Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
DE Deutschland, Alemania, Allemagne, Germania, Germany
Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
I

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

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Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

B

C

D

E

F

G

H

I

I (W3) [Adelung]


I, der neunte Buchstab des Deutschen Alphabetes, welcher seit den ältesten Zeiten das sonderbare Schicksal gehabt hat, daß er das Zeichen zweyer sehr von einander verschiedener Laute seyn müssen, wovon der eine ein Vocal, der andere aber ein Consonant, oder vielmehr ein Mittellaut zwischen einem Vocale und einem Consonanten ist. Wir handeln hier nur von dem I, so fern es das Zeichen eines Vocales ist, und trennen es von dem so genannten Iod, ungeachtet man die mit beyden anfangenden Wörter bisher unter einander zu werfen gewohnt gewesen. Der Vocal i ist der mittelste unter den Vocalen, so wohl der Stelle, als auch der Öffnung des Mundes nach. Er klinget breiter, als das verwandte, aber ründere ü, und ist nebst dem e und ei das natürliche Zeichen der Kleinheit, so wie o und a, zuweilen auch das u die Größe ausdrucken; daher schon Plato sagte, daß man ihn - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gebrauche. Groß, ehedem stor, klein, fein, Thor, Thür, Hut, Hütchen, Stock, Stecken, Sticken, Made, Motte, Miethe u. s. f. Es ist der Aussprache nach bald gedehnt, bald geschärft. Geschärft ist es in hin, in, wirken, sinnen, Bild, still und tausend andern; gedehnt in mir, dir, wir, in der ersten Sylbe von Lilie, in der dritten von Petersilie, und in den fremden Wörtern. Debit, Profit, Titel, Rubrik, Bibel, Biber u. s. f. In ihm, ihn, ihr, ihnen, nimmt es zum Zeichen seiner Dehnung das h an. Am gewöhnlichsten druckt man das gedehnte i im Deutschen durch ie aus; Knie, hier, befiehlst oder befiehlt, die, wie, siehe, Kieser, Thier, fliehen, ziehen, Liebe, vier, sieben u. s. f. In einigen wenigen Fällen wird dieses ie gemeiniglich geschärft ausgesprochen; wohin vierzehn, vierzig, Viertel, dieß und nach einigen auch Schmied, des Schmieds, dem Schmied gehören, welches andere aber lieber Schmid schreiben. Gib, du gibst, ging, hing, fing, werden am richtigsten ohne e geschrieben, weil die Hochdeutsche Mundart hier durchgängig ein geschärftes i hören lässet. Wenn auf dieses ie in der Verlängerung des Wortes noch ein e folgen sollte, so lässet man das eine auch wohl weg. Von dem einsylbigen Knie lautet der Plural zweysylbig die Knie, für Kniee, und das Zeitwort auch zweysylbig knien, ich knie, du kniest, für knieen, knieest. So auch Poesien, Melodien, sie schrien, es schrie u. s. f. Der große Haufe pflegt hier gern ein g einzuschieben; sie schriegen für schrien, es hat geschniegen für geschnien oder geschneyet, gespiegen für gespien. Viele Sprachlehrer geben dieses ie für einen Doppellaut aus, welcher Nahme demselben doch so wenig zukommt, als dem aa, ee, ah, oh und andern ähnlichen, wo zwar das Zeichen doppelt und zusammen gesetzt, der Laut selbst aber einfach ist. Wahr ist es, daß es grobe Mundarten gibt, welche in diesem gedehnten ie, beyde Vocale deutlich hören lassen, Li-ebe, Di-eb, Wi-en; aber wie gehöret das hierher? Eben diese Mundarten sprechen auch wi-er, di-er, mi-er Li-echt, für wir, dir, mir, Licht, ja sogar Mu-et-ter für Mutter, Vo-a-ter für Vater; sind denn darum das i in mir, dir und wir, das a in Mutter, und das a in Vater, Doppellaute, weil es Mundarten gibt, welche hier statt des einfachen Vocals einen Doppellaut hören lassen? Indessen kann es seyn, daß diese pro- vinzielle Aussprache, welche auch in andern Sprachen Statt findet, Anlaß gegeben hat, das gedehnte i durch ie auszudrucken, weil man es im Deutschen schon sehr frühe findet, und zwar weit eher, als man daran dachte, die gedehnten Vocale in der Schreibart von den geschärften zu unterscheiden. Schon Kero hat einige Mahl die, ob man gleich dafür bey ihm dia, diu findet. Das e schlich ehedem auch andern Selbstlautern nach, nicht als ein Zeichen ihrer Dehnung, sondern weil man in der Aussprache statt Eines, zwey Selbstlaute hören ließ. Die Aussprache änderte sich mit der Zeit, aber die Schreibart blieb, und so ward das e in dem Hochdeutschen ie, in dem Holländ. ae und oe ein bloßes Zeichen eines gedehnten i, a und o. Man schreibt im Französ. Caen, im Holländ. Naerden, im Nieders. Soest, und spricht Caan, Naarden, Soost. Dieses ie, besonders in dem bereits angezeigten Falle, wenn i-e, aus ie-e zusammen gezogen worden, ausgenommen, stehet der Vocal i im Hochdeutschen nur von einem Consonanten; denn die Doppellauter ia, io, iu, sind nur in harten und rauhen Mundarten anzutreffen. In allen übrigen Fällen, wo das i vor einem Vocale stehet, da schmilzet es mit demselben zusammen und gehet in dem Zwischenlaut Jod über; Jahr, jeder, jetzt, nicht I-ahr, ieder, itzt, wie wohl einige schreiben und auch sprechen. Nur die fremden Wörter machen hier eine Ausnahme, wo ie oft zweysylbig ist; Histori-e, Asi-en, Ari-e, Chri-e, Schlesi-en, Lili-e, Petersili-e, ungeachtet es im gemeinen Leben auch hier in das Jod übergehet, Lilje, Petersilje, Schlesjen, Asjen. Es ist die Frage, ob man die fremden Wörter, in welchen ein gedehntes i vorkommt auch nach der Art der ursprünglich Deutschen Wörter mit einem ie schreiben müsse. In solchen Wörtern, welche man mit dem Bürgerrechte begabet, und ihnen auch am Ende ein Deutsches Ansehen gibt, scheinet es sehr billig zu seyn, sie auch in den übrigen Fällen den Regeln der Deutschen Schreibart zu unterwerfen; Mienen, Anieß, Paradies, Bieber, Biebel, Fibel, Fiedel u. s. f. Indessen schreibt jedermand, Bibel, Fibel, Biber, und viele ziehen auch Aniß, Mine, Paradis u. s. f. vor. Dieß gilt auch von der Endung der Zeitwörter ieren, welche von den meisten lieber iren geschrieben wird. S. -Iren. Das ie findet sich, wie schon gedacht worden, anstatt des gedehnten i in den ältesten Zeiten, vermuthlich auf Veranlassung der gemeinen Oberdeutschen Mundarten, welche dem i so gern ein e nachklingen lassen. Allein eben so oft findet man auch dafür ein y, ja nur ein bloßes i. Man thue einen Blick in die Schriften der mittlern Zeiten, so wird man sich davon überzeugen können. In der Ableitung und Beugung der Wörter gehet das i fast in alle übrige Vocale über. Bitten, bath, gebethen; besinnen, besann, besonnen; riechen, roch, Geruch; beginnen, begann, begunte, begonnen; binden, band, gebunden; fließen, floß, geflossen u. s. f. In einigen rauhern, besonders Oberdeutschen Mundarten, ist es sehr gewöhnlich, statt des gedehnten i oder ie und ii ein breites eu hören zu lassen. Zeuhen, er überzeuhet, Bluntschli ein Zürcher, für ziehen, überziehet; fleußen, fleuhen, leugen, treugen, für fließen, fliehen, lügen, trügen. Einige Sprachlehrer des vorigen Jahrhundertes, welche das Edle der Schreibart in der Fülle des Mundes und in den aufgeblasenen Backen suchten, bemüheten sich dieses eu in der zweyten und dritten Person der einfachen Zahl der gegenwärtigen Zeit einzuführen, und sie fanden bald Nachahmer. Es freuet mich, Schottel, verleuret, treugt, verscheubt, Opitz, scheußt, geußt, Flemming u. s. f. für frieret, verlieret, trügt, verschiebt, schießt, gießt. Der Übelklang ist, wenigstens in einigen, sehr merklich; dennoch schärfte Gottsched diese Form als männlicher und edler von neuen ein, und sie kommt auch, um der Einsylbigkeit und der größern Fülle des Mundes willen, noch bey den Dichtern vor.


I (W3) [Adelung]


I, ein Zwischenwort, S. Ie.


Ibe (W3) [Adelung]


Die Ibe, der Ibenbaum, S. Eibe.


Ibe (W3) [Adelung]


Die Ibe, die Ibenblätter, das Ibenlaub, S. Epheu.


Ibisch (W3) [Adelung]


Der Ibisch, S. Eibisch.


-ich (W3) [Adelung]


-ich, eine Endsylbe verschiedener Hauptwörter. 1) Ein Ding männlichen Geschlechtes, und in weiterer Bedeutung, ein Ding zu bezeichnen, in Änterich, Gänserich, Täuberich, Wütherich, Wegerich u. s. f. wo es aber vielmehr die Sylbe rich ist, S. -Rich. 2) In Kehrich, Feilich, Spühlich, Röhrich, Eichig, Gerörich u. s. f. welche richtiger mit -icht geschrieben und gesprochen werden, S. 1. -Icht.


-icht (W3) [Adelung]


-icht, eine Ableitungssylbe für Hauptwörter, ein Collectivum, mehrere Dinge Einer Art als ein Ganzes, zu bezeichnen. Das Getreidicht, im Oberd. für das Getreide; das Kehricht, Feilicht, Spühlicht u. s. f. Ingleichen den Ort, wo ein Ding Einer Art in Menge befindlich ist, wie die Lat. auf -etum. Das Geröhricht, arundinetum, das Eichicht, quercetum, das Gemöhricht, das Geweidicht oder Weidicht, salicetum, das Dickicht, ein mit Bäumen dick bewachsener Ort in einem Walde, das Dornicht, dumetum, das Äckericht, wo viele Äckern, d. i. Eicheln wachsen u. s. f. welche Wörter doch nur im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes, üblich sind, wo diese Endung bald ich, bald igt, bald acht und achten lautet. Ein Sumpf oder Riedachten, Bluntschli. Das Pöschach an den Wassern, das Büschicht, fruticetum, in der Braunschweig. Waldordnung von 1598. Es scheinet, daß diese Ableitungssylbe mit der Lat. -etum, welche nur den Hauchlaut weggeworfen haben, zu dem alten Zeitworte eigen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, gehöre, von welchem Eht, bey dem Kero, Habe, Vermögen, eine Vielheit bedeutet. S. Eigen und -Ig, welches im gemeinen Leben oft igt lautet. Diejenigen Wörter, wo die Endsylbe icht keine bloße Ableitungssylbe ist, sondern zum Stamme gehöret, wie Pflicht, Gedicht, Gesicht, Gericht, Gicht, Gewicht, Licht u. s. f. gehören nicht hierher.


-icht (W3) [Adelung]


-icht, eine Ableitungssylbe, Bey- und Nebenwörter aus Hauptwörtern zu bilden, welche die Ähnlichkeit mit denselben bezeichnen. Das Wasser schmeckt tinticht, wie Tinte, erdicht, wie Erde, weinicht, wie Wein. Buckelicht gehen, als wenn man einen Buckel hätte. Kupfericht im Gesichte aussehen, wie Kupfer. Das Fleisch schmeckt grasicht, holzicht, wie Gras, wie Holz. So auch felsicht, flammicht, bergicht, haaricht, fetticht, talgicht, öhlicht, thöricht, beinicht, perlicht, glasicht, und tausend andere mehr, welche insgesammt den Begriff der Ähnlichkeit bey sich führen. In den gemeinen Mundarten, so wohl Ober- als Niederdeutschlandes, lautet diese Sylbe acht, und vollständig achtig, echtig; sumpfechtig, eine mosachte Wiese, Bluntschli; im Dän. agtig, im Schwed. ackt, ackteg. Hieraus erhellet zugleich, daß sie nicht, wie Wachter will, von dem folgenden icht, etwas, sondern wirklich von dem Zeitworte achten herstammet, und daß z. B. thöricht etwas bedeutet, daß für einen Thoren zu achten, oder demselben ähnlich ist. Es sind also die Beywörter auf icht von denen auf ig wesentlich unterschieden, ob sie gleich nicht nur im gemeinen Leben, sondern auch von guten Schriftstellern, ja selbst von Sprachlehrern, häufig mit einander verwechselt werden, weil den Gaumenbuchstaben im gemeinen Leben, besonders in den härtern Mundarten, so gern ein t nachschleicht, daher man immer noch süßlicht, grünlicht, für süßlich und grünlich, steinigt, bergigt, für steinig, bergig, und folglich auch kitzlicht, salzicht, morasticht, vielköpficht, schatticht u. s. f. für kitzelig, salzig, morastig, vielköpfig, schattig, lieset und höret; ungeachtet der Unterschied sehr leicht zu fassen und zu beobachten ist, auch in zweifelhaften oder gleichgültigen Fällen, die doch so häufig nicht seyn werden, der Wohlklang sich für das -ig erkläret. Aber auch mit dem Begriffe der Ähnlichkeit lässet sich diese Sylbe nicht allen Hauptwörtern anhängen, weil in vielen Fällen lich, isch, haft und andere schicklicher sind. So sagt man nicht thiericht, sondern thierisch, nicht hündicht, sondern hündisch, nicht menschicht, sondern menschlich, nicht bettelicht, sondern bettelhaft. Überhaupt macht der starke Hauchlaut in Gesellschaft des t in vielen der Wörter, welche auch diese Ableitungssylbe annehmen, einen merklichen Übelklang, welchen man vermeidet, wenn man statt dessen das gleichbedeutende artig nimmt; glasartig, beinartig, erdartig, weinartig, felsartig u. s. f. welche noch diesen Vorzug haben, daß sie auch den Superlativ verstatten, welchen die Beywörter auf icht um des unvermeidlichen Übelklanges willen nur selten erlauben. Über dieß lassen sich von den Beywörtern auf icht keine Hauptwörter bilden, ungeachtet der Begriff es wohl verstattete, welches aber mit denen auf artig keine Schwierigkeit hat, als welche insgesammt das keit annehmen können, so wie das -achtig oder -echtig der Ober- und Niederdeutschen vermittelst dieser Endsylbe gleichfalls Hauptwörter zulässet; die Glasachtigkeit, Glasartigkeit. S. 2 -Ig.


Icht (W3) [Adelung]


3. * Icht, ein mit seinen Zusammensetzungen und Ableitungen im Hochdeutschen veraltetes unbestimmtes Fürwort, ein jedes unbestimmtes Etwas zu bezeichnen, es sey nun ein Ding, oder eine Zeit, oder ein Ort. Were an der minne falsches icht, Rudolph von Rothenburg, etwas Falsches. Es ist mit ichts, ichtens, ichtwas, ichtwann, noch für je, irgend, etwas, etwann, in den gemeinen Mundarten, besonders Niedersachsens, üblich. Wenn er ichts, oder ichtens kommen sollte, irgend einmahl. Hast du ihn nicht ichtens gesehen? nicht einmahl, oder irgend wo. Im Hochdeutschen lautet dieses Fürwort et in den Zusammensetzungen etlich, etwann und etwas. S. dieselben, ingleichen Nicht und Wicht.


Ideal (W3) [Adelung]


Das Ideal, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Idealis, ein nur in der Vorstellung befindlicher Begriff von einer Sache. Lassen sie uns dem Dichter nicht unsere eigenen Ideale un- terschieben, Sonnenf. Daher idealisch, nur in der Vorstellung befindlich.


Idee (W3) [Adelung]


Die Idee, (zweysylbig,) plur. die Ideen, (dreysylbig,) aus dem Griech. und Lat. Idea, eine jede Vorstellung einer Sache in unsern Gedanken; ein Begriff, in der weitesten Bedeutung. Durch das Gehör erlangen wir die Idee des Schönen, das in der Harmonie und in der Folge der Töne liegt, Sulz. Im Deutschen und Franz. liegt der Ton auf der zweyten Sylbe, im Griech. und billig auch im Lat. auf der ersten.


Idylle (W3) [Adelung]


Die Idylle, plur. die -n, aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches eigentlich ein kleines Bild, ein angenehmes Gemählde bedeutet, aber nur noch von Gedichten gebraucht wird, worin die verschönerten Empfindungen der häuslichen Gesellschaft, besonders des Land- und Hirtenlebens vorgestellet werden. S. Ekloge.


Ie (W3) [Adelung]


Ie, das Zeichen des langen i, S. I.


Ie (W3) [Adelung]


Ie, (sprich i,) ein Zwischenwort, welches in Niedersachsen und im gemeinen Leben der Obersachsen für das mehr Hochdeutsche ey! gebraucht, und von manchen auch nur i geschrieben wird. Ie nun, so sey es, Ie nun, meine Tochter ist kein uneben Ding, Weiße. Ie, bist du denn auch schon munter? ebend. Ie, machen sie doch keine Umstände. Ie nun, du bist freylich nicht die schönste, Gell. S. Ey.


-ieren (W3) [Adelung]


-ieren, die Endung vieler Zeitwörter, S. -Iren.


-ig (W3) [Adelung]


-ig, eine Ableitungssylbe, welche sich an verschiedenen Hauptwörtern befindet. König, Pfennig, Bottig, (wofür man gemeiniglich Bottich schreibt,) (das Oberdeutsche Getreidig oder Getreidicht für Getreide, Honig u. a. m. In den meisten dieser Wörter scheinet es mit der Endsylbe -ing einerley, und aus derselben zusammen gezogen zu seyn, weil man in den gemeinen Mundarten noch Bodding, Köning, Pfenning, Honing, spricht. S. -Ing.


-ig (W3) [Adelung]


-ig, iger, igste, eine Ableitungssylbe, welche im Deutschen von einem überaus großen Nutzen ist, von sehr vielen Wörtern Bey- und Nebenwörter zu bilden. Die Wörter, welche auf solche Art genutzet werden können, sind, 1. Hauptwörter, aus welchen auf diese Art Bey- und Nebenwörter werden, welche den Besitz, das Haben, die Gegenwart derjenigen Eigenschaft bezeichnen, welche das Hauptwort ausdruckt; wo denn das ig an den letzten Mitlauter des Hauptwortes angehänget, und wenn sich dasselbe auf ein e endiget, dasselbe weggeworfen wird. Gütig, Güte habend, besitzend, muthig, Muth habend, schmutzig, Schmutz habend, gräthig, Gräthen habend. So auch aderig, bergig, buckelig, buschig, dornig, faserig, farbig, felsig, federig, haarig, hastig, hitzig, kitzelig, kiesig, kothig, morastig, runzelig, eckig, kupferig, schuppig, schwammig, eiferig, anmuthig, freudig, hungerig, durstig, listig, lustig, willig, muthwillig, saftig, schartig, spitzig, stündig, wichtig, garstig, schattig, wenig (von Wahn, Mangel,) selig, hügelig, adelig, ewig, unschuldig, zornig, und tausend andere mehr. In einigen wird der Vocal der letzten Sylbe verändert, wie in andächtig, aussätzig, bräuchig, brünstig, bündig, günstig, fällig, flüchtig, wollüstig, gläubig, gnädig, mächtig, häusig, jährig, mäßig, mündig, lässig, dürftig, pfündig, prächtig, süchtig, thätig, trächtig, verständig, unfläthig, züchtig, zünftig, schwülstig, nöthig, eigennützig u. s. f. Einige wenige leiden noch andere Veränderungen. So ist für grobfädenig grobfädig üblicher, für fährtig fertig. Der erste und eigentliche Begriff ist in diesen und allen ähnlichen Beywörtern der Begriff des Besitzes, des Daseyns; da denn, wenn der Plural des Hauptwortes verstanden werden muß, sich auch der Begriff der Vielheit mit einschleicht. Ein steiniger Acker, welcher viele Steine hat; ein gräthiger Fisch, welcher viele Gräthen hat, ein gesprächiger Mann, welcher gern und viel spricht. Nach einer sehr gewöhnlichen Figur bedeuten diese Wörter auch etwas, das in der Eigenschaft, welche das Hauptwort ausdruckt, gegründet ist, und nach einer noch weitern Figur auch wohl etwas, das derselben nur ähnlich ist. Ein andächtiger Mensch, welcher Andacht besitzet; ein andächtiges Gebeth, welches in der Andacht gegründet ist, aus derselben herfließet; eine andächtige Miene, welche Andacht verrathen soll. Ein gütiger Mann, ein gütiges Versprechen. Zuweilen drängen sich auch noch andere Begriffe mit ein. Wollüstige Bilder, welche zur Wollust reitzen. Besonders, wenn die mit ig gebildeten Beywörter in manchen Fällen einen mehr passiven Sinn annehmen. Einem gehässig seyn, thätig, ihn hassen, aber ein gehässiger Mann, passive, der gehasset wird. So auch heilig, welches eigentlich Heil, d. i. Gesundheit, Wohlfahrt, habend und gewährend, bedeutet, aber auch im passiven Verstande für unverletzlich üblich ist, und andere mehr. In einigen scheinet es bloß ein Seyn, einen Zustand zu bedeuten, vorräthig, verlustig, künftig, von Vorrath, Verlust, Kunst, welche Bedeutung dieses ig vornehmlich auch in den folgenden Fällen hat. Sehr häufig werden in den Zusammensetzungen vermittelst dieser Sylbe auch von solchen Hauptwörtern Beywörter gebildet, welche dasselbe allein nicht gern annehmen. Dergleichen sind Kopf, Hand, Fuß, Bein, Stiel, Seite, Spalte, Form, Herz, Mahl, Tag, Auge, Zunge und hundert andere. Dickköpfig, großköpfig, dreyhändig, vierfüßig, dreybeinig, kleinstielig, dreyspaltig, unförmig, barmherzig, großherzig, dreymahlig, dreytägig, vieläugig, zweyzüngig u. s. f. einen dicken Kopf, einen großen Kopf, drey Hände, vier Füße u. s. f. habend. So auch die auf -faltig, -leibig, -blütig, -haltig, -deutig u. s. f. 2. Beywörter, deren Anzahl aber in Vergleichung mit dem vorigen Falle nur geringe ist. Dergleichen sind völlig, niedrig, einig, fernig, und vielleicht noch andere mehr, von voll, nieder, ein und fern. Im Oberdeutschen, wo man die langen Wörter so gern den kürzern vorziehet, hänget man das ig sehr vielen Beywörtern ohne Noth an, indem ihre Bedeutung dadurch auf keine Weise verändert wird; z. B. gestrengig für gestrenge, heiserig für heiser u. s. f. Die Ableitungssylbe scheinet hier bloß ein Seyn, einen Zustand zu bezeichnen. Von ähnlicher Art scheinet es da zu seyn, wenn es auch den possessiven Fürwörtern mein, sein, ihr, unser, euer, ihr, Abstracta bildet, welche aber die Gestalt der Beywörter verlieren, zu Hauptwörtern werden, und daher auch den bestimmten Artikel annehmen; der Deinige, dein seyend, die Meinige, das Unserige u. s. f. 3. Zeitwörter, und zwar, 1) deren Infinitiv, mit Wegwerfung des en. Beliebig, erbiethig, stutzig, anheischig, beißig, gehörig, genügig, vorläufig, willfährig u. s. f. welche theils die Bedeutung der Mittelwörter auf -end haben, irrig für irrend, Gebiethiger für Gebiethender, stinkig für stinkend, beliebig für beliebend, genügig für genügend; theils eine Fertigkeit, oder auch nur einen Zustand bedeuten, wie abwendig, stößig, gern stoßend, beißig, Fertigkeit im Beißen besitzend; theils eine passive Bedeutung annehmen, gelehrig, der sich leicht lehren lässet, faserig, was sich leicht fasern, blätterig, was sich leicht blättern lässet. So auch schieferig, zweydeutig u. a. m. 2) Das Imperfectum, in den vorigen Bedeutungen. Haus- sässig, wofür auch haussitzend gefunden wird, beyständig, beystehend, inständig, vollständig, erböthig für erbiethig. 4. Partikeln, besonders Nebenwörter, um vermittelst dieser Sylbe Beywörter aus denselben zu bilden. Dergleichen sind dasig und hiesig, von dar und hier, mit Verwandelung des r in ein s, bisherig, damahlig, vormahlig, ehemahlig, nachmahlig, nochmahlig, oftmahlig, nunmehrig, heutig, gestrig, nichtig, vorig, widrig, heurig, baldig, obig, dortig, jetzig, von bisher, damahls, vormahls, ehemahls, nachmahls, nochmahls, oftmahls, nunmehr, heute, gestern, nicht, vor, wider, heuer, bald, oben, dort und jetzt, anderer nur in den gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes, üblicher zu geschweigen. Da diese aus Nebenwörtern gebildet worden, so sind sie auch in der Adverbial-Form nicht üblich, so wie sie auch der Natur der Sache nach keiner Comparation fähig sind. S. ein Mehreres von dieser Art der Bildung mein Magazin für die Deutsche Sprache, Th. 1, St. 3, S. 78 f.

Anm. 1. Alle diese Beywörter leiden, wo der Verstand es nicht verhindert, die Comparation. Von den meisten können auch vermittelst der Sylbe keit, Abstracta gebildet werden, die Fertigkeit, den Besitz, die Eigenschaft auszudrücken. Die Gütigkeit, Anmuthigkeit, Freudigkeit, Lustigkeit, Willigkeit, Wichtigkeit, Wenigkeit, Seligkeit, Ewigkeit, Bündigkeit, Flüchtigkeit, Mäßigkeit, Mündigkeit, Dürftigkeit, Thätigkeit, Unfläthigkeit, Heiligkeit, Barmherzigkeit, Vollblütigkeit, Niedrigkeit, Einigkeit, Ehrerbiethigkeit, Willfährigkeit, Gelehrigkeit u. s. f. Wenn aber das einfache Hauptwort diese Bedeutung schon leidet, sollte es auch nur vermittelst einer Figur seyn, so ziehet man es im Hochdeutschen dem zusammen gesetztern lieber vor, es müßten denn die Umstände eine strenge philosophische Bestimmung nothwendig machen. So sagt man lieber Muth, Andacht, Allmacht, Hitze, Kitzel, Eifer, Spitze, Schatten, Adel, Unschuld, Zorn, Gunst, Gnade u. s. f. als Andächtigkeit, Allmächtigkeit, Muthigkeit, Hitzigkeit, Kitzeligkeit, Eiferigkeit, Spitzigkeit u. s. f. Bey andern ist bloß der unterlassene Gebrauch Schuld, daß ihre Abstracta auf keit nicht üblich sind, welches besonders von solchen gilt, welche eine körperliche Eigenschaft bezeichnen. So sagt man lieber die bergige, gräthige, schmutzige, aderige, buckelige, dornige Beschaffenheit, als die Bergigkeit, Gräthigkeit, Schmutzigkeit u. s. f. ob man es gleich einem Philosophen nicht verdenken würde, wenn er im Falle der Noth Haarigkeit, Runzeligkeit u. s. f. wagte. S. -Keit.

Anm. 2. Viele Beywörter, welche dieses ig nicht ursprünglich haben, nehmen es an, wenn Hauptwörter auf keit daraus gebildet werden sollen, besonders solche, welche einen weichen End-Consonanten haben; Blödigkeit von blöde, Geschwindigkeit von geschwinde, Süßigkeit von süß, Sprödigkeit von spröde. Besonders die auf los, Gottlosigkeit, Herrenlosigkeit u. s. f. Doch thun solches auch andere nach, wo die Zusammenkunft unangenehmer Mitlauter einen Mißklang verursachen würde. Fäuligkeit, Opitz, von faul, Härtigkeit von hart, Gerechtigkeit von gerecht, Festigkeit von fest, Reinigkeit von rein, wohin auch alle Beywörter auf -haft gehören. Wahrhaftigkeit, Spaßhaftigkeit u. s. f. S. -Keit, ein Mehrers aber mein Magazin an dem oben angeführten Orte.

Anm. 3. Die Oberdeutsche Mundart, welche die Wörter nie zu lang bekommen kann, hängt den Beywörtern auf -ig in der Adverbial-Form noch gern ein müßiges -lich an. Gnädiglich, fleißiglich, brünstiglich, seliglich u. s. f. welche man aber im Hochdeutschen billig veralten lassen, so häufig sie auch noch in Luthers Deutschen Bibel vorkommen. Anm. 4. Diese alte Ableitungssylbe lautet bey dem Ulphilas eig, ags, im Angels. ig, in den nördlichen Sprachen ugr. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß sie von dem alten Zeitworte aigan, haben, im Angels. agan, im Isländ. eiga, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, abstammet, und eigentlich das Mittelwort von demselben ist. ( S. Eigen,) Duruftigot stehet bey dem Kero für dürftig. Die gemeinen so wohl Ober- als Niederdeutschen Mundarten gebrauchen dafür nur -ed oder et, langnäsed, kurzstielet, vierecket, welche Form auch in Luthers Bibel nicht selten, und vermuthlich aus ig, und in den härtern Mundarten igt, verderbt ist, wo es nicht vielmehr das Mittelwort der vergangenen Zeit ist, oder doch nach demselben gebildet worden; langstielet für lang gestielet, großnaset für groß genaset. In den gemeinen Mundarten wird diese Sylbe häufig mit einem angehängten t ausgesprochen. Sprenkligt, stinkigt, stößigt, beißigt, eckigt, köpfigt, löcherigt, flacheligt, flammigt u. s. f. Manche Sprachlehrer, welche sich darein nicht finden konnten, hielten das igt in diesen falschen Sprecharten für die Sylbe icht, und legten daher derselben allerley Bedeutungen bey, welche sie nie gehabt hat, und welche die Beywörter auf -ig und -icht unaufhörlich mit einander verwirren. Wenn ig die einfache Bedeutung des Seyns hat, wie in den Fällen, wo es Zeitwörtern und Partikeln angehänget wird, so stammet es, Wachtern zu Folge, von dem alten augan, scheinen, gegenwärtig werden oder seyn, her. Allein, da sich dieses schwerlich wahrscheinlich machen lässet, so siehet man diese Bedeutung füglicher als eine Figur von der Bedeutung des Habens, Besitzens an.


Igel (W3) [Adelung]


Der Igel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme zweyer Thiere, welche ihrer Stacheln oder stechenden Eigenschaft wegen bekannt sind. 1) Eines Insectes, welches auch der Blutigel, richtiger aber der Blutegel genannt wird. ( S. Egel und Blutegel,) 2) Eines vierfüßigen fünfzehigen Thieres, welches nur an der Schnautze, an der Kehle und an dem Bauche Haare hat, übrigens aber mit kurzen Stacheln bedeckt ist, und im gemeinen Leben auch Schweinigel genannt wird; denn der Unterschied, welchen einige unter Schweinigel und Hundsigel machen, ist ein Unding; Erinaceus L. Figürlich führet diesen Nahmen auch eine Speise von Kalbsleber, Eyern und Semmel, welche in Gestalt eines Igels gebacken und mit Pinien besteckt wird.

Anm. In der zweyten Bedeutung schon bey dem Notker Igel, im Isländ. Igull, im Schwed. Igelkott, im Angels. Il, El und Ile, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, alles von den Stacheln, mit welchen dieses Thier versehen ist. ( S. Achel, Ecke, Ege, Haken u. s. f.) Die Endsylbe zeiget hier ein Ding, ein Subject an, ein stechendes Thier.


Igelklette (W3) [Adelung]


Die Igelklette, plur. die -n, eine Art Kletten, welche an dem Ufer des mittelländischen Meeres einheimisch ist und stachelige Blätter hat; Echinophora L. Auch die kleine oder so genannte Spitzklette, wird wegen ihrer stacheligen Frucht Igelklette oder Igelsklette genannt.


Igelschnecke (W3) [Adelung]


Die Igelschnecke, plur. die -n, S. Meerigel, Seeigel.


Igelshuf (W3) [Adelung]


Der Igelshuf, des -es, plur. die -e, ein fehlerhafter Huf an einem Pferde, welcher in einem Geschwüre über der Krone bestehet, auf welchem lange stachelige Haare wachsen.


Igelsklee (W3) [Adelung]


Der Igelsklee, des -s, plur. inus. eine Art des Klees, dessen Samenköpfchen nach der lichtgelben Blume stachelig und so rauch wie ein Igel werden.


Igelsknospen (W3) [Adelung]


Die Igelsknospen, sing. inus. S. das folgende.


Igelskolbe (W3) [Adelung]


Die Igelskolbe, plur. die -n, eine Pflanze, welche in den wässerigen Gegenden des mittägigen Europa wächset, und eine sehr stachelige Frucht träget; Sparganium L. Igelsknospen.


Igelskraut (W3) [Adelung]


Das Igelskraut, des -es, plur. inus. S. Eselsgurke.


Igelstein (W3) [Adelung]


Der Igelstein, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben eine Benennung der versteinerten Meer- oder Seeigel, der Echinit.


-igen (W3) [Adelung]


-igen, eine Endung verschiedener Zeitwörter, so wohl thätiger als mittlerer Gattung, welche aber nicht in allen einerley Ursprungs ist. In predigen ist sie nach dem Lat. predicare gebildet. In andern stammet sie von Bey- und Nebenwörtern auf ig her, wie in bändigen, bändig machen, belästigen, beseligen, behelligen, beruhigen, beunruhigen, demüthigen, einigen, bewerkstelligen, entledigen, erledigen, entübrigen, erniedrigen, fertigen, ausfertigen, verfertigen, gewärtigen, heiligen, huldigen, rechtfertigen, mäßigen, verewigen, zeitigen u. s. f. wo die angehängte Endung en bald ein Machen, bald aber auch ein Seyn bedeutet. In andern bildet sie Iterativa oder vielmehr Intensiva von andern Zeitwörtern. Ängstigen von ängsten, befleißigen von befleißen, bekräftigen von bekräften, besichtigen von besehen, beherzigen von beherzen, bezichtigen von bezeihen, belustigen, erlustigen von belusten, erlusten, peinigen, bey dem Ottfried pinen, nöthigen, im Theuerd. nöthen, reinigen, bey dem Kero und Ottfried reinon, züchtigen, von dem veralteten züchten u. s. f. Nach dem Muster dieser scheinet man in den folgenden Zeiten mehrere ähnliche Zeitwörter gebildet zu haben, obgleich keine eigentliche Intension vorhanden ist; welches der mittlern Oberdeutschen Mundart sehr gemäß ist, die durch Verlängerung der Wörter und durch Häufung der Ableitungssylben immer Pomp und Nachdruck einzuflößen sucht. Dergleichen sind abmüßigen, ankündigen, verkündigen, beeidigen, beerdigen, beeinträchtigen, befriedigen, begnadigen, behändigen, einhändigen, aushändigen, beleidigen, beköstigen, bestätigen, bewilligen, endigen, erkundigen, kreuzigen, sättigen, sündigen, bey dem Kero noch sunton, theidigen u. s. f. Die einfachern abmüßen, ankünden, beeiden, beerden, befrieden, begnaden u. s. f. kommen insgesammt noch hin und wieder vor, ungeachtet sie im Hochdeutschen größten Theils veraltet sind.

Anm. Ganz neu ist diese Form nicht. Heiligen lautet schon in dem Isidor heilegan, bey dem Notker geheiligeien, im Angels. halgian. Indessen kommt sie doch in den ältern Zeiten nur sehr sparsam vor, besonders in der Form eines Intensivi, welche erst in den spätern Zeiten gangbar geworden zu seyn scheinet, daher sie auch im Oberdeutschen die alte einfachere Form nicht ganz verdrängen können.


Ihm (W3) [Adelung]


Ihm, 1) Die dritte Endung des persönlichen Fürwortes er. Gib es ihm. Ich frage nichts nach ihm. Ihm wollen wir es sagen ( S. Er,) Im Oberdeutschen wird es häufig für die dritte Endung des Reciproci sich gebraucht. Er dachte bey ihm selbst, bey sich selbst. Er hat ihm wehe gethan, sich. In welcher Gestalt es den Hochdeutschen fremd ist. ( S. Sich,) 2) Die dritte Endung des Demonstrativo-Relativi es. Das Kind entlief, ich aber eilete ihm nach. Im gemeinen Leben auch sehr häufig ein gewisses unbestimmtes Etwas in der dritten Sache. Ich habe zwar viel verloren, aber ich weiß ihm (der Sache) schon zu helfen. Besonders im Oberdeutschen für dem. Es ist ihm nicht also, dem. Wo es auch zuweilen müßig stehet. Thue ihm also, thue also. S. Es. Bey dem Kero in der dritten Endung des persönlichen Fürwortes inan, bey dem Ottfried nan, Nieders. em, öme, bey dem Bremischen Bauern jem, im Dän. ham, im Lett. jem, jym. Es ist eigentlich die dritte Endung von dem noch im Schwedischen üblichen Vorworte han, er, Nieders. he, welches den Hochdeutschen nur noch einige Endungen zurück gelassen hat, in den übrigen aber von andern Fürwörtern verdränget worden. S. Hahn und Jener.


Ihn (W3) [Adelung]


Ihn, die vierte Endung des persönlichen Fürwortes er. ( S. Er,) In dem Isidor inan, im Angels. hine, im Nieders. en, ehedem öne, um Bremen jem, im Dänischen ham, im Lettischen jin. S. das vorige.


Ihnen (W3) [Adelung]


Ihnen, die dritte Person des persönlichen Fürwortes der dritten vielfachen Person, sie. Ich weiß nichts von ihnen. Das scheint ihnen nur so. Die Mütter verließen ihre Kinder, als wenn sie ihnen nicht gehöreten. ( S. Sie,) Im Oberdeutschen auch häufig für das Reciprocum sich. Sie eigneten es ihnen zu, sich. ( S. Sich,) Im Nieders. ön, önen, im Lettischen jem, jems.


Ihr (W3) [Adelung]


1. Ihr, 1) Die dritte Endung des einfachen persönlichen Fürwortes weiblichen Geschlechtes, sie. Ich gab es ihr. Es gehöret ihr zu. Im Nieders. eer. ( S. Sie,) 2) Die verkürzte zweyte Endung eben dieses Fürwortes, S. 1. Ihrer.


Ihr (W3) [Adelung]


2. Ihr, die erste Endung des vielfachen persönlichen Fürwortes der zweyten Person, welches in der zweyten Endung euer, in der dritten und vierten euch hat. Eigentlich redet man mit diesem Fürworte mehrere Personen außer sich an. Habt ihr es nicht gehöret? Werdet ihr kommen? Man spottet euer. Nehmt es zu euch. Allein, seitdem die Höflichkeit der Mode ihre Gewalt auch über die Fürwörter erstrecket hat, so redet man mehrere Personen, denen man nur einiger Maßen Achtung schuldig zu seyn glaubt, mit dem vielfachen persönlichen Fürworte der dritten Person an. Werden sie kommen? Man spottet ihrer. Nehmen sie es zu sich. Und gebraucht das ihr mit seinen Endungen nur da, wo man durch Vertraulichkeit, Unterwerfung, oder Verachtung dazu berechtiget zu seyn glaubt, in welchem Falle man denn nicht nur mehrere, sondern auch eine einzelne Person mit ihr anredet. Der Kaiser nennt in Deutschen Schreiben noch die Generalstaaten, die Schweizer-Cantons, das Reichs-Kammergericht, die Stände von Ungarn, fürstliche Domkapitel, reichsgräfliche Collegia, die Magistrate der Reichsstädte u. s. f. ihr. Ehedem spielete dieses Fürwort eine glänzende Rolle. Als man anfing es für ungesittet zu halten, einzelne Personen außer sich, denen man mit Achtung zu begegnen schuldig war, mit du anzureden, so wählete man dazu das vielfache ihr; ein Gebrauch welcher in die frühesten Zeiten des Deutschen Reiches fällt, und sich bey unsern meisten Nachbaren noch bis jetzt erhalten hat. Ungeachtet sich nun auch dieser Gebrauch wieder verloren hat, so ist doch noch ein Überrest davon in dem Possessivo Euer oder abgekürzt Ew. übrig geblieben, ( S. 2. Euer,) Das ist ein Pferd, das ihr heißt, ein Kleid das ihr heißt, ein in den niedrigen Sprecharten üblicher Ausdruck, etwas vortreffliches in seiner Art zu bezeichnen, welcher noch auf diesen Gebrauch, vornehme Personen mit ihr anzureden, anspielet. Von einer ansehnlichen Person sagt man in Niedersachsen, den muß man ihr heißen. S. auch Euer und Euch.

Anm. Bey dem Ottfried ir, im Nieders. ji und ju, ihr, jik, jou und juk, euch, im Holländ. ghy, im Engl. yon, your, im Angels. juh, eow, in der zweyten Endung eower, im Dän. i, in Baiern in den groben Mundarten es, ös, dös, in der Ober-Pfalz dötz, im Lettischen jus, welche dem Lat. vos nahe kommen. S. Es.


Ihr (W3) [Adelung]


3. Ihr, ein Pronomen possessivum oder zueignendes Fürwort, so wohl der dritten einfachen Person weiblichen Geschlechtes, als auch der dritten vielfachen Person aller Geschlechter; wo es auf zweyerley Art gebraucht wird. I. Als ein Conjunctivum, oder in Gesellschaft, des Hauptwortes wird es so abgeändert: Masc. Fäm. Neutr. Plur. Nomin. Ihr, ihre, ihr, Ihre Genit. Ihres, ihrer, ihres, Ihrer. Dat. Ihrem, ihrer, ihrem, Ihren. Accus. Ihren, ihre, ihr, Ihre. Es bedeutet eigentlich etwas, welches der dritten einfachen weiblichen Person, oder der dritten vielfachen Person aller Geschlechter gehöret, womit sie in Verbindung stehen, und in weiterer Bedeutung, was sich auf diese oder jene Art auf sie beziehet. In der einfachen Zahl beziehet es sich alle Mahl auf das weibliche Subject, doch so, daß es sich nach dem Geschlechte des folgenden Hauptwortes richtet. Deine Mutter kann es, denn es ist ja ihr Haus. Die arme Sylvia, der Wolf nahm ihrer Herde ein Schaf. Wehe den Freunden, wenn ihre Thränen aus Falschheit fließen! Es ist auch einer ihres Gleichen, wo sich das Fürwort so wohl auf eine einfache weibliche Person, als auf eine vielfache aller Geschlechter beziehet. Alles was seiner Glückseligkeit in ihrem Laufe entgegen stehet. Die Augenblicke überhohlen Gedanken in ihrem Fluge, Dusch. Gehen sie ihre Wege! im gemeinen Leben ihrer Wege. Nach einem Genitiv macht dieses Fürwort alle Mahl einen sehr merklichen Mißklang, so gemein auch dieser Fehler ist. ( S. die Sprachlehre,) Meiner Mutter ihr Bruder, für, meiner Mutter Bruder. Man muß nicht einzelner Grillenfänger ihre Neuerungen annehmen, Gottsch. für, die Neuerungen einzelner Grillenfänger. Der Chloe ihr Helfer, Berl. Bibl. Erzürnter Schönen ihrer Rache Kann kein Geschöpf so leicht entfliehn, Gell. Nach dem Dativ ist es ohne Tadel. Ein schwächlicher Leib macht der Seele ihr Bemühungen schwer, Gell. Wenn die öftere Wiederhohlung dieses Fürwortes Übelklang verursachen, oder dessen Beziehung zweydeutig werden sollte, so kann man statt dessen auch die Demonstrativo-Relativa deren, dessen oder derselben gebrauchen. Die Physik beschäftiget sich mit den Körpern; ihre Absicht ist, die Natur derselben, (oder deren Natur, nicht aber ihre Natur,) ihre Eigenschaften oder Verhältnisse zu entdecken. Aber nicht: die Sprachen sind älter als die Regeln derselben, Gottsch. für, als ihre Regeln. Mit den Hauptwörtern Halbe, Weg, Wille wird dieses Fürwort im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart gern zusammen gezogen, doch so, daß das letzte n in das t euphonicum übergehet. Ihrethalben kann er kommen, ich habe es ihretwegen gethan, ich sagte es um ihretwillen; für ihren Halben, ihren Wegen, um ihren Willen. ( S. 2. Dein I.) Das n nebst dem t beyzubehalten ist ein Übelklang, und wider die Analogie der übrigen zueignenden Fürwörter, welche in meinethalben, deinetwegen, um euretwillen, seinetwegen u. s. f. insgesammt das n wegwerfen. Ich habe ihretwegen die bittersten Thränen geweinet. Die Spinne des Fontenelle bildete sich ein, daß der ganze kostbare Hausrath des Pallastes um ihretwillen da sey. Das Höflichkeitswort Ihro und Ihre, S. hernach besonders. II. Als ein Absolutum mit Auslassung des Hauptwortes, welches auf gedoppelte Art geschiehet. 1) So daß das ungewisse Geschlecht ihr adverbialiter gebraucht wird. Das Loos ist ihre, (ihr,) Gell. Dieses Geld soll mit der Bedingung ihre, (ihr,) seyn, ebend. In der anständigen Schreibart vermeidet man diese Art des Ausdruckes gern, außer wo ihr der Dichter durch eine Inversion einen kühnen Schwung geben könnte. S. 2. Dein II. 1. 2) Außer der Adverbial-Form, so das es sich auf ein vorher gegangenes oder darunter verstandenes Hauptwort beziehet, da es denn von dem conjunctiven Fürworte in der Declination bloß darin abweicht, daß die erste und vierte Endung im Singular ihrer, ihre, ihres hat. Das Haus, welches wir sahen, war ihres. Ich gab es nicht meinem Bedienten, sondern ihrem. In der höhern Schreibart gebraucht man dafür lieber das Abstractum der, die, das ihrige. Nach einem Genitiv gehöret es auch absolute in die Sprache des gemeinen Lebens und des vertrauten Umganges. Die Geschichte der Römer ist wohl so lehrreich, als der Griechen ihre Schriften, welche der gelehrten Männer ihren nichts nachgeben. Mosts Stab verschlang der Zauberer ihren. In der anständigern Schreibart lässet man sich eine kleine Umschreibung nicht dauern; als die Geschichte der Griechen, Schriften, welche den Schriften der gelehrtesten Männer nichts nachgeben. S. Sein, welches auf eben diese Art gebraucht wird, und die Sprachlehre. Bey dem Ottfried im weiblichen Geschlechte ira, bey dem Notker hingegen in allen Endungen, Geschlechtern und Zahlen iro, im Nieders. ör. S. auch Ihro.


Ihre (W3) [Adelung]


Der, die, das Ihre, das zusammen gezogene Abstractum des vorigen Fürwortes, S. Ihrige.


Ihrer (W3) [Adelung]


1. Ihrer, die zweyte Endung des persönlichen Fürwortes ihr. Nimmt sich denn niemand ihrer an? Er lachet ihrer. Im Oberdeutschen wird es häufig in ihr zusammen gezogen. Er spottete ihr. S. Sie. Sehr häufig gebraucht man diese zweyte Endung der vielfachen Zahl, ihrer, für den Genitiv deren des Demonstrativo-Relativi der, welcher Gebrauch besonders in der anständigern Schreibart sehr üblich ist. Alle Zahlen, so viel man ihrer aussprechen kann, für deren, oder derselben. Es waren ihrer sechs. Ihrer wenige, ihrer viele, ihrer etliche. Ich bin ja nicht ohne Fehler; und vielleicht würde ich ihm mehr gefallen, wenn ich ihrer weniger hätte, Gell. Zu eben der Zeit, da sie wünschen, daß sie keine Vernunft haben möchten - beweisen sie, daß sie ihrer sehr viel haben, ebend.


Ihrer (W3) [Adelung]


2. Ihrer, Ihre, Ihres, das zueignende Fürwort, relative und ohne Hauptwort gebraucht; S. 3. Ihr II.


Ihrethalben (W3) [Adelung]


Ihrethalben, Ihretwegen, Ihretwillen, S. 3. Ihr I.


Ihrige (W3) [Adelung]


Der, die, das, Ihrige, das Abstractum des Possessivi ihr, welches alle Mahl den bestimmten Artikel vor sich hat, und ohne Hauptwort gebraucht wird, ob es sich gleich auf ein Hauptwort beziehet. Vielleicht begleiten einige wenige deine Zähren mit den ihrigen. Ingleichen als ein Hauptwort. Sie fordert das Ihrige, ihr Vermögen. Thun sie nur das Ihrige, ihre Pflicht, ingleichen was in ihrem Vermögen stehet. Ich bin unaufhörlich der Ihrige, ihr Freund, ihr Verehrer, ihr Diener. Ich höre in diesem Augenblicke auf, die Ihrige zu seyn, Gell. ihre Braut. Die Ihrigen leben nicht mehr, ihre nächsten Verwandten. Im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes, wird es gern in der, die, das Ihre zusammen gezogen, welches auch wohl die Dichter um des bequemern Sylbenmaßes willen nachthun. Sie waren eifrig das Ihre zu thun, Gottsch.


Ihro (W3) [Adelung]


Ihro, das Possessivum ihr, nach der alten Oberdeutschen Form, wo es in allen Endungen, Zahlen und Geschlechtern unverändert ihro hat, (iro ein, ihrer einer, Ottfried,) und noch hin und nieder in dem Hof- und Curiol-Style gebraucht wird. 1. Als ein Conjunctivum, wo es vor den Abstractis Majestät, Hoheit, Durchlaucht, Excellenz u. s. f. gesetzt wird, und eigentlich nur alsdann stehen sollte, wenn es sich auf eine Person weiblichen Geschlechtes beziehet. Ihro Kaiserliche Majestät, von einer Kaiserinn. Ihro Königliche Hoheit, von einer Prinzessin. Ihro Excellenz Herr Bruder. Ihro Gnaden gehorsamer Diener. Allein im Oberdeutschen und vielen nach dem Oberdeutschen gemodelten Hochdeutschen Kanzelleyen gebraucht man es auch von männlichen Personen, und zwar nicht nur, wenn man von ihnen in der dritten Person spricht, sondern auch, wenn man sie unmittelbar anredet. Ihro Churfürstliche Durchlaucht geruhen gnädigst, sich vortragen zu lassen, für Eure oder Ew. Churfürstl. Durchl. Ihro Majestät haben befohlen, für Seine Majestät. Ich habe es von Ihro Hochedlen gehöret. Ich bin bey Ihro Gnaden gewesen. Ja man gebraucht es auch daselbst sehr häufig für Dero, Ihr, Höchstdero u. s. f. Höchstihro Befehl zu gehorsamen. Ich habe Ihro Bibliothek gesehen. Ich verehre Ihro Haus. Wenn man nicht gezwungen ist, sich den an einem Hofe einmahl eingeführten Formalien zu unterwerfen, so bedienet man sich gegen männliche und weibliche Personen, wenn man sie anredet, lieber des Eure oder Ew. wenn man aber in der dritten Person von männlichen Personen spricht, das Seine oder Se. und schränkt das Ihro, oder noch besser das Ihre, auf weibliche Personen ein, von welchen man relative redet, oder auch, wenn man auf diese Art von mehrern Personen im Plural spricht. Ihro Gnaden, die Frau Gräfinn, haben befohlen. ihre Majestäten (der König und seine Gemahlinn,) sind spazieren gefahren. Das Ihro ließe sich noch da am ersten entschuldigen, wenn ihrer und Ihnen im Genitiv und Dativ ungewohnt klingen sollten. Ihro Gnaden Bedienter fragte es. Ich habe es von Ihro Durchlaucht gehöret. 2. Als ein Absolutum, wo es doch nur in einigen Oberdeutschen Kanzelleyen üblich ist, alle persönliche und beziehende Fürwörter, so fern sie Ehrenwörter sind, auf eine unabänderliche Art auszudrucken. Von Ihro, von Ihnen. Und von Ihro selbst erkannter Maßen. Daß bey solchem Ihro (Ihm, Ihr) geschehenen Einrathen. Was Ihro (Ihnen) in einige Weise zugehöret. Welche Ihro (Denenselben) vorgebildet worden. Ew. Durchlaucht anheim zu stellen, ob Ihro (Denenselben) erleuchtest belieben wollte. Aus sonderbarem zu Ihro (Ihm) gesetzten Vertrauen. Wo sogar die Vorwörter oft ausgelassen werden. Durch dieses allein Ihro (von Ihnen) zu ergreifende Mittel.


Ilaub (W3) [Adelung]


Das Ilaub, des -es, plur. inus. S. Epheu.


Ilen (W3) [Adelung]


Ilen, verb. reg. act. welches nur bey den Kammachern üblich ist, wo es so viel bedeutet, als das Horn inwendig beschaben oder beschälen, welches vermittelst des Ilers, eines wie ein Bogen gekrümmten Messers geschiehet, welches auch der Öler, so wie die Arbeit selbst auch ölen genannt wird.


Illuminiren (W3) [Adelung]


Illuminiren, verb. reg. act. aus dem mittlern Latein. illuminare. 1) Farben auf eine Zeichnung oder auf einen Kupferstich tragen, die Theile derselben durch verschiedene Farben kenntlicher machen. Einen Riß, eine Landkarte illuminiren. 2) Erleuchten, doch nur so fern solches mit mehrern Lichtern oder Lampen geschiehet. Die Fenster eines Hauses, einen Garten illuminiren. Daher die Illumination, eine solche feyerliche Erleuchtung.


Ilme (W3) [Adelung]


Die Ilme, plur. die -n, oder der Ilmbaum, des -es, plur. die -bäume, ein im gemeinen Leben für Ulme üblicher Ausdruck, besonders die gemeine breit- und schmalblätterige Ulme zu bezeichnen, von welchen die erstere auch Rüster genannt wird; Ulmus campestris und Ulmus minor L. Nach andern ist die Ilme eine an Quellen wachsende Ulme. S. Ulme.


Ilse (W3) [Adelung]


Die Ilse, plur. die -n, ein Fisch, S. Alose.


