Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
DE Deutschland, Alemania, Allemagne, Germania, Germany
Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
H

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

Wichtige Hinweise zu dieser Version: Der Text unterliegt keinem urheberrechtlichen Schutz, da dieser nach deutschem Recht nur Werken gewährt wird, deren Urheber noch lebt oder höchstens seit 70 Jahren tot ist.

Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

B

C

D

E

F

G

H

[Adelung]

H (W3) [Adelung]


H, der achte Buchstab des Deutschen Alphabetes, welcher ein dreyfaches Amt hat. 1. Ist er ein Buchstab im eigentlichsten und schärfsten Verstande, welcher einen etwas starken, aber doch nicht an den Gaumen angestoßenen Hauch ausdrucket, wo er gleichsam den Übergang der Selbstlauter zu den Mitlautern ausmacht, indem jene wahre, aber sehr gelinde Hauche sind. Um dieser Ursache willen ist auch das H von einigen Sprachlehrern ein Halb-Vocal genannt worden. Es hat in dieser Gestalt einen doppelten Laut. Mit einem starken Hauche wird es zu Anfange eines Wortes ausgesprochen, wie im Habe, Haft, Hand, Herz, Hoch, Hund u. s. f. mit einem schwächern aber in der Mitte zu Anfange einer Sylbe, besonders nach einem Vocale, wie in gehen, sehen, flehen, geschehen, nahe, Ehe, wehen, leihen, drohen, wiehern, Mühe, ruhen, Reihe u. s. f. wo es im manchen Gegenden so gelinde ausgesprochen wird, daß man es fast gar nicht höret. Ja die Niedersächsische Mundart, welche eine Feindinn des Hauches ist, und die mit ihr verwandten Sprachen, verbeißen es in der Mitte gar; Nieders. gaan, gehen, Schwed. ga, Engl. go, Holländ. gaen, Nieders. teen, ziehen, scheen, geschehen, seen, sehen, Engl. see, Schwed. si, Holländ. sien; dagegen die Niedersachsen in manchen Wörtern statt des h ein i oder j hören lassen, wie in Moie, Moje, Mühe, bloien, blühen, Holländ. bloeyen, gloien, glühen u. s. f. Die Alemannische und einige andere Mundarten sprechen es auch in der Mitte, wenigstens in vielen Wörtern, mit einem so harten Hauche aus, der dem ch nahe kommt, sich für stehe, geschicht für geschiehet, Floch für Floh; und daher rühret es vermutlich, daß es auch im Hochdeutschen in solchen Wörtern, wo der gedehnte Vocal in den geschärften verwandelt wird, wirklich in das ch übergehet, wohin Gesicht, sichtbar, von sehen, Flucht von fliehen, Geschichte von geschehen, Zucht von ziehen, Verzicht von verzeihen, u. a. m. gehören. Die ältere Fränkische Mundart pflegte es gern dem l, r und w zu Anfange der Wörter vorzusetzen, da es denn nur vor dem l oft in das noch stärkere ch oder k überging; Hludewig, Chlodewig, Clodewig, Hlotharius, Chlotarius, Hrabanus, Hruodolf, Hwil, ein Rad u. s. f. Die Engländer sprechen ihr roli, wenn es ein Wort anfängt, noch so, und die Schweden schreiben es sogar, Schwed. Hwal, Walfisch, Hwalf, Gewölbe, hwar, wer, hwar, Engl. where, wo, hwerfwa, werfen, Hwete, Weitzen, Hwila, Weile, hwilken, Engl. which, welcher u. s. f. Dagegen gibt es ganze Völker, welchen die Aussprache dieses Buchstabens auch zu Anfange der Wörter sehr schwer ankommt, wohin besonders die Russen und Italiäner gehören. Das Beyspiel der letztern läßt vermuthen, daß auch ihre Vorfahren, die Lateiner, das h zu Anfange der Wörter sehr gelinde und vielleicht gar nicht ausgesprochen; daher es auch in der Lateinischen Prosodie für keinen Buchstaben gerechnet wird. Im Deutschen kann man ihm wegen seines bestimmten und merklichen Lautes die Eigenschaft eines wahren Buchstabens nicht absprechen. 2. Das zweyte Amt des h ist, daß es zuweilen das Zeichen eines gedehnten Selbstlauters ist, und als dann für sich nicht ausgesprochen wird. Dieses findet Statt am Ende einiger Wörter, welche sich auf einen Selbstlaut endigen, wie in Stroh, froh, Schuh, Ruh, roh, Vieh, rauh, früh, eh für ehe, wo aber in manchen noch ein anderer Grund in der Abstammung liegt, und da dienet das h zugleich den stärkern Hauch des Stammwortes zu erkennen zu geben. Noch häufiger wird dieses h in der Mitte vieler Wörter vor den vier flüssigen Selbstlautern l, m, n, r, zur Dehnung des vorher gehenden Selbstlauters gesetzet. So stehet es vor dem l, in Ahle, subula, fahl, Gemahl, das Mahl, mahlen, kahl, Stahl, Strahl, Wahl, Zahl, Pfahl, Fehl, fehlen, Kehle, Mehl, stehlen, hehlen, befehlen, Bohle, Kohl, Kohle, Stuhl, Sohle, hohl, hohlen, prahlen, Dohle, wohl, buhlen u. s. f. Vor dem m, in lahm, zahm, Ohm, Ahm, Ruhm, nehmen, ahmen Rahm u. s. f. Vor dem n, in ahnden, Ahnen, Bahn, Fahne, Hahn, Huhn, Kahn, Krahn, Lahn, lehnen, mahnen, Sahne, Wahn, dehnen, sehnen, Sehne, ihn, ihnen, Hohn, Lohn, Mohn, ohne, Sohn, wohnen, Dohne, Frohn u. a. m. Und endlich vor dem r, im Bahre, (nach andern Baare) wahr, bewahren, fahren, Fahrt, Gefahr, Jahr, Ehre, kehren, lehren, mehr, sehr, hehr, ihr, bohren, Ohr, Ruhr, Uhr, Fohre, der Gehren, begehren, gähren, Guhr u. s. f. Da das h in diesen Fällen, wenigstens der gemeinsten Meinung nach, ein bloßes Zeichen des vorher gehenden gedehnten Selbstlauters ist, so verstehet es sich von sich selbst, daß es unnöthig ist, wenn ein Doppellaut vorher gehet, dessen Dehnung schon kenntlich genug ist. Man schreibt daher verlieren, ob man gleich das h in befiehlst und stiehlst beybehält, weil es aus befehlen und stehlen gebildet ist. Da ä, ö und ü keine Doppellauter, folglich auch nicht an und für sich gedehnt sind, so kann nach ihnen das h, wo es einmahl eingeführet ist, auch nicht für überflüssig gehalten werden. Man schreibt also ganz richtig, Ähre, jähnen, Mähne, Mühle, schmählen, schmählich, Mähre, Möhre, Höhle, Öhl, Röhre, Bühne, fühlen, führen, wühlen, kühl u. s. f. Indessen ist diese Regel nicht allgemein, weil man wenigstens eben so viel Wörter hat, wo der gedehnte Selbstlaut vor den flüssigen Mitlautern kein h ausweisen kann. Dergleichen sind, z. B. die Endungen -sal, -sam, -bar, die Wörter dar, klar, Krone, bequem, Blume, (wo über dieß noch die Abstammung von blühen es erfordern sollte,) gar, Gram, schal, schmal, Schnur, Flur, Spur, Hure, schonen, Schwan, Schwur, schwören, Span, Plan, Bär, hämisch, schon, sparen, stören, die Sylbe ur-, und hundert andere mehr. In andern wird der Selbstlaut verdoppelt, wie in Aal, Heer, Waare, Haar, leer, Theer, Meer, Beere u. s. f. und was die Endung betrifft, in See, Schnee, Klee u. a. m. Diese Ungleichheit ist wichtig, und beweiset nebst dem Mangel dieses h in so vielen andern gedehnten Sylben sehr deutlich, daß es in den Fällen, wo es eingeführet worden, etwas mehr als ein bloßes Zeichen der Dehnung ist, wofür es von allen Sprachlehrern gehalten wird. Merkwürdig ist dabey, daß es nur vor den vier flüssigen Mitlautern l, m, n, und r angenommen worden; denn in Fehde, welches vielleicht das einzige Wort von dem Gegentheils ist, hat es einen unläugbaren etymologischen Grund, und erhält die Verwandtschaft mit fechten. S. die Orthographie, wo dieses umständlicher ausgeführet worden. Den Alten war dieses so genannte Dehnungs h völlig unbekannt, und man findet es bey ihnen so wenig, als es die Dänen, Schweden und andere Völker kennen. Auch die Niedersachsen wollen nichts davon wissen. Erst im 15ten Jahrhunderte kommt es, doch nur noch sehr einzeln, zum Vorscheine. In der ersten Hälfte des 16ten findet man es auch noch sehr selten; aber in der zweyten Hälfte, da man mehr auf die grammatische Richtigkeit seiner Muttersprache zu sehen anfing, ward es häufiger und nach und nach allgemein. 3. Dienen endlich auch das h den härtern Laut einiger Buchstaben und besonders des c, wenn es wie ein k lauten sollte, des p, und t zu mildern, oder vielmehr mit denselben gewisse Laute auszudrucken, für welche wir keine eigene einfache Zeichen haben, S. Ch, Ph und Th. Von dem h, welches in einigen wenigen Fällen dem r beygefüget wird. S. R.


Ha! (W3) [Adelung]


Ha! eine Interjection, welche gebraucht wird, verschiedene Empfindungen und Gemüthsbewegungen auszudrucken. 1) Einer mit Unwillen, mit Zorn begleiteten Verwunderung. Ha! was Henker ist denn das wieder für eine Figur! Weiße. Ha! diese kleine Furcht steht Männern gar nicht an, ebend. Ha! welche Flammenströme schoß die Hyder Nach seinem Leben! Raml. Ha! sprach ein junger Hengst, Wir Sklaven sind es wehrt, Daß wir im Joche sind, Gleim. Wo es zuweilen verdoppelt wird. Ha! ha! nun kenn' ich dich! 2) Des Unwillens, des Verdrusses allein. Ha! brummt er, (der Bär) dir will ich das Handwerk zeitig legen, Haged. 3) Oft auch der Verwunderung allein. Sie geht, ha! welchen Stolz gibt ihr die Tugend ein! Weiße. Ha! hier blickt noch Ein Strahl von Hoffnung vor, Schleg. S. in folgenden das Haha. Ha! welch ein lauter Päan steigt von seinen Siegen In mein entzücktes Ohr! Raml. Besonders im gemeinen Leben über eine neue, unerwartete Sache, wo es gemeiniglich verdoppelt wird. Sie schweigt und gräbt getrost. Ha! Ha! nun klingt es hohl, Gell. 4) Des Aufschlusses, besonders mit der Verdoppelung. Ha! ha! nun weiß ich es. 5) Der Freude, wo es in manchen Gegenden auch Heh! lautet, wie Klagel. 2, 16. In andern aber hey! Das Ezech. 25, 3, Kap. 26, 2, Kap. 36, 2, befindliche Heah! ist, wenigstens im Hochdeutschen ungewöhnlich. 6) Eine Nachahmung des Lachens, wo es alle Mahl verdoppelt wird. 7) In den niedrigen Sprecharten auch ein fragendes Zwischenwort, für was, wo es oft als ein unarticulirter Schall aus der Gurgel hervor gebracht wird, in einigen Gegenden aber auch he! lautet. Wenn diese Interjection verdoppelt wird, so hat alle Mahl das zweyte ha! den Ton.


Haar (W3) [Adelung]


Das Haar, des -es, plur. die -e, Diminut. das Härchen, Oberd. Härlein, des -s, plur. ut nom. sing. 1. In der weitesten Bedeutung, ein jedes zartes Zäserchen, in welcher es nur noch in einigen Fällen üblich ist. Ottfried nennet die Nadeln oder Tangeln der Fichten Har. In einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Österreich und Baiern, wird noch der Flachs Haar genannt, in welcher Bedeutung schon in der Monseeischen Glosse Hara vorkommt. Dahin gehöret auch das Schonische Hör, Flachs, welches Ihre nicht zu erklären weiß. Auch die einzelnen Zäserchen der Wolle und Seide werden häufig Haare genannt. Ein Tuch aus den Haaren rauhen, bey den Tuchbereitern, das gewalkte Tuch mit der Strohkarte oder Streiche wieder rauch machen. Das Tuch aus den Haaren scheren, eben daselbst, es das erste Mahl oder aus dem Gröbsten scheren. Das Tuch aus den Haaren ziehen, eben daselbst, die im Walken abgegangenen Haare abstreichen. Ein Tuch zu halben Haaren scheren, die Haare nur halb abscheren. Eben dieselben pflegen auch die linke Seite eines Tuches Haar, so wie die rechte Grund zu nennen. Ein Faden roher Seide, welcher über sich selbst gedrehet ist, wird in den Seiden-Manufacturen ein Haar, oder absolute Haar genannt; S. Haarseide. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die zarten röhrförmigen Fasen, womit die Haut so wohl mancher Thiere, als auch der Menschen an gewissen Theilen des Leibes bekleidet ist, und welche zarter als Borsten und Grannen, aber härter und gröber als Wolle sind. 1) Von Individuis, einzelne Auswüchse dieser Art zu bezeichnen. So sein wie ein Haar, oder wie ein Härchen. Es ist kein gutes Haar an ihm, er ist im Grunde verderbt. Ich frage nicht ein Haar darnach, nicht das geringste. Er hat kein Haar von seinem Vater, ist ihm nicht im geringsten ähnlich. Auch figürlich, wegen der geringen Breite eines Haares, einen fast unmerklichen Raum, Zeitpunct oder Grad der innern Stärke zu bezeichnen. Es trifft auf ein Haar zu, völlig, so daß auch nicht eines Haares breit Unterschied wahrzunehmen ist. Nicht ein Haar breit weichen. Bey einem Haare, (in den niedrigen Sprecharten, bey einer Haar,) beynahe. Bey einem Haare hätten sie mich böse gemacht. Man sollte dich bey einem Haare für einen Spitzbuben halten, Less. Er ist nicht um ein Haar, oder nicht ein Haar, besser. Meine Antwort war doch nicht ein Haar anders als die ihrige. Sie ist noch kein Haar besser als vordem. Auf ein Haar, sehr genau. Das Ziel auf ein Haar treffen. Er schießt auf ein Haar. Das weiß ich auf ein Haar. Ein Haar in etwas finden, Ursache zum Argwohn, zur Bedenklichkeit, zur Vorsicht. 2) Als ein Collectivum, ohne Plural und ohne Diminutivum, alle an einem Thiere befindliche Haare, oder auch eine unbestimmte Menge, auszudrucken. Der Esel hat graues, das Rindvieh gemeiniglich röthliches Haar. Daher Haar oft von der Farbe eines Pferdes gebraucht wird. Silbern war sein Haar auf seiner Scheitel und um sein Kinn, Geßn. Goldenes Haar, im gemeinen Leben Güldenhaar, ein Nahme verschiedener Pflanzen, S. Goldhaar. Noch mehr im Plural. Schwarze, krause Haare haben. Haare bekommen. Haare lassen müssen, im gemeinen Leben, in einem Streite den kürzern ziehen, ingleichen, Schaden, Verlust leiden. Doch hof ich er müß noch har lan Wiewol er yetz ist khomen darvon, Theuerd. Kap. 94. Der Wolf fiel in die arme Herde, Und mancher Bock gab Haare her, Lichtw. Haare auf den Zähnen haben, im gemeinen Leben, Erfahrung, Wissenschaft besitzen, eigentlich einen ehrwürdigen Bart haben. 3. In der engsten Bedeutung, die Haare des Hauptes bey Menschen, das Haupthaar, wo es so wohl von einzelnen Haaren, als auch collective, und zwar so wohl im Singular allein, als im Plural allein gebraucht wird. Es soll dir nicht ein Haar gekrümmet werden, es soll dir nicht die geringste Beleidigung widerfahren. Ein schönes, krauses, langes Haar haben. Sein eigenes Haar tragen, im Gegensatze des fremden oder falschen. Sich das Haar wachsen lassen, abscheren. Krau- ses Haar, krauser Sinn, im gemeinen leben. Und ergriff mich bey dem Haar meines Hauptes, Ezech. 8, 3. Noch häufiger aber im Plural. Lange, starke Haare haben. Sich die Haare wachsen lassen, sie abscheren. Sich die Haare ausraufen. Graue Haare bekommen, vor Alter oder sorgen. Die Haare stehen mir zu Berge, vor Schrecken, vor Grausen. Der Schrecken trieb mir die Haare zu Berge; wofür Dusch sagt, die Furcht die mein Haar empört. Dahin auch die im gemeinen Leben üblichen figürlichen R. A. gehören: Jemanden bey den Haaren herbey ziehen, ihn dazu zwingen. Etwas bey den Haaren herbey ziehen, es auf eine gezwungene Art anbringen, oder auf etwas anwenden, es zu weit herholen. Einander in die Haare gerathen, handgemein werden, in einen Streit gerathen, uneins werden. Sich in den Haaren liegen, sehr uneins seyn. Laß dir darüber keine grauen Haare wachsen, mache dir darüber keine Sorgen. Ein Wald oder ein Berg stehet ganz, oder voll, in Haaren, im Forstwesen, wenn er noch hinlänglich mit Holz und Bäumen bewachsen ist.

Anm. Bey dem Willeram Har, bey dem Tatian Haru, im Nieders. und Dän. gleichfalls Haar, im Engl. Hair, im Angels. Haer, im Franz. Haire, im Schwed. Har. Casaubonus leitet es von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Scheren, Wachter von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich flechte, und Junius von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - her; Ableitungen, deren Zwang sogleich in die Augen fällt, und schon um der ersten allgemeinen Bedeutung dieses Wortes willen nicht Statt finden. Mit mehrerer Wahrscheinlichkeit rechnet Ihre die Latein. hirtus, hirsutus und hircus zu der Verwandtschaft dieses Wortes, obgleich das letztere mit mehrerm Rechte zu dem alten hirzen, hirten, stoßen, Franz. heurter, gehören möchte. Ottfried und andere ältere Schriftsteller nennen das Haupthaar Fase, Vahs, S. Fase und Fächser, ingleichen Vlahs, S. Flachs, womit das Wend. Las, Haar, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, überein stimmet.


Haaralaun (W3) [Adelung]


Der Haaralaun, des -es, plur. inus. gediegener Alaun, in Gestalt zarter Haare, S. Federalaun.


Haarball (W3) [Adelung]


Der Haarball, des -es, plur. die -bälle, oder der Haarballen, des -s, plur. ut nom. sing. Ballen oder kleine Kugeln von zusammen gebackenen Haaren, welche zuweilen in den Mägen der Elendthiere, Hirsche, Gemsen, des Rindviehes u. s. f. gefunden werden, und aus denjenigen Haaren entstehen, welche diese Thiere verschlucken, wenn sie einander lecken; Haarkugeln, Aegagropilae. S. Gemsenkugel.


Haarband (W3) [Adelung]


Das Haarband, des -es, plur. die -bänder, ein Band, die Haupthaare damit zusammen zu binden, einzuflechten, oder auszuschmücken.


Haarbaum (W3) [Adelung]


Der Haarbaum, S. Fachbaum.


Haarbereiter (W3) [Adelung]


Der Haarbereiter, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche die Haare der Thiere und Menschen zu einer Waare zubereitet, besonders zum Behuf der Perrückenmacher.


Haarbeutel (W3) [Adelung]


Der Haarbeutel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Beutel, worin die Mannspersonen das hintere Haupthaar tragen; in einigen Oberdeutschen Gegenden ein Haarsack. Einen Haarbeutel haben, oder sich einen Haarbeutel trinken, einen leichten Rausch, im gemeinen Leben; als eine Anspielung auf einen gewissen Major bey der alliirten Armee im siebenjährigen Kriege; der den Trunk liebte, und alsdann gemeiniglich in einem Haarbeutel, anstatt des Zopfes, vor dem commandirenden Generale erschien.


Haarbinde (W3) [Adelung]


Die Haarbinde, plur. die -n, ein breites Haarband, die Haupthaare damit zurück zu binden.


Haarbirke (W3) [Adelung]


Die Haarbirke, plur. die -n, eine Abänderung der gewöhnlichen Birke, mit zarten dem Haare ähnlichen Fasern.


Haarbleiche (W3) [Adelung]


Die Haarbleiche, plur. die -n, eine Anstalt, wo Haare gebleichet werden. Daher der Haarbleicher.


Haarblume (W3) [Adelung]


Die Haarblume, plur. die -n, der Nahme einer Ostindischen Pflanze, deren Kronblätter mit Haaren eingefasset sind; Trichosanthes L.


Haarboden (W3) [Adelung]


Der Haarboden, des -s, plur. ut nom. sing. Von einer Person, welche ein gutes und starkes Haupthaar hat, sagt man im gemeinen Leben im Scherze, sie habe einen guten Haarboden.


Haarbraten (W3) [Adelung]


Der Haarbraten, des -s, plur. ut nom. sing. bey einigen Jägern, der Ziemer von einem wilden Schweine.


Haarbürste (W3) [Adelung]


Die Haarbürste, plur. die -n, eine Bürste, das Haupthaar, wenn es gekämmt worden, damit auszubürsten; die Kopfbürste.


Haardecke (W3) [Adelung]


Die Haardecke, plur. die -n, eine härene, oder aus Haaren gewirkte Decke.


Haardruse (W3) [Adelung]


Die Haardruse, plur. die -n, ein Stück eines aus sehr zarten Ecksäulen zusammen gesetzten Flußspathes; krystallinischer Flußspath.


Haareisen (W3) [Adelung]


Das Haareisen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Lohgärbern, eine krumme Klinge mit Handgriffen, die Haare damit von den Fellen zu stoßen; das Schabeisen oder Streicheisen


Haaren (W3) [Adelung]


1. Haaren, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Activum, die Haare abschaben, bey den Gärbern. 2) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, die Haare fahren lassen, verlieren. Das Wildbret haaret, wenn es zu gewissen Zeiten die Haare wechselt; wofür man auch sich haaren, ingleichen sich hären sagt.


Haaren (W3) [Adelung]


2. Haaren, verb. reg. act. welches vornehmlich im Niedersächsischen üblich ist, die Schneide einer Sense oder Sichel durch Hämmern oder Ausdehnen schärfen, welches in Obersachsen dengeln und in Oberdeutschland tengeln genannt wird. Es geschiehet vermittelst des Haarzeuges, d. i. des Haarhammers und des Haarspießes oder Haarbolzens, welcher letzterer ein kleiner unten spitziger Amboß ist. Wenn dieses Wort nicht von Haar abstammet, so fern es ehedem einen jeden zarten, dünnen Körper bedeutet hat, so gehöret es vielmehr zu dem Worte scharf, welches durch Vorsetzung des Zischlautes und Veränderung des Suffixi daraus entstanden seyn kann. S. dasselbe. Im Schwed. ist Hjor und Hör, im Isländ. hiör, bey dem Ulphilas Hairus, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Schwert, Degen. Bey den Sabinern hingegen war Curis ein Spieß.


Haarerz (W3) [Adelung]


Das Haarerz, des -es, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, ein haarförmiges Erz, besonders ein solches Bleyerz, welches zu Harzigerode gebrochen wird. S. Haarförmig.


Haarfarbe (W3) [Adelung]


Die Haarfarbe, plur. inus. 1) Die kastanienbraune Farbe, welche bey den Haupthaaren der Menschen am häufigsten angetroffen wird. Daher haarfarben, oder haarfarbig, adj. et adv. kastanienbraun. 2) Eine Farbe, Haare damit zu färben.


Haarfeder (W3) [Adelung]


Die Haarfeder, plur. die -n, die haarartigen Federn der jungen Vögel, ehe sie Federn zum Fliegen bekommen.


Haarflechte (W3) [Adelung]


Die Haarflechte, plur. die -n, zusammen geflochtene Haare. Ein Geschmuck mit Haarflechten, 1 Pet. 3, 3.


Haarförmig (W3) [Adelung]


Haarförmig, -er, -ste, adj. et adv. dem Haare in der Form, d. i. äußern Gestalt gleich. Haarförmiges Erz, oder Haarerz, welches in dünnen, dem Haare ähnlichen Fäden wächset.


Haargold (W3) [Adelung]


Das Haargold, des -es, plur. inus. gediegenes Gold in Gestalt zarter Haare.


Haargras (W3) [Adelung]


Das Haargras, des -es, plur. inus. eine Art zarten, aber dicht verwachsenen Grases, welches daher auch Pelzgras genannt wird; Elymus L.


Haarhammer (W3) [Adelung]


Der Haarhammer, des -s, plur. die -hämmer, siehe 2. Haaren.


Haarhandel (W3) [Adelung]


Der Haarhandel, des -s, plur. inus. der Handel mit Haaren. Daher der Haarhändler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Haarhändlerinn, plur. die -en.


Haarhaube (W3) [Adelung]


Die Haarhaube, plur. die -n, eine ehemahlige Art mit fremden Haaren besetzter Hauben und Mützen beyder Geschlechter. Der kale ritter hat ein gewohnheit Das er ufbant ein huiben guot Mit hare, der Burggr. von Rietenburg. Welche Haarhauben der Grund der heutigen Perrücken sind.


Haaricht (W3) [Adelung]


Haaricht, adj. et adv. den Haaren ähnlich. Haarichtes Silber, Haarsilber. Haarichtes Gold, Haargold. Haaricht gewachsenes Erz, haarförmig. Angels. haeriht.


Haarig (W3) [Adelung]


Haarig, -er, -ste, adj. et adv. mit Haaren bewachsen, Haare habend. Ein haariges Thier. Ein närrisch haarichtes (haariges) Gesicht in einer struppichten (struppigen) Perrücke, Gell. Schwed. harig, Dän. haariig und haared.


Haarkamm (W3) [Adelung]


Der Haarkamm, des -es, plur. die -kämme. 1) Ein Kamm, die Haare damit zu kämmen. 2) Ein krummer Kamm beyder Geschlechter, die Nacken- und Scheitelhaare zusammen zu halten.


Haarklauber (W3) [Adelung]


Der Haarklauber, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, eine verächtliche Benennung eines Perrückenmachers, Nieders. Haarklöver, von klauben, Nieders. klöven, spalten. Zuweilen auch eines Grillenfängers. Daher Haarklauberey, Grillenfängerey.


Haarklein (W3) [Adelung]


Haarklein, adj. et adv. im gemeinen Leben, so klein wie ein Haar; noch mehr figürlich, genau, mit allen auch den kleinsten Umständen. Sie hat alles haarklein wieder erfahren. Einem alles haarklein erzählen.


Haarkopf (W3) [Adelung]


Der Haarkopf, des -es, plur. die -köpfe, ein ehemahliger Kopfputz des andern Geschlechtes, da es entweder seine eigenen Haare auf verschiedene Art aufziehen und mit Bändern ausschmücken ließ, oder sich statt deren eines Aufsatzes von fremden Haaren bedienete.


Haarkraut (W3) [Adelung]


Das Haarkraut, des -es, plur. von mehrern Arten, die -kräuter, ein Nahme verschiedener Pflanzen mit haarigen Blättern und haarförmigen Ranken, S. Frauenhaar.


Haarkugel (W3) [Adelung]


Die Haarkugel, plur. die -n, S. Haarball.


Haarkupfer (W3) [Adelung]


Das Haarkupfer, des -s, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, ut nom. sing. gediegenes Kupfer, welches sich in haarförmigen Fäden auf dem Gesteine befindet.


Haarlauf (W3) [Adelung]


Der Haarlauf, des -es, plur. die -läufe, bey den Webern, wenigstens einiger Gegenden, die obere Reihe der Litzenfäden über den Augen; zum Unterschiede von den Stelzen, oder der untern Reihe.


Haarlocke (W3) [Adelung]


Die Haarlocke, plur. die -n, eine Locke von Haaren, d. i. mehrere zusammen zirkelförming gekrümmte Haare; eine Locke, Nieders. Krulle. In einigen Gegenden ist es so wie Locke männlichen Geschlechtes. Sie knüpfte einen Haarlocken, Opitz.


Haarlos (W3) [Adelung]


Haarlos, adj. et adv. der Haare beraubt, keine Haare habend. So auch die Haarlosigkeit.


Haarmantel (W3) [Adelung]


Der Haarmantel, des -s, plur. die -mäntel, eigentlich, ein Nachtmantel des andern Geschlechtes, dessen es sich bedienet, wenn es sich das Haupthaar in Ordnung bringen lässet. Ehedem nannte man auch eine Art dünner und weiter Mäntel, deren sich das Frauenzimmer im Sommer zum Staate bedienete, so.


Haarmesser (W3) [Adelung]


Das Haarmesser, des -s, plur. ut nom. sing. an den Sammtstühlen, ein großes scharfes Messer, die haarige Oberfläche des gewebten Sammtes gleich auf dem Stuhle damit zu bescheren.


Haarmilbe (W3) [Adelung]


Die Haarmilbe, plur. die -n, eine Art Milben oder kleiner Würmer, welche die Haare zerfrißt, und zu den Acaris des Linnee gehöret; der Haarwurm.


Haarmörtel (W3) [Adelung]


Der Haarmörtel, des -s, plur. inus. bey den Mäurern, ein mit Kuhhaaren vermengter Mörtel.


Haarnadel (W3) [Adelung]


Die Haarnadel, plur. die -n. 1) Eine zweygabelige Nadel, oder vielmehr ein zusammen gebogener Draht, die Haupthaare und Haarlocken damit zu befestigen; eine Gabelnadel. 2) Starke und lange Nadeln mit runden gedreheten Köpfen, welche bey dem ehemahligen Kopfputze des andern Geschlechtes häufig gebraucht wurden. 3) Eine lange breite Nadel in Gestalt einer Reihnadel, vermittelst welcher das andere Geschlecht die in Zöpfe geflochtenen Haare zu einem Neste bildet und befestiget; die Nestelnadel.


Haarnest (W3) [Adelung]


Das Haarnest, des -es, plur. die -er, oder die Haarnestel, plur. die -n, aufgeflochtene und in einem Kreise gewickelte Haupthaare; im Braunschweigischen Puns, Punz. S. Nestel.


Haarpinsel (W3) [Adelung]


Der Haarpinsel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Pinsel von Haaren; zum Unterschiede von einem Borstenpinsel.


Haarpuder (W3) [Adelung]


Der Haarpuder, des -s, plur. inus. Puder, die Haupthaare damit zu bestreuen; ohne Zweifel zum Unterschiede von gestoßenem Gewürze, welches ehedem, wenigstens in einigen Gegenden, gleichfalls Puder genannt wurde. S. dieses Wort.


Haarputz (W3) [Adelung]


Der Haarputz, des -es, plur. inus. ein jeder Putz oder Zierath des Haupthaares.


Haarröhre (W3) [Adelung]


Die Haarröhre, plur. die -n, Diminut. das Haarröhrchen, Oberd. Haarröhrlein, zarte, subtile Röhrchen, welche kaum so weit sind, als ein Haar dick ist; sie mögen nun durch Kunst zu physischen Versuchen verfertiget werden, oder in der Natur befindlich seyn. Von der letztern Art sind die Haarröhren in den Pflanzen und Gewächsen. Tubi capillares.


Haarsalbe (W3) [Adelung]


Die Haarsalbe, plur. von mehrern Arten, die -n, eine Salbe zu den Haaren oder für die Haare, entweder sie wachsen zu machen, oder sie wegzubeitzen, u. s. f.


Haarsalz (W3) [Adelung]


Das Haarsalz, des -es, plur. von verschiedenen Arten die -e, eine salzige Substanz in Gestalt weißer sehr dünner Haare, welche in manchen Bergwerken, z. B. zu Idria, aus dem Gestein blühet, und von den Bergleuten Saliter genannt wird; ungeachtet sie nach des Scopoli Versuchen, weder ein Vitriol, noch ein Salpeter, sondern ein wahres Mittelsalz ist. Halotrichum.


Haarschar (W3) [Adelung]


Das Haarschar, des -es, plur. inus. an einigen Orten ein Nahme des Bärlappes; Lycopodium L. S. Bärlapp. Es hat viele kleine weiße Fäserchen, womit es sich an die Erde und an die Felsen anhänget, und wovon es vielleicht auch seinen Nahmen hat.


Haarscharf (W3) [Adelung]


Haarscharf, adj. et adv. im gemeinen Leben, sehr scharf. Etwas haarscharf beweisen, auf das bündigste. Es ging haarscharf darüber her, sehr eifrig.


Haarschedel (W3) [Adelung]


* Der Haarschedel, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, den Schedel oder Kopf zu bezeichnen, welches Ps. 68, 22 vorkommt.


Haarschere (W3) [Adelung]


Die Haarschere, plur. die -n, eine Schere, die Haare bey Menschen und Thieren damit zu beschneiden. Bey den Sammtwebern ist es eine Schere, die Faserknoten auf der haarigen Fläche des Sammtes damit abzuschneiden.


Haarschlächtig (W3) [Adelung]


Haarschlächtig, S. Herzschlächtig.


Haarschleife (W3) [Adelung]


Die Haarschleife, plur. die -n. 1) Eine aus Haaren geflochtene Schleife. 2) Eine Schleife zum Schmucke des Haupthaares.


Haarschmuck (W3) [Adelung]


Der Haarschmuck, des -es, plur. inus. das Schmücken der Haupthaare; ingleichen womit die Haupthaare geschmücket werden.


Haarschnepfe (W3) [Adelung]


Die Haarschnepfe, plur. die -n, die kleinste Art Schnepfen, deren Federn sehr zart sind und mehr den Haaren gleichen; Scolopax minima Klein.


Haarschnur (W3) [Adelung]


Die Haarschnur, plur. die -schnüre, eine Schnur von Haaren, besonders so fern man sie durch die Haut ziehet, ein künstliches Geschwür hervor zu bringen, S. Haarseil. Bey den Perrückenmachern werden die auf seidene Fäden dressirten Haare, woraus die Perrücke zusammen gesetzet wird, Haarschnüre oder Dressen genannt.


Haarschopf (W3) [Adelung]


Der Haarschopf, des -es, plur. die -schöpfe, ein Schopf von Haaren. Den Kutschpferden setzt man zuweilen einen künstlichen Haarschopf auf die Stirne. S. Schopf.


Haarschuppen (W3) [Adelung]


Die Haarschuppen, sing. inus. ein Ausschlag an den haarigen Theilen des Kopfes, der wie Schuppen abfällt, und in seinem stärkern Grade Erbgrind heißt; Furfuratio.


Haarschwarte (W3) [Adelung]


Die Haarschwarte, plur. die -n, im gemeinen Leben, die Haut, welche die Hirnschale bedecket; Pericranium. S. Haarboden und Schwarte.


Haarschwefel (W3) [Adelung]


Der Haarschwefel, des -s, plur. inus. gediegener Schwefel in Gestalt zarter Haare oder Fäden.


Haarseide (W3) [Adelung]


Die Haarseide, plur. inus. in den Seiden-Manufacturen, eine Tram- oder Einschlagseide, welche aus einem Faden roher und um sich selbst gedrehter Seide bestehet, und auch das Haar genannt wird.


Haarseil (W3) [Adelung]


Das Haarseil, des -es, plur. die -e, ein aus Haaren gedrehetes Seil, besonders so fern dasselbe durch die Haut gezogen wird, ein künstliches Geschwür dadurch zu erwecken; eine Haarschnur. Einem Pferde ein Haarseil legen, stecken, oder setzen; welches, wenn man sich statt des Haarseiles eines ledernen Riemens bedienet, auch ein Leder legen, oder einen Riemen setzen genannt wird.


Haarsieb (W3) [Adelung]


Das Haarsieb, des -es, plur. die -e, ein aus Pferdehaaren geflochtenes Sieb; zum Unterschiede von einem Drahtsiebe. Auch ein aus Pferdehaaren auf ähnliche Art geflochtenes Gewebe, womit man ehedem die Schöße der Mannskleider auszusteifen pflegte, wird Haarsieb oder Siebtuch genannt.


Haarsilber (W3) [Adelung]


Das Haarsilber, des -s, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, ut nom. sing. gediegenes Silber in Gestalt zarter Fäden oder Haare.


Haarspieß (W3) [Adelung]


Der Haarspieß, des -es, plur. die -e, S. 2. Haaren.


Haarstrang (W3) [Adelung]


Der Haarstrang, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche eine lange starke mit vielen Zasern versehene Wurzel hat, welche vermuthlich zu ihrem Nahmen Anlaß gegeben; Peucedanum L. Saufenchel, weil ihr Kraut dem Fenchel gleicht; ingleichen Bärwurz, Roßkümmel, Bärfenchel, Bärdill. Auf den Wiesen duldet man es nicht gern, obgleich die Wurzel officinell ist. Engl. Harestrong.


Haar-Tour (W3) [Adelung]


Die Haar-Tour, plur. die -en, aus dem Franz. Tour, falsche frisirte Seitenhaare, deren man sich in einigen Gegenden in Ermangelung der eigenen zu bedienen pfleget.


Haartriegel (W3) [Adelung]


Haartriegel, S. Hartriegel


Haartuch (W3) [Adelung]


Das Haartuch, des -es, plur. die -tücher, ein aus Pferdehaaren gewebtes Tuch. In weiterer Bedeutung in den Küchen, ein Stück Beuteltuch, gewisse Materialien zu den Speisen dadurch zu treiben.


Haar-Vitriol (W3) [Adelung]


Der Haar-Vitriol, des -es, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, gediegener Vitriol in Gestalt zarter Fäden oder Haare.


Haarwachs (W3) [Adelung]


1. Das Haarwachs, des -es, plur. inus. von Wachs, cera, ein mit Talg vermischtes Wachs, die Haupthaare damit glatt zu streichen.


Haarwachs (W3) [Adelung]


2. Das Haarwachs, des -es, plur. inus. von dem Verbo wachsen, das aus spannaderigen oder sehnigen Zäserchen bestehende Ende der Muskeln in den thierischen Körpern, besonders in den Körpern größerer Thiere, wo es einem weißen oder gelblichen Leder ähnlich siehet, aber mit dem Wachsthum der Haare nichts zu thun hat, ungeachtet der große Haufe sich solches einzubilden scheinet; Nieders. Haarwaß.


Haarweide (W3) [Adelung]


Die Haarweide, plur. die -n, eine Art niedriger Weiden, welche nur an feuchten Orten wächset, und ein zähes und festes Holz hat. Sie ist vielleicht diejenige Weide, welche auch Bruchweide und Mattenweide genannt wird, Salix incubacea L. welche, wenn die reifen Kätzchen mit Samen sich öffnen, aussiehet, als wenn sie mit weißer Seide bedeckt wäre.


Haarwickel (W3) [Adelung]


Der Haarwickel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Anzahl zum Kräuseln in ein Papier gewickelter Haare, und dieses Papier.


Haarwuchs (W3) [Adelung]


Der Haarwuchs, des -es, plur. inus. der Wuchs, d. i. Wachsthum des Haares. Den Haarwuchs befördern. Ingleichen zuweilen eine mit Haaren bewachsene Stelle des Leibes. Blutegel an den Haarwuchs setzen.


Haarwulst (W3) [Adelung]


Der Haarwulst, des -es, plur. die -wülste, ein Wulst von Haaren, die langen Nackenhaare bey dem Kopfputze des andern Geschlechtes darüber zu schlagen.


Haarwurm (W3) [Adelung]


Der Haarwurm, des -es, plur. die -würmer, S. Haarmilbe. In einigen Gegenden wird eine Art der Rose oder des Rothlaufes, ingleichen ein um sich fressendes Geschwür, der Haarwurm genannt. Bey den Schafen ist der Haarwurm eine Krankheit der Klauen an den Vorderfüßen, wo sich eine zähe Feuchtigkeit sammelt, welche einem Wurme oder einer Raupe nicht unähnlich siehet, daher sie auch die Raupe genannt wird.


Haarwurzel (W3) [Adelung]


Die Haarwurzel, plur. die -n, die Wurzeln der Haare, d. i. ihr unterster Theil, vermittelst dessen sie in der Haut befestiget sind. Ingleichen zarte Wurzeln in Gestalt der Haare.


Haarzange (W3) [Adelung]


Die Haarzange, plur. die -n, Diminut. das Haarzänglein, eine kleine Zange, die Haare damit auszurupfen.


Haarzeug (W3) [Adelung]


Das Haarzeug, des -es, plur. inus. S. 2. Haaren.


Haarzirkel (W3) [Adelung]


Der Haarzirkel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zirkel, mit welchem man die Entfernung zweyer Puncte auf ein Haar, d. i. sehr genau, nehmen kann, und der gemeiniglich ein stählernes Blatt oder eine gebogene Schraube hat, ihn damit auf das genaueste zu stellen.


Haarzopf (W3) [Adelung]


Der Haarzopf, des -es, plur. die -zöpfe, ein aus Haaren geflochtener Zopf, besonders so fern er aus den langen Nackenhaaren geflochten wird; bey dem Willeram Vahsstreno, von Vahs, Hase, Haar, und Sträne. S. auch Weichselzopf.


Habe (W3) [Adelung]


Die Habe, plur. inus. von dem Zeitworte haben. 1) * So fern es halten bedeutet, wird es im Oberdeutschen, nicht aber im Hochdeutschen, für Haltung, Festigkeit gebraucht. Das pyrg was faul und het kein hab, Theuerd. Kap. 69. Das Geleyt Was scharf, stickel an (ohne) all hab, ebend. Kap. 42. S. Gehäbig. 2) Derjenige Theil, wobey man ein Ding hält, S. Handhabe. 3) So fern es besitzen bedeutet, alles was man besitzet, besonders zeitliches Vermögen. Also nahm Abraham sein Weib - mit aller ihrer Habe, die sie gewonnen hat- ten, 1 Mos. 12, 5. Denn ihre Habe war groß, Kap. 13, 6. Daß ihr eine bessere - Habe im Himmel habet, Ebr. 10, 34. Im Hochdeutschen wird es außer der dichterischen Schreibart wenig mehr gebraucht. Und Ehre, Glück' und Habe Verläßt mich doch im Grabe, Gell. Lied. Nur im gemeinen Leben sagt man noch Hab und Gut, jemandes sämmtliches Vermögen auszudrucken, wo Habe, in engerer Bedeutung das bewegliche, Gut aber das unbewegliche Vermögen bezeichnet. S. Habseligkeit.

Anm. Bey dem Willeram im Plural Habido, bey dem Stryker und dem Winsbeck Habe, im Nieders. Have, ehedem Havede, im Angels. Haefe, im Schwed. Hafwor, Haefd, im mittlern Lat. Averium, Averia, wodurch in engerer Bedeutung auch Zugvieh, das vornehmste Stück der ehemahligen Habe, verstanden wurde. Es war einer von Gottscheds seltsamen Einfällen, daß er dieses Wort Haabe geschrieben wissen wollte, um es von dem Zeitworte ich habe zu unterscheiden.


Haben (W3) [Adelung]


Haben, verb. irreg. neutr. Präs. ich habe, du hast, er hat, wir haben, ihr habet oder habt, sie haben; Imperf. ich hatte, Conj. ich hätte; Mittelw. gehabt; Imperqt. habe. Es nimmt in den vergangenen Zeiten sich selbst zum Hülfsworte an, und ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein für sich gebräuchliches Zeitwort, welches im Deutschen, so wie fast in allen Sprachen, von einem sehr weitläufigen und mannigfaltigen Gebrauche ist. Seine vornehmsten Bedeutungen mögen etwa folgende seyn. 1. In der Hand halten, mit der Hand, und in weiterer Bedeutung, mit einem Theile seines Leibes berühren und sich dessen bewußt seyn. Haben sie das Buch? - Ja jetzt habe ich es. Ein Schwert in der Hand haben. Ein Kind auf den Armen haben. Schuhe an den Füßen, den Hut auf dem Kopfe, den Degen an der Seite haben. Jemanden bey der Hand haben. Den Aal bey dem Schwanze, den Fisch bey dem Kopfe haben. Eine große Last auf seinen Schultern haben. Ich habe es in der Tasche. Kein Geld bey sich haben. Das hat nichts auf sich, figürlich, hat nichts zu sagen, hat keine wichtigen Folgen. Figürlich auch für nehmen, hinnehmen, im eigentlichen Verstande. Da, hast du Geld, da nimm hin das Geld. Da, habt ihr das Buch. Hier habt ihr alles was da ist. Willst du mein Eidam seyn, So habe sie und meine ganze Liebe, Gell. Daß dieses allem Ansehen nach die erste und eigentliche Bedeutung ist, wird aus der Anmerkung erhellen. 2. In weiterer Bedeutung wird dieses Wort, beynahe so wie das Zeitwort seyn, in fast unzähligen Fällen gebraucht, das Daseyn eines Prädicates in, an und um ein Subject, ja oft nur in Beziehung auf dasselbe zu bezeichnen, da denn das Prädicat in den meisten Fällen ein Substantiv ist, so wie es bey dem Zeitworte seyn am häufigsten die Gestalt eines Adverbii hat. 1) Das Verhältniß des Ortes gegen die darin befindlichen Dinge; für enthalten. Das Land hat viele große und schöne Städte. Eine Stadt, welche große Häuser aber nur wenig Einwohner hat. Der Fluß hat kein Wasser. Der Teich hat viele Fische. 2) Das Verhältniß eines Ganzen gegen seine Theile. Ein Pfund hat zwey und dreyßig Loth, eine Ruthe zwölf Fuß, ein Gulden sechzehen Groschen. 3) Das Verhältniß eines Dinges gegen die daran befindlichen Dinge, gegen dessen Eigenschaften und zufälligen Umstände. Der Mensch hat eine vernünftige Seele. Es gibt Thiere, welche sechs Füße haben. Der Igel hat statt der Haare Stacheln. Der Tisch hat vier Ecken. Die Luft hat eine blaue Farbe. Einen großen Verstand, ein böses Herz, vieles Ansehen haben. Gewalt, Macht, Ehre haben. Ehre von etwas haben. Gutes, schlechtes Wetter haben. Friede, Ruhe haben. Einen bösen Traum haben. Ein Ende, einen Anfang haben. Es wird bald ein Ende mit ihm haben. Guten Fortgang, einen schlechten Ausgang haben. Glück, Unglück haben. Ein gutes Gewissen haben. Die Sache kann Folgen haben. Seinen freyen Willen haben. Wer hat die Schuld? Recht, Unrecht haben. Wenn ich das Leben habe. Er hat wenig von seinem Vater, artet ihm nicht nach. Etwas in Gewohnheit, im Gebrauche haben. Alles hat seine Zeit. Eine gute Meinung von jemanden haben. Keinen Zweifel an etwas haben. Das Nachsehen haben. Einen Fehler an sich haben. Das Fieber, die Wassersucht, das Podagra u. s. f. haben. Ich habe das Herz nicht, ihn darum zu bitten. Streit, Zank, Krieg haben. Mangel, Überfluß haben. Viele Schulden, ein großes Vermögen haben. Er hat das Lob eines rechtschaffenen Mannes. Er hat Erziehung. Die Sache hat keinen Grund. 4) Verschiedene Arten des Verhältnisses gegen die außer uns befindlichen Dinge. (a) Überhaupt. Du sollst nicht andere Götter haben, d. i. verehren. Einen Vater, vier Kinder, viele Freunde haben. Haben sie Brüder? Viele Weiber haben. Einen guten König haben. Viele Bedienten, ein großes Gefolge haben. Arbeit haben. So auch mit verschiedenen Vorwörtern. Einen Freund, einen Feind an jemanden haben. Jemanden zum Freunde, zum Feinde haben. Ich habe dich zum Zeugen. Jemanden zum Vater, zum Könige haben. Zank, Streit mit jemanden haben. Umgang, Gemeinschaft, ein Verständniß mit jemanden haben. Einen andern über sich, neben sich unter sich haben. Theil an etwas haben. Viele Mühe mit etwas haben. Den Vorzug vor jemanden haben. Eine Person zur Ehe haben. Sie will ihn nicht zum Manne, er will sie nicht zur Frau haben; wo die Hauptwörter oft ausgelassen werden: er will sie nicht haben. Zuweilen wird auch das haben verbissen: er will sie nicht. Sie sollen meine Tochter haben, zur Frau. Sie hat einen Geistlichen, zum Manne. Der Mensch hat an seinem Gesichte den wachsamsten Hüther wider die Gefahren des Lebens, Gell. Ich habe die Sache nicht bey der Hand. Wissen sie auch, wen sie vor sich haben? Einfluß auf etwas haben. Den Grund seines Daseyns in etwas haben. Zuweilen bekommt das Verbum in diesen Fällen einen stärkern Nebenbegriff der Thätigkeit, so daß es nicht bloß einen leidentlichen Zustand des Subjectes bezeichnet. Seinen Scherz, sein Gespött mit etwas haben. Jemanden zum Besten, zum Narren haben. Eine Unterredung mit jemanden haben. Acht auf etwas haben. Ein wachsames Auge auf etwas haben. (b) Besonders. (aa) Für empfinden, in der weitesten Bedeutung, sich einer Sache als gegenwärtig bewußt seyn. Schmerzen haben. Seine Freude, seine Lust, sein Vergnügen an etwas, einen Groll wider jemanden haben. Ekel, Widerwillen, Abscheu an oder gegen etwas haben. Lust zu etwas haben. Durst, Hunger haben. Liebe, Hochachtung gegen etwas haben. Etwas gern haben, es mit Lust empfinden. Mitleid gegen jemanden, mit jemanden haben. Jemanden in Verdacht haben, Verdacht gegen ihn empfinden. Viele Noth, vielen Kummer, viele Sorgen haben. Das hab ich am Gefühle, am Griffe. Jemanden lieb haben, Liebe gegen ihn empfinden. Weder Scheu noch Scham haben. (bb) Zuweilen auch hier mit dem Nebenbegriffe der Thätigkeit, seine Empfindung thätig machen. Geduld mit jemanden haben. Haben sie die Gnade, die Liebe, Die Freundschaft für mich u. s. f. Einem Dank haben; eine im Hochdeutschen veraltete Redensart. Seine Andacht haben. (cc) Das Verhältniß des Subjectes gegen das Object in Ansehung der Gewalt, des Eigenthumes, des Besitzes, des Nießbrauches u. s. f. zu bezeichnen, fähig seyn, die Veränderungen eines Dinges willkürlich zu bestimmen; eine Fähigkeit, die sehr viele Stufen hat, welche das haben in manchen Fällen insgesammt ausdrucket. (1) Der physischen, körperlichen Gewalt nach. Jetzt haben wir den Dieb. Kaum naht' ich mich dem Ton, So hatte mich das Netz auch schon, Gell. Da haben wirs! im gemeinen Leben, die Verwunderung über eine unerwartete, gemeiniglich unangenehme Sache auszudrucken. (2) Dem Eigenthume nach, alle Grade desselben auszudrucken. Viel Geld haben. Drey Häuser, ein Rittergut, einen schönen Garten haben. Er hat nichts, kein Vermögen. Der Geitzige will alles haben. Ich mag es nicht haben. Je mehr man hat, je mehr man haben will. In einigen Fällen auch mit dem Infinitiv und dem Wörtchen zu. Zu leben haben. Er hat zu bezahlen. (3) Dem Besitze, und dessen verschiedenen Arten nach. Wer hat, der hat, beati possidentes. Hab ich, ist besser als hätt ich. Getreue Unterthanen haben. Von wem haben sie das Geld? Du hast meine ganze Liebe. Bis auf den Abend sollst du Zeit haben. Sie haben mein Wort. Genug haben. Hast du genug, so hast du viel. Er will es nicht wieder haben. Geld auf Zinsen stehen haben. Vieles Geld liegen haben. Ich habe einen guten Vorschlag für dich. Ich habe einen Brief an dich. Ich habe diese Nachricht von deinem Bruder. Ich habe Befehl zu kommen. (4) Verschiedenen schwächern Arten des Einflusses nach. Wo haben sie das Buch? Wo hast du deinen Bruder? Eine Arbeit fertig haben. Waaren feil haben. Seine Gedanken anderswo haben (5) Für bekommen, von einem künftigen Besitze. Morgen sollen sie ihr Geld haben. Ich soll es noch wieder haben. Ich kann diese Waare hier nicht haben, sie ist hier nicht zu haben. Man kann fürs Geld alles haben. (dd) Nutzen, Gewinn haben, in der vertraulichen Sprechart. Ich habe nichts an dieser Waare. Was hätt' ich aber nun die ganze Zeit vom Lachen? Rost. Ich möchte wissen, was ich von dem ewig langen Schlafen hätte, Weiße. 3. Figürlich. 1) Er will es so haben, d. i. er verlangt, daß es so geschehen soll. Wenn sie es so haben wollen. Ich will es nicht haben, will nicht, daß es geschehe. Ich weiß gar nicht, was sie haben wollen. Wie man es gerne hat. Wo haben auch ausgelassen wird. Das möchte ich nun nicht gerne. Ich weiß gar nicht was sie wollen. 2) Mit dem Infinitive und dem Wörtchen zu bezeichnet es sehr oft eine moralische Nothwendigkeit. Einen Befehl. Du hast dich dabey einzufinden. Wornach ihr euch zu richten habet. Du hast meinen Befehlen zu gehorchen. Eine Verbindlichkeit. Einem viel zu danken haben. Einen Zwang. Wie lange werde ich den Zorn der Götter noch zu erdulden haben! Viel Ungemach auszustehen haben. Eine Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit. Eine reiche Erbschaft zu hoffen haben. Du hast nichts zu hoffen. Das hat was zu bedeuten. Einen Bewegungsgrund, eine Ursache, eine Veranlassung. Was hast du mit dir allein zu reden? Jetzt wird die Welt wieder was zu lachen haben. Ich habe zu studiren, zu thun, zu arbeiten. Haben sie was dawider einzuwenden? Etwas mit einem auszumachen haben. Einen Vorsatz, einen Willen. Ich habe dir vieles zu sagen. Ich habe ihnen einen guten Vorschlag zu thun. Haben sie mich noch wohin zu schicken? Das hat nichts zu sagen, hat keine Folgen. Es hat gar viel zu sagen, hat wichtige Folgen. Ein Recht. Sie haben zu befehlen. Was hast du hier zu lärmen? Du hast dich nicht in diese Sache zu mischen. Was hast du darnach zu fragen? Ich habe dir zu befehlen. Oft auch nur das Daseyn einer Sache. Mit jemanden zu thun haben, mit ihm Geschäfte haben, in Verbindung stehen. Zu thun haben, mit Arbeit versehen seyn. Nichts zu essen haben. Wo das haben mit zu auch zuweilen ausgelassen wird. Ich habe nichts dawider, nehmlich zu sagen, oder einzuwenden. Ich habe nicht weit nach Hause, d. i. zu gehen, zu reisen. Ich hätte noch eine Bitte an sie, zu thun. 3) In einigen Fällen ist die ganze R. A. figürlich. Etwas nicht Umgang haben können, es nicht vermeiden können. Er will es nicht Wort haben, nicht gestehen. Du sollst es gut bey mir haben, es soll dir wohl bey mir gehen. Wohl dir, du hast es gut. Du hast gut sagen, gut machen u. s. f. dir fällt es leicht das zu sagen, zu machen. Er hat es auf Ein Mahl bey mir weg, er hat meine Gunst verscherzet. Das hat mich Wunder, es nimmt mich Wunder, wundert mich. Das mich des iemer wunder hat, Reinmar der Alte. Des muos mich iemer wunder han, Graf Kraft von Toggenburg. Ihr Wesen hat sie kein Hehl, Es. 3, 9; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, sie suchen es nicht zu verbergen. Vor einem Fremden thue nichts das dich Hehl hat, dessen du dich schämest, Sir. 8, 21. Ich habe Zeit zu gehen, es ist Zeit, daß ich gehe. 4) Unpersönlich bedeutet es zuweilen so viel als da seyn, vorhanden seyn. Man hat kein Beyspiel davon. Ingleichen mit dem Wörtchen es. Es hat keine Eile, es ist keine Ursache zur Eile vorhanden. Es hat keine Noth, es ist keine Nothwendigkeit vorhanden. Mit ihm hat es keine Noth, keine Gefahr, in Ansehung seiner ist keine Noth, keine Gefahr vorhanden. Da hat es gute Wege! da ist nichts zu befürchten. Es hat seine Richtigkeit, es ist richtig. Im Hochdeutschen ist diese Art zu reden nur einigen eingeführten Fällen vorbehalten. Im Oberdeutschen hingegen wird es hat fast ohne Ausnahme für es gibt gebraucht. Da es vor Zeiten reiche Bauern gehabt, Bluntschli. In Zürch hat es neunzehen Glocken, ebend. Weil es dies Ortes viel hohe Gebirge hat, Matthes. Zu sagen, daß es viel, so falsch ist, drinnen hat, Opitz. Sey Herrscher aller Enden So weit es Volk von deinen Feinden hat, ebend. Viel Helden hat es jetzt, so hats auch viel Poeten, Logau. Ohne Zweifel haben die Franzosen ihr il y a daher. Ein anderer unpersönlicher Gebrauch ist im Hochdeutschen im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart üblich, einen mit Spott oder Unwillen verbundenen Zweifel an den Tag zu legen. Ja, es hat sich wohl! Weiße. Ach, es hat sich was mit dem Galgen! Less. II. Als ein Hülfswort, welches die vergangenen Zeiten der thätigen Zeitwörter, der Reciprocorum und vieler Neutrorum bilden hilft. Es hat sich alle Tage ein Hinderniß finden müssen. Wer hätte das glauben sollen? Habe ich dich nicht bitten müssen! Habe ich ihn doch nicht kommen sehen. Hätte ich dich nicht gedacht, daß er so stolz wäre. Wohin auch einige besondere Arten des Gebrauches dieses Hülfswortes gehören. Das will ich dir hiermit gesagt haben, nachdrücklich, und befehlsweise. Er ist ein ehrvergessener Mann! doch ich will ihn nicht geschimpft haben, es soll nicht als eine Beschimpfung angesehen werden. Die fehlerhaften Arten des Gebrauches dieses Hülfswortes, ich habe es ihm gesagt, für, ich hatte es ihm gesagt, ich hätte es ihm geben würden, ich würde es ihm gegeben haben, aus Dero Schreiben habe zu vernehmen gehabt, für, habe vernommen, u. a. m. gehören, so wie die ganze Lehre von dem Gebrauche dieses Hülfswortes, in die Sprachlehre. Eine sehr wichtige Frage ist es, welche Neutra das Hülfswort seyn, und welche das Hülfswort haben bekommen; zumahl da die Mundarten hier sehr von einander abweichen. Die Hauptregel ist freylich diese, daß diejenigen, welche ein mehr thätiges Verhalten bezeichnen, das haben, diejenigen oder, welche einen mehr leidentlichen Zustand ausdrucken, das seyn bekommen. Da nun ein und eben dasselbe Neutrum zuweilen beyde Bedeutungen hat, oder doch unter beyden Bestimmungen betrachtet werden kann, z. B. Bav ist nach Frankreich gereiset, und, Bav hat in seinem Leben viel gereiset: so wird daraus begreiflich, wie ein und eben dasselbe Neutrum zuweilen beyde Hülfswörter bekommen könne. S. die Sprachlehre, wo umständlich davon gehandelt wird.

Anm. 1. Wegen der unzähligen Fälle, in welchen dieses Wort, wenn es ein für sich bestehendes Zeitwort ist, gebraucht wird, haben hier um der Kürze willen nur die allgemeinsten und häufigsten Classen derselben angeführet werden können. Eine größere Vollständigkeit würde auch um deßwillen von geringerm Nutzen gewesen seyn, da es in den meisten Fällen auf den Gebrauch ankommt, ob haben in denselben eingeführet ist, oder nicht. So sagt man z. B. wohl, Reichthum, Vermögen, Mangel, Überfluß haben, aber nicht Armuth haben; ein schönes, ein großes Rittergut haben, aber nicht gern, ein großes Reich haben; der Teich hat viele Fische, das Haus viele Zimmer, die Stadt viele Einwohner, aber nicht, die Kirche hat viele Leute, das Zimmer hat viele Personen; und so in andern Fällen mehr.

Anm. 2. Dieses Zeitwort lautet bey dem Ulphilas haban, bey dem Kero und den spätern Oberdeutschen Schriftstellern gleichfalls haben, im Angels. haebban, im Nieders. hebben, im Schwed. hafwa, im Engl. to have, im Franz. avoir, im Lat. habere, und bey den Griechen, dem Hesychius zu Folge, wenigstens einigen Lesearten nach, auch - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - für - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es scheinet zu dem alten Gaff, die hohle Hand, Lat. cavus, hohl, und capere, nehmen, zu gehören, da es denn ursprünglich in der Hand halten, oder mit der Hand ergreifen bedeuten, und das Neutrum von dem Activo geben seyn würde, mit welchem es in manchen Bedeutungen überein kommt; z. B. Acht haben und Acht geben, es hat und es gibt, für es ist. S. Geben, Heben, Habicht, Haften und Handhaben. In der Pfalz ist die Hablosigkeit das Contract seyn der Glieder, da selbige starr sind und sich nicht haben, d. i. biegen und bewegen lassen.

Anm. 3. In denjenigen Personen und Zeiten, welche ein b mit einem darauf folgenden e haben, ich habe, habe du, haben, ist das a gedehnt, in den übrigen aber geschärft. Das Mittelwort der gegenwärtigen Zeit wird, außer dem wohlhabend, im Hochdeutschen nicht leicht gebraucht. Auch das Mittelwort der vergangenen Zeit ist außer der Conjugation selten. Nur im gemeinen Leben sagt man, ich danke für die gehabte Mühe. Im Oberdeutschen ging es, wenigstens in einigen Gegenden, ehedem regulär; haben, er hat, Kero, thu hebitos, du hattest, um das Jahr 800. In handhaben gehet es völlig regulär. In andern Gegenden ziehet man so wohl haben, als ich habe, in han zusammen.


Haber (W3) [Adelung]


Der Haber, S. Hafer.


Haberecht (W3) [Adelung]


Der Haberecht, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein Mensch, der immer Recht haben will. Nieders. Hebberecht. Daher haberechten, Recht haben wollen, streiten, Nieders. hebberechten, und die Haberechterey, diese Unart.


Habgier (W3) [Adelung]


Die Habgier, plur. car. die ungeordnete Begierde zu haben, d. i. zeitliches Gut zu besitzen. Daher habgierig, -er, -ste, Habgier besitzend, darin gegründet.


Habhaft (W3) [Adelung]


Habhaft, adv. haben, welches die zweyte Endung des Hauptwortes erfordert, und im Hochdeutschen nur dem Zeitworte werden üblich ist. Eines Dinges habhaft werden, es in seine Gewalt bekommen. Eines flüchtigen Missethäters nicht habhaft werden können. Im Oberdeutschen wird es auch den Zeitwörtern seyn und machen zugesellet. S. -haft.


Habicht (W3) [Adelung]


1. Der Habicht, des -es, plur. die -e, eine Art eßbarer Erdschwämme, von fahler oder graulicher Farbe, welche wie viele in einander gesteckte Dütchen aussehen, und gern in Eichenwäldern wachsen.


Habicht (W3) [Adelung]


2. Der Habicht, des -es, plur. die -e, ein Raubvogel mit vier bloßen Zähen, krummen Klauen und einem gekrümmten Schnabel, welcher den Vögeln in freyer Luft und zuweilen auch den Fischen im Wasser nachstellet, mit einem Schusse auf sie zufähret, und sie entweder auf der Erde oder auf den Bäumen verzehret. Diejenigen Vögel, welche man im gemeinen Leben mit diesem Nahmen beleget, gehören zu den Falken, und machen die gemeinste Art derselben aus. Bey den neuern Schriftstellern des Naturreiches, z. B. dem Klein, ist Habicht, Lat. Accipiter, ein allgemeines Geschlechtswort, welches die Adler, die Geyer, die Falken und Eulen als so viele Arten unter sich begreift.

Anm. Bey dem Willeram Habeche, bey dem Stryker Habich, im Schwabensp. Haebche, im Nieders. Havik, Haavk, im Angels. Hafoc, Hafuc, im Engl. Hawk, im Wallis. Hebog, im Isländ. mit Weglassung des Blaselautes Haukur, im Finnl. Haucka, woraus denn das Dän. Hog, und Schwed. Hök entstanden ist. Ohne Zweifel stammet es von haben, fangen, her, dessen Frequent. happen noch im Nieders. üblich ist; so wie das Lat. Accipiter von accipere, und das mittlere Lat. Capus, Capulus, ein Habicht, von capere herkommen. Indessen könnte man es auch von Haken herleiten, die krumme Gestalt des Schnabels und der Klauen dieses Vogels zu bezeichnen; da denn aus Hauk, Hök und Hög bloß durch eine eingeschobene Verlängerung Hawik und Habicht entstanden seyn würde. Der Falke hat seinen Nahmen eben diesem Umstande zu verdanken. In einigen Gegenden wird der Habicht auch Hacht, Eichvogel, im Oberdeutschen Sprinz, und in andern das Männchen des Habichtes Tärz genannt. S. auch Raubvogel.


Habichtsfang (W3) [Adelung]


Der Habichtsfang, des -es, plur. die -fänge. 1) Die Handlung, da man Habichte fängt; ohne Plural. Auf den Habichtsfang ausgehen. 2) Ein Korb oder Netz, in welchem man ein Huhn verbirget, den Habicht darin zu fangen; ein Habichtskorb oder Habichtsnetz.


Habichtskraut (W3) [Adelung]


Das Habichtskraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche auf den Feldern wild wächset, auch gelbe Wegwarte, Buchkohl, genannt wird, und den Augen sehr heilsam ist; Hieracium L. Engl. Hawkweed, Norw. Dild. Der große Haufe glaubt, daß der Habicht damit seine Augen schärfe, wenn sie ihm im Alter dunkel geworden.


Habichtsnase (W3) [Adelung]


Die Habichtsnase, plur. die -n, eine auswärts gekrümmte Nase, in Gestalt eines Habichtsschnabels; eine Adlersnase.


Habichtsnetz (W3) [Adelung]


Das Habichtsnetz, des -es, plur. die -e, ein aufgestelltes Netz, Habichte und andere Raubvögel darin zu fangen; das Stoßgarn, Stoßnetz, Rinnengarn.


Habichtsschnabel (W3) [Adelung]


Der Habichtsschnabel, des -s, plur. die -schnäbel, eigentlich, der Schnabel eines Habichtes. Figürlich auch ein Nahme einer Art Seeschildkröten, ohne Zweifel wegen einer Ähnlichkeit in der Gestalt.


Häbig (W3) [Adelung]


Häbig, S. Gehäbe.


Habit (W3) [Adelung]


Der Habit, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Habitus und Franz. Habit, die Kleidung, im gemeinen Leben. Der Jagdhabit, die Jagdkleidung, Mönchshabit, Mönchskleidung u. s. f. Frisch bemerkt, daß dieses fremde Wort im Deutschen schon alt ist, und sich bereits bey dem Jeroschin befindet.


Hablosigkeit (W3) [Adelung]


Die Hablosigkeit, plur. inus. S. Haben

Anm. 2.


Habschaft (W3) [Adelung]


Die Habschaft, plur. die -en, S. das folgende.


Habseligkeit (W3) [Adelung]


Die Habseligkeit, plur. die -en, alles was man hat, oder an beweglichem Vermögen besitzet, die Habe; wo es als ein Collectivum so wohl im Singular allein, als im Plural allein gebraucht wird. Seine ganze Habseligkeit, oder alle seine Habseligkeiten verlieren. Im Oberdeutschen auch Habschaft und Habschaften. Das im Hochdeutschen veraltet Bey- und Nebenwort habselig, reich, kommt noch zuweilen im Oberdeutschen vor. S. - Selig.


Habsucht (W3) [Adelung]


Die Habsucht, plur. car. die Sucht, d. i. heftige und anhaltende unordentliche Begierde, zu haben, oder zeitliches Vermögen zu besitzen.


Habsüchtig (W3) [Adelung]


Habsüchtig, -er, -ste, adj. et adv. Habsucht habend, in derselben gegründet.


Hache (W3) [Adelung]


+ Der Hache, des -n, plur. die -n, ein nur in den niedrigen Sprecharten und mit dem Beyworte grob übliches Wort. Ein grober Hache, ein grober Mensch, im verächtlichen Verstande. Haco, Hacho, war ehedem ein gangbarer Vornahme, welcher aber hierher nicht zu gehören scheinet.


Hachel (W3) [Adelung]


Die Hachel, plur. die -n, in den gemeinen Mundarten lange dünne Stacheln, dergleichen die Getreideähren haben, und welche an andern Orten Grannen, Acheln oder Agen genannt werden, von welchen letzten Wörtern es nur durch den vorgesetzten Hauchlaut unterschieden ist.


Hächel (W3) [Adelung]


Die Hächel, und Hächeln, S. Hechel u. s. f.


Hachelkraut (W3) [Adelung]


Das Hachelkraut, des -es, plur. inus. an einigen Orten, ein Nahme des Hauhechels, besonders des stacheligen; Ononis spinosa L. S. Hauhechel.


Hächse (W3) [Adelung]


Die Hächse, S. Häkse.


Hachtgericht (W3) [Adelung]


* Das Hachtgericht, des -es, plur. die -e, eines von den fünf kleinern oder so genannten Flügelsgerichten zu Cöln am Rheine. Von dem Nieders. Hacht, Hechte, für Haft, nach einer gewöhnlichen Verwechselung der Hauch- und Blaselaute; eigentlich das Haftgericht.


Hack (W3) [Adelung]


+ Hack, ein nur in den niedrigen Sprecharten Ober- und Niedersachsens, und in der Redensart, Hack und Mack übliches Wort, schlechte Dinge, geringen Pöbel aller Art und unter einander zu bezeichnen; in Lübeck Hack und Pack, im Meklenb. Hüsk und Schlüsk. Hüß bedeutet daselbst ein Schwein. Ist Hack auf ähnliche Art unser Hacksch, ein Eber, und gehöret Mack zu Mage, Verwandtschaft, so würde Hock und Mack ein Schwein mit der gesammten werthen Familie bedeuten. Allein da im Schwed. Hack die geringste und niedrigste Karte im Kartenspiele bedeutet, so muß es wohl überhaupt das schlechteste in seiner Art bezeichnen, S. auch Hagel und Mack.


Hackbalken (W3) [Adelung]


Der Hackbalken, des -s, plur. ut nom. sing. an einem Schiffe der oberste Balken am Hintertheile, worauf der Hackbort ruhet; S. dieses Wort.


Hackbank (W3) [Adelung]


Die Hackbank, plur. die -bänke, eine Bank, etwas darauf zu zerhacken; besonders in den Küchen.


Hackbeil (W3) [Adelung]


Das Hackbeil, des -es, plur. die -e, in den Küchen, ein Beil mit einem Helme oder Stiele, Fleisch und Gemüse damit zu zerhacken, oder klein zu hacken.


Hackblock (W3) [Adelung]


Der Hackblock, des -es, plur. die -blöcke, ein Block, Fleisch, Holz oder andere Dinge darauf zu hacken oder zu zerhacken; der Hackstock, Hackklotz.


Hackbort (W3) [Adelung]


Das Hackbort, des -es, plur. die -e, der oberste Theil an dem Hintertheile eines Schiffes, welcher gemeiniglich aus Bildhauerarbeit bestehet, und auch das Hackbret genannt wird. Etwa von dem Nieders. Hacke, die Ferse, der hintere Theil des Fußes, weil es einem ähnlichen Absatz am Hintertheile des Schiffes macht, wie die Ferse am Fuße? S. 2. Hacke und Bort.


Hackbret (W3) [Adelung]


Das Hackbret, des -es, plur. die -er. 1) S. das vorige. 2) In den Küchen, ein Bret mit einem Rande, Fleisch und andere Speisen darauf klein zu hacken. 3) Ein viereckiges mit Drahtsaiten bezogenes, und mit doppelten Stegen versehenes musikalisches Werkzeug, welches mit hölzernen Schlägeln gespielet, und auch das Cymbal genannt wird. Vermuthlich, weil es mit den hölzernen Schlägeln gleichsam gehacket wird.


Hacke (W3) [Adelung]


1. Die Hacke, plur. die -n, von dem Zeitworte hacken. 1) Die Verrichtung des Hackens, besonders das Behacken des Hopfeus, ingleichen die Bearbeitung eines Weinberges mit der Hacke. Die erste Hacke, oder das Karsten, geschiehet um Philippi Jacobi nach verrichteter Senke; die zweyte Hacke, oder das Wiederkarsten, kurz vor der Blüthe, und die dritte Hacke, die Beerhacke, oder die Zwiebrache, um Ägidii. 2) Ein Werkzeug zum Hacken. So wird im Oberd. eine Art eine Hacke, und Diminut. ein Häckel genannt; in welchem Verstande es noch 1 Chron. 21, 3 vorzukommen scheinet. Der Hacke leicht einen Stiel finden, figürlich, leicht einen Vorwand ersinnen. Daher die Holzhacke, Waldhacke, Zimmerhacke u. s. f. Das Franz. Hache, Span. Hacha, und Engl. Hatchet kommen gleichfalls damit überein. S. Art. In Schwaben heißt ein Bickel eine Hacke. Im Hochdeutschen führet diesen Nahmen nur ein gekrümmtes entweder breites oder spitziges Eisen an einem langen Stiele, damit in die Erde zu hacken, das Unkraut abzuhacken, oder etwas aus der Erde zu hacken, und welches auch eine Haue oder ein Karst genannt wird. Siehe Gartenhaue, Krauthacke, Radehacke, Spitzhacke, Keilhaue und Weinhacke.


Hacke (W3) [Adelung]


2. * Die Hacke, plur. die -n, ein nur im Niedersächsischen übliches Wort, die Ferse, ingleichen den Theil des Schuhes unter der Ferse, den Absatz, wie auch den Theil des Strumpfes, der die Ferse bekleidet, zu benennen. Bey den Fahnschmieden führet die Kniebeuge an den Hinterfüßen der Pferde, welche eigentlich aus sechs Knochen bestehet, den Nahmen der Hacke. Anm. Da dieses Wort in der ersten Bedeutung in einigen Gegenden auch der Haken lautet, mit einem gedehnten a, so scheinet es die Ähnlichkeit mit einem Haken oder Absatze auszudrucken. S. Häkse.


Hackeisen (W3) [Adelung]


Das Hackeisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug der Zinngießer.


Hacken (W3) [Adelung]


Hacken, verb. reg. act. welches das Iterativum oder Intensivum des Zeitwortes hauen ist, mehrmahls hauen. So wohl mit einem spitzigen Werkzeuge auf etwas stoßen, wie man von den Vögeln zu sagen pflegt, daß sie mit ihren Schnäbeln auf etwas hacken; Nieders. hicken. Als auch mit einem schneidenden Werkzeuge in kleinere Stücke hauen. Fleisch hacken, es mit dem Hackmesser in zarte Stücke hacken. Gehacktes Fleisch, Franz. Hache. Würste hacken, das Fleisch zu den Würsten. Kohl, Eyer hacken. Holz hacken, es mit der Art in kleinere Stücke zum Verbrennen hauen, wofür man in Niedersachsen Holz hauen sagt. Es ist ein guter Narr, ich wollte Holz auf ihm hacken, im gemeinen Leben. Ingleichen mit der Hacke bearbeiten. Die Erde in den Weinbergen hacken, oder den Weinberg hacken, die Erde mit der Hacke auflockern und von dem Unkraute reinigen. S. 1. Hacke. Figürlich sagt man auch von der Milch, daß sie sich hacke, wenn sie gerinnet, und dadurch das Ansehen eines zerhackten festern Körpers bekommt. S. Gerinnen. Nach einer noch andern Figur nennet man ungleich singen, eine Sache ungleich bearbeiten u. s. f. im gemeinen Leben hacken, so wie hacka im Schwed. und to hack im Engl. auch stottern und stammeln bedeutet.

Anm. Im Nieders. gleichfalls hacken, im Engl. to hack, im Schwed. hacka, im Ital. acciare.


Hacker (W3) [Adelung]


Der Hacker, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher hackt; aus dem Hacken seine vornehmste Beschäftigung macht. S. Holzhacker, Fleischhacker. In Franken werden die Winzer Häcker genannt, weil das Hacken in den Weinbergen eine ihrer vornehmsten Beschäftigungen ist.


Häcker (W3) [Adelung]


Der Häcker, des -s, plur. inus. 1) Siehe das vorige. 2) In einigen Gegenden, der Häckerling.


Häckerling (W3) [Adelung]


Der Häckerling, des -es, plur. inus. ein Collectivum, klein geschnittenes Stroh zu bezeichnen, besonders so fern es zum Futter für die Pferde und das Rindvieh bestimmt ist. Stroh zu Häckerling schneiden. Häckerling schneiden. Die Pferde zum Häckerlinge gewöhnen. Einer Braut Häckerling streuen, eine unter dem Pöbel übliche Gewohnheit, den Tag vor der Hochzeit vor der Hausthüre einer Braut, deren Keuschheit man für verdächtig hält, zum Schimpfe Häckerling zu streuen.

Anm. Im Oberdeutschen wird es auch im Plural allein gebraucht, die Häckerlinge. Es stammet von Hacken her, entweder so fern es ehedem auch schneiden bedeutet hat, oder so fern man ehedem den Häckerling nicht zu schneiden, sondern zu hacken pflegte. Es wird daher billig mit einem ä geschrieben. Im Hochdeutschen ist dafür auch Häcksel, Nieders. Hackels, im Oberdeutschen aber Häcker üblich.


Häckerlingsbank (W3) [Adelung]


Die Häckerlingsbank, plur. die -bänke, ein Gestell von Holz in Gestalt einer Lade, den Häckerling darauf zu schneiden; die Futterbank, Futterlade, der Siedekasten; S. Siede.


Hackerlohn (W3) [Adelung]


Der Hackerlohn, des -es, plur. inus. derjenige Lohn, welchen man für das Hacken, so wohl des Holzes, als im Garten; in den Weinbergen u. s. f. bezahlet.


Hackklotz (W3) [Adelung]


Der Hackklotz, des -es, plur. die -klötze, S. Hackblock.


Hackmesser (W3) [Adelung]


Das Hackmesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein langes und breites schweres Messer mit einer Handhabe, allerley Bedürfnisse damit klein zu hacken.


Hacksch (W3) [Adelung]


Der Hacksch, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben einiger Gegenden, der Eber der zahmen Schweine, und figürlich in den niedrigen Sprecharten auch so wohl ein säuischer Mensch, als auch ein unfläthiger Zotenreißer. Daher hackschen, gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten, Zoten reißen.

Anm. An einigen Orten auch Häcker. Im Engl. ist Hog ein Schwein, und hoggish säuisch, im mittlern Latein. aber Hogaster ein junges Schwein. S. Eber.


Hackscheit (W3) [Adelung]


Das Hackscheit, S. Hakscheit.


Häckse (W3) [Adelung]


Die Häckse, S. Häkse.


Häcksel (W3) [Adelung]


Der Häcksel, des -s, plur. inus. S. Häckerling.


Hackstock (W3) [Adelung]


Der Hackstock, des -es, plur. die -stöcke, S. Hackblock.


Haddig (W3) [Adelung]


* Der Haddig, des -es, plur. inus. in einigen Niedersächsischen Gegenden, ein Nahme des Attiches; Sambucus Ebulus L. S. Attich.


Hadel (W3) [Adelung]


Die Hadel, plur. die -n, ein gutes, aber im Hochdeutschen unbekanntes Wort, einen Haufen mehrerer herab hangender Ähren an manchen Gewächsen, z. B. der Hirse, manchen Grasarten u. s. f. zu bezeichnen. Daher das Hadelgras, diejenige Grasart, welche solche Hadeln hat, Gramen paniculatum, wohin der Bromus L. gehöret. S. das folgende.


Hader (W3) [Adelung]


1. Der Hader, des -s, plur. die -n, alte Lumpen, alte, unbrauchbare Stücke Zeuges aller Art. Das Papier wird aus Hadern zubereitet, aus Lumpen. Hadern sammeln. Daher ein Fußhader oder Schuhhader, ein Lappen, die Füße daran abzuwischen; ein Küchenhader u. s. f. S. Haderlumpen.

Anm. Man kennet dieses Wort auch in einigen Niedersächsischen Gegenden, und da lautet es Hadder; allein im Hoch- und Oberdeutschen ist das a beständig gedehnt. Im Böhmischen heißt ein Lumpen Hadry. Gottscheds Ausspruch S. 123 der größern Sprachkunst: "Hadern, Lumpen. NB dieß Wort ist nur aus dem Geschrey der Lumpensammler, nach der pöbelhaften Aussprache, entstanden: Hat ir Lumpen? d. i. habt ihr Lumpen? Daher man zum Spotte gesagt eine Haderlump, und endlich allein ein Hader, die Hadern; aber falsch;" bringt seiner etymologischen Einsicht wenig Ehre. Herr Stosch leitet es von dem Niedersächs. sich häddern, sich verwirren, her, ( S. Hadersuppe) und erkläret es durch einen so fern zerrissenen Lumpen, dessen Fäden sich in einander verwickeln. Diesen Begriff verknüpfet man mit dem Worte Hader im Oberdeutschen, wo dieses Wort eigentlich zu Hause ist, zuverlässig nicht. Das Franz. Haillon scheinet damit verwandt zu seyn. S. das vorige. Vielleicht ist in Hadel und Hader der Begriff des Herabhangens der herrschende.


Hader (W3) [Adelung]


2. Der Hader, des -s, plur. inus. ein im Hochdeutschen gleichfalls selten gewordenes Wort, einen jeden heftigen mit Zorn und Haß verbundenen Streit mit Worten, einen Zank, zu bezeichnen. Wie kann ich allein solche Mühe und Last und Hader von euch ertragen? 5 Mos. 1, 12. Wenn ein Hader ist zwischen Männern, so soll man sie vor Gericht bringen, 5 Mos. 25, 1. Das Loos stillet den Hader, Sprichw. 18, 18. Fragen und Wortkriege, aus welchen entspringt Neid, Hader und Lästerung, 1 Timoth. 6, 4. Der Eid machet ein Ende alles Haders, Ehr. 6, 16.

Anm. Dieses Wort lautet im Böhm. Hadrunk, und bey den Krainerischen Wenden Ardria. Frisch hält es für eine Figur des vorigen Wortes; allein es gehöret unstreitig zu dem Zeitworte hassen, welches in vielen Mundarten statt des Zischlautes ein d oder t hat, wie im Dän. hade, im Angels. hatian, im Schwed. hata u. s. f. daher im Isländ. Hatr, und im Engl. Harred, Haß bedeutet. Das Deutsche Hader selbst leidet diese Bedeutung in vielen biblischen Stellen, S. Hassen. In einigen Märkischen Gegenden ist Atter Ärger, atterig ärgerlich, und ättern sich ereifern. Im Oberdeutschen wird Hader auch von einem gerichtlichen Streite, von einem Prozesse über geringe Sachen gebraucht.


Haderbuch (W3) [Adelung]


Das Haderbuch, des -es, plur. die -bücher, in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. zu Nürnberg, ein gerichtliches Buch, worin die Prozesse über unerhebliche Sachen, z. B. über Injurien, verzeichnet werden.


Haderer (W3) [Adelung]


1. Der Haderer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Schweinen, die vier großen hervor stehenden Zähne, welche auch Wehrzähne, das Gewerf, das Gewäff, die Waffen genannt werden. Vielleicht ist es aus Hauer verderbt, welchen Nahmen sie im gemeinen Leben gleichfalls führen.


Haderer (W3) [Adelung]


2. Der Haderer, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte hadern, ein Zänker, zänkischer Mensch, den man im gemeinen Leben wohl einen Haderbalg und eine Haderkatze zu nennen pfleget. Herr hadere mit meinen Haderern, Ps. 35, 1. Sie wollen nun als Helden fechten Und nicht wie kleine Hadrer rechten, Haged.


Hadergericht (W3) [Adelung]


Das Hadergericht, des -es, plur. die -e, in einigen Oberdeutschen Gegenden, ein Nahme eines Untergerichts, wo geringe Streithändel, besonders Injurien abgethan werden.


Haderhaft (W3) [Adelung]


Haderhaft, oder haderhaftig, adj. et adv. welches im Oberdeutschen am üblichsten ist, zum Hadern geneigt, zänkisch. Ein Bischof soll nicht haderhaftig seyn, 1 Tim. 3, 3.


Haderhaft (W3) [Adelung]


Haderhaft, oder haderhaftig, adj. et adv. welches im Oberdeutschen am üblichsten ist, zum Hadern geneigt, zänkisch. Ein Bischof soll nicht haderhaftig seyn, 1 Tim. 3, 3.


Haderlumpen (W3) [Adelung]


Die Haderlumpen, sing. inus. welches im gemeinen Leben nur von denjenige Hadern oder Lumpen üblich ist, welche zum Gebrauche der Papiermühlen, von gewissen dazu bestellten Personen, welche Lumpensammler, Hadersammler und im gemeinen Leben Haderlumpenmänner heißen, gesammelt werden. Freylich ist das Wort eine Tavtologie, welche daher entstanden seyn kann, weil diese Leute bey dem Ausrufen ihres Bedürfnisses zu dem Oberdeutschen, den Sachsen weniger bekannten Hader, noch das bekannte Lumpen als eine Erklärung beygefüget. Siehe 1. Hader.


Hadermesser (W3) [Adelung]


Das Hadermesser, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Papiermühlen, ein großes Messer, die Hadern oder Lumpen damit zu zerschneiden. S. Haderschneider.


Hadern (W3) [Adelung]


Hadern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1) * Eigentlich, zürnen, seinen Haß oder Zorn merklich machen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es in der Deutschen Bibel von Gott gesagt wird. Ich will nicht immerdar hadern, noch ewiglich zürnen, Es. 57, 16. Ps. 103, 9. 2) Aus Zorn oder Unwillen mit Worten streiten, zanken. Wenn Männer mit einander hadern, 2 Mos. 21, 19. Das Volk haderte mit Mose, 4 Mos. 20, 3. Hadere nicht mit jemand ohne Ursache, Sprichw. 3, 30. O hadre nicht um kleiner Sache willen, Schleg. Überhaupt höre ich Segesten mehr hadern als streiten, Sonnenf. Auch von dem Streiten vor Gerichte, von dem Prozessiren, wird es zuweilen im verächtlichen Verstande gebraucht. S. 2. Hader.


Haderschneider (W3) [Adelung]


Der Haderschneider, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Papiermühlen, eine Maschine in Gestalt einer Häckerlingsbank, die Hadern oder Lumpen damit zu zerschneiden.


Hadersüchtig (W3) [Adelung]


Hadersüchtig, -er, -ste, adj. et adv. in einem hohen Grade zum Hadern geneigt, zanksüchtig. So auch die Hadersucht.


Hadersuppe (W3) [Adelung]


Die Hadersuppe, plur. die -n, im gemeinen Leben Obersachsens, eine Suppe, welche aus Wasser oder Fleischbrühe bestehet, in welche, wenn sie kochet, man zerklopfte Eyer laufen lässet, welche sich darin zertheilen, und zu einem Gehäder werden. Vermuthlich vom Nieders. sich hadern, sich verwirren. Siehe 1. Hader Anm.


Häfen (W3) [Adelung]


Die Häfen, S. Hefen.


Hafen (W3) [Adelung]


1. Der Hafen, des -s, plur. die Häfen, ein am meisten im Oberdeutschen übliches Wort, ein Geschirr, und in engerer Bedeutung, einen Topf zu bezeichnen. Ein kupferner Hafen. Ein gegossener Hafen, ein Grapen. Am häufigsten werden daselbst irdene Geschirre, besonders Töpfe, Häfen genannt. In Einem Hafen zwey, Suppen sieden; und, man kann an den Scherben sehen, was am Hafen gewesen ist, sind im Oberd. übliche sprichwörtliche Redensarten.

Anm. Schon bey dem Notker und in den Monseeischen Glossen heißt ein Topf Hauen, Hauan. Es gehöret wohl, wie schon andere angemerket haben, zu dem Zeitworte haben, so fern es enthalten bedeutet, etwas Hohles, Lat. cavus, worin man andere Dinge haben, oder aufbehalten kann; daher einige Oberdeutsche Schriftsteller die Hirnschale auch den Haupthafen nennen. Aus ähnlicher Ursache werden in der Schweiz auch die Höhlen in den Bergen, in welchen sich Krystall befindet, Häfen oder Keller genannt. S. Hafner.


Hafen (W3) [Adelung]


2. Der Hafen, des -s, plur. die Häfen, in der Schifffahrt, eine Bucht an der See, wo sich Schiffe sicher vor Anker legen können, ohne von den Winden getroffen zu werden. Ein natürlicher Hafen, der auch nur eine Bucht, ein Ankerplatz, Franz. Cul de sac genannt wird, zum Unterschiede von einem durch die Kunst bereiteten oder verbesserten, welcher in engerer Bedeutung den Nahmen eines Hafens führet. Eine Stadt mit einem sichern Hafen. In den Hafen einlaufen. Die Schiffe liegen im Hafen. Einen Hafen räumen, ihn von dem Sande und Schlamme reinigen. Einen Hafen sperren, die Ein- und Ausfahrt hindern. Die fünf Häfen, in England, die Häfen zu Hastings, Ramney, Huh, Dover und Sandwich, welche ihre eigenen Aufseher haben und in dem Engländischen Staatsrechte von alten Zeiten her bekannt sind.

Anm. Bey dem Burggr. von Rietenburg der Habe, im Heldenbuche und der Preußischen Landesordnung die Hab, die Habe, im Nieders. Haven, im Engl. Haven, im Dän. Havn, im Schwed. Hamn, im Gallischen und Wallis. Aber, im Französ. Havre, im mittlern Lat. Habulum. Die Ähnlichkeit mit dem folgenden Worte Haff hat viele verleitet, es auch von demselben abstammen zu lassen. Ihre leitet es von hemmen ab, weil die Wuth der Winde daselbst gehemmet werde. Wahrscheinlicher ist Frischens und anderer Ableitung von haben, behalten, weil die Schiffe daselbst vor aller Gefahr behalten sind. Im Nieders. ist daher Havenung, Hävenung, Havenje, ein jeder Ort, wo man für Wind und Regen gedecket ist, z. B. ein Gebüsch, ein Gebäude u. s. f. Im Schwed. bedeutete hama ehedem bedecken, wovon auf ähnliche Art das Schwed. Hamn, ein Hafen, herstammen kann. Gottscheds Neuerung, dieses Wort wider allen bisherigen Sprachgebrauch mit den Niedersachsen Haven zu schreiben, um es von dem Oberdeutschen Hafen, ein Topf, zu unterscheiden, gehöret zu seinen seltsamen Unterscheidungsgrillen. Notker nennet einen Hafen Stedi, nach dem Lat. Statio. S. Gestade.


Hafenanker (W3) [Adelung]


Der Hafenanker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Anker, welcher immer an einem und eben demselben Orte, besonders an dem Ufer in den Häfen, fest gemacht wird, und zuweilen nur Einen Arm hat, die Schiffe mit einem Seile daran anzubinden; Franz. Ancre a demeure, Ancre d'amarrage.


Hafen-Capitän (W3) [Adelung]


Der Hafen-Capitän, des -es, plur. die -e, ein vornehmer Bedienter in ansehnlichen Häfen, welcher für die Ordnung und Sicherheit des Hafens sorget, und die darin befindlichen Zeughäuser und Truppen unter seiner Aufsicht hat. In Kopen- hagen und Stockholm wird er Holm-Major genannt. Siehe Hafenmeister.


Hafengast (W3) [Adelung]


Der Hafengast, des -es, plur. die -gäste, diejenigen Schiffer, welche einen Hafen besuchen, sich in einem Hafen vor Anker legen. S. Gast.


Hafengeld (W3) [Adelung]


Das Hafengeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches die Schiffe für die Freyheit, sich eines Hafens zu bedienen, bezahlen müssen.


Hafenleuchte (W3) [Adelung]


Die Hafenleuchte, plur. die -n, eine große Leuchte oder ein brennendes Feuer auf einem erhabenen Orte, fremden Schiffen zur Nachtzeit den Weg in den Hafen zu zeigen; Pharus. S. Bake.


Hafenmeister (W3) [Adelung]


Der Hafenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Beamter, welcher die Aufsicht über einen Hafen und die Schiffe in demselben hat, und in großen befestigten Häfen Hafen-Capitän genannt wird.


Hafenräumer (W3) [Adelung]


Der Hafenräumer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Maschine auf einem Fahrzeuge, einen Hafen von dem überflüssigen Schlamme zu reinigen, welche in Holland ein Baggert genannt wird.


Hafer (W3) [Adelung]


Der Hafer, des -s, plur. inus. eine Grasart, wovon einige Arten bey uns wild wachsen; Avena L. Tauber oder wilder Hafer, Avena fatua L. S. Wiesenhafer und Windhafer. In engerer Bedeutung führet diejenige Art dieses Gewächses, welche als ein Getreide gebauet wird, und ein langes rundes spitziges Korn, welches nicht in eigentlichen Ähren, sondern in einzelnen Riffen oder Rispen wächset, diesen Nahmen; Avena sativa L. Da denn so wohl die Pflanzen, als auch die Körner collcetive Hafer genannt werden. Gemeiner weißer Hafer, schwarzer glatter Hafer, raucher schwarzer Hafer, dreykörniger Hafer, glatter grauer Hafer, blauer Hafer, nackter Hafer u. s. f. sind lauter Abartungen. Der Türkische Hafer gleicht dem gemeinen weißen, nur daß er eine stärkere Hülse hat. S. Augusthafer, Barthafer, Eichelhafer, Fahnenhafer, Rauchhafer, Spitzhafer, Sommerhafer, Winterhafer, Weißhafer, Grauhafer, Stumpfhafer u. s. f. Es ist gut Hafer säen, sagt man im gemeinen Leben, wenn in einer Gesellschaft eine große Stille herrschet, weil zum Säen des Hafers windstilles Wetter erfordert wird. Der Hafer sticht ihn, auch nur im gemeinen Leben, die guten Tage machen ihn übermüthig; ein von allzu reichlich gefütterten Pferden hergenommenes Bild. So reißt der Mensch auch aus, wenn ihn der Haber sticht, Opitz. Pferde, die den Hafer verdienen, kriegen ihn nicht, Sprichw.

Anm. Bey dem Hornegk Haber, im Nieders. Haver, im Engl. Haver, im Dän. Havre, im Schwed. Hafra, in Upland Hagra, Finnländ. Caura. Wachter leitet es sehr gezwungen von aben, abnehmen, her, weil Plinius sagt, daß die Gerste in den Hafer auszuarten pflege; Ihre nicht viel wahrscheinlicher von dem mittlern Lat. Averum, ein Pferd, (welches doch zum Worte Habe gehöret,) weil der Hafer das gewöhnlichste Futter der Pferde ist. Das Lat. Avena ist ohne Zweifel mit dem Deutschen Hafer verwandt; aus dem erstern haben die Franzosen ihr Avoine und von dem letzten ihr Averon. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Getreide. Viele schreiben dieses Wort Haber, und nähern sich damit der Aussprache des gemeinen Lebens mehr. In der anständigern Sprechart lässet man so wohl im Hoch- als Oberdeutschen das f deutlicher hören.


Haferacker (W3) [Adelung]


Der Haferacker, des -s, plur. die -äcker, ein mit Hafer besäeter, oder für den Hafer bestimmter Acker.


Haferbier (W3) [Adelung]


Das Haferbier, des -es, plur. inus. ein aus Hafermalz gebrauetes Bier.


Haferbirn (W3) [Adelung]


Die Haferbirn, plur. die -en, eine Art blaßgrüner saftiger Birnen, welche in der Haferernte reifen.


Haferbrey (W3) [Adelung]


Der Haferbrey, des -es, plur. inus. ein aus Hafermehl oder Hafergrütze gekochter Brey. In Ulm müssen die Ehebrecher zur Strafe öffentlich Haferbrey mit einander essen, welches dort das Mußen genannt wird.


Hafer-Cur (W3) [Adelung]


Die Hafer-Cur, plur. inus. die Cur, d. i. Heilart mit Haferschleim, der Gebrauch des Hafers als eine Arzeney.


Haferdistel (W3) [Adelung]


Die Haferdistel, plur. die -n, eine Art der Scharte, welche unter dem Getreide, und am liebsten unter dem Hafer wächset; Serratula arvensis L. Felddistel.


Haferernte (W3) [Adelung]


Die Haferernte, plur. die -n, die Einerntung des Hafers, und die Zeit, wenn derselbe eingeerntet wird.


Haferey (W3) [Adelung]


Die Haferey, plur. die -en, ein in der Seefahrt, besonders in Niedersachsen und den Niederlanden, übliches Wort. 1) Dasjenige Geld, welches ein Schiff zur Unterhaltung des Hafens, in welchen es einläuft, entrichten muß; das Hafengeld. 2) Der Lohn, welchen der Lootse oder Pilot bekommt, welcher ein Schiff sicher in den Hafen führet. 3) Die Vergütung des Schadens an diejenigen, welche ihre Güter bey einem Sturme in die See werfen müssen, welche Vergütung von denjenigen geschiehet, deren Waaren auf eben demselben Schiffe unversehret in den Hafen kommen. Und endlich 4) in der weitesten Bedeutung, alle außerordentliche Unkosten, welche der Schiffer auf der Reise hat, ingleichen aller Schade an Waaren, welche dem Einen Theile von den Eigenthümern der übrigen Güter vergütet werden. So gehöret z. B. zur Haferey, wenn sich der Schiffer von den Seeräubern los kaufen muß, wenn ein Embargo auf sein Schiff geleget wird u. s. f. Dieses Wort lautet im Nieders. und Holländ. Haverije, woraus nicht nur das Lat. Avaria und Havaria, sondern auch das Franz. Havarie gebildet worden. Man findet es auch im Hochdeutschen Havarey, Avarey geschrieben. Da es ein Geld bedeutet, welches zuweilen zum Behuf des Hafens, alle Mahl aber nach glücklicher Ankunst des Schiffes in dem Hafen bezahlet wird, so ist es sehr wahrscheinlich, daß es auch von diesem Worte abstamme.


Haferfisch (W3) [Adelung]


Der Haferfisch, des -es, plur. die -e, Diminut. Haferfischchen, an einigen Orten, ein Nahme der kleinsten Fische, welche die Kinder mit einem Siebe zu fangen pflegen, und die vielleicht nur die Brut größerer Fische sind; Aphyae. An andern Orten heißen sie Heuerlinge, Mutterlosen, Grühen.


Hafergras (W3) [Adelung]


Das Hafergras, des -es, plur. inus. ein gutes Futtergras, welches auf unfruchtbaren Hügeln wächset, dem Hafer ähnlich siehet, und auch Perlgras, Türkischer Weitzen genannt wird; Melica ciliata L.


Hafergries (W3) [Adelung]


Der Hafergries, des -es, plur. inus. ein aus Hafer zubereiteter Gries. S. Gries.


Hafergrütze (W3) [Adelung]


Die Hafergrütze, plur. inus. eine aus Hafer bereitete Grütze, zu Grütze gemahlne Haferkörner.


Haferkasten (W3) [Adelung]


Der Haferkasten, des -s, plur. ut nom. sing. in der Landwirthschaft, ein Kasten, worin der für die Pferde bestimmte Hafer verwahret wird. Nieders. Haverkiste. Am kaiserlichen Hofe zu Wien ist der Haferkastner ein Hofbedienter, welcher den für die herrschaftlichen Pferde nöthigen Hafer in seiner Aufsicht und Berechnung hat.


Haferlattich (W3) [Adelung]


Der Haferlattich, des -es, plur. inus. Siehe Brandlattich.


Hafermalz (W3) [Adelung]


Das Hafermalz, des -es, plur. inus. das aus Hafer bereitete Malz.


Hafermehl (W3) [Adelung]


Das Hafermehl, des -es, plur. inus. das aus Hafer gemahlne Mehl.


Hafernudel (W3) [Adelung]


Die Hafernudel, plur. die -n, Nürnbergische Nudeln, in Gestalt der Haferkörner.


Haferpflaume (W3) [Adelung]


Die Haferpflaume, S. Haferschlehe.


Haferricke (W3) [Adelung]


Die Haferricke, plur. die -n, eine in Meißen übliche Benennung einer ganz schwarzen Krähe, mit einem rauhen, halb weißen Schnabel; Corvus alter L. Die erste Hälfte ihres Nahmens rühret von dem Hafer her, wovon sie sich nähret; die zweyte vermuthlich von ihrem rauhen unebenen Schnabel, oder auch von ihrem Geschreye. In andern Gegenden wird sie Roche, Rauch, Roke, Ricke, Karechel genannt; Engl. the Rook.


Haferrose (W3) [Adelung]


Die Haferrose, plur. die -n, eine Art wilder Rosen, welche niedrig wächset, nahe auf der Erde wegkriecht, und sich gern neben den Haferäckern antreffen lässet; Erdrose, Feldrose, Dunenrose, Rosa spinosissima L.


Hafersaat (W3) [Adelung]


Die Hafersaat, plur. inus. das Säen des Hafers, ingleichen die Zeit, wenn er gesäet wird.


Haferschlehe (W3) [Adelung]


Die Haferschlehe, plur. die -n, eine Art wilder frühzeitiger Schlehen, welche hochstämmiger wächset als die gemeine Art, und eine Abänderung des Prunus spinosa L. ist; Prunus silvestris, praecox, altior Tournef. Haferpflaumen, Kriechen. Sie reifen mit dem Hafer.


Haferschleim (W3) [Adelung]


Der Haferschleim, des -es, plur. inus. die dicke schleimige Brühe von gekochtem Hafer oder gekochter Hafergrütze, welche auch Haferseim, und wenn sie dünner ist, Hafertrank genannt wird; Nieders. Mood, Haverwellung, Welje.


Haferschrecke (W3) [Adelung]


Die Haferschrecke, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Heuschrecke, weil sie unter andern auch den Hafer beschädiget.


Haferseim (W3) [Adelung]


Der Haferseim, des -es, plur. inus. S. Haferschleim.


Haferspreu (W3) [Adelung]


Die Haferspreu, plur. inus. die Spreu von dem ausgedroschenen und gereinigten Hafer; im Nieders. Haverkaff.


Haferstoppel (W3) [Adelung]


Die Haferstoppel, plur. die -n, die Stoppeln von dem abgemäheten Hafer; so wohl von einzelnen Stoppeln, als auch collective, und zwar hier so wohl im Singular allein, als im Plural allein. Der Wind wehet über die Haferstoppel, sagt man, wenn nach der Haferernte, welche gegen das Ende des Herbstes fällt, sich rauhe Winde einstellen.


Haferstroh (W3) [Adelung]


Das Haferstroh, des -es, plur. inus. Stroh von ausgedroschenem Hafer. An bösen Schulden nimmt man auch wohl Haferstroh.


Hafertrank (W3) [Adelung]


Der Hafertrank, des -es, plur. die -tränke, S. Haferschleim.


Haferweihe (W3) [Adelung]


Die Haferweihe, plur. inus. in der Römischen Kirche, die Einweihung des für Pferde bestimmten Hafers, welche in einigen Gegenden am St. Stephanstage geschiehet; daher dieser Tag selbst auch von einigen die Haferweihe, ingleichen der große Pferdetag genannt wird.


Haff (W3) [Adelung]


* Das Haff, des -es, plur. die -e, ein altes, in dem gemeinen Sprachgebrauche veraltetes Wort, welches noch in dem Dänischen Hav und Schwed. Haf üblich ist, und das Meer, ingleichen einen beträchtlichen Theil desselben bedeutet. Im Deutschen ist es nur noch als ein eigenthümlicher Nahme gewisser großer Bayen der Ostsee bekannt. Dergleichen sind das Cuxische Haff, in Preußen an der Samländischen und Litthauischen Küste, das frische Haff, gleichfalls in Preußen, an dem Ausflusse der Nagat, und das frische Haff in Pommern, in welches sich die Ober ergießet. Ihres Ableitung von hoch, so wie die Römer auf ähnliche Art das Meer altum nannten, ist wohl zu gesucht.


Haffdeich (W3) [Adelung]


Der Haffdeich, des -es, plur. die -e, im Herzogthum Schleßwig, ein Deich oder Damm an der See, ein Seedeich; zum Unterschiede von den Mitteldeichen. S. das vorige.


Hafner (W3) [Adelung]


Der Hafner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Hafnerinn, plur. die -en, die Oberdeutsche Benennung eines Töpfers, weil er Häfen, d. i. Geschirre aus Thon bereitet. Schon bey dem Notker Hafenar. S. 1. Hafen.


Haft (W3) [Adelung]


Haft, eine Endung, welche, wie man glaubt, von haben abstammet, und vielen Haupt- und Zeitwörtern, wie auch einigen Nebenwörtern angehänget wird, die dadurch zu Bey- und neuen Nebenwörtern werden. Sie bedeutet: 1. Das Daseyn, die Anwesenheit derjenigen Sache, welche das Wort, dem sie angehänget wird, bezeichnet. 1) Eigentlich, die bloße Anwesenheit ohne alten Nebenbegriff zu bezeichnen; wo sie mit der Endung "-ig" und "-isch" überein kommt, in welchem Falle sie nur Hauptwörtern zugesellet wird. Dergleichen sind bresthaft, oder wie es gemeiniglich lautet, preßhaft, gewissenhaft, mangelhaft, fehlerhaft, schadhaft, schmackhaft, statthaft, herzhaft, nahmhaft, lebhaft, nahrhaft, so fern es von Städten, Örtern gebraucht wird, frevelhaft, handhaft, lehrhaft, wofür doch jetzt lehrreich üblicher ist, lückenhaft u. s. f. Woraus zugleich erhellet, daß diejenigen Hauptwörter, welche sich auf -en endigen, dasselbe im Singular wegwerfen, wie in bresthaft, schadhaft, nahmhaft, lebhaft geschiehet; gewissenhaft ausgenommen, welches es behält. Alle diese Wörter bedeuten eine bloße Anwesenheit des Subjectes, einen Bresten oder Gebrechen, ein Gewissen, einen Mangel, einen Schaden, einen guten Schmack oder Geschmack u. s. f. habend. In einigen wenigen Wörtern scheinet ein Zeitwort zum Grunde zu liegen, und da bedeuten diese Wörter so viel als das Mittelwort der gegenwärtigen Zeit. Habhaft, für habend, den Besitz einer Sache habend, daher dieses Wort um der Vieldeutigkeit des Zeitwortes haben willen, für keine Tavtologie gehalten werden kann; an einem Orte wohnhaft oder seßhaft seyn, wohnend oder ansitzend; reuhaft, eine Sache wirklich bereuend; das veraltete bärhaft, bärend, d. i. wirklich Frucht bringend; schmerzhaft, wirklich schmerzend. Aber in bauhaft, eine bauhafte Zeche, welche wirklich gebauet wird, vertritt es die Stelle des Mittelwortes der vergangenen Zeit. 2) In engerer Bedeutung, eine beständige oder doch mehrmahlige Anwesenheit des Subjectes, gleichsam daran haftend. Sieghaft, in mehrern Fällen den Sieg davon tragend; ein kummerhaftes Leben; glückhaft, in mehrern Fällen Glück habend; dauerhaft, eine anhaltende Dauer habend; standhaft, eine anhaltende Beständigkeit habend; welche insgesammt aus Hauptwörtern gebildet sind. 3) In noch engerer und figürlicher Bedeutung, eine Neigung zu derjenigen Eigenschaft habend, welche das Subject anzeiget, und im engsten Verstande, eine Fertigkeit in derselben besitzend. Dahin gehören von Hauptwörtern, sündhaft, gewissenhaft, Neigung, Fertigkeit besitzend, nach dem vorher gehenden Gewissen zu bandeln; tugendhaft, lasterhaft, schreckhaft, geneigt, leicht erschrecket zu werden; schwindelhaft, zum Schwindel geneigt; vortheilhaft, so fern es zuweilen für eigennützig gebraucht wird; diensthaft, welches im Oberdeutschen für dienstfertig üblich ist; lebhaft, so fern es von einer natürlichen Neigung gebraucht wird; grillenhaft, zu Grillen geneigt; schamhaft, lügenhaft u. s. f. Ingleichen von Zeitwörtern, welche in diesem Falle ihr -en oder -n wegwerfen: boshaft, (besser boßhaft,) geneigt, sich zu erboßen, und figürlich, andern zu schaden, haderhaft, zankhaft, im Oberdeutschen für zänkisch, spaßhaft, frevelhaft, plauderhaft, schwatzhaft, waschhaft, plapperhaft, flatterhaft, gaukelhaft, tändelhaft, schmeichelhaft, das veraltete krieghaft für kriegerisch, naschhaft, polterhaft, prahlhaft, zaghaft u. s. f. Einige wenige scheinen aus Nebenwörtern gebildet zu seyn, wie leckerhaft und wahrhaft. Nach einer gewöhnlichen Figur bedeuten alle diese Wörter auch etwas, das in dieser Neigung, in dieser Fertigkeit gegründet ist, daraus herfließet. Ein gewissenhaftes Betragen, eine tugendhafte Handlung, eine lasterhafte Gesinnung, eine prahlhafte Erzählung u. s. f. 2. In einigen Fällen theilet diese Endung den Wörtern, welchen sie beygefüget wird, eine mehr thätige Bedeutung mit, wo sie denn die Hervorbringung einer Sache bezeichnet. Dergleichen sind, schmerzhaft, Schmerzen verursachend, schmerzlich, eine schreckhafte Nachricht, welche Schrecken verursacht, eine ekelhafte Sache, eine nahrhafte Speise, eine vortheilhafte Gelegenheit, tadelhaft, Tadel erweckend oder verdienend, glaubhaft, Glauben verdienend, das Nieders. brüchthaftig, strafwürdig u. s. f. 3. In noch andern, deren Zahl aber nicht groß ist, vertritt sie die Stelle der Endung -bar, und bezeichnet eine bloße Möglichkeit. Ein wohnhafter Ort, wo man wohnen kann; eine theilhafte Sache, welche sich mit Vortheil vertheilen lässet; arthaftes Land, welches geähret oder gepflüget werden kann; einen Acker bauhaft machen; wehrhafte Unterthanen; dauerhaft, so fern es dauern kann; ein lehnhaftes Gut u. s. f. 4. Weit größer ist die Anzahl derjenigen Wörter, wo es eine bloße, bald größere, bald geringere Ähnlichkeit bezeichnet, und darin mit den Wörtern auf "-mäßig", "-artig", "-icht", "-lich", "-isch", "-sam" u. s. f. überein kommt. Alle Wörter dieser Art kommen von Hauptwörtern her, wie z. B. aashaft, angsthaft, alaunhaft, bettelhaft, bierhaft, bleyhaft, erdhaft, eisenhaft, fieberhaft, flegelhaft, eselhaft, eiterhaft, tintenhaft, fabelhaft, gabelhaft, geckhaft, schalkhaft, götterhaft, grillenhaft, hasenhaft, herbsthaft, sommerhaft, winterhaft, kernhaft, kreidenhaft, laugenhaft, regenhaft, kinderhaft, schülerhaft, meisterhaft, musterhaft, schneiderhaft, stammhaft, pfuscherhaft, mannhaft, einem tapfern Manne ähnlich, so wie männlich nur einem gesetzten Manne ähnlich bedeutet, u. a. m. Diese letzte Bedeutung ist beynahe die einzige, wo man die Freyheit hat, neue Wörter dieser Art zu bilden, welches aber auch nur alsdann Statt findet, wenn nicht schon ein gleich bedeutendes Wort mit einer andern Endung vorhanden ist. So sagt man nicht teufelhaft, sondern teufelisch, nicht fürstenhaft, sondern fürstlich oder fürstenmäßig. Am weitesten erstrecket sich diese Freyheit in Ansehung der Ähnlichkeit des Geschmackes und Geruches, wo man es beynahe allen Hauptwörtern wird anhängen können, einen ihnen ähnlichen Geschmack und Geruch zu bezeichnen. Von der Ähnlichkeit der innern Bestandtheile, der Bauart, gebraucht man lieber -artig, obgleich auch laugenhaft, erdhaft u. s. f. für laugenartig, erdartig, eingeführet sind. Von der Übereinstimmung mit einer andern Sache, ist -mäßig üblicher; daher man für planhaft, regelhaft, lieber planmäßig, regelmäßig sagt; außer wenn diese Übereinstimmung als eine Figur der ersten Bedeutung angesehen werden kann, und alsdann zunächst in einer Neigung gegründet bedeutet, wie tugendhaft, lasterhaft u. s. f. Anm. Diese Endung ist alt, und kommt schon in unsern ältesten Denkmählern, obgleich noch nicht so zahlreich vor. Sie scheinet ihren Ursprung zunächst aus der Oberdeutschen Mundart zu haben; denn in den Niederdeutschen Mundarten und Nordischen Sprachen trifft man sie entweder gar nicht, oder doch so selten an, daß man sie kaum für ein einheimisches Product halten kann. Die Niedersachsen und Holländer, wo ihre Mundart noch nicht durch die Oberdeutsche verändert ist, gebrauchen in vielen, wo nicht den meisten Fällen achtig dafür; daher es glaublich wird, daß -haft und -achtig, und -icht, welches aus dem letztern zusammen gezogen ist, im Grunde eine und eben dieselbe Endung sind. Der Übergang des Hauchlautes in den Blaselaut ist nichts seltenes. Das Oberdeutsche after lautet im Niederdeutschen achter, Haft lautet daselbst Hacht u. s. f. Indessen leiten Wachter, Frisch und mit ihnen fast alle Wortforscher unser -haft von haben her, und haben dabey freylich auch viele Wahrscheinlichkeit auf ihrer Seite. S. die folgenden Artikel. Würde sich diese Ableitung von -achtig einmahl mit überwiegenden Gründen darthun lassen, so ließe sich auch begreifen, warum man den Wörtern auf -haft so gern ein der Bedeutung nach ganz unnützes -ig anhänget; wahrhaftig, standhaftig, tugendhaftig, zaghaftig u. s. f. Indessen kann dieses ig auch aus dem i entstanden seyn, welches man ehedem dem haft anhängete. Redihaftiu rahha, eine vernünftige Sache, Kero, eerhafti, fromm, ebend. unekihafti, ungesittet, ebend. forachasti, verdächtig, ebend. Im Oberdeutschen ist diese Form sehr gebräuchlich; allein im Hochdeutschen klingt sie niedrig, daher man sie in der edlen und anständigen Schreibart alle Mahl vermeidet. Nur leibhaftig, d. i. körperlich, theilhaftig, Theil oder Antheil habend, und wahrhaftig, so fern es zu einem Schwure dienet, denn außer dem sagt man lieber wahrhaft, sind auch im Hochdeutschen üblich. Es läßt sich dieses angehängte ig auch aus der Oberdeutschen Liebe zu langen Wörtern erklären, welche so weit gehet, daß man zu diesem ig, besonders in der Adverbialform, noch ein eben so unnützes lich füget; standhaftiglich, boßhaftiglich, glaubhaftiglich, gewissenhaftiglich u. s. f. welche alle nichts mehr sagen, als standhaft, boßhaft, glaubhaft und gewissenhaft; denn der Unterschied in den innern Graden der Stärke, den man etwas heraus, oder vielmehr hinein grübeln möchte, ist eine Grillenfängerey. Die Alten bildeten aus den Beywörtern auf -haft; Hauptwörter auf e, oder, wie es bey ihnen lautet, auf i. Daher heißt die Mäßigkeit bey dem Kero Mezhafti, die Wahrheit Warhafti. Diese Form ist veraltet, und man gebraucht jetzt dafür die Endung -keit, vermittelst welcher aus allen Bey- und Nebenwörtern dieser Art Hauptwörter gebildet werden können, welche das Abstractum derselben ausdrucken, ob sie gleich nicht alle üblich sind. Man behält alsdann die alte Endung afti, oder wie sie jetzt lautet, aftig, welche älter ist, als aft. Die Spaßhaftigkeit, Wahrhaftigkeit, Lebhaftigkeit, Herzhaftigkeit, Gewissenhaftigkeit u. s. f. wo niemahls Spaßhaftkeit, Wahrhaftkeit u. s. f. gesagt wird. S. -ig und -keit, wo von dieser Sylbe ig noch etwas gesagt werden wird.


Haft (W3) [Adelung]


1. Das Haft, des -es, plur. die -e, ein kleines Insect mit netzförmigen Flügeln, welches nur einige Stunden, höchstens vom Untergange der Sonne bis ihrem Aufgange lebt, und alsdann seine Eyer ins Wasser legt, woraus Larven entstehen, welche von ihrer Verwandlung oft einige Jahre im Wasser leben; Libellula Ephemera L. Weil sich dieses Insect, so bald es aus der Larve geflogen ist, häutet, und die ausgezogene weiße Haut überall haften oder kleben lässet, so soll es von diesem Umstande seinen Nahmen haben. Es wird im gemeinen Leben auch Uferaas genannt, welcher Nahme aber eigentlich den Larven vor ihrer Verwandlung zukommt; ingleichen Augst, weil es im August zum Vorscheine kommt. In Franken und andern Ländern werden sie so wie die Afterfalter, Phryganea L. Schnaken genannt.


Haft (W3) [Adelung]


2. Der Haft, des -es, plur. die -e, von dem Zeitworte haften. 1) Die Eigenschaft einer Sache, vermöge welcher sie haftet; in einigen Fällen, und ohne Plural. Die Sache hat keinen Haft, keine Festigkeit, Haltung. Dein Herz ist Felsen, Gram und Leid Hat keinen Haft darauf, Gleim, kann darauf nicht haften. Das Eis ist zu glatt, ich habe keinen Haft darauf, keinen festen Tritt. 2) Dasjenige, wodurch eine Sache an die andere gehäftet wird; auch nur in einigen Fällen; Diminut. Häftchen, Oberd. Häftlein, und im gemeinen Leben Häftel. Einer Sache ein Paar Hafte geben, sie mit ein Paar Stichen zusammen häften. Bey den Büchsenmachern heißen die Ringe, wodurch der Lauf an dem Schafte befestiget wird, Hafte, und bey den Glasern, die bleyernen Ringe, welche das Windeisen an das Fenster befestigen. Bey den Jägern heißen alle Pfähle oder Pflöcke, woran die Leinen gebunden werden, Heftel oder Häftel. In einigen Oberdeutschen Gegenden werden die Stecknadeln noch Häftel genannt.


Haft (W3) [Adelung]


3. Die Haft, plur. inus. welches in der Gerichtssprache am üblichsten ist, gefängliche Verwahrung. Jemanden zur Haft, zur gefänglichen Haft, oder in gefängliche Haft bringen. In der Haft sitzen. In die Haft oder in gefängliche Haft gerathen. Jemanden der Haft entlassen, ihn seiner Haft entschlagen. So fall ich in des Satans Haft, Gryph. d. i. Gewalt, eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. Notker gebraucht die haften auch für Fessel, daher in einigen Oberdeutschen Gegenden die Hafte im Plural für Verhaft üblich ist. S. Haften und Verhaft. Im Nieders. lautet dieses Wort, so fern es gefängliche Verwahrung bedeutet, Hacht, Hecht, Hechtenisse, Schwed. Haekte.


Häft (W3) [Adelung]


Das Häft, des -es, plur. die -e, S. Heft.


Haftbrief (W3) [Adelung]


Der Haftbrief, des -es, plur. die -e, in der Gerichtssprache einiger Gegenden, ein Steckbrief, schriftliche Bitte oder Befehl, einen flüchtigen Übelthäter zur Haft zu bringen.


Häftel (W3) [Adelung]


Das Häftel, des -s, plur. ut nom. sing. S. 2. Haft.


Häftelhaken (W3) [Adelung]


Der Häftelhaken, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, kleine Pflöcke mit Haken, die Leinen damit auf dem Boden zu befestigen.


Häfteln (W3) [Adelung]


Häfteln, verb. reg. act. mit Häfteln befestigen. So häfteln die Jäger die Leinen, wenn sie selbige an die Häftel oder Pfähle und Pflöcke anbinden. Im Oberd. ist anhäfteln, zuhäfteln, aufhäfteln, mit einem Häftel, d. i. einer Stecknadel, an- zu- oder aufstecken. Daher die Häftelung.


Haften (W3) [Adelung]


Haften, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, hangen oder kleben bleiben, fest, unbeweglich auf etwas bleiben. 1. Eigentlich. Papier, welches mit bloßem Wasser aufgeklebet wird, haftet nicht, oder bleibt nicht haften. Der Boden ist so schlüpfrig, ich kann hier nicht haften, keinen festen Tritt haben. Da haftet es, im Oberdeutschen, eigentlich von einem Wagen, der wegen eines Hindernisses nicht weiter kann, wo man im gemeinen Leben der Hochdeutschen sagt, da hapert es. 2. Figürlich. 1) Wie begierig blieb dein Auge auf allen Schönheiten haften! in der höhern Schreibart, für, sich verweilen. 2) Ein flatterhafter Mensch, bey dem nichts haften will, dessen Gedächtniß nichts behalten kann. 3) Mit etwas verbunden seyn, in einigen R. A. Weil aber Gefahr auf den Verzug haftet. Es haften einige Schulden, viele Abgaben auf dem Gute. 4) Für jemanden, oder für eine Sache haften, Bürge dafür seyn. Du mußt mir dafür haften, dafür stehen. Ältern und Vormünder müssen für das Verhalten der Rinder haften. Daher die Haftung, im Oberdeutschen, für Bürgschaft. 5) Es haftet nicht an mir, eine im Oberdeutschen übliche R. A. wofür man im Hochdeutschen sagt, es liegt nicht an mir. Die Herstellung der Ruhe wird an mir nie haften. Daß an oder bey mir der Verzug gewiß nicht hafte, die Schuld des Verzuges nicht liege.

Anm. Schon Kero und Notker gebrauchen haften im eigentlichen Verstande. Bey dem letztern heißt einem haften auch figürlich, ihm Verbindlichkeiten schuldig seyn. Es ist das Neutrum von dem Activo heften, S. dasselbe, und gehöret mit demselben zu dem Zeitworte haben, von welchem es ein Iterativum oder vielmehr Intensivum zu seyn scheinet. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, verbunden seyn, kommt damit überein. Ehedem hatte man auch ein Activum haften, welches schon bey dem Ottfried und Notker für ergreifen vorkommt, und in einigen Oberdeutschen Gegenden noch für in Verhaft nehmen üblich ist.


Haftgeld (W3) [Adelung]


Das Haftgeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, an einigen Orten das Angeld, welches zur Sicherheit oder Befestigung eines geschlossenen Kaufes darauf gegeben wird; der Haftpfennig. Wo ein Arrha oder Haftpfennig auf den Kauf gegeben worden u. s. f. heißt es in dem Würtemberg. Landrechte. An andern Orten ist es von dem Angelde noch verschieden, und da bedeutet es dasjenige, was nach geschlossenem Kaufe eines Gutes über der Kaufsumme der Gattinn des Verkäufers besonders gegeben, und in Obersachsen das Schlüsselgeld genannt wird; S. dieses Wort. An noch andern Orten ist es das Miethgeld. Es wird von einigen sehr seltsam von Hafen, ein Topf, abgeleitet, da es unstreitig von Haft, Befestigung, Festigkeit, abstammet. S. Angeld, Angabe und Handgeld.


