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Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
L

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

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Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

B

C

D

E

F

G

H

I

J

K

L

L (W3) [Adelung]


L, der zwölfte Buchstab des Deutschen Alphabetes, welcher der zweyte unter den Zungenbuchstaben ist, und entstehet, wenn unter der Ausstoßung des Hauches der vordere Theil der Zunge an die obere Reihe Zähne geleget wird. Er ist zugleich der erste unter den so genannten flüssigen Buchstaben, welche von andern Halblaute genannt werden. Daß er als ein solcher, wenn er am Ende einer Sylbe stehet, und folglich einen gedehnten Selbstlaut vor sich hat, oft noch ein h annimmt, ist schon bey diesem Buchstaben bemerket worden. S. H 2. L und r, zwey sehr nahe verwandte Buchstaben, werden in allen Sprachen sehr häufig mit einander verwechselt; eine Anmerkung, welche bey der Ableitung der Wörter nicht aus den Augen gesetzet werden darf. So sagen die Franzosen für Ulmus, Orme, die Italiäner, Franzosen und Deutsche für Peregrinus, Pelegrino, Pelerin, Pilgrim, die mittlern Lateiner für Herberge, Alberga, die Deutschen für Prunum, Pflaume, die Schweizer für Kirche, Kilche u. s. f. Ja selbst im Hochdeutschen werden von einigen Balbier und Barbier, Brocken und Blocksberg, Schrittschuhe und Schlittschuhe, Masern und Maseln u. s. f. fast ohne Unterschied gebraucht. S. auch die Endsylben -el, und -er, welche sehr häufig für einander gesetzt werden. Es gibt Personen, ja ganze Völkerschaften, welchen das r auszusprechen unmöglich ist, und diese pflegen alsdann gern ein l an dessen Statt hören zu lassen. S. Lallen. Da dieser Buchstab seiner Natur nach sehr leicht auszusprechen ist, so schleicht er sich besonders im Niedersächsischen sehr häufig in manche Wörter ein, ohne daß man einen andern Grund angeben kann, als etwa die Annehmlichkeit der Aussprache. Man sagt daselbst Sadeltied, und zusammen gezogen Saeltied für Sadetied, Saatzeit, Sieldöre, für Sieddöre, Seitenthüre, Schadeltieb, Schaeltied, für Schadetied, Leichzeit u. s. f.


Lab (W3) [Adelung]


Das Lab, des -es, plur. car. 1) Überhaupt alles dasjenige, was einen andern flüssigen Körper gerinnen macht; in welchem Verstande vermuthlich das Gift ehedem in einigen Oberdeutschen Gegenden Luppe genannt wurde, weil man glaubte, daß es das Blut gerinnen mache. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die sauer gewordene und geronnene Milch in dem vierten Magen junger saugender wiederkäuender Thiere, deren man sich bedienet, andere süße Milch damit zu laben, d. i. gerinnen zu machen, und welche daher auch Käselab genannt wird. Daher Kälberlab, Hasenlab, Ziegenlab, Hirschlab, Lammslab u. s. f. In einigen Gegenden wird daher auch der vierte Magen der wiederkäuenden Thiere, in welchem bey ihren Jungen diese geronnene Milch gefunden wird, das Lab oder der Labmagen genannt, dagegen er bey andern der Magen in der engsten Bedeutung heißt.

Anm. In den gemeinen Sprecharten Oberdeutschlandes Lyp, Lupp, Luppe, Lüppe, im Niedersächsischen Laff, Lebbe, im Holländ. Lebbe, Libbe, im Dän. Lobe, im Schwed. Löpe. Es hat den Begriff des Gerinnens, Verbindens, dick und hart werdens, und gehöret folglich zu dem Geschlechte der Wörter kleben, Leber, liefern, Leib, laufen, so fern es gerinnen bedeutet u. s. f. Ihre bemerkt aus dem Nonius, daß auch die alten Lateiner lapire für verdicken und hart werden gebrauchen. S. 1. Laben, Leber und Liefern. Im Nieders. heißt die Milch lebbig, oder lebig, wenn sie zu sehr geronnen ist. In den Mundarten ist dieses Wort in einigen Gegenden im männlichen, in andern aber im weiblichen Geschlechte üblich. Im Hochdeutschen ist das ungewisse das gewöhnlichste. Es mit zwey a Laab zu schreiben, ist unnöthig, weil der einfache Endlaut die Länge des vorher gehenden Selbstlautes hinlänglich bezeichnet. Schreibt man doch auch nur Grab, Stab, Brot, Thal u. s. f. Übrigens wird das Lab in der engern Bedeutung in einigen Gegenden Renne, Rinne, Rinnsel, Käserennen, Nieders. Melkrinse, Käsehärte, Kogen, und im Nieders. auch Strämsel, Strammels genannt, von strammen, straff machen.


Labbe (W3) [Adelung]


+ Die Labbe, plur. die -n, in den niedrigen Sprecharten, die Lippe, und figürlich der Mund, S. Flabbe und Lippe.


Labberdan (W3) [Adelung]


Der Labberdan, des -es, plur. inus. eingesalzener Kabeljan, zum Unterschiede von dem bloß gedörreten, welcher unter dem Nahmen des Stockfisches bekannt ist. Das Wort ist aus den nördlichen Gegenden zu uns gekommen. Im Holländ. lautet es Abberdaan, im Engl. Haberdine; von der Stadt Aberdeen in Schottland, vermuthlich, weil er ehedem am häufigsten aus derselben verführt wurde.


Labbern (W3) [Adelung]


+ Labbern, verb. reg. act. et neutr. wo es im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, in den niedrigen Sprecharten, ein langweiliges und albernes Geschwätz machen. S. Flabbe, Lippe, Klaffen, und Plappern, mit welchen Wörtern es der Abstammung nach verwandt ist.


Laben (W3) [Adelung]


1. Laben, verb. reg. act. einen flüssigen Körper gerinnen machen, doch am häufigsten in engerer Bedeutung, die Milch vermittelst des Labes gerinnen machen. Die Milch laben. Gelabte Milch. In einigen Gegenden gebraucht man auch das Reciprocum sich laben, anstatt der Zeitwörter liefern, geliefern oder gerinnen. Es stammet von Lab ab, S. dasselbe, ingleichen Lebern.


Laben (W3) [Adelung]


2. Laben, verb. reg. act. einem in einem hohen Grade entkräfteten oder abgematteten Körper neue Kräfte ertheilen, ihn erquicken. So wohl und am häufigsten durch Speise und Trank. Einen Hungerigen mit Speise, einen Durstigen mit einem frischen Trunke laben. Sich mit etwas laben. Als auch durch andere Mittel. Einen Kranken laben. Labende Arzeneyen, stärkende, Confortantia. Ingleichen figürlich, einen hohen Grad des Vergnügens erwecken. Ich wollte sein Herz nicht laben, ich wollte ihm das Vergnügen nicht machen. Sich an etwas laben, ein merkliches Vergnügen daraus empfinden. Daher die Labung, so wohl von der Handlung des Labens, als auch von demjenigen, was einen hohen Grad der Kräfte oder des Vergnügens gewähret, in welchem Falle es auch den Plural leidet. S. Labsal.

Anm. Bey dem Ottfried und im Tatian laban, bey dem Notker laben, bey welchen auch das nunmehr veraltete Hauptwort Labo, Laba, Labsal, und figürlich, Heil, Wohlfahrt, Seligkeit, vorkommt; im Nieders. laven, bey dem Ulphilas hleibian. Entweder als das Activum von dem Neutro leben, vivere, daß es, so wie erquicken, gleichsam wieder lebendig machen bedeutet; oder auch als das Neutrum von leben, so fern es ehedem und vielleicht im eigentlichsten Verstande essen bedeutete. Thaaz heuues lebet, was Heu frisset, heißt es noch im Notker. Laben würde alsdann eigentlich, Speise, Nahrung reichen, bedeuten. S. 1. Leib und Lebkuchen. Im Isländ. bedeutet Lyf, Arzeney, und im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - erneuen.


Laberdan (W3) [Adelung]


Der Laberdan, S. Labberdan.


Labet (W3) [Adelung]


Labet, adv. welches in gewissen Kartenspielen üblich ist, wo labet werden so viel als verlieren bedeutet. Jemanden labet machen, ihn im Spiele überwinden. Figürlich ist labet werden oft so viel als den kürzern ziehen, ermatten, ermüden, in Abfall der Nahrung kommen u. s. f. Es ist aus dem Franz. la Bete verderbt, welches vermuthlich wiederum von dem Nieders. Bote, Buße, d. i. Geldstrafe, abstammet. Es befinden sich in der heutigen Französischen Sprache sehr viele Wörter, welche ihren Ursprung aus dem Niederdeutschen haben.


Labkraut (W3) [Adelung]


Das Labkraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche in Europa wild wächset, und deren Blätter die Milch laben, d. i. gerinnen, machen, daher man selbige auch an einigen Orten anstatt des Labes gebraucht; Galium verum L. Waldstroh, Unser Frauen Bettstroh, Meierkraut. Den Lateinischen Nahmen Galium oder Gallium hat es von eben dieser Wirkung, ( S. Gallerte.) In weiterer Bedeutung wird auch wohl das ganze Geschlecht, zu welchem diese Pflanze gehöret, mit diesem Nahmen belegt, da denn auch der Plural üblich ist.


Labkuchen (W3) [Adelung]


Der Labkuchen, S. Lebkuchen.


Labmagen (W3) [Adelung]


Der Labmagen, des -s, plur. die -mägen, S. Lab.


