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DE Deutschland, Alemania, Allemagne, Germania, Germany
Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
K

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

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Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

B

C

D

E

F

G

H

I

J

K

K (W3) [Adelung]


K, der elfste Buchstab des Deutschen Alphabetes, wenn man, wie billig, i und j für zwey Buchstaben zählet, welcher ein harter Gaumenlaut ist, und entstehet, wenn der hintere Theil der Zunge stark an den Gaumen angedrücket wird. Er hat einen doppelten Laut. Seinen eigenthümlichen harten Laut behält er zu Anfange eines Worte vor einem Vocale und in der Mitte eines Wortes nach einer kurzen Sylbe, kommen, können, kaum, stark, welk, Bank, Sack; etwas gelinder lautet er vor den flüssigen Buchstaben und nach einem langen Selbstlaute, klein, kneten, Haken. Nach einem kurzen Selbstlaute wird er daher auch, wenn kein anderer Mitlaut vorher gehet, verdoppelt, in welchem Falle aber das c die Stelle des ersten k vertritt, S. Ck im C. Von der Geschichte und dem Gebrauche dieses Buchstabes ist das nöthigste schon bey dem C angemerket worden. Hier ist nur noch anzuführen, daß in fremden, besonders Französischen Wörtern, das c und qu im Deutschen oft durch ein k ausgedruckt werden; Calamank, vom Französ. Calamanque, im mittlern Lat. Calamancus, Karthaune von Quartana, Caduk, oder vielmehr Caduck, wenn das u kurz ausgesprochen wird, von dem Lat. Caducus, Casakin, vom Französ. Casaquin, Kai, von Quai u. s. f. Zu Anfange des Wortes ist es nicht alle Mahl ein Stammbuchstab, sondern so wie alle Hauch- und Gaumenlaute, oft ein müßiger Vorschlag hauchender Mundarten. Oft ist es auch aus der Vorsylbe Ge entstanden. Beyspiele werden im folgenden häufig vorkommen, besonders wo das k vor einem Mitlauter stehet.


Kaa (W3) [Adelung]


Die Kaa, plur. die -en, eine Hütte, ein kleines Gebäude, ein Verschlag, S. Kaue.


Kabale (W3) [Adelung]


Die Kabale, plur. die -n, S. Cabale.


Kabbeln (W3) [Adelung]


Kabbeln, S. Kampeln.


Kabel (W3) [Adelung]


1. Die Kabel, plur. die -n, an den Wagenwinden, der eiserne Haken in Gestalt eines halben Mondes, welcher den Wagen fasset; wo aber dieses Wort aus Gabel verderbt eis, und auch so geschrieben werden sollte.


Kabel (W3) [Adelung]


2. Die Kabel, plur. die -n, ein altes, nur noch in einigen Gegenden übliches Wort, welches überhaupt ein Wekzeug bedeutet, womit etwas gebunden oder verbunden wird, besonders ein Strick, in welcher Bedeutung nur noch sehr dicke Taue bey der Artillerie und in der Schifffarht Kabeln und Kabeltaue genannt werden; besonders diejenigen, welche das Anker halten, und welche von 12 bis 24 Zoll dick sind, diejenigen, womit man die Bothe in das Schiff ziehet, die Schiffe am Lande befestiget u. s. f. Die Kabeln kappen, die Untertaue abhauen. Nieders. und Holländ. gleichfalls Kabel, Franz. Cable und Chable, Engl. Cable, im mittlern Lateine. Caplum, Cuplum. Das hohe Alter dieses Wortes erhellet aus dem Hebr. wo - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein Seil, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - binden ist. Bey den Griechen ging das b in das verwandte m über, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches Luther verführte, es Matth. 19, 24, Marc. 10, 25, und Luc. 18, 25 durch Kamehl zu übersetzen, S. dieses Wort, ingleichen Koppel, Koppeln, Kuppel und Kuppeln, welche gleichfalls hierher gehören. In einigen Gegenden ist es sächlichen Geschlechtes, das Kabel.


Kabel (W3) [Adelung]


3. Die Kabel, plur. die -n. 1) Das Los und ein Theil von mehrern, welche nach dem Lose verkaufet werden sollen; ein am häufigsten in Niedersachsen übliches Wort. So theilet man einen mit Holz bewachsenen Platz, wo das Holz auf dem Stamme verkaufet werden soll, in gewisse Kabeln. Auch die Gemeindewiesen und andere Gemeindestücke werden in Kabeln getheilet, und unter die Nachbarn nach dem Lose vertheilet. 2) In weiterer Bedeutung auch wohl überhaupt ein Theil, ein Antheil. So ist in den Seestädten die Kabel oder Kabelung, eine Partie Waaren, welche bey einer öffentlichen Steigerung auf ein Mahl zum Verkaufe ausgesetzt werden. In Obersachsen muß jeder frohnbarer Bauer in der Ernte seine Kabel (den ihm zugefallenen, angewiesenen Theil,) abbringen. Eben daselbst muß er seine ihm zugehörigen kabeln und Zäunen und Gehägen in gutem Stande erhalten, seinen Antheil an den Gemeindezäunen und Gehägen.

Anm. Im Wendischen ist Kabl gleichfalls das Los, und kabluju losen. Man könnte es in dieser Bedeutung gleichfalls von dem vorigen Kabel ableiten, so fern ein solcher bestimmter Theil mit einem Seile von gewisser Länge abgemessen wird, in welcher Bedeutung auch Faden, Seil, Kuthe u. s. f. und im mittlern Lat. Funiculus vorkommen. Allein, da im Schwed. Kafle und Kaefing einen kleinen runden Stab bedeutet, welches das Diminut. von Kaepp, ein Stab, Lat. Cippus, Franz. Cep, Ital. Ceppo ist, S. Knebel: so siehet man dieses billig als das Stammwort an, zumahl, da bekannt ist, daß man schon in den ältesten Zeiten sich bey dem Losen der Stäbe bedienet hat. S. Kabeln. Im Poln. ist Kawal ein jedes Stück, Theil eines Ganzes.


Kabelbier (W3) [Adelung]


Das Kabelbier, des -es, plur. von mehrern Quantitäte, die -e, in den Niedersächsischen Städten, Bier, welches nach dem Lose gebrauet wird. S. 3. Kabel.


Kabelgatt (W3) [Adelung]


Das Kabelgatt, des -es, plur. die -e, derjenige Raum gegen das Vordertheil der Schiffe, in welchem die Kabeln und Taue aufbehalten werden; von Gatt, ein Loch, Behältnis. S. 2. Kabel.


Kabeljau (W3) [Adelung]


Der Kabeljau, des -es, plur. die -e, der Nordische und Niedersächsische Nahme eines Seefisches, der am häufigsten in den Nordischen Gewässern gefangen wird, und gedörret unter dem Nahme des Stockfisches bekannt ist; Gadus Morhua L. In einigen Gegenden pflegt man nur die beste Art des Stockfisches Kabeljau zu nennen. Holländ. und Nieders. Kabeljau, Franz. Cabeliau, im Dän. Kablian, im mittlern lat. Cabellauwus, Cabelgensis, welche Nahmen in den Niederlanden schon von dem 12ten Jahrh. an vorkommen. Im Oberdeutschen wird er Bolch genannt, S. dieses Wort.


Kabellänge (W3) [Adelung]


Die Kabellänge, plur. die -e, in der Seefahrt, die Länge einer Kabel, oder eines Kabeltaues, welche gemeiniglich 120 Klaster ist.


Kabeln (W3) [Adelung]


Kabeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches in Niedersachsen am bekanntesten ist, losen, das Los werfen. Um etwas kabeln. Ingleichen nach dem Lose vertheilen, wo es auch als ein Activum gebraucht wird. Wenn Holz gekabelt wird, S. 3. Kabel.


Kabelseil (W3) [Adelung]


Das Kabelseil, des -es, plur. die -e, das starke Seil an einer Fähre, S. 2. Kabel und Kabeltau.


Kabeltanz (W3) [Adelung]


Der Kabeltanz, des -es, plur. die -tänze, in den Seestädten, ein feyerlicher Tanz der Schiffer zu gewissen Zeiten, vermittelst einer Kabel oder eines starken Seiles; der mit dem - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - der Griechen und dem Restis der Römer überein kommt.


Kabeltau (W3) [Adelung]


Das Kabeltau, des -es, plur. die -e, ein starkes Tau, etwas damit zu halten. Da Kabel schon allein ein solches Tau bedeutet, so scheinet die erste Hälfte hier mehr das veraltete Zeitwort kabeln, binden, verbinden, zu seyn. Besonders ist auf den Schiffen das Ankertau unter diesem Nahmen bekannt. Siehe 2. Kabel. Im Engl. Cabel-rope, im mittlern Lat. Jaable.


Kabelung (W3) [Adelung]


Die Kabelung, plur. die -en, von dem Zeitworte kabeln, 1) Die Vertheilung oder der Verkauf einer Sache nach einem Lose, besonders in Niedersachsen, wo die Waaren oft auf diese Art versteigert werden. Am Niederrheine wird daher eine Auction der Weine eine Gabelung oder besser eine Kabelung genannt, weil die Weine alsdann in Kabeln oder Lose getheilet werden. 2) Der zu einem solchen Verkaufe bestimmte Theil einer Sache selbst. Eine Kabelung Wein. Nieders. Kabeling, Kabelung. S. 3. Kabel.


Kabelwiese (W3) [Adelung]


Die Kabelwiese, plur. die -n, in Ober- und Niedersachsen, eine Gemeindewiese, welche an die Einwohner verloset wird.


Kabestan (W3) [Adelung]


Der Kabestan, des -es, plur. die -e, auf den Schiffen, eine senkrechte Winde, die Anker damit in das Schiff zu winden, die Segel einzunehmen, zum Bugstren u. s. f. Die erste Hälfte dieses vermuthlich Holländischen Wortes, scheinet mir Giebe und Göpel von heben abzustammen. Die letzte Hälfte ist ungewiß. Übrigens wird der Kabestan auf den Schiffen auch die Spille genannt.


Kabinet (W3) [Adelung]


Das Kabinet, S. Cabinett.


Kabuse (W3) [Adelung]


Die Kabuse, plur. die -n, in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens, ein kleines enges Zimmer, ein Verschlag, ein Alkoven, eine schlechte Hütte u. s. f. Ingleichen auf kleinern Schiffen, eine Hütte, ein Verschlag auf dem Verdecke, welcher bey größern Schiffen die Kajüte heißt. Im Niedersächsischen wird auch das Kerngehäuse des Obstes die Kabuse, im Osnabrück. aber Karmus und Kalmes genannt. Holländ. Kabuys, Schwed. Kabbysa. Die letzte Sylbe scheinet aus Haus entstanden zu seyn, das Wort selbst aber gehöret zu dem zahlreichen Geschlechte derer, welche ein Behältniß, einen hohlen Raum, eine Hütte u. s. f. bedeuten. S. Koben, Käfich u. s. f.


Kachel (W3) [Adelung]


Die Kachel, plur. die -n. 1) * Überhaupt, ein jedes hohles Behältniß, ein Gefäß oder Geschirr, in welcher weitesten, aber veralteten Bedeutung es das Diminut. von Kag, Kach, zu seyn scheinet, welches noch in andern Sprachen üblich ist. Im Schwed. ist Kagge ein Fäßchen von zwey oder drey Kaunen, im Engl. Cag, im Franz. Caque. Das Wallistische Cawg bedeutet ein Becken, das mittlere Lat. Caucus, bey dem Papias, ist eine Art eines Gefäßes, das mittlere Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - eine Schale, und das mittlere Lat. Caucellus ein kleines Gefäß, S. Kag, Kajüte und Kaue. 2) * In engerer Bedeutung, ein irdenes Geschirr; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher nur noch zuweilen in der niedrigen Sprechart der Nachttopf eine Brunzkachel genannt wird. In den alten Bibel-Übersetzungen von Luthern kommt Kachel mehrmahls für einen Topf vor, so wie im mittlern Lat. Cocula. Im Niedersächsischen ist die Kachel ein aus gebrannten Steinen aufgesetzter Stubenofen, daher einkacheln in den gemeinen Mundarten für stark einheizen gebraucht wird. 3) In den engsten und gewöhnlichsten Bedeutung, napfförmiges vierecktes Stück von gebrannter Erde, woraus die davon bekannten Kachelöfen zusammen gesetzet werden; die Ofenkachel, im mittlern Lat. Cugnolius, im Ital. Coccia, im Schwed. Kakel, im Pohln. Kachel, im Böhm. Kachljk. Im Bergbaue ist, vermutlich wegen einiger Ähnlich- keit, die Kachel ein Werkstück über dem Vorherde, vorne an dem Gestelle eines hohen Ofens.

Anm. Wachter leitete es von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , drehen, her, weil das thönerne Geschirr vermittelst des Drehens verfertiget wird. Junius von dem Lat. Cacabus, welches doch nur ein Seitenverwandter von Kachel ist, andere von coquere, kochen, und erklären es durch ein gebranntes Gefäß. Allein aus der ersten Bedeutung erhellet, das es von einem viel weitern Umfange der Bedeutung ist, und nicht bloß auf ein irdenes Geschirr allein eingeschränket werden könne.


Kachelform (W3) [Adelung]


Die Kachelform, plur. die -en, bey den Töpfern, eine Form, worin die Ofenkacheln verfertiget werden.


Kachelofen (W3) [Adelung]


Der Kachelofen, des -s, plur. die -öfen, ein aus Kacheln zusammen gesetzter Stubenofen. Dän. Kakelofen, Schwedisch Kakelugn.


Kack (W3) [Adelung]


* Kack, adj. et adv. welches nur in einigen gemeinen Mundarten für kahl oder nackt üblich ist, mit welchen Wörtern es auch der Abstammung nach verwandt zu seyn scheinet. Es wird am häufigsten von Vögel gebraucht. Kacke Vögel, welche noch nicht die nöthigen Federn haben. Ital. cacco. Daher die Kackfedern, die ersten Federn, welche den Vögel wachsen, nachdem sie ausgebrütet worden; Ital. Cacche, Cacchione.


Kacken (W3) [Adelung]


+ Kacken, verb. reg. neutr. et act. welches in den niedrigen Sprecharten üblich ist, seine Nothdurft verrichten, die untauglichen Überbleibsel von den verdaueten Speisen durch den Afterdarm von sich geben. Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Lat. cacare, Engl. to cack, Ital. cacare, Böhm. kakati, Dän. kakke. Die davon abstammenden Kacke, der Koth eines Menschen und Thieres, und das Vermögen denselben auszuwerfen, daher die dünne Kacke, der Durchfall, der Kacker, das Kackhaus, der Abtritt, der Kackstuhl, der Nachtstuhl u. s. f. sind gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten üblich. Es scheinet mit köken, kotzen u. s. f. von dem bey Kachel 1) angeführten veralteten Kag, Kach, ein hohles Behältniß, abzustammen. S. Schicken.


Kaddig (W3) [Adelung]


* Der Kaddig, oder Kaddik, in Preußen und einigen andern Niedersächsischen Gegenden, ein Nahme des Wachholders, siehe dieses Wort.


Käfer (W3) [Adelung]


Der Käfer, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Käferchen, Oberd. Käferlein, eine allgemeine Bedeutung aller geflügelten Insecten mit harten Flügeldecken, die Heuschrecke mit ihren Arten ausgenommen. Es ist ihrer eine Große Menge, wovon die meisten Arten auch im gemeinen Leben besondere Nahmen haben.

Anm. Bey dem Notker Chefer, im Nieders. Zäver, Kefer und Wewel, Wiewel, im Holländ. Kever, im Angels. Ceafor, in Engl. Chafer, im Norveg. Toroweler, im Lat. Scarabaeus, womit das Dän. Skarabasser überein kommt. Der Deutsche Nahme stammet vermutlich von kauen, keifen, Angels. ceofan, her, weil dieses Insect durch den Schaden, welchen es dem Pflanzenreiche zufügt, am bekanntesten ist. Im Oberdeutschen ist es weiblichen Geschlechtes, die Käfer.


Käferänte (W3) [Adelung]


Die Käferänte, plur. die -n, S. Dachänte.


Kaffeh (W3) [Adelung]


Der Kaffeh, des -es, plur. inus. 1) Die gelblichen oder bläulichen Bohnen des Kaffehbaumes, welche auf der einen Seite platt und auf der andern rundlich sind; Kaffehbohnen. Den Kaffeh brennen. Gebrannter, gemahlner Kaffeh. 2) Das daraus bereitete Getränk. Kaffeh trinken.

Anm. Im gemeinen Leben oft auch Koffeh. Es ist ein Türkisches Wort, welches Caouhe oder Cahueh lautet. Das Getränk wurde 1652 durch einen Kaufmann aus Smirna, Nahmens Daniel Edwards, in Europa bekannt, und 1669 fing man an, ihn in Europa zu trinken, nachdem die Araber schon vor 800 Jahren Kaffeh getrunken hatten. Daher die Kaffehbohne, welche auch nur Kaffeh schlechthin genannt wird; das Kaffehbret, ein zierliches Bret, den Kaffeh und das Kaffehzeug darauf aufzutragen; das Kaffehhaus, ein öffentliches Haus, wo Kaffeh geschenket wird; die Kaffehkanne, eine Kanne, den zubereiteten Kaffeh darin aufzutragen; der Kaffehkessel, ihn darin zu kochen; die Kaffehlampe, ihn darüber zu kochen; der Kaffehlöffel, den Zucker in den Kaffeh schmelzen zu machen, und ihn umzurühren; die Kaffehmühle, den gebrannten Kaffeh zu mahlen; die Kaffehpauke oder Kaffehtrommel, ihn darin zu brennen; das Kaffehschälchen oder die Kaffehtasse, ihn daraus zu trinken, der Kaffehteller, die Kaffehtasse darauf zu überreichten; der Kaffehtisch, ihn vor demselben zu trinken, u. s. f. welches sämmtliche Geräth unter dem Nahmen des Kaffehzeuges bekannt ist. Um den auf der letzten Sylbe ruhenden gedehnten Ton zu sichern, schreibt man dieses Wort gemeiniglich Kaffee; allein da die Verdoppelung der Vocale unter allen Dehnungszeichen das unschicklichste ist, so wählet man dafür lieber das h, Kaffeh.


Kaffehbaum (W3) [Adelung]


Der Kaffehbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum, welcher in dem glücklichen Arabien einheimisch ist, von da er nach Amerika und Ostindien verpflanzet worden; Coffea L. Erträgt eine rundliche Beere, welche zuletzt purpurroth wird, und deren Samen die bekannte Kaffehbohne ist.


Käfich (W3) [Adelung]


Der Käfich, des -es, plur. die -e, überhaupt ein jeder eingeschlossener und verwahrter Raum; besonders ein enger, kleiner verwahrter Raum, in welcher Bedeutung man nur noch ein enges Gefängniß einen Käfich und im Oberdeutschen ein Käfter, ein Käfterchen zu nennen pfleget. Am häufigsten ist es im Hochdeutschen von einem engen durchsichtigen Gehäuse von Draht oder hölzernen Sprießeln, Vögel darin lebendig aufzubehalten, welches man im gemeinen Leben ein Bauer nennet.

Anm. Im Oberdeutschen ehedem auch Käfin, Kefe, Kebsen, im Schwabenspiegel Kevic, im Engl. Cage, im Angels. Cafa, Cofe, Holländ. Kauw, im Franz. Cage, im Ital. Gabia, und Gabbia, im mittlern Lat. Gabia, Cauea, im Lat. Cavea, alle von einem Behältnisse für Vögel. Es stammet von Kab, Kav, ein eingeschlossener Raum her, und ist ein Seitenverwandter von Kabuse, Kajüte, Kaue, Koben, Koffer, Kober, und hundert andern dieses Geschlechtes. Die Endung ich, welche wider die Hochdeutsche Aussprache von vielen auch ig, und von andern noch irriger icht, geschrieben wird, ist die Ableitungssylbe. Übrigens ist dieses Wort in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, sächlichen Geschlechtes, das Käfich.


Kafiller (W3) [Adelung]


Der Kafiller, des -s, plur. ut nom. sing. in der anständigen Sprechart einiger Gegenden, ein Nahme des Feldmeisters oder Abdeckers, welcher in der niedrigen Sprechart der Schinder genannt wird. Daher die Kafillerey, die Wohnung und das Amt des Kafillers, das Kafillertehen, dessen Amt als ein Lehen betrachten, der Kafillerzins, welchen er für die Übung seines Amtes der Obrigkeit entrichtet u. s. f.

Anm. Im Nieders. auch nur der Filler. Eben daselbst ist auch noch das alte Zeitwort fillen, schinden, ingleichen blutrünstig schlagen, üblich, bey dem Ottfried fillon, daher der Amboß im Angels. Anfilt und im Engl. Anvil lautet. S. Fillen.


Kaftan (W3) [Adelung]


Der Kaftan, S. Caftan.


Kag (W3) [Adelung]


Der Kag, des -es, plur. die -e, in Holland. und auf der Niederelbe, eine Art eines Schiffes mit hohem Borte, mit Einem Maste, einem Balestan an dem Segel, einem Stagsegel, einem Schwerte ohne Mars und Wand, welches 47 Fuß lang, und wie eine Schmacke besegelt ist; Holländ. Kaagh. Es erhält das Stammwort von Kachel in Andenken, welches überhaupt ein hohles Behältniß, einen hohlen eingeschlossenen Raum bedeutete. Eine andere, aber vermuthlich ähnliche Art Schiffe, welche Kogge hieß, wurde in Niederdeutschland ehedem zum Kriege gebraucht; Holländ. Kogghe, Franz. Cague und Coque, Ital. Cocchio, im alt Schwed. Kogg, im Isländ. Kuggr, im mittlern Lat. Cogo und Coqua. Im Wallis. ist Cwch ein Kahn, Engl. Cockboat, Franz. Coche. S. Kachel, Köcher.


Kahl (W3) [Adelung]


Kahl, -er, -este, adj. et adv. im Gegensatze dessen, was rauch ist, der nöthigen Haare, Federn, oder des nöthigen Laubes beraubet. 1. Eigentlich. Ein kahler Kopf, welcher von Haaren entblößet ist. Ein kahles Kinn, ein unbärtiges. Hier vor meiner Hütte sey der Altar; ich will mein kahles Haupt umkränzen, Geßn. Kahl seyn, kahl werden. Ein kahler Hund. Kahle Vögel, welche noch keine Federn haben; in welchem Falle im Oberdeutschen auch kack üblich ist, S. dieses Wort. Der Pelz wird schon ganz kahl. Im Winter sind die Bäume kahl, des Laubes beraubt. Kahles Tuch, welches keine Haare mehr hat. Ein kahles, abgetragenes, abgeschabtes, Kleid. Ein kahler Berg, welcher mit keinen Bäumen bewachsen, oder der Bäume beraubt ist. In weiterer Bedeutung heißen die Rehe und Schmahlthiere bey den Jägern zuweilen kahle Thiere, weil sie kein Geweih haben. 2. Figürlich. 1) Der nöthigen Gründe beraubt, im verächtlichen Verstande. Eine kahle, ungegründete, Ausflucht, Ausrede, Entschuldigung, Ursache; im mittlern Lat. calva occasto. Was er dagegen eingewendet hat, könnte nicht kahler seyn, Less. Damit wirst du kahl bestehen, du wirst wegen des Ungrundes deiner Entschuldigung zu Schanden werden. 2) Geringe, schlecht, dem Werthe nach. Ein kahles Tractament. Es ging sehr kahl zu, sehr dürftig, armselig. Kahle zwey Groschen, elende, geringe.

Anm. In der letzten figürlichen Bedeutung schon in dem Salischen Gesetze chala, in der eigentlichen bey dem Notker chal, im Pohln. goly, bey den heutigen Persern khal, und im Lat. calvus, woraus doch nicht folget, daß wir dasselbe erst von den Römern erborget haben. Schon im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - glatt, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - kahl, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein Barbier. Nimmt man den Übergang des l und r in einander als bekannt an, so gehöret es zu dem alten kara, schneiden, woraus durch vorgesetzten Zischlaut unser scheren entstanden ist. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gleichfalls kahl seyn. S. Kerbe und Scheren.


Kahlheit (W3) [Adelung]


Die Kahlheit, plur. inus. der Zustand eines Dinges, da es kahl ist, im eigentlichen Verstande; ein wenig gebräuchliches Wort. Die Alten gebrauchten dafür mit einer andern Ableitungssylbe, die Kahle, Chalauue, bey dem Notker.


Kahlkopf (W3) [Adelung]


Der Kahlkopf, des -es, plur. die -köpfe, ein kahler, d. i. von Haaren entblößter Kopf, und im verächtlichen Verstande, eine der Haupthaare beraubte Person. 2 Kön. 2, 23, 24. In der Naturgeschichte führet eine Art ausländischer purpurfärbiger Geyer, dessen Kopf und Hals nur mit wenig Haaren besetzt sind, Vultur Brasiliensis Klein. den Nahmen des Kahlkopfes.


Kahm (W3) [Adelung]


Der Kahm, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, der Schimmel auf flüssigen geistigen Körpern, derjenige Grad des Verderbnisses derselben, da sich auf der Oberfläche kleine weiße Flecken ansetzen, welche sich endlich in eine Haut vereinigen. Der Wein bekommt Kahm. Es setzt sich ein Kahm auf dem Biere, auf dem Essige an.

Anm. Im Oberdeutschen Kaan, Kahn, Kaim, im Nieders. Kahm, Kiem, im Holländ. Kaam. Es gehöret zu Keim, welches im Nieders. gleichfalls Kiem lautet, und mit demselben zu Kamm, Kimme, weil der Kahm auf der Oberfläche hervor keimet. Durch vorgesetzten Zischlaut und angehängte Ableitungssylbe el stammet auch Schimmel daher. Es erhellet hieraus zugleich, daß die Schreibart Kahm richtiger ist, als Kahn oder Kaan.


Kahmen (W3) [Adelung]


Kahmen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Kahm bekommen, ansetzen. Der Wein, der Essig, das Bier kahmet. Nieders. kiemen.


Kahmig (W3) [Adelung]


Kahmig, -er, -ste, adj. et adv. Kahm habend. Kahmiger Essig. Der Wein wird kahmig. Das Bier ist schon kahmig. Bey dem H. Sachs kümig, im Nieders. kiemig, Holländ. kaamig.


Kahn (W3) [Adelung]


1. Der Kahn, S. Kahm.


Kahn (W3) [Adelung]


2. Der Kahn, des -es, plur. die Kähne, Diminut. das Kähnchen, Oberd. Kähnlein, der Rahme eines mittelmäßigen Fahrzeuges ohne Verdeck auf Flüssen. Dergleichen sind die Kähne, deren man sich auf der Elbe, Oder, Weser, Spree u. s. f. bedienet, und welche einen Mast und niedrigen Bort haben, flach sind, und statt des Verdeckes nur eine Hütte am Vordertheile führen. Die Breslauer Kähne sind eine Art solcher Fahrzeuge auf der Spree und Oder, welche hinten und vornen spitzig, 60 Fuß lang, 3 Fuß tief, und oben 9 Fuß breit sind. Noch häufiger ist ein Kahn ein jedes kleines Fahrzeug ohne Verdeck, ohne Mast und Segel, welches gemeiniglich von zwey Personen regieret werden kann.

Anm. Im Nieders. Kaan, im Dän. Kane, im Schwed. Kana, im Franz. Canot, im Engl. Canoe, im Lat. Cymba, bey dem Juvenal Canna. Es gehöret zu dem Geschlechte derjenigen Wörter, welche einen hohlen Raum bedeuten. S. Canal, 2. Hund, Kanne, Kumpf, u. s. f. Die ältesten Kähne waren ausgehöhlte Bäume, und noch jetzt scheinet der Mangel des Verdeckes ein wesentliches Unterscheidungsmerkmahl eines Kahnes zu seyn. In dem Salzwerke zu Halle führet ein Trog den Nahmen eines Kahnes.


Kahngeld (W3) [Adelung]


Das Kahngeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches die Flußkähne für das Aufziehen der Brücken, Schleusen u. s. f. entrichten müssen.


Kahnig (W3) [Adelung]


Kahnig, S. Kahmig.


Kahr (W3) [Adelung]


1. * Der Kahr, des -es, plur. die -e, ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, ein hohles Gefäß, ein Geschirr zu bezeichnen. In Tirol ist der Kahr ein Trag. In der Oberpfalz wird ein Fischhälter ein Fischkahr genannt. Bey dem Alberus ist Kar eine tiefe Schüssel, Kasekar eine Käsenapf. Im Schwed. ist Kar ein Gefäß, Kasten. S. Korb.


Kahr (W3) [Adelung]


2. Die Kahr, plur. die -en, in einigen Oberdeutschen Gegenden, besonders in Franken, das Ären oder Pflügen, die Art, besonders diejenige Art des Pflügens, welche in Obersachsen das Werden genannt wird; von kehren, wenden. Bey den Fuhr- leuten ist die Kahr der Weg, welchen der Fuhrmann mit seinem Geschirre im Wenden nimmt. Die rechte Kahr nehmen. Die volle Kahr, die halbe Kahe.


Kaigeld (W3) [Adelung]


* Das Kaigeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches die Schiffe für die Freyheit, ihre Waaren in den Kaien aus- und einzuladen, bezahlen; das Bühnengeld.


Kaiser (W3) [Adelung]


Der Kaiser, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kaiserinn, plur. die -en, der Ehrennahme des höchsten weltlichen Oberhauptes, welcher demselben den Rang vor allen Königen gibt, und den ehemahligen Römischen Titel Imperator ausdruckt, ob er gleich aus Caesar gebildet ist. In Europa haben der Römische und der Türkische Kaiser diesen Titel hergebracht, wozu in den neuern Zeiten auch der Russische Kaiser gekommen ist. In Asien und Afrika bekommen mehrere, oft kleine unabhängige Herren diesen Titel von den Europäischen Mächten, so wie ihn auch der König von Frankreich an den meisten morgenländischen Höfen erhält. In der engsten Bedeutung verstehet man unter dem Nahmen des Kaisers schlechthin, den Römischen Kaiser. Auf den alten Kaiser borgen oder zehren, auf Rechnung des verstorbenen Kaisers, d. i. Schulden machen, ohne Hoffnung, sie jemahls bezahlen zu können. Über des Kaisers Bart streiten, über eine unerhebliche Sache, de lana caprina; vielleicht als eine Anspielung auf die ehemahligen Streitigkeiten der Gelehrten über den Bart Kaiser Carls des Großen, wenn anders diese R. A. nicht älter ist.

Anm. Dieses Wort ist sehr früh aus dem Lat. Caesar in die Deutsche Sprache aufgenommen worden. Bey dem Ottfried Keisor, bey dem Notker Cheisar, bey dem Willeram Keiser. Erst die neuere Alemannische Mundart verwandelte das ei in das ihr eigenthümliche ai, und da diese Schreibart nunmehr den Schutz der Kanzelleyen hat, so wird man sie auch wohl behalten müssen, so fremd auch der Doppellaut ai den Hochdeutschen ist. In Nürnberg wird eine Art Lebkuchen Kaiser genannt, welcher Nahme von dem Kaiser Fridrich herrühren soll, der eine Anzahl solcher Kuchen 1487 daselbst unter die Kinder austheilen lassen. Die Liebhaber der natürlichen Seltenheiten haben den schönsten Arten gewisser Blumen, Insecten, Muscheln u. s. f. gleichfalls den Nahmen Kaiser gegeben. Unter den Schmetterlingen führet der Papilio Paphia L. diesen Nahmen.


Kaiserböhme (W3) [Adelung]


Der Kaiserböhme, des -n, plur. die -n, S. Kaisergroschen.


Kaisergeld (W3) [Adelung]


Das Kaisergeld, des -es, plur. inus. Geld, welches in den eigenen Staaten des Römischen Kaisers geschlagen wird.


Kaisergroschen (W3) [Adelung]


Der Kaisergroschen, des -s, plur. ut nom. sing. ein in den eigenen Ländern des Römischen Kaisers geschlagener Groschen, welcher geringer als ein guter Groschen ist indem er nur 3 Kreuzer oder 9 bis 9 3/4 Pfenn. hält. Ein Böhmischer Kaisergroschen wird auch nur ein Böhme oder Kaiserböhme genannt, so wie die ehemahligen Schlesischen Groschen auch unter dem Nahmen der Silbergroschen bekannt sind.


Kaiserkrone (W3) [Adelung]


Die Kaiserkrone, plur. die -n, eine Art der Kronblume, deren Blumentraube einen Blätterzopf hat, welcher ihr einige Ähnlichkeit mit der kaiserlichen Krone gibt; Fritillaria Imperialis L. Königslilie. Sie ist in Persien einheimisch, und wird bey uns in den Gärten gebauet.


Kaiserlich (W3) [Adelung]


Kaiserlich, adj. et adv. 1) Dem Kaiser gehörig, in dessen Würde gegründet. Die kaiserlichen Staaten. Die kaiserliche Würde. Aus höchster kaiserlicher Gewalt. Der kaiserliche Hof. Die Kaiserlichen, im gemeinen Leben, die Truppen des Kaisers, ehedem die Kaiserischen. 2) Dem Kaiser ergeben, doch nur als ein Nebenwort. Gut kaiserlich, nicht gut kaiserlich seyn.


Kaiserling (W3) [Adelung]


Der Kaiserling, des -es, plur. die -e, ein eßbarer Blätterschwamm, der in Gestalt eines weißen Eyes aus der Erde kommt, welches platzet, so bald er die freye Luft erreicht, da er sich denn mit seinem schönen Hute von hoher Pomeranzenfarbe, mit seinen goldgelben Samenblättern und goldgelben Stiele darstellet; Amanita plana, orbiculata aurea Dillen. der Herrenschwamm, Herrenpilz, Französ. Laseras, im Bearnischen Oronge, um Montpellier Jaune d'iou, im Ital. Boleto, um Neapel Ovolo und Bolocciolo, im Florentinischen Cocco. Bey den Römern, wo er sehr hoch geachtet wurde, hieß er Boletus. Er war die letzte Speise des Kaisers Claudius, daher er auch vermuthlich seinen Nahmen hat.


Kaisern (W3) [Adelung]


Kaisern, S. Hänseln.


Kaiserthum (W3) [Adelung]


Das Kaiserthum, des -es, plur. die -thümer, ein Reich, welches von einem Kaiser beherrschet wird. Ehedem bedeutete es auch die Regierung eines Kaisers, in welcher nunmehr veralteten Bedeutung es noch Luc. 3, 1 vorkommt.


Kaiserwurz (W3) [Adelung]


Die Kaiserwurz, S. Meisterwurz.


Kaiserzahl (W3) [Adelung]


Die Kaiserzahl, plur. die -en, S. Indiction.


Kak (W3) [Adelung]


* Der Kak, des -es, plur. die -e, ein nur in Niederdeutschland übliches Wort, den Pranger zu bezeichnen, im Holländ. Kake, im Schwed. Kak, im Dän. Kaag.


Kakmeister (W3) [Adelung]


Der Kakmeister, S. Kaimeister.


Kaland (W3) [Adelung]


Der Kaland, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen größten Theils veraltetes Wort, welches ehedem in folgenden Bedeutungen üblich war. 1) Eine Brüderschaft andächtiger Personen, welche im 13ten Jahrhunderte an vielen Orten entstand, sich aber bald mehr durch Schwelgerey und üppiges Schmausen, als durch ihre Andacht, bekannt machte. Die Glieder dieser Gesellschaft hießen Kalandsbrüder, und wenn sie Geistliche waren, Kalandsherren. 2) Die Versammlung der Glieder dieser Gesellschaft zu gewissen Zeiten, anfänglich zur gemeinschaftlichen Andacht, nachmals aber nur zum Schmausen und Wohlleben, daher mit der Zeit eine jede feyerliche Versammlung mehrerer mit einander in Verbindung stehenden Personen ein Kaland ge- nannt wurde. Im Schleßwigischen und einigen andern Niedersächsischen Gegenden, führet daher noch jetzt die jährliche Versammlung der Geistlichen de Nahmen des Kalandes, dagegen man in andern Niedersächsischen Orten einen jeden üppigen Schmaus mit diesem Nahmen zu belegen pfleget. 3) Das Haus, worin sich eine solche Brüderschaft oder Gesellschaft versammelte, welches sonst auch das Kalandshaus, und wenn es von einem beträchtlichen Umfange war, der Kalandshof genannt wurde, welchen letztern Nahmen jetzt das Stadtgefängniß in Berlin führet, weil es ehedem der Kalandsgesellschaft gehörete.

Anm. Frischens Ableitung von dem Nieders. Kalant, ein Kundmann, ein Handelsfreund, und vielleicht in der ersten Bedeutung ein Freund überhaupt, Franz. Chaland, ist dem ersten Anscheine nach wahrscheinlich, zumahl da auch in den Monseeischen Glossen Kalangero durch Verwandtschaft erkläret wird. Kaland würde alsdann eigentlich eine freundschaftliche Verbindung, eine Brüderschaft, bedeuten. Allein, wenn man bedenket, daß dieses Wort schon einige Jahrhunderte eher als es in Deutschland üblich wurde, in den auswärtigen Ländern vorkommt, so behält die gemeinste Meinung, welche es von dem Latein. Kalendae abstammen lässet, immer noch den Vorzug. Schon im eilften Jahrhunderte ist Kalendae in Frankreich die Versammlung der Geistlichkeit eines Sprengels, weil sie allemahl den ersten Tag jedes Monathes, singulis Kalendis mensium, geschahe. Mehrere Beyspiele führet du Fresne bey diesem Worte an. Die Kalandsbrüder versammelten sich anfänglich gleichfalls zu Anfange eines jeden Monathes, ob sie gleich nachmahls andere Zeiten, und zwar gemeiniglich die hohen Feste dazu wähleten. S. Kalendern.


Kalander (W3) [Adelung]


Der Kalander, ein Kornwurm, S. Galander.


Kalb (W3) [Adelung]


Das Kalb, des -es, plur. die Kälber, Diminut. das Kälbchen, Oberd. Kälbelein. 1. Überhaupt, ein Junges verschiedener Thiere. So nennen die Jäger die Jungen des Rothwildbretes, so lange sie noch nicht ein völliges Jahr alt sind, Kälber. Ein Hirschkalb, ein männliches Junges von einem Thiere; Wildkalb, ein weibliches Junges; Rehkalb, ein weibliches Junges von einem Rehe. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein Junges des Rindviehes. 1) Eigentlich, da es diesen Nahmen so lange führet, bis es ein völliges Jahr alt wird. Ein Ochsen- oder Bullenkalb, ein Kalb männlichen Geschlechtes; ein Kuhkalb, Färsenkalb oder Motschenkalb, ein Kalb weiblichen Geschlechtes. Die Kuh hat ein Kalb geworfen. Kälber, welche im Frühlinge fallen, d. i. jung werden. Ein Kalb abbinden, absetzen, abspänen, es entwöhnen. Das Kalb in die Augen schlagen, figürlich, jemanden durch Worte beleidigen. Die Kuh mit dem Kalbe bekommen, im gemeinen Leben, eine schwangere Person heirathen. 2) * In weiterer, aber im Hochdeutschen ungewöhnlicher Bedeutung kommt es in der Deutschen Bibel mehrmahls von einem jungen Rinde, von einer jungen Kuh, von zwey, drey und mehrern Jahren vor, wohin auch die Stelle Richt. 14, 18 gehöret: wenn ihr nicht mit meinem Kalbe gepflüget hättet u. s. f. Vermuthlich hatte Luther das folgende Kalbe, eine junge Kuh, im Sinne, weil man wohl mit einer jungen Kuh, aber nicht mit einem Kalbe pflüget. Daher die sprichwörtliche R. A. mit eines andern Kalbe pflügen, heimlich von ihm mit Rath und That unterstützet werden. 3) Figürlich. (a) Wegen einiger Ähnlichkeit, in den Wörtern Meerkalb, Seekalb, Monkalb, S. dieselben. (b) Ein junger kindischer, ingleichen muthwilliger Mensch. Er ist noch ein rechtes Kalb. ( S. Kälbern,) (c) Ein Kalb machen, oder anbinden, in der niedrigen Sprechart, sich über- geben, vermuthlich wegen der Ähnlichkeit des damit verbundenen Lautes mit dem Blöcken eines Kalbes. Da gab sich der, so viel gegessen, Mit stark - und fetten Kälbern bloß, Günth.

Anm. Bey dem Notker und Willeram Chalb, und im Plural Chalber, im Engl. und Angels. Calf, im Nieders. Dän. und Schwed. Kalf, Kalv. Wachter leitet es von dem folgenden kalben her, da doch dieses augenscheinlich von Kalb abstammet, Ihre und andere aber von dem alten Gallischen galba, fett, geil. Allein es ist wohl wahrscheinlicher, daß mit diesem Nahmen auf das blökende Geschrey solcher Thiere gesehen werde, und daß derselbe folglich von kallen, galfen, gelfen, schreyen, bellen, blöken, herkomme. Galb kommt noch bey dem Alberus von dem Bellen eines Hundes vor. In den folgenden Zusammensetzungen stehet dieses Wort bald in der ersten oder zweyten einfachen Endung, bald aber auch in der vielfachen, bald in mehrern zugleich.


Kalbe (W3) [Adelung]


Die Kalbe, plur. die -n, im gemeinen Leben Obersachsens und Oberdeutschlandes, ein Färsenkalb im zweyten Alter, eine junge Kuh, welche noch nicht gekalbet hat, und welche an andern Orten mit vorgesetztem Zischlaute eine Schelbe, richtiger Schälbe, sonst aber auch eine Färse genannt wird. Ich bin die Kalbe hier, die Myron hat gegossen, Opitz.

Anm. Im Böhmischen heißt eine solche junge Kuh Gawolice. Es stehet dahin, ob Kalbe eben von dem vorigen Kalb abstammet, und nicht vielmehr von gelt, unfruchtbar. Im Wendischen ist jalov, und im Böhmischen galowa, gelt, unfruchtbar. S. Gelt.


Kalben (W3) [Adelung]


Kalben, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, ein Kalb werfen oder zur Welt bringen, von den Kühen. Die Kuh hat gekalbet, wird bald kalben. Seine Kuh kalbet und ist nicht unfruchtbar, Hiob. 21, 10. In einigen Gegenden auch kälbern, im Angels. calfian, im Dän. kalve. Auf ähnliche Art hat man von Füllen das Zeitwort füllen, von Ferkel das Zeitwort ferkeln, und von Lamm das Zeitwort lammen.


Kälberfang (W3) [Adelung]


Der Kälberfang, des -es, plur. die -fänge, bey den Jägern, ein Fang oder Stich, welcher einem Hirsche oder Thiere zur Brust hinein nach dem Herzen zu gegeben wird; zum Unterschiede von dem Genickfange.


Kälbergekröse (W3) [Adelung]


Das Kälbergekröse, des -s, plur. ut nom. sing. in den Küchen, das Gekröse von einem geschlachteten Kalbe; das Kälbergekröse, Kalbsgekröse. S. Gekröse und Inster.


Kälberhaft (W3) [Adelung]


Kälberhaft, -er, -este, adj. et adv. lustig nach Art der Kälber, auf eine alberne Art lustig.


Kälberkropf (W3) [Adelung]


Der Kälberkropf, des -es, plur. inus. eine Pflanze; Chaerophyllum sylvestre L.


Kälbermagen (W3) [Adelung]


Der Kälbermagen, S. Kalbslab.


Kälbern (W3) [Adelung]


* Kälbern, adj. et adv. welches nur im Oberdeutschen üblich ist, von einem Kalbe. Ein kälberner Braten, ein Kalbsbraten. Kälbernes Fleisch, Kalbfleisch. Eine kälberne Brust, eine Kalbsbrust. Logau gebraucht kälbern auch auf eine noch ungewöhnlichere Art, für, einem Kalbe ähnlich: Ein rinderner Verstand, und kälberne Geberden, Dabey ein wölfisch Sinn sind bräuchlich jetzt auf Erden.


Kälbern (W3) [Adelung]


Kälbern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) Für kalben, S. dieses Wort. 2) Alberne Possen machen, auf eine alberne Art lustig seyn; Nieders. kalvern.


Kälberpreis (W3) [Adelung]


Der Kälberpreis, des -es, die Kälbermilch, plur. inus. S. Kalbsmilch.


Kälberstoß (W3) [Adelung]


Der Kälberstoß, des -es, plur. die -stöße, in den Küchen, ein Stoß, d. i. Hinterkeule von einem Kalbe; der Kalbsschlägel, die Kalbskeule.


Kälberzahn (W3) [Adelung]


Der Kälberzahn, des -es, plur. die -zähne. 1) Diejenigen Zähne, welche die Kälber mit auf die Welt bringen, und welche sie nachmals wieder verlieren. Ingleichen Zähne, welche den Zähnen der Kälber gleichen. 2) Bey den Werkleuten, ein Zierath, welcher in dem Hauptgesimse der drey obern Ordnungen unter dem Wulste angebracht wird, und in wechselsweise darein geschnittenen Kerben bestehet, so daß die dazwischen stehenden Stücke des Bandes wie Zähne aussehen; bey dem Goldmann Zahnschnitte, bey dem Vitruv Denticuli. 8) Im Bergbaue führen diesen Nahmen die eckigen hervor ragenden Stücke an einer Druse.


Kalbfell (W3) [Adelung]


Das Kalbfell, des -es, plur. die -e, das Fell von einem Kalbe. Figürlich auch die Trommel, doch nur in der R. A. wer seinen Lehrern nicht folgt, muß endlich dem Kalbfelle folgen.


Kalbfleisch (W3) [Adelung]


Das Kalbfleisch, des -es, plur. inus. Fleisch von einem Kalbe.


Kalbleder (W3) [Adelung]


Das Kalbleder, des -s, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. Leder, welches aus einem Kalbfelle bereitet worden.


Kalbsbraten (W3) [Adelung]


Der Kalbsbraten, des -s, plur. ut nom. sing. ein Braten von einem Kalbe; ein Kälberbraten.


Kalbsbröschen (W3) [Adelung]


Das Kalbsbröschen, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Kalbsmilch.


Kalbsdrüse (W3) [Adelung]


Die Kalbsdrüse, plur. die -n. S. ebendaselbst.


Kalbsfuß (W3) [Adelung]


Der Kalbsfuß, des -es, plur. die -füße, der Fuß von einem Kalbe. Figürlich und ohne Plural auch ein Nahme der Fieberwurzel, S. dieses Wort.


Kalbsgekröse (W3) [Adelung]


Das Kalbsgekröse, S. Kälbergekröse.


Kalbsgeschlinge (W3) [Adelung]


Das Kalbsgeschlinge, des -s, plur. ut nom. sing. das Geschlinge von einem Kalbe, d. i. Herz, Lunge, Leber und Milz.


Kalbslab (W3) [Adelung]


Das Kalbslab, des -es, plur. inus. das Lab, d. i. die noch unverdauete Milch, aus dem Magen eines Kalbes; das Kälberlab, bey einigen auch der Kälbermagen.


Kalbsmilch (W3) [Adelung]


Die Kalbsmilch, plur. inus. die weiche zusammen gesetzte Brustdrüse von einem Kalbe, welche auch Kälbermilch, Kälberdrüse, Kalbsdrüse, Kalbsbröschen, Kälberbröschen, Kälberpreis, in Niedersachsen aber Schweder und Midder genannt wird. S. Brustdrüse.


Kalbsnase (W3) [Adelung]


Die Kalbsnase, plur. inus. an einigen Orten, ein Nahme des Löwenmauls, S. dieses Wort, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt der Blumen.


Kalbsschlägel (W3) [Adelung]


Der Kalbsschlägel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Kälberstoß und Schlägel.


Kaldaunen (W3) [Adelung]


Die Kaldaunen, sing. inus. ein nur im gemeinen Leben übliches Wort, die Gedärme eines Thieres, und in weiterer Bedeutung auch das ganze Eingeweide zu bezeichnen. In den niedrigen Sprecharten wird es auch von menschlichen Gedärmen gebraucht. In einigen Gegenden, dem Frisch zu Folge, auch nur Kalben, im Nieders. Kalunen, Klunen, im Dän. Kaldun, im mittlern Lat. Calduna, im Böhmischen Kaltaun, dagegen im Pohln. Kaldun das Netz auf den Gedärmen bezeichnen soll. In dem 1501 zu Rom gedruckten Deutsch-Italien. Vocabulario wird Innfleck im Ital. durch Chaldume gegeben. Frisch hat schon die Übereinstimmung mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eingesehen.


Kalekut (W3) [Adelung]


Der Kalekut, S. Calecut.


Kalende (W3) [Adelung]


Die Kalende, plur. die -n, ein nur in Preußen übliches Wort, wo es diejenige Abgabe an Feldfrüchten und andern Eßwaaren bezeichnet, welche die Einwohner auf dem Lande dem Pfarrer und Organisten um die Herbstzeit zu entrichten verbunden sind. Von dem Latein. Calendae, weil solches ehedem alle Monathe geschahe, und an einigen Orten noch jetzt geschieht. S. Kaland.


Kalender (W3) [Adelung]


Der Kalender, des -s, plur. ut nom. sing. ein chronologisches Buch, worin jedes Jahr nach seinen Tagen, Wochen, Monathen und Festen eingetheilet ist; mit einem, aber Arabischen Worte, ein Almanach. Wenn jemand die Veränderungen der Witterung an einem Gliede seines Leibes wegen einer ehemahligen Verletzung an demselben empfindet, so sagt man, er habe an diesem Gliede oder in diesem Gliede einen Kalender. Aus dem mittlern Latein. Kalendarium, und dieß gleichfalls von Calendae.


Kalendern (W3) [Adelung]


Kalendern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches aber nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist. Die ganze Woche durch kalendern, d. i. schmausen, oder in die Trinkhäuser gehen. Von Kaland, ein Schmaus, oder auch von dem üppigen Leben der ehemahligen Kalandsbrüder. Siehe Kaland.


Kalfatern (W3) [Adelung]


Kalfatern, verb. reg. act. in der Schifffahrt, die Ritzen und Löcher eines Schiffes verstopfen und sie hernach mit Talg, Pech und Schiffther überziehen, damit das Wasser nicht eindringe; dichten. Daher der Kalfaterer, eine dazu bestimmte Person auf jedem Schiffe, welche die Aufsicht über diese Arbeit führet, und auf großen Schiffen noch einen Oberkalfaterer über sich hat. Im Nieders. bedeutet es auch figürlich, bearbeiten, ingleichen mit Geschäftigkeit zu Stande bringen.

Anm. Im Nieders. gleichfalls kalfatern, im Holländ. calfatern, im Schwed. kalfatra, im Franz. calfater, im Ital. calfattare, im mittlern Lat. calafatare, im mittlern Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Frisch und andere leiten es von dem Franz. Cale, der Untertheil des Schiffes, und fait, Ital. fatto, her; eine Ableitung, welche, wenigstens was die letzte Hälfte betrifft, ein wenig gezwungen ist. Im Engl. ist dafür to calk, und im mittlern Lat. auch expalmare üblich.


Kalinkenbeere (W3) [Adelung]


Die Kalinkenbeere, plur. die -n, in einigen Gegenden, besonders in Schlesien, ein Nahme der Beeren des Wasser- oder Hirschhohlunders, Viburnum Opulus L. welcher im gemeinen Leben auch wohl Calinichenbeere, Galingenbeere, Kalunkenbeere, Kalkbeere und Kaninchenbeere lautet. Er stammet aus dem Slavonischen Nahmen dieser Staude Kalina her. S. Bachhohlunder.


Kalk (W3) [Adelung]


Der Kalk, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, 1) In der eigentlichsten, wenigstens gewöhnlichsten Bedeutung, dasjenige Product eines durch das Feuer seines brennbaren Wesens beraubten Körpers, welches sich mit dem Wasser erhitzet, und nachmals mit demselben und mit dem Sande zu einem Steine erhärtet. Steine zu Kalk brennen. Kalk brennen, den Kalk vermittelst des Feuers hervor bringen. Lederkalk, Steinkalk, Streichkalk, welcher aus kalkartigen Steinen gebrannt worden, zum Unterschiede von dem Gypskalke und Sparkalke, welcher aus Gypssteinen, und dem Muschelkalke, wel- cher aus Muschelschalen erhalten wird. Der erste wird nur schlechthin Kalk genannt. Den Kalk löschen, den gebrannten Kalk mit dem Wasser sich erhitzen lassen. Lebendiger oder ungelöschter Kalk, welcher sich mit dem Wasser noch nicht erhitzet hat, im Gegensatze des gelöschten. Auch der zur Tünche, und zum Mauern zubereitete Kalk, selbst wenn er schon zu seiner Bestimmung angewandt ist, behält den Nahmen des Kalkes. Der Kalk fällt in den Zimmern ab, der als Tünche aufgetragene Kalk. Der mit Sand vermischte und zum Mauern bestimmte Kalk bekommt den Nahmen des Mörtels. Der Wein führet Kalk bey sich oder hat Kalk, wenn er auf einem kalkartigen Boden wächset, und feine Kalktheile mit in seine Mischung aufnimmt, welche er hernach wieder fallen lässet. 2) In weiterer Bedeutung führet in der Chymie ein jedes Product eines durch die Luft, durch das Feuer oder durch andere Zusätze seines brennbaren Wesens beraubten Körpers den Nahmen des Kalkes, welches von den Säuren aufgelöset wird und mit denselben ein Mittelsalz macht. Man hat daher auch metallische Kalke, welche eine undehnbare des brennbaren Wesens beraubte Erde ohne Glanz sind, und nach Verschiedenheit des Metalles, von welchem sie herrühren, und anderer Umstände, den Nahmen des Rostes, der Asche, des Safranes, Beschlages, der Mennige, des Grünspanes, Platzgoldes, Hornsilbers u. s. f. bekommen.

Anm. In hauchenden Mundarten Kalch, in den Monseeischen Glossen Chalch, im Schwed. und Dän. gleichfalls Kalk, im Engl. Chalk, im Franz. Chaux, alle aus dem Latein. Calx.


Kalkartig (W3) [Adelung]


Kalkartig, -er, -ste, adj. et adv. eine Art, d. i. wesentliche Eigenschaften des Kalkes habend. Kalkartige Erden, welche die Säure aus der Luft an sich ziehen, von den Säuren aufgelöset werden, und mit ihnen ein Mittelsalz machen; Kalkerden. So auch kalkartige Steine.


Kalkäscher (W3) [Adelung]


Der Kalkäscher, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Weißgärbern, eine Grube, worin sie den Kalk zur Einäscherung der Felle zurichten.


Kalkbeere (W3) [Adelung]


Die Kalkbeere, ein aus Kalinkenbeere verderbtes Wort, siehe dasselbe.


Kalkbeule (W3) [Adelung]


Die Kalkbeule, plur. die -n, Beulen an den Gliedern der Podagristen, welche mit einer kalkartigen Materie angefüllet sind.


Kalkbrennen (W3) [Adelung]


Das Kalkbrennen, des -s, plur. inus. die Handlung, da man einen Körper vermittelst des Feuers in Kalk verwandelt.


Kalkbrenner (W3) [Adelung]


Der Kalkbrenner, des -s, plur. ut nom. sing. der ein Geschäft daraus macht, Steine zum Behufe der Mäurer zu Kalk zu brennen.


Kalkbruch (W3) [Adelung]


Der Kalkbruch, des -es, plur. die -brüche, für Kalksteinbruch, ein Steinbruch, in welchem die Steine zum Kalkbrennen gebrochen werden.


Kalkbrühe (W3) [Adelung]


Die Kalkbrühe, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -n, bey verschiedenen Arbeitern, ein mit vielem Wasser verdünneter Kalk; besonders bey den Weißgärbern, bey welchen die Einweichung der Felle in solche Kalkbrühen das Äschern genannt wird. S. auch Milchbrühe.


Kalken (W3) [Adelung]


Kalken, verb. reg. act. in Kalk einweichen, mit Kalk zubereiten, mit Kalk vermischen, bey verschiedenen Arbeitern. Gekalktes Leder, welches vermittelst des Kalkes zubereitet worden. In Verkalken hat es eine andere Bedeutung.


Kalkerde (W3) [Adelung]


Die Kalkerde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine kalkartige Erde, welche im Feuer die Eigenschaft des Kalkes annimmt. ( S. Kalkartig,) Im Bergbaue pflegt man in engerer Bedeutung auch die Bergmilch mit diesem Nahmen zu belegen, S. dieses Wort.


Kalkhaken (W3) [Adelung]


Der Kalkhaken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Haken von Holz, den Kalk bey dem Löschen damit aus einander zu ziehen.


Kalkhütte (W3) [Adelung]


Die Kalkhütte, plur. die -n, eine Hütte, d. i. ein Gebäude, in welchem Kalk gebrannt, und welches am häufigsten ein Kalkofen genannt wird.


Kalkicht (W3) [Adelung]


Kalkicht, -er, -ste, adj. et adv. dem Kalke ähnlich. Der Wein schmeckt kalkicht.


Kalkig (W3) [Adelung]


Kalkig, adj. et adv. Kalk enthaltend, mit Kalk beschmutzt. Sich kalkig machen, sich mit Kalk beschmutzen.


Kalklauge (W3) [Adelung]


Die Kalklauge, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine aus Kalk bereitete Lauge.


Kalkmergel (W3) [Adelung]


Der Kalkmergel, des -s, plur. inus. eine Art Mergel, welche mehr Kalk als Thon enthält, zum Düngen gebraucht wird, und eigentlich eine Art der Mondmilch ist.


Kalkmesser (W3) [Adelung]


Der Kalkmesser, des -s, plur. ut nom. sing. der den zum Bauen bestimmten Kalk den Mäurern zumisset, und welches bey verschiedenen Bauämtern eine vereidigte Person ist.


Kalkmühle (W3) [Adelung]


Die Kalkmühle, plur. die -n, eine Mühle, auf welcher der Gypskalk gemahlen wird.


Kalkofen (W3) [Adelung]


Der Kalkofen, des -s, plur. die -öfen, ein Ofen, worin Steine zu Kalk gebrannt werden. In weiterer Bedeutung auch das Gebäude, worin sich derselbe befindet, und die ganze dazu gehörige Anstalt. In der Chymie führet auch ein jeder Calcinir-Ofen diese Nahmen.


Kalkputz (W3) [Adelung]


Der Kalkputz, des -es, plur. inus. bey den Mäurern, der Überzug von Kalk, welchen man einer Wand, oder einem Gebäude gibt, der Kalk, so fern sie mit demselben abgeputzet werden.


Kalkröse (W3) [Adelung]


Die Kalkröse, richtiger Kalkröste, plur. die -n, in einigen Gegenden, z. B. im Lüneburgischen; ein mit Holz schichtweise vermischter Haufen Kalksteine, welche zu Kalk gebrannt werden sollen. An andern Orten der Kalkrost, welchen Nahmen auch zuweilen der ganze Haufe Kalksteine führet, welcher auf Ein Mahl zu Kalk gebrannt wird, und sonst auch ein Brand heißt.


Kalksalz (W3) [Adelung]


Das Kalksalz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e. 1) Das aus dem Kalke mit den Säuren erhaltene Mittelsalz. 2) Auch das Mauersalz ist unter diesem Nahmen bekannt. S. Mauersalz.


Kalkschiefer (W3) [Adelung]


Der Kalkschiefer, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. ein kalkartiger Schiefer, ein Kalkstein in Gestalt eines Schiefers.


Kalksinter (W3) [Adelung]


Der Kalksinter, des -s, plur. inus. im Bergbaue, ein kalkartiger Sinter, ein Sinter, welcher aufgelösete Kalktheile bey sich führet, und wovon der zackige unter dem Nahmen der Eisenblüthe bekannt ist.


Kalkspath (W3) [Adelung]


Der Kalkspath, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein kalkartiger Spath, Kalkstein, welcher das Gewebe und die Bauart des Spathes hat, und wovon die gefärbten Arten auch unter dem Nahmen der Flüsse bekannt sind. Die Zweckendruse der Sächsischen Bergleute ist ein grauer krystallisirter Kalkspath.


Kalkstein (W3) [Adelung]


Der Kalkstein, des -es, plur. die -e, ein kalkartiger Stein, ein Stein, welcher in einem gewissen Grade des Feuers in Kalk verwandelt werden kann, ( S. Kalkartig,) und wohin unter andern auch alle Marmorarten gehören. In engerer Bedeutung verstehet man unter Kalksteinen die gemeinen Steine dieser Art, aus welchen wirklich Kalk gebrannt wird.


Kalkwasser (W3) [Adelung]


Das Kalkwasser, des -s, plur. inus. das mit Kalk vermischte Wasser, Wasser, welches Kalk bey sich führet.


Kalm (W3) [Adelung]


Der Kalm, die Seestille, S. Kalmen.


Kalmank (W3) [Adelung]


Der Kalmank, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, S. Calamank.


Kalmäuser (W3) [Adelung]


Der Kalmäuser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Mensch, welcher sich in der Einsamkeit einem anhaltenden Nachdenken überlässet. Daher das Zeitwort kalmäusern, in der Einsamkeit dem Nachdenken nachhängen. Man hat von diesem fremd klingenden Worte allerley seltsame Ableitungen versucht. Frisch lässet es von kahle Maus, d. i. Fledermaus, Franz. Chauvesouris, abstammen, weil ein solcher Mensch seine Tage in der Einsamkeit zubringe, wie eine Fledermaus in der Finsterniß, andere von dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, alles wissen, anderer Muthmaßungen zu geschweigen. Die letzte Hälfte ist ohne Zweifel das ehemahlige Nieders. musen, Engl. to muse, Holländ. muisen, muiseneren, scharf nachdenken, ( S. Muße,) wovon auch Duckmäuser abstammet, S. dasselbe. Die erste Hälfte, welche den meisten Wortforschern die dunkelste gewesen ist, scheinet kalm, stille, ruhig, ( S. das folgende,) zu seyn; Kalmäuser für Kalmmäuser. Beyde Begriffe, so wohl der Stille, der Einsamkeit, als des Nachdenkens, sind mit diesem Worte wesentlich verbunden.


Kalmen (W3) [Adelung]


* Kalmen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Mundarten einiger Gegenden, besonders Meißens, üblich ist. Der Kranke kalmet, sagt man daselbst, wenn er in der Stille, gleichsam in einem halben Schlummer und seiner halb unbewußt, liegt. Kalm ist auch in andern Gegenden noch für still, ruhig, besonders von der Luft und dem Meere üblich, und in einigen Oberdeutschen Gegenden ist der Kalm die Windstille auf der See, Ital. Calma, Franz. Calme.


Kalmus (W3) [Adelung]


Der Kalmus, plur. inus. die gewürzhafte Wurzel einer Art Rohres, welches in einigen Gegenden auch Teichlilie, Schwertheu genannt wird, und in den Teichen und Wassergräben wächset, und zuweilen auch dieses Rohr selbst; Acorus L. und daraus in einigen Gegenden verderbt, Ackerwurz, Gemeiner Kalmus, Acorus Calmus, welcher in Europa wächset; zum Unterschiede von dem Asiatischen, Acorus Asiaticus, dessen Wurzel dünner ist. Eingemachter Kalmus, die in Zucker eingemachte Wurzel. Wegen einiger Ähnlichkeit wird auch die Wurzel der Wasserlilie und diese Pflanze selbst falscher Kalmus genannt. Aus dem Latein. Calamus, Rohr. Im Böhm heißt er Kalmes und Kalkan.


Kalt (W3) [Adelung]


Kalt, kälter, kälteste, adj. et adv. Im schärfsten Verstande, aller Wärme beraubt. Da nun kein bekannter Körper in der Welt aller Wärme gänzlich beraubt ist, so gibt es auch keinen vollkommen kalten Körper, daher kalt auch nur ein relativer Ausdruck ist, welcher einen geringern Grad von Wärme bedeutet, als ein anderer Körper hat; im Gegensatze des warm und heiß. 1. Eigentlich. 1) Überhaupt, weniger Wärme habend als ein anderer Körper. Die Brühe ist zu heiß, laß sie ein wenig kälter, oder ein wenig kalt werden. Im Hüttenbaue sagt man, den Ofen kalt thun, wenn man das Feuer mäßiget. ( S. Kühl,) 2) In engerer Bedeutung. (a) Vom Feuer nicht erhitzt oder erwärmet. Der Ofen ist schon wieder kalt. Die kalte Schale, ( S. Schale,) Das Eisen kalt schmieden, ohne es zu glühen. Kaltes Wasser, im Gegensatze des warmen. Gerne kalt trinken, ungewärmt. Kalte Speisen. Etwas Kaltes essen, ungewärmte Speisen, welche man auch kalte Küche zu nennen pfleget. Das kalte Lager, in den Salzwerken, wenn nicht gesotten wird; das Katlager. Ein kalter Schlag, ein Donnerschlag, welcher nur schmettert, ohne zu zünden. Nach einer noch weitern Bedeutung wird kalt bey verschiedenen Handwerkern und Künstlern auch von solchen Dingen gebraucht, welche ohne Hülfe des Feuers geschehen. Die kalte Vergoldung, welche mit bloßem im Königswasser aufgelöseten Golde geschiehet. Das kalte Silber oder Kaltsilber, bey den Gürtlern, eine Vermischung von Weinstein und Silberkalk, womit dasjenige, was mit Schmelz- und Brennsilber versilbert worden, zum dritten Mahle übersilbert wird. (b) Gemeiniglich ist die gewöhnliche natürliche Wärme des menschlichen Körpers der Maßstab, welche die Kälte bestimmet, und da nennet man diejenigen Körper kalt, welche weniger Wärme haben, als unser Körper, und demselben daher bey der Berührung so viel Wärme benehmen, daß dadurch eine empfindliche Veränderung in uns entstehet. Das Eisen ist kalt. Das Wasser ist mir zu kalt. Kalte Hände haben. Es wird kalt, von der Witterung. Es ist heute sehr kalt. Kaltes Wetter, ein kalter Winter, ein kalter Wind. Eiskalt, ein hoher Grad der Kälte. Das kalte Fieber, ein Wechselfieber, welches Frost und Hitze verursacht; im gemeinen Leben das Kalte, das Kaltweh. Von kalter Natur seyn, weniger natürliche Wärme haben als andere Menschen. Auch die Empfindung, welche diese verminderte natürliche Wärme verursacht, heißt kalt. Es ist mir kalt. Es ward ihm kalt und warm. 2. Figürlich. 1) Eine kalte Fährte, bey den Jägern, eine Fährte, welche schon 24 Stunden alt ist, und keine Witterung mehr hat; eine alte Fährte, vornächtige Fährte, Spatfährte. 2) Von verschiedenen Gemüthsbewegungen, welche mit einer Empfindung der Kälte verbunden sind. Von kaltem Schrecken bleich bat jeder um sein Leben, Weiße. Der Schauer, welcher mich mit kalter Angst durchläuft, ebend. 3) Aller lebhaften Empfindung beraubt; im Gegensatze dessen was in figürlichem Verstande warm ist. Eine kalte Liebe. Der kalte Beyfall des Verstandes, im Gegensatze des warmen Gefühles des Herzens. Sich kalt stellen, als wenn man nicht gerührt sey. Die heißesten Bitten eines Freundes sind zu kalt gegen die Liebkosungen des Liebhabers. Bey aller Wärme, meines Herzens blieb doch mein Kopf kalt genug, alles in Betrachtung zu ziehen, Wiel. Jemanden mit kaltem Blute ermorden, ohne Gemüthsbewegung. ( S. Kaltblütig,) In engerer Bedeutung, Mangel der Freundschaft habend, und darin gegründet. Sehr kalt gegen jemand thun. Ein kalter Freund. Kalt gegen jemand gesinnet seyn. ( S. Kaltsinnig,) Ingleichen, dessen Leidenschaften und Empfindungen schwer zu bewegen sind. Ein kaltes Herz. Wie auch, was nicht fähig ist, lebhafte Empfindungen hervor zu bringen. Ein kaltes Gedicht.

Anm. Bey dem Ulphilas kalds, bey dem Kero chalt, im Nieders. und Dän. kold, im Angels. ceald, im Engl. chill und cold, im Holländ. koudt, im Schwed. kalt, im Lat. gelidus. Da die Kälte eine unangenehme Empfindung macht, so scheinet es, daß kalt überhaupt schmerzhaft bedeutet habe, und da würde es nicht nur zu dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Nieders. Köle, der Schmerzen, und killen, heftig schmerzen, ( S. Qual,) gehören; sondern es würde auch begreiflich seyn, warum der Gegensatz von kalt im Lateinischen calidus, Italiänischen caldo, Französischen chaud, genannt worden. Beyde bestehen in einer unangenehmen Empfindung.


Kaltbläsig (W3) [Adelung]


Kaltbläsig, -er, -ste, adj. et adv. im Hüttenbaue, so viel als strengflüssig, doch nur von den Eisensteinen. Kaltbläsige Eisensteine, welche schwer in den Fluß zu bringen sind; im Gegensatze der hitzigen.


Kaltblütig (W3) [Adelung]


Kaltblütig, -er, -ste, adj. et adv. mit kaltem Blute, d. i. von keinen lebhaften Empfindungen, von keinen Gemüthsbewegungen hingerissen, und in diesem Zustande gegründet. Er erzählte sehr kaltblütig, was er gesehen hatte. Alle meine kaltblütige Philosophie konnte nicht gegen die Wahrheit und Schönheit ihrer moralischen Schilderungen aushalten, Wiel. Daher die Kaltblütigkeit, plur. inus.


Kaltbrüchig (W3) [Adelung]


Kaltbrüchig, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches nur von dem Eisen gebraucht wird, denjenigen Fehler desselben zu bezeichnen, da es sich zwar glühend hämmern lässet, und gut zusammenhängt, kalt aber brüchig ist, und in Stücke springt; im Gegensatze des rothbrüchig. Daher die Kaltbrüchigkeit.


Kälte (W3) [Adelung]


Die Kälte, plur. car. das Abstractum des Beywortes kalt, doch nur in engerer Bedeutung. 1. Eigentlich. 1) Diejenige unangenehme Empfindung, welche ein kalter Körper in uns hervor bringet, die unangenehme Empfindung einer Verminderung der natürlichen Wärme. Kälte in sich empfinden. Vor Kälte vergehen wollen. Sich vor Kälte nicht zu lassen wissen. Sich der Kälte nicht erwehren können. 2) Die Eigenschaft der Körper, nach welcher sie diese Empfindung in uns hervor bringen. Die Kälte des Wassers, des Eisens. In engerer Bedeutung, von dieser Eigenschaft der Luft und Witterung, wo es zugleich einen hohen Grad derselben ausdruckt. Eine strenge, anhaltende Kälte. Sich der Kälte nicht erwehren können. Viel, wenig Kälte ertragen können. Vor Kälte erstarren. Die Kälte läßt nach, stellt sich ein, nimmt zu. Sich vor der Kälte verwahren. 2. Figürlich, die Abwesenheit aller Gemüthsbewegungen, aller lebhaften Empfindungen. Er gab sich alle Mühe, in der feyerlichen Kälte einer Standesperson davon zu sprechen, Less.

Anm. Im Nieders. Kulde, im Angels. Ceald, Ciele, Cyle, im Dän. Kuld und Koldhed, im Schwed. Kaele und Köld.


Kalten (W3) [Adelung]


* Kalten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, kalt werden, bey dem Notker chalten, wofür aber jetzt das Zusammen gesetzte erkalten üblich ist, S. dasselbe.


Kälten (W3) [Adelung]


Kälten, verb. reg. act. kalt machen, doch nur in engerer Bedeutung, die Empfindung der Kälte in dem Körper hervor bringen. Der Wein kältet. Vor den kältenden Nächten sollen dich meine Umarmungen schützen, Weiße. S. Erkälten.


Kalter (W3) [Adelung]


* Der Kalter, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, einen Schrank zu bezeichnen. Es kann seyn, daß es aus dem eben daselbst gangbaren Gehalter, Behalter, Halter, ein Behältniß, zusammen gezogen ist, es kann aber auch unmittelbar zu dem großen Geschlechte derjenigen Wörter gehören, welche einen hohlen eingeschlossenen Raum bedeuten. ( S. Keller,) Im Wallachischen ist Kalntar ein Topf.


Kaltlager (W3) [Adelung]


Das Kaltlager, des -s, plur. die -läger, S. Kalt.


Kältlich (W3) [Adelung]


Kältlich, adj. et adv. ein wenig kalt, so wohl als eine Eigenschaft der Körper, als auch der Empfindung nach.


Kaltmeißel (W3) [Adelung]


Der Kaltmeißel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Schmieden und Schlössern, ein wohl verstählter Meißel, das Eisen kalt damit zu durchhauen.


Kaltschlächter (W3) [Adelung]


Der Kaltschlächter, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, eine anständige Benennung eines Abdeckers oder Feldmeisters; von Schlächter, ein Fleischer. S. Schinder.


Kaltschlagamboß (W3) [Adelung]


Der Kaltschlagamboß, des -es, plur. die -e, eine seltsame Zusammensetzung der Kupferschmiede, denjenigen Amboß zu bezeichnen, worauf sie das Kupfer kalt, d. i. ohne Feuer bearbeiten.


Kaltschmid (W3) [Adelung]


* Der Kaltschmid, des -s, plur. die -schmiede, ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, einen Messingschmid zu bezeichnen, weil er das Messing kalt und ohne Feuer bearbeitet.


Kaltsilber (W3) [Adelung]


Das Kaltsilber, des -s, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, ut nom. sing. S. Kalt 1.


Kaltsinn (W3) [Adelung]


Der Kaltsinn, des -es, plur. inus. S. Kaltsinnigkeit.


Kaltsinnig (W3) [Adelung]


Kaltsinnig, -er, -ste, adj. et adv. von kalt und Sinn, eigentlich, kalt gegen Dinge außer sich gesinnet, aller lebhaften Empfindung in Ansehung derselben beraubt, und darin gegründet; gleichgültig. Sehr kaltsinnig studieren, ohne einen merklichen Grad der Begierde. Eine kaltsinnige Antwort. Ein kaltsinniges Lob, welches keine Theilnehmung des Herzens ver- räth. Ob wir ihr kaltsinniges Gespräch von der Freundschaft hören oder nicht, Gell. Bey den Jägern ist der Hund kaltsinnig, wenn er nicht munter sucht, und die gefundene Fährte bald wieder verlässet. In engerer Bedeutung, Mangel der Neigung gegen jemand habend, und darin gegründet. Jemand sehr kaltsinnig empfangen. Ein kaltsinniges Betragen.


Kaltsinnigkeit (W3) [Adelung]


Die Kaltsinnigkeit, plur. inus. derjenige Zustand einer Person oder Sache, da sie kaltsinnig ist, die Gleichgültigkeit; so wohl in weiterer als engerer Bedeutung. Im der höhern Schreibart ist dafür das kürzere Kaltsinn üblicher.


Kamehl (W3) [Adelung]


1. * Das Kamehl, des -es, plur. die -e, ein dickes Tau, ein Ankertau; eine ungewöhnliche Bedeutung, in welcher es Matth. 19, 24, so wie Camelus in der Vulgara vorkommt, beyde auf Veranlassung des Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches so wohl das folgende lasttragende Thier dieses Nahmens, als auch ein Seil bedeutet. Indessen kommt doch auch Camellus im mittlern Lateine für Funiculus vor. S. des Du Fresne Glossar und 2 Kabel.


Kamehl (W3) [Adelung]


2. Das Kamehl, des -es, plur. die -e, 1) Ein vierfüßiges haariges Thier mit zwey Zehen, welches höher als ein Pferd ist, einen kleinen Kopf und langen Hals, und gemeiniglich einen oder zwey Höcker auf dem Rücken hat, und in den sandigen Gegenden von Afrika und Amerika einheimisch ist, wo es zum Tragen der Lasten gebraucht wird; Camelus, aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und dieß aus dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von dem Arab. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Last tragen. Bey den Schwäbischen Dichtern Kemel, Kemlin, bey dem Hornegk Chemel. Ehe man dieses Wort aus den fremden Sprachen aufnahm, gebrauchte Ulphilas dafür Ulband, und der Übersetzer Tatians Olbent, ( S. Elephant,) Das weibliche Geschlecht die Kamehlinn kommt Jer. 2, 24, wofür aber Kamehlkuh üblicher ist. 2) Figürlich, vielleicht wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, eine in Holland übliche Maschine, schwer beladene Schiffe in die Höhe zu heben und über Untiefen zu führen, welche aus zwey platten mit Wasser angefüllten Fahrzeugen bestehet, welche sich an die beyden Seiten des beladenen Schiffes legen, dasselbe zwischen sich befestigen, und es auf diese Art, wenn das in ihnen befindliche Wasser ausgepumpet wird, in die Höhe heben. Sie wird auch das Wasserschiff genannt. Franz. Chameau.


Kamehlfliege (W3) [Adelung]


Die Kamehlfliege, plur. die -n, S. Kamehlhals 2.


Kamehlhaar (W3) [Adelung]


Das Kamehlhaar, des -es, pur. inus. 1) Das Haar eines Kamehles. 2) Das Haar der Kamehlziege, besonders nachdem es zu Garn gesponnen worden, da es denn zu verschiedenen Sachen verarbeitet und auch Kamehlgarn genannt wird. Im Arabischen bedeutet Kamehl eine Ziege. Aus Unkunde der Sprache hat man in Europa lange geglaubt, dieses Kamehlhaar komme von den lasttragenden Kamehlen. S. Camelott.


Kamehlhals (W3) [Adelung]


Der Kamehlhals, des -es, plur. die -hälse. 1) In den Gärten, eine Art weißer Narzissen, deren Blumenstiel sich wie der Hals eines Kamehles krümmet, und wovon man so wohl einfache als gefüllte hat. Die gefüllte heißt in Frankreich Rose de notre Dame. 2) Ein Insect mit netzförmigen Flügeln, kurzen borstenähnlichen Fühlhörnern, einem kegelartigen und gleichsam in einen langen Hals verlängerten Brustschilde; Raphidia L. die Kamehlfliege.


Kamehlheu (W3) [Adelung]


Das Kamehlheu, des -es, plur. inus. eine Art des Bartgrases, welches in Ostindien und Arabien wächset, und daselbst ein gutes Futterkraut für die Kamehle abgibt; Andropogon Schoenanthus L. Kamehlstroh.


Kamehlkuh (W3) [Adelung]


Die Kamehlkuh, plur. -kühe, S. 2. Kamehl.


Kamehlparder (W3) [Adelung]


Der Kamehlparder, des -s, plur. ut nom. sing. ein zweyhufiges vierfüßiges Thier mit hohlen einfachen Hörnern, welches in Äthiopien lebt, eigentlich eine Art Ziegen ist, welche eine weißgefleckte Haut wie ein Parder hat; am Kopfe aber einem Kamehle gleicht; Camelopardus, bey den Alten Onifera, bey dem Solin Nabis, bey den Italiänern Giraffa, bey den Abyssiniern, Jiratakazin.


Kamehlstroh (W3) [Adelung]


Das Kamehlstroh, des -es, plur. inus. S. Kamehlheu.


Kamehlziege (W3) [Adelung]


Die Kamehlziege, plur. die -n, eine Art morgenländischer Ziegen mit einem langen seidenen glänzenden weißen Haare, woraus unser Kamehlgarn gesponnen wird, S. Kamehlhaar; Capra Angolensis L.


Kamelot (W3) [Adelung]


Kamelot, S. Camelott.


Kamerad (W3) [Adelung]


Der Kamerad, S. Camerad.


Kamin (W3) [Adelung]


Der Kamin, des -es, plur. die -e. 1) Die Feuermauer eines Gebäudes, der Schornstein, doch vornehmlich nur im Oberdeutschen. ( S. Kaminfeger,) Franz. Cheminee. 2) Ein gemauerter offener Platz in einem Zimmer, Feuer darin anzumachen und sich davor zu wärmen. Feuer in den Kamin machen. Der Kamin raucht, wenn er den Rauch in das Zimmer gehen lässet, anstatt ihn in die Feuermauer zu führen. Sich vor den Kamin setzen.

Anm. Im Oberdeutschen, besonders in der ersten Bedeutung, Chemich, Kemmich, Kemmet, Kämmin, im Ital. Camino, im Engl. Chimney, im Span. Chemenea, im Pohln. Komin, alle aus dem Lat. Caminus und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - welches wiederum von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, brennen, oder auch von dem alten Worte Kamen, ein Stein, abstammet, in welchem letztern Falle es überhaupt ein Mauerwerk bedeuten würde. ( S. Kemnate,) In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es ungewissen Geschlechtes, das Kamin.


Kaminfeger (W3) [Adelung]


Der Kaminfeger, des -s, plur. ut nom. sing. ein vornehmlich im Oberdeutschen übliches Wort, einen Schornsteinfeger oder Feuermauerkehrer zu bezeichnen; in Baiern Kimmichfeger, Kemmetfeger, Kidlkehrer.


Kaminfeuer (W3) [Adelung]


Das Kaminfeuer, des -s, plur. inus. ein Flammenfeuer, welcher in einem Kamine angemacht worden, sich davor zu wärmen. Vor dem Kaminfeuer sitzen.


Kamingeld (W3) [Adelung]


Das Kamingeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er; im Oberdeutschen, diejenige Abgabe an die Obrigkeit, welche von den Hausbesitzern nach der Zahl der Kamine oder Feuermauern gegeben wird; das Herdgeld, die Herdsteuer, das Rauchfangsgeld.


Kamisol (W3) [Adelung]


Das Kamisol, des -s, plur. die -söler, Diminut. das Kamisölchen, ein kurzes Unterkleid unter dem Oberrocke des männlichen Geschlechtes, welches am gewöhnlichsten eine Weste genannt wird. An andern Orten ist das Kamisol ein kleines leichtes Wammes des weiblichen Geschlechtes, welches auch ein Corsett heißt.

Anm. Aus dem Franz. Camisole, und Ital. Camiciuola, welches wiederum von dem mittlern Lat. Cam siale, Camisile, Camisia, ein Hemd, und in weiterer Bedeutung eine jede Bekleidung des Leibes, bey dem Suidas - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, abstammet. Böhm. Kamyzola, Pohln. Kamizela.


Kamm (W3) [Adelung]


1. Der Kamm, des -es, plur. die Kämme, ein nur noch in dem zusammen gesetzten Roßkamm übliches Wort, ein Roßtäuscher; von dem mittlern Lat. cambiare, cambire, tauschen, Cambium, der Tausch. S. Roßkamm.


Kamm (W3) [Adelung]


2. Der Kamm, des -es, plur. die Kämme, ein nur in einigen einzelnen Fällen übliches Wort, so wohl einen Stein, als auch ein Gestein, eine ganze Steinmasse zu bezeichnen. Ein sehr festes Gestein, welches unter dem mildern bricht, wird bey den Bergleuten noch jetzt ein Kamm genannt. Es schießt ein Kamm vor, wenn der Bergmann auf ein festes Gestein trifft. Die Kämme verdrücken den Gang, wenn mehrere solche Steinlager den Gang nicht durchsetzen lassen. Ein Steinkamm, eine Steinwand. In andern Fällen wird es in Gans und Gems verderbet. So wird das Gestein, welches sich unter der Dammerde anfängt, von den Bergleuten die Gans, der Gems genannt. Den Gang in die Gänsse bringen, Mathes. ihn dieses Gestein treiben. Auch der Zwitter oder Zinnstein wird, wenn er aus dem Pochwerke in das Gerinne gelaufen ist, Geimstein genannt, vermuthlich aus eben dieser Quelle. Im Schwed. ist Gimsten ein Edelstein, zunächst aus dem Latein. und Griech. Gemma, welches aber gleichfalls zu der Familie dieses Wortes Kamm gehöret. Im Wendischen und Slavon. bedeutet Kamen einen jeden Stein. S. Kemnate, Kammschale.


Kamm (W3) [Adelung]


3. Der Kamm, des -es, plur. die Kämme, ein sehr altes Wort, welches den obersten Theil eines Dinges bezeichnet, besonders wenn derselbe zugleich eine beträchtliche Länge hat. Es ist nur in einigen einzelnen Fällen üblich. 1. Eine natürliche Erhöhung der Erdfläche, ein in die Länge sich erstreckender Hügel, der oberste Theil eines Gebirges, ist noch in vielen Gegenden Ober- und Niederdeutschlandes unter dem Nahmen Kamm bekannt, wohin auch die eigenthümlichen zusammen gesetzten Nahmen mancher Berge und Gebirge gehören; der Hahnenkamm u. s. f. 2. Eine künstliche Erhöhung der Erdfläche, ein Haufen u. s. f. noch in einigen Fällen. So heißt die oberste Fläche eines Deiches, welche sonst die Kappe genannt wird, in Niedersachsen auch der Kamm. Eben daselbst ist der Kamm auch ein kleiner Wasserdamm, welcher in dem Grunde eines Püttwerkes stehen bleibet. Im Forstwesen einiger Gegenden wird das niedergehauene und in eine lange Reihe gelegte Buchholz, welches sonst auch ein Jahn, ein Zahl heißt, in einigen Gegenden ein Kamm genannt. 3. An den Thieren, verschiedene Erhöhungen oder Obertheile derselben. 1) An den Pferden, und zuweilen auch an dem Rindviehe, ist es der obere Theil des Halses, worauf bey den erstern die Mähne wächset. ( S. Kammfett,) Stryker nennet die Mähne eines Löwen Champ. Bey den Fleischern wird daher auch ein Stück Fleisch, welches aus dem Halse eines Rindes zwischen dem Nacken und Buge gehauen wird, der Kamm genannt. 2) An einigen Arten des Geflügels, besonders an den Hühnern, ein fleischiger gemeiniglich rother in die Länge gehender und gekerbter Auswuchs auf dem Kopfe. 3) In den niedrigen Sprecharten ist der Kammhaken, das Genick an dem menschlichen Körper. Eben daselbst sagt man auch figürlich, jemand über den Kamm hauen, ihn hart anfahren; ingleichen, der Kamm wird ihm roth, wenn jemand vor Zorn, oder von vielem Trinken eine rothe Nase bekommt. 4) An den Austern ist der Kamm oder Wirbel ein harter Theil im innern der Schale, welcher nicht wohl zu essen ist. 4. Der obere oder hervor stehende Theil an verschiedenen künstlichen Dingen. Der hervor stehende Theil an einem Schlüssel, der Bart, führet in vielen Gegenden den Nahmen des Kammes. Der oberste hervor regende Theil eines Helmes hieß ehedem der Helmkamm, Angels. Helmes Camp. Im Schwed. ist Kam der Giebel oder Gipfel eines Hauses. Anderer Fälle zu geschweigen.

Anm. Das Geschlecht dieses Wortes ist groß, selbst in den auswärtigen Sprachen. Das Lat. Coma, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Lat. Diminut. Cumulus, das Franz. Cime, Comble, das mittlere Lat. Camba, ein Thurm, hundert anderer zu geschweigen, sind genau damit verwandt. S. Keim, Kahm und Kimme. Wenn man bedenkt, daß dieses Wort ehedem, und noch in einigen Gegenden Kamp lautet, und daß das m sich gern zu den Lippenbuchstaben gesellet, so wird man auch die Verwandtschaft mit Koppe, Kopf, Giebel, Gipfel u. s. f. einräumen, in welchen Wörtern insgesammt der Begriff der Höhe oder der Hervorragung der herrschende ist.


Kamm (W3) [Adelung]


4. Der Kamm, des -es, plur. die Kämme, Diminut. das Kämmchen, Oberd. Kämmlein, ein langer zuweilen spitziger hervor ragender Theil eines Dinges, und ein mit solchen hervor ragenden Theilen versehenes Ding; gleichfalls nur noch in einigen Fällen. 1. Lange hervor ragende Theile eines Dinges. So werden, 1) In der Mechanik und in dem Mühlenbaue, die Zähne oder kurzen Stäbe, welche auf der Seiten oder Stirnfläche eines Rades perpendicular stehen, um in das Getriebe eingreifen zu können, Kämme genannt; ( S. Kammrad,) Schon in der Paraen. Tirol. heißen sie Kambe, welches daselbst nicht Speichen bedeuten kann. In dem Bergbaue führen diesen Nahmen auch die Arme an der Welle, welche die Pochstämpel, Bälge u. s. f. aufheben, und sonst auch Hebearme, Hebelatten, Hebetatzen genannt werden. 2) Die Stiele an den Weintrauben, woran die Weinbeeren hängen, führen in den meisten Gegenden den Nahmen der Kämme. Im Oberdeutschen werden sie Rappen, Drappen, Trappen genannt, Franz. Grappes, Lat. Racemi. Im Franz. hieß ein solcher Kamm ehedem Gen und Cenne. 2. Ein mit solchen Zähnen versehenes Werkzeug. 1) Ein von Horn, Elfenbein oder einer ähnlichen harten Materie verfertigtes und mit spitzigen neben einander stehenden langen Zähnen versehenes Werkzeug. Es wird zu verschiedenen Absichten gebraucht. Am häufigsten dienet es, die Haare an Menschen und Thieren damit zu reinigen, und wenn sie verwirret sind, gerade zu richten; der Haarkamm. Ein weiter Kamm, an welchem die Zähne weit von einander stehen; ein enger Kamm, wo sie nahe an einander stehen. Mit einem Kamme kämmen. Alle Leute über Einen Kamm scheren, im gemeinen Leben, sie auf einerley Art behandeln. In der Haushaltung hat man auch starke eisene Kämme, die Samenkapseln an dem Flachse abzuriffeln, Riffelkämme, hölzerne Kämme die Heidelbeeren abzustreifen u. s. f. Bey dem Kero Canpo, Canap, im Oberdeutschen der Kampel, im Angels. Camb, im Engl. Comb, im Schwed. Kam. Ein Wollkamm oder Kamm der Wollkämmer, bey welchen der Oberdeutsche Plural Kamme üblich ist, ist auch unter dem Nahmen Krämpel bekannt, S. dieses Wort. Im Oberdeutschen wird ein Kamm auch ein Strähl und kämmen strählen genannt, von Strahl, Radius. 2) Bey den Webern, ein mit vielen dünnen Stäben von Rohr oder Stahl versehener Nahmen, die Fäden des Aufzuges so aus einander zu halten, wie der Haarkamm die Haare; das Blatt. Manche Arten von Webern haben statt dessen leinene Schnüre, welche aber gleichfalls der Kamm genannt werden. ( S. Kammlitze,) 3) Eben daselbst werden die Fäden, welche sie am Ende eines gewebten Stückes mit einem kleinen Theile des Gewebes abschneiden, die Troddel, das Dromt, auch der Kamm genannt. 4) In einigen Gegenden ist der Kamm eine Art eines Netzes mit engen Maschen, kleine Fische damit zu fangen, welches aber an den meisten Orten verbothen ist.

Anm. Es scheinet, daß dieses Wort gleichfalls zu dem vorigen gehöre, indem der Begriff der Hervorragung auch hier der herrschende ist. Indessen kommen im mittlern Lateine viele ähnliche Wörter vor, worin der Begriff der Krümme der Hauptbegriff ist, und welche zu dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, biegen, gehören; z. B. Cambuta, der krumme Bischofsstab, der Krummstab; ( S. Kammer,) In den Galischen Gesetze bedeutet Cham die Hand.


Kamma (W3) [Adelung]


Kamma, der Nahme eines Bieres, welches in Herford gebrauet wird. Dieses Wort wird hier nur um deßwillen angeführet, weil Camma und Camum schon im Lateinischen eine Art eines Bieres bedeutet, in welchem Verstande es bey dem Ulpian vorkommt, der es ausdrücklich noch von Cerevisia unterscheidet. Nach dem Simeon von Genua ist Camum, sicera, potus factus ex hordeo et aliis rebus calidis, ut sunt zinziber et similia, quae ponuntur in testaceis parvis bene obturatis, et cum aperiuntur, salit in altum, et vocatur Cerevisia. In den Urkunden Frankreichs, der Niederlande und Deutschlandes kommt in den mittlern Zeiten Camba häufig so wohl von einem Brauhause, als auch von einem Bierhause vor; Cambarius ist daselbst ein Bierbrauer, Cambagium eine Abgabe für die Freyheit, sein Bier selbst zu brauen u. s. f.


Kammblatt (W3) [Adelung]


Das Kammblatt, des -es, plur. die -blätter, bey den Webern, der Kamm mit seinen Stäben, S. 4. Kamm 2. 2).


Kammbohrer (W3) [Adelung]


Der Kammbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bohrschmieden, ein Bohrer, die Löcher zu den Kämmen der Kammräder damit zu bohren. S. 4. Kamm 1.


Kammbraten (W3) [Adelung]


Der Kammbraten, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. in Preußen, ein Stück Rindfleisch, welches aus den Rippen zum Braten gehauen wird.


Kammbret (W3) [Adelung]


Das Kammbret, des -es, plur. die -er, bey den Kürschnern, ein längliches viereckiges Bret, die Pelzwerke darauf auszukämmen.


Kammbruch (W3) [Adelung]


Der Kammbruch, des -es, plur. die -brüche, in den Niedersächsischen Marschländern, ein Bruch oder Riß, welchen das Wasser in den Kamm oder Obertheil eines Deiches macht. S. 3. Kamm 2.


Kammbürste (W3) [Adelung]


Die Kammbürste, plur. die -n, eine Bürste, die Haarkämme damit zu reinigen.


Kammdose (W3) [Adelung]


Die Kammdose, plur. die -n, auf dem Nachttische des schönen Geschlechtes, eine Dose oder Schachtel, die Haarkämme darin zu verwahren; die Kammschachtel.


Kammeisen (W3) [Adelung]


Das Kammeisen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Steinmetzen, ein langer eiserner oben gespaltener Griff mit stählernen Stacheln, welche ihm das Ansehen eines groben Kammes geben, die grobe Fläche der Sandsteine damit rauh zu hauen; das Kröneleisen, Krönelt. S. 4. Kamm 2.


Kammelung (W3) [Adelung]


Die Kammelung, plur. die -en, in den Niedersächsischen Marschländern, eine kleine Erhöhung an den Wasserlösen, Wetterungen u. s. f. S. 3. Kamm 2.


Kämmen (W3) [Adelung]


1. Kämmen, verb. reg. act. mit dem Haarkamme oder einem ähnlichen Kamme bearbeiten. Die Haare kämmen. Sich kämmen, seine Haupthaare. Die Wolle kämmen, wofür bey den Wollarbeitern das mehr Oberdeutsche kammen üblich ist. ( S. Krämpeln,) Im Angels. caemban, im Engl. to kemb, to comb, im Dän. kämme, im Schwed. kaemma, im Latein. comere, im Oberdeutschen kampeln.


Kämmen (W3) [Adelung]


2. Kämmen, verb. reg. act. welches nur in der Zimmermannskunst üblich ist. Zwey Träger auf einander kämmen, sie auf einander verbinden, so daß sie eine große Last tragen können. S. Kimmen, zu welchem Zeitworte es zu gehören scheinet.


Kämmer (W3) [Adelung]


Der Kämmer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kämmerinn, eine Person, welche kämmet, am häufigsten in dem zusammen gesetzten Wollkämmer.


Kammer (W3) [Adelung]


Die Kammer, plur. die -n, Diminut. Kämmerchen, Oberd. Kämmerlein. 1. In der weitesten und eigentlichsten Bedeutung, ein jeder hohler Raum, eine Höhle; in welcher Bedeutung es nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich ist. Fehlerhafte Gruben in der Seele einer Kanone oder eines andern Geschützes heißen Kammern. In einem andern Verstande ist die Kammer die hinterste Höhle eines Mörsers oder einer Haubitze, worein das Pulver geladen wird, ( S. Kammerstück,) In der Landwirthschaft wird eine leere Stelle an dem Kummet, woraus man die Füllhaare gezogen hat, weil sie das Pferd drückten, eine Kammer genannt. Die Höhlung der Schwanzschraube an einem Schießgewehre heißt die Kammer. Die Höhlen der Thiere unter der Erde sind sehr häufig unter dem Nahmen der Kammern bekannt, so wie die Höhlen in dem Herzen unter dem Nahmen der Herzkammern. Im mittlern Lateine ist Camara eine Scheide. 2. Ein eingeschlossener Raum; gleichfalls nur noch in einigen einzelnen Fällen. So pflegen die Jäger den mit dem Zeuge umstellten Ort in einem Jagen zunächst an dem Auslaufe, in welchen das eingetriebene Wild in die Enge gebracht wird, die Kammer zu nennen. In engerer Bedeutung bezeichnete es ehedem einen oben gewölbten, mit einem Gewölbe eingeschlossenen Raum, in welcher Bedeutung schon das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das mittlere Latein. Camera, und das alt Franz. Cambry, vorkommen. S. auch Kammerwagen. 3. In engerer Bedeutung, ein jedes Zimmer oder abgetheilter Theil eines Hauses. 1) Im weitesten Verstande für Zimmer; im mittlern Lat. Camera, Franz. Chambre, Ital. Camera, welches Wort selbst mit Kammer verwandt ist. (a) In dieser Bedeutung, in welcher es dem weitesten Umfange nach für sich allein im Hochdeutschen veraltet ist, kommt es noch häufig in der Deutschen Bibel vor. Und Benhadad flohe in die Stadt von einer Kammer in die andere, 1. Kön. 20, 30; und so in andern Stellen mehr. Es ist hier nur noch in den Zusammensetzungen Schatzkammer, Kunstkammer, Naturalien-Kammer, Antiquitäten-Kammer, Gewehrkammer u. s. f. üblich, wo es vermuthlich wohl zunächst die vorige Bedeutung eines Gewölbes hat, obgleich dergleichen Kammern nicht alle Mahl mehr Gewölbe, sondern oft nur große lange Säle sind, da sie denn am häufigsten Gallerien genannt werden. Die Silberkammer ist an den Höfen, ein Behältniß oder großes Zimmer, worin das Silbergeschirr verwahret wird, die Lichtkammer, ein Zimmer zur Aufbewahrung der Lichter u. s. f. Auf eben diese Art ist die Kammer-Musik, im Gegensatze der Kirchen- und Theater-Musik, diejenige Musik, welche in den Zimmern aufgeführet wird, wo denn einige neuere Tonkünstler auch das einfache Kammer, nach dem Muster des Franz. Chambre, im Singular wieder eingeführet haben. Stücke, welche ausdrücklich für die Kammer gesetzt sind, in Zimmern aufgeführet zu werden. Die freye musikalische Schreibart herrscht auf dem Theater und in der Kammer. Wo eben nicht bloß fürstliche Zimmer zu verstehen sind. S. Kammer-Musik, und Kammer-Styl. (b) Figürlich bezeichnet es alsdann auch die sämmtlichen zur Aufsicht über ein solches Zimmer und darin befindlichen Sachen bestellten Personen. So gehören zur Hof-Silberkam- mer in Dresden, der Silberkämmerer, der Silberdiener, der Silberschreiber, die Silberwäscherinn u. s. f. 2) In engerer Bedeutung. (a) Die Wohnzimmer eines Fürsten; im mittlern Lateine Camera, Franz. Chambre, Schwed. Kamar. (aa) Eigentlich, in welcher Bedeutung es nur in den Zusammensetzungen Kammerherr, Kammerjunker, Kammerdiener, Kammerlackey, Kammerpage u. s. f. üblich ist, solche Personen zu bezeichnen, welche zur nächsten Bedienung des Herren in seinen geheimen Zimmern bestimmt sind, zum Unterschiede von ähnlichen Personen, deren Titel mit Hof - zusammen gesetzet sind. Kammer - bedeutet in solchen Zusammensetzungen so viel als in andern das Wort Leib - obgleich auch Fälle vorkommen, wo beyde noch verschieden sind. In vielen Fällen, in welchen man ehedem das Wort Kammer in diesem Verstande gebrauchte, ist jetzt das Franz. Cabinett eingeführet. (bb) Figürlich auch die zur nächsten Bedienung der Person eines großen Herren in den Zimmern seiner Residenz gehörigen sämmtlichen Personen. So bestehet die Kammer des Churfürsten von Sachsen aus den Kammerpagen, dem geheimen Secretär, dem Secretär, dem Cassirer, dem geheimen Kämmerier, den Kammerdienern, dem Friseur, dem Leibschneider, dem Kammerthürhüther und andern geringern Personen; worunter manche noch von denen verschieden sind, welche auf der Reise und auf der Jagd gebraucht werden. (b) Das Zimmer, worin die Einkünfte eines Fürsten oder einer Gemeinheit verwahret werden. (aa) Eigentlich; im mittlern Lat. Camera, welches in dieser Bedeutung schon bald nach den Zeiten Carls des Großen vorkommt, weil die großen Herren ihre Einkünfte und Schätze ehedem unmittelbar in ihren Wohn- und Schlafzimmern zu verwahren, und gemeiniglich auch selbst zu verwalten pflegten; im mittlern Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Camera est locus, in quem thesaurus recolligitur, vel conclave, in quo pecunia reservatur, heißt es bey dem Ockam. Kamerhort bedeutet bey einem der Schwäbischen Dichter einen geheimen Schatz. In dieser Bedeutung ist es heut zu Tage veraltet, wo es (bb) nur noch figürlich ein Collegium der zur Verwaltung der landesfürstlichen Einkünfte bestellten Räthe und Bedienten bezeichnet; wo es doch fast in jedem Lande auf andere Art eingeschränkt und eingerichtet ist. In manchen Provinzen hat die Kammer, oder wie sie auch heißt, die Hofkammer, die Rentkammer u. s. f. die sämmtlichen Einkünfte eines Landesherren zu verwalten, in andern nur die so genannten Kammer- oder Tafelgüter, in andern noch andere Zweige der Einnahme. In manchen Provinzen ist sie das oberste Collegium in solchen Angelegenheiten welche die Einkünfte eines Landesherren betreffen; in manchen aber ist sie einem besondern Finanz-Collegio oder einem andern untergeordnet. In einigen ist sie von der Rentkammer oder Renterey nicht verschieden; in andern machen diese einen untergeordneten Theil derselben aus. S. Kammer-Collegium und viele der folgenden Zusammensetzungen, wo ich diese Art der Kammer die Finanz-Kammer nennen will, um sie von andern Arten zu unterscheiden. Kleinere Herren, Städte, Gemeinheiten u. s. f. nennen ein solches Collegium gemeiniglich die Kämmerey. (cc) Der öffentliche Ort, wo sich die zu einem Kammer-Collegio gehörigen Personen versammeln. Auf die Kammer gehen. Von der Kammer kommen. Bey kleinern Herren und Gemeinheiten gleichfalls die Kämmerey. (dd) Die zu den unmittelbaren Bedürfnissen eines Landesherren und seines Hofstaates gehörigen Güter und Einkünfte selbst; im mittlern Lat. Camera. Doch nur noch in einigen Zusammensetzungen. S. Kammerknecht. (c) Ein Zimmer oder Gebäude, in welchem sich die zur Handhabung des Rechtes und der Gerechtigkeit bestimmten Personen versammeln. (aa) Eigentlich; eine größten Theils veraltete Bedeutung, welche nur noch in denjenigen Orten üblich ist, wo dieses Wort in der folgenden Bedeutung gebraucht wird. (bb) Figürlich, ein solches Collegium selbst; wo es nur noch in einigen Fällen üblich ist. Das vornehmste Collegium dieser Art ist die kaiserliche und des Reichs Kammer zu Wetzlar, das höchste Reichsgericht über die Reichsstände und ihre Unterthanen, welches vollständiger das Kammergericht genannt wird. Nach dem Muster dieses Gerichtes errichteten verschiedene Reichsstände in ihren Landen solche Kammern oder Kammergerichte, welche theils noch vorhanden sind, theils andern ähnlichen Collegiis haben Platz machen müssen, theils gar verändert und eingeschränket worden sind. ( S. Kammergericht,) Da diese Gerichte anfänglich die höchsten Gerichte eines Landes waren, so scheinet es, daß mit ihrer Benennung zunächst die Wohnzimmer des Landesherren gesehen worden, um dadurch ihre Unabhängigkeit von andern Gerichten, außer dem Landesherren selbst, zu bezeichnen. Hingegen ist in einigen Niedersächsischen Städten, so wie in Schweden, die Kammer ein Untergericht, welches unter dem Vorsitze des Kämmerers oder Kämeners in Injurien- und Ehesachen erkennet, und auch das Kämmereygericht genannt wird. (d) Ein kleineres verwahrtes Zimmer über der Erde ohne Ofen, in welcher Bedeutung es im gemeinen Leben am üblichsten ist; im Nieders. Kamer. Dadurch, daß es über der Erde ist, unterscheidet es sich von einem Keller, durch den Mangel des Ofens von einer Stube, durch die geringere Größe von einem Saale oder Boden, und durch die bessere Verwahrung von einem Stalle. In einer Kammer schlafen, wohnen. Nach Maßgebung des verschiedenen Gebrauches bekommt es besondere Nahmen; z. B. Speisekammer, Holzkammer, Vorrathskammer, Rollkammer, Milchkammer, Rauchkammer, Bettkammer, Kohlenkammer, Schlafkammer u. s. f. welche letztere man im engsten Verstande unter der Kammer schlechthin verstehet.

Anm. Bey dem Kero bedeutet Chamara eine Zelle, bey dem Ottfried Kamaru, im Tatian Kamara und bey dem Notker Chamer, ein jedes Zimmer, im Engl. Chamber, im Franz. Chambre, im Ital. Camera, im Böhm. und Pohln. Komora, im Wallachischen Kumpa, im Alban. Kumpe. Die meisten sind in der Ableitung dieses Wortes auf das alte Bretagnische Camm, krumm, cammo, ich krümme, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, gefallen, und erklären es durch ein gewölbtes Zimmer; worin ihnen schon Papias vorgegangen ist. Camera, heißt es bey ihm, a curvitate dicta, est enim volumen introrsum respiciens. Camera quia camura, i. e. curva, dicitur lapidea domus. Allein aus den beyden ersten Bedeutungen erhellet, daß man noch ein wenig weiter hinauf gehen müsse; zumahl da es schon Kero, einer unserer ältesten Schriftsteller, bloß von einer Zelle gebraucht. Doch auch bey dem Begriffe einer Höhle findet der Begriff der Krümme Statt, man wollte es denn lieber von bedecken herleiten, da es denn zu Heim gehören, ja seiner ersten Hälfte nach eine härtere Aussprache dieses Wortes seyn würde. Im Lappländ. ist Kiemi eine Hütte. Zur weitesten Bedeutung gehöret auch das noch hin und wieder übliche Kieme, ein Fischohr, S. dasselbe. Die Herzkammer heißt in den alten Friesischen Gesetzen Hertchamon. Die Sylbe -er ist die gewöhnliche Ableitungssylbe, welche ein Werkzeug, oft aber auch ein handelndes Ding selbst bedeutet. Kammer würde also einen Ort bedeuten, der etwas verbirget, oder zu verbergen geschickt ist; eine Bedeu- tung, aus welcher sich alle andere sehr natürlich und ungezwungen herleiten lassen.


Kammer-Advocat (W3) [Adelung]


Der Kammer-Advocat, des -en, plur. die -en, ein Advocat, welcher einer fürstlichen Finanz-Kammer in Rechtssachen dienet; an andern Orten und mit einem höhern Titel, ein Kammer-Consulent, Kammer-Procurator.


Kammeramt (W3) [Adelung]


Das Kammeramt, des -es, plur. die -ämter. 1) Ein Amt an einer fürstlichen Finanz-Kammer, welches von derselben abhängt, und von ihr vergeben wird; die Kammerbedienung. 2) In einigen Gegenden, z. B. zu Wien, ein Amt oder Collegium, welches die öffentlichen Einkünfte der Stadt verwaltet, und in andern Städten die Kämmerey genannt wird.


Kammer-Archiv (W3) [Adelung]


Das Kammer-Archiv, des -es, plur. die -e, das Archiv bey einer fürstlichen Finanz-Kammer.


Kammerband (W3) [Adelung]


Das Kammerband, des -es, plur. die -bänder, an den Kanonen, das Band oder derjenige Theil der Verzierung an den Bodenfriesen, worin sich das Zündloch befindet, der Hintergurt; weil es an demjenigen Orte lieget, wo sich bey Kammerstücken die Pulverkammer befindet. S. Kammer 1.


Kammerbecken (W3) [Adelung]


Das Kammerbecken, des -s, plur. ut nom. sing. ein in der anständigern Sprechart für Nachttopf übliches Wort; der Kammertopf.


Kammerbediente (W3) [Adelung]


Der Kammerbediente, des -en, plur. die -en. 1) Ein Bedienter, welcher einen vornehmen Herren in seinen Wohnzimmern bedienet. S. Kammer 3. 2) (a) 2) Ein Bedienter bey einer fürstlichen Finanz-Kammer. S. Kammer 3. 2) (b) In beyden Fällen in gemeinen Leben und im Plural auch die Kammerleute.


Kammerbothe (W3) [Adelung]


Der Kammerbothe, des -n, plur. die -n, ein Bothe, welcher bey einer Finanz-Kammer in Diensten stehet, und von derselben verschickt wird. Ingleichen, der bey einem Kammergerichte als Bothe in Pflichten stehet; vollständiger der Kammergerichtsbothe. Zu den Zeiten der Fränkischen Könige waren die Nuncii Camerae freylich weit vornehmere Personen, kaiserliche Kammerräthe vom ersten Range, welche die Reichseinkünfte verwalteten.


Kammer-Capelle (W3) [Adelung]


Die Kammer-Capelle, plur. die -n, 1) Eine Capelle in einer Residenz, welche bloß zu dem Gottesdienste der herrschaftlichen Familie gewidmet ist; zum Unterschiede von der Hof-Capelle. S. Kammer 3. 2) (a) 2) Die zur Kammer-Musik eines großen Herren gehörigen Personen, und welche auch nur die Capelle schlechthin genannt werden.


Kammer-Collegium (W3) [Adelung]


Das Kammer-Collegium, des -gii, plur. die -gia, die zur Verwaltung der fürstlichen Einkünfte verordneten Räthe als ein Collegium betrachtet; die Kammer.


Kammer-Commissarius (W3) [Adelung]


Der Kammer-Commissarius, des -rii, plur. die -rii, oder der Kammer-Commissär, des -s, plur. die -e, ein Commissarius, welcher einer fürstlichen Finanz-Kammer in einzelnen Geschäften dienet. Von eben dieser Art, aber von höherm Range, ist der Kammer-Commissions-Rath.


Kammer-Concert (W3) [Adelung]


Das Kammer-Concert, des -es, plur. die -e, in der Musik, ein Concert, bey welchem sich nur ein einziges concertirendes Instrument befindet. S. Kammer 3. 1)


Kammer-Consulent (W3) [Adelung]


Der Kammer-Consulent, des -en, plur. die -en, siehe Kammer-Advocat.


Kammer-Copist (W3) [Adelung]


Der Kammer-Copist, des -en, plur. die -en, ein Copist bey einer fürstlichen Finanz-Kammer.


Kammerdegen (W3) [Adelung]


Der Kammerdegen, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleiner Degen, so wie man ihn zur Bequemlichkeit in den Zimmern träget; ein Galanterie-Degen. S. Kammer 3. 1).


Kammerdiener (W3) [Adelung]


Der Kammerdiener, des -s, plur. ut nom. sing. ein Diener oder Bedienter, welcher seinen Herren in dessen Wohn- und Schlafzimmern bedienet, zum Unterschiede von den geringern Lackeyen. Dessen Ehefrau die Kammerdienerinn. Vornehme Personen weiblichen Geschlechtes haben auch weibliche Kammerdienerinnen, welche geringer als die Kammerfrauen, aber höher als Dienerinnen, Kammerweiber, Kammermenscher u. s. f. sind.


Kämmerer (W3) [Adelung]


Der Kämmerer, des -s, plur. ut nom. sing. der Vorgesetzte einer Kammer, daher es beynahe in eben so vielfacher Bedeutung üblich ist, in welcher dieses vorkommt. 1) So fern Kammer ehedem überhaupt ein zu gewissen Absichten und Anstalten bestimmtes Zimmer bedeutete, ist der Kämmerer in vielen Fällen der Vorgesetzte desselben. So ist der Kunstkämmerer, z. B. an dem churfürstlichen Hofe zu Dresden, derjenige, welcher über die Kunstkammer, der Silberkämmerer, welcher über die Silberkammer, der Lichtkämmerer, welcher über die Lichtkammer gesetzt ist. 2) So fern man unter der Kammer die fürstlichen Wohnzimmer verstehet, ist der Kämmerer einer der ersten Hofbedienten, welcher gemeiniglich unmittelbar auf den Ober-Kammerherren folgt, allen Kammerherren vorgehet, die fürstlichen Zimmer und alle zur Bedienung des Herren in seinen Zimmern, oder zur so genannten Kammer, nebst der gottesdienstlichen Capelle, den Leib-Medicis, Leib-Chirurgis u. s. f. unter seiner Aufsicht hat. An dem königl. Pohln. und Chursächs. Hofe war es ehedem der Graf von Brühl. Seine Expedition heißt die Ober-Kämmerey-Expedition, bey welcher sich Ober-Kämmerey-Secretarien, Schreiber u. s. f. befinden, um sie von Kämmereyen geringerer Art zu unterscheiden. Von noch höherer Art ist die Würde des Erzkämmerers des Reiches, welche auf der Mark Brandenburg haftet, und von dem Erbkämmerer in besondern Fällen vertreten wird. 3) Ehedem wurden auch die obersten Vorgesetzten der landesherrlichen Einkünfte Kämmerer, im mittlern Lat. Camerarii, zu den Zeiten der Schwäbischen Kaiser Camerer und Chamerer genannt, in welcher Bedeutung es auch noch in einigen Stellen der Deutschen Bibel vorzukommen scheinet. Heut zu Tage werden sie an fürstlichen Höfen gemeiniglich Finanz-Räthe, Kammerräthe u. s. f. genannt, und der Nahme Kämmerer ist nur manchen Stiftern, Städten und andern Gemeinheiten verblieben, welche ihre Einkünfte noch durch Kämmerer verwalten lassen. ( S. Kämmerey,) 4) Auch in der Bedeutung eines Gerichts-Directoris oder Gerichts-Präsidenten kommt es noch hin und wieder vor, besonders in Niedersachsen, wo es doch nur einen Vorgesetzten eines Untergerichtes bedeutet. In Bremen ist der Kämmerer oder Kamener die vorsitzende Person in dem Kämmereygerichte oder der Kammer, welche über Ehe- und Injurien-Sachen richtet. In Schleswig haben einige Kirchspiele ihr eigenes Kirchspielsgericht, welches mit einem Kämmerer und verschiedenen Richtern oder Beysitzern besetzt ist. In den Städten gibt es daselbst gleichfalls Kämmereygerichte, welche aus dem Stadtvogte, den Kämmerern und Stadt-Secretarien bestehen, und gleichfalls nur in Injurien - und andern geringen Sachen erkennen. Anm. In dem weiblichen Geschlechte, wenn die Gattin eines Kämmerers bezeichnet werden soll, lautet es nur Kämmerinn, wo die eine Sylbe er um des Wohllautes willen verbissen wird, S. - Inn.


Kämmerey (W3) [Adelung]


Die Kämmerey, plur. die -en, die zur Kämmer in den drey ersten engern Bedeutungen dieses Wortes gehörigen Personen, die unter der Aufsicht eines Kämmerers stehenden Personen, die Expedition, von welcher die dahin gehörigen Sachen ausgefertiget werden, und der Ort, wo dieselbe ihre Sitzungen hat. Siehe Kämmerer 1. Besonders die zur Verwaltung der Einkünfte eines Stiftes, einer Stadt oder Gemeinheit gehörigen Personen, der Ort, wo sie sich versammeln, der Ort wo diese Einkünfte verwahret werden, und diese Einkünfte selbst; wo Kämmerey in kleinen Staaten eben das ist, was Kammer in größern bedeutet. S. Auch Kämmerer 4.


Kammerfest (W3) [Adelung]


Das Kammerfest, des -es, plur. die -e, an großen Höfen, z. B. zu Wien, ein Fest, welches nur von der Herrschaft und den zunächst zu ihrer Personen gehörigen Personen, in den geheimen Zimmern des Hofes gefeyert wird; zum Unterschiede von einem Feste, welches von dem ganzen Hofe gefeyert wird.


Kammer-Fiscal (W3) [Adelung]


Der Kammer-Fiscal, des -es, plur. die -cäle, ein Fiscal, in Sachen, welche eine fürstliche Finanz-Kammer betreffen.


Kammer-Fourier (W3) [Adelung]


Der Kammer-Fourier, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fourier, so fern er für die Quartiere der Herrschaft selbst, und der zunächst zu ihrer Person gehörigen Personen sorget. Ingleichen, ein Fourier, welcher für die Quartiere der zur Finanz-Kammer gehörigen Personen sorgt.


Kammerfrau (W3) [Adelung]


Die Kammerfrau, plur. die -en, eine zur unmittelbaren Bedienung eines vornehmen Frauenzimmers bestimmte Frau, welche an fürstlichen Höfen unmittelbar auf die Hofdamen folget, und den Kammerdienerinnen vorgehet.


Kammerfräulein (W3) [Adelung]


Das Kammerfräulein, des -s, plur. ut nom. sing. an fürstlichen Höfen, ein adeliges Fräulein, welches bey fürstlichen Frauenzimmern die Aufwartung in ihren Zimmern hat, und dem Range nach den Hofdamen noch vergehet.


Kammergericht (W3) [Adelung]


Das Kammergericht, des -es, plur. die -e, in verschiedenen Gegenden, der Nahme des höchsten Gerichtshofes, welcher unmittelbar unter dem Landesherren stehet. Das höchste Gericht dieser Art ist das kaiserliche und des Reichs Kammergericht zu Wetzlar. In den meisten Staaten der Reichsstände haben diese Gerichte andere Nahmen, oder sie sind doch auf andere Art eingeschränket worden. S. Kammer. 3. 2) (c) Daher der Kammergerichts-Präsident, oder Kammer-Präsident, der Kammergerichts-Assessor, der Kammergerichtsrath, Kammergerichtsbothe, die Kammergerichts-Ordnung, u. s. f.


Kammergraf (W3) [Adelung]


Der Kammergraf, des -en, plur. die -en, eine ehedem übliche Benennung einer den kaiserlichen Einkünften, wenigstens einiger Arten, vorgesetzten Person. Besonders führten diesen Nahmen diejenigen, welche den kaiserlichen und königlichen Bergwerken vorausgesetzet waren, so wie der oberste Verwalter der Ungarischen Bergstädte noch jetzt der Kammergraf genannt wird.


Kammergut (W3) [Adelung]


Der Kammergut, des -es, plur. die -güter, ein dem Landesherren zum Behuf seines Hofstaates, seiner Tafel u. s. f. gehöriges Gut, welches unter der Aufsicht seiner Finanz-Kammer stehet; ein Domänen-Gut Tafelgut. Große Güter dieser Art sind unter dem Nahmen der landesfürstlichen Ämter, Vogtenen u. s. f. bekannt. In engerer Bedeutung unterscheidet man noch die Kammergüter, welche zur Bestreitung der Regierungskosten gehören, von den eigenen oder Schatullen-Gütern eines Landesherren.


Kammerheiduck (W3) [Adelung]


Der Kammerheiduck, des -en, plur. die -en, an einigen Höfen, ein Heiduck, welcher zur unmittelbaren Bedienung einer Herrschaft in ihren Zimmern bestimmt ist.


Kammerheitzer (W3) [Adelung]


Der Kammerheitzer, des -s, plur. ut nom. sing. ein geringer Bedienter an Höfen, welcher die fürstlichen Wohnzimmer heitzet, zum Unterschiede von dem Stabenheitzer für die Kammerleute. Ingleichen ein Bedienter, welcher die Zimmer einer Finanz-Kammer, oder eines Kammergerichtes heitzet.


Kammerherr (W3) [Adelung]


Der Kammerherr, des -en, plur. die -en, vornehme Hofbediente von Adel, welche die Aufwartung bey einer fürstlichen Person in ihren Wohnzimmer haben, und welchen an großen Höfen noch ein Ober-Kammerherr vorgesetzet ist; adelige Kammerbediente vom ersten Range. Dessen Gattinn, die Kammerherrinn. In mittlern Lat. Cambellanus, Cambrerius, Franz. Chambellain. S. Kämmerling.


Kammerhund (W3) [Adelung]


Der Kammerhund, des -es, plur. die -e, ein Hund, welchen ein großer Herr zu seinem Vergnügen in seinen Zimmern bey sich hat, und welcher von einem Leibhunde noch verschieden ist.


Kämmerier (W3) [Adelung]


Der Kämmerier, des -s, plur. ut nom. sing. ein aus dem Ital. Cameriece entlehntes Wort, einen fürstlichen Kammerbedienten zu bezeichnen, welchem die Schatulle, oder das zu den unmittelbaren Bedürfnissen seines Herren bestimmte Geld, dessen Kostbarkeit, Juwelen u. s. f. anvertrauet sind; und welcher dem Range nach gemeiniglich unmittelbar vor den Kammerdienern gehet. Der geheime Kämmerier. Dessen Gattinn, die Kämmerierinn.


Kammerjäger (W3) [Adelung]


Der Kammerjäger, des -s, plur. ut nom. sing. ein fürstlicher Jäger, welcher seinen Herrn auf der Jagd und im Jagdwesen bedienet, aber von einem Leibjäger zuweilen noch verschieden ist. im Scherze wird auch ein Mäuse- und Ratzenfänger ein Kammerjäger genannt.


Kammerjungfer (W3) [Adelung]


Die Kammerjungfer, plur. die -n, eine Jungfer, d. i. unverheirathete Frauensperson, welche ihre Herrschaft in ihren Zimmern bedienet, und besser gehalten wird, als ein Kammermädchen; zum Unterschiede von einer Hausjungfer, welche die Haushaltung führet. Ehedem die Gürtelmagd. Im Scherze und mit Verachtung das Kammerkätzchen.


Kammerjunker (W3) [Adelung]


Der Kammerjunker, des -n, plur. die -n, ein junger Edelmann, welcher zur Bedienung einer fürstlichen Person in ihren Zimmern bestimmt ist, und zwischen den Kammerherren und Kammer-Pagen in der Mitte stehet; ein adeliger Kammerbedienter vom zweyten Range.


Kammerknecht (W3) [Adelung]


Der Kammerknecht, des -es, plur. die -e. 1) Eine Person, welcher der Finanz-Kammer eines Herren mit Leibeigenschaft zugethan ist, als ein Leibeigener zu dessen Kammergütern gehöret; eine größten Theils veraltete Bedeutung, welcher die Juden ehedem des Kaisers und des Reichs Kammerknechte genannt wurden. Im mittlern Lat. Camerlingus, Fiscalinus. 2) In einigen Gegenden werden noch geringe Personen, so fern sie bey einer Finanz-Kammer in Diensten stehen, Kammerknechte genannt.


Kammerkutscher (W3) [Adelung]


Der Kammerkutscher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kutscher, welcher die Kammerleute, d. i. die zur nächsten Bedienung einer fürstlichen Person bestimmten Leute führet; zum Unterschiede von dem Leib- und Hofkutscher.