Haftgericht (W3) [Adelung]


Das Haftgericht, des -es, plur. die -e, oder wie es der Niedersächsischen Mundart nach lautet, das Hachtgericht, eines von den fünf kleinern oder Niedergerichten zu Cöln am Rhein.


Häftler (W3) [Adelung]


Der Häftler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme der strengsten Secte unter den Wiedertäufern, weil sie weder Knöpfe noch Schnallen, sondern nur Häftel an ihren Kleidern tragen.


Haftmeißel (W3) [Adelung]


Der Haftmeißel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Büchsenmachern, ein Meißel zu den Haften am Rohre, womit dasselbe an den Schaft befestiget wird.


Haftpfennig (W3) [Adelung]


Der Haftpfennig, des -es, plur. die -e, S. Haftgeld.


Hagart (W3) [Adelung]


Der Hagart, des -es, plur. die -e, S. Hagerfalk.


Hägebereiter (W3) [Adelung]


Der Hägebereiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Forstbedienter, welcher die Jagd- und Forstgehäge zu bereiten hat, damit von niemanden Eingriffe in dieselben geschehen; ein Gehägebereiter, Hägereiter, Überreiter, Heidereiter.


Hagedrüse (W3) [Adelung]


Die Hagedrüse, S. Heckdrüse.


Hageholz (W3) [Adelung]


Das Hageholz, des -es, so fern ein Gehölz darunter verstanden wird, plur. die -hölzer, Holz oder ein Gehölz, welches gehäget, d. i. geschonet wird, in einigen Gegenden Hainholz, zum Unterschiede von einem Hauholze.


Hageiche (W3) [Adelung]


Die Hageiche, plur. die -n, ein Nahme der gemeinen Eiche oder Steineiche, so fern sie in Hagen, d. i. Hecken gezogen wird, und alsdann nicht alle Mahl die Größe eines Baumes erreicht. An andern Orten führet die Äsche diesen Nahmen.


Hageichel (W3) [Adelung]


Die Hageichel, plur. die -n, an einigen Orten, ein Nahme der Galläpfel.


Hagel (W3) [Adelung]


1. Hagel, ein besonders in Niedersachsen mit dem Nahmen Jan oder Johann übliches Wort, gemeinen niedrigen Pöbel auszudrucken. Jan Hagel, Hans Hagel oder Johann Hagel lärmt, d. i. der Pöbel. Daher verhagelt, und hagelsk eben daselbst verzweifelt, vertrackt bedeutet. Sollte es wohl zu dem Arab. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, versammeln, gehören, und eigentlich zusammen gelaufenes Volk bedeuten? S. Hack.


Hagel (W3) [Adelung]


2. Der Hagel, des -s, plur. inus. zwey knotige Bänder in dem Weißen des Eyes, welche das Gelbe so halten, daß es sich daran drehen kann; welche auch Eyerhagel, im gemeinen Leben aber der Hahnentritt genannt werden. Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches so wohl diesen, als den folgenden Hagel bedeutet.


Hagel (W3) [Adelung]


3. Der Hagel, des -s, plur. inus. ein Nahme, der verschiedenen Arten, mehrentheils runder Körner beygeleget wird. 1) Den gemeiniglich runden Stücken Eis, welche aus der Luft fallen und aus gefrornen Regentropfen bestehen, und welche, wenn sie groß sind, auch Schloßen genannt werden; als ein Collectivum. Vom Hagel getroffen werden. Man hat Stücken Hagel gefunden, welche über drey Loth wogen. Es siehet so weiß aus wie ein Hagel, im gemeinen Leben, wo man auch wohl hagelweiß sagt. Daß dich der Hagel! ein in den niedrigen Sprecharten üblicher gelinder Fluch. Von einzelnen Stücken Hagels gebraucht man das Wort Hagelkorn. In Baiern wird der Hagel Schauer, ingleichen Steinel, eigentlich Steinlein genannt. Der Schauer heißt in anderem teutsch der Hagel, Buch der Natur 1483. 2) Gegossene Körner von Bley, womit man nach allerley kleinem Wildbret und nach Vögeln schießet, und welche auch Schrot genannt werden; gleichfalls als ein Collectivum. 3) In der Geschützkunst werden alle Stücke gehauenen Eisens, kleine bleyerne Kugeln, auch wohl kleine Granaten, so fern sie aus Mörsern, Haubitzen u. s. f. geschossen werden, Hagel genannt.

Anm. In der ersten Bedeutung schon bey dem Notker Hagel, im Angels. Hagol, im Schwed. Hagel, im Engl. Hail, im Finnländ. Hauli. Wachter leitet es von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ab; Ihre hält hingegen den Begriff der Ründe für den Stammbegriff und rechnet es zu Welle, Kugel u. s. f. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - rund, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - aber ein Tropfen.


Hagelgans (W3) [Adelung]


Die Hagelgans, plur. die -gänse, eine Art wilder Gänse, welche außer den vier oder fünf letzten schwarzen Fluchtfedern ganz weiß ist, und sich nur im Winter sehen lässet, daher sie auch Schneegans, ingleichen Saalgans genannt wird; Anser Grandinis Klein.


Hagelkugel (W3) [Adelung]


Die Hagelkugel, plur. die -n, in der Geschützkunst, eine hohle Stückkugel, welche inwendig mit Hagel, d. i. kleinen Stückchen Eisen, bleyernen Kugeln u. s. f. gefüllet, und am häufigsten eine Kartätsche genannt wird.


Hageln (W3) [Adelung]


Hageln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber nur in unpersönlicher Gestalt üblich ist. Es hagelt, d. i. es fällt Hagel vom Himmel. In Baiern es steinelt, es schauert, bey dem Kaisersberg es hurnigelt. Wenn große Stücke Hagels fallen, sagt man im Hochdeutschen es schloßet.


Hagelschaden (W3) [Adelung]


Der Hagelschaden, des -s, plur. die -schäden, der durch den Hagel verursachte Schaden, besonders an den Feldfrüchten.


Hagelschlag (W3) [Adelung]


Der Hagelschlag, des -es, plur. die -schläge, der Fall eines starken und großen Hagels, und die dadurch geschehene Zerschlagung der Früchte.


Hagelschrot (W3) [Adelung]


Der Hagelschrot, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, viereckiger Hagel, die wilden Änten damit zu schießen, welcher auch Äntendunst genannt wird. S. Schrot.


Hagelstein (W3) [Adelung]


* Der Hagelstein, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, große Stücke Hagels, Schloßen, zu bezeichnen, welches Ezech. 13, 13, Sir. 46, 6 vorkommt.


Hagelsturm (W3) [Adelung]


Der Hagelsturm, des -es, plur. die -stürme, ein mit Hagel verbundener Sturm. Es. 28, 2.


Hagelweiß (W3) [Adelung]


Hagelweiß, adj. et adv. S. 3. Hagel.


Hagelwetter (W3) [Adelung]


Das Hagelwetter, des -s, plur. ut nom. sing. ein mit Hagel verbundenes Donnerwetter; ingleichen der Fall eines starken und schädlichen Hagels; ein Schloßenwetter, in Baiern ein Schauerwetter, in Franken ein Kieselwetter.


Hägemahl (W3) [Adelung]


Das Hägemahl, des -es, plur. die -e, oder -mähler, in einigen Gegenden, z. B. in Thüringen, ein niederes Gericht, welches des Jahres ein oder mehrere Mahle, gemeiniglich im freyen Felde gehalten wird, Gränzirrungen, Felddiebereyen und andere Feldsachen zu entscheiden. Von dem folgenden hägen, halten, und Mahl, eine Versammlung, besonders gerichtliche Versammlung. S. Feldgericht.


Hägen (W3) [Adelung]


1. * Hägen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber nur im Nieders. für ergetzen üblich ist. Das häget ihn, ergetzet ihn, verursacht ihm eine lebhafte innere Freude. Ingleichen als ein Reciprocum, sich hägen, sich lebhaft und innerlich freuen. S. Behagen.


Hägen (W3) [Adelung]


2. Hägen, verb. reg. act. mit einem Hage oder Zaune, einfassen, und dadurch vor der Beschädigung verwahren. 1. Eigentlich. Einen Acker, ein Stück Wiese hägen, wo aber einhägen üblicher ist. In weiterer Bedeutung, auch auf andere Art, z. B. durch einen aufgeworfenen kleinen Graben, durch einen aufgesteckten Strohwisch u. s. f. oder auch nur durch ein bloßes Verboth vor Beschädigung oder dem Gebrauche anderer bewahren, wo es häufig von Grundstücken üblich ist. Eine Wiese hägen, sie mit dem Viehe nicht betreiben lassen. Einen Wald hägen, kein Holz darin fällen lassen. Junges angeflogenes Holz hägen, es mit dem Viehe nicht behüthen lassen. Das Wild hägen, es schonen, nicht durch Jagen vermindern. 2. Figürlich. 1) Dulden, um erhalten, verbergen und beschützen, in einigen Fällen. Diebe bey sich hägen; daher im Oberdeutschen auch ein Häger einen Hehler bedeutet. Die Bosheit bey einem andern hägen, sie an ihm dulden und unterstützen. Einen Haß wider jemanden hägen, bey sich dulden und unterhalten. Viele Vorurtheile hägen. Einen Zweifel hägen. In weiterer Bedeutung oft nur für haben, von Vorstellungen, Gedanken u. s. f. Eine geringe, eine hohe Meinung von sich hägen. Wie können sie einen solchen Verdacht bey sich hägen? 2) * Sparen, zu Rathe halten; eine nur im Niedersächsischen übliche Bedeutung. Viel Geld zusammen hägen, sparen. Aufhägen wird daselbst für aufheben gebraucht. 3) * Fristen, verlängern; ein gleichfalls ungewöhnlicher Gebrauch. Du wollest deines Nahmens wegen, O Herr, mein Leben länger hegen, Opitz. 4) Ein Gericht hägen, halten; ein noch in der Gerichtssprache mancher Gegenden üblicher Ausdruck, welcher von den Schranken hergenommen zu seyn scheinet, mit welchen man die Gerichtsplätze zu umgeben pflegte, besonders zu der Zeit, da die Gerichte noch unter freyem Himmel gehalten wurden. So auch die Hägung.

Anm. Das Angels. hegian, Dän. hegne, und Schwed. haegna, bedeuten gleichfalls mit einem Zaune umgeben. Für schützen, kommt bey den Schwäbischen Dichtern auch heien, und Heie für Schutz vor, und noch jetzt sagt man im Österreichischen hayen für hägen. Die Niedersachs. hägen, gütlich thun, und Häge, Pflege, Vergnügen, Luft, gehören zu dem vorigen Zeitworte. Wenn in der ersten figürlich Bedeutung der Nebenbegriff der Duldung, Unterhaltung und Schonung nicht so sehr hervorsteche, so könnte man hägen in derselben auch von dem veralteten heigen und eigen ableiten, welche noch bey dem Ottfried und Notker vorkommen, und haben bedeuten.


Hager (W3) [Adelung]


Hager, -er, -ste, adj. et adv. für mager, von Menschen und ihren Gliedern. Ein langer hagerer Mensch. Hände wie der Neid, gelb und hager. Im Oberdeutschen, wo dieses Wort eigentlich zu Hause gehöret, lautet es auch häger. Im Engl. ist hagard wild, häßlich, hager. Aus dem Frisch erhellet, daß an einigen Orten hege für dürre, trocken, üblich ist, welches denn das Stammwort von hager seyn würde. S. Hagerkeit.


Häger (W3) [Adelung]


1. Der Häger, des -s, plur. ut nom. sing. S. Hägergut.


Häger (W3) [Adelung]


2. Der Häger, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, Hügel von Sande oder Erde in den Strömen, oder an dem Ufer, welche das Wasser daselbst ansetzet, und auch Anlagen, Horsten, Sandhorsten, und wenn sie größer sind, Werder genannt werden. S. Hügel, von welchem Worte es nur in der Ableitungssylbe unterschieden ist.


Hägereis (W3) [Adelung]


Das Hägereis, des -es, plur. die -er, in dem Forstwesen, junge schlanke Bäume, oder so genannte Stangen, welche man auf den jungen Schlägen oder Hauen stehen läßt, Bäume daraus zu ziehen; Laßreiser, Vorständer.


Hägereiter (W3) [Adelung]


Der Hägereiter, des -s, plur. ut nom. sing. welches an einigen Orten für Hägebereiter üblich ist.


Hagerfalk (W3) [Adelung]


Der Hagerfalk, des -en, plur. die -en, bey den Jägern, eine Art Falken, welche nicht viel größer als ein Sperber, aber stark und muthig ist, einen breiten Kopf, feurige Augen, einen kurzen Hals, lange Flügel und kurze schuppige Füße hat. Er wird auch Hagar, Hagart genannt, raubet große Vögel, nistet auf unersteiglichen Felsen und scheint der Bergfalk bey dem Klein zu seyn.


Hägergut (W3) [Adelung]


Das Hägergut, des -es, plur. die -güter, eine nur in Niedersachsen übliche Benennung einer gewissen Art Dienst leistender Bauergüter, welche auch hagerische und holtensche Güter genannt werden. Die Besitzer solcher Güter, welche Hägermänner heißen, haben die völlige Nutzung, müssen aber dem Hägerherren oder Hägerjunker, d. i. dem Grundherren, gewisse Dienste leisten, ihm den Zehenten und einen bestimmten Erbzins geben. Ein neuer Besitzer muß um die Belehnung ansuchen und die Höhr bezahlen. Die Hägermänner stehen wegen dieser Güter unter einem besondern Hägergerichte, welches sein eigenes Hägerrecht hat. Anm. Frisch schreibet dieses Wort Häker, erkläret es durch eine Art geringer Unterthanen, und scheinet es von Haken, einem in Niedersachsen bekannten Ackerwerkzeuge, abzuleiten. Allein es scheinet vielmehr zu Hag zu gehören, so fern dasselbe ehedem einen eingehägten Acker oder Bauerhof bedeutete. S. Hägerhufe. Im Schwedischen bedeutete Haker, welches Wort gleichfalls von Hag abstammet, so wie das Engl. Haw, einen abgesonderten kleinen Acker; wobey Ihre aus dem Westgothischen Gesetzbuche eine Stelle anführet, welche im Latein. so lautet: Si quis aedes suas a villa transportaverit, et aream illam coluerit, tum postea Haker dicitur, non vero Tofft velarea. S. Häker.


Hägerherr (W3) [Adelung]


Der Hägerherr, des -en, plur. die -en, S. das vorige.


Hägerhufe (W3) [Adelung]


Die Hägerhufe, plur. die -n, in einigen Niedersächsischen Gegenden, eine Art Hufen, welche sechzig Morgen Ackers oder vier Hakenhufen, oder zwey Land- oder Dorfhufen hält. Eine Hakenhufe hält daselbst funfzehen, eine Land- oder Dorfhufe dreyßig, und eine Tripelhufe fünf und vierzig Morgen.


Hägerjunker (W3) [Adelung]


Der Hägerjunker, des -s, plur. ut nom. sing. S. Hägergut.


Hagerkeit (W3) [Adelung]


Die Hagerkeit, plur. inus. von dem Bey- und Nebenworte hager, die Eigenschaft einer Person oder eines Theils derselben, da sie mager ist, in der anständigen Sprechart für Magerkeit.


Hägermann (W3) [Adelung]


Der Hägermann, des -es, plur. die -männer, oder Hägerleute, S. Hägergut.


Hägerrecht (W3) [Adelung]


Das Hägerrecht, des -es, plur. die -e, S. Hägergut.


Hägesäule (W3) [Adelung]


Die Hägesäule, plur. die -n, eine Säule oder ein Pfahl, so fern er die Gränze eines Jagdgehäges bezeichnet; die Jagdsäule.


Hägeschau (W3) [Adelung]


Die Hägeschau, plur. die -en, an einigen Orten, die Schau, d. i. Besichtigung der Zäune und Hage an den Wegen; die Hageschau.


Hägescheibe (W3) [Adelung]


Die Hägescheibe, plur. die -n, S. Hägewisch.


Hägeschlag (W3) [Adelung]


Der Hägeschlag, des -es, plur. die -schläge, ein gebägter, zu verletzen verbothener Schlag, d. i. Theil eines Gehölzes; im gemeinen Leben auch wohl ein Heuschlag oder Hainschlag.


Hagestolz (W3) [Adelung]


Der Hagestolz, des -en, plur. die -en, ein alter Junggesell, eine Person männlichen Geschlechtes, welche funfzig Jahre alt ist und noch nicht geheirathet hat, da sie doch könnte. In einigen Gegenden gebraucht man dieses Wort auch von weiblichen Geschlechte, und da lautet es bald die Hagestolze, bald die Hagestolzinn. Daher das Hagestolzenrecht, des -es, plur. inus. das Recht der Obrigkeit, nach dem Tobe eines Hagestolzen, dessen Erwerb- oder Errungenschaft (nicht aber die Erb-Lehen- und Stammgüter) einzuziehen; welches Recht sich noch in der Unterpfalz und am Oberrheine, ingleichen in einigen Niedersächsischen Gegenden befindet. Im Braunschweigischen ist es 1730 aufgehoben worden. Das Alter, welches zu einem Hagestolzen im gerichtlichen Verstande erfordert wird, ist nach den Gegenden verschieden. In Niedersachsen gehören dazu 50 Jahre 3 Monathe und 3 Tage; im Odenwalde hingegen sind schon 25 Jahre dazu hinlänglich.

Anm. Dieses Wort ist sehr alt, aber seinem Ursprunge nach dunkel. Schon bey dem Raban Maurus ist coelebs, Hagastult. Im Nieders. lautet es so wohl Hagestolt als Haverstolt. Im Angels. ist Haegstealdi, coelebs, virgo, tiro, princeps, und Hehstaldhad die Jungfrauschaft. In einem alten Vocabul. aus dem 12. Jahrh. bey Gerberts Reisen heißt Famulus, Hagistolt. Die gemeinste Meinung ist, daß durch Hagestolzen solche Personen verstanden werden, welche auf ihren Hag, oder Hof, stolz sind. Diecmann in Spec. Gloss. Lat. Theot. leitet es von Hag, Haus, und stallt, dem Mittelworte von stellen ab, und erkläret es durch Personen, die sich zu einer freywilligen Einsamkeit bequemen, sind in ihrem Hause gleichsam einstallen. Es wird diese Ableitung dadurch wahrscheinlich, daß Haistaldi oder Haistoldi bey dem du Fresne für Hausgesessene, Eingesessene, vorkommt, ein Hagestolz im Schwedischen auch auf ähnliche Art Einstöding, und im Isländ. Einstädingur genannt wird, von ein, allein, und sta, stehen, gleichsam ein Einsamer. Im Nellenburgischen werden, dem Frisch zu Folge, die Hurensöhne Hagestolze genannt.


Hägewasser (W3) [Adelung]


Das Hägewasser, des -s, plur. ut nom. sing. ein gehägtes Wasser, worin der Fischfang verbothen ist; im Gegensatze eines Freywassers.


Hägeweide (W3) [Adelung]


Die Hägeweide, plur. die -n, eine gehägte Weide, welche mit dem Viehe nicht betreiben werden darf.


Hageweide (W3) [Adelung]


Die Hageweide, plur. die -n, von Weide, Weidenbaum, ein Nahme der Bachweide, Salix helix L.


Hägewiese (W3) [Adelung]


Die Hägewiese, plur. die -n, eine gehägte Wiese; eine Wiese, welche Gartenrecht hat, und worauf ohne des Eigenthümers Willen niemand weiden darf.


Hägewisch (W3) [Adelung]


Der Hägewisch, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein Wisch Stroh, oder ein Bündel Reisholzes, welche auf eine Stange gestecket wird, einen gehängten Acker, Schlag, Wald u. s. f. damit zu bezeichnen; im Oberdeutschen eine Hägescheibe, Hägeschaub, Heuschaub, Hainscheibe. Einen Hau, eine Wiese, einen Acker mit Hägewischen abstecken.


Hägezeit (W3) [Adelung]


Die Hägezeit, plur. die -en, diejenige Zeit, da das Wildbret gehäget, d. i. geschonet, nicht gejaget noch gefangen wird; die geschlossene Zeit, die Grußzeit, die Waldsperre, die Schonzeit.


Hägling (W3) [Adelung]


Der Hägling, des -es, plur. die -e, in Oberdeutschland, eine Art kleiner Weißfische, welche im Canton Freyburg Pfärren, in Lucern Nachtfische genannt werden; Albula minima Gesn. der den Nahmen Hägling durch kleiner Häring erkläret.


Hägsmann (W3) [Adelung]


Der Hägsmann, des -es, plur. die Hägsleute, in einigen Gegenden ein Feldnachbar, dessen Acker nur durch einen Hag oder Zaun von dem Acker des andern abgesondert ist.


Haha (W3) [Adelung]


Das Haha, subst. indeclin. plur. die Haha, in den Gärten, eine Öffnung in der Befriedigung am Ende, wodurch man eine freye Aussicht hat, welche aber von außen mit einer tiefen Grube verwahret ist. Das Wort ist zunächst aus dem Englischen Haha, stammet aber mit demselben von Ha! dem Ausdrucke der Verwunderung her, weil man, wenn man durch die scheinbare Öffnung weiter zu gehen gedenkt, durch die Grube plötzlich aufgehalten wird.


Häher (W3) [Adelung]


Der Häher, des -s, plur. ut nom. sing. eine Benennung der Älster, welche am häufigsten in Niedersachsen üblich ist; Pica vulgaris Klein, Coracias Garrulus L. Sie hat diesen Nahmen zur Nachahmung ihres Geschreyes, und wird auch Heger, Häger, Hieger, Heyer u. s. f. im Angels. Higro, in der Monseeischen Glosse Heigero genannt. Im Schwed. ist Haeger der Reiher. S. Älster.


Hahnbrey (W3) [Adelung]


Der Hahnbrey, des -es, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, auf den Blechhämmern, ein Brey, welcher aus Wasser, Lehm und Kohlenstaube bestehet, und worin die Bleche geraucht werden, damit sie unter dem Schmieden nicht zusammen schweißen. Die Bedeutung des Wortes Hahn in dieser Zusammensetzung ist dunkel.


Hahnenbalken (W3) [Adelung]


Der Hahnenbalken, des -s, plur. ut nom. sing. der Balken oben im Giebel des Hauses, welcher die Dachsparren unter der Spitze verbindet, und auf welchem sich in den Bauerhäusern die Hühner gern des Nachts zu setzen pflegen; Nieders. Hanebalken, im Böhm. Hambalky.


Hahnenbart (W3) [Adelung]


Der Hahnenbart, des -es, plur. die -bärte, das rothe Läppchen unter dem Schnabel des Hahnes; der Bart.


Hahneney (W3) [Adelung]


Das Hahneney, des -es, plur. die -er, ein kleines Ey, welches die Hühner zuweilen wider ihre Gewohnheit legen. Der große Haufe auf dem Lande glaubet, ein solches Ey habe der Hahn geleget, und es werde ein Basilisk daraus; daher es auch im Nieders. ein Spooksey genannt wird, von spooken, spüken. Er pfleget ein solches Ey mit großer Sorgfalt in das Loch eines Ständers zu verspünden.


Hahnenfuß (W3) [Adelung]


Der Hahnenfuß, des -es, plur. von mehrern Arten, die -füße. 1) Eine Pflanze; Ranunculus L. wegen der Ähnlichkeit der dreyfach getheilten Blätter mit dem Fuße eines Hahnes. Schleichender Hahnenfuß, Ranunculus reptans, brennender Hahnenfuß, acris, welcher auch Brennkraut genannt wird. Der Sumpf-Hahnenfuß, Ranunculus Flammula L. heißt im Oberdeutschen auch Wassersemde, Schwefelbrech, Grensing, Glitzerpfännlein und Speerwurz. Einige Arten sind auch unter dem Nahmen Krähenfuß bekannt. 2) Eine Art Schwadens, Panicum Crus galli L. welcher auf den Europäischen Gartenländern wächset.


Hahnengefecht (W3) [Adelung]


Das Hahnengefecht, des -es, plur. die -e, eine noch in einigen Ländern, besonders in England, übliche Lustbarkeit des großen Haufens, wo zwey dazu abgerichtete Hähne mit einander fechten müssen; eine Lustbarkeit, welche ehedem auch in Niedersachsen, und in den ältesten Zeiten schon bey den Atheniensern geliebt wurde. Im mittlern Lat. Duellum Gallorum.


Hahnengeschrey (W3) [Adelung]


Das Hahnengeschrey, des -es, plur. die -e, das Geschrey, d. i. das Krähen des Hahnes oder der Hähne, besonders zu gewissen Stunden in der Nacht gegen den Morgen, wo es den Landleuten die Stelle einer Uhr vertritt; Gallicinium, im gemeinen Leben das Hahnenschrey, Marc. 13, 35. Bey dem Opitz das Hangekrey.


Hahnenkamm (W3) [Adelung]


Der Hahnenkamm, des -es, plur. die -kämme. 1) Eigentlich, der Kamm, d. i. die rothe fleischige Substanz oben auf dem Kopfe eines Hahnes; S. Kamm. 2) Wegen einiger Ähnlichkeit in der Zergliederungskunst, der obere oder inwendige Fortsatz des siebförmigen Beines, welcher dasselbe der Länge nach in zwey Theile theilet; Crista galli. 3) Eine Pflanze, welche häufig auf unsern Wiesen wächset; Rhinanthus crista galli L. Läusekraut, Rödel. 4) Das Kammgras, Cynosorus cristatus L. wird wegen des auf der einen Seite der Ähre besonders gestalteten Blättchens gleichfalls Hahnenkamm genannt. 5) Eine Art des Amarantes, Amarantus cristatus, führet im Niedersächsischen diesen Nahmen. 6) Eine Pflanze mit verwachsenen Staubbeuteln und lauter fruchtbaren Zwittern; Bidens L. Zweyzahn, Gabelkraut. 7) Das Meierkraut, welches von gemeinen Leuten als ein Gemüse wie Spinat gegessen wird, S. Meierkraut; und vielleicht noch andere Pflanzen mehr.


Hahnenpfötchen (W3) [Adelung]


Das Hahnenpfötchen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Hahnenhode.


Hahnenschritt (W3) [Adelung]


Der Hahnenschritt, des -es, plur. die -e, der Schritt eines Hahnes. Im gemeinen Leben sagt man, am Tage der heil. drey Könige habe der Tag schon um einen Hahnenschritt zugenommen, d. i. um einen zwar kleinen, aber doch merklichen Theil. Eben so drucken sich die Franzosen und Engländer aus. S. das Brem. Magaz. B. 5, S. 148, wo diese dem Scheine nach seltsame Figur, durch die bey den Landleuten übliche Messung des Schattens erkläret wird.


Hahnensporn (W3) [Adelung]


Der Hahnensporn, des -es, plur. die -en, eigentlich der spitzige hornartige Auswuchs der Hähne hinten am Fuße, in Gestalt eines Stachels. Figürlich ist die Osterluzey, Aristolochia L. in einigen Gegenden unter diesem Nahmen bekannt.


Hahnentritt (W3) [Adelung]


Der Hahnentritt, des -es, plur. die -e. 1) S. 2. Hagel. 2) Eine Art des Spathes bey den Pferden, wobey sie den Fuß, wie der hahn, mit einem Zucken aufheben.


Hahnenwecker (W3) [Adelung]


Der Hahnenwecker, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, ein Frühstück derer, welche die Nacht hindurch bis zum Hahnengeschrey geschwärmet haben; im gemeinen Leben der Hahnewackel, ungeachtet es augenscheinlich von wecken abstammet.


Hähnker (W3) [Adelung]


* Der Hähnker, des -s, plur. ut nom. sing. in der Bienenzucht, besonders Niedersachsens, ein Schwarm Bienen, welcher auf ein von andern Bienen verlassenes Gewirk gesetzet wird.


Hahnrey (W3) [Adelung]


Der Hahnrey, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, eine schimpfliche Benennung eines Ehemannes, dessen Gattinn die eheliche Treue verletzet; ein Hörnerträger. Ein Hahnrey seyn, eine untreue Frau haben, Hörner tragen. Eine Frau macht ihren Mann zum Hahnreye, oder setzt ihm Hörner auf, wenn sie ihm untreu wird. Bav macht Tullium zum Hahnrey, oder setzt ihm Hörner auf, wenn er dessen Gattinn zur Untreue verleitet. Daher die Hahnreyschaft, die Eigenschaft, der Stand eines Hahnreyes. Anm. Dieses Wort lautet im Nieders. Dän. und Schwed. gleichfalls Hanrei. In den beyden letzten Sprachen ist es, dem Ihre zu Folge, fremd, und vermuthlich von den Deutschen angenommen worden. Man hat von diesem dunkel Worte eine Menge Ableitungen, wovon eine die andere an Zwang und Unwahrscheinlichkeit übertrifft. Leibnitz leitete es von Hahn und dem alten ri, Isländ. runa, schneiden her, und erklärte es durch einen geschnittenen Hahn, oder Kapaun; Eckard leitete die letzte Hälfte des Wortes von rehe, müde, ab, und sahe in dem Hahnrey weiter nichts, als einen abgematteten zu seiner Bestimmung untauglichen Hahn. Wachter fiel auf das Angels. Heanra, Volk, Pöbel, und das Isländ. ria, spotten, und erklärete es durch aller Leute Spott. Ihre bringt das alte Bretagnische Hannerey, die Hälfte, in Vorschlag, und glaubt, man könne Hahnrey diesem Worte zu Folge durch einen Ehemann erklären, der der Vorrechte seines Ehebettes nur halb genießet. Anderer zu geschweigen. Bey diesen Umständen bleibt Frischens Muthmaßung immer noch die wahrscheinlichste, welcher dafür hält, daß dieses Wort aus dem Italiänischen Cornaro verderbt worden; welches dadurch glaublich wird, weil die Benennung eines Hörnerträgers sehr alt ist, und schon bey den Römern üblich war, ( S. Horn,) übrigens auch dir Verderbniß der Sitten für das ganze westliche und mitternächtige Europa aus Italien seinen Ursprung hat, da denn nicht selten auch die Nahmen zugleich mit eingeführet worden. Frisch hat dieses Wort bey dem Matthesius im sechzehenten Jahrhunderte zuerst gefunden, der es aber in beyden Geschlechtern. so wohl von einem Hurer als von einer Hure gebraucht. Opitz und Logau haben das sonst ungewöhnliche Zeitwort hahnen, zum Hahnrey machen. Wie oft ist Reu ankommen Dem lieben Feuergott, daß er geoffenbahrt, Gradiv, die eigne Smach, als er gehahnet ward, Opitz. Das Hahnen kömmt von dir, ebend. Allein es scheinet, daß dieses ein selbst gemachtes Wort ist, wozu bloß die unrichtige Erklärung der ersten Sylbe in dem Worte Hahnrey Anlaß gegeben. Indessen ist doch die Anspielung auf einen Hahn in den gleichbedeutenden Wörtern anderer Sprachen schon sehr alt. Von dem Französischen Coq, ein Hahn, scheinen die mittlern Latein. Cugus, Cucussus, Cucuciatus, Cucutus, Cucullus, die alten Französ. Ausdrucke Couz, Couyoul, Coucuol, Coquart, Coquillard, Hugho, wofür die heutigen Franzosen Cocu sagen, und das Engl. Cuckold, abzustammen, ob man sie gleich gemeiniglich von Guckguck, Lat. Cuculus, ableitet, und für eine Anspielung auf die bekannte Erzählung hält, daß der Guckguck seine Eyer in das Nest einer Grasmücke lege, und von derselben ausbrüten lasse; da denn aber Hahnrey und Cocu eigentlich den Hahnreymacher bedeuten müßten, welches aber nicht leicht wird erwiesen werden können. Richtiger nannten die alten Römer einen Hahnrey Curruca, welches Wort eigentlich der Nahme der Grasmücke ist, woraus im mittlern Latein. Coruca geworden. Übrigens wurde ein Hahnrey im mittlern Lateine auch Cucurbita, Minarius, Minnarius, Nima, Nimuarus, Niminvir, ingleichen Copaudus, im Französ. ehedem Coppau, Coupaut, Copereau, Couers, Couppere genannt, daher accouppaudir jemanden zum Hahnrey machen bedeutete. So fern eine Frau ihren Mann zu Hahnrey macht, wird solches in einer Französ. Urkunde von 1475 faire Jean genannt, S. Hans. Die Ital. Benennungen Becco, Becconazzo, Cornuto, Cornaro, sind bekannt. Die Longobarden nannten einen solchen Ehemann Arga, und in Niedersachsen heißt er Dudeldop, welches aber eigentlich einen schläfrigen, einfältigen Menschen bedeu- tet, daher Frischens Ableitung von einem Düthorne hier wohl nicht Statt finden kann.


Hain (W3) [Adelung]


Der Hain, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches von Hag abstammet, und ehedem eben dieselben Bedeutungen hatte, daher haynen im Holländ. noch jetzt so viel als zäunen bedeutet. Besonders war es ehedem von einem gehägeten Walde sehr üblich, da es denn mit Forst überein kam, und in diesem Verstande noch in den eigenthümlichen Nahmen vieler Orte vorkommt, z. B. Großenhain, Ziegenhain, Lichtenhain u. s. f. wofür es in andern hahn, in andern ham, und in noch andern hagen lautet. Es wurde alsdann von einem jeden gehägten Gehölze, und in weiterer Bedeutung von einem jeden Walde gebraucht, er mochte groß oder klein seyn. In dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung veraltet, wo es nur noch in der höhern und dichterischen Schreibart von einem jeden Walde, am häufigsten aber von einem kleinern Gehölze gebraucht wird. Wie lieblich flistert dort im Hain Der schlanken Espen furchtsam Laub! Kleist. In der Deutschen Bibel kommt es sehr häufig in der Bedeutung eines heiligen, einer Gottheit gewidmeten Waldes vor, wo es 1. Sam. 22, 6 auch von einigen einzelnen Bäumen gebraucht zu seyn scheinet: Als nun Saul wohnete zu Gibea, unter einem Hain in Rama. Ja 2 Kön. 23, 6 bezeichnet es auf eine sonst ungewöhnliche Art gar einen Hain- oder Waldgötzen: Und ließ den Hain aus dem Haus des Herren führen hinaus vor Jerusalem, in Bach Kidron, und verbrannte ihn u. s. f.

Anm. Hain, bey dem Stryker Heinic, im Wendischen Hai, Hain, ein Wald, ist aus Hagen zusammen gezogen, daher es zur Bezeichnung des ausgestoßenen Gaumenlautes auch von einigen Hayn geschrieben wird, so ungern auch die Hochdeutsche Mundart sonst den Doppellaut ay duldet. S. Hag und Ham.


Haingötze (W3) [Adelung]


Der Haingötze, des -n, plur. die -n, das Bild eines Waldgottes, ingleichen ein Götze, welcher in einem Haine verehret wird, 2 Kön. 21, 7.


Hainholz (W3) [Adelung]


Das Hainholz, des -es, plur. die -hölzer, S. Hägeholz.


Hainschaub (W3) [Adelung]


Der Hainschaub, des -es, plur. die -e, S. Hägewisch.


Haiternessel (W3) [Adelung]


Die Haiternessel, plur. die -n, S. Eiternessel.


Häkel (W3) [Adelung]


Das Häkel, des -s, plur. ut nom. sing. welches eigentlich das Diminut. von dem Worte Haken, für Häklein, ist, einen kleinen Haken zu bezeichnen. So ist bey den Kunstdrechslern das Häkel, ein halb runder gekrümmter Drehstahl, harte Körper inwendig auszudrehen. Wenn dieses Wort im männlichen Geschlechte der Häkel lautet, so ist die Endsylbe nicht mehr das Zeichen einer Verkleinerung, sondern vielmehr eines Werkzeuges, ( S. - El,) und Häkel bedeutet alsdann ein Werkzeug, womit man etwas haket, oder vermittelst dessen krummen Spitze heraus hohlet. Eben so bezeichnet das zusammen gesetzte Baumhäkel oder vielmehr Baumhäckel oder Baumhacker, einen Vogel, der seine Nahrung aus den Rinden der Bäume heraus hacket.


Hakelhufe (W3) [Adelung]


Die Hakelhufe, S. Hakenhufe.


Hakelig (W3) [Adelung]


* Hakelig, oder häklig, adj. et adv. welches nur im Oberdeutschen üblich ist, wo es theils im eigentlichen Verstande, mit kleinen Haken versehen bedeutet, theils figürlich, bedenklich, kitzlich. Eine häkelige Sache, eine bedenkliche Sache, welche behuthsam behandelt seyn will. Ein häkeliger Mensch, der an allen Din- gen etwas zu tadeln hat, dem man nicht leicht etwas recht machen kann, und der auch wohl ein Häkler genannt wird.


Häkeln (W3) [Adelung]


Häkeln, verb. reg. act. mit kleinen Haken herbey zu ziehen suchen. So sagt man von den Katzen, daß sie häkeln, wenn sie mit ihren Klauen spielend einhacken. Zusammen häkeln, an einander häkeln, mit kleinen Haken an einander befestigen. S. auch Anhäkeln, Forthäkeln, Zuhäkeln.


Häkelstahl (W3) [Adelung]


Der Häkelstahl, des -es, plur. die -stähle. bey den Kunstdrechslern, ein gekrümmter Drehstahl, besonders Kugeln in einander zu drehen; der von einem Häkel noch verschieden ist.


Hakelwerk (W3) [Adelung]


* Das Hakelwerk, des -es, plur. die -e, ein mit der Sache selbst nur in Niedersachsen übliches Wort, eine Art der Befriedigung um Häuser zu bezeichnen, wo über einem Zaune oder Plankenwerke, zwischen mehrern langen kreuzweise in die Erde geschlagenen Pfählen, ganze Fuder Busch- oder Reißholz geleget werden. Hakel bedeutet hier vermuthlich so viel als Hecke, gleichsam Heckenwerk. Daher der Hakelpfahl, einer von den langen spitzigen Pfählen, zwischen welchen dieses verwüstende und gefährliche Bollwerk lieget.


Haken (W3) [Adelung]


Der Haken, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Häkchen, Oberd. Häklein und zusammen gezogen Häkel. 1. * In der weitesten Bedeutung, ein jedes Werkzeug zum Stechen. In dieser nunmehr veralteten Bedeutung werden nur noch die rundlichen und scharfen Zähne der Pferde, welche sie erst im fünften Jahre bekommen, Haken oder Hakenzähne genannt. Sie folgen auf die Eckzähne. Auf ähnliche Art nennet man im Oberdeutschen auch die Spitzzähne der Kinder Häkerlein. 2. In engerer und gewöhnlichster Bedeutung, ein jedes krumm oder nach einem rechten oder spitzigen Winkel gebogenes Ding, oder krumm gebogenes Ende eines Dinges, besonders so fern es dazu dienet, andere Dinge damit herbey zu hohlen, damit zu befestigen, daran zu hängen u. s. f. 1) Überhaupt. Einen Haken an eine Nadel, an einen Draht biegen. Im Bergbaue wirft der Gang einen Haken, wenn er aus seiner Stunde absetzet, d. i. eine andere Richtung nimmt. Das Ding hat einen Haken, figürlich, es ist ein Hinderniß dabey, ein Aber, eine Bedenklichkeit. Der Englische Haken, an einer Stubenuhr, ein eiserner Bogen, dessen beyde Enden zwey Lappen in Gestalt zweyer Haken haben, wovon ein Zahn immer in das Steigerad greift, den Lauf des Räderwerkes zu hemmen und sich gleichförmig zu machen; Franz. Echappement. Die Schaufeln des Ankers werden um ihrer gekrümmten Gestalt willen gleichfalls Haken, sonst aber auch Fliegen und Flunken genannt. Bey den Drechslern ist der Haken oder das Baucheisen, ein gekrümmtes Dreheisen, bauchige Gefäße hohl auszudrehen. An den Kleidern befestiget man kleine Haken von Draht, oder Häkel, welche in ein Öhr, Nieders. Öse, eingreifen, gewisse Kleidungsstücke damit nach Belieben zu befestigen. Einen Missethäter in die Haken werfen, eine in der Türkey, in Rußland und andern Ländern übliche grausame Lebensstrafe, wo der Missethäter lebendig in einen an den Seiten mit scharfen großen eisernen Haken besetzten engen Thurm geworfen wird, worauf er sich spießen, und auf diese Art einen langsamen und schmerzlichen Tod erdulden muß. Die Haken der Tuchscherer sind von Eisen und haben die Gestalt eines Bogens, dessen Spitze an jedem Ende einwärts gebogen ist; die Zeuge mit Leisten werden damit auf dem Schertische befestiget und zugleich ausgedehnet. Und so in andern Fällen mehr. Nach der Bestimmung der Haken bekommen sie oft besondere zusammen gesetzte Nahmen, dergleichen Angelhaken, Brunnenhaken, Feuerhaken, Kesselhaken, Misthaken, Schlüsselhaken, Thürhaken, Widerhaken, Nußhaken, Winkelhaken u. a. m. Angel, Kräuel, Krücke, Krampe, Franz. Crampon, welches Wort dem Menage und Füretiere ein Räthsel ist, bedeuten in andern Fällen gleichfalls einem Haken. Ein Haken, womit etwas ergriffen und herbey gezogen wird, heißt Nieders. Dragge, Engl. Drag, von trecken, ziehen, oder tragen, so fern es ehedem gleichfalls ziehen bedeutete. 2) Besonders. (a) Ein in Niedersachsen übliches Werkzeug zum Ackern, welches weit einfacher als ein Pflug ist, keine Räder hat, und so wohl von Ochsen als Pferden gezogen werden kann; wegen seiner Gestalt, worin es einem Haken mit einem spitzigen Winkel gleicht. Es wird auch wohl ein Ackerhaken genannt. Siehe Haken, das Zeitwort. Schon bey dem Ulphilas ist Hoha ein Pflug, vielleicht unser heutiger Haken. Figürlich wird auch so viel Land, als man mit einem Haken in einer gewissen Zeit bestellen kann, in einigen Gegenden ein Haken genannt, wofür in andern Ländern das Wort Pflug üblich ist. So hält im Meklenburgischen eine gemeine Hufe zwey Haken. In eben dieser Bedeutung kommt Uncus bey dem du Fresne in Liefländischen Urkunde von 1242 und 1249 vor. S. Hakenhufe und Häker. (b) Eine ehemahlige Art eines Feuergewehres, dessen Schaft einen Haken hatte, vermittelst dessen es auf einem Gestelle ruhete, welches ein Bock genannt wurde. Es wurde auch eine Hakenbüchse genannt, zum Unterschiede von den Backenbüchsen, oder unsern heutigen kleinern Feuergewehren. Eine solche Hakenbüchse schoß vier Loth Bley, ein halber Haken aber, so jetzt den Nahmen einer Muskete führet, zwey Loth. S. Doppelhaken.

Anm. In dem alten Gedichte auf Carln den Großen bey dem Schilter Hahgen, im Nieders. Hake, im Dän. Hage, im Schwed. und Isländ. Hake, im Angels. Hoc, im Engl. Hook, im Böhm. und Pohln. Hak, im Normand. und Picard. Acq, Acque, Eich, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wohin auch Ecke, Achel u. s. f. ingleichen das Lat. Uncus und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gehören, welche sich, so wie das Deutsche Angel, bloß durch den eingeschobenen Nasenlaut unterscheiden. So fern dieses Wort ehedem etwas Spitziges überhaupt bedeutete, gehöret es zu dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, spitzig, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, stecken. Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt heißt im Schwed. das Kinn Hake, und im Nieders. die Ferse Hacke, S. dieses Wort.


Haken (W3) [Adelung]


Haken, verb. reg. act. vermittelst eines Hakens ergreifen, herbey ziehen u. s. f. wo es doch in den Zusammensetzungen anhaken, einhaken, abhaken u. s. f. am üblichsten ist. In den Gegenden, wo man sich statt eines Pfluges des Hakens bedienet, bedeutet das Zeitwort haken, mit diesem Werkzeuge ackern. Einen Acker haken, mit dem Haken bearbeiten. Da haket es, als ein Neutrum, für da hänget es, und figürlich, daran lieget es, das ist Hinderniß, ist Niedersächsisch.


Hakenband (W3) [Adelung]


Das Hakenband, des -es, plur. die -bänder, ein jedes Thür-Fenster- oder ähnliches Band, welches sich um einem Haken, oder eine Angel beweget, und daher mit einem Öhre versehen ist.


Hakenbüchse (W3) [Adelung]


Die Hakenbüchse, plur. die -n, S. Haken 2. 2) Das Französ. Arquebuse ist vermuthlich daraus gebildet.


Hakenhaue (W3) [Adelung]


Die Hakenhaue, plur. die -n, bey den Minirern, eine breite eingebogene Haue, dessen sie sich in lehmigem und festem Boden bedienen; Franz. Pic hojau.


Hakenhufe (W3) [Adelung]


Die Hakenhufe, plur. die -n, ein in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden übliche Feldmaß, welches in Pommern 15 Morgen hält, zum Unterschiede von einer Land- oder Dorfhufe, welche 30 Morgen, einer Tripelhufe, welche 45 Morgen, und einer Hägerhufe, welche 60 Morgen hält. Hakenhufe bedeutet hier vermuthlich so viel Land, als mit einem Haken das Jahr über bequem bestellet werden kann; S. Haken 2. 2) Im Meklenburgischen ist eine Häkelhufe in einem andern Verstande, eine Hufe Ackerland, im Gegensatze der Hufen in Rusch und Busch, d. i. des Waldes und der Weide.


Hakenkreuz (W3) [Adelung]


Das Hakenkreuz, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst, ein an den Enden mit Haken versehenes Kreuz.


Hakenlachs (W3) [Adelung]


Der Hakenlachs, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, eine Benennung des Männchens unter den Lachsen, wegen des krummen Schnabels oder Hakens, welchen er am Untermaule hat. Die Oberdeutschen Fischer nennen ihn Hagen.


Hakenmörser (W3) [Adelung]


Der Hakenmörser, des -s, plur. ut nom. sing. in der Geschützkunst, eine Art Handmörser, Handgranaten damit zu werfen.


Hakennadel (W3) [Adelung]


Die Hakennadel, plur. die -n, in der Geschützkunst, eine Nadel mit einem Haken, die Stärke des Metalles an einem Stücke durch das Zündloch damit zu messen.


Hakenpflug (W3) [Adelung]


Der Hakenpflug, des -es, plur. die -pflüge, in der Landwirthschaft, ein Pflug, welcher anstatt der Pflugschar, eine breite zweyschneidige Hakenschar hat, und in starkem Boden gebraucht wird, die gebrachten Äcker damit zu rühren, d. i. nach der Quere zu überpflügen, daher er auch ein Rührhaken, und mir einem vermuthlich Wendischen Worte auch Radlitz genannt wird. Die Arbeit selbst heißt das Hakenpflügen, das Balkenstreifen, das Rühren oder das Quiren, eigentlich Queren.


Hakenpulver (W3) [Adelung]


Das Hakenpulver, des -s, plur. inus. eine Art Schießpulvers, welches zu den Doppelhaken gebraucht wird; zum Unterschiede von dem Schlagen- und Karthaunenpulver.


Hakenrichter (W3) [Adelung]


Der Hakenrichter, des -s, plur. ut nom. sing. in Esthland, eine Art Polizeyrichter auf dem Lande, welche die Urtheile der Landesregierung mit Zuziehung der Bauern vollziehen. Ihrer sind in Esthland vier, welche aus dem Adel erwählet werden. S. Hakenhufe und Haken 2. 2).


Hakenschar (W3) [Adelung]


Die Hakenschar, plur. die -en, die große zweyschneidige und dreyeckige Schar an einem Haken; zum Unterschiede von der kleinern einschneidigen Pflugschar. Auch der Hakenpflug ist mit einer solchen Hakenschar versehen. Im gemeinen Leben lautet dieses Wort oft Hockschar, Hockenschar.


Hackenscheibe (W3) [Adelung]


Die Hackenscheibe, plur. die -n, in der Landwirthschaft, eine eiserne Scheibe mit einem Haken, welche an den Achsschenkel gesteckt wird, das dritte auf der Wildbahn gehende Pferd daran zu spannen.


Hakenschlüssel (W3) [Adelung]


Der Hakenschlüssel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schlüssel, welcher anstatt des Bartes oder Kammes nur einen Haken hat, und mehrere Schlösser schließet; an einigen Orten ein Krückel, und so fern man ihn zu verdächtigen Absichten gebraucht, ein Dieterich. S. Nachschlüssel.


Hakenschütze (W3) [Adelung]


Der Hakenschütze, des -n, plur. die -n, eine ehemahlige Art Soldaten, welche mit Haken oder Hakenbüchsen bewaffnet waren, und an deren Stelle die heutigen Musketiere gekommen sind; Franz. Arquebusier, Schwed. Hakeskytt.


Hakenzahn (W3) [Adelung]


Der Hakenzahn, des -es, plur. die -zähne, S. Haken 1.


Hakenwendung (W3) [Adelung]


Die Hakenwendung, plur. die -en, in Niedersachsen, wo man sich anstatt des Pfluges des Hakens bedienet, die Umwendung mit dem Haken. Ingleichen ein Längenmaß, einen so langen Raum zu bezeichnen, als man mit einem Haken ohne umzuwenden zu ackern pfleget.


Häker (W3) [Adelung]


Der Häker, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Derjenige, welcher den Acker mit dem Haken bearbeitet. 2) In einigen Niedersächsischen Gegenden, eine Art geringer Bauern, welche nicht mehr Acker haben, als sie mit einem Haken des Jahres bearbeiten können, und dafür dem Grundberren gewisse Handdienste leisten müssen. Sie scheinen von den oben erwähnten Hägern noch sehr verschieden zu seyn. Daher das Häkergut, das Gut eines solches Häkers.


Hakig (W3) [Adelung]


Hakig, adj. et adv. Haken oder einen Haken habend. Hakicht hingegen, einem Haken ähnlich.


Hakscheit (W3) [Adelung]


Das Hakscheit, des -es, plur. die -e, in die Salzwerken, starke Stäbe, woran die Pfanne mit ihren Haken eingehaket wird.


Häkse (W3) [Adelung]


Die Häkse, plur. die -n, der Kniebug an den größern Thieren, besonders an den Hinterfüßen derselben. In weiterer Bedeutung der ganze untere sehnige Theil des Fußes der größern Thiere, und im gemeinen Leben Niedersachsens auch wohl der Menschen. Im Oberd. Haxe, Hachse, Hächse, im Nieders. Hesse, im Osnabrück. und Pomm. Hespe; bey einigen Hochdeutschen auch wohl Häxe, Hexe, Hechse. An den Schöpps- und Kalbskeulen wird dieses Bein wegen einige Ähnlichkeit auch die Flegelkappe, ingleichen das Mägdebein genannt, weil man es den Mägden zu geben pfleget. Es gehöret zu dem Worte Hacke und drucket wie dieses die Ähnlichkeit dieses Buges mit einem Haken aus. Ihre hält das gleich bedeutende Schwed. Hasnar für ein von Hah, die Hacke, Ferse, und Sino, Sehne, zusammen gesetztes Wort. In der Monseeischen Glosse kommt aus 2 Kön. 8, 4 subnervavit vor, welches daselbst hasneta übersetzt wird. Schilter hält es für einen Fehler und will abasnita lesen; allein es bedarf dieser Verbesserung nicht, weil hasneta zu unserm Worte gehöret, und die Häksen abschneiden bedeutet. Frisch führet aus einer handschriftlichen Bibel-Übersetzung in der königl. Bibl. zu Berlin aus Josua 11 die Stelle an: Ihre Rosse sollt du enthehsenen, welches eben das ist.


Halb (W3) [Adelung]


1. Halb, halben und halber, drey Partikeln, wovon wenigstens die beyden letztern eigentlich Hauptwörter sind, und welche jetzt noch in folgenden Fällen gebraucht werden. 1) * Die Seite eines Körpers zu bezeichnen. Bey den Schwäbischen Dichtern bedeutet anderthalp, auf der andern Seite, bey dem Ottfried in allon anahalban min, auf meiner ganzen Seite. Doch in dieser Bedeutung ist es außer dem Worte allenthalben nunmehr veraltet, S. Halbe und Allenthalben. Im Oberdeutschen hat man noch beydenthalben, auf beyden Seiten, und enhalb, für jenseit. 2) Die Gegend, die Richtung in Beziehung auf einen andern Körper, wo das halb noch in einigen zusammen gesetzten Nebenwörtern vorkommt, und ungefähr so viel als -wärts bedeutet. Außerhalb, oberhalb, innerhalb, unterhalb, die äußere, obere, innere und untere Gegend eines Dinges zu bezeichnen. Da diese Nebenwörter alle Mahl die zweyte Endung des Hauptwortes erfordern, innerhalb der Stadt, unterhalb des Flusses, daher sie von einigen auch unter die Präpositionen gerechnet werden, so erhellet daraus, daß halb auch hier eigentlich das folgende Hauptwort die Halbe ist. Einige legen diesen Nebenwörtern auch noch die dritte Endung bey, welches aber in der anständigen Sprechart ungewöhnlich ist, und nur noch zuweilen bey dem großen Haufen vorkommt; z. B. innerhalb drey Tagen, für innerhalb dreyer Tage. Siehe diese Wörter selbst. Im Oberdeutschen hänget man dieses halb noch an andere Wörter. Sonnenhalb kommt bey dem Walser für südwärts vor, und in Boxhorns Glossen findet sich northhalba und sundhalba für nordwärts und südwärts. 3) Figürlich, werden halben und halber, so wie die ähnlichen Vorwörter willen und wegen, oft gebraucht, einen Bewegungsgrund zu bezeichnen, da sie denn die zweyte Endung des Hauptwortes erfordern und alle Mahl hinter demselben stehen. Ich thue es der Freundschaft halben. Deiner Verbrechen halben wirst du gestraft. Die Welt ist gewiß nicht allein des Menschen halben erschaffen. Ich habe ihn noch einiger Sachen halben zu sprechen. So auch ohne Artikel. Alters halber hätte er noch lange leben können. Gewissens halber zu etwas verbunden seyn. Halben wird in diesen Fällen gesetzet, wenn das vorher gehende Hauptwort den Artikel ausdrücklich bey sich hat; halber aber, wenn derselbe fehlet, da denn der Articulus Postpositivus dessen Stelle vertritt. Etwas des Gewinnstes halben thun, oder, etwas Gewinnstes halber thun. Die meisten gebraucht er halben und halber ohne diesen Unterschied zu beobachten, der doch sehr gegründet zu seyn scheinet. Wenn kein Artikel vorhanden ist, so pflegen viele des halber mit dem vorher gehenden Hauptworte zusammen zu ziehen; scheinshalber oder Scheinshalber, Bethenshalber, Neidshalber, Ehrenhalber, welches im gemeinen Leben mit dem hier sehr übel angebrachten t euphonico ehrenthalber lautet. Allein richtiger schreibt man sie getrennt, Scheines halber, Ehren halber. Ein wirklicher Fehler aber ist es, wenn man noch das Vorwort um dazu setzet, welches hier völlig überflüssig ist, obgleich Gottsched sagt, um des Wohlstands halber, für, des Wohlstandes halben. Halb und halben werden auch häufig mit einigen demonstrativen und relativen Fürwörtern zusammen gesetzet, welche alsdann gleichfalls in der zweyten Endung stehen, und mit diesen Wörtern die Gestalt eines Bindewortes bekommen. Derhalb oder derhalben, und nach der ältern Form derohalben, deßhalb oder deßhalben, weßhalb oder weßhalben, wo der, deß und weß die verkürzten Genitivi für derer oder deren, dessen und wessen sind, welche auch wohl im gemeinen Leben wirklich gebraucht werden, aber alsdann das t euphonicum annehmen; derenthalben, dessenthalben, wessenthalben. Siehe 2. Der

Anm. 3. Für derhalb sagt man lieber derhalben, aber deßhalb und deßhalben, weßhalb und weßhalben scheinen gleichgültig zu seyn; nur halber, welches viele in diesen Zusammensetzungen gleichfalls gebrauchen, möchte schwer zu vertheidigen seyn, weil halben eigentlich die dritte Endung des Plurals von dem Hauptworte Halbe ist, welche von einem ausgelassenen Vorworte regieret wird. Eben dieses gilt auch, wenn halben mit den zueignenden Fürwörtern mein, dein, sein, unser, euer, ihr, zusammen gesetzet wird, von welchen nur noch dieses zu merken ist, daß sie um des Wohlklanges willen statt des n ihres Genitivs, ein t annehmen; meinethalben, deinethalben, seinethalben, unserthalben, euerthalben, ihrethalben, für meinen, deinen, seinen, unsern, euern, ihren Halben. S. 2. Dein I. wo schon das nöthigste von dieser Zusammensetzung gesagt worden. Auf ähnliche Art sagt Cicero pro mea parte, meinethalben. Ehedem waren halb und halben noch in einigen andern Fällen üblich. Ist minan halbun gedan, heißt bey dem Ottfried, ist in meinem Nahmen gethan. Vbe Gott unser halb ist, bedeutet bey dem Notker, wenn Gott für uns ist. Halb, ein Bey- und Nebenwort, welches Einen Theil von zwey gleichen Theilen, worein ein Ganzes getheilet wird, bezeichnet. 1. Eigentlich, wo es nicht bloß von Körpern, sondern auch von der Zeit, dem Raume und mit Einem Worte von allen Dingen gebraucht wird, welche als ein Ganzes betrachtet werden können, und wobey man sich eine Theilung in zwey gleiche Theile oder Hälften gedenken kann. Ein halbes Brot, ein halber Apfel, der halbe Theil, eine halbe Kugel, ein halber Bogen Papier. Eine halbe Meile, eine halbe Elle, ein halbes Pfund, ein halber Zentner. Acht Fuß und ein halber. Der halbe Mond. Ein halber Feyertag, wovon nur die eine Hälfte gefeyert wird. Ein halber Ton. Ein halbes Jahr, ein halber Tag, eine halbe Stunde. Ein halber Thaler, ein halber Gulden, ein halber Louis d'or. Die Augen nur halb öffnen. Ich habe es nur halb, d. i. ich habe nur Eines von den zwey Theilen des Ganzen. Das Gefäß ist nur halb voll, es ist schon halb leer, bis auf die Hälfte. Etwas halb von einander brechen, schneiden u. s. f. Es ist nur halb so groß. Wo in vielen Fällen auf die Gleichheit der Theile nicht so genau gesehen wird. Halb London saß nunmehr an dem bestimmten Ort, Gell. Halb ein Mensch und halb ein Fisch seyn, oder halb Mensch, halb Fisch seyn. Doch welch Entsetzen, seine Schöne, Sein Liebling war halb Mensch, halb Fisch, Gell. Unsterblich, doch des Todes Raub, Sind wir halb Engel und halb Staub, Cron. Zu halben Tagen, oder zu ganzen halben Tagen spazieren gehen, d. i. mehrere halbe Tage, oft einen halben Tag spazieren gehen. Zu halben Stunden plaudern. Die halbe Jahre lang sich kalt zu stellen wissen, Gell. In manchen Fällen wird so wohl das Bey- als auch das Nebenwort gebraucht, den Punct oder die Linie zu bezeichnen, welche das Ganze in zwey gleich große, oder beynahe gleich große Theile theilet; die Mitte. Jemanden auf halben Wege begegnen, d. i. auf der Hälfte des Weges. Auf den halben Mann anschlagen, mit einem Feuergewehre nach der Mitte des Mannes zielen. Im gemeinen Leben sagt man auch im halben Märzen, im halben Aprill u. s. f. für in der Mitte des Märzes; auf der halben Zeit seyn, in der Hälfte oder der Mitte der Schwangerschaft; bis in den halben Tag schlafen u. s. f. Am häufigsten als ein Nebenwort von den Stunden der Uhr. Es ist halb zehen, d. i. neun Uhr und eine halbe Stunde. So auch halb eins, halb zwey u. s. f. Ich komme um halb fünf. Mit den ordnenden Zahlwörtern wird halb auf eine besondere Art verbunden, halbirende Grundzahlen daraus zu bilden, welche denn unabänderlich sind, und weder in Ansehung des Geschlechtes noch der Zahl verändert werden, auch keinen Artikel vor sich leiden. Anderthalb, d. i. eines und ein halbes; dritthalb, zwey und ein halbes; vierthalb, drey und ein halbes; dreyßigsthalb, neun und zwanzig und ein halbes. Anderthalb Jahr oder anderthalb Jahre. Dritthalb Gulden. Er both mir es um vierthalb Thaler. Ich habe ihn in fünfthalb Jahren nicht gesehen. Im gemeinen Leben pflegt man diese halbirenden Zahlen zuweilen zu decliniren, und in manchen Grammatiken findet man gar die Declination vorgeschrieben. Es sind anderthalbe Tage, vor drittehalben Jahren. Allein es ist solches ein eben so großer Mißbrauch, als wenn man diese halbirenden Grundzahlen zu Ordnungszahlen macht, wie im Oberdeutschen üblich zu seyn scheinet. Es gehet in das dritthalbe Jahr, für, es find bald dritthalb Jahre, oder, es gehet in die Hälfte des dritten Jahres, oder es gehet in das fünfte halbe Jahr. Man kann auf solche Art aus allen Zahlen halbirende Zahlen bilden; ein und zwanzigsthalb, d. i. zwanzig und ein halbes; neun und neunzigsthalb, acht und neunzig und ein halbes; hundertsthalb, neun und neunzig und ein halbes; tausendsthalb, neun hundert neun und neunzig und ein halbes u. s. f. Dieser Gebrauch der ordnenden Zahlwörter mit dem Worte halb hat etwas besonders an sich, aber er ist doch schon alt. Im Ripuarischen Gesetze Kap. 20, heißt es: quinto dimidio solido culpabilis iudicetur, d. i. um fünfthalb Schillinge; in dem Bündnisse der Könige Alfred und Godrin: reddat 34 solid, cum Anglis et cum Danis tres dimidias marcas, dritthalb Mark, nicht drey halbe; im Sachsenspiegel: quartus dimidius numerus. Auf ähnliche Art war bey den Griechen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, dritthalb Häller; - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, siebenthalb Talente. 2. Figürlich. 1) Von der Quantität, den Graden der Beschaffenheit, der innern Stärke u. s. f. im Gegensatze des ganz, wo aber auf die Gleichheit der Grade nicht so genau gesehen wird. Ein halber Feyertag, der nicht so feyerlich begangen wird, als ein ganzer. Ein halber Beweis, der noch keine völlige Überzeugung gewähret. Mit halber Stimme singen. Eine Sache nur halb verstehen. Er war schon halb todt. Noch halb schlafen. Halb betrunken seyn. Ihr seyd schon eine halbe Leiche, Gell. Es ist nur halb wahr. Halbe Wahrheiten, Dinge, von denen die Hälfte erlogen, und die andere erkünstelt ist, Hermes. Halbe Farben, in der Mahlerey, S. Mittelfarben. Die halbe Trauer, im Gegensatze der ganzen. Etwas mit halben Augen sehen. Mit halbem Winde fahren, in der Schifffahrt. 2) Besonders mit dem Nebenbegriffe der Unvollkommenheit. Gott nur halb dienen. Ich habe es nur halb gehöret. Seine Sachen nur halb verrichten. Es ist weder halb noch ganz, d. i. sehr unvollkommen. Er ist nur ein halber Mann, ein halber Gelehrter u. s. f. Halb und halb, im gemeinen Leben, für mittelmäßig, ein wenig, unvollständig. Ich habe es nur so halb und halb gehört. Hast du der Sache nachgedacht, die ich dir vorhin so halb und halb vorschlug? Less. Er gefällt mir halb und halb. 3) In andern Fällen gebraucht man dieses Wort, ein Ding von kleinerer oder geringerer Art anzudeuten, als ein andres von gleicher Art ist. Eine halbe Karthaune, im Gegensatze einer ganzen. S. auch die Zusammensetzungen Halbbier, Halbvogel u. s. f.

Anm. Halb, bey dem Ulphilas und Ottfried schon halb, im Nieders. half, im Angels. healf, im Engl. und Schwed. gleichfalls half, im Dän. halv, im Wendischen pol, ist in dieser Bedeutung eine Figur von dem vorigen Worte halb und von halbe, so fern es die Seite eines Dinges bezeichnet. S. Halbe und Hälfte. Man kann dieses Wort fast mit allen Haupt- und Beywörtern zusammen setzen, eine oder mehrere der jetzt gedachten Bedeutungen auszudrucken; wovon folgende etwa die bekanntesten seyn möchten. Mit Neben- und Beywörtern wird es oft, aber eben so irrig zusammen gezogen, als wenn man ganz mit ihnen zusammen ziehen wollte. Man schreibt daher lieber halb barbarisch, halb erhaben, halb tief u. s. f. als halbbarbarisch, halberhaben, halbtief. Einige wenige ausgenommen, wo andere Gründe die Zusammenziehung erfordern, als halbbürtig, halbjährig, halbfuderig u. s. f. S. die Sprachlehre.


Halbänte (W3) [Adelung]


Die Halbänte, plur. die -n, eine Art Wasservögel, in den mitternächtigsten Gewässern, welche zu den Patschfüßen gehören, vier Zehen haben, aber dem Kopfe, dem Halse, dem Schnabel und der Lage der Füße nach, ganz von einer Änte verschieden sind; Plotus anomalopes Klein. Ihre Füße sitzen außerhalb des Schwerpunctes ihres Körpers nahe am Hintern, daher sie nicht gehen können. Sie können sich auch nicht so lange als die Taucher unter dem Wasser aufhalten, obgleich andere sie zu den Tauchern rechnen.


Halbärmel (W3) [Adelung]


Der Halbärmel, des -s, plur. ut nom. sing. Ärmel von Leinwand, welche nur den halben Arm bedecken.


Halbbauer (W3) [Adelung]


Der Halbbauer, des -s, plur. die -n. 1) In einigen Gegenden, ein Bauer, der nur halb so viel Acker hat, als zu einem vollständigen Bauergute erfordert wird, im Gegensatze eines Vollbauers. 2) In einigen Gegenden, ein Pachter, der ein Landgut oder Grundstück um die Hälfte bauet, d. i. die Hälfte des Ertrages dem Eigenthümer anstatt des Pachtes entrichtet; Colonus partiarius. Er wird auch Halbmann, im Plural Halbmänner oder Halbleute, und ein solcher Vertrag die Halbbauerey genannt. S. Halbpacht.


Halbbier (W3) [Adelung]


Das Halbbier, des -es, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, geringes, schwaches Bier, welches entstehet, wenn man mit dem Kofent vor dem Aufstoßen etwas starkes Bier vermischet. S. Kofent.


Halbbild (W3) [Adelung]


Das Halbbild, des -es, plur. die -er, in den bildenden Künsten, halbe menschliche Gestalten mit oder ohne Arme, welche bis an den Unterleib in einem Steine zu stecken scheinen. Die Gränzgötter oder Gränzbilder sind solche Halbbilder.


Halbbruder (W3) [Adelung]


Der Halbbruder, des -s, plur. die -brüder, ein Bruder, der einen andern ehelichen Vater, oder eine andere Mutter hat; ein Stiefbruder, halbbürtiger Bruder. Eine solche Schwester wird eine Halbschwester, Stiefschwester oder halbbürtige Schwester, genannt, solche Geschwister aber Halbgeschwister, halbbürtige Geschwister, Stiefgeschwister, oder Geschwister von halber Geburt; alles im Gegensatze eines Vollbruders, einer Vollschwester oder der Vollgeschwister.


Halbbürtig (W3) [Adelung]


Halbbürtig, adj. et adv. im Gegensatze des vollbürtig, siehe das vorige.


Halbe (W3) [Adelung]


Die Halbe, plur. die -n, die Seite eines Dinges; ein in der anständigen Sprechart veraltetes und nur noch im gemeinen Leben übliches Wort. Jemanden von der Halbe ansehen, von der Seite, seitwärts. Ich habe es nur von der Halbe gesehen, von der Seite. Im Niedersächsischen wird es auch für Hälfte gebraucht. Auf der Halbe sitzen, auf der Hälfte des Stuhles oder des Gefäßes.

Anm. Schon bey dem Ottfried Halba, im Isidor thiu Halp, in der Monseeischen Glosse Halpo, im Nieders. Halve. Es scheinet dieses die erste eigentliche Bedeutung dieses Wortes zu seyn, welche sich noch in allenthalben erhalten hat, und wovon die Bedeutungen der oben befindlichen Wörter halb, halben und halber nur Figuren sind. Die Zeitwörter behalben, und umbehalben, für umgeben, kommen bey dem Notker vor.


Halbedelstein (W3) [Adelung]


Der Halbedelstein, des -es, plur. die -e, in der Naturgeschichte eine Benennung des Achates mit allen seinen Unterarten, des Carneoles, Chalcedons, Onyxes u. s. f. welche zwar eine schöne Politur annehmen, aber doch den Werth der eigentlichen Edelsteine nicht haben.


-halben (W3) [Adelung]


-halben, -halber, S. 1. Halb.


Halberbe (W3) [Adelung]


Der Halberbe, des -n, plur. die -n, ein Erbe, der nur die Hälfte erbet.


Halberhaben (W3) [Adelung]


Halberhaben, besser halb erhaben, S. Erhaben.


Hälberling (W3) [Adelung]


Der Hälberling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Mittelding von zwey Arten, ein Bastard, Blendling, Zwitter, d. i. ein Ding, welches von zwey Dingen verschiedener Art erzeuget worden, und daher jede Art nur halb an sich hat. Besonders werden die Bastarde oder Zwitter von Karauschen und Brassen Hälberlinge genannt.


Halbfenster (W3) [Adelung]


Das Halbfenster, des -s, plur. ut nom. sing. in der Baukunst, ein Fenster, welches nicht das Verhältniß eines gewöhnlichen Fensters hat, sondern, welches so breit als hoch, oder noch breiter als hoch ist; ein Bastardfenster, mit einem Italiänischen Worte eine Mezzanine.


Halbfisch (W3) [Adelung]


Der Halbfisch, des -es, plur. die -e. 1) Eigentlich, ein Ding, welches der einen Hälfte nach ein Fisch ist; dergleichen Halbfische die erdichteten Sirenen waren. 2) Im gemeinen Leben werden die getrockneten Schollen oder Platteiße, Pleuronectes Platessa L. Halbfische genannt, vermuthlich, weil sie halb von einander geschnitten sind, wenn sie zu uns gebracht werden.


Halbfleck (W3) [Adelung]


Der Halbfleck, des -es, plur. die -e, bey den Schustern, die kleinen Stücke starken Leders, woraus sie die Absätze zusammen setzen.


Halbfrucht (W3) [Adelung]


Die Halbfrucht, plur. die -früchte, nennet man in Ober-Sachsen gewisse dem Getreide ähnliche wilde Gewächse, als Trespe, Raden, Wildhafer u. s. f.


Halbfuchs (W3) [Adelung]


Der Halbfuchs, des -es, plur. die -füchse; eine Art Thiere, welche mit der Schnautze, dem Kopfe, den Zähnen und am Geruche, unsern gewöhnlichen Füchsen gleichen, von denen sie sich nur vermittelst des Schwarzes unterscheiden, der wir bey den Katzen mit abwechselnden Haaren geringelt ist. In weiterer Bedeutung werden vom Klein der Dachs, die Genethkatze und Zibethkatze mit dahin gerechnet. In engerer Bedeutung führet diesen Nahmen ein Südamerikanisches Thier dieser Art, welches daselbst Coati genannt wird; und von welchem es verschiedene Arten gibt.


Halbfüderig (W3) [Adelung]


Halbfüderig, adj. et adv. im Forstwesen, ein halbfüderiger Baum, der nur ein halbes Fuder ausmacht, d. i. deren man zwey auf einem Wagen mit vier Pferden fahren kann, und der auch ein halbgriffiger Baum genannt wird.


Halb-Galeere (W3) [Adelung]


Die Halb-Galeere, plur. die -n, ein Nahme, der in verschiedenen Ländern, z. B. in Rußland, denjenigen Galeeren beygeleget wird, welche kleiner als die gewöhnlichen Galeeren sind, und in der mittelländischen See Galleoten genannt werden.


Halbgelehrte (W3) [Adelung]


Der Halbgelehrte, des -n, plur. die -n, oder ein Halbgelehrter, ein Gelehrter, welcher diejenigen Wissenschaften, zu welchen er sich bekennet, nur halb, d. i. unvollständig verstehet. In weiterer Bedeutung auch wohl ein jeder, welcher sich von gelehrten Wissenschaften einige historische Kenntnisse erworben hat.


Halbgerinne (W3) [Adelung]


Das Halbgerinne, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, ein Gerinne, welches nur aus zwey Seiten bestehet.


Halbgeschoß (W3) [Adelung]


Das Halbgeschoß, des -sses, plur. die -sse, in der Baukunst, ein Geschoß, welches nur halb so hoch ist, als ein gewöhnliches; Franz. Entresole. Die in einem solchen Geschosse befindlichen Zimmer werden daher Halbzimmer genannt.


Halbgeschwister (W3) [Adelung]


Das Halbgeschwister, des -s, plur. inus. oder die Halbgeschwister, sing. inus. S. Halbbruder und Geschwister.


Halbgesell (W3) [Adelung]


Der Halbgesell, des -en, plur. die -en. bey einigen Handwerkern, ein Lehrling, der zwar ausgelernet hat, aber noch nicht förmlich zum Gesellen gesprochen ist, und bey andern ein Jünger, bey den Buchdruckern aber ein Cornut genannt wird.


Halbgetreide (W3) [Adelung]


Das Halbgetreide, des -s, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. vermischtes Getreide, welches halb aus Einer und halb aus einer andern Art bestehet, und im gemeinen Leben auch Gemangkorn, Mangkorn, Mischkorn genannt wird.


Halbgott (W3) [Adelung]


Der Halbgott, des -es, plur. die -götter, in der Mythologie der Griechen und Römer eine Art Untergötter, zu welcher die vergötterten Menschen gerechnet wurden.


Halbgriffig (W3) [Adelung]


Halbgriffig, adj. et adv. S. Halbfuderig.


Halbhemd (W3) [Adelung]


Das Halbhemd, des -es, plur. die -en, ein Hemd, welches nur halb so lang ist, als ein gewöhnliches, oder auch nur ein Vordertheil mit dem Halsbunde hat.


Halbholz (W3) [Adelung]


Das Halbholz, des -es, plur. die -hölzer, Bauholz, welches entstehet, wenn man einen Baum Ein Mahl der Länge nach säget oder spaltet.


Halbhüfener (W3) [Adelung]


Der Halbhüfener, plur. ut nom. sing. ein Bauer, der nur eine halbe Hufe besitzet; ein Halbbauer, in Nieders. ein Halbmeier, in Österreich ein Halblöhner, im Braunschweigischen ein Halbspänner; im Gegensatze eines Ganzhüfeners, Haupthüfeners oder Vollhüfeners.


Halbjährig (W3) [Adelung]


Halbjährig, adj. et adv. was ein halbes Jahr dauert, alle halbe Jahre geschiehet u. s. f.


Halbig (W3) [Adelung]


+ Halbig, adj. et adv. nur in den niedrigen Sprecharten, besonders Niedersachsens, wo es für halb, von der Zeit, gebraucht wird. Es ist halbig zehen, halb zehen. Ingleichen für so ziemlich, mittelmäßig, ein wenig halb und halb. Ich kann es halbig errathen. Der Kranke befindet sich so halbig. Er besitzet einige halbige Erkenntniß von der Sternkunde. In dem Munde des großen Haufens lautet dieses Wort bald halbicht, bald halweg, und halwege, welches gleichfalls daraus verderbt worden. Im Bergbaue werden auch die Hebearme an der Pochwelle, welche die Stämpel ausheben, die Halbigen genannt, vermuthlich, weil an jeder Seite der Wälle die Hälfte davon hervor raget.


Halbinsel (W3) [Adelung]


Die Halbinsel,


Halbiren (W3) [Adelung]


Halbiren, verb. reg. act. welches aus dem Deutschen Worte halb un der Lateinischen Endung -iren gebildet, und nur in der Rechenkunst, ingleichen im gemeinen Leben üblich ist, in zwey gleiche Theile theilen. S. -iren.


Halbkaninchen (W3) [Adelung]


Das Halbkaninchen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Amerikanischer und Afrikanischer Thiere, welche in vielen Stücken den Kaninchen gleichen, aber noch von ihnen verschieden sind. Afterkaninchen, Cavia L.


Halbkreuzer (W3) [Adelung]


Der Halbkreuzer, des -s, plur. ut nom. sing. oder vielmehr der Halbkreuz, des -es, plur. die -e, bey den Maltheser-Rittern, eine Art Ordensglieder, welche weltlich sind, und nur Ein Gelübd ablegen, worin sie sich verbinden, dem Orden treu und hold zu seyn. Sie werden auch Donati genannt.


Halbkugel (W3) [Adelung]


Die Halbkugel, plur. die -n, eine halbe Kugel, ingleichen der halbe Theil einer Kugel, als ein Ganzes betrachtet; Hemisphaerium.


Halblaken (W3) [Adelung]


Das Halblaken, des -s, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. in Niedersachsen, ein Gewirke, dessen Aufzug aus hänfenem Garne, der Eintrag aber aus Heide oder Flachs bestehet. Von dem Nieders. Laken, Tuch, oder grobe Leinwand.


Halblehen (W3) [Adelung]


Das Halblehen, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, ein Grundstück, welches auf eine bestimmte Anzahl Jahre in Leben gegeben, oder vielmehr verpachtet wird, und die Verpachtung dieser Art.


Halbleute (W3) [Adelung]


Die Halbleute, sing. inus. S. Halbmann.


Hälbling (W3) [Adelung]


Der Hälbling, des -es, plur. die -e, eine ehemahlige Benennung der Häller, einen halben Pfennig zu bezeichnen, welche schon in dem Schwabenspiegel vorkommt. S. Häller.


Halblöhner (W3) [Adelung]


Der Halblöhner, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Österreich, ein Bauer, der nur mit zwey Pferden oder Ochsen dienet, zum Unterschiede von einem Ganzlöhner. S. Halbhüfener und Löhner.


Halbmann (W3) [Adelung]


Der Halbmann, des -es, plur. die -männer, oder Halbleute, ein Pachter, der statt des Pachtes die Hälfte des Ertrages von einem Grundstücke an den Eigenthümer gibt; Nieders. Halfmann. S. Halbbauer und Halbpachter. Ehedem wurde auch ein Verschnittener oder Castrat ein Halbmann genannt.


Halbmast (W3) [Adelung]


Die Halbmast, plur. car. im gemeinen Leben, eine Benennung der Buchmast, weil sie nicht so gut mästet, als die Eichelmast. Daher halbmästige Hölzer oder Waldungen, welche nur Buchmast enthalten.


Halbmeier (W3) [Adelung]


Der Halbmeier, des -s, plur. ut nom. sing. in Niedersachsen, ein Meier, welcher nur ein halbes Meiergut besitzet; zum Unterschiede von einem Vollmeier.


Halbmeister (W3) [Adelung]


Der Halbmeister, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, ein Untergebener des Feldmeisters, der auch ein Miethmeister genannt wird, und mit der Kavillerey, ingleichen mit Vollziehung des Staupenschlages und der Landesverweisung zu thun hat.


Halbmesser (W3) [Adelung]


Der Halbmesser, des -s, plur. ut nom. sing. der halbe Durchmesser eines Zirkels, d. i. eine gerade Linie, welche von dem Mittelpuncte bis an den Umkreis gezogen wird; Radius, Semidiameter.


Halbmetall (W3) [Adelung]


Das Halbmetall, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein mineralischer Körper, welcher an Schwere und Glanz den Metallen gleicht, im Feuer aber flüchtig ist, und sich unter dem Hammer nicht treiben lässet. Dergleichen sind der Wißmuth, der Zink, der Arsenik, der Kobalt, und nach einigen auch das Quecksilber.


Halbmutter (W3) [Adelung]


Die Halbmutter, plur. die -mütter, an einigen Orten, die Stiefmutter.


Halbneue (W3) [Adelung]


Die Halbneue, der -n, beyden Jägern, ein Nahme des aufthauenden Schnees am Morgen. S. Neue.


Halbpacht (W3) [Adelung]


Der Halbpacht, des -es, plur. die -e, ein Pacht um die Hälfte, d. i. wo der Pachter anstatt des Pachtes die Hälfte des Ertrages an den Eigenthümer entrichtet; an einigen Orten die Halbbauerey, im Gegensatze des Ganzpachtes. Daher der Halbpachter, an andern Orten der Halbbauer, der Halbmann. S. diese Wörter.


Halbpfeiler (W3) [Adelung]


Der Halbpfeiler, des -s, plur. ut nom. sing. in der Baukunst, ein kurzer Pfeiler über einem stärkern; Ital. Conforto, Franz. Soutin.


Halbschatten (W3) [Adelung]


Der Halbschatten, des -s, plur. ut nom. sing. in der Mahlerey, die Schattirung zwischen Licht und Schatten, der Übergang des Lichtes in den Schatten; bey einigen die Zwischenfarbe. Eben dieselbe Bedeutung hat es in der Astronomie, wo der Halbschatten, z. B. des Mondes, zwischen zwey Linien enthalten ist, deren eine die Sonne zur Rechten und den Mond zur Linken, die andere aber die Sonne zur Linken und den Mond zur Rechten berühren; dagegen sich der volle Schatten zwischen zwey Linien befindet, welche die Sonne und den Mond auf einer und eben derselben Seite berühren.


Halbscheid (W3) [Adelung]


Die Halbscheid, plur. die -e, im gemeinen Leben, die Hälfte, der halbe Theil eines Dinges; ohne Zweifel von scheiden, theilen. In der höhern Schreibart macht es eine schlechte Figur, obgleich Breitingeres in dem Ausdrucke die Halbscheid der Nationen, in der Schweizerischen Übersetzung des Milton, für ein Machtwort erkläret.


Halbschuldig (W3) [Adelung]


Halbschuldig, adj. et adv. welches nur in Westphalen als ein Hauptwort üblich ist, wo Halbschuldige eine Art Leibeigener sind; zum Unterschiede von den Vollschuldigen. S. Schuldig.


Halbschürig (W3) [Adelung]


Halbschürig, adj. et adv. welches, besonders von der Wolle, für zweyschürig gebraucht wird. Halbschürige Wolle, welche zum zweyten Mahle abgenommen worden, da sie erst halb ausgewachsen ist, und ihre völlige Länge und Stärke noch nicht erhalten hat. Von dem Zeitworte scheren. Figürlich, in Niedersachsen, auch für unreif, übereilt, unzeitig. Ein halbschieriger (halbschüriger) Einfall, eine Unbesonnenheit, ein Wortspiel u. s. f. Less.


Halbschwester (W3) [Adelung]


Die Halbschwester, plur. die -n, S. Halbbruder.


Halbspänner (W3) [Adelung]


Der Halbspänner, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. in Braunschweig, ein Bauer, der nur ein halbes Anspanngut besitzet; S. Halbhüfener.


Halbsparren (W3) [Adelung]


Der Halbsparren, des -s, plur. ut nom. sing. in der Bau- und Zimmermannskunst, kleine Hölzer an einem Dachwerke, welche mit dem untersten Ende in den Dachbalken, und mit dem obern in die Grathsparren eingezapfet, oder an die Ecksparren angeschäftet werden.


Halbstädtchen (W3) [Adelung]


Das Halbstädtchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ort, welcher halb eine Stadt und halb ein Dorf ist; ein Flecken.


Halbstiefel (W3) [Adelung]


Der Halbstiefel, des -s, plur. die -n, kurze Stiefeln, welche nur bis an die Waden, oder nahe über die Waden gehen.


Halbtuch (W3) [Adelung]


Das Halbtuch, des -es, plur. die -tücher. 1) Im Jagdwesen, niedrige Jagdtücher, welche nur drey Ellen hoch sind. 2) Ein wollener Sommerzeug, welcher nur auf Einer Seite tuchartig ist; plur. nur von mehrern Arten.


Halbverdeck (W3) [Adelung]


Das Halbverdeck, des -es, plur. die -e, auf den Schiffen, der unter dem Vordercastelle befindliche Raum.


Halbvieh (W3) [Adelung]


Das Halbvieh, des -es, plur. inus. in der Landwirthschaft, von Schafen, eine Schäferey, wo der Schäfer und die Herrschaft die Nutzung von den Schafen zur Hälfte genießen.


Halbwege (W3) [Adelung]


Halbwege, S. Halbig.


Halbwerk (W3) [Adelung]


Das Halbwerk, des -es, plur. die -e, in den Niedersächsischen Torfländern, ein Haufen gestochener Torf, welcher nicht sein völliges Maß hat, gleichsam ein halbes Tagewerk; im Gegensatze eines Vollwerkes.


Halbwüchsig (W3) [Adelung]


Halbwüchsig, adj. et adv. noch nicht völlig ausgewachsen, erst zur Hälfte gewachsen. Halbwüchsige Hasen, bey den Jägern, junge, aber schon eßbare Hasen. Nieders. halfwassen, halbwachsen, oder halb gewachsen.


Halbzimmer (W3) [Adelung]


Das Halbzimmer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Halbgeschoß.


Halbzirkel (W3) [Adelung]


Der Halbzirkel, des -s, plur. ut nom. sing. der halbe Theil, die Hälfte einer Zirkellinie oder einer Zirkelfläche. Die Seefahrer haben einen solchen Halbzirkel zur Messung der Höhe. In der Musik ist der Halbzirkel figürlich eine Art Läufer, welche aus vier Noten bestehet, wovon die zweyte und vierte auf einer und eben derselben Stufe stehen; zum Unterschiede von einer Walze, wo die erste und dritte auf eben derselben Stufe stehen.


Halde (W3) [Adelung]


Die Halde, plur. die -n. 1) * Die jähe, anhängige Seite eines Berges, oder einer Anhöhe; eine nur noch im Oberdeutschen übliche Bedeutung, in welcher es auch als ein Beywort üblich ist. An halden und jähen Örtern, Matthes. Bey andern lautet dieses Beywort hallig, haldicht, abhäldig, aufhäldig, niederhällig u. s. f. welche, so wie die zusammen gesetzten Berghalde und Thalhalde, noch hin und wieder im Oberdeutschen vorkommen. 2) * Ein Hügel, er sey groß oder klein; gleichfalls am häufigsten im Oberdeutschen, wo Halde, Haldine; Halle einen jeden Hügel bedeutet. Bey den Sächsischen Bergleuten sind Halden diejenigen Hügel von Schutt, tauber Erde und Gestein, welche aus den Bergwerken gefördert werden, oder nach der Berg- und Hüttenarbeit übrig bleiben; Schutthaufen. Die Halden ausklauben, eben daselbst, das darunter aus Versehen gerathene Erz aussuchen. Eine Halde einebenen, sie abtragen und eben machen. Halden stürzen, durch Zusammenführung tauber Erde und Steine solche Halden machen. Eine Gewerkschaft auf die Halde setzen, im Bergbaue, ihr das Feld, das Recht an einem Ganze gerichtlich absprechen. Nach einer andern Figur bedeutet, jemanden auf die Halde setzen, bey den Bergleuten so viel, als ihn betriegen, hintergehen. Anm. Es ist ein sehr altes Wort, welches in Boxhorns Glossen Haldo, im Dän. Häld, im Böhm. Halda, im Spanischen Halde, in den Florentinischen Glossen Halda lautet. Daher kommt auch das Zeitwort helden, neigen, welches bey dem Notker mehrmahls vorkommt. Helde ze mir din ora, Notker; und an einem andern Orte lautet es bey ihm halten. Um Vesper-Zeit, da sich die Sunn vast haltet, da sich die Sonne neiget, Etterlin bey dem Frisch. Das Lat. altus, hoch, welches der Hauptbegriff in diesem Worte zu seyn scheinet, ist genau damit verwandt. Die Niedersächsische Mundart hat noch das Zeitwort hellen, welches so wohl abhangen, sich neigen, als auch von einem abhängigen Orte herunter fließen, und endlich auch active, abhängig machen, bedeutet. Eine Tonne hellen, sie hinten in die Höhe heben, damit sie abhängig werde. Nach einer Figur stammet daher Nieders. hilde, hurtig, geschäftig. Halde und Hügel sind bloß in den Endsylben unterschieden; beyde kommen von dem alten ha, hoch, her, welches in einigen Sprecharten einen starken Hauch, in andern den Blaselaut, wie in Hause, in andern aber das flüssige l angenommen hat. Im Engl. heißt ein Hügel nur Hill. S. Hoch, Hügel, Haufe u. s. f. daher Frischens Ableitung von halten, weil man an einem Berge halten müsse, von selbst wegfällt.


Hälfte (W3) [Adelung]


Die Hälfte, plur. die -n, das Hauptwort des Bey- und Nebenwortes halb, welches schon im Nieders. half lautet. 1) Ein Theil von zwey gleichen Theilen, worein ein Ganzes getheilet, oder als getheilt betrachtet wird. Die Hälfte eines Zirkels, eines Eimers Wein, des Gehaltes u. s. f. Die zwey Hälften wieder zusammen setzen. Wo man im gemeinen Leben es mit der Gleichheit der Theile so genau nicht nehmen muß. Es ist jetzt um die Hälfte mehr, um die Hälfte größer. Die Ausgaben mit einem andern zur Hälfte tragen, die Hälfte, oder den halben Theil dazu beytragen. Der Gewinn soll zur Hälfte (der Hälfte nach, halb,) dein seyn. Die Nutzung zur Hälfte genießen. Daß ich deine Güte nicht zur Hälfte verdiene, Weiße. 2) Derjenige Punct, oder diejenige Linie, welche ein Ding in zwey gleich große, oder ungefähr gleich große Theile theilet; die Mitte. Ein Gefäß bis zur Hälfte voll machen. Wir sind auf der Hälfte unserer Reise. Die Hälfte des Weges. Bey dem Ulphilas Halbeta, im Nieders. Halve. S. Halb und Halbe.


Halfter (W3) [Adelung]


Die Halfter, plur. die -n, Diminut. das Halfterchen, Oberd. Halfterlein, überhaupt ein jedes Werkzeug, wodurch ein anderes Ding gehalten oder seiner Freyheit beraubt wird; in welcher Bedeutung es aber veraltet ist. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur noch von einem Zaume ohne Gebiß, welchen man manchen Thieren, besonders aber den Pferden anzulegen pfleget, sie im Stalle damit zu befestigen. Ein Pferd an der Halfter führen, es an die Halfter legen. Bey den Wundärzten ist die Halfter eine Art Binde, welche unter die Kinnbacken gelegt wird und über dem Kopfe zusammen gehet. Auch der Hosenträger wird oft die Halfter genannt. Man muß dieses Wort nicht mit Holfter verwechseln, S. dasselbe.

Anm. Im Nieders. ohne Blaselaut Halter, im Engl. und Holländ. gleichfalls Halter, im Angels. Haelftre. Es stammet von halten her, von welchem Zeitwort ehedem auch die Fesseln Halden oder Helden, Schwed. Haella, genannt wurden. Der Blaselaut ist von den Oberdeutschen einige schoben, wofür einige Niederländische Gegenden den Hauchlaut haben, Helchter. Wachter und Frisch leiten es sehr unwahrscheinlich von halb ab.


Halftergeld (W3) [Adelung]


Das Halftergeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, dasjenige Trinkgeld, welches der Käufer eines Pferdes dem Knechte des Verkäufers zu reichen verbunden ist; Nieders. Haltergeld, im mittlern Lat. Chavestragium, Capistragium, Chevestragium, von Capistrum, die Halfter, welche in dieser Bedeutung schon im 13ten und 14ten Jahrhunderte vorkommen.


Halfterkette (W3) [Adelung]


Die Halfterkette, plur. die -n, eine eiserne Kette, womit das Pferd vermittelst der Halfter an seinen Stand befestiget wird.


Halftern (W3) [Adelung]


Halftern, verb. reg. act. Ein Pferd halftern, ihm die Halfter anlegen. Im gemeinen Leben sagt man auch figürlich, sich mühsam durchhalftern, die Hindernisse mühsam überwinden, wo es aber ein Intensivum und Iterativum von helfen zu seyn scheinet.


Hall (W3) [Adelung]


Der Hall, des -es, plur. die -e, ein in dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen veraltetes Wort, den Schall auszudrucken. Als das Volk den Hall der Posaunen hörete, Jos. 6, 20. Ein Lied - deß Hall erschallen wird bis an der Welt Ende, Jerem. 25, 30. Er achtet nicht der Drommeten Hall, Hiob 39, 24. Es kommt nur noch zuweilen in der höhern Schreibart vor.

Anm. Dieses alte Wort, welches schon in dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, loben, zum Grunde lieget, ist nachgehends durch Vorsetzung des Zischlautes in Schall verändert worden, S. dasselbe. Durch Vertauschung des Hauchlautes mit den Gaumenlauten ist Gall, und gällen, das alte kallen, Griech. §, daraus geworden. S. auch Heulen, Wiederhall, Nachhall, Einhällig, Gehehlen, Mißhällig u. s. f. wo es noch theils in eigentlicher, theils in figürlicher Bedeutung üblich ist.


Hallbursch (W3) [Adelung]


Der Hallbursch, des -en, plur. die -e, ein gemeiner Salzarbeiter in den Salzwerken, S. Halle 4) und Hallor.


Halldrommete (W3) [Adelung]


* Die Halldrommete, besser Halltrompete, plur. die -n, ein ungewöhnliches, nur in der Deutschen Bibel übliches Wort, eine Art stark hallender Trompeten zu bezeichnen, mit welchen bey den ehemahligen Juden das Halljahr angekündiget wurde. 4. Mos. 31, 6.


Halle (W3) [Adelung]


Die Halle, plur. die -n, ein sehr altes Wort, welches überhaupt ein bedecktes Gebäude, einen bedeckten Ort bedeutet, besonders aber folgende Gebäude dieser Art bezeichnet. 1) Eine an ein größeres Gebäude angebauete Hütte oder Bude, welche oben bedeckt ist, an den Seiten aber auch offen seyn kann. In diesem Verstande wurden die an größern, besonders öffentlichen Gebäuden angebaueten Kramläden dieser Art, welche in Leipzig Bühnen, d. i. Buden, heißen, schon in den ältesten Zeiten Hallen genannt, und an einigen Orten führen sie diesen Nahmen noch. In weiterer Bedeutung hießen hernach alle Kaufhäuser, oder öffentliche Gebäude, worin mehrere Kaufleute ihre Waaren feil hatten, Hallen, im mittlern Lat. Halae, Halli, im Franz. Halles, und an einigen Orten führen sie diesen Nahmen noch. 2) Besonders, ein oben bedecktes Vorgebäude an den Kirchen, und öffentlichen Gebäuden, besonders vor den Thüren derselben; ein Vorhof vor einem solchen Gebäude, besonders wenn er bedeckt ist. Salomo bauete eine Halle vor dem Tempel, zwanzig Ellen lang, 1 Kön. 6, 3. Ingleichen eine Halle von Säulen, eine Gallerie, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, vor seinem Pallaste, 50 Ellen lang und 30 Ellen breit, und noch eine Halle vor diese mit dicken Säulen und Balken, ingleichen eine Halle zum Richtstuhl, darin man Gericht hielt, 1 Kön. 7, 6, 7. Die Halle am Thor, Ezech. 40, 8. In dem 1523 zu Basel gedruckten neuen Testamente Luthers wird Halle durch Vorlaube, Fürschopf, ( S. Schoppen,) Yngang erkläret. Auch in dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet, wo man es nur noch zuweilen von dem bedeckten Platze vor einer Kirchthür gebraucht. An andern Orten führet auch wohl der innere Raum einer Kirche zunächst an den Hauptthüren, besonders unter dem Glockenthurme Diesen Nahmen. Eine solche Halle wurde in den katholischen Kirchen ehedem auch eine Leichhalle, oder ein Laithaus genannt, weil die Laien- oder Leutpriester darin Messe lesen durften. 3) * Ein großer Saal, besonders so fern er zu öffentlichen Versammlungen bestimmt ist, und ehedem an den Seiten nur frey stehende Säulen hatte, und in weiterer Bedeutung auch wohl ein jeder Saal. Auch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet, ob sie gleich ehedem in mehrern Sprachen sehr häufig war; wie aus dem Angels. Healle, dem Engl. Hall, und hundert andern erhellet. Bey dem Ulphilas bedeutet Alh, so wie im alt Schwed. Hall, einen Tempel. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und Lat. Aula, haben den Hauch gleichfalls noch nicht. Durch einen gewöhnlichen Übergang des Hauchlautes in den Zischlaut ist unser Deutsches Saal, Franz. Salle, Ital. Sala, daraus entstanden. 4) Ein jedes oben bedecktes und an den Seiten offenes Gebäude. Der Teich zu Bethesda hatte fünf Hallen, Joh. 5, 2. Auch diese Bedeutung ist im Deutschen veraltet, außer daß sie noch zuweilen von den Salzkothen gebraucht wird, welche an einigen Orten noch Hallen oder Salzhallen heißen. Noch häufiger wird es als ein Collectivum gebraucht, alle bey einem Salzwerke befindliche und dazu gehörige Kothen und Gebäude zu bezeichnen; wo es denn endlich zu einem eigenthümlichen Nahmen geworden ist, daher noch so viele Orte in Deutschland von den noch jetzt daselbst befindlichen, oder doch ehemahligen Salzwerken, Halle genannt werden. Zu Halle in Sachsen heißt das Thal, worin die Salzbrunnen befindlich sind, die Halle. S. Hallor. Er hat Sprachforscher gegeben, welche Halle in dieser Bedeutung von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Sal, Salz, herleiten wollen; allein man hat in den verwandten Sprachen mehrere Beweise, daß Halle eigentlich ein jedes Gebäude bedeutet habe, wohin das mittlere Latein. Hala, und das alte Schwed. Hall gehören; zumahl da viele Orte den Nahmen Halle führen, welche nie Salzbrunnen oder Salzwerke gehabt haben. Indessen, so, fern die Salzbrunnen gemeiniglich in Thälern angetroffen werden, daher die ganze Gegend derselben zu Halle in Sachsen auch nur das Thal, und die Salzarbeiter oder Halloren Thallente heißen, so kann auch Halde, oder nach weichern Mundarten Halle, die abhängige Seite, und figürlich, ein Thal mit in Betrachtung kommen.

Anm. Das hohe Alter dieses Wortes und die Übereinstimmung seines Lautes mit so vielen andern ähnlichen, macht dessen Abstammung schwankend und ungewiß; ob es gleich an Muthmaßungen nicht fehlet, welche sich ohne Mühe noch mehr würden häufen lassen, wenn man einigen Nutzen davon haben könnte. Siehe auch Gallerie, welches davon abzustammen scheinet. Daß Halle in einigen Mundarten so viel als Halde ist, ist schon bey diesem Worte angemerket worden.


Halleluja (W3) [Adelung]


Halleluja, ein Hebräisches, aus - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, loben, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Herr, Gott, zusammen gesetztes Wort, welches eigentlich lobet den Herren! bedeutet, und sich in der Deutschen Bibel am Schlusse vieler Psalmen und einzelner Verse derselben befindet. Bey den Juden werden der 113te bis zum 117ten Psalme, das große Halleluja genannt, weil diese Psalmen wichtige Wohlthaten enthalten, und daher von ihnen so wohl am Osterfeste, als auch am Lauberhüttenfeste abgesungen werden. Der heil. Hieronymus soll diese Formel zuerst in die Kirchengesänge eingeführet haben, besonders in diejenigen, welche um Ostern gesungen werden. An einigen Oberdeutschen Orten wird der Buchampfer oder Guckgucksklee, Oxalis Acetosella L. Halleluja genannt, weil er um Ostern, d. i. zu derjenigen Zeit blühet, wenn in den Kirchen das Halleluja gesungen zu werden pflegt. Die Weglassung des h, Alleluja, ist eben so fehlerhaft, als wenn in den Kirchenliedern, um des Sylbenmaßes willen, der Ton auf die zweyte Sylbe geleget.


Hallen (W3) [Adelung]


Hallen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und, so wie das Hauptwort Hall, im Hochdeutschen nur noch in der höhern Schreibart für schallen gebraucht wird. Die frohen Haine hallen, Da Zephyrs Hauch und Scherz in ihren Haaren wallen, Haged. wo es auf eine ungewöhnliche Art für rauschen, lispeln, gebraucht wird.

Anm. Hallen, hellen, kommt schon bey dem Notker, Ottfried und andern für schallen vor. S. Hall, Hell, Gällen, Heulen, Schallen u. s. f.


Häller (W3) [Adelung]


Der Häller, des -s, plur. ut nom. sing. die geringste Münzsorte, welche einen halben Pfennig gilt. Jemanden bey Häller und Pfennig bezahlen, völlig, bis auf den letzten Häller. Wer den Häller nicht spart, wird keines Pfenniges Herr, und, was zum Häller geschlagen ist, wird kein Groschen werden, sind im gemeinen Leben übliche sprichwörtliche Redensarten. In Schlesien ist Häller auch eine Art eines kleinen Gewichtes, deren zwey auf einen Denar, acht auf ein Quent und zwey und dreyßig auf ein Loth gehen.

Anm. In Oberschwaben Haller, im Böhm. Halrj. Es ist schon eine alte Meinung, daß diese Art Münze ihren Nahmen von der Stadt Halle in Schwaben habe, weil sie daselbst zuerst gemünzet worden, daher man sie im mittlern Lat. auch Hallensis nannte. Allein es ist wahrscheinlicher, daß sie von Halb genannt worden, weil sie vom Anfange an einen halben Pfennig galt, und daher auch mit den Pfennigen in ihrem Werthe stieg und fiel. Im Schwabenspiegel wird ein Häller Hälberling, Helbling, und im Engl. Halfpenny genannt, ungeachtet die Englischen Häller von den Deutschen im Werthe sehr verschieden sind, und sich mehr unsern alten Hällern nähern, deren 60 einen Gulden machten. S. Pfennig und Kreuzer. Man mag nun eine Abstammung annehmen, welche man will, so folget doch daraus, daß dieses Wort richtiger mit einem ä als mit einem e geschrieben wird, obgleich das e in hundert andern Fällen die Stelle des ä vertritt.


Hällerarm (W3) [Adelung]


Hällerarm, adj. et adv. sehr arm, der gleichsam keinen Häller im Vermögen hat, blutarm.


Hallige (W3) [Adelung]


* Die Hallige, plur. die -n, ein nur in einigen Niedersächsischen Gegenden, z. B. im Herzogthum Schleßwig, übliches Wort, alles an der offenen See liegendes unbedeichtes Land zu bezeichnen, welches bey der Fluth ganz oder zum Theil überschwemmt wird. Es gehöret ohne Zweifel zu dem Worte Halde, welches auch in einigen Oberdeutschen Gegenden Halle und Hallige lautet, S. dasselbe.


Halljahr (W3) [Adelung]


Das Halljahr, des -es, plur. die -e, jedes funfzigste Jahr bey den ehemahligen Juden, ein Jubeljahr, in welchem alle Gefangene und Leibeigene ihre Freyheit, und die Schuldner einen Erlaß bekamen, daher es auch das Erlaßjahr genannt wurde. Den Nahmen eines Halljahres hat es von den Halltrompeten, 4 Mos. 31, 6, oder Hallhörnern, Jos. 6, 5, womit es ausgeblasen wurde; oder auch von Hall, so fern es ein gleichbedeutender Ausdruck von Jubel ist.


Hallleute (W3) [Adelung]


Die Hallleute, sing. inus. in den Salzwerken, besonders zu Halle in Sachsen, die Salzarbeiter, Halloren, Hallbursche.


Hallor (W3) [Adelung]


Der Hallor, des -en, plur. die -en, in den Salzwerken im Magdeburgischen, besonders zu Halle, eine Benennung der Salzarbeiter, oder derer, welche das Salz aus der Sohle sieben, und auch Salzwirker, Hallbursche, Hallleute, zu Lüneburg aber Sülzer genannt werden. Es scheinet aus Haller verderbt zu seyn, und eigentlich einen Einwohner der Halle, d. i. des Salzthales, zu bezeichnen; welches dadurch glaublich wird, weil diese Leute im Magdeburgischen unmittelbar von den ehemahligen Wenden abstammen, und noch ihre eigene Tracht und Mundart haben.


Hallunk (W3) [Adelung]


Der Hallunk, S. Halunk.


Halm (W3) [Adelung]


Der Halm, des -es, plur. distributive, die -e, aber collective, die -en. 1) Diminut. das Hälmchen, Oberd. Hälmlein, der Stamm oder Stängel der grasartigen Pflanzen, besonders des Getreides: Sieben Ähren wuchsen auf einem Halme, 1 Mos. 41, 5. Gleich Hagel von Sturme geschleudert zerschlägt er die nährenden Halmen, Kleist. Ein Strohhalm, ein trockner Getreidehalm, welcher seiner Körner beraubt ist. Einem das Hälmchen durch das Maul streichen, ihm schmeicheln. Im Oberdeutschen wird Halm auch als ein Collectivum und ohne Plural, so wohl für Stroh, als auch für geschnittene Strohhalme, Häckerling, gebraucht. 2) In engerer Bedeutung in Hollstein und Schleßwig, eine Art Grases, welche daselbst häufig auf den Dünen wächset, eine große und lange Ähre, viele Nebenstängel, und häufige Körner hat, welche dem Rocken am Geschmacke ähnlich, aber weit kleiner sind. Dieses Gras, welches in See- und Jütland Klittag genannt wird, treibt seine Wurzeln etliche Klafter um und unter sich, und ist ein vortreffliches Mittel den Flugsand stehend zu machen.

Anm. Schon bey dem Kero und Notker Halm, im Nieders. Dän. Engl. und Schwed. gleichfalls Halm, im Angels. Healm, Kaulm, Hielm, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , im Lat. Calamus und Culmus, im Pers. Calem. Wachter leitet es von hohl, Ihre aber von hilma, decken, her, ( S. Helm,) weil man das Stroh schon von Alters her zum Decken der Hütten und Häuser gebraucht hat. Kero gebraucht es auch von einem Splitter. Der Plural lautet im gemeinen Leben bald Hälmer, bald Halmer, bald Hälme.


Halmen (W3) [Adelung]


Halmen, verb. reg. neutr. mit haben, Halmen bekommen, in die Halmen schießen. Das Bindgras halmet stark.


Halmknoten (W3) [Adelung]


Der Halmknoten, des -s, plur. ut nom. sing. die an den Halmen der Gräser befindlichen Knoten.


Halmlese (W3) [Adelung]


Die Halmlese, plur. inus. in einigen Gegenden, die Lese oder Aufsammlung der zurück gebliebenen Getreidehalmen in der Ernte, welche von armen Leuten geschiehet; die Ährenlese. Daher der Halmleser, oder die Halmleserinn, eine Person, welche solche Halmen sammelt; Ährenleser.


Halmmotte (W3) [Adelung]


Die Halmmotte, plur. die -n, eine Art Motten, welche die Halmen des noch auf dem Stocke stehenden Getreides durchbohret, und dadurch der Frucht schadet.


Halmpfeife (W3) [Adelung]


Die Halmpfeife, plur. die -n, eine aus einem oder mehrern Strohhalmen verferrigte Pfeife.


Halmrübe (W3) [Adelung]


Die Halmrübe, plur. die -n, in der Landwirthschaft, Rüben, welche gleich nach der Ernte unter die Stoppeln gesäet werden, und am häufigsten Stoppelrüben heißen.


Hals (W3) [Adelung]


Der Hals, des -es, plur. die Hälse, Diminut. das Hälschen, Oberd. Hälslein. 1. Eigentlich, wenigstens seinem heutigen Gebrauche nach, der Theil der thierischen Körper zwischen dem Kopfe und der Brust, der gemeiniglich dünnere Theil, der den Kopf mit dem Rumpfe zusammen hänget. Einen langen, dünnen, kurzen, dicken Hals haben. Einen langen Hals machen, den Hals in die Länge ausdehnen, Nieders. reckhalsen. Die Bassisten sahen mit langen Hälsen über ihre Instrumente herüber. Einem Thiere den Hals abhauen, den Hals umdrehen. Im gemeinen Leben gibt man dem Teufel Schuld, daß er den Hexen den Hals umdrehe, d. i. sie erwürge. Einem den Hals brechen, ihm das Genick brechen, ihn erwürgen, auch wohl ihn zu Grunde richten. Er hat den Hals gebrochen, hat sich das Genick abgestürzet. Das bricht dir den Hals, kostet dir dein Leben. In engerer Bedeutung auch wohl für die innern Theile des Halses, die Gurgel, die Luftröhre. Einen bösen Hals haben, wenn die innern Theile entzündet, oder schadhaft sind. Daher die R. A. aus vollem Halse lachen, schreyen, rufen, aus allen Kräften. Die Speise will mir nicht zu Halse, will nicht schmecken; ein niedriger Ausdruck, den doch Opitz in einem sehr ernsthaften Zusammenhange gebraucht: Das Essen will nicht gehen Zu Halse wie zuvor, Ps. 107. Der unrechte Hals, im gemeinen Leben, die Luftröhre. Daher die figürlichen, aber nur im gemeinen Leben, höchstens nur in der vertraulichen Sprechart üblichen Redensarten. Jemanden um den Hals fallen, ihn plötzlich umarmen. Etwas am Halse haben, mir einer unangenehmen, beschwerlichen Sache beladen seyn; eine vermuthlich von einem Joche, entlehnte Figur. Das Fieber, ein böses Weib u. s. f. am Halse haben. Viele Verrichtungen über dem Halse haben, viele beschwerliche Dinge zu verrichten haben. Jemanden auf dem Halse haben, mit einem beschwerlichen Menschen Umgang, Gemeinschaft, Verbindung haben müssen. Sich etwas vom Halse schaffen, sich von einer beschwerlichen Sache los machen. Sich jemandes Zorn über den Hals ziehen. Einem etwas auf dem Halse lassen, ihn im Besitze einer beschwerlichen Sache lassen. Jemanden etwas an den Hals schwatzen, ihn zur Annehmung einer beschwerlichen Sache bereden. Er hat schon Jahre auf dem Halse, er ist schon bey Jahren. Jemanden einen Prozeß an den Hals werfen. Jemanden auf dem Halse sitzen, ihm zur Beschwerde zu nahe an ihm sitzen. Über Hals und Kopf, in der größten Eile. Jemanden über den Hals kommen, ihn unvermuthet überfallen. Du lügst in deinen Hals. Und was dergleichen niedrige Arten des Ausdruckes mehr sind. 2. Figürlich. 1) Der ganze Kopf; auch nur in einigen niedrigen R. A. Jemanden an den Hals schlagen, ihm eine Ohrfeige geben. 2) Die Bekleidung des Halses; in welcher Bedeutung das Diminutivum Hälschen von einem kleinen Halstuche üblich ist. Im Oberdeutschen sagt man auch ein Hals Perlen, d. i. so viele Perlen, als zu einer Halsschnur erfordert werden. 3) Das Leben; eine von der Strafe des Stranges oder des Schwertes in einigen R. A. hergenommene Figur. Das wird dir den Hals kosten, das Leben. Mit dem Halse bezahlen müssen. Es gehet ihm an den Hals, sein Leben ist in Gefahr. Auf den Hals sitzen, auf den Tod sitzen, um einer Ursache willen gefangen sitzen, welche das Leben kosten kann. 4) Die Person selbst; in welchem Verstande es nur in verächtlicher Bedeutung in den Zusammensetzungen Geitzhals, Wagehals, Schreyhals, Starrhals für Starrkopf u. s. f. üblich ist. Im Ostfriesischen Landrechte ist der todte Hals ein Erschlagener. 5) Wegen einiger äußern Ähnlichkeit, wird an verschiedenen Dingen ein schmalerer Theil, der den obern mit dem ganzen Dinge verbindet, der Hals genannt. Dergleichen ist der Hals an einer Bouteille oder Flasche, der Hals an einer Laute oder Violine, der Hals an den Racketen, der Ort, wo sie am Zündloche gebunden werden; der Hals an einem Anker, der Ort, wo die Arme mit der Ruthe vereiniget sind, der Hals eines Kellers, S. Kellerhals. Ein großer hölzerner Trichter, Wein- und Bierfässer damit zu füllen, führet den Nahmen eines Füllhalses u. s. f.

Anm. Schon bey dem Kero Halsa, bey dem Ulphilas, Raban Maurus, Ottfried, Notker und andern Hals, im Niedersächsischen, Dänischen, Schwedischen und Isländischen gleichfalls Hals. Das hohe Alter macht die Abstammung dieses Wortes ungewiß. Junius leitet es von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wälzen, drehen, Stiernhjelm und Wachter von halten, weil es den Kopf hält oder träget. Man könnte auch auf das Wort hohl fallen, so daß damit auf die Speise- und Luftröhre gesehen würde, welche man im gemeinen Leben den rechten und den unrechten Hals zu nennen pflegt. So viel ist gewiß, daß das Lat. Collum sehr genau damit verwandt ist. Im Schwed. finden sich noch zwey völlig gleichlautende Wörter, welche aber allein Ansehen nach sehr verschiedenen Ursprunges sind. Das eine ist Hals, ein Ritter, tapferer Mann, welches Ihre zu dem Römischen Celsus rechnet, ein Titel, den man den Rittern zu geben pflegte; und das andere Hals, ein Hügel, welches zu unserm Halde gehöret. Das Deutsche Halse, ein Seil, ist von allen dreyen verschieden, S. 2. Halse. Im Krainischen ist Helze ein Messerheft, welches unläugbar von halten abstammet.


Halsader (W3) [Adelung]


Die Halsader, plur. die -n, diejenigen Adern, welche durch den Hals nach dem Kopfe steigen, und entweder Plus- oder Blutadern sind. Bey den Pferden wird die eine Blutader dieser Art auch die Herzader genannt.


Halsband (W3) [Adelung]


Das Halsband, des -es, plur. die -bänder, ein Band um den Hals, besonders so fern es zur Zierde getragen wird, da denn auch metallene und mit Juwelen besetzte Zierden dieser Art diesen Nahmen führen. Sich mit Halsbänden (Halsbändern) schmücken, Hos. 2, 13. Auch die Hunde tragen Halsbänder, welche bey den Jägern Halsen und Halsungen genannt werden. Figürlich heißt der vordere Gürtel an einer Kanone das Halsband.


Halsbein (W3) [Adelung]


Das Halsbein, des -es, plur. die -e, in einigen Oberdeutschen Gegenden, der Nacken, und die Beine, woraus derselbe bestehet.


Halsbinde (W3) [Adelung]


Die Halsbinde, plur. die -n, eine Binde, den Hals damit zu bekleiden oder zu zieren.


Halsbraten (W3) [Adelung]


Der Halsbraten, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, die zwey langen Stücke Wildbret oder Fleisch, welche das Roth- und Schwarzwildbret neben der Gurgel, auf beyden Seiten des Halses liegen hat, und welche gemeiniglich dem Leithunde zu Theile werden; der Kehlbraten.


Halsbräune (W3) [Adelung]


Die Halsbräune, plur. inus. eine Krankheit des Halses, welche auch nur schlechthin die Bräune genannt wird. S. dieses Wort.


Halsbrechend (W3) [Adelung]


Halsbrechend, adj. et adv. welches das Mittelwort der R. A. den Hals brechen ist, und im gemeinen Leben für sehr gefährlich, mit Lebensgefahr verbunden, gebraucht wird. Eine halsbrechende Arbeit. Es sahe sehr halsbrechend aus.


Halsbund (W3) [Adelung]


Der Halsbund, des -es, plur. die -bünde, an den Mannshemden, der Bund, d. i. Streif doppelter Leinwand, vermittelst dessen das Hemd oben um den Hals befestiget wird; Oberd. das Halsbesetz.


Halsdreher (W3) [Adelung]


Der Halsdreher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Vogel, S. Wendehals.


Halsdrüse (W3) [Adelung]


Die Halsdrüse, plur. die -n, Drüsen an der Seite des Halses, welche zwischen den Muskeln des Kopfes und der Schärfe des Nackens nach der Brust hinunter steigen; Glandulae jugulares.


Halse (W3) [Adelung]


1. Die Halse, plur. die -n, bey den Jägern, ein Halsband der Jagdhunde, welches auch wohl Halsung genannt wird. Im Oberdeutschen wird ein Strick, so fern er zum Aufhängen eines Übelthäters dienet, ein Halsing, Hälsing, Hälsling, genannt. In andern Oberdeutschen Gegenden führet das Kummet des Zugviehes den Nahmen einer Halse.


Halse (W3) [Adelung]


2. Die Halse, plur. die -n, an den Schiffen, starke Seile, welche sich unten an den Spitzen des großen und des Besansegels befinden, und zur Befestigung des Segels in den Halsklampen dienen. Von dem Nieders. halen, hohlen, aufziehen und niederlassen, ziehen, Franz. haler, Schwed. hala, Engl. to hale, haul, welches mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Lat. chalare, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, überein kommt.


Halseigen (W3) [Adelung]


Halseigen, adj. et adv. welches eigentlich so viel wie leibeigen bedeutet, aber doch in einigen Gegenden in engerer Bedeutung von einer besondern Art leibeigener Leute üblich ist. So gibt es, z. B. in den Hildesheimischen Ämtern Steuerwald, Wehlenberg Steinbrügge und Peine solche Halseigene, welche den Herzog von Braunschweig-Lüneburg für ihren Halsherren erkennen, der die Gerichtbarkeit und Heeresfolge über sie hat, zu deren Erkenntniß sie jährlich zur Entrichtung eines Halshuhnes verbunden sind. Daher die Halseigenschaft, die Leibeigenschaft dieser Art.


Halseisen (W3) [Adelung]


Das Halseisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein eisernes Band, welches Übelthätern in manchen Fällen um den Hals geleget wird. Einen Verbrecher an das Halseisen stellen, oder schließen. S. Pranger.


Halsen (W3) [Adelung]


+ Halsen, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben für umarmen üblich ist. Sich halsen und küssen. In einigen Gegenden auch hälsen. Das schöne Kind zu grüssen, Zu tragen auf der Hand, zu hälsen und zu küssen, Opitz. Im Schwed. halsas. S. Umhalsen.


Halsfeifel (W3) [Adelung]


Die Halsfeifel, plur. inus. eine Geschwulst der Halsdrüsen bey den Pferden, S. Feifel.


Halsgehänge (W3) [Adelung]


Das Halsgehänge, des -s, plur. ut nom. sing. alles was zur Zierde als ein Gehänge an dem Halse getragen, oder an den Hals gehänget wird.


Halsgericht (W3) [Adelung]


Das Halsgericht, des -es, plur. die -e, ein Gericht, welches über den Hals, d. i. über das Leben der Übelthäter erkennet; die obern Gerichte, ein peinliches Gericht, das Blutgericht, ein Criminal-Gericht. Im Plural, die Halsgerichte, wird es oft auch von der peinlichen Gerichtbarkeit gebraucht. Daher der Halsgerichtsherr, der diese Gerichtbarkeit besitzet, und auch Obergerichtsherr, Hochgerichtsherr u. s. f. genannt wird; die Halsgerichtsordnung, worunter besonders die von Kaiser Carl V. vorgeschriebene Ordnung des peinlichen Prozesses verstanden wird.


Halsgeschwulst (W3) [Adelung]


Die Halsgeschwulst, plur. inus. eine Geschwulst des Halses, so wohl den äußern als innern Theilen nach.


Halsgeschwür (W3) [Adelung]


Das Halsgeschwür, des -es, plur. die -e, ein Geschwür in oder an dem Halse.


Halsgicht (W3) [Adelung]


Die Halsgicht, plur. inus. eine Entzündung, welche von der Gicht-Materie im Halse verursacht wird; Angina arthritica. Ingleichen eine von eben dieser Materie verursachte Lähmung der Muskeln des Halses.


Halsgrüblein (W3) [Adelung]


Das Halsgrüblein, des -s, plur. ut nom. sing. S. Kehle.


Halshaar (W3) [Adelung]


Das Halshaar, des -es, plur. inus. oder die Halshaare, sing. inus. die Haare am Halse, besonders mancher Thiere, welche bey den Pferden die Mähne heißen.


Halshemd (W3) [Adelung]


Das Halshemd, des -es, plur. die -en, ein kurzes Hemd gemeiner Frauensleute, welches nur die Schultern und die Brust bedecket, und auch ein Halbhemd genannt wird.


Halsherr (W3) [Adelung]


Der Halsherr, des -en, plur. die -en, an einigen Orten. 1) Der Halsgerichtsherr, S. Halsgericht. 2) Ein Eigenthums- und Gerichtsherr halseigener Unterthanen, S. Halseigen.


Halshuhn (W3) [Adelung]


Das Halshuhn, des -es, plur. die -hühner, S. Halseigen.


Halsjoch (W3) [Adelung]


Das Halsjoch, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein Joch, welches den Ochsen an den Hals gehänget wird; zum Unterschiede von einem Kopfjoche.


Halskappe (W3) [Adelung]


Die Halskappe, plur. die -n, eine Kappe, welche zugleich den Hals mit bedecket, dergleichen die Capuchons an den Mönchskutten, und an den Saloppen des andern Geschlechtes sind. Auch bey den Pferden hat man Halskappen, welche eine Art Decken sind, die den Hals und den ganzen Vordertheil, zur Anhaltung der Fliegen, bedecken.


Halskette (W3) [Adelung]


Die Halskette, plur. die -n, Diminut. das Halskettchen, Oberd. Halskettlein, eine Kette am Halse, besonders so fern sie zur Zierde getragen wird.


Halsklampe (W3) [Adelung]


Die Halsklampe, plur. die -n, an den Schiffen, Löcher an den Borten des Schiffes, die Halsen daran zu befestigen. Siehe 2. Halse und Klampe.


Halskragen (W3) [Adelung]


Der Halskragen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kragen am Halse, zur Bedeckung oder Zierde des Halses, der auch nur ein Kragen schlechthin genannt wird; S. dieses Wort.


Halskrause (W3) [Adelung]


Die Halskrause, plur. die -n, eine Krause, so fern sie am Halse getragen wird, dergleichen noch bey den evangelischen Geistlichen an einigen Orten üblich sind, zum Unterschiede von den Hand- und andern Krausen; Nieders. Kruuskragen, Lobbe.


Halskraut (W3) [Adelung]


Das Halskraut, des -es, plur. von mehrern Arten, die -kräuter, ein Nahme, der im gemeinen Leben verschiedenen Kräutern beygeleget wird, welche in Krankheiten und Beschwerden des Halses gerühmet werden. Besonders dem Trachelium L. welches in Italien und dem Morgenlande einheimisch ist, und auch Halswurzel genannt wird. Ingleichen dem Ruscus Hypophyllum L. welches auch Kehlkraut, Zapfenkraut und Waldglöcklein genannt wird. S. auch Zapfenkraut.


Halsofen (W3) [Adelung]


Der Halsofen, des -s, plur. die -öfen, ein Stubenofen mit einem Halse, vermittelst dessen er von außen geheitzet wird; zum Unterschiede von einem Wind- oder Zugofen.


Halsrecht (W3) [Adelung]


Das Halsrecht, des -es, plur. inus. das recht über den Hals, d. i. Leben und Tod. S. Halsgericht.


Halssache (W3) [Adelung]


Die Halssache, plur. die -n, eine Sache, welche den Hals, d. i. Leben und Tod anderer betrifft. Ingleichen ein Verbrechen, wodurch das Leben verwirkt wird; eine peinliche Sache, Criminal-Sache. es ist eine Kleinigkeit, und ich wette, er wird sich einbilden, daß es Halssachen sind, Less.


Halsschleife (W3) [Adelung]


Die Halsschleife, plur. die -n, eine Schleife, so fern sie am Halse getragen wird.


Halsschmuck (W3) [Adelung]


Der Halsschmuck, des -es, plur. die -e, ein Schmuck des Halses, besonders so fern er aus edlen Metallen und Edelsteinen bestehet.


Halsschnalle (W3) [Adelung]


Die Halsschnalle, plur. die -n, eine Schnalle, die Halsbinde damit zu befestigen; das Halsschloß, wenn es vermittelst eines Schlosses geschiehet.


Halsschnur (W3) [Adelung]


Die Halsschnur, plur. die -schnüre, eine Schnur, so fern sie an dem Halse getragen wird, besonders zur Zierde. Dergleichen die Halsschnüre von Perlen, Granaten, Korallen u. s. f. sind.


Halsstarre (W3) [Adelung]


Die Halsstarre, plur. inus. 1) Eigentlich, die Starre, d. i. Unbiegsamkeit des Halses, welche aus einer Verletzung oder Lähmung der am Brust- und Schlüsselbeine entspringenden Muskeln entstehet; Obstipatio capitis. 2) * Figürlich wurde es ehedem für Halsstarrigkeit gebraucht; in welcher Bedeutung es aber veraltet ist. S. Starren.


Halsstarrig (W3) [Adelung]


Halsstarrig, -er, -ste, adj. et adv. 1) * Eigentlich, mit der Halsstarre behaftet, in derselben gegründet; in welcher Bedeutung es aber ungewöhnlich ist. 2) Figürlich, in einem hohen Grade hartnäckig, geneigt auf einem schädlichen Entschlusse zu beharren, auch bey den überwiegendsten Bewegungsgründen zum Gegentheile; ein, so wie harmäckig, von einem unbeugsamen Halse oder Nacken hergenommenes Bild. Ihr Halsstarrigen, ihr widerstrebet allezeit dem heiligen Geiste, Apost. Gesch. 7, 51. Aber sie wollen mich nicht hören, noch ihre Ohren neigen, sondern sind halsstarrig, Jer. 7, 26.

Anm. Schwed. halsstarrig, ingleichen kuakhals, gleichsam dessen Hals, wenn man ihn mit Gewalt beugen will, knackt, Niedersächs. interneerd, im Oberdeutschen auch halsbeinig. Das Hiob 15, 26 befindliche Nebenwort halsstarriglich ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Im Oberd. sagt man auch, jemanden verhalsstarrigen, und ihm Halsstark geben, ihn halsstarrig machen. S. Hartnäckig und Starrköpfig.


Halsstarrigkeit (W3) [Adelung]


Die Halsstarrigkeit, plur. inus. die vorsetzliche Beharrung auf einem schädlichen Entschlusse, auch bey den überwiegendsten Bewegungsgründen zum Gegentheil; ein hoher Grad der Hartnäckigkeit. Bey dem Notker mit einem andern Bilde Buchsuelhi, die Bauchschwelle.


Halsstück (W3) [Adelung]


Das Halsstück, des -es, plur. die -e, ein jedes Stück am Halse, oder von dem Halse. Besonders bey den Fleischern, ein Stück Fleisch des untern Buges Halse.


Halssucht (W3) [Adelung]


Die Halssucht, plur. car. S. Kehlsucht.


Halstuch (W3) [Adelung]


Das Halstuch, des -es, plur. die -tücher, ein Tuch, so fern es um den Hals getragen wird, besonders bey dem andern Geschlechte. Aber auch bey dem männlichen, ein in Gestalt einer Binde zusammen gelegtes Tuch zur Bekleidung des Halses.


Halsung (W3) [Adelung]


Die Halsung, plur. die -en, S. 1. Halse.


Halsweh (W3) [Adelung]


Das Halsweh, des -es, plur. inus. eine mit Schmerzen verbundene Entzündung des Halses, welches das Athemhohlen so wohl als das Schlucken erschweret; Synanche.


Halswurzel (W3) [Adelung]


Die Halswurzel, plur. die -n, S. Halskraut.


Halszange (W3) [Adelung]


Die Halszange, plur. die -n, bey den Nadlern, eine mit einem Halse versehene Zange, einfache Kettenglieder damit fest zu halten.


Halszierde (W3) [Adelung]


Die Halszierde, plur. die -n, ein jedes Ding, so fern es eine Zierde des Halses ist; bey dem Willeram Halsziereda.


Halt (W3) [Adelung]


Halt, ein Neben- und Zwischenwort, S. Halten.


Halt (W3) [Adelung]


Der Halt, des -es, plur. die -e, von dem Zeitworte halten. 1) Die Festigkeit, die Eigenschaft einer Sache, da sie hält; ohne Plural. Der Zeug hat keinen Halt. Noch mehr dasjenige, wodurch etwas gehalten wird, in einigen Fällen. Der Pfeiler muß fallen, denn er hat keinen Halt. Opitz gebraucht es auch für Zurückhaltung, Einschränkung: Die Zeit, so wir verschließen, Pflegt als ein Strom zu fließen, Der keinen Halt nicht weiß. 2) * Dasjenige, was ein anderes Ding enthält; wofür aber Gehalt üblicher ist. Der Halt einer Münze, des Erzes. Der Halt eines Gesundbrunnens. 3) * Der Hinterhalt; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch im Theuerdanke vorkommt. 4) Der Geleitsbezirk, der Bezirk, in welchem jemand für die öffentliche Sicherheit zu sorgen verbunden ist, in einigen Gegenden. Den Halt bereiten.


Haltbar (W3) [Adelung]


Haltbar, -er, -ste, adj. et adv. was sich halten lässet, gehalten werden kann, doch nur so fern halten vertheidigen bedeutet. Ein haltbarer Ort, eine haltbare Festung. Die Stadt ist nicht haltbar. So auch die Haltbarkeit.


Halten (W3) [Adelung]


Halten, verb. irreg. ich halte, du hältst, er hält, wir halten, u. s. f. Conj. ich halte, u. s. f. Impers. ich hielt; Mittelw. gehalten; Imperat. halte oder halt. Es ist in doppelter Gattung üblich. I. Als ein Activum. 1. Eigentlich, unmittelbar mit der Hand oder auf ähnliche Art ergreifen, und die Fortdauer des dadurch hervor gebrachten Zustandes bewerkstelligen. 1) Überhaupt. Jacob hielt die Fersen des Esau, 1 Mos. 25, 26; er hatte sie angefasset, und behielt sie in der Hand. Halt es fest. Etwas mit der Hand halten. Etwas in der Hand halten. Den Stock mit den Zähnen, ein glühendes Eisen mit der Zange halten. Einem etwas vor das Gesicht halten. Etwas gegen die Sonne halten. Ein Ding gegen das andere halten, so wohl eigentlich, als auch figürlich, ein Ding mit dem andern vergleichen. Den Spiegel an die Wand, das Wachs über das Feuer, ein Papier in das Licht halten u. s. f. Einem die Stange halten, figürlich, ihn ver- theidigen, seine Partey nehmen; ein von den ehemahligen Turnieren entlehntes Bild, S. Stange. So auch mit Nebenwörtern. Den Sack offen halten, seine Theile so halten, daß er offen stehe. Den Leithund kurz halten, bey den Jägern, das Hängeseil kurz fassen, damit der Hund nicht so vielen Willen habe, und dann auch figürlich, jemanden kurz halten, ihn einschränken. Derjenige Theil eines Körpers, woran man denselben hält, bekommt das Vorwort bey. Jemanden bey der Hand halten. Den Wolf bey den Ohren halten. Jemanden bey dem Mantel halten. Daher figürlich, jemanden bey seinem Worte halten, auf die Erfüllung des von ihm gethanen Versprechens dringen. 2) In engerer Bedeutung. (a) Ein Ding halten, damit es nicht falle. Er wäre gewiß gefallen, wenn ich ihn nicht gehalten hätte. Ingleichen als ein Reciprocum, mit dem Vorworte an. Sich an etwas halten, damit man nicht falle; ingleichen figürlich, sich an jemanden halten, sich auf ihn verlassen, die Erfüllung des gethanen Versprechens, ingleichen die Verbesserung seiner Umstände von ihm erwarten. Halten sie sich an mich, verlassen sie sich auf mich. Ich halte mich hier bloß an das Wahre und Natürliche, d. i. bleibe dabey stehen, nehme nur daher die nöthigen Bestimmungen, Beweisgründe u. s. f. (b) Ein Ding halten damit es nicht entfliehe, seine Bewegung nicht fortsetze. Haltet den Dieb, haltet ihn auf. Das Pferd will sich nicht halten lassen. Jemanden bey dem Arme, ein Pferd bey dem Zügel; den Aal bey dem Schwanze halten. Woran hälts? im Oberdeutschen, d. i. woran liegts, was hält die Sache auf, was hindert ihren Fortgang? Daher figürlich, das läßt sich noch halten, das ist mittelmäßig. Ihre Schönheit, seine Gelehrsamkeit läßt sich wohl noch halten. Ingleichen mit dem Vorworte mit. Mit seinem Reichthume läßt es sich noch halten, d. i. er ist so groß nicht. Es läßt sich mit meinen Jahren noch wohl halten, Gell. ich bin so gar alt noch nicht. 2. In etwas weiterer Bedeutung, einen Körper durch unmittelbaren Einfluß, ohne Berührung mit der Hand oder auf ähnliche Art, in eine gewisse Richtung bringen, von den Theilen seines eigenen Leibes. Die Hand vor das Gesicht halten. Die Hände, die Arme in die Höhe halten. Gott pfleget über den die treue Hand zu halten, Dem Überlast und Unrecht wird gethan, Opitz. Den Kopf schief halten. Den Mund offen halten. Einem den Daumen auf das Auge halten, figürlich, ihn in seinen Schranken erhalten. Einem den Daumen halten, figürlich, ihm mit Rath und That beystehen, S. Daumen. Einem ein Bein halten eigentlich, ihm das Bein vorhalten, damit er darüber falle, und dann figürlich, eines andern Unglück hinterlistiger Weise befördern. 3. Figürlich. 1) Die Bewegung eines Dinges hindern. (a) Auf unmittelbare Art, durch Unterstützung des Schwerpunctes, Anheftung u. s. f. auch von leblosen Dingen; doch nur in einigen Fällen. Der Hals hält den Kopf, träget, unterstützet ihn. Der Baum hält die Wand, sonst würde sie fallen. Den Athem zurück halten, oder ihn an sich halten, ihn bey sich behalten, nicht von sich geben. Welche beyde R. A. auch in verschiedenen figürlichen Bedeutungen gebraucht werden. Mit etwas zurück halten, oder an sich halten, theils, verschwiegen damit thun, theils auch, es nicht so leicht von sich geben. Zurückhaltend seyn, verschwiegen, in Ansehung seiner Urtheile, Entschließungen und Geheimnisse. Wir müssen den Verstand gewöhnen, bey oder mit seinen Urtheilen an sich zu halten, Sonnenf. Wir müssen bey der ersten Empfindlichkeit über Unfälle an uns zu halten lernen, Gell. unsere Empfindung zu verbergen. Opitz übersetzt das, Vtere quaesitis parce quum sumplus abundat, des Cato, durch: Halt an dich bist du reich und hast du was erworben. Der Verkäufer hält seine Waare an sich, wenn er sie nicht dem ersten und besten Käufer überläßt. Sich nicht mehr auf den Füßen halten können. Wohin vermuthlich auch die niedrige R. A. gehöret, das Maul halten, für schweigen. Ingleichen verschiedene andere Arten des Ausdruckes, wo halten zwar ein Activum ist, aber doch als ein Neutrum gebraucht wird. Die Thränen nicht halten können. Das Wasser nicht halten können, d. i. seinen Urin. Der Hut, die Stiefel halten Wasser, halten das Wasser ab, lassen es nicht durch. Das Faß hält, rinnet nicht. (b) Durch äußere Zwangsmittel. Ein Pferd im Zaume, im Zügel halten, dessen Bewegungen vermittelst des Zaumes oder Zügels beherrschen. Jemanden im Zaume halten, ihn einschränken. Seine Begierden, seine Leidenschaften im Zaume halten. Jemanden gefangen, oder gefänglich halten. Einen muthwilligen Menschen in den gehörigen Schranken halten. Ich halte mich in meinen Gränzen. (c) Durch moralische Bewegungsgründe. Er wollte sich nicht länger halten lassen, d. i. aufhalten. Wenn sie gehen wollen, so will ich sie nicht halten. Ich weiß, daß dich Geschäfte halten, Gell. (d) Nach einer noch weitern Figur auch als ein Reciprocum, den Ausbruch einer Gemüthsbewegung, einer Leidenschaft hindern. Sie konnte sich hier nicht länger halten, denn das Feuer stieg ihn in den Augen. Ich konnte mich vor Freuden nicht länger halten. Seinen Zorn, seine Thränen, seine Freude zurück halten. S. Enthalten. 2) Den Zustand, die Veränderungen eines Dinges bestimmen; größten Theils nur in verschiedenen einmahl eingeführten Fällen. (a) Überhaupt. Einem Dinge das Gleichgewicht, oder die Wage halten, machen, daß er im Gleichgewicht stehe, und dann auch figürlich, von dem sittlichen Werthe, von der moralischen Kraft. Meine Gründe halten den deinigen das Gleichgewicht. Etwas heimlich, oder geheim halten, es wisfentlich und vorsetzlich oder verschweigen. Etwas vor jemanden heimlich halten, hindern, daß er es nicht erfahre. Sich heimlich halten, sich verbergen. Die Kreuzzüge hielten Europa viele Jahre lang in einer beständigen Gährung. Vermuthlich gehören dahin auch folgende figürliche Arten des Ausdruckes. Jemanden frey halten, für ihn bezahlen. Jemanden schadlos halten, ihm seinen Schaden ersetzen. Die Freundschaft, so vortrefflich sie ist, hält uns doch nie wegen der Liebe schadlos, Gell. (b) In engerer Bedeutung, besonders in folgenden Fällen. (aa) Durch äußern Zwang. Jemanden unter dem Drucke halten. Einen jungen Menschen in scharfer Zucht halten. Ein Kind unter der Zucht, unter der Ruthe halten. Seine Kinder zur Schule halten. Jemanden zu allem Guten, zum Studieren halten. S. Anhalten. Daher das Mittelwort mit dem Hülfsworte seyn auch für verpflichtet seyn gebraucht wird. Der Verkäufer ist in diesem Falle das Geld wieder zu geben gehalten, d. i. verpflichtet und schuldig. Gott ist seiner einigen Vollkommenheiten wegen zur Erhaltung seiner Geschöpfe gehalten. (bb) In Ansehung der äußern Umstände eines Dinges. Das Geschirr rein und sauber halten. Ein Gebäude in gutem Stande halten. Das Seinige zu Rathe halten, sparsam damit umgehen. Buch oder Rechnung halten, die Rechnung führen, S. Buchhalter. Ein Tagebuch, ein Journal über etwas halten. Etwas rar halten. Etwas bereit, oder in Bereitschaft, machen, daß es bereit sey und in diesem Zustande verbleibe. Sich zur Reise fertig halten. Sich zur Flucht, zur Reise, zu etwas gefaßt halten. Sich auf alle Fälle gefaßt halten. (cc) In Ansehung der Begegnung. Jemanden gut halten, ihn nicht nur gut speisen und kleiden, sondern ihm auch gut begegnen. Das Gesinde wird in diesem Hause sehr schlecht gehalten. Jemanden wie sein Kind halten. Er wird wie ein Hund gehalten. Jemanden lieb und werth halten, nicht bloß von der innern Achtung, sondern auch von deren Erweisung. Jemanden warm halten, ihm scharf zusetzen, Hindernisse zu überwinden geben. (dd) In Ansehung seines eigenen Betragens bey Hindernissen, als ein Reciprocum, Sich gut halten, seine Verbindlichkeiten aller Art gehörig erfüllen. Sich hart halten, sich so betragen, als ob man hart wäre. Die Soldaten haben sich gut gehalten. In engerer Bedeutung heißt sich halten, sich mit gutem Fortgange vertheidigen. Die Besatzung hält sich. Diese Festung wird sich nicht lange halten. Die Stadt hat sich kaum drey Tage gehalten. S. Haltbar. (ee) Nach einer noch weitern Figur wird dieses Reciprocum auch von unvernünftigen und leblosen Dingen gebraucht, und da bedeutet es, in einem guten brauchbaren Zustande verharren. Das Vieh hält sich gut. Das Fleisch hält sich im Winter am besten, wird nicht leicht riechend. Dieses Obst hält sich nicht, bleibt nicht lange eßbar. (ff) In der Mahlerey wird das Zeitwort halten, nach dem Muster des Französ. tenir, von der Art und Weise gebraucht, wie der Künstler die Gegenstände bearbeitet, besonders in Ansehung des Lichtes und des Schattens, der Stärke und Schwäche des Ausdruckes. Die Lichter groß und nicht nahe an einander halten. Die entfernten Gegenstände müssen sanft und leicht an Farbe gehalten werden. 3) Die Fortdauer einer Sache so wohl als ihr äußeres Verhältniß durch Reichung der Nahrungsmittel, Bezahlung des Lohnes, Tragung der Kosten bestimmen; für unterhalten. Den ganzen Tag Feuer auf dem Herde halten. Offene Tafel halten. Besonders in Beziehung auf das dadurch bewirkte Verhältniß. Pferde, Hunde, Bediente, Gesinde halten. Einem Kinde eine Amme halten. Seinen Kindern einen Lehrer halten. Viel Vieh halten. Vier Pferde auf der Streu halten. Haus halten, Hof halten, S. Haushaltung, Hofhaltung. Figürlich auch die Fortdauer einer Sache durch Beobachtung der Obliegenheiten bewirken, doch nur in den R. A. Freundschaft, Umgang mit jemanden halten. Gute Nachbarschaft halten. 4) Eine Sache in Ansehung der äußern Umstände, oder durch Veranstaltung der äußern Umstände zur Wirklichkeit bringen, gleichfalls nur einigen bereits eingeführten Fällen. Eine Gasterey halten, ausrichten. Hochzeit halten, d. i. machen, feyern. Einem die Hochzeit halten, sie ausrichten, die Kosten dazu hergeben. Gericht halten. Einen Landtag, einen Reichstag halten. Eine Versammlung halten. Mit jemanden Rath halten, mit ihm rathschlagen. Ein Gespräch mit jemanden halten. Eine Musterung halten. Eine Auction halten. Das Abendmahl halten. Eine Rede, eine Predigt halten. Schule, ein Collegium halten. Nachfrage, Umfrage halten. Wo der Begriff der Feyerlichkeit oft verschwindet, und die bloße eigene Thätigkeit übrig bleibet, wie in den R. A. Mittagsruhe halten, nach Tische schlafen, Tafel halten, speisen, von großen Herren. 5) Eine Verbindlichkeit erfüllen; eine sehr alte und fast in allen Sprachen befindliche Figur, welche, wenigstens in einigen Fällen, von dem Handschlage entlehnet seyn kann, womit man ein Versprechen zu bestätigen pflegt. Sein Wort, sein Versprechen, seine Zusage halten. Seinen Eid halten. Treu und Glauben halten. Den Kauf nicht halten wollen. Einen Accord, einen Vergleich halten. Halte, was du mir versprochen hast. Viel versprechen und wenig halten. 6) In noch weiterer Bedeutung, beobachten, sich einer Sache gemäß betragen, sie zur Vorschrift seines Verhaltens annehmen. Die Gebothe Gottes halten, auf eine dauerhafte Weise Gehorsam dagegen üben. Das Gesetz halten. Einen Festtag, einen Fasttag halten, nicht so wohl ihn veranstalten, welches zur vorigen vierten Bedeutung gehöret, als vielmehr denselben auf die vorgeschriebene Art feyern. Frieden halten, sich friedlich betragen. Den Tact halten, beobachten. Den rechten oder schiefen Curs halten, beobachten, bey den Schiffern. Maße halten. Gute Ordnung; gute Diät halten. Die rechte Bahn halten, Opitz. Ich halte meine Ordnung und gehe. Das Stillschweigen halten. Reinen Mund halten, figürlich, ein anvertrautes Geheimniß verschweigen. Wache halten. Ich pflege es so zu halten, ich habe es immer so gehalten, habe mich dabey so betragen. Du kannst es halten wie du willst. So will ich es gehalten haben. Die biblischen Ausdrücke, die Wege des Herren, die Rechte, die Sitten, Recht und Gerechtigkeit halten, sind im Hochdeutschen ungewöhnlich. Mit den Vorwörtern auf und über auch als ein Factitivum, die Beobachtung einer Sache bewerkstelligen, Sorge tragen, daß sie beobachtet werde. Fest über einen Befehl halten. Auf Ordnung halten. Die Indianer halten steif und fast über ihre alten Gebräuche. 7) Ein Urtheil über den Werth oder die Vollkommenheit eines Dinges bey sich fällen, es schätzen, mit verschiedenen Nebenwörtern. So wohl von dem physischen Werthe. Wie hoch halten sie diesen Ring? wie viel wollen sie dafür haben? Eine Waare theuer halten, sie theuer biethen. Auf seine Waare halten, sie theuer biethen, und dabey beharren. Als von dem moralischen Werthe. Eine Sache hoch halten, sie geringe halten. Jemanden lieb und werth halten, welche R. A. auch ein diesem Urtheile gemäßes Betragen mit einschließet. Ingleichen mit dem Vorworte auf. Viel auf jemanden halten, ihn hoch halten; im gemeinen Leben, große Stücke auf ihn halten. Wenig auf sich halten, sich selbst nicht hoch schätzen und dieses Urtheil thätig beweisen. Auf Träume halten. Ich halte viel auf ein billiges Lob, Gell. Sie hält gar nicht viel auf das Essen, ebend. Auf Ehre halten, welches zugleich die thätige Beweisung seines Urtheils mit einschließet, sich so betragen, daß jedermann erkenne, man schätze die Ehre hoch. In einigen Fällen auch mit dem Vorworte von. Ich halte nichts davon, halte es nicht für wahr, nicht für rathsam. Viel von jemanden halten, ihn hoch halten. 8) In noch weiterer Bedeutung, ein wahrscheinliches Urtheil von etwas fällen, nach wahrscheinlichen Gründen urtheilen. Am häufigsten mit dem Vorworte für. Ich halte ihn für einen ehrlichen Mann. Ich habe ihn immer für einen Betrieger gehalten. Halten sie mich nicht für kindisch. Andre gegen sich für nichts halten. Sich etwas für eine Ehre, für eine Schande halten. Etwas für Sünde halten. Alles für verloren halten. Ich halte das nicht für rathsam. Ich halte dafür, daß es nicht geschehen wird. S. Für. Zuweilen auch mit einigen andern Vorwörtern, und einigen Nebenwörtern. Einem etwas zu gute halten, es nicht übel auslegen, es ihm übersehen. Sie müssen es seinem Unverstande zu gute halten, S. Gut. Er Hält sich dazu nicht zu vornehm. Halten sie mirs zu Gnaden, nehmen sie es nicht ungnädig. Sagen sie mir, was ich von ihm halten soll, was ich von ihm urtheilen soll. Sie mögen von mir halten, was sie wollen. Hält sich der Herr Gemahl An sein gegebnes Wort gebunden? Wiel. Allein absolute ist es wohl im Oberdeutschen, nicht aber im Hochdeutschen üblich. Die Sadducäer halten, es sey keine Auferstehung der Todten, Matth. 22, 23; d. i. halten dafür, glauben. So halten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde u. s. f. Röm. 3, 23. Wir halten, daß, so einer für alle gestorben u. s. f. 2 Cor. 5, 14; wo es zugleich für behaupten stehet. Ich halt, du habst das erdicht, Theuerd. Hierher gehöret auch die Oberdeutsche Ausfüllungs-Partikel halt und in Baiern halter, welche eigentlich für halt ich, d. i. wie ich dafür halte, zu stehen scheinet, aber auch sehr oft als ein bloßes Flickwort und ohne Bedeutung gebraucht wird. Er wird heute halt nicht kommen. Er ist halt oder halter schon da gewesen. Es hat mich halt gedurstet. Wo es zuweilen für auch stehet. Si sint halt billich in dem fride, Schwabensp. Kap. 260. So bechert er halt sein veind zu dem frid, in einer Übersetzung der Sprichw. Sal. von 1400, Kap. 16, 7. Solt ich halt todt beleiben, Theuerd. Kap. 82. Die Thüringer und Franken brauchen statt dieser Partikel meech, meeg, d. i. meine ich, die Schweden manne, welches mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein kommt. S. Meinen. Bey dem Ottfried, Notker, Tatian u. a. war halt ein Nebenwort, welches mehr, thiu halt, desto mehr, ingleichen dermahleinst, einmahl bedeutete; wir sulen halto irsterben, Notk. 9) Endlich wird auch das Reciprocum, sich halten, in einigen R. A. noch von verschiedenen Arten der eigenen Veränderungen gebraucht, welche gleichfalls Figuren der eigentlich Bedeutung sind. Sich rechter Hand halten, rechter Hand bleiben. Ein anders Mahl halte dich eher dazu, thue es eher. Sich zu jemanden halten, mit ihm umgehen, Rath und Verbesserung seiner Umstände von ihm erwarten. Das ist meine Freude, daß ich mich Gott halte, Ps. 73, 28. Ich halte mich zu denen, die dich fürchten, Ps. 119, 63. Ein jedes Thier hält sich zu seines Gleichen. II. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert. 1. Eigentlich, fest mit etwas verbunden seyn, so wohl mit einem Dinge außer sich, als auch in Ansehung seiner eigenen Theile. Der Nagel hält nicht, sondern biegt sich. Das Bret wird nicht halten, sondern brechen. Ein Bret hält, wenn es fest an einem andern Dinge befestiget ist. Das Eis hält nicht, bricht. Der Strick wird schon halten. Der Zeug hält nicht, ich nicht dauerhaft. Die Schminke will nicht halten, nicht kleben bleiben. Der Kalk hält, wenn er sitzen bleibt. Ingleichen in einem etwas mehr thätigen Verstande, der gleichsam den Übergang des Activi in das Neutrum ausmacht. Der Leim hält, wenn er nicht nur selbst haften bleibet, sondern auch die Theile, die er verbinden soll, gehörig verbindet. Die Farbe halten, behalten; ingleichen figürlich, nicht Farbe halten, in der Probe nicht echt, nicht treu befunden werden. Stich halten, eigentlich von den Zeugen, wenn sie im Nähen nicht ausreißen, und dann auch figürlich, die Soldaten hielten nicht Stich, rissen aus, liefen davon. Der Beweis hält nicht Stich, wird bey näherer Untersuchung nicht tüchtig befunden. Hier hält kein Zweifel Stich, 2. Figürlich. 1) Enthalten, dem innern Raume nach fassen können. Das Faß hält zwey Eimer. Diese Bouteille hält zwey Maß. Was hält dieser Brief in sich? Ein Buch, welches viel Gutes in sich hält. S. Enthalten und Inhalt. Ingleichen, als ein Ganzes, den Theilen nach in sich fassen. Der Zentner hält 110 Pfund, das Pfund 32 Loth, der Gulden 16 Groschen u. s. f. 2) Stehen bleiben, aufhören, sich zu bewegen, so wohl eigentlich als auch figürlich. Der Wagen hält stille. Halt Kutscher! Mit dem Wagen halten. Stille halten. Der Wagen, der Fuhrmann hielt mitten im Dorfe stille. Die Truppen halten mitten auf dem Marsche. Daher das besonders im Kriegeswesen übliche Hauptwort Halte, welches nur mit dem Zeitworte machen, und ohne Artikel gebraucht wird, Halte machen, stehen bleiben. Halt! das gewöhnliche Commando-Wort, wenn die Truppen im Marsche stehen bleiben sollen. Halt! sagte König Friederich, Halt! da war es ein Tritt, Gleim. Inne halten zu lesen, oder mit Lesen, oder im Lesen. So auch im Schreiben, im Singen, oder mit Schreiben, mit Singen u. s. f. inne halten. S. Inne. Halten sie mir solchen Reden inne. Einem stille halten, im gemeinen Leben auch nur einem halten, stille vor ihm halten, ihm nicht entweichen, sich nicht bewegen. Er muß mir halten. Ingleichen mit einigen Hauptwörtern. Stand halten, stehen bleiben, ingleichen sich standhaft vertheidigen. Noch hat sie ziemlich Stand gehalten, Weiße, sie ist ziemlich standhaft geblieben. Aus Scham mußte ich Stand halten, mußte stehen bleiben. Festen Fuß halten, gleichfalls stehen bleiben, und figürlich, standhaft bleibe. Die Löwen halten Fuß, Opitz. Das Feld halten, im Felde bleiben, im Kriegeswesen. Der Feind getrauet sich nicht das Feld zu halten. Bey der Stange halten, standhaft, beständig, treu bleiben. S. Stange. An etwas halten, demselben standhaft ergeben seyn, kommt noch zuweilen vor. Sie hält mit großer Demuth an den Sitten ihrer Vorfahren, Gell. Aber die biblischen Ausdrücke, an Gott, am Glauben, am Bekenntniß, an der Hoffnung halten, sind im Hochdeutschen ungewöhnlich. Zuweilen verschwindet der Begriff der vorher gegangenen Bewegung, und da bedeutet halten bloß aus gewissen Absicht ohne Bewegung seyn. Jenseit der Wiese hielten ein Paar verdächtige Leute zu Pferde. Gottes lebender Wind hielt zwischen den ehernen Bergen Unbeweglich, Klopst. Hinter dem Berge halten Soldaten. Figürlich bedeutet hinter dem Berge halten, auch, seine wahren Absichten, eine Sache verbergen, geheim halten. Mit etwas hinter dem Berge halten, damit geheim thun. Besonders in der Absicht, andern nachzustellen. Auf jemanden halten, auf ihn lauern. Man hielt auf ihn (den Simson) bey ihr in der Kammer, Richt. 16, 9. Abimelech stund auf und hielt auf Sichem mit vier Haufen, Kap. 9, 34. In welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen veraltet ist. Der Imperativ halt wird zuweilen als ein drohendes Zwischenwort gebraucht. Halt! ich will dich bezahlen. 3) Eines Partey halten, seiner Partey ergeben seyn, ihn vertheidigen, verfechten. Können sie glauben, daß ich ihre Partey gegen meine Schwester habe halten müssen? Less. Es mit jemanden halten, seiner Meinung seyn, ihm zugethan seyn. Ich halte es mit keinem. Ich halte es mit dem Weine, ich bin für den Wein. 4) Die Probe halten, d. i. aushalten, in der Probe echt erfunden werde. Im Oberdeutschen sagt man auch, das Feuer halten, den Hammerschlag halten, wo man im Hochdeutschen das Zeitwort aushalten gebraucht. 5) Das wird hart halten, oder, das wird schwer halten, das wird nicht anders als mit Mühe zu bewerkstelligen seyn. 6) Wie hälts? für wie gehet es? wie stehet es? Wie hälts, haben sie ausgeschlafen? Weiße. Wie hälts? wird auf der Insel nicht geredt? Mich.

Anm. Dieses Wort lautet schon bey dem Kero, Ottfried und andern haltan, im Isidor haldan, im Nieders. holden, hollen, im Dän. holde, im Angels. healdan, im Engl. to hold, und so fern es stille bedeutet, halt, im Schwed. halla, im Isländ. halda, im Holländ. houden. Weil dieses Wort in unsern ältesten Denkmählern für erhalten, servare, vorkommt, so nimmt Ihre diese Bedeutung für die erste ursprüngliche an, leitet es von Heil, Salus, her, und rechnet auch das Lat. incelumis, seiner zweyten und eigentlichen Stammsylbe nach dahin. Nach dem Wachter und Frisch ist custodire die erste ursprüngliche Bedeutung, weil es bey den ältesten Schriftstellern auch von den: Weiden oder Hüthen des Viehes vorkommt, daher sie es auch zu dem Latein. alere rechnen. So hirti ther thar heltit, Joch sines fehes weltit, Ottfr. wie ein Hirte, der sein Vieh hüthet und bewahret. Im Österreichischen ist daher Halter oder Viehhalter noch jetzt ein Viehhirt, und Halte die Weide. Im Nieders. ist Holung oder Holje die Kost; ein Kind in die Holung thun, in die Kost. Allein, es scheint der Analogie anderer Wörter und dem natürlichen Gange der menschlichen Begriffe gemäßer zu seyn, die einfachste, natürlichste und sinnliche Bedeutung zum Grunde zu legen, zumahl da sie für alle übrigen ein so leichtes und schickliches Bild an die Hand gibt. Halten hat mit haben, zumahl, wenn man die veralteten Bedeutungen, deren eine große Menge ist, und die Mundarten mit dazu nimmt, viele Bedeutungen und Wortfügungen gemein, daher sich vermuthen lässet, daß sie näher verwandt sind, als es dem ersten Anblicke nach scheinen möchte. Unsere ältesten Schriftsteller gebrauchen für halten, tenere, das Wort haben, und noch jetzt ist in Baiern heben in dieser Bedeutung üblich. In der Bedeutung der Erfüllung eines Versprechens, einer Verbindlichkeit, sagt man im Braunschweigischen für holden oder halten auch heren. S. auch Held.


Halter (W3) [Adelung]


Halter, das Oberdeutsche Zwischenwort, S. Halten I. 3. 8).


Halter (W3) [Adelung]


Der Halter, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte halten. 1) Eine Person, welche etwas hält, in verschiedenen Bedeutungen des Zeitwortes, doch nur in den Zusammensetzungen, Erhalter, Gasthalter, Gerichtshalter, Haushalter, Posthalter, Statthalter u. s. f. 2) Ein Werkzeug, womit man etwas hält. So sind bey den chirurgischen Instrumenten. Machern der Halter, zwey mit einer eisernen Niete verbundene Hölzer, kleine Stücken, wenn sie bearbeitet werden sollen, damit zu halten. S. auch Fadenhalter, Buchhalter, Anhalter u. s. f. 3) Ein Ort, worin man etwas hält. So ist im Oberdeutschen Behalter oder Gehalter ein Schrank, welches daselbst auch in Kalter zusammen gezogen wird. S. auch das folgende.


Hälter (W3) [Adelung]


Der Hälter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ort oder Raum, worin man etwas aufbehält; doch nur in einigen Fällen. So wird eine Eiserne oder ein großes Gefäß, worin sich das zu den Springbrunnen nöthige Wasser sammelt, ein Hälter oder Wasserhälter genannt. In der Land- und Hauswirthschaft ist der Hälter oder Fischhälter ein kleiner Teich, oft auch nur ein durchlöcherter Kasten, die zum Verspeisen bestimmten Fische darin lebendig zu erhalten. Nieders. Holder, Oberd. Halter.


Haltevieh (W3) [Adelung]


Das Haltevieh, des -es, plur. inus. in der Landwirthschaft einiger Gegenden, fremde Schafe, welche um Lohn in das Winterfutter genommen werden; Miethvieh.


Haltig (W3) [Adelung]


Haltig, adj. et adv. Haltiges oder hältiges Gestein, im Bergbaue, welches einen brauchbaren mineralischen Gehalt hat, im Gegensatze des tauben. Außerdem ist es nur in den Zusammensetzungen goldhaltig, silberhaltig, reichhaltig, vollhaltig u. s. f. von dem innern Gehalte üblich, wovon in einigen Fällen auch die Hauptwörter Reichhaltigkeit, Vollhaltigkeit u. s. f. üblich sind.


Haltkette (W3) [Adelung]


Die Haltkette, plur. die -n, eigentlich, eine jede Kette, welche etwas hält. In engerer Bedeutung, die kurze Kette, vermittelst welcher die Deichsel eines Wagens an die Brust der Pferde befestiget ist, selbige damit zu lenken, und welche auch die Deichselkette genannt wird.


Haltnagel (W3) [Adelung]


Der Haltnagel, des -s, plur. die -nägel, an einem Sattelwagen, ein eiserner Nagel, welcher hinter der Achse durch den Langbaum gestecket wird, damit sie nicht zurück weichen kann.


Haltritt (W3) [Adelung]


Der Haltritt, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, die Bereitung der Landstraßen, zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit. S. Halt.


Haltstatt (W3) [Adelung]


Die Haltstatt, plur. die -stätte, oder die Haltstätte, plur. die -n, ehedem ein Ort, wo man sich in einen Hinterhalt legte. Bey den Jägern ist die Haltstatt, welches an einigen Orten auch Haltstatt lautet, der Ort, wo die Jägern im Sommer und Winter nach der Suche oder nach dem Besuche zusammen kommen.


Haltung (W3) [Adelung]


Die Haltung, plur. die -en, von dem Zeitworte halten. 1) Die Handlung des Haltens, in den meisten Bedeutungen des Activi; ohne Plural. Besonders in der Mahlerey, die Kunst, Licht und Schatten gehörig zu verbreiten. 2) Die Festigkeit eines Dinges; der Halt. Die Mauer hat keine Haltung. 3) Dasjenige, woran sich ein anderes Ding hält, oder worauf es dauerhaft ruhet.


Halunke (W3) [Adelung]


Der Halunke, des -n, plur. die -n, ein niedriges Schimpfwort, womit man einen nichtswürdigen, trägen, mit Lumven behangenen Menschen bezeichnet. Die Abstammung dieses Wortes, welches in einigen Mundarten auch Hohlunk lautet, ist wie bey mehrern Schimpfwörtern ungewiß. Frisch leitet es von dem Böhm. Holomka, welches den Anhänger einer Partey bedeutet, und durch die Religionskriege in Deutschland bekannt geworden seyn soll, da man die Troßbuben im Kriege mit diesem Nahmen belegt, weil sie die zerrissenen Kleider der Soldaten getragen. Er führet dabey das Franz. Haillon, ein Lumpen, an. Andere leiten es von dem Nieders. Lunke, lumbus, die Lende, und hahlen, ziehen, ab, da es denn eigentlich einen Menschen bedeuten würde, der vor Trägheit die Lenden gleichsam hinter sich herschleppet. Noch andere von dem alten Halingon, Nachstellung, Hinterhalt. Am wahrscheinlichsten ist es das Wendische oder Sorbische Holunk, welches eigentlich einen im Walde wohnenden. Menschen bedeutet, welche bey der ehemahligen Verfassung in der Ober-Lausitz auf den Schlössern die Nachtwachen verrichten mußten. S. Kreysigs Beytr. Th. 4, S. 347.


Ham (W3) [Adelung]


1. Der Ham, S. Hamm.


Ham (W3) [Adelung]


2. * Der Ham, oder vielmehr der Hamm, des -es, plur. die -e, ein veraltetes, noch in einigen eigenthümlichen Nahmen der Örter übliches Wort, einen Wald zu bezeichnen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . S. Hag und Hain, aus welchen Wörtern es verderbt ist. Schwed. Hammar. In andern eigenthümlichen Nahmen ist Ham unser Heim oder Heimath, d. i. Wohnung, und eine Sammlung mehrerer Wohnungen, wohin auch das Franz. Hameau, ein Dorf, und nach dem Frisch auch das Lat. Campus gehöret, S. Kamp und Heim. Im Ostfriesischen wird es noch für Flur gebraucht, den zu einer ganzer Dorfschaft gehörigen Strich Landes zu bezeichnen, wo es denn, in der weitesten Bedeutung des Wortes Hagen, einen umzäunten Raum bedeutet. Im Bremischen ist Hameine, Homeine, eine jede Umzäunung, ein Gehäge. S. Hameye.


Hambrey (W3) [Adelung]


Hambrey, S. Hahnbrey.


Hambüche (W3) [Adelung]


Die Hambüche, S. Hagebüche.


Hamen (W3) [Adelung]


Der Hamen, des -s, plur. ut nom. sing. ein beutelförmiges Netz, dessen Öffnung an einem Reifen mit einem Stiele befestiget ist. Die Jäger bedienen sich desselben zum Hühnerfange, da es denn auch ein Treibezeug genannt wird, die Fischer aber zum Fischfange; Franz. Truble, im Nieders. ein Kesser. Kannst du den Leviathan ziehen mit dem Hamen? Hiob 40, 20. Wie die Fische gefangen werden mit einem schädlichen Hamen, Pred. 9, 12. S. Setzhamen, Kratzhamen, Schleifhamen. Figürlich wird an einigen Orten ein Klingebeutel im Diminut. ein Hämchen oder Hämlein genannt. Anm. Allem Ansehen nach gehöret dieses Wort zu haben, so fern es fangen oder halten bedeutet. Im Schwed. ist haemta fangen, nehmen. Aus eben dieser Ursache hieß bey den Römern die Angel Hamus, Ital. Hammo, Franz. Hain. S. Immhamen. Das Lat. bedeutete aber auch einen Ring, der etwas hält, so wie in der Landwirthschaft der Kuhhamen ein halber hölzerner Ring ist, den man den Kühen um den Hals leget, um sie damit an der Krippe zu befestigen. Im Osnabrück. ist Hamm so wohl ein Hamen zum Fischfange, als auch ein Kummet, daher es ehedem daselbst eigene Hammmacher gab, welche solche Joche oder Kummete machten. S. Kummet und Hemmen.


Hameye (W3) [Adelung]


Die Hameye, plur. die -n, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, ein Gatterthor, welches zu beyden Seiten ein Pförtchen hat, wo es im gemeinen Leben auch Horumeye, lautet. Es ist das Nieders. Hameine, Hameide, ein Gehäge, eine jede Befriedigung, besonders von Pallisaden; daher in Bremen der äußerste Sperrbaum vor den Stadtthoren Hameine heißt. Hammeye, Hameyde, Hammeyboom sind auch im Holländischen üblich. S. 2. Ham, Hamme und Hag.


Hämflich (W3) [Adelung]


Hämflich, -er, -ste, adj. et adv. in den gemeinen Sprecharten der Hoch- und Oberdeutschen, in seiner Art groß, stark und derb. Ein hämfliches Stück Brot. Eine hämfliche Lüge. Ingleichen stark und ungesittet. Ein hämflicher Mensch, ein grober. Die Abstammung erhellet aus der Schweizerischen Mundart, wo Hampfeln eine Hand voll, und Hampfelig die Hand füllend bedeutet. Eben daselbst ist Mumpfel, ein Mund voll, Arfel ein Arm voll, und Gauffeln so viel als man mit beyden Händen fassen kann.


Hämisch (W3) [Adelung]


Hämisch, -er, -te, adj. et adv. auf eine heimliche Art boßhaft, geneigt, andern auf eine hinterlistige Art, und ohne ihre Erwartung zu schaden, und in dieser Denkungsart gegründet. Ein hämischer Mensch. Ein hämisches Betragen. Jemanden hämischer Weise schaden. Ein hämischer Streich. Anm. Im Nieders. fünisch. Frisch leitet es von heim, heimlich, her, wovon heimisch im Oberdeutschen noch für zahm gebraucht wird. Man kann es aber auch zu Hamen rechnen, so daß damit zunächst auf die Nachstellung gesehen wird; indem hämisch in dieser Bedeutung wohl niemahls heimisch geschrieben oder gesprochen wird. S. Heimtückisch, mit welchem es in der Bedeutung überein kommt. Bey den Krainerischen Wenden ist Hamba Hohn, und Himba List.


Hamm (W3) [Adelung]


* Hamm, im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, ein Zwischenwort, womit man etwas verbiethet, besonders Kindern.


Hamm (W3) [Adelung]


Der Hamm, ein Wald u. s. f. S. 2. Ham.


Hamme (W3) [Adelung]


1. Der Hamme, des -n, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden bekanntes Wort, welches bald den Kniebug, bald die Füße eines Thieres, bald auch die Keule eines geschlachteten Thieres bedeutet. Im Oberdeutschen ist Hamme der Fuß eines geschlachteten Schweines. Bey den Jägern wird die Hinterkeule des Roth- und Rehwildbretes Hamm oder Hammel, von einer Sau aber Hammer genannt. In andern Gegenden ist Hamme ein Schinken. Daher das Hammenbein daselbst das Schinkenbein ist.

Anm. Im Angels. und Engl. Ham. Wachter leitet es von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, biegen, ab. Mit mehrerer Wahrscheinlichkeit rechnet Frisch es zu dem Ital. Gamba und Franz. Jambe, Jambon, der Schenkel. Da die Hinterkeule eines geschlachteten Thieres, wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem Schlägel oder einer Keule, auch ein Schlägel, eine Keule genannt wird, so stehet es dahin, ob zwischen diesem Hamm oder Hamme, und Hammer nicht eine ähnliche Verwandtschaft Statt findet. Da aber im Holländischen Hamme, und im Nieders. Hamel, ein jedes abgeschnittenes Stück bedeutet, so scheinet das alte Zeitwort hammen die nächsten Ansprüche auf dieses Wort zu haben. S. 2. Hammel, Anm.


Hamme (W3) [Adelung]


2. Die Hamme, plur. die -n, in Obersachsen, der hintere breitere Theil der Sense, im Gegensatze der Spitze. Wenn der Mähder nicht bloß mit der Spitze der Sense, sondern mit der Hamme zugleich hauet. Etwa von hammen, schneiden, hauen? S. 2. Hammel.


Hamme (W3) [Adelung]


3. Die Hamme, plur. die -n, in einigen Niedersächsischen Gegenden, z. B. in Dithmarsen, ein Gehäge, eine Befriedigung. S. Hameye und 2. Ham.


Hammel (W3) [Adelung]


1. Der Hammel, des -s, plur. die Hämmel, die Hinterkeule eines geschlachteten Thieres, S. 1. Hamme.


Hammel (W3) [Adelung]


2. Der Hammel, des -s, plur. die Hämmel, in Ober- und Niedersachsen, ein geschnittener Schafbock; ein Schöpps. Daher der Hammelbraten, der Schöppsenbraten, das Hammelfleisch, das Schöppsenfleisch, die Hammelkeule u. s. f.

Anm. Dieses Wort, welches im Nieders. Hamel lautet, stammet gewiß nicht, wie Frisch will, von heim, heimlich her, einen durch das Verschneiden zahm gemachten Schafbock zu bezeichnen, sondern, wie schon Wachter behauptet, von einem veralteten Zeitworte hammen, hammeln, Angels. hamelan, verstümmeln, abschneiden, wovon Hamme im Holländ. ein abgeschnittenes Stück, hamma und hamm bey dem Ulphilas lahm, verstümmelt, und Hamalsteti, bey dem Tatian den Richtplatz bedeuten, weil die Übelthäter daselbst gleichsam verstümmelt werden. S. Hümpler. In einer 1486 zu Augsburg gedruckten Deutschen Übersetzung des Evnuchus des Terenz heißt es; Evnuchus das ist in teutsch Hemling. Woraus denn erhellet, daß Hammel eigentlich ein verschnittenes Thier bedeutet. Aus eben dieser Ursache wird vermuthlich auch die Nachgeburt im Nieders. Hamel genannt. Übrigens wird ein "Hammel" in Niedersachsen auch "Bötel", "Bötling" genannt, welches Wort aber auch ein "verschnittenes Pferd", einen "Wallach" bedeutet, ohne Zweifel von "Bötel", "Beitel", ein "Meißel", und "böteln", "mit dem Meißel abschlagen", (S. 4. "Beutel") Dän. "Beede". Im Osnabrück. heißt er auch "Wär", welches mit dem Dalmat. "Beran", und der ersten Hälfte des Latein. "Vervex" und mittlern Latein. "Berbix" überein kommt, und im mittlern Latein. "Mennonus", Ital. "Menno". S. auch "Neidhammel".


Hammeljährling (W3) [Adelung]


Der Hammeljährling, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein geschnittenes Lamm männlichen Geschlechtes, wenn es Ein Jahr alt ist, welches auch ein Jährlingshammel genannt wird. Ist es noch nicht Ein Jahr alt, so heißt es eigentlich ein Hammellamm, ist es aber zwey Jahr alt, ein Zeithammel.


Hammelknecht (W3) [Adelung]


Der Hammelknecht, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein Schafknecht, dem die Hüthung der Hämmel und Stäre anvertrauet ist; zum Unterschiede von dem Meisterknechte und Lämmerknechte.


Hammellamm (W3) [Adelung]


Das Hammellamm, des -es, plur. die -lämmer, siehe Hammeljährling.


Hammelmöhre (W3) [Adelung]


Die Hammelmöhre, plur. die -n, S. Pastinak.


Hammeln (W3) [Adelung]


Hammeln, verb. reg. act. verschneiden, castriren, welches nur noch von dem Verschneiden der Schaftböcke gebraucht wird. S. Leuchten, welches gleichfalls in dieser Bedeutung üblich ist.


Hammer (W3) [Adelung]


1. Der Hammer, des -s, plur. die Hämmer, die Keule eines geschlachteten Thieres, S. 1. Hamme.


Hammer (W3) [Adelung]


2. Der Hammer, des -s, plur. die Hämmer, Diminut. das Hämmerchen, Oberd. Hämmerlein, ein Werkzeug zum Schlagen, doch nur ein solches, wo sich das Haupt, oder der eigentlich schlagende Theil horizontal auf einem senkrechten Stiele befindet. 1. Eigentlich. Einen Nagel mit dem Hammer einschlagen. Etwas mit dem Hammer gerade schlagen. Auf einigen Dörfern in Obersachsen ist die Herumschickung des Hammers, ein Zeichen, wodurch der Richter oder Schulze die Gemeinde zusammen beruft. Im Osnabrückischen bedienet man sich in manchen Fällen eines Hammers, wenn jemanden von der Gemeinde ein Stück Landes abgetreten wird, da denn der Hammer aus einem Wagen unter dem linken Beine durchgeworfen wird, die Größe dieses Stückes zu bezeichnen, welcher Gebraucht der Hammerwurf heißt. Bey den Grobschmieden wird auch eine gewisse Art von Stämpeln oder Meißeln mit einem horizontalen Stiele ein Hammer genannt, auf welche man mit dem Hammer schläget, wenn man sie gebraucht. 2. Figürlich. 1) Wegen einiger Ähnlichkeit in der äußern Gestalt. So wird das Knie auf dem Gradbogen, welches auf dem Pfeile beweglich ist, auch der Hammer genannt. In der Anatomie führet das eine Bein in der Schnecke oder der Trommelhöhle des Ohres diesen Nahmen. 2) Eine Fabrik, wo manche Metalle vermittelst großer, von dem Wasser getriebener Hämmer bearbeitet werden, führet sehr häufig den Nahmen eines Hammers, oder Hammerwerkes; besonders in den Zusammensetzungen Blechhammer, Eisenhammer, Messinghammer, Kupferhammer u. s. f. Im mittlern Latein. des 13ten Jahrh. kommt schon das Wort Malleus in dieser Bedeutung vor, wo es du Fresne durch eine Papiermühle erkläret. 3) Im Nieders. wird ein dreister, durchtriebener Mensch, der alles durchzusetzen vermag, ein Hammer genannt: 4) Im gemeinen Leben, wo man zuweilen das Harte mancher Flüche vermindern will, ist es eine versteckte Benennung des Teufels. Daß dich der Hammer! Ey, für den Hammer! wo es aber auch den Henker oder Schinder bedeuten kann. S. 2. Hämmerling.

Anm. Bey dem Notker Hamere, bey den Schwäbischen Dichtern Hamer, im Nieders. und Angels. Hamer, im Dän. Engl. Schwed. und Isländ. Hammer. Frisch glaubt, dieses Wort stamme mit dem Ital. Martello von dem Latein. Marcus, Marculus ab, weil man im Ital. auch ammartellare für martellare, hämmern, sage, wo nur der Hauchlaut vorgesetzet werden dürfen. Ihr hält es gleichfalls für ein fremdes Wort, und räth auf das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, zerbrechen. Es ist zu verwundern, daß ihm das alte hammen, verstümmeln, schlagen, stoßen, nicht eingefallen ist, ( S. 2. Hammel,) wovon vermittelst der Endung -er, welche ein Werkzeug bezeichnet, ganz natürlich das Wort Hammer gebildet werden können. Indessen gehöret das jetzt gedachte Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - allerdings mit zu dem veralteten hammen. Übrigens wird ein Hammer von den Bergleuten ein Fäustel genannt. Andere Arten von Werkzeugen des Schlagens heißen Pochheyen, Beutheyen, Schlägel, Knüppel, Klopfhölzer, Klopfer u. s. f.


Hammeraxt (W3) [Adelung]


Die Hammeraxt, plur. die -äxte, bey den Kalfaterern der Schiffe, ein Hammer, der am andern Ende des Hauptes mit einem Meißel oder einer Axt versehen ist. Im Bergbaue wird sie ein Hauhammer genannt.


Hammerbeil (W3) [Adelung]


Das Hammerbeil, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, ein Hammer, welcher an dem andern Ende des Hauptes ein Beil hat.


Hammerfisch (W3) [Adelung]


Der Hammerfisch, des -es, plur. die -e, eine Art Hayfische, dessen breiter und platter Kopf sich auf beyden Seiten in Gestalt eines Hammers ausbreitet, welcher der gefräßigste Seehund ist, und sich in den Europäischen und Amerikanischen Meeren aufhält; Squalus Zygaena. Er wird auch Jochfisch, Judenfisch, nach dem Franz. Poisson Juif, von der Ähnlichkeit seines Kopfes mit einem ehemahligen Kopfschmucke der Juden in der Provence, ingleichen Schlägelfisch, Meerschlägel, Meerwage, Pantoffelfisch, Franz. Pantouflier, genannt. Im Franz. heißt er gleichfalls le Marteau, im Ital. Balista, Pesce Martello, im Span. Peis Limo, Limada, und im Engl. the Balance-Fish.


Hammerherr (W3) [Adelung]


Der Hammerherr, des -en, plur. die -en, der Eigenthumsherr eines Hammers oder Hammerwerkes.


Hammerhütte (W3) [Adelung]


Die Hammerhütte, plur. die -n, diejenige Hütte eines Eisenhammers, in welcher das Eisen unter dem großen Hammer geschmiedet wird. In weiterer Bedeutung auch ein jedes Hammerwerk.


Hämmerling (W3) [Adelung]


1. Der Hämmerling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme der Goldammer, S. Ammer.


Hämmerling (W3) [Adelung]


2. Der Hämmerling, des -es, plur. die -e. 1) In den Marionetten-Spielen wurde ehedem der Pickelhäring oder Hanswurst Meister Hämmerling oder Hämmerlein genannt. Vielleicht als das Diminut. von dem Nieders. Hammer, ein durchtriebener Mensch. S. 2 Hammer. 2) An manchen Orten heißt der Kaviller, zuweilen auch der Scharfrichter, im Scherze und Spotte Meister Hämmerling. Vermuthlich von dem Abschlagen oder Abpuffen des gestorbenen Viehes. 3) An andern führet der vorgegebene Berggeist oder Kobold, ingleichen ein jeder Poltergeist den Nahmen Meister Hämmerling, weil er sich durch Hämmern oder Klopfen zu verrathen pfleget.


Hammermeister (W3) [Adelung]


Der Hammermeister, des -s, plur. ut nom. sing. der Meister oder Vorgesetzte eines Hammers oder Hammerwerkes, der die Aufsicht über die ganze Anstalt hat.


Hämmern (W3) [Adelung]


Hämmern, verb. reg. act. Schläge mit dem Hammer thun, am häufigsten in Absicht auf den dadurch verursachten Schall. Das Hämmern schlägt dem Schmid die Ohren voll, Sir. 38, 10. Zuweilen, obgleich seltener, und nur im gemeinen Leben, auch in Rücksicht der dadurch geschehenen Bearbeitung. Etwas gerade, gleich hämmern. Wo doch schlagen oder klopfen üblicher sind.


Hammerordnung (W3) [Adelung]


Die Hammerordnung, plur. die -en, die von der Obrigkeit so wohl dem Herren eines Hammerwerkes, als auch den Arbeitern vorgeschriebene Ordnung.


Hammerrad (W3) [Adelung]


Das Hammerrad, des -es, plur. die -räder, in den Hammerwerken, dasjenige Rad, wodurch der Hammer getrieben und in Bewegung gesetzt wird.


Hammerschlag (W3) [Adelung]


Der Hammerschlag, des -es, plur. die -schläge. 1) Der Schlag mit einem Hammer. Den Hammerschlag aushalten. 2) Die Schlacken, welche von dem Eisen abspringen, wenn es geschmiedet wird; ohne Plural. An einigen Orten werden diese dünnen und schieferigen Schlacken Sinter, Sindel, und verderbt Zunder genannt. S. Sinter.


Hammerschmid (W3) [Adelung]


Der Hammerschmid, des -s, plur. -schmiede, ein jeder, der als Schmid in einem Hammerwerke arbeitet; wohin der Vorschmid, der Frischer, der Aufgießer, der Gleicher, der Urweller, der Ziehner u. s. f. gehören. In engerer Bedeutung führet zuweilen nur der Hammermeister diesen Nahmen.


Hammerwerk (W3) [Adelung]


Das Hammerwerk, des -es, plur. die -e, eine Werkstätte oder Anstalt, wo gewisse Metalle vermittels großer von dem Wasser getriebener Hämmer bearbeitet werden, und welche auch nur ein Hammer heißt.


Hammerwurf (W3) [Adelung]


Der Hammerwurf, des -es, plur. die -würfe, siehe 2, Hammer.


Hampelmann (W3) [Adelung]


Der Hampelmann, des -es, plur. die -männer, eigentlich ein Nahme derjenigen kleinen Männer oder Püppchen, welche in einem Glase eingeschlossen sind, und vermittels eines Haares immer in die Höhe hüpfen, als wenn sie heraus zu springen strebten. Vermutlich von dem Nieders. ampeln, mit bewegten Armen und Füßen nach etwas streben, wie die Kinder zu thun pflegen.


Hamster (W3) [Adelung]


Der Hamster, des -s, plur. ut nom. sing. ein vierzehiges Thier, welches kleiner als ein Kaninchen, an den Seiten röthlich mit weißen Flecken und am Bauche schwarz ist, sich im Felde sehr künstliche Höhlen unter der Erde gräbt, und solche mit allen Arten Getreides anfüllt; Cricetus L. Glis Cricetus Klein. Man findet dieses dem Feldbaue schädliche Thier in Thüringen, Franken und andern Provinzen Deutschlandes. In Elsaß wird es Kornfarle, im Franz. Mulot, im Pohln. aber Skrzeczek genannt. Anm. Frisch glaubt, daß der Hamster wegen seiner künstlichen Wohnungen von Ham, Heim, Wohnung, so genannt worden. Das Wort ist alt, denn bey dem Raban Maurus wird Gurgulio durch Hamistro, übersetzt.


Hamstergräber (W3) [Adelung]


Der Hamstergräber, des -s, plur. ut nom. sing. gewisse Leute, welche ein eigenes Geschäft daraus machen, die Hamster in den Feldern auszugraben und zu tödten.


Hamsterröhre (W3) [Adelung]


Die Hamsterröhre, plur. die -n, der Bau eines Hamsters unter der Erde, und der Zugang zu demselben, S. Röhre.


Hamstock (W3) [Adelung]


Der Hamstock, des -es, plur. -stöcke, in dem Mühlenbaue einiger Gegenden, wo mehrere Wassermühlen an einem Wasser Theil haben, ein mit gewissen Zeichen bemerkter Stock zwischen den Mühlen, woran jeder Müller sehen kann, wenn ihm sein Nachbar das Wasser ungebührlich zurück stellet, oder schwellet, und der von dem Mahlpfahle noch unterschieden ist. Zuweilen werden dafür gewisse Hamzeichen in die Mühlen gehauen. Ham scheinet hier zu dem Zeitworte hemmen zu gehören, weil diese Zeichen das Maß der Hemmung des Mühlwassers bestimmen.


Hanbrey (W3) [Adelung]


Der Hanbrey, S. Hahnbrey.


Hand (W3) [Adelung]


Die Hand, plur. die Hände, Diminut. das Händchen, Oberd. Händlein. 1. Eigentlich. Dasjenige Gliedmaß der Menschen und Thiere, womit sie andere Dinge ergreifen und halten. 1) Im weitesten Verstande, in welchem nur noch die Füße der Falken bey den Jägern Hände genannt werden. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, an den menschlichen Körpern, der äußerste Theil des Armes, von dem Ende des Elbogenbeines oder von der Handwurzel an, bis zu den Fingern, mit Einschließung der selben. Die flache Hand, der Theil der Hand von der Handwurzel bis zu den Fingern. Die hohle Hand, der innere Theil der flachen Hand, welche auch in engerm Verstande die flache Hand oder der Handteller genannt wird, im Gegensatze des Rückens der Hand, oder des äußeren Theiles der flachen Hand. Im Isidor Folma, nach dem Latein. Palma. Jemanden mit verwandter oder umgewandter Hand eine Ohrfeige geben, mit dem Rücken der Hand. In einem andern Verstande ist die hohle Hand der innere Raum der halb geschlossenen Hand. Eine Hand voll, so viel als man in der Hand und mit der Hand fassen kann. ( S. Hämflich,) Die rechte Hand, die linke Hand. Etwas mit der Hand anfassen, in die Hand nehmen, mit der Hand halten, aus der Hand legen, in welchen so wie in den folgenden und allen ähnlichen R. A. das Wort Hand bald im Singular, bald nur im Plural, bald in beyden zugleich üblich ist. Wenn ich dich an meiner Hand durch eine schöne Gegend führte. Jemanden bey der Hand anfassen, oder ihn bey der Hand nehmen, dessen Hand anfassen. Jemanden bey der Hand halten. Ein Kind bey der Hand führen. Hand in Hand gehen, sagt man von zwey Personen, welche ihre Hände in einander geschlossen, oder sich bey den Händen angefasset haben. Hand in Hand gedrückt kamen sie in das Gebüsche, Geßn. Möchtet ihr stets Hand in Hand Auf Einem Wege gehen! Schleg. Bald schlossen alle Hand in Hand, Ein Reihentanz ward angefangen, Utz. Jemanden die Hand geben, sich in die Hände geben, ein Zeichen des Grußes, der Versöhnung, des Friedens. Jemanden die Hand auf etwas geben, zur Versicherung eines gethanen Versprechens, oder eines geschlossenen Vertrages; eine Gewohnheit, welche so alt ist, als das menschliche Geschlecht selbst. Die Hände falten, eine gleichfalls uralte Feyerlichkeit bey dem Gebethe. sage ihm, daß diese ohnmächtigen Hände sich für ihn zum letzten Mahle falten, zum letzten Mahle für ihn bethen. Einem Kinde die Hand führen, wenn es schreiben lernet. Mit den Händen arbeiten, Handarbeit verrichten. Die Hände gen Himmel heben, zum Zeichen der Andacht, des Gebethes, auch einer großen Verwunderung. Die Hände über den Kopf zusammen schlagen, zum Zeichen der Verzweifelung, oder eines großen Jammers. Die Hände zusammen schlagen, ein Merkmal eben dieser Empfindungen. Eine feste, gesetzte Hand haben, welche vor allen unwillkührlichen Bewegungen sicher ist. Figürlich ist die feste Hand bey einer Waare, der immer gleiche Preis derselben und dessen Erhaltung, S. Fest. Einem Kinde die Händchen geben, im gemeinen Leben Obersachsens, demselben nach dem achten Tage nach der Geburt beym Windeln die Hände und Arme frey lassen. Sich eine Person zur linken Hand oder an die linke Hand antrauen lassen, eine noch unter dem hohen Adel zuweilen übliche Gewohnheit, wenn sich derselbe mit einer Person geringern Standes vermählet, welche Ehe die Ehe zur linken Hand genannt wird. Die aus einer solchen Ehe erzeugten Kinder bleiben von dem völligen Erbe und der Nachfolge ausgeschlossen. Die Nothwendigkeit und der große Nutzen diese Gliedmaßes haben zu einer Menge figürlicher R. A. Anlaß gegeben, in welchen Hand oder Hände zwar seine eigentliche Bedeutung behält, aber doch mit der ganzen R. A. ein Bild einer andern Sache wird. Einige der vornehmsten sind folgende. Die Sache ist mir unter den Händen weggekommen, indem ich mich noch damit beschäftigte. Von Handen kommen, S. Abhanden. Eine Arbeit unter den Händen haben, sie in der Arbeit haben, daran arbeiten. Unter der Hand, insgeheim, heimlich. Ich gab es ihm unter der Hand zu verstehen, ließ es ihn unter der Hand errathen. Nicht mehr haben, als aus der Hand in den Mund, was man erwirbt, auch sogleich verzehren. Ein Gewerbe mit leeren Händen anfangen, ohne eigenes Vermögen. Einem etwas auf die Hand geben, zur Festigkeit eines geschlossenen Vertrages etwas von der bedungenen Summe geben, siehe Handgeld. Er hat schon zehn Thaler auf die Hand genommen. Einem die Hände biethen, eigentlich darreichen, ihm zu helfen, figürlich ihn unterstützen, ihm hülfliche Hand leisten, oder biethen. Der Tugend und Gottseligkeit die Hände biethen, sie zu befördern suchen. Wir können uns in unserm Vorhaben die Hände biethen, uns helfen, unterstützen. Hand an das Werk legen, es anfangen. Die letzte Hand an etwas legen, es vollbringen. Hand an jemanden legen, versönliche Gewaltthätigkeiten an ihm begeben Hand an sich selbst legen, sich ermorden. Die Arbeit geht ihm gut von der Hand, geht ihm gut, hurtig von Starten. Bey der Liebe Gegenstand Geht er mir fix von der Hand, Weiße. Alle Hände voll zu thun haben, häufige Beschäftigungen haben. Etwas vor die Hand nehmen, anfangen sich damit zu beschäftigen. Allerley Mittel vor die Hand nehmen, versuchen. Die Hand oder die Hände von jemanden abziehen, aufhören, ihm zu helfen, ihm zu unterstützen. Die Hände oder die Hand mit im Spiele haben, an etwas mitwirken. Gott hat die Hand in jedem Spiel, Bald gibt er wenig und bald viel, Can. Seine milde Hand aufthun, mildthätig seyn. Einem Mittel und Wege an die Hand geben, ihm solche vorschlagen, bekannt machen. Etwas aus freyer Hand thun, mit der bloßen Hand, oder Beyhülfe anderer Werkzeuge: aber etwas aus freyer Hand, oder aus der Hand verkaufen, freywillig, aus eigener Macht, im Gegensatze des gerichtlichen Verkaufes. Man kann es mit den Händen greifen, es ist augenscheinlich, S. Handgreiflich. Die Hände in den Schoß legen, müßig, unthätig, unwirksam seyn, wo man wirksam seyn sollte; auch, die Hände in den Sack, oder in die Tasche stecken. Eine Hand wäscht die andere, ein Sprichw. über welches Rabener die beste Auslegung geschrieben hat. Sich auf seine eigene Hand setzen, sich selbst zu ernähren anfangen, im Gegensatze des Dienens; auf seiner eigenen Hand sitzen, oder liegen, sich selbst ernähren. Jemanden die Hände versilbern, ihn bestechen; im gemeinen Leben, ihm die Hände schmieren. Es hat weder Hand noch Fuß, kein Geschick. Ich werde mir die Hände nicht binden lassen, mich nicht einschränken, mir nicht vorschreiben lassen. Die Hände sind ihm gebunden, er hat nicht freye Gewalt. Jemanden freye Hände lassen, freye Hände haben, freye Macht, Gewalt. Mit beyden Händen zugreifen, so wohl eigentlich, als auch figürlich, etwas begierig annehmen. Der Glaube wird ihm wohl in die Hände kommen, die Erfahrung wird ihn das mit seinem Schaden wohl glauben lehren. Wir werden hier fast auf den Händen getragen, man erweiset uns hier alle nur ersinnliche Ehrerbiethung und Liebe. Einer Person die Hand geben, sich mit ihr verehelichen. Und wenn ich auch noch zehen Jahre auf seine Hand warten soll, auf die Vollziehung des ehelichen Verlöbnisses. Meine Hand ist vergeben, ich habe mich schon verlobt. Die Hand über etwas halten, es bewahren, beschützen, in gutem Stande zu erhalten suchen. Mit ungewaschenen Händen, ohne gehörige Vorbereitung, ohne die nöthigen Fähigkeiten zu besitzen. Etwas nach der Hand verkaufen, nach muthmaßlicher Schätzung des Maßes oder Gewichtes, es gleichsam in der Hand wägen oder messen. Die Hand auf den Mund legen, aus Ehrerbiethung, aus Achtung schweigen, Hiob 29, 9; Sprichw. 30, 22. Jemanden auf die Hände sehen, Acht haben auf dasjenige, was er thut, aber auch, damit er nichts entwende, ihm auf die Fin- ger sehen. Einem die Hände sehen, seinen Unterhalt, Wohlthaten von ihm erwarten, Sir. 33, 22. Etwas bey der Hand haben, es gleich bekommen können, es an einem bequemen Orte liegen haben. Ich habe es nicht bey der Hand, kann es nicht gleich und ohne Mühe bekommen; im Oberdeutschen, ich habe es nicht beyhändig. Ist niemand bey der Hand? ist niemand da? Der Herr ist nicht bey der Hand, in Niedersachsen, er ist nicht zu sprechen. Die Sache liegt mir nicht zur Hand, liegt mir nicht bequem, so daß ich sie gleich haben könnte. Jemanden zur Hand, oder an die Hand gehen, in Oberd. ihm an Handen gehen, ihm Handreichung thun, seine Verrichtungen durch kleine Dienste erleichtern. Ist mir denn kein Mensch zur Hand? ist niemand da, der mir helfe? Mein Tisch wird mit lauter Speisen besetzt, die mir in die Hand wachsen, die ich selbst baue oder erzeuge, nicht kaufen darf. Die Hand verbrechen oder verwirken, in den Rechten, ein Verbrechen begeben, welches mit Abhauung der Hand bestrafet wird. Die Klage gehet dem Beklagten an die Hand, wenn er die Hand verwirkt hat. Etwas mit Hand und Mund versprechen, auf die feyerlichste Art. Einem in etwas aus Handen gehen, im Oberd. es ihm abschlagen. Ew. Schreiben ist mir zu Handen kommen, gleichfalls in Oberd. ich habe es erhalten. Über Eine Hand arbeiten, wird von einer Gesellschaft Handarbeiter gesagt, wenn sie alle entweder rechts, oder links sind. Zu Handen gehen, im Oberd. widerfahren. Wenn ihm was Widriges zu Handen möchte gehn, Opitz. In vielen Fällen wird es überflüssig gesetzt, einen mehrern Nachdruck zu bewirken. Er hat es mit eigener Hand gethan. Ich habe es ihm mit meiner Hand gegeben. Vergeblich (Vergebens) böthe sie mir heut Mit ihrer Hand Unsterblichkeit, Raml. 2. Figürlich. 1) Die rechte Hand, in einigen wenigen Fällen. Zur Hand arbeiten, im Bergbaue, zur rechten Hand; wohin vermuthlich auch die schon oben angeführte R. A. gehöret, es ist nicht zur Hand. 2) Die Seite; doch nur in den R. A. die rechte, die linke Hand. Einem rechter Hand haben, auf dessen rechten Seite. Sich linker Hand, oder zur linken Hand wenden, auf die linke Seiten. Bey den Niedersächsischen Fuhrleuten bedeutet tor Hand oder zur Hand, die linke, und von der Hand, die rechte Seite. S. Handpferd. 3) Der Besitz einer Sache. Etwas aus den Händen lassen, welches auch von einem nur möglichen Besitze gebraucht wird. Eine Gelegenheit nicht aus den Händen lassen, sie nicht ungebraucht vorbey gehen lassen. Ich habe es schon in Händen. Einem etwas in die Hände spielen. Ich habe die kräftigsten Beweise in den Händen. 4) Gewalt, Macht, in einigen R. A. Die Sache stehet in Gottes Hand, oder in Gottes Händen. Große Herren haben lange Hände, ihre Macht erstreckt sich weit. Er ist seinen Feinden in die Hände gefallen, gerathen. Unter der Hand des Arztes seyn. In der Deutschen Bibel ist es in dieser Bedeutung sehr häufig. S. Oberhand. 5) Die wirkende Kraft, in der höhern Schreibart. Wir sind Staub durch eine allmächtige Hand beseelt, Gell. In der Deutschen Bibel werden die Wörter Hand, Finger und Arm sehr häufig von der wirkenden Kraft Gottes, von der Erweisung seiner Allmacht gebraucht. 6) Die wirkende oder besitzende Person selbst, in einigen bereits eingeführten Fällen. Viele Hände machen kurze Arbeit. Der Wechselbrief ist schon in der dritten Hand, es hat schon die dritte Person ihn im Besitze. Ich weiß es von guter Hand, habe es von guter Hand erfahren, von einer zuverlässigen Person. Mit gesammter Hand, alle insgesammt. Im Lehenswesen hingegen ist die gesammte Hand, wenn alle Verwandte mit einem Lehen zugleich belehnet werden. S. Gesammt. Ein Geschenk von hoher Hand, oder von hohen Händen, von einer vornehmen Person. Wird nicht das Volk ihr Blut von meinen Händen fordern? Weiße, von mir. Ich bekomme es aus der ersten, aus der zweyten Hand u. s. f. Er ist in schlechte Hände gerathen, in schlechte Gesellschaft, unter einen schlechten Lehrer, Anführer. Wenn er in gute Hände fällt, so kann noch etwas aus ihm werden. In dem Lehenswesen einiger Gegenden ist die obere Hand der Lehensherr, die untere Hand aber der Vasall. Die todte Hand, eine ehemahlige Benennung eines Verstorbenen. In einem andern Verstande ist todte Hand, noch mehr aber das mittlere Lat. Manus mortua, eine gottesdienstliche Stiftung, wo Hand aber zunächst den Besitz zu bezeichnen scheinet. Ein Gut kommt an die todte Hand, wenn eine gottesdienstliche Stiftung es, erwirbt, weil es alsdann aus dem Handel und Wandel kommt, und für den Staat gleichsam tobt ist. 7) Die Art und Weise zu schreiben. Eine gute, eine schlechte Hand schreiben. Er schreibt eine sehr leserliche Hand. Das ist eine schöne, eine schlechte Hand. Alle Hände lesen können. Unter seiner Hand und Siegel, mit der eigenen Unterschrift seines Nahmens und mit seinem Siegel. Zuweilen auch die eigenhändig geschriebene oder doch unterschriebene Schrift selbst. Ich habe seine Hand darüber. 8) * Der Zustand, die Beschaffenheit eines Dinges; ein im Hochdeutschen veralteter Gebrauch, welcher eine Fortsetzung der zweyten figürlichen Bedeutung seyn könnte, wenn es nicht glaublicher wäre, daß Hand in dieser Bedeutung ein ganz verschiedenes Wort ist, welches zu dem alten Chun, Chunne, Geschlecht, gehöret, wovon noch unser Kind, abstammet; S. dasselbe. Ehedem sagte man in der bessern Hand seyn, in der Besserung, die ärgere Hand, die geringere, schlechtere Beschaffenheit. In engerer Bedeutung wurde es ehedem auch für Art, Geschlecht, gebraucht. Von drier Hand frien luten, von dreyer Art freyen Leuten, Schwabensp. Im Hochdeutschen ist dafür jetzt -ley üblich. Mancher hande blumelin, mancherley Blumen, einer der Schwäbischen Dichter; zweyerhand, zweyerley, Garten der Gesundh. 1490; vielerhand, Opitz für vielerley. Vermehren ihren Glanz mit Wassern vieler Hand, Opitz. S. Allerhand, welches noch in diesem Verstande üblich ist. 9) In einigen adverbischen R. A. hat es die Bedeutung einer Zeit. Zu Hand, bey dem Opitz zi henti, für sogleich, schnell, ist veraltet. Zu Handt der jung ward vderütz (überdrüssig) Der weldt, H. Sachs. Im Bergbaue sagt man noch zur Hand arbeiten, d. i. eifrig, fleißig, schnell. Von der Hand, für jetzt. Lassen sie das vor der Hand gut seyn. Nach der Hand, nachher, nachmahls; im Nieders. hingegen bedeutet es nach und nach. Hierher scheinen auch die im Kartenspiele üblichen R. A. zu gehören, vor der Hand und hinter der Hand. Vor der Hand zuwerfen, zu frühe, ehe als die Reihe es erfordert; hinter der Hand sitzen, der letzte im Zuwerfen seyn. S. auch Vorhand.

Anm. Dieses Wort lautet schon bey dem Ulphilas Handus, bey dem Kero, Ottfried und andern Hant, im Nieders. Engl. Dän. und Schwed. gleichfalls Hand, ja sogar bey den Krimmischen Tatarn Handa. Es ist sehr wahrscheinlich, daß es, wie Wachter und Frisch muthmaßen, von dem Zeitworte haben abstammet, welches in einigen alten Mundarten im Infinitivo han, und in der dritten Person des Plurals des Präsentis han und hant lautet; so daß Hand eigentlich dasjenige Gliedmaß bedeutet, womit man etwas ergreifet oder hat. Das alte Lat. hendo, in prehendo, kommt damit überein. Das Isländ. Ram, die Hand, hat einen ähnlichen Ursprung von rama, raffen. Der Plural lautet im Oberdeutschen Hande. In den Zusammensetzungen bedeutet es oft eine Sache, welche ohne Mühe in der bloßen Hand getragen oder gehandhabet werden kann.


Handarbeit (W3) [Adelung]


Die Handarbeit, plur. die -en, eine jede Arbeit, welche vornehmlich mit der Hand verrichtet wird, im Gegensatze der Kopfarbeit.


Handarbeiter (W3) [Adelung]


Der Handarbeiter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Handarbeiterinn, plur. die -en, eine Person, welche solche Arbeit verrichtet, daraus ihr vornehmstes Geschäft macht.


Handballen (W3) [Adelung]


Der Handballen, des -s, plur. ut nom. sing. der Ballen unter dem Daumen in der Hand, zum Unterschiede von dem Fußballen.


Handbecken (W3) [Adelung]


Das Handbecken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Becken, so fern es dazu dienet, die Hände daraus zu waschen; zum Unterschiede von einem Fußbecken, Barbierbecken u. s. f. An einigen Orten die Handgelte. S. Gießbecken.


Handbeil (W3) [Adelung]


Das Handbeil, des -es, plur. die -e, Diminut. das Handbeilchen, ein kleines leichtes Beil, welches ohne Beschwerde gehandhabet werden kann; zum Unterschiede von den größern Beilen der Zimmerleute, Fleischer u. s. f. Aber auch die Zimmerleute haben Handbeile, welche einen kurzen Helm und breite Schneide haben. Vermuthlich zum Unterschiede von den größern Schlichtbeilen.


Handbibel (W3) [Adelung]


Die Handbibel, plur. die -n, eine Bibel in kleinerm Formate, welche man bequem handhaben kann.


Hand-Bibliothek (W3) [Adelung]


Die Hand-Bibliothek, plur. die -en, eine kleinere Bibliothek, welche jemand zu seinem eigenen Gebrauche bey der Hand hat; zum Unterschiede von einer öffentlichen.


Handblatt (W3) [Adelung]


Das Handblatt, des -es, plur. die -blätter, weiße leinene Blätter, welche vorn an die Ärmel, z. B. der evangelischen Geistlichen, befestiget werden. Ehe das Franz. Manchette so beliebt wurde, pflegte man auch hier die Manschetten Handblätter zu nennen, welche aber richtiger Handkrausen heißen.


Handbock (W3) [Adelung]


Der Handbock, des -es, plur. die -böcke, eine kleine Ramme, womit man aus freyer Hand Pfähle einzuschlagen pfleget; die Handramme.


Handbogen (W3) [Adelung]


Der Handbogen, des -es, plur. ut nom. sing. ehedem die kleinste und leichteste Art der Bogen zum Schießen, welche man mit der bloßen Hand spannete; zum Unterschiede von den Armbrüsten.


Handbohne (W3) [Adelung]


Die Handbohne, plur. die -n, S. Feldbohne.


Handbohrer (W3) [Adelung]


Der Handbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleiner Bohrer, welcher mit der bloßen Hand gehandhabet wird; zum Unterschiede von größern Arten. Nieders. Frit. Eben so ist der Handbohrer im Bergbaue ein kleinerer Bohrer, welchen der Bergmann mit der einen Hand halten, und in der andern Hand den Fäustel führen kann.


Handbret (W3) [Adelung]


Das Handbret, des -es, plur. die -er, bey den Mäurern, dasjenige Bret, welches sie vermittelst des Stieles in der Hand tragen, den Kalk darauf in der Nähe zu haben; das Sparbret.


Handbriefchen (W3) [Adelung]


Das Handbriefchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleiner vertraulicher Brief, wie das Franz. Billet.


Handbuch (W3) [Adelung]


Das Handbuch, des -es, plur. die -bücher. 1) Ein Buch von mäßigem körperlichen Umfange, welches ohne Mühe zu handhaben ist. 2) Ein kleines Buch, welches man oft in die Hand nimmt, welches man täglich gebraucht; Manuale. Besonders, 3) so fern es zugleich die Anfangsgründe, oder nöthigsten Grundlehren einer Kunst oder Wissenschaft in sich enthält; nach dem Griech. und Lat. Enchiridium.


Handbüchse (W3) [Adelung]


Die Handbüchse, plur. die -n, eine Feuerbüchse kleinerer Art, zum Unterschiede von dem größern, dergleichen die ehemahligen Hakenbüchsen waren; eine Lothbüchse, weil sie nur ein oder zwey Loth Bley schießet.


Hand-Compaß (W3) [Adelung]


Der Hand-Compaß, des -sses, plur. die -sse, im Bergbaue, ein Nahme des Setz-Compasses, zum Unterschiede von dem Hange-Compaß; S. Gruben-Compaß.


Handdecke (W3) [Adelung]


Die Handdecke, plur. die -n, eine kleinere Decke, welche man im Stalle auf die Pferde leget. Ingleichen, eine Decke, womit man die Handpferde bey dem Ausreiten zum Staate bedecket.


Handdienst (W3) [Adelung]


Der Handdienst, des -es, plur. die -e, ein jeder Dienst, welcher unmittelbar mit der Hand geleistet wird. In engerer Bedeutung, Frohndienste dieser Art, welche auch Handfrohnen, und Leibdienste genannt werden; zum Unterschiede von den Fußdiensten und Spanndiensten. S. Handtag. Daher der Handdienster, des -s, plur. ut nom. sing. der zu Handdiensten verpflichtet ist, und auch ein Leibdienster, Handfröhner oder Leibfröhner genannt wird.


Handeimer (W3) [Adelung]


Der Handeimer, des -s, plur. ut nom. sing. ein gemeiner Wassereimer, welchen man mit der bloßen Hand führet; zum Unterschiede von den Brunneneimern, oder Zugeimern.


Handeisen (W3) [Adelung]


Das Handeisen, des -s, plur. ut nom. sing. eiserne Bänder oder Ringe mit Ketten an den Händen der Gefangenen, Handfessel, Handschellen; zum Unterschiede von den Fußeisen oder Fußfesseln.


Händeklatschen (W3) [Adelung]


Das Händeklatschen, des -s, plur. car. das Klatschen mit den Händen, oder Zusammenschlagen derselben zuweilen zum Zeichen der Verspottung, noch häufiger aber des Beyfalles. Junge Theaterkönige, die ihre Rolle gut spielen, damit sie das Händeklatschen der Logen und der Parterre erbeuten, Gell. In der Monseeischen Glosse Handslagodi, so wie Notker hantslagon für applaudere gebraucht.


Handel (W3) [Adelung]


Der Handel, des -s, plur. die Händel, von dem Zeitworte handeln. 1. Eine jede thätige äußere Veränderung, Nahrung und zeitliches Vermögen zu erwerben; ohne Plural. In dieser weitern Bedeutung scheinet als ein Collectivum in dem Ausdrucke Handel und Wandel vorkommen, worunter man ein jedes Gewerbe zu verstehen pfleget. Sie merket, wie ihr Handel Frommen bringet, Sprichw. 31, 18. In Nürnberg führet die Innung der Bierbrauer noch den Nahmen des Handels. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Verwechselung seines Eigenthumes des Gewinnes wegen. So wohl 1) von einzelnen Fällen dieser Art. Einen Handel schließen. Einen Handel treffen. Wenn jemand mit einem andern einen Tausch oder Verkauf zu verabreden sucht, so saget so wohl der Verkäufer als der Käufer, sie stehen mit einander im Handel, und wenn die Sache beschlossen worden, sie haben einen Handel geschlossen, getroffen oder gemacht. Der Handel ist zurück gegangen oder rückgängig geworden. Jemanden den Handel aufsagen, aufkündigen; welches auch in weiterer Bedeutung gebraucht wird, sein Versprechen zurück nehmen, alle Gemeinschaft mit ihm aufheben. Sie haben ihm ja dem ganzen Handel aufgesagt. Ehe ich dem Laster schon den Handel aufgesagt, Haged. Einem andern in den Handel fallen, ihm seinen Handel verderben. Da der Plural dieser individuellen Bedeutung ungeachtet nicht üblich ist, so druckt man denselben durch doppelten, dreyfachen Handel u. s. f. durch Arten des Handels oder vermittelst anderer Ausdrücke aus. 2) Bey- nahe noch häufiger wird es, so wie das Wort Handlung, als ein Collectivum gebraucht, mehrere Geschäfte dieser Art, so wohl bey einzelnen Personen, wenn eise solche Verwechselung der Waaren bey ihnen ein Gewerbe ist, als auch in Rücksicht ganzer Orte, Provinzen u. s. f. auszudrucken; der Kaufhandel, Handelt treiben. Mit etwas Handel treiben. Die mit Schiffen auf dem Meere führen, und trieben ihren Handel in großen Wassern, Pf. 107, 23. Hollands Handel ist seit einiger Zeit gar sehr gefallen. Frankreich sucht dem Handel in seinen Staaten wieder aufzuhelfen. Der Handel mit Wechselbriefen. In einigen Zusammensetzungen wird es auch von der Handlungswissenschaft gebraucht. Den Glashandel, den Tuchhandel, den Eisenhandel, den Spezereyhandel lernen. S. Handlung. Der in dieser ganzen Bedeutung ungewöhnliche Plural kommt noch Ezech. 27, 9 vor. Alle Schiffe im Meer und Schiffleute fand man bey dir (in Tyrus) die hatten ihre Händel in dir. 2. Eine Schlägerey, eine Handlung, wo zwey oder mehrere mit einander handgemein werden; wo es nur im Plural gebraucht wird. Händel mit jemanden bekommen. Händel anfangen. Daraus werden Händel entstehen. Händel suchen. In weiterer Bedeutung, ein jeder Streit, Zank oder Zwist; gleichsam am häufigsten im Plural. Händel mit jemanden haben, bekommen. Sich Händel zuziehen. Einem Händel machen, ihm Zwist mit andern erwecken. Ich will ihm nachgehen, er möchte sonst gar zu große Händel anrichten, Gell. Besonders, ein Streit vor Gericht, ein Prozeß, wo es auch im Singular üblich ist; ein Rechtshandel. Wenn jemand einen Handel hatte, daß er zum König vor Gericht kommen sollte, 2 Sam. 15, 2. Einen Handel beylegen, ausmachen, schlichten, entscheiden. Sich aus Handel ziehen. S. Handel *. 3. In der weitesten Bedeutung, eine jede Begebenheit, eine jede Reihe zusammen gehörige Veränderungen; doch am häufigsten nur noch im nachtheiligen oder verächtlichen Verstande. Daß David gethan hatte, das dem Herrn wohl gefiel - ohne in dem Handel mit Uria, 1 Kön. 15, 5. Ein toller, ein verwirrter Handel. Verwirrte Händel wieder in das Reine bringen. Allerley böse Händel anfangen. Man hat mir den ganzen Handel erzählet. Bav ist es, der den ganzen Handel angesponnen hat. Sich in fremde Händel mischen. Du hast mir den ganzen Handel verderbt. Lose Händel, schlimme Händel, Diebshändel. Das ist ein anderer Handel, eine andere Sache. Von guten oder doch gleichgültigen Begebenheiten ist es im Hochdeutschen nur im gemeinen Leben üblich; daher man für Reichshändel, Staatshändel, lieber Reichsgeschäfte oder Reichshandlungen, Staatsgeschäfte, Staatssachen u. s. f. sagt; ob es gleich in der Deutschen Bibel noch für eine jede Angelegenheit und Handlung, auch in guten Verstande vorkommt. David setzte sie über die Rubeniter - zu allen Händeln Gottes und des Königs, 1 Chron. 27, 32. Die Priester und Leviten sind willig und weise zu allen Ämter, dazu die Fürsten, und alles Volk zu allen deinen Händeln, Kap. 29, 21. Das Werk lobet den Meister und einen weisen Fürsten seine Händel, Sir. 9, 24.


Händelkraut (W3) [Adelung]


Das Händelkraut, S. Händleinkraut.


Handeln (W3) [Adelung]


Handeln, verb. reg. welches in doppelter Gestalt vorkommt. I. * Als ein Activum, wo es eigentlich oft mit der Hand berühren, mit der Hand bearbeiten bedeutete, tractare; in welchem längst veralteten Verstande hantalon noch in den Monseeischen Glossen vorkommt. In weiterer und figürlichen Bedeutung gebrauchte man es hernach theils für bearbeiten, theils auch für begegnen, so fern solches sich gegen jemanden betrage bedeutet. Mih sus ni hantoloti, daß er mir nicht so begegnete, Ottfr. Sol man ez handeln, Schwabensp. Die Egypter handelten uns und unsere Väter übel, 4 Mos. 20, 15; 5 Mos. 26, 6. Ingleichen für handhaben. Als die heiligen Kinder der Frommen dir opferten im Verborgenen und handelten das göttliche Gesetz einträchtig, Weish. 18, 9. Nach ihrem Mund sollen alls Sachen und alle Schäden gehandelt werden, 5 Mos. 21, 5. In welchen gleichfalls veralteten Bedeutungen im Hochdeutschen behandeln üblich ist. Mißhandeln und verhandeln sind gleichfalls noch in thätiger Gestalt gangbar. II. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert. 1. Handel; treiben. So wohl in einzelnen Fällen, etwas an sich handeln, es käuflich oder durch eine Tausch an sich bringen, S. auch Erhandeln, Abhandeln, Einhandeln. Als auch, und zwar am häufigsten, aus dem Kauf und Verkaufen um des Gewinnes willen, aus der Verwechselung einer oder mehrerer Waaren um Gewinnes willen, ein Geschäft machen. Handelnde Handwerker. Mit Wein, mit Leder, mit Eisenwaaren, mit seidenen Waaren, mit Galanterie-Waaren, mit Kohlen, mit Käse, mit Butter u. s. f. handeln. Ins Große, im Großen, im Ganzen handeln. Stückweise, im Kleinen handeln. Mit Rauchwerk nach Italien handeln. Nach Hollands, nach Ostindien handeln. Mit jemanden handeln. 2. Unterhandlung pflegen. 1) Wegen des Preises einer Sache, welches durch Biethen und Gegenbiethen geschiehet. Um eine Waare handeln. Sehr genau handeln, im gemeinen Leben dingen. Ein Kaufmann läßt sich handeln, wenn er dem Gebothe des Käufers nachgibt. Daher sagt man auch figürlich von einem Menschen, er lasse sich handeln, wenn er biegsam, nachgebend ist. In einigen Fällen auch, einen Handel schließen. Wir haben auf bar Geld gehandelt. Was gehandelt ist, ist gehandelt, ein geschlossener Handel muß gehalten werden. 2) In weiterer Bedeutung, auch von einer jeden andern Sache, wofür doch unterhandeln üblicher ist. Mit jemanden handeln, mit ihm wegen einer Sache einig zu werden suchen. Wegen der Übergabe eines Platzes handeln. Vom Frieden zu handeln, 1 Macc. 7, 10. 3. Von etwas handeln, es zum Gegenstande einer Rede oder Schrift haben. Eine biblische Stelle, welche von der Dreyeinigkeit handelt, oder worin von der Dreyeinigkeit gehandelt wird. In einer Rede von der Großmuth handeln. Aber, Reden zwischen sich handeln, Luc. 24, 17, halten, wechseln, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. 4. Mit jemanden handeln, sich gegen ihn betragen, mit ausdrücklicher Meldung der Art und Weise, wird nur noch in der höhern Schreibart gebraucht. Du hast mit mir gehandelt, nicht wie man handeln soll, 1 Mos. 20, 9. Sollten sie denn mit unserer Schwester als mit einer Huren handeln? Kap. 24, 31. Handle mit deinem Knecht nach deiner Gnade, Ps. 119, 124. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, Ps. 103, 10. Wo es ehedem oft auch in weiterer Bedeutung gebraucht wurde, mit jemanden umgehen, Gemeinschaft mit ihm haben. Will sie nicht friedlich mit dir handeln, 5 Mos. 20, 12. Handle ich denn mit einem Menschen? Hiob 21, 4, habe ich denn mit einem Menschen zu thun? Wenn ein Weiser mit einem Narren zu handeln kommt, Sprichw. 29, 10. 5. In der weitesten Bedeutung, etwas thun oder zu thun sich bestreben, thätige Veränderungen hervor bringen oder hervor zu bringen suchen, und zwar nicht bloß äußere, wozu man die Hände nöthig hat, sondern thätige Veränderungen aller Art, sein Vermögen zu wirken an- wenden. Seinem Amt gemäß handeln. Nach der Billigkeit handeln. Wider ein Gesetz, wider eines Befehl, wider die Freundschaft handeln. Gott handelt allezeit untadelhaft. Unbekümmert um ihren Vorzug handeln sie (die Demuth) freymüthig, Gell. Auch nicht die Armuth selbst sollte mich abhalten, redlich zu handeln, Dusch. Nur in der thätigen Gattung ist es im Hochdeutschen veraltet, obgleich diese mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt. Dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt, gethan, begangen, Luc. 23, 41. Ihr sollt nichts Unbedächtiges handeln, Apostelg. 19, 36. Daher die Handlung, S. solches hernach besonders.

Anm. Handeln, im Angels. handlian, im Engl. to handle, im Schwed. handla, ist das Iterativum von einem veralteten Zeitworte handen, mit der Hand berühren, welches noch in dem Schwed. hanna übrig ist.


Handelsbediente (W3) [Adelung]


Der Handelsbediente, des -n, plur. die -n, der Bediente eines Handelsmannes, so fern er zur Handlung gebraucht wird; ein Handelsdiener.


Handelsbuch (W3) [Adelung]


Das Handelsbuch, Handlungsbuch, des -es, plur. die -bücher. 1) Das Rechnungsbuch eines Handelsmannes. In engerer Bedeutung, dasjenige Buch eines Handelsmannes, worin er die Einnahme und Ausgabe mir genauer Bemerkung der Zeit verzeichnet. 2) In den Gerichten, ein Buch, in welches alle vorgefallene Geschäfte und Verhandlungen eingetragen werden.


Handelschaft (W3) [Adelung]


Die Handelschaft, plur. inus. der Handel, die Handlung, das Gewerbe welches durch Verwechselung der Waaren um Gewinnes willen und als ein Geschäft getrieben wird. Handelschaft treiben, handeln. Die Handelschaft blühete in Carthago. Es fängt im Hochdeutschen an zu veralten; wenigstens wird es seltener gebraucht, als Handel und Handlung, und wo es ja vorkommt, so geschiehet es, wie schon Hr. Stosch bemerket, nur von größern Kaufleuten.


Handels-Collegium (W3) [Adelung]


Das Handels-Collegium, des -gii, plur. die -gia, ein zum Behuf der Handlung eines Ortes niedergesetztes Collegium.


Handelsdiener (W3) [Adelung]


Der Handelsdiener, des -s, plur. ut nom. sing. der Diener in einer Handlung; ein Handelsbediener.


Handelsfrau (W3) [Adelung]


Die Handelsfrau, plur. die -en, S. Handelsherr.


Handelsfreyheit (W3) [Adelung]


Die Handelsfreyheit, plur. die -en, die Freyheit, einen Handel, d. i. Kaufhandel, zu treiben; ohne Plural. Ingleichen eine jede Freyheit, welche Handlung treibenden Personen an einem Orte verstattet wird.


Handelsgenoß (W3) [Adelung]


Der Handelsgenoß, des -ssen, plur. die -ssen, der mit einem andern in Gesellschaft handelt; im gemeinen Leben ein Compagnon, im Oberdeutschen ein Handelsgesell.


Handelsgericht (W3) [Adelung]


Das Handelsgericht, des -es, plur. die -e, ein Gericht, in welchem nur Handelssachen auf das kürzeste untersucht und entschieden werden. S. Gastgericht.


Handelsgesellschaft (W3) [Adelung]


Die Handelsgesellschaft, plur. die -en. 1) Als ein Abstractum und ohne Plural, die Gesellschaft oder gegenseitige Verbindung zweyer oder mehrerer, auf gemeinschaftlichen Gewinn und Verlust zu handeln; eine Handlungs-Compagnie. 2) Als ein Concretum, die auf solche Art verbundenen Personen selbst, als ein Ganzes betrachtet.


Handelsgewicht (W3) [Adelung]


Das Handelsgewicht, des -es, plur. inus. eine Art leichten Gewichtes, nach welchem die Handelsleute und Krämer ihre Waaren zu verkaufen pflegen, das Kramergewicht; zum Unterschiede von dem schwerern Fleischergewichte.


Handelsgewölbe (W3) [Adelung]


Das Handelsgewölbe, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gewölbe, so fern es zur Handlung, d. i. zum Kauf und Verkauf der Waaren gebraucht wird.


Handelshaus (W3) [Adelung]


Das Handelshaus, des -es, plur. die -häuser, eine figürliche Benennung eines ansehnlichen Kaufmannes und seiner Handlung.


Handelsherr (W3) [Adelung]


Der Handelsherr, des -en, plur. die -en, ein ansehnlicher, großer Kaufmann, der eine weitläuftige und wichtige Handlung hat. Oft pflegt man die Ausdrücke Kauf- und Handelsherr mit einander zu verbinden. Fämin. die Handelsfrau.


Handelsleute (W3) [Adelung]


Die Handelsleute, plur. inus. S. das folgende.


Handelsmann (W3) [Adelung]


Der Handelsmann, des -es, plur. die -männer, oder die Handelsleute, ein jeder, der aus dem Kaufhandel sein vornehmstes Geschäft macht, ein Kaufmann. Man pflegt beyde Ausdrücke oft mit einander zu verbinden, ein Kauf- und Handelsmann. In engerer Bedeutung werden die Grossierer, oder solche Kaufleute, welche nur im Ganzen handeln, Handelsmänner oder Handelsleute genennet, zum Unterschiede von den Kaufleuten im Kleinen oder den Krämern. S. Handelsherr. In einer andern Bedeutung sind Handelsleute im gemeinen Leben Personen, welche mit einander einen Handel schließen. Können wir nicht Handelsleute werden? nicht wegen dieses Handels einig werden?


Handelsplatz (W3) [Adelung]


Der Handelsplatz, des -es, plur. die -plätze, eine Stadt, in welcher eine blühende Handlung im Großen, und ein ansehnliches Wechselgeschäft getrieben wird. S. Platz.


Handelsrecht (W3) [Adelung]


Das Handelsrecht, des -es, plur. die -e. 1) Eine Gerechtsame, ein Befugniß des Kaufhandels, und der handelnden Personen. 2) Das Recht zu handeln; ohne Plural. 3) Das Recht in Handelssachen, und der ganze Umfang der in Handelssachen gegebenen Gesetze.


Handelssache (W3) [Adelung]


Die Handelssache, plur. die -n, eine Sache, besonderes eine Streitsache, welche unmittelbar den Kaufhandel betrifft.


Handelsschiff (W3) [Adelung]


Das Handelsschiff, des -es, plur. die -e, ein Schiff, welches zunächst zur Handlung gebraucht wird, zum Unterschiede von einem Kriegsschiffe.


Handelsstadt (W3) [Adelung]


Die Handelsstadt, plur. die -städte, eine Stadt, in welcher eine ansehnliche Handlung im Großen getrieben wird.


Handelsverwalter (W3) [Adelung]


Der Handelsverwalter, des -s, plur. ut nom. sing. im Oberdeutschen, eine Person, welche einer Handlung im Nahmen eines andern vorstehet, und im Hochdeutschen gemeiniglich ein Factor genannt wird.


Handelszeichen (W3) [Adelung]


Das Handelszeichen, des -s, plur. ut nom. sing. das Zeichen, womit ein Handelsmann seine Waaren bezeichnet.


Handfahrt (W3) [Adelung]


Die Handfahrt, plur. die -en, im Bergbaue die Fahrt in einen Schacht vermittelst der Leitern, welche auch die Mannsfahrt genannt wird; zum Unterschiede von der Fahrt in Tonnen. S. Fahrt.


Handfaß (W3) [Adelung]


Das Handfaß, des -sses, plur. die -fässer. 1) Ein Faß, d. i. ein Gefäß, worin das zum Waschen der Hände nöthige Wasser aufbehalten wird, um es daraus auf die Hände zu gießen; das Gießbecken. 2) Dasjenige Gefäß, woraus oder worin man die Hände wäschet; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung, in welcher dieses Wort 2 Mos. 30, 18, Kap. 38, 8, Kap. 40, 11, 30 vorkommt. 3) Ein kleines oben offenes Faß im Hüttenbaue und gemeinen Leben, an welchem zwey Stäbe hervorragen und mit Löchern versehen sind, es bequem mit den Händen tragen zu können.


Handfäustel (W3) [Adelung]


Der Handfäustel, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, der gewöhnliche Fäustel oder Hammer der Bergleuten, welcher drey Pfund schwer ist, und mit Einer Hand geführet wird. S. Fäustel.


Handfeile (W3) [Adelung]


Die Handfeile, plur. die -n, bey den Metallarbeitern, kleinere Feilen, welche mit der bloßen Hand geführet werden, zum Unterschiede von den Armfeilen u. s. f.


Handfessel (W3) [Adelung]


Die Handfessel, plur. die -n, Fesseln, welche an die Hände eines Gefangenen gelegt, und auch Handeisen, das Handge- schmeide, und Handschellen genannt werden; zum Unterschiede von den Fußfesseln. S. Fessel.


Handfest (W3) [Adelung]


Handfest, -er, -este, adj. et adv. 1) Stark von Leibeskräften, im gemeinen Leben. Ein großer handfester Kerl. Gleichsam den eine feste, gewisse Hand hat. 2) Einen Übelthäter handfest machen, in der Gerichtssprache, ihn in Verhaft nehmen, wo es nur als ein Nebenwort üblich ist. Im Oberdeutschen hat man auch die Handfestung für Verhaftnehmung. Eben daselbst ist dieses Wort auch noch für gewiß, zuverlässig üblich. Einen Kauf handfest machen, indem man etwas darauf gibt.


Handfeste (W3) [Adelung]


* Die Handfeste, plur. die -n, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, womit man ehedem nicht nur eine Handschrift oder Obligation, sondern auch eine jede schriftliche Urkunde bezeichnete; Schwed. Fastebref. S. Feste. Im mittlern Lat. auch Manufirma. Eigentlich bedeutete dieses Wort eine jede Sicherheit oder Versicherung, welche man mit seiner Hand gab, daher auch die Eindrückung des Daumens in ein an die Urkunde gehängtes Wachs, welches zuweilen die Stelle des Siegels vertrat, die Handfeste oder Daumenfeste genannt wurde. Das Schwed. Handfaestning bedeutet den Handschlag.


Handfrohne (W3) [Adelung]


Die Handfrohne, plur. die -n, Frohndienste, welche mit der bloßen Hand geleistet werden; zum Unterschiede von den Spann- und Fußfrohnen. Daher der Handfröhner, des -s, plur. ut nom. sing. der zu solchen Frohnen verbunden ist. Siehe Handdienst.


Handgaul (W3) [Adelung]


Der Handgaul, des -es, plur. die -gäule, S. Handpferd.


Handgehörn (W3) [Adelung]


Das Handgehörn, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein Gehör oder Hirschgeweih, welches oben in der Krone breit und mit kurzen Enden versehen ist, so daß es einer Hand gleicht; das Handgeweih, Schaufelgeweih, Schaufelgehörn.


Handgeld (W3) [Adelung]


Das Handgeld, des -es, plur. von mehrern Summen dieser Art, die -er. 1) Dasjenige Geld, welches man jemanden auf die Hand, d. i. zur Sicherheit eines geschlossenen Vertrages, gibt, indem dadurch beyde Theile gebunden und verpflichtet werden; Daraufgabe, Angeld, Ein Soldat, welcher angeworben wird, bekommt Handgeld; in welchem Falle es ehedem Laufgeld genannt wurde. Nach den verschiedenen Arten der Verträge, ingleichen nach den verschiedenen Gegenden, bekommt dieses Geld auch verschiedene Nahmen. Geld, welches man dem Gesinde bey dessen Miethung auf die Hand gibt, wird im Hochdeutschen Miethgeld, im Nieders Medelgeld, Bierkauf, Gottesgeld, in andern Gegenden Haftgeld u. s. f. genannt. 2) Im Handel und Wandel, das erste Geld, welches ein Krämer oder Verkäufer an einem Tage löset. Noch kein Handgeld gelöset haben. Auch der Handkauf.


Handgelenk (W3) [Adelung]


Das Handgelenk, des -es, plur. die -e, das Gelenk an der Handwurzel.


Handgelöbniß (W3) [Adelung]


Das Handgelöbniß, des -sses, plur. die -sse, der feyerliche Handschlag, welcher zur Sicherheit eines Versprechens gethan wird. Besonders bey Huldigungen, das Versprechen der Treue vermittelst des Handschlages; die Handtreue, das Handgelübde, die Handpflicht. Das Handgelöbniß thun. An einigen Orten wird auch die Verlobung oder das Eheverlöbniß das Handgelöbniß genannt.


Handgelte (W3) [Adelung]


Die Handgelte, plur. die -n, eine kleine Gelte mit einer Handhabe, Wasser damit aus Kesseln, Pfannen u. s. f. zu schöpfen, welche auch die Schöpfgelte genannt wird.


Handgelübde (W3) [Adelung]


Das Handgelübde, des -s, plur. ut nom. sing. S. Handgelöbniß.


Handgemein (W3) [Adelung]


Handgemein, adv. Handgemein werden, sich mit den Händen balgen oder streiten und in weiterer Bedeutung auch in der Nähe fechten. Die Truppen werden handgemein, wenn sie Degen, Säbel und kleineres Gewehr wider einander gebrauchen Im mittlern Lat. manualiter pugnare, Franz. en venir aux mains. S. das folgende.


Handgemenge (W3) [Adelung]


Das Handgemenge, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gefecht, wo die streitenden Theile handgemein werden, eine Balgerey, Schlägerey; auch in weiterer Bedeutung von Soldaten, das Gefecht mit dem kleinen Gewehre. Mit jemanden in das Handgemenge gerathen. Im Handgemenge seyn. Dänisch Haandmänge.


Handgeschmeide (W3) [Adelung]


Das Handgeschmeide, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Geschmeide, die Hände damit zu zieren. Ein Handgeschmeide echter Perlen, Hermes. 2) An einigen Orten auch eine Benennung der Handfesseln, zum Unterschiede von dem Fußgeschmeide. S. Geschmeide.


Handgewehr (W3) [Adelung]


Das Handgewehr, des -es, plur. die -e, das kleine Schießgewehr der Soldaten, zum Unterschiede des größern Geschützes. Man gebraucht es so wohl von einzelnen Stücken, als auch als ein Collectivum im Singular. Mit dem Handgewehre oder mit den Handgewehren auf den Feind feuern.


Handgeweih (W3) [Adelung]


Das Handgeweih, des -es, plur. die -e, S. Handgehörn.


Handgraf (W3) [Adelung]


Der Handgraf, des -en, plur. die -en, ein in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, welches einen Vorgesetzten in Handelssachen zu bezeichnen, und aus Handelsgraf zusammen gezogen zu seyn scheinet. So befindet sich in Wien ein kaiserlich-königliches Handgrafenamt, welchem ein adeliger Handgraf vorgesetzet ist, und welches die Zölle oder Aufschläge von den Waaren einzunehmen hat. In Spangenb. Adelssp. ist Handgraf so viel als Ober-Marktmeister. S. Hansgraf.


Handgranate (W3) [Adelung]


Die Handgranate, plur. die -n, kleinere Granaten, welche mit der bloßen Hand geworfen, und auch nur Granaten schlechthin genannt werden; zum Unterschiede von den größern, welche jetzt Bomben heißen. Man wirft sie auch aus kleinen Mörsern, welche daher Handmörser, ingleichen Hakenmörser genannt werden.


Handgreiflich (W3) [Adelung]


Handgreiflich, -er, -ste, adj. et adv. was sich mit den Händen greifen, d. i. fühlen und empfinden lässet; doch nur im figürlichen Verstande, unmittelbar in die Sinne fallend, ingleichen, sehr leicht zu begreifen. Eine handgreifliche Nothwendigkeit. Der Nutzen hat sich seit dem noch handgreiflicher gezeigt. Die handgreiflichsten Unwahrheiten. Bey dem Opitz nur greiflich. Das Lat. manifestus kommt genau damit überein, wo die letzte Hälfte zu fassen zu gehören scheinet.


Handgriff (W3) [Adelung]


Der Handgriff, des -es, plur. die -e. 1) * Ein Griff mit der Hand, und so viel als man mit einem Griffe fassen kann; in welcher veralteten Bedeutung Handgriff für eine Hand voll im Isidor vorkommt. Im Schwed. Handgreep der Handschlag. 2) Figürlich, die Art und Weise ein Werkzeug zu handhaben, und in engerer und gewöhnlicher Bedeutung, die geschickteste, bequemste Art der Handhabung eines Werkzeuges. Einem alle Handgriffe zeigen. Es ist nichts zu schwer, wenn man nur den rechten Handgriff weiß. Nieders. Lucht oder Lust, vermuthlich von lüften, heben. Bey den Soldaten sind die Handgriffe, Franz Manoeuvres, die Art und Weise, das Gewehr zu handhaben. Die Handgriffe machen, manoeuvriren. 3) Derjenige Theil eines Dinges, woran man dasselbe angreifet, welcher auch nur der Griff genannt wird. Dergleichen ist der Handgriff an einer Thür, oder derjenige Theil, woran man sie fasset, wenn man sie zuziehet. Nieders. Grepel, Handgrepel. S. Handhabe.


Handgucker (W3) [Adelung]


Der Handgucker, des -s, plur. ut nom. sing. im Scherze, ein Chiromant, der aus den Linien in der Hand wahrsaget. S. Gucken.


Handhabe (W3) [Adelung]


Die Handhabe, plur. die -n, derjenige Theil eines Gefäßes oder Werkzeuges, der ausdrücklich dazu bestimmt ist, dasselbe dabey zu haben oder zu halten, oder auch es daran aufzuheben, daher es in manchen Gegenden auch die Handhebe lautet. Ein Krug mit zwey Handhaben. Die Handhabe einer Feile, einer Ahle, eines Messers u. s. f. wofür im gemeine Leben bald Heft, bald aber auch Griff üblich ist; wie man die gebogenen Handhaben in Gestalt eines Öhres an Töpfen u. s. f. auch Henkel nennet. Im Nieders. Hantel, im Oberd. auch Häul, welches gleichfalls von haben abstammet.


Handhaben (W3) [Adelung]


Handhaben, verb. reg. act. 1. Eigentlich, in der Hand führen, mit der Hand bewegen und regieren. Ein Werkzeug handhaben, es in der Hand führen und vermittelst derselben regieren. Nieders. handhaven, behandhaven, welches auch in weiterer Bedeutung für behandeln, bearbeiten gebraucht wird. Ein handhabendes Pfand, für ein Pfand, welches man in Händen hat, ist nicht nur niedrig, sondern auch fehlerhaft, weil das thätige Mittelwort der gegenwärtigen Zeit hier sehr am unrechten Orte stehet. Im Isländ. ist Handhave der Besitzer. 2. Figürlich. 1) Ausüben, verwalten. Die höchste Gewalt handhaben, ausüben. Die Sacramente handhaben, verwalten, austheilen. Der Wort nicht handhaben, Nehem. 5, 13, hält, erfüllet. Wohl dem, der das Gesetz handhabet, Sprichw. 29, 18. Noch mehr, 2) auf die Beobachtung und Ausübung von andern bringen und halten, gleichsam die Hand über etwas haben. Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . David handhabete Gerichte und Gerechtigkeit all seinem Volke, 1 Chron. 19, 14. Daß du Recht und Redlichkeit handhabest, 2 Chron. 9, 8. Sie sind Gottes Diener, die solchen Schutz sollen handhaben, Röm. 13, 6. Jemanden bey seinen Rechten handhaben, d. i. schützen. Im Oberdeutschen sagt man auch, eine Meinung handhaben, d. i. vertheidigen; einen Garten handhaben, ihn bearbeiten, u. s. f. So auch die Handhabung.

Anm. Im Schwed. handhafwa, im mittlern Lat. manutenere, Franz. maintenir, welche insgesammt schützen, so wie Manutentia im mittlern Lat. Schutz bedeutet. Haben wird in dieser Zusammensetzung regulär abgewandelt, welches auch von bescheinen, für bescheinigen, bewillkommen, rathschlagen, veranlassen, willfahren u. a. m. gilt, deren Stammwörter gleichfalls irregulär gehen. Das Augmentum ge kommt von dem Worte zu stehen; gehandhabet, nicht handgehabet.


Handhaft (W3) [Adelung]


* Handhaft, adj. welches im Hochdeutschen veraltet ist. Ehedem sagte man, jemanden auf handhafter That ergreifen, auf frischer That. Handthätig war in eben demselben Verstande üblich.


Handhebe (W3) [Adelung]


Die Handhebe, plur. die -n, S. Handhabe.


Handkäse (W3) [Adelung]


Der Handkäse, des -s, plur. ut nom. sing. kleine Käse, welche in der bloßen Hand geformet werden; zum Unterschiede von den großen. Nieders. Brickenkäse, von Bricke, ein kleines Bret.


Handkauf (W3) [Adelung]


Der Handkauf, des -es, plur. inus. 1) Der Verkauf einer Waare aus freyer Hand, oder nach der Hand, d. i. nach muthmaßlicher Bestimmung ihres Gewichtes, oder ihres Maßes; im Gegensatze des Verkaufes nach dem Gewichte oder Maße. 2) Der Kauf oder Verkauf im Kleinen, im Gegensatze des Kaufes oder Verkaufes im Ganzen. So ist der Handkauf des Silbers, in den Münzen, wenn man es in allerley Bruchstücken und Kleinigkeiten einkauft; zum Unterschiede desjenigen Silbers, welches die Lieferanten liefern. 3) Dasjenige Geld, welches zuerst aus einer Waare gelöset wird, nachdem sie feil gebothen worden, ingleichen das erste Geld, welches ein Krämer oder Verkäufer an einem Tage löset; das Handgeld.


Handkorb (W3) [Adelung]


Der Handkorb, des -es, plur. die -körbe. 1) Ein kleiner Korb, welchen man in der Hand oder an der Hand träget; zum Unterschiede von einem Tragekorbe, der auf dem Rücken getragen wird. 2) An großen Relterdegen, ein Flechtwerk von Draht oder Gitterwerk von Metall am Griffe, die Hand zu bedecken.


Handkrause (W3) [Adelung]


Die Handkrause, plur. die -n, eine an das Ende des Hemdärmels befestigte Krause, die Hand damit zu zieren; Franz. Manchette, welchen Französischen Ausdruck man sehr füglich hätte entbehren können. Man nennet sie im Oberdeutsch, auch Handblätter, Tatzen, Handärmel, Pranghadern, (dieß vielleicht nur im Scherze,) und im Nieders. Panetten, Handpanetten, aus dem Franz. Poignets, Lobben, Krusedullen, Krusodillen.


Handkuß (W3) [Adelung]


Der Handkuß, des -sses, plur. inus. die Handlung, da man einem andern die Hand küsset. Zum Handkusse gelassen werden. Jemanden zum Handkusse lassen.


Handlangen (W3) [Adelung]


Handlangen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, Handwerksleuten die nöthigen Bedürfnisse mit der Hand zulangen, ihnen die nöthige Handreichung thun; dergleichen Handreichung besonders die Zimmerleuten und Maurer nöthig haben. Daher der Handlanger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, der dazu gedinget ist; in Albert Lex. von 1540 ein Obermann, Oberknecht, im Oberd. auch ein Handreicher.


Handleder (W3) [Adelung]


Das Handleder, des -s, plur. ut nom. sing. ein starkes Leder, womit die Schuster und andere Handwerker die Hand in manchen Fällen vor der Beschädigung verwahren.


Handlehen (W3) [Adelung]


Das Handlehen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden. 1) Ein Erblehen, welches auch auf das weiblich Geschlecht vererbet werden kann. 2) Ein Lehen, welches man unmittelbar von dem Lehensherren selbst erhalten hat; Im Gegensatze eines Afterlehens.


Händleinschwamm (W3) [Adelung]


Der Händleinschwamm, des -es, plur. die -schwämme, ein Nahme, welchen an einigen Orten der Rehling führet, S. dieses Wort.


Händleinwurzel,Händelwurzel (W3) [Adelung]


Die Händleinwurzel, oder Händelwurzel, plur. die -n, ein Nahme des Knabenkrautes, weil die Wurzel einige Ähnlichkeit mit einer Hand mit fünf Fingern hat.


Handleiter (W3) [Adelung]


Der Handleiter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Handleiterinn, plur. die -en, eigentlich eine Person, welche eine andere unvermögende an der Hand leitet oder führet; ein Führer. Elymas, da er blind war, suchte Handleiter, Apostelg. 13, 11. Figürlich, der einen andern unterrichtet, sein Verhalten durch Unterricht und guten Rath bestimmet.


Handleitung (W3) [Adelung]


Die Handleitung, plur. die -en, welches aus der R. A. an der Hand leiten gebildet ist, und so wohl eigentlich als auch figürlich gebraucht wird, die Ertheilung des Unterrichts, guten Rathes u. s. f. ohne Plural. Die menschliche Vernunft hat die Unterstützung und Handleitung der Offenbarung vonnöthen, Gell. Ingleichen dieser Unterricht selbst, und eine Schrift, welche sie enthält; Lat. Manuductio.


Händler (W3) [Adelung]


Der Händler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Händlerinn, plur. die -en, von dem Zeitworte handeln. 1) Eine Person, welche Handel treibet, d. i. ein Geschäft daraus macht, Waaren um Gewinnes willen zu kaufen und zu verkaufen; ein Handelsmann. Deine Händler kommen um, Ezech. 27, 27. Mehr Händler haben, denn Sternen sind, Nahum. 3, 16. In dieser Gestalt ist es nur noch im Oberdeutschen üblich. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur in den Zusammensetzungen Buchhändler, Eisenhändler, Kornhändler, Tuchhändler u. s. f. 2) In weiterer Bedeutung ist in einigen Oberdeutschen Gegenden Handler die Benennungen eines Beamten, vielleicht eines Rechnungsbeamten. So hat der Stadt Wien Pupillen-Raitkammer einen Ober-Raithandler und verschiedene untere Raithandler. Das dasige erzbischöfliche Zehentamt bestehet aus einem Ober-Zehenthandler und drey Zehenthandlern.


Handleuchter (W3) [Adelung]


Der Handleuchter, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleiner Leuchter, welcher statt des Fußes eine Schale mit einem Handgriffe hat, ihn in der Hand herum zu tragen.


Handlich (W3) [Adelung]


Handlich, -er, -ste, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, üblich ist, was sich ohne Mühe mit der Hand oder mit den Händen regieren oder handhaben lässet. Figürlich, mittelmäßig groß, schwer u. s. f. Ein handlicher Stein. In noch weiterer Bedeutung, für mittelmäßig, erträglich überhaupt. Es gehet noch so handlich, so leiblich. Ingleichen für billig, der sich leicht handeln lässet. Der Mann ist noch handlich genug. Im Oberdeutschen hingegen wird handlich für handfest, beherzt, tapfer gebraucht.


Handlohn (W3) [Adelung]


Der Handlohn, des -es, plur. von mehreren Arten oder Summen, die -löhne. 1) Derjenige Lohn, welchen man mit Handarbeiten verdienet, und welcher entweder Tagelohn ist, oder im Verdinge bezahlet wird. 2) In einigen Gegenden, z. B. im Culmbachischen, dasjenige Geld, welches bey einem Lehensfalle, er trage sich nun in der obern oder in der untern Hand zu, dem Lehensherren entrichtet wird; die Lehenwaare, S. dieses Wort. Er wird auch die Handlöse oder Handlosung genannt. Hand kann hier entweder die gesammte Hand, oder die Person so wohl des Lehensherren, als auch des Lehensmannes, oder auch den Besitz bedeuten. Man hat verschiedenen Arten dieses Handlohnes. Den Handroßhandlohn bezahlt der Erbe, wenn es das Gut nicht selbst bewohnet, sondern es als ein Nebengut in das Hauptgut einbauet, und es gleichsam als ein Handroß oder Handpferd führet. Der Erbehandlohn wird von dem entrichtet, der ein solches Gut erbet; der Sterbehandlohn wird gleich nach dem Tode des Besitzers entrichtet, und beträgt den 20sten oder 30sten Theil des Gutes; in Kauf- und Tauschfällen bezahlet der neue Besitzer den Kauf- oder Tauschhandlohn; eine Person weiblichen Geschlechtes, welche ein solches Gut besitzet, und es dem Ehemann zuschreiben lässet, ist zu dem Bestehhandlohne verbunden u. s. f. Daher handlohnbar oder handlöhnig, adv. et adv. zum Handlohne verpflichtet; verhandlohnen, den Handlohn erlegen.


Handlöse (W3) [Adelung]


Die Handlöse, plur. die -n, oder Handlosung, plur. die -en, S. das vorige.


Handlung (W3) [Adelung]


Die Handlung, plur. die -en, von dem Zeitworte handeln. 1. In dessen ersten Bedeutung, dasjenige Geschäft, da man Waaren um Gewinnes willen kaufet und verkaufet. 1) Eigentlich, und ohne Plural, als ein Collectivum, von mehrern einzelnen dahin gehörigen Geschäften, wo es in der anständigen Sprechart vor dem Worte Handel gern den Vorzug hat. Ein Land in welchem die Handlung blühet. Die Handlung nach Frankreich, nach Ostindien. Die Handlung erlernen. Sich der Handlung widmen. Statt der zusammen gesetzten Weinhandlung, Lederhandlung, Hornhandlung u. s. f. sagt man lieber Weinhandel, Lederhandel u. s. f. 2) Ein Kaufmann, wo es doch nur von ansehnlichen großen Kaufleuten gebraucht wird, und zunächst den ganzen Umfang ihrer Handlungsgeschäfte bezeichnet; ein Handelshaus. Die Richtersche Handlung in Leipzig. In der Fregischen Handlung Diener seyn. In diesem Verstande sagt man auch eine Weinhandlung, Seidenhandlung, Spezereyhandlung u. s. f. Zuweilen bezeichnet es auch das Recht zu handeln mit den vorräthigen Waaren und Bequemlichkeiten, wo es auch von geringern Anstalten dieser Art gebraucht werden kann. Eine Handlung verkaufen, an sich kaufen. Eine Handlung anlegen, errichten. 2. In weiterer Bedeutung, eine durch Vorstellung bewirkte äußerer einigen Veränderung, einer Bewegung des Leibes, welche von dem Willen herrühret. In diesem Verstande gebraucht man es in den bildenden Künsten, für das Franz. Action, von der Stellung und Unordnung des Körpers und seiner Theile, besonders des Gesichtes, wenn sie dem Gegenstande gemäß ausgedruckt sind. 3. In den Schauspielen ist die Handlung ein Theil des Drama, welche eine Reihen von Veränderungen in sich fasset, welche zusammen genommen ein Ganzes ausmachen; nach dem Latein. Actus, Ital. Atto, Franz. Acte. Man nennet eine solche Handlung auch einen Aufzug, weil bey jeder neuen Handlung gemeiniglich auch der Vorhang aufgezogen wird. In den Schauspielen des 15ten und 16ten Jahrhundertes findet man dafür die Ausdrücke Geschichte, Übung und Wirkung gebraucht. In engerer Bedeutung ist in einem Schauspiele die Handlung, das aus allen zusammen gehörigen Veränderungen entstehende Ganze; und in diesem Verstande verlangt man, daß in einem Schauspiele nur Eine Handlung seyn soll. 4. In der weitesten Bedeutung, eine jede aus einer Vorstellung herrührende eigene Veränderung, die Anwendung seiner Kraft; wo es ein sehr allgemeiner Ausdruck ist, der in den neuern Zeiten vorzüglich üblich geworden. Äußere Handlungen, solche Bewegungen des Leibes. Innere Handlungen, Gedanken der Seele. Freye Handlungen, welche aus freyer Wahl geschehen. Eine gute, eine böse Handlung. In noch weiterer Bedeutung haben einige alle leidentliche Veränderungen mit unter den Nahmen der Handlungen begreifen wollen. Allein, dadurch wird das Bild, welches in diesem Worte lieget, zu sehr aus den Augen gesetzet und verunstaltet; indem handeln so wohl Thätigkeit als Vorsatz mit einschließet. Allenfalls ließen sich noch die ohne unser Bewußtseyn und Vorsatz erfolgenden eigenen Veränderungen, z. B. die Verdauung, hierher rechen, und mit dem Nahmen der natürlichen Handlungen belegen, weil sie wirklich thätig sing., obgleich der Antheil, den unsere Seele daran nimmt, uns noch unbekannt ist.

Anm. In der zweyten, dritten und vierten Bedeutung des Zeitwortes wird es im Hochdeutschen nur in den Zusammensetzungen Unterhandlung, Behandlung, Abhandlung, Verhandlung, Friedenshandlung u. s. f. gebraucht Ob si mih eine gerne siht Was bedarf ich gueter handelunge me, d. i. guter Begegnung, Behandlung, Reinmar der Alte. In der ersten Bedeutung gebraucht man es zwar auch in eben denjenigen Zusammensetzungen, welche man auch mit Handel macht; Handlungsbedienter, Handlungsbuch, Handlungsrecht u. s. f. indessen sind sie doch im täglichen Umgange mit dem ersten Worte häufiger.


Handmahl (W3) [Adelung]


* Das Handmahl, des -es, plur. die -e, ein veraltetes, ehedem aber sehr gebräuchliches Wort. Es bedeutete, 1) ein Handgelöbniß, den Handschlag, und in engerer Bedeutung, ein eheliches Verlöbniß. 2) Das körperliche Zeichen eines Besitzes; von Hand, Besitz. 3) Ein Gericht, wozu der Richter und die Schöppen mit ausgereckter Hand geschworen hatten, und diese Eidesleistung selbst. S. Mahl.


Handmörser (W3) [Adelung]


Der Handmörser, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleiner Mörser, Handgranaten und andere kleine Kugeln daraus zu werfen.


Handmuff (W3) [Adelung]


Der Handmuff, des -es, plur. die -müffe, Dimin. das Handmüffchen, ein kleiner Muff, der bloß die Hände warm erhält; im Oberd. in Stauch, Staucher, Stutzer, Schliefer. Auch kleine mit Rauchwerk gefütterte Handschuhe ohne Finger, pflegt man in gemeinen Leben Handmüffchen zu nennen.


Handmühle (W3) [Adelung]


Die Handmühle, plur. die -n, eine kleine Mahlmühle, welche mit der bloßen Hand in Bewegung gesetzt wird; zum Unterschiede von den Windmühlen, Wassermühlen, Roßmühlen u. s. f. Im Nieders. wo dergleichen Mühlen noch üblich sind, werden sie Quern genannt, Engl. Quern, Angels. Cwearn, S. Quern; im mittlern Lat. Molendinum manuale.


Handmünze (W3) [Adelung]


Die Handmünze, plur. inus. welches im Oberdeutschen am üblichsten ist, kleines oder einzelnes Geld zu bezeichnen, Münze; im Gegensatze des groben oder harten Geldes.


Handochse (W3) [Adelung]


Der Handochse, des -n, plur. die -n, derjenige Ochse, welcher zur linken Hand an dem Pfluge gehet, der Beetochse, weil er immer auf dem Beete gehet; zum Unterschiede von dem Leinochsen.


Handpferd (W3) [Adelung]


Das Handpferd, des -es, plur. die -e, 1) Dasjenige Pferd vor einem Wagen, welches zur rechten Hand des Sattelpferdes ziehet; im Oberd. der Handgaul, das Handroß, Nieders. Handpeerd, welches aber auch figürlich einen Menschen bedeutet, den man zu seinem Dienste stets an der Hand, d. i. in Bereitschaft hat. 2) Ein Reitpferd, welches sich ein Herr durch einen Reitknecht an der Hand nachführen lässet, um sich dessen im Falle der Noth zu bedienen; im mittlern Lateine schon von alten Zeiten her Dextrarius, Destrerius, Dextralis, quia, wie Ugutio sagt, per dextram ducitur.


Handpflicht (W3) [Adelung]


Die Handpflicht, plur. inus. die Verpflichtung vermittelst eines Handschlages. Die Handpflicht leisten. S. Handgelöbiß.


Handpresse (W3) [Adelung]


Die Handpresse, plur. die -n, eine kleine Presse, welche mit der bloßen Hand gehandhabet wird.


Handprotzwagen (W3) [Adelung]


Der Handprotzwagen, des -s, plur. die wägen, im Kriege, ein kleiner Protzwagen, der von Menschenhänden gezogen wird, das Geschütz von einem Orte zum andern zu schaffen, S. Protzwagen.


Handquehle (W3) [Adelung]


Die Handquehle, plur. die -n, ein leinenes Tuch, welches gemeiniglich länger als breit ist, die Hände daran abzutrocknen; das Handtuch, eine Quehle, Nieders. Handdwele, Handrolle, weil sie daselbst über eine Rolle gehänget wird, im Oberd. Hangzwehle. S. Quehle.


Handramme (W3) [Adelung]


Die Handramme, plur. die -n, eine kleine Ramme, welche mit der bloßen Hand geführet wird, Pfähle einzuschlagen, oder auch das Straßenpflas=ter damit fest zu stoßen; die Handrammel, der Handbock, S. Jungfer.


Handregister (W3) [Adelung]


Das Handregister, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Register, welches der Schichtmeister zu seiner Nachricht für sich hält; im Gegensatze der Einlegeregister.


Handreichung (W3) [Adelung]


Die Handreichung, plur. die -en, welches aus der R. A. in die Hand reichen gebildet ist, und eigentlich diejenige Handlung bedeutet, da man einem andern zu dessen Bequemlichkeit die nöthigen Dinge in die Hand reichet. Ingleichen figürlich, die Beförderung der Bequemlichkeit des natürlichen Lebens. Einem Handreichung thun, ihm an die Hand gehen. Jemanden in allen Stücken hülfliche Handreichung leisten. Damit sie mir keine Handreichung thun dürfen, Gell. In der Deutschen Bibel wird es mehrmahls für Almosen, Wohlthaten, gebraucht. Daß ihre Wittwen übersehen wurden in der täglichen Handreichung, Apostelg. 6, 1. Die ihm Handreichung thaten von ihrer Habe, Luc. 8, 3. Zu senden, nachdem er vermochte, eine Handreichung den Brüdern, Apostelg. 11, 29. Ingleichen für Hülfe, Beystand überhaupt. Daß mir dasselbe gelinget, durch Handreichung des Geistes Jesu Christi, Phil. 1, 19. In beyden Fällen ist es im Hochdeutschen veraltet. Im Oberdeutschen ist Handreicher ein Handlanger.


Handrohr (W3) [Adelung]


Das Handrohr, des -es, plur. die -röhre, ein kleineres Rohr, d. i. Feuergewehr, eine Handbüchse; zum Unterscheide von einem größern.


Handrolle (W3) [Adelung]


Die Handrolle, plur. die -n, eine kleine Rolle, die Wäsche damit zu rollen, welche ohne Mühe mit der bloßen Hand gehandhabet wird, und im gemeinen Leben auch eine Mange heißt. In Niedersachsen, wo man die sehr langen Handtücher in den Zimmern zur Zierde noch über Rollen zu hängen pfleget, wird ein solches Handtuch gleichfalls eine Handrolle genannt.


Handroß (W3) [Adelung]


Das Handroß, des -sses, plur. die -sse, S. Handpferd.


Handroßhandlohn (W3) [Adelung]


Das Handroßhandlohn, S. Handlohn.


Handruthe (W3) [Adelung]


Die Handruthe, plur. die -n, die Ruthe, d. i. der lange Stiel an einem Dreschflegel, ingleichen an einer Peitsche.


Handsäge (W3) [Adelung]


Die Handsäge, plur. die -n, eine kleine Säge, welche Eine Person führen kann; zum Unterschiede von den größern Schrotsägen, Klobensägen u. s. f.


Handscharwerk (W3) [Adelung]


Das Handscharwerk, des -es, plur. die -e, ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, Handfrohnen zu bezeichnen, S. dieses Wort.


Handschelle (W3) [Adelung]


Die Handschelle, plur. die -n, Schellen, d. i. eiserne Fesseln für die Hand, S. Handfessel.


Handschmitz (W3) [Adelung]


Der Handschmitz, des -es, plur. die -e, in den niedern Schulen, Schmitze, d. i. Streiche mit der Ruthe auf die Hand; Nieders. Handsmete.


Handschraube (W3) [Adelung]


Die Handschraube, plur. die -n, ein Werkzeug der Tortur, die Hände darein zu schrauben; zum Unterschiede von den Bein- und Daumenschrauben.


Handschreiben (W3) [Adelung]


Das Handschreiben, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schreiben eines großen Herren, worin er von sich in der einfachen Zahl spricht; zum Unterschiede von einem Kanzelleyschreiben, worin er sich alle Mahl der Wir bedienet. Das Handschreiben wird von dem Secretär geschrieben, und nur von dem Herren unterschrieben; wodurch es sich noch von einem eigenhändigen Schreiben unterscheidet, als welches ganz von ihm selbst geschrieben wird.


Handschrift (W3) [Adelung]


Die Handschrift, plur. die -en. 1) * Die Züge der Schrift, die Art und Weise zu schreiben in Ansehung der Züge; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung; wofür Hand üblicher ist. Eine gute Handschrift haben, eine gute Hand. 2) Eine geschrieben Schrift, ein geschriebenes Buch, ein Manuscript; im Gegensatze eines gedruckten, welches in engerer Bedeutung ein Buch genannt wird. 3) In engerm Verstande, eine schriftliche Versicherung über ein zu bezahlendes Geld; Chirographum, ein Schuldbrief, eine Schuldverschreibung. Er that ihm dasselbige Geld und nahm eine Handschrift von ihm, Tob. 1, 17. Die Handschrift, so wider uns war, Col. 2, 14. Ehedem Feste, Handfeste.


Handschriftlich (W3) [Adelung]


Handschriftlich, adj. et adv. 1) Geschrieben, im Gegensatze des Gedruckten. Ein Buch, welches nur handschriftlich vor- handen ist, in Handschriften. 2) Mit eigener Hand geschrieben. Sich handschriftlich verpflichten.


Handschuh (W3) [Adelung]


Der Handschuh, des -es, plur. die -e, ein Schuh für die Hand, d. i. eine Bekleidung der Hände, Lederne Handschuhe, gestrickte, seidene, glasirte Handschuhe u. s. f. Handschuhe anziehen. Die Handschuhe ausziehen. Im Schwabenspiegel Haentschuh, im Niedersächs. Handske, Hanske, Hansche, im Schwed. und Dän. Handske. S. Schuh.


Handschuhmacher (W3) [Adelung]


Der Handschuhmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher vornehmlich lederne Handschuhe verfertiget, und auch ein Beutler genannt wird, von einem Täschner und Senkler aber noch verschieden ist.


Handschwärmer (W3) [Adelung]


Der Handschwärmer, des -s, plur. ut nom. sing. kleine Schwärmer, welche man aus freyer Hand wirft, und welche Hülfen von starken Papiere haben, damit sie nicht in de Hand platzen.


Handsiegel (W3) [Adelung]


Das Handsiegel, des -s, plur. ut nom. sing. das Privat-Siegel eines regierenden Herren, dessen er sich in eigenhändigen und Handschreiben bedienet; zum Unterschiede von dem Kanzelleysiegel.


Handspieß (W3) [Adelung]


Der Handspieß, des -es, plur. die -e, ein Bratspieß, welcher vermittelst der daran befindlichen Kurbel von einem Menschen umgedrehet wird.


Handspritze (W3) [Adelung]


Die Handspritze, plur. die -n, eine kleine leichte Feuerspritze mit einem einfachen Druckwerke, welche ohne Mühe mit Einer Hand beweget werden kann; zum Unterschiede von den größern Brandspritzen.


Handstein (W3) [Adelung]


Der Handstein, des -es, plur. die -n, im Bergbaue ein Stück Erz oder Stein von mittlerer Größe, zum Vorzeigen; eine Stufe, Handstufe.


Handstufe (W3) [Adelung]


Die Handstufe, plur. die -n. S. Handstein.


Handtag (W3) [Adelung]


Der Handtag, des -es, plur. die -e, der Frohntag eines Handfröhners; zum Unterschiede von einem Pferdetage.


Handtatze (W3) [Adelung]


Die Handtatze, plur. die -n, Diminut. das Handtätzlein, S. Handkrause.


Handteller (W3) [Adelung]


Der Handteller, des -s, plur. ut nom. sing. der innere flache Theil der Hand, die flache Hand.


Handthiren (W3) [Adelung]


Handthiren, S. Hantiren.


Handtreue (W3) [Adelung]


Die Handtreue, plur. inus. das Versprechen der Treue vermittels des Handschlag, und auch wohl dieser Handschlag selbst. Die Handtreue geben, brechen. Ehedem bedeutete es auch den Mahlschatz, gleichsam ein Unterpfand der Treue.


Handtuch (W3) [Adelung]


Das Handtuch, des -es, plur. die -tücher, ein Tuch die gewaschenen Hände daran abzutrocknen. S. Handquehle. Im Schwabensp. Hanttuch, im Wend. Antela.


Handvogel (W3) [Adelung]


Der Handvogel, des -s, plur. die -vögel, ein Falke oder Habicht, so fern er abgerichtet ist, auf der Hand zu sitzen. Er heißt ein guter Handvogel, wenn er durch bloßen Rufen leicht wieder auf die Hand zu bringen ist.


Handvoll (W3) [Adelung]


Die Handvoll, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, so viel als man in der Hand halten oder fassen kann. Eine Handvoll Körner. Sand u. s. f. Mit Zahlwörtern bleibt es unverändert. Vier Handvoll Erde. Eine Handvoll Volks, figürlich, sehr wenig. Der werfe seiner Gruft zwey Handvoll Blumen zu, Günth. In der anständigen Schreibart wird dieses Wort wie eine Hand breit, eine Hand hoch, einer Hand lang, lieber getheilet. Eine Hand voll, zwey Hände voll. Im Angels. Handfulle.


Handwasser (W3) [Adelung]


Das Handwasser, des -s, plur. inus. Wasser, die Hände darin zu waschen.


Handweife (W3) [Adelung]


Die Handweife, plur. die -n, eine einfache Weife, welche aus einem langen hölzernen Stiele mit kürzern Querhölzern an bey- den Enden bestehet; im Gegensatze der Schnapp- oder Zählweife.


Handwerk (W3) [Adelung]


Das Handwerk, des -es, plur. die -e. 1. * Ein mit der Hand verfertigtes Werk, bey dem Notker Hantuuerch, in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter Antwerk, im mittlern Lat. Maneficium, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; eine nunmehr veraltete Bedeutung, in welcher vor Erfindung des Schießpulvers die großen Wurfzeuge Handwerke, Antberiche, Antwerke, und die denselben vorgesetzet waren, Hantwerchsmeister genannt wurden. In einigen Gegenden, z. B. der Lausitz wird der Rammblock noch jetzt das Handwerk genannt. 2 Die Fertigkeit körperliche Arbeiten ohne Kenntniß allgemeiner Wahrheiten hervor zubringen, noch mehr aber dasjenige Gewerbe, welches sich auf diese Fertigkeit gründet; im Gegensatze einer Kunst und Wissenschaft. 1) Eigentlich, wo doch dieses Wort nur von gewissen Handarbeiten, zu welchen eine Fertigkeit gehöret, üblich ist, und nur von solchen Gewerben dieser Art gebraucht wird, welche die erzeugten Producte verarbeiten, und an eine gewisse Ordnung und an eine gewisse Gebräuche gebunden sind. Das Handwerk der Schlösse, der Schneider, der Schuster, der Tischler u. s. f. oder das Schlösserhandwerk, das Schneiderhandwerk u. s. f. Ein Handwerk treiben, es ausüben. Ein Handwerk lernen. Sein Handwerk verstehen. Ein zünftiges Handwerk, wo die Handwerker in eine Zunft vereiniget und an gewisse Ordnungen und Gesetze gebunden sind, dergleichen Handwerke im engsten Verstande Handwerke genannt werden; zum Unterschiede von den freyen und unzünftigen. Ein geschenktes Handwerk, wo die Gesellen auf ihrer Wanderschaft ein Geschenk erhalten. Ein gesperrtes Handwerk. welches nur auf einige Orten eingeschränket ist, und sich außer denselben nicht ausbreiten darf. Zuweilen bedeutet es auch die Ausübung dieser Fertigkeit. Er ist seines Handwerk (was sein Handwerk betrifft,) ein Schuster, ein Weber u. s. f. Sie waren aber des (ihres) Handwerks Teppichmacher, Apostelg. 18, 3. Einem das Handwerk legen, ihm die Ausübung desselben untersagen, und im weiterer Bedeutung, jemanden in einer Beschäftigung, in einer Verrichtung auf immer hindern. Figürlich auch, obgleich gemeiniglich nur im verächtlichen Verstande, die gewöhnliche, eigenthümliche, pflichtmäßige Beschäftigung. Jemanden in das Handwerk greifen. Ein Handwerk aus dem Spielen machen, es als ein ordentliches pflichtmäßiges Geschäft treiben. Eine Sache als ein Handwerk treiben, oder sie handwerksmäßig treiben, mechanisch, ohne sich dabey allgemeiner Grundsätze bewußt zu seyn. Von andern Nahrungsgeschäften, welche die Natur-Producte bloß erzeugen, wird dieses Wort nicht gebraucht, wenn sie gleich allein aus Handarbeiten bestehen, und eine gewisse erworbene Fertigkeit voraus setzen, wie z. B. der Feldbau. 2) Figürlich. (a) Die sämmtlichen Personen, welche ein gemeinschaftliches Handwerk treiben, die Zunft, Innung, Gilde oder Gewerk. Das Handwerk zusammen kommen lassen. Jemanden bey dem Handwerke, oder vor dem Handwerke verklagen. In das Handwerk freyen, oder heirathen, eine Person gleiches Handwerk heirathen; ingleichen, durch Heirath ein Glied einer Zunft werden. (b) Deren Versammlung. Handwerk halten, oder das Handwerk halten. Vor das Handwerk gefordert werden. Zuweilen werden auch nur die versammelten Ältesten und Vorgesetzten unter dem Nahmen des Handwerkes verstanden. Der Plural lautet bey vielen Handwerker; allein dieses Wort gehöret unstreitig zu denen, welche in der mehrern Zahl nur ein e annehmen. Nieders. Handwark, Schwed. Handwerk.


Handwerker (W3) [Adelung]


Der Handwerker, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Handwerkerinn, plur. die -en, derjenige, welcher ein Handwerk in der engern Bedeutung dieses Wortes erlernet oder treibet; im gemeinen Leben ein Handwerksmann.


Handwerksälteste (W3) [Adelung]


Der Handwerksälteste, des -n, plur. die -n, erwählte Beysitzer des Obermeisters eines Handwerkes, welsche bey manchen Handwerken Fürmeister, Oberälteste, Altermänner, Handwerksmeister u. s. f. genannt werden. S. Älteste.


Handwerks-Artikel (W3) [Adelung]


Die Handwerks-Artikel, sing. inus. die Gesetze und Statuten eines Handwerks, welche demselben von der Obrigkeit gegeben oder doch bestätiget worden.


Handwerksbursch (W3) [Adelung]


Der Handwerksbursch, des -en, plur. Die -en, ein Handwerksgesell, besonders wenn er auf der Wanderung ist.


Handwerksgesell (W3) [Adelung]


Der Handwerksgesell, des -en, plur. die -en, ein Gesell eines Handwerkes oder Handwerksmeisters, welcher auch nur schlechthin ein Gesell genannt wird.


Handwerksgruß (W3) [Adelung]


Der Handwerksgruß, des -es, plur. die -grüße, die Formel, womit ankommende Gesellen das Handwerk eines Ortes oder dessen Glieder zu begrüßen pflegen.


Handwerksherr (W3) [Adelung]


Der Handwerksherr, des -en, plur. die -en, eine von der Obrigkeit abgeordnete Person, welche den Versammlungen eines Handwerkes beyzuwohnen, und dessen Bestes zu besorgen hat; ein Handwerks-Deputirter, in Straßburg Gasselheer, in Nieders. Morgensprachsherr, von Morgensprache, feyerliche Versammlung, in Lübeck Weddeherr.


Handwerksjunge (W3) [Adelung]


Der Handwerksjunge, des -s, plur. die -n, in den niedrigen Sprecharten, ein bey einem Handwerke aufgedingter junger Mensch, so lange er noch nicht zum Gesellen gemacht ist; ein Lehrbursch, Lehrling.


Handwerkslade (W3) [Adelung]


Die Handwerkslade, plur. die -n, die Lade eines Handwerkes, S. Lade.


Handwerksmann (W3) [Adelung]


Der Handwerksmann, des -es, plur. die Handwerksleute; der ein Handwerk im engern Verstande treibet, d. i. als Meister ausübet, in der anständigen Sprechart ein Handwerker.


Handwerksmeister (W3) [Adelung]


Der Handwerksmeister, des -s, plur. ut nom. sing. der ein Handwerk als Meister treibe und ausübet; ein Handwerksmann, Handwerker. In engerer Bedeutung an einigen Orten, der Meister oder Vorgesetzte eines ganzen Handwerkes, siehe Handwerksälteste.


Handwerksvolk (W3) [Adelung]


Das Handwerksvolk, des -es, plur. inus. in der niedrigen Sprechart und im verächtlichen Verstande, Handwerksleute und die zu ihnen gehören. Jerem. 52, 15 wird es im anständigen Verstande gebraucht.


Handwerkszeug (W3) [Adelung]


Das Handwerkszeug, des -es, plur. inus. als ein Collectivum, körperliche Hülfsmittel zu bezeichnen, deren nicht nur Handwerker, sondern auch in weiterer Bedeutung andere Personen zur Hervorbringung einer Handarbeit benöthiget sind; ein körperliches Erleichterungsmittel einer Handarbeit.


Handwurzel (W3) [Adelung]


Die Handwurzel, plur. die -n, der unterste Theil des Armes, wo er mit der Hand verbunden ist; Metacarpus. Andere Zergliederer nennen die Vorderhand oder Oberhand, Carpus, die Handwurzel, da denn der Metacarpus bey ihnen die Mittelhand heißt.


Handzirkel (W3) [Adelung]


Der Handzirkel, des -s, plur. ut nom. sing. ein gewöhnlicher Zirkel, dessen Füße von einerley Art und Gestalt sind, sich auch nicht ausnehmen lassen.


Handzünder (W3) [Adelung]


Der Handzünder, des -s, plur. ut nom. sing. in der Feuerwerkskunst, kurze Stöcke mit einem krummen eisernen Hahne und mit Lunten bewunden, welche die Kanoniere als ihre Feldzeichen führen.


Hanf (W3) [Adelung]


Der Hanf, des -es, plur. inus. eine Pflanze; aus welcher man so wie aus dem Flasche Fäden bereitet, welche zu Seilen, Lein- wand u. s. f. verarbeitet werden, nur daß sie größer sind, als von dem Flasche. Cannabis L. Die zubereiteten, aber noch nicht gesponnenen Fäden werden so wieder Same, gleichfalls nur Hanf genannt. Es gibt von dieser Pflanze zweyerley Geschlechter, welcher unter einander gebauet werden müssen, wenn sich die Pflanze vermehren soll. Der männliche Hanf ist schwacher, trägt gelbe Blumen aber keinen Samen, sondern einen zarten Staub, welcher zur Befruchtung des weiblichen Hanfes nothwendig ist. Dieser ist stärker, bringt keine Blumen, wohl aber den Samen, welcher gleichfalls Hanf genannt wird. Im gemeinen Leben, wo man die Geschlechter nach der Stärke der Pflanze bestimmt, kehret man es um, und nennet den kleinen Hanf den weiblichen, in manchen Gegenden die Hänfinn, in andern Fimmel, Femmel, vom Lat. Faemella, Engl. Female Hemp, im Österr. Bästling; den größern, eigentlich weiblichen aber, den männlichen, oder Hanf in engerer Bedeutung, Engl. Carle-Hemp. Im Nieders. wird der kleinere Hanf, der kleinen Samen träget, Geljehemp, gelte Hanf, d. i. unfruchtbarer, der andere aber Saathanf genannt. In der Mark Brandenburg hingegen heißt der erstere der Hanfhahn oder nur der Hahn, und der letztere die Hanfhenne oder nur schlechthin die Henne.

Anm. Hanf, Nieders. Hemp und Hennep, Holländ. Hamp, Hennep, Dän. Hamp, Schwed. Hampa, Engl. Hemp, Franz. Chanvre, im mittlern Lat. Chamoerum, Canvum, Ital. Cannapa, stammet von dem Griech. und Lat Cannabis her, welcher Nahme vermuthlich mit der Pflanze zugleich aus Ostindien, wo sie einheimisch ist, gebracht worden. Im Persischen wird der Hanf noch jetzt Cannab genannt. S. Cannevaß. Die hänfene Leinwand muß bey uns nicht alt seyn; indem König Carls VII in Frankreich Gemahlinn um die Mitte des 15ten Jahrh. nur noch zwey hänfene Hemden hatte.


Hanfbreche (W3) [Adelung]


Die Hanfbreche, plur. die -n, ein hölzernes Werkzeug, die gerösteten Hanfstängel damit zu zerbrechen.


Hanfdarre (W3) [Adelung]


Die Hanfdarre, plur. die -n, das Darren oder Dörren des Hanfes, ohne Plural; ingleichen das Gebäude, worin solches geschiehet.


Hänfen (W3) [Adelung]


Hänfen, adj. et adv. aus Hanf bereitet, verfertiget. Hänfene Leinwand. Hänfenes Werrig oder Werg. Im Oberd. hänfin, in Baiern rupfen.


Hanffink (W3) [Adelung]


Der Hanffink, des -es, plur. die -en, S. Hänfling.


Hanfhahn (W3) [Adelung]


Der Hanfhahn, des -es, plur. inus. die Hanfhenne, plur. inus. S. Hanf.


Hänfinn (W3) [Adelung]


Die Hänfinn, plur. inus. S. ebendas.


Hanfkorn (W3) [Adelung]


Das Hanfkorn, des -es, plur. die -körner, die Samenkörner des Hanfes, welche auch nur schlechthin und collective Hanf genannt werden.


Hanfkraut (W3) [Adelung]


Das Hanfkraut, des -es, plur. inus. S. Flachskraut.


Hänflich (W3) [Adelung]


Hänflich, S. Hämflich.


Hänfling (W3) [Adelung]


Der Hänfling, des -es, plur. die -e, ein Gesangvogel mit einem sehr kurzen kegelförmigen Schnabel und sehr kurzen Füßen, welcher sich am liebsten in den Flachs- und Hanffeldern antreffen lässet, daher er auch Flachsfink, Hanffink, und wegen seines Fluges, welcher schußweise geschiehet., im Oberd. auch Schösserlein, Schößlein hießet; Linaria Klein. Der graue Hänfling, Motacilla modularis L. wird auch nur Hänfling schlechthin, ingleichen Steinhänfling und Grauhänfling genannt. Der Hänfling mit der rothen Brust heißt auch Bluthänfling, Rothhänfling und Krauthänfling. Eine andere Art mit einer rothen Platte, Fringilla flammea L. ist unter dem Nahmen des Schwarzbärtchens, des Zitscherleins, des Meerzeischens, des Ziserinchens, in Preußen oder der Tschetzke bekannt. Der mit der gelben Kehle führet den Nahmen des Quittenhänflinges, oder Quitters. Anm. Im Nieders. heißt dieser Vogel Hemplünke, von Lüne, Lünink, Lüke, ein Sperling, woraus zu erhellen scheinet, daß die letzte Hälfte des Hochdeutschen Nahmens aus eben diesem Worte entstanden; S. -Ling. Im Dän. und Norweg. wird er Jrisk, und der graue Hänfling Graairisk genannt.


Hanfmeise (W3) [Adelung]


Die Hanfmeise, plur. die -n, in einigen Gegenden, einen Benennung der Schwarzmeise oder Tannenmeise; Parus sylvaticus Klein. welche auch Waldmeise und kleine Kohlmeise genannt wird.


Hanfmühle (W3) [Adelung]


Die Hanfmühle, plur. -n, eine kleine Handmühle, den Hanf für zahmen Vögel darin zu zerknirschen.


Hanfnessel (W3) [Adelung]


Die Hanfnessel, plur. -n, eine Art Nesseln, welchen dem Hanfe gleicht, und häufig unter dem Getreide und auf den Krautfeldern angetroffen wird; Galeopsis Tetrahit L.


Hanföhl (W3) [Adelung]


Das Hanföhl, des -es, plur. inus. das aus den Hanfkörnern gepreßte Öhl.


Hanfwürger (W3) [Adelung]


Der Hanfwürger, des -s, plur. inus. eine Schmarotzerpflanze, welche vornehmlich auf und von dem Hanf lebt; Orobranche major L. Sonnenwurz, Sommerwurz, Hanfmann.


Dar (W3) [Adelung]


Dar Hang, des -es, plur. inus. von dem Neutro hangen. 1. Eigentlich. 1) Die Eigenschaft einer Fläche, nach welcher sie mit der Horizontal-Linie einen stumpfen Winkel macht; in welcher Bedeutung es doch nur selten gebraucht wird. 2) * Der abhängende Theil, die abhängige Seite eines Körpers, eines Ortes; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, wofür Abhang üblicher ist. Die Schwanze liegt auf einem Hange, im Oberdeutschen. 2. Figürlich, ein merklicher Grad der Neigung zu etwas, Fertigkeit zu Veränderungen Einer Art. 1) Im physischen Verstande. Der Hang eines Körpers zur Hypochondrie. Noch mehr, 2) im moralischen. Die Menschen haben einen natürlichen Hang, ihre Meinungen fortzupflanzen. Unser Geist hat einen nothwendigen Hang, sich von jeder Art der Schönheit rühren zu lassen. Ein überwiegender Hang zum Bösen, zu sinnlichen Empfindungen. Der Hang zur Geselligkeit, zur Bequemlichkeit, Gell. Wir haben einen natürlichen Hang, an dem Übel anderer Theil zu nehmen. Ohne Liebe nimmt das menschliche Herz leicht einen Hang zur Traurigkeit und zum Eigenwillen, Gell.

Anm. Herr Stosch hat bereits ganz richtig bemerket, theils, daß Hang in der figürlichen Bedeutung neu ist, und bey ältern Schriftstellern nicht leicht angetroffen werden möchte, obgleich das Englische Hank auf eben diese Art gebraucht wird; theils, daß Neigung, Hang und Treib eigentlich nur den Graden nach verschieden ist. In den beyden ersten liegt ein und eben dasselbe Bild zum Grunde, nur daß Hang eine größere Abweichung von der Horizontal-Linie bezeichnet als Neigung, daher es auch figürlich von einem höhern Grade der Fertigkeit gebraucht wird. Trieb scheinet eigentlich einen noch höhern Grad zu bezeichnen, ungeachtet Hang sehr häufig als gleichbedeutend gebraucht wird. Nur die Einschränkung, daß Neigung und Hang Kenntniß voraus setzen, bekommt weder aus dem eigenthümlichen Bilde beyder Wörter, noch aus dem Gebrauche einige Erweislichkeit.


Hängebank (W3) [Adelung]


Die Hängebank, plur. die -bänke. 1) Im Bergbaue, der Ort über dem Schachte, wo die Kübel ausgestürzet, oder ausgeschüttet werden. 2) Eine an der Wand befestigte Bank, welche aufgeklappt werden kann.


Hangebauch (W3) [Adelung]


Der Hangebauch, oder Hängebauch, des -es, plur. die -bäuche, ein herab hangender Bauch; ein Kuhbauch. Ein Hängebauch verunstaltet ein Pferd.


Hängebirke (W3) [Adelung]


Die Hängebirke, S. Hangelbirke.


Hangebrücke (W3) [Adelung]


Die Hangebrücke, oder Hängebrücke, plur. die -n, eine Brücke, welche in einer beträchtlicher Länge ohne Joche gebaut wird, und gewisser Maßen frey hänget, oder aus einem Hängewerke bestehet.


Hängebügel (W3) [Adelung]


Der Hängebügel, de -s, plur. ut nom. sing. eine Art Steigbügel, welche nicht mit an dem Sattel befestiget sind, sondern jedes Mahl an den Sattelknopf gehänget, und auch Schweifbügel genannt werden.


Hange-Compaß (W3) [Adelung]


Der Hange-Compaß, des -sses, plur. die -sse, im Markscheiden, eine Art Compasse, welche alle Mahl ausgehänget wird; zum Unterschiede von dem Setz- oder Hand-Compasse.


Hängedohne (W3) [Adelung]


Die Hängedohne, oder Hangedohne, plur. die -n, hangende Dohnen, welche an die Büsche und auf die Bäume gehänget werden.


Hängeeisen (W3) [Adelung]


Das Hängeeisen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Schlössern, ein jedes Eisen, worin ein Balken, eine Rinne oder ein anderer Körper hänget.


Hängegarn (W3) [Adelung]


Das Hängegarn, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein Garn zum Vogelfange, welches an die Durch- und Zugänge aufgehänget und auch ein Ziehgarn genannt wird.


Hangekappe (W3) [Adelung]


Die Hangekappe, plur. die -n, im Bergbaue, die kleinen Ringe auf den Seiten der Kübel, worin der halbe eiserne Ring hänget, darin das Seil befestiget wird.


Hangekluft (W3) [Adelung]


Die Hangekluft, oder Hängekluft, plur. die -klüfte, im Bergbaue, Klüfte, welche nicht in die Teufe oder Tiefe, sondern vom Tage in das Liegende oder Hangende fallen, und daher auch Tageklüfte, Tagegehänge genannt werden.


Hängel (W3) [Adelung]


* Der Hängel, des -s, plur. ut nom. sing. das Gelenk, derjenige Theil eines Körpers, wo ein Theil an dem andern hänget; ein im Hochdeutschen unbekanntes Wort. Ahab wurde zwischen dem Panzer und Hengel (Hängel) geschossen, 1 Kön. 22, 34; 2 Chron. 18, 33.


Hangelbirke (W3) [Adelung]


Die Hangelbirke, plur. die -n, eine Abartung der gemeinen Birke, welche herab hangende Zweige und spitzigere Blätter hat, und auch Frauenbirke genannt wird.


Hangeleuchter (W3) [Adelung]


Der Hangeleuchter, oder Hängeleuchter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Leuchter, welcher an einem Stricke oder einer Schnur hänget, und wegen seiner Gestalt gemeiniglich Kronleuchter genannt wird. An andern Orten beleget man auch die Wandleuchter, weil sie an der Wandhängen, mit diesem Nahmen.


Hängeln (W3) [Adelung]


Hängeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert und nur in der Seefahrt üblich ist. Ein Fahrzeug hängelt, wenn es Waaren von einer Rehde zur andern bringet. Vielleicht von dem An- und Abhängen des Fahrzeuges; indem diese Art des Handels auch An- und Ablegen genannt wird.


Hängemörser (W3) [Adelung]


Der Hängemörser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Feuermörser, der an seinen Schildzapfen hänget; zum Unterschiede von einem stehenden Mörser.


Hangen (W3) [Adelung]


Hangen, oder Hängen, verb. irreg. neutr. ich hange oder hänge, du hangest, hangst oder hängest, er hanget, hangt oder hängt; Conj. ich hange; Imperf. ich hing; Mittelw. hangend, gehangen; Imperat. hange oder hänge. Es erfordert das Hülfswort haben, und bezeichnet eigentlich denjenigen Zustand, da ein Körper mit seinem obern Theile von einem andern gehalten wird, oder so, daß er noch nach den Seiten beweget werden kann. 1. Eigentlich. Der Hut hangt oder hängt am Nagel, das Kleid an der Wand, der Dieb am Galgen. Der Mantel hat schon lange an der Wand gehangen. Ein Glied der Kette hangt oder hängt an dem andern. Lange Haare, welche über die Schulter herab hingen. Herb hangende Ohren. Abraham sahe einen Widder mit seinen Hörnern in der Hecke hangen, 1 Mos. 22, 13. Der Vorhang, der vor der Lade des Zeugnisses hanget, 2 Mos. 30, 6. Ich sahe Absalom an einer eichen hangen, 2 Sam. 18, 20. Als wenn vier oder fünf Früchte an den Zweigen hangen, Es. 17, 6. Verflucht ist jedermann, der am Holze hanget, Gal. 3, 13. In einigen R. A. wird es auch figürlich von demjenigen Körper gebraucht, an welchen andere hangen. Der Baum hangt oder hängt voll Früchte, der Galgen voll Diebe. Ingleichen in einigen Fällen im gemeinen Leben auch für gehänget werden. Er muß hängen. Antworte, oder du sollst hangen, Cron. Was hangen soll, ersäuft nicht. 2. In weiterer Bedeutung. 1) Schweben, in der höhern Schreibart. Der Himmel, der finster über mich herab hängt, Weiße. Es hänget am Abend Über dem Walde der silberne Mond, Zach. Ein zufriedenes Volk, obgleich ein sparsamer Himmel Über den traurenden Thälern hängt, ebend. Am Gipfel eines Wasserbergs Hing oft mein Kahn hoch in der Lift, Kleist. 2) Eine Fläche hangt oder hängt, wenn sie abhängig ist, sich unter den Horizont neiget. Noch mehr sagt man von stehenden Körpern, wenn sie die senkrechte Linie verlassen, daß sie hangen oder überhangen, wo es doch nur derjenigen Seite gebraucht wird, welche mit dem Horizonte einen spitzigen Winkel macht. Die Wand hangt oder hängt. Daß ihr ihn erwürget, als eine hangende Wand oder zerrissene Mauer, Ps. 62, 4. Der Thurm zu Bologna hängt drey und einem halben Pariser Fuß, er ist oben so viel von der Perpendicular-Linie entfernet. Die Stadt liegt sehr romantisch auf einem Felsen, der über des See hängt. Den Kopf hangen lassen. Im Bergbaue ist das Hangende derjenige Theil des Gesteines, der wie ein Dach auf dem Gange lieget, im Gegensatze des Liegenden, oder der untern Fläche. Bey stehenden oder senkrechten Gängen nennen die Bergleute diejenige Seite, welche auf der linken Hand ist, wenn man in diesem Gange das Gesicht nach Mittag wendet, das Hangende, und die Seite zur Rechten, das Liegende. 3) Sich mit einem Theile seines Körpers so anhalten, daß man gleichsam zu hangen scheinet. Der Blutegel hangt an der Haut. Das Kind hangt an der Brust der Mutter. An den kalkichten Fels hängt von dem Morgen zum Abend Euer Winzer mit emsiger Hacke, Zach. 4) Zusammen hangen, mit einem andern Dinge so verbunden seyn, daß es nicht ohne Mühe getrennet werden kann. 3) Figürlich. 1) Von den Blicken, Augen und Munde, gleichsam angeheftet seyn, in de höhern Schreibart. Ich hing starr an deinen Blicken, Dusch. Stets hängt über unsere Wiegen Dein besorgter wacher Blick, Weiße. Mit was für sehnsuchtsvollen Blicken Ihr Aug an seinem Auge hing, Gell. 2) Zusammen hangen, mit einander verbunden, in einander gegründet seyn. Die Erzählung hängt nicht zusammen. Das hängt mit seiner vorige Aussage nicht zusammen. In der Welt hängt alles auf das vortrefflichste zusammen S. Zusammenhang. 3) An einer Person oder Sache hangen, sein Verlangen, seine Begierden, seine Erwartungen auf eine dauerhafte Art auf sie richten. Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen, und an seinem Weibe hangen, 1 Mos. 2, 24. Joab hatte an Adonia gehangen, 1 Kön. 2, 28. Sichems Herz hing an der Dina, 1 Mos. 34, 3. Mein Herz, dem alles entrissen worden ist, hängt fest an dir. Mit seinem Herz an etwas hange. An den Wollüsten hangen, ihnen ergeben seyn. S. Anhang. Das Reciprocum sich an etwas hängen, gehöret zu dem folgenden Activo. 4) Im Oberdeutschen gebraucht man es auch für abhangen, im figürlichen Verstande, d. i. einem andern Dinge gegründet seyn. Der, von welchem alles hanget, Opitz. In welchem Verstande es aber im Hochdeutschen eben so ungewöhnlich ist, als mit dem Vorworte in, in diesen zweyen Gebothen hanget das ganze Gesetz, Matth. 22, 40. 5) Eine Sache hangt oder hängt, im gemeinen Leben, wenn sie keinem merklichen Fortgang hat. Die Sache bleibt hangen, sie bekommt einen Anstand.

Anm. Schon bey dem Kero und Ottfried hangen, Im Nieders. hangen, Im Engl. to hang, im Angels. hangan, im Dän. hange, Schwed. haenga, Isländ. hanga. Es stammt von ha, hoch, ab, indem das folgende Activum noch lange haben gelautet hat. Das eingeschobene ng kann entweder ein Zeichen eines Intensivi seyn, oder auch bloß von nieselnden Mundarten herrühren. S. das folgende hängen. In der Conjugation dieses Neutrius herrscht im Hochdeutschen viele Ungleichheit. Im Oberdeutschen bekommt es durchgehends ein a; ich hange, du hangst, er hangt u. s. f. Infinit. hangen, Imperat. hange; welche richtigere Form auch größten Theils in der Deutschen Bibel beybehalten worden. Im Hochdeutschen ist das ä am üblichsten, nur daß das Participium alle Mahl gehangen lautet. Billig sollte man diesem Neutro überall sein a lassen, und das ä dem folgenden Activo vorbehalten; da ohnehin in so vielen andern Fällen das Neutrum sich von dem Activo auf ähnliche Art unterscheidet, wohin fallen und fällen, haften und häften, trinken und tränken, dampfen und dämpfen u. a. m. gehören. Die Nordischen Mundarten scheinen unter dem Neutro und Activo in der Conjugation eben so wenig eine Unterschied zu machen; beyde lauten in Nieders. hängen, im Schwed. haenga, im Isländ. hanga und im Dän. hänge. Das ie ist alle Mahl das Zeichen eines gedehnten i., daher ist hieng eben so fehlerhaft als, gieng, giebst, giebt, und ich fieng, wo nur einige wenige dehnende Mundarten ein langes I hören lassen. In den Zusammensetzungen Hängebank, Hängebrücke, Hangematte u. s. f. darf das e nicht weggelassen werden, wenn nicht das g hier wider seine Absicht wie ein k lauten soll; S. E. Da das Neutrum im Hochdeutschen fast mehr hängen als hangen lautet; so hat sich auch in den meisten Zusammensetzungen dieser Art das ä eingeschlichen; in manchen aber ist so wohl a als ä üblich


Hängen (W3) [Adelung]


Hängen, verb. reg. act. folglich im Imperf. hängte, Mittelw. gehängt. Es ist das Activum des vorigen Neutrius. 1. Hangen lassen; eine Bedeutung, welche die Verbindung des Neutrius mit dem Activo ausmacht, indem sie von beyden Arten etwas an sich hat, auch im Passivo nicht gebräuchlich ist. Der Esel hängt die Ohren, der Hund hängt den Schwanz, der Vogel die Flügel. Ein Niedergeschlagener hängt den Kopf, läßt ihn sinken. Derselbe Schalk kann den Kopf hängen und ernst sehen, Sir. 19, 23. Daß ein Mensch seinem Leib übel thue, oder seinen Kopf hänge, wie ein Schilf, Es. 58, 5. Das Maul hängen, in den niedrigen Sprecharten, mißvergnügt seyn, Verdruß empfinden. 2. In mehr thätigem Verstande, hangen machen, eine Handlung vornehmen, nach welcher ein Ding hanget. 1) Eigentlich. Den Hut an den Nagel, das Kleid an die Wand, den Mantel an einen Haken hängen. Eine Flasche in das Wasser hängen. Einen Dieb an den Galgen hängen, mit Zuschnürung der Luftröhre. Du sollst den Vorhang hängen an vier Säulen, 2 Mos. 26, 32. Einen Mantel über sich, um sich hängen. Im gemeinen Leben lässet man den Accusativ des Ortes mit seinem Vorworte zuweilen aus Das Rad hängen, im Bergbaue, es an seinen gehörigen Ort hängen, es einhängen. In engerm Verstande wird hängen sehr häufig für an den Galgen hängen gebraucht. Eine Dieb hängen lassen. Kleine Diebe hängt man, die großen läßt man laufen. S. Henken. 2) In weiterer Bedeutung, an einem andern Körper kleben, oder haften machen. Jemanden eine Klette an das Kleid hängen. Noch häufiger als ein Reciprocum. Die Kletten hängen sich an die Kleider, der Koth hängt sich an die Schuhe, der Schmutz an die Wäsche. 3) Figürlich. (a) Hinab lassen, im Bergbaue. Holz hängen, es in die Grube hinab lassen. (b) Viel Geld an etwas hängen, für wenden, im verächtlichen Verstande. Alles auf den Leib hängen, alles an Kleider wenden. (c) Sich an jemanden hängen, gleichfalls nur in verächtlichen Verstande, ihm zugethan und ergeben seyn, seine Begierden und Erwartungen auf eine dauerhafte Art auf ihn richten. Und die Philister hiengen (hängten) sich an Saul und seine Söhne, 1 Sam. 31, 2. Und haben sich an andere Götter gehänget, 2 Chron. 7, 22. Dein Herz hieng (hängete) sich an die Weiber, Sir. 47, 21. Hänge dich nicht an den Pöbel, Kap. 7, 7, Sein Herz an etwas hängen. Fället euch Reichthum zu, so hänget das Herz nicht daran, Ps. 62, 11. Das Hauptwort die Hängung wird außer der Zusammensetzung wenig gebraucht.

Anm. Bey dem Ottfried und andern ältern Oberdeutschen Schriftstellern hangen, und hengen. Da es bey dem Tatian, Hornegk und andern auch hahan lautet, so scheinet es von ha, hoch, herzustammen, weil mit dem Hängen doch gemeiniglich der Begriff der Höhe verbunden ist; es mag nun der Übergang des Hauchlautes in den nieselnden Laut ng bloß von der Mundart herrühren, oder ein Zeichen eines Intensivi oder einer ähnlichen Form seyn. Indessen stehet auch dahin, ob hahan, so fern man das mittlere h mit einem starken Hauche ausspricht, nicht zu Haken gehöret, weil die meisten Dinge, welche man hänget, einen Haken voraus setzen, und das Lat. Uncus, so wie das Deutsche Angel, Anker, Hanke u. s. f. schon diesen Nasenlaut haben. Ottfried gebracht das einfache hängen sehr häufig für erlauben, bewilligen, verstatten; von welcher längst veralteten Bedeutungen noch verhängen etwas behalten hat. S. dasselbe. Im gemeinen Leben wird dieses Activum sehr häufig irregulär abgewandelt, wie das Neutrum. Mit gefangen, mit gehangen. Er hing das Kleid an den Nagel. Welcher Fehler sich auch wohl mit in die anständigere Schreibart einschleicht. Es ist noch niemahls ein Frauenzimmerspion gehangen worden, Schleg. S. übrigens auch Henken, welches ein Intensivum von hängen ist.


Hängenagel (W3) [Adelung]


Der Hängenagel, des -s, plur. die -nägel, im Bergbaue, ein Nagel, der zwey Theile mit einander verbindet, zusammen hangend macht. in den Mühlen, derjenige Nagel, welcher die Arme, Laschen und Reifen des Wasserrades zusammen hält.


Hangepfahl (W3) [Adelung]


Der Hangepfahl, des -es, plur. die -pfähle, auf dem Lande, derjenige Pfahl einer Gatterthür, in welchem die Angelhaken eingeschlossen sind, an welchen die Thür hanget.


Hänger (W3) [Adelung]


Der Hänger, des -s, plur. ut nom. sing. in der Seefahrt, die Tau-Enden von mittelmäßiger Größe, welche an den Brassen herab hangen. In dem zusammen gesetzten Kopfhänger bedeutet es jemanden, der den Kopf hänget, oder hangen lässet; S. dasselbe, ingleichen Anhänger.


Hangeriemen (W3) [Adelung]


Der Hangeriemen, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige Riemen, woran etwas hangt; besonders, diejenigen Riemen, worin eine Kutsche hangt.


Hängesäule (W3) [Adelung]


Die Hängesäule, plur. die -n, an einem Hängewerke, zwey kleine Säulen am Ende des Balkens, woran die Strebebänder geleget werden.


Hängeschloß (W3) [Adelung]


Das Hängeschloß, des -sses, plur. die -schlösser, S. Vorhängeschloß.


Hängeseil (W3) [Adelung]


Das Hängeseil, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, dasjenige Seil, woran der Leithund geführet wird, weil man ihn gleichfalls daran hänget. S. Nachhängen. Die Schweißhunde werden an dem Fangestricke, die Jagd- und Rüdenhunde an der Koppel, und die Hetzhunde an dem Hetzriemen geführet.


Hängeseilkunst (W3) [Adelung]


Die Hängeseilkunst, plur. die -künste, in der Hydraulik, ein Röhrenwerk, wo man vermittelst eines Seiles und einer daran hangenden Klappe Wasser aus der Tiefe ziehet. Sie wird auch Heinz genannt. S. dieses Wort.


Hängewage (W3) [Adelung]


Die Hängewage, plur. die -n, bey den Markscheidern, die Wasserwage oder der Gradbogen.


Hangewand (W3) [Adelung]


Die Hangewand, oder Hängewang, plur. die -wände, in der Baukunst, eine Wand, welche auf einem Hängewerk ruhet.


Hangewerk (W3) [Adelung]


Das Hangewerk, oder Hängewerk, des -es, plur. die -e, in der Baukunst, ein hangendes Werk, d. i. frey liegender langer Balken, welcher von oben her so verbunden oder gefasset wird, daß er sich nicht biegen kann. Geschiehet solches durch Strebebänder, welche unter dem Balken angebracht werden, so wird es ein Sprengewerk genannt. Werden beyde Arten zugleich angebracht, so entstehet daraus ein Hänge- und Sprengewerk.


Hanke (W3) [Adelung]


Die Hanke, plur. die -e, ein Wort, welches eigentlich ein Gelenk, einen Bug bedeutet, aber nur allein von demjenigen Theile an den Hinterbeinen der Pferde gebraucht wird, der sich zwischen den Backen und den Hosen befindet, und in weiterer Bedeutung zuweilen von dem ganzen Hintertheile der Pferde, von dem Kreuze an. Daher der Hankenknochen, derjenige röhrförmige Knochen, woran sich dieser Theil befindet, und welcher auch der Backenknochen genannt wird. Es gehöret zu dem Worte Anke, Änkel, welche gleichfalls ein gewisses Gelenk, ingleichen eine Biegung bedeutet; S. diese Wörter. Im mittlern Lateine bedeutet Hancha, und im Franz. Hanche, die Hüfte.


Hans (W3) [Adelung]


Hans, Genit. Hansens, Dat. Hansen; Dimin. Hänschen, Oberd. Hänslein, Hänsel, Nieders. Hänsken, Hänschen, eine nur im gemeinen Leben und den niedrigen Sprecharten übliche Verkürzung des ursprünglich Griech. männlichen Taufnahmens Johannes. Sprichw. Was Hänschen nicht lernt, wird Hans nimmermehr lernen, was man in der Jugend nicht lernt, wird man auch im Alter nicht lernen. Hänschen im Keller, eine im gemeinen Leben übliche scherzhafte Gesundheit des Kindes im Mutterleibe. Hans Wurst, eine sehr gewöhnliche Benennung der lustigen Person in den Schauspielen, welche schon in Peter Propsts Fastnachtsspielen aus der ersten Hälfte des sechzehenten Jahrhundertes unter diesem vermuthlich erdichteten Nahmen vorkommt. In den Französis. Lustspielen heißt er Jean Potage, Jean Farine, Pantalon, Trivelin, und im Ital. Polichinello, woraus die Niedersachsen ihr Putznelken gemacht, eine lustige Person zu bezeichnen. S. Harlekin und Pickelhäring. Der häufige Gebrauch, welchen man schon vor langen Zeiten von dem Taufnahmen Hans machte, gab Gelegenheit, daß der selbe, in manchen Fällen zu einem allgemeinen Nennworte ward. So nannte man einen großen Herren ehedem sehr häufig einen großen Hans, und im Plural große Herren große Hanse; ein Ausdruck, dessen man sich noch jetzt zuweilen bedienet, obgleich alle Mahl nur mit einem Nebenbegriffe der Verachtung und des Hasses. Frisch glaubt, daß dieser Gebrauch daher seinen Ursprung genommen, weil der Taufnahme Johann oder verkürzt Hans anfänglich nur unter vornehmen Personen üblich gewesen. Andere halten es in dieser Bedeutung für ein altes Deutsches Wort, welches einen vornehmen Mann bezeichnete, indem Jornandes von den Gothen versichert, daß ihre Vornehmen und Reichen Anses geheißen. Die Patricii und Vornehmsten in den Städten hießen in Italien in den mittlern Zeiten häufig Antiani und Anciani, so wie die Waldenser ihre Ältesten und Vorgesetzten Ancianos nannten; wohin auch das Franz. ancien, alt, zu gehören scheinet. Bey den Sachsen in Siebenbürgen wird die Regierung von Bürgermeister, Stadtrichter und Stadthahnen verwaltet. Allein um des verächtlichen Nebenbegriffes willen, welchen Hans in diesem Verstande jederzeit bey sich hat, scheinet es vielmehr zu dem folgenden Falle zu gehören. Denn eben um des häufigen Gebrauches dieses Vornahmens willen, ward es oft zu einem allgemeinen Nennworte einer jeden Person. In dem kaiserlichen Artikelsbriefe für das Kriegsvolk bey dem Fronsberg, heißt es nach dem Frisch: Es soll von niemand, er sey wer der wolle', Klein- oder Groß-Hans, ein Übelthäter aufgehalten werden. Und in Goblers Rechtsspiegel, gleichfalls nach dem Frisch: Knecht oder Rottmeister, Groß- oder Klein-Hans, d. i. ein jeder, er sey vornehm oder geringe. Besonders mit einem verächtlichen Nebenbegriffe. Ein dummer Hans, ein dummer, einfältiger Mensch. Er ist Hans in allen Gassen, er läßt sich überall antreffen. In einem andern Verstande ist Hans in allen Gassen, oder Hans Omnis, der Pöbel. Hans ohne Sorge, ein sorgloser Mensch. Hans hinter der Mauer, ein zaghafter Mensch. So auch in den Zusammensetzungen Fabelhans, Prahlhans, Schmalhans u. s. f. Hierher scheinet auch das Nieders. Hanke zu gehören, welches die Verfasser des Bremisch-Nieders. Wörterbuchs für unbekannt halten, welches aber allem Ansehen nach das verkürzte Nieders. Diminut. Johannchen ist, und auch Hannchen lautet. Hanke in der Noth, ein Nothhelfer. Hanke und alle Mann, ein jeder, und in einem andern Verstande, gemeiner Pöbel, Hack und Mack. Es ist doch merkwürdig, daß dieser Taufnahme in allen Sprachen einen so verächtlichen Nebenbegriff bekommen hat. Das Schwed. Jan, das Engl. John, und das Ital. Zann, Zanni, welches gleichfalls dieser Nahme ist, bedeuten sehr oft einen dummen einfältigen Menschen, den der Deutsche große Haufe auch nur schlechthin einen Hans zu nennen pfleget. Carpentier führet v. Joannes Stellen an, woraus erhellet, daß das Franz. Jehan, und Jehannot, schon im 14ten und 15ten Jahrh. einen verächtlichen Nebenbegriff gehabt, und faire Johan bedeutete im 15ten Jahrh. zum Hahnrey machen. Woraus zugleich erhellet, daß das alte Hans, ein Geselle, Compagnon, ( S. das folgende,) hier nicht in Betrachtung kommen kann.


Hansa (W3) [Adelung]


Die Hansa, oder Hanse, plur. inus. ein in dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen veraltetes Wort, welches ehedem eine Gesellschaft, eine Verbindung mehrerer zu einem gemeinschaftlichen Zwecke, und die auf solche Art verbundenen Personen bezeichnete, so wie Hans einen solchen Gesellen, ein Mitglied, einen Compagnon und Bundesverwandten bedeutete. Bey dem Ulphilas und Tatian ist Hansa ein Haufe Soldaten von bestimmter Stärke. Am häufigsten wurde dieses Wort in den mittlern Zeiten von der Verbindung der 85 Niederdeutschen Städte gebraucht, welche bald nach der Mitte des 13ten Jahrhundertes ihren Anfang nahm, und unter dem Vorsitze der Stadt Lübeck auf die Vertheidigung ihrer gemeinschaftlichen Handlung und Sicherheit abzielete; im mittlern Lat. Ansa, Hansa. Eine Stadt in die Hanse aufnehmen, in den Bund; sie aus der Hanse stoßen, aus dem Bunde. Im Nieders. lautet dieses Wort Hense, und bedeutet daselbst noch überhaupt dasjenige Geld, welches jemand bey dem Eintritte in eine Gesellschaft erleget. S. die folgenden. Es ist möglich, aber auch weiter nichts als möglich, daß dieses alte Wort von ein, eins, abstammet, und eigentlich eine Vereinigung bedeutet, so wie von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Zeitwort - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, vereinigen, ehedem einen, herkommt.


Hanseestadt (W3) [Adelung]


Die Hanseestadt, plur. die -städte, eine Stadt, so fern sie ein Glied der jetzt gedachten großen Hanse, oder des Handelsbundes ist. Ehedem waren dieser Städte sehr viel. Jetzt sind nur noch die Städte Lübeck, Bremen und Hamburg unter diesem Nahmen bekannt, welche ihren Bund von Zeit zu Zeit erneuert haben. Von dem vorigen Hanse sollte dieses Wort eigentlich Hansestadt oder Hansstadt heißen, so wie es im Nieders. wirklich Hensestadt lautet. Die fehlerhafte Schreib- und Sprechart Hanseestadt, wo der Ton auf der mittlern Sylbe tuhet, hat ihren Ursprung ohne Zweifel der irrigen, aber doch schon alten Ableitung zu danken, da man dieses Wort durch An-See-Städte erklärete, ungeachtet kaum der funfzehente Theil dieser Städte an der See lag. Im mittlern Lat. heißen diese Städte Ansaticae, Anseaticae und Hanseaticae urbes, nach welchen Mustern man sie auch zuweilen im Deutschen Anseestädte nennet.


Hänselbecher (W3) [Adelung]


Der Hänselbecher, des -s, plur. ut nom. sing. ein großer Becher, welchen ein Neuling in manchen Gegenden, wenn er gehänselt, d. i. in eine Gesellschaft aufgenommen wird, ausleeren muß. Nieders. Hänsebeker. S. Hänseln.


Hänseln (W3) [Adelung]


Hänseln, verb. reg. act. welches das Diminutivum des noch im Nieders. üblichen Zeitwortes hänsen ist, in eine Hanse, d. i. in eine Gesellschaft aufnehmen. Da diese Aufnahme von Alters her mit gewissen lächerlichen und oft grausamen Gebräuchen begleitet war, die man gar bald für das Wesentliche der ganzen Sache zu halten anfing, so ist auch dieses Zeitwort denselben besonders eigen geworden, so daß es überhaupt, mit gewissen lächerlichen Gebräuchen zu etwas einweihen bedeutet. Die Begierde zu hänseln ging endlich so weit, daß auch noch jetzt Reisende, wenn sie zum ersten Mahle an gewisse Orter kommen, sich diesen Gebräuchen unterwerfen, oder sich von denselben los kaufen müssen; z. B. Seefahrende, wenn sie zum ersten Mahle unter die Linie kommen. Im Dän. hanse, im Franz. hanser. Bey den Handelsbedienten in Königsberg wird dieses hänseln kaisern genannt, indem es in Stoßung des Hintern an einen Stein, welcher Kaiser heißt, und zehen Ellen im Umfange hat, bestehet. Das ehemahlige Deponiren auf den Universitäten ist bekannt.


Hansgraf (W3) [Adelung]


Der Hansgraf, des -en, plur. die -en, in einigen Oberdeutschen Städten, z. B. zu Regensburg, eine Benennung des Handelsrichters, der die Streitigkeiten in Handwerks- und Handelssachen auf das kürzeste untersuchet und entscheidet, und den Vorsitz in dem Hansgerichte hat. Ohne Zweifel von Hanse, Gesellschaft, Zunft, Innung, so fern es in engerer Bedeutung die Innung der Kaufleute bezeichnete. Schon 1230 in einem Privilegio Kaiser Friedrichs II, für die Stadt Regensburg heißt es: Cives potestatem habebunt eligendi Hansgravium qui disponat et ordinet extra civitatem, et non intra, ea tantum quae respiciunt negotia nundinarum. S. auch Handgraf. In Bremen sind die Hänsegräven zwey obrigkeitliche Personen, welche die Streitigkeiten der Nachbarn in Ansehung des Grund- und Eigenthumsrechtes schlichten, weil sie das gesellschaftliche gute Vernehmen der Bürger unterhalten.


Hanswurst (W3) [Adelung]


Der Hanswurst, des -es, plur. die -e, S. Hans.


Hantiren (W3) [Adelung]


Hantiren, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, im Hochdeutschen aber nur noch im gemeinen Leben üblich ist. 1) Handhaben, in der Hand oder mit der Hand bewegen. Der Stein ist zu groß, er läßt sich nicht gut hantiren. 2) Handarbeit verrichten, körperliche Bewegungen machen. Im Hause zu hantiren haben. Im figürlichen Verstande, an jemanden hantiren, 2 Pet. 2, 3, an ihm arbeiten, ihn zu gewinnen suchen, ist es völlig ungewöhnlich. 3) Poltern, lärmen, durch körperliche Bewegungen und Verrichtungen ein Getöse verursachen; besonders im Niedersächsischen. Das Gespenst hantiret entsetzlich auf dem Boden. Wer weiß wer über der Küche hantiret oder gepocht hat, Gell. 4) Ein Gewerbe treiben, äußere Handlungen zur Erwerbung seines Unterhaltes vornehmen. Alle Schiffherren und der Haufe, die auf den Schiffen hantiren, und Schiffleute, die auf dem Meer hantiren, Offenb. 18, 17. Und wollen ein Jahr da liegen und hantiren und gewinnen, Jac. 4, 13. S. Hantirung. Um die Weisheit hantiren, d. i. um sie handeln, Sprichw. 3, 14, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.

Anm. Die Endung iren gibt diesem Worte ein ausländisches Ansehen, daher es in den vergangenen Zeiten auch das Augmentum ge nicht annimmt. Im Nieders. lautet es handteren, im Dän. hantere, im Schwed. handtera, im Isländ. handtiera. Es ist nicht aus dem Französischen hanter entlehnet, welches ohnehin etwas anders bedeutet, sonder vermuthlich aus Hand und dem Nieders. teren, tiren zusammen gesetzt, welches theils ziehen, theils lärmen, Geräusch machen bedeutet, und das Stammwort von unserm Intensivo zerren ist.


Hantirer (W3) [Adelung]


* Der Hantirer, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen völlig ungewöhnliches Wort, welches Es. 47, 15, und Ezech. 27, 27 vorkommt, Leute zu bezeichnen, welche Handel und Wandel treiben, sich von ihrem Gewerbe zu nähren suchen.


Hantirung (W3) [Adelung]


Die Hantirung, plur. die -en, von dem Zeitworte hantiren, besonders in dessen vierten Bedeutung, im gemeinen Leben, der Handel und Wandel, eine jede Art der äußern Handlungen, so fern man damit seinen Unterhalt erwirbt. Ezech. 28, 5, 16 heißt es von Tyro, sie habe durch ihre große Weisheit und Hantirung solche große Macht überkommen. Daß Gewerb und Hantirung wohl gelinge, Weish. 13, 19. In welchen Stellen es zunächst den Kaufhandel zu bezeichnen scheinet. Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Hantirung, Matth. 22, 5. Unehrliche Hantirung treiben, 1 Tim. 3, 3, 8. In den Rechten wird es in weiterer Bedeutung zuweilen auch von der Lebensarten der Gelehrten gebraucht, ungeachtet ihre Beschäftigung zunächst nicht in äußern Arbeiten bestehet.


Hapern (W3) [Adelung]


Hapern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert aber nur im gemeinen Leben Ober- und Niedersachsens im unpersönlicher Gestalt üblich ist. Es hapert, oder die Sache hapert, es hapert mit der Sache, die Sache geräth in das Stocken, es will nicht mit ihr fort. Haperts denn, Freunde, bey der Antwort auf die erste Frage, Klopst. Daher hapenig, adj. et adv. mit Stocken, oder mehrmahliger Unterbrechung. Haperig predigen, Hermes. Es gehöret ohne Zweifel zu haften, wovon man im Oberd. sagt, es haftet, oder da haftet es, das ist es, was die Sache aufhält. Im Schwed. ist happla im Reden stocken, oder stecken bleiben.


Harand (W3) [Adelung]


* Der Harand, des -es, plur. die -e, ein nur in einigen Gegenden, z. B. im Vogtland und Franken, übliches Wort, ei- nen wilden grausamen Menschen zu bezeichnen; vielleicht von den Harannen, den gemeinen Kroatischen Soldaten, welche sich etwa in den vorigen Kriegen durch ihre Grausamkeit besonders ausgezeichnet haben mögen. Eben daselbst nennet man ein großes und bäurisches Weib einen Tharand.


Härchen (W3) [Adelung]


Das Härchen, S. Haar.


-hard (W3) [Adelung]


-hard, oder - hart, eine Endsylbe vieler eigenthümlicher Deutscher Nahmen, welche, wie es Frisch sehr wahrscheinlich macht, kein eigenes Wort ist, sonders aus der männlichen Endung - er gebildet worden, der man in manchen Mundarten ein müßiges t nachschleichen lässet, wie in Gansert für Ganser, Täubert für Täuber, Ebert für Eber. Durch Verwandlung des e in a und Vorsetzung des Hauches ward hart oder hard und im Lat. hardus daraus. Für Reiner sagte man daher erst Reinert und dann Reinhard, für Meiner Meinhard, für Berner, von bernen, brennen, leuchten, berühmt seyn, Bernhard, für Lehner Lehnhard, nd nach Lateinischer Form Leonhard, für Reicher Reichert und Reichhard, für Neider Neidhart u. s. f. S. - Er. Nur in manchen scheinet es doch wohl das Bey- und Nebenwort hart, tapfer, oder wie andere wollen, das Nieders. Hart, Herz, zu seyn; wie in Wolfhard, Eisenhart u. a. m. Wenn sich dieses Sylbe an eigenthümlichen Nahmen der Örter befindet, so gehöret sie nicht hierher, indem sie alsdann das alte Hart, (mit einem gedehnten a) ein gebirgiger Wald ist, S. 1. Harz.


-hart (W3) [Adelung]


-hard, oder -hart, eine Endsylbe vieler eigenthümlicher Deutscher Nahmen, welche, wie es Frisch sehr wahrscheinlich macht, kein eigenes Wort ist, sonders aus der männlichen Endung - er gebildet worden, der man in manchen Mundarten ein müßiges t nachschleichen lässet, wie in Gansert für Ganser, Täubert für Täuber, Ebert für Eber. Durch Verwandlung des e in a und Vorsetzung des Hauches ward hart oder hard und im Lat. hardus daraus. Für Reiner sagte man daher erst Reinert und dann Reinhard, für Meiner Meinhard, für Berner, von bernen, brennen, leuchten, berühmt seyn, Bernhard, für Lehner Lehnhard, nd nach Lateinischer Form Leonhard, für Reicher Reichert und Reichhard, für Neider Neidhart u. s. f. S. - Er. Nur in manchen scheinet es doch wohl das Bey- und Nebenwort hart, tapfer, oder wie andere wollen, das Nieders. Hart, Herz, zu seyn; wie in Wolfhard, Eisenhart u. a. m. Wenn sich dieses Sylbe an eigenthümlichen Nahmen der Örter befindet, so gehöret sie nicht hierher, indem sie alsdann das alte Hart, (mit einem gedehnten a) ein gebirgiger Wald ist, S. 1. Harz.


Harde (W3) [Adelung]


* Die Harde, plur. die -n, ein nur im Herzogthum Schleßwig übliches Wort, einen gewissen Landesbezirk von mehrern Dörfern oder einzelnen Höfen zu bezeichnen, worin die Ämter gemeiniglich getheilet zu seyn pflegen. Daher der Hardesvogt, der einer solchen Harde vorgesetzet ist. Es ist ein altes Nordisches Wort, welches im Schwed. und Isländ. Haerad lautet, und von Ihre zu dem alten Haer, ein Haufe, ein Heer, eine Horde gerechnet wird; S. diese Wörter. Im Angels. lautete es Hird, Hired, woraus durch Vorsetzung des Zischlautes das heutige Engl. Shire geworden, welches gleichfalls einen Landesbezirk bedeutet. Ein mehreres von diesem Worte kann man in Ihre's Glossario finden.


Hären (W3) [Adelung]


Hären, adj. et adv. von dem Hauptworte Haar, aus Haaren bestehend, aus Haaren verfertiget; im Oberdeutschen auch härin. Ein härenes Sieb. Eine härene Decke. Härine Kleider, 4 Esr. 16, 2. Ein häriner Sack, Offenb. 6, 12.


Hären (W3) [Adelung]


Hären, verb. reg. recipr. S. 1. Haaren.


Harfe (W3) [Adelung]


Die Harfe, plur. die -n, ein musikalisches Instrument, in Gestalt eines Dreyeckes, welches mit den Fingern gekniffen wird. Auf der Harfe spielen. Die Harfe spielen oder schlagen, auf der Harfe spielen können. S. Davids Harfe und Spitzharfe. Figürlich wird auch eine Kornfege oder Kornrolle, d. i. ein stehendes viereckiges Drahtsieb, vermuthlich um der Ähnlichkeit der Saiten willen, in einigen Gegenden eine Harfe, Schwed. Harpa, genannt. Die Deutsch redenden Wenden in Krain u. s. f. nennen einen an den Seiten offenen Schuppen, worin sie das Getreide trocknen, gleichfalls wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, eine Harpfe oder Harfe.

Anm. Schon bey dem Ottfried Harpha, bey den Schwäbischen Dichtern Harphe, im Angels. Hearpe, Earpe, im Engl. Harp, im Dän. Harpe, Schwed. Harpa, Isländ. Haurpa, Franz. Harpe, im Ital. und mittlern Lat. Harpa. Im Oberdeutschen spricht man sehr deutlich Harpfe, daher es auch von vielen so geschrieben wird; allein im Hochdeutschen lässet man weiter nichts als ein gewöhnliches f hören. Es ist ein sehr altes Instrument, welches, wenigstens seinen wesentlichen Theilen nach, schon zu Davids Zeiten bekannt war. Die Deutschen haben es vermuthlich von ihren Nachbarn, und mit demselben auch dessen Nahmen bekommen; daher Frischens Ableitung von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - eine Klaue, Sichel, im mittlern Lat. Harpa, wegen der zum Spielen nöthigen Krümme der Finger, und Dieterichs von Stade Ableitung von haren, schreyen, rufen, sehr ungewiß und willkührlich sind. S. indessen 2. Harfen. Jemanden an der Harpfen schlagen, oder mit Ruthen streichen, war in Straßburg im 14ten Jahrh. eine Art der Strafe.


Harfen (W3) [Adelung]


1. * Harfen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, auf der Harfe spielen, welches aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Wie kann man wissen, was gepfiffen oder geharfet ist? 1 Cor. 14. 7.


Harfen (W3) [Adelung]


2. Harfen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur zuweilen bey den Bergleuten gehöret wird. Auf dem Arschleder sitzend harfen, d. i. aus- und einschlupfen; im gemeinen Leben auch rutschen. Im Schwed. ist harfwa ziehen, raffen, scharren, Dän. harve, daher Harf daselbst auch eine Ege bedeutet, Engl. Harrow, S. Harke.


Harfenet (W3) [Adelung]


Das Harfenet, des -tes, plur. die -te, eine kleine Harfe, welche mit der Spitze in die Höhe stehet.


Harfenist (W3) [Adelung]


Der Harfenist, des -en, plur. die -en, der die Harfe zu spielen verstehet, besonders, wenn er daraus ein Geschäft macht; der Harfenspieler, oder Harfenschläger.


Harfenmuschel (W3) [Adelung]


Die Harfenmuschel, plur. die -n, eine einschällige gewundene Schnecke, deren Windungen nicht zu sehen sind, mit einer weiten und glatten Spalte; wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt.


Harfenuhr (W3) [Adelung]


Die Harfenuhr, plur. die -en, eine musikalische Uhr, wo kleine Hämmer an die Saiten anschlagen; wegen der Ähnlichkeit des Klanges.


Härin (W3) [Adelung]


Härin, adj. et adv. S. Hären.


Häring (W3) [Adelung]


Der Häring, des -es, plur. die -e, ein Seefisch, welcher besonders in den Nordischen Gewässern in großer Menge gefangen, und auf verschiedene Art zubereitet wird; Clupea Harengus L. Frischer oder grüner Häring, so wie er aus dem Wasser kommt. Gesalzener oder eingesalzener Häring, welcher auch nur Häring schlechthin genannt wird. Geräucherte Häringe, welche auch Bücklinge, und in Nieders. Flickhäringe heißen. Der volle Häring, welcher um Bartholomäi gefangen wird, da er noch voll Milch und Rogen ist.

Anm. Im Oberd. Haring, Nieders. Hering, im mittlern Lat. Harenga, im Ital. Arenga, im Angels. Haering, im Engl. Herring, im Holländ. Harink, im Franz. Hareng, im Böhm. Herynk. Weil dieser Fisch zu manchen Zeiten in großen Heeren nach fremden Küsten wandert, so leiten Wachter und andere dessen Nahmen von Heer her. Allein er scheinet vielmehr von dem Lat. Halec abzustammen, weil der Übergang des l in v und umgekehrt, etwas sehr gewöhnliches ist. Das n ist von nieselnden Mundarten eingeschaltet, und einige Gegenden sprechen noch ohne n Härig. Das Lat. Halec wird von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Salz, hergeleitet, weil man diesen Fisch sehr früh einzusalzen pflegte. Auf ähnliche Art heißt er im Dän. Sild, und im Schwed. Sill, vermuthlich auch von Salz. Weil man in der ersten Sylbe ein sehr deutliches ä hören lässet, so schreibet man auch dieses Wort richtiger mit diesem Selbstlaute als mit einem e, welches sich im Hochdeutschen bloß auf die unrichtige Ableitung von Heer gründet.


Häringer (W3) [Adelung]


Der Häringer, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, einen Höken zu bezeichnen, welcher vornehmlich mit Häringen handelt; der Häringekramer.


Häringsblick (W3) [Adelung]


Der Häringsblick, des -es, plur. die -e, der Blick oder blitzende Glanz, welchen die Häringe von sich geben, wenn sie in großen Haufen schwimmen.


Häringsbrühe (W3) [Adelung]


Die Häringsbrühe, plur. inus. 1) Die salzige Brühe von eingesalzenen Häringen; die Häringslake. 2) In den Küchen eine Brühe, zu welcher Häringe kommen.


Häringsbude (W3) [Adelung]


Die Häringsbude, plur. die -n, eine Bude, in welcher gesalzene Häringe verkauft werden.


Häringsbüse (W3) [Adelung]


Die Häringsbüse, plur. die -n, eine Büse, oder kleines Schiff, so fern es zum Häringsfange gebraucht wird. S. Büse.


Häringsfang (W3) [Adelung]


Der Häringsfang, des -es, plur. inus. der Fang des Häringes. Auf den Häringsfang gehen, segeln.


Häringsjäger (W3) [Adelung]


Der Häringsjäger, des -s, plur. ut nom. sing. in Holland, ledige Jagdschiffe, welche den Häringsbüsen, wenn sie auf dem Häringsfange sind, entgegen fahren, ihnen allerley Bedürfnisse zuführen, und die gefangenen Fische abnehmen. S. Jäger.


Häringskrämer (W3) [Adelung]


Der Häringskrämer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Höfe, welcher Häringe verkauft; Fämin. die Häringskrämerinn, im gemeinen Leben die Häringsfrau, oder das Häringsweib.


Häringslake (W3) [Adelung]


Die Häringslake, plur. inus. S. Häringsbrühe und Lake.


Häringsmeve (W3) [Adelung]


Die Häringsmeve, plur. die -n, eine Art Meven, welche den Häringen nachstellet; Larus fuscus L. et Klein.


Häringsnase (W3) [Adelung]


Die Häringsnase, plur. die -n, im Scherze, eine Benennung einer stumpfen Nase, wegen der Ähnlichkeit mit dem stumpfen Kopfe eines Häringes.


Häringstonne (W3) [Adelung]


Die Häringstonne, plur. die -n, eine Tonne, worin eingesalzene Häringe befindlich sind, oder gewesen sind.


Harke (W3) [Adelung]


* Die Harke, plur. die -n, eine nur im Nieders. und im gemeinen Leben der Obersachsen übliche Benennung desjenigen Garten-Instrumentes, welches im Hoch- und Oberdeutschen ein Rechen genannt wird, S. dasselbe. Daher harken, mit der Harke bearbeiten, rechen.

Anm. Im Engl. Harrow, im Dän. Harve, im Schwed. Harf, im Franz. Herce, im mittlern Latein Hercia, welches auch eine Ege bedeutet. Harke und Rechen, Engl. Rake, scheinen bloß durch Versetzung der Buchstaben aus einander entstanden zu seyn. Im Nieders. ist raken raffen, Angels. raccian.


Harlekin (W3) [Adelung]


Der Harlekin, des -es, plur. die -e, aus dem Französ. Harlequin, und dieß aus dem Ital. Arlequino, die lustige Person, besonders auf der Schaubühne; in den niedrigen Sprecharten der Hanswurst, S. Hans. Das Ital. Arlequino soll von einem kurzweiligen Dorfpfarrer in Toscana, Nahmens Piovano Arlotto, seinen Ursprung haben. In der Naturgeschichte führet auch eine Art Käfer den Nahmen des Harlekines, siehe Gaukler.


Harlekinsspecht (W3) [Adelung]


Der Harlekinsspecht, des -es, plur. die -e, die kleinste Art der bunten Spechte; Picus minor L. Picus varius minimus Klein. Vielleicht wegen einiger Ähnlichkeit seiner Farben mit den bunten Harlekinskleidern.


Harm (W3) [Adelung]


Der Harm, des -es, plur. inus. ein Wort, welches besonders in der höhern Schreibart für Gram gebraucht wird, und so wie dieses, einen hohen Grad der anhaltenden Betrübniß über ein Übel bezeichnet. Soll mir der Harm das Blut aus allen Adern saugen? Opitz.

Anm. Es lautet schon bey dem Ottfried Harm und Hermido, Härmde, bey dem Willeram Hermesal, gleichsam Harmsal, im Dän. und Schwed. gleichfalls Harm. Es scheint durch Versetzung der Buchstaben aus Gram entstanden zu seyn, welches bey dem r nichts ungewöhnliches ist; S. R. Es bedeutet daher im Schwed. so wie Gram auch eine anhaltende mit Widerwillen verbundene Abneigung. Nach einer nicht ungewöhnlichen Figur bedeutet Harm bey dem Tatian die Wirkung dieser Abneigung, nehmlich Verleumdung, und harmen verleumden. Hingegen ist im Angels. Hearm, und im Engl. Harm, Schaden, Unglück, und im Angels. hearman schaden. Das Nieders. karmen, wehklagen, schreyen, scheinet nicht hierher zu gehören, sondern zu dem Wallis. Garme, Carm, welches ein jedes Geschrey, besonders das Geschrey bey dem Anfange einer Schlacht bedeutet, wovon auch das Franz. Vacarme abstammet. Siehe Jammer.


Harmel (W3) [Adelung]


Die Harmel, plur. die -n. 1) Eine in Ägypten, Klein-Asien und Sibirien befindliche Pflanze; Peganum Harmala L. 2) In Meißen wird die Kamille, Anthemis nobilis L. im gemeinen Leben nur Härmelchen oder Hermelchen genannt.


Härmelin (W3) [Adelung]


Härmelin, S. Hermelin.


Härmen (W3) [Adelung]


Härmen, verb. reg. act. welches in der edlen und höhern Schreibart am häufigsten ist, aber nur als ein Reciprocum gebraucht wird; sich härmen, Harm empfinden, dem Harme nachhängen. Und Bachides härmte sich sehr, daß sein Anschlag vergeblich war, 1 Macc. 9, 68. Hierüber darfst du dich nicht härmen, Lichtw. Sich um etwas härmen. Sich zu Tode härmen. S. Harm.


Harmlos (W3) [Adelung]


Harmlos, -er, -este, adj. et adv. des Harmes oder Grames beraubet, ohne Harm, in der höhern Schreibart. Die harmlose Ruhe, Klopst. Im Oberdeutschen auch so viel als unschädlich. Ein harmloses Geschöpf.


Harmonica (W3) [Adelung]


Die Harmonica, plur. die -a's, von dem Lat. harmonicus, der Nahme eines musikalischen Instrumentes, welche aus zusammen gefügten gläsernen Glocken bestehet, welche mit den Fingern berührt werden. Es ward 1760 von einem Irländer erfunden und von Franklin verbessert.


Harmonie (W3) [Adelung]


Die Harmonie, (dreysylbig,) plur. die -n, (viersylbig,) aus dem Griech. und Lat. Harmonia. 1) Die Übereinstimmung oder Zusammenstimmung der Theile eines Ganzen unter und gegen einander; ohne Plural. So bedeutet es in er Mahlerey so wohl die Zusammenstimmung der Figuren, als auch der Farben, in der Tonkunst die Zusammenstimmung der Töne, welche einige den Zusammenklang nennen u. s. f. Kein Mißton stört die süße Harmonie, Geßn. Eine Welt im Kleinen, eine Welt voll Weisheit und Harmonie, Gell. Im gemeinen Leben wird es auch häufig von der Übereinstimmung des Willens, der Neigungen gebraucht. In der besten Harmonie mit einander leben. Die Harmonie einer Familie stören. In der Zergliederungskunst wird diejenige Verbindung der Knochen, wo nur glatte Ränder zusammen stoßen verbinden, die Harmonie genannt. 2) Zusammen stimmende Dinge, besonders zusammen stimmende Töne.


Harmonisch (W3) [Adelung]


Harmonisch, -er, -te, adj. et adv. zusammen stimmend, überein stimmend. Was entzückt mehr als die schöne Natur, wenn sie in harmonischer Unordnung ihre unendlichen mannigfaltigen Schönheiten verwindet? Gesn. Harmonische Töne flossen, jetzt von ihren Lippen, harmonischer, als noch kein Mädchen gesungen hatte, ebend. Harmonische Empfindungen gleich gestimmter Seelen, Dusch.


Harn (W3) [Adelung]


Der Harn, des -es, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, der Urin, so wohl von Menschen, als von Thieren; ein Oberdeutsches Wort, welches in den gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen unbekannt ist, und nur zuweilen im Schreiben, besonders von den Ärzten gebraucht wird. Den Harn lassen, harnen. Den Harn besehen. Es scheinet, wie schon Frisch vermuthet, aus Urin verderbt zu seyn, oder vielmehr mit demselben aus einer gemeinschaftlichen ältern Quelle abzustammen. S. Urin. Die folgenden Zusam- mensetzungen sind in dem gewöhnliches Hochdeutschen Sprachgebrauche eben so ungewöhnlich, als das einfache Wort, und kommen so wie dieses nur in Büchern vor.


Harnblase (W3) [Adelung]


Die Harnblase, plur. die -n, in der Anatomie, die Blase im Unterleibe, worin sich der Harn sammelt; die Urinblase.


Harnen (W3) [Adelung]


Harnen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, den Harn lassen, sein Wasser lassen; im gemeinen Leben der Meißner schollen. S. Urin.


Harnfluß (W3) [Adelung]


Der Harnfluß, des -sses, plur. die -flüsse, der Fluß oder Abgang des Urines wider Wissen und Willen, Diamnes, Diabetes; ein Zufall, welcher von der Schlaffheit des Schließ-Muskels der Harnblase herrühret.


Harngang (W3) [Adelung]


Der Harngang, des -es, plur. die -gänge, in der Anatomie, Gänge oder Röhren mit einer wurmförmigen Bewegung, welche den in den Nieren abgesonderten Harn in die Harnblase führen; Ureter, Harnwege.


Harngeist (W3) [Adelung]


Der Harngeist, S. Uringeist.


Harnglas (W3) [Adelung]


Das Harnglas, des -es, plur. die -gläser, ein Glas worin der Harn zur Besichtigung für den Arzt aufbehalten wird; das Uringlas.


Harnhaut (W3) [Adelung]


Die Harnhaut, plur. die -häute, bey den Ärzten, eine salzige Haut, welche sich zuweilen auf dem Harne zeiget, und verschiedene Farben spielet; die Urinhaut.


Harnisch (W3) [Adelung]


Der Harnisch, des -es, plur. die -e. 1) Eine eiserne oder stählerne Bekleidung des ganzen Leibes und seiner Theile, zur Sicherheit im Kriege; welche bey den Soldaten am häufigsten ein Küraß genannt wird. Der volle Harnisch, die ganze Rüstung, womit man sich vom Haupte bis auf die Füße bekleidet. Der Brustharnisch, so fern diese Rüstung nur die Brust bedeckt; ehedem die Brüne, die Platte. Auch der Helm kam ehedem zuweilen unter dem Nahmen des Kopf- oder Hauptharnisches vor. Einen Harnisch anlegen. Jemanden in den Harnisch jagen, oder treiben, figürlich; ihn zornig machen, in Zorn setzen. In Harnisch gerathen, zornig werden, sich entrüsten. Im Bergbaue ist der Harnisch figürlich, die Ablösung des Erzes von dem Gesteine, im Hangenden oder Liegenden. Der Gang führet einen glatten Harnisch, wenn er sich von dem Gesteine gut ablöset. 2) An den Stühlen der Seidenweber, werden der Rahmen, die Arkaden, die Oberlitzen, das Glasauge und die Unterlitzen zusammen genommen, der Harnisch, Franz. le Corps, genannt. Vielleicht nach dem Ital. Arnese, welches allerley Geräth und Werkzeug bedeutet. Bey den Damastwebern machen die Garnschnüre, welche die Kette hinten am Stuhle senkrecht durchschneiden, den Harnisch aus. Sie durchbohren ein hölzernes Bret, welches daher das Harnischbret oder die Planke genannt wird.

Anm. In den mittlern Zeiten in der ersten Bedeutung, Harnachs, im Schwabensp. Harnasch, im mittlern Lat. Harnascha, im Engl. Harness, im Franz. Harnois, Harnas, im Span. Arnes, im Ital. Arnese, im Dän. und Schwed. Harnesk, im Isländ. Harneskia. Hickes leitete es von dem Goth. Hairus, das Hirn, Gehirn, her, als wenn anfänglich nur allein der Helm, den Nahmen des Harnisches geführet hätte, welches aber unerweislich ist. Wachters und Frischens Ableitung von ähren, ehern eisern, Wallis. Hajarn, Eisen, Angels. iren. eisern, ist um ein gutes Theil wahrscheinlicher. Harnisch würde alsdann überhaupt ein jedes eisernes Geräth oder Werkzeug bedeuten, und daher ließe sich denn erklären, warum Arnese im Ital. noch jetzt von allerley Geräth gebraucht wird. Indessen muß doch auch das mittlere Lat. Garnachia, Garnacia, Guarnacia, Ital. Guarnaccia, in Betrachtung gezogen werden, welches sehr häufig vorkommt, und ein langes Kleid bedeutet, Vesle longa che si porta di sopra forse Zimarra; man müßte denn beweisen können, entweder, daß dieses ein von Harnisch ganz verschiedenes Wort sey, oder daß man ein langes Kleid nur nach einer Figur einen Harnisch genannt habe. Das mittlere Lat. garnire, Franz. garnir, welches eigentlich bedecken, mit allem Nöthigen versehen, ausrüsten, bedeutet, ist bekannt. Davon bedeutete Garniso unter andern auch eine Art der Rüstung, welche vermuthlich nicht anders als ein Harnisch war. S. des du Fresne und Carpentier Gloss. und von diesem Garniso lässet sich sehr bequem so wohl unser Harnisch, als auch das vorhin gedachte Garnachia, ein langes Kleid, ableiten. Über dieß ist bekannt, daß der Harnisch keine Deutsche Erfindung ist, sondern uns erst durch die Italiäner und Franzosen bekannt geworden, da man denn von ihnen zugleich den Nahmen mit angenommen haben kann.


Harnischbret (W3) [Adelung]


Das Harnischbret, des -es, plur. die -er, S. Harnisch 2.


Harnischen (W3) [Adelung]


Harnischen, verb. reg. act. mit einem Harnische versehen, bekleiden, von welchem aber nur das Mittelwort geharnischt, in Gestalt eines Bey- und Nebenwortes üblich ist. Ihre Geharnischte werden sich nicht wehren können, Ier. 51, 3. Geharnischt den Bogen führen, Ps. 87. 9. Geharnischt seyn. Geharnischte Reiter, welche am häufigsten Kürassier genannt werden.


Harnischhaus (W3) [Adelung]


* Das Harnischhaus, des -es, plur. die -häuser, ein veraltetes Wort, ein Zeughaus zu bezeichnen, welches noch Nehem. 3, 19 vorkommt. 2 Kön. 20, 13 befindet sich auch das gleichfalls ungewöhnliche Harnischkammer in der Bedeutung einer Rüstkammer. Ehedem, als die Harnische noch ein nothwendiges Stück der Rüstung im Kriege ausmachten, nannte man den Zeugmeister, oder Aufseher des Zeughauses, auch den Harnischmeister.


Harnischmächer (W3) [Adelung]


Der Harnischmächer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Waffenschmiede, welche sich vornehmlich mit Verfertigung der eisernen oder stählernen Harnische beschäftigen, und auch Plattner genannt werden, von Platte, der Brustharnisch. Ehedem hießen sie Harnischer.


Harnkolben (W3) [Adelung]


Der Harnkolben, des -s, plur. ut nom. sing. bey einigen Scheidekünstlern, eine Benennung der größten Art Kolben, dergleichen die sind, worin man den Urin zu distilliren pfleget; der Urinkolben.


Harnkraut (W3) [Adelung]


Das Harnkraut, des -es, plur. inus. 1) Eine Pflanze, welche den Urin Stark treibet und auch Bruchkraut genannt wird; Herniaria L. 2) Auch das Flachskraut, Antirrhinum linaria L. wird an einigen Orten Harnkraut genannt; Norw. Hörurt. 3) Bey einigen führet auch die Reseda L. diesen Nahmen, von welcher diejenige, welche bey uns wild wächset, und in der Färberey gebraucht wird, Reseda luteola L. am häufigsten Wau genannt wird. Das wohl riechende Harnkraut, Reseda odorata L. welches in Ägypten einheimisch ist, ist unter dem Latein. Nahmen Reseda am bekanntesten.


Harnprophet (W3) [Adelung]


Der Harnprophet, des -en, plur. die -en, eine scherzhafte und zugleich verächtliche Benennung eines Arztes, der ein übertriebenes Vertrauen auf die Kenntniß des Urines setzet; der Harn-Doctor, Harngucker, im Nieders. Miegenkiker, von Miege, Harn.


Harnröhre (W3) [Adelung]


Die Harnröhre, plur. die -n, in der Zergliederungskunst, eine Röhre am Wunde der Blase der menschlichen und thierischen Körper, durch welche der Harn aus dem Körper abfließet; Urethra.


Harnruhr (W3) [Adelung]


Die Harnruhr, plur. inus. bey den Ärzten, so wohl eine häufigere und öftere Ausleerung des Harnes, welche mehr als das genossene Getränk beträget, Diabethes notha; als auch derjenige häufige Abgang des Harnes, wo derselbe wie das genossene Getränk aussieht, welcher Abgang mit großer Hitze, Durst und Abzehrung verbunden ist, Diabetes vera. S. auch Milchharn.


Harnsalz (W3) [Adelung]


Das Harnsalz, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein Salz, welches man erhält, wenn man den Harn bis zur Honigdicke abrauchen läßt; Urinsalz.


Harnstrenge (W3) [Adelung]


Die Harnstrenge, plur. von mehrern Arten, die -n, bey den Ärzten, ein beschwerliches mit Hitze und Brennen in dem Blasenhalse und der Harnröhre verbundenes Harnen; Dysuria, der Harnzwang. Ein hoher Grad derselben, wo der Urin nur tropfenweise abgehet, Stranguria, wird die Harnwinde, und in den niedrigen Sprecharten, die kalte Pisse, die kalte Seiche, genannt; Schwed, Kallpiss, Holländ. Koude-Pisse, Engl. cold Evil, Franz. Chaude-Pisse, woraus anth das mittlere Lat. Culbicio gebildet worden. Der letzte und höchste Grad ist die Harnverstopfung, Ischuria, wenn der Harn völlig zurück gehalten wird.


Harntreibend (W3) [Adelung]


Harntreibend, adj. et adv. den Abfluß des Harnes befördernd. Harntreibende Mittel, in der Arzeneykunde, Diuretica.


Harnverstopfung (W3) [Adelung]


Die Harnverstopfung, plur. inus. S. Harnstrenge.


Harnweg (W3) [Adelung]


Der Harnweg, des -es, plur. die -e, S. Harngang.


Harnwinde (W3) [Adelung]


Die Harnwinde, plur. von mehrern Arten, die -n, siehe Harnstrenge. Winde scheinet hier das Winden und Krümmen auszudrucken, welches die mit dieser Krankheit verbundenen Schmerzen verursachen. In weiterer Bedeutung ist Harnwinde zuweilen ein allgemeiner Ausdruck, welcher alle drey oben gedachte Gebrechen des Harnes unter sich begreift.


Harnzwang (W3) [Adelung]


Der Harnzwang, des -es, plur. inus. S. Harnstrenge.


Harpune (W3) [Adelung]


Die Harpune, plur. die -n, bey den Wallfischfängern, ein Wurfspieß mit Widerhaken, an einem langen Seile, welcher dem Wallfische und andern großen Fischen in den Leib geworfen wird, sie damit zu tödten. Im Franz. Harpon, im Engl. Harpoon, im Dän. Harpun, im mittlern Latein Harpo, von Harpa, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine krumme Sichel, eine Klaue, ein Haken. Bey einigen ist es männlichen Geschlechtes, der Harpun, des -es, plur. die -e.


Harpunirer (W3) [Adelung]


Der Harpunirer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, dessen Geschäft es ist, die Harpune den großen Fischen in den Leib zu werfen. Figürlich wird auch eine Art Amerikanischer Vögel mit einem langen nagelförmigen Schnabel im Gestalt einer Harpune, womit sie aus der Luft auf die Fische stoßen, Harpunirer genannt; Jaculator Klein.


Harpye (W3) [Adelung]


Die Harpye, plur. die -n, dem Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , in der Fabellehre der Griechen, zwey oder nach andern drey Ungeheuer, mit weiblichen Gesichtern und schönen Haaren, welche aber Geyerflügel, Bärenohren und Hände mit fürchterlichen Klauen hatten, und dem Thracischen Könige Phineas zur Plage zugeschickt wurden.


Harre (W3) [Adelung]


* Die Harre, plur. car. welches nur noch in einigen R. A. im gemeinen Leben üblich ist. Das thut in die Harre kein Gut, in die Länge der Zeit. Etwas in die Haare ziehen, in die Länge. S. das folgende.


Harren (W3) [Adelung]


Harren, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und im Oberdeutschen für warten am üblichsten ist. Noah harrete noch andere sieben Tage, 1 Mos. 8, 12. Sieben Tage sollt du harren bis ich zu dir komme. 1 Sam. 10, 8. Ingleichen für zaubern, eine Handlung aufschieben. Harre nicht mit Besserung deines Lebens, Sir. 18, 22. Harre hie, harre da, hie ein wenig, da ein wenig, Es. 28, 10, 13. Auch im guten Verstande. Darum harret der Herr, daß er euch gnädig sey, Es. 30, 18. Da Gott einsmahls harrete und Geduld hatte, zu den Zeiten Noä, 1 Petr. 3, 20. Ferner mit dem Vorworte auf, oder statt dessen mit der zweyten Endung. Wenn ihr zusammen kommet zu essen, so harre einer des andern, 1 Cor. 11, 33. Sie harrt nur auf Gelegenheit, Wiel. Wo es zuweilen auch für hoffen gebraucht wird. Daß ich so lang muß harren auf meinen Gott, Ps. 69, 4. Harre auf Gott, Ps. 62, 6, 12. Harre sein nur, Hiob. 35, 14. Ob sie (die Weißagung) aber verzeucht, so harre ihr, sie wird gewißlich kommen, Hab. 2, 3. Im Hochdeutschen gebraucht man es so wohl absolute, als auch mit dem Vorworte auf, oder statt dessen nach Art der Oberdeutschen mit der zweyten Endung des Nennwortes, wo es in engerer Bedeutung ein anhaltendes ängstliches und doch mit Geduld verbundenes Warten und Hoffen bezeichnet. Harre, und du wirst sehen, daß die Übel zu deinem größern Glücke dienen, Gell. Traurig harrte die bange Natur im erkaltenden Schauder, Zach. Die Völker haben dein geharret, Gell. Lieb. Harr seiner meine Seele, Harr und sey unverzagt, ebend. Herauf, o Sonne, lange schon harret dir der Bard' entgegen, Denis. Es klingt daher alle Mahl widrig, wenn ungeschickte Schriftsteller da harren, wo vernünftige Personen nur warten würden.

Anm. Im Nieders. bedeutet harren in engerer Bedeutung aushalten, ausdauern; ich kann hier nicht harren, nicht aushalten. Es ist sehr wahrscheinlich, das es von hart abstammet, so wie das Lat. durare von durus gebildet ist; welches aus den verwandten Sprachen, welche das t behalten haben, noch deutlicher wird. Im Schwed. ist framhärda und uthärda ansharren, verharren, ehedem auch im Hochdeutschen geherten, und selbst unser währen und warten kann vermittelst der nicht ungewöhnlichen Verwechselung der Hauch- und Blaselaute davon abstammen. Daß das Lat. haerere, und vielleicht auch das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, zaubern, zurück bleiben, gleichfalls dahin gehören, wird demjenigen nicht unwahrscheinlich däuchten, der die Verwandtschaft aller Asiatischen und Europäischen Sprachen unter einander kennet. S. Hart, Währen und Warten.


Harsch (W3) [Adelung]


Harsch, -er, -este, adj. et adv. welches für hart üblich ist, doch nur in solchen Fällen, wo die Härte von der Wegdünstung des flüssigen oder feuchten Körpers, oder von dessen Gerinnung herrühret. Eine Wunde bekommt eine harsche Rinde. Siehe Schurf. Eine Brotrinde harsch, wenn sie sehr trocken und hart ist. Im Oberdeutschen gebraucht man es auch für rauh. Eine harsche Haut, eine rauhe Haut. Selbst im figürlichen Verstande, eine harsche Luft, eine rauhe, herbe, unfreundliche Luft. Anm. Im Engl. harsh, harrish, yarrish, im Schwed. harsk, im Nieders. barsch, basch. Es scheinet gleichfalls zu hart zu gehören, an welchem Worte das t, wie aus harren er- hellet, nicht wesentlich ist. Über dieß sind die Verwechselungen des t und s oder sch in den Mundarten etwas sehr gewöhnliches. S. auch Herbe, Beharschen und Verharschen.


Harschhorn (W3) [Adelung]


Das Harschhorn, des -es, plur. die -hörner, siehe Heerhorn.


Harschlächtig (W3) [Adelung]


Harschlächtig, S. Herzschlächtig.


Hart (W3) [Adelung]


Hart, härter, härteste oder härtste, adj. et adv. 1. Eigentlich, wo es diejenige Eigenschaft der Körper bezeichnet, nach welcher sie vermögend sind, einer leidentlichen Veränderung oder einem Stoße zu widerstehen, im Gegensatze des weich. In diesem schärfsten wissenschaftlichen Verstande ist ein jeder Körper hart, weil ein jeder ein gewisses Vermögen hat, einer leidentlichen Veränderung zu widerstehen. Allein im gemeinen Leben wird dieser Ausdruck alle Mahl verhältnißweise gebraucht, und da bezeichnet es einen merklichen und hohen Grad dieses Vermögens, so wohl überhaupt, da er vermögend ist, den gewöhnlichsten Eindrücken mehr zu widerstehen als ein anderer Körper. So nennet man alle Steine hart, weil sie den gewöhnlichsten Arten des Stoßes widerstehen. Der Demant ist der härteste unter allen bekannten Körpern. Sprichw. Auf einen harten Ast gehört ein harter Keil. Als auch mit noch näherer Beziehung auf einen weichern Körper eben dieser Art. Eine harte Haut, harte Hände haben. Hartes Holz, wohin man eichenes, büchenes, ahornes, birkenes Holz u. s. f. rechnet, im Gegensatze des weichen. Hart gesottene Eyer, harte Eyer, im Gegensatze der weich gesottenen. Das Fleisch ist hart gesotten, ob es gleich in Vergleichung mit Holz, Steinen u. s. f. weich genug ist. Harte Steine nennet man in der Mineralogie diejenigen, welche sich nicht mit dem Messer schaben lassen. Hartes Brot, eine harte Rinde, eine harte Schale. Ein hartes Wasser, welches viele erdige Theile bey sich hat. Hartes Getreide, oder Hartkorn, in der Landwirthschaft, Rocken, Weizen und Gerste, im Gegensatze des weichen, d. i. des Hafers. Hingegen zählet man zum harten Futter oder zum Hartfutter, eben daselbst, alles Getreide, mit Einschluß des Hafers und der Erbsen, im Gegensatze des rauchen Futters, d. i. des Strohes, Heues und Grummetes. Harte Schlacken, im Bergbaue, frische Schlacken. Hartes Bley, oder Hartbley, eben daselbst, welches im Abtreiben von dem Silber geschieden wird. Hartes Geld, ganzes oder grobes Geld, im Gegensatze des einzelnen Geldes oder der Münze. Zuweilen auch mit näherer Beziehung auf die Empfindung. Diese Speise liegt hart im Magen. Auf der harten Erde liegen. Die Erde ist ein hartes Lager. 2. Figürlich, wo dieses Wort in sehr vielen uneigentlichen Fällen gebraucht wird, wo das Bild theils von dem Widerstande der harten Körper selbst, theils von der Mühe, die man anwenden muß denselben zu überwinden, theils endlich auch von der dadurch verursachten unangenehmen Empfindung entlehnet ist. 1) In Ansehung des Widerstandes harter Körper gegen eine leidentliche Veränderung. (a) Vermögen oder Fertigkeit besitzend, bey sinnlichen Eindrücken von außen zu widerstehen, oder solche nicht zu empfinden. Hart gewöhnet seyn, den Eindrücken der Witterung, den Beschwerden widerstehen können, im Gegensatze des weichlich oder zärtlich. Ein Kind hart erziehen. Sich hart halten, nicht weichmüthig werden, im Nieders. aber auch, frisch und gesund seyn. Die Ebräischen Weiber sind harte Weiber, ehe die Wehmutter zu ihnen kommt, haben sie geboren. 2 Mos. 1, 19. S. Abhärten. Ein Harter Schlaf, ein fester, Es. 29, 10. Ich war so hart entschlafen, daß ich nicht erwachte, Opitz. Ein hartes Leben, ein zähes Leben, welches nicht leicht abzukürzen oder zu Überwinden ist. Ein harter Bezahler; der schwer zur Bezahlung zu bringen ist. (b) Im moralischen Verstande. (aa) Eine harte Stirn haben, unverschämt seyn, Fertigkeit besitzen den Empfindungen der Scham zu widerstehen. (bb) Fertigkeit besitzend, den Bewegungsgründen zu widerstehen, unbiegsam. Einen harten Kopf, einen harten Sinn, einen harten Nacken haben. Ein harter Sinn, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Das Herz Pharao ist hart, er wegert sich das Volk zu lassen, 2 Mos. 7, 14. Aber die Kinder, zu welchen ich dich sende, haben harte Köpfe, und verstockte Herzen, Ezech. 2, 4. Denn das ganze Haus Israel hat harte Stirnen und verstockte Herzen, Kap. 3, 7. Sprichw. Hart wider hart thut niemahls gut, wofür man auch sagt, zwey harte Steine mahlen selten klein. S. Hartnäckig. (cc) Den Empfindungen des Mitleidens widerstehend, Fertigkeit besitzend, bey anderer Noth unempfindlich zu seyn, und in dieser Gesinnung gegründet; im Gegensatze des weich. Ein hartes Herz haben. Sich hart halten, nicht gerühret, nicht weichherzig werden. Hart gegen jemanden seyn, mehr in leidentlicher Bedeutung, so wie einem hart seyn, mehr thätiges mit in sich lässet. Ein harter Orden. Sey nicht hart gegen den Dürftigen, Sir. 4, 1. (dd) Fertigkeit besitzend, den Glimpf, die Mäßigung in Beurtheilung des Verfahrens anderer und in dem Widerstande gegen ihr unrechtmäßiges Verhalten zu unterlassen, und in dieser Fertigkeit gegründet. Ein harter Richter. Eine harte Strafe. Etwas sehr hart bestrafen. Jemanden sehr hart anreden. Eine harte Antwort. Einem harte Vorwürfe machen. Das ist zu hart. Wo es oft ein glimpflicher und anständiger Ausdruck für grob ist. (a) Einen harten Kopf haben, in Niedersachsen, einen ungelehrigen, wofür man in Obersachsen sagt, einen schweren Kopf haben. (c) Als ein Nebenwort wurde es ehedem auch häufig für sehr nahe gebraucht, weil in der Nähe der Widerstand alle Mahl stärker ist; in welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen seltener zu werden anfängt. Hart unter den Leisten sollen die Ringe seyn, 2 Mos. 25, 27. Daß es auf dem Leibrock hart anliege, Kap. 28, 28. Ein groß Volk wird sich erregen, hart an unserm Lande, Jer. 6, 22. Hart an der Mauer wohnen. Er blieb hart an der Thür die Stirne runzelnd stehen, Zachar. Zwey Kinder spielten einst hart an des Pico Fuß, Lichtw. Die Niedersachsen sagen dafür dicht nach eben derselben Figur. Das Schwed. hardt bedeutet gleichfalls nahe. 2) In Rücksicht auf die Mühe, welche man anwenden muß, den Widerstand harter Körper zu überwinden, mit Mühe verbunden, doch nur in einigen Fällen. Einen harten Leib, einen harten Stuhlgang haben. S. Hartleibig. Das wird hart halten, es wird schwer, nicht anders als mit Mühe zu bewerkstelligen seyn. Hart hören, schwer, mit Mühe hören, etwas taub seyn, S. Harthörig. Das gehet ihm hart ein, sehr schwer. Harte Buchstaben, in der Sprachkunst, das p, t und k, im Gegensatze der weichen b, d und g, weil sie im Aussprechen mehr Mühe und Anstrengung erfordern. Vielleicht gehöret hierher auch die harte Tonleiter in der Musik, wo die Terz zwey ganze Töne in drey Stufen enthält, und welche auch die große genannt wird, zum Unterschiede von der weichen oder kleinen. 3) In Rücksicht auf die Empfindung, wo es in vielen Fällen theils einen sehr merklichen Grad einer unangenehmen Empfindung bezeichnet, theils überhaupt für sehr gebraucht wird. (a) In den schönen Künsten gebraucht man dieses Wort in vielen Fällen von solchen Fehlern, welche eine unangenehme Empfindung bey dem Zuschauer oder Zuhörer zurück lassen. Eine harte Figur, in der Redekunst, eine übertriebene Metapher, Katachresis. Harte Verse, in der Dichtkunst, im Gegensatze der fließenden. Ein harter Keim. Eine harte Schreibart. Eine harte Manier, ein harter Pinsel, bey den Mählern, wenn die hellen Farben zu nahe an den dunkeln stehen und nicht gehörig vertrieben sind, ingleichen wenn die Umrisse nicht gehörig vermischt sind, welches auch trocken genannt wird; im Gegensatze der weichen oder sanften Manier. Ein Bildhauer arbeitet hart und trocken, wenn seiner Arbeit das Markige und die gehörige Politur fehlet. (b) Ein wenig sauer, im gemeinen Leben. Das Bier schmeckt hart, wenn es anfängt sauer zu werden; Schwed. hard. Auf ähnliche Art sagten die Römer vinum durum. S. Härtlich und Härtling. (c) In einem sehr merklichen Grade unangenehm, schmerzhaft, empfindlich, beschwerlich, doch nur in einigen bereits eingeführten Fällen, in welchen man dafür auch schwer, und im gemeinen Leben zuweilen auch sauer gebraucht. Einen harten Fall thun. Eine harte Krankheit ausgestanden haben. Ich habe dafür hart genug büßen müssen. Das ist ein harter Gang. Harte Arbeit verrichten. Eine harte Dienstbarkeit, Sklaverey. Ein harter, sehr kalter, Winter. Es sind harte Zeiten. Eine harte (sehr unangenehme,) Nothwendigkeit. Es ist etwas sehr hartes, sich einen Narren vorgezogen sehen. Ein hartes Schicksal. Hartes (stürmisches,) Wetter auf der See. Ein Pferd trabet hart, gehet einen harten Trab, wenn der Trab dem Reiter unangenehme Empfindungen macht,. (d) In noch weiterer Bedeutung, eine bloße Intension, einen hohen Grad der innern Stärke zu bezeichnen; in welcher Bedeutung es im Hochdeutschen größten Theils veraltet ist. Eine harte Belagerung. Ein harter, heftiger, Streit oder Kampf. Wo der Streit am härtesten ist, 2 Sam 11, 15. Mit harter Mühe, mit großer, schwerer Mühe. Besonders als ein Adverbium für sehr; ein im Hochdeutschen gleichfalls veralteter Gebrauch. Ich bin so harte niht verzaget, einer der Schwäbischen Dichter. Harto bistu herti, Ottfr. du bist sehr hart. Fürwittig erschrack des gar hart, Theuerd. Kap. 15. Und sie drungen hart auf den Mann Lot, 1 Mos. 19, 10. Seit dem hat er das Volk noch härter geplagt, 2 Mos. 5, 23. Und schlug sie hart, Richt. 15, 8. Wer die Nasen hart schneutzet, zwinget Blut heraus, Sprichw. 30, 33. Deß erschrack Belsazar noch härter, Dän. 5, 9. Und so in andern Stellen mehr. Doch sagt man auch im Hochdeutschen, jemanden hart zusetzen, hart in ihn dringen. Auf ähnliche Art stammet das Lat. valde von validus ab. Das Schwed. harla bedeutet gleichfalls sehr. Anm. Bey dem Ulphilas hardus, bey dem Kero und Ottfried harto, im Nieders. hard und harde, im Angels. heard, im Engl. hard, im Isländ. hardur, im Dän. haard, im Schwed. hardt. Ehedem bedeutete es auch groß, fest, stark, tapfer u. s. f. Das Span. harto ist noch für viel üblich, und das Franz. hardi, kühn, stammet gleichfalls davon ab. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, stark, tapfer, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, sehr, kommen genau damit überein, so wie das Lat. arduus selbst einige figürliche Bedeutungen beybehalten hat. S. auch Harren, Harsch und Herb. Wenn man auf den sehr gewöhnlichen Übergang des r in l und dieses in jenes siehet, so wird man auch die Verwandtschaft zwischen hart und halten and dem Lat. validus, im Nieders. wählig, nicht ver- kennen können. Sagt man doch im Oberdeutschen noch jetzt erhalten, für erhärten, beweisen; im Braunschweigischen heren, für halten, erfüllen, und im Nieders. heerden, beheerden, für halten. S. auch Held. Übrigens ist für hart in der eigentlichen Bedeutung im Bergbaue auch gällig, klammgällig, klemmig, im Nieders. rog, (Lat. rigidus,) üblich; so wie man manche besonders Arten der Härte im Hochdeutschen durch harsch, spröde, zähe u. s. f. ausdruckt.


Hart (W3) [Adelung]


Der oder die Hart, ein gebirgiger Wald, S. 1. Harz.


Hartbley (W3) [Adelung]


Das Hartbley, des -es, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, S. Hart 1.


Härte (W3) [Adelung]


Die Härte, plur. inus. das Abstractum des Bey- und Nebenwortes hart, die Eigenschaft eines Dinges, da es hart ist, in den meisten Bedeutungen. 1. Das Vermögen, einem Stoße oder einer leidentlichen Veränderung zu widerstehen, so wohl absolute, wo die Härte eine Eigenschaft aller Körper ist, als auch, und zwar am häufigsten, verhältnißweise, das Vermögen, diesen leidentlichen Veränderungen in einem merklichen Grade, mehr als andere ähnliche Dinge, zu widerstehen. Die Härte des Holzes, eines Stelnes u. s. f. Dem Eisen den rechten Grad der Härte geben, es gehörig härten. Das Eisen verlieret seine Härte, wenn es weich ist. Die Härte der Haut, der Hände, des Brotes u. s. f. 2. Figürlich. 1) In Ansehung des Vermögens den leidentlichen Veränderungen zu widerstehen. (a) Das Vermögen, die Fertigkeit, den sinnlichen Eindrücken von außen Widerstand zu leisten, solche nicht zu empfinden. So sagt man, obgleich nur selten, von einem Menschen, der gegen die Witterungen, gegen die Beschwerden u. s. f. abgehärtet und unempfindlich ist, er besitze eine große Härte. Noch mehr, (b) im moralischen Verstande. (aa) Die Härte der Stirn, das Vermögen, die Fertigkeit, den Empfindungen der Scham zu widerstehen. (bb) Das Vermögen, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit, allen Bewegungsgründen Widerstand zu leisten. Star besitzet eine außerordentliche Härte. Die Härte des Gemüthes. Die Härte des Herzens, in der Theologie, der Stand der Unempfindlichkeit gegen alle heilsame Wirkungen der göttlichen Gnade, der auch der Stand der Verhärtung, und wenn er einen hohen Grad erreicht hat, der Verstockung genannt wird. S. Hartnäckigkeit. (cc) In engerer Bedeutung, das Vermögen, die Fertigkeit, den Empfindungen des Mitleidens zu widerstehen, die Fertigkeit von anderer Noth nicht gerühret zu werden; ein gelinderer Ausdruck für Unbarmherzigkeit. Eines Bitte mit vieler Härte verwerfen. Wenn man die Härte der Menschen schon so sehr erfahren hat, so wird man es endlich müde, von seinem Unglück zu sprechen, Sonnenf. (dd) Die Fertigkeit, die Mäßigung in Beurtheilung anderer und im Widerstande gegen ihr unrechtmäßiges Verhalten, zu unterlassen; die Strenge. Einen Fehler mit vieler Härte, oder nach der Härte bestrafen. Der Unterricht in den niedern Schulen wird gemeiniglich von zu vieler Härte begleitet. Die Härte des Schicksals. Jemanden mit vieler Härte begegnen, wo es so wie das Beywort oft ein glimpflicher Ausdruck für Grobheit, Ungestüm u. s. f. ist. (ee) Die Härte des Kopfes, die Ungelehrigkeit, das Unvermögen, eine Sache zu fassen, oder zu begreifen. 2) In Ansehung der Mühe, welche man anwenden muß, den Widerstand eines harten Körpers zu überwinden, ist es nur in einigen Fällen üblich. Die Härte des Leibes oder des Stuhlganges, derjenige Fehler der Gedärme, wo der Stuhlgang mit Mühe, mit Beschwerde verbunden ist, oder wohl gar ausbleibet. S. Hartleibigkeit. Die Härte der Buchstaben, da sie in der Aussprache mehr Anstrengung erfordern als andere. 3) Besonders in Ansehung der damit verbundenen unangenehmen Empfindung. (a) In den schönen Künsten, die Schwierigkeit, welche entweder den Sprachwerkzeugen oder den Empfindungen in den Weg geleget wird. Die Härte der Schreibart, des Styls. Die Härte der Verse, des Reimes. Wo einzelne harte Laute, Verbindungen oder Stellen, auch den Plural verstatten. Härten des Styls. Die Härte der Manier oder des Pinsels, in der Mahlerey, der Mangel der gehörigen Vertreibung der hellen Farben mit den dunkeln, der Mangel der Vermischung der Umrisse; die Trockenheit. Der erste Griechische Styl in den Bildwerken hatte noch viele Härte. (b) Die Eigenschaft einer Sache, da sie in einem sehr merklichen Grade unangenehm, schmerzlich, empfindlich, beschwerlich ist. Die Härte des Winters, einer Strafe, einer Sklaverei. Die Härte des Schicksales. Anm. Schon bey dem Ottfried, so wohl eigentlich als auch figürlich von der Härte des Gemüthes, Herti. Siehe auch Härtigkeit.


Härten (W3) [Adelung]


Härten, verb. reg. act. hart machen. Das Eisen härten, ihm mehr Härte geben, als es von Natur hat; schon in dem alten Gedichte auf Carln den Großen bey dem Schilter herren. Ingleichen figürlich, gegen die sinnlichen Eindrücke von außen unempfindlich machen. Geduld durch Grundsätze genährt, und durch Schicksale gehärtet. Wofür doch außer der höhern Schreibart abhärten üblicher ist. Ingleichen im moralischen Verstande. Sie härteten ihre Nacken, wie der Nacken ihrer Väter, 2 Kön. 17, 14. Wofür man im Hochdeutschen lieber verhärten sagt. So auch die Härtung. Anm. Nieders. harden, Dän. härde, Engl. to harden, Angels. heardian, bey dem Ottfried harten, im figürlichen Verstande.


Härtern (W3) [Adelung]


Der Härtern, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben einiger Gegenden, eine Benennung so wohl des Hartriegels, als auch der Rainweide, beyder wegen der Härte ihres Holzes. S. diese Wörter.


Harthaarig (W3) [Adelung]


Harthaarig, oder Harthärig, adj. et adv. harte Haare habend, die dem Gefühle nach hart sind.


Harthäutig (W3) [Adelung]


Harthäutig, -er, -ste, adj. et adv. eigentlich, eine harte Haut habend. Harthäutige Weinbeeren. Ingleichen figürlich. Fertigkeit besitzend, Schläge, Ermahnungen und Bestrafungen nicht zu achten; wofür auch dickhäutig üblich ist.


Hartherzig (W3) [Adelung]


Hartherzig, -er, -ste, adj. et adv. ein hartes Herz habend, d. i. Fertigkeit besitzend; von anderer Noth nicht gerühret zu werden, und darin gegründet. Ein hartherziger Mann. Schämen sie sich, daß sie einen so hartherzigen Brief geschrieben haben.


Hartheu (W3) [Adelung]


Das Hartheu, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Johanniskrautes, Hypericum L. S. dieses Wort. Bey einigen neuern Schriftstellern wird auch ein Virginisches Staudengewächs, Ascyrum L. Hartheu genannt.


Harthobel (W3) [Adelung]


Der Harthobel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Tischlern, ein Hobel mit beynahe senkrechter Klinge, Metalle und harte Hölzer damit zu hobeln.


Harthörig (W3) [Adelung]


Harthörig, adj. et adv. im gemeinen Leben, hart, d. i. schwer, mit Mühe hörend, ein wenig taub. Daher die Harthörigkeit, plur. inus.


Harthüfig (W3) [Adelung]


Harthüfig, adj. et adv. einen harten Huf habend, besonders von den Pferden.


Härtigkeit (W3) [Adelung]


* Die Härtigkeit, plur. inus. das ohne Noth verlängerte Hauptwort Härte, welches statt dessen nur noch im gemeinen Leben üblich ist, dagegen man sich in der edlern Schreibart, wie in andern Fällen lieber des Abstracti auf e bedienet. So wohl im eigentlichen Verstande, wo Hardigkeit und Hardheit vorzüglich im Nieders. üblich sind, welche Mundart keine Freundinn von der Abstractis auf e ist. Als auch im figürlichen. Die Härtigkeit des Stuhlganges, des Leibes. Siehe nicht an die Härtigkeit dieses Volkes, 5 Mos. 9, 27. Eine linde Zunge bricht die Härtigkeit, Sprichw. 25, 15. Des Herzens Härtigkeit, Matth. 19, 8. Im Isidor wird dafür Hartnissa gebraucht.


Härtiglich (W3) [Adelung]


* Härtiglich, adv. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches nur noch im Oberdeutschen, besonders in den figürlichen Bedeutungen des Wortes hart üblich ist, zuweilen aber auch dessen Bedeutung vermindert. Härtiglich arbeiten, mühsam, harte Arbeit verrichten. Sich härtiglich nähren, mühsam, kümmerlich. Härtiglich plagen, Opitz, für sehr plagen.


Hartklemmig (W3) [Adelung]


Hartklemmig, adj. et adv. welches nur im Bergbaue üblich ist. Hartklemmiges Gestein, welches sehr hart ist. S. Klemmig.


Hartkopf (W3) [Adelung]


Der Hartkopf, des -es, plur. die -köpfe, eine Person, welche einen harten Kopf hat, d. i. Fertigkeit besitzet, Bewegungsgründen zu widerstehen. Ital. Testardo. Daher hartköpfig, adj. et adv. diese Fertigkeit habend, darin gegründet, Ital. di testa dura. S. auch Hartnäckig.


Hartkorn (W3) [Adelung]


Das Hartkorn, des -es, plur. inus. hartes Korn oder Getreide, d. i. Gersten, Weitzen, Rocken, im Gegensatze des weichen Kornes, d. i. des Hafers. Im mittlern Latein des 13ten Jahrh. schon Bladum durum, welches du Fresne sehr irrig durch sanum, siccum, erkläret, indem es in den beyden von ihm angeführten Stellen ausdrücklich dem Hafer entgegen gesetzet wird.


Hartlehrig (W3) [Adelung]


Hartlehrig, -er, -ste, adj. et adv. der hart, d. i. schwer zu lehren ist, nicht leicht etwas bald zu fassen, oder zu begreifen vermögend ist; wofür andere hartlernig gebrauchen. S. Lehren und Lernen. Daher die Hartlehrigkeit, oder Hartlernigkeit.


Hartleibig (W3) [Adelung]


Hartleibig, -er, -ste, adj. et adv. einen harten Leib habend; so wohl einen trocknen, harten, mit Mühe verbundenen Abgang der Unreinigkeiten durch den Mastdarm habend, als auch mit einer hartnäckigen Verstopfung des Leibes behaftet, wo die natürliche Ausleerung durch den Mastdarm verhindert wird. Figürlich auch wohl im gemeinen Leben, geitzig, zähe, zurückhaltend im Bezahlen oder Geben.


Hartleibigkeit (W3) [Adelung]


Die Hartleibigkeit, plur. inus. die Eigenschaft, da man hartleibig ist, im allen obigen Fällen.


Hartlernig (W3) [Adelung]


Hartlernig, adj. et adv. S. Hartlehrig.


Härtlich (W3) [Adelung]


Härtlich, -er, -ste, adj. et adv. ein wenig hart. Das Fleisch ist noch etwas härtlich. Ingleichen ein wenig sauer. Härtlicher Wein. Das Bier schmeckt härtlich. So auch die Härtlichkeit.


Härtling (W3) [Adelung]


Der Härtling, des -es, plur. die -e, ein im gemeinen Leben übliches Wort, gewisse harte Körper zu bezeichnen. Im Hüttenbaue sind die Härtlinge gewisse harte Schlacken, welche von einem eisenhaltigen Kiese herrühren, sich in den Herd setzen, schwer zu schmelzen sind, und das Zinn spröde machen. Im Oberdeutschen hingegen werden die sauern unreifen Weinbeeren und Weintrauben an manchen Orten Härtlinge genannt, wofür an den meisten Herling üblicher ist. S. dieses Wort.


Hartloth (W3) [Adelung]


Das Hartloth, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, bey den Metallarbeitern, ein hartes, d. i. strengflüssiges Loth, welches aus Zinn und Kupfer bestehet, Schlagloth; zum Unterschiede von dem Schnell- oder Zinnlothe, welches aus Zinn und Bley bestehet.


Hartmäulig (W3) [Adelung]


Hartmäulig, -er, -ste, adj. et adv. ein hartes, abgehärtetes Maul habend, welches vornehmlich von Pferden üblich ist, wenn sie die Eindrücke des Zügels nicht leicht empfinden und befolgen. Daher die Hartmäuligkeit, plur. inus.


Hartmeißel (W3) [Adelung]


Der Hartmeißel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Schmieden, ein Hammer, welcher einem Schrothammer gleicht, die Eisenstäbe in die Länge damit zu durchschroten.


Hartnäckig (W3) [Adelung]


Hartnäckig, -er, -ste, adj. et adv. eigentlich, einen harten, unbiegsamen Nacken habend; doch nur im figürlichen Verstande, Fertigkeit besitzend, seine Meinungen und Entschließungen auch bey Entdeckung ihrer Unrichtigkeit oder Schädlichkeit beyzubehalten, und darin gegründet. Eine Meinung hartnäckig vertheidigen. Die hartnäckigsten Verfechter des Irrthums. Einen Streit hartnäckig fortsetzen. In der Mittheilung unsrer Begriffe an unsre Freunde lieget eine Seligkeit, die auch der hartnäckigste Einsame fühlt, Zimmerm. Nach einer noch weitern Figur zuweilen auch von leblosen Dingen, wenn sie aller Bemühung des Gegentheils widerstehen. Eine hartnäckige Krankheit. Von hartnäckigen Kopfschmerzen geplaget werden.

Anm. Im Schwed. hardnackad, im Dän. haartnacked. Die Figur, welche in diesem Ausdrucke lieget, ist sehr alt und fast in allen Sprachen anzutreffen. Ich weiß daß du hart bist und dein Nacke ist eine eiserne Ader, heißt es schon Es. 48, 4. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, die mittlern Lat. cervicatus, cervicosus, und Cervicositas, das Ital. cervicoso, das Lappländ. Nauokos, das Ungar. Nyakos, u. a. m. enthalten eben dasselbe Bild, welches von einem Zugochsen entlehnet ist, welcher wegen seines harten Nackens sich nicht anders als mit Mühe lenken lässet. S. Halsstarrig, welches eben dieses Bild ausdrückt, aber doch einen höhern Grad bezeichnet, so wie Starre den höchsten Grad der unbiegsamen Härte ausmacht. Im Nieders. ist für hartnäckig dickdrewig und drifdeelig, in Baiern bockbeinig üblich. Kero übersetzt das Latein. contumax durch striter, und Contumacia durch Einstritti, gleichsam Alleinstreit.


Hartnäckigkeit (W3) [Adelung]


Die Hartnäckigkeit, plur. inus. außer zuweilen von einem hartnäckigen Betragen in einzelnen Fällen, die -en, die Fertigkeit, allen Beweis- und Bewegungsgründen zu widerstehen, und in engerm Verstande, die Fertigkeit, bey seinen Meinungen oder Entschließungen zu beharren, auch bey erkannter Unrichtigkeit oder Schädlichkeit derselben. Die Hartnäckigkeit im Vertheidigen, im Behaupten, im Widerstehen. Eines Hartnäckigkeit überwinden. Nach einer noch weitern Figur auch die Hartnäckigkeit eines Thieres, einer Krankheit u. s. f. S. Halsstarrigkeit.


Hartnägelchen (W3) [Adelung]


Das Hartnägelchen, oder Hartnägelein, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art wilder Nägelein, von welchen man so wohl rauche als glatte hat; vermuthlich wegen der harten Blumenblätter.


Hartreder (W3) [Adelung]


Der Hartreder, des -s, plur. ut nom. sing. S. das folgende.


Hartriegel (W3) [Adelung]


Der Hartriegel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein strauchartiges Gewächs, welches rundliche schwarze Beeren in kleinen Trauben träget, welche im gemeinen Leben Hundsbeeren genannt werden; Ligustrum vulgare L. Es wächset auf den grobsandigen Hügeln und auf den Rainen, und hat ein sehr festes hartes Holz, daher es nicht nur den Nahmen Hartriegel bekommen hat, der im gemeinen Leben oft in Hartreder, Hartern, verstümmelt wird, sondern um eben dieses Umstandes willen auch Eisenbeerbaum, Beinhülsen, Beinholz, rothes Beinholz genannt wird. Weil es sich wie die Weiden verpflanzen lässet, und dessen Blätter den Weidenblättern gleichen, so heißt es an einigen Orten Rainweide, und Spanische Weide. Wegen der guten Wirkung des Holzes wider die Mundfäulniß, wird es auch Mundholz, und Kehlholz genannt. Übrigens führet es an andern Orten die Nahmen Heckenbaum, Heckholz, Geißhülsen, Griesholz, grüner Faulbaum, u. s. f. 2) An andern Orten ist der wilde Kornelbaum, Cornus sanguinea L. unter dem Nahmen des Hartriegels, Hartreders oder Harterns bekannt; gleichfalls seines festen Holzes wegen. Seine Beeren werden gleichfalls Hundesbeeren, an andern Orten aber Kürbeeren, Horlsken, Herlsken und Hernsken genannt, welche letztere Nahmen aus Kornelle verderbt zu seyn scheinen. Weil er gern in den Hecken wächset, so ist er in manchen Gegenden auch unter dem Nahmen des Heckenbaumes bekannt.


Hartrindig (W3) [Adelung]


Hartrindig, -er, -ste, adj. et adv. eine harte Rinde habend. Daher die Hartrindigkeit.


Hartroth (W3) [Adelung]


Hartroth, adj. et adv. welches in Obersachsen von einer Art rother Weintrauben gebräuchlich ist, welche auch in warmen Sommern selten reif werden; zum Unterschiede von den kurzrothen, feldrothen, ziegelrothen, zottelrothen und schleerothen Weinstöcken.


Hartschälig (W3) [Adelung]


Hartschälig, -er, -ste, adj. et adv. eine harte Schale habend. Hartschäliges Obst.


Hartschier (W3) [Adelung]


Der Hartschier, S. Hatschier.


Hartschlächtig (W3) [Adelung]


Hartschlächtig, S. Herzschlächtig.


Hartstich (W3) [Adelung]


Der Hartstich, des -es, plur. die -e, in dem Hüttenbaue, ein Stück Kupfer, welches, nachdem es geschmelzet worden, mit der Kelle ausgegossen ist. Vielleicht ist es eine verderbte Aussprache des folgenden Wortes.


Hartstück (W3) [Adelung]


Das Hartstück, des -es, plur. die -e, auf den Kupferhämmern, geschmelzte Stücke Kupfers, so wie sie hernach unter den Hammer gebracht werden. Ein Hartstück abpochen, es in kleinere Stücke hauen. Die Hartstücke zuschroten, diese kleineren Stücke noch kleiner schlagen.


Härttonne (W3) [Adelung]


Die Härttonne, plur. die -n, bey den Eisenarbeitern, eine Tonne mit Härtwasser, den glühenden Stahl darin abzulöschen und ihn dadurch zu härten.


Härtwasser (W3) [Adelung]


Das Härtwasser, des -s, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, ut nom. sing. eben daselbst, ein aus einer Lauge von Salz, Salpeter, oder Urin, oder auch Knoblauchssaft zubereitetes Wasser, den glühenden Stahl darin abzulöschen und ihn dadurch zu härten, welches auch das Löschwasser genannt wird.


Hartwerk (W3) [Adelung]


Das Hartwerk, des -es, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, auf den Zinnhütten, dasjenige was von dem kupferhaltigen Zinnsteine bey dem Schmelzen im Ofen zurück bleibet.


Harz (W3) [Adelung]


1. Der Harz, des -es, plur. die -e, ein gebirgiger Wald, oder waldiges Gebirge; eine ehedem allgemeine Benennung aller Gebirge dieser Art, welche jetzt als ein eigenthümlicher Nahme dem großen waldigen Gebirge übrig geblieben ist, welches sich durch einen Theil Niedersachsens, besonders durch das Herzogthum Braunschweig erstrecket, und auch der Harzwald genennet wird. Im Oberdeutschen, wo dieses Wort mehrern gebirgigen Wäldern eigen ist, lautet es mit einer gewöhnlichen Verwechselung des t oder d mit dem Zischlaute, Hart oder Hard, und ist alsdann zuweilen weiblichen Geschlechtes, die Hart. Dahin gehören die Hart im Fuldaischen und Hirschfeldischen, welche ein Stück des alten Buchwaldes ist, die Hart im Sundgau, unweit Mühlhausen, die Hart in Unter-Krain, de Susenhart im Brißgau, der Speßhart im Ober-Rheinischen Kreise, der Reinhart in Hessen, die Hönhart in Baiern u. a. m. Selbst der Braunschweig. Harz lautet bey dem gemeinen Manne nur Hart. Daß dieses Wort sehr alt ist, erhellet aus den Schriften der Römer, welche aus diesem allgemeinen Nennworte so wohl den Sylvam Arduennam, als den Sylvam Hercyniam gemacht haben. Ohne Zweifel stammet dieses Wort mit dem Wend. Hora, Gora, eine Anhöhe, Berg, von dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Berg ab. S. Berg. Siehet man auf den sehr gewöhnlichen Übergang des v in l, so wird man auch das Wort Halde, und vielleicht auch Wald selbst, mit zu dem Geschlechte dieses Wortes rechnen müssen. Merkwürdig ist, daß Hart in Oberschwaben auch ein Gebüsch, ein Gesträuch bedeutet.


Harz (W3) [Adelung]


2. Das Harz, des -es, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, eigentlich, ein fester brennbarer Körper, der bey einer gelinden Wärme eine klebende Eigenschaft zeiget, sich in der Flamme entzündet, im Weingeiste auflösen lässet, und sich mit allen Öhlen verbindet. Erdharz, Bergharz, Judenharz, Baumharz, welches letztere im engern Verstande nur schlechthin Harz genannt wird. Daher Fichtenharz, welches im engsten Verstande Harz heißet, Geigenharz u. s. f. Harz scharren, das Harz von den Fichtenbäumen scharren oder abkratzen, S. Harzen. In weiterer, aber nicht so richtiger Bedeutung pfleget man zuweilen alle verhärtete schleimige Säfte des Pflanzenreiches, welche im eigentlichsten Verstande Gummi heißen, Harz zu nennen, daher das Kirschgummi oft unter dem Nahmen des Kirschharzes vorkommt.

Anm. Schon in Boxhorns Glossen Harz, im Nieders. Haarpeus, welches aber eigentlich ein Gemenge von Pech, Theer und Harz ist, daher die letzte Sylbe peus zu Pech, Pix, zu gehören scheinet, im Dän. Harpix, Schwed. Harpös, Isländ. Harpeis. Helwig glaubt, daß es durch Versetzung der Buchstaben aus dem Hebräischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - entstanden sey, Frisch leitet es von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Latein. Resina, ab, Ihre aber von hart, da es denn eigentlich einen verhärteten Saft bezeichnen würde.


Harzbaum (W3) [Adelung]


Der Harzbaum, des -es, plur. die -bäume, ein jeder Baum, welcher Harz gibt. In engerer Bedeutung wird die eigentliche Fichte oder Rothtanne, Abies picea L. weil man von ihr das meiste Harz bekommt, der Harzbaum, oder die Harztanne genannt. S. Fichte.


Harzeichel (W3) [Adelung]


Die Harzeichel, plur. die -n, in gemeinen Leben, eine Benennung der kurzen und runden Eicheln, welche bitterer von Geschmack sind, und von den Schweinen nicht so gern gefressen werden; zum Unterschiede von dem Dachseicheln.


Härzer (W3) [Adelung]


Der Härzer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Einwohner des Harzwaldes in Niedersachsen.


Harzgalle (W3) [Adelung]


Die Harzgalle, plur. die -n, Stellen in dem Tangelholze, wo sich das Harz zwischen den Jahrwüchsen gesammelt hat. Siehe 2. Galle.


Harzholz (W3) [Adelung]


Das Harzholz, des -es, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -hölzer, im Forstwesen, eine Benennung aller derjenigen Hölzer oder Holzarten, welche Harz enthalten oder geben, dahin alle Tannen, Fichten, und Kiefern gehören, welche auch schwarzes Holz, Nadelholz, Tangelholz, todtes Holz, weiches Holz genannt werden. Ingleichen ein mit solchem Holze oder solchen Bäumen bewachsener Wald. S. Holz.


Harzicht (W3) [Adelung]


Harzicht, adj. et adv. dem Harze ähnlich. Harzig hingegen, Harz enthaltend. Harziges Holz, Harzholz.


Harzkappe (W3) [Adelung]


Die Harzkappe, plur. die -n, kurze Röcke von grober Leinwand, welche bis auf den Nadeln reichen, und von den Harzscharrern bey dem Harzen angezogen werden, ihre andere Kleidung zu schonen.


Harzkohle (W3) [Adelung]


Die Harzkohle, plur. die -n, ein Nahme der festen mit Erdharz durchdrungenen Steinkohlen, welche auch Pechkohlen, Glanzkohlen, und Fettkohlen heißen; zum Unterschiede von den Schieferkohlen.


Harzkuchen (W3) [Adelung]


Der Harzkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. Ballen oder Kuchen aus den Träbern, welche übrig bleiben, wenn das Harz in den Pechhütten ausgesotten worden.


Harzlüge (W3) [Adelung]


Die Harzlüge, plur. die -en, eine derbe grobe Lüge, mendacium Creticum, weil den Bewohnern des Harzwaldes die Fertigkeit in solchen Lügen Schuld gegeben wird.


Harzmesser (W3) [Adelung]


Das Harzmesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein krummes hohl geschmiedetes Messer mit einem zwey Eilen langen Stiele, womit die Harzschaber das ausgelaufene Harz aus den Lachen schaben; die Harzscharre, Pechscharre.


Harzmeste (W3) [Adelung]


Die Harzmeste, plur. die -n, bey den Harzschabern ein Behältniß von Fichtenrinde wie eine Düte, unten spitzig und oben weit, das ausgeschabte Harz darin aufzufangen. S. Meste.


Harzreißer (W3) [Adelung]


Der Harzreißer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Harzscharrer.


Harzriß (W3) [Adelung]


Der Harzriß, des -sses, plur. inus. das Reißen des Harzes, d. i. das Aufreißen der Bäume, um Harz von ihnen zu bekommen; das Harzen, das Harz reißen, oder Harz schaben.


Harzscharre (W3) [Adelung]


Die Harzscharre, plur. die -n, S. Harzmesser.


Harzscharrer (W3) [Adelung]


Der Harzscharrer, des -s, plur. ut nom. sing. Leute, welche ein Geschäft daraus machen, das Harz von den Harzbäumen zu scharren, und Pech daraus zu brennen, welche auch Harzschaber, Harzreißer, Pechhauer, Scharrer und Pecher genannt werden.


Harzschlacke (W3) [Adelung]


Die Harzschlacke, plur. die -e, im Hüttenbaue auf dem Harzwalde, ein Nahme der alten Schlacken von den ehemahligen Hüttenarbeiten, welche sorgfältig aufgesuchet und mit zum Vorschlage gebraucht werden.


Harztanne (W3) [Adelung]


Die Harztanne, plur. die -n, S. Harzbaum.


Harzwald (W3) [Adelung]


Der Harzwald, des -es, plur. car. S. 1 Harz.


Haschen (W3) [Adelung]


Haschen, verb. reg. act. durch Geschwindigkeit in seine Gewalt bekommen, mit Geschwindigkeit fangen. Fliegen haschen. Hühner haschen. Die Kinder haschen sich, wenn sie sich im Laufen oder laufend zu ergreifen suchen. Sich häschend (haschend) wälzen sich die Zephyre durch das Gras, Geßn. Wer auf Träume hält, der greifet nach den Schatten und will den Wind haschen, Sir. 34, 2. Nach etwas haschen, mit Geschwindigkeit darnach greifen. S. auch die Haschung.

Anm. Bey unser ältern Schriftstellern kommt dieses Wort, wie schon Wachter bemerkt, nicht vor; allein es kann dessen ungeachtet alt genug seyn. Frisch leitet es mit hetzen auf eine seltsame Art von dem Jägergeschreye he! he! her, andere von rasch, geschwinde. Im Schwed. ist Haske Gefahr, und haske Schrecken einjagen, ingleichen nachstellen, und hiervon soll, dem Ihre zu Folge, unser haschen abstammen, oder vielmehr, es soll ein und eben dasselbe Wort mit demselben seyn. Allein, da dieses eigentlich weder den Begriff des Schreckens, noch der Gefahr, noch der Nachstellung, wohl aber der Geschwindigkeit, bey sich führet, welcher Nebenbegriff diesem Worte wesentlich ist, so scheinet es zu dem in den niedrigen Sprecharten üblichen husch! zu gehören, womit man in manchen Fällen die Geschwindigkeit ausdruckt, oder vielmehr nachahmet. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - haschen, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - eilen, welches letztere sehr merklich mit dem Deutschen überein stimmt. Durch Verwandelung des Hauches in den Blaselaut ist aus haschen auch wischen, und aus erhaschen, erwischen entstanden. S. Hastig, Entwischen und Wischen.


Hascher (W3) [Adelung]


Der Hascher, des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich, der da haschet; doch nur noch in engerer Bedeutung an einigen Orten, ein Nahme der Gerichtsknechte, so fern sie zur Erhaschung flüchtiger Verbrecher, ingleichen zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, besonders zur Machtzeit; und zur Erhaschung der Störer derselben bestimmt sind. An andern Orten werden sie Scharrwächter, Büttel, in Nürnberg Schützen, in Leipzig Knechte, oder Rathsknechte, in Bremen Waldknechte, eigentlich Gewaltknechte u. s. f. genannt.


Hase (W3) [Adelung]


Der Hase, des -n, plur. die -n, Diminut. das Häschen, Oberd. Häselein. 1. Eigentlich, ein fünfzehiges, mit Haaren versehenes, wiederkäuendes, eßbares, vierfüßiges Thier, mit sehr langen Löffeln oder Ohren, welches sich von Kräutern, Kohl, Baumrinden und Feldfrüchten nähret und mit offenen Augen schläft. Hase ist eine allgemeine Benennung beyder Geschlechter dieses Thieres; will man solche unterscheiden, so heißt das männliche der Hase in engerer Bedeutung, oder auch der Rammler, und das weibliche die Häsinn, der Mutterhase, Setzhase, oder Satzhase. S. auch Berghase, Grundhase, Märzhase, Holzhase u. s. f. Einen Hasen streifen, bey den Jägern, ihm den Balg abziehen. Der Hase macht ein Männchen, wenn er den Kopf in die Höhe recket, und mit den Vorderfüßen den Kopf und Bart putzet. Die Furchtsamkeit, Geschwindigkeit, Possierlichkeit und andere Eigenschaften dieses wehrlosen Thieres haben zu verschiedenen sprichwörtlichen R. A. Anlaß gegeben. Viel Hunde sind des Hasen Tod. Er bleibt bey seinen Worten, wie der Hase bey der Trommel, sagt man von einem veränderlichen Menschen, der sich beständig widerspricht, nie sein Wort hält. Da liegt der Hase im Pfeffer, das ist die Ursache des Übels, hinc illae lacrymae. S. Hasenschwarz. Er denke es habe ihn ein Häschen geleckt, es sey ihm ein vortheilhafter Umstand begegnet. Der Hase brauet, S. Brauen. 2. Figürlich. 1) Der gespickte Hase, ein Instrument zur Tortur bey der Aufziehung auf die Folter oder Leiter, welches aus einer umgehenden Welle mit Zacken bestehet, die dem Verbrecher unter dem Rücken zu liegen kommt, und denselben aufreißet. 2) Ein furchtsamer Mensch, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Er ist ein Hase, oder ein furchtsamer Hase. Von einem solchen Menschen sagt man auch im gemeinen Leben, er habe ein Hasenherz. S. Hasenpanier. 3) Ein possierlicher, spaßhafter Mensch, gleichfalls nur im gemeinen Leben, den man auch wohl einen Hasenfuß oder Hasenkopf zu nennen pflegt. S. Hasenfett, Hasenschrot und Haseliren. 4) Ein einfältiger, thörichter Mensch, der im gemeinen Leben auch ein Hasenkopf genannt wird. Anm. Dieses Thier heißt im Nieders. gleichfalls Hase, im Holländ. Haese, im Franz. Hase, und sogar im Arab. Hazaz. Andere Mundarten verwandeln das s in ein r, wie in dem Angels Hare, dem Isländ. Hiere, dem Engl. Dän. und Schwed. Hare, geschiehet. In Karelen heißt er Hitta, nach einer eben so gewöhnlichen Verwechselung des Zischlautes mit dem t. Die Abstammung ist ungewiß, weil mehrere Wörter mit fast gleicher Wahrscheinlichkeit Anspruch darauf machen können. Junius und Frisch leitet es von Haar her, weil der Hase ein sehr haariges Thier ist. Andere von haren, schreyen, weil dieses Thier im Winter ein durchdringendes Geschrey macht. Noch andere von dem Angels. har und hase, grau. Mit fast noch mehrerer Wahrscheinlichkeit kann man es von hast, Eil, hasten, eilen, ableiten, weil dieses Thier sehr stüchtig ist, daher es auch im Latein. Lepus, gleichsam Levipes, oder vom Nieders. lopen, laufen, soll seyn genannt worden. Auch das veraltete hasen, schrecken, und erhasen, erschrecken, kann darauf Anspruch machen, welches zu den Schwed. Haske, Gefahr, gehöret, S. Häßlich; da denn der Nahme dieses Thieres vornehmlich dessen schreckhafte, furchtsame Natur ausdrucken würde.


Hase (W3) [Adelung]


* Die Hase, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, das weibliche Geschlecht der Vögel, welches am häufigsten die Sie genannt wird. S. dieses Wort.


Hasel (W3) [Adelung]


Die Hasel, plur. die -n, S. Haselstaude.


Häsel (W3) [Adelung]


Der Häsel, des -s, plur. die -n, ein Fisch, S. Häseling.


Haselant (W3) [Adelung]


Der Haselant, des -en, plur. die -en, von Haseliren, ein Mensch der beständig scherzt und Possen treibt.


Haselbirn (W3) [Adelung]


Die Haselbirn, plur. die -en, eine Art großer Birnen von der Farbe wie die Rinde der Haselstaude, welche wegen ihres herben Geschmackes nur zum Kochen taugen.


Haselbusch (W3) [Adelung]


Der Haselbusch, des -es, plur. die -büsche, so wohl eine Haselstaude, als auch ein mit Haselstauden bewachsenes Gebüsch; ein Haselgebüsch.


Haseleiche (W3) [Adelung]


Die Haseleiche, plur. die -n, eine Art Eichen mit einem geraden und hohen Stamme, aber wenigen fruchtbaren Zweigen und Ästen, welche auch weniger kleinere Früchte trägt, als die Steineiche. Sie wird auch Loheiche, Roteiche, Wintereiche, Viereiche und Traubeneiche genannt. Ihr Laub ist größer, aber an Farbe heller, als an der Steineiche.


Haselgeflügel (W3) [Adelung]


Das Haselgeflügel, des -s, plur. inus. ein Collectivum, Haselhühner zu bezeichnen.


Haselhuhn (W3) [Adelung]


Das Haselhuhn, des -es, plur. die -hühner, eine Art wilder Hühner, mit rauchen Füßen, welche größer als ein Repphuhn sind, sich gern in den Haselgebüschen und um die Haselstauden aufhalten, und Liebhaber der Haselkätzchen oder Haselzäpfchen sind; Tetrao Bonasia L. Das gemeinste Haselhuhn, wird auch Rothhuhn genannt. Es ist noch von dem rothen Haselhuhn verschieden, wovon der Hahn roth, und einen Kamm auf dem Kopfe hat. Im gemeinen Leben auch Hasselhuhn, in einigen Oberdeutschen Gegenden Sigelhuhn, Engl. Hazelhen.


Haseling (W3) [Adelung]


Der Haseling, des -es, plur. die -e. 1) Ein eßbarer Flußfisch, welcher dem Alante gleicht, größer als ein Häring wird, und oft ein Pfund wieget. Er hat auf beyden Seiten nach der Länge hin einen Querstrich; Cyprinus Dobula L. Er wird in Meißen auch Häßle, Heßle, Heßling, im Oberdeutschen Haßle, Haselung, in Dänemark Hessel, Hesseling, an andern Orten aber auch Döbel und Mayfisch genannt. 2) Ein anderer diesem ähnlicher, und nur in der geringern Größe verschiedener Fisch, Cyprinus Jeses L. führet in Obersachsen und in einigen Oberdeutschen Gegenden gleichfalls den Nahmen Häseling, Häßling, Heßling. Er ist sehr geschwinde, daher er vermuthlich von dem alten hasen, eilen, seinen Nahmen hat. S. Hastig. 3) In einigen Oberdeutschen Gegenden ist auch die Elritze, Cyprinus Phoxinus L. unter dem Nahmen Haselung, Häseling bekannt.


Haseliren (W3) [Adelung]


+ Haseliren, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und nur im gemeinen Leben üblich ist, scherzen, besonders scherzhafte oder possenhafte Bewegungen machen, spaßen. Die weiß gepuderten Herrchen aber haseliren immer mit allem was nur eine Schürze um hat, Weiße. Zuerst ist es wohl von den Hasen gebraucht worden, wenn sie mit einander scherzen und spielen, daher noch Hagedorn singt. Kaum können Hasen selbst im Busche haseliren. S. -iren.


Haselkätzchen (W3) [Adelung]


Das Haselkätzchen, des -s, plur. ut nom. sing. die Kätzchen, d. i. cylindrischen mit Blättchen wie mit Schuppen überdeckten Körper an den Haselstauden, welche Blüthe enthalten. Sie werden auch Haselbalmen, Haselzäpfchen, und nach einer verderbten Aussprache Hasenkätzchen genannt. S. Katze und Palme.


Häseln (W3) [Adelung]


Häseln, adj. et adv. was von der Haselstaude ist. Eine häselne Ruthe. Ein häselner Reif.


Haselöhl (W3) [Adelung]


Das Haselöhl, des -es, plur. inus. das aus Haselnüssen gepreßte Öhl, welches auch nur Nußöhl genannt wird.


Haselöhrlein (W3) [Adelung]


Das Haselöhrlein, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme desjenigen Schwammes, welcher sonst auch, und vermuthlich richtiger, Hasenöhrlein genannt wird. S. Eichschwamm.


Haselratze (W3) [Adelung]


Die Haselratze, plur. die -n, S. Haselmaus.


Haselruthe (W3) [Adelung]


Die Haselruthe, plur. die -n, eine häselne Ruthe, eine Ruthe von der Haselstaude.


Haselwurm (W3) [Adelung]


Der Haselwurm, des -es, plur. die -würmer, ein erdichtete große Schlange, welche sich gerne unter den Haselstauden aufhalten soll, aber ein eben solches Unding ist, als der berüchtigte Lindwurm.


Haselwurz (W3) [Adelung]


Die Haselwurz, oder Haselwurzel, plur. inus. eine Pflanze, welcher in den Europäischen Hainen wächset, niedrig bleibt und beständig grünet; Asarum L. aus welchem Nahmen, dem Frisch zu Folge, der Deutsche entstanden seyn soll. Sie wird auch wilde Narde, ingleichen Mäuseöhrchen genannt. Im Dän. heißt sie Hasselrood und Hasselurt.


Hasenadler (W3) [Adelung]


Der Hasenadler, des -s, plur. ut nom. sing. ein pechschwarzer sehr starker Adler, welcher bis über die Knie gefiedert ist, gelbrothe Füße, krumme und sehr spitzige Klauen hat, und vornehmlich den Hasen nachstellet; Hasenstößer, Gänseadler, Beinbrecher, großer Meeradler, Aquila Valeria oder Melanoaetus Klein.


Hasenampfer (W3) [Adelung]


Der Hasenampfer, des -s, plur. inus. an einigen Orten, ein Nahme des Buchampfers, Oxalis Acetosella L. weil die Hasen ihn gerne essen. S. auch Hasenklee.


Hasenapfel (W3) [Adelung]


Der Hasenapfel, des -s, plur. die -äpfel, S. Borsdorfer: Apfel.


Hasenauge (W3) [Adelung]


Das Hasenauge, des -s, plur. die -n, das Auge von einem Hasen, ein Auge, welches einem Hasenauge gleicht. Besonders ein schadhaftes Auge, wo das obere Augenlied zurück gezogen ist, so daß es nicht völlig niedergedrückt werden kann, folglich das Auge im Schlafe offen stehet, wie bey den Hasen; Oculus leporinus, Lagophthalmos.


Hasenbalg (W3) [Adelung]


Der Hasenbalg, des -es, plur. die -bälge, der Balg, d. i. das Fell eines Hasen, weil es abgestreifet wird, S. Balg. Im gemeinen Leben wird es auch das Hasenfell genannt.


Hasenbeitze (W3) [Adelung]


Die Hasenbeitze, plur. die -n, die Beitze auf Hasen, d. i. der Fang der Hasen mit abgerichteten Raubvögeln.


Hasenbrot (W3) [Adelung]


Das Hasenbrot, des -es, plur. inus. S. Hasenohr.


Hasenfährte (W3) [Adelung]


Die Hasenfährte, plur. die -n, die Fährte, d. i. die Spur von einem Hasen; die Hasenspur.


Hasenfett (W3) [Adelung]


Das Hasenfett, des -es, plur. inus. das ausgelassene Fett von einem Hasen. Von einem possierlichen, spaßhaft thörichten Menschen sagt man im gemeinen Leben, er habe in das Hasenfett getreten, oder er sey mit Hasenfett betropfet. S. Hase 2.


Hasenfuß (W3) [Adelung]


Der Hasenfuß, des -es, plur. die -füße. 1) Eigentlich, der Fuß eines Hasen, besonders so wie ihn die Buchbinder zu ihren Arbeiten gebrauchen. Figürlich sagt man von einem possierlichen, oder auch spaßhaft thörichten Menschen im gemeinen Leben, er habe einem Hasenfuß in der Tasche. Ja man pflegt einen solchen Menschen selbst auch wohl einen Hasenfuß zu nennen; Nieders. Hasenfood, Hasewits, Hasewitski, Hasentwern, ( S. Hasenzwirn,) im Hochdeutschen auch ein Hasenkopf. 2) In einigen Gegenden auch ein Nahme der Wald-Holz-Schnee- und Repphühner, wegen ihrer rauchen Füße, worin sie den Hasen ähnlich sind; daher diese Vögel auch im Griech. Lagopodes genannt werden. 3) In einigen Gegenden auch ein Nahme des Ackerklees, Trifolium arvense L. ohne Zweifel auch wegen der rauchen Blumenähren, daher er auch Hasenpfötchen, ingleichen Hasenklee genannt wird. S. das letztere. Norweg. Harefood, Engl. Haresfoot.


Hasenfutter (W3) [Adelung]


Das Hasenfutter, des -s, plur. ut nom. sing. ein oder mehrere zubereitete Hasenbälge, so fern sie das Futter eines Kleides oder Kleidungsstückes ausmachen.


Hasengarn (W3) [Adelung]


Das Hasengarn, des -es, plur. die -e, ein Garn von starkem Bindfaden, welches man zur Hasenjagd gebraucht; das Hasennetz.


Hasengehäge (W3) [Adelung]


Das Hasengehäge, des -s, plur. ut nom. sing. ein Revier, in welchem die Hasen gehäget oder geschonet werden.


Hasengeyer (W3) [Adelung]


Der Hasengeyer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Geyer in der Größe eines Kalekutischen Hahnes, welcher die Hasen in ihren Löchern sehr geschickt zu fangen weiß, und weil er auch den Gänsen nachstellet, auch Gänseaar genannt wird; Vultur leporarius Klein. Auch Hasenstößer.


Hasengras (W3) [Adelung]


Das Hasengras, des -es, plur. inus. S. Hasenohr.


Hasenhaft (W3) [Adelung]


Hasenhaft, -er, -este, adj. et adv. in gemeinen Leben, für possenhaft, possierlich. S. Hase 2.


Hasenheide (W3) [Adelung]


Die Hasenheide, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Pfriemenkrautes oder Gensters; Spartium seoparium L. S. Geniste.


Hasenherz (W3) [Adelung]


Das Hasenherz, des -ens, plur. die -en, S. Hase 2.


Hasenhorde (W3) [Adelung]


Die Hasenhorde, oder Hasenhürde, plur. die -n, Hürden, welche man nach einem spitzigen Winkel aufstellet, die mit Krautstauden angekörnten Hasen darunter zu fangen.


Hasenhund (W3) [Adelung]


Der Hasenhund, des -es, plur. die -e, ein zur Hasenjagd abgerichteter Hund.


Hasenjagd (W3) [Adelung]


Die Hasenjagd, plur. die -en, eine Jagd auf oder nach Hasen, besonders wenn sie mit Netzen und Hunden verfolget werden.


Hasenkasten (W3) [Adelung]


Der Hasenkasten, des -s, plur. ut nom. sing. ein mit Luftlöchern versehener Kasten, Hasen darin lebendig von einem Orte zum andern zu bringen.


Hasenkätzchen (W3) [Adelung]


Das Hasenkätzchen, S. Haselkätzchen.


Hasenklee (W3) [Adelung]


Der Hasenklee, des -s, plur. inus. ein Nahme verschiedener dem Klee ähnlicher Pflanzen, vermuthlich, weil sie eine angenehme Speise der Hasen sind. 1) Des Ackerklees, Trifolium arvense L. welcher wegen seiner rauchen Blumenähren auch Hasenfuß, Hasenpfötchen, bey den ältern Kräuterkennern Lagopus, sonst aber auch Katzenklee, Treibeblatt genannt wird. Dän. Harefoed, Hareklover. 2) Des Wundkrautes, Anthyllis vulneraria L. welches auch Gelbklee genannt wird; Dän. Hareklöver. 3) Des Buchampfers, Oxalis acetosella L. welcher auch unter dem Nahmen des Hasenampfers bekannt ist, S. Buchampfer. 4) Des Schafampfers, Rumex acetosella L. der auch Sauerklee, ingleichen Guckgucksklee heißt.


Hasenklein (W3) [Adelung]


Das Hasenklein, des -es, plur. die -e, in den Küchen, die vordern Theile eines Hasen, woraus vermittelst des Hasenschweißes das so genannte Hasenschwarz bereitet wird, welches auch wohl selbst Hasenklein heißt. An andern Orten wird es das Vorhäse, oder Vordergehäse genannt.


Hasenkohl (W3) [Adelung]


Der Hasenkohl, des -es, plur. inus. ein Nahme der kohlartigen Gänsedistel, Sonchus oleraceus L. weil sie gern von den Hasen genossen wird. Dän. Harekaal.


Hasenkopf (W3) [Adelung]


Der Hasenkopf, des -es, plur. die -köpfe, eigentlich, der Kopf von einem Hasen. Figürlich auch im gemeinen Leben, so wohl ein einfältiger, als vielmehr scherzhaft thörichter Mensch.


Hasenlab (W3) [Adelung]


Das Hasenlab, des -es, plur. inus. das Lab von einem hasen, S. Lab.


Hasenlager (W3) [Adelung]


Das Hasenlager, des -s, plur. die -läger, bey den Jägern, das Lager eines Hasen, d. i. der Ort, wo sich ein Hase nieder gethan hat, oder wo er sich gemeiniglich niederzuthun pflegt. S. das folgende.


Hasennest (W3) [Adelung]


Das Hasennest, des -es, plur. die -er, eine im gemeinen Leben übliche Benennung eines Hasenlagers. Figürlich werden auch in der Landwirthschaft fehlerhafte Stellen eines gepflügten Ackers, welche von ungleicher Führung der Pflugsterze herrühren, Hasennester, ingleichen Saunester, an andern Orten aber Hanfböckinnen, Schäffböckinnen oder Sackhosen genannt.


Hasennetz (W3) [Adelung]


Das Hasennetz, des -es, plur. die -e, S. Hasengarn.


Hasenohr (W3) [Adelung]


Das Hasenohr, des -es, plur. die -en, Diminut. das Hasenöhrchen, Oberd. Hasenöhrlein, des -s, plur. ut nom. sing. Eigentlich das Ohr eines Hasen. Figürlich, 1. bey den Buchdruckern, S. Anführungszeichen und Gänseauge. 2. Ein Nahme verschiedener Pflanzen, welche wegen der Ähnlichkeit einiger Theile derselben mit den Ohren der Hasen, im Diminut. Hasenöhrchen oder Hasenöhrlein genannt werden. 1) Einer Pflanze, welche auch Ochsenrippe genannt wird, und von welcher es verschiedene Arten gibt; Bupleurum L. Besonders des steifen Hasenöhrchens, Bupleurum rigidum L. welches in Thüringen sehr häufig an den Zäunen und in den Weinbergen wächset. 2) Einer andern Pflanze, welche bey den ältern Kräuterkennern Aegilops heißt, und in einigen Gegenden auch unter dem Nahmen des Hasenbrotes und Hasengrases bekannt ist. 3) Einer Art Schwämme, welche bey Gleditsch Boletus imbricatus, squamosus, et sessilis, tubulis minutissimis, connexis, lobis fimbriatis, ramosofoliaceis, heißt, und gern auf den Eichbäumen wächset, daher er auch Eichschwamm genannt wird. Es scheinet der Agaricus quercinus L. zu seyn.


Hasenpanier (W3) [Adelung]


Das Hasenpanier, des -es, plur. die -e, ein nur in der figürlichen R. A. das Hasenpanier aufwerfen oder ergreifen, übliches Wort, d. i. die Flucht ergreifen. So nimmt ein feiger Mann gar leichtlich das Panier Das auch ein Hase sucht, Opitz. S. Panier und Hase 2. Die Niedersachsen sagen dafür den Hasenpad kesen, den Hasenpfad erwählen, suchen.


Hasenpappel (W3) [Adelung]


Die Hasenpappel, plur. die -n, eine Art wilder Pappeln, mit einem aufrechten krautartigen Stamme, welche auf den Europäischen Feldern wächset; Malva sylvestris L. Sie ist eine angenehme Speise der Hasen.


Hasenpfeffer (W3) [Adelung]


Der Hasenpfeffer, des -s, plur. inus. S. Hasenschwarz.


Hasenpfote (W3) [Adelung]


Die Hasenpfote, plur. die -n, Diminut. das Hasenpfötchen, Oberd. das Hasenpfötlein, des -s, plur. ut nom. sing. die Pfote eines Hasen. Figürlich auch der Nahme einer Pflanze, S. Hasenfuß und Hasenklee.


Hasenpilz (W3) [Adelung]


Der Hasenpilz, S. Birkenpilz.


Hasenscharte (W3) [Adelung]


Die Hasenscharte, plur. die -n, eine Scharte, d. i. ein Spalt, welchen der Hase in der Oberlippe von Natur hat; daher man auch bey Menschen eine entweder von Natur oder durch eine Verletzung zertheilte oder gespaltene Lippe eine Hasenscharte nennet. Schwed. Harmunt, Franz. Bec de lievre. Ein Mensch mit einer solchen Lippe heißt im Engl. Harelipped. S. Scharte.


Hasenschrot (W3) [Adelung]


Das Hasenschrot, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, eine Art Schrotes, d. i. kleiner bleyerner Körner von mittlerer Größe, womit man die Hasen zu schießen pfleget; zum Unterschiede von dem gröbern Rehe- Wolfs- und Fuchsschrote, und seinern so genannten Dunste. Von einem possenhaften, oder lustig thörichten Menschen sagt man auch im gemeinen Leben, er sey mit Hasenschrot geschossen.


Hasenschwarz (W3) [Adelung]


Das Hasenschwarz, des -es, plur. inus. in den Küchen, die vordern Theile eines Hasen nebst dem Eingeweide, wenn sie mit dessen Schweiße zugerichtet worden, da denn ein solches Gericht eine schwärzliche Farbe bekommt; in einigen Gegenden wegen des dazu nöthigen Pfeffers auch Hasenpfeffer.


Hasensprung (W3) [Adelung]


Das Hasensprung, des -es, plur. die -sprünge. 1) Eigentlich, der Sprung, oder Satz, welchen ein Hase thut. 2) Bey den Jägern führen die Hinterfüße eines Hasen den Nahmen der Hasensprünge oder nur Sprünge. 3) Eben daselbst wird auch die Fährte eines flüchtigen Hasen, und das Zeichen, welches am Ende eines Geräumtes in Gestalt einer Hasenfährte in einen Baum gehauen wird, ein Hasensprung genannt. 4) Der Sprung. d. i. ein kleines krummes Bein in dem Gelenke an den hintern Läuften eines Hasen, unten, wo sich die Läufte anfangen, welches bey den Menschen und andern Thieren auch der Lauf, genannt wird; Os balistae, Astragalos. S. Sprung. Es ist zu dem Springen und andern schnellen Bewegungen unentbehrlich.


Hasenspur (W3) [Adelung]


Die Hasenspur, plur. die -en, S. Hasenfährte.


Hasenstößer (W3) [Adelung]


Der Hasenstößer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme so wohl des Hasenadlers als des Hasengeyers.


Hasenzwirn (W3) [Adelung]


Der Hasenzwirn, des -es, plur. inus. starker Zwirn, oder vielmehr Bindfaden, woraus die Hasengarne gestricket werden. In Niedersachsen pflegt man auch einen Possenreißer, einen Geck, Hans Hasenzwirn zu nennen.


Häsinn (W3) [Adelung]


Die Häsinn, plur. die -en, S. Hase.


Haspe (W3) [Adelung]


Die Haspe, oder Häspe, plur. die -n, ein Wort, eine besondere Art von Haken zu bezeichnen. So wird die Angel einer Thür, welche die Thür trägt, und um welche sich die Bänder bewegen, eine Haspe oder Häspe genannt; in Österreich ein Kegel. Im Bergbaue sind die Haspen oder Fahrthaspen halbe Klammern, womit die Fahrten befestiget werden, und welche von den Fahrthaken, womit die Fahrten an einander gehänget werden, noch verschieden sind. In den Salzwerken haben die Pfannen unten am Boden Häspen oder Haspeln, welche wie Krampen heraus stehen und von den Haken gefasset werden, die Pfanne damit an die Hakscheite zu befestigen. S. das folgende.

Anm. Das Schwed. Haspe, as Angels. Haepse, das Isländ. Hespa, das mittlere Lat. Halpa, das Flandr. Gaspa und Holl. Ghespe kommen in der Bedeutung mit dem Deutschen überein. Im Engl. hingegen ist Hasp ein eiserner Riegel. Wachter leitet es von heben oder heften, und Junius von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ab. Frisch. hingegen glaubt, daß es vermittelst der so gewöhnlichen Verwandelung des r in s mit - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein komme. S. Harfe und Harpune.


Haspel (W3) [Adelung]


1. Die Haspel, plur. die -n, welches an einigen Orten für das vorige Haspe üblich ist, und eben dieselbe Art Haken bedeutet. So werden die Haspen an den Salzpfannen auch Haspeln genannt. An andern Orten führen die Thürhaspen oder Thürangel, ingleichen dasjenige Eisen an der Thür, worin die Klinke fällt, den Nahmen der Haspeln.

Anm. Es ist nicht das Diminutivum von Haspe, wie Frisch glaubt, weil es alsdann ungewissen Geschlechtes seyn müßte, sondern vermittelst der Endsylbe -el von dem Zeitworte haspen gebildet, ein Werkzeug zu bezeichnen, welches etwas haspet, d. i. ergreifet oder hält.


Haspel (W3) [Adelung]


2. Der Haspel, des -s, plur. ut nom. sing. einigen Gegenden die Haspel, plur. die -n, ein Werkzeug, welches aus zwey oder mehr in das Kreuz befestigten Armen bestehet, welche um ihren gemeinschaftlichen Mittelpunct beweglich sind. Von dieser Art ist der Haspel, dessen man sich bedienet, das Garn von den Spulen zu bringen und es in Strähne oder Stücke zu verwandeln, und welcher daher auch ein Garnhaspel, Seidenhaspel, Zahlhaspel u. s. f. genannt wird; im mittlern Lat. Alabrum, von ala, ein Flügel, im Oberdeutschen eine Weife. Auch das horizontale Drehkreuz, die Fußwege damit für Pferde und Wagen zu versperren, führet an einigen Orten den Nahmen eines Haspels. Noch häufiger bedient man sich des Haspels als eines Hebezeuges, Lasten damit zu bewegen. Da er denn aus einer auf zwey Stücken liegenden Welle bestehet, welche vermittelst einer Kurbel, oder kreuzweise durchgesteckter Stäbe umgedrehet wird. Wird die Welle vermittelst eines Rades umgedrehet, so heißt das Hebezeug eine Winde. Dahin gehöret der Haspel, dessen man sich im Bergbaue bedienet, Erz und Steine aus der Grube zu ziehen, und welcher auch der Rundbaum genannt wird, welches Wort aber eigentlich nur die Welle bezeichnet. Einen ähnlichen Haspel haben die Kupferdrucker an ihrer Presse, die obere Walze zu bewegen; so wie man sich bey Torturen auch zuweilen eines Haspels zur Ausdehnung der Glieder des Inquisiten bedienet.

Anm. Im Dän. Haspe, im Franz. Haspe, im Engl. Hasp, im Ital. Aspo, Naspo, Naspolo. Das -el an dem Deutschen Worte bezeichnet ein Werkzeug; nur die Bedeutung der ersten Sylbe hat bisher Schwierigkeiten gehabt. Frisch leitet sie von Haspe, ein Haken, ab, obgleich dieses Hebezeug nichts mit einem Haken gemein hat. Andere Wortforscher bekennen ihre Unwissenheit. Doch diese kann das Schwedische heben, wo ein Haspel Harfwel heißt, welches durch Verwechselung der Hauch- und Blaselaute aus Wirbel und werben, im Kreise herum drehen, entstanden ist. Vermittelst einer ähnlichen Verwechselung und der so sehr gewöhnlichen Vertauschung des r und s ist daraus auch unser Haspel entstanden, dessen wesentliche Eigenschaft gleichfalls die kreisförmige Bewegung ist. Schon die Griechen nannten ein Rad an einer Welle - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . S. Haspelpumpe und Haspeln.


Haspelbaum (W3) [Adelung]


Der Haspelbaum, des -es, plur. die -bäume, die Welle an einem Haspel, so fern derselbe ein Hebezeug ist; der Kundbaum.


Haspeler (W3) [Adelung]


Der Haspeler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, welcher den Haspel beweget, welcher haspelt, und im Bergbaue ein Haspelknecht oder Haspelzieher genannt wird.


Haspelgestell (W3) [Adelung]


Das Haspelgestell, des -es, plur. die -e, das ganze Gestell, worauf der Haspel mit seiner Welle ruhet, und welches in den Bergwerken aus dem Pfuhlbaume, den Haspelstützen und der Hängebank bestehet.


Haspelhorn (W3) [Adelung]


Das Haspelhorn, des -es, plur. die -hörner, die Handhabe oder Kurbel an dem Haspelbaume, womit derselbe umgedrehet wird, besonders im Bergbaue.


Haspelknecht (W3) [Adelung]


Der Haspelknecht, des -es, plur. die -e, S. Haspeler.


Haspeln (W3) [Adelung]


Haspeln, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, den Haspel umdrehen, ingleichen vermittelst des Haspels bewegen. Erz aus der Grube haspeln. Das Garn haspeln, es von der Spule auf den Haspel bringen. Von jemanden, der sich sehr geschwinde beweget, ingleichen sehr geschwinde plaudert, sagt man in Niedersachsen, er haspele, so wie man auch in Obersachsen die kreisförmige Bewegung der Füße im Gehen haspeln nennet.


Haspelpumpe (W3) [Adelung]


Die Haspelpumpe, plur. die -n, im Bergbaue, eine Pumpe, oder Wasserkunst, welche von Menschenhänden gezogen wird; wo Haspel in der weitesten Bedeutung, eine jede Benennung zu bezeichnen scheinet.


Haspelrad (W3) [Adelung]


Das Haspelrad, des -es, plur. die -räder, ein Haspel, an welchem die Winden oder Arme vermittelst eines Rades vereiniget sind.


Haspelstütze (W3) [Adelung]


Die Haspelstütze, plur. die -n, die senkrechten Hölzer an einem Hebehaspel, worin die Welle lieget.


Haspelwinde (W3) [Adelung]


Die Haspelwinde, plur. die -n, die Hebel, Arme oder Stäbe, vermittelst welcher ein Hebehaspel umgedrehet wird, besonders im Bergbaue.


Haspelzieher (W3) [Adelung]


Der Haspelzieher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Haspeler.


Haß (W3) [Adelung]


Der Haß, des -sses, plur. inus. ein hoher Grad der Neigung, aus der Wegschaffung eines Dinges oder aus dem Übel einer Person Vergnügen zu empfinden. Einen Haß auf jemanden werfen, wider ihn fassen; anfangen ihn zu hassen. Einen Haß auf jemanden, oder wider ihn haben, oder hägen. Seinen Haß an jemanden auslassen. Etwas aus Haß thun. Das erweckte Haß. Jemandes Haß auf sich laden. Den Haß fahren lassen. Anm. Bey dem Ottfried Haz. Die nördlichen Mundarten haben statt des Zischlautes ein t oder d, wie das Nieders. Haat, das Angels. Hete, das Engl. Hate, das Dän. Had, das Schwed. Hat, das Isländ. Hatr. das Goth. Hatiza, und das mittlere Lat. Atia, Eatia, wohin auch mit Weglassung des Hauches das Lat. Odium, und mit dessen Verstärkung, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein eingewurzelter Zorn, ein Groll, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich zürne; zu gehören scheinen. Der gemeinsten und immer noch wahrscheinlichsten Meinung nach stammet es von heiß, Nieders. heet, Angels. hat, und Hitze her, und da würde es ursprünglich eine jede heftige unangenehme Gemüthsbewegung bedeutet haben, welches auch so wohl die Deutsche, als andere Sprechen bestätigen. In den Monseeischen Glossen bedeutet hazon nacheifern, aemulari, in Lipsii Glossen ist Hatego Nacheiferung, und Hatongo Zorn, im Nieders. Hätskeit der Zorn, im Span. und Ital. Astio Ekel, Abscheu, im mittlern Lat. Atya und Hatya Neid, und im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Schmerz, Neid, Mitleiden empfinden. S. auch Haber, Häßlich, Gehässig und Verhaßt.


Hassel (W3) [Adelung]


Der Hassel, des -s, plur. die -n, ein Fisch, siehe Häseling.


Hassen (W3) [Adelung]


Hassen, verb. reg. act. Haß empfinden. Jemanden hassen. Keine Art von Leuten haßt aufrichtiger, als die Heuchler. Etwas an einem hassen. Die Wahrheit, die Zucht, die Lügen, die Sünden hassen, Neigung empfinden, sich an ihrer Wegschaffung zu belustigen. Das Hauptwort die Hassung ist nicht gebräuchlich.

Anm. In dem übersetzten Isidor hazssan bey dem Ottfried hazzon, bey dem Ulphilas hatjan, im Angels. hatian, im Engl. to hate, im Dän. hade, im Schwed. hata, im Franz. mit Ausstoßung des t nach Art der Niedersachsen; hair, im Lat. odisse, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . S. Haß.


Hasser (W3) [Adelung]


Der Hasser, des -s, plur. ut nom. sing. der da hasset, der einen andern hasset, ein Feind. Er errettete mich von meinen starken Feinden, von meinen Hassern, Ps. 18, 18. Daß ich meine Hasser verstöre, B. 41. Wenn mich mein Hasser pochete, Ps. 55, 19. Opitz gebraucht Hasser gleichfalls für einen Feind. Im Hochdeutschen wird es nur noch zuweilen in der dichterischen Schreibart gebraucht. Wein ist stärker als das Wasser, Dieß gestehn auch seine Hasser, Less. Einer der edler gesinnt ist, und nicht dein Hasser, Jehovah! Klopft.


Häßlich (W3) [Adelung]


Häßlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Eigentlich, in einem hohen Grade ungestaltet, so daß dadurch Ekel, Schrecken und Abscheu erwecket wird, im Gegensatze des schön. Ein häßliches Gesicht. Häßlich aussehen. Häßliche Geberden machen. 2. In engerer Bedeutung, schmutzig, unrein, garstig; nur im gemeinen Leben. Sich die Hände häßlich machen. Wie ist das Gold so gar verdunkelt und das feine Gold so heßlich worden! Klagel. 4, 1. Häßliche Wäsche, häßliche Kleider, beschmutzte. Häßliche Gassen, kothige. 3. Figürlich. 1) Im moralischen Verstande, schändlich, in einem hohen Grade lasterhaft. Ein häßlicher Mensch. Häßliche Reden führen. Ein häßliches Laster. 2) In weiterer Bedeutung wird es im gemeinen Leben häufig von einem hohen Grade einer jeden unangenehmen oder bösen Sache gebraucht. Einen häßlichen Fall thun, einen sehr gefährlichen. Es ist sehr häßliches, unangenehmes, unfreundliches, Wetter. Ein häßlicher Fehler, ein sehr grober, schimpflicher Fehler. Ein häßlicher Verweis, ein derber.

Anm. Bey dem Grafen Werner von Honberg, einem der Schwäbischen Dichter, hessuilich, von der Gestalt; im Dän. häslich, im Schwed. haesslig, haskelig und hiskelig. Man leitet dieses Wort gemeiniglich von Haß ab, und erkläret es durch, Haß erweckend, Haß verdienend; eine Ableitung, welche wahrscheinlich genug ist, zumahl da auch die Niedersachsen von Haat, Haß, hätsch, hätsk, haben, solches aber nur noch für heftig, von der Kälte gebrauchen. Indessen verlieret doch diese Ableitung viel von ihrer Wahrscheinlichkeit, wenn man erwäget, daß häßlich in dieser Gestalt bey alten Schriftstellern sehr sparsam vorkommt, wohl aber bey dem Ottfried egislich, und bey spätern Oberdeutschen Schriftstellern aislich, welches eigentlich fürchterlich, schrecklich bedeutet, und wohin auch das heutige Nieders. aisk, eisch, häßlich, garstig, das alte Oberdeutsche und noch jetzige Nieders. aisen, fürchten, grauen, schaudern, das Angels. Oga, Ege, Egsa, Furcht, Entsetzen u. a. m. gehören. Der Hauch findet sich auch im Schwed. wo Haske, Isländ. Haski, Gefahr ist; ingleichen in den ältern Oberdeutschen Mundarten, wo hasen für schrecken, und erhasen für erschrecken vorkommt. Auf ähnliche Art scheint häßlich aus aislich entstanden zu seyn. Man mag nun eine Abstammung annehmen, welche man will, so wird dieses Wort in allen Fällen richtiger mit einem ä als mit einem o geschrieben.


Häßlichkeit (W3) [Adelung]


Die Häßlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es häßlich ist, allen Bedeutungen des Beywortes. Die Häßlichkeit einer Person, des Lasters u. s. f. Die Häßlichkeit entstehet vornehmlich aus dem Widerspruche der Theile, die ein Ganzes ausmachen, Sulz.


Häßling (W3) [Adelung]


Der Häßling, ein Fisch, S. Häseling.


Hastig (W3) [Adelung]


Hastig, -er, -ste, adj. et adv. welches in Niedersachsen am üblichsten ist. 1) Eilfertig, eilig, geschwinde, hurtig. Hastig gehen, reden, essen. 2) Figürlich, jähzornig. Ich bin etwas hastig, aber ich bin auch gleich wieder gut, Gell. Einen hastigen Kopf haben. So auch die Hastigkeit. Anm. Im Schwed. gleichfalls hastig, im Isländ. höstugr. Ottfried gebraucht heistigo für sehr. In Nieders. hat man auch das Hauptwort die Haft, die Eile zu bezeichnen, Engl. Haste, Franz. Haste, Hate, Dän. und Schwed. Hast, ingleichen das Zeitwort hasten, eilen, Engl. to haste, Schwed. hast, Franz. hater, welches im Schwed. so wie das Bretagnische hasta auch active für antreiben, beschleunigen, vorkommt, und wie Ihre bemerkt, mit dem Lat. castigare überein kommt, welches die Römischen Schriftsteller mehrmahls in dieser thätigen Bedeutung gebrauchen. Siehet man das t in hasten als ein Zeichen eines Intensivi, Frequentativi oder einer ähnlichen Form an, so bleibt für die einfache Eile oder Geschwindigkeit has oder hasen üblich, wovon nicht nur unser haschen, sondern vielleicht auch Hase abstammen. S. diese Wörter. Indessen behält auch Frischens Ableitung ihre Wahrscheinlichkeit, der es von heiß, Hitze, abstammen lässet.


Hätscheln (W3) [Adelung]


+ Hätscheln, verb. reg. act. welches nur im Oberdeutschen üblich ist, liebkosen, liebkosend, streicheln; daher verhätscheln daselbst für verzärteln gebraucht wird.


Hatschier (W3) [Adelung]


Der Hatschier, des -s, plur. die -e, ein nur noch an dem kaiserlichen Hofe zu Wien übliches Wort, einen kaiserlichen Leib-Trabanten zu Pferde zu bezeichnen. Daher die Hatschier-Leibgarde, die kaiserliche Leibwache zu Pferde; zum Unterschiede von der Trabanten-Leibgarde, oder der Leibgarde zu Fuße. Es ist vom Ital. und Span. Arciere, Franz. Archier, ein Bogenschütze, und dieß vom Lat. Arcus, ein Bogen, weil diese Leibwache in den ältesten Zeiten aus Bogenschützen bestand.


Hattstatt (W3) [Adelung]


Die Hattstatt, plur. die -stätte, bey den Jägern ein Ort, wo die Jäger nach einer Suche zusammen kommen, und sich von dem, was sie angetroffen, Nachricht geben. Da dieses Wort auch Haltstatt lautet, so scheinet Hattstatt daraus verderbet zu seyn; und da würde es eigentlich einen Ort bedeutet, wo Halte gemacht wird.


Hatz (W3) [Adelung]


Die Hatz, oder Hatze, plur. die -n, welches von hetzen im Oberdeutschen und bey den Hochdeutschen Jägern am üblichsten ist, eine Hetze zu bezeichnen, d. i. eine Jagd, wo man wilde Thiere mit Hunden hetzet, oder fängt. Auf die Hatz gehen. Die mehresten, Hatzen geschehen auf Sauen und nach Hasen. So auch die Bärenhatz, Schweinshatz, Hasenhatz u. s. f. Figürlich werden auch so viel Hetzhunde als zusammen eingehetzet sind, eine Hatze Hunde genannt, welches bey den Windhunden ein Strick, und bey Jagdhunden eine Kuppel heißt. S. Hetzen.


Hätze (W3) [Adelung]


Die Hätze, ein Vogel, S. Atzel.


Hau (W3) [Adelung]


Der Hau, des -es, plur. die -e, von dem Zeitworte hauen. 1) Die Handlung des Hauens, distributive betrachtet, wofür in den anständigern Sprecharten Hieb üblicher ist. Jemanden einen Hau geben, einen Hieb. Einen Hau in dem Gesichte haben. 2) Der Ort, wo gehauen wird, wo dieses Wort nur im Forstwesen üblich ist, einen Wald, oder denjenigen Theil eines Waldes zu bezeichnen, in welchem Holz geschlagen oder gehauen wird; ein Gehau. Einen Wald in gewisse Haue, oder Gehaue theilen, S. Hieb.


Hauamboß (W3) [Adelung]


Der Hauamboß, des -es, plur. die -e, bey den Feilenhauern, ein kleiner viereckiger Amboß, die Feilen und Raspeln darauf zu hauen.


Haubar (W3) [Adelung]


Haubar, -er, -ste, adj. et adv. was sich hauen lässet. Besonders im Forstwesen, haubares Holz, völlig ausgewachsenes Holz, welches gehauen oder gefället werden kann, und welches auch hiebig, hauicht und schlagbar genannt wird. So auch die Haubarkeit.


Haubeere (W3) [Adelung]


Die Haubeere, plur. die -n, 1) In einigen Gegenden ein Nahme der Schlingbeeren oder Mehlbeeren, daher der Strauch, welcher sie trägt, auch Haubeerenstrauch oder Haubeerenholz genannt wird; Viburnum Lantana L. Vermuthlich wegen der an der Spitze der Zweige in großen Dolden wachsenden weißen Blumen, so fern man sich dabey einige Ähnlichkeit mit Weiberhauben gedacht hat. S. Schlingbaum. 2) Der Elsebeeren oder Vogelkirschen, deren Strauch gleichfalls an einigen Orten Haubeerenstrauch genannt wird; Prunus Padus L. S. Vogelkirsche und Elsebeere.


Häubellerche (W3) [Adelung]


Häubellerche, Haubelmeise, S. Haubenlerche, Haubenmeise.


Häubeln (W3) [Adelung]


Häubeln, verb. reg. act. mit einer kleinen Haube bekleiden; ein bey den Jägern für hauben vornehmlich übliches Wort, wo man die Falken häubelt, wenn man ihnen die Kappe aufsetzet.


Hauben (W3) [Adelung]


Hauben, verb. reg. act. mit einer Haube bekleiden, die Haube aufsetzen. Eine Braut hauben, ihr am andern tage der Hochzeit die Weiberhaube mit gewissen Feyerlichkeiten aufsetzen. Welch Weib des Isaacs Braut am Hochzeitabend haubte, Günth. Einen Falken hauben, oder häubeln, ihm die Haube oder Kappe aufsetzen.


Haubenband (W3) [Adelung]


Das Haubenband, des -es, plur. die -bänder, eigentlich ein Band, die Haube damit zu binden, oder es über die Haube zu binden. An einigen Orten, z. B. im Holsteinischen, werden die fräulichen Gerechtigkeiten, die Gerechtsamen des andern Geschlechtes mit allem, was dahin gehöret, im männlichen Geschlechte der Haubenband genannt.


Haubendraht (W3) [Adelung]


Der Haubendraht, des -es, plur. die -e, Draht, die Weiberhauben oder Kopfzeuge an den Seiten oder oben damit steif zu erhalten; mit einem Französischen Ausdrucke eine Carcasse.


Haubenfink (W3) [Adelung]


Der Haubenfink, des -en, plur. die -en, eine Art Indianischer rother Finken mit einer Haube oder einem Büschel auf dem Kopfe; Coccothraustes Indica cristata Klein.


Haubenkönig (W3) [Adelung]


Der Haubenkönig, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme des gekrönten Zaunköniges, oder des Goldhähnchens; Motacilla Regulus L.


Haubenkram (W3) [Adelung]


Der Haubenkram, des -es, plur. inus. der Kram, d. i. Handel mit Frauenzimmerhauben oder Kopfzeugen. Daher der Haubenkrämer oder die Haubenkrämerinn, Personen, welche damit handeln.


Haubenlerche (W3) [Adelung]


Die Haubenlerche, im gemeinen Leben Häubellerche, plur. die -n, eine Art Lerchen mit einer Haube oder einem kleinen Büschel Federn auf dem Kopfe, daher sie auch Kobellerche, Calander oder Galander, im mittlern Lat. Caliendrum, und weil sie sich im Winter häufig auf den Dörfern und in den Wegen antreffen läßt, auch Kothlerche, in Österreich Kothmünch und Wegelerche genannt wird; Alauda capitata, cristata, viarum Klein. S. Calander.


Haubenmacher (W3) [Adelung]


Der Haubenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Haubenmacherinn, plur. die -en, eine Person, welche Hauben oder Kopfzeuge für das andere Geschlecht verfertiget, und auch eine Haubensteckerinn, Putzmacherinn, im Österreichischen ein Visirschneider und Visirschneiderinn genannt wird.


Haubenmeise (W3) [Adelung]


Die Haubenmeise, im gemeinen Leben Häubelmeise, plur. die -n, eine Art Meisen mit einer schwarz und weißen Haube oder Federbusche auf dem Kopfe, welche auch Kobelmeise, Kuppmeise, Schopfmeise, Straußmeise und Heidemeise genannt wird; Parus cristatus Klein.


Haubennadel (W3) [Adelung]


Die Haubennadel, plur. die -n, die kleinste Gattung Stecknadeln, so wie sie zu Hauben und Kopfzeugen gebraucht werden.


Haubensteckerinn (W3) [Adelung]


Die Haubensteckerinn, plur. die -en, S. Haubenmacher.


Haubenstock (W3) [Adelung]


Der Haubenstock, des -es, plur. die -stöcke, ein rundlicher Kloß, in Gestalt eines Kopfes, worüber die Putzmacherinnen den Frauenzimmerhauben oder Kopfzeugen die gehörige Form geben.


Haubentaube (W3) [Adelung]


Die Haubentaube, plur. die -n, eine Art Cyperscher Tauben mit Hauben oder Büscheln auf dem Kopfe; wohin auch die Trommeltauben und andere Arten gehören; Columba cucullata Klein.


Hauberg (W3) [Adelung]


* Der Hauberg, es -es, plur. die -e, in den Marschländern in Schleßwig, ein mit einem hohen Dache von Rohr oder Schilf versehenes Gebäude, welches auf vier, sechs oder acht Balken ruhet, und nach Friesischer Art Wohnhaus, Scheuer und Stall zugleich ist. Hau scheinet hier zu dem alten da, hoch, berg aber zu bergen zu gehören, so daß es überhaupt ein hohes bedecktes Gebäude bezeichnen würde.


Haubitze (W3) [Adelung]


Die Haubitze, plur. die -n, ein grobes Geschütz, welches eine Kammer, wie ein Mörser, aber einen längern Lauf hat, der doch kürzer ist als an einem Kammerstücke. Man bedienet sich ihrer, große steinerne Kugeln, Hagel, Kartätschen, Granaten u. s. f. daraus zu werfen. Es soll den Nahmen von einiger Ähnlichkeit mit einer Haube haben. Aus dem Deutschen Worte ist das Böhm. Haubyce und das Franz. Obus gebildet. Indessen scheinet das ganze Wort einen ausländischen Ursprung zu verrathen. In einem Reichsanschlage von 1448 heißt es Steinbüchsen genannt Hawffnitz, und in Ungarn kommt unter dem Könige Matthias 1460 Hofniczi in dieser Bedeutung vor. In manchen Gegenden ist es männlichen und in andern ungewissen Geschlechtes, der oder das Haubitz, des -es, plur. die -e.


Haubitzgranate (W3) [Adelung]


Die Haubitzgranate, plur. die -n, Granaten, welche aus Haubitzen geschossen, und auf hölzerne Spiegel geküttet werden.


Haublock (W3) [Adelung]


Der Haublock, des -es, plur. die -blöcke, ein Block, darauf zu hauen, oder etwas darauf zu zerhauen; ein Hauklotz, Haustock, Hackblock, Hackklotz, Hackstock.


Hauch (W3) [Adelung]


1. Der Hauch, das Zäpfchen im Halse, ingleichen eine Krankheit des Viehes, S. Hauk.


Hauch (W3) [Adelung]


2. Der Hauch, des -es, plur. die -e. 1) Eigentlich, die Ansstoßung des Athems mit stark geöffnetem Munde, ingleichen der auf solche Art ausgestoßene Athem; wie auch der Ton, der Laut, womit solches geschiehet, der Laut des h, der Hauchlaut, und dessen Zeichen, das h, der Hauchbuchstab. In weiterer Bedeutung pfleget man in der Sprachkunst alle Buchstaben, welche mit einem merklichen Hauche vorgebracht werden, wohin außer dem h auch das ch, g, k und q gehören, Hauchlaute und Hauchbuchstaben zu nennen. 2) Figürlich, so wohl ein jeder Athem, als auch die sanft bewegte Luft. Der Haß zerfloß wie Schneewolken vor dem Hauche der wärmen Luft, Weiße. Der junge West, der schwächste von den Winden, Der doch durch seinen Hauch kaum Bäche runzeln kann, Schleg. 3) In einigen Gegenden, z. B. der Lausitz, eine Krankheit des Rindviehes, wenn es im Frühlinge bey gutem Futter plötzlich matt wird.


Häucheln (W3) [Adelung]


Häucheln, S. Heucheln.


Hauchen (W3) [Adelung]


1. Hauchen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, den Athem mit stark geöffnetem Munde von sich stoßen. In die Hände hauchen. An die Fensterscheibe hauchen. In weiterer Bedeutung für blasen, wehen, wie Weish. 17, 19, wo etwa ein Wind hauchte, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. Wohl aber gebraucht man es zuweilen in der höhern Schreibart active für aushauchen. Die Freyheit die in Todesangst den letzten Odem haucht, Weiße. Ingleichen figürlich. Die Weisheit ist das Hauchen der göttlichen Kraft, Weish. 7, 25. Seine Kindheit hauchte Freude, Ramler. In welchem Verstande auch athemen gebraucht wird. S. Aushauchen, Anhauen, Behauchen u. s. f.

Anm. Dieses Zeitwort, welches im Pohln. chuchac lautet, ahmet den Laut nach, der mit dem Hauchen verbunden ist, und druckt denselben aus.


Hauchen (W3) [Adelung]


2. Hauchen, sich auf den Füßen niederthun, S. Hocken.


Hauchlaut (W3) [Adelung]


Der Hauchlaut, des -es, plur. die -e, der Laut, welchen das Hauchen hervor bringet, und ein jeder mit einem Hauche hervor gebrachte Laut. S. 2 Hauch. Daher der Hauchlauter, des -s, plur. ut nom. sing. das Zeichen eines Hauchlautes, ein Hauchbuchstab. Der Häuchler u. s. f. S. Heuchler.


Haudegen (W3) [Adelung]


Der Haudegen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Degen zum Hauen; zum Unterschiede von einem Stoßdegen.


Hauderer (W3) [Adelung]


* Der Hauderer, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. im Koburgischen, ein Miethwagen, Lohnkutscher. Daher haudern, Reisende um Lohn weiter fahren. In einer andern mir unbekannten Bedeutung gebraucht es Gleim: Ein großer Puterhahn - ging auf dem Hühnerhofe stolz tretend auf und nieder, und hauderte, sehr träg fortschleppend sein Gefieder.


Haue (W3) [Adelung]


Die Haue, plur. die -n, ein Werkzeug zum Hauen, doch nur in engerm Verstande, ein Werkzeug, damit in die Erde zu hauen, oder die Erde damit aufzuhauen; welches auch wohl ein Karst, ingleichen eine Hacke genannt wird. S. Hacke, ingleichen Reuthaue, Gäthaue, Mörtelhaue, Weinhaue, Keilhaue, u. s. f. Berge, so man Hauen pflegt umzuhacken, Es. 7, 25. Im Bergbaue ist die Haue ein hölzerner Hammer, womit die Eisensteine gepocht werden. S. Hauen. Nur in der Bedeutung einer Art, in welcher es 1 Sam. 13, 20, 21 vorzu- kommen scheinet, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. In der Monseeischen Glosse schon Houve.


Haueisen (W3) [Adelung]


Das Haueisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Eisen, damit zu hauen. Bey den Feilenhauern ist es das mit Rinnen versehene Eisen, worein man die Feilen legt, wenn man sie hauet.


Hauen (W3) [Adelung]


Hauen, verb. irreg. act. Präs. Ich haue, du hauest, er hauet, (nicht häuest, häuet;) Imperf. ich hieb, du hiebest oder hiebst, er hieb; Mittelw. gehauen; Imperat. haue. 1) Eigentlich, wenigstens in der gemeinsten und häufigsten Bedeutung, mit der Schärfe eines schneidenden Werkzeuges schlagen, und dadurch verletzen. Mit der Art, mit dem Degen, mit der Sense nach jemanden hauen. Jemanden in das Gesicht hauen. Er ist gehauen worden, d. i. auf solche Art verwundet worden, zum Unterschiede von dem Stechen. In Stücke, zu Stücken hauen. Einem Ast von dem Baume hauen. Mit dem Degen in das Pflas=ter hauen. Jemanden krumm und lahm hauen. Über die Schnur hauen, figürlich, nach einem von den Holzarbeitern entlehnten Bilde, das gehörige Maß überschreiten. Sprichw. Es ist weder gehauen noch gestochen, es ist weder halb noch ganz. Das ganze Regiment wurde in der Schlacht in die Pfanne gehauen, figürlich und im gemeinen Leben, nach einem von den Köchen entlehnten Bilde, es wurde nieder gehauen. Sich durch die Feinde hauen, sich durch Hauen Platz machen. Figürlich für abhauen, in einigen Fällen. Holz hauen, im gemeinen Leben zuweilen für Holz fällen, stehende Bäume umhauen, S. Hau und Gehau. Sie hauen im Walde einen Baum, Jer. 10, 3. In Meißen wird hauen mehrmahls für mähen, abmähen gebraucht. Gerste, Hafer, Gras, Erbsen hauen. Ingleichen für zerhauen. So heißet Holz hauen oder Holz hacken, das gefällte Holz mit der Axt klein hauen. Fleisch hauen, es in der Fleischbank zerhauen; daher die Fleischer an einigen Orten auch Fleischhauer genannt werden. + Jemanden zur Bank hauen, eben daher, ihn in seiner Abwesenheit verleumden und verkleinern. Wie auch für behauen, hauend bearbeiten. Daß man mir Cedern aus Libanon haue, 1 Kön. 5, 6. Daß bey uns niemand ist, der Holz zu hauen wisse, ebend. Ferner, durch Behauung oder durch Hauen hervor bringen. Balken hauen. 2) In weiterer Bedeutung, mit ausgehohltem Kopfe oder Schnabel verwunden oder schlagen. So sagt man von zahmen und wilden Schweinen, daß sie hauen, oder um sich hauen, wenn sie mit ihren hervor stehenden Zähnen nach jemanden schlagen. Ein hauendes Schwein, bey den Jägern, ein wildes Schwein, wenn es über fünf Jahr alt ist, weil es alsdann am gefährlichsten um sich hauet. Auch die Vögel hauen oder hacken mit ihrem Schnabel Löcher in die Bäume u. s. f. Die Katze hauet mit ihren Klauen nach der Maus. Bey den Jägern hauet der Biber, wenn er beißet. Aber von Scorpionen und andern Thieren sagt man im Hochdeutschen stechen, beißen u. s. f. ungeachtet es Offenb. 9, 5 heißt: und ihre Qual war wie eine Qual vom Scorpion, wenn er einen Menschen häuet, (hauet.) 3) Noch häufiger verstehet man unter diesem Zeitworte auch die Gewinnung oder Bearbeitung eines Körpers vermittelst des Meißels und Schlägels; entweder weil diese Arbeiten ehedem mehr in eigentlichen Verstande durch Hauen hervor gebracht worden, oder auch so fern hauen zuweilen für schlagen gebraucht wird. Erz hauen, im Bergbaue, es vermittelst des Eisens und Fäustels gewinnen, los machen. Daher diejenigen Bergleute, welche in den Gruben und auf dem Gesteine arbeiten, auch eigentlich Häuer heißen. Steine aus den Bergen hauen, Bar. 6, 38, so fern solches mit dem Meißel und Schlägel geschiehet. Außerdem sagt man Steine brechen. Ingleichen auch mit dem Schlägel und Meißel bearbeiten. Steine hauen oder behauen, ihnen auf solche Art eine regelmäßige oder zierliche Gestalt geben, daher diejenigen welche solches thun, Steinhauer genannt werden. Ein Grab in einen Fels hauen, Matth. 27, 60. Eines Nahmen in Marmor hauen. Hingegen in Stein, in Marmor hauen, künstliche Bildwerke vermittelst des Meißels und Schlägels hervor bringen, ist eine Beschäftigung der Bildhauer, welche auch Bilder aus Stein, oder aus Holz hauen. Aber etwas in Erz, in Metall hauen, wie man zuweilen in der dichterischen Schreibart lieset, ist sehr oft unrichtig, weil die Metalle nur selten auf dieses Art bearbeitet werden. Doch hauen die Schwertfeger nicht allein den Grund, sondern auch Figuren in die Degengefäße, aber alsdann bedienen sie sich gleichfalls eines Meißels und Schlägels, so wie die Feilenhauer, wenn sie Feilen hauen, d. i. die Furchen, worin das Wesen einer Feile bestehet, vermittelst eines Meißels und Hammers hinein schlagen. 4) In manchen Fällen wird es für schlagen gebraucht, besonders für das Schlagen mit Ruthen. Einen Verbrecher mit Ruthen hauen. Ein Kind mit der Ruthe hauen. Im gemeinen Leben gebraucht man es auch wohl von dem Schlagen mit dem Stocke, oder mit der Fläche einer Degenklinge. S. auch Hacken. Das Hauptwort die Hauung ist in den Zusammensetzungen häufiger als in dem einfachen Worte, ob man gleich im Forstwesen einiger Gegenden einen Hau oder ein Gehau auch wohl eine Hauung zu nennen pfleget.

Anm. Bey dem Ottfried und Notker houuen und im Imperf. schon hiuuuen, im Schwabensp. hauen, im Nieders. houen und houwen, im mittlern Lat. houare, im Angels. heawian, im Engl. to hew, im Holländ. houwen; woraus zugleich erhellet, woher das b im Imperfecto stammet. Andere Mundarten haben statt der Blaselaute einen starken Hauchlaut, wie das Dän. hugge, das Schwed. hugga, und unser hacken. Das Isländ. hoggva hat beyde zugleich. Es ist schwer auszumachen, welches die eigentliche Bedeutung dieses Wortes ist. In einigen alten Mundarten wird es häufig für schneiden gebraucht, (siehe Frisch v. Heyen,) von welcher Bedeutung auch unser Hobel noch ein Überrest ist. Daß es auch spalten und zermalmen bedeutet haben müsse, erhellet theils aus dem Angels. heawan, theils aus unserm kauen, und daß man es ehedem häufiger für schlagen gebraucht habe als jetzt, läßt sich aus dem Worte Heye, Pochheye, ein Schlägel, beweisen. S. diese Wörter. Die im Hochdeutschen ungewöhnlich Form, ich haue, du häuest, er häuet u. s. f. kommt noch in einigen Ausgaben der Deutschen Bibel und bey dem Opitz vor: Wer sticht und häuet mich? Und an einem andern Orte: der ein wenig zu sehr über die Schnur häuet.


Hauer (W3) [Adelung]


Der Hauer, des -s, plur. ut nom. sing. von dem vorigen Zeitworte. 1) Der da hauet; doch außer der Zusammensetzung nur in einigen Fällen. So sind im Bergbaue Hauer oder Häuer diejenigen Bergleute, deren eigentliche Beschäftigung es ist, das Erz in der Grube zu hauen, d. i. von dem Gesteine abzusondern; Böhm. Hawyr, S. Erbhäuer, Doppelhäuer, Ganghäuer, Lehrhäuer. 2 Chron. 2, 18 wird es auch für Steinhauer oder Steinmetz gebraucht, in welchem Verstande es aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist; ob man es gleich in den Zusammensetzungen Bildhauer, Feilenhauer, Fleischhauer, Holzhauer u. s. f. in dem ganzen Umfange der Bedeutungen des Zeitwortes gebraucht. Ein wildes Schwein männlichen Geschlechtes, besonders wenn es fünf Jahr alt ist, da es auch ein hauendes Schwein genannt wird, führet bey den Jägern den Nahmen des Hauers. Siehe Keiler. 2) Ein Werkzeug, womit man hauet. So wird ein Haudegen im gemeinen Leben oft ein Hauer genannt, und die Klempener nennen ihre runden Meißel gleichfalls Hauer. Auch die Hauzähne der zahmen und wilden Schweine beißen Hauer.

Anm. Im Österreichischen sind die Hauer eine Art Landleute welche nur zu Hand- und Fußfrohnen verpflichtet sind. Es scheinen Tagelöhner zu seyn, welche sich von dem Hauen oder Hacken in den Weinbergen nähren und an andern Oberdeutschen Orten Häcker genannt werden.


Häuergeld (W3) [Adelung]


Das Häuergeld, S. Anfahren.


Häuerglocke (W3) [Adelung]


Die Häuerglocke, plur. die -n, in den Bergwerken, diejenige Glocke, mit welcher die Bergleute und besonders die Häuer zusammen berufen werden, und welche auch die Bergglocke heißt.


Häuerlohn (W3) [Adelung]


Der Häuerlohn, des -es, plur. inus. der Lohn der Häuer in den Bergwerken.


Häuersteg (W3) [Adelung]


Der Häuersteg, des -es, plur. die -e, ein Steg, d. i. Fußweg, der Häuer zu den Zechen und Gruben.


Haufe (W3) [Adelung]


Der Haufe, des -ns, plur. die -n, Diminut. das Häufchen, Oberd. Häuflein. 1) Eigentlich, eine Versammlung mehrerer Dinge auf und über einander. Ein großes Haufe Erde. Ein kleiner Haufe Sand. Ein Maulwurfshaufe, Steinhaufe, Kothhaufe u. s. f. Die Garben, das Holz, die Steine in Haufen legen. Alles auf einen Haufen legen oder werfen. Einen Haufen aus etwas machen. Es liegt alles über einen Haufen, d. i. auf einem Haufen. Etwas über den Haufen stoßen, es umstoßen, gleichsam es so stoßen, daß es in einen Schutthaufen zerfällt. Thaz warf er alles in houf, Ottfr. für über den Haufen. Über den Haufen fallen, umfallen. Über den Haufen schießen, niederschießen. Sie stoßen alle Philosophie über den Haufen, Gell. sie richten sie zu Grunde, heben sie auf, machen sie unnütz. Aber mein Herz und mein Gefühl warfen auf einmal (Ein Mahl) das mühsame Gebäude von Schlüssen über den Haufen, Less. Zu Haufe bringen, in Menge versammeln, wo man nicht leicht Haufen sagt. 2) Figürlich, die Versammlung mehrerer Dinge neben einander, doch nur von lebendigen Geschöpfen. Ein zahlreicher Haufe Soldaten. Ein unordentlicher Haufe Volkes. Sich durch den Haufen drängen. Sie sitzen da alle auf einem Haufen, alle nahe um und neben einander. Die Leute in gewisse Haufen stellen, im Haufen abtheilen. Der ganze Haufe kam in die Stadt gerannt; im gemeinen Leben, der helle Haufen, von dem Nieders. heel, ganz, S. Hell. Reißt Schand und Üppigkeit mit hellem Haufen ein, Opitz. Die Noth kommt mit Haufen, zahlreich. Mit Haufen, oder haufenweise zulaufen. Ein starker Haufe Kühe, Frösche, Vögel u. s. f. Der große Haufe, der gemeine Haufe, der Pöbel, der größte Theil der Menschen dem Staude und den Einsichten nach. Das kleine Häuflein der Gerechten. Mit dem Haufen gehen. 3) Nach einer noch weitern Figur wird ein Haufen, doch nur im gemeinen Leben, sehr oft für viel gebraucht, und da kann es auch von leblosen Dingen gesagt werden. Es waren ein Haufen Leute in der Komödie, viele Leute. Ein Haufen Geld, vieles Geld. Einen Haufen Kinder haben.

Anm. Bey dem Ottfried Houfe, bey dem Willeram und Notker Husfo, im Pohln. Huf, im Böhmischen Hauff. Andere Mundarten ziehen dem f das b und p vor, wie das Nieders. Hoop, Hope, Hupe und Hüpen, das Angels. Heape, Hype, das Engl. Heap, das Dän. Hob, das Schwed. Hop; wohin auch das Lat. Copia, und copulare, gehören, so wie das Nieders. Hümpel, ein Haufe mit Cumulus überein stimmet. Der herrschende und Stammbegriff in diesem Worte ist wohl die Höhe, daher man es füglich zu dem Geschlechte der Wörter hoch, heben, Hübel für Hügel, Hüfte, und besonders auf rechnet.


Häufeln (W3) [Adelung]


Häufeln, verb. reg. act. kleine Haufen, Häuflein machen. Das Heu häufeln; es, wenn er auf der Wiese getrocknet ist, in kleine Haufen aufsetzen. Im gemeinen Leben ist das Häufeln, Nieders. Hupken, auch eine Art eines Kartenspieles, da so viele Häuflein gemacht werden, als spielende Personen sind.


Häufen (W3) [Adelung]


Häufen, verb. reg. act. in Haufen bringen, d. i. mehrere Dinge in Haufen versammeln. 1) Eigentlich, sie auf und über einander versammeln. Die Erde um ein Gewächs, um einen Baum häufen. Einen Scheffel häufen. Ein gehäufter Scheffel. Und sie häuften sie (die Frösche,) zusammen, hie einen Haufen und da einen Haufen, 2 Mos. 8, 14. Ein gehäufter Berg, d. i. ein hoher, Ezech. 17, 22, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. 2) * Sie neben einander versammeln. Werfet zu Zion ein Panier auf, hänfet euch und säumet nicht. Jer. 4, 6. Sie werden kommen und sich zu den Gaben des Herren häufen, Kap. 31, 12, d. i. sich versammeln; in welcher Bedeutung es doch im Hochdeutschen veraltet ist, wo man es, 3) am häufigsten mit dem Nebenbegriffe der Menge, der Vielheit gebraucht, viele Dinge einer Art hervor oder zusammen bringen. Gott häuft alles Unglück über uns zusammen. Sünde mit Sünde, Verbrechen mit Verbrechen häufen, d. i. die Sünden, die Verbrechen häufen, viele Sünden und Verbrechen begehen. Sie häuften Schuld auf Schuld, Dusch. Geld mit Geld häufen. Ingleichen als ein Reciprocum, sich häufen, zahlreicher werden. Die Zuschauer häufen sich alle Augenblicke. Die Geschäfte haben sich sehr gehäufet. Hier häufen sich die Begebenheiten. So auch die Häufung.

Anm. Bey dem Notker kehufen und gehufson, bey dem Ottfr. gihoufan, in Schlesien heffen, im Nieders. hopen, höpen und hüpen.


Haufenweise (W3) [Adelung]


Haufenweise, adv. in Gestalt eines Haufens, und figürlich auch in Menge. Die Leute kamen haufenweise zusammen, versammelten sich haufenweise. Das Geld haufenweise liegen haben.


Häufig (W3) [Adelung]


Häufig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Hauptworte Haufe, doch nur so fern dasselbe in der dritten Bedeutung eine Menge, eine große Mehrheit einzelner Dinge bedeutet; besonders als ein Nebenwort. Die Schwalben lassen sich schon häufig sehen. Da kamen die Fürsten und Landvögte häufig vor den König, Dan. 6, 6. Die Leute gehen häufiger in die Komödie als in die Kirche. Diese Waare ist hier sehr häufig. In Gestalt eines Beywortes kommt es seltener vor. Ich könnte häufige Beyspiele davon anführen. Häufige Thränen quellen vom Auge, Geßn. Figürlich wird das Nebenwort auch für oft gebraucht, von der Vielheit der Zeit oder der Wiederholung, und in dieser Bedeutung kommt es immer häufig genug vor. Nieders. hüpig.


Haufwerk (W3) [Adelung]


Das Haufwerk, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, allerley auf einen Haufen gestürzte Erze oder Steine. In engerer Bedeutung nennet man in der Mineralogie Haufwerke außer und neben einander zusammen gewachsene Steine verschiedener Arten; Steinhäufungen, Aggregata lapidum.


Haugeld (W3) [Adelung]


Das Haugeld, des -es, plur. von mehrern Summen dieser Art, die -er, im Bergbaue, dasjenige Geld, welches die Häuer für ihre Arbeit bekommen, und auch das Gedingegeld genannt wird.


Hauhammer (W3) [Adelung]


Der Hauhammer, des -s, plur. die -hämmer, im Bergbaue, ein Hammer, welcher auf der andern Seite ein Beil oder eine Axt hat, und daher auch ein Hammerbeil oder eine Hammeraxt genannt wird. Bey den Feilenhauern ist der Hauham- mer derjenige Hammer, welcher bey dem Hauen der Feilen den Meißel treibt.


Hauhechel (W3) [Adelung]


Die Hauhechel, plur. die -n, eine Pflanze; Ononis L. Besonders die stachelige Art derselben, welche bey uns in den Feldern und dürren Gründen wächset, und eben wegen ihren Stacheln ihren Nahmen bekommen hat; Ononis spinosa L. Sie wird auch Stachelkraut und verderbt Stahlkraut, Häkelkraut, Heuschel, Hachelkraut, Ochsenbrech, Weiberkrieg, in Österreich aber, gleichfalls wegen ihrer Stacheln, Aglarkraut genannt.


Hauholz (W3) [Adelung]


Das Hauholz, des -es, plur. die -hölzer, im Forstwesen, Holz, d. i. mehrere Bäume, welches zu seiner Zeit gehauen oder geschlagen werden soll; ohne Plural. Ingleichen ein Wald oder Theil desselben, welcher zum Holzfällen oder Abräumen bestimmt ist. In beyden Fällen auch Splitterholz. Im Gegensatze des Hain- oder Hägeholzes.


Häuig (W3) [Adelung]


Häuig, adj. et adv. welches gleichfalls nur im Forstwesen üblich ist, und so wie haubar gebraucht wird. Ein häuiger Wald, in welchem Holz gefället werden kann. S. Haubar.


Hauk (W3) [Adelung]


Der Hauk, des -es, plur. die -e, ein im gemeinen Leben übliches Wort, welches in einigen Fällen gebraucht wird, eine gewisse Erhöhung anzuzeigen. So wird 1) das Zäpfchen im Halse der Hauk, Hauch, Heuch oder Huch genannt. 2) Ein Gebrechen der Augen bey den Pferden und dem Rindviehe, welches aus einer Haut bestehet, die sich aus dem innern Augenwinkel erzeuget und auch der Haug genannt wird. S. Fell. Das Wort gehöret ohne Zweifel zu der Familie der Wörter hoch, Höcker, Hügel u. s. f. welche eine Erhöhung überhaupt bedeuten.


Haukenblatt (W3) [Adelung]


Das Haukenblatt, des -es, plur. inus. im gemeinen Leben, ein Nahme des Halskrautes, Ruscus Hypophyllum L. weil es von dem gemeinen Manne gebraucht wird, wenn ihm der Hauk oder das Zäpfchen geschossen ist, daher es auch Zapfenkraut, Kehlkraut, Hockenblatt u. s. f. genannt wird. Siehe Halskraut.


Hauklinge (W3) [Adelung]


Die Hauklinge, plur. die -n, die Klinge eines Haudegens, oder zu einem Haudegen, im Gegensatze einer Stoßklinge.


Hauklotz (W3) [Adelung]


Der Hauklotz, des -es, plur. die -klötze, S. Haublock.


Haumeißel (W3) [Adelung]


Der Haumeißel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Meißel, damit zu hauen, d. i. vermittelst der darauf gethanen Hammerschläge, Einschnitte zu machen; doch nur in einigen Fällen. So nennen die Windenmacher den Meißel mit schräger Fläche, vermittelst dessen sie die Zwischenräume zwischen den Zähnen der eisernen Räder aushauen, den Haumeißel.


Haupt (W3) [Adelung]


Das Haupt, des -es, plur. die Häupter, Diminut. welches aber nur in einigen Fällen gebraucht wird, das Häuptchen, Oberd. Häuptlein. 1. Eigentlich, oder vielmehr am häufigsten, der oberste Theil der menschlichen und thierischen Körper, wo diese Wort für Kopf nur in der edlern und anständigern Sprechart gebraucht wird, besonders, wenn man von Personen redet, denen man Achtung und Ehrerbiethung schuldig ist. Am häufigsten von Menschen. So sagt man in der anständigen Sprechart, das Haupt thut mir weh, Schmerzen im Haupte empfinden, im Haupte verrückt seyn, sein Haupt entblößen, bedecken, so viel ich Haare auf meinem Haupte habe, jemanden das Haupt abschlagen, vom Haupte bis auf die Füße, u. s. f. wo man im gemeinen Leben das Wort Kopf gebraucht, S. dasselbe. Achtzig Jahre waren schon über sein Haupt hingeflogen, Geßn. Dahin gehöret auch die figürl. R. A. den Feind aufs Haupt schlagen, ihn völlig, gänzlich schlagen, wo das Wort Kopf nicht gebräuchlich ist. Den veindt bis auf das Haupt erlegen, Theuerd. Kap. 93. Man hat den Feind aufs Haupt geschlagen, Doch Fuß hat Haupt hinweg getragen, Logau. Das Haupt des heil. Dionysius, u. s. f. wo man in der Römischen Kirche, wenn von Heiligen die Rede ist, niemahls das Wort Kopf gebraucht. In der edlern Schreibart auch von Thieren. Und die Häupter der Rosse, wie die Häupter der Löwen, Offenb. 9, 17. Ein großer rother Drach, der hatte sieben Häupter, Kap. 12, 3: Kap. 17, 7, 9. Dieser Unterschied gilt auch von den folgenden Zusammensetzungen, indem sie insgesammt edler und anständiger sind, als diejenigen, welche mit Kopf - gemacht werden. 2. Figürlich. 1) Derjenige Theil des Bettes, des Garges, oder des Grabes, wo das Haupt ruhet; im gemeinen Leben der Kopf. Etwas zum Haupte des Bettes legen. Wo es auch in dem veralteten Plural zu den Häupten, der alsdann anstatt des Singulars stehet, gebraucht wird. Und er nahm einen Stein und legte ihn zu seinen Häupten, 1. Mos. 28, 11, 18. Da neigete sich Israel auf dem Bett zun (zu den) Häupten, Kap. 47, 31. 2) Die Person oder das Thier selbst, doch unter verschiedenen Einschränkungen. (a) Die vornehmste Person unter mehrern, besonders so fern ihr wegen dieser ihrer Würde, die Macht zu herrschen, zu befehlen zukommt, daher es auch nur von solchen Personen männlichen Geschlechtes üblich ist; Franz. Chef. Der Mann ist des Weibes Haupt. Ein hohes Haupt, ein Fürst. Ein gekröntes Haupt, ein König. Eine Zusammenkunft von drey gekrönten Häuptern. Das Haupt der Kirche. Die Häupter eines Landes, des Volkes, einer Stadt, eines Geschlechtes, die Vornehmsten. Das Haupt der Rebellen, ihr Anführer. Sich zum Haupte aufwerfen. Kopf ist in dieser Bedeutung gar nicht üblich. Siehe Oberhaupt. (b) Eine jede Person. Ein jeglicher nehme ein Gomor auf ein jegliches Haupt, nach der Zahl der Seelen in seiner Hütten, 2 Mos. 16, 16. So manch Haupt, so manch halber Seckel, - von allen die gezählet wurden, von zwanzig Jahren an und drüber, Kap. 38, 26. Nehmet die Summa der ganzen Gemeine - alles was männlich ist, von Haupt zu Haupt, 4 Mos. 1, 2, 18. In diesem Verstande kommt es nur noch zuweilen im Oberdeutschen vor. Im Hochdeutschen gebraucht man dafür im gemeinen Leben das Wort Kopf, und in der anständigern Sprechart das Wort Person oder andere ähnliche Ausdrücke. Doch nennet man einen Greis auch in der edlern Schreibart ein graues Haupt, ein ehrwürdiges Haupt. (c) Im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, wird Haupt sehr häufig von dem Rindviehe gebraucht; in welchem Verstande Kopf ungewöhnlich ist. Hundert Häupter Rindvieh auf der Weide gehen haben. Ingleichen mit Auslassung des Wortes Rindvieh. Es sind ihm zehen Häupter gefallen. Wo es denn auch wohl nach Art anderer Wörter, welche eine Zahl, ein Maß, und ein Gewicht bedeuten, wenn es ein Zahlwort bey sich hat, im Singular gebraucht wird. Es sind ihm zehen Haupt gefallen. Im mittlern Lateine kommt Caput in diesem Verstande häufig vor, nicht nur von dem Rindviehe, sondern auch von Pferden und Schafen. Decem equorum capita, Gregor. Magn. l. 10, ep. 41. Legitimus pastor ovium si 80 capita in grege habet, Lex Alemann. tit. 79, §.2. Wo es zuweilen auch allein ohne allen Beysatz gebraucht wird, ein jedes Stück zahmes Vieh zu bezeichnen. Ja nach weiterm Verstande wird es auch von leblosen Dingen gefunden, ein Stück zu bezeichnen, wovon bey dem du Fresne und Carpentier Beyspiele angeführet werden. Auch Capitale wurde sehr frühe von jeden Gute, welches man besitzet, besonders aber von dem Viehe, dem vornehmsten Stücke des Reichthums in den ältern Zeiten, gebraucht. Das Nieders. Höft wird auf eben dieselbe Art von dem Rindviehe, das Schwed. Hufwud aber von einem jeden Individuo oder Stücke gebraucht. 3) Von leblosen Dingen, wo das Bild theils von der Ründe des Hauptes, theils von dessen Stelle und Würde hergenommen ist, in der edlern und anständigern Schreibart. (a) Von der Ründe, besonders so fern sie zugleich den obersten Theil eines Dinges ausmacht. So nennet man an dem Kohle und Sallate die in einen runden Körper geschlossenen Blätter, und die runden Samenkapseln des Mohnes, in der anständigern Schreibart das Haupt, und im gemeinen Leben den Kopf. Drey Kohlhäupter. Ein Mohnhaupt. (b) In weiterer Bedeutung, das oberste eines Dinges; am häufigsten in der edlen Schreibart, wo im gemeinen Leben Kopf gebräuchlich ist. Die Blume hebt ihr sinkendes Haupt empor. Das Haupt des Nagels, dessen Kopf. Das Haupt des Schildes, in der Wapenkunst, dessen oberster Theil. In der Landwirthschaft wird das unterste Stück Holz an einem Pfluge, worauf der ganze Pflug gleichsam gebauet ist, dessen Haupt genannt. Ehedem wurde die Quelle eines Flusses im Oberdeutschen sehr häufig das Haupt genannt, theils so fern sie alle Mahl am höchsten lieget, theils auch so fern sie der Anfang des Flusses ist. (c) Verschiedene hervor ragende Theile eines Dinges, besonders so fern sie die Gewalt anderer Dinge abhalten sollen. So wird an den Deichen und Wällen der abhängige mit Rasen bekleidete Theil das Haupt genannt. In dem Wasserbaue sind die Häupter in das Wasser hinein gehende Bollwerke von Mauerwerk, Pfählen oder Flechtwerk, die Gewalt des Wassers zu brechen. Nieders. Höfd, Holländ. Hoofd, welche auch ein Vorgebirge bezeichnen, nach dem Muster des Ital. Capo, und Franz. Cap. (d) Der Würde nach, das Vornehmste eines Dinges, in einigen Fällen, in der edlern Schreibart. Diese Stadt ist das Haupt des Landes. S. auch Häuptel. In den folgenden Zusammensetzungen kommt diese Bedeutung am häufigsten vor. Man kann in derselben das Wort Haupt fast mit allen Substantiven zusammen setzen, das Wichtigste, das Vornehmste seiner Art auszudrucken, welches den Grund anderer Dinge seiner Art enthält; von welchen diejenigen, welche im folgenden vorkommen, nur eine kleine Probe sind. Kopf kann auf diese Art nicht gebraucht werden. In etwas engerer Bedeutung, gebraucht man das Wort Haupt - in einigen Zusammensetzungen für Erz -. Ein Hauptnarr, ein Narr der ersten Größe; so auch ein Hauptschelm, ein Hauptdieb, ein Hauptgut, d. i. ein vortreffliches, sehr wichtiges Gut, u. s. f. wofür man im gemeinen Leben auch Capital-Narr, Capital-Dieb, Capital-Gut u. s. f. sagt. In beyden Fällen wird Haupt in der Zusammensetzung mit einem stärkern Tone ausgesprochen, als wenn es den Kopf bedeutet. Eine Hauptarzeney, eine vortreffliche, vorzügliche, sehr wichtige Arzeney; hat auf der ersten Sylbe einen stärkern und längern Ton, als die Hauptarzeney, so fern sie wider Krankheiten des Hauptes gut ist.

Anm. In dem übersetzten Isidor Haubide, bey dem Kero und Ottfried Haubit, bey dem Notker Houbet, bey dem Willeram Hoibet, im Nieders. Höfd, Höved, in einigen gemeinen Mundarten Ober- und Niederdeutschlandes nur Heet und Höt, im Altfries. Haud, bey dem Ulphilas Haubith, im Angels. Heafod, im Isländ. Hoffod, im Schwed. Hufwud, im Engl. Head, stammet gewiß nicht, wie sich jemand träumen lassen, von Haube her, so daß es eigentlich einen mit einer Haube bekleideten Kopf bedeutet, sondern vermittelst des Ableitungszeichens de, d oder t, von heben, oder einem ähnlichen veral- teten Zeitworte, so daß es überhaupt das Höchste, das Oberste an einem Dinge bedeutet. Es gehöret daher zu dem zahlreichen Geschlechte der Wörter Haube, auf, Haufen, heben, hoch u. s. f. Das Lat. Caput, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Gipfel, Giebel, und hundert andere sind genau damit verwandt. Für hoch, vor Alters ha, findet man in den verwandten Sprachen auch so wohl haf und hab als had.


Hauptabschied (W3) [Adelung]


Der Hauptabschied, des -es, plur. die -e, auf den Reichs- und Landtagen, der vornehmste, öffentlich bekannt gemachte Abschied; im Gegensatze des Nebenabschiedes. S. Abschied.


Hauptabsicht (W3) [Adelung]


Die Hauptabsicht, plur. die -en, die vornehmste Absicht, diejenige Absicht, ohne welche eine Handlung gar nicht geschehen würde, ohne welche sie unnöthig seyn würde, welche den Grund der übrigen Absichten in sich enthält, Finis primarius; zum Unterschiede von der Nebenabsicht.


Hauptader (W3) [Adelung]


Die Hauptader, plur. die -n. 1) Eine Ader am Haupte; im gemeinen Leben die Kopfader. Zuweilen auch eine Ader, welche nach dem Haupte gehet, oder mit dem Haupte in Verbindung stehet. So wird ein Zweig der Median-Ader zwischen dem Daumen und Zeigefinger von einigen die Hauptader genannt, welche bey andern die Augenader oder Salvatell-Ader heißt. 2) Die vornehmste Ader unter mehrern.


Hauptaltar (W3) [Adelung]


Der Hauptaltar, des -es, plur. die -täre, der vornehmste, größte und heiligste Altar in einer Kirche; zum Unterschiede von den Nebenaltären.


Hauptanker (W3) [Adelung]


Der Hauptanker, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Schiffen, der größte, vornehmste Anker; Franz. Ancre maitresse.


Haupt-Artikel (W3) [Adelung]


Der Haupt-Artikel, des -s, plur. ut nom. sing. der vornehmste, wichtigste Artikel, der den Grund der übrigen in sich enthält; zum Unterschiede von den Neben-Artikeln.


Hauptarzeney (W3) [Adelung]


Die Hauptarzeney, plur. die -en. 1) Eine Arzeney gegen Krankheiten des Hauptes; Medicamentum cephalicum, im gemeinen Leben eine Kopfarzeney. 2) Die vornehmste, wichtigste Arzeney unter mehrern ihrer Art.


Hauptbalken (W3) [Adelung]


Der Hauptbalken, des -s, plur. ut nom. sing. die vornehmsten und stärksten Balken in einem Gebäude, besonders diejenigen Balken unter dem Dache, welche von einer Wand des Gebäudes bis zur andern reichen, und worauf das ganze Dach ruhet. Sie werden auch Bindebalken genannt.


Hauptbalsam (W3) [Adelung]


Der Hauptbalsam, des -es, plur. von verschiedenen Arten oder Quantitäten, die -e, ein künstlicher Balsam für das Haupt; im gemeinen Leben ein Kopfbalsam.


Hauptbau (W3) [Adelung]


Der Hauptbau, des -es, plur. die -e. 1) Ein Bau von Wichtigkeit, der ein ganzes Gebäude nach seinen vornehmsten Theilen betrifft; ohne Plural. Einen Hauptbau vornehmen. 2) Im gemeinen Leben zuweilen auch das Hauptgebäude; zum Unterschiede von einem Nebenbaue oder Nebengebäude.


Hauptbaum (W3) [Adelung]


Der Hauptbaum, des -es, plur. die -bäume, im Forstwesen, eine Benennung der stärksten und vollkommen ausgewachsenen Bäume in einem Walde, welche auch Oberbäume genannt werden.


Hauptbegriff (W3) [Adelung]


Der Hauptbegriff, des -es, plur. die -e, der vornehmste Begriff, der den Grund der übrigen in sich enthält; zum Unterschiede von den Nebenbegriffen.


Hauptbericht (W3) [Adelung]


Der Hauptbericht, des -es, plur. die -e, der vornehmste, wichtigste Bericht; zum Unterschiede von den Nebenberichte.


Hauptbeweis (W3) [Adelung]


Der Hauptbeweis, des -es, plur. die -e, der vornehmste, wichtigste Beweis, der den Grund der übrigen in sich enthält; zum Unterschiede von den Nebenbeweise.


Hauptbinde (W3) [Adelung]


Die Hauptbinde, plur. die -n, eine Binde um das Haupt; im gemeinen Leben Kopfbinde. Die königliche Hauptbinde, ein königlicher Hauptschmuck der vorigen Zeiten; Diadema.


Hauptbohrer (W3) [Adelung]


Der Hauptbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Wundärzten, ein Bohrer, die Hirnschale damit zu durchbohren, daher er auch der Schädelbohrer genannt wird; mit einem Griech. Kunstworte der Trepan.


Hauptbrief (W3) [Adelung]


Der Hauptbrief, des -es, plur. die -e, so fern Brief eine jede Urkunde bedeutet, an einigen Orten noch, die vornehmste, wichtigste Urkunde, das Haupt-Document; zum Unterschiede von den Nebenbriefen oder Neben-Documenten. Ingleichen der vornehmste, wichtigste Brief unter mehrern.


Hauptbuch (W3) [Adelung]


Das Hauptbuch, des -es, plur. die -bücher, ein vornehmes, sehr wichtiges Buch. Die Natur bleibt das Hauptbuch, worin der neugierige Knabe lernen muß, Gell. Besonders das vornehmste und wichtigste unter mehrern Handlungs- oder Rechnungsbüchern.


Hauptdecke (W3) [Adelung]


Die Hauptdecke, plur. die -n, eine Decke für das Haupt; im gemeinen Leben die Kopfdecke.


Hauptdeich (W3) [Adelung]


Der Hauptdeich, des -es, plur. die -e, der vornehmste Deich, welcher das Land gegen die Überschwemmungen von außen sichert; Nieders. Haffdiek, Höftdiek.


Hauptdickicht (W3) [Adelung]


Das Hauptdickicht, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, das stärkste Dickicht, worin sich das Wildbret aufhält und aufhalten kann.


Hauptdrüse (W3) [Adelung]


Die Hauptdrüse, plur. die -n, eine Drüse am Haupte; im gemeinen Leben die Kopfdrüse. Ingleichen die vornehmste Drüse unter mehrern.


Häuptel (W3) [Adelung]


Das Häuptel, des -s, plur. inus. welches eigentlich das Diminut. Haupt ist, und besonders im Bergbaue im figürlichen Verstande gebraucht wird, den obersten und besten Schlich in der Wäsche oder von den Schlammgräbern zu bezeichnen; wo es nach der gemeinen Aussprache der Bergleute auch nur Hedel lautet.


Häupteln (W3) [Adelung]


Häupteln, verb. reg. act. welches nur als ein Reciprocum von dem Salate und Kohlarten üblich ist. Der Salat, der Kohl häuptelt sich, bekommt Häupter, schließt sich in Häupter zusammen.


Haupterbe (W3) [Adelung]


Der Haupterbe, des -n, plur. die -n, Fämin. die Haupterbinn, plur. die -en, der vornehmste Erbe, der den größten und wichtigsten Theil eines Nachlasses erbet.


Haupt-Essenz (W3) [Adelung]


Die Haupt-Essenz, plur. inus. außer mehrern Arten, die -en, eine Essenz für das Haupt, wider Krankheiten des Hauptes; im gemeinen Leben eine Kopf-Essenz.


Hauptfabel (W3) [Adelung]


Die Hauptfabel, plur. die -n, die vornehmste oder wichtigste Erdichtung, welche in einem Gedichte zum Grunde lieget, und worauf sich die übrigen beziehen; zum Unterschiede von den Nebenfabeln.


Hauptfall (W3) [Adelung]


Der Hauptfall, des -es, plur. die -fälle. 1) Ein wichtiger Fall, der den Grund vieler andern in sich enthält; zum Unterschiede von den Nebenfällen. 2) Besonders in dem Lehenswesen, einer der vornehmsten Lehensfälle; daher der Tod so wohl des Lehensherren, als auch des Lehensmannes Hauptfälle genannt werden. In den Reichskanzelleyen wird der Tod eines Kaisers sehr häufig mit dem Nahmen eines Hauptfalles beleget. 3) In noch engerer Bedeutung ist es an einigen Orten der Todesfall des Leibeigenen oder Unterthanes, und das Recht des Grundherren, in diesem Falle das beste Stück Vieh aus dessen Verlassenschaft an sich zu nehmen; S. Baulebung und Hauptrecht.


Hauptfarbe (W3) [Adelung]


Die Hauptfarbe, plur. die -n, die vornehmste und wichtigste Farbe unter mehrern. So sind die Hauptfarben oder Grundfarben der Mahler weiß, schwarz, gelb, roth und blau, weil sie daraus die meisten übrigen zusammen setzen. Bey den Färbern heißen blau, roth, gelb, braun und schwarz Hauptfarben, die übrigen aber Mittel- und Nebenfarben. In der Naturlehre nimmt man bald mehr bald weniger Hauptfarben an.


Hauptfehler (W3) [Adelung]


Der Hauptfehler, des -s, plur. ut nom. sing. der vornehmste Fehler unter mehrern, ein wichtiger Fehler, der den Grund von mehrern in sich enthält.


Hauptfeind (W3) [Adelung]


Der Hauptfeind, des -es, plur. die -e, der vornehmste, gefährlichste Feind unter mehrern. Ingleichen ein wichtiger, gefährlicher Feind.


Hauptfestung (W3) [Adelung]


Die Hauptfestung, plur. die -en, eine wichtige Festung; ingleichen die vornehmste Festung unter mehrern. Im gemeinen Leben eine Capital-Festung.


Hauptfigur (W3) [Adelung]


Die Hauptfigur, plur. die -en, die vornehmste Figur in einem Gemählde, welcher die andern untergeordnet sind, und worauf sie sich beziehen.


Hauptflügel (W3) [Adelung]


Der Hauptflügel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, der vornehmste Flügel bey einer Jagd; zum Unterschiede von den Treibe- und Nebenflügeln.


Hauptfluß (W3) [Adelung]


Der Hauptfluß, des -sses, plur. die -flüsse. 1) Der vornehmste Fluß eines Landes; ingleichen ein wichtiger Fluß oder fließendes Wasser. 2) In der Arzeneykunde, ein Fluß, Rheuma, am Haupte; im gemeinen Leben ein Kopffluß.


Hauptfrage (W3) [Adelung]


Die Hauptfrage, plur. die -n, die vornehmste, wichtigste Frage, welche den Grund der übrigen in sich enthält; zum Unterschiede von den Nebenfragen.


Hauptgang (W3) [Adelung]


Der Hauptgang, des -es, plur. die -gänge, der vornehmste, breiteste, wichtigste Gang unter mehrern; zum Unterschiede von den Bey- und Nebengängen. Im Bergbaue wird so wohl ein mächtiger Gang, als auch ein Gang, welchem mehrere andere Gänge zufallen, ein Hauptgang genannt.


Hauptgasse (W3) [Adelung]


Die Hauptgasse, plur. die -n, die vornehmste, breiteste Gasse; zum Unterschiede von den Nebengassen.


Hauptgebäude (W3) [Adelung]


Das Hauptgebäude, des -s, plur. ut nom. sing. das vornehmste Gebäude; zum Unterschiede von dem davon abhangenden Nebengebäude.


Hauptgegend (W3) [Adelung]


Die Hauptgegend, plur. die -en, die vornehmste Gegend unter mehrern. Besonders werden in der Erdbeschreibung Morgen, Abend, Mittag und Mitternacht die vier Hauptgegenden, oder Cardinal-Gegenden genannt; zum Unterschiede von den Nebengegenden.


Hauptgeld (W3) [Adelung]


Das Hauptgeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er. 1) Ein gutes, im Hochdeutschen aber ungebräuchliches Wort, ein Capital zu bezeichnen, welches im Oberdeutschen auch das Hauptgut, der Hauptstamm, die Haupt-Summe, der Hauptstuhl genannt wird. 2) Im Oberdeutschen führet auch das Kopfgeld den Nahmen des Hauptgeldes. Siehe Kopfgeld.


Hauptgeleit (W3) [Adelung]


Das Hauptgeleit, des -es, plur. die -e, das vornehmste Geleit, von welchem andere abhängen, welche daher Beygeleite oder Nebengeleite genannt werden.


Hauptgeschoß (W3) [Adelung]


Das Hauptgeschoß, des -sses, plur. die -sse, das vornehmste Geschoß eines Gebäudes, d. i. dasjenige, welches auf das Bodengeschoß folgt, und die vornehmsten Zimmer in sich begreift; der Hauptstock.


Hauptgesimse (W3) [Adelung]


Das Hauptgesimse, des -s, plur. ut nom. sing. das oberste Gesimse einer Säule, welches oben auf der Säule ruhet; zum Unterschiede von dem Fußgesimse.


Hauptgestell (W3) [Adelung]


Das Hauptgestell, des -es, plur. die -e. 1) Das vornehmste Gestell, von welchem andere abhangen, zum Unterschiede von dem Nebengestelle. 2) In der anständigen Sprechart wird auch das Riemenwerk, welches den Kopf eines Pferdes umgibt, und im gemeinen Leben auch das Kopfgestell heißt, das Hauptgestell genannt. S. Gestell.


Hauptgewende (W3) [Adelung]


Das Hauptgewende, des -s, plur. ut nom. sing. in der Landwirthschaft einiger Gegenden, ein Gewende, wo viele Stücke Feldes der Breite nach an andere anstoßen. S. Gewende.


Hauptglied (W3) [Adelung]


Das Hauptglied, des -es, plur. die -er, das vornehmste, wichtigste Glied, von welchem andere abhangen. In der Baukunst sind Hauptglieder die wesentlichsten Glieder oder Theile einer Säulenordnung, welche nothwendig vorhanden seyn müssen, z. B. die Platte in dem Fußgesimse; zum Unterschiede von den Bey- oder Nebengliedern.


Hauptgraben (W3) [Adelung]


Der Hauptgraben, des -s, plur. die -gräben, der vornehmste Graben unter mehrern, derjenige Graben, in welchen die Bey- und Nebengräben ihr Wasser führen oder ihr Wasser aus demselben empfangen. Im Festungsbaue ist es derjenige Graben, welcher die eigentliche Festung umgibt; zum Unterschiede von den Gräben um die Außenwerke.


Hauptgränze (W3) [Adelung]


Die Hauptgränze, plur. die -n, die vornehmste, wichtigste Gränze, d. i. diejenige Gränze, welche zweyer Herren Länder scheidet.


Hauptgrind (W3) [Adelung]


Der Hauptgrind, des -es, plur. inus. der Grind des Hauptes; im gemeinen Leben der Kopfgrind.


Hauptgut (W3) [Adelung]


Das Hauptgut, des -es, plur. die -güter, das vornehmste, wichtigste Gut unter mehrern. Besonders in folgenden Fällen. 1) Ein Land- oder Bauergut, auf welchem der Eigenthümer wohnet; zum Unterschiede von einem Nebengute, welches in das Hauptgut eingebauet, d. i. von dem Hauptgute aus gebauet und bestritten wird. In weiterer Bedeutung ist ein Hauptgut ein wichtiges, ansehnliches Land- oder Bauergut. 2) Im Oberdeutschen wird auch das Capital das Hauptgut genannt. Ein böser Schuldner stielt dir Hauptgut und Gewinn, Opitz. S. Hauptgeld.


Haupthaar (W3) [Adelung]


Das Haupthaar, des -es, plur. die -e, ein Haar von dem Haupte; im gemeinen Leben, das Kopfhaar. Noch mehr als ein Collectivum, so wohl im Singular allein, als auch im Plural allein, alle Haare des Hauptes zu bezeichnen. Absaloms Haupthaar wog zwey hundert Seckel, 2 Sam. 14, 26. Ein tödtlich panisches Schrecken Sträubte der zitternden Nymphe das Haupthaar empor, Zachar.


Haupthafer (W3) [Adelung]


Der Haupthafer, des -s, plur. inus. an einigen Orten, eine gewisse Menge Hafers, welche die Unterthanen dem Grundherren zur Erkenntniß des Hauptrechtes oder der Baulebung, jährlich entrichten müssen. Wenn statt desselben ein Huhn gegeben wird, so heißt dasselbe das Haupthuhn, Leibhuhn oder das Halshuhn. S. Hauptrecht.


Hauptheftel (W3) [Adelung]


Der Hauptheftel, des -s, plur. ut nom. sing. einer der vornehmsten Heftel in der Jägerey, welcher auch Spannheftel und Spannstock genennet wird. S. Heftel.


Haupthandlung (W3) [Adelung]


Die Haupthandlung, plur. die -en. 1) Die vornehmste wichtigste Handlung in einem Gedichte, welche den Grund der übrigen in sich enthält. 2) So fern die Handlung ein handelndes Haus mit dessen Geschäften bezeichnet, ist die Haupthandlung eine wichtige Handlung, welche viele und große Handelsgeschäfte treibet.


Hauptheer (W3) [Adelung]


Das Hauptheer, des -es, plur. die -e, der vornehmste, wichtigste und stärkste Theil eines Kriegsheeres; Franz. Gros d'Armee oder Corps d'Armee.


Haupthirsch (W3) [Adelung]


Der Haupthirsch, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein Hirsch, der acht und mehr Jahre alt, und von vorzüglicher Stärke und Schwere ist; im gemeinen Leben auch ein Capital-Hirsch.


Hauptholz (W3) [Adelung]


Das Hauptholz, des -es, plur. die -hölzer, bey den Zimmerleuten, Hölzer, welche über den Köpfen der Obertheile der Ständer und Säulen weglaufen, und sie zusammen halten.


Haupthufe (W3) [Adelung]


Die Haupthufe, plur. die -n, in der Landwirthschaft, so viel Acker, als zu einem vollständigen Bauergute gehöret; zum Unterschiede von einer Stückhufe, welche nur einen Theil einer solchen Haupthufe ausmacht. Der Besitzer einer Haupthufe wird daher ein Haupthüfener oder nur ein Hüfener oder Hüfner schlechthin, so wie der Besitzer einer Stückhufe ein Halbhüfner genannt. S. Anspänner.


Haupthuhn (W3) [Adelung]


Das Haupthuhn, des -es, plur. die -hühner, siehe Haupthafer.


Hauptjagd (W3) [Adelung]


Die Hauptjagd, plur. die -en, oder das Hauptjagen, des -s, plur. ut nom. sing. eine große Jagd, wo das Wildbret aus einem ganzen Forste, oder aus einem ganzen Reviere zusammen getrieben wird; zum Unterschiede von einem Bey- oder Nebenjagen.


Hauptkarpfen (W3) [Adelung]


Der Hauptkarpfen, des -s, plur. ut nom. sing. die größten und besten Karpfen in einem Deiche, welche an einigen Orten auch Zwieken genannt werden.


Hauptkirche (W3) [Adelung]


Die Hauptkirche, plur. die -n, die vornehmste Kirche unter mehrern. Besonders wird die Mutterkirche, zum Unterschiede von den Tochter- oder Beykirchen, die Hauptkirche genannt. In noch engerer Bedeutung führet eine Dom- oder Kathedral-Kirche zuweilen den Nahmen Hauptkirche.


Hauptknoten (W3) [Adelung]


Der Hauptknoten, des -s, plur. ut nom. sing. der vornehmste, wichtigste Knoten. In einem Heldengedichte ist es derjenige Knoten, worauf sich alle übrigen, ja die ganze Handlung beziehen; zum Unterschiede von den Nebenknoten. Siehe Knoten.


Hauptkohl (W3) [Adelung]


Der Hauptkohl, des -es, plur. inus. Kohl, welcher sich in Häupter schließet; im gemeinen Leben Kopfkohl.


Hauptkrankheit (W3) [Adelung]


Die Hauptkrankheit, plur. die -en. 1) Eine Krankheit des Hauptes, welche das Haupt angreift; im gemeinen Leben die Kopfkrankheit. 2) Eine wichtige, gefährliche Krankheit.


Hauptküssen (W3) [Adelung]


Das Hauptküssen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Küssen für das Haupt, oder unter das Haupt; im gemeinen Leben ein Kopfküssen.


Hauptlade (W3) [Adelung]


Die Hauptlade, plur. die -n, bey den Handwerkern, die vornehmste Lade eines Landes oder einer Gegend, von welcher die andern Laden abhängen, welche daher Bey- oder Nebenladen genannt werden. S. Lade.


Hauptlager (W3) [Adelung]


Das Hauptlager, des -s, plur. die -läger, das vornehmste und wichtigste Lager eines Kriegsheeres. Ingleichen der vornehmste Theil eines Lagers, wo der Befehlshaber sich befindet, welcher doch am häufigsten das Haupt-Quartier genannt wird.


Hauptlaster (W3) [Adelung]


Das Hauptlaster, des -s, plur. ut nom. sing. ein wichtiges, sehr strafbares, grobes Laster. Ingleichen ein Laster, welches den Grund vieler andern Laster in sich enthält.


Hauptlehen (W3) [Adelung]


1. Das Hauptlehen, des -s, plur. ut nom. sing. das vornehmste oder wichtigste Lehen unter mehrern. Ingleichen ein Lehen, von welchem andere Lehen abhangen. So wird im Bergbaue die vornehmste Fundgrube auf einem Zuge das Hauptlehen genannt; im Gegensatze der Bey- oder Nebenlehen.


Hauptlehen (W3) [Adelung]


2. Die Hauptlehen, plur. ut nom. sing. oder die Hauptlehenwaare, plur. die -n, im Lehenswesen, diejenige Lehenwaare, welche bey einem Oberlehensfalle, d. i. bey dem Todesfalle des Lehensherren entrichtet wird. S. Lehenwaare.


Hauptlehre (W3) [Adelung]


Die Hauptlehre, plur. die -n, eine wichtige Lehre, welche den Grund vieler andern in sich enthält.


Hauptleine (W3) [Adelung]


Die Hauptleine, plur. die -n, im Jagdwesen, die oberste Leine an einem Jagdtuche oder Jagdnetze, welche auch die Oberleine genannt wird.


Hauptleiter (W3) [Adelung]


Die Hauptleiter, plur. die -n, in der Tonkunst, die Tonleiter von c bis c, nach welcher alle übrige Tonleitern gebildet werden; die Stammleiter.


Hauptleute (W3) [Adelung]


Die Hauptleute, sing. inus. S. Hauptmann.


Hauptlicht (W3) [Adelung]


Das Hauptlicht, des -es, plur. die -er, das vornehmste und wichtigste Licht unter mehrern. In der Mahlerey wird das natürliche Licht das Hauptlicht genannt, zum Unterschiede von einem Wiederscheine oder von dem zufälligen Lichte einer Kerze u. s. f.


Häuptling (W3) [Adelung]


* Der Häuptling, des -es, plur. die -e, ein nur in Ostfriesland übliches Wort, einen der vornehmsten von Adel im Lande zu bezeichnen, der gleichsam einer von den Häuptern des Landes ist.


Hauptlinie (W3) [Adelung]


Die Hauptlinie, plur. die -n, die vornehmste, wichtigste Linie unter mehrern. In dem Festungsbaue ist es die Linie, welche von dem Kehlpuncte bis an die Bollwerksspitze gezogen und auch die Capital-Linie genannt wird.


Hauptmangel (W3) [Adelung]


Der Hauptmangel, des -s, plur. die -mängel, ein Mangel von Wichtigkeit, ein Mangel der ersten Größe.


Hauptmann (W3) [Adelung]


Der Hauptmann, des -es, plur. distribut. die -männer, collect. die Hauptleute, der Oberste unter mehrern Personen, der Oberste eines gewissen Bezirkes, der gleichsam das Haupt desselben ist, wenigstens in gewissen Angelegenheiten. In diesem weitern Verstande ist es nur in gewissen Fällen üblich, welche durch die Zusammensetzung näher bestimmt werden; dessen Gattinn die Hauptmänninn. S. Amtshauptmann, Landeshauptmann, Berghauptmann, Schloßhauptmann, Gassenhauptmann, Stückhauptmann u. s. f. In der Deutschen Bibel kommt es in dieser allgemeinen Bedeutung eines Vorgesetzten sehr häufig vor. In engerer Bedeutung wird es im Kriegswesen von einem Befehlshaber über hundert Soldaten zu Fuße, von dem Obersten einer Compagnie gebraucht, der im mittlern Lat. Capitaneus und im Franz. Capitain genannt wird.

Anm. Nieders. Höfdmann, im Schwed. Höfding, im Böhm. und Pohln. Heytman. Ehe das Wort Hauptmann im Deutschen in der Bedeutung eines Befehlshabers über hundert üblich wurde, findet sich dafür bey dem Tatian Centenar, nach dem Latein. Centurio, und Hunteri, von hundert, ingleichen Waltambahto, gleichsam Gewaltamtmann, bey dem Notker aber Hunno, von dem alten hun, chunno, hundert, welches noch in der Jülichschen Polizeyordnung vorkommt, wo Sonne einen Befehlshaber von der geringsten Art bedeutet. Auf der andern Seite bedeutet Hauptmann im Schwabenspiegel und andern Schriften der vorigen Jahrhunderte, den Befehlshaber eines ganzen Kriegsheeres, welche Bedeutung auch das Pohln. und Slavon. Heytman, Hetmann, hat.


Hauptmannschaft (W3) [Adelung]


Die Hauptmannschaft, plur. die -en, die Würde eines Hauptmannes, ingleichen das Gebieth, welchem er vorgesetzet ist; doch nur in den Zusammensetzungen Landeshauptmannschaft, Amtshauptmannschaft, Berghauptmannschaft u. s. f.


Hauptmittel (W3) [Adelung]


Das Hauptmittel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Das vornehmste, wichtigste Mittel unter mehrern; ingleichen ein vorzüglich brauchbares Mittel. 2) Ein Arzeneymittel wider Krankheiten oder Gebrechen des Hauptes. 3) Bey den Handwerkern wird die vornehmste Zunft oder Innung eines Handwerkes, das Hauptmittel genannt. S. Mittel.


Hauptnarr (W3) [Adelung]


Der Hauptnarr, des -en, plur. die -en, im gemeinen Leben, ein Narr der ersten Größe; ein Erznarr.


Hauptnenner (W3) [Adelung]


Der Hauptnenner, des -s, plur. ut nom. sing. in der Rechenkunst in gebrochenen Zahlen, ein Nenner, so fern er das Product der Nenner mehrerer Brüche ist.


Hauptnote (W3) [Adelung]


Die Hauptnote, plur. die -n, S. Hauptton.


Hauptperson (W3) [Adelung]


Die Hauptperson, plur. die -en, die vornehmste oder wichtigste Person unter mehrern, oder in einem Geschäfte.


Hauptpfahl (W3) [Adelung]


Der Hauptpfahl, des -es, plur. die -pfähle, die vordersten Pfähle eines Wasserwehres, weil sie gleichsam dessen Haupt ausmachen. S. Haupt 2. 3) (c).


Hauptpflock (W3) [Adelung]


Der Hauptpflock, des -es, plur. die -pflöcke, S. Hauptheftel.


Hauptpfühl (W3) [Adelung]


Der Hauptpfühl, des -es, plur. die -e, ein Pfühl unter das Haupt; im gemeinen Leben ein Kopfpfühl.


Haupt-Planet (W3) [Adelung]


Der Haupt-Planet, des -en, plur. die -en, ein Planet, welcher sich um eine Sonne beweget; zum Unterschiede von den Nebenplaneten oder Trabanten, welche sich um einen andern Planeten bewegen.


Hauptpolster (W3) [Adelung]


Der Hauptpolster, des -s, plur. ut nom. sing. ein Polster für oder unter das Haupt; ein Hauptküssen.


Hauptpunct (W3) [Adelung]


Der Hauptpunct, des -es, plur. die -e, der vornehmste, wichtigste Punct unter mehrern, so wohl eigentlich als figürlich; dasjenige, worauf es bey einer Sache vornehmlich ankommt, wovon die übrigen Puncte oder die Nebenpuncte abhangen. In der Perspective wird der Augen- oder Gesichtspunct auch der Hauptpunct genannt.


Hauptquartier (W3) [Adelung]


Das Hauptquartier, des -es, plur. die -e, dasjenige Quartier, in welchem sich der Herr oder Befehlshaber eines Kriegesheeres oder eines Corps im Felde aufhält; das Hauptlager.


Hauptrechnung (W3) [Adelung]


Die Hauptrechnung, plur. die -en, die vornehmste Rechnung über eine Sache, eine Rechnung über das Ganze; zum Unschiede von den einzelnen oder kleinern Rechnungen.


Hauptrecht (W3) [Adelung]


Das Hauptrecht, des -es, plur. inus. das Recht des Hauptfalles, d. i. das Recht nach dem Tode eines Zinsmannes oder Unterthanen das beste Haupt, d. i. das beste Stück Vieh, aus dessen Verlassenschaft zu nehmen, welches, so fern man das beste Kleid zu nehmen befugt ist, der Gewandfall oder das Gewandrecht heißt. S. Baulebung.


Hauptriegel (W3) [Adelung]


Der Hauptriegel, des -s, plur. ut nom. sing. der vornehmste Riegel unter mehrern. An einer Kanonen-Lavette werden die Querhölzer, welche die Seiten der Lavette zusammen halten, Hauptriegel genannt.


Hauptriß (W3) [Adelung]


Der Hauptriß, des -sses, plur. die -sse, ein Riß, wo die Eintheilung eines Gebäudes, oder der äußere Umfang einer Festung, durch bloße einfache Linien vorgestellet wird; Protographia.


Hauptsache (W3) [Adelung]


Die Hauptsache, plur. die -n, die vornehmste, wichtigste Sache, ingleichen der vornehmste, wichtigste Theil einer Sache, von welchem die übrigen Theile abhangen, worin sie gegründet sind. Das ist die Hauptsache, darauf kommt es an. Der Hauptsache nach läuft es auf eins hinaus.


Hauptsächlich (W3) [Adelung]


Hauptsächlich, -er, -ste, adj. et adv. das wichtigste in seiner Art, wovon alle übrigen Theile abhangen; als ein Beywort vornehmlich in der dritten Staffel. Die hauptsächlichsten Wahrheiten der Heilsordnung, die vornehmsten und wichtigsten. Noch mehr als ein Nebenwort, zunächst, unmittelbar und eigentlich. Es kommt hauptsächlich nur darauf an. Deßwegen bin ich hauptsächlich hierher gekommen. Im Oberdeutschen wird es auch intensive gebraucht, für in einem haben Grade. Hauptsächlich singen, sehr schön. Hauptsächlich trinken, stark trinken.


Hauptsalat (W3) [Adelung]


Der Hauptsalat, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, Salat, der sich in Häupter schließet; im gemeinen Leben Kopfsalat.


Hauptsatz (W3) [Adelung]


Der Hauptsatz, des -es, plur. die -sätze, der vornehmste oder wichtigste Satz, von welchem die übrigen abhangen, worin sie gegründet sind. Der Hauptsatz einer Rede wird mit fremden Ausdrücken gemeiniglich das Thema oder die Proposition genannt.


Hauptschiene (W3) [Adelung]


Die Hauptschiene, plur. die -n, eine eiserne Schiene auf der Seite des Pflughauptes.


Hauptschild (W3) [Adelung]


Der Hauptschild, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst, der vornehmste Schild eines Wapens, der kleinere Schilde als Herzschilde enthält.


Hauptschlacht (W3) [Adelung]


Die Hauptschlacht, plur. die -en, eine wichtige Schlacht, welche zwischen zwey Haupt-Armeen geliefert wird, und die streitige Sache, oder doch einen Theil derselben entscheidet; das Haupttreffen.


Hauptschlüssel (W3) [Adelung]


Der Hauptschlüssel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schlüssel, welcher nach vielen Eingerichten und Schlössern eines Hauses gemacht ist, viele Schlösser eines Hauses schließet. S. Dieterich.


Hauptschmerz (W3) [Adelung]


Der Hauptschmerz, des -ens, plur. die -en, Schmerzen am Haupte; im gemeinen Leben Kopfschmerzen.


Hauptschmuck (W3) [Adelung]


Der Hauptschmuck, des -es, plur. die -e, der Schmuck des Hauptes, in der anständigern Sprechart; im gemeinen Leben der Kopfputz.


Hauptschuldner (W3) [Adelung]


Der Hauptschuldner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Hauptschuldnerinn, plur. die -en, der vornehmste Schuldner; im Gegensatze der Mit- und Nebenschuldner.


Hauptschwein (W3) [Adelung]


Das Hauptschwein, des -es, plur. die -e, ein Schwein der ersten Größe und Güte; im gemeinen Leben ein Capital-Schwein. Bey den Jägern werden die wilden Schweine männlichen Geschlechtes, wenn sie fünf Jahre und darüber sind, Hauptschweine genannt.


Hauptsegel (W3) [Adelung]


Das Hauptsegel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Seefahrt, das große Segel eines Schiffes.


Hauptseite (W3) [Adelung]


Die Hauptseite, plur. die -n. 1) An den Münzen, diejenige Seite, auf welcher sich das Haupt oder Brustbild befindet, oder befinden sollte, im gemeinen Leben die Kopfseite; im Gegensatze der Rückseite. 2) Die vornehmste, wichtigste Seite eines Dinges.


Hauptsiech (W3) [Adelung]


Hauptsiech, adj. et adv. siech, d. i. krank, am Haupte, mit einer Hauptkrankheit behaftet. S. Hauptsucht.


Hauptsohle (W3) [Adelung]


Die Hauptsohle, plur. die -n, eine eiserne Sohle unten am Haupte des Pfluges.


Hauptspaß (W3) [Adelung]


Der Hauptspaß, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein Spaß der ersten Größe, ein überaus lustiger Spaß.


Hauptsprache (W3) [Adelung]


Die Hauptsprache, plur. die -n, eine Sprache, von welcher viele andere abstammen; eine Stamm- und Muttersprache. Einige haben auch die Grundsprache eines Buches, d. i. diejenige, in welcher es ursprünglich geschrieben worden, die Hauptsprache nennen wollen, aber wenig Beyfall gefunden.


Hauptspruch (W3) [Adelung]


Der Hauptspruch, des -es, plur. die -sprüche, der vornehmste, wichtigste Spruch. In den Rechten wird der endliche Ausspruch eines Gerichtes, das Endurtheil, zuweilen der Hauptspruch oder das Haupturtheil genannt.


Hauptstamm (W3) [Adelung]


Der Hauptstamm, des -es, plur. die -stämme, das Capital, S. Hauptgeld.


Hauptstärkung (W3) [Adelung]


Die Hauptstärkung, plur. die -en, eine Arzeney, welche das Haupt stärket.


Hauptstein (W3) [Adelung]


Der Hauptstein, des -es, plur. die -e, der vornehmste, wichtigste Stein. Unter den Gränzsteinen werden diejenigen, welche man zu Anfange oder Ende des begränzten Stückes, oder auch an die Ecken desselben setzet, Hauptsteine genannt; im Gegensatze der Laufer oder Läufer.


Hauptsteuer (W3) [Adelung]


Die Hauptsteuer, plur. die -n, im Oberdeutschen, die Personen-Steuer, wofür man im Hochdeutschen die Kopfsteuer sagt.


Hauptstimme (W3) [Adelung]


Die Hauptstimme, plur. die -n, in der Musik zuweilen eine Benennung des Discantes, weil sie die vornehmste Stimme ist.


Hauptstock (W3) [Adelung]


Der Hauptstock, des -es, plur. die -stöcke, S. Hauptgeschoß.


Hauptstollen (W3) [Adelung]


Der Hauptstollen, des -s, plur. ut nom. sing. der vornehmste Stollen, im Bergbaue, ein Stollen, welcher vielen Zechen zu Hülfe kommt.


Hauptstrahl (W3) [Adelung]


Der Hauptstrahl, des -es, plur. die -en, in der Perspective, derjenige Strahl, welcher aus dem Auge senkrecht auf die Tafel fällt; zum Unterschiede von den Nebenstrahlen.


Hauptstraße (W3) [Adelung]


Die Hauptstraße, plur. die -n, die vornehmste, wichtigste Straße unter mehrern.


Hauptstreich (W3) [Adelung]


Der Hauptstreich, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein Streich der ersten Größe, ein sehr wichtiger Streich.


Hauptstreichen (W3) [Adelung]


Das Hauptstreichen, des -s, plur. inus. im Bergbaue, dasjenige Streichen eines Ganges, d. i. diejenige Richtung desselben gegen die Weltgegenden, welche er in seiner ganzen Länge am meisten hat.


Hauptstück (W3) [Adelung]


Das Hauptstück, des -es, plur. die -stücke, das vornehmste und wichtigste Stück; ingleichen ein wichtiges Stück oder Theil eines Ganzen. Die Hauptstücke der christlichen Lehre, größere oder wichtige Theile derselben.


Hauptstuhl (W3) [Adelung]


Der Hauptstuhl, des -es, plur. die -stühle, das Capital, S. Hauptgeld: Nieders. Höfdstool. S. Stuhl.


Hauptsturm (W3) [Adelung]


Der Hauptsturm, des -es, plur. die -stürme, ein wichtiger Sturm, derjenige Sturm, welcher von dem ganzen Kriegesheere der Belagerer, oder doch von dem größten Theile derselben auf eine Festung geschiehet; der General-Sturm.


Hauptsucht (W3) [Adelung]


Die Hauptsucht, plur. inus. ein unter den Pferdeärzten übliches Wort, das Hauptweh oder die Kopfschmerzen der Pferde zu bezeichnen. Von einem Pferde, welches die Hauptsucht hat, sagt man auch, es sey hauptsiech.


Hauptsumme (W3) [Adelung]


Die Hauptsumme, plur. die -n, die vornehmste Summe, welche sich zu mehrern kleinen Summen als das Ganze zu seinen Theilen verhält. In engerer Bedeutung wird, besonders im Oberdeutschen, auch das Capital, im Gegensatze der Interessen und Renten, die Hauptsumme genannt. S. Hauptgeld.


Hauptton (W3) [Adelung]


Der Hauptton, des -es, plur. die -töne, der vornehmste Ton unter mehrern. So wird in der Musik der unterste Ton eines Trillers der Hauptton, dessen Note die Hauptnote genannt; im Gegensatze der höhern oder Hülfstöne.


Haupttreffen (W3) [Adelung]


Das Haupttreffen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Hauptschlacht.


Haupttreiben (W3) [Adelung]


Das Haupttreiben, des -s, plur. ut nom. sing. im Jagdwesen, ein Treiben, wo das Wild aus einem ganzen Walde zusammen getrieben wird. Auch das letzte Treiben bey einem Hauptjagen, wenn das Wildbret in die Enge zusammen getrieben wird, wird das Haupttreiben genannt.


Haupttugend (W3) [Adelung]


Die Haupttugend, plur. die -en, eine Tugend, welche den Grund vieler andern in sich enthält; bey den ältern Sittenlehrern eine Cardinal- oder Angeltugend.


Hauptuhr (W3) [Adelung]


Die Hauptuhr, plur. die -en, in der Gnomonik, eine Sonnenuhr, welche zur Beschreibung anderer Sonnenuhren dienet, und sich am leichtesten beschreiben lässet; dergleichen die Äquinoctial-Horizontal-Polar-Uhren u. a. m. sind.


Hauptübel (W3) [Adelung]


Das Hauptübel, des -s, plur. ut nom. sing. ein wichtiges Übel, welches den Grund vieler andern in sich enthält. Zuweilen werden auch Übel oder Krankheiten des Hauptes Hauptübel genannt.


Hauptursache (W3) [Adelung]


Die Hauptursache, plur. die -n, die vornehmste, wichtigste Ursache, welche den Grund anderer in sich enthält, oder zu welcher sich andere als Mittel verhalten, die daher Nebenursachen genannt werden.


Haupturtheil (W3) [Adelung]


Das Haupturtheil, des -es, plur. die -e, S. Hauptspruch.


Haupt-Ventil (W3) [Adelung]


Das Haupt-Ventil, des -es, plur. die -e, in den Orgeln, dasjenige Ventil in der Windlade, welches den Ton hervor bringen hilft, weil es von dem Claviere geöffnet wird.


Hauptwache (W3) [Adelung]


Die Hauptwache, plur. die -n, die vornehmste Wache, von welcher die übrigen Wachen abhangen, und der Ort, oder das Gebäude, wo sie ihren Aufenthalt hat.


Hauptwall (W3) [Adelung]


Der Hauptwall, des -es, plur. die -wälle, im Festungsbaue, der Wall um die Festung selbst, im Gegensatze der Wälle um die Außenwerke.


Hauptwand (W3) [Adelung]


Die Hauptwand, plur. die -wände, in dem Jagdwesen, die vier Seitenwände eines Lerchenfanges.


Hauptweh (W3) [Adelung]


Das Hauptweh, des -es, plur. inus. Schmerzen des Hauptes; Hauptschmerzen, und im gemeinen Leben Kopfweh oder Kopfschmerzen. Hauptweh, oder das Hauptweh haben.


Hauptwerk (W3) [Adelung]


Das Hauptwerk, des -es, plur. die -e, das vornehmste oder wichtigste Werk, von welchem andere abhangen; im Gegensatze eines Nebenwerkes. Sein Hauptwerk aus etwas machen.


Hauptwind (W3) [Adelung]


Der Hauptwind, des -es, plur. die -e, ein Wind, welcher aus einer der vier Hauptgegenden kommt, bey einigen ein Cardinal-Wind; im Gegensatze der Nebenwinde und Zwischenwinde.


Hauptwissenschaft (W3) [Adelung]


Die Hauptwissenschaft, plur. die -en, eine Wissenschaft von großer Wichtigkeit, welche den Grund aller oder doch vieler andern in sich enthält; in welchem Verstande die Metaphysik oder Grundwissenschaft von einigen mit diesem Nahmen beleget wird.


Hauptwort (W3) [Adelung]


Das Hauptwort, des -es, plur. die -wörter. 1) Ein wichtiges Wort; ingleichen das vornehmste, wichtigste Wort unter mehrern. So wird in der Vernunftlehre dasjenige Wort eines Satzes, welches das eigentliche Subject oder Prädicat enthält, von einigen das Hauptwort genannt. 2) In engerer Bedeutung wird in der Sprachkunst ein Nennwort, welches den Nahmen eines Dinges enthält, ein Substantiv, das Hauptwort genannt. Ein eigenthümliches Hauptwort, besser, ein eigener Nahme, Nomen proprium; zum Unterschiede von den allgemeinen Hauptwörtern oder allgemeinen Benennungen, Nominibus appellativis. Ältere Sprachlehrer nennen die Substantiva eigenständige Wörter, selbstständige oder wesentliche Nahmen, Hauptnahmen. Christian Wolf verstand unter den Hauptwörtern die Verba oder Zeitwörter.


Hauptwunde (W3) [Adelung]


Die Hauptwunde, plur. die -n, eine Wunde an dem Haupte; im gemeinen Leben die Kopfwunde.


Hauptzahl (W3) [Adelung]


Die Hauptzahl, plur. die -en, die vornehmste Zahl unter mehrern, wogegen sich andere als Theile gegen das Ganze verhalten. In engerer Bedeutung werden in der Sprachkunst die Grundzahlen, Numeri cardinales, von einigen Hauptzahlen genannt.


Hauptzeichen (W3) [Adelung]


Das Hauptzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. das vornehmste, wichtigste Zeichen. In der Astronomie werden die vier Himmelszeichen, der Widder, der Krebs, die Wage und der Steinbock, in welchen der Äquator die Ekliptik durchschneidet, die Hauptzeichen genannt.


Hauptzeuge (W3) [Adelung]


Der Hauptzeuge, des -n, plur. die -n, der vornehmste, wichtigste Zeuge in einer Sache.


Hauptzoll (W3) [Adelung]


Der Hauptzoll, des -es, plur. die -zölle, der vornehmste und wichtigste Zoll, von dem andere abhangen, und der Ort, wo er gegeben wird; im Gegensatze der Bey- oder Nebenzölle.


Hauptzug (W3) [Adelung]


Der Hauptzug, des -es, plur. die -züge, der vornehmste, wichtigste Zug. Trägheit und Eigenliebe sind die Hauptzüge seines Charakters.


Hauptzweck (W3) [Adelung]


Der Hauptzweck, des -es, plur. die -e, der vornehmste, oder wichtigste Zweck, ein Zweck, ohne welchen eine Handlung gar nicht geschehen, oder unnötig seyn würde; zum Unterschiede von den Neben- oder Mittelzwecken.


Haus (W3) [Adelung]


Das Haus, des -es, plur. die Häuser, Diminut. das Häuschen, Oberd. Häuslein. 1. In der weitesten Bedeutung, ein Behältniß, ein eingeschlossener Raum; in welchem Verstande es nur noch in einigen einzelnen Fällen vorkommt. So wird das Samenbehältniß der birn- oder apfelförmigen Früchte das Kernhaus, Kerngehäuse, und im gemeinen Leben das Häuschen genannt, S. Griebs; wohin auch das abgeleitete Gehäuse in der Bedeutung eines Behältnisses gehöret. Besonders, so fern ein solcher eingeschlossener Raum zum Aufenthalte für Menschen oder Thiere bestimmt ist. 2 Kön. 23, 7 werden die Gezelte auf eine nunmehr ungewöhnliche Art Häuser genannt. Bey den Jägern führet die Wohnung des Bibers den Nahmen eines Hauses, und Sprichw. 30, 26 legen die Kaninchen ihr Haus in Felsen. Die Könige der Heiden liegen mit einander ein jeglicher in seinem Hause; d. i. in seinem Grabe, Es. 14, 18. Wohin auch die Zusammensetzungen Schneckenhaus, Vogelhaus, Hühnerhaus, Taubenhaus, Bienenhaus, Schilderhaus u. s. f. gehören. 2. In engerer Bedeutung, ein bedecktes Gebäude, d. i. ein nach den Regeln der Baukunst eingeschlossener und bedeckter Raum, allerley Verrichtungen darin vorzunehmen. So pflegen Kinder ein jedes Gebäude ein Haus zu nennen. Eine Kirche wird häufig ein Haus Gottes, das Haus des Herren, und im gemeinen Leben das Gotteshaus genannt, so wie in der Deutschen Bibel der Tempel zu Jerusalem mehrmahls unter dieser Benennung vorkommt. Indessen ist es in dieser Bedeutung in Zusammensetzungen am häufigsten, welche dessen Absicht und Gebrauch näher bestimmen, dergleichen Backhaus, Brauhaus, Ballhaus, Beinhaus, Gartenhaus, Kornhaus, Bethhaus, Waschhaus, Blockhaus, Gewächshaus, Glashaus, Schießhaus und hundert andere mehr sind. Der Abtritt oder das heimliche Gemach wird im gemeinen Leben vieler Gegenden im Diminut. das Häuschen genannt. 3. In noch engerer Bedeutung, ein Wohnhaus, ein zur Wohnung für Menschen bestimmtes Gebäude. 1) Überhaupt. Ein Haus bauen. Die Tatarn wohnen nicht in Häusern, sondern in Gezelten. Ein Haus beziehen, in dasselbe ziehen. Ein eigenes Haus haben. Von Haus zu Hause gehen, von einem Hause zum andern. Mit der Thür in das Haus fallen, nicht die nöthige Klugheit und Behuthsamkeit anwenden. Jemanden zu sich in sein Haus nehmen, ihm einen Aufenthalt darin geben. Ein großes, ein prächtiges, ein kleines, ein elendes Haus, u. s. f. Präch- tige Häuser führen gemeiniglich den Nahmen der Paläste, und feste Häuser den Nahmen der Schlösser. S. diese Wörter. Ehedem wurden auch die letztern, nehmlich die Bürge und Schlosser des Adels häufig nur Häuser genannt, welcher Gebrauch in einigen Gegenden, besonders in Westphalen, noch Statt findet; daher ein Ganerbenschloß auch unter dem Nahmen eines Ganerbenhauses vorkommt. S. Haltaus Glossar. v. Haus. In einigen Fällen wird Haus den Zimmern in Hause entgegen gesetzet, und da bedeutet es das Vorhaus, die Hausflur. 2) In engerer Bedeutung, dasjenige Haus, wo jemand wohnet, es mag ihm nun eigenthümlich oder nur miethweise gehören; wo der bestimmte Artikel das die Stelle der Fürwörter mein, dein, sein u. s. f. vertritt. Aus dem Hause gehen, aus seinem Hause. Ich bin in acht Tagen nicht aus dem Hause gekommen, aus meiner Wohnung. Jemanden aus dem Hause jagen. Einem das Haus verbiethen. Er soll mir nie wieder vor das Haus, oder in das Haus kommen. Das Haus hüthen, auch figürlich, im Hause bleiben, nicht aus dem Hause gehen können, so wie man auf ähnliche Art sagt, das Bett hüthen. Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart wird es mit den Vorwörtern nach, von und zu, auch ohne Artikel gebraucht, wo denn ganze R. A. ein adverbisches Ansehen hat. Nach Hause gehen, reiten, fahren, reisen, sich begeben, in sein Haus, und in weiterer Bedeutung auch, an den Ort seiner Wohnung, seines Aufenthaltes. Er wird bald nach Hause kommen. Etwas mit nach Hause nehmen, mit in sein Haus. Jemanden nach Hause führen, einen Freund nach Hause begleiten, in dessen Haus. Nach Hause eilen. Jemanden von Haus und Hof treiben, aus seinem gesammten Eigenthume. Ich komme von Hause, d. i. ich komme unmittelbar aus meiner Wohnung. Ich bin lange von Hause gewesen, so wohl eigentlich, aus meinem Hause, als auch figürlich, von den Meinigen, aus meinem Geburts- oder Wohnorte, aus meinem Vaterlande. Einen Brief von Hause bekommen, von den Seinigen, aus seinem Geburts- oder Wohnorte. Etwas von Hause aus verrichten. Ein fürstlicher Rath von Hause aus, der dem Fürsten in Geschäften dienet, die er von seinem Hause aus bestreiten kann, der nicht bey Hofe angestellet ist. Er ist ein Schalk von Hause aus, ein durchtriebener Schalk. Die Tochter, der Sohn, die Frau, der Herr vom Hause, d. i. des Eigenthümers des Hauses, zuweilen auch der Familie. Zu Hause seyn, in seiner Wohnung. Es ist niemand zu Hause. Den ganzen Tag zu Hause bleiben. Wir haben den ganzen Tag zu Hause gesessen. Wir zankten uns zu Hause, so oft wir einander sahen. Mit etwas zu Hause bleiben, figürlich, es nicht vortragen, bey sich behalten, verschweigen. Ich wollte, daß sie mit ihren Beweisen zu Hause geblieben wären. An einem Orte zu Hause seyn, so wohl daselbst wohnhaft seyn, als auch daher gebürtig seyn. Wo gehört er zu Hause? Er ist nirgends zu Hause, hat nirgends eine dauerhafte Wohnung. In einer Wissenschaft zu Hause seyn, bewandert. Ingleichen figürlich, auch von leblosen Dingen. Früchte, welche in Italien zu Hause gehören, daselbst einheimisch sind. Auch mit einigen Zeitwörtern der Bewegung nach einem Orte, für nach. Zu Hause gehen, nach Hause. Er wird bald zu Hause kommen. Es wird dir wieder zu Hause kommen, oder zu Hause gebracht werden, figürlich, es wird dir wieder vergolten werden. Jemanden zu Hause bringen, begleiten, führen, nach Hause. Gottsched und andere haben diesen Gebrauch des Vorwortes zu getadelt, ihn für Niedersächsisch erkläret, und behauptet, daß mit den Zeitwörtern der Bewegung nicht zu stehen könne. Allein, sie haben vermuthlich nicht bedacht, daß man sehr häufig sagt: zur Hochzeit, zum Tanze, zur Kirche, zu Felde, zu Weine, zur Ruhe, zu Bette gehen, jemanden zu Bette, zur Ruhe bringen, ihn zur Erde bestatten, und hundert andere Fälle mehr, welche noch von niemanden getadelt oder für Niedersächsisch erkläret worden. 3) Figürlich, die in einem Hause wohnenden Personen: (a) Alle in einem Hause wohnende Personen, wo es nur im Singular üblich ist. Das ganze Haus lief vor das Thor. Sein ganzes Haus war zugegen, alle Personen, die mit ihm in Einem Hause wohnen. Das ganze Hause ist aufgeschrieben worden. Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, Luc. 19, 9. (b) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine Gesellschaft, welche ohne unmittelbare Beyhülfe einer andern, die Erhaltung des natürlichen Lebens und die Bequemlichkeit ihrer Glieder besorget, diejenigen Personen, welche eine häusliche Gesellschaft ausmachen, zusammen genommen, eine Familie, eine Haushaltung; wo dieses Wort bald im engsten Verstande von Eheleuten und ihren Kindern und Verwandten, so fern sie in einem Hause beysammen wohnen, allein, bald in weiterm auch mit Einschließung des Gesindes gebraucht wird. Seinem Hause gut vorstehen. Sie stehet des Nachts auf und gibt Futter ihrem Hause, Sprichw. 31, 15. Das Nestelsche Haus, die Nestelsche Familie. Was man in das Haus braucht, zur Nothdurft und zur Bequemlichkeit seiner Familie. Eine Person aus einem guten Hause, von guten Ältern, und in der folgenden weitern Bedeutung, auch aus einem guten Geschlechte. Sehr häufig gebraucht man es auch in engerer Bedeutung von einem Handelshause, d. i. von einem angesehenen Kaufmanne. Wechsel aus einem guten Hause. Es haben drey angesehene Häuser bankerott gemacht, es sind drey ansehnliche Häuser gefallen. Dahin gehöret auch die R. A. Haus halten, d. i. ein Haus regieren, einem Hause vorstehen, mit Inbegriff aller dazu gehörigen Veranstaltungen; welche R. A. von einigen irrig als ein zusammen gesetztes Wort behandelt wird, ob gleich die Nennwörter, das Haushalten, die Haushaltung u. s. f. mit allem Rechte so gebraucht werden können. Er hat schon zehen Jahre Haus gehalten, d. i. eine eigene Familie gehabt, und dieselbe regieret und versorget. In engerer Bedeutung ist Haus halten, die zur Unterhaltung eines Hauses nöthigen Ausgaben verwalten, und den häuslichen Geschäften vorstehen. Einem Haus halten; seinem Hauswesen vorstehen. Wo es denn auch wohl überhaupt für verwalten, administriren gebraucht wird. Übel, gut Haus halten. Mit vielen hält man Haus, mit wenigen kommt man auch aus. Mit etwas Haus halten, auch zuweilen, sparsam damit umgehen. S. auch die Haushaltung, Haushalter, Haushältig. (c) In noch weiterer Bedeutung, ein Geschlecht, d. i. alle von einem gemeinschaftlichen Stammvater herstammende Personen, bald im weitesten Verstande mit Einschließung der Seitenverwandten, bald aber auch, und zwar am Häufigsten, mit Ausschließung derselben. Und es war ein langer Streit zwischen dem Hause Saul und dem Hause David, 2 Sam. 3, 1. Das Haus Israel das ungehorsame Haus, Ezech. 12, 9, das ganze Volk Israel; und so in andern Stellen mehr. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur von angesehenen Geschlechtern, bald mit mehr, bald mit weniger Einschränkung. Eine Person aus einem guten Hause. Das ganze königliche Haus, d. i. die Verwandten. Das Haus Sachsen, Brandenburg u. s. f. Zahlreiche adelige Geschlechter pflegen sich zuweilen nach Häusern einzutheilen, und alsdann bedeutet dieses Wort den Zweig eines Geschlechtes.

Anm. Bey dem Ulphilas, dem Übersetzer Isidors, dem Kero, Ottfried und allen alten Oberdeutschen Schriftstellern Hus, in den gemeinen Mundarten Oberdeutschlandes, im Niedersächsischen, Dänischen, Schwedischen, auch nur Hus. Das au in unserm Hochdeutschen ist neuern Ursprunges. Im Engl. House, im Slavonischen und Wendischen Hisha, im Kroat. Kuzha, im Ungar. Haz. Das Latein Casa ist genau damit verwandt. Wachter leitet es mit Haut und Hütte, von dem alten Zeitworte hüthen, bedecken, her, so daß es eigentlich einen bedeckten Ort bedeuten würde. Gewiß ist es, daß s und t beständig mit einander abwechseln. Für Geschlecht, Familie, gebraucht schon Raban Maurus Huscha.


Hausähre (W3) [Adelung]


Die Hausähre, plur. die -n, S. Hausflur.


Hausälster (W3) [Adelung]


Die Hausälster, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der gewöhnlichen Älster, welche sich gern um die Häuser auf dem Lande aufhält. S. Älster.


Hausandacht (W3) [Adelung]


Die Hausandacht, plur. die -en, die Andacht zu Hause, d. i. gottesdienstliche Übungen zu Hause, im Gegensatze der Öffentlichen, besonders wenn sie mit Zuziehung des ganzen Hauses geschehen. Seine Hausandacht halten.


Hausänte (W3) [Adelung]


Die Hausänte, plur. die -n, eine Benennung der zahmen Änten, im Gegensatze der wilden.


Haus-Apotheke (W3) [Adelung]


Die Haus-Apotheke, plur. die -n, eine Apotheke, d. i. Vorrath von Arzeneyen, welche man zu häuslichen Bedürfnissen bey sich im Hause hat.


Hausarbeit (W3) [Adelung]


Die Hausarbeit, plur. die -en, eine Arbeit, welche zu Hause oder im Hause vorgenommen wird; im Gegensatze der Feldarbeit. Im Holsteinischen bedeutet häuseln dergleichen häusliche Arbeit verrichten.


Hausarm (W3) [Adelung]


Hausarm, adj. et adv. Hausarme Personen, oder Hausarme, arme Personen, welche sich zu betteln schämen, und Almosen im Hause, oder aus gutthätigen Häusern bekommen; zum Unterschiede von den Bettlern und Kircharmen. Schwed. husarm.


Haus-Arrest (W3) [Adelung]


Der Haus-Arrest, des -es, plur. inus. ein Arrest, vermöge dessen man nicht aus seiner Wohnung gehen darf, Arrest, welchen man in seiner Wohnung hat, und welcher auch Stuben-Arrest und bey den Soldaten Civil-Arrest genannt wird. Haus-Arrest haben.


Hausarzeney (W3) [Adelung]


Die Hausarzeney, plur. die -en, eine Arzeney, welche man zu häuslichen Bedürfnissen bey sich im Hause hat. In einem andern Verstande werden auch die so genannten Hausmittel mit diesem Nahmen beleget; S. dieses Wort.


Hausbacken (W3) [Adelung]


Hausbacken, S. Hausgebacken.


Hausbau (W3) [Adelung]


Der Hausbau, des -es, plur. inus. der Bau eines Hauses, d. i. eines Wohnhauses.


Hausbesitzer (W3) [Adelung]


Der Hausbesitzer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Hausbesitzerinn, plur. die -en, der eigenthümliche Besitzer eines Hauses, ein Hausgesessener; zum Unterschiede von Miethleuten.


Hausbier (W3) [Adelung]


Das Hausbier, des -es, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, im gemeinen Leben, Bier, welches man für sich und die Seinigen selbst brauen lässet.


Hausblase (W3) [Adelung]


Die Hausblase, S. Hausenblase.


Hausbothe (W3) [Adelung]


Der Hausbothe, des -n, plur. die -n, in einigen Niedersächsischen Gegenden, z. B. in Bremen, ein Rathsdiener, welcher die Bürgerschaft auf das Rathhaus ladet, oder ihr die obrigkeitlichen Befehle in das Haus bringt.


Hausbrauch (W3) [Adelung]


Der Hausbrauch, des -es, plur. die -bräuche, der in einem Hause, in einer Familie, eingeführte Gebrauch. Den Hausbrauch wissen.


Hausbrenner (W3) [Adelung]


Der Hausbrenner, des -s, plur. ut nom. sing. S. Feuerschröter.


Hausbrief (W3) [Adelung]


Der Hausbrief, des -es, plur. die -e, der Kaufbrief eines Hauses, die über den Kauf eines Hauses ausgefertigte Urkunde.


Hausbrot (W3) [Adelung]


Das Hausbrot, des -es, plur. inus. S. Hausgebacken. In engerer Bedeutung wird nur das Gesindebrot an einigen Orten Hausbrot genannt.


Hausbuch (W3) [Adelung]


Das Hausbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Rechnungsbuch über die häuslichen Ausgaben und Einnahmen. An einigen Orten werden auch die Erb- oder Salbücher, d. i. die Verzeichnisse der Einnahmen und Rechte einer Herrschaft an einem Orte, Hausbücher genannt.


Hausbursch (W3) [Adelung]


Der Hausbursch, des -en, plur. die -en, ein Bursch, d. i. lediger junger Mensch, so fern er bey jemanden zur Miethe in einem Hause wohnet. Besonders sind auf Universitäten die Studenten in Beziehung auf ihre Hausherren unter diesem Nahmen bekannt.


Haus-Capelle (W3) [Adelung]


Die Haus-Capelle, plur. die -n, eine Capelle im Hause, zum Behufe des häuslichen Gottesdienstes; zum Unterschiede von einer öffentlichen.


Hauschlag (W3) [Adelung]


Der Hauschlag, des -es, plur. die -schläge, von hauen und Schlag. 1) Ein Schlag, d. i. ein Revier Holzes, ein bestimmter Theil eines Waldes, in welchem Holz gefället worden oder noch gefället wird; ein Hau, Gehau. 2) Bey den Müllern, die strahligen Rinnen oder Schärfen, welche in die Mühlsteine gehauen werden, welche zusammen genommen die Märkische Schärfe genannt werden; zum Unterschiede von der einschlägigen Schärfe, wo der Stein nur mit ungleichen Hieben behauen wird. Einen Stein in Hauschlägen hauen. Die Hauschläge abreiben, den Grath durch aufgeschüttete Kleye wegschaffen.


Haus-Commenthur (W3) [Adelung]


Der Haus-Commenthur, des -s, plur. die -e, ein Commenthur, welcher einem einzelnen Ordenshause vorgesetzet ist; zum Unterschiede von den Land-Commenthuren. S. Commenthur.


Hausdieb (W3) [Adelung]


Der Hausdieb, des -es, plur. die -e, Fämin. die Hausdiebinn, plur. die -en, eine Person aus dem Hause, aus der häuslichen Gesellschaft, so fern sie diese Gesellschaft selbst bestiehlet. So auch der Hausdiebstahl.


Hausdiele (W3) [Adelung]


Die Hausdiele, plur. die -n, S. Hausflur.


Hausehre (W3) [Adelung]


Die Hausehre, plur. inus. 1) Die Ehre des Hauses, oder der häuslichen Gesellschaft. Die Hausehre retten. Im Schwabenspiegel heißt es Kap. 279 (nicht 157, wie es bey dem Frisch heißt,) Den Aehter mag ain ieglich man uuol behalten uber naht - Daz ist gesetzet durh dez mannez hus ere, uon der hus ere ist uil guter dinge komen. In einem andern aber jetzt veralteten Verstande bedeutet eben daselbst in der Aufschrift des 42sten Kap. Husere die freye Gewalt eines Hausvaters über sein Eigenthum zu schalten und walten: Wie lange der man husere haben müge. Wo es Frisch durch Hausähre erkläret, (siehe Hausflur,) in welchem Verstande es wenigstens in einer Straßburgischen Eidesformel bey dem Schilter vorkommt. 2) Figürlich, die Hausfrau, weil sie dem Hause Ehre und Ansehen gibt. Die Könige der Heerschaaren sind unter einander Freunde, und die Hausehre theilet den Raub aus, Ps. 68, 13. In welchem Verstande es am häufigsten im Scherze üblich ist.


Häuselgroschen (W3) [Adelung]


Der Häuselgroschen, des -s, plur. inus. an einigen Orten Obersachsens, dasjenige Geld, welches die Häusler oder Hausleute anstatt des Zehenten, dessen sie nicht fähig sind, dem Pfarrherren und Küster jährlich zu geben verbunden sind, und welches gemeiniglich ein Groschen ist.


Hausen (W3) [Adelung]


Hausen, verb. reg. welches von Haus abstammet, in doppelter Gestalt üblich ist, aber im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Wohnen, Aufenthalt an einem Orte haben; in welchem Verstande huson schon bey dem Notker und Winsbeck vorkommt. Minne hat gehuset dar, Schenk Ulrich von Winterstetten. Gerechtigkeit wird auf dem Acker hausen, Es. 33, 16. Gleichwie Sodom und Gomorra umgekehrt ist, daß niemand daselbst wohnen, noch kein Mensch drinnen hausen soll, Jer. 49, 18, 33; Kap. 50, 39, 40. Im Nieders. husen. S. Behausung. 2) In engerer Bedeutung, gemeinschaftlich wohnen; nur noch im gemeinen Leben Oberdeutschlandes. Ein Ehepaar hauset nicht mit einander, wenn es nicht bey einander wohnet. 3) Haus halten, die Haushaltung führen; auch nur im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes. Ich hause schon lange; habe schon lange meine eigene Haushaltung. Er weiß nicht recht zu hausen. 4) Poltern, lärmen; wofür auch Haus halten üblich ist. Wer hauset so auf dem Boden? Der Wind hauset gewaltig. 5) Nach einer noch weitern Figur, übel behandeln, schlecht, hart mit etwas umgehen. Schlecht mit etwas hausen, es schlecht verwalten, schlecht damit Haus halten. Die Franzosen haben ehedem in Westphalen sehr übel gehauset. Wie Venus mit mir Haust, Opitz. 2. Als ein Activum, in seinem Hause Aufenthalt geben, beherbergen, behausen; schon im Schwabensp. Kap. 124 husen, im Nieders. husen, im Dän. huse, im Schwed. husa. Jemanden hausen.


-hausen (W3) [Adelung]


-hausen, die Endung des eigenthümlichen Nahmens verschiedener bewohnter Örter in Deutschland, welche gleichfalls von Haus abstammet. Mühlhausen, Nordhausen, Wolfrathshausen, Sundhausen, Osthausen u. s. f. welche in den gemeinen Mundarten der Niedersachsen oft in -sen zusammen gezogen wird; Hornsen, Pattensen u. s. f. für Hornhausen, Pattenhausen. In den davon abgeleiteten Wörtern gehet das a in ein ä über; ein Nordhäuser, eine Mühlhäuserinn, Mühlhäusich, Nordhäusisch.


Hausen (W3) [Adelung]


Der Hausen, des -s, plur. ut nom. sing. ein großer eßbarer Fisch, welcher nach dem Linne zu dem Geschlechte der Störe gehöret, und nicht nur in der Donau, sondern auch in allen großen Flüssen, welche sich in das Kaspische und schwarze Meer ergießen, wenigstens in ihren Mündungen angetroffen wird; Acipenser Huso L. Er wird oft 24 Fuß lang, und unterscheidet sich von allen andern Fischen dieses Geschlechtes durch seine weiße Haut, und durch sein weißes Fleisch; daher er im Russischen auch Beluga genannt wird, von bel, biel, weiß. Er ist der - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - des Herodotus, und der Esox der Lateiner in Ungarn, obgleich Plinius dieses Wort von dem Lachse verstehet. Der Lat. Nahme Huso ist nach dem Deutschen gebildet, und durch Geßnern, Aldrovand u. a. eingeführet worden. Der Deutsche Nahme soll von dem Türkischen Worte usun, lang, herstammen, und diesem Fische wegen seiner beträchtlichen Länge seyn gegeben worden, so wie das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - auf die spitzige Gestalt seines Kopfes zielet, von welcher auch der geschlechtsverwandte Stör im Lat. Acipenser heißt. Die Ungarn nennen den Hausen Wysahal, Rascian und Moruna, welches letztere mit dem Mario des Plinius überein zu kommen scheinet.


Hausenblase (W3) [Adelung]


Die Hausenblase, plur. die -n, eigentlich die Luftblase des Hausens. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, aber ohne Plural, wird der Fischleim, welcher aus der Luftblase des Hausens und der übrigen Fische seines Geschlechtes zubereitet wird, Hausenblase, im gemeinen Leben nur Hausblase, Schwed. Hus- blas genannt. Die von dem eigentlichen Hausen ist die schlechteste, aber im Handel und Wandel die gemeinste, so wie die von dem Stör und der Sterlette die beste aber auch die seltenste ist. Im Russischen heißt sie Rüby Kley, bey den Kosaken Karluk. Die Ichthyocolla der Alten wurde nicht aus der Blase, sonders aus der Haut dieser Fische verfertiget.


Hausenrogen (W3) [Adelung]


Der Hausenrogen, des -s, plur. inus. der eingemachte Rogen des Hausens und anderer Fische seines Geschlechtes, welcher unter dem Nahmen Caviar am bekanntesten ist, S. dieses Wort.


Hauseule (W3) [Adelung]


Die Hauseule, plur. die -n, die kleine Eule, welche sich gern bey den Gebäuden und Häusern aufhält und daher auch die Scheuereule, in andern Gegenden aber die Stockeule und Waldeule genannt wird; Noctua parva Klein. Sie ist unter dem Nahmen des Kauzes oder des Käuzchens am bekanntesten.


Hausfliege (W3) [Adelung]


Die Hausfliege, plur. die -n, die gemeine Fliege, so fern sie am häufigsten in den Häusern angetroffen wird; Musca domestica L. zum Unterschiede von andern Arten ihres Geschlechtes.


Hausflur (W3) [Adelung]


Die Hausflur, plur. die -en, bey einigen der Hausflur, des -es, plur. die -e, der Raum in einem Hause gleich nach der Hausthür, aus welchem man in die Zimmer tritt, besonders so fern er gepflas=tert ist; das Vorhaus, in Thüringen, Franken und am Ober-Rheine die Hausähre oder der Hausern, welches mit dem Latein. Area überein kommt, aber gewiß nicht daraus entlehnet ist, Ital. Aia, in Nieders. die Hausdiele, in Baiern das Flötz.


Hausfrau (W3) [Adelung]


Die Hausfrau, plur. die -en. 1) Die Frau vom Hause, oder in der häuslichen Gesellschaft, die Ehegattinn des Hausherren. Tobiä Hausfrau, Tob. 2, 22. Wer eine Hausfrau hat, der bringet sein Gut in Rath, Sir. 36, 26. In welchem Verstande, nehmlich in Beziehung auf den Ehemann, es nur unter gemeinen Leuten üblich ist. Ein wenig häufiger, doch aber auch nur von Personen geringern Standes gebraucht man es in Beziehung auf das Gesinde. S. Hausmutter. Im Schwabensp. Husfrauu. In Oberdeutschen Urkunden wird die Schutzheilige einer Kirche, die Patroninn, gleichfalls Hausfrau genannt. 2) Eine Frau, welcher die Stelle eines Hausmannes vertritt, folglich die Sicherheit und Reinlichkeit eines Hauses zu besorgen hat.


Hausfrieden (W3) [Adelung]


Der Hausfrieden, des -s, oder der Hausfriede, des -ns, plur. inus. 1) Der Friede, d. i. die Einigkeit, das gute Vernehmen einer häuslichen Gesellschaft. Den Hausfrieden stören. Es ist eine edle Sache um den Hausfrieden. 2) Die Sicherheit, welche ein jeder in seiner Wohnung vor den Gewaltthätigkeiten anderer genießet, und zu fordern berechtigt ist; Schwed. Hemfried. Den Hausfrieden brechen, dawider handeln.


Hausfürst (W3) [Adelung]


* Der Hausfürst, des -en, plur. die -en, eine im Deutschen ungewöhnliche Benennung eines vornehmen Haushofmeisters an einem königlichen Hofe, welche nur 2 Chron. 28, 7 vorkommt.


Hausgebacken (W3) [Adelung]


Hausgebacken, adj. et adv. welches besonders im gemeinen Leben üblich ist, wo es auch nur hausbacken lautet. Hausgebackenes Brot, im Hause gebackenes Brot, Brot, welches man zum Gebrauche seiner häuslichen Gesellschaft durch sein eigenes Gesinde backen lassen, Hausbrot; im Gegensatze des Bäckerbrotes. Nieders. huusbacken, Dän. huusbaged.


Hausgeflügel (W3) [Adelung]


Das Hausgeflügel, des -s, plur. inus. ein Collectivum, dasjenige Geflügel zu bezeichnen, welches man in der Landwirthschaft in oder bey dem Hause zu halten pfleget; das zahme Geflügel, das Federvieh, im Gegensatze des wilden Geflügels oder des Feld-Wald- und Wassergeflügels.


Hausgeist (W3) [Adelung]


Der Hausgeist, des -es, plur. die -er, ein erdichteter Geist, welcher sich zuweilen in den Häusern sehen lassen, und allerley häusliche Arbeit verrichten soll; Spiritus familiaris. Siehe Kobolt.


Hausgeld (W3) [Adelung]


Das Hausgeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches man für den Gebrauch eines Hauses oder eines Theiles desselben dem Eigenthümer bezahlet, und welches am häufigsten die Hausmiethe oder der Hauszins genannt wird. So führet in den Rechten einiger Gegenden dasjenige Geld, welches einer adeligen Wittwe für die Wohnung bezahlet wird, den Nahmen des Hausgeldes.


Hausgeräth (W3) [Adelung]


Das Hausgeräth, des -es, plur. inus. dasjenige Geräth, welches zur Nothdurft oder zur Bequemlichkeit im Hause, oder des häuslichen Lebens erfordert wird; der Hausrath, in Nieders. Huusreseep, Ingedömpte, in Dithmarsen das Ingut, Schwed. Husgerad, Inwidur.


Hausgesinde (W3) [Adelung]


Das Hausgesinde, des -s, plur. inus. dasjenige Gesinde, welches man im Hause hält, im Gegensatze des auswärtigen Gesindes, so fern dieses Wort ehedem einen jeden Bedienten oder Vasallen bedeutete. Ehedem wurde auch die ganze Familie, d. i. die Glieder der häuslichen Gesellschaft mit Ausschließung des Hausherren und der Hausfrau, das Hausgesinde genannt. Des Menschen Feinde sind sein eigen Hausgesind, Mich. 7, 6. Ich habe aber auch getauft des Stephana Hausgesind, 1 Cor. 1, 16. In welcher Bedeutung es aber veraltet ist. S. Gesinde.


Hausgiebel (W3) [Adelung]


Der Hausgiebel, des -s, plur. ut nom. sing. der Giebel eines Wohnhauses. S. Giebel.


Hausgott (W3) [Adelung]


Der Hausgott, des -es, plur. die -götter, in der heidnischen Gottesgelehrsamkeit, Götter, welche dem Hauswesen vorstehen, und im Hause verehret werden. Die freundlichen Hausgötter sehen des Redlichen Geschäfte, Geßn.


Hausgottesdienst (W3) [Adelung]


Der Hausgottesdienst, des -es, plur. inus. der häusliche Gottesdienst, feyerliche gottesdienstliche Übungen im Hause und mit den Personen seines Hauses ohne eigentlichen Priester; im Gegensatze des öffentlichen Gottesdienstes. Wird ein Priester dabey gebraucht, so ist es eigentlich ein Privat-Gottesdienst. In der weitesten Bedeutung des Wortes Gottesdienst wird zuweilen eine jede gottesdienstliche Besserung der häuslichen Gesellschaft ein Hausgottesdienst genannt.


Hausgötze (W3) [Adelung]


Der Hausgötze, des -n, plur. die -n, das körperliche Bild eines Hausgottes im verächtlichen Verstande, und auch wohl der Hausgott selbst. S. Götze.


Hausgrille (W3) [Adelung]


Die Hausgrille, plur. die -n, Grillen, welche sich in den Wohnhäusern aufhalten, und daher im gemeinen Leben auch Heimchen, von Heim, das Haus, im Mecklenb. Ehmken, genannt werden; zum Unterschiede von den Feldgrillen. S. Grille und Heimchen.


Haushahn (W3) [Adelung]


Der Haushahn, des -es, plur. die -hähne, der Hahn der Haushühner oder der zahmen eigentlichen Hühner. Ein alter Haushahn hielt auf einer Scheune Wacht, Hag.


Haushalten (W3) [Adelung]


Haushalten, verb. reg. act. besser Haus halten, S. Haus 3. 3) (b).


Haushalten (W3) [Adelung]


Das Haushalten, des -s, plur. ut nom. sing. der Infinitiv der vorigen R. A. als ein Hauptwort gebraucht, für Haushaltung. 1) * Die Regierung des Hauswesens und Anordnung der häuslichen Geschäfte; ohne Plural. Das Haushalten versehen, Haus halten. Durch ordentliches Haushalten werden die Kammern voll, Sprichw. 24, 4. Thue Rechnung von deinem Haushalten, Luc. 16, 2. 2) Eine häusliche Gesellschaft, eine Familie, in einigen Gegenden. Es wohnen sechs Haushalten in diesem Hause. S. Haushaltung.


Haushälter (W3) [Adelung]


Der Haushälter, (im Oberd. Haushalter,) des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Haushälterinn, plur. die -en. 1) * Derjenige, welcher eine eigene Haushaltung hat, der Hausvater, Hausherr; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. 2) Eine Person, welche die Haushaltung oder Hauswirtschaft eines andern verwaltet, derselben vorstehet, Oeconomus; besonders auf dem Lande, wo er in manchen Gegend auch Hofmeister, Verwalter u. s. f. und wenn es eine Person weiblichen Geschlechtes ist, auch Ausgeberinn, Beschließerinn, Altfrau, u. s. f. genannt wird. Der ungerechte Haushalter, Luc. 16. Wir sind Haushalter über Gottes Geheimnisse, 1 Cor. 4, 1. 3) Bey dem Salzwerke zu Halle wird derjenige Amtsknecht, welcher das Thalhaus reinlich hält, und dasselbe zur gehörigen Zeit auf und zuschließet, der Haushalter genannt.


Haushälterisch (W3) [Adelung]


+ Haushälterisch, adj. et adv. S. das folgende.


Haushältig (W3) [Adelung]


Haushältig, -er, -ste, adj. et adv. Fertigkeit besitzend, gut Haus zu halten, d. i. einem Hauswesen mit Klugheit und beson- ders mit weiser Sparsamkeit vorzustehen, und darin gegründet. Zuweilen auch in weiterer Bedeutung für sparsam. Wenn sie recht haushältig wird, Gell. Im niedrigen Leben haushälterisch. Erast ist mäßig und haushälterisch, Gell.


Haushältigkeit (W3) [Adelung]


Die Haushältigkeit, plur. car. die Fertigkeit, einem Hauswesen mit Klugheit und besonders mit weiser Sparsamkeit vorzustehen. In weiterer Bedeutung auch für Sparsamkeit.


Haushaltung (W3) [Adelung]


Die Haushaltung, plur. die -en, welches das Verbale der R. A. Haus halten ist. 1) Die Regierung einer häuslichen Gesellschaft, mit allen dahin gehörigen Geschäften, besonders der Verwaltung der dazu nöthigen Ausgaben und Einnahmen, ohne Plural; die Ökonomie, das Haushalten. Eines Haushaltung führen. Ingleichen die Kunst, einer häuslichen Gesellschaft mit Klugheit vorzustehen; die Haushaltungskunst. Die Haushaltung lernen, verstehen. 2) Die häusliche Gesellschaft selbst. Eine eigene Haushaltung haben. Unsere beyden Haushaltungen sind einander gleich entgegen gesetzet, Gell. Es wohnen drey Haushaltungen in diesem Hause. Im Oberd. Haushab und Hausgesäß. Figürlich werden in der Theologie die Zeiten des alten und neuen Testamentes zwey Haushaltungen Gottes genannt, welche man auch unter dem Nahmen des alten und neuen Bundes zu verstehen pfleget.


Haushaltungsbuch (W3) [Adelung]


Das Haushaltungsbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Rechnungsbuch, worin man die zu einer Haushaltung gehörigen Ausgaben und Einnahmen zu verzeichnen pfleget. Zuweilen auch ein Buch, worin die Haushaltungskunst gelehret wird.


Haushaltungskunst (W3) [Adelung]


Die Haushaltungskunst, plur. inus. die Kunst, einer häuslichen Gesellschaft mit Klugheit vorzustehen; mit einem Griech. Worte die Ökonomie.


Haushenne (W3) [Adelung]


Die Haushenne, plur. die -n, eine zahme Henne; zum Unterschiede von wilden Hennen.


Hausherr (W3) [Adelung]


Der Hausherr, des -en, plur. die -en. 1) Der Herr, d. i. eigenthümliche Besitzer eines Wohnhauses, zum Unterschiede von seinen Hausgenossen oder Miethleuten; der Hausbesitzer, im gemeinen Leben der Hauswirth, in Bremen Hüster. 2) Der Herr in der häuslichen Gesellschaft, das Haupt derselben in Beziehung auf das Gesinde, so wie er im Verhältniß gegen die Kinder der Hausvater genannt wird.


Haushoch (W3) [Adelung]


Haushoch, adj. et adv. im gemeinen Leben, so hoch wie ein Haus, sehr hoch. Ein haushoher Berg.


Haushuhn (W3) [Adelung]


Das Haushuhn, des -es, plur. die -hühner, ein zahmes Huhn, im Gegensatze der wilden oder Feld- und Wasserhühner. In engerer Bedeutung, ein Haushuhn weiblichen Geschlechtes, eine Haushenne; zum Unterschiede von dem Haushahne.


Haushund (W3) [Adelung]


Der Haushund, des -es, plur. die -e, eine Hund, welcher zur Bewachung des Hauses gehalten wird; zum Unterschiede von einem Schooßhunde, Jagdhunde, Hirtenhunde u. s. f.


Hausiren (W3) [Adelung]


Hausiren, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1) Waaren von Haus zu Hause feil biethen; in Baiern hossen gehen. Hausiren gehen, auf solche Art handeln. Mit Glaswaaren hausiren, oder hausiren gehen. 2) Toben, lärmen, poltern; wofür man auch hausen und Haus halten gebraucht. Im Hause herum hausiren. Der Poltergeist hat entsetzlich hausiret. In Niedersachsen auch in mehr eigentlicher Bedeutung, übel Haus halten. Herum hausiren, herum schwärmen. In beyden Bedeutungen im Nieders. huseeren, im Dän. husere. Es ist vermittelst der ausländischen Endung -iren, wie mehrere ähnliche Wörter, von hausen gebildet. S. - Iren.


Hausirer (W3) [Adelung]


Der Hausirer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Hausirerinn, plur. die -en, eine Person, welche ihre Waare von Haus zu Hause feil biethet.


Hausjungfer (W3) [Adelung]


Die Hausjungfer, plur. die -n. 1) Die Jungfer vom Hause, d. i. die unverheirathete Tochter des Hausherren oder Hausvaters. 2) Eine Jungfer, oder unverehelichte Person weiblichen Geschlechtes, welche anstatt der Hausfrau und in ihrem Nahmen die Haushaltung führet, und an andern Orten die Ausgeberinn, Beschließerinn u. s. f. genannt wird.


Hauskatze (W3) [Adelung]


Die Hauskatze, plur. die -n, die zahme Katze, welche in den Häusern gehalten wird; zum Unterschiede von den wilden Katzen.


Hauskauf (W3) [Adelung]


Der Hauskauf, des -es, plur. die -käufe, der Kauf eines Hauses.


Hauskeller (W3) [Adelung]


Der Hauskeller, oder Hauskellner, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Höfen, z. B. an dem Chursächsischen, der erste Vorgesetzte der Hofkellerey, welcher den Kellermeister, die Mundschenken u. s. f. unter sich hat, und unmittelbar unter Ober-Küchenmeister stehet.


Hauskirche (W3) [Adelung]


Die Hauskirche, plur. die -n. 1) Eine Kirche in einem Hause und zum Behufe einer häuslichen Gesellschaft. In Westphalen, wo die Schlösser noch häufig Häuser genannt werden, ist die Hauskirche so viel als eine Schloßkirche. 2) Der feyerliche Gottesdienst im Hause und mit der häuslichen Gesellschaft, im gemeinen Leben und ohne Plural; der Hausgottesdienst. Hauskirche halten.


Hauskleidung (W3) [Adelung]


Die Hauskleidung, plur. die -en, diejenige Kleidung, mit welcher man in seinem Hause und bey seinen häuslichen Verrichtungen bekleidet ist.


Hausknecht (W3) [Adelung]


Der Hausknecht, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein Knecht, welcher zum Futterschneiden und andern häuslichen Verrichtungen gebraucht wird; zum Unterschiede von dem Ackerknechte, Fuhrknechte u. s. f. In Franken ein Bößler, in Niedersachsen Drevel. In großen Häusern in den Städten hat man gleichfalls Hausknechte, welche mit einem anständigern Nahmen zuweilen Hausmänner genannt werden, und nicht nur das Vorhaus und den Hof rein zu halten, sondern auch das Haus zur gehörigen Zeit auf- und zuzuschließen haben. In weiterer aber jetzt ungewöhnlicher Bedeutung kommt es Sir. 37, 13, Apost. Gesch. 10, 7 von einem jeden häuslichen Bedienten vor.


Hauskost (W3) [Adelung]


Die Hauskost, plur. inus. im gemeinen Leben, häusliche Kost, d. i. Speisen, wie man sie gewöhnlich in seiner Haushaltung zu haben pflegt. S. Hausmannskost.


Hauskreuz (W3) [Adelung]


Das Hauskreuz, des -es, plur. inus. ein Kreuz, d. i. Leiden, Widerwärtigkeit in der häuslichen Gesellschaft und in Ansehung derselben. Vieles Hauskreuz haben, viele häusliche Unglücksfälle oder Widerwärtigkeiten. S. Kreuz.


Hauskrieg (W3) [Adelung]


Der Hauskrieg, des -es, plur. die -e, der Krieg, d. i. hoher Grad der Uneinigkeit in der häuslichen Gesellschaft, besonders zwischen den Eheleuten.


Hauskrone (W3) [Adelung]


Die Hauskrone, plur. die -n, die Krone seines Hauses, seines Geschlechtes, zum Unterschiede von einer Reichskrone; besonders in dem Hause Österreich. Die Kaiser aus diesem Hause führen auf Münzen und Siegeln mehrmahls die Hauskrone, d. i. die erzherzogliche Krone.


Hauslaub (W3) [Adelung]


Das Hauslaub, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche auf dem Lande häufig auf den Strohdächern der Häuser und auf alten Mauern wächset; Sempervivum L. Es wird auch Hauslauch und große Hauswurzel, Engl. Houseleek genannt. S. auch Donnerbart.


Hauslauch (W3) [Adelung]


Der Hauslauch, des -es, plur. inus. 1) S. das vorige. 2) Auch ein Nahme des Hohllauches, S. dasselbe.


Hauslehrer (W3) [Adelung]


Der Hauslehrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lehrer, welchen ein Hausvater für seine Kinder hält, und der im gemeinen Leben ein Hofmeister und mit einem Lateinischen Worte ein Informator genannt wird.


Hausleinwand (W3) [Adelung]


Die Hausleinwand, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, Leinwand, welche sich ein Hauswirth für seine Haushaltung selbst verfertigen lässet; zum Unterschiede von der Kaufleinwand, welche auf den Kauf verfertiget wird.


Häusler (W3) [Adelung]


Der Häusler, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Geringe Bauersleute, welche mit keinem Hause angesessen sind, sondern nur bey andern zur Miethe wohnen, und auf dem Lande das sind, was in den Städten die Schutzverwandten sind. Im Nieders. Hüsselt, Hüssent, Hüssel, Hüsling, Einlieger, Instmann, im Oberd. Inmann, Gädemer, Büdner, Hausinne, an andern Orten Hausleute, Hausgenossen, Häuslinge. S. Hausgenoß. 2) In einigen Gegenden werden auch diejenigen Landleute, welche zwar ein eigenes Haus, aber wenig oder gar keinen Acker haben, Häusler genannt. In Niedersachsen heißen sie Brinksitzer, und sind von den Kothsassen oder Kossaten noch verschieden, S. dieses Wort, ungeachtet man diese zuweilen mit dem Nahmen der Häusler zu belegen pflegt.


Hausleute (W3) [Adelung]


Die Hausleute, sing. inus. S. Hausmann.


Häuslich (W3) [Adelung]


Häuslich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Zum Hause gehörig, es mag nun dieses Wort das Wohnhaus, oder die Familie bedeuten, dasselbe betreffend, darin gegründet; ohne Comparation. Häusliche Arbeiten, Geschäfte, welche man im Hause verrichtet. Die Häusliche Gesellschaft, welche die Beförderung der äußern Wohlfahrt einzelner Personen betrifft, und die auf solche Art verbundenen Personen, S. Haus 3. 3). - Zwey häusliche Thiere, Cyper ein fleckiger Kater und ein geschwätziges Papchen, Zachar. In häuslicher Stille von unserer Arbeit genährt, Geßn. Die Häusliche Sicherheit, die Sicherheit in seinem Hause. Ein Frauenzimmer, die Tugend und Verstand besitzt, besitzt gewiß auch häusliche Geschicklichkeiten, Gell. Häusliche Widerwärtigkeiten, Vorfälle, Angelegenheiten. Die häusliche Wohlfahrt, die Wohlfahrt der häuslichen Gesellschaft. 2) Sich an einem Orte häuslich niederlassen, nur als ein Nebenwort, sich daselbst ein eigenes Haus erwerben, im Oberd. haushäblich; zuweilen auch in weiterer Bedeutung, seine beständige Wohnung daselbst nehmen. 3) Figürlich, Fertigkeit besitzend, an kleinern Angelegenheiten eines Hauses Theil zu nehmen, ingleichen die Pflichten des häuslichen Standes, der häuslichen Gesellschaft zu erfüllen, und darin gegründet. Ein häuslich Weib ist ihrem Manne eine Freude, Sir. 26, 2. Daß sie die jungen Weiber lehren - häuslich seyn, Tit. 2, 5. Weit reitzender geschmückt, Als für ein häuslich Weib sichs sonst im Hause schickt, Rost. 4) In engerer Bedeutung, Fertigkeit besitzend, die häuslichen Ausgaben mit weiser Sparsamkeit einzuschränken, und darin gegründet; haushältig. Ein häuslicher Mann, eine häusliche Frau.


Häuslichkeit (W3) [Adelung]


Die Häuslichkeit, plur. inus. welches nur in den beyden letzten Bedeutungen des vorigen Beywortes üblich ist. 1) Die Fertigkeit, an den häuslichen Angelegenheiten Theil zu nehmen, die Pflichten des häuslichen Standes zu erfüllen. 2) Die Fertigkeit, die häuslichen Ausgaben mit weiser Sparsamkeit einzuschränken, tugendhafte Sparsamkeit in der Haushaltung.


Häusling (W3) [Adelung]


Der Häusling, des -es, plur. die -e, an einigen Orten auf dem Lande, ein Häusler, ein Einwohner, der nur zur Miethe wohnet. An andern Orten auch ein Landmann, der zwar ein eigenes Haus, aber keinen oder doch so wenig Acker hat, daß er kein Zugvieh darauf halten kann; in Niedersachsen ein Brinksitzer, in Schlesien ein Angerhäusler.


Hausmagd (W3) [Adelung]


Die Hausmagd, plur. die -mägde, eine Magd, welche zu allerley groben Arbeiten im Hause bestimmt ist, besonders auf dem Lande, wo sie der Viehmagd entgegen gesetzet wird. In den Städten werden die Hausmägde, welche auch Stubenmägde, Hausmädchen, Stubenmädchen, und in Leipzig Jungemägde heißen, durch ihre Verrichtungen im Hause von den Küchenmägden, Köchinnen, Kindermägden u. s. f. unterschieden.


Hausmann (W3) [Adelung]


Der Hausmann, des -es, plur. die Hausleute, in einigen wenigen Fällen, die Hausmänner, ein Wort, welches nach der verschiedenen Bedeutung der Wörter Haus und Mann auch in einem verschiedenen Verstande gebraucht wird. 1) In den großen Häusern einiger Städte ist es eine anständige Benennung eines Hausknechtes, oder desjenigen Bedienten, dessen vornehmste Pflicht es ist, auf die Reinigkeit und Sicherheit des Hauses Acht zu haben, S. Hausknecht und Hausmeister. Es hat alsdann im Plural die Hausmänner. 2) Das Hausgesinde, die Bedienten, werden zuweilen im Plural die Hausleute genannt. Was wird er uns Hausleuten vermacht haben? 3) Im gemeinen Leben wird es auch sehr oft für Hausgenossen gebraucht, d. i. für diejenigen Personen, welche mit einander in einem gemeinschaftlichen Hause wohnen, so wohl im Verhältniß gegen einander, als auch in Beziehung auf den Eigenthümer des Hauses. Unsere Hausleute, welche mit uns in Einem Hause wohnen, ingleichen, welche bey uns zur Miethe wohnen. Mein Hausmann, mein Miethmann, der bey mir zur Miethe wohnet. Hingegen führet, 4) doch gleichfalls nur im gemeinen Leben, der Hausherr oder Hauswirth, besonders wenn er von keinem vornehmen Stande ist, oft den Nahmen des Hausmannes; daher die Hausbesitzer, oder solche, welche eigene Häuser haben, in einigen Gegenden auch Hausleute heißen. 5) In engerer Bedeutung sind auf dem Lande einiger Gegenden Hausleute diejenigen, welche zwar ein eigenes Haus haben, aber nicht so viel Acker dabey besitzen, daß sie Zugvieh darauf halten könnten, und auch Hausgenossen und noch häufiger Häusler heißen, S. diese Wörter. 6) In einigen Niedersächsischen Gegenden bedeutet Hausmann und im Plural Hausleute, einen jeden Bauer; vielleicht so fern dieses Wort in den ältern Zeiten einen jeden Vasallen bezeichnete, der zu dem Hause, d. i. zu der Familie, oder auch zu dem Schlosse des Lehens- und Eigenthumsherren gehörte. S. Hausmannskost. Alle Ministeriales der mittlern Zeiten werden daher im Deutschen auch Hausgenossen und Hausleute genannt. Im Wallisischen ist Hwsmon ein Ackermann, ein Bauer, im Schwed. aber ist Husman ein Knecht, ein Leibeigener, Huskart aber ein Bedienter, Vasall. 7) Besonders sind im Herzogthum Schleßwig die Hausleute eine Art Landleute, welche in den Marschländern und auf der Insel Femern wohnen, ihre Ländereyen und Höfe mit dem nöthigen Eigenthume besitzen, und vor den eigentlichen Bauern sehr vieles voraus haben. 8) Am häufigsten bedeutet Hausmann und im Plural Hausleute, Personen, welche keine eigenthümlichen Häuser haben, sondern bey andern zur Miethe wohnen, wo es so wohl von solchen Einwohnern geringen Standes in den Städten, als auch, und zwar am häufigsten, von solchen Leuten auf dem Lande gebraucht wird; S. Haußgenoß und Häusler. 9) An einigen besonders Niedersächsischen Orten führet auch der Thürmer oder Thurmwächter den Nahmen des Hausmannes; vielleicht so fern er als ein Dienstmann angesehen wird, welchem der Thurm zu seiner Wohnung und Behausung angewiesen worden; S. die vorige sechste Bedeutung. Daher wird an solchen Orten auch derjenige Thurm, welcher von einem Thürmer bewohnet wird, im gemeinen Leben der Hausmannsthurm genannt. Die Fäminina die Hausfrau und Hausmänninn sind in keiner dieser Bedeutungen üblich. Soll das weibliche Geschlecht besonders bezeichnet werden, so sagt man die Hausmannsfrau oder die Frau des Hausmannes. Nur in der vierten Bedeutung, so fern es den Hauswirth bezeichnet, kann im Fäminino die Hausfrau gebraucht werden. Dagegen kann der Plural Hausleute auch Personen beyderley Geschlechtes bezeichnen.


Hausmannskost (W3) [Adelung]


Die Hausmannskost, plur. inus. im gemeinen Leben, ländliche Kost, Speisen so wie sie der Hausmann, d. i. der Landsmann, täglich in seiner Haushaltung zubereiten lässet. S. Hausmann 6. In weiterer Bedeutung wird es auch für jede häusliche Kost, für Hauskost gebraucht, S. dieses Wort.


Hausmannsthurm (W3) [Adelung]


Der Hausmannsthurm, des -es, plur. die -thürme, S. Hausmann 2.


Hausmarder (W3) [Adelung]


Der Hausmarder, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Marder, welche sich am liebsten bey den Häusern und Gebäuden aufhält; im Gegensatze des Waldmarders.


Haus-Marschall (W3) [Adelung]


Der Haus-Marschall, des -es, plur. die -schälle, an einigen Höfen, ein adeliger Hofbedienter, welcher auf den Hof-Marschall folget, und die fürstlichen Wohngebäude und Schlösser in seiner Aufsicht hat.


Hausmaße (W3) [Adelung]


* Die Hausmaße, plur. die -n, in den Niedersächsischen Marschländern, die abgetheilten Schläge an den Deichen und Dämmen, welche die Häuser und deren Besitzer in gutem Stande erhalten müssen; Nieders. Huusmaten. Sie werden auch Mannroden genannt.


Hausmast (W3) [Adelung]


Die Hausmast, oder>Hausmastung, plur. inus. in der Landwirthschaft, die Mast oder Mastung der Schweine zu Hause; im Gegensatze der Holzmast.


Hausmaus (W3) [Adelung]


Die Hausmaus, plur. die -mäuse, eine Benennung derjenigen Mäuse, welche sich in den Häusern aufhalten; im Gegensatze der Feldmäuse.


Hausmeister (W3) [Adelung]


Der Hausmeister, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, z. B. zu Wien, der unterste und niedrigste Bediente eines Collegii, welcher noch unter dem Thürhüther und Heitzer ist, und vermuthlich die Reinigung der Zimmer zu besorgen hat. Eben daselbst wird auch der Hausknecht oder Hausmann Hausmeister genannt.


Hausmiethe (W3) [Adelung]


Die Hausmiethe, plur. die -n. 1) Der Vertrag über die Miethung eines Hauses, oder eines Theiles desselben, einer Wohnung; ohne Plural. Jemanden die Hausmiethe aufsagen. 2) Das Geld, welches für ein gemiethetes Haus, oder für eine gemiethete Wohnung in demselben bezahlet wird; der Miethzins, das Hausgeld, der Hauszins, Nieders. die Hausheuer.


Hausmittel (W3) [Adelung]


Das Hausmittel, des -s, plur. ut nom. sing. ein häusliches Gegenmittel gegen eine Krankheit oder Verletzung, ein Arzeneymittel aus einfachen Kräutern u. s. f. welche jeder im Hause hat, oder doch leicht haben kann; auch im Diminut. das Hausmittelchen.


Hausmutter (W3) [Adelung]


Die Hausmutter, plur. die -mütter, die Hausfrau als Mutter betrachtet, die Hausfrau in Beziehung auf ihre Kinder.


Hausnaht (W3) [Adelung]


Die Hausnaht, plur. die -nähte. 1) Die Naht, d. i. Art und Weise zu nähen, wie sie bey der gewöhnlichen Wäsche in der Haushaltung üblich ist, ohne Plural; im Gegensatze der künstlichen Naht, oder des künstlichen Genähes. 2) Eine auf solche Art verfertigte Naht.


Hausotter (W3) [Adelung]


Die Hausotter, plur. die -n, eine Art unschädlicher kleiner Schlangen, welche sich gern in den Häusern aufhält, und von dem gemeinen Manne für heilig oder doch Glück bringend gehalten wird; an einigen Orten das Erdhühnchen.


Haus-Postille (W3) [Adelung]


Die Haus-Postille, plur. die -n, eine zur Hausandacht bestimmte Postille. Im Nieders pflegt man auch eine ehrbare Hausmutter nach der alten Welt im Scherze eine Hauspostille zu nennen. S. Postille.


Hausrath (W3) [Adelung]


Der Hausrath, des -es, plur. inus. für Hausgeräth, siehe dasselbe, ingleichen Rath.


Hausratze (W3) [Adelung]


Die Hausratze, plur. die -n, diejenigen Ratzen, welche sich am liebsten in den Wohnhäusern aufhalten; zum Unterschiede von den Feldratzen.


Hausrecht (W3) [Adelung]


Das Hausrecht, des -es, plur. inus. das Recht, d. i. die Befugniß, welche so wohl dem Hausherren oder Hausbesitzer in seinem Hause oder in seiner Wohnung und in Ansehung derselben, als auch dem Hausherren über die häusliche Gesellschaft zukommt. Sein Hausrecht gebrauchen, jemanden, der uns in unserer Wohnung Gewalt anthut, aus dem Hause treiben.


Haussässig (W3) [Adelung]


Haussässig, adj. et adv. vermittelst eines Hauses ansässig, ein eigenes Haus besitzend; in einigen Gegenden erbgesessen, haussitzend, hausgesessen; dergleichen haussässige Einwohner im Oberdeutschen Haussassen genannt werden.


Hausschabe (W3) [Adelung]


Die Hausschabe, plur. die -n. 1) Ein Insect, welches den Erdkäfern gleicht, und sich theils unter dem Auskehrichte der Gärten, theils im Mehle bey den Bäckern aufhält, und von welchem diejenige Larve herkommt, welche so gern von den Nachtigallen gefressen und Mehlwurm genannt wird; Tenebrio L. der Mehlkäfer. 2) Bey andern führet die Blatta orientalis L. welche sich bey uns nur noch in den Bäckerhäusern aufhält, gleichfalls den Nahmen der Hausschabe.


Hausschlachten (W3) [Adelung]


Das Hausschlachten, des -s, plur. inus. das Schlachten desjenigen Viehes, welches ein Hauswirth das Jahr über in seiner Haushaltung bedarf, von der R. A. in das Haus schlachten; zum Unterschiede von dem Bankschlachten, oder demjenigen Schlachten, welches von den Fleischern zum Verkaufe geschiehet. Daher werden in Niedersachsen eine Art unzünftiger Fleischer oder Schlächter, welche sich allein davon nähren, daß sie das Hausschlachten bey den Hauswirthen verrichten, daselbst Hausschlächter genannt.


Hausschlange (W3) [Adelung]


Die Hausschlange, plur. die -n, eine Art Schlangen, welche sich gern in und an den Häusern der Landleute aufhält, die Hausunke, zum Unterschiede von den Feld-Wald- und Wasserschlangen; Coluber Berus L.


Hausschlüssel (W3) [Adelung]


Der Hausschlüssel, des -s, plur. ut nom. sing. der Schlüssel zum Hause oder zur Hausthür.


Hausschoß (W3) [Adelung]


Der Hausschoß, des -sses, plur. die -sse, ein Schoß oder obrigkeitliche Abgabe, welche von einem Wohnhause entrichtet wird.


Hausschwalbe (W3) [Adelung]


Die Hausschwalbe, plur. die -n, diejenige Art Schwalben, welche ihre Nester von außen an die Häuser bauet, unten an dem Körper bis an den Schnabel ganz weiß ist, und wollige Füße hat; Hirundo domestica Klein. Sie wird auch Giebelschwalbe, Fensterschwalbe, Lehmschwalbe genannt; zum Unterschiede von der Erdschwalbe, Mauerschwalbe u. s. f. Siehe auch Rauchschwalbe.


Hausschwelle (W3) [Adelung]


Die Hausschwelle, plur. die -n, die Schwelle, d. i. der unterste Balken eines Wohnhauses, in welchen das Zimmerwerk der Seitenwände eingezapfet wird.


Haußen (W3) [Adelung]


Haußen, ein Nebenwort des Ortes, welches nur in den niedrigen Sprecharten für draußen und außerhalb ist. Und setze den Tisch in die Hütte des Stiftes -haußen vor dem Vorhange 2. Mos. 40, 22, außerhalb des Vorhauses. So solt du nicht in sein Haus gehen - sondern du solt haussen stehen, 5 Mos. 24, 10. Und ließen sie haussen ausser dem Lager Israel, Jos. 6, 23. Jetzt ist sie haussen, jetzt auf der Gassen, Sprichw. 7, 12. Denn haussen sind die Hunde und die Zauberer, Offenb. 22, 15. Man glaubt gemeiniglich, daß es aus heraußen oder hier außen zusammen gezogen sey. Allein es hat nur selten den Nebenbegriff des hier oder her, wohl aber des da. Daher das h auf eine andere Art entstanden zu seyn scheinet. Die Niedersachsen setzen statt dessen ein b vor, buten, welches Frisch oben so gezwungen als eine Verkürzung des Vorwortes bey ansiehet. Merkwürdig ist, daß im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - nicht nur eine Gasse bedeutet, sondern auch etwas das draußen oder haußen ist.


Haussitzend (W3) [Adelung]


Haussitzend, adj. et adv. S. Haussässig.


Haussorge (W3) [Adelung]


Die Haussorge, plur. die -n, häuslich Sorge, Sorge, welche das Hauswesen erfordert und veranlasset.


Haussperling (W3) [Adelung]


Der Haussperling, des -es, plur. die -e, diejenige Art Sperlinge, welche sich bey den Häusern und Gebäuden aufhält; zum Unterschiede von dem Feld- und Rohrsperlinge.


Hausspinne (W3) [Adelung]


Die Hausspinne, plur. die -n, diejenige Art Spinnen, welche ihr Gewebe in den Häusern und Winkeln der Zimmer macht, ihre Augen in einem ovalen Kreise auf der Stirn hat, und sich alle Jahre häutet; zum Unterschiede von der Feldspinne, Kellerspinne, Gartenspinne u. s. f.


Haussprache (W3) [Adelung]


Die Haussprache, plur. die -n, S. Hausgenoß 2.


Hausstand (W3) [Adelung]


Der Hausstand, des -es, plur. inus. der häusliche Stand, der Stand der häuslichen Gesellschaft, das Verhältniß derjenigen Personen unter einander, welche ihre äußere Wohlfahrt unmittelbar befördern; zum Unterschiede von dem bürgerlichen geistlichen Stande, Wehrstande u. s. f.


Haussteuer (W3) [Adelung]


Die Haussteuer, plur. die -n, in einigen Gegenden, z. B. im Herzogthum Eisenach, ein Geschenk an Hausrath, welches dem neu verehlichten Paare von den Hochzeitgästen gemacht wird. Bestehet es in Geld, so heißt es in der engsten Bedeutung ein Hochzeitgeschenk.


Haussuchung (W3) [Adelung]


Die Haussuchung, plur. die -en, die feyerliche Durchsuchung eines Hauses, besonders in der Absicht, einen Diebstahl oder eine andere verborgene Sache zu entdecken. Haussuchung thun. Eine Haussuchung veranstalten.


Haustämpel (W3) [Adelung]


Der Haustämpel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Gürtlern, ein runder an einem Ende hohler Stämpel, runde Scheiben aus einer Messingplatte damit zu hauen.


Haustafel (W3) [Adelung]


Die Haustafel, plur. inus. derjenige Abschnitt in dem Kathechismo, worin die Pflichten des Hausstandes vorgetragen werden.


Haustaube (W3) [Adelung]


Die Haustaube, plur. die -n. 1) Die zahmen Tauben, welche man in und bey dem Hause zu halten pfleget; im Gegensatze der wilden Tauben. In engerer Bedeutung führen nur diejenige zahmen Tauben den Nahmen der Haustauben, welche man zu Hause füttert, und nicht ausfliegen lässet; im Gegensatze der Feldtauben. 2) Eine verächtliche Benennung der Thürmer und Stadtpfeifer, welche sogar in einem Privilegio Kaiser Ferdinands des Zweyten für die Feldtrompeter von 1623 vorkommt.


Haustenne (W3) [Adelung]


Die Haustenne, plur. die -n, in einigen Gegenden, die Tenne vorn im Hause, die Hausflur, das Vorhaus.


Hausteufel (W3) [Adelung]


Der Hausteufel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine im höchsten Grade zanksüchtige Person in der häuslichen und besonders ehelichen Gesellschaft. 2) Eine Art Schnepfen, welche man auch im Diminut. das Hausteufelchen zu nennen pflegt. Siehe Braushahn.


Hausthier (W3) [Adelung]


Das Hausthier, des -es, plur. die -e, ein jedes zahmes Thier, so fern man es in den Häusern zu halten pfleget; im Gegensatze der wilden Thiere.


Hausthür (W3) [Adelung]


Die Hausthür, plur. die -en, diejenige Thür, durch welche man in ein Wohnhaus gehet. Besonders die große Thür dieser Art, zum Unterschiede von den kleinern Hinter- oder Seitenthüren.


Haustock (W3) [Adelung]


Der Haustock, des -es, plur. die -stöcke, ein Stock oder Kloß, etwas darauf zu hauen oder zu zerhauen; S. Haublock.


Haustrauer (W3) [Adelung]


Die Haustrauer, plur. inus. die Trauerkleidung im Hause, zum Unterschiede von der öffentlichen.


Haustrauung (W3) [Adelung]


Die Haustrauung, plur. die -en, die Trauung, oder eheliche Einsegnung eines Brautpaares im Hause; zum Unterschiede von der öffentlichen in der Kirche.


Haustrunk (W3) [Adelung]


Der Haustrunk, des -es, plur. inus. ein Trunk, d. i. Getränk, welches man für sich und seine häusliche Gesellschaft nöthig hat; zum Unterschiede desjenigen Getränkes, welches man zum Verkaufe einleget, oder verfertiget.


Hausübel (W3) [Adelung]


Das Hausübel, des -s, plur. ut nom. sing. ein häusliches Übel, eine Beschwerde in der häuslichen Gesellschaft als ein Übel betrachtet.


Hausunke (W3) [Adelung]


Die Hausunke, plur. die -n. 1) Ein Nahme der Hausschlange, S. dieses Wort. 2) Der Erdkröte, welche sich gern in den Häusern, Kellern und Ställen auf dem Lande aufhält. S. Unke.


Hausvater (W3) [Adelung]


Der Hausvater, des -s, plur. die -väter, das Haupt der häuslichen Gesellschaft besonders in Beziehung auf seine Kinder, so wie er in Betrachtung des Gesindes Hausherr genannt wird. Bey dem Kero Fater Hiuuiskes, bey den Tatian Hiuuish Fater.


Hausverwalter (W3) [Adelung]


Der Hausverwalter, des -s, plur. ut nom. sing. der Verwalter der häuslichen Ausgaben und Angelegenheiten eines großen Hauses, im Nahmen des Herren; dessen Gattinn, die Hausverwalterinn.


Hausvogt (W3) [Adelung]


Der Hausvogt, des -es, plur. die -vögte, welches mit dem vorigen einerley Bedeutung hat, aber doch in besondern Fällen auf verschiedene Art gebraucht wird. Der Hausvogt Abrahams kommt 1 Mos. 15, 2 vor. In einigen Ämtern und herrschaftlichen Schlössern, besonders Niedersachsens, hat der Hausvogt die Aufsicht über die herrschaftlichen Schlösser und Gebäude. In Berlin wird der in dem Kammergerichtshause wohnende Kammergerichtsrath, der zugleich die oberste Aufsicht über die in dem Hause befindlichen Gefangenen führet, der Hausvogt genannt. In andern Orten hingegen ist der Hausvogt der Stockmeister, der die Aufsicht über das öffentliche Gefängniß und die darin befindlichen Gefangenen hat.


Hausvogtey (W3) [Adelung]


Die Hausvogtey, plur. die -en. 1) Das Gebieth, der Bezirk eines Hausvogtes. 2) An einigen Orten, das öffentliche Gefängniß. S. das vorige.


Hauswanze (W3) [Adelung]


Die Hauswanze, plur. die -n, diejenige Art Wanzen, welche sich in den Häusern aufhält; Cimex personatus L. zum Unterschiede von den Bettwanzen, u. s. f.


Hauswärme (W3) [Adelung]


Die Hauswärme, plur. inus. in Obersachsen sagt man von jemanden, welcher ein neu erbautes Haus feyerlich beziehet, daß er die erste Hauswärme vollbringe. Ehedem bezeichnete es besonders die Heimfahrt fürstlicher Personen nach vollbrachtem Beylager.


Hauswäsche (W3) [Adelung]


Die Hauswäsche, plur. inus. die gewöhnliche Wäsche, welche in einer Haushaltung am häufigsten gebraucht, und auch Rollwäsche genannt wird; zum Unterschiede von der feinern Platt- oder Bügelwäsche, welche nicht gerollet; sondern geplattet oder gebügelt wird.


Hauswesen (W3) [Adelung]


Das Hauswesen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Als ein Collectivum und ohne Plural, alle Angelegenheiten der häuslichen Gesellschaft, und dahin gehörige Dinge. Wenn meine Frau niederträchtig genug wäre, sich um das Hauswesen zu bekümmern, Gell. 2) * Im Oberdeutschen wird es auch von einer Haushaltung im Concreto gebraucht, Es sind drey Hauswesen in diesem Hause.


Hauswiesel (W3) [Adelung]


Die Hauswiesel, plur. die -n, die gemeine Wiesel, welche sich gern in und bey den Häusern aufhält und daher auch Speicherwiesel genannt wird; zum Unterschiede von der Frettwiesel, Königswiesel, dem Iltisse u. s. f.


Hauswirth (W3) [Adelung]


Der Hauswirth, des -es, plur. die -e, welches nach den verschiedenen Bedeutungen des Wortes Wirth auch auf verschiedene Art gebraucht wird. 1) * Ein Ehemann; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Und da Urias Weib hörete, daß ihr Mann Uria todt war, trug sie Leid um ihren Hauswirth, 2 Sam. 11, 26. 2) Das Haupt der häuslichen Gesellschaft, der Hausvater, oder Hausherr; wo dieses Wort nur von Hausherren geringen Standes gebraucht wird. Da er herzu brachte einen Hauswirth nach dem andern, Jos. 7, 17. Wo ihr eingehet, da sprecht zum Hauswirthe u. s. f. Marc. 14, 14. In weiterer Bedeutung auch in Beziehung auf die Art und Weise, wie er seiner Haushaltung vorstehet. Ein guter, ein schlechter Hauswirth; wo auch nur das einfache Wirth üblich ist. 3) Der Herr oder Eigenthümer des Hauses, der Hausherr, im Gegensatze der Hausgenossen, Hausleute oder Miethleute; wo es nur von Hausbesitzern geringern Standes gebraucht wird.


Hauswirthinn (W3) [Adelung]


Die Hauswirthinn, plur. die -en, das weibliche Geschlecht des vorigen, welches in eben so vielen verschiedenen Bedeutungen vorkommt. 1) * Einer Ehefrau; ein gleichfalls veralteter Gebrauch. 2) Der Hausfrau oder Hausmutter, der Gebietherinn in der häuslichen Gesellschaft, in Beziehung auf die Führung der Haushaltung, so wie sie in Betrachtung der Kinder Hausmutter, und in Verhältniß auf das Gesinde Hausfrau heißt. 3) Die Eigenthümerinn eines Hauses, im Gegensatze der Miethleute.


Hauswirthschaft (W3) [Adelung]


Die Hauswirthschaft, plur. inus. die Verwaltung des Hauswesens, die Haushaltung; zum Unterschiede von der Gastwirthschaft, Schenkwirthschaft u. s. f.


Hauswurz (W3) [Adelung]


Die Hauswurz, plur. inus. oder die Hauswurzel, plur. die -n. 1) Ein Nahme des Hauslaubs, Sempervivum L. welches große Hauswurz genannt wird. Siehe Hauslaub. 2) Des Mauerpfeffers; Sedum acre L. welcher kleine Hauswurz genannt wird. S. Mauerpfeffer.


Hauszehent (W3) [Adelung]


Der Hauszehent, des -en, plur. die -en, an einigen Orten, ein Zehent oder Zins, welcher dem Grundherren von einem Hause gegeben wird; dergleichen Hauszehenten die Rauchhühner sind.


Hauszins (W3) [Adelung]


Der Hauszins, des -es, plur. von mehrern Summen, die -e, ein Zins für den Gebrauch eines Wohnhauses, oder eines Theiles desselben; der Miethzins, die Hausmiethe.


Haut (W3) [Adelung]


Die Haut, plur. die Häute, Diminut. das Häutchen, Oberd. Häutlein, eine Benennung verschiedener Arten natürlicher biegsamer Decken, so wohl flüssiger als fester Körper. 1. Bey flüssigen mit fremdartigen festern Theilen vermischten Körpern bildet sich auf der Oberfläche eine solche Decke oder Haut, wenn die feinern flüssigen Theile abdampfen und die festern fremdartigen zurück lassen. 2. Bey festern Körpern, besonders aus dem Pflanzen- und Thierreiche, ist die Haut, 1) überhaupt ein aus Fasern verschiedener Art bestehendes biegsames Gewebe, die darunter liegenden Theile vor der Verletzung zu bewahren. Von der Art ist die Haut, womit manche Früchte, Kerne, Zwiebeln und andere Theile der Pflanzen umgeben sind, und welche bey vielen noch eine Schale über sich hat. In dem thierischen Körper werden sehr viele Theile, von einem ähnlichen aber festern und zähern Gewebe bedecket, welches, wenn es sehr zart und fein ist, das Häutchen oder Häutlein genannt wird. Dahin gehören die Hirn- oder Gehirnhaut, die Beinhaut, die Hornhaut des Auges u. s. f. 2) In engerer Bedeutung, die äußere natürliche Bedeckung der thierischen und menschlichen Körper, welche gemeiniglich aus weißlichen Fasern bestehet, oft mit Haaren bedeckt ist, und auch das Fell genannt wird. In der Zergliederungskunst unterscheidet man das Häutchen oder die Oberhaut (Cuticula) von der eigentlichen Haut (Cutis). Ersteres ist sehr zart und glänzend, bedeckt die letztere, und gibt sich los, wenn die Haut mit heißem Wasser verbrannt wird. Im gemeinen Leben verstehet man unter dem Nahmen der Haut entweder beyde zusammen genommen, oder auch nur die erstere. Einem Thiere die Haut abziehen. Eine Haut gärben, gar machen. Harte Haut an den Händen haben. Es läuft mir ein Schauer über die Haut. Ein Geschwür aus heiler Haut, im gemeinen Leben, welches von sich selbst entstehet, ohne Verletzung von außen. Wenn von den natürlichen Bedeckungen der thierischen Körper die Rede ist, so wird Haut bald in der weitesten Bedeutung von allen Thieren gebraucht, bald aber auch in engerer. In der ersten Bedeutung sagt man, daß die Schlangen ihre Haut ablegen, eine abgestreifte Schlangenhaut, eine Fischhaut, Aalhaut u. s. f. in welchem Falle das Wort Balg üblicher ist. In engerer Bedeutung ist es nur von den Häuten größerer Thiere, besonders solchen, welche ausgewirket und nicht abgestreifet werden, üblich, sie mögen übrigens noch mit Haaren bedeckt seyn oder nicht. S. Balg und Fell. Von der menschlichen Haut sind eine Menge figürlicher R. A. im Gange, welche aber größten Theils niedrig, höchstens in der vertraulichen Sprechart üblich sind. Dahin gehören: Einem die Haut über die Ohren ziehen, ihn seines Vermögens berauben, welches Mich. 3, 2, 3 heißt, die Haut schinden und abziehen. Mit ganzer Haut davon kommen, ohne Verwundung, ohne Schaden. Die Haut juckt ihm, sagt man von einem frevelhaften Kinde oder Menschen, wenn beyde sich nach Schlägen zu sehnen scheinen. Jemanden die Haut voll schlagen. Jemanden die Haut voll lügen. Einem recht auf die Haut greifen, ihm mit Ernst zusetzen, scharf in ihn dringen. Sich seiner Haut wehren, sich nachdrücklich vertheidigen. Seine Haut theuer verkaufen, nicht ungerochen sterben, nicht ohne den Schaden eines andern zu Grunde gehen. Mit der Haut bezahlen, für ein Verbrechen am Leibe, oder mit dem Leben büßen. Es gilt seine Haut, sein Leben. Auf der faulen Haut liegen, müßig gehen, siehe Bärenhäuter. Wieder in die alte Haut schliefen, wieder in seine vorigen Fehler oder Sünden verfallen. Vor Zorn, vor Freude aus der Haut springen wollen. Ich möchte aus der Haut fahren, sagt man in einer heftigen Leidenschaft. Er ist ein Schelm in der Haut, die Leichtfertigkeit ist ihm angeboren. Seine Haut selbst zu Markte tragen, etwas auf seine eigene Gefahr versuchen. Er steckt in keiner guten Haut, hat keinen gesunden Körper. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken, möchte nicht an seiner Stelle seyn. Aus fremder Haut ist gut Kiemen schneiden, mit anderer Vermögen kann man leicht freygebig seyn. Wohin auch folgende niedrige Stelle aus dem Opitz gehöret: Ist schon der Geist entflogen, Und aus der Haut gezogen. Eine gute ehrliche Haut, im gemeinen Leben, eine gute, ehrliche Person, ohne besondere Gemüthsgaben; Franz. un bon Diable. Er ist immer eine gute Haut gewesen, Less.

Anm. Bey dem Ottfried Hut, bey dem Notker Hiute, für Leder, im Nieders. Huud, im Angels. Hyd, im Engl. Hide, im Holländ. Huid, im Schwed. Hud, im Lettischen Uda, im Lat. Cutis. Es wird gemeiniglich, und zwar mit vieler Wahrscheinlichkeit, von dem Zeitworte hüthen, bedecken, Angels. hy- dan, Engl. to hide, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , hergeleitet, so daß es ursprünglich eine jede Decke bedeutet haben kann; welcher Begriff auch in dem Worte Fell zum Grunde lieget. Im Nieders. bedeutet daher behüen auch mit Kleidungsstücken bedecken. Das Nieders. Schuut, Fell, Haut, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ist nur durch den vorgesetzten Zischlaut davon unterschieden, so wie in dem Lat. Scutum, ein Schild, noch die erste Bedeutung des Schutzes, der Bedeckung, übrig geblieben ist.


Häuteln (W3) [Adelung]


Häuteln, verb. reg. act. welches das Diminutivum des folgenden ist, und am häufigsten in den Küchen gebraucht wird. Einen Hasen häuteln, nach abgestreiftem Balge die zarten auf dem Fleische befindlichen Häute abziehen. Daher die Häutelung. S. das folgende.


Häuten (W3) [Adelung]


Häuten, verb. reg. act. der Haut berauben, die Haut abziehen, doch nur in einigen einzelnen Fällen. Einen Hasen häuten, wofür an andern Orten häuteln üblicher ist; siehe das vorige. Sich häuten, die vorige Haut ablegen, wie bey den Schlangen und verschiedenen Insecten zu geschehen pfleget. S. Mausen.


Hautform (W3) [Adelung]


Die Hautform, plur. die -en, bey den Goldschlägern, ein Buch von sechs hundert aus zarten Häuten bestehenden Blättern, worin das Gold geschlagen wird.


Häutig (W3) [Adelung]


Häutig, -er, -ste, adj. et adv. Haut habend. Häutiges Fleisch, worin sich viele Häute befinden. Am häufigsten in den Zusammensetzungen dickhäutig, vielhäutig, dünnhäutig, harthäutig u. s. f.


Hautwurm (W3) [Adelung]


Der Hautwurm, des -es, plur. die -würmer, bey einigen eine Benennung des Fadenwurmes, Gordius Medinensis. L. weil er das Vordertheil seines Leibes zuweilen aus der Haut heraus stecket. S. Fadenwurm.


Hauzahn (W3) [Adelung]


Der Hauzahn, des -es, plur. die -zähne, die großen hervor stehenden Zähne der Schweine, womit sie im sich hauen, und welche auch Hauer genannt werden.


Haverey (W3) [Adelung]


Haverey, S. Haferey.


Hay (W3) [Adelung]


1. Der Hay, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein gehägter Wald, ein Hag, aus welchem Worte es auch entstanden ist; im mittlern Lat. Haya, in einigen Gegenden auch Heu. S. Hag und Hain.


Hay (W3) [Adelung]


2. Der Hay, des -en, plur. die -en, oder der Hayfisch, des -es, plur. die -e, ein großer Seefisch mit fünf Luftlöchern an den Seiten, welcher daher auch durch die Lunge Athem hohlet, und lebendige Junge gebieret; Squalus L. Besonders diejenige Art, welche wegen der Ähnlichkeit ihres Kopfes auch Seehund und Seewolf, ingleichen Hundskopf genannt wird; Canis Carcharias L. Der Nahme Hay ist im Dänischen, Schwedischen und Isländischen am üblichsten, in welchen Sprachen auch dessen Ursprung ausgesucht werden muß.


Hayn (W3) [Adelung]


Der Hayn, S. Hain.


Hebamme (W3) [Adelung]


Die Hebamme, plur. die -n, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche ein Geschäft daraus macht, Kinder zu heben, d. i. gebärenden Weibern in der Geburt Hülfe zu leisten; eine Wehmutter, Wehfrau, Kindermutter, Bademutter, weise Frau, Nieders. Bademome, Bademoder, wyse Moor, in Preußen die Alte, in Meißen die Pimpelmutter, im Dithmars. Förfro. In einem alten 1501 zu Rom gedruckten Deutschen Italienischen Vocabul. kommt dafür das sonst ungewöhnliche Heckamme vor.


Hebarm (W3) [Adelung]


Der Hebarm, des -es, plur. die -e, in der Mechanik, dasjenige Holz an der Welle eines Rades, welches einen Stämpel, Hammer u. s. f. aufheben muß, und an einigen Orten auch die Hebetatze, Hebelatte, der Hebekopf, Hebedaumen, Hebezapfen, Hebel oder Heber, und im Bergbaue der Halbig genannt wird. In dem Hüttenbaue führet auch eine Stange mit zwey Ringen, womit die Seigerstücke aus der Frischpfanne gehoben werden, den Nahmen des Hebarmes. Siehe Hebel und Heber.


Hebarzt (W3) [Adelung]


Der Hebarzt, des -es, plur. die -ärzte, ein Arzt, welcher bey gebärenden Weibern die Stelle einer Hebamme vertritt; der Geburtshelfer, Franz. Accoucheur.


Hebe (W3) [Adelung]


Die Hebe, plur. die -n, von dem Zeitworte heben, was gehoben wird, doch nur in einigen einzelnen Fällen. In der Deutschen Bibel ist die Hebe oder das Hebopfer bey dem Gottesdienste der ehemahligen Juden, ein jedes Opfer oder Gott gewidmetes Geschenk, welches mit empor heben dargebracht wurde; besonders die auf solche Art dargebrachten Erstlinge von den Früchten. S. Heben und Hebeschulter. In weiterer Bedeutung wird in manchen Gegenden eine jede Abgabe Hebe genannt, wofür an andern Orten das Wort Hebung üblich ist. Blüh, theurer Schafgotsch! blüh' und lebe! Kein Fall ersteigt dein Grafenhaus! Das Glücke zollt dir Zins und Hebe, Dein Stammbaum schlage täglich aus, Günth. Daher in der Landwirthschaft einiger Gegenden, z. B. in der Lausitz, der Drescherlohn, so fern er in einem bestimmten Theile des ausgedroschenen Getreides bestehet, die Drescherhebe genannt wird. S. Hebekorn.


Hebebalken (W3) [Adelung]


Der Hebebalken, des -s, plur. ut nom. sing. ein jeder Balken, welcher etwas hebet, oder aufhebet. Besonders an den Zugbrücken, die zwey beweglichen Balken, von deren Enden Ketten bis zur Brücke gehen, dieselbe damit aufzuziehen.


Hebebaum (W3) [Adelung]


Der Hebebaum, des -es, plur. die -bäume. 1) Ein Baum, d. i. starke hölzerne Stange, eine Last damit in die Höhe zu heben, besonders so fern er im gemeinen Leben mit der bloßen Hand gebraucht und regieret wird; in Franken ein Tremel oder Hebetremel, an andern Orten eine Handkluppe, ein Handklotz, ein Wuchtbaum, Nieders. Bärboom, Handspeke. S. Hebel und Heber. 2) Bey den Zimmerleuten, ein ausgeputzter junger Tannenbaum, welcher bey dem Heben eines Gebäudes auf den Gipfel gesetzt wird. S. Heben, 2. 1).


Hebedaumen (W3) [Adelung]


Der Hebedaumen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Hebarm.


Hebeisen (W3) [Adelung]


Das Hebeisen, des -s, plur. ut nom. sing. eine eiserne Stange, Lasten damit zu heben, und welche, so fern sie zunächst zum Auf- oder Ausbrechen bestimmt ist, auch ein Brecheisen genannt wird. Bey den Wundärzten ist das Hebeisen oder der Heber, Elevatorium, ein stählernes Werkzeug, ein Stück einer zerbrochenen Hirnschale wieder in die gehörige Lage zu heben.


Hebegabel (W3) [Adelung]


Die Hebegabel, plur. die -n, in Jagdwesen, eine eiserne Gabel, an einem hölzernen langen Stiele, die Tücher und Garne damit auf die Forkel- und Stellstangen zu heben.


Hebegerüst (W3) [Adelung]


Das Hebegerüst, des -es, plur. die -e, ein jedes Gerüst, so fern es bestimmt ist, Lasten zu heben. Der Krahn, die Winde u. s. f. sind solche Hebegerüsten.


Hebekopf (W3) [Adelung]


Der Hebekopf, des -es, plur. die -köpfe, S. Hebarm.


Hebekorb (W3) [Adelung]


Der Hebekorb, des -es, plur. die -körbe, eine Art größerer Körbe, welche an beyden Enden vermittelst daran befindlicher Handhaben gehoben und getragen werden; zum Unterschiede von einem Handkorbe und Tragekorbe.


Hebekorn (W3) [Adelung]


Das Hebekorn, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, z. B. der Mark Brandenburg, dasjenige Korn oder Getreide, welches als ein Pacht, Zins, oder andere Abgaben gegeben wird. Den Bauern seine Äcker um Hebekorn austhun, S. Hebe.


Hebekrahn (W3) [Adelung]


Der Hebekrahn, des -es, plur. die -e, S. Krahn.


Hebel (W3) [Adelung]


Der Hebel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug, einen andern Körper damit zu heben, oder aufzuheben. So ist in der Mechanik der Hebel eine gerade steife Linie, welche in einem Puncte, um welchen sie beweglich ist, auflieget, und an deren einem Ende die Last, an dem andern aber die Kraft angebracht wird; Vectis, Franz. Levier, im mittlern Lat. Levarius. Im gemeinen Leben wird ein solches einfaches Werkzeug gemeiniglich der Hebebaum oder das Hebeisen genannt. In zusammen gesetzten Kunstzeugen hat man so wohl Tragehebel, welche die Last eigentlich heben, als auch Druckhebel, welche sie niederdrücken; welche letztern nur figürlich den Nahmen der Hebel führen. In einigen Gegenden wird auch der Sauerteig der Hebel genannt, Franz. Levain, weil er den Teig hebet, oder zum Gähren bringet, S. Hefen; daher hebeln auch für säuern; einsäuern vorkommt. Das -el in diesem Worte zeiget ein Werkzeug an. S. Heber.


Hebelade (W3) [Adelung]


Die Hebelade, plur. die -n, ein mechanisches Werkzeug, in Gestalt einer Lade oder eines länglichen Kastens, schwere Bäume mit Vortheil auf den Wagen zu heben; die Baumhebe, der Holzheber.


Hebelatte (W3) [Adelung]


Die Hebelatte, plur. die -n, S. Hebarm.


Hebeleiter (W3) [Adelung]


Die Hebeleiter, plur. die -n, ein Nahme, welchen in einigen Orten die Fuhrmannswinde führet, weil sie einer kurzen Leiter nicht unähnlich ist.


Hebemahl (W3) [Adelung]


Das Hebemahl, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, ein Gastmahl, welches den Zimmerleuten bey Hebung, d. i. Richtung eines Gebäudes gegeben wird, und an andern Orten das Richtmahl, der Richtschmaus heißt.


Heben (W3) [Adelung]


Heben, verb. reg. act. Imperf. ich hob, (Oberd. hub und hebte;) Conjunct. ich höbe, auch wohl noch hübe; Mittelw. gehoben, (Oberd. gehaben und gehebt;) in die Höhe bewegen, von der Oberfläche der Erde entfernen. 1. Eigentlich. Die Last ist so schwer, ich kann sie nicht heben. Wer den Stein nicht heben kann, der muß ihn fortwälzen. Der Wind hebt den Staub; wenn er ihn aufwärts treibet. Die Wage hebt tausend Pfund. Die Hand gen Himmel, die Augen in die Höhe, das Haupt empor heben. Mein Herz hebt sich mühsam unter einer drückenden Last, Sonnenf. Schmachtende Seufzer hoben die schwellende Brust. Jemanden auf den Tisch, auf das Pferd heben. Jemanden vom Pferde, aus dem Wagen, aus dem Bette heben. Jemanden in den Himmel heben, figürlich, ihm außerordentliche Lobeserhebungen beylegen, S. Erheben. 2. Figürlich. 1) Von verschiedenen Handlungen, welche mit einem eigentlichen Heben oder Aufheben verbunden sind. Einen Schatz heben, ihn ausgraben. So auch, einen Stein heben. Einen Graben heben, d. i. reinigen, ausschlämmen, von neuen ausgraben. Ein Kind aus der Taufe heben, dessen Pathe seyn; im mittlern Lat. Levare de sacro fonte. Bey den Jägern hebt der Wolf oder Fuchs die Lockspeise, wenn er sie frißt. Jemanden aus dem Sattel heben, eigentlich, ihn mit der Lanze vom Pferde stoßen, eine von den ehemahligen Turnieren entlehnte R. A. figürlich, jemanden überlegen seyn, ihn aus dem Besitze eines Gutes oder Vortheiles treiben. Ein Haus heben, in verschiedenen Hoch- und Oberdeutschen Gegenden, das Zimmerwerk aufsetzen und zusammen fügen; im Nieders. richten, S. Hebemahl. 2) * Zur Hebe bringen, d. i. mit Aufhebung darbringen, besonders Gott zum Opfer bringen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Desselben Speisopfer heben zum Gedächtniß, 3 Mos. 2, 9. Alles Fett des Sündopfers soll er heben, Kap. 4, 8, 19. Alles Gottes Hebe, das sie dem Herrn huben, 4 Mos. 31, 52. S. Hebe. 3) Einnehmen, in Empfang nehmen, von Einkünften, Abgaben und Geldsummen. Geschoß und Steuern heben. S. Hebung. Im mittlern Lat. levare, elevare, Franz. lever. Geld oder Gelder heben, zu sich nehmen, in Empfang nehmen. Das Geld ist schon von einem andern gehoben, d. i. in Empfang genommen worden. Daher die noch bey den Handwerkern übliche R. A. mit einem Handwerke heben und legen, dessen sämmtliche Gebräuche beobachten, sich gewisser Maßen zu demselben bekennen; eigentlich, gemeinschaftlich einnehmen und ausgeben, seinen Beytrag an Gelde mit demselben geben, und solchen auch gemeinschaftlich mit demselben genießen. Im mittlern Lat. wurden die Eingebornen Unterthanen eines Herren Levantes et cubantes, Franz. Levans et couchans, genannt, zum Unterschiede von den Albanis oder Fremden. 4) * Aufstehen und sich weg begeben, als ein Reciprocum; ein im Hochdeutschen veralteter Gebrauch. Hebet euch aus dieser Gemeine, 4 Mos. 16, 45. Nun hebe dich an deinen Ort, Kap. 24, 11. Hebe dich entweder zur Rechten oder zur Linken, 2 Sam. 2, 21. Hebe dich weg von mir, Satan! Matth. 4, 10. 5) * Entstehen, als ein Reciprocum; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, wofür sich erheben üblicher ist. Daselbst hub sich ein groß Freudengeschrey, Ezech. 23, 42. Und hub sich ein groß Ungewitter auf dem Meere, Ion. 1, 4. 6) Wegschaffen, aufhören machen, endigen; nur in einigen Fällen. Einen Streit heben, endigen. Eine Krankheit, einen Anstoß heben, wegschaffen. Eines Furcht, eines Kummer heben. Einen Zweifel heben, auflösen. Einen Einwurf heben, zeigen, daß er ungegründet sey. Keine Irrthümer sind schwerer zu heben, als die ihren Schutz in dem natürlichen Charakter unsers Geistes finden, Gell. Das Lat. levare und elevare, das Franz. lever und Schwed. haefwa werden auf ähnliche Art gebraucht. 7) Hervor stechend machen, machen daß eine Sache deutlicher, merklicher in die Sinne falle oder lebhafter empfunden werde. Durch starke Schatten um die Figuren, werden diese gehoben. Der Mahler hebt einen Gegenstand, wenn er einige Pinselstöße mit hellen oder glänzenden Farben darauf thut. Plötzlich hob das feinste Roth die Weiße ihrer Haut. Sie hatte keine Schminke gesparet, ihre Gesichtsfarbe zu heben. 8) Ehre, Ansehen, Vermögen ertheilen. Jemanden heben. Sich heben, zu Ansehen, Gewalt oder Vermögen gelangen. S. auch Erheben. Daher die Hebung, S. solches hernach besonders.

Anm. Die Oberdeutsche Form, Imperf. hub, Mittelw. gehaben und gehebt, kommt noch in der Deutschen Bibel vor. Das Land darüber ich meine Hand gehaben, 2 Mos. 6, 8, wofür 4 Mos. 14, 30 gehebt stehet. S. Erhaben. Dieses alte Zeitwort lautet bey dem Ulphilas hafjan, bey dem Kero heffan, bey dem Ottfried heffen, und im Imperf. huob, bey dem Übersetzer Isidors hepfan, ( S. Hüpfen,) bey dem Winsbeck haben, im Angels. heavian, im Nieders. heven, im Engl. to heave, im Dän. häve, im Schwed. haefwa, im Wend. hibam und gibam. Es stammet von dem alten ha, hoch, her, von welchem mit veränderten Ableitungslauten auch Haupt, Hübel, Hügel, Giebel, Hefen, Hüpfen und hundert andere herkommen. Das Nieders. Heven, der Himmel, Angels. Heofenan, Engl. Heaven, bestätiget diese Ableitung, so wie das Nieders. hevig, bey dem Ottfried hevig, groß, und figürlich auch schwer, wichtig, S. Heftig und Erheblich. Im Oberdeutschen bedeutet heben nicht nur haben, besitzen, sondern auch halten; von welchen im Hochdeutschen ganz ungewöhnlichen Bedeutungen Frisch sehr weitläuftig handelt. Übrigens ist für heben im Nieders. auch hissen, (Franz. hausser,) tillen, (Lat. tollere, delere, S. Tilgen,) ingleichen lüften und lichten, (Frequentativa von levare,) üblich.


Hebenagel (W3) [Adelung]


Der Hebenagel, des -s, plur. die -nägel, in den Schlaguhren, kleine Stifte auf der rechten Seite des Heberades, welche den Hammer heben, wenn die Uhr schlagen soll, und auch Schlagenägel genannt werden.


Heber (W3) [Adelung]


Der Heber, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Person, welche hebet; in welcher Bedeutung es nur in den Zusammensetzungen Anheber und Urheber üblich ist. 2) Ein Werkzeug, womit man etwas aufhebet. Dahin gehöret der Heber der Wundärzte, Elevatorium, die zerbrochene Hirnschale wieder in ihre gehörige Lage zu heben, S. Hebeisen. Noch häufiger bezeichnet dieses Wort eine Röhre, mit welcher ein flüssiger Körper, vermittelst des Druckes der Luft, gehoben oder in die Höhe getrieben wird; Sipho. Bier oder Wein vermittelst eines Hebers aus dem Fasse ziehen. Der Würtembergische Heber hat zwey gleiche Schenkel, welche unten etwas krumm gebogen sind. Ein Bürger zu Stuttgard, Johann Jordan, soll ihn erfunden, und das Wasser damit 45 Fuß hoch gehoben haben. S. auch Stechheber. In den Pochwerken werden auch die Hebarme Heber genannt. In andern Fällen ist Hebel üblicher, ob es gleich mit diesem ein und eben dasselbe Wort ist. Im Dän. Hävert, im Böhm. Hewer, im Pohl. Hewar.


Heberad (W3) [Adelung]


Das Heberad, des -es, plur. die -räder, S. Hebenagel.


Hebeschmaus (W3) [Adelung]


Der Hebeschmaus, des -es, plur. die -schmäuse, in Obersachsen, ein Schmaus, welchen der Bauherr den Mäurern und Zimmerleuten gibt, wenn das Haus gehoben wird; in Nieders. das Richtebier, S. Hebemahl.


Hebeschulter (W3) [Adelung]


Die Hebeschulter, plur. die -n, in der Deutschen Bibel, die Schulter von einer Hebe, d. i. einem zum Opfer geschlachteten Thiere. S. Hebe und Heben.


Hebespiegel (W3) [Adelung]


Der Hebespiegel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Geschützkunst, eine hölzerne Scheibe, welche auf den Pfropfen oder Kammerspiegel eines Mörsers oder Kammerstückes gesetzt wird, damit die Granaten und andere Kugeln sein gleich aufliegen und verdämmet werden können.


Hebetatze (W3) [Adelung]


Die Hebetatze, plur. die -n, S. Hebarm.


Hebetuch (W3) [Adelung]


Das Hebetuch, des -es, plur. die -tücher, in dem Jagdwesen, ein Tuch, welches man auf- und niederlassen kann, um dem Wilde nach Belieben einen freyen Ausgang zu verschaffen; das Schnapptuch, die Schnappe, das Falltuch.


Hebewinde (W3) [Adelung]


Die Hebewinde, plur. die -n, ein Nahme, welchen in einigen Gegenden auch die Fuhrmannswinde oder Wagenwinde führet; S. Hebeleiter.


Hebezange (W3) [Adelung]


Die Hebezange, plur. die -n, in den Hammerwerken, eine Zange, die Gänse in das Feuer, und wieder unter den Hammer zu heben.


Hebezeug (W3) [Adelung]


Das Hebezeug, des -es, plur. die -e, ein jedes, so wohl einfaches als zusammen gesetztes Werkzeug, eine Last damit in die Höhe zu heben. In engerer Bedeutung führet in dem Bergbaue die Winde, womit die Kunsträder aufgehoben werden, diesen Nahmen.


Hebopfer (W3) [Adelung]


Das Hebopfer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Hebe.


Hebung (W3) [Adelung]


Die Hebung, plur. die -en, von dem Zeitworte heben. 1) Die Handlung des Hebens, in allen Bedeutungen des Zeitwortes; ohne Plural. 2) Was gehoben, d. i. eingenommen wird, in welchem Verstande in einigen Gegenden nicht nur alle Arten von Einkünften, sie bestehen in Geld oder Waaren, sondern auch die Abgaben diesen Nahmen führen. Stehende Hebungen eines Gutes, in der Mark Brandenburg, gewisse Einkünfte von demselben. Eine Hebung ausschreiben, eine Steuer, Abgabe. Levata, Levatio und Levatura kommen im mittlern Lat. in eben diesem Verstande vor. S. auch Hebe. 3) Ein erhobener oder erhabener Ort. In diesem Verstande werden die Erhebungen an dem Hinter- und Vordertheile der Fahrzeuge auf Flüssen in einigen Gegenden Hebungen genannt.


Hechse (W3) [Adelung]


Die Hechse, der Kniebug, S. Häkse.


Hecht (W3) [Adelung]


Der Hecht, des -es, plur. die -e, Diminut. das Hechtchen, Oberd. Hechtlein, ein sehr gefräßiger Raubfisch in süßen Wassern, mit einem langen, oben flachen Kopfe und scharfen Zähnen; Esox Lucius L. Frischer oder grüner Hecht, im Gegensatze des eingesalzenen. S. Grashecht, Schüsselhecht, Merzhecht u. s. f.

Anm. In dem Monseeischen Glossen Haecid, im Nieders. Heked, im Angels. Hacod, im Engl. Hakot, im mittlern Lat. Hakedus. Entweder von dem noch im Nieders. üblichen hechten, fangen, ingleichen heften, von welchem Worte der Mause- oder Taubengeyer in einigen Gegenden auch der Taubenhacht, und der Sperber der Stoßhächtel genannt wird; oder auch von seinen scharfen Haken oder Zähnen. Um dieses letztern Umstandes willen wird er im Schwed. Gädda, und im Dän. Giedde genannt, welches Ihre von Gadd, ein Stachel, herleitet, ungeachtet es auch von dem alten Giet, Begierde, ( S. Geitz,) abstammen kann, die große Gefräßigkeit dieses Fisches auszudrucken. In einem alten, zu Ende des 15 ten Jahrh. zu Augsburg gedruckten Vocabulario, heißt er Snouch, welches mit dem Holländ. Nahmen Snoek von snoijen, schneiden, hauen, abstammet. Die Franz. Benennungen Brochet und Becquet beziehen sich so, wie die Engl. Pike, gleichfalls auf seine scharfen Zähne.