Iltenschnecke (W3) [Adelung]


Die Iltenschnecke, plur. die -n, eine Schnecke mit gewundener Schale, welche eine weite Öffnung mit ausgezacktem Grunde hat. Es gibt ihrer cylindrische, länglich runde, spindelförmige und bauchige. Voluta L. Der Nahme scheinet aus dem Holländischen herzustammen und die gewundene Gestalt auszudrucken, daher sie auch Wellenschnecke, Tutenschnecke, Regelschnecke genannt wird. Im Schwed. ist Il. im Isländ. El, Jel, und im Pers. Hile, der Wirbelwind, welches mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, dem Latein. volvere, und unserm Welle, Walze, wälzen überein kommt. S. diese Wörter.


Iltiß (W3) [Adelung]


Der, oder das Iltiß, des -sses, plur. die -sse, ein vierfüßiges fünfzehiges Thier in der Größe einer Katze, mit gelblichen Haaren, welche in das Schwarze fallen, einem weißen Maule und weißen Ohren; Mustela putorius L. Es lebt in den Ställen und Wäldern, stellet dem Federviehe noch und hat einen unerträglichen Gestank; daher es im Deutschen auch Stinkratz, Stänkerratz, stinkender Wiesel, und in Liefland das Teufelskind genannt wird. Der Nahme Iltiß wird in den Mundarten und verwandten Sprachen gar sehr verändert. In einigen Oberdeutschen Gegenden heißt dieses Thier Elbkatze, Elbthier, in andern Illing, Iltniß, Iltitz, in Baiern Eiltes, in Niedersachsen Ülk, Ilk, Ellenbutt, im Alt-Fries. Ulke, im Dän. Ilder, in Böhmen und Schlesien Ilster. Wachter leitet dieses Wort von dem noch im Schwed. und Engl. üblichen ill, böse, her, Dän. ilde, entweder wegen des heftigen Gestankes dieses Thieres, oder auch wegen des Schadens, welchen es dem Federviehe zufüget. Im Nieders. ist Ulk eine allgemeine Benennung des Marders, Wiesels, Iltisses und ähnlicher Raubthiere, so wie im Äolischen der Wolf - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - hieß, und im Slavon. noch jetzt Wlk genannt wird. Im gemeinen Leben Obersachsens heißt er auch nur schlechthin der Katz, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, sich verbergen, abgeleitet wird, und dem Deutschen Iltiß im Klange nicht unähnlich ist.


Iltißfalle (W3) [Adelung]


Die Iltißfalle, plur. die -n, eine Falle, die Iltisse darin zu fangen.


Iltißgarn (W3) [Adelung]


Das Iltißgarn, des -es, plur. die -e, ein kleines Netz, in Gestalt eines Hasennetzes, welches man um den Aufenthalt des Iltisses aufstellet.


Im (W3) [Adelung]


Im, das mit der dritten Endung so wohl des bestimmten Artikels der, als des unbestimmten ein, zusammen gezogene Vorwort in, S. In.


Imbiß (W3) [Adelung]


* Der Imbiß, des -sses, plur. die -sse, ein nur in den gemeinen Mundarten Ober- und Niederdeutschlandes übliches Wort, theils eine jede Mahlzeit, theils aber auch in engerer Bedeutung ein Frühstück zu bezeichnen, in welchem letztern Verstande auch die Niedersachsen ihr Imt, Immet, und die Holländer ihr Inbyt, Onbyt, gebrauchen. Die Zeit zum Frühstücken heißt daher in Niedersachsen die Imbtstydt. Bey dem Kero bedeutet Imbiz eine jede Speise, und imbizza, bey dem Ottfried imbizzen, speisen. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort auch Anbiß und Immeß. S. Anbeißen.


Imgleichen (W3) [Adelung]


Imgleichen, S. Ingleichen.


Imker (W3) [Adelung]


* Der Imker, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in Niedersachsen übliches Wort, einen der Bienenzucht erfahren, einen Bienenwärter zu bezeichnen, der im Hochdeutschen ein Bienen- meister, im Oberdeutschen aber ein Zeidler heißt. Daher die Imkerey, plur. inus. in Niedersachsen, die Bienenzucht, die Kenntniß der Bienen und ihrer Wartung. S. Imme.


Immaßen (W3) [Adelung]


Immaßen, ein Bindewort, welches im Oberdeutschen und in den Hochdeutschen Kanzelleyen am üblichsten und aus, in und Maß zusammen gezogen ist. 1) Als ein vergleichendes Binde- oder Nebenwort. Daß Beklagter auf die Klage, immaßen sie angebracht, sich einzulassen, nicht schuldig, d. i. so wie sie angebracht worden. Man läuft daraffter auf den Gassen Immaß als sollt man Immen fassen, Narrensch. d. i. gleich als; so als. 2) Für indem, wenn es zugleich eine Ursache ausdruckt. Er konnte nicht kommen, immaßen er krank war, indem, oder weil. Das Vorwort in ist hier um des folgenden m willen in im verwandelt worden, wie in immittelst.


Imme (W3) [Adelung]


* Die Imme, plur. die -n, ein nur in Niedersachsen übliches Wort, eine Biene, und in engerer Bedeutung eine Arbeitsbiene zu bezeichnen, zum Unterschiede von den Drohnen; daher alle mit Biene im Hochdeutschen zusammen gesetzte Wörter im Niedersächsischen mit Imme gemacht werden, z. B. das Immenhaus, die Immenkappe, das Immenkraut, der Immenwolf u. s. f. Im Friesischen Ihme, in andern Gegenden Ympe, wo es auch einen Bienenstock bedeutet, so wie Apis in dem Salischen Gesetze. In dem Schwabensp. kommt so wohl Bine als Ymme vor. So fern Imme anfänglich und ursprünglich einen Bienenstock bedeutet hat, kann es zu dem alten hemen, decken, oder auch zu ham, hum, hohl, gehören, und ursprünglich ein hohles Gefäß bedeutet haben, S. Himmel, Hemd, Humpe. Indessen stehet dahin, ob nicht dieses Insect im Nieders. seinen Nahmen von seinem gelinden Summen hat, so wie andere ähnliche Insecten von ihrem stärkern Gesumse Hummeln, Bremsen u. s. f. genannt werden. In der Rothwälschen Sprache der Spitzbuben heißt einer, der schon die Tortur ausgestanden hat, ein Imme.


Immer (W3) [Adelung]


Immer, ein Nebenwort der Zeit, welches überhaupt die ununterbrochene Fortdauer einer Handlung oder eines Zustandes bezeichnet. 1. Eigentlich, wo es wiederum in verschiedenen Einschränkungen üblich ist. 1) Im schärfsten Verstande, eine ununterbrochene Fortdauer zu bezeichnen, wie beständig 1. Man kann den Verstand nicht immer anstrengen, ohne Unterbrechung. Ich weiß nicht, ob ich dein Betragen immer werde dulden können. Ihr losen Mädchen thut immer als wenn euch nichts an den Männern läge, Gell. Ich dachte immer, er würde seine Einwilligung nicht dazu geben, ebend. Eine immer währende Glückseligkeit, nicht immerwährend. Eine immer währende Freundschaft. Ihr Bild ist mir immer vor meinen Augen. Auf immer, auf die ganze folgende Zeit; im höhern Styl nur immer. Er ist auf immer verloren. Ich würde mir immer bey ihnen geschadet haben. Leben sie auf immer wohl! Noch immer, von der gegenwärtigen Fortdauer eines schon vorher angefangenen Zustandes. Stehest du noch immer? Vergeben sie mir, daß ich noch immer den Zerstreuten vorstelle. Wo das noch auch zuweilen ausgelassen wird. Ich kann immer für Verwunderung nicht zu mir selber kommen, Weiße, für noch immer. In der Deutschen Bibel mit verschiedenen Beysätzen auch von einer Dauer ohne Ende. Der Herr ist König immer und ewiglich, Ps. 10, 16. Gott dein Stuhl bleibt immer und ewig, Ps. 45, 7. Seine Jahre währen immer für und für, Ps. 62, 7. Vor Comparativis bezeichnet es den mit der Fortdauer zugleich steigenden Zustand einer Sache. Das Verlangen nach einem immer festern Frieden des Gewissens. Immer weiter, immer höher, immer tiefer. Es wird immer ärger. Vermittelst einer Ellipse kann es auch vor andern Kennwörtern stehen, die ununterbrochene Dauer eines Zustandes zu bezeichnen. Sein immer gütiges Herz, welches immer gütig ist. Indem die immer offne Hand Wohlthätig andern nützet, Weiße. Ihr Jungfraun deckt mit immer grünen Zweigen, Mit einem ganzen Lorberhain, Den Weg, Raml. 2) In weiterer Bedeutung, in allen vorkommenden Fällen und Gelegenheiten, für allemahl. Man muß immer Gutes thun. Ich erschrecke immer, wenn ich ihn sehe. Wenn er mich siehet, weiß er immer etwas Neues. Der Arme muß immer Unrecht haben. Ich handle, wie ich immer gehandelt habe. Das Angenehme höret durch den allzu langen Genuß immer auf, angenehm zu seyn. Damit verdirbst du mir immer die klügsten Einfälle. 3) In noch weiterer Bedeutung, für sehr oft. Es regnet doch immer. Man höret immer etwas Neues. Es ist immer Zank unter ihnen. Ich habe immer davon reden hören. 2. Figürlich, eine Art von Intension zu bezeichnen, wo es im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart oft zu einem Füllworte wird, welches zuweilen die Ründe der Rede befördert, zuweilen aber auch ganz müßig ist. 1) Als eine versichernde Partikel, so wie allemahl und allezeit. Dennoch ist er immer klüger als du. Du wirst immer denken, ich erzählete dir ein Mährchen. Die Summe ist für mich beträchtlich genug. Das wäre fürs erste immer genug. 2) Eine Art von Steigerung zu bewirken; für auch, oder zu dessen Verstärkung. So arg du immer bist, Gell. So fromm er sich immer stellen mag. Es habe ihn, was auch immer wolle, zur Untreue bewogen, so u. s. f. Gell. 3) Eine mit Verwunderung verknüpfte Frage zu begleiten; für immermehr. Wo mag er doch immer bleiben? Was will er doch immer anfangen? Was mag er doch immer seyn? O sage, wie es immer kam, Daß man dir deine Freyheit nahm? Gell. 4) Eine Aufmunterung, eine Warnung, eine Bitte zu begleiten, besonders in der vertraulichen Sprechart. Lassen sie sich es immer gefallen. Legen sie immer noch etwas zu. Nehmt immer euren Beutel hin, Haged. Machen sie sich immer nicht so groß, Gell. So meine liebe Freundinn, immer vertheidigen sie mich bey meiner Braut, ebend. Gib mir immer den erquickenden Trost, daß ich dich bald freudiger wieder sehe, Weiße. Lassen sie mich immer hier bleiben. 5) Eine aus Verachtung, aus Geringschätzung herrührende Gleichgültigkeit auszudrucken, wie immerhin. Er kann immer gehen. Er mag es immer behalten. Sie können es immer glauben. 6) Ich will immer gehen, ich will nur gehen, ich will inzwischen gehen. Er kann sich immer das Grab bestellen lassen, er wird doch nicht gesund werden. Ich dächte, er nähme es immer an. Gib es immer her.

Anm. Bey dem Ottfried bedeutet jamer semper, bey dem Willeram und Notker jemer, in dem alten Glaubensbekenntnisse bey dem Eckard immatur, und bey den heutigen Schwaben, dem Schilter zu Folge, noch immater, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno imer, bey den Schwäbischen Dichtern iemer. Ich klage iemer minen alten kumber, Reinmar der Alte. Im Nieders. ummer, jummer, alljummer, im Dän. immer. Wachter, welcher das Lat. semper für ein mit immer verwandtes Wort hält, läßt es von dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Tag, abstammen, und erkläret es durch täglich. Ihre bringt das Schwed. jaemn, gerade, gleich, ähnlich, und jaemt, accurat, genau, in Vorschlag, welches auch fortwährend bedeutet, und in diesem Verstande bey den ältern Schweden jämliga lautete; welche Ableitung der Wachterischen allemahl vorzuziehen ist. Indessen behält doch Frischens Ableitung auch ihre Wahrscheinlichkeit, der es von je mehr abstammen lässet, welche dadurch unterstützet wird, daß dieses Wort, besonders in den mittlern Zeiten, auch häufig getheilt je mehr geschrieben wird. Großer weder ichs alle mein Lebtag ye mer hab gesehen, Theuerd. wo es zugleich für jemahls stehet, in welchem Verstande es schon bey dem Ottfried vorkommt: Ni uuanes untar manne Jamer drost geuuinne, glaube nicht, daß ich unter den Menschen jemahls Trost bekomme. Ehedem war es auch in Gestalt eines Beywortes üblich. Ein iemer leben, ein ewiges, immer währendes Leben, Winsbeck. S. Nimmer und Je, mit dem Jod.


Immerdar (W3) [Adelung]


Immerdar, ein von immer und dar zusammen gesetztes Nebenwort der Zeit, welches im Hochdeutschen fremd und nur im Oberdeutschen üblich ist, wo es in allen eigentlichen Bedeutungen des Wortes immer gefunden wird, so daß das dar eine bloße müßige Verlängerung ist, oder es vielleicht in der Bedeutung der Zeit von den figürlichen Bedeutungen unterscheidet. Das Tichten und Trachten des menschlichen Herzens war böse immerdar, 1 Mos. 6, 5. Sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn, Ps. 34, 2. Immerdar im Hause des Herren bleiben, Ps. 23, 6. Gib uns unser täglich Brot immerdar, Luc. 11, 3. Der Herr wird euch behüten immerdar, Opitz Ps. 115.


Immerfort (W3) [Adelung]


Immerfort, adv. immer, d. i. ohne Unterbrechung fortfahrend. Er arbeitet noch immer fort daran. Sie zanken immerfort. Für das einfache immer ist es nur im Oberdeutschen üblich. Man muß dieses zusammen gesetzte Nebenwort nicht mit denjenigen Fällen verwechseln, wo fort zu dem Zeitworte gehöret, es mag nun ausdrücklich da stehen oder verschwiegen seyn. Ich rief ihn, aber er ging immer fort.


Immergrün (W3) [Adelung]


Das Immergrün, subst. indeclin. plur. inus. 1) Eine Pflanze, welche in den wärmern Ländern einheimisch ist und Winter und Sommer grün bleibt; Aizoon L. 2) Auch das Hauslaub, Sempervivum L. wird von einigen Immergrün genannt, so wie 3) das Sinngrün, Vinca L. Beyde aus eben derselben Ursache. S. Ingrün.


Immerhin (W3) [Adelung]


Immerhin, ein Nebenwort der Zeit. 1) * Eigentlich, für immerfort, eine ununterbrochene Fortdauer habend. Das Gewässer verlief sich von der Erde immerhin, 1 Mos. 3, 3. Sie gehen immerhin im Finstern, Ps. 82, 5. In welcher Bedeutung es im Hochdeutschen veraltet ist. 2) Figürlich, seine Gleichgültigkeit gegen etwas an den Tag zu legen. Wer böse ist, der sey immerhin böse, Offenb. 22, 11. Er kann es immerhin behalten. O täuscht Lucinden immerhin, Gell. Immerhin! d. i. meinetwegen. In andern Fällen gehöret hin zu dem Zeitworte. Er kann es immer hinnehmen.


Immerkuh (W3) [Adelung]


Die Immerkuh, plur. die -kühe, im gemeinen Leben einiger Gegenden, eine zu einem Inventario gehörige, oder so genannte eiserne Kuh. S. Eisern.


Immermehr (W3) [Adelung]


Immermehr, adv. welches, 1) eine mit Verwunderung vorgetragene Frage begleitet, wie das einfache immer. Was ist es immermehr, das dich so schrecken kann? Was denkst du immermehr? Wo haben sie doch immermehr diese schönen Lehren hergenommen? Was hat euch immermehr das arme Kind gethan? Can. 2) In einigen Fällen auch für jemahls. Mehr als man immermehr glauben sollte, Raben. S. Nimmermehr. Man verwechselt es nicht mit denjenigen Fällen, wo mehr für sich allein stehet, und wo immer mehr eine mit der Fortdauer an innerer Stärke zunehmende Handlung bezeichnet. Immer mehr gereinigt werden, Jer. 13, 27. Du versündigest dich immer mehr.

Anm. In dem alten Fragmente auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter stehet jemer mere, und bey dem Stryker immermere, für immer, beständig. So fern das letzte mehr eine Gradation bezeichnet, macht es mit der letzten Sylbe in immer, wenn sie auch unser mehr seyn sollte, keine Tautologie. Sagt man doch in ähnlichen Verstande je mehr und mehr.


Immerwährend (W3) [Adelung]


Immerwährend, adj. et adv. welches richtiger getheilt immer während geschrieben wird, weil man immer dauernd, immer stehend, immer sitzend, lange während und andere ähnliche R. A. niemahls zusammen zu ziehen pflegt. S. Immer 1. 1)


Immerzu (W3) [Adelung]


Immerzu, ein Nebenwort, welches nur im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, für immer, und am häufigsten in dessen eigentlichen Bedeutungen üblich ist. Er ist immerzu krank. Die Menschenliebe muß eine lebendige Neigung seyn, die uns zu Bemühungen und Thaten für das Beste der Menschen immerzu ermuntert, Gell. Doch dein Befehl, an dem ich mich ergetze, Fällt immerzu mir unvergessen ein, Opitz Ps. 119. In vielen Fällen gehöret das zu dem Zeitworte an. Gehe immer zu, gehe nur zu.


Immhamen (W3) [Adelung]


Der Immhamen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Buchdruckern, ein lederner Riemen oder Strick, welcher das Rähmchen, wenn es aufgemacht wird, fänget, und es, wenn es nöthig ist, wieder zurück schnellet; der Anschlag. Die letzte Hälfte ist das Wort Hamen, so fern es überhaupt ein Werkzeug zum Fangen oder Halten bedeutet, siehe dasselbe. Nur die erste Hälfte ist noch dunkel und muß ihre Erläuterung ohne Zweifel aus der Nieder-Rheinischen und Holländischen Mundart erwarten.


Immi (W3) [Adelung]


* Der Immi, plur. ut nom. sing. ein noch in Schwaben und der Schweiz übliches Maß so wohl trockner, als flüssiger Dinge, wo es auch Immig, Imi, Yune u. s. f. lautet. Im Würtenbergischen hält ein Eimer oder Ohm Wein 16 Immi, ein Immi aber 10 Maß, oder 40 Quart oder Schoppen. In Ulm ist der Immi ein Getreidemaß, welches 4 Mütlein, 24 Metzen, oder 96 Viertel hält. In Bern hält ein Immi, der daselbst gleichfalls ein Maß trockner Dinge ist, 2 Achterle oder 16 Sechzehnerle; 4 Immi aber machen ein Berner Maß, und 48 Müt. In Zürch gehen 9 Immi auf ein Viertel, 36 aber auf ein Müt. Es stammet mit Ahm, Eimer, Himpen, Humpe, dem Latein. Hemina, und andern aus Einer Quelle her, in welchen der Begriff eines Gefäßes der erste und herrschende ist.


Immittelst (W3) [Adelung]


Immittelst, ein fortsetzendes Bindewort, wofür in der edlern Schreibart inzwischen, oder noch mehr indessen üblicher ist. Gehe hin und mache dich fertig; immittelst will ich das übrige besorgen. Es scheinet von dem Beyworte mittel gebildet zu seyn, von welchem noch mittlere üblich ist. Das st am Ende ist, wie in vermittelst, das Zeichen eines Nebenwortes. Das Vorwort in ist wegen des folgenden m um des Wohlklanges willen in im übergegangen, wie in immaßen. Für immittelst ist im gemeinen Leben auch mittler Zeit, mittler Weile üblich. Dän. imedens.


Impastiren (W3) [Adelung]


Impastiren, verb. reg. act. welches aus dem Ital. impastare und Franz. empater, ehedem empaster, entlehnet ist. 1) Bey den Mahlern, die Farbe dick und fett auftragen. Ein wohl impastirtes Gemählde, welches farbenreich ist. Ingleichen, die Farben auftragen, ohne sie zu verschmelzen. Der Kopf ist nicht gemahlt, er ist nur impastirt. Daher die Impastirung. 2) Figürlich, bey den Kupferstechern, die mit dem Grabstichel und der Nadel gemachten Puncte vermittelst der Striche und Schraffirungen mit einander vermischen. Eine geschmackvolle Impastirung.


Imperativ (W3) [Adelung]


Der Imperativ, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Imperativus, in der Sprachkunst, diejenige Art (Modus) der Zeitwörter, vermittelst welcher man befiehlet, bittet, erlaubet, ermahnet u. s. f. Daher sie im Deutschen von dem häufigsten in Befehlen davon gemachten Gebrauche, auch die befehlende oder gebiethende Art, die Befehlsweise genannt wird.


Imperial (W3) [Adelung]


Der Imperial, des -es, plur. die -n, aus dem mittlern Lat. Imperialis, eine gewisse harte Goldmünze, von welcher heut zu Tage nur noch die Russischen Imperialen üblich sind, welche 10 Rubel oder 12 Rthl. 12 Gr. gelten.


Impfen (W3) [Adelung]


Impfen, verb. reg. act. den Zweig eines Baumes zur Fortpflanzung in die Rinde oder den Stamm eines andern befestigen, damit er mit ihm zusammen wachse. Kirschen auf wilde Stämme, Äpfel auf Birnstämme impfen. In den Spalt impfen, wenn das Reis in einen Spalt, welcher in den oben abgeschnittenen jungen Stamm gemacht worden, gesetzet wird. In die Rinde impfen, wenn es in die gespaltene Rinde gesetzet wird. In den Kerb impfen, wenn es in eine Kerbe gesetzet wird, welche man in einen alten Stamm gehauen hat. Auch Krankheiten impfet man ein, wenn man sie durch Versetzung der Krankheits-Materie in den Körper fortpflanzt. Es ist im Oberdeutschen am üblichsten; im Hochdeutschen gebraucht man dafür pfropfen und in andern Gegenden pelzen. Aus dem Folgenden wird erhellen, daß es eigentlich die Fortpflanzung vermittelst eines Reises, nicht aber vermittelst eines Auges, wie Gottsched will, bedeutet, und daher von äugeln, oculiren, genau zu reden, noch verschieden ist. S. Einimpfen.

Anm. Bey dem Notker impiton, inserere, in Boxhorns Glossen kimpitola, inseruit, im Schwabenspiegel ympfen, ehedem auch impten, empten, im Angels. impan, im Engl. to imp, im Schwed. ympa. Schon in dem Galischen Gesetze ist Impotus ein Pfropfreis, nicht, wie Eckard will, von dem Lat. Impositus, sondern von in und dem Holländ. Poote, Pote, Nieders. Pate, ein Pfropfreis, eine Pflanze, ein junger Baum, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, daher inpaten im Nieders. einpflanzen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bedeutet, woraus das Oberdeutsche impfen in engerer Bedeutung entlehnet zu seyn scheinet. Das mittlere Latein. entare, Franz. enter, impfen, stammen gleichfalls daher, so wie das Engl. Impes, Imp, ein Pfropfreis, Wallis. Imp, Dän. Impe, Ympe, daraus verkürzet worden. Auf ähnliche Art sagen die Niedersachsen für impfen risen, von Ris, ein Reis, Pfropfreis.


Impfwunde (W3) [Adelung]


Die Impfwunde, plur. die -n, bey den Ärzten, die Wunde, welche bey Einimpfung der Blattern, in die Haut gemacht wird.


Impost (W3) [Adelung]


Der Impost, des -es, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. Impostus, von imponere. 1) Eine jede von der Obrigkeit verordnete Auflage, besonders auf bewegliche Güter. Die Waaren mit vielen Imposten beschweren, d. i. Zoll, Accise u. s. f. Ital. Imposta, Franz. Impot. 2) In der Baukunst wird das Capital in dem Nebenpfeiler, worauf der Bogen eines Gewölbes ruhet, Incumba, der Impost, sonst aber auch der Kampfer genannt.


In (W3) [Adelung]


In, ein Vorwort, welches im Deutschen von einem überaus häufigen Gebrauche ist, und überhaupt ein Seyn, einen Zustand um den Mittelpunct oder um das Innere eines andern Dinges, ingleichen ein Bestreben nach diesem Innern bezeichnet. Es wird so wohl mit der dritten, als mit der vierten Endung verbunden. I. Mit der dritten Endung, ein Seyn, eine Ruhe, einen Zustand, eine Handlung zu bezeichnen, deren Sitz das Innere eines andern Dinges ist; da es denn eigentlich einen Ort, in weiterer und figürlicher Bedeutung aber auch einen Zustand, einen Gegenstand, ein Hülfsmittel, eine Bewegungsursache, eine Art und Weise und eine Zeit bedeutet, wo in den meisten Fällen der Begriff der Coexistenz der herrschende ist. 1. Einen Ort, dasjenige Verhältniß in Ansehung des Ortes, wo ein Ding von demselben ganz umgeben wird. In der Stadt wohnen. Im Bette liegen. Ruhe sanft in der mütterlichen Erde! In Ketten und Banden liegen. Wir werden heute in dem Garten speisen. Er ist der reichste Mann im Dorfe. Es stehet in der Mitte. Mitten im Lande. Es ist in guten Händen. Etwas in der Hand, im Munde haben. Er sprang mit dem Degen in der Hand hervor. Fest im Sattel sitzen. Dem Glücke im Schooße sitzen. Es liegt im Fenster. Im dritten Kapitel, im fünften Buche, im sechsten Verse. In sich enthalten, fassen, begreifen. Mit einem Fuße im Grabe stehen. Nichts Gutes im Schilde führen. Mit im Rathe, in der Commission, im Consistorio sitzen. In London, in Paris, in Frankreich, in Italien seyn. Sich in der Fremde aufhalten. So lange wir in dieser Welt leben. Das Blut stockt mir in den Adern. Alle Thiere im Walde. Im Grünen sitzen. In dieser blauen Ferne sehe ich nichts als den Himmel und mich. Eine Thräne stand ihm in den Augen. In jeder Miene schilderte sich sein Schmerz. Dein Unglück liegt in deinem unruhigen Herzen. Ich hielt ihn in meinen Armen. In der ganzen Gegend beliebt. Sich in der Schlinge fangen. Die Familie in der ich lebe, die Gesellschaft in der ich bin. In Gesellschaft seyn. In der Gesellschaft seyn. Sich in eines Gesellschaft befinden. Das stehet nicht in dem Briefe, in dem Buche, in dem Gedichte. In der Nähe, in der Ferne seyn. In einiger Entfernung warten. Im gemeinen Leben. In manchen Fällen ist noch das Vorwort an üblich, besonders vor dem Worte Ort; an diesem Orte. S. An I. 1. Bey den Nahmen der Länder, welche große Herren in ihren Titeln führen, gebraucht man das Wort von, wenn sie das ganze Land beherrschen, in aber, wenn sie nur einen Theil desselben besitzen. Man sagt also unrecht, der König in Frankreich, in Spanien, in England, in Portugal; aber richtig die Herzoge in Sachsen. Die Krone Pohlen machte dem Churhause Brandenburg lange den Titel König von Preußen streitig, weil es damahls nur einen Theil von Preußen besaß, und die Republik Lucca will dem Großherzoge von Toscana, dem Reisler zu Folge, nur den Titel Großherzog in Toscana geben. Eben so findet dieses Vorwort Statt, wenn das Zeitwort zwar eine Handlung, eine Bewegung bezeichnet, deren Schauplatz aber doch das Innere eines andern Dinges ist. Suchet in der Schrift. In einem Buche blättern. In der Fremde herum reisen. In der Stube auf und ab gehen. Im Finstern tappen. In diesen Schuhen gehet es sich nicht gut. Im Trüben fischen. Es gehet mir im Kopfe herum. Sich im Wasser spiegeln. Sich in der Stadt verbergen. Etwas in der Mitte entzwey brechen. Ich laß mein Schicksal in ihren Augen. Weit im Felde umher schweifen. Im Mondenscheine spazieren gehen. In der Welt fortkommen. In vielen eingeführten Redensarten hat zwar in diese eigentliche Bedeutung des körperlichen Raumes oder Ortes, allein die ganze R. A. ist doch figürlich. Einander in den Haaren liegen, sich raufen, balgen. Er ist ein Schelm in der Haut. Einem im Wege stehen, ihm hinderlich seyn. Das stehet mir bey diesem Geschäfte noch im Wege. Ein Mensch in einem schlechten Kleide. Jemanden im Stiche lassen. Jemanden in Verdacht haben. Etwas in frischen Andenken haben. Etwas im Sinne haben. 2. Einen Zustand, bey oder unter dessen Anwesenheit eine Sache ist oder geschiehet. In den letzten Zügen liegen. In Bereitschaft stehen. Im Begriffe seyn. Im Besitz einer Sache seyn. In diesem Zustande war es nicht möglich. Sich in den besten Umständen, in schlechten Umständen befinden. Ich sahe ihn in großer Eile aus dem Hause laufen. Mit einem in Freundschaft, in Verbindung stehen, mit ihm in Feindschaft leben, mit ihm in Bekanntschaft stehen. In Uneinigkeit leben. In Eid und Pflicht stehen. Etwas im Schlafe thun, im Traume reden. In Ruhe, im Überflusse, in Armuth leben. Laß mich in Ruhe. In der Bewegung, in Bewegung seyn. Im Schwange gehen. Ein Mann in seinem Alter. Im Ehestande leben. In einem öffentlichen Amte stehen. In großem Ansehen stehen. Etwas im baulichen Wesen erhalten. Er stehet in meinen Diensten. Wenn ein großer Mann fällt, so ist er auch im Falle groß. Im Tode getrost. Er ist in meinem Schutze, in meiner Gewalt, in meiner Aufsicht. Einem in der Noth beystehen. Besonders einen Zustand des Gemüthes. Etwas im Zorne, in der Wuth, in der Hitze thun. In Sorge stehen. In Geduld stehen. In Angst, in der Angst seyn. In Zweifel stehen. Ich sage es im Ernste, im Scherze. In der Einbildung stehen. In dieser Ungewißheit stehe ich, schwebe ich. Ich sage dirs im Guten. In der Erwartung stehen. 3. Einen Gegenstand, und zwar den Gegenstand einer Beschäftigung, einer thätigen oder leidenden Veränderung, zuweilen auch nur eines Prädicates. Ich diene ihm in dieser Sache. Er störte mich in dieser Beschäftigung. Er vertiefte sich in seinen Betrachtungen. In seinen Nachforschungen hitziger werden. Wir gefielen uns in unserm Gespräche. Siehe nicht etwa Spott in diesen unschuldigen Worten. In dem Bewußtseyn seiner Tugend eine reiche Quelle des Trostes finden. Im Streite, in der Arbeit begriffen seyn. Im Brete, in der Karte spielen. In der Rede stecken bleiben. Mitten in der Arbeit aufhören. Ich fange an Vergnügen im Wohlthun zu finden. Im Tanzen, im Spielen geschickt seyn. Sich im Singen üben. In Kleinigkeiten genau seyn. Im Großen klein, und im Kleinen groß seyn. In der Ordnung hat er wenige seines gleichen. Er übertrifft ihn in der Schwatzhaftigkeit. In vielen Künsten erfahren, in der Schrift bewandert seyn. In dieser Sache hast du Recht. In diesem Stücke ist er abergläubig. Schnell im Laufen seyn. Im Kaufe bedachtsam, im Fragen vorwitzig seyn. In diesem Stücke kann ich meinen Augen trauen. In diesem Falle, in jenem Falle. Du verlierest nicht alles in mir, zugleich mit mir. In ihm fiel unsre Hoffnung, unser Schutz, Dusch. Im Spiele gewinnen. Im Spiele unglücklich seyn. In Gott vergnügt. Der hat sie verlassen, in welchem sie ihr ganzes Daseyn fühlte. 4. Hülfsmittel oder Werkzeug, vermittelst dessen etwas ist oder geschiehet, in einigen bereits eingeführten Fällen. In Gleichnissen reden, in Fabeln lehren. Ein Pferd im Zaume halten. Sich im Weine, im Biere betrinken. Er dankte ihm in den feurigsten Ausdrücken. In seinen Gedanken über die ganze Welt herrschen. In seiner Einbildung ist er glücklich. Sich etwas in Gedanken, im Geiste vorstellen. 5. Eine Bewegungsursache, auch nur in einigen Fällen. Etwas in guter Absicht thun. Ich that es in der besten Mei- nung von der Welt. Ich gebe von hier ab, in der Hoffnung, anderwärts mein Glück zu machen. Ich reise in meinen eigenen Angelegenheiten. In Geschäften reisen. 6. Die Art und Weise, wie ein Ding ist, oder geschiehet. Im Glauben bethen oder bitten. Im Nahmen Gottes. In meinem, in seinem Nahmen. In meiner Gegenwart, in seiner Abwesenheit. Im Schweiße deines Angesichtes. In Eile gemacht. Ein Buch in Folio, in Duodez, in Quart. In einem gebietherischen Tone. Im Überflusse. In einem hohen Grade. In diesem Grade. Im Laufen trinken, im Reden schreiben. Ich leide in der Stille. Alles in der Welt sehe ich nur im Verhältnisse mit ihr. Sechs Ellen in Einem Stücke. In einem Athem fortreden. Besonders die Art und Weise der Existenz. Sein Vermögen bestehet in Grundstücken, sein Reichthum in Capitalien. Ihre Art sich zu unterhalten bestand in Streitigkeiten. Tausend Thaler in Gold. Die Tugend bestehet in der Ausübung seiner Pflichten. Wohin auch verschiedene adverbische R. A. gehören, welche dieses Vorwort mit manchen Nennwörtern und Partikeln macht. In Betrachtung, in Erwartung, in Ansehung, in Absicht, in Erwägung, in Ermangelung, im Grunde, im Gegentheile, im geringsten nicht, in kurzen, in Wahrheit, in der That. 7. Eine Zeit, und zwar 1) Eine Zeit, wenn sie eine Sache geschiehet, oder geschehen ist, von der gegenwärtigen und vergangenen Zeit, wenn sie ohne ein Zahlwort bestimmet wird. Das war in meiner Jugend noch nicht Mode. Es geschahe in diesem, im vorigen Jahre, im vorigen Monathe. Das ist in vieler Zeit, in langer Zeit nicht geschehen. In andern Fällen bekommt das Hauptwort Zeit das Vorwort zu. In meinem ganzen Leben ist das nicht geschehen. Es geschahe im Sommer. Er kam mitten im Winter, in der Nacht. Um drey Uhr in der Nacht. In der erst, im gemeinen Leben, für anfänglich. In der Ernte sterben. In der Theurung. Er hat sich in seinem Leben rechtschaffen geplagt. In einer angenehmen Stunde. Wir reiseten in aller Frühe. In der Stunde des Todes. Sie starb in der Blüthe ihrer Jahre. In ihrer Jugend war sie schön. In der Mittagsstunde. Ich war in seinen letzten Augenblicken, in seinen letzten Stunden bey ihm. Das Wort Tag, ingleichen die Nahmen der Wochentage und Feste nehmen dafür das Vorwort an an. Daher der biblische Ausdruck in den Ostern, Joh. 2, 23, so wie die biblischen R. A. in den Tagen, in diesen Tagen, in den letzten Tagen, im Hochdeutschen ungewöhnlich sind. S. An. Oft wird es auch ausgelassen und dafür das Hauptwort in der vierten Endung gesetzt. Ich würde es voriges Jahr gethan haben, im vorigen Jahre. Vorige Woche war er hier. Er war erst diesen Augenblick da. 2) Eine künftige Zeit, wenn etwas geschehen wird, mit dem Nebenbegriffe ihres Anfanges von jetzt an, mit und ohne Zahlwort; für innerhalb. Ich muß es höchstens in einer Stunde haben. Ich reise längstens in acht Tagen fort. In vier Tagen muß es sich weisen. Ich werde in einigen Tagen verreisen. Wir werden in wenig Minuten da seyn. In kurzen, in der Kürze, in kurzer Zeit. In künftigem Sommer, im künftigen Jahre. Ich komme in einem Augenblick wieder. In der R. A. das geschiehet in alle Ewigkeit nicht, ist einmahl die vierte Endung hergebracht. Wenn kein Zahlwort dabey ist, so wird das Vorwort auch häufig weggelassen. Künftigen Sommer, künftige Woche. Ich komme den Augenblick wieder. 3) Einen Zeitraum, welcher zu einer Sache erfordert wird, oder während dessen sie geschehen ist, wofür in vielen Fällen innerhalb üblich ist. In sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, 2 Mos. 20, 11. In einer Stunde ist verwüstet solcher Reichtum, Apostelg. 18, 17. Ich habe ihn in zehen Jahren nicht gesehen. Es schlug in einem Tage drey Mahl ein. Es geschahe in einem Augenblicke. In einer Stunde war die Sache gethan. In weniger als einer halben Stunde wurden wir Freunde. Dahin können sie in drey Stunden kommen. Das kann ich in so kurzer Zeit nicht verrichten. II. Mit der vierten Endung, die Richtung einer Bewegung oder eines Zustandes, ein Bestreben nach dem Innern einer Sache zu bezeichnen, wo es wiederum eigentlich einem Orte, und in weiterer und figürlicher Bedeutung, auch einem Zustande, einer Materie, einer Gestalt, der Ausdehnung, einer Zahl und einer Zeit zur Begleitung dienet. 1. Einem Orte, eine Bewegung nach dem Innern eines Dinges zu bezeichnen. Wasser in den Brunnen tragen. Wein in das Faß füllen. Einem in das Gesicht sehen. Sich in das Fenster stellen. In die Stadt kommen, gehen, reisen. In das Haus brechen. Sich ein Loch in den Kopf fallen. In die Kutsche steigen. In die Tasche stecken. In den Krieg ziehen. Einem etwas in die Hände spielen. Etwas in die Hand, in den Mund nehmen. Einem in den Wurf kommen. Etwas in die Augen fassen. Gute Lehren in den Wind schlagen. Einem die Worte in den Mund legen. Es sticht ihm in die Augen. Einem etwas in den Weg legen. Sich ins Mittel legen. Der Fisch gehöret in das Wasser. Etwas in Gold einfassen. In den Rath kommen. In die Schule, in die Kirche gehen. Sich in einen Winkel verbergen. In einander fahren, reiten, sich verwickeln. Schlösser in die Luft bauen. Sich in die Hand schneiden. In die Flucht schlagen. Einem ein Stück Geld in die Hand drücken. Einem etwas in das Ohr sagen. Er geitzt in seinen Sack. In Papier einwickeln. Er passet nicht in das Loch. Es ist mir etwas in den Weg gekommen. In der Leute Mäuler kommen. Sich in die Sonne legen. In Gesellschaft gehen. Die Thränen traten mir in die Augen. Eine Grube in die Erde machen, Matth. 25, 18. Sich in den Mantel hüllen. In dünne Nebelschleyer hüllt sich die Blumenflur. In einander wirken. In jemanden bringen. In deine Hände befehl ich meinen Geist. In sich schlagen, in sich gehen. In das Gedränge kommen. In den Tag hinein leben. Ins Werk steilen oder richten. In Besitz nehmen. Jemanden in seinen Schutz, etwas in Verwahrung nehmen. Sich in Acht nehmen. Viele Einsicht in die Arzeneywissenschaft haben. Einem in die Rede fallen. Sich in eine Sache mengen oder mischen. In des andern Seele schwören. Es gehet in das zwanzigste Jahr, es ist bald zwanzig Jahr. Er gehet in das dreyßigste Jahr, ist bald dreyßig Jahr alt. In die Wette laufen, besser, um die Wette. Das fällt gut in das Gesicht. Ein Gut in Lehn nehmen. Sich in jemandes Huld empfehlen. Etwas in Augenschein nehmen. Tief in den Text kommen. Sich in die Leute schicken. Er weiß sich in alles zu finden. Sich in sein Schicksal ergeben. Ich willige nicht in diese Sache. In eine Person verliebt seyn. In Thränen, in laute Klagen ausbrechen. Er brach in diese Worte aus. Besonders 2. Einem Zustande, wenn sich derselbe an einem Dinge entwickelt, oder doch der Entwickelung nahe ist, es sey durch eigene oder fremde Kraft. In das Elend, in Armuth gerathen. In Verachtung gerathen. In sein Verderben rennen. In sein Unglück eilen. In Verdacht gerathen. In den Gang, in den Schwung kommen. In den Gang bringen. In Vergessenheit kommen. Etwas in Vergessenheit stellen. In Verwunderung gerathen. Jemanden in Verwunderung setzen. In Erstaunen gerathen. Die Kälte verwandelte sich in eine brennende Hitze. Eine Strafe in eine Geldbuße verwandeln. Der Schauplatz des Lebens verwandelt sich vor mir in den Abgrund des Grabes. In die Erfüllung gehen. Etwas ins Reine bringen. In ein hitzig Fieber fallen. In Grillen verfallen. Besonders eine Theilung zu begleiten. Etwas in fünf Stücke zerschneiden. Der Fluß theilet sich in zwey Arme. In tausend Stücke schlagen/brechen. Ein Buch in vier Bände binden lassen. 3. Einer Materie, wo der Begriff des Ortes, nach welchem die Bewegung gerichtet ist; zugleich den Begriff der Materie, des Stoffes mit in sich schließet. In Gold, in Silber, in Bley, in Holz, in Bernstein, in Wachs arbeiten. In Wachs poussiren. Figuren in Holz schneiden, in Kupfer stechen. 4. Einer Gestalt, die Bemühung, dem Theile eines Dinges eine gewisse Gestalt zu geben, zu begleiten. Blumen in einen Strauß zusammen fügen. Etwas in ein Bündel binden. Ein Dreyeck in ein Viereck verwandeln. Die Haare waren in einen Zopf geflochten. Die Aussicht endigt, vereinigt, verwandelt sich endlich in ein Amphitheater. Die Haare waren in zwey Locken gesteckt. 5. Einer Ausdehnung, deren Maß, Bestimmung u. s. f. zu begleiten. Der Thurm erstreckt sich auf hundert Fuß in die Höhe. Der Raum hatte vierzig Ellen in die Länge und zwanzig in die Breite. Ein Gebäude in die Breite messen. In die Länge und in die Quere. Wo es auch zuweilen ausgelassen werden kann. Und rückt den spitzigen Hut die Quere, Gell. In die Länge, wird auch figürlich von einer langen künftigen Zeit gebraucht. Das thut in die Länge kein gut. 6. Einer Zahl, doch nur eine ungefähr, nicht auf das genaueste bestimmte Zahl zu bezeichnen; am häufigsten im gemeinen Leben, und mit den Nebenbegriffe der Vielheit. Es waren ihrer in die zwey hundert Personen. Judas brachte ihrer in die dreyßig tausend um, 2 Macc. 12, 4. Es wiegt in die dreyßig Pfund. In die funfzig Jahre alt. Ich würde Ihnen zur Ehe rathen, da ich weiß, daß sie in die sechzig sind? Gell. Ich habe ihn in die drey Jahre nicht gesehen. In welchen sämmtlichen Fällen das Vorwort an fast noch üblicher ist. 7. Einer Zeit, doch nur das Ziel einer Handlung in Ansehung der Zeit zu bezeichnen, mit dem Wörtchen bis, welches aber auch ausgelassen werden kann. Bis in die Nacht spielen. Dein ist die Herrlichkeit in Ewigkeit, Matth. 6, 13. Sie graben in die Nacht, Lichtw. Das haß ich in den Tod. In andern Fällen wird auch hier das Vorwort an gebraucht.

Anm. 1. Da dieses Vorwort unter allen im Deutschen am häufigsten gebraucht wird, so ist es unmöglich, dasselbe durch alle seine Schattirungen und Nebenbegriffe zu verfolgen, welche sich doch insgesammt auf einen der angeführten Fälle werden zurück führen lassen. In manchen Fällen ist es gleichgültig, ob man es mit der dritten oder vierten Endung verbinde; je nachdem die Handlung in Bewegung und Richtung, oder in einem bestimmten Raume gedacht wird. Begrabet mich in mein väterliches Grab, oder in meinem väterlichen Grabe. Diese Fälle sind aber so häufig nicht, weil sich bey veränderter Wortfügung immer auch eine veränderte Nebenbedeutung mit einschleicht. Sich in die Kammer legen, und sich in der Kammer legen, sind wirklich verschieden. In der Deutschen Bibel werden die Endungen oft unrichtig gesetzet. In die Inseln verkündigen, Jer. 31, 10. In die Städte zusammen kommen, 1 Macc. 1, 61. Die Rede erscholl in das ganze Jüdische Land, Luc. 7, 17; für in dem oder in den.

Anm. 2. Wenn in die dritte Endung des einfachen Zahl zu sich nimmt, wird es mit dem bestimmten Artikel des männlichen und ungewissen Geschlechtes häufig zusammen gezogen. Er ist im Hause, im Felde, für in dem Hause, in dem Felde. Zuweilen ist diese Zusammenziehung unentbehrlich, oder vielmehr, wenn das Hauptwort den bestimmten Artikel nicht vertragen würde, wird das n des Vorwortes zur Bezeichnung der dritten Endung in ein m verwandelt. Tausend Thaler im Vermögen haben. Mit sich selbst im Streite seyn. Im Ganzen verkaufen. Eben diese Zusammenziehung wird auch in der vierten Endung mit dem das geduldet. Ins Feuer werfen. Aber nicht mit andern Endungen oder Geschlechtern, wie 1. Kön. 8, 44, in Streit ziehen, für in den. Anm. 3. An, in, inne, innen, inner, ein, sind ursprünglich ein und eben dasselbe Wort, und im Deutschen lange ohne Unterschied gebraucht worden. Jetzt sind sie sehr genau verschieden. An und in werden als Vorwörter gebraucht, haben aber auch hier ihre bestimmten und angewiesenen Gränzen, S. An. Inne und innen sind noch in einigen Fällen als Nebenwörter üblich. Inner ist ein Beywort; ein hingegen wird noch in verschiedenen Zusammensetzungen anstatt des Vorwortes in gebraucht, welche die Niedersachsen noch wirklich mit dem in machen, z. B. ingeboren, indenk, Inwohner u. s. f. für eingeboren, eingedenk, Einwohner, wovon sich auch im Hochdeutschen Spuren erhalten haben; S. Inhaber, Inhalt u. s. f. Besonders gebraucht man ein mit den beziehenden Partikeln da, hin und her, wenn das Vorwort die vierte Endung erfordert, darein, hinein, herein; dagegen in unverändert bleibt, wenn es die dritte Endung erfordert, darin, hierin, worin, welche von vielen ohne Ursache darinn, darinne, darinnen, hierinn, hierinnen, worinn, worinnen, geschrieben und gesprochen werden, siehe Darin.

Anm. 4. Diese unnütze Verlängerung ist noch ein Überbleibsel der alten Oberdeutschen Mundart, in welcher das Vorwort in, auch wenn es allein siehet inne, und innen lautet. Innan erda sliafan, Ottfr. in die Erde. Es komme nicht innan muat min, ebend. Innan mir, in mir, ebend. An andern Orten gebraucht er dafür anan; anan henti, in den Händen. Andere Sprachen und Mundarten haben mehr Kürze, wie das Nieders. in, das Angels. on, into, das Wallis. yn, en, das Lat. in und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Schon im Mösogothischen ist das Vorwort von dem Nebenworte unterschieden; das erste lautet bey dem Ulphilas in, das letzte aber inn, und im Schwed. heißt das Vorwort, wenn es allein stehet, i, vor Zeitwörtern aber und als ein Nebenwort in. S. auch Inne und Innen. In vielen Sprachen ist in eine verstärkende Partikel, welche eine Intension ausdruckt; wovon sich auch im Deutschen Spuren finden. Innette ist im Nieders. sehr nett, fein, sauber; im Schwed. igraen sehr grün, isur sehr sauer. S. auch Inbrunst, Ingrün, Inständig. In den Zusammensetzungen vor einem m gehet es des Wohlklanges wegen gleichfalls in diesen Mitlauter über, immaßen, immittelst; aber nicht vor dem g, S. Ingleichen.


Inbegriff (W3) [Adelung]


Der Inbegriff, des -es, plur. die -e. 1) Ein in seine Gränzen eingeschlossener Ort, ein gewisser Bezirk; in welcher Bedeutung es doch wenig mehr gebraucht wird. 2) Figürlich, was in einem solchen Raume begriffen und beschlossen ist, und in noch weiterer Bedeutung, alle in einem Raume beysammen befindliche Dinge als ein Ganzes betrachtet. Der Inbegriff der in der Welt befindlichen Dinge. Der große und weite Inbegriff der göttlichen Absichten.


Inbrunst (W3) [Adelung]


Die Inbrunst, plur. inus. eine innere, inwendige Brunst, d. i. Hitze. 1) * Eigentlich; in welcher Bedeutung es im Hochdeutschen veraltet ist. Die Inbrunst des hitzigen Fiebers, die damit verbundene innere Hitze. 2) Figürlich, ein hoher Grad der Liebe. Eine Person mit vieler Inbrunst lieben. Mit Inbrunst bethen. S. Brunst, welches bereits von einem hohen Grade der Liebe gebraucht wird, so daß in hier die alte verstärkende Bedeutung zu haben scheinet. S. In,

Anm. 4. Bey dem Ottfried kommt das Zeitwort inbrunstan für zornig werden vor.


Inbrünstig (W3) [Adelung]


Inbrünstig, -er, -ste, adj. et adv. Inbrunst habend, darin gegründet. 1) * Eigentlich; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Die pestilenz kommt mit großer inbrünstiger Hitz, innerlicher, Liber Pestilenz. 1500. 2) Figürlich, einen hohen Grad der lebhaften Liebe habend, und darin gegründet. Wie inbrünstig schloß ich dich an meine Brust! Dusch. Inbrünstig bethen. Ein inbrünstiges Gebeth. Das ohne Noth verlängerte Oberdeutsche inbrünstiglich ist im Hochdeutschen veraltet.


Inbrünstigkeit (W3) [Adelung]


Die Inbrünstigkeit, plur. inus. die Inbrunst als eine Fertigkeit betrachtet; ein Wort, dessen man füglich entbehren kann, weil das kürzere Inbrunst bereits in dieser Bedeutung üblich ist.


Inbürger (W3) [Adelung]


Der Inbürger, des -s, plur. ut nom. sing. S. Ausbürger.


Inbusen (W3) [Adelung]


Der Inbusen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Ingarn.


Incarnat (W3) [Adelung]


Incarnat, adj. et adv. aus dem Französ. Incarnat, der rothen Farbe der Granatblüthen gleich, welche ein sehr hohes Rosenroth ist. Daher das Hauptwort das Incarnat oder die Incarnat-Farbe. Das Französ. stammet von dem mittlern Lat. ingranatis her, welches eben das bedeutet, so wie ihr nacarat, fleischfarben, aus dem Nieders. nakrood gebildet ist.


Indelt (W3) [Adelung]


Das Indelt, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben Obersachsens und Oberdeutschlandes, dasjenige innere Behältniß in Gestalt eines Sackes, worein die Federn eines Bettes oder Küssens unmittelbar gethan werden, und worüber hernach der Überzug kommt. In den gemeinen Sprecharten der Inguß, der Indel, das Inlich, im Nieders. das Inlied, Inled, Inlede, von Lid, eine Decke, so wie das Hochdeutsche von Deel, Theil, abzustammen scheinet. Im mittlern Lat. Enleichis.


Indem (W3) [Adelung]


Indem, eine aus in und dem, der dritten Endung des Fürwortes das, oder dieses, zusammen gezogene Partikel; welche auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Nebenwort der Zeit, für in diesem Augenblicke, diesen Augenblick, wo es doch nur im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart üblich ist, und besser getheilt geschrieben wird, in dem. Er ist in dem weggegangen. Er wird in dem kommen. Ich habe ihn in dem gesehen. Im Schwed. i thy. In dem Theuerdanke heißt es in dieser Bedeutung vollständiger; in demselben (nähmlich Augenblicke) gieng der Held her, Kap. 90. 2. Als ein Bindewort, und zwar 1) eine Zeitfolge zu bezeichnen, da es denn derjenigen Sache zur Begleitung dienet, welche mit einer andern zugleich geschiehet, eine Coexistenz zu bezeichnen; für da oder als. Es stehet als dann so wohl im Vordersatze, als im Nachsatze. (a) Im Vordersatze. Indem er stille stand, bemerkte er, daß u. s. f. oder, er bemerkte, in- dem er stille stand, daß u. s. f. Dort, sagte er, indem er zu dem Fenster hinaus sahe, ist der Knabe. Indem sie ihm danken wollte, ging er weg. Er hat sie schon, indem er angekommen, an ihrem Fenster wahrgenommen, Gell. Zuweilen mit so und da im Nachsatze. Indem nun Sylvia sich nach dem Bande bückt, So küßt sie ihn geschwind, Gell. Und indem ich drauf merkte, siehe, so kommt ein Ziegenbock, Dan. 8, 5. Indem er aber also gedachte, siehe, da erschien ihm ein Engel, Matth. 1, 20. (b) Im Nachsatze. Wenn sie mich nicht verrathen wollen, sagte er, indem er den Finger auf den Mund drückte. Der Strom ergriff ihn, indem er sichs am wenigsten versahe. Sohn, fing der Vater an, indem er sterben wollte, Gell. Mein Herz erweitert von einem frohen Stolze, indem eine Thräne in meinen Augen stehet, Dusch. Wo es aber oft gemißbraucht wird, besonders von ungeschickten Übersetzern, welche die Participial-Construction der Franzosen mit en durch dieses indem zu geben suchen, wenn gleich im Deutschen ein bloßes und oder nachdem, oder ein anderes Bindewort stehen sollte. Er stieg in die Kutsche, indem er dem Fuhrmann einen besondern Weg zeigte; für, nachdem er - gezeigt hatte. Er umarmte ihn, indem er weinte; für, und weinte. Eben so fremd klingt es im Deutschen, wenn es die Stelle des Bindewortes wenn vertreten muß. Ich will sogar meine Vernunft vergessen, indem ich mit ihnen rede, Gell. 2) Eine Ursache zu bezeichnen, für weil; wo es alle Mahl im Nachsatze stehet, und eine Figur der vorigen Bedeutung ist. Sie verließ das Haus ihres Vaters, indem sie ihren Freund wieder zu finden hoffte. Er hatte es ihm oft versprochen, indem er dieses Verlangen für billig hielt. Er wurde ein trauriger Gesellschafter, indem der Gram alle seine Lebhaftigkeit verzehret hatte. Im Oberdeutschen ist dafür auch immaßen üblich.