Kammerlackey (W3) [Adelung]


Der Kammerlackey, des -en, plur. die -en, ein geringer Kammerbedienter einer fürstlichen Person.


Kamerlauge (W3) [Adelung]


Die Kamerlauge, plur. car. der Urin, S. Urin.


Kammerlehen (W3) [Adelung]


Das Kammerlehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lehen, welches ein Herr einem Vasallen aus seinen Kammergütern gibt. Ingleichen ein Lehen, welches von einer fürstlichen Finanzkammer verliehen wird.


Kammerleute (W3) [Adelung]


Die Kammerleute, plur. car. die zur Kammer, d. i. nächsten Bedienung einer fürstlichen Person in ihren Zimmern gehörigen Personen geringerer Art. Ingleichen, die zu einer fürstlichen Finanzkammer gehörigen Personen vom zweyten und folgenden Range. S. Kammerbediente.


Kämmerling (W3) [Adelung]


Der Kämmerling, des -es, plur. die -e. 1) * Ein Kämmerer, d. i. Kammerbedienter eines Fürsten vom höchsten Range; eine veraltete Bedeutung, in welcher man nur noch zuweilen das Ital. Camerlengo zu übersetzen pflegt, den Cardinal-Kämmerer des päpstlichen Hofes zu bezeichnen. 2) * Ein Kammerherr; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher es ungeschickte Übersetzer noch zuweilen beybehalten. 3) * Ein Kammerdiener, in welcher auch veralteten Bedeutung es noch 3 Macc. 5, 12 vorkommt. 4) Ehedem wurden auch die Kammerknechte Kämmerlinge genannt, welchen Nahmen in den Öthmarschen Hofrechten noch die kurmödigen Unterthanen führen. In allen diesen Fällen im mittlern Lat. Camarlingus, Camberlingus, Camerlengus, Camerlingus, im Ital. Camerlengo. Schon Notker gebraucht Chamerlinga für einen Diener. S. - Ling.


Kammermädchen (W3) [Adelung]


Das Kammermädchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Mädchen, d. i. junge Weibsperson, welche zur Bedienung ihrer Herrschaft in ihrem Zimmer bestimmt, und geringer ist, als eine Kammerjungfer; zum Unterschiede vor dem Hausmädchen.


Kammermagd (W3) [Adelung]


Die Kammermagd, plur. die -mägde, in der harten Sprechart, so wohl eine Kammerjungfer, als auch ein Kammermädchen.


Kammer-Matrikel (W3) [Adelung]


Die Kammer-Matrikel, plur. die -n, 1) Das Verzeichniß der sämmtlichen bey dem kaiserl. Kammergerichte befindlichen Personen. 2) Noch häufiger, das Verzeichniß desjenigen, was ein jeder Reichsstand zur Unterhaltung dieses Kammergerichtes jährlich beytragen muß.


Kammermeister (W3) [Adelung]


Der Kammermeister, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, der Vorgesetzte einer Finanz-Kammer, besonders in einem kleinen Staate. An andern Orten führet der Vorgesetzte der Rentkammer, welche der Kammer gemeiniglich untergeordnet ist, diesen Nahmen.


Kammermensch (W3) [Adelung]


Das Kammermensch, des -es, plur. die -er, an einigen Höfen, eine Kammerbediente von der geringsten Art, welche sie niedrigsten Verrichtungen in den Herrschaftlichen Wohn- und Schlafzimmern zu verrichten hat, und von einem Kammerweibe noch verschieden ist.


Kammer-Musik (W3) [Adelung]


Die Kammer-Musik, plur. inus. 1) Die Musik, so fern sie für die Kammer, d. i. für die Zimmer großer Herren bestimmt ist; zum Unterschiede von der Kirchen- und Theater-Musik. S. Kammer 3. 1) (a). 2) Alle zu einer fürstlichen musikalischen Capelle gehörigen Personen.


Kammer-Page (W3) [Adelung]


Das Kammer-Page, (sprich Kammer-Pasche,) des -n, plur. die -n, ein Page, welcher eine fürstliche Person in ihren Zimmern bedienet, ein adeliger Kammerbedienter vom dritten Range; zum Unterschiede von einem Jagd- und Reise-Pagen. Auch von einem Leib-Pagen ist er zuweilen noch unterschieden.


Kammer-Präsident (W3) [Adelung]


Der Kammer-Präsident, des -en, plur. die -en, der Präsident einer fürstlichen Finanz-Kammer. Ingleichen der Präsident in einem Kammergerichte, welcher doch noch häufiger der Kammerrichter genannt wird.


Kammer-Procurator (W3) [Adelung]


Der Kammer-Procurator, des -s, plur. die -tores. 1) S. Kammer-Advocat. 2) Ein Procurator oder Sachwalter an dem Kammergerichte zu Wetzlar.


Kammer-Prozeß (W3) [Adelung]


Der Kammer-Prozeß, des -sses, plur. die -sse. 1) Ein Prozeß, welcher eine fürstliche Finanz-Kammer betrifft. 2) Ein Prozeß, welcher von einem Kammergerichte geführet wird. 3) Die bey einem Kammergerichte übliche Prozeß-Ordnung; ohne Plural.


Kammerrath (W3) [Adelung]


Der Kammerrath, des -es, plur. die -räthe, ein fürstlicher Rath, welcher bey einer Finanz-Kammer als Beysitzer angestellet ist, oder einer solchen Finanz-Kammer in ihren Angelegenheiten dienet. An einigen Orten werden sie Schatzräthe genannt.


Kammerrichter (W3) [Adelung]


Der Kammerrichter, des -s, plur. ut nom. sing. der Richter oder Präsident in einem Kammergerichte.


Kammersache (W3) [Adelung]


Die Kammersache, plur. die -n, eine jede Sache, welche eine fürstliche Finanz-Kammer betrifft.


Kammerschreiber (W3) [Adelung]


Der Kammerschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schreiber bey einer fürstlichen Finanz-Kammer; ingleichen bey einem jeden Collegio oder einer jeden Expedition, welche den Nahmen eines Kammer führet.


Kammerschuld (W3) [Adelung]


Die Kammerschuld, plur. die -en, eine Schuld, welche eine fürstliche Finanz-Kammer in Nahmen des Fürsten zu bezahlen hat; zum Unterschiede von einer Landesschuld im engern Verstande.


Kammer-Secretär (W3) [Adelung]


Der Kammer-Secretär, des -es, plur. die -e, der Secretär bey einer fürstlichen Finanz-Kammer, ingleichen bey einer jeden Anstalt, welche den Nahmen einer Kammer führet.


Kammerspiegel (W3) [Adelung]


Der Kammerspiegel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Geschützkunst, ein Spiegel, d. i. eine hölzerne Scheibe, womit die Kammern des groben Geschützes, wenn sie geladen worden, verdämmet werden, er Pfropf bey den Kammerstücken. S. Kammer 1.


Kammerstück (W3) [Adelung]


Das Kammerstück, des -es, plur. die -e, in der Geschützkunst, ein größten Theils veraltetes Geschütz, mit einer Kammer wie ein Mörser, große steinerne Kugel daraus zu schießen. Es wurde auch die Feuerkatze, das Schrotstück und Steinstück genannt.


Kammer-Styl (W3) [Adelung]


Der Kammer-Styl, des -es, plur. inus. in der Musik, der Styl, d. i. die musikalische Schreibart in Stücken, welche ausdrücklich für die Kammer gesetzt werden, zum Unterschiede von dem Kirchen-Style und Theater-Style. S. Kammer 3. 1) (a).


Kammertanz (W3) [Adelung]


Der Kammertanz, des -es, plur. die -tänze, Tänze, welche in gesellschaftlichen Versammlungen in den Zimmern getanzet werden; zum Unterschiede von den Theatral-Tänzen.


Kammer-Taxe (W3) [Adelung]


Die Kammer-Taxe, plur. die -n, die von einer fürstlichen Finanz-Kammer gemachte und angenommene Taxe gewisser Dinge, welche, was das Getreide betrifft, gemeiniglich nach einem Durchschnitte von mehrern Jahren bestimmt wird.


Kammerton (W3) [Adelung]


Der Kammerton, des -e, plur. inus. in der Musik, besonders bey den Orgeln, der in den Capellen übliche Ton, welcher um 1 1/2 Ton tiefer ist, als der Chorton.


Kammertopf (W3) [Adelung]


Der Kammertopf, des -es, plur. die -töpfe, S. Kammerbecken.


Kammertrauer (W3) [Adelung]


Die Kammertrauer, plur. die -n, an fürstlichen Höfen, eine geringere Art der Trauer, welche nur von der Herrschaft und ihren Kammerbedienten angeleget wird; zum Unterschiede von der Hof- und Landestrauer.


Kammertuch (W3) [Adelung]


Das Kammertuch, des -es, plur. von mehrern Arten, die -tücher, eine Art sehr feiner Leinwand, welche zuerst zu Cambray in den Niederlanden, welches in Holländischen Kämmeriick heißt, verfertiget wurde, und von dieser Stadt auch ihren Nahmen erhalten hat. Sie ist so zart, daß ein Stück von 22 Ellen nur 6 bis 8 Unzen wiegt.


Kammerwagen (W3) [Adelung]


Der Kammerwagen, des -s, plur. ut nom. sing. an den Höfen, ein langer gewölbter Wagen, auf Reifen, so wohl die Kammerleute, als auch die zur Hofstatt gehörigen Sachen darauf fortzuschaffen. An einigen Orten wird daher auch eine Landkutsche mit diesem Nahmen belegt, wenn sie aus einem solchen fürstlichen Kammerwagen entstanden ist.


Kammerweib (W3) [Adelung]


Das Kammerweib, des -es, plur. die -er, an fürstlichen Höfen, ein Weib, oder eine weibliche Person, welche zu den geringern Verrichtungen in den herrschaftlichen Zimmern gebraucht wird. S. Kammermensch.


Kammerzahlmeister (W3) [Adelung]


Der Kammerzahlmeister, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein fürstlicher Kammerbedienter, welcher die zu den unmittelbaren Bedürfnissen seiner Herrschaft bestimmten Gelder in seiner Verwaltung hat und auszahlet. 2) Der Zahlmeister bey einer Finanz-Kammer.


Kammerziel (W3) [Adelung]


Das Kammerziel, des -es, plur. die -er. 1) Das Ziel, oder der Termin, in welchem die Reichsstände das zur Unterhaltung des Kammergerichtes zu Wetzlar bestimmte Geld zu bezahlen schuldig sind. 2) In figürlicher und gewöhnlicherer Bedeutung, diejenige Geldsumme selbst, welche jeder Reichsstand zu diesem Behufe zu bezahlen hat. S. Ziel.


Kammfett (W3) [Adelung]


Das Kammfett, des -es, plur. inus. Fett aus dem Kamme eines Pferdes oder Ochsen, S. 3. Kamm 3. 1).


Kammfutter (W3) [Adelung]


Das Kammfutter, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, ein Futter oder Futteral, die Haarkämme darin zu verwahren.


Kammgras (W3) [Adelung]


Das Kammgras, des -es, plur. inus. eine Art des Grases, welches enge kammförmige Hüllen an der hintern Seite der Ähren hat und auf den Europäischen Wiesen einheimisch ist; Cynosurus L. Hahnenkamm.


Kammhaken (W3) [Adelung]


Der Kammhaken, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe 3. Kamm 3. 3).


Kammhaar (W3) [Adelung]


Das Kammhaar, des -es, plur. inus. oder die Kammhaare, sing. inus. die Haare aus dem Kamme eines Pferdes; die Mähne. S. 3. Kamm 3. 1).


Kammhebel (W3) [Adelung]


Der Kammhebel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Atlaßwebern, Wagebalken, welche den Kamm heben und in dem Kammhebelbrete auf und nieder gehen; Franz. Carette. Siehe 4. Kamm 2. 2).


Kämmlinge (W3) [Adelung]


Die Kämmlinge, sing. inus. bey den Wollarbeitern, dasjenige, was von dem Kämmen der Wolle in dem Kämme zurück bleibet, der Abgang von der gekämmten Wolle.


Kammlitze (W3) [Adelung]


Die Kammlitze, plur. die -n, die Schnüre von Garn an den Kämmen der Seidenweber. S. Litze, und 4. Kamm 2. 2).


Kammmacher (W3) [Adelung]


Der Kammmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerksmann, welcher Haarkämme aus Horn oder Elfenbein verfertiget.


Kammmuschel (W3) [Adelung]


Die Kammmuschel, plur. die -n, eine zweyschalige in die Länge gestreifte Muschel, deren Streifen ihr das Ansehen eines Kammes geben; Pecten L. Strahlmuschel, Jacobsmuschel. Die versteinerten Kammmuscheln werden im gemeinen Leben Kammsteine genannt.


Kammpfennig (W3) [Adelung]


Der Kammpfennig, des -es, plur. die -e, eine Benennung der ehemahligen gräflich-Schwarzburgischen Pfennige, wegen des darauf geprägten Pferdekammes.


Kammrad (W3) [Adelung]


Das Kammrad, des -es, plur. die -räder, ein Rad, welches an der Stirn oder an den Seitenflächen mit Kämmen, d. i. Zapfen, versehen ist, um in ein anderes Rad einzugreifen. S. 4. Kamm 1. Sehen die Kämme an der Stirn des Rades, so heißt es ein Stirnrad, sind sie aber an der Seitenfläche befestiget, ein Kronrad.


Kammschaft (W3) [Adelung]


Der Kammschaft, des -es, plur. die -schäfte, ein Schaft oder Stab an den Kämmen der Seidenweber.


Kammschale (W3) [Adelung]


Die Kammschale, plur. inus. im Bergbaue, besonders in den Hohensteinischen Kupferbergwerken, der Nahme eines schwarzen, harten und armen Kupferschiefers, welcher zwischen dem Mittelschiefer und den Mittelbergen lieget. S. 2. Kamm und Schale.


Kammstein (W3) [Adelung]


Der Kammstein, des -es, plur. die -s, S. Kammmuschel.


Kammstück (W3) [Adelung]


Das Kammstück, des -es, plur. die -stücke, bey den Fleischern, ein Stück aus dem Kamme eines Rindes. Siehe 3. Kamm 3. 1).


Kammstürzung (W3) [Adelung]


Die Kammstürzung, plur. die -en, in den Niedersächsischen Marschländern, der Einsturz des Kammes, d. i. des obern Theiles eines Deiches; der Kammbruch, die Kappstürzung. S. 3. Kamm 2.


Kammtopf (W3) [Adelung]


Der Kammtopf, des -es, plur. die -töpfe, bey den Wollkämmern, ein eiserner Feuertopf, die Kämme darüber zu wärmen.


Kamp (W3) [Adelung]


Der Kamp, des -es, plur. die Kämpe, ein Wort, welches in Niedersachsen am bekanntesten ist, ein befriedigtes, mit einem Graben oder Zaune eingefaßtes Stück Feldes von unbestimmter Größe zu bezeichnen. Ein Gerstenkamp, wenn Gerste darauf gebauet wird, Eichelkamp, wenn junge Eichen darauf anfliegen sollen u. s. f. Im mittlern Lat. Cambo. Im Schwed. bedeutet Kamp eine jede Ebene. Die Übereinstimmung mit dem Lat. Campus, Feld, ist unläugbar. Von einer morastigen Viehweide, wie es Gottsched in seiner Sprachkunst erkläret, ist es wohl nie gebräuchlich gewesen. Frisch muß dieses Wort auch nicht gekannt haben, weil er es zu Kamm, ein Hügel, Berg rechnet.


Kämpe (W3) [Adelung]


Der Kämpe, des -n, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Niedersachsens, der Eber, der Mann unter den Schweinen. Man leitet es von dem folgenden kämpfen her, von welchem Worte Kämpe ehedem so wohl im Deutschen als in den mitternächtlichen Sprachen, so wie das mittlere Lat. Campio, einen tapfern Ritter, einen guten Soldaten bedeutete. Indessen ist im Schwed. Kamp auch ein Pferd, welches sich schon in dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Seepferd, befindet, und von Hrn. Ihre von dem vorigen Kamp abgeleitet wird.


Kampeln (W3) [Adelung]


Kampeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten für zanken, mit Worten streiten, üblich ist. Sich beständig kampeln. Er kampelt den ganzen Tag. Daher das Hauptwort die Kampeley, das Gezänk. Im mittlern Lateine des 13ten Jahrh. in einer Spanischen Urkunde bey dem Carpentier cumplare. Die Endsylbe eln zeiget, daß es ein Frequentativum oder Diminutivum ist, vielleicht von dem folgenden kämpfen. Die Niedersachsen gebrauchen dafür kaueln, kabbeln, kibbeln, obgleich von andern Stammwörtern, und zwar das letzte besonders von keifen, Niedersächsisch kiven.


Kampf (W3) [Adelung]


1. Der Kampf, des -es, plur. die Kämpfe, die Fischohren, S. Kieme.


Kampf (W3) [Adelung]


2. Der Kampf, des -es, plur. die Kämpfe, die Bemühung, seinen Gegner körperlich zu überwinden, ein thätiger Streit, wo Mann gegen Mann ficht. 1. Eigentlich, so daß die Art der Waffen dabey unbestimmt bleibt. Jemanden zum Kampfe ausfordern. Einen Kampf mit jemanden wagen. Der Kampf war sehr hitzig. Der Zweykampf, Hahnenkampf. 2. In weiterer Bedeutung, ein Gefecht zwischen mehrern, zunächst in Beziehung auf die Art der Treffen und Gefechte, wo Mann gegen Mann stritt, in noch weiterer Bedeutung aber auch von der heutigen Art, wo es doch nur zuweilen in der dichterischen Schreibart vorkommt. 3. Figürlich. 1) * Das Recht des Krieges und des Friedens; eine ehedem übliche, jetzt aber veraltete Bedeutung. 2) Ein hoher Grad des Bemühens einen Widerstand zu überwinden, auch im sittlichen Verstande, Vorstellungen, Gemüthsbewegungen und Empfindungen zu unterdrücken. Der Kampf des Glaubens, 1 Tim. 6, 12. Der Kampf wider die Sünde, das Widerstreben wider die Reitzungen; der Kampf des Geistes. Die biblische R. A. einen Kampf kämpfen, ist wider den Deutschen Sprachgebrauch.

Anm. In Angels. Camp. im Wallis. Camp und Cammon, im Schwed. Kamp. Bey dem Kero ist Chamfheit mihtia. S. das folgende.


Kämpfen (W3) [Adelung]


Kämpfen, verb. reg. neutr. mit haben, sich bemühen, seinen Gegner durch natürliche oder künstliche Waffen zu überwinden, sich Mann mit Mann schlagen. 1) Eigentlich, wo es so wohl von Menschen, als Thieren gebraucht wird, die Art und Weise der Waffen aber unbestimmt lässet; doch von Menschen nur noch in der edlen und höhern Schreibart. Jacob hat mit Gott gekämpft. Er kämpfte und siegte, Hos. 12, 4, 5. Ein jeglicher, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges, 1. Cor. 9, 25. Auch von mehrern, wenn sie Mann wider Mann streiten, daher es bey der heutigen Art Krieg zu führen für fechten, nur noch zuweilen in der dichterischen Schreibart verkommt. Von Thieren ist es häufiger. Große Herren stellen oft Kampfjagen an, wo allerley wilde Thiere mir einander kämpfen müssen. Wenn sich zwey Hirsche mit einander stoßen, oder zwey wilde Schweine sich hauen oder schlagen, so heißt solches bey den Jägern kämpfen. Hingegen nennen sie es streiten, wenn sich ein Thier gegen die Hunde wehret. 2) Figürlich, einen Widerstand mit Anstrengung aller Kräfte zu überwinden suchen; besonders im sittlichen Verstande. Wider die Sünde kämpfen, Ebr. 12, 4. Beschämung und Reue kämpften in ihm mit der Freude und Hoffnung. Er mußte einige Jahre mit allem Elende des Mangels kämpfen. Mit was für fürchterlichen Geschöpfen der Einbildung kämpfest du? Ich fühle die ganze Verzweifelung, mir der er kämpfet. Der Aberglaube kämpft und flieht zugleich, Raml. Das Hauptwort die Kämpfung ist nur in den Zusammensetzungen bekämpfen, erkämpfen u. s. f. üblich.

Anm. Bey dem Kero chamfan, im Nieders. kämpen, besonders von den Kampf- und Ringespielen der Landleute, im Dän. kämpe, im Wallis. campa, im Angels. campian, im mittlern Lat. campire. Die meisten Wortforscher leiten es von Kamp ab, ein zu einem Zweykampfe eingeschlossener Platz auf dem Felde, Lat. Campus, welches in dem mittlern Lat. gleichfalls das Gefecht selbst bedeutete. So wahrscheinlich diese Ableitung auch ist, so ist doch nicht zu läugnen, daß die Figur von dem Felde auf das Gefecht, ein wenig hart und wider die Analogie der Deutschen Sprache ist; daher Wachters Ableitung, der es von Kam, Cham, welches in dem Salischen Gesetze eine Hand bedeuten soll, allemahl den Vorzug verdienen würde, wenn nur dieses Kam selbst erst erweislicher wäre. Die erste und eigentliche Art des Kämpfens bestand doch nur in dem Ringen und Balgen mit Händen, in dem manus conserere. Das Nieders. kämpen, Maß und Gewicht eichen, hat allem Ansehen nach einen andern Ursprung; vielleicht von Kimme, kimmen.


Kämpfer (W3) [Adelung]


1. Der Kämpfer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin die Kämpferinn, ein Person, welche kämpfet; in weiterer Bedeutung nur noch zuweilen in der Schreibart. In engerem Verstande, und in der edlen Schreibart, der um einen Preis mit dem andern ringet oder balget, besonders von den noch hin und wieder auf dem Lande üblichen Kampfspielen. Ehedem nur Kämpe, im Tatian Kempho, im Angels. Cempa, im mittlern Lat. Campio, welche in weiterer Bedeutung auch einen jeden Soldaten bedeuteten.


Kämpfer (W3) [Adelung]


2. Der Kämpfer, des -s, plur. ut nom. sing. in der Baukunst, ein vorspringendes Simswerk an dem Nebenpfeiler, welcher den Bogen eines Gewölbes träget; der Impost, Französ. Imposte, Lat. Incumba. Bey dem Pictorius Käpfer, ein Kragstein. Entweder von dem Lat. Incumba, mit Verheißung der ersten Sylbe, wie Pflas=ter von Emplastrum, Spital von Hospitale u. s. f. oder, wie Frisch will, von Kopf, weil das m die Lippenbuchstaben in mehrern Fällen begleitet, oder endlich unmittelbar von Kamm, Kamp, ein hervor stehendes Ding. Die Endung er bezeichnet ein Werkzeug oder auch das Ding selbst.


Kampfhahn (W3) [Adelung]


Der Kampfhahn, des -es, plur. die -hähne, siehe Braushahn.


Kampfjagen (W3) [Adelung]


Das Kampfjagen, des -s, plur. ut nom. sing. eine grausame Lustbarkeit großer Herren, wo wilde Thiere in einem eingeschlossenen Raume mit einander kämpfen müssen. Auch die Bärenhetzen sind unter diesem Nahmen bekannt.


Kampfplatz (W3) [Adelung]


Der Kampfplatz, des -es, plur. die -plätze, ein zum Kämpfen bestimmter oder dazu gebrauchter Platz. In weiterer Bedeutung auch wohl in der edlen Schreibart für Wahlplatz, Schlachtfeld.


Kampfspiel (W3) [Adelung]


Das Kampfspiel, des -es, plur. die -e, Lustbarkeiten, welche noch zuweilen auf dem Lande angestellet werden, wo zwey oder mehrere um einen Preis mit einander kämpfen.


Kampher (W3) [Adelung]


Der Kampher, S. Campher.


Kandelblüthe (W3) [Adelung]


Die Kandelblüthe, plur. die -n, in einigen besonders Oberdeutschen Gegenden, ein Nahme der Blüthen des Spanischen Hohlunders, der daselbst auch Kandelbaum genannt wird; Syringa vulgaris. Ohne Zweifel von dem Oberd. Kandel, Kennel, Canalis, eine Rinne, wegen der weiten Markröhren dieser Staude.


Kandelzucker (W3) [Adelung]


Der Kandelzucker, S. Candelzucker.


Kanefaß (W3) [Adelung]


Kanefaß, S. Cannevaß.


Kanin (W3) [Adelung]


Das Kanin, des -es, plur. die -e, im Hochdeutschen am häufigsten im Diminut. das Kaninchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein vierfüßiges fünfzehiges Thier, mit fast nackten Ohren, welches viele Ähnlichkeit mit einem Hasen hat, und sich Höhlen, und Gänge unter der Erde bauet; Cuniculus L. Im Oberd. auch Küniglein, Künlein, Küngelin, Küngele, Künelle, Külle, im Nieders. Kernienken. Die samenreiche Zucht der flüchtigen Caninen, Opitz.

Anm. im Dän. Kanin, im Engl. Cony, im Franz. Connil, Connin, im Ital. Coniglio; alle aus dem Lat. Cuniculus, bey dem Polybius und Älian - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Vermuthlich von ihrer Eigenschaft, Canäle, d. i. Höhlen und Gänge unter der Erde zu graben. Die Kürschner verkürzen den Nahmen dieses Thieres gemeiniglich in Kün. Künrücken ist bey ihnen der Rücken, und die Künwamme der Bauch eines Kaninchenfelles.


Kaninchenbeere (W3) [Adelung]


Die Kaninchenbeere, S. Kalinkenbeere.


Kaninchenberg (W3) [Adelung]


Der Kaninchenberg, des -es, plur. die -s, ein Hügel in einem Kaninchengehäge, in welchem man Kaninchen häget und wartet.


Kaninchengehäge (W3) [Adelung]


Das Kaninchengehäge, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gehäge, d. i. umschlossener Ort, worin man Kaninchen hält; ein Kaninchengarten, mit einem Französischen Ausdrucke eine Garenne, S. dieses Wort.


Kanker (W3) [Adelung]


Der Kanker, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Im gemeinen Leben; der Nahme einer Spinne; im Norw. Kongro. Wohl nicht von dem Lat. Cancer, wie Frisch vermuthet, sondern vielmehr mit demselben aus Einer Quelle, von gehen, Gang, wegen des Hin- und Hergehens dieses Thieres, indem es spinnet; zumahl da das K auch sehr gelinde, Ganker, gesprochen, und von einigen auch so geschrieben wird. ( S. Spinne,) 2) Bey den Blumenliebhabern ist der Kanker eine Krankheit der Nelken, welche sich an den Stängel setzet, schwärzlich aussiehet, und wie ein Krebs um sich frisset; wo es mit mehrerer Wahrscheinlichkeit von dem Lat. Cancer, ein Krebs, hergenommen ist.


Kanne (W3) [Adelung]


Die Kanne, plur. die -n, Diminut. das Kännchen, Oberd. das Kännlein, überhaupt, ein jedes hohles Gefäß, wo es doch nur noch in einigen Fällen üblich ist. 1. Im Hüttenbaue wird die Form an den Treibeöfen, worin der Vordertheil der Biesebalges lieget, die Kanne genannt. 2. Im gemeinen Leben ist die Kanne ein größeres oder blechernes Gefäß zu flüssigen Dingen. Eine Wasserkanne der Bornkanne, ein hölzernes, rundes, längliches Gefäß, welches oben gemeiniglich enger als unten ist, und ungefähr einen Viertel-Eimer oder 15 bis 20 Maß hält. Die Schleifkanne, ein ähnliches Gefäß mit einem Deckel und einer Handhabe, von 6, 8 und mehr Maß. Die Gießkanne oder Sprengkanne, ein ähnliches Gefäß, die Gartenfrüchte damit zu begießen. 3. Ein metallenes oder irdenes Geschirr von sehr ungleicher Gestalt und Größe, mit einer Handhabe und einem Deckel, allerley Getränke daraus zu schenken. Gemeiniglich ist es oben enger als unten oder in der Mitte. Die Kaffehkanne, Milchkanne, Theekanne. 4. Ein cylindrisches Gefäß, von Holz oder Metall, unmittelbar daraus zu trinken, mit einem Deckel, welches, wenn es von Thon oder Glas ist, ein Krug genannt wird. 1) Eigentlich, wo es gemeiniglich ein Maß hält. Aus der Kanne trinken. Zu tief in die Kanne gucken, im gemeinen Leben, zu viel trinken. Keine Kanne Bier mit jemand trinken wollen, eine der höchsten Arten der Beschimpfung im gemeinen Leben. 2) Figürlich, ein bestimmtes aber nicht überall gleiches Maß, gemeiniglich flüssiger Dinge, welches an manchen Orten mit Maß gleichbedeutend, an andern aber noch davon unterschieden ist. In Sachsen hält 1 Kanne Wein 2 Kännchen oder Nößel, oder 8 Quartiere; 63 Kannen Schenkmaß machen in Leipzig einen Eimer, 315 ein Faß, und 756 ein Fuder. Sechs Leipziger-Kannen machen sieben Dresdner, welche letztere 48 Pariser Cubik-Zoll hält und mit einer Pariser Pinte überein kommt. In Hannover, Hamburg, Lübeck u. s. f. gehen 2 Kannen oder Maß auf ein Stübchen, und eine Kanne hält daselbst 2 Quartier oder 4 Nößel. 20 Kannen machen daselbst einen Anker Wein, 32 einen Eimer. In der Pfalz gehen 48, in Elsaß 60, im Würtenbergischen 160, in Franken 128, und in Leipzig 126 Kannen eine Ohme Wein.

Anm. Im Nieders. Kanne, im Oberd. Kande, Kandel, im Angels. Canne, im Engl. Cann, im Franz. ehedem Channee, im mittlern Lat. Cana, Canada, im Böhm. und Pohln. Konew. Es gehöret mit der ersten Hälfte des Griech. und Lat. Cantharus, mit Canalis und Andern zu dem großen Geschlechte derjenigen Wörter, welche überhaupt einen hohlen Raum, ein Gefäß, bezeichnen. S. Kahn, 2. Hund, Kanone u. s. f.


Kannenbürste (W3) [Adelung]


Die Kannenbürste, plur. die -n, eine cylindrische Bürste, die Bier- und Weinkannen damit zu reinigen.


Kannengießer (W3) [Adelung]


Der Kannengießer, des -s, plur. ut nom. sing. eine besonders in Niedersachsen übliche Benennung eines Zinngießers, weil er ehedem vorzüglich zinnerne Wein- und Bierkannen goß.


Kannenglück (W3) [Adelung]


Das Kannenglück, des -es, plur. inus. im gemeinen Leben, dasjenige Glück, welches jemanden dadurch widerfähret, wenn er in einer herum gehenden Kanne gerade noch so viel Getränk findet, als zur Stillung seines Durstes nöthig ist.


Kannenkraut (W3) [Adelung]


Das Kannenkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme einer Art Farnkrautes, welches wegen seiner scharfen Blätter zum Scheuern des zinnernen Gefäßes gebraucht wird, besonders desjenigen, welches auf den Äckern und Wiesen wächset; Equisetum arvense L. im Oberd. Fegekraut, an andern Orten Katzenkraut, Gänsekraut, Katzenschwanz, Zinnkraut. Der Schachtelhalm, Schafthalm, oder Schaftheu ist eine andere Art desselben.


Kanone (W3) [Adelung]


Die Kanone, plur. die -n, Dimin. das Kanönchen, 1) Überhaupt, eine weite Röhre; aus dem Ital. Cannone, Franz. Canon, und dieß von Canna, eine Röhre. So pflegte man ehedem eine Art leinene Strümpfe in den Stiefeln, welche man oben über die Stiefelkappen heraus legte und ausbreitete, Kanonen zu nennen. Im mittlern Lat. Canon und Cannonus eine jede Röhre. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ein dickes und langes Geschütz, welches auf Rädern fortgeschaffet wird; wo dieses Wort eine allgemeine Benennung aller Arten des groben Geschützes ist, nur die Mörser und Kammerstücke ausgenommen. Eine Kanone abfeuern. Leute, die Kanonen zu bedienen. Ehe man dieses Wort im Deutschen aus den Franz. Canon und Ital. Cannone, aufnahm, nannte man dergleichen Geschütz Donnerbüchsen, Karrenbüchsen und Feuerbüchsen. S. auch Stück.


Kanonenbürste (W3) [Adelung]


Die Kanonenbürste, plur. die -n, eine Bürste von steifen zerschnitten Borsten, welche in Messingdraht eingedrehet sind, die Secle einer Kanone damit zu reinigen.


Kanonenkugel (W3) [Adelung]


Die Kanonenkugel, plur. die -n, eiserne Kugeln, welche aus Kanonen geschossen werden.


Kanonenpulver (W3) [Adelung]


Das Kanonenpulver, des -s, plur. inus. grobkörniges Schießpulver für die Kanonen.


Kanoniren (W3) [Adelung]


Kanoniren, verb. reg. act. aus dem Franz. canonner, mit Kanonen beschießen. Eine Stadt kanoniren. Ingleichen mit mehrern Kanonen schießen. Die Feinde haben die ganze Nacht kanoniret.


Kanonirer (W3) [Adelung]


Der Kanonirer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kriegsbedienter bey dem groben Geschütze, welcher die Kanonen ladet; richtet und abfeuert, und über welche auf den Schiffen der Ober-Kanonirer gesetzt ist.


Kante (W3) [Adelung]


Die Kante, plur. die -n, ein besonders im Nieders. übliches Wort. 1) Eigentlich, die Ecke, scharfe Seite eines Dinges. Vier Kanten haben, vier Ecken, vier scharfe Seiten. Ein Bret auf die Kante stellen, auf die scharfe Seite. 2) In weiterer Bedeutung, die äußerste Seite oder Fläche eines Dinges, der Rand. Die Seekante, die Seeküste. Die Kante eines Gefäßes, der obere Rand. 3) * Die Seite überhaupt, und in noch weiterm Verstande, ein jeder Ort; wo es doch nur allein im Nieders. gebraucht wird. An allen Kanten, allenthalben. 4) Figürlich, werden auch die genäheten, besonders aber die gewirkten und geklöppelten Spitzen, im Nieders. Kanten genannt, wegen des eckigen Randes derselben, daher sie auch im Hochdeutschen Spitzen und im Franz. Dentelles heißen; in welchem Verstande auch die Hochdeutschen dieses Wort von den Niederdeutschen angenommen haben.

Anm. Im Nieders. gleichfalls Kante, im Dän. und Schwed. Kant, im Ital. Canto, Cantone, im Franz. Coin. Das hohe Alter dieses Wortes erhellet auch aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, der Augenwinkel.


Kanten (W3) [Adelung]


Kanten, verb. reg. act. im gemeinen Leben, 1) einen eckigen Körper über die Kante oder Ecke wälzen, ingleichen ihn auf die Kante stellen. Einen Stein kanten oder umkanten. Ein Faß kanten, es an einer Seite oder Kante aufheben. 2) Herum drehen, besonders so fern selbiges vermittelst eines Hakens geschiehet, in welchem Verstande auch das Dimin. kanteln üblich ist. Einen Wallfisch kanteln, ihn, wenn er gefangen worden und an dem Schiffe lieget, umdrehen.


Kantig (W3) [Adelung]


Kantig, -er, -ste, adj. et adv. Kanten, d. i. Ecken oder flache Seiten habend; am häufigsten im Nieders. wo dreykantig, vierkantig u. s. f. für dreyeckig, viereckig üblich sind. S. auch Baumkantig und Vollkantig.


Kanzel (W3) [Adelung]


Die Kanzel, plur. die -n, eigentlich, ein jeder mit Schranken eingeschlossener, oder abgesonderter Ort; in welchem Verstande es aber nicht üblich ist, indem man es nur von dem erhöheten hohlen Sitze in der Kirche gebraucht, von welchem die Predigten an das Volk gehalten werden; ein Predigerstuhl. Die Kanzel betreten; besteigen, auf die Kanzel treten oder steigen. Die Kanzel noch nicht betreten oder bestiegen haben, noch nicht geprediget haben.

Anm. Aus dem mittlern Lat. Cancellus, daher es eigentlich der Kanzel heißen sollte. Das mittlere Lat. bedeutete einen jeden mit Schranken abgesonderten Ort, besonders aber das auf solche Art eingeschlossene Chor der Kirche, Engl. Chancel, in welchem vermuthlich anfänglich auch die Kanzel angebracht war, so wie sie sich auf dem Lande noch jetzt gemeiniglich über dem Altare befindet. Im Oberdeutschen wird auch ein jeder Lehrstuhl eine Kanzel genannt, wofür im Hochdeutschen das Griech. Katheder üblich ist. S. Kanzelley.


Kanzelandacht (W3) [Adelung]


Die Kanzelandacht, plur. die -en, eine Kanzelrede, so fern sie eine andächtige Betrachtung ist.


Kanzelley (W3) [Adelung]


Die Kanzelley, plur. die -en, 1. Eigentlich, gleichfalls ein mit Schranken abgesonderter Ort; in welchem Verstande es aber nicht gebräuchlich ist. 2. In engerer Bedeutung. 1) Der mit Schranken eingeschlossene Ort, in welchem sich die Mitglieder eines Gerichtes oder Collegii versammeln, um von den Parteyen und Zuschauern abgesondert zu seyn, und dieses Collegium und Gericht selbst. In welchem Verstande doch nur noch geringere und kleinere Dikasteria diesen Nahmen führen, besonders die zur Verwaltung der Landesgeschäfte der Grafen und geringern Reichsstände angestellten Collegia, da Fürsten dergleichen Dikasteria Regierungen zu nennen pflegen, und diese den Reichsgrafen nicht zugestehen wollen. Die vorsitzende Person einer solchen Kanzelley wird alsdann auch nicht Kanzler, sondern Kanzelley-Director und Kanzelley-Verwalter genannt. 2) Der Ort, wo die Schriftliche Ausfertigung allgemeiner Angelegenheiten Einer Art geschiehet, und wo die dahin gehörigen Urkunden und Schriften aufbewahret werden; ingleichen die dazu bestellten Personen, deren Haupt der Kanzler ist. In diesem Verstande haben fast alle wichtige Collegia, deren Geschäfte von beträchtlichem Umfange sind, besonders die obern Dikasteria, ihre eigene Kanzelleyen, wo die schriftlichen Ausfertigungen geschehen, und die dahin gehörigen Briefschaften verwahret werden. Daher die Reichskanzelley, die Kriegskanzelley, die Hofkanzelley, die Lehenskanzelley, die Jagdkanzelley u. s. f. Im gemeinen Leben wird es gemeiniglich in Kanzley zusammen gezogen. Aus dem mittlern Lat. Cancellaria, und dieß gleichfalls von Cancellus.


Kanzelleybothe (W3) [Adelung]


Der Kanzelleybothe, des -n, plur. die -n, ein verpflichteter Bothe in einer Kanzelley, welcher die in derselben ausgefertigten Schriften den Parteyen überbringet.


Kanzelleybuchstab (W3) [Adelung]


Der Kanzelleybuchstab, des -ens, plur. die -en, eine Art größerer geschriebener Deutscher Buchstaben, welche das Mittel zwischen den Current- und Fractur-Buchstaben halten; weil sie ehedem vorzüglich in den Kanzelleyen gebrauchen wurden. Die Art mit solchen Buchstaben zu schreiben heißt die Kanzelleyschrift.


Kanzelleydiener (W3) [Adelung]


Der Kanzelleydiener, des -s, plur. ut nom. sing. ein geringer Bedienter bey einer Kanzelley, welcher die Thüren auf und zuschließet u. s. f.


Kanzelley-Director (W3) [Adelung]


Der Kanzelley-Director, des -s, plur. die -toren, siehe Kanzelley 2.


Kanzelleygebühr (W3) [Adelung]


Die Kanzelleygebühr, plur. die -en, dasjenige, was man in der Kanzelley für die schriftliche Ausfertigung einer Sache bezahlet.


Kanzelleygut (W3) [Adelung]


Das Kanzelleygut, des -es, plur. die -güter, ein kanzelleysässiges Gut, welches unmittelbar unter einem Obergerichte stehet, und aus dessen Kanzelley Geboth und Verboth empfängt, S. Schriftsässig.


Kanzelleylehen (W3) [Adelung]


Das Kanzelleylehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein schriftsässiges Lehen, welches vor der Lehenskanzelley beliehen wird; zum Unterschiede von Amtslehen, Afterlehen u. s. f.


Kanzelleysaß (W3) [Adelung]


Der Kanzelleysaß, des -ssen, plur. die -ssen, S. Kanzelleygut und Schriftsaß.


Kanzelleysässig (W3) [Adelung]


Kanzelleysässig, adj. et adv. S. Schriftsässig.


Kanzelleyschreiben (W3) [Adelung]


Das Kanzelleyschreiben, des -s, plur. ut nom. sing. ein aus einer Kanzelley erlassenes, ausgefertigtes Schreiben. In engerer Bedeutung, ein aus der geheimen Kanzelley eines großen Herren erlassenes Schreiben; zum Unterschiede von einem eigenhändigen Schreiben und Handschreiben. In einem Kanzelleyschreiben nennet sich ein großer Herr allemahl im Plural wir in einem Handschreiben aber nur im Singular ich.


Kanzelleyschreiber (W3) [Adelung]


Der Kanzelleyschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schreiber in einer Kanzelley, der unter dem Nahmen eines Kanzellisten am bekanntesten ist.


Kanzelleyschrift (W3) [Adelung]


Die Kanzelleyschrift, plur. die -en. 1) S. Kanzelleybuchstab, wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist. 2) Auf Kanzelleyschrift sitzen, das Vorrecht haben, auf seinem Gute nur aus der Kanzelley eines obern Gerichtes Verboth und Geboth annehmen zu dürfen, ohne Plural; im Gegensatze des Sitzens auf Amtsschrift. S. Schriftsässig.


Kanzelleysiegel (W3) [Adelung]


Das Kanzelleysiegel, des -s, plur. ut nom. sing. das Siegel eines großen Herren, so wie es in dessen Kanzelleyen üblich ist; zum Unterschiede von dessen Handsiegel.


Kanzelley-Styl (W3) [Adelung]


Der Kanzelley-Styl, des -es, plur. die -e, die weitschweifige aus der Oberdeutschen Mundart entlehnte Schreibart der meisten; auch Hoch- und Niederdeutschen Kanzelleyen.


Kanzelleyverwalter (W3) [Adelung]


Der Kanzelleyverwalter, des -s, plur. ut nom. sing. siehe Kanzelley 2.


Kanzellied (W3) [Adelung]


Das Kanzellied, des -es, plur. die -er, dasjenige Lied in den evangelischen Kirchen, unter dessen Singung der Prediger auf die Kanzel gehet.


Kanzellist (W3) [Adelung]


Der Kanzellist, des -en, plur. die -en, ein nach dem Muster der Lat. Wörter auf ista gebildetes Wort, einen Kanzelleyschreiber oder solchen Kanzelleybedienten zu bezeichnen, welcher die entworfenen Ausfertigungen in das Reine schreibet; zum Unterschiede von dem Concipisten und Copisten. In weiterer Bedeutung haben auch andere Collegia, wenn sie gleich keine eigentlich so genannte Kanzelleyen haben, ihre Kanzellisten, die beschlossenen Ausfertigungen in das Reine zu schreiben.


Kanzelrede (W3) [Adelung]


Die Kanzelrede, plur. die -n, eine von der Kanzel gehaltene Rede; eine Predigt.


Kanzler (W3) [Adelung]


Der Kanzler, des -s, plur. ut nom. sing. dessen Gattinn die Kanzlerinn. 1) Der oberste Vorgesetzte einer Kanzelley, in der zweyten Bedeutung dieses Wortes, da denn dieses Wort eine der vornehmsten Würden in einem Staate bezeichnet. S. Erzkanzler, Großkanzler, Reichskanzler, Kronkanzler, Hofkanzler u. s. f. Aus dem mittlern Lat. Cancellarius, Ital. Cancelliere, Franz. Chancelier, Engl. Chancellour, 2) Ehedem bedeutete dieses Wort in geringerm Verstande einen Kanzellisten, Kanzelleyschreiber, in welchem Verstande Cancellarius in mittlern Lateine häufig vorkommt; ja 3) auch einen geringen Kanzelleybedienten, welcher die Kanzelleyzimmer auf und zuschließet, für ihre Reinlichkeit sorget u. s. f. Daher in Schweidnitz noch der Thürschließer der Rathsstube Kanzler genannt wird.


Kapaun (W3) [Adelung]


Der Kapaun, des -es, plur. die -e, ein geschnittener Hahn, und in weiterer Bedeutung auch ein geschnittenes Huhn; im gemeinen Leben in dem ersten Falle Kapphahn, gleichsam ein gekappter Hahn, im Oberdeutschen auch nur ein Kapp. Auch verschnittene Menschen, Castraten, pflegt man im gemeinen Leben und mit Verachtung Kapaune zu nennen.

Anm. Im Nieders. Keerl nicht von Kerl, sondern von dem alten karen, schneiden, ( S. Kerbe,) im Dän. Kappun, im Angels. Capun, im Engl. Capon, im Franz. Chapon, im Böhm. Kapaun, im Russ. Kaplun, im Wallach. Kaponu, und Alban. Kapon; alle aus dem Ital. Capone und dem Lat. Capo, weil diese Art die Menschen und Thiere zu verstümmeln unstreitig aus dem üppigen Italien in den andern Europäischen Ländern bekannt geworden, obgleich das Lat. Capo selbst wieder zu dem Geschlechte des Wortes kappen, verschneiden, gehöret. (Siehe dasselbe,) Der Plural lautet im gemeinen Leben häufig, obgleich irrig Kapauner.


Kapaunen (W3) [Adelung]


Kapaunen, verb. reg. act. zum Kapaune machen, der Zeugungstheile berauben, eigentlich zunächst von Hähnen; im Scherze auch von Menschen für castriren.


Kapaunenstein (W3) [Adelung]


Der Kapaunenstein, des -es, plur. die -e, ein durchsichtiger Stein in der Größe einer Bohne, welcher in den Mägen alter Kapaune erzeuget werden soll.


Kapelle (W3) [Adelung]


Die Kapelle, plur. die -n, S. Capelle.


Kaper (W3) [Adelung]


1. Der Kaper, ein privilegirter Seeräuber, S. Caper.


Kaper (W3) [Adelung]


2. Die Kaper, plur. die -n, die noch geschlossenen Blüthknospen der Kapernstaude, besonders so fern sie zum Gebrauche der Küchen in Essig gebeitzet worden. Aus dem Ital. Cappari, Franz. Capres, und diese aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . In weiterer Bedeutung pflegt man auch die Blüthknospen von andern Gewächsen, wenn man sie so wie diese behandelt, Kapern zu nennen. Dahin gehören die Ginstkapern, Bramkapern oder Deutschen Kapern, die eingemachten Blüthknospen der Geniste.


Kapernrinde (W3) [Adelung]


Die Kapernrinde, plur. die -n, die bittere herbe Rinde von der Wurzel der Kapernstaude.


Kapernstaude (W3) [Adelung]


Die Kapernstaude, plur. die -n, ein Staudengewächs, welches in den Morgenländern und dem mittägigen Europa wächset, Capparis spinosa L.


Kaphahn (W3) [Adelung]


Kaphahn, S. Kapphahn.


Kapitel (W3) [Adelung]


Kapitel, u. s. f. S. Capitel.


Kappe (W3) [Adelung]


Die Kappe, plur. die -n, Diminut. das Käppchen, Oberd. das Käpplein, ein altes Wort, welches in seiner weitesten Bedeutung, die Bedeckung, die äußerste Bekleidung einer Sache bezeichnet. 1. Überhaupt, wo es schon im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und noch jetzt im Lappländ Kappod lautet. In den Monseeischen Glossen wird Chappa durch Operimentum erkläret. Im Deutschen ist es in dieser Bedeutung nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich. In den Niedersächsischen Marschländern heißt die Oberfläche eines Deiches zwischen den Abdachungen, welche sonst auch der Kamm genannt wird, die Kappe. In dem Bergbaue sind die Kappen theils die horizontalen Querhölzer oben über einem Stollen, damit die Erde nicht herunter falle, theils diejenigen Hölzer, welche in einem Schachte den Jöchern entgegen gesetzet werden, damit sie nicht zusammen fallen. Eben daselbst werden die eisernen Schienen über die Reifen an den Tonnen und Kübeln, welche zu ihrer Befestigung dienen, Kappen genannt. 2. In engerer Bedeutung. 1) Eine rundliche Bedeckung oder Bekleidung des äußersten Endes eines Dinges, in welcher Bedeutung es noch in vielen einzelnen Fällen üblich ist. Das Gewölbe eines Backofens heißt dessen Kappe. An den Kanonen ist es das kleine hölzerne Dach über dem Zündloche; im Bergbaue ein eisernes Band über dem Bläuel ( S. Kappeneisen;) an dem Griffe eines Officier-Pallasches bey der Reiterey ein hohles Stück von Messing, welches den Griff endiget und gemeiniglich die Gestalt eines Adlerkopfes hat; an den Dreschflegeln zwey in einander geschlungene Stücke Leder, deren eines das Ende des Flegels, das andere aber das Ende der Handruthe umgibt, beyde mit einander zu verbinden, im mittlern Lat. Capa, ( S. Flegelkappe;) in der Landwirthschaft ein Eisen am Ende der Deichsel; im gemeinen Leben, rundliche Besetze an den enden der Strümpfe; an dem Getreide der Schoßbalg, oder die Scheide; und so in andern Fällen mehr. 2) Ein Kleidungsstück, wo es, (a) ehedem eine Art einer weiten Oberkleidung in Gestalt eines Mantels war, tunica talaris, welche im mittlern Lat. so wohl Capitium als Capa genannt wurde, und im Oberdeutschen noch nicht ganz veraltet ist. Die Mönchskappe, die Mönchskutte. Daher die R. A. gleich Brüder (d. i. Mönche) gleiche Kappen; Kappen machen keine Mönche; die Kappe ausziehen, den Mönchsstand verlassen; einem jeden Narren gefällt seine Kappe u. s. f. wo aber auch die folgende Bekleidung der Kopfes verstanden werden kann. Die Reiterkappe, war ehedem ein Reitrock, und Oberdeutschen wird ein Regenmantel noch jetzt eine Regenkappe genannt. ( S. auch Harzkappe,) Im Dänischen ist Kaabe gleichfalls ein Mantel. (b) In engerer Bedeutung, eine Bekleidung des Hauptes. (aa) Ehedem wurde es in allen Europäischen Sprachen häufig für einen Hut gebraucht, wie das Angels. Caeppe, das Engl. Cap, und noch jetzt das Franz. Chapeau und Wallachische Kappella. (bb) Im Oberdeutschen bedeutet es noch eine Mütze des männlichen Geschlechtes, so wie das Nieders. Kipse von einer Mütze des weiblichen gebrauchen wird. (cc) Eine mit einem Zipfel versehene und an dem Kleide befestigte Bedeckung des Hauptes, dergleichen noch verschiedene Arten der Mönche, so wie die Frauenzimmer an ihren Saloppen tragen, wo man sie aber mit Französischen Ausdrücken lieber Capouschen und Capüschons zu nennen pflegt. (dd) Eine Bekleidung des Hauptes, welche vorn über das Gesicht herunter hänget, und dasselbe zugleich mit bedeckt, dergleichen das weibliche Geschlecht noch in vielen Fällen zu tragen pfleget. Daher die Florkappe, Trauerkappe, Bergkappe, Narrenkappe u. s. f.

Anm. In den meisten der obigen Bedeutungen im Schwed. Kappa, im Engl. Cap. im Ital. Cappa, im Böhm. Kape, im Lat. Cappa, und im griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es vereinigen sich drey aber im Grunde genau mit einander verwandte Begriffe in diesem Worte, nämlich der Begriff des Obersten oder Äußersten, der Bedeckung, und der hohlen Gestalt, von welchen in den verschiedenen Bedeutungen bald der eine bald der andere der herrschende ist. S. Caftan, Capelle, Haube, Kapsel, Kopf, Roben, Kane, und hundert andere mehr, welche insgesammt mit zu dessen Familie gehören.


Kappen (W3) [Adelung]


1. Kappen, verb. reg. act. von dem vorigen Hauptworte, mit einer Kappe versehen. Die Strümpfe kappen, mit Kappen besetzen. So fern eine Bekleidung des Hauptes verstanden wird, ist es besonders in den Zusammensetzungen Verkappen und Abkappen üblich.


Kappen (W3) [Adelung]


2. Kappen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches im gemeinen Leben von dem Hahne üblich ist, wenn er die Henne tritt oder befruchtet.


Kappen (W3) [Adelung]


3. Kappen, verb. reg. act. ein altes Wort, welches schneiden oder hauen, bedeutet, und noch in vielen Fällen des gemeinen Lebens üblich ist. 1) Abschneiden, abhauen; besonders im Niedersächsischen. Das Ankertau kappen, in der Schifffahrt, es abhauen, wenn man nicht Zeit hat, den Anker aufzuwinden. Den Mast kappen, ihn abhauen. Besonders das Oberste, den Gipfel eines Dinges abhauen. Die Bäume kappen, die Wipfel abhauen, im Nieders. auch pollen, von Poll, der Gipfel, wofür auch köpfen, koppen, kuppen, und im Diminut. köpfeln, kipfeln, küpfeln üblich sind. 2) Verschiedenen, castriren, wo es besonders im gemeinen Leben von dem Verschneiden der Hähne und Hühner gangbar ist; kapaunen. Ein gekappter Hahn, ein Kapaun. S. Kapphahn.

Anm. Im Nieders. gleichfalls kappen, im Schwed. kappa, im Engl. to chipp, chopp, im Franz. couper, im mittlern Lat. coppare, copulare, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Vielleicht zunächst von Kopp, Kopf, das Ende eines Dinges. So fern es hauen überhaupt bezeichnet, bedeutete davon im mittlern Lat. Chapuisius einen Zimmermann.


Kappeneisen (W3) [Adelung]


Das Kappeneisen, des -s, plur. ut nom. sing. eine eiserne Kappe, oder Bekleidung des Äußersten eines Dinges, dergleichen im Bergbaue die eisernen Bänder über die Bläuel und an den Zugstangen sind.


Kappes (W3) [Adelung]


Der Kappes, S. Kopfkohl.


Kappfenster (W3) [Adelung]


Das Kappfenster, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fenster, welches aus einem abhangenden Dache heraus ist; das Dachfenster, in Franken die Gaupe. Entweder von kapfen, welches auch in einigen Gegenden für gaffen üblich ist, ein Guckfenster, oder so fern Kappe überhaupt das Dach eines Dinges bedeutet, oder endlich auch, so fern solche Fenster mit einer Kappe überdeckt sind; S. Kappziegel.


Kapphahn (W3) [Adelung]


Der Kapphahn, des -es, plur. die -hähne, ein gekappter, d. i. geschnittener Hahn; ein im gemeinen Leben für Kapaun übliches Wort, S. dasselbe, ingleichen 3 Kappen.


Kapphahngut (W3) [Adelung]


Das Kapphahngut, des -es, plur. die -güter, eine Art Lehengüter, in einigen Gegenden, welche gemeiniglich Mannslehen sind, und von welchen der Vasall dem Lehensherren jährlich einen oder mehrere Kapphähne entrichten muß.


Kappis (W3) [Adelung]


Der Kappis, S. Kopfkohl.


Kapplaken (W3) [Adelung]


Das Kapplaken, des -s, plur. ut nom. sing. in den Niedersächsischen Seestädten, eine Ergetzlichkeit, welche der Schiffer noch über die bedungene Fracht von jeder Tonne erhält; von dem Nieders. Laken, Tuch, gleichsam, Tuch zu einer Kappe, franz. Drap de Chausse, Tuch zu Beinkleidern.


Kappstürzung (W3) [Adelung]


Die Kappstürzung, plur. die -en, in den Niedersächsischen Marschländern, der Einbruch der Kappe eines Deiches; die Kammstürzung.


Kappzaum (W3) [Adelung]


Der Kappzaum, des -es, plur. die -zäume, ein Zaum mit einem Nasenbande, anstatt des Gebisses, um des Maules junger Pferde zu schonen. Wer siehet nicht, daß dieses Wort eigentlich einen Zaum mit einer Kappe bedeutet, ( S. Kappe,) und daß die Italiener ihr Cavezzone und Cavezzane, die Franzosen ihr Cavecon, und die Engländer ihr Cavesson daher entlehnet haben. Frisch und andere kehren es um, und lassen das Deutsche von dem Ital. herstammen, wo Cavezza eine Halfter bedeutet; vielleicht gleichfalls aus dieser Quelle, oder auch von haben, halten. Im mittlern Lat. ist Capsana so wohl ein Kappzaum, als auch die Kappe oder Kapusche an einem Kleide.


Kappziegel (W3) [Adelung]


Der Kappziegel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art großer Hohlziegel in Gestalt einer Mulde, welche man in Sachen auf den Ziegeldächern über die kleinern Kappfenster leget.


Kapsel (W3) [Adelung]


Die Kapsel, plur. die -n, Diminut. das Kapselchen, aus dem mittlern Lat. Capsula und Capsella, dem Diminut. von Capsa, eine Bekleidung eines Dinges von harter Materie; gemeiniglich nur in einigen bestimmtes Fällen, da in andern Futter, Futteral, Schachtel u. s. f. üblich sind. Eine gedrehete Kapsel zu den Siegeln von Wachs. In der neuern Kräuterkunde ist Kapsel, Capsula L. ein hohles Samen- gehäuse, welches sich bey der Reife auf eine bestimmte Art spaltet, zum Unterschiede von einer Schale, Hülse, Nuß, Fruchtbalge u. s. f. Im Böhm. und Pohln, ist Kabsa eine Tasche S. Koppe, Anm.


Kar (W3) [Adelung]


Kar, ein Gefäß, S. Kahr und Karren.


Karabiner (W3) [Adelung]


Karabiner, S. in C.


Karacke (W3) [Adelung]


Die Karacke, plur. die -n, eine größten Theils veraltete Art großer Schiffe, welche so wohl zum Kriege, als auch zum Handel gebraucht wurden. Sie waren etwas rundlich, unten breit und oben enge, hatten sieben bis 8 Böden und konnten bis 2000 Menschen fassen. Holländ. Karaak, Kraak, Engl. Carack, Franz. Caraque. Einer kleinen aber weitbauchigen Art dieser Schiffe bedienet man sich noch in einigen Gegenden zu Lastschiffen.


Karaffine (W3) [Adelung]


Karaffine, S. Caraffine.


Karat (W3) [Adelung]


Das Karat, des -es, plur. die -e, ein kleines Gewicht, nach welchem das Gold und die Edelsteine gewogen werden. 1) In Ansehung des Goldes ist ein Karat 12 Gran oder Grän, so daß 24 Karat eine Mark machen. Ehedem auch Garat, Grait, 2) In Ansehung der Edelsteine ist es ein Gewicht von 4 Gran.

Anm. im Arab. Alkerat, im Ital. Carato, im Franz. Carat, im mittlern Lat. Chirat, Caractis, Caracta, Ceratio. Die Abstammung ist noch ungewiß. Einige leiten es von Gradus, Grad, her, andere von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine Art der Hülsenfrucht, welche zugleich als ein Gewicht gebraucht wurde, und vier Gran oder Gerstenkörner wog.


Karausche (W3) [Adelung]


Die Karausche, plur. die -n, ein Fisch in süßen Wassern, welcher nach dem Linne zu den Karpfen gehöret; Carassus L. Er wird auf das höchste einer guten Spanne lang, und einer guten Hand dick und breit. Im Oberd. auch Garusse, Gareiß, Gareißel, im Niedersächs. Krunske, im Dän. Karuse, im Pohln und Böhm. Kares. Frisch vermuthet daß er, so wie der Karpfe, seinen Nahmen von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Rabe, habe, ob gleich die Karausche weißlicher ist, als der Karpfen.


Karauschenkarpfen (W3) [Adelung]


Der Karauschenkarpfen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Bastardsische, welche von Karauschen und Karpfen erzeuget werden, und gelblicher sind, als die echten Karauschen.


Karavane (W3) [Adelung]


Die Karavane, plur. die -n, eine nur in den Morgenländern übliches Wort, aus dem Arab. Kairavan, und Türk. Kervan, einen Haufen Reisender zu bezeichnen, welche um ihrer Sicherheit willen in Gesellschaft reisen.


Karavelle (W3) [Adelung]


Die Karavelle, S. Caravelle.


Karbatsche (W3) [Adelung]


Die Karbatsche, plur. die -n, eine von ledernen Riemen geflochtene Peitsche, deren Stiel gleichfalls mit Leder überzogen ist. Im Nieders. Karbatsche, im Dän. Krabask, im Schwed. Karbas, ohne Zweifel, wie schon Wachter will, von dem alten Kar, Kor, Leder, ( S. Küraß,) und dem noch im Nieders. üblichen Batsche, ein Werkzeug zum Schlagen, batschen, schlagen, Schwed. basa, ( S. Patschen und Peitsche,) Im Pers. ist Kyrbac eine lederne Geißel, ein Ochsenziemer.


Karbatschen (W3) [Adelung]


Karbatschen, verb. reg. act. mit der Karbatsche schlagen.


Karbe (W3) [Adelung]


Die Karbe, Karve, oder Garve, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Feld- oder Wiesenkümmels, Carum L. aus welchem Nahmen derselbe auch verderbt ist. Der Lat. Nahme stammet von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ab, welchen er daher haben soll, weil er in der Landschaft Karien in großer Menge wuchs.


Karbunkel (W3) [Adelung]


Der Karbunkel, S. Carbunkel.


Kardätsche (W3) [Adelung]


Die Kardätsche, plur. die -n, eine Art einer Striegel, oder einer Bürste, in einigen gedoppelten Falle. 1) In der Hauswirth- schaft, eine lange viereckige Bürste von Sauborsten, die Pferde damit zu reinigen; im Böhm. Kartoc. 2) Bey den Wollarbeitern, ein auf einem Brete befestigtes und mit vielen drähternen Häkchen versehenen Leder, die Wolle dadurch zu ziehen, zu reinigen und zum Spinnen geschickt zu machen, ein Wollkamm; wohin denn so wohl die Reiß- oder Brechkämme, die Kragen, Kragkämme oder Krämpel, als auch die Scrubeln oder Streichen, und endlich auch die Kniestreichen gehören. In engerer Bedeutung führet eine Art, welche noch klärer als die Krämpel, aber etwas gröber als die Kniestreiche ist, den Nahmen der Kardätsche.

Anm. In der letzten Bedeutung ist es unstreitig aus dem Ital. Cardasso, Cardassone, Scardasso, oder Franz. Cardesse entlehnet, und durch die Holländischen Tuchmacher nach Deutschland gekommen. Das Ital. stammet von Cardo, Distel, Carduus, ab, weil man sich ehedem der Distelköpfe dazu bedienete, wie an einigen Orten noch geschiehet, ( S. Kardendistel.) Im Engl. lautet dieses Wort Card, im Holländ. Kaerde, und in einigen Deutschen Gegenden auch nur Karde, vom Ital. Carte, Franz. Carde, im mittlern Lat. Garda, im Schwed. Karda, in Liesland Karst. Man muß dieses Wort mit dem in der Geschützkunst üblichen Kartätsche nicht verwechseln, ob es gleich von vielen hart gesprochen und geschrieben wird.


Kardätschen (W3) [Adelung]


Kardätschen, verb. reg. act. mit der Kardätsche reinigen. 1) Ein Pferd kardätschen, es mit der Kardätsche vom Staube reinigen. 2) Wolle kardätschen, sie durch den Wollkamm ziehen. Kardätsche Wolle. Im Ital. cardessare, cardeggiare, garzare, von Garzo, Kardendistel; im Nieders. kraschen, kratzen, in Liesland tocken, im Oberd. nur karden, so wie im Engl. to card, im Franz. carder, im Schwed. karda, und im mittl. Lat. cardare; alle sie wie Carduus selbst vom Lat. carere, welches wieder von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, scheren, abzustammen scheinet.


Kardätschenmacher (W3) [Adelung]


Der Kardätschenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher die Kardätschen für die Tuch- und Zeugmacher verfertiget, und auch Kammsetzer genannt wird.


Karde (W3) [Adelung]


Die Karde, plur. die -n, 1) Eine Art Disteln, ( S. Kardendistel.) 2) Ein Wollkamm, S. Kardätsche 2.


Kardele (W3) [Adelung]


Die Kardele, plur. die -n, in den Niedersächsischen Seestädten, ein Faß, welches 12 Stechkannen hält, und worin der Fischspeck und Fischthran verführet wird; eigentlich ein Viertel, für Quardele.


Karden (W3) [Adelung]


Karden, verb. reg. act. mit der Karde oder dem Wollkamme bearbeiten, S. Kardätschen Anm.


Kardendistel (W3) [Adelung]


Die Kardendistel, plur. die -n, eine Art Disteln, deren Köpfe die Tuchmacher an einigen Orten zum Karden oder Kämmen der Wolle gebrauchen, daher sie auch in Deutschland gebauet wird, ungeachtet sie eigentlich in den mittätigen Ländern einheimisch ist; Dipsacus fullonum L. Weberkarde, Weberdistel, Bubendistel, Bubenstängel, Bubensträl, bey den ältern Schriftstellern Carduus, woher auch der Deutsche Nahme rühret, der von vielen wider die Abstammung Karte und Kartendistel geschrieben und gesprochen wird. Die kleine Karde, Dipsacus pilosus L. wächset in Thüringen wild.


Karechel (W3) [Adelung]


Die Karechel, plur. die -n, eine Art Krähen, S. Haferricke.


Karg (W3) [Adelung]


Karg, -er, -este, adj. et adv. den nothwendigen Gebrauch seines Eigenthumes aus Anhänglichkeit zu demselben unterlassend, und in dieser Gesinnung gegründet. Ein karger Mann. Karg seyn. Karg mit etwas seyn. Ein betrübter Esel heulte, Weil des Schicksals karge Hand Ihm nicht Hörner zugewandt, Haged.

Anm. Im Dän. karrig, im Schwed. karrig, woraus durch eine Zusammenziehung unser karg geworden. Es stammet zunächst aus dem Oberdeutschen her, denn die heutigen Niedersachsen haben es nicht. Hingegen findet sich bey den Angelsachsen das Hauptwort Car, Care, und bey dem Ulphilas Kara, Sorge, Sorgfalt, Engl. Care, Lat. Cura, wovon vermittelst der Ableitungssylbe ig, unser karg nach dem Frisch abstammen soll. Wahr ist es, daß karg, bey dem Hornegk charch; in den Monseeischen Glossen ohne Hauch arg, und bey dem Hornegk erch, von diesem Stammworte sorgfältig, klug, verschlagen bedeutet; in welchem Verstandes es auch noch bey den Schwäbischen Dichtern vorkommt. Swaskarger liste jemant chan, Stryker. Wy sich der held charch in dem house verparch, in Eckards Scriptor. bey dem Frisch. Allein unser karg scheinet vielmehr von dem noch im Schwed. üblichen kara, zusammen raffen, woraus vermittelst des Zischlautes scharren geworden, oder wie Wachter will, von gierig, abzustammen; ungeachtet es jetzt nicht so wohl auf die Erwerbung, als vielmehr auf die Ersparung gehet. Im alt Franz. war eschars gleichfalls karg. In der Comparation wird das a im gemeinen Leben häufig in ä verwandelt; in der edlern Schreibart ist das a üblicher.


Kargen (W3) [Adelung]


Kargen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, karg seyn, der Kargheit nachhängen. Ein andrer karget, da er nicht soll, und wird doch ärmer, Sprichw. 11, 24. Mancher karget und sparet, und wird dadurch reich, Sir. 11, 17. Die Kunst macht die Natur Verschwendrisch, wo sie kargt, Haged. Ingleichen active, durch kargen erwerben. Viel Vermögen zusammen kargen.


Karger (W3) [Adelung]


Der Karger, des -s, plur. ut nom. sing. von dem vorigen Zeitworte, der da karget.


Kargheit (W3) [Adelung]


Die Kargheit, plur. inus. die Fertigkeit, den nothwendigen Gebrauch seines Eigenthumes aus Liebe zu demselben zu unterlassen; ein hoher und lasterhafter Grad der Sparsamkeit. Die Kargheit gehet auf die Ersparung, so wie die Gewinnsucht, die Habsucht u. s. f. auf den Gewinn und Besitz, der Geiz aber auf beyde. Ehedem mit einer andern Ableitungssylbe die Karge, Charge, und mit Weglassung des Hauches in den Monseeischen Glossen Argi, da es denn eigentlich Sorgfalt, Klugheit, List bedeutete. S. Karg.


Kärglich (W3) [Adelung]


Kärglich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Auf eine karge Art; doch nur als ein Nebenwort. Kärglich mit etwas umgehen. Wer kärglich säet, wird auch kärglich ernten, 2 Cor. 9, 6. Ingleichen in weiterer Bedeutung für sparsam, genau, kümmerlich. Er muß sich sehr kärglich behelfen. Kärglich leben. 2) Als ein Beywort für karg, oder doch ein wenig. Eine kärgliche Mahlzeit. Nichts ist kärglicher, als die Erkenntlichkeit, haged.


Karmesin (W3) [Adelung]


Karmesin, S. Carmesin.


Kärner (W3) [Adelung]


Der Kärner, S. Kärner.


Karnieß (W3) [Adelung]


Das Karnieß, des -es, plur. die -e, Diminut. das Karnießchen, Oberd. Karnießlein, bey den Werkleuten, der dritte Obertheil des Hauptgesimses, welcher halb einwärts und halb auswärts gebogen ist, so daß er die Gestalt eines Latein. S. hat. Aus dem Ital. Cornice und Franz. Corniche, und diese aus dem Lat. Coronis, daher billig Kornieß lauten sollte.


Karnieß-Bley (W3) [Adelung]


Das Karnieß-Bley, des -es, plur. inus. bey den Glasern Fensterbley, welches in Gestalt eines Karnießes gezogen ist.


Karnieß-Hobel (W3) [Adelung]


Der Karnieß-Hobel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Tischlern, ein Hobel mit einer Schneide von zwey gegen einander gewandten Bogen, Karnieße damit zu hobeln.


Karnieß-Stahl (W3) [Adelung]


Der Karnieß-Stahl, des -es, plur. die -stähle, bey den Horn- und Beindrechslern, ein Stahl oder stählernes Dreheisen, Karnieße zu drehen.


Karniffeln (W3) [Adelung]


+ Karniffeln, verb. reg. act. welches nur in den niedrigen Sprecharten, besonders Niederdeutschlandes üblich ist, mit der Faust durchprügeln oder derb stoß u. Nieders. karnüffeln, knüffeln, Engl. to knubble, Dän. karrifte, Schwed. karnifla. Frisch leitet es auf eine sonderbare Art von dem Franz. ecornifler, schmarotzen, ab und erkläret es, jemanden als einem Schmarotzer begegnen. Nach dem Wachter bedeutete Karnöffel und Karniffel ehedem einen Hodenbruch, wo vermutlich das Latein. Hernia mit der Zusammensetzung ist. Im gemeinen Leben, besonders auf dem Lande, hat man noch ein gewisses Kartenspiel, welches das Karniffelspiel genannt, und mit 48 besonders dazu verfertigten Karniffelkarten gespielet wird, da denn mit solchen Karten spielen gleichfalls karniffeln genannt wird. So fern dieses Wort mit Fäusten schlagen und stoßen bedeutet, leitet Ihre es von dem Wallisischen gleichbedeutenden cernod her, welches in Ansehung der ersten Hälfte des Wortes sehr wahrscheinlich ist, aber doch die letzte immer noch dunkel lässet.


Karpfen (W3) [Adelung]


Der Karpfen, des -s, plur. ut nom. sing. ein eßbarer Fisch, welcher sich nur in süßen Wassern aufhält, einen schwärzlichen Rücken, dunkelgelbe Seiten und einen weißgelben Bauch hat; Cyprinus Carpio L. Einen Karpfen reißen, ihn aufschneiden, und das Gedärm heraus nehmen, ehe er gesotten wird. Ihn blau steden. Die ersten Karpfen brachte Leonhard Mascal unter Heinrich dem Achten nach England, und auch nach Deutschland scheinen sie aus wärmern Gegenden gekommen zu seyn. Anm. Im Nieders. Karpe, im Engl. Carp, im Französ. Carpe, im Ital. Carpa, im Dän. und Schwed. Karpe, im Pohln. Karp und Böhm. Kapr, im mittlern Lat. Carpro; alle von dem schon bey dem Cassiodor befindlichen Carpa, so wie dieß vermuthlich von dem bey den ältern Lat. üblichen Cyprinus, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - abstammet. In einigen Gegenden ist es weiblichen Geschlechtes, die Karpfe.


Karpfenbrut (W3) [Adelung]


Die Karpfenbrut, plur. inus. junge Karpfen, so lange sie noch nicht drey Jahre alt sind, worauf sie den Nahmen Satz bekommen.


Karpfenhalter (W3) [Adelung]


Der Karpfenhalter, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleiner Teich, die Karpfen zum täglichen Gebrauch darin aufzubehalten.


Karpfenstein (W3) [Adelung]


Der Karpfenstein, des -es, plur. die -e, ein dreyeckiges Bein, welches die Karpfen hinten im Kopfe an dem Rückgrade haben, und welches von dem großen Haufen wider die fallende Sucht eingenommen wird.


Karpfenteich (W3) [Adelung]


Der Karpfenteich, des -es, plur. die -e, ein Teich, worin vornehmlich Karpfen gehalten werden.


Karre (W3) [Adelung]


Die Karre, plur. die -n, ein Wort, welches jetzt nur noch von einem mit Einem Rade versehenen Kasten gebraucht wird, welchen ein Mann vor sich schieben kann, besonders im Niedersächsischen; eine Schubkarre oder Schiebekarre, wofür doch auch in einigen Gegenden, zumahl im Bergbaue, das folgende männliche der Karren, der Schubkarren üblich ist. Bestehet ein solches Fuhrwerk mit Einem Rade aus keinem Kasten, sondern aus Stäben oder Schienen, so heißt es ein Schiebebock. Einen Verbrecher in die Karre schmieden, ihn zur Karre verurtheilen, zum Festungsbaue. Figürlich pflegt man auch wohl in jedes schlechtes Fuhrwerk im verächtlichen Verstande eine Karre zu nennen. Im Nieders. Kare. S. 3. der Karren.


Karren (W3) [Adelung]


Karren, verb. reg. act. mit der Karre, oder der Schubkarre fahren. Erde, Sand herbey karren, auf der Karre herbey führen. Steine wegkarren. Den ganzen Tag karren, mit der Karre gehen, fahren.


Karren (W3) [Adelung]


1. Der Karren, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur noch in einigen Fällen übliches Wort, einen Kasten zu bezeichnen; besonders an den Buchdruckerpressen, wo der Karren ein viereckter Kasten mit einem messingenen Boden ist, auf welchem die Form lieget, und welcher auf einem beweglichen Laufbrete hin und wieder geführet wird; Franz. le Chassis. Es scheinet nicht, daß mit diesem Worte zunächst auf die Bewegung gesehen werde; sondern Karren scheinet hier das alte Kar, ein Gefäß, im Andenken zu erhalten, woraus mit vorgesetztem Zischlaute unser Schirr und Geschirr abstammet. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist der Kärner eine Art eines Korbes, Ital. Carniero. Siehe 1. Kahr, Kasten und Geschirr.


Karren (W3) [Adelung]


2. Der Karren, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Goldschlägern, ein Werkzeug, welches aus zwey scharfen Messerklingen bestehet, die geschlagene Gold- und Silberblätter zu vollkommenen Quadraten zu schneiden. Eine genauere Kenntniß dieses Werkzeuges müßte es entscheiden, ob Karren in dieser Bedeutung zu dem vorigen Worte gehöret, oder vielmehr zu dem alten karen, schneiden, wovon nicht nur kerben, sondern mit vorgesetztem Zischlaute auch scheren abstammet, S. diese Wörter.


Karren (W3) [Adelung]


3. Der Karren, des -s, plur. ut nom. sing. ein sehr altes Wort, welches seinem ursprünglichen Umfange nach, einen jeden Wagen, ein jedes mit Rädern versehenes Fuhrwerk bedeutet zu haben scheinet; jetzt aber nur noch von einigen Arten desselben gebraucht wird. 1) Von einem Kasten mit Einem Rade zum Schieben, welchen man in Niedersachsen eine Karre, im Hoch- und Oberdeutschen aber einen Karren zu nennen pflegt. Der Schub- oder Schiebekarren, im Bergbaue der Laufkarren. 2) Ein Fuhrwerk mit zwey Rädern, welches von einem oder mehrern vor einander gespannten Pferden gezogen wird. Besonders, wenn dasselbe die Gestalt eines Kastens hat. Mit einem Karren fahren. Ein Karren Sand, Steine. Ein Sandkarren, Kothkarren, Mistkarren. Obgleich auch andere zweyräderige Fahrzeuge diesen Nahmen führen, dergleichen besonders die großen Fuhrmannskarren sind, ( S. Karrner.) Den Karren in den Koth schieben, eine Sache verderben, verwirren. Es ist ein angelegter Karren, in der niedrigen Sprechart, eine abgeredete Sache, ein abgeredeter Handel; eine seltsame R. A. wenn anders Karren hier nicht ein eigenes Wort ist, welches etwa noch von dem veralteten Kran, zubereiteten, übrig ist, wofür wir jetzt in einigen Fällen gärben sagen, ( S. dieses Wort,) oder wenn es nicht etwa gar aus Karte verderbt ist, weil man auch zu sagen pflegt, es ist eine angelegte Karte.

Anm. In dem alten Fragmente auf Carln den großen bey dem Schilter Karren, im Schwed. Kaerra, im Ital. Carro, im lat. Carrus, im Wallis. und Engl. Cart. Es scheinet mit diesem Worte wohl nicht zunächst auf die Gestalt eines Kastens gesehen zu werden, welchen einige Arten der Karren haben, sondern vielmehr auf die Bewegung, besonders der Räder; zumahl da das Latein. Currus, das Französ. Char, das Wallach. Kera, das Alban. Kierre, das Epirotische Kierr, und andere mehr, einen Wagen überhaupt bedeuten ( S. Kehren.) Das Engl. to carry, Dän. kiore, Franz. charier, fahren, stammen, so wie das Deutsche Karren, wohl eher von Karre ab, als daß man sie für das Stammwort von diesem halten könnte. Im Oberd. ist für karren auch Rarch, für karren karchen, und für Kärrner Kärcher und Kärchelfahrer üblich, welches mit dem mittlern Latein. Carruca überein kommt. Im gemeinen Leben wird dieses Wort häufig in Karrn und Karn zusammen gezogen.


Karrenbüchse (W3) [Adelung]


Die Karrenbüchse, plur. die -n, eine größten Theils veraltete Benennung eines groben Geschützes, einer Kanone, weil es auf einem Gestelle mit zwey Rädern fortgeschaffet wird. Etwas ähnliches hat man noch in der Jägerey, wo die Karrenbüchse ein auf einem besonders dazu verfertigten so genannten Schieß karren befindlicher Doppelhaken, oder ein großes Rohr mit einem Büchsenschlosse ist, Trappen und wilde Gänse damit zu schießen.


Karrengaul (W3) [Adelung]


Der Karrengaul, des -es, plur. die -gäule, ein Gaul oder Pferd, welches in einem Karren gehet, d. i. einen Karren ziehen muß, wozu man in den meisten Fällen große, starke und schwere Pferde zu nehmen pfleget. In dem Salischen Gesetze Chanco, in den alten Baierischen Gesetzen Angergnago, von Anger, Enger, ein Feld- oder Frohnkarren.


Karrenläder (W3) [Adelung]


Der Karrenläder, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Salzwerke zu Halle, besondere Arbeiter, welche die Karren der Fuhrleute mit Salz beladen.


Karrenläufer (W3) [Adelung]


Der Karrenläufer, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, geringe Bergarbeiter, welche das Erz oder den Schutt vermittelst des Laufkarrens fortschaffen.


Karrensteg (W3) [Adelung]


Der Karrensteg, des -es, plur. die -e, ein Steg, oder Quereisen an den Laufkarren der Bergleute.


Karrenwagen (W3) [Adelung]


Der Karrenwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein vierrädiger Wagen, welcher aber wie ein Karren von einem oder mehreren, nicht neben, sondern vor einander gespannten Pferden gezogen wird; ein Gabelwagen.


Karrete (W3) [Adelung]


Die Karrete, S. Carrete.


Kärrner (W3) [Adelung]


Der Kärrner, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein besonders in Franken und Thüringen übliches Wort, eine Fuhrmann zu bezeichnen, welcher Waaren auf einem Karren, d. i. zweyräderigen Wagen, von einem Orte zum andern führet. In weiterer Bedeutung auch ein jeder, der mit einem zweyräderigen Karren fähret. Im Oberd. Karrer, Karer, Kärcher, im mittlern Lat. Carearius, Caretarius, Caretonus. 2) Derjenige, welcher mit einem Schubkarren fähret oder arbeitet; der Schubkärrner.


Karrote (W3) [Adelung]


Die Karrote, plur. die -n, eine nur in einigen Gegenden übliche Benennung der Bete oder der rothen Rüben, des rothen Mangoldes; Beta vulgaris L. Aus dem Ital. Carrota, Carota.


Karst (W3) [Adelung]


Der Karst, des -es, plur. die -e, Diminut. das Kärstchen, Oberd. Kärstlein, ein besonders in Obersachsen und Oberdeutschland übliches Wort, eine Hacke mit zwey Zähnen zu bezeichnen, womit man in gebirgigen Gegenden das Feld, besonders aber die Weinberge zu hacken und zu bearbeiten pfleget. Ohne Zweifel von kehren, weil der Boden damit ungearbeitet, oder gewendet wird, oder auch von dem alten karen, schneiden, hauen, ( S. Kerben und Scheren.) Einige gebrauchen es irrig als ein weibliches Wort, die Karst.


Kärsten (W3) [Adelung]


Kärsten, verb. reg. act. mit dem Karste bearbeiten. Einen Weinberg karsten, hacken. In dem Weinberge karsten. In engere Bedeutung wird in den Weinbergen die erste Hacke das Karsten, die zweyte das Wiederkarsten, und die dritte die Zwiebrache genannt.


Kartätsche (W3) [Adelung]


1. Die Kartätsche, ein Wollkamm, S. Kardätsche.


Kartätsche (W3) [Adelung]


2. Die Kartätsche, plur. die -n, in der Geschützkunst, eine mit Kugeln, Ketten, Nägeln u. s. f. gefüllte Patrone von starkem Papier, Zwillich oder Blech, welche aus großen Kanonen geschossen wird. Mit Kartätschen feuern. Ein heftiges Kartätschenfeuer machen. Aus dem Franz. Cartouche, welches eigentlich die von Pappe gemachte Patrone bedeutet, von Charta, Papier; um welcher Abstammung willen man auch im Deutschen das ä beybehalten hat, da man es sonst mit eben so vielem Rechte Kartetsche schreiben könnte.


Kartätschen (W3) [Adelung]


Kartätschen, Wolle kämmen, S. Kardätschen.


Kartätschenfasser (W3) [Adelung]


Der Kartätschenfasser, des -s, plur. ut nom. sing. in der Geschützkunst, ein hölzernes Futteral die zu einer Ladung bestimmten Kartätschen hülsen zu fassen, wenn sie geladen werden sollen.


Kartätschenkasten (W3) [Adelung]


Der Kartätschenkasten, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Kasten, worin die Kartätschen verwahret werden.


Kartaune (W3) [Adelung]


Die Kartaune, plur. die -n, eine Art groben Geschützes, welche sich besonders durch ihre Kürze von andern Stücken dieser Art unterscheidet. Eine Kartaune ist kürzer, als eine Kanone. Eine ganze Kartaune schoß ehedem 100 Pf. Eisen, eine halbe 50 und eine Viertelkartaune 24. Heut zu Tage hat man die ganz großen ihrer Schwere wegen veralten lassen, und da schießt eine ganze Kartaune nur 48, eine halbe 24 Pf. u. s. f. Frisch und andere leiten von dem Latein. Quartana ab, und wollen, daß es ursprünglich ein Stück Geschütz von der vierten Größe bezeichnet haben, zumahl da auch Münster Cartune durch Quartana übersetzt. Ihre läßt es hingegen von Karren, Engl. Cart, abstammen, und will, daß es so viel wie eine Karrenbüchse bedeute. Im Schwed. kommt Kartow, und im mittlern Latein. Cartouwe, wirklich für eine Kartaune vor.


Kartaunenpulver (W3) [Adelung]


Das Kartaunenpulver, des -s, plur. inus. die gröbste Art des Schießpulvers, so wie es zu dem groben Geschütze gebraucht wird, so wie auch Kanonenpulver und Stückpulver heißt.


Karte (W3) [Adelung]


1. Die Karte, eine Art Disteln, S. Karde.


Karte (W3) [Adelung]


2. Die Karte, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben, besonders bey den Jägern übliches Wort, wo eine Kette eine Karte macht, wenn sie in Knoten zusammen läufet, und sich auf einander setzet. Etwa von dem noch im Schwed. üblichen Kart, etwas Mangelhaftes, Untaugliches zu bezeichnen? Oder vielmehr von kehren, wenden, sich verschlingen? S. 3 Karten.


Karte (W3) [Adelung]


3. Die Karte, plur. inus. bey den Seidenarbeitern und Seidenhändler, die Steifung oder der rauschende Klang, welcher den seidenen Zeugen durch die Gummirung gegeben wird, wo es so viel als das Franz. l'Appreture, die Zubereitung, zu bedeuten scheinet; von dem alten karan, zubereiten, S. 3. Karren, Gärben und 3. Karten.


Karte (W3) [Adelung]


4. Die Karte, plur. die -n, ein aus dem Latein. Charta, Papier, entlehnter Ausdruck, welcher im Deutschen besonders in folgenden Fällen gebraucht wird. 1) Gemahlte Blätter, gewisse Spiele damit zu spielen, Spielkarten, um sie von den folgenden zu unterscheiden; wo so wohl ein einzelnes Blatt, welches man doch lieber ein Kartenblatt zu nennen pfleget, als auch ein ganzes aus mehrern zusammen gehörigen Blättern bestehendes Spiel, ein Spiel Karten, eine Karte heißt. In der Karte spielen, oder Karten spielen. Die Karten mengen, geben u. s. f. Jemanden in die Karte sehen, auch figürlich, dessen Absicht, dessen Vorhaben errathen. Sie haben viel gewagt, daß sie sich von ihrem Onkel in die Karte haben gucken lassen, Weiße. Ich muß ihn zum Worte lassen, sonst möchte die Karte verrathen werden, ebend. Es ist eine angelegte Karte, ( S. 3 Karren.) Im Franz. Carte, im Ital. Carta, im Engl. Card, im mittlern Latein. Carta und Carticella. 2) Eine geographische Abbildung der Erdfläche oder eines Theiles derselben. Eine Landkarte, eine solche Abbildung des festen Landes, eine Seekarte, des Meeres. Karten sammeln.

Anm. Ungeachtet dieses Wort aus dem Latein. herstammet, so hat es in diesen beyden Bedeutungen doch schon längst das Bürgerrecht erhalten, daher man es auch füglich mit einem K schreiben kann, zumahl da es im Deutschen nicht so wie im Griech. und Latein. mit einem Hauche ausgesprochen wird.


Karten (W3) [Adelung]


1. Karten, Wolle kämmen, S. Kardätschen.


Karten (W3) [Adelung]


2. Karten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, in der Karte spielen, doch nur zuweilen in den niedrigen Sprecharten.


Karten (W3) [Adelung]


3. Karten, verb. reg. act. welches nur noch für drehen, wenden, besonders im figürlichen Verstande üblich ist. Er wußte die Sache so zu karten, daß es niemand erfuhr, es so einzurichten, ihr eine solche Wendung zu geben. Wir müssen es so karten, daß wir außer Verdacht bleiben. Es scheinet nicht, daß es in dieser Bedeutung von dem vorigen Zeitworte abstamme, sondern daß es vielmehr als ein Iterativum zu kehren, wenden, drehen, ehedem kahren, oder auch zu karen, zubereiten, gehöret. S. 3. Karte und Gärben.


Kartenblatt (W3) [Adelung]


Das Kartenblatt, des -es, plur. die -blätter, einzelne Blätter der zum Spielen gebräuchlichen Karte.


Kartendistel (W3) [Adelung]


Die Kartendistel, S. Kartendistel.


Kartengeld (W3) [Adelung]


Das Kartengeld, plur. doch nur von mehrern Summen die -er, dasjenige Geld, welches man für die Spielkarten in öffentlichen und Privat-Gesellschaften bezahlet.


Kartenmacher (W3) [Adelung]


Der Kartenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Künstler, welcher Spielkarten verfertiget.


Kartenmahler (W3) [Adelung]


Der Kartenmahler, des -s, plur. ut nom. sing. der sie mahlet oder bemahlet.


Kartenpapier (W3) [Adelung]


Das Kartenpapier, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, starkes Papier, so wie es zu den Spielkarten gebraucht wird.


Kartenspiel (W3) [Adelung]


Das Kartenspiel, des -es, plur. die -e, ein Spiel oder Art des Spieles, so fern es mit Karten oder gemahlten Blättern geschiehet, dagegen eine Spielkarte, eine Karte bedeutet, so fern sie zum Spielen gebraucht wird.


Karthaune (W3) [Adelung]


Karthaune, S. Kartaune.


Kartoffel (W3) [Adelung]


Die Kartoffel, plur. die -n, ein aus Erdapfel verderbtes Wort, S. dasselbe.


Karve (W3) [Adelung]


Die Karve, S. Karbe.


Kas (W3) [Adelung]


Der Kas, des -es, plur. die -e, in den Papiermühlen, die in dem Stampftroge befindliche und mit Löchern versehene Tafel von Eichenholz; vielleicht von dem Franz. Chassis, ein Rahmen.


Kasbeere (W3) [Adelung]


Die Kasbeere, S. Holzkirsche.


Käscheln (W3) [Adelung]


* Käscheln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, im gemeinen Leben einiger Gegenden, auf dem Eise gleiten, da denn auch eine solche Gleitbahn eine Kaschel genannt wird. S. Gleiten.


Käse (W3) [Adelung]


Der Käse, des -s, plur. ut nom. sing. geronnene Milch, der von dem wässerigen Theile geschiedene schleimige und gallertartige Theil der Milch. 1. Eigentlich, und ohne Plural. Die Milch wird zu Käse, wenn sie sich schüttet oder gerinnet, ( S. Gerinnen) In der Schweiz, wo die Milch viel fetter und nahrhafter ist, ißt man bey dem Käsemachen verschiedene Arten dieser geronnene Milch. Diejenige Milch, welche zu Käsen gabraucht werden soll, wird daselbst so wie in Obersachsen der Topfen genannt. Wenn sie gelabt oder zum Gerinnen gebracht worden, so heißt der geronnene Theil die Bulderen, das schäumige Wesen aber, welches sich auf der geschiedenen Milch setzet, der Abzug. Die Bulderen zerbricht man mit dem Käsebrecher in kleine Stücke, wodurch die dicke Materie noch mehr von der wässerigen geschieden wird. Jene heißt im engern Verstande Käse, diese aber die Sirpen (Lat. Serum,) Weil die Sirpen noch viele fette Materie hat, so wird sie über ein stärkeres Feuer gesetzt, damit sich der Vorbruch scheide, welcher eine angenehme Speise ist, und sogleich gegessen wird. Die übrige Sirpen wird durch Sauerschotten oder Lab von neuen geschieden, da denn die flüssigen Theile Schotten heißen, der festere aber den Zieger gibt, woraus der berühmte Glarnersche Schabzieger verfertiget wird, welcher sich zum eßbaren Gebrauche schaben lässet. 2. Figürlich 1) Verschiedene daraus bereitete Speisen. (a) Der Eyerkäse, eine aus geronnener Milch und Eyern bereitete Speise. (b) Der Quartkäse, Schmierkäse, Streichkäse, oder steife Matz, in Nieders. Käsebutter, geronnene Milch, welche im weichen Zustande aufbehalten wird, und sich schmieren lässet. (c) In gewisse Formen gedrückte und getrocknete Stücke solcher geronnenen Milch; so wohl mit dem Plural, als auch im Diminut. das Käschen, Oberd. Käselein. Kuhkäse, Käse von Kuhmilch, Schafkäse, Ziegenkäse, Kümmelkäse, Schweizerkäse, Kräuterkäse u. s. f. 2) Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt mit der geronnenen Milch, werden so wohl der eßbare Boden an den Artischocken, als auch die Blumen an dem Blumenkohle Käse genannt, daher der letztere auch in einigen Gegenden Käsekohl heißt.

Anm. Schon bey dem Kero Chase, im Nieders. Kese, bey den Saterländern Cise, im Engl. Cheese, im Latein. Caseus, bey den Wallachen Kassu.


Käsebohrer (W3) [Adelung]


Der Käsebohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bohrer, womit man in die großen Käse bohret, ihre innere Beschaffenheit zu erforschen; der Käsestecher.


Käsebutter (W3) [Adelung]


Die Käsebutter, plur. inus. S. Käse. 2. 1).


Käseform (W3) [Adelung]


Die Käseform, plur. die -en, eine hölzerne Form, den Käsen die verlangte Gestalt zu geben; der Käsenapf.


Käsegülte (W3) [Adelung]


Die Käsegülte, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine Abgabe in Käsen, oder von den Käsen. Im Schwabenspiegel Kap. 397.


Käsehändler (W3) [Adelung]


Der Käsehändler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Käsehändlerinn, eine Person, welche mit Käsen handelt; der Käsekrämer, im Österreich. ein Kasstecher.


Käsehaus (W3) [Adelung]


Das Käsehaus, des -es, plur. die -häuser, in der Landwirthschaft, ein Gebäude, in welchem die frisch gemachten Käse getrocknet werden.


Käsehorde (W3) [Adelung]


Die Käsehorde, plur. die -n, eine Horde oder Flechtwerk von Ruthen, worauf die Käse getrocknet werden.


Käsekohl (W3) [Adelung]


Der Käsekohl, des -es, plur. inus. S. Käse 2. 2).


Käsekorb (W3) [Adelung]


Der Käsekorb, des -es, plur. die -körbe, ein Gerüst in Gestalt eines Korbes, die Käse darin zu trocknen.


Käsekuchen (W3) [Adelung]


Der Käsekuchen, des -s, plur. ut nom. ein Gebackenes von Käse; ingleichen Kuchen, welche oben mit geronnener und mit Eyern abgeschlagener Milch bedecket sind.


Kasel (W3) [Adelung]


Die Kasel, S. Casel.


Käselab (W3) [Adelung]


Das Käselab, S. Lab.


Käsemade (W3) [Adelung]


Die Käsemade, plur. die -n, eine Made, welche sich im Käse aufhält, und die Made einer Art Fliegen ist, welche bey dem Linnee Musca putris heißt.


Kasematte (W3) [Adelung]


Die Kasematte, S. Casematte.


Käsemeise (W3) [Adelung]


Die Käsemeise, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der kleinsten Art Meisen, welche sonst auch die Blaumeise, Mehlmeise und Pimpelmeise genannt wird; vielleicht weil sie gerne Käse speiset.


Käsemilbe (W3) [Adelung]


Die Käsemilbe, plur. die -n, eine Art Milben, oder kleiner ungeflügelter Insecten, welche sich im Käse aufhalten; Acarus L. im gemeinen Leben die Käsemiethe.


Käsemutter (W3) [Adelung]


Die Käsemutter, plur. die -mütter, auf den Landgütern, eine Frau, welche die Käse macht, und zugleich die Aufsicht über die Mägde hat.


Käsen (W3) [Adelung]


Käsen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, zu Käse werden, gerinnen, doch nur von der Milch. Die Milch käset, ist gekäset; wo es von einigen auch als ein Reciprocum gebraucht wird, sich käsen. 2) Als ein Activum, gerinnen machen, gleichfalls nur von der Milch. Die Milch käsen. S. Laben.


Käsenapf (W3) [Adelung]


Der Käsenapf, des -es, plur. die -näpfe, S. Käseform.


Kaserne (W3) [Adelung]


Die Kaserne, S. Caserne.


Käsestecher (W3) [Adelung]


Der Käsestecher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Käsebohrer und Käsehändler.


Käsewasser (W3) [Adelung]


Das Käsewasser, des -s, plur. inus. der von dem Käse, d. i. der geronnenen Milch, geschiedene wässerige Theil, welcher unter dem Nahmen der Molken am bekanntesten ist. Bey dem Kero Chaseuuazzer.


Käsicht (W3) [Adelung]


Käsicht, adj. et adv. dem Käse ähnlich. Käsig, Käse enthaltend. Der käsige Theil der Milch.


Kastanie (W3) [Adelung]


Die Kastanie, (viersylbig,) plur. die -n, die eßbare Frucht des Kastanienbaumes, besonders des zahmen, wovon die Frucht einer größern Art, Castanea sativa L. unter dem Nahmen der Marone bekannt ist. Wilde Kastanien, die Frucht des wilden Kastanienbaumes. Im Oberd. nur die Käste. Aus dem Ital. Castagna und Lat. und Griech. Castanea, welchen Nahmen diese Frucht von der alten Stadt Kastanea in Magnesien haben soll, wo sie in großer Menge gewachsen ist. Ehe die Griechen den Baum in ihrem Lande anpflanzten, hohleten sie die Kastanien aus Sardis, der Hauptstadt in Lybien, und nannten sie daher nur Sardische Eicheln.


Kastanienbaum (W3) [Adelung]


Der Kastanienbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum, welcher nach dem Linnee zu den Buchen gehöret, und lanzettförmige, zugespitzte, gezähnte Blätter hat, welche auf der untern Fläche nackend sind; Fagus Castanea L. Er ist aus dem wärmern Asien nach Griechenland, von da nach Italien, und von da in die übrigen Europäischen Länder gebracht worden. In den Monseeischen Glossen Cistenbeam, im Oberd. Kästenbaum. Der wilde Kastanienbaum oder Pferdekastanienbaum, Raßkastanienbaum, Aesculus L. ist ein ganz anderer Baum, welcher um die Mitte des 16ten Jahrh. aus dem mitternächtigen Asien nach Europa gebracht worden. S. Pferdekastanie.


Kastanienbraun (W3) [Adelung]


Kastanienbraun, adj. et adv. der hochbraunen Farbe der äußern Schale der reifen eßbaren Kastanien ähnlich.


Kasten (W3) [Adelung]


1. Der Kasten, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur noch in einigen Gegenden übliches Wort, einen Haufen zu bezeichnen, wo denn auch das Zeitwort kasten, in Haufen setzen, üblich ist. Im Trierischen ist ein Kasten oder Kornkasten, ein Haufen auf dem Felde zum Trocknen aufgesetzter Garben; im Hochdeutschen eine Mandel, im Nieders. eine Hocke. Das Korn kasten, es in solche Haufen setzen. Im Schwed. ist Kase, im Finnländ. Casa, im Französ. Tas, und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; gleichfalls ein Haufen.


Kasten (W3) [Adelung]


2. Der Kasten, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Kästchen, Oberd. das Kästlein. 1) In der weitesten und vermuthlich auch eigentlichen Bedeutung, ein jedes wohl verwahrtes Behältniß, es habe eine Gestalt, welche es wolle; doch nur noch in einigen einzelnen Fällen. In der Zergliederungskunst werden die Zahnhöhlen in den Kinnbacken die Kasten, und im Diminut. Kästchen genannt. Bey den Goldschmieden ist der Kasten eines Steines, das hohle Behältniß von Metall, in welchem derselbige befestiget wird; daher im mittlern Lat. incastare, incassare, und im Franz. enchasser, einen Stein fassen bedeutet. In dem Bergbaue ist der Kasten ein oben bedeckter Ort, Berge oder Schutt darauf zu schütten. Kasten schlagen, einen Ort oben auf solche Art bedecken, daß man Schutt darauf schütten, und doch darunter weggehen könne. Der Röhrkasten, Brunnenkasten, dasjenige Behältniß, worin sich das Röhr- oder Brunnenwasser sammelt. Der Kasten Noah, in der Deutschen Bibel, das Schiff Noäh. An einigen Orten wird auch ein Getreideboden ein Kasten genannt, und bey den Jägern heißt das Herz nach der Blutkasten. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein vierecktes, dauerhaftes, gemeiniglich aus Bretern verfertigtes Behältniß, etwas darin zu verwahren, es habe einen Deckel oder nicht. Etwas in den Kasten legen, verwahren. Nach Maßgebung seiner Bestimmung oder anderer Umstände, bekommt er oft verschiedene Nahmen. Der Schatzkasten, Geldkasten, Mehlkasten, Bücherkasten, Futterkasten, Fischkasten, Schriftkasten, Bärenkasten u. s. f. 3) In der engsten Bedeutung, ein Geldkasten, ein Kasten, in welchem man sein Geld verwahret. Alle Kasten voll haben. Geld im Kasten haben, bares Geld vorräthig haben. Figürlich ehedem auch die öffentlichen Einkünfte, der Ort, wo sie aufbewahret wurden, und die zu ihrer Verwaltung angestellten Personen, in welcher Bedeutung es für Casse noch in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich ist, wo der Armenkasten, Almosenkasten, Gotteskasten, Stadtkasten u. s. f. noch in diesem Verstande vorkommen. S. Kastenamt, Kastenherr, Kastenvogt, Kastner. Anm. Bey dem Ottfried in der weitesten Bedeutung Kust, thines herzen kust, bey dem Ulphilas von einem Geschirre Kas im Nieders. Kiste, im Ital. Cassa, im Engl. Chest, im Lat. Cista. Es gehöret zu der großen Menge derjenigen Wörter, welche überhaupt ein hohles Behältniß bedeuten und durch die Ableitungssylbe näher bestimmt werden. S. Kaue, Kiste und Geschirr die

Anm. In einigen Gegenden ändert man im Plural den Vocal, die Kästen, und im Oberdeutschen ist es auch weiblichen Geschlechtes, die Kaste.


Kastenamt (W3) [Adelung]


Das Kastenamt, des -es, plur. die -ämter, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, ein Amt, d. i. Collegium mehrerer Personen, welche zur Verwaltung gewisser Einkünfte bestimmt sind. S. 2) Kasten 3.


Kastenblech (W3) [Adelung]


Das Kastenblech, des -es, plur. die -e, bey den Schlössern, ein Blech an den Französischen Thürschlössern, welches das Schloß verdeckt.


Kastengänge (W3) [Adelung]


Die Kastengänge, ling. inus. im Bergbaue, Gänge, das ist Gangerz, welches die Ausschläger in Kasten vor sich stehen haben.


Kastenhaus (W3) [Adelung]


Das Kastenhaus, des -en, plur. die -häuser, in einigen Oberdeutschen Gegenden, ein Haus, worin gewisse Einkünfte gesammelt und verwahret werden. So wird in Nördlingen die Commande des Deutschen Ordens das Kastenhaus genannt, welchem ein Kastner vorgesetzet ist. S. 2) Kasten 3.


Kastenherr (W3) [Adelung]


Der Kastenherr, des -en, plur. die -en, in verschiedenen Oberdeutschen Gegenden, der Vorgesetzte einer Casse, besonders ein Rathsherr, so fern er die Stadt-Casse oder einen Zweig derselben zu verwalten hat; im mittlern Lat. Arcarius. S. 2) Kasten 3.


Kastenkunst (W3) [Adelung]


Die Kastenkunst, plur. die -künste, in der Hydraulik, eine Maschine, wo das Wasser vermittelst verschiedener an einer Kette oder einem Seile ohne Ende befestigter Kasten oder Eimer in die Höhe gehoben wird; die Eimerkunst.


Kastenschreiber (W3) [Adelung]


Der Kastenschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Oberdeutschen Gegenden, der Schreiber bey einem Kasten oder einer Casse. S. 2. Kasten 3.


Kastenschwand (W3) [Adelung]


Der Kastenschwand, des -es, plur. inus. in einigen Oberdeutschen Gegenden, der Abgang an dem Maße, welchen das Getreide auf dem Kornboden durch Eintrocknen leidet; im Hochdeutschen der Bodenschrumpf. Von Kasten, ein Kornboden. S. 2. Kasten 1. und Schwinden.


Kastenstange (W3) [Adelung]


Die Kastenstange, plur. die -n, im Bergbaue, diejenigen Stangen, welche bey dem Schlagen der Kasten oben auf die Stämpel gelegt werden.


Kastenvogt (W3) [Adelung]


Der Kastenvogt, des -es, plur. die -vögte, eine ehedem sehr übliche Benennung eines Vogtes, Advocati, oder Schutzherren eines Klosters oder Stiftes, weil seine vornehmste Obliegenheit darin bestand, den Kasten, d. i. die Einkünfte eines sol- chen Stiftes zu schützen und zu vertheidigen. Daher die Kastenvogtey, die Würde, die Gerechtsamen, das Gebieth eines Kastenvogtes.


Kaster (W3) [Adelung]


Der Kaster, des -s, plur. ut nom. sing. in den Pfeifen-Manufacturen, derjenige, welcher die Pfeifen formet, und welcher auch der Former genannt wird.


Kasteyen (W3) [Adelung]


Kasteyen, verb. reg. act. welches aus dem Latein. castigare in die kirchliche Schreibart eingeführet worden, und in der Römischen Kirche am üblichsten ist. Sich oder seinen Leib kasteyen, ihm um Gottes willen, oder zur Unterdrückung sinnlicher Begierden wehe thun, unangenehme Empfindungen verursachen. Am zehenden Tage des siebenden Monden sollt ihr euern Leib casteyen, 3 Mos. 16, 29. Wer seinen Leib nicht casteyet an diesem Tage u. s. f. Kap. 23, 29. Da du dich casteytest vor deinem Gott, Dan. 10, 12. Daher die Kasteyung, bey dem Ottfried und Notker Kestiga, Chestiga, auch in der mehr eigentlichen aber veralteten Bedeutung der Züchtigung. Da dieses Wort am Ende schon eine ganz Deutsche Gestalt bekommen hat, so schreibt man es auch billig vorn mit einem k.


Kastner (W3) [Adelung]


Der Kastner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kastnerinn, der Vorsteher oder Vorgesetzte eines Kastens, d. i. einer Casse, ein nur noch im Oberdeutschen übliches Wort, wofür im Hochdeutschen Cassierer, Kämmerer u. s. f. üblicher sind. S. 2. Kasten 3.


Kastrol (W3) [Adelung]


Das Kastrol, S. Casserolle.


Katechisation (W3) [Adelung]


Die Katechisation, plur. die -en, aus dem mittlern Latein. Catechisatio, der Unterricht anderer in Glaubenswahrheiten, so fern derselbe durch mündliches Fragen und Antworten geschiehet; in einigen Gegenden die Kinderlehre.


Katechisiren (W3) [Adelung]


Katechisiren, verb. reg. act. aus dem mittlern Latein. catechizare, durch mündliches Fragen und Antworten in der Glaubenslehre unterrichten.


Katechismus (W3) [Adelung]


Der Katechismus, des -mi, plur. die -mi, ein Buch, worin die ersten Anfangsgründe der Religion in Fragen und Antworten vorgetragen werden; aus dem mittlern Latein. Catechismus, und dieß aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Kater (W3) [Adelung]


Der Kater, des -s, plur. ut nom. sing. das männliche Geschlecht der Katzen, so wohl der zahmen, als der wilden; im gemeinen Leben der Heinz, in andern Gegenden, z. B. in Liefland, der Kunz, im Nieders. der Bolze, ( S. Balzen,) im Osnabrück. der Kamm, ( S. Kammeln,) im Pohln. Kot, im Engl. Carl-cat, eigentlich der Mann der Katze, im Dän. Hankat, von han, er, im Lat. Catus. Das Deutsche ist von dem alten noch im Nieders. üblichen Kat, Katze, und der männlichen Endung -er. Der Kater der wilden Katzen wird bey den Jägern auch Kuder, ingleichen Baumreiter, Baumrutter genannt. S. Katze.


Kath (W3) [Adelung]


Das Kath, die Kathe, ein kleines, schlechtes Haus, siehe das Koth.


Katharina (W3) [Adelung]


Katharina, ein weiblicher Taufnahme, welcher aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, rein, entlehnet ist, und im gemeinen Leben in Käthe und Käthchen, im Oberd, in Katherle, Kathrey, im Nieders. in Triene, Trienke, Trienchen, in Preußen aber in Kasch, und Kaschchen zusammen gezogen wird.


Katharinen-Pflaume (W3) [Adelung]


Die Katharinen-Pflaume, plur. die -n, S. Brunelle.


Katheder (W3) [Adelung]


Der Katheder, des -s, plur. ut nom. sing. ein gemeiniglich erhöheter Sitz des Lehrers auf Schulen und Universitäten, der Lehrstuhl; aus dem Griech. und Latein. Cathedra. Freylich sollte dieses Wort billig weiblichen Geschlechtes seyn, die Katheder, plur. die -n, und in den meisten Oberdeutschen Gegenden ist es auch nicht anders üblich. Indessen hat doch im Hochdeutschen noch immer das männliche Geschlecht den Vorzug. In manchen Gegenden ist es gar ungewissen Geschlechtes, das Katheder.


Kathedral-Kirche (W3) [Adelung]


Die Kathedral-Kirche, plur. die -n, eine Kirche, welche der Sitz eines Bischofes oder Erzbischofes ist; gleichfalls von dem Griech. und Latein. Cathedra, welches ehedem in engerer Bedeutung einen bischöflichen Stuhl bedeutete. Regino nennet eine solche Kirche daher im 9ten Jahrhunderte eine Sedalkirch.


Käthener (W3) [Adelung]


Der Käthener, S. Kothsaß.


Katholik (W3) [Adelung]


Der Katholik, des -en, plur. die -en, Fämin. die Katholikinn, ein Katholischer, eine Katholische, ein Glied der Römisch-katholischen Kirche, in der dritten Bedeutung des folgenden Wortes. Aus dem Lateinischen Catholicus.


Katholisch (W3) [Adelung]


Katholisch, adj. et adv. welches aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und Lat. catholicus, in der christlichen Kirche aufgenommen worden. 1) In der weitern Bedeutung, für allgemein, wo man nur diejenigen Briefe des neuen Testamentes, welche an keine besonderen Orte gerichtet worden, z. B. die Briefe Jacobi, Petri, Judä und Johannis, katholische Briefe zu nennen pfleget. 2) In engerer Bedeutung heißt die katholische Kirche oder die katholische Religion, diejenige, welche an kein Geschlecht, Volk, Alter, Zeit und Ort gebunden ist, sondern sich über das ganze menschliche Geschlecht erstreckt; in welcher, aber jetzt eben nicht üblichen Bedeutung, diese Benennung keiner Religions-Partey, sondern nur allein der unsichtbaren Kirche des neuen Testamentes zukommt. 3) In noch engerer Bedeutung wird die heutige Römische Kirche gemeiniglich, die katholische, und ihre Religion die katholische Religion genannt; eine Benennung, welche von Theodosio dem Großen herrühret, welcher diesen Titel denjenigen Kirchen beylegte, welche der Nicänischen Kirchenversammlung folgten, und womit man damahls zugleich den Begriff der Rechtgläubigkeit verband; daher katholisch auch oft für rechtgläubig gebraucht wurde. Die Protestanten setzen zur Vermeidung der Zweydeutigkeit noch das Römisch hinzu; die Römisch-katholische Kirche oder Religion, ein Römisch-Katholischer, ein Glied dieser Kirche. Die ältern Oberdeutschen Schriftsteller übersetzten dieses Wort. So nennet Notker die katholische Kirche die allichu Christenheit, allelih prut Samenunga, den katholischen Glauben, allicha Gelouba. 4) Der katholische König, Se. katholische Majestät, ein Titel, welcher rechtgläubig bedeutet, und welchen jetzt die Könige von Spanien führen, und welcher erst seit dem Ferdinand und der Isabelle bey ihnen erblich geworden ist; ob ihn gleich schon Recared im Jahre 514 erhielt, weil er die Arianer verbannete. Die Könige von Frankreich und Jerusalem haben ihn von den Päpsten gleichfalls bekommen.


Katt (W3) [Adelung]


Katt, plur. die -en, ein kleiner Anker, S. 2. Katze.


Kattun (W3) [Adelung]


Der Kattun, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein derber aber doch leichter und gemeiniglich bunter baumwollener Zeug, welcher in Ostindien, aus welchem Lande er uns bekannt geworden, in großer Menge verfertiget, jetzt aber auch überall in Europa nachgemacht wird. Die feinesten Arten desselben werden bey uns Zitse genannt, ( S. dieses Wort). Wir haben dieses Wort aus dem Ital. Cotone und dem Franz. Coton entlehnet, welches eigentlich Baumwolle, und hernach figürlich, den daraus gewebten Zeug bedeutet. Daher der Baumwollenbaum noch von einigen der Kattunbaum genannt wird. Das Ital. Cotone, im mittlern Lat. Cotonum, Cottonus, ist selbst morgenländischen Ursprunges, indem die Baumwolle im Arab. Cotum und Alcoton, und im Syrischen Cot genannt wird. Der daraus gewirkte Zeug heißt bey den Malabaren Kartum und Kadhuttam.


Kattun-Alabaster (W3) [Adelung]


Der Kattun-Alabaster, des -s, plur. inus. ein Alabaster, welcher zu Nüdigsdorf im Stollbergischen gebrochen wird, und einem weißen Kattun mit grauen und blauen Adern gleicht; der Kattunstein.


Kattundrucker (W3) [Adelung]


Der Kattundrucker, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art unzünftiger Drucker, welche den weißen Kattun drucken.


Kattunnadel (W3) [Adelung]


Die Kattunnadel, plur. die -n, die stärksten und dicksten Stecknadeln, den Kattun, wenn er trocknen soll, damit aufzuspannen. So fern sie auch zu Tüchern gebraucht werden, heißen sie auch Tuchnadeln, Franz. Drapiers.


Kattunstein (W3) [Adelung]


Der Kattunstein, des -es, plur. die -e, siehe Kattun-Alabaster.


Katzbahn (W3) [Adelung]


Die Katzbahn, plur. die -en, S. 3. Katze 1. 1).


Katzbalgen (W3) [Adelung]


Katzbalgen, verb. reg. recipr. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. Sich katzbalgen, sich raufen und schlagen, und in weiterer Bedeutung, sich heftig zanken. Daher die Katzbalgerey, plur. die -en, ein solches Gerauf oder Gezänk.

Anm. Im Nieders. Katthalsen. Es kann seyn, daß mit diesem Worte auf die beißige Eigenschaft der Katzen gegen einander gesehen worden. Aber es ist wenigstens eben so wahrscheinlich, daß es von dem noch im Nieders. üblichen Kase, Zank, Schlägerey, im Angels. Kaes, im Wallis. Cat, Cad, herkomme. Im Franz. ist castiller gleichfalls zanken.


Katzball (W3) [Adelung]


Der Katzball, des -es, plur. die -bälle, der Ball, womit Katzball gespielet wird, und dieses Spiel selbst, ohne Plural, S. 3. Katze 1. 1).


Katze (W3) [Adelung]


Die Katze, ein sehr vieldeutiges Wort, welches von der Wurzel Kat vermittelst des Ableitungslautes s, der nach dem t allemahl in ein z übergehet, herstammet, und sehr vielfache Bedeutungen hat, welche bisher noch von niemand gehörig aus einander gesetzet worden, daher man die meisten Bedeutungen für Figuren von dem Nahmen der Katze, dieses so bekannten Thieres, gehalten hat. Die vornehmsten gleich klingenden, aber der Bedeutung nach sehr verschiedenen Wörter dieser Art mögen etwa folgende seyn.


Katze (W3) [Adelung]


1. Die Katze, plur. inus. ein nur in dem zusammen gesetzten Hüttenkatze übliches Wort, diejenige Krankheit zu bezeichnen, welcher die Bergleute wegen der eingesogenen metallischen Ausdünstungen am häufigsten unterworfen sind, und welche in einer Lähmung vornehmlich aber in Engbrüstigkeit und Abzehrung bestehet. Wenn es in dieser Bedeutung nicht aus Asthma verderbt ist, so scheinet es zu dem alten quad, übel, böse, schlimm, Ital. cattivo, zu gehören. Bey dem Notker ist chazzon quälen, bey dem Ottfried Quist Qual, im Bretagnischen Quaez das Elend, und im Schwed. quiddrag keichend, hartschlägig. Hüttenkatze würde also eigentlich das Hüttenübel, die Hüttenkrankheit bedeuten. Hierher scheinen auch die zusammen gesetzten Katzenglas, Katzenglimmer, Katzenkerbel, Katzengold, Katzensilber, Katzenmünze u. s. f. zu gehören, unechtes, falsches Gold, Silber u. s. f. zu bezeichnen, weil keine begreifliche Verbindung zwischen diesen Dingen und dem Thiere dieses Nahmens Statt findet. S. auch Katzbalgen, ingleichen 6. Katze.


Katze (W3) [Adelung]


2. Die Katze, plur. die -n, ein Wort, welches den Begriff der Verbindung, des Haltens, bey sich führet, aber nur noch in einigen wenigen Fällen üblich ist. Im Schiffbaue sind die Katzsparren oder Katzsporen Zimmerhölzer, welche über die Kielschwinne der Bauchstücke parallel geleget werden, die Glieder des Schiffes dadurch zu verbinden. Im Französischen werden sie Porques genannt. Es scheinet in dieser Bedeutung zu Kette, im Wallis. Chaden, zu gehören, ( S. Kette, Kitt.) Vielleicht gehöret hierher auch die Katze, Nieders. Katt, ein kleiner Anker, welchen man vor einen größern legt, ihn dadurch zu verstärken; wo es aber auch zum folgenden gehören kann, weil eine an- dere Art eines kleinen Ankers auch unter dem Nahmen des Wurfankers bekannt ist. S. auch Wurfanker.


Katze (W3) [Adelung]


3. Die Katze, plur. die -n, ein anderes Wort, worin der Begriff des Jagens, des Treibens, des Stoßens, Werfens und Schießens der herrschende ist, in welchem es gleichfalls nur noch in einigen einzelnen Fällen gebraucht wird. 1. Mit dem Begriffe des Jagens. 1) Im gemeinen Leben ist die Katze oder der Katzball eine Art des Ballspieles, besonders auf dem Lande, der Fangeball; wo denn Katze auch das dabey übliche Mahl oder den Standpunct bedeutet. Die Katze zeichnen, das Mahl abzeichnen. Eine Katze verlieren. Die Katzbahn, der zu diesem Spiele bestimmte Platz, und katzen, Katzball spielen. Im Nieders. ist Kätjevaar ein Spiel der Kinder, wenn sie einander haschen, und Keis der unverletzliche Ruheplatz, wo sie nicht ergriffen werden können. Es gehöret in dieser Bedeutung vermuthlich dem Engl. to catch, Ital. cacciare, Franz. chasser, Deutsch haschen und jagen. 2) In den nördlichen und einigen Niedersächsischen Gegenden ist die Katze, das Katzschiff, Nieders. Katt, ein kleines leichtes Schiff mit einem runden Hintertheile, mit Masten und Stängen aber ohne Mastkorb. Kits ist eine andere Art eines in den Niederlanden üblichen Fahrzeuges, welches zu den Hulken gehöret, und einen Deck- und Gabelmast führet. Es scheinet, daß diese Schiffe ihren Nahmen von ihrer Geschwindigkeit haben; da denn derselbe so viel als Jacht bedeuten, ja aus diesem Worte selbst entstanden seyn würde. Im alten Franz. ist Chaz und im mittlern Lat. Catta, Cattus, Gatus, Gattus, Gactus, eine ähnliche Art von Schiffen. ( S. Jacht und Kesser.) 2. Mit dem Begriffe des Werfens oder Schießens, welches letztere selbst zu diesem Geschlechte gehöret. 1) Bey der vorigen Art Krieg zu führen, vor Erfindung des Schießpulvers, war die Katze eine Art des Sturmwerkzeuges, die Mauern damit einzustoßen, oder einzuwerfen; eine Sturmkatze. Es scheinet, man habe deren mehrere Arten gehabt, so wohl zum eigentlichen Stoßen, da denn die Katze eine Art eines Mauerbrechers war, als auch große Steine damit zu schleudern; in welchem letztern Verstande bey dem Königshoven das Wort Quotwerk vorkommt. In den ältern Deutschen Schriften wird dieser Katzen häufig gedacht. Nachdem Burkhard von Hohenfels, einer der Schwäbischen Dichter, gesagt hat, daß seine Dame so gar gewaltekliche sitze uf sines herzen turn, der so vest ist an allen siten, so fähret er fort: Wie gehebe ich eine sturn Das ich si getribe drabe Eben hoehe katzen mangen Mugent ir da niht erlangen. Im mittlern Lat. heißen sie Cati, Gati, Gatti, beym Begetius schon Catti. 2) Nach Einführung des groben Geschützes behielt man die alten Nahmen, wie in mehrern ähnlichen Fällen, bey, und da war die Katze, oder Feuerkatze, ein Kammerstück, wie ein Mörser, große steinerne Kugeln daraus zu schießen. Heut zu Tage ist diese Art des Geschützes nicht mehr üblich. Anm. Außer dem schon gedachten Franz. chasser, gehören zu der Verwandtschaft des Wortes Katze in dieser Bedeutung auch das Franz. jetter, das Schwed. kasta, werfen, das Angels. Ceast, Engl. Cast, ein Wurf, das alte Gothische kesan, treiben, das Deutsche schießen und andere mehr.


Katze (W3) [Adelung]


4. Die Katze, plur. die -n, ein Haken, oder doch ein einem Haken ähnliches Werkzeug; ein nur noch in einigen Gegenden übliches Wort. So ist in Liefland die Katze ein Werkzeug mit zwey langen Haken, Gebäude damit einzureißen, wo denn auch das Zeitwort katzen auf solche Art einreißen bedeutet. Im mittlern Lateine ist Gattus, im Franz. Chat, und im Schwed. Kaexa, gleichfalls ein Haken. Im Bergbaue bedeutet Küste eine Krücke.


Katze (W3) [Adelung]


5. Die Katze, plur. die -en, noch mehr im Diminut. das Kätzchen, Oberd. Kätzlein, ein Bündel, ein Büschel. 1) Im gemeinen Leben, eine sehr gewöhnliche Benennung derjenigen cylindrischen, zuweilen kugelförmigen Kelche an verschiedenen Bäumen, welche mit weichen Blättern wie mit Schuppen bedeckt sind, unter welchen die Blüthen liegen. Die Weiden, Haselnüsse, Wälsche Nüsse, Birken, Kastanienbäume u. s. f. haben solche Kätzchen. Im Nieders. Kätzken, Kettjens, an einigen Orten Palmen, besonders wenn sie noch in ihre Knospen eingehüllet sind, Lämmerchen, in der Lausitz Minsel. Dergleichen Katzen mit großen hölzernen Schuppen, wie z. B. die Tannenbäume haben, heißen Zapfen. Bey dem Frischlin lautet es in dieser Bedeutung Kotze. Im Schwed. ist Kotte, Strobilus, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , und im Nieders. Kasse ein Büschel, ein Blumenstrauß. 2) Bey den Schmieden wird ein Bündel oder Packet Eisen, welches sie zusammen schmieden wollen, eine Katze genannt.