Hechtapfel (W3) [Adelung]


Der Hechtapfel, des -s, plur. die -äpfel, eine Art großer, gelber, roth gestreifter Äpfel.


Hechtgrau (W3) [Adelung]


Hechtgrau, adj. et adv. der grauen Farbe, welche der Hecht an den Seiten hat, gleich oder ähnlich. S. Hechtschimmel.


Hechtkiefer (W3) [Adelung]


Der Hechtkiefer, des -s, plur. die -n, die mit Zähnen besetzten Kiefern oder Kinnbacken eines Hechtes; Nieders. Hechtkeven.


Hechtkraut (W3) [Adelung]


Das Hechtkraut, des -es, plur. inus., verschieden Arten des Samenkrautes, Potamogeton L. ingleichen des Federballes, Myriophyllum L. welche in den Flüssen und Mühlgräben häufig wachsen; weil die Fische, und besonders die Hechte darauf zu leichen pflegen.


Hechtreißer (W3) [Adelung]


Der Hechtreißer, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Städten der Mark Brandenburg, z. B. zu Writzen und Freyenwalde, eine eigene Zunft solcher Leute, welche die Hechte, die daselbst sehr häufig gefangen werden, einsalzen und verschicken.


Hechtsatz (W3) [Adelung]


Der Hechtsatz, des -es, plur. inus. ein Collectivum, junge Hechte zu bezeichnen, bis sie drey Jahre alt sind. S. Satz.


Hechtschimmel (W3) [Adelung]


Der Hechtschimmel, des -s, plur. ut nom. sing. ein hechtgrauer Schimmel, oder weißes Pferd.


Hechtteich (W3) [Adelung]


Der Hechtteich, des -es, plur. die -e, ein Teich, in welchem vornehmlich Hechte gehalten und gehäget werden.


Heck (W3) [Adelung]


Das Heck, des -es, plur. die -e, ein vornehmlich in Niedersachsen übliches Wort, eine Befriedigung von Latten, ein Stacket, und die darin befindliche Thür, eine Gartenthür, auch wenn sie die Gestalt eines Schlagbaumes hat, zu bezeichnen; in einigen Gegenden auch die Hecke. Es gehöret mit dem folgenden Hecke zu dem Worte Hag, welches unter andern auch eine jede Befriedigung oder Einfriedigung bedeutete. S. dasselbe, ingleichen Hägen.


Heckapfel (W3) [Adelung]


Der Heckapfel, S. Heckenapfel.


Heckbalken (W3) [Adelung]


Der Heckbalken, des -s, plur. ut nom. sing. im Schiffbaue, der obere letzte Balken im Hintertheile der Schiffe, welcher über das ganze Schiff reicht, in der Mitte auf den Hintersteven und mit den Enden auf den Randhölzern ruhet; Franz. Lisse d'hourdi. Die erste Hälfte des Wortes stammet vermuthlich von dem Nieders. hechten, Schwed. haekta, heften, verbinden, her, weil dieser Balken wirklich die beyden Borde des Schiffes mit einander verbindet.


Heckdrüse (W3) [Adelung]


Die Heckdrüse, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine Benennung des fehlerhaften Kropfes an den Menschen, wo dieses Wort an manchen Orten auch Hagedrüse und im Osnabrück. Hagedrull lautet. Es stammet vermuthlich von hecken, sich fortpflanzen, her, weil ein solcher Auswuchs schwer zu vertilgen ist. In einer andern Bedeutung des Wortes hecken, kommt es in dem 1500 gedruckten Liber Pestilent. von den Hoden oder Testiculis vor, wo es heißt: an beiden beynen oben by dem gleich (Gelenk) do gewönlichen die Hagdrüsen wachsent, genant Evinctorium; in welchem Verstande es in den Monseeischen Glossen schon Hegadruosi lautet.


Hecke (W3) [Adelung]


1. Die Hecke, plur. die -n, von dem Zeitworte hecken, sich fortpflanzen. 1) Die Fortpflanzung seines Geschlechtes, Ausbrütung der Jungen; doch nur von den Vögeln, und ohne Plural. 2) Die Zeit, wenn die Vögel zu brüten pflegen, die Heckzeit; am häufigsten auch ohne Plural. 3) Der Ort, wo man kleinere Vögel zur Fortpflanzung unterhält. Eine Canarien-Hecke, Vogelhecke u. s. f. 4) Ein Nest voll Vögel, so viel junge Vögel einer Art, als auf Ein Mahl ausgebrütet werden; in welchem Verstande auch die Wörter Geheck, Flug und Zug üblich sind. S. 3. Hecken.


Hecke (W3) [Adelung]


2. Die Hecke, plur. die -n. 1) * Ein Strauch, ein Busch, besonders ein mit Dornen oder Stacheln versehenes strauchartiges Gewächs. Ich will euer Fleisch mit Dornen aus der Wüsten, und mit Hecken zerdreschen, Richt. 8, 7, 16. In alle Hecken und in alle Büsche, Es. 7, 19. Der beste unter ihnen ist wie ein Dorn, und der Redlichste wir eine Hecke, Mich. 7, 4. In welcher Bedeutung es doch im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. 2) Eine Sammlung mehrerer solcher stachligen Sträuche, besonders ein aus solchem Buschwerk bestehender lebendiger Zaun, und in weiterer Bedeutung, ein jeder lebendiger Zaun; besonders in den Gärten eine von Bäumen oder Gesträuche gezogene Wand. Eine Hecke von Hagebuchen, Rosen, Kirschen u. s. f. Eine wilde Hecke zur Befriedigung eines Stückes Feld u. s. f. wird in Niedersachsen auch ein Knick, im Schleßwigischen ein Paatwerk, und in Obersachsen ein Gehägezaun, ein lebendiger Zaun genannt. 3) In einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden führet so wohl eine jede Einfriedigung von Stangen, Pfahlwerk u. s. f. als auch die darin befindliche Thür den Nahmen der Hecke, wo doch das Heck üblicher ist, S. dieses Wort. Daher rühret vermuthlich auch die Hochdeutsche R. A. bey der Hecke seyn, bey der Hand seyn, gleich zu etwas bereit, willig seyn; eigentlich gleich an der Thür seyn.

Anm. Im Dän. Hekke, im Angels. Hegge, im Engl. Hedge, im Franz. Haye, im Nieders. Hagen. S. Hag, welches in allen diesen Bedeutungen gleichfalls vorkommt. In den Zusammensetzungen Heckherberge, Heckmünze, Heckjäger u. s. f. wo dieses Wort etwas Verbothenes bedeutet, welches heimlich geschiehet, scheinet es aus Ecke gebildet zu seyn, weil in den meisten dieser Fälle auch Winkel - üblich ist. Indessen lässet sich auch die Ableitung von Hecke vertheidigen.


Hecken (W3) [Adelung]


1. * Hecken, verb. reg. act. welches in einigen Gegenden für hacken, Nieders. hicken, mit dem Schnabel beißen, ingleichen für beißen, stechen überhaupt üblich ist. Und heckt ihn stets Der Reue Angel, Hans Sachs. In welcher Bedeutung es von hacken nur der Mundart nach verschieden ist.


Hecken (W3) [Adelung]


2. Hecken, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben zu sich nimmt, und in einigen Gegenden für hocken üblich ist. Auf einander hecken, sitzen, d. i. sehr nahe um und neben einander seyn, von lebendigen Geschöpfen. S. Hocken.


Hecken (W3) [Adelung]


3. Hecken, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, sich fortpflanzen, seines Gleichen erzeugen; wo es aber nicht ohne Einschränkung gebraucht werden kann. Man sagt es, 1) von Vögeln, besonders von kleinern Arten derselben und solchen, welche sich zu diesem Geschäfte paarweise versammeln, wo es denn das Begatten, Nisten und Ausbrüten mit unter sich begreift. So sagt man von den Tauben, Schwalben, Lerchen u. s. f. daß sie Junge hecken. Keine Taube heckt einen Sperber. Von größern Arten, wohin Gänse, Änten, und Hühner u. s. f. gehören, ist brüten und ausbrüten üblicher, welches Wort über dieß nur das Sitzen über den Eyern ausdrückt, folglich von eingeschränkterer Bedeutung ist. 2) Von einigen kleinern vierfüßigen Thieren. Der Igel wird auch daselbst nisten und legen, brüten und aushecken, Es. 34, 15. Am häufigsten von den Kaninchen. Da die Deutschen Musen jetzt wie die Kaninchen hecken,

Anm. über den Anakr. 3) In noch weiterer Bedeutung wird es, obgleich nur im Scherze oder aus Verachtung, von Personen weiblichen Geschlechtes gebraucht, S. Heckmutter. 4) Im weitesten, vielleicht figürlichen Verstande, ist es im Oberdeutschen für hervor bringen überhaupt üblich. Ein Krieg heckt den andern. Zähne hecken, d. i. bekommen. S. auch Aushecken, Heckgroschen, Heckpfennig. Das Hauptwort die Heckung ist nicht gebräuchlich, siehe 1. Hecke.

Anm. Frisch leitet es von Hecke, ein Zaun, Gebüsch, her, andere von dem Angels. Aeg, ein Ey. Allein, da es scheinet, daß es ehedem überhaupt hervor bringen, zeugen bedeutet habe, so muß es wohl von einem andern Stamme herkommen, der dessen Bedeutung nicht so sehr einschränket. S. Heckdrüse.


Heckenapfel (W3) [Adelung]


Der Heckenapfel, des -s, plur. die -äpfel, ein Apfel und der Baum, welcher ihn trägt, weil derselbe viele Nebenschüsse und einen schlechten Stamm treibet; daher er besser in Gestalt eines Strauches und in Hecken, als in Gestalt eines Baumes fortkommt; Pyrus Malus frutescens L. Staudenapfel, Johannis-Apfel, Zwergapfel, Nieders. Katling.


Heckenbaum (W3) [Adelung]


Der Heckenbaum, des -es, plur. die -bäume, ein jeder Baum oder baumartiges Gewächs, welches sich in Hecken ziehen lässet, dergleichen die Hagebüchen, Kirschen u. s. f. sind. In engerer Bedeutung ist der Hartriegel um eben dieser Ursache willen unter diesem Nahmen bekannt, S. dieses Wort.


Heckenbinder (W3) [Adelung]


Der Heckenbinder, des -s, pur. ut nom. sing. in der Landwirthschaft, ein Arbeiter, welcher die Hecken, d. i. Dornenbüsche, woraus man an manchen Orten eine Art eines Hages oder Zaunes verfertiget, bindet und zubereitet.


Heckenkäfer (W3) [Adelung]


Der Heckenkäfer, S. Maykäfer.


Heckenkirsche (W3) [Adelung]


Die Heckenkirsche, plur. die -n. 1) An einigen Orten, der Nahme eines Strauches, welcher in den Hecken und Zäunen des kältern Europa wächset, und auch Zaunkirsche, Beinholz, Ahlkirsche, Läusebaum, Zweckholz, Röhrholz, Schießbeere u. s. f. genannt wird; Lonicera Xylosteum L. 2) Auch eine Art Gartenkirschen, welche in Italien wild wachsen, in Deutschland aber in Hecken gezogen werden, und kleine, unschmackhafte, rothe Kirschen tragen, deren alle Mahl zwey an einem Stiele beysammen stehen.


Heckensamen (W3) [Adelung]


Der Heckensamen, des -s, plur. inus. ein Stechginster, oder stachelige Geniste, mit rauchen spitzigen Blättern, welche in England, Frankreich und Brabant häufig in Hecken gezogen wird; Ulex Europaeus L.


Heckenschnarre (W3) [Adelung]


Die Heckenschnarre, plur. die -n, an einigen Orten, ein Nahme des Wachtelköniges, weil er sich gerne in Hecken und Büschen aufhält. Er wird auch Heckschnarre genannt. Siehe Wachtelkönig.


Heckenvogel (W3) [Adelung]


Der Heckenvogel, des -s, plur. die -vögel, ein Nahme des Dorndrehers, oder der blauen Grasmücke, Motacilla dumetorum L. welche sich gern in Hecken aufhält, und auch Heckenspringer, Heckenwenzel, Heckenschmätzer, von der schmatzenden Stimme, und Heckenwitwe genannt wird.


Heckenwicke (W3) [Adelung]


Die Heckenwicke, plur. die -n, eine Art wilder Wicken, welche in Thüringen und Frankreich in den Hecken und Zäunen wild wächset; Vicia dumetorum L.


Heckerling (W3) [Adelung]


Der Heckerling, S. Häckerling.


Heckfeuer (W3) [Adelung]


Das Heckfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. bey der Infanterie, diejenige Art des Feuers, oder des Feuerns, wenn die Soldaten einzeln aus ihren Gliedern heraus springen, Feuer geben, und alsdann wieder in das Glied treten und laden, da indessen andere auf eben dieselbe Art feuern.


Heckgroschen (W3) [Adelung]


Der Heckgroschen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) In der Naturlehre des großen Haufens, ein übernatürlicher Groschen, von welchem man glaubet, daß er mehrere Groschen hecke, oder hervor bringe. S. Heckthaler. 2) Im gemeinen Leben auch ein falscher, nachgemachter Groschen, ein Beyschlag. S. 2. Hecke,

Anm. und Heckpfennig.


Heckherberge (W3) [Adelung]


Die Heckherberge, plur. die -n, ein verdächtiges Wirthshaus an einem ungewöhnlichen Orte, ingleichen eine verbothene unerlaubte Herberge; eine Winkelherberge. S. 2. Hecke, Anm.


Heckholz (W3) [Adelung]


Das Heckholz, oder vielmehr Heckenholz, des -es, plur. inus. S. Hartriegel.


Heckjagen (W3) [Adelung]


Das Heckjagen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Das Jagen an unerlaubten Örtern, oder zu verbothenen Zeiten; S. 2. Hecke,

Anm. 2) In einem andern Verstande ist im Jagdwesen ein Heckjagen, ein Treibejagen, welches durch Vorhölzer und Hecken angestellet wird, das daselbst befindliche Wild gleichfalls herbey zu treiben; das verlorne Treiben.


Heckjäger (W3) [Adelung]


Der Heckjäger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Mensch, welcher verstohlener unerlaubter Weise auf die Jagd gehet; ein Winkeljäger. S. 2. Hecke, Anm.


Heckicht (W3) [Adelung]


Heckicht, adj. et adv. Hecken ähnlich. Heckig, adj. et adv. mit Hecken, d. i. stacheligem Buschwerke bewachsen. Ein heckigter (heckiger) und wüster Ort, Opitz.


Hecklauge (W3) [Adelung]


Die Hecklauge, S. Mutterlauge.


Heckmünze (W3) [Adelung]


Die Heckmünze, pur. die -n, eine falsche, nachgemachte Münze; ingleichen ein Ort, oder eine Werkstätte, wo falsche, verbothene, untaugliche Münzen gepräget werden, eine Winkelmünze. S. 2. Hecke, Anm.


Heckmutter (W3) [Adelung]


Die Heckmutter, plur. die -mütter, im vertraulichen Scherze, eine fruchtbare Person weiblichen Geschlechtes, welche fleißig hecket, d. i. oft gebieret. S. 3. Hecken.


Heckpfahl (W3) [Adelung]


Der Heckpfahl, des -es, plur. die -pfähle, in Niedersachsen auf dem Lande, zwey Pfähle, woran das Heck, d. i. eine Gatterthür, befestiget wird, und welche auch Heckstapel genannt werden. S. Hängepfahl und Schlagpfahl.


Heckpfennig (W3) [Adelung]


Der Heckpfennig, des -es, plur. die -e. 1) Ein falscher, nachgemachter, ungültiger Pfennig. S. 2. Hecke,

Anm. 2) Ein fruchtbarer Pfennig, von welchem sich der große Haufe einbildet, daß er mehrere aus sich selbst hervor bringe. S. Heckgroschen. Ein solcher Gulden wird ein Heckgulden, und ein solcher Thaler ein Heckthaler genannt.


Heckschnarre (W3) [Adelung]


Die Heckschnarre, S. Heckenschnarre.


Heckse (W3) [Adelung]


Die Heckse, der Kniebug, S. Häkse.


Hecksel (W3) [Adelung]


Das Hecksel, S. Häckerling.


Heckstapel (W3) [Adelung]


Der Heckstapel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Heckpfahl.


Heckthaler (W3) [Adelung]


Der Heckthaler, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Heckpfennig.


Heckzeit (W3) [Adelung]


Die Heckzeit, pur. die -en, diejenige Zeit, da die Vögel zu hecken pflegen; die Brutzeit, die Hecke. S. 3. Hecken.


Hedel (W3) [Adelung]


Das Hedel, des -s, plur. inus. ein in der gemeinen Sprache der Bergleute übliches und aus Häuptel verderbtes Wort, den besten obersten Schlich in der Wäsche und dem Schlämmgraben zu bezeichnen, der daher auch Hedelschlich genannt wird. Der Hedelherd, eine Art des Waschherdes, welches einen Abhang von 15 bis 20 Grad hat. S. Häuptel.


Hedwig (W3) [Adelung]


Hedwig, ein eigenthümlicher weiblicher Vornahme Deutschen Ursprunges, welcher so viel als des Vaters Zuflucht bedeuten soll, von dem alten Atta, Hetto, Vater, und dem Sächsischen Wiek, Zuflucht.


Heer (W3) [Adelung]


Das Heer, des -es, plur. die -e. 1) In der weitesten Bedeutung, eine große Menge neben oder bey einander befindlicher Dinge. Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer, 1 Mos. 2, 1, mit allen darauf befindlichen Geschöpfen. Das Heer des Himmels, 5 Mos. 4, 19, der ganze Umfang aller Welt- oder Himmelskörper. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur noch in einigen Fällen von solchen Dingen, welche als im Zuge, oder doch in der Bewegung begriffen, vorgestellet werden. Diese Worte - drangen - mit einem Heere von Nebenbegriffen des Schauders, des Schreckens in unsre Seele, Herd. 2) In engerer Bedeutung, eine bey und neben einander befindliche große Menge Geschöpfe. Ein Heer Heuschrecken. Ein einziger alter Eichbaum ist eine Welt für ganze Heere verschiedener Thiere, die sich von ihm nähren, Gell. Ein Heer Weiber, Kinder u. s. f. Das Heer des Himmels, Ps. 33, 6, Nehem. 9, 6, d. i. die unsichtbaren Geschöpfe Gottes, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. 3) In der engsten Bedeutung, eine Menge zum Kriege gerüsteter Menschen, welche dem Oberbefehle eines Einzigen unterworfen sind; ein Kriegsheer, zum Unterschiede von einem Heere aus andern Ursachen versammelter Menschen. In dieser alten und guten Bedeutung, in welcher es noch in der Deutschen Bibel sehr oft vorkommt, ist es im Hochdeutschen aus dem Gebrauche gekommen, seitdem das Franz. Armee beliebter geworden. Indessen hat sich doch Heer und noch mehr Kriegsheer von Zeit zu Zeit in der edlen Schreibart erhalten. Ein Heer auf die Beine bringen, anwerben. Mit dem Heere ausrücken, in das Feld rücken. Das wüthende Heer, oder Fastnachtsheer, ein eingebildetes Gespenst; welches mit einem großen Gefolge und schrecklichen Getöse durch die Wälder und Felder fahren soll, und vielleicht ein Überbleibsel von dem Heere Wodans, der ehemahligen heidnischen Deutschen ist. Mit Heeres Kraft, mit einem zahlreichen Kriegsheere, ist im Hochdeutschen veraltet. Anm. Bey dem Ulphilas ist Harji eine Legion, bey dem Ottfried Heri und Heriscaf eine Menge Menschen, und ein Kriegsheer, welche letztere Bedeutung auch das Angels. Here, Herig, Herg, und das Isländ. Her haben. Im Schwed. bedeutete Haer so wohl einen Landtag, als eine bürgerliche Versammlung, als endlich auch eine Zahl von hundert. In den ältern Oberdeutschen Schriftstellern kommt auch Harst für Heer, Kriegesheer, und Harster für Soldat, mehrmahls vor, wovon Frisch nachgesehen werden kann. Daß Herde, Schar, und vielleicht auch Horst, mit zu dem Geschlechte des Wortes Heer gehören, ist sehr wahrscheinlich. Allein, welches der erste und herrschende Begriff in diesen Wörtern ist, ist nicht so leicht zu bestimmen. Frisch scheint das alte hor, hoch, als das Stammwort anzusehen, S. Hehr. Wäre, wie sehr wahrscheinlich ist, der Begriff des Zuges, der Bewegung, der in den meisten Fällen mit dem Worte Heer verbunden ist, der herrschende, so würden das Nebenwort her, das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wandern, und das Deutsche scheren, in den niedrigen R. A. sich fortscheren, sich herscheren u. s. f. gleichfalls mit dahin gehören. Frisch führet aus einer alten Reisebeschreibung die Stelle an, alsbald die Nacht zu Here gieng, d. i. anbrach, herein brach. Auch das alte haren, rufen, schreyen, könnte dabey in Betrachtung kommen, das Getöse vieler bey und neben einander befindlicher Dinge auszudrucken. S. Herde, Schar, Horst. Im mittlern Lat. kommt Hara und Haracium, Franz. Haras, sehr oft von einer Herde Vieh vor. Hingegen wird daselbst Exercitus so wohl von einer Herde Viehes, als auch von einem zahlreichen Gefolge von Hofbedienten gebraucht, in welchem Verstande auch Heer ehedem üblich war. Da das Wort Heer im Oberdeutschen zwar beständig üblich geblieben ist, im Hochdeutschen aber durch Französische Wörter verdränget worden, so gilt solches auch von den meisten der folgenden Zusammensetzungen, da sie doch vor den statt ihrer eingeführten ausländischen Ausdrücken immer noch den Vorzug verdienen. In einigen derselben ist das lange scharfe e in ein kurzes offenes übergegangen, wie in Herberge, Hermann und Herzog.


Heer (W3) [Adelung]


Heer, hoch, heilig, S. Hehr.


Heerbann (W3) [Adelung]


Der Heerbann, des -es, plur. inus. ein größten Theils veraltetes Wort, der Bann, d. i. das Aufgeboth der Unterthanen zur Vertheidigung des Landes; ingleichen die Verbindlichkeit, auf vorher gegangenes Aufgeboth in den Krieg zu ziehen, S. Heeresfolge; wie auch die im Weigerungsfalle darauf gesetzte Strafe. Im mittlern Lat. Heribannus, Franz. Arriere-Ban.


Heerberge (W3) [Adelung]


Die Heerberge, S. Herberge.


Heerbiene (W3) [Adelung]


Die Heerbiene, plur. die -n, Bienen, welche nicht selbst Honig einsammeln, sondern es andern Bienenstöcken rauben, und daher am häufigsten Raubbienen genannt werden. S. Heeren.


Heerd (W3) [Adelung]


Der Heerd, S. Herd.


Heerde (W3) [Adelung]


Die Heerde, S. Herde.


Heeren (W3) [Adelung]


* Heeren, verb. reg. act. welches von dem Worte Heer abstammet, aber im Hochdeutschen veraltet ist. Es bedeutete ehedem, 1) mit einem Kriegesheere anfallen, mit Krieg überziehen, bekriegen, in welchem Verstande ehedem das Schwed. haerja üblich war. 2) Rauben, eine der ehemahligen Kriegesverfassung sehr gewöhnliche Ausschweifung; Schwed. haerja. S. auch Heerbiene. 3) Durch Rauben und Plündern zu Grunde richten, verderben; in welchem Verstande noch das zusammen gesetzte verheeren üblich ist. S. dasselbe. Bey dem Notker kommt das einfache herron noch vor. Auf ähnliche Art machten die Römer von Populus das Zeitwort populare, und die Griechen von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, beyde in der Bedeutung des Verwüstens. Das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - bedeutet gleichfalls verwüsten.


Heeresfolge (W3) [Adelung]


Die Heeresfolge, plur. inus. die Verbindlichkeit dem Heere seines Herren zu folgen, die Waffen für ihn zu ergreifen; der Heerbann, die Landfolge, ehedem auch der Kriegesbann, die Heerfahrt, die Reise.


Heereskraft (W3) [Adelung]


Die Heereskraft, S. Heerkraft.


Heerfahne (W3) [Adelung]


Die Heerfahne, plur. die -n, ehedem, die große Hauptfahne eines ganzen Kriegesheeres. S. des du Fresne Gloss. v. Carrocium.


Heerfahrt (W3) [Adelung]


* Die Heerfahrt, plur. die -en, der Feldzug, Franz. Campagne, in welcher Bedeutung es veraltet ist. Daher an einigen Orten auch der Heerwagen, oder Rüstwagen der Heerfahrtswagen genannt wird. Zur Heerfahrt verbunden seyn, zur Heeresfolge. In die Heeresfahrt ziehen, 5 Mos. 24, 5. In den Florentinischen Glossen Herivart, im Schwed. Haerfaerd.


Heerflüchtig (W3) [Adelung]


Heerflüchtig, adj. et adv. seine Fahne böslich verlassend. Ein Heerflüchtiger, heerflüchtig werden. Ein gutes altes Oberdeutsches Wort, welches man im Hochdeutschen vernachlässiget und dafür die Französ. Deserteur und desertiren aufgenommen hat. S. auch Ausreißer. Auch die Heerflucht war ehedem für Desertion üblich, wofür in noch ältern Zeiten auch das Wort Herifliz gebraucht wurde.


Heergans (W3) [Adelung]


Die Heergans, plur. die -gänse, in einigen Gegenden ein Nahme des grauen, blauen, oder aschfarbenen Reihers; Ardea pella, pulla, cinerea Klein. Bey dem Altensteig heißt eine Art Wasserhühner oder schwarzer Taucher die Heergans.


Heergeräth (W3) [Adelung]


Das Heergeräth, des -es, plur. inus. ein Collectivum, alles dasjenige Geräth zu bezeichnen, welches im Kriege, und zu dessen Führung erfordert wird, und wovon die Bagage oder das Gepäck, und das Heergewette nur einen Theil ausmacht; im Ripuarischen Gesetze Harireda. Oft wurde es ehedem auch von dem zur Ausrüstung eines einzelnen Kriegesmannes nöthigen Geräthe gebraucht.


Heergewette (W3) [Adelung]


Das Heergewette, des -s, plur. inus. die Kriegesrüstung eines Mannes, welche bey dessen Tode alle Mahl sein ältester Sohn oder nächste männliche Erbe zum voraus bekam; ingleichen das Recht, diese Rüstung, wohin auch die besten Kleider und Zierathen gerechnet wurden, zum voraus zu erben. Nieders. Herwedde. Die letzte Hälfte des Wortes ist das alte Gewette, bey dem Ottfr. Giwati, von Wad, Kleid, S. Gewand. Da bey der veränderten Kriegesverfassung die Sache selbst in vielen Provinzen abgeschaffet worden, so ist auch das Wort mit in Abgang gekommen, indem es nur noch in denjenigen Gegenden gehöret wird, wo dieses Recht bey Todesfällen noch gültig ist.


Heerholz (W3) [Adelung]


Der Heerholz, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme des Holzhähers, aus welchem Worte derselbe auch verderbt ist. S. Holzhäher.


Heerhorn (W3) [Adelung]


* Das Heerhorn, des -es, plur. die -hörner, eine ehemahlige, nunmehr aber veraltete Benennung einer Trompete, weil man sich derselben vornehmlich bey den Kriegesheeren bediente. In der Schweiz sind in einigen Cantons noch die Harschhörner üblich, welches Wort aus Heerhorn verderbt ist; obgleich diese Harschhörner von unsern hiesigen Trompeten noch verschieden sind.


Heerkraft (W3) [Adelung]


* Die Heerkraft, oder Heereskraft, plur. die -kräfte, ein veraltetes Wort, ein zahlreiches Kriegesheer zu bezeichnen. Ein Geschrey von Rossen, Wagen und großer Heerkraft, 2 Kön. 7, 6. Er wird daher ziehen mit großer Heerskraft, Dan. 11, 13, 25. Und Assa hatte eine Heerskraft, die Schilde und Spiese trugen, 2 Chron. 14, 8, und in andern Stellen mehr, wo in manchen Ausgaben bald Heerkraft, bald Heereskraft gelesen wird. S. Heermacht.


Heerkutsche (W3) [Adelung]


Die Heerkutsche, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme einer Landkutsche, welche nur Personen führet, weil sie deren viele fortbringen kann.


Heerlager (W3) [Adelung]


* Das Heerlager, des -s, plur. die -läger, das Lager eines Heeres, besonders eines Kriegesheeres; ein im Hochdeutschen gleichfalls in Abgang gekommenes Wort. Der Stank von eurem Heerlager, Amos 4, 10. Das Heerlager der Heiligen, Offenb. 20, 9. Ingleichen das Kriegesheer selbst, auch wenn es nicht im Lager stille lieget. Da zogen hinauf die fünf Könige - mit all ihrem Heerlager, Jos. 10, 5. Sie wurden geschlagen vor dem Herren und vor seinem Heerlager, 2 Chron. 14, 13.


Heerling (W3) [Adelung]


Der Heerling, S. Herling.


Heermacht (W3) [Adelung]


* Die Heermacht, plur. die -mächte, ein so wie Heerkraft im Hochdeutschen veraltetes Wort, ein zahlreiches Kriegesheer zu bezeichnen, welches noch 1 Chron. 21, 1, und Chron. 26, 13 vorkommt.


Heermeister (W3) [Adelung]


Der Heermeister, des -s, plur. ut nom. sing. der Meister, d. i. Oberste, Vorgesetzte eines Theiles eines Kriegesheeres. Besonders ist dieses Wort noch bey einigen kriegerischen Ritter-Orden üblich, wo die Vorgesetzten einer Provinz, welche bey andern Orden Land-Commenthur genannt werden, Heermeister heißen, weil sie die Ritter ihrer Provinz im Kriege anführen. Dergleichen ist der Heermeister des Johanniter-Ordens zu Sonnenburg. Daher heermeisterlich, demselben gehörig, das Heermeisterthum, dessen Würde, und Gebieth. Oft lautet dieses Wort auch Herrenmeister, entweder nach einer verderbten Aussprache, oder auch weil dergleichen Ritter gemeiniglich Herren genannt werden.


Heermoos (W3) [Adelung]


Das Heermoos, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden eine Benennung des Schaftheues, S. dieses Wort.


Heerpauke (W3) [Adelung]


Die Heerpauke, plur. die -n, eine Pauke, so fern sie bey einem Heere, und besonders einem Kriegesheere gebraucht wird. Da- her der Heerpauker, des -s, plur. ut nom. sing. der sie zierlich zu schlagen weiß.


Heerpfühl (W3) [Adelung]


Der Heerpfühl, des -es, plur. die -e, das Bett eines Soldaten im Kriege; ein in denjenigen Gegenden, wo das Heergewette noch gangbar ist, übliches Wort, ein bereitetes Bett nächst dem besten zu bezeichnen, welches das ältesten Sohne oder nächsten männlichen Erben eines Verstorbenen, als ein Theil des Heergewettes überlassen wird.


Heerrauch (W3) [Adelung]


Der Heerrauch, des -es, plur. inus. ein anhaltender, weit sich erstreckender trockner Nebel, welcher aus schwefeligen, oder noch nicht vollkommen aufgelöseten Dünsten bestehet, welche folglich die Luft undurchsichtiger machen als gewöhnlich. Der Sommer von 1783, wo der Dunstkreis durch die ungewöhnlichen heftigen Ausbrüche Feuer speyender Berge mit fremdartigen Theilen angefüllet war, zeichnete sich vorzüglich durch einen solchen anhaltenden Heerrauch aus. Er wird auch Sonnenrauch und Landrauch genannt. Die Bedeutung des Heer ist noch sehr dunkel. Der Heiderauch ist noch davon verschieden. S. dieses Wort.


Heerraupe (W3) [Adelung]


Die Heerraupe, plur. die -n. 1) Ein Nahme derjenigen Raupen, welche in ungewöhnlicher Menge, gleichsam in Heeren, von einem Orte zum andern ziehen. 2) Der Heerwurm, S. dieses Wort.


Heers (W3) [Adelung]


Der Heers, eine Pflanze, S. Gersch.


Heerschar (W3) [Adelung]


* Die Heerschar, plur. die -en, ein im Hochdeutschen ungewöhnlich gewordenes Wort, eine Schar, d. i. einen verbundenen Haufen eines Heeres, besonders eines Kriegesheeres, zu bezeichnen; ein Detachement, eine Legion, ein Regiment. In der Deutschen Bibel wird es im Plural häufiger von einer großen Menge verbundener Geschöpfe, besonders aber auch von einem Kriegesheere gebraucht. Bey dem Notker Harnscharon, bey dem Ottfried Heriscaf, im Schwed. und Dän. Haarskara.


Heerschatz (W3) [Adelung]


Der Heerschatz, des -es, plur. inus. an einigen Orten, die Lehenwaare von einem erkauften Bauergute, welche an andern Orten der Handlohn, die Anfahrt, der Leihkauf, das Pfundgeld u. s. f. genannt wird. Das Wort ist ohne Zweifel aus Ehrschatz verderbt, welches in dieser Bedeutung gleichfalls üblich ist. S. dasselbe.


Heerschau (W3) [Adelung]


Die Heerschau, oder Heerschauung, plur. die -en, ein Oberdeutsches in Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, die Musterung oder feyerliche Besichtigung eines Kriegesheeres zu bezeichnen; Franz. die Revue.


Heerschild (W3) [Adelung]


Der Heerschild, des -es, plur. die -e, ein in den neuern Zeiten gleichfalls ungangbar gewordenes Wort. 1) Ein Schild, so fern man sich desselben ehedem im Kriege bedienete; in welchem Verstande es mit der Sache selbst längst veraltet ist. 2) In dem Deutschen Staatsrechte bezeichnete dieses Wort ehedem die Classe, die angeborne Würde der Ritterschaft, deren jede Classe sich durch Schild oder Wapen von der andern unterschied. Es gab sieben solcher Heerschilde oder Classen, wovon es in dem Schwabenspiegel Kap. 3 heißt: Dis ist von den siben herschilten - Der Künig hebt (hat) den ersten herschilt, Bischoeff und Aebt und die Aebtissin, die da gefürstet sint, die hebent alle den andern herschilt. Die Layen fürsten den dritten. Die Frienherren den vierden. Die Mitternfrien den fiunften. Dienstman den sechsten - Den sibenten herschilt hebt ain ieglich man, der nyt aigen ist, und ain Ehkint ist. Man glaubt, daß diese Eintheilung erst zu den Zeiten der Kreuzzüge aufgekommen; allein da das Wort Arascild schon in einem ähnlichen Verstande in dem Longobardischen Gesetze vor- kommt, so muß sie wohl älter seyn. S. des du Fresne Glossar. v. Heereschild.


Heerschnepfe (W3) [Adelung]


Die Heerschnepfe, plur. die -n, ein Nahme der Feldschnepfe, Scolopax Klein entweder, weil sie ihre Züge in großen Scharen oder Heeren anstellet; oder weil sie sehr hoch flieget, daher sie auch Himmelsziege genannt wird, in welchem Falle dieses Wort Hehrschnepfe geschrieben werden müßte, S. Hehr; oder auch, für Herrenschnepfe, welchen Nahmen sie wegen ihres schmackhaften Fleisches gleichfalls führet. S. Feldschnepfe. Die Haarschnepfe ist von ihr noch verschieden, ( S. dieses Wort,) obgleich beyde im gemeinen Leben häufig verwechselt werden.


Heerskraft (W3) [Adelung]


Die Heerskraft, S. Heerkraft.


Heerspitze (W3) [Adelung]


* Die Heerspitze, plur. die -n, ein veraltetes Wort, die Spitze eines in Schlachtordnung gestellten Kriegesheeres, ingleichen das ganze in eine spitzige Schlachtordnung gestellte Kriegesheer selbst zu bezeichnen. Schröcklich wie die Heerspitzen, Hohel. 6, 3, 9.


Heersteuer (W3) [Adelung]


Die Heersteuer, plur. die -n, ein nur noch in einigen Gegenden übliches Wort, die Kriegessteuer zu bezeichnen, d. i. diejenige Steuer, welche zum Behufe eines Krieges gefordert und bewilliget wird. Ingleichen diejenige Steuer, womit sich ein Vasall oder Unterthan von den persönlichen Kriegesdiensten befreyet, und welche bey adeligen Vasallen gemeiniglich das Ritterpferd genannt wird.


Heerstraße (W3) [Adelung]


Die Heerstraße, plur. die -n, eine breite Straße durch ein Land, auf welcher ein Kriegesheer bequem fortkommen kann; die Landstraße, so fern sie durch ein ganzes Land, oder aus einem Lande in das andere gehet. Angels. Herestraet, Schwed. Haerstrat, im mittlern Lat. Herestrata.


Heervolk (W3) [Adelung]


* Das Heervolk, des -es, plur. die -völker, ein veraltetes Wort, ein Kriegesheer, ingleichen Kriegesvölker oder Truppen zu bezeichnen, welches noch 1 Sam. 16, 5, 1 Chron. 8, 4, Nahum. 2, 4 vorkommt.


Heerwagen (W3) [Adelung]


Der Heerwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur noch in einigen Gegenden übliches Wort. 1) Ein jeder bey einem Kriegesheere befindlicher Wagen; daher ehedem so wohl die Rüst- und Munitions-Wagen, als auch die Ritterwagen, die Wagen, aus welchen eine Wagenburg geschlossen wurde, u. s. f. Heerwagen genannt wurden. 2) Ein Bezirk von gewissen Dorfschaften oder Unterthanen, welche in Kriegeszeiten einen Heerwagen stellen und unterhalten müssen. So sind die Amts-Dorfschaften in Sachsen in Ansehung der Frohnen noch jetzt in gewisse Heerwagen eingetheilet. Zu dem Pflügischen Heerwagen befanden sich 1745 in sechs Dörfern 147 Pferde. 3) Der Wagen am Himmel, Arcturus, wurde ehedem gleichfalls der Heerwagen genannt.


Heerwurm (W3) [Adelung]


Der Heerwurm, des -es, plur. die -würmer, eine Art kleinen sprenkligen Ungeziefers, wie Maden, mit schwarzen Köpfen, welche sich oft zwey Ellen lang an einander anhängen, und in dieser Gestalt als ein scheckiges starkes Seil auf den Heerstraßen fortziehen; die Heerraupe. Der Pöbel weißaget aus ihrer Erscheinung Krieg und Kriegesgeschrey.


Heerzug (W3) [Adelung]


* Der Heerzug, des -es, plur. die -züge, ein veraltetes Wort, den Zug eines Heeres, besonders eines Kriegesheeres, Franz. Marche, zu bezeichnen.


Hefen (W3) [Adelung]


Die Hefen, sing. inus. dasjenige bey einem flüssigen Körper, was durch die Gährung in die Höhe getrieben wird, und sich hernach zu Boden setzet. Bierhefen, Weinhefen, welche auch die Mutter genannt werden. In weiterer Bedeutung wird auch der Bodenfaß eines jeden flüssigen Körpers, auch wenn es nicht durch die Gährung niedergeschlagen worden, die Hefen genannt. Daher denn der Bodenfaß des Öhles auch unter dem Nahmen der Öhlhefen bekannt ist. Bey den Bierhefen unterscheidet man die Gohre, Gäscht, Oberhefen oder Spundhefen, welche in der Gährung oben ausgestoßen werden, und die Unterhefen, Stellhefen oder Backhefen, welche sich nach der Gährung auf den Boden setzen. Das Bier, den Wein, auf den Hefen liegen lassen, ihn von den Hefen ziehen. Etwas bis auf die Hefen austrinken. Die Hefen trinken, figürlich, die unangenehmen Folgen einer Sache empfinden. Die Hefen austrinken müssen, figürlich, eine Strafe nach aller ihrer Schwere empfinden müssen. Auf die Hefen kommen, auf den Hefen sitzen, auf das Äußerste gekommen seyn, nicht weiter können. Nun sitzen wir mit unsrer Weisheit auf den Hefen, Weiße. Er wird nun wohl auch auf die Hefen gekommen seyn, Less. Auf seinen Hefen stille liegen, figürlich, in Ruhe und Sicherheit leben, Jer. 48, 11; Zeph. 1, 12. Figürlich sind die Hefen des Volkes die geringsten, schlechtesten Glieder eines Staates oder eines Volkes.

Anm. Obgleich dieses Wort im Hochdeutschen im Plural am häufigsten ist, so ist doch der Singular nicht ganz ohne Beyspiel. Ein Mahl darinnen keine Hefen ist, heißt es Es. 25, 6. In der Oberpfalz ist die Hefe nur allein im Singular üblich. Das Wort stammet von dem Zeitworte heben ab, welches ehedem hefan lautete, weil die eigentlichen Hefen nicht nur in der Gährung in die Höhe gehoben werden, sondern auch andere, besonders flüssige Körper zum Aufblähen und zur Gährung bringen. Aus eben diesem Grunde wird auch der Sauerteig im Oberdeutschen Hebel und Hefel genannt, wo hebeln auch für säuern üblich ist. Die gleichbedeutenden Wörter von Hefen bestätigen diese Ableitung, wohin das in den gemeinen Mundarten gehörige Bärme, welches mit dem Latein. Fermentum überein kommt, von dem alten bären, beben, das Oberdeutsche Gärm, Germ, Görm, Baier. die Gerben, von gähren, das Österreich. Urhab, Ura, Nura, und andere mehr gehören; S. auch Sauerteig. In Steiermark werden die Hefen Gleger, von legen, genannt.


Hefenbrot (W3) [Adelung]


Das Hefenbrot, des -es, plur. inus. Brot, welches anstatt des Sauerteiges mit Hefen zum Aufheben gebracht worden, und in Pommern Pamel genannt wird, S. dieses Wort.


Hefener (W3) [Adelung]


Der Hefener, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, derjenige, welcher Wein- und Bierhefen zusammen kauft, und solche entweder verbraucht oder wieder verhandelt.


Hefenkuchen (W3) [Adelung]


Der Hefenkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Hefenküchlein, ein jeder Kuchen, welcher mit Bierhefen zur Gährung gebracht worden. In Nürnberg werden besonders die Pfann- oder Eyerkuchen Hefenküchlein genannt, weil sie daselbst auf eben diese Art zubereitet werden.


Hefenstück (W3) [Adelung]


Das Hefenstück, des -es, plur. die -stücke, bey den Bäckern, Mehl, welches mit Bierhefen zu einem Teige gemacht worden, und bey den Semmeln anstatt des Sauerteiges dienet.


Heficht (W3) [Adelung]


Heficht, adj. et adv. den Hefen ähnlich, nach Hefen schmeckend. Hefig, Hefen habend, von Hefen trübe. Beyde kommen im Hochdeutschen selten vor.


Heft (W3) [Adelung]


1. Das Heft, des -es, plur. die -e, Diminut. das Heftchen, Oberd. Heftlein, derjenige Theil eines Werkzeuges, wobey man dasselbe angreifet und handhabet; der Stiel, die Handhabe, der Griff. Das Heft eines Degens, derjenige Theil des Gefäßes, wobey man denselben angreifet; zuweilen auch das ganze Gefäß, wie Richt. 3, 22. Das Heft eines Messers, einer Ahle, eines Meißels. Eine Sache bey dem Hefte angreifen, an ihrem gehörigen Orte, das gehörige und schicklichste Verfahren beobachten. S. Stiel wo dessen Unterschied von Heft gezeiget werden wird.

Anm. Im Nieders. Hecht, im Engl und Pohln. Haft, im Dän. Hefte, im Angels. Haeft. Es stammet zunächst von haben her, so fern es ehedem halten bedeutete und auch heben geschrieben wurde. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Heft. Im Oberdeutschen lautet es an einigen Orten Haft. Gottsched wollte es Häft geschrieben wissen; allein alsdann müßten auch heben, Hefen, heftig und hundert andere dieser Schreibart folgen.


Heft (W3) [Adelung]


2. Das Heft, des -es, plur. die -e, Diminut. das Heftchen, Oberd. Heftlein und zusammen gezogen Heftel. 1. Ein Werkzeug, vermittelst dessen zwey Dinge zusammen geheftet werden, doch nur in einigen einzelnen Fällen. 1) Die Stecknadeln werden im Oberdeutschen häufig Heftel genannt, daher auch die Nadler in Nürnberg Heftleinsmacher heißen. 2) Ehedem waren, besonders im Oberdeutschen, Hefte, Heftlein oder Heftel, gespaltene dünne Spangennadeln, gewisse Theile der Kleidungsstücke damit zusammen zu heften, da sie denn zugleich einen Theil das Frauenzimmerputzes ausmachten. Zu der Zeit wird der Herr den Schmuck - wegnehmen, und die Hefte und die Spangen, Es. 3, 18. 3) Ein kleiner krumm gebogener Haken von Draht mit zwey Öhren an einem Ende, der an diejenigen Dinge genähet wird, die man auf solche Art an einander hängen will, da denn dieses Heft in eine Schlinge oder ein Öhr von Draht eingreift. In Niedersachsen wird dieses Heft der Haken, und die Schlinge die Öhse genannt. In einigen Oberdeutschen Gegenden heißen beyde Stücke der Mönch und die Nonne. Die Hefte an der Stiftshütte, 2 Mos. 26, 6, 11, 33 waren vermuthlich von dieser Art. 4) Bey den Jägern sind die Heftel starke unten zugespitzte Pflöcke, woran man die Leinen der Tücher und Netze, wenn sie gestellet werden, anbindet und befestiget. S. Heftel. 2. Dasjenige, was zusammen geheftet ist. In diesem Verstande pflegt man einen oder mehrere Bogen zusammen geheftetes Papieres sehr häufig ein Heft zu nennen. S. Heften, von welchem es zunächst abstammet. In einigen Gegenden ist auch dieses Wort männlichen Geschlechtes, der Heft. Im Oberdeutschen lautet es sehr oft Haft, S. 2 Haft.


Hefte (W3) [Adelung]


Die Hefte, plur. die -n, die Handlung des Heftens; ein nur im Weinbaue übliches Wort, das Anheften oder Anbinden der Weinreben an die Pfähle zu bezeichnen. Die erste Hefte geschiehet gleich nach der Breche im Junio, die andere aber gleich nach der andern Hacke. S. Heften.


Hefteisen (W3) [Adelung]


Das Hefteisen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Glasmachern, ein langes, rundes, gerades Eisen, mit einem eben so langen hölzernen Stiele, womit sie ein wenig geschmelztes Glas aus dem Ofen nehmen, die andern halb verfertigten Gläser damit gleichsam anzuheften oder zu befestigen.


Heftel (W3) [Adelung]


Das Heftel, des -s, plur. ut nom. sing. das Diminut. von Heft, für Heftlein, S. 2. Heft. Bey den Jägern wird es gemeiniglich im männlichen Geschlechte gebraucht, der Heftel, der Hauptheftel, Spannheftel u. s. f. Alsdann ist es freylich nicht das Diminutivum, sondern die Endung - el ist alsdann das Merkmahl eines Werkzeuges. S. -El.


Hefteln (W3) [Adelung]


Hefteln, verb. reg. act. das Diminut. des folgenden, mit kleinen Heften oder Hefteln befestigen. S. das folgende.


Heften (W3) [Adelung]


Heften, verb. reg. welches das Factitivum von dem Neutro haften ist, haften machen. 1. Eigentlich, wo es durch den Gebrauch auf verschiedene einzelne Fälle eingeschränket worden, wo es zum Theil nur eine Befestigung auf kurze Zeit bezeichnet. 1) Mit Nägeln befestigen. Die Tischler heften eine Leiste, wenn sie selbige anleimen, und inzwischen bis der Leim bindet, mit einigen Nägeln befestigen. Die Philister hefteten Sauls Schedel an das Haus Dagon, 1 Chron. 11, 10. Und heftetens (das Blech) mit Nägeln, daß es nicht sollte wackeln, Es. 41, 7. Christus ward an das Kreuz geheftet. 2) Mit Stecknadeln befestigen; wo es besonders im Oberdeutschen für anstecken üblich ist, daher die Stecknadeln auch daselbst Heftel genannt werden. Eben daselbst sind auch die Diminut. hefteln, anhefteln, abhefteln, zuhefteln u. s. f. für anstecken, abstecken, zustecken üblich. 3) Vermittelst eines Bandes, für anbinden. So wird in dem Weinbaue der Wein geheftet, wenn die Weinreben und Schosse mit Stroh an die Pfähle gebunden werden. S. Hefte. 4) Durch Hefte und Schlingen, oder Haken und Öhren, wo besonders die Zusammensetzungen anheften, aufheften, abheften, zuheften u. s. f. üblich sind. 5) Am häufigsten gebraucht man es von der Befestigung durch Nähen, wo man es theils für nähen überhaupt gebraucht. Und sollt zween Ringe an den Leibrock heften, V. 27. So heften auch die Buchbinder die Bogen, wenn sie selbige auf der Heftlade mit Zwirn oder Seide an einander befestigen. Jemanden etwas auf den Ärmel heften, oder ihm etwas aufheften, seine Leichtgläubigkeit mißbrauchen, ihn einer Unwahrheit bereden. Theils von dem Nähen mit weiten Stichen, zwey Dinge nur auf einige Zeit mit einander zu befestigen, welches bey den Schneidern auch anschlagen, in Niedersachsen aber rijen, rigen, reihen, anreihen, genannt wird. So werden zwey Stücke Zeuges, welche zusammen genähet werden sollen, zuvor geheftet. Auch die Wundärzte heften auf ähnliche Art die Wunden, damit die getrennten Theile zusammen wachsen. 2. Figürlich. Seine Augen auf etwas heften, sie auf eine anhaltende Weise auf etwas richten. Augen die oft schmachtend auf die seinigen geheftet sind. Er sagts und heftete mit trauriger Geberde Den Supplicanten-Blick voll Thränen auf die Erde, Zachar. So auch seine Gedanken, seine Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand heften. Man flattert von einem Gegenstande zum andern, ohne sich auf irgend einen heften zu können. Das Hauptwort die Heftung ist nur in den Zusammensetzungen üblich. Doch kommt es auch in dem einfachen Worte zuweilen im figürlichen Verstanden vor.

Anm. Schon in dem übersetzten Isidor heftan, bey dem Ottfried aber haftan, im Nieders. und Holländ. hechten, im Schwed. haefta, im Isländ. hefta. Aus dem erstern erhellet zugleich, daß es ehedem in einem viel weitern Umfange der Bedeutung üblich gewesen, weil daselbst heftida auur zi so viel ist, als er fügte von neuen hinzu, und in Boxhorns Glossen wird heftan durch nectere erkläret. Bey dem Tschudi bedeutet heften in Verhaft nehmen. Diejenigen, welche dieses Wort und dessen Ableitungen häften schreiben wollen, weil das Neutrum haften ein a hat, bedenken nicht, daß das Neutrum und Activum in vielen andern Fällen auf ähnliche Art unterschieden sind; z. B. hangen und henken, laben und leben, prallen und prellen, darben und verderben; schallen und schellen, nassen und netzen, schwanken und schwenken u. s. f.


Heftfaden (W3) [Adelung]


Der Heftfaden, des -s, plur. die -fäden, ein Faden, womit zwey Stücke Zeuges geheftet, d. i. verloren zusammen genähet werden; Nieders. Rijdraht.


Hefthaken (W3) [Adelung]


Der Hefthaken, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Buchbindern, eiserne Haken an der Heftlade mit Flügelschrauben, welche die Schnüre oder Streifen, worauf ein Buch geheftet wird, halten.


Heftig (W3) [Adelung]


Heftig, -er, -ste, adj. et adv. einen hohen Grad der innern Stärke habend, und bemühet, denselben thätig zu erweisen, ingleichen in dieser Eigenschaft gegründet. 1) Überhaupt. Ein heftiges (großes) Feuer, Es. 64, 2. Die Ströme werden sich heftig ergießen, Weish. 5, 23. Eine Stadt heftig stürmen 1 Macc. 15, 25. Als die Schlacht am heftigsten war, 2 Macc. 10, 29. Die Hitze ist so heftig, daß niemand dauern kann. Eine heftige Kälte. Das schmerzet mich überaus heftig. Ein heftiges Fieber. In dem heftigsten Sturme, Regen, Ungewitter. Ein heftiger Anfall. Eine Sache auf das heftigste vertheidigen. Heftig bitten. Der Trieb zur Einsamkeit ist weit heftiger, als der Trieb zum gesellschaftlichen Leben. Besonders von Leidenschaften und Gemüthsbewegungen. Eine heftige Liebe. Jemanden auf das heftigste lieben. Heftig weinen. Ein heftiger Zorn. Eine heftige Begierde. Zu heftig oder zu wenig begehren und verabscheuen ist ein innerlicher Krieg unsers Willens mit dem Verstande, Gell. 2) In engerer Bedeutung, zu starken Gemüthsbewegungen und Leidenschaften geneigt, und in dieser Neigung gegründet. Er ist ein sehr heftiger Mann. Eine heftige Natur, ein heftiges Temperament haben. Ich ward bey dem Streite warm und sogar heftig.

Anm. Im Dän. heftig, im Schwed. heftig. Die wahre Abstammung dieses Wortes ist noch ungewiß, weil mehrere Wörter, und wie es scheinet, mit ziemlich gleichem Rechte darauf Anspruch machen können. Bey dem Ottfried, Notker und Tatian kommt das Wort hebig vor, welches daselbst schwer, groß, wichtig, heftig bedeutet, zu dem Zeitworte heben gehöret, und das Stammwort von unserm erheblich ist. Das Angels. hefig, Nieders. hevig, und Engl. heavy bedeuten gleichfalls wichtig, schwer, groß, heftig, sehr. Daher Wachter unser heftig mit verzüglicher Wahrscheinlichkeit von diesem hebig ableitet. Frisch lässet es zunächst von heften abstammen, und erkläret es, woran man als geheftet ist. Ihre siehet das Isländ. Heipt, Zorn, Muth, als das Stammwort an, und wird darin von der Nieders. Mundart unterstützet, wo eine hatske Kälte eine heftige Kälte bedeutet, von Haat, Haß. Allein da heftig nicht bloß auf den Zorn allein eingeschränket ist, das Isländ. Heipt auch allem Ansehen nach zu dem Nieders. Haat, Haß, und mit demselben zu Hitze gehöret, so scheinet Wachters Ableitung den Vorzug zu verdienen. Luthers Oberdeutsches heftiglich ist im Hochdeutschen veraltet.


Heftigkeit (W3) [Adelung]


Die Heftigkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Sache, da sie heftig ist. 1) Überhaupt, die Eigenschaft, da sie einen hohen Grad der innern Stärke hat, und denselben an den Tag zu legen bemühet ist. Die Heftigkeit der Kälte, der Hitze, des Zornes, der Freude, der Liebe, des Hasses, der Begierde u. s. f. Die Geduld ermüdet oft unter der Heftigkeit der Schmerzen, Gell. 2) Besonders die Neigung zu starken Gemüthsbewegungen und Leidenschaften. Schreiben sie es ihrer eigenen Heftigkeit zu.


Heftlade (W3) [Adelung]


Die Heftlade, plur. die -n, bey den Buchbindern, ein Bret, mit zwey Schrauben und einem Querbalken, worin die Bücher geheftet werden.


Heftnadel (W3) [Adelung]


Die Heftnadel, plur. die -n, eben daselbst, eine lange Nähnabel, die Bücher damit zu heften. Auch die Wundärzte und Zergliederer haben gekrümmte Heftnadeln, die Wunden und gewisse Theile des Leibes damit zusammen zu heften.


Heftpulver (W3) [Adelung]


Das Heftpulver, des -s, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. eben daselbst, ein Pulver, die Theile einer Wunde damit an einander zu kleiben.


Heftscharte (W3) [Adelung]


Die Heftscharte, plur. die -n. 1) Im Weinbaue, der Stiel oder das Heft an dem Weinmesser. 2) Bey den Faßbindern, die Bänder von Weiden, womit die Enden der Reise zusammen gebunden werden, und welche auch Heftspäne heißen. In beyden Fällen von dem Oberd. Scharte, ein Stück, S. dieses Wort.


Heftspan (W3) [Adelung]


Der Heftspan, des -es, plur. die -späne, S. das vorige.


Heftstrick (W3) [Adelung]


Der Heftstrick, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, ein Seil, womit das Holz, wenn es in die Grube gelassen werden soll, zusammen gebunden wird, und welches, wenn es von Eisen ist, ein Schurz heißt.


Hege (W3) [Adelung]


Hege, ein hölzerner Hammer, S. Heye.


Hegen (W3) [Adelung]


Hegen, S. Hägen.


Heger (W3) [Adelung]


Der Heger, S. Häger.


Heher (W3) [Adelung]


Der Heher, S. Häher.


Hehl (W3) [Adelung]


* Hehl, ein im Hochdeutschen veraltetes unabänderliches Hauptwort, welches selbst ehedem nur in einigen Fällen üblich war, wo es die Gestalt eines Nebenwortes hat. Es bedeutet die Verborgenheit, den Zustand, da eine Sache verborgen ist, oder im Verborgenen geschiehet. Ihr Wesen hat sie kein Heel, Es. 3, 9., sie verhehlen es nicht. Vor einem Fremden thue nichts, das dich heel hat, welches du zu verbergen, folglich dich dessen zu schämen Ursache hättest, Sir. 8, 21. Es sollte mich nicht Heel haben zu bekennen, Luth. ich wollte kein Bedenken tragen, mich nicht schämen zu bekennen. Auf ähnliche Art sagt man noch jetzt, es hat mich Wunder, für es wundert mich. In Obersachsen höret man noch zuweilen im gemeinen Leben, er hat es auch keinen Hehl, er verhehlet es nicht. Im Nieders. lautet dieses Wort Haal. In dem Haale wesen, bedeutet daselbst, ein Geheimniß seyn, und in Bremen schwören die neu erwählten Rathsherren: Wat mi in Haale (in geheim) segt word, will ik in Haale holen. Die Unwissenheit der Abstammung hat es vermuthlich gemacht, daß man dieses Wort bald Heel, bald Häl, bald auch Hähl und Höhl geschrieben. S. das folgende.


Hehlen (W3) [Adelung]


* Hehlen, verb. reg. act. außer dem Mittelworte, wo es so wohl gehohlen als gehehlet hat. Es ist im Hochdeutschen völlig veraltet, wo es durch das zusammen gesetzte verhehlen verdränget worden, welches siehe. Hier wird es nur um der Abstammung und ursprünglichen Bedeutung willen angeführet. Es lautet bey dem Übersetzer Isidors im Mittelw. chiholan, bey dem Kero helan, bey dem Ottfried hilan und halan, im Schwabensp. hilen, bey den Schwäbischen Dichtern helen, alles für verschweigen, verborgen halten, nicht bekannt werden lassen; womit auch das Dän. häle, das Angels. helan, das Nieders. holken, das Schwed. haela und das Lat. celare, occulere und occultare, überein kommen. Ursprünglich bedeutete dieses Wort bedecken, wie noch jetzt das Isländ. haela, das Engl. to hill, das Deutsche hüllen und das ehemahlige Goth. haljan. S. Hülle, Höhle, Hölle u. s. f. welche insgesammt aus dieser Quelle geflossen sind. Durch eine sehr gewöhnliche Verwechselung der Hauch- und Blaselaute gehören auch Fell, das Lat. Vellus, Velum, velare u. s. f. dahin. Gottsched wollte es höhlen geschrieben wissen, weil das verwandte Höhle ein ö hat. Mit eben dem Rechte hätte er es auch hählen, hihlen und hühlen schreiben können, weil auch diese Selbstlaute sich in dem Geschlechtsregister dieses Wortes finden. Man wird nicht leicht ein altes Stammwort haben, welches nicht in seinen Ableitungen durch alle Selbstlaute durchgegangen wäre. Was würde für Verwirrung entstehen, wenn man eine alte hergebrachte Sprech- und Schreibart nach solchen Mustern ändern wollte!


Hehler (W3) [Adelung]


Der Hehler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Hehlerinn, plur. die -en, eine Person, welche eine strafbare Sache, besonders eine gestohlene Sache, geflissentlich verhehlet. Der Hehler ist so gut, wie der Stehler. Im Nieders. Holker, im Dän. Häler, im Schwed. Haelare, im Wallis. Celewr, Lat. Celator.


Hehr (W3) [Adelung]


* Hehr, adj. et adv. welches im Hochdeutschen völlig veraltet ist, aber in den Schriften der mittlern Zeiten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes noch häufig vorkommt. Es bedeutet eigentlich hoch und gehöret zu dem Geschlechte des ar, er, or, welches in diesem Verstande in allen Europäischen Sprachen vorkommt; S. 5 Er, Ehre, Herr, Ur und Vor. Im figürlichen Verstande bezeichnet es, 1) erhaben, der Würde, dem Vorzuge nach; daher die hohe Messe ehedem mehrmahls die Hehrmesse genannt wurde. Manige bischof also herin, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno V. 104. Heilig und her ist sein Nahme, Ps. 111, 9; wo es Luther durch schrecklich, furchtbar erkläret. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Held, scheinet damit verwandt zu seyn. 2) Heilig, wo es mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein kommt. Der here Nahmen Jesu Christ; Mechtildis die here, in den Scriptor. Brunsuic. bey dem Frisch. 3) Werth, lieb, theuer. Suesse minnetwing die heren Das sie erkenne minen senden pin, Walther v. Klingen. Wil die vil here das ich vro beste, Markgr. Heinrich von Weißen. 4) Froh, vergnügt; in welchem Verstande auch heer im Niedersächsischen üblich ist. Diu machet mich so rehte her, Reinmar der Alte. Mehrere Beyspiele führen Frisch v. Hehr und Schilter v. Her an, woraus zugleich erhellet, daß so wohl ehe, eher, als Ehre, Herr, Herrlich und andere mehr von diesem alten Worte abstammen.


Heide (W3) [Adelung]


1. Die Heide, plur. inus. ein besonders in Niedersachsen übliches Wort, das Werrig von dem Hanfe und Flachse zu bezeichnen, S. Hede. Ein anderes Niedersächsisches mit diesem gar nicht verwandtes Wort ist Heide, so fern es etwas bedeutet, welches man zusammen sparet und verstecket. Eine Heide Äpfel oder Birnen, Äpfel oder Birnen, welche man sammelt und heimlich aufhebet. In dem Bremisch-Nieders. Wörterbuche wird es sehr wahrscheinlich von höden, hüden, hüthen, oder auch von hägen, sparen, abgeleitet.


Heide (W3) [Adelung]


2. Die Heide, plur. inus. eine Pflanze, welche viele holzige, harte, braunrothe Stängel und eine Menge Blätter treibet, welche den Tamarisken-Blättern gleichen, und beständig grün bleiben; Erica L. besonders dessen Erica vulgaris, welche bey uns an unfruchtbaren Örtern, besonders auf den dürren Heiden in großer Menge wächset, und auch Heidekraut, in Niedersachsen auch Brüsch genannt wird. Nieders. Heide, Heede, Heen, Angels. Haeth, Engl. Heath. Vermuthlich hat diese Pflanze den Nahmen von ihrem gewöhnlichsten Aufenthalte; d. i. den unfruchtbaren Heiden, da denn der Nahme Heide aus Heidekraut verkürzet seyn würde; obgleich andere es umdrehen und die Heiden von dieser Pflanze benannt wissen wollen. Indessen stehet es noch dahin, ob nicht die verworren unter einander gewachsenen Stängel zu dessen Benennung Anlaß gegeben, da denn der Deutsche Nahmen der Heide, zu dem Nieders. Heide oder Hede, ( S. Hede,) der Latein. Nahme Erica aber zu unserm Werrig, Werk gehören würde. Auch der wilde Roßmarin, Porsch, Post oder Mutterkraut, welcher in den Sümpfen wächset, Ledum palustre L. wird in einigen Gegenden weiße Heide genannt.


Heide (W3) [Adelung]


3. Die Heide, plur. die -n, ein sehr altes Wort, welches ehedem so wie das heutige Feld oder Land den Städten und bewohnten Örtern entgegen gesetzet wurde, in welcher jetzt veralteten Bedeutung es in den ältesten und mittlern Zeiten noch häufig vorkommt. So bedeutet Haithi bey dem Ulphilas das Feld; wie Matth. 6, 28, Blomans haithjos, die Blumen des Feldes; V. 30, Havihaithjos, das Heu des Feldes; Marc. 1, 6, Milith haithivisn, wildes Honig. So auch bey den Schwäbischen Dichtern, wo es häufig für Flur gebraucht wird. Wie ich danne sunge von den vogellinen Von der Heide und von den bluomen, Walther von der Vogelweide. Eine schoene wol gezieret Heide Dar aber man bluomen bricht wunder, ebend. Da singe ich von der Heide und von dem gruenen kle, der von Singenberg. Und so in vielen andern Stellen mehr, wovon einige auch die folgende Bedeutung eines Waldes leiden. Über Heide und über Wiese, hieß ehedem so viel als über Stock und Stein, über Berg und Thal. Noch jetzt heißt im Niedersächsischen Heide und Weide in verschiedenen sprichwörtlichen R. A. so viel als alles mit einander, wo es in Hamburg Hey und Wey lautet; einem Heide und Weide vorrücken, alle genossene Wohlthaten. Auch im Wallis. bedeutet Haithio den Acker. S. Heideschwamm. In dieser weitern Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet, wo man es nur noch in folgenden zwey Fällen gebraucht, welche Überbleibsel derselben zu seyn scheinen. 1) Ein großer mit Tangel- oder schwarzem Holze bewachsener Wald, in welchem Verstande es in Ober- und Niedersachsen häufig ist. In dem Sachsenspiegel heißt es B. 2, Art 61: Drey Heiden sint binnen Sachsen, do den wilden thieren fride gemacht ist by Königsbann, ane den beeren, wolffen, füchsen. Die Heiden heissen Bannförste. daz eyne ist die Heide zv Koyne. der ander ist der Harz. der dritte die Meideheide. Die Dübensche Heide, die Torganische Heide, sind noch jetzt in Sachsen bekannt und ansehnliche Wälder, so wie die Brandsheide, im Zerbstischen, die Gardelegische Heide in der Altmark, die Mosikauer und Qualendorfische Heide im Dessauischen u. a. m. Indessen gebraucht man doch in der edlen Schreibart statt dieses Ausdruckes lieber das Wort Wald, ungeachtet es auch an Beyspielen des Gegentheiles nicht fehlet. Gehabt euch wohl ihr Nymphen in der Heide, O Pan, ich muß von dir, Opitz. Nur der güldne Hämmerling sitzt im Haselgebüsche Auf dem schwankenden Ast, und singt den ruhigen Heiden Stets eintönig sein Lied, Zachar. Im als Schwedischen war Id, Ed gleichfalls ein Wald. S. Hain, welches vielleicht mit diesem Worte verwandt ist. 2) Ein unfruchtbares ebenes Feld, welches ungebauet lieget, weil es weder Getreide noch brauchbares Gras, sondern nur Heidekraut, Geniste und anderes Gesträuch träget, und in Obersachsen eine Lehde, in Oberdeutschland eine Ägerte, Egerte, Egde, (vielleicht von Ericetum, und dieß von Erica, Heidekraut,) und in Rußland eine Steppe genannt wird. Im Nieders. gleichfalls Heide, wo vornehmlich die Lüneburgische Heide, so wie die Rastätter Heide in der Markgrafschaft Baden, in diesem Verstande bekannt sind. Der wird seyn, wie die Heide in der Wüsten, Jer. 17, 6; Kap. 48, 6. David war in der Wüsten Siph in der Heide, 1 Sam. 23, 15, 19. Wie der Löw. das Wild frißt in der Heide, Sir. 13, 23. Im Angels. Haeth, im Engl. Heath, im Schwed. Hed, im Dän. Heede. Wachter leitet es in dieser Bedeutung von haed, ha, hoch, ab, und will, daß es eigentlich ein hoch gelegenes Land bedeute; andere von dem Heidekraute, S. 2 Heide. Man könnte auch leicht auf das Deutsche Ode fallen, wenn es nicht glaublicher wäre, daß es in diesem Verstande ein Überrest der allgemeinen Bedeutung eines Feldes, im Gegensatze der bewohnten Städte und Örter wäre. Werden doch von unserm Deutschen Land wüste und unbebauete Gegenden im Französischen les Landes und im Ital. le Lande genannt, wenn nicht diese Wörter durch das von nieselnden Mundarten eingeschobene n aus unserm Lehde gebildet worden. S. dasselbe. Auf der Insel Madagascar heißt eine Wüste gleichfalls Heta.


Heide (W3) [Adelung]


4. Der Heide, des -n, plur. die -n, Fämin. die Heidinn, plur. die -en, eine Person, welche außer der Erkenntniß des wahren Gottes lebet, ein Ungläubiger im weitern Verstande; daher im alten Testamente alle Völker außer den Juden, heut zu Tage aber alle außer den Juden, Christen und Türken, Heiden genannt werden, ob man gleich in den mittlern Zeiten auch die Türken mit zu den Heiden zu zählen pflegte. In einigen Gegenden sind die Zigeuner unter dem Nahmen der Heiden in engerer Bedeutung bekannt. Auch ein noch ungetauftes Kind wird im gemeinen Leben ein Heide genannt, weil es noch nicht auf eine sichtbare Art in die Gemeinschaft des wahren Gottes aufgenommen ist. S. Heidenhaut und Heidenhaar. Anm. Man hat von diesem dunkeln Worte allerley Ableitungen versucht. Schilter leitet es von Heide, Hain, ain Wald, her, weil die abgöttischen Deutschen ihren Götzendienst vornehmlich in den Wäldern zu verrichten pflegten; Gudmund Andreä von dem alten Schwed. Heid, Reichtum, weil sie diesen als das höchste Gut verehret; Wachter von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; Frisch und andere von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welche Ableitung dadurch einigen Schein erhält, daß in dem Angelsächsischen Gesetze das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ausdrücklich durch Haethne gegeben wird, anderer Versuche zu geschweigen. Allein, wenn man die alte Schreibart dieses Wortes und dessen Gestalt in den verwandten Sprachen betrachtet, so wird man auf eine weit wahrscheinlichere Spur gerathen. Bey dem Ottfried heißt der Heide Heithiner, in den Monseeischen Glossen Heidaner, bey dem Notker, in dem Schwabenspiegel, bey den Schwäbischen Dichtern und fast bey allen Schriftstellern des mittlern Zeitalters, und selbst noch jetzt im Oberdeutschen der Heiden, im Engl. Heathen, im Holländ. Heyden, im Dän. und Schwed. Hedning, im Isländ. Heidin, im Goth. bey dem Ulphilas Haithns. Diese Endung -ner, ning und verkürzt -n, beweiset deutlich, daß unser Heide eigentlich ein abgeleitetes Wort ist, welches von Heide, das Feld, das Land, im Gegensatze der Stadt ( S. 3. Heide,) gerade auf eben die Art gebildet worden, wie das spätere Lat. Paganus von Pagus. Es ist bekannt, daß, als Constantin und dessen Söhne die Götzendiener aus den Städten verbanneten, sich diese auf das Land und in die Dörfer, in Pagos, begaben, und daselbst ihren Götzendienst in der Stille fortsetzten, daher sie von den Lateinischen Christen gegen das Ende des vierten Jahrhundertes Pagani genannt wurden. Als die Deutschen sich zur christlichen Religion bekannten, übersetzten sie nebst vielen andern christlichen Kunstwörtern auch dieses wörtlich, und nannten einen Götzendiener einen Heidener, einen Bewohner des flachen Landes, woraus mit der Zeit der Heiden, und noch kürzer der Heide geworden. Hieraus erhellet zugleich, woher das n in den übrigen Endungen außer der ersten kommt. In den mittlern Zeiten wurden in Schweden die Adeligen Hedin genannt; allein dieses Wort hat allem Ansehen nach einen andern Ursprung, und stammet mit unserm Adel vermuthlich von Aet, Geschlecht, her, so wie das mittlere Lat. Gentilis, von Gens, in eben dieser Bedeutung gebraucht wurde. Gottsched, der alle gleichlautende Wörter von verschiedener Bedeutung auch durch die Schreibart unterschieden wissen wollte, schrieb Hayde, ein Wald, Heide, ein unfruchtbares Stück Land, und Heyd, paganus; allein zum Unglücke war er in Ableitung der Wörter, die doch hier den Ton angeben sollte, fast alle Mahl unglücklich, daher diese und andere Neuerungen auch nur bey einigen wenigen seiner nächsten Anhänger Beyfall gefunden haben.


Heidebereiter (W3) [Adelung]


Der Heidebereiter, S. Heidereiter.


Heidebesen (W3) [Adelung]


Der Heidebesen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Besen von Heide oder Heidekraut, dessen man sich in einigen Niedersächsischen Gegenden häufig bedienet.


Heidebiene (W3) [Adelung]


Die Heidebiene, plur. die -n, Bienen, welche man den Herbst über in die unfruchtbaren Heiden träget, und daselbst ihren Honig einsammeln lässet, wie solches in einigen Niedersächsischen Gegenden sehr üblich ist. Sie sind kleiner und schwärzer als die Bienen aus fettern Gegenden. S. Heidehonig.


Heideböckchen (W3) [Adelung]


Das Heideböckchen, des -s, plur. ut nom. sing. in Obersachsen, Haufen, welche man auf dem Felde von dem abgemäheten Heidekorne macht, damit die Körner desto besser austrocknen können. S. 4. Bock.


Heidebusch (W3) [Adelung]


Der Heidebusch, des -es, plur. die -büsche, besonders in Niedersachsen, ein jedes strauchartiges Gewächs, welches nur auf den unfruchtbaren Heiden wächset, und auch Brake genannt wird; dergleichen das Heidekraut, der Ginster u. a. m. sind. S. 3. Heide 2.


Heidedeich (W3) [Adelung]


Der Heidedeich, des -es, plur. die -e, in Niedersachsen, ein kleiner Deich, welcher in den Mooren und sumpfigen Heiden aufgeworfen wird.


Heidefench (W3) [Adelung]


Der Heidefench, des -es, plur. inus. S. Heidekorn.


Heidefutter (W3) [Adelung]


Das Heidefutter, des -s, plur. inus. Futter, welches auf dürren unfruchtbaren Heiden wächset. S. 3. Heide 2.


Heidegrütze (W3) [Adelung]


Die Heidegrütze, plur. inus. die aus dem Heidekorne bereitete Grütze; Buchweitzengrütze. S. Heidekorn.


Heidehonig (W3) [Adelung]


Der Heidehonig, des -es, plur. inus. Honig, welcher von solchen Bienen gesammelt worden, welche man in unfruchtbaren Heiden stehen gehabt, und hochgelb von Farbe ist. Siehe Heidebiene.


Heideknecht (W3) [Adelung]


Der Heideknecht, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Unterförster, ein geringer Forstbedienter, welcher dem Heidereiter oder Förster untergeordnet ist, und auch Heideläufer, Forstläufer und Forstknecht genannt wird. Siehe 3. Heide.


Heidekorn (W3) [Adelung]


Das Heidekorn, des -es, plur. inus. der Oberdeutsche Nahme derjenigen Pflanze und ihres Kornes, welche in Ober- und Niedersachsen unter dem Nahmen des Buchweitzens am bekanntesten ist; S. dieses Wort. Im Oberdeutschen wird es auch Heidefench, Heidel, in Krain Hade genannt. Entweder, weil es einen hohen dürren Boden liebet, und daher auch in unfruchtbaren Heiden fortkommt, oder auch, und zwar am wahrscheinlichsten, weil es in den Kreuzzügen aus der Türken zu uns gebracht worden, daher es im Französ. auch Ble Sarazin, und im Böhm. Pohanka, von Pohan, ein Heide, genannt wird.


Heidekraut (W3) [Adelung]


Das Heidekraut, des -es, plur. die -kräuter. 1) Ein jedes Kraut, welches auf dürren unfruchtbaren Heiden wächset. S. 3. Heide 2. 2) In engerer Bedeutung und ohne Plural, die Erica vulgaris L. welche auch Heide genannt wird. S. 2. Heide. 3) Auch der Felsenstrauch, Empetrum nigrum L. ist in einigen Gegenden unter dem Nahmen des Heidekrautes bekannt, weil er gleichfalls gern an dürren unfruchtbaren Orten wächset. S. auch Affenbeere.


Heidel (W3) [Adelung]


Der Heidel, des -s, plur. inus. S. Heidekorn.


Heideläufer (W3) [Adelung]


Der Heideläufer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Heideknecht.


Heidelbeere (W3) [Adelung]


Die Heidelbeere, plur. die -n, die Beeren einer Pflanze, welche staudenartig wächset, und die schattigen Wälder liebt, und diese Pflanze selbst; Vaccinium L. Es gibt ihrer verschiedene Arten. 1) Die gemeine Heidelbeere, Vaccinium Myrtillus L. trägt schwarze Beeren, und heißt auch Schwarzbeere, Myrtenbeere, Blaubeere, Roßbeere, Staudelbeere, in Niedersachsen Bickbeere, Bickelbeere, Besinge, Kuhtäcken, in Baiern Aigelbeere, im Franz. Myrtille, Airelle, Raism des Bois; woraus zu erhellen scheinet, daß sie auch den Deutschen Nahmen Heidelbeere daher erhalten, weil sie in den Heiden, d. i. Tangelwäldern häufig wächset. 2) Die große Heidelbeere, Vaccinium uliginosum L. heißt an andern Orten Kosbeere; weil sie nur in Sümpfen wächset, auch Moorbeere, Moosbeere, Moosheidelbeere, Bruchbeere; weil sie den Kopf einnimmt, auch Trunkelbeere, Drumpelbeere, Rauschbeere; im Dänischen Böllebär, Böller, und im Nieders. Krackbeere und Ingelbeere. 3) Die rothe Heidelbeere, welche niedrig an der Erde wächset, Vaccinium Vitis Idaea L. ist in Obersachsen unter dem Nahmen der Preiselbeere am bekanntesten, S. dieses Wort. Sie wächset gleichfalls in den Heiden, d. i. schattigen Wäldern.


Heidelbeerkamm (W3) [Adelung]


Der Heidelbeerkamm, des -es, plur. die -kämme, ein hölzernes Werkzeug in Gestalt eines Kammes, womit man die Heidelbeeren von dem Strauche abzustreifen pfleget.


Heidelbrey (W3) [Adelung]


Der Heidelbrey, des -es, plur. inus. am häufigsten im Oberdeutschen, ein Brey von gekochter Heidegrütze.


Heidelerche (W3) [Adelung]


Die Heidelerche, plur. die -n, eine Art Lerchen, welche sich am liebsten in den Heiden, d. i. Schwarzwäldern, aufhält, und sich durch ihre geringere Größe und dunkelbraunen Flügelfedern von der gemeinen Sang- oder Feldlerche unterscheidet; Alauda sylvestris Klein. Sie wird auch Brachlerche, Wiesenlerche, Steinlerche, Mittellerche, Baumlerche, Holzlerche, Spießlerche, Krautvogel und Waldlerche genannt.


Heidelgries (W3) [Adelung]


Der Heidelgries, des -es, plur. inus. im Oberdeutschen, Gries aus Heidekorn oder Buchweitzen. S. Gries.


Heidelhahn (W3) [Adelung]


Der Heidelhahn, in einigen Gegenden, der Birkhahn, ( S. dieses Wort,) Tetrao tetria L.


Heidendreck (W3) [Adelung]


Der Heidendreck, des -es, plur. inus. S. Heidenhaut.


Heidengeld (W3) [Adelung]


Das Heidengeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, in einigen Obersächsischen Gegenden, ein Geld, welches für das Betreiben der Felder mit dem Viehe gegeben und auch das Triftgeld genannt wird. Vielleicht, weil es zunächst für das Betreiben der Waldungen entrichtet wird; oder auch weil Heide hier noch die erste Bedeutung des Feldes, der Flur hat. S. 3. Heide.


Heidenhaar (W3) [Adelung]


Das Heidenhaar, des -es, plur. inus. oder die Heidenhaare, sing. inus. im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, diejenigen Haare. welche die Kinder mit auf die Welt bringen. Figürlich auch wohl die ersten Federn der Tauben, so lange sie noch den Haaren gleichen. S. das folgende.


Heidenhaut (W3) [Adelung]


Die Heidenhaut, plur. inus. im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Niedersachsens, eine Unreinigkeit, welche die neu gebornen Kinder auf den Köpfen mit auf die Welt bringen, und welche sich hernach in Gestalt einer Rinde oder einer Haut ablöset. Diese Unreinigkeit wird auch der Heidenkoth und in den niedrigen Sprecharten der Heidendreck genannt. Die erste Hälfte dieser Wörter zielet auf den alten Gebrauch, Kinder, so lange sie noch nicht getauft sind, Heiden zu nennen. Siehe 4. Heide.


Heidenisopp (W3) [Adelung]


Der Heidenisopp, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, z. B. in Thüringen, ein Nahme des Kirschisoppes, Cistus Helianthemum L. weil er auf dürren Heiden und unfruchtbaren Triften wächset, und daher auch Heidenschmuck genannt wird; S. Kirschisopp.


Heidenkoth (W3) [Adelung]


Heidenkoth, des -es, plur. inus. S. Heidenhaut.


Heidenmeise (W3) [Adelung]


Die Heidenmeise, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Haubenmeise. S. dasselbe.


Heidenreich (W3) [Adelung]


Der Heidenreich, des -es, plur. inus. an einigen Orten ein Nahme des Bauernsenfes, ( S. dieses Wort) Thlaspi arvense L. wo dieser Nahme auch in Heiderich zusammen gezogen wird. An andern Orten wird der wilde Meerrettich, Thlaspi campestre L. der auf den Feldern und an den thonigen Wegen wächset, Heidenreich und Heidenrettig genannt.


Heidenrettig (W3) [Adelung]


Der Heidenrettig, des -es, plur. inus. S. das vorige.


Heidenschaft (W3) [Adelung]


* Die Heidenschaft, plur. inus. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, das Heidenthum, den Mangel der Erkenntniß des wahren Gottes, ingleichen die im Heidenthume lebenden Völker zu bezeichnen. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno Heidenscapht. Wer hat vor Zeit und Jahren Auch in den Heidenschaft dergleichen doch erfahren? Opitz. Er übergab sie in gemein Der fremden Heidenschaft auf Erden, ebend.


Heidenschmuck (W3) [Adelung]


Der Heidenschmuck, des -es, plur. inus. S. Färberscharte. An andern Orten führet der Kirsch- oder Heidenisopp diesen Nahmen. S. Heidenisopp.


Heidenthum (W3) [Adelung]


Das Heidenthum, des -es, plur. inus. 1) Der Mangel der Erkenntniß des wahren Gottes, der Stand des Götzendienstes. 2) Völker, welche in diesem Zustande leben.


Heidepfrieme (W3) [Adelung]


Die Heidepfrieme, plur. inus. in einigen Gegenden, die Geniste. S. dieses Wort.


Heiderauch (W3) [Adelung]


Der Heiderauch, des -es, plur. inus. ein Nebel, welcher sich in dürren Sommern Abends in Gestalt eines Rauches über den Heiden oder Wäldern sehen lässet, und von dem Heerrauche noch verschieden ist. Im Oberdeutschen Hegerauch, von Hag, ien Wald.


Heidereiter (W3) [Adelung]


Der Heidereiter, des -s, plur. ut nom. sing. in denjenigen Gegenden, wo man die Schwarz- oder Tangelwälder Heiden zu nennen pfleget, ein Förster zu Pferde, der die Heide zu bereiten hat; der Heidebereiter.


Heiderich (W3) [Adelung]


Der Heiderich, des -s, plur. die -e. 1) Ein Nahme des Hederichs; ohne Plural. S. dieses Wort. 2) Ein Nahme des Bauernsenfes; auch ohne Plural. S. Heidenreich. 3) Ein Nahme eßbarer Feldschwämme; S. Heideschwamm.


Heiderling (W3) [Adelung]


Der Heiderling, des -es, plur. die -e, S. Heideschwamm.


Heiderose (W3) [Adelung]


Die Heiderose, plur. die -n, S. Weinrose.


Heideschaf (W3) [Adelung]


Das Heideschaf, des -es, plur. die -e, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, Schafe, welche auf den unfruchtbaren Heiden gehalten werden, und sich mit dem dürren Heidefutter behelfen müssen. Sie sind klein, aber von harter Natur, und heißen in Niedersachsen auch Geestknabben, von Geest, hohes, unfruchtbares Land, im Lüneburgischen und um Hamburg Schnicken, Schnucken, Heideschnucken, woraus einige Hochdeutsche Heideschnaken und Heideschmacken gemacht haben; vermuthlich vom Angels. sniccan, kriechen.


Heideschwamm (W3) [Adelung]


Der Heideschwamm, des -es, plur. die -schwämme, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, eine Art eßbarer Feldschwämme, welche daselbst auch Heideriche und Heiderlinge, und in Sachsen mit dem ohne Noth erborgten Französis. Nahmen, Champignons, genannt werden, Agaricus campestris L. ohne Zweifel, so fern Heide ehedem das Feld bedeutete, siehe 3. Heide. In andern Gegenden heißt er Drüschling, in Baiern Ögartling, in Böhmen Herrenschwamm, in Steiermark Angerling. S. auch Champignon.


Heideschwarm (W3) [Adelung]


Der Heideschwarm, des -es, plur. die -schwärme, in Niedersachsen, ein Bienenschwarm, der von dem Vorschwarme zuweilen ausflieget; weil solches zu der Zeit zu geschehen pfleget, da die Bienen schon in der Heide stehen.


Heidesiebt (W3) [Adelung]


Das Heidesiebt, des -es, plur. die -e, in einigen Niedersächsischen Gegenden, ein Siebt oder kleine Sense, die Heide oder das Heidekraut damit abzumähen. S. Siebt.


Heidexe (W3) [Adelung]


Die Heidexe, S. Eidexe.


Heidnisch (W3) [Adelung]


Heidnisch, adj. et adv. von 4. Heide, den Heiden gehörig, in dem Heidenthume gegründet, nach Art der Heiden. Heidnische Götter, heidnische Sitten, heidnische Fabeln. Ingleichen mit einem harten Nebenbegriffe, ruchlos, gottlos. Heidnisch leben. Ein heidnisches Betragen. In dem übersetzten Isidor heidhhliih und heidheno, bey dem Ottfried heidinen, in dem alten Gedichte auf Carls des Großen Feldzug haithenisch, in dem 1514 gedruckten Livius heidisch.


Heiduck (W3) [Adelung]


Der Heiduck, des -en, plur. die -en, ein Ungarisches Wort, welches eigentlich einen leicht gewaffneten Soldaten zu Fuß bedeutet. In Deutschland beleget man mit diesem Nahmen einen Diener in der Tracht dieser Ungarischen Heiducken, dessen vornehmstes Amt darin bestehet, die Kutsche oder Sänfte seines Herren zu begleiten. Im Pohln. lautet dieses Wort Hayduk.


Heie (W3) [Adelung]


Die Heie, ein Schlägel, S. Heye.


Heil (W3) [Adelung]


Heil, adj. et adv. welches in der Gestalt eines Nebenwortes am üblichsten ist. Es bedeutet, 1) * eigentlich, ganz, unzertheilt, unzertrennt; in welcher Bedeutung es nur noch im Nieders. wo es heel lautet, gangbar, im Hochdeutschen aber fremd ist. Die hele oder heile Welt, die ganze Welt. Heil mager, sehr mager, ganz mager. Die Hochdeutschen, welche es im gemeinen Leben in einigen Ausdrücken beybehalten haben, haben es zugleich in hell verändert. Der helle Haufen, der ganze, völlige Haufen, S. 1. Hell. In dieser Bedeutung lautet es schon bey dem Ottfried heil, im Engl. whole, Angels. hal, im Holländ. heel, geheel, im Dän. heel, im Schwed. hel, im Wallis. oll und olh; womit das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - sehr genau überein stimmen. S. auch All, welches gleichfalls hierher gehöret. 2) In engerer Bedeutung, unverwundet, und nach der Verwundung wieder geheilet, von äußern Schäden und Verletzungen der Glieder. Auf heiler Haut ist gut schlafen, im gemeinen Leben. Aus heiler Haut sterben, ohne sichtbare Veranlassung von außen. Ein Geschwür aus heiler Haut bekommen. Doch diese R. A. sind größten Theils Niedersächsisch. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung nur als ein Nebenwort üblich. So ist der Grind heil, 3 Mos. 13, 37. Wie das Mahl des Aussatzes heil worden ist, Kap. 14, 3. Da das Volk beschnitten war, blieben sie an ihrem Ort - bis sie heil wurden, Jos. 5, 8. Die Wunde ist schon heil. Indessen hat es doch auch hier etwas niedriges, daher man in der anständigen Sprechart lieber das Mittelwort geheilet, oder einen ähnlichen Ausdruck dafür gebraucht. 3) Figürlich, gesund, von den innern Theilen des Leibes; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher dieses Wort noch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt. Ist gleich mein ganzes Fleisch nicht heil, Opitz, Ps. 73. In dieser Bedeutung lautet es bey dem Ulphilas hails, bey dem Ottfried un Kero heil, im Engl. hail, im Schwed. hel, und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . S. das folgende und Heilen.


Heil (W3) [Adelung]


Das Heil, des -s, plur. car. das vorige Wort als ein Hauptwort gebraucht, welches aber nur in einigen figürlichen Bedeutungen vorkommt. 1) * Die Gesundheit; im Wallis. Hwyl, im Schwed. Hel, im Englischen mit einem andern Suffixo Health. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet, wo es nur noch in den Nahmen einiger, so wohl in Ansehung äußerer Wunden, als auch innerer Krankheiten, heilsamen Pflanzen vorkommt. So werden so wohl die Agrimone, als auch der Ehrenpreis, die Stabwurz un das Gauchheil in einigen Gegenden Heil aller Welt genannt. 2) Die menschliche Glückseligkeit oder Wohlfahrt, so wohl ihrem ganzen umfange, als auch ihren einzelnen Stücken nach. Jemanden alles Glück und Heil wünschen. Sein Heil versuchen, sein Glück versuchen, ob man in einer Sache glücklich seyn könne. Sein Heil im Kriege, im Spiele u. s. f. versuchen. Das ewige Heil, die ewige Wohlfahrt, die ewige Glückseligkeit. Durch den übertriebenen Gebrauch, oder vielmehr Mißbrauch, welchen die Dichter der vorigen Zeiten von diesem Worte machten, hat es viel von seiner Würde verloren, daher man es jetzt in der höhern und edlern Schreibart immer sparsamer antrifft. In engerer Bedeutung ist es in der Theologie von allen Arten geistlicher Güter und Wohlthaten noch am häufigsten, in welchem Verstande es nicht nur in der Deutschen Bibel sehr oft, sondern auch in vielen der folgenden Zusammensetzungen vorkommt. Die Ordnung des Heils, diejenige Ordnung, in welcher man zu der geistlichen Glückseligkeit gelanget; S. Heilsordnung. Das Heil der Menschen, ihre geistliche und ewige Wohlfahrt. Die Quelle des Heils, der Ursprung, der Urheber dieser Wohlfahrt. Es ist in dieser ganzen Bedeutung schon sehr alt. Bey dem Kero und dem Übersetzer Isidors, unsern ältesten Schriftstellern, lautet es mit andern Ableitungssylben, Heilidha, Heilij, (gleichsam Heile,) in welchen Gestalten es zugleich weiblichen Geschlechtes ist, so wie Heili bey dem Notker, und Heilda bey dem Ottfried, welcher letztere aber auch schon Heil hat. Im 9ten und 10ten Jahrh. kommt in eben diesem Verstande auch Gealtniss und Gehaltnissi vor, welches aber zunächst zu halten, erhalten, zu gehören scheinet. Im Angels. lautet es Hael, Haelo, im Engl. Hail, im Dän. Held und Heil, im Schwed. Hel und Helsa. Das Lat. Salus ist sehr genau damit verwandt, indem der Hauchlaut in manchen Mundarten sehr leicht in den Zischlaut überzugehen pfleget, wovon sylva aus - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - unter vielen nur ein Beispiel ist. Haben doch die Deutschen diesen Zischlaut in dem veralteten Seld, Selde, Glückseligkeit, Wohlfahrt, und in dem heutigen selig, gleichfalls beybehalten. S. das letztere, ingleichen Wohl und Unheil. 3) Wird dieses Wort auch in der dichterischen und höhern Schreibart, mit der dritten Endung der Person. häufig als ein Glückwunsch gebraucht, jemanden alle Arten der Wohlfahrt, der Glückseligkeit anzuwünschen, oder wenn es an Gott gerichtet wird, als eine Formel des Dankes, des Ruhmes, des Preises. Heil mir, wenn ich in Christo sterbe! Gell. Lied. Heil uns, daß unser Morgen in die Tage Des einzigen Monarchen fiel! Raml. Heil dem Gotte, dessen Gnade Dich zur Göttinn ausersah! ebend. S. Wohl, welches auf ähnliche Art gebraucht wird. Da Gottsched über dieses Zwischenwort, wie er es irrig nennet, mehr als Ein Mahl gespottet, und es für eine unerträgliche, den Britten nachgeahmte Neuerung ausgegeben hat, so wird es wohl der Mühe werth seyn, einen kleinen Beweis zu führen, daß dieser Glückwunsch unserer Sprache gar nicht fremd ist, und daher von unsern neuern Dichtern nicht aufgebracht, sondern nur der Vergessenheit, in welche er gerathen war, wird er entrissen worden. Hails thiudan Iudaie, heißt es bey dem Ulphilas Marc. 15, 16, wo die Angelsächsische Übersetzung Hal vaes thu Iudaea kyning, und Luther, gegrüßet seyst du der Jüden König, haben. Bey dem Notker lautet die ähnliche Stelle in den Psalmen, Heil herro du Iuden Chuninc. Bey dem Ottfried ist diese Formel gleichfalls sehr häufig. Heil wih dohter, Heil dir, heilige Tochter, B. 1, Kap. 6. Heil magad zieri, Kap. 5. Heil du Krist, B. 4, Kap. 22. Wo es, wenn es mit der ersten oder fünften Endung verbunden wird, eigentlich das Bey- oder Nebenwort ist, und das Zeitwort seyn oder wesen verstanden werden muß; wie bey dem Tatian Kap. 32, heil uuis thu gebono follu, Heil dir, die du voller Gnade bist, und in dem Fragmente auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter, Hail sistu Kuning Marsilie! Von welcher Gruß- oder Glückwünschungs-Formel bey dem Tatian auch die Wörter heilizen für grüßen, und Heilizunga für Gruß vorkommen.


Heiland (W3) [Adelung]


Der Heiland, des -es, plur. die -e. 1) * Überhaupt, eine Person, welche uns Heil, d. i. Glückseligkeit, Wohlfahrt, verschaffet, besonders nach einem vorher uns widerfahrenen Übel; ein Erretter, ein Befreyer, Heilbringer. Der Herr erweckte ihnen einen Heiland, der sie erlößte, Athniel, Richt. 3, 9. Und der Herr gab Israel einen Heiland, der sie aus der Gewalt der Syrer führete, 2 Kön. 13, 5. Und werden Heilande herauf kommen auf den Berg Zion, das Gebirg Esau zu richten, Obadja v. 21. Und so in andern Stellen mehr. In dieser weitern Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet, wo man es 2) nur in engerer und vorzüglicher Bedeutung von der zweyten Person des göttlichen Wesens gebraucht, so fern sie als Gottmensch der Urheber unserer gesammten geistlichen Wohlfahrt ist, da es denn zunächst den Hebr. Nahmen Jesus ausdruckt, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Heiland, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, heilen.

Anm. Die letze Sylbe hat bey einigen Wortforschern Schwierigkeiten gefunden. Die ungereimteste Ableitung ist wohl die, da man dieses Wort als ein zusammen gesetztes von Heil und Land ansiehet, und es durch eine Person erkläret, welche Heil in das Land bringet; ein sehr alter Einfall, welcher schon den guten Ottfried irre geführet hat. Er giheilit thiz lant Heiz inan ouh Heilant, sagt er B. 1, Kap. 8. Richtiger sehen Wachter und andere dieses Wort als das alte Mittelwort von dem Zeitworte heilen an, für Heilend, weil die Franken und Alemannen, ja noch selbst die heutigen Oberdeutschen diese Mittelwörter häufig auf -and machen, so wie sich die Zeitwörter bey ihnen auf -an statt -en endigen; wie Sceffant, für Schöpfer u. a. m. Frisch ist zwar damit nicht zufrieden, sondern hält Heiland für ein Abstractum, welches eigentlich das Heil selbst bedeute, und aus Heilat, für Heilde, entstanden sey, so wie aus Heimde, Heimath, und aus Läumde, Leimund geworden ist. Allein seine Gründe sind bey weiten nicht hinreichend. Zwar gebrauchen Kero Heilantii, und Ottfried Heiland, einige Mahl für das Heil selbst, allein warum sollte nicht dieses eben so gut das Mittelwert seyn können? Bey dem Kero ist Heilantii eine Übersetzung des Lat. Salutare. Notker gebraucht von Christo das Wort Haltende, der Übersetzer Isidors nennt ihn den Nerrendhin Druhtin, von dem alten nähren, befreyen, wovon wir noch das Neutrum genesen haben, Ulphilas aber Nasjands, von eben diesem Worte, und im Angels. heißt er Nerigend; welche wohl unstreitige Mittelwörter und gewiß keine Abstracta sind. Übrigens kommt für Heiland bey dem Ottfried und andern, bis in das 15te Jahrh. auch das jetzt veraltete Heiler, für Salvator, selbst in der weitern Bedeutung eines Arztes vor.


Heilart (W3) [Adelung]


Die Heilart, plur. die -en, die Art und Weise, eine Krankheit zu heilen; die Heilungsart; Methodus medendi.


Heilbad (W3) [Adelung]


Das Heilbad, des -es, plur. die -bäder, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, eine mineralische Quelle, in welcher man sich, zur Wiederherstellung der Gesundheit, badet; ein Gesundheitsbad.


Heilbar (W3) [Adelung]


Heilbar, adj. et adv. was zu heilen ist, geheilet werden kann, besonders von Wunden, Krankheiten und Schäden. Noch mehr in dem zusammen gesetzten unheilbar. So auch die Heilbarkeit.


Heilblatt (W3) [Adelung]


Das Heilblatt, des -es, plur. inus. an einigen Orten ein Nahme der Wiesenraute oder Krötendistel; Thalictrum L. vermuthlich wegen ihrer Heilkräfte. S. Wiesenraute.


Heilbrunnen (W3) [Adelung]


Der Heilbrunnen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, eine mineralische Quelle, deren Wasser zur Wiederherstellung der Gesundheit getrunken wird; der Gesundheitsbrunnen. Es. 12, 3 wird es figürlich von dem Urheber alles Heils, d. i. aller leiblichen und geistlichen Wohlfahrt, gebraucht.


Heilen (W3) [Adelung]


1. Heilen, verb. reg. welches von dem Bey- und Nebenworte heil abstammet, und in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, heil werden; wo es doch nur von Wunden und äußern Schäden gebraucht wird. Die Wunde heilet schon, ist geheilet. Katzenbisse heilen schwer. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt auch das verlängerte Alemannische geheilen in weiterer Bedeutung für genesen, gesund werden, vor. Das habent mir ir schoenin ougen getan Das ich niemer me geheilen kan, Ulrich v. Guotenburg. Im Nieders. helen, im Angels. halian. II. Als ein Activum. 1. * Eigentlich, ganz machen, besonders, was zerbrochen, zerrissen, zerstücket ist. Da alles Volk zu ihm trat, heilete er den Altar des Herren, der zerbrochen war, 1 Kön. 18, 30; d. i. er besserte ihn aus, stellete ihn wieder her. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung veraltet, wo man sie nur noch zuweilen im Scherze als eine Figur der folgenden Bedeutungen gebraucht. 2. In engerer Bedeutung, von Wunden, Geschwüren und anderen Schäden und Verletzungen des Leibes. Der Wundarzt heilete die Wunde in kurzer Zeit. Das Pflas=ter wird die Wunde bald heilen. Einen Bruch, ein Geschwür, eine Fistel heilen. 3. Figürlich. 1) Von Krankheiten des Leibes befreyen, genesen machen; mit dem Vorworte von. Jemanden von der Blindheit, von dem Fieber, von dem Podagra u. s. f. heilen. Ingleichen mit der vierten Endung der Person, mit Auslassung der Krankheit oder des Gebrechens. Einen Kranken heilen. Er heilete ihn also, daß der Blinde und Stumme beyde redete und sah, Matth. 12, 22. So auch mit der vierten Endung der Sache, wenn die Person verschwiegen wird. Eine Krankheit, ein Gebrechen heilen. Eine Arzeney, welche alle Krankheiten heilet. Im gemeinen Leben ist dieses Wort durch das ausländische curiren beynahe ganz verdränget worden; allein in der edlern Schreibart hat es noch immer seine Stelle behauptet. 2) Von einem Grame, von einem Kummer befreyen; in der edlen Schreibart, und nur mit dem Vorworte von oder mit der vierten Endung der Sache. Nichts als eine außerordentliche Veränderung wird sie von ihrem Kummer heilen, Weiße. 3) Von Unvollkommenheiten, Gebrechen des Geistes und der Seele befreyen; wo es doch nur in der Sprache der Gottesgelehrten, nach dem Vorgange der Deutschen Bibel, in allen den Wortfügungen üblich ist, in welchen es von leiblichen Krankheiten gebraucht wird. Heile mich Herr, Ps. 6, 3. Von dem Ungehorsam heilen, Ier. 3, 22. Und so in andern Stellen mehr. Daher das Hauptwort die Heilung, die Handlung des Heilens, in allen obigen Fällen.

Anm. Bey dem Ottfried heilan, im Nieders. helen, im Dän. heele, im Engl. to heal, im Schwed. hela, bey dem Ulphilas hailjan.


Heilen (W3) [Adelung]


2. * Heilen, verb. reg. act. welches nur noch in einigen, besonders, Oberdeutschen Gegenden, für verschneiden, castriren, üblich ist. Daher verheilen in eben diesem Verstande, der Heiler, ein verschnittenes Pferd, ein Wallach, der Heilbock, ein verschnittener Bock, u. a. m. in eben diesen Gegenden gebraucht werden. Frisch leitet es von dem vorigen Zeitworte ab, und glaubt, daß es eigentlich verheilen, d. i. zergänzen, heißen müsse. Allein da es in einigen Gegenden richtiger geilen lautet, so stammet es durch eine gelindere Aussprache des Hauchlautes unstreitig auch von diesem Worte ab. S. 1. Geilen.


Heilholder (W3) [Adelung]


Der Heilholder, des -s, plur. inus. S. Attich.


Heiljahr (W3) [Adelung]


Das Heiljahr, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen ziemlich ungewöhnlich gewordenes Wort, die Jahre nach der Geburt Christi, und der dadurch verschafften geistlichen Wohlfahrt der Menschen, zu bezeichnen. Im Heiljahre 1499.


Heilig (W3) [Adelung]


Heilig, -er, -ste, adj. et adv. am wahrscheinlichsten von dem Hauptworte Heil, und zwar, I. * Im transitiven oder thätigen Verstande, für heilsam, Heil, d. i. Gesundheit, Nutzen bringend, auf welche Art heilligh bey dem Kero für salutaris vorkommt. In dieser allem Ansehen nach schon lange veralteten Bedeutung, kommt es noch in den Nahmen einiger heilsamen Pflanzen vor. Dergleichen ist die heilige Pflanze, Santolina Chamae Cyparissus L. welche in dem mittägigen Europa wächset, und das heilige Holz, das Holz eines Amerikanischen Baumes, welches in der Arzeneykunde gleichfalls sehr geschätzet wird, S. Franzofenholz. II. In intransitiver Bedeutung, vermuthlich so fern Heil ehedem, dem Bey- und Nebenworte heil zu Folge, die ganze, unzertrennte Beschaffenheit eines Dinges bezeichnet haben mag. 1. Unverletzt, unverderbt, sich in dem Zustande der gehörigen Vollständigkeit und Vollkommenheit befindend; wo es doch nur im moralischen Verstande in der Theologie, von der sittlichen und geistlichen Vollkommenheit gebraucht wird, Fertigkeit zur überwiegenden Liebe des Guten und zum herrschenden Hasse des Bösen besitzend. 1) Eigentlich. So wird im höchsten Verstande Gott heilig genannt, wo dieser Ausdruck zugleich die höchste Vollkommenheit aller seiner Eigenschaften mit in sich schließet, S. Heiligkeit. Der heilige Geist, die dritte Person des göttlichen Wesens, welche dadurch von andern Geistern unterschieden wird. In eingeschränkterer Bedeutung wird dieses Wort in der Deutschen Bibel oft so wohl von den guten oder heiligen Engeln, als auch von tugendhaften, mit Gott vereinigten Personen gebraucht, welche letztere auch Heilige genannt werden. Im gemeinen Leben hat dieses Wort, so fern es von Menschen gebraucht wird, einen gehäffigen Nebenbegriff bekommen, indem man sich bey einem Heiligen oder einer heiligen Person alle Mahl einen Heuchler, einen Scheinheiligen denket. Bey vollendeten Gläubigen verlieret sich dieser Nebenbegriff, daher man ihn in diesem Falle ohne Anstoß gebraucht. Die Heiligen im Himmel. Die Gemeinschaft der Heiligen. Besonders von solchen Personen, welche sich durch einen vorzüglich frommen und Gott gefälligen Wandel von andern unterschieden haben. Der heilige David. Der heilige Johannes. Die heiligen Apostel. In der Römischen Kirsche werden nur diejenigen vollendeten Gläubigen, welche wegen ihrer, unläugbaren vorzüglichen Tugenden öffentlich für Heilige erkannt und zur Verehrung aufgestellet worden, mit diesem Nahmen beleget, und noch von den Seligen unterschieden, S. dieses letztere Wort. Jemanden heilig sprechen, eben daselbst, ihn canonisiren. Daher die Heiligsprechung, die Canonisation. Ein wunderlicher Heiliger, ein wunderlicher Mensch. 2) Figürlich, in diesem vollkommenen Zustande des Willens gegründet; ingleichen auf die Hervorbringung dieser Fertigkeit abzielend. Die heiligen Wege Gottes. Eine heilige Lehre. Heilige (gottselige) Gedanken haben. Heilige Betrachtungen anstellen. Ein heiliges Leben führen. Ein heiliger Vorsatz, ein heiliger Trieb. Eine heilige Miene, worunter man aber gemeiniglich eine heuchlerische, scheinheilige Miene verstehet. Die heilige Schrift, die schriftlich verfassete göttliche Offenbarung. 2. Unverletzlich, von Beleidigungen, Beschädigungen oder Mißbräuchen gesichert, von dem gemeinen Gebrauche abgesondert, und zu einem besondern feyerlichen Gebrauche bestimmt. 1) Überhaupt. Ein heiliger Ort, dergleichen die Freystätten, Kirchen, Palläste u. s. f. sind. Die wildesten Völker halten das Recht der Ehe für ein heiliges Recht. Die heilige Asche unsrer Väter. Die Bande des Blutes sind mir nicht heiliger als die Bande der Liebe, Dusch. Etwas heilig verwahren, mit großer Sorgfalt. Etwas heilig versichern, betheuern, versprechen, zusagen, auf die feyerlichste, unverletzlichste Weise. Ich, sprach der Wolf, kann heilig schwören, Herr König, ich war nicht dabey, Lichtw. Vermuthlich beziehet sich auch hier auf die Benennung des heiligen Römischen Reiches, im Lat. sacri imperii Romani, welche schon von den heidnischen Kaisern angenommen werden; ingleichen des heiligen Beines in der Zergliederungskunst, Os sacrum, weil es unter den Zeugungsgliedern lieget, welche bey allen gesitteten Völkern für heilig, d. i. unverletzlich, gehalten werden, und von welchem auch die heilige Pulsader, Arteria sacra, und die heilige Blutader, Vena sacra, den Nahmen haben, weil sie sich in eben dieser Gegend befinden. 2) In engerer Bedeutung, dem Gottesdienste, der Verehrung Gottes gewidmet, und dadurch unverletzlich gemacht, und von dem gemeinen Gebrauche abgesondert; in welchem Verstande es in der Deutschen Bibel oft als ein Hauptwort vorkommt. Kein Heiliges soll sie anrühren, 3 Mos. 12, 4. Daß Aaron trage die Missethat des Heiligen, das die Kinder Israel heiligen in allen Gaben ihrer Heiligung, 2 Mos. 28, 38. Ein heiliger Ort, heilige Sachen, ein heiliger Tag. Der heilige Abend, der Abend vor einem Feste, der Festabend. Ehedem nannte man auch die Priester und Geistlichen in der Römischen Kirche die Heiligen. Im vorzüglichsten Verstande gibt man daselbst noch jetzt dem Pabste den Nahmen heiliger, oder wohl allerheiligster Vater, und im Abstracto Se. Heiligkeit. Besonders ist das Wort heilig von solchen Dingen üblich, welche einem feyerlichern Gottesdienste gewidmet sind, oder ein Stück eines feyerlichern Gottesdienstes ausmachen, wo es oft noch mit dem Worte hoch verstärket wird, hochheilig. Das Heilige war in der Jüdischen Kirche ein zum feyerlichen Gottesdienste bestimmter Theil des Tempels, der an das Allerheiligste stieß. Die heilige Woche, die Woche vor dem Osterfeste, die Charwoche. Das heilige Jahr, in der Römischen Kirche, worin das große Jubiläum gefeyert wird. In weiterer Bedeutung wird es oft von allem gebraucht, was sich auf den Gottesdienst und kirchliche Dinge oder Personen beziehet. Die heilige Kleidung, die Kleidung der Geistlichen bey dem Gottesdienste. Das heilige Feuer, der Rothlauf, die Rose. S. Feuer. 3) Figürlich, in der höhern Schreibart, einen hohen Grad der Ehrerbiethung, der Ehrfurcht, der Andacht einflößend, und in dieser Eigenschaft gegründet. Der heilige Glanz der Tugend. Gell. Die heilige Stille des Waldes. Ein heiliges Dunkel. Feyerlich zittert im stammen Gehölz ein heiliges Schrecken, Zachar. Sein ehrlich fromm Gesicht, sein heilig graues Haar, Gell. Anm. In dem übersetzten Isidor heileg, bey dem Ottfried heilag, bey dem Willeram heilig, im Nieders. hillig, im Angels. halig, halga, im Engl. holy, im Dän. hellig, im Schwed. helig. Es vereiniget die Bedeutungen der beyden Lat. Wörter sacer und sanctus in sich. Die Wortforscher haben sich gleichsam am die Wette bemühet, seltsame und gezwungene Ableitungen dieses Wortes zu erdenken, indem sie bald auf das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - die Sonne, bald auf das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Gott, bald auf das alte Nordische Eld, Feuer, bald auf - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bald auf das alte Heit, Reichthum, Kleinod, bald auf noch andere eben so unwahrscheinliche Stämme gefallen sind. Nur wenige sind bey dem Worte Heil, welches sich doch so natürlich darbiethet, stehen geblieben. Heilig kommt vermittelst der Ableitungssylbe -ig, von Heil, wie selig von dem veralteten Sal, Heil, Wohlfahrt. Indessen ist nicht zu läugnen, daß es sich in der zweyten intransitiven Bedeutung, wo es den Begriff der Absonderung sehr deutlich mit sich führet, ganz erträglich von dem Zeitworte hehlen, verdecken, bedecken, würde ableiten lassen; welche Ableitung dadurch einige Wahrscheinlichkeit erhalten könnte, daß im Isidor arcana secretorum durch heilac chiruni übersetzt worden. Kero gebraucht für heilig, so fern es sacer und sanctus bedeutet, beständig wih und wiho, ( S. Weihen,) ein Vermuthungsgrund, daß heilig in diesen Bedeutungen zu seiner Zeit noch nicht gangbar gewesen. In der zweyten intransitiven Bedeutung wurden ehedem auch frohn und hehr statt desselben gebraucht; S. diese Wörter.


Heiligen (W3) [Adelung]


Heiligen, verb. reg. act. heilig machen, in den intransitiven Bedeutungen dieses Wortes. 1. Im theologischen Verstande, wo 1) von Gott gesagt wird, daß er die Menschen heilige, d. i. die rechtmäßige Gemüthsbeschaffenheit, die Sinnesänderung in ihnen hervorbringe; doch mit verschiedenen Einschränkungen, indem es im engsten Verstande nur die Fortsetzung der angerichteten Sinnesänderung, in weiterm die ganze innere Ausbesserung des Menschen im Gegensatze der Rechtfertigung, und im weitesten das ganze Gnadenwerk Gottes in dem Menschen, mit Inbegriff der Rechtfertigung, bezeichnet. Heilige sie in deinen Wahrheit, Joh. 17, 17. 2) Gottes Heiligkeit, d. i. Majestät und Vollkommenheit, erkennen, bekennen, und diese Erkenntniß thätig beweisen; doch nur in der Deutschen Bibel. Daß Gott der Heilige geheiliget werde in Gerechtigkeit, Es. 5, 16. Heiligt aber Gott den Herren in euren Herzen, 1 Pet. 3, 15. Geheiliget werde dein Nahme. 2. Vor Verletzungen sicher stellen, und in weiterer Bedeutung, von dem gemeinen Gebrauche absondern und zu einem feyerlichen Gebrauche bestimmen. 1) Überhaupt, wo es nur in der höhern Schreibart gebraucht wird. Diese Empfindsamkeit eurer Herzen müßt ihr zu einem lebendigen Gefühle alles dessen, was gut, recht, wahr, löblich und billig ist, heiligen, Cram. 2) In engerer Bedeutung. (a) Dem Gottesdienste, der Verehrung Gottes widmen. Heilige mir alle Erstgeburt, 2 Mos. 13, 2. Ein geheiligter Ort. Den Sabbath heiligen. (b) Zum Gottesdienste zubereiten, bequem machen; in welcher Bedeutung es nur in der Deutschen Bibel und in der höhern Schreibart gebraucht wird. Gehe hin zum Volk und heilige sie heut und morgen, daß sie ihre Kleider waschen, 2 Mos. 19, 10. Die Priester, die zum Herren nahen, sollen sich heiligen, B. 22. So auch die Heiligung, plur. inus. in allen obigen Fallen.

Anm. Im Isidor heilegan, bey dem Notker geheiligeien, im Angels. halgian, im Engl. to hallow.


Heiligenfresser (W3) [Adelung]


+ Der Heiligenfresser, des -s, plur. ut nom. sing. ein niedriger Ausdruck eines Scheinheiligen, der sich im äußern so beträget, als wenn er gleichsam alle Heiligen in sich trüge; Nieders. Hilligenbiter.


Heiligenholz (W3) [Adelung]


Das Heiligenholz, des -es, plur. inus. S. Götzenholz,


Heiligensohle (W3) [Adelung]


Die Heiligensohle, plur. inus. in dem Salzwerke zu Halle, diejenige Sohle, welche wöchentlich den Kirchen zum Besten versotten wird.


Heiligholz (W3) [Adelung]


Das Heiligholz, des -es, plur. inus. S. Franzosenholz und Heilig I.


Heiligkeit (W3) [Adelung]


Die Heiligkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie intransitive heilig ist. 1) In engerer Bedeutung, von vernünftigen Wesen, die Fertigkeit zur überwiegenden Liebe des Guten und zum herrschenden Hasse des Bösen; doch nur im theologischen Verstande, wo es, wenn es von Gott gebraucht wird, dessen vollkommenste Neigung zum Guten, und in weiterer Bedeutung dessen höchste und einfachste Vollkommenheit, bezeichnet. 2) In weiterer Bedeutung, die unverletzliche Beschaffenheit eines Dinges, die Eigenschaft, nach welcher von dem gemeinen Gebrauche abgesondert, und zu einem feyerlichen Gebrauche, besonders zum Dienste, zur Verehrung Gottes gewidmet ist. Die Heiligkeit eines Ortes, eines Tages. Die Heiligkeit der Ehen. In der Römischen Kirche wird der Papst in Abstracto im Deutschen Se. Heiligkeit, und im Concreto heiliger oder allerheiligster Vater genannt.

Anm. Bey dem Notker Heiligheit, bey dem Stryker Heilichait, mit andern Suffixis bey dem Notker Heiligi, im Isidor und bey dem Tatian Heilacnissa, Heilagniss.


Heiliglich (W3) [Adelung]


* Heiliglich, ein veraltetes Oberdeutsches Nebenwort für heilig, welches noch Ier. 4, 2, und Weish. 6, in vorkommt.


Heiligmacher (W3) [Adelung]


Der Heiligmacher, des -s, plur. inus. ein Ausdruck, welcher in der Theologie zuweilen von Gott und besonders dem heiligen Geiste gebraucht wird, weil er die Menschen heiliget. Eben daselbst ist auch die Heiligmachung für Heiligung üblich.


Heiligsprechung (W3) [Adelung]


Die Heiligsprechung, plur. die -en, S. Heilig II. 1.


Heiligthum (W3) [Adelung]


Das Heiligthum, des -es, plur. die -thümer, ein heiliger Ort, oder ein heiliges Ding., in der zweyten intransitiven Bedeutung des Wortes heilig; besonders ein Gott oder dessen Verehrung geweiheter Ort oder Gegenstand. So werden in der Deutschen Bibel die Stiftshütte, der Tempel, und zuweilen auch die Stadt Jerusalem häufig das Heiligthum genannt. In engerer Bedeutung sind in der Römischen Kirche Heiligthümer und in den gemeinen Sprecharten Heilthümer, die Überbleibsel heiliger Personen; Reliquien. Etwas als ein Heiligthum verwahren. Bey dem Notker Heiligtuom, bey dem Stryker Heiltum, im Schwed. Helgedom. Notker nennet auch ein Sacrament Heilichtuom.


Heilkraft (W3) [Adelung]


Die Heilkraft, plur. die -kräfte, die heilende, d. i. die Genesung befördernde Kraft einer Arzeney.


Heilkraut (W3) [Adelung]


Das Heilkraut, des -es, plur. die -kräuter, ein Kraut, welches seiner heilsamen Kräfte wegen, in der Arzeneykunst gebraucht wird; ein officinelles Kraut.


Heilkunde (W3) [Adelung]


Die Heilkunde, plur. car. die Kunde, d. i. Wissenschaft, Krankheiten zu heilen; die Medicin, Arzeneywissenschaft. Siche Kunde.


Heillos (W3) [Adelung]


Heillos, -er, -este, adj. et adv. gottlos, lasterhaft 1 Sam. 25, 17, und 2 Sam. 20, 1. Ein heilloser Mensch. Heillos leben. Eine heillose That. Wie habt ihr so hayloß in der sach gehandelt, Theuerd. Kap. 57, wo es für treulos stehet. Figürlich, doch nur in den niedrigen Sprecharten, in einem hohen Grade unangenehm, thöricht u. s. f. Ein heilloser Lärm. So auch das Hauptwort die Heillosigkeit, plur. inus.


Heilmittel (W3) [Adelung]


Das Heilmittel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Mittel, Wunden, Schäden oder Krankheiten zu heilen; ein Heilungsmittel, Arzeneymittel.


Heilmonath (W3) [Adelung]


Der Heilmonath, des -es, plur. die -e, der Nahme des letzten Monathes im Jahre, des Decembers, welchen derselbe schon von Carln dem Großen erhalten hat, weil das Fest der Geburt Christi in demselben gefeyert wird, daher er auch der Christmonath heißt.


Heilsam (W3) [Adelung]


Heilsam, -er, -ste, adj. et adv. was Heil bringet, unser Heil befördert. 1) Was Wunden und Krankheiten heilet, und überhaupt die Gesundheit befördert und erhält. Ein heilsames Pflas=ter, heilsame Kräuter, eine heilsame Arzeney. Das ist der Gesundheit sehr heilsam. Im Oberdeutschen wird auch die Arzeneykunst zuweilen die heilsame Kunst genannt. 2) Was unsere zeitliche und geistliche Wohlfahrt befördert. Heilsame Gesetze. Die Züchtigung war ihm sehr heilsam. Eine heilsame Lehre. Die Heilsame Gnade Gottes. Ein heilsamer, sehr nützlicher, Rath. Bey dem Notker heilsam, und mit einer andern Ableitungssylbe heilhaft, im Engl. wholesome, im Schwed. helsosom. Im Oberdeutschen bedeutet es auch intransitive gesund.


Heilsamkeit (W3) [Adelung]


Die Heilsamkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie heilsam ist, in beyden Bedeutungen des Beywortes. Im Oberdeutschen auch intransitive für Gesundheit.


Heilsmittel (W3) [Adelung]


Das Heilsmittel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Theologie, ein jedes Mittel, wodurch man die geistliche und ewige Wohlfahrt erhält; das Gnadenmittel.


Heilsordnung (W3) [Adelung]


Die Heilsordnung, plur. die -en, eben daselbst, 1) diejenige Ordnung, in welcher der Mensch der geistlichen Wohlfahrt theilhaftig wird; die Gnadenordnung. 2) Der Umfang der dahin gehörigen Wahrheiten; die Dogmatik.


Heilstätte (W3) [Adelung]


Die Heilstätte, plur. die -n. Im gemeinen Leben mancher Gegenden sagt man von einem Kranken, er suche Heilstätten, wenn er kurz vor dem Tode unruhig wird, und auf eine andere Stätte oder Stelle gebracht seyn will, wo er sich besser zu befinden hofft.


Heilungsmittel (W3) [Adelung]


Das Heilungsmittel, S. Heilmittel.


Heim (W3) [Adelung]


* Das Heim, des -es, plur. die -e, oder die Heime, plur. die -n, ein, wenigstens im Hochdeutschen, völlig veraltetes Hauptwort, welches nur um der folgenden Wörter willen zu merken ist. Es bedeutete, 1) einen Zaun, welche Bedeutung Schilter als die erste und ursprüngliche annimmt, und sich dabey auf den Kilian beruft, der es durch sepes, sepimentum, septum, und heimen durch sepire, obvallare, erkläret. In Oberschwaben ist heimen noch jetzt so viel als einzäunen und hägen. Indessen scheinet es in dieser Bedeutung zunächst zu Hain und mit demselben zu Hag zu gehören; ob es gleich nicht an Wortforschern fehlet, welche Heim und Hain für einerley Wort halten, wenigstens beyde aus Einer Quelle herleiten. 2) Ein umzäunter oder eingehägter Bezirk, ein in seinen Gränzen eingeschlossenes Gebieth, eine Flur, eine Mark, S. Heimbuch, Heimbürge, Heimfeld, Heimgereuth, Heimrath. 3) Ein Gezelt, eine Hütte, ein Wohnhaus mit seinem Zubehör; eine im Deutschen und allen verwandten Sprachen überaus alte Bedeutung. Schon im Salischen Gesetze kommt Cham in verschiedenen Zusammensetzungen, die ich im folgenden anführen werde, vor. Das Angels. Ham, das Nieders. Heime, das Schwed. Heim, das Engl. Home, und andere mehr haben eben diese Bedeutung. Frisch führet aus dem Tschudi die R. A. an, um Haus und Heim kommen, wofür man jetzt sagt, um Haus und Hof kommen. In vielen eigenthümlichen Nahmen der Örter kommt diese und die folgende Bedeutung noch jetzt vor. Das gräfliche Öttingische Bergschloß und heutige Oberamt Hohenhaus, wird in den mittlern Zeiten häufig Hürnheim, und in Lateinischen Urkunden Alta domus, Altum castrum genannt, hundert anderer Beyspiele zu geschweigen. In engerm Verstande bedeutet es ein eigenes Wohnhaus, in welcher Bedeutung auch Haus in den R. A. gebraucht wird, um Haus und Hof kommen, von Hause kommen, nach Hause gehen u. s. f. welche sich vorzüglich in dem folgenden Nebenworte erhalten hat. 4) Eine Sammlung mehrerer Häuser, ein Dorf, ein Flecken. Bey dem Ulphilas sind Bourgs und Haimos Städte und Flecken, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Bey dem Hesychius sind - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Fischerwohnungen. Auch das Franz. Hameau, mittlere Lat. Hama und im Diminut. Hamelus, Hamelettum, und das Lettische Kaimo, Kiemas, ein Dorf, gehören hierher, anderer zu geschweigen. 5) In engerer Bedeutung, der Ort, wo jemand zu Hause ist, woher er gebürtig ist, und in weiterer Bedeutung, ein solches Land, das Vaterland; eine gleichfalls sehr alte Bedeutung, in welches dieses Wort in dem Salischen Gesetze Cham, bey dem Ottfried Heime, Heiminge. im Nieders. Heime, bey den Schwäbischen Dichtern das Heim, lautet. In dem folgenden Nebenworte und in Heimath hat sich auch diese Bedeutung erhalten. In noch weiterm Verstande bezeichnete es im Schwedischen auch die Welt, und Heims Kringla den Weltkreis, das gemeinschaftliche Vaterland aller Menschen.

Anm. Das Wort ist zu alt, als daß man dessen Abstammung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sollte bestimmen können. Die beste Ableitung ist noch die, die es von dem alten hemen, hemmen, bedecken, abstammen lässet, S. Hemd und Himmel, welche aus eben dieser Quelle herfließen; obgleich Ihre es umkehret, und hemmen, bedecken, von Hem und Heim ableitet.


Heim (W3) [Adelung]


Heim, ein Nebenwort des Ortes, welches im Hochdeutschen nur im gemeinen Leben üblich ist, zu Hause oder nach Hause bedeutet, und diejenigen Zeitwörter begleitet, welche eine Bewegung nach einem Orte bedeuten, da es denn nicht nur das Wohnhaus, sonden auch den Geburts- oder Wohnort, und in weiterer Bedeutung auch das Vaterland bezeichnet; z. B. heim gehen, heim reisen, heim hohlen u. s. f. In manchen Fällen wird es noch mit dem Vorworte an zusammen gesetzet, S. Anheim. Von dem Seyn oder Aufenthalte in seiner Wohnung, an seinem Geburts- oder Wohnorte, oder in seinem Vaterlande, ist daheim üblich, S. dasselbe. Heim ist ohne allen Zweifel ein Nebenwort, und sollte daher billig mit den Zeitwörtern eden so wenig zusammen gezogen werden, als die meisten andern Nebenwörter; indem dieses eigentlich nur mit Vorwörtern geschiehet. Allein, da hin, her, weg, wieder, wenn es das Nebenwort ist, und noch einige andere hier eine Ausnahme machen, so wird heim von vielen auch mit dahin gezogen, die folglich heimbringen, heimhohlen, heimfahren u. s. f. schreiben. Indessen sollte man doch hier lieber zu wenig als zu viel thun, weil dergleichen unnöthige Zusammenziehungen zu weiter nichts dienen, als daß sie die Zahl der Wörter ohne Noth vermehren. Ich habe daher im folgenden die gangbarsten; mit diesem heim verbundenen Zeitwörter, zwar besonders aufgeführet, aber sie getheilt geschrieben, heimsuchen ausgenommen, welches die Zusammenziehung schon längst hergebracht hat. Die von solchen Redensarten hingegen gemachten Hauptwörter, wie Heimfahrt, Heimbringung, Heimhohlung, Heimkunft u. s. f. werden billig als Ein Wort angesehen, wie solches in tausend andern Fällen gleichfalls geschiehet. S. die Sprachlehre. Dieses alte Nebenwort stammet von dem vorigen Hauptworte ab, und lautet schon in dem Salischen Gesetze cham, bey dem Ottfried. heim, im Dän. hiem, im Schwed. hem, im Engl. home.


Heimath (W3) [Adelung]


Die Heimath, plur. die -en, der Ort, das Land, wo jemand daheim ist, d. i. sein Geburtsort, sein Vaterland. Gott, der mich von meiner Heimath genommen hat, 1 Mos. 24, 7. Sie ruderten gemach der Heimath wieder zu,. Kleist. Anm. Bey dem Notker Heimod und Heimuod, bey dem Tschudi Heimen, bey dem Pictorius Heimand, im Holländ. Heymet, im Nieders. nur Heime, und im Dän. Hiem. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die letzte Sylbe aus der Endung -de entstanden ist, wie schon Frisch behauptet hat, indem dieses Wort im gemeinen Leben, vieler Gegenden wirklich Heimde geschrieben und gesprochen wird. Ottfried gebraucht dafür mit einer andern Ableitungssylbe Heiminge. In einigen Gegenden ist es ungewissen Geschlechtes, welches es auch bey dem Frisch hat. Ein Mann verlässet sein eigen Heimat und hanget seinem Weibe an, 3 Esr. 4, 20.


Heim begeben (W3) [Adelung]


Heim begeben, verb. irreg. recipr. ( S. Geben,) welches nur im gemeinen Leben vorkommt. Sich heim begeben, sich nach Hause, in seinen Wohn- oder Geburtsort, in sein Vaterland begeben.


Heim bringen (W3) [Adelung]


Heim bringen, verb. irreg. act. ( S. Bringen,) im gemeinen Leben, nach Hause bringen. Esau ging aufs Feld, daß er ein Wildbret jagte und heim brächte, 1 Mos. 27, 5. Wird Gott - mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, Kap. 28, 21. Daher die Heimbringung.


Heimbuch (W3) [Adelung]


Das Heimbuch, des -es, plur. die -bücher, in einigen Gegenden, z. B. zu Mühlhausen, ein obrigkeitliches Buch, welches die Flur. und Feldgesetze enthält. S. das Heim 2. und das folgende.


Heimbürge (W3) [Adelung]


Der Heimbürge, des -n, plur. die -n, ein nur an einigen Orten übliches Wort. 1) In Thüringen und einigen andern Gegenden ist der Heimbürge eines Dorfes dessen Kämmerer, und zuweilen auch dessen Syndicus, indem er die Güter der Gemeinde verwaltet und berechnet, bey Rechtshändeln das Beste der Gemeinde besorget, und zuweilen auch die Polizey in seinem Dorfe handhabet. Sein Amt wird das Heimbürgenamt, die Heimbürgenschaft genannt. Er folgt in der Würde nach dem Schulzen, und heißt in andern Gegenden der Heimer, Vorsteher, Dorfmeister, Vormünder, Gemeinder, Gemeindsführer, im Hennebergischen Bauermeister, Baumeister, in Sachsen Gemeindemeister. 2) An andern Orten, z. B. in Mühlhausen, sind es obrigkeitliche Personen, welche vornehmlich die Streitigkeiten, die in dem Heime, d. i. in der Flur und in den Feldern ( S. das Heim 2,) vorfallen, untersuchen und entscheiden, und ihre Urtheile nach dem Heimbuche abfassen. Sie halten gemeiniglich jährlich Ein Mahl im Felde unter freyem Himmel ein öffentliches Gericht, welches das Heimbürgengericht, im gemei- nen Leben das Heimbürgensigen, und zusammen gezogen das Heimersigen genannt wird. An andern Orten heißt es das Hägemahl, S. dieses Wort, ingleichen Feldgericht. 3) Zuweilen, besonders im Oberdeutschen, werden die Gerichtsbothen, oder obersten Gerichtsdiener Heimbürgen, und im mittlern Lat. Heimburgenses und Heimburgii genannt, wie von Speyer, Straßburg und andern Orten erweislich ist.


Heime (W3) [Adelung]


Die Heime, plur. die -n, noch häufiger aber im Diminut. das Heimchen, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, eine sehr gewöhnliche Benennung der Grille, besonders aber der Hausgrille, weil sie sich am liebsten in den Häusern aufhält, stehe Hausgrille. Bey dem Raban Maurus Muheimo, bey dem Dafipodius mit Versetzung der Sylben Heimenmuck, von dem Oberdeutschen Mucke, ein fliegendes Ungeziefer, im Nieders. Hemken, Ehmken, Ehme.


Heim eilen (W3) [Adelung]


Heim eilen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert und nur im gemeinen Leben üblich ist, noch Hause eilen.


Heimer (W3) [Adelung]


Der Heimer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Heimbürge.


Heim fahren (W3) [Adelung]


Heim fahren, verb. irreg. neutr. ( S. Fahren,) welches das Hülfswort seyn bekommt, im gemeinen Leben, nach Hause fahren.


Heimfahrt (W3) [Adelung]


Die Heimfahrt, plur. die -en, die Fahrt, d. i. Reise nach Hause. In engerer Bedeutung wird auch die feyerliche Heimführung der Braut, die Heimhohlung, an einigen Orten die Heimfahrt genannt.


Heimfall (W3) [Adelung]


Der Heimfall, des -es, plur. die -fälle, in den Rechten, derjenige Zufall, da jemanden ein Genuß oder Eigenthum anheim fällt, durch einen Todesfall wieder zufällt.


Heim fallen (W3) [Adelung]


Heim fallen, verb. irreg. neutr. ( S. Fallen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, und auch anheim fallen lautet, zufallen, durch einen Todesfall oder andern Umstand in jemandes Besitz gerathen, besonders von Gütern, wenn sie wieder an ihren vorigen Herren, oder dessen Haus fallen. Wenn das Lehen dem Lehensherren heim fallen wird. Wo es aber seiner Knechte einem von seinem Erbtheil etwas schenket, das sollen sie besitzen bis aufs Freyjahr, und soll alsdann dem Fürsten wieder heim fallen, Ezech. 46, 17. Solche heim gefallene Güter werden oft heim fällige Güter genannt, nach einer fehlerhaften, aber sehr gewöhnlichen Verwechselung der Mittelwörter. Schwed. hemfalla.


Heimfeld (W3) [Adelung]


Das Heimfeld, des -es, plur. die -er, in einigen Gegenden, z. B. in Sachsen, ein Feld, welches in des Dorfes eigenen Heim, d. i. Flur; Mark und Gerichte, lieget; ein einheimisches Feld, im Gegensatze der auswärtigen Felder oder Weitfelder, welche in andern Fluren oder unter andern Gerichten liegen. Bestehen dergleichen Felder aus Hufen, so werden diese auch Heimhufen, und ihre Besitzer Heimhüfener genannt, welche letztere an andern Orten auch Inmärker heißen, und den Ausmärkern entgegen gesetzet sind.


Heim führen (W3) [Adelung]


Heim führen, verb. reg. act. nach Hause, in seinen Wohnort, in sein Vaterland führen. Führe ihn wieder mit dir heim, 1 Kön. 13, 18. Will dich des Weges wieder heim führen, deß du gekommen bist, Es. 37, 29. Daher die Heimführung, welches in engerer Bedeutung auch von der feyerlichen Führung einer Braut in das Haus ihres Bräutigams gebraucht wird, von der Heimhohlung.


Heim gehen (W3) [Adelung]


Heim gehen, verb. irreg. neutr. ( S. Gehen,) welches das Hülfswort seyn erfordert, nach Hause, in sein Haus, in seinen Wohnort, in sein Vaterland gehen. Ey, laßt uns heim gehen, Hist. Sus. v. 13. Hebe dein Bett auf und gehe heim, Matth. 9, 6. So froh geht nicht der Schnitter heim, wenn er die letzte Garbe in seine rolle Scheune trägt, Geßn.


Heimgereuth (W3) [Adelung]


Das Heimgereuth, oder Haimgeraid, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, z. B. um Landau, ein in seinen Gränzen eingeschlossenes Gereuth, eine Holzmark, S. Gereuth und das Heim 2.


Heim hohlen (W3) [Adelung]


Heim hohlen, verb. reg. act. nach Hause, in seine Wohnung, in seinen Wohnort, in sein Vaterland hohlen. Besonders, seine Braut oder neue Ehegattinn feyerlich in seine Wohnung führen. Welcher ein Weib ihm anvertrauet hat, und hat sie noch nicht heim gehohlet, 5 Mos. 20, 7. Als Maria dem Joseph vertrauet war, ehe er sie heim hohlete, Matth. 1, 18. Daher die Heimhohlung, welche, wenn eine solche feyerliche Handlung darunter verstanden wird, auch die Heimfahrt, die Heimführung heißt.


Heimhufe (W3) [Adelung]


Die Heimhufe, plur. die -n, der Heimhüfener, des -s, plur. ut nom. sing. S. Heimfeld.


Heimisch (W3) [Adelung]


* Heimisch, adj. et adv. welches im Hochdeutschen, außer der Zusammensetzung einheimisch, unbekannt, im Oberdeutschen aber noch gangbar ist. Es bedeutet daselbst, 1) was im Hause ist, sich in Wohnhäusern aufhält. Heimische Mäuse, Hausmäuse, im Gegensatze der Feldmäuse. Heimische arme Leute, hausarme. 2) Zahm, wofür auch heimlich üblich ist. Heimische Thiere, zahme. 3) Einheimisch, im Gegensatze dessen, was fremd ist. Vermuthlich gehören hierher auch die heimischen Trauben in Sachsen und Franken, welche eine Art grüner Weintrauben sind, den Elbingischen Trauben gleichen, und so wie sie, hell, dünnschälig und wässerig sind, und daher auch leicht faulen.


Heim kehren (W3) [Adelung]


Heim kehren, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, wieder nach Hause, in seinen Geburtsort, in sein Vaterland kehren. Wir wollen nicht heim kehren, 4 Mos. 32, 18. Maria kehrete wiederum heim, Luc. 1, 56.


Heim kommen (W3) [Adelung]


Heim kommen, verb. irreg. neutr. ( S. Kommen,) mit seyn, wieder nach Hause, in seine Wohnung, in seinen Wohn- oder Geburtsort, in sein Vaterland kommen. Bis sein Herr heim kam, 1 Mos. 39, 16. Wenn er heim kommt vom Felde, Luc. 17, 7. Daher die Heimkunft, plur. inus.


Heim laufen (W3) [Adelung]


Heim laufen, verb. irreg. neutr. ( S. Laufen,) mit dem Hülfsworte seyn, und nur im gemeinen Leben, nach Hause laufen.


Heim leuchten (W3) [Adelung]


Heim leuchten, verb. reg. act. im gemeinen Leben, nach Hause leuchten. Figürlich auch in der niedrigen Sprechart, nach Hause prügeln, fortprügeln. Im Nieders. utliichten, ausleuchten.


Heimlich (W3) [Adelung]


Heimlich, -er, -ste, adj. et adv. welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. So fern es zunächst von Heim, das Haus, abstammet, bedeutet es, 1) * was sich in einem Hause befindet, zu demselben gehöret, und in weiterer Bedeutung, was aus einer und eben derselben Heimath ist, wofür in dem erstern Falle im Oberdeutschen auch heimlich üblich ist. Heimliche Thiere, Hausthiere. In den Deutschen Bibeln vor Luthern werden daher auch die Hausbedjenten, Hausgenossen, die Heimlichen genannt, 2) Figürlich. (a) * Verwandt; in welcher Bedeutung es ehedem in Niedersachsen sehr üblich war. Like hemelik, gleich nahe verwandt, in den Bremischen Statuten. S. Oheim. (b) * Vertraut, wie Leute, die zu Einer Familie, zu Einem Hause gehören, gegen einander zu seyn pflegen. Den armen was er haimleich, in dem alten Gedichte auf Carls Feldzug bey dem Schilter. Schwed. hemlig, Lat. familiaris, von welchem es eine buchstäbliche Übersetzung ist. Besonders wurde es ehedem (c) * häufig von denjenigen Dienern, Ministern und Beamten eines Fürsten gebraucht, denen er sich und seine Geschäfte zunächst anvertrauete, welche vor andern einen Theil seines Hauses ausmachten, daher sie auch im mittlern Lat. Domestici und Familiares hießen. Daher ein heimlicher Rath, ein heimlicher Schreiber, ein Heimlicher, in den mittlern Zeiten so oft für einen geheimen Rath, geheimen Secretär und vertrauten Minister vorkommt. Der meier und der richter Der fuirsprech und der heimlicher, der Burggr. von Riedenburg. der vertraute Freund. Pharao nennte Joseph den heimlichen Rath. 1 Mos. 41, 45. David machte den Benaja zum heimlichen Rath. 2 Sam. 23, 23; 1 Chron. 12, 25. Die Weisheit ist der heimliche Rath im Erkenntniß Gottes, Weish. 8, 4. In den folgenden Zeiten, wo diese Bedeutung unbekannt wurde, oder das Wort heimlich etwas Niedriges bekam, gebrauchte man dafür das in diesem Falle ganz unschickliche geheimer Rath, geheimer Minister u. s. f. welches nicht einen vertrauten, sondern eigentlich einen verborgenen Minister bezeichnet. (d) * Zahm, von Thieren, wie solche Thiere zu seyn pflegen, welche sich in den Häusern und um den Menschen aufhalten, in welchem Verstande es im Oberdeutschen noch völlig gangbar ist. Heimliche und wilde Thiere, Buch der Nat. 1483. Im mittlern Lat. domesticus, wo auch domesticare zähmen bedeutet. Selbst unser zahm scheint durch Vertauschung des Hauchlautes mit dem Zischlaute davon abzustammen. (e) * Sicher zu wohnen, sicher an einem Orte zu bleiben, besonders in Ansehung der Gespenster; nach häufig im Oberdeutschen. Es ist hier nicht heimlich. (f) * Gütig, gnädig, freundlich. Wie ist dir Gott so hert und so unheimlich. Kaisersb. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt es in diesem Verstande mehrmahls vor. (g) * Heiter, fröhlich; besonders in Schlesten. Ein Mann steht unbewegt; es ist allezeit heimliches Wetter in seinem Gemüthe, Opitz. Daß durch sein Singen Saat und Heiden heimlich werden, ebend. Doch in allen diesen Bedeutungen ist es im Hochdeutschen veraltet, wo man es, 2. Nur noch gebraucht, so fern es zunächst von dem alten hemen, bedecken, verbergen, abstammet, wo es überhaupt etwas das verborgen wird, oder verborgen soll, bedeutet, so wohl so fern es ohne anderer Beyseyn, als auch so fern es ohne ihr Wissen, nud auf eine ihnen verborgene Art und Weise ist und geschiehet. Ein heimlicher Ort, ein heimlicher Winkel ein heimlicher Gang, eine heimliche Treppe. Das heimliche Gemach, weil man es gemeiniglich den Augen anderer zu entziehen pfleget; im Weichbilde die Heimlichkeit. Heimliche Örter, heimliche Theile des Leibes, welche der Wohlstand zu verbergen befiehlet. Heimliche Waffen bey sich führen. Eine heimliche Liebe, ein heimliches Verständniß, heimliche Sünden. Ein heimliches Anliegen haben. Wir haben nichts Heimliches. Ihr Auge verräth einen heimlichen Gram. Die heimliche Zauberkraft der Mannspersonen. Ingleichen als eine Nebenwort. Sich heimlich davon schleichen, ohne daß es andere gewahr werden. Sich heimlich verbergen. Jemanden etwas heimlich offenbaren. Heimlich zu etwas Befehl haben. Etwas heimlich mit jemanden verabreden. Etwas heimlich halten. Sich heimlich halten, sich vor andern verborgen halten. Jemanden heimlich nachstellen. Heimlich klagen, seufzen, weinen, sich freuen. Welche heimlich vergossene Thränen! In diesen und wohl allen übrigen Fällen hat heimlich etwas niedriges an sich, wenigstens muß es in der Würde dem geheim nachstehen, daher man es am sichersten noch da gebraucht, wo von einer unerlaubten, oder unanständigen Sache die Rede ist. Dieß ist vermuthlich euch die Ursache, warum das Unschickliche dieses Wortes in folgenden Stellen einem feinen Gehöre so gleich merklich wird. Gottes heimlicher Rath, Hiob 15, 8. Zu mir ist kommen ein heimlich Wort, Kap. 4, 12. Die heimliche Weisheit, Kap. 11, 6; Ps. 51, 8. Die heimliche verborgene Weisheit Gottes, 1 Cor. 2, 7. Das heimliche Gericht Gottes, Weish. 2, 22. Die heimliche Wissenschaft. Zum heimlichen Gebrauche des Landesherren. Wo geheim der Würde des Gegenstandes weit angemessener ist. Indessen findet außer dem noch ein sehr wesentlicher Unterschied zwischen heimlich und geheim Statt. Dieser rühret von der Ableitungssylbe -lich in dem erstern Worte her, welches zunächst eine Ähnlichkeit bezeichnet, so daß heimlich eigentlich etwas bedeutet, was einem geheimen Dinge ähnlich ist, oder was geheim, verborgen gehalten wird, und adverbisch auf eine geheime verborgene Art; dagegen geheim verborgen selbst bedeutet. Man sagt daher auch aus diesem Grunde nicht richtig, alles was heimlich ist, wissen, Weish. 7, 21, sondern was geheim ist; nicht richtig die heimlichen Gerichte Gottes, sondern geheimen, weil sie nicht bloß verborgen gehalten werden, sondern an und für sich selbst verborgen sind; nicht eine heimliche Wissenschaft, so fern sie an und für sich unbekannt und verborgen ist, sondern eine geheime; nicht heimlich bleiben, sondern geheim; nicht das Heimliche an den Tag bringen, 2 Macc. 12, 41. Hingegen ist heimlich halten und geheim halten von Sachen gleich richtig, weil halten in dem zweyten Falle so viel als erhalten ist, und so viel bedeutet, als eine Sache in dem verborgenen Zustande erhalten, worin sie sich befindet.

Anm. Dieses Wort lautet im Nieders. hemelik, im Dän. hemmelig, und im Schwed. hemlig.


Heimlichkeit (W3) [Adelung]


Die Heimlichkeit, plur. die -en, von dem vorigen Bey- und Nebenworte. 1) Der Zustand, da man eine Sache geheim zu halten, vor andern zu verbergen bemühet ist; ohne Plural. Die Wohlthätigkeit, welche den Dürftigen so schön zu finden, und mit so glücklicher Heimlichkeit ihm zu helfen weiß, Gell. Zu meiner Zeit Befliß man sich der Heimlichkeit. Genoß ein Jüngling ein Vergnügen, So war er dankbar und verschwiegen, Haged. 2) Eine heimlich gehaltene Sache, besonders von solchen Dingen, welche man der Ehre, des Wohlstandes wegen heimlich hält. Nach eines Heimlichkeiten forschen. Alle Heimlichkeiten offenbaren, alle Anekdoten. Jemanden seine Heimlichkeit offenbaren. In einigen Gegenden wird auch der Abtritt oder das heimliche Gemach die Heimlichkeit genannt, S. das vorige. Zuweilen, aber nicht im Hochdeutschen, auch ohne diesen Nebenbegriff. Der verrieth den Feinden alle Heimlichkeit, 2 Macc. 13, 21. Herr ewiger Gott, der du kennest alle Heimlichkeit, Sus. V. 42; wo es verborgen gehaltene Sachen überhaupt bedeutet.

Anm. In dem Schwabenspiegel nur das Heimlich. Aus dem vorigen erhellet, daß Heimlichkeit eigentlich keine an und für sich verborgene Sache bedeuten könne, wie Geheimniß, so fern nicht zugleich angedeutet werden soll, daß sie vorsetzlich geheim gehalten werde. Indessen fehlet es nicht an Beyspielen des Gegentheiles, welche aber im Hochdeutschen niedrig klingen. Ich will meinen Mund aufthun in Gleichnissen, und will aussprechen die Heimlichkeit von Anfang der Welt, Matth. 13, 35. Die Heimlichkeit der Dreyfaltigkeit, in einer Oberd. Schrift, für das Geheimniß. Wie wollten wir doch mahlen Die tiefe Heimlichkeit, Opitz, das tiefe Geheimniß. So fern heimlich zunächst von Heim das Haus, abstammet, bedeutete Hemeligkeit im Nieders. ehedem auch das Beysammen- wohnen in einem Hause, ingleichen den nächsten Grad der Verwandtschaft.


Heim machen (W3) [Adelung]


Heim machen, verb. reg. recipr. sich heim machen, im gemeinen Leben, sich nach Hause, in seinen Wohnort machen, d. i. begeben.


Heimrath (W3) [Adelung]


Der Heimrath, des -es, plur. die -räthe, in einigen Gegenden, z. B. im Clevischen, ein Beysitzer, oder Rath eines gewissen Gerichtes, wo besonders die Deichgeschwornen, weil sie mit in dem Deichgerichte sitzen, diesen Nahmen führen und vollständig Deichheimräthe genannt werden. Von Heim, so fern es einen gewissen Bezirk, ein Gebieth bedeutet.


Heimreise (W3) [Adelung]


Die Heimreise, plur. die -n, die Reise nach Hause, in seinen Geburts- oder Wohnort.


Heim reisen (W3) [Adelung]


Heim reisen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, nach Hause reisen. Der König reisete wieder heim, 1 Macc. 4, 37.


Heim reiten (W3) [Adelung]


Heim reiten, verb. irreg. neutr. ( S. Reiten,) mit dem Hülfsworte seyn, nach Hause reiten.


Heimschar (W3) [Adelung]


Die Heimschar, plur. die -e, S. Bauerfriede.


Heim schicken (W3) [Adelung]


Heim schicken, verb. reg. act. nach Hause schicken. Und er schickte ihn heim, Macc. 8, 26. Daher die Heimschickung.


Heimschnat (W3) [Adelung]


Die Heimschnat, plur. die -en, S. Bauerfriede und Schnat.


Heim senden (W3) [Adelung]


Heim senden, verb. irreg. act. S. Senden, nach Hause senden. Daher die Heimsendung.


Heim sehnen (W3) [Adelung]


Heim sehnen, verb. reg. recipr. sich heim sehnen, sich nach Hause sehnen.


Heim stellen (W3) [Adelung]


Heim stellen, verb. reg. act. welches nur in figürlichem Verstande des Wortes heim üblich ist, eines Gutbefinden überlassen. Christus stellete es dem heim, der da recht richtet, 1 Pet. 2, 23. Daß völlige Gewalt In allem, was er hat, dem Sohn ist heimgestellt, Opitz. Wofür man auch anheim stellen zu sagen pfleget.


Heim steuern (W3) [Adelung]


Heim steuern, verb. reg. act. aussteuern, eine Person, welche verheirathet werden soll, mit der nöthigen Mitgabe versehen. Daher die Heimsteuerung.


Heimsuchen (W3) [Adelung]


Heimsuchen, verb. reg. act. welches die vierte Endung der Person erfordert. Es bedeutet, 1. * Eines Haus gewaltthätiger Weise erbrechen, in welcher Bedeutung auch die Heimsuche und die Heimsuchung verkommen. Schon in dem Salischen Gesetze findet sich in diesem Verstande Chamestali, von Cham, das Haus. In weiterer Bedeutung auch ehedem überhaupt, jemanden in seinem Hause Gewalt anthun. Ist das ain Man sin haus hinlat und selb darinne nit en ist, swer das haus dann bestanden hat, wirt der geheimsuchet, die heimsuch ist des hofherrn halbw und des der das haus bestanden hat, halbw, in dem alten Augsburg. Stadtrechte bey dem Schilter, wo das Hauptwort auch die darauf gesetzte Strafe bedeutet. Es sey dan Blutrunst oder Heimsuche oder Todtschlag, oder Knütteln mit bedachtem Mute, in dem Vertrage Erzbisch. Gerhards zu Mainz mit der Stadt Erfurt von 1289, So sol ain vogt rihten uber den totslag und alle fraevel - und haimsuchen, und swaz fraevel und unzuht haizzet, Schwabensp. Kap. 3, 4. Im Schwed. hemsokn, im Angels. hamsokna, im mittlern Lat. hamsoca, hamsocna. Auch Haussuchung und Heimzucht, im Friesischen Hamfare, Huusfare, waren ehedem in diesem Verstande üblich. Jetzt sind sie alle in demselben veraltet. 2. * Untersuchen, erforschen, ergründen; vielleicht eine Figur der vorigen Bedeutung, in welcher es aber im Hochdeutschen veraltet ist. Wer will über ihn heimsuchen seinen Weg? Hieb 36, 23. 3. Besuchen, einen Besuch bey jemanden in seinem Hause abstatten. 1) Eigentlich, in welchem Verstande es im Hochdeutschen nur noch im Scherze oder gemeinen Leben, im Oberdeutschen aber noch völlig gangbar ist. Als ihn Regiomontan in seinem hohen Alter zu Rom heimsuchte, von Khauz. Daher in den Kirchen noch das Fest der Heimsuchung Mariä seinen Nahmen hat, von dem feyerlichen Besuche, welchen der Engel Gabriel bey derselben abstattete. 2) Figürlich wird es in der Deutschen Bibel und der daher entlehnten theologischen Schreibart häufig von einer jeden merklichen Offenbarung Gottes und seiner Beschäftigung mit den Menschen gebraucht, und zwar, (a) von der Offenbarung der gnädigen Gegenwart Gottes. Und der Herr suchte heim Sarah, wie er geredt hatte, 1 Mos. 21, 1. Was ist des Menschen Sohn, daß du ihn heimsuchest? Ebr. 2, 6; in welcher aus Ps. 8, 5 entlehnten Stelle es daselbst heißet, daß du dich sein annimmst. (b) Von der Offenbarung der Strafgerichte Gottes. Ich will den Erdboden heimsuchen um seiner Bosheit willen, Es. 13, 11. Zu der Zeit wird der Herr heimsuchen die hohe Ritterschaft, Kap. 24, 21. Wenn die Strafe genannt wird, so bekommt selbige das Vorwort mit, da denn diese Redensart auch noch im Hochdeutschen üblich ist. Mit Feuersbrünsten, mit Krieg, mit Pest, mit einer bösen Frau, heimgesuchet werden. In der Deutschen Bibel wird es auch häufig mit der vierten Endung, der Sache gebraucht, die Sünde, die Bosheit, die Blutschulden u. s. f. heimsuchen, d. i. strafen, da denn Heimsuchungen auch Strafen bedeuten.


Heimsuchung (W3) [Adelung]


Die Heimsuchung, plur. die -en, S. Heimsuchen.


Heim tragen (W3) [Adelung]


Heim tragen, verb. irreg. act. ( S. Tragen,) nach Hause tragen. Daher die Heimtragung.


Heim treiben (W3) [Adelung]


Heim treiben, verb. irreg. act. ( S. Treiben,) nach Hause treiben. Daher die Heimtreibung.


Heimtücke (W3) [Adelung]


Die Heimtücke, plur. die -n. 1) Die Fertigkeit, die Neigung, andern heimlich und wider ihre Erwartung zu schaden; ohne Plural. Viele Heimtücke besitzen. Ich kenne deine Heimtücke. 2) Ein Übel selbst, besonders ein Übel geringerer Art, welches man einem andern heimlich, wider dessen Erwartung zufüget. S. das folgende.


Heimtückisch (W3) [Adelung]


Heimtückisch, -er, -te, adj. et adv. Heimtücke besitzend, und in dieser Neigung gegründet. Ein heimtückischer Mensch. Ein heimtückischer Streich. Anm. Obgleich Tücke schon den Begriff des Verborgenen bey sich führet, so scheinet doch heim in dieser Zusammensetzung richtiger zu heim, geheim, verborgen, als zu ham, hämisch, zu gehören. Hämtücke, wie es einige von diesem letztern Worte schreiben, würde eben so gut eine Tavtologie seyn als Heimtücke, wenn man auch den beständigen Gebrauch, der unstreitig für das letztere ist, nicht mit in Betrachtung ziehen wollte. Indessen kann heim hier auch die Bedeutung des Verborgenen verstärken, eine sehr verborgene Tücke zu bezeichnen. Im Nieders. ist dafür gluupsch, nüksch, fünisch, luurhaftig üblich, wo man: einen solchen heimtückischen Menschen auch einen Glunper, Stillkenbiter, Dullker, Luurangel u. s. f. nennet.


Heim wandern (W3) [Adelung]


Heim wandern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, nach Hause wandern.


Heimwärts (W3) [Adelung]


Heimwärts, adv. nach seinem eigenen Hause, nach seiner Wohnung, nach seinem Geburts- oder Wohnorte, nach seinem Vater- lande zu. Bey dem Ottfried heimortes, in dem Tatian heimuuartes.


Heimweg (W3) [Adelung]


Der Heimweg, des -es, plur. inus. der Weg nach Hause, doch nur in der R. A. sich auf den Heimweg machen. Ingleichen figürlich, die Rückkehr nach Hause. Morgen will ich an meinen Heimweg denken.


Heim weisen (W3) [Adelung]


Heim weisen, verb. irreg. act. S. Weisen, nach Hause weisen, ingleichen figürlich, abweisen. So auch die Heimweisung.


Heim wollen (W3) [Adelung]


Heim wollen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, nach Hause wollen.


Heimzen (W3) [Adelung]


Der Heimzen, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur noch in einigen Gegenden, z. B. in Meißen, auf dem Lande, besonders bey Lieferung des Zinsgetreides übliches Maß, welches nach dem Dresdener Maße 3/4 eines Scheffels und 3 1/5 Mäßchen hält. Gemeiniglich aber werden 5 Heimzen für 4 Dresdener Scheffel gerechnet. S. Himten, mit welchem Worte es verwandt ist.


Heim ziehen (W3) [Adelung]


Heim ziehen, verb. irreg. ( S. Ziehen,) welches so wohl in Gestalt eines Activi; als eines Neutrius vorkommt, und im letztern Falle das Hülfswort seyn erfordert, nach Hause, in sein Vaterland ziehen. Heim ziehen in seine Stadt, 2 Sam. 17, 23. Die Bothen zogen heim, Judith 1, 11. Daher der Heimzug. Des Königes Heimzug, 2 Macc 13, 26. Im Salischen Gesetze ist Chamzy so viel als in den spätern Zeiten Heimzucht, d. i. gewaltsame Erbrechung eines Hauses. S. Heimsuchen 1.


Heinrich (W3) [Adelung]


1. Heinrich, -s, ein alter Deutscher Mannsnahme, der im Latein. Henricus lautet, und immer noch ungewissen Ursprunges ist, obgleich Hain, Wald, und -rich, entweder so fern es die gewöhnliche männliche Endung ist, oder auch, so fern es reich bedeutet, vielleicht den nächsten Anspruch darauf machen können. Im gemeinen Leben lautet dieser Nahme Heinz, und im Nieders. abgekürzet Hein. Die Nahmen Hetzil, Hezzo, Hezzin, Hesso, Eso, welche in den mittlern Zeiten so häufig vorkommen, sind auch nichts anders als verderbte Aussprachen oder Diminutiva desselben. Viele glauben auch, daß der alte Nahme Erich, Schwed. Erik, der im Nieders. noch jetzt Ehrke und Erke lautet, von demselben abstamme.


Heinrich (W3) [Adelung]


2. Der Heinrich, des -es, plur. inus. ein Nahme verschiedener Pflanzen. 1) Einer Art des Gänsefußes, welche auf den Rainen, an den Wegen und Dörfern wild wächset, und wegen ihrer eröffnenden und kühlenden Kraft, daher sie zu Klystieren und Umschlägen gebraucht wird, guter Heinrich genannt wird; Chenopodium bonus Henricus L. An andern Orten heißt sie stolzer Heinrich, Dän. Stolt-Händrik, Norweg. Stolten Henrich, Engl. Good ; an andern Orten Feldspinat und Allgut. 2) Das Bingelkraut, Mercurialis L. wird in einigen Gegenden im Gegensatze der vorigen Pflanze böser Heinrich, an andern Orten auch die böse Blume genannt, weil sie ein schädliches Unkraut ist, und an den Zäunen, neben den Wäldern und an schattigen Orten häufig wächset.

Anm. Es ist nicht glaublich, daß diese Benennung mit dem vorigen eigenthümlichen Nahmen einige Verwandtschaft haben sollte, obgleich ihr Ursprung schwer auszumachen seyn möchte. Vielleicht stammet sie von Heim ab, weil beyde Pflanzen gern an den Heimen, d. i. Zäunen und Dörfern wachsen. Vielleicht auch von Hain, ein Wald.


Heinrich (W3) [Adelung]


3. Der Heinrich, des -es, plur. die -e, ein chymischer Ofen, S. 2. Heinz.


Heinrichs (W3) [Adelung]


Der Heinrichs Nobel, des -s, plur. ut nom. sing. eine ehemahlige Englische Goldmünze, welche König Heinrich VIII. nach dem Muster der ältern Rosenobeln schlagen ließ, und welche 5 Pfennige und 10 Grän, oder 2 Ducaten wog. Der halbe Heinrichs-Nobel wog 2 Pfennige 17 Grän, oder 1 Ducaten. Nach dem Lat. Henricus-Nobilis. S. Rosenobel und Nobel. Die Niederländer prägten diese Münze nach, da sie denn wegen des darauf befindlichen Schiffes auch Schiffs-Nobel genannt wird.


Heint (W3) [Adelung]


* Heint, ein veraltetes Nebenwort der Zeit, welches aus heute verderbt ist, und ehedem theils für dieses Nebenwort überhaupt, theils auch in engerer Bedeutung von der vorigen Nacht gebraucht wurde, als wenn es auch heute Nacht zusammen gezogen worden. Heint als die dunkeln Schatten u. s. f. in dem bekannten Kirchenliede. Bey dem Ottfried hinaht.


Heinz (W3) [Adelung]


1. Heinz, -es, der zusammen gezogene eigenthümliche Nahme Heinrich, S. denselben.


Heinz (W3) [Adelung]


2. Der Heinz, des -en, plur. die -en, ein nur noch in einigen Fällen und Gegenden übliches Wort. 1) In dem Sächsischen Erzgebirge werden die Zugochsen, dem Melzer bey dem Frisch zu Folge, Heinzen genannt. 2) In dem Bergbaue wird ein sehr einfaches Röhrwerk, wodurch das Wasser vermittelst eines eisernen Seiles und der daran hängen den Taschen aus der Tiefe gezogen wird, ein Heinz, eine Heinzenkunst, sonst aber auch eine Hängeseilkunst, genannt. Es ist das älteste unter den im Bergbaue üblichen Kunstzeugen, und wird bald Heinitz, bald auch Henitz und Hönitz geschrieben und gesprochen. 3) In der Chymie führet ein Zugofen, welchen man voll Kohlen füllet, daher er kein so häufiges Nachsehen erfordert als ein anderer, den Nahmen des faulen Heinzen, vermuthlich, weil er nur schwach ziehet. Bey einigen heißt er der faule Heinrich, vermuthlich, weil man das Wort Heinz nicht verstanden, und es irrig für den verkürzten eigenthümlichen Nahmen gehalten. Anm. Frisch führet aus dem Tschudi das Zeitwort heunzen, an welches daselbst vor Gericht ziehen bedeutet. Hat dieses ehedem ziehen überhaupt bedeutet, so ist es wahrscheinlich das Stammwort von Heinz in allen diesen drey Bedeutungen, weil das Ziehen in allen der herrschende Begriff ist. S. Heinzelbank und die folgenden. Indessen stehet es dahin, ob es in der ersten Bedeutung, da es von Zugochsen gebraucht wird, nicht etwa eine Art eines eigenthümlichen Nahmens ist, dergleichen man auf dem Lande dem Viehe mehrmahls zu geben pfleget. Zur zweyten Bedeutung gehöret, daß die Stange an einem Ziehbrunnen, woran der Eimer hinab und herauf gezogen wird, an einigen Orten der Hengst, und im Schwed. Hink genannt wird, vielleicht aus eben dieser Quelle, obgleich Ihre es von hwika, wanken, ableitet.


Heinze (W3) [Adelung]


Die Heinze, plur. die -n, scheinet an einigen Orten eine Benennung der Bienen zu seyn. Wenigstens werden die Feldbienen in einigen Gegenden Waldheinzen genannt. Etwa von Hain, Heinz, ein Hag, S. Heinzerlein? Oder von dem alten Hans, ein Gesell, Genoß, und Hansa, eine Vereinigung mehrerer, welche Bedeutung Wachter auch dem veralteten Zeitworte heimen beyleget? Das Nieders. Imme, Biene, wird von eini- gen gleichfalls von diesem Zeitworte hergeleitet, welches alsdann mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, zugleich, sehr deutlich überein kommt. Ein leer gelassener Bienenstock mit noch vollem Werke heißt in Niedersachsen ein Hänker.


Heinzelbank (W3) [Adelung]


Die Heinzelbank, plur. die -bänke, in einigen Gegenden, die Schnitzbank, nicht, wie Frisch glaubt, wegen der Ähnlichkeit des dicken beweglichen Kopfes, mit einem Ochsenkopfe, S. 2. Heinz, sondern vermuthlich so fern sie sonst auch die Ziehbank genannt wird, weil das Schneiden auf derselben mit einem Ziehen verbunden ist. S. 2. Heinz Anm.


Heinzelmännlein (W3) [Adelung]


Das Heinzelmännlein, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, eine Benennung des Alrauns, weil, wie Frisch vermuthet, diese zum Aberglauben gemißbrauchte Wurzel, durch einen Hund aus der Erde gezogen wird. S. 2. Heinz Anm.


Heinzenkunst (W3) [Adelung]


Die Heinzenkunst, plur. die -künste, S. 2. Heinz.


Heinzenseil (W3) [Adelung]


Das Heinzenseil, des -es, plur. die -e, in dem Hüttenbaue, das eiserne Seil oder die Kette, vermittelst deren die Blasebälge gezogen werden. Ohne Zweifel auch von dem veralteten heinzen, ziehen. S. 2. Heinz Anm.


Heirath (W3) [Adelung]


Die Heirath, plur. die -en, die Verbindung zweyer Personen zum ehelichen Stande; wo dieses Wort von beyden dazu gehörigen Personen gesagt werden kann. Auf die Heirath gehen oder ausgehen, eine solche Verbindung zu treffen suchen; im gemeinen Leben, auf die Freyd gehen. Eine Heirath stiften, so fern solches von Mittelspersonen geschiehet. Die Heirath vollziehen, 1 Macc. 10, 56. Eine gute Heirath treffen. Eine vortheilhafte Heirath thun.

Anm. Dieses Wort lautet schon bey dem Willeram Hirat, im Schwabenspiegel Heurat. Wachter und Ihre leiten es von den alten Hiu, Hew, Familie, Haus, und raten, zubereiten, verbinden, her, welche Ableitung dadurch wahrscheinlich wird, daß Ottfried hiun wirklich für heirathen gebraucht. Indessen hat doch Frischens Ableitung auch ihre Wahrscheinlichkeit, der es von Heuer und heuern abstammen lässet, nicht so fern solches miethen, sondern käuflich an sich bringen bedeutet, weil bey den ältesten Völkern die Weiber gekauft werden mußten. In einem 1501 zu Rom gedruckten Deutsch-Italiän. Vocabulario heißt maridare, heiren, und maridato, geheiret; und im Holländ. ist noch jetzt verheuren für verheirathen üblich. Frisch führet v. Raufen verschiedene Beyspiele an, woraus erhellet, daß man noch lange, eine Frau, einen Mann kaufen, für heirathen gesagt, und das Dän. gifte, Schwed. gifta und Isländ. gipta, haben auch keine andere Bedeutung; so wie die Römer locare, elocare und collocare in ähnlichem Verstande gebrauchten. Es stamme nun her, woher es wolle, so ist Heirath der allgemeinen Aussprache gemäßer als Heurath, und daher auch diesem vorzuziehen. Die letzte Sylbe -ath kann die Ableitungssylbe -de seyn, welche in Zierath, Heimath, dem Oberd. Hemath für Hemd u. a. m. gleichfalls in ath übergegangen ist. Die Holländer sagen noch jetzt Huerde. In Stade heißt Huurfrouv eine Ehefrau. In dem Schwabenspiegel haben einige Abschriften für Heurat, Haylach, welches alte Oberdeutsche Wort in einer Urkunde von 1450 Hevlach, und in dem Augsburgischen Stadtbuche Heylech lautet, aber zu dem Worte heilig gehöret, welches ehedem auch ein Sacrament, und in engerer Bedeutung die Verabredung und Vollziehung des Sacramentes der Ehe bedeutete. Nach eben diesem Muster könnte auch das alte Hir, heilig, ( S. Hehr,) in Betrachtung kommen, von welchem Hirde, Heirde, Heirath, eben dasselbe bedeuten würde.


Heirathen (W3) [Adelung]


Heirathen, verb. reg. act. eine Heirath treffen, schließen. In einigen Gegenden gebraucht man dieses Zeitwort schon, wenn die künftige Ehe nur zwischen zwey Personen verabredet worden, besonders nach der feyerlichen Verlobung; am häufigsten oder nach der feyerlichen Einsegnung vor dem Altare, da es denn von beyden Personen gesagt werden kann. Werden sie nicht bald heirathen? Sie hat schon geheirathet. Sie wollen einander heirathen. Jetzt gibt er bey meiner Nichte Heirathens vor, Weiße. Reich heirathen, eine reiche Person heirathen. Es mag dir wohl weh thun, daß deine Schwester so reich heirathet, Gell. Glücklich, unglücklich, schlecht, gut heirathen, eine glückliche oder unglückliche Heirath thun u. s. f. Ingleichen, sich um eine Person ehelich bewerben. Um eine Person heirathen. Nach Geld heirathen, eine reiche Person zu heirathen suchen. In dem 1523 zu Basel gedruckten N. T. Luthers wird Heuradten als ein unbekanntes Wort durch mannen, eelichen, erkläret.


Heirathsbrief (W3) [Adelung]


Der Heirathsbrief, des -es, plur. die -e, die schriftliche Urkunde, welche wegen einer Heirath, besonders in Ansehung der Mitgabe u. s. f. verfertiget wird.


Heiraths-Contract (W3) [Adelung]


Der Heiraths-Contract, des -es, plur. die -e, der Contract, d. i. die feyerliche Verbindung wegen einer Heirath, und die Urkunde, worin dieselbe enthalten ist; der Heirathsvertrag.


Heirathswapen (W3) [Adelung]


Das Heirathswapen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Wapenkunst, ein Wapen, welches man durch eine Heirath erlanget.


Heisch (W3) [Adelung]


+ Heisch, adj. et adv. S. Heiser.


Heischbrief (W3) [Adelung]


Der Heischbrief, des -es, plur. die -e; in einigen Oberdeutschen Gegenden, offene Briefe, wodurch die Unterthanen zu etwas geheischet, d. i. zusammen gefordert, aufgefordert werden.


Heischen (W3) [Adelung]


Heischen, verb. reg. act. begehren, verlangen, bitten, fordern. Ich wills geben, wie ihrs heischet, 1 Mos. 34, 12. Heische von mir, Ps. 2, 8. Die jungen Kinder heischen Brot, Klagel. 4, 4. Gesundheit heischet ihr sehr wenig, Wollust viel, Opitz. Nach Heischung der Gerechtigkeit, ebend. Im Hochdeutschen ist es veraltet außer daß es noch zuweilen von den Dichtern im Andenken erhalten wird. Der Tod der Müden heischt mein Lied, Gell. Und was hat er von dir geheischt? Weiße. Der Held, der dreymal Frieden heischt, Bevor u. s. f. Raml.

Anm. Es ist ein sehr altes Wort, welches noch im Oberdeutschen gangbar ist, und überhaupt, verlangen, und dieses Verlangen an den Tag legen bedeutet, daher Ottfried eiskon auch für wünschen gebraucht. Bey eben demselben bedeutet es auch forschen, fragen, wie das Angels. ascian, aescian, ahsian, und das Engl. to ask, fragen. Im Nieders. ist esken, eschen, gleichfalls bitten, verlangen, fordern; ein Amteschen, darum anhalten, bitten; im Dän. edske; im Schwed. aeska, im Epirotischen hiesciun, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Unser heißen ist genau damit verwandt, daher auch bey dem Opitz für verheißen mehrmahls verheischen vorkommt. Im Oberdeutschen wird auch in einigen Gegenden wirklich heißen für heischen, fordern, gesagt. Da der Übergang des Zischlautes in das t etwas sehr gewöhn- liches ist, so gehöret auch haitan, bitten, bey dem Ulphilas, so wie das Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, hierher. Im Oberdeutschen gehet es in einigen Mundarten irregulär; ich hiesch, oder iesch, Mittelw. geheischen oder gehieschen. S. Erheischen und Anheischig.


Heischesatz (W3) [Adelung]


Der Heischesatz, des -es, plur. die -sätze, in der Philosophie, ein practischer Satz oder Übungssatz, welcher aus einer Erklärung geschlossen wird, weil man mit Recht heischen oder fordern kann, daß man ihn einräume; ein Forderungssatz, Postulatum.


Heiser (W3) [Adelung]


Heiser, -er, -ste, adj. et adv. rauh, dumpfig, doch nur von der Stimme, welche diese fehlerhafte Eigenschaft durch vieles Reden oder Schreyen, durch kalte Luft, durch Entzündung der Sprachwerkzeuge u. s. f. zuweilen erhält. Heiser seyn oder werden. Eine heisere Stimme haben. Sich heiser reden oder schreyen. In den gemeinen Mundarten lautet es heisch, welches sich auch zuweilen in die edle Schreibart mit einzuschleichen pfleget. Mein Hals ist heisch, Ps. 69, 4. Höret mich Musen, höret mein heischeres Rufen, Geß.

Anm. Bey dem Notker nur heis, bey den Schwäbischen Dichtern gleichfalls heis: Ich han so vil gesprochen und gesungen Das ich bin muede und heis von der klage, Heinrich von Morunge; bey dem Hornegk aber schon hayser, im Nieders. heestrig, im Angels. has, im Engl. hoarse, im Schwed. hees, im Isländ. haes, im Dän. häs. Im Nieders. ist dafür auch demstig üblich. Heiser reden heißt in Baiern grigeln.


Heiserkeit (W3) [Adelung]


Die Heiserkeit, plur. inus. die fehlerhafte Beschaffenheit der Stimme, da sie heiser oder rauh ist.


Heiß (W3) [Adelung]


Heiß, -er, -este, adj. et adv. Hitze, d. i. einen hohen Grad der Wärme habend. 1. Eigentlich. Das Eisen ist heiß. Heißes Eisen, heißes Wasser, ein heißer Stein. Die Sonne scheinet heiß. Es ist heute ein heißer Tag. Ein heißer Sommer. Den Ofen heiß machen, ihn heitzen. Heiße Stuben sind ungesund. Jemanden die Hölle heiß machen, sie ihm als heiß vorstellen, sein Gewissen rühren, und in weiterer Bedeutung, ihm Angst verursachen. Heiße Thränen weinen, weil die Thränen bey einem hohen Grade der Leidenschaft wärmer sind, als gewöhnlich; aber nicht, heiß weinen, wie es Tob. 12, 12 heißt. Ingleichen eine innere Hitze empfindend. Den Menschen ward heiß für großer Hitze, Offenb. 16, 9. Ihr ist von der Arbeit heiß, Weiße. Ia da wird mir brühsiedend heiß, ebend. Ime wart kalt unde heiz, in dem alten Gedichte auf Carls Feldzug bey dem Schilter. Im gemeinen Leben auch für geschmolzen. Heiße Butter, zerlassene. Heißes Bley, geschmolzenes. 2. Figürlich 1) Von verschiedenen Gemüthsbewegungen und Leidenschaften gebraucht, zeiget es einen hohen Grad ihrer Lebhaftigkeit an, obgleich einen etwas geringern als brennend und feuerig. Eine heiße Andacht, Hos. 7, 6, 7. Ein heißes Verlangen, eine heiße Begierde haben. Heiße Seufzer. Die heißesten Bitten eines Freundes. Eine heiße Liebe. Heiß vor der Stirne seyn, leicht zornig werden, hitzig seyn. 2) Von einer Stadt, in welcher die Lebensmittel theuer sind, sagt man, sie habe ein heißes Pflas=ter.

Anm. Bey dem Ottfried, Notker und Willeram heiz. Andere Mundarten haben statt des Zischlautes ihr gewöhnliches t, wie das Nieders. heet, das Angels. hat, das Engl. hot, das Dän. heed, das Schwed. het. Es ist seinem Ursprunge nach ein sehr altes Wort, welches zu dem alten Eit, Feuer, und eiten, feuern, zu Heiter, Esse, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Hisc, dem Lat. Aestus, u. a. m. gehöret. S. Heitzen, Hitze, Hitzig, Hetzen. Ottfried gebraucht heizo auch für sehr.


Heißen (W3) [Adelung]


Heißen, verb. irreg. ich heiße, du heißest, er heißt; Imperf. ich Hieß; Mittelw geheißen; Imperf. heiß. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Activum, welches jetzt nur noch in folgenden Fällen vorkommt. 1. Für nennen, so wohl einen eigenthümlichen Nahmen geben, und dabey rufen, und anreden, als auch mit einer Ausdruckung einer Eigenschaft anreden. Es erfordert alsdann einen doppelten Accusativ, so wohl der Person, als der Sache oder des Nahmens. 1) Einen eigenthümlichen Rahmen geben oder beylegen; nennen. Adam hieß sein Weib Heva, 1 Mos. 3, 20. Deß Nahmen sollt du Jesus heißen, Matth. 1, 21. Den wird sie heißen Immanuel, Es. 7, 14. Ingleichen bey diesem Nahmen anreden. Wir heißen ihn nur Peter. In Gestalt eines Reciproci, ich heiße mich Orest, Schleg. anstatt des Neutrius, ich heiße Orest, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. 2) Mit Bezeichnung einer Eigenschaft anreden. Niemand kann Jesum einen Herren heißen, 1 Cor. 12, 3. Jemanden du heißen, du zu ihm sagen, ihn mit du anreden. Er heißt mich Sie. Hat er dich nie anders geheißen? Gell. Mache, daß ich dich bald Braut heißen kann, ebend. Nein, heißen sie mich nicht eine Braut, ebend. Ich hieß ihn mein Montan; er mich mein Herz, mein Leben, ebend. Da mich mein Bauer kaum, gestvenger Junker, heißt, Canitz. Jemanden kurz und lang heißen, im gemeinen Leben, ihm allerhand Schimpfnahmen geben. Jemanden willkommen heißen, willkommen zu ihm sagen, ihm zu seiner Ankunft Glück wünschen. 3) Figürlich druckt es die Verwunderung über den hohen Grad einer Sache aus, wo es aber nur in der ersten einfachen Person des Präsens üblich ist. Das heiß ich schlafen! das verdienet doch den Nahmen des Schlafes. Das heiß ich getrunken! Er seufzte gar zu schön, und kurz, das hieß ich lieben! Wiel. Das folgende Neutrum wird auf eben dieselbe Art gebraucht. 4) Etwas gut heißen, erklären, daß etwas gut, d. i. seinem Endzwecke gemäß sey, doch nur von Handlungen. Ich kann dein Verfahren nicht gut heißen. Im Oberdeutschen hat man auch dessen Gegensatz übel heißen, für mißbilligen, welches aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Das Passivum kommt in der letzten Bedeutung häufig, in der dritten gar nicht, und in den beyden ersten nur selten vor. in dieser ganzen Bedeutung des Nennens lautet es bey dem Tatian heizzen, im Nieders. heten, im Angel. hatan, im Engl. Particip. hight. 2. Befehlen, wo es doch nur von einem mündlichen Befehle, und so wohl im schärfsten Verstande von Obern gebraucht wird, wenn sie ihren Willen Niedrigern mündlich bekannt machen, als auch in gelinderer Bedeutung, von gleichen Personen, wenn sie sagen, daß etwas geschehen soll. Es wird alsdann auf doppelte Art gebraucht. 1) Mit zwey Accusativen, einem der Person und dem andern der Sache, welcher letztere am häufigsten ein Pronomen ist. Höre, was ich dich heiße, 1 Mos. 27, 8, was ich dir befehle. Wer hat dich das geheißen? Zuweilen aber auch ein Nennwort. Wer heißt dich solche Sachen? Gell. Ich habe ihn das Betragen nicht geheißen. Oft steht auch nur die vierte Endung der Sache allein. Ich heiße es nicht, und wehre es nicht. Auf diese beyden Accusative ist erst in den neuern Zeiten so scharf gedrungen worden, vermuthlich auf Veranlassung der Lateinischen Sprache. Man findet daher dieses Zeitwort auch häufig mit der dritten Endung der Person. Der Herr hats ihm geheißen, 2 Sam. 16, 10. Ich habe dir dieses geheißen. Der König hat es mir geheißen. Auch in dem folgenden Falle, wenn statt des Accusativs der Sache ein Infinitiv stehet. Der Herr hieß ihm verkaufen sein Weib, Matth. 18, 28. Und diese Wortfügung scheinet der Analogie der Deutschen Sprache wirklich gemäßer zu seyn; welches noch deutlicher erhellet, wenn man statt des Activi das Passivum setzet, indem wohl niemand sagt: es ist mich geheißen worden, sondern mir, so wie man aus eben diesem Grunde auch nicht sagen kann, ich bin geheißen, ich bin befohlen, ich bin gesagt worden u. s. f. sondern es ist mir u. s. f. weil nur diejenigen Verba, welche im Activo die vierte Endung fordern, im Passivo mit der ersten Endung der Person verbunden werden können. S. Lehren 2) Oft wird die vierte Endung der Sache von einem Zeitworte vertreten, welches alsdann im Infinitive ohne zu stehet, wie auch bey den Zeitwörtern dürfen, finden, helfen, sehen, hören, lassen, lehren, lernen u. s. f. üblich ist. Daselbst hießen uns singen, die uns gefangen hielten, Ps. 137, 3. Wer heißt dich so frey seyn? Ich hieß ihn freundlich gehen, Gell. Du heißest uns zu deinem Lager kommen, um den letzten Segen zu empfangen. In den zusammen gesetzten Zeiten verlieret daher auch das heißen sein Augment, oder wird vielmehr zum Infinitiv. Habe ich doch den Narren nicht kommen heißen, Less. Wer hat dich das sagen heißen. Daher die Stelle, Gott hat mich wandern geheißen, 1 Mos. 20, 13 unrichtig ist. Dieser Infinitiv der thätigen Gattung wird auch beybehalten, wenn gleich der Verstand das Passivum erforderte. Er hieß ihn zu sich führen, er befahl, daß er zu ihm geführet werden sollte. Die Hauptleute hießen sie stäupen, Ap. Gesch. 16, 22. Der König hieß ihn binden, befahl, daß er gebunden würde. Weil diese Art zu reden oft Zweydeutigkeit macht, so vermeidet man sie lieber. In dieser ganzen thätigen Bedeutung schicket sich heißen besser für die vertrauliche Sprechart als für die edlere und höhere, wo man in der ersten Bedeutung lieber nennen, und in der zweyten befehlen oder andere schicklichere Ausdrücke gebrauchen wird. Indessen lautet es auch in der Bedeutung des Befehlens schon bey dem Ottfried und Notker heizzen. So auch Geheiß. II. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben bekommt. 1. Gesagt werden, in unpersönlicher Gestalt. Es heißt, man sagt. Es heißt, der Friede werde nicht lange dauern. Es hat schon lange geheißen, daß er kommen würde. Wenn es Ein Mahl von dir heißen wird: er hat auch gelebt. Es heißt für gewiß, ein Oberdeutsches Blümchen, für: man versichert. Diese Bedeutung ist noch ein Überbleibsel des ehemahligen weitern Gebrauches des Activi, da es sagen, sprechen, überhaupt bezeichnete. S. die

Anm. 2. Genannt werden, einen Nahmen haben. 1) Eigentlich mit dessen ausdrücklichen Meldung, es sey nun ein eigenthümlicher Nahme oder die Bezeichnung eines Dinges vermittelst einer Eigenschaft; wo es einen doppelten Nominativ erfordert. Abrahams Weib hieß Sara, 1 Mos. 11, 29. Heißet nicht seine Mutter Maria? Matth. 13, 56. Wie heißt er? Was Weisheit ist und heißt, Opitz. Wie heißt das auf Deutsch? Euch heißt der Wein der Unart Zunder, Haged. für bey euch, ihr nennet ihn so. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung. (a) Bedeuten, ein Zeichen, ein Ausdruck eines Begriffes, eines Dinges seyn. Mensa heißt ein Tisch. Wo es sehr häufig die Erklärung eines vorher gegangenen Wortes oder Satzes begleitet. Sein Leben verlieren, das heißt, dem es gelassen zurück geben, von dem er es erhielt, Gell. Ein Kunstwerk ist desto schöner, je vollkommner es ist, das heißt, je mehr es Theile hat, und je mehr alle diese Theile zum Zwecke beytragen, Sulz. (b) Auf sich haben, Folgen haben, von Folgen seyn. Diese Abnahme heißt wenig, Gell. ist nicht wichtig. Sie soll ihn fühlen lassen, was es heißt, ein edles Herz hintergehen, ebend. Sie wissen, was das heißt, wenn man Ein Mahl von dem geraden Wege der Tugend und Weisheit abgewichen ist, Weiße. Wo zuweilen em unnöthiges zu vor dem Infinitive eingeschoben wird. Noch wißt ihr nicht, was es heißt, mit einem andern verwandt zu seyn. Ich will ihm weisen, was das heißt, wegzugehen und nicht zu bezahlen. (c) Was soll das heißen? im gemeinen Leben, warum geschiehet das? (d) Steht es oft für seyn, wenn ein Satz als völlig gleichbedeutend mit dem andern bezeichnet werden soll. Das heißt unser ganzes Geschlecht beschimpft, Gell. dadurch wird unser ganzes Geschlecht beschimpft. Was heißen Freunde nach der Vernunft? Menschen, welche u. s. f. ebend. Seinen Verstand nicht zum eigenen Nachsinnen gewöhnen - heißt (ist eben so viel als) sein. Eigenthum verlassen, um betteln zu können, ebend. Stets bethen, heißt nicht bethen, ebend. (e) Besonders mit Nachdruck, seine Verwunderung an den Tag zu legen. Das heißt Großmuth! Das heißt Freundschaft! das ist Großmuth, verdient doch den Nahmen der Großmuth. Das heißt Angst ausgestanden! So wie hier und in der vorigen Bedeutung heißen für seyn stehet, so pflegte man ehedem auch Nahme für Person zu gebrauchen, welches besonders auch von dem zu heizen gehörigen ehemahligen Hauptworte Heit gilt, S -Heit.

Anm. Heißen, in dem alten Oberdeutschen Mundarten heizzen und heizen, in den Nordischen Mundarten und Sprachen heten, hetan, ist in seinen heutigen Bedeutungen nur noch ein geringes Überbleibsel der vorigen Zeiten, wo es sagen, reden, sprechen, bejahen, versichern u. s. f. bedeutete, und wovon einige Bedeutungen noch in heischen und verheißen übrig sind. Es gehöret zu dem alten chedan, quedan, reden, sagen, welches in unsern ältesten Denkmählern so häufig angetroffen wird, und in manchen Gegenden noch nicht ganz veraltet ist. Das Lat. ciere und citare, das alt Lat. cedere, welches ehedem sagen bedeutete, das Wend. kasam, kasa, ich befehle, das Russ. Ukass, ein Befehl, und viele andere müssen mit demselben billig als gemeinschaftliche Abkömmlinge von einem weit ältern Stamme angesehen werden. S. auch -Heit.


Heißgrätig (W3) [Adelung]


Heißgrätig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist. Heißgrätige Erze, im Berg- und Hüttenbaue, welche strengflüssig sind, und viele Ofenbrüche und Schlacken machen. Im Landbaue einiger Gegenden, z. B. im Hennebergischen, wird ein dürrer unfruchtbarer Boden, welcher nichts trägt, heißgrätiges Land genannt. Daher die Heißgrätigkeit, plur. inus.


Heißhunger (W3) [Adelung]


Der Heißhunger, plur. inus. ein heißer Hunger, hoher Grad des Hungers, besonders als eine Krankheit betrachtet, ein widernatürlicher Hunger, alles mit der größten Begierde zu sich zu nehmen; Bulimia; im Nieders. Slingsucht. S. auch Freßfieber. Der höchste Grad desselben ist der Hundshunger, w. s.


Heißhungerig (W3) [Adelung]


Heißhungerig, adj. et adv. in einem hohen Grade hungerig. Ingleichen mit dem Heißhunger, als eine Krankheit betrachtet, behaftet, und darin gegründet.


Heister (W3) [Adelung]


Die Heister, plur. die -n, ein nur im Niedersächs. übliches Wort, wo es bald einen jeden jungen Baum Laubholzes, bald aber nur einen jungen noch biegsamen Eich oder Buchbaum bedeutet. Im Franz. ist Hetre ein Buchbaum.


-heit (W3) [Adelung]


-heit, ein außer der Zusammensetzung veraltetes Wort, welches ehedem eine Person bedeutete, da es denn so wohl im männlichen als weiblichen Geschlechte vorkommt, der Heit und die Heit. Heiteo antfankidu, Ansehung der Personen, Kero. Besonders gebraucht es Isidors Übersetzer einige Mahl von dem Personen des göttlichen Wesens. Dhero zueio heido, der zwey Personen; dhiu anderheit, die zweyte Person; dhiu drittunheit, und an einem andern Orte dher dritto Heid, die dritte Person. Auch in den Monseeischen Glossen wird Heite durch Personae übersetzt, so wie das Schwed. Had noch jetzt eine Person bezeichnet. Adelheid, eine freye Person, scheinet gleichfalls hierher zu gehören. S. 4. Heide. Figürlich bedeutete es ehedem auch den Stand einer Person, die Art und Weise, eine Eigenschaft einer Person und in weiterer Bedeutung eines jeden Dinges, welche Bedeutung noch in dem Schwed. Had, und Isländ. Hatt, Hattur, angetroffen wird. Jetzt ist es in dieser Gestalt veraltet, wo man es nur noch als eine Endsylbe vieler Hauptwörter weiblichen Geschlechtes antrifft, denen es die jetzt gedachten Bedeutungen mittheilet. Es bezeichnet nehmlich, 1) mehrere Personen Einer Art, als ein Ganzes, oder als eine einzige Person betrachtet. Dahin gehöret vornehmlich das Wort Christenheit, welches schon bey dem Isidor Christinheit, nach dem Muster des mittlern Lat. Christianitas lautet. Ehedem sagte man auch die Jüdischheit für die Juden, die Pfaffheit für die Geistlichkeit, welche aber veraltet sind. 2) Die Eigenschaft, zuweilen auch den Stand einer Person und Sache. In dieser Bedeutung ist es zwar gleichfalls schon sehr alt, allein die damit zusammen gesetzten Wörter kommen doch in den ältesten Zeiten weit seltener vor, als in den folgenden, da man bey dem mehrern Wachsthume der Weltweisheit und Redekunst auch immer mehr genöthiget wurde, aus Concretis Abstracta und aus den Eigenschaften der Dinge Prosopopölen zu machen. Man setzte daher das Wort heit an Hauptwörter, das Wesen derselben, ihren Stand, ihre Eigenschaft auszudrucken. Dergleichen sind, die Gottheit, das göttliche Wesen, die Menschheit, die menschliche Natur, die Mannheit, männliche Eigenschaft, Kindheit, Stand, Alter eines Kindes, Schalkheit, Eigenschaft eines Schalkes; so auch Thorheit, Narrheit und vielleicht noch andere mehr. Ehedem sagte man auch Biscofheit, welches in dem Tatian männlichen Geschlechtes ist, das Priesterthum, Champfheit, bey dem Kero, der Kriegesstand u. s. f. Noch mehrere werden aus Beywörtern gebildet, eine Eigenschaft eines Dinges als ein Abstractum zu bezeichnen. Dergleichen sind Beschaffenheit, Bescheidenheit, Blindheit, Bosheit, Dunkelheit, Eigenheit, Einheit, Ergebenheit, Freyheit, Falschheit, Gelegenheit, Gewogenheit, Grobheit, Gleichheit, Gutheit, Hoheit, Kargheit, Klugheit, Klarheit, Kühnheit, Lüsternheit, Plumpheit, Schwachheit, Thorheit, Trunkenheit, Vermessenheit, Vielheit, Ungelegenheit, Wahrheit, Wildheit, Zagheit, Zufriedenheit u. a. m. Nach einer neuen Figur werden diese aus Concretis gemachten Abstracta wiederum gebraucht, Concreta zu bezeichnen, welche die Eigenschaft des Abstracti an sich haben; und in diesem Falle leiden die mit heit zusammen gesetzten Wörter auch den Plural, dessen sie als Abstracta nicht fähig sind. Die Gottheit, Gott selbst, Angelegenheiten, Dinge, welche uns angelegen sind, Einheiten, einfache Dinge, Thorheiten, thörichte Handlungen, die Gemeinheit, ein Grundstück, welches mehrern gemein ist, Schwachheiten, schwache Handlungen u. s. f. Indessen sind nicht alle Beywörter geschickt, Hauptwörter auf - heit zu bilden. Diejenigen, welche sich auf bar, er ig, lich und sam endigen, nehmen keit an, Sicherheit und einige wenige andere ausgenommen. Die auf haft und los, setzen vor dem keit noch ein ig, Schmeichelhaftigkeit, denen auch rein, matt, müde, süß u. a. m. folgen. In andern sind die Endungen e, de, ey u. s. f. hergebracht. Es erhellet hieraus zugleich, daß man nicht befugt ist, dergleichen Abstracta nach Belieben zu bilden, ob es gleich nicht ganz unverwehret ist. Erfahrung und Gehör können hier allein die Gränzen bezeichnen, welche man nicht überschreiten darf.

Anm. Diese Endung lautet im Angels. had und hade, im Engl. hood und head, im Schwed. het, im Dän. hed. Unser -kett ist unstreitig daraus entstanden; wahrscheinlich auch das veraltete -ode, Bettelode, mendicitas, Notk. und die heurige Endsylbe -de, und noch mehr zusammen gezogen -e und -ey. S. -Keit. Was die Abstammung des Wortes Heit betrifft, so fern es ehedem eine Person bedeutete, so ist es sehr glaublich, daß es von heißen, Nieders. heten, oder auch dieses von jenem herkomme. Auch Nahme wurde ehedem häufig für Person gebraucht. Das alte Fürwort ha, he, er, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, womit man ehedem eine jede Person außer sich bezeichnete, und welche schon durch den heraus gestoßenen Laut ein Wegweisen von sich selbst, so wie ich, durch den eingezogenen Athem, seine eigene Wenigkeit bedeutet, ist vermuthlich das Stammwort von beyden. S. Er, Ich.


Heiter (W3) [Adelung]


Heiter, -er, -ste, adj. et adv. klar, hell. 1. Eigentlich; wo es doch nur von der Luft und dem Dunstkreise gebraucht wird; im Gegensatze des trübe. Eine heitere Luft, welche durch keine Dünste verdicket und verdunkelt wird. Ein heiterer Himmel, den keine Wolken und Dünste verdecken. Ach, gibt es für mich noch einen heiteren Himmel und Eine sanfte Luft? Weiße. Heiteres Wetter. Ein heiterer Tag. Heitere Nächte im Winter, helle Nächte. Zuweilen auch von dem Gase. Der Spiegel war nicht heiter, Gell. 2 Figürlich. 1) Eine heitere Stimme, welche nicht heiser oder rauh ist. 2) * Für klar, deutlich; doch nur im Oberdeutschen. Ein heiterer Beweis, eine heitere Wahrheit. Nach deren heiterem Inhalte. Sich etwas heiter (klar und deutlich) vorbehalten. 3) Von dem Zustande des Gemüthes, mit keinem Kummer, von keinen unangenehmen Empfindungen beladen, und in diesem Zustande des Gemüthes gegründet. Ein heiteres Gemüth. Ein heiteres Gesicht. Seine Seele ist immer heiter, so wie seine Miene. Eine Tugend, welche ehedessen meine Tage heiter, wie die Tage des Frühlinges machte.

Anm. Der heitero tag, kommt schon bey dem Notker vor. Es gehöret zu dem alten Eit, Feuer, und eiten, brennen, leuchten, und bedeutet also ursprünglich hell im weitesten Umfange der Bedeutung. S. Agtstein, Eiternessel, Heiß, und Hitze. Im Isländ. ist Heid, Heidi noch jetzt Heiterkeit. Im Nieders. ist für heiter, glau üblich, von glühen.


Heiterkeit (W3) [Adelung]


Die Heiterkeit, plur. inus. der Zustand eines Dinges, da es heiter ist, in allen Bedeutungen des Beywortes. Die Heiterkeit des Himmels, der Luft, des Gemüthes. Die Heiterkeit eines guten Gewissens. Gram und Sorge verbannen die Heiterkeit aus meinem Gesichte, Dusch. Aus der Heiterkeit der Seele folget eine angenehme Träumerey, Sulz. Bey dem Pictorius auch die Heitere.


Heitern (W3) [Adelung]


Heitern, verb. reg. act. heiter machen, welches aber nur in den Zusammensetzungen aufheitern, ausheitern und erheitern üblich ist. Einige Neuere haben auch das einfache wieder in Gang zu bringen gesucht. Wie eine liebliche Aussicht jedweden unmittelbar anlacht und heitert, Herd. - Ein trüber Tag, den nur ein Jerwisch heitert, Hall. Was auf dieser Jugendwärme lacht, heitert, glühet, erwärmet, Herd in welcher letztern Stelle es wider seinen bisherigen Gebrauch als ein Neutrum zu stehen scheinet.


Heiternessel (W3) [Adelung]


Die Heiternessel, ein Nahme der Brennnessel, S. Eiternessel.


Heitschäffel (W3) [Adelung]


Der Heitschäffel, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Herzogthum Schleßwig auf der Geest, d. i. auf dem hohen Lande, übliches Flächenmaß, welches 6 Schipp, oder 144 Quadrat-Ruthen, an andern Orten aber 240 Quadrat-Ruthen enthält. Es stehet dahin, ob dieses Wort nicht vielmehr Heideschaffel geschrieben werden müßte, da es denn zu Heide, ein dürres unfruchtbares Land, gehören würde. In den Marschen, d. i. niedrigern Gegenden, werden die Ländereyen nach Dematen berechnet.


Heitzen (W3) [Adelung]


Heitzen, verb. reg. act. heiß machen, doch nur von Ofen, und Zimmern, vermittelst der Öfen. Den Backofen heitzen, Feuer in demselben anmachen, und ihm die gehörige Hitze geben. Wenn von Zimmern die Rede ist, gebraucht man das Wort Ofen nicht, sondern sagt nur, ein Zimmer, eine Stube, einen Saal heitzen, ihnen durch Heitzung des Ofens die nöthige Wärme mittheilen. Ein geheitztes Zimmer. Daher die Heitzung. S. Einheitzen, Heiß und Hitze.


Heitzer (W3) [Adelung]


Der Heitzer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Heitzerinn, plur. die -en, ein Person, welche dazu bestimmt ist, Öfen oder Zimmer zu heitzen; der Einheitzer, Stubenheitzer, und mit einem Lateinischen Worte zuweilen Calefactor.


Hel,Helbeinahrer (W3) [Adelung]


Das Hel, der Helbeinahrer, S. 2. Helle.


Held (W3) [Adelung]


Der Held, des -en, plur. die -en, Fämin. die Heldinn, plur. die -en, eigentlich eine mit vorzüglicher Leibesstärke begabte Person. In dieser Bedeutung war es ehedem sehr gebräuchlich, da nicht nur die Tapferkeit noch größten Theils in der Leibesstärke bestand, sondern da auch diese noch für die erste und glänzendste Fähigkeit gehalten wurde. In den spätern Zeiten nannte man Personen, welche mit einer vorzüglichen Herzhaftigkeit begabet waren, Helden, besonders, wenn sie einen pflichtmäßigen und für viele vortheilhaften Gebrauch davon machten; in welcher Bedeutung es noch jetzt in der edlen und höhern Schreibart üblich ist. Im vorzüglichsten Verstande wird dieses Wort zuweilen von Gott und Christo gebraucht, dessen überlegene Macht und den davon gemachten und vortheilhaften Gebrauch zu bezeichnen. Der Held in Isral, 1 Sam. 15, 29. Figürlich, eine Person, welche eine gewisse Fertigkeit in einem hohen Grade besitzet. Ein Glaubensheld, bey den Gottesgelehrten. Ein Tugendheld, in der Sittenlehre. Helden Wein zu saufen, Es. 5, 22. Ein berühmter Held im Fressen, Haged. Ein Held im Müßiggehen, Schiebler.

Anm. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno Helit und im Plural Helide, bey dem Stryker Helt, im Nieders. gleichfalls Held, im Dän. Heldt, im Angels. Haeleth, im Schwed. Hjelt, ehedem Haelad; alle in der Bedeutung eines mit vorzüglicher Leibesstärke und Herzhaftigkeit versehenen Mannes, in welchem Verstande es so wohl im Deutschen als Schwedischen, besonders bey den Dichtern der mittlern Zeiten, üblich ist. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt dieses Wort mehrmahls von Personen ritterlichen Standes vor. So heißt Graf Gerhard von Hoya daselbst, Gherhart helt von der Hoye, Conrad von Würzburg aber, Conrat der helt von Wertzeburc. In Nieders. scheinet es auch eine vorzügliche mit Schwierigkeiten verbundene Sache zu bezeichnen. Dat heet Held, das ist eine harte Nuß. Die Abstammung dieses alten Wortes ist noch ungewiß. Wachter leitet es von dem alten hellen, streiten, ( S. Hellebarde,) Frisch aber von hell, lauter, klar, her. Gudmund Anderä siehet es als das Mittelwort von dem alten Nordischen Zeitworte haela, loben, erheben, an, (Hebr: - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ) und erkläret es durch einen gepriesenen und berühmten Mann; worin ihm Hickes, Gramm, und nicht undeutlich auch Ihre beyfallen. Allein wenn man bedenket, daß der Ursprung dieses Wortes in diejenigen Zeiten fällt, da Leibesstärke und deren geschickte Anwendung, noch für die vornehmste, wo nicht einzige Tugend gehalten wurde, so wird man es lieber zu halten rechnen, von welchem nach einer gewöhnlichen Verwechselung der Hauch- und Blaselaute auch validus und das Nieders. wehlig abzustammen scheinen. S. auch Bald,

Anm. 1. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Stärke, und in weiterer Bedeutung Tugend, Tapferkeit, Reichthum, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Im Griech. heißt ein Held - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und selbst unser hart wurde ehedem für stark, fest und tapfer gebraucht; S. Hart

Anm. Daß die alten nördlichen und westlichen Bewohner Europens, wegen ihrer vorzüglicher Größe und Leibesstärke von den verzärteltern mittägigen Völkerschaften von diesem Worte den Nahmen Celten bekommen, ist sehr glaublich. Strabo sagt ausdrücklich, sie wären - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - so genannt worden. Übrigens wird dieses Wort im Oberdeutschen häufig nach der Gottsched. zweyten Declination abgeändert, des Heldes, Plur. die Helde, wovon auch in der Deutschen Bibel Beyspiele vorkommen. Ich habe einen Held erwecket, Ps. 89, 20, für einen Helden.


Helde (W3) [Adelung]


Die Helde, plur. die -n, ein nur noch in den gemeinen Mundarten, besonders Niedersachsens, übliches Wort, die Fessel zu bezeichnen, wo dieses Wort auch Halden lautet, von halten, S. Halfter.


Heldenbrief (W3) [Adelung]


Der Heldenbrief, des -es, plur. die -e, in der Dichtkunst, poetische Briefe, besonders verliebten Inhaltes, durchlauchtiger oder erhabener Personen; vermuthlich, so fern man sie vorzüglich den ehemahligen Helden des Alterthumes in den Mund und in die Feder leget.


Heldenbuch (W3) [Adelung]


Das Heldenbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, worin die Thaten der ehemahligen Helden erzählet werden. Besonders ist unter diesem Nahmen eine Sammlung solcher Geschichten bekannt, deren Verfasser im 13ten Jahrhunderte lebten, und worunter Heinrich von Ofterdingen einer der vornehmsten war.


Heldengedicht (W3) [Adelung]


Das Heldengedicht, des -es, plur. die -e, eigentlich ein Gedicht, welches die Thaten eines oder mehrerer Helden besinget. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein größeres historisches Gedicht, worin eine wichtige Handlung erzählet wird; mit einem Griech. Kunstworte eine Epopee. Daher der Heldendichter, der Verfasser eines solchen Gedichtes; der epische Dichter.


Heldenhaft (W3) [Adelung]


Heldenhaft, -er, -este, adj. et adv. einem Helden ähnlich, und in dieser Ähnlichkeit gegründet; ein Wort, welches heut zu Tage seltener zu werden anfängt. Eine heldenhafte oder heldenmäßige That, besser eine Heldenthat.


Heldenheer (W3) [Adelung]


Das Heldenheer, des -es, plur. die -e, in der dichterischen Schreibart, ein Heer von Helden, d. i. tapfern Kriegern. Als Joabs Heldenheer die Kinder Ammons schreckte, Hag.


Heldenherz (W3) [Adelung]


Das Heldenherz, des -ens, plur. inus. in der edlern Schreibart, Herz, d. i. Muth eines Helden, Heldenmuth.


Heldenlied (W3) [Adelung]


Das Heldenlied, des -es, plur. die -er, ein Lied, worin die Thaten eines Helden besungen werden.


Heldenmäßig (W3) [Adelung]


Heldenmäßig, -er, -ste, adj. et adv. einem Helden gemäß. S. Heldenhaft.


Heldenmuth (W3) [Adelung]


Der Heldenmuth, des -es, plur. inus. der Muth eines Helden, ein hoher Grad des Muthes. Die Gelassenheit wird Heldenmuth, wenn sie uns lehret die gewöhnlichen Schrecken der Natur und den Tod selbst zu besiegen.


Heldenmüthig (W3) [Adelung]


Heldenmüthig, -er, -ste, adj. et adv. Heldenmuth habend, in dem Heldenmuthe gegründet; mit einem Griech. Worte heroisch.


Helden-Oper (W3) [Adelung]


Die Helden-Oper, plur. die -n, in den schönen Künsten, eine Oper, in welcher die handelnden Personen Helden sind; zum Unterschiede von einer Götter-Oper und komischen Oper.


Heldensprache (W3) [Adelung]


Die Heldensprache, plur. die -n, ein Nahme; welchen man zuweilen der Deutschen Sprache zu geben pfleget, nicht so wohl weil sie ehedem die Muttersprache berühmter Helden war, als vielmehr, weil sie wegen ihres männlichen Ernstes dem Munde und der Denkungsart eines Helden angemessener seyn soll, als andere schlüpfrigere und weichere Sprachen.


Heldenthat (W3) [Adelung]


Die Heldenthat, plur. die -en, die That eines Helden, eine That, zu welcher vorzügliche Herzhaftigkeit erfordert wird; eine heroische That.


Heldentugend (W3) [Adelung]


Die Heldentugend, plur. die -en, eine Tugend, welche zu einem Helden als Helden erfordert wird, welche den Helden bildet. Ingleichen eine Tugend, zu deren Ausübung Heldenmuth gehöret.


Heldenweib (W3) [Adelung]


Das Heldenweib, des -es, plur. die -er, ein Weib, d. i. ein herzhaftes Frauenzimmer, welches einen Heldenmuth besitzet. S. Weib.


Heldenzeit (W3) [Adelung]


Die Heldenzeit, plur. die -en, diejenige Zeit, in welche die von den Dichtern, besonders unter den Griechen und Römern, so sehr gepriesenen Helden des Alterthumes lebten; diejenige Zeit, in welcher Stärke des Leibes und deren nützliche Anwendung noch die vornehmste und beynahe einzige Tugend waren; die heroische Zeit.


Helena (W3) [Adelung]


Helena, ein aus dem Griech. entlehnter Taufnahme des weiblichen Geschlechtes, welcher im gemeinen Leben nur Leene, Leenchen, im Nieders. aber Hilke lautet.


Helenen-Feuer (W3) [Adelung]


Das Helenen-Feuer, des -s, plur. ut nom. sing. in der Schifffahrt, eine Art Irrlichter, welche von den Ausdünstungen auf dem Schiffe entstehen, sich an den Masten und Rahen sehen lassen, und von den Schiffleuten für gewisse Vorbedeutungen ihres Schicksales gehalten werden. Lassen sich ihrer zwey sehen, so werden sie für ein gutes, Eines allein aber, welches auch nur die Helena genannt wird, für ein böses Zeichen gehalten. In den gemeinen Mundarten lautet dieses Wort bald das St. Elmsfeuer, bald aber auch das St. Elmsfeuer. Bey den Alten hieß das gedoppelte Castor und Pollux. Das christliche Alterthum hat dafür den Nahmen der H. Helena eingeführet.


Helenen-Kraut (W3) [Adelung]


Das Helenen-Kraut, des -es, plur. inus. ein Nahme, welcher von einigen dem Alante gegeben wird, S. dieses Wort.


Helfarm (W3) [Adelung]


Der Helfarm, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, ein eiserner Arm an der Kunststange, welcher den Krumms hält.


Helfbrief (W3) [Adelung]


Der Helfbrief, S. Hülfsbrief.


Helfchen (W3) [Adelung]


Das Helfchen, des -s, plur. ut nom. sing. im Osnabrückischen ein Maß flüssiger Dinge, welches der vierte Theil eines Ortes, oder der sechzehente Theil einer Kanne oder eines Maßes ist; vielleicht so fern es die Hälfte eines andern Maßes ist, da es denn Hälfchen geschrieben werden sollte.


Helfen (W3) [Adelung]


Helfen, verb. irreg. neutr. Präs. ich helfe, du hilfst, er hilft, wir helfen u. s. f. Conjunct. ich helfe, du helfest, er helft u. s. f. Imperf. ich half; Conjunct. ich hülfe; Mittelw. geholfen; Imperat. hilf. Es bekommt das Hülfswort haben, und hat zwey Hauptbedeutungen. 1. Jemandes Zustand vollkommener machen 1) Eigentlich, wenigstens der wahrscheinlichsten Abstammung nach, jemandes Heil, d. i. Gesundheit wieder herstellen. Der Arzt kann hier nicht mehr helfen. Die Arzeney hat wenig geholfen. Diese Arzeney hilft für oder wider das Fieber. Die Natur hilft sich selbst. Wenn die Person ausgedruckt wird, so stehet selbige ohne Ausnahme in der dritten Endung. Arzt hilf dir selber, Luc. 4, 23. Welche auch im Passivo bleibet, ungeachtet dieses seltener vorkommt. Mir wurde geholfen. 2) In weiterer Bedeutung, von einer Noth, von einer Gefahr, von einer Verlegenheit befreyen. Wie ist da zu helfen. Das Übel ist zu groß, hier ist nicht mehr zu helfen. Ingleichen mir der dritten Endung der Person. Hilft dir der Herr nicht, woher soll ich dir helfen? 2 Kön. 6, 27. Gott hilft dem Elenden, Hieb 40, 9. Er weiß sich nicht zu helfen. Wem nicht zu rathen ist, dem ist auch nicht zu helfen. Seinem Freunde mit Gelde, mit Rath und That, helfen. Ich konnte mir nicht helfen, es mußte heraus. Auch im Passivo. Nun ist mir geholfen. Damit ist mir nicht geholfen. Gott helf! ein gewöhnlicher Glückwunsch gegen Niesende, dessen Ursprung sich in dem höchsten Alterthume verlieret, und schon bey den Griechen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - lautete. Wenn die Sache, von welcher man befreyet wird, ausgedruckt werden soll, so geschiehet solches vermittelst eines Vorwortes. Der Herr hilft in der Noth, Sir. 2, 13. Herr hilf mir von allen meinen Verfolgern, Ps. 7, 2. Du hilfest ihm von aller seiner Krankheit, Ps. 41, 4. Helfen sie mir von diesem Menschen, befreyen sie mich von ihm. Jemanden von seinem Vermögen helfen, figürlich, ihn darum bringen, machen, daß er es verliere. Gott der euch aus all eurem Unglück geholfen hat, 1 Sam. 10, 19. Der Herr half ihm aus allen seinen Nöthen, Ps. 34, 7. 3) In der weitesten Bedeutung, jemandes Heil, d. i. Wohlfahrt befördern, seinen Zustand vollkommner machen. Was hilft das bloße Ansehen? was nützet es? Am häufigsten gleichfalls mit der dritten Endung der Person. Das hilft dir, aber mir nicht. Wem hat es geholfen? Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne? Matth. 16, 26. Indessen findet man es in dieser Bedeutung auch häufig mit der vierten Endung, entweder nach dem Muster der Niedersachsen, oder als eine Nachahmung des Latein, juvare. Was hilfet si ir arger list, Reinmar der Alte. Was hilfet mich die sumer zit Vnde die villiechten langen tage, König Conrad der Iunge. Was hilft michs? 1 Cor. 15, 23. Sir 11, 24. Was hilft dichs? Ier. 2, 18. Das möchte dich helfen, Judith 10, 16. Es hilft dich nicht, Sir. 5, 10. Es half sie nichts, Marc. 5, 26. Das Wort der Predigt half jene nicht, Hebr. 4, 2. Was hülfe sie das? Jac. 2, 16. Was hilft michs, daß ich es gethan habe? Reichard, Bödicker und Aichinger geben die Regel, daß helfen, wenn es in dieser Bedeutung unpersönlich stehe, die vierte Endung erforderte. Aus den jetzt angeführten Beyspiele erhellet, daß diese Regel, wenn sie brauchbar seyn soll, zu enge eingeschränket ist. Am besten thut man ohne Zweifel, wenn man dem Zeitworte auch hier die dritte Endung der Person lässet, und die angeführten gegenseitigen Beyspiele für das hält, was sie wirklich sind, nehmlich Eigenheiten einer oder der andern Mundart. 2. Seine Kräfte mit den Kräften eines andern zur Erreichung eines Endzweckes vereinigen, einem andern in Erreichung einer Absicht beystehen; gleichfalls mit der dritten Endung der Person. Einem helfen. Es will uns niemand helfen. Einem mit Rath, mit der That helfen. Gott helf euch! Ein gewöhnlicher Gruß gegen arbeitende Personen, dessen Hugo de Nigella in Leibnitzens Accessionibus schon bey dem Jahre 1199 gedenket. Die Sache, welche der Gegenstand der Hülfe ist, wird oft mit verschiedenen Vorwörtern ausgedrucket. Jemanden in einer Sache helfen. Es hat mir niemand dabey geholfen. Jemanden zu einem Amte, zu einer Versorgung, zu einer Frau helfen, ihm dazu behülflich seyn, wofür auch verhelfen üblich ist. Andern zu ihrem Rechte helfen. Ich will die Sache nicht hindern, sondern vielmehr dazu helfen. Die Kinder werden ihnen zum Tode helfen, Matth. 10, 21. Einem davon helfen, ihm zu seiner Flucht beförderlich seyn. Einem Gefallenen wieder auf die Beine helfen, eigentlich, ihm helfen, damit er aufstehen könne; figürlich, seinen Nahrungsstand verbessern. Sie helfen mir auf das rechte Capitel, auf den rechten Weg. Er hilft mir auf einen Einfall. Jemanden auf das Pferd, aus der Grube, aus dem Wasser helfen. Alles hilft zu seinem Verderben, trägt das seinige dazu bey. Wenn jeder Theil so viel als möglich ist, zum gemeinschaftlichen Nutzen hilft. Oft aber auch vermittelst eines Zeitwortes, welches alsdann im Infinitiv ohne zu stehet, welche Wortfügung auch bey den Zeitwörtern heißen, dürfen, sollen, hören, lehren, lassen u. s. f. Satt findet. Einem arbeiten, schreiben, bezahlen helfen. Sie helfen uns das Unglück leichter ertragen. Helft mir Gottes Güte preisen. Welcher Infinitiv denn auch in den zusammen gesetzten Zeiten anstatt des Mittelwortes stehet. Diesen Brief habe ich ihm schreiben helfen, nicht geholfen. In den Mundarten findet man auch hier zuweilen die vierte Endung der Person. Got helfe mich, das ich mich bewar, Reinmar der Alte.

Anm. Bey dem Kero helfan, bey dem Ottfried in der zweyten Person des Präsens thu hilphis, und im Imperf. ich half, bey dem Ulphilas hilpan, im Nieders. helpan, im Engl. to help, im Dän. hiälpe, im Schwed. hjelpa, im Isländ. hialpa, im Wallis. helpu, im Lettischen gelbmi. Über die Abstammung dieses Wortes haben die Wortforscher lange Zeit sehr unwahrscheinlich geträumet. Junius lässetes von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Wachter von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Frisch von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ziehen, abstammen. Mit weit mehrerer Wahrscheinlichkeit leitet Ihre es von Heil, Gesundheit. Wohlfahrt, ab, da es denn aus heilpen, heilfen, entstanden, und mit dem Latein. salvare überein kommen würde, welches auf ähnliche Art aus Salus, Heil, gebildet ist. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Heil, kommt genau damit überein. S. Heil und Hülfe.


Helfenbein (W3) [Adelung]


Das Helfenbein, S. Elfenbein.


Helfer (W3) [Adelung]


Der Helfer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Helferinn, plur. die -en, eine Person, welche hilft, in allen Bedeutungen des Zeitwortes. Gott der Herr ist ein Helfer, 2 Mos. 2, 22. Da ist kein Helfer, 2 Sam. 22, 42. Vor einem bescheidenen Helfer verbirgt sich die leidende Unschuld nicht, Gell. In der zweyten Hauptbedeutung des Zeitwortes, wo in der anständigen Schreibart Gehülfe üblicher ist, kommt es nur noch in den Provinzen vor, wo besonders die Diaconi oder Capelläne der Priester im Oberdeutschen Helfer genannt werden. Gott hat in der Gemeine gesetzt Helfer, 1 Cor. 12, 28. Ein Helfers Helfer, im verächtlichen Verstande, der dem Gehülfen eines andern in einer bösen Sache hilft. Schon bey dem Notker Helfare.


Helfgeld (W3) [Adelung]


Das Helfgeld, S. Hülfsgeld.


Helfrecht (W3) [Adelung]


Das Helfrecht, des -es, plur. inus. an einigen Orten, z. B. im Hennebergischen, das Recht, die gepfändeten Sachen eines Schuldeners an die Meistbiethenden zu verkaufen, und dadurch dem Kläger zu seiner Forderung zu helfen; das Gantrecht, das Stangenrecht.


Helfrede (W3) [Adelung]


Die Helfrede, plur. die -n, in den Rechten einiger Gegenden, eine Entschuldigung, Ausflucht, Exception, womit man sich zu helfen, d. i. von einer Beschuldigung oder Zumuthung zu befreyen, sucht; eine Hülfsrede. S. Behelf.


Helfreich (W3) [Adelung]


Helfreich, adj. et adv. S. Hülfreich.


Helfwurz (W3) [Adelung]


Die Helfwurz, plur. inus. S. Allermannsharnisch.


Hell (W3) [Adelung]


Das Hell, des -es, plur. die -e, S. 2. Helle.


Hell (W3) [Adelung]


1. Hell, adj. welches nur im gemeinen Leben für ganz, völlig, besonders mit dem Hauptworte Haufe üblich ist. Sie kamen mit hellem Haufen, es kam der ganze völlige Haufe, Opitz. Der helle Haufe dringet Sich um das Ufer her, ebend. Reißt Schand und Üppigkeit mit hellem Haufen ein, ebend. Es ist vermuthlich das Nieders. heel, ganz, S. Heil das Beywort. Indessen kann doch auch das Nieders. hellen, von einer abhängigen Höhe herunter fließen, ( S. Halde) mit in Betrachtung kommen, daher Zehner in seinem 1622 gedruckten Henneberg. Vocabulario, einen hellen Haufen, durch einen ziehenden Haufen, Agmen, erkläret.


Hell (W3) [Adelung]


2. Hell, -er, -este, zusammen gezogen hellste, adj. et adv. welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. Von den Tönen, einen hohen Grad der mit Reinigkeit verbundenen Deutlichkeit habend, und darin gegründet. Eine helle Stimme, welche aus dem offenen Munde ohne Zwang und Drücken der Kehle frey aus der Brust hervor gebracht wird. Eine helle oder hell klingende Trompete, welche einen starken, reinen Klang hat; Nieders. schrell. Helle Cimbeln, 1 Chron. 16, 16, 28. Helle Posaunen, Pf. 47, 6. Auf ähnliche Art gebrauchen die Lateiner die Wörter clarus und Splendor von den Tönen und der Stimme. Hell schreyen. Das helle e, in der Sprachkunst, das offene e, das e ferme der Franzosen, so wie es in der ersten Sylbe der Wörter stehen, Ehre, stehen, ausgesprochen wird, zum Unterschiede von dem dunkeln oder tiefen e, welches wie ein ä lautet, wie in geben, leben. 2. Eine Eigenschaft der Körper in Ansehung der Lichtstrahlen zu bezeichnen. 1) Eigentlich. (a) Einen hohen Grad des Lichtes habend, oder von sich gebend, und darin gegründet; im Gegensatze dessen was dunkel ist. Das Licht, das Feuer brennt nicht hell. Ein helles Licht. Die hellen Sterne. Es ist sternenhell, wenn die Sterne hell leuchten. Der Blitz machte das ganze Zimmer hell. Ein helles Zimmer, welches den nöthigen Grad des Lichtes hat. Es wird hell, wenn der Tag anbricht. Es ist schon heller lichter Tag, im gemeinen Leben. Was ist heller denn die Sonne? Sir. 17, 30. Ein heller Schein, 2 Cor. 4, 6. Helle Hölzer, im Forstwesen, welche auch lichte Hölzer heißen, Laubhölzer, mit Laubholze bewachsene Gehölze, weil sie heller sind, als die Nadel- oder Tangelhölzer. In einem andern Verstande ist eine Holzung hell oder licht, wenn die Bäume sehr dünn in derselben stehen, und also viele Lichtstrahlen durchlassen. Helle Farben, in der Mahlerey, welche viele Lichtstrahlen zurück werfen, lichte Farben; im Gegensatze der dunkeln. So auch in den Zusammensetzungen, hellblau, hellgrau, hellroth, hellgrün, hellgelb u. s. f. im Gegensatze des dunkelblau, dunkelgrau u. s. f. (b) Einen hohen Grad des Glanzes habend, viele Lichtstrahlen von seiner Oberfläche zurück werfend; im Gegensatze des matt oder trübe. Helle (glänzende) Augen haben. Ein heller Spiegel. Das Geschirr hell scheuern. Ihre Füße glänzten, wie ein hell glatt Erz, Ezech. 1, 7. Ihr Licht war gleich einem hellen Jaspis, Offenb. 21, 11. (c) Einen hohen Grad der Durchsichtigkeit habend, viele Lichtstrahlen durchlassend: im Gegensatze des trübe. Ein sehr helles Wetter. Die Luft ist nicht hell, wenn sie mit Dünsten angefüllet ist. Das Glas ist sehr hell. Der Diamant ist hell. Reines, helles Wasser. Helles Bier, welches nicht dick oder trübe ist. Augen, in denen helle Tropfen hingen. Nicht ohne helle Zähren zu weinen, Wiel. 2) Figürlich, einen hohen Grad der Deutlichkeit habend, und darin ge- gründet. Es ist die helle Wahrheit. Hell denken, mit vieler Deutlichkeit. Ein heller Kopf, welcher sehr klare oder deutliche Begriffe von vielen Dingen hat. In seinem Kopfe ist es helle. Die hellen Zwischenräume der Vernunft, Intervalla lucida, wo man sich seiner mit Deutlichkeit bewußt ist.

Anm. Dieses Wort lautet in beyden Bedeutungen im Nieders. hell. In der ersten Bedeutung, in welcher es älter zu seyn scheinet, weil sich Töne leichter nachahmen lassen, als die Empfindung des Sehens, gehöret es ohne Zweifel zu dem alten Hall, und hallen, schallen. Bey dem Notker kommt hellen für schallen vor. Da es eine eben nicht seltene Figur ist, die Eindrücke des Gehöres auf die übrigen Sinne, und besonders auf das Sehen überzutragen, so ist auch hell schon sehr früh von einem hohen Grade des Lichtes und Glanzes gebraucht worden. Das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , glänzen, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , die Sonne, Lat. Sol, durch Vertauschung des Hauchlautes mit dem Zischlaute, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, der Sonnenglanz, und das Wallis. Haul, die Sonne, sind sehr alte Beweise davon. Zu eben diesem Geschlechte gehöret auch das Angels. Aeled und Dän. Ild, Feuer, aelan, anzünden.


Hellblau (W3) [Adelung]


Hellblau, adj. et adv. eine helle blaue Farbe habend, lichtblau; zum Unterschiede von dunkelblau.


Hellbraun (W3) [Adelung]


Hellbraun, adj. et adv. eine helle braune Farbe habend, lichtbraun; im Gegensatze des dunkelbraun.


Hellbutte (W3) [Adelung]


Die Hellbutte, plur. die -n, im Nieders. ein Nahme der fetten und großen Norwegischen Butten oder Schollen, woraus der Raf und Rekel bereitet wird; Pleuronectes Hippoglossus L. Nieders. Heilbutte, Dän. Helleflynder und Hellebutt, Engl. Hallibut, Holländ. Heilbot, Eelbot. S. 2. Butte.


Helldunkle (W3) [Adelung]


Das Helldunkle, des -n, plur. inus. ein in der Mahlerey nach dem Ital. Chiaroscuro und Franz. Clair obscur gebildetes Wort, die ganze Vertheilung des Lichtes und des Schattens in einem Gemählde zu bezeichnen, ingleichen die Kunst, beyde auf eine geschickte Art zu vertheilen; die Haltung.


Helle (W3) [Adelung]


1. Die Helle, plur. inus. das Abstractum von dem Bey- und Nebenworte 2. hell. 1) Die Eigenschaft einer Sache, da sie hell ist; doch nur in Beziehung auf die Lichtstrahlen. Die Helle der Sonne, des Tages, der Nacht. Die Helle des Glases, Ingleichen figürlich, die Deutlichkeit, und ein hoher Grad derselben. Der Mensch hat mehr Helle in seinen Vorstellungen als das Thier. Gellerts Seele liebte das Helle im Ausdrucke, Cram. 2) Bey den Goldschmieden ist die Helle das Pulver von Weinstein, Schwefel und Küchensalze, womit das Gold gehellet, d. i. heller an Farbe gesotten wird.


Helle (W3) [Adelung]


3. Die Helle, plur. die -n, in dem Forstwesen einiger Gegenden, der starke Afterschlag; zum Unterschiede von dem Zopfholze, oder dem dünnen Afterschlage. Vermuthlich von dem Schwed. Hale, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, der Schwanz, Schweif. Siehe 1. Helm.


Hellebarde (W3) [Adelung]


Die Hellebarde, oder vielmehr Hellebarte, plur. die -n, ein Spieß mit einer Barte, d. i. einer Art eines Beiles, mit welcher daher so wohl gestochen, als gehauen werden kann; eine ehemahlige Art des Kriegsgewehres, welches jetzt nur noch von den Leibwachen zu Fuße großer Herren geführet wird, welche daher auch Hellebardier heißen. Nieders. Tweesnider, Lat. Bipennis. Im Schwed. Hallbard, im Dän. Hellebard, im Böhm. Halapartna, im Engl. Halberd, im Franz. Hallebarde, im Ital. Alabarda. Die letzte Hälfte dieses Wortes ist das noch bekannte Barte, ein Beil. Nur die erste Hälfte ist noch dunkel. Wachter leitet es von dem alten hellen, streiten, ab, so daß eine Hellebarte nichts anders als eine Streitart seyn würde; Frisch und andere von Helm, Cassis, weil man mit diesem Gewehre von Helmen den meisten Schaden zufügen konnte; wobey ihm zu Statten kommt, daß dieses Wort wirklich sehr oft Helmbarde und Helmparte geschrieben wird. Aber mit eben dem Rechte könnte man es auch von Helm, ein langer Stiel, ableiten, so daß es ein Beil an einem langen Stiele oder Schafte bedeuten würde. Nach dem Fabricius in Origg. Sax. B. 7, S. 700 sind die Hellebarten erst zu Anfange des 15ten Jahrhunderts erfunden worden. Ihre erinnert sich dabey des Fechterspießes der alten Römer, welcher Celibaris genannt wurde, und findet zwischen beyden Wörtern eine mehr als zufällige Ähnlichkeit. S. Barte und Partisane.


Hellen (W3) [Adelung]


Hellen, verb. reg. act. hell machen; wofür aber die zusammen gesetzten aufhellen, aushellen und erhellen üblicher sind. Nur bey den Goldschmieden ist noch das einfache hellen üblich, das Gold heller an Farbe sieden, welches vermittelst der Helle, d. i. eines Pulvers von Weinstein, Schwefel und Küchensalz geschiehet.


Heller (W3) [Adelung]


Der Heller, S. Häller


Hellfuchs (W3) [Adelung]


Der Hellfuchs, des -es, plur. die -füchse, ein Fuchs, d. i. röthliches Pferd von heller Farbe, ein Lichtfuchs; zum Unterschiede von einem Dunkelfuchse.


Hellgelb (W3) [Adelung]


Hellgelb, adj. et adv. eine helle gelbe Farbe habend, lichtgelb; zum Unterschiede von dunkelgelb.


Hellgrau (W3) [Adelung]


Hellgrau, adj. et adv. eine helle graue Farbe habend, lichtgrau; im Gegensatze des dunkelgrau.


Hellgrün (W3) [Adelung]


Hellgrün, adj. et adv. eine helle grüne Farbe habend, lichtgrün; zum Unterschiede von dunkelgrün.


Hellig (W3) [Adelung]


* Hellig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur in den gemeinen Mundarten, besonders Niedersachsens üblich ist, ermüdet, abgemattet, kraftlos. Lauf dich nicht zu hellig, Jer. 2, 25. Der Held ganntz müd und hellig was, Theuerd. Kap. 86. Im engerm Verstande wird es im Nieders. auch für durstig gebraucht. Ein traurig Herz ist immer hellig, d. i. durstig. Das Land ist hellig, wenn es nach Regen durstet. Frisch leitet es von hallen, schreyen, her, und erkläret es durch müde von Schreyen. Allein es scheinet vielmehr eine Nachahmung des keichenden Lautes zu seyn, welchen ein von Arbeit abgemattetes Geschöpf von sich gibt, womit denn gemeiniglich ein heftiger Durst verbunden zu seyn pfleget. Alsdann würde es zu dem Geschlechte des Lat. anhelare und Halitus, und des Franz. haleter gehören. S. Behelligen, welches Hochdeutsche Wort von diesem abstammet.


Helligkeit (W3) [Adelung]


1. * Die Helligkeit, plur. inus. von dem vorigen Worte, der Zustand, da man hellig ist; doch nur im gemeinen Leben.


Helligkeit (W3) [Adelung]


2. Die Helligkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es hell ist, in Betrachtung der Lichtstrahlen, gleichfalls nur im gemeinen Leben; besser die Helle. S. 1. Helle.


Hellroth (W3) [Adelung]


Hellroth, adj. et adv. eine helle rothe Farbe habend, lichtroth; im Gegensatze des dunkelroth.


Hellschreyer (W3) [Adelung]


Der Hellschreyer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Dompfaff.


Hellweg (W3) [Adelung]


* Der Hellweg, des -es, plur. die -e, in einigen Niedersächsischen Gegenden, ein auf der Seite abhängig gemachter Weg, damit das Wasser ablaufen könne; in und um Bremen der Helmer, welches aber auch eine jede Abdachung bedeutet. Die erste Hälfte dieses Wortes gehöret zu dem Nieders. hellen, abhängig seyn, sich neigen, und die Helle, der Abhang. S. Halde.


Hellweiß (W3) [Adelung]


Hellweiß, adj. et adv. eine helle weiße Farbe habend, d. i. welche mit keiner andern Farbe vermischt ist; schneeweiß, hagelweiß.


Helm (W3) [Adelung]


1. Der Helm, des -es, plur. die -e, ein Stiel, besonders ein langer Stiel, derjenige Theil eines Werkzeuges, woran man dasselbe hält und handhabet; doch nur noch in einigen Fällen. Im gemeinen Leben ist der Stiel einer Art oder eines Beiles besonders unter dem Rahmen eines Helmes bekannt, dagegen im Bergbaue alle Stiele oder Hefte der Berggezähe diesen Rahmen führen. An den Ankern wird die Ruthe auch der Helm, und an dem Steuerruder der Griff und besonders der Knopf an dem Griffe, Franz. Heaume, der Helm genannt. In einem andern Verstande ist der Helm einer Axt der dicke hohle Theil, welcher den Stiel umschließt.

Anm. Man könnte es unmittelbar von Halm herleiten, welches in einigen Oberdeutschen Gegenden gleichfalls Helm lautet. Allein es scheinet vielmehr zu halten zu gehören, weil es den Theil eines Werkzeuges bedeutet, woran dasselbe gehalten und geführet wird. Das Nieders. und die mitternächtigen Mundarten haben dafür einen andern Ableitungslaut. Ein Heft oder Stiel heißt im Nieders. Helft, im Angels. Helf und Hielfa, im Engl. Helve. In einigen Gegenden ist es ungewissen Geschlechtes, das Helm. S. 3. Helle, Helmen und Helmstock.


Helm (W3) [Adelung]


2. Der Helm, des -es, plur. inus. in Schleßwig und Hollstein, eine Art Grases, oder vielmehr Rohres, welches den Flugsand stehend macht; Arundo arenaria L. Sandrohr, Sandhalm, Sandgras, Sandhafer, Sandschilf, Nervengras. Der Nahme Helm ist nur eine verderbte Aussprache für Halm, unter welchem es an einigen Orten wirklich vorkommt. S. Halm 2. Im Dänischen wird es Hielme, genannt, im Holländ. aber Duinhelm.


Helm (W3) [Adelung]


3. Der Helm, des -es, plur. die -e, Diminut. das Helmchen, Oberd. das Helmlein, die halb runde erhabene Bedeckung des Obertheiles verschiedener Körper. 1) Bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches ist es das oberste Blatt der helmförmigen, d. i. einblätterigen, ungleichförmigen, Blumen; Galea oder Labium superius L. im Gegensatze des Bartes oder des untersten Blattes; Barba oder Labium inferius. 2) Das oberste runde Dach der Thürme, welches im Ital. Cuppola heißt, ist im Deutschen gleichfalls unter dem Nahmen des Helmes, der Haube, oder der Kuppel bekannt. 3) An den Destillir-Blasen ist es der gewölbte, mit einer Röhre in Gestalt eines Schnabels versehene Deckel, welcher auf die Blase gesetzet wird, und auch der Hut, der Blasenhut heißt. Der blinde Helm, ein solcher Helm ohne Röhre. 4) Dasjenige Stück von den Häuten, welches neu geborne Kinder und Thiere zuweilen mit auf die Welt bringen, und welches ein Überrest derjenigen Häute ist, worin sie im Mutterleibe eingeschlossen waren, ist gleichfalls unter dem Nahmen des Helmes bekannt. 5) Am häufigsten bezeichnet man mit diesem Worte eine eiserne Verkleidung des Hauptes im Kriege, welche heut zu Tage nur noch zur Zierde, besonders auf den Wapen gebraucht wird, ehedem aber ein nothwendiges Stück der Kriegsrüstung war. S. Bickelhaube, welchen Nahmen noch eine Art des Helmes bey den Scharwächtern an manchen Orten führet. Ein offener Helm, im Gegensatze eines geschlossenen. Und hatte einen ehernen Helm auf seinem Haupt, 1 Sam. 17, 5. In weiterer Bedeutung nannte man ehedem auch mit Helmen bekleidete Kriegsleute, Helme. Herzog Otto schickte wider die Bürger zu Lübeck 600 Helme, in den Scriptor. Brunsuic. bey dem Frisch. Anm. In der letzten Bedeutung schon bey dem Ottfried Helm, im mittlern Lat. Helmus, Elmus, im Ital. Elmo, im Franz. Heaume, im Dän. Hiälm, im Angels. und Engl. Helm, im Pohln. Helm, im Isländ. Gialmur, im Schwed. Hjelm, im Lat. Galea, und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es stammet unstreitig von hehlen, decken, bedecken, her, daher es bey den Schwäbischen Dichtern auch Heln geschrieben wird, und bedeutete ehedem eine jede Decke, oder ein jedes Dach, wovon sich noch Beyspiele genug finden. Im Angels. war Haelme, und im mittlern Lat. Helmus, das Dach, der Gipfel eines Dinges, und haelmen decken, bedecken. Im Lettischen ist Chelmo der Hut. Im Griech. bey dem Suidas ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein jeder Deckel, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ich bedecke, wickele ein, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - der Deckel des Dreyfußes zu Delphi. S. Hehlen, Höhle, Hülle u. s. f. Opitz gebraucht Helm in der letzten Bedeutung im ungewissen Geschlechte, ein blankes Helm.


Helmbiene (W3) [Adelung]


Die Helmbiene, plur. die -n, an einigen Orten ein Nahme der Brutbienen, Thränen, oder Wasserbienen.


Helmbinde (W3) [Adelung]


Die Helmbinde, plur. die -n, eine Binde, womit man zuweilen den Helm zu schmücken pflegte, und noch bey den Helmen auf den Wapenschilden üblich ist. Ehedem auch die Helmlör, oder Brünlör, von Brün, galea, und Lör, eine Binde, Lorum. S. 3. Helm 5.


Helmdach (W3) [Adelung]


Das Helmdach, des -es, plur. die -dächer, in der Baukunst, ein Thurmdach, welches nicht gerade in eine Spitze zuläuft, sondern mit einem Helme versehen, und nach allerley Ausschweifungen und Krümmungen gebildet ist. S. 3. Helm 2.


Helmdecke (W3) [Adelung]


Die Helmdecke, plur. die -n, in der Wapenkunst, alle gekräuselte Zierathen, welche von dem Helme eines Wapens zu beyden Seiten herunter hangen und wie Laubwerk aussehen.


Helmen (W3) [Adelung]


1. Helmen, verb. reg. act. mit einem Helme, d. i. Stiele versehen. Eine Axt helmen. S. 1. Helm.


Helmen (W3) [Adelung]


2. Helmen, verb. reg. act. mit einem Helme, d. i. einer Kopfrüstung bekleiden. Gehelmte Soldaten. Sie sind gehelmte Hafen, Und kommen, Fersengeld zu geben, in den Krieg, Opitz.


Helmfenster (W3) [Adelung]


Das Helmfenster, des -s, plur. ut nom. sing. das Gitterwerk vorn an einem Helme; das Helmgitter, das Helmvisier, der Helmrost.


Helmförmig (W3) [Adelung]


Helmförmig, adj. et adv. die Gestalt eines Helmes, d. i. einer halb runden Bedeckung habend. Eine helmförmige Blume, in der Kräuterkunde, eine einblätterige, ungleichförmige Blume; Corolla ringens L.


Helmgewölbe (W3) [Adelung]


Das Helmgewölbe, des -s, plur. ut nom. sing. in der Baukunst, ein Gewölbe in Gestalt eines Helmes, d. i. ein Gewölbe, welches eine halbe Kugel vorstellet, und auch ein Kugelgewölbe, oder Kesselgewölbe genannt wird.


Helmgitter (W3) [Adelung]


Das Helmgitter, des -s, plur. ut nom. sing. S. Helmfenster.


Helmkleinod (W3) [Adelung]


Das Helmkleinod, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, die -ien, in der Wapenkunst, alle Kleinode oder Zierathen, womit der Helm eines Wapenschildes ausgezieret zu werden pfleget, und wohin Kronen, Wülste, Hüte, Küssen, Thiere u. s. f. gehören; Helmzierathen, Helmzeichen. In engerer Bedeutung führet der Federbusch eines Helmes den Nahmen des Helmkleinodes.


Helmlehe (W3) [Adelung]


Das Helmlehe, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Wapen, so fern es ehedem auch zuweilen zu Lehen gegeben wurde, wovon Schilter bey dem Worte Wapen ein Beyspiel anführet; ein Wapenlehen. 2) In weiterer Bedeutung wurde ehedem auch ein jedes Ritterlehen ein Helmlehen, und im Lat. Feudum galeatum genannt, weil der Helm eine vorzüglich den Rittern eigene Rüstung war.


Helmreif (W3) [Adelung]


Der Helmreif, des -es, plur. die -e, die gebogenen Stangen, woraus das Helmfenster oder Helmgitter bestehet.


Helmrost (W3) [Adelung]


Der Helmrost, des -es, plur. die -röste, S. Helmfenster und Rost.


Helmspitze (W3) [Adelung]


Die Helmspitze, plur. die -n, der oberste Theil eines Helmes worin der Federbusch befestiget ist. Ingleichen die Spitze eines Helmdaches.


Helmstange (W3) [Adelung]


Die Helmstange, plur. die -n, die Stange auf dem Helme eines Daches, um welche sich die Windfahne drehet.


Helmstock (W3) [Adelung]


Der Helmstock, des -es, plur. die -stöcke, an den Schiffen, ein langes rundes Holz, welches in den Kolderstock des Steuerruders gehet, und vermittelst dessen dasselbe regieret wird. S. 1. Helm.


Helmstutz (W3) [Adelung]


Der Helmstutz, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst, die Zierathen oben auf dem Helme, dergleichen Federbüsche, Köpfe u. s. f. sind. S. Stutz.


Helmtaube (W3) [Adelung]


Die Helmtaube, plur. die -n, eine Art Tauben, mit einem Schopfe auf dem Kopfe, welcher einen Helm vorstellet.


Helm-Visier (W3) [Adelung]


Das Helm-Visier, des -es, plur. die -e, das Visier eines Helmes, d. i. derjenige Theil, welcher das Gesicht bedecket, und die Gestalt eines Gitters hat, S. Helmfenster und Visier.


Helmweiderich (W3) [Adelung]


Der Helmweiderich, des -es, plur. inus. eine Art Weiderich mit blauen Blumen, welcher auch das Fieberkraut genannt wird, weil er das dreytägige Fieber vertreiben soll; Epilobium L.


Helmzeichen (W3) [Adelung]


Das Helmzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Helmkleinod.


Helmzierath (W3) [Adelung]


Der Helmzierath, des -es, plur. die -en, S. eben daselbst.


Hemd (W3) [Adelung]


Das Hemd, des -es, plur. die -en, im gemeinen Leben die -er, Diminut. das Hemdchen, Oberd. Hemdlein. 1) Eigentlich und in der weitesten Bedeutung, ein jedes Kleidungsstück oder Bekleidung des menschlichen Körpers; in welcher Bedeutung es aber nur noch in einigen Zusammensetzungen üblich ist, S. Chor-Hemd, Futterhemd, Meßhemd, Panzerhemd. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine gemeiniglich leinwandene Bekleidung des Körpers, welche man unmittelbar an die Haut leget. Jemanden bis auf das Hemd ausziehen. Das Hemd ist mir näher als der Rock, Sprichw.

Anm. In der zweyten engern Bedeutung in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten Hemat, in dem Heldenbuche Hemmat, bey den Schwäbischen Dichtern Hemede, in den spätern Zeiten Hembe und Hemb, im Angels. Haam, Ham, im Ungar. Imeg, im mittlern Lat. Camisia, im Franz. Chemise. In der weitern Bedeutung einer jeden Kleidung lautet es bey dem Notker Hemide, der es für einen Rock gebraucht, da es denn sehr deutlich mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein kommt. Im Isländ. ist Hempe ein Unterrock. Wachter leitet es von Hanf her, der ersten und ältesten Materie der Hemden. Allein es gehöret wohl unstreitig zu dem alten hemen, heimen, bedecken, bekleiden, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - von welchem es vermittelst der Ableitungssylbe de oder d abstammet. Im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ich ziehe an, im Schwed. hama, hema, bedecken, Ham eine jede Decke, besonders ein Kleid, Esthnisch Hame. Das Dänische Ham bedeutet einen abgestreiften Schlangenbalg. Auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Deutsche um scheinen hierher zu gehören. S. Heim, Himmel. Der Plural Hemder ist nur im gemeinen Leben üblich. Das b vor dem d, Hembd, ist einigen Oberdeutschen Mundar- ten eigen, welche dem letztern Buchstaben gern ein b vorher schleichen lassen. Übrigens wird ein Hemd bey dem großen Haufen der Oberdeutschen ein Pfad, Pfoad, und eine Hemdkrämerinn eine Pfadlerinn genannt, womit das Gothische Paida, und Isländ. Paita, ein Hemd, überein kommen.


Hemmen (W3) [Adelung]


Hemmen, verb. reg. act. die Bewegung eines Körpers hindern. 1) Eigentlich, wo es doch nur noch in einigen einzelnen Fällen, besonders aber von Rädern gebraucht wird. Einen Wagen hemmen, oder die Räder hemmen, durch eine angelegte Kette den Umlauf der Räder hindern. In den Uhrwerken hemmt der eine Zahn des Englischen Hakens das Steigerad, wenn er in dasselbe eingreifet, und dessen Umlauf unterbricht, daher dieser Haken. auch die Hemmung genannt wird. Das Wasser hemmen, dessen Fortfließung oder Abfluß vermittelst eines Dammes, eines Wehres, eines Schutzbretes u. s. f. hindern; im gemeinen Leben es stauen. Und den verstrickten Fuß an seinem Gange hemmet, Hans Sachs. Das heißt recht einem andern eine Grube graben und selbst darein gefallen, und ein Netz geleget, und sich selbst gehembt, d. i. gefangen, Luther in der Kirchenpost, in welcher Bedeutung es doch veraltet ist, so wie das zusammen gesetzte behemmen, in Verhaft nehmen. 2) Figürlich, den Lauf, den Fortgang einer Sache hindern, unterbrechen. Furcht und Zweifel hemmen oft große Anschläge gleich im Anfange. Hemme die vergoßnen Thränen, Gryph. Eines Muth hemmen. So auch die Hemmung.

Anm. Im Engl. to hem, im Dän. hemme, im Pohl. hamuie, im Schwed. haemma, und mit andern Ableitungslauten hamna, hamla und hafna; woraus zugleich zu erhellen scheinet, daß man dieses Wort füglich zu haben und heften, oder auch zu hamm, lahm und hammeln, verstümmeln, rechnen könne. S. Hammel. Frisch leitet es sehr unwahrscheinlich von hängen ab, leget ihm auch eine falsche Nebenbedeutung bey, wenn er behauptet, daß es nur dem heftigen Laufe eines Dinges Einhalt thun bedeute; worin ihm auch Hr. Stosch gefolget ist. Im Nieders. ist für hemmen lemmern üblich, ohne Zweifel von lahm, eigentlich lähmen, welches zugleich die Ableitung von ham, lahm, verstümmelt, wahrscheinlich macht. S. auch Hamen und Hamstock.


Hemmerling (W3) [Adelung]


Der Hemmerling, S. Ammer und Hämmerling.


Hemmkette (W3) [Adelung]


Die Hemmkette, plur. die -n, eine an dem Langwagen befestigte Kette, welche man um ein Rad leget, dessen Umlauf zu hemmen, und die allzu schnelle Bewegung eines Wagens auf sehr abhängigen Wegen zu hindern; die Sperrkette, Radsperre.


Hemmschuh (W3) [Adelung]


Der Hemmschuh, des -es, plur. die -e, bey Frachtwagen, ein mit einer Rinne versehenes Holz, womit man ein Rad einzuhemmen pflegt.


Hengel (W3) [Adelung]