in welchem Sinne dieses Wort am üblichsten ist. Ein Landgut, einen Garten erben. Wer wird die großen Reichthümer einmahl erben? Etwas von einem erben. Ingleichen figürlich, durch die Zeugung, mit der Geburt überkommen, von Eigenschaften und Umständen des Leibes und des Gemüthes. Er hat den Geitz von seinem Vater, die Wollust von seiner Mutter geerbt. Er hat diese Krankheit von seinen Ältern geerbt. Schwed. ärfwa, Nieders. arven. Wofür auch zuweilen ererben üblich ist. 3) Als ein Erbtheil übertragen, nachlassen; wofür doch vererben gebräuch-licher ist. Er soll sein eigen Gut auf seine Kinder erben, Ezech. 46, 15. Ihr Nahme wird gepreiset in ihren Kindern, auf welche er geerbet ist, Sir. 16, 15. Haus und Güter erben die Ältern, aber ein vernünftig Weib kommt vom Herrn, Sprichw. 19, 14. Mine kinde wil ich erben dise not, Heinr. von Morunge. Eben diese Bedeutung hatte ehedem auch das Nieders. arven, Myn Landt - alse idt myn Vader my ervet hefft, in einer Urkunde von 1398. S. Beerben 3.II. Als ein Neutrum, 1. mit dem Hülfsworte haben. 1) Eines Erbe seyn, von einem erben, mit der vierten Endung der Person. Jemanden erben. Er hat seinen Vetter geerbt. Dein Same wird die Heiden erben, Es. 4, 3. Auch wenn der Erbfall noch künftig ist. Wer erbt ihn? wer ist einmahl sein Erbe? S. Beerben 2. 2) * Jemanden zum Erben haben, eine veraltete Bedeutung. Der Todte erbt den Lebendigen, ein bekannter rechtlicher Satz. 2. Mit dem Hülfsworte seyn, als ein Erbgut zu Theile werden; ingleichen, erblich fortgepflanzet werden. Die Güter erben auf ihn, fallen als ein Erbtheil auf ihn. Diebische Art erbet ins Geschlecht. Sprichw. Kunst erbet nicht. Herren Gunst erbet nicht. Diese Krankheit erbet, pflanzt sich erblich fort. Sein Theil soll allein auf seinen Sohn erben, Ezech. 46, 17.


Erberschleicher (W3) [Adelung]


Der Erberschleicher, S. Erbschleicher.


Erbethen (W3) [Adelung]


Erbethen, verb. reg. act. durch Gebeth von Gott erhalten. Ich will es noch erbethen. Ich habe es mir von Gott erbethen. Die Ältern deines Kindes erbethen dir schon Segen, Günth.


Erbetteln (W3) [Adelung]


Erbetteln, verb. reg. act. durch Betteln erhalten. Sein Brot erbetteln. Erbetteltes Geld. Ingleichen, durch unverschämtes Bitten erhalten. Einen Dienst erbetteln.


Erbeuten (W3) [Adelung]


Erbeuten, verb. reg. act. durch Beuten, d. i. Beute machen, erhalten. Im Kriege große Schätze erbeuten. Erbeutetes Geld. Die Soldaten haben viel erbeutet.


Erbexe (W3) [Adelung]


Der Erbexe, des -n, plur. die -n, ein nur in einigen Westphälischen Gegenden übliches Wort, den eigenthümlichen Besitzer eines Grundstückes, besonders einer Holzmark, oder eines Theiles derselben, zu bezeichnen; ein Erbeigener, im Nürnbergischen Walde ein Erbförster, Forsthübner, in andern Westphälischen Gegenden ein Erbmann. Weil Exe im Niedersächsischen auch eine Axt bedeutet, so haben Schilter, Frisch, Lodtmann in der Schrift de Jure Holzgraviali, und andere behauptet, daß dieses Wort von Axt herstamme, und eigentlich das Recht bedeute, welches man mit der Art in einem Walde ausübe, daher sie es auch im Hochdeutschen Erbaxt geschrieben wissen wollen. Allein, 1) ist noch nicht erwiesen, daß dieses Wort jemahls von einem Rechte gebraucht worden, indem es beständig eine Person andeutet. 2) Ist es alle Mahl männlichen Geschlechtes; dagegen Exe im Niedersächsischen so wie Axt weiblichen Geschlechtes ist. So wollen wir als der Landfürst und oberster Erbexe u. s. f. sagt Herzog Philipp Sigmund, postulirter Bischof von Osnabrück und Verden. Und 3) sind dergleichen Bildungen der Wörter und ihres Gebrauches ganz wider die Analogie unserer und der damit verwandten Sprachen. Ohne Zweifel stammet dieses Wort von eigen, Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, her, und ist eine verderbte Aussprache von Erbeigener. Das x darf niemanden irre machen, der die Westphälische und Holländische Mundart kennet, wo auch aus solches sulx, aus gleich glyks, aus desgleichen desgelyx u. s. f. wird. S. Eigen.


Erbfall (W3) [Adelung]


Der Erbfall, des -es, plur. die -fälle. 1) Der Fall, da jemand Erbe wird, eine Erbschaft empfänget. 2) Das Recht, nach dem Tode eines Unterthanes etwas von ihm zu erben, S. Baulebung.


Erbfeind (W3) [Adelung]


Der Erbfeind, des -es, plur. die -e, ein langwieriger, gleichsam geerbter Feind. So pflegte man ehedem nur die Türken den Erbfeind des christlichen Glaubens zu nennen. Wider den Erbfeind Krieg führen, wider die Türken.


Erbfeuerherr (W3) [Adelung]


Der Erbfeuerherr, des -en, plur. die -en, ehemahlige Erbbeamte des Reiches, deren Amt auch das Feuereisenamt hieß. Sie hatten an dem kaiserlichen Hoflager auf Feuer und Licht zu sehen. Noch zu Carls V Zeiten wurde dieses Amt von einem Herren von Plesse verwaltet, mit dessen Familie es aber auch aufgehöret hat. S. Feuerherr.


Erbfluß (W3) [Adelung]


Der Erbfluß, des -sses, plur. die -flüsse, in dem Bergbaue, ein Fluß, welcher das Gebirge und die in demselben befindlichen Gänge abschneidet, und einen Gegentrumm macht.


Erbfolge (W3) [Adelung]


Die Erbfolge, plur. inus. die Folge in dem Besitze der Güter und Würden einer Person nach dem Rechte der Geburt, successio ab intestato, und die Art und Weise derselben; im Oberdeutschen der Erbgang. Die Erbfolge berichtigen. Zur Erbfolge kommen, d. i. einem Verstorbenen in dem Besitze seiner Güter und Würden folgen. Daher die Erbfolgsordnung, das Erbfolgsrecht, im Oberdeutschen das Erbgangsrecht, das Recht jemanden zu folgen.


Erbförster (W3) [Adelung]


Der Erbförster, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Nürnbergischen Reichswalde, der eigenthümliche Besitzer eines Theiles in demselben. S. der Erbe 3, Erbere und Förster.


