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Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
J

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

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Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

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Ja (W3) [Adelung]


Ja, ein bejahendes Nebenwort. 1. Eigentlich, wo es geradezu versichert, daß eine Sache ist, gewesen ist, oder seyn wird. Man gebraucht dasselbe, 1) nach einer vorher gegangenen Frage. Haben sie ihn gesehen? Antw. Ja. - Werden sie kommen? Antw. Ja. Etwas mit ja! beantworten. Willst du es thun? Sage ja oder nein. Wo es auch zuweilen als ein Hauptwort gebraucht wird. Er antwortete mit einem lauten Ja. Ein Frauenzimmer gibt ihr Ja von sich, wenn sie einer Mannsperson die Ehe verspricht. ( S. Jawort) Ach ja! und ey ja gehören in den meisten Fällen in die gezierte Sprache des gemeinen Lebens. Ja freylich, ja wohl, verstärken die Bejahung, so wie ja doch ein mit Verdruß oder im Unwillen ausgesprochenes Ja ausdrucket. 2) Nach einer vorher gegangenen Bitte Ja, es soll geschehen. Ja, ich will es thun. Zu einer Sache, zu einer Bitte ja sagen. Sagen sie immer ja! bewilligen sie es immer. Ingleichen als ein Hauptwort. Sein Ja ist mir genug. ( S. Jawort,) 3) Aber auch außer diesen Fällen dienet zur directen Bejahung, es mag nun ein anderer dazu Anlaß geben, wenn z. B. seine Rede einen Zweifel enthält. Ich glaube nicht, daß man vor Liebe krank werden könne. Ja wohl kann man vor Liebe krank werden. Oder auch eine Versicherung. Ja, ja, sie mag ein gut Gemüth haben, Gell. Ingleichen, ohne vorher gegangene Veranlassung eines andern. Herr, ja, ich glaube, daß u. s. f. Joh. 11, 27. Ja komm Herr Jesu, Offenb. 22, 20. Besonders bey der Wiederhohlung eines Satzes oder Wortes um des Nachdrucks willen. Das Schwert, ja das Schwert ist geschärft, Ezech. 21, 9. Denn der Tag ist nahe, ja des Herrn Tag ist nahe, Kap. 30, 3. Ich will mich mit dir verloben, ja im Glauben will ich mich mit dir verloben, Hof. 2, 20. Ingleichen vor bedingenden Partikeln. Ja, wenn ich unvorsichtig wäre Da freylich schnitte mich die Schere, Gell. 2. Figürlich, wo die Bejahung von verschiedenen Nebenbegriffen begleitet wird, und oft sogar verschwindet. 1) Oft begleitet es die Zeitwörter in solchen Sätzen, welche eine Einwendung, einen Zweifel, einen Bewegungsgrund u. s. f. enthalten. Es ist ja nicht schwer. Das ist ja nichts Böses. Er ist ja die Leutseligkeit und Menschenliebe selbst, Gell. Der heutige Tag ist ja nicht notwendig ihr Brauttag, ebend. Einer Freundinn kann man ja wohl eine kleine Schwachheit vergeben, ebend. Sie wissen es ja. Aber warum bin ich so unruhig? Ich liebe ihn ja nicht. Wenn das ist, so haben sie ja nichts zu befürchten. Ingleichen eine zweifelhafte Vermuthung. Sollte ihm ja noch etwas fehlen. Wie auch eine Hoffnung. Oh mich der Herr tödten wollte, so will ich doch auf ihn hoffen. Er wird ja mein Heil seyn, Hiob. 13, 15. f. Besonders wenn sich ein Unwille mit einschleicht. Ich bin ja kein Kind mehr. Ihr höret es ja, daß ich mich nicht zwingen lasse, Gell. Es ist ja schon gut. 2) Zuweilen begleitet es eine Verwunderung, besonders in der vertraulichen Sprechart. Ich habe sie ja so lange nicht gesehen. Sie haben sich ja außerordentlich geputzet. Ach, das ist ja ganz was vortreffliches. Wo ist meine Braut? - Ja ich weiß nicht, welche sie meinen, Gell. 3) Ingleichen, eine vertrauliche und angelegentliche Bitte, wie auch ein Verboth. Sage es ja niemanden. Verliere es ja nicht. Aber ja nicht auf das Fest. Fragen sie mich ja nicht. Kommen sie ja bey Zeiten. Schicken sie es ja heute fort. Komm ja, sonst stirbt die Frau Schwägerinn, Gell. 4) Eben so oft macht es eine Steigerung, eine Gradation. Ich habe es bey ihm gesehen, ja was noch mehr ist, er hat mir selbst gesagt. Jedermann hält ihn für unschuldig, ja selbst seine Feinde geben ihm das Zeugniß. Er schmähete ihn, ja, er hob sogar die Hand wider ihn auf. Das Lat. immo, das Gothische jai, das Engl. yea, werden auf eben diese Art gebraucht. Es scheinet fast, daß ja in dieser Bedeutung nicht die gegenwärtige Partikel, sondern vielmehr das alte Fränkische und Alemannische ioh ist, welches so oft bey dem Ottfried vorkommt, und unser heutiges auch ist. S Auch. 5) Oft wird es zu einer Art eines Bindewortes, etwas, welches dem redenden unvermuthet einfällt, in Ermangelung einer andern Partikel, zu begleiten. Ja, was wollte ich doch sagen? Ja, das habe ich doch wohl schon erzählet. Ja, nun fällt es mir ein. 6) Ein wahres Bindewort ist es, wenn es Vordersätze verstärket, welche eine Bedingung enthalten, wo alsdann in dem Nachsatze so folgt. Es stehet entweder nach einer bedingenden Partikel. Wenn er ja nicht bleiben will, so mag er gehen. Wenn ich ja einen Fehler begehen sollte, so erinnere mich. Oder auch allein, mit veränderter Wortfügung. Entbehret Damis ja gewisse Freuden des Geschmackes, so entbehret er sie, weil er sie nicht bedarf. Gell. Gefiel ihm Daphne ja zuweilen bey dem Spiel, ebend. Es scheinet in dieser Bedeutung aus je entstanden zu seyn, welches unter andern auch aus dem Oberdeutschen erhellet, wo es in diesem Falle wirklich je lautet. Und mußte ihm der Edelmann, wenn er je ledig seyn wollte, das Schloß abtreten. Bluntschli, ein Schweizer. Auch im Hochdeutschen kann man es, wenn es von einer Zeit gebraucht wird, mit je vertauschen. Wenn ich ihn ja, oder je, wiedersehen sollte. S. Je.

Anm. Schon bey dem Ulphilas ja, bey dem Ottfried io, ja, in den gemeinen Mundarten, jo, ju, in Österreich und Baiern in zwei Sylben ia, im Isländ. jä, ja, im Schwed. ja, jo, im Angels. gea, ia, gyse, im Engl. yes und yea, im Wallis. is, im Bretagnischen hia, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Dorisch - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Nicobarischen aa, und selbst auf der Cocos-Insel in der Südsee yio, yiouwo. Es gehöret zu dem alten Zeitworte jahon, jehon, sagen, ( S. Beicht,) Lat. ajo, und mit denselben, Wachters Muthmaßung zu Folge, zu dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, fuit. Bey dem Kero ist giu schon, Lat. jam, Franz. deja, und ioh sondern, auch welches aber zunächst zu auch zu gehören scheinet, so wie Ottfried ioh, und, welches gleichfalls mit dem Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und, überein kommt. Übrigens gebrauchen statt des directe bejahenden ja die Holländer und Engländer well, die Tiroler und Kärnther wol und die obern Steyermärker leicht net.


Jach (W3) [Adelung]


* Jach, adv. welches für jähe noch im Oberdeutschen üblich ist, im Hochdeutschen aber nicht mehr gebraucht wird. Wer aber allzu jach ist, wird mangeln, Sprich. 21, 5, allzu hitzig, voreilig. Bey dem Opitz und andern Oberdeutschen gach. Ist einer gar zu gach (hitzig) so kommt er ganz nicht ein, Opitz. Daher der Jachzorn, der Jähzorn. S. Jähe und Jähzorn.


Jachhandel (W3) [Adelung]


Der Jachhandel, der Wachholder, S. Wachholder.


Jachern (W3) [Adelung]


+ Jachern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens, üblich ist, mit einem Geschreye umher laufen und lärmen, besonders von den Kindern und andern auf eine ausgelassene Art lustigen Personen. Im Nieders. jachern, jagten, jachtern, juchtern. Es ist ein Frequentativum, entweder von jagen, oder auch von dem noch im Nieders. üblichen jachen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, schreyen, welches wiederum das Intensivum von dem veralteten jahen, gihan, sagen ist. Beyde Begriffe fließen in diesem Worte zusammen. S. Jauchzen und Schäkern.


Jachzorn (W3) [Adelung]


Der Jachzorn, S. Jähzorn.


Jackal (W3) [Adelung]


Der Jackal, eine Art morgenländischer Füchse, S. Schakal.


Jacke (W3) [Adelung]


Die Jacke, plur. die -n, Diminut. das Jäckchen, Oberd. Jäcklein, ein altes Wort, welches ehedem ein jedes langes Überkleid so wohl des männlichen als weiblichen Geschlechtes bedeutete, aber zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen Arten von Kleidungsstücken gebraucht worden. Sehr häufig kommt es in den mittlern Zeiten und in den verwandten Sprachen von einem Panzerkleide, einem Waffenrocke vor; daher noch bey den Jägern ein von Leinwand und Fischbein gemachter Harnisch, welchen man ehedem bey Saujagden den Hunden anlegte, damit sie nicht so leicht beschädigt werden möchten, unter dem Nahmen der Jacke oder des Panzers bekannt ist. Jetzt ist dieses Wort in der anständigen Schreibart veraltet, indem es nur noch in der niedrigen Sprechart, besonders auf dem Lande üblich ist, und daselbst theils ein kurzes Weiberkleid, welches kleiner als ein Wammes oder Kamisol ist, theils einen Kittel der Mannsleute bedeutet. Daher auch die R. A. einem etwas in die Jacke werfen, für, ihm ein Geschenk mit etwas machen, im verächtlichen Verstande, ihm die Jacke voll lügen, voll schlagen u. s. f. in die Sprache des niedrigen Umganges gehören. Nur das Dimin. Jäckchen ist noch in der anständigen Sprechart von einem kurzen, nach dem Leibe und zur häuslichen Bequemlichkeit gemachten Kleidungsstücke so wohl der Kinder als erwachsener Personen üblich, welches den Oberleib und die Arme bedecket, und auch ein Leibchen genannt wird.

Anm. Im Nieders. Jak, Jakke, im Engl. Jack, und im Diminut. Jacket, im Franz. Jaque und im Dimin. Jaquette, im Ital. Giacco, im Span. Jaco, im Schwed. Jacka, im Dän. Jakke. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , eine Decke, das Franz. Casaque, Ital. Casaco ( S. Casakin) und das Niederdeutsche Hoik, ein Mantel, kommen genau damit überein. S. auch Jope. Schon bey dem Vegetius ist Jacca eine Art einer Pferdedecke, Schabracke.


Jackhals (W3) [Adelung]


Der Jackhals, eine Art morgenländischer Füchse, S. Schakal.


Jacob (W3) [Adelung]


Jacob, ein aus dem Hebräischen herstammender Taufnahme des männlichen Geschlechtes, welcher einen Unterdrückter bedeuten soll, und im gemeinen Leben ein Jäkel, und in Niederdeutschland in Jaaks übergeht, wo das letztere auch einen seltsamen mundartlichen Menschen bedeutet, entweder weil der Apostel Jacobus von den Mahlern auf eine seltsame Art mit allerley Seemuscheln geputzt vorgestellet wird, oder auch von dem seltsamen Aufzuge der ehemahligen Pilgrimme zu diesem heil. Jacob zu Compostell. Von den beyden unter dem Nahmen Jacobi des Größern und Jacobi des Kleinern bekannten Aposteln, wird bey einigen Sternkundigen auch das Gestirn der Zwillinge Jacob der Gröbere und das Gestirn der Jungfrau Jacob der Kleinere genannt.


Jacobiner (W3) [Adelung]


Der Jacobiner, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem mittlern Lat. Jacobinus. 1) Eine ehemahlige Engländische Münze, welche vermuthlich von dem Könige Jacob, unter welchem sie etwa ausgemünzet worden, ihren Nahmen hat, und welche, nach dem Frisch, 7 Fl. 8 3/4 Kreuzer, oder 4 Thlr. 18 Gr. gilt. 2) In Paris führen die Dominicaner oder Predigermönche von der Gasse, worin ihr Kloster liegt, den Nahmen der Jacobiner, da denn Französische Schriftsteller in weiterer Bedeutung alle Dominicaner mit diesem Nahmen belegen, welcher von unwissenden Übersetzern auch wohl im Deutschen beybehalten wird. Im mittlern Lateine heißen sie um eben dieser Ursache willen mehrmahls Jacobitae. In den neuesten Zeiten wurden in Frankreich die strengen Demokraten Jacobiner genannt, weil sie ihre Zusammenkünfte in dem ehemahligen Dominicaner-Kloster zu Paris zu halten pflegten.


Jacobit (W3) [Adelung]


Der Jacobit, des -en, plur. die -en, aus dem mittlern Latein. Jacobita. 1) Ein Pilgrimm, welcher nach dem Grabe des heil. Jacob zu Compostell wallfahrtet; ein Jacobs-Bruder. 2) Eine Art irrgläubiger Christen in Ägypten und dem gelobten Lande, welche ihren Nahmen von einem gewissen Jacob haben, der ein Schüler des Patriarchen Severi zu Antiochien war. 3) In England werden die Anhänger des Königes Jacob II. und seines vorgegebenen Nachkommen, des Prätendenten, Jacobiten genannt.


Jacobs-Apfel (W3) [Adelung]


Der Jacobs-Apfel, des -s, plur. die -Äpfel, ein Nahme der gröbern Art Erdäpfel, welche in der Mitte des Septembers zur Reife kommen, und unter andern auch im Vogtlande häufig gebauet werden.


Jacobs-Birn (W3) [Adelung]


Die Jacobs-Birn, plur. die -en, eine Art Birnen, welche um Jacobi reif werden.


Jacobs-Blume (W3) [Adelung]


Die Jacobs-Blume, plur. die -n, eine Art der Kreuzpflanze, mit gestrahlten Kronen, welche auf den Europäischen feuchten Wiesen wächset; Senecio Jacobaea L. Krötenkraut, Ja- cobskraut, Aschkraut. Vielleicht weil sie gegen das Fest des heiligen Jacobi im Julius blühet.


Jacobs-Bruder (W3) [Adelung]


Der Jacobs-Bruder, des -s, plur. die -Brüder, in der Römischen Kirche, ein Pilgrimm, welcher nach dem Grabe des heil. Jacob zu Compostell wallfahrtet. Und wegen den ehemahligen schlechten Sitten dieser Pilgrimme, in einigen Gegenden auch ein liederlicher Mensch.


Jacobs-Fische (W3) [Adelung]


Die Jacobs-Fische, sing. inus. in Obersachsen, ein Nahme desjenigen bestimmten Geschenkes an Gründlingen, Schmerlen und andern kleinen Fischen, welches die Fischerinnungen am Tage Jacobi gewissen obrigkeitlichen Personen machen müssen.


Jacobs-Kraut (W3) [Adelung]


Das Jacobs-Kraut, des -es, plur. inus. 1) Der Nahme eines Afrikanischen Staudengewächses; Othonna L. 2) Ein Nahme der Jacobs-Blume, S. dieses Wort.


Jacobs-Lauch (W3) [Adelung]


Der Jacobs-Lauch, des -es, plur. inus. an einigen Orten, der Nahme des Hohllauches, weil er am Jacobi, d. i. im Julio, aus der Erde genommen wird. Die Jacobs-Zwiebel, dessen Zwiebel.


Jacobs-Muschel (W3) [Adelung]


Die Jacobs-Muschel, plur. die -n, eine zweyschalige Muschel mit einem scharnierförmigen Schlosse, Musculus Pecten L. welche wegen ihrer in die Länge gehende Streifen oder Strahlen auch Kammmuschel, Strahlmuschel genannt wird. Sie hat den Nahmen von den Muscheln dieser Art, mit welchen der Apostel Jacobus von den Mahlern der ältern Zeiten, wegen seiner Seereisen abgebildet wurde, daher auch die Jacobs-Brüder in der katholischen Kirche eine solche Muschel auf ihren Hut zu befestigen pflegen.


Jacobs-Narcisse (W3) [Adelung]


Die Jacobs-Narcisse, plur. die -n, in den Gärten, eine Art ausländischer Narcissen mit purpurfarbenen einfachen Blumen, welche in der Gestalt den weißen Lilien gleichen.


Jacobs-Stab (W3) [Adelung]


Der Jacobs-Stab, des -es, plur. die -Stäbe. 1) In der Römischen Kirche, ein Wanderstab, dergleichen die Jacobs-Brüder zu tragen pflegen, welcher lang ist, und oben zwey Knöpfe hat, welche in Gestalt eines Degengefäßes von einander stehen. 2) Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit, ein mathematisches und astronomisches Werkzeug, die Höhen zu messen. Es ist noch bey den Schiffern üblich, welche die Höhe der Sonne und der Sterne damit zu nehmen pflegen. Es bestehet aus einem langen Stabe, worauf ein kürzerer, der ihn nach rechten Winkeln durchschneidet, beweglich ist. 3) Bey einigen, besonders Oberdeutschen Schriftstellern, wird auch der Gürtel des Orion in der Astronomie, so wie bey andern das Gestirn des Schwanes, der Jacobs-Stab genannt.


Jacobs-Straße (W3) [Adelung]


Die Jacobs-Straße, plur. die -n, bey einigen die Milchstraße am Himmel, S. Milchstraße.


Jacobs-Wiese (W3) [Adelung]


Die Jacobs-Wiese, plur. die -n, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, ein Nahme der einhauigen oder einmähdigen Wiesen, weil sie um das Fest Jacobi gehauen werden.


Jacobs-Zwiebel (W3) [Adelung]


Die Jacobs-Zwiebel, plur. die -n, S. Jacobs-Lauch.


Jagd (W3) [Adelung]


Die Jagd, plur. die -en, von dem Zeitworte jagen. 1. Die Handlung des Jagens oder Verfolgens; ohne Plural, außer zuweilen von mehrern Handlungen dieser Art. 1) In der weitesten Bedeutung, wo es außer dem zusammen gesetzten Nachjagd nur noch in der R. A. üblich ist, Jagd auf etwas machen, es verfolgen. Im Niederdeutschen sagt man dieses von allen Arten des Verfolgens. Jagd auf Diebe, auf Räuber machen. Der Hund macht Jagd auf den Hasen. Im Hochdeutschen ist es von einem Schiffe am üblichsten, wenn dasselbe oder dessen Befehlshaber ein anderes Schiff verfolget. Der Kaper machte Jagd auf das Schiff. Franz. donner la chasse. Figürlich, besonders im Niedersächsischen, Lärmen, Zank, Streit. Was habt ihr da für eine Jagd? Das war eine Jagd! Und nach einer noch weitern Figur, auch lärmende, schwärmende Personen; ein Heer. Da kommt die ganze Jagd her. Eine Jagd Kinder haben, eine Menge. 2) In engerer Bedeutung, das Verfolgen und Tödten wilder Thiere, besonders so fern solches vermittelst der Hunde geschiehet. (a) Eigentlich. Auf die Jagd gehen, reiten, fahren. Auf der Jagd seyn. Von der Jagd kommen. Eine Jagd halten, besser, anstellen. Von der Jagd leben. Sich mit der Jagd belustigen. Die Bärenjagd, Hasenjagd, Wolfsjagd u. s. f. Die Parforce-Jagd, wo ein Thier zu Tode gehetzet wird; schon im Theuerdanke das Fortz-Gejeyd. Die Jäger gebrauchen statt dieses Wortes auch häufig den Infinitiv des Zeitwortes jagen. Ein Jagen anstellen. (b) Figürlich. (aa) Die Kunst, wilde Thiere regelmäßig zu verfolgen und zu tödten; die Jagdkunst, und noch häufiger die Jägerey. Sich auf die Jagd legen, sich der Jagd widmen. Die Jagd verstehen. (bb) Das Recht, wilde Thiere in einem gewissen Bezirke u verfolgen und zu tödten; die Jagdgerechtigkeit, das Jagdrecht, der Wildbann. Die Jagd haben, besitzen. Jemanden mit der Jagd belehnen. Die Jagd verpachten, verkaufen, verschenken. Die hohe Jagd, das Recht Hirsche, Auerhähne u. s. f. zu jagen. Die Mitteljagd, das Recht auf Rehe und wilde Schweine zu jagen, welche in andern Gegenden mit zur hohen Jagd gerechnet werden. Die niedere Jagd, wozu alles übrige Wildbret gehöret. In engerer Bedeutung ist unter dem Worte Jagd, wenn es in Lehenbriefen ohne allen Beysatz stehet, die niedere Jagd zu verstehen. 2. Was gejaget wird; gleichfalls ohne Plural. In dieser Bedeutung pflegen nur die Jäger das Wildbret mit dem Worte Jagd collective zu belegen. Was hat es, oder was gibt es für Jagd auf diesem Revier? Antw. hohe Jagd, niedere Jagd, Feldjagd, Wasserjagd. 3. Wo gejaget wird, der Jagdbezirk; gleichfalls am häufigsten bey den Jägern. Die Jagden verpachten. 4. Eine Art schneller Schiffe, S. Jacht.

Anm. Im Oberdeutschen das Jaid, das Gejaid, das Gejaider, bey dem Opitz das Gejägt, im Nieders. Dän. und Schwed. Jagt. Die Hochdeutschen sprechen das a in diesem Worte gedehnt, die Niederdeutschen aber geschärft, daher die folgenden weichen Consonanten auch bey ihnen in die ähnlichen härtern übergehen, Jacht; und zwar nach derselben Analogie, nach welcher aus schlagen, Schlacht, aus tragen, Tracht, aus mögen, Macht u. s. f. werden. An den Höfen hat man eine Menge Personen und Sachen, welche sich auf die Jagd beziehen, und hier nicht angeführet werden dürfen, weil sie sich von selbst verstehen.


Jagdamt (W3) [Adelung]


Das Jagdamt, des -es, plur. die -ämter. 1) Ein Amt, d. i. Bedienung, bey dem Jagdwesen eines Herren. 2) Ein Collegium mehrerer Personen, welches in Sachen, die zur Jagd gehören, erkennet und richtet.


Jagdbar (W3) [Adelung]


Jagdbar, -er, -ste, adj. et adv. was gejaget werden kann, doch nur in engerer Bedeutung, was mit Nutzen, oder den Regeln der Jägerey zu Folge gejaget werden kann. In diesem Verstande ist ein jagdbarer Hirsch bey den Jägern, ein Hirsch, welcher wenigstens zehen Enden auf dem Kopfe hat, der sieben völlige Jahre alt ist, da er seine ordentliche Höhe und Gestalt hat.


Jagdbarkeit (W3) [Adelung]


Die Jagdbarkeit, plur. inus. 1) Die Eigenschaft eines Thieres, da es jagdbar ist. 2) Bey einigen auch die Jagdgerechtigkeit.


Jagdbauer (W3) [Adelung]


Der Jagdbauer, des -s, plur. die -n, ein Bauer, welcher bey einer angestellten Jagd zur Frohne allerley Dienste leisten muß; ein Jagdfröhner, die Jagdleute.


Jagdbediente (W3) [Adelung]


Der Jagdbediente, des -n, plur. die -n, ein herrschaftlicher Bedienter in Jagdsachen, von dem Oberhof- oder Landjägermeister an bis zu dem Jagdlackeyen.


Jagdbrücke (W3) [Adelung]


Die Jagdbrücke, plur. die -n, eine mit einer hohen Säule versehene Brücke über einen Graben, damit man sie auf der Jagd von weitem erkennen könne.


Jagddienst (W3) [Adelung]


Der Jagddienst, des -es, plur. die -e. 1) S. Jagdfrohne. 2) Eine Bedienung bey dem Jagdwesen, besonders eine solche Bedienung geringerer Art.


Jagdflinte (W3) [Adelung]


Die Jagdflinte, plur. die -n, eine leichte Flinte, so wie man sie zur Jagd gebraucht; zum Unterschiede von schwerern Arten.


Jagdflur (W3) [Adelung]


Die Jagdflur, plur. die -en, eine Flur, d. i. ein Bezirk Feldes, so fern auf demselben gejaget wird oder gejaget werden kann, ein Revier.


Jagdfolge (W3) [Adelung]


Die Jagdfolge, plur. inus. 1) Die Verbindlichkeit, dem Grund- oder Landesherren bey einer Jagd zu folgen, d. i. ihm dabey Dienste zu leisten; ingleichen das Recht, diese Dienste von seinen Unterthanen zu fordern. 2) Das Recht, ein angeschossenes oder flüchtiges Wild in eines andern Gehäge aufzusuchen und sich zuzueignen.


Jagdfrohne (W3) [Adelung]


Die Jagdfrohne, plur. die -n, Frohnen, oder Frohndienste, so fern sie dem Grundherren bey einer Jagd geleistet werden müssen; Jagddienste.


Jagdfröhner (W3) [Adelung]


Der Jagdfröhner, des -s, plur. ut nom. sing. der zu solchen Jagdfrohnen verbunden ist; der Jagdbauer.


Jagdgehäge (W3) [Adelung]


Das Jagdgehäge, des -s, plur. ut nom. sing. eine nach ihren Gränzen bezeichnete Gegend, worin jemanden die Jagdgerechtigkeit zustehet.


Jagdgeld (W3) [Adelung]


Das Jagdgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, womit an einigen Orten die Jagdfrohnen abgekaufet werden.


Jagdgerecht (W3) [Adelung]


Jagdgerecht, -er, -este, adj. et adv. in Jagdsachen erfahren, besonders bey den Jägern. S. Gerecht.


Jagdgerechtigkeit (W3) [Adelung]


Die Jagdgerechtigkeit, plur. inus. die Gerechtigkeit, oder das Recht, die Jagd an einem Orte auszuüben zu dürfen; das Jagdrecht, an einigen Orten die Jagdbarkeit, zuweilen auch nur die Jagd schlechthin. S. Wildbann.


Jagdgeschrey (W3) [Adelung]


Das Jagdgeschrey, des -es, plur. die -e, das auf der Jagd in besondern Fällen übliche Geschrey der Jäger, wenn z. B. die Jagd angeschrien wird, oder wenn ein Hirsch, eine Sau angeschrien wird; das Waldgeschrey.


Jagdgränze (W3) [Adelung]


Die Jagdgränze, plur. die -n, die Gränzen einer Gegend, in Ansehung der Jagd und der Jagdgerechtigkeit.


Jagdhandwerk (W3) [Adelung]


Das Jagdhandwerk, des -es, plur. die -e, ein Handwerk, welches zum Behuf einer Jagd vor andern nöthig ist. Daher der Jagdhandwerker, der solches ausübet; z. B. Jagdsattler, Jagdschmid, Jagdschneider, Jagdriemer, Jagdwagner.


Jagdhaus (W3) [Adelung]


Das Jagdhaus, des -es, plur. die -häuser, ein zur Bequemlichkeit der Jagd bestimmtes Haus.


Jagdhief (W3) [Adelung]


Der Jagdhief, des -es, plur. die -e, ein Hief oder Stoß in das Jagdhorn, so fern derselbe bey der Jagd gebraucht wird. S. Hief.


Jagdhorn (W3) [Adelung]


Das Jagdhorn, des -es, plur. die -hörner, ein jedes blasendes Instrument von Messing oder Horn, so fern dasselbe bey der Jagd gebraucht wird, und wohin das Parforce-Horn, das Waldhorn, das Flügelhorn, das Rüdenhorn, das Hiefhorn und der Jagdzink gehören. In engerer Bedeutung wird das Flügelhorn, als das kleinste unter den messingenen Jagdhörnern, mit diesem Nahmen belegt.


Jagdhund (W3) [Adelung]


Der Jagdhund, des -es, plur. die -hunde, in der weitesten Bedeutung, ein jeder Hund, so fern derselbe zur Jagd abgerichtet ist. In engerm Verstande führen diese Nahmen nur die Hirschhunde, Windspiele und anderer Hetzhunde, mit welchen das Wild in freyer Lust verfolget wird, und welche im Franz. Chiens courans heißen. Im Schwabensp. Jaghund.


Jagdjunker (W3) [Adelung]


Der Jagdjunker, des -s, plur. ut nom. sing. ein jagdgerechter Junker oder junger Edelmann, welcher einen Herrn bey der Jagd bedienet. Er stehet zwischen einem Jagd-Cavalier und Jagd-Pagen in der Mitte. Zuweilen wird auch der erstere nur Jagdjunker genannt.


Jagdkanzelley (W3) [Adelung]


Die Jagdkanzelley, plur. die -en, an einigen Orten, eine Kanzelley, welche die Aussicht über die Jagden hat, und die Streitigkeiten in Jagdsachen entscheidet.


Jagdlehen (W3) [Adelung]


Das Jagdlehen, des -s, plur. ut nom. sing. das Jagdrecht, so fern es einem andern zu Lehen gegeben wird.


Jagdleute (W3) [Adelung]


Die Jagdleute, sing. inus. alle zu einer Jagd nöthige und bestimmte Leute. In engerer Bedeutung, die zur Hülfe bey einer Jagd bestellten Landleute; die Jagdbauern.


Jagdlust (W3) [Adelung]


Die Jagdlust, plur. inus. die Jagd, als eine Lust betrachtet.


Jagdnetz (W3) [Adelung]


Das Jagdnetz, des -es, plur. die -e, ein jedes Netz, so fern es zur Jagd gebraucht wird, wohin die Hirschnetze, Saunetze, Spiegelnetze, Wolfsnetze u. s. f. gehören, und welche auch Garne genannt werden.


Jagdorden (W3) [Adelung]


Der Jagdorden, des -s, plur. ut nom. sing. ein zur Ehre der Jägerey gestifteter Ritterorden, dergleichen der Hubertus-Orden in Sachsen, und der von Herzog Friedrich Carl von Würtemberg 1702 gestiftete Jagdorden ist.


Jagdordnung (W3) [Adelung]


Die Jagdordnung, plur. die -en, eine obrigkeitliche Verordnung in Jagdsachsen.


Jagdpferd (W3) [Adelung]


Das Jagdpferd, des -es, plur. die -e, ein zur Jagd bestimmtes, und besonders, ein zur Parforce-Jagd abgerichtetes Pferd.


Jagdpforte (W3) [Adelung]


Die Jagdpforte, plur. die -n, auf dem Lande einiger Gegenden Pforten oder Thüren in den Einfriedigungen der Felder welche zur Jagdzeit geöffnet werden; in Schleswig Jagdflacken.


Jagdposten (W3) [Adelung]


Der Jagdposten, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, ein Zeichen, welches vermittelst eines Stoßes in das Horn bey einer Jagd für Menschen und Hunde gegeben wird. S. Posten.


Jagdrath (W3) [Adelung]


Der Jagdrath, des -es, plur. die -räthe, ein fürstlicher Rath in Jagdsachsen.


Jagdrecht (W3) [Adelung]


Das Jagdrecht, des -es, plur. die -e. 1) Die Jagdgerechtigkeit, ohne Plural, S. dieses Wort. 2) An einigen Orten, derjenige Theil von einem gejagten Wilde, welcher dem Grundherren gegeben werden muß. S. Jägerrecht.


Jagd-Regal (W3) [Adelung]


Das Jagd-Regal, des -es, plur. inus. die Jagdgerechtigkeit, als ein Regal betrachtet.


Jagdsache (W3) [Adelung]


Die Jagdsache, plur. die -n, eine jede Sache, welche die Jagd oder das Jagdrecht betrifft.


Jagdsäule (W3) [Adelung]


Die Jagdsäule, plur. die -n, eine Säule, so fern sie die Gränze eines Jagdgehäges bezeichnet; die Hägesäule.


Jagdschirm (W3) [Adelung]


Der Jagdschirm, des -es, plur. die -e, ein Schirm, welcher bey einer Jagd zum Behuf einer Jagd bereitet wird; der Leibschirm, wenn er für die Herrschaft bestimmt ist.


Jagdschlitten (W3) [Adelung]


Der Jagdschlitten, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, eine Benennung eines Rennschlittens, S. dieses Wort.


Jagdschloß (W3) [Adelung]


Das Jagdschloß, des -sses, plur. die -schlösser, ein für die Jagdlust bestimmtes fürstliches Schloß.


Jagdstein (W3) [Adelung]


Der Jagdstein, des -es, plur. die -e, ein Stein, so fern er die Gränze eines Jagdgehäges bestimmet.


Jagdstock (W3) [Adelung]


Der Jagdstock, des -es, plur. die -stöcke, ein Stecken mit einer kleinen Gabel, so ferner bey dem Auszuge zu einem Feist- oder Saujagen von den zur Jägerey gehörigen Personen zur Zierde in der Hand getragen wird.


Jagdstrick (W3) [Adelung]


* Der Jagdstrick, des -es, plur. die -e, ein Seil, jemanden damit zu fangen, eine Schlinge; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches nur Hiob 19, 6 vorkommt.


Jagdstück (W3) [Adelung]


Das Jagdstück, des -es, plur. die -e. 1) Ein Stück, d. i. Gemählde, welches eine Jagd, oder einen Theil derselben vorstellet. 2) Auf den Schiffen werden die Kanonen, welche auf dem Vordertheile stehen, die Bugstücke, auch Jagdstücke genannt, weil sie besonders alsdann gebraucht werden, wenn ein Schiff auf das andere Jagd macht.


Jagdtag (W3) [Adelung]


Der Jagdtag, des -es, plur. die -e. 1) Ein zur Jagd bestimmter Tag. 2) Ein Tag, an welchem die Unterthanen zur Jagd fröhnen müssen. Des Jahres zwölf Jagdtage haben, so viel Tage zur Jagd fröhnen müssen. Im Gegensatze eines Bautages, Handtages, Spanntages, Fußtages und so ferner.


Jagdtasche (W3) [Adelung]


Die Jagdtasche, plur. die -n, eine große Tasche, welche an einem Riemen über der Schulter getragen wird, das gefangene oder geschossene Wildbret darin nach Hause zu tragen; die Weidetasche, Jägertasche.


Jagdtuch (W3) [Adelung]


Das Jagdtuch, des -es, plur. die -tücher, Tücher von starker Leinwand, womit ein Stück Waldes bey einer Jagd umstellet wird, und welche am häufigsten Tücher schlechthin genannt werden.


Jagduhr (W3) [Adelung]


Die Jagduhr, plur. die -en, eine kleine niedrige Taschenuhr, so wie sie seyn muß, wenn sie bey einer Jagd ohne Unbequemlichkeit getragen werden soll.


Jagdwagen (W3) [Adelung]


Der Jagdwagen, des -s, plur. die -wagen, ein offener Wagen, auf welchem ein Herr zur Jagd fähret; mit einem Französischen Nahmen die Jagd-Chaise.


Jagdwesen (W3) [Adelung]


Das Jagdwesen, des -s, plur. car. die Jagd und alles was dazu gehöret.


Jagdzeug (W3) [Adelung]


Das Jagdzeug, des -es, plur. inus. ein Collectivum, alle zu einer Jagd nöthigen Geräthschaften zu bezeichnen.


Jagdzink (W3) [Adelung]


Der Jagdzink, des -en, plur. die -en, oder der Jagdzinken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zink oder Zinken von Bein oder Horn, welcher bey der Jagd gebraucht wird. Siehe Zink.


Jagdzug (W3) [Adelung]


Der Jagdzug, des -es, plur. die -züge, ein Gespann von vier flüchtigen Pferden, welche an langen Strängen ziehen, und welche der Kutscher von dem Sattelpferde regieret; vornehmlich zum Behuf der Jagd.


Jagen (W3) [Adelung]


Jagen, verb. reg. (also du jagst, er jagt, Imperf. ich jagte; nicht jägst, jägt, jug,) welches auf doppelte Art gebraucht wird. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, schnell laufen; im gemeinen Leben. Das Pferd ist in vollem Galoppe vorbey gejagt. Figürlich, doch nur im gemeinen Leben, eilen. Im Lesen, Singen, Arbeiten, Essen u. s. f. jagen d. i. sehr eilen. Im Reiten oder Fahren jagen. Vorbey jagen, zu Pferde oder mit einem Wagen. Ingleichen active, ein Pferd zu Tode jagen, es todt reiten. II. Als ein Activum oder vielmehr Factitivum, laufen machen, eilen machen, von lebendigen Geschöpfen. 1) Überhaupt, eilen machen, fliehen machen. Die Hunde aus dem Zimmer jagen. Die Fliegen von dem Essen, die Hühner aus dem Garten jagen. Sich im Garten herum jagen. Der Wind jagt die Wolken herauf. Ingleichen fliehend machen, in die Flucht treiben. Dein Feind in die Flucht jagen. Euer fünf sollen hundert jagen, 3 Mos. 26, 8. Ehedem auch für verfolgen. Du jagest meine Seele, daß du sie wegnehmest, 1 Sam. 24, 12. Die mich jagen, legen sich nicht schlafen, Hiob. 39, 17. Ferner, mit gewaltsamer Eile aus dem Besitze eines Dinges treiben. Jemanden von Haus und Hof jagen. Einen Dienst- bothen aus seinem Dienste jagen, ihn von sich jagen. Wie auch in mehr figürlichem Verstande. Einen Soldaten durch die Spießruthen jagen. Jemanden ein Messer in den Leib, einen Degen durch den Leib jagen, ihn damit schnell in den Leib, durch den Leib stechen. Sein Vermögen durch die Gurgel jagen, es verschwelgen, verprassen. 2) In engerer Bedeutung, ein Thier verfolgen, mit Einschließung des Fangens oder Erlegens. Esau ging auf das Feld, daß er ein Wildpret jagte, 1 Mos. 27, 5. Bären, Hasen, wilde Schweine, Hirsche jagen, besonders wenn man sich dazu der Hunde bedienet. Ingleichen absolute. Was haben sie heute gejaget? auf der Jagd erhalten. Auf Hirsche, auf Wölfe, auf Hasen jagen. Das Hauptwort die Jagung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.

Anm. Bey dem Ottfried und Notker als ein Activum iagon, im Nieders. jagen, im Schwed. jaga, im Dän. jage. Das Neutrum gahen, eilen, findet sich bey dem Stryker, und in dem alten Gedichte auf den heil. Anno ist jaginta, das Mittelwort, schnell, eilfertig. Es stammet zunächst von jach her, ( S. Jähe,) und ist das Intensivum und Factitivum von gehen. Das i scheinet nicht zum Stamme zu gehören, weil das verwandte Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Latein. agere solches nicht haben. Die Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im Kreise bewegen, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Bewegung, Erschütterung, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , hinaus führen, und vielleicht auch - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, leben und das Leben, scheinen gleichfalls dahin zu gehören; wenigstens ist der Begriff einer mehr oder weniger verstärkten Bewegung in allen der herrschende. S. auch Ächten. Die Niedersachsen pflegen, wenn sie Hochdeutsch reden wollen, dieses Wort sehr irrig nach dem Muster der Zeitwörter schlagen, tragen, gern irregulär abzuwandeln. Womit du dem Betrug hinfort den Weg verlegst, Und fremden Unterschleif aus deinem Sunde jägst, Amthor. Boreas jug umsonst der Wolken starke Dünste, ebend.


Jagen (W3) [Adelung]


Das Jagen, des -s, plur. ut nom. sing. der Infinitiv des vorigen Zeitwortes, in Gestalt eines Hauptwortes. 1) Die Handlung des Jagens; ohne Plural. Bey den Jägern wird es auch häufig in engerer Bedeutung für Jagd gebraucht, wo es auch im Plural üblich ist. Ein Jagen anstellen. Ein Hauptjagen, Bestätigungsjagen, Wolfsjagen, Fuchsjagen, Kampfjagen u. s. f. Da denn auch die Falken- oder Reiherbeitze, die Auerhahnenbürsche, das Schnepfenschießen, das Hahnenfangen u. s. f. dahin gerechnet werden. In engerer Bedeutung wird das Ausschießen oder Abjagen des im Zeuge stehenden Wildbretes ein Jagen genannt. Eben daselbst führet diesen Nahmen auch, 2) ein mit dem Zeuge eingestellter Platz in einem Walde, worrin das Wild zusammen getrieben wird; das Hinterjagen, die Suche, die große Kammer.


Jäger (W3) [Adelung]


Der Jäger, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Von dem Neutro jagen in dessen weitesten Bedeutung, wird in dem Häringsfange ein schnell segelndes kleines Schiff; welches den Häringsbüsen nachsegelt, ihnen die Häringe abnimmt, und solche zum Verkaufe führet, der Jäger oder Häringsjäger genannt, welchen Nahmen auch wohl dessen Befehlshaber oder der Schiffer auf demselben bekommt. 2) Von der engern Bedeutung des Activi jagen, derjenige, welcher die Jagd verstehet, besonders wenn er sie gehörig erlernet hat, und aus derselben sein einziges Geschäft macht, ein Weidemann; dessen Gattinn, die Jägerinn. In engerer Bedeutung werden nur diejenigen, welche zur hohen Jagd bestellet sind, und dieselbe gehörig erlernet haben, Jäger genannt, zum Unterschiede von den Parforce-Jägern oder Piquers, theils auch von den Falkenieren, Federschützen und Hühnerfängern, obgleich diese im gemeinen Leben auch Jäger genannt zu werden pflegen. S. Feldjäger, Reisejäger, Feldjäger.


Jägerbursch (W3) [Adelung]


Der Jägerbursch, des -en, plur. die -en, bey den Jägern, ein Lehrling der Jägerey im dritten Behängen, d. i. im dritten Jahre seiner Lehre. Im ersten wird er ein Jägerjunge, Hundsjunge oder in der anständigen Sprechart ein Lehrling, im zweyten aber ein Lehrbursche genannt.


Jägerey (W3) [Adelung]


Die Jägerey, plur. die -en. 1) Die Kunst oder Wissenschaft, welche den Jäger macht, ohne Plural; das Weidewerk, im Theuerdanke die Weidmannschaft. Die Jägerey verstehen, erlernen. Sich der Jägerey befleißigen. 2) Ein Haufe mehrerer Jäger, alle Jäger und Jagdbediente eines Landes, alle bey einer Jagd befindliche Jäger und Jagdbediente; der Weidehaufen.


Jägergarn (W3) [Adelung]


Das Jägergarn, des -es, plur. die -e, ein Garn oder Netz, so fern dasselbe zur Jagd gebraucht wird; das Jagdnetz.


Jägerhaus (W3) [Adelung]


Das Jägerhaus, des -es, plur. die -häuser, das Wohnhaus eines Jägers und seiner Leute; welches, wenn es von einem beträchtlichen Umfange ist, und mehrere Gebäude in sich begreift, auch wohl ein Jägerhof genannt wird.


Jägerhorn (W3) [Adelung]


Das Jägerhorn, des -es, plur. die -hörner, S. Jagdhorn.


Jägerisch (W3) [Adelung]


Jägerisch, adj. et adv. der Jägerey gemäß, nach den Regeln der Jägerey; in der niedrigen Sprechart. Jägerlich, welches Frisch dafür anpreiset, ist nicht üblich.


Jägerjunge (W3) [Adelung]


Der Jägerjunge, des -en, plur. die -n, S. Jägerbursch.


Jägerkunst (W3) [Adelung]


Die Jägerkunst, plur. die -künste. 1) Die Kunst oder Wissenschaft eines Jägers, ohne Plural; wofür doch Jägerey üblicher ist. 2) Abergläubige Kunststücke der Jäger, z. B. Kugeln abzuweisen, sich fest zu machen, Segen sprechen u. s. f.


Jägermeister (W3) [Adelung]


Der Jägermeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein vornehmer Jagdbedienter, welcher dem ganzen Jagdwesen eines gewissen Bezirkes vorgesetzet ist. An kleinen Höfen ist er das Haupt/der ganzen Jägerey; an größern aber gibt es noch Oberhofjägermeister, Oberlandjägermeister, Oberjägermeister u. s. f.


Jägerrecht (W3) [Adelung]


Das Jägerrecht, des -es, plur. die -e, was einem Jäger gebühret, in Ansehen dessen recht und billig ist, in einigen einzelnen Fällen. 1) Das Schießgeld, oder dasjenige Geld, welches dem Jäger für ein erlegtes Wild gebühret. 2) Derjenige Theil eines gefälleten Hirsches, Thieres oder Rehes, welcher dem Jäger als ein Accidenz überlassen wird, welches gemeiniglich der Kopf, Hals und das Geräusch ist. Auch der Antheil des Leithundes von einem gefälleten Wilde führet zuweilen den Nahmen des Jägerrechtes. 3) Die Strafe, welche auf einen Fehler wider die Kunstsprache der Jäger gesetzet ist, und sonst auch das Weidemesser genannt wird. Das Jägerrecht verdienen. Das Jägerrecht empfangen.


Jägerstock (W3) [Adelung]


Der Jägerstock, des -es, plur. die -stöcke, ein starker mit eisernen Spitzen beschlagener Stock, welcher noch zuweilen in einer ritterlichen Leibesübung zur Vertheidigung gebraucht wird; daher diese Übung selbst auch der Jägerstock heißt. Vielleicht, weil die Jäger ehedem einen solchen Stock trugen. S. Jagdstock.


Jägertasche (W3) [Adelung]


Die Jägertasche, plur. die -n, S. Jagdtasche.


Jägerzeug (W3) [Adelung]


Das Jägerzeug, des -es, plur. die -e, eine Benennung der Hornsessel des Hirschfängers mit seinem Gurt bey den Jägern, welche das einfache Jägerzeug genannt werden, so wie die Hornfessel und das Wehrgehänge das Kreuzzeug heißen.


Jageteufel (W3) [Adelung]


Der Jageteufel, des -s, plur. inus. der Nahme einer Pflanze, S. Johannis-Kraut.


Jähe (W3) [Adelung]


Jähe, -r, -ste, adj. et adv. schnell, der Bewegung nach, und schnell machend, dem Orte nach. 1. Schnell, der Bewegung nach. 1) * Von der körperlichen Bewegung, wo es im Oberdeutschen noch üblich ist. Jähe laufen, nicht so jähe! nicht so schnell. Wie ist dir so gach? der Burggr. von Riedenburg, warum eilest du so? Es wart im gach ze flucht, eben ders. Alsdann ist ihm zu fliehen nach, Theuerd. Im Hochdeutschen wird es in dieser Bedeutung nicht mehr gebraucht. 2) Plötzlich, unvermuthet, was in der Geschwindigkeit entstehet oder geschiehet. Ein jäher Zufall, ein Jäher Schrecken, ein jäher Tod. Sie sollen verzehret werden vom Fieber und jähem Tode, 5 Mos. 32, 24. Einen jähen Entschluß fassen. Eine jähe Liebe, welche schnell entstehet. Vermochte der Nahme Romeo nicht, die jähe Flamme zu löschen? Weiße. Hier wo der Hoffnung Blüthen Ein jäher Frost erstickt, ebend. Der Wollust jäher Brand verschwendet des Lebens Kräfte, Hall. Im Oberdeutschen ist die Taufe oder Gachtaufe die Nothtaufe. 3) Besonders, dem Gemüthe nach hitzig, schnell vom Gemüthe, ingleichen voreilig, unbedachtsam. Die Anschläge eines Endelichen bringen Überfluß, wer aber allzu jach ist, wird mangeln, Sprichw. 21, 5. Ein jaher Wäscher wird zu Schanden, Sir. 9, 25. Ein weiser Mann schweiget, bis er seine Zeit erstehet, aber ein jäher Narr der Zeit nicht erharren, Sir. 20, 7. Er ist ein wenig jähe, hitzig, zum Zorne geneigt. ( S. Jähzorn,) 2. Dem Orte nach, diejenige Beschaffenheit der Fläche eines Dinges zu bezeichnen, da sie sich der Perpendicular-Linie nähert; sehr abschüssig. Ein jäher Berg, ein jäher Fels, dessen Abhang sich der senkrechten Linie nähert. Eine jähe Treppe. Die Böschung des Walles ist zu jähe. Der jähe Fall der Donau verursacht ihren schnellen Fluß. In den Monseeischen Glossen ist gahin durch abrupta erkläret. In dieser Bedeutung gebraucht man es in der edlen und anständigen Schreibart für das im gemeinen Leben übliche steil, im Oberd. stickel, stigel. Im Oberdeutschen ist für jähe auch stotzig, stotzachtig, gähstotzig und im Bergbaue auch prallig üblich. S. Abhängig und Abschüssig.

Anm. Im Oberdeutschen gäh, und in der Adverbial-Form gach, im Nieders. gau, gai, gaje ( S. Gaudieb,) im Angels. geoc. Im Engl. ist gay, im Franz. gay, im Ital. gaio, munter, lustig. Das j gehöret vornehmlich der Hochdeutschen Mundart zu. Bey dem Ottfried findet sich auch das Zeitwort gahen, und bey den Schwäbischen Dichtern gachen, für eilen. Es ist mit Gehen, Jagen, und allen Zeitwörtern, welche eine Bewegung bedeuten, genau verwandt. S. auch Jähling.


Jähe (W3) [Adelung]


Die Jähe, plur. die -n, die Beschaffenheit eines Dinges, da es jähe ist. 1) * Einer Bewegung, ohne Plural; eine im Hochdeutschen ungebräuchliche Bedeutung, in welcher dieses Wort im Oberdeutschen auch die Gach lautet. Der Knecht lief mit aller Gach, Theuerd. Der tewr helt eilt darvon mit Jach, ebend. Thiu Gahi, Ottfr. den Augenblick. 2) Die Eigenschaft eines Dinges, da es schnell entstehet oder geschiehet; gleichfalls ohne Plural. Die Jähe des Todes, eines Entschlusses. Im Hochdeutschen kommt es nur selten vor. 3) Die Eigenschaft des Gemüthes, da es schnell und ohne vorher gegangene Überlegung eine Veränderung annimmt; ohne Plural, und am häufigsten im Oberdeutschen. Die Jähe des Gemüthes, die Hitze, Neigung zum schnellen Zorne. Im Oberdeutschen auch die Gähigkeit, Gähmüthigkeit. 4) Ein jäher, d. i. steiler Abhang. Bey dem Ottfried Gahi. Die Jähe eines Berges, des Ufers u. s. f. Im Oberd. gleichfalls die Gähigkeit.


Jahen (W3) [Adelung]


Jahen, sprechen, reden, bekennen, S. Ja und Bejahen.


Jaherr (W3) [Adelung]


Der Jaherr, des -en, plur. die -en, im verächtlichen Verstande, eine Person, welche zu allem Ja saget, alles verspricht, bewilliget und einräumet, welche aus Schwäche nicht das Herz hat, andern zu widersprechen, oder ihnen etwas abzuschlagen. Im Nieders. Jabroer, ein Jabruder, in andern Gegenden ein Gnapper, von gnappen, mit dem Kopfe nicken.


Jähling (W3) [Adelung]


Jähling, adj. et adv. im gemeinen Leben für jähe, so fern es plötzlich, unvermuthet bedeutet. Ein jählinger Schrecken. Es brach einer jählinge Hitze in seinem Gesichte aus. Die See thaut langsam auf, die jähling zugefroren, Rost. Als ein Nebenwort auch mit dem angehängten s. Jählings reich werden. Er starb jählings. Wo es auch für steil gebraucht wird. Der Berg geht jählings in die Höhe. Im Oberdeutschen gähling, in dem Buche der Natur 1483 gechlingen, bey dem Leo Jud gachlich; aus welchem lich die Endsylbe -ling entstanden ist. S. -Ling.


Jahn (W3) [Adelung]


Der Jahn, des -es, plur. die -e, ein nur im gemeinen Leben einiger Gegenden übliches Wort. 1) In der Landwirthschaft ist ein Jahn der leere Raum, welchen ein Gras- oder Getreidemäher im Mähen hinter sich lässet, und welcher gemeiniglich die Gestalt einer geraden langen aber schmalen Fläche hat. Der Jahn halten, in dieser geraden Fläche bleiben. In drey, vier Jahren mähen. Das Getreide liegt noch auf dem Jahn, ist noch nicht in Garben gebunden. In Niedersachsen heißt es der Swad, Schwath, von Swade, einer Sense, im Osnabr. der Gien. 2) Im Weinbaue, wo man einen großen Weinberg nicht in Einem Jahre düngen kann, wird derselbe in Ansehung der Düngung in gewisse Jahne getheilet, da denn alle Jahre einer derselben gedünget wird. Den Weinberg jahrweise düngen, nach Jahren. 3) Im Forstwesen, wo dieses Wort auch John lautet, wird das niedergehauene und in einer Reihe auf einander gelegte Buschholz ein Jahn, und an andern Orten ein Kamm, eine Zahl genannt; daher die verpflichteten Holzhauer dieser Art Jahnhauer, Johnhauer heißen. In allen diesen Fällen scheinet es aus Gang verderbet zu seyn, welches auf ähnliche Art gebraucht wird. S. Gang III. Etwas ähnliches scheinet das mittlere Lat. Janum in einer Longobardischen Urkunde vom Jahre 774 bey dem du Fresne zu bedeuten, der aber dieses Wort nicht zu erklären weiß: Nec non ecclesia S. Mercurii quae posita est in Jano nostro, et de ipso Jano circa ipsam ecclesiam largiti sumus terram modiorum 500. Wo es ein Gebieth, Bezirk, zu bezeichnen scheinet.


Jahr (W3) [Adelung]


Das Jahr, des -es, plur. die -e, welches seinem Ursprunge nach die Zeit von einer Ernte zur andern bedeutet, so wie man in der Dichtkunst noch jetzt die Jahre nach Ernten zu berechnen pfleget. Jetzt bezeichnet es, 1. Eigentlich, diejenige Zeit, in welcher die Sonne ihren scheinbaren Lauf durch die ganze Ekliptik vollendet, welche gemeiniglich auf zwölf Monathe oder 365 Tage bestimmt wird. Ein bürgerliches Jahr, welches die jetzt genannte Zahl von Tagen hat; im Gegensatze des astronomischen, welches noch einen Anhang von Stunden und Minuten hat, welche alle vier Jahre in dem bürgerlichen Jahre eingeschaltet werden, daher denn das vierte bürgerliche Jahr ein Schaltjahr, die übrigen drey aber gemeine Jahre genannt werden. S. auch Sonnenjahr und Mondenjahr. Der Punct in der Ekliptik, wo man diese Zeit anfängt, ist willkürlich. In der christlichen Zeitrechnung nimmt man den ersten Jänner für den Anfang des Jahres an. Es geschahe voriges Jahr, im vorigen Jahre, im Oberd. ferden, S. dieses Wort. das Jahr ist bald vorbey, ist bald verflossen. Das Jahr ist um. Zu Ende des Jahres. Ein Jahr zurück legen. Ein Jahr um das andere. Es ist schon spät im Jahre. Das neue Jahr, das erst angefangene Jahr, oder welches man in kurzen anfangen wird, im Gegensatze des alten, S. Neujahr. Der Wechsel des Jahres oder Jahreswechsel, diejenige Zeit, wo sich ein Jahr endiget und sich ein neues anfängt. Das ganze Jahr hindurch. Jahr aus Jahr ein, im gemeinen Leben, so wohl, alle Jahre, als auch das ganze Jahr hindurch, in der anständigen Schreibart Jahr für Jahr. Von Jahr zu Jahr, von einem Jahre zum andern, fon Jare zi Jare, bey dem Ottfried. Es sind schon einige Jahre her. Über drey Jahre. Nach sechs Jahren. Vor hundert Jahren. Das heilige Jahr, in der Römischen Kirche, in welcher das große Jubiläum eröffnet wird, S. Jubeljahr. Im Jahre 1775, nähmlich nach Christi Geburt, siehe Jahrzahl. Besonders der Witterung und Fruchtbarkeit. Ein nasses, trocknes, fruchtbares, warmes, schlechtes Jahr. Ein Mißjahr. Ein gutes Kornjahr, Weinjahr, Obstjahr. Oft dienet jede Begebenheit zum Puncte, von welchem man das Jahr, d. i. eine Zeit von zwölf Monathen, zu rechnen anfängt. Es ist nun gerade ein halbes Jahr, daß ich ihn nicht gesehen habe. es wird bald ein Jahr seyn, daß er gestorben ist. Es sind schon zwey Jahre her, daß er hier war. Übers Jahr, von jetzt an in einem Jahre kommt er wieder. Es gehet in das vierte Jahr, daß wir einander kennen. In Jahres Frist, innerhalb eines Jahres. Vor dem Jahre, im vorigen Jahre, oder vor einem Jahre. Sie ist erst sechzehn Jahre alt. Das dreyßigste Jahr seines Alters zurück legen. Jahr und Tag, in dem Sächsischen Rechte, eine Zeit von einem Jahre, sechs Wochen und drey Tagen, anderwärts aber von einem Jahre und vier Wochen; im mittlern Lat. Annus et Dies, in dem Französischen Rechte An et Jour. 2. In engerer und zum Theil figürlicher Bedeutung. 1) Die Jahre bey jemanden stehen, bey ihm in der Lehre seyn, und die gewöhnlichen Lehrjahre bey ihm aushalten, von den Lehrlingen der Kaufleute, Künstler und Handwerker. 2) Von den Jahren des Alters, besonders des menschlichen Alters. Er gehet in das zwanzigste Jahr. Wo das Hauptwort oft verschwiegen wird. Er ist noch nicht dreyßig. Weil er schon nahe an vierzig ist, Gell. Ich würde ihnen nicht zur Ehre rathen, da ich weiß, daß sie in die sechzig sind, ebend. Besonders im Plural ohne Zahl. In seinen besten Jahren seyn, in dem besten, brauchbarsten, muntersten Alter. Für einen Mann von meinen Jahren würde sich das nicht schicken, von meinen Alter. Bey ihren hohen Jahren. Seine Neigungen können sich in reifern Jahren ändern. Es wird mit den Jahren schon anders werden. In meinen jüngern Jahren, als ich noch jünger war. Er ist schon ein Mann von Jahren oder bey Jahren, von einem ziemlichen Alter. Mit meinen Jahren lässet es sich wohl noch halten, Gell. Ist dieß der Gehorsam, den sie meinen Jahren schuldig sind? ebend. Meiner Jahre wegen könnte ich in der Kleidung noch sehr jung thun, ebend. Ich fühle meine Jahre. Sein Rücken krümmet sich unter der Last der Jahre. Laß die Jahre reden, Hiob 32, 7, ältere, bejahrte Personen. In noch engerer Bedeutung, die Zeit der Mündigkeit. Zu seinen Jahren kommen, mündig werden. Vor seinen Jahren sterben, in der Kindheit. 3) Das Merkmahl der Jahre in dem Holze, der Ring in dem Holze des Stammes, welchen ein Baum jährlich anzusetzen pfleget, daher man aus deren Zahl das Alter desselben ungefähr bestimmen kann. Enge, weite Jahre haben, wenn diese Ringe enge oder weit von einander abstehen. Auf der Mitternachtsseite stehen die Jahre eines Baumes näher an einander, als auf der Mittagsseite. S. Jahrwuchs, Jahrzirkel. 4) Von der Zeit überhaupt; doch nur im Plural. Gott, deine Jahre währen für und für, Ps. 102, 25. In Betrachtung seiner lange Jahre geleisteten Dienste. Vielleicht gibt es sich mit den Jahren. - Ich hab' in langen Jahren, Was wahr ist, selbst geprüft, was falsch ist, selbst erfahren, Schleg.

Anm. Nach Zahlwörtern dieses Wort im Singular zu setzen, sie ist erst sechzehn Jahr alt, Gell. für Jahre, ist wohl im gemeinen Leben üblich, klingt aber in der anständigen Sprechart unangenehm. Dieses Wort lautet schon bey dem Kero Jar, im Isidor Jaar, im Nieders. Jar, im Engl. Year, bey dem Ulphilas Jer, im Angels. Ger, Gear. Rudbeck und Wachter leiten es von dem Schwed. yra, im Kreise herum drehen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ab, andere aber von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , Frühling. Allein die erste Ableitung ist für die Einfalt der ersten Spracherfinder zu künstlich, und die letzte zu unerweislich. Richtiger leitet man es von dem alten Ar, Schwed. Ur, die Ernte, ab, welches auch im Schwed. das Jahr bedeutet, so wie das Isländ. Aar und Dän. Aar. Das voran gesetzte Jod ist der müßige Laut, welcher, so wie das S mehrern Deutschen Wörtern vorgesetzet wird; S. J. Die Gewohnheit, die Zeit nach Ernten zu berechnen, ist bey allen Völkern sehr alt, und noch nicht ganz abgestorben. S. Ernte und Herbst. das mittlere Lat. Aera bedeutete so wohl ein Jahr, als auch eine Jahrrechnung.


Jahrarbeit (W3) [Adelung]


Die Jahrarbeit, plur. die -en, eine Arbeit, welche jahrweise verdungen, oder bezahlet wird. In engerer Bedeutung, bey einigen Handwerkern, die Arbeit, welche ein Gesell, der das Meisterrecht erlangen will, das Probejahr über bey einem Meister verrichten muß. In Jahrarbeit stehen.


Jahrarbeiter (W3) [Adelung]


Der Jahrarbeiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, welcher sich auf ein Jahr zur Arbeit verbunden hat. Bey einigen Handwerkern, ein Gesell, welcher in Jahrarbeit stehet, oder in dem Probejahre arbeitet; ein Jahrgesell.


Jahrbuch (W3) [Adelung]


Das Jahrbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, worin die Begebenheiten, wie sie nach der Folge der Jahre geschehen sind, erzählet werden; nach dem Griech. eine Chronik, nach dem Lat. im Plural Annalen.


Jahren (W3) [Adelung]


Jahren, oder Jähren, verb. reg. recipr. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. Es jahret oder jähret sich heute, daß er gestorben ist, es ist heute ein Jahr. Es wird sich bald jähren, es wird bald ein Jahr werden. In andern Bedeutungen ist es in bejahrt und verjähren üblich, S. diese Wörter.


Jähren (W3) [Adelung]


Jähren, S. Gähren.


Jahrfeld (W3) [Adelung]


Das Jahrfeld, des -es, plur. die -er, in der Landwirthschaft, ein Feld, welches alle Jahre bestellet wird, ohne es brach liegen zu lassen, ein Gartenfeld; im Gegensatze eines Artfeldes.


Jahrfest (W3) [Adelung]


Das Jahrfest, des -es, plur. die -e, ein jährliches Fest, welches alle Jahre gefeyert wird. Richt. 21, 19. Sir. 47, 12.


Jahrgang (W3) [Adelung]


Der Jahrgang, des -es, plur. die -gänge. 1) * Das Jahr, besonders in Ansehung der Witterung und Fruchtbarkeit; doch nur im Oberdeutschen. Es erfolgte auf die Kälte ein sehr gesegneter Jahrgang, Bluntschli. 1559 war ein warmer und früher Jahrgang, ebend. 2) * Eine Reihe von Jahren, so fern sie von einem gewissen merkwürdigen Puncte an gezählet wird, die Jahrzahl; eine im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnliche Bedeutung. 3) Bey den Predigern in der evangelischen Kirche, die in einem Jahre gehaltenen sämmtlichen Pre- digten. Und in engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine Lehrart in dem öffentlichen Vortrage, nach welcher eine gewisse Materie aus der Heilsordnung oder Sittenlehre in einem Jahre nach Anleitung der gewöhnlichen Texte abgehandelt wird.


Jahrgebung (W3) [Adelung]


Die Jahrgebung, plur. die -en, ein noch in den Rechten hin und wieder übliches Wort, diejenige Handlung zu bezeichnen, da ein unmündiger von der Obrigkeit für mündig erkläret, und ihm die ihm noch fehlenden Jahre von derselben gleichsam gegeben werden; Venia aetatis.


Jahrgedächtniß (W3) [Adelung]


Das Jahrgedächtniß, des -sses, plur. die -sse, das feyerliche Gedächtniß oder Erinnerung einer wichtigen Sache, so ferne dasselbe alle Jahre begangen wird.


Jahrgeld (W3) [Adelung]


Das Jahrgeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, Geld, welches alle Jahre bezahlet wird, besonders so fern es von einem Höhern aus Gnaden gegeben wird; die Pension.


Jahrgericht (W3) [Adelung]


Das Jahrgericht, des -es, plur. die -e, ein jährliches Gericht, welches des Jahres Ein Mahl gehalten wird. Besonders sind die Feld- und Rügegerichte in einigen Gegenden unter diesem Nahmen bekannt. S. Feldgericht.


Jahrgesell (W3) [Adelung]


Der Jahrgesell, des -en, plur. die -en, bey den Handwerkern, 1) ein Gesell, welcher sich jahrweise bey einem Meister verdinget; im Gegensatze eines Wochengesellen. 2) Ein Gesell, welcher zur Erlangung des Meisterrechtes in Jahrarbeit stehet, S. Jahrarbeiter.


Jahrgewächs (W3) [Adelung]


Das Jahrgewächs, des -es, plur. die -e, dasjenige, was alle Jahre an Feld- und Gartenfrüchten wächset; im gemeinen Leben auch der Jahrwachs, Jahrwuchs.


Jahrhundert (W3) [Adelung]


Das Jahrhundert, des -es, plur. die -e, eine Zeit von hundert Jahren. Besonders in der Jahrzahl. Das gegenwärtige Jahrhundert, die Zeit von 1800 bis 1900, in welcher wir jetzt leben. Eine seltene Art der Zusammensetzung, welche vermuthlich von der ehemahligen Art die Jahre nach Christi Geburt zu schreiben, ihren Ursprung hat, da man mit Weglassung des Tausend nur die Zahl der Hunderte bezeichnete, welches die mindere Zahl genannt wurde; im Jahre fünf hundert und zehen, für tausend fünf hundert und zehen. S. Jahrtausend. Im Tatian und dem alten Gedichte auf den heil. Anno kommt für Saeculum in dieser Bedeutung noch Vuerolt, Welt, vor.


Jährig (W3) [Adelung]


Jährig, adj. et adv. 1) Ein Jahr alt, Ein Jahr an Dauer habend. Ein jähriges Kind. Ein jähriges Kalb, ein jähriges Lamm, ( S. Jährling) Jährige Zinsen, welche ein Jahr gestanden haben, von einem Jahre her abgetragen werden. So auch in den Zusammensetzungen einjährig, zweyjährig, hundertjährig u. s. f. minderjährig, volljährig, großjährig, vierteljährig, halbjährig u. s. f. 29 Es ist nun jährig, daß er gestorben ist, es ist nun ein Jahr her. Es wird bald jährig werden. 3) In vorjährig und dießjährig bedeutet es, was im vorigen, in diesem Jahre ist oder geschehen ist. In engerer Bedeutung ist jährig in Franken so viel als ferdig, d. i. vorjährig. 4) Was ein Jahr währet, oder auf ein Jahr gilt; doch nur in einigen Zusammensetzungen. Ein hundertjähriger Kalender. Ein dreyjähriger Waffenstillstand, besser, auf drey Jahre. 5) Was alle Jahre Ein Mahl kommt oder geschiehet; auch nur in einigen Zusammensetzungen, indem im einfachen dafür jährlich üblich ist. Ein hundertjähriges Fest.


Jahrkleid (W3) [Adelung]


Das Jahrkleid, des -es, plur. die -er, ein Kleid, welches man Kindern zum feyerlichen Geschenke zu geben pfleget, wenn sie ein Jahr alt sind; in welchem Verstande im gemeinen Leben auch Jahrkäppchen, Jahrschuhe, Jahrkuchen u. s. f. üblich sind.


Jahrknecht (W3) [Adelung]


Der Jahrknecht, des -es, plur. die -e, ein Knecht, welcher sich auf ein Jahr, oder jahrweise vermiethet. In dem Salz- werke zu Halle werden die Träger, welche die Sohle in die Kothen tragen, Jahrknechte genannt.


Jahrkönig (W3) [Adelung]


Der Jahrkönig, des -es, plur. die -e, bey den Schützengesellschaften, ein König, dessen Würde ein ganzes Jahr dauert zum Unterschiede von dem Wochenkönige.


Jährlich (W3) [Adelung]


Jährlich, adj. et adv. 1) Was alle Jahre Ein Mahl ist oder geschiehet. Jährlich bezahlen, alle Jahre Ein Mahl. Die Bäume müssen jährlich beschnitten werden. Jährlich zur Ader lassen. Ein jährliches Fest, ein jährlicher Gedächtnißtag. 2) Was mehrere Jahre hinter einander, das Jahr über ist oder geschiehet. Die jährliche Witterung beobachten. Tausend Thaler jährlicher Einkommen haben, oder jährlich tausend Thaler u. s. f. Der jährliche Gehalt, Unterhalt u. s. f. Bey dem Tatian gijaro, im Schwed. arlig.


Jährling (W3) [Adelung]


Der Jährling, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein Thier, welches ein Jahr alt ist. Besonders ein Lamm, welches ein Jahr alt ist, und wenn es ein Bocklamm ist, ein Jährlingsbock, wenn es aber geschnitten ist, ein Jährlingshammel genannt wird. ein einjähriges Kalb oder Füllen heißt im Angels. Anwinter, gleichsam Einwinter, und im Nieders. zusammen gezogen Enter, so wie ein zweyjähriges Twenter.


Jahrlohn (W3) [Adelung]


Der Jahrlohn, des -es, plur. von mehrern Summen, die -löhne, der jährliche Lohn, der Lohn, welchen man jemanden für seine das Jahr über geleisteten Dienste bezahlet.


Jahrmarkt (W3) [Adelung]


Der Jahrmarkt, des -es, plur. die -märkte, ein öffentlicher Markt, d. i. befreyeter Kauf und Verkauf der Waaren, welcher des Jahres Ein oder etliche Mahl gehalten wird; zum Unterschiede von den Wochenmärkten. Auch der Ort, wo dieser Markt zu dieser Zeit gehalten wird. Auf den Jahrmarkt gehen. Im gemeinen Leben auch das Geschenk, welches man einem andern um diese Zeit macht. Jemanden einen Jahrmarkt kaufen, mitbringen. S. Messe.


Jahrpacht (W3) [Adelung]


Der Jahrpacht, des -es, plur. die -pächte, eine Pacht auf gewisse Jahre, eine Zeitpacht; zum Unterschiede von dem Erbpachte.


Jahrrechnung (W3) [Adelung]


Die Jahrrechnung, plur. die -en, die Art und Weise die Jahre zu berechnen, welche ein Stück der Zeitrechnung ist.


Jahrschneider (W3) [Adelung]


Der Jahrschneider, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schneidergesell, welcher noch ein Jahr als Gesell an einem Orte arbeiten muß, ehe er Meister werden kann. S. Jahrarbeiter.


Jahrschuß (W3) [Adelung]


Der Jahrschuß, des -sses, plur. die -schüsse, S. Jahrwuchs 3.


Jahrsfall (W3) [Adelung]


Der Jahrsfall, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden 1) Ein Recht, nach welchem die Gemeinschaft der Güter unter Eheleuten nach Verlauf eines Jahres eingeführet wird. 2) Das Recht, von der durch die Vollziehung der Ehe eingeführten Gemeinschaft der Güter innerhalb des ersten Jahres wieder abzugehen.


Jahrstag (W3) [Adelung]


Der Jahrstag, des -es, plur. die -e, ein feyerlicher Tag, welcher alle Jahre zu einer bestimmten Zeit Ein Mahl gefeyert wird, dergleichen der Geburtstag, Nahmenstag, Neujahrstag u. s. f. ist. Seinen Jahrstag begehen, seinen Geburtstag, 1 Mos. 40, 20. Matth. 14, 6.


Jahrszeit (W3) [Adelung]


Die Jahrszeit, plur. die -en, derjenige Theil eines Jahres, in welchem die Sonne einen der vier Quadranten des Thierkreises durchläuft. Die vier Jahrszeiten, der Frühling, Sommer, Herbst und Winter. In einer unbequemen Jahrszeit reifen. S. Jahrzeit.


Jahrtausend (W3) [Adelung]


Das Jahrtausend, des -es, plur. die -e, eine Zeit von tausend Jahren; ein nach dem Muster von Jahrhundert gebildetes Wort.


Jahrte (W3) [Adelung]


Die Jahrte, plur. die -n, S. Gerte.


Jahruhr (W3) [Adelung]


Die Jahruhr, plur. die -en, eine Uhr, welche das Jahr über nur ein Mahl aufgezogen werden darf.


Jahrweide (W3) [Adelung]


Die Jahrweide, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine gemeinschaftliche Weide, welche mehrern zusammen zustehet; die Gemeintrift, Koppelhuth.


Jahrwoche (W3) [Adelung]


Die Jahrwoche, plur. die -n, ein nur in der biblischen Zeitrechnung bekanntes Wort, wo die in dem Propheten Daniel vorkommenden siebenzig Wochen von den Auslegern Jahrwochen genannt werden, weil jede derselben sieben Jahre halten soll.


Jahrwuchs (W3) [Adelung]


Der Jahrwuchs, des -es, plur. die -wüchse. 1) Ohne Plural, ( S. Jahrgewächs,) 2) Der Jahrwuchs eines Baumes, die Ringe in dem Holze, deren dasselbe alle Jahre Einen ansetzet; der Jahrzirkel, auch nur das Jahr schlechthin. 3) Auch der junge Trieb, welchen ein Gewächs in einem Jahre der Länge nach macht; der Jahrschuß, der Loden.


Jahrzahl (W3) [Adelung]


Die Jahrzahl, plur. die -en, die Zahl der Jahre von einem gewissen merkwürdigen Zeitpuncte an. Die christliche Jahrzahl, die Zahl der seit Christi Geburt verflossenen Jahre. Die Jüdische Jahrzahl, die Zahl der Jahre von der Erschaffung der Welt an. Die Türkische Jahrzahl oder die Hegira, welche die Jahre von der Flucht Mahomeds aus Mecca an zählet. Mein Alter gehet mit der Jahrzahl, mit der Zahl der Zehner und Einer, oder mit der kleinen Zahl des Jahrhundertes.


Jahrzeit (W3) [Adelung]


* Die Jahrzeit, plur. die -en, eine feyerliche Zeit, welche des Jahres Ein oder mehrere Mahle gefeyert wird; ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches in der Deutschen Bibel mehrmahls von den jährlichen Festen vorkommt. Es. 1, 14; Kap. 29, 1. Gal. 4, 10. Sir. 33, 8. Bar. 1, 14.


Jahrzirkel (W3) [Adelung]


Der Jahrzirkel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Jahrwuchs.


Jähzorn (W3) [Adelung]


Der Jähzorn, des -es, plur. inus. ein jäher, d. i. schnell entstehender Zorn. Zum Jähzorne geneigt. Der verwünschte Jähzorn! Ingleichen die Fertigkeit, schnell in Zorn zu gerathen. Im Nieders. Hastigkeit, Hasting. Im Oberd. Gachzorn, Gächmüthigkeit. Im Hochdeutschen auch Jachzorn. S. Jähe.


Jähzornig (W3) [Adelung]


Jähzornig, -er, -ste, adj. et adv. Jähzorn besitzend, ingleichen in demselben gegründet. Ein jähzorniger Mensch. Im Oberd. gachzornig, gachmüthig, gächstützig, im Nieders. hastig, kortköppisch, kurzköpfig, kitzelköpfig.


Jakal (W3) [Adelung]


Der Jakal, eine Art morgenländischer Füchse, S. Schakal.


Jalape (W3) [Adelung]


Die Jalape, plur. inus. die Wurzel einer in dem südlichen Amerika einheimische Pflanze, welche noch ungewiß ist; indem der Ritter Linne anfänglich eine Art der Wunderblume, Mirabilis Jalapa, und hernach eine Art der Winde, Convolvulus Jalapa dafür angab. Nach dem Gleditsch ist es die Wurzel der langblümigen Wunderblume, Mirabilis logiflora.


Jalke (W3) [Adelung]


Die Jalke, plur. die -n, eine Art Schiffe, S. Holke.


Jalousie (W3) [Adelung]


Die Jalousie, plur. die -n, (sprich Schalusie, und im Plural viersylbig,) aus dem Franz. Jalousie. 1) Die Eifersucht, im gemeinen Leben. 2) Ein Gitter von schmalen hölzernen horizontalen Bretchen vor einem Fenster, daß man dadurch auf die Gasse stehen kann, ohne von andern gesehen zu werden. Im Franz. heißt ein solches Gitter Persienne.


Jammer (W3) [Adelung]


Der Jammer, des -s, plur. inus. 1) Ein hoher Grad des Klagens, des lauten Wehklagens. Man höret ein Geschrey zu Babel und einen großen Jammer in der Chaldäer Land, Jerem. 51, 54. So werdet ihr meine graue Haare mit Jammer in die Grube bringen, 1 Mos. 44, 29. Einen Jammer anfangen, einen großen Jammer führen. 2) Die Ursache dieses Jammers, der höchste Grad des Elends, der Noth. Vor Jammer vergehen. In seinem Jammer vergehen. Der Jammer ist nicht auszusprechen. Ich mag den Jam- mer nicht sehen. Das ist doch Jammer und Schade, im gemeinen Leben, das ist sehr zu bedauern, wofür man auch mit Auslassung des und, das ist doch Jammer Schade, sagt. In engerer Bedeutung wird die Epilepsie oder fallende Sucht im gemeinen Leben häufig der Jammer genannt. Den Jammer haben. Im Jammer liegen. 3) Die Wirkung desselben bey andern, ein hoher Grad des Mitleidens. Es ist ein Jammer anzusehen. Etwas mit Jammer ansehen. Der Jammer kommt ihm in das Herz.

Anm. Bey dem Ottfried Jamor, wo es so wohl den Schmerz, als auch das Elend bedeutet, bey dem Notker Amerlichi, im Dän. Jammer, im Schwed. Jaemmer, im Isländ. Ymr, im Angels. Geomor. ( S. Jammern,) Ein anderes nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort ist Jammer, eine große Menge, ein Jammer Leute, ein Jammer Wagen; wo es aus Gewimmel zusammen gezogen zu seyn scheinet.


Jammergesang (W3) [Adelung]


Der Jammergesang, des -es, plur. die -sänge, ein kläglicher, jämmerlicher Gesang. 3 Macc. 5, 7. Kap. 5, 22.


Jammergeschrey (W3) [Adelung]


Das Jammergeschrey, des -es, plur. die -e, ein jämmerliches, von dem Jammer erpreßtes Geschrey. Ein Jammergeschrey erheben. Es. 15, 5. Jer. 48, 5.


Jämmerlich (W3) [Adelung]


Jämmerlich, -er, -ste, adj. et adv. dem Jammer gleich, ähnlich, in demselben gegründet, in den beyden ersten Bedeutungen des Hauptwortes. Jämmerlich aussehen. Ein jämmerliches Ende nehmen. Er ist sehr jämmerlich gestorben. Jemanden auf die jämmerliche Art ermorde. Bey dem Ottfried iamarlicho.


Jammern (W3) [Adelung]


Jammern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1) Die Empfindung des höchsten Grades der Schmerzen, des Elendes durch laute Klagen an den Tag legen. Winseln und jammern. Bald hör' ich lautes Händeringen und ein jammerndes Gewimmer. Jammernd irr' ich an der Silberquelle, Wiel. 2) Zum höchsten Grade des Mitleides bewegen, mit der ersten Endung der Sache, und der vierten der Person. Du jammerst mich. Sein Unglück hat mich sehr gejammert. Besonders unpersönlich mit der vierten Endung der Person. Es jammert mich, daß er so elend umgekommen ist. Mich jammert herzlich, daß mein Volk so verderbe ist, Jer. 8, 21. Ingleichen mit der zweyten Endung. Meine Seele jammerte der Armen, Hiob. 30, 25. Ihn jammerte des Volks, Matth. 9, 36. Dich jammert des Kürbis - und mich sollte nicht jammern Ninive solcher großen Stadt, Ion. 4, 10, 11. Wo es im ersten Falle für dauern stehet, in welcher Bedeutung es im gemeinen Leben auch häufig gebraucht wird. Es jammert mich, daß ich es wegwerfen muß.

Anm. Bey dem Notker iameron, im Angels. geomrian. Daß das j nicht wesentlich zum Stamme gehöre, erhellet aus dem ameron, jammern, bey dem Notker, und dem Isländ. ymra. Es ist, so wie wimmern und das Latein. gemere, ohne Zweifel eine Nachahmung des durch Seufzen und Wehklagen hervor gebrachten Lautes.


Jammerthal (W3) [Adelung]


Das Jammerthal, des -es, plur. inus. ein nur noch in der biblischen Schreibart übliches Wort, die Erde und den Aufenthalt auf derselben zu bezeichnen. Ps. 84, 6, 7.


Jammervoll (W3) [Adelung]


Jammervoll, adj. et adv. voll Jammers, d. i. so wohl der ängstlichen Klage, als auch des höchsten Grades des Elendes. Ein jammervoller Gatte. Ein jammervolles Leben. Vier jammervolle Nächte.


Janitschar (W3) [Adelung]


Der Janitschar, des -en, plur. die -en, ein aus dem Türkischen Genitzeri oder Gengitzeri verderbtes Wort, die Türkischen in beständigem Solde stehenden Soldaten zu Fuße zu bezeichnen. Daher die Janitscharen-Musik, die bey ihnen übliche Feldmusik.


Jänner (W3) [Adelung]


Der Jänner, des -s, plur. ut nom. sing. der Nahme des Januars in einer Deutschen Gestalt, welcher gemeiniglich, aber nicht so richtig, Jenner geschrieben wird, S. Januar.


Jännerschein (W3) [Adelung]


Der Jännerschein, des -es, plur. die -e, in der Kalenderwissenschaft, der Neumond im Jänner oder Januar, S. Schein.


Januar (W3) [Adelung]


Der Januar, des -es, plur. inus. der Römische Nahme des ersten Monathes im Jahre, welcher von Carl dem Großen, nach dem Raban Maurus und Eginhard, Wintarmanoth, Wintermonath, genannt wurde, welchen Nahmen er auch noch führet. Indessen ist auch der aus dem Latein. verkürzte Nahme Jenner, oder richtiger Jänner, üblich. In Lünigs Corp. Jur. Feud. Th. 3. S. 107 kommt ein Lasemond vor, welchen man gleichfalls für den Januar hält. Im Schwed. heißt er Torsmanod.


Jäschen (W3) [Adelung]


Jäschen, Jäscht, S. Gäschen, Gäscht.


Jäse (W3) [Adelung]


Die Jäse, plur. die -n, oder der Jäsen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Mark Brandenburg, der Nahme eines eßbaren Flußfisches, welcher auch Gäse, Giese, ingleichen Bratfisch genannt wird. S. Alant.


Jasmin (W3) [Adelung]


Der Jasmin, des -es, plur. inus. ein Staudengewächs, welches weiße oder gelbe wohl riechende Blüthen träget, und aus Ostindien zu uns gekommen ist; Jasminum L. Ital. Gelfi minor, Franz. Jasmin, nach welchem Muster einige auch den Deutschen Nahmen Schesmin aussprechen. Der Wälsche oder wilde Jasmin ist dem Geschlechte nach ein anderes Gewächs, welches in Italien einheimisch ist; Philadelphus coronarius L.


Jaspiß (W3) [Adelung]


Der Jaspiß, des -sses, plur. inus. außer von mehrern Arten, die -sse, ein glasartiger, feiner, undurchsichtiger Felsenstein, welcher eine gute Politur annimmt, und daher unter die Halbedelsteine gerechnet wird, ob er gleich oft große und lange Gebirge ausmacht. Man findet ihn von verschiedenen Farbe, da er denn, wenn er fleckig ist, zuweilen auch Pantherstein genannt wird. Der Nahme ist morgenländisch, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Persisch Jascp, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Die Dichter haben aus Unkunde von diesem Steine oft einen sehr seltsamen Gebrauch gemacht. Z. B. Gryphius: Dieser Blumen Jaspis kann Sarder und Smaragd abstechen.


Jaspiß-Achat (W3) [Adelung]


Der Jaspiß-Achat, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein mit Achat vermengter Jaspiß, daher er durchsichtige Stellen hat.


Jasp-Onyx (W3) [Adelung]


Der Jasp-Onyx, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein mit Onyx vermengter Jaspiß.


Jäten (W3) [Adelung]


Jäten, S. Gäten.


Jauch (W3) [Adelung]


Jauch, ein Narr, S. 1. Gauch.


Jauche (W3) [Adelung]


Die Jauche, S. Gauche.


Jauchert (W3) [Adelung]


Das Jauchert, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches im Oberdeutschen am üblichsten ist, wo es auch Jauch, Juch, Jauchart und Juchart lautet, obgleich in andern Gegenden ein Jauch oder Jeuch von einem Jauchart noch verschieden ist. Es ist ein Feldmaß, welches ungefähr mit unsern Morgen überein kommt, aber nicht an allen Orten gleich ist, und bald von Äckern allein, bald auch von Wiesen, Weinbergen, Holzungen u. s. f. gebraucht wird. Am Rheinstrome hält ein Juchart 300 Rheinl. Quadrat-Ruthen; in Basel aber 140 Baseler Quadrat-Ruthen, jede von 16 Fuß. In Ober-Elsaß hat ein Jeuch oder Mannwerk 180 Quadrat-Ruthen, jede von 15 Fuß; anderthalb Jeuch aber machen daselbst ein Juchart oder ein Thauen. Zu Mümpelgard hält das Juchart 300 Quadrat-Ruthen, jede von 10 Schuh; im Durlachischen aber, wo Acker, Juchart- und Morgen ohne Unterschied gebraucht werden, 116 Quadrat-Ruthen. Ein Juchart Reben oder Weinberge hält in Zürch 320 Quadrat-Ruthen; in Bern, an Ackern und Wiesen 31250 Berner Quadrat-Fuß, ein Waldjuchart aber 45 000; und in Baiern an Waldungen 400 Quadrat-Ruthen, die Ruthe zu 10 Fuß und den Fuß zu 12 Zoll. An einigen Orten ist es männlichen Geschlechtes, der Juchart. Es scheinet zunächst aus dem Lat. Jugerum entlehnet zu seyn, welches eben dieselbe Bedeutung hat, aber mit Jeuch von Joch abstammet, und eigentlich so viel Acker bedeutet, als ein Mann mit einem Joch Ochsen des Tages über ackern kann. Juchart, ein Morgen, was ein Zug des Tages eeren mag, Pictor. Jugerum, secundum quod communiter accipitur, est spatium terrae, quod unum aratrum potest arare in die, Balbus im Catholico. S. Morgen, Pflug, Haken u. s. f. welche auf ähnliche Art gebraucht werden. Das Nieders. und Holl. steinische Juk oder Juck, welches hin und wieder gleichfalls als ein Feldmaß für Morgen gebraucht wird, ist auch nichts anders als das Nieders. Juk, ein Joch, S. Joch.


Jauchzen (W3) [Adelung]


Jauchzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, seine Freude durch ein lautes Freudengeschrey an den Tag legen, und in weiterer Bedeutung, den höchsten Grad der Freude empfinden und äußern. Da nun Josua hörete des Volkes Geschrey, daß sie jauchzeten, 2 Mos. 32, 17. Da jauchzete alles Volk und sprach, Glück zu dem Könige, 1 Sam. 10, 24. Die Völker freuen sich und jauchzen, daß du die Leute recht richtest, Ps. 67, 5. In der höhern Schreibart auch mit der dritten Person des persönlichen Gegenstandes. Jauchzet dem Herrn alle Welt, Ps. 98, 4. Dir jauchzte das von dir geschützte Vaterland, Cron. Ingleichen mit der zweyten Endung der Sache. Jauchze dann des Siegs in deinem Herzen, Weiße. Anm. Dieses Zeitwort, welches in unsern alten Denkmählern nicht vorkommt, ist ein Iterativum oder Intensivum von dem im Hochdeutschen unbekannten jauchzen, welches noch in den niedrigen Sprecharten juchzen lautet, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und mit demselben von dem Zwischenworte juch, im Oberd. jauch, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Latein. io, dem natürlichen Ausbruche der lauten ausgelassenen Freude, abstammet. Mit dem ey oder hey verlängert lautet dieses Zwischenwort auch hey! wovon man in Nieders. sagt, sein Vermögen verjuchheyen, mit Freuden durchbringen, daher ein solcher Verschwender auch ein Juchheyer genannt wird. So wie unser jauchzen von dem Oberd. jauch! herstammet, so hat man von juch! in den niedrigen Sprecharten juchzen, welches daselbst aber nur von der ausgelassenen, mit Schreyen begleiteten Freude des großen Haufens, besonders betrunkener Leute, üblich ist, dagegen jauchzen auch in der edlen, besonders dichterischen Schreibart gebraucht wird. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - kommt damit selbst in der Form überein.


Jauchzer (W3) [Adelung]


Der Jauchzer, des -s, plur. ut nom. sing. der Ausruf juch! als ein Ausbruch der wilden Freude betrachtet. Laß die freyen Jauchzer klingen. Im gemeinen Leben Juchzer.


Jauner (W3) [Adelung]


Der Jauner, S. Gauner.


Jawort (W3) [Adelung]


Das Jawort, des -es, plur. die -e, das Zwischenwort ja, als ein Wort, als ein Ausdruck betrachtet, doch nur so fern es eine Einwilligung in das Verlangen eines andern bedeutet. Am häufigsten gebraucht man es von der feyerlichen Einwilligung zur Ehe gegen den anwerbenden Theil, und da dieses von dem männlichen Geschlechte geschiehet, so ist es auch eigentlich das weibliche, welches das Jawort gibt. Das Jawort, sein Jawort von sich geben, sich erklären, daß man eine Person heirathen wolle. Er hat das Jawort von ihr schon erhalten. Um das Jawort anhalten. In weiterer aber ungewöhnlicher Bedeutung für Bestimmung kommt es bey dem Canitz vor: Darum hätt' ich diesen Klagen Bald mein Jawort zugesellt, Can. Im Nieders. hat man auch das Neywort, das Neinwort, für eine abschlägige Antwort.


Je! (W3) [Adelung]


1. Je! in den gemeinen Mundarten, besonders Niedersachsens, der verkürzte Nahme Jesus, so fern er in Ausrufungen gebraucht wird. Herr Je! o Je! Schwindel, Übelkeit und heftiges Seitenstechen erlaubten ihr noch kaum ein klägliches, ach Herr Je! Rost. Die ähnlichen Herr Jemi! Herr Jemini! O Jemini! scheinen ähnliche Verbrechungen dieses Nahmens zu seyn.


Je! (W3) [Adelung]


2. Je! das im gemeinen Leben veränderte Zwischenwort ey! welches oft auch nur ie und i lautet. Da das seine Jünger hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen: Je wer kann denn selig werden! Matth. 19, 25. S. Ey und je bey dem Vocale I.


Je (W3) [Adelung]


3. Je, eine Partikel, welche überhaupt eine Allgemeinheit bedeutet, so wohl der Zeit, als der Sache. I. Der Zeit. 1) So wohl eine beständige, ununterbrochene Fortdauer zu bezeichnen, als auch für immer, zu allen vorkommenden Zeiten und Gelegenheiten; bey dem Notker und Ottfried ieo, bey den Schwäbischen Dichtern ie, im Schwed. a, ae, ee und e, bey dem Ulphilas aio, im Angels. a, aa, im Isländ. ei, im Wallis. en, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, S. Ewig. Er (Gott) ist ieo dasselbe, Notker, zu allen Zeiten derselbe. Rehte froide lobte ich ie, Reinmar der Alte. Ih leiste ie swas si mir gebot, ebend. Es ist je einer reicher als der andere, immer. Es betriege je iener den andern, immer. Wo man es zur Verstärkung der Bedeutung auch wohl zu wiederhohlen pflegte; je und je, zu allen Zeiten, Schwed. ae ok ae. Wie ich je und je nicht wohl beredt gewesen, 2 Mos. 4, 10. Denn sie verließen je und je den Herren, Richt. 2, 13. Ich habe dich je und je geliebt, Jer. 31, 3. Bey dem Notker bedeutet ieo unde ieo auch figürlich und intensive etiam atque etiam, und in Schwaben ist je und je, oder ie und ie, von Zeit zu Zeit, bisweilen. Je zuweilen, je zu Zeiten, je bisweilen, für zuweilen, bisweilen, zu Zeiten, kommen auch noch zuweilen im gemeinen Leben der Hochdeutschen vor. In dieser ganzen Bedeutung ist es im Hochdeutschen für sich allein veraltet, wo man es in derselben nur noch in der R. A. von je her kennet, d. i. von allen Zeiten, oder doch von einer sehr langen Zeit her, von Anfange an. Er hat von je her nichts getaugt. Das ist von je her seine Lieblingsmeinung gewesen. Alle große Leute sind von je her für Wahnsinnige ausgeschrien worden. Auch der Gebrauch dieses Wörtchens, da es eine austheilende oder distributive Eigenschaft hat, scheinet ein Überbleibsel dieser Bedeutung zu seyn. Sie gingen je zwey und zwey, es gingen immer zwey zusammen. Sie gingen je vier, je acht. Von den allen soll je ein Paar zu dir hinein gehen, 1 Mos. 6, 20. Aus allerley reinem Vieh nimm du dir je sieben und sieben, Kap. 7, 2. Wofür man auch mit Auslassung des je sagt, sie gingen zwey und zwey. 2) Für jemahls, zu irgend einer vergangenen oder zukünftigen Zeit, im Gegensatze des ie; bey den Schwäbischen Dichtern ie, im Oberdeutschen ie. Wer hat solches je gesehen und je gehöret? Es. 66, 8. Habt ihr auch je Mangel gehabt? Luc. 22, 35. Was hat er denn gethan? - Mehr als ich je gedacht, Gell. War je ein Wunsch, den mein Auge verrieth, den du nicht erfülletest? Geßn. Ich schäme mich auch nicht, je anders gedacht zu haben. Die Auf- richtigkeit ist die letzte Tugend, von der wir uns je trennen sollten. Nach andern verneinenden Wörtern, als klein, niemand, ist es überflüssig und widrig; z. B. nie ist das je erhöret worden. II. Der Sache, für jeder, wo es im eigentlichen Verstande doch nur noch in den Zusammensetzungen jeder, jeglichen, jedweder, jemand, u. s. f. üblich ist. Indessen scheinet noch ein gedoppelter Gebrauch dieses Wörtchens davon abzustammen. 1) Da es eine austheilende oder proportionale Bedeutung in Ansehung ganzer Sätze hat, in Verbindung mit dem nachdem. Sie kann lachen und weinen, je nachdem es ihr einfällt, d. i. jedes nachdem u. s. f. Es ist gleichgültig, ob dieses oder das geschiehet, je nachdem die Umstände es erfordern. Ich habe der werlte ir reht getan Ie nach der masse als es mir stuont, Reinmar der Alte. 2) Vor zwey auf einander folgenden Comparativen, wo es eine Vertheilung eines gleichen Maßes oder Verhältnisses über beyde bezeichnet, und jedem derselben vorgesetzet wird. Es wird je länger je schlimmer, d. i. nach dem Maße, wie die Zeit wächset, nach eben demselben Maße nimmt auch der schlimme Zustand an innerer Stärke zu. Daß du je länger je mehr thust, Offenb. 2, 19. Je mehr ihrer wird, je mehr sie kündigen, Hof. 4, 7. Je höher du bist, je mehr dich demüthige, Sir. 3, 20. Je länger hier je später dort. Je größer Schelm, je besser Glück. Je mehr man tröstete, je mehr Dorinde schrie, Gell. Je länger je lieber, ein Nahme des Bittersüß oder Nachschattens, Solanum dulcamara L. wegen des angenehmen Geruches der Blüthen. Ingleichen der Specklilie, Lonicera Periclimenum L. Dort lockt der Je länger je lieber Die Freunde des Laube zum Scherz, Bernh. Das letzte je kann seine Stelle auch von dem desto vertreten lassen, welches besonders alsdann üblich ist, wenn jeder Comparativ sein eigenes Zeitwort hat, da denn das zum Zeitworte gehörige Pronomen hinter dasselbe tritt. Je mehr ich ihr von der Liebe vorsage, desto unempfindlicher wird sie, Gell. Je mehr wir die Unzulänglichkeit unserer Kräfte fühlen, desto mehr wird unsre Demuth wachsen, ebend. Ingleichen mit einer Inversion, so daß der zweyte Satz der erste wird. Ein Kunstwerk ist desto schöner, je vollkommner es ist; das heißt: je mehr es Theile hat, und je mehr alle diese Theile zum Zwecke beytragen, Sulz. Nur dürfen diese je nicht von ihren Comparativen getrennet werden, noch ein Vorwort vor oder nach sich haben, welches allemahl einen unangenehmen Mißklang verursacht. Das Genie ist desto größer, je in einer größern Kunst es glücklich ist, Litteratur-Br. für: je größer die Kunst ist, in welcher es glücklich ist. Ein System ist desto schöner, aus je einer größern Anzahl von Sätzen es bestehet, Sulz. für: je größer die Anzahl von Sätzen ist, aus welchen es bestehet. S. Desto.

Anm. Diese Partikel ist durch Vorsetzung des müßigen Jod aus schon oben angeführten ee, e, gebildet. Im Oberdeutschen lautet sie ie. Als eine versichernde Partikel, wo sie für ja stehet, und auch aus demselben verderbt zu seyn scheinet, ist sie im Hochdeutschen veraltet. Das ist je auch eitel, Pred. 4, 16, 18. So ist je besser zwey denn eins, V. 9. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt je das Reich Gottes zu euch, Luc. 11, 20. Das Gesetz ist je heilig, Röm. 7, 12. S. Ja 2, 6.


Jedennoch (W3) [Adelung]


Jedennoch, ein Bindewort, welches das mit dem je ohne Noth und Nutzen verlängerte Bindewort dennoch ist, und besonders in dem langweiligen Kanzleystyle statt desselben gebraucht wird. S. Dennoch und Jedoch.


Jeder (W3) [Adelung]


Jeder, ein uneigentliches persönliches Pronomen, welches einen Satz auf alle Individua eines aus mehrern einzelnen Dingen bestehenden Ganzen bestimmet. Das es nun das Subject vermöge seiner Bedeutung schon auf alle mögliche Art bestimmet, so leidet es den bestimmten Artikel nicht, wohl aber den unbestimmten ein, in welche, letztern Falle es zugleich eine Veränderung in der Declination leidet. Es wird auf folgender Art decliniret, es mag übrigens conjunctive oder absolute stehen: Nom. Jeder, jede, jedes Gen. Jedes, jeder, jedes. Dat. Jedem, jeder, jedem. Acc. Jeden, jede, jedes. Mit dem unbestimmten Artikel ein aber: Ein jeder, eine jede, ein jedes. Eines jeden, einer jeden, eines jeden. Einem jeden, einer jeden, einem jeden. Einen jeden, eine jede, ein jede, ein jedes. Es stehet sowohl absolute, als conjunctive, d. i. es kann so wohl sein Hauptwort bey sich haben, als auch sich auf dasselbe beziehen. Jedes Land hat seinen Gebrauch, und jedes Jahrhundert seine Sitten. Jeder Tag vermehret seine Liebe und seine Ungeduld. Jede kleine Miene zeuget von seinem guten Herzen. Die Alten bildeten sich ein, jedes nach Regeln gebauete Wesen, welches denkt, sey ein Theil der allgemeinen Weltseele. Einem jeden Narren gefällt seine Kappe. Auf jeder Seite stand ein Bild. Wo es im Oberdeutschen und der höhern Schreibart der Hochdeutschen auch zuweilen für all gebraucht wird. Jede Freude ist dahin. Jede Versammlung, jedes Getöse, jedes Schreyen des Volks verliert sich in ihrer Gegenwart, Abt. Zuweilen auch, obgleich sie sich unter jeden andern Umständen geglaubt haben. Denn anstatt des Plurals bedienet man sich lieber des absoluti jeder mit dem Vorworte von, oder in der höhern Schreibart mit der zweyten Endung. Jeder von unsern Freunden, oder jeder unserer Freunde. Mein Herz hat bey jedem ihrer Worte blutige Thränen geweinet. Sie lebet in jedem meiner Gedanken. Eigentlich ist der Plural nur in Verbindung mit dem alle erlaubt, jede mag übrigens conjunctiv oder absolut seyn. Alle und jede, Gen. aller und jeder, Dat allen und jeden, Acc. alle und jede; d. i. alle ohne Ausnahme und jedes Individuum derselben ins besondere. Das Absolutum ist in der Declination dem Conjunctivo gleich. Jeder merkt auf meine Handlungen. Ein jeder thut immer gern etwas andres, als er thun sollte. Sich nach eines jeden Gemüthsart, oder nach jedes Gemüthsart richten. Gib einem jeden oder jedem etwas. Im gemeinen Leben wird das Neutrum jedes auch häufig für jedermann, jede Person gebraucht. Da lobte jedes dieß Gesichte, Weiße. Es ist gleichgültig, ob man den unbestimmten Artikel ein Es ist gleichgültig, ob man den unbestimmten Artikel ein diesem Fürworte beygefüget oder nicht; aber eben darum, weil es gleichgültig ist, lässet man denselben in der edlen und höhern Schreibart lieber weg, weil er die Rede nur schleppend und weitschweifig macht, es wäre denn, daß man um des Wohlklanges willen einen Satz mit der Sylbe anfangen müßte, welche den Tion nicht hat, da denn ein jeder für jeder guter Dienste leistet. Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Fürwort auch um eine Sylbe länger, jederer, jedere, jederes, Gen. jederes, je- derer, jederes, Dat. jederem oder jederm, jederer, jederem u. s. f. Wer doch gewesen sey, jedes Haupt und Leitesmann Nach jeders Sagen selbst, Opitz. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieses Wort, wie Frisch vermuthet, aus jedweder zusammen gezogen ist. Allein die letzte Hälfte kann auch das Fürwort der seyn, welches mit dem je dem Zeichen der Allgemeinheit, verbunden worden. Im Engl. ist dafür every one, im Franz. chacun, und im Schwed. eweli en, üblich, wo das erste und letzte das Fürwort wer und welch zu seyn scheinen, wie im Dänischen hver, enhver, ein jeder. Im Pohlnischen ist jeden, jedna, jedno, einer, eine, eines. S. Jedweder und Jeglich.


Jederhand (W3) [Adelung]


Jederhand und Jederley, zwey nur im Oberdeutschen übliche unabänderliche Beywörter, für von jeder Art. Jederhand Menschen, Menschen von jeder Art. Gold und Freundschaft sind gleich köstlich; jederley von dieser Waar Sucht man mühsam, findt man sparsam, hat man immer mit Gefahr, Logau. Wo das letztere in weiterer Bedeutung für jedes stehet. Siehe Hand und -Ley.


Jedermann (W3) [Adelung]


Jedermann, ein persönliches Fürwort, welches aus jeder und Mann, in der weitesten Bedeutung für Person, Mensch, zusammen gezogen ist, nur allein im Singular üblich ist, kein Hauptwort nach sich leidet, weil es dasselbe schon bey sich führet, und alsdann gebraucht wird, wenn jeder in der allgemeinsten Bedeutung so viel als alle Personen, alle Menschen bedeutet. Es nimmt in der zweyten Endung ein s an, bleibt aber in den übrigen unverändert. Gestohlen Brot schmeckt jedermann wohl, Sprichw. 20, 17. Offenbare dein Herz jedermann, Sir. 8, 22. Ihr müsset von jedermann gehasset werden, Matth. 10, 22. Jedermann gibt zum ersten guten Wein, Joh. 2, 10. Der Glaube ist nicht jedermanns Ding, 2 Thess. 3, 2. Das ist nicht jedermanns Kauf. Für jedermann arbeiten. Jedermanns Freund seyn. Im gemeinen Leben, besonders im Oberdeutschen auch mit dem müßigen Artikel ein. Ein jedermann verstarrt, Opitz. Anm. Im Oberdeutschen auch iedermann, jedermänniglich, allermänniglich, männiglich, im Nieders. ider, een, allmann, manlik, mallik, malk, malx, welche letztern aus männiglich verderbt sind, im Dän. hvermand.


Jederzeit (W3) [Adelung]


Jederzeit, ein Nebenwort der Zeit, für zu jeder Zeit, d. i. zu aller Zeit, aus welcher R. A. es auch zusammen gesetzet ist. Er ist jederzeit mein Freund gewesen. Die Menschen sind jederzeit unbeständig. Ich habe ihn jederzeit aufrichtig befunden.


Jedesmahl (W3) [Adelung]


Jedesmahl, ein aus jedes Mahl, zu jedem Mahle, zusammen gezogenes Nebenwort. Hier ist die Vorschrift, wie du dich jedesmahl zu verhalten hast. Nimm jedesmahl vier Loth. Ich habe ihn sehr viel Mahl gesehen, aber jedesmahl mißvergnügt. ehedem sagte man dafür zu aller Fahrt.


Jedesmahlig (W3) [Adelung]


Jedesmahlig, adj. was jedesmahl ist oder geschiehet, i jedem der einzelnen Fälle gegründet ist. Die Prüfung der jedesmahligen Beschaffenheit seiner Zuhörer, welche man in jedem einzelnen Falle vor sich hat. So wie es die jedesmahligen besondern Umstände zulassen. Die jedesmahligen Könige von Frankreich, welche in jedem einzelnen Falle daselbst regieret haben. Im Oberdeutschen jeweilig.


Jedoch (W3) [Adelung]


Jedoch, ein Bindewort, welches das mit der Partikel je verlängerte Bindewort doch ist, und vornehmlich in folgenden Fällen gebraucht wird. 1) Eine Einschränkung zu begleiten, für des- sen ungeachtet. Es schmeckt bitter; jedoch es ist nichts Böses. Ich erlaube es dir, jedoch unter der Bedingung. Ich erwarte dich, jedoch daß du deinen Freund mitbringest. Er kränkte mich zwar, jedoch nicht so sehr, daß u. s. f. 2) Eine Compensation. Die Gewitter richten freylich vielen Schaden an; jedoch sind sie zur Fruchtbarkeit unentbehrlich. Du hättest es bekommen, wo nicht mit Gewalt, jedoch mit Güte. 3) Eine angefangene Rede abzubrechen. Es wäre viel davon zu sagen; jedoch, ich will schweigen. 4) Einen Gegensatz. Weit heftiger als der Trieb zum gesellschaftlichen Leben ist jedoch der Trieb zur Einsamkeit.