Indenk (W3) [Adelung]


Indenk, S. Eingedenk.


Indessen (W3) [Adelung]


Indessen, ein Bindewort, welches aus dem Vorworte in und der zweyten Endung des relativen Fürwortes der zusammen gesetzet ist. Es bedeutet, 1. Eine Zeitfolge, da es denn derjenigen Sache vorgesetzet wird, welche während derjenigen Zeit geschiehet, in welcher eine andere vorgehet; in oder unter der Zeit. Es stehet 1) im Nachsatze, so daß sich das Relativum dessen auf den vorher gegangenen Satz beziehet. Sehe nur hin; indessen will ich hier bleiben, oder ich will indessen hier bleiben. Du lebest in allen Lüsten; indessen schwimmt dein Land in Thränen, oder da indessen dein Land in Thränen schwimmt, oder auch mit dem Bindeworte daß, indessen daß dein Land in Thränen schwimmt. Dürre Reiser brannten vor ihm in hellen Flammen, indeß daß er einsam ins Gras gestrecket mit irrenden Blicken den Himmel durchlief, Geßn. Oder: da er indessen. Wo das daß auch verschwiegen werden kann. Und wenn man bundsverwandte Nationen Bequem zur Schlachtbank schickt; Indessen man, sein Heer zu schonen, Von sichrer Höh weit um sich blickt, Raml. Wenn er - Im seligsten Triumphe fährt; Indeß der Überfluß auf jede seiner Spuren Ein ganzes Füllhorn leert, ebend. 2) Im Vordersatze, wo es sich, (a) auf den Nachsatz beziehet, und alsdann ein da oder daß nach sich hat. Indessen da oder daß dein Land in Thränen schwimmt, lebst du in allen Lüsten. Wo das da oder daß in der höhern Schreibart auch wegbleiben kann, in welchem Falle aber indessen um des Wohlklanges willen in indeß verkürzet wird. Indeß dein Land in Thränen schwimmet u. s. f. Indeß er mit irrenden Blicken den Himmel durchlief, brannten u. s. f. (b) Auf eine vorher gemeldete Begebenheit. Josephs Brüder warfen den Joseph in eine Grube, und satzten sich nieder zu essen. Indeß (indessen) huben sie ihre Augen auf, und sahen, 1 Mos. 37, 25. Da er nun Syrien - durchzogen hatte, kam er zu den Edomitern - und lag allda dreyßig Tage lang. Indessen forderte er sein Kriegsvolk alles zusammen, Judith 3, 12. Da das Jesus hörete, sprach er - Indeß kamen die Jünger Johannis zu ihm, Matth. 9, 12, 14. Wo es vornehmlich in der historischen Schreibart von einem sehr großen Nutzen ist, die Einschaltung gleichzeitiger Begebenheiten in Ermangelung anderer Verbindungs-Formeln anzufangen. 2. Eine Einschränkung, eine Milderung, eine Compensation des vorher gegangenen zu bezeichnen, wo es gemeiniglich im Nachsatze stehet. Sie war in dem größten Kummer; indessen wurde ihr Schmerz doch dadurch gelindert, daß u. s. f. Zuweilen aber auch im Vordersatze, doch mit Beziehung auf eine Vorher gegangene Sache. War indessen sein Charakter gleich nicht von der Art, daß man ihn sehr doch schätzen konnte: so besaß er doch viele Laune. 3. Für Dessen ungeachtet, nichts desto weniger; doch nur im Nachsatze. Es taugt freylich nichts; indessen gib es nur her.

Anm. Schon bey dem Ottfried innan thes, bey dem Notker inin diu, im Lat. interea. Es ist ein Hauptwort verschwiegen; etwa Vorgang, Begebung u. s. f. Die verkürzte Form indeß wird am häufigsten in de höhern und dichterischen Schreibart gebraucht. In der historischen Schreibart ziehet man das vollständigere indessen vor. S. auch Unterdessen, welches eben so wie dieses Bindewort gebraucht wird, ob es gleich nicht völlig so sehr gangbar ist. Im Oberdeutschen ist dafür auch derweile, einstweilen und untereinsten üblich.


Indiction (W3) [Adelung]


Die Indiction, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. Indictio, in der Zeitrechnung, einen Zeitraum von fünfzehen Jahren zu bezeichnet, doch nur so fern die Zahl der jedesmahligen Jahre dieses Zeitraumes ehedem der Jahrzahl von der Geburt Christi an beygefüget zu werden pflegte, wie in Notariats-Instrumenten noch jetzt geschiehet. S. des Du Fresne Glossarium. Im Deutschen wird sie auch der Römer Zinszahl, ingleichen die Kaiserzahl genannt, weil die Gewohnheit nach Indictionen zu rechnen von einen allgemeinen Kopfgelde herrühret, welches den Römischen Kaisern ehedem alle funfzehen Jahre entrichtet werden mußte.


Indig (W3) [Adelung]


Der Indig, des -s, plur. inus. ein dunkelblauer Farbenkörper, welcher das dunkelste, an das Schwarze gränzende Blau gibt, und jetzt ein verfaulter Bodensatz der Indigpflanze ist; der Indigo. Der Nahme ist aus dem Lat. Indicus verderbt, weil man diese blaue Farbe vor der Entdeckung von Amerika aus Indien bekam, daher sie unter dem Nahmen Color Indicus, und Endegus schon im mittlern Lateine vorkommt. Indessen scheinet es, daß ehedem mehrere blaue körperliche Farben, welche man aus Indien bekam, mit diesem Nahmen beleget. Das mittlere Lat. Indus bedeutete auch dem Lasurstein, und noch in diesem Jahrhunderte wurde in einem Freyheitsbriefe für die Bergwerke im Halberstädtischen vom 23sten Dec. 1704 der Indigo unter die Mineralien gerechnet; wo vermuthlich der Kobalt verstanden werden muß, aus welchem eine ähnliche blaue Farbe verfertiget wird.


Indigblau (W3) [Adelung]


Indigblau, adj. et adv. der blauen Farbe des Indigs gleich. Daher das Hauptwort, das Indigblau, subst. indecl. plur. car. diese blaue Farbe im Abstracto.


Indigenat (W3) [Adelung]


Das Indigenat, des -es, plur. inus. aus dem mittlern Lat. Indigenatus, die Eigenschaft, da jemand in einem Lande geboren, in demselben einheimisch ist, und das Recht, welches ihm aus dieser Eigenschaft in Rücksicht auf die fremden zufließet; das Einzöglingsrecht, Bürgerrecht.


Indigküpe (W3) [Adelung]


Die Indigküpe, plur. die -n, bey den Färbern, die zum Färben aus Indig bereitete blaue Farbe. Eine Indigküpe anstellen, diese Farbe bereiten. S. Küpe.


Indigpflanze (W3) [Adelung]


Die Indigpflanze, plur. die -n, eine Pflanze, aus welcher der Indig bereitet wird; Indigofera L. In Indien heißt diese Pflanze der Anil, welcher Nahme auch hin und wieder in Europa üblich ist.


Indult (W3) [Adelung]


Der Indult, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Indultus. 1) In dem Rechten und im gemeinen Leben, Nachsicht, Frist, welche man jemanden zur Erfüllung einer Pflicht verstattet. 2) In der Römischen Kirche, die päpstliche Verstattung einer den gemeinen Rechten nach unerlaubten Sache; im mittlern Lat. Indultum, Franz. Indult. Ehedem wurde auch der Ablaß Indult genannt, daher es noch kommt, daß 3) in einigen Oberdeutschen Gegenden ein Jahrmarkt noch jetzt Indult genannt wird, S. Dult.


Ineinander (W3) [Adelung]


Ineinander, S. Einander.


Infant (W3) [Adelung]


Der Infant, des -en, plur. die -en, Fämin. die Infantinn, eine aus dem mittlern Lat. Infans noch in Spanien übliche Benennung eines königlichen Prinzen, einer königlichen Prinzessinn. S. des du Fresne Gloss. v. Infantes und Infancio.


Infanterie (W3) [Adelung]


Die Infanterie, plur. inus. aus dem Französ. Infanterie, Soldaten zu Fuß, das Fußvolk, die Fußvölker; im Gegensatze der Cavallerie oder Reiterey. Im Ital. Infanteria, Fanteria. Ob wir gleich dieses Wort zunächst unsern Nachbarn abgeborget haben, so ist es doch seinem Ursprunge nach ein gutes altes Deutsches Wort, welches von dem noch in Niedersachsen üblichen Fänt, Vent, ein junger unverheiratheter Mensch, und in weiterer Bedeutung ein Diener, ein Soldat zu Fuß, abstammet. Das Isländ. Fant, das Ital. Fante, das Dän. Fiant, und das Schwed. Fant, haben eben dieselbe Bedeutung mit dem Nieders. Vent, und sind ohne Zweifel auch mit dem Latein. Infans verwandt. Mit den vorgesetzten Zischlaute ist Swein im Angels. Swain im Engl. und Suend im Dänischen, ein Jüngling, besonders ein junger Liebhaber. S. Trabant, welches seiner letzten Hälfte nach gleichfalls hierher gehöret.


Infel,Inful (W3) [Adelung]


Die Infel, oder Inful, plur. die -n, aus dem mittlern Lat. Infula, der bischöfliche Hut, der bischöfliche Hauptschmuck in der Römischen Kirche. Daher das Zeitwort infuliren, im mittlern Lat. infulare, mit der Infel begaben. Ein infulirter Abt, der von dem Papste das Vorrecht erhalten hat, bischöfliche Ehrenzeichen zu tragen.


-ing (W3) [Adelung]


-ing, eine Endsylbe verschiedener Hauptwörter, deren Abstammung aber noch nicht in allen Fällen ganz ausgemacht ist. Sie bedeutet, 1) Ein Land, ein Feld, eine Gegend; in welcher Bedeutung sie nur noch in den eigenthümlichen Nahmen verschiedener, besonders Oberdeutscher Länder und Örter, übrig ist, wo sie jetzt ingen lautet. Lotharingen, Lotharii Land. So auch Thüringen, Tübingen, Kitzingen, Memmingen u. s. f. In Schweden gibt es gleichfalls noch viele Nahmen der Örter auf - inge, und Frisch rechnet auch die nahmen der Örter auf - in, wie Stettin, Cöslin, Lenin, Küstrin u. s. f. dahin. Hier stammet sie ohne Zweifel aus dem Angels. und Mallisischen Inge, ein Feld, her. Die Schweizerische Mundart verwandelt dieses -ingen gemeiniglich in ikon; Pfeffikon für Pfeffingen, Vlikon für Vlingen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß auch verschiedene Deutsche Hauptwörter auf ung gleichfalls mit zu dieser Endung gehören, die man bisher irrig für Berbalia gehalten hat, zumahl da die Endung ing auch in andern Fällen in ung übergehet. Dergleichen sind z. B. die Waldung, eine waldige, mit Wald bewachsene Gegend, die Holzung, eine mit Holz bewachsene Gegend, die Huthung, eine zur Huth, d. i. Weide, bestimmte Gegend, die Feldung, ein Feld, die Freyung, eine befreyete Gegend, die Stallung, eine mit Ställen bebauete Gegend, und andere mehr. Thie Heiminge ist bey dem Ottfried das Vaterland, die Heimath. 2) Einen jungen Menschen, und in weiterer Bedeutung, einen Sohn, einer Nachkommen, wo es mit Enkel noch zu dem in Ober- und Niedersachsen üblichen Enke zu gehören scheinet. S. diese Wörter. Die meisten dieser Wörter sind jetzt veraltet. Ein Edelknabe hieß bey den Angelsachsen Aethiling, bey dem Ottfried Ediling, im Engl. Adeling. Kipping bedeutete im Angels. des Rippi Sohn, Bryning des Bryn Sohn, Skiolding im Schwed. Skiolds Sohn, und Yngling des Ynge sohn. Carls des Großen Nachkommen sind in der Fränkischen Geschichte unter dem Nahmen der Caroliner, so wie Meroväi unter dem Nahmen der Merowinger bekannt. Die Endung der Lat. Beywörter auf inus. scheinet damit verwandt zu seyn. Wachter leitet es in dieser Bedeutung von dem Wallisischen engi, gebären, her, welches denn auch das Stammwort von Enke und Enkel seyn würde. Im Schwedischen gehet das ing hier oft in ung über. 3) In noch weiterer Bedeutung, ein einzelnes Ding, ein Individuum von der Art, welche das verstehende Hauptwort bedeutet. Der Häring, Lat. Hal - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - c. Gelbing und Gelbling, ein gelbes Ding, gelbes Their. Henning bedeutet im Nieders. einen Hahn. Die Halsing ist bey den Jägern ein Halsband. S. auch die Rimming, der Bücking, Niedrs. für Bückling u. s. f. In einigen gehet ing in ung über; wie in Halsung für Halsing, Hornung u. s. f. In andern ist ig und ing nahe verwandt; König, ehedem Röning, Honig, im gemeinen Leben Honing, Pfennig, im gemeinen Leben Pfenning, Bottig, Botting u. s. f. Im Schwed. Gibt es auch, Abstracta auf ing, Sanning, die Wahrheit, Faegring, die Schönheit, welche ehedem Sannind, Faegrind lauteten. Siehe auch -ling, welche endung mit dieser genau verwandt ist, und -ung.


Ingarn (W3) [Adelung]


Das Ingarn, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, das inwendige kleine Garn zwischen den Spiegelnetzen, welches eigentlich zum Fangen bestimmt ist, und auch der Inbusen genannt wird, wegen der Busen oder Falten, die er bekommt.


Ingber (W3) [Adelung]


Der Ingber, (im gem. Leb. Ingwer,) des -s, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, ut nom. Sing. 1) Eigentlich, die getrocknete scharfe Wurzel einer Art des Cardomons, welche so wohl in den Apotheken, als auch in den Küchen an die Speisen gebraucht wird; Amomum Zingibe L. Die Pflanze wächset in Ostindien, woher auch ihr Nahme stammet, der schon im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und mit Verwechselung des Zisch- und Gaumenlautes - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - heißt. In den gemeinen Mundarten Oberdeutschlandes heißt diese Wurzel Ginger, Ymper, in Niedersachsen Engeber, Ingeber, engvaar, Gemweve, im holländ. Ghengber, im Engl. Ginger, im Dän. Ingefer, im Franz. Gingembre. 2) Figürlich wird auch die Fieberwurzel, Arum maculatum L. wegen der ähnlichen Kraft ihrer Wurzel Deutscher. Ingber genannt.


Ingbermuß (W3) [Adelung]


Das Ingbermuß, des -es, plur. inus., zerstoßener und mit gereinigtem Honig zu einem Muße gemachter Ingber, welches man wider den Kitzelhusten einzunehmen pfleget.


Ingberstein (W3) [Adelung]


Der Ingberstein, des -es, plur. die -e, in der Mineralogie, eine Art der Naturspiele, Steine, welche von ungefähr dem Ingber ähnlich sehen.


Ingefieder (W3) [Adelung]


Das Ingefieder, des -s, plur. ut nom. sing. S. Gefieder.


Ingeheim (W3) [Adelung]


Ingeheim, adv. S. Geheim.


-ingen (W3) [Adelung]


-ingen, die Endung verschiedener eigenthümlicher Nahmen der Örter, S. - Ing 1.


Ingenieur (W3) [Adelung]


Der Ingenieur, (sprich Inscheniör,) des -s, plur. die -s, aus dem Franz. Ingenieur, ein Kriegsbaumeister, eine Person, welche in der Kriegsbaukunst erfahren ist, besonders so fern sie dieselbe vermöge ihres Amtes ausübet; ein Zeugmeister, in der Schweiz ein Schanzenherr, im mittlern Lat. Ingeniator, Ingeniosus, Magister Ingeniorum, von Ingenium, alt Franz. Engin, ein Kriegswerkzeug, eine Kriegs-Maschine, welches Wort auch ehedem im Oberdeutschen nicht fremde war; daher sich zu Wien noch jetzt ein Genie- und Fortifications-Amt befindet, welches vermuthlich über die Festungswerke der Stadt die Aufsicht hat.


Ingleichen (W3) [Adelung]


Ingleichen, ein verknüpfendes Bindewort, einen bloßen Zusatz zu dem vorigen zu begleiten. Weil er eine einnehmende Gestalt, ingleichen alle zur Verführung nöthige Gaben besaß. Siehe auch Deßgleichen, welches auf eben dieselbe Art gebraucht wird. Für gleichfalls, oder auch, wenn es eine Steigerung mit in sich schließt, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich, obgleich im Oberdeutschen die Beyspiele nicht selten sind. Bey denen auch, die für mich kriegen, Befindet er ingleichen sich, Opitz. Ergrimme nicht, damit du nicht ingleichen Was Böses thust, das dir zu meiden steht, ebend.

Anm. Diese Partikel ist vermuthlich elliptisch, aber doch ihrem Baue nach dunkel. Ingleichem und Imgleichen, welche einige dafür gebrauchen, haben nichts für, aber manches wider sich. Gleicher Gestalt, und im Oberdeutschen desselben gleichen, gleicher Dingen u. s. f. vertreten oft die Stelle des ingleichen.


Ingrün (W3) [Adelung]


Das Ingrün, indecl. plur. inus. ein Nahme einiger Pflanzen, welche theils eine hoch grüne Farbe haben, theils auch den Winter über grün bleiben. 1) Des Wintergrün, Vinca minor L. welches mit vorgesetztem Zischlaute auch Singrün genannt wird. S. Singrün. 2) Einer Art der Waldrebe, Clematis L. welche im Oberdeutschen auch Eingrün heißt.

Anm. Das in ist in diesem Wort die verstärkende Partikel, welche den Sinn erhöhet, und noch in Niedersachsen und Holland üblich ist. Ingrün, Nieders. ingrön, Schwed. igraen, ilgrön, bedeutet sehr grün, so wie inbruun im Nieders. sehr braun u. s. f. Auf ähnliche Art sagten die Lateiner indurus, sehr hart, invalidus, sehr stark u. s. f. S. In

Anm. 4.


Inguß (W3) [Adelung]


Der Inguß, des -sses, plur. die -güsse, im Nieders. und gemeinen Leben für Einguß, S. dasselbe.


Inhaben (W3) [Adelung]


Inhaben, verb. irreg. act. welches aber im Hochdeutschen nur selten gebraucht wird, im Besitze, in seiner Gewalt haben. Man gebraucht dafür zuweilen auch inne haben, und im Oberd. einhaben.


Inhaber (W3) [Adelung]


Der Inhaber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Inhaberinn, welche von dem vorigen Zeitworte auch im Hochdeutschen üblich sind, eine Person, welche eine Sache in ihrem Besitze, in ihrer Gewahrsam hat, es sey auf welche Art es wolle. Der Inhaber eines Wechselbriefes, eines Gartens, eines Haufes u. s. f. Der Inhaber eines Regimentes, oder der Regiments-Inhaber, der Chef eines Regimentes. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist Inhaber ein Einwohner. In ist hier das Vorwort, welches in der Zusammensetzung mit Zeitwörtern und deren Ableitungen im Hoch- und Oberdeutschen in ein übergehet, im Niedersächsischen aber unveränderlich bleibt, inlegen für einlegen, inwohnen für einwohnen u. s. f. Welche letztere Form sich auch in diesem und einigen andern Hochdeutschen Wörtern erhalten hat. S. auch Inhalt.


Inhaftiren (W3) [Adelung]


Inhaftiren, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben und in der gerichtlichen Sprache für in Verhaft nehmen, verhaften, üblich ist. So auch die Inhaftirung. Es ist von dem Deutschen Worte Haft so wie manche andere in die Form eines ausländischen Wortes umgemodelt worden. S. - Iren.


Inhalt (W3) [Adelung]


Der Inhalt, des -es, plur. die -e, von dem Zeitworte enthalten, wofür ehedem auch inhalten üblich war. 1) Dasjenige was in einem andern Dinge enthalten, dem Raume nach befindlich ist; am häufigsten ohne Plural. Was ist der Inhalt des Fasses? Antw. Wein. Am üblichsten ist es von demjenigen, was der Sache, nicht den Worten nach, in einer Schrift, in einer Rede, in einem Buche enthalten ist. Jemanden den Inhalt einer Predigt, einer Rede erzählen. Der Inhalt des Briefes, des Mandates u. s. f. gehet dahin. Der Brief, die Verordnung ist dieses, oder folgenden Inhaltes, d. i. der Inhalt ist folgender. Dem Inhalte des Briefes, des Buches zu Folge. Nach dem Inhalte des Testamentes. Im Oberdeutschen auch Behalt, Enthalt, bey den Hochdeutsch redenden Niedersachsen Einhalt. In den Kanzelleyen, besonders Oberdeutschlandes, macht man mit diesem Worte verschiedene adverbische R. A. welche im Hochdeutschen seltsam klingen. Z. B. Wir haben solches des breitern Inhalts vernommen, umständlich. Uns ist seines mehrern Inhalts behörig vorgebracht worden. Aus dero Schreiben habe seines Inhalts vernommen. Inhalt des Briefes, des Testamentes, dessen Inhalte zu Folge, nach dessen Inhalte. 2) Dasjenige, was ein Raum enthalten kann, die Größe des Raumes. Der Inhalt eines Fasses, eines Gefäßes. Der Inhalt einer Fläche, der Flächeninhalt, zum Unterschiede von dem körperlichen Inhalte.

Anm. S. Enthalten. Das Zeitwort inhalten ist im Hochdeutschen nicht üblich, ob es gleich im gemeinen Leben zuweilen für einhalten, zuweilen aber auch für inne halten gebraucht wird, auch noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Wer Korn inhält, Sprichw. 11, 26, d. i. inne behält, zurück hält. Gott hält in, Ps. 83, 2; Es. 62, 1, d. i. hält inne.


Inholz (W3) [Adelung]


Das Inholz, des -es, plur. die -hölzer, ein Niedersächsisches, im Schiffbaue übliches Wort, diejenigen Hölzer zu bezeichnen, welche an die Knie stoßen, den Bauch des Schiffes machen, und die äußere Verkleidung tragen.


Injurie (W3) [Adelung]


Die Injurie, (viersylbig) plur. die -n, aus dem Lat. Injuria, doch nur in dessen engern Bedeutung, eine vorsetzliche Beleidigung, wodurch die Ehre eines andern angegriffen wird. Im Schwabenspiegel kommt das Wort Laster in dieser Bedeutung vor; einem etwas zu Laster thun, Kap. 173. Im Deutschen fehlet noch ein gutes Hauptwort, dergleichen Beleidigungen auszudrucken. S. Inzicht.


Inlage (W3) [Adelung]


Die Inlage, plur. die -n, S. Inliegen.


Inländer (W3) [Adelung]


Der Inländer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Inländerinn, eine Person, welche in einem Lande einheimisch ist, in demselben geboren ist, oder doch das Bürgerrecht daselbst besitzet, im Gegensatze eines Ausländers; im Oberd. ein Einländer.


Inländisch (W3) [Adelung]


Inländisch, adj. et adv. welches auch im Hochdeutschen für einländisch üblich ist, in einem Lande einheimisch, in demselben erzeuget, verfertiget; im Gegensatze des ausländisch. Inländische Waaren, Producte. Die inländischen Rechte. Siehe Einländisch.


Inleute (W3) [Adelung]


Die Inleute, sing. inus. S. Inmann.


Inlied (W3) [Adelung]


Das Inlied, des -es, plur. die -e, S. Indelt.


Inliegen (W3) [Adelung]


Inliegen, verb. irreg. neutr. von welchem nur das Mittelwort inliegend üblich ist. Inliegendes Schreiben, inliegende Briefe, welche in diesem Briefe, Packete oder Umschlage liegen, und welche man auch wohl Inlagen zu nennen pflegt.


Inmann (W3) [Adelung]


* Der Inmann, des -es, plur. die -männer, Fämin. die Infrau, plur. die -en, im Oberdeutschen, eine Person, welche bey einem andern zur Miethe wohnet, und im Hochdeutschen ein Häusler, eine Häuslerinn, genannt wird. Mehrere Personen dieser Art ohne Ansehung des Geschlechtes heißen daselbst Inleute; ingleichen Einwohner oder Inwohner im engsten Verstande, und Einkömmlinge, im Nieders. aber auch Inlieger, Einlieger.


Inmärker (W3) [Adelung]


Der Inmärker, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Inmärkerinn, auf dem Lande einiger Gegenden, eine Person, welche Innerhalb der Mark eines Dorfes, eines Waldes u. s. f. ansässig ist; im Gegensatze der Ausmärker. Hüfener oder Bauern dieser Art heißen in Obersachsen Heimhüfener.


Inmittelst (W3) [Adelung]


Inmittelst, adv. S. Immittelst.