Erbfrau (W3) [Adelung]


Die Erbfrau, plur. die -en, S. Erbherr.


Erbfrohn (W3) [Adelung]


Der Erbfrohn, des -es, plur. die -e, oder des -en, plur. die -en, in Soest und einigen andern Westphälischen Städten, gewisse Unterrichter, welche die Urtheile des Großrichters oder Richters in bürgerlichen Sachen, zur Vollziehung bringen, und auch Unterrichter, Erbrichter, Pfandrichter heißen; entweder, weil sie ihr Amt erblich besitzen, oder auch weil sie über das Erbe, d. i. Eigenthum, erkennen.


Erbfürst (W3) [Adelung]


Der Erbfürst, des -en, plur. die -en, ein erblicher Fürst, der sein Fürstenthum erblich besitzet; zum Unterschiede von einem Wahlfürsten. Daher das Erbfürstenthum. Zuweilen auch nur ein Fürst, der zum Erbe eines andern bestimmt ist, wie Erbprinz.


Erbgang (W3) [Adelung]


Der Erbgang, des -es, plur. inus. S. Erbfolge.


Erbgeld (W3) [Adelung]


Das Erbgeld, des -es, plur. die -er, ein jedes geerbte oder aus einer Erbschaft überkommene Geld. An einigen Orten in engerer Bedeutung, dasjenige Geld, welches der Erbe an seine Miterben bezahlen muß. S. Ausspruch.


Erbgenoß (W3) [Adelung]


Der Erbgenoß, des -ssen, plur. die -ssen, der Genoß an einer Erbschaft; der Miterbe, welche Benennung üblicher ist.


Erbgerechtigkeit (W3) [Adelung]


Die Erbgerechtigkeit, plur. inus. 1) Das Recht, jemanden zu erben, das Erbrecht. 2) Im Bergbaue ist die Erbgerechtigkeit eines Stollen, dasjenige, was ein Erbstollen von den nahe liegenden Berggebäuden zu erheben oder einzunehmen hat.


Erbgericht (W3) [Adelung]


Das Erbgericht, des -es, plur. die -e, oder auch im Plural die Erbgerichte, ohne Singular. S. Gericht. 1) Überhaupt eine jede Gerichtsbarkeit, welche auf dem Grunde und Boden haftet, oder erblich und eigenthümlich besessen wird, und dasjenige Gericht, welches sie ausübet, es sey nun die obere oder die untere Gerichtsbarkeit. In diesem Verstande wird auch die Gerichtsbarkeit der Städte über ihr Eigenthum, und das Gericht, durch welches sie selbige verwalten lassen, das Erbgericht, oder im Plu-ral die Erbgerichte genannt. 2) In engerer Bedeutung werden in Ober- und Niedersachsen die Erbgerichte den Ober-Gerichten entgegen gesetzt, und alsdann druckt dieses Wort bloß die Grundgerichte, oder die niedere Gerichtsbarkeit aus, die auf einem Erbe, d. i. einem freyen Erbgute haftet; im Gegensatze des Blutbannes, oder der peinlichen Gerichtsbarkeit, welche gemeiniglich ein kaiserliches oder königliches Lehen ist. Alsdann werden die Erbgerichte auch die Untergerichte, die niedern Gerichte, die Grundgerichte, die Vogtey u. s. f. genannt. 3) Das Gericht eines Erbrichters, besonders auf dem Lande.


Erbgerichtsbarkeit (W3) [Adelung]


Die Erbgerichtsbarkeit, plur. inus. 1) Eine Gerichtsbarkeit, welche erblich und eigenthümlich besessen wird, wie Erbgericht 1. 2) Die niedere Gerichtsbarkeit, wie Erbgericht 2.


Erbgerichtsherr (W3) [Adelung]


Der Erbgerichtsherr, des -en, plur. die -en. 1) Ein Gerichtsherr, der seine Gerichtsbarkeit erblich und eigenthümlich besitzet, sie sey von welcher Art sie wolle. 2) Ein Gerichtsherr, der nur die niedere Gerichtsbarkeit besitzet. 2. S. Erbgericht.


Erbgesessen (W3) [Adelung]


Erbgesessen, adj. et adv. welches an einigen Orten für ansässig üblich ist, Erbe, d. i. eigenthümliche Grundstücke, besitzend. S. das Erbe 2.


Erbgewinn (W3) [Adelung]


Der Erbgewinn, des -es, plur. inus. S. Auffahrt Anm.


Erbgraf (W3) [Adelung]


Der Erbgraf, des -en, plur. die -en, ein junger Graf, so fern er als der nächste Erbe seines gräflichen Vaters betrachtet wird; wie Erbprinz, der nächste Erbe eines Fürsten.


Erbgrind (W3) [Adelung]


Der Erbgrind, des -es, plur. car. im gemeinen Leben, ein anhaltender Grind, der schwer und oft gar nicht zu heilen ist, und daher als ein angeerbtes Übel angesehen wird; Schuppengrind, Achores.


Erbgrund (W3) [Adelung]


Der Erbgrund, des -es, plur. die -gründe, ein eigenthümliches Grundstück, S. das Erbe 2.


Erbgulden (W3) [Adelung]


Der Erbgulden, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten das Abzugsgeld, welches von Erbschaften, die einem Fremden anheim fallen, abgezogen wird, weil man anfänglich nur einen Gulden von hundert abzuziehen pflegte. S. Abzug und Erbkauf.


Erbgut (W3) [Adelung]


Das Erbgut, des -es, plur. die -güter. 1) Ein jedes ererbtes Gut. 2) Ein eigenthümliches Gut, im Gegensatze eines Lehens; ein Allodium. 3) Zuweilen auch ein Erbzinsgut, welches zwar erblich, aber mit einem gewissen Zinse beschweret ist.


Erbhäuer (W3) [Adelung]


Der Erbhäuer, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Häuer, der seine Kunst rechtmäßig erlernet hat; zum Unterschiede von den Lehrhäuern.


Erbherr (W3) [Adelung]


Der Erbherr, des -en, plur. die -en, der Eigenthumsherr eines ansehnlichen Grundstückes; der Lehenherr, und weil derselbe gemeiniglich auch die Gerichte über dasselbe Grundstück hat, der Gerichtsherr oder Erbgerichtsherr. "Die Schöppenstühle," heißt es in den 1599 zu Frankfurt gedruckten Consult. Sax. Bl. 200, "halten den für den Erbherren, von dem die Leut ihre Güter in Lehen nehmen müssen, die andern, sie haben Ober- oder Untergericht, sind nicht Erbherren, sondern Gerichtsherren." Die Erbfrau, wenn einer Person weiblichen Geschlechtes das Eigenthum zustehet. Im höhern Verstande werden auch Landes- und Oberherren mit diesem Nahmen beleget, da denn im weiblichen Geschlechte gleichfalls Erbfrau üblich ist, welchen Titel unter andern auch die Kaiserinn Königinn von Ungarn und Böhmen führte. Ps. 82, 8, heißt Gott der Erbherr über alle Heiden.


Erbhofamt (W3) [Adelung]


Das Erbhofamt, des -es, plur. die -ämter, S. Erblandesamt.


Erbhofmeister (W3) [Adelung]


Der Erbhofmeister, des -s, plur. ut nom. sing. an verschiedenen Höfen, ein Erbbeamter, der den Vorsitz und Rang vor allen übrigen Erbbeamten hat. Dergleichen Erbhofmeister gibt es im Clevischen. Auch das Haus Österreich hat seine Erbhofmeister, welche Würde Kaiser Ferdinand I im Jahr 1539 errichtet, und die von Roggendorf damit beliehen hat, nach deren Abgang selbige an die Grafen Trautson gekommen ist. S. Hofmeister.


Erbhuldigung (W3) [Adelung]


Die Erbhuldigung, plur. die -en, die Huldigung, welche man dem Erb- und Landesherren und seinen Erben leistet; die Erbpflicht.


Erbjagd (W3) [Adelung]


Die Erbjagd, plur. inus. der erbliche Besitz einer Jagd, oder eines Jagd-Districtes.


Erbiegen (W3) [Adelung]


Erbiegen, S. Erbügen.


Erbiethen (W3) [Adelung]


Erbiethen, verb. irreg. recipr. ( S. Biethen,) äußern, daß man willig und bereit sey, etwas zu thun oder zu leisten. Sich zu allen möglichen Diensten erbiethen. Sich zur Ersetzung des Schadens, zu einer Summe Geldes, zur Hülfsleistung erbiethen. Er erboth sich für das Vaterland zu sterben. Wir sind noch des Erbiethens, im Oberdeutschen. Daher die Erbiethung.

Anm. Irbieta heißt bey dem Ottfried und Jeroschin nicht allein anbiethen, sondern auch erweisen, anthun; einem Ehre erbiethen. Nieders. erbeen, Schwed. erbjuda. S. Anerbiethen und Urbede.


Erbiethig (W3) [Adelung]


Erbiethig, adv. sich erbiethend. Wir sind es noch erbiethig, d. i. noch bereit, es zu thun. Ich bin erbiethig dazu. Von einer andern Zeit dieses Verbi ist im Hochdeutschen auch erböthig auf eben die Art üblich, und beynahe noch üblicher. Ich bin es erböthig. Schwed. öfwerbödig.


Erbinn (W3) [Adelung]


Die Erbinn, S. der Erbe.


Erbitten (W3) [Adelung]


Erbitten, verb. irreg. act. S. Bitten. 1) Durch Bitten erhalten. Etwas von einem erbitten. Sich jemandes Gewogenheit erbitten. Ich habe es endlich noch erbethen. Darum gebe ich ihn dem Herrn wieder, weil er vom Herrn erbethen ist, 1 Sam. 1, 18. Zeugen zu einer Handlung erbitten. Die Zeugen sind dazu erbethen worden. Erbethene Zeugen. 2) Los bitten, frey bitten. Einen Verurtheilten erbitten. Der Übelthäter ist erbethen worden. 3) So lange bitten, bis man seine Absicht bey jemanden erreicht. Ich habe ihn endlich noch erbethen, so lange gebethen, bis er mir meine Bitte bewilliget hat. Helfen sie mir meinen Vater erbitten, daß er meinem Glücke nicht länger hinderlich ist. Ich kann ihn nicht erbitten. In dieser letzten Bedeutung kommt irbiten schon bey dem Ottfried vor. Das Bey- und Nebenwort erbittlich ist nicht gewöhnlich, wohl aber dessen Gegensatz unerbittlich.


Erbittern (W3) [Adelung]


Erbittern, verb. reg. act. bitter machen, doch nur figürlich, zum Hasse, zum Zorne bewegen. Jemanden erbittern. Das Volk durch Grausamkeit erbittern. Erbittere mich nicht. Sich erbittern, zornig werden. Er wird erbittert. Ein erbittertes Gemüth. Willst du dich in deinem Grimm wider einen Wurm erbittern? Gryph. Im gemeinen Leben auch verbittern, welches aber auch noch in einem andern figürlichen Verstande üblich ist. Auf etwas verbittert seyn, auch im hohen Grade darnach begierig seyn, wie das niedrige erpicht. Daher die Erbitterung, so wohl von der Handlung des Erbitterns, als auch von der Leidenschaft eines heftigen mit Haß verbundenen Zornes. S. Bitter.


Erbittlich (W3) [Adelung]


Erbittlich, adj. et adv. geneigt sich erbitten, d. i. durch Bitten bewegen zu lassen. S. Erbitten.


Erbkämmerer (W3) [Adelung]


Der Erbkämmerer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Erbbeamter verschiedener ansehnlichen Stifter und Länder, dessen Amt daher das Erbkämmereramt genannt wird. S. Kämmerer. Die Erbkämmerer des H. K. Reichs sind den Erzkämmerern untergeordnet, und verrichten deren Amt an ihrer Stelle.


Erbkammerthürhüther (W3) [Adelung]


Der Erbkammerthürhüther, S. Erbthürhüther.


Erbkauf (W3) [Adelung]


Der Erbkauf, des -es, plur. die -käufe. 1) Nur noch in einigen Gegenden, diejenige Art des Abzuges anzudeuten, vermittelst deren der fremde Erbe oder an dessen Statt der Erblasser, die Erbschaft, die sonst dem Fiscus verfallen war, von dem Landesherren los kaufen konnte. Erbkauf war der erste Nahme, den diese Abgabe führete, und der schon im 12ten und 13ten Jahrhunderte vorkommt, bis im 15ten Jahrhunderte die Ausdrücke Nachsteuer und Abzug üblich wurden. S. Erbgulden. 2) Ein erblicher Kauf, der auch Erb- und Todkauf genannt wird, im Gegensatze des Kaufes auf Wiederkauf.


Erbkönig (W3) [Adelung]


Der Erbkönig, des -es, plur. die -e, ein König, der seine Würde und sein Königreich erblich besitzet; im Gegensatze eines Wahlköniges. Daher das Erbkönigreich, in welchem die königliche Würde erheblich ist.


Erbkoth (W3) [Adelung]


Der Erbkoth, des -es, plur. car. die Unreinigkeit, welche ein neu gebornes Kind durch den After von sich gibt; Meconium.


Erbkoth (W3) [Adelung]


Das Erbkoth, des -es, plur. die -e, ein Koth, welches erblich besessen wird. S. das folgende.


Erbkothsaß (W3) [Adelung]


Der Erbkothsaß, des -ssen, plur. die -ssen, in Sachsen, ein Kothsaß, der sein Koth erb- und eigenthümlich besitzet, im Nieders. Erbkossäte, Erbköther, zum Unterschiede von dem, der nur zur Miethe darin wohnet.


Erbkretzschmar (W3) [Adelung]


Der Erbkretzschmar, des -s, plur. ut nom. sing. S. die Erbschenke.


Erbkrug (W3) [Adelung]


Der Erbkrug, des -es, plur. die -krüge, S. ebendas.


Erbküchenmeister (W3) [Adelung]


Der Erbküchenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Erbbeamter verschiedener Stifter und fürstlichen Häuser. S. Küchenmeister. Der Erbküchenmeister des H. K. Reichs und die Erbtruchsesse, denn beyde Würden sind verschieden, sind dem Erztruchseß untergeordnet. Beyde Würden bekleiden jetzt die Grafen von Waldburg. Daher das Erbküchenmeisteramt.


Erbkux (W3) [Adelung]


Der Erbkux, des -es, plur. die -e. 1) Ein Kux, welchen man erb- und eigenthümlich besitzet; welche Bedeutung aber nicht üblich ist. 2) Ein Kux, welcher dem Grundherren, auf dessen Boden das Bergwerk lieget, frey gebauet wird. S. das Erbe 2.


Erbland (W3) [Adelung]


Das Erbland, des -es, plur. die -länder, im Oberdeutschen die -lande, ein Land, welches man erb- und eigenthümlich besitzet. Die Erbländer des Hauses Österreich. Erbelant findet sich schon in dem Fragmente eines alten Gedichtes auf Carln den Großen bey dem Schilter.


Erblandesamt (W3) [Adelung]


Das Erblandesamt, des -es, plur. die -ämter, in verschiedenen Provinzen, eine Benennung der Erbämter, obgleich zuweilen mit einigem Unterschiede. In den dem Hause Österreich gehörigen Deutschen Provinzen gibt es Erbhofämter, welche ihr Amt bey vorfallenden Gelegenheiten zu Wien an dem erzherzoglichen Hoflager verwalten. Außer dem hat noch jede Provinz, wie das Land ob der Ens, Steyermark u. s. f. ihre Erblandämter oder Landämter, deren Besitzer dieses Amt in ihren Provinzen versehen. Daher der Erblandesbeamte, der Erblandhofmeister, Erblandjägermeister, Erblandmarschall u. s. f.


Erblassen (W3) [Adelung]


Erblassen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, von dem Nebenworte blaß und dem Vorworte er, blaß werden. Vor Furcht erblassen. Er erblassete gleich im Anfange der Rede. Die Lippen erblaßten ihm. Figürlich auch für sterben, in der edlern Schreibart. Er ist erblaßt. Der erblaßte Leichnam. Daher die Erblassung, in der eigentlichen Bedeutung. S. Erbleichen.


Erblasser (W3) [Adelung]


Der Erblasser, des -s, plur. ut nom. sing. von den Wörtern Erbe und lassen, der andern sein Vermögen als ein Erbe überlässet, der Verstorbene in Ansehung seiner Verlassenschaft und seiner Erben. Daher das Erblassungsrecht, das Recht sein Vermögen zu vermachen, oder zu hinterlassen, wem man will.


Erblehen (W3) [Adelung]


Das Erblehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein erbliches Lehen, ein Lehen, welches Mann- und Weiberlehen zugleich ist; zum Unterschiede von dem bloßen Mannlehen. S. Handlehen. Auch Erbzinsgüter werden zuweilen Erblehen genannt. Daher der Erblehenherr, das Erblehengut, der Erblehensmann, Erblehenträger u. s. f.


Erblehenware (W3) [Adelung]


Die Erblehenware, plur. die -n, bey Erbzinsgütern, diejenige Lehenware, welche der Erbe eines Erbzinsgutes bey dem Erbfalle an den Erbzinsherren bezahlet, weil sonst das Erbzinsgut an den Lehenherrn zurück fallen würde; zum Unterschiede von der Sterbelehenware und Kauflehenware.


Erbleichen (W3) [Adelung]


Erbleichen, verb. irreg. neutr. ( S. Bleichen Anm.) mit dem Hülfsworte seyn, bleich werden, erblassen. Die Lippen erbleichen ihm. Er erblich vor Furcht. Figürlich auch für sterben. Der erblichene Leichnam. Im Oberdeutschen ist dieses Wort häufiger als im Hochdeutschen, wo man in der figürlichen Bedeutung lieber verbleichen und erblassen gebraucht. Bey dem Ottfried irbleichen, bey dem Stryker erbleichan.


Erbleute (W3) [Adelung]


Die Erbleute, sing. inus. S. Erbmann.


Erblich (W3) [Adelung]


Erblich, adj. et adv. von dem Hauptworte das Erbe. 1) So eigenthümlich, daß man es auf andere vererben kann. Etwas erblich besitzen. Ein erbliches Reich, ein erbliches Eigenthum, welches man auf seine Nachkommen vererben kann. Erb- und eigenthümlich, mit dem völligen Eigenthume. 2) Was sich von den Ältern auf die Kinder fortpflanzet, von Krankheiten u. s. f. Eine erbliche Krankheit. Der Geitz ist in diesem Geschlechte erblich. So auch die Erblichkeit.


Erblicken (W3) [Adelung]


Erblicken, verb. reg. act. mit einem Blicke, oder vermittelst der Augen plötzlich gewahr werden, von dem Activo blicken. Ich erblickte ihn schon in der Ferne. Einen Vogel, einen Hasen erblicken. Er hat mich endlich erblickt. Wo ich dich jemahls wieder erblicken werde. Ein Mann, der immer erblickt, selten siehet, niemahls beobachtet, Lavat.


Erblinden (W3) [Adelung]


Erblinden, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, blind werden. Er erblindete, ist erblindet. Bey dem Notker plindan, irblinden, im Schwed. förblinda, im gemeinen Leben auch verblinden.


Erblöden (W3) [Adelung]


Erblöden, verb. reg. recipr. sich schämen, sich scheuen. Er erblödete sich, dieses zu thun. Erblödest du dich nicht, mir dieses in das Gesicht zu sagen? In den Fragmenten eines alten Gedichtes auf Carln den Großen bey dem Schilter erplitan. S. Entblöden und Blöde.


Erblos (W3) [Adelung]


Erblos, adj. et adv. 1) Des Erbes, d. i. einer Erbschaft, beraubt. Jemanden erblos machen, ihn enterben. Bey dem Notker erbelos. 2) Der Erben beraubt, keiner Kinder habend. Erblos sterben, Luc. 20, 25. Ingleichen von Sachen, keinenErben, d. ist Besitzer habend. Erblose Güter. So auch die Erblosigkeit.


Erblosung (W3) [Adelung]


Die Erblosung, S. Näherrecht.


Erbmangel (W3) [Adelung]


Der Erbmangel, des -s, plur. die -mängel, ein erblicher, angeerbter Mangel, oder Fehler. Bey den Pferden werden gewisse Gebrechen, die ihnen entweder die Gesundheit benehmen, wie der Rotz, die Mauke, oder ihr Ansehen verringern, oder auch den Umgang mit ihnen beschwerlich machen, sehr uneigentlich Erbmängel genannt, und dadurch von den Hauptmängeln und geringen Mängeln unterschieden. S. auch Erbschade.