Anm. Bey dem Willeram iedoh, in dem alten Fragmente auf Carln den Großen jethoh, bey dem Ho. negk yedoch, bey den Schwäbischen Dichtern doh, iedoh, im Oberdeutschen und Nieders. idoch, idog. Da das je in diesem Worte den Ton nicht hat, so scheinet es hier für ja zu stehen und aus ja doch zusammen gezogen zu seyn.


Jedweder (W3) [Adelung]


Jedweder, ein altes persönliches Pronomen, welcher mit jeder gleichbedeutend ist, und auch so wie dieses gebraucht und decliniret wird. Gib einem jedweden Manne zwey Groschen oder jedwedem Manne. Man kann nicht einem jedweden geben. Das ist nicht für jedweden. Wie eine liebliche Aussicht jedweden anlacht, Herd. Da dieses Pronomen nichts mehr sagt, als jeder, und doch um eine Sylbe länger ist, so kommt es in der edlen und höhern Schreibart seltener vor.

Anm. Bey dem Ottfried, der es auch für jeder von beyden gebraucht, jagiuueder, bey dem Notker ieouuederer, bey dem Stryker jetweder, in der Parän. Tirol jetwdr, im Schwabenspiegel ietuueder, bey dem Jeroschin ygwedir. Es bedeutet eigentlich jeden von beyden, und in weiterer Bedeutung jeden von allen. ( S. Weder,) Im Oberdeutschen hat es so wie jeder noch eine Sylbe mehr, jedwederer, jedwedere, jedwederes, Genit. jedwederers u. s. f.


Jeglicher (W3) [Adelung]


Jeglicher, ein persönliches Pronomen, welches mit jedweder und jeder so wohl in der Bedeutung, als auch in der Declination und dem Gebrauche überein kommt, aber so wie jedweder mehr im Oberdeutschen und gemeinen Leben der Hochdeutschen, als in der edlern Schreibart der letztern vorkommt. Ein jeglicher für sich, Gott für uns alle. Für jegliche Person einen Stuhl. Jegliches Thier hält zu seines Gleichen. In der Deutschen Bibel kommt es sehr häufig vor.

Anm. In dem Isidor eo hihuueluhher, und bey dem Kero eocouueliher, woraus erhellet, daß dieses Wort aus je oder jeg, dem Zeichen der Allgemeinheit, im Angels. aeg, und welcher zusammen gezogen ist, ( S. 3. Je,) ob es gleich gar bald mancherley Veränderungen erlitten hat. Bey dem Ottfried lautet es giuuelih, iogelihir und iagilih, bey dem Notker schon ieglicher, ieuuel und iegelih, im Tatian jogiuuelih, allerogiuuelih, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno iuuelich, in dem alten Lege Ludovici et Carolin von 840 iouvelih, bey dem Willeram iegelih, im Schwabenspiegel jeglik, bey dem Stryker igeleich, bey der Winsbeckinn jegeslich, im Theuerdanke ein yetlicher, zu Anfange des 16ten Jahrhundertes am Nieder-Rheine ytlich, im Angels. aeghwyle, in dem älteren Nieders. jowelker, jouwelken, jewelik, islik, in dem heutigen erlik, idtlik, igelik, jegelik, elk, elkeen, im Schwed. ehwilken, eweli en. S. Welch.


Jelle (W3) [Adelung]


Die Jelle, ein Jahrzeug, S. 2. Gölle.


Jemahls (W3) [Adelung]


Jemahls, ein Nebenwort der Zeit, welches aus je, dem Zeichen der Allgemeinheit, und Mahl zusammen gesetzet ist, zu irgend einer Zeit, im Gegensatze des niemahls. Zu welchem Engel hat er jemahls gesagt u. s. f. Ebr. 1, 5. Niemand hat Gott jemahls gesehen, 2 Joh. 4, 12. Haben sie wohl jemahls etwas davon gehöret? Er ist wieder so gesund, als er jemahls gewesen ist. Wenn ich mich jemahls wieder zur Liebe entschließe, so haben sie das erste Recht auf mein Herz, Gell. Ich würde des Hasses der ganzen Welt werth seyn, wenn ich jemahls aufhören könne, sie zu lieben, ebend. Jemahl, für jemahls, kommt seltener vor, obgleich andere mit Mahl zusammen gesetzte Nebenwörter das s entbehren könnten. ( S. Mahl,) Jemahlen für jemahls ist Oberdeutsch, wo dieses Wort auch imahls lautet. Im Nieders. kommt dafür jewerfe, jewarf, jewerle vor, von Werb, ein Mahl; so wie für niemahls unwerfe, unwerle und newerle.


Jemand (W3) [Adelung]


Jemand, ein persönliches Pronomen, welches nur im Singular üblich ist, und eine unbestimmte Person bezeichnet, d. i. eine Person, von welcher man nichts weiter bestimmen kann, oder will, als daß es eine Person ist, ein Mensch; im Gegensatze des niemand. Wo ist jemand, der da lebet und den Tod nicht sähe? Ps. 89, 49. Womit jemand sündiger, damit wird er auch geplagt, Weish. 11, 17. So jemand mein Wort hält, Joh. 8, 52. Ist jemand da? Es ist jemand da, der uns sprechen will. Seine Frau oder sonst jemand. Wenn es jemand von ihnen hören sollte. Jemand von unsern Freunden. Es ist eigentlich ein absolutes Fürwort, welches kein Hauptwort nach sich leidet, weil es dasselbe schon bey sich führet. Nur in der vertraulichen Sprechart pfleget man ihm gern ein Hauptwort ungewissen Geschlechtes nachzusetzen. Es ist jemand Fremdes da, ein Fremder. Ich sahe jemand Vornehmes kommen. Wenn es jemand Fremdes ist, so sagen sie, ich bin nicht zu Hause, Weiße. Ich habe es jemand Unbekannten gegeben. Nur in der zweyten Endung ist dieses nicht üblich.

Anm. Dieses Pronomen, welches im Oberd. imand lautet, ist aus je und Mann zusammen gesetzet, und daher auch lange jeman geschrieben worden. Bey dem Kero comann, bey dem Ottfried iaman, im Isidor eomanne, bey dem Willeram jeman, Tatian imen, bey dem Hornegk yeman; da man es denn auch wie Mann zu declinieren pflegte. Comannen, bey dem Kero in der vierten Endung, jemans in der zweyten im Schwabenspiegel, iamanne und jemanne in der dritten be., dem Ottfried und den Schwäbischen Dichtern. Wart iemanne ein wib so lieb als si mir ist, Reinmar der Alte. So auch niemanne in der dritten Endung, bey einem andern Schwäbischen Dichter. Als man nachmahls das d euphonicum an dieses Wort hängte, so ward man auch in der Declination irre. Die zweyte Endung jemands oder jemandes fand keinen Anstoß; nur in der zweyten und dritten Endung machten einige mit Gottscheden jemanden, andere wollten gar jemandem und im Accusativ jemanden haben; noch andere ließen es unverändert jemand. Das letzte hat die meisten Stimmen und außerdem auch die Analogie von jedermann für sich, welches außer der zweyten Endung gleichfalls nicht verändert wird. Mit dem angehängten t findet sich schon bey dem Hornegk ympt für jemand. Im Nieders. lautet dieses Fürwort jummende, jums und jüms. Indessen sind dafür in dieser Mundart auch die unbestimmten ein und wer üblich. Ich höre wen kommen. Es ist einer da. Ich höre, daß sich wer, denselben anzustechen, In einer Schrift erkühnt, Abel im übersetzten Boileau. Siehe Mann.


Jener (W3) [Adelung]


Jener, jene, jenes, pronom. demonstrat. relat. welches in der Declination mit dem Pronomie dieser überein kommt, sich auf eine entfernte Sache beziehet, und dieselbe so genau bestimmet, als wenn man gleichsam mit Fingern darauf wiese. Es ist so wohl conjunctiv als absolut, d. i. es kann ein Hauptwort bey sich haben, oder nicht. Es bestimmet aber, 1. Überhaupt, eine entfernte Sache, sie sey nun dem Orte, oder der Zeit, oder auch nur der Vorstellungsart nach entfernt. Auf jener Seite des Berges. Besonders in den Redensarten, in jener Welt, in jenem Leben, von dem zukünftigen Zustande nach diesem Leben; an jenem Tage, an dem künftigen Gerichtstage. Auch pflegt man dieses Pronomen häufig absolute zu gebrauchen, wenn man eine Person nicht näher bestimmen will oder kann. Wie jener sagte. Jener machte es auch so. 2. In engerer Bedeutung mit Beziehung auf etwas vorher gehendes oder nachfolgendes. 1) Auf etwas vorher gehendes, oder auf ein vorher genanntes Subject. Jener Götzen aber sind Silber und Gold, Ps. 115, 4, der der vorher genannten Heiden. Dem nicht täglich Noth wäre, wie jenen Hohenpriestern, Ebr. 7, 27, welche im vorigen genannt werden. Daß wir uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleichwie jene gelüstet hat, 1 Cor. 10, 6. Besonders in Verbindung mit dem Vorworte dieser, da sich denn dieser auf die nächste Sache, jener aber auf die entferntere beziehet. Man muß dieses thun, aber jenes nicht lassen. Dieses Kleid ist schöner als jenes. Die Spartanen liebten die Beschwerlichkeiten, die Sybariten die Weichlichkeit; weder diese noch jene kannten andere Arten von Vergnügungen. In der Stelle beym Gellert: Du bist verständiger als deine Schwester, wenn jene gleich schöner ist, sollte wohl billig diese stehen. 2) Auf etwas nachfolgendes, für derjenige, wo es doch den Gegenstand noch nachdrücklicher bestimmt, als dieses Pronomen, und das Relativum der oder welcher nach sich hat. Was wollte jener Mensch, mit dem du sprachst? Sie sah die Welt in jener Nacht, In der ich dich zur Welt gebracht, Gell. Sie fühlt es, wie sehr ihr jene Würde mangelt, welche nur die Unschuld ertheilen kann. Ich neige mich mit Ehrfurcht gegen jenes Wesen, dessen Güte unendlich ist. Sollte jedes von jenen Insecten, jenen Milben, jenen Gewürmen, welche ohne Zahl in dem kleinsten Raume wimmeln, eine geistige Seele haben? Wo, besonders in der höhern Schreibart, der Nachsatz auch ausgelassen werden kann. Jene Stille der Leidenschaften, jene Gewißheit der besten Erwartungen, jene übergröße und fröhliche Empfänglichkeit, seliger zu werden, ach sie ist vielleicht unwiederbringlich verloren! Hermes, d. i. welche ich vorher besaß. Übrigens gilt von diesem Pronomine, was schon bey dieser angemerket worden.

Anm. Daß das j in diesem Worte nicht zum Stamme gehöret, erhellet aus dem ener bey dem Notker, in enero werlte. Auch bey den Schwäbischen Dichtern lautet es noch ener für jener; und bey dem Tschudi ens für jenes. Indessen hat schon Ottfried gener, und Ieroschin gyn, gynre. Andere Oberdeutsche Schriftsteller gebrauchen es für das persönliche Fürwort er und noch andere für das Demonstrativum derjenige, S. das letztere. Im Nieders. ist jenne und jenig jemand und einiges. Eben Daselbst hat man auch das Pronomen gunnen, welches aber nur von einem Orte gebraucht wird, und das Nebenwort genne, jenne, dort. Übrigens ist für jener in einigen Oberdeutschen Gegenden auch das verlängerte jeniger, jenige, jeniges üblich, welches wir nur in dem zusammen gesetzten derjenige kennen. S. dasselbe. Das unabänderliche Beywort jenerley, von jener Art, ist so wie dieserley gleichfalls nur im Oberdeutschen üblich.


Jenner (W3) [Adelung]


Der Jenner, S. Jänner.


Jenseit (W3) [Adelung]


Jenseit, oder Jenseits, ein Nebenwort des Ortes, welches aus auf jener Seite zusammen gezogen ist, und daher auch die zweyte Endung erfordert. Da nahm ich euren Vater Abraham jen- seit des Wassers, Joh. 24, 3. Er brachte die Syrer heraus jenseit des Wassers, 1 Sam. 10, 16. Und da sie ihn fanden jenseit des Meeres, Joh. 6, 25. Jenseit des Rheines, jenseits der Berge. Unerbittliche Gerichte drohen ihnen jenseit des Grabes. Im Oberdeutschen wird es gemeiniglich mit der dritten Endung verbunden, welches auch in der Deutschen Bibel mehrmals geschiehet. Die jenseit dem Jordan liegt, 1 Mos. 50, 10, 11. Jenseits dem Wasser, 2 Sam. 10, 16. Von jenseits dem Meer, 2 Chron. 20, 2. Welches aber im Hochdeutschen ein Fehler ist.

Anm. In jenseits, welches im gemeinen Leben am üblichsten ist, ist das angehängte s das Zeichen des Nebenwortes. In der edlern und höhern Schreibart ziehet man die Form jenseit vor, außer wenn es absolute stehet, sie blieben jenseits, wo es das s dem Anscheine nach nicht entbehren kann. S. auch Diesseits. Im Nieders. lautet es gunstet, gunstets, im Holländ. ginswaerts, ginderwaerts. Notker gebraucht dafür anderhalb, auf der andern Halbe, und noch jetzt ist dafür im Oberd. genhalb, enhalb, enthalb und aftert üblich.


Jenseitig (W3) [Adelung]


Jenseitig, das Beywort von dem vorigen Nebenworte, was auf jener Seite ist oder geschiehet. Die jenseitige Insel. In der adverbischen Form wird es so wenig gebraucht, als andere unmittelbar aus Nebenwörtern gemachte Beywörter.


Jesche (W3) [Adelung]


* Die Jesche, plur. die -n, in einigen Oberdeutschen Gegenden, die Geiß, oder das Weibchen des Steinbockes, S. Gubst.


Jesen (W3) [Adelung]


Der Jesen, des -s, plur. inus. Ein Fisch, S. Jäse, Alose und Alant.


Jesmin (W3) [Adelung]


Der Jesmin, S. Jasmin.


Jessen (W3) [Adelung]


Der Jessen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fisch, S. Alose.


Jesuit (W3) [Adelung]


Der Jesuit, des -en, plur. die -en, der Nahme eines bekannten nunmehr aufgehobenen Ordens in der Römischen Kirche, nach dem Lat. Jesuita. Daher der Jesuiter-Orden, das Jesuiter-Kloster, das Jesuiter-Collegium, die Jesuiter-Schule u. s. f. Das Jesuiter-Pulver, die gevülverte Fieberrinde, Cinchona L. welche in kalten Fiebern sehr wirksam ist, und deren Vertrieb ehedem in den Händen der Jesuiten war. Der Jesuiten-Rausch, ein mäßiger Rausch, ein Rausch bis zur wohl geordneten Fröhlichkeit, weil die Jesuiten einen solchen Rausch in ihrer Sittenlehre für unsündlich erkläret haben.


Jesus (W3) [Adelung]


Jesus, der bekannte eigenthümliche Amtsnahme des Erlösers, welcher aus dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - entlehnet ist, und einen Heiland bedeutet. Im gemeinen Leben wird er sehr gemißbraucht, und alsdann oft in Herr Je! o Je! Herr Jemini! und o Jemini! verstümmelt.


Jez (W3) [Adelung]


* Das Jez, des -es, plur. die -e, ein in einigen Gegenden Oberdeutschlandes, z. B. in Augsburg, übliches Maß flüssiger Dinge, welches 2 Muids, oder 12 Besons, oder 46 Maß hält. Acht Jeze machen daselbst ein Fuder.


Jetzig (W3) [Adelung]


Jetzig, ein Beywort, welches von dem folgendes Nebenworte jetzt gebildet ist, was jetzt ist oder geschiehet. Die jetzige Gelegenheit. Auf die jetzige Art. Der jetzige Kaiser, welcher jetzt oder gegenwärtig regieret. Die jetzige Welt. Bey jetziger Zeit, zu jetziger Zeit, im gemeinen Leben nur jetziger Zeit. In der Adverbial-Form ist es wie andere Beywörter dieser Art, ungewöhnlich. Im Oberdeutschen und bey vielen Hochdeutschen lautet es nur itzig. S. das folgende.


Jetzt (W3) [Adelung]


Jetzt, ein Nebenwort der Zeit, die gegenwärtige Zeit zu bezeichnen. 1) Im schärfsten Verstande, diesen Augenblick, oder doch, vor oder nach einer sehr kurzen Zeit. Jetzt komme ich. Wo es oft durch Nebenwörter gleich und eben verstärkt und genauer bestimmt wird. Eben jetzt erhalte ich einen Brief. Er ist eben jetzt erst weggegangen. Gleich jetzt ging er weg. Oft auch andere Neben- und Vorwörter vor sich leidet. Bis jetzt. Von jetzt an. Für jetzt gehöret es mir, d. i. was die jetzige oder gegenwärtige Zeit betrifft. Für jetzt habe ich genug. 2) In weiterer Bedeutung, mit Beziehung auf etwas vorher gegangenes, für nunmehr, gegenwärtig. Jetzt glaube ich dir. Jetzt sollst du sehen, daß du Unrecht hast. Jetzt schämet er sich. Jetzt ist es Zeit. Wenn es verdoppelt wird, so vertritt es die Stelle des bald-bald, oder Lat. nunc-nunc. Das Schwerdt frisset jetzt diesen, jetzt jenen, 2 Sam. 11, 25. Sie stritten sich noch lange Zeit Jetzt um die Sach, jetzt um den Nahmen, Gell. In welchem Falle doch jetzo und jetztund ungewöhnlich sind. 3) In noch weiterer Bedeutung, die gegenwärtige Zeit, in welcher man lebt, oder welche man als gegenwärtig in Gedanken hat, zu bezeichnen. Es ist jetzt die Mode so. Das jetzt laufende Jahr. Anm. Diese Partikel ist von je her verändert worden, und noch jetzt sind in Hochdeutschen jetzo, itzo, jetzund, itzund, jetzunder und itzunder gangbar; obgleich jetzt bey den meisten und besten Schriftstellern den Vorzug hat. In jetzo ist das o die müßige Alemannische Endung, welche sich auch in dero, ihro u. s. f. für der und ihr eingeschlichen hat. Ottfried gebraucht dafür mithont, die Schwäbischen Dichter jet; die Oberdeutsche Mundart de 15ten und 16ten Jahrhundertes hat iezund, yetzo, yeczund, yetzunder, yecz, Stryker jetzund, die Niedersächsische jetto. Im Engl. ist yet, im Angels. get, geta, und im Böhm. gesste, noch. Was die verlängerte Form jetzund betrifft, so ist sie unstreitig aus je oder dem bey dem Kero und im Tatian befindlichen giu, schon, Lat. jam, ( S. Schon,) und Stund, zusammen gesetzt, welches ehedem nicht nur Zeit überhaupt, sondern auch ein Mahl, bedeutete, S. Stund; so wie noch jetzt die Niedersachsen upstund und upstunds sagen. Jetzt und jetzo scheinen aus diesem jetz und bloß zusammen gezogen zu seyn.


Jetzmahlig (W3) [Adelung]


* Jetzmahlig, adj. welches nur im Oberdeutschen für jetzig üblich ist, wo man auch wohl jetzmahls für jetzt sagt.


Jeuch (W3) [Adelung]


* Das Jeuch, des -es, plur. die -e, ein Oberdeutsches Feldmaß, S. Jauchert und Joch.


Jeweilig (W3) [Adelung]


* Jeweilig, adj. welches im Oberdeutschen für jedesmahlig gebraucht wird, S. dasselbe.


Jischen (W3) [Adelung]


Jischen, Jischt, S. Gäschen und Gäscht.


Joachim (W3) [Adelung]


Joachim, ein Taufnahme des männliches Geschlechtes, welcher aus dem Hebr. Jojachim entlehnet ist, und die Auferstehung des Herrn bedeutet. Im gemeinen Leben wird er häufig im Jochim, und Jochen, in Niedersachsen aber auch in Chim und Chimken zusammen gezogen.


Jobst (W3) [Adelung]


Jobst, S. Jodocus.


Joch (W3) [Adelung]


Das Joch, des -es, plur. die Jöcher, in der edlen Schreibart, die Joche, ein altes Wort, welches der wahrscheinlichsten Abstammung nach mehrere mit einander verbundene Theile bedeutet, besonders so fern sie bestimmt sind, etwas zu tragen, oder zu ziehen, aber nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich ist. 1. * Mehrere an einander gereihete Berge, ein Gebirge, besonders dessen oberster und höchster Theil, wie das Lat. Jugum; in welcher Bedeutung es doch nur noch im Oberdeutschen üblich ist, und in derselben auch von hoch abstammen kann. 2. Ein horizontaler, zum Tragen bestimmter Balken, wird besonders wenn er auf Pfählen ruhet, sehr häufig ein Joch, in andern Fällen aber auch ein Holm genannt. So heißen im Bergbaue Jöcher, diejenigen Stücke Holz, aus welchen die Geviere bestehen, welche zur Festigkeit des Schachtes dienen. Die Jöcher in einander fällen, die Hölzer mit einander verbinden. Eben daselbst führen diesen Nahmen auch die Hölzer, welche nach der Länge des Schachtes auf die Tragestämpel gelegt werden, die Kasten zu unterstützen. Im Böhm. Goch. An den hölzernen Brücken ist das Gerüst, welches aus einem Querbalken, der auf seinen Pfeilern ruhet, bestehet, ein Joch oder Brückenjoch. Ingleichen die Weite zwischen zwey solchen Jochen. Eine Brücke von sechs Jochen, welche fünf solche in gewisser Weite von einander stehende Joche hat. 3. Besonders ein hölzernes Geschirr, vermittelst dessen die Ochsen das Ziehen verrichten. 1) Eigentlich. Das Halsjoch, welches im engsten Verstande nur schlechthin das Joch genannt wird, die Gestalt eines länglichen Viereckes hat, und vor den Ochsen an dem Halse getragen wird; wo denn bald jeder Ochse sein eigenes Joch hat, bald beyde nur ein einziges desto längeres haben; zum Unterschiede von dem Kopfjoche, welches vor dem Kopfe befestiget wird. Den Ochsen das Joch anlegen. Sie in das Joch spannen. 2) Figürlich. Der Stand der Bedrückung besonders der Dienstbarkeit; ohne Plural. Ein Volk unter das Joch bringen, es unterjochen, sich unterwürfig, dienstbar machen. Unter dem Joch seyn, leben, in harter Unterwürfigkeit. Das Türkische Joch. Das Joch abwerfen, abschütteln. In gelinderm Verstande, wird es in der Deutschen Bibel eine Mahl der Abhängigkeit von einem Höhern gebraucht. 3) Ein Joch Ochsen, zwey durch das Joch mit einander verbundene Ochsen, und in weiterer Bedeutung, ein Paar Ochsen; wo es wie mehrere Wörter dieser Art, welche eine Zahl, ein Maß, ein Gewicht bedeuten, im Plural unverändert bleibet. Fünf Joch Ochsen, Luc. 14, 19. Zwölf Joch Ochsen, 1. Kön. 19, 19, Tausend Joch Rinder, Hiob 42, 12. 4) So viel Acker als ein Paar Ochsen in einem Tage pflügen können, wo es ein, besonders im Oberdeutschen übliches Feldmaß ist, und im Plural gleichfalls unverändert bleibet, wenn es ein Zahlwort vor sich hat. So misset man im Österreichischen die Äcker nach Jochen, die Wiesen nach Tagewerken, und die Weingärten nach Pfunden. Ein Joch hält daselbst 1600 Quadrat-Klaster oder 416 2/3 Rheinische Quadrat-Ruthen. In andern Gegenden lautet es in dieser Bedeutung Jeuch, Juch, Jauchert, im Nieders. Juck, Jück, im Latein Jugerum, im mittlern Lateine Juctus, Jugatum, Jugia, Jugum u. s. f. im Franz. Joug. S. Jauchert und Morgen. Anm. In der dritten Hauptbedeutung bey dem Kero Johhe, Johche, bey dem Notker Joh, im Nieders. Jok und Juk, bey dem Ulphilas Juk und Gajuk, im Angels. Juc, Jeoc, Geoc, im Engl. Yoke und Yoak, im Lat. Jugum, im Ital. Giogo, im Franz. Joug, im Böhm. Gho, im Pers. Juk, im Wallis. Jwk, im Finnländ. Juco. Andere Sprachen kennen keinen Gaumenlaut in diesem Worte, wie das Schwed. Ok und Dän. Aag. Die gemeinste Meinung ist, daß dieses Wort von einem Zeitworte herstamme, welches verbinden bedeutet habe, wovon noch im Latein. jungere in der Form eines Frequentativi üblich ist, so wie das ähnliche Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - oder - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - abstammet. Das Latein. jungere kommt mit unserm einigen, so wohl der Form, als der Bedeutung nach überein; es würde also einen und ein das Stammwort von allen seyn. In dem Lettischen Jungas, das Joch, ist auch noch der Naselaut befindlich. Indessen verdienet doch das in den niedrigen Mundarten noch übliche Hock und Hucke, der Rücken, mit der Betrachtung gezogen zu werden. S. diese Wörter.


Jochandel (W3) [Adelung]


Der Jochandel, S. Wachholder.


Jochbein (W3) [Adelung]


Das Jochbein, des -es, plur. die -e, in der Zergliederungskunst, ein Bein an dem Vordertheile des Kopfes, unter dem Auge, an dem untern Theile des Schlafes; Os jugale.


Jochen (W3) [Adelung]


Jochen, verb. reg. act. Von dem Hauptworte Joch, welches aber nur in den Zusammensetzungen anjochen, abjochen; unterjochen üblich ist, S. dieselben.


Jochfisch (W3) [Adelung]


Der Jochfisch, des -es, plur. die -e, S. Hammerfisch.


Jochgeyer (W3) [Adelung]


Der Jochgeyer, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Nahme einer starken rötlichen Geherart, welche sich nur in den Gebirgen aufhält, und den Gemsen nachstellet. Vielleicht von Joch, der Rücke eins Gebirges.


Jochpfahl (W3) [Adelung]


Der Jochpfahl, des -es, plur. die -pfähle, die mit einem Joche oder obern Querholze befestigten Pfähle, besonders an den Brücken, Schleusen u. s. f.


Jochrebe (W3) [Adelung]


Die Jochrebe, plur. die -e, im Weinbaue, Weinreben, welche auf Äckern an Jochen, die aus Stangen gebildet werden, wachsen; dergleichen besonders in Italien üblich sind.


Jochträger (W3) [Adelung]


Der Jochträger, des -s, plur. ut nom. sing. im Brückenbaue, die starken Querstücke, welche die Jochpfähle oben mit einander verbinden, und auch nur schlechthin Joche oder Jöcher, sonst aber auch Holme und Hulben genannt werden.


Jochwiede (W3) [Adelung]


Die Jochwiede, plur. die -n, in der Landwirthschaft, wo man mit Ochsen fähret, eine Wiede, welche um das Joch geleget, und an der Wagendeichsel befestiget wird.


Jodocus (W3) [Adelung]


Jodocus, ein männliches Taufnahme, welcher nur noch in einigen Gegenden üblich ist, und im gemeinen Leben in Jodel, Jödel und Jobst zusammen gezogen wird, obgleich das letztere mit Jost vielmehr aus dem Nahmen Justus entstanden ist.


Jodute (W3) [Adelung]


Jodute, ein im Hochdeutschen völlig veraltetes und nur noch im Niedersächsischen übliches Wort, welches so viel als Zeter und Zetergeschrey bedeutet, S. diese Wörter, ingleichen Wachters, Frischens und Halthausens Wörterbücher, wie auch das Bremisch-Nieders. Wörterbuch und Ihres Glossar. v. Jadut.


Johanna (W3) [Adelung]


Johanna, ein weiblicher Taufnahme, welcher von dem folgenden männlichen Johannes gebildet ist, und im gemeinen Leben in Jutta, Jutte, und Jitte verkürzet wird, obgleich andere diesen verkürzten Nahmen durch Judith erklären. Bald nach der Mitte des 16ten Jahrhundertes schrieb H. Tilesius ein Buch, von der Päpstinn Johanna, und nannte es von fraw Jutten, welche Bapst gewesen, welches 1565 zu Eisleben gedruckt wurde.


Johannes (W3) [Adelung]


Johannes, verkürzt Johann, ein männlicher Taufnahme, welcher durch das Christhentum eingeführet worden, und aus dem Hebräischen entlehnet ist, wo er buldreich holdselig bedeutet, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, er ist gnädig gewesen. Auch das Fest des S. Johannes wird im gemeinen Leben im Genitivo Johannis genannt, wo den festum oder dies darunter verstanden wird. ( S. Johannis-Tag,) Da man diesen Nahmen von je her, theils aus manchen abergläubischen Ursachen, für sehr glücklich hielt, so ist er auch zu allen Zeiten von Vornehmen und Geringen sehr häufig gebraucht, aber zugleich auch auf verschiedene seltsame Arten verstümmelt worden. Eine der vornehmsten ist Hans, mit den Diminutiven Hanchen, Hänschen, Hänsel, Henny, im Nieders. Hanke, Hanken, Hänschen, Jan, Jahn, im Engl. John, im Franz. Jean. Im Wendischen lautet er Antsche, im Dimin. Antschek und im Slavon. Janko. S. auch Hans.


Johannis-Apfel (W3) [Adelung]


Der Johannis-Apfel, des -s, plur. die -Äpfel, eine Art frühzeitiger Äpfel, welche schon um Johannis reif werden; Pyrus Malus pumila L. der Paradiesapfel, Staudenapfel, Heckenapfel, Zwergapfel. Der Baum, welcher sie trägt, ist in einigen Gegenden auch unter dem Nahmen des Johannis-Holzes bekannt.


Johannis-Blume (W3) [Adelung]


Die Johannis-Blume, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der großen Maßlieben, Chrysanthemum Leucanthemum L. weil sie um Johannis blühet.


Johannis-Blut (W3) [Adelung]


Das Johannis-Blut, des -es, plur. car. Ein Nahme der Pohlnischen Schildläuse, eines purpurrothen Insectes, welches sich um den Johannis-Tag an den Wurzeln des Knauels, Scleranthus L. des Standkrautes, Arenaria serpllifolia L. und am häufigsten an den Wurzeln des großblümigen Hornkrautes, Cerastium grandiflorum L. findet, und im Färben die Stelle der Cochenille vertritt; wilde Cochenille, Deutsche Cochenille, Scharlachkörner, Pohlnischer Kermes. Der große Haufe mißbraucht dieses Insect zu allerley Aberglauben.


Johannis-Brot (W3) [Adelung]


Das Johannis-Brot, des -es, plur. inus. Die Hülsenfrucht des Johannisbrot-Baumes, welcher in den wärmen Ländern wächset, und eine purgirende Kraft hat; Ceratonia L. Engl. Carob, Johnsbread, Franz. Ceroubier, Carouge. Einige Alten haben das hohe Alter des Evangelisten Johannes der Frucht dieses Baumes zugeschrieben.


Johannis-Fest (W3) [Adelung]


Das Johannis-Fest, des -es, plur. die -e, S. Johannis-Tag.


Johannis-Feuer (W3) [Adelung]


Das Johannis-Feuer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Feuer, welches der große Haufe aus einem alten Aberglauben in der Nacht des Johannis-Tages anzuzünden, und darüber zu springen pfleget, und welches von dem Nothfeuer noch sehr verschieden ist; im Österreich. Sonnenwendefeuer, weil sie zur Zeit der Sonnenwende angezündet werden.


Johannis-Groschen (W3) [Adelung]


Der Johannis-Groschen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art alter Groschen, welche mit dem Bilde Johannis des Täufers ehedem in Schlesien geschlagen wurden.


Johannis-Gürtel (W3) [Adelung]


Der Johannis-Gürtel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) In einigen Gegenden ein Nahme des Beyfußes, S. Johannis-Kraut. 2) An andern des Bärlappes, weil er von dem großen Haufen am Johannis-Tage gleichfalls zum Aberglauben gemißbraucht wird.


Johannis-Händchen (W3) [Adelung]


Das Johannis-Händchen, des -s, plur. ut nom. sing. die mit jungen Blättersprossen bedeckte Wurzel so wohl des weiblichen Farnkrautes, Polypodium femina L. als auch des dornigen Farnkrautes, Polipodium aculeatum L. welche man am Johannis-Tage zu graben, ihr durch Beschneiden die Gestalt einer kleinen Hand zu geben, und zu mancherley Aberglauben zu mißbrauchen pflegt.


Johannis-Holz (W3) [Adelung]


Das Johannis-Holz, des -es, plur. inus. S. Johannis-Apfel.


Johannis-Käfer (W3) [Adelung]


Der Johannis-Käfer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art kleiner Käfer, welche sich um den Johannis-Tag sehen lässet; Scarabaeus solstitialis L. Auch das Johannis-Würmchen ist unter diesem Nahmen bekannt, S. dasselbe.


Johannis-Öhl (W3) [Adelung]


Das Johannis-Öhl, des -es, plur. inus. S. Johannis-Kraut 1.


Johannis-Pfirsche (W3) [Adelung]


Die Johannis-Pfirsche, plur. die -n, eine Art früher Pfirschen, welche schon am Johannis reif werden. S. auch Amarelle 2.


Johannis-Pflanze (W3) [Adelung]


Die Johannis-Pflanze, plur. die -n, S. Johannis-Kraut.


Johannis-Schießen (W3) [Adelung]


Das Johannis-Schießen, des -s, plur. ut nom. sing. ein feyerliches Schießen nach der Scheibe, oder nach einem Vogel, so fern es um Johannis gehalten wird.


Johannis-Segen (W3) [Adelung]


Der Johannis-Segen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Römischen Kirche, ein Segen, worin der Priester den Neuverehelichten ehedem die Liebe des Evangelisten Johannis anwünschte. Ingleichen Wein, welcher am Johannis-Tage in der Kirche geweihet wird, wider das Giftgut seyn soll, und auch der Johannis-Trunk genannt wird, so wie die Weihe dieses Weines die Johannis-Weihe heißt. Auch ein Abschiedstrunk wird auf dem Lande einiger Gegenden noch jetzt Johannis-Segen genannt, weil man sich ehedem dabey die Liebe des seiner Zärtlichkeit wegen bekannten Evangelisten dieses Nahmens anzuwünschen pflegte.


Johannis-Tag (W3) [Adelung]


Der Johannis-Tag, des -es, plur. die -e, der Tag, an welchem in der christlichen Kirche das Andenken Johannis des Täufers gefeyert wird, und welcher auf den 24sten Junii fällt; das Johannis-Fest, im gemeinen Leben nur schlechthin Johannis, oder Johanni.


Johannis-Topf (W3) [Adelung]


Der Johannis-Topf, des -es, plur. die -Töpfe, eine Lustbarkeit der Kinder an einigen Orten, da sie in der Johannis Nacht einen mit Blumen angefüllten Topf mit Lichtern zu bestecken und sich dabey zu vergnügen pflegen.


Johannis-Traube (W3) [Adelung]


Die Johannis-Traube, plur. die -n, Diminut. das Johannis-Träubchen, S. Johannis-Beere.


Johannis-Trunk (W3) [Adelung]


Der Johannis-Trunk, des -es, plur. die -Trünke, S. Johannis-Segen.


Johannis-Wedel (W3) [Adelung]


Der Johannis-Wedel, des -es, plur. ut nom. sing. eine Art der Spierpflanze, welche einen starken angenehmen Geruch hat, daher die Landsleute ihre Fußböden an feyerlichen Tagen damit zu bestreuen pflegen; Spiraea Ulmaria L. Sie blühet um den Johannis-Tag, und wird im gemeinen Leben auch verderbt Johannis-Wendel, sonst aber auch Geißbart genannt.


Johannis-Weide (W3) [Adelung]


Die Johannis-Weide, plur. die -n, eine Weide oder Wiese, welche erst nach dem Johannis-Tage mit dem Viehe behüthet werden darf; zum Unterschiede von der Walpurgis- und Pfingstweide.


Johannis-Weihe (W3) [Adelung]


Die Johannis-Weihe, plur. die -n, S. Johannis-Segen.


Johannis-Wurm (W3) [Adelung]


Der Johannis-Wurm, des -es, plur. die Würmer, Dim. das Johannis-Würmchen, des -es, plur. ut nom. sing. eine Art Käfer, welche sich um Johannis im Grase und in den Gebüschen sehen lässet, gemeiniglich eine grünliche Goldfarbe hat, und bey der Nacht leuchtet; Cantharis Noctiluca L. der Johannis-Käfer, an einigen Orten Nachtmücke, Lichtmücke, Lichtwurm, Gleimchen, Johannis-Gleimchen, von gleimen, glimmen, im Österreichischen Sonnewendskäferle. Das Weibchen ist ein wahrer Wurm, welcher nur in dem Gebüsche kriecht, aber auch leuchtet.


Johanniter-Meister (W3) [Adelung]


Der Johanniter-Meister, des -s, plur. ut nom. sing. ein hoher Beamter des Johanniter-Ordens, welcher dessen Güter in Deutschland, Böhmen und Ungarn verwaltet, ein geistlicher Reichsfürst ist, und unmittelbar unter dem Hochmeister zu Malta stehet.


Johanniter-Orden (W3) [Adelung]


Der Johanniter-Orden, des -s, plur. inus. ein geistlicher Ritterorden, welcher seinen Nahmen vermutlich von Johannes dem Täufer hat, ehedem der Hospitalier-Orden genannt wurde, jetzt aber unter dem Nahmen des Malteser Ordens am bekanntesten ist.


Johanniter-Ritter (W3) [Adelung]


Der Johanniter-Ritter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ritter des Johanniter-Ordens; Malteser-Ritter.


John (W3) [Adelung]


Der John, Johnhauer, S. Jahn.


Jökel (W3) [Adelung]


Der Jökel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im Bergbaue und der Mineralogie übliches Wort, wo die Zapfen, in welchen der gediegene Vitriol zuweilen wächset, Jökel, und der in solchen Zapfen gewachsene Vitriol Jökelgut genannt wird. Der Nahme stammet aus der Nieders. her und bedeutet einen Zacken; daher ein Eiszapfen daselbst auch ein Ishekel, im Dithmars. Isjäkel, im Engl. Icicle genannt wird.


Jökelgut (W3) [Adelung]


Das Jökelgut, des -es, plur. inus. S. das vorige.


Jölle (W3) [Adelung]


Die Jölle, S. Gölle


Jonas-Kürbis (W3) [Adelung]


Der Jonas-Kürbis, S. Flaschenkürbis.


Jonathan (W3) [Adelung]


Jonathan, der eigenthümliche Nahme des ältesten Sohnes Sauls, der wegen seiner zärtlichen Freundschaft gegen den David bekannt ist, daher sein Nahme noch jetzt der Nahme eines treuen Freundes ist. Noch unbekannt und ungepriesen Lebt hier und dort ein Jonathan, Gell.


Jope (W3) [Adelung]


Die Jope, plur. die -n, Diminut. das Jöpchen, nur noch in den niedrigen Sprecharten, besonders Niedersachsens, dasjenige Stück der der Weiberkleidung zu bezeichnen, welches man in den Städten ein Corset nennet; ein Wammes. Auch ein kurzes nach dem Leibe gemachtes Oberkleid Mannspersonen, eine Jacke, ist im Oberdeutschen hin und wieder unter dem Nahmen der Jope oder Jupe bekannt.

Anm. Dieses alte Wort ist fast in allen Europäischen Sprachen befindlich, und wurde ehedem von mehr Einer Art der Kleidungsstücke gebraucht. Im Deutschen lautete es ehedem und zum Theil noch Jepe, Gibe, Gippe, Jüppe, bey den Schwäbischen Dichtern Joppe, im mittlern Lat. Jupa, Gipo, Chopa, Jappa, Jubeus, Jiopula, Yopula, Jupellum im Engl. Gippo, Jub, Jumb, im Franz. Jupe, Jupon, im Ital. Giubba, Giubbone, Gabbano, im Span. Jupone, Mit vorgesetztem Zischlaute lautet es in einigen Gegenden Schoppe, Schaube, und im Latein. Supparum. S. Schaube.


Josephs-Stab (W3) [Adelung]


Der Josephs-Stab, des -es, plur. die Stäbe, bey den Gärtnern, ein Nahme der ganz weißen gefüllten gewöhnlichen Narzissen.


Jöst (W3) [Adelung]


Jöst, ein männlicher Taufnahme, welcher aus Jodocus verkürzet ist, und im gemeinen Leben auch Jobst lautet.


Jötscher (W3) [Adelung]


Der Jötscher, des -s, plur. ut nom. sing. eine Nieder-Rheinische Münze, S. Gößchen.


Journal (W3) [Adelung]


Das Journal, (spricht Schurnal,) des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Journal. 1) Ein Buch, in welches man die Vorfälle jedes Tages verzeichnet; ein Tagebuch. 2) Eine Schrift, welche zur gewissen kurz auf einander folgenden Zeiten erscheinet; eine Zeitschrift, und nachdem die Zeitschriften sind, eine Tageschrift, Wochenschrift, Monathsschrift. Daher das Journalisticum, welch ein Ungeheuer von einem Worte!


Jubel (W3) [Adelung]


Der Jubel, des -s, plur. ut nom. sing. das Freudengeschrey. Die lauten Jubel schallen von den Bergen wieder. Aus dem Lat. Jubilus. S. Jubilieren.


Jubelbraut (W3) [Adelung]


Die Jubelbraut, der Jubelbrätigam, S. Jubelhochzeit.


Jubelfest (W3) [Adelung]


Das Jubelfest, des -es, plur. die -e, ein jedes Fest, welches mit vorzüglichen Freudenbezeigungen begangen wird. In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, ein Fest, womit ein Jubiläum, d. i. eine Zeit von hundert, von funfzig, und zuweilen auch nur von fünf und zwanzig Jahren begangen wird; Lat. Jubilaeum. S. Jubeljahr.


Jubelfreude (W3) [Adelung]


Die Jubelfreude, plur. inus. die Freude an einem Jubelfeste. In weiterer Bedeutung eine jene große Freude, so fern sie durch laute Töne ausbricht.


Jubelgesang (W3) [Adelung]


Der Jubelgesang, des -es, plur. die -gesänge, ein Gesang, so fern er der Ausdruck einer lebhaften Freude ist. Durch Jubelgesang Preis' ihn mein Dank, Weiße.


Jubelgeschrey (W3) [Adelung]


Das Jubelgeschrey, des -es, plur. die -e, der laute Ausbruch der Freude, besonders bey einer feyerlichen Gelegenheit.


Jubelhochzeit (W3) [Adelung]


Die Jubelhochzeit, plur. die -en, das feyerliche Andenken seiner vor funfzig Jahren begangenen Hochzeit, welche von Eheleuten, welche funfzig Jahre mit einander im Ehestande gelebet haben, zuweilen sehr feyerlich begangen wird, da denn der Ehegatte der Jubelbräutigam, dessen Gattin aber Jubelbraut genannt wird.


Jubelier (W3) [Adelung]


Der Jubelier, S. Juwelier.


Jubeljahr (W3) [Adelung]


Das Jubeljahr, des -es, plur. die -e, 1) Bey den ehemaligen Juden war allemahl das 50ste Jahr ein - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - oder Jubeljahr, da den die Felder ruhen mußten, die Leibeigenen ihre Freyheit bekamen, und die veräußerten Güter wieder an ihre Herren fielen. Man leitet es in dieser Bedeutung entweder von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - her, und erkläret durch annum reductionis, oder von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Widder, weil es durch den Schall der Widderhörner verkündiget wurde, daher es auch in der Deutschen Bibel das Halljahr genannt wird. 2) In der Römischen Kirche fing Bonifacius VIII. 1300 an, das erste Jahr eines neues Jahrhundertes für ein Jubeljahr oder Jubiläum zu erklären, und allen, welche in demselben gewisse Kirche besuchen würden, einen großen Ablaß zu ertheilen, daher es auch das Ablaßjahr genannt wurde. Clemens VI. erklärete 1350 jedes funfzigstes, sein Nachfolger Urban VI. 1389 jedes drey und dreysigtes, und endlich Sixtus IV. 1475 jedes fünf und zwanzigstes Jahr für ein Jubeljahr, welche Einrichtung auch noch Statt findet. 3) In weiterer Bedeutung wird das hunderste Jahr, und in manchen Fällen auch das funfzigste Jahr von einer merkwürdigen Begebenheit an, ein Jubeljahr oder Jubiläum genannt, und unter diesem Nahmen mehrmahls gefeyert. Das Jubeljahr eines Ehepaares, oder dessen Jubiläum, das funfzigste Jahr dessen Ehestandes.


Jubellied (W3) [Adelung]


Das Jubellied, des -es, plur. die -er, ein Lied auf ein Jubelfest. In weiterer Bedeutung, ein jedes Lied, se fern es die Empfindungen einer lebhaften und feyerlichen Freude entwickelt.


Jubelpriester (W3) [Adelung]


Der Jubelpriester, des -s, plur. ut nom. sing. ein Priester, welcher das funfzigste Jahr seiner Priesterweihe feyert, besonders in der Römischen Kirche. Daher die Jubelmesse, die feyerliche Messe, welche er an diesem Tage lieset.


Jubelvoll (W3) [Adelung]


Jubelvoll, adj. et adv. voll der lebhaftesten feyerlichsten Freude. Wenn unter hohen jubelvollen Zungen Ein süßer Ton auch mir gerieth, Raml.


Jubiläum (W3) [Adelung]


Das Jubiläum, des -läi, plur. die -läa, das mittlere Lat. Jubilaeum. S. Jubelfest und Jubeljahr.


Jubilieren (W3) [Adelung]


Jubilieren, verb. reg. aus dem Lat. jubilare, welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, seine Freude durch ein lautes Freudengeschrey, und in weiterer Bedeutung, durch frohe Worte an den Tag legen, jauchzen; bey dem Notker uuunnisingon, hugesingon, Wonne, Lust, singen, ingleichen niumeien. Über etwas jubilieren. 2. Als ein Activum, wo es doch nur in einigen Gegenden, und besonders im Österreichischen üblich ist, einen Bedienten Alters wegen seiner Dienste mit Beybehaltung der halben Besoldung entlassen; vermutlich, so fern solches gemeiniglich nach geleisteten funfzigjährigen Diensten geschiehet. Ein jubilirter Steuereinnehmer, Hofbedienter u. s. f. Im mittlern Lateine ist Jubilaeus ein alter hundertjähriger Mann, und Jubilarius eine Person, welche funfzig Jahre in einem gewissen Zustande zugebracht hat.

Anm. Als ein Activum stammet es von Jubiläum, als ein Neutrum aber von Jubel her, welches, dem Festus zu Folge, bey den Römern der laute Ausbruch der ausschweisenden Freude war, so wie es im Deutschen juch! ist.


Juch! (W3) [Adelung]


+ Juch! ein Laut, durch welchen der große Haufe seine ausgelassene Freude an den Tag zu legen, und demselben zuweilen noch ein hey! beyzufügen pfleget, juch hey! Sprichw. Auf ein juch! folgen gemeiniglich zwey Ach! Daher Juchheyen, seine ausgelassene Freude durch diese Töne an den Tag legen. S. Jauchzen und Juchzen.


Juchart (W3) [Adelung]


Juchart, S. Jauchert.


Jucht (W3) [Adelung]


Die Jucht, plur. die -en, auf den Hammerwerken, ein Maß, wornach die Kohlen und gemengten Steine gemessen werden, und welches gemeiniglich vier Tröge gemengter Steine und fünf Schorfässer Kohlen hält. Es ist aus Gicht verderbt, welches bey den hohen Öfen in eben dieser Bedeutung üblich ist. S. 2. Gicht. Daher der Juchtboden, der Gihtboden, oder die Juchtbühne; das Juchtmaß oder Gichtmaß, ein hölzerner Maßstab, neun Querhände hoch, die Höhe der Kohlen und Eisensteine in dem Ofen damit zu messen.


Juchten (W3) [Adelung]


Der Juchten, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. eine Art Rindsleders, welches auf der einen Seite roth und glänzend ist und einen sehr starken Geruch hat. Es wird in Rußland bereitet, woher auch der Nahme stammet, nach welchem es aber eigentlich Juften lauten sollte, wie die Niedersachsen auch wirklich sprechen.


Juchtmaß (W3) [Adelung]


Das Juchtmaß, des -es, plur. die -e, S. Jucht.


Juchzen (W3) [Adelung]


Juchzen, verb. reg. neutr. welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, juch! schreyen, wofür in den anständigern jauchzen gebraucht wird. S. dasselbe.


Jück (W3) [Adelung]


Das Jück, des -es, plur. die -e, ein Niedersächsisches Feldmaß, S. Joch und Jauchert.


Jucken (W3) [Adelung]


Jucken, verb. reg. welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, den ersten und leichtesten Grad des Schmerzens verursachen, welches von salzigen Feuchtigkeiten geschiehet, wenn sie die Nervenfäserchen unter der Haut reizen; eine Empfindung, welche das Mittel zwischen einer angenehmen und schmerzhaften Empfindung ist. Es wird als ein unpersönliches Zeitwort und zwar am häufigsten mit der vierten Endung der Person gebraucht. Die Haut, der Fuß, der Finger juckt mich, ich habe diese Empfindung an der Haut, an dem Fuße, an dem Finger. Nun juckt mich das Schienbein abscheulich, Gell. Auch ohne Person. Die Wunde juckt, verursacht diese Empfindung. Sie kratzt sich so lange ihre Haut noch juckt. Figürlich, doch nur im gemeinen Leben. Der Buckel juckt ihn, sagt man von jemanden, der gleichsam nach Schlägen ringet; die Ohren jucken ihn, wenn jemand eine unruhige Begierde nach Neuigkeiten blicken lässet. Oft wird es auch mit der dritten Endung der Person gebraucht. Nach dem ihnen die Ohren jucken, 2 Timoth. 4, 3. Daher das Jucken, des -s, plur. car. diese Empfindung selbst, und in engerer Bedeutung, besonders in Niedersachsen; die Krätze. 2. Als ein Activum, eine juckende Stelle reiben oder kratzen, doch nur im gemeinen Leben. Wenn sich das Kind oft in der Nase juckt, so hat es Würmer. Ich will dich jucken. Sprichw. Jucken und Borgen thut nur kurze Zeit wohl.

Anm. Im Nieders. jöcken, im Holländ. jeuken, im Engl. to yuck, im gemeinen Leben der Hochdeutschen auch jücken. Es gehören zu dem Geschlechte des Wortes Eck, und dem veralteten ecken, stecken, brennen, wovon es vermittelst des vorgesetzten j gebildet worden. S. Ecke und Ekel. Um deßwillen ist auch die vierte Endung der Person bey dem Neutro richtiger als die dritte, weil jucken eigentlich ein thätiges Zeitwort ist, welches als solches die vierte Endung erfordert.


Dar (W3) [Adelung]


Dar Jucks, S. Juks.


Judas-Baum (W3) [Adelung]


Der Judas-Baum, des -es, plur. die -Bäume, ein Baum, welcher in den wärmern Gegenden Europens und Asiens einheimlisch ist, und von welchem man glaubt, daß sich Judas an einem derselben erhänget habe; Cercis L.


Judas-Kuß (W3) [Adelung]


Der Judas-Kuß, des -sses, plur. die -Küsse, ein verrätherischer Kuß, deßgleichen der war, mit welchem Judas seinen Lehrer verrieth.


Judas-Ohr (W3) [Adelung]


Das Judas-Ohr, des -es, plur. die -en, ein Nahme des Hohlunderschwammes, welcher hohl und runzelig ist, und daher einige Ähnlichkeit mit einem Ohre hat; Peziza Auricula L. Judas-Schwamm, Mauseöhrlein, Ohrenschwamm.


Judas-Schweiß (W3) [Adelung]


Der Judas-Schweiß, des -es, plur. inus. ein von einem hohen Grade der Angst ausgepreßter Schweiß, dergleichen Judas bey erwachtem Gewissen haben mußte.


Jude (W3) [Adelung]


Der Jude, des -n, plur. die -n, Fämin. die Jüdinn, plur. die -en. 1) Eigentlich, die Glieder des ehemahligen Jüdischen Reiches, im Gegensatze der Israeliten; von dem Stamme Juda, dem vornehmsten desselben. In weiterer und gewöhnlicherer Bedeutung werden alle Glieder des ehemahligen Israelitischen Volks, und die Bekenner der Religion derselben, Juden, und auf eine bestimmtere Art, die ältern Juden genannt, zum Unterschiede von den heutigen und neuern Juden, welche ein Überrest der erstern sind, und am häufigsten auch nur Juden schlechthin genannt werden. Ein Jude werden, sich zur Jüdischen Religion bekennen. 2) Figürlich, und im verächtlichen Verstande, ein karger Wucherer, besonders in den Zusammensetzungen Geldjude, Kornjude u. s. f.

Anm. Ehedem der Jüde, welche Form noch in der Deutschen Bibel vorkommt, in dem Isidor Judea, in der Fränkischen Mundart des 9ten Jahrh. Guotman, Judo. Das e am Ende ist das euphonicum, ohne welches das d wie ein t lauten würde.


Juden (W3) [Adelung]


Juden, Jüdeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfswort haben, auf Jüdische Art wuchern, einen übermäßigen unerlaubten Gewinn zu bekommen suchen. Er judet (judelt) ärger als ein Jude.


Judendocke (W3) [Adelung]


Die Judendocke, plur. die -n, Diminut. das Judendöckchen, Oberd. Judendöcklein, S. Judenkirsche.


Judendorn (W3) [Adelung]


Der Judendorn, des -es, plur. die -en, ein Nahme einer Art des Wegedornes, welcher auch Christdorn genannt wird, S. dieses Wort.


Judeneid (W3) [Adelung]


Der Judeneid, des -es, plur. die -e, ein besonders nach den Gebräuchen der Jüdischen Religion eingerichteter Eid, welchen ein Jude in den nöthigen Fällen abschwören muß.


Judenfisch (W3) [Adelung]


Der Judenfisch, des -es, plur. die -e, ein Nahme der Hammerfisches, wegen der Ähnlichkeit seines Kopfes mit dem ehemahligen Kopfschmucke der Juden. S. Hammerfisch.


Judengasse (W3) [Adelung]


Die Judengasse, plur. die -n, eine Gasse, welche von Juden bewohnet wird. S. Judenstadt.


Judengenoß (W3) [Adelung]


Der Judengenoß, des -sses, plur. die -ssen, Fämin. die Judengenossin, plur. die -en, bey den ältern Juden und in der Deutschen Bibel, eine Person, welche die Jüdische Religion angenommen hatte; nach dem Griech. ein Proselyt.


Judengroschen (W3) [Adelung]


Der Judengroschen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme derjenigen ältern Sächsischen Groschen, welche im 15ten und 16ten Jahrh. gepräget wurden, und den im Sächsichen Wapen befindlichen Judenkopf mit einem damahls üblichen spitzigen Hute zum Gepräge haben; daher sie auch Judenhüte und Judenköpfe genannt werden. S. auch Spitzgroschen.


Judenhut (W3) [Adelung]


Der Judenhut, des -es, plur. die -hütte, der Hut eines Juden, besonders die ehedem bey ihnen übliche spitzige Art von Hüten. S. das vorige. Figürlich führet diesen Nahmen auch das gemeine Springkraut, Impatiens Noli me tangere L. weil die reifen Kapseln desselben einiger Maßen den ehemahligen Judenhüten gleichen. Auch die Judenkirsche wird an einigen Orten so genannt, S. dieses Wort.


Judenkopf (W3) [Adelung]


Der Judenkopf, des -es, plur. die -köpfe, S. Juden-Groschen.


Judenleim (W3) [Adelung]


Der Judenleim, des -es, plur. inus. S. Judenpech.


Judennadel (W3) [Adelung]


Die Judennadel, plur. die -n, S. Judenstein.


Judennuß (W3) [Adelung]


Die Judennuß, plur. die -nüsse, Diminut. das Judennüßchen, Oberd. Judennüßlein, ein Nahme, welchen an einigen Orten die Klappernüsse, oder Pimpernüsse führen, S. Pimpernuß.


Judenpech (W3) [Adelung]


Das Judenpech, des -es, plur. car. ein schwarzes, trocknes, glänzendes Erdpech, welches auf dem Wasser schwimmet, im Feuer unangenehm riecht, und am häufigsten in dem Lande der ehemahligen Juden am todten Meere gefunden wird; Asphaltum, Judenleim, Steinpech.


Judenpilz (W3) [Adelung]


Der Judenpilz, des -es, plur. die -e, eine Art fahler Pilze mit dünnen Stielen, deren Hüte den ehemahligen spitzigen Hüten der Juden gleichen.


Judenschaft (W3) [Adelung]


Die Judenschaft, plur. die -en, die sämtlichen Juden eines Ortes oder einer Provinz.


Judenschule (W3) [Adelung]


Die Judenschule, plur. die -n, der gottesdienstliche Versammlungsort der heutigen Juden; mit einem Griech. Ausdrucke die Synagoge. Ingleichen eine Schule, worin die Kinder der Juden unterrichtet werden.


Judenschutz (W3) [Adelung]


Der Judenschutz, des -es, plur. car. der Schutz, welchen die Obrigkeit den Juden angedeihen lässet.


Judenspieß (W3) [Adelung]


Der Judenspieß, des -es, plur. die -e, ein nur in der gemeinen R. A. übliches Wort, mit dem Judespieße laufen, einem Jüdischen Wucher, einem unerlaubten Gewinne nachgehen. Vielleicht, weil die Juden einmahl zu ihrer Sicherheit einen Spieß tragen durften.


Judenstadt (W3) [Adelung]


Die Judenstadt, plur. die -städte, derjenige Theil einer Stadt, welcher den Juden zu bewohnen angewiesen ist, oder doch ehedem angewiesen war; im mittleren Lat. Judaearia, Juderia, Judaica, Juzataria, Judaismus.


Judenstein (W3) [Adelung]


Der Judenstein, des -es, plur. die -e, länglich runde Steine in Gestalt der Oliven, mit einem Stiele, welche eigentlich versteinerte Stacheln der Seeigel sind; Lapides Judaici. Die langen dünnen versteinerten Stacheln, welche den Nadeln gleichen, werden Seenadeln genannt. Sie haben den Nahmen daher, weil man sie zuerst in Palästina gefunden hat, von da sie als eine große Seltenheit von den Reisenden mit nach Europa gebracht wurden.


Judensteuer (W3) [Adelung]


Die Judensteuer, plur. die -n, diejenige Steuer, welchen die Juden den christlichen Obrigkeiten für den Schutz, welchen sie von ihnen genießen, entrichten müssen.


Judenthum (W3) [Adelung]


Das Judenthum, des -es, plur. inus. die Jüdische Religion; ein Wort, welches anfängt zu veralten.


Judenzins (W3) [Adelung]


Der Judenzins, des -s, plur. inus. derjenige Zins, welcher den Juden von verborgtem Gelde zu nehmen erlaubt, und an den meisten Orten durch die Gesetze bestimmt ist.


Judenzopf (W3) [Adelung]


Der Judenzopf, des -es, plur. die -zöpfe, S. Weichselzo Ps.


Jüdisch (W3) [Adelung]


Jüdisch, adj. et adv. 1) Den Juden gehörig, in ihrer Religion und Sitten gegründet. Das Jüdische Land, das Land der ehemahligen Juden, Palästina. Der Jüdische Glaube, die Jüdische Religion. Das Jüdische Volk. Das Jüdische Gesetz. Jüdische Fabeln. Jüdisch Deutsch, die verderbte Hebräische und mit Deutsch vermischte Sprache der heutigen Juden. Aber Jüdisch für Hebräisch wie 2 Kön. 28, 26, ein Jüdischer Mann, Apostelg. 10, 28, für ein Jude, und ein Jüdisches Weib, Apostelg. 16, 1, für eine Jüdin, sind im Hochdeutschen ungewöhnlich; so wie ein Jüdischer Gelehrter für ein gelehrter Jude zweydeutig ist. 2) Nach Art der Juden, besonders auf eine unerlaubte Art gewinnsüchtig, im verächtlichen Verstande, und in dieser Neigung gegründet. Ein Jüdischer Wucher, Gewinn. Jüdische Zinsen nehmen. Nein, als Interesse nehm' ichs nicht. Denken sie, das ich so Jüdisch bin? Gell. In welcher Bedeutung es auch die Comparation leidet.


Jugelbeere (W3) [Adelung]


Die Jugelbeere, plur. die -n, S. Heidelbeere.


Jugend (W3) [Adelung]


Die Jugend, plur. car. das Abstractum des Beywortes jung, der Zustand, da man jung ist. 1. Eigentlich, im Gegensatze des Alters. 1) Überhaupt, der Zustand eines Dinges, nach welchem erst eine kurze Zeit seit dessen Entstehen verflossen ist, wo es doch nur in einigen einzelnen Fällen gebraucht wird. Die Jugend des Bieres, des Weines. 2) Am häufigsten und gewöhnlichsten, von der kurzen, seit der Geburt eines lebendigen Geschöpfes verflossenen Dauer. Die Jugend eines Kindes. Es ist noch die bloße Jugend bey ihm. Man muß es seiner Jugend zu Gute halten. Von Jugend an, von Jugend auf. Die Jugend ist überhaupt dem Alter entgegen gesetzet. In engerer Bedeutung stehet sie dem männlichen Alter entgegen, und begreift die Lebenszeit von dem ersten bis 25sten oder 30sten Jahre. In der engsten Bedeutung, wo sie auch noch von der Kindheit unterschieden wird, macht sie das so genannte Jünglingsalter aus. 2. Figürlich, junge Personen beyderley Geschlechtes, Kinder und Jünglinge. Die unerzogene Jugend. Die leichtsinnige Jugend. Der Jugend ein gutes Exempel geben.

Anm. Schon im Isidor Jugundhi, bey dem Ottfried und Notker Jugend. Aus dem Nieders. Jögd, Holländ. Jeugd, Angels. Geoguthe, Jogoth und Juguth, und Engl. Youth, erhellet, das dieses Wort anfänglich mit der Endung der Abstractorum -de, Jungde geheißen, woraus durch eine nicht ungewöhnliche Versetzung der Sylben nochmahls Jugend geworden, so wie aus Tögde unser heutiges Tugend entstanden ist. Mit andern Ableitungssylben kommen bey dem Ottfried auch Jungi, und im Nieders. Junkheit, für Jugend vor. Im alt Franz. kommt für Jeunesse gleichfalls Jouent vor.


Jugendfehler (W3) [Adelung]


Der Jugendfehler, des -s, plur. ut nom. sing. Fehler der Unbedachtsamkeit, des Leichtsinnes, dergleichen man gemeiniglich in der Jugend zu begehen pflegt.


Jugendfeuer (W3) [Adelung]


Das Jugendfeuer, des -s, plur. inus. der hohe Grad der Lebhaftigkeit, welchen die menschlichen Leidenschaften in der Jugend haben; die Jugendhitze.


Jugendlich (W3) [Adelung]


Jugendlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Was in der Jugend ist oder geschiehet, in der Jugend gegründet ist; ohne Comparation. Gellerts jugendliche Gedichte, welche er in seiner Jugend verfestiget hat. Die jugendliche Schönheit. Er siehet noch sehr jugendlich aus. Der jugendlichen Gesundheit Rosenfarbe glühete auf seinen Wangen, Geßn. Der jugendliche Leichtsinn. Die jugendliche Hitze. 2) Für jung, in der höhern Schreibart. Das jugendliche Grün des Waldes. Jugendliche Blumen. Schon bey dem Ottfried jugundlih, im Nieders. jöglik.


Juks (W3) [Adelung]


+ Der Juks, oder Jux, des -es, plur. inus. ein nur in den niedrigen Sprecharten, besonders Niedersachsens, übliches Hauptwort. 1) Schmutz. Juks an den Händen, an den Kleidern haben. Daher die Zeitwörter bejuksen, zujuksen, besudeln, zuschmutzen. 2) Ein kleiner, unerlaubter Gewinn bey einem Geschäfte. Juks machen; sich einen solchen Gewinn machen; juksen. In dem Bremisch-Nieders. Wörterb. wird es in dieser Bedeutung von gaukeln abgeleitet. Im mittl. Lat. ist Jux eine Abgabe. Quoddam Jux vocatum Lou Jeyx, videlicet vnum sextarium auenae-XIII denarios et 1 gallinam renduales, heißt es in einer Urkunde von 1461 bey dem du Fresne, wo es aber aus Jus verderbt zu seyn scheinet. 3) in einigen alten Urkunden werden auch die Bergkuxe Jukse genannt. 4) In einigen Gegenden Thüringens und Nieder-Sachsens ist Juks so viel als Spaß, lustiger Scherz; in welcher Bedeutung es ohne Zweifel aus dem Lat. jocus verderbt ist.


Julepp (W3) [Adelung]


Der Julepp, des -es, plur. doch nur von mehreren Arten, die -e, ein ursprünglich Arabisches Wort, ein aus gebrannten Wassern und einem Syrup zusammen gesetztes Arzneymittel zu bezeichnen, welches vornehmlich zur Kühlung und Erquickung eines Kranken verordnet wird; ein Kühltrank. Arab. Giuleb, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Lat. Julepus, Julapium, Ital. Giuleppe, Franz. und Engl. Julep.


Juliana (W3) [Adelung]


Juliana, ein aus dem Lateinischen entlehnter weiblicher Taufnahme, welcher im gemeinen Leben Jule, Jul, und im Diminut. Julchen lautet.


Julius (W3) [Adelung]


Der Julius, des Julii, plur. car. der siebente Monath im Jahre, welcher seinen Nahmen von dem Julius Cäsar hat, da er vorher bey den Römern Quinctilis hieß, im Deutschen aber Heumonarh genannt wird, S. dieses Wort.


Jumarre (W3) [Adelung]


Die Jumarre, plur. die -n, aus dem Ital. Gimeri, und dieß vielleicht aus dem Arab. Hhamar, Hebr. Chamor, ein Esel, der Nahme einer Art Bastardthiere in Piemont, welche von einem Hengste und einer Kuh, oder von einem Ochsen und einer Stutte, oder auch von einem Esel und einer Kuh gezeuget werden. Sie gleichen den Mauleseln, nur daß sie kürzere Ohren, ein rundes Maul und einen nicht so spitzigen Rücken haben. Spallanzani hat ihr Daseyn in seinen physicalischen Abhandlungen gegen den Hrn. von Haller unläugbar bewiesen.


Jung (W3) [Adelung]


Jung, jünger, jüngste, adj. et adv. ein relatives Wort, welches dem alt entgegen gesetzt ist, und überhaupt denjenigen Umstand bezeichnet, da erst wenige Zeit seit dem Entstehen eines Dinges verflossen ist. 1. Eigentlich. 1) In der weitesten Bedeutung, wo es doch nur in einigen einzelnen Fällen üblich ist. Junges Bier, junger Wein, im Gegensatze eines alten, der Wein ist noch zu jung. Junge Milch, von einem noch nicht lange milchend gewordenen Geschöpfe; zum Unterschiede von dem frischen Milch, und im Gegensatze der alten. In andern Fällen sind dafür frisch und neu üblich. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung. (a) Von Gewächsen und ihren Theilen. Lasset uns Kränze tragen von jungen Rosen, ehe sie welk werden, Weish. 2, 8. Ein junger Baum. Junges Holz. Junger Salat. Junge Pflanzen. Seht der Wiese junges Grün, Raml. Von Früchten ist es weniger üblich. (b) Noch häufiger von Thieren und Menschen, seit deren Geburt erst wenig Zeit verstrichen ist; wo die relative Bedeutung zum Theil von dem folgenden Hauptworte bestimmt wird. Ein junger Mann, der als Mann betrachtet noch jung ist, ob er gleich in Vergleichung mit einem Kinde alt ist. Ein junges Kind, auch als Kind betrachtet noch jung. So auch, eine junge Frau, eine junge Witwe, ein junges Mädchen. Es ist noch sehr jung. Zu diesem Amte bist du zu jung. Seine jüngere Schwester, ihr jüngster Bruder. Junge Leute. Ein junges Blut, ein junger Mensch, im gemeinen Leben. Die junge Mannschaft. Die junge Herrschaft, junge Personen vornehmen Standes. Ein junger Herr, ein junger Prinz, die junge Gräfinn. Ein junger von Adel, ein junger Edelmann, außer welchem Falle es wohl nicht leicht als ein Hauptwort in diesem Verstande gebraucht wird. In meinen jüngern Jahren, da ich noch jünger war. Seine jüngern Jahren in Kriegsdiensten zubringen. Sein junges Leben verlieren. Er ist der jüngste nicht mehr, er ist so jung nicht mehr. Die Jungen und die Alten, junge und alte Personen, im gemeinen Leben jung und alt, S. Alt Anm. 1. Die junge Magd, in Weißen die Hausmagd, im Gegensatze der Küchenmagd und Köchinn; nicht Jungemagd, welches grammatisch unrichtig ist, S. die Sprachlehre. Ingleichen von Thieren, ein Thier von seiner Geburt an zu bezeichnen, bis zu dem Zeitpuncte, da es seinen völligen Wachsthum erreicht hat. Ein junger Hund, eine junge Katze, ein junges Thier. Junge Vögel, ein junges Pferd, eine junge Gans. Junge Hühner u. s. f. Wo auch das Neutrum als ein Hauptwort gebraucht wird; ein Junges, ein junges Thier, das Junge, das junge Thier, die Jungen. Junge werfen, d. i. gebären, von allen vierfüßigen Thieren. Etwas Junges, oder ein Junges haben oder bekommen, sagt man auch im gemeinen Leben auch von Weibern, wenn sie geboren haben. Junge ausbrüten, von Vögeln. Die Katze trägt ein Junges in dem Maule. Jedes Thier nähret seine Jungen. 2. Figürlich. 1) Jung werden, wird für geboren werden, von allen Thieren, und im gemeinen Leben auch von Menschen gebraucht. Du bist an einem Montage jung geworden. 2) Ein jüngeres Datum auf einem Brief setzen, ein späteres, im Gegensatze eines älteren. 3) Die junge Gans, in den Küchen Obersachsens, das Gekröse einer Gans mit den Flügeln, Füßen u. s. f. ( S. Gänsegekröse,) 4) Das letzte unter mehrern, nur in einigen Fällen. Dero jüngstes Schreiben. Besonders in den Ausdrücken, der jüngste Tag, der letzte Tag der gegenwärtigen Welt, das jüngste Gericht, der große Gerichtstag am Ende der Welt, nach dem Lat. Novissimus Dies, bey dem Notker jungesti tag, jungiste ding, bey dem Ottfried ther Endidag. Kero gebraucht jungasti in mehrern Fällen für letzte.

Anm. Schon von des Kero Zeiten an jung, im Nieders. gleichfalls jung, im Angels. geong, im Engl. young, im Schwed. und Isländ. ohne j, ung, ungr. Bey dem Ulphilas ist jugg (sprich jung,) so wohl neu, als jung, und juhiza jünger. Im Pers. ist Gevon ein Jüngling. Bey den ältern Römern war junis jung, wovon nochmahls nur die zweyte Staffel junior übrig blieb. Indessen kommt junis im spätern Lat. wieder für juvenis vor.


Junge (W3) [Adelung]


Der Junge, des -n, plur. die -n, das vorige Beywort als ein Hauptwort gebraucht, wo es wider die Art solcher Hauptwörter auch mit dem Artikel der Einheit, ein Junge, und nicht ein Junger lautet. 1. Überhaupt, eine junge Person männlichen Geschlechtes, welche das Jünglingsalter noch nicht erreicht hat, so wie Mädchen eine solche Person weiblichen Geschlechtes bezeichnet; wo es doch nur in der niedrigen und vertraulicher Sprechart üblich ist, und oft einen verächtlichen Nebenbegriff hat, daher in der anständiger Sprechart Knabe dafür gebraucht wird. Ein kleiner Junge, ein guter Junge, in der vertraulichen Sprechart, ein guter junger Mensch, wenn er gleich schon ein Jüngling oder Mann ist. Ein Bauerjunge, Hirtenjunge, Gänsejunge, Schuljunge u. s. f. wofür man in der anständigen Sprechart ein Bauernknabe, Hirtenknabe, Gänseknabe, Schulknabe sagt. 2. Besonders. 1) Ein Lehrling, bey den Handwerkern, Künstlern und Kaufleuten, wo sich denn dieses Wort nicht so wohl auf das Alter, als vielmehr auf die Lehrjahre beziehet, indem ein solcher Mensch im gemeinen Leben so lange ein Junge heißt, bis seine Lehrjahre vorüber sind, und er los gesprochen worden. In den anständigern Sprecharten ein Lehrling. Einen Jungen aufdingen, los sprechen u. s. f. Ein Schneiderjunge, Schusterjunge u. s. f. Einige Künstler und Handwerker pflegen ihre Lehrlinge in der anständigen Sprechart Bursche zu nennen. 2) Ein Knabe, so fern er zur Aufwartung bestimmt ist, und seiner Jugend wegen noch nicht ein Bedienter genannt werden kann; gleichfalls nur im gemeinen Leben und mit Verachtung. Einen Jungen annehmen. Sich einen Jungen halten. Im Tatian ist Jungo ein Jüngling. Im Nieders. hat man auch das Diminut. Jünsken, Jüngelken, für Knäbchen.


Jungemagd (W3) [Adelung]


Die Jungemagd, richtiger die junge Magd, S. in Jung 1.


Jungen (W3) [Adelung]


Jungen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Junge werfen oder bekommen, im gemeinen Leben, und nur von dem weiblichen Geschlechte vierfüßger Thiere. Die Hündin wird bald jungen. Die Sau hat schon gejunget. Stosch erinnert ganz richtig, daß es nur von solchen Thieren gebraucht werde, welche mehrere Jungen auf Ein Mahl gebären, ob man gleich auch hier anständigere Ausdrücke hat. ( S. Werfen,) Ehedem wurde dieses Wort auch active für verjüngen gebraucht, wovon bey den Schwäbischen Dichtern Beyspiele vorkommen.


Jungenarbeit (W3) [Adelung]


Die Jungenarbeit, plur. die -en, bey den Handwerkern und im gemeinen Leben, Arbeit, welche die Lehrlinge verrichten.


Jungenhaft (W3) [Adelung]


Jungenhaft, -er, -este, adj. et adv. in der niedrigen Sprechart, einem ungesitteten Knaben von dem geringsten Stande ähnlich und gemäß.


Jungenjahr (W3) [Adelung]


Das Jungenjahr, des -es, plur. die -e, die Jahre des Knabenalters, in der niedrigen Sprechart. Bey den Handwer- kern führen die Lehrjahre oder Lehrlingsjahre gleichfalls diesen Nahmen.


Jungenpossen (W3) [Adelung]


Die Jungenpossen, sing. inus. in der niedrigen und harten Sprechart, Knabenpossen, Possen, wie unerzogene Knaben sie zu treiben pflegen.


Jungensteiger (W3) [Adelung]


Der Jungensteiger, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Steiger, welcher die Aufsicht über die Scheide- und Wäschknaben fuhret.


Jünger (W3) [Adelung]


Der Jünger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Jüngerinn, plur. die -en, eine jüngere Person im Gegensatze einen ältern. 1) in der biblischen Schreibart, ein Schüler, ein Lehrling im Gegensatze seines Meisters oder Lehrers. Die Jünger Johannis, Christi u. s. f. in weiterer Bedeutung werden in der heil. Schrift auch diejenigen eines Jünger genannt, welche dessen Lehre zum Erkenntniß- und Bestimmungsgrunde ihrer Einsichten und Handlungen annehmen. Zu Joppe war eine Jüngerinn mit Nahmen Tabea, Apostelg. 9, 36. 2) Bey einigen Handwerkern ist der Jünger ein Mittelding zwischen einem Jungen und Gesellen, indem ersterer, ehe er Gesell werden kann, sich erst zum Jünger erklären lassen muß. S. auch 1. Junker. Bey dem Ottfried in der ersten Bedeutung schon Junger, Jungero. Es kann entweder der Comparativ von jung seyn, oder auch vermittelst der männlichen Endung - er aus diesem Beyworte gebildet seyn, welches um des weiblichen Geschlechtes auf - inn willen, wahrscheinlicher ist, als welches dergleichen Wörter in andern Fällen nicht annehmen.


Jüngerschaft (W3) [Adelung]


Die Jüngerschaft, plur. inus. der Stand, die Würde eines Jüngers. Der himmlischen Jüngerschaft unwerth, Klopst.


Jungfer (W3) [Adelung]


Die Jungfer, plur. die -n, Diminut. das Jüngferchen, ein aus Jungfrau zusammen gezogenes Wort, welches im gemeinen Leben statt dessen üblich ist. 1. Eigentlich, wo es auch in der gewöhnlichen und vertraulichen Schreibart in allen Bedeutungen dieses Wortes gebraucht wird. Eine alte Jungfer. Sie ist noch eine reine Jungfer. Ingleichen als ein Ehrentitel, wo man es lieber gebraucht als das vollständigere Jungfrau. Jungfer Schwarzinn. Ihre Jungfer Tochter, Jungfer Schwester. Man gibt es in diesem Verstande als ein Ehrentitel unverheirateten Personen weiblichen Geschlechtes, welche man nicht schlechthin bey ihrem Nahmen nennen will und darf, und auch nicht für vornehm genug hält, sie mit dem Franz. Mamsell oder Mademoiselle anzureden, dergleichen besonders Töchter gemeiner Bürger, und andere ihres Standes sind. Wenn es als ein Ehrenwort im Plural stehen sollte, gebrauchen es einige irrig im Singular. Wie befinden sich ihre Jungfer Töchter? Besser, ihre Jungfern Töchter. Ich will mich diesen Nachmittag mit ihren Jungfern Töchter recht vergnügen, Gell. So auch Hausjungfer, Kammerjungfer, eine unverheiratete Bediente weiblichen Geschlechtes von besserm Stande eine Magd. S. Jungfrau, wo die Bedeutungen näher aus einander gesetzet werden. 2. Figürlich, besonders in denjenigen Fällen, wo das vollständige Jungfrau nicht gewöhnlich ist. 1) Die Jungfer, oder die verfluchte Jungfer, der Nahme eines Insectes, Libellula grandis L. ( S. Heupferd,) Den daselbst angeführten Nahmen dieses Insectes kann man noch folgende beyfügen. In einigen Gegenden wird es wegen seiner großen Augen Augenschießer genannt; im Osnabrück. heißt es Kohsteert, Kuhschwanz, ingleichen Roßstreet, Roßschwanz; an anderen Orten Grasmetze. 2) Die nackte Jungfer, in einigen Gegenden ein Nahme der Herbstblume oder Zeitlose, Colchicum L. 3) Jungfer im Grünen, eine Art des Schwarzkümmels, welcher aus Damas- cus zu uns gekommen, und in den Gärten gebauet wird; Nigella Damascena L. Damascenischer Schwarzkümmel. 4) Eine Handramme, besonders so wie sie die Straßenpflas=terer führen, ist im gemeinen Leben nur unter dem Nahmen der Jungfer bekannt; vermutlich nach dem Franz. Demoiselle. 5) In den Hammerwerken, ein großer eiserner Löffel mit einem hölzernen Stiele, in welchem die Platten geglühet werden. 6) Auf den Schiffen sind die Jungfern runde Blöcke wie Rollen, welche an der Ruhe befestiget sind, die Wände dadurch anzuspannen. 7) In den Gefängnissen ist die Jungfer ein Klotz, an welchen die Gefangenen geschmiedet werden, und demselben im Arme mit sich tragen müssen, wenn sie sich bewegen wollen. 8) Im Niedersächsischen führet eine Wärmflasche den nahmen der Jungfer. 9) Im gemeinen Leben sagt man von einem jeden neuen und noch nicht gebrauchten Dinge oft im Scherze, es sey noch eine Jungfer. In einigen der folgenden Zusammensetzungen bedeutet das Wort Jungfer theils die Erstlinge einer gewissen Art, theils auch das reineste und beste seiner Art.

Anm. Im Nieders. Jungfer, im Dän. Jomfrue. Auch im Hochdeutschen wird Jungfer gemeiniglich Jumfer gesprochen. S. Jungfrau.


Jungferbiene (W3) [Adelung]


Die Jungferbiene, plur. die -n, in der Bienenzucht, der erste Bienenschwarm von einem Stocke einem Sommer. In engerer Bedeutung, ein Schwarm, der von diesem ersten Schwarme noch in eben demselben Sommer ausziehet, welches zuweilen geschiehet, wenn der erste sehr frühe geschwärmet hat. S. Jungfernhonig und Jungferschwarm.


Jungfererde (W3) [Adelung]


Die Jungfererde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, bey den Scheidekünstlern, die elementarische reine Erde, welche von allen fremden Beymischungen frey ist.


Jüngferlich (W3) [Adelung]


Jüngferlich, -er, -ste, adj. et adv. welches aus jungfräulich zusammen gezogen ist, einer Jungfer im Betragen ähnlich. Sehr jüngferlich thun. Jüngferlich essen, jüngferlich trinken, wenig, wie eine Jungfer.


Jungfernapfel (W3) [Adelung]


Der Jungfernapfel, des -s, plur. die -äpfel, eine Art schöner Äpfel von quittengelbem Fleische.


Jungfernbirn (W3) [Adelung]


Die Jungfernbirn, plur. die -en, eine Art schöner, länglicher und großer Birnen, mit gelb- und rother glatter Schale, deren starkes Fleisch wie Muskus riecht; Franz. Poire de Demoiselle.


Jungferbraten (W3) [Adelung]


Der Jungferbraten, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. in Österreich, der Lendenbraten von einem Schweine, Hirsche und Hasen, welcher von einem Hirsche bey den Jägern das Jägerstück genannt wird. S. Lendenbraten.


Jungferfieber (W3) [Adelung]


Das Jungferfieber, S. Jungferkrankheit.


Jungfernhaar (W3) [Adelung]


Das Jungfernhaar, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme des Taubkornes, oder der Mäusegerste, S. diese Wörter.


Jungferhäutchen (W3) [Adelung]


Das Jungferhäutchen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Haut, mit welcher die Mündung der Mutter bey dem weiblichen Geschlechte verschlossen seyn soll, und deren unverletzte Anwesenheit von vielen für ein Zeichen der Jungfrauschaft gehalten wird; Hymen, das Jungfernschloß.


Jungfernhonig (W3) [Adelung]


Das Jungfernhonig, des -es, plur. inus. Honig, welches von Jungfernbienen in der engern Bedeutung gesammelt worden. ( S. Jungfernwachs,) Bey andern wird der weißeste und beste Honig, welcher sich in dem obern Theile eines jeden Stockes befindet, Jungfernhonig genannt, besonders so fern und ohne vorher gegangene Seimung von sich selbst aus den Scheiden tröpfelt.


Jungfernkäfer (W3) [Adelung]


Der Jungfernkäfer, S. Frauenkäfer.


Jungfernkamm (W3) [Adelung]


Der Jungfernkamm, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Nadelkerbels, Aphanes arvensis L. S. Nadelkerbel.


Jungfernkind (W3) [Adelung]


Das Jungfernkind, des -es, plur. die -er, ein Kind, von welchem eine unverheirathete Weibesperson entbunden wird; in der härten Sprechart ein Hurkind.


Jungfernknecht (W3) [Adelung]


Der Jungfernknecht, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein dem weiblichen Geschlecht auf eine knechtliche Art ergebener Mensch, ein übertriebener Verehrer des weiblichen Geschlechtes.


Jungfernkrankheit (W3) [Adelung]


Die Jungfernkrankheit, plur. inus. eine Krankheit unverheiratheter Personen weiblichen Geschlechtes, welches aus einer Verstopfung der Samengefäße herrühret, sich durch eine blasse Farbe, besonders im Gesichte, verräth, und auch die Jungfernsucht, Bleichsucht und das Jungfernfieber genannt wird.


Jungfernmilch (W3) [Adelung]


Die Jungfernmilch, plur. car. 1) Milch, welche unbefleckte Jungfern zuweilen in ihren Brüsten haben. 2) Figürlich, ein milchartiger flüssiger Körper, welcher als ein Schminkwasser gebraucht wird.


Jungfernnadel (W3) [Adelung]


Die Jungfernnadel, plur. die -n, bey den Nadlern, die kleinste Art Stecknadel, welche nur fünf Linien lang sind, und am häufigsten zu Kopfzeugen gebraucht, und daher auch Haubennadeln genannt werden.


Jungfernnelke (W3) [Adelung]


Die Jungfernnelke, plur. die -n, eine Art Nelken; Dianthus virgineus L.


Jungfernöhl (W3) [Adelung]


Das Jungfernöhl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, das beste und klärste Baumöhl, welches von dem ersten Drucke der Presse aus den Öhlbeeren erhalten wird.


Jungfernquecksilber (W3) [Adelung]


Das Jungfernquecksilber, des -s, plur. inus. Quecksilber, welches in seiner flüssigen Gestalt gefunden wird, gediegenes Quecksilber, zum Unterschiede von demjenigen, welches die Kunst aus dem Quecksilbererze bereitet; bey den Bergleuten Jungfernquick.


Jungfernschloß (W3) [Adelung]


Das Jungfernschloß, des -sses, plur. die -schlösser, siehe Jungfernhäutchen.


Jungferschule (W3) [Adelung]


Die Jungferschule, plur. die -n, eine Schule für junge Personen weiblicher Geschlechtes von gutem Stande; die Mädchenschule, wenn sie für junge Personen geringen Standes ist.


Jungfernschwarm (W3) [Adelung]


Der Jungfernschwarm, des -es, plur. die -schwärme, ein aus Jungfernbienen bestehender Schwarm, S. dieses Wort.


Jungfernschwefel (W3) [Adelung]


Der Jungfernschwefel, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. gediegener Schwefel, welcher schon völlig zubereitet gefunden wird, ohne daß ihn erst die Kunst aus den Schwefelerzen bereiten dürfte.


Jungfernstand (W3) [Adelung]


Der Jungfernstand, des -es, plur. inus. der Stand einer Person als Jungfer. Im Jungfernstande leben, unverheirathet bleiben.


Jungfernsucht (W3) [Adelung]


Die Jungfernsucht, plur. inus. S. Jungfernkrankheit.


Jungferntobak (W3) [Adelung]


Der Jungferntobak, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, eine Art in Peru befindlichen Tobakes mit gestielten herzförmigen Blättern, welche einen glatten Rand haben; Nicotiana panicunata L. Er ist gelinder und milder als alle übrige Arten des Tobakes.


Jungfern-Vitriol (W3) [Adelung]


Der Jungfern-Vitriol, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, gediegener natürlicher Vitriol, zum Unterschiede von dem gesottenen.


Jungfernwachs (W3) [Adelung]


Das Jungfernwachs, des -es, plur. inus. zartes, weißes Wachs, welches aus den Scheiden der Jungferbienen bereitet wird.


Jungfernwaid (W3) [Adelung]


Der Jungfernwaid, des -es, plur. inus. bey den Waidbauern, der Waid von der ersten Frühlingsernte, zum Unterschiede von demjenigen, welcher in der zweyten und dritten Ernte erhalten wird.


Jungfernwein (W3) [Adelung]


Der Jungfernwein, des -es, plur. inus. eine Art des Epheues, welche im Winter das Laub verlieret, und eine Mittelart zwischen dem Ephen und Weine ist; Hedera quinqefolia L. Er wächset in Canada.


Jungferschaft (W3) [Adelung]


Die Jungferschaft, S. Jungfrauschaft.


Jungfrau (W3) [Adelung]


Die Jungfrau, plur. die -en, zusammen gezogen Jungfer, ein aus jung und Frau, eine Person weiblichen Geschlechtes, zusammen gesetztes Wort. 1. * In der weitersten Bedeutung, eine junge Person weiblichen Geschlechtes, sie sey verheirathet oder nicht; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. In Hans Rosenplüts Fastnachtsspielen aus dem 15ten Jahrhunderte, kommt es noch von einer jungen Ehefrau vor, wofür man jetzt junge Frau sagt. Es wird was junge Frau und Jungfrau leicht erkannt, Denn dieses Wort ist ganz und jenes ist getrannt, Logau. 2. In engerer Bedeutung, eine freie noch unverheirathete Person weiblichen Geschlechtes, deren Keuschheit zugleich vor der Welt noch unverletzt ist; zum Unterschiede von einer Leibeigenen. So kommen im Schwabenspiegel Kap. 54, Junkfrowe und Junkherr, Junker, in dieser Bedeutung vor. In einem 1501 zu Rom gedruckten Deutsch.-Italiän. Vocabulario heißt Vergene Maget, und Donzella Jungfrau. In dieser Bedeutung war es zu gleich ein Ehrenwort der vornehmsten Personen dieser Art, bis nachmahls die fürstlichen Jungfrauen den Titel Fräulein bekamen, welcher zu unsern Zeiten bis zu den niedern Adel herab gesunken ist. Der Fürsten Töchter haben gehießen Jungfrauen, so man jetzund Fraulin nennt, heißt es noch in Münsters Cosmographie. In der Deutschen Bibel kommt es in dieser Bedeutung noch mehrmals vor. Heut zu Tage ist es als ein Ehrenwort noch von den geringsten bürgerlicher Personen dieser Art üblich, dagegen vornehmere das Franz. Mademoiselle oder im gemeinen Leben Mamsel lieber hören. Jungfrau gebraucht man alsdann in der feyerlichen, das verkürzte Jungfer aber in der vertraulichen Sprechart und im gemeinen Leben. Siehe Jungfer. 3. In der engsten und gewöhnlichster Bedeutung, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche noch von keiner Person männlichen Geschlechtes fleischlich erkannt worden, ohne Rücksicht auf das Alter oder den Stand; im Gegensatze so wohl einer Frau, als auch einer geschwächten Person, oder eine Hure; wo es in der höhern und feyerlichen Schreibart Jungfrau, in der vertraulichen und gewöhnlichen aber Jungfer lautet. 1) Eigentlich. Sie ist noch eine reine Jungfrau oder Jungfer. Als Jungfrau sterben. Eine alte siebenzigjährige Jungfrau. Der Hohepriester soll keine Witwe, noch Verstoßene, noch Geschwächte, noch Hure, sondern eine Jungfrau seines Volkes zum Weibe nehmen, 3. Mos. 21, 13, 14. Die Jungfrau Maria oder die heilige Jungfrau, die Mutter Christi, bey welcher die verkürzte Form Jungfer so wenig üblich ist, als bey andern Heiligen dieser Art. 2) Figürlich. (a) Eine Person männlichen Geschlechtes, welcher noch keiner Person andern Geschlechtes beygewohnet hat; wofür doch Junggesell üblicher ist. Diese sinds, die mit Weibern nicht besteckt sind, denn sie sind Jungfrauen, Offenb. 14, 4. (b) Eine Stadt, welche noch nie von einem Feinde bezwungen worden; in der vertraulichen Schreibart Jungfer. (c) In noch weiterer Bedeutung, ein jedes noch ungebrauchtes noch unverletztes Ding; eine alte Bedeutung, in welcher auch Magd ehe- dem üblich war. Nach dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter V. 1854 stand auf Rolands Helm geschrieben: Alle werlt wafen Thie mouzen mih maget lazen. (d) Das schlechte Gestirn im Thierkreise, welches schon bey den Alten diesen Nahmen führete. In andern figürlichen Bedeutungen ist das verkürzte Jungfer üblicher. S. dasselbe.

Anm. Bey dem Willeram Junkfrouuo, bey den Schwäbischen Dichtern Juncfrowe, im Nieders. Jumfer, im Schwed. von einem adeligen Fräulein Jungfru.


Jungfräulich (W3) [Adelung]


Jungfräulich, adj. et adv. 1) Einer Jungfrau gehörig, in ihrem Stande gegründet. Der jungfräuliche Franz. Die jungfräuliche Ehre. Jungfräuliche Reinlichkeit. 2) Einer Jungfrau in dem äußern Betragen ähnlich; in welcher Bedeutung doch das verkürzte jungferlich üblicher ist, welches alsdann in der vertraulicher Sprechart jümferlich lautet, S. dasselbe.


Jungfrauschaft (W3) [Adelung]


Die Jungfrauschaft, plur. inus. in der vertraulichen Sprechart zusammen gezogen die Jungferschaft, die Eigenschaft einer Person weiblichen Geschlechtes, nach welcher sie noch keiner männlichen Person beygewohnet hat. So wohl eigentlich. Die Jungfrauschaft unverletzt erhalten, verlieren. Die Jungfrauschaft mit in das Grab nehmen. Die Jungfrauschaft von einer Person bekommen, sagt man von einer Mannsperson, wenn sie einer weiblichen zum ersten Mahle beywohnet, wo von mehrern solchen Fällen auch der Plural gebraucht wird. Als auch figürlich, der unverletzte Zustand eines Dinges, die Eigenschaft desselben, nach welcher es noch nicht gebraucht worden; doch nur im gemeinen Leben, wo man von einem Dinge, welches man zum ersten Mahle gebraucht, sagt, daß man ihm die Jungferschaft nehme. Im Nieders. Jumferschup. Ottfried brauchte dafür Thiarnaduam, von Dirne, andere in spätern Zeiten aber Magdthum.


Junggesell (W3) [Adelung]


Der Junggesell, des -en, plur. die -en, ein aus jung und Gesell zusammen gesetztes Wort. 1) Bey den Handwerkern ist der Junggesell so viel als der jüngere Gesell, derjenige Gesell, welcher unter den übrigen die kürzeste Zeit als Gesell an einem Orte ist, im Gegensatze des Altgesellen; dessen Amt daher auch das Jüngste genannt wird. 2) In weiterer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine Mannsperson, welche noch unverheirathet ist, ohne Unterschied des Alters oder Standes. Als Junggesell sterben. Ein alter Junggesell, ( S. Hagestolz,) In der engsten Bedeutung ist der Junggesell eine Mannsperson, welche noch keiner weiblichen beygewohnet hat, so wie Jungfrau eine solche weibliche Person bedeutet. Ein reiner Junggesell.


Junggesellenschaft (W3) [Adelung]


Die Junggesellenschaft, plur. inus. die Eigenschaft eines Junggesellen in der zweyten Bedeutung dieses Wortes.


Junggesellenstand (W3) [Adelung]


Der Junggesellenstand, des -es, plur. inus. der Stand eines Junggesellen. Im Junggesellenstande leben.


Jüngling (W3) [Adelung]


Der Jüngling, des -es, plur. die -e, eine junge Person männlichen Geschlechtes. 1. * Eigentlich, sie mag verheirathet seyn oder nicht, so wie Jungfrau ehedem eine solche Person weiblichen Geschlechtes bedeutete. In dieser jetzt veralteten Bedeutung kommt es noch einige Mahl in der Deutschen Bibel vor. Ausgenommen was die Jünglinge verzehret haben, 1. Mos. 14, 24; wofür Michaelis die Knechte setzet. Und standte hin Jünglinge aus den Kindern Israel u. s. f. 2 Mos. 24, 5; Diener, Michael. Ios. 6, 23 heißen die Kundschafter, welche bey der Nahab gewesen waren, Jünglinge. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine junge Person männlichen Geschlechtes von dem Ende des Knabenalters an bis zu dem männli- chen Alter. 1) Eigentlich. Ein schöner muntrer Jüngling. Ein Jüngling werden, die Kinderjahre verlassen. Er ist kein Jüngling mehr, ist schon bey Jahren. 2) Figürlich, dem Verstande, der Erfahrung nach. In der ersten Jugend seinen Verstand anbauen, und die Fortsetzung im Alter unterlassen, macht 60 und 80 Jahre Jünglinge, Gell.

Anm. Bey dem Ulphilas Juggalaud, im Tatian Jungo, ein Junge, im Schwabenspiegel Jüngeling. Ehedem sagte man auch im weiblichen Geschlechte Jünglinginn, welches aber veraltet ist, daher man dafür nunmehr ein junges Frauenzimmer sagen muß.


Jünglingsalter (W3) [Adelung]


Das Jünglingsalter, des -s, plur. inus. das jenige Alter, in welchem man ein Jüngling ist.


Jünglingsjahre (W3) [Adelung]


Die Jünglingsjahre, sing. inus. die Jahre des Jünglingsalters, diejenigen Jahre, in welchem man ein Jüngling ist.


Jungsmeister (W3) [Adelung]


Der Jungsmeister, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Handwerkern, der jüngste unter den Meistern einer Innung und an einem Orte, in Ansehung des gewonnenen Meisterrechtes; im Gegensatze des Altmeisters.


Jüngst (W3) [Adelung]


Jüngst, ein Nebenwort der Zeit, für neulich, vor kurzen. Ihr jüngst erlassenes Schreiben. Besonders in der höhern Schreibart. Jüngst hab' ich, als das Morgenroth kam, den ganzen Ort mit Kränzen geschmückt, Geßn. Er schlug das Raubthier jüngst, das der beschneite Riphäus auf mich ausgespien, Raml.

Anm. Es ist die dritte Staffel von jung, als ein Nebenwort gebraucht. Bey dem Kero az iungist, im Isidor azs iungist, für am Ende, endlich; bey den Schwäbischen Dichtern in der heutigen Bedeutung iungest. Do ich iungest von ir schiet, Rudoph von Rotenburg. Die Rede die er iungest sprach zuo mir, Reinmar der Alte. Jüngstens und Jimgsthin für Jüngst sind unnötige Verlängerungen.


Jungthier (W3) [Adelung]


Das Jungthier, des -es, die -e, bey den Jägern, ein Junges des Roth- und Dammwildbretes weiblichen Geschlechtes, ehe es noch ein Schmalthier genannt werden kann.


Junius (W3) [Adelung]


Der Junius, des Junii, plur. car. der Röhmische Nahme des sechsten Monathes im Jahre, welcher von Carl dem Großen den Nahmen Bracmanoth, Brachmonath, erhalten hat, welchen er auch noch zuweilen führet, S. dieses Wort.


Junker (W3) [Adelung]


1. Der Junker, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bäckern einiger Gegenden, z. B. in Hamburg, ein Nahme des jüngsten Bäckerknechtes, welcher das Holzhacken, und andere geringere Arbeiten verrichtet, und in Leipzig der Keine genannt wird. In großen Backhäusern hat man ihrer wohl zwey, da denn der eine der Ober- und der andere der Unterjunker, genannt wird. Es ist in dieser Bedeutung vermutlich aus Junger oder Jünger entstanden, S. das letztere.


Junker (W3) [Adelung]


2. Der Junker, des -n, plur. die -n, ein aus junger Herr zusammen gezogenes Wort. 1) Ehedem ein Ehrentitel der Prinzen und Söhne des Herrenstandes oder hohen Adels, ingleichen der jüngern Brüder regierender Herren, welche erstern im mittlern Lateine Juniores, Domocelli und Heriles genannt wurden; eine sehr alte Benennung, welche noch unter den Tartarischen Völkern üblich ist, wo der Sohn eines regiernden Herren noch jetzt Chonkar genannt wird. In den Gesetzen der Westgothen Junk Haera, und im Schwed. Ungherrar, Ungarar. Beyspiele aus Deutschen Urkunden führet Schilter an. Im Schwabenspiegel bedeutet Junkher in weiterer Bedeutung einen freyen Jüngling, im Gegensatze eines leibeigenen. 2) Heut zu Tage wird es nur noch von einem Jungen von niedern Adel, und auch hier noch im gemeinen Leben gebraucht, da in der anständigern Sprechart Herr von - üblicher ist. S. Stückjunker, Fahnjunker, Hofjunker, Kammerjunker, Jagdjunker u. s. f. wo es noch als ein Titel gebraucht wird. 3) In weiterer Bedeutung verstehet man unter dem Nahmen eines Junkern auch wohl einen schon erwachsenen Edelmann, obgleich mit einiger Verachtung. Ein Landjunker, ein Landedelmann, ein Stadtjunker, ein Stadtedelmann. Ehedem war es auch in dieser Bedeutung rümlicher, daher man die Domherren auch wohl Gottesjunkern nannte. Salzjunkern sind noch in einigen Städten adelige Besitzer der Salzpfannen; und in denjenigen Städten, wo der Stadtrath von Adel war, wurden dergleichen Rathspersonen häufig Junkern genannt. 4) Figürlich wird das in Marburg gebrauete Bier, vermutlich wegen seiner Güte, daselbst Junker genannt. Im Tockadille wird man Junker, wenn man im Spiele müßig zugehen muß. Anm. In dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter noch Junkherre, im Nieders. und Dän. gleichfalls Junker. Aus der Zusammensetzung dieses Wortes erhellet, das die Abänderung des Junkern und im Plural die Junkern, derjenigen vorzuziehen ist, wo man den Genitiv Junkers und den Plural Junker macht. Das Zeitwort junkeriren, Schwed. junkerea, seine Tage in Wohlleben und Müßiggang zubringen, ist nur in den niedrigen Sprecharten gangbar.


Junkerbirn (W3) [Adelung]


Die Junkerbirn, plur. die -en, eine Art mittelmäßig großer runder Birnen, mit einem saftigen bisamartigen Fleische; die große Zwiebelbirn, der Sommerkönig, die Cyper-Birn, Franz. l'Amire roux, le gros Oignet, Poire Chypre.


Junkerndorf (W3) [Adelung]


Das Junkerndorf, des -es, die -dörfer, in einigen Gegenden, z. B. in Thüringen, ein adeliges Gerichtsdorf; im Gegensatze eines Amtdorfes.


Jupe (W3) [Adelung]


Die Jupe, S. Jope.


Jupiter (W3) [Adelung]


Jupiter, in der Götterlehre der Römer, der Nahme des vornehmlichsten und obersten Gottes, welcher einen helfenden Vater bedeutet. Der - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - der Griechen. In der Astronomie ist der Jupiter ein Planet, welcher nächst der Saturn am weitesten von der Sonne entfernt ist, und die Erde ungefähr 10 000 Mahl an Größe übertrifft.


Jupiters-Bart (W3) [Adelung]


Der Jupiters-Bart, des -es, plur. inus. eine Art der Wollblume, welche in Italien, Spanien und dem Morgenlande wächset, schöne silberweiße glänzende Blätter hat, und daher von andern der Silberbusch genannt wird; Anthyllis Barba Jovis L.


Jupiters-Blume (W3) [Adelung]


Die Jupiters-Blume, plur. die -n, eine Art des Radens, welche in der Schweiz einheimlich ist; Agrostema Flos. Jovis L.


Jürgen (W3) [Adelung]


Jürgen, Genit. -s, der verkürzte männliche Taufnahme Georg, S. dieses Wort.


Juridisch (W3) [Adelung]


Juridisch, S. Juristisch.


Jurist (W3) [Adelung]


Der Jurist, des -en, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. Jurista, der die Rechtsgelehrsamkeit verstehet und ausübet; ingleichen, der sich ihr widmet, und sie erlernet.


Juristisch (W3) [Adelung]


Juristisch, adj. et adv. vor dem vorigen Hauptworte, zur Rechtsgelehrsamkeit gehörig, in derselben gegründet. Im Oberdeutschen ist von juridicus dafür das bessere juridisch üblich; indem juristisch doch nur eigentlich einem Juristen ähnlich und gemäß bedeutet.


Just (W3) [Adelung]


+ Just, ein Nebenwort, welches nur im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, üblich ist. 1) Genau, eben, gerecht, der Sache und dem Raume nach. Es ist just voll. Es ist just recht. Der Stöpsel passet just hinein. Das will just so viel sagen, gerade so viel. 2) Von der Zeit, eben jetzt, gerade. Er ist just von dem Wagen gestiegen.

Anm. Im Nieders. just, jüst, im Engl. just, im Schwed. just, im Holländ. juyst. Ohne Zweifel von dem Franz. juste, obgleich in dem Bremisch-Niedersächs. Wörterbüche nicht ohne Wahrscheinlichkeit gemuthmaßet wird, daß es von dem veralteten giu, eben, jetzt, wovon in dem Tatian giu'st für giu ist, jetzt ist, vorkommt, abstamme. S. Schon.


Jüst (W3) [Adelung]


Jüst, S. Güst.


Justiren (W3) [Adelung]


Justiren, verb. reg. act. aus dem Franz. juster, daher es auch schüstieren gesprochen werden sollte, im gemeinen Leben, einem Dinge genau dieselbe Größe, dieselbe Gestalt, und dasselbe Gewicht geben, welche es haben soll. So werden in den Münzen die ausgestückelten Stücke zu den Münzen justiret, (besser ausgeglichen,) wenn sie nach dem Richtpfennige ausgewäget werden. An einigen Orten wird auch das Eichen des Maßes und Gewichtes justiren genannt.


Justiz (W3) [Adelung]


Die Justiz, plur. inus. aus dem Lat. Justitia, so wohl die Handhabung des Rechtes, als auch die dazu verordneten Personen, ingleichen der Ort, wo die peinlichen Urtheile vollzogen werden. Daher die Justiz-Pflege, die Handhabung des Rechtes, die Rechtspflege, der Justiz-Rath, des -es, plur. die -Räthe, ein fürstlicher Rath, welcher für die Handhabung des Rechtes und der Gerechtigkeit sorget, welches in den meisten Provinzen eine Pflicht der Hofräthe ist. Zu Wien befindet sich eine kaiserlich-königliche oberste Justiz-Stelle, welche außer dem Präsidenten verschieden Hofräthe als Beysitzer hat.


Jutta (W3) [Adelung]


Jutta, S. Johanna.


Juwele (W3) [Adelung]


Die Juwele, plur. die -n, ein geschliffener Edelstein, und in weiterer Bedeutung ehedem auch alles, was man jetzt unter dem Nahmen des Geschmiedes zu verstehen pflegt. Mit Juwelen geschmückt. Am häufigsten verstehet man unter diesem Ausdrucke wohl Brillianten.

Anm. Im Nieders. ehedem Ovele, Holländ. Juweel, im Engl. Jewell, im Schwed. Juwel. Wachter leitet es von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; allein es ist wohl ausgemacht, das es von dem Franz. Joyau, ehedem Joyaul, Span. Joyel abstammet, welches wiederum aus dem mittlern Lat. Jocale verderbt ist, welches Salmasius nicht von dem Lat. Jocus, Joculus, Jocula, ein Ding, woraus ein anderer Vergnügen schöpfet, sondern von dem Arab. Johar, ein Edelstein, ableitet. Einige gebrauchen dieses Wort im sächlichen Geschlechte, das Juwel, allein das weibliche ist wenigstens üblicher.


Juwelier (W3) [Adelung]


Der Juwelier, (nicht Juwelierer,) des -s, plur. ut nom. sing. der mit Juwelen oder Edelsteine handelt; im Franz. Jouailler, ehedem Joyaulier, im mittlern Latein. Jocalarius.


K

L

M

N

O

P

Q

R

S

T

U

V

W

X

Y

Z