Katze (W3) [Adelung]


6. Die Katze, plur. die -n, ein Wort, welches in einigen Fällen einen harten Körper bedeutet. So pflegen die Bergleute die harten knorrigen Stellen und gelben mineralischen Adern in den Schieferbrüchen, welche das Spalten hindern, Katzen zu nennen. Es kann in dieser Bedeutung so wohl von quad, böse, S. 1. Katze und Katzbalgen, als auch von Kies, Kiesel, Lat. Cos, herstammen. Im mittlern Lat. sind Caci Schachsteine und schon im Hebr. bedeutet - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - einen Stein.


Katze (W3) [Adelung]


7. Die Katze, plur. die -n, ein sehr altes Wort, welches ehedem eine Erhöhung bedeutete, und nur noch im Festungsbaue üblich ist, wo die Katze ein hohes Werk auf einem Bollwerke oder auf dem Hauptwalle ist, das Feld rings um die Festung zu entdecken; die Basteykatze, Wallkatze, Franz. Cavalier. Im Schwed. ist Kase und Kast, und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Haufen, S. 1. Kasten. Diese Bedeutung ist mit der folgenden sehr genau verwandt, weil die meisten Wörter, welche eine Erhöhung bezeichnen, auch zugleich eine Vertiefung ausdrucken.


Katze (W3) [Adelung]


8. Die Katze, plur. die -n, ein noch in verschiedenen Fällen übliches Wort, einen hohlen Raum, einen bedeckten Raum, hohles Behältniß, zu bezeichnen. 1) Im gemeinen Leben nennet man einen langen ledernen Geldbeutel, welchen man um den Leib gürtet, einen Geldgürtel, eine Katze, oder Geldkatze, im Nieders. Katt. Es ist in dieser Bedeutung im Ganzen genommen sehr alt, und von einer überaus großen Verwandtschaft, wohin besonders die Hochdeutschen Kaste, Kiste, Hotze, eine Wiege, Koth, ein kleines Gebäude, Kessel, Köthe, ein Schrank, Kietze, eine Art Körbe, Kutsche u. s. f. die Niederdeutschen Kauße, ein großer hölzerner Schöpflöffel, Gatt, ein Loch, Kante, eine Grube, die mittlern Lat. Cacea, Cacia, Franz. Chace, ein Kasten, Behältniß, das Lat. Cassis, ein Helm, ja selbst das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Gefäß, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Kelch, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Becher, das alte Gothische Kas, ein Gefäß, und hundert andere gehören. Im Schwed. ist Kudde eine Tasche, im Türkischen Kize, ein Beutel, Franz. Gousset. S. auch Gätze, welches im Oberd. eine Gelte bedeutet, und mit dem Nieders. Kauße, ein großer hölzerner Schöpflöffel überein kommt. 2) So fern der Begriff der Bedeckung mit dem Begriffe des hohlen Raumes genau verbunden ist, war die Katze in dem ehemahligen Kriegswesen ein bedeckter Gang, oder ein bedecktes Gerüst, unter welchem die Belagerer vor den Blicken und Angriffen der Belagerten sicher waren, welches man heut zu Tage eine Gallerie zu nennen pfleget; im ehemahligen Franz. Chat, im mittlern Lat. Catus, Cattus, Gatus, Gattus. Man muß diese Art von Katzen, welche in den ältern Deutschen Schriften noch häufig vorkommen, mit dem bey der dritten Nummer gedachten angreifenden Werkzeuge nicht verwechseln. Bey den Schwäbischen Dichtern geschieht eines solchen Schirmdaches unter dem Nahmen der Katze mehrmahls Meldung.


Katze (W3) [Adelung]


9. Die Katze, pur. die -n, Diminut. das Kätzchen, Oberd. Kätzlein, ein bekanntes vierfüßiges, fünfzehiges, kletterndes Thier, wovon die zahme Art sich unter den Menschen aufhält, und Hauskatze oder zahme Katze genannt wird, zum Unterschiede von den wilden Katzen, welche in den Wäldern leben. Der häufige Umgang des Menschen mit diesem Thiere hat zu verschiedenen figürlichen R. A. Anlaß gegeben. Wie Hunde und Katze mit einander leben, unverträglich, zänkisch. Er gehet darum herum, wie die Katze um dem heißen Brey, er weiß nicht, wie er die Sache anfangen soll. Bey der Nacht sind alle Katzen grau. Er gehet davon, wie die Katze von dem Taubenschlage, in aller Stille. Die Katze im Sacke kaufen, etwas unbesehens kaufen. Der Katze die Schelle nicht anhängen wollen, sich um eines andern, oder der gemeinen Wohlfahrt willen nicht in eigene Gefahr begeben wollen, eine aus der Fabel entlehnte R. A. Katze ist ein allgemeiner Ausdruck, welcher das Geschlecht unentschieden lässet. Soll dieses näher bestimmt werden, so heißt das männliche der Kater, ( S. dieses Wort,) und das weibliche, in engerer Bedeutung die Katze, bey einigen auch die Kätzinn, und im gemeinen Leben die Kietze und Kietzinn. Eine junge Katze wird im Osnabrück. Kitte genannt. Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt führen noch einige andere Thiere diesen Nahmen, ( S. Meerkatze, Zibethkatze;) dagegen nach dem Linneeischen System auch die Luchse, Parder und Tieger zu dem Geschlechte der Katzen gehören.

Anm. Der Nahme dieses Thieres ist sehr alt und allgemein. Im Nieders. lautet er Katte, im Angels. Engl. und Dän. Cat, im Ital. Gatta, Gatto, im Franz. Chat, im mittlern Latein. Catta, Cattus, Catus, Gatus, im Wallis. Cath, im Bretagnischen Caz, im Russ. Kote, im Pohln. Kat, im Türkischen Kady, im Armen Citto, im Lappländ. Gato, im Wallach, Katussa, im Böhm. Kocka. Die Abstammung ist ungewiß, weil mehrere Wörter mit gleichem Rechte darauf Anspruch machen können, und man nicht mehr weiß, welche Eigenschaft dieses Thieres dem ersten Erfinder seines Nahmens vorzüglich in die Augen gefallen, und ihm der Verewigung würdig geschienen. Ugutio leitete es von catus, klug, ab, Isidor von cattere, sehen, weil dieses Thier zur Nachtzeit siehet, Johann von Genua von capere, fangen, von welcher Eigenschaft es auch in der ältern Oberdeutschen Mundart Fohe genannt wird, ( S. 3 Katze 1.) Wachter vom Franz. Guet, die Wache, anderer zu geschweigen. Im dem 1483 zu Ulm gedruckten Buche Kelila und Dimme wird die Katze beständig Maushund genannt. Im gemeinen Leben hat man noch verschiedene andere Ausdrücke, eine Katze zu nennen, besonders wenn man sie ruft, z. B. Hietz, Mietz, im Nieders. Puse, in Hessen Baunsch u. s. f. Man hat endlich noch einige andere Thiere, deren Nahmen diesem Worte sehr nahe kommen, obgleich nicht zu bestimmen ist, wie nahe sie mit demselben verwandt sind. Dergleichen sind besonders der Kautz und die Kietz, eine Gaiß oder Ziege, Lat. Hoedus.


Katzen (W3) [Adelung]


1. Katzen, verb. reg. act. mit einer Katze einreißen, siehe 4. Katze.


Katzen (W3) [Adelung]


2. Katzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Katzball spielen, S. 3. Katze 1. 1)


Katzenauge (W3) [Adelung]


Das Katzenauge, des -s, plur. die -n. 1) Ein grünlich graues Auge, welches den Augen der Katzen gleicht. 2) In einigen Gegenden, ein Nahme der kleinen tauben Nessel; Lamium amplexicaule L. 3) Eine Art des Qnyxes, auf welchem sich die Gestalt eines Auges darstellt; Oculus felis, Oculus beli, das Sonnenauge.


Katzenbalsam (W3) [Adelung]


Der Katzenbalsam, des -es, plur. inus. S. Katzenmünze.


Katzenfuß (W3) [Adelung]


Der Katzenfuß, des -es, plur. inus. S. Katzenpfötchen.


Katzengesicht (W3) [Adelung]


Das Katzengesicht, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme der Hanfnessel, Galeopsis L. wegen einiger Ähnlichkeit der Blumen.


Katzengeschrey (W3) [Adelung]


Das Katzengeschrey, des -es, plur. die -e, eigentlich, das Geschrey einer oder mehrerer Katzen. Im gemeinen Leben einiger Gegenden auch ein Stück Weges, so weit man das Geschrey einer Katzen hören kann, wofür man an andern Orten das Wort Hahnengeschrey gebraucht.


Katzenglas (W3) [Adelung]


Das Katzenglas, des -es, plur. inus. eine Benennung des Frauenglases, S. dieses Wort und 1 Katze.


Katzenglimmer (W3) [Adelung]


Der Katzenglimmer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. der gelbe und weiße Glimmer, wovon der erste auch Katzengold und der letztere Katzensilber genannt wird; S. 1 Katze.


Katzengold (W3) [Adelung]


Das Katzengold, des -es, plur. inus. Glimmer, der den Glanz und die Farbe des Goldes hat, aber nichts Metallisches enthält, S. das vorige. In Niedersachsen pflegt der große Haufe das Gummi aus den Kirschbäumen um eben dieser Ursache willen Katzengold und an andern Orten Katzenklar zu nennen S. 1. Katze.


Katzengrau (W3) [Adelung]


Katzengrau, adj. et adv. der grauen Farbe der Katzen gleich. Bey den Schlössern heißt eine Arbeit Katzengrau gefeilt, wenn sie bloß mit der groben Feile überfahren ist.


Katzenkerbel (W3) [Adelung]


Das Katzenkerbel, des -s, plur. inus. ein Nahme des Erd- oder Feldrauches, weil er dem Kerbel gleicht, ohne dessen Nutzen zu haben, S. 1. Katze.


Katzenklee (W3) [Adelung]


Der Katzenklee, des -s, plur. inus. ein Nahme des Hasenklees, oder der Hasenpfötchen; Trifolium arvense L. S. Hasenklee 1. und 1. Katze.


Katzenkopf (W3) [Adelung]


Der Katzenkopf, des -es, plur. die -köpfe. 1) Im gemeinen Leben, ein Dummkopf. Aber gleichwohl ist unser einer auch kein Katzenkopf, Less. 2) Eine Art alter Vorlegschlösser, welche einschließen, ohne daß der Riegel heraus kommt; Franz. Penes en bord. Vielleicht wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt.


Katzenkraut (W3) [Adelung]


Das Katzenkraut, des -es, plur. inus. 1) Eine Art des Gamanders, dessen durchdringender balsamischer Geruch den Katzen und verschiedenen andern Thieren überaus angenehm ist; Teucrium Marum L. 2) In einigen Gegenden ist die Katzenmünze unter diesem Nahmen bekannt; so wie 3) in noch andern der Baldrian, welcher auch Katzenwurzel genannt wird, und 4) in noch andern das Kannenkraut, S. dieses Wort.


Katzenmünze (W3) [Adelung]


Die Katzenmünze, plur. inus. eine der Münze an Gestalt ähnliche Pflanze, welche aber einen widrigen Geruch hat, daher der Nahme so viel als unechte, garstige Münze zu bedeuten scheinet; Nepeta L. Katzenbalsam, Katzennept, Katzenkraut, Engl. Catsmint. S. 1. Katze.


Katzenparder (W3) [Adelung]


Der Katzenparder, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Parder mit einem kurzen, dem Schwanze der Katzen ähnlichen Schwanze, daher auch die Alten glaubten, daß er von einem Parder und einer Katze entsprungen sey.


Katzenpfennig (W3) [Adelung]


Der Katzenpfennig, des -es, plur. die -e, bey dem großen Haufen, eine Benennung verschiedener, besonders alter Arten von Pfennigen, welche das Gepräge eines Löwen haben, welchen die Unwissenheit für eine Katze hält.


Katzenpfötchen (W3) [Adelung]


Das "Katzenpfötchen", Oberd. "Katzenpfötlein", des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme verschiedener Pflanzen, deren Blumen oder Blätter einige Ähnlichkeit mit den "Katzenpfoten" haben.
1) Einer stacheligen Art der "Sinnpflanze", welche in Jamaika und den Karaibischen Inseln wächset; "Mimosa Unguiscati L."
2) Des "Gauchheils", "Anagallis arvensis L." welcher auch "Katzenfuß" genannt wird.
3) Des "Spindelbaumes", "Euonymus Europaeus L."
4) Einer Art des "Ruhrkrautes" "Gnaphalium dioicum L." welches auf den dürren Gegenden Europens wächset.
5) Der "Mäuseöhrchen", "Myosotis L."


Katzenritter (W3) [Adelung]


Der Katzenritter, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art ehemahliger Klopffechter, welche sich um des Gewinstes willen mit Thieren in ein Gefecht einließen; zum Unterschiede von den Marksbrüdern und Federfechtern. In der alten Nürnbergischen Reformation hieß es, wenn ein Sohn ein Katzenritter sey, so könne er enterbt werden. In der neuen Reformation ließ man diese Stelle weg, vielleicht weil diese Art der Klopffachter bereits ungewöhnlich geworden war. S. Katzbalgen und 3. Katze.


Katzenscheu (W3) [Adelung]


Katzenscheu, adj. et adv. eine natürliche oder eingebildete Scheu vor Katzen habend. Daher die Katzenscheu, diese Art der Scheu.


Katzenschwanz (W3) [Adelung]


Der Katzenschwanz, des -es, plur. inus. 1) Eine Pflanze, welche in Ostindien und auf der Insel Martinik einheimisch ist, deren hangende Blumenähren einige Ähnlichkeit mit dem Schwanze einer Katze haben; Caturus L. 2) Im gemeinen Leben auch eine Benennung des Schaftheues, besonders der ästigen Art desselben, Equisetum arvense L. welche auch Roßschwanz, und im Oberd. auch Katzenzagel, Katzenzahl, Nieders. Katstert, genannt wird, von Zagel, Zahl, der Schwanz. S. Kannenkraut.


Katzensilber (W3) [Adelung]


Das Katzensilber, des -s, plur. inus. der weiße Glimmer, welcher dem Silber ähnlich siehet, aber nichts als eine taube Erdart ist. S. Katzenglimmer und 1. Katze.


Katzentraube (W3) [Adelung]


Die Katzentraube, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Mauerpfeffers; Sedum acre L.


Katzenwurzel (W3) [Adelung]


Die Katzenwurzel, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Baldrians, Valeriana L. S. Katzenkraut. Ingleichen des braunen Weiderichs, Lythrum Salicaria L.


Katzenzagel,Katzenzahl (W3) [Adelung]


Der Katzenzagel, oder Katzenzahl, plur. inus. S. Katzenschwanz.


Katzschiff (W3) [Adelung]


Das Katzschiff, des -es, plur. die -e, S. 3. Katze.


Katzsparren,Katzsporen (W3) [Adelung]


Der Katzsparren, oder Katzsporen, des -s, plur. ut nom. sing. S. 2. Katze.


Kauche (W3) [Adelung]


Die Kauche, Käuche, oder Keiche, plur. die -n, ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, ein enges Behältniß, besonders ein Gefängniß zu bezeichnen, da denn auch der Kerkermeister der Käuchenmeister genannt wird. S. Kaue, zu welchem Geschlechte es gehöret.


Kauchen (W3) [Adelung]


* Kauchen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches gleichfalls im Oberdeutschen am üblichsten ist, sich auf die Fersen niederlassen, auf den Fersen sitzen, hocken. Es wird auch hauchen gesprochen, und ist mit hocken dem Ursprunge nach einerley, S. dasselbe. Das Frequentativum oder Intensivum kauern ist auch im gemeinen Leben der Hochdeutschen gangbar. Im Oberdeutschen sagt man dafür auch hauern, huren.


Kaudelwiede (W3) [Adelung]


Die Kaudelwiede, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Nahme des Schlingenbaumes oder Maulbeerenbaumes, Viburnum Lantana L. dessen Beeren auch Haubeeren und Kaulbeeren genannt werden. S. Schlingbaum.


Kauder (W3) [Adelung]


Der Kauder, des -s, plur. inus. im Oberdeutschen, das Werrig oder Werk von dem Flachse oder Hanfe, im Niedersächs. die Hede, von welchem Worte es bloß eine härtere Aussprache, und durch die Ableitungsylbe er verschieden zu seyn scheinet.


Kaudern (W3) [Adelung]


* Kaudern, verb. reg. act. welches gleichfalls nur im Oberdeutschen üblich ist, wo es wucherlichen Handel im Kleinen treiben bedeutet. Daher der Kauderer, der auf solche Art wuchert, die Kauderey, ein solcher wucherlicher Handel. Der Getreidekauderer, ein Kornjude. Im Nieders. ist noch küten und kütken, in Thüringen kauten, üblich, auf eine wucherliche Art tauschen und vertauschen, küten und büten, zusammen gezogen kütjebüten, in eben diesem Verstande. S. Kippen.


Kauderwälsch (W3) [Adelung]


Kauderwälsch, -er, -este, adj. et adv. im gemeinen Leben, unverständlich der Sprache nach, im verächtlichen Verstande Kauderwälsch reden. Ein kauderwälscher Mann, der eine unverständliche Sprache redet, oder seine Sprache auf eine unverständliche Art spricht. Eine kauderwälsche Sprache. Die letzte Hälfte ist das bekannte wälsch, welches überhaupt ausländisch bedeutet. Die erste Hälfte könnte das noch hin und wieder im gemeinen Leben übliche kaudern, unvernehmlich sprechen, seyn, welches das Iterativum des bey dem Ottfried und andern alten Oberdeutschen Schriftstellern so häufigen quedan, ehedem noch quaden, Schwed. queda, Engl. quoth, sprechen, reden, ist. Indessen hat doch Frischens Meinung ihr Gutes, welcher es von Chur, der Hauptstadt in Graubünden, im gemeinen Leben Kaue, ableitet, so daß Kauderwälsch, so viel als Churwälsch bedeuten würde, ein solches verderbtes Wälsch, d. i. Italiänisch, wie es in und um Chur gesprochen wird. Es wird diese Ableitung dadurch wahrscheinlich, weil im Niedersächsischen statt dessen Uckerwendisch und im Mecklenburgischen Uckerwälsch üblich ist, womit auf die ehemaligen Wenden in der heutigen Uckermark gesehen wird; vielleicht weil ihre Mundart unter andern Wendischen Mundarten die unangenehmste war, oder auch, weil die dortigen Wenden ihre Mundart am längstens beybehalten haben. ( S. auch Rothwälsch,) Die Dänen gebrauchen dafür Kragemaal, Krähensprache, von Krage, eine Krähe.


Kaue (W3) [Adelung]


Die Kaue, plur. die -n, ein nur noch im gemeinen Leben übliches Wort, ein hohles, gemeiniglich enges Behältniß zu bezeichnen. 1) Im Oberdeutschen wird die Kaue zuweilen für Käfich gebraucht, und Hühnerkaue ist daselbst eine Hühnersteige. 2) In der Landwirthschaft einiger Gegenden, z. B. in der Lausitz, sind die Kauen, Kaaen oder Koen kleine Verschläge in den Schafställen, diejenigen Schafe, welche ihre Lämmer nicht annehmen wollen, in denselben einzusperren. 3) Im Bergbaue ist die Kaue oder Kaa eine kleine Hütte über einem Schachte, die Haspelzieher vor der Witterung zu bedecken.

Anm. Dieses alte Wort hat überhaupt den Begriff des hohlen Raumes und figürlich auch der Bedeckung. Im mittlern Lateine ist Cohua eine Bude, Kaufhalle, Chio, Chyo ein Bauerhaus, Caya ein Haus, im Engl. Coe eine Grube unter der Erde, und im Böhm. Kow ein Bergwerk. Der allgemeine Begriff des hohlen, eingeschlossenen Raumes ist durch eine Menge von Ableitungssylben fast in allen bekannten Sprachen auf eine beynahe unzählige Art eingeschränket und anders bestimmt worden; wohin mit den Hauchbuchstaben im Deutschen Kauche, Kachel, Gieke, Schacht; mit den Lippenbuchstaben, Koben, Kober, Kappe, Käfich, Kübel, Caftan, Kufe, und die Lat. Cavea, cavus, und mit voran gesetztem Zischlaute Schaube, Schoppen, das Nieders. Schapp; mit den Zungenbuchstaben, Kothe, Hutte, Haut, Kanne, Kahn, Canal, Kahr, ein Gefäß, Korb, das Niedersächs. Kuhle; und mit den Zischlauten Casse, Kasten, Kiste, Katze in der Bedeutung eines hohlen Raumes, Haus, Hotze, und hundert andere mehr gehören.


Kauen (W3) [Adelung]


Kauen, verb. reg. act. mit den Zähnen zermalmen und zugleich mit dem Speichel vermischen. Die Speisen kauen. Jemanden etwas in das Maul kauen, in den niedrigen Sprecharten, es ihm sehr deutlich und umständlich vorsagen.

Anm. Bey dem Ottfried und Notker chouan, welches es auch in weiterer Bedeutung theils für essen, verzehren, theils für beißen, theils aber auch für kosten gebrauchen. Diu anda dinis husis chou mih innan, der Eifer um dein Haus hat mich verzehret, Notk. Im Angels. ceowan, im Engl. to chaw, chew. Es scheinet zu hauen, schneiden, zu gehören, ja bloß durch eine härtere Aussprache des Hauchlautes daraus entstanden zu seyn. Im Hochdeutschen ist kauen, in manchen Gegenden aber käuen üblicher. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist die Koy der Kinnbacken. S. auch Kiefe und Keifen.


Kauern (W3) [Adelung]


Kauern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, sich auf die Fersen niederlassen, auf den Fersen sitzen, im gemeinen Leben. S. Kauchen und Hocken.


Kauf (W3) [Adelung]


Der Kauf, des -es, plur. die Käufe, von dem Zeitworte kaufen, doch nur in dessen engsten Bedeutung, die Erwerbung des Eigenthumes einer Sache von einem andern gegen ein von demselben bewilligtes Geld; zum Unterschiede so wohl von dem Verkaufe, als auch von dem Tausche, und andern Arten der Erwerbung des Eigenthumes einer Sache. 1) Eigentlich, die Handlung, da man das Eigenthum über eine Sache auf diese Art erwirbt. Etwas durch Kauf an sich bringen. Einen guten, einen schlechten Kauf thun. Silber, das im Kaufe gänge und gebe war. 1 Mos. 23, im Handel und Wandel. Waaren auf den Kauf machen, in engerer Bedeutung, im Gegensatze der bestellten Arbeit, oder der bestellten Waare; wo es doch so wie in der folgenden Redensart zunächst den Verkauf bedeutet, ( S. Kaufen,) Etwas zu Kauf haben, im gemeinen Leben, es feil haben. Apollo hat als Arzt viel herrliches zu Kauf, Haged. Das ist hier nicht zu Kauf, auch nur im gemeinen Leben, das ist hier nicht feil, ist hier nicht für Geld zu haben. Sprichw. Kauf gehet vor Miethe. So auch in den Zusammensetzungen Ankauf, Aufkauf, Einkauf, Verkauf, Vorkauf. 2) Der um deßwillen mit dem Verkäufer geschlossene Vertrag; der Kaufvertrag. Einen Kauf treffen, schließen, machen. Der Kauf ist gemacht. Jemanden Geld auf den Kauf bezahlen, Zur Sicherheit oder Befestigung des Vertrages. Einem den Kauf nicht halten. Den Kauf brechen. Der Kauf gehet zurück. Etwas mit in den Kauf eindingen. Einen Kauf wieder aufheben. 3) Figürlich, der Preis, um welchen man etwas kauft, ohne Plural und im gemeinen Leben; der Kaufpreis. Hier ist alles gut Kauf, um einen billigen Preis zu haben. Den Kauf steigern und ringern, 1 Mos. 25, 16. Der Marktkauf, der Marktpreis. Ingleichen in der zweyten Endung. Etwas guten Kaufes geben, wohlfeil. Das ist hier guten Kaufes. Wie auch figürlich. Ich glaubte nicht, daß ich hier so leichten Kaufes wegkommen würde, so wohlfeil, mit einem so geringen Schaden. Er wird es schon nähern Kaufes geben, schon wohlfeiler; ingleichen figürlich, er wird schon nachgeben, von seinem Stolze, Trotze, oder hohen Ansprüchen nachlassen. 4) Das für eine Sache bezahlte oder verglichene Geld; doch nur in den Zusammensetzungen Reukauf, Leihkauf, Handkauf, Weinkauf u. s. f.

Anm. Bey dem Ottfried Kouf, bey dem Notker Chouf, im Nieders. Koop, im Angels. Ceap, im Schwed. Kioh, im Isländ. Kaup. Nach noch weitern Figuren bedeutet Chouf in den Monseeischen Glossen so wohl die Waare, als den Wucher. ( S. Kaufen,) Der Plural, welcher im Hochdeutschen nur selten vorkommt, kann doch immer gebraucht werden, so oft in den beyden ersten Bedeutungen mehrere Handlungen angedeutet werden sollen.


Kaufanschlag (W3) [Adelung]


Der Kaufanschlag, des -es, plur. die -schläge, der Anschlag über den Werth einer zum Verkaufe ausgebothenen Sache, zum Unterschiede von einem Pachtanschlage.


Kaufbrief (W3) [Adelung]


Der Kaufbrief, des -es, plur. die -e, der Brief, d. i. die Urkunde, über einen schriftlich geschlossenen Kauf.


Kaufbuch (W3) [Adelung]


Das Kaufbuch, des -es, plur. die -bücher, ein nur in dem zusammen gesetzten Ausdrucke Kauf- und Handelsbuch übliches Wort, ein Buch zu bezeichnen, worein die Kauf- und Handelsleute ihre Geschäfte zu verzeichnen pflegen. S. Kaufherr.


Kaufen (W3) [Adelung]


Kaufen, verb. reg. act. welches ehedem von einem sehr weiten Umfange der Bedeutung war, jetzt aber nur noch in einigen sehr eingeschränkten Fällen üblich ist. Es hatte eine vierfache Hauptbedeutung, mit einem Handschlage versprechen, handeln, geben, und endlich nehmen. I. * Mit einem Handschlage versprechen. 1. Eigentlich, in welcher im Deutschen längst veralteten Bedeutung das Schwed. köpa für versprechen überhaupt üblich war, wie aus Ihrens Glossario erhellet. 2. Einen Vertrag errichten, verabreden, von welcher Bedeutung im ältern Schwedischen gleichfalls häufige Beyspiele vorkommen. II. * Handeln, Engl. to chaffer, d. i. durch kaufen und verkaufen seine Nahrung gewinnen; ein selbst im Deutschen noch nicht ganz veralteter Gebrauch. Im gemeinen Leben höret man noch häufig, mit jemanden kaufen, d. i. mit ihm handeln, es sey auf welche Art es wolle. Wohin auch die zusammen gesetzten Kaufmann, Kaufherr, Kaufhaus u. s. f. gehören. III. * Geben; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, welche so wie die figürliche, vergelten, noch im Schwedischen vorkommt, wovon Ihrens Glossarium nachzusehen ist. Eben daselbst wird es auch für verkaufen gebraucht, wovon in den R. A. etwas auf den Kauf machen, etwas zu Kaufe haben, auch im Deutschen noch Überbleibsel vorhanden sind. IV. Nehmen, und zwar, 1. * In der weitesten Bedeutung dieses Wortes, in welchem veralteten Verstande es mit dem Lat. capere accipere u. s. f. überein kommt. Ehedem sagte man, sich eine Frau kaufen, und von dem andern Geschlechte, sich einen Mann kaufen, wofür man jetzt das Zeitwort nehmen gebraucht; wovon Frisch einige Beyspiele anführet. Auch Es. 55, 1 scheinet es in dieser Bedeutung vorzukommen: kaufet ohne Geld und umsonst, beyde Wein und Milch. In einer Oberdeutschen Urkunde von 1400 werden die Einkünfte, welche jemand hat, seine Einnahmen, Kaufberig genannt. 2. Das Eigenthum einer Sache an sich bringen, es geschehe auf welche Art es wolle. 1) * In der weitern Bedeutung, für erwerben; eine wenigstens im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Si begunden das gotes reich nach ritters recht chouffen, Stryker. Kaufet euch Weisheit, weil ihr sie ohne Geld haben könnet, Sir. 51, 33. Ich rathe dir, daß du Gold von mir kaufest, Offend. 3, 18. 2) In engerm Verstande, von besondern Arten dieses Erwebes. (a) * Für dingen, miethen; eine im Deutschen jetzt ungewöhnliche Bedeutung, welche aber in den ältern Schriften so wohl der Deutschen als benachbarten Sprachen vorkommt. (b) * Für tauschen; ein im Hochdeutschen gleichfalls veralteter Gebrauch, in welchem choufan in den Monseeischen Glossen, und Chouf, für Tausch, bey dem Notker vorkommt. In manchen Kartenspielen kauft man noch Karten, wenn man seine Karten mit andern verwechselt. (c) * Vermittelst verkaufter Waaren Geld erwerben, Geld aus Waaren lösen; eine nur noch im Niedersächsischen übliche Bedeutung, wo man noch täglich sagt, viel Geld aus einer Waare kaufen, d. i. lösen. (d) Für Geld den Besitz, den Genuß einer Sache erwerben; eine auch noch im Hochdeutschen gangbare Bedeutung, wo es mit verschiedenen Vorwörtern gebraucht wird. Sich aus dem Gefängnisse kaufen. Sich in ein Amt kaufen. (e) In dem engsten und gewöhnlichsten Verstande, das Eigenthum einer Sache von dem andern gegen ein von demselben bewilligtes Geld an sich bringen; mit der vierten Endung der Sache. Ein Haus, einen Garten kaufen. Sich ein Gut kaufen. Seinem Freunde ein Buch kaufen. Für bares Geld kaufen, im Oberd. um. Ein Pferd für funfzig Thaler kaufen, im Oberd. um. Ich habe es von ihm gekauft. Wie hoch, wie theuer haben sie es gekauft? Ich habe es sehr wohlfeil gekauft. Einem etwas zu kaufen bringen. Etwas an sich kaufen. Ingleichen absolute, bey jemand kaufen, was man zu kaufen genöthiget ist, gewöhnlich von ihm kaufen. Das Hauptwort die Kaufung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.

Anm. In der letzten engsten Bedeutung schon bey dem Kero choufan, bey dem Ulphilas kaupan, im Nieders. kopen und köpen, im Angels. ceapan, im Engl. to cheapen, dingen, handeln, wo auch to keep nehmen ist, im Dän. kiobe, im Schwed. köpa, im Franz. achepter, acheter, von captare, accaptare, im Böhm. kupowati, im Finnländ. caupaan. Ihre hält die Bedeutung des pacisci für die erste ursprüngliche, und leitet daraus die übrigen im Schwedischen vorkommenden her. Frisch war schon um einen Schritt weiter gegangen, und hatte die Übereinkunft mit dem Lat. capere eingesehen. Nimmt man die übrigen ihm unbekannt gebliebenen Bedeutungen dazu, so wird es sehr wahrscheinlich, daß dieses Zeitwort von dem noch im Oberdeutschen nicht ganz veralteten Gaff, Gauf, die Hand, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, herstamme, ( S. Gäspe,) von welchem allem Ansehen nach auch haben und geben herkommen, zumahl da geloben und handeln, welche Bedeutungen kaufen ehedem auch hatte, gleichfalls von Hand, und Lof, die Hand, herkommen, und es noch jetzt üblich ist, Versprechen und Verträge mit einem Handschlage zu befestigen. ( S. Kaufschlagen.) Im mittlern Lateine kommt accipere mehrmahls für emere vor.


Käufer (W3) [Adelung]


Der Käufer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin die Käuferinn, von dem vorigen Zeitworte in dessen engsten Bedeutung, eine Person, welche etwas kauft, gekauft hat, oder kaufen will. Einen Käufer zu etwas suchen. Der Käufer mußte die Waaren wieder heraus geben. Im gemeinen Leben Kaufmann.


Kauffahrdey (W3) [Adelung]


Die Kauffahrdey, plur. inus. ein aus dem Nieders. und Holländ. Koopfaardije entlehntes Wort, die Schifffahrt, so fern sie um der Handlung willen geschiehet. Man gebraucht es im Hochdeutschen nur in den Zusammensetzungen, das Kauffahrdeyschiff, ein Kauffahrer, ein Handlungsschiff, und die Kauffahrdeyflotte, eine Flotte solcher Schiffe, zum Unterschiede von einem Kriegsschiffe und einer Kriegsflotte. Man schreibt es im Hochdeutschen oft unrichtig Kauffahrtey; Kauffahrthey wäre erträglicher, weil das Nieders. d im Hochdeutschen öfter in das verwandte th übergeht. Am besten vermeidet man es ganz, weil Kauffahrer und Handelsschiff angemessener sind. Siehe Kaufen II.


Kauffahrer (W3) [Adelung]


Der Kauffahrer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Schiff, welches für den Kauf, d. i. für die Handlung bestimmt ist, ein Handelsschiff, im Gegensatze eines Kriegsschiffes. 2) Der Capitän oder Schiffer eines Schiffes. S. Kaufen II.


Kauffrau (W3) [Adelung]


Die Kauffrau, plur. die -en, eine Frau, welche Handlung treibt, am häufigsten in dem Ausdrucke Kauf- und Handelsfrau. Zuweilen auch, besonders in dem zusammen gesetzten Ausdrucke, die Gattin eines Kauf- und Handelsherren. S. Kaufherr und Kaufmann.


Kaufgeld (W3) [Adelung]


Das Kaufgeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, wofür man eine Sache gekauft hat, oder kauft. Das Kaufgeld gerichtlich niederlegen.


Kaufgericht (W3) [Adelung]


Das Kaufgericht, des -es, plur. die -e, S. Handelsgericht.


Kaufglätte (W3) [Adelung]


Die Kaufglätte, plur. inus. im Hüttenbaue, diejenige Glätte, welche für den Kauf, d. i. für die Handlung, zum Verkaufe, bestimmt ist; im Gegensatze der Frischglätte.


Kaufgut (W3) [Adelung]


Das Kaufgut, des -es, plur. die -güter, im gemeinen Leben, für die Handlung bestimmtes Gut, d. i. Waaren. Es. 23, 18. S. Kaufen II.


Kaufhandel (W3) [Adelung]


Der Kaufhandel, des -s, plur. inus. die Handlung. Ihr Kaufhandel wird dem Herren heilig seyn, Es. 23, 18. Da Kauf und Handel schon jedes für sich diese Bedeutung hat, aber auch jedes für sich zweydeutig ist, so scheinet es, daß man diese dem Anscheine nach tautologische Zusammensetzung um deßwillen gemacht habe, um die Zweydeutigkeit, welche jedem dieser Worte einzeln anklebet, aus dem Wege zu räumen. S. Kaufen II. und Kaufherr.


Kaufhandlohn (W3) [Adelung]


Der Kaufhandlohn, S. Handlohn.


Kaufhaus (W3) [Adelung]


Das Kaufhaus, des -es, plur. die -häuser, ein zunächst für die Handlung bestimmtes Haus. Besonders, ein Gebäude mit einem großen Hofe, welcher mit Handelsgewölben und Läden umgeben ist, dergleichen sich in Italien und in den Morgenländern befinden. In dem Ausdrucke Kauf- und Handelshaus, bedeutet es das Haus und die Handlung eines Kaufmannes.


Kaufherr (W3) [Adelung]


Der Kaufherr, des -en, plur. die -en, Fämin. die Kauffrau, ein nur in dem Ausdrucke Kauf- und Handelsherr übliches Wort, einen vornehmen, angesehenen Kaufmann zu bezeichnen. Ehedem gebrauchte man nur die einfachern Ausdrücke Kaufbuch, Kauffrau, Kaufhaus, Kaufherr u. s. f. ein Handelsbuch, eine Handelsfrau, ein Handelshaus und einen Handelsherren zu bezeichnen. Allein um die Zweydeutigkeit des Wortes kaufen zu vermeiden, da es auch für Geld an sich bringen bedeutet, vielleicht auch, weil es in der Bedeutung des Handels zu veralten anfing, setzte man das Wort Handel hinzu; Kauf- und Handelsherr u. s. f. S. Kaufhandel und Kaufmann.


Kaufladen (W3) [Adelung]


Der Kaufladen, des -s, plur. die -läder, ein Laden, in welchem Waaren verkauft werden; ein Handelsladen, ingleichen ein Kauf- und Handelsladen. S. Kaufen II. und Kaufherr.


Kauflehen (W3) [Adelung]


Die Kauflehen, plur. ut nom. sing. die Lehen oder Lehenwaare, welche man in einem erkauften lehnbaren Bauergute dem Lehensherren bezahlet, die Kauflehnwaare; zum Unterschiede von der Sterbelohn, Erblehen u. s. f. An andern Orten der Kaufhandlohn, die Anfahrt, der Leihkauf, der Ehrschatz u. s. f. S. Handlohn und Lehenwaare.


Kaufleinwand (W3) [Adelung]


Die Kaufleinwand, plur. inus. Leinwand, welche auf den Kauf gemacht, d. i. für die Handlung bestimmt ist; zum Unterschiede von der Hausleinwand.


Kaufleute (W3) [Adelung]


Die Kaufleute, sing. inus. 2) Personen, welche mit einander handeln, der Käufer und Verkäufer; doch nur im gemeinen Leben, besonders in der R. A. biethen und wieder biethen macht Kaufleute. ( S. Kaufen II.) 2) Leute, welche Handlung treiben; als der Plural von Kaufmann, S. dieses Wort. 3) Leute, welche das Eigenthum einer Sache an sich bringen, oder an sich bringen wollen, doch nur im gemeinen Leben; in der anständi- gern Sprechart Käufer. Kaufleute zu einer Waare suchen S. Kaufmann.


Käuflich (W3) [Adelung]


Käuflich, adv. vermittelst eines Kaufes, d. i. gegen ein von dem Verkäufer bewilligtes Geld. Eine Sache käuflich an sich bringen, sie kaufen.


Kauflust (W3) [Adelung]


Die Kauflust, plur. inus. die Lust, d. i. Neigung, eine Sache zu kaufen. Die Kauflust kommt ihn an. S. Lust.


Kauflustig (W3) [Adelung]


Kauflustig, adj. Kauflust habend; ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, wo man bey Auctionen die Kauflustigen, d. i. die Liebhaber, auf eine bestimmte Zeit einladet.


Kaufmann (W3) [Adelung]


Der Kaufmann, des -es, plur. die -Kaufleute, selten die Kaufmänner. 1) In der weitern Bedeutung des Zeitwortes kaufen, da es so viel als handeln, d. i. durch kaufen und wieder verkaufen seine Nahrung gewinnen bedeutet, ist der Kaufmann, und um ihn von dem Kaufmanne in der folgenden zweyten Bedeutung zu unterscheiden, der Kauf- und Handelsmann, ein jeder, der sich auf solche Art seine Nahrung erwirbt. Im gemeinen Leben gebraucht man es auch wirklich in diesem weitern Verstande, wo man, besonders an kleinern Orten, alle Krämer mit diesem Nahmen zu belegen pfleget, wenn nur ihr Handel nicht gar zu sehr ins Kleine gehet, oder zu verächtliche Dinge betrifft. In engerm Verstande ist ein Kaufmann nur derjenige, welcher im Ganzen oder im Großen handelt, d. i. einkauft und verkauft, zum Unterschiede von einem Krämer, welcher die Waaren nach Ellen, Pfunden u. s. f. verkauft. In dieser eingeschränkten Bedeutung wird es in ansehnlichen Handelsstädten, z. B. zu Leipzig, Hamburg u. s. f. gebraucht, wo die Kramerinnung von der Innung der Kaufleute genau unterschieden ist, und kein Kaufmann im Kleinen handeln darf, wenn er nicht förmlich in die Kramerinnung aufgenommen worden. Einen angesehenen Kaufmann dieser Art pflegt man auch wohl, besonders wenn man mit Achtung von ihm spricht, einen Kaufherren, noch mehr aber einen Kauf- und Handelsherren zu nennen. In Wien ist der Sprachgebrauch anders beschaffen. Kaufleute im engern Verstande heißen daselbst Niederläger, zum Unterschiede von den Krämern und Tändlern. Die Krämer werden wiederum in zwey Arten getheilt, wovon diejenigen, welche mit kostbaren Waaren, z. B. ausländischen Tüchern, Sammet, seidenen Zeugen handeln, Kauf- und Handelsleute, die übrigen aber in engerm Verstande Krämer heißen. Tändler scheinen diejenigen zu seyn, welche mit solchen Kleinigkeiten handeln, welche ihnen noch nicht einmahl auf den Nahmen eines Krämer ein Recht geben. Die Wechsler oder Banquiers werden daselbst zu den Niederlägern gerechnet, und Niederlagsverwandte genannt. In dieser ganzen Bedeutung lautet der Plural nur Kaufleute. Die Gattin eines Kaufmannes heißt im gemeinen Leben die Kaufmannsfrau, im Oberd. auch wohl die Kaufmänninn, in der anständigern Sprechart der Hochdeutschen die Kauf- und Handelsfrau, welchen Nahmen sie auch bekommt, wenn sie in ihrem eigenen Nahmen handelt. 2) In der engsten Bedeutung des Zeitwortes kaufen ist Kaufmann im gemeinen Leben derjenige, welches etwas kaufet, d. i. für ein von dem andern bewilligtes Geld an sich bringt, oder an sich bringen will. Einen Kaufmann zu etwas suchen. Es haben sich verschiedene Kaufleute dazu gemeldet. Einen Kaufmann zu etwas abgeben wollen, es kaufen wollen. In welcher Bedeutung man auch zuweilen im Plural die Kaufmänner sagt. In der anständigern Sprechart ist dafür Käufer üblicher, so wie man auch im weiblichen Geschlechte nicht Kaufmänninn oder Kauffrau, sondern Käuferinn sagt.

Anm. In der ersten Bedeutung schon bey dem Ottfried Koufman, bey dem Stryker Choufman, im Angels. Cheapman, im Nieders. Koopman, im Schwed. Köpman, wohin auch das Lat. Caupo gehöret. Im Engl. ist Chapman ein Käufer.


Kaufmännisch (W3) [Adelung]


Kaufmännisch, adj. et adv. nach Art der Kauf- und Handelsleute. Den Gewinn kaufmännisch berechnen. Das ist nicht kaufmännisch.


Kaufmannschaft (W3) [Adelung]


Die Kaufmannschaft, plur. die -en. 1) Die sämmtlichen Kauf- und Handelsleute eines Ortes als ein Ganzes betrachtet, so wohl in weiterer Bedeutung, als auch in engerer und in dieser letztern zum Unterschiede von der Kramerinnung. Im Oberdeutschen gebraucht man es auch von einzelnen Kaufleute. Die mit Kattun handelnde inländische Kaufmannschaften, d. i. Kaufleute, in einer Österreichischen Verordnung. 2) Der Kaufhandel, die Handlung, der Einkauf und Wiederverkauf der Waaren um Gewinnes willen, ohne Plural; wo es so wohl in weiterm Verstande von dem Geschäfte der Krämer, als auch im engern, von dem Geschäfte der Kaufleute gebraucht wird. Mit der Kaufmannschaft machtest du reich die Könige auf Erden, Ezech. 27, 33. Kaufmannschaft treiben. Der Geist der Kaufmannschaft ließ die Bürger zu Karthago nur auf den Erwerb der Reichthümer sinnen. Im Nieders. Kopenschup.


Kaufmannsgut (W3) [Adelung]


Das Kaufmannsgut, des -es, plur. die -güter. 1) Gut, welches einem Kaufmanne gehöret, so fern es zur Handlung bestimmt ist, Waaren der Kaufleute. 2) Das ist nicht Kaufmannsgut, dienet nicht zum Handel, ist keine gangbare Waare.


Kaufplatz (W3) [Adelung]


Der Kaufplatz, des -es, plur. die -plätze, am häufigsten in dem Ausdrucke Kauf- und Handelsplatz, ein Platz, besonders eine Stadt, in welcher eine ansehnliche Handlung im Großen getrieben wird.


Kaufschilling (W3) [Adelung]


Der Kaufschilling, des -es, plur. die -e, 1) Das Kaufgeld, dasjenige Geld, welches man für eine erkaufte Sache gibt oder gegeben hat. 2) Das Ungeld, welches man zur Befestigung des geschlossenen Kaufes darauf bezahlet. S. Schilling.


Kaufschlag (W3) [Adelung]


* Der Kaufschlag, des -es, plur. inus. ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, für Kaufhandel, Handlung, welches noch im Ober- und Niederdeutschen gangbar ist, wo auch kaufschlagen so wohl kaufen, als handeln bedeutet. Vermuthlich in Beziehung auf den Handschlag, womit ein Kaufvertrag oft befestiget wird. In weiterer Bedeutung ist der Kaufschlag in einigen Gegenden ein jeder Contract.


Kaufschoß (W3) [Adelung]


Der Kaufschoß, des -sses, plur. die -sse, in einigen Orten, ein Schoß, d. i. eine Abgabe von erkauften Grundstücken.


Kaufstadt (W3) [Adelung]


Die Kaufstadt, plur. die -städte, am häufigsten in dem Ausdrucke Kauf- und Handelsstadt, eine Stadt, in welcher eine ansehnliche Handlung, besonders im Großen getrieben wird; Ezech. 17, 4, mit dem fast ungewöhnlichen Ausdrucke, eine Kaufmannsstadt.


Kaulbars (W3) [Adelung]


Der Kaulbars, des -es, plur. die -bärse, eine Art Börse in süßen Wassern, welche nur selten die Größe einer Spanne erreicht, und einen rundlichen, kugelförmigen Kopf hat; Perca fluviatilis L. Er hat den Nahmen wegen dieses seines rundlichen Kopfes, von Kaul, welches in den niedrigen Sprecharten eine Zusammenziehung von Kugel ist. Im Oberdeutschen wird er Kugelhaupt, Kaulhaupt, Kaulkopf, Kaute, im Nieders Kulbars, Kulquabbe, im Dän. Kullebars genannt. S. Kaulhaupt.


Kaulbeere (W3) [Adelung]


Die Kaulbeere, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, die Beeren des Schlingbaumes, Viburnum Lantana L. welche an andern Orten Kandelbeeren und Haubeeren genannt werden. S. Schlingbaum.


Käule (W3) [Adelung]


Die Käule, S. Keule.


Kaulhaupt (W3) [Adelung]


Das Kaulhaupt, des -es, plur. die -häupter. 1) Im Oberdeutschen, ein Nahme des Kaulbarses, S. dieses Wort. 2) Ein anderer eßbarer kleiner Fisch in süßen Wassern, welcher nur eines Fingers lang wird, aber einen unförmlich dicken und großen Kopf hat, und wegen der schleimigen Beschaffenheit sowohl seines äußern Körpers als auch seines Fleisches, auch Kotzkolben genannt wird. Man kennet ihn auch unter den Nahmen Kaulkopf, Kob, Koppe, im mittlern Lat. Cobio, Gobio, Gobius, ingleichen Gropp, Groppe, im mittlern Lat. Carabus, welches nach dem Frisch von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, der Kopf, abstammet, Mauerkolbe, Murkolbe, von Mohr, Morast, u. s. f. Die Quappe oder Ualraupe, welche ihm an Gestalt sehr ähnlich ist, ist weit größer.


Kaum (W3) [Adelung]


Kaum, adv. mit Mühe, mit Anstrengung aller Kräfte. 1) Eigentlich, wo es doch nur gebraucht wird, wenn die angewandte Bemühung eben hinreicht, einen Endzweck zu erreichen, so daß er nicht erreicht werden würde, wenn nur etwas an den Kräften, oder an der Bemühung fehlete. Uns ist bange, daß wir der kaum Odem hohlen können, Es. 26, 18. Kaum wird der Gerechte erhalten, 1 Petr. 4, 18. Ich konnte mich kaum vor ihm retten. Kaum konnte ich mich des Lachens enthalten. Das kann ich kaum glauben. Ingleichen figürlicher. Sie erschrecken kaum einen Augenblick vor der Hölle. Hiob 21, 13. Es ist kaum die Hälfte. Es wird kaum zurreichen. Er ist kaum zwölf Jahre alt. 2) Figürlich, von der Zeit, vor sehr kurzer Zeit, vor einem Augenblicke. Er ist kaum hinaus gegangen. Der frühe Hahn hat kaum noch den Morgen gegrüßt, Geßn. Was kaum so reizend war, steht sie mit Grauen an, Wiel. Am häufigsten im Vordersatze, so daß im Nachsatze so und zuweilen auch da und als folger, zwey unmittelbar auf einander folgende Veränderungen zu bezeichnen, wo das kaum, wenn keine andere Partikel da ist, auch zu Anfange eines Satzes stehen kann, da denn die erste Endung der Person hinter das Zeitwort tritt. Als Jacob kaum hinaus gegangen war, da kam Esan, 1 Mos. 27, 30. Ich hatte den Brief kaum gelesen, als er in das Zimmer trat; oder kaum hatte ich den Brief gelesen, so trat er in das Zimmer. Kaum hatte ich einige Schritte gethan, so wich der Boden unter mir. Kaum haben wir einen Wunsch erreicht, so machen wir Anschläge auf neue Vergnügungen, Sonneaf. Allein er schlummert kaum, Als ihn ein stark Geräusch erwecket, Lichtw. Kaum naht' ich mich dem Ton, So hatte mich das Netz auch schon, Gell.

Anm. Bey dem Ottfried kumo, bey dem Notker chumo, bey den Schwäbischen Dichtern kume, im Nieders. kum, bey den Krainerischen Wenden kumej, im Oberdeutschen auch käumerlich, ehedem kaumend, kaumenden. Es gehöret zu dem kumig, krank, des Ottfried, Nieders. küm, krank, schwach. Im Tatian ist Cumida Krankheit, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, krank, schwach seyn, welches mit dem Nieders. quimen, Holländ. kuymen, überein kommt. ( S. Kummer.) Auch das alte kauman, bey dem Kero sorgen, scheinet dahin zu gehören. Auf eben die Artist aegre im Lat. kaum, von aeger, krank. Die Niedersachsen gebrauchen für kaum auch knapp und nährlich, Engl. narrow, Angels. nearewe, von dem Angels. near, nyr, enge, näher.


Kaumittel (W3) [Adelung]


Das Kaumittel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Arzneykunde, Mittel, d. i. Arzneyen, welche nur gekauet werden dürfen; Masticatoria.


Kaute (W3) [Adelung]


1. * Die Kaute, plur. die -n, in einiger Gegenden, besonders Thüringens, ein Tausch. Daher kauten, tauschen einkau- ten, eintauschen, verkauten, vertauschen u. s. f. Niders. küten. S. Kaudern.


Kaute (W3) [Adelung]


2. * Die Kaute, plur. die -n, Diminut. das Käutlein, in einigen Oberdeutschen Gegenden, eine Grube. Das Käutlein in den Wangen. In andern Gegenden Kote, im Nieders. Kute. S. Kaue

Anm. und Köte.


Kaute (W3) [Adelung]


3. Die Kaute, plur. die -n, im gemeinen Leben Obersachsens, ein derb zusammen gedrehtes Bund gehechelten Flaches; welches sonst auch eine Knocke, ingleichen eine Keiste genannt wird. Daher der Kautenflachs, derjenigen Flachs, welcher in solchen Kauten verkauft wird; Knockenflachs, Keistenflachs. Siehe 2. und 5. Katze und Kaulbars.


Kautscher (W3) [Adelung]


Der Kautscher, S. Gautscher.


Kauz (W3) [Adelung]


1. Der Kauz, des -es, plur. die -e, ein nur in den niedrigen Sprecharten übliches Wort, wo man einen reichen Mann, einen reichen Kauz zu nennen pfleget, welchen Luther einen Geldkautz nennet. Wohl nicht, wie Frisch vermuthet, als eine Figur des folgenden Wortes, weil reiche Leute einen solchen Zulauf von Schmeichlern haben, als der Kauz von andern Vögeln; sondern vielleicht, weil etwa ein bekannter reicher Mann Kauz geheißen haben mag. In der R. A. ein wunderlicher Kauz, ein närrischer Kauz, ein seltsamer Kauz, einen seltsamen Menschen zu bezeichnen, wo es einige auf eine noch seltsamere Art von den alten Chaucis herleiten, kann es eher eine Figur des folgenden Wortes, seyn. Im Nieders. nennt man ein flüchtiges Mädchen eine wilde Katze, wo es aber von dem veralteten katzen, jagen, Ital cacciare, oder auch vom Schwed. Kat, lustig, mutwillig, Franz. gai, herstammet. S. 3. Katze. Im Schwed. ist Kuse so wohl ein Kalb, von Ko, eine Kuh, als auch ein Mann, welcher sich eine Herrschaft über andere anmaßet.


Kauz (W3) [Adelung]


2. Der Kauz, des -es, plur. die -e, oder des -en, plur. die -en, Diminut. das Käuzchen, Oberd. Käuzlein, die kleinste Art der Nachteulen, welche so groß wie eine Taube sind, und sich in wüsten Gebäuden und hohlen Bäumen aufhalten; Strix Passerina L. Stockleute, kleine Waldleute, Hauseule. Die kleinste Art derselben ist auch unter dem Nahmen des Steinkauze bekannt. In weiterer Bedeutung werden auch einige größere Arten der Eulen Kautze genannt, wie z. B. die große Ohreule, Strix Bubo L. welche auch Steinkauz, Ohrkauz heißt, die Kirch- oder Schleyereule, welche auch unter dem Nahmen der Kauzeule bekannt, u. a. m.

Anm. Im Nieders. Kutz, Kutzke, im Dän. Katugle, Katzeule, Franz. Chathuant, gleichsam catus ululans. Es scheint, daß diese Art Vögel ihren Nahmen von ihrem unangenehmen Geschreye haben, und deßwillen sie auch Eulen, Ululae, von Heulen, genannt werden. In den gemeinen Sprecharten wird jauchzen, gauzen, kauzen, noch oft von dem Heulen der Hunde gebraucht.


Kauzen (W3) [Adelung]


Kauzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens üblich ist, sich ducken, sich schmiegen, eigentlich von den Hunden. Er muß kauzen, sich bemüthigen, völlig nachgeben. Nieders. kutzen, Franz. coucher.


Kaviar (W3) [Adelung]


Der Kaviar, S. Caviar.


Kaviller (W3) [Adelung]


Der Kaviller, S. Kasiller.


Kavitsche (W3) [Adelung]


Die Kavitsche, plur. die -n, bey den Färbern, ein starker hölzerner Nagel auf der Tafel, worauf die Seide ausgedrehet wird; aus dem Ital. Caviccio, ein hölzerner Nagel.


Kebsehe (W3) [Adelung]


Die Kebsehe, plur. die -n, eine unrechtmäßige Ehe, diejenige Verbindung, wo zwey Personen ehelich mit einander leben, ohne durch die Kirche dazu berechtiget zu seyn; mit einem Lat. und nunmehr gewöhnlicher gewordenen Ausdrucke, der Concubinat. In den Monseeischen Glossen Chepisoth. S. Kebsweib.


Kebsfrau (W3) [Adelung]


Die Kebsfrau, plur. die -en, S. Kebsweib.


Kebskind (W3) [Adelung]


Das Kebskind, des -es, plur. die -er, ein uneheliches Kind; ein Wort, welches wenig mehr gebraucht wird. In einer Oberdeutschen Urkunde von 1308 Chebes Chind. Ehedem sagte man auch Kebssohn und Kebstochter in eben diesem Verstande. S. Kebsweib.


Kebsmann (W3) [Adelung]


Der Kebsmann, des -es, plur. die -männer, eine solche Person männlichen Geschlechtes, mit welcher eine weibliche Person ehelich lebt, ohne rechtmäßig mit derselben verbunden zu seyn; ein größten Theils veralteter Ausdruck.


Kebsweib (W3) [Adelung]


Das Kebsweib, des -es, plur. die -er, eine solche Person weiblichen Geschlechtes, in der harten Sprechart, wofür man in der gelindern Kebsfrau sagen könnte; eine Beyschläferinn, mit einem Lat. Ausdrucke ein Concubine, oder mit einem Franz. Worte eine Maitresse. Salomo hatte stehen hundert Weiber und drey hundert Kebsweiber, 1 Kön. 11, 3, und so in andern Stellen mehr. Ehedem waren dafür auch die Ausdrücke Beyweib und Nebenweib üblich.

Anm. Ehedem nur Kebse, bey dem Willeram Chobse, im Angels. Cyfese, im Span. Manceba, (Mannskebse.) Im Schwabenspiegel heißt es Kap. 383: Man sait daz dehain kint siner muter kint hebslichen si (daß es in Ansehung seiner Mutter unecht sey.) Dez enist doh niht. Ain uuip mag geuuinnen Ekint, Friukint, aygeniu kint und Kebskint. Ist siu aigen, man mag si frie lauzen. Ist siu Kebse, siu mag einen eman nemen und mag der ekint bi ir genuinnen. In andern Schriften dieser Zeit kommen auch die Abgeleiteten kebisch, kebsen, bekebsen, verkebsen u. s. f. doch alle von einem unrechtmäßigen Ehestande vor, von welchem Frisch nach gesehen werden kann. Im Holländ. ist Kevesen, fornicari. Die Abstammung dieses Wortes ist noch ungewiß. Wachter leitet es vom Latein. cubo her, und an einem andern Orte behauptet er, daß kebsen ehedem reitzen, anlocken, bedeutet habe, ohne einigen Beweis davon zu führen, denn das Isländ. Kebsir, ein verführerischer Knecht, beweiset hier nichts, weil dieses Wort in den Nordischen Sprachen einen jeden Knecht bedeutet. Frisch lässet es in seiner Ausgabe der Bödickerischen Sprachkunst von dem Lat. Cugus und dem Deutschen Gutguck abstammen, in seinem Wörterbuche aber von Kaue, Käsich, eine niedrige elende Hütte, beydes auf eine sehr gezwungene Art. Nach dem Schilter stammet es von dem Schwed. und Isländ. Kaeps, Kaebs, ein Knecht, ein Leibeigener, her, welche Ableitung noch die wahrscheinlichste ist, weil man ehedem leibeigene Personen am häufigsten zu Beyschläfern und Beschläferinnen zu wählen pflegte. Im Isländ. ist Slaecka eine Magd, und im Dän. und Schwed. Slaegfrid eine Beyschläferinn. Ihre ist zweifelhaft, ob diese Bedeutung eines Leibeigenen oder jene die älteste sey. Es scheinet überhaupt eine Person oder Sache von geringerer, schlechterer Art bedeutet zu haben, ob sich gleich diese Bedeutung zur Zeit nur noch muthmazen lässet. Im Türkischen ist Kabin, Kebin, Kubin, eine Heirath auf gewisse Zeit. Im Schwedischen ist Kofsa zugleich ein Schimpfwort auf eine unzüchtige Weibsperson.


Keck (W3) [Adelung]


Keck, -er, -este, adj. et adv. eigentlich lebendig, in welcher im Deutschen veralteten Bedeutung chech bey dem Notker, und cuce im Angelsächsischen vorkommt. Es ist noch in einigen figürlichen Bedeutungen üblich. 1. * Frisch, unverdorben; im gemeinen Leben einiger Gegenden. In Rosenplüts, eines Nürnbergischen Reimers aus dem 15ten Jahrh. Fastnachtspielen heißt es von einem Stücke gekochten Haufens: Er ist keck und lind gesalzen. 2. * Lebhaft, brennend, von der Farbe; gleichfalls nur noch in einigen Oberdeutschen Gegenden. Eine kecke Farbe. Ein keckes Roth. Dieser Zeug ist kecker als jener, hat eine höhere Farbe, mehr Glanz. 3. * Hurtig, geschwinde; auch nur in einigen Gegenden, besonders Schlesiens. Den Braten keck umdrehen. 4. * Munter, wohl aufgeräumt, im Gegensatze des niedergeschlagen, bekümmert; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. Quekes muates seyn, Ottfr. guten Muthes. Sey keck, Gott läßt sich noch erbitten, H. Sacha. 5. Ohne bedenken, ohne einen Zweifel zu haben, mit dem Nebenbegriffe der Geschwindigkeit; in welcher Bedeutung es noch im gesellschaftlichen Leben häufig vorkommt, doch am häufigsten als ein Nebenwort. Mit dem Briefe werde ich keck zu deinem Vater gehen. Das kannst du keck glauben. Ingleichen im nachtheiligen Verstande, ohne Bedenken, wo man Bedenken tragen sollte. ( S. Kecklich.) 6. Ohne Furcht vor der Gefahr, gleichfalls mit dem Begriffe der Lebhaftigkeit, Hurtigkeit, auf eine lebhafte Art kühn. 1) Im guten Verstande. Und da das Volk abfiel, stund er treulich, fest und keck, Sir. 45, 29. Da lobten sie alle - Gott, und wurden keck, daß sie den Feind schlagen wollten, 2 Macc. 11, 9. Er nahm das schwere Joch mit keckem Herzen an, Opitz von Paulo. Die Helden Von deren kecken Sinn auch noch die Schriften melden, ebend. So wird er unverzagt auch eine kecke Schaar Den Kürzern lehren ziehn, ebend. Verleihe kecken Muth und schärfe meine Hand, ebend. In den bildenden Künsten ist eine keck Hand diejenige, welche schnell und ohne Zagheit die verlangte Wirkung thut; eine kecke Zeichnung, worin sich die kecke Hand des Meisters offenbaret; ein kecker Pinsel u. s. f. 2) Noch häufiger im nachteiligen Verstande, auf eine tadelhafte Art keck, und darin gegründet. Eine kecke Antwort. Ein kecker Mensch. Sie thun sehr keck. Ein keckes Mädchen. Wo es oft ein gelinder Ausdruck für frech, ingleichen für verwegen ist. 7. * Stark, mächtig; eine veraltete Bedeutung. Du hast deine Stärke bewiesen, an denen, die sich keck wußten, Weish. 12, 17. Im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - stark, bey guten Kräften seyn. Hierher gehöret vermuthlich auch der noch in einigen Oberdeutschen Gegenden übliche Gebrauch, wo keck, kech, kach, für dick, dicht, und die Käche für Dicke, Dichtheit, gebraucht wird; wenn es in dieser Bedeutung nicht von einem andern Stamme herkommt.

Anm. Im Schwed. kaek, im Dän. kiäk, im Isländ. kiaekr. Es gehöret zu dem Worte Quick, S. dasselbe.


Keckheit (W3) [Adelung]


Die Keckheit, plur. die -en. 1) Die Fertigkeit, den Zweifeln, der Gefahr lebhaft und mit Geschwindigkeit entgegen zu gehen, in der 5ten und 6ten Bedeutung des Beywortes; am häufigsten im nachtheiligen Verstande, von einer tadelhaften Fertigkeit dieser Art, und ohne Plural. Auch Mücken fehlt es nicht an Keckheit noch an Macht, Haged. 2) Eine kecke Handlung, ein keckes Betragen; mit dem Plural.


Kecklich (W3) [Adelung]


Kecklich, adv. welches für das Nebenwort keck, in der 5ten Bedeutung, und im guten, wenigstens gleichgültigen Verstande, zuweilen gebraucht wird. Du kannst lediglich hingehen, ohne Bedenken. In der 6ten Bedeutung ist es im Oberdeutschen üblicher als im Hochdeutschen. Ich will die Sau kecklich bestan, Theuerd. Die wyl sie sich kecklich werten, in dem übesetzten Livius von 1514.


Keffer (W3) [Adelung]


1. Der Keffer, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in dem Bergbaue, und daselbst nur in den Zinnseifen übliches Wort, theils die zusammen gewachsenen Krospeln unter dem Zinnsteine, theils aber auch die in den Seifen gefundene Zinngraupen zu bezeichnen, welche durch das Pochwerk zu gute gemacht werden müssen. Es scheinet zu dem Worte Kopf zu gehören, und eine rundliche Erhöhung zu bezeichnen. S. dieses Wort.


Keffer (W3) [Adelung]


2. Der Keffer, des -s, plur. ut nom. sing. gleichfalls nur in den Bergwerken, ein Balken in Form eines Galgens, ein hölzerner Kranich, auf welchen der Schwängel ruhet, Lasten damit zu heben oder zu tragen. In dem Salzwerk zu Halle ist der Keffer oder das Kefferrad ein Hebezeug anderer Art, welches durch ein Rad, das von Menschen getreten wird, seine Bewegung erhält, und vermittelst dessen die Sohle aus dem Brunnen gezogen wird. Frisch leitet es in dieser Bedeutung von heben her, und erkläret es durch einen Heber oder Geheber.


Keffer (W3) [Adelung]


3. Der Keffer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art kleiner Elbschiffe, welche bey größern Schiffen statt der Bothe gebraucht werden, diejenigen, welche das Schiff ziehen, an das andere Ufer übersetzen. In dieser Bedeutung scheinet es zu Käsich, Kober u. s. f. zu gehören und überhaupt ein hohles Behältniß zu bedeuten, in welchem Verstande auch der Käster im Oberdeutschen ein enges Gefängniß bezeichnet. S. Kaue und Käsich.


Kefferrad (W3) [Adelung]


Das Kefferrad, des -es, plur. die -räder, S. 2. Keffer.


Kegel (W3) [Adelung]


2. Der Kegel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches einen länglichen Körper bezeichnet, aber in verschiedenen Bedeutung vorkommt. 1) * Es scheinet, daß dieses Wort ehedem einen Klotz bedeutet habe; wenigstens kommt es bey dem Kaiserberg und andern Oberdeutschen Schriftstellern mehrmals von einem groben ungeschickten Menschen vor, wovon Frisch einige Beyspiele anführet, wenn es anders in dieser Bedeutung nicht zum dem vorigen Worte gehöret. 2) An den Pferden wird das Armheim welches in das Schulterblatt eingelenket, und mit dem dicken Fleische der Schulter bekleidet ist, der Kegel genannt. 3) Bey den Schriftgießern und Buchdruckern ist der Kegel dasjenige längliche Viereck, welches die Höhe des metallenen Buchstabens ausmacht. 4) Bey den Büchsenmacher, ist die längliche Spitze der Pritsche an dem Büchsenschlosse, welche vorne dünner ist als hinten, der Kegel. An den Kanonen führet diesen Nahmen ein hölzernes Merkmahl, nach welchem dieselben gerichtet werden, und welches die Stelle des Kornes an den Büchsen vertritt, und auch das Dister genannt wird. Die runden oben dünnen Hölzer, womit das Klöppeln und Wirken verrichtet wird, führet gleichfalls den Nahmen der Kegel. 5) Die langen oben dünnen Körper von Holz, welche zu einem sehr bekannten Spiele gebraucht werden, und nach welchem man mit Kugeln wirft, führen gleichfalls den Nahmen der Kegel. Ein Spiel Kegel, neun solcher Hölzer, als so viel ihrer zu einem Spiele gehören. Kegel spielen oder schieben, im gemeinen Leben kegeln. Die Kegel aufsetzen. Zwischen Kugel und Kegel, kommen, zwischen Thür und Angel, sich in der Nothwendigkeit befinden, aus zwey Übeln eines zu erwählen. So fern das Zeichen eines Bierhauses gemeiniglich ein solcher Kegel ist, vielleicht weil bey Bierhäusern sich gemeiniglich auch eine Kegelbahn befindet, wird auch ein jedes Bierzeichen, wenn es gleich nur ein Krug ist, der Bierkegel genannt. 6) In der engsten Bedeutung ist in der Mathematik der Kegel eine runde Pyramide, Conus. Ein stumpfer Kegel, im Gegensatze eines spitzigen. Ein gerader Kegel, dessen Achse gerade stehet, Conus rectus. Ein schiefer Kegel, Conus scalenus, dessen Achse schief stehet. Ein rechtwinkeliger Kegel, dessen Achse dem halben Durchschnitte der Grundfläche gleich ist, Conus orthogonius, rectangulus. Ein spitzwinkeliger Kegel, dessen Achse länger ist, Conus acutangulus. Ein stumpfwinkeliger, dessen Achse kürzer ist.

Anm. Französ. Quille, im Engl. Kile, Kayle, im Schwed. Kaegla, im Dän. Kegle. Wachter glaubt, es wäre durch Verlängerung des Wortes Keil entstanden. Nach Frischen ist es aus Conus gebildet, Kegel für Kengel. Allein die Endsylbe -el, ist die Ableitungssylbe, welche bald ein Werkzeug, bald auch das Ding selbst bedeutet. Man hat also nur auf die Sylbe Keg zu sehen, welche überhaupt ein langes, erhabenes Ding bedeutet, und mit Kugel genau verwandt ist. Da alle Wörter, welche eine erhabene Fläche bezeichnen, auch zugleich eine vertiefte, eingebogene ausdrucken, so gehöret auch Kachel mit seinen Verwandten hierher.


Kegelachse (W3) [Adelung]


Die Kegelachse, plur. die -n, in der Mathematik, die Achse eines Kegels, d. i. die Linie, welche von dessen Spitze, bis auf die Mitte der Grundfläche gedacht wird. S. Kegel 6.


Kegelader (W3) [Adelung]


Die Kegelader, plur. die -n, die innere Ader an dem Vorderbeine eines Pferdes, welche auch die Bug- oder vordere Schrankader genannt wird.


Kegelbahn (W3) [Adelung]


Die Kegelbahn, plur. die -en, der lange ebene Platz, auf welchem man aus einem einzigen bestimmten Abstande nach den Kegeln schiebt; in Thüringen das Kugelleich oder Kegelleich, in Baiern die Brenten, ingleichen die Kufe, an andern Orten der Boßelschub, Langschub, das Langley, im Gegensatze des Kegelplatzes oder Kurzschubes. S. Kegel 5.


Kegelbret (W3) [Adelung]


Das Kegelbret, des -es, plur. die -er, an den Seidenstühlen, das durchlöcherte Bret, unter welchem die Kegel hängen, damit sie sich nicht verwirren können. S. Kegel 4.


Kegelförmig (W3) [Adelung]


Kegelförmig, adj. te adv. was die Gestalt eines Kegels hat, demselben ähnlich ist.


Kegelkäfer (W3) [Adelung]


Der Kegelkäfer, das -s, plur. ut nom. sing. eine Art Käfer mit kolbenähnlichen Fühlhörnern, dessen Brustschild die Gestalt eines Kegels hat; Cistela L.


Kegelkugel (W3) [Adelung]


Die Kegelkugel, plur. die -n, in der Feuerwerkskunst, eine Kugel, welche mit eisernen oder papiernen Kugeln versetzt wird, und wovon die ersten zu Ernst- die letztern aber zu Lustfeuerwerken gebraucht werden.


Kegellinie (W3) [Adelung]


Die Kegellinie, plur. die -n, eine krumme Linie, welche die Gestalt eines Spielkegels hat; Linea conica. S. Kegel 5.


Kegeln (W3) [Adelung]


Kegeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Kegel spielen, Kegel schieben, boßeln. S. Kegel 5.


Kegelplatz (W3) [Adelung]


Der Kegelplatz, des -es, plur. die -plätze, ein viereckter oder runder Platz, wo man von allen Seiten aus einem gegebenen Ziele nach den in der Mitte stehenden Kegeln schieben kann; der Kurzschub, zum Unterschiede von der Kegelbahn oder dem Langschube.


Kegelschnäbler (W3) [Adelung]


Der Kegelschnäbler, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Schriftstellern des Naturreiches, eine allgemeine Benennung derjenigen Vögel, deren Schnabel gleich von der Wurzel an die Gestalt eines spitzigen Kegels hat; Coniroster.


Kegelschnecke (W3) [Adelung]


Die Kegelschnecke, plur. die -n, eine Art kegelförmiger mit wenigen über einander gewundenen Spiral-Linien versehener Schnecken, welche an der Seite mit einer länglichen Öffnung versehen sind; Voluta L. Wellenschnecke, Tutenschnecke. Siehe auch Iltenschnecke.


Kegelschnitt (W3) [Adelung]


Der Kegelschnitt, des -es, plur. die -e, in der Mathematik, diejenige Figur, welche entstehet, wenn man einen Kegel zerschneidet, es sey nach welcher Richtung es wolle; Sectio conica.


Kegelschub (W3) [Adelung]


Der Kegelschub, des -es, plur. die -e. 1) Das Schieben der Kegel, das Kegelspiel; ohne Plural. 2) Der Ort, wo Kegel geschoben werden. In beyden Fällen im gemeinen Leben auch der Boßelschub.


Kegelspiel (W3) [Adelung]


Das Kegelspiel, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, das Spiel mit Kegeln, oder da man Kegel mit einer Kugel umzuwerfen sucht. Dasjenige Spiel, da man aus einem einzigen bestimmten Abstande nach den Kegeln schiebt, wird der Langschub, dasjenige aber, wo man von allen Seiten aus einem gegebenen Ziele nach den Kegeln wirft, der Kurzschub genannt.


Kegelstein (W3) [Adelung]


Der Kegelstein, des -es, plur. die -e, ein Nahme der zugespitzten versteinerten Echiniten; Echinoconus.


Kehlbalken (W3) [Adelung]


Der Kehlbalken, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige Balken an einem gemeinen Dachwerke, welcher zwey Sparren unter dem Hahnbalken mit einander verbindet.


Kehlbraten (W3) [Adelung]


Der Kehlbraten, S. Halsbraten.


Kehlbret (W3) [Adelung]


Das Kehlbret, des -es, plur. die -er, bey den Tischlern, ein Bret, diejenigen Leisten, welche gekehlet werden sollen; darein zu legen.


Kehldeckel (W3) [Adelung]


Der Kehldeckel, des -s, plur. ut nom. sing. ein knorpeliger Deckel auf der Luftröhre, damit nichts von den Speisen in dieselbe fahre, Epiglottis. Im gemeinen Leben der Zapfen, der Hauk.


Kehle (W3) [Adelung]


Die Kehle, plur. die -n, Diminut. das Kehlchen, eine jede Röhre, ja eine jede lange Vertiefung oder eingebogene Fläche; wo es doch nur in einigen einzelnen Fällen üblich ist. 1) Eine Vertiefung, welche durch zwey in einem Winkel zusammen stoßende Flächen, z. B. durch zwey an einander laufende Dächer, hervor gebracht wird, heißt eine Kehle. ( S. auch Kniekehle,) 2) In dem Festungsbaue ist die Kehle, Franz. Gorge, der Eingang der besondern Festungswerke. Die Kehle eines Bastion, eines Ravelins. 3) Bey den Werkleuten, Drechslern u. s. f. wird ein jedes hohles oder eingebogenes Glied eine Kehle genannt. 4) Bey den Jägern ist die Kehle oder Brücke die halbe Masche; welche an ein Treibezeug gestrickt wird, damit die Hühner, wenn sie eingelaufen sind, nicht wieder zurück können. 5) Am üblichsten ist es so wohl von der Speise- und Luftröhre der Menschen und Thiere, dem Schlunde, im Nieders. der Schluck, die Stroote (Straße,) als auch von dem vordern Theile des Halses unter dem Kinne, hinter welchem der Eingang der Kehle lieget, und welcher Theil bey den Fleischern der Stich, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, genannt wird. Wenn von den bey den Halsröhren die Rede ist, gebraucht man das Wort Kehle ohne Unterschied so wohl von der Luft- als Speiseröhre. Eine rauhe, heisere Kehle haben. Eine helle Kehle (Stimme) haben. Sich die Kehle schmieren, in den niedrigen Sprecharten, trinken. Zuweilen bekommt die Luftröhre im gemeinen Leben den Nahmen der unrechten Kehle, doch nur alsdann, wenn etwas fremdes in dieselbe ge- rathen ist. Es ist ihm etwas in die unrechte Kehle gekommen. Sich die Kehle abschneiden. Jemanden das Messer an die Kehle setzen, ihn in die äußerste Verlegenheit bringen.

Anm. In der letzten Bedeutung schon bey dem Kero Chelu, bey dem Notker Chila, bey dem Willeram Chela, ehedem auch Giel, im Angels. Ceole, Caele, im Engl. Keel, im Latein. Gula, im Nieders. mit verdoppelten und verstärkten Hauchbuchstaben Käkel, Koggel, im Liefländ. Kabkle, im Lettischen Kaklas, im Esthnischen Kael, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Wer siehet nicht, daß mit diesem Worte zunächst auf den hohlen Raum gesehen werde, und daß es daher zu dem Geschlechte der Wörter Kaue, Kachel, Hals, Hohl u. s. f. gehöre.


Kehlen (W3) [Adelung]


Kehlen, verb. reg. act. 1) Mit Kehlen, d. i. Rinnen, versehen; ein vornehmlich bey den Tischlern und Zimmerleuten übliches Wort, wo eine Leiste gekehlet wird, wenn man ihr solche Verzierungen gibt. Daher die Kehlung. 2) Einen Fisch kehlen, ihm die Kehle ausschneiden; ihn auskehlen. So werden die Häringe gekehlet, ehe sie eingesalzen werden.


Kehlhammer (W3) [Adelung]


Der Kehlhammer, des -s, plur. die -hämmer, bey den Schlössern, ein Hammer, welcher zu halb rund gebogenen, eckigen und andern Arbeiten gebraucht wird.


Kehlhobel (W3) [Adelung]


Der Kehlhobel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Tischlern, ein Hobel, vermittelst dessen die Hohlkehlen hervor gebracht werden; der Kehlstoß. In weiterer Bedeutung, so fern Kehle nach dem Beyspiele aller Wörter, welche eine Vertiefung bedeuten, auch eine Erhöhung bezeichnen kann, werden auch die Stab- und Karnießhobel mit unter sie Kehlhobel gerechnet.


Kehlholz (W3) [Adelung]


Das Kehlholz, des -es, plur. inus. S. Hartriegel.


Kehlkopf (W3) [Adelung]


Der Kehlkopf, des -es, plur. die -köpfe, in einigen Gegenden, der hervor ragende knorpelige Theil der äußern Kehle; S. Adamsapfel.


Kehlkraut (W3) [Adelung]


Das Kehlkraut, des -es, plur. inus. S. Halskraut und Hankenkraut.


Kehlleiste (W3) [Adelung]


Die Kehlleiste, plur. die -n, eine eingebogene Rinne, so fern sie eine Art der Verzierung ist, und eine mit einer solchen Rinne versehene Leiste; eine Hohlleiste, ein Kehlstoß.


Kehllinie (W3) [Adelung]


Die Kehllinie, plur. die -n, in dem Festungsbaue, die beyden Linien, welche die Kehle, d. i. den Eingang in das Vollwerk bilden; Franz. Demigorges.


Kehling (W3) [Adelung]


Der Kehling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme des Kabeljaues, weil er so wie die Häringe gekehlet wird.


Kehlpunct (W3) [Adelung]


Der Kehlpunct, des -es, plur. die -e, in dem Festungsbaue, derjenige Punct, wo die Kehllinien zusammen stoßen, wo sie denn zugleich den Kehlwinkel machen.


Kehlrinne (W3) [Adelung]


Die Kehlrinne, plur. die -n, eine hohle Rinne, besonders diejenige Rinne, welche zwey Dächer machen, wenn sie zusammen stoßen. Auch die Kappfenster machen Kehlrinnen mit dem Dache.


Kehlsparren (W3) [Adelung]


Der Kehlsparren, des -s, plur. ut nom. sing. in der Zimmermannskunst, ein Sparren, welcher den Grund der Kehle eines Daches ausmacht; Franz. Noulet.


Kehlstiefel (W3) [Adelung]


Der Kehlstiefel, des -s, plur. die -n, eine Art Stiefeln, woran die Schäfte oben nach den Kniekehlen ausgeschnitten sind.


Kehlstoß (W3) [Adelung]


Der Kehlstoß, des -es, plur. die -stöße, bey den Tischlern, eine Kehlleiste, ingleichen ein Kehlhobel.


Kehlsucht (W3) [Adelung]


Die Kehlsucht, plur. inus. eine im gemeinen Leben übliche Benennung der Bräune, Angina, S. dieses Wort. Bey den Pferden wird auch die Druse oder Drüse von einigen mit diesem Nahmen beleget.


Kehlwinkel (W3) [Adelung]


Der Kehlwinkel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Kehlpunct.


Kehlziegel (W3) [Adelung]


Der Kehlziegel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Hohlziegel, besonders so fern er für die Kehlen eines Daches bestimmt ist.


Kehr (W3) [Adelung]


Die Kehr, plur. die -en, das Abstractum des Zeitwortes kehren in dessen zweyten Hauptbedeutung, welches doch nur in den Zusammensetzungen Abkehr, Zukehr, Umkehr, Rückkehr u. s. f. vorkommt, wo es in dem Worte Verkehr zugleich männlichen Geschlechtes ist. Im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes, ist dafür so wohl die Kahr als auch die Kehre, besonders von dem Umwenden mit dem Pfluge üblich.


Kehrab (W3) [Adelung]


Der Kehrab, oder Kehraus, plur. car. von der ersten Hauptbedeutung des Zeitwortes kehren, ein langer und geschwinder Tanz, mit welchem eine Tanzlust gemeiniglich beschlossen wird; weil der Tanzplatz durch die langen Kleider des andern Geschlechtes alsdann gleichsam ausgekehret wird.


Kehrbesen (W3) [Adelung]


Der Kehrbesen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Besen zum Kehren oder Auskehren; zum Unterschiede von dem Staubbesen und andern Arten der Besen.


Kehrbürste (W3) [Adelung]


Die Kehrbürste, plur. die -n, eine Bürste, den Staub damit aus den Kleidungsstücken zu kehren, besonders die gemeine von Borsten verfertigte Bürste dieser Art; zum Unterschiede von andern Arten.


Kehre (W3) [Adelung]


Die Kehre, plur. inus. S. Kehr.


Kehren (W3) [Adelung]


Kehren, verb. reg. act. welches in zwey, dem Anscheine nach verschiedenen Hauptbedeutungen gebraucht wird, welche aber doch so wie die Latein. verrere und vertere, im Grunde sehr genau mit einander verwandt sind. 1. Mit einem Besen, Wische, oder einer Bürste überfahren und dadurch wegschaffen. Den Staub aus dem Kleide, aus dem Hute, von dem Tische, von den Büchern kehren, mit der Bürste. Den Koth aus dem Zimmer, den Ruß aus dem Ofen, die Spinnenweben von der Wand kehren, mit dem Besen. Ingleichen auf solche Art reinigen. Die Kleider kehren, das Zimmer, das ganze Haus, die Feuermauer kehren. In engerer Bedeutung wird es häufig absolute von dem Kehren der Feuermauern gebraucht. So fern das Kehren mit einer Bürste geschiehet, wird es auch bürsten, und so fern es mit einem Besen geschiehet, auch fegen genannt. In dieser Bedeutung lautet es bey dem Ottfried kerren, in den Monseeischen Glossen cheron, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . 2. Einem Körper, dessen Seiten oder Theilen eine andere Richtung in Ansehung der Dinge außer ihm geben. 1) Eigentlich. Die Augen gen Himmel kehren. Das Unterste zu oberst kehren. Jemanden den Rücken kehren; den Rücken gegen dessen Angesicht richten. Sich rechts kehren. Die Füße einwärts kehren. In welchem Verstande es außer einigen wenigen Fällen im Oberdeutschen am üblichen ist, indem im Hochdeutschen wenden, richten, drehen, in den meisten übrigen Fällen dafür gebraucht werden. Doch ist es in den Zusammensetzungen umkehren, verkehren auch im Hochdeutschen gangbar. 2) Figürlich. (a) Alles zum Besten kehren, so wohl einer Sache einen guten Ausgang verschaffen, als auch alles auf die beste Art auslegen. (b) Sich an etwas kehren, Bewegungsgründe seines Verhaltens daraus hernehmen. Er kehret sich an niemanden. Sich an keine Warnungen kehren. Kehret euch nicht an seine Worte, Gell. In den niedrigen Sprecharten mit dem vorgesetzten Zischlaute scheren. Was scher ich mich darum. (c) In der biblischen Schreibart bedeutet es sehr oft sein Verstandes- und Begehrungsvermögen auf eine dauerhafte Art auf einen Gegenstand richten. Sich zu Gott, zur Buße, zu der Sunde, zu den Fabeln u. s. f. kehren; wofür man im Hochdeutschen theils wenden, theils andere Ausdrücke gebraucht. S. auch Bekehren. (d) * Verändern; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Gott will, sich ausgesetzt, nichts lassen immer währen, Es soll ein Wechsel seyn, es soll sich alles kehren, Opitz. (e) * Ersetzen; ein gleichfalls veralteter Gebraucht, in welchem es so wie das Hauptwort die Kahr, Kehre, Ersatz, in den Schriften der mittlern Zeiten häufig vorkommt. Einen Schaden kehren. So auch die Kehrung, besonders in der zweyten Hauptbedeutung.

Anm. In dieser zweyten Hauptbedeutung bey dem Ottfried und Willeram cheren, im Nieders. keeren, im Dän. kere, im Pohln. kieruje, ich kehre, im Lat. in der intensiven Form, wie aus dem t erhellet, vertere. Das Nieders. keeren bedeutet außer dem noch anwenden, reichen, sich erstrecken, geben und darreichen. Weil im Schwed. Keyre einen ledernen Riemen, Corium, und köra mit Gewalt forttreiben bedeutet, so glaubt Ihre, daß kehren eigentlich peitschen, schlagen, bezeichnet habe. Allein, es ist wohl unläugbar, daß dieses Wort eine Nachahmung des Schalles ist, welchen so wohl das Kehren mit Besen und Bürsten, als auch die Veränderung der Lage eines schweren Körpers machet; so wie scheren, scharren, schurren, das veraltete kahren, graben, schneiden, schärben, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, graben, bohren, u. s. f. ähnliche Nachahmungen sind, ( S. Kerbe und Karst,) Einige Mundarten, z. B. die Schlesische, sprechen das e in diesem Worte wie ein ä, kähren; im Niederdeutschen und Hochdeutschen hat das geschlossene e den Vorzug.


Kehricht (W3) [Adelung]


Das Kehricht, des -es, plur. inus. was mit dem Besen ausgekehret worden, Unrath, welcher mit dem Besen weggeschaffet worden, das Auskehricht; im Oberd. Fegsal, das Feget, Kutter (von Koth) im Nieders. Mull, Uutrackels. Siehe - Icht 1.


Kehrrad (W3) [Adelung]


Das Kehrrad, des -es, plur. die -räder, in dem Wasserbaue, ein Wasserrad, welches auf beyden Seiten umgetrieben werden kann und umgetrieben wird.


Kehrruder (W3) [Adelung]


Das Kehrruder, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen an den Donauschiffen das Steuerruder führet, und welches ein Hebel ist, welcher so wohl vorn als hinten an dem Schiffe angebracht ist, um dasselbe nach allen Seiten zu bewegen.


Kehrseite (W3) [Adelung]


Die Kehrseite, plur. die -n, ein sehr ungeschickter Ausdruck einiger Schriftsteller der Münzwissenschaft, die Rückseite oder Gegenseite einer Münze zu bezeichnen, den Revers, im Gegensatze der Hauptseite.


Kehrung (W3) [Adelung]


Die Kehrung, plur. die -en. 1) Von dem Zeitwort kehren, ohne Plural, S. dasselbe. 2) Bey den Holzarbeitern, siehe Gehrung.


Kehrwisch (W3) [Adelung]


Der Kehrwisch, des -es, plur. die -e, ein Wisch, den Staub oder andern Unrath damit wegzukehren. Der Herd eines Backofens wird mit einem solchen Kehrwische gekehret oder von der Asche gereiniget.


Keibgeyer (W3) [Adelung]


Der Keibgeyer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Aasgeyer. Keib ist ein im Hochdeutschen längst veraltetes Wort, welches Aas bedeutete, und von welchem Frisch nachzusehen ist.


Keiche (W3) [Adelung]


Die Keiche, ein enges Behältniß, S. Kauche.


Keichen (W3) [Adelung]


Keichen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches den Laut nachahmet, welchen man 1) macht, wenn man den Athem mit Mühe in sich ziehet. So keicht man bey einigen Arten des Hustens, bey der Schwindsucht, bey der Engbrüstigkeit, nach einer heftigen Bewegung, in heftigen Leidenschaf- ten u. s. f. Im Oberdeutschen und selbst bey einigen Hochdeutschen Schriftstellern in der höhern Schreibart, keuchen. Den Mund hab ich begierig aufgethan Und ganz gekeucht aus innigem Belieben Nach deinem Wort, Opitz Ps. 119. Wenn er durch Weihrauchwolken zeucht, Die Kriegesfurie gefesselt an den Wagen Des Überwinders keucht, Raml. Komm Lachen Die Hände gestämmt in keuchende Seite, ebend. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist dafür das Frequentativum kakazen, im Nieders. kuchen, piechen, peichen, prichen, hachpachen, häsepesen, heisapen, hesapen, hastebaffen, himen, Holländ. himmen, helchen, ( - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ziehen,) anken, janken u. s. f. üblich, wovon die meisten gleichfalls Nachahmungen des Lautes sind, theils auch besondere Arten des Keichens ausdrucken. 2) Da man bey einigen Arten des Hustens im Husten einen ähnlichen Laut von sich gibt, so wird ein solches Husten gleichfalls keichen genannt. Den ganzen Tag keichen, mit Engbrüstigkeit husten. Nieders. kuchen, kögen, kagen, kücheln, krücheln, Engl. to cough, wo auch Köge der Husten ist, Engl. Cough.


Keichhusten (W3) [Adelung]


Der Keichhusten, des -s, plur. inus. ein mit Keichen verbundener Husten, welcher von einem schweren Athemhohlen begleitet ist und mit Erstickung drohet, und im gemeinen Leben das Hühnerweh genannt wird, ( S. dieses Wort;) der Kinderhusten, weil die Kinder am häufigsten damit befallen werden. Nieders. Kuchhoost, Kinkhoost, Schwed. Kikhosta, Engl. Cooping-cough, Chin-cough.


Keifen (W3) [Adelung]


Keifen, verb. irreg. neutr. Imperf. ich kiff. Part. gekiffen, mit dem Hülfsworte haben, zanken, schmählen, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Immer etwas zu keifen haben. Den ganzen Tag mit den Bedienten keifen. Du weißt, daß Tag für Tag dein alter Vater keift, Rost.

Anm. Nieders. kiven, wo das Hauptwort Kief auch das Gezänk, ingleichen einen Verweis bedeutet, bey den Schwäbischen Dichtern Kib, im Dän. Kiv, im Meklenburgischen kabecheln. Auch im gemeinen Leben der Hochdeutschen hat man das Diminut. und Frequentat. keifeln, Lat. cavillari. Eigentlich bedeutet keifen so wohl beißen, als essen, in welchem Verstande es noch in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Nürnberg, üblich ist. In den Monseeischen Glossen chiuvan. S. Kiefer und Kauen.


Keil (W3) [Adelung]


Der Keil, des -es, plur. die -e, Diminut. das Keilchen, ein Wort, welches 1) in seiner weitesten und vielleicht eigentlichsten Bedeutung einen jeden langen dünnen Körper bedeutet zu haben scheinet; in welchem nunmehr veralteten Verstande es noch in Kiel in einer gedoppelten Bedeutung üblich ist. ( S. dasselbe,) 2) In engerer Bedeutung ist der Keil ein jeder länglicher Körper, welche an dem einen Ende dünner ist, als an dem andern, er sey übrigens rund oder eckig; in welchem Verstande es noch in einigen Fällen üblich ist. Die kegelförmigen Belemniten sind im gemeinen Leben unter dem Nahmen der Donnerkeile bekannt, weil man ehedem glaubte, daß sie mit dem Blitze auf die Erde fielen. Bey dem Suidas ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein hölzerner Pfeil, und im Engl. Kayle und Franz. Quille ein Kegel, welches Wort selbst hierher zu gehören scheinet. Im Oberdeutschen ist ein Keil Brot, ein Keil Butter, ein an einem Ende zugespitztes Brot, ein zugespitztes Stück Butter, wo es in einigen Gegenden auch Keidel lautet, und wofür im Hochdeutschen ein Weck üblich ist. Eine Ader Erz oder Stein, welche sich am Ende zuspitzt, heißt im Bergbaue ein Keil, so wie im gemeinen Leben eine jede Oberfläche der Erde, ein Stück Feldes, Wiese u. s. f. wenn es sich zuspitzet, diesen Nahmen führet. ( S. auch Keule,) 3) In der engsten Bedeutung ist der Keil ein viereckter länglicher Körper, welcher sich von der Grundfläche an eine gerade Schärfe verlieret, besonders so fern er gebraucht wird, einen andern Körper zu spalten. Das Holz mit Keilen spalten. Einen Keil einschlagen. Auf einen harten Ast gehöret ein harter Keit. Ein Keil treibt den andern. Ingleichen figürlich, was die Gestalt eines solchen Keiles hat. So ist in der Baukunst der Schlußstein auch unter dem Nahmen des Keiles bekannt, und in Niedersachsen wird auch der Zwickel eines Strumpfes der Keil genannt. Im weitesten Verstande ist ein jedes Werkzeug zum Stechen und Hauen eine Art eines Keiles.

Anm. Im Nieders. Kiel, im Dän. Kile, im Schwed. Kil, wo auch Kilt eine Falte bedeutet. Es ist ungewiß, ob der Begriff der Länge und Schärfe, oder des Spaltens und in weiterer Bedeutung des Schlagens, in diesem Worte der herrschende ist. Im Wendischen ist kalam, kloju, so wohl hauen und stechen als auch spalten, und selbst im gemeinen Leben der Hochdeutschen gebraucht man keilen oft für schlagen, prügeln. Darauf los keilen. Jemanden keilen. S. auch Keiler, Keilhaue und Keule.


Keilbein (W3) [Adelung]


Das Keilbein, des -es, plur. die -e, in der Zergliederungskunst, ein Nahme verschiedener Beine, welche die Gestalt eines Keiles haben, und auch keilförmige Beine genannt werden, wohin das Grundbein der Hirnschale, Ossphenoides, und die Keilbeine am Vorderfuße gehören.


Keilberg (W3) [Adelung]


Der Keilberg, des -es, plur. inus. im Bergbaue ein Gestein in Gestalt eines Keiles, besonders da, wo sich ein Gang in zwey Trümmer oder Arme theilet; der Sohlberg.


Keilen (W3) [Adelung]


Keilen, verb. reg. act. et neutr. und zwar letzteres mit dem Hülfsworte haben. 1) Mit Keilen spalten, oder befestigen. Aus einander keilen, mit Keilen aus einander treiben. So auch in den Zusammensetzungen einkeilen, verkeilen u. s. f. 2) Die Gestalt eines Keiles bekommen; doch nur in auskeilen. 3) Schlagen, stoßen, im gemeinen Leben, S. Keil Anm.


Keiler (W3) [Adelung]


1. Der Keiler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen in Meißen der Feldhüther oder Flurschütze führet. Etwa für Keuler, weil er mit einer Keule bewaffnet ist, oder ehedem bewaffnet war?


Keiler (W3) [Adelung]


2. Der Keiler, des -s, plur. ut nom. sing. das Männliche unter den wilden Schweinen, bey den Jägern; von keilen, hauen, schlagen, weil es sehr heftig um sich hauet, daher es auch der Hauer genannt wird. S. Keilen Anm.


Keilfäustel (W3) [Adelung]


Der Keilfäustel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bergleuten, ein Fäustel oder Hammer, die Zapfen in der Welle damit zu verkeilen.


Keilhacke (W3) [Adelung]


Die Keilhacke, plur. die -n, eine Hacke mit einer langen keilförmigen Schneide, damit in die Erde zu hacken. S. das folgende.


Keilhaue (W3) [Adelung]


Die Keilhaue, plur. die -n, eine zugeschärfte oder zugespitzte Haue oder Hacke, damit in steinigem Grunde zu arbeiten. Auch die Bergleute haben Keilhauen, womit sie das mürbe Gestein los hauen, und welche zuweilen spitzig sind; daher ein mürbes Gestein, welches leicht zu gewinnen ist, auch keilhauiges Gebirge genannt wird.


Keilspitz (W3) [Adelung]


Der Keilspitz, des -es, plur. die -e, im Festungsbaue, diejenige Linie, welche mit der Spitze der Keilhaue auf der Erde nach der Vorschrift der Schnur gemacht wird, wenn man eine Figur auf dem Boden entwirft.


Keilstück (W3) [Adelung]


Das Keilstück, des -es, plur. die -e, eine Art Stücke oder Kanonen, welche von hinten geladen werden, und in engen Werken bequem sind.


Keim (W3) [Adelung]


Der Keim, des -es, plur. die -e, Diminut. das Keimchen, Oberd. Keimlein, der erste Anfang einer Pflanze, so wie er entweder aus der Wurzel oder aus dem Samen hervor bricht. Die Keime an dem Malze. Hopfenkeime oder Hopfenkeimchen u. s. f. Figürlich, besonders in der edlen und höhern Schreibart, der erste Anfang eines Dinges. Alle diese Gegenstände sind die Keime vieler zukünftigen Vergnügungen. Zerstör' in seinem Herz (Herzen) die Keime böser Lust, Dusch.

Anm. Schon im Isidor Chimu, bey dem Notker Chim, im Nieders. Kiem, im Latein. Cyma und Gemma, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es gehöret mit Kahm und Kimme zu Einem Geschlechte, welches den Gipfel, die Spitze eines Dinges bezeichnet. S. diese Wörter.


Keimen (W3) [Adelung]


Keimen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, einen Keim treiben, von allen Samen, Pflanzen und Gewächsen. Die Gerste keimet schon. Der Salat, der Kohl u. s. f. keimet. Ingleichen figürlich, in der höhern Schreibart, seinen Anfang nehmen.


Kein (W3) [Adelung]


Kein, ein Adjectiv, welches einen Gegenstand so genau bestimmet, daß es weder einer Comparation fähig ist, noch einen Artikel vor sich leidet. Es kommt in zwey einander gerade entgegen gesetzten Bedeutungen vor. 1. * Für die unbestimmten Pronomina ein und einig, wo es von dem neunten Jahrhunderte an hein, gein, ghain, chain, kein lautet. Wart ane wandel je kein wib, Ditmar von Ast, für, je ein Weib. Zu chainer wer, zu einiger Wehr, Stryk. Davon yemant kain (einiger) Schade gescheh, das sol der Scheffman gelten, in einer Baierischen Verordnung von 1346 bey dem Schilter. Wer darum keinen Zoll oder kein Ungeld nimmt, in keiner Stadt oder auf keiner Straß, über den soll man richten, als einen Straßenräuber, Lehmann in der Speyer. Chron. bey dem Frisch, wo es vier Mahl für einig stehet. Es ist schwer zu bestimmen, woher dieses k gekommen, ob es aus je entstanden, für je ein, oder ob es der bloße hauchende Vorschlag einiger Oberdeutschen Mundarten ist. So viel ist gewiß, daß es in den Schriften der mittlern Zeiten oft große Zweydeutigkeiten macht, und der Zusammenhang es entscheiden muß. ob hier das Fürwort ein, einig, oder das folgende verneinende kein zu verstehen ist. Sehr oft setzte man noch ein de oder the voran, welches der Artikel der zu seyn scheinet. Thegein vrsach, einige Ursache, Lex Lud. et Lothar. von 840. Thaz steit in Gottes henti, ane theheinig enti, Ottfr. Ob si in deheinen sorgen si, Reinmar der Alte. Swer ir dekeines valsches gicht, ebend. Unser de keiner, in einer Zürchischen Urkunde von 1386 für unser einer. Das Ital. ciascuno, ciascheduno, und Franz. chascun, jetzt chacun, haben etwas ähnliches. Zum Glück ist es in dieser Bedeutung veraltet, obgleich noch ein doppelter Überrest davon übrig ist. 1) Wenn kein nach einem Comparativo stehen; welcher Gebrauch in der anständigen Schreibart verschwunden ist, aber doch noch im gemeinen Leben häufig vorkommt. Größer als kein Mensch, als ein Mensch, als irgend ein Mensch. Schärfer denn kein zweyschneidig Schwert, Ebr. 4, 12. 2) Wenn es mit Verneinungen verbunden wird. Ich habe nie keinen geduldet. Habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen nie keinen, Luc. 22, 35. Kein Ort gefiel mir besser nicht, Opitz. Es ist in ihm kein Geist mehr nicht, ebend. Da noch kein Geld nicht war, da war die güldne Zeit, ebend. Keine andere Gefälligkeit habe ich ihm nicht erzeigt, Gell. (Die Stimme,) die sonst keine Geschöpfe nicht hörten, Klopst. In der reinen Schreibart bleibt diese Verbindung alle Mahl ein Fehler, weil kein für ein nunmehr veraltet ist; indessen erhellet doch aus allem zusammen genommen, daß diese Art zu reden nicht eigentlich eine doppelte Verneinung ist, wie alle Sprachlehrer behaupten. 2. Als der Gegensatz des Zahlwortes, des Beywortes, des Artikels und des Fürwortes ein, für nicht ein, wo es so wohl in Verbindung mit dem Hauptworte, als ohne dasselbe gebraucht, und in beyden Fällen gerade so wie ein abgeändert wird, nur daß es nie einen Artikel vor sich leidet. Es stehet aber, 1) Für nicht Ein so fern das letztere das Zahlwort Ein ist. Es ist kein Mann geblieben, auch nicht Einer. Wir haben keinen eingebüßet. Rede mir kein Wort weiter. Es ist keiner davon gekommen. Ist denn gar keiner da? Kein Mahl, besser niemahls. Keiner von beyden, im Oberd. keinetweder. Wo denn, wenn in dem folgenden Kommate eine Verneinung folgt, eine Bejahung daraus wird. Es war kein Haus, worin nicht Ein Todter war, welches stärker versichert, als wenn es nur hieße, in jedem Hause war Ein Todter. Da war keiner, der sich nicht geschämet hätte. Wenn eine Verwechselung mit dem folgenden unbestimmtern kein zu befürchten ist, oder wenn man den Nachdruck erhöhen will, so setzt man noch das einzig hinzu, oder löset auch das kein in nicht Ein wieder auf. Es ist kein einziger, der es nicht wüßte, oder, es ist auch nicht Einer u. s. f. Es ist kein einziger geblieben. Da ist keiner, der Gutes thue, auch nicht Einer, Ps. 14, 4. Es ist nicht Einer davon gekommen. Wenn das Hauptwort das Geschlecht oder die Art ausdruckt, von welcher das kein gesagt wird, so geschiehet solches theils vermittelst der Vorwörter von und aus, theils aber auch, besonders in der höhern Schreibart, vermittelst der zweyten Endung. Keiner von uns. keiner aus unserer Familie. Keiner aus der Gesellschaft. Keiner der Unsrigen. Keiner der hiesigen Einwohner. Wo nach dem Muster der Oberdeutschen auch der Genitiv voran stehen kann. Unser keiner ist da gewesen, für keiner von uns. Er achtet deren keines, für keines derselben. Besonders in der höhern Schreibart. Wenn ich ihnen jemahls das vergebe, so werde mir meiner Sünden keine vergeben, Less. Die Natur der Sache bringt es schon mit sich, daß kein hier wenig einen Plural haben können, als ein. 2) So fern ein das Beywort ist, welches dem ander entgegen stehet, und auch gebraucht wird, wenn mehr als zwey Dinge angeführet werden. Kein Mensch trauet dem andern. Keiner liebet den andern. Es waren ihrer drey, aber es gefiel mir keiner davon. Keiner Partey zugethan seyn. Auch hier findet der Plural nicht Statt. 3) So fern ein der unbestimmte Artikel ist, wo dieses Beywort, wenn es eigentlich Hauptwörtern zugesellet wird, die Stelle des einfachen verneinenden nicht vertritt. Er hat noch keine Frau, d. i. er hat noch nicht eine Frau. Der Überwinder einer Welt ist kein so großer Mann, als der unschuldig Leidende, Dusch, ist nicht ein so großer Mann. Ich leide kein Laster an dir. Du und kein andrer. Auch in weiterer Bedeutung vor Individuis, wenn nicht so wohl ihre individuelle Art, als vielmehr ihre Eigenschaft bezeichnet werden soll. Das ist eben kein schönes Haus. Das war kein feiner Gedanke. Ingleichen ohne Hauptwort. Gib mir ein Buch! - Ich habe keines. Rufe mir einen Bedienten. Antw. es ist keiner da. Man hält ihn für einen Gelehrten, ob er gleich keiner ist. Indessen erstrecket sich der Gebrauch des kein hier viel weiter als des ein, indem man im Gegensatze nicht alle Mahl ein brauchen kann, wo doch kein Statt findet; indem dieses Beywort auch dem Fürworte einig entgegen gesetzet wird, so wohl wenn dasselbe im Singular ein oder das andere unbestimmte Ding, als auch im Plural mehrere Dinge Einer Art sehr unbestimmt andeutet. Es hat alsdann überall Statt, wo ein eigentliches Hauptwort mit der Verneinung stehen sollte. Gar kein Mitleiden mit jemand haben. Ich habe kein Geld. Es hat keine Gefahr, keine Noth mit ihm. Keine Schuld haben. Ich esse keinen Käse, trinke keinen Wein. Es hilft kein Sagen. Es würde ihn kein Cicero überreden können. Keines Weges, auf feine Art, im Oberd. keiner Dings. Daher es in dieser Bedeutung auch ohne Bedenken im Plural gebraucht werden kann. Es sind keine Blätter mehr an den Bäumen. Wir sind ja auch keine Thoren. Was habt ihr noch für Güter? - Keine. Es ist bereits gesagt worden, daß kein anstatt des nicht nur vor eigentlichen Hauptwörtern gebraucht werden könne. Vor Nebenwörtern, oder Beywörtern, selbst wenn sie als Hauptwörter stehen, macht es einen Übelklang. Fehlerhaft sind also folgende R. A. Menschen Hülfe ist kein nütz, Ps. 60, 13, für nichts nütze. Deine Rede ist kein nütz, Hiob 15, 3. Die Gottlosen sind kein nütze, Weish. 4, 3. Das thut in die Länge kein gut, für nicht gut. Es ist kein Gutes an ihm, für nichts Gutes. Auch vor Zahlwörtern ist es fehlerhaft. Es ist noch keine sechs Uhr, noch nicht sechs Uhr. Es waren keine zehn Mann, es waren nicht, oder noch nicht zehn Mann. 4) Oft stehet es so wie einer ohne Hauptwort, und ohne unmittelbare Beziehung auf ein vorher gegangenes Hauptwort, für niemand, ob es gleich die Ausschließung noch etwas genauer zu bestimmen scheinet, als dieses Wort. Es hat alsdann die völlige Gestalt eines Pronominis, und ist im männlichen Geschlechte am üblichsten, wenn es sich gleich auch auf Personen weiblichen Geschlechtes beziehet. Das weiß keiner, kein Mensch. Sag es keinem. Das hat noch keiner vor mir gethan. Ist keiner unter euch, der es gehört hätte? Ingleichen mit den Vorwörtern von und aus. Es war keiner aus unserer Familie. Es hat ihn keiner von uns gesehen. Unter keines Bothmäßigkeit stehen. Auch mit der zweyten Endung. Er ist keiner der stärksten. Welcher in der höhern Schreibart auch voran stehen kann. Er ist der stärksten keiner. Er weicht der Unsterblichen keinem. Im gemeinen Leben gebraucht man dafür auch das sächliche Geschlecht. Es ist keines zu Hause.

Anm. Dieses verneinende kein ist aus nicht ein, oder nach der ältern Oberdeutschen Art, nie chein, nie kein entstanden. Es lautet daher noch bey dem Kero noh hein, nihein, in dem alten Lege Lud. et Loth. von 840 neiein, bey dem Willeram ne chein, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno nichein, bey dem Ottfried nich ein und niheinig, und mit dem voran gesetzten de bey den Schwäbischen Dichtern ni dekein. Indessen ließ man schon sehr frühe die Negation weg. So gebraucht Ottfried thiheinigemo, für keinem, Willeram decheina, für keine, uns Stryker dehainer, für keiner, dhain bey dem Hornegk und ghein bey den ältern Schweizern, welches das oben erwähnte dechein, ein, einig, ist. Bey andern scheinet die Negation in en übergegangen zu seyn, wie in dem enhein und enkein der Schwäbischen Dichter, bey welchen aber auch schon chein und kein in dem heutigen Verstande vorkommt. Die heutigen Niedersachsen sagen zwar auch keen; allein sie gebrauchen auch noch neen, nien, Engl. none, welches gleichfalls aus nie ein oder nicht ein zusammen gezogen ist, so wie das Latein. nullus aus non ullus.


Keinerley (W3) [Adelung]


Keinerley, adj. indeclin. auf keine Art, von keiner Art oder Gattung. Ich hoffe, daß ich in keinerley Stück zu Schanden werde, Phil. 1, 20. Lasset euch niemand verführen in keinerley Weise, 2 Thess. 2, 3. Auf keinerley Art. Im Schwabensp. dehainerley, bey dem Hornegk dhaineres Slacht, chainer Slacht, im Nieders. nenerlei, ninerlei, nenerhand.


Keinesweges (W3) [Adelung]


Keinesweges, adv. auf keine Art, schlechterdings nicht. Er konnte dieser Traurigkeit keinesweges widerstehen. Bey diesen Umständen war mir mein Zustand keinesweges angenehm. Ingleichen anstatt einer bloßen, aber sehr nachdrücklichen Verneinung. Hast du es nicht gethan? Antw. Keinesweges. Ich habe ihn keinesweges gesehen. Im Oberdeutschen keiner Dingen. Richtiger würde man es getheilt Weges schreiben. Der Gegensatz eines Weges, einer Wegen, auf einige Art, an irgend einem Orte, ist noch in den gemeinen Mundarten, besonders Niedersachsens üblich.


Keinmahl (W3) [Adelung]


Keinmahl, besser kein Mahl, adv. nicht Ein Mahl, wofür aber im Hochdeutschen niemahls üblicher ist. Ich habe ihn noch kein Mahl gesehen. Nie keinmahl, wie Jerem. 2, 3, ist nach dem heutigen Gebrauche des kein ein Fehler, S. Kein 1. 2).


-keit (W3) [Adelung]


-keit, eine Ableitungssylbe, welche Hauptwörter aus Beywörtern bildet, das Abstractum derselben, und nach einer sehr gewöhnlichen Figur auch aus dem Abstracto wieder ein Concretum zu bezeichnen. Sie kommt in der Bedeutung mit der Ableitungssylbe - heit völlig überein, aus welcher sie bloß durch eine härtere Aussprache des Hauchlautes entstanden ist. Nur in Ansehung des Gebrauches ist sie von derselben unterschieden, indem sie mehr eingeschränkt ist, und nur den Beywörtern angehänget werden kann, welche sich auf bar, er, ig, lich und sam endigen. Auf bar. Die Brauchbarkeit, Dankbarkeit, Dienstbarkeit, Ehrbarkeit, Fehlbarkeit, Fruchtbarkeit, Kostbarkeit, Mannbarkeit, Schiffbarkeit, Nutzbarkeit, Sichtbarkeit, Unsichtbarkeit, Mittelbarkeit, Theilbarkeit, Untheilbarkeit, Unläugbarkeit, Strafbarkeit u. s. f. Auf er. Die Bitterkeit, Heiterkeit, Munterkeit, Finsterkeit, Tapferkeit, Heiserkeit, Lauterkeit, Alberkeit, wofür auch Albernheit üblich ist, das Oberdeutsche Oberkeit für Obrigkeit, das Nieders. Düsterkeit u. s. f. Von bitter, heiter u. s. f. Für Sicherkeit ist Sicherheit, und für Sauerkeit ist Säure eingeführet, so wie von denjenigen Beywörtern, wo die Sylbe er zum Stamme gehöret, die Abstracta gleichfalls auf e gemacht werden; die Leere, Schwere. Auf ig. Abschüssigkeit, Anmuthigkeit, Anständigkeit, Barmherzigkeit, Billigkeit, Bündigkeit, Ewigkeit, Fertigkeit, Flüchtigkeit, Freudigkeit, Freygebigkeit, Geschäftigkeit, Gütigkeit, Gefälligkeit, Gültigkeit, Holdseligkeit, Kaltblütigkeit, Lässigkeit, Mannigfaltigkeit, Muthwilligkeit, Mühseligkeit, Mäßigkeit, Mündigkeit, Obrigkeit, Offenherzigkeit, Schwierigkeit, Streitigkeit, Seligkeit, Thätigkeit, Widrigkeit, Zufälligkeit u. s. f. Auf lich. Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Friedlichkeit, Höflichkeit, Häuslichkeit, Köstlichkeit, Sinnlichkeit, Peinlichkeit, Pünctlichkeit, Unpäßlichkeit, Abscheulichkeit, Zärtlichkeit, Bedenklichkeit, Deutlichkeit, Erheblichkeit, Glaublichkeit, Häßlichkeit, Beweglichkeit, Betrüglichkeit, Heimlichkeit, Sterblichkeit, Göttlichkeit, Herrlichkeit u. s. f. Auf sam. Seltsamkeit, Heilsamkeit, Furchtsamkeit, Friedsamkeit, Arbeitsamkeit, Bedachtsamkeit, Empfindsamkeit, Genügsamkeit, Wachsamkeit, Einsamkeit, Grausamkeit, Langsamkeit, Sparsamkeit, Wirksamkeit u. s. f. Dahin gehören auch die Beywörter auf haft und los, welche gleichfalls nur allein das keit annehmen, aber vorher durch die Sylbe ig verlängert werden müssen. Dauerhaftigkeit, Gewissenhaftigkeit, Herzhaftigkeit, Nahrhaftigkeit, Schalkhaftigkeit, Wahrhaftigkeit, Standhaftigkeit, Plauderhaftigkeit, Zaghaftigkeit u. s. f. Bodenlosigkeit, Gottlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Fruchtlosigkeit, Lieblosigkeit, Gedankenlosigkeit, Herrenlosigkeit, Ehrlosigkeit, Grundlosigkeit, Kraftlosigkeit, Sinnlosigkeit, Sprachlosigkeit, Trostlosigkeit u. s. f. Bey den Beywörtern auf los ist das ig vielleicht aus dem e euphonico entstanden, die weiche Aussprache des s zu erhalten, für Gottlosekeit u. s. f. wie noch häufig im gemeinen Leben einiger Gegenden gesprochen wird, und welches Frisch in seiner Ausgabe der Sprachlehre Bödickers so gern für die echte und wahre Schreibart ausgeben möchte, selbst in den eigentlichen Beywörtern auf ig; Gütekeit für Gütigkeit. In den Beywörtern auf halt schreibt sich dieses ig aus der Oberdeutschen Mundart her, welche den Beywörtern auf haft so gern ein unbedeutendes ig anhänget, glaubhaftig, für glaubhaft; welche Schreib- und Sprechart auch im Hochdeutschen ihre Freunde hat. Diesem Beyspiele folgen auch einige andere Beywörter, welche das keit annehmen, vorher aber durch die Sylbe ig verlängert werden. Frömmigkeit, Süßigkeit, Gerechtigkeit, Kleinigkeit, Feuchtigkeit, Reinigkeit, Mattigkeit, Dreistigkeit, Festigkeit, Nettigkeit, Helligkeit im gemeinen Leben für die Helle, Seichtigkeit u. s. f. Besonders wenn sie sich auf einen weichen Mitlauter endigen; Geschwindigkeit, Müdigkeit, Blödigkeit, Sprödigkeit, Behendigkeit u. s. f. Von fromm, süß, gerecht, blöde, spröde u. s. f. Indessen ist solches keine allgemeine Regel, weil viele das heit annehmen, wenn sie sich gleich auf einen weichen Mitlauter endigen, wie Trägheit, Feigheit, Bosheit, Weisheit, von träge, feige, böse, weise. In grob, blind, gesund u. a. lautet der Consonant schon hart, daher Grobheit, Blindheit, Gesundheit, der Regel gemäß sind. Für Feinigkeit sagt man lieber Feinheit. S. von diesem Gebrauche der Sylbe ig mein Magazin B. 1, St. 3, S. 78 f. In der Bedeutung kommen die Hauptwörter auf keit mit denen auf heit vollkommen überein, nur daß die vorher gehende Ableitungssylbe dabey nicht aus der Acht gelassen werden muß. Es macht Abstracta, welche eine Eigenschaft, eine Fertigkeit bedeuten und figürlich wieder zu Concretis werden können, Dinge zu bezeichnen, welche diese Eigenschaft an sich haben. Sich an Kleinigkeiten belustigen, an kleinen unerheblichen Dingen. Feuchtigkeiten, feuchte Körper. Gütigkeiten, gütige Handlungen. Indessen vertragen doch nicht alle der obigen Beywörter diese Sylbe, woran theils die Natur der Sache, theils der Wohlklang, theils aber auch bloß der unterlassene Gebrauch, Schuld sind. Die Beywörter auf ig, welche von Partikeln herkommen, lassen sich nicht auf diese Art in Hauptwörter verwandeln. Für Damahligkeit, Baldigkeit, (im Oberd. sagt man Bälde,) Heutigkeit, Dortigkeit, Hiesigkeit u. s. f. muß man umschreiben, wenn man den Begriff auszudrucken hat. Eben dieß gilt auch von Wunderbarkeit, Väterlichkeit, Mündlichkeit, Ehelichkeit, Königlichkeit, Kümmerlichkeit, Bürgerlichkeit, Ziemlichkeit und hundert andern mehr. Für Gnädigkeit, Allmächtigkeit, Andächtigkeit, Günstigkeit, Hungerigkeit, Mächtigkeit, Wollüstigkeit, Spitzigkeit, Lebendigkeit, Adeligkeit, Gehorsamkeit u. a. m. sind die kürzern Gnade, All- macht, Andacht, Gunst, Hunger, Macht, Wollust, Spitze, Leben, Adel und Gehorsam, wenigstens in der edlern Schreibart, üblicher; obgleich in dem lehrenden Vortrage, wo die schärfste Bestimmung nöthig ist, auch jene gebraucht werden können, wenn der Verstand es erfordert, und die vielfache Bedeutung der letztern eine Zweydeutigkeit verursachen könnte.

Anm. Aus allem erhellet, daß diese Ableitungssylbe in den meisten Fällen ihren Ursprung dem Wohlklange zu verdanken hat, indem das gelindere h nach den Buchstaben r, g, ch, und dem weichen s fast in das härtere k übergehet. Daher findet man es auch in den ältesten Schriften so selten, ja fast nicht eher, als bis man auf den Wohlklang zu merken anfing.


Kelch (W3) [Adelung]


Der Kelch, des -es, plur. die -e, Diminut. das Kelchlein, ein Gefäß, besonders ein Trinkgeschirr, welches oben weiter ist als unten, und einen langen Fuß hat, welcher sich unten in eine erweiterte Fläche endiget. 1. Eigentlich. In den Glasbütten werden unsere gewöhnlichen Weingläser, dem Herrn Stosch zu Folge, Kelche genannt. ( S. Kelchglas,) Am üblichsten ist dieses Wort von den in den Kirchen üblichen gemeiniglich metallenen Trinkgeschirren dieser Art, woraus den Communicanten der gesegnete Wein gereichet wird. Daher denn der gesegnete Wein in dem Sacramente des Abendmahles figürlich selbst unter dem Nahmen des Kelches bekannt ist. Den Laien den Kelch entziehen. ( S. auch Spülkelch,) 2. Figürlich. 1) In der Kräuterkunde führet das Behältniß der Pflanzen, welches die eigentliche Blume oder Blüthe enthält, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, den Nahmen des Kelches; Calix L. Aus eben dieser Ursache werden auch manche so geformte Blumen selbst, z. B. die Tulpen, bey den Blumenliebhabern Kelche genannt. 2) In der Deutschen Bibel ist, nach einer morgenländische. Figur, der Kelch des Leidens, des Zornes u. s. f. das zugetheilte Maß des Leidens, die Wirkung des Zornes.

Anm. In der heutigen kirchlichen Bedeutung schon bey dem Ottfried Kelih, im Dän. Kalk, im Böhm. Kalich. So wahrscheinlich es dem ersten Anblicke nach scheinet, daß dieses Wort aus dem Lat. Calix entlehnet worden, so wie dieses von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - abstammet: so ist es doch wahrscheinlicher, daß es nur ein Seitenverwandter desselben ist, und mit demselben zu Gelte, Kehle, Gölle, Holk, Kelle, Keller, Kolk und andern Wörtern dieses Geschlechtes gehöret, welche überhaupt ein hohles Behältniß, ein Geschirr bedeuten, und wohin vermittelst des Zischlautes auch Schale gehöret. Im Tatian bedeutet Helih caltes uuazzeres ein Gefäß mit kaltem Wasser; bey dem Notker ist Chelih gleichfalls ein Gefäß, und im Wallach. bedeutet Kelke und im Alban. Kjelkje ein Glas, ein gläsernes Gefäß.


Kelchfutter (W3) [Adelung]


Das Kelchfutter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Futter oder Futteral, den gottesdienstlichen Kelch darin zu verwahren.


Kelchglas (W3) [Adelung]


Das Kelchglas, des -es, plur. die -gläser, ein gläserner Kelch, ein großes gläsernes Trinkgeschirr in Gestalt eines Kelches, welches noch in manchen Trinkgesellschaften üblich ist. Auch die gewöhnlichen Weingläser von eben dieser Gestalt, führen zuweilen diesen Nahmen, besonders wenn sie, ehe der Fuß angehet, nicht spitzig, sondern rundlich zulaufen, zum Unterschiede von den Spitzgläsern.


Kelchmos (W3) [Adelung]


Das Kelchmos, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, dasjenige Mos, bey welchem der Same in kleinen Kelchen liegt.


Kelle (W3) [Adelung]


Die Kelle, plur. die -n. 1) Ein Löffel an einem laugen Stiele. welcher von seiner Bestimmung die Nahmen Rührkelle, Schaumkelle, Schöpfkelle, Schmelzkelle, Küchenkelle u. s. f. erhält, oft aber doch lieber ein Löffel genannt wird. In der Deutschen Bibel kommt es Zach. 4, 2, und 1 Macc. 1, 23 vor, vermuthlich Löffel zu bezeichnen. 2) Ein Werkzeug der Mäurer, wel- ches aus einem dreyeckigen ebenen Bleche mit einem krummen Stiele bestehet, den Mörtel damit aufzutragen, die Mauerkelle; vermuthlich, weil man sich dazu ehemahls eines mehr tiefen Geschirres bedienet hat.

Anm. Im Nieders. gleichfalls Kelle, im Pohln. Kielnia. Gewiß nicht von Cochlear, wie Frisch wähnet, als wenn die Deutsche Sprache so arm wäre, daß sie für ein solches Werkzeug keinen Nahmen in sich selbst hätte finden können. Es gehöret mit Cella, Olla, und hundert andern zu dem schon bey dem vorigen Worte erwähnten weitläufigen Geschlechte solcher Ausdrücke, welche ein hohles Behältniß bedeuten. S. Gölle, Gelte, Hohl, Kehle, und die mittlern Lat. Galo, Gillo, Golla, Gullus, Golena, Geola u. s. f.


Keller (W3) [Adelung]


1. * Der Keller, des -s, plur. inus. ein nur in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, übliches Wort, geronnene, besonders sauer gewordene Milch zu bezeichnen; daher kellern daselbst auch für gerinnen üblich ist. ( S. Gallerte,) welches Wort daraus entstanden ist.


Keller (W3) [Adelung]


2. * Der Keller, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kellerinn, ein nur in einigen Gegenden übliches und aus Kölner verderbtes Wort, so wohl einen Kölner, d. i. Hüfener, zinspflichtigen Besitzer eines Hufengutes, als auch, und zwar am häufigsten, einen Vorgesetzten derselben zu bezeichnen; in welchem letztern Verstande es so wohl im Österreichischen, als auch am Niederrheine vorkommt, wo Amtskeller so viel als Amtsverwalter ist, einen Beamten zu bezeichnen, der das Cameral-Wesen eines Amtes besorget, und unmittelbar auf den Amtmann folget, dessen Gebieth alsdann auch die Kellerey oder Amtskellerey genannt wird. Es ist aus dem mittlern Lat. Colonarius entlehnet. S. Kölnhof.


Keller (W3) [Adelung]


3. Der Keller, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Kellerchen, Oberd. Kellerlein. 1) Überhaupt, eine Höhle, ein hohles Behältniß, ein hohler Raum, wo es nur noch hin und wieder in einigen einzelnen Fällen üblich ist. In der Schweiz werden die Höhlen in den Bergen, worin sich Krystall befindet, Keller genannt. Bey dem Notker ist Chellera eine Vorrathskammer, und im Wallach. Kalntar ein Topf. In dem zusammen gesetzten Flaschenkeller bedeutet es ein bewegliches Behältniß für Flaschen. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein Behältniß unter der Erde, theils allerley Verrichtungen daselbst vorzunehmen, theils auch allerley Sachen daselbst zu verwahren. In engerer Bedeutung ist Keller ein solches gewölbtes Behältniß, im Gegensatze eines ungewölbten, welches ein Balkenkeller, und im gemeinen Leben eine Tunke genannt wird. In einem Keller wohnen. In den Niedersächsischen Städten wohnen die Schuhmacher und Schuhflicker gemeiniglich ein Kellern. Ein Italiäner-Keller, ein solches Behältniß unter der Erde, in welchem allerley Italiänische Waaren aufbehalten und verkauft werden. Ingleichen ein solches Behältniß unter der Erde, zum Behufe einer jeden Haushaltung. In den Keller gehen. Wein, Bier aus dem Keller hohlen. Ein Weinkeller, Bierkeller, Milchkeller. Ein Bergkeller, in einem Berge. Besonders ein solcher Keller, so fern daselbst Wein oder Bier geschenket wird. Der Rathskeller, Stadtkeller, Burgkeller u. s. f.

Anm. In der zweyten Bedeutung schon bey dem Notker Chelir, im Schwabensp. Keler, im Nieders. gleichfalls Keller, im Dän. Kiälder, im Angels. Cellare, im Engl. Cellar, im Schwed. Kaellare, im Span. Cillero. Die Endsylbe er ist die Ableitungssylbe, welche ein Werkzeug oder auch ein Ding selbst bedeutet. Die Stammsylbe Kell gehöret mit Kehle, dem vorigen Kelle, dem verwandten Gölle, dem Lat. Cella und andern mehr zu einem und eben demselben Worte, in welchem der Begriff der Höhle der herrschende ist. Das Lat. Cellarium und mittlere Lat. Cellare ist auf eben dieselbe Art gebildet.


Keller (W3) [Adelung]


4. Der Keller, des -s, plur. ut nom. sing. ein aus Kellerer oder Kellner zusammen gezogenes und vornehmlich im Oberdeutschen übliches Wort, den Vorgesetzten eines Wein- oder Bierkellers zu bezeichnen, wo eine solche Person weiblichen Geschlechtes auch die Kellerinn genannt wird. ( S. Kellner,) Im mittlern Lat. Cellarius.


Kelleresel (W3) [Adelung]


Der Kelleresel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Assel.


Kellerey (W3) [Adelung]


1. Die Kellerey, plur. die -en, das Gebieth eines Kellers oder Kölners, S. 2. Keller.


Kellerey (W3) [Adelung]


2. Die Kellerey, plur. die -en. 1) Ein großer Wein- oder Bierkeller, besonders an Höfen, in großen Weinhäusern u. s. f. 2) An Höfen, die sämmtlichen über das Getränk gesetzten Personen, als ein Collectivum, und worunter der Haus- oder Hofkellner oder Kellermeister gemeiniglich der vornehmste ist.


Kellergeschoß (W3) [Adelung]


Das Kellergeschoß, des -sses, plur. die -sse, das unter der Erde oder großen Theils unter der Erde befindliche Geschoß eines Hauses.


Kellerhof (W3) [Adelung]


Der Kellerhof, des -es, plur. die -höfe, S. Kölnhof.


Kellerknecht (W3) [Adelung]


Der Kellerknecht, des -es, plur. die -e, ein geringer Bedienter in einem Bier- oder Weinkeller, welcher die niedrigsten Arbeiten in demselben verrichtet.


Kellerlaus (W3) [Adelung]


Die Kellerlaus, plur. die -läuse, S. Assel.


Kellerloch (W3) [Adelung]


Das Kellerloch, des -es, plur. die -löcher, das Luftloch eines Kellers.


Kellermagd (W3) [Adelung]


Die Kellermagd, plur. die -mägde, eine Magd, so fern sie vornehmlich zum Behufe eines Bier- oder Weinkellers gehalten wird.


Kellermeister (W3) [Adelung]


Der Kellermeister, des -s, plur. ut nom. sing. dessen Gattinn die Kellermeisterinn, der erste unmittelbare Vorgesetzte eines großen, besonders herrschaftlichen Bier- oder Weinkellers, welcher so wohl den Einkauf des Getränkes als dessen Erhaltung zu besorgen hat. Er wird an einigen Höfen Haus- oder Hofkellner genannt, ist aber an andern noch von demselben unterschieden.


Kellern (W3) [Adelung]


Kellern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, gerinnen, S. 1. Keller.


Kellerrecht (W3) [Adelung]


Das Kellerrecht, des -es, plur. die -e. 1) Die Gerechtsamen, Freyheiten eines fürstlichen oder öffentlichen Kellers. An die Fässer zu klopfen, um zu hören, ob sie voll sind, ist wider das Kellerrecht. 2) Dasjenige, was in Ansehung der Gäste und Fremden in einem herrschaftlichen Weinkeller üblich ist; wohin unter andern auch der Willkommen gehöret.


Kellerschabe (W3) [Adelung]


Die Kellerschabe, plur. die -n, an einigen Orten, ein Nahme der Assel, S. dieses Wort.


Kellerschreiber (W3) [Adelung]


Der Kellerschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schreiber in einem großen Wein- oder Bierkeller, welcher die Rechnungen über das Getränk führet.


Kellerspinne (W3) [Adelung]


Die Kellerspinne, plur. die -n, eine besondere Art Spinnen, deren Augen im Vierecke stehen, und welche haarige Füße haben. Sie wohnen in Kellern und alten Mauern, und sind sehr böse. Zum Unterschiede von den Haus-Garten- und Feldspinnen.


Kellerwirth (W3) [Adelung]


Der Kellerwirth, des -es, plur. die -e, Fämin. die Kellerwirthinn, der Wirth oder Schenkwirth in einem Wein- und Bierkeller, besonders in einem solchen öffentlichen Keller.


Kellerwurm (W3) [Adelung]


Der Kellerwurm, des -es, plur. die -würme, S. Assel.


Kellner (W3) [Adelung]


Der Kellner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kellnerinn, der Vorgesetzte eines Wein- oder Bierkellers, so wohl in Gasthöfen und Wein- und Bierhäusern, als auch an Höfen. In großen Anstalten wird er Kellermeister genannt, wo er denn zuweilen noch einen oder mehrere Kellner unter sich hat. Im Oberdeutschen ist dafür auch Keller üblich, welches aus Kellerer zusammen gezogen ist.


Kellnhof (W3) [Adelung]


Der Kellnhof, S. Kölnhof.


Kelter (W3) [Adelung]


Die Kelter, plur. die -n, eigentlich derjenige Ort, wo die reifen Weintrauben mit den Füßen zertreten werden, um den Saft daraus zu bekommen. In weiterer Bedeutung führet auch die Weinpresse, welcher man sich an vielen Orten statt des Tretens bedienet, das Gebäude, in welchem sie sich befindet, und die ganze dazu gehörige Anstalt diesen Nahmen. Die Trauben auf die Kelter bringen. Die Kelter treten, die in der Kelter befindlichen Weintrauben. Eine Bannkelter, Baumkelter, Spindelkelter u. s. f.

Anm. Es ist aus dem Lat. Calcatorium entlehnet, weil die Deutschen die ganze Bearbeitung des Weines aus Italien haben, von calcare, treten. Im Oberdeutschen ist dafür auch Trotte, Weintrotte üblich, von treten, der ältesten Art, die Weintrauben zu zerquetschen, bey dem Notker Vuintroto; ingleichen Torkel, Torggel, bey dem Notker Torcile, Torzil, Torcula, gleichfalls von dem Latein. Torcular.


Kelterbaum (W3) [Adelung]


Der Kelterbaum, des -es, plur. die -bäume, der starke Baum an einer Kelter oder Weinpresse, vermittelst dessen die Schraube zugezogen wird; der Preßbaum, im Oberdeutschen auch der Trottbaum, Torkelbaum.


Kelterer (W3) [Adelung]


Der Kelterer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher keltert, d. i. die Weintrauben mit Füßen zertritt; der Keltertreter. Ingleichen derjenige, welcher vermittelst einer Weinpresse den Saft aus den Trauben quetschet; der Kelterknecht, Trottknecht.


Kelterhaus (W3) [Adelung]


Das Kelterhaus, des -es, plur. die -häuser, das Haus oder Gebäude, worin eine Kelter befindlich ist, und welches auch nur die Kelter genannt wird.


Kelterherr (W3) [Adelung]


Der Kelterherr, des -en, plur. die -en, der Eigenthumsherr einer Bann- oder Zwangkelter.


Kelterkasten (W3) [Adelung]


Der Kelterkasten, des -s, plur. ut nom. sing. der starke große Kasten an einer Kelter, worin sich die Trauben befinden; die Trotte.


Kelterknecht (W3) [Adelung]


Der Kelterknecht, des -es, plur. die -e, S. Kelterer.


Keltermeister (W3) [Adelung]


Der Keltermeister, des -s, plur. ut nom. sing. der Vorgesetzte einer öffentlichen Kelter; im Oberdeutschen der Trottmeister, Torkelmeister.


Keltern (W3) [Adelung]


Keltern, verb. reg. act. eigentlich, die Weintrauben mit Füßen zertreten, um den Saft heraus zu bringen. In weiterer Bedeutung auch den Saft vermittelst einer Presse aus den Weintrauben bringen. Im Oberd. auch trotten, torkeln, mosteln, von Most. S. Kelter.


Kelterordnung (W3) [Adelung]


Die Kelterordnung, plur. die -en, eine obrigkeitliche Verordnung, wie es mit dem Keltern des Weines gehalten werden soll.


Kelterrecht (W3) [Adelung]


Das Kelterrecht, des -es, plur. inus. das Recht, eine Kelter so wohl für sich, als für andere zu halten. Ingleichen dasjenige, was man dem Kelterherren für den Gebrauch seiner Kelter bezahlet; der Kelterzins.


Keltersatz (W3) [Adelung]


Der Keltersatz, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, das Recht, welches man hat, eine Bannkelter zu halten, d. i. den Wein anderer in seiner Kelter auszupressen, der Kelterbann; ingleichen der Bezirk über welchen sich dieses Recht erstrecket.


Kelterschreiber (W3) [Adelung]


Der Kelterschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. der Schreiber bey einer öffentlichen Kelter.


Keltertreter (W3) [Adelung]


Der Keltertreter, des -s, plur. ut nom. sing. S. Kelterer.


Kelterwein (W3) [Adelung]


Der Kelterwein, des -es, plur. doch nur von mehrern Quantitäten, die -e, derjenige Wein, welchen man dem Kelterherren für den Gebrauch seiner Kelter gibt.


Kemnate (W3) [Adelung]


Die Kemnate, plur. die -n, ein noch in vielen Gegenden übliches Wort, ein steinernes Gebäude zu bezeichnen, besonders so fern es nicht bloß zur Wohnung bestimmt ist; ob man gleich ehedem auch feste steinerne Wohnhäuser, welche noch nicht den Nahmen der Bürge oder Schlösser verdieneten, Kemnaten zu nennen pflegte. Im Nieders. Kemenade. Es ist aus dem mittlern Lat. caminata entlehnet, welches auch eine Stube, ingleichen eine gewölbte Kammer bedeutete, und entweder zu Kam, Kamen, ein Stein, oder auch zu Kammer gehöret, S. dieses Wort, ingleichen Kamin.


Kennbar (W3) [Adelung]


Kennbar, oder mit dem t euphonico kenntbar, -er, -ste, adj. et adv. was leicht gekannt oder erkannt werden kann; kenntlich. Ein kennbares, oder kenntbares Zeichen. Eine Tugend, welche diesen sanften Zügen so kennbar eingedruckt ist. Ihre Verdienste der Nachwelt kenntbar zu machen, Raben. Daher die Kennbarkeit oder Kenntbarkeit, plur. inus.


Kennen (W3) [Adelung]


Kennen, verb. irreg. neutr. Imperf. ich kannte; Conj. kennete; Mittelw. gekannt. Es bekommt das Hülfswort haben, erfordert allemahl die vierte Endung der Sache, und ist in einer doppelten Hauptbedeutung üblich. 1. Eine klare, besonders sinnliche Vorstellung von einem Dinge bekommen, doch nur, so fern man sich dabey bewußt wird, daß man von diesem Dinge schon vorher klare Vorstellungen gehabt habe; in der feyerlichen Schreibart erkennen. Endlich kannte ich ihn. Ehe denn einer den andern kennen möchte, Ruth 3, 14. Jetzt kenne ich die Hand, ich weiß, wenn sie zugehöret. Das Merkmahl bekommt das Vorwort an. Man kennet den Vogel an den Federn. Ich kannte ihn an seiner Stimme. ( S. Erkennen 4.) In dieser Bedeutung wird es auch zuweilen, aber nur selten, als ein Activum gebraucht. Ich wurde von ihm nicht gekannt, besser erkannt. 2. Eine durch die Sinne gewirkte Vorstellung von einem Dinge haben, so daß man es von andern unterscheiden kann; ein Ding vorher auf eine klare Art empfunden haben. 1) Überhaupt, wo die Art und Weise dieser Vorstellung durch Beysätze bestimmet wird. Ich kenne diese Waare nur von Hören sagen, aus der Beschreibung anderer. Ich kenne ihn nur von weiten, sehr wenig, nur dem Nahmen nach, von Gesichte u. s. f. Er kennet es sehr genau, von innen und außen. 2) In engerer Bedeutung, da die Art und Weise des Kennens so vielfach ist, als es Merkmahle gibt, welche der Grund der klaren Vorstellung sind. (a) In Ansehung des Nahmens, der Gestalt, des Ortes und anderer äußern Umstände. Die Karten kennen, wissen, wie sie heißen, und was sie bedeuten. Das Kind kennet die Buchstaben schon. Eines Hand kennen. Kennest du diesen Baum? weißt du wie er heißt, wo er wächst? Ich kenne dieses Land. Ich kenne den Menschen nicht. Alle Straßen in einer Stadt, alle Stege und Wege kennen, wissen, wie sie heißen, wo sie liegen und wohin sie gehen. Ein Ochs kennet seinen Herren. Man kennet ein Buch, so wohl wenn man dessen äußere Gestalt, dessen Besitzer u. s. f. weiß, als auch, wenn man von dessen Inhalt und Güte eine klare Vorstellung hat. In allen diesen und andern Fällen liegt der Umstand zum Grunde, daß man ein Ding vorher empfunden habe, daß man es aus eigener Erfahrung kenne. In andern ist dieser Begriff der herrschende. Ich kenne deinen Ungehorsam. Man kennet schon seine Beredsamkeit. In Afrika kennet man weder Kälte noch Schnee. Lernen sie mir nur die Liebe erst kennen, Gell. Ich empfand eine Blödigkeit, die ich bisher noch nicht gekannt hatte. (b) In engerer Bedeutung, aus dem Umgange kennen, Umgang mit jemand haben oder gehabt haben. Wir kennen jemanden nicht, wenn wir gleich seinen Nahmen und äußern Umstände wissen, aber keinen Umgang mit ihm haben, oder gehabt haben. Wir haben einander erst neulich kennen gelernt. (c) In noch engerer Bedeutung, die Eigenschaften, die Verhältnisse, das Wesen eines Dinges kennen, eine deutliche Vorstellung von demselben haben; eine Kenntniß, welche wiederum verschiedener Stufen fähig ist. Gott kennet die Herzen, 1 Kön. 8, 39; Luc. 16, 15. Er gibt vor, daß er Gott kenne, Weish. 2, 13. Der Herr kennet die Seinen, 2 Timoth. 2, 19. Ich kenne meine Leute. Man glaube seinen Freund zu kennen; aber das Glück ändert oft viel. Sich selbst kennen, ist die größte Kunst. Wer ihn kennt, der kauft ihn nicht. Wenn manches Thier seine Kräfte kennete, es würde sich von dem Menschen oft nicht so mißbrauchen lassen. Stax kennet sich vor Stolz nicht mehr. Gemählde kennen. (d) In der engsten Bedeutung, mit Einfluß auf den Willen kennen. Sein Glück verblendet ihn, er kennet seine Freunde nicht mehr. Der Tapfere kennet keine Gefahr, er scheuet sie nicht. Sie kennen den Weg des Friedens nicht, Es. 59, 8. Der Mensch, der seinen Schöpfer zu kennen vorgibt, und doch nichts gegen ihn fühlt, verdient den Nahmen des Menschen nicht, Gell. Das Hauptwort die Kennung ist nur in einigen Zusammensetzungen, allein aber nur in Einem Falle üblich, S. dasselbe besonders.

Anm. Im Isidor chennan, bey dem Ottfried kennan, im Angels. connan, im Engl. to ken, im Schwed. kaenna, im Dän. kiände. Es kommt mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wissen, verstehen, des Hesychius genau überein, so wie es in den ältern Sprachen und Mundarten auch häufig für wissen gebraucht wurde. Noch jetzt vertritt es dessen Stelle oft, doch nur alsdann, wenn die vierte Endung der Sache Statt findet, so wie wissen am häufigsten mit dem Bindeworte daß verbunden wird. Mit können scheinet dieses Zeitwort genau verwandt zu seyn, indem dieses sehr oft auch für wissen, verstehen, gebraucht wird. Bey dem Ulphilas ist kunnan und im Präsenti kann, wissen. Das Schwed. kaenna, und selbst unser Deutsches kennen, bedeutete ehedem noch, 1) durch die Sinne empfinden, von allen Sinnen gebraucht, welches vielleicht eine der ersten Bedeutungen ist, 2) lernen, 3) lehren, 4) anklagen, 5) zuschreiben, beylegen, 6) untersuchen, 7) bekennen, 8) erkennen, von der innern Überzeugung u. s. f. welche Bedeutungen zum Theil noch in den zusammen gesetzten bekennen und erkennen üblich sind. Wenn man erwäget, daß die Verdoppelung des n ein Zeichen eines Iterativi oder Intensivi ist, und daß alle Wirkungen des Verstandes von körperlichen Wirkungen hergenommen sind; so wird es nicht schwer seyn, die erste eigentliche Bedeutung dieses Wortes zu finden, welche sich indessen bey dem hohen Alten desselben nur errathen lassen würde. Die Wortfügung mit der zweyten Endung, ich kenne des Menschen nicht, Matth. 26, 72 - 74, ist im Hochdeutschen völlig ungewöhnlich.


Kenner (W3) [Adelung]


Der Kenner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kennerinn, eine Person, welche etwas kennet; doch nur in der dritten engern Bedeutung, welche von den Eigenschaften, von dem Werthe, von den Verhältnissen eines Dinges eine deutliche Vorstellung hat. Ein Kenner der Pferde, des Weines u. s. f. Von diesen Arten von Schönheiten ist er eben nicht der feinste Kenner, Sonnenf. Die Kennerinn der Fehler und der Sünden, Haged. Ein Kenner alter Schriften. Ein Bücherkenner, Kräuterkenner, Münzkenner u. s. f. Ich bin nicht genug Kenner, um hierüber urtheilen zu können. Besonders in den schönen Künsten. Ein Kenner von Gemählden, von Antiken u. s. f.


Kenntlich (W3) [Adelung]


Kenntlich, -er, -ste, adj. et adv. was erkannt, d. i. von andern Dingen seiner Art unterschieden werden kann, kenntbar; so wohl in der allgemeinen, als der ersten engern Bedeutung des Zeitwortes. Die Schrift ist nicht mehr kenntlich, wenn sie verblichen, verwischt u. s. f. ist. Er ist auch im Tode noch kenntlich. Daher die Kenntlichkeit, plur. inus. Die Niedersachsen haben dafür das Beywort kennig, besonders in dem zusammen gesetzten eenkennig, ein eigenes besonderes Merkmahl habend, woran man es von allen andern Dingen seiner Art unterscheiden kann. S. T.


Kenntniß (W3) [Adelung]


Die Kenntniß, plur. die -sse, von dem Zeitworte kennen, die Vorstellung, welche man von einem Dinge hat. 1) In der ersten und dritten engern Bedeutung des Zeitwortes, die klare und deutliche Vorstellung, welche man von einem Dinge hat; wo es doch nur von Sachen, nicht aber von Personen gebraucht wird. Der Kranke liegt ohne Kenntniß, wenn er seiner und anderer Dinge sich nicht bewußt ist. Ich habe keine Kenntniß von dieser Sache. Die Kenntniß Gottes, Opitz, wofür aber Erkenntniß üblicher ist, S. dieses Wort. 2) Der Inbegriff aller klaren und deutlichen Vorstellungen, welche man hat. Von Kenntniß und Unterricht entblößt seyn. Noch mehr im Plural. Der Fortgang, welchen eine Nation in ihren Kenntnissen macht. Der Horizont menschlicher Kenntnisse. Seine Kenntnisse ausbreiten.

Anm. Von dem t euphonico in diesem Worte S. Bekenntniß

Anm. Die Niedersachsen sagen nur Kennis, gebrauchen es aber auch für Bekanntschaft, in welchem Verstande es im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Eben daselbst ist es ungewissen Geschlechtes, welches auch viele Hochdeutsche, so wie in andern Wörtern, die sich auf -niß endigen, nachahmen; obgleich das weibliche am häufigsten gebraucht wird. S. Erkenntniß

Anm. und - Niß.


Kennung (W3) [Adelung]


Die Kennung, plur. die -en, das Verbale des Zeitwortes kennen, welches nur im gemeinen Leben, von den schwarzen Flecken üblich ist, welche sich in den Zähnen der Pferde befinden, weil sie das Merkmahl sind, woran man das Alter derselben erkennet; der Kern, die Bohne.


Kennzeichen (W3) [Adelung]


Das Kennzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zeichen, woran wir eine Sache kennen, oder erkennen, d. i. sie von andern ihrer Art unterscheiden. Berge, Bäume u. s. f. sind Kennzeichen, woran die Schiffer die Küsten kennen, und erkennen. Oft, aber gewiß nicht auf die beste Art, wird es auch für das einfache Zeichen, oder für Merkmahl gesetzt, eine Eigenschaft zu bezeichnen, woraus das bloße Daseyn einer Sache erkannt wird; z. B. Kennzeichen der Neigung gegen jemand.


Kennziffer (W3) [Adelung]


Die Kennziffer, plur. die -n, in der Mathematik, diejenige Ziffer in einem Logarithmo, welche ganze Zahlen bedeutet; mit einem Griech. Ausdrucke, die Charakteristik.


Kenster (W3) [Adelung]


Der Kenster, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme der Mistel, Viscum album L. welche in andern Kinster heißt. S. Mistel.


Kentern (W3) [Adelung]


Kentern, verb. reg. act. welches nur in Nieders. üblich ist, für umwenden. S. Kante.


Keper (W3) [Adelung]


Keper, Kepern, S. Köper u. s. f.


Keppen (W3) [Adelung]


Keppen, S. Kippen.


Kerbe (W3) [Adelung]


Die Kerbe, plur. die -n, Diminut. das Kerbchen, Oberd. Kerblein, eine unten spitzig zugehende Vertiefung in einem Körper, besonders wenn sie sich in die Länge erstrecket. Eine Kerbe in etwas machen, schneiden, feilen, hauen. Die Kerbe unten an dem Pfeile, welche in die Sehne passet. Eine Kerbe in eine Schachtel schneiden, damit der Bindfaden nicht abgleite. In die Kerbe pfropfen, bey den Gärtnern, das Pfropfreis in eine in den Stamm gehauene Kerbe befestigen.

Anm. Im Nieders. Karve, im Dän. Karv. im Engl. Kerf. ( S. Kerben,) Im Oberdeutschen ist es auch männlichen Geschlechtes, der Kerb oder der Kerben. In Niedersachsen lautet es auch Karn, Kern und Karte, und bedeutet alsdann auch ein ausgeschnittenes Stück; ein Kern Häring, ein abgeschnittenes Stück.


Kerbel (W3) [Adelung]


Der Kerbel, des -s, plur. inus. eine Pflanze, wovon diejenige Art, welche in den Gärten gezeuget, in den Küchen gebraucht, und zum Unterschiede von andern Arten, auch Gartenkerbel genannt wird, in dem mittägigen Europa einheimisch ist; Scandix Cerefolium L. ( S. auch Myrrhenkerbel, Nadelkerbel, Klettenkerbel,) Im gemeinen Leben wird dieses Wort oft, aber unrichtig, Körbel geschrieben und gesprochen. In den Monseeischen Glossen lautet es Chervolla, im Nieders. Karvel, im Angels. Cerfile, im Engl. Chervil, im Franz. Cerfeuil, im Böhm. Kerblik, im Ital. Cerfoglio, im Dän. Korel, im Schwed. Kerfwel und Körwel, in Steyermark Keferfüll. Entweder aus dem Latein. und Griech. Chaerefolium und Cerefolium, weil die zahme Art dieser Pflanze aus Italien zu uns gekommen, oder unmittelbar von kerben, wegen ihrer eingekerbten Blätter, wovon auch der Griech. und Latein. Nahme abstammen. S. 1. Garbe.


Kerbelkohl (W3) [Adelung]


Der Kerbelkohl, des -es, plur. inus. ein Kohl mit gekerbten Blättern; dergleichen der grüne Kohl ist; krauser Kohl, Nieders. Karvel.


Kerbelkraut (W3) [Adelung]


Das Kerbelkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme, so wohl des Gartenkerbels, als auch des wilden Kerbels, Chaerophyllumsylvestre L. welcher letztere auch Kälberkropf genannt wird.


Kerben (W3) [Adelung]


Kerben, verb. reg. act. überhaupt schneiden, in welcher Bedeutung es veraltet ist, indem in Einem Falle dafür in den gemeinen Mundarten mit dem vorgesetzten Zischlaute noch scherben üblich ist, ( S. dasselbe,) In engerer Bedeutung, eine Kerbe oder Kerben machen, besonders in den Zusammensetzungen ankerben, auskerben, einkerben u. s. f. Das einfache ist in dem Mittelworte gekerbt am üblichsten, mit Kerben versehen, oder doch solchen Dingen ähnlich. Gekerbte Blätter, dergleichen der Kerbel, die Dille, der Fenchel u. s. f. haben.

Anm. Im Nieders. karven und karnen, im Angels. ceorfan, Engl. to carve, im Dän. karve, im Schwed. karfwa, im Lettischen kerpu, welche verschneiden, abschneiden bedeuten. Es stammet von dem im Deutschen veralteten karen, schneiden, ab, welches noch in dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, schneiden in dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, graben, schreiben, und in unserm scheren vorhanden ist. S. auch Gehren, Karst, 2. der Karren u. a. m.


Kerbstock (W3) [Adelung]


Der Kerbstock, des -es, plur. die -stöcke, S. das vorige.


Kerbweh (W3) [Adelung]


Das Kerbweh, des -es, plur. inus. ein Zufall, welchen das Rindvieh an den Füßen, in der Kerbe oder Spalte zwischen den Klauen bekommt, da dieser Spalt schwillet und wund wird.


Kerbzettel (W3) [Adelung]


Der Kerbzettel, des -s, plur. ut nom. sing. eine vornehmlich ehedem übliche Art von Urkunden, da man zwey gleichlautende Urkunden auf einander legte, und einerley Kerben darein schnitt, um in streitigen Fällen die echte Richtigkeit derselben zu beweisen. Oft wurde auch eine einzige Urkunde durch solche Kerbschnitte in zwey oder mehrere Theile getheilet, und solche den Parteyen in eben dieser Absicht übergeben. Im mittlern Lat. heißen sie Chartae dentatae, indentatae Dentaturae u. s. f.


Kerker (W3) [Adelung]


Der Kerker, des -s, plur. ut nom. sing. ein besonders in der höhern Schreibart übliches Wort, ein Gefängniß, besonders ein öffentliches Gefängniß für Missethäter zu bezeichnen. Bey dem Ottfried Karkare, bey dem Notker Charchar, im Nieders. ehedem Kerkener. Aus dem Latein. Carcer, so wie dieß aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Kerkerfieber (W3) [Adelung]


Das Kerkerfieber, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. eine Art des Faulfiebers, welchem besonders die Gefangenen in den Kerkern ausgesetzt sind.


Kerkermeister (W3) [Adelung]


Der Kerkermeister, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kerkermeisterinn, der Vorgesetzte eines Kerkers, der Aufseher über die Gefangenen, in der höhern Schreibart; in gemeinen Leben der Stockmeister.


Kerl (W3) [Adelung]


Der Kerl, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Kerlchen, ein sehr altes Wort, welches ehedem eine jede Person männlichen Geschlechtes, in engerer Bedeutung aber theils einen tapfern, starken Mann, theils aber auch einen Ehemann bedeutete. In allen diesen Fällen ist es in der anständigen Sprechart veraltet, weil es vermuthlich durch den langen Gebrauch einen verächtlichen Nebenbegriff bekommen hat, und daher nur noch in der niedrigen, höchstens niedrig-vertraulichen Sprechart, am häufigsten aber von geringen Personen gebraucht wird. Ein braver Kerl, ein herzhafter, muthiger Mann. Er ist ein ehrlicher Kerl. Ein liederlicher Kerl. Die Niedersächsischen Bauern sind starke Kerl. In der niedrigen Sprechart und mit einem verächtlichen Nebenbegriffe, auch ein Liebhaber: Ihr werdet sammt eurem Kerle (Kerl) das Brot noch vor den Thüren suchen müssen, Gell. Ingleichen ein Bedienter.

Anm. Im Nieders. Keerl, im Dän. und Schwed. Karl. Bey dem Ottfried ist Karl ein Ehemann. Ane charilis miteslaf, heißt bey dem Notker ohne des Mannes Beyschlaf. Bey dem Stryker ist Cherling so wohl ein Fürst als ein Held. Das Wallis. Carl, Angels. Ceorl, Engl. Churl, und Ital. Carlona, bedeuten einen Bauer, einen Menschen geringen Standes, im Gegensatze eines Eorl, eines Adeligen. Dagegen im Engl. Carle und im Dän. Karle oft für ein jedes Ding männlichen Geschlechtes, selbst für die männliche Endung -er gebraucht wird. So ist im Engl. Carl-Cat ein Kater, Carl-Hemp männlicher Hanf, und im Dän. Aagerkarl ein Wucherer. Bey diesen verschiedenen und zum Theil sehr alten Nebenbegriffen, bleibt die erste eigentliche Bedeutung dieses alten Wortes ungewiß. Ihre glaubt nicht unwahrscheinlich; daß es mit dem Lat. Vir einerley sey, weil man sehr viele Beyspiele hat, daß die Gaumen- und Blaselaute in einander übergehen. Der eigenthümliche männliche Taufnahme Carl, welcher nach dem Muster des Latein. Carolus nunmehr durchgängig mit einem C geschrieben wird, ist eben dieses Wort, und zwar in der Bedeutung eines tapfern Mannes. Wenn in einigen Niedersächsischen Gegenden Keerl einen verschnittenen Mann, einen Castraten bedeutet, so stammet es zunächst von dem alten karen, schneiden, verschneiden, her. S. Kerben und Kapaun.


Kerlich (W3) [Adelung]


* Das Kerlich, des -es, plur. inus. ein nur in einigen Gegenden, z. B. der Lausitz, bekanntes Wort, kleines, klein gehauenes Holz zu bezeichnen. Entweder von dem Wend. Ker, Kebr, ein Strauch, Strauchholz, ( S. Gerte,) oder gleichfalls von dem alten karen, schneiden, hauen, S. Kerben und Scheren.


Kermes (W3) [Adelung]


Der Kermes, plur. car. ein Nahme, welchen die unechte Cochenille oder die rothen an den Früchten und Wurzeln mancher Gewächse befindlichen Schildläuse führen, welche in der Färbekunst und Mahlerey gebraucht werden. Pohlnischer Kermes, diejenigen Schildläuse dieser Art, welche in Pohlen von den Wurzeln des Knauels, Scleranthus perennis L. gesammelt werden. In engerer Bedeutung sind diejenigen Schildläuse unter dem Nahmen Kermes bekannt, welche sich in kleinen runden rothen Beeren oder Nestern, welche daher Scharlachbeeren, Kermesbeeren, Carmesinbeeren heißen, an einer Art Eichen in den warmen Ländern, Quercus coccifera L. Kermesbaum, Kermeseiche, Scharlachbaum, befinden, und welche so wohl zur Färbung des Franzscharlaches, Kermesscharlaches, oder Venetianischen Scharlaches, als auch in den Apotheken zu dem Kermes-Zucker und andern Zubereitungen gebraucht werden. Der Nahme ist das Arabische Kermes, oder mit dem Artikel Alkermes, welchen dieses Insect, besonders dasjenige, welches unter dem Nahmen der echten Cochenille ( S. dieses Wort,) bekannt ist, in den Morgenländern führet. Astruc macht es in seinen Mem. sur l'hist. de Languedoc, S. 472 wahrscheinlich, daß die Araber das Wort mit der Sache selbst aus dem südlichen Gallien bekommen, und daß ersteres von dem Gall. Quer. Eiche, und Mes, Eichel, zusammen gesetzt sey. Die ausländischen Wörter Carmin, Carmesin u. s. f. stammen gleichfalls daher. S. auch Johannis-Blut. Das mineralische Kermes führet diesen Nahmen wegen der Ähnlichkeit. Es ist ein rothes Pulver, welches sich niederschlägt, wenn man Spießglas mit Alcahest oder Wasser kocht. Es wird auch das Carthäuser-Pulver genannt, weil ein Apotheker der Carthäuser, Nahmens Simon, es ehedem sehr stark bereitete; ungeachtet Glauber es erfunden hat.


Kermesbaum (W3) [Adelung]


Der Kermesbaum, oder die Kermeseiche, S. das vorige.


Kermesscharlach (W3) [Adelung]


Der Kermesscharlach, S. Franzscharlach.


Kern (W3) [Adelung]


1. Der Kern, des -es, plur. inus. ein nur noch bey den Jägern übliches Wort, wo es das in Riemen geschnittene und gedörrete Fleisch des umgefallenen Viehes bezeichnet, womit die Hunde gefüttert werden. In den niedrigen Sprecharten Luder. In andern Gegenden wird auch das Fleisch oder Wildbret von Wölfen, Dachsen, Füchsen und andern uneßbaren Thieren Kern genannt. Es scheinet Fleisch überhaupt bedeutet zu haben, da es denn zu dem Latein. Caro, Carnis, gehören würde. Der Fleischmarkt kommt in einigen Gegenden Oberdeutschlandes ehedem unter dem Nahmen des Kerders und Kerners vor, im mittlern Lat. Carnarium. S. Kernzupfen.


Kern (W3) [Adelung]


2. Der Kern, des -es, plur. die -e, Diminut. das Kernchen, Oberd. Kernlein, ein Wort, in welchem sich die genau mit einander verwandten Begriffe der Höhle, des darin befindlichen Körpers und der Ründe vereinigen. 1. Einer Höhle; in welchem Verstande es nur noch in einigen einzelnen Fällen vorkommt. 1) Eine Kerbe, d. i. unten spitzig zulaufende Öffnung in einem Körper, heißt im Nieders. ein Kern. ( S. Kerbe,) 2) In der Geschützkunst ist es die innere Höhlung einer Kanone, von der Mündung bis an den Boden, welche sonst auch die Seele genannt wird. ( S. Kerngeschütz, Kernrecht, Kernstange,) 3) An den Pferden ist es das mit einem schwarzen Flecke versehene Grübchen in den Zähnen der Pferde, welches auch die Kennung und die Bohne heißt, und woraus das Alter der Pferde erkannt wird. 4) Eben daselbst führet diesen Nahmen auch eine von den Furchen, woraus der Gaumen an den Pferden bestehet. In der Feifel pfleget man den Pferden den dritten Kern zu stechen. S. Kernstechen. 2. Eines in einer solchen Höhle verborgenen festen Körpers. 1) Eigentlich. (a) Bey den Gießern ist diejenige Masse, welche in die Form gethan wird, damit der Guß inwendig hohl werde, die innere Form, der Kern, zum Unterschiede von der äußern Form, welche der Mantel, der Hobel, die Schale genannt wird. Dahin gehöret vermuthlich auch der Kern der Schriftgießer, welches eine Platte in dem Gießinstrumente ist, an deren Ecken der Buchstab zu liegen kommt; ingleichen der Kern der Schlösser, ein nach Belieben gefeiltes Eisen, die Gesenke damit zu machen. (b) An Gewächsen wird der Same mit der Hülfe oder Schale, welche ihn umgibt, häufig der Kern genannt; doch nur in verschiedenen einzelnen Fällen. Im Oberdeutschen führet das Getreide den Nahmen des Kernes, wofür die Hochdeutschen Korn sagen. Bey dem Notker ist Chern der Weitzen, und Chornes Cherno ein Getreidekorn. Im Oberd. ist der Kernen noch jetzt für Getreide üblich. Die Samenkörner aller Obstarten und der Beeren tragenden Gewächse, heißen auch im Hochdeutschen Kerne. Apfelkerne, Birnenkerne, Kerne der Weintrauben, der Vogelbeeren u. s. f. Auch die mit einer harten steinartigen Schale umgebenen Samenkörner führet diesen Nahmen, und werden zum Unterschiede hartschälige Kerne genannt, in Gegensatze jener weichschäligern. Kirschkerne, Pflaumenkerne, Pfirschenkerne u. s. f. ( S. Kernobst,) (c) In engerer Bedeutung, der weichere innere eigentlich fruchtbare Theil nicht nur dieser Kerne, sondern aller Arten des Samens, im Gegensatze der Schale. Die Kerne der Nüsse, Nußkerne, der Mandeln, Mandelkerne, der Eicheln, Kastanien, Kirschen u. s. f. Engl. Kernel, Franz. Cerneau. Im engern Verstande sind die von den Hülfen befreyeten Körner des Dinkels im Oberdeutschen unter dem Nahmen des Kernes bekannt, wo das Wort als ein Collectivum nur im Singular üblich ist; welchen Nahmen zuweilen auch der Gries und die Grütze von andern Getreidearten führet. (d) In den Flöten und Orgelpfeifen ist es eine fast ganz runde Schreibe, welche das Mundstück bis auf eine gerade schmale Spalte verschließt. 2) In weiterer Bedeutung das Innerste eines Körpers. So wird das Innere der Samenkörner der Kern genannt. Der Weitzen hat einen schönen Kern, wenn der innere mehlige Theil derb und von guter Art ist. Das Innere der Artischocken, die innern Theile der Salat- und Kohlhäupter und ähnlicher Gewächse, das Mark des Holzes, ingleichen das innere festere Holz, zum Unterschiede des weichern Splintes, ist unter dem Nahmen des Kernes bekannt; ( S. Kernholz, Kernschälig, Kernscheit,) Eben diesen Nahmen führet der inwendige empfindliche, mit dem Hufe umgebene Theil eines Pferdefußes. Der Kern schwindet, wenn dieser Theil schadhaft wird; ( S. Kernschwinden,) An den Sonnenflecken heißt der innere ganz schwarze Theil derselben der Kern, anderer Fälle zu geschweigen. 3) Figürlich, das Beste, Kräftigste eines Dinges. Das beste, feinste und weißeste Mehl führet den Nahmen der Kernes, oder des Kernmehles, ( S. Mundmehl,) so wie das beste geschiedene Erz im Bergbaue den Nahmen des Kernes. Die beste ausgesuchte Waare unter mehrern heißt der Kern. Der Kern einer Armee. Der Kern einer Predigt, einer Rede, eines Buches u. s. f. ein kurzer Auszug der wesentlichsten, wichtigsten und wirksamsten Wahrheiten aus denselben. Schweig nur, ich kenne dich, du bist der klare Kern, Rost. ironisch, du bist der Kern aller leichtfertigen Vögel. Daher dieses Wort oft in Zusammensetzungen gebraucht wird, etwas Vorzügliches in seiner Art zu bezeichnen: kerngut, sehr gut, ein Kernspruch, ein auserlesener kräftiger Spruch, eine Kernpredigt u. s. f. Im Oberdeutschen ist der Kern theils der süße Milchrahm, zum Unterschiede von dem sauern, welcher daselbst Milchrahm in engerer Bedeutung genannt wird, theils ein jeder Milchrahm; ohne Zweifel so fern derselbe der kräftigste, nahrhafteste Theil der Milch ist. S. Kernen. 3. Ein kleiner runder Körper. Das Schießpulver ist gut von Kern, wenn es aus guten festen Körnern bestehet. Vitriol-Kern, ohne Plural als ein Collectivum, Abgang in Körnern von dem Vitriol. In den meisten übrigen Fällen ist dafür jetzt Korn üblicher, ( S. dasselbe,) Doch gebraucht man es noch zuweilen mit dem herrschenden Begriff des Derben oder Festen, S. Kernig.

Anm. In der zweyten Hauptbedeutung in Oberschwaben Chern, im Nieders. Karn, im Dän. Kiärne, Im Schwed. Kerne, im Isländ. Kiarne. Es gehöret zu dem großen Geschlechte der Wörter, welche nicht nur eine Vertiefung, sondern auch eine Erhöhung bedeuten. ( S. Kaue, Kahr, Korb, Kürbs und Korn,) So fern der Kern das Beste einer Sache bedeutet, ist im Ital. Cerna, und im mittlern Lat. Cernea, die Auswahl, und Cerneda ein Ausschuß der besten Soldaten, wohin auch das Lat. discernere zu gehören scheinet, welches aber auch mit köhren, wählen, verwandt seyn kann. Übrigens kommt dieses Wort in den Mundarten in allen drey Geschlechtern vor, der die und das Kern, da es denn im sächlichen Geschlechte im Plural auch Kerner hat, obgleich im Hochdeutschen nur allein das männliche üblich ist.


Kernapfel (W3) [Adelung]


Der Kernapfel, des -s, plur. die -äpfel, eine Art walzenförmiger weißlicher und blaßgelber Äpfel, deren lockere Kerne klappern; Glockenapfel, Klapperapfel, Schlotterapfel, Schmelzling.


Kernästig (W3) [Adelung]


Kernästig, adj. et adv. in dem Forstwesen und bey den Holzarbeitern, ein kernästiger Baum, dessen Äste von dem Kerne oder Mark heraus gewachsen sind, daher ein solcher Baum so wohl zum Spalten untauglich ist, als auch schlechte Breter gibt.


Kernauster (W3) [Adelung]


Die Kernauster, plur. die -n, diejenige Art Austern, deren Franzen um das Fleisch purpurfarben sind.


Kernbeißer (W3) [Adelung]


Der Kernbeißer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Kirschfink.


Kernel (W3) [Adelung]


Das Kernel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Kriechänte.


Kernen (W3) [Adelung]


Kernen, verb. reg. act. von dem Hauptworte Kern. 1) In Kerne, d. i. Körner verwandeln. Bley kernen, es zu Körnern gießen. Das ausgelassene Schmalz kernet sich, wenn es erkaltet, das Baumöhl, wenn es gefrieret. Im gemeinen Leben auch kirnen, kerneln, kirneln. Wofür man doch, dem Hochdeutschen Sprachgebrauche nach, richtiger körnen sagt. 2) Butter machen; buttern, in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Nieder-Deutschlandes; Nieders. karnen, Angels. cernan, Engl. to churn, Dän. kiärne, im Schwed. kerna, im Finnländ. kirnun. Ihre leitet es von dem alten Quern, eine Mühle, von wirren, im Kreise drehen, her. Allein, es scheinet entweder unmittelbar von Kern, Milchrahm, zu kommen, siehe 2. Kern 2. 3); oder sofern der fettere Theil des Rahmes sich erste in Kerne, d. i. Körner zusammen setzet, ehe er eigentliche Butter wird. 3) Die Kerne aus der Schale heraus nehmen, und figürlich, das Beste einer Sache von dem schlechtern absondern, wofür doch das zusammen gesetzte auskernen üblicher ist. So auch die Kernung.


Kerner (W3) [Adelung]


Der Kerner, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Kupferschmieden, ein Werkzeug, die Löcher damit vorzuzeichnen; der Kirner. Ohne Zweifel entweder von dem Nieders. kernen, karnen, kerben, oder unmittelbar von dem alten karen, schneiden, ritzen, graben.


Kernfaul (W3) [Adelung]


Kernfaul, adj. et adv. im Kerne, d. i. Marke, faul, im Forstwesen, von den Bäumen und dem Holze. Ein kernfauler Baum. Daher die Kernfäule, die Fäulniß in dem Kerne.


Kernfrucht (W3) [Adelung]


Die Kernfrucht, plur. die -früchte, eine jede Frucht, welche in engerer Bedeutung Kerne, d. i. weichschälige Kerne trägt, zum Unterschiede der Steinfrüchte, Samenfrüchte u. s. f. siehe Kernobst.


Kerngehäuse (W3) [Adelung]


Das Kerngehäuse, des -s, plur. ut nom. sing. an dem Kernobste das Gehäuse, worin der Kern verborgen ist, dergleichen zum Beyspiele die Äpfel und Birnen haben; das Kernhäuschen, im gemeinen Leben der Griebs, S. dieses Wort, ingleichen Kabuse.


Kerngeschütz (W3) [Adelung]


Das Kerngeschütz, des -es, plur. inus. ein Collectivum, dasjenige Geschütz, welches im Kerne, d. i. in dem innern hohlen Raume, überall gleich weit ist, zum Unterschiede von den Kammerstücken. S. 2. Kern 1. 2).


Kerngülte (W3) [Adelung]


Die Kerngülte, plur. die -n, im Oberdeutschen, die Gülte, d. i. Abgabe oder Einkünfte an Kern, d. i. Getreide; Getreidezins.


Kerngut (W3) [Adelung]


Kerngut, adj. et adv. im gemeinen Leben, auserlesen gut, sehr gut, S. 2. Kern 2. 3).


Kernhaft (W3) [Adelung]


Kernhaft, -er, -este, adj. et adv. 1) So fern Kern die besten, kräftigsten Theile eines Dinges bezeichnet, diese Theile enthaltend. Ein kernhafter Auszug aus einem Buche. 2) Kernhaftes Fleisch, derbes, festes und zugleich kräftiges, nahrhaftes Fleisch. S. Kernig und Körnig.


Kernholz (W3) [Adelung]


Das Kernholz, des -es, plur. inus. der innere festere Theil des Holzes, zum Unterschiede von dem Splinte. Ingleichen Holz, welches viele solche feste Theile hat. Figürlich, auserlesenes, sehr gutes Holz. S. 2. Kern, 2. 2) 3).


Kernig (W3) [Adelung]


Kernig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Kerne, und in engerer Bedeutung, viele Kerne habend. Die Johannisbeeren sind sehr kernig. Kerniges Obst, welches Kerne hat; besser Kernobst. 2) Derbe, feste und dabey nahrhafte Theile habend; kernhaft. Kerniges Fleisch. Wofür man doch jetzt lieber körnig sagt. S. dieses Wort. Kernicht würde eigentlich nur bedeuten, dem Kerne ähnlich.


Kernlehm (W3) [Adelung]


Der Kernlehm, des -es, plur. inus. derjenige Lehm, womit der Kern, d. i. die innere Form in den Gießhütten überzogen wird.


Kernmann (W3) [Adelung]


Der Kernmann, des -es, plur. die -männer, oder Kernleute, im gemeinen Leben, ein vorzüglich guter oder brauchbarer Mann. Auf welche Art man auch eine Kernfrau, ein Kernkind u. s. f. sagt. S. 2. Kern 2. 3).


Kernmaß (W3) [Adelung]


Das Kernmaß, des -es, plur. die -e, bey den Schriftgießern, ein ausgefüllter rechter Winkel, oder Winkelhaken, um dem Kerne den rechten Winkel zu geben. S. 2. Kern 2. 1).


Kernmehl (W3) [Adelung]


Das Kernmehl, des -es, plur. inus. S. 2. Kern 2. 3).


Kernmilch (W3) [Adelung]


Die Kernmilch, plur. inus. im gemeinen Leben Ober- und Nieder-Deutschlandes, die Buttermilch, S. Kernen 2.


Kernobst (W3) [Adelung]


Das Kernobst, des -es, plur. inus. Obst, welches Kerne in engerer Bedeutung, d. i. weichschalige Kerne trägt, zum Unterschiede von dem Steinobste. S. 2. Kern 2. 1). Ingleichen Stämme, welche aus gesäeten oder gepflanzten Kernen gezeuget werden; zum Unterschiede von dem gepfropften Obste.


Kernraupe (W3) [Adelung]


Die Kernraupe, plur. die -n, eine gelbliche Raupe, welche den Kern, d. i. den jungen obern Anwuchs sowohl an dem Kohle, als auch an den Kiefern, bis an den Ort, wo die Äste auswachsen, abfrißt; zum Unterschiede von der Blattraupe, welche nur die Blätter und Nadeln frißt.


Kernrecht (W3) [Adelung]


Kernrecht, adj. et adv. welches in der Geschützkunst von den Kanonen üblich ist. 1) Eine Kanone, ein Stück heißt kernrecht, wenn der Kern, d. i. die Seele, sich völlig in der Mitte des Stückes befindet. 2) Ein Stück kernrecht richten, es so richten, daß der Kern oder die Seele mit dem Horizonte parallel gehet; da denn ein Schuß, welcher in solcher Richtung daraus geschiehet, ein Kernschuß heißt, im Gegensatze eines Bogenschusses.


Kernsack (W3) [Adelung]


Der Kernsack, des -es, plur. die -säcke, ein kleiner Sack mit Kernen von allerley Steinobste, welchen man heißt macht, um das Bett in Ermangelung eines Bettwärmers damit zu wärmen.


Kernschälig (W3) [Adelung]


Kernschälig, adj. et adv. welches im Forstwesen von dem schwarzen Holze üblich ist. Ein Stamm oder Baum ist kernschälig, wenn sich der Kern, d. i. das feste Holz nach dem Splinte, schälet, d. i. wenn die Jahrringe sich von einander los geben, welches durch heftige Winde bewirket wird, und am häufigsten den Tannenbäumen widerfähret.


Kernscheit (W3) [Adelung]


Das Kernscheit, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben -er, im Forstwesen, Scheite, welche aus dem Kerne, d. i. festen, besten Holze geschlagen werden, zum Unterschiede von den Kleppel- oder Walzenscheiten, welche aus den Ästen, und von den Stockscheiten, welche aus den stehen gebliebenen Stocken gemacht werden.


Kernschule (W3) [Adelung]


Die Kernschule, plur. die -n, im Gartenbaue und dem Forstwesen, eine Baumschule, in welcher so wohl wilde Stämme, als Obstbäume aus Kernen, und in weiterer Bedeutung auch aus dem Samen gezogen werden, Franz. Pepiniere; zum Unterschiede von einer Pfropf- oder Pelzschule.


Kernschuß (W3) [Adelung]


Der Kernschuß, des -sses, plur. die -schüsse, S. Kernrecht 2.


Kernschwinden (W3) [Adelung]


Das Kernschwinden, des -s, plur. inus. eine Krankheit der Pferde, wenn ihnen der Kern schwindet, d. i. wenn sich das so genannte Leben aus den Füßen verlieret, da sie denn dürre hohe Füße bekommen; und ihnen oft die Hufe gar abfallen. S. 2. Kern 2. 2).


Kernspruch (W3) [Adelung]


Der Kernspruch, des -es, plur. die -sprüche, ein ausgesuchter, lehrreicher Spruch, oder Stelle aus der heil. Schrift. S. 2. Kern 2. 3).


Kernstahl (W3) [Adelung]


Der Kernstahl, des -es, plur. inus. der beste Steiermärkische Stahl, welcher aus gesintertem Eisen bereitet wird. Siehe 2. Kern 2. 3).


Kernstange (W3) [Adelung]


Die Kernstange, plur. die -n, eine eiserne, Stange, so fern sie die innere Form eines Stückes, welches hohl gegossen werden soll, z. B. einer Kanone, ausmacht. S. 2. Kern 1 und 2. 1).


Kernstechen (W3) [Adelung]


Das Kernstechen, des -s, plur. inus. im gemeinen Leben, derjenige Aderlaß der Pferde, da ihnen der Kern gestochen, d. i. eine von den Furchen des Gaumens geöffnet wird. Siehe 1. Kern 1. 4).


Kernzupfen (W3) [Adelung]


Das Kernzupfen, des -s, plur. inus. bey den Jägern, eine Feyerlichkeit, da nach vollendeter Jagd den Jagdhunden der Kern, d. i. das für sie bestimmte Fleisch gefallener oder für sie getödteter untauglicher Thiere, von der ganzen Jägerey gezupfet, d. i. in Stücken gerissen, und ihnen vorgeworfen wird. Siehe 1. Kern.


Kersenreife (W3) [Adelung]


Die Kersenreife, S. Kirschvogel.


Kersey (W3) [Adelung]


Der Kersey, eine Art Zeuges, S. Kirsey.


Kerze (W3) [Adelung]


Die Kerze, plur. die -n, Diminut. das Kerzchen, Oberd. das Kerzlein, im Oberdeutschen und der höhern Schreibart der Hochdeutschen, ein gerades Wachslicht, und in weiterer Bedeutung auch ein Talglicht. In noch weiterer Bedeutung ist es in dem Worte Räucherkerze oder Räucherkerzchen auch im Hochdeutschen üblich, S. dieses Wort.

Anm. Bey dem Ottfried Kerzi, im Nieders. Kars, und verderbt Kaste, im Schwed. Kerta, im Franz. Cierge, alle von dem mittlern Lat. Ciergius, und dieß von Cera, Wachs, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , daher dieses Wort anfänglich nur von den in den Kirchen üblichen Wachslichtern gebraucht wurde. In einigen Oberdeutschen Gegenden es männlichen Geschlechtes, der Kerz. Im Willeram heißt eine Rauchkerze Riuchgerda, daher Dieterichs von Stade Ableitung von Gerte, eine Ruthe, um der geraden Gestalt willen, auch ihre Wahrscheinlichkeit behält. Dem sey wie ihm wolle, so verdiente dieses Wort im Hochdeutschen allgemeiner zu seyn, indem das dafür übliche Licht zu vieldeutig ist, und daher oft Dunkelheit macht.


Kerzengerade (W3) [Adelung]


Kerzengerade, adj. et adv. im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes, so gerade wie eine Kerze, sehr gerade, von einer geraden senkrechten Stellung.


Kerzengießer (W3) [Adelung]


Der Kerzengießer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kerzengießerinn, eine Person, welche Kerzen, d. i. Wachslichter, und in weiterer Bedeutung auch Talglichter gießet, am häufigsten im Oberdeutschen; Nieders. Karsengeter, Kastengeter.


Kerzenkraut (W3) [Adelung]


Das Kerzenkraut, des -es, plur. inus. S. Königskerze.


Kerzenmeister (W3) [Adelung]


Der Kerzenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, besonders Oberdeutschlandes, ein kirchlicher Beamter, welcher Acht gibt, daß alle in der Römischen Kirche üblichen Strafkerzen gehörig eingeliefert werden. In einigen Gegenden Oberdeutschlandes führen diesen Nahmen auch die Handwerksältesten, vielleicht, weil sie die bey den gottesdienstlichen Umgängen in der Römischen Kirche üblichen Kerzen besorgen oder verwahren; daher denn auch die Schätzer oder Fleischhauer bey den Fleischern diesen Nahmen führen, ohne Zweifel sofern dazu nur die Handwerksältesten genommen werden.


Kerzenträger (W3) [Adelung]


Der Kerzenträger, des -s, plur. ut nom. sing. in der Römischen Kirche, derjenige, welcher bey feyerlichen Umgängen vornehmern Personen die Kerze vorträgt; im mittlern Lat. Ceroferarius, Ceriforus, Cereostarius.


Kessel (W3) [Adelung]


1. Der Kessel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ort, wo Gericht gehalten wird, S. Kesselgericht.


Kessel (W3) [Adelung]


2. Der Kessel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Kesselchen, Oberd. Kessellein, eine jede Vertiefung, ein tiefer Ort, eine tiefe Stelle. 1) Überhaupt, wo dieses Wort noch in vielen Fällen gebraucht wird, eine rundliche gemeiniglich flache Vertiefung des Erdbodens zu bezeichnen, deren größte Tiefe sich ungefähr in der Mitte befindet. So heißt im Festungsbaue der mittlere leere Raum eines hohlen Bollwerkes, und in der Geschützkunst die ausgehöhlte Stelle des Erdbodens, in welchen bey Belagerungen die Mörser gestellet werden, der Kessel. Bey den Jägern ist der Kessel so wohl der ausgehöhlte Raum in einem Dachsbaue, welcher dem Dachse zur Lagerstätte dienet, als auch das ausgetiefte Lager der wilden Schweine. S. Kesseljagen. Bey den Wasserkünsten ist der Kessel die flache Vertiefung in der Erde, worein sich das Springwasser sammelt, das Becken; ja eine jede solche Vertiefung des Erdbodens ist unter diesem Nahmen bekannt, dergleichen z. B. der tiefste Ort in einem Teiche, das Kesselloch u. s. f. ist. Auch im Bergbaue ist der Kessel eine solche tiefe Stelle im Erdboden, besonders wenn sie durch den Einfall einer darunter befindlichen Grube, oder durch einen Erdfall verursacht wird, wo man denn auch der Boden kesselt sich sagt, wenn er eine solche Tiefe bekommt. Auch künstliche Vertiefungen führen zuweilen diesen Nahmen, selbst solche, welche nicht bloß flach sind. So wird in der Geschützkunst der Lauf oder innere hohle Raum eines Mörsers bis zur Kammer der Kessel genannt, und im Bergbaue führet diesen Nahmen ein 3 1/2 Elle tiefes viereckiges und ausgezimmertes Loch, in einem Göpel, in welches der Klotz geleget wird, worauf die Spindel in ihrer Pfanne stehet. In noch weiterer Bedeutung ist der Kessel nicht selten ein runder an den Seiten eingeschlossener Platz, besonders im Jagdwesen, S. Kesseljagen ingleichen Kesselgericht. 2) Besonders ein tiefes Gefäß; wo es doch nur noch von einem runden oder länglich runden am Boden gewölbten Gefäße von dünnem Metalle, ohne Füße gebraucht wird, besonders so fern es dazu dienet, etwas darin zu kochen. Den Kessel über das Feuer setzen, wenn er auf einem Dreyfuße ruhet. Ihn über das Feuer hängen, wenn er an einem Kesselhaken hänget. Große Arten von Kessel werden eingemauert. Ein zinnerner, kupferner, messingener Kessel. Nach der Verschiedenheit des Gebrauches bekommen sie verschiedene Nahmen. Der Braukessel, welcher von der länglich viereckten Braupfanne unterschieden ist; der Färbekessel, Waschkessel, Fischkessel u. s. f. Die Schwänkkessel, Kühlkessel, Weihkessel u. s. f. dienen auch zu andern Arten des Gebrauches als zum Kochen.

Anm. In der zweyten Bedeutung bey dem Notker Chezzel, in Boxhorns Glossen Kezeli, im Pohln. Kociel. Andere Sprachen und Mundarten haben statt des Zischlautes ein t, wie das Nieders. Ketel, das alte Gothische Katil, das Angels. Cetil, Cytel, das Engl. Kettle, das Dän. Kedel, das Schwed. Kettil, im Böhmischen Kotel und Kotlik, im Finnländ. Katila, im mittlern Lat. Cedellus. Die Wortforscher haben über dieses Wort geträumet, indem sie es bald aus dem Griechischen, bald aber auch aus dem Lateinischen hergeleitet haben. Keiner hat bemerket, daß der Begriff der Tiefe, des hohlen Raumes, der Stammbegriff ist, so daß es vermittelst des Ableitungslautes s und der Sylbe -el, welche ein Werkzeug, aber auch ein Ding bezeichnet, von Ka, Kau, hohl, tief, herstammet, S. Kaue. Und in so ferne sind das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein tiefes Gefäß, und das Lat. Catinus und Catillus allerdings damit verwandt. Dem Festus zu Folge war für Cassis bey den ältern Römern Cassila üblich, welche beyde Wörter gleichfalls hierher gehören. Siehe auch Kasten, Kiste und 8. Katze.


Kesselasche (W3) [Adelung]


Die Kesselasche, plur. inus. im Oberdeutschen, ein Nahme der Pottasche, weil sie vermittelst eiserner Kessel bereitet wird, siehe Pottasche.


Kesselbier (W3) [Adelung]


Das Kesselbier, des -es, plur. inus. Bier, welches in kleinern Kesseln gebrauet wird, Bier, welches jeder zu seinem häuslichen Gebrauche brauen darf; zum Unterschiede desjenigen, welches in öffentlichen Brauhäusern in großen Braupfannen gebrauet wird.


Kesselbrauen (W3) [Adelung]


Das Kesselbrauen, des -s, plur. inus. das Brauen in kleinern Kesseln zum häuslichen Gebrauche. S. das vorige.


Kesselbraun (W3) [Adelung]


Das Kesselbraun, indecl. plur. car. 1) Eine braune Erde, womit die Kesseler ihren neuen kupfernen Kesseln die braunrothe Farbe geben. 2) Der zarte dünne Kupferschlag, welcher bey dem Hämmern des Kupfers, besonders in den Werkstätten der Kesseler abspringet, Kupferbraun; dagegen der gröbere, in engerer Bedeutung Kupferschlag genannt wird.


Kesseler (W3) [Adelung]


Der Kesseler, zusammen gezogen Keßler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher so wohl neue Kessel verfertiget, als auch die alten ausbessert, in welchem letztern Falle er auch ein Kesselflicker genannt wird; ein Kesselschmid, Kesselschläger. Besonders sind unter diesem Nahmen die unstäten Handwerker dieser Art bekannt, welche mit ihren Arbeiten aus einem Lande in das andere ziehen. Über die Kesseler in dem Rheinischen und Fränkischen Herzogthume, welche aber ehedem auch Waffenschmiede waren, haben jetzt die Pfalzgrafen am Rheine den Schutz, welcher der Kosseler-Schutz genannt wird. Die in den Städten ansässigen Kesseler werden am häufigsten Kupferschmiede genannt. S. Kesselflicker.


Kesselfang (W3) [Adelung]


Der Kesselfang, des -es, plur. inus. eine ehedem übliche Art eines Ordalii, da jemand einen Fang, d. i. Griff, in einen Kessel siedenden Wassers that, seine Schuld oder Unschuld dadurch an den Tag zu bringen; im mittlern Lat. Judicium aquae ferventis, Aqua calida.


Kesselflicker (W3) [Adelung]


Der Kesselflicker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kesseler, so fern er besonders schadhafte Kessel ausbessert, besonders im verächtlichen Verstande von den unstäten Kesselern dieser Art; im Oberdeutschen Kessellapper, Kesselbüßer, Kesselbesserer, im Nieders. Pottlapper, Ketelflicker, Ketellapper.


Kesselgericht (W3) [Adelung]


Das Kesselgericht, des -es, plur. die -e, eine ehedem in Meißen und der Lausitz übliche Art der Gerichte, deren Nahmen man von dem Wendischen Kasam, Kasu, ich befehle, Kasani, Russisch Ukasa, der Befehl, ableitet, ungeachtet diese Wörter mit dem Deutschen heißen, heischen, genau verwandt sind. In einigen Meißnischen Städten werden noch gewisse Plätze an den Wällen Kessel genannt, weil man vermuthet, daß diese Gerichte an solchen Orten gehalten worden; wo es aber auch einen eingeschlossenen, oder in einem Kessel, in einer Tiefe gelegenen Ort bezeichnen kann, ( S. 2. Kessel 1.) Die eigenthümlichen Nahmen Kesseldorf, Kesselwald u. s. f. werden vermuthlich auch auf diese Art erkläret werden müssen.


Kesselgewölbe (W3) [Adelung]


Das Kesselgewölbe, des -s, plur. ut nom. sing. in der Baukunst, ein Gewölbe, welches von innen einer hohlen Halbkugel gleicht, welches dem Boden eines Kessels ähnlich ist, und welches auch ein Helmgewölbe, ein Kugelgewölbe, und in manchen Fällen eine Kuppel genannt wird.


Kesselhaken (W3) [Adelung]


Der Kesselhaken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Haken an einer Kette, oder auch eine mit Haken versehene Stange über dem Feuerherde, den Kessel daran über das Feuer zu hängen; ehedem der Hähl, im Nieders. Haul, Potthohl, von halten.


Kesselhautz (W3) [Adelung]


Der Kesselhautz, des -en, plur. die -en, bey den Bäckern einiger Gegenden, derjenige, welcher bey dem Bräzelbacken auf das Feuer unter dem Kessel Acht hat; vielleicht von hautzen, kautzen, auf den Fersen sitzen, ( S. Kautzen,) An andern Orten heißt er Kesselfuchs.


Kesseljagen (W3) [Adelung]


Das Kesseljagen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern. 1) So fern Kessel einen runden eingeschlossenen Platz bedeutet, ein Jagen, oder eine Jagd, wo das Wild in die Rundung eingestellet, in einen in die Runde eingeschlossenen Platz zusammen getrieben wird. 2) Eine Sauhatz, ein Saujagen, oder wilde Schweinsjagd, so fern die wilden Schweine dabey aus ihren Kesseln aufgetrieben werden. S. 2. Kessel 1).


Kesselloch (W3) [Adelung]


Das Kesselloch, des -es, plur. die -löcher, S. 2. Kessel 1) und Fischloch.


Kesselmeister (W3) [Adelung]


Der Kesselmeister, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Tuchmachern, derjenige, welcher auf die Kessel und die darin befindliche Farbe Acht gibt.


Kesseln (W3) [Adelung]


Kesseln, verb. reg. recipr. Sich kesseln, die Gestalt eines Kessels, d. i. einer rundlichen Vertiefung bekommen, S. 2. Kessel 1)


Kesselpauke (W3) [Adelung]


Die Kesselpauke, plur. die -n, S. Pauke.


Kesselruß (W3) [Adelung]


Der Kesselruß, des -es, plur. inus. der Ruß von einem Kessel.


Kesselschläger (W3) [Adelung]


Der Kesselschläger, des -s, plur. ut nom. sing. siehe Kesseler.


Kesselstein (W3) [Adelung]


Der Kesselstein, des -es, plur. die -e, S. Brunnenziegel.


Kesseltuch (W3) [Adelung]


Das Kesseltuch, des -es, plur. von mehrern Arten, die -tücher, Tuch, welches in dem Kessel gewesen, d. i. gefärbet worden, gefärbtes Tuch.


Kesser (W3) [Adelung]


Der Kesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein besonders in Niedersachsen übliches Wort. 1) Ein tiefes rundlich gestricktes Netz an einem Bügel mit einem langen Stiele, in fließenden Wassern und Teichen damit zu fischen; Engl. Catcher, in Ober-Sachsen und Ober-Deutschland ein Fischhamen. 2) An den Preußischen Küsten führen auch die Bernsteinfischer, welche sich solcher Kesser oder Hamen bedienen, diesen Nahmen.

Anm. In gröbern Mundarten Kescher, im Dän. Ketse, im Schwed. katsa, im Finnländischen Katiza. Von haschen, katzen, fangen, Engl. to catch, Ital. caggiare. Siehe Haschen und 3. Katze.


Keßler (W3) [Adelung]


Der Keßler, S. Kesseler.


Keste (W3) [Adelung]


Die Keste, plur. die -n, an den Pferden, die hornige Warze an dem innern Theile des Schenkels über dem Knie. Vermuthlich von Kas, Kast, eine Erhöhung, S. Kasten 1. und 7. Katze.


Kette (W3) [Adelung]


Die Kette, plur. die -n, Diminut. das Kettchen, Oberd. das Kettlein, eine Sammlung mehrerer in einer Reihe mit einander verbundener Dinge. 1. Eigentlich, wo es besonders in einigen einzelnen Fällen üblich ist. 1) Eine lange Reihe an einander hängender Berge heißt eine Kette von Bergen. Die Kette der Alpen, der Pyrenäen. 2) Mehrere bey einander, gemeiniglich in einer Reihe liegende Feldhühner, Auerhühner, Birkhühner und Haselhühner, heißen bey den Jägern eine Kette, und verderbt eine Kitte Feldhühner u. s. f. Mit einem gleichbedeutenden Ausdrucke ein Volk. 3) Bey den Kattunwebern und andern Arten von Webern wird der Aufzug, oder die vermittelst des Scherrahmens mit einander verbundenen Fäden, welche den Grund des ganzen Gewebes abgeben, die Kette, und vermittelst des gewöhnlichen Überganges der Gaumenlaute in den Zischlaut der Zettel genannt. Da die Kette bey den Kattunwebern 82 bis 83 Ellen hält, so wird auch ein Stück Kattun, so wie es von dem Stuhle kommt, und ehe es in kürzere Stücke zerschnitten wird, die Kette genannt. 4) Am häufigsten, ein aus mehrern in einander geschlungenen, gemeiniglich metallenen Ringen, welche Glieder genannt werden, bestehendes Band. Eine goldene, silberne, messingene, eiserne Kette. Von der Verschiedenheit der Bestimmung, zuweilen auch der Gestalt der Glieder, bekommt sie verschiedene zusammen gesetzte Nahmen. Die Halskette, Ordenskette, Drahtkette, Panzerkette, Erbskette u. s. f. In engerer Bedeutung verstehet man darunter eiserne Ketten, dergleichen die Brustketten, Hemmketten, Haltketten, Halfterketten, Kinnketten, Spannketten, Kuhketten, Brunnenketten u. s. f. sind. In noch engerm Verstande, eine solche Kette, so fern sie die willkührliche Bewegung eines lebendigen Geschöpfes verhindert. Einen Rasenden an die Kette schließen oder legen. Einen Hund an die Kette legen. In Ketten und Banden liegen, von Gefangenen. An der Kette liegen, von Hunden und rasenden Personen. Wo es denn auch figürlich für Sclaverey, Dienstbarkeit gebraucht wird. Jemandes Ketten zerbrechen, ihn in Freyheit setzen. Zerbrich die Ketten, die dich drücken. 2. Figürlich, eine Reihe mehrerer unmittelbar an einander hängender Dinge, unmittelbar auf einander folgender und in einander gegründeter Begebenheiten. Eine Kette von Lastern, von Unglücksfällen. In der Zukunft sehe ich nichts als eine unendliche Kette sich häufender Qualen.

Anm. In der 3ten eigentlichen Bedeutung bey dem Ottfried und im Tatian Ketin, bey dem Willeram Ketene, im Nieders. Kede, Kee, im Dän. Kiäde, im Schwed. Kedja, Ked, im Irländ. Caddan, im Wallis. Chaden. Es wurde ehedem von mehrern mit einander verbundenen Dingen und der dadurch bewirkten Verwahrung gebraucht. Im alt Schwed. ist Gorkiaetta ein umzäunter Ort, Kietta ein Zaun, und bey dem Ottfried bedeutet Ketti ein Gehäge. Wer siehet nicht, daß dieses Wort nicht von dem Lat. Catena, sondern mit demselben von gatten, gaden, verbinden, herstammet. ( S. Gatten, Gatter, Kettel und Ketten.) Das Osnabrück. Kye, eine Kette, ist durch Auslassung des t oder d entstanden, so wie dafür in Niedersachsen auch Kee, in zwey Sylben üblich ist; das gleichfalls Osnabrück. Kele aber, eine Kette, ist nur in der Ableitungssylbe verschieden.


Kettel (W3) [Adelung]


Die Kettel, plur. die -n, im gemeinen Leben, eine kleine Kette, besonders so fern sie zur Verschließung einer Thür dienet. Daß dieses Wort nicht das Diminutivum von Kette ist, zeigt das Geschlecht. Es scheinet vielmehr vermittelst der Ableitungssylbe el unmittelbar von ketten, verbinden, abzustammen. Ottfried scheinet das Wort Ketti in diesem Verstande zu gebrauchen, wenn er B. 5, Kap. 4 von den frommen Weibern sagt, welche zu dem Grabe Christi kamen, daß sie thaz ketti fundun indan, daß sie die Kettel, woran vermuthlich das Siegel hing, geöffnet fanden.


Kettel-Filett (W3) [Adelung]


Das Kettel-Filett, des -es, plur. die -e, bey den Buchbindern, ein Filett in Gestalt einer Kette.


Ketteln (W3) [Adelung]


Ketteln, verb. reg. act. welches das Diminutivum von dem folgenden ist. 1) Verbinden überhaupt; in welchem Verstande es nur im Bergbaue üblich ist, wo man Seile, wenn sie reißen, kettelt, d. i. zusammen knüpfet. 2) Mit einer kleinen Kette befestigen, besonders in dem zusammen gesetzten anketteln.


Ketten (W3) [Adelung]


Ketten, verb. reg. act. mit einer Kette befestigen, und in weiterer und figürlicher Bedeutung, sehr fest an etwas binden, besonders in der höhern Schreibart. Doch dich kettet das Schicksal fest an den Fels, Zachar. - Gekettet an die Ewigkeit Entrissen sich die Stunden ihren Banden, Michael.


Kettenbaum (W3) [Adelung]


Der Kettenbaum, das -es, plur. die -bäume, bey den Webern, der hinterste Baum an dem Weberstuhle, worauf das Garn, oder die Kette gewunden ist; der Garnbaum.


Kettenhund (W3) [Adelung]


Der Kettenhund, des -es, plur. die -e, ein an die Kette gelegter, vermittelst einer Kette seiner Freyheit beraubter Hund.


Kettenkugel (W3) [Adelung]


Die Kettenkugel, plur. die -n, in der Geschützkunst, zwey auf eine gewisse Weite mit einer Kette verbundene Kugeln, welche aus Kanonen geschossen, und auf den Schiffen Engel genannt werden.


Kettenlocke (W3) [Adelung]


Die Kettenlocke, plur. die -n, bey den Perrückenmachern, eine gerade Reihe von ununterbrochenen und locker in einander gekämmten Querlocken, so daß sie wie die Glieder einer Kette in einander einzugreifen scheinen.


Kettennaht (W3) [Adelung]


Die Kettennaht, plur. die -nähte, bey den Nähterinnen, eine Naht, welche einer Kette gleicht, und entstehet, wenn man von der rechten zur linken Hand zwey oder mehr Fäden mit überschlungenen Fäden anfasset, die Leinwand sodann verwendet, die vorigen Fäden nochmahls anfasset, und auf die vorige Art überschlinget.


Kettenreim (W3) [Adelung]


Der Kettenreim, des -es, plur. die -e, ein ehemahliges poetisches Spielwerk, da sich jeder Vers mit sich selbst am Anfange und Ende, ingleichen zwey Verse mit einander in der Mitte reimten.


Kettenring (W3) [Adelung]


Der Kettenring, des -es, plur. die -e, der Ring an einer Kette; das Glied.


Kettenrolle (W3) [Adelung]


Die Kettenrolle, plur. die -n, an den Stühlen der Bortenwirker, Rollen, welche mit der Kette oder dem Aufzuge der Tressen, Borten und Bänder bewickelt sind.


Kettensarsche (W3) [Adelung]


Die Kettensarsche, plur. inus. eine gesprenkelte Art Sarsche.


Kettenschluß (W3) [Adelung]


Der Kettenschluß, des -sses, plur. die -schlüsse, in der Vernunftlehre, ein Schluß, welcher aus einer Reihe Sätze entstehet, in welchen allemahl das Prädicat des vorher gehenden zum Subject des folgenden Satzes gebraucht wird; mit einem Griechischen und Lateinischen Kunstworte ein Sorites.


Kettenschmid (W3) [Adelung]


Der Kettenschmid, des -s, plur. die -schmiede, ein Schmid, welcher vornehmlich eiserne Ketten verfertiget.


Kettenstab (W3) [Adelung]


Der Kettenstab, des -es, plur. die -stäbe, der Stab an einer Meßkette.


Kettenstich (W3) [Adelung]


Der Kettenstich, des -es, plur. die -e, bey den Nähterinnen, ein Stich, d. i. eine Art zu nähen, welche einer Kette gleicht, und eine Art des Spitzenstiches ist.


Kettenwerk (W3) [Adelung]


Das Kettenwerk, des -es, plur. die -e, ein Werk, welches einer Kette gleicht. Das große Haus spündete er mit Tännenholz - - und machte darauf Palmen und Kettenwerk, 2 Chron. 3, 5, 16.


Kettenzug (W3) [Adelung]


Der Kettenzug, des -es, plur. die -züge, ein durchbrochener Bauzierath in Gestalt einer Kette, welcher zuweilen anstatt der Docken in den Geländern angebracht, und auch der geschlungene Geländerzug genannt wird; Franz. Entrelas.


Ketter (W3) [Adelung]


Der Ketter, des -s, plur. inus. ein Nahme, welcher in den Steinbrüchen zu Pirna demjenigen Sandsteine gegeben wird, welcher sich für die Bildhauer schickt. Etwa von Ket, Katz, Stein, S. 6. Katze. Oder von dem noch in den gemeinen Mundarten einiger Oberdeutschen Gegenden üblichen ketsch, weich, wovon Frisch einige Beyspiele hat?


Kettich (W3) [Adelung]


Der Kettich, des -es, plur. inus. in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens, der Hederich, ( S. dieses Wort,) aus welchem es verderbt zu seyn scheinet. Es wird auch Köddik, Köek, Keek, Küdik gesprochen.


Ketzer (W3) [Adelung]


1. Der Ketzer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Wollarbeitern, eine auf dem Wollrade voll gesponnene Spindel mit Garn; vielleicht von Katze, eine Erhöhung, oder auch ein Bündel, Büschel. S. 5. und 7. Katze.


Ketzer (W3) [Adelung]


2. Der Ketzer, des -es, plur. ut nom. sing. Fämin. die Ketzerinn, eine Person, welche Grundirrthümer in der Heilsordnung behauptet, und in weiterer, besonders in der Römischen Kirche üblichen Bedeutung, eine jede Person, welche von dem angenommenen Lehrbegriffe nur in einem oder dem andern Stücke abweichet; beydes in hartem und beleidigendem Verstande. Im Scherze wird auch wohl ein jeder, welcher in einer oder der andern Sache von den angenommenen Meinungen oder herrschenden Grundsätzen aller Art abweicht, ein Ketzer genannt.

Anm. Im Schwabenspiegel, um welche Zeit dieses Wort im Deutschen vielleicht zuerst vorkommt, Ketzer, im Niedersächs. Ketter, im Dän. Kiätter, im Schwed. Kaettare, im Pohln. Kacerz. Man hat eine Menge Ableitungen dieses dunkeln Wortes in Vorschlag gebracht, ohne daß man dadurch der Gewißheit viel näher gekommen wäre. Ich will hier nur einige der wahrscheinlichsten anführen, vorher aber anmerken, daß dieses Wort bey unsern ältesten Alemannischen und Fränkischen Schriftstellern nicht vorkomme; indem Notker theils sich statt dessen der Wörter Irrar, Keloubirre, Globirre, Loubirre, bedienet, theils das Lat. Haereticus behält. Zwar wird in Raban Mauri Glossario Secta durch Cazam erkläret, wofür Diecmann Cazari lesen will; allein diese Verbesserung ist zu willkührlich, zumahl da dieses Wort noch mehrere Jahrhunderte nach dem Raban nicht gefunden wird. Die vornehmsten Ableitungen sind folgende. 1) Von dem Lat. Haereticus, welcher Meinung Frisch beypflichtet, und sie dadurch unterstützet, daß in Luthers Schriften und bey dem Kaisersberg mehrmahls Kerzer und Kerzerey vorkommen. Überdieß ist bekannt, daß die meisten kirchlichen Ausdrücke der Deutschen aus dem mittlern Lateine entlehnet, oder doch buchstäblich nach demselben übersetzt sind. 2) Andere kehren es um und lassen das mittlere Lat. Haereticus nach dem Deutschen Ketzer gebildet seyn, und leiten dieses von katzen, kätzen, verbinden, anhängen, ab, ( S. 2. Katze.) Allein das mittlere Lat. Haereticus, welches aus dem Griech. herstammet, ist älter als die christliche Religion in Deutschland, und war schon zu Augustini Zeiten völlig gangbar. Indessen ist es nicht unwahrscheinlich, daß man Haereticus von haerere abgeleitet, und nach dieser Abstammung auch das Deutsche Ketzer von dem gedachten katzen gebildet habe. In figürlichem Verstande kommt ketsen im Holländischen und im Oberdeutschen ketschen, keschen, in den vorigen und neuern Zeiten noch häufig vor, so wohl für nachfolgen, sectari, als auch thätig, für ziehen, hinter sich her schleppen, wovon Frisch bey dem Worte Ketschen nachgesehen werden kann. Ketzer würde also ursprünglich einen Anhänger, Nachfolger bedeutet haben. 3) Da noch in den gemeinen Mundarten ketzern, durch gemachte Ritzen theilen, spalten, üblich ist, ( S. Aufketzern,) welches ein Frequentativum von dem alten katten, katsen, schneiden zu seyn scheinet, so haben einige es daher geleitet, und Ketzer durch einen Sectirer erkläret, der Spaltungen in der Religion macht. 4) Im 15ten und 16ten Jahrhunderte wurde Ketzer, so wie das Schwed. Kaettare, mehrmahls von einem Sodomiten und in weiterer Bedeutung von einem jeden im höchsten Grade lasterhaften Menschen gebraucht. Schon Königshoven gebraucht Kezery für Sodomiterey, und Kaisersberg erwähnet der Kuhketzer, Bubenketzer, Frawenketzer, und an einem andern Orte nennet er die Sodomiterey der Walen Ketzerey, weil sie besonders in Italien sehr üblich war. Noch Matthesius braucht Eheketzerey für Ehebruch, und Stumpf Ketzerey für Laster, Bosheit: Er hatte sich mit Diebstahl, und Mord in aller Ketzerey gehalten. Zum Unterschiede nannte man alsdann die Abweichung in Glaubenslehren die Ketzerey an dem Glauben. Wachter leitet es in dieser Bedeutung von dem Ital. Cazzo, penis, Ihre aber von dem Schwed. kat, leichtfertig, geil, Kättja, Geilheit, und dem Holländ. kesan, keysen, huren, und Ketsmerie, ein brünstiges Pferd, her. Da dem Worte Ketzer, besonders in der Römischen Kirche, ein sehr verhaßter Nebenbegriff anklebet, so haben einige geglaubt, daß man es aus Haß von dieser eigentlichen Bedeutung auf die kirchliche übergetragen habe. In dem Augsburg. Stadtrechte aus dem 13ten Jahrhunderte heißt es Kap. 269: Wer den andern mußet (heißet) ainen Ketzer, ain mainaider, oder ainen dieb, ain verräter, ain räuber, ain bößwicht u. s. f. Im mittlern Lat. bedeutet Gazara eine Hexe. 5) Viele Wahrscheinlichkeit hat endlich auch die Meinung derjenigen für sich, welche es von Catharus ableiten, einem Nahmen, welchen sich die Novatianer anfänglich selbst gaben, von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - rein, und welchen man nachmahls auch im verächtlichen Verstande den Waldensern und anderen abweichenden Religionsparteyen beylegte. Die Waldenser bekommen ihn im zwölften und den folgenden Jahrhunderten in der herrschenden Römischen Kirche sehr oft, und da diese die zahlreichsten und furchtbarsten Gegner der herrschenden Kirche waren, zu gleicher Zeit auch das Deutsche Wort Ketzer gangbar wird, so ist es wahrscheinlich, daß dieses Wort nachmahls einem jeden, der in Religionswahrheiten abweicht, geblieben ist. Schon die Italiäner verwandelten das th in Catharus in den Zischlaut, und nannten einen Waldenser Gazaro, im mittlern Lat. Cazerus, Gazarus. In einer Österreichischen Urkunde von 1317 in Duellii Excerptis hist. geneal. S. 45. unterschreibt sich Heinrich der Chetzer.


Ketzerey (W3) [Adelung]


Die Ketzerey, plur. die -en. 1) Die Fertigkeit, Grundirrthümer in der Heilsordnung zu behaupten, und in weiterer Bedeutung, besonders in der Römischen Kirche, die Abweichung von dem herrschenden Lehrbegriffe; in beyden Fällen ohne Plural. Sich der Ketzerey verdächtig machen. 2) Ein Grundirrthum wider die Heilsordnung, und in weiterer Bedeutung, eine jede von dem herrschenden Lehrbegriffe abweichende Meinung. Ketzereyen lehren. Eine Ketzerey vortragen, ausbreiten, fortpflanzen. Bey dem Notker Kloubirra.


Ketzergericht (W3) [Adelung]


Das Ketzergericht, des -es, plur. die -e, in der Römischen Kirche, ein wider die Ketzer angeordnetes Gericht; das Glaubensgericht, mit einem Lat. Ausdrucke die Inquisition.


Ketzerisch (W3) [Adelung]


Ketzerisch, adj. et adv. eine Ketzerey enthaltend, darin gegründet. Eine ketzerische Lehre. Ein ketzerischer Mensch, Tit. 3, 10.


Ketzermacher (W3) [Adelung]


Der Ketzermacher, des -s, plur. ut nom. sing. eine verächtliche Benennung eines orthodoxen Gottesgelehrten, welcher eine jede Abweichung von dem angenommenen Lehrbegriffe für eine Ketzerey erkläret.


Ketzermeister (W3) [Adelung]


Der Ketzermeister, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Oberdeutschen Gegenden, der vorsitzende Richter in einem Ketzergerichte; der Inquisitor.


Ketzern (W3) [Adelung]


1. Ketzern, verb. reg. act. von dem vorigen Worte Ketzer, welches aber nur in dem zusammen gesetzten verketzern üblich ist, S. dasselbe.


Ketzern (W3) [Adelung]


2. Ketzern, verb. reg. act. im Bergbaue, Ritzen in etwas machen, S. Aufketzern und 8. Katze.


Keubel (W3) [Adelung]


Der Keubel, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Sieb, wegen seiner weiten Öffnung, S. Kaue, Kober, Koben u. s. f.


Keuchen (W3) [Adelung]


Keuchen, S. Keichen.


Keule (W3) [Adelung]


Die Keule, plur. die -n, ein Werkzeug, besonders zum Schlagen und Stoßen, welches sich nach unten zu verdicket, und sich daselbst in einem rundlichen kugelförmigen Körper endiget. 1. Eigentlich. Jemand mit einer Keule todt schlagen. Jeder Schäfer lobt seine Keule. Die Mörserkeule, Reibkeule, Treibkeule. In andern Fällen sind dafür Kolbe, Stämpel, Stößel u. s. f. üblich, welche in der Gestalt einer Keule sehr ähnlich sind. Vermuthlich gehören hierher auch die Keulen an den Fließgarnen auf dem Rheine, welche Stücken Holz sind, an welche in der Mitte ein Mauerstein befestiget ist, und vermittelst deren das Garn fortgezogen wird. 2. Figürlich. 1) Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt führet das hintere Dickbein an lebendigen und geschlachteten Thieren, das hintere Viertel, den Nahmen der Keule, welches man an andern Orten auch wohl einen Schlägel nennet. Eine Kalbskeule, Schöppskeule, Rehkeule, Froschkeule. Die Keule von einem Huhne, von einer Gans. Im Nieders. so wohl Kule, als Bolten, Bolzen, im mittlern Lat. Celha. Im gemeinen Leben auch das menschliche Dickbein. 2) In den niedrigen Sprecharten ist eine grobe Keule ein grober Mensch, und besonders ein grobes Weibesbild.

Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern ist Kale der Glockenschwängel, welches aber auch von kallen, schallen, herstammen kann. Im Nieders. Kule, Kuse, Kutze, im Dän. Kolle. Im Böhmischen ist Kul ein Pfahl, Stecken. Entweder von keilen, schlagen, ( S. Keil und Keilen,) oder welches noch wahrscheinlicher ist, von der runden kugeligen Gestalt einer Keule, indem in den gemeinen Sprecharten Kaul für Kugel und kaulig für kugelig noch häufig vorkommen. ( S. Kaulbars.) Eine Keule ist eigentlich doch nichts anders als eine Kugel an einem Stiele. Um dieser Abstammung willen ist auch die Schreibart Käule zu vertheidigen, obgleich Keule die gewöhnlichste ist. S. auch Kolbe, welches genau damit verwandt, und in vielen Fällen gewöhnlicher ist.


Keulenlahm (W3) [Adelung]


Keulenlahm, adj. et adv. lahm an der Keule, d. i. an dem hintern Dickbeine, von Thieren.


Keuler (W3) [Adelung]


Der Keuler, S. 1, 2. Keiler.


Keulich (W3) [Adelung]


* Keulich, adj. et adv. in den gemeinen Sprecharten, für kugelig, kugelicht, einer Kugel ähnlich, welches noch 1 Kön. 7, 41 vorkommt, keuliche Knäufe.


Keulschwamm (W3) [Adelung]


Der Keulschwamm, des -es, plur. die -schwämme, eine Art eines ebenen länglichen Schwammes in Gestalt einer Käule, Clavaria L. Der Geißbart ist eine Art desselben.


Keusch (W3) [Adelung]


Keusch, -er, -este, adj. et adv. ein Wort, welches ehedem, 1) * in weiterer Bedeutung als jetzt üblich war, indem es für mäßig, bescheiden überhaupt gebraucht wurde. Bey dem Kero ist chusk nüchtern, mäßig im Gebrauche des Getränkes, bey dem Notker chiusch schamhaft, bey dem Ottfried kusgi fromm, probus, und kusgo sittsam, ehrbar, bescheiden, welche Bedeutung auch kuisch bey dem Windsbeck hat. In dieser Bedeutung ist es veraltet, indem es, 2) nur noch in engerer Bedeutung gebraucht wird, Fertigkeit besitzend, allen unrechtmäßigen Gebrauch des Triebes zum Beyschlafe zu vermeiden; im Gegensatze des unkeusch. Keusch seyn. Ein keusches Frauenzimmer. Durch leichtfertiges Geschwätz keusche Ohren beleidigen. Ingleichen in dieser Fertigkeit gegründet. Keusche Geberden. Keusche Worte. Eine keusche Liebe, welche auch unter verehlichten Personen Statt findet. Keusche Gedanken.

Anm. In dieser engern Bedeutung bey den Schwäbischen Dichtern kuisch, im Dän. kydsk, im Schwed. kysk, im Böhm. cisty. So wahrscheinlich es ist, daß dieses Wort aus dem Lat. castus entlehnet worden, so wird es um der allgemeinern Bedeutung willen fast noch wahrscheinlicher, daß es ein eigentlich Deutsches Stammwort ist, welches nur als ein Seitenverwandter von dem Lateinischen Ausdrucke angesehen werden kann. Es ist sehr glaublich, daß dieses Wort, wie schon Wachter muthmaßet, eigentlich rein bedeutet habe, zumahl da dieses und keusch oft als gleich bedeutende Ausdrücke gebraucht werden. Im Holländ. bedeutet kuyschen noch jetzt reinigen, und bey dem Kero ist Unchuscida Schmutz, Unreinigkeit. Kauscher wird in den niedrigen Sprecharten noch oft für rein, unverfälscht, gebraucht. Das Unchuskida, infandum, in Boxhorns Glossen, scheinet zunächst zu dem alten kosen, reden, zu gehören.


Keuschbaum (W3) [Adelung]


Der Keuschbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum, welcher in den sumpfigen Gegenden von Sicilien und Neapolis wächset, und seinem Nahmen daher hat, weil die ältern Ärzte dessen Samen wegen seiner scharfen zusammen ziehenden Kraft, zur Verwahrung der Keuschheit verordneten; Vitex Agnus castus L. Keuschlamm, Mönchspfeffer, Abrahamsbaum, Schafmülbe.


Keuschheit (W3) [Adelung]


Die Keuschheit, plur. inus. von dem Beyworte keusch, die Fertigkeit, allen unrechtmäßigen Gebrauch des natürlichen Triebes zum Beyschlafe zu vermeiden, die Mäßigkeit in der Geschlechtslust. Seine Keuschheit bewahren. Die Gabe der Keuschheit haben. Die eheliche Keuschheit. Bey den Schwäbischen Dichtern Kuischekeit.


Keuschlamm (W3) [Adelung]


Das Keuschlamm, des -es, plur. inus. S. Keuschbaum.


Keutel (W3) [Adelung]


Der Keutel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Fischern, der Sack in der Mitte der Wathe, in welchem sich die Fische fangen. Es gehöret mit dem Nieders. Kaute, eine Grube, zu dem großen Geschlechte derjenigen Wörter, welche eine Vertiefung, einen hohlen Raum bedeuten. S. Kaue, 8. Katze, Kothe, Koth, u. s. f.


Kibitz (W3) [Adelung]


Der Kibitz, des -es, plur. die -e, ein dreyzehiger Sumpfvogel mit einem kurzen Schnabel, einem Federbusche auf dem Kopfe, einer schwarzen Brust und rothen Füßen; Tringa Vanellus L. weil er bey Bewegung seiner Flügel ein Geräusch wie ein Fächer macht, Gavia vulgaris Klein. Nieders. Kiwitt, welcher Nahme eine Nachahmung seines genau so lautenden Geschreyes ist, wohin auch der Lat. Gavia, der Engl. Tirwit, Wit, der Ital. Gheppio, und der Dän. Vibe gehören. An einigen Orten wird er wegen seiner schönen bunten Federn auch Feldpfau, und wegen seines Geschreyes auch Himmelziege, und an noch andern Orten Zweyel genannt. Es gibt verschiedene Arten dieses Vogels. Der grüne und graue Kibitz wird auch Pardel, Pulvier und Pulroß, Engl. Plower, bey dem Aristoteles - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - genannt. Der grünschnäbelige ist unter den Nahmen des Steinwälzers, eine andere sehr dumme Art unter den Nahmen Mornell, Mornelle, Mornelkibitz, und noch eine andere Art, welche sich an den Ufern der Seen aufhält, unter dem Nahmen Seelerche und Seemornelle bekannt. Die grauen und weißen Kibitze an dem Costnitzer See werden daselbst Seegallen, Aibuken, Alenböcke, Holbreten und Holbrüder genannt.


Kibitzblume (W3) [Adelung]


Die Kibitzblume, plur. die -n, eine Art der Kronblume, deren Blume dem Eye eines Kibitzes gleicht, daher sie auch Kibitzey genannt wird; Fritillaria Meleagris L. Wegen ihrer gewürfelten Flecken, um deren willen sie auch den Lat. Nahmen Fritillaria empfangen hat, wird sie auch Schachblume genannt.


Kicher (W3) [Adelung]


Die Kicher, plur. die -n, eine dreyeckige Hülsenfrucht von fahler Farbe, deren Pflanze, welche gleichfalls Kicher genannt wird, in den mittägigen Ländern einheimisch ist, aus welchen sie zu uns gebracht worden; Cicer L. wovon der Deutsche Nahme abstammet, der mit dem Zischlaute in einigen Gegenden aus Zifer, Zifererbse lautet. Die wilden Kichern, Astragalus Cicer L. finden sich auch in Italien und der Schweiz. Ital. Cicerchia, im Böhm. Cyzrna, schon in den Monseeischen Glossen Chihria, im Franz. Chiches, im Schwed. Kikert.


Kichern (W3) [Adelung]


Kichern, verb. reg. neutr. welches nur in den gemeinen Sprecharten üblich ist, mit einem seinen zitternden Laute lachen, welcher Laut durch dieses Wort genau ausgedruckt wird; in einigen Gegenden kicheln, im Nieders. guiddern, gnikkern, hiddiken; im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Kicks (W3) [Adelung]


Der Kicks, des -es, plur. die -e, im Billiardspiele, ein Fehlstoß auf dem Ball. Einen Kiks machen, wofür man auch das Zeitwort kicksen hat. Ohne Zweifel als eine Nachahmung des Schalles, welchen ein solcher Fehlstoß verursacht.


Kiefe (W3) [Adelung]


1. Die Kiefe, plur. die -n, der Kinnbocken, S. 2. Kiefer.


Kiefe (W3) [Adelung]


2. Die Kiefe, plur. die -n, in den gemeinen Mundarten einiger Gegenden, 1) die so genannten Fischohren, oder Luftlöcher an den Fischen, besonders im Niedersächsischen, siehe Kieme. 2) In einigen Gegenden werden die Schoten der Erbsen Kiefen genannt; nicht, wie Frisch will, weil man sie gleichsam aufkauen oder aufnagen müsse, sondern so fern Kiefe in beyden Bedeutungen zu den Wörtern gehöret, welche einen hohlen Raum bezeichnen, ( S. Kaue, Kober, Kuffer u. s. f.) In Franken werden die Schoten von eben diesem Stamme Kiefel oder Kyfel genannt.


Kiefenfuß (W3) [Adelung]


Der Kiefenfuß, des -es, plur. die -füße, ein ungeflügeltes Wasser-Insect mit einer großen Menge von Füßen, welche aber nur zum Schwimmen dienen. Es hat oft nur die Größe eines Flohes, und ist mit einer Schale bedeckt; Monoculus L. Es hat den Nahmen von seinen Füßen, welche den Kiefen oder Fischohren ähnlich sehen.


Kiefer (W3) [Adelung]


1. Die Kiefer, plur. die -n, diejenige Art Fichten, in der weitesten Bedeutung dieses Wortes, wo zwey Nadeln aus einer gemeinschaftlichen Scheide wachsen, welche häufiges Harz gibt, aus welchem so wohl Pech als Ther gemacht wird; Pinus sylvestris L. Im gemeinen Leben wird sie auch Kienbaum, im Oberdeutschen Fohre und Kienfohre genannt. ( S. Fichte Anm.) Frisch glaubt, daß dieses Wort aus Kienfohre zusammen gezogen ist; allein es scheinet unmittelbar zu demjenigen Stamme zu gehören, von welchem auch Kien herkommt, nähmlich zu dem noch im Griech. vorhandenen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, brennen. Die Endung -er zeigt ein Instrument, ingleichen ein handelndes Ding an, Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Pech, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein harziger Baum, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . S. Kien.


Kiefer (W3) [Adelung]


2. Der Kiefer, des -s, plur. ut nom. sing. oder die Kiefer, plur. die -n, der Kinnbacken. Der Oberkiefer, der Unterkiefer. Hechtkiefer, Kinnbacken von Hechten.

Anm. In den gemeinen Sprecharten auch Kiefe, Kiefel, im Nieders. Keeve, Kiffe, im Dän. Kiäve, im Engl. Jaws, Chaps, ehedem Chawes, im Angels. Ceastas, alle von kauen, wovon in den gemeinen Sprecharten noch kiefen für nagen üblich ist. ( S. Kauen und Keifen.) Im Oberdeutschen ist es auch ungewissen Geschlechtes. Das männliche ist der Analogie gemäßer, weil die meisten Wörter, in welchen die Ableitungssylbe -er ein Werkzeug bedeutet, dieses Geschlecht haben.


Kiefer (W3) [Adelung]


3. Der Kiefer, plur. die -n, das Fischohr, S. Kieme.


Kiefern (W3) [Adelung]


Kiefern, adj. et adv. von der Kiefer oder Kienföhre. Kiefernes Holz. Kieferne Breter.


Kieferndeckel (W3) [Adelung]


Der Kieferndeckel, die Kiefernhaut, an den Fischen, S. Kiemendeckel und Kiemenhaut.


Kiefernleid (W3) [Adelung]


Das Kiefernleid, S. Mundklemme.


Kieke (W3) [Adelung]


Die Kieke, S. Gieke.


Kiel (W3) [Adelung]


1. Der Kiel, des -es, plur. die -e, ein nur bey den Gärtnern übliches Wort, wo die Zwiebeln der Blumengewächse auch Kiele, und im Collectivo Kielwerk, Zwiebelgewächse, genannt werden. Zwiebelgewächse durch die Kiele vermehren. Junge Setzlinge, welche sich an den alten Kielen ansetzen. Im Herbst, wenn sich der Saft in den Kiel gezogen hat. Es gehöret unstreitig zu Kaul, eine Kugel, kaulig, rundlich, und mit demselben zu kau, so fern es nicht nur eine runde Vertiefung, sondern auch eine solche Erhöhung bedeutet. S. Keule, Kolbe, Kane, und das folgende; ingleichen Kielkropf.


Kiel (W3) [Adelung]


2. Der Kiel, des -es, plur. die -e, ein sehr altes, aber nunmehr vermuthlich veraltetes Wort, ein Schiff, ein Fahrzeug zu bezeichnen. Es kommt bey den Angelsachsen und Normannen schon sehr früh vor, deren Schiffe im mittlern Lat. Ceolae, Ciulae, Cyulae, genannt werden. In andern Sprachen bedeutet es noch jetzt den Schiffboden, den untersten Raum im Schiffe, wie das Engl. Keel, das Franz. Cale, das Schwed. Köle. Es ist in dieser Bedeutung keine Figur des folgenden Wortes, welche eben so hart und sprachwidrig seyn würde, als wenn man ein Schiff von dem Steuerruder oder andern Theilen benennen wollte, es müßte denn die Länge der herrschende Begriff seyn, weil die Angelsächsischen Schiffe als lange Fahrzeuge beschrieben werden. Es gehöret zu dem Stammworte hohl, von welchem auch die Gölle, die Galeere und andere Wörter ihren Ursprung haben. ( S. Kaue, Kelle, Keller, Kelch u. s. f.) Das Oberdeutsche Zeile, eine Art langer Donauschiffe zu bezeichnen, ist durch die gewöhnliche Verwechselung des Gaumen- und Zischlautes daraus entstanden. Eben dahin gehöret auch das Preußische Kiedel, gewisse große Fischerbothe zu bezeichnen. S. Köthe, Koth, ein Haus, Keutel u. s. f.


Kiel (W3) [Adelung]


3. Der Kiel, des -es, plur. die -e, Diminut. das Kielchen, ein Wort, welches überhaupt den Begriff der Länge und oft auch den damit verknüpften Begriff der Schärfe, der Dünne hat, aber nur noch in einigen Fällen üblich ist. 1) Der festere unten hohle Theil der Federn an den Vögeln und dem Federviehe, deren unterer hohler Theil die Spule, im Nieders. die Pose, Bose, und im Hessischen der Stahl genannt wird; der Federkiel. Ein Gänsekiel, Schwanenkiel, Rabenkiel. Die Kiele von geschlossenen Federn. Besonders so fern ein solcher Kiel zum Schreiben gebraucht wird, da denn figürlich und in der poetischen Schreibart auch wohl eine Schreibfeder ein Kiel genannt wird. Wie oder setzt dein Kiel der rechten Wahrheit Grund? Caniß. Auch die zarten noch in der Haut liegenden Kiele der größern Federn führen diesen Nahmen, dagegen sie im gemeinen Leben auch Stoppeln, und in Niedersachsen Pylen, und mit dem Zischlaute Spylen genannt werden, ( S. Spule.) Im Oberdeutschen lautet es in dieser Bedeutung auch Kengel, Kilch, im Ital. Canna, daher man es auch zu Kehle, Kelch, Canal rechnen könnte, so daß mit diesem Worte zunächst auf den untern hohlen Theil gesehen würde. Nimmt man den Begriff der Länge für den Hauptbegriff an, so gehöret auch das Lat. Caulis, und mit einem andern Ableitungslaute auch Halm dahin. Im Nieders. wird ein Federkiel auch Staal genannt, und im Oberdeutschen hieß er ehedem auch Bolz, Gänsebolz. 2) Der unterste lange Grundbalken eines Schiffes, in welchem die untern Theile des Schiffgebäudes eingezapfet werden. Der falsche Kiel, eine Unterlage unter dem wahren Kiele, diesen desto mehr zu verwahren. Wenn dann vielleicht der Wellen schwarzer Rachen Den Frachten drohe, und Mast und Kiel ereilt, Haged. Im Nieders. gleichfalls Kiel, im Franz. Quille, im Dän. Kiol, im Engl. Quill.


Kielbett (W3) [Adelung]


Das Kielbett, des -es, plur. die -en, ein Bett armer Leute, von geschlossenen Federkielen.


Kielen (W3) [Adelung]


Kielen, verb. reg. von 3. Kiel, welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Kiele zu größern Federn bekommen, von Vögeln und dem Federviehe, wenn die jugendlichen Flaumfedern den gewöhnlichen größern Platz machen. Der Vogel kielet. So wie ein nackter Specht, Dem Schwanz und Flügel kielt, Günth. 2. Als ein Activum. 1) Mit Federkielen, oder doch mit Stücken damit versehen, in welchem Verstande gewisse Saiten-Instrumente gekielet oder bekielet werden. 2) Ein Schiff kielen, es mit einem neuen Kiele versehen.


Kielhohlen (W3) [Adelung]


Kielhohlen, verb. reg. act. welches nur in der Schifffahrt üblich ist. 1) Ein Schiff kielhohlen, es auf die Seite legen, um den Kiel und den untern Theil zu kalfatern und auszubessern; gleichsam, es über den Kiel hohlen. 2) Einen Verbrecher kielhohlen, eine Schiffsstrafe, nach welcher derselbe vermittelst eines an der großen Raa befestigten Taues in das Wasser gelassen und unter dem Kiele des Schiffes durchgezogen wird. Das trockne Kielhohlen, wenn er bis auf eine gewisse Tiefe unter das Wasser gelassen, und schnell wieder herauf gezogen wird. So auch die Kielhohlung. Nieders. kielhalen, Engl. to keelhale.


Kielkropf (W3) [Adelung]


Der Kielkropf, des -es, plur. die -kröpfe, im gemeinen Leben, ein Kropf an der Kehle, besonders, so fern er von Kindern zuweilen mit auf die Welt gebracht wird; ingleichen ein mit einem solchen Kropfe versehenes Kind. Da der große Haufe glaubt, daß ein solches Kind nicht natürlich sey, sondern daß es von dem Rixe oder einer Hexe ausgetauschet worden, so sind ein Kielkropf und ein Wechselbalg oft gleich bedeutende Ausdrücke. S. Mir. Anm. Entweder von Kehle, ein Kropf an der Kehle, oder auch von Kiel, Kugel, wegen der kugelförmigen Gestalt, siehe 1. Kiel.


Kielschwein (W3) [Adelung]


Das Kielschwein, des -es, plur. die -e, im Schiffsbaue, ein Block, welcher im Innern des Schiffes längs dem Kiele lieget, und auf welchem der Mast stehet. Im Nieders. Kielswien, Engl. Keelson. S. Schwein 1.


Kielwasser (W3) [Adelung]


Das Kielwasser, des -s, plur. ut nom. sing. in der Seefahrt, derjenige Streifen in dem Wasser, welchen das Schiff in seiner Fahrt macht.


Kielwerk (W3) [Adelung]


Das Kielwerk, des -es, plur. inus. Zwiebelgewächse, siehe 1. Kiel.


Kieme (W3) [Adelung]


Die Kieme, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Niedersachsens, und bey den Schriftstellern des Naturreiches, knochenförmige Öffnungen mit kammförmigen Strahlen an dem Kopfe der Fische, welche ihnen anstatt der Lunge zum Athemhohlen dienen, und sehr uneigentlich auch Ohren oder Fischohren genannt werden, da sie doch mit dem Gehöre nichts zu tun haben; Branchiae. Im Nieders. Kieme, in einigen Oberdeutschen Gegenden der Kampf, in Niedersachsen auch die Kiefer, Kiepe; alle von Ka, Kau, ein hohles Behältniß, welches durch allerley Ableitungslaute näher bestimmt wird, S. Kaue, Kammer, Gaumen, Koben, Kober u. s. f. Da Kiefer zweydeutig ist, und auch einen Kinnbacken bedeutet, so ist Kieme bequemer.


Kiemendeckel (W3) [Adelung]


Der Kiemendeckel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Deckel, welcher die Kieme des Fisches verschließet; der Kieferdeckel.


Kiemenhaut (W3) [Adelung]


Die Kiemenhaut, plur. die -häute, eine Haut, welche sich mit dem Kiemendeckel verbindet, und die Kiemen von außen bedecket; die Kieferhaut.


Kiemung (W3) [Adelung]


Die Kiemung, an den Schiffen, S. Kimmung.


Kien (W3) [Adelung]


Der Kien, des -es, plur. inus. das mit Harz gesättigte Holz der Kiefer, welches sehr leicht und hell brennet, und daher so wohl zum Leuchten als zum Anmachen des Feuers gebraucht wird. Die Kiefer hat allein Kien. S. Baumkien, Stockkien, Vogelkien.

Anm. Im Nieders. Keen. Es hat seinen Nahmen ohne Zweifel von seiner brennbaren Eigenschaft, da es denn zu dem alten noch im Schwed. üblichen kinda, Engl. to kindle, Angels. cynne, anzünden woraus auch unser zündet geworden ist, gehöret. Im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - brennen. Die Lat. candere, incendere, Candela u. s. f. gehören gleichfalls zu diesem Geschlechte. ( S. Kienbaum.) Da das ie schon das Zeichen des langen i ist, so ist das h welches einige noch in diesem Worte, so wie in Kieme und andern, einschieben, völlig überflüssig.


Kienapfel (W3) [Adelung]


Der Kienapfel, des -s, plur. die -äpfel, der schuppige Zapfen oder Apfel des Kienbaumes, der bey der Fichte und Tanne der Fichtenapfel und Tannapfel genannt wird, und den Samen enthält. Im gemeinen Leben werden diese Zapfen Küsteln genannt. S. 5. Katze.


Kienbaum (W3) [Adelung]


Der Kienbaum, des -es, plur. die -bäume, der Kieferbaum, oder die Kiefer, weil sie unter allen ähnlichen Arten von Bäumen allen Kien gibt; im Oberdeutschen die Kienföhre. Im Wendischen wird sie daher auch nur Koina, Kuina genannt. S. Kiefer. Daher das Bey- und Nebenwort kienbäumen. Kienbäumenes Holz.


Kiener (W3) [Adelung]


Der Kiener, des -es, plur. ut nom. sing. im Bergbaue einiger Gegenden, z. B. in Tirol, ein Kohlenbrenner oder Holzknecht, welcher Kien zum Behuf der Schmelzhütten liefert. In einem Latein. Bergvertrage von 1185 in Spergs Tirol. Bergwerksgesch. schon Kener.


Kienfackel (W3) [Adelung]


Die Kienfackel, plur. die -n, eine Fackel aus Kien, ein Stück Kien, so fern es als eine Fackel gebraucht wird.


Kienföhre (W3) [Adelung]


Die Kienföhre, plur. die -n, S. Kienbaum und Fichte Anm.


Kienholz (W3) [Adelung]


Das Kienholz, des -es, plur. die -hölzer. 1) Das Holz des Kienbaumes, ohne Plural; kienbäumenes Holz. Ingleichen Holz, welches Kien enthält; kieniges Holz. 2) Ein aus Kienbäumen bestehendes Gehölz.


Kienig (W3) [Adelung]


Kienig, adj. et adv. Kien enthaltend. Kieniges Holz.


Kienöhl (W3) [Adelung]


Das Kienöhl, des -es, plur. doch nur von mehreren Arten oder Quantitäten, die -e, das aus den Kienbäumen und deren Theilen in den Pechhütten gebrannte Öhl, au welchem in den Apotheken das Terpenthinöhl bereitet wird.


Kienruß (W3) [Adelung]


Der Kienruß, des -es, plur. inus. der Ruß von verbranntem Kiene; im Oberdeutschen Kienrauch, Nieders. Keenroock. Dän. Kenrog, im Schwed. Kimröck, in Schlesien Kadelsrom. Daher die Kienrußhütte oder Kußhütte, eine Anstalt im Walde, wo der Kienruß aus den Kienstöcken gebrannt wird.


Kienflock (W3) [Adelung]


Der Kienflock, des -es, plur. die -stöcke. 1) Der Stock, d. i. zurück gebliebene Stamm, von einem gefälleten Kienbaume, mit dessen Wurzeln, woraus so wohl Kien gehauen, als auch Pech, Kienruß u. s. f. gebrennet wird. 2) Figürlich werden in den Schmelzhütten die Erzkuchen, aus welchen durch das Seigern das Bley vorläufig von dem Kupfer geschieden worden, wenn sie in das stärkere Darrfeuer gebracht werden, Kienstöcke genannt; ohne Zweifel wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt.


Kiepe (W3) [Adelung]


* Die Kiepe, plur. die -n, ein nur in Niedersachsen übliches Wort, einen Kober zu bezeichnen, besonders so fern er dazu bestimmt ist, auf dem Rücken getragen zu werden. ( S. Kober,) mit welchem Worte es von einem und eben demselben Stamme herkommt. Die Tasche in Kleidern heißt im Nieders. der Kiepsack, woraus vermittelst des vorgesetzten Zischlautes das Hochdeutsche Schubsack geworden. In einigen Gegenden ist die Kiepe ein solcher Kober von bestimmten Gehalte. So hält eine Kiepe Schollen in Lübeck 600 Stück. Im Wallach. ist Kjupa und im Alban. Kjup ein Gefäß mit Handhaben, und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - eine Kufe, S. dieses Wort, ingleichen Kieme.


Kieper (W3) [Adelung]


Der Kieper, S. Küfer und Küper.


Kies (W3) [Adelung]


1. Der Kies, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, grokörniger aus kleinen Kiefeln bestehender Sand, welcher auch Gries und Grand genannt wird; Kiessand. Das Gewächs deines Leibes wird seyn wie Kies, Es. 48, 19. Es ist mit dem folgenden einerley Stammes, ob es gleich in der Bedeutung und dem Gebrauche davon unterschieden ist.


Kies (W3) [Adelung]


2. Der Kies, des -es, plur. gleichfalls nur von mehrern Arten, die -e, ein Wort, welches ursprünglich einen jeden Stein, eine jede Steinart bedeutet zu haben scheinet, aber nur noch in einigen Fällen üblich ist. 1) Der Quarz, eine sehr harte, glasartige und gemeiniglich krystallinisch angeschossene Steinart, ist in einigen Gegenden auch unter dem Nahmen des Kieses bekannt. ( S. Kiesel.) 2) Im Bergbaue und der Mineralogie ist der Kies eine gelbe oder weiße Steinart, welche das Haupterz des Schwefels und Arseniks ist, und im ersten Falle Schwefelkies, im letztern Falle aber weißer Kies, Arsenikal-Kies, Giftkies, Wasserkies genannt wird. In engerer Bedeutung verstehet man unter Kies schlechthin den Schwefelkies; Pyrites, Pyromachus veterum. Von dem Nebengehalte und der äußern Gestalt bekommt er den Nahmen Kupferkies, Vitriolkies, Kiesniere, Kieskugel u. s. f. Im Böhm. Kyz. Bey den Lat. war Cos ein Wetzstein, und bey den Hebräern - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein jeder Stein. S. 6. Katze.


Kiesader (W3) [Adelung]


Die Kiesader, plur. die -n, im Bergbaue, eine Ader, welche Kies oder Schwefelkies enthält.


Kiesball (W3) [Adelung]


Der Kiesball, des -es, plur. die -bälle, Kies oder Schwefelkies in großen runden Kugeln; die Kieskugel.


Kiesel (W3) [Adelung]


Der Kiesel, des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich ein kleines Stück Kies, d. i. Quarz, ein Quarztrumm, besonders so fern diese Art Steine auf und unter der Oberfläche der Erde zerstreuet angetroffen werden, und durch allerley Zufälle von größern Quarzmassen abgerissen und abgeründet worden; ein Kieselstein. In weiterer Bedeutung pfleget man auch alle kleinere auf und unter der Erde befindliche Steine, wenn sie gleich nicht aus Quarz bestehen, Kiesel und Kieselsteine zu nennen. So hart wie ein Kiesel oder Kieselstein.

Anm. Bey dem Ottfried Kisil, im Nieders. Keiserlink, Keselink, Kabeisel. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe el von 2. Kies gebildet, so fern es Quarz und in weiterer Bedeutung einen jeden Stein bedeutet. Das Diminutivum Kieslein kommt 2. Sam. 17, 13 vor, daß man nicht ein Kieslein daran finde; wofür andere Ausgaben Kieselein haben. Im Oberd. ist für Kiesel auch Kiesling üblich, in den Monseeischen Glossen Chisling, Chisiling. Hernach wird ihm der Mund voll Kieseling werden, Sprichw. 20, 17. Eben daselbst ist Kiesel und Kiesling auch der Hagel, kieseln hageln, und das Kieselwetter das Hagelwetter, welches die allgemeine Bedeutung dieses Wortes bestätiget. Im Nieders. werden die Kieselsteine wegen ihrer Härte auch Bickelsteine, in Lüttich Flein, Engl. Flint, im Holländ. Kegel genannt.


Kieselhart (W3) [Adelung]


Kieselhart, adj. et adv. so hart wie ein Kiesel.


Kieselmehl (W3) [Adelung]


Das Kieselmehl, des -es, plur. inus. zu Mehl, d. i. einem feinen Pulver, gestoßene Kieselsteine.


Kieselsand (W3) [Adelung]


Der Kieselsand, des -es, plur. inus. Sand, welcher aus ganz kleinen Kieseln bestehet; Kies, Kiessand.


Kieselstein (W3) [Adelung]


Der Kieselstein, des -es, plur. die -e, Diminut. das Kieselsteinchen, Oberd. Kieselsteinlein, S. Kiesel.


Kiesen (W3) [Adelung]


Kiesen, verb. reg. act. et neutr. welches jetzt, außer dem gleichfalls seltenen erkiesen, im Hochdeutschen veraltet ist, und ehedem überhaupt durch die Sinne empfinden, von allen Sinnen gebraucht wurde. Für sehen befindet es sich noch in dem Heldenbuche; Wer diesen Helm treit, den kieset man kein Hanbet ein ganze Kaste breit. Für empfinden überhaupt stehet es in einem alten Gedichte in Eckards Scriptor. bey dem Frisch, Schmerzen und Not kiesen, empfinden. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung bedeutete es vermittelst der Sinne untersuchen. In diesem Verstande ist an einigen Oberdeutschen Orten noch der Kieser oder Weinkieser eine öffentliche Person, welche den Wein kostet und nach Befinden taxiret. ( S. Kosten,) welches das Intensivum davon ist. In noch engerer Bedeutung, vermittelst der Sinne untersuchen, um das Beste davon zu wählen, und hernach auch für auslesen, aussuchen, ja wählen überhaupt, in welchem Verstande es theils noch in erkiesen üblich ist, theils auch noch für sich allein im gemeinen Leben hin und wieder gehöret wird. Der ältere muß auf des jüngern Begehren kiesen, d. i. wählen.

Anm. Für erwählen kommt es noch bey dem Logau und dessen Zeitgenossen vor. Bey dem Ottfried, der es zugleich irregulär abwandelt, kiusen, im Imperf. kos, im Nieders. kösen, Kösing, die Wahl, bey dem Ulphilas kausjan, im Angels. ceofan, und cysan, im Engl. to choose, im Schwed. kesa, im Isländ. kiosa, im Franz. choisir. Nach einer gewöhnlichen Verwechselung des r und s ist daraus köhren entstanden, S. dasselbe.


Kiesgrube (W3) [Adelung]


Die Kiesgrube, plur. die -n, im Bergbaue, eine Grube, in welcher vorzüglich Kies, d. i. Schwefelkies oder Giftkies, gebrochen wird.


Kiesicht (W3) [Adelung]


Kiesicht, -er, -ste, adj. et adv. dem Kiese, d. i. groben Sande, ähnlich. Kiesig, kiesiger, kisigste, Keis oder groben Sand enthaltend. Ein kiesichter (besser kiesiger) Grund, 5 Mos. 21, 4.


Kieskugel (W3) [Adelung]


Die Kieskugel, plur. die -n, S. Kiesball.


Kieslauge (W3) [Adelung]


Die Kieslauge, plur. inus. im Bergbaue, eine Benennung des Cementwassers, welches das Eisen auflöset, und dagegen Kupfertheile fallen lässet.


Kiesling (W3) [Adelung]


Der Kiesling, des -es, plur. die -e, S. Kiesel.


Kiesniere (W3) [Adelung]


Die Kiesniere, plur. die -n, im Bergbaue, kleine Stücken Schwefelkieses in Gestalt der Nieren.


Kiessand (W3) [Adelung]


Der Kiessand, des -es, plur. inus. grober aus kleinen Kieseln bestehender Sand; Kieselsand, Kies, Grand, Gries.


Kiesschale (W3) [Adelung]


Die Kiesschale, plur. die -n, im Bergbaue, 1) eine Schale, d. i. ein Überzug von Schwefelkies, welcher zuweilen auf dem Quarze angetroffen wird. 2) Ein ausgehöhltes Stück Schwefelkies in Gestalt einer Muschelschale.


Kieszeche (W3) [Adelung]


Die Kieszeche, plur. die -n, im Bergbaue, eine Zeche, wo auf Schwefel- oder Giftkies gebauet wird.


Kieszimmer (W3) [Adelung]


Der Kieszimmer, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, derjenige, welcher eine Kieszeche allein bauet; bey andern Zechen ein Einspänniger, Eigenlöhner. Frisch leitet dieses und das vorige Wort irrig von kiesen, wählen, ab. S. Zimmer.


Kietze (W3) [Adelung]


1. Die Kietze, plur. die -n, eine Katze weiblichen Geschlechtes, S. 9. Katze.


Kietze (W3) [Adelung]


2. Die Kietze, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben einiger Gegenden übliches Wort, eine Art eines Behältnisses, hohlen Gefäßes zu bezeichnen. So werden die aus abgeschälten Haselrinden verfertigten Behältnisse, worin die Landleute an einigen Orten die Erdbeeren sammeln und zu Marste bringen, Kietzen genannt; an andern Orten ein Schrot. Im Bergbaue ist die Kietze ein längliches viereckiges Kästchen mit einem Stiele, Gestübe und Leym zum Behufe des Schmelzofens darin aufzubewahren. Es gehöret mit Kiste, Kasten, 8. Katze und andern zu dem zahlreichen Geschlechte derjenigen Wörter, welche einen hohlen Raum, ein Behältniß bezeichnen. In der Mark Brandenburg heißt in einigen Gegenden der Kietz der Ort, wo die Fischer wohnen, Kietzer, und in Preußen Keutler, ein Fischer, vermuthlich, weil sie in Kietzen, im Wend. Keiza, Keischa, d. i. engen, niedrigen Hütten, wohnen, S. das Koth.


Kiff (W3) [Adelung]


* Der Kiff, des -es, plur. inus. ein nur im Niedersächsischen bekanntes Wort, gemahlene Gärberlohe zu bezeichnen. Es scheinet mit Kaff, Spreu, zu keifen, Nieders. kiven, zu gehören, so fern es nicht bloß kauen, sondern überhaupt zermalmen bedeutet.


Kiffe (W3) [Adelung]


* Die Kiffe, plur. die -n, gleichfalls am häufigsten im Niedersächsischen, ein elendes, kleines Haus, oder Zimmer; im Oberd. ein Käfter. Es ist ein Seitenverwandter von Käsich, Koben, Kober u. s. f. S. Kaue.


Kike (W3) [Adelung]


Die Kike, S. Gieke.


Kimme (W3) [Adelung]


Die Kimme, plur. die -n, ein in zwey verschiedenen aber sehr genau verwandten Bedeutungen, so wohl einer scharfen Vertiefung, als auch einer scharfen Erhöhung übliches Wort; beydes aber nur noch in einigen einzelnen Fällen. 1. Einer scharfen Vertiefung, einer Kerbe. So wird bey den Jägern die Kerbe in dem Stocke an den Steckgarnen die Kimme genannt. Bey den Weberbäumen ist es der scharfe Einschnitt in das Zahnrad des Weberbaumes, worein die Klinke fällt. In dieser Bedeutung gehöret es zunächst zu Kieme, das Fischohr, Kammer, Kumpf, u. s. f. welche alle einen vertieften hohlen Raum bezeichnen. 2. Eine scharfe Erhöhung, ein scharfer Rand, und in weiterer Bedeutung ein jeder Rand, gleichfalls nur noch in einigen einzelnen Fällen. 1) Bey den Börtchern wird der scharfe über den Boden hervor ragende Rand eines Fasses, welcher auch die Zarge heißt, die Kimme und bey andern die Kimming oder Kimmung genannt. Nieders. der Kimm, Engl. Chime, Schwed. Kim. Im Nieders. heißt daher ein Böttcher, welcher allerley Gefäße mit einem einzigen Boden verfertiget, ein Kimmker, welcher von einem Küper oder Küfer und Tonnenmacher oder Faßbinder daselbst noch unterschieden wird. 2) Der äußere Rand eines Schiffes heißt in vielen Gegenden die Kimme, Kimming oder Kimmung. 3) Im Niedersächsischen wird auch der Horizont, der äußerste Gesichtskreis auf freyem Felde, der Kimm genannt. Die Sonne gehet unter den Kimm, wenn sie untergehet.

Anm. In der Bedeutung der scharfen Erhöhung, des Randes, gehöret es mit Kahm, Keim, Kamm, keimen, zu dem Lat. Cima, Franz. Cime, der Gipfel eines Dinges, woraus auch unser Zinne entstanden ist. S. 3. Kamm


Kimmen (W3) [Adelung]


Kimmen, verb. reg. act. mit einer Kimme, d. i. einem tiefen Einschnitte, ingleichen einem scharfen Rande versehen. So werden bey den Börtchern die Fässer gekimmet, wenn die Rinne zu dem Boden, welche doch bey ihnen nicht so wohl die Kimme, als vielmehr der Gergel, das Gürgel heißet, eingeschnitten, und dadurch dem äußern Rande sein Daseyn gegeben wird. In weiterer Bedeutung durch solche Einschnitte zusammen fügen, in welchem Verstande es bey den Zimmerleuten kämmen lautet, S. 2. Kämmen.


Kimming (W3) [Adelung]


Die Kimming, oder Kimmung / , plur. die -en, S. Kimme 2.


Kimmker (W3) [Adelung]


Der Kimmker, des -s, plur. ut nom. sing. S. Kimme 2.


Kind (W3) [Adelung]


Das Kind, des -es, plur. die -er, Diminut. das Kindchen, und im Plural Kinderchen, Oberd. Kindlein oder Kindelein, ein menschliches Individuum, so fern es erzeuget worden, d. i. durch unmittelbare körperliche Mittheilung seines Wesens von andern empfangen hat, ohne Rücksicht auf das Geschlecht, welches durch die Wörter Sohn und Tochter näher bestimmt wird. Es kommt in einer dreyfachen Beziehung vor. 1. In Beziehung auf denjenigen, von welchem man sein Wesen empfangen hat, in welchem man seinem Wesen und Daseyn nach gegründet ist. 1) In der engsten Bedeutung, in Beziehung auf die unmittelbaren Ältern, auf diejenigen Personen, von welchen man unmittelbar gezeuget worden, wo sich das Wort Kind so wohl auf beyde Ältern zusammen genommen, als auch auf jeden Theil derselben, auf den Vater so wohl als auf die Mutter, beziehen kann. Es wird alsdann ohne Rücksicht auf das Alter gebraucht. Jemandes Kind seyn. Es ist unser Kind. Seine Kinder abfinden. Großer Leute Kinder gerathen selten wohl. Von seinen Kindern verlassen werden. Keine Kinder haben. Kinder bekommen, besonders von der Mutter. Kinder zeugen, nur allein von dem Vater. Geschwisterkinder, Personen, deren Ältern Geschwister waren. 2) In weiterer Bedeutung. (a) In Beziehung auf die entferntern Stammältern; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher die Ausdrücke die Kinder Israel, die Kinder Adams, die Kinder Juda u. s. f. für Nachkommen, in der Deutschen Bibel sehr häufig sind. (b) So fern alle vernünftige Geschöpfe ihrem Wesen und Daseyn nach in Gott geründet sind, werden alle vernünftige Geschöpfe in der Deutschen Bibel Kinder Gottes genannt. In engerer Bedeutung führen sie diesen Nahmen, wenn sie diesen Ursprung einräumen und bekennen, wenn es gleich nur äußerlich geschiehet; im Gegensatze der Kinder der Menschen. 3) Figürlich, eine Person, welche in Ansehung des Vaterlandes, des Eigenthumes, der Erhaltung, der Erziehung, des Unterrichtes u. s. f. in einem andern gegründet ist, der alsdann ihr Vater heißt. (a) In Ansehung des Vaterlandes, in den zusammen gesetzten Landeskind, Stadtkind, eine Person, welche aus einem Lande, aus einer Stadt gebürtig ist. (b) In Ansehung der Erhaltung, der Erziehung, der Versorgung. Ein Pflegekind; im gemeinen Leben, ein Ziehkind. Ein angenommenes, adoptirtes, Kind. Ein Glückskind. (c) * In Ansehung des Unterrichts, in welchem Verstande Schüler in der Deutschen Bibel mehrmahls Kinder der Propheten genannt werden. Schon bey dem Kero sind Chindu Schüler. In dieser Bedeutung ist es veraltet. (d) In Ansehung der Seelsorge, in dem zusammen gesetzten Beichtkind. (e) In Ansehung anderer äußern Verhältnisse, in den Worten Pfarrkind, Kirchspielskind u. a. (f) In Ansehung der Wiedergeburt werden wiedergeborene Menschen in der Deutschen Bibel und der biblischen Schreibart Kinder Gottes genannt. (g) * In Ansehung des Eigenthums, gleichfalls nur in der Deutschen Bibel und der biblischen Schreibart, wo die Ausdrücke ein Kind der Hölle, der Seligkeit, des Himmels, der Verdammniß, der Sünde, der Welt, des Zornes u. s. f. häufig vorkommen. 2. In Beziehung auf die Zeugung allein, wo es ein menschliches Individuum von dessen Empfängniß an bis zur Geburt und gleich nach derselben bezeichnet. Das Kind im Mutterleibe nicht verschonen. Ein ungeborenes Kind. Mit einem Kinde schwanger gehen; im gemeinen Leben nur, mit einem Kinde gehen. Ein Kind von jemand bekommen, wird von der Mutter gesagt, in Beziehung auf den Vater. Ein Kind gebären, zur Welt bringen, von einem Kinde entbunden werden, (nicht mit einem Kinde,) in der feyerlichern Schreibart, eines Kindes genesen. Das Kind mit dem Bade ausschütten., das Gute mit dem Schlechten verwerfen, alles verderben. 3. In weiterer Bedeutung, in Beziehung auf das Alter. 1) Im gewöhnlichsten Verstande, da Personen von ihrer Geburt an bis zum zehenten Jahre Kinder genannt werden. Ich bin von Kind auf auf sein Freund gewesen, von Kindesbeinen an. Er weinte wie ein Kind, bitterlich. Ein Mann wie ein Kind, in Beziehung auf die guten Eigenschaften eines biegsamen, folgsamen Kindes. So eigensinnig wie ein Kind. Ein Kind am Verstande. Sie wollen mich gewiß zum Kinde machen, sie glauben gewiß, sie könnten mir, wie einem Kinde, alles weiß machen. Auch als ein Ausdruck der vertraulichen Zärtlichkeit, auch gegen erwachsene Personen, wobey doch die erste Bedeutung nicht ausgeschlossen werden muß. Mein Kind! Liebes Kind! Die guten Kinderchen, auch von erwachsenen Personen, besonders weiblichen Geschlechtes. Figürlich werden in der Deutschen Bibel und biblischen Schreibart, Christen, so lange sie mehr nach Empfindung, als nach Erkenntniß göttlicher Wahrheiten handeln, Kinder genannt. 2) * Ehedem wurden auch Personen im Jünglingsalter Kinder genannt; in welcher Bedeutung es noch zuweilen in der Deutschen Bibel vorkommt. Das ich der iare bin ein kint, König Conrad der Junge, der doch damahls wenigstens ein Jüngling seyn mußte. Die Tuchscherer nennen ihre Gesellen noch Kinder, vermuthlich aus keinem andern Grunde, als aus welchem die Gesellen bey den Tuchmachern und andern Handwerkern Knappen, d. i. Knaben, genannt werden. Auch die Matrosen auf den Schiffen bekommen von den Schiffern nur den Nahmen Schiffskinder. Anm. Schon in Isidor Chindh, bey dem Kero Chind, bey dem Willeram Kint, bey dem Ottfried Kind, und im Diminut. Kindilin, im Nieders. Kind, bey den ältern Friesen Kin, Kinne, Knie, Kni, bey den heutigen Knee, im Angels. Cild, im Engl. Child. Es scheinet das Mittelwort der vergangenen Zeit, von dem veralteten Zeitworte kinnen, zeugen, bey dem Ulphilas keinan, im Angels. cennan, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Lat. gignere, zu seyn. Kind für kinned, gezeuget; von welchem Worte ehedem auch das Abstractum Chunne, Geschlecht, Dän. Klon, Engl. Kin, Kind, üblich war. In der ersten Bedeutung ist kein Diminut. gebräuchlich, in der zweyten und dritten kommt Kindchen im Singular nur im gemeinen Leben vor, der Plural Kinderchen ist auch in der vertraulichen Sprechart üblicher. In den folgenden Zusammensetzungen ist bald die erste einfache Endung Kind, bald die zweyte einfache Kindes, bald auch die zweyte vielfache Kinder gangbar.


Kindbett (W3) [Adelung]


Das Kindbett, des -es, plur. inus. ein Bett, so fern eine Mutter darin von einem Kinde entbunden wird, oder entbunden worden, das Wochenbett; besonders in verschiedenen figürlichen R. A. In das Kinderbett kommen, von einem Kinde entbunden werden. Im Kindbette liegen, vor kurzen entbunden seyn. Das Kindbett an einem Orte aufschlagen, daselbst entbunden werden wollen. Im Kindbette sterben, unter der Entbindung oder bald nach derselben. Das ist ihr erstes Kindbett, das ist ihr erstes Kind, von welchem sie entbunden worden. Gemeiniglich werden die ersten sechs Wochen nach der Entbindung zum Kindbette gerechnet, daher diese Zeit auch die sechs Wochen genannt wird. Schon bey dem Notker Chindebette, im Nieders. Kindelbette, der Kram. S. das letzte.


Kindbetterinn (W3) [Adelung]


Die Kindbetterinn, plur. die -en, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche in dem Kindbette lieget, besonders eine solche verheirathete Person. Ier. 31, 8. Un da kam die Zeit, da die magt kindelbetterin solt werden, im Buche Belial von 1472. Im Nieders. Kramfrau, Krammutter. Kindbetterinn ist nach der Form der männlichen Wörter auf er gebildet, welche durch das abgehängte inn zu weiblichen werden. Der Kindbetter ist nicht gebräuchlich.


Kindelbier (W3) [Adelung]


+ Das Kindelbier, für Kindleinsbier, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben auf dem Lande, besonders Niedersachsens, das Bier, womit nach einer Kindtaufe die Gevattern und Nachbaren bewirthet werden, und in weiterer Bedeutung der ganze bey dieser Gelegenheit angestellte festliche Schmaus; das Kindelmahl, im Osnabrück zusammen gezogen Kilmer.


Kindelmarkt (W3) [Adelung]


Der Kindelmarkt, S. Kindermarkt.


Kindeln (W3) [Adelung]


Kindeln, verb. reg. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. 1) In das Kindbett kommen, als ein Neutrum, mit dem Hülfs- worte haben; im gemeinen Leben anderer Gegenden kindern. 2) Jemanden kindeln, ihn am Kindertage mit der Kindelruthe begrüßen. S. Kindertag.


Kindelruthe (W3) [Adelung]


Die Kindelruthe, plur. die -n, S. Kindertag.


Kinderalter (W3) [Adelung]


Das Kinderalter, des -s, plur. inus. das kindliche Alter, dasjenige Alter, in welchem man noch ein Kind ist, d. i. das Alter von der Geburt bis nach vollendetem zehenten Jahre.


Kinderbischof (W3) [Adelung]


Der Kinderbischof, des -es, plur. die -bischöfe, ein nur noch in einigen Gegenden bekanntes Wort, da die Kinder am Tage der unschuldigen Kinder einen so genannten Bischof aus ihrer Mitte wählen.


Kinderblattern (W3) [Adelung]


Die Kinderblattern, sing. inus. kleine Erhöhungen auf der Haut, welche den dritten oder vierten Tag mit einem hitzigen Fieber hervor kommen, an siebenten oder achten anfangen zu eitern und nach dem elften abzutrocknen anfangen, weil die Kinder dieser Krankheit am häufigsten ausgesetzet sind; Varioli. Sie werden auch nur Blattern schlechthin, im Nieders. aber Kinderpocken oder Pocken genannt. S. Wind- Wasser- und Spitzblattern, welches unechte Arten derselben sind, ingleichen Blatter.


Kinderey (W3) [Adelung]


Die Kinderey, plur. die -en, ein kindisches Betragen, kindische Reden. Das sind Kindereyen. Nieders. Kinderije.


Kinderflecken (W3) [Adelung]


Die Kinderflecken, sing. inus. in einigen Gegenden, eine Benennung der Masern, S. dieses Wort.


Kinderfrau (W3) [Adelung]


Die Kinderfrau, plur. die -en, eine Frau, so fern sie zur Wartung kleiner Kinder bestimmt ist; die Kindermuhme. An einigen Orten ist auch die Kindermutter oder Wehmutter unter diesem Nahmen bekannt.


Kinderfresser (W3) [Adelung]


Der Kinderfresser, des -es, plur. ut nom. sing. ein erdichtetes Schreckbild, Kinder damit zu schrecken. Schon die Römer kannten ihn unter dem Nahmen Manducus, und in Lyon heißt er um 1520 Machecroute, dergleichen Figur Rabelais Oeuvr. B. 4, Kap. 59 beschreibt. S. Popanz.


Kindergeld (W3) [Adelung]


Das Kindergeld, des -s, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, Geld, welches unmündigen Kindern gehöret.


Kinderhaft (W3) [Adelung]


Kinderhaft, adj. et adv. Kindern ähnlich, im nachtheiligen Verstande, in Ansehung des Mangels der Vernunft und des gesetzten Wesens, für das härtere kindisch.


Kinderhusten (W3) [Adelung]


Der Kinderhusten, des -es, plur. inus. der Keichhusten, weil Kinder oft von demselben getödtet werden.


Kinderlehre (W3) [Adelung]


Die Kinderlehre, plur. die -n, die Katechisation, Unterricht in Glaubenswahrheiten vermittelst mündlicher Fragen und Antworten, weil Kinder am häufigsten auf diese Art unterrichtet zu werden pflegen; daher man an einigen Orten auch einen Katecheten einen Kinderlehrer zu nennen pfleget.


Kinderlos (W3) [Adelung]


Kinderlos, adj. et adv. der Kinder beraubt, keine Kinder habend, ohne Kinder.


Kindermagd (W3) [Adelung]


Die Kindermagd, plur. die -mägde, eine Magd zur Wartung kleiner Kinder; im gemeinen Leben das Kindermädchen, in Meißen die Kindermuhme oder Muhme.


Kindermarkt (W3) [Adelung]


Der Kindermarkt, des -es, plur. die -märkte, der Jahrmarkt vor dem Weihnachtsfeste, weil er nur solche Sachen betrifft, mit welchem man Kinder um diese Zeit zu beschenken pflegt; der Kindelmarkt, Christmarkt.


Kindermord (W3) [Adelung]


Der Kindermord, des -es, plur. inus. die Ermordung seines eigenen Kindes. In einigen Gegenden ist auch der Sadebaum, Juniperus Sabina L. unter diesem Nahmen bekannt, weil gewissenlose Weibespersonen ihn häufig zur Abtreibung der Leibesfrucht mißbrauchen.


Kindermörder (W3) [Adelung]


Der Kindermörder, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kindermörderinn, eine Person, welche ihr eigenes Kind ermordert hat. Man gebraucht diese und die vorige mit dem Plural Kinder gemachte Zusammensetzung, wenn gleich nur ein einfacher Mord angedeutet werden soll.


Kindermutter (W3) [Adelung]


Die Kindermutter, plur. die -mütter. 1) Eine weibliche Person, so fern sie eine Mutter mehrerer Kinder ist. Der die Unfruchtbare im Hause wohnen macht, daß sie eine fröhliche Kindermutter sey, Ps. 113, 9. 2) Eine Hebamme ist an vielen Orten gleichfalls unter diesem Nahmen bekannt.


Kindern (W3) [Adelung]


Kindern, verb. reg. neutr. mit diesem Hülfsworte haben. 1) In das Kindbett kommen; an einigen Orten kindeln. An manchen Orten ists so Brauch, die Weiber müssen jährlich kindern, Logau. 2) Nach Art der Kinder tändeln. Und immer so gekindert Will ich halb schlafend schreiben, Käsin.


Kinderpocken (W3) [Adelung]


Die Kinderpocken, sing. inus. S. Kinderblattern.


Kinderpossen (W3) [Adelung]


Die Kinderpossen, sing. inus. Possen, wie Kinder sie zu machen pflegen.


Kinderpulver (W3) [Adelung]


Das Kinderpulver, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. in den Apotheken ein vornehmlich aus Opium bereitetes Pulver, unruhige Kinder schlafen zu machen; das Ruhepulver, die Kinderruhe.


Kindersaft (W3) [Adelung]


Der Kindersaft, des -es, plur. von mehrern Arten, die -säfte, eine gelinde Abführung für neu geborne Kinder in Gestalt eines Saftes oder Syrupes.


Kinderschuhe (W3) [Adelung]


Die Kinderschuhe, sing. inus. welches nur in der R. A. üblich ist, die Kinderschuhe abgeleget haben, das Kinderalter zurück geleget haben, nicht mehr ein Kind seyn. Von der gleichbedeutenden R. A. die Kinderschuhe ausgetreten haben, siehe Austreten.


Kinderspiel (W3) [Adelung]


Das Kinderspiel, des -es, plur. die -e, ein Spiel, womit sich Kinder zu belustigen pflegen. Ingleichen figürlich, eine sehr leichte, leicht begreifliche Sache; bey dem Stryker Chindes Spil.


Kindertag (W3) [Adelung]


Der Kindertag, des -es, plur. die -tage, eine Benennung desjenigen Tages, welcher in der Kirche dem Andenken der auf Herodes Befehl ermordeten unschuldigen Kinder gewidmet ist, der Tag der unschuldigen Kinder, welcher von alten Zeiten her als ein Festtag angesehen worden, vorzüglich den Kindern feyerlich war, und von ihnen an manchen Orten noch mit allerley Gebräuchen begangen wird, der Kindeltag, Kindleinstag. Im Nieders. ist der Tag nach einem jeden der drey Hauptfeste unter diesem Nahmen bekannt, weil die Kinder an demselben gemeiniglich noch Schulferien haben.


Kindertaufe (W3) [Adelung]


Die Kindertaufe, plur. inus. die Taufe, so fern sie Kindern gereichet wird, zum Unterschiede derjenigen Taufe, welche erwachsenen Personen widerfähret; der kirchliche Gebrauch, unmündige Kinder zu taufen. Ein Wort, welches mit Kindtaufe nicht verwechselt werden darf.


Kinderzucht (W3) [Adelung]


Die Kinderzucht, plur. inus. die Art und Weise, Kinder zu ziehen oder zu erziehen, d. i. die Sitten derselben zu bilden.


Kindesbeine (W3) [Adelung]


Kindesbeine, sing. inus. ein Wort, welches nur in der R. A. von Kindesbeinen an gebraucht wird, d. i. von der Kindheit an, von Kind auf.


Kindeskind (W3) [Adelung]


Das Kindeskind, des -es, plur. die -er, das Kind seines Kindes, ein Enkel; ein Wort, welches am häufigsten im Plural und ohne Artikel gebraucht wird. Kindeskinder erleben, Enkel. Auch in weiterer Bedeutung, für Nachkommen überhaupt, in welchem Verstande es mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt.


Kindesnoth (W3) [Adelung]


Die Kindesnoth, ein Wort, welches nur im Plural mit dem Vorworte in ohne Artikel gebraucht wird, den Zustand der Entbindung, der Geburt einer Mutter, als eine Noth zu bezeichnen. In Kindesnöthen liegen, eine schwere Geburt haben, mit Schmerzen gebären. Einer Person in Kindesnöthen beyspringen. In weiterer Bedeutung auch wohl die Entbindung überhaupt, weil sie allemahl mit Schmerzen verbunden ist. Es wird dich Angst ankommen, wie ein Weib in Kindesnöthen Jer. 13, 21. Sie war in Kindesnöthen und hatte große Qual zur Geburt, Offenb. 12, 2. Eine die in den ersten Kindesnöthen ist, Jer. 4, 31. Der Singular, ehe denn ihr Kindesnoth kommt, Es. 66, 7, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Kindestheil (W3) [Adelung]


Das Kindestheil, des -es, plur. die -e, der Theil, der Antheil eines Kindes aus einer Erbschaft. Kindestheil bekommen, so viel als jedem Kinde von der Verlassenschaft seines Vaters oder seiner Mutter gebühret.


Kindheit (W3) [Adelung]


Die Kindheit, plur. inus. in der dritten Bedeutung des Wortes Kind, der Zustand, da man noch ein Kind ist, das kindliche Alter, von der Geburt an, bis zum zehenten Jahre, wo man mehr nach Empfindungen, als nach Erkenntniß handelt. Wir sind einander von Kindheit an gut gewesen, Weiße. Schon in der Kindheit waren sie für einander bestimmt. Im Angels. Cildhad. In einigen Gegenden ist dafür Kindschaft üblich.


Kindisch (W3) [Adelung]


Kindisch, -er, te, adj. et adv. in der Kindheit, d. i. dem Alter eines Kindes, in der dritten Bedeutung dieses Wortes, und dessen Vertragen gegründet. 1) * Überhaupt, auch im guten, wenigstens gleichgültigen Verstande. Jünglinge heißen bey dem Kero Chindiske, und Ottfried gebraucht kindisg im guten Verstande für jugendlich. Einige Schriftsteller gebrauchen es noch zuweilen in diesem gleichgültigen Verstande; eine kindische Freude, eine innige Freude, wie sich Kinder zu freuen pflegen; ein kindisches, jugendliches Gesicht. Allein im Ganzen ist es doch in derselben veraltet, indem diesem Worte, 2) allemahl ein verächtlicher Nebenbegriff anklebet, weil es sich jetzt nur auf den Mangel des Verstandes und der Vernunft beziehet, welcher mit der Kindheit verbunden ist. Ein kindischer Verstand. Ein kindisches Betragen. Sehr kindisch reden. Kindisch thun. Wieder kindisch werden, im hohen Alter; bey der Winsbeckinn erkinden, im Nieders. verkindsken, wo auch Kindskheit diesen Zustand der zweyten Kindheit bedeutet.


Kindlich (W3) [Adelung]


Kindlich, -er, -ste, adj. et adv. einem Kinde gleich oder ähnlich, in dem Zustande eines Kindes gegründet. 1) In der ersten Bedeutung des Wortes Kind, dem Verhältnisse eines Kindes gegen die Urheber seines Lebens und Daseyns gemäß und darin gegründet. Die kindliche Liebe, die Liebe eines Kindes gegen seine Ältern, und gegen diejenigen, welche deren Stelle vertreten. Kindliche Zärtlichkeit. Kindliche Gesinnung. Der kindliche Gehorsam. Die kindliche Furcht, wenn man den Verlust der Liebe und Wohlthaten im Falle der Beleidigungen von Ältern und deren Stellvertretern besorget; im Gegensatze der knechtischen Furcht. Als ein Nebenwort kommt es seltener vor. 2) In der dritten Bedeutung des Hauptwortes Kind, in der Kindheit, in dem Alter eines Kindes gegründet, im guten, wenigstens gleichgültigen Verstande. Das kindliche Alter, das Alter eines Kindes, einer Person, so lange sie noch ein Kind ist; desser Kindesalter. Eine kindliche Freude, mit der Empfindung, mit welcher sich Kinder zu freuen pflegen. Indessen wird es doch in dieser Bedeutung nur selten gebraucht, zumahl da die Zweydeutigkeit mit der vorigen Bedeutung leicht einen Mißverstand machen kann. Als ein Nebenwort ist es hier gar nicht üblich. Anm. Kindisch beziehet sich allein auf das Alter, und den mit demselben verbundenen Mangel des Ernstes und des Verstandes; kindlich auf das Verhältniß.


Kindschaft (W3) [Adelung]


Die Kindschaft, plur. inus. das Verhältniß eines Kindes gegen seine Ältern, und der Inbegriff der darin gegründeten Vorrechte; ein nur noch in den Rechten und in der biblischen Schreibart übliches Wort. In den Rechten, besonders Oberdeutschlandes, kommen Kindschaft und Einkindschaft noch häufig für die Annehmung an Kindes Statt, für die Adoption vor. In der Theologie hingegen ist es das genaueste Verhältniß des Menschen gegen Gott, die Theilnehmung desselben an den Vollkommenheiten Gottes, und das Recht zu dieser Theilnehmung. Gott hat uns zur Kindschaft verordnet, Ephes. 1, 5. Die Kindschaft empfangen, Gal. 4, 5. Sich nach der Kindschaft sehnen, Röm. 8, 23.


Kindtaufe (W3) [Adelung]


Die Kindtaufe, plur. die -n, die Taufe eines Kindes, die feyerliche Handlung, da ein Kind durch die Taufe als ein Glied der Kirche eingeführet wird; in einzelnen Fällen. Im gemeinen Leben auch der dabey in manchen Gegenden übliche Schmaus. Zur Kindtaufe gehen. Der Kindtaufvater, die Kindtaufmutter, der Vater und die Mutter des Kindes, welches getauft werden soll, oder getauft worden.


Kinkhorn (W3) [Adelung]


Das Kinkhorn, des -es, plur. die -hörner. 1) In einigen Gegenden, ein Horn, d. i. musicalisches Blase-Instrument, welches einen sehr hellen Ton gibt, und unter dem Nahmen des Zinkes am bekanntesten ist, S. dieses Wort. 2) Figürlich wird wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, eine gewundene einschalige Conchylie mit langen Spitzen, deren erste Windung einen Bauch macht; das Kinkhorn genannt; Buccina, die Posaunenschnecke.


Kinn (W3) [Adelung]


Das Kinn, des -es, plur. die -e, Diminut. das Kinnchen, Oberd. Kinnlein, eine jede Hervorragung an einem Körper. 1) Überhaupt; wo es doch nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich ist. So wird an den Regenrinnen, das vorderste herab hangende Stückchen Leiste das Kinn genannt. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, der hervor stehende Theil an dem thierischen Kopfe, besonders an dem menschlichen Gesichte unter der Unterlippe, welcher durch die Zusammenfügung der Kinnbacken gebildet wird. Ein rundes, gespaltenes Kinn. Ein glattes Kinn, ein unbärtiges. Das Grübchen in dem Kinne. Weil es bey den Männern der Sitz des Bartes ist, so führet es im gemeinen Leben auch den Nahmen des Bartes. Anm. In der letzten Bedeutung schon bey dem Raban Maurus im 8ten Jahrhunderte Chinni, im Nieders. gleichfalls Kinn, im Engl. Chin, im Angels. Cinn, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Zu der allgemeinen Bedeutung einer Hervorragung gehören das Dän. und Schwed. Kind, die Backe, das Lat. Gena, das alte Oberdetusche Ken und Kyns, der Knöchel, und andere mehr. ( S. auch Kinnbacke, Knie und Kante.) Auf ähnliche Art nennen die Dänen und Schweden das Kinn Hage und Haka, dagegen bey den Niedersachsen um eben dieser Ursache willen Hacke die Ferse ist. Im Hochdeutschen ist dieses Wort fast ohne Ausnahme ungewissen Geschlechtes, in den Mundarten aber kommt es so wohl im männlichen als auch in weiblichen vor, der Kinn und die Kinne.


Kinnbacken (W3) [Adelung]


Der Kinnbacken, des -s, plur. ut nom. sing. diejenigen Beine des Kopfes an den thierischen Körpern, worin die Zähne befestiget sind; Maxillae. Der obere Kinnbacken, die untern Kinnbacken. Im gemeinen Leben werden die Kinnbacken auch Kinnladen, und so fern sie zum Zerkauen der Speisen dienen, Kiefen, Kiefer, und im Österreichischen Koyen genannt. An den Pferden heißen sie mit einem Französischen Ausdrucke Ganaschen oder Ganassen. Im Nieders. ist auch Janen üblich, welches mit dem Isländ. Gina, und Engl. Jaw überein kommt.

Anm. Bey dem Kero Chennibahlo, bey dem Notker nur Chinne, der auch Chinne zan für Backenzahn gebraucht; im Schwed. Kindben, Kindboge, von Kind, die Wange, Backe, im Dän. Kindbakke. Da jedes der beyden Wörter, aus welchen Kinnbacke bestehet, eigentlich schon eine Erhöhung bedeutet, so scheinet Kinn hier nicht so wohl das vorige Wort zu seyn, sondern vielmehr von kauen abzustammen, zumahl da es in vielen Gegenden Kienbacken geschrieben und gesprochen wird. In einigen Gegenden ist es weiblichen Geschlechtes, die Kinnbacke.


Kinnbackenzwang (W3) [Adelung]


Der Kinnbackenzwang, S. Mundklemme.


Kinnkette (W3) [Adelung]


Die Kinnkette, plur. die -n, eine kleine eiserne Kette an den Zaume eines Pferdes, welche unter dem Kinne herum gehet, und in die Kinnhaken an dem Zaune eingesenket wird; der Kinnreif.


Kinnlade (W3) [Adelung]


Die Kinnlade, plur. die -n, S. Kinnbacken.


Kinnreif (W3) [Adelung]


Der Kinnreif, des -es, plur. die -e, S. Kinnkette.


Kinster (W3) [Adelung]


Der Kinster, S. Kenster.


Kintschelbeere (W3) [Adelung]


Die Kintschelbeere, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Nahme der Vogelkirschen, Prunus Padus L. welche an andern Orten Kitschbeeren genannt werden. Siehe Vogelkirsche.


Kipfe (W3) [Adelung]


* Die Kipfe, plur. die -n, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, wofür jetzt Gipfel üblich ist, und welches noch Hiob 39, 28 vorkommt, die Kipfe am Fels; wofür andere Ausgaben Klippe haben.


Kippe (W3) [Adelung]


Die Kippe, plur. inus. der Zustand, da ein Körper in Gefahr ist zu kippen. Auf der Kippe stehen.


Kippen (W3) [Adelung]


Kippen, verb. reg. welches auf eine gedoppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, wo es eine Art eines Falles bedeutet, welcher theils durch Abgleitung von der Grundfläche, oder durch deren Wegrückung, theils durch das Übergewicht auf der einen Seite verursacht wird. Der Tisch kippt, das Glas kippt, ist in Bewegung umzufallen. So auch in den Zusammensetzungen abkippen, umkippen, aufkippen, niederkippen. Da es in allen diesen Fällen nur von kleinern Körpern üblich ist, welche in und durch diese Art des Falles einen gewissen Laut hervor bringen, der dem Klange dieses Wortes gleicht, so scheinet es zunächst diesen Laut auszudrucken. Im gemeinen Leben auch keppen. Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . 2. Als ein Activum. 1) Stoßen, doch nur von gewissen Arten des Stoßes, wo der dadurch verursachte Laut durch dieses Zeitwort nachgeahmet werden kann. So kippt man an einigen Orten die Ostereyer, oder man kippt mit Ostereyern, wenn man zwey Eyer gelinde an einander stößet, um zu sehen, welches ganz bleibet. 2) Einen Körper auf die Ecke oder scharfe Seite heben; besonders so fern es mit der Spitze eines Hebels geschiehet. Am häufigsten in den Zusammensetzungen aufkippen, umkippen. Es scheinet hier das Intensivum von heben zu seyn, ohne doch die Onomatpöie auszuschließen. Indessen kann es auch zu Kipf, Gipfel, u. s. f. gehören, weil diese Bewegung theils um die scharfe Ecke des Körpers geschiehet, theils vermittelst der Spitze des Hebels hervor gebracht wird. Im gemeinen Leben keppen.

Anm. Das Nieders. kippen, abhauen, gehöret nicht hierher, sondern zu kappen. Das gleichfalls Nieders. kippen, welches im Osnabrückischen genau besehen, in andern Gegenden aber figürlich aussuchen, auslesen, auswählen bedeutet, scheinet mit gaffen, von dem Nieders. kieken, genau sehen, gucken, und den Hochdeutsche kiesen und köhren, nur in der Ableitungssylbe unterschieden zu seyn, und sein Stammwort in dem mit dem Zischlaute verlängert schauen zu finden.


Kipper (W3) [Adelung]


Der Kipper, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur noch in der Geschichte des vorigen Jahrhundertes in dem Ausdrucke Kipper und Wipper übliches Wort, solche Personen zu bezeichnen, welche in dem dreyßigjährigen Kriege und bey dem damahligen Verfalle des Münzwesens, die dessen Münzsorten und bessern einzelnen Münzen auf das sorgfältige aussuchten und aus dem Handel und Wandel entfernten. Die gemeinste Meinung ist, daß mit diesem Worte zunächst auf das Auf- und Niderkippen der Geldwage gesehen werde, weil diese Art Wucherer das Geld sorgfältig auszuwägen pflegten; zumahl da auch Wipper diese Erklärung leidet, wenn es anders nicht, wie in mehrern ähnlichen Fällen geschiehet, aus Liebe zum Reime hinzu gesetzet worden. ( S. Wipper.) Indessen kann auch das vorhin gedachte Nieders. kippen, genau besehen, ingleichen kippen, beschneiden, mit in Betrachtung kommen. Im Oberdeutschen findet sich noch ein anderes ähnliches Wort, indem Kipperer daselbst einen wucherlichen Händler im Kleinen, und Kipperey einen solchen wucherlichen Handel bedeutet. Ein Getreidekipperer ist ein Kornjude. Es scheinet in diesem Verstande ein Intesivum von kaufen, Nieders. köpen zu seyn.


Kippkarren (W3) [Adelung]


Der Kippkarren, des -s, plur. ut nom. sing. ein Karren mit einem Kasten, welcher nach Wegnehmung eines Theiles der Grundfläche niederkippet, damit man das darin befindliche ausleeren könne.


Kirchdorf (W3) [Adelung]


Das Kirchdorf, des -es, plur. die -dörfer, ein Dorf, in welchem sich eine Kirche befindet.


Kirche (W3) [Adelung]


Die Kirche, plur. die -n, Diminut. Kirchlein, zusammen gezogen Kirchel, im gemeinen Leben der Hochdeutschen Kirchelchen. 1. Dasjenige Gebäude unter den Christen, welches dem öffentlichen Gottesdienste gewidmet ist; ehedem das Gotteshaus. Eine Kirche bauen, einweihen. In dem Ausdrucke Porkirche, bedeutet es auch einen Theil der Kirche, nähmlich das Chor. In der weitesten Bedeutung nennt man im gemeinen Leben ein jedes zum öffentlichen Gottesdienste bestimmtes Gebäude eine Kirche; in engerm Verstande führet nur dasjenige Gebäude dieser Art diesen Nahmen, zu welchem eine eigentliche Gemeine gehöret, zum Unterschiede von einer Kapelle. In noch engerm Verstande, erfordert man in manchen Gegenden zu einer Kirche auch, daß Pfarrhandlungen in derselben vorgenommen werden können; zum Unterschiede von einem Bethhause, in welchem dergleichen nicht Statt finden. Es wird dieses Wort nur von solchen Gebäuden unter den Christen gebraucht. Daher es ungewöhnlich und nicht nachzuahmen ist, wenn in der Deutschen Bibel, dergleichen Versammlungsörter der älter Juden, ja sogar Götzentempel Kirchen genannt werden. 2. Die Versammlung der Gemeine eines Ortes in einem solchen Gebäude zur öffentlichen Verehrung Gottes; ohne Plural. In die Kirche gehen, den öffentlichen Gottesdienst besuchen. Zur Kirche gehen, den öffentlichen Gottesdienst nach einer wichtigen Begebenheit zum ersten Mahle feyerlich besuchen, welches von neu verehlichten Personen und Kindbetterinnen geschiehet. ( S. Kirchgang.) In die Kirche läuten, zum öffentlichen Gottesdienste. Die Kirche versäumen. Kirche halten, im gemeinen Leben, den öffentlichen Gottesdienst halten. 3. Die Gesellschaft oder Verbindung aller derjenigen Personen, welche einerley geoffenbarten Lehrbegriff und darin gegründeten Gottesdienst annehmen. 1) Eigentlich; wo dieses Wort wieder unter mancherley Einschränkungen üblich ist. Die Kirche Gottes, alle diejenigen Personen aller Zeiten, welche den wahren Gott wenigstens äußerlich verehren und verehret haben wenn sie gleich in vielen Stücken von einander abweichen. Die Jüdische Kirche, die Kirche alten Testamentes. Die christliche Kirche, die Kirche neuen Testamentes, welche sich wiederum in verschiedene Kirchen, d. i. Religions-Parteyen theilet. Die katholische, Römisch-katholische oder Römische Kirche. Die Griechische Kirche. Die Evangelische Kirche, die Reformirte Kirche u. s. f. Die wahre Kirche, deren Lehrbegriff und Gottesdienst der Offenbarung Gottes in der heil. Schrift am gemäßesten ist; im Gegensatze der falschen Kirche. Die sichtbare Kirche, die Gesellschaft aller derjenigen Personen, welche eine äußere merkliche Übereinstimmung des Lehrbegriffes und des Gottesdienstes haben; im Gegensatze der unsichtbaren Kirche, oder der Gesellschaft aller mit Gott vereinigten Personen, deren Verbindung unter einander nicht unmittelbar in die Sinne fällt. Die streitende Kirche, alle auf Erden in dem Zustande des natürlichen Lebens mit Gott vereinigte Personen; im Gegensatze der triumphirenden Kirche, deren Glieder die vollendeten Gerechten sind. 2) In engerer Bedeutung, die Repräsentanten der Kirche, diejenigen Personen, welche zur Vertretung ihrer Stelle verordnet sind; so wohl in der ersten Bedeutung des Wortes, da man diejenigen Personen, welche die einer Kirche gehörigen Güter in ihrem Nahmen verwahren, im gemeinen Leben häufig die Kirche nennet, als auch in der letzten Bedeutung, wo, besonders in der Römischen Kirche, die Geistlichen, und in manchen Ländern nur der Papst allein unter dem Nahmen der Kirche verstanden werden.

Anm. 1. In dieser dritten Bedeutung ist das Wort Kirche ein rühmlicher und anständiger Ausdruck, so wie Religions-Partey gleichgültig, Secte aber verächtlich ist. Man will daher nicht überall fremden Religions-Parteyen den Nahmen der Kirche zu gestehen, sondern erfordert dazu das Befugniß des öffentlichen Gottesdienstes. Bey den Katholiken werden auch einzelne Bißthümer Kirchen genannt.

Anm. 2. Dieses alte Wort kommt in der ersten und dritten Bedeutung schon seit dem ersten Alter der Deutschen Sprache vor. In dem Isidor lautet es Chirichhu, bey dem Kero Chirichu, im 9ten Jahrh. Kirrichu, bey dem Notker, mit der in einigen Oberdeutschen Mundarten nicht seltenen Verwechselung des r und l, Chilichu, Chilcha, wie noch jetzt in der Schweiz Kilche, im Angels. Cyrice, Cyrc, im Engl. Kerk und Church, im Nieders. Karke, im Dän. Kirke, im Schwed. Kyrka, im Pohln. Böhm. und Wend. Cerkiew, Cirkuo. Wachter ließ sich durch das Helvetische Kilche verführen, es von dem bey dem Ulphilas befindlichen Keliku, abzuleiten, welches daselbst so wohl einen Thurm, als auch die letzte Abendmahlzeit Christi bedeutet. Eckard und Frisch fallen auf das alte Harga, Haruga, ein Götzentempel; anderer noch unwahrscheinlicher Ableitungen zu geschweigen. Die gemeinste Meinung ist bisher die gewesen, welche dieses Wort von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - oder - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - abstammen lässet, welches nicht nur 1 Cor. 11, 20 und Offenb. 1, 10, sondern auch bey allen nachfolgenden christlichen Griechischen Schriftstellern so wohl einen gottesdienstlichen Tag, als auch ein gootesdienstliches Haus, und eine gottesdienstliche Versammlung bedeutet. Allein wider diese Meinung streitet, daß das Griechische Wort in die Lateinische Sprache nie aufgenommen worden, daher nicht begreiflich ist, wie und warum die ersten Deutschen Lehrer auf dieses Wort gefallen seyn sollten, da sie sich in allen andern Fällen mit der Lateinischen Sprache behalten, und wegen ihrer Unwissenheit in der Griechischen Sprache behelfen mußten. Es bleibt daher Christ. Körbers Meinung immer noch die wahrscheinlichste, welcher glaubt, daß dieses Wort eine buchstäbliche Übersetzung des Latein. und Griech. Ecclesia sey, und daher von kören, kiefen, abgeleitet werden müsse, den Begriff der Auswahl, des auserwählten Volkes auszudrucken, welcher in diesem Worte herrschet; zumahl da es hundert andere Beyspiele gibt, daß man bey der Einführung der christlichen Religion in Deutschland, die christlichen Kunstwörter buchstäblich übersetzte, die Bedeutung des Latein. Ecclesia auch so unbekannt nicht war, indem Notker für Kirche in der dritten Bedeutung auch Samanunga, Vuichsamanunga, Prut Samenunga, Prutha Menunga, gebraucht. Alsdann würde die zweyte Bedeutung die erste eigentliche, die erste aber die letzte figürliche seyn müssen. In der zweyten und dritten einfachen Endung wird diesem Worte, wie so vielen andern weiblichen auf e, von manchen noch ein unnützes n angehänget, der Kirchen für der Kirche, welches sich auch in die folgenden Zusammensetzungen eingeschlichen hat.


Kirchen-Agende (W3) [Adelung]


Die Kirchen-Agende, plur. die -n, aus dem mittlern Lat. Agenda, orum, S. Kirchenordnung und Agende.


Kirchenälteste (W3) [Adelung]


Der Kirchenälteste, des -n, plur. die -n, diejenigen Personen einer Gemeinde, welchen die Verwandlung der Güter und Einkünfte der Kirche eines Ortes anvertrauet ist, weil man dazu ehedem die ältesten Personen aus der Gemeinde zu wählen pflegte. An andern Orten werden sie Kirchenvorsteher, Kirchenpfleger, Kirchenväter, Kirchväter, Kirchmeister u. s. f. genannt.


Kirchenamt (W3) [Adelung]


Das Kirchenamt, des -es, plur. die -ämter. 1) Ein kirchliches oder gottesdienstliches Amt. 2) An einigen Orten ist das Kirchenamt ein Collegium solcher Personen, welche über die Verwaltung und Anwendung der Kirchengüter eines Ortes gesetzt sind. 3) An noch andern Orten wird das Consistorium, oder der Kirchenrath, das Kirchenamt genannt.


Kirchenbann (W3) [Adelung]


Der Kirchenbann, des -es, plur. inus. die Ausschließung von der kirchlichen oder gottesdienstlichen Gemeinschaft; der Bann in engerer Bedeutung, mit einem Lateinischen Ausdrucke die Excommunication. In den Kirchenbann thun, excommuniciren. Der kleinere Kirchenbann, welcher in der Ausschließung von den Sacramenten und Kirchenämter bestehet; der größere, der allen Umgang und Gemeinschaft des äußern Gottesdienstes mit solchen ausgeschlossenen Personen aufhebt. S. Kirche 3.


Kirchenbuch (W3) [Adelung]


Das Kirchenbuch, des -es, plur. die -bücher, in engerer Bedeutung, dasjenige Buch bey einer Kirche, in welches die Getauften, Gestorbenen, Getraueten und Communicanten aus der Gemeine eingetragen werden; dessen Auszüge unter dem Nahmen der Kirchenzettel bekannt sind.


Kirchenbuße (W3) [Adelung]


Die Kirchenbuße, plur. die -n, die öffentliche Buße oder Genugthuung von der gottesdienstlichen Gemeinschaft ausgeschlossener Personen, zur Wiederaufnahme in dieselbe. Kirchenbuße thun.


Kirchendieb (W3) [Adelung]


Der Kirchendieb, des -es, plur. die -e, die Kirchendiebinn, eine Person, welche eine Kirche bestohlen hat. Daher der Kirchendiebstahl.


Kirchendiener (W3) [Adelung]


Der Kirchendiener, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Überhaupt ein jeder, welcher ein gottesdienstliches Amt bey einer Kirche verwaltet, wo besonders Prediger diesen Nahmen führen. 2) In engerer Bedeutung verstehet man unter einem Kirchendiener denjenigen, welcher die geringern Dienste an und in einer Kirche leistet, die Kirche auf- und zuschließet u. s. f. Siehe Kirchner.


Kirchendienst (W3) [Adelung]


Der Kirchendienst, des -es, plur. die -e. 1) Ein Kirchenamt; doch nur in gemeinen Leben. 2) Ein Dienst, d. i. eine geringe Bedienung, an einer Kirche.


Kirchenfahne (W3) [Adelung]


Die Kirchenfahne, plur. die -n, in der Römischen Kirche, diejenige Fahne, welche bey kirchlichen Feyerlichkeiten gebraucht wird.


Kirchenfest (W3) [Adelung]


Das Kirchenfest, des -es, plur. die -e, 1) Ein Fest, welches zum Andenken der Stiftung der Kirche eines Ortes gefeyert wird; die Kirchweihe, die Kirchmesse. 2) In der Römischen Kirche, ein von der Kirche, d. i. dem sichtbaren Oberhaupte der Kirche, angeordnetes Fest, dergleichen z. B. die Festtage der Heiligen sind.


Kirchenfriede (W3) [Adelung]


Der Kirchenfriede, des -ns, plur. inus. 1) Der Friede, d. i. die Einigkeit, der Glieder oder Lehrer einer Kirche in gottesdienstlichen Angelegenheiten. Den Kirchenfrieden stören. 2) Der Friede, d. i. öffentliche Sicherheit, gottesdienstlicher Orte, Personen und Sachen. Den Kirchenfrieden brechen.


Kirchengänger (W3) [Adelung]


Der Kirchengänger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kirchengängerinn, eine Person in Betrachtung ihres fleißigen oder nachlässigen Besuches des öffentlichen Gottesdienstes. Ein fleißiger, fauler Kirchengänger. S. Kirche 2.


Kirchengebeth (W3) [Adelung]


Das Kirchengebeth, des -es, plur. die -e, das feyerliche Gebeth, welches in der evangelischen Kirche öffentlich nach dem Gottesdienste gebethet wird.


Kirchengeboth (W3) [Adelung]


Das Kirchengeboth, des -es, plur. die -e, in der Römischen Kirche, ein von der Kirche, d. i. dem sichtbaren Oberhaupte derselben, gegebenes sittliches Geboth, deren fünf sind; zum Unterschiede von den zehen Gebothen Gottes.


Kirchengebrauch (W3) [Adelung]


Der Kirchengebrauch, des -es, plur. die -bräuche, ein in kirchlichen oder gottesdienstlichen Sachen eingeführter Gebrauch.


Kirchengemeinschaft (W3) [Adelung]


Die Kirchengemeinschaft, plur. inus. der gemeinschaftliche Gebrauch des äußern Gottesdienstes und der Sacramente unter den Gliedern Einer Kirche; die kirchliche Gemeinschaft.


Kirchengeräth (W3) [Adelung]


Das Kirchengeräth, des -es, plur. inus. oder die Kirchengeräthe, sing. inus. ein Collectivum, bewegliche Dinge, so fern sie zur Bequemlichkeit oder zur Zierde einer Kirche gereichen.


Kirchengericht (W3) [Adelung]


Das Kirchengericht, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, ein Gericht in kirchlichen und gottesdienstlichen Sachen; das Consistorium. S. Kirchenrath.


Kirchengesang (W3) [Adelung]


Der Kirchengesang, des -es, plur. die -sänge. 1) Ein Gesang, so fern er bey dem öffentlichen Gottesdienste eingeführet ist; das Kirchenlied, im Nieders. ein Salm. 2) Ohne Plural, die Art und Weise, in der Kirche zu singen.


Kirchengeschichte (W3) [Adelung]


Die Kirchengeschichte, plur. inus. die Geschichte des gottesdienstlichen Lehrbegriffes einer Kirche. Die Kirchen-Historie.


Kirchengesetz (W3) [Adelung]


Das Kirchengesetz, des -es, plur. die -e, ein obrigkeitliches Gesetz in gottesdienstlichen Angelegenheiten und deren ganzer Inbegriff. Das Kirchengesetz der ältern Juden, welches auch das Ceremonial-Gesetz genannt wird.


Kirchengut (W3) [Adelung]


Das Kirchengut, des -es, plur. die -güter, ein jedes Gut, welches einer Kirche, und zum Behufe des öffentlichen Gottesdienstes gewidmet ist.


Kirchenhufe (W3) [Adelung]


Die Kirchenhufe, plur. die -n, eine Hufe, welche einer Kirche gehöret.


Kirchenjahr (W3) [Adelung]


Das Kirchenjahr, des -es, plur. inus. das kirchliche Jahr, so fern es einem Anfange nach von dem bürgerlichen Jahre verschieden ist, indem es sich gemeiniglich mit dem ersten Advente anfänget.


Kirchenknecht (W3) [Adelung]


Der Kirchenknecht, des -es, plur. die -e, der geringste Kirchendiener, welcher für die Reinlichkeit einer Kirche sorget, und andere niedrige Dienste verrichtet.


Kirchenkur (W3) [Adelung]


Der Kirchenkur, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, ein Kur, welcher von den Gewerken für die Kirche und zu deren Besten gebauet wird.


Kirchenlehen (W3) [Adelung]


Das Kirchenlehen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Lehen, welches von einer Kirche zu Leben genommen wird. 2) Ein gottesdienstliches Amt, so fern es von einem andern zu Lehen genommen werden muß, dergleichen die Pfarren an manchen Orten sind. 3) Das Recht, ein gottesdienstliches Amt einem andern als ein Lehen zu ertheilen; das Patronat-Recht. S. Kirchensatz.


Kirchenlehrer (W3) [Adelung]


Der Kirchenlehrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein gottesdienstlicher Lehrer, dessen Pflicht es ist, andere in den Glaubenswahrheiten zu unterrichten; in welchem Verstande es doch wenig mehr gebraucht wird. Im engern Verstande gebraucht man es nur von den ältern gottesdienstlichen Personen, welche die christliche Kirche durch ihre Lehren und Schriften in den ersten Jahrhunderten nach den Zeiten der Apostel gründen und bilden halfen, und welche man auch Kirchenväter, Lat. Patres, zu nennen pfleget.


Kirchenlied (W3) [Adelung]


Das Kirchenlied, des -es, plur. die -er, siehe Kirchengesang.


Kirchen-Musik (W3) [Adelung]


Die Kirchen-Musik, plur. inus. eine Musik, so fern sie bey dem öffentlichen Gottesdienste angeführet wird.


Kirchennachbar (W3) [Adelung]


Der Kirchennachbar, des -s, plur. die -n, Fämin. die Kirchennachbarinn, eine Person, so fern sie bey dem öffentlichen Gottesdienste unser Nachbar ist, ihren Sitz neben dem unsrigen hat.


Kirchenordnung (W3) [Adelung]


Die Kirchenordnung, plur. die -en, in der evangelischen Kirche, eine Ordnung oder Vorschrift, nach welcher die Verbindung und Folge der zum öffentlichen Gottesdienste gehörigen Handlungen eingerichtet wird; mit einem halb Lateinischen Ausdrucke, die Kirchen-Agende.


Kirchen-Patron (W3) [Adelung]


Der Kirchen-Patron, des -es, plur. die -e, Fämin. die Kirchen-Patroninn, diejenige Person, welcher der Kirchensatz zukommt, welche die Pfarre in einer Gemeinde zu vergeben hat; in einigen Oberdeutschen Gegenden, der Kirchherr, siehe Patron.


Kirchenpfleger (W3) [Adelung]


Der Kirchenpfleger, des -s, plur. ut nom. sing. S. Kirchenältester. An einigen Orten, z. B. in Nürnberg, ist der Kirchenpfleger die vorsitzende Person in einem Kirchenamte, in der 2ten Bedeutung dieses Wortes.


Kirchen-Postille (W3) [Adelung]


Die Kirchen-Postille, plur. die -n, eine Postille, so fern sie zum Behufe des öffentlichen Gottesdienstes bestimmt ist. S. Postille.


Kirchenpropst (W3) [Adelung]


Der Kirchenpropst, des -es, plur. die -pröpste, an einigen Orten der evangelischen Kirche, ein Propst, d. i. Vorgesetzter in kirchlichen und gottesdienstlichen Angelegenheiten, welcher die Aussicht über die Kirchen und Schulen eines gewissen Bezirkes hat, unter dem Superintendenten stehet, und zuweilen noch Inspectores oder Kirchen-Inspectores unter sich hat. S. Propst.


Kirchenrath (W3) [Adelung]


Der Kirchenrath, des -es, plur. die -räthe. 1) Ein Rath, d. i. Raths-Collegium, in kirchlichen und gottesdienstlichen Sachen, welches am häufigsten ein Consistorium, an manchen Orten auch das Kirchengericht, Kirchenamt, das geistliche Gericht u. s. f. genannt wird. Der Oberkirchenrath, das Ober-Consistorium. 2) Ein einzelnes Mitglied eines solchen Collegii; ein Consistorial-Rath. 3) Einige Oberdeutsche Schriftsteller gebrauchen dieses Wort auch für Kirchenversammlung so wohl als für Synode.


Kirchenraub (W3) [Adelung]


Der Kirchenraub, des -es, plur. inus. die gewaltsame Beraubung einer Kirche, der an einer Kirche begangene Raub. In weiterer Bedeutung und im harten Verstande auch die eigenmächtige und widerrechtliche Entziehung der der Kirche gehörigen Güter.


Kirchenräuber (W3) [Adelung]


Der Kirchenräuber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kirchenräuberinn, eine Person, welche einen Kirchenraub begehet, oder begangen hat, in beyden Bedeutungen.


Kirchenrechnung (W3) [Adelung]


Die Kirchenrechnung, plur. die -en, die Rechnung über die Verwaltung der Kirchengüter.


Kirchenrecht (W3) [Adelung]


Das Kirchenrecht, des -es, plur. die -e. 1) Die Gerechtsamen, Vorrechte, Befugnisse und Freyheiten einer Kirche und der dazu gehörigen Personen und Sachen. 2) Der Inbegriff der in kirchlichen Sachen, von der kirchlichen Obrigkeit gegebenen Gesetze, welches, so fern es von den Päpsten herrühret, auch das canonische Recht, das geistliche Recht genannt wird.


Kirchenruf (W3) [Adelung]


Der Kirchenruf, des -es, plur. inus. an einigen Orten, die Bekanntmachung einer Sache bey oder nach dem öffentlichen Gottesdienste; in einigen Gegenden die Kirchsprache. Etwas durch einen Kirchenruf verkündigen.


Kirchensatz (W3) [Adelung]


Der Kirchensatz, des -es, plur. inus. das Recht. die gottesdienstlichen Personen an einer Kirche, besonders die Pfarrer und Priester, zu setzen und zu ernennen; das Kirchenlehen, das Pfarrlehen, die Kirchengerechtigkeit, das Patronat-Recht, Jus Patronatus, im Oberd. die Pfründ-Collatur.


Kirchensatzung (W3) [Adelung]


Die Kirchensatzung, plur. die -en, Satzungen, welche von der Kirche, oder deren Repräsentanten in Glaubenssachen gemacht werden; besonders in der Römischen Kirche.


Kirchenschein (W3) [Adelung]


Der Kirchenschein, des -es, plur. die -e, ein Schein, d. i. schriftliches Zeugniß, so fern dasselbe aus einem Kirchenbuche gezogen wird.


Kirchenschmuck (W3) [Adelung]


Der Kirchenschmuck, des -es, plur. inus. alles was zum Schmucke einer Kirche und der gottesdienstlichen Personen gehöret.


Kirchenschutz (W3) [Adelung]


Der Kirchenschutz, des -es, plur. inus. der Schutz, welchen jemand der Kirche und gottesdienstlichen Personen angedeihen lässet, und die Verbindlichkeit und das Recht, selbige zu schützen.


Kirchensitz (W3) [Adelung]


Der Kirchensitz, des -es, plur. die -e, der Sitz eines Zuhörers in der Kirche; der Kirchenstuhl, der Kirchenstand. Hageborn gebraucht es auf eine ungewöhnliche Art für Kanzel: Ein Kirchensitz, der noch nach alter Kraft Die Hörer gähnen lehrt, und oft den Schlaf verschafft.


Kirchenspaltung (W3) [Adelung]


Die Kirchenspaltung, plur. die -en, die Spaltung oder Trennung der Glieder einer Kirche oder ihrer Lehrer in Glaubenssachen; mit einem Griech. Ausdrucke, das Schisma.


Kirchenstaat (W3) [Adelung]


Der Kirchenstaat, des -es, plur. inus. eine Benennung des päpstlichen weltlichen Gebiethes in Italien; Lat. Status ecclesiasticus.


Kirchenstand (W3) [Adelung]


Der Kirchenstand, des -es, plur. die -stände, siehe Kirchensitz.


Kirchensteuer (W3) [Adelung]


Die Kirchensteuer, plur. die -n 1) Eine Steuer zum Besten einer oder mehrerer Kirchen. 2) Eine Steuer, so fern sie bey oder nach dem öffentlichen Gottesdienste gesammelt wird; eine Collecte, Kirchen-Collecte.


Kirchenstrafe (W3) [Adelung]


Die Kirchenstrafe, plur. die -n, eine Strafe, welche von der Kirche und ihren Repräsentanten, oder von den Lehrern der Kirche aufgeleget wird.


Kirchenstreitigkeit (W3) [Adelung]


Die Kirchenstreitigkeit, plur. die -en, eine Streitigkeit unter den Gliedern oder Lehrern einer Kirche über Glaubenswahrheiten oder gottesdienstliche Angelegenheiten.


Kirchenstuhl (W3) [Adelung]


Der Kirchenstuhl, des -es, plur. die -stühle, siehe Kirchensitz.


Kirchenstyl (W3) [Adelung]


Der Kirchenstyl, des -es, plur. inus. in der Musik, die Schreibart in musikalischen Stücken, welche für die Kirche, d. i. für den öffentlichen Gottesdienst bestimmet sind; zum Unterschiede von dem Kammerstyle und Theaterstyle.


Kirchenvater (W3) [Adelung]


Der Kirchenvater, des -s, plur. die -väter. 1) S. Kirchenlehrer. 2) S. Kirchvater.


Kirchenversammlung (W3) [Adelung]


Die Kirchenversammlung, plur. die -en, die feyerliche Versammlung der Glieder einer Kirche oder ihrer Repräsentanten in gottesdienstlichen Angelegenheiten; mit einem Latein. Ausdrucke, das Concilium.


Kirchenvorsteher (W3) [Adelung]


Der Kirchenvorsteher, des -s, plur. ut nom. sing. siehe Kirchenältester.


Kirchenzettel (W3) [Adelung]


Der Kirchenzettel, des -s, plur. ut nom. sing. siehe Kirchenbuch.


Kirchenzucht (W3) [Adelung]


Die Kirchenzucht, plur. inus. die Handhabung der äußern Ordnung bey dem öffentlichen Gottesdienste und den dazu gehörigen Personen. Ingleichen die Ordnung in dem äußern Betragen der Glieder einer Kirche, so fern sie von den Repräsentanten derselben gehandhabet wird.


Kircheule (W3) [Adelung]


Die Kircheule, plur. die -n, eine Art Eulen, welche sich gern auf den Kirchthürmen und unter den Kirchendächern aufhält, und auch Schleyereule, Kauzeule genannt wird: Strix Flaminea L. Ulula Aluco Klein.


Kirchfahrt (W3) [Adelung]


Die Kirchfahrt, plur. die -en, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort. 1) Eine feyerliche Procession nach oder zu einer Kirche; besonders im Oberdeutschen. 2) Ein Kirchspiel, die zu einer Kirche gehörigen Personen, S. Kirchspiel.


Kirchgang (W3) [Adelung]


Der Kirchgang, des -es, plur. die -gänge. 1) Der Weg nach der Kirche. Einen weiten Kirchgang haben. 2) Der Gang zur Kirche, oder zum öffentlichen Gottesdienste. Besonders der feyerliche Kirchgang nach oder bey einer merkwürdigen Begebenheit. Eine Kindbetterinn hält ihren Kirchgang, wenn sie nach zurück gelegten sechs Wochen zum ersten Mahle wieder dem feyerlichen Gottesdienste beywohnet; im Oberd. der Hervorgang, Vorgang, Ausgang. Der Kirchgang der Churfürsten, bey Kaiserwahlen, der feyerliche Zug in die Wahlkirche am Tage der Wahl. Figürlich wird bey den Jägern der Gang des Hirsches zu Holze der Kirchgang genannt, weil er alsdann langsamer gehet, als wenn er zu Felde ziehet.


Kirchgenoß (W3) [Adelung]


Der Kirchgenoß, des -ssen, plur. die -ssen, die Genossen einer und eben derselben Kirche, diejenigen, welche in eine und eben dieselbe Kirche eingepfarret sind; an einigen Orten die Kirchkinder. Im Oberdeutschen hat man davor auch das Bey- und Nebenwort kirchgenössig für eingepfarrt; in eine Kirche kirchgenössig seyn, dahin eingepfarrt seyn; die Kirchgenössigen, die Kirchgenossen.


Kirchherr (W3) [Adelung]


Der Kirchherr, des -es, plur. die -en, im Oberdeutschen, 1) der Kirchen-Patron, welcher den Kirchensatz hat. 2) An andern Orten, der Pfarrer oder Pfarrherr, im Gegensatze des Vicarii. Im gemeinen Leben nur Kircher, und in der Schweiz Kilcher, wie Pfarrer für Pfarrherr.


Kirchhof (W3) [Adelung]


Der Kirchhof, des -es, plur. die -höfe. 1) Ein Hof, d. i. freyer Platz, bey oder um eine Kirche. 2) Besonders so fern man zugleich die Todten dahin begräbt; daher in weiterer Bedeutung, ein jeder öffentlicher Begräbnißplatz der Todten einer Gemeinde oder eines Ortes im gemeinen Leben der Kirchhof genannt wird, auch wenn sich keine Kirche dabey befindet; der Gottesacker, besser der Leichenacker, Todtenacker, Begräbnißplatz, ehedem der Freyhof, Freydhof, Friedhof, gleichsam ein befreyeter Hof, im Tatian Grabasteti, im Schwed. Kyrkegard, im Engl. Church yard.


Kirchhöre (W3) [Adelung]


Die Kirchhöre, plur. die -n, S. Kirchspiel.


Kirchlich (W3) [Adelung]


Kirchlich, adj. et adv. 1) Zu einer Kirche gehörig, in der ersten Bedeutung des Hauptwortes. Die kirchlichen Güter, die Güter einer Kirche. Noch mehr, 2) in der dritten Bedeutung, in dem Zustande der zum öffentlichen Gottesdienste mit einander verbundenen Personen gegründet. Die kirchliche Gemeinschaft. Auch was von der Kirche und ihren Repräsentanten herrühret, sie und die Kirche betrifft. Kirchliche Streitigkeiten. Das kirchliche Recht.


Kirchmeister (W3) [Adelung]


Der Kirchmeister, des -s, plur. ut nom. sing. S. Kirchenältester.


Kirchmesse (W3) [Adelung]


Die Kirchmesse, plur. die -n. 1) Eigentlich, wo dieses Wort in der Römischen Kirche die feyerliche Messe, d. i. den öffentlichen Gottesdienst, bedeutet, welcher alle Jahre an einem gewissen Tage zum Andenken der Stiftung und Einweihung der Kirche eines Ortes gehalten wird; die Kirchweihe, das Kirchweihfest. In welchem Verstande es auch an vielen protestantischen Orten üblich geblieben, wo es denn im gemeinen Leben Kirmse, Kirms lautet, so wie für Kirchweihe, nur Kirme gesprochen wird. Die Kirchmesßpredigt, die Kirmsenpredigt. 2) Die bey dieser Gelegenheit in der Gemeinde und bey deren Gliedern üblichen Schmausereyen und Lustbarkeiten; im gemeinen Leben gleichfalls Kirmse, Kirchmesse oder Kirmse halten. Zur Kirmse, auf die Kirmse gehen. Der Kirmsenschmaus, Kirmsenkuchen u. s. f. Nieders. Karkmiß, Karpmiß, Holländ. Kermis. In weiterer Bedeutung wird, besonders in Niedersachsen, ein jeder Jahrmarkt eine Kirmse genannt, weil schon in den ältesten Zeiten bey Gelegenheit eines Kirchweihfestes auch ein Jahrmarkt gehalten wurde. 3) Das Geschenk, welches man einander bey dieser Gelegenheit zu kaufen pfleget. Jemanden eine Kirmse kaufen.


Kirchner (W3) [Adelung]


Der Kirchner, des -s, plur. ut nom. sing. dessen Gattinn die Kirchnerinn, ein Kirchenbedienter, welcher vornehmlich den Kirchenschmuck und das Kirchengeräth in seiner Aufsicht hat, und in der Römischen Kirche auch der Meßner, an andern Orten aber mit ursprünglich Lateinischen Ausdrücken, der Sacristan, Sacristaner, Küster u. s. f. genannt wird.


Kirchschwalbe (W3) [Adelung]


Die Kirchschwalbe, plur. die -n, eine Art großer schwarzbrauner Schwalben, welche nur an Kirchen, Kirchthürmen und andern hohen Mauern zu nisten pflegen; Mauerschwalbe, Steinschwalbe, Spierschwalbe, Hirundo muraria Klein. Hirundo Apus L. weil sie sehr kurze Füße hat, sich daher auch nie auf die Erde setzt.


Kirchspiel (W3) [Adelung]


Das Kirchspiel, des -es, plur. die -e, 1) Die zu einer Kirche gehörigen, in dieselbe eingepfarrten Personen, die Gemeinde, und der Bezirk, wo diese Personen wohnen. Im Niedersächs. Karkspel, Karspel, Kaspel. An einigen Orten die Kirchfahrt, im Oberd. die Kirchhöre, welches auch die Versammlung des Kirchspieles bedeutet, und wovon man daselbst auch das Beywort kirchhörig, zu einer Kirche, zu einem Kirchspiele gehörig, hat. Daher das Kirchspielsgericht, an einigen Orten, z. B. in Schleswig, ein Untergericht in einem jeden Kirchspiele, der Kirchspielsvogt, Kirchspielsschreiber, die Kirchspielkirche, welche ein eigenes Kirchspiel, eine eigene Gemeine hat, die Kirchspielleute, Kirchspielgenossen, welche in dieselbe eingepfarret sind, u. s. f. 2) In engerer Bedeutung ist an einigen Orten das Kirchspiel die zu einer Pfarrkirche gehörigen, in dieselbe eingepfarrten Personen, eine Pfarre, zum Unterschiede von der zu einer Filial- oder Tochterkirche gehörigen Gemeinde.

Anm. Die letzte Hälfte scheinet hier das alte Spel, Sprache, Rede zu seyn. S. 1. Spiel.


Kirchsprengel (W3) [Adelung]


Der Kirchsprengel, des -s, plur. ut nom. sing. der zu einer Kirche gehörige Sprengel, d. i. Bezirk worüber sich die geistliche Gerichtbarkeit einer Kirche und ihres Vorgesetzten erstrecket; am häufigsten von bischöflichen und erzbischöflichen Kirchen, und dem Districte, worüber sich die geistliche Gerichtbarkeit eines Bischofes oder Erzbischofes erstrecket; das Bisthum in weiterer Bedeutung.


Kirchtag (W3) [Adelung]


Der Kirchtag, des -es, plur. die -e. 1) Ein Tag, an welchem Kirche, d. i. öffentlicher Gottesdienst, gehalten wird. 2) S. Kirchweihe.


Kirchthurm (W3) [Adelung]


Der Kirchthurm, des -es, plur. die -thürme, der an einer Kirche befindliche Thurm.


Kirchvater (W3) [Adelung]


Der Kirchvater, des -s, plur. die -väter. 1) Für Kirchenvater, obgleich nicht auf die beste Art, S. dieses Wort. 2) An einigen Orten derjenige, welcher die Einkünfte einer Kirche verwaltet, der Kirchenvorsteher, S. Kirchenältester.


Kirchweihe (W3) [Adelung]


Die Kirchweihe, plur. die -n. 1) Die feyerliche Einweihung einer Kirche. 2) Das jährliche Fest, welches in einer Kirche zum Andenken ihrer geschehenen Einweihung gefeyert wird, und die dabey üblichen Lustbarkeiten; das Kirchweihfest, im gemeinen Leben die Kirwey, Kirbe, in der Schweiz die Kilbi, im Österr. der Kirchtag, in Baiern Kirte, d. i. Kirchtag. S. Kirchmesse.


Kireh (W3) [Adelung]


Der Kireh, des -es, plur. die -e, oder der Kiree, des -s, plur. ut nom. sing. ein inwendig mit Rauchwerk gefütterter langer Mantel des männlichen Geschlechtes. Vermuthlich aus dem Pohln. Kireia, welches daselbst einen Spanischen Oberrock bedeutet, weil mehrere Nahmen aus Leder und Rauchwerk verfertigter Kleidungsstücke mit denselben aus den Slavonischen Ländern zu uns gekommen sind, ( S. Wildschur.) Indessen gehöret doch dieses Wort seinem Ursprunge nach zu dem alten Kar, Kor, Kür, Bekleidung, Leder, Rauchwerk, Corium, S. Küraß und Kürschner.


Kirmse (W3) [Adelung]


Die Kirmse, plur. die -n, S. Kirchmesse.


Kirner (W3) [Adelung]


Der Kirner, ein Werkzeug der Kupferschmiede, S. Kerner.


Kirre (W3) [Adelung]


Kirre, -r, -ste, adj. et adv. 1) Eigentlich sehr zahm, von wilden Thieren, wenn sie gezähmt worden. Ein Thier kirre machen. Die Zeisige werden bald kirre. Ein kirres Thier. 2) Figürlich, biegsam, demüthig, von stolzen, übermüthigen, oder trotzigen Personen, im gemeinen Leben. Ich will ihn schon kirre machen.

Anm. Im Nieders. gleichfalls kirre. Im Isländ. ist Kyrr, und im Schwed. quärr, quar und kar, so wohl ruhig, als auch bleibend, stätig, und überbleibend. Es scheinet mit dem alten Oberdeutschen heuer, geheuer, Lat. cicur, (sprich kikur,) zahm, sanftmüthig, Isländ. hyr, zu dem veralteten Kar, ein jeder hohler und bedeckter Raum, und in engerer Bedeutung ein Haus, zu gehören; so wie man von Heim im Oberdeutschen auch heimlich für zahm, und im Lat. von Domus domesticus sagt. ( S. Geheuer.) Da indessen bey den Jägern für kirre auch locke üblich ist, so kann es auch zu dem folgenden kirren, locken, anlocken, gehören, und eigentlich ein Thier bedeuten, welches sich locken lässet.


Kirre (W3) [Adelung]


Die Kirre, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Turteltauben, wegen ihrer kirrenden oder girrenden Stimme. S. das folgende.


Kirren (W3) [Adelung]


1. Kirren, verb. reg. welches eine gewisse Art eines kleinen scharfen zitternden Lautes oder Schalles nachahmet, der sich besser empfinden als beschreiben lässet. Es ist in doppelter Gestalt üblich. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, diesen Laut oder Schall machen, von sich geben, wo es in verschiedenen Fällen, doch am häufigsten in den gemeinen Mundarten, vorkommt. 1) * Von den Rädern eines Wagens, wenn die Asche nicht geschmieret ist, ingleichen von einem beladenen Wagen selbst; im Hochdeutschen knirren und knarren. Ein Wagen voll Garben kirret, Amos 2. 13. 2) * Von dem Schalle, welcher entstehet, wenn man die Zähne auf einander beißet, und sie in solcher Stellung auf einander reibet; im Hochdeutschen knirschen. Deine Zähne kirren, Sir. 30, 10. 3) Von der natürlichen Stimme mancher Thiere, z. B. der Tauben, der Meyen, der Hühner, wenn sie einen Raubvogel sehen, wenn sie ihre Jungen locken u. s. f. Hier steht man fröhlich irren Um ihre Körbe her mit einem süßen Kirren Der frommen Tauben Schar, Opitz. Die Turteltauben, wenn sie einander locken. Von der sanftern, ängstlich klingenden Stimme der Tauben und einiger andern Vögel ist im Hochdeutschen das weichere girren üblich; obgleich Czech. 7, 16 auch kirren in diesem Verstande vorkommt: wie die Tauben in den Gründen, die alle unter einander kirren. 2. Als ein Activum, vermittelst einer solchen kirrenden Stimme locken. 1) Eigentlich. So kirren die Hühner ihre Jungen, wenn sie solche zu einer gefundenen Speise locken, oder sie wegen eines gesehenen Raubvogels zu sich rufen. 2) In weiterer Bedeutung, durch vorgehaltene, oder hingelegte Speise locken, in welchem Verstande die Jäger das Wildbretkirren. Den Fuchs an einen bestimmten Ort kirren, wo es aber auch aus körnen entstanden seyn kann, welches gleichfalls in diesem Verstande üblich ist. Daher die Kirrung, bey den Jägern, sowohl die Handlung des Kirrens, als auch der Ort, wohin man wilde Thiere kirret, als endlich auch die Lockpfeife, welche man dazu gebraucht. Ja in weiterer Bedeutung wird es zuweilen für Speise überhaupt gebraucht. So nehmen die Fasanen bey den Jägern ihre Kirrung zu sich, wenn sie essen, oder sich äsen; welches die Abstammung von körnen zu bestätigen scheinet. 3) Figürlich für reitzen, locken überhaupt, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Der Arzt, der seinen Gegner scheut, Kirrt ihn durch falsche Zärtlichkeit, Haged. 2. Kirren, verb. reg. act. von kirren, zahm, zahm machen, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Dich hat die Heimath der Guineen Oft zärtlich und gekirrt gesehen, Haged. Wo aber auch die letzte Bedeutung des vorigen Zeitwortes Statt findet.


Kirrmeve (W3) [Adelung]


Die Kirrmeve, plur. die -n, eine Meve mit einem dünnen, spitzigen und blutrothen Schnabel, rothen Füßen, schwarzen Klauen, weißen Backen, und einem aschgrauen und silberfarbenen Körper, welche mit den Federn die Größe einer gewöhnlichen Meve hat, gerupft aber kaum größer als ein Sperling ist. Von ihrer kirrenden Stimme.


Kirrung (W3) [Adelung]


Die Kirrung, plur. die -en, S. 1. Kirren 2.


Kirschbaum (W3) [Adelung]


Der Kirschbaum, des -es, plur. die -bäume, S. das vorige.


Kirschbeißer (W3) [Adelung]


Der Kirschbeißer, des -s, plur. ut nom. sing. S. das folgende.


Kirschfink (W3) [Adelung]


Der Kirschfink, des -en, plur. die -en, eine Art brauner Finken, mit einem großen festen Schnabel, welcher die Kirschsteine, wie andere Vögel die Haufkörner, aufbeißet, und den Kern frisset; Coccothraustes Klein et L. Kirschbeißer, Kernbeißer, Kirschschneller, Kirschleske, Steinbeißer, Dickschnabel, Klepper, Kreuzvogel. Er wird oft zur Ungebühr mit dem folgenden Kirschvogel verwechselt.


Kirsch-Gummi (W3) [Adelung]


Das Kirsch-Gummi, plur. inus. das Gummi von den Kirschbäumen; Kirschharz, im Nieders. Kattenklar, Kattengold, Katzenklar, Katzengold, S. 1. Katze.


Kirschgeist (W3) [Adelung]


Der Kirschgeist, des -es, plur. inus. ein aus den schwarzen Vogelkirschen destillirter Geist oder Spiritus.


Kirschholder (W3) [Adelung]


Der Kirschholder, des -es, plur. ut nom. sing. S. Kirschvogel.


Kirschlorbeere (W3) [Adelung]


Die Kirschlorbeere, plur. die -n, die Frucht des Kirschlorberbaumes, dessen Frucht einer Kirsche, die Blätter aber den Lorberblättern gleichen; Prunus Padus Laurocerasus L. Lorberkirsche. Der Baum, oder vielmehr die Staude, ist 1576 aus klein Asien zu uns gebracht worden, und kommt nur in Gewächshäusern fort.


Kirschsaft (W3) [Adelung]


Der Kirschsaft, des -es, plur. inus. der in den Kirschen befindliche Saft, besonders der ausgepreßte und eingesottene Saft der sauern Kirschen, woraus der Kirschwein bereitet wird.


Kirschschneller (W3) [Adelung]


Der Kirschschneller, des -s, plur. ut nom. sing. siehe Kirschfink.


Kirschwasser (W3) [Adelung]


Das Kirschwasser, des -s, plur. inus. das aus zerstoßenen Kirschen destillirte Wasser.


Kirschwein (W3) [Adelung]


Der Kirschwein, des -es, plur. inus. ein mit Kirschsaft vermischter Wein.


Kirsey (W3) [Adelung]


Der oder das Kirsey, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Art eines gewirkten wollenen Zeuges, dessen Nahme bey dem Hornegk schon im 13ten Jahrh. Chursit lautet. Er wird bald Herisay, bald Cherisay, bald Kersey, Kirsat, bald auch Kirschey geschrieben und gesprochen. Im Engl. heißt er Kersey, im Schwed. Kersing; alle aus dem Ital. Carisea oder Franz. Carisee, Creseau.


Kiste (W3) [Adelung]


Die Kiste, plur. die -n, Diminut. das Kästchen, Oberdeutsch Kistlein, zusammen gezogen Kistel, ein Wort, welches mit Kasten überhaupt genommen, gleich bedeutend ist, und auch in Niedersachsen, in allen Fällen, wo das Wort Kasten gebraucht wird, statt desselben gangbar ist. Selbst in einigen Oberdeutschen Gegenden sind Geldkiste für einen Geldkasten, Kleiderkiste für Kleiderkasten, Todtenkiste für einen schweren Sarg mit einen erhabenen Deckel, (Nieders. Küstkiste, von Kast, Ruhe,) üblich. Kisten und Kasten voll haben, im gemeinen Leben. Sprichw. Bey einer offenen Kiste sündiget auch wohl ein Gescheuter, Gelegenheit macht Diebe. Am häufigsten gebraucht man es im Hochdeutschen von einem viereckten aus Bretern zusammen geschlagenen Behältnisse dieser Art, Waaren oder Sachen darin zu verschicken, wo der Deckel entweder ein Schieber ist, oder auch darauf genagelt wird; obgleich diese Behältnisse auch häufig Kasten, und Kästchen genannt zu werden pflegen. In engerer Bedeutung ist in der Glashandlung eine Kiste Fensterglas, eine Kiste von bestimmter Größe, welche 20 Bund, jedes von 6 Tafeln enthält.

Anm. Im Nieders. Kiste, im Engl. Chest, im Angels. Cest, im Franz. in der engern Hochdeutschen Bedeutung Caisse, im Dän. Kiste, im Schwed. Kista, im Isländ. Kista, im Pers. Castr, alle in der weitern Bedeutung eines Kastens, so wie das Lat. Cista, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es bedeutete ursprünglich ein jedes hohles Behältniß, einen eingeschlossenen Raum, wovon noch häufige Beweise vorhanden sind. Das Nieders. Kiste bedeutet noch ein enges Gefängniß, besonders in den Zusammensetzungen Dorenkiste, ein Narrenhäuschen, Dullkiste, ein Tollhäuschen, im Schwed. Tyfkrista, ein Gefängniß für Diebe; ingleichen ein durch Pfahlwerk abgetheiltes Fach zur Füllung eines Erddammes. Innan thines herzen Kust, bey dem Ottfried B. 1, Kap. 18; wofür man in den spätern Zeiten des Herzens Schrein sagte. Im Ital. ist Cesta ein Korb. Siehe Kaue, Kasten u. s. f.


Kistenpfand (W3) [Adelung]


Das Kistenpfand, des -es, plur. die -pfänder, eine ehedem, und noch in einigen Gegenden übliche Benennung eines beweglichen Unterpfandes, weil man dasselbe gemeiniglich in einer Kiste, d. i. einem Kasten oder Schranke, verwahret.


Kistenholz (W3) [Adelung]


Das Kistenholz, des -es, plur. inus. büchenes Holz, so fern es sich gut spalten lässet, um kleine Kisten daraus zu verfertigen.


Kistenmacher (W3) [Adelung]


Der Kistenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, eine Art Tischler, welche vornehmlich kleine und größere Kisten zur Einpackung mancher Arten von Waaren verfertigen; der Kistner, Kistler.


Kits (W3) [Adelung]


Die Kits, Kitz oder Kitze, eine Art eines Fahrzeuges, siehe 3. Katze.


Kitschbaum (W3) [Adelung]


Der Kitschbaum, des -es, plur. die -bäume, S. Elsebeere 2.


Kitt (W3) [Adelung]


Der Kitt, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, eine Art eines zähen Verbindungsmittels harter Körper. Im Bauwesen, wo man eine feste Bindung haben will, macht man einen solchen Kitt aus Ziegelmehl, ungelöschtem Kalke, Feilspänen u. s. f. Wasserkitt, der im Wasser hält. Die Bildhauer verfertigen ihren Kitt, womit sie theils abgebrochene Stücke Mar- mor wieder an einander fügen, theils kleine Löcher ausfüllen, aus Gyps, Marmorstaub, Lehm und Pech. Bey andern Künstlern und Handwerkern sind andere Arten üblich, z. B. aus Öhlfirniß und Bleyweiß, zerbrochenes Porzellan damit zu kitten, aus Quark und ungelöchtem Kalk u. s. f. An einigen Orten wird auch das Vorwachs, womit die Bienen alle Öffnungen eines Stockes verschmieren, Kitt genannt.

Anm. Im Nieders. Kitt, im Dän. Kite, im Schwed. Kitt, im Pohln. Kita. Da der Begriff des Verbindens in diesem Worte ohne Zweifel der Stammbegriff ist, so gehöret es mit 2 Katze und Kette zu dem Geschlechte des Wortes Gatten, S. dasselbe. In einigen Gegenden ist es weiblichen Geschlechtes, die Kitte.


Kitte (W3) [Adelung]


Die Kitte, bey den Jägern, S. Kette.


Kittel (W3) [Adelung]


Der Kittel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches ehedem 1) überhaupt ein langes besonders leinenes Kleid von einerley Weite so wohl männlicher als weiblicher Personen bedeutete, in welcher veralteten Bedeutung es nur noch zuweilen in dem Worte Sterbekittel vorkommt. In der Deutschen Bibel, Sir. 40, 4, Es. 3, 23, Offenb. 1, 13, wo Luther das Wort Kittel gebraucht, ist gleichfalls ein langes, leichtes Sommergewand zu verstehen. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ist es ein schlechtes grobes leinenes Oberkleid gemeiner Leute beyderley Geschlechtes. Ein Bauerkittel, Fuhrmannskittel, Weiberkittel.

Anm. Im Nieders. und Dän. gleichfalls Kittel, im Pohln. Kitel und Böhm. Kytle. Der Begriff der Bedeckung ist darin der herrschende, daher es mit Kutte, Kotze, Haut, Hut, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Rock, zu einem und eben demselben Stamme gehöret. Die Endsylbe -el scheinet hier ein Werkzeug zu bezeichnen.


Kitten (W3) [Adelung]


Kitten, verb. reg. act. mit Kitt verbinden. Zerbrochenes Porzellan kitten. Ein Glas kitten. So auch die Zusammensetzungen ankitten, aufkitten, einkitten. S. Kitt.


Kitze (W3) [Adelung]


Die Kitze, plur. die -n, Diminut. das Kitzchen, Oberd. Kitzlein. 1) Das weibliche Geschlecht der Katzen im gemeinen Leben, S. 9. Katze. 2) Eine Ziege, besonders eine junge Ziege, auch ein junges Böckchen, gleichfalls nur im gemeinen Leben. Im Dän. Kid. Im Wendischen ist Koza eine Ziege, und Kozel ein Bock, Lat. Hoedus, Schwed. Kidd, Engl. Kid, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . S. Gaitz und Ziege.


Kitzel (W3) [Adelung]


Der Kitzel, des -s, plur. inus. 1) Eigentlich, der höchste Grad des Juckens, welcher zunächst an den Schmerz gränzet, gemeiniglich ein Lachen erreget, und durch eine zitternde Bewegung der Nerven verursacht wird. Einen Kitzel im Halse empfinden. Ingleichen die Fähigkeit, diese Empfindungen durch äußere Berührung zu bekommen. Den Kitzel verlieren. Jemanden den Kitzel vertreiben. 2) In weiterer Bedeutung, ein hoher Grad der sinnlichen angenehmen Empfindungen; gemeiniglich im nachtheiligen und verächtlichen Verstande. Gehet hin und mordet zu seinem Kitzel. Was ist der flüchtige Kitzel, womit alle gekünstelten Gerichte die Zunge reitzen? Ein verzärtelter Leib, der stets an den Kitzel angenehmer Empfindungen gewöhnt ist, Gell. Sejus fühlt einen Kitzel, wenn sein Vermögen wächst, ebend. Kleanth ist, um den Kitzel des Geschmacks zu empfinden und zu vervielfältigen, ebend. 3) Figürlich, eine aus dieser sinnlichen Empfindung herrührende ungeordnete Begierde, das unruhige Verlangen, sich ein ungeordnete sinnliches Vergnügen zu verschaffen; gleichfalls im verächtlichen Verstande. Der Kitzel der Schwaghaftigkeit reißt ihn dahin. Den Kitzel der Schreibsucht fühlen. Der Kitzel sticht ihn, er fühlt ein solches unruhiges ungeordnetes Verlangen. Bey einem Manne, den noch der Kitzel wie ihn sticht, Weiße, der noch so verliebt ist. Der Kitzel ist ihm vergangen. Der Dichterkitzel, Autorkitzel u. s. f. Schickt ihn, um ihm den Kitzel zu vertreiben, Zwey Jahre nach Amerika, Gell. S. Kitzeln.


Kitzelhusten (W3) [Adelung]


Der Kitzelhusten, des -s, plur. inus. ein Husten, welcher von einem Kitzel, welchen man an dem obern Theile der Luftröhre empfindet, verursachet wird; Tussis titillatoria.


Kitzelig (W3) [Adelung]


Kitzelig, zusammengezogen kitzlig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Eigentlich, fähig leicht Kitzel zu empfinden, in der eigentlichsten Bedeutung des Hauptwortes, fähig leicht gekitzelt zu werden; am häufigsten als ein Nebenwort: Kitzelig seyn. An einer Stelle des Leibes kitzelig seyn. Nieders. kiddelsk, Schwed. kitslig. 2. Figürlich. 1) Empfindlich, in der vertraulichen Sprechart, doch nur im engern Verstande, fähig leicht Unwillen über etwas zu empfinden, fähig sich leicht für beleidiget zu halten. In der Ehre ist er sehr kitzelig. Nieders. kiddelhaarig. 2) Eine kitzelige Sache, in der vertraulichen Sprechart, eine bedenkliche Sache, welche mit Behutsamkeit behandelt werden muß. Anm. Von vielen wird dieses Wort kitzelich, kitzlich geschrieben. Allein, wenn es die Ableitungssylbe lich bekommen soll, so muß auch das l verdoppelt werden, und man muß kitzellich schreiben und sprechen.


Kitzeln (W3) [Adelung]


Kitzeln, verb. reg. act. Kitzel verursachen. 1) Eigentlich, in der eigentlichen Bedeutung des Hauptwortes. Jemanden kitzeln, durch Berührung gewisser empfindlicher Theile seines Leibes diejenige Empfindungen in ihm hervor bringen, welche der Kitzel genannt wird. Das Kitzeln nicht leiden können. Sich kitzeln, damit man lachen könne, sagt man von jemanden, welcher ohne begreifliche Ursache lacht, oder sich zum Lachen zwinget. Ingleichen unpersönlich. Es kitzelt mich, ich fühle diese Empfindung. 2) Eine hohen Grad der sinnlichen angenehmen Empfindung erwecken, gemeiniglich im nachtheiligen Verstande. Was die Einbildungskraft auf eine feine Art reitzet und kitzelt. Seine Geschmack kitzeln. Jemandes Ohren kitzeln, ihm Dinge erzählen, welche er gerne höret. Da kitzelt er sein Ohr mit richtenden Gewäschen, Günth. In engerer Bedeutung, sich kitzeln, sich innerlich und herzlich über etwas freuen. Ein Spötter kitzle sich, ich gönn ihm seinen Wurm, Günth. Nur Denker kitzeln sich bey andrer Schmach und Schmerzen, Haged. Sich über etwas kitzeln, sich herzlich und innerlich darüber freuen. Daher die Kitzelung, welche zuweilen für Kitzel gebraucht wird. Eine angenehme Kitzelung empfinden.

Anm. Im Oberd. kutzeln, daher es auch einige Hochdeutsche kützeln sprechen und schreiben, in Boxhorns Glossen kichizolon, im Nieders. kiddeln, in einigen Gegenden Englands to kittle, in andern tickle, im Dän. kille und kildre, im Angels. citelan, im Schwed. kittla, im Franz. chatouiller, im Lat. titillare, im Lettischen kutteht, im Finnländ. cutitus. Es scheinet das Diminut. von getzen, in ergetzen zu seyn, wenn es nicht vielmehr das Iterartivum oder Diminutivum von einem veralteten Zeitworte kiten, leicht stechen, berühren, ist, weil doch die Empfindung des Kitzels eine Art eines angenehmem Stechens ist. Das Engl. to tickle, kitzeln, ist gleichfalls das Diminut. von tick, berühren, Nieders. ticken, woher vermittelst des vorgesetzten Zischlautes unser stechen stammet. In Boxhorns Glossen wird kizigusta durch angebat übersetzt, welches gleichfalls eine Art des Stechens ist.


Klack (W3) [Adelung]


Klack, Klacks, ein im gemeinen Leben übliches Wort, denjenigen Schall nachzuahmen, welchen ein breiter oder weicher Körper, im Fallen macht. Klacks, da lag es. Im Oberd. ist der Klack, plur. die Kläcke, eine Kluft, eine Schrunde, ein Spalt, so wohl in dem Holze, als auch in dem Erdboden; und klacken, kläcken, bersten, ingleichen für klappen. Siehe Klecken, Leck, Lechzen, Loch.


Kläcken (W3) [Adelung]


Kläcken, Kläcks, S. Klecken u. s. f.


Kladde (W3) [Adelung]


* Die Kladde, plur. die -n, ein vornehmlich im Nieders. übliches Wort, so wohl den ersten Aufsatz einer Schrift, als auch das jenige Buch der Kauf- und Handelsleute zu bezeichnen, worein die täglichen Geschäfte nur flüchtig und ohne Zierlichkeit verzeichnet werden: das Schmutzbuch, in einigen Oberdeutschen Gegenden das Klättbuch, Klitterbuch, Kleckbuch, Sudelbuch. Von dem im gemeinen Leben üblichen kleien, klittern, schlecht schreiben. Im Nieders. und Holländ. ist Kladde Schmutz, Unreinigkeit. S. Kleckbuch.


Klaffen (W3) [Adelung]


* Klaffen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches eigentlich eine gewisse Art des Schalles ausdruckt, und besonders in folgenden Fällen gebraucht wird, in welchen es aber im Ober- und Niederdeutschen üblicher ist, als im Hochdeutschen. 1) Einen gewissen Schall verursachen, welchen man im Hochdeutschen durch klappen ausdruckt, in welchem Verstande es nur im Oberdeutschen vorkommt, wo der Klaff Crepitus, die Klaffe oder der Klaffen eine Klapper, und klaffen auch klappern ist. Bey dem Notker ist Chlaffot dirre Werelte das Geräusch dieser Welt. 2) Mit diesem Schalle bersten, aufspringen, und in weiterer und figürlicher Bedeutung nicht nur für bersten, aufspringen überhaupt, sondern auch für von einander stehen, abstehen, sich nicht gehörig schließen, von Dingen, welche sich schließen sollten; gleichfalls im Oberdeutschen. Die Thür klaffet, wenn sie abstehet, nicht schließet. Der Deckel klaffet, wenn er nicht fest auflieget. Die Erde klaffet überall vor Hitze, springt auf, bekommt Risse. Eine klaffende Wunde, welche weit von einander stehet. Klaffendes Holz, welches Spalten hat. In dieser Bedeutung ist es das Neutrum von dem Oberdeutschen Activo klieben, Nieders. klöben, spalten. Siehe Klafter, Kloben, Kluft, Lefze, Lippe. 3) Reden, plaudern, schwatzen; so wohl im Oberdeutschen, als im Niedersächsischen. Sie weiß artig zu klaffen, zu schwatzen. Wir wollen von etwas andern klaffen. Das Klaffen der Stahre, Papageyen. In engerer Bedeutung ist klaffen; kleffen, klappeien, aus der Schule schwatzen, etwas durch Worte verrathen, um Lübeck klaffen, trotzig reden, im Dän. klaffe, und im Schwed. klaffa, verleumden. Weiberlippen sind geschaffen Mehr zum küssen, als zum klaffen, Logau. Für reden, sprechen im guten Verstande gebraucht es Schenk Ulrich von Winterstetten: Ir vil minneklicher Lip Huob gen mir sin klaffen Hoerent wie diu tugende riche sprach u. s. f. Daher der verächtliche Nebenbegriff dem Worte nicht wesentlich anklebet. Im Hochdeutschen ist es in allen diesen Bedeutungen ungewöhnlich. Das Schwed. gläppa bedeutet unbedachtsam reden. S. Lippe, Klatschen und das folgende.


Kläffen (W3) [Adelung]


Kläffen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben; welches für das vorige Zeitwort auch im Hochdeutschen üblich ist, aber nur von dem hellen Bellen kleiner Hunde gebraucht wird. Kleine Hündchen, die den ganzen Tag kläffen, und bey al- lem ihrem Geklässe niemand beißen. Im Schwed. ist glaffa bellen, im Franz. clabauder stark bellen, und clapir von dem natürlichen Geschrey der Kaninchen.


Klaffer (W3) [Adelung]


* Der Klaffer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Klafferinn, im Oberdeutschen, eine schwatzhafte, plauderhafte Person, ein Schwätzer, in der Deutschen Bibel Sir. 51, 7, Kläffer.


Kläffer (W3) [Adelung]


Der Kläffer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Hund, welcher viel bellet, beständig bellet; auch im Hochdeutschen, besonders von kleinen Hunden dieser Art. S. Kläffen.


Klagbar (W3) [Adelung]


Klagbar, adj. et adv. 1) So beschaffen, daß darüber gerichtlich geklaget werden kann, in welchem Verstande es doch nur selten gebraucht wird. Die Sache ist noch nicht klagbar. 2) Wirklich vor Gericht klagend, in der gerichtlichen Schreibart, und als ein Nebenwort. Klagbar werden, vor Gericht klagen. 3) Vor Gericht als eine Klage angebracht, auch nur in der rechtlichen Schreibart. Klagbare Sachen, welche als Klagen bey einem Gerichte angebracht sind.


Klage (W3) [Adelung]


Die Klage, plur. die -n, das Abstractum des folgenden Zeitwortes, die Handlung des Klagens, und die Worte und Töne, wodurch solches geschiehet, der Ausdruck unangenehmer Empfindungen durch Töne, und besonders durch Worte. 1. Überhaupt, wo es am häufigsten im Plural gebraucht wird. In Thränen und laute Klagen ausbrechen. Seine Klagen vor jemanden ausschütten. Verschone mich mit deinen Klagen. Mein Herz verzehret sich längst in geheimen Klagen, Weiße. Im gemeinen Leben ist dafür auch der Infinitiv das Klagen üblich. Die biblischen Ausdrücke eine Klage halten, eine Klage klagen, seine Klage bey sich gehen lassen u. s. f. sind im Deutschen ungewöhnlich. 2. In engerer Bedeutung. 1) * Die laute Klage über einen Verstorbenen, eine Bedeutung, welche mit der Sache selbst im Deutschland veraltet ist, in welcher aber dieses Wort noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Eine große und bittere Klage halten, 1 Mos. 50, 10. In einigen Gegenden ist noch ein Überbleibsel davon vorhanden, indem Klage daselbst das feyerliche Beyleid bezeichnet, welches man den Hinterbliebenen eines Verstorbenen bezeiget. Die Klage einnehmen. Im Oberdeutschen wird es auch noch von der Trauer gebraucht. Die Klage anlegen, die Trauer. Nicht aus der Klage kommen, aus der Trauer. In der Klage gehen, in der Trauer. 2) Der Ausdruck unangenehmer Empfindungen über eine Person oder Sache gegen einen andern. Seine Klage bey einem vorbringen. Klage über etwas erheben. Ich habe keine Klage darüber, habe nicht Ursache darüber zu klagen. Man höret viele und große Klagen über dich. Mache nicht, daß Klagen über dich kommen. Es laufen viele Klagen ein. 3) In noch engerer Bedeutung, die Klage über eine Person oder Sache vor Gericht, von einem Richter, ingleichen die Schrift, worin solche enthalten ist. Die Klage über Beschimpfung, über Diebstahl. Eine schriftliche Klage. Seine Klage eingeben, zurück nehmen, liegen lassen. Auf die Klage antworten. Eine Klage abweisen, annehmen. Du wirst mit der Klage nicht fortkommen.

Anm. Bey dem Ottfried Klaga, im Oberd. Klagd, im Plural Klägde, im Nieders. und Holländ. Kiagt. Frisch irret sich, wenn er glaubt, daß das Hochdeutsche Klage sein Zeichen des Abstracti verloren habe. Das e ist so gut ein Zeichen des Abstracti als d und de; sonst müßten Plage, Sage, Lüge, Mühe und hundert andere gleichfalls kein Zeichen des Abstracti mehr haben.


Klagefall (W3) [Adelung]


Der Klagefall, des -es, plur. die -fälle, S. Klagendung.


Klagefrau (W3) [Adelung]


Die Klagefrau, plur. die -n, Frauen, welche ehedem bey Leichen gedungen wurden, den Verstorbenen zu beklagen, und welche noch an einigen Orten, wenigstens dem Nahmen nach, vorhanden sind, da die Sache selbst längst abgekommen ist. Sie werden auch Klageweiber, Klagemütter und an andern Orten Leichenweiber, Trauerweiber, Leidfrauen, Leidschwestern genannt. In Cöln hatte man ehedem bey der Beerdigung eines Erzbischofes auch Klage- oder Schreyherren. Figürlich führet auch eine Art der Nachteulen, Strix Funerea L. deren klägliches Schreyen der Abergalube für den Vorbothen eines Todesfalles hält, den Nahmen des Klagefrau, Klagemutter oder Todteneule, Todtenuhr.


Klagegedicht (W3) [Adelung]


Das Klagegedicht, des -es, plur. die, eine Elegie, ein Gedicht, worin traurige Empfindungen herrschen.


Klagehaus (W3) [Adelung]


Das Klagehaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, in welchem über einen Verstorbenen geklaget wird, ein außer der Deutschen Bibel ungewöhnlich gewordenes Wort, wofür im Hochdeutschen Trauerhaus, und im gemeinen Leben Leidhaus üblicher sind.


Klageherr (W3) [Adelung]


Der Klageherr, des -en, plur. die -en, obrigkeitliche Personen zu Cöln am Rhein, welche über geringe Streitigkeiten zu erkennen haben.


Klagelied (W3) [Adelung]


Das Klagelied, des -es, plur. die -er, ein trauriges Lied, und in weiterer Bedeutung, ein Gedicht, in welchem traurige Empfindungen herrschen; am häufigsten in der dichterischen Schreibart. Die Klagelieder Jeremiä sind unter diesem Nahmen bekannt.


Klagemutter (W3) [Adelung]


Die Klagemutter, plur. die -mütter, S. Klagefrau.


Klagen (W3) [Adelung]


Klagen, verb. reg. unangenehme Empfindungen durch Töne und Worte merklich machen. Es ist in dreyfacher Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Überhaupt. Die Fürsten trauerten, Mann und Weib klagten, 1 Macc. 1, 27. Diese murmeln und klagen immerdar, Br. Judä V. 16. Man höret ihn das ganze Jahr klagen Immer etwas zu klagen haben. Eine klagende Stimme. Der Gegenstand der Klage bekommt das Vorwort über. Über theure Zeiten, über Mangel der Nahrung, über andrer Stolz, über jemandes Bedrückung klagen, über Schmerzen im Kopfe, über schlaflose Nächte, über Mattigkeit, über Frost klagen. Ich habe nicht über Schmerzen zu klagen. Im Oberdeutschen auch wohl mit der vierten Endung. Schmerzen klagen, d. i. über Schmerzen. Eh als sie was geklagt Und Krankheit hat gefühlt, Opitz. Der persönliche Gegenstand, an welchen die Klage gerichtet ist, wird in diesem Falle vermittelst des Vorwortes ausgedruckt. Bey jemanden über etwas klagen. 2) In engerer Bedeutung, bey einem Höhern, bey einem Richter, klagen. So wohl absolute. Er will klagen. Als auch mit dem Ausdruck des Gegenstandes der Person und Sache. Über jemand klagen. Noch mehr mit dem Vorworte wider. Wider jemand klagen. Der Endzweck, die Absicht der Klage, erhält das Wort auf. Auf die Ehescheidung, auf die Ehrenerklärung, auf eine Schadloshaltung klagen. Bey der Obrigkeit, vor Gericht klagen. II. Als ein Reciprocum, sich klagen, in welcher Gestalt es doch nur im Oberdeutschen und einigen gemeinen Mundarten üblich ist, für sich beklagen. So wohl absolute. Ihm (dem Fremden) wenn er sich klagt, erleichtern seine Last, Opitz. Als auch mit der zweyten Endung der Sache. Der sih ouch Paulus chlageta, Notk. Sich seines Kopfes klagen, über seinen Kopf klagen. Ingleichen mit einem Vorworte. Da ich mich klag ob meiner Pein, Opitz. In engerer Bedeutung ist es im gemeinen Leben der Meißner in der absoluten Gestalt sehr üblich, über körperliche unangenehme Empfindungen klagen. So bald sich eins im Hause klagt, Gell. Über Unpäßlichkeit klagt. Sie wissen es, ich klage mich nicht so leicht, ebend. Er hat gestern angefangen, sich zu klagen. Andern, besonders Niedersächsischen Mundarten, ist diese Art des Ausdruckes ein Anstoß. III. Als ein Activum, seine unangenehmen Empfindungen durch Worte entdecken, mit der vierten Endung der Sache. 1) Überhaupt, mit der dritten Endung der Person. Einem etwas klagen. Lassen sie sich meine Noth, mein Elend, mein Anliegen, meinen Jammer klagen. Das sey dem Himmel geklagt. Mindert sich nicht unsere Unruhe schon indem wir sie einem Freunde klagen? Gell. Mit Auslassung der vierten Endung der Sache, wir haben euch geklagt, und ihr wollet nicht weinen, Matth. 11, 17, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. 2) * In engerer Bedeutung, für beklagen, mit Auslassung der dritten Endung der Person; eine nur im Oberdeutschen übliche Bedeutung. Wer seinem Kinde zu weich ist, der klaget feine Striemen, Sir. 30, 7. In noch engerer Bedeutung, einen Verstorbenen beklagen. Charl chlagte sine toten, Stryker. Man wird ihn nicht klagen, ach Bruder! Jer. 22, 18. Wenn einer stirbt, so klage ihn, Sir. 38, 16. Da kam Abraham, daß er sie klagte und beweinte, 1 Mos. 23, 2. In welcher Bedeutung es auch in der höhern Schreibart der Hochdeutschen zuweilen gebraucht wird. Nunmehr klagt er ihn trostlos, Klopst. Und wenn man sie nunmehr begräbt, Wird sie kein Edler klagen, Weiße. Die Freunde klagen ihn und weinen oft dazwischen, Zach. Das Hauptwort die Klagung ist nur in den zusammen gesetzten Zeitwörtern üblich, weil die Klage und das Klagen dafür gebraucht werden.

Anm. Klagen, schon bey dem Kero clagen, bey dem Ottfried klagon, im Nieders. gleichfalls klagen, im Schwed. klaga, ist eine Nachahmung des kläglichen Tones, durch welchen sich die unangenehme Empfindung äußert, dessen höhere Grade durch wehklagen, weinen, winseln, ächzen u. s. f. ausgedruckt werden. Es gehöret daher zu dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, weinen, bey dem Ulphilas klahai, von dem Weinen kleiner Kinder, im Nieders. klönen, klagen, und andern Zeitwörtern dieser Art. So fern bloß auf den lauten Ausdruck gesehen wird, bedeutet klönen im Nieders. auch mit einer durchdringenden Stimme reden, und klaga im Schwedischen sagen, aussprechen. Daß man diese Ableitung schon ehedem gekannt haben müsse, erhellet aus dem mittlern Lat. wo clamare gerichtlich klagen, und Clamor, Clameum, eine gerichtliche Klage bedeutet, woher auch die Engländer ihr Claim, eine Klage, haben. Ja das Latein. clamare selbst gehöret mit zu dem Geschlechte des Deutschen klagen.


Klagendung (W3) [Adelung]


Die Klagendung, plur. die -en, bey einigen ältern Sprachlehrern, die vierte Endung der Nennwörter, als eine buchstäbliche Übersetzung des Latein. Kunstwortes Accusativus; bey andern der Klagefall, der Kläger. Gottsched nannte diese Endung besser die vierte Endung.


Kläger (W3) [Adelung]


Der Kläger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Klägerinn, eine Person, welche klagt. Die Kläger gehen umher, Pred. 12, 5. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur in der engern gerichtlichen Bedeutung des Zeitwortes, eine Person, welche bey dem Richter, oder vor Gericht klaget, im Gegensatze des Beklagen. Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Kläger seyn. Als Kläger erscheinen. Im Schwabenspiegel Clager.


Klageschrift (W3) [Adelung]


Die Klageschrift, plur. die -en, eine Schrift, welche eine Klage wider jemanden enthält, besonders im gerichtlichen Verstande, eine schriftliche gerichtliche Klage; die Klage.


Klageton (W3) [Adelung]


Der Klageton, des -es, plur. die -töne. 1) Ein kläglicher Ton; ohne Plural. Der Klageton, Mit dem du sprichst, ziemt nicht ein männlich Herz, Weiße.


Klageweib (W3) [Adelung]


Das Klageweib, des -es, plur. die -er, S. Klagefrau.


Kläglich (W3) [Adelung]


Kläglich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Einer Klage ähnlich, gemäß, in derselben gegründet. Ein kläglicher Ton. Eine klägliche Stimme. Ein klägliches Geschrey. Sehr kläglich um etwas thun. Kläglich weinen. 2) Werth beklaget zu werden, anders zum Klagen bewegend. Ein kläglicher Zustand. Das ist kläglich. Er siehet sehr kläglich aus. Klägliche Zeiten. Bey dem Notker chlagelich.


Klaglos (W3) [Adelung]


Klaglos, adv. welches nur in der gerichtlichen Bedeutung des Wortes Klage üblich ist. Jemanden klaglos stellen oder machen, ihn befriedigen, und ihm dadurch alle Ursache zur Klage benehmen.


Klamm (W3) [Adelung]


* Klamm, -er, -este, adj. et adv. ein Wort, welches nur in den gemeinen Mundarten, besonders Niedersachsens, üblich ist. Es bedeutet, 1. enge; im gemeinen Leben der Hochdeutschen auch knapp. Die Schuhe sind mir zu klamm. Klamme Schuhe. Noch mehr. 2. figürlich. 1) beängstiget, enge um die Brust und um das Herz, im Niedersächsischen. Es ist mir so klamm um das Herz. Klammherzig ist eben daselbst enge um das Herz, beängstiget. 2) Nahe an einander gedrängt, den innern Theilen nach. Der Schnee ist klamm, wenn er sich ballet; Schwed. kram, Isländ. krom. Ingleichen für kleberig, einen gewissen Mittelstand zwischen trocken und feucht zu bezeichnen. Klamme Hände haben, welche von Schweiß kleberig sind. Engl. clammy. 3) Derb, fest, gediegen. Klammes Gold, gediegenes Gold. Klammgellige Felsen, im Bergbaue, hartes Gestein. Im Nieders. auch klammer. 4) Schwer zu haben und zu bekommen; knapp. Das Geld ist hier sehr klamm. Es sind klamme Zeiten, wo die Bedürfnisse schwer zu erwerben sind. Das Wasser wird klamm, fänget an zu fehlen. Im Bergbaue ist klamm genau gewogen.

Anm. Im gemeinen Leben der Hochdeutschen ist dafür auch klemm üblich, S. dieses Wort, so wie klemmen, welches gleichfalls zu dessen Geschlechte gehöret. Es gehöret zu Leim, weil der Begriff des Bindens der herrschende in diesem Worte und dessen sämmtlichen Verwandten ist. Die Hauch- und Gaumenlaute ch, g, h und f vor den flüssigen Buchstaben l, m, n, r gehören selten zum Stamme, sondern sind oft nur müßige Vorschläge hauchender Mundarten. Im Angels. ist Clam ein Band. S. die folgenden. Zur Familie dieses Wortes gehören noch das Nieders. der Klamm, ein Klumpen, welches Hochdeutsche Wort selbst daraus entstanden ist, die Nieders. verklamen, vor Kälte erstarren, klamerig, vor Kälte erstarret, Klämke, eine träge, unentschlossene, gleichsam erstarrete Weibesperson, die Hochdeutschen bekommen, klimmen, und wenn man das oben gedachte Schwed. kram. und Isländ. krom mit in Betrachtung ziehet, auch zum Theil unser krumm, verkrummen, Krampf, krimmen und andere mehr.


Klamm (W3) [Adelung]


* Der Klamm, des -es, plur. inus. auch nur im gemeinen Leben, eine Art des Krampfes in der Luftröhre zu bezeichnen, Agina. Den Klamm haben. S. das vorige und Klemme.


Klammer (W3) [Adelung]


Die Klammer, plur. die -n, ein Haken, oder ein mit Haken versehenes Werkzeug, etwas damit fest zu halten, oder zu befestigen, in welchem Verstande es doch nur noch einen geraden, an beyden Enden nach einem rechten Winkel gekrümmten eisernen Haken bezeichnet, dessen sich vornehmlich die Zimmerleute bedienen, Stücke Bauholz auf eine kurze Zeit damit zu befestigen; der Klammerhaken, Holzhaken, Österreich. Klampfe, Nieders. Klammhacken. Im Bergbaue hat man Fahrtklammern, welche in das Gevierte über einen Schacht geschlagen werden, damit sich die Bergleute daran erhalten können. In weiterer Bedeutung wird in einigen Oberdeutschen Gegenden das bewegliche Eisen an einer Thür, welche auf den Kloben passet, und vor welches das Vorlegeschloß geleget wird, eine Klammer genannt. In Ober- und Niedersachsen heißt es mit einem nahe verwandten Worte eine Krampe, im Österreich. die Narb, in Regensburg die Anlege. Anm. Im Dän. Klammer, im Schwed. Klaemmel, Kraemmel, im Pohln. Klamra. Die Endsylbe -er bedeutet ein Werkzeug. Die erste Hälfte ist das veraltete klammen, fest halten, verbinden. S. Klamm, Klimmen, Klampe, Klaue, Krampe u. s. f. Große mit starken Klauen versehene Raubvögel werden von eben diesem Zeitworte im Nieders. Klammvögel genannt; im Sachsensp. klemmende und krimmende Vögel. Im Holländ. ist Klamme, Klampe ein Haken.


Klammern (W3) [Adelung]


Klammern, verb. reg. act. et neutr. 1) Mit den Händen oder Klauen fest halten, als das Intensivum oder Iterativum des veralteten klammen, oder auch von dem vorigen Klammer; am häufigsten in den Zusammensetzungen anklammern, beklammern u. s. f. Kaum sah er den Kater Über den Räsicht geklammert - Zachar. d. i. auf dem Käfich liegend, und sich mit seinen Klauen auf demselben fest haltend. Bey dem Grafen Otto von Bottenleube kommt es in figürlichem Verstande vor: Din minne ist gar ein zange mir sie klembert mich, ich muos zuo dir; d. i. sie hält mich, oder ziehet mich. 2) Als das Iterativum oder Intensivum von klemmen, wo es im gemeinen Leben zuweilen statt dieses Wortes gebraucht wird. Einem Pferde die Hoden zusammen klammen, eine Art des Wallachens.


Klammgällig (W3) [Adelung]


Klammgällig, -er, -ste, adj. et adv. im Bergbaue, sehr fest und hart. Klammgälliges Gestein. Klammgällige Felsen. S. Klamm, Klemmig und Gällig, welche hart bedeuten, doch so, daß die erstern mehr eine zähe Härte zu bezeichnen scheinen.


Klampe (W3) [Adelung]


Die Klampe, plur. die -n, ein nur in einigen Fällen übliches Wort, ein Werkzeug oder Hülfsmittel des Festhaltens, der Verbindung zu bezeichnen. In der Zimmermannskunst sind die Klampen Querbalken in dem Roste zum Grunde eines Gebäudes, welche die Rostpfähle mit einander verbinden. Im Engl. sind Clamps diejenigen Balken, welche mitten durch das Schiff gehen, die Seitentheile zu verbinden. In dem Schiffbaue sind die Halsklampen mit Haken versehene Löcher an den Borten des Schiffes, die Halsen daran zu befestigen; wo Klampe eigentlich den Haken bedeutet. S. Krampe und Klammer.


Klämpener (W3) [Adelung]


Klämpener, Klämpern, S. Klempener.


Klander (W3) [Adelung]


Der Klander, S. Calander.


Klang (W3) [Adelung]


Der Klang, des -es, plur. die Klänge, ein klingender, d. i. angenehm und hell lautender Schall oder Laut von einiger Dauer; eine Onomatopöie dieses Schalles selbst, welche sich, so wie alle Wörter dieser Art, besser empfinden als beschreiben lässet. Metalle, musikalische Instrumente u. s. f. geben in gewissen Fällen einen Klang von sich. Keinen Klang haben. Der Klang der Harfen, Es. 14, 11. (Er) Hörte nicht des melodischen Cymbels harmonische Klänge, Zachar. Wo es zunächst für Töne stehet. Aus der Vergleichung mehrerer Klänge entstehet der Begriff eines Tones, S. dieses Wort. In engerer Bedeutung bezeichnet es zuweilen den Klang der Glocken. Ohne Klang und Gesang begraben werden, ohne Läutung der Glocken und ohne Gesang.

Anm. Bey dem Notker Chlanch, bey dem Hornegk Chlunckh, im Nieders. und Dän. gleichfalls Klang. Klink, klank ist ein im gemeinen Leben üblicher unabänderlicher Redetheil, einen Schall dieser Art durch Nachahmung auszudrucken; wo denn das erstere Wort wegen des feinern und rundern i einen kleinern feinern, das letztere aber wegen des breitern a einen gröbern oder stärkern Klang ausdrucket. Hierin liegt zugleich der Grund von Hrn. Stoschens ganz richtigen Bemerkungen, daß klingen und einen Klang haben nicht alle Mahl völlig gleich bedeutend sind, obgleich Klang das Abstractum des Zeitwortes ist. Von großen Glocken wird man lieber sagen, sie haben einen guten Klang, als sie klingen gut. Der Plural Klänge ist von einigen getadelt worden; allein er ist so wohl der Sache als der Sprache völlig gemäß, man mag ihn nun von mehrern Arten oder von mehrern Individuis gebrauchen. Ehedem wurde dieses Wort zuweilen in weiterer Bedeutung für Schall, Knall u. s. f. gebraucht, wovon Frisch einige Beyspiele anführet, und wovon auch die Zusammensetzungen Wohlklang, Mißklang, Übelklang, Nachklang u. s. f. zeugen. In ältern Oberdeutschen Schriften kommt Clang mehrmahls für Lärmen, Getöse vor. Da es uns aber an Wörtern nicht fehlet, alle Arten von Lauten, Schallen und Tönen nach allen ihren Abänderungen und Schattirungen auszudrucken, so sollte man sie nicht ohne Noth mit einander verwechseln. Der Naselaut ng druckt das Tönende eines Klanges zu bestimmt aus, als daß sich dieses Wort ohne eine harte Figur auf andere Arten anwenden ließe. Die Latein. Clangor und clangere sind genau damit verwandt. S. Klingen.


Klapf (W3) [Adelung]


* Der Klapf, des -es, plur. die -e, ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, eine Art eines Schalles auszudrucken, welcher in der Stärke eigentlich das Mittel zwischen dem schwächern Klaff und stärkern Klapp ist. Es sprang ein Stein, welcher einen Klapf gleich einem Donner gab, Bluntschli, ein Schweizerischer Schriftsteller. Ein Donnerklapf, ein Donnerschlag. Daher das Oberdeutsche klapfen, einen solchen Schall verursachen. S. Klaff, Klapper, Klapps, Klopfen und das folgende.


Klapp (W3) [Adelung]


Klapp, ein unabänderliches und nur im gemeinen Leben der Hoch- und Niederdeutschen übliches Wort, denjenigen Schall nachzuahmen, welcher durch das Zusammenschlagen zweyer breiter harter, oder eines harten und eines weichen Körpers verursacht wird. Engl. Clap. Er bekam eins hinter die Ohren, das sagte klapp. Daher das im Nieders. übliche Hauptwort der Klapp, des -es, plur. die -e, so wohl dieser Schall, als auch dessen wirkende Ursache, ein Schlag, wofür im Oberdeutschen das vorige Klapf und im Hochdeutschen Klapps üblich ist, S. das letztere. Im Nieders. ist Achterklapp der Nachklang. Ein feinerer, kleinerer Schall dieser Art wird durch klipp ausgedruckt, so wie in klopfen ein gröberer zum Grunde liegt.


Klappe (W3) [Adelung]


Die Klappe, plur. die -n, Diminut. das Kläppchen, Oberd. Kläpplein, ein jeder hinten mit einem Gewinde befestigter Deckel, welcher mit einem Schalle, welchen das Wort Klapp ausdruckt, zufällt; ingleichen eine kleine horizontale oder senkrechte Thür dieser Art, welche auf ähnliche Art durch ihr eigenes Gewicht von oben niederfällt, eine Fallthür. die Klappe auf oder an einer Kanne, der Deckel. Die Klappe an einem Taubenschlage, die kleine Fallthür, der Schlag. Die Klappe an einem Blasebalge, an einer Pumpe, welche in der Sprache der Kunst das Klappen-Ventil genannt wird. Franz. Clapet. Auch ähnliche Theile an gewissen Kleidungsstücken. Die Klappe an den Beinkleidern; die Hosenklappe. Die Klappe an gewissen Handschuhen der Frauenzimmer, S. Klapphandschuh. In andern Fällen heißt ein solcher Theil an Kleidungsstücken der Aufschlag, die Krämpe u. s. f. Im Nieders. wird auch eine Zugbrücke eine Klappe genannt.


Klappen (W3) [Adelung]


Klappen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, einen solchen Schall von sich geben, als das Wort Klapp ausdruckt. Schlagen, daß es kleppt. Die Thür klappt nieder, fällt mit einem solchen Schalle nieder. Die Teller klappen schon, im Oberdeutschen, wofür im Hochdeutschen das Frequentativum klappern üblich ist, so wie in der R. A. mit den Zähnen klappen, welches in dem zusammen gesetzten Zähnklappen einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt. Man wird über ihn mit den Händen klappen, Hiob 27, 23; wofür man im Hochdeutschen klatschen gebraucht, obgleich klappen in eben dieser Verbindung auch Es. 55, 12, Klagel. 2, 15, Nahum 3, 19, und Zeph. 2, 15 vorkommt. Da wird man hören die Geißeln klappen, Nahum 3, 2; wofür man im Hochdeutschen gleichfalls klatschen, ingleichen knallen, im Oberd. aber schnalzen sagt. Klingt es nicht, so klappt es doch, im gemeinen Leben. Wenn es zum Klappen kommt, im gemeinen Leben, wenn es zur Sache selbst kommt, wenn es Ernst wird, wenn es zum Treffen kommt. Ingleichen figürlich, für klingen, im gemeinen Leben. Die Verse klappen nicht, haben keinen Wohlklang. Das klappt nicht, schickt sich nicht zur Sache. S. Klappsen. 2. Als ein Activum, diesen Schall hervor bringen, oder vielmehr mit Hervorbringung dieses Schalles niederlassen, aufmachen u. s. f. besonders in den Zusammensetzungen aufklappen, niederklappen u. s. f. wo es von jedem Dinge gebraucht wird, welches unter dem Nahmen der Klappe bekannt ist, oder ihr doch gleicht, auch wenn mit dieser Handlung gleich kein merklicher Schall verbunden ist. Die Handschuhe aufklappen. Den Hut niederklappen, die Krämpe an dem Hute. In weiterer Bedeutung auch für schlagen, doch nur von derjenigen Art des Schlagens, welche diesen Schall hervor bringet. Mit dem Lineale auf den Tisch klappen.

Anm. Im Engl. to clap, im Schwed. und Isländ. klappa, wo es aber mehrere verwandte Arten des Schalles und des Schlagens bezeichnet, wohin auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Lat. Colaphus, das Ital Colpo, Franz. Coup u. a. m. gehören. S. Klaffen, Klepper und Klopfen.


Klappen-Ventil (W3) [Adelung]


Das Klappen-Ventil, des -es, plur. die -e, ein Ventil mit einer Klappe, S. Klappe.


Klapper (W3) [Adelung]


Die Klapper, plur. die -n, ein Werkzeug zum Klappern, oder damit zu klappern; dergleichen die Klappern kleiner Kinder, die Klappern der Nachtwächtern an manchen Orten, welche in einigen Gegenden Schnarken, Ratschen, im Nieders. Rateln heißen, u. s. f. sind. Auch bey den Jägern gebraucht man Klappern, Schnepfen und Hasen in das Garn zu treiben, welche aus dünnen Bretchen mit einem hölzernen Hammer, oder hölzernen Kugeln bestehen. ( S. Klappern.)


Kläpper (W3) [Adelung]


Der Kläpper, S. Klepper.


Klapperjagd (W3) [Adelung]


Die Klapperjagd, plur. die -en, diejenige Art der Jagd, wo man das Wild mit Klappern in das Garn treibet.


Klappermann (W3) [Adelung]


Der Klappermann, des -es, plur. die -männer. 1) Ein Mann mit einer Klapper, dergleichen am manchen Orten die Nachtwächter, die Almosensammler u. s. f. sind, wenn sie sich einer Klapper bedienen, andern ihre Gegenwart hörbar zu machen. 2) Ohne Plural wird der Tod in der komischen Schreibart zuweilen der Klappermann genannt, weil man ihn gemeiniglich unter dem Bilde eines dürren klappernden Gerippes vorstellet.


Klappermaul (W3) [Adelung]


Das Klappermaul, des -es, plur. die -mäuler, eine schwatzhafte Person, deren Mund in steter Bewegung wie eine Klapper ist; das Plappermaul.


Klappermühle (W3) [Adelung]


Die Klappermühle, plur. die -n, eine klappernde Mühle, eine Mahlmühle, so fern sie sich durch ihr klapperndes Geräusch von andern Mühlen unterscheidet. Ingleichen figürlich, wie Klappermaul.


Klappern (W3) [Adelung]


Klappern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und das Iterartivum und Intensivum von klappen ist, ein zitterndes und anhaltendes Klappen zu bezeichnen. Es bedeutet, 1) einen solchen Schall von sich geben, aus sich selbst hervor bringen, welches geschiehet, wenn harte Körper hurtig hinter einander auf einander stoßen. Die Zähne klappern mir vor Frost, wenn sie vor Kälte hurtig auf einander schlagen, Nieders. klappen und snätern, in der alten lombardischen Hist, bey dem Schilter chlosselun, im Tatian stridan, Franz. claquer. Ein Beutel voll Steine klappert, wenn man ihn schüttelt. Im Nieders. klätern, welches manche Arten des Klappern bestimmter und genauer ausdruckt, als das Hochdeutsche. Die Mühle klappert u. s. f. 2) Ein Geklapper hervor bringen, machen. Mit den Zähnen, mit den Tellern klappern. Der Storch klappert. Nun klappern die reisenden Störche, Haged. S. Klapperstorch.


Klappernuß (W3) [Adelung]


Die Klappernuß, plur. die -nüsse, in einigen Gegenden, ein Nahme der Pimpernüsse, weil sie klappern wenn sie geschüttelt werden; Staphylea pinnata L. Nieders. Kläternöte.


Klapperschlange (W3) [Adelung]


Die Klapperschlange, plur. die -n, eine giftige Schlange, welche häufig in Amerika gefunden wird, Schilder unter dem Leibe und Schilder und Schuppen unter dem Schwanze hat. Sie hat den Nahmen von einer Klapper, welche sie am Ende des Schwanzes führet, und durch deren Geräusche sie die Vögel und Eichhörnchen so erschreckt, daß sie sich endlich wie bezaubert in ihren offenen Rachen stürzen; Crotalus L.


Klapperschote (W3) [Adelung]


Die Klapperschote, plur. die -n, ein Ostindisches und Amerikanisches Schotengewächs, mit aufgeblasenen Hülsen, in welcher die Frucht klappert, wenn man sie bewegt; Crotallaria L.


Klapperstecken (W3) [Adelung]


Der Klapperstecken, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, die Stecken, welche die Fuhrleute, wenn sie Berg ab fahren, an die hintere Achse befestigen, so daß die Stecken in das Rad zu liegen kommen, dessen Bewegung vermindern und erschweren, aber zugleich ein heftiges Geklapper verursachen; Klappstecken, Klipperstecken.


Klapperstein (W3) [Adelung]


Der Klapperstein, des -es, plur. die -e, ein Stein, welcher zuweilen aus verwitterten Kiesnieren entstehet, oft aber auch ein bloßer Sandstein ist, der inwendig hohl ist, einen festen Kern in der Höhle hat und daher klappert, wenn man ihn schüttelt. ( S. Adlerstein,) welchen Nahmen er gleichfalls führet.


Klapperstorch (W3) [Adelung]


Der Klapperstorch, des -es, plur. die -störche, im gemeinen Leben, der Storch, wegen des Geklappers, welches er durch das Zusammenschlagen seines Schnabels verursacht, daher er in einigen Gegenden auch Kläppner, Kneppner heißt. S. Storch.


Klapphandschuh (W3) [Adelung]


Der Klapphandschuh, des -es, plur. die -e, Weiberhandschuhe, welche statt der Finger mit Klappen auf dem Obertheile versehen sind; im Gegensatze der Fingerhandschuhe.


Klappholz (W3) [Adelung]


Das Klappholz, des -es, plur. inus. im Forstwesen und dem Holzhandel, kleine Stücke gespaltenen Eichenholzes, so wie es zu den Fäßdauben gebraucht wird; zum Unterschiede von den größern Pipenstäben. Nieders. und Dän. gleichfalls Klapholt. Vermuthlich nicht so wohl von klappen, als vielmehr von klieben, spalten, Nieders. klöben, gespaltenes Holz, wovon in Nieders. Klave ein Nahme verschiedener gespaltenen Dinge ist. Im Schwed. ist klapa hauen, abhauen.


Klappmütze (W3) [Adelung]


Die Klappmütze, plur. die -n, eine kleine lederne Mütze welche nur den Scheitel bedecket; vielleicht so fern sie klappet, indem man sie aufsetzet.


Klapps (W3) [Adelung]


Klapps, ein Wort, welches den Schall nachahmet, welchen man im Oberd. durch Klapf und im Nieders. durch Klapp ausdrucket. Daher das Hauptwort der Klapps, des -es, plur. die -e, so wohl dieser Schall, als auch ein Schlag, welcher denselben hervor bringen. Jemanden einen Klapps geben, eine Schlag mit der flachen Hand, mit einem Lineale oder andern breiten Werkzeuge. Diminut. das Kläppschen Franz. Claque.


Klappsen (W3) [Adelung]


Klappsen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, einen Klapps machen oder hervor bringen; eine Art des Schalles, welche in Ansehung der Weiche des Schalles zwischen klappen und klatschen das Mittel hält. Ach, ich höre es klappsen - Ja, das Küchenmädchen hat richtig eine Ohrfeige von ihr weg, Hermes.


Klapptisch (W3) [Adelung]


Der Klapptisch, des -es, plur. die -e, ein Tisch, welchen man entweder ganz oder nur einem Theile nach auf- und niederklappen kann; ein Anschlage oder Aufschlagetisch.


Kläre (W3) [Adelung]


Die Kläre, pur. inus. 1) In den Schmelzbütten, eine zarte aus Beinen gebrannte Asche, woraus die Capellen für die Schmelzer gemacht werden. Von klar, so fern es zart, fein bedeutet; der Klärstaub. 3) Das Abstractum des vorigen Beywortes, doch nur so fern es fein, zart, bedeutet; im gemeinen Leben. Die Kläre des Zwirnes der Leinwand, des Mehles u. s. f.


Klare (W3) [Adelung]


Die Klare, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, in den Küchen Obersachsens, eine dünne Brühe zu einer Speise. Vermuthlich von klar, so fern es dünn, flüssig bedeutet.


Klären (W3) [Adelung]


Klären, verb. reg. act. klar machen, von flüssigen Körpern. Trübes Bier klären. Besonders als ein Reciprocum. Der Wein, das Bier kläret sich, wenn die fremdartigen Theile zu Boden sinken. In den zusammen gesetzten abklären, aufklä- ren, ausklären, erklären, und verklären, ist es zum Theil in figürlichen Bedeutungen üblich. Nieders. klaren, welches aber auch fertig machen bedeutet.


Klarfädig (W3) [Adelung]


Klarfädig, adj. et adv. einen klaren, d. i. feinen, zarten Faden habend; im Gegensatze des grobfädig.


Klärlich (W3) [Adelung]


Klärlich, adv. welches in einigen Fällen anstatt des einfachen klar üblich ist. Und sie lasen im Gesetzbuch Gottes klärlich und verständlich, daß mans verstund, da mans lase, Nehem. 8, 8. Ich will dir eine gewisse Lehre geben und dich klärlich unterrichten, Sir. 16, 24. Eine Sache klärlich beweisen. Man siehet hieraus klärlich, daß es nicht so gemeinet war. Es müsse dieß was klärlicher erscheinen, Opitz.


Klassisch (W3) [Adelung]


Klassisch, S. Classisch.


Klatsch (W3) [Adelung]


Klatsch, ein unabänderliches und besonders im gemeinen Leben übliches Wort, denjenigen Schall nachzuahmen, welcher entstehet, wenn gewisse weiche Körper gegen eben so weiche oder gegen harte beweget werden, z. B. wenn man in der Hand gegen eine Wand u. s. f. schläget. Daher der Klatsch, des -es, plur. die -e, so wohl dieser Schall, als auch der Schlag, welcher denselben hervor bringet. Jemanden einen Klatsch geben, einen solchen Schlag mit der flachen Hand. Lautet ein solcher Schlag feiner oder klärer, so wird er auch wohl ein Klitsch genannt. Im Engl. Clash, im Holländ. Klets. S. Klatschen.


Klatschbüchse (W3) [Adelung]


Die Klatschbüchse, plur. die -n, ein hohles Rohr der Kinder, welches vermittelst der zusammen gepreßten und plötzlich befreyeten Luft einen lauten Knall verursacht; die Platzbüchse, im Nieders. Ballerbüsse, Klappbüsse, Klapperbüsse. Figürlich und in der niedrigen Sprechart auch wohl eine klatschhafte, d. i. schwatzhafte Person, besonders weiblichen Geschlechtes.


Klatsche (W3) [Adelung]


Die Klatsche, plur. die -n. 1) Ein Werkzeug zum Schlagen, so fern es im Gebrauche klatschet, in welchem Verstande doch nur ein Stück Leder oder Filz an einem Stiele, womit man die Fliegen todt schläget, diesen Nahmen führet; die Fliegenklatsche. Mit Einer Klatsche zwey Fliegen schlagen, zwey Absichten mit Einem Mittel erreichen. 2) Figürlich, im gemeinen Leben, eine schwatzhafte, plauderhafte Person, besonders weiblichen Geschlechtes und im verächtlichen Verstande.


Klatschen (W3) [Adelung]


Klatschen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Denjenigen Schall von sich geben, welcher durch das Wort klatsch ausgedruckt wird. Es regnet, daß es klatscht. An die Wand schlagen, daß es klatscht. 2) Einen solchen Schall hervor bringen. (a) Eigentlich. mit dem Munde klatschen. Mit den Händen klatschen. In die Hände klatschen, oder nur schlechthin klatschen, so wohl zum Zeichen des Beyfalles, als auch des verachtenden Mißfallens. ( S. Ausklatschen, Zuklatschen.) Mit der Peitsche klatschen, im Nieders. klappen, im Oberd. schnalzen. (b) Figürlich und im verächtlichen Verstande, besonders von dem weiblichen Geschlechte, so wohl viel und unnütz reden, als auch Dinge, welche verschwiegen bleiben sollen, ausplaudern; waschen, mit einem gelindern und anständigern Ausdrucke schwatzen. Sie klatschet den ganzen Tag. Mit einander klatschen. Klatschen gehen. Traue ihr nicht, sie klatschet alles wieder. Da klatscht, da kümmert sich das alte Trödelweib In jener Kochenzunft um alle Spindelgrillen, Günth. Personen zusammen klatschen, durch ein solches Geklatsch wider einander aufbringen. So auch in den Zusammensetzungen ausklatschen, beklatschen, verklatschen. 2. Als ein Activum, im gemeinen Leben und in der letzten figürlichen Bedeutung für ausplaudern. Eine Sache klatschen, eine Sache die verschwiegen bleiben soll, ausschwatzen. Es wird alles wieder geklatschet. Wofür doch ausklatschen üblicher ist. Anm. Es ist eine Nachahmung des Schalles, ( S. Klatsch.) Verwandt sind damit, so wohl das Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , rufen, schreyen, als das Pohln. Klaskanie, das Frohlocken, das Franz. Eclat, eclater u. s. f.


Klätscher (W3) [Adelung]


Der Klätscher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Klätscherinn, in der figürlichen Bedeutung des Zeitwortes, und im verächtlichen Verstande, eine Person, welche viel und unnütz plaudert. In engerer Bedeutung, welche Dinge, die verschwiegen bleiben sollen, ausplaudert. Was man beym Weine spricht, Muß heilig seyn und dient für Klätscher nicht, Haged. Eine solche Person pflegt man auch wohl ein Klatschmaul, ein Klatschweib, eine Klatschbüchse u. s. f. zu nennen. Auch eine Art zahmer Tauben, deren Laut dem Klatschen mit der Zunge gleicht, pflegt man Klätscher oder Klatschtaube zu nennen.


Klatscherey (W3) [Adelung]


Die Klatscherey, oder Klätscherey, plur. die -en, in verächtlichen Verstande, ein Geschwätz; doch nur in engerer Bedeutung, ein anders nachtheiliges Geschwätz, wodurch Uneinigkeit und Zank gestiftet wird. Eine Klatscherey anrichten, Nieders. Driverij. Wer fürchtet mehr als ich der Weiber Klätschereyn? Zachar.


Klatschhaft (W3) [Adelung]


Klatschhaft, -er, -este, adj. et adv. geneigt zu klatschen, d. i. viel und unnütz zu schwatzen, ingleichen, Dinge, welche verschwiegen bleiben sollen, auszuplaudern, im verächtlichen Verstande, wofür im gemeinen Leben auch klatschicht üblich ist. Daher die Klatschhaftigkeit.


Klatschkessel (W3) [Adelung]


Der Klatschkessel, des -s, plur. ut nom. sing. der fünfte Kessel bey dem Zuckersieden, worin der Syrup, wenn er überlaufen will, mit großen Löffeln in die Höhe geschöpft wird, um ihn abzufühlen, welches denn einen lauten Schall verursacht, der dem Klatschen ähnlich ist.


Klatschmaul (W3) [Adelung]


Das Klatschmaul, des -es, plur. die -mäuler, siehe Klätscher.


Klatschrose (W3) [Adelung]


Die Klatschrose, plur. die -n, S. Klapperrose.


Klatschtaube (W3) [Adelung]


Die Klatschtaube, plur. die -n, S. Klätscher.


Klatte (W3) [Adelung]


* Die Klatte, plur. die -n, ein nur in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens übliches Wort, verworrene Fäden, ingleichen einen festen Büschel verworrener Haare zu bezeichnen. Figürlich bedeutet es auch einen Streit, Prozeß. Daher die Nieders. klatterig, verwirret, zerlumpt, klattern, sich verwirren u. s. f. S. Klette, zu welchem Worte es gehöret.


Klatze (W3) [Adelung]


Die Klatze, plur. die -n, im Bergbaue, ein offenes Pochwerk ohne Dach im freyen Felde. Es scheinet durch eine harte Aussprache aus Glatze entstanden und eine figürliche Bedeutung dieses Wortes zu seyn. S. dasselbe.


Klaubebühne (W3) [Adelung]


Die Klaubebühne, plur. die -n, im Bergbaue, eine Bühne in Gestalt eines Tisches, auf welcher das Erz geklaubet, d. i. ausgelesen wird.


Klauben (W3) [Adelung]


Klauben, verb. reg. act. 1. Eigentlich, nach und nach mit den zwey vordern Fingern wegnehmen. Das Unreine aus den Erbsen; aus den Samenkörnern u. s. f. klauben oder heraus klauben. 2. Figürlich. 1) Auf solche Art reinigen, das Gute von dem Schlechten und Untauglichen auf solche Art absondern, besonders in Oberdeutschen; im Hochdeutschen lesen. Den Salat klauben, die Erbsen klauben, die Wolle klauben. Das Erz klauben, im Bergbaue. 2) Mit kleinen Bissen nagen oder essen; besonders im Oberdeutschen, wo man auch die Diminutiva hat, kläubeln, kläbeln, kläbern, im Österr. klemenzeln, von menzeln, essen, Ital. mangiare, Franz. manger, klebeißeln, von beißen. An einem Beine klauben, nagen. 3) Grübeln. Lange über etwas klauben. Eine Sache heraus klauben. Nieders. klüsern.

Anm. Im Nieders. kluven, wo aber auch puken und pulen, wenigstens in einigen Fällen, für klauben gebraucht werden. Es gehöret mit dem folgenden Klaue zu klieben, spalten, weil die zwey Finger, mit welchen das Klauben zunächst verrichtet wird, eine Zange, ein gespaltenes Ding, oder auch einen Haken vorstellen.


Klauber (W3) [Adelung]


Der Klauber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Klauberinn, eine Person, welche klaubet, d. i. das Gute von dem Schlechten mit den zwey vordern Fingern absondert. Erzklauber, im Bergbaue.


Klauberig,Klaubericht (W3) [Adelung]


Das Klauberig, oder Klaubericht, des -es, plur. inus. im Bergbaue, das Schlechte, welches durch das Klauben von dem Guten abgesondert worden; wie Kehrig, Feilig u. s. f.


Klaue (W3) [Adelung]


Die Klaue, plur. die -n, ein Wort, in welchem sich zwey verschiedene, aber doch verwandte Begriffe mit einander vereinigen. 1) Des Spaltens, so wohl eine Spalte, als auch ein gespaltenes Ding zu bezeichnen. Im Nieders. ist Klöve und Klove eine Spalte, (im Oberdeutschen Klinse,) und Klave ein gespaltenes Ding, z. B. ein Scheit Holz, eine Art Semmeln in Gestalt eines halben Mondes, welche mit einem Einschnitte versehen sind. Im Hochdeutschen ist die Klaue an den Pumpen ein halb gespaltenes Stück Eichenholz oder Eisen, welches den Schwengel trägt. Besonders bezeichnet man damit den gespaltenen Huf mancher Thiere, z. B. des Hornviehes, der Schafe, der Schweine u. s. f. wo denn auch die Spalte selbst diesen Nahmen führet. Der hornige Theil an den Klauen wird die Schale, oft aber gleichfalls die Klaue genannt. Die Elendsklaue, Schafklaue u. s. f. Figürlich ist die Klaue zuweilen ein mit solchen Klauen versehenes Thier. Unser Vieh soll mit uns gehen und nicht eine Klaue dahinten bleiben, 2 Mos. 10, 26. ( S. Klauensteuer.) S. Klobe, Kluft, welche in andern Fällen dafür üblich sind. 2) Des Greifens, Fassens und des damit verbundenen Begriffes eines Hakens. In diesem Verstande führen überhaupt die Finger an den Händen, und die Zehen an den Füßen der Thiere, so fern sie zum Fassen oder Angreifen dienen, besonders wenn sie mit krummen hornartigen Auswüchsen versehen sind, den Nahmen der Klauen. Von Menschen gebraucht man es für Hände oder Finger nur im harten und verächtlichen Verstand Etwas in seine Klauen bekommen. Diebsklauen haben. Von Thieren ist es besonders von den hornigen krummen Auswüchsen an den Zehen der Thiere und Vögel, und in weitere Bedeutung von den Zehen und dem ganzen Untertheile der Füß selbst üblich. Seine Klauen einschlagen, wie Raubvögel und Raubthiere zu thun gewohnt sind. Mit den Klauen ergreifen, halten. Bey kleinern Vögeln und Thieren ist dafür auch das Wort Kralle üblich. In weiterer Bedeutung wird auch wohl der Huf eines Pferdes oder Esels eine Klaue oder ungespaltene Klaue genannt, weil sie damit im Gehen auf dem Boden gleichsam eingreifen.

Anm. In der zweyten Hauptbedeutung bey dem Notker Chlauuo, in dem alten Gedichte auf dem heil. Anno Clawi, im Oberdeutschen Klaa, im Nieders. Klaue, im Engl. Claw, im Dän. Kloe, Klov, im Schwed. Klo, Klös, im Isländ. Klö, im Angels. Clawn. ( S. Klieben.) Im Nieders. ist Kluv auch eine Hand voll. In der Bedeutung der Finger der Hand gehöret auch das alte Laf, die Hand, hierher, S. Glauben.


Klauenfett (W3) [Adelung]


Das Klauenfett, des -es, plur. inus. Fett, welches aus den Klauen des Rindviehes gesotten worden, und so wohl zum Brennen in den Lampen, als auch zur Bewahrung des Eisens vor dem Roste gebraucht wird, das Klauenschmalz.


Klauengeld (W3) [Adelung]


Das Klauengeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, S. das folgende.


Klauensteuer (W3) [Adelung]


Die Klauensteuer, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine Steuer ohne Abgabe, welche von dem zahmen vierfüßigen Viehe, besonders aber von dem Hornviehe gegeben wird, das Klauengeld, oder Klauenthaler, so fern sie in einem Thaler von jedem Stücke Hornviehe bestehet; wo Klaue figürlich ein mit Klauen versehenes Thier bedeutet. S. Klaue 1.


Klauenzehnte (W3) [Adelung]


Der Klauenzehnte, des -n, plur. die -n, an einigen Orten, der Zehnte, welcher von dem mit Klauen versehenen zahmen Viehe gegeben wird. S. Klaue 1.


Klause (W3) [Adelung]


Die Klause, plur. die -n. 1) * Ehedem überhaupt ein enger eingeschlossener Raum, in welcher veralteten Bedeutung Walther von der Vogelweide den Leib der Jungfrau Maria eine Klus nennet. König Wenzel sagt von der Rose, recht alsam ein rose dii sich us ir Klosen lat. In dem Bergbaue ist die Klause eine Grube, in welcher die Fluth, d. i. das fließende Wasser, bey den Zwitterwäschen aufgefangen wird. Am üblichsten ist es noch von der Zelle eines Mönches in einem Kloster. 2) Ein enger Paß in einem Gebirge, in welchem Verstande es noch im Oberdeutschen häufig ist. Im Holländischen ist Kluyse ein jeder enger Eingang.

Anm. Es ist ungewiß, ob dieses Wort zunächst aus dem mittlern Lat. Clausa und Clusa, oder dieses von jenem abstammet. Das Zeitwort klausen, welches das Stammwort von schließen und Schleuse ist, war ehedem nicht selten, und ist allem Ansehen nach mehr ein Seitenverwandter, als ein Abkömmling von dem Lat. claudere. ( S. Schleuse und Schließen.) Im Engl. ist Closet ein enges, geheimes Zimmer.


Klausener (W3) [Adelung]


Der Klausener, zusammen gezogen der Klausner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Klausnerinn, ein Einsiedler, besonders im Oberdeutschen.


Klauskopf (W3) [Adelung]


Der Klauskopf, des -es, plur. die -köpfe, in einigen Gegenden, z. B. im Lauenburgischen, eine Art Aale mit einem dicken Kopfe; von Kloß, Klotz, S. diese Wörter.


Klebefeuer (W3) [Adelung]


Das Klebefeuer, des -s, plur. ut nom. sing. in der Feuerwerkskunst, ein Zündfeuer, welches, wenn es angezündet und an Gegenstände geworfen wird, an denselben kleben bleibet, und sie anzündet. Das Griechische Feuer ist eine Art desselben.


Klebegarn (W3) [Adelung]


Das Klebegarn, des -es, plur. die -e, im Jagdwesen, eine Art feiner Lerchengarne mit sehr weiten Maschen, in welchen die Lerchen, wenn sie auffliegen wollen, kleben oder hangen bleiben; das Klebenetz. Weil es nur bey Tage aufgestellet wird, so wird es auch das Tagenetz genannt, zum Unterschiede von dem Nachtnetze oder Nachtgarne. Ingleichen eine Art Fischernetze, welche wegen des schweren Gesenkes auf dem Boden hinstreift; das Grundgarn, Treibegarn, Kinngarn.


Klebekraut (W3) [Adelung]


Das Klebekraut, des -es, plur. inus. ein Nahme verschiedener Pflanzen, deren Theile sich gern an die Kleider anhängen. 1) Eine Art des Labkrautes mit rauben Blättern und rauchen Knoten und Früchten, welche mit steifen Borsten besetzt sind; Galium Aparine L. Kleberich, Zaunreis. Nieders. Klive, Tüngel. 2) Einer Art des Drehkrautes, welches auf den Rainen in den Feldern wächset; Tordylium Anthriscus L. in einigen Gegenden Bettlersläuse. 3) Einer Art des Klettenkerbels, Valantia Aparine L. 4) Auch die kleine Klette, Xanthium strumarium L. welche an einigen Orten gleichfalls Bettlersläuse, an andern aber Spitzklette, Igelsklette genannt wird, ist unter dem Nahmen des Klebekrautes bekannt.


Klebekugel (W3) [Adelung]


Die Klebekugel, plur. die -n, S. Ankerkugel.


Klebeläppchen (W3) [Adelung]


Das Klebeläppchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im gemeinen Leben in der R. A. übliches Wort, jemanden, ein Klebeläppchen anhängen, ihm etwas nachtheiliges nachsagen. Im Oberd. ein Klamperle.


Klebelaus (W3) [Adelung]


Die Klebelaus, S. Filzlaus.


Kleben (W3) [Adelung]


Kleben, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, welches im Hochdeutschen das Hülfswort haben, im Oberdeutschen aber auch seyn bekommt. 1. Eigentlich, hangen bleiben, am eigentlichsten von Dingen, welche vermittelst einer zähen Feuchtigkeit an andern hangen bleiben. An etwas kleben bleiben. Die Zunge klebet mir vor Durst an dem Gaumen. Das Pech klebt an den Händen, der Koth an den Kleidern. Er klebt von Kothe, wenn man ihn angreift, bleibt die Hand an ihm kleben. An seinen Händen klebt Noch seines Sohnes Blut, Raml. Ingleichen vermittelst eines oder mehrerer Haken hangen bleiben. So bleibt in der Feuerwerkskunst eine Ankerkugel kleben, wenn sie sich mit ihren Haken anhängt. Die Kletten kleben, wenn sie sich vermittelst kleiner Haken anhängen. Die Lerchen bleiben in dem Klebegarne kleben, wenn sie sich mit den Flügeln in dessen weiten Maschen verwirren und darin hangen bleiben. 2. Figürlich. 1) An einem Orte kleben bleiben, sich länger als nöthig daselbst aufhalten. 2) Die Hände kleben lassen, gern heimlich etwas entwenden; gern etwas an den Fingern kleben lassen, kleberige Hände oder Finger haben. 3) Es bleibt nichts bey ihm kleben, er behält nichts, fasset nichts in dem Gedächtnisse. 4) An etwas kleben, sein Herz daran hängen, demselben auf eine dauerhafte Art ergeben seyn; gemeiniglich im verächtlichen Verstande. An alten Sitten und Gewohnheiten kleben. Daraus seh ich, daß er fromm ist und nicht bloß am Zeitlichen klebet, Gell. 5) Auf eine dauerhafte Art mit etwas verbunden seyn; doch nur noch am häufigsten in dem zusammen gesetzten ankleben. II. Als ein Activum, kleben machen, vermittelst einer zähen Feuchtigkeit befestigen; in welchem Verstande es im Hochdeutschen sehr häufig für das richtigere kleiben gebraucht wird, S. dasselbe.

Anm. Al sein Neutrum bey dem Ottfried klivan und kleban, bey dem Notker chleben, im Nieders. kliven und kleven, im Angels. cleofan, im Dän. kläve, im Schwed. klibba, im Pohln. kleie, ich klebe. Ottfried. gebraucht es auch theils für ankleben, theils für anhangen, mit der dritten Endung der Person; theils für liegen: balo ther uns klibit, die Bosheit, welche uns anklebet. Zi herzen er'mo klebeta, er lag ihm am Herzen. Im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Leim, Lat. Glus, Gluten, Franz. Glu. Bemerket man, daß der Gaumenbuchstab sich in manchen Mundarten so gern an die flüssigen Mitlauter hänget, so wird man den Stamm dieses Wortes in Lab, liefern, geliefern finden, ( S. diese Wörter.) Im Wendischen ist lepin, lepenza, kleben, ohne Gaumenlaut. S. auch Kley, Klette, Kleiben, Kleister, Klamm, Leim u. s. f.


Klebenetz (W3) [Adelung]


Das Klebenetz, des -es, plur. die -e, S. Klebegarn.


Kleber (W3) [Adelung]


Der Kleber, des -s, plur. ut nom. sing. 1) In einigen Gegenden, das Gummi, wegen seiner kleberigen Eigenschaft. 2) Bey den Tuchmachern werden die Haken an den Rähmen, woran das Tuch ausgespannet wird, Kleber genannt, weil das Tuch daran gehänget wird; in welcher Bedeutung es zunächst zu Klaue zu gehören scheinet.


Kleberich (W3) [Adelung]


Der Kleberich, des -es, plur. inus. S. Klebekraut.


Klebericht (W3) [Adelung]


Klebericht, -er, -ste, adj. et adv. dem Kleber oder einer zähen Feuchtigkeit ähnlich. Im Oberd. klebicht.


Kleberig (W3) [Adelung]


Kleberig, -er, -ste, adj. et adv. Kleber, d. i. eine zähe bindende Feuchtigkeit enthaltend. Kleberige Hände haben, von einem zähen Schweiße, Nieders. klamm. Im Oberd. klebig, im Nieders. klevisk, klefsk.


Kleberoth (W3) [Adelung]


Kleberoth, S. Kleeroth.


Klebespindel (W3) [Adelung]


Die Klebespindel, plur. die -n, bey den Drechslern, eine Spindel, große runde Sachen aus einem Brete, welches daran befestiget wird, zu drehen.


Klebewurz (W3) [Adelung]


Die Klebewurz, S. Färberröthe.


Kleck (W3) [Adelung]


Der Kleck, des -es, plur. die -e, ein Flecken, welcher von einem Tropfen eines flüssigen Körpers herrühret; ein Klecks. Einen Kleck mit Tinte auf das Papier machen. Es ahmet, wie so viele andere, den Laut nach, der dadurch, wenigstens in einigen Fällen, entsteht. ( S. Klack,) welches einen gröbern Schall dieser Art ausdruckt. Figürlich, jemanden einen Kleck, einen Klecks, oder im Diminut. ein Kleckschen anhängen, ihm etwas nachtheiliges nachsagen, S. Kiebeläppchen und Klette. Die Tadelsucht hängt auch dem Besten Gemeiniglich ein Kleckschen an, Günth.

Anm. Im Nieders. Klack, Klacks, im dän. Klik, Klak. Im Schwed. ist Klikka ein Flecken, und Klack Schande, im Isländ. aber Hhlak, und im Schwed. Lack, ein Fehler. S. Klicken.


Kleckbuch (W3) [Adelung]


Das Kleckbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, worin die täglichen Vorfallenheiten ohne Kunst und Zierlichkeit eingetragen, und gleichsam nur eingeklecket werden; bey den Kaufleuten mit einem Ital. Kunstworte, eine Strazze. S. Kladde.


Klecken (W3) [Adelung]


1. Klecken, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, einen Kleck oder Klecks machen. Die Feder kleckt, wenn sie ganze Tropfen Tinte auf das Papier fallen lässet. Im Schreiben klecken, Klecke machen. ( S. auch Beklecken.) Figürlich, schlecht schreiben, für das niedrige schmieren. Ingleichen schlecht mahlen. Die Farbe ist nur aufgekleckt. Das ist nicht gemahlt, sondern gekleckt. Im Nieders. klacken, klicken. Bey dem Festus ist cloacare besudeln. So fern klecken bloß ein Ausdruck eines Schalles ist, bedeutet ziklekan bey dem Ottfried zerbrechen, platzen. S. Klack, Klaffen, Klicken.


Klecken (W3) [Adelung]


2. Klecken, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches im Oberdeutschen und Niedersächsischen bekannter ist als im Hochdeutschen. 1) Die Absicht merklich befördern. Das kleckt nicht viel, hilft nicht viel. Das kleckt, das bringt viel ein. 2) Hinreichen, zureichen. Das kleckt noch nicht. Die Einkünfte wollen dazu nicht klecken. der Zeug hat nicht gekleckt, nicht zugelanget. Es waren ihrer hundert, wenn es nur kleckt, es waren ihrer auf das wenigste hundert.

Anm. Bey dem Ottfried in der zweyten Bedeutung kleken, im Nieders. klicken, im Schwed. klaecka, im Isländ. klecka. Wachter leitet es auf eine äußerst gezwungene Art von dem alten kenuachan, genug seyn, ab; Frisch eben so sonderbar von Loch, Lücke, die Löcher des Mangels füllen. Es scheinet das Stammwort von schlagen, in den zusammen gesetzten anschlagen, verschlagen zu seyn. Im Nieders. sagt man es verklickt nicht viel, wo der Hochdeutsche sagt, es verschlägt nicht viel. Es kann alsdann eine Figur des Zeitwortes klecken seyn, so fern es die Nachahmung eines gewissen Schalles ist. Im Nieders. ist Klick eine jede kleine Masse, ein Bißchen. Klicken und klecken würde also eigentlich seyn, durch kleine Massen vermehren. Sagt man doch im gemeinen Leben mehrmahls, das klimpert nicht, das kläppert nicht, das schäppert nicht, d. i. das bringt kein bares Geld ein, ist nicht einträglich. S. Erklecken und Erklecklich.


Klecker (W3) [Adelung]


Der Klecker, des -s, plur. ut nom. sing. von klecken, einer der schlecht schreibt, oder schlecht mahlet, mit Verachtung, besonders in den Zusammensetzungen Tintenklecker, Farbenklecker. Kleckerey ist in eben diesen Verstande, eine schlechte Art zu schreiben oder zu mahlen. S. Sudeler und Sudeley.


Klee (W3) [Adelung]


Die Klee, (einsylbig,) des Klees, (zweysylbig,) plur. doch nur von mehrern Arten, die Klee, (zweysylbig,) ein Nahme, welchen im Deutschen sehr viele Pflanzen führen, die sich durch ihre drey Mahl gespaltenen Blätter von andern unterscheiden. ( S. Fieberklee, Herzklee, Hasenklee, Hopfenklee, Bergklee, Igelsklee, Schotenklee, Sauerklee, Süßklee, Sichelklee, Steinklee, Schneckenklee, Wiesenklee und viele andere mehr.) Der Türkische Klee, ( S. Esparsette.) Am häufigsten ist unter dem Nahmen des Klees schlechthin eine Pflanze dieser Art bekannt, welche so wohl auf den Wiesen wächset, als in den Gärten gebauet wird, bläuliche und schmutzig rothe Blumenköpfchen hat, und ein sehr gutes Futterkraut ist; Trifolium L.

Anm. Der Hoch- oder Oberdeutsche Nahme ist sehr zusammen gezogen. Im Nieders. lautet er vollständiger Klever, im Angels. Claefer-wyrt, im Engl. Clover, Cliver, im Holl. Klaver, im Schwed. Klöfver. Woraus zugleich erhellet, daß er seinen Nahmen nicht, wie Frisch glaubt, von Kley, fettes Land, hat, weil er gern im fetten Lande wächset, sondern von Klaue, oder unmittelbar von klieben, Nieders. klöven, spalten, weil die drey Mahl gespaltene Figur seiner Blätter zu merklich in die Augen fällt, als daß sie nicht den Grund der Benennung hätte abgeben sollen. Bey den alten Galliern hieß das Futterkraut dieses Nahmens, dem Marcellus Empirikus zu Folge, Visumarus, und noch jetzt wird es in einigen Gegenden wirklich Wiesenpreis genannt; von Mare, Maere, Ruhm, Preis.


Kleeblatt (W3) [Adelung]


Das Kleeblatt, des -es, plur. die -blätter, das drey Mahl gespaltene Blatt des Klees. Figürlich, in einigen Fällen, eine Zahl von dreyen. Ein Kleeblatt böser Buben. Ein Kleeblatt wahrer Freunde. Sind sie mit dem Freunde zufrieden, der unser Kleeblatt ausmachen soll? Weiße.


Kleen (W3) [Adelung]


* Der Kleen, (einsylbig,) des -es, plur. inus. im Schleswigischen, eine Torf- oder Moorerde, welche unter dem Kleye liegt, woraus Salz bereitet wird. Vielleicht mit Kley aus einer und eben derselben Quelle.


Kleeroth (W3) [Adelung]


Kleeroth, adj. et adv. der bläulichen und zugleich schmutzig rothen Farbe der Blumenköpfchen des Futterklees gleich. Besonders wird dieses Wort im Weinbaue gebraucht, wo der Kleerothe, oder nach der Niedersächsischen Aussprache der Kleberothe, eine Art Weinstock ist, dessen Trauben einen guten süßen Geschmack haben, und einen rothen Wein geben, welcher in das Bläuliche fällt. Er wird auch der kleine Braune und im Böhmischen Brunat genannt.


Kleezug (W3) [Adelung]


Der Kleezug, des -es, plur. die -züge, ein Zug, welcher einem Kleeblatte gleicht; besonders in den bildenden Künsten, wo dieser Zug eine Auszierung der Simswerke ist.


Kleffen (W3) [Adelung]


Kleffen, S. Kläffen.


Klehmen (W3) [Adelung]


Klehmen, verb. reg. act. welches im Niedersächsischen für das Activum kleiben in der zweyten Bedeutung üblich ist, S. dasselbe.


Kleiben (W3) [Adelung]


Kleiben, verb. reg. welches in doppelter Gestalt vorkommt. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, für das Neutrum kleben, in welchem Verstande es schon bey dem Ottfried kliban lautet, ob sie gleich auch das gewöhnlicherer kleban bey ihm findet. In dieser Gestalt kommt es im Hochdeutschen nur noch zuweilen in bekleiben vor, S. dasselbe. 2. Als ein Activum, wo es die thätige Gattung von kleben ist, kleben machen. 1) Vermittelst einer kleberigen Feuchtigkeit befestigen, hangen machen. Ein Bild an die Wand kleiben. Zwey Blätter Papier zusammen kleiben. Es wird in diesem Verstande nur noch in einigen wenigen Fällen gebraucht, indem in den meisten besondere Ausdrücke üblich sind. So gebraucht man für kleiben leimen, kleistern und pappen, wenn das kleberige Verbindungsmittel Leim, Kleister oder ein Mehlbrey ist. Aber auch da, wo das allgemeinere kleiben noch gebraucht werden kann, z. B. wenn der Kleber ein Gummi ist, gebraucht man im Hochdeutschen gemeiniglich kleben, so unbillig es auch ist, das Neutrum mit seinem Activo zu verwechseln, wenn beyde bequem unterschieden werden können. 2) Eine Wand kleiben, oder nur schlechthin kleiben, das Fachwerk einer hölzernen Wand mit naß gemachtem Lehme ausfüllen, eine bey der Bauart auf dem Lande und in kleinern Städten sehr übliche Verrichtung, wo dieses Wort niemahls kleben, sondern allezeit kleiben, und im Nieders. auch kleimen, klehmen lautet.

Anm. Schon bey dem Ottfried in der thätigen Form kleiban, kleipan, der es aber auch in weiterer Bedeutung für heften, anheften gebraucht. In einigen Oberdeutschen Gegenden gehet es irregulär, ich kliebte, geklieben. ( S. Bekleiben.) Die Niedersachsen unterscheiden kleben und kleiben gleichfalls, kehren sie aber um. Das Neutrum heißt bey ihnen kliven, das Activum aber kleven. Indessen verwechseln sie sie eben so gern, als die Hoch- und Oberdeutschen.


Kleiber (W3) [Adelung]


Der Kleiber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kleiderinn, eine Person, welche kleibet; besonders in der zweyten Bedeutung des Activi, wo Kleiber und Kleiberinnen diejenigen Personen sind, welche die hölzernen Wände mit Lehm ausfüllen, oder solche kleiben. In einigen Gegenden werden sie Leimklicker oder vielmehr Lehmklicker genannt.


Kleiberlehm (W3) [Adelung]


Der Kleiberlehm, des -es, plur. inus. derjenige Lehm, welcher zum Kleiben gebraucht wird oder gebraucht werden kann; zum Unterschiede von dem Töpferlehm.


Kleibewerk (W3) [Adelung]


Das Kleibewerk, des -es, plur. inus. die Arbeit, die Verrichtung des Kleibens, d. i. der Ausfüllung eines Raumes mit angefeuchtetem und durchgeknetetem Lehme, und ein auf diese Art verfertigtes Werk. Dahin gehören die Lehmwände, die Backöfen auf dem Lande, besonders aber die mit Lehm ausgefüllten Fächer hölzerner Gebäude, der gleichen Arbeit auch Bleichwerk, und im Niedersächsischen Kathwerk, von Kath, Koth, Lehm, genannt wird.


Kleid (W3) [Adelung]


Das Kleid, des -es, plur. die -er, Diminut. das Kleidchen, Oberd. Kleidlein. 1. In der weitesten und ohne Zweifel eigentlichsten Bedeutung, alles was einen andern Körper zu seiner Erhaltung oder Zierde bedecket, Die Bekleidung; in welchem Verstande es nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich ist. Das äußere Häutchen, womit ein Kind im Mutterleibe umgeben und an die Nachgeburt befestiget ist, führet im gemeinen Leben den Nahmen des Kleidchens. In der Seefahrt ist das Kleid das alte Tau- oder Segelwerk, womit die Taue und Kabeln zu ihrer Erhaltung umwunden werden. Im Niedersächsischen ist Kleidholz diejeingen Planken und Bohlen, womit eine Schleuse bekleidet wird. 2. In engerm Verstande, alles was zur Bedeckung des menschlichen Körpers oder der Theile desselben dienet, ein Kleidungsstück; gleichfalls nur in einigen Fällen, besonders in den zusammen gesetzten Beinkleid, Niederkleid. Besonders im Plural. Sich in den Kleidern zu Bette legen, in den Kleidern schlafen, in der gewöhnlichen Tagekleidung. Die Kleider anlegen, sich in die Kleider werfen. 3. In noch engerm Verstande, die Bekleidung, des Leibes, d. i. des Rumpfes, mit Ausschließung des Kopfes und der Füße. 1) Überhaupt, gleichfalls nur noch in einigen Fällen; besonders in den Zusammensetzungen Nachtkleid, Sterbekleid. 2) In engerer Bedeutung, eine solche Bekleidung des Leibes, so fern sie zugleich zur Zierde dienet, oder doch so fern Personen von guter Lebensart sich in derselben öffentlich sehen lassen, zum Unterschied von einem Schlafrocke, oder anderer bloß zur Bequemlichkeit dienende Bekleidung. Ein Mannskleid, Weiberkleid, Kinderkleid, Oberkleid, Unterkleid, Sommerkleid, Winterkleid, Reisekleid, Jagdkleid, Ehrenkleid, Trauerkleid u. s. f. Eine Menge Kleider haben. Kleider machen Leute; das Kleid macht den Mann. Das Kleid macht keinen Mönch. Ein Kleid anlegen, anziehen, ausziehen. Ein Kleid ablegen, es nicht mehr tragen wollen. Bey dem männlichen Geschlechte bestehet das Kleid heut zu Tage aus dem Rocke und der Weste, zuweilen auch mit Einschließung der Beinkleider. Bey dem weiblichen ist es gemeiniglich eine lange Oberkleidung, welche nach Maßgebung der Gestalt und Mode besondere Nahmen bekommt; z. B. Leibkleid, Schnürkleid, Schleppkleid, Andrienne, Robe u. s. f. 3) Figürlich, dasjenige, womit ein Ding zum Schmucke bekleidet, oder bedecket ist; in der höhern Schreibart. Verzeihen sie der Natur, die einem Wurme ein schöner Kleid gab, als die feinste Kunst ihnen nicht geben kann, Geßn.

Anm. Bey dem Stryker Chlaid, im Schwabensp. Claid, im Nieders. Kleed, im Angels. Clatha, im Engl. Cloath, wo auch Cloth so wohl Leinwand und Tuch, als auch Kleid ist, im Dän. Kläde, im Schwed. Klaede, so wohl Tuch, als Kleid, wo auch Förklaede eine Schürze, und Armklaede ein Schnupftuch ist, weil man dasselbe ehedem um den Arten zu winden pflegte. Einige leiten es von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, nähen, andere von dem Wallisischen clyd, warm, Lat. calidus, her, weil ein Kleid wärmet, noch andere von Lod, Hlod, Nieders. Lodde, Wolle, Dietrich von Stade von dem Goth. lodo, hloda, anhängen, anliegen, Frisch von liegen, weil man darin lieget, oder weil es auf dem Leibe anlieget, anderer zu geschweigen. Allein es ist wohl unstreitig, daß der Begriff des Deckens, wie in so vielen andern ähnlichen Wörtern, so auch hier der herrschende ist, der in dem zusammen gesetzten bekleiden noch so sehr hervor sticht. Es gehöret zu dem noch in den gemeinen Mundarten üblichen Lid, Lied, ein Deckel, welchem der gewöhnliche Gaumenlaut vorgesetzet worden. In Oberschwaben bedeutet Lid, Hlid novh jetzt eine Decke, und im Hoch- und Oberdeutschen ist Inlid die innere Decke oder der innere Überzug eines Bettes, worein die Federn kommen, ( S. Indelt.) Indessen da der Begriff der Zierde, des Schmuckes, in den meisten Fällen mit diesem Worte verbunden ist, der sogar bey dem folgenden kleiden in Einem Falle der herrschende ist, so stehet es dahin, ob nicht auch unser lassen, so fern es wohl aussehen, wohl anstehen bedeutet, im Nieders. und den mitternächtigen Mundarten laten, nicht mit in Betrachtung kommen könne.


Kleiden (W3) [Adelung]


Kleiden, verb. reg. act. mit einem Kleide oder mit Kleidern versehen. 1. In der weitesten Bedeutung des Hauptwortes, nur noch in einigen Fällen. Eine Kugelbüchse kleiden, sie mit dem nöthigen Beschlage versehen. In engerer Bedeutung, mit einer zur Zierde dienenden Decke versehen. Den Altar, die Kanzel kleiden, die Bedeckung derselben machen lassen. Lassen sie den Altar kleiden, Gell. Noch häufiger kommt es in dieser weitesten Bedeutung in den zusammen gesetzten bekleiden, abkleiden, und verkleiden vor. 2. In der engern Bedeutung des Hauptwortes Kleid. 1) Die Kleidungstücke anlegen. Ihr kleidet euch und könne euch doch nicht erwärmen, Hagg. 1, 6. Im Hochdeutschen gebraucht man es in dieser Bedeutung nur in den zusammen gesetzten ankleiden, auskleiden, verkleiden, umkleiden. 2) Die nöthigen Kleidungsstücke verschaffen. Jemanden neu kleiden lassen. Den Nackenden kleiden. Sich nach der Mode kleiden. Ingleichen figürlich. Die Lämmer kleiden dich, Sprichw. 27, 26, geben den Stoff zu deinen Kleidungsstücke her. 3. In noch engerer Bedeutung, den Leib oder Rumpf kleiden, mit Ausschließung des Kopfes und der Füße. Besonders, 1) In engerer Bedeutung, mit einem Kleide, so wie es der Wohlstand erfordert, versehen. Jemanden kleiden lassen. Sich neu kleiden. Sich nach der Mode kleiden. Schön gekleidet einher gehen. Schwarz gekleidet gehen Wie geht er gekleidet? was für ein Kleid trägt er? Sich in Seide, in Tuch, in Sammet kleiden, wofür in der Deutschen Bibel das im Hochdeutschen ungewöhnliche Vorwort mit gebraucht wird. Und kleidete ihn mit weißer Seiden, 1 Mos. 41, 42. In der Bedeutung des bloßen Anlegens eines Kleides sind auch hier die zusammen gesetzten ankleiden, auskleiden, umkleiden, verkleiden üblicher; ob man gleich sagt, er ist heute schön, prächtig gekleidet, er hat heute ein schönes, ein prächtiges Kleid an. 2) Figürlich. (a) Mit einer Sache zur Zierde, als mit einem Kleide versehen. Gott kleidet das Gras, Luc. 12, 18. Die ganze Natur kleidet sich mit den schönsten Farben. Der Wald kleidet sich in Grün oder mit Grün. Die biblischen Ausdrücke, mit Heil, mit Gerechtigkeit, mit Dunkel, mit Schande kleiden, sind außer der biblischen Schreibart ungewöhnlich. Mit dem zusammen gesetzten bekleiden würden sie sich im Hochdeutschen eher nachahmen lassen. (b) Für anstehen lassen, von Kleidungstücken und Handlungen, besonders äußern Handlungen, in Beziehung auf die Person, welche sie trägt, oder vornimmt; wo es als ein Neutrum, wenigstens ohne Passivum gebraucht, und gemeiniglich mit der vierten Endung der Person verbunden wird. Diese Farbe kleidet ihn gut, kleidet ihn schlecht, gibt ihm ein gutes, ein schlechtes äußeres Ansehen. Wie schön diese Röthe sie kleidet! Das Befehlen kleidet dich noch nicht recht. Ein ernstes Gesicht kleidet ihn gut. Das Moralisiren kleidet sie sehr schlecht. In engerer Bedeutung für gut kleiden. Er hat einen großen Hieb am Kinne, der ihn aber kleidet, Hermes. Die vierte Endung ist richtig, so bald ausgemacht ist, daß kleiden in dieser Bedeutung eine bloße Figur der vorigen ist. Indessen ist es noch eine Frage, ob es nicht in dieser Bedeutung zu dem Zeitworte lassen, Nieders. laten, gehöret, welches in eben diesem Verstande gebraucht wird; das lässet ihm gut, schlecht. Für diese Ableitung streitet unter andern auch, daß kleiden in dieser Bedeutung ein Neutrum ist, so wie lassen, dagegen es in allen andern Fällen ein Activum ist. Wäre diese Ableitung erwiesen, so müßte kleiden auch in dieser Bedeutung mit der dritten Endung der Person verbunden werden. Das kleidet dir, ihm gut. Im gemeinen Leben spricht man wirklich so; dagegen man in der Büchersprache die vierte gebraucht. Daher die Kleidung, S. solches besonders. Im Dän. kläde, im Schwed. klaeda, so wohl in eigentlichem Verstande, als in dem figürlichen, des wohl Anstehens, decere.


Kleiderbarchent (W3) [Adelung]


Der Kleiderbarchent, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, Barchent, so fern er zu Kleidungsstücken gebraucht wird, zum Unterschiede von dem Bettbarchente.


Kleiderbesen (W3) [Adelung]


Der Kleiderbesen, des -s, plur. ut nom. sing. ein sauberer Besen, die Kleider damit abzukehren.


Kleiderbürste (W3) [Adelung]


Die Kleiderbürste, plur. die -n, eine Bürste, so fern sie zur Reinigung der Kleider vom Staube dienet; zum Unterschiede von andern Arten der Bürsten.


Kleiderhaus (W3) [Adelung]


Das Kleiderhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, so fern es zur Aufbewahrung der Kleider dienet; ein Wort, welches nur 2. Kön. 10, 22 vorkommt.


Kleiderhüther (W3) [Adelung]


* Der Kleiderhüther, des -s, plur. ut nom. sing. ein gleichfalls ungewöhnliches Wort, eine Person zu bezeichnen, welche die Aufsicht über die Kleider eines vornehmen Herren hat, welches 2 Chron. 34, 22 angetroffen wird. An verschiedenen Höfen wird eine solche Person jetzt Kleiderkämmerer genannt.


Kleiderkammer (W3) [Adelung]


Die Kleiderkammer, plur. die -n, eine Kammer, so fern sie zur Aufbewahrung der Kleider bestimmt ist. In weiterer Bedeutung, ein jedes Zimmer dieser Art. Mit einem Französischen Ausdrucke, die Garderobe.


Kleiderkrämer (W3) [Adelung]


Der Kleiderkrämer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kleiderkrämerinn, eine Person, welche mit alten Kleidern handelt; im gemeinen Leben ein Trödler, Trödelmann, Trödelfrau, Nieders. Kleerseller.


Kleidermarkt (W3) [Adelung]


Der Kleidermarkt, des -es, plur. die -märkte, ein Platz, auf welchem mit alten Kleidern gehandelt wird; der Trödelmarkt.


Kleider-Mode (W3) [Adelung]


Die Kleider-Mode, plur. die -n, die Mode in der Gestalt und Art der Kleider.


Kleiderordnung (W3) [Adelung]


Die Kleiderordnung, plur. die -en, eine obrigkeitliche Verordnung in Ansehung der Kleider, worin besonders der Kleiderpracht Gränzen gesetzet werden.


Kleiderpracht (W3) [Adelung]


Die Kleiderpracht, plur. inus. die Pracht, so fern sie sich durch die Kleider an den Tag leget, in Kleidern bestehet. Kleiderpracht treiben.


Kleiderschrank (W3) [Adelung]


Der Kleiderschrank, des -es, plur. die -schränke, ein Schrank, so fern er zur Aufbewahrung bestimmt ist, im Oberd. eine Kleiderköthe, in Thüringen und Franken ein Kleiderspind, im Nieders. ein Kleiderschapp.


Kleidertracht (W3) [Adelung]


Die Kleidertracht, plur. die -en, die Art und Weise sich zu kleiden; die Tracht.


Kleidung (W3) [Adelung]


Die Kleidung, plur. die -en. 1) Das Verbale des Zeitwortes kleiden, die Handlung des Kleidens, ohne Plural, in allen Bedeutungen, die letzte figürliche ausgenommen, in welcher es nicht gebraucht wird, weil kleiden in dieser Bedeutung ein Neutrum ist. 2) Dasjenige, was zur Bekleidung eines Körpers, zu dessen Bedeckung dienet, besonders was ihm zur Zierde gereichet. Die Kleidung eines Schießgewehres, das Beschläge. Besonders was zur äußern Bekleidung des menschlichen Körpers gerichtet, wo es als ein Collectivum gebraucht wird, welches in weiterer Bedeutung und ohne Plural alles unter sich begreift, womit der menschliche Leib so wohl zur Nothdurft, als zum Wohlstande bekleidet wird. Jemanden in der Kleidung erhalten. Für jemandes Kleidung sorgen. Sie erschienen in ihrer vorigen Kleidung, 2 Macc. 3, 33. Auch mit dem Nebenbegriffe der Art und Weise sich zu kleiden. Ein Vernünftiger merkt den Mann an seinen Geberden, denn seine Kleidung, Lachen und Gang zeigen ihn an, Sir. 19, 26. Zuweilen auch von einem einzelnen Kleide in der engsten Bedeutung dieses Wortes. In einer andern Kleidung erscheinen, in einem andern Kleide.


Kleidungsstück (W3) [Adelung]


Das Kleidungsstück, des -es, plur. die -e, ein einzelnes zur Kleidung eines Menschen gehöriges Stück. So werden der Hut, die Beinkleider, Schuhe, Strümpfe u. s. f. Kleidungsstücke genannt.


Kleien (W3) [Adelung]


Kleien, S. Kleyen.


Klein (W3) [Adelung]


Klein, -er, -ste, adj. et adv. welches allemahl beziehungsweise gebraucht wird, ein geringeres Maß der Ausdehnung habend als ein anderer Körper; im Gegensatze des groß. Ein Ding ist kleiner als ein anderes, oder klein in Vergleichung mit einem andern, wenn es, ganz genommen, einem Theile des andern gleich ist. Dieses andere Ding wird entweder ausdrücklich genannt, in welchem Falle klein im Comparativo oder Superlativo stehet, kleiner als ein Sandkorn, der kleinste von uns, unter uns, oder es wird nicht ausdrücklich gesetzt, sondern als bekannt angenommen, und da stehet klein in der ersten Staffel und hat ein absolutes Ansehen, ob es gleich wirklich relativ ist; indem das Gewöhnliche seiner Art allemahl der Maßstab ist, der das klein und groß bestimmet, und auf welches sie sich beziehen. Ein kleiner Garten, der Garten ist nur klein, d. i. kleiner, wie die Gärten dieser Art gemeiniglich zu seyn pflegen. 1. Eigentlich. 1) Überhaupt, ein geringeres Maß der Ausdehnung habend, als ein anderes Ding, oder als gewöhnlich ist. Die Schweiz ist kleiner als Deutschland, Europa ist kleiner als Asien. Europa ist der kleinste Welttheil. Eine kleine Stadt, ein kleines Dorf. Ein kleines Feld, ein kleiner Wald, ein kleiner Berg. Der kleine Finger, der kleine Zeh, der kleinste. Etwas klein schneiden, in kleine Stücke schneiden. Klein stoßen, klein mahlen, klein reiben, klein machen. Klein machen wird im gemeinen Leben auch figürlich für umbringen, niedermachen, niederhauen gebraucht. Zählt an den Fingern her, wie viel er klein gemacht, Rost. Die kleinen Propheten, dem Umfange des Raumes nach, welchen ihre Schriften in der Bibel einnehmen; im Gegensatze der großen. Der Mensch, die kleine Welt. Klein Asien, klein Pohlen. Ein kleiner Raum. Kleine Vögel, bey den Jägern, alle Vögel, welche kleiner sind als die Zipp- und Weindrossel. Das kleine Weidwerk, welches zur niedern Jagd gehöret. Klein, Geld, im gemeinen Leben, einzelnes Geld, Münze, im Gegensatze des harten, ganzen oder groben Geldes. Auch in Gestalt eines Hauptwortes. Im Kleinen handeln, dem Maße und Gewicht nach, seine Waaren in kleinern Quantitäten verkaufen. Im Kleinen arbeiten, kleine, subtile Arbeit machen. Die Wohnung seines Geistes, sein Körper ist eine ganze Welt im Kleinen, Gel. Ein herrlicher Garten, Den die erfindsame Kunst für ihn ins Kleine gezogen, Zachar. Das Klein oder das Kleine, bey den Fleischern und in den Küchen, die Nebentheile geschlachteter Thiere, das Hasenklein, u. s. f. In der Landwirthschaft werden die Ähren und Stürzel, welche sich von den Garben abgerüttelt haben, oder im Dreschen abgeschlagen worden, das Kleine genannt. Ein kleines kleines Körnchen, in der vertraulichen Sprechart, für sehr klein; im Oberd. winzig klein, puter klein. 2) In engerer Bedeutung. (a) Der Ausdehnung in der Länge nach, in einigen Fällen, für kurz. Kleine Schritte machen. Eine kleine Meile. (b) Der Ausdehnung in der senkrechten Höhe nach. Ein kleiner Baum. Ein kleiner Mensch. Kleine Leute. Klein von Person, von Statur. Ein kleines Männchen, sehr kleines. (c) Der Dicke nach, für dünn, fein, zart, subtil, im Gegensatze des grob; doch nur in einigen Fällen, und zwar am häufigsten im Niederdeutschen. Kleines Brot, im Nieders. für feines Brot. Kleinnes Garn, kleine Leinwand, klein spinnen, für fein. Kleiner Draht, dünner, feiner Draht, ( S. Kleindrahtzieher, Kleinod, Kleinschmid.) Haarklein, so zart wie ein Haar. Im Schwedischen in dieser Bedeutung gleichfalls klen. Im figürlichen, aber nunmehr veralteten Verstande, für subtil, scharfsinnig, kommt es oft bey dem Ottfried. vor. 2. Figürlich. 1) Unerwachsen. Kleine Kinder haben. Die Kleinen d. i. die kleinen unerzogenen Kinder. Etwas Kleines haben, oder bekommen, von einem Kinde entbunden werden. Von klein auf, von Kleinen auf, von Kindheit an. Die sah von kleinen auf immer einem Affen ähnlicher als wie ihnen, Weiße. 2) Der Zeit, der Dauer nach; nur in einigen Fällen, für kurz. Eine kleine Stunde, im Gegensatze einer starken. Eine kleine Zeit, eine kleine Weile, eine kleiner Augenblick. Vor einer kleinen Weile. Das biblische über ein Kleines Joh. 15, 16, für in kurzer Zeit, ist im Deutschen ungewöhnlich. 3) Der Zahl, der Menge nach, aus wenig Theilen oder einzelnen Dingen bestehend. Eine kleine Anzahl. Ein kleines Gefolge haben. Eine kleine Summe Geldes. Ein kleiner Vorrath von Obst. Das kleine Hundert, das kleine Tausend, im Gegensatze des großen Hundert, des großen Tausend, ( S. Groß.) Der kleine, kleinere oder engere Rath, im Gegensatze des größern. Ingleichen als ein Nebenwort mit dem unabänderlichen Beyworte wenig. Ein klein wenig Geduld. Er befindet sich ein klein wenig besser. Gib mir ein klein wenig davon. 4) Der Beschaffenheit nach, wenig Grade der innern Stärke habend. Eine kleine Freude. Ich wollte ihnen gern ein kleines Vergnügen machen. Ein kleiner Verlust. Ein kleines Lob. Ein kleines Glück. Ein kleiner Gelehrter, ein kleiner Mahler, der wenig Fähigkeiten besitzt. Ein kleines Licht. Ein kleiner Gewinn. Ein kleines Geschenk. Ein kleiner Stolz kämpft noch mit deiner Zärtlichkeit, Gell. ( S. Kleingläubig, Kleinmuth.) So wie groß im entgegen gesetzten Verstande in dieser Bedeutung nicht ohne Einschränkung gebraucht werden kann, so gilt dieses auch von dem Worte klein, indem in manchen Fällen nur allein schwach, geringe u. s. f. üblich sind. 5) Der Wichtigkeit, der Menge und Beschaffenheit der Folgen, dem Werthe nach, und darin gegründet. Kleine Leidenschaften, kleine Tugenden, kleine Laster, welche von wenigen und geringen Folgen sind. Ein kleiner Verstand. Kleine Gefälligkeiten. Der Kinder kleine Zwiste schlichten. Kleine Begebenheiten. Einen kleinen Anfang machen. Ein kleiner Stolz, der sich auf geringe, unerhebliche Vorzüge gründet. Ich habe eine kleine Bitte an sie. Kleine Seelen, welche sich mit kleinen, unerheblichen Dingen beschäftigen. Der kleine Krieg, der bloß durch streifende Parteyen und unter denselben geführet wird. Das gehet sehr in das Kleine. Wer das Kleine nicht begehrt, ist des Großen nicht werth. Im Kleinen treu seyn. 6) Dem Vorzuge vor der Menge nach. (a) Dem äußern Stande, der Würde nach, im Gegensatze des groß; wo es doch nur selten für geringe gebraucht wird. Die Großen und Kleinen, die Vornehmen und Geringen. (b) Den innern Vorzügen, den innern Eigenschaften nach. Klein denken, sich in seiner Art zu denken noch nicht der gewöhnlichen nähern. Ein kleiner Geist, eine kleine Seele. Da diese kleine Furcht steht Männern gar nicht an, Weiße. (c) Nach einer noch weitern Figur, verächtlich; doch nur in einigen Fällen. Sehr klein von jemanden denken, urtheilen, sprechen. Das Laster denkt darum klein von Gott, weil es keinen Anspruch auf seine Güte wagen darf, Gell. Siehe Verkleinern.

Anm. Bey dem Notker und Willeram chlein, im Schwabenspiegel clain, im Nieders. kleen, im Schwed. klen. Das k ist ein Vorsatz oder vielmehr ein bloßer müßiger Vorschlag. Das Stammwort ist noch in dem Nieders. leen, Angels. laene, hlaene, Engl. lean, mager, und in der Hochdeutschen verkleinernden Endung lein vorhanden. ( S. - Lein.) In den Mundarten gibt es noch verschiedene andere Wörter den Begriff des klein in dessen eigentlichen Bedeutung auszudrucken. Dahin gehören das Oberdeutsche winzig, ( S. Wenig,) das Baierische putzlich, klein und dick, Lat. pusillus, das Nieders. vöge, im Tatian fohe, im Angels. fea, in Engl. few; und das gleichfalls Nieders. lütt, lüttje, lüttik, bey dem Ulphilas leitil, bey den ältern Oberdeutschen lutzel, lüzzel, im Angels. lyt, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es kann dieses Beywort in der eigentlichen Bedeutung, so wie groß, mit allen Beschaffenheitswörtern zusammen gesetzet werden, in welchen die Sache es verstattet, selbst mit solchen, welche außer der Zusammensetzung nicht üblich sind; kleinährig, kleine Ähren habend, kleinblümig, kleine Blumen habend, kleinblätterig, kleinsamig, kleinäugig, kleinfüßig, kleinköpfig, und tausend andere mehr, deren Anführung hier wohl niemand erwarten wird.


Kleinbänker (W3) [Adelung]


Der Kleinbänker, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten ein Handwerker, besonders ein Bäcker, welcher seine Waare nur in einer kleinen öffentlichen Bank feil haben darf; zum Unterschiede von einem Großbänker.


Kleinbauer (W3) [Adelung]


Der Kleinbauer, des -s, plur. die -n, an einigen Orten, ein Hinterfaß oder Halbbauer, zum Unterschiede von einem Großbauer. S. Bauer.


Kleinbinder (W3) [Adelung]


Der Kleinbinder, des -s, plur. ut nom. sing. ein Faßbinder Böltischer, welcher nur kleine Arbeiten verfertiget, im Würtenbergischen ein Kübler, an andern Orten ein Weißbin- der oder Rothbinder, zum Unterschiede von einem Großbinder, Küfner oder Schwarzbinder.


Kleinbraune (W3) [Adelung]


Der Kleinbraune, des -n, plur. inus. in dem Weinbaue Meißens, eine Art Weines, dessen süße Trauben von leberbrauner Farbe sind, welcher unter die besten Arten gehöret, und im Würtembergischen der Ruhländer genannt wird.


Kleine (W3) [Adelung]


* Die Kleine, plur. inus. Das Abstractum des Wortes klein, in seinen eigentlichen Bedeutungen. Die Kleine des Gartens, einer Person u. s. f. Ob es gleich nach dem Muster des Wartes Größe gebildet ist, so ist es doch wenig gangbar, weil Kleinheit dafür üblicher ist. Bey dem Ottfried sind Kleini im figürlichen Verstande tiefsinnige, spitzfündige Gedanken.


Kleinen (W3) [Adelung]


Kleinen, verb. reg. act. klein schlagen; ein nur im Bergbaue übliches Wort. Die Gänge kleinen, das in den Gängen gebrochene Erz kleiner schlagen. Von dem Comparativo ist kleinern im figürlichen Verstande, in dem zusammen gesetzten verkleinern üblich, w. S.


Kleinenke (W3) [Adelung]


Der Kleinenke, des -n, plur. die -n, in der Landwirthschaft Obersachsens, auf starken Landgütern, wo sechs oder mehr Pferde gehalten werden, ein Pferde- oder Ackerknecht, welcher auf den Mittelenken, oder, wenn ein solcher nicht vorhanden ist, auf den Großenken folget, und an andern Orten der Kleinknecht, Unterknecht, im Nieders. Swöpenknecht, Swöpenjunge, Swöpker, von Swöpe, eine Peitsche, genannt wird. S. Enke.


Kleinfränkische (W3) [Adelung]


Der Kleinfränkische, des -n, plur. inus. in Meißen, eine Art Weinstöcke, welche Churfürst Johann Georg I. aus Franken einführen ließ; zum Unterschiede von dem Großfränkischen.


Kleinfügig (W3) [Adelung]


Kleinfügig, -er, -ste, adj. et adv. 1) * Klein, in der eigentlichen Bedeutung dieses Wortes; in welchem Verstande im Oberdeutschen auch das Hauptwort die Kleinfüge üblich ist. Die Vogtey ist wegen ihrer Kleinfüge einer andern einverleibt worden, Bluntschli. 2) Im figürlichen Verstande, klein, dem Werthe, der Wichtigkeit nach, gering, unerheblich. Siehe Geringfügig.


Kleinfügigkeit (W3) [Adelung]


Die Kleinfügigkeit, plur. inus. die Unerheblichkeit, kleine, geringe Beschaffenheit eines Dinges, in Ansehung seines Werthes und seiner Folgen.


Kleingärtner (W3) [Adelung]


Der Kleingärtner, des -s, plur. ut nom. sing. in Obersachsen, eine Art Gärtner, d. i. mit einem Garten versehener Häusler, deren Garten weniger als ein - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Hufe beträgt; zum Unterschiede von den Großgärtnern.


Kleingedackt (W3) [Adelung]


Kleingedackt, S. Gedackt.


Kleingläubig (W3) [Adelung]


Kleingläubig, -er, -ste, adj. et adv. in der Deutschen Bibel und biblischen Schreibart, einen kleinen, d. i. schwachen, Glauben habend, und darin gegründet. So auch die Kleingläubigkeit, plur. inus. S. Klein 2. 4)


Kleingut (W3) [Adelung]


Das Kleingut, des -es, plur. inus. in den Stückgießereyen, eine oder mehrere Kanonen, welche am Boden über dem Zündloche nicht die gehörige Dicke haben, und daher nicht vollgültig ist.


Kleinheit (W3) [Adelung]


Die Kleinheit, plur. inus. das Abstractum des Beywortes klein, in seiner eigentlichen Bedeutung, welches für Kleine üblich ist, die Eigenschaft eines Dinges, da es seiner Ausdehnung nach weniger Raum einnimmt, als ein anderes. Die Kleinheit eines Sandkornes. Die unbegreifliche Kleinheit mancher Insecten.


Kleinigkeit (W3) [Adelung]


Die Kleinigkeit, plur. die -en, ein kleines, d. i. unerhebliches, unwichtiges Ding, in der 4ten und 5ten figürlichen Bedeutung des Wortes klein. Zehen Thaler sind ihm eine Kleinigkeit. Sich über eine Kleinigkeit veruneinigen. Man mag gerne, wie Montagne sagt, große Männer bey Kleinigkeiten belauschen. Angenehme Kleinigkeiten, welche an sich nichts bedeuten, und dennoch in dem Umgange der Welt so erheblich und so nöthig sind.


Kleinjährig (W3) [Adelung]


Kleinjährig, -er, -ste, adj. et adv. im Forstwesen, kleine, d. i. dünne, schwache Jahre, oder Zeichen des Jahrwuchses habend; im Gegensatze des Grobjährig. S. Jahr.


Kleinklieber (W3) [Adelung]


Der Kleinklieber, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Böttchern, derjenige, welcher das Holz mit Keilen kleiner spaltet; von klieben, spalten.


Kleinknecht (W3) [Adelung]


Der Kleinknecht, des -es, plur. die -e, S. Kleinenke. In den Schäfereyen ist der Kleinknecht derjenige, welcher das Zeitvieh hüthet.


Kleinkohle (W3) [Adelung]


Die Kleinkohle, plur. die -n, S. Grubenkohle.


Kleinlaut (W3) [Adelung]


Kleinlaut, -er, -este, adj. et adv. einen kleinen, d. i. schwachen Laut von sich gebend. Es wird nur im gemeinen Leben im figürlichen Verstande gebraucht. Kleinlaut seyn, niedergeschlagen. Kleinlaut werden, seinen Kleinmuth durch Worte und Töne verrathen; ingleichen, in seinem Trotze, in seinem Stolze nachlassen.


Kleinlich (W3) [Adelung]


Kleinlich, adj. et adv. ein wenig klein, in der eigentlichen Bedeutung dieses Wortes, zart, schmächtig. Ein kleinliches Kind. Im Oberd. kleisper, vermuthlich für kleinbar, kleinsbar, im Nieders. kleenlik, kneenlik, kleensen.


Kleinmeister (W3) [Adelung]


* Der Kleinmeister, des -s, plur. ut nom. sing. eine ungeschickte Übersetzung des Franz. Petit maitre, wofür andere das erträglichere süßer Herr gebraucht haben.


Kleinmuth (W3) [Adelung]


Die Kleinmuth, plur. inus. 1. Überhaupt, derjenige Zustand des Gemüthes, wo man die gehörige Mäßigung so wohl der Furcht, als auch der Traurigkeit unterlässet; im Gegensatze der Großmuth in weiterer Bedeutung. Viele Kleinmuth zeigen, an den Tag legen. Sich der Kleinmuth überlassen. In engerer Bedeutung, die Fertigkeit dieser Gesinnung; die Kleinmüthigkeit. 2. In engerm Zustande. 1) Die Traurigkeit über die Schwierigkeit das Gute zu erhalten. 2) Derjenige Zustand des Gemüthes, da man den gehörigen Widerstand gegen ein bevorstehendes Übel für vergeblich hält, und ihn daher unterlässet; die Zagheit. Die Kleinmuth, welche die Kürze des Lebens in uns wirken muß. Die Kleinmuth wünscht den Tod; er endet ihre Pein; Im Unglück leben kann die Tugend nur allein, Cron.

Anm. Bey dem Kero lutcil Muat, im Angels. Lytelmodnisse, im Schwed. Klenmodighet, im Nieders. Weddermood, Mißmood, welches aber von weiterer Bedeutung ist, S. Mißmuth. Viele gebrauchen es auch im männlichen Geschlechte, der Kleinmuth, S. Muth.


Kleinmüthig (W3) [Adelung]


Kleinmüthig, -er, -ste, adj. et adv. Kleinmuth habend, und darin gegründet, in allen Bedeutungen dieses Wortes.


Kleinmüthigkeit (W3) [Adelung]


Die Kleinmüthigkeit, plur. inus. die Kleinmuth als ein Zustand, eine Fertigkeit betrachtet, wofür auch das kürzere Kleinmuth üblich ist.


Kleinod (W3) [Adelung]


Das Kleinod, des -s, plur. die -e, ein kleines, zartes Ding, im Gegensatze größerer Dinge seiner Art. 1) Überhaupt, wo dieses Wort noch in verschiedenen einzelnen Fällen des gemeinen Lebens vorkommt. So nennen die Fleischer die Nebentheile des geschlachteten Viehes, welches als eine Zulage mit verkauft werden, die Füße, den Kopf, die Kaldaunen und das Geschlinge, die Kleinode, oder Kleinodien. In der Leipziger Ordnung für die Landfleischer von 1774 heißt es: es soll kein Fleischer die Kleinod bey der Bank feil haben, bey Verlust der Kleinod. Im Erzgebirge werden die Gartengewächse das Kleinet, oder das Kleinod genannt, wo das Wort ein Collectivum ist; und in andern Gegenden Obersachsens sind die Kleinete oder Kleinedgärten, Kleinedstücken, diejenigen Felder oder Stücken Felder, welche mit Gartenfrüchten bestellet werden. In noch weiterer Bedeutung wurden ehedem Eyer, Würste, Fleisch und allerley Eßwaaren Kleinet genannt, wovon Haltaus im Gloss. nachgesehen werden kann. 2) * In engerer Bedeutung, kleiner Hausrath, kleine häusliche Werkzeuge; eine veraltete Bedeutung, in welcher in dem Sachsenspiegel Bürsten, Scheren, Spiegel, Kämme, Kleinode genannt werden. In einem andern alten Schriftsteller bey dem Frisch kommen silberne Schüsseln unter dem Nahmen der silbernen Kleinote vor. 3) In noch engerer Bedeutung, ein jedes kostbares kleines Stück dieser Art, so fern es zum Schmucke oder Putze dienet; eine größten Theils gleichfalls veraltete Bedeutung. In der Wapenkunst werden die Helmzierathen, als Kronen, Hüte, Wülste, Küssen, Thiere u. s. f. Kleinode oder Helmkleinode genannt. Bey den ehemaligen Kampf- und Wettspielen führete der angesetzte Preis den Nahmen des Kleinods, er mochte nur bestehen, worin er wollte. Die so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber Einer erlanget das Kleinod, 1 Cor. 9, 24. Jage nach dem vorgestecktem Ziel, nach dem Kleinod, Phil. 3, 14. 4) In der engsten Bedeutung werden Edelsteine und aus Edelsteinen oder edlen Metallen verfertigte und zum Schmucke dienende Dinge, das Geschmeide, Kleinode, und im gemeinen Leben Kleinodien genannt. Abrahams Knecht zog hervor güldene und silberne Kleinod und Kleider, 1 Mos. 24, 53. Die güldene Kleinod, die ihr dem Herrn zum Schuldopfer gebt, 1 Sam. 6, 8, 15. Ihr Töchter Israel, weinet über Saul, der euch schmückte mit güldnen Kleinodien an euren Kleidern, 2 Sam. 1, 24. Die Reichs-Kleinodien, die goldene Krone, Zepter u. s. f. Im figürlichen Verstande auch eine kostbare, sehr schätzbare Sache, welche man mit aller Sorgfalt zu erhalten bemühet ist, oder bemühet seyn sollte.

Anm. Ehedem nur Kleinet, Kleinatt, mit dem Tone auf der ersten Sylbe, im Schwed. Kleinod, im Böhm. Klenot, im mittlern Lat. Clenodium, und im mittlern Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Wachter und Frisch glauben, daß die letzte Hälfte die Ableitungssylbe heit sey, welche mit der Zeit in et, im Latein. in odium, und aus diesem im Deutschen wieder in od verwandelt werden. Allein da die Alten wirklich eine Ableitungssylbe, ode hatten, welche die Stelle des heit vertrat, indem Bettelode bey dem Notker mendicitas ist: so ist es wahrscheinlicher, daß aus Kleinod mit der Zeit Kleinet geworden. Od ist ein sehr altes, fast in allen Europäischen Sprachen befindliches Wort, welches überhaupt ein Gut, eine Sache, welche man besitzet, als ein Gut betrachtet, bedeutete, und mit seinen Ableitungen otag, reich, odagan, begabt u. a. m. bey unsern ältesten Schriftstellern häufig vorkommt. Heriotum, Heroetum, bedeutet im mittlern Lat. Kriegsgeräth, Waffen, eigentlich Heergut, Allodium, ein eigenthümliches angeerbtes Gut, Od, Öde, aber im ältern Schwedischen sehr oft den Schatz. Kleinod ist also überhaupt ein jedes kleineres Ding, als ein Gut, eine Waare betrachtet, und in engerer Bedeutung der kleinere Schatz.


Kleinschmid (W3) [Adelung]


Der Kleinschmid, des -s, plur. die -schmiede, eine vornehmlich im Niedersächsischen übliche Benennung eines Schlössers; im Gegensatze eines Grobschmids.


Kleinspeisig (W3) [Adelung]


Kleinspeisig, -er, -ste, adj. et adv. im Bergbaue, aus kleinen glänzenden Würfeln, oder kleinen glänzenden Blättern bestehend; im Gegensatze des grobspeisig. Kleinspeisiger Bleyglanz. Kleinspeisiges Erz. S. Speise.


Kleinstädtisch (W3) [Adelung]


Kleinstädtisch, -er, -te, adj. et adv. der Art kleiner Städte und ihrer Einwohner gemäß. Das ist sehr kleinstädtisch gesprochen. Ein kleinstädtisches gezwungenes Betragen. Thun sie nicht so kleinstädtisch mit mir, Gell.


Kleinvogt (W3) [Adelung]


Der Kleinvogt, des -es, plur. die -vögte, S. Großvogt.


Kleister (W3) [Adelung]


Der Kleister, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. ein kleberiges Verbindungsmittel, doch nur in engerer Bedeutung, ein aus Mehl bereitetes Verbindungsmittel, ein Brey, in so fern er gebraucht wird, zwey Körper an einander zu kleiben. In noch engerer Bedeutung führet zuweilen der aus Stärke oder Stärkmehl gekochte Brey diesen Nahmen, zum Unterschiede von der Pappe, welche aus Rockenmehle gemacht wird. Im Nieders. und Dän. Klister, im Schwed. Klister, im Böhm. Kleystr, bey den ältern Lateinern Glus, nochmahls Gluten, im mittlern Lat. Glis. Es stammet von dem noch im Holländ. üblichen klissen, klessen, kleben, Klesse und Klisse, eine Klette, her, welches wiederum mit Kley, zähe, fettige Erde, kleben, kleiben u. s. f. Eines Geschlechtes ist. Im Nieders. ist Kluster ein Klumpen, eine Masse mehrerer an einander hangender Dinge.


Kleistern (W3) [Adelung]


Kleistern, verb. reg. act. mit einem Kleister befestigen, verbinden, besonders in den Zusammensetzungen ankleistern, aufkleistern, einkleistern, bekleistern, verkleistern. Im Niedersächs. klistern.


Klemm (W3) [Adelung]


Klemm, -er, -ste, adj. et adv. welches im Hochdeutschen für das mehr Oberdeutsche klamm üblich ist. Das Wasser ward klemm, fing an zu mangeln, war schwer zu haben. Das Geld ist hier sehr klemm, schwer zu bekommen und zu erwerben. Geldklemme Zeiten. Wer kehrt sich an die klemmen Zeiten, Wo niemand ohne Richter bleibt? Günth. wo es in noch weiterer Figur für bedrängte, schlechte Zeiten in Ansehung der Sitten, stehet. S. Klamm.


Klemme (W3) [Adelung]


Die Klemme, plur. die -n, 1) Ein Werkzeug, etwas damit zu klemmen. 2) Ein enger Ort, ein enger Paß, wo mehrere durchreisende Personen gleichsam zusammen gedrücket oder geklemmet werden. In die Klemme gerathen. Den Feind in der Klemme haben. Ingleichen nach einer noch weitern Figur, ein bedrängter Zustand, Verlegenheit. In der Klemme seyn, oder sitzen. In die Klemme gerathen. Jemand in die Klemme bringen. Für Mangel, in welchem Verstande Matthesius Klemme an Brot sagt, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. 3) Ein Krampf der Muskeln bey den Thieren, welcher vornehmlich die Kinnbacken schließt, und am häufigsten die Pferde befällt, wird die Klemme, im Oberd. der Klamm, sonst aber auch die Maulsperre, Mundsperre, Hirschkrankheit, Franz. le Mal de Cerf, genannt. 4) * Im Nieders. bedeutet Klemme auch Kraft und Nachdruck in Worten und Handlungen. Eine Rede, welche keine Klemme hat, keinen Nachdruck.


Klemmen (W3) [Adelung]


Klemmen, verb. reg. act. 1) Sehr drücken. Der Schuh, das Kleid klemmet mich. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, vermittelst zweyer harten Körper von beyden Seiten sehr drücken. Sich klemmen, oder sich den Finger klemmen, mit dem Finger zwischen zwey solche Körper gerathen. Bileams Eselinn drängte sich an die Wand und klemmte Bileam den Fuß an der Wand, 4 Mos. 22, 25. Sprichw. Wer sich zwischen Vettern und Freunde stecket, der klemmet sich. So auch in den Zusammensetzungen abklemmen, einklemmen. In beklemmen ist es auch im figürlichen Verstande üblich.

Anm. Bey dem Winsbeck klemmen, bey dem Hornegk chlamen, im Nieders. gleichfalls klemmen, im Schwed. klaemma. In einem andern aber damit genau verwandten Verstande bedeutete es ehedem auch theils kleben, wie noch das Engl. to clamm, theils mit Klauen oder Haken fest halten. ( S. Klamm, Klammern 2, und Leim, von welchem Worte es durch den vorgesetzten Gaumenlaut gebildet worden. Ehedem wurde es irregulär abgewandelt, welche Form noch in beklommen üblich ist, siehe Beklemmen.


Klemmig (W3) [Adelung]


Klemmig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur im Bergbaue für fest üblich ist. Klemmiges Gestein, festes Gestein. Es ist von klammen, so fern es nicht nur drücken, sondern auch verbinden bedeutete. S. Klamm und Klammgällig.


Klemmschlot (W3) [Adelung]


Der Klemmschlot, des -es, plur. die -e, in den Niedersächsischen Torfländern, ein kleiner Wassergraben. Vielleicht von klemm, so fern es enge bedeutet. S. Schlot.


Klempener (W3) [Adelung]


Der Klempener, zusammen gezogen Klempner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Klempnerinn, ein Handwerker, welcher allerley Geschirre und Arbeiten aus weißem oder gelbem Bleche verfertiget, und im Oberd. Klampferer, Spängeler, an andern Orten aber Klimperer, Klipper, Laternmacher, Flaschner, Beckenschläger, Blechschmid genannt wird. An einigen Orten sind diese Handwerker noch von einander unterschieden, und da ist der Klempener in engerer Bedeutung derjenige Handwerker dieser Art, welcher seine Arbeit mit weichem Lothe löthet. Die Nahmen Klempener, Klämperer, Klipper, haben sie von dem Getöse, welches sie durch das Hämmern des Bleches auf dem Amboße machen. S. das folgende.


Klempern (W3) [Adelung]


Klempern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) Denjenigen wiederhohlten klingenden Schall von sich geben, welchen dieses Zeitwort nachahmet, von welcher Art z. B. derjenige ist, welcher entstehet, wenn man Blech oder dünnes klingendes Metall auf einem Amboße hämmert. 2) Diesen Schall verursachen, hervor bringen. Auf dem Amboße klempern. Figürlich, ungeschickt auf einem Saiten-Instrumente spielen. Den ganzen Tag auf dem Claviere klempern.

Anm. Es wird auch häufig klimpern geschrieben und gesprochen, obgleich dieses eigentlich einen feinern oder höhern Klang dieser Art ausdruckt. Es ist das Iterativum von dem noch im Oberd. üblichen klampen, klempen, welches einen ähnlichen aber nur nicht so oft wiederhohlten Schall nachahmet, und von welchem das vorige Klempener abstammet.


Kleppel (W3) [Adelung]


Der Kleppel, Kleppeln, S. Klöppel, Klöppeln.


Klepper (W3) [Adelung]


Der Klepper, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Im gemeinen Leben, eine Person, welche gern und viel läuft, Fämin. die Klepperinn, Nieders. Klepperske, welches auch in weiterer Bedeutung von einer sehr geschäftigen Person gebraucht wird. ( S. Buschklepper.) 2) In engerm und gewöhnlicherm Verstande, ein Pferd, welches nur zum Laufen gebraucht wird, ein Reitpferd geringerer Art. An Höfen hat man eigene Klepperställe für Pferde dieser Art, welche zu den Verschickungen u. s. f. gebraucht werden.

Anm. In der zweyten Bedeutung im Dän. Kleppert, im Böhm. Kleprlik. Das nächste Stammwort ist noch in dem Nieders. kleppen, laufen, vorhanden, welches so wie das Französ. galopper, wiederum von laufen, Nieders. lopen, abstammet, und eigentlich den Schall nachahmet, welcher durch das schnelle Auftreten auf den Boden verursacht wird, daher auch bey den Römischen Dichtern ein Pferd sonipes genannt wird. Klappen und kleppen sind also genau verwandt. So fern dieses letztere Zeitwort eine Nachahmung des Schalles ist, wird auch der Kirsch- fink an einigen Orten Klepper genannt, weil er durch das Aufbeißen der Kirschkerne einen ähnlichen Schall macht.


Klepperlehen (W3) [Adelung]


Das Klepperlehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein bürgerliches Leben, dessen Besitzer statt der Ritterdienste dem Lehenherren in gewissen Fällen einen Klepper zu dessen Gebrauche halten, oder statt dessen ein bestimmtes Maß Getreide liefern muß, Feudum caballinum. Ein solcher Lehensmann wird ein Kleppermann, und das Pferd, welches er stellen muß; der Lehenklepper genannt.


Klesebusch (W3) [Adelung]


Der Klesebusch, des -es, plur. die -büsche, S. Hülse 2.


Klette (W3) [Adelung]


Die Klette, plur. die -n, ein sich anhängendes Ding, besonders in folgenden Fällen. 1) Eine Art kleiner Vogel, welche zu den Sichelschnäblern gehören, sich mit ihren Krallen an die Bäume hängen und sie solcher Gestalt hinan klettern; Baumklette, Baumgrille, Falcinellus Klein. deren es verschiedene Arten gibt, wohin auch die Purpurklette aus Virginien, Falcinellus Phoeniceus, die blaue Klette oder das Schwarzkelchen, die grünkehlige Klette und andere Arten gehören. Im gemeinen Leben wird dieser Vogel auch Kletterchen, Kletterlein genannt. 2) Der mit Schuppen bedeckte Kelch und die Samenkapsel gewisser Gewächse, deren Schuppen an der Spitze hakenförmig gebogen sind, und sich daher leicht an die Kleider hängen, wenn man ihnen zu nahe kommt; ingleichen diese Pflanzen selbst. Die gemeine Klette, Arctium Lappa L. wovon die große Bergklette, oder Roßklette, eine Unterart ist. Die kleine Klette, Xanthium strumarium L. welche auch Spitzklette genannt wird. Die Leberklette, Agrimonia L. Odermennig, Igelsklette, Echinophora L. Jemanden eine Klette anhängen, ihm etwas Nachtheiliges nachsagen. ( S. Klebeläppchen.) Noch häng ich im die Kletten an, Hans Sachs.

Anm. In der zweyten Bedeutung im Oberdeutschen Kleppe, wovon das Latein. Lappa bloß durch den Mangel des zufälligen Gaumenlautes unterschieden ist, im Nieders. Klive, bey den ältern Franken Cliba, im Angels. Clyfwyrt, Clate, im Engl. Clottburr, im Franz. Glatteron. Woraus zugleich erhellet, daß dieses Wort von kleben nur in dem Ableitungslaute unterschieden ist, und mit seiner ganzen Verwandtschaft zu Klaue. Lab, Leim, u. s. f. gehöret. S. Klettenstange.


Kletten (W3) [Adelung]


Kletten, verb. reg. act. bey den Tuchwebern, die Wolle zersasern und das Unreine auslesen und abschneiden. Daher der Kletter, oder die Kletterinn, eine Person, welche diese Arbeit verrichtet. Es gehöret mit zu dem Geschlechte des vorigen Wortes, zunächst aber zu dem Zeitworte klauben.


Klettenkerbel (W3) [Adelung]


Der Klettenkerbel, des -s, plur. inus. 1) Eine Art des Kerbels, dessen eyförmiger Samen mit steifen Borsten besetzt ist, daher sich derselbe wie eine Klette anhänget; Scandix Anthriscus L. 2) Eine Pflanze, deren Frucht gleichfalls mit steifen Borsten besetzt ist; Caucalis L. Bettlersläuse, Feldklette.


Klettenstange (W3) [Adelung]


Die Klettenstange, plur. die -n, bey den Vogelstellern, eine lange Stange, an welcher die Leimspindeln oder Leimruthen befestiget werden. Gleichfalls von kleben, für Klebestange, siehe Klette.


Kletter (W3) [Adelung]


Die Kletter, S. Kletten.


Kletterfuß (W3) [Adelung]


Der Kletterfuß, des -es, plur. die -füße, ein zum Klettern eingerichteter Fuß, dergleichen die Spechte und verschiedene andere Vögel haben, welche mit zwey Klauen hinten, und eben so vielen vorn versehen sind.


Klettern (W3) [Adelung]


Klettern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, sich mit den Klauen einhängen, oder mit den Händen und Füßen unmittelbar an einen senkrechten oder fast senkrechten Körper anhalten, und auf diese Art sich an demselben fortbewegen. So klettern die Katzen, die Affen, die Bären u. s. f. die Wände, die Dächer, die Bäume hinan. Die Spechte, Stieglitze, Baumkletten und andere Vögel klettern gleichfalls. Auch der Mensch klettert in vielen Fällen. Auf dem Dache herum klettern. Und Jonathan kletterte mit Händen und Füßen (den Berg) hinauf, und sein Waffenträger ihm nach, Sam. 14, 13. Wer heißt oft groß? der schnell nach Ehren klettert, Den Kühnheit hebt, die Höhe schwindlig macht, Haged.

Anm. Im Österreichischen krechzeln, krachzeln, in Baiern kräxen, welche zunächst von kriechen abstammen, in Franken klepern, welches das Frequentativum von kleiben, kleben ist, im Nieders. klauen, von Klaue, klavvern, klattern, kleggen, im Dän. kravele, klavre, im Schwed. klettra. Die meisten dieser Wörter sind genau mit einander verwandt und nur in den Ableitungslauten verschieden. Das Anhäkeln mit den Klauen, und Anhalten mit den Händen und Füßen ist der herrschende Begriff in denselben. Übrigens ist klettern ein Frequentativum, dessen Stammwort kletten noch hin und wieder im Oberdeutschen gangbar ist. In der höhern Schreibart ist dafür klimmen üblich. S. Klette, Klaue, Kleben, Leiter u. s. f.


Kletterstange (W3) [Adelung]


Die Kletterstange, plur. die -n, auf dem Lande einiger Gegenden, ein bäuerisches Spiel, wo die jungen Leute um einen ausgesetzten Preis eine aufgerichtete lange hohe Stange hinan klettern.


Kleuder (W3) [Adelung]


Der Kleuder, des -s, plur. ut nom. sing. ein in Hessen übliches Gewicht, nach welchem die Wolle gewogen wird, und welches so viel als ein Stein ist, indem es 21 Pfund hält. Es scheinet zu den Nieders. Klood, Kloot, ein Hause, ein Kloß, eine Kugel, zu gehören. S. Kloß.


Kley (W3) [Adelung]


Der Kley, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein in der Landwirthschaft, besonders Nieder-Deutschlandes übliches Wort, eine kleberige Erde zu bezeichnen. 1) In Hamburg und Dithmarsen wird der Schlamm oder Koth Kley genannt. Er hat Kley unter den Füßen, sagt man daselbst figürlich von jemanden, der viele Landgüter hat. 2) An andern Orten ist der Thon, Letten oder Lehm, ja fast eine jede fette und dabey zähe Erdart, besonders aber der Märgel, unter dem Nahmen des Kleyes bekannt. Nieders. auch Klegg, im Wallis. Clai, Holl. Kley. Im Engl. ist Clay Märgel und Thon überhaupt. Im Pohln. ist Kley der Lehm. Der Begriff des Klebens, der zähen Fertigkeit, ist der herrschende in diesem Worte, daher es mit den Wörtern kleben, Lehm, Letten, Klette, Kleister u. s. f. Eines Geschlechtes ist. Im Böhm. ist Kly Bergharz, und Klyh Leim.


Kleyacker (W3) [Adelung]


Der Kleyacker, des -s, plur. die -äcker, ein aus Kley, oder Kleyerde bestehender Acker.


Kleybalken (W3) [Adelung]


Der Kleybalken, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Schleusenbaue Niedersachsens, die unter dem Boden über dem ersten Grundbalken gelegten Balken, zwischen welche gute Kleyerde eingestampfet wird.


Kleye (W3) [Adelung]


Die Kleye, plur. von mehrern Arten, die -n, an einigen Orten auch nur im Plural allein, die Kleyen, die klein gemahlnen und vermittelst des Beutels von dem Mehle abgesonderten Bälge des Getreides. Weitzenkleye, Rockenkleye, Gerstenkleye.

Anm. In den Florentinischen Glossen Chlia, in den Monseeischen Glossen Cliuva, im Schwed. Kli. Es scheinet von klieben abzustammen, so fern dasselbe ehedem überhaupt zermalmen bedeutet hat. Das Oberdeutsche Grüsch, Grusch, in den Florentinischen Glossen Cruso, Ital. Crusca, Franz. Gru, und Nieders. Grand, welches letztere in engerer Bedeutung feine Weitzenkleye bedeutet, haben einen ähnlichen Ursprung. S. Gries Anm.


Kleyen (W3) [Adelung]


* Kleyen, verb. reg. act. ein nur in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens, übliches Wort. 1) Kratzen; Hochdeutsch krauen, Engl. to claw. 2) Ungeschickt, schlecht schreiben, im verächtlichen Verstande; Hochdeutsch kratzen. ( S. Kladde.) 3) Ausgraben, eilfertig graben, besonders im Dithmarsischen. Einen Graben kleyen, machen, auswerfen. Eben daselbst ist inkleyen einscharren, eingraben, umkleyen, umgraben, upkleyen aufwühlen u. s. f.


Kleyenbier (W3) [Adelung]


Das Kleyenbier, des -es, plur. inus. ein schlechter aus bloßer Kleye bereiteter Kofent, welcher aber angenehm zu trinken ist; Kleyenkofent, in Nieder-Deutschland Scharbier.


Kleyenbrot (W3) [Adelung]


Das Kleyenbrot, des -es, plur. inus. schlechtes aus Kleye gebackenes Brot, dergleichen besonders für die Hunde gebacken wird.


Kleyerde (W3) [Adelung]


Die Kleyerde, plur. von mehrern Arten, die -n, in der Landwirthschaft, besonders Niedersachsens, eine zähe und fette Erde, dergleichen die Märgelerde, Thonerde, der Letten und Lehm sind. S. der Kley.


Kleyig (W3) [Adelung]


1. Kleyig, -er, -ste, adj. et adv. in Niedersachsen, Kley, d. i. eine fette, zähe Erde enthaltend. Ein kleyiger Boden. Kleyicht würde nur bedeuten, dem Kleye ähnlich. S. der Kley.


Kleyig (W3) [Adelung]


2. Kleyig, adj. et adv. Kleye enthaltend. Kleyiges Brot. S. die Kleye.


Kleyland (W3) [Adelung]


Das Kleyland, des -es, plur. die -länder, im Nieders. ein Land, d. i. Stück Feldes, welches aus Kley, oder zäher fetter Erde bestehet. Ingleichen ohne Plural, ein Boden, welcher aus Kley oder Kleyerde bestehet. S. der Kley.


Klicken (W3) [Adelung]


Klicken, verb. reg. act. im gemeinen Leben, einen zähen Körper in kleinen Stücken werfen oder anwerfen. Lehm klicken, den zubereiteten Lehm in kleinen Klumpen anwerfen, daher die Kleiber an einigen Orten auch Lehmklicker heißen. Von einem schlechten Gemählde, wo die Farben gleichsam nur hingeworfen sind, sagt man; es ist nicht gemahlt, es ist nur geklickt. Klick, klicks druckt eigentlich einen feinern und kleinern Schall aus, als klack, kleck und klecken, S. diese Wörter. Im Nieders. ist Klicks, ein Klecks, und in weiterer Bedeutung, ein Bißchen eines zähen Körpers, z. B. ein Klicks Butter, und figürlich auch ein Bißchen einer jeden andern Sache. Im Schwed. wird klicka so wohl von dem fruchtlosen Abbrennen des Zündpulvers auf der Pfanne, als auch von dem Klange kleiner Glocken gebraucht.


Kliebeisen (W3) [Adelung]


Das Kliebeisen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Böttchern, ein breites dickes Messer, das Holz zu ihren Arbeiten damit zu klieben oder zu spalten; die Spaltklinge.


Klieben (W3) [Adelung]


Klieben, verb. irreg. Imperf. ich klob; Mittelw. gekloben; welches in doppelter Gestalt üblich ist, aber in beyden am häufigsten im Oberdeutschen vorkommt. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, einen Spalt bekommen, sich spalten; im Oberd. auch klaffen. Das Holz ist gekloben; wofür auch das Reciprocum sich klieben üblich ist. 2) Als ein Activum, spalten. Holz klieben, Holz spalten. Bey dem Ottfried Clouban, im Nieders. klöben, im Angels. cleafan, cleofan, im Engl. to cleave, im Schwed. klyfwa; im Wendischen mit einem andern Ableitungslaute klat, im Franz. eclater. Im Hochdeutschen ist dafür spalten üblicher, obgleich die abgeleiteten Klaue, Kloben, Kluft u. a. m. auch bey uns völlig gangbar sind. ( S. diese Wörter.) Im Schwed. ist klippa schneiden, scheren, beschneiden. Im Grunde wird durch alle diese Wörter der Schall nachgeahmet, den die Körper machen, wenn sie gespalten werden.


Kliebig (W3) [Adelung]


Kliebig, -er, -ste, adj. et adv. im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes, was sich leicht klieben oder spalten lässet. Kliebiges Holz.


Klima (W3) [Adelung]


Das Klima, plur. ut nom. sing. oder die Klimata, aus dem Griech. und Lat. Clima, in der Geographie, ein Theil der Erdkugel, welcher zwischen zwey mit dem Äquator parallel gehenden Zirkeln lieget, besonders in Ansehung der Witterung; der Erdstrich, Himmelsstrich, Erdgürtel, und mit einem andern Griech. Worte, die Zone. In weiterer Bedeutung auch wohl eine jede Himmelsgegend in Ansehung der Witterung in derselben, ohne Rücksicht auf die geographische Breite.


Klimmen (W3) [Adelung]


Klimmen, verb. reg. et irreg. neutr. welches im letztern Falle im Imperf. ich klomm, und im Mittelw. geklommen hat. Es bekommt das Hülfswort seyn, und wird im Oberdeutschen und in der höhern und dichterischen Schreibart der Hochdeutschen für klettern gebraucht. Du kommest schnell den Baum hinauf, Geßn. Der klimmt auf einen jähen Und spitzen Felsen hin, Opitz. Auch in weiterer Bedeutung, für mühsam steigen, ja auch wohl für steigen überhaupt. Die Kühnheit, Mit der ich zu schwindelnden Pfaden geklimmt, Zachar. Klimm ich zu der Tugend Tempel Matt den steilen Pfad hinauf, Raml. Wenn die getrübte Fluth bis an die Wolken klimmt, Opitz.

Anm. Im Nieders. klemmen, im Angels. climan und climban, im Engl. to climb, im Schwed. klaenga. Das Oberdeutsche klimsen, die Niederdeutschen klemmern, klempern, und das Engl. to clamber, sind Frequentativa oder Intensiva davon. Es wird mit diesem Worte, so wie mit klettern, eigentlich auf das Einhaken der Nägel an Händen und Füßen, oder auf das Anhalten mit den Händen und Füßen gesehen. ( S. Klamm und Klammer.) Zum Geschlechte dieses Wortes gehöret noch das Nieders. Klamp, ein Steg über einen Graben, das Franz. grimper, klettern, und das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine Staffel in einer Leiter, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - eine Leiter. In vielen Oberdeutschen Gegenden geht es regulär; dagegen es in einigen im Imperf. statt klomm, auch klamm, und statt geklommen, geklammen lautet.


Klimpern (W3) [Adelung]


Klimpern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben zu sich nimmt, und eine etwas feinere oder kleinere Art eines tönenden Schalles als klempern ausdruckt, S. dieses Wort. Es bedeutet sowohl diesen Schall von sich geben, als denselben hervor bringen. Mit dem Gelde in der Tasche klimpern. Auf dem Claviere klimpern, schlecht spielen.


Klinge (W3) [Adelung]


1. Die Klinge, plur. die -n, ein Wort, welches sowohl den Begriff der Erhöhung, als auch den damit verwandten Begriff der Vertiefung hat. 1) Der Höhe, in welchem Verstande es noch hin und wieder einen Hügel bedeutet, besonders in den eigenthümlichen Nahmen mancher Örter, Kaltenklingen, Klingenau u. s. f. Schon bey dem Ulphilas ist Hlaina, im Schwed. Klint, Klett, und im Isländ. Klettur, ein Berg, Hügel; wohl nicht von klettern, klimmen, Schwed. klaenga, weil man solche Örter hinan klettern muß, sondern ohne Zweifel, so fern alle diese Wörter den Begriff der Verbindung haben, eine Masse mehrerer mit einander verbundener Theile zu bezeichnen. ( S. Klunker.) 2) Der langen Vertiefung. Ein enges zwischen Bergen gelegenes Thal; besonders im Oberdeutschen. Das Schloß liegt auf einem Horn des Berges Blauen, da kommt man durch tiefe Klingen, Wurstisen bey dem Frisch. Um Mittag kamen wir auf Höhen und hatten unter uns eine fast tiefe und enge Klinge, Felix Faber, eben das. Gebirg, Klingen und wüste Wälder, Hans Sachs. Ein Bach heißt bey dem Ottfried im männlichen Geschlechte ein Klingo, bey dem Notker aber im weiblichen Chlinga. Die von starken Regengüssen ausgerissenen Vertiefungen, besonders an abhängigen Orten, heißen im Oberdeutschen Klingen, an andern Orten Schluchten. Die kleinen flachen Kanäle fließenden Wassers, worin die Brunnkresse erzeuget wird, sind in Thüringen unter dem Nahmen der Klingen oder der Klinkern bekannt, und in Franken heißen die Gräben, welche das Wasser aus den Weinbergen ableiten, Klingen. Im Nieders. ist Klinke eine Falte in der leinenen Wäsche, ingleichen ein winkeliger Schnitt oder Riß, Klinkenmauern in Falten gelegte Ärmel, klingen, klinken, einklinken, in Falten legen. Es scheinet in dieser Bedeutung mit dem Worte Klinse, Klunse, eine Spalte, ein Riß, von klieben oder klaffen abzustammen; wo es nicht vielmehr unmittelbar zu dem vorigen Worte gehöret, indem die meisten Wörter, welche eine Höhe bezeichnen, auch eine Tiefe bedeuten; wie Wall und Vallis, Bak, Deich und Teich, Damm, Kimme, Katze und viele andere mehr.


Klinge (W3) [Adelung]


2. Die Klinge, plur. die -n, ein Wort, welches überhaupt den Begriff eines langen, vorn spitz zulaufenden dünnen Körpers zu haben scheinet, aber nur noch in engerm Verstande den eisernen oder stählernen eigentlich schneidenden oder stechenden Theil eines Messers, aller Arten der Degen und Schwerter, der Sensen, Futtermesser und anderer ähnlicher Werkzeuge mehr bezeichnet, im Gegensatze des Gefäßes, Heftes oder Stieles. Die Messerklinge, Degenklinge, Rappierklinge, Dolchklinge, Säbelklinge, Sensenklinge, Futterklinge u. s. f. In engerer Bedeutung die Klinge eines Degens. Daher die figürlichen R. A. Jemand vor die Klinge fordern, ihn zum Zweykampfe auffordern. Eine Sache mit der Klinge, durch die Klinge entscheiden. Über die Klinge springen lassen, niederhauen, im Kriege. Nicht bey der Klinge bleiben, nicht bey der Sache bleiben, die Streitfrage verändern. Die Stoßklinge, Hohlklinge, Schilfsklinge, Wolfsklinge. Figürlich führet in Thüringen ein länglich ovales Stück Feldes, welches einer gewöhnlichen Messerklinge gleicht, den Nahmen der Klinge.

Anm. Im Holländ. Klinge, Klinke, im Schwed. Klinga. Die gemeinste Meinung leitet es von klingen her, wegen des klingenden Geräusches, welches die Degenklingen in einem Gefechte machen. ( S. Klinke,) welches mit diesem Worte verwandt ist. Die Niedersachsen gebrauchen von einem Messer dafür Lämmel, Lemmel, Holländ. Lemmer, Lat. Lamella, Lamina, Franz. Lame, Allumelle, bey den Schwäbischen Dichtern Lambel, Lamel.


Klingel (W3) [Adelung]


Die Klingel, plur. die -n, ein kleines metallenes Glöckchen, andern damit ein gewisses Zeichen zu geben.


Klingelbeutel (W3) [Adelung]


Der Klingelbeutel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Beutel mit einem langen Stiele und einer Schelle, dessen man sich in den Kirchen bedienet, freywillige Gaben darein zu sammeln; der Klingelsack, im Oberd. das Cymbelsäckel. Mit dem Klingelbeutel gehen, denselben in der Kirche herum tragen. Die denselben herum tragen, werden auf dem Lande Klingelmänner, in Städten aber, besonders wenn es angesehene Personen sind, Klingelherren genannt.


Klingelmöhre (W3) [Adelung]


Die Klingelmöhre, S. Zuckerwurzel.


Klingeln (W3) [Adelung]


Klingeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Iterativum und zugleich Diminutivum von klingen ist, vermittelst kleiner klingender Werkzeuge einen wiederhohlten Klang hervor bringen. Besonders vermittelst kleiner Glocken oder Schellen. An der Thür klingeln, vor der Thür stehen und an den Glöckchen ziehen, damit die Thür geöffnet werde; an andern Orten schellen. Einem klingeln, ihm mit der Klingel, oder einer kleinen Glocke ein Zeichen geben, daß er kommen soll. Ihre Mutter hat mir geklingelt, Weiße. Im Nieders. pingeln, im Engl. to gingle.


Klingelsack (W3) [Adelung]


Der Klingelsack, des -es, plur. die -säcke, S. Klingelbeutel.


Klingen (W3) [Adelung]


Klingen, verb. neutr. welches mit dem Hülfsworte haben verbunden wird, und in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein irreguläres Zeitwort, Imperf. ich klang, (im gemeinen Leben ich klung,) Conjunct. ich klänge; Mittelw. geklungen; denjenigen tönenden, d. i. anhaltenden, gemeiniglich angenehmen Laut von sich geben, welchen dieses Zeitwort als eine Onomatopöie ausdruckt, und welcher durch die zitternde Bewegung entstehet, welchen harte elastische Körper, wenn sie geschlagen werden, der Luft mittheilen. 1) Eigentlich. Gespannte Saiten, Glocken, dünne Stücke gewisser Metalle klingen wenn sie geschlagen werden. Und hieng viel goldene Schellen und Knäufe umher an ihn, daß es klünge, (klänge,) wenn er aus- und eingienge, Sir. 45, 11. Ein tönend Erz oder eine klingende Schelle, 1 Cor. 13, 1. Wie die Saiten auf dem Psalter durch einander klingen, Weish. 19, 17. Mit klingendem Spiele ausziehen, von Soldaten, wenn sie unter dem Schalle der Trommeln, und unter dem Klange der Feld-Musik ausziehen. Das Geld klinget, wenn es in einer schwebenden Lage ist, und man darauf schläget. Die Ohren klingen mir, das Klingen der Ohren, wenn man ein Klingen in denselben empfindet. In weiterer Bedeutung zuweilen auch von solchen Instrumenten, welche mit einem Schalle klingen. Die Trompete, die Posaune klinget. Wenn die Dromete klinget, Hiob, 39, 25; wo man doch lieber das Wort schallen gebraucht, außer daß von der Beschaffenheit des schallenden Lautes auch das Hauptwort Klang üblich ist. Die Trompete hat einen guten, einen schlechten Klang. Aber von dem Schwerte, ich will das Schwert lassen klingen, Ezech. 21, 15, und von dem Köcher, wenn gleich der Köcher klinget, Hiob 39, 23, ist es eine harte Figur. 2) Figürlich. (a) Durch das Gehör empfunden werden, von Worten und Ausdrücken, doch nur in Ansehung der Art und Weise. Die Deutsche Sprache klingt vielen Ausländern rauh und fürchterlich. (b) Dem Inhalte nach, dem Verstande nach; in welcher Bedeutung auch lauten gebraucht wird. Was deine Schwester sagt, klingt anders, Gell. Euer Lob klingt nicht fein! Was sie sagen klingt in jeder Sprache schön, Gell. Alle meine Ermahnungen klingen ihm hofmeisterlich. Diese Frage klingt befremdend. 2. Als ein reguläres Zeitwort, einen Klang hervor bringen. Mit den Gläsern klingen. Heman - waren Sänger, mit ehernen Cymbeln helle zu klingen, 1 Chron. 16, 19; in welchem Verstande es doch ungewöhnlich ist, indem von dem bloßen Rühren kleiner Glocken klingeln, von dem Hervorbringen harmonischer Töne aber spielen üblicher ist. Eben dieses gilt von der Stelle, Kap. 17, 42; mit Drometen und Cymbeln zu klingen und mit Saitenspielen Gottes.

Anm. In dem alten Gedichte auf Carls Feldzug bey dem Schilter clingen, im Imperf. in dem Gedichte auf den heil. Anno clung, im Nieders. gleichfalls klingen, im Schwed. klinga, im Engl. to clink und clank, im Böhm. klinkati, im Lat. clangere, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und ohne Gaumenlaut - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Kling, Klang sind Nachahmungen dieser Art des Lautes selbst, wo die Selbstlaute i und a den feinen oder tiefern Ton, der Nasenlaut ng aber das anhaltend Tönende ausdruckt.


Klingenmöhre (W3) [Adelung]


Die Klingenmöhre, plur. die -n, S. Zuckerwurzel.


Klingenschmid (W3) [Adelung]


Der Klingenschmid, des -s, plur. die -schmiede, in den Gewehr-Fabriken, ein Schmid, welcher die Degen- und Säbelklingen verfertiget. Bey den Messerschmieden führen diejenigen Arbeiter, welche die Klingen zu den Messern verfertigen, den Nahmen der Klingenschmiede, zum Unterschiede von den Beschalern.


Klinger (W3) [Adelung]


Der Klinger, S. Klinker.


Klinggedicht (W3) [Adelung]


Das Klinggedicht, des -es, plur. die -e, eine ungewöhnlich gewordene und aus dem Holländischen entlehnte Benennung eines Sonnettes. S. Sonnett.


Klinke (W3) [Adelung]


Die Klinke, plur. die -n, überhaupt, ein jedes Werkzeug, welches mit einem Klange oder Schalle niederfällt und dadurch etwas verschließet; doch nur noch in engerer Bedeutung ein fallender Riegel an einer Thür, welcher in den Klinkhaken greifet, und die Thür dadurch zumacht, ein am Ende um einen Punct beweglicher Riegel. Daher aufklinken, die Klinke aufheben, und dadurch die Thür öffnen; einklinken, die Klinke in den Klinkhaken bringen u. s. f.

Anm. Im Nieders. und Dän. Klinke, im Schwed. Klinka, im Franz. Clenche, Clinche, Cliquet, Loquet, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im mittlern Lat. Cliquetus, wo auch clingere mit einer Klinke verschließen ist, im Pohln. Klamka. In einigen Oberdeutschen Gegenden bedeutet es einen Schlagbaum vor den Thoren, bey dem Apherdian aber einen jeden Riegel oder Grendel. Im Pohln. ist Klin und Klinek ein hölzerner Nagel, ingleichen ein Keil, im Böhm. Klicka so wohl ein Sperriegel, als auch eine Handhabe. Vielleicht von dem Schalle, welchen ein solches Werkzeug im Gebrauche macht, daher man eine Klinke im Oberdeutschen auch eine Schnalle zu nennen pflegt, wo doch klingen nicht in der schärfsten Bedeutung, sondern in weiterer für klacken genommen werden muß, welchen Schall das Franz. Cliquet, Loquet und andere bestimmter ausdrucken; wo nicht dieses Wort überhaupt den Begriff eines langen dünnen Körpers hat, wie aus der Vergleichung mit dem Worte Klinge wahrscheinlich wird.


Klinkenschloß (W3) [Adelung]


Das Klinkenschloß, des -sses, plur. die -schlösser, eine künstliche Klinke mit einem Schlosse, welches vermittelst eines Schlüssels geöffnet wird.


Klinker (W3) [Adelung]


1. Der Klinker, des -s, plur. ut nom. sing. ein besonders im Niedersächsischen übliches Wort, kleine hart gebackene Mauersteine zu bezeichnen, welche einen hellen Klang geben, wenn man daran schläget; eigentlich Klinger. An andern Orten nennet man sie Fliesen.


Klinker (W3) [Adelung]


2. Der Klinker, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Dänischer und Schwedischer Fahrzeuge mit platten Boden, welche andern Schiffen in der See behilflich sind; Franz. Clincart, Cabarre.


Klinkhaken (W3) [Adelung]


Der Klinkhaken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Haken an dem Seitenstücke der Thür, in welchen das Ende der Klinke fällt.


Klinkschön (W3) [Adelung]


* Klinkschön, adj. et adv. ein nur in Nieder-Deutschland von flüssigen Körpern für klar, d. i. hell, durchsichtig, übliches Wort. Der Wein wird klinkschön verkauft, d. i. abgezogen, ohne Hesen, ganz klar. Am Rheine ist dafür lauter üblich. Im Nieders. lautet es auch klinkklar. Die erste Hälfte gehöret vermuthlich zu dem Geschlechte des Wortes glänzen.


Klinop (W3) [Adelung]


Der Klinop, des -s, plur. inus. an einigen Orten ein Nahme des Epheues, welcher an andern Orten auch Ilaub genannt wird; Hedera Helix L. S. Epheu.


Klinse (W3) [Adelung]


Die Klinse, plur. die -n, Diminut, das Klinschen, in einigen Gegenden, eine Ritze, Spalte, wo es auch Klünse und Klunse lautet. Im Bergbaue ist die Klunse ein Ritz im Gesteine; Böhm. Kloju und Klojeny. An andern Orten werden hohle Stellen in einem Strohdache Klinsen genannt, Franz. Gautieres. Mit klieben und klaffen von Einem Stamme, S. diese Wörter.


Klipp (W3) [Adelung]


Der Klipp, des -es, plur. die -e, ein Klapp feinerer oder kleinerer Art, und ein Schlag, welcher diesen Schall hervor bringet. Am häufigsten wird es noch im Diminut. Klippchen gebraucht, den Laut nachzuahmen, welcher entstehet, wenn der mittlere Finger von dem Daumen in die Hand geschnellet wird; wofür doch im Hochdeutschen Knippchen, und mit dem Zischlaute Schnippchen üblicher sind. ( S. Klapp.) Das Hauptwort die Klippe, eine Falle, wegen des Schalles, womit der Deckel zufällt, Vogelklippe, ein Meisenkasten, und klippen, diesen Schall machen, der mit klappen verwandt, nur von feinerer Art ist, sind im Niedersächsischen bekannter als im Hochdeutschen.


Klippe (W3) [Adelung]


1. Die Klippe, plur. die -n, ein Nahme, womit man die drey- und viereckigen Münzen zu belegen pfleget, welche zuweilen aus mancherley Veranlassungen geschlagen werden; der Klipping, Schwed. Klipping. Ohne Zweifel von dem noch im Schwed. üblichen klippen, schneiden, weil sie nur in dringenden Nothfällen in der Eile geschlagen, und mit der Schere geschnitten werden. S. das folgende, ingleichen Klippwerk.


Klippe (W3) [Adelung]


2. Die Klippe, plur. die -n, ein jäher schroffer Felsen, besonders wenn sein Gipfel in mehrere Spitzen getheilet und gleichsam gespalten ist, er befinde sich übrigens auf dem festen Lande oder im Meere; ingleichen eine jähe gleichsam abgespaltene Spitze eines Felsen. Die Gemsen wohnen auf den höchsten Klippen der Alpen. Ein Schiff wird an eine Klippe geworfen, wenn es an einen solchen jähen Felsen geräth; es läuft auf eine verborgene Klippe, wenn es auf eine solche verborgene Felsenspitze geräth.

Anm. Im Dän. gleichfalls Klippe, im Schwed. Klippa, im Angels. Clif, im Engl. Cliff, im Wallis. Chip, im Griechischen ohne Gaumenlaut - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Nicht, wie Frisch will, von dem vorigen klippen oder klappen, wegen des Schalles, welchen das Anschlagen der Wellen an die Klippen im Meere hervor bringt, sondern von klieben, spalten Angels. clypan, Schwed. klippa, scheren, schneiden, so wie das Lat. Rupes von rumpere, und das Holländ. Rots von reißen. Schon die Gestalt der Klippen verräth es, daß sie gespaltene Felsen, oder solche Spitzen und Theile der Felsen sind. Um eben dieser Ursache willen werden sie in der Ostsee Schären oder Scheren genannt, von scheren, theilen. Herr Stosch hat sich durch Frischen und Gottscheden verleiten lassen, die Klippen nur auf das Meer einzuschränken; allein das Wort ist auch auf dem festen Lande überall, wo es deren gibt, von jähen und spitzigen Felsen üblich. Fels ist das Geschlecht, welches die Materie bezeichnet; Klippe druckt die Gestalt aus. Im Schleswigischen wird ein hohes steiles Ufer, welches gleichsam abgeschnitten ist, das Kliff genannt.


Klippel (W3) [Adelung]


Der Klippel, S. Klöppel.


Klippenbock (W3) [Adelung]


Der Klippenbock, des -es, plur. die -böcke, ein Nahme, welchen bey einigen der Steinbock führet, weil er sich auf den höchsten Klippen der Felsen aufhält, S. Steinbock.


Klippern (W3) [Adelung]


Klippern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Frequentativum von klippen ist, wofür aber im Hochdeutschen klimpern und klappern gangbarer sind.


Klipperstecken (W3) [Adelung]


Der Klipperstecken, S. Klapperstecken.


Klippfisch (W3) [Adelung]


Der Klippfisch, des -es, plur. die -e, der am Rücken aufgerissene und auf Klippen oder Felsen gedörrete Kabeljau, welcher unter dem Nahmen des Stockfisches am bekanntesten ist; obgleich einige den letztern Nahmen nur dem sehr hart gedörreten Klippfische beylegen. Im Nieders. und den mitternächtigen Gegenden wird er auch Rotschär, Rotscher, Norw. Roskiär, genannt, von dem Holländ. Rots, eine Klippe, und scheren, theilen, oder auch von reißen, Nieders. riten, und Schäre, Klippe. Den Nahmen Klippfisch hat er entweder von den Klippen, auf welchen er getrocknet wird, oder auch von klieben, spalten, Schwed. klippa, weil er an dem Rücken aufgerissen wird.


Klippig (W3) [Adelung]


Klippig, -er, -ste, adj. et adv. mit Klippen versehen. Ein klippiges Gebirge. Klippicht, Klippen ähnlich.


Klipping (W3) [Adelung]


Der Klipping, des -es, plur. die -e, S. 1. Klippe.


Klippkanne (W3) [Adelung]


Die Klippkanne, plur. die -n, im gemeinen Leben, eine hölzerne Kanne mit einem Deckel, wegen des Schalles, welchen der letztere im Gebrauche macht; im Friesischen nur Klipp.


Klippkrämer (W3) [Adelung]


Der Klippkrämer, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, ein Krämer, welcher mit klappernden Kleinigkeiten handelt, dergleichen hölzernes Spielgeräth u. s. f. ist. Daher der Klippkram, der Kram oder Handel mit solchen Kleinigkeiten. Im Nieders. auch Kläterkram, von klätern, klappern, rasseln. S. Klippwerk.


Klippschenke (W3) [Adelung]


Die Klippschenke, plur. die -n, eine geringe, schlechte Schenke; eine Kneipschenke oder Kneipe. Wohl nicht von dem Klippen oder Klappern mit den Kannen, weil sonst alle Dorfschenken Klippschenken seyn müßten, sondern, so wie Klippschule, vermuthlich als eine Nachahmung des vorigen Wortes.


Klippschule (W3) [Adelung]


Die Klippschule, plur. die -n, eine Schule, worin die Kinder im Buchstabiren und Lesen unterrichtet werden; eine Trivial-Schule, Leseschule. Der Lehrer in einer solchen Schule heißt im Nieders. der Klippmeister.


Klippstecken (W3) [Adelung]


Der Klippstecken, S. Klapperstecken.


Klipptorf (W3) [Adelung]


Der Klipptorf, des -es, plur. inus. vornehmlich in Niedersachsen, ein schwarzer, sehr fester und harter Torf, welcher, wenn darauf geschlagen wird, klippt, d. i. einen hellen Schall gibt. Er ist die beste Art des Torfes. Die darauf folgende etwas geringere wird in Niedersachsen Anklipp genannt. Siehe Ähnlich Anm.


Klippwerk (W3) [Adelung]


Das Klippwerk, des -es, plur. die -e. 1) Im gemeinen Leben, geringe oder kleine Waaren, welche im Verkehre klippen oder klappern, dergleichen kleine hölzerne Gefäße, hölzernes Spielwerk u. s. f. sind; ohne Plural. 2) In den Münzen, eine Maschine, und die ganze dazu gehörige Anstalt, Scheidemünzen vermittelst des Schlagens mit dem Hammer zu prägen; von klippen, klappen oder schlagen. S. Klipp und 1. Klippe.


Klirren (W3) [Adelung]


Klirren, verb. reg. neutr., welches das Hülfswort haben erfordert, und einen gewissen hellen, halb klingenden, halb aber zitternden Schall nachahmet, dergleichen z. B. entstehet, wenn man Gläser zerschläget oder Fensterscheiben zerbricht, bloße Degen auf einander schlägt u. s. f. diesen Schall von sich geben. Die Fenster klirren, wenn eine Kutsche schnell auf dem Pflas=ter vorbey rollt. Die Degen klirren, im Zweykampfe. Da schon am gestiefelten Fuß der silberne Sporn klirrt, Zachar. Der blanke Degen klirrt, das Pflas=ter speyet Gluth, ebend. So schön, als wenn bey meinem Wirthe Das helle Baßglas klirrte, Less. für klang. Ingleichen, diesen Schall hervor bringen. Mit den Degen klirren. Mit den Gläsern klirren, wenn man sie an einander stößt.


Klittag (W3) [Adelung]


Der Klittag, des -es, plur. inus. eine Art Grases, siehe Halm 2.


Klitter (W3) [Adelung]


Der Klitter, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Klecks. Daher das Zeitwort klittern, schlecht schreiben, klecken, das Klitterbuch, ein Buch, worein man die täglichen Vorfallenheiten ohne Kunst nachlässig verzeichnet, ( S. Kleckbuch;) Klitterschulden, kleine Schulden, welche in kleinen Posten hin und wieder gemacht werden, auch Läpperschulden, wo es aber auch von dem Nieders. Kläterding, Klippwerk, Klapperzeug, Kläterkram, Klippkram, herkommen kann.


Kloak (W3) [Adelung]


Die Kloak, S. Cloak.


Kloben (W3) [Adelung]


1. Der Kloben, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches überhaupt den Begriff einer zusammen hangenden, verbundenen Masse hat, aber nur noch in einigen wenigen Fällen gebraucht wird. In der Landwirthschaft Obersachsens werden die Haufen abgeschnittenen Getreides, welche man bey dem Mähen Schwaden nennet, Kloben genannt. Im Flachshandel ist ein Kloben Flachs ein Gebünde Flachs, welches zwölf, an andern Orten aber dreyßig, zuweilen auch wohl sechzig Kauten oder Reisten Flachs hält. Pensum lini quod Clowe dicitur, in Menkens Scriptor. bey dem Frisch. Sex Clobones lini, in den Annivers. eccles. Alam. bey dem Du Fresne. Anm. Im Nieders. ist Klouwen ein Knäuel, im Angels. Cleouuae, Engl. Clew, wohin auch das Wallis. Cwlm, Clwm, ein Knoten, das Lat. Globus, eine runde Kugel, gehören. Es gehöret mit Klaue, so fern es ein Werkzeug des Haltens oder Fassens bedeutet, zu kleben und kleiben, so fern diese Wörter in dem allgemeinen Begriffe der Verbindung überein kommen. Im mittlern Lateine ist Gloa ein Klotz, und Globa eine Fuge, ein Gelenk.


Kloben (W3) [Adelung]


2. Der Kloben, des -s, plur. ut nom. sing. ein gleichfalls nur noch in einigen Fällen übliches Wort, ein Werkzeug zum Halten zu bezeichnen. Bey den Böttchern ist der Kloben oder Reifkloben ein beweglicher Haken an einem starken Holze, die Reife damit anzuziehen. Bey den Schlössern und andern Metallarbeitern ist der Feilkloben eine Art einer Zange mit einer Schraube, diejenigen kleinern Stücke, welche befeilet werden sollen, darin fest zu schrauben, um sie halten zu können. Auch die Schmelzer und Probirer haben Kloben, welche eine Art Zangen sind, die glühenden Kohlen, Probirscherben u. s. f. damit anzufassen und aus dem Feuer zu heben. In dem Bergbaue ist der Kloben, das Klobenglied oder der Klobenring, ein eisernes Glied, das man in die Ketten sogleich einhängen kann, wenn ein ordentliches Glied reißet oder bricht, und welches auch das Scherglied genannt wird. Gleichfalls von Klaue und kleben, so fern sie überhaupt halten, fassen, bedeuten. Da indessen alle diese Werkzeuge gleichsam gespalten sind, so kann man sie auch zu dem folgende Worte rechnen.


Kloben (W3) [Adelung]


3. Der Kloben, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Klöbchen, ein Wort, welches von klieben, spalten, abstammet, und zunächst ein gespaltenes, in weiterer Bedeutung aber auch ein ausgehöhltes Werkzeug bedeutet. 1. Ein gespaltenes Werkzeug, in welcher Bedeutung es im gemeinen Leben sehr häufig gebraucht wird, gewisse gespaltene Dinge zu bezeichnen. In Ober- und Nieder-Deutschland ist ein Kloben Holz, ein großes Scheit Holz, ein aus einem Baume gespaltenes Stück Holz, im Nieders. auch eine Kluft; ( S. Klobenholz.) Vermuthlich gehöret dahin auch der Kloben bey den Falkenieren, welches eine Stange ist, worauf die Falken sitzen; wenn es in dieser Bedeutung nicht vielmehr zu Klöppel gehöret, ( S. dieses Wort) Noch häufiger, ein mit einer Spalte versehenes Ding oder Werkzeug. 1) An einer Wage ist der Kloben, der bey andern auch die Schere, oder das Wagegericht heißt, derjenige zweyschenkelige Theil, in welchem der Wagebalken mit dem Zünglein schwebet. 2) Bey den Vogelstellern bestehet der Kloben aus zwey genau auf einander passenden an einem Ende mit einander verbundenen schwanken Hölzern, welche vermittelst eines Fadens zusammen gezogen werden können, um die Füße der Vögel, welche sich darauf setzen, einzuklemmen, und sie solcher Gestalt zu fangen. Bey dem Notker Chioben, bey den heutigen Oberschwaben Chloba, bey dem Winsbeck Klobe, im Ital. Calappio, im Schwed. Klofwa, im Pohln. Kluba, Kloba. Sie zu fahen, wie die Vogler thun mit Kloben, Jer. 5, 26. Ein falsch Herz ist wie ein Lockvogel auf dem Kloben, Sir. 11, 31. ( S. Klobenhütte und Kloppe.) 3) Das in die Thürpfoste geschlagene zweyschenkelige Eisen, worauf die Klampe passet, und woran das Anlegeschloß hänget, führet den Nahmen eines Klobens, weil es gleichsam gespalten aussiehet. So auch die ähnlichen Stücke Eisen, zwischen welchen der Riegel sich beweget. 4) Eine Rolle in einer ausgehöhlten oder gleichsam gespaltenen Scheibe, eine Art eines Hebezeuges, eine Last vermittelst des über die Rolle gehenden Seiles zu heben; wo der Nahme des Klobens eigentlich der gespaltenen Scheibe zukommt, in welcher sich die bewegliche Rolle befindet, und welche auch die Flasche genannt wird. In Hamburg der Dryseblock, von drysen, aufwinden, auf den Schiffen der Hisseblock, von hissen, ziehen, sonst auch die Blockrolle, im Oberd. die Winde, Zugwinde. Zwey zusammen gehörige Kloben machen einen Flaschenzug aus. Die Lein- und Wollweber haben ähnliche Klöbchen in ihrem Geschirre, wodurch die Wände vermittelst der Schämel auf- und niedergetreten werden. 2. Ein ausgehöhltes Werkzeug; in welchem Verstande in der Bienenzucht der Kloben oder Bienenkloben eine hohle Büchse ist, einen Bienenweiser darin gefangen zu setzen und aufzubewahren, wo dieses Wort von einigen auch im weiblichen Geschlechte die Klobe gebraucht wird. Im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und im mittlern Lat. Clobus, Clubum, ein Käfich, eine Zelle, wohin auch die letzte Hälfte des Wortes Conclave gehöret, welches bey dem Columella einen Käfich bedeutet. Im Isländ. ist Klefe ein Schlafzimmer, eine Zelle, und das Engl, Gloves bedeutet Handschuhe.

Anm. Es stammet in dieser Bedeutung von klieben, spalten, her, Nieders. klöven, Dän. klove, in dem alten Fragmente auf Carln den Großen clouen, ( S. Klieben.) Im Nieders. ist Klöve oder Klobe eine Spalte. S. auch Kluft.


Klöben (W3) [Adelung]


* Klöben, spalten, ein Niederdeutsches Wort, ( S. Klieben.)


Klobenarbeit (W3) [Adelung]


Die Klobenarbeit, plur. die -en, bey den Werkleuten, diejenige Arbeit, welche vermittelst des Klobens verrichtet wird, d. i. das Aufziehen der Bau-Materialien vermittelst des Klobens.


Klobendeichsel (W3) [Adelung]


Die Klobendeichsel, plur. die -n, eine gespaltene Deichsel, eine Deichsel mit zwey Armen zu einem Pferde; Nieders. Klopdiessel. S. Gabeldeichsel.


Klobenglied (W3) [Adelung]


Das Klobenglied, des -es, plur. die -er, S. 2. Kloben.


Klobenholz (W3) [Adelung]


Das Klobenholz, des -es, plur. inus. in dem Forstwesen, dasjenige Brennholz; welches in Kloben, d. i. großen Scheiten aufgesetzet und verkauft wird; zum Unterschiede von dem Klafterholze, welches aus kleinern Scheiten bestehet.


Klobenhütte (W3) [Adelung]


Die Klobenhütte, plur. die -n, eine Hütte, wo die Vögel mit Kloben gefangen werden; die Meisenhütte, weil sie am häufigsten zum Meisenfange gebraucht wird.


Klobenring (W3) [Adelung]


Der Klobenring, des -es, plur. die -e, S. 2. Kloben.


Klobensäge (W3) [Adelung]


Die Klobensäge, plur. die -n, eine große Säge der Tischler und anderer Holzarbeiter, welche in einem viereckten Gestelle befestiget ist, Holz damit zu dünnen Bretern zu schneiden. Entweder, weil das Gestell aus Kloben, d. i. starken Klötzen bestehet, ( S. 1. Kloben;) oder, weil sie dazu dienet, Holz damit zu klieben, d. i. der Länge nach zu theilen; oder endlich auch, weil das Blatt in zwey Kloben oder gespaltenen Stücken Holz befestiget ist, in welchem Falle aber alle Handsägen diesen Nahmen haben müßten.


Klobenseil (W3) [Adelung]


Das Klobenseil, des -es, plur. die -e, dasjenige Seil, mit welchem eine Last vermittelst des Klobens in die Höhe gezogen wird.


Klocke (W3) [Adelung]


Die Klocke, S. Glocke.


Klonz (W3) [Adelung]


Der Klonz, des -es, plur. die -e, bey den Böttchern, ein Stückchen Holz, welches in das Schloß eines Reifes, der zu weit ist, geleget wird, um ihn dadurch enger zu machen. Im Schwed. ist Kluns ein Klotz, massa conglomerata.


Klopfe (W3) [Adelung]


Die Klopfe, plur. die -n, 1) Bey den Nadlern, ein schmales Lineal mit vielen Rinnen, vermittelst desselben die Stecknadeln in die Briefe einzustecken. Vermuthlich, wegen dieser darin befindlichen Kloben, d. i. Spalten oder Rinnen, (siehe 3. Kloben.) 2) Jemanden in die Klopfe kriegen, im gemeinen Leben und ohne Plural, ihn in die Enge bringen, wo dieses Wort auch Kloppe und Kluppe lautet; entweder gleichfalls von 3. Kloben, nach einer von dem Kloben der Vogelsteller entlehnten Figur, oder auch von dem folgenden klopfen, ihn in den Zustand versetzen, worin er geklopfet wird, d. i. Schläge bekommt. Sie haben ihn in der Klopfe, sie haben ihn in der Enge, so wohl mit Worten, als mit Schlägen. Ach wenn wir ihn doch auch einmahl in die Kloppe kriegten! Weiße. 3) In der Landwirthschaft werden die halb ausgeklopften aber noch nicht völlig gedroschenen Garben Klopfen genannt; im Nieders. Kloppe; in Obersachsen auch die Vorschel, welches aus vorschlagen verderbt ist, welches Zeitwort diese Arbeit ausdruckt; im Österreichischen Schäppes.


Klöpfel (W3) [Adelung]


Der Klöpfel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug zum Klopfen, wofür im gemeinen Leben Klöppel üblich ist, siehe dieses Wort.


Klopfer (W3) [Adelung]


Der Klopfer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Werkzeug zum Klopfen; doch nur in engerer Bedeutung, ein Hammer oder Ring an der Thür, damit anzuklopfen. Nieders. Klopper. 2) Im Jagdwesen werden bey einem Klopf- oder Treibejagen, diejenigen, welche das Wild durch Klopfen vor sich hertreiben, Klopfer genannt. Bey den Hutmachern sind die Klopfer eine Art Arbeiter, welche die Wolle durch Klopfen oder Schlagen zubereiten, oder geklopfte Arbeit verfertigen. Auch der große Schwarzspecht wird wegen seines Klopfens, d. i. Hackens in die Bäume, in einigen Gegenden der Klopfer genannt.


Klopffechter (W3) [Adelung]


Der Klopffechter, des -s, plur. ut nom. sing. Leute, welche für das Geld mit allerley Arten des Gewehres fechten, und von welchen die Federfechter, Marcus-Brüder und Luxbrüder besondere Arten sind. Ingleichen figürlich, ein zum Streite allezeit fertiger Schriftsteller, daher man die Streitigkeiten solcher Personen auch wohl im Scherze Klopffechtereyen zu nennen pfleget.


Klopfgarn (W3) [Adelung]


Das Klopfgarn, des -es, plur. inus. gebleichtes und weich geklopftes baumwollenes Garn, so wie es zu den Dochten gebraucht wird; Dochtgarn, Lichtgarn.


Klopfhengst (W3) [Adelung]


Der Klopfhengst, des -es, plur. die -e, ein geklopfter, d. i. durch das Klopfen seiner Mannheit beraubter Hengst. Weil dergleichen entmannte Hengste nicht immer allen Trieb zur Begattung verlieren, so wird auch wohl in weiterer Bedeutung ein jeder nicht gehörig geschnittener Hengst ein Klopfhengst genannt.


Klopfholz (W3) [Adelung]


Das Klopfholz, des -es, plur. die -hölzer, ein hölzernes Werkzeug damit zu klopfen. So wird der Klöppel oder Knüppel der Tischler und Drechsler von ihnen auch zuweilen das Klopfholz genannt. Die Kattundrucker haben ein ähnliches eyrundes Klopfholz, die auf den Kattun gelegte Form damit aufzuschlagen. Andere Künstler und Handwerker nennen ein solches Werkzeug den Schlägel. ( S. Klopfkeule.) Bey den Töpfern ist das Klopfholz ein langes vierecktes Holz mit einem Stiele, den Thon damit fest zu schlagen.


Kopfjagen (W3) [Adelung]


Das Kopfjagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Jagen, oder eine Jagd, wo das Wild durch Klopfen mit Stecken an die Sträucher und zwar gemeiniglich ohne Zeug zusammen getrieben wird: ein Streifjagen.


Klopfkeule (W3) [Adelung]


Die Klopfkeule, plur. die -n, bey den Böttchern, der hölzerne Schlägel, oder das Klopfholz, dessen sie sich bey ihrer Arbeit bedienen.


Klopfstein (W3) [Adelung]


Der Klopfstein, des -es, plur. die -e, bey den Schustern, ein Stein, das Sohlleder darauf zu klopfen, damit es fest und biegsam werde.


Kloppe (W3) [Adelung]


Die Kloppe, S. Klopfe.


Klöppel (W3) [Adelung]


Der Klöppel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug zum Klopfen, und in weiterer Bedeutung zum Schlagen überhaupt. Ein hölzerner Schlägel, ein Klopfholz, wird bey einigen mehrmahls ein Klöppel oder Klippel, bey andern, wie z. B. bey den Tischlern, auch ein Knüppel genannt, S. dieses Wort. Der kurze dicke Knüttel, welchen man beißigen Hunden anhänget, heißt oft der Klöppel, Klüpfel, Kleppel oder Klippel, und ein mit einem solchen Klöppel versehener Hund ein geklöppelter oder geklippelter Hund. Diejenigen Stöcke, womit die Trommel geschlagen wird, sind unter dem Nahmen der Klöppel, wenigstens an einigen Orten, bekannt, so wie die an Einem Ende gemeiniglich kugelig gedrechselten ähnlichen Hölzer, vermittelst deren Spitzen, Schnüre, Kanten u. s. f. geschlungen werden, ( S. Klöppeln,) Nieders. Knuppel; von einigen werden sie auch Kegel genannt. Eben so bekannt ist es von dem eisernen Schlägel in der inwendigen Höhle einer Glocke, welcher durch sein Anschlagen an den innern Rand eigentlich den Schall hervor bringt, und im Oberdeutschen auch der Glöckel, von dem clochen des Kero und Notker, für schlagen, und in Niedersachsen der Knepel, Pohln. Kneple, Schwed. Klaep, im mittlern Lat. Clipeus, im Franz. Clipet, genannt wird. Auch der runde Klotz, aus welchem Scheite geschlagen werden sollen, heißt im Forstwesen einiger Gegenden ein Klippel oder Klöppel, in andern ein Schrot, eine Walze. Es kommt von klopfen, Nieders. kloppen, her, so fern dasselbe ehedem auch schlagen überhaupt bedeutete, in welchem Verstande noch Ottfried sein clobon gebraucht. Es lautet daher so wohl im Oberdeutschen, als zuweilen auch in der edlern Schreibart der Hochdeutschen in allen obigen Fällen und in den folgenden Ableitungen und Zusammensetzungen Klöpfel.


Klöppelgarn (W3) [Adelung]


Das Klöppelgarn, oder Klöpfelgarn, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, Garn, welches zum Klöppeln gebraucht wird, oder welches dazu bestimmt ist; der Klöppelzwirn.


Klöppelküssen (W3) [Adelung]


Das Klöppelküssen, oder Klöpfelküssen, des -s, plur. ut nom. sing. das Küssen auf der Klöppellade, und zuweilen auch die ganze Klöppellade selbst; Nieders. Knuppelkussen.


Klöppellade (W3) [Adelung]


Die Klöppellade, oder Klöpfellade, plur. die -n, eine mit einem Küssen versehene kleine Lade, auf oder vor welcher das Klöppeln verrichtet wird; das Klöppelpult.


Klöppeln (W3) [Adelung]


Klöppeln, oder Klöpfeln, verb. reg. act. 1) Vermittelst kleiner Klöppel künstlich zusammen schlingen, flechten, oder wicken. Spitzen klöppeln. Kanten, Schnüre klöppeln. Im Oberdeutschen glöckeln, von Glöckel, Klöppel, im Nieders. knuppeln, Dän. kniple, welche zunächst auch von knüpfen, knüpfeln herstammen können. 2) Einen Hund klöppeln, ihm einen Klöppel anhängen, ihn knütteln, bängeln.


Klöppelscheit (W3) [Adelung]


Das Klöppelscheit, oder Kleppelscheit, des -es, plur. die -e, Scheite, welche aus den Klöppeln, d. i. klein ge- hauenen Ästen, geschlagen worden; zum Unterschiede von den Kernscheiten.


Klopps (W3) [Adelung]


Der Klopps, des -es, plur. inus. in den Küchen, eine gewisse Speise, welche aus Stücken Fleisch bestehet, welche vorher mit einem hölzernen Hammer geklopfet, und dadurch mürbe gemacht worden. Im Schwed. Kolops. Ohne Zweifel von klopfen, Nieders. kloppen, wo Klopps auch einen Schlag bedeutet. Indessen ist im Englischen Colop oder Collop ein abgeschnittenes Stück Fleisch, und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, nach dem Suidas, ein kleiner Bissen, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Kloß (W3) [Adelung]


Der Kloß, des -es, plur. die Klöße, Dimin. das Klößchen, Oberd. Klößlein. 1. In der weitesten und eigentlichsten Bedeutung, eine zusammen hangende Masse, ohne Betrachtung ihrer Größe, Materie oder Gestalt. In dieser nunmehr veralteten Bedeutung pflegen noch die Töpfer einen Haufen zubereiteten Thones einen Kloß zu nennen. Im Dithmars. ist Klood noch jetzt ein Haufen, und im Schwed. Klase, congeries, besonders eine Traube. Bey den Niedersächsischen Torfgräbern ist eine Klote ein viereckter Haufen Torf; zum Unterschiede von einer Bülte, oder einem runden Haufen. 2. In engerer Bedeutung. 1) Eine trockene, unförmliche, zusammen hangende Masse, ein unförmliches Stück; doch nur noch in einigen Fällen. In den Salzwerken werden die Stücke Stein, mit welchen der Raum zwischen der Pfanne und dem Herde verkleidet wird, Klöße genannt. Am üblichsten ist es im gemeinen Leben von den unförmlichen Stücken zusammen gebackener Erde, welche, wenn sie nicht von einer sehr geringen Größe sind, auch Schollen genannt werden. Nieders. Klut. Wenn der Staub begossen wird, daß er zu Haufe läuft, und die Klöße an einander kleben, Hiob 38, 38; daß der Staub zusammen fließt, und in Erdklößen an einander hängt, Michael. Bey fetten lehmigen Äckern ist es eine eigene Arbeit der Landleute, die Klöße zu zerschlagen. Im Nieders. Klute, Engl. Clod, Holländ. Kluit. 2) Ein runder Körper, eine Kugel. Ehedem wurden die Kugeln, welche aus dem groben Geschütze geschossen wurden, Klöße genannt. Die Erdkugel führet zuweilen noch bey wässerigen Dichtern den verächtlich gewordenen Nahmen des Erdenkloßes, Schwed. Jordklot. Im Nieders. ist Kloot, im Schwed. Klot, und im Dän. Klod, noch jetzt eine Kugel, und in den niedrigen Sprecharten werden die Hoden bey Menschen und Thieren Klöße, im Nieders. Klöte, genannt. Am üblichsten ist es in dieser übrigens veralteten Bedeutung noch in den Küchen, die runden oder doch rundlichen, aus Mehl, geriebenen Semmeln u. s. f. bereiteten eßbaren Kugeln zu bezeichnen, welche in Obersachsen Klöße und Klößchen, in Niedersachsen Klüte, Klümpe, Klümpchen, in Oberdeutschland Knödel, Knöpflein, im Hennebergischen Hietis, (welches zu Hode gehöret,) genannt werden. Mehlklöße, Semmelklöße, Fleischklöße, Fischklöße, Käseklöße u. s. f.

Anm. Im gemeinen Leben Obersachsens lautet der Plural häufig Klößer, welcher aber anständigern Sprech- und Schreibarten unbekannt ist. Es gehöret, so wie Klump, von welchem es doch im Gebrauche verschieden ist, zu dem Geschlechte des Wortes Kleister. S. auch Klotz und Kleben.


Kloßig (W3) [Adelung]


Kloßig, -er, -ste, adj. et adv. einem Kloße ähnlich; doch nur in der letzten engsten Bedeutung dieses Wortes, wie ein Mehlkloß kleberig; besonders von dem Brote. Das Brot ist kloßig, wenn es nicht ausgebacken ist. In den niedrigen Sprecharten kluschig.


Kloster (W3) [Adelung]


Das Kloster, des -s, plur. die Klöster, ein fester mit Mauern umgebener Ort, in welchem Mönche, Nonnen oder Canonici von dem gewöhnlichen Umgange mit der Welt abgesondert leben. Ingleichen die Gesellschaft der in einem solchen Orte lebenden und von der Welt abgesonderten Personen. In ein Kloster gehen, in das Kloster gehen, sich in das Kloster begeben, sich auf seine Lebenszeit darein begeben. Das Monchskloster, Nonnenkloster. Anm. Bey dem Stryker Chloster, im Schwabensp. Cloester, im Engl. Cloister, im Franz. Cloitre, im Ital. Chiostro, alle aus dem Lat. Claustrum. Kero gebraucht dafür theils Samanunga, theils aber auch Munistre, und zwar das letztere aus dem Lat. Monasterium, S. Münster.


Klosterbeere (W3) [Adelung]


Die Klosterbeere, plur. die -n, an einigen Orten, ein Nahme der rauchen oder haarigen Stachelbeere, Ribes Grossularia hirsuta L. Rauchbeere, Krauselbeere, aus welchem letztern Nahmen vielleicht der Nahme Klosterbeere, so wie der Nahme Christbeere, welchen sie an andern Orten führet, verderbt ist.


Klosterbruder (W3) [Adelung]


Der Klosterbruder, des -s, plur. die -brüder, derjenige in einem Mönchskloster, welcher die häuslichen Arbeiten in demselben verrichtet, gleichfalls die Ordensgelübde ablegen muß, und auch nur Bruder schlechthin genannt wird; zum Unterschiede von den Mönchen im engern Verstande. ( S. auch Bruder.) Die weiblichen Personen dieser Art in den Nonnenklöstern werden Klosterschwestern oder Schwestern genannt; zum Unterschiede von den Klosterfrauen.


Klosterfrau (W3) [Adelung]


Die Klosterfrau, plur. die -en, in den Nonnenklöstern, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche die Ordensgelübde abgeleget hat, und sich eigentlich dem Gottesdienste widmet, die Klosterjungfer, die Nonne im engern Verstande; zum Unterschiede von den Klosterschwestern. S. Frau.


Klostergang (W3) [Adelung]


Der Klostergang, des -es, plur. die -gänge, ein gemeiniglich gewölbter Gang um die Wohngebäude eines Klosters, welcher, wenn er in das Kreuz gehet, den Nahmen des Kreuzganges führet.


Klösterlich (W3) [Adelung]


Klösterlich, adj. et adv. in den Gebräuchen und Gesetzen eines Klosters gegründet. Die klösterliche Zucht.


Klosterpfeffer (W3) [Adelung]


Der Klosterpfeffer, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Keuschbaumes, S. dieses Wort.


Klostervogt (W3) [Adelung]


Der Klostervogt, des -es, plur. die -vögte, der Gerichtshalter auf einem Klostergute.


Klosterzwirn (W3) [Adelung]


Der Klosterzwirn, des -es, plur. inus. eine Art sehr feinen Zwirnes, welcher gemeiniglich in kleinen Strähnen aus Brabant kommt. Die Nonnen bedienen sich desselben in den Klöstern zu ihren feinen Arbeiten.


Klotz (W3) [Adelung]


Der Klotz, des -es, plur. die Klötze, Diminut. Klötzchen, Oberd. Klötzlein, ein mit Kloß ursprünglich genau verwandtes Wort, welches so wie dieses, 1. Ehedem überhaupt, eine jede mit einander verbundene Masse bedeutete, ohne Rücksicht auf ihre Größe, Gestalt und Materie. Ein Klotz Silber, oder ein Silberklotz, bedeutet noch in einigen Oberdeutschen Gegenden einen Klumpen dieses Metalles, ein großes, unförmliches Stück. Ein Klotz Lehmen ist bey dem Kaisersberg ein Klumpen, und in einer alten Übersetzung der Bibel bey dem Frisch bedeutet ein Klotz Wassers eine große Masse Wassers, moles aquarum. Bey den Bergleuten wird nur noch ein großer Fäustel oder Handhammer ein Klotz genannt. 2. In engerer Bedeutung. 1) Ein runder Körper, eine Kugel; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung. Die Kugeln, welche man aus den Feuergewehren schießet, wurden ehedem wie Klötze genannt, daher eine Kugelbüchse bey dem Tschudi den Nahmen einer Klotzbüchse führet. Im Oberdeutschen heißt die Kugel, mit welcher Kegel geschoben werden, noch jetzt ein Klotz, und die Kegelbahn eine Klotzbahn. Im Niedersächsischen sind Klitze feine Kugeln, womit die Kinder spielen. 2) Ein dickes unförmliches Stück Holz. (a) Eigentlich, wo ein jedes dickes unförmliches Stück Holz, wenn es von einiger Größe ist, ein Klotz genannt wird. Dergleichen sind die Klötze, d. i. dicken unförmlichen Aststücke, unter dem Brennholze, Nieders. Knubben; dicke Stammenden, worauf man Holz hacket oder spaltet, und welche daher Hackklötze oder Hackblöcke genannt werden. Im Forstwesen wird auch ein Sägeblock, d. i. der zu Bretern bestimmte Theil von dem Stamme eines Baumes, ein Klotz oder Bretklotz genannt, welcher, ehe er zu Bretern geschnitten werden kann, abgeklotzet, d. i. des untern ungleichen Theiles mit der Schrotsäge beraubet wird, welcher Theil, wenn er abgeschnitten werden, gleichfalls ein Klotz heißt. Bey den Tischlern führen die kurzen abgesägten Enden der Pfosten, Breter u. s. f. so wie bey den Zimmerleuten, die kurzen abgesägten Enden des Zimmerholzes, den Nahmen der Klötze. Im verächtlichen Verstande werden auch wohl verarbeitete Massen Holzes Klötze genannt. Die Heiden tragen sich mit den Klötzen ihrer Götzen, Es. 45, 20. Ich sollte knien vor einem Klotze, Kap. 44, 19. (b) Figürlich, so wohl ein unthätiger Mensch, der sich bloß leidentlich verhält, als auch ein grober ungeschickter Mensch; beydes mit Verachtung. Zwey Jahre gingen mir mit diesem Klotze hin, Doch konnt er nie recht tanzen lernen, Haged.

Anm. Im Dän. Klods, im Pohln. Kloc. Im Wendischen heißt ein Hackklotz Klada, welches Popowitsch von kla, klieben, spalten, ableitet, ob es gleich unser Klotz ist, welches so wie Klotz, Klump, Klaue, kleben u. s. f. ursprünglich den Begriff der Verbindung, des Zusammenhangens hat. In einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Schlesien, ist es ungewissen Geschlechtes, das Klotz, da es denn im Plural auch Klötzer hat, welchen Plural aber auch die Meißner im gemeinen Leben diesem Worte geben, ungeachtet sie es sonst männlich gebrauchen.


Klotzbeute (W3) [Adelung]


Die Klotzbeute, plur. die -n, eine Beute, d. i. ein hölzernes Bienenhaus, wenn es aus einem ausgehöhlten Klotze bestehet; zum Unterschiede von einer Bretbeute. S. Beute.


Klotzen (W3) [Adelung]


Klotzen, aus großen starren Augen sehen, S. Glotzen.


Klotzerbse (W3) [Adelung]


Die Klotzerbse, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Nahme der großen runden Erbsen, welche gleichsam kleine Kugeln vorstellen; von Klotz, eine Kugel.


Klotzig (W3) [Adelung]


+ Klotzig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Für klotzig, im gemeinen Leben. Klotziger Märgel, welcher in groben Klötzen bricht. 2) Grob, ungeschickt, in den niedrigen Sprecharten, S. Klotz 2. 2) (b).


Klotzpumpe (W3) [Adelung]


Die Klotzpumpe, plur. die -n, eine Pumpe, an deren Handhabe sich ein runder Klotz befindet, den Schwung derselben zu befördern.


Klotzschuh (W3) [Adelung]


Der Klotzschuh, des -es, plur. die -e, hölzerne Schuhe, mit einem Geflechte von Spänen anstatt des Oberleders, welche in manchen Gegenden von den Bauern getragen werden.


Klubb (W3) [Adelung]


Der Klubb, S. Clubb.


Klubbe (W3) [Adelung]


Die Klubbe, S. Kluppe.


Klufe (W3) [Adelung]


* Die Klufe, plur. die -n, ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, eine Stecknadel zu bezeichnen; von kleiben und kleben, so fern es überhaupt befestigen bedeutet, daher die Stecknadeln in andern Oberdeutschen Gegenden auch Häftel genannt werden.


Kluft (W3) [Adelung]


Die Kluft, plur. die Klüfte, Diminut. das Klüftchen, Oberd. Klüftlein. 1. Eine Spalte. 1) Eigentlich; in welcher Bedeutung es besonders im Oberdeutschen eine jede Spalte, einen jeden Riß oder Ritz im Holze, in einer Mauer oder in einem andern festen Körper bezeichnet; in Ober-Schwaben Chluft Chlub, im Nieders. Klöve. Im Hochdeutschen ist es, besonders im Bergbaue, von den Spalten in den Felsen und Bergen am üblichsten, welche durch gewaltsame Veränderungen in denselben hervor gebracht worden, sie mögen nun nochmahls von der Natur mit Erz und erzhaltigem Gesteine ausgefüllet seyn, oder nicht. Im ersten Falle werden sie im Bergbaue Gänge genannt, im zweyten Falle aber heißen sie in engerer Bedeutung Klüfte; Böhm Klutfta, Schwed. Kluft. Wasserklüfte, welche mit Wasser angefüllet sind, Schmerklüfte, welche mit einem schmierigen Letten ausgefüllet sind. Kreuzklüfte, Querklüfte, welche in das Kreuz oder in die Quere gehen, Hängeklüfte, Tageklüfte u. s. f. 2) * In weiterer Bedeutung, eine Höhle in oder unter der Erde, ingleichen eine Gruft, ein durch Kunst gemachtes Behältniß unter der Erde; eine im Hochdeutschen fremde Bedeutung, welche so wohl in der Deutschen Bibel, als auch im Niedersächsischen vorkommt. Die Kinder Israel machten sich Klüften (Klüfte) in den Gebirgen, Richt. 6, 2. Sie verkrochen sich in die Höhlen und Klüften, (Klüfte) und Felsen, 1 Sam. 13, 6. Da wird man in der Felsen Höhle gehen und in der Erden Klüfte, Es. 2, 19. Das Grab war eine Kluft und ein Stein darauf gelegt, Joh. 11, 38, d. i. eine Gruft, ein ausgemauertes Grab. Die reiche Zahl der flüchtigen Kaninen Nimmt Klüften (Klüfte) ein, die sicherlich ihr dienen, Opitz. Welcher im Hochdeutschen ungewöhnliche Plural von dem Oberdeutschen Singular die Klüfte herkommt, welcher in einigen Gegenden gangbar ist. Der hengt sich mit Gefahr An eine Klüfte hin, Opitz. Bey dem Apherdian ist die Kluft ein Keller, und in dem Dom zu Hamburg wird die Kapelle unter der Erde die Kluft genannt. Luc. 16, 26 bedeutet es figürlich, aber gleichfalls auf eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Art, einen Abgrund, oder auch einen großen weiten Raum: über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt. ( S. Kluftdamm.) 2. Ein durch Spalten hervor gebrachtes Ding. In diesem Verstande werden so wohl im Niedersächsischen, als auch im Bergbaue große Holzscheite, welche sonst auch Kloben heißen, Klüfte genannt. In weiterer Bedeutung scheinet es in einigen Gegenden eine große unförmliche Masse, einen Klotz oder Klump zu bezeichnen. Wenigstens heißt es in einer Stelle bey dem Opitz: Ob der Herr gleich Steine und Klüfte vom Himmel regnet, so werden sie uns nicht schaden. Um welcher weitern Bedeutung willen es in diesem Verstande, so wie Kloß, Klump, Klotz u. s. f. mehr zu kleben, als zu klieben, spalten, zu gehören scheinet. Im Niedersächsischen wird das dicke Fleisch in der Bauchhöhle des Rindviehes die Kluft, und das Stammende eines Baumes die Klufter genannt. 3. Ein gespaltenes Ding, ein Kloben, eine Kluppe; in welchem Verstande es besonders im Oberdeutschen sehr häufig ist, eine Zange, besonders aber eine Feuerzange zu bezeichnen. In den Monseeischen Glossen Chlufti, in Ober-Schwaben Chlufta. In den Florentinischen Glossen ist Cluft um eben dieser Ursache willen eine Lichtputze. Nach dem Muster der Oberdeutschen wird so wohl bey den Nagelschmieden eine kleine Zange, als im Hüttenbaue die lange Zange, womit die Probirer die Scherben und Kapellen in und aus den Ofen thun, die Kluft oder Kluftzange genannt.

Anm. Es stammet in allen diesen Bedeutungen, die zweyte etwa ausgenommen, von klieben, spalten, her. S. Klaue, Kloben und Kluppe.


Kluftdamm (W3) [Adelung]


Der Kluftdamm, des -es, plur. die -dämme, bey Grabung der Canäle, ein Querdamm, welchen man alle 50 oder 100 Schritte stehen lässet, damit nicht das Quellwasser den ganzen Canal überschwemme; der Zwischendamm. Vermuthlich so fern Kluft ehedem einen jeden Zwischenraum bedeutete. Siehe Kluft 1. 2.


Klüftig (W3) [Adelung]


Klüftig, -er, -ste, adj. et adv. Klüfte, d. i. Spalten oder Ritze habend. Klüftiges Holz. Ein klüftiges Gestein.


Kluftzange (W3) [Adelung]


Die Kluftzange, plur. die -n, S. Kluft 3.


Klug (W3) [Adelung]


Klug, klüger, klügste, adj. et adv. welches ehedem eigentlich sehend, und in engerer Bedeutung scharf sehend, weit um sich sehend bedeutete, aber in diesem Verstande längst veraltet, und nur noch im figürlichen Sinne von dem Sehen mit den Augen des Geistes üblich ist. 1. In weiterer Bedeutung, für vernünftig, Einsicht in den Zusammenhang der Dinge habend, und in dieser Einsicht gegründet. 1) Absolute, Vernunft oder Verstand habend, des Gebrauches derselben fähig; wo es nur im gemeinen Leben mit der Verneinung und als ein Nebenwort gebraucht wird. Ich glaube, du bist nicht klug. Man siehet wohl, daß sie nicht recht klug sind, nicht wohl bey Verstande sind; wofür auch das Wort gescheidt gebraucht wird. 2) Viel Vernunft, viel Einsicht in den Zusammenhang der Dinge habend, und darin gegründet. Der klügste gibt nach. Ein kluges Kind. Vor den Jahren klug werden. Das Ey will klüger seyn, als die Henne. Klüger thun, als es sich für seine Jahre schickt. Dein Wort machet klug die Einfältigen, Ps. 119, 130. Daß es ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte, 1 Mos. 3, 6; als könnte er Verstand geben, Michael. Man kann kein kluges Wort mit ihm reden. Durch Schaden klug werden. Altklug, mehr Einsicht habend, als den Jahren nach gewöhnlich ist. Staatsklug, Einsicht in Staatssachen habend. Weltklug, Einsicht in Welthändel habend. In engerer Bedeutung ist eine kluge Frau, im gemeinen Leben, so wie 2 Sam. 14, 2, eine Frau, welche verborgene Einsichten besitzet, z. B. die Gabe der Prophezeihung, der schwarzen Kunst u. s. f. welche auch wohl eine weise Frau genannt wird. 3) Auch nur in Betrachtung einzelner Fälle; nur als ein Nebenwort. Ich kann aus der Sache nicht klug werden, kann ihren Zusammenhang nicht einsehen, kann nicht daraus gescheidt werden, kann mich darein nicht finden. Ich habe noch nicht klug aus ihm werden können. Jetzt bin ich so klug, wie vorher. 2. In engerer Bedeutung: 1) Geschickt; nur noch im gemeinen Leben. Ein kluger Meister, der ein Bild fertige, das beständig sey, Es. 40, 20. Ein kluger Redner, Es. 3, 3. 2) Gelehrt; gleichfalls nur noch im gemeinen Leben. Das Evangelium zu predigen, nicht mit klugen Worten, 1 Cor. 1, 7. Kluge Fabeln, 2 Pet. 1, 16. 3) Fertigkeit besitzend, sich in alle Umstände zu schicken und dieselben vortheilhaft zu gebrauchen, und in dieser Fertigkeit gegründet. Ein kluger Kopf. Das war klug gemacht. Seine Sachen sehr klug einrichten. Das ist der klügste Rath, den man ihm geben kann. Ein kluger Streich. In der engsten und wissenschaftlichen Bedeutung bezeichnet es nur die rechtmäßige Anwendung dieser Fertigkeit; zum Unterschiede von dem schlau und listig. Ein kluger Redner. Ein kluger Haushalter. Eine kluge und von allem Geitze entfernte Sparsamkeit. Die kluge Einfalt. Ein kluges Herz handelt bedächtiglich, aber die kühnen Narren regieren närrisch, Sprichw. 15, 2.

Anm. 1. Bey dem Kero als ein Nebenwort claulicho, bey dem Ottfried glau, im Angels. gleaw, im Nieders. noch jetzt glau, scharfsichtig, woraus durch Verstärkung des Gaumenlautes unser klug, Nieders. klook, Dän. glog und klog, Schwed. klok, Isländ. klokr, glöggr, und durch den vorgesetzten Zisch- laut aus glau unser schlau, und aus klug das heutige Oberschwäbische schlug, für schlau, geworden sind. Das ältere glau bedeutete eigentlich hell, und wird noch jetzt im Niedersächsischen von dem Wetter gebraucht, glaues Wetter, helles Wetter; ingleichen von den Augen, glaue Augen, helle, glänzende Augen. Es stammet entweder von glühen, oder unmittelbar von dem alten noch im Oberdeutschen üblichen Zeitworte lugen, sehen, ab, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Engl. to look, wovon auch unser lauschen, und durch vorgesetzten Gaumenlaut, so wohl unser klug, als das alte Schwed. glugga, einsehen, herkommen. Klug bedeutet also, so wie die Lat. providus, circumspectus, eigentlich, das Vermögen besitzend, weit und helle um sich zu sehen, und in der letzten figürlichen Bedeutung, das Vermögen, alle Umstände vortheilhaft zu nutzen, welches nur durch Erfahrung erworben wird, dagegen sich weise der Abstammung zu Folge zunächst auf die Erkenntniß und Wissenschaft beziehet.

Anm. 2. In den gemeinen Sprecharten gibt es noch eine doppelte Bedeutung dieses Wortes, in welchen es wirklich von einem andern Stamme zu seyn scheinet. In Tirol ist das Kluge die fette, fruchtbare Gewächserde, im Gegensatze der tauben unfruchtbaren Erde. Es scheinet in dieser Bedeutung aus Kley entstanden zu seyn, und zunächst den Begriff der zähen, zusammen hangenden Fettigkeit zu haben; ( S. der Kley,) welches in einigen Gegenden gleichfalls ungewissen Geschlechtes ist, und in dem Munde des hauchenden Oberdeutschen leicht in Klug übergehen konnte. In andern Oberdeutschen Gegenden bedeutet klug karg, und da scheinet es eine Figur der vorigen Bedeutung zu seyn, indem man für karg auch zähe, und im Latein. tenax sagt.


Klügeln (W3) [Adelung]


Klügeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und von klug abstammet, so fern es die Einsicht in den Zusammenhang der Dinge bezeichnet, den Zusammenhang der Dinge durch Nachdenken zu erforschen suchen; doch nur entweder mit Verachtung und im Scherze, oder im nachtheiligen Verstande, von einer vorwitzigen Bemühung dieser Art. Über eine Sache klügeln. Nicander wird durch vieles Klügeln So klug als ein geheimer Rath, Haged. Er glaubt und klügelt nicht, ebend. So klügelt ein Verstand, der eigennützig denkt, ebend. Soll die Seele sich entwickeln und in rechter Größe blühn, O so muß kein klügelnd Meistern ihr die Majestät entziehn, ebend. Und Zachariä sagt von einem Schneider: Mit klügelndem Gesicht Wollt' er die letzte Hand an einen Marquis legen. Die Diminutiva bezeichnen nicht alle Mahl eine körperliche Kleinheit, sondern auch oft eine moralische. Daher rühret der Nebenbegriff des Vorwitzes, welcher diesem Worte anklebt, und welcher macht, daß es außer diesem Falle nur im Scherze gebraucht wird, ob es gleich im gemeinen Leben zuweilen für nachsinnen überhaupt gebraucht wird. Auf eben diese Art ist von Vernunft das Zeitwort vernünfteln gebildet.


Klügeler (W3) [Adelung]


Der Klügeler, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche klügelt; ein Staatsklügler, der in Staatssachen klügelt. Siehe Klügling.


Klügeley (W3) [Adelung]


Die Klügeley, plur. die -en, die vorwitzige Bemühung, die Ursachen und den Zusammenhang der Dinge zu erforschen.


Klugheit (W3) [Adelung]


Die Klugheit, plur. car. das Abstractum des Beywortes klug. 1. Die Fertigkeit, den Zusammenhang der Dinge einzusehen; in welcher weitern Bedeutung es so wohl in der Deutschen Bibel, als im gemeinen Leben mehrmahls vorkommt. 2) In engerer Bedeutung, die Fertigkeit, sich in alle Umstände zu schicken und sie zu seinen Absichten vortheilhaft zu gebrauchen. Sich auf seine Klugheit verlassen. Durch seine Klugheit wird ihm der Betrug gerathen, Dan. 8, 25. Sie hielt es ihrem Stolze gemäßer, hierin Klugheit zu gebrauchen. In dem engsten und gewöhnlichsten Verstande setzt die Klugheit recht mäßige Absichten voraus, um sie von der List, Arglist, und zuweilen auch von der Schlauheit zu unterscheiden. Der Gottlosen Tücke ist nicht Klugheit, Sir. 19, 19. Das ist eine elende Klugheit, die nicht einmahl sich selber zu verbergen weiß.


Klugheitslehre (W3) [Adelung]


Die Klugheitslehre, plur. die -n. 1) Der wissenschaftliche Unterricht von der Klugheit, in der letzten engsten Bedeutung dieses Wortes, und ohne Plural. 2) Ein Buch, worin dieser Unterricht enthalten ist.


Klüglich (W3) [Adelung]


Klüglich, -er, -ste, adv. auf eine kluge Art, mit Klugheit; doch nur in der dritten engern Bedeutung des Beywortes und in der zweyten engern Bedeutung des Hauptwortes. Seine Sachen klüglich einrichten. Klüglich handeln. Jemanden klüglich zuvor kommen. Er kann sich selbst nicht regieren, wie wird er klüglich in seinem Hause zu herrschen wissen? Gell.


Klügling (W3) [Adelung]


Der Klügling, des -es, plur. die -e, eine Person, welche klügelt, den Zusammenhang der Dinge vorwitzig zu erforschen sucht, ein Klügler; ingleichen, welcher sich klug dünket, ohne es zu seyn; bey dem Logau ein Gerneklug, im gemeinen Leben ein Naseweiß, Nieders. Wieshoon, Wiesnäse, Wieshüsgen, Wiesdömling. Es wird von beyden Geschlechtern gebraucht. Sie ist ein Klügling.


Klump (W3) [Adelung]


Der Klump, des -es, plur. die Klümpe, im gemeinen Leben Klümper, Diminut. das Klümpchen, Oberd. Klümplein, ein Wort, welches mit dem folgenden einerley ist, aber doch nur in einigen Fällen von kleinern Klumpen, d. i. unförmlichen Massen welcher, aber daher zäher Körper, üblich ist. So werden die Klöße, so fern sie eine Speise sind, in einigen, besonders Nieders. Gegenden, Klümpe, Klümper, Klümpchen, im Oberdeutschen aber Klümpfe genannt. Eben diesen Nahmen führen an einigen Orten die Klöße oder Erdschollen auf dem Acker. Auch die festern Theile des Breyes, Kleisters und anderer ähnlichen flüssigen oder dicklichen Körper, welche sich zusammen geben, heißen Klümper; z. B. die Klümper in der Buttermilch, ( S. Klümpern und Klümperig.) Ein Klümpchen Butter, Teig, Lehm u. s. f. Im Nieders. werden dergleichen Klümper oder kleine Klumpen auch Klunker genannt.


Klumpen (W3) [Adelung]


Der Klumpen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Klümpchen, Oberd. Klümplein. 1) Eine zusammen hangende, mit einander verbundene unförmliche Masse von beträchtlicher Größe. Ein Klumpen Gold, Silber, Messing, Bley. Ein Goldklumpen. Ein Klumpen Erde, Thon, Butter. Ein Schneeklumpen. Allerley Metalle in einen Klumpen zusammen schmelzen. Ein Klumpen Haare, Flachs, Werrig, wofür doch Haufen üblicher ist. Ein Klumpen Holz ist noch weniger gebräuchlich, weil man dafür ein Klotz sagt. 2) Ein unförmlicher Haufe mehrerer ohne Ordnung vermischter Dinge, gemeiniglich mit einem verächtlichen Nebenbegriffe. Der Wind warf das ganze Haus in einen Klumpen zusammen. Alles auf einen Klumpen werfen. Das Chaos bey der Schöpfung haben einige, obgleich nicht auf die beste Art, den Mischklumpen genannt, so wie Klumpen für Grouppe in der Mahlerey, wegen des dem erstern Worte anklebenden Nebenbegriffe der Unordnung, des Unförmlichen, gleichfalls unschicklich ist. In der ersten Bedeutung des Chaos kommt bey dem Opitz das Oberdeutsche Klumpf vor: Daß alles nichts als nur ein wüster Klumpfe war.

Anm. Im Oberd. Klumpf, Klumpfen, Nieders. Klamm, Klamp, Klump, Klunt, im Engl. Clump und Lump, im Franz. Lobbe, im Schwed. Klimp und Klump. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Kley, Kleben, Kloß u. s. f. von welchen es nur in dem Ableitungslaute verschieden ist, und wenn man den Gaumenbuchstab, der nicht wesentlich zum Worte gehöret, abrechnet, auch zu Lehm, Leim u. s. f. S. diese Wörter.


Klümpern (W3) [Adelung]


Klümpern, verb. reg. recipr. in Klümper zerfallen. Der Lehm, die Erde klümpert sich; wofür doch bröckeln üblicher ist. Noch mehr, sich in Klümper zusammensetzen. Der Brey klümpert sich. Der Kleister hat sich geklümpert.


Klümperig (W3) [Adelung]


Klümperig, -er, -ste, adj. et adv. Klümper enthaltend, aus Klümpern bestehend. Ein klümperiger Mehlbrey. Klümperig werden.


Klumpskohl (W3) [Adelung]


Der Klumpskohl, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme der Beete, oder des Beißkohles; vermuthlich wegen der dicken unförmlichen Wurzeln.


Klunker (W3) [Adelung]


Die Klunker, plur. die -n, im gemeinen Leben, herab hangende Klümper, oder unförmliche kleine Massen. Klunkern von Roth an den Kleidern haben. Die Spitzen oder Zoten, d. i. zusammen klebenden kleinen Büschel Wolle an den Schafen, heißen Klunkern. Im Nieders. sind Klunkern kleine Klümper aller Art, und in Hamburg heißt ein hangender Quast eine Klunker. Eben daselbst bedeutet klungeln so wohl sich verbinden, als auch einschrumpfen, to clinch, wo to cling auch fest anhangen ist. Es gehöret gleichfalls zu dem Geschlechte des Wortes Klumpen, und lautet in einigen Mundarten auch Klunt, Klunter.


Klunkererbse (W3) [Adelung]


Die Klunkererbse, plur. die -n, ein Nahme der Dolden- oder Rosenerbsen, Pisum umbellatum L. weil ihre Blumen in Klunkern, d. i. Dolden, entspringen.


Klünkermuß (W3) [Adelung]


Das Klünkermuß, des -es, plur. inus. im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, ein mit Fleiß klümperig gekochter Mehlbrey, welcher eine Speise gemeiner Leute ist, und auch Klinkerkost genannt wird; von den Klunkern oder Klümpern, woraus er bestehet.


Klunse (W3) [Adelung]


Die Klunse, S. Klinse.


Klüpfel (W3) [Adelung]


Der Klüpfel, S. Klöppel.


Kluppe (W3) [Adelung]


Die Kluppe, plur. die -n, ein in manchen Gegenden für Kloben übliches Wort. 1) Eine Enge, eine Klemme, doch nur in der R. A. jemanden in die Kluppe bekommen, ( S. Klopfe.) 2) Ein gespaltenes Werkzeug, etwas damit zu fassen, und fest zu halten, ein Kolben; in verschiedenen einzelnen Fällen. Bey den Messerschmieden und Schlössern ist die Kluppe eine hölzerne Zange, polirte Sachen darin in den Schraubestock einzuspannen. Im Bergbaue und in den Gewehrfabriken ist die Kluppe eine Zange, womit der Bohrer, wenn er im Loche zerbricht, heraus gezogen wird; wo dieses Wort auch der Klupp oder Klub lautet. Die Kluppe der Kammacher ist eine Bank, worein die Kämme gespannet werden, wenn sie ihre Zähne bekommen sollen. Die Klemme, womit man wilden Pferden das Maul oder die Nase klemmet, und wovon die Bremse eine Art ist, heißt an einigen Orten eine Kluppe. An vielen Orten castriret man die Schafböcke mit einer Kluppe, d. i. einen gespaltenen Holze, mit welchem man den Beutel über den Hoden einklemmet, welche Arbeit alsdann kluppen genannt wird. 3) Eine Kluppe Vögel, eine Zahl von vier oder fünf kleinen eßbaren und gerupften Vögeln, weil man sie gemeiniglich mit den Hälsen zwischen zwey dünne Hölzer klemmet, und sie auf solche Art zum Verkaufe bringet. S. Kloben, Kluft und Klieben.


Klüse (W3) [Adelung]


Die Klüse, plur. die -n, an den Schiffen, zwey Löcher zu beyden Seiten vorn an dem Schiff, wodurch die Ankertaue gehen; die Klüslöcher. Im Holländ. Kluyse. Es gehöret zu dem Worte Klause, und beweiset, daß dasselbe nicht unmittelbar aus dem Lat. geborget ist.


Klutter (W3) [Adelung]


Die Klutter, plur. die -n, bey den Vogelstellern, eine Vogelpfeife von Birkenschalen, die Vögel damit anzulocken. Vielleicht von dem Worte Laut, mit vorgesetztem Gaumenbuchstaben.


Klystier (W3) [Adelung]


Das Klystier, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Clyster, und dieß aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, waschen, eine durch den Hintern eingespritzte Arzeney. Bey dem Hornegk Glisterey, bey dem Hagen Christeri, Franz. Lavement. Jemanden ein Klystier beybringen, oder setzen, ihm das verordnete Genesungsmittel einspritzen, welches auch ihn klystieren genannt wird, und vermittelst der Klystier-Spritze geschiehet.


Knabe (W3) [Adelung]


Der Knabe, des -n, plur. die -n, Diminut. das Knäbchen, Oberd. Knäblein. 1) * In der weitesten Bedeutung, eine jede junge Mannsperson, selbst ein junger Mann, d. i. eine männliche Person, bis bald nach dem angetretenen männlichen Alter; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es noch mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt. Im Scherze sagt man noch ein alter Knabe, eine bejahrte Mannsperson. ( S. Knappe) welches noch ein Überbleibsel dieser Bedeutung ist. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein Kind männlichen Geschlechtes, eine junge Mannsperson, so lange sie noch nicht das Jünglingsalter erreicht hat, d. i. von der Empfängniß an bis zum 14ten oder 15ten Jahre; wo es in der anständigern Schreibart für die niedrigern Junge und Bube vorkommt. Mit einem Knäbchen schwanger gehen. Von einem Knäbchen entbunden werden. Ein ungezogener, ein artiger, ein frommer Knabe. Ein Edelknabe, Bauerknabe, Schulknabe, Hirtenknabe u. s. f.

Anm. Im Nieders. Knape, im Dän. Knab, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Nach dem Isidor war bey den alten Galliern Gnabat, wofür man vielleicht richtiger Gnaba lieset, natus, generatus, filius. creatus vel enixus. Das Engl. Knave, ein Knecht ingleichen ein Betrieger, kommt mehr mit dem heutigen Knappe überein, S. dasselbe. Der Genitiv des Knaben ist in der anständigen Schreibart am üblichsten; dagegen man im gemeinen Leben häufig des Knabens sagt. S. Knappe, Knecht, Kneipschenke.


Knabenalter (W3) [Adelung]


Das Knabenalter, des -s, plur. inus. dasjenige Alter, in welchem man noch ein Knabe ist.


Knabenkraut (W3) [Adelung]


Das Knabenkraut, des -es, plur. inus. 1) Eine Pflanze, welche ein hornförmiges Honigbehältniß hinter der Blume hat; Orchis L. Sie hat den Nahmen von ihren zwey runden und länglichen Wurzeln, welche zweyen Öhlbeeren gleichen, und wobey man sich die Hoden eines Knaben vorgestellet hat, daher diese Pflanze von einigen auch Hundshödlein genannt wird. Bey andern ist sie unter dem Nahmen Stendelwurz bekannt. Die Händleinwurzel ist eine Art des Knabenkrautes. 2) Von andern wird auch die Hauswurz, Sedum L. welche bey andern fette Henne heißt, Knabenkraut, und wegen ihrer Heilkräfte Wundkraut, Bruchkraut genannt.


Knabenschänder (W3) [Adelung]


Der Knabenschänder, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person männlichen Geschlechtes, welche Knaben, und in weiterer Bedeutung, andere Mannspersonen schändet, d. i. zur Befriedigung der Wollust mißbraucht. Daher die Knabenschänderey, und das Bey- und Nebenwort knabenschänderisch.


Knack (W3) [Adelung]


Knack, ein unabänderliches Wörtchen, welches den Schall nachahmet, den ein harter Körper von sich gibt, wenn er plötzlich bricht oder brechen will, und wofür auch knacks üblich ist, siehe dasselbe. Das Glas sagte knack. Knack, da war es entzwey! Daher das Hauptwort der Knack, des -es, plur. die -e, dieser Schall. Es that einen Knack, man hörete einen Knack. Im gemeinen Leben auch der Knacker, der Knacks. ( S. Knacken und Knacks.) Knick druckt einen feinern, knuck aber einen gröbern Schall dieser Art aus.


Knackbeere (W3) [Adelung]


Die Knackbeere, plur. die -n, eine Art weißer wilder Erdbeeren, welche in Thüringen an rauhen gebirgigen Orten wachsen, und auch Bröslinge genannt werden. Vermuthlich wegen ihrer Härte.


Knacke (W3) [Adelung]


Die Knacke, bey den Tischlern, S. Knie 1.


Knacken (W3) [Adelung]


Knacken, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit den Hülfsworte haben. 1) Denjenigen Schall von sich geben, welchen das Wörtchen knack ausdruckt. Ein Glas knackt, indem es einen Riß bekommt oder zerbricht. Ein Bret knackt, so wohl wenn es einen Spalt bekommt, als auch wenn es brechen will. Ich höre es knacken. Die Finger knacken lassen, durch Verdrehung der Gelenke diesen Schall hervor bringen; wofür auch krachen üblich ist, obgleich dieses eigentlich einen stärkern Schall dieser Art bezeichnet. Das Zähn und Schwarte knackte, Opitz. 2) Diesen Schall hervor bringen. Mit den Fingern knacken, durch Verdrehung der Gelenke. II. Als ein Activum, mit Hervorbringung dieses Schalles öffnen. Nüsse knacken. Kirschkerne, Pfirschkerne knacken, wofür doch das zusammen gesetzte aufknacken üblicher ist. Läuse knacken, sie auf solche Art tödten, welches geschiehet, indem man sie mit dem Nagel des Fingers zerdrückt. Anm. Im Nieders. gleichfalls knacken, im Engl. to knack, wo to knock auch klopfen ist, im Dän. knecke, im Schwed. knacka, knaka; knaecka, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Knacker (W3) [Adelung]


Der Knacker, des -s, plur. ut nom. sing. 1) S. Knack. 2) Ein Werkzeug zum Knacken, doch nur in dem zusammen gesetzten Nußknacker, ein Werkzeug, die Nüsse aufzuknacken.


Knackerweide (W3) [Adelung]


Die Knackerweide, plur. die -n, eine Art Weiden, welche ein sehr brüchiges Holz hat, und deren Reiser bey der geringsten Berührung wie Glas abspringen, daher sie auch Bruchweide, Glasweide und Sprockweide, sonst aber auch Roßweide und Felber genannt wird; Salis fragilis L.


Knackmandel (W3) [Adelung]


Die Knackmandel, plur. die -n, Mandeln in Schalen, welche man erst aufknacken muß, wenn man die Mandeln haben will; Krachmandeln, Nieders. Kraakmandeln, Schwed. Krakmandel.


Knacks (W3) [Adelung]


Knacks, ein Wort, welches so wie knack gebraucht wird, und auch als ein Hauptwort üblich ist. Es gab oder that einen Knacks. Figürlich bedeutet es auch einen fehlerhaften Riß, einen Sprung oder Bruch in einem harten Körper. Das Glas hat einen Knacks bekommen. Nach einer noch weitern Figur, auch ein unersetzlicher Schaden an der Gesundheit, doch nur in den niedrigen Sprecharten.


Knackwurst (W3) [Adelung]


Die Knackwurst, plur. die -würste, aus Schweinefleisch und Schweinefett bereitete und hart geräucherte dünne Würste, weil sie gleichsam knacken, wenn man sie von einander bricht. Nieders. Knakwust, Knappwust, aus eben dieser Ursache, von Knapp, harte, trockne Speise.


Knallbüchse (W3) [Adelung]


Die Knallbüchse, plur. die -n, ein hohles Rohr der Kinder, mit welchem ein Knall hervor gebracht wird, wenn man die vermittelst eines Pfropfens zusammen gepreßte Luft plötzlich befreyet; die Klatschbüchse, Platzbüchse, Nieders. Ballerbüchse.


Knallen (W3) [Adelung]


Knallen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) Einen Knall von sich geben. Ein Gewehr knallet, wenn es gelöset wird. 2) Einen Knall verursachen, hervor bringen. Mit einem Gewehre knallen, es bloß um einen Knall hervor zu bringen, abschießen. Mit der Peitsche knallen, wofür auch klatschen, im Oberd. schnalzen, und im Nieders. klappen üblich ist.


Knallglas (W3) [Adelung]


Das Knallglas, des -es, plur. die -gläser, kleine runde gläserne und mit Luft oder Wasser angefüllte Kugeln, welche, wenn man sie auf glühende Kohlen leget, mit einem Knalle zerspringen.


Knallgold (W3) [Adelung]


Das Knallgold, des -es, plur. inus. ein mit saurn Geistern verbundener Goldkalk, oder aus der Auslösung niedergeschlagenes Gold, welches mit einem heftigen Knalle in die Luft flieget, wenn man es über das Feuer bringt; Platzgold, Prasselgold, Schlaggold, Goldsaffran, aurum fulminans.


Knallpulver (W3) [Adelung]


Das Knallpulver, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein aus Salpeter, Weinsteinsalz und Schwefel bereitetes Pulver, welches einen gewaltigen Knall von sich gibt, wenn man es über das Feuer oder Licht hält; Platzpulver, Schlagpulver.


Knapp (W3) [Adelung]


Knapp, -er, -ste, adj. et adv. ein vorzüglich in Niedersachsen übliches Wort. 1. Eigentlich. 1) Nahe anliegend, fest anschließend. Das Kleid liegt knapp an. Wie schalkhaft verräth Das knappe Corset, Das schließende Mieder Die schlankesten Glieder! Weiße. 2) Enge. Knappe Schuhe tragen. Das Kleid ist mir zu knapp. 2. Figürlich. 1) Schwer zu haben und zu erwerben, klamm, klemm. Das Geld ist bey ihm knapp. Das Wasser ist bey der großen Dürre sehr knapp geworden. 2) Kaum hinreichend. Zu knapp messen. 3) Sparsam, genau. Er ist ein wenig knapp. 4) Sich knapp behelfen, sparsam leben müssen, kaum seine Nothdurft haben. Es gehet ihm knapp, er ist dürftig. Es gehet hier sehr knapp zu, sehr sparsam. 5) Kaum, als ein Nebenwort. Es wird knapp zureichen. Ich kann es knapp glauben. 6) Kurz, der Dauer nach. Knapp darauf, gleich darauf. Er kam knapp nach mir, gleich nach mir.

Anm. Im Dän. ist kneben enge, genau, und neppe kaum, im Nieders. nippe genau, scharf, und im Schwed. knapp geschwinde, enge und karg, napp aber enge. Es scheinet entweder aus genau, Nieders. nau, geworden zu seyn, und mit demselben von nahe abzustammen, oder unmittelbar zu dem folgenden Zeitworte knappen zu gehören, S. dasselbe.


Knappe (W3) [Adelung]


Der Knappe, des -n, plur. die -n, ein in dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen größten Theils veraltetes Wort, welches ehedem in folgenden Bedeutungen üblich war. 1. Eine jede junge Mannsperson, ein junger Mann; in welcher Bedeutung es im Niedersächsischen Knape lautete, und einen Jüngling bedeutete, in welchem Verstande auch Knabe ehedem üblich war. 2. In engerer Bedeutung, so fern jüngere Personen gemeiniglich den ältern dienen, oder zu gewissen Diensten verbunden sind, war Knappe, Nieders. Knape, eine jede der andern zu gewissen Diensten verbundene Person, ohne Unterschied dieser Dienste, indem es ehedem so wie Knecht von Dienern aller Art, von den vornehmsten bis zu den niedrigsten gebraucht wurde. Auf ähnliche Art bedeutet das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und das Lat. puer so wohl einen Knaben, als auch einen Diener, ohne Rücksicht des Alters, und im mittlern Lateine wurden alle, andern untergeordnete Personen, Juniores genannt. Besonders war es in folgenden Fällen üblich. 1) Von einem jungen von Adel, welcher noch nicht Ritter war, sondern die Ritterschaft erst noch erlernete, die Jahre, so zu sagen, bey einem Ritter stand, dessen Waffen trug, und ihm in Gefechten Beystand leistete; ein Schildträger, Knecht, Edelknecht, im Engl. ehedem Knave, Knight, im Schwed. Knape, im Nieders. Knape, im mittlern Lat. Knapo und Famulus. In weiterer Bedeutung kommen auch die Dienstmänner, welche sich gegen ein Leben zu gewissen Hofdiensten verbanden, und in noch weiterer Bedeutung alle männliche Personen von niederm Adel, in dem mittlern Zeiten unter dem Nahmen der Knappen vor. ( S. Knecht.) 2) Ein Gesell, bey verschiedenen Handwerkern, z. B. bey den Müllern und einmännischen Tuchmachern, deren Gesellen Mühlknappen, Tuchknappen, und auch nur Knappen schlechthin genannt werden. Auch bey den Leinwebern führen sie an einigen Orten diesen Nahmen, da denn auch wohl weibliche Personen, welche, so wie die Gesellen arbeiten, Knappinnen genannt werden. Die Knappen die der Muile pflegen, in der Parän. Tirol. Auch die Bergleute werden Knappen oder Bergknappen, und an einigen Orten auch die Arbeiter in den Salzkothen Salzknappen genannt. 3) Ein Knecht im heutigen Verstande, eine Person männlichen Geschlechtes, welche zu den niedrigsten häuslichen Diensten verbunden ist; in welchem Verstande das Wort Knape noch jetzt im Braunschweigischen üblich ist. Angels. Cnapa, Schwed. Knape, Isländ. Knapa, im Engl. Knave. Im mittlern Lat. ist Chnapina eine Magd, und im Span. Ganapa ein Lastträger. Wegen der diesem Stande gemeiniglich anklebenden Laster heißt im engl. Knave jetzt ein Betrieger, ein Schelm, so wie das Lat. Fur ehedem einen Knecht bedeutete.

Anm. S. Knabe, von welchem Worte es bloß durch die härtere Aussprache des b unterschieden ist; ingleichen Knecht.


Knappen (W3) [Adelung]


Knappen, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, und eigentlich eine Art eines Schalles ausdruckt, dessen feinere Art durch knippen bezeichnet wird. 1. Eigentlich diesen Schall von sich geben und hervor bringen; in welcher Bedeutung es doch mehr in den gemeinen Mundarten, als im Hochdeutschen üblich ist. Das Feuer knappt, im Oberdeutschen, wofür man im Hochdeutschen knastern oder knistern sagt. Im Engl. ist to knap, und im Nieders. knappen, klappen, klatschen, Schwed. knaepa. Das mit dem Zischlaute vermehrte schnappen ist eine Art dieses Schalles. 2. Figürlich von verschiedenen Verrichtungen, welche mit diesem Schalle verbunden sind. 1) Nüsse knappen, im Oberdeutschen, sie knacken. 2) Nagen, gleichfalls nur im Oberdeutschen. Wir haben nichts zu knappen, nichts zu beißen noch zu brechen. Die Frequentativa knappern und knuppern bedeuten in den gemeinen Sprecharten, harte trockene Speisen mit einem gewissen Geräusche zerbeißen. ( S. Knaupeln.) 3) Kneipen, zwacken, auf eine Art mit einer Zange abbrechen, welche diesen Schall hervor bringt; doch nur in den im gemeinen Leben üblichen Zusammensetzungen abknappen, beknappen, abzwacken, bezwacken. 4) Schwanken, sich hin und her bewegen, mit dem Kopfe nicken. Lauter im Hochdeutschen unbekannte Bedeutungen, welche noch hin und wieder im Oberdeutschen vorkommen, wo ein Gnapper auch ein Jaherr ist, der zu allem nicket. Eben dahin gehöret auch der Oberdeutsche Gebrauch, nach welchem es hinken, besonders ein wenig hinken, bedeutet; Franz. clopiner. Im mittlern Lat. ist cloppus hinkend.


Knappengericht (W3) [Adelung]


Das Knappengericht, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, z. B. in der Grafschaft Hoya, eine Art adeliger Gerichte; von Knappe, eine Person von niederm Adel.


Knappenrecht (W3) [Adelung]


Das Knappenrecht, des -es, plur. die -e, bey den Handwerkern, nach dem Frisch, dasjenige, was ein neu gemachter Gesell seinen Pathen zum Geschenke geben muß; vielleicht nur bey denjenigen Handwerkern, welche ihre Gesellen Knappen nennen.


Knappholz (W3) [Adelung]


Das Knappholz, des -es, plur. inus. ein im Oberdeutschen für Klappholz üblichs Wort. S. dasselbe.


Knappsack (W3) [Adelung]


Der Knappsack, des -es, plur. die -säcke, vornehmlich im Niedersächsischen, ein Sack, und in weiterer Bedeutung ein jedes Verhältniß, in welchem man auf Reisen trockene Speisen bey sich zu führen pfleget; Engl. Knapsack. Entweder von knappen, trockne Sachen mit einem gewissen Geräusche zerbeißen, oder auch unmittelbar von dem Nieders. Knapp, trockne harte Speisen. Die Hochdeutschen haben den Zischlaut davor gesetzt und daraus ihr Schnappsack gemacht, welches leicht zu einer falschen Ableitung verführen könnte. Im Franz. ist Canapsa ein Reiseränzel.


Knarpeln (W3) [Adelung]


Knarpeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und denjenigen unterbrochenen Schall nachahmet, welcher z. B. entstehet, wenn man gewisse trockene und harte Dinge mit den Zähnen zerbeißet. An einem Beine knarpeln, mit diesem Geräusche nagen. Daher werden die so genannten Rheinischen Kirschen, wegem ihres festern und härtern Fleisches in Obersachsen Knarpelkirschen genannt. S. Knorpel, welches genau damit verwandt ist.


Knarränte (W3) [Adelung]


Die Knarränte, S. Schnarränte


Knarre (W3) [Adelung]


Die Knarre, plur. die -n, ein Werkzeug damit zu knarren, dergleichen an einigen Orten die Nachtwächter führen.


Knarren (W3) [Adelung]


Knarren, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und eine Art eines zitternden und rauschenden Schalles ausdruckt, dergleichen der ist, welchen die Bewegung des Rades um eine ungeschmierte Achse macht, und wovon knirren eine feinere, knorren und knurren aber eine gröbere Art ausdruckt. 1) Diesen Schall von sich geben. Die Räder eines Wagens knarren, wenn sie nicht geschmiert werden. Eine Thür knarret, wenn die Angel nicht geschmieret ist. Neue Schuhe, ein mit Getreide beladener Wagen knarren, so wie der gefrorne Schnee knarret, wenn man darauf gehet. 2) Diesen Schall hervor bringen. Mit den Schuhen knarren. Die Nachtwächter knarren an denjenigen Orten, wo sie statt des Hornes eine Knarre führen. Im Oberdeutschen knarren auch die Hunde, welche im Hochdeutschen knurren. Eben daselbst wird es auch figürlich für murren und knurren gebraucht.

Anm. Im Nieders. gnarren und knarren, im Angels. gnyrran, im Dän. knarre, im Schwed. knarra, im Engl. to gnarr. In den gemeinen Sprecharten hat man davon auch das Frequentativum knarzen. Schnarren ist durch den vorgesetzten Zischlaut aus diesem Worte entstanden, der aber hier nicht müßig ist, sondern wirklich einen besondern, obgleich nahe verwandten Schall ausdruckt.


Knaster (W3) [Adelung]


Der Knaster, S. Canaster.


Knasterbart (W3) [Adelung]


+ Der Knasterbart, des -es, plur. die -bärte, im gemeinen Leben, eine mürrische Person männlichen Geschlechtes, welche beständig tadelt, im verächtlichen Verstande; ein Brummbart. Nieders. Gnötterbart, Gnötterhott. Von knastern, welches im gemeinen Leben der Oberdeutschen für knurren, brummen, üblich ist.


Knastern (W3) [Adelung]


Knastern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches einen gewissen zitternden und dabey rasselnden Schall nachahmet, dergleichen z. B. derjenige ist, welchen das Feuer macht, wenn es Wachholder und anderes kleines Reisig ergreift. Knistern druckt einen feinern Laut dieser Art aus. Nieders. gnastern und gnaspern, Schwed. knastra. Das Stammwort, von welchem dieses das Frequentativum ist, und welches gleichfalls den Schall nachahmet, ist das Nieders. gnassen, welches den Laut ausdruckt, welchen z. B. die Sense im Mähen macht; Engl. to gnash. Im Oberd. wird knastern figürlich für knurren, brummen, brummend tadeln, gebraucht, S. das vorige.


Knäten (W3) [Adelung]


Knäten, S. Kneten.


Knauel (W3) [Adelung]


Der Knauel, des -s, plur. inus. 1) Eine Pflanze, welche auf den sandigen Feldern einheimisch ist, und an deren Wurzeln sich das so genannte Johannisblut der Landleute findet; Scleranthus L. kleiner Wegetritt, kleines Wegegras, Hundswürger, Engl. Knawel, Dän. Knavel. 2) Eine Art des Sternmoses mit spitzigen Blättern, Mnium cuspidatum L. welches gleichfalls Hundswürger, im Dän. aber Kaavel genannt wird.


Knäuel (W3) [Adelung]


Das Knäuel, des -s, plur. ut nom. sing. ein runder oder rundlicher Körper, welcher aus über einander gewundenen Fäden bestehet. Ein Knäuel Zwirn, Garn, Wolle, Seide, Bindfaden u. s. f. Seide auf einen Knäuel wickeln oder winden.

Anm. In einigen Mundarten lautet es Knauel. Es hat so wie knapp, Knauf, Knoll, Kopf, Kloß, Klotz, Klumpen und andere Wörter dieser Art eigentlich den Begriff des Verbindens, des Zusammenhangens, und gehöret also zu dem Geschlechte der Wörter Kley und kleben. Denn daß Kn in diesem Worte so viel als Kl ist, erhellet aus den Mundarten und verwandten Sprachen. In einigen Oberdeutschen Gegenden heißt ein solches Knäuel, Kleuel, Klügel, Klungel, im Nieders. Klouwen, im Angels. Cleouuae, Clywe, Clowe, im Engl. Clew. Im Dänischen heißt es ohne Gaumenlaut Nogle. S. Knollen und das folgende.


Knauer (W3) [Adelung]


Der Knauer, des -s, plur. doch nur von mehrern Massen oder Arten, ut nom. sing. im Bergbaue, ein jedes festes, schwer zu gewinnendes, taubes Gestein, besonders ein Schiefergestein dieser Art. Es bäumt sich ein Knauer auf, sagt der Bergmann, wenn er im Arbeiten auf ein solches Gestein geräth. Es gehöret gleichfalls zu dem Geschlechte des vorigen Wortes, und bezeichnet eigentlich eine fest verbundene Steinart. ( S. 2. Gneiß,) welches eine ähnliche Steinart ist, und der Abstammung nach gleichfalls hierher gehöret; ingleichen Knorren.


Knauerig (W3) [Adelung]


Knauerig, adj. et adv. im Bergbaue, Knauer enthaltend. Knauerige Gänge, wo sich solche Knauer zeigen.


Knauf (W3) [Adelung]


Der Knauf, des -es, plur. die Knäufe, ein Oberdeutsches, im Hochdeutschen größten Theils veraltetes Wort, welches einen Knopf bedeutet, und in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt. Im Hochdeutschen ist es nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich. So wird das Capitäl oder der obere Theil einer Säule in der Baukunst von einigen der Knauf genannt. In der Geschützkunst ist es die wie eine Kugel gebildete Traube an den Steinstücken, sie desto bequemer regieren zu können. Siehe Knopf und Knäuel.


Knaufstämpel (W3) [Adelung]


Der Knaufstämpel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Goldschmieden und andern Metallarbeitern, ein Stämpel, welcher unten abgerundet ist, runde Bleche damit zu hohlen Schälchen zu schlagen, woraus hernach die Knäufe oder Knöpfe an den Kleidern verfertiget werden.


Knaupeln (W3) [Adelung]


Knaupeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und in der vertraulichen Sprechart eigentlich für nagen gebraucht wird, in weiterer Bedeutung aber auch harte Dinge in kleinen Bissen essen bedeutet. An einem Knochen knaupeln. Den ganzen Tag knaupeln, harte Sachen aus der Tasche essen. Ingleichen figürlich, sich mühsam mit einer Sache beschäftigen, ohne weit in derselben zu kommen. Das Geknaupele um mich herum währes nun beynahe schon eine Stunde, Weiße. Knaupelt sie noch an ihrer Tugend? ebend.

Anm. Im Nieders. knibbeln, knabbeln, gnabbeln, gnaueln. Es ist das Diminut. von dem Nieders. knappern, knuxpern, trockne Sachen mit einem Gerassel zerbeißen, ( S. Knapplack,) welches wiederum zu den in den gemeinen Mundarten üblichen knauen, gnauen, nagen, gehöret.


Knauser (W3) [Adelung]


Der Knauser, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Knauserinn, im verächtlichen Verstande, eine Person, welche aus Geitz überall zur Ungebühr etwas zu ersparen und abzubrechen sucht, ein karger Filz; ein Knicker. Nieders. Knauserer, Gnegeler. Von knauen, Nieders. gnauen, gnaueln, nagen, und figürlich, in kleinen Stücken abzwacken, abbrechen. Siehe Knicker, welcher eben das ausdruckt.


Knauserey (W3) [Adelung]


Die Knauserey, plur. die -en, im verächtlichen Verstande, die Fertigkeit, aus Kargheit überall zur Ungebühr etwas abzubrechen, ohne Plural. Ingleichen ein solches Betragen in einzelnen Fällen.


Knauserig (W3) [Adelung]


Knauserig, -er, -ste, adj. et adv. der Knauserey ergeben, und in derselben gegründet. Ein knauseriger Mann. Ein knauseriges Betragen. Nieders. knauserig, gnegelhaftig.


Knausern (W3) [Adelung]


Knausern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Knauserey üben. In allen Ausgaben knausern, etwas abzubrechen, zu ersparen suchen. Auch in der thätigen Form, durch Knauserey erwerben. Viel Vermögen zusammen knausern. Nieders. knausern, gnegeln.


Knaust (W3) [Adelung]


Der Knaust, des -es, plur. inus. in dem Bergbaue einiger Gegenden, z. B. im Mansfeldischen, eine Art eines festen Gesteines, welches oft 1 und 1 1/2 Lachter dick ist. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Knauer und Gneiß.


Knebel (W3) [Adelung]


Der Knebel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches noch häufig von einem kurzen dicken Holze gebraucht wird. In der Landwirthschaft ist der Knebel ein kurzes dickes Holz, wo- mit die Garbenbänder zusammen gezogen werden. Die Jäger haben einen ähnlichen Knebel, womit sie den Hunden, wenn sie sich verbissen haben, das Maul aufbrechen. Am häufigsten wird es von einem kurzen dicken Querholze gebraucht. Der Knüttel, welchen man den Hunden anhängt, heißt bey vielen der Knebel. An manchen Orten fahren die Bergleute auf dem Knebel ein, wenn sie sich auf ein solches an dem Seile befestigtes Querholz setzen; und vermittelst eines solchen Knebels werden auch die Diebe den Galgen hinan gezogen. Leuten, welche bey Gewaltthaten nicht schreyen sollen, bindet man einen Knebel, d. i. ein kurzes dickes Querholz in den aufgesperrten Mund. Auch dergleichen in die Quere gehende Stücke von andern Materien, sind unter diesem Nahmen bekannt, besonders wenn sie dazu dienen, etwas zu halten. Degleichen ist der Knebel an verschiedenen Arten der Ketten, ein gerades in die Quere gehendes Eisen, welches am Ende der Kette befestiget ist, und durch einen Ring derselben gesteckt wird.

Anm. Im Niedersächs. Knevel, im Dän. gleichfalls Knevel. Es scheinet mit den Wörtern Knüppel und Knüttel durch Vertauschung des l und n von klopfen herzustammen, und eigentlich ein Werkzeug zum Klopfen oder Schlagen zu bedeuten. In Nieders. ist Knepel der Klöppel in einer Glocke. Knappen bedeutet so wohl im Nieders. als auch in einigen verwandten Sprachen klappen, und in weiterer Bedeutung schlagen. Das niedrige Knebel, die Knöchel an den Fingern, scheinet nicht hierher, sondern zu Knopf zu gehören, und wird daher von den meisten richtiger Knöbel geschrieben und gesprochen, ( S. dieses Wort.) Ein Knebel zur Verhinderung des Schreyens heißt im Schwed. Kafle, von Kaepp, ein Stock. Im Nieders. bedeutet Knevel figürlich auch einen widerwärtigen Menschen, und im Schwed. ist Knaefwel ein böser Bube; welches Ihre sehr gezwungen von Teufel herleitet. Im Nieders. und Dithmarischen ist knävig stark, und Knäve die Stärke.


Knebelbart (W3) [Adelung]


Der Knebelbart, des -es, plur. die -bärte, der in die Quere gezogene Bart der Oberlippe, bey den Männern, welcher ehedem sehr üblich war, noch jetzt von den Husaren und manchen andern Kriegsvölkern getragen wird, und ehedem auch Gran genannt wurde; der Knebel, der Schnurrbart, Schweitzerbart, im Oberd. Spreitzbart. Figürlich führet bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches ein Ostindisches Gewächs, wegen der an den Blätterzweigen befindlichen hakenförmig gekrümmten Stacheln, den Nahmen des Knebelbartes; Hugonia L.

Anm. Bey dem Hans Sachs Knöbel part, im Schwedischen Knaefwelbar. Wachter leitete es von klieben, spalten, her, weil sich ein Knebelbart zu beyden Seiten des Mundes erstrecket, als wenn er gespalten wäre. Gottsched, welcher in allen Ableitungen unglücklich war, hat den seltsamen Einfall, es von Knabe abzuleiten, und es Knäbelbart zu schreiben, weil jungen Leuten zuerst der Bart auf der Oberlippe zu wachsen pflege. Allein es ist wohl gewiß, daß mit dieser Benennung auf die Ähnlichkeit mit einem Knebel gesehen werde, weil beyde in die Quere gehen. Ihre versichert, das Schwed. Knaefwelbar bezeichne eigentlich barbam bifidam, ohne doch diese Bedeutung des Wortes Knebel zu beweisen.


Knebeleisen (W3) [Adelung]


Das Knebeleisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein besonderes Eisen, dem Knebelbarte damit seine gehörige Gestalt zu geben.


Knebeler (W3) [Adelung]


Der Knebeler, des -s, plur. ut nom. sing. zusammen gezogen Knebler, Fämin. die Kneblerinn, in der Landwirthschaft Obersachsens, diejenigen Personen, welche in der Ernte die Garben knebeln, d. i. mit dem Knebel zusammen binden; der Binder, die Binderinn.


Knebeln (W3) [Adelung]


Knebeln, verb. reg. act. vermittelst eines Knebels zusammen ziehen oder binden. Die Garben knebeln, in der Landwirthschaft. Ingleichen mit einem Knebel verstopfen, verschließen, befestigen. Jemanden knebeln, ihm das Maul mit einem Knebel verschließen. So auch in den Ableitungen aufknebeln, anknebeln, zuknebeln u. s. f.


Knebelspieß (W3) [Adelung]


Der Knebelspieß, des -es, plur. die -e, ein Spieß mit einem Knebel, d. i. mit einem Quereisen unter der Spitze, dergleichen unter andern noch die Jäger haben, den Sauen damit den Fang zu geben, wo er auch das Fangeisen genannt wird. Der Knebel befindet sich daselbst 2 oder 1 1/2 Spannen unter dem Eisen, und hindert das weitere Andringen des Schweines. Auch dieses Wort sollte dem Gottsched zu Folge von Knabe abstammen, und daher Knäbelspieß geschrieben werden, weil ein solcher Spieß kürzer als eine Lanze, und leichter als eine Hellebarte sey; eine Voraussetzung, welche eben so unrichtig ist, als die Ableitung.


Knebelwachs (W3) [Adelung]


Das Knebelwachs, des -es, plur. inus. ein auf besondere Art zubereitetes Wachs, den Knebelbart damit zu bestreichen, und ihm seine gehörige Gestalt zu geben.


Knechtgeld (W3) [Adelung]


Das Knechtgeld, des -es, plur. die -er, ein nur noch in einigen Gegenden übliches Wort, eine Soldatensteuer, eine Steuer zur Unterhaltung der Besatzungssoldaten zu bezeichnen; von Knecht, ein Soldat.


Knechtisch (W3) [Adelung]


Knechtisch, -er, -te, adj. et adv. nach Art eines Knechtes, in dem Zustande eines Knechtes gegründet, doch nur in engerer und verächtlicher Bedeutung. Das knechtische Joch, Gal. 5, 1, der sclavische, gezwungene und auf bloße Furcht vor der Strafe gegründete Gehorsam gegen das Jüdische Gesetz. Die knechtische Furcht, welche aus bloßer Vorstellung der bevor stehenden Strafe entstehet, im Gegensatze der kindlichen Furcht. Ein knechtisches Gemüth, ein niedriges Gemüth, welches seine Bewegungsgründe bloß aus der bevor stehenden Strafe hernimmt. Gott knechtisch fürchten.


Knechtlich (W3) [Adelung]


Knechtlich, adj. et adv. einem Knechte ähnlich, in dem Zustande eines Knechtes gegründet, im guten, wenigstens gleichgültigen Verstande. Der knechtliche Gehorsam, welchen ein Knecht seinem Herren zu leisten verbunden ist.


Knechtschaft (W3) [Adelung]


Die Knechtschaft, plur. inus. der Stand eines Knechtes; doch nur im figürlichen Verstande, der Stand einer harten Dienstbarkeit. Jemanden in der Knechtschaft halten. Sich der Knechtschaft entziehen. Die Knechtschaft der Sünde, oder der Stand der Knechtschaft, in der Theologie, derjenige Zustand, in welchem der Mensch von dem natürlichen Triebe zur Sünde ohne den geringsten durch die Erkenntniß des Gesetzes gewirkten Widerstand beherrschet wird. In engerer Bedeutung ist es derjenige Zustand, da der Mensch bey allem durch die Erkenntniß des Gesetzes gewirkten Widerstande dennoch von der Sünde beherrschet wird, welcher auch der gesetzliche Zustand genannt wird.


Knechtvieh (W3) [Adelung]


Das Knechtvieh, des -es, plur. inus. in der Landwirthschaft, diejenigen Schafe, welche auf den Schäfereyen die Schäferknechte zu ihrem eigenen Nutzen mit halten dürfen.


Kneif (W3) [Adelung]


Der Kneif, des -es, plur. die -e, ein Messer; doch nur noch in einigen Gegenden. Besonders pflegen die Schuster ihr auswärts gekrümmtes Messer den Kneif oder Schusterkneif zu nennen. Der Kneif der Gärtner hat eine einwärts gekrümmte Schneide.

Anm. Im Nieders. Knief, im Dän. Kniv, im Angels. Knife, im Schwed. Knif, im Span. Gannivette, im Engl. Knife, im Franz. Canif, ein Federmesser, im mittlern Lat. Kaninus und Canipulus. Von kneifen, kneipen, so fern es ehedem schneiden, scheren bedeutete. Im Wallisch. ist cneifio scheren, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - sigen, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - schaben, bey dem Ulphilas hniupan reißen brechen.


Kneifen (W3) [Adelung]


Kneifen, verb. irreg. act. Imperf. ich kniff, Mittelw. gekniffen. 1) * Drücken; in welcher weitesten Bedeutung es im Hochdeutschen veraltet ist. Nur sagt man noch in der Seefahrt im figürlichen Verstande, den Wind kneifen, sich im Segeln hart an dem Winde halten. 2) * Schneiden, sägen, scheren; drey veraltete Bedeutungen, von deren beyden ersten die Wörter Kneif und Kneifer noch Überbleibsel sind. 3) Mit den Spitzen zweyer Finger, oder mit einer scharfen Zange stark drücken. Jemanden in den Arm kneifen. Er kniff mich in die Backen. ( S. Kneipen,) welches im Hochdeutschen wenigstens eben so gebräuchlich ist.


Kneifer (W3) [Adelung]


Der Kneifer, oder Kneiper, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Vögel, welche einen kegelförmigen Schnabel hat, dessen beyde Hälften lang und ausgezackt wie eine Säge sind; daher er auch Säger, Stücksäger genannt wird. Serrator Klein. Engl. Knyper. Von kneifen, so fern es ehedem auch sägen bedeutete.


Kneipe (W3) [Adelung]


Die Kneipe, plur. die -n, 1) In einigen Gegenden Niedersachsens, eine Klemme, ein Werkzeug zum Kneipen, und in weiterer Bedeutung zum Klemmen. Auch figürlich, in der Kneipe sitzen, in der Klemme, in Verlegenheit seyn. 2) Das Zwicken im Leibe, Schmerzen in den Gedärmen, welche den durch Kneipen verursachten Schmerzen ähnlich sind; ohne Plural und nur im gemeinen Leben. Die Kneipe haben. Die Bauchkneipe. Für das Kneipen, das Bauchkneipen. 3) S. Kneipschenke.


Kneipen (W3) [Adelung]


Kneipen, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen auch in der dritten Bedeutung des Zeitwortes kneifen üblich ist. Mit den Fingern kneipen. Hat sie ihn nicht lachend in die Wange gekneipt? Geßn. Und kneipt sie in die vollen Backen, Gell. Wo es von einigen auch nach dem Muster des Zeitwortes kneifen irregulär abgewandelt wird. Drauf knipp er mich in den Backen, Weiße. Ingleichen figürlich, einen Schmerzen verusachen, der dem durch Kneipen verursachten Schmerzen ähnlich ist; in welcher Bedeutung kneifen im Hochdeutschen nicht gebraucht wird. Von engen Kleidern und Schuhen, wenn sie diesen Schmerzen verursachen, sagt man, daß sie uns kneipen. Er kneipt mich im Leibe. Das Kneipen haben. Das Bauchkneipen. (Siehe Kneipe 2.) Oft ist dafür auch zwicken üblich. Anm. Nieders. knipen, Dän. knibe, Engl. to knap, im Schwed. knipa, wo Knip auch die Enge, die Kneipe ist, im Isländ. klipa, im Angels. clypan, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ( S. Kneif.) Es ist mit knapp, enge, genau verwandt. In beyden ist das k nur ein müßiger Begleiter des flüssigen n, weil im engl. to nip, im Holländ. nypen, im Schwed. nipa, im Isländ. niupa, auch für kneipen gebraucht wird, ja selbst im Deutschen ist neppen und noppen im ähnlichen Verstande üblich. ( S. diese Wörter.) Klemmen und kneipen sind nahe verwandt, nur daß dieses mit spitzigen oder fast spitzigen gekrümmten Körpern, jenes aber mit mehr flachen geschiehet.


Kneiper (W3) [Adelung]


Der Kneiper, S. Kneifer.


Kneipschenke (W3) [Adelung]


Die Kneipschenke, plur. die -n, eine kleine, schlechte, geringe Schenke im verächtlichen Verstande; eine Kneipe, im Nieders. eine Klippschenke, ein Klippkrug. Man würde dieses Nieders. als die wahre Schreibart annehmen können, indem n und l in hundert andern Fällen in einander übergehen, wenn es nicht aus der Vergleichung der Wörter Knabe, knapp, Knappe und Knecht wahrscheinlich würde, daß knab, kneip, ursprünglich klein, schlecht, gering, bedeutet hätte, welches dem Begriffe einer Kneipschenke gemäß ist. In den gemeinen Sprecharten ist Knipps ein sehr kleiner Mensch, und im Schwed. nepa klein und artig, Nieders. niber.


Kneipwurm (W3) [Adelung]


Der Kneipwurm, des -es, plur. die -würmer, eine kleines fliegendes Insect, welches die Sprossen und Spitzen der jungen Bäume abfrißt, und auch Stechwurm genannt wird. Man hat ihrer von schwarzer, grauer und grüner Farbe, worunter man die ersten für die schädlichsten hält.


Kneipzange (W3) [Adelung]


Die Kneipzange, plur. die -n, eine Zange mit scharfen krummen Backen zum Kneipen oder Abkneipen, die Beißzange; zum Unterschiede von andern Arten.


Kneiß (W3) [Adelung]


Der Kneiß, S. 2. Gneiß.


Kneißen (W3) [Adelung]


Kneißen, verb. reg. act. ein altes, aber nur noch bey den Gärbern für schaben übliches Wort, wo es besonders von dem Abschaben der Haare von den Fellen gebraucht wird, welches vermittelst des Kneißeisens geschiehet. Es wird auch, obgleich nicht so richtig kneußen und knäußen geschrieben. Es ahmet den Schall nach, den diese Art des Schabens verursacht, so wie das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - schaben. S. 1. Gneiß.


Kneten (W3) [Adelung]


Kneten, verb. reg. act. einen weichen, feuchten Körper mit den Händen oder Füßen durcharbeiten, um alle seine Theile genau mit einander zu verbinden. Der Töpfer knetet den angefeuchteten Thon, der Kleiber den Lehm mit den Füßen. Besonders von dem Teige. Den Teig kneten. Den Sauerteig unter den Teig kneten, oder ihn einkneten.

Anm. Im Angels. cnaedan, im Engl. to knead, im Dän. knede, im Schwed. knada, im Böhm. hnety, im Nieders. mit Auslassung des t kneien. Entweder von dem noch im Isländischen befindlichen Kno, die geballte Faust, ( S. Knote und Knöbel,) oder auch mit dem Nieders. guiden, hin und her treiben, dem Hochdeutschen knuten und andern ähnlichen Wörtern von Einem Stammworte, welches eigentlich schlagen und stoßen bedeutet hat. Bey dem Notker ist knidan, chnistan, zermalmen, zerreiben, und in den gemeinen Sprecharten knetschen, fehlerhafte Falten oder Büge in Papier, Taffet und andere gesteifte Körper drücken.


Kneter (W3) [Adelung]


Der Kneter, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bäckern, derjenige Bäckerknecht, welcher das Kneten verrichtet, und unmittelbar auf den Werkmeister folgt. In großen Backhäusern hat man einen Oberkneter und einen Unterkneter oder Mitkneter.


Knetscheit (W3) [Adelung]


Das Knetscheit, des -es, plur. die -e, ein Scheit, oder hölzernes Werkzeug, womit die Bäcker das Kneten des Teiges verrichten.


Kneußen (W3) [Adelung]


Kneußen, S. Kneißen.


Knick (W3) [Adelung]


Knick, ein Wort, welches den hellen Schall nachahmet, wenn ein dünner oder schwacher Körper plötzlich einen Riß oder Bruch bekommt, und wovon knack und knuck gröbere Arten sind. Ich stieß an das Glas, da sagte es knick! Daher der Knick, des -es, plur. die -e, so wohl ein solcher Schall, das Glas that einen Knick; als auch ein Bruch, ein Riß, eine Ritze, welche mit einem solchen Schalle entstehet. Einen Knick in einen Zweig machen, ihn einknicken. S. Knicken und Knicks.


Knick (W3) [Adelung]


Das Knick, des -es, plur. die -e, eine lebendige Hecke, wo die Zweige und jungen Stämme eingeknicket, und in einander geflochten werden; von welchem Einknicken ein solcher Zaun auch den Nahmen hat. Im Oberd. das Genick, im Schleßwigischen ein Paatwerk. An andern Orten, z. B. im Meklenburgischen, ist das Knick ein leichter Zaun, welcher nur auf kurze Zeit zur Befriedigung eines Grundstückes gemacht wird, und aus weitläufig und schräge in die eingeschlagenen Pfähle geflochtenem Reiß- und Strauchholze bestehet.


Knicken (W3) [Adelung]


Knicken, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1. Denjenigen Schall von sich geben, welchen das Wort Knick ausdruckt. Ein Glas knickt, wenn man so daran stößet, daß es einen Riß bekommt, aber doch noch ganz bleibt. Eben so knickt auch ein Reiß, ein dünner Zweig oder dünner Stock, wenn man ihn bricht. Im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - 2. Diesen Schall hervorbringen. 1) Eigentlich, wo es doch nur in thätiger Gestalt mit Hervorbringung dieses Schalles zerbrechen, bedeutet, S. gleich im fol- genden. 2) Figürlich, für biegen überhaupt, auch wenn es nicht mit diesem Schall verbunden ist; wo es doch nur von dem fehlerhaften aus Schwachheit oder Nachlässigkeit berührenden Einbiegen der Knie im Gehen gebraucht wird. Im Gehen knicken, die Knie tiefer einbiegen, als zum ordentlichen Gange nöthig ist. Mit den Füßen knicken, Schwed. knaecka. Auf solche Art gehen, heißt im Nieders. knickbeinen, und welcher diesen Gang hat, ein Knickebein. Auch von den Pferden sagt man sie knicken, wenn sie auf solche Art in die Knie sinken. Im Oberdeutschen gebraucht man es in noch weiterer Bedeutung so wohl für knien, vor einem knicken; als auch für das verwandte nicken, mit dem Kopfe, mit den Augen knicken. 3) Aus Kargheit überall etwas abzubrechen oder abzuzwacken suchen; im verächtlichen Verstande. Sich ein ansehnliches Vermögen zusammen knicken. Im Kaufen knicken, lange und genau handeln, dingen. Was knickt ihr so lange? S. Knicker. II. Als ein Activum, mit Hervorbringung dieses Schalles zerbrechen. Ein Glas knicken, ihm durch einen Stoß einen Riß beybringen. Ein Reis knicken, es einknicken, es halb brechen und halb biegen. Ein Ey knicken. Läuse knicken oder knacken, sie mit dem Nagel des Fingers zerdrücken. Handkörner knicken oder zerknicken. Einen Hasen knicken oder genicken, bey den Jägern, ihm mit der flachen Hand das Genick abschlagen. Vögel knicken oder abknicken, im Oberdetuschen, ihnen das Genick eindrücken. Schwed. knaecka.

Anm. Knicken druckt einen feinern Schall dieser Art aus als knacken und das noch gröbere knucken. Es ist durch den vorgesetzten Gaumenlaut aus nicken gebildet, welches eben diesen Schall, obgleich nicht so bestimmt, ausdruckt, und das in der Onomatopäie gegründete Intensivum von neigen ist, S. diese Wörter.


Knicker (W3) [Adelung]


Der Knicker, des -s, plur. ut nom. sing. 1) im Nieders. kleine aus Thon gebackene Schnellkügelchen, besonders so fern sie zu gewissen Spielen der Kinder dienen; von dem Schalle, welchen sie im Spielen machen, wenn sie an einander stossen. 2) Eine Person welche knickt; doch nur in der dritten figürlichen Bedeutung des Neutrius, im verächtlichen Verstande; Fämin. die Knickerinn. Er ist ein Knicker, er sucht aus Kargheit überall etwas abzubrechen oder abzuzwäcken. Nieders. gleichfalls Knicker, im Engl. ohne Gaumenlaut Niggard, im Isländ. Nauggur, Niugr. Von knicken, nicken, so fern es in weiterer Bedeutung in kleinen Stücken abbrechen bedeutet, oder auch das Intensivum von nagen ist, da es denn eben diese Bedeutung gewähret, welche auch das gleichbedeutende Knauser hat. Im Griech. heißt ein solcher Knicker oder Knauser - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, kneipen, abzwacken, im Franz. Pincemaille. 3) Im Oberdeutschen ist der Knicker das Nicken mit dem Kopfe, ingleichen eine Neigung mit Verbeugung der Knie; ein Knicks, S. dasselbe.


Knickerey (W3) [Adelung]


Die Knickerey, plur. die -en, die Fertigkeit zu knicken, in der dritten figürlichen Bedeutung des Neutrius, ohne Plural, und eine darin gegründete Handlung, mit dem Plural, S. Knicker 2.


Knickerig (W3) [Adelung]


Knickerig, -er, -ste, adj. et adv. Knickerey besitzend und darin gegründet. Knickerig seyn. Eine knickerige Mahlzeit.


Knickholz (W3) [Adelung]


Das Knickholz, des -es, plur. inus. besonders im Niedersächsischen, niedriges Buschholz; von knick, so fern es von neigen abstammet, und daher niedrig bedeutet.


Knickicht (W3) [Adelung]


Das Knickicht, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, das Knick, d. i. ein lebendiger Zaun, wo die Äste und Zweige in der Jugend eingeknickt und in einander geflochten worden. S. das Knick.


Knicks (W3) [Adelung]


Der Knicks, des -es, plur. die -e, 1) Der Knick, d. i. so wohl der Schall, welcher durch dieses Wort ausgedruckt wird, und welcher feiner ist, als der, welchen die verwandten knacks und knucks bezeichnen, als auch ein Bruch, ein Spalt, ein Riß, welcher mit diesem Schalle entstehet. Das Glas hat einen Knicks bekommen. 2) Im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, eine Bezeigung der Höflichkeit oder Ehrfurcht, welche nicht sowohl in der Beugung des Leibes, als vielmehr in der Beugung der Knie bestehet, dergleichen nicht nur das weibliche Geschlecht, sondern auf dem Lande auch das männliche bey manchen Gelegenheiten zu machen pflegt; eine Kniebeugung, Verneigung, im Oberd. ein Knicker. Von knicken, so fern es das durch den Gaumenlaut verstärkte Intensivum von neigen, im Isidor hneigan, ist. Einen Knicks machen, sich verneigen. Lise sagt kein Wort, Macht ihren Knicks und wandert fort, von Brawe. Man verstehet diese Zeilen falsch, wenn man Charlotten eine bäuerische Neige, einen dummen Knicks machen läßt, Less.


Knickweide (W3) [Adelung]


Die Knickweide, plur. die -n, eine Art sehr brüchiger Weiden, welche an andern Orten Knackerweide heißt, S. dieses Wort.


Knie (W3) [Adelung]


Das Knie, (einsylbig,) des Knies, (zweysylbig,) plur. die Knie, (gleichfalls zweysylbig,) Diminut. das Kniechen, Oberd. Knielein; ein nach einem Winkel gebogener Theil eines Dinges, und ein nach einem Winkel gebogenes Ding selbst. 1) Überhaupt, in welcher weitesten Bedeutung es noch sehr häufig gebraucht wird; dergleichen nach einem gemeiniglich rechten Winkel gebogene Dinge, und die durch diesen Bug gemachte Hervorragung zu bezeichnen. So werden die winkelig gewachsenen Hölzer in dem Schiffbaue, welche zur Verbindung der Balken mit den untern Theilen des Schiffes gebraucht werden, und andere ähnliche zur Verbindung und Unterstützung der Theile eines Schiffes gehörige Hölzer, wenn sie die Gestalt eines menschlichen Knies, so wie es im Sitzen gebogen ist, haben, Knie oder Kniehölzer genannt. In einigen Gegenden, z. B. an den Elb- und Oderkähnen, werden sie nach einer rauhern Aussprache Knaggen genannt. Dahin gehören auch die Knacken der Tischler, d. i. der einen Hälfte nach rechtwinkelige Breter, eine horizontale Fläche zu unterstützen. An den Röhren in den Wasserleitungen sind die Knie diejenigen Ecken, wo zwey Röhren unter einem Winkel zusammen stoßen. Auch in der bürgerlichen Baukunst und bey den Handwerkern, heißen nach einem Winkel zubereitete Hölzer, zwey in eben einem solchen Winkel in einander stoßende Flächen zu verbinden, Knie; welchen Nahmen auch in vielen Fällen einzelne Hervorragungen an manchen Dingen führen. 2) In engerer und der gewöhnlichsten Bedeutung, diejenige Hervorragung an den Füßen der Menschen und mancher Thiere, welche durch die biegsame Verbindung des Dick- und Schienbeines entstehet. Sich auf die Knie niederlassen. Auf die Knie fallen, so wohl eigentlich, als auch figürlich, plötzlich niederknien; sich auf die Knie werfen. Vor jemanden auf die Knie fallen, sich vor ihm auf die Knie werfen. Auf den Knien liegen. Auf den Knien bitten, bethen, stehen. Die Knie vor jemanden beugen, vor ihm niederknien. Etwas über das Knie abbrechen, im gemeinen Leben, figürlich, es kurz und schlecht verrichten, sich nicht die gehörige Zeit dazu nehmen.

Anm. In der engern Bedeutung bey dem Kero Chneu, bey dem Raban Maurus Chniu, bey dem Ottfried Knio, im Nieders. Knee, im Dän. Knä, im Angels. Cneow, Cneou, im Engl. Knee, bey dem Ulphilas Kniu, im Isländ. Hnie, Knie, im Schwed. Knae, im Lat. Genu, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Alban. Giu. Entweder von neigen, im Isländ. hneigan, so fern es ehedem auch biegen bedeutete, wovon knicken das Intensivum ist, oder auch, so fern zunächst auf die Hervorragung gesehen wird, mit Knopf, Knöbel, Knote und andern dieser Art aus einer und eben derselben Quelle. Im Schwed. ist daher Kno die Faust, und im mittlern Lat. Genu der Elbogen. ( S. auch Knöchel.) Da durch das Knie in der weitesten Bedeutung auch mehrere Theile mit einander verbunden werden, so wird es in den ältern Niedersächsischen Schriften, so wie im Schwedischen auch häufig, so wohl von dem Grade der Verwandtschaft, welcher gewöhnlicher das Glied heißt, als auch von der Generation, Geschlechtsfolge überhaupt gebraucht, welche Bedeutung sich noch im Dithmarsischen findet. Indessen stehet es dahin, ob es in diesem Verstande nicht vielmehr aus dem alten Kunne, das Geschlecht, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im mittlern Lat. Genu, zusammen gezogen ist.


Knieband (W3) [Adelung]


Das Knieband, des -es, plur. die -bänder, ein Band, die Strümpfe unter dem Knie fest zu binden. So fern Knie in weiterer Bedeutung ein gebogenes Holz bedeutet, ist das Knieband ein eisernes Band um ein solches Knie.


Kniebeuge (W3) [Adelung]


Die Kniebeuge, plur. die -n, der eingebogene Theil des Fußes hinter dem Knie; der Kniebug, im gemeinen Leben die Kniebiege, un noch häufiger die Kniekehle.


Kniebeugung (W3) [Adelung]


Die Kniebeugung, plur. die -en, die Beugung der Knie, besonders so fern sie zum Zeichen der Ehrfurcht geschiehet. Eine Kniebeugung mit senkrechten Leibe heißt im gemeinen Leben ein Knicks. In dem Spanischen Ceremonielle ist noch eine andere Art üblich, wo der eine Fuß so gebogen wird, als wenn man sich auf das Knie niederlassen wollte.


Kniebug (W3) [Adelung]


Der Kniebug, des -es, plur. die -büge, S. Kniebeuge. An den Hinterfüßen der vierfüßigen Thiere wird auch der auswärts gebogene Theil des Knies, welches wegen seiner Gestalt auch die Häkse heißt, der Kniebug genannt.


Kniebügel (W3) [Adelung]


Der Kniebügel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bergleuten und andern Arbeitern, ein rund geschnittenes Leder um die Knie, selbige im Arbeiten dadurch zu verwahren.


Kniebusch (W3) [Adelung]


Der Kniebusch, des -es, plur. die -büsche, im Forstwesen, ein niedriges Buschwerk oder Gesträuch, welches nicht in die Höhe wachsen will. Entweder, so fern es nicht die Höhe des menschlichen Knies übersteiget, oder auch mit Kniebusch aus einer und eben derselben Quelle. S. dieses Wort.


Knieeisen (W3) [Adelung]


Das Knieeisen, des -s, plur. ut nom. sing. im Schiffbaue, starke nach einem Winkel gebogene Eisen, welche die untersten Theile des Schiffbauches mit den Seiten verbinden; Franz. les Guirlandes, S. Knie 1.


Kniegeige (W3) [Adelung]


Die Kniegeige, plur. die -n, eine größere Geige, welche der Spielende zwischen den Knien hält; Ital. Viol di Gamba.


Kniegürtel (W3) [Adelung]


Der Kniegürtel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gürtel, die Kleidungsstücke unter dem Knie damit zu gürten; in gemeinen Leben auch der Knieriemen.


Kniehalter (W3) [Adelung]


Der Kniehalter, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Fleischern, ein Strick, womit sie wilden Ochsen den Kopf mit einem Vorderbeine zusammen zu binden pflegen, sie dadurch zu bändigen.


Knieholz (W3) [Adelung]


Das Knieholz, des -es, plur. die -hölzer, ein Holz in Gestalt eines Knies, ein nach einem Winkel gebogenes, oder so gewachsenes Holz, welches auch nur ein Knie genannt wird, S. Knie 1.


Kniekehle (W3) [Adelung]


Die Kniekehle, plur. die -n, der einwärts gebogene Theil des Fußes hinter dem Knie, die hohle Gegenseite des Knies; in der anständigern Sprechart die Kniebeuge.


Knielade (W3) [Adelung]


Die Knielade, plur. die -n, bey den Nadlern, eine Art eines Schraubstockes, welcher auf den Schenkel über dem Knie des Schaftschneiders passet, das Bündel Draht welches man zer- schneiden will, damit zu halten; die Schenkellade, Franz. Chausse.


Knien (W3) [Adelung]


Knien, (zweysylbig,) verb. reg. neutr. welches mit den Hülfswörtern seyn und haben verbunden wird. 1) Mit seyn, sich auf die Knie niederlassen. Vor jemanden knien. Niederknien. Er ist vor ihm niedergekniet. Auf die Erde, auf ein Küssen knien, mit der vierten Endung, wo auf die Richtung der Bewegung bezeichnet. Aber, auf seine Knie knien, Dan. 6, 10, ist ungewöhnlich. Viele Hochdeutsche gebrauchen es auch hier mit dem Hülfsworte haben. 2) Mit haben, auf den Knien liegen. Sie haben den ganzen Tag gekniet. Kniend arbeiten, bethen, bitten. Jemanden kniend Abbitte thun; wofür man im gemeinen Leben unrichtig sagt, kniende Abbitte thun. Sie soll mir eine kniende Abbitte thun, Gell. Anm. Bey dem Ottfried kneuuan, bey dem Notker chniuuen, in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten auch knicken, knocken, knotzen, im Dän. knäle, im engl. to kneel, bey dem Ulphilas knussjan, im Schwed. knaeka, kniga, knaeda, knaeböja.


Knieriemen (W3) [Adelung]


Der Knieriemen, des -s, plur. ut nom. sing. ( S. Kniegürtel.) Bey den Schustern ist der Knieriemen ein lederner Riemen, den Leisten damit auf dem Knie zu befestigen.


Knieröhre (W3) [Adelung]


Die Knieröhre, plur. die -n, eine Röhre mit einem Knie, d. i. einem nach einem Winkel gebogenen Buge, dergleichen sich an Wasserleitungen, an den Ofenröhren u. s. f. befinden.


Kniescheibe (W3) [Adelung]


Die Kniescheibe, plur. die -n, ein erhabenes Bein in Gestalt einer Scheibe, welches das Schenkelbein mit dem Schienbeine verbindet, die Verenkung beyder verhüthet, und das Knie bilden hilft; Patella.


Kniesenack (W3) [Adelung]


Der Kniesenack, des -es, plur. inus. ein Nahme des Bieres zu Güstrow, welches sehr stark ist. Der Nahme soll so viel als Herrenbier bedeuten, von dem Böhm. Knjze, Russ. Knees, ein Herr, Fürst. In den Urkunden Meklenburgs, welches ehedem von Wenden bewohnet wurde, kommt Gneus mehrmahls in der Bedeutung eines Herren vor.


Kniestreiche (W3) [Adelung]


Die Kniestreiche, plur. die -n, bey den Wollarbeitern, die feinste Art Kardätschen, welche die subtilsten Häckchen haben, und auf keine besondere Krämpelbank, sondern auf das Knie befestiget werden. Daher das Kniestreichen, das Krämpeln der Wolle vermittelst dieses Werkzeuges, und der Kniestreicher, ein Wollkämmer, welcher sich vornehmlich dieses Werkzeuges bedienet.


Kniestück (W3) [Adelung]


Das Kniestück, des -es, plur. die -e. 1) Ein Stück, d. i. Theil eines Ganzen, welcher das Knie, d. i. einen winkeligen Bug enthält, und auch das Knie heißt. 2) Ein Gemählde oder Kupfer, worauf eine Person bis auf die Knie vorgestellet ist, zum Unterschiede von einem Bruststücke.


Kniff (W3) [Adelung]


Der Kniff, des -es, plur. die -e, Diminut. das Kniffchen, von dem Zeitworte kneifen oder kneipen. 1) Die Handlung des Kneipens und dessen Merkmahl, der dadurch verursachte Fleck. Jemanden einen Kniff geben. Auch scharfe Falten in dem Papiere, den Zeugen u. s. f. werden von einigen Kniffe genannt. 2) Ein unerlaubter Handgriff, ein listiger Kunstgriff, ein Rank, welchen man auch einen Griff zu nennen pflegt. Diebeskniffe, Diebesränke. Es ist mir ärgerlich, daß ich in meinen alten Tagen noch solche Kniffe brauchen muß, Less. Dem kein Betrug zu schwer, kein Kniff zu schimplich schien, ebend. In beyden Bedeutungen, im Dän. Kneb, im Nieders. Kneep.


Knipp (W3) [Adelung]


Der Knipp, des -es, plur. die -e, noch mehr im Diminut. das Knippchen, die Handlung, da man den mittlern Finger der Hand von dem Daumen in die Hand herab schnellet; noch häufiger mit dem Zischlaute ein Schnippchen, sonst auch ein Klippchen, Schneller, in Östereich ein Schnalzer. Ein Knippchen schlagen, Österr. schnalzen. Nieders. Knippken, Knippsken. Es ahnet so wie das folgende den Schall nach, der damit verbunden ist.


Knippen (W3) [Adelung]


Knippen, verb. reg. act. et neutr. welches besonders im Nieders. für schnippen üblich ist, und so wie dieses den Schall, welchen das Schnellen gewisser Art hervor bringt, nachahmet, S. die folgenden.


Knippkäulchen (W3) [Adelung]


Das Knippkäulchen, des -s, plur. ut nom. sing. kleine thönerne Kugeln, so fern sie zu einem gewissen Spiele der Kinder dienen, in welchem sie mit dem Finger geknippet, d. i. geschnellet, werden; im Nieders. Knicker, Knippel. Von Kaul, eine Kugel. S. Knicker und Schnellkugel.


Knipps (W3) [Adelung]


Der Knipps, des -es, plur. die -e, Diminut. das Knippschen, im gemeinen Leben. 1) Besonders Niedersachsens, ein kleiner Mensch, eine kleine Person. Im Nieders. auch Knirps, Knirsick. Es scheinet in dieser Bedeutung zu Knabe, Knappe, zu gehören, welches ehedem überhaupt den Begriff der Kleinheit gehabt haben mag, ( S. Kneipschenke.) 2) Ein Schneller mit dem Finger, ein Knippchen, besonders in Niedersachsen, ( S. Knipp.) 3) Ein Schlag mit einem Stocke oder Lineale auf die Spitzen der zusammen gehaltenen Finger; eine in den niedrigern Schulen übliche Bestrafung. Knippschen geben. Knippschen halten, die Finger zum Empfange dieser Strafe hinhalten. Gleichfalls von dem damit verbundenen Schalle. 4) In einigen Gegenden eine scherzhafte Benennung des Brannteweins, wo man auch knippsen für Branntewein trinken sagt. In andern Gegenden ist dafür mit dem Zischlaute Schnipps, Schnapps, schnippsen, schnappsen, üblicher. Von nippen, mit kleinen Zügen trinken.


Knippschere (W3) [Adelung]


Die Knippschere, plur. die -n, eine kleine Schere, besonders von der Art, wie sie zum Ausschneiden der Bilder gebraucht wird; von dem Schalle, welchen sie im Gebrauche macht.


Knipptasche (W3) [Adelung]


Die Knipptasche, plur. die -n, eine Tasche mit einem Bügel, welcher vermittelst einer kleinen stählernen Feder geöffnet und verschlossen wird, und daher im Gebrauche knippt, d. i. diesen Schall verursacht; eine Bügeltasche.


Knirren (W3) [Adelung]


Knirren, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und eine Nachahmung eines zitternden Schalles ist, welcher seiner lautet, als knarren, knorren und knurren. 1) Diesen Schall von sich geben. Der gefrorne Schnee knirret, wenn man darauf gehet. Die ungeschmierten Räder eines Wagens pflegen gleichfalls zu knirren, noch öfter aber zu knarren. 2) Diesen Schall hervor bringen. Mit den Zähnen knirren; wofür doch knirschen üblicher ist.


Knirrschen (W3) [Adelung]


Knirrschen, verb. reg. welches ein mit einer Art eines Zischens verbundenes Knirren ausdruckt. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben. 1) Diesen Schall von sich geben. Der Sand knirrschet, wenn man mit den Zähnen darauf beißet; der gefrorne Schnee, wenn man darauf gehet. 2) Diesen Schall hervor bringen. Mit den Zähnen knirrschen, wenn man die Kinnbacken fest auf einander drückt und sie so auf einander reibet, welchen Schall man im Oberd. auch durch knirren und grutschen, und im Franz. durch crisser und grincer, ausdruckt. Ehedem war dafür auch griesgrammen üblich. II. Als ein Activum, feste oder harte Körper mit Hervorbringung dieses Schalles zerdrücken, zerreiben. Hanf knirrschen, ihn zerdrücken, welches auch ihn knicken genannt wird. In dem zusammen gesetzten zerknirschen ist dieses Activum noch üblicher.

Anm. Im Nieders. knarßen, knarseln, im Holländ. knersen, bey dem Ulphilas kriustan, im Slavon. skreschu.


Knistergold (W3) [Adelung]


Das Knistergold, des -es, plur. inus. zu dünnen Blättchen wie Papier geschlagenes Messing, welches, wenn man es angreift, knistert; Rauschgold, Nieders. Kintergold, Knittergold, Franz. Clincant.


Knistern (W3) [Adelung]


Knistern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und eine Art des Schalles ausdruckt, welcher feiner ist als der, weichen knastern bezeichnet. Das Rauschgold knistert, wenn man es bewegt, das Salz, wenn es ins Feuer geworfen wird, das Feuer, wenn es gewisse Arten sehr trocknen Holzes ergreift. Nieders. gnistern. Es ist das Frequentativum von dem im Deutschen veralteten knissen, welches einen ähnlichen, nur nicht zitternden Schall ausdruckt, und im Isidor chnussan, bey dem Notker chnistan, im Engl. to gnash, im Angels. cnysan, cnyssan, und im Nieders. knusen lautet.


Knittel (W3) [Adelung]


Der Knittel, S. Knüttel.


Knittergold (W3) [Adelung]


Das Knittergold, S. Knistergold.


Knittern (W3) [Adelung]


Knittern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches einen dem Knistern ähnlichen Schall ausdruckt, welcher aber mit keinem solchen Zischen, sondern statt dessen mit harten Absätzen verbunden ist. Gewisse Donnerschläge knittern, Nieders. knetern, knittern.


Knöbel (W3) [Adelung]


Der Knöbel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) In den gemeinen Sprecharten, die äußere Erhöhung an den Fingern, welche das mittelste Gelenk an dernselben hervor bringet, und figürlich, so wohl die Finger als auch die Hand selbst, besonders die geballte Faust, da es denn im Plural gebraucht wird, weil alsdann mehrere Gelenke sichtbar sind; gemeiniglich im verächtlichen Verstande. Bey den Bäckern wird daher der Teig durchgeknöbelt, wenn er zum letzten Mahle mit geballten Fäusten durchgestoßen wird. ( S. Knöchel.) 2) In dem Preußischen Bernsteinhandel werden die kleinsten Stücke Bernstein, welche noch zum Drehen tauglich sind, Knöbel genannt.

Anm. Im Nieders. in der ersten Bedeutung Knevel, daher es auch von vielen Knebel geschrieben wird. Allein es scheinet das Diminut. von Knob zu seyn, wofür jetzt Knopf üblich ist. Wenigstens gehöret es zu dem Geschlechte so wohl dieses Wortes als aller derjenigen dieser Art, welche eine Erhöhung, besonders eine runde Erhöhung bezeichnen, z. B. Knauf, Knie, Knote, Knocke, Knöchel u. s. f. Im Schwed. ist so wohl Kno, als auch ohne Gaumenlaut Naefwe, im Schottländischen Neif, im Isländ. Knefe, Hnefe, die Faust.


Knobellerche (W3) [Adelung]


Die Knobellerche, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine Art Lerchen, deren Fleisch wie Knoblauch schmecken soll, wovon sie auch den Nahmen hat.


Knoblauch (W3) [Adelung]


Der Knoblauch, des -es, plur. inus. eine Art des Lauches, welcher einen flachblätterigen Stamm mit zusammen gesetzten Knöpfen oder Bollen hat, in Sicilien wild wächset, bey uns aber in den Gärten gebauet wird; Allium sativum L. Er ist wegen seines durchdringend widrigen Geruches bekannt. In den Monseeischen Glossen Chlovolouch, von Kloben, eine rundliche Masse, oder auch, weil er gespalten ist, von klieben, spalten. Nieders. Knuflook, Kruflook. Der wilde oder weiße Knoblauch, Allium ursinum L. ist auch unter dem nordischen Nahmen Ramsel bekannt; Norw. Rams, Gederams, Dän. Ramse.


Knoblauchkraut (W3) [Adelung]


Das Knoblauchkraut, des -es, plur. inus. eine Art des Hederichs, welche an den Zäunen und in den Gartenländern wächset, und einen dem Knoblauche ähnlichen Geruch hat; Erysimum Alliaria L. Leuchel; oder vielmehr Läuchel, von Lauch, Ramschenwurzel, Waldknoblauch.


Knoblauchsmittwoche (W3) [Adelung]


Die Knoblauchsmittwoche, plur. die -n, in einigen Gegenden, die Mittwoche nach Pfingsten, an welcher der große Haufe aus einem alten Aberglauben Knoblauch isset, um das ganze Jahr gesund zu bleiben; der Knoblauchstag.


Knöchel (W3) [Adelung]


Der Knöchel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches überhaupt die knochenartigen, oder von Knochen herrührenden Hervorragungen des menschlichen Körpers bezeichnet, besonders aber so wohl von den Hervorragungen der Gelenke an den Fingern, und vornehmlich der mittelsten, theils aber auch von den Hervorragungen zu beyden Seiten des Oberristes oder der Fußwurzel, gebraucht wird. Die ersten werden in den gemeinen Sprecharten auch Knöbel, die letztern aber auch Knorren, Knoten und Änkel genannt.

Anm. Im Nieders. Knukkel, im Angels. Cnucl, im Engl. Knuckle, im Schwed. Knoge, im Isländ. Knuka, welche überhaupt knochenartige Hervorragungen bedeuten. Es ist nicht das Diminutivum von Knochen, sondern stammet mit demselben aus einerley Quelle her, zu welcher auch Knocke gehöret. Ein Knöchel an der Hand heißt im Ital. ohne Gaumenlaut Nocco, Noccolo. S. Nocke.


Knochen (W3) [Adelung]


Der Knochen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Knöchelchen, Oberd. Knöchlein, eine Benennung der festesten innern Theile der thierischen Körper, welche man auch Beine zu nennen pfleget. Ein Knochen aus dem Rückgrade. Die Knochen des Hauptes. Ein Röhrknochen, Marksknochen, Todtenknochen u. s. f. Einen Knochen abnagen. Es ist nichts wie Haut und Knochen an ihm, sagt man von einer sehr magern Person. Stark von Knochen seyn, starke, grobe Knochen und Gliedmaßen haben. Nach einer niedrigen Figur wird es auch von den Gliedmaßen gebraucht. Seine Knochen schonen, nachlässig arbeiten.

Anm. Im Nieders. Knake, im Dän. Knokke, im Schwed. mit einer andern Ableitungssylbe Knote. Da es sehr wahrscheinlich ist, daß man die Knochen zuerst durch die äußern Hervorragungen hat kennen lernen, so ist glaublich, das auch der Grund der Benennung daher genommen werden, so daß dieses Wort mit Knöbel, Knie, Knopf, Knorren, Knoten u. s. f. Eines Geschlechtes, und nur in dem Ableitungslaute von denselben verschieden ist. Im Engl. ist Knag der hervor ragende Ast eines Baumes, ja ein jeder Knorren, im Nieders. Knagge ein dickes derbes Stück. S. auch Knocke.


Knochenbrand (W3) [Adelung]


Der Knochenbrand, des -es, plur. inus. bey dem Rindviehe, derjenige Brand, welcher die Beine des Thieres angreift, und auch der Gliederbrand genannt wird, aber eigentlich eine Art des Schlagflusses ist.


Knochendreher (W3) [Adelung]


Der Knochendreher, des -s, plur. ut nom. sing. ein in manchen Gegenden für Beindrechsler übliches Wort. S. dasselbe.


Knochenfisch (W3) [Adelung]


Der Knochenfisch, des -es, plur. die -e, ein in Indien befindlicher Fisch, dessen ganzer Körper mit einem Knochen bedeckt ist; Ostracion L.


Knochenhauer (W3) [Adelung]


Der Knochenhauer, des -s, plur. ut nom. sing. eine in Niedersachsen übliche Benennung eines Fleischers oder Fleischhauers.


Knochenhaus (W3) [Adelung]


Das Knochenhaus, des -es, plur. die -häuser, für Beinhaus, S. dasselbe.


Knochenkrebs (W3) [Adelung]


Der Knochenkrebs, des -es, plur. inus. bey einigen Schriftstellern, ein Nahme des Beinfraßes, S. dasselbe.


Knochenlehre (W3) [Adelung]


Die Knochenlehre, plur. die -n, die Lehre von der Beschaffenheit, Verbindung, Gestalt und Nutzen der Knochen des thierischen und besonders menschlichen Körpers, ohne Plural; ingleichen ein Buch, welches dieselbe enthält, mit dem Plural. Mit einem Griech. Kunstworte, die Osteologie.


Knochenstein (W3) [Adelung]


Der Knochenstein, des -es, plur. die -e, S. Beinbruch.


Knochenwurm (W3) [Adelung]


Der Knochenwurm, des -es, plur. inus. eine Krankheit des Rindviehes, wenn es an den Knochen oder festern Theilen des Leibes Beulen bekommt, welche aber gemeiniglich Contusionen sind; zum Unterschiede von dem Lederwurm. S. Wurm.


Knöchern (W3) [Adelung]


Knöchern, adj. et adv. aus Knochen bereiten, wofür auch beinen oder beinern üblich ist. Nieders. knäken.


Knochig (W3) [Adelung]


Knochig, -er, -ste, adj. et adv. Knochen, und in engerer Bedeutung, viele Knochen enthaltend. Knochiges Fleisch, worin viele Knochen befindlich sind. Knochicht, Knochen ähnlich.


Knocke (W3) [Adelung]


Die Knocke, plur. die -n, ein vornehmlich in Niedersachsen übliches Wort, ein derb zusammen gedrehetes kolbiges Bund gehechelten Flachses zu bezeichnen, welches im Hoch- und Oberdeutschen auch eine Kaute, ingleichen eine Keiste oder Kiste genannt wird; im Osnabrück. eine Dysse. Entweder von der dicken, kolbigen Gestalt des einen Endes, so daß dieses Wort zu Knöchel, Knochen und Nocke gehöret, oder auch in Beziehung auf die Verbindung, auf das Zusammendrehen. Im Hebr. ist Chnock zusammen schnüren. Ein grober Mehlkloß wird im Ital. Gnocco genannt.


Knödel (W3) [Adelung]


Das Knödel, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden. 1) Die Klöße, so fern sie eine Speise sind, führen im Oberdeutschen den Nahmen der Knödel, und wenn sie groß und fest sind, der Knoten. Im Böhm. Knedlik. 2) An andern Orten werden die getrockneten oder gebackenen Holzbirnen, welche in einigen Gegenden Hutzeln heißen, Knödel genannt. In beyden Fällen von der Gestalt. S. Knoten.


Knollen (W3) [Adelung]


Der Knollen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Knöllchen, eine unförmliche feste und rundliche Erhöhung von beträchtlicher Größe; ingleichen ein großes unförmliches Stück. So werden große Beulen an den thierischen Körpern, harte Geschwüre, zuweilen auch die Knöchel an Händen und Füßen, besonders wenn sie von ungewöhnlicher Größe sind, Knollen genannt. Ein Knollen Brot, ein großes unförmliches Stück Brot. Ein Knollen Wachs oder Salz, eine unförmliche Masse. Ein Knollen Holz, ein unförmliches Aststück. Im Bergbaue führen die noch nicht ausgepauschten alten Schlacken den Nahmen der Knollen. Figürlich und in der niedrigen Sprechart wird auch wohl ein grober ungeschickter Mensch ein grober Knollen genannt.

Anm. Oft nur Knoll, im Nieders. Knulle, im Dän. Knold, im Schwed. Knula, Knöl, im Angels. Cnolle, welches auch so wie Hnol, den Scheitel des Kopfes bedeutet, im Ital. Zollo. Ohne Gaumenlaut ist Nollo bey dem Ottfried und im Tatian so wohl der Gipfel eines Berges, als auch ein Hügel, welche letztere Bedeutung auch das Engl. Knoll hat. Bey den Schwäbischen Dichtern sind Knollen grobe Einfälle, und das Nieders. Knulle bedeutet auch eine fehlerhafte große Falte, ( S. Knüllen.) Knauel, Knorre und andere dieses Geschlechtes sind genau damit verwandt.


Knollen (W3) [Adelung]


Knollen, verb. reg. act. welches nur bey den Brätzelbäckern üblich ist. Den Teig knollen, ihn, wenn er zerbröckelt worden, wieder zu einer zusammen hangenden Masse kneten.


Knollenkraut (W3) [Adelung]


Das Knollenkraut, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des wilden Süßholzes, Astragalus Glycyphyllos L. vermuthlich wegen seiner knolligen Wurzel, um welcher willen es auch Knollenwurz heißt.


Knollig (W3) [Adelung]


Knollig, -er, -ste, adj. et adv. Knollen habend, ingleichen figürlich einem Knollen ähnlich. Eine knollige Wurzel.


Knollsucht (W3) [Adelung]


Die Knollsucht, plur. inus. eine Krankheit der Menschen, wo aus üblen Säften Knollen an den Knochen entstehen. In engerer Bedeutung ist es eine Art der Englischen Krankheit, wo sich Knoten an die Wirbelbeine des Rückens der Kinder setzen; Spina dorsi.


Knopf (W3) [Adelung]


Der Knopf, des -es, die Knöpfe, Diminut. das Knöpfchen, Oberd. Knöpflein. Es bedeutet überhaupt eine jede Kugel, besonders kleinerer Art, und in weiterer Bedeutung einen kleinern rundlichen Körper, besonders so fern er sich auf dem Gipfel, oder an dem Ende eines andern Dinges befindet; ist aber durch den Gebrauch größten Theils auf einige besondere Fälle eingeschränket worden. So führet die hohle Kugel auf den Spitzen der Thürme und Gebäude den Nahmen des Knopfes, ohne Zweifel, so fern sie von unten klein zu seyn scheinet. Der Knopf an einem Degengefäße, der Degenknopf; an einem Stocke, der Stockknopf; an einer Stecknadel, der nadelknopf; am Sattel, der Sattelknopf u. s. f. Im Oberdeutschen werden auch die Knospen des Gewächsreiches Knöpfe, im Niedersächs. aber Knobben, Knubben genannt, Schwed. Knopp. Eben daselbst heißen auch die eßbaren Klöße, wenigstens in einigen Gegenden, Knöpfe und Knöpflein. Der Bisamknopf ist eine Bisambüchse in Gestalt einer kleinen Kugel. In der Pflanzenlehre der Neuern ist der Knopf diejenige Art der Blüthen, wo die Blumen in runder oder halb runder Gestalt gedrängt an einander sitzen; Verticillus L. zum Unterschiede von den Dolden, Büscheln, Ähren, Trauben, Straußen u. s. f. Auch ein Knoten in einem Faden führet in einigen Gegenden den Nahmen des Knopfes, wo es aber auch zunächst von knüpfen entstanden seyn kann. Am häufigsten ist dieses Wort von den runden oder halb runden Körpern an den Enden der Kleider, dieselben dadurch vermittelst der Knopflöcher an einander zu befestigen. Ein Kleid mit seidenen, goldenen, messingenen Knöpfen. Gesponnene, gestickte, gegossene Knöpfe u. s. f. da denn auch der Nahme bleibt, wenn gleich die veränderliche Mode die Gestalt dieser Knöpfe auf tausenderley Art umschaffet. Hemdeknöpfe, ähnliche Knöpfe das Hemd damit zuzuknöpfen.

Anm. Im Nieders. Knoop, im Schwed. Knapp, im Engl. Knob, im Dän. Knap, im Angels. Cnaep, welches aber auch den Gipfel eines Berges bedeutet. Der Hauptbegriff ist auch hier die runde oder rundliche Erhabenheit. ( S. Knauf, Noppen, Knopper, Knöchel, Knollen, Knospe, Knoten und hundert andere dieses Geschlechtes.) Im Nieders. ist Knobbe, Knubbe, ein Knorren, im Paderbornischen Knapp ein Hügel, und im Isländ. gnipa hervor ragen, erhaben seyn.


Knopfdraht (W3) [Adelung]


Der Knopfdraht, des -es, plur. doch nur von mehrern Quantitäten oder Arten, die -e, bey den Nadlern, derjenige Draht, aus welchem die Knöpfe der Stecknadeln verfertiget werden.


Knöpfeln (W3) [Adelung]


Knöpfeln, verb. reg. act. bey den Näherinnen, kleine künstliche Knöpfe oder Knoten in dem Genähe verfertigen; knöteln. Das geknöpfelte, oder geknötelte Genähe.


Knöpfen (W3) [Adelung]


Knöpfen, verb. reg. act. vermittelst der an einem Kleidungsstücke befindlichen Knöpfe befestigen; am häufigsten in den Zusammensetzungen abknöpfen, anknöpfen, aufknöpfen, zuknöpfen.


Knopfgießer (W3) [Adelung]


Der Knopfgießer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Gürtler, welche allein weiß oder von Tombak gießen, und vornehmlich Kleiderknöpfe, Schnaller u. s. f. verfertigen.


Knopfhammer (W3) [Adelung]


Der Knopfhammer, des -s, plur. die -hämmer, bey den Goldschmieden, ein Hammer, welcher an beyden Enden knorrig ist, flache Dinge bucklig damit heraus zu treiben.


Knopfholz (W3) [Adelung]


Das Knopfholz, des -es, plur. die -hölzer, bey den Nadlern, ein Holz an dem Knopfrade, zwischen dessen Stiften der Knopfdraht von der Giebe auf das Spinnrad geleitet wird.


Knopfloch (W3) [Adelung]


Das Knopfloch, des -es, plur. die -löcher, ein eingefaßtes langes Loch in den Kleidungsstücken, wodurch der Knopf gehet, die Öffnungen oder Enden eines Kleides zu verschließen oder zu befestigen.


Knopfmacher (W3) [Adelung]


Der Knopfmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher allerley gesponnene Kleiderknöpfe verfertiget.


Knopfnadel (W3) [Adelung]


Die Knopfnadel, plur. die -n, eine Nadel mit einem Knopfe welche am häufigsten Stecknadel heißt; zum Unterschiede von einer Nähnadel.


Knopfrad (W3) [Adelung]


Das Knopfrad, des -es, plur. die -räder, bey den Radlern, ein Rad, den Knopfdraht zu kleinen Röllchen darauf zu spinnen.


Knopfregal (W3) [Adelung]


Das Knopfregal, im Orgelbaue, S. Apfelregal.


Knopfrose (W3) [Adelung]


Die Knopfrose, plur. die -n, eine Art gemeiner Gartenrosen, welche einen dicken Knopf hat, und deren rothe Farbe in das Schwärzliche fällt, daher sie auch Kohlrose genannt wird.


Knopfschere (W3) [Adelung]


Die Knopfschere, plur. die -n, bey den Nadlern, eine Schere, den Draht zu den Knöpfen der Stecknadeln damit abzuschneiden.


Knopfseide (W3) [Adelung]


Die Knopfseide, plur. inus. bey den Knopfmachern, diejenige Seide, woraus die seidenen Kleiderknöpfe gesponnen werden.


Knopfspindel (W3) [Adelung]


Die Knopfspindel, plur. die -n, bey den Nadlern, derjenige Draht, worüber der Knopfdraht gesponnen wird, und welcher so dick ist, als der Schaft der Nadel.


Knopfspinner (W3) [Adelung]


Der Knopfspinner, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, derjenige Arbeiter, welcher die Knöpfe zu den Stecknadeln verfertiget.


Knopfstein (W3) [Adelung]


Der Knopfstein, des -es, plur. die -e. 1) Ein schwärzliches Geschiebe bey den Eisenwerken im Barenthischen, woraus die schwarzen steinernen Kleiderknöpfe verfertiget werden. 2) Im gemeinen Leben, eine Benennung der kleinen runden Echiniten.


Knopper (W3) [Adelung]


Die Knopper, plur. die -n, ein besonders in Österreich und Ungarn bekanntes Wort, diejenige Art Galläpfel zu bezeichnen, welche durch den Stich der Gallwespe in den jungen Kelch der Eichel entstehen. Sie sind in den Ungarischen Wäldern sehr häufig, und werden den gemeinen Galläpfeln, welche sich auf den Eichenblättern erzeugen, vorgezogen. Der Nahme beziehet sich auf die runde Gestalt. S. Knopf.


Knoppereisen (W3) [Adelung]


Das Knoppereisen, des -s, plur. inus. auf den Eisenhämmern, eine Art des Stangeneisens, welches knöpfig geschmiedet, d. i. mit Knorren und flachen Kerben versehen, und von den Nagelschmieden gebraucht wird. Es führet auch den Nahmen des Krauseisens. Daher der Knopperhammer, so wohl der kleine Hammer mit einer stumpfen Schärfe, vermittelst dessen dieses Eisen bereitet wird, als auch die Hütte oder Anstalt, wo Knoppereisen geschmiedet wird; das Knopperstück, ein einzelnes Stück Knoppereisen.


Knorpel (W3) [Adelung]


Der Knorpel, des -s, plur. ut nom. sing. ein beinartiges, nur nicht so hartes, weißes, sehr elastisches Wesen in den thierischen Körpern, in und aus welchem die Knochen erzeuget und gebildet werden: Cartilago. Der Knorpel am Halse, siehe Adamsapfel. Im Nieders. Knurbelknaken, Knubberknaken, Krusperknaken, im Oberd. Knarpel, Knorspel, Kruspel, Kraspel, Karspel, Krußbein, Karsch, in und um Lübeck Gnuß, im Angels. Crisile, im Holländ. Knorbeen; alle von dem Schalle, welchen diese Theile machen, wenn sie mit den Zähnen zerbissen und gekauet werden, welchen Schall man durch knarpeln, knorpeln, kraspeln, kruspeln u. s. f. ausdruckt. Luthers Knörpel, 3 Mos. 8, 23, 24, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Knorpelfisch (W3) [Adelung]


Der Knorpelfisch, des -es, plur. die -e, in der Naturgeschichte, eine allgemeine Benennung aller derjenigen Fische, welche nicht durch Kiemen, sondern durch besondere Lungen Athem hohlen, und dabey die Luft durch Seitenlöcher einziehen, weil sie zugleich statt der Gräthen Knorpel haben; zum Unterschiede so wohl von den Wallfischen, als auch von den mit Kiemen versehenen Fischen.


Knorpelicht (W3) [Adelung]


Knorpelicht, -er, -ste, adj. et adv. einem Knorpel ähnlich. Knorpelig, Knorpel, und in engerer Bedeutung, viele Knorpel enthaltend. Im gemeinen Leben knarpelicht, keuspelig, kraspelicht u. s. f.


Knorpeln (W3) [Adelung]


Knorpeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, S. Knorpel.


Knorren (W3) [Adelung]


Der Knorren, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Knörrchen, eine Benennung verschiedener fester rundlicher Hervorragungen so wohl, als eines unförmlichen rundlichen harten Körpers. Die hervor ragenden Knöchel an den Füßen werden häufig Knorren genannt, und im gemeinen Leben bekommen diesen Nahmen oft auch die Knöchel an den Fingern. Ein hervor ragender Überrest von einem Aste in dem Holze, heißt ein Knorren. Ein Knorren Brot ist ein großes unförmliches Stück; ein Knollen. Die großen unförmlichen Aststücke unter dem gehauenen Brennholze heißen so wohl Knorren, als Knollen, und im Nieders. Knubben. Sehr harte große Geschwüre werden auch wohl Knorren, noch häufiger aber Knollen genannt. Die Knorren an einem Rohre, an den Strohhalmen, die rundlichen Absätze, welche am häufigsten Knoten genannt werden. Bey den Goldschmieden ist der Knorren ein Einsetzeisen mit einer gewölbten Bahn.

Anm. Im Dän. Knort, im Engl. Knur und Gnar, Knollen und Knorren sind sehr genau verwandt, und da l und r so leicht in einander übergehen, so kann gar wohl eines aus dem andern entstanden seyn. Indessen druckt doch Knorre wegen seines doppelten r eigenltich einen harten Knollen aus, womit auch der Gebrauch so ziemlich überein kommt.


Knorricht (W3) [Adelung]


Knorricht, -er, -ste, adj. et adv. einem Knorren ähnlich. Knorrig, Knorren enthaltend. Knorriges Holz. Ein knorriger Prügel. Im Schwedischen ist knorrlig zotig, von den Haaren.


Knospe (W3) [Adelung]


Die Knospe, plur. die -n, Diminut. das Knöspchen, Oberd. Knösplein, die rundlichen Knöpfe oder Knoten in dem Gewächsreiche, worin so wohl die jungen Blätter, als auch die jungen Blumen verschlossen und gleichsam eingewickelt liegen. Die Knospen der Blätter werden auch Augen genannt, im Oberd. Knoten, Knöpfe, Brossen, Butzen. Im Frühlinge, wenn die Bäume Knospen bekommen. Sieh wie die Rose aus der Knospe sich drängt. Seyd willkommen liebliche Blumen umher, gestern waret ihr Knospen, jetzt stehet ihr offen da! Geßner. Erstickt ein Reif der Liebe zarten Keim In ihrer Knospe schon? Weiße.

Anm. Im Nieders. Knobbe, im Engl. Knob, im Dän. Knop, im Schwed. Knopp. Es ist aus Knopf gebildet, durch den Gebrauch aber auf die gedachten Arten der Knöpfe des Gewächsreiches eingeschränket worden.


Knospen (W3) [Adelung]


Knospen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Knospen bekommen oder treiben. Die Bäume knospen schon. Im Oberd. knopfen.


Knospicht (W3) [Adelung]


Knospicht, -er, -ste, adj. et adv. welches nur im Bergbaue üblich ist. Knospichtes Glaserz, welches auf seiner Oberfläche Knospen, d. i. rundliche Erhöhungen hat.


Knöteln (W3) [Adelung]


Knöteln, verb. reg. act. kleine Knoten machen, besonders im Nähen, S. Knöpfeln.


Knoten (W3) [Adelung]


Der Knoten, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Knötchen, Oberd. Knötlein, Knötel. 1. Überhaupt, eine jede runde oder rundliche, gemeiniglich irreguläre feste Erhöhung an einem Körper, ingleichen ein rundlicher irregulärer harter Körper selbst; beydes am häufigsten in gewissen einzelnen, einmahl eingeführten Fällen, besonders von runden harten Auswüchsen des Thier- und Pflanzenreiches. Harte Geschwüre in und auf der Haut werden so wohl Knoten als Knollen genannt, welchen Nahmen auch der Knöchel am Fuße in einigen Gegenden führet. An den Halmen der Grasarten und an dem Rohre sind die Knoten die rundlichen Absätze, welche die Schüsse von einander absondern, und an einem Stabe sind es die hervor ragenden Überbleibsel der Äste und Zweige, welche an einem Baume, wenn sie groß und sehr fest sind, Knorren heißen. Daher ist ein Knotenstock oder knotiger Stock ein mit solchen Knoten versehener Stock. Die Samenkapseln des Flachses oder Leines sind in Ober- und Niederdeutschland nur unter dem Nahmen der Knoten bekannt; Nieders. Knutten. Der Flachs hatte Knoten gewonnen, 2 Mos. 9, 31. Und im Oberdeutschen führen diesen Nahmen auch die Augen des Gewächsreiches, welche im Hochdeutschen Knospen genannt werden. Der Feigenbaum hat Knoten gewonnen, Hohel. 2, 13. Im Weinbaue sind die Knoten oder das Knotholz die zur Fortpflanzung abgeschnittenen Reben, entweder, weil sie aus den Knoten, d. i. rundlichen Erhöhungen, unten am Stamme heraus wachsen, oder auch, weil sie nahe an einem Knoten oder Absatze abgeschnitten werden, und auch Schnittlinge, Schnittholz heißen. Die zurück gebliebenen Enden führen gleichfalls den Nahmen des Knoten, sonst aber auch der Stürzel und Schenkel. Indessen stehet es dahin, ob es in diesen beyden Bedeutungen nicht zu einem andern Stamme gehöret, entweder zu schneiden, welches ohne Zischlaut chneiden, kneiden lautet, oder auch zu Knüttel. Im Oberdeutschen werden so wohl die wilden Holzbirnen, besonders wenn sie getrocknet worden, als auch die Klöße, so fern sie eine Speise sind, Knoten, Knötlein, Knotel und Knödel genannt, S. das letztere. In den Zinnbergwerken sind die Knötel Zwitter, oder Zinnsteinstufen in der Größe der Tauben- und Hühnereyer, zum Unterschiede von den kleinern Graupen. 2. In engerer Bedeutung ist der Knoten an dünnen biegsamen Körpern eine feste rundliche Erhöhung, welche entstehet, wenn man den Körper als eine Schlinge rund gebogen hält, das Ende hindurch steckt, und ihn sodann zusammenziehet. 1) Eigentlich. Dergleichen Knoten pflegen die Näherinnen am Ende eines Fadens zu machen, damit er im Nähen nicht durchfahre. Einen Knoten machen, auflösen. Knoten in einem Stricke, in einem Bindfaden machen. Bey den Nähterinnen sind die Knötchen eine Art des Ausnähens, wo sich die Stiche in einem kleinen Knoten vereinigen, welche Art zu nähen knöteln und in einigen Gegenden knöpfeln genannt wird. In den Perrucken sind die Knoten lange Zöpfe an dem Hintertheile, deren jeder in einen einfachen Knoten aufgeschürzet worden, ( S. Knotenperrucke.) Besonders dienen die Knoten dieser Art, zwey Fäden oder ähnliche biegsame Körper mit einander zu verbinden, ( S. Kreuzknoten, Weberknoten.) Einen Knoten schlagen oder schürzen, d. i. machen. 2) Figürlich. (a) In der Astronomie werden die beyden Puncte in der Elliptik, in welchen die erweiterte Bahn des Planetens sie durchschneidet, nach dem Muster des Latein. Nodus, Knoten genannt. Der aufsteigende Knoten, Nodus ascendens, wenn der Planet über die Elliptik in die nördlichen Zeichen tritt. Der fallende oder niedersteigende Knoten, Nodus descendens, wenn er unter die Elliptik in die südlichen Zeichen steiget. Bey dem Mond wird jener der Drachenkopf, und dieser der Drachenschwanz genannt. (b) Ein Hinderniß, dessen Hebung schwer und ungewiß ist. Das Ding hat einen Knoten. Das ist der Knoten. Das ist ein harter Knoten. Einen Knoten auflösen, das Hinderniß aus dem Wege räumen. Auch ein Hinderniß der Erkenntniß, der Überzeugung wird ein Knoten genannt. Ein Zweifelsknoten. Jemanden den Knoten auflösen, ihm die Sache erklären, ihm den Zweifel heben. In einem Schauspiele, Heldengedichte, erdichteten Geschichte und so ferner sind die Knoten die vorgeworfenen Hindernisse, welche dem gehofften Ausgange widerstehen, und welche auch die Verwickelung genannt werden.

Anm. 1. Knorren, Knollen und andere verwandte Wörter haben theils den Nebenbegriff einer beträchtlichen Größe, theils des Unförmlichen. Knoten kann von allen Arten der Größe gebraucht werden, hat aber doch den Nebenbegriff des Irregulären, daher es in folgenden biblischen Stellen, dem Hochdeutschen Sprachgebrauche nach, nicht an seinem rechten Orte stehet. Inwendig war das Haus eitel Cedern mit gedrehten Knoten und Blumenwerk, 1 Kön. 6, 18. Der Knoten (am ebernen Meere) waren zwo Reigen gegossen, Kap. 7, 24; 2 Chron. 4, 3; wo ohne Zweifel Knöpfe oder Knäufe zu verstehen sind. Im gemeinen Leben der Hochdeutschen lautet es, so wie viele andere Wörter auf en, nur Knote, des -ns, u. s. f.

Anm. 2. Im Nieders. Knutte, wo auch knutten knüpfen, und knütten stricken ist, im Angels. Cnotta, Cnyt. im Engl. Knot, im Dän. Knude, im Schwed. Knut, im Böhm. Knot, im Latein ohne Gaumenlaut Nodus, im Ital. Nodo. Es ist mit Knothen, Knopf, Knauf, Knollen, Knorren, und den übrigen dieses Geschlechtes, welche nur in den Ableitungslauten verschieden sind, genau verwandt. Das Hebr. Ganad, knüpfen, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . nähen, und das Lat. nectere, gehören gleichfalls dahin. Im Schwed. ist Knota und im Isländ. Hnota der Knochen, und in der letztern Sprache Hualt und Hnottur eine kleine Kugel. S. auch Knüttel.


Knotenfisch (W3) [Adelung]


Der Knotenfisch, des -es, plur. die -e, eine Art des Wallfisches in den nördlichsten Gewässern, welcher dem Grönländischen Wallfische gleicht, aber weißes Fischbein, und sechs Knoten oder Höcker auf dem Rücken hat.


Knotenmos (W3) [Adelung]


Das Knotenmos, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Art des Moses, dessen Büchse auf einem Faden ruhet, welcher aus einem Knoten an der Spitze des Stängels oder der Äste entspringet; Bryum L.


Knotenperrucke (W3) [Adelung]


Die Knotenperrucke, plur. die -n, eine Perrucke, mit langen Zöpfen über dem Rücken, deren jeder in einen Knoten aufgeschürzet ist; eine geknüpfte Perrucke.


Knotenspreu (W3) [Adelung]


Die Knotenspreu, plur. inus. in der Landwirthschaft, die Spreu von den Flachsknoten; in weiterer Bedeutung auch von dem Heidekorne oder dem Buchweizen.


Knotenstock (W3) [Adelung]


Der Knotenstock, des -es, plur. die -stöcke, S. Knoten 1.


Knotenwurz (W3) [Adelung]


Die Knotenwurz, plur. inus. 1) In einigen Gegenden, ein Nahme der knotigen Braunwurz, Scrophularia nodosa L. welche wegen ihrer Wirkung wider die Feigwarzen auch Feigwarzenkraut genannt wird.


Knöterich (W3) [Adelung]


Der Knöterich, des -s, plur. inus. ein Unkraut, welches auf den Äckern wächset, ein gutes Futterkraut abgibt, und seinen Nahmen von den mit Knoten versehenen Stängeln hat, von welchen es an einigen Orten auch Knebel oder Knöbel genannt wird. Spergula L. Spark, Dän. Kniegras, Knödrede.


Knotholz (W3) [Adelung]


Das Knotholz, des -es, plur. inus. im Weinbaue, siehe Knoten 1.


Knotig (W3) [Adelung]


Knotig, -er, -ste, adj. et adv. mit Knoten versehen. Ein knotiger Stock, ein Knotenstock. Ein knotiger Strick. Schwed. knottrig.


Knuck (W3) [Adelung]


Knuck und Knucks, zwey in den gemeinen Sprecharten übliche Wörter, eine Art eines Schalles auszudrucken, welcher mit knack und knacks verwandt, aber die gröbste Art dieses Schalles ist, so wie knick und knicks die feinste Art ausdruckt. Nieders. Knuk, Gnuk, Engl. Knock. Daher das Angels. cnocian, cnucian, Engl. to knock, auf eine Art schlagen, daß dieser Schall daraus entstehe, womit das in den gemeinen Mundarten übliche knöchen, schlagen, stoßen, quälen, verwandt ist.


Knüllen (W3) [Adelung]


Knüllen, verb. reg. act. grobe ungestaltete oder fehlerhafte Falten machen, besonders in dem zusammen gesetzten zerknüllen. Ein Kleid knüllt sich, wenn man sich ohne Behuthsamkeit darauf setzt. Im Oberdeutschen bedeutet es auch, in Knollen, d. i. grobe Stücke, zerreiben. Eine Masse Salz knüllen. Siehe Knollen.


Knüpfen (W3) [Adelung]


Knüpfen, verb. reg. act. einen Knopf, oder vielmehr Knoten machen, und dadurch befestigen, oder verbinden. Einen Knoten knüpfen. Eine Perrucke knüpfen, einen Knoten darein schlagen. Eine geknüpfte Perrucke, eine Knotenperrucke. Einen Strick zusammen knüpfen. Einen Seil in das Fenster knüpfen, Jos. 2, 18, 21. Das Schildlein mit einer Schnur an die Ringe des Leibrockes knüpfen. 2 Mos. 28, 28. Ein Band an das andere knüpfen. Ich hatt' ihn zwar gefangen, Und an ein Band geknüpft, Gell. Ingleichen figürlich, genau vereinigen. Die Bande der Verwandtschaft werden von der Natur geknupft, Gell. Der natürliche Trieb der Kreatur, mit ähnlichen Kreaturen zu leben, hat die Bande der Gesellschaft geknüpft, Zimmerm. Daher die Knüpfung.

Anm. Bey dem Ottfried und Notker chnupfen, im Nieders. knuppen. Es stammet von Knopf her, so fern es ehedem auch einen Knoten in engerm Verstande bedeutete, von welchem letztern Worte die Niedersachsen ihr knutten und knütten, knüpfen, stricken u. s. f. haben, Angels. cnittan, Engl. to knit. Im gemeinen Leben ist auch das Diminut. knüpfeln, Nieders. knüppeln üblich, kleine Knoten machen.


Knüppel (W3) [Adelung]


Der Knüppel, des -s, plur. ut nom. sing. ein im gemeinen Leben für das anständigere Knüttel übliches Wort, ein längliches, dickes, rundes Stück Holz zu bezeichnen. Dem Hunde einen Knüppel anhängen, einen Klöppel oder Knüttel. Runde aus Ästen gehauene und nicht gespaltene Stücke Brennholzes sind unter dem Nahmen Knüppel, Klöppel oder Knüttel bekannt. Besonders so fern ein solches Stück Holz zum Schlagen dienet. So pflegen die Tischler, die Steinmetzen, die Bildhauer ihre hölzernen mit einem Stiele versehenen Schlägel Knüppel zu nennen.

Anm. In der engern Bedeutung, wo die Endung -el ein Werkzeug bedeutet, scheinet es zunächst von dem in mehrern Sprachen befindlichen knob, knupp, schlagen, stoßen, abzustammen, wovon man in den niedrigen Sprecharten die Zeitwörter knüffel, knüllen, knugen u. s. f. in eben diesem Verstande hat. Indessen kann es auch überhaupt zu Knop, Knup und den übrigen dieses Geschlechtes gehören, und ein kurzes dickes unförmliches Holz überhaupt bedeuten.


Knurren (W3) [Adelung]


Knurren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches einen mit knarren verwandten Schall, der aber von gröberer Art ist, nachahmet, diesen Schall hervor bringen. Am häufigsten gebraucht man es im gemeinen Leben im figürlichen und gemeiniglich verächtlichen Verstande für murren, murrend tadeln, seinen Unwillen durch Murren an den Tag legen. Den ganzen Tag knurren. Es wird auch gnurren, gnarren, knorren geschrieben und gesprochen, Nieders. knurren, gnarren, gnur- ren, im Dän. kurre, in Engl. to gnar. Daher im gemeinen Leben knurrig, murrend, mürrisch, und Gnurrtopf, Gnurrkater, ein mürrischer Mensch. In Obersachsen hat man von diesem Zeitworte, aber ohne Gaumenlaut, das Diminutivum nörgeln.


Knute (W3) [Adelung]


Die Knute, plur. die -n, eine noch in Rußland übliche Peitsche mit vielen dünnen Stricken, deren jeder mit vielen Knoten versehen ist, wovon sie den Nahmen hat; die Knutpeitsche. Die Knute geben, mit derselben züchtigen, auch knuten. Die Knute bekommen.


Knüttel (W3) [Adelung]


Der Knüttel, des -s, plur. ut nom. sing. ein in der anständigern Schreibe- und Sprechart für Knüppel übliches Wort. Dem Hunde einen Knüttel anhängen, auch ihn knütteln. Der Knüttel liegt immer bey dem Hunde, sagt man von jemanden, der durch unüberwindliche Hindernisse aufgehalten wird. Besonders ein kurzes dickes Holz, so fern es ein Werkzeug des Schlagens ist. Einem bösen Knechte gehöret der Knüttel, Sir. 33, 27. Es reget keines eher einen Fuß bis nicht der Knittel (Knüttel) hinter drein ist, Weiße. Wer Vögel fangen will, muß nicht mit Knütteln unter sie werfen.

Anm. Im Nieders. Knuppel, Knüppel, im Pohln. Knutel. S. Knoten.


Knüttelholz (W3) [Adelung]


Das Knüttelholz, des -es, plur. inus. aus Knütteln, d. i. ungespaltenen Ästen, bestehendes Brennholz; Knüppelholz, Klöppelholz.


Knüttelvers (W3) [Adelung]


Der Knüttelvers, des -es, plur. die -e, ein Nahme der vor Opitzens Zeiten üblichen kurzzeiligen Verse, besonders so fern sie ohne dichterische Schönheit gemeiniglich aus platter holperiger gereimter Prose bestanden; daher man in weiterer Bedeutung auch wohl ein jedes solches schlechtes Gedicht, besonders wenn die gewöhnliche Folge der Wörter darin aus den Augen gesetzet wird, ein Knüttelgedicht, und die Verse, woraus es bestehet, Knüttelverse zu nennen pfleget. Entweder von den kurzen, holperigen, gemeiniglich vierfüßigen Zeilen, oder auch von den Knoten oder Holpern, d. i. Fehlern wider die gewöhnliche Folge der Wörter.


Koax (W3) [Adelung]


Koax, ein Wort, welches das Geschrey der Frösche nachahmet. Die Frösche machen auch sich lustig an der Bach, Und ihr Coax, Coax, gibt keinem Vogel nach, Opitz. Daher koaxen, koax schreyen, Ital. coazzare. S. Quäken.


Kobalt (W3) [Adelung]


Der Kobalt, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein im Bergbaue und der Mineralogie übliches Wort, wo es verschiedene Producte des Mineralreiches bezeichnet. 1) Der Galmey ist in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden unter dem Nahmen des Kobaltes bekannt. 2) Am häufigsten ist der Kobalt ein Halbmetall, welches von allen Farben angetroffen wird, im Schmelzen einen weißglänzenden spröden König, ( S. Kobaltspeise,) und eine unmetallische Erde gibt, aus welcher mit Sand und Alkali die so bekannte Smalte oder blaue Farbe bereitet wird, daher er auch der Farbenkobalt genannt wird; Cadmia metallica. ( S. Glanzkobalt, Rußkobalt, Schlackenkobalt, Scherbenkobalt.) In der engsten Bedeutung ist in den Blaufarbenwerken Kobalt oder Blaufarbe, das aus der Erde des Kobaltes bereitete dunkelblaue Glas; zum Unterschiede von dem blassern, welches Äschel oder Eschel genannt wird. 3) In weiterer Bedeutung werden auch solche Mineralien, welche dem jetzt gedachten Kobalte gleichen, aber entweder keine färbende, oder doch keine arsenikalische und regulinische Theile haben, Kobalte, bestimmter aber unvollkommene oder unechte Kobalte genannt. 4) In noch weiterer Bedeutung heißt bey den Bergleuten oft alles Kobalt, was im Schmelzen kein Metall gibt, nach Schwefel und Arsenik riecht und andere Metalle raubt oder spröde macht.

Anm. Im gemeinen Leben oft Kobelt, Kobold, welches doch ein anderes Ding ist, im Dän. Kobolt, im Engl. Cobalt.


Kobaltbeschlag (W3) [Adelung]


Der Kobaltbeschlag, des -es, plur. inus. eben daselbst, ein gemeiniglich blaßrothes, zuweilen aber auch weißes, gelbes und grünes Pulver auf den Kobalterzen, welches eine anfangende Verwitterung derselben ist; Ochra Cobalti.


Kobaltblumen (W3) [Adelung]


Die Kobaltblumen, sing. inus. eben daselbst, ein zarter strahliger oder krystallinischer Auswuchs auf den kobaltischen Erzen, welcher auf der Oberfläche purpurfarbig, inwendig aber grau aussiehet; Flos Cobalti, Kobaltblüthe.


Kobaltdruse (W3) [Adelung]


Die Kobaltdruse, plur. die -n, ein drusig gewachsenes Stück Kobalterz.


Kobalterde (W3) [Adelung]


Die Kobalterde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, Erdarten, welche Kobalt enthalten, Kobalterz in Gestalt einer Erde.


Kobalterz (W3) [Adelung]


Das Kobalterz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein Erz, d. i. eine Steinart, so fern ihr Hauptgehalt Kobalt ist; Minera Cobalti.


Kobaltgang (W3) [Adelung]


Der Kobaltgang, des -es, plur. die -gänge, ein Gang, in welchem Kobalt bricht oder gebrochen wird.


Kobaltisch (W3) [Adelung]


Kobaltisch, adj. et adv. dem Kobalte ähnlich, ingleichen Kobalt enthaltend.


Kobaltkönig (W3) [Adelung]


Der Kobaltkönig, des -es, plur. die -e, S. Kobaltspeise.


Kobaltmulm (W3) [Adelung]


Der Kobaltmulm, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, Kobalt in Gestalt eines Mulmes, ein zu einer zarten Erde aufgelöseter Kobalt, welcher gemeiniglich schwarz, oft aber auch blau und von andern Farben ist.


Kobaltnapf (W3) [Adelung]


Der Kobaltnapf, des -es, plur. die -näpfe, auf dem Harze, ein kugelförmiges, sehr arsenikalisches und silberhaltiges Erz, welches keine färbende wohl aber eisenschüssige Theile enthält, und weil es den Silbergehalt raubet, auch Raubkobalt genannt wird. Den Nahmen Napf hat es von der runden Gestalt.


Kobaltspeise (W3) [Adelung]


Die Kobaltspeise, plur. die -n, die Speise, d. i. der Regulus, welcher sich bey Schmelzung des Kobalterzes auf den Boden setzet; der Kobaltkönig, Regulus Cobalti. Siehe Speise und König.


Kobaltspiegel (W3) [Adelung]


Der Kobaltspiegel, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Sächsischen Erzgebirge zu Annaberg, ein Kobalterz, welches eine glänzende silberfarbene Oberfläche hat; S. Glanzkobalt.


Kobaltstufe (W3) [Adelung]


Die Kobaltstufe, plur. die -n, ein Stück Kobalterz, siehe Stufe.


Kobaltzeche (W3) [Adelung]


Die Kobaltzeche, plur. die -n, eine Zeche, in welcher Kobalt bricht, wo auf Kobalt gebauet wird.


Kobel (W3) [Adelung]


* Der Kobel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in den gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes, übliches Wort, wo es überhaupt so wohl eine Erhöhung, als auch den damit verbundenen Begriff einer Vertiefung oder Bedeckung hat. 1) In einigen Gegenden ist der Kobel, oder Taubenkobel, ein Taubenschlag. Der Raum oder das Behältniß in den Kutschen unter den Füßen heißt in einigen Gegenden der Kobel, und in andern wird ein bedeckter Wagen, eine Kutsche oder Kammerwagen, ein Kobelwagen oder Hobelwagen genannt. Der Siechkobel bey Nürnberg ist ein kleines Gebäude, in welchem aussätzige Weibespersonen unterhalten werden. ( S. Koben.) 2) Am Oberrheine ist der Kobel ein Kopfzeug oder Aufsatz des weiblichen Geschlechtes, im Holländ. Kovel, in welcher Bedeutung es mit Haube so wohl der Abstammung als Bedeutung nach überein kommt.


Kobellerche (W3) [Adelung]


Die Kobellerche, S. Haubenlerche.


Kobelmeise (W3) [Adelung]


Die Kobelmeise, S. Haubenmeise.


Kobelzeucher (W3) [Adelung]


Der Kobelzeucher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Grebe.


Koben (W3) [Adelung]


Der Koben, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches überhaupt einen hohlen Raum, ein hohles Behältniß bedeutet, und noch in verschiedenen Fällen gebraucht wird, so wohl ein kleines enges Gebäude, als auch ein kleines niedriges Zimmer zu bezeichnen. In der Landwirthschaft, besonders Niedersachsens, ist der Koben oder Schweinskoben ein besonders gebaueter, oder an einem andern Gebäude angebaueter Schweinstall, besonders ein solches erhöhetes Gebäude, Schweine darin zu mästen. Kälberkoben, ein Beschlag in einer Ecke, Kälber darein zu stallen; in der Lausitz Koe. Im Oberd. ist der Kobel ein Taubenhaus, Engl. Pidgeons Cove.

Anm. Im Nieders. Kave, Kaven. Es gehöret zu dem großen Geschlechte derjenigen Wörter, welche einen hohlen Raum, cavum, bezeichnen, und so wohl mit dem Blase- als andern Ableitungslauten, in der Deutschen und den verwandten Sprachen sehr zahlreich sind. Im Schwed. ist Kofwa eine Hütte, Angels. Cofa, Cofe, Isländ. Kofe. Im Wallach. ist Guba das Ofenloch, in Böhm. Kowarna ein Gebäude, eine Werkstätte, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - eine Grippe, im Franz. Gavon eine kleine Kammer im Hintertheile des Schiffes, im Alban. Koba ein Topf, im mittlern Lat. Gabia ein Käfich, Cova und Cuva eine Höhle. ( S. Kaue, Kabuse, Käfich, Kobel, Kober, Koffer, Kübel, Kufe, Kopf, Haube, Kiefe, Keubel, Schoppen, und andere mehr.) Die Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, verbergen, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bedecken, sind so wie das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine Höhle, genau damit verwandt. In einigen Gegenden ist es weiblichen Geschlechtes, die Kobe.


Kober (W3) [Adelung]


Der Kober, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Koberchen, ein von Baste, gespaltenen Ruthen oder Spänen geflochtenes hohes, länglich viereckiges Behältniß mit einem Deckel, welcher einem Schachteldeckel gleicht, und gemeiniglich an einem Stricke auf dem Rücken getragen wird; besonders auf dem Lande, wo es am üblichsten ist. Im Nieders. wird es eine Kiepe, und bey den Märkischen Bauern eine Tabel genannt, siehe dieses Wort.

Anm. Es gehöret gleichfalls zu dem Geschlechte des vorigen Wortes. Die Endsylbe -er bezeichnet hier ein Ding, so daß Kober, eigenltich ein tiefes Behältniß, ein hohles Ding bedeutet. Das Nieders. Kiepe bedeutet auch, vielleicht nicht bloß figürlich, den Magen, den Bauch. Im mittlern Lat. ist Gaberina ein Sarg, im Engl. Kipe ein geflochtener Hamen, im Nieders. Kiepsack die Kleidertasche, der Schuhsack, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Pohln. Kobiel ein Korb, im Alban. Kiup, und im Wallach. Kjupa, ein Gefäß mit einem Henkel. S. das vorige und Koffer.


Kobereisen (W3) [Adelung]


Der Kobereisen, des -s, plur. inus. im Bergbaue, dasjenige Eisen, welches die Bergleute unrechtmäßiger Weiße in dem Kober zum Verkaufe herum tragen.


Köblergut (W3) [Adelung]


Das Köblergut, S. Kossatengut.


Kobold (W3) [Adelung]


Der Kobold, ein Halbmetall, S. Kobalt.


Kobold (W3) [Adelung]


1. Der Kobold, plur. car. in den gemeinen Sprecharten, ein Burzelbaum. Kobold schießen, einen Burzelbaum machen; Dän. kolbotte. Vermuthlich aus dem Franz. Culbut, und culbuter. S. Burzelbaum.


Kobold (W3) [Adelung]


2. Der Kobold, des -es, plur. die -e. 1) Ein Possenreißer; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher Covalus im mittlern Lat. vorkommt. Covalus qui lusu assimulato fallit, vel parasitus, vel blatero hallucinatorque vel praedo, vel sicarius; im Vocabular. Sussannaei bey dem Du Fresne. Vielleicht von dem alt Franz. gobe, lustig, dienstfertig, gefällig, und Goban, die Freude. 2) In der Geister- lehre des großen Haufens, eine Art Mittelgeister, welche ohne vorher gegangene Beleidigung niemanden Schaden zufügen, sondern den Menschen allerley Dienste leisten, und sie oft durch seltsame Possen belustigen. Er lacht wie ein Kobold. Die Bergleute, welche immer viel mit dem Kobolde zu thun haben, nennen ihn auch das Bergmännchen, den Berggeist, Matthesius Cobalein, welches mit dem mittlern Lat. Gobelinus und Franz. Gubelin, welches eben diesen Geist bezeichnet, überein kommt. Daemon enim, heißt es bey dem Ordericus Vitalis B. 5, quem de Dianae fano expulit, adhuc in eadem urbe degit, et in variis frequenter formis apparens, neminem laedit. Hunc vulgus Gobelinum appellat. In Frankreich schreckt man die Kinder mit dem Gobelin, so wie in Deutschland mit dem Knechte Ruprecht, dem Mummel, Papanz u. s. f. Im Hildesheimischen wird dieser fabelhafte Hausgeist Hödeke, im Meklenburgischen dat Gimken, welches vielleicht das Diminut. von Joachim ist, im Holländ. auch Kabauter Manneken genannt. Luther gebraucht dieses Wort Es. 34, 14: der Kobold wird daselbst herbergen; wo das daselbst befindliche Hebr. Wort Lilith eine Nachteule bedeutet. Entweder auch von dem vorhin gedachten alten Franz. gobe, lustig, so wie ein ähnlicher possenhafter Geist an andern Orten Droll, Troll genannt wird, vermuthlich von drollig, Franz. drole; oder von Koben, Oberd. Kobel, ein Haus, einen Hausgeist zu bezeichnen; oder endlich auch von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches nach dem Hesychias bösartig bedeutete, und schon bey den Griechen eine Art boshafter Mittelgeister bezeichnete.


Koch (W3) [Adelung]


Der Koch, des -es, plur. die Köche, Fämin. die Köchinn. 1) Eine Person, welche die Kunst, Speisen zuzurichten verstehet und ausübet. Ein Garkoch, welcher die Speisen auf den Kauf zurichtet. Ein Hofkoch, Mundkoch, Sudelkoch u. s. f. Ein Bratkoch, welcher an den Höfen allein die Braten besorget, Backkoch, welcher nur allein mit dem Backwerke zu thun hat. Sprichw. Viele Köche versalzen den Brey. Es sind nicht alle Köche, welche lange Messer tragen. Der Hunger ist der beste Koch. 2) Eine gekochte Speise. Im Oberdeutschen ist das Koch der Brey. Im Hochdeutschen werden nur gewisse breyartige Speisen der Koch genannt. Dergleichen ist der Milchkoch oder Schüsselkoch, eine Art eines Gebackenen von Milch, Mehl, Eyern und Zucker, welches in einer Schüssel im Ofen gebacken wird. Der aufgelaufene Koch, eine Art Torten, dergleichen aus Äpfeln, Erbsen, Gries, Eyerdottern, Krebsen, Marks u. s. f. bereitet, und alsdann Äpfelkoch, Erbsenkoch, Grieskoch, Eyerkoch, Krebskoch u. s. f. genannt wird.

Anm. In der ersten Bedeutung im Dän. Kok, im Schwed. Cock, im Angels. Coc, im Wallis. Cog, im Engl. Cook, im Ital. Coco, Cuoco, im Latein. Coquus, im mittlern Latein. Coctus, im Böhm. Kuchar. S. Kochen.


Kochbirn (W3) [Adelung]


Die Kochbirn, plur. die -en, eine allgemeine Benennung aller derjenigen Birnarten, welche mit mehrerm Nutzen gekocht, als auf andere Art verbraucht werden; zum Unterschiede von den Back- Brat- und Tafelbirnen.


Kochbuch (W3) [Adelung]


Das Kochbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, in welchem die Zurichtung allerley Speisen beschrieben und gelehret wird.


Kochen (W3) [Adelung]


Kochen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt gebraucht wird. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, wo es von flüssigen Körpern gebraucht wird, wenn sie von dem Feuer auf Einer Seite durchdrungen und in Blasen in die Höhe getrieben werden, welche wegen ihrer Schwere auf der andern Seite wieder herunter fallen. Es wird also eigentlich nur von solchen flüssigen Körpern gebraucht, welche in Töpfen auf diese Art von dem Feuer durchdrungen werden; in weiterer Bedeutung aber auch von solchen, welche eigentlich sieden. 1) Eigentlich. Das Wasser kocht bereits, hat schon lange gekocht, wird bald kochen. Der Brey, die Erbsen, das Fleisch kocht schon, wenn das Wasser oder die Brühe, worin sie sich befinden, kocht. Nach einer nicht seltenen Figur sagt man es auch von dem Gefäße, worin sich der flüssige Körper befindet. Der Topf, der Kessel kocht schon. 2) Figürlich. (a) Die Weintrauben kochen, wenn der darin befindliche Saft von der Sonnenhitze zur Reife gebracht wird. (b) Das Blut kocht in seinen Adern, von einer heftigen Bewegung des Blutes. Was für Leidenschaften kochen in seiner tobenden Brust! II. Als ein Activum, durch Hülfe des feuers diese Veränderung in einem flüssigen Körper hervor bringen, und in weiterer Bedeutung dadurch zubereiten. 1) Eigentlich, wo es zunächst von solchen Dingen gebraucht wird, welche ihre Zubereitung auf diese Art in Töpfen erhalten. Leim kochen, Kleister kochen, Brey kochen. Seife kochen, wofür doch sieden üblicher ist. Erbsen kochen. Die Speise, das Essen kochen. Etwas am Feuer, bey dem Feuer kochen. Eine Speise mit Wasser, mit Wein kochen. Ingleichen absolute und in Gestalt eines Neutrius, die Speisen auf solche Art zubereiten. Bey Hofe, zu Hofe kochen. Er kann nicht kochen. Sich selber kochen. Bey einer Hochzeit kochen. Schlecht, gut kochen. 2) Figürlich. Der Magen kocht die Speise, wenn erste verdauet. Die Sonne kocht den Wein am Weinstocke, wenn sie die Trauben durch ihre Wärme zur Zeitigung bringt. Für das Hauptwort die Kochung ist das Kochen üblicher.

Anm. 1. Im Nieders. kaken, im Dän. koge, im Schwed. koka, im Lat. coquere, im mittlern Latein. cocinare. Es kann seyn, daß die Deutschen so wohl dieses Wort als die dadurch bezeichnete Sache, so wie mehrere zum Wohlleben gehörige Dinge, aus Italien erhalten haben; indem bekannt ist, daß rohe wilde Völker, dergleichen die Deutschen in den ältesten Zeiten waren, ihre Speisen roh essen. Indessen ist doch dieses Wort eine sehr deutliche Nachahmung des dumpfigen Schalles, welchen ein flüssiger Körper im Kochen macht.

Anm. 2. Hr. Stosch bemerkt ganz richtig, daß kochen einen geringern Grad der Aufwallung bezeichne, als sieden. Der Grund liegt in eben der jetzt gedachten Onomatopäie. Kochen druckt einen hohlern, dumpfigern, sieden aber einen hellern zischenden Schall aus. Ein flüssiger Körper kocht, wenn er auf Einer Seite Feuer hat; er siedet, wenn das Feuer entweder von allen Seiten, oder von unten auf in ihn wirkt. Um dieser Ursache willen gehöret das Kochen eigentlich für die Töpfe, das Sieden aber für die Kessel. In vielen Fällen wird dieser Unterschied wirklich beobachtet. Man sagt, Krebse, Fische, Seife, Alaun, Salz sieden u. s. f. und nicht kochen, weil man sich dazu der Kessel und nicht der Töpfe bedienet. Im gemeinen Leben aber, besonders Niedersachsens, werden beyde Wörter häufig mit einander verwechselt, so daß man kochen immer da gebraucht, wo eigentlich sieden stehen sollte; zumahl da kochen auch in weiterer Bedeutung von der Zubereitung der Speisen überhaupt gebraucht wird. Luther selbst gebraucht das Zeitwort kochen Zach. 14, 21; 3 Esr. 1, 12, von dem Sieden in Kesseln.


Köcher (W3) [Adelung]


Der Köcher, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen selten gewordenes Wort, welches eigentlich ein langes hohles Behältniß bedeutet, etwas darin zu verwahren. Ein Feder-Pennal heißt noch jetzt im Oberdeutschen ein Federköcher oder nur Köcher schlechthin, und im Nieders. wird noch ein jedes Futteral ein Köker genannt. Am häufigsten ist es von denjenigen Behältnissen üblich, worin man die Pfeile bey sich auf dem Rücken trägt; in welcher Bedeutung es auch in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt. Den Köcher und Bogen nehmen, 1 Mos. 27, 3. Anm. Bey dem Notker in der letzten Bedeutung Chocher, im Schwabensp. Kocher, in Boxhorns Glossen Cohhar, im Dän. Koger, im Schwed. Koger, im Angels. Cocer, im Isländ. Kogur, im Span. Cuchar, im Engl. Quiver, im mittlern Latein. Cocurra, Cocurra, Cucurum, bey den spätern Griechen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Ital. Coccaro, im Franz. Carquois. Es gehöret nur zu denjenigen Wörtern, in welchen der Begriff eines hohlen Behältnisses der herrschende ist. S. Kaue, Kachel, Kag u. s. f.


Kochfeuer (W3) [Adelung]


Das Kochfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Feuer, bey welchem man die Speisen kochet, zum Unterschiede des Bratfeuers; ohne Plural. 2) Ein einzelner Haufe zu dieser Absicht brennenden Holzes. Drey Kochfeuer auf Einem Herde haben.


Kochjunge (W3) [Adelung]


Der Kochjunge, des -n, plur. die -n, ein junger Mensch, welcher einem Koche in den niedrigsten Diensten an die Hand gehet, ein Lehrling in der Kochkunst.


Kochkraut (W3) [Adelung]


Das Kochkraut, des -es, plur. die -kräuter, diejenigen Kräuter, welche gekocht als eine Speise gegessen werden; Gemüse.


Kochkunst (W3) [Adelung]


Die Kochkunst, plur. inus. das Kochen der Speisen, als eine Kunst betrachtet, die Kunst, die Speisen geschickt zuzurichten.


Kochlöffel (W3) [Adelung]


Der Kochlöffel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Löffel mit einem langen Stiele, wie man ihn bey Zubereitung der Speisen gebraucht; die Kelle.


Kochsalz (W3) [Adelung]


Das Kochsalz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, dasjenige Salz, dessen man sich in den Küchen zur Zubereitung der Speisen bedienet, und welches eine Art des Mittelsalzes ist; Küchensalz, und gemeiniglich nur Salz schlechthin. In weiterer Bedeutung wird dahin auch das Steinsalz und Boisalz, im engsten Verstande aber nur das aus Salzquellen gesottene Salz gerechnet.


Kochschwamm (W3) [Adelung]


Der Kochschwamm, des -es, plur. die -schwämme, im gemeinen Leben, eßbare Schwämme. In engerer Bedeutung führet der Keiske oder Keitzke in einigen Gegenden den Nahmen des Kochschwammes.


Kochstück (W3) [Adelung]


Das Kochstück, des -es, plur. die -e, in den Küchen, kleinere Stücke Fleisch zum Kochen, im Gegensatze des Braten.


Kochtopf (W3) [Adelung]


Der Kochtopf, des -es, plur. die -töpfe, ein Topf, so fern er zum Kochen bestimmt ist; im Gegensatze der Steintöpfe oder des Steingutes.


Kochwein (W3) [Adelung]


Der Kochwein, des -es, plur. inus. Wein, so fern er in den Küchen an die Speisen gebraucht wird.


Kochwildbret (W3) [Adelung]


Das Kochwildbret, des -es, plur. inus. diejenigen Theile eines Hirsches oder Thieres, welche gekocht werden; zum Unterschiede von denjenigen, welche gebraten werden.


Kocke (W3) [Adelung]


Die Kocke, eine Art Schiffe, S. Kogge.


Kockel (W3) [Adelung]


Die Kockel, plur. die -n, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, z. B. der Lausitz, die Querschiene an einem Ochsenjoche, welche unten an dem Halse zu liegen kommt.


Köcken (W3) [Adelung]


Köcken, S. Köken.


Koder (W3) [Adelung]


Der Koder, des -s, plur. ut nom. sing. der fleischige Theil unter dem Kinne, S. Kader.


Köder (W3) [Adelung]


1. Der Köder, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Schustern, ein Stück Rindsleder, welches die Gestalt des untern Absatzes hat und auf denselben gesetzt wird; der Fleck. Ohne Zweifel von dem noch im Nieders. üblichen kadden, katten, zerschneiden, bey dem Ottfried kuatten, quatten, Engl. to cut. Das Zeitwort verködern, verschneiden, verhunzen, kommt noch bey dem Matthesius vor, wohin auch das Lat. caedere gehöret, welches die Römer kaedere sprachen.


Köder (W3) [Adelung]


2. Der Köder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. bey den Jägern und Fischern, eine jede Lockspeise, welche Thieren, die man fangen will, in die Fallen, Hamen, Reusen, an die Angeln u. s. f. gethan wird. Den Köder an die Angel stecken.

Anm. Es stammet nicht von dem vorigen kutten, schneiden, her, sondern gehöret zu dem Geschlechte des Wortes kauen, und bedeutet Speise überhaupt, und in engerem Verstande Lockspeise. Im Goth. ist daher Kiöt, und im Schwed. Kört, Fleisch, und im Nieders. Küt das Eingeweide. Aus der Vergleichung der Nahmen des Köders in andern Mundarten und Sprachen, erhellet diese Abstammung noch deutlicher. In einigen Gegenden heißt der Köder das Aaß, unmittelbar von essen, und anködern anaßen; im Nieders. Pödder, welches dunkle Wort aus dem Bretagnischen Boit oder Boutre, Normandischen Abait, und Engl. Bait, seine Aufklärung erhält, welche alle Köder bedeuten, und von beißen, Nieders. biten, abstammen. In der Provence heißt der Köder so wie im Lat. Esca. Übrigens lautet dieses Wort im gemeinen Leben einiger Gegenden, Queder, Quedder, und in andern, besonders im Oberdeutschen, ist es ungewissen Geschlechtes, das Köder.


Ködern (W3) [Adelung]


Ködern, verb. reg. act. 1) Mit Köder locken; körnen. Fische ködern. Mit Käse, mit Regenwürmern, mit Fliegen ködern. ( S. auch Anködern.) 2) Mit Köder versehen; beködern. Die Angeln, Hamen, Reusen ködern. Siehe Körnen.


Kofent (W3) [Adelung]


Der Kofent, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein geringes, schwaches Bier, welches entstehet, indem man nach geschöpftem Biere, frisches Wasser auf die in dem Möschbottich befindlichen Träbern gießet; daher es auch Nachbier, Afterbier, Dünnbier, in Preußen Halbander, und weil manche Personen es gerne bey den Mahlzeiten trinken, Speisebier, Tafelbier, Tischbier genannt wird. In Hamburg heißt es Nösterbier, in Hannover, vielleicht im Scherze, Wuttu, an andern Orten gleichfalls im Scherze Langeweile, woraus vermuthlich das Schlesische Langvel, Langfel, Lampfen, verderbt ist, zu Roßwein in Meißen Langfahn, nicht, wie Frisch will von dem Franz. l'enfant, sondern weil es lange Fahnen an den Biertafeln in den Bierhäusern macht. Der Nahme Kofent, oder wie er bey dem Apherdian vollständiger heißt, Convenz-Bier, stammet aus den Klöstern her, von dem Lat. Conventus. Entweder so fern es die Mönche im Convente bey den Mahlzeiten neben dem Weine getrunken, oder, wie Frisch will, weil es in den Conventen der Brüder getrunken worden, im Gegensatze des stärkern Bieres der Mönche. In der Dauphine heißt der Lauer, oder ein geringer Wein zum häuslichen Gebrauche, welcher im mittlern Lat. Bibende genannt wird, so wie der Kofent an manchen Orten auch nur Trinken heißt, noch jetzt Couvin, Couven, und in einer Lateinischen Urkunde Frankreichs von 1348 wird dieser Tischwein Vinum conventus, vocatus Bibende, factus in vindemia genannt. An denjenigen Orten, wo man zwey Mahl nachbrauet, unterscheidet man das Nachbier von dem Kofente, da denn jenes von dem ersten, dieser aber von dem zweyten Nachgusse des Wassers auf die Träbern erhalten wird.


Koffee (W3) [Adelung]


Der Koffee, S. Kaffeh.


Koffer (W3) [Adelung]


Der Koffer, des -s, plur. ut nom. sing. ein cylindrischer Kasten mit gewölbtem Deckel und gewölbten Seiten, besonders von mittlerer Größe, so wie man ihn auf Reisen bey sich zu führen pfleget, da er denn gemeinglich mit Leder oder Seehundfellen überzogen wird. Im gemeinen Leben Kuffer, im Dän. und Schwed. Koffert, im Engl. Coffer, im mittlern Lat. schon von dem 12ten Jahrh. an Cofferum, Coferum, Coffrus, Cofrum, wo es oft einen verwahrten Kasten überhaupt bedeutet, so wie das Wallisische Coffr und Angels. Coffre. Wir haben dieses Wort vermuthlich aus dem Franz. Coffre entlehnet; indessen gehöret es doch zu dem Worte Kober und mit demselben zu allen denjenigen, welche einen hohlen, gewölbten Raum bedeuten.


Koffergarn (W3) [Adelung]


Das Koffergarn, des -es, plur. die -e, bey den Fischern, ein cylindrischer Garnsack in Gestalt eines Koffers, welcher auch die Trommel, das Sackgarn, und im Franz. Louve und Verveux a Tambour genannt wird.


Kofferschildkröte (W3) [Adelung]


Die Kofferschildkröte, plur. die -n, eine Art Schildkröten, deren oberer Schild erhabener ist, als bey den andern; Engl. The Trunk-Turtle, Franz. le Coffre.


Kog (W3) [Adelung]


1. Der Kog, des -es, plur. die Köge, ein nur im Schleswigischen übliches Wort, niedrige, von der See angesetzte und mit Dämmen eingefaßte Ländereyen zu bezeichen. Es scheinet, daß man mit diesem Worte zunächst auf die Eindeichung, Einfriedigung gesehen. Im Steyermärkischen ist Kag ein lebendiger Zaun, ein Hag, eine Hecke, zu welchen Wörtern es zu gehören scheinet. Im Schwed. ist Kok, Koka, eine große Erdscholle, und in Tirol. Kögel ein Stein.


Kog (W3) [Adelung]


2. Der Kog, des -es, plur. die Köge, in einigen Gegenden, ein hölzerner Schlägel, besonders, so wie ihn die Böttcher gebrauchen; im mittlern Lat. Coga. Im Finnischen ist Cuocha ein Schlägel, die Erdschollen, welche daselbst Cockare heißen, zu zerschlagen. Vermuthlich wegen der dicken rundlichen Gestalt, S. das folgende, ingleichen Kuchen und Kugel.


Kogel (W3) [Adelung]


Die Kogel, plur. die -n. 1) Ein im Hochdeutschen veraltetes, aber noch in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, eine Art eines Kopfputzes, besonders des andern Geschlechtes zu bezeichnen, welches eine kugelförmige Gestalt hatte, und einem Türkischen Bunde glich, daher derselbe auch von ältern Schriftstellern eine Gugel, Kogel oder Kugel genannt wird. In diesem Verstande scheinet es auch Luther Ezech. 23, 15 genommen zu haben, wo es heißt, daß die Babylonier und Chaldäer bunte Kogel auf ihren Köpfen tragen. In der Randglosse sagt er: "Kogel heißt Hebräisch Geruch - Und ist eine Kogel, wie vor Zeiten die Magistri und Studenten Kogel trugen, da viel unnützes Tuchs um den Kopf herhing." Die Mode veränderte die Gestalt der Kogeln, behielt aber den Nahmen bey, so daß sehr vielerley Arten der Kopftrachten beyder Geschlechter diesen Nahmen führeten, besonders wurden die Kappen, so wie sie heut zu Tage nicht nur das schöne Geschlecht, sondern auch die Mönche an ihren Kleidern, die Bergleute u. s. f. tragen, Kogeln, Gugeln und Kugeln, ingleichen Gugelhauben, Kogelhauben genannt. Die Bergleute haben dieses Wort noch beybehalten, indem sie ihre Kappen zuweilen Gugeln oder Kugeln zu nennen pflegen. Im Nieders. ehedem Kagel, im Angelsächs. Cugle, bey dem Kero Cucalun, im Lat. Cucullus, welches sich schon bey dem Martial findet, im Ital. Cocolla, im Böhm. Kukla, im Wallach. Kagula, im Alban. Kasulia, alle von einer Kappe, oder doch ähnlichen Kopftracht. Es gehöret zu den Wörtern Kog, Kagel, Kugel u. s. f. so fern solche entweder etwas Erhabenes, und folglich auch Vertieftes, Hohles bezeichnen, oder auch so fern sie nach einer sehr gewöhnlichen Figur eine Bedeckung, Bekleidung bedeuten. Im Wallisischen ist daher Cochl ein Mantel. 2) Ein Oberdeutsches mit dem vorigen genau verwandtes Wort, welches den Gipfel, die Spitze eines Berges bedeutet, und zuweilen gleichfalls Gugel lautet. Oben auf des Berges Kogel, Theuerd. Kap. 36. Die Gugeln, wo firstenweise gebauet wird, Spergg in der Tirol. Bergwerksgesch. Im Schwed. ist Kogg der Zahn eines Nades. Es gehöret mit dem vorigen Worte zu dem Geschlechte des Wortes hoch, so daß die Endsylbe el bloß ein Ding, ein Subject bezeichnet, von welchem etwas gesagt wird.


Kogge (W3) [Adelung]


Die Kogge, plur. die -n, eine Art Niederdeutscher Schiffe, welche vorn und hinten etwas rund sind, und ehedem zum Kriege gebraucht wurden. S. Kag.


Kohl (W3) [Adelung]


Der Kohl, des -es, plur. inus. 1) Ehedem überhaupt alle eßbare Kräuter und Pflanzen, welche Bedeutung nicht nur in den verwandten Sprachen angetroffen wird, sondern auch in einigen Gegenden noch jetzt üblich ist. So wird die grüne Suppe, welche man an manchen Orten am grünen Donnerstage von neunerley jungen Kräutern isset, in vielen Gegenden grüner Kohl genannt, obgleich kein Kohl in der folgenden engern Bedeutung dazu kommt. Das Schwed. Kal und Isländ. Kal bedeutete so wie das Lat. Olus, wofür man in den spätern Zeiten Holus sagte, gleichfalls alle eßbare Kräuter. Im Griech. war - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - in noch weiterer Bedeutung eine jede Speise oder Nahrung. ( S. Kohlgarten.) 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist der Kohl ein Schotengewächs, welches bey uns in den Gärten gebauet wird, an dem Meerstrande Englands aber einheimisch ist; Brassica oleracea L. Man hat viele Abänderungen dieses Gewächses, welche größten Theils von dem Boden, von der Zeit, da man es säet, und andern zufälligen Umständen herrühren, ( S. Kopfkohl, Blaukohl, Blumenkohl, Kohlrübe, Kohlrabi, Winterkohl, Sommerkohl, Blattkohl, u. s. f.) Brauner Kohl, Brassica Sabellica, welcher auch Buschkohl genannt wird. Weißer Kohl, oder Weißkohl, Brassica capitata, ist unter dem Nahmen des Kopfkohles am bekanntesten. Savoyer Kohl oder Wirsing, Brassica Sabauda, ( S. Wirsing.) Krauser Kohl, ( S. Blattkohl) Güsterkohl, Güstling, ( S. Winterkohl.) Wider Kohl oder Feldkohl, der auf unsern Äckern wild wächset, aber nicht zur Speise gebraucht wird, Brassica campestris L. Wegen einiger Ähnlichkeit wird auch der Ackersenf, Sinapis arvensis L. Ackerkohl, und der Ackerrettig, Raphanus Raphanistrum L. von einigen Feldkohl genannt; anderer wilden uneßbaren Pflanzen zu geschweigen. Anm. Im Nieders. in der engern Bedeutung Kool, Kaul, im Engl. Kale, Cole, im Dän. Kaal, i Angels. Cawl, im Schwed. Kal, im Span. Col, im Ital. Cavolo, Caolo, Colo, im Franz. Chaux, Caule, im Lat. Caulis, wofür die ältern Römer Colis sagten, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Man leitet es gemeiniglich von Caulis, ein Stängel, ab, weil der Kohl sich durch seinen dicken Stängel von andern Gewächsen so merklich unterscheidet. Allein das oben gedachte Olus, Holus, scheinet mehr Recht darauf zu haben; zumahl da man auch im Deutschen für Kohl in der engern Bedeutung in vielen Gegenden nur Kraut sagt; Weißkohl, Weißkraut, Sauerkraut u. s. f. für Braunkohl, Weißkohl, Sauerkohl. Übrigens lautet es in einigen Gegenden auch Köhl.


Kohl (W3) [Adelung]


Das Kohl, S. die Kohle.


Kohlbauer (W3) [Adelung]


Der Kohlbauer, des -s, plur. die -n, besser Kohlenbauer, Bauern, welche die gebrannten Kohlen auf besondern Kohlwagen, oder Kohlenwagen in die Städte und Schmelzhütten führen; Kohlenführer.


Kohlbecken (W3) [Adelung]


Das Kohlbecken, S. Kohlenbecken.


Kohle (W3) [Adelung]


Die Kohle, plur. die -n. Diminut. das Köhlchen, eigentlich und überhaupt ein jeder brennbarer oder zur Feuerung bequemer Körper, in welcher weitern Bedeutung es doch längst veraltet ist. Man gebraucht es nur noch in engerem Verstande, von einem durchaus schwarz gebrannten, d. i. aller wässerigen und öhligen Materien durch das Feuer beraubten, trocknen und brüchigen Körper. Besonders aber von einem auf solche Art durchbrannten Holze. Eine glühende Kohle, zum Unterschiede von einer todten. Kohlen brennen, Holz zu Kohlen brennen, das Holz bis zu dem Grade durchbrennen, daß es in Kohlen verwandelt wird; das Holz verkohlen, im Nieders. Kohlen schwelen. ( S. Kohlenbrenner.) So schwarz wie eine Kohle. Wie auf glühenden Kohlen sitzen oder stehen, sich in Frucht und Unruhe befinden. Mit Kohlen heitzen. Bey Kohlen kochen. Wegen der Ähnlichkeit in der äußern Gestalt so wohl, als auch wegen der brennbaren Eigenschaft wird auch ein mineralischer von Erdpech durchdrungener Körper Kohle und noch bestimmter Steinkohle genannt, S. dieses Wort.

Anm. 1. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Kohl, Ein Kol, bey dem Winsbeck. Ein glüender Kol, in dem Buche der Natur von 1483. Lo Carbon, der Kol, in dem 1501 zu Rom gedruckten Deutsch-Ital. Vocabulario. In den Schmelzhütten, bey den Kohlenbrennern u. s. f. gebraucht man es auch im ungewissen Geschlechte, das Kohl; aber alsdann ist es ein Collectivum für das Hochdeutsche Kohlen; Kohl oder das Kohl aufsetzen, Kohlen aufschütten, das Kohl ausstoßen, die Kohlen aus dem Meiler nehmen, das Kohl messen u. s. f. Daher rühret es, daß in manchen Zusammensetzungen für Kohlen - noch Kohl - gebraucht wird, wie in Kohlbecken, Kohlschwarz u. s. f.

Anm. 2. Im Nieders. Köle, Kaal, im Engl. Coal, im Dän. Kul, im Angels. Col, im Schwed. und Isländ. Kol. Es stammet von dem in Deutschen längst veralteten Worte Kol, das Feuer, ab, welches zu dem Geschlechte des Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, des Lat. Calere und Calor, und Deutschen hell gehöret. In Niedersachsen sagt man noch einkölen, für unmäßig einheitzen, und im Westgothischen ist kylla anzünden, und Kylle trocknes, brennbares Holz. Im Isländ. ist Koljern ein Feuerstahl, Kolbytur ein Einheitzer, Nieders. ein Feuerböter, in Boxhorns Glossen Choles der Ruß, und im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - brennen, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - die Kohle. Die Steinkohlen heißen im mittlern Lateine Hullae, Hyllae, und im Lüttichischen noch jetzt Houilles. Notker nennet eine Kohle noch Zander, von zünden, brennen machen.


Kohlen (W3) [Adelung]


Kohlen, verb. reg. act. Kohlen brennen, zu Kohlen brennen. Eine Klafter Holz kohlen. Blind kohlen, bey den Kohlenbrennern, keine Öffnungen in der Windseite des Meilers machen. S. Verkohlen.


Kohlenbauer (W3) [Adelung]


Der Kohlenbauer, S. Kohlbauer.


Kohlenbecken (W3) [Adelung]


Das Kohlenbecken, Kohlbecken, des -s, plur. ut nom. sing. ein metallenes Becken, glühende Kohlen darin zu erhalten und von einem Orte zum andern zu bringen; die Kohlenpfanne, Kohlpfanne, im Oberd. die Gluthpfanne, Nieders. Komfoor, Holländ. Confoort, Comfoir, S. Kumpen.


Kohlenbrenner (W3) [Adelung]


Der Kohlenbrenner, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher sein Hauptgeschäft daraus macht, das Holz in den Wäldern zu Kohle zu brennen; dessen Gattinn, die Kohlenbrennerinn. S. Köhler.


Kohlendampf (W3) [Adelung]


Der Kohlendampf, des -es, plur. die -dämpfe, der Dampf von glühenden Kohlen.


Kohlendämpfer (W3) [Adelung]


Der Kohlendämpfer, des -es, plur. ut nom. sing. bey den Bäckern, ein kupfernes Gefäß, worein sie die glühenden Kohlen thun, und es zuschließen, sie auf solche Art zu dämpfen oder auszulöschen.


Kohlenerz (W3) [Adelung]


Das Kohlenerz, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, eine von Erdpech durchdrungene metallische Erde, welche den Steinkohlen gleicht, und so wie sie, Feuer hält; Branderz.


Kohlenfalk (W3) [Adelung]


Der Kohlenfalk, des -en, plur. die -en, eine Art Falken, welche klüger ist als ein Bergfalk, einen großen Kopf, lange Schwingen und Schenkel, kurze Füße und einen kurzen Schwanz hat. Er hat den Nahmen von seinen schwarzbraunen Flügeln, seiner schwarzgesprengten Brust, und den schwarzen Flecken unter den Augen. Im gemeinen Leben Kohlfalk.


Kohlenfeuer (W3) [Adelung]


Das Kohlenfeuer, Kohlfeuer, des -s, plur. von mehrern Massen, ut nom. sing. glühende Kohlen als ein Feuer betrachtet, im Gegensatze des Flammenfeueres. Die Knechte und die Diener hatten ein Kohlfeuer gemacht und wärmten sich, Joh. 18, 18.


Kohlenflötz (W3) [Adelung]


Das Kohlenflötz, des -es, plur. die -e, ein Flötz, d. i. Lage oder Schicht, von Steinkohlen in der Erde.


Kohlenführer (W3) [Adelung]


Der Kohlenführer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Kohlbauer.


Kohlengebirge (W3) [Adelung]


Das Kohlengebirge, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, das über und unter den Steinkohlen liegende Gebirge, d. i. Stein- und Erdlager.


Kohlengehau (W3) [Adelung]


Das Kohlengehau, des -es, plur. die -e, im Forstwesen, derjenige Theil eines Waldes, welcher zum Behuf der Kohlenbrenner oder zum Verkohlen abgetrieben wird, oder abgetrieben werden soll; ein Kohlenhau, Kohlgehau, Kohlenhieb.


Kohlengestübe (W3) [Adelung]


Das Kohlengestübe, des -s, plur. inus. klein zerriebene Kohlen; Kohlgestübe, Kohlenstaub. Bey den Kohlenbrennern ist das Kohlgestübe oder Gestübe diejenige Erde, womit ein Kohlenmeiler bedeckt wird, den Zugang der Luft zu dem Feuer zu hindern. In beyden Bedeutungen auch die Kohllesche oder Kohlenlesche. S. Lesche.


Kohlenhau (W3) [Adelung]


Der Kohlenhau, S. Kohlengehau.


Kohlenhaus (W3) [Adelung]


Das Kohlenhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus oder Gebäude, Kohlen darin aufzubewahren; der Kohlenschoppen, das Kohlhaus.


Kohlenhieb (W3) [Adelung]


Der Kohlenhieb, des -es, plur. die -e, siehe Kohlengehau.


Kohlenkammer (W3) [Adelung]


Die Kohlenkammer, plur. die -n, eine Kammer, Kohlen darin zu verwahren.


Kohlenkorb (W3) [Adelung]


Der Kohlenkorb, des -es, plur. die -körbe, ein hoher runder Korb, die Holzkohlen darin auf dem Rücken zu tragen. Im Bergbaue ist es ein länglicher viereckter Korb von einem gewissen bestimmten Maße, indem deren zwölf einen Wagen Kohlen machen, da er denn auch das Kohlenmaß oder Kohlmaß genannt wird. In Freyberg ist er 26 Zoll weit und 5/4 Ellen und 2 Zoll lang. Ein solcher Korb Kohlen wiegt 86 Pfund.


Kohlekräuel (W3) [Adelung]


Der Kohlekräuel, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, ein Rechen, die Kohlen damit in das Schienfaß zu ziehen; der Kohlkrail. S. Kräuel.


Kohlenkrücke (W3) [Adelung]


Die Kohlenkrücke, plur. die -n, im Hüttenbaue, eine Krücke, die großen Kohlen damit zu zerschlagen, oder auch die Kohlen damit aus dem Ofen zu ziehen; die Kohlkrücke.


Kohlenkübel (W3) [Adelung]


Der Kohlenkübel, des -s, plur. ut nom. sing. in den Zinn- und Eisenhütten, ein Kübel, die Kohlen damit anstatt des Korbes zu messen.


Kohlenmaß (W3) [Adelung]


Das Kohlenmaß, des -es, plur. die -e, dasjenige Maß, womit oder wornach die Kohlen gemessen werden. S. Kohlenkorb.


Kohlenmeiler (W3) [Adelung]


Der Kohlenmeiler, des -s, plur. ut nom. sing. ein zum Verkohlen aufgesetzter Haufen Holz, welcher am häufigsten ein Meiler genannt wird, S. dieses Wort.


Kohlenmesser (W3) [Adelung]


Der Kohlenmesser, des -s, plur. ut nom. sing. eine verpflichtete Person, deren Amt es ist, die Kohlen zu messen.


Kohlenpfanne (W3) [Adelung]


Die Kohlenpfanne, Kohlpfanne, plur. die -n, Diminut. das Kohlpfännchen, eine Pfanne, glühende Kohlen darin zu haben und zu unterhalten. S. Kohlenbecken.


Kohlenruthe (W3) [Adelung]


Die Kohlenruthe, plur. die -n, in dem Salzwerke zu Halle, eine Stange, womit man die Kohlen schüret; die Kohlruthe.


Kohlensack (W3) [Adelung]


Der Kohlensack, des -es, plur. die -säcke. 1) Ein Sack, kohlen darin aufzubehalten, und fortzuschaffen. 2) In den chymischen Ofen, der mittelste Raum des Ofens gleich über dem Roste, in welchem die Kohlen zu liegen kommen.


Kohlensaite (W3) [Adelung]


Die Kohlensaite, plur. die -n, im Forstwesen und Hüttenbaue, ein großer Korbwagen, auf welchem die Kohlen von der Koblstätte vor die Hammerwerke geführet werden; die Kohlsaite, Kohlsetzte, Kohlwagen. Er hat seinen bestimmten Gehalt, und fasset gemeiniglich 12 Kübel oder Körbe Kohlen. S. Saite.


Kohlenschiff (W3) [Adelung]


Das Kohlenschiff, des -es, plur. die -e, ein Schiff, welches Holz- oder Steinkohlen von einem Orte zum andern führet.


Kohlenschreiber (W3) [Adelung]


Der Kohlenschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. in den Hüttenwerken, derjenige, welcher die Rechnung über die verbrauchten oder angekommenen Kohlen führet; der Kohlschreiber.


Kohlenschwarz (W3) [Adelung]


Das Kohlenschwarz, indecl. plur. inus. bey den Mahlern, eine schwarze Farbe, welche aus gewissen zu Kohlen gebrannten Holzarten bereitet wird; Französ. Noir de charbons, zum Unterschiede von dem Rußschwarz, Beinschwarz, u. s. f. Man muß dieses Wort mit Kohlschwarz nicht verwechseln.


Kohlenstaub (W3) [Adelung]


Der Kohlenstaub, des -es, plur. inus. zu Staub geriebene oder zerfallene Kohlen, S. Kohlengestübe.


Kohlenstift (W3) [Adelung]


Der Kohlenstift, des -es, plur. die -e, bey den Mahlern und Zeichnern, Stifte zum Zeichnen, welche aus Kohlen oder zu Kohlen verbranntem Holze bereitet werden.


Kohlensturz (W3) [Adelung]


Der Kohlensturz, des -es, plur. die -stürze, im Hüttenbaue, derjenige Platz, wo die Kohlen von dem Wagen gemessen und hingestürzet werden; der Kohlsturz, Kohlensturz, Kohlplatz.


Kohlentopf (W3) [Adelung]


Der Kohlentopf, des -es, plur. die -töpfe, ein Topf, glühende Kohlen darin zu erhalten und zu verwahren.


Kohlenwagen (W3) [Adelung]


Der Kohlenwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wagen, worauf die gebrannten Holzkohlen verführet werden; der Kohlwagen. S. Kohlensaite.


Köhler (W3) [Adelung]


Der Köhler, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte kohlen, derjenige, dessen vornehmste Beschäftigung es ist, Kohlen zu brennen; der Kohlenbrenner. Figürlich wird auch eine Art nördlicher Seefische, wegen ihres schwarzen Maules der Köhler oder Kohlfisch genannt, Gadus Carbonarius L. zum Unterschiede von dem mit ihm verwandten Weißfische oder Wittling, Gadus Merlangus L.


Köhlerglaube (W3) [Adelung]


Der Köhlerglaube, des -es, plur. inus. in der Theologie, die Gewohnheit, in Religionssachen auf das bloße Zeugniß anderer Menschen, ohne eigene Überzeugung zu glauben. Die Benennung rühret aus einer Erzählung in der Römischen Kirche her, da der Teufel einmahl einen Köhler versucht und ihn gefragt haben soll, was er glaube, worauf dieser geantwortet, was die Kirche glaube, und als der Teufel weiter gefragt, was denn die Kirche glaube, so habe er geantwortet, was ich glaube; durch welchen Zirkel er den Teufel verwirret und beschämet habe.


Köhlerlohn (W3) [Adelung]


Der Köhlerlohn, des -es, plur. inus. in den Hüttenwerken, der Lohn, welchen der Köhler für das Verkohlen des Holzes bekommt.


Köhlermeister (W3) [Adelung]


Der Köhlermeister, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, derjenige, welcher die Aufsicht über die Verkohlung des Holzes und über die richtige Vermessung der Kohlen hat.


Kohlfalk (W3) [Adelung]


Der Kohlfalk, S. Kohlenfalk.


Kohlfeuer (W3) [Adelung]


Das Kohlfeuer, S. Kohlenfeuer.


Kohlfisch (W3) [Adelung]


Der Kohlfisch, S. Köhler.


Kohlfuchs (W3) [Adelung]


Der Kohlfuchs, des -es, plur. die -füchse, ein Fuchs, d. i. röthliches Pferd, dessen Haare in das Schwarze falken, und der noch von dem Brandfuchse unterschieden wird; eigentlich Kohlenfuchs.


Kohlgarten (W3) [Adelung]


Der Kohlgarten, des -s, plur. die -gärten, in der weitern Bedeutung des Wortes Kohl, ein Garten, in welchem vornehmlich Küchenkräuter gebauet werden; ein Küchengarten, im Oberd. Krätzgarten.


Kohlgärtner (W3) [Adelung]


Der Kohlgärtner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Kohlgärtnerinn, eine Person, welche sich vornehmlich mit Erzeugung der Küchengewächse beschäftiget, im Scherze ein Kohlhase. In einigen Gegenden sind die Kohlgärtner eine Art Häusler auf dem Lande, welche von den Küchengewächsen leben, die sie erzeugen und in die Städte zu Markte tragen.


Kohlgestübe (W3) [Adelung]


Das Kohlgestübe, S. Kohlengestübe.


Kohlholz (W3) [Adelung]


Das Kohlholz, des -es, plur. inus. im Forstwesen, das für die Köhler oder zum Verkohlen bestimmte Holz.


Kohljahr (W3) [Adelung]


Das Kohljahr, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein nasses Jahr, in welchem der Kohl gut geräth, aber die Feldfrüchte mißrathen.


Kohlknecht (W3) [Adelung]


Der Kohlknecht, des -es, plur. die -e, ein Knecht des Köhlers, der ihm im Verkohlen des Holzes Dienste leistet.


Kohllaus (W3) [Adelung]


Die Kohllaus, plur. die -läuse, diejenige Art Blattläuse, welche sich vornehmlich auf dem Kohle aufhält; Aphis Brassicae L.


Kohllösche (W3) [Adelung]


Die Kohllösche, plur. inus. S. Kohlengestübe und 3. Lösche.


Kohlmeise (W3) [Adelung]


Die Kohlmeise, plur. die -n, ein Nahme einiger Arten Meisen mit schwarzen Köpfen. Die große Kohlmeise, welche auch Brandmeise, Finkmeise, Pickmeise, Spiegelmeise und große Meise genannt wird; Parus major Klein. Die kleine Kohlmeise, Parussylvaticus Klein. heißt auch Tannenmeise und Waldmeise. Angels. Coalmouse. Franz. Charbonniere, wegen ihres kohlschwarzen Kopfes.


Kohl-Portulak (W3) [Adelung]


Der Kohl-Portulak, des -es, plur. inus. eine eßbare Art des Portulakes, welche wegen ihrer erfrischenden Eigenschaft wider den Scharbock gut ist, und wie Kohl gegessen werden kann; Portulaca oleracea L.


Kohlrabe (W3) [Adelung]


Der Kohlrabe, des -n, plur. die -n, S. Golkrabe.


Kohlrabi (W3) [Adelung]


Der Kohlrabi, plur. inus. eine Art des Kohles, welcher einen dicken runden Strunk oder Stängel gleich einer Rübe hat, welcher aber rings herum mit Blättern besetzt ist; Brassica oleracea Gongylodes L. Rübenkohl. Man isset davon so wohl die Blätter als den rübenartigen Strunk. Franz. Choux-rave, Engl. Rape Cole, Ital. Cauolo Rapa, aus welchem ausländischen Worte Rapa, Franz. Rave, die letzte Hälfte des Deutschen Nahmens verstümmelt ist. S. Kohlrübe.


Kohlraupe (W3) [Adelung]


Die Kohlraupe, plur. die -n, diejenigen Arten Raupen, welche sich besonders auf dem Kohle aufhalten, und sich von demselben nähren; Kohlwürmer. Sie sind die Larven von einigen Schmetterlingsarten.


Kohlrose (W3) [Adelung]


Die Kohlrose, S. Knopfrose.


Kohlrübe (W3) [Adelung]


Die Kohlrübe, plur. die -n, eine dem Kohlrabi ähnliche Art des Kohles, an welcher aber die Wurzel eine wahre runde und glatte Rübe ist, auch nicht, wie bey dem vorigen außer der Erde, hervor raget, sondern in derselben befindlich ist, und wie Rüben gekocht und gegessen wird; Napo Brassica Bauh. Beyde Nahmen werden im gemeinen Leben häufig mit einander verwechselt. In Pommern werden die Kohlrüben Wruken genannt, welches zu Ranke, Eruca, zu gehören scheinet, obgleich dieses ein anderes rübenartiges Gewächs ist.


Kohlschwarz (W3) [Adelung]


Kohlschwarz, adj. et adv. so schwarz, wie eine Kohle, sehr schwarz. Ein kohlschwarzes Gesicht. Im Österreichischen kölerleschwarz. S. Kohlenschwarz.


Kohlstängel (W3) [Adelung]


Der Kohlstängel, des -s, plur. ut nom. sing. der dicke Stängel des Kohles; im gemeinen Leben der Kohltrunk.


Kohlstatt (W3) [Adelung]


Die Kohlstatt, plur. die -stätte, oder die Kohlstätte, plur. die -n, diejenige Statt, Stätte oder Stelle, welche zum Verkohlen des Holzes bestimmt ist, oder wo Holz verkohlet wird, oder verkohlet worden, die Stelle, wo ein Meiler stehet, stehen soll, oder gestanden hat; die Meilerstatt.


Kohlstaub (W3) [Adelung]


Der Kohlstaub, S. Kohlenstaub.


Kohlwurm (W3) [Adelung]


Der Kohlwurm, des -es, plur. die -würmer, siehe Kohlraupe.


Köhr (W3) [Adelung]


Die Köhr, plur. die -en, eine altes, bey den Hochdeutschen größten Theils veraltetes Wort, welches ehedem eine jede Empfindung durch die Sinne bedeutete, hernach aber in engern Verstande von der Untersuchung vermittelst der Sinne, und figürlich von einer jeden Wahl und dem Rechte zu wählen gebraucht wurde. In dieser figürlichen Bedeutung ist es theils noch in dem durch die Schreibart verstellten Worte Chur, ( S. dasselbe,) theils in den natürlichen Gestalten Köhr, Köhre und Kuhr in den gemeinen Mundarten üblich. Die Köhr haben, die Wahl, ingleichen das Recht zu wählen. In Niedersachsen bedeutet es auch Willkühr, freye Gewalt; das habe ich ja wohl Köhre, Macht. In engerer Bedeutung ist die Köhre oder Willkühr, ein von der Obrigkeit und den Unterthanen aus freyer Entschließung gemachtes Gesetz, ingleichen eine auf solche Art verordnete Geldstrafe, in welcher letzten Bedeutung Köhr und Kühr noch in vielen Dörfern Obersachsens üblich sind, wo z. B. ein Einwohner einen Groschen Kühr erlegen muß, wenn er auf dem von dem Richter herum geschickten Hammer nicht zur Versammlung der Gemeine kommt. S. das folgende.


Köhren (W3) [Adelung]


Köhren, verb. irreg. act. neutr. Imperf. ich kohr, Mittelw. gekohren, ein außer den Zusammensetzungen gleichfalls veraltetes Wort. Es bedeutete ehedem so wie kiesen, 1) überhaupt, durch die Sinne empfinden, und in weiterer Bedeutung erfahren. Grosses Lait chüren, in Eckards Script. bey dem Frisch. Du must des Dothes bekoren, in dem alten Gedichte auf Carls Feldzug bey dem Schilter. Das Lat. cernere, sehen, welches in discernere, secernere, ausköhren, auslesen, unterscheiden bedeutet, ist damit verwandt. 2) In engerer Bedeutung, vermittelst der Sinne untersuchen, kiesen, kosten. Gicoran, kosten, im Tatian und den Monseeischen Glossen. Im Schwed. kora. Im weitern Verstande, versuchen, untersuchen, prüfen überhaupt; in welcher Bedeutung es von Keros Zeiten an sehr häufig vorkommt. Corot atume, prüfet die Geister, Kero. ( S. Köhrherr.) Chorunga ist daher bey dem Kero, Ottfried und Notker, und Bekohring bey den spätern Schriftstellern, die Versuchung im theologischen Verstande. 3) In noch engerm Verstande, beobachten, Acht geben, lauern. Si churen mih, Notker, sie beobachten mich, lauern auf mich. In einigen Gegenden sagt man noch nach Hasen kuhren, wofür in andern Gegenden lauschen, und in Thüringen auf die Lusche gehen üblich ist. Das Hochdeutsche niedrige scheren, in der R. A. was scher ich mich darum, was bekümmere ich mich darum, ist vermittelst des vorgesetzten Zischlautes daraus entstanden, so wie auch das Lat. curare zu dem Geschlechte dieses Wortes zu gehören scheinet. Selbst kehren, scheinet in seinen figürlichen Bedeutungen mehr von diesem Worte, als von kehren, verrere und vertere, abzustammen. 4) Nach geschehener Untersuchung billigen, genehm halten; bey dem Kero kechoron, der es auch in weiterer Bedeutung für wollen überhaupt gebraucht. Nicuri thu forhtan, fürchte dich nicht, noli timere; im Tatian. Etwas gut köhren, sagt man noch jetzt in Niedersachsen, für gutheißen, billigen. Verkoren ist daher bey dem Notker verwerfen. 5) Wählen, eine Bedeutung, welche sich noch am längsten erhalten hat, auch in den gemeinen Mundarten, besonders Niedersachsens, noch gangbar ist. Die Hochdeutschen haben es in den Mittelwörtern erkohren und auserkohren gleichfalls noch. Köhrgot ist im Nieders. auserlesen gut, Dän. kaare, Schwed. kora, Isländ. kiora. S. auch Chur und Willkühr. Anm. Köhren und kiesen sind ursprünglich Ein Wort, weil die Verwechselung des r und s in allen Europäischen Sprachen etwas sehr gewöhnliches ist. Die Niedersachsen haben noch ein anderes, mit diesem vermuthlich auch verwandtes Wort, welches köhren, kähren und kühren lautet, und sprechen, schwatzen, plaudern bedeutet; in Schwaben karen. Beköhren ist im Nieders. beschwatzen, Weiberköhre, ein Weibergeschwätz. Im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - erzählen. Vermittelst der vorigen Vertauschung des r und s gehöret hierher auch das alte Allemannische chosan, reden, sprechen, welches noch in unserm liebkosen vorhanden ist. S. Kosen.


Köhrgut (W3) [Adelung]


Das Köhrgut, des -es, plur. die -güter, in einigen Niedersächsischen Gegenden, ein Gut, welches dem Köhrrechte in der zweyten Bedeutung oder der Kurmende unterworfen ist.


Kohrherr (W3) [Adelung]


Der Kohrherr, des -en, plur. die -en, im Niedersächsischen, besonders in Bremen. 1) Eine obrigkeitliche Person, welche die Aufsicht über die eingebrachten Eßwaaren hat, und solche kosten und taxiren muß, ( S. Köhren 2.) In andern Gegenden der Kiefer. 2) Bey den Rathswahlen, derjenige, welcher durch das Los erwählet worden, nebst noch drey andern einen neuen Rathsherren zu erwählen; an andern Orten der Wahlherr.


Köhrisch (W3) [Adelung]


* Köhrisch, adj. et adv. ein nur im Nieders. übliches Wort, diejenige Eigenschaft zu bezeichnen, da man aus ekeler Bedenklichkeit sich in der Wahl nicht leicht entschließen kann, besonders in der Wahl der Speisen, und in weiterer Bedeutung auch in andern Dingen. Im Hochdeutschen ist dieser Begriff schwer auszudrücken. Wählerisch, welches einige dafür versucht haben, ist Oberdeutsch; ekel kommt dem Niedersächsischen noch am nächsten. S. Ekel 2.


Köhrmede (W3) [Adelung]


Die Köhrmede, S. Kurmede.


Köhrmeister (W3) [Adelung]


Der Köhrmeister, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Niedersächsischen Städten, besonders in Bremen, der Untergeordnete des Köhrherren in der ersten Bedeutung.


Köhrrecht (W3) [Adelung]


Das Köhrrecht, des -es, plur. die -e, ein nur noch in einigen Gegenden übliches Wort. 1) Das Recht zu wählen, das Wahlrecht, wo es auch Kührrecht lautet. 2) In engerer Bedeutung, in einigen Niedersächsischen Gegenden, das Recht des Grundherrn, nach dem Tode des Leibeigenen das beste Stück aus der Verlassenschaft zu sich zu nehmen, S. Kurmede.


Koite (W3) [Adelung]


Koite, der eigenthümliche Nahme des Bieres zu Münster in Westphalen. Zu Wettin im Herzogthum Magdeburg hat man ein Bier, welches Keuterling genannt wird.


Köken (W3) [Adelung]


+ Köken, verb.reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, ein niedriges, im Hochdeutschen veraltetes Wort, für speyen, und figürlich und im verächtlichen Verstande, reden wie und was in den Mund kommt. Sie sind toll im Weißagen und köcken (köken) die Urtheile heraus, Es. 28, 7; wo es in der Randglosse durch speyen erkläret wird. Anm. Es ahmet den mit dem Erbrechen oder Speyen verkundenen Schall nach, welcher auch durch koksen und in der niedrigen Sprechart der Hochdeutschen durch kotzen ausgedruckt wird. Zum Beweise, wie genau in solchen Onomatopöien oft die entferntesten Völker überein stimmen, dienet das Malabarische kakkum, er bricht von sich, daher der Reiher, weil er das Gegessene gern wieder ausspeyet, in dieser Sprache Kokku genannt. Vermuthlich hieß um eben dieser Ursache willen der Storch bey den alten Ägyptiern - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bey den Arabern Al-Koko, und im Lat. Ciconia.


Koker (W3) [Adelung]


Der Koker, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Galeeren, ein langer schmaler Gang auf dem Verdecke einer Galeere zwischen den beyden Reihen der Ruderbänke; Franz. la Coursie. Er ist hohl, indem die Breter, womit er bedeckt ist, aufgehoben werden können, daher er zugleich zu einem Behältnisse für die Zelte und Kleider des Schiffvolkes dienet. Von eben diesem hohlen Raume hat er auch seinen Nahmen, S. Köcher und Kachel.


Kokerstück (W3) [Adelung]


Das Kokerstück, des -es, plur. die -e, das schwere Stück Geschützes, in dem Vordertheile einer Galeere, welches über den Sporn hinaus schießet; vermuthlich weil es am Ende des Kokers stehet.


Kolatsche (W3) [Adelung]


Die Kolatsche, plur. die -n, ein nur in einigen besonders Wendischen Gegenden übliches Wort, eine Art eines runden Gebackenen zu bezeichnen. Das Wort ist, so wie das Gebackene selbst, Slavonisch, indem im Pohln. Kolacz, und im Wendischen Kolatsch, einen solchen runden Kuchen bedeutet. Es stammet von dem alten in allen Europäischen und Asiatischen Sprachen befindlichen Worte Kolo, rund, ab, S. Kolbe.


Kölbel (W3) [Adelung]


Das Kölbel, des -s, plur. ut nom. sing. S. das folgende.


Kolbe (W3) [Adelung]


Die Kolbe, plur. die -n, oder der Kolben, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Kölbchen, Oberd. Kölblein, im gemeinen Leben Kölbel, ein Wort, welches überhaupt den Begriff der Ründe, und besonders einer kurzen dicken Ründe hat, und so wohl einen dicken rundlichen Theil, als auch einen damit versehenen Körper bezeichnet. 1) Ein dickes rundliches Stück, so wohl allein für sich betrachtet, als auch in so fern es sich an einem andern Körper befindet. So wird der dickere rundliche Theil an einer Keule, der dickere Theil eines Schießgewehres, vermuthlich so fern er sich ehedem mehr der runden Gestalt näherte, und welcher auch der Anschlag heißt, die Kolbe oder der Kolben genannt. Der Kopf an Menschen, besonders ein glatter geschorner Kopf, heißt im gemeinen Leben mehrmahls die Kolbe. Daher die niedrige figürliche R. A. einem Narren die Kolbe laufen, ihn durch Schläge zur Vernunft bringen, weil die erklärten Narren vom Handwerke schon von alten Zeiten her geschorne Köpfe trugen. So fern man auch sagt, einen Narren mit Kolben laufen, gehöret es zur folgenden Bedeutung einer Keule. Auch der glatte dicke Kopf eines Bockes ohne Hörner heißt die Kolbe, und ein solcher Bock, der von Natur keine Hörner hat, ein humliger oder kolbiger Bock, Kolbenbock. Die Griechen nannten ihn - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - in der Lakonischen Mundart - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Bey den Jägern wird das junge, weiche, noch nicht verendete Geweih der Hirsche die Kolben genannt; ( S. Kolbenhirsch). An den Haaren sind die Kolben die dickern Wurzeln derselben, mit welchen sie in der Haut befestiget sind. Die büscheligen Samenähren einiger Arten der Hirse heißen Kolben, zum Unterschiede von den zotigen Rispen anderer Arten. Die walzenförmigen Kätzchen gewisser Schilfgewächse führen den Nahmen der Kolben, welchen auch diese Gewächse selbst bekommen; dergleichen die Kohrkolbe, Narrenkolbe, Teichkolbe, oder Wasserkolbe, Typha L. und die Igelskolbe, Sparganium L. ist. Im Hüttenbaue heißt das Ende des Tragerstämpels, welcher in das Bühnloch geleget wird, der Kolben. Auf den Eisenhämmern führen diesen Nahmen diejenigen Stücke Eisen, aus welchen das Stabeisen geschmiedet wird, und auf den Blechhämmern werden die eine halbe Elle langen viereckigen Stücke Stäbe Eisen, welche aus den Deulen (Theilen) und Stürzen geschmiedet werden, und welche der Kölbelaufheber unter den Zainhammer bringt, sie breit zu schmieden, Kölbel genannt. Bey den Uhrmachern ist der Kolben die kegelförmige Spitze an dem Kolbenzirkel. In der Geschützkunst ist es der gedrechselte dickere Theil an dem Setzer, dem Wischer und der Ladeschaufel; anderer Fälle zu geschweigen. 2) Ein mit einem solchen dickern, gemeiniglich rundlichen Ende versehenes Ding oder Werkzeug. So wurde eine Keule ehedem häufig ein Kolben genannt, ( S. Streitkolben und Kolbenrecht). Bey dem Ottfried Kolbon, in den Monseeischen Glossen Cholpo, im mittlern Lat. Colum, im Nieders. Kulf, im Schwed. Kolf, im Isländ. Kylfa, im Dän. Kolle. An einigen Orten haben die Schäfer und Hirten noch jetzt Kolben, d. i. dicke Stecken mit einem Kolben, oder rundlichen gebogenen Knollen am Ende, sich damit gegen den Wolf zu wehren. Jemanden mit der Kolbe laufen, in den niedrigen Sprecharten, ihn durchprügeln. Bey den Saug- und Druckwerken ist der Kolben ein eiserner Bolzen mit einem Ringe, die Zugstange daselbst anzumachen. Eben daselbst wird auch das runde Klötzchen mit Löchern auf den Seiten, auf welches die Scheiben- und Pumpenleder gelegt werden, ehe man es an die Zugstange schraubet, der Kolben genannt. Er passet in die Kolben- oder Stiefelröhre, und verrichtet eigentlich den Druck des Wassers. Dasjenige kolbige Holz, womit in den Schmelzhütten der Herd derb gestoßen wird, heißt ein Kolben. Bey den Büchsenmachern sind die Kolben Cylinder von Holz, Bley oder Eisen, womit der Lauf eines Gewehres inwendig gekolbet, d. i. geglättet wird. Ihr gespaltener Kolben, hat wenig kolbenähnliches, sondern gleicht eher einer Gabel, dienet aber doch zu eben demselben Endzwecke. In der Chymie werden Gläser oder Gefäße mit einem runden Bauche und engen Halse Kolben genannt, dahin der Brennkolben oder Destillirkolben, der Scheidekolben und andere mehr gehören. Im Oberdeutschen wird auch eine Kalbskeule oder Hammerkeule ein Kalbskolben und Schöppskolben genannt. Anm. Im gemeinen Leben nur Kolm. Der Begriff der Ründe ist auch in diesem Worte der herrschende, daher es mit Keule, Kugel, in den gemeinen Sprecharten Kaule, und andern zu einem und demselben Geschlechte gehöret. ( S. Kolatsche, Kollern, Kugel, Welle und Wälzen.) Im Hochdeutschen wird dieses Wort sowohl im männlichen als weiblichen Geschlechte gebraucht. Doch kommt es in der ersten Bedeutung mehr im weiblichen, in der zweyten aber mehr im männlichen vor.


Kolben (W3) [Adelung]


Kolben, verb. reg. act. 1) Die Hirse kolben, in der Landwirthschaft, die reifen Kolben an derselben abschneiden. (Siehe Kolbe 1.) 2) Die Seele eines Flintenlaufes kolben, bey den Büchsenmachern, sie mit dem Kolben glätten, ( S. Kolbe 2.) Bey den Jägern kolbet oder kolbenet ein Hirsch oder Rehbock, wenn er ein neues Gehörn bekommt. S. Kolbe 1.


Kolbenbohrer (W3) [Adelung]


Der Kolbenbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bohrer in der Rennspindel, unten mit einem kegelförmigen Kolben, die Löcher zu versenkten Schrauben oder Niethen damit zu bohren.


Kolbenhirsch (W3) [Adelung]


Der Kolbenhirsch, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein Hirsch so lange er noch Kölben statt des völlig vereckten Geweihes hat, ein Hirsch, welcher noch nicht völlig verecket hat.


Kolbenrecht (W3) [Adelung]


Das Kolbenrecht, des -es, plur. inus. 1) Das ehemahlige Faustrecht, ( S. dieses Wort,) so fern man dabey der Streitkolben bedienete. 2) Das ehemahlige Recht, seine Unschuld durch einen Zweykampf zu beweisen, das Kampfrecht; aus eben diesem Grunde.


Kolbenröhre (W3) [Adelung]


Die Kolbenröhre, plur. die -n, in Saug- und Druckwerken, diejenige Röhre, worin der Kolben gehet; die Stiefelröhre. S. Kolbe 2.


Kolbenspeise (W3) [Adelung]


Die Kolbenspeise, plur. inus. bey den Glasern, dasjenige Gemenge von Zinnasche, Talg und Zinn, womit sie vermittelst des Löthkolbens verzinnen. S. Speise.


Kolbenzirkel (W3) [Adelung]


Der Kolbenzirkel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zirkel, welcher statt des einen Fußes einen Kolben hat. Bey den Büchsenmachern ist es ein gewöhnlicher Zirkel mit einem spitzigen aber dabey kölbigen Fuße. Bey den Uhrmachern ist es ein Stangenzirkel mit einem Kolben, d. i. einer kolbigen Spitze.


Kolbezeit (W3) [Adelung]


Die Kolbezeit, plur. die -en, diejenige Zeit, da die Hirsche ihr Geweihe abgeworfen haben, und statt desselben nur noch Kolben tragen. Diese Zeit gehet von dem Ende des Märzes bis zum Anfange des Julii.


Kolbicht (W3) [Adelung]


Kolbicht, er, -ste, adj. et adv. einer Kolbe ähnlich, d. i. rund und dick. Kolbichte Wurzeln, Zwiebeln. Kolbig, Kolben, oder eine Kolbe enthaltend. Ein kolbiger Stock.


Kolderstock (W3) [Adelung]


Der Kolderstock, des -es, plur. die -stöcke, an den Schiffen, dasjenige Holz, durch welches der Helmstock des Steuerruders regieret wird. Er gehet durch das Koldergatt, einem Gatte oder Loche auf dem halben Verdecke, Franz. Hulot. Bey dem Ehnträus heißt der Helmstock das Költer. Etwa von dem Schwed. und Isländ. Kull, Kulle, der Gipfel, Scheitel?


Kolik (W3) [Adelung]


Die Kolik, plur. nur von mehrern Arten, die -en, ein heftiger Schmerz im Unterleibe mit Erbrechen und Verstopfung, ein hoher Grad der Bauchschmerzen, welcher aus einer heftigen Zusammenziehung der fleischigen und musculösen Häute der Gedärme entstehet; die Darmgicht. Die Gallen-Kolik, wenn sie von der Galle herrühret, die Wind-Kolik, welche von versetzten Winden entstehet, die Wurm-Kolik, von Würmern u. s. f. Die Kolik haben. Aus dem Lat. Colica passio, und dieß von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, der Grimmdarm, weil dieser am häufigsten davon angegriffen wird.


Kolk (W3) [Adelung]


Der Kolk, des -es, plur. die Kölke, oder die Kölke, plur. die -n, ein nur in den gemeinen Sprecharten übliches Wort, eine tiefe Pfütze, einen tiefen Sumpf, ingleichen den tiefsten Ort in einem Teiche, Flusse oder See zu bezeichnen. Die Brünne, Kölke und Teiche sind rein, 3 Mos. 11, 36; wo Michael. Quellen, Cisternen und Wasserbehältnisse, die Übersetzung der 70 aber für Luthers Kolk, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - setzet. Im Nieders. Kolk, welches auch eine von dem Wasser ausgespülte Grube an den Ufern der Ströme und Dämme bedeutet. In andern, besonders Oberdeutschen Gegenden lautet es Gölle, ( S. 1. Golle). Es gehöret mit dem Nieders. Kuhle, eine Grube, zu dem zahlreichen Geschlechte der Wörter dieser Art, welche eine Vertiefung bedeuten. S. Kelle und Kelch.


Kolkrabe (W3) [Adelung]


Der Kolkrabe, S. Golkrabe.


Kolle (W3) [Adelung]


Die Kolle, oder Kölle, plur. inus. ein vornehmlich in Niedersachsen üblicher Nahme des Pfefferkrautes, S. dieses Wort.


Kölle (W3) [Adelung]


Die Kölle, plur. die -n, eine Art eßbarer Fische, welche in der Pegnitz bey Nürnberg gefangen werden.


Kölnhof (W3) [Adelung]


Der Kölnhof, oder Kölnerhof, des -es, plur. die -e, eine in einigen Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, übliche Benennung eines zinspflichtigen Meierhofes, wo das Wort zuweilen auch Kellerhof lautet. Es ist aus dem mittlern Lat. Colonus und Colonarius; daher auch Kölner, und verderbt Keller, in eben diesen Gegenden einen zinspflichtigen Besitzer eines solchen Gutes bedeutet. S. 2. Keller, und den Du Fresne v. Colonus, wo bewiesen wird, daß diese Art Leute keine Leibeigene, sondern nur zinspflichtige Unterthanen waren.


Kolon (W3) [Adelung]


Das Kolon, des -s, plur. ut nom. sing. der aus dem Griechischen entlehnte Nahme eines logischen Unterscheidungszeichens, welches aus zwey über einander stehenden Puncten bestehet, und im Deutschen auch der Doppelpunct genannt wird.


Koloß (W3) [Adelung]


Der Koloß, des -sses, plur. die -sse, ein gleichfalls aus dem Griechischen entlehntes Wort, welches ein Nahme einer gewissen riesenmäßigen metallenen Bildsäule auf der Insel Rhodus war, und daher noch jetzt von einem jeden Kunstwerke, welches die natürliche Größe übersteiget, gebraucht wird. Eine Bildsäule in mehr als Lebensgröße ist ein Koloß. Gebäude von ungeheurer Größe und Höhe, wie die Pyramiden Ägyptens, sind Kolosse. Daher Kolossisch, oder wie es gewöhnlicher lautet, Kolossälisch, eine übernatürliche, mehr als gewöhnliche Größe habend. Die Abstammung des Griech. Wortes ist ungewiß; denn die gewöhnliche - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, weil es das Gesicht verwirrt und bestürzt macht, ist zuverlässig eine Grille.


Kolsch (W3) [Adelung]


Der Kolsch, oder Kölsch, eine Art Zeuges, S. Golsch.


Kolter (W3) [Adelung]


1. Der Kolter, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur noch in den gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes, übliches Wort, eine Decke, und in engerm Verstande, eine abgenähete Decke zu bezeichnen. Der kranke König in Syrien nahm den Kolter, tunket ihn in Wasser und breitet ihn über sich, 2 Kön. 8, 15. Im Nieders. lautet es Kolte, und bedeutet daselbst eine Bettdecke, Matratze. Im Oberdeutschen wird es auch Golter, Kauter, Kuter u. s. f. geschrieben und gesprochen. Es ist ohne Zweifel aus dem Lat. Culcitra entlehnet, wofür in den spätern Zeiten auch Cultra und Cultrum üblich war.


Kolter (W3) [Adelung]


2. Das Kolter, des -s, plur. ut nom. sing. eine besonders im Nieders. übliche Benennung des Pflugmessers, oder der Pflugsäge, welche in Obersachsen das Sech genannt wird. Im Holländ. Kouter, im Franz. Coutre, im mittlern Lat. Cultra, welches auch figürlich, und zwar schon 1046 in einer Urkunde Kaiser Heinrichs II den Pflug selbst bedeutet. Die Übereinstimmung mit dem Lat. Culier, ein Messer, ist augenscheinlich. Aber ist es wohl zu glauben, daß die Niederdeutschen Landleute dieses Wort aus dem Lateinischen entlehnet haben sollten? Es scheinet vielmehr mit dem Lateinischen Culter aus einer und eben derselben Quelle abzustammen welche das alte kutten, schneiden, Engl. to cut, Nieders. katten, kadden ist. Das l gehöret bloß der Mundart zu.


Komet (W3) [Adelung]


Der Komet, des -en, plur. die -en, aus dem Griech. und Lat. Cometa, eine Art Irrsterne, welche weil längere und engere Laufbahnen haben als die Planeten, und uns daher nur zuweilen sichtbar werden. Sie haben zuweilen Schweife oder Schwänze von Dünsten, welche nach dem Unterschiede ihres Standes gegen die Sonne, oft nur büschel- oder haarförmig sind. Von diesem Umstande haben sie auch den Griechischen Nahmen erhalten, wofür im Deutschen auch Haarstern und Schwanzstern üblich ist. Im Buche der Natur von 1483 heißt ein Komet eben um deßwillen ein geschöpfter Stern, von Schopf. Allein, da nicht alle Kometen Schweife haben, so sollte man auf eine schicklichere Benennung denken. Ehedem nannte man sie auch Nothsterne, weil der große Haufe in ihnen noch jetzt nichts als Verbothen großer Plagen erblicket.


Kömisch (W3) [Adelung]


Kömisch, -er, -te, adj. et adv. aus dem Griech. und Lat. comicus. 1) Was zur Komödie, oder dem Lustspiele gehöret, in demselben gegründet ist; im Gegensatze des tragisch. Ein komisches Stück, ein Lustspiel. Ein komischer Gegenstand. Noch mehr, 2) lustig, possierlich, Lachen erweckend. Ein komischer Streich. Eine komische Begebenheit. Die komische Oper, Ital. Opera buffa, deren Scenen aus dem gemeinen Leben entlehnet sind.


Komma (W3) [Adelung]


Das Komma, plur. ut nom. sing. aus dem Griech. und Lat. Comma, ein logisches Unterscheidungszeichen, welches in einem einfachen Striche bestehet, und daher von einigen im Deutschen der Beystrich, oder das Beystrichlein genannt wird.


Kommen (W3) [Adelung]


Kommen, verb. irreg. neutr. ich komme, du kommst, er kommt; im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, du kömmst, er kömmt. Imperf. ich kam; Conjunct. ich käme. Mittelw. gekommen. Imperf. komm. Es erfordert das Hülfswort seyn, und bedeutet überhaupt, gegenwärtig werden, in dem weitesten Umfange der Bedeutung, ohne Unterschied der Art und Weise. 1. In engerer und vielleicht eigentlichster Bedeutung, von lebendigen Geschöpfen, welche aus eigener Kraft an einem Orte persönlich gegenwärtig werden. 1) Eigentlich, wo es, wenn es ohne Vorwort und absolute stehet, sich auf die redende Person beziehet, an dem Orte der redenden Person gegenwärtig werden. Da komme unser Freund. Werden sie nicht bald kommen? Wir haben lange gewartet, aber es wollte niemand kommen. Die Gäste sind gekommen. Sie kommen, als wenn sie gerufen wären, Gell. Sie kommen, wie gerufen. Es kommt ein Löwe. Ich werde gleich kommen. Ich komme schon. Ich kann heute nicht kommen. Komm und folge mir. Ich sehe niemand kommen. Wenn ich zu meinem Knechte sage, komm her, so kommt er. Die Art und Weise, wie man kommt, wird häufig mit dem Mittelworte der vergangenen Zeit ausgedruckt. Er kommt gegangen, geritten, gefahren, gelaufen, gehinket u. s. f. Da kommen sie alle angestiegen. Da kam sie hergeschossen. Hier kommt sie gleich gegangen, Gell. Jeder Freund kam angerannt, Haged. So dürftig kommt er angekrochen, ebend. Die Katze kam zum Adler hingekrochen, ebend. Und kommt es an den Strand geschwommen, Gell. Auch in figürlicher Bedeutung. Dem ohngeachtet kommt er mit ein Paar Münzen aufgezogen, Less. Wenn sie mir mit ihrer Liebe angezogen käme, Weiße. Nur in der höhern Schreibart thut diese Wortfügung nicht alle Mahl die beste Wirkung, ob es gleich nicht an solchen Beyspielen fehlet, besonders bey den ältern Schlesischen Dichtern. Aller Völker ganzer Haufen Werden kommen zugelaufen, Opitz Ps. 102. Daß er mit Gebeten Kam vor ihm getreten, ebend. Für dich (vor dir) Herr kommen wir, dein armes Volk getreten, ebend. Komm blasser Tod, komm angezogen, Ich fürchte dich versichert nicht, Gryph. Ob es gleich auch Fälle gibt, wo sie ohne Nachtheil der Würde der Schreibart gebraucht werden kann. Auf zerstückten Bretern kommen Kriegesheere angeflogen, Kleist. Wenn du auf deinem Wagen Daher gedonnert kommst, Opitz, von dem Mars. In einigen Fällen lässet sich dafür das Mittelwort der gegenwärtigen Zeit gebrauchen. Singend, tanzend, springend kommen, für gesungen, getanzet, gesprungen; ob es gleich nicht in allen angehet. Ehedem gebrauchte man nur den bloßen Infinitiv. Ich khum yetzt gleich hergan, Theuerd. Die Absicht warum man kommt, druckt man mit dem Infinitiv und dem Worte zu aus. Ich komme, ihnen etwas zu sagen, was Neues zu hören, mit ihnen zu essen. Das um, welches einige noch einflicken, ist unnöthig. Im Oberdeutschen und zuweilen auch im gemeinen Leben der Hochdeutschen wird dieses zu zuweilen ausgelassen, welches aber in der anständigern Sprechart widrig klingt. Morus kam nach Hofe schmaus