Erbmann (W3) [Adelung]


Der Erbmann, des -es, plur. die -männer oder -leute. 1) In einigen Gegenden, ein Erbeigener, ein eigenthümlicher Besitzer gewisser liegenden Gründe. So werden in einigen Gegenden Westphalens die Markgenossen oder Bewohner einer Holzmark Erbmänner genannt, S. Erbexe. 2) Zuweilen auch ein Erbzinsmann. 3) In manchen Gegenden verstehet man unter Erbleuten leibeigene Unterthanen beyderley Geschlechtes.


Erbmannlehen (W3) [Adelung]


Das Erbmannlehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lehen, in welchem allein die männlichen Nachkommen die Erbfolge haben; ein Mannlehen.


Erbmarschall (W3) [Adelung]


Der Erbmarschall, des -es, plur. die -schälle, ein Erbbeamter verschiedener Länder, Stifter und fürstlichen Häuser, S. Marschall. Die Erbmarschälle des H. K. Reiches, welches jetzt die Grafen von Pappenheim sind, sind dem Erzmarschalle untergeordnet, und verwalten das Marschallamt an dessen Stelle. Daher das Erbmarschallamt, die Würde und Verrichtung eines Erbmarschalles, ingleichen der Ort, wo er sein Gericht hält.


Erbmeier (W3) [Adelung]


Der Erbmeier, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, so viel als ein Erbpachter, oder Erbzinsmann, ein erblicher Meier. S. Meier. Daher das Erbmeiergut, das Erbmeierding oder Erbmeiergericht, im Oberdeutschen der Dinghof, das Erbmeierrecht u. s. f.


Erbmünzmeister (W3) [Adelung]


Der Erbmünzmeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Erbbeamter der Erzherzoge von Österreich, dessen Amt daher das Erbmünzmeisteramt genannt wird. Kaiser Ferdinand III beliehe mit diesem Amte den Freyherren von Chavs, Kaiser Leopold 1672 die Grafen von Sprinzenstein, mit der Verordnung, daß der Älteste des Hauses alle Mahl oberster Erbmünzmeister, die jüngern Glieder aber nur Erbmünzmeister heißen sollten. S. Münzmeister.


Erbnehmer (W3) [Adelung]


Der Erbnehmer, des -s, plur. ut nom. sing. überhaupt ein jeder Erbe, der eine Erbschaft bekommt. Wenn aber Erben und Erbnehmer zusammen gesetzet werden, so bedeutet das erstere die Erben ab intestato, das letztere aber im engern Verstande die Nachkommen. Im Oberdeutschen Erbnehm, im Nieders. Arvnemer.


Erborgen (W3) [Adelung]


Erborgen, verb. reg. act. von borgen, als ein Darlehen bekommen, borgen. Er hat es nur erborgt. Erborgtes Geld.


Erboßen (W3) [Adelung]


Erboßen, verb. reg. act. boßhaft, d. i. sehr zornig machen. Jemanden erboßen. Sich erboßen, sehr zornig werden. Er erboßte sich über ihn. Ein erboßter Mensch. Wenn sich der Pharao der Höllen Auf dein gefangnes Volk erboßt, Gryph. S. Bosheit.


Erböthig (W3) [Adelung]


Erböthig, adv. S. Erbiethig.


Erbpacht (W3) [Adelung]


Der Erbpacht, des -es, plur. die -e, ein Pacht, nach welchem jemanden eine Sache zum erblichen Eigenthume eingeräumet wird, zum Unterschiede von dem Jahr- und Zeitpachte; im Oberdeutschen der Erbbestand, Erbstand, an andern Orten der Leibpacht. Ingleichen das jährliche Pachtgeld, welches von einer solchen Sache entrichtet wird. Einem ein Gut in Erbpacht geben. Daher der Erbpachter, oder Erbpächter, der ein Grundstück in Erbpacht bekommt, im Oberdeutschen der Erbbeständer, das Erbpachtgut, der Erbpachtherr oder Erbverpachter u. s. f.


Erbpannerherr (W3) [Adelung]


Der Erbpannerherr, S. Erbbannerherr.


Erbpferdner (W3) [Adelung]


Der Erbpferdner, des -s, plur. ut nom. sing. in Obersachsen, ein Pferdner, d. i. Pferdebauer, oder Anspänner, der sein Gut erb- und eigenthümlich besitzet.


Erbpflicht (W3) [Adelung]


Die Erbpflicht, plur. inus. die Erbhuldigung. Ingleichen überhaupt die Pflicht, die man seinem Erb- und Oberherren zu leisten schuldig ist. Der Erbpflicht eisern Joch, ein höllenheißer Eid, Wirkt knechtisch Treu und Pflicht, doch keine Zärtlichkeit, Haged. In engerer Bedeutung der Eid, welchen die Erbzinsleute wegen ihrer Erbzinsgüter ablegen.


Erbpostmeister (W3) [Adelung]


Der Erbpostmeister, des -s, plur. ut nom. sing. überhaupt ein jeder Postmeister, der sein Amt erblich besitzet. Im höhern Verstande sind es Erbbeamte, welche in manchen Ländern mit dem Erbpostmeisteramte beliehen sind. So sind die Fürsten von Thurn und Taxis Erbpostmeister des H. K. Reiches, die Grafen von Paar aber in den Österreichischen Erbländern, welche letztere eigentlich oberste Hof- und Erblandpostmeister heißen.


Erbprinz (W3) [Adelung]


Der Erbprinz, des -en, plur. die -en, Fämin. die Erbprinzessin, plur. die -en, der nächste Erbe, oder die nächste Erbinn eines Herzogthumes oder Fürstenthumes. Ist er der vermuthliche Erbe eines Königreiches, so heißt er Kronprinz. Zuweilen gibt es aber auch in Königreichen Erbprinzen, die alsdann dem Kronprinzen nachgeordnet sind. So heißt zu unsern Zeiten der einzige Prinz des Königes von Dänemark der Kronprinz, des Königes Stiefbruder aber, der Prinz Friedrich, der Erbprinz.


Erbrath (W3) [Adelung]


Der Erbrath, des -es, plur. die -räthe, ein Erbbeamter einiger fürstlichen Häuser. So führen die Grafen von Löwenstein und Tübingen den Titel der Erbräthe der Herzoge von Würtemberg.


Erb-Receß (W3) [Adelung]


Der Erb-Receß, des -sses, plur. die -sse, S. Erbvergleich.


Erbrechen (W3) [Adelung]


Erbrechen, verb. irreg. act. S. Brechen. 1) * Zerbrechen, im Oberdeutschen. Ich kann es nicht erbrechen. 2) Aufbrechen, in der anständigern Sprech- und Schreibart. Einen Brief erbrechen. Die Hausthüre erbrechen. Die Diebe haben alle Schlösser und Schränke erbrochen. Daher die Erbrechung. 3) * Ermangeln, fehlen, gebrechen; doch nur allein im Oberdeutschen, und als ein Neutrum. Es erbricht an dem nöthigen Vorrathe. Wir haben es unsers Ortes an alle dem nicht erbrechen lassen. 4) Sich erbrechen, sich brechen, sich übergeben. Der Kranke hat sich erbrochen. Arzeneyen, welche ein Erbrechen erregen.


Erbrecht (W3) [Adelung]


Das Erbrecht, des -es, plur. die -e. 1) Das Recht, ein Gut zu erben. Sein Erbrecht verkaufen. Nicht Erbrecht noch Geburt, das Herz macht groß und klein, Haged. In engerer Bedeutung, in einigen Gegenden, Das Recht, von der Verlassenschaft seiner Unterthanen etwas zu erben, S. Baulebung. 2) Diejenigen Rechte, welche jemand mit einer Erbschaft zugleich überkommt. So bestehen die Erbrechte der Hand-werker unter andern auch darin, daß die Erben die Gerechtigkeiten der Werkstätte und ihres Handwerkes bis zu ihrer Mündigkeit genießen. 3) Im Oberdeutschen, auch der gebührende Theil von einer Erbschaft, der Pflichttheil. Einem das Erbrecht abfolgen lassen.


Erbregister (W3) [Adelung]


Das Erbregister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Register, worin die Erbe, d. i. die eigentlichen Grundstücke, nach ihren Besitzern und Abgaben verzeichnet sind. S. Erbbuch.


Erbreich (W3) [Adelung]


Das Erbreich, des -es, plur. die -e, ein erbliches Reich, im Gegensatze eines Wahlreiches.


Erbrichter (W3) [Adelung]


Der Erbrichter, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein willkührlich erwählter Richter, einen Erbschaftsstreit zu entscheiden; ein nur selten gebräuchliches Wort, S. Erbschicht. 2) Eine obrigkeitliche Person, in einigen Städten Westphalens, S. Erbfrohn. 3) Auch an andern Orten, ein Richter, besonders auf dem Lande, der sein Amt erblich besitzet. 4) Zuweilen auch ein Erbgerichtsherr, der die Erbgerichte, d. i. die untere Gerichtsbarkeit, besitzet.


Erbritter (W3) [Adelung]


Der Erbritter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Titel, welchen einige Reichsritter von den Kaisern erhalten haben. So schreiben sich die von Weißenbach, von Frankenberg, von Carlowitz u. s. f. des H. K. Reichs Erbritter.


Erbsaß (W3) [Adelung]


Der Erbsaß, des -ssen, plur. die -ssen, in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, ein eigenthümlicher Besitzer eines Landgutes oder Schlosses, ein Erbherr. Opitz singt von Gott: Der Erbsaß über das was überall zu finden.


Erbschacht (W3) [Adelung]


Der Erbschacht, des -es, plur. die -schächte, im Bergbaue, der tiefste Schacht eines Bergwerkes.


Erbschaden (W3) [Adelung]


Der Erbschaden, des -s, plur. die -schäden. 1) Ein erblicher Fehler des Leibes, ein Erbmangel. Figürlich auch ein solcher Fehler des Gemüthes. Der Hochmuth ist bey ihm ein Erbschaden. 2) In einigen Gegenden, ein Schaden an den Gütern, der auch noch den Erben zur Last fällt.


Erbschaft (W3) [Adelung]


Die Erbschaft, plur. die -en, dasjenige, dessen Besitz eine Person zum Erben macht, das geerbte Vermögen, die Verlassenschaft eines Verstorbenen in Rücksicht auf den Erben. Eine reiche Erbschaft thun, bekommen. Dieses Gut ist aus der väterlichen Erbschaft. Theil an einer Erbschaft haben. Es ist ihm eine reiche Erbschaft zugefallen. Ingleichen der Besitz dieser Güter. Eine Erbschaft antreten. Sich einer Erbschaft begeben. Daher das Erbschaftswapen, ein Wapen, welches jemand wegen einer zugefallenen Erbschaft führet. In dem alten Gesetze der Könige Ludwigs und Lothars aus dem 9ten Jahrhunderte wird Ervetha anstatt Erbschaft gebraucht. S. - Schaft.


Erbschatzmeister (W3) [Adelung]


Der Erbschatzmeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Erbbeamter, der seiner Stiftung nach die Aufsicht über den Schatz seines Lebensherren führet. S. Schatzmeister. Die Erbschatzmeister des H. K. Reiches welches die Grafen von Sinzendorf sind, sind dem Erzschatzmeister untergeordnet. S. dieses Wort.


Erbschenke (W3) [Adelung]


Die Erbschenke, plur. die -n, eine erbliche Schenke, welche erblich besessen wird; in Schlesien ein Erbkretzschmar, in Niedersachsen ein Erbkrug, und dessen Besitzer, der Erbkrüger. In der Mark Brandenburg heißen auch diejenigen Schenkwirthe Erbkrüger, welche das Recht haben selbst brauen zu dürfen, und nicht von andern verleget werden.


Erbschenke (W3) [Adelung]


Der Erbschenke, des -n, plur. die -n, ein Erbbeamter verschiedener ansehnlichen Stifter und fürstlichen Personen, S. Schenke. Die Erbschenken des H. K. Reiches waren die Grafen von Limburg; als diese 1713 ausstarben, kam das Erbschenkenamt an die Grafen von Althan.


Erbschicht (W3) [Adelung]


Die Erbschicht, oder Erbschichtung, plur. die -en, die Theilung eines Erbes, oder einer Erbschaft; wofür im Hochdeutschen Erbtheilung üblicher ist. Daher der Erbschichter, ein gleichfalls wenig gebräuchliches Wort, der willkührlich erwählte Schichter oder Theiler einer Erbschaft; ehedem auch der Erbrichter. Wer hat mich zum Richter oder Erbschichter über euch gesetzt? Luc. 12, 14.


Erbschirm (W3) [Adelung]


Der Erbschirm, des -es, plur. inus. der Erbschirmherr, des -en, plur. die -en. S. Erbschutz.


Erbschleicher (W3) [Adelung]


Der Erbschleicher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Erbschleicherinn, eine Person, welche die künftige Verlassenschaft einer noch lebenden Person zu erschleichen sucht; der Erbschleicher. Daher die Erbschleicherey, das darauf abgezielte Betragen.


Erbschlosser (W3) [Adelung]


Der Erbschlosser, des -s, plur. ut nom. sing. S. Erbbeschloßt und Beschlossen.


Erbschlüssel (W3) [Adelung]


Der Erbschlüssel, des -s, plur. ut nom. sing. ein geerbter Schlüssel, dergleichen man noch jetzt zu allerley Aberglauben zu mißbrauchen pflegt.


Erbschmiede (W3) [Adelung]


Die Erbschmiede, plur. die -n, eine erbliche Schmiede, wo das Recht des Schmiedehandwerkes auf dem Erbe, d. i. auf dem Grunde und Boden haftet.


Erbschnur (W3) [Adelung]


Die Erbschnur, plur. die -schnüre, im Bergbaue, ein grünes seidenes Band, womit bey dem Erbbereiten die Vermessung verrichtet wird. S. Erbbereiten.


Erbschoß (W3) [Adelung]


Der Erbschoß, des -sses, plur. inus. an einigen Orten, ein Schoß, d. i. obrigkeitliche Abgabe, welche von den Erben oder Grundstücken gegeben wird; der Grundschoß, zum Unterschiede von dem Gewerbeschosse. S. das Erbe 2. und Schoß.


Erbschuld (W3) [Adelung]


Die Erbschuld, plur. die -en. 1) Ererbte Schulden, Schulden, welche auf einer Erbschaft haften. 2) Eine Schuld, welche auf einem Allodial-Gute haftet; zum Unterschiede von einer Lehensschuld.


Erbschulze (W3) [Adelung]


Der Erbschulze, des -n, plur. die -n, ein Schulze, der sein Amt erblich besitzet; der Lehenschulze.


Erbschutz (W3) [Adelung]


Der Erbschutz, des -es, plur. car. der Schutz, welchen man einem andern für sich und seine Erben zu leisten verpflichtet ist; der Erbschirm, ehedem auch die Erbvogtey. In den mittlern Zeiten erwarben sich viele Stifter, Klöster und Städte den Erbschutz mächtigerer Nachbaren, die daher ihre Vögte, Kastenvögte, Schutzvögte, und wenn der Schutz in ihren Familien erblich war, Erbvögte, in den neuern Zeiten aber Erbschirmherren, Erbschutzherren genannt wurden.


Erbse (W3) [Adelung]


Die Erbse, plur. die -n, die runde eßbare Frucht eines gewissen Feld- und Gartengewächses; Pisum, L. Die Pflanze, welche diese Frucht trägt, führet gleichfalls den Nahmen Erbsen, wobey der Singular nicht üblich ist. Man hat von derselben vielerley Arten, S. Gartenerbsen, Felderbsen, Zuckererbsen, Rosenerbsen, Stockerbsen u. s. f. Daher das Erbsenstroh, die Ranken der ausgedroschenen Erbsen, das Erbsenstroh, welches aus Erbsenmehl gebacken wird, u. s. f.

Anm. In den Monseeischen Glossen lautet diese Frucht und ihre Pflanze Arauueiz, im Oberdeutschen des 15ten Jahrhundertes Arbeyß, und noch bey den heutigen Oberdeutschen Erbeiß, woraus man beynahe schließen sollte, daß die letzte Hälfte aus dem Lat. Nahmen Pisum zusammen geflossen sey; obgleich auch dieser weiter nichts ist, als das alte Europäische Bees, Besing, Beere. S. Beere, Berberis. Im Niedersächsischen heißen die Erbsen Arfken, Arten, im Dän. Ärter, im Schwed. Erter, imHoll. Erwets, welches mit dem Lat. Ervum, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, genau überein kommt. S. Erven. Die wilden Stachelbeeren, Grossularia uva crispa, L. werden von einigen Wälsche Erbsen genannt.


Erbsel (W3) [Adelung]


Erbsel, S. Berberis.


Erbsenbaum (W3) [Adelung]


Der Erbsenbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Sibirischer Baum, welcher die Größe einer Birke erreicht, und eine Menge Samen träget, der an Gestalt der Spargelerbsen gleicht, und eine sehr nahrhafte und gute Speise für Menschen und Vieh abgibt; Robinia Caragana, L. Baumerbse.


Erbsenkette (W3) [Adelung]


Die Erbsenkette, plur. die -n, eine Art goldener oder vergoldeter Ketten, deren runde Gelenke den Erbsen gleichen, und noch an einigen Orten zur Zierde getragen werden; zum Unterschiede von den Panzerketten.


Erbsenstein (W3) [Adelung]


Der Erbsenstein, des -es, plur. die -e, eine Art Tropfsteine, wo die Körner, woraus sie bestehen, die Größe und Gestalt einer Erbse haben. Sind die Körner kleiner, so werden sie Rogensteine genannt.


Erbsenstrauch (W3) [Adelung]


Der Erbsenstrauch, des -es, plur. die -sträuche, ein Sibirisches Staudengewächs, welches mit dem Erbsenbaume in Eine Classe gehöret, und gleichfalls eßbare Erbsen träget; Robinia frutescens, L.


Erbsetzer (W3) [Adelung]


Der Erbsetzer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, der einen andern zum Erben einsetzet; Testator.


Erbsichdorn (W3) [Adelung]


Der Erbsichdorn, des -es, plur. inus. ein Nahme, der an einigen Orten dem Berberisbaume gegeben wird, S. dieses Wort.


Erbsilberkämmerer (W3) [Adelung]


Der Erbsilberkämmerer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Erbbeamter in den Deutschen Erbländern des Hauses Österreich, S. Silberkämmerer. In Österreich wurden die Freyherren von Kufstein 1644 mit diesem Erbamte belehnet; in Steyermark bekleiden es die Grafen von Rothal, in Kärnthen die Grafen von Thurn, in Krain die Grafen von Katzenstein, und in Tyrol die Grafen von Brandis.


Erbspielgraf (W3) [Adelung]


Der Erbspielgraf, des -en, plur. die -en, ein Erbbeamter des Hauses Österreich, welcher ehedem die Spielleute, mimos, und histriones, in ganz Österreich unter seiner Aufsicht hatte. Daher das Erbspielgrafenamt. Schon zu Anfange des vorigen Jahrhundertes wurde dieses Amt mit dem Erbkämmereramte verbunden, dem es noch jetzt anhänget.


Erbstäbelmeister (W3) [Adelung]


Der Erbstäbelmeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Erbbeamter in Steyermark, Kärnthen, Krain und Tyrol, dessen Amt daher das Erbstäbelmeisteramt genannt wird. In Steyermark haben die Grafen von Urschenbeck, und nach deren Abgange die Grafen Massime, in Kärnthen die Magerer von Fuchsstatt, die Herren von Keutschach, die Freyherren von Rosenberg, und die Grafen von Welz, in Krain die Grafen von Eck und Hungersbach, und in Tyrol die Freyherren von Welsberg dasselbe bekleidet. S. Stäbelmeister.


Erbstadt (W3) [Adelung]


Die Erbstadt, plur. die -städte, eine Stadt, welche man erblich oder als ein Erbtheil besitzet. Daß verschiedene freye Reichsstädte aus einem Irrthume Erbstädte genannt worden, ist schon bey dem Worte ehrbar angemerket worden.


Erbstallmeister (W3) [Adelung]


Der Erbstallmeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Erbbeamter verschiedener fürstlichen Häuser. In Nieder-Österreich sind es die Grafen von Harrach, in Steyermark die Grafen von Windischgrätz u. s. f. Daher das Erbstallmeisteramt S. Stallmeister.


Erbstand (W3) [Adelung]


Der Erbstand, des -es, plur. inus. im Oberdeutschen so viel als Erbpacht, S. Erbbestand. In den Lehenrechten, zuweilen auch das Geld, welches man bey einem Leben für das Erbrecht bezahlet, welches auch Erbstandsgeld genannt wird.


Erbstollen (W3) [Adelung]


Der Erbstollen, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Bergbaue, ein Stollen, der mit seiner Wasserseige zehen Lacher tief in ein Gebäude einkommt; in welchem Falle er das Erbe, d. i. eine Art eines Eigenthumsrechtes über die nahe liegenden Grubengebäude bekommt, und von denselben auch einige Einkünfte zu genießen hat. Daher der Erbstöllner, der Besitzer eines Erbstollens. S. Erbteufe.


Erbstück (W3) [Adelung]


Das Erbstück, des -es, plur. die -e, ein Stück d. i. eine Sache, die man geerbt hat, ein Stück aus einer Erbschaft.


Erbstufe (W3) [Adelung]


Die Erbstufe, plur. die -n, im Bergbaue, eine Stufe, d. i. ein in das Gestein gehauenes Zeichen, die Grenze eines Erbes, oder einer eigenthümlichen Fundgrube oder Maaße zu bezeichnen.


Erbsünde (W3) [Adelung]


Die Erbsünde, plur. inus. in der Gottesgelehrsamkeit der Protestanten, die angeerbte, oder angeborne Neigung zum Bösen. Die Römische Kirche setzet die Erbsünde bloß in der Beraubung der besondern übernatürlichen Gnadengaben, welche die ersten Menschen auch außer der anerschaffenen natürlichen Vollkommenheit besessen haben. Notker nennet diese Sünde anagennis Sundo, die anfängliche, ursprüngliche Sünde.


Erbteich (W3) [Adelung]


Der Erbteich, S. Erbdeich.


Erbteufe (W3) [Adelung]


Die Erbteufe, plur. inus. in dem Bergbaue, diejenige Teufe oder Tiefe, welche ein Stollen erreichen muß, wenn er ein Erbstollen seyn soll. S. Erbstollen. Der Stollen bringt seine Erbteufe ein, wenn er diese Tiefe erreicht.


Erbtheil (W3) [Adelung]


Das Erbtheil, des -es, plur. -e. 1) Derjenige Theil einer Erbschaft, welcher jemanden zufällt; am Oberrheine die Erbzahl, ( S. Zahl,) sonst auch die Erb-Portion. Er hat sein Erbtheil bekommen. Das ist mein Erbtheil. 2) Ein eigenthümlicher Antheil an etwas, oder ein Antheil an etwas wegen des Grund- und Eigenthumsrechtes. In diesem Verstande ist Erbtheil in dem Bergbaue so viel als ein Erbkux, der dem Grundherren der Zeche gehöret. 3) Überhaupt, ein erb- und eigenthümliches Grundstück, so fern es jemanden eigenthümlich zugetheilet wird; in welcher Bedeutung dieses Wort häufig in der Deutschen Bibel vorkommt, außer dem aber nicht üblich ist. Von diesem Geschlechte dieses Wortes S. Theil.


Erbtheilung (W3) [Adelung]


Die Erbtheilung, plur. die -en, die Theilung einer Erbschaft; im gemeinen Leben die Erbschicht.


Erbthürhüther (W3) [Adelung]


Der Erbthürhüther, des -s, plur. ut nom. sing. ein Erbbeamter, so wohl des Reiches, als auch einiger ansehnlichen Reichsstände; S. Thürhüther. Erbthürhüther, oder vielmehr Erbkammerthürhüther des H. K. Reiches, sind die Herren und Grafen von Werther. Erbthürhüther in Österreich waren schon 1500 die von Wesing: nach deren Abgange sind die Herren von Schönkirchen mit diesem Erbamte beliehen worden.


Erbtiefste (W3) [Adelung]


Das Erbtiefste, des -n, plur. inus. in dem Bergbaue, das tiefste Gesenke in einem Gebäude.


Erbtochter (W3) [Adelung]


Die Erbtochter, plur. die -töchter, eine Tochter, welche die nächste Erbinn eines ansehnlichen Vermögens ist.


Erbtrift (W3) [Adelung]


Die Erbtrift, plur. die -en. 1) Das Triftrecht, welches man einem andernerblich gegen einen jährlichen Erbzins einräumet; ohne Plural. 2) Dasjenige Grundstück, auf welchem man ihm dieses Recht gestattet.


Erbtruchseß (W3) [Adelung]


Der Erbtruchseß, des -ssen, plur. die -ssen, ein Erbbeamter, verschiedener Stifter und fürstlichen Häuser, S. Truchseß. Daher das Erbtruchsessenamt. Bey dem Kaiser und Reiche verwalten dieses Amt mit dem Erbtüchenmeisteramte zugleichdie Grafen von Waldburg, welche dem Erztruchsessen untergeordnet sind.


Erbügen (W3) [Adelung]


Erbügen, verb. reg. act. von Bug, bey den Fleischern, ein Schwein erbügen, oder verbügen, es nach dem Buge zu stechen, wodurch das Geblüt zurück gehalten, und das Fleisch verderbet wird.


Erbuhlen (W3) [Adelung]


Erbuhlen, verb. reg. act. durch Buhlerey erwerben. Sich die Liebe des Lesers erbuhlen, Opitz.


Erbunterthan (W3) [Adelung]


Der Erbunterthan, des -es, plur. die -en, ein erblicher Unterthan, ein Unterthan in Beziehung auf den Erbherren.


Erbverbrüdern (W3) [Adelung]


Erbverbrüdern, verb. reg. von welchem nur das Mittelwort erbverbrüdert, und das Hauptwort die Erbverbrüderung üblich sind. Die letzte bestehet in einem Vertrage, worin sich zwey oder mehrere Häuser für sich und ihre Erben zu gegenseitiger Freundschaft verbinden, und den übrig bleibenden Theil zugleich zum Erben ihrer Güter einsetzen; dergleichen Häuser alsdann erbverbrüdert heißen. S. Erbeinigung.


Erbvergleich (W3) [Adelung]


Der Erbvergleich, des -es, plur. die -e, der Vergleich wegen einer Erbschaft; besonders eines regierenden Herren mit seinen abgefundenen Verwandten. Ingleichen, der endliche für sich und seine Erben geschlossene Vergleich in einer streitigen Sache; der Erb-Receß, der Erbvertrag.


Erbvermächtniß (W3) [Adelung]


Das Erbvermächtniß, des -sses, plur. die -sse, das Vermächtniß eines Erblassers, ein Vermächtniß, welches aus einer Erbschaft bezahlet wird; Legatum.


Erbverpachter (W3) [Adelung]


Der Erbverpachter, des -s, plur. ut nom. sing. der einem andern etwas in Erbpacht gibt; der Erbpachtherr.


Erbvertrag (W3) [Adelung]


Der Erbvertrag, des -es, plur. die -träge, S. Erbvergleich.


Erbvogt (W3) [Adelung]