-inn (W3) [Adelung]


-inn, plur. -en, eine Ableitungssylbe, welche Hauptwörtern, die eine männliche Person bezeichnen, angehänget wird, um daraus weibliche eben dieser Art zu bilden. Am häufigsten und fast ohne Ausnahme leiden diese Verwandelung die Hauptwörter auf er, wenn nur diese Endung eine männliche Person bezeichnet. Die Schweizerinn, Engländerinn, Indianerinn, Hallenserinn, Hamburgerinn, Leipzigerinn u. s. f. eine Person weiblichen Geschlechtes aus der Schweiz, aus England, Indien, Halle, Hamburg, Leipzig, von Schweizer, Engländer, Indianer u. s. f. Ferner diejenigen Wörter, welche ein männliches Amt, eine männliche Würde, Lebensart, Verhältniß u. s. f. bezeichnen, entweder eine weibliche Person von eben dieser Würde, Lebensart, oder Verhältniß, oder doch die Gattinn einer solchen männlichen Person anzudeuten. Die Kaiserinn, Bürgermeisterinn, Richterinn, Bäckerinn, Baderinn, Hofmeisterinn, Priesterinn, Schreiberinn, Künstlerinn, Dichterinn, Sünderinn, Bettlerinn, eine Funfzigerinn, eine Frau von funfzig Jahren, die Dienerinn, Gevatterinn, Gönnerinn, Wohlthäterinn, Klägerinn, Schuldnerinn, Heuchlerinn, Schmeichlerinn, Sängerinn, Kanzlerinn u. s. f. von Kaiser, Bürgermeister, Richter, Bäcker u. s. f. Einige verändern dabey das vorher gehende a, o und u in ä, ö und ü, wie Bäuerinn, Schwägerinn u. s. f. von Bauer und Schwager. Diejenigen, welche sich auf ein doppeltes er, oder auf erer endigen, werfen des Wohlklanges wegen das eine er vorher weg, wie Gotteslästerinn, Plauderinn, Zauberinn, Märtyrinn, Wanderinn, Wucherinn, Kämmerinn, von Gotteslästerer, Plauderer, Zauberer, Märtyrer, Wanderer, Wucherer, Kämmerer. Indessen werden auch andere Hauptwörter, welche eine Person männlichen Geschlechtes bedeuten, auf diese Art umgebildet, weibliche Personen eben dieser Art zu bezeichnen. Die Dominicanerinn, Franciscanerinn, Lutheranerinn, Katholikinn, Christinn, Pietistinn, Calvinistinn, Papistinn, Philosophinn, Poetinn, Generalinn, Königinn, Fürstinn, Herzoginn, Diebinn, Schmiedinn, Enkelinn, Feindinn, Freundinn, Nachbarinn u. s. f. von Dominicaner, Franciscaner, Lutheraner, Katholik u. s. f. Einige haben auch hier den Umlaut; wie Männinn, (welcher nur in einigen Fällen üblich ist,) Vögtinn, Gräfinn, Närrinn, Köchinn, Räthinn, Göttinn u. s. f. Diejenigen aber, welche ein e euphonicum am Ende haben, werfen solches vorher weg, wie Türkinn, Sachsinn, Schottinn, Pohlinn, Preußinn, Schwedinn, Däninn, Heidinn, Gefährtinn, Gattinn, Genossin, Gespielin u. s. f. Von Türke, Sachse, Schotte, Pohle u. s. f. und mit Veränderung des Selbstlautes, Jüdinn, Schwäbinn, Französinn, Bübinn u. s. f. Nur von Deutscher macht man, weil es eigentlich ein Beywort ist, die Deutsche. Auf eben diese Art lassen sich auch von den Nahmen mancher Thiere Wörter bilden, das weibliche Geschlecht derselben zu bezeichnen. Die Eselinn, die Wölfinn, die Hündinn, die Löwinn, die Tiegerinn, die Bärinn, Elephantinn, Störchinn u. s. f. von Esel, Wolf, Hund, Löwe. Die Jäger, welche am häufigsten in die Nothwendigkeit gerathen, die Thiere nach ihren Geschlechtern zu unterscheiden, bilden auch die Häsinn, die Füchsinn, die Luchsinn, die Dachsinn u. s. f. worin man ihnen ohne Bedenken nachfolgen kann. Bey andern Thieren sind zur Unterscheidung der Geschlechter eigene Nahmen vorhanden, und wo diese nicht zureichen, gebraucht man die Wörter Männchen und Weibchen. Dieß gilt auch von verschiedenen andern männlichen Hauptwörtern, von welchen sich keine weibliche Wörter bilden lassen, theils weil für dieselben eigene Nahmen üblich sind, wie Mutter, Tochter, Frau, Magd, Base, Muhme, Witwe u. s. f. für Vaterinn, Sohninn, Männinn oder Herrinn, Knechtinn, Vetterinn, Oheiminn, Witwerinn u. s. f. theils aber auch, weil diejenigen, welche das männliche Geschlecht bezeichnen, auch zugleich eine ähnliche Person weiblichen Geschlechtes andeuten; wie Gast, Zeuge, Beystand, Freygeist, Teufel, Flegel u. s. f. wohin auch alle Hauptwörter auf -ing und -ling gehören, welche gleichfalls von beyden Geschlechtern gebraucht werden. Einige wenige leiden, ehe sie das inn annehmen, allerley Veränderungen. Von Vormund macht man nicht Vormündinn, sondern Vormünderinn, von Prinz nicht Prinzinn, sondern Prinzessinn, wo das Französische schon weibliche Princesse, so wie bey Baronessinn das Franz. Baronnesse, zum Grunde geleget worden, daher man an vielen Orten auch nur die Prinzesse und Baronesse sagt. Äbtissinn ist aus dem mittlern Lat. Abbatissa, zum Unterschiede von Äbtinn. Kindbetterinn und Wöchnerinn haben kein männliches Geschlecht, und sind nur zur Nachahmung gebildet. Aus Beywörtern lassen sich dergleichen weibliche Wörter nicht bilden. Man sagt nicht richtig, eine Geliebtinn, eine Heiliginn, eine Bekanntinn, eine Verwandtinn, eine Gelehrtinn u. s. f. sondern eine Geliebte, Heilige, Bekannte, Verwandte, Gelehrte. Nur die Gemahlinn eines Gesandten oder Abgesandten pflegt man die Gesandtinn oder Abgesandtinn zu nennen. Wohl aber nehmen es die eigenen Geschlechtsnahmen an, die Gattinn oder Tochter eines Mannes zu bezeichnen, wo zugleich keine Veränderung des vorher gehenden Selbstlautes Statt findet. Jungfer Schwarzinn, Juliana Ochsinn, Frau Wolfinn, Frau Grafinn. Obgleich auch nicht alle dergleichen Geschlechtsnahmen es verstatten, Frau Doctor Baumgarten, Jungfer Berends, man auch ohne Tadel Jungfer Schwarz, Frau Wolf, Frau Graf, sagen kann, und oft wirklich sagt. Im gemeinen Leben gehet dieses -inn häufig in ein -en über; Frau Wolfen, Jungfer Schwarzen. Anm. In der ältern Oberdeutschen Mundart lautet diese Ableitungssylbe beständig inne; thie kuiniginne. Die Hochdeutschen haben das e weggeworfen, das doppelte n aber behalten, welches zugleich um des Plurals willen nothwendig ist, wo das doppelte n deutlich gehöret wird, Königinnen. So wie die Endung -er an den männlichen Hauptwörtern das noch als ein Fürwort übliche er ist, so ist dieses inn unstreitig das im Deutschen veraltete Fürwort in, hin, sie, welches ehedem auch als ein Hauptwort üblich war, ein weibliches Individuum zu bezeichnen. Noch bey den Isländern ist han er, hinn derselbe, und hin sie. Siehe auch Henne. Die Niedersachsen kennen diese Sylbe eigentlich nicht, sondern gebrauchen dafür in den meisten Fällen ihr -sche oder -ske, welches aus sie, Nieders. se, Engl. she, verderbt ist. Die Köksche, Köchsche, die Köchinn, Adamsche, Frau Adam, Berendsche, Frau Berends, Betregerske, Betriegerinn, Amtmannsche, die Amtmänninn u. s. f.


Inne (W3) [Adelung]


Inne, ein Nebenwort des Ortes, welches eigentlich das Vorwort in nach der alten Schreibart ist, da es inne lautete, jetzt aber nur noch in Gestalt eines Nebenwortes, aber auch hier nur in einigen Fällen, welche größten Theils in die Sprache des gemeinen Lebens gehören, üblich ist. Mitten inne, besser in der Mitte. Die zwischen beyden inne stehen, Gottsch. besser, zwischen beyden, oder zwischen beyden in der Mitte. Daß ihr ja von uns keinen Schaden irgend inne nehmet, 2 Kor. 7, 9; wenigstens in einigen Ausgaben, wofür andere haben irgend worinne, besser irgend worin. Am häufigsten gebraucht man es im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart noch mit den Zeitwörtern bleiben, haben, halten, behalten und werden, mit welchen es von einigen unrichtig zusammen gezogen wird, da es ein wahres Nebenwort ist. Mit bleiben. Inne bleiben, zu Hause bleiben, nicht ausgehen. Mit haben. Etwas inne haben, es im Besitze, in seiner Gewalt haben, es inhaben, S. Inhaben. Also wohnte Israel - im Lande Gosen und hattens innen (inne) 1 Mos. 47, 27. Weil da hohe Gebirge innen (inne) hast, Jer. 49, 16. Wir haben das Land innen (inne), Ezech. 11, 15. Als die nichts inne haben, und doch alles haben, 2 Cor. 6, 10. Mit behalten. Etwas inne behalten, es bey sich, in seiner Gewahrsam behalten. Das Vieh inne behalten, im Stalle, es nicht austreiben. Einem den verdienten Lohn inne behalten, ihm denselben nicht geben. Sprichw. 11, 26 stehet dafür das ungewöhnlichere inhalten, S. Inhalt

Anm. Mit halten. 1) Inne halten, in einer Handlung aufhören, aufhören zu thun, wenigstens auf einige Zeit; in der anständigern Sprechart einhalten, ( S. dasselbe,) im gemeinen Leben auch inhalten, welches noch Ps. 83, 2, und Es. 62, 1. vorkommt; S. Inhalt

Anm. Halten sie mit solchen Reden inne, Gell. Mit Singen, oder im Singen inne halten. 2) Sich inne halten, nicht ausgehen, im Hause, in dem Zimmer bleiben. Mit werden. Inne werden, gewahr werden, so wohl mit der vierten, als auch der zweyten Endung der Sache. So er des innena uuird, Willeram. Die uuurde sein niht innen, Stryk. Vuird man dez innan, Schwabensp. Des bin ich wol worden inne, Hesso von Rinach. Er versetzte Berge ehe sie es innen (inne) werden, Hiob 9, 5. Sie wurde mich nicht inne. Bist du es inne geworden, daß ich kam? Hier kannst du inne werden, wie in der Welt sich alles billig fügt, Gell. Im Isländ. ist inna erinnern. Ehedem gebrauchte man es sehr häufig für das Vorwort in auch außer der Zusammensetzung. Da trage ich wol die werden inne tougen, Reinmar der Alte. Besonders für in und ein in den beziehenden Partikeln darin, worin u. s. f. Das lant da Gott vil menschlich inne gie, der Burggraf von Linnz, für darin. Das Grab, da der Mann Gottes inne begraben ist, 1 Kön. 13, 31. Ein Land da Milch und Honig innen fließt, 4 Mos. 13, 23. Das Dunkele, da Gott inne war; 2 Mos. 20, 21. Wo nicht Vernunft innen ist, inne war, 2 Mos. 20, 21. Wo nicht Vernunft innen ist, Sir. 21, 14. Wovon in den Schreibarten darinne, darinnen, hierinne, hierinnen, worinne u. s. f. für darin, hierin, worin, noch ein Überbleibsel ist. S. In

Anm. 4. Jetzt hat man es also als ein Vorwort veralten lassen, und es in den angezeigten Fällen nur noch als ein Nebenwort behalten, da es denn, wenn es ein Vorwort vor sich hat, innen, ohne Vorwort aber inne lautet, ungeachtet man bey de im gemeinen Leben häufig zu verwechseln pfleget. S. das folgende. Im Schwed. lautet diese inne gleichfalls inne, bey dem Ulphilas inn, im Angels. innan, innane, im Isländ. inni.


Innen (W3) [Adelung]


Innen, ein Nebenwort des Ortes, welches für inwendig noch zuweilen gebraucht wird. Innen ist niemand, im Hause; doch nur im gemeinen Leben. Am häufigsten noch mit einigen Vorwörtern. Von innen und außen, inwendig und auswendig. Von innen her, von innen heraus, nach innen zu. Wo das Vorwort von, obgleich auf eine unangenehme Art, auch zuweilen ausgelassen wird. Innen und außen schön seyn. Ein Faß innen verpichen, von innen, inwendig.

Anm. Schon Kero gebraucht innana mit der zweyten Endung für innerhalb; intra, und Ottfried für innerlich, von innen. Im Nieders. ist dafür binnen üblich, und im Schwed. ist innan innerhalb. Es scheinet, daß inne ehedem ein Bey- oder Hauptwort gewesen, welches für das Innere gebraucht worden, da sich denn das n erklären ließe, welches es annimmt, wenn es ein Vorwort der dritten Endung vor sich hat. Es erhellet daraus zugleich, daß es unrichtig ist, wenn man für inne ohne Vorwort innen sagt und schreibt. Im Schwed. ist Inne das Haus. S. das folgende.


Inner (W3) [Adelung]


* Inner, ein Vorwort, welches die dritte Endung erfordert, für in oder innerhalb stehet, aber nur im Oberdeutschen üblich ist. Inner wenig Tagen, in oder innerhalb weniger Tage. Hier inner diesem Stall, Opitz. Wie viel Tage sind verflossen Inner Freud und guter Lust, ebend. Wer seinem Reiche traut, herrscht inner großen Bäuen, ebend. Was gut war inner Schranken wird bös im Überfluß, Dusch. Es gehöret mit zu den verlängerten Gestalten des Vorwortes in, welche im Oberdeutschen ehedem sehr häufig waren, und es zum Theil noch sind. S. In.


Innere (W3) [Adelung]


Innere, das Beywort, welches vermittelst des e von dem vorigen Vorworte gebildet worden, und keinen Comparativ, wohl aber einen Superlativ hat, der, die, das innerste; was inwendig in einem Dinge ist und geschiehet, in dem Inwendigen gegründet ist, im Gegensatze des äußern. Es ist vornehmlich der höhern und anständigen Schreibart eigen, so wie man im gemeinen Leben dafür innerlich gebraucht. Der innere Vorhof des Tempels. Der innere Theil der Stadt. Das Innere des Hauses. Der innere Rath, in den Städten ein Ausschuß weniger Personen aus dem ganzen Rathe, welche die gewöhnlichen Geschäfte der Stadt besorgen, der kleinere, engere Rath; im Gegensatze des äußern oder größern. Innere Merkmahle, welche man einem Dinge selbst ohne Verhältniß gegen andere Dinge hergenommen sind; im Gegensatze der äußern. Das Innere eines Menschen, die Beschaffenheit seines Herzens, seine Empfindungen, Gedanken u. s. f. im Gegensatze seines Äußern. Das Innerste desselben, seine verborgensten, geheimsten Gedanken, Absichten, Empfindungen u. s. f. Sie haben in sein Innerstes hinein geschauet. Einige Gespräche entdecken mir sein Inneres. Dieser Anschlag kommt aus dem Innersten ihres Herzens, Gell. Der innere Zustand eines Menschen. in der Theologie, die Beschaffenheit seines Vorstellungs- und Begehrungsvermögens in Absicht auf Gott; in der mythischen Gottesgelehrsamkeit der innere Mensch. Inneres Leiden, in der Theologie, unangenehme Empfindungen der Verschlimmerung des geistlichen Zustandes; im Gegensatze des äußern Leidens.

Anm. Im Angels. ynner, ynnorst, im Engl. inner. Das r am Ende hat viele verleitet, es für den Comparativ von dem Nebenworte inne zu halten. Allein da dieses r im Superlativ bleibet, so siehet man bald, daß es der Positiv ist, der vermittelst des angehängten e von dem Vorworte inner gemacht worden. Auf eben dieser Art stammen die Beywörter der äußere, hintere, untere, von den Vorwörtern außer, hinter und unter her. In der Adverbial-Form ist es eben so wenig gebräuchlich, als die jetzt genannten Beywörter.


Innerhalb (W3) [Adelung]


Innerhalb, eine Partikel, welche aus dem vorigen Beyworte und dem Hauptworte Halbe zusammen gesetzet ist, in oder an der innern Halbe oder Seite; im Gegensatze des außerhalb. Sie nimmt die zweyte Endung des Hauptwortes zu sich. 1. Eigentlich, von dem Orte. Inrethalp der tuir hat si leider sich verborgen, Reinmar der Alte. Innerhalb der Mauer. Innerhalb der Stadt. Die Wiesen liegen innerhalb der Gränze, des Zaunes. Im Oberdeutschen inner, innert, ennert, innerwärts, im Nieders. binnen. 2. Figürlich, von einer Zeit, für in; und zwar, 1) von derjenigen Zeit, welche zur Hervorbringung einer Sache erfordert wird. Er ist innerhalb zweyer Stunden damit fertig geworden. Innerhalb einer Stunde brannte das ganze Haus ab. In einigen Fällen auch von der Zeitdauer. Die Brunnen werden innerhalb drey Stunden nicht fließen, 4 Esra 6, 24, d. i. drey Stunden lang. In I. 7. 3). 2) Von einer künftigen Zeit, wenn etwas geschehen wird, mit dem Nebenbegriffe ihres Anfanges von jetzt an. Ich muß es innerhalb einer Stunde haben, in Einer Stunde von jetzt an. Innerhalb Monaths Frist, in Einem Monathe von jetzt an. Innerhalb Eines Jahres kann viel geschehen. S. In I. 7. 2). In beyden Fällen der Zeit scheinet es im gemeinen Leben zuweilen die dritte Endung zu haben. Innerhalb drey Tagen, für dreyer Tage. Im Hochdeutschen ist solches ein Fehler, ungeachtet Gottsched, Aichinger und Reichard ihn vertheidigen; daher man in solchen Fällen, wo die zweyte ungewöhnlich klingen sollte, innerhalb fünf Tage, lieber in braucht, in fünf Tagen. Dieses in wird im Hochdeutschen sehr häufig für innerhalb in beyden Bedeutungen der Zeit gebraucht, so wie dafür im Oberdeutschen inner, innere und ennert, und im Niederdeutschen binnen üblich sind. Innert und ennert haben im Oberdeutschen die dritte Endung. Innert dem Rheine, Bluntschli. Innert fünf Jahren; ebend. Woher vermuthlich die fehlerhafte Wortführung des innerhalb bey einigen Hochdeutschen entstanden ist.

Anm. Schon bey dem Kero innerun halp. Inin halb muotis, Notk. in unserm Gemüthe.


Innerlich (W3) [Adelung]


Innerlich, adj. et adv. was inwendig in einem Dinge ist oder geschiehet, in dessen inwendigen Theilen gegründet ist; im gemeinen Leben, wofür in der edlern Schreibart innere üblicher ist. 1) In der weitesten Bedeutung; wo es nur noch in einigen Fällen gebraucht wird. Die Wurzel ist äußerlich grau und innerlich weiß, besser inwendig, von innen. Der innerliche Werth einer Münze, welche sie vermöge ihres Gehaltes hat, im Gegensatze des äußerlichen; besser, der innere Werth. Ein innerlicher Krieg, ein bürgerlicher. Innerliche Unruhen, im Innern eines Landes, Unruhen unter den Einwohnern; besser innere. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, von dem, was im Innern des Menschen, in dessen Gemüthe, Herzen u. s. f. ist oder geschiehet. Einen innerlichen Frost, eine innerliche Hitze haben, in den innern Theilen. Wenn er der Engel innerlich wäre, der er von außen ist. Der innerliche Mensch, 2 Cor. 4, 16, der innere, wiedergeborne Mensch, welcher in andern Stellen der inwendige Mensch heißt. Sich innerlich freuen, heimlich, im Innern. Sich innerlich betrüben, im Innern. Im gemeinen Leben zuweilen auch mit dem Nebenbegriffe eines hohen Innern gegründeten Grades. Jemanden innerlich lieben. Dez pit ich innercleich, Hornegk. Wofür aber in der aufständigen Sprechart innig üblicher ist. Das Schwed. innerlig ist nur in dieser letzten Bedeutung gangbar, daher auch Ihre es nicht von dem Vorworte in, sondern von dem Zeitworte inna, wirken, dauern, ( S. Gewinnen,) ableitet.

Anm. Im Dän. inderlich. Der Comparativ fehlt ganz, so wie man vor der innere, dagegen der Superlativ der innerlichste im gemeinen Leben mehrmahls vorkommt. Die Endung lich, welche sonst eine Ähnlichkeit bedeutet, dienet hier bloß, aus dem Vorworte inner ein Bey- und Nebenwort zu bilden.


Innern (W3) [Adelung]


Innern, S. Erinnern.


Innig (W3) [Adelung]


Innig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur von einem hohen Grade der innern Empfindung gebraucht wird, sie mag sich nun durch äußere Merkmahle an den Tag legen oder nicht. Was mir innigst wohlgefällt, Gryph. Mit jemanden auf das innigste verbunden seyn. Sich innig über etwas freuen, im gemeinen Leben innerlich. Deine Freude ist innig, die meinige aber ist noch inniger. Die du so innig liebtest. Je inniger ihr Gott liebet, desto leichter werdet ihr der Versuchung widerstehen, Cram. Er schien so innig über diese Güte gerührt zu seyn, als über sein Unglück. Ich hatte die innigste Hoffnung, ihn noch zu sehen. Mit inniger Freude sehen sie uns zusammen erwachsen, Dusch. Höre Gott meinen innigen Dank! Ein inniges, sehr andächtiges Gebeth. Daher dieses Wort ehedem auch als ein Titel geistlicher Personen üblicher war. Der werdige und ynnige Propst, in einer Urkunde von 1472. Anm. Bey den ältern Schweden innig, bey den heutigen innerlig. Es scheinet nach dem Muster des Latein. intimus gebildet zu seyn. Daher Ihres Muthmaßung, der es von inna, wirken, arbeiten, dauern, ( S. Gewinnen,) abstammen lässet, ein wenig zu weit hergehohlet ist. Die Bedeutung des innig noch zu erhöhen, setzet man oft Herz davor, herzinnig.


Innigkeit (W3) [Adelung]


Die Innigkeit, plur. inus. die Eigenschaft, da eine Sache innig ist, d. i. mit einem hohen Grade der innern Empfindung verbunden, oder darin gegründet ist. Die Innigkeit des Gebethes, der Liebe, die Freude. Mir diese Freuden mit voller Innigkeit zurück zu rufen, Göthe.


Inniglich (W3) [Adelung]


Inniglich, ein Nebenwort, welches von dem Beyworte innig gebildet worden, und mit demselben, wenn es ein Nebenwort ist, einerley Bedeutung hat. Innichleich, bey dem Stryker. Des wirt noch gelachet innekliche, Walther von der Vogelweide. Inniglich will ich dich preisen, Opitz. Auf Libanon wird inniglich ergötzet Der Cederwald, den deine Hand gesetzet, ebend. Ps. 104. Das schmerzte inniglich. Etwas inniglich zu Herzen nehmen. Herzinniglich, sehr innig, von ganze, Herzen. Ungeachtet man die meisten solcher mit lich ohne Noth verlängerten Nebenwörter im Hochdeutschen veralten lassen, so kommt doch dieses als ein Nebenwort noch mehrmahls vor. Im Oberdeutschen ist es auch als ein Beywort nicht selten. Ein inniglicher Freund. Eine innigliche Liebe.


Innung (W3) [Adelung]


Die Innung, plur. die -en, eine durch obrigkeitliche Gewalt bestätigte Gesellschaft eines Gewerbes, und die zu einem Gewerbe Einer Art mit einander verbundenen Personen an einem Orte. In eine Innung treten. Die Kramerinnung. Die Innung der Schuster, Schneider, Tischler u. s. f. Vor die Innung gefordert werden, vor die versammelten Glieder einer solchen Gesellschaft. An andern Orten heißt eine solche Innung eine Zunft, eine Brüderschaft, eine Gilde, ein Gewerk, eine Zeche, in Niedersachsen eine Ame, eine Beliebung u. s. f. S. auch Zunft. Es ist von dem alten Zeitworte innen, welches ehedem für einen, einigen, vereinigen gebraucht wurde; daher man für Innung auch Einung, Einigung findet.


Innungsbrief (W3) [Adelung]


Der Innungsbrief, des -es, plur. die -e, eine jede Urkunde, welche eine Innung, deren Freyheiten und Gesetze betrifft.


Innungspfennig (W3) [Adelung]


Der Innungspfennig, des -es, plur. die -e, bey einigen Handwerkern, ein gewisses Geld, welches sie zu bestimmten Zeiten zu den Bedürfnissen ihrer Innung geben; das Innungsgeld.


Ins (W3) [Adelung]


Ins, das mit dem Artikel das zusammen gezogene Vorwort in, S. In.


Insaß (W3) [Adelung]


Der Insaß, des -ssen, plur. die -ssen, an einigen Orten, ein Einwohner; im Gegensatze eines Fremden oder Ausländers. In engerer Bedeutung, ein ansässiger Einwohner. S. Saß.


Insbesondere (W3) [Adelung]


Insbesondere, besser ins besondere, von dem Beyworte besonder, auf eine vorzügliche Art, vornehmlich. Die Schrift gebeut, die Wohlthäter insbesondere zu lieben, Gell. Das gilt ins besondere von uns. S. Besonders 2. und Insonderheit.


Inschlitt (W3) [Adelung]


Das Inschlitt, des -es, plur. inus. ein vorzüglich im Oberdeutschen übliches Wort, den Talg zu bezeichnen, wo es im gemeinen Leben auch Inselt lautet. S. Unschlitt.


Inschrift (W3) [Adelung]


Die Inschrift, plur. die -en, in der Bedeutung, eine Schrift in dem mittlern Raume eines Dinges; nach dem Latein. eine Inscription einer Münze, in dem mittlern Raume derselben; zum Unterschiede von einer Beyschrift, Aufschrift und Überschrift, welche man in weiterer Bedeutung wohl auch Inschriften zu nennen pflegt. S. diese Wörter.


Insect (W3) [Adelung]


Das Insect, des -es, plur. die -en, aus dem Latein. Insectum, ein Thier, welches zur Classe derjenigen gehöret, welche nur Eine Herzkammer, ein kaltes weißes Blut, Fühlhörner und Füße haben; zum Unterschiede von den vierfüßigen Thieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Würmern oder Gewürmen. Die meisten Insecten sind im gemeinen Leben unter dem Nahmen des Ungeziefers bekannt. Sie haben den Nahmen von insecare, entweder wegen ihres Zangenbisses, oder auch, wie schon Plinius glaubte, wegen der an ihren Körpern befindlichen Einschnitte.


Insgeheim (W3) [Adelung]


Insgeheim, S. Geheim.


Insgemein (W3) [Adelung]


Insgemein, ein Nebenwort, von dem Bey- und Nebenworte gemein, der gemeinen Gewohnheit, dem gemeinen Laufe der Dinge nach, gemeiniglich. Wer sich nur auf eine einzige Wissenschaft einschränkt, der verachtet insgemein alle andere. Wie es insgemein gehet. Im Oberdeutschen wird in gemein auch für insgesammt gebraucht. Er übergab sie in gemein Der fremden Heidenschaft auf Erden, Opitz. Dasselbe (Land Canaan) soll auch in gemein Des Erbes Loos und Schnure seyn, ebend. Welches aber im Hochdeutschen eben so fremd ist, als wenn es in einigen Gegenden für einstimmig, von alen insgesammt, gebraucht wird, es ist insgemein beschlossen worden, von der ganzen Versammlung; ingleichen für überhaupt, wie Macc. 9, 26. S. Insonderheit.


Insgesammt (W3) [Adelung]


Insgesammt, ein Nebenwort, von in und gesammt, für alle zusammen genommen. Der Menschenfreund stehet die Menschen insgesammt als Glieder der großen Familie Gottes an Gell. Die Geschöpfe sind insgesammt eigenthümliche Güter Gottes. Wir alle insgesammt freuen uns darüber, nicht Einen ausgenommen.


Insiegel (W3) [Adelung]


Das Insiegel, des -s, plur. ut nom. sing. ein ein- oder aufgedrucktes Siegel, und das Werkzeug, womit solches aufgedruckt wird, das Petschaft; ein altes ehedem sehr übliches Wort, welches nur noch hin und wieder in den Kanzelleyen vorkommt, da im Hochdeutschen in der ersten Bedeutung das einfache Siegel und in der zweyten Petschaft gebraucht werden. Die Jäger pflegen auch die weiche Erde, welche der Hirsch mit den Schalen auffasset, und im Fortschreiten wieder fallen lässet; das Insiegel zu nennen.

Anm. Schon bey dem Willeram Insigile, im Schwabensp. Insigel, im Angels. Insaegl, im Nieders. Ingesegel, im Wallis. Insel. im Dän. Insegel, im Schwed. Insegel. S. Siegel.


Insofern (W3) [Adelung]


Insofern, S. Fern.


Insonderheit (W3) [Adelung]


Insonderheit, ein Bindewort. 1) Von mehrern Dingen ausgesondert, vorzüglich, ins besondere; im Gegensatze des überhaupt. Um aller Wohlthat willen, so ich alen ingemein und insonderheit einem jeglichen erzeiget habe, 2 Marc. 9, 26. Ohne Gleichnisse redete er nichts zu ihnen, aber insonderheit legte ers seinen Jüngern aus, Marc. 4, 34. 2) Besonders, unter andern. Er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach insonderheit u. s. f. Luc. 10, 23.

Anm. Im Hochdeutschen auch besonders, ins besondere, im Oberd. insonder, sonderheitlich, in Nieders. sundergen, besunderigen, insunderge. Es ist aus in und dem veralteten Hauptworte Sonderheit zusammen gesetzet, wovon noch in dem Niedersächs. Sunderlikheit, das Sonderbare, etwas ähnliches vorhanden ist.


Insonders (W3) [Adelung]


Insonders, S. Besonders.


Inständig (W3) [Adelung]


Inständig, -er, -ste, adj. et adv. anhaltend, auf eine anhaltende Art, mit fortgesetzter Bemühung ungeachtet des Widerstandes; wo es doch nur von dem Bitten und dessen Arten gebraucht wird. Inständig bitten. Eine inständige Bitte. Auf das inständigste um etwas anhalten. Der Comparativ ist nur in der Adverbial-Form üblich, der Superlat. aber auch als ein Beywort.

Anm. Schon bey dem Kero ist anastantantlihostin kepet ein inständiges, anhaltendes Gebeth. Im Dän. lautet dieses Wort inständig, im Schwed. instaendikt. Es ist nach dem Muster des Lat. instanter und Instantia gebildet. Bey dem Ottfried kommt auch noch das Zeitwort insluan, einstehen, für wünschen, verlangen, vor.


Instanz (W3) [Adelung]


Die Instanz, plur. die -en, oder -ien, aus dem mittlern Lat. Instantia, S. Gerichtsstand.


Inste (W3) [Adelung]


* Der Inste, des -n, plur. die -n, in dem Herzogthume Schleswig, ein Häusler auf dem Lande, der bey andern zur Miethe wohnet, in Pommern ein Instmann, an andern Orten ein Inmann, Inlieger. Vermuthlich von dem Engl. Inn, Schwed. Inne, ein Haus. S. Inmann und Häusler.


Instehen (W3) [Adelung]


Instehen, verb. irreg. neutr. ( S. Stehen,) bevor stehen, der Zeit nach; von welchem nur das Mittelwort instehend üblich ist. Der 9te des instehenden Monaths, des nächst künftigen, bevor stehenden. Nach den instehenden Feyertagen. Nach dem Latein. instare. Nieders. anstaan.


Inster (W3) [Adelung]


Das Inster, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten Ober- und Niedersachsens, das Gekröse von Kälbern, und an andern, auch das ganze Eingeweide eines jeden Schlachtthieres, wozu bey den Fleischern auch der Kopf und die Füße gerechnet werden. Von dem Vorworte in, wovon bey dem Schilter auch Instengräber einen Künstler bedeutet, welcher einwärts gräbet, Franz. Graveur; welches Wort verdienet hätte beybehalten zu werden, weil man kein anderes hat, diesen Begriff auszudrucken. Übrigens kommt Inster mit dem Lat. Intestina überein.


Instinct (W3) [Adelung]


Der Instinct, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Instinctus, ein natürlicher Trieb, Einschränkung der wirkenden Kraft eines lebenden Geschöpfes auf gewisse Verrichtungen von einerley Art; der Trieb. Besonders so fern sie ohne deutliche Erkenntniß erweckt wird und sich äußert; der Naturtrieb, und wenn er sich bey Thieren in künstlichen Wirkungen an den Tag legt, der Kunsttrieb.


Instrument (W3) [Adelung]


Das Instrument, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Instrumentum. 1) Ein Werkzeug, S. dieses Wort, ingleichen Gezeug. Mathematische, chirurgische Instrumente. 2) Ein musikalisches Werkzeug. Daher die Instrumental-Musik, die Musik vermittelst solcher Werkzeuge; im Gegensatze der Vocal-Musik oder des Singens. Die Instrumental-Fuge, eine Fuge, welche mit Instrumenten gemacht wird; im Gegensatze einer Singefuge. In engerer Bedeutung ist an einigen Orten der Flü- gel unter dem Nahmen des Instrumentes bekannt. 3) Eine Urkunde, so fern sie zum Beweise einer Handlung dienet; ein Document.


Instrument-Macher (W3) [Adelung]


Der Instrument-Macher, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Künstler, welcher mathematische oder chirurgische Instrumente verfertiget. 2) Ein Künstler, welcher musikalische Instrumente verfertiget, deren es nach der Verschiedenheit dieser wieder verschiedene Arten gibt.


Insulaner (W3) [Adelung]


Der Insulaner, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Lat. Insulanus, der Einwohner oder Bewohner einer Insel, Fämin. die Insulanerinn.


Insurgent (W3) [Adelung]


Der Insurgent, des -en, plur. die -en, aus dem Latein. Insurgens, ein besonders in Ungarn übliches Wort, wo Insurgenten diejenige Mibiz bezeichnet, welche durch das Aufgeboth, oder durch den Heerbann zur Vertheidigung des Landes zusammen gebracht werden.


Interdict (W3) [Adelung]


Das Interdict, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Latein. Interdictum, in der Römischen Kirche, das Verboth des öffentlichen Gottesdienstes, so fern es von einem geistlichen Richter als eine Strafe erlassen wird, da es denn eine geringere Art des Kirchenbaumes ist. Eine Stadt, einen Ort mit dem Interdicte belegen.


Interessant (W3) [Adelung]


Interessant, -er, -este, adj. et adv. aus dem Französischen Interessant. 1) Eine merkliche Beziehung auf uns oder andere habend. Ein interessantes Gemählde, welches den Anschauer rühret. Eine interessante Geschichte. Der Kummer hat das Vorzügliche, daß er das Vergnügen interessanter macht. Man hat allerley Wörter in Vorschlag gebracht, dieses ausländische Wort entbehrlich zu machen. Dergleichen sind anziehend und anzüglich, welches letztere aber eine unangenehme Zweydeutigkeit hat, angelegentlich, von welchem eben das gilt, andringend, reitzend, einnehmend u. s. f. welche zwar in einzelnen Fällen gute Dienste leisten, aber doch den Begriff nicht in allen Fällen erschöpfen. Indessen ist es noch die Frage, ob es den eben nothwendig ist, alle Wörter einer Sprache mit allen ihren kleinen Nebenbegriffen in der andern auszudrücken, gesetzt auch, daß es möglich wäre. 2) In weiterer Bedeutung, wichtig, so wohl einen vorzüglichen innern Werth, als auch viele Folgen habend. Ein interessantes Gemählde, ein vortreffliches, kostbares. Eine interessante Begebenheit, welche viele Folgen haben kann. Hier wird nicht leicht ein Fall vorkommen, wo nicht das Deutsche wichtig den ausländischen Ausdruck erschöpfen sollte.


Interesse (W3) [Adelung]


Das Interesse, plur. inus. aus dem mittlern Lat. Interesse und Franz. Interet. 1) Der Vortheil, der Nutzen, im gemeinen Leben. Mein Interesse erfordert es, mein Nutzen. Auf kein Interesse bedacht seyn, auf seinen Nutzen. 2) In den schönen Künsten, dasjenige, worauf sich alle Theile eines Ganzen beziehen, zu dessen Hervorbringung sie alle wirken, oder wirken sollen,. Ich will das, wozu alle Theile gemeinschaftlich beytragen, das Interesse nennen. Die Einheit des Ganzen wird also vollkommen seyn, wenn jeder Theil so viel als möglich zum gemeinschaftlichen Interesse hilft, Sulz. Das große Interesse des Menschen liegt darin, daß er der Stimme der Natur gehorsam werde, ebend.


Interessen (W3) [Adelung]


Die Interessen, sing. inus. der Plural des vorigen Hauptwortes, in welche, es im gemeinen Leben häufig gebraucht wird, die Zinsen eines Capitales, den Gewinn oder Überschuß auf ausgeliehenes bares Geld zu bezeichnen; die Zinsen, im Schwabenspiegel thaz Gesuch, im Oberdeutschen auch der Übernutzen, im Niedersächsischen Ingeld, im Bergbaue der Umschlag. Geld auf Interessen austhun. Die Interessen bezahlen.


Interessiren (W3) [Adelung]


Interessiren, verb. reg. act. welches aus de Französischen interesser nur im gemeinen Leben üblich ist, jemandes Nutzen oder Vortheil betreffen, ingleichen auf dessen Empfindungen wirken. Das interessirt mich nicht, gehet mich nichts an, rühret mich nicht, daran ist mir nichts gelegen. Bey einer Sache interessirt seyn, Theil daran haben. In engerer Bedeutung ist interessirt in einem hohen Grade auf seinen Nutzen bedacht, eigennützig. Ein interessirter Mann. Ein interessirtes Betragen.


Interlocut (W3) [Adelung]


Das Interlocut, des -es, plur. die -e, in den Rechten, S. Zwischenspruch.


Intermezzo (W3) [Adelung]


Das Intermezzo, plur. ut nom. sing. S. Zwischenspiel.


Intervall (W3) [Adelung]


Das Intervall, des -es, plur. die -en, aus dem Latein. Intervallum, in der Musik, der Abstand oder die Entfernung eines höhern Tones von einem niedrigern.


Intoniren (W3) [Adelung]


Intoniren, verb. reg. act. aus dem Mittlern Lat. intonare. 1) Anstimmen, im gemeinen Leben. 2) In engerer Bedeutung bey den Orgelbauern, den Orgelpfeifen eine Gleichheit in der Stärke des Tones geben; im Gegensatze des Stimmens und Mensurirens.


Invalide (W3) [Adelung]


Der Invalide, des -n, plur. die -n, aus dem Latein. Invalidus, ein im Kriege gelähmter Soldat, welcher zu fernern Kriegsdiensten untüchtig ist. Daher das Invaliden-Haus, ein Haus, worin dergleichen Opfer des Nachruhmes verpfleget werden.


Inventarium (W3) [Adelung]


Das Inventarium, des -rii, plur. die -ria, das mittlere Lat. Inventarium. 1) Bewegliche Dinge, welche zu einem Grundstücke gehören, bey demselben verbleiben, mit dem Besitzer nicht verändert werden; besonders in der Landwirthschaft, wo die auf solche Art zu einem Gute gehörigen sämmtlichen Geräthschaften, Stücke Vieh, Getreide u. s. f. das Inventarium, und an einigen Orten mit einem guten Deutschen Ausdrucke die Hofwehre, die Hofgewehre, genannt werden. 2) Ein Verzeichniß solcher zu einem Inventario gehörigen Stücke, und in weiterer Bedeutung ein jedes Verzeichniß gewisser einzelner Dinge Einer Art; im Oberd. das Finderegister, und wenn es ein Buch ist, das Findebuch. Daher inventiren, ein solches Verzeichniß machen.


Investiren (W3) [Adelung]


Investiren, verb. reg. act. aus dem mittlern Lat. investire, feyerlich in ein Amt einsetzen, ( S. Bekleiden,) Daher die Investitur, die feyerliche Einsetzung in ein Amt, besonders in ein geistliches Amt, in der evangelischen Kirche; die Einsetzung, ehedem der Einsatz, die Einführung.


Inwärts (W3) [Adelung]


Inwärts, adv. nach innen zu, besser einwärts. S. dasselbe.


Inwendig (W3) [Adelung]


Inwendig, adj. et adv. Superl. inwendigste, nach innen zu gewandt, im Innern befindlich. 1) Eigentlich, von dem Innern dem körperlichen Raume nach, oder von dem Innern eines Körpers; im Gegensatze des auswendig. Auswendig stehet das Haus schlecht aus, aber inwendig ist es desto schöner. Inwendig hohl seyn. Eine inwendige Hitze haben, einen inwendigen Frost empfinden, höret man im gemeinen Leben wohl zuweilen auch, allein es sind doch dafür innerlich und inner üblicher. Als ein Vorwort, mit der zweyten und dritten Endung, inwendig deinen Mauren, Ps. 122, 7, inwendig des Vorhanges, 2 Mos. 26, 33, hinter dem Vorhange, innerhalb des Vorhanges, ist es im Hochdeutschen völlig unbekannt. 2) In weiterer Bedeutung, von unkörperlichen Dingen. Ihr Inwendiges ist Herzeleid, Ps. 5, 10, ihr Vorstellungs- und Begehrungsvermögen. Der Neidische ist inwendig wie ein Gespenst, Sprichw. 23, 7, in seinem Herzen. Inwendig sind sie reißende Wölfe, Matth. 7, 15. Der inwendige Mensch, Röm. 7. 22. In welcher weitern Bedeutung es in der anständigen Schreibart gleichfalls veraltet ist, und gern mit innere, im innern vertauscht wird.

Anm. Im Nieders. inwendig und binnen, im Dän. indvendig, bey den Schwäbischen Dichtern enbinne, bey dem Notker innuert. In dem alten Lege Ludovici Lotharii von 840 kommt innenevuendium für innerhalb, dem Orte nach, vor.


Inwohner (W3) [Adelung]


Der Inwohner, S. Einwohner und Inmann.


Inzicht (W3) [Adelung]


Die Inzicht, oder Inzucht, plur. die -en, ein noch in einigen Oberdeutschen Gegenden für Beschuldigung, Bezüchtigung, und in engerer Bedeutung für Injurie übliches Wort. Daher das Inzichtgericht an einigen Orten ein solches Gericht in Injurien-Sachen ist. Zu Nürnberg und an andern Orten hingegen ist das Inzichtgericht ein peinliches Gericht, wo der Beklagte seine Vertheidigung selbst führen kann, und welches auch das Purgations-Gericht genannt wird. Im Nieders. ist Intucht dasjenige, was durch Zeugnisse bewiesen werden soll. Siehe Zeichen.


Inzwischen (W3) [Adelung]


Inzwischen, ein Neben- und Bindewort, welches im gemeinen Leben in allen Fällen für indessen gebraucht, in der anständigen Schreibart aber gern vermieden wird. S. Indessen. Bey dem Notker underzuuiscen, im gemeinen Leben entzwischen, im Nieders. undertusken.


Iper (W3) [Adelung]


Die Iper, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Ulme, besonders der schmalblätterigen Ulme oder Ilme; Ulmus minor Mill. Im Franz. heißt die Ulme Ypreau.


Ips (W3) [Adelung]


Der Ips, im Oberdeutschen, S. Gyps.


Irden (W3) [Adelung]


Irden, adj. et adv. von dem Hauptworte Erde, aus Erde bestehend, wo es doch noch in engerer Bedeutung gebraucht wird, für aus Thonerde von dem Töpfer gebrannt. Irdene Gefäße. Ein irdener Topf. Irdenes Geschirr. Irdene Tobakspeisen. In andern Fällen muß man sich einer Umschreibung bedienen; ein Wall von Erde, oder ein Erdwall; eine Wand von Erde u. s. f. S. Erden und das folgende.


Irdisch (W3) [Adelung]


Irdisch, -er, -te, adj. et adv. gleichfalls von dem Hauptworte Erde, vermittelst der Ableitungssylbe isch. 1) * Aus Erde bereitet, von der Erde hergenommen; eine veraltete Bedeutung, welche nur noch in einigen biblischen R. A. üblich ist. Wir haben solchen Schatz in irdischen Gefäßen, 2 Cor. 4, 7. In einem großen Hause sind auch hölzerne und irdische Gefäße, 2 Thimoth. 2, 20. Das irdische Haus dieser Hütte, 2 Cor. 5, 1. Die irdische Hütte drücket den zerstreuten Sinn, Weish, 9, 15. Wenn sie solche lose Bilder aus irdischem Thon machen, Kap. 15, 13. Figürlich noch zuweilen für die Sinne fallend. Ein grober, irdischer Körper, im Gegensatze eines feinern, mehr geistigen Körpers. 1 Cor. 15, 40. 2) Zur Oberfläche der Erde gehörig, doch nur in Zusammensetzung überirdisch und unterirdisch. 3) Zu unserer Erdkugel gehörig, auf derselben befindlich, in derselben gegründet, und in weiterer Bedeutung, zur äußern Glückseligkeit, zu den Angelegenheiten des gegenwärtigen Lebens auf der Erde gehörig, gleichfalls nur in der Sprache der Gottesgelehrten, nach dem Vorgange der Deutschen Bibel; zeitlich, weltlich, im Gegensatze dessen was geistlich, himmlisch und ewig ist. Das ist nicht die Weisheit, die von oben herab kommt, sondern irdisch, menschlich, teuflisch, Jac. 3, 15. Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Joh. 3, 12. So auch 2 Cor. 15, 47 - 49. Irdisch gesinnet seyn, Phil. 3, 19, die zeitliche Wohlfahrt der künftigen himmlischen vorziehen.

Anm. In der letzten Bedeutung bey dem Kero erdlihh, bey dem Notker erdin und irdish, bey dem Ottfried irdisg, bey dem Willeram irdisk, in dem alten Fragmente auf Carln den Großen erthesch, bey dem Logau erdisch, im Dän. jordisk.


-iren (W3) [Adelung]


-iren, eine Endsylbe vieler, besonders aus fremden Sprachen entlehnten Zeitwörter, welche noch dem Muster der Latein. Zeitwörter auf are, ere und ire gebildet ist, und vermöge welcher man fast allen Lateinischen und Französischen Zeitwörtern ein Deutsches Ansehen geben kann, und im gemeinen Leben wirklich gibt. Dergleichen sind studiren, formiren, rebelliren, barbiren, tapeziren, spaziren, marschiren, colligiren, amüsiren, complimentiren, parliren, protestiren, flattiren, prozessiren und tausend andere mehr, welche theils als Kunstwörter in verschiedenen Künsten und Wissenschaften einmahl eingeführet worden, theils aus Unwissenheit der gleichbedeutenden Deutschen Wörter, oder aus kindischer Ziererey im gemeinen Leben von vielen bis zum Ekel gebraucht werden. Einige Zeitwörter, welche vor dem iren noch ein i haben, werden gemeiniglich zur Ungebühr um dasselbe gebracht. Injuriren, vicariren, variren, pronunciren u. s. f. sollten billig injuriiren, vicariiren, variiren, pronunciiren heißen. Nur copiren ist für copiiren beynahe schon allgemein geworden. Nach dem Notker dieser aus fremden Sprachen entlehnten Zeitwörter, hat man auch verschiedenen vollkommen Deutschen Wörtern diese Endung angehänget, um daraus Zeitwörter zu bilden, welche dadurch ein ausländisches Ansehen haben. Z. B. sich erlustiren, halbiren, haseliren, gastiren, stolziren, herbergiren, hausiren, hofiren, schattiren, hantiren, schändiren, (in der niedrigen Sprechart für schmähen, in Baiern maulbiren,) haftiren, inhaftiren, buchstabiren, pitschiren, spintisiren u. a. m. Es ist nicht ausgemacht, was zu dieser, beim Anscheine nach seltsamen Bildung, Anlaß gegeben haben könne. Entstanden diese Wörter etwa zu den Zeiten des ehemahligen üblen Geschmackes, die anständige und zierliche Schreibart mit Brocken aus allen Sprachen anzufüllen, weil man etwa glaubte, ein neues Wort könne unmöglich sein Glück machen; wenn es nicht ein fremdes Ansehen habe? Oder fällt der Ursprung dieser wörter in diejenige Zeit, da das barbarische Latein noch die gesellschaftliche Sprache der Geistlichen und Gelehrten war, welche Deutschen Wörtern die Lateinische Endung are anhingen und daraus Lateinische Zeitwörter machten, welche mit dieser Larve nachmahls wieder in das Deutsche übergegangen sind? Alle Zeitwörter auf iren, sie seyen nun wirklich fremde, oder der ersten Hälfte nach Deutsch, werden in den zusammen gesetzten Zeiten ohne Augment abgewandelt. Complimentirt, protestirt, haselirt u. s. f. nicht gecomplimentirt, geprotestirt, gehaselirt; ungeachtet solches in der Sprache des großen Haufens nichts seltenes ist. Das i ist in dieser Endung gedehnt, daher gefragt wird, ob man diese Endung nicht billig ieren schreiben müsse? Die meisten sind für das i; allein das ie hat doch überwiegende Gründe für sich. Es ist das Zeichen eines gedehnten i, und wird im Deutschen fast in allen Fällen gebraucht, wo das i gedehnt ist. selbst ausländische Wörter, welche in der Ursprache kein ie haben, werden im Deutschen in diesem Falle mit ie geschrieben; Klystier, Turnier u. a. m. Durch die Endung iren wollte man fremden Zeitwörtern ein einheimisches Ansehen geben, es ist also billig, daß man es ihnen ganz gebe, und sie, wo es seyn kann, auch in der Schreibart den Regeln der Deutschen Sprache unterwerfe. Es scheinet, daß man schon vor Alters von dieser Nothwendigkeit überzeuget worden, indem einige alte Wörter dieser Art, z. B. regieren, spazieren, fast von je her mit einem ie geschrieben worden. Warum sollen denn andere hier eine Ausnahme machen? Hierzu kommt noch, daß manche Zeitwörter dieser Art von Hauptwörtern herkommen, in welchen das ie nothwendig ist; z. B. quartieren von Quartier, Franz. Quartier, petschieren von Petschier, turnieren von Turnier, revieren, bey den Jägern, von Revier, rappieren von Rappier, visieren von Visier u. s. f. Soll man diese etwa auch ohne e schreiben, oder soll man gar Quartir, Petschir, Rappir u. s. f. schreiben, und dadurch einen Unkundigen verleiten, Quartirr, Petschirr zu sprechen?


Irgend (W3) [Adelung]


Irgend, ein Nebenwort, welches auf doppelte Art gebraucht wird. I. So, daß es zunächst zum Zeitworte gehöret, da es denn einen unbestimmten Umstand des Ortes, der Zeit und der Sache bezeichnet. 1. Des Ortes, an einem gewissen, aber unbekannten Orte. Wenn irgend guter Wein wächset, so wächset er in Italien. Er muß doch irgend seyn. Am häufigsten mit dem Nebenworte wo, irgend wo, welches von einigen ohne Noth zusammen gezogen irgendwo geschrieben wird. Er muß doch irgend wo seyn. Wenn irgend wo guter Wein u. s. f. Er wird irgend wohin gegangen seyn. Obgleich ein Geist keinen Ort einnimmt, so befindet er sich doch nothwendig irgend wo. Ich erinnere mich, ihn schon irgend wo gesehen zu haben. Der Gegensatz ist nirgend. 2. Der Zeit. 1) Eigentlich. (a) Zu einer ungewissen oder unbekannten Zeit, etwa, jemahls. Wenn Star irgend den guten Einfall bekommen sollte, und u. s. f. (b) Zuweilen, dann und wann; eine im Hochdeutschen wenig mehr gebräuchliche Bedeutung. Es ist kein Mensch, der nicht irgend fehlen sollte. 2) Figürlich. (a) Für vielleicht, etwa. Irgend kommt es noch. Wenn es irgend nöthig seyn sollte. Besonders in Fragen. Ist irgend jemand von ihnen hier? Ist es irgend verloren? Hast du irgend etwas Böses begangen? (b) Ungefähr; am häufigsten im gemeinen Leben. Er ist irgend vor einer halben Stunde hier gewesen. Es sind ihrer irgend zwey. II. Vor Für- oder Nennwörtern dehnet es ihre Bedeutung auf das weiteste aus, und bedeutet alsdann, es sey wer es wolle, was es wolle, oder wie es wolle. Du sollt dir kein Bildniß noch irgend ein Gleichniß machen, 2 Mos. 20, 4. Wenn jemand seinem Nächsten einen Esel oder Ochsen oder Schaf oder irgend ein Vieh zu behalten thut, Kap. 22, 10. Wenn eine Seele sündigen würde aus Versehen, an irgend einem Gebot des Herrn, 3 Mos. 4, 2. Und wer dieses Tages irgend eine Arbeit thut, Kap. 23, 30. Sehet, ob irgend ein Schmerzen sey wie mein Schmerzen, Klagl. 1, 12. Caius konnte es nicht über das Herz bringen, irgend jemanden etwas abzuschlagen. Wo ist eine Privat-Thorheit, die nur in dem Bezirke unsrer selbst bliebe und nicht auf irgend eine Weise sich der Gesellschaft mittheilte? Gell. Ich will mit ihr reden und sehen, ob ihr Herz nicht durch irgend eine Lücke auszuspähen ist, Wiel. Man flattert von einem Gegenstande zum andern, ohne sich auf irgend einen heften zu können. Wenn du sonst irgend etwas davon erfährest. Anm. Diese Partikel lautet bey dem Ottfried uuergin, bey dem Willeram iergen, im Theuerdanke ynndert, wo auch für nirgend, nindert vorkommt. Die erste Hälfte dieses Wortes scheinet wohl das je zu seyn; nur die letzte ist noch ungewiß, denn Frischens Meinung, der das veraltete Werb, ein Mahl, von der Zeit gebraucht, dafür hält, ist zu sehr gewagt. Das d ist bloß des Wohlklanges wegen angehänget, wie solches auch bey jemand, niemand geschehen. In dem uuergin des Ottfried scheinet das wo voran gesetzet, und in das bloße w übergegangen zu seyn. Die Niedersachsen sagen für irgend wo eenerwegen, einer Wege; sollte irgend etwa auch aus einer Gegend zusammen gezogen seyn? Das s welches einige noch anhängen, irgends, ist unnöthig, ob es gleich in andern Fällen das Merkmahl eines Nebenwortes ist. S. auch Nirgend.


Irre (W3) [Adelung]


Irre, -r, -ste, adj. et adv. von dem Zeitworte irren, wo es nur noch im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, und auch hier am häufigsten als ein Nebenwort gebraucht wird. 1. * Ohne bestimmte Absicht, ohne Kenntniß der Gegend sich hin und her bewegend; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Wenn die jungen Raben irre fliegen, wenn sie nicht zu essen haben, Hiob 38, 41; wenn sie ohne Nahrung herum irren, Michael. 2. Ohne Kenntniß des Weges hin und her gehend; nur noch zuweilen. Irre gehen. 3. Von dem rechten Wege abweichend, irrend. 1) Eigentlich, als ein Nebenwort. Irre gehen, reiten, fahren, im Gehen, Reiten, Fahren, des rechten Weges verfehlen. Jüngst ging ich irr, (irre) Cron. Irre seyn. Wir waren irr, (irre,) wir liefen hin und her, Opitz. Jemanden irre machen, kommt in dieser Bedeutung nur selten vor. Er macht sie irre auf einen Umweg, da kein Weg ist, - und macht sie irre, wie die Trunkenen, Hiob 12, 24. f. und läßt sie in unwegsamen Wüsten irren - und er läßt sie irren wie Trunkene, Michael. 2) Figürlich. (a) Unrichtige Empfindungen, unrichtige Vorstellungen habend, am häufigsten als ein Nebenwort. Etliche von uns haben euch mit Lehren irre gemacht, und eure Seelen zerrüttet, Apostelg. 15, 24. Wer euch aber irre macht, der wird sein Urtheil tragen, Gal. 5, 10. Zuweilen, obgleich selten, als ein Beywort. Und eure Weisheit macht, den irren Geist noch irrer, Less. (b) Den Zusammenhang verlierend; nur als ein Nebenwort. In einer Rede irre werden. Jemanden irre machen. Ingleichen gehindert. Mache mich nicht irre. Er läßt sich darin durch nichts irre machen. (c) Unschlüssig; nur als ein Nebenwort. Irre werden. Jemanden irre machen. Die Gemeine war irre, und das mehrere Theil wußte nicht, warum sie zusammen kommen waren, Apostelg. 19, 32. Ingleichen verwirret. Diese Menschen machen unsere Stadt irre, Apostelg. 16, 20. Wie auch, Zweifel habend, Anstoß nehmend. Irre werden. Irre machen. An den ungewöhnlichen Führungen Gottes irre werden. Denn ich bin irre an euch, Gal. 4, 20. (d) * Bestürzt; eine veraltete Bedeutung, in welcher es auch nur als ein Nebenwort üblich war, bey dem Ottfried girrot, geirret. Da das Kriegsvolk hörte, daß Holoferni der Kopf ab war, erschracken sie und wurden irre, Judith 15, 1. Sie entsatzten sich alle und wurden irre, Apostelg. 2, 12. (c) Des Verstandes beraubt, in der höflichen Sprechart des gemeinen Lebens. Irre im Kopfe seyn. Irre reden, fantasiren. Ein irrer Mensch, der aberwitzig, wahnsinnig ist. Daher das Tollhaus an einigen Orten das Irrenhaus genannt wird.

Anm. Bey dem Notker und Ottfried schon irri. Es scheinet, daß man es bloß um des unangenehmen Zusammenstoßes so vieler r in der Gestalt eines Beywortes veralten lassen. Das e euphonicum am Ende ist in der gelindern Hochdeutschen Mundart unentbehrlich, obgleich die härtere Oberdeutsche es verschmähet. S. Irren.


Irre (W3) [Adelung]


Die Irre, plur. die -n. 1) Der Zustand da man irre ist, in den eigentlichen Bedeutungen dieses Wortes; ohne Plural, und nur in der R. A. in der Irre gehen, ohne bestimmte Absicht, ohne Kenntniß des Weges herum gehen; ingleichen von dem rechten Wege abgewichen seyn. Wir gingen alle in der Irre, wie Schafe, Es. 53, 6. 2) Eine Gegend, wo man irret, wo man leicht irre gehen kann, in der höhern Schreibart. Wie ein Wild in der Irre, Hos. 8, 9. Er verließ die labyrinthischen Irren, Klopst.


Irregulär (W3) [Adelung]


Irregulär, er, -este, adj. et adv. aus dem Latein. irregularis, im Gegensatze dessen was regulär ist. 1) Ungleich, den Theilen nach. Eine irreguläre Figur, deren Linien oder Winkel einander nicht gleich sind. Ein irreguläres Viereck. Ein irregulärer Körper, dessen Seiten einander nicht gleich sind. 2) Von der Regel, der Vorschrift, Gewohnheit abweichend; regellos. Irreguläre Zeitwörter, in der Sprachkunst, welche in der Conjugation von den gewöhnlichen Regeln abweichen, regellose; bey dem Gottsched ungleich fließende. Ein irreguläres Verfahren, im gemeinen Leben, ein regelloses. Daher die Irregularität, plur. die -en, in beyden Fällen, so wohl von der Eigenschaft, ohne Plural; als auch von irregulären Theilen, Dingen u. s. f. die Regellosigkeit.


Irreim (W3) [Adelung]


Der Irreim, des -es, plur. die -e, von irren und Reim, wo das eine r weggelassen wird, eine ehemahlige Art der poetischen Tändeley, wo die Zeilen eines Gedichtes einen ganz entgegen gesetzten Verstand geben, wenn man sie außer der gewöhnlichen Ordnung ließet.


Irren (W3) [Adelung]


Irren, verb. reg. welches auf doppelte Art üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1. Hin und her gehen, und in engerer Bedeutung ohne bestimmte Absicht, ohne Kenntniß der Gegend, hin und her gehen, oder sich hin und her bewegen. In der Welt herum irren. Ein irrender Ritter, eine Art ehemahliger Ritter, welche die Welt durchstrichen und Abenteuer suchten. Indeß, daß er einsam ins Gras gestreckt mit irrenden Blicken den Himmel durchlief, Geßn. Ernsthaft irren die Herden auf welkem blumenlosen Grase, ebend. Ein klägliches Gewinsel irret um ihn herum, Gleim. Vielleicht irrt noch ihr Blick neugierig an der Sternen Pole, Gell. 2. In noch engerer Bedeutung, ohne Kenntniß des rechten Weges hin und her gehen, in der Irre herum gehen. Wenn du deines Feindes Ochsen und Esel begegnest, daß er irret, 2 Mos. 23, 4. Ihr waret wie die irrende Schafe, 1 Pet. 2, 25. In welcher Bedeutung es im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht wird. 3. Des rechten Weges verfehlen, den rechten Weg verlieren, besonders so fern es aus Unkunde der Gegend geschiehet. 1) Eigentlich, wo es in dem eigentlichsten Verstande nur im Infinitive üblich ist. Gehe auf dem Wege fort, du kannst nicht irren. In andern Fällen gebraucht man dafür das zusammen gesetzte sich verirren. In der biblischen Schreibart wird es noch in uneigentlichen R. A. gebraucht. Ich irre nicht von deinem Befehle, Ps. 119, 110. Ein Mensch, der vom Wege der Klugheit irret, Sprichw. 21, 16. Warum lässest du uns irren von deinen Wegen? Es. 63, 17. Von der Wahrheit irren, Jac. 5, 19. 2) Figürlich. (a) * Nicht wissen; eine im Hochdeutschen völlig veraltete Bedeutung, in welcher es noch bey dem Ottfried mit der zweyten Endung der Sache vorkommt: Thoh uuir thera burgi irron, wir wissen die Stadt nicht. (b) Auf eine unvorsetzliche Art ein Ding für das andere nehmen, es geschehe nun aus mangelhafter Beschaffenheit der Sinne, oder aus Übereilung und Unachtsamkeit; als ein Reciprocum. So irret man sich, wenn man ein Ding ergreift, indem man ein anderes ergreifen wollte. Man irret sich, wenn man eine Person für eine andere hält. In welcher Bedeutung es mit sich versehen gleichbedeutend ist. (c) In engerer und vornehmlich wissenschaftlicher Bedeutung, den Irrthum für die Wahrheit nehmen, unrichtige Vorstellungen haben, so wohl in Ansehung der äußern Sinne, unrichtige Empfindungen haben oder bekommen; als auch in Ansehung des Urtheiles, ein mahres Urtheil für falsch, und ein falsches für wahr halten, besonders aus mangelhafter Erkenntniß von der Wahrheit abweichen, wodurch es sich von fehlen und sich versehen unterscheidet, als welche sich in engerer Bedeutung auf eine Handlung beziehen, so wie irren im engsten Verstande bloß auf die Empfindung und auf das Urtheil gehet. Es stehet so wohl absolute. Ich habe geirret. Wo ich nicht irre. Irren ist menschlich. Ein irrendes Gewissen, welches entweder unrichtige Sätze annimmt, oder auch wahre Sätze unrichtig verbindet. Als auch mit dem Vorworte in. Darin haben sie geirret. Du irrest in der Zeit, in der Person. Ingleichen in Gestalt eines Reciproci, wo es aber eigentlich zu dem folgenden Activo gehöret. Ich habe mich geirret. Du irrest dich in der Zeit, in der Person. Ich irre mich in der Hand dieses Briefes. II. Als ein Activum, irre machen. 1. Von dem rechten Wege abbringen. 1) * Eigentlich; eine völlig veraltete Bedeutung. 2) Figürlich. (a) * Von dem Wege der Wahrheit abbringen, in Irrthum stürzen; ein gleichfalls veralteter Gebrauch, in welchem verirren noch bey den Schwäbischen Dichtern vorkommt. Das vorhin gedachte Reciprocum sich irren ist noch ein Überbleibsel davon. (b) Von dem Wege der Tugend abführen, verführen, bey dem Notker irren, in Schwaben irrzen, bey dem Ulphilas airzgan; eine gleichfalls ungewöhnlich gewordene Bedeutung, in welcher es noch 1 Sam. 14, 29 vorzukommen scheinet: Da sprach Jonathan, mein Vater hat das Land geirret. 2. Hindern. 1) Eigentlich; wo es noch mit der vierten Endung der Person gebraucht wird. Keiner wird den andern irren, sondern ein jeder wird in seiner Ordnung daher fahren, Joel 2, 8. Irre die Spielleute nicht, Sir. 32. Suer da entzwischen danne stet und irret mich, Heinr. von Morunge. Der Kunig mit der tochter regirt Manig jar daran in nyemands irt, Theuerd. Lassen sie sich nicht irren, in der vertraulichen Sprechart. Aber eine Sache irren, für hindern, ist veraltet. 2) Figürlich. (a) Anstoß, Zweifel, Bedenklichkeit verursachen; in welchem Verstande man nur noch sagt, sich irren lassen, sich durch andere dergleichen beybringen lassen. Laß dichs nicht irren, ob einer reich wird, Ps. 49, 17. Ich lasse mich darin nichts, (besser durch nichts,) irren. Ich lasse mich nicht durch bloße Beschuldigungen in der Liebe irren, Gell. (b) * Bestürzt machen; welche Bedeutung gleichfalls veraltet ist. So sint si alle girrit, Ottfr. S. Irre. (c) * Beschwerlichkeit verursachen; ein veralteter Gebrauch. Du irst mich selten, sagt der Storch zum Fuchse bey dem Boner, d. i. du besuchst mich selten. (d) Ärgern, Mißvergnügen, Ärgerniß verursachen; in welchem Verstande man nur noch im gemeinen Leben sagt: es irret ihn eine Fliege an der Wand. Das Dänische opivre, und Schwed. yra, bedeutet im härtern Verstande zornig machen, zum Zorne reitzen. Es scheinet, daß irren in dieser Bedeutung nicht hierher gehöre, sondern mit irritare, ira, und arg, von dem Laute r! r! abstamme, mit welchem man die Hunde zornig zu machen sucht, wovon man im gemeinen Leben die Zeitwörter nerren, narren, zergen in eben dieser Bedeutung hat. Daher die Irrung, S. solches hernach besonders. Anm. Bey dem Ottfried irron und girron, d. i. geirren, bey dem Willeram irren, im Nieders. erren, im Engl. to err, im Franz. errer, im Latein. errare, woraus zugleich das hohe Alter dieses Wortes erhellet. Unsere Wortforscher begnügen sich damit, daß sie es von dem Latein. abstammen lassen. Allein es scheinet vielmehr ein altes Wort zu seyn, welches wandern, hin und her reisen bedeutet hat. Im Franz. bedeutete oirrer ehedem reisen, im mittlern Lateine iterare, und Oire, Oirre, die Reise. Selbst im Hebräischen ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - reisen, und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ich komme. Yra bedeutet im Schwed. herum gedrehet werden, und Yrsel den Schwindel. S. Werk, Wirren, Wirbel u. s. f. Im Nieders. ist für irren im dritten eigentlichen Verstande auch dwalen, dwaulen, üblich, welches von twalen, wandern, wallen, abstammet, und schon bey dem Notker verkommt, der feruuallon für verirren gebraucht.


Irrgang (W3) [Adelung]


Der Irrgang, des -es, plur. die -gänge, ein Gang, in welchem man sich leicht verirren kann, besonders ein künstlicher Gang dieser Art, ein Labyrinth; schon bey dem Notker Irgango.


Irrgarten (W3) [Adelung]


Der Irrgarten, des -s, plur. die -gärten, ein Garten, d. i. umschlossener Patz, in dessen Gängen man sich leicht verirren kann, besonders, wenn er durch die Kunst in dieser Absicht eingerichtet ist; ein Labyrinth.


Irrgeist (W3) [Adelung]


Der Irrgeist, des -es, plur. die -er, ein größten Theils ungewöhnlich gewordenes Wort, einen Irrgläubigen in verächtlichem Verstande zu bezeichnen. Wenn ich ein Irrgeist wäre, Mich. 2, 4. Auch einen unstäten, herum irrenden Menschen pflegt man im gemeinen Leben einen Irrgeist zu nennen.


Irrgläubig (W3) [Adelung]


Irrgläubig, -er, -ste, adj. et adv. im Glauben irrend, aus unrichtiger Erkenntniß in Glaubenslehren Irrthümer hegend, und darin gegründet, im Gegensatze des rechtgläubig; mit einem Griech. Kunstworte heterodor, in der Römischen Kirche mit einem harten Ausdrucke ketzerisch. Irrgläubige Religions-Parteyen. Ein Irrgläubiger. Daher die Irrgläubigkeit, plur. inus. die Eigenschaft, der Zustand, da eine Person oder Sache irrgläubig ist.


Irrig (W3) [Adelung]


Irrig, -er, -ste, adj. et adv. von dem veralteten Hauptworte der Irr, die Irre, der Irrthum. 1. * Irre, irrend, d. i. von dem rechten Wege abweichend; eine veraltete Bedeutung. Den Pilgram welchen du stehst außer Weges wallen Und irrig gehn Wald ein, Opitz. Eben so ungewöhnlich ist der Ausdruck Epist. Jud. v. 13, irrige Sterne für Irrsterne. 2. * Wo man sich leicht verirren kann, und in weiterer Bedeutung, wüst, unbewohnt; ein gleichfalls veralteter Gebrauch. Da Verachtung auf die Fürsten geschüttet war, daß alles irrig und wüste stund, Ps. 117, 40. 3. Unrichtige Empfindungen oder Vorstellungen habend. 1) * Eigentlich, irrend, von Personen. Die so irrigen Geist haben, werden Verstand annehmen, Es. 29, 24. Die irrigen Geister stiften viel Böses, Sir. 34, 11. Denn wir waren auch weiland irrige, Tit. 3, 3. In welcher Bedeutung es im Hochdeutschen eben so sehr veraltet ist, als irrig gehn, bey dem Opitz, für irre gehen. Doch sagt man zuweilen sie sind irrig, als einen gemilderten Ausdruck, für, sie irren. 2) Figürlich, in einem Irrthume gegründet, von Sachen. Eine irrige Meinung, eine irrige Lehre, ein irriger Wahn. Das ist irrig. Dieses ist noch irriger. Eine irrige Benennung. Ein irriges Gewisses, ein irrendes. 3) Mit jemanden irrig seyn, streitig.


Irrläufer (W3) [Adelung]


Der Irrläufer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Irrläuferinn, eine gemilderte Benennung eines Landstreichers, einer Landstreicherinn.


Irrlehen (W3) [Adelung]


Das Irrlehen, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Lehenrechte, die Anwartschaft auf eines unbestimmten Besitzers Lehen, auf ein Lehen, welches an ersten eröffnet werden wird; ein unbenanntes Expectanz-Lehen. Im Sachsenspiegel Errelehen, d. i. Eherlehen, das erste Lehen, welches dem Landesherren heim fällt, woraus aus Unkunde der Niedersächsischen Mundart die Hoch- und Oberdeutschen ein Irrlehen gemacht haben.


Irrlehre (W3) [Adelung]


Die Irrlehre, plur. die -n, eine irrige Lehre, besonders in Glaubenssachen; in der harten Sprechart eine Ketzerey.


Irrlehrer (W3) [Adelung]


Der Irrlehrer, des -s, plur. ut nom. sing. der vorsetzlich irrige Lehren in Glaubenssachen ausbreitet.


Irrlicht (W3) [Adelung]


Das Irrlicht, des -es, plur. die -er, fettige Dünste, welche an sumpfigen Orten aufsteigen, und des Nachts durch die Kälte in schleimige Klumpen verdickt werden, welche sich entzünden und alsdann von der geringsten Bewegung der Luft hin und her getrieben werden; im gemeinen Leben Irrwische, weil sie die Reisenden, welche ihnen aus Unwissenheit folgen, bey der Nacht in die Irre führen. Im gemeinen Leben nennt man sie auch Feuermännchen, in Österreich feurige Männer, Fuchtelmänner, Nieders. Dweerlichter, Querlichter, weil sie in die Kreuz. und Quere hüpfen, Dwällechter, von dwelen, irren, Elflichter, von Elf, der Alp, weil der große Haufe sie für eine Art böser Geister hält. In der Feuerwerkskunst sind die Irrlichter oder Irrwische kleine Bränder oder Schwärmer, welche sich auf dem Wasser wie Schlangen krümmen.


Irrsal (W3) [Adelung]


* Das Irrsal, des -es, plur. die -e, ein veraltetes Wort, für Irrthum. Daß er (der Narr) von dem Herrn Irrsal predige, Es. 32, 6. S. Sal.


Irrstern (W3) [Adelung]


Der Irrstern, des -es, plur. die -e, ein Stern, welcher wie die Erde beweglich ist, keinen Stand gegen die übrigen Sterne beständig verändert, mit einem Griechischen Kunstworte, ein Planet; im Gegensatze der Fixsterne. Es ist eine buchstäbliche Übersetzung des Griechischen Ausdruckes, und da diese Sterne nichts weniger als irrende sind, der gewöhnlichsten Bedeutung dieses Wortes zu Folge, so haben andere dafür das schicklichere Wandelstern einzuführen gesucht.


Irrthum (W3) [Adelung]


Der Irrthum, des -es, plur. die -thümer. 1. Als ein Concretum. 1) Eine Handlung, ein Fall, wo man auf eine unvorsetzliche Art ein Ding für das andere nimmt, ein Versehen; in welcher Bedeutung der Plural nicht üblich zu seyn scheinet. Einen Irrthum begehen. Es ist ein Irrthum vorgegangen, 1 Mos. 43, 12. Der Irrthum rühret daher. 2) In engerer und wissenschaftlicher Bedeutung, ein unrichtiges Urtheil, besonders so fern es aus mangelhafter Erkenntniß herrühret; im Gegensatze der Wahrheit. Irrthümer behaupten, vortragen, lehren. Einen Irrthum begehen. Auf einen Irrthum, in einen Irrthum gerathen. Der Irrthum kommt daher. Einen Irrthum fahren lassen. Jemanden zu Irrthümern verleiten. Ein Irrthum der Sinne. Lassen sie sich ihren Irrthum benehmen. Jemanden aus dem Irrthume helfen. Ein grober Irrthum, wo man die Wahrheit mit Wissen und Willen verläugnet. In groben Irrthümern leben. Die biblische R. A. einen Irrthum machen, für begehen, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. 2. Als ein Abstractum, der Zustand, da man ein oder mehrere unrichtige Urtheile fället, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit zu unrichtigen Urtheilen; ohne Plural, und am häufigsten im theologischen Verstande und in der biblischen Schreibart. In Irrthum fallen, gerathen. In Irrthum stecken, wandeln. Anm. Bey dem Kero Irricheit, bey dem Notker Irridi, im Tatian Irrido, im Nieders. Erdoom, Dwaling, Unraam. Dapper gebraucht dafür die Ausdrücke Aberwahn, Mißwahn und Mißschlag. S. -Thum. Die ehedem üblichen das Irr, und das Irrsal, für Irrthum, sind veraltet.


Irrung (W3) [Adelung]


Die Irrung, plur. die -en, von dem Zeitworte irren. 1) * Der Zustand da man irret, d. i. von dem rechten Wege abweichet, und figürlich, da man von der Wahrheit abweicht; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Den treuen Weg hab ich stets im Gesicht, Auf daß ich dich auf Irrung nicht verletze, Opitz Ps. 119. Wo es zunächst den Irrweg bedeutet. 2) Die unvorsetzliche Verwechselung zweyer Dinge, ein Versehen, ein Irrthum, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart; besonders, wenn solches aus einem Mißverständnisse geschiehet. Es ist eine Irrung vorgegangen. Irrungen in einer Rechnung machen. Es ist aus Irrung meines Bedienten geschehen. 3) Ein geringer, aus einem Mißverständnisse entstandener Streit, und mit einem gelindern Ausdrucke auch wohl eine jede Uneinigkeit von geringer Dauer oder geringer Folgen. Es ist eine Irrung zwischen ihnen vorgefallen. Diese Irrung ist leicht zu heben. Im Nieders. Errunge, ehedem Erniß, Irresen, Erresen. Vor diesem wurde Irrung, und im Nieders. Errung, auch von den Gebrechen eines Pferdes gebraucht.


Irrweg (W3) [Adelung]


Der Irrweg, des -es, plur. die -e, ein Weg, welcher in die Irre führet, und in weiterer Bedeutung ein jeder Weg, welcher nicht nach dem verlangten Orte führet. Den Irrweg wallen, Ps. 95, 10; figürlich, den Weg zum Verderben.


Irrwisch (W3) [Adelung]


Der Irrwisch, des -es, plur. die -e, ( S. Irrlicht und Wisch,) Figürlich, eine flüchtige unstäte Person.


Irte (W3) [Adelung]


* Die Irte, plur. die -n, ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, eine Zeche zu bezeichnen, den Antheil, welchen jemand zu einer Sache, besonders zu einem gemeinschaftlichen Schmause bezahlet. Seine Irte bezahlen. Einem die Irte machen, die Zeche. Wo dieses Wort auch Örte, Orte und Urte lautet, und auch eine Versammlung bedeutet, wo jeder auf seine Kosten isset und trinket. In die Irte gehen. Eine Bierirte, Weinirte u. s. f. Daher der Irtenmeister, bey den Oberdeutschen Handwerkern, der Handwerkswirth, welcher den ankommenden Gesellen den Willkommen reichet; der Irtengesell, Ortengesell oder Urtengesell, der Altgesell, dessen Beschäftigung gleichfalls darin bestehet. S. Ortengesell.


Isabelle (W3) [Adelung]


Isabelle, ein alter Vornahme weiblichen Geschlechtes. Er war schon bey den Juden üblich, wo Ahabs Gemahlinn unter dem Nahmen Isebel oder Irsabel vorkommt, welcher eine bewohne Insel bedeuten soll, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine Insel, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wohnen. Der Europäische Nahme Isabelle scheinet mit diesem nur eine zufällige Ähnlichkeit zu haben, und aus Elisabeth verderbt zu seyn, wofür man im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, auch Ilsebee. Ilse sagt.


Isabell-Farbe (W3) [Adelung]


Die Isabell-Farbe, oder Isabellen-Farbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, der Nahme einer bräunlich gelben Farbe, welche blasses Oraniengelb mit ein wenig Röthlichbraun vermischt ist. Der Nahme dieser Farbe kommt, der gemeinen Überlieferung nach, von einer Spanischen Prinzessin dieses Nahmens her, welche bey eines gewissen Gelegenheit ihr Hemd nicht eher abgeleget haben soll, als bis es diese Farbe erhalten. Daher das Bey- und Nebenwort isabellfarben, oder isabellfarbig, diese Farbe habend.


Isegrimm (W3) [Adelung]


Isegrimm, ein besonders aus dem Reineke Fuchs bekannter Nahme des Wolfes. Dieser Nahme ist alt, und kommt seit dem zwölften Jahrhunderte so wohl im Lateinischen, als in andern Europäischen Sprachen vor. Jacob Merlin nannte ihn in seinen Gedichten Isengrin, und in dem noch ungedruckten Französischen Gedichte aus dem 13ten Jahrhunderte le Renard couronne; welches vermuthlich die Grundlage des Deutschen Gedichtes abgegeben hat, welches unter dem Nahmen Reineke Fuchs bekannt ist, kommt der Nahme Isengrin beständig vor. Um das Jahr 1206 nannte sich in Flandern eine unruhige Faction die Isengrins oder Ingrins. Die letzte Hälfte des Wortes ist deutlich; die erste ist entweder das Wort Eisen, im Nieders. Isen, so wie Isembrunus im mittlern Lateine eine rotbraune Farbe ist, oder auch das alte eisen, isen, aisen, erschrecken und erschrecket werden, fürchterlich seyn. In Ober- und Niedersachsen nennet man noch einen jeden mürrischen und trotzigen Menschen einen Isegrimm.


Isopp (W3) [Adelung]


Der Isopp, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche wegen ihres aromatischen Geruches und bittern Geschmackes bekannt ist; Hyssopus L. Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bey dem Stryker Ysop, im gemeinen Leben Eisop, Söppel, Sopli. Wir haben diese Pflanze mit ihrem Nahmen aus wärmern Ländern erhalten. Man hat nicht nöthig, dieses Wort, wie einige thun, Ysopp zu schreiben, weil im Griech. ein - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ist, denn wenn dieses zum Muster dienen sollte, so müßte man mit den Engländern auch Hyssop schreiben und sprechen. Und wenn man es recht genau nehmen wollte, müßte man nicht einmahl bey dem Griechischen stehen bleiben, indem es auch da nicht einmahl einheimisch ist. Im Hebr. ist schon - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - der Isopp, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine jede Pflanze, ein Kraut. Wenn es in der Deutschen Bibel heißt ein Büschel Ysopen, mit Ysopen u. s. f. ist solches die Oberdeutsche Declination, welche den Hochdeutschen fremd ist.


Ist (W3) [Adelung]


Ist, die dritte einfache Person der gegenwärtigen Zeit des Zeitwortes seyn, S. Seyn.


-ist (W3) [Adelung]


-ist, eine aus dem Lat. und Ital. -ista und Franz. -iste entlehnte Endung, männliche Personen von einer gewissen Beschaffenheit zu bezeichnen. Der Kanzellist, Copist, (eigentlich Copiist), Alchymist, Casuist, Evangelist, Deist, Pietist, Disrantist, Bassist, Tenorist, Violinist, Gambist u. s. f. Nach dem Muster dieser Wörter hat man auch einige andere gebildet, welche entweder ursprünglich Deutsch sind, wie Blumist, ein Blumenliebhaber, Glockenist, der ein Glockenspiel spielet, Harfenist, Lautenist, Waldhornist u. s. f. oder doch in der fremden Sprache nicht mit dieser Endung üblich sind, wie Atheist, Hoboist, Notist, ein Notenschreiber, Facultist, der Beysitzer einer Facultät u. a. m. Christ, Frist und andere, wo die Endung ein Theil des Stammwortes ist, gehören nicht hierher. Die Wörter dieser Art sind insgesammt männlichen Geschlechtes, leiden aber auch Fäminina auf inn; Atheistinn, Kanzellistinn, Pietistinn. In der zweyten und dritten Endung des Singulars haben sie, so wie im ganzen Plural en; des Bassisten, dem Copisten, die Juristen.


Ive (W3) [Adelung]


Die Ive, der Ivenbaum, S. Eibe.


Iven (W3) [Adelung]


Iven, Ivenblätter, S. Epheu.


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