Labsal (W3) [Adelung]


Das Labsal, des -es, contr. Labsals, plur. die -e, alles dasjenige, womit man sich oder andere labet, d. i. so wohl die verlorenen Kräfte wieder ertheilet, als auch einen hohen Grad des Vergnügens erwecket. Wenn sie des Labsals mehr bedürfen als er, Gell. Ein frischer Trunk ist ein Labsal in der Hitze. Süßer Schlaf, balsamisches Labsal der matten Natur. S. 2. Laben und -Sal.


Labung (W3) [Adelung]


Die Labung, plur. die -en, S. 2. Laben.


Labyrinth (W3) [Adelung]


Das Labyrinth, des -es, plur. die -e, aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches der Nahme eines sonderbaren Gebäudes auf der Insel Kreta unweit Heliopolis war, welches aus lauter gewölbten und so künstlich in einander geschlungenen Gängen bestand, daß man den Ausgang schwerlich finden konnte. 1. Eigentlich, ein auf ähnliche Art angelegter Garten, oder ein Luststück in einem solchen Garten; ein Irrgarten, Irrgang. 2. Figürlich. 1) In der Anatomie, eine Höhle auf der Seite der Trommelhöhle des Ohres, welche diesen Nahmen wegen der vielfachen gewundenen Gang hat, aus welchen sie bestehet; Labyrinthus. 2) Eine jede verworrene Sache, deren Zusammenhang oder Ausgang man nicht wohl einsehen kann. Wir sehen weit hinaus auf fremde Gefilde von Glück; aber Labyrinthe versperren den Zugang, Geßn. Ein Thor sucht blindlings Ruhm im Labyrinth der Schande, Haged. Besonders eine Reihe mehrerer mit einander verbundener Widerwärtigkeiten, deren Ausgang dunkel und ungewiß ist. Er würde sich aus seinem Labyrinthe durch die Verzweifelung reißen, anstatt einen vernünftigen Ausweg zu suchen, Weiße.


Lachbar (W3) [Adelung]


Lachbar, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches nur im Forstwesen, von den Harzbäumen üblich ist. Ein lachbarer Baum, welcher gelachet, d. i. aufgerissen, oder aufgehauen werden kann, um das Harz von demselben zu bekommen. Siehe 1. Lachen.


Lachbaum (W3) [Adelung]


Der Lachbaum, des -es, plur. die -bäume, im Forstwesen, ein Baum, welchen man an den Waldgränzen neben dem Gränzsteine stehen lässet, und ihn mit drey Hieben zu beyden Seiten bezeichnet, um den Gränzstein desto sicherer finden zu können. Zuweilen auch ein jeder Gränzbaum, so fern ein gewisses Zeichen zur Bezeichnung der Gränze in denselben gehauen worden; der Mahlbaum, Markbaum, Gränzbaum, in einigen Gegenden auch Lochbaum und Lachterbaum, beydes so wie Lachbaum von lachen, hauen. S. auch Lochstein.


Lache (W3) [Adelung]


1. Die Lache, plur. die -n, von dem Zeitworte lachen, hauen, ein nur noch im Forstwesen gebräuchliches Wort. 1) Ein in einen Baum gehauenes Zeichen. Ingleichen die von der Rinde entblößte Stelle, dergleichen die Harzreißer zu machen pflegen, um den Harze einen Ausgang zu verschaffen. Lachen in die Bäume hauen. 2) Ein Lachbaum, d. i. mit einem eingehauenen Zeichen versehener Baum, wird an einigen Orten gleichfalls eine Lache genannt. 3) Ein durch ein Buschholz gehauener Steig, die Haue dadurch abzutheilen, heißt gleichfalls eine Lache, ingleichen ein Lachsteig.

Anm. Im mittlern Lat. in der ersten Bedeutung Lachum, Lachus, im Schottl. und Irländ. Logh. Es ist mit Loch, Lücke, Leck, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Spalt, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine Grube, und andern genau verwandt. S. 1. Lachen.


Lache (W3) [Adelung]


2. Die Lache, plur. die -n, ein zusammen gelaufenes stehendes Wasser von geringer Größe, ein Sumpf, eine Pfütze. Aber die Teiche und Lachen darneben werden nicht gesund werden, sondern gesalzen bleiben, Ezech. 47, 11. So ist der Jordan auf einer Seiten, auf der andern sind Lachen und Gebirge, 1 Macc. 9, 45. Der Entenpfuhl - Die dir, wie mir, so sehr verhaßte Lache, Haged. Die Flüsse schwellen an, die Lachen werden Seen, Dusch. Daher Mistlache, Rothlache u. s. f.

Anm. Im Nieders. wo es auch eine sumpfige Wiese bedeutet, Lake, im Lat. Lacuna, im Wend. Luza. S. auch Gelüch. Es ist ein altes Europäisches Stammwort, welches ursprünglich nicht bloß einen Sumpf, sondern in weiterer Bedeutung auch einen See, ja Wasser und einen flüssigen Körper überhaupt bedeutete; wohin unter andern auch das Schwed. Lag, Feuchtigkeit, Wasser, See, das Lat. Lacus, Ital. Lago, Franz. Lac, und Schottische Loch, ein See, das Lat. Lix, Liquor, ein flüssiger Körper, die letzte Hälfte des Franz. Deluge, unser Lauge und Lake, das Epirotische lagune, wässern, das alte Alemannische Cruntlaccha, eine Quelle, und andere mehr gehören. In einigen Gegenden ist dieses Wort männlichen Geschlechtes, der Lachen.


Lache (W3) [Adelung]


3. Die Lache, plur. inus. von dem Zeitworte, lachen ridere. 1) Das Lachen; doch nur im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Eine helle Lache aufschlagen. Die Lache nicht halten können. Die laute Lache ist voller, herzlicher Spott, Klopst. 2) Die Art und Weise, wie man lacht; gleichfalls nur im gesellschaftlichen Umgange. Eine wunderliche Lache haben. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Lach, Holländ. Lach, Lagh.


Lächeln (W3) [Adelung]


Lächeln, verb. reg. neutr. et act. im ersten Falle mit haben, in der letztern Gestalt wird es nur in der dichterischen Schreibart gebraucht. Es ist das Diminut. von lachen, ridere, und bedeutet ein wenig lachen, d. i. mit Verlängerung der Lippen lachen, ohne dabey den Mund zu öffnen, oder das Lachen dem Gehöre merkbar zu machen. 1) Eigentlich. Ein Narr lacht überlaut, ein Weiser lächelt ein wenig, Sir. 21, 29. Einen Mann von Kenntniß und Geschmack siehet man wohl lächeln, hört ihn aber niemahls lachen, Sonnenf. Besonders als ein Merkmahl des Vergnügens, der angenehmen Empfindung. Unschuld lächelt sanft auf ihren Wangen, voll Anmuth ist jede Geberde, Geßn. Mich empfängt die tröstende Freundschaft Und lächelt jegliche Kunzel hinweg, Gieseke. Des Beyfalles, des Wohlwollens. Ach wenn du wüßtest, wie weit rührender ein freundliches Lächeln der Tugend ist, als alle Schmeicheleyen des Glücks! Und Beyfall lächelte der ganze Hof umher, Weiße. Die lächeln Ruhm und Sieg, ebend. Lächle der Muse Würdige Kühnheit ins Herz, Zachar. Ingleichen des Spottes. Das Lächeln ist angehender Spott, Klopst. Er lächelt Spott auf sie, Zachar. Wie auch des Grimmes, des bittern heimlichen Zornes. Mit bitterm Lächeln hebt er die verwelkte Hand, Weiße. 2) Figürlich, doch nur in der dichterischen Schreibart, eine angenehme Gestalt haben, durch seine Gestalt Vergnügen, angenehme Empfindungen erwecken. Das Lächeln des Morgens. Von Bäumen und vom Weinstock lächelt des Jahres Segen, Geßn. Vergebens lächelt ihr im angenehmen Garten Die blühende Natur Zufriedenheit und Ruh, Zachar. Daher das Lächeln, anstatt des ungebräuchlichen Lächelung.

Anm. Im gemeinen Leben gebraucht man dafür auch schmunzeln, schmuzen, schmuzeln, Nieders. smunstern, smunsterlachen, smustern, wo auch grieflachen in eben dieser Bedeutung üblich ist. Höhnisch lächeln heißt im Mecklenb. hucheln, und aus bitterm Zorne lächeln durch ganz Niedersachsen grimlachen. S. 2. Lachen.


Lachen (W3) [Adelung]


Das Lachen, S. Laken.


Lachen (W3) [Adelung]


1. Lachen, verb. reg. act. welches nur noch im Forstwesen üblich ist, wo es hauen bedeutet. Besonders gebraucht man es in folgenden drey Fällen. 1) Wenn man gewisse Hiebe in einen Baum thut, die Gränze eines Bezirkes damit zu bezeichnen, so wird der Baum gelachet. ( S. Lachbaum.) 2) Die Harzreißer oder Pechscharrer lachen die Harzbäume, oder lachen sie an, wenn sie die Rinde davon abschälen, damit das Harz ausfließen könne. ( S. 1. Lache 1.) 3) Man lachet oder hauet einen Steig in ein Buschholz, um die Gränzen der Haue dadurch anzudeuten. S. 1. Lache 3. Daher die Lachung.

Anm. Im Schwed. lautet dieses Wort mit vorgesetztem b blecka, da es denn besonders von dem Anhauen der Gränzbäume gebraucht wird, und mit unserm blecken, entblößen, verwandt ist. Aus allem erhellet, daß dieses Wort zu dem Geschlechte der Wörter schlagen, welches durch Vorsetzung des groben Zischlautes daraus gebildet worden, Loch, Leck, Lücke u. s. f. gehöret.


Lachen (W3) [Adelung]


2. Lachen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, eine angenehme und durch Luft erregte Erschütterung der Nerven durch Verlängerung und Öffnung des Mundes, und zuweilen auch durch einen damit verbundenen inarticulirten Schall an den Tag legen. 1. Eigentlich. Auf jemanden lachen, ihn lachend ansehen. Über etwas lachen, die Empfindung des Lustigen oder Possierlichen an einer Sache durch Lachen ausdrucken. Sich des Lachens nicht enthalten können. Jemanden lachen machen, ihn zum Lachen bewegen, wofür man im gemeinen Leben, aber irrig, sagt, ihn zu lachen machen. Auf jemandes Unkosten lachen, über ihn. Überlaut lachen, aus vollem Halse lachen, ich möchte mich zu Tode lachen, sich halb krank lachen, sich aus dem Athem lachen u. s. f. sind Ausdrücke eines heftigen Grades des Lachens, zu welchem auch die niedrigen R. A. gehören. man möchte sich vor Lachen ausschütten, man möchte sich darüber bucklich lachen, vor Lachen bersten wollen. Das Sardonische Lachen, eine krampfige Zusammenziehung der Gesichtsmuskeln, welche dem Lachen gleicht, und gemeiniglich aus Verwunderung oder Entzündung des Zwerchfelles entstehet. Es hat den Nahmen von einem in Sardinien wachsenden Kraute, Apium risus, dessen Genuß solche Krämpfungen des Gesichtes verursacht. Ein geringer Grad des Lachens, welcher bloß in Verlängerung und Öffnung des Mundes ohne damit verbundenen Schall bestehet, ist oft auch ein Merkmahl der Freude, des Vergnügens, der Freundlichkeit, des Wohlwollens u. s. f. Einem etwas mit lachendem Munde sagen. Über etwas in das Fäustchen lachen, im gemeinen Leben, sich heimlich darüber freuen, besonders über den Schaden eines andern. Der Gegenstand, über welchen man lacht, stehet im Oberdeutschen häufig in der zweyten Endung. Des wirt noch gelachet Innekliche, Walther von der Vogelweide. Welches auch wohl in der höhern Schreibart der Hochdeutschen nachgeahmet wird, besonders wenn das Lachen ein Merkmahl der Verachtung und Verspottung ist. Der im Himmel wohnet, lachet ihrer, Ps. 2, 4, O! wie lach' ich der Thoren! Kleist. Der andre Nachbar lachte sein, Gell. Wenn ungezähmte Bosheit der sanften Warnung lacht, Dusch. Jetzt lachen wir des Winters Wuth, Zachar. 2. Figürlich. 1) Sich freuen, fröhlich seyn. Mag doch sein Vermögen an lachende Erben kommen, an fremde. Ingleichen scherzen. Die Dichtkunst Lacht alte Thoren weis' und Schamvergeßne roth, Dusch. 2) Günstig, gewogen seyn; in der dichterischen Schreibart. Dem das Glück nicht will nach Wunsche lachen, Canitz. 3) Durch eine angenehme Gestalt Vergnügen und angenehme Empfindung erwecken; gleichfalls nur in der höhern Schreibart. So lachen die Fluren, wenn der Mond aus Wolken hervor geht, Geßn. Eine lachende Aussicht. Ein lachender Frühling. Die Redlichkeit lachte auf seiner Stirn, und Freude und Zufriedenheit im Auge, Geßn. Alles lacht Anmuth für mich, Zach. Anstatt des Vorwortes für auch wohl mit der dritten Endung der Person. Nun lacht ihm weiter keine Flur, Gell. Bares Geld lacht, sagt man auch im gemeinen Leben, d. i. es lockt, es reitzt den Verkäufer, seine Waare um einen billigen Preis zu geben.

Anm. Im Tatian lahhan, im Notker lachen, im Nieders. gleichfalls lachen, bey dem Ulphilas hlahjan, im Isländ. hleja, im Engl. to laugh, im Angels. hlihan, hlahan, schon im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im Dän. und Schwed. ohne Hauchlaut le und lee, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wo die Vorsylbe - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - das Gothische, Isländische und Angelsächsische h ist. Es ist entweder eine Nachahmung des durch lautes Lachen verursachten Schalles, oder druckt auch zunächst die mit dem Lachen verbundene Entblößung der Zähne aus, da es denn mit blecken und dem vorigen Zeitworte Eines Geschlechtes seyn würde. In den gemeinen Mundarten hat man viele Wörter die besondern Arten und Stufen des Lachens auszudrucken. Einige sind schon bey Lächeln angeführet worden. Laut und unanständig lachen, heißt im Nieders. schachern; ( S. Schäkern,) mit einem zitternden an den Gaumen angestoßenen Schalle lachen, im gemeinen Leben der Hochdeutschen kicheln, kichern, im Oberd. kutten, im Nieders. hucheln, hiddiken, gniddern, gnitken; höhnisch lachen, im Westphäl. gnesen; mit verzogenem Gesichte lachen, im Nieders. grinen, im Oberd. greinen u. s. f.


Lachenknoblauch (W3) [Adelung]


Der Lachenknoblauch, des -es, plur. inus. eine Art des Gamanders, welche einen dem Knoblauche ähnlichen Geruch, und einen bittern und scharfen Geschmack hat, und in den Lachen, d. i. sumpfigen Gegenden, wild wächset; Teucrium Scordium L. Wasser-Bathengel, Wasserknoblauch, Scordien.


Lacher (W3) [Adelung]


Der Lacher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher lacht, am häufigsten bey den Dichtern. Wenn nicht vielleicht - Der Unwitz alberne Lacher beseelt, Gieseke. Und jede Kunst, und jeder Lustigmacher Fand hier Bewunderer und Lacher, ebend.


Lächerlich (W3) [Adelung]


Lächerlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Zum Lachen geneigt, am häufigsten im gemeinen Leben. Es ist mir nicht lächerlich. Ein lächerliches Gesicht machen, als wenn man lachen wollte. Um der Zweydeutigkeit mit der folgenden Bedeutung willen, hat Klopstock dafür lacherhaft versucht. Uns war sehr lacherhaft zu Muthe. 2) Werth belachet zu werden, aus mehrern sich nicht zusammen schickenden Theilen bestehend. Was kommt dir so lächerlich vor? Eine lächerliche Handlung. Lächerliche Sprünge machen. Besonders wenn das durch die Empfindung des Unschicklichen erweckte Lachen mit Verachtung verbunden ist; doch nur als ein Nebenwort und mit den Zeitwörtern werden und machen. Sich lächerlich machen. So lächerlich sie über dieser Bemühung wird.

Anm. Im Nieders. belachlik, im Dän. latterlich. In der ersten Bedeutung ist es unmittelbar von dem folgenden Desiderativo lächern gebildet. Diese zweyte scheinet eine bloße Figur der ersten zu seyn, oder die Sylbe er ist in diesem Worte aus eben der Ursache eingeschoben worden, aus welcher sie sich in leserlich, fürchterlich, und andern mehr befindet. S. davon mit mehrern -Lich.


Lächern (W3) [Adelung]


Lächern, verb. reg. welches das Desiderativum von lachen ist, aber nur unpersönlich gebraucht wird, und nur im gemeinen Leben üblich ist. Es lächert mich nicht, ich habe keinen Trieb, keine Neigung zum Lachen. In einigen Gegenden auch als ein thätiges Zeitwort mit der vierten Endung. Das lächert mich, bewegt mich zum Lachen.


Lächler (W3) [Adelung]


Der Lächler, des -s, plur. ut nom. sing. der da lächelt; ein ungewöhnliches Wort, dessen sich Hagedorn Ein Mahl bedienet: Des seichten Glycons Bild, des Lächlers ohne Geist, Der stets die Backen dehnt, stets ihre Grübchen weist.


Lachring (W3) [Adelung]


Der Lachring, des -es, plur. die -e, im Forstwesen, ein eiserner Ring von einer bestimmten Weite, welcher das Maß der Dicke der lachbaren Bäume ist.


Lachs (W3) [Adelung]


Der Lachs, des -es, plur. die -e, ein eßbarer Seefisch mit Bauchfinnen hinter den Brustfinnen, und einem bunten Körper, welcher ein weites mit Zähnen versehenes Maul hat, zuweilen eine Länge von 2 1/2 Ellen erreicht und aus der See sehr tief in die Flüsse hinauf steiget, um daselbst zu leichen; Salmo Salar L. Das Männchen wird wegen seines krummen Schnabels in einigen Gegenden Hagen, Haken, Hakenlachs genannt. ( S. auch Salm.) Die jungen Lachse in der Größe der Häringe heißen in Obersachsen, wo sie oft in den Flüssen gefangen werden, im gemeinen Leben Lachskinder und Lachskunzen.

Anm. Im mittlern Lat. Lahsus, Lasso, im Nieders. Lass, im Ital. Laccia, im Pohln. und Böhm. Losos, im Ungar. Lazez, im Angels. Leax, im Dän. Schwed. und Engl. Lax. Einige leiten dieses Wort von dem Läcken, Springen, ab andere von Lache, Nieders. Lake, Fluß, See, Frisch aber von laxus, wegen des weiten Maules. Allein, vielleicht ist die helle Farbe der Seiten und noch weißere Farbe des Bauches dieses Fisches der Grund seiner Benennung, da denn dieses Wort zu blecken, blicken, bleich, gleißen, Glas, und andern dieses Geschlechtes gehören würde, welche sich nur durch die Vorsylben von demselben unterscheiden.


Lachsfang (W3) [Adelung]


Der Lachsfang, des -es, plur. die -fänge. 1) Diejenige Handlung, da man den Lachs zu fangen bemühet ist; ohne Plural. Auf den Lachsfang ausgehen. 2) Ein in einem Flusse zugerichteter Ort, in welchem sich die Lachse fangen müssen. 3) Die Zeit, wenn der Lachs am besten zu fangen ist.


Lachsforelle (W3) [Adelung]


Die Lachsforelle, plur. die -n, eine dem Lachse ähnliche Art Forellen, oder vielmehr eine Mittelart zwischen den Lachsen und Forellen, welche größer als diese, und kleiner als jene sind, einen bläulichen Rücken, grünliche mit schwarzen und röthlichen Puncten besetzte Seiten und einen gelblichen Bauch haben; Salmo Trutta L. Sie haben ein fettes, röthliches, sehr schmackhaftes Fleisch und halten sich gern in großen Seen auf.


Lachsmuräne (W3) [Adelung]


Die Lachsmuräne, plur. die -n, eine Art Muränen, welche in dem See Maduje in Hinterpommern gefangen werden, und dem Lachse so wohl in der Größe als Gestalt gleich sind; nur daß sie keine Flecken, eine weißere Farbe und größere Schuppen haben.


Lachsteig (W3) [Adelung]


Der Lachsteig, des -es, plur. die -e, S. 1. Lache 3.


Lachstein (W3) [Adelung]


Der Lachstein, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Gränzstein, besonders ein Gränzstein der Fahrwege; ein Wegestein. S. Lachbaum.


Lachtaube (W3) [Adelung]


Die Lachtaube, plur. die -n, Diminut. das Lachtäubchen, eine Art Tauben, deren Stimme dem Lachen eines Menschen ähnlich ist, und welche aus Ostindien herstammet; Columba Turtur Indica Klein.


Lachter (W3) [Adelung]


1. Das Lachter, des -s, plur. ut nom. sing. eine nur im Bergbaue übliche Benennung einer Klafter, welches im Sächsischen Erzgebirge 3 1/2 Elle, an andern Orten aber 4 Ellen hält. Im Böhm. Latro. Es ist mit Klafter Eines Geschlechtes, indem ihm, nur der müßige harte Hauchlaut fehlet, und das f in ein ch übergegangen ist. Für after sagen die Niederdeutschen achter, für Lust, Lucht u. s. f. S. 2. Klafter.


Lachter (W3) [Adelung]


2. Der Lachter, des -s, plur. ut nom. sing. in Hamburg, ein Bäckenknecht, welcher auf den Sichter folgt, und die Besorgung des Getreides und Mehles auf sich hat. Auf ihn folgt der Junker, oder wie er in Leipzig heißt, der Kleine. In großen Backhäusern hat man deren zwey, da denn der eine Ober- der andere aber Unterlachter heißt.


Lachterbaum (W3) [Adelung]


Der Lachterbaum, des -es, plur. die -bäume, an einigen Orten, ein Gränzbaum, S. Lachbaum.


Lachterlatte (W3) [Adelung]


Die Lachterlatte, plur. die -n, im Markscheiden, eine Latte, d. i. viereckter Stab, welcher die Länge eines Lachters hat, und zum Messen anstatt der unsichern Ketten gebraucht wird.


Lächzen (W3) [Adelung]


Lächzen, S. Lechzen.


Lack (W3) [Adelung]


Der Lack, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e. 1) Ein rothes durchsichtiges Gummi oder vielmehr Harz, welches aus Ostindien zu uns kommt, zu künstlichen Firnissen gebraucht wird, und auch Gummi Lacca heißt. Daher in weiterer Bedeutung auch ein daraus bereiteter Firniß, selbst nach seiner Erhärtung, der Lack genannt wird. Der Stock hat einen schönen Lack. ( S. Lackfirniß, ingleichen Holzlack und Plattlack.) Wenn dieses Wort von einigen im ungewissen Geschlechte gebraucht wird, so wird vermuthlich Gummi darunter verstanden. Indessen ist dieses Geschlecht auch in Siegellack beybehalten worden, welches im gemeinen Leben auch nur das Lack genannt wird, weil dieses Gummi der vornehmste Bestandtheil desselben ist. 2) Eine Art hochgelber Blumen, goldner Lack, ( S. Lackviole.) 3) In der Mahlerey, ein Nahme verschiedener aus den Säften der Blumen oder aus verschiedenen Hölzern gezo- gener Farben. So hat man gelben Lack, welcher aus den Schlüsselblumen, den gelben Märzviolen und dem Ginster bereitet wird; blauen aus der Schwertel, den Kornblumen und Veilchen; rothen aus dem Mohne u. s. f. Am häufigsten wird der rothe Lack nur Lack schlechthin genannt. Zu diesem gehören der feine Venetianische Lack, der Florentiner oder Wiener-Lack, der Colombin-Lack und der Kugellack, welche letztere Art die geringste ist, und die Gestalt runder Kugeln hat.

Anm. In der ersten Bedeutung ist dieses Wort unstreitig morgenländischen Ursprunges, indem dieses rothe Harz im Arabischen Lach und im Persischen Lac heißt, woher das mittlere Lat. Laca, welches schon im 14ten Jahrhunderte vorkommt, das Ital. Lacca, das Franz. Lacque und Span. Laccra stammen. Es scheinet, daß man nachmahls eine jede rothe, und endlich in weiterer Bedeutung eine jede Farbe Lack genannt habe. Siehe auch Lackmuß.


Läcken (W3) [Adelung]


* Läcken, oder Lecken, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber im Hochdeutschen völlig veraltet ist. Es bezeichnete überhaupt eine schnelle Bewegung. Besonders bedeutete es, 1) laufen; von welcher Bedeutung noch unser heutiges Lackey übrig ist, ( S. dasselbe.) 2) Springen, besonders aus Freude, aus Muthwillen springen. Der Herr zerbricht die Cedern im Libanon, und macht sie lecken wie ein Kalb, Ps. 29, 5, 6. Darum daß ihr lecket wie die geilen Kälber, Jerem. 50, 11. Und gingen wie die Rosse an der Weide und leckten wie die Lämmer, Weish. 19, 9. Alsdann werden die Lahmen lecken wie ein Hirsch, Es. 35, 6. 3) Hinten ausschlagen, und figürlich, sich mit Gewalt widersetzen. Warum leckest du denn wider meine Opfer und Speisopfer? 1 Sam. 2, 29. Es wird dir schwer werden, wider den Stachel zu lecken, Apostelg. 9, 5; Kap. 26, 4. Welches Notker Ps. 57, 8 übersetzt, uuider garte spornene, und die Nieders. Bibel, yegen den Preckel achter uhtsian; wo Preckel, so wie das Hochdeutsche Stachel, derjenige spitzige Stecken ist, womit die Landleute einiger Gegenden die Ochsen in die Lenden stechen, um sie dadurch anzutreiben. Hoffmann hat in seinem Buche von der Zufriedenheit das Wort läcken nicht verstanden, wenn er sagt: Meinet ihr, daß dem die Zunge und das Herz nicht bluten, der beständig wider den Stachel lecket?

Anm. Schon bey dem Ulphilas ist laikan hüpfen, springen, im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - springen und hinten ausschlagen, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - die Ferse. Im Schwed. ist lacka laufen, und leka, Isländ. leika, spielen, im Fries. leechen tanzen, und im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gehen, wandern. Woraus erhellet, daß es zu fliegen, flacken, Flagge, flugs, schlagen und dem ganzen Geschlechte derjenigen Wörter dieser Art gehöret, welche in dem Begriffe der schnellen Bewegung mit einander überein kommen. ( S. auch Frohlocken, Leichen, der Lecker und Lackey.) Unter den verschiedenen Schreibarten dieses veralteten Wortes ist löcken die unrichtigste, lecken erträglich, läcken aber der Analogie anderer Sprachen und Geschlechtsverwandten am gemäßesten.


Läcker (W3) [Adelung]


Der Läcker, S. Lecker.


Lackey (W3) [Adelung]


Der Lackey, des -en, plur. die -en, ein geringer Livree-Bedienter zu Fuß, welcher vornehmlich zum Verschickten gebraucht wird.

Anm. Wir haben dieses Wort so wie mehrere den Luxus betreffende Wörter von den Franzosen entlehnet, bey welchen Laquais eben diese Bedeutung hat. Indessen ist kein Zweifel, daß es von dem vorigen Zeitworte läcken, laufen, abstammet, und ehedem eigentlich einen Läufer bedeutet haben mag, bis es die nunmehrige Bedeutung eines geringen Bedienten zu Fuße erhalten hat. Im Ital. lautet dieses Wort Lache, wofür aber auch Staffiere, von ähnlicher Abstammung üblich. Auf gleiche Art nannten die ältern Deutschen einen solchen Bedienten zu Fuße Renner, welches noch im Hornegk vorkommt. Die Dänen und Schweden haben dieses Wort mit ihren eigenen Nachsylben gebildet, dagegen unser -ey, aus dem Franz. ais entstanden ist. Dort heißt ein Lackey Lakke, und hier ist Lackere ein verpflichteter Bothe, beyde von lacka, läcken, laufen. In der Lotharingischen gemeinen Mundart heißt ein Lackey Laquedrille. Fauchet de l'Origine des Armoiries B. 1, Kap. 1 versichert, daß man hundert Jahre vor ihm angefangen habe, die Bedienten zu Fuß Laquets zu nennen. In andern Sprachen ist das Wort weit älter. Im Baskischen ist Lacoya, und im Spanischen Lacajo, ein Diener. Selbst im Äthiopischen bedeutet Laki einen Bedienten, und Laaca schicken.


Lackfarbe (W3) [Adelung]


Die Lackfarbe, plur. die -n, eine jede mit Saftfarben gefärbte Erde, so fern sie zum Mahlen gebraucht wird.


Lackfirniß (W3) [Adelung]


Der Lackfirniß, des -sses, plur. doch nur von mehrern Arten, die -sse. 1) Eigentlich, ein aus dem Ostindischen Gummi Lack zubereiteter Firniß. 2) In weiterer Bedeutung, ein jeder auch aus andern Harzen und harzigen Körpern bereiteter Firniß, womit man manche Dinge überziehet, ihnen eine glänzende und harte Oberfläche zu geben. In beyden Fällen auch nur der Lack.


Lackholz (W3) [Adelung]


Das Lackholz, des -es, plur. inus. ein Nahme der Alpenkiefer oder des Krummholzbaumes, vermuthlich weil das Holz gern zu Dingen gebraucht wird, welche lackiret werden sollen; Pinus montana L. Aus einer ähnlichen Ursache wird er auch Dosenbaum genannt. S. Fichte Anm.


Lackiren (W3) [Adelung]


Lackiren, verb. reg. act. mit einem Lackfirnisse, in beyden Bedeutungen dieses Wortes, überziehen. Der Lackirer, welcher solches verrichtet.


Lackmuß (W3) [Adelung]


Das Lackmuß, des -es, plur. inus. eine röthliche blaue Farbe, welche aus dem mit Kalk und Urin zubereiteten und hierauf getrockneten Safte der Lackmußpflanze, jetzt aber auch aus der Steinflechte verfertiget, und in großen langwürfeligen Stücken zu uns gebracht wird. Die Lackmußpflanze, Croton tinctorium L. Franz. Turnesol, ist in den wärmern Gegenden Europens einheimisch, und wird auch von einigen Krebskraut genannt. Lack bedeutet in dieser Zusammensetzung eine aus Pflanzen bereitete Farbe. Muß scheinet auf die Art der Zubereitung zu gehen, indem die Farbe, ehe sie getrocknet wird, zu einem Muße oder Breye gekocht werden muß. Im Latein. wird sie von einigen Locca musica genannt, welcher Ausdruck vermuthlich aus Unkunde der Bedeutung des Deutschen Nahmens entstanden ist. Im Franz. heißt die Farbe gleichfalls Tournesol.


Lackritz (W3) [Adelung]


Lackritz, S. Lakritz.


Lackviole (W3) [Adelung]


Die Lackviole, plur. die -n, eine Art sehr schöner gefüllter Levkojen, deren Blumenblätter am untern Theile eine hohe braunrothe Farbe haben, oben aber schön goldfarbig sind. Sie wird auch goldner Lack, und eine solche Pflanze mit ihrer Blume ein Lackstock genannt. S. Lack 2.


Lade (W3) [Adelung]


Die Lade, plur. die -n, Dimin. das Lädchen, Oberd. Lädlein, ein Wort, welches ehedem überhaupt einen jeden eingeschlossenen oder bedeckten Raum bedeutete, jetzt aber nur noch in einigen besondern Fällen vorkommt. 1) Ein Gestell, andere Theile aufzunehmen, und mit ihnen ein Ganzes auszumachen, ein nur auf einigen Seiten eingeschlossener Raum; nur noch in einigen Fällen. Das Gestell eines Ackerhakens, wird in der Landwirthschaft eine Lade genannt. Bey den Buchbindern ist die Heftlade ein Bret mit zwey Schrauben und einem Querbalken, die Bücher darin zu heften. Die Knie- oder Schenkellade der Nadler ist eine Art Schraubstock, den Draht, welchen man zerschneiden will, fest zu halten. Die Grundlade im Bergbaue bestehet aus beschlagenen Balken, welche den Grund der Thürstöcke ausmachen. Die Lade der Weber ist ein viereckter Rahmen, worin sich der Kamm befindet, mit welchem der Einschlag an das schon fertige Gewebe fest geschlagen wird. Die Kinnbacken, worin die Zähne befestiget sind, werden häufig Kinnladen genannt, und ehedem führeten die Laffeten des groben Geschützes gleichfalls den Nahmen der Laden. In den Hüttenwerken werden die Hölzer, worin die Pochstämpel gehen, und deren an jedem Pochwerke zwey sind, welche mit vier Riegeln verbunden werden, auch Laden genannt. Indessen kann es seyn, daß es in einigen der jetzt angezeigten Fälle auch nur ein Bret, oder langes viereckiges Holz bedeutet. S. der Laden 1. und Latte. 2) Ein Behältniß, ein hohler Raum, es sey von welcher Art er wolle; nur noch in einigen wenigen Fällen. In alten Schwedischen bedeutete Lader einen fürstlichen Pallast, und im Dän. ist Lade, im Schwed. Lada, und Isländ. Hlada, eine Scheuer oder ein Speicher. Im mittlern Lat. ist Ladus und im Dimin. Ladula eine Art eines Gefäßes. Ein mit Seitenbretern versehenes Bettgestell, wird besonders in Rücksicht auf den hohlen Raum, in welchen die Betten kommen, im gemeinen Leben einiger Gegenden eine Bettlade genannt. Die Lücken oder leeren Stellen in den Kinnbacken der Pferde führen den Nahmen der Laden, und auf dem Bodensee sind die Lädi eine Art der größten Schiffe. 3) Ein jeder Kasten; auch nur noch in einigen Fällen. Die Lade des Bundes oder Bundeslade, war in dem ersten Tempel der Juden ein zierlicher Kasten, worin die Gesetztafeln aufbewahret wurden, und auf welchem die Herrlichkeit Gottes ruhete. Bey den Handwerkern wird der Kasten, oder das Behältniß, worin sie ihre Freyheitsbriefe, Urkunden, ihre gemeinschaftliche Casse u. s. f. verwahren, die Lade genannt, welchen Nahmen auch figürlich die Zusammenkunft der Vorsteher und Meister einer Zunft führet, weil sie an dem Orte geschiehet, wo sich diese Lade befindet, und dieselbe dabey geöffnet wird. In Niedersachsen werden diejenigen Anstalten, welche im Hochdeutschen Cassen, im Oberdeutschen aber Kasten heißen, gleichfalls Laden genannt; z. B. die Armenlade, die Armen-Casse, die Kirchenlade, die Kirchen-Casse, die Witwenlade, die Witwen-Casse u. s. f. In verschiedenen Zusammensetzungen bezeichnet dieses Wort noch verschiedene andere, gemeiniglich viereckte hölzerne Behältnisse, dergleichen die Klöppelladen, Gewürzladen, Pfefferladen, Windladen in den Orgeln, Schubladen oder Schubkasten u. s. f. sind. Im Oberdeutschen wird noch ein Sarg die Todtenlade genannt. 4) In der engsten Bedeutung ist es ein viereckter hölzerner Kasten, mit einem gemeiniglich flachen Deckel, worin das Gesinde und gemeine Leute ihre Kleider und andere Habseligkeiten zu verwahren pflegen, und welcher inwendig gemeiniglich noch mit einer kleinern Beylade versehen ist. Anm. Schon im Schwabenspiegel in der Bedeutung eines Kastens Lade, im Nieders. gleichfalls Lade, im Pohln. Lada, im Schwed. Lada. Es gehöret zu dem zahlreichen Geschlechte derjenigen Wörter dieser Art, welche eine Bedeckung, und einen bedeckten oder eingeschlossenen Raum bedeuten; dergleichen der Laden, das Lied, ein Deckel, die Leite, ein Faß, das Kleid, das Leder, die Lase, das Zeitwort schließen, Nieders. fleten, Lat. claudere, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und andere mehr sind.


Ladeharte (W3) [Adelung]


Die Ladeharte, plur. die -n, in dem Salzwerke zu Halle, eine Barte, oder Beil, womit die Salzader die großen Stücke Salz im Laden zerhauen.


Ladebrief (W3) [Adelung]


Der Ladebrief, des -es, plur. die -e, ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, so wohl eine schriftliche Ladung vor Gericht, als auch ein Einladungsschreiben zu bezeichnen.


Ladegeld (W3) [Adelung]


Das Ladegeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1) Von laden, citare, die Citations-Gebühr; doch nur im Oberdeutschen. 2) Von laden, onerare, im Bergbaue, dasjenige Geld, welches man der Landesherrschaft von jedem Fuder Eisenstein, welcher auf die Halde hingemessen wird, entrichten muß, und im Sächsischen Erzgebirge 1 Gr. von einem Fuder beträgt.


Lademaß (W3) [Adelung]


Das Lademaß, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein körperliches Maß, das zu jeder Ladung eines Gewehres nöthige Schießpulver damit zu bestimmen.


Laden (W3) [Adelung]


Der Laden, des -s, plur. die Läden, Diminut. das Lädchen, Oberd. Lädlein, ein Wort, welches ursprünglich so wohl eine Decke, einen Deckel, als auch einen bedeckten Ort bedeutet, aber nur noch in einigen einzelnen Fällen gebraucht wird. 1) In der Bedeutung einer Decke oder eines Deckels kommt es nur noch von den breternen Flügeln vor, mit welchen die Glasfenster entweder von außen oder auch von innen bedecket werden, und welche auch Fensterläden heißen. Die Läden oder Fensterläden zumachen, öffnen oder aufmachen. Ein Fenster mit Läden. In vielen Gegenden, selbst im Hochdeutschen lautet der Plural in dieser Bedeutung ohne Veränderung des reinen Selbstlautes Laden. In Franken werden solche Läden Grembsen genannt. Bey dem Pictorius und Dasypodius aber ist Laden auch ein Bret, ( S. Latte.) 2) In der Bedeutung eines eingeschlossenen Raumes, werden nur noch die Boutiquen der Krämer und kramenden Handwerker in der Häusern Läden genannt, wo dieses Wort vornehmer ist, als das geringere Bude oder Boutique, aber geringer als das vornehmere Gewölbe. Einen offenen Laden haben oder halten, d. i. seine Waaren in einem solchen Laden feil biethen. Einen Laden öffnen, auch einen öffentlichen Kram in einem solchen Laden anfangen. Den Laden aufmachen, schließen. Ein Kramladen, Gewürzladen, Tuchladen, Goldschmidsladen, Buchladen, Schusterladen u. s. f. Im Oberdeutschen heißt ein solcher Laden ein Gaden.

Anm. Frisch glaubt, daß es in der letzten Bedeutung eine bloße Figur der ersten sey, und daß damit auf die hölzernen beweglichen Tische gesehen würde, welche vor den Öffnungen gewisser kleinerer Läden dieser Art zuweilen befindlich sind, und bey Tage zu Auslage, zur Nachtzeit aber zur Verschließung der auf die Gasse gehenden Öffnung dienen, und zuweilen auch Läden genannt werden. Es kann seyn. Indessen findet auch hier die ältere allgemeinere Bedeutung Statt. ( S. die Lade,) von welchem Worte es bloß im Geschlechte und im Gebrauche verschieden ist. Im Oberdeutschen heißt ein jedes ungehobeltes Bret ein Laden, plur. die Läden.


Laden (W3) [Adelung]


1. Laden, verb. irreg. act. du lädest, lädst, er lädet, lädt, besser ladest, ladet; Imperf. ich lud; Mittelwort geladen; Imperat. lade. Es wird in zwey dem Ansehen nach verschiedenen Bedeutungen gebraucht. 1) Schwere Körper zur Fortschaffung auf einen andern bringen. 1) Eigentlich. Die Waaren auf den Wagen, in das Schiff laden. Wasser auf das Kamehl, Holz auf den Esel laden. Abigail nahm zwey hundert Brote und zwey Lägel Weins - - und luds auf Esel, 1 Sam. 25, 18. Oft wird das Fuhrwerk oder fortschaffende Ding verschwiegen. Mist laden, Korn laden, Holz laden, nähmlich auf den Wagen. Steine laden, in das Schiff. Was hast du geladen? d. i. was für Waaren oder Lasten führest du auf deinem Fuhrwerke oder in deinem Schiffe? Der Schiffer hat Korn, der Fuhrmann hat Wein geladen, sie führen Korn oder Wein. Der Fuhrmann kann nicht mehr als zehn Zentner laden, auf seinen Wagen fortbringen. Ein geladener Wagen, besser ein beladener. 2) Figürlich, sich den Wirkungen einer beschwerlichen Sache, welches als eine Last angesehen wird, aussetzen. Jemandes Haß, Feindschaft auf sich laden. Auf sich den Haß der Niedern laden, Dieß stürzet oft den größten Mann, Gell. Daher die biblischen Ausdrücke, Sünde, eine Blutschuld, unschuldig Blut auf sich laden, sich der darauf gesetzten Strafe schuldig machen. 2. Von Feuergewehren, das zum Schusse gehörige Pulver und Bley in ein Gewehr bringen, wo es von allen Arten von Schießgewehren gebraucht wird. Eine Schlüsselbüchse, Pistole, Büchse, Flinte, Kanone, Mörser u. s. f. laden. Eine geladene Flinte, Kanone. Scharf laden, so wohl mit Pulver, als auch mit Bley, oder Kugeln. Blind laden, mit Pulver allein. Daher die Ladung, S. solches an seinem Orte besonders. Anm. Schon bey dem Ottfried und im Tatian laden, im Nieders. gleichfalls laden, im Holländ. laden, und zusammen gezogen laeyen, im Angels. ladan, hladan, im Engl. to load, im Pohln. laduje, im Dän. lässe, ( S. Last,) im Isländ. hlada, im Schwed. lada und ladda, im Finnischen ladan. Es laßt sich dieses Wort mit gleichem Rechte zu verschiedenen Stammbegriffen rechnen. Man kann den Begriff der Schwere, des Unangenehmen, für den ersten halten, und da würde es zu Leid, Last u. s. f. gehören. Siehet man zunächst auf den hohlen Raum, in welchen die Sachen geladen werden, so würde man es zu Lade rechnen müssen. Es lässet sich aber auch der Begriff des Aufhäufens mit in Anschlag bringen; denn im Schwed. ist lada auch aufhäufen, und Lad, Isländ. Hlad, ein Haufen, ( S. Kloß.) Allein, da der Begriff der Schwere mit diesem Worte unzertrennlich verbunden ist, so scheinet die erste Ableitung den Vorzug zu verdienen, ( S. Last.) In der zweyten Bedeutung, wo es von Feuergewehren gebraucht wird, verschwindet zwar der Begriff der Last; allein er kann doch ehedem da gewesen seyn. Laden stammet in derselben vermuthlich von der ehemahligen Art Krieg zu führen vor Erfindung des Pulvers her, wo man schwere Lasten vermittelst allerley Wurfzeuge in die Ferne warf, welche denn freylich in eigentlichem Verstande auf das Wurfzeug geladen werden mußten. S. Loth.


Laden (W3) [Adelung]


2. Laden, verb. irreg. act. welches in der Conjugation dem vorigen gleich ist, nur daß man hier im Präsenti wohl nicht leicht mit Veränderung des reinen Vocals, du lädest oder lädst, er lädet oder lädt sagt. Es bedeutete ursprünglich rufen, in welchem Verstande es noch in den alten Schriftstellern bis in das 14te Jahrhundert häufig vorkommt. Jetzt ist es noch von einer doppelten Art des Rufens üblich. 1) Jemanden vor Gericht rufen, ihm im Nahmen des Richters vor Gericht zu erscheinen befehlen, wofür im gemeinen Leben der Hochdeutschen das ausländische citiren beynahe üblicher ist. Jemanden vor Gericht laden oder laden lassen. 2) Höflich ersuchen, bey einer Feyerlichkeit, bey einer Mahlzeit, oder zu einem freundschaftlichen Besuche zu erscheinen, wo es im gemeinen Leben der Hochdeutschen gemeiniglich durch das fremde invitiren verdränget wird, aber im Oberdeutschen in dieser Bedeutung noch völlig gangbar ist, Jemanden zu Gaste, zur Hochzeit, zum Tanze, zum Essen laden. Die geladenen Gäste. Ich bin auf heute schon geladen, d. i. zum Essen, oder zum Besuche. Laute Lüfte, Wohlgerüche Laden uns zum Tanz, Raml. S. auch Einladen. Daher die Ladung, S. solches hernach besonders.

Anm. Bey dem Kero keladen für einladen, bey dem Willeram laden, bey dem Ottfried und im Tatian giladan für rufen, bey dem Ulphilas lathon, im Dän. ladde. Es ist wohl kein Zweifel, daß die Bedeutung des Rufens die erste und älteste ist, so daß dieses Wort zu unserm laut und dem Wallis. Llais, die Stimme, gehöret. S. Laut.


Ladenflügel (W3) [Adelung]


Der Ladenflügel, des -s, plur. ut nom. sing. die eine bewegliche Hälfte eines Fensterladens. S. Flügel.


Ladengesell (W3) [Adelung]


Der Ladengesell, des -en, plur. die -en, bey den Handwerkern, derjenige Gesell, welcher die Aufsicht und Rechnung über die Lade, d. i. gemeinschaftliche Casse der Gesellen führet, und welcher auch der Büchsengesell, bey den Buchdruckern aber der Ladenvater genannt wird.


Ladengewirk (W3) [Adelung]


Das Ladengewirk, des -es, plur. die -e, ein prächtiges Stickwerk, welches an einer besondern Lade gemacht wird, welche eine Art eines kleinen Weberstuhles ist.


Ladenhüther (W3) [Adelung]


Der Ladenhüther, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben der Krämer und Kaufleute, eine Waare, welche lange im Laden liegen bleibet, keinen Abgang hat, und also gleichsam den Laden hüthet; im Oberd. ein Gadenhüther, im Nieders. ein Stallfalen, gleichsam ein Stallfüllen, Franz. Garde de Boutique.


Ladenmeister (W3) [Adelung]


Der Ladenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Handwerkern, derjenige Meister, welcher im Nahmen der ganzen Zunft; der Lade, d. i. Versammlung der Gesellen, beywohnet.


Ladenvater (W3) [Adelung]


Der Ladenvater, des -s, plur. die -väter, S. Ladengesell.


Ladenzins (W3) [Adelung]


Der Ladenzins, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -e, der Zins, oder das Miethgeld, welches der Besitzer eines Kram- oder Kaufladens dem Eigenthümer entrichtet; im Oberd. der Gadenzins.


Lader (W3) [Adelung]


Der Lader, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher Waaren oder Lasten auf oder in ein Fuhrwerk ladet, und im gemeinen Leben häufig ein Läder genannt wird. Besonders in den zusammen gesetzten Ablader und Auflader, ( S. diese Wörter.) Auf den Kriegsschiffen werden diejenigen Soldaten, welche den Kanonierern bey dem Laden der Kanonen Hülfe leisten, gleichfalls Lader genannt.


Laderüster (W3) [Adelung]


Die Laderüster, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Pflugsterze, S. dieses Wort und Lade 1.


Ladeschaufel (W3) [Adelung]


Die Ladeschaufel, plur. die -n, in der Geschützkunst, eine Schaufel, womit die Ladung, d. i. das zum Schusse nöthige Pulver, in das Stück gebracht wird.


Ladestock (W3) [Adelung]


Der Ladestock, des -es, plur. die -stöcke, der lange Stock an dem kleinen Feuergewehre, womit die Ladung fest gestoßen wird; bey einigen der Ladestecken.


Ladestopfer (W3) [Adelung]


Der Ladestopfer, des -s, plur. ut nom. sing. bey dem Sprengen der Steine mit Pulver, ein Werkzeug, welches daselbst die Stelle des Ladestockes vertritt.


Ladung (W3) [Adelung]


1. Die Ladung, plur. die -en, von dem Zeitworte laden, onerare. 1. So fern es von Lasten gebraucht wird. 1) Die Handlung, da man Lasten auf ein Fuhrwerk ladet, ohne Plural; wofür doch das Laden üblicher ist. Die Ladung ist vorbey. 2) Dasjenige, was man auf ein Fuhrwerk ladet, Waaren, Güter, Lasten. Ladung suchen, von Fuhrleuten, wenn sie Fracht suchen. Einem Fuhrmanne Ladung geben, ihm Waaren oder Güter zu führen geben. Mit voller Ladung fahren. Seine völlige Ladung haben, welches auch figürlich von einem Betrunkenen gesagt wird. 3) Zuweilen auch, so viel als auf ein Fuhrwerk, Schiff oder Fahrzeug geladen werden kann. Eine Ladung Steine, Holz u. s. f. 2. Von Feuergewehren. 1) Die Handlung da man sie ladet, ohne Plural; wofür doch auch das Laden üblicher ist. 2) Dasjenige, was in ein Gewehr auf Ein Mahl geladen wird, so wohl an Pulver allein, als an Pulver und Bley zugleich; der Schuß. Eine Ladung Pulver. Die Ladung wieder heraus ziehen. 3) Auch das Lademaß wird von einigen die Ladung genannt.


Ladung (W3) [Adelung]


2. Die Ladung, plur. die -en, von dem Zeitworte laden, rufen, die Handlung des Ladens, in beyden Bedeutungen des Zeitwortes. Die gerichtliche Ladung, die Citation. Die Ladung zu einem Gastmahle, Tanze u. s. f. die Einladung, Invitation. Schon bey dem Notker ist Ladunga der Ruf.


Laff (W3) [Adelung]


Laff, -er, -este, adj. et adv. 1) In einigen Gegenden für schlaff, im gemeinen Leben lapp, schlapp. ( S. Lappen und Schlaff.) 2) Am gewöhnlichsten für unschmackhaft, was seinen gehörigen Geschmack verloren hat. Ein laffer Wein, der kraftlos geworden, seinen Geist verdunstet hat. Im Oberdeutschen auch wohl im figürlichen Verstande. Laffe Reden, abgeschmackte, alberne.

Anm. Die Niedersachsen gebrauchen in der zweyten Bedeutung dafür flau, welches mit demselben eines Geschlechtes ist, siehe dieses Wort.


Laffe (W3) [Adelung]


Der Laffe, des -n, plur. die -n, Diminut. das Läffchen, ein junger unverschämter alberner Mensch, im verächtlichen Verstande, und von beyden Geschlechtern. Da kam der junge Laffe, Herrn Damons Mündel, und nahm sich allerhand Freyheiten heraus, Gell. Er (Cotill) ging, und schlug im Gehen oft ein Rad, O, schrie man, seht den jungen Laffen, Der den Verstand verloren hat, ebend.

Anm. Im Nieders. Laffert, im Engl. Lob, Looby, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Schwed. Lappare, welches aber auch einen Trödler, der mit alten Kleidern handelt, bedeutet, und daher wohl von Lappen abstammet. Im Oberdeutschen, und selbst im Hochdeutschen ist für Laffe auch der Lapp, und im vertraulichen Scherze im Diminut. das Läppchen üblich, wovon unser läppisch unmittelbar abstammet. Ich het warlich gmeint der Lapp Solt gewist haben zu gan, Theuerd. Kap. 22. In dem niedrigen Rotzläffel scheint die letzte Hälfte das Oberdeutsche Diminut. von Laffe zu seyn. Die meisten sind in Ableitung dieses Wortes auf das veraltete laffen lecken, gefallen, welches noch in vielen verwandten Sprachen in dieser Bedeutung üblich ist, ( S. Lefze und Lippe.) Sie erklären es daher durch einen jungen unerzogenen Menschen, der als ein Kind, nichts als die Zunge und Lippen gebrauchen kann, zu saugen und Brey zu lecken, wie sich Frisch ausdruckt. Sie unterstützen diese Ableitung durch das fast gleichbedeutende Lecker, welches sie auf ähnliche Art von lecken ableiten. Allein das vorige Laff, im gemeinen Leben Lapp, hat, besonders so fern es abgeschmackt, albern bedeutet, mehr Recht auf die Verwandtschaft mit diesem Worte. ( S. auch Läffeln, ingleichen Läppisch.) Wachters Ableitung von den Lappen, einer nördlichen Völkerschaft, ist so ungereimt als möglich. Im Arab. ist Lahw ein Kind und eine kindische Sache.


Läffeln (W3) [Adelung]


Läffeln, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, und im Oberdeutschen üblicher ist, als im Hochdeutschen, eine Person andern Geschlechts seine Liebe bezeigen, und in engerer Bedeutung, unverschämt bey dem andern Geschlechte seyn, seine Liebe oder vielmehr Lüsternheit durch unanständige Bezeigungen und besonders durch dreistes Küssen, an den Tag legen; im gemeinen Leben der Hochdeutschen caressiren. Bey einem Frauenzimmer läffeln, als ein Neutrum. Ein Frauenzimmer läffeln, als ein Activum. Einer Person etwas abläffeln, durch dreiste Caressen von ihr erhalten. Sich bey ihr einläffeln, u. s. f. Daher die Ableitungen läffelhaft, ein Läffler, eine Läfflerinn, die Läffeley, ein Läffelwinkel, das Läffelgäßchen, der Läffelmarkt u. s. f. welche insgesammt im Oberdeutschen am bekanntesten sind, und daselbst am häufigsten im verächtlichen, zuweilen aber auch im gleichgültigsten Verstande gebraucht werden.

Anm. Viele schreiben dieses Wort ohne allen Grund löffeln. Andere leiten es von dem vorigen Läffe ab, und erklären es durch, sich laffelmäßig bezeigen. Allein, da es nur allein von Bezeigungen seiner Liebe gegen das andere Geschlecht, und hier im Oberdeutschen oft im unschuldigen Verstande gebraucht wird, so scheinet es vielmehr von lieb, Nieders. leef, und Liebe, Nieders. Leefe, abzustammen, zumahl da Logau liebeln im ähnlichen Verstande gebraucht. Billig sollte man es daher leffeln schreiben, weil ie und e häufiger in einander übergehen, als ie und ä.


Laffete (W3) [Adelung]


Die Laffete, plur. die -n, in der Geschützkunst, das hölzerne Gestell oder Gerüst, worauf eine Kanone lieget, und worauf sie fortgebracht wird; das Stückgestell. Von dem Franz. l'Affut, daher man es im Deutschen unrichtig Lavete schreibet. Bey den Mörsern wird die Laffete von einigen der Block, der Mörserblock genannt.


Laffeten-Mörser (W3) [Adelung]


Der Laffeten-Mörser, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein mit einer Laffete versehener Mörser, worin er mit seinen Schildzapfen befestiget ist; zum Unterschiede von den Fuß- oder Schämelmörsern, welche keine Schildzapfen haben.


Laffeten-Wand (W3) [Adelung]


Die Laffeten-Wand, plur. die -wände, die Wände oder breiten und langen Seitenhölzer an einer Laffete.


Läge (W3) [Adelung]


Läge, abhängig, niedrig, S. Lege.


Lage (W3) [Adelung]


Die Lage, plur. die -n, von den Zeitwörtern liegen und legen. 1. Die Art und Weise, wie ein Ding liegt. 1) Eigentlich. Den Grundbaum in die rechte Lage bringen. Der Stein hat keine gute Lage, er liegt nicht gut. Ich kann noch nicht in die rechte Lage kommen, im Bette. 2) In weiterer Bedeutung, die Art und Weise des Ortes eines Dinges, in Beziehung auf den Ort anderer Dinge. (a) Von Körpern. Eine Stadt hat eine gute Lage, wenn sie solche Dinge in der Nähe hat, welche zu ihrer Bequemlichkeit und Sicherheit dienen. Ein Weinberg, der gegen Mittag liegt, hat eine gute Lage. Der Mahler muß die Lagen durch ihre Gestalten wohl zu verbinden und zu entwickeln wissen. (b) Figürlich, die Beschaffenheit der Umstände im Verhältniß gegen andere; am häufigsten ohne Plural. Die zerrüttete Lage seines Glücksstandes. Die Sachen haben eine verzweifelte Lage bekommen. In der Lage meiner jetzigen Umstände. Wie viele gibt es nicht, denen ihre Lage in der Welt mißfällt! 2. Eine Reihe mehrerer neben und auf einander liegenden oder gelegten Dinge. 1) Überhaupt. Erst eine Lage Sand, dann eine Lage Steine, dann wieder eine Lage Sand machen. Die Stein- und Erdlagen in den Bergen, welche auch Flötze und Schichten genannt werden. Bey den Buchhändlern bestehen die rohen Bücher aus Lagen, d. i. aus sechs bis acht in einander gelegten oder gesteckten Bogen. Bey den Mahlern wird die auf Ein Mahl aufgetragene Farbe eine Lage genannt. Eine Lage von Farbe geben. Franz. donner une couche. 2) Besonders. (a) In Niedersachsen werden so viel ordentlich neben einander gestellte Bienenstöcke, als Ein Mann abwarten kann, eine Lage, Lacht, oder Bienenlage genannt. (b) Auf den Schiffen ist die Lage, Franz. Bordee, eine Anzahl Kanonen, welche längst den beyden Seiten des Schiffes auf jedem Verdecke stehen. Ein Schiff hat zwey Lagen, wenn es auf zwey Ver- decken Kanonen führet. Es hat anderhalb Lagen, wenn das eine Verdeck nur halb mit Kanonen besetzt ist. In einem andern Verstande werden oft auch alle auf der einen Seite des Schiffes befindliche Kanonen und die Abfeuerung derselben eine Lage genannt. Einem feindlichen Schiffe die ganze Lage geben, alle auf der einen Seite befindliche Kanonen auf dasselbe abfeuern. Beyde Lagen geben, eine Seite nach der andern abfeuern. Eine Lage aushalten.

Anm. In der zweyten Hauptbedeutung, im Dän. Schwed. und Isländ. Lag, im Engl. Lay. In den Zusammensetzungen Auflage, Auslage, Anlage, Beylage, Niederlage, Unterlage, Wiederlage, Zulage, wo es von legen abstammet, hat es noch andere Bedeutungen. In Verlag hat es mit Veränderung des Geschlechtes auch das Schluß e weggeworfen. Ehedem bedeutet Lage auch theils das Gesetz, theils aber auch, wie noch jetzt im Niederdeutschen, Nachstellung, Hinterhalt.


Lägel (W3) [Adelung]


Das Lägel, des -s, plur. ut nom. sing. ein rundes hölzernes Gefäß in Gestalt einer Tonne, daß es weiter als hoch ist, deren es von verschiedener Größe gibt. Man hat kleinere, welche am Boden etwa eine halbe Elle im Durchschnitte haben, deren man sich auf dem Lande bey der Feldarbeit zu Trinkgeschirren bedienet; es gibt aber auch größere, worin man allerley nasse Waaren auf Mauleseln und Saumthieren fortschaffet. Da nahm Isai einen Esel mit Brot und eine (ein) Lägel Weins, 1 Sam. 16, 20. Da eilte Abigail und nahm zwey Lägel Weins - und luds auf Esel, Kap. 25, 20. Es sollen alle Lägel mit Wein gefüllet werden, Jerem. 17, 12. Im Österreichischen hält ein Lägel Stahl 125 Pfund. In Bremen heißen die kleinen niedrigen Neunaugenfäßchen Legelken.

Anm. Im Nieders. Lächel, Legel, im Dän. Legel, im Pohln. Lagiew, im Schwed. Lägel, im Finnischen Leile, Frisch leitet es irrig von legen ab, weil es sich an die Lastthiere bequem anlegt. Es gehöret vielmehr zu einem ganzen Geschlechte von Wörtern, welche ein Behältniß einen hohlen Raum überhaupt bedeuten; wohin das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und Lat. Lagena, Lagenula, eine Flasche, das mittlere Lat. Legula, Ligula, eine Art eines Gefäßes, ja unser Deutsches Loch und Lücke gehören. Im Oberdeutschen ist es häufig weiblichen Geschlechtes, die Lägel.


Lager (W3) [Adelung]


Lager, adv. welches nur im Feldbaue üblich ist. Das Getreide wird lager, wenn es sich niederlegt, welches auch sich lagern, oder zu Lager gehen genannt wird. S. das folgende und Lege.


Lager (W3) [Adelung]


Das Lager, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Lager einer Armee oder die Läger, von den Zeitwörtern liegen und legen. 1. Der Zustand, da ein Ding lieget, oder sich leget; nur in einigen einzelnen Fällen. In der Fechtkunst wird die Stellung eines Fechtenden das Lager genannt, weil er dabey gestreckt stehet, oder gewisser Maßen lieget. Die Einkehr und der Aufenthalt in einem Kloster auf dessen Kosten wurde ehedem häufig das Lager oder das Ablager genannt. Zu Lager gehen, sagt man in der Landwirthschaft von dem Getreide, wenn es sich vor allzu großer Fettigkeit des Bodens niederlegt, oder durch Platzregen niedergeschlagen wird, und in Niedersachsen kommt das Vieh zu Lager, wenn es in einem morastigen Boden stecken bleibt. Eine Krankheit, bey welcher man bettlägerig ist, wird häufig ein Lager oder Krankenlager genannt. Ein schweres Lager ausgestanden haben. Nach einem halbjährigen Krankenlager. S. auch Beylager und Einlager. 2. Der Ort, wo ein Ding liegt oder gelegen hat, besonders, wo es auf eine bequeme oder bauerhafte Art liegt. 1) Von leblosen Dingen. So wird die Grube, in welcher ein Stein, besonders aber ein Gränzstein liegt, dessen Lager genannt. In den Kellern bestehet das Lager aus starken viereckigen Bäumen, auf welchen die Wein-Bier-Öhlfässer u. s. f. liegen. Das Weinlager, Bierlager. ( S. auch Fülllager.) Bier auf das Lager brauen, um es hinzulegen, und alt werden zu lassen. ( S. Lagerbier.) Hundert Faß Wein auf dem Lager haben, im Keller. An den Feuermörsern ist der untere runde Theil, in welchem das Pulver zu liegen kommt, das Lager, zum Unterschiede von dem Fluge. In der Handlung ist das Lager oder Waarenlager derjenige Ort, wo eine oder mehrere Waaren im Vorrathe aufbehalten werden, wo es oft auch die darin befindlichen Waaren mit bezeichnet. Ein starkes Waarenlager haben. Eine Waare auf das Lager legen. Gute Waaren bleiben nicht leicht auf dem Lager liegen. 2) Von Thieren wird es so wohl bey den Jägern, als auch im gemeinen Leben von demjenigen Orte gebraucht, wo sie sich des Nachts zur Ruhe niederlegen, da die erstern nur denjenigen Thieren Lager zuschreiben, welche sich im strengsten Verstande niederlegen. Dergleichen sind die wilden Schweine, die Bären, Wölfe, Dachse, Biber, Hamster, Ottern, Luchse, Ratzen, Marder, Füchse, Hunde, Iltisse, Wiesel, Igel, Eichhörnchen, Feldhühner u. s. f. Von dem Hirsche ist, weil er mehr sitzet; Bett, Sitz und Ruheplatz, und von den Hasen so wohl Lager als Sasse üblich. Bey den Feldhühnern bedeutet dieses Wort auch diejenigen Hühner, welche sich zugleich mit einander niederzutuhn pflegen. Ein Lager Hühner. Den Pferden ein Lager von Stroh machen. 3) Von Menschen. (a) Der Ort, wo ein Mensch lieget, besonders wo er sich zur Ruhe hinlegt, heißt dessen Lager. Ein gutes, ein schlechtes Lager haben. Sich ein Lager machen. Auch das Bett, besonders in der höhern Schreibart, in welcher Bedeutung es in der Deutschen Bibel häufig vorkommt. Du hießest und zu deinem Lager kommen, um den letzten Segen zu empfangen. (b) Das Hoflager, der Ort des Aufenthaltes eines regierenden Herren, er halte sich nun für beständig, oder nur auf einige Zeit daselbst auf. (c) Derjenige Ort unter freyem Himmel, wo sich ein Kriegsheer auf einige Zeit unter Gezelten aufhält, in welcher Bedeutung es im Plural die Läger hat; das Heerlager, Feldlager, Kriegslager, ehedem Heriberga und Heristall. Das Lager abstechen. Oft auch mit Einschluß der auf diesem Platze befindlichen Gezelte. Ein Lager schlagen, oder aufschlagen, den Platz durch Aufschlagung der Gezelte zu diesem Aufenthalte zurichten. Das Lager abbrechen. Aus dem Lager rücken. Das Lager befestigen. Dem Feinde in das Lager brechen. Das Hauptlager, das Hauptquartier, derjenige Ort des Lagers, wo der commandirende General seinen Aufenthalt hat. 3. Mehrere über oder neben einander liegende Dinge; doch nur in einigen einzelnen Fällen. So werden die in der Erde befindlichen Erd- und Steinlagen auch häufig Lager genannt. Der Granit liegt in Bänken oder Lagern. ( S. Lage.) Auch der Bodensatz flüssiger Körper, besonders des Weines, Bieres und Öhles, welcher auch die Mutter heißt, ist unter dem Nahmen des Lagers bekannt. Der Wein schmeckt, riecht nach dem Lager. Das Bier auf dem Lager lassen, es auf den Hefen stehen lassen. Das Weinlager, Weinhefen, Bierlager, Bierhefen.

Anm. Im Oberd. das Lager und Gelieger, bey dem Ottfried Legar, bey dem Willeram Luoger, im Engl. Leaguer, im Schwed. Läger, im Dän. Leyger.


Lagerapfel (W3) [Adelung]


Der Lagerapfel, des -es, plur. die -äpfel, S. Lagerobst.


Lagerbalken (W3) [Adelung]


Der Lagerbalken, des -s, plur. ut nom. sing. an den Jochbrücken, die horizontalen Balken, welche auf den Ständen oder eingerammten Pfählen ruhen; Jochträger, Schwellen, Holben.


Lagerbier (W3) [Adelung]


Das Lagerbier, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, oder Quantitäten, die -e, ein starkes Bier, welches im März oder April auf das Lager gebrauet wird, d. i. um bis auf den Sommer im Keller aufbehalten zu werden; Märzbier, weil es in diesem Monathe gebrauet wird, Sommerbier, weil es im Sommer verzapft und getrunken wird, Kufenbier, weil es in Kufen aufbewahret wird.


Lagerbirn (W3) [Adelung]


Die Lagerbirn, plur. die -en, S. Lagerobst.


Lagerbuch (W3) [Adelung]


Das Lagerbuch, des -es, plur. die -bücher. 1) Ein Buch, worin alle Felder und Äcker eines Ortes nach ihrer Größe und Lage auf das genauste beschrieben werden; das Flurbuch, Markungsbuch, Erbbuch, Saalbuch, Catastrum. 2) Bey den Kaufleuten, ein Rechnungsbuch, welches über die in dem Waarenlager befindlichen Waaren gehalten wird.


Lagerfaß (W3) [Adelung]


Das Lagerfaß, des -sses, plur. die -fässer, ein großes Faß, welches beständig auf dem Lager im Keller liegen bleibt.


Lagerfieber (W3) [Adelung]


Das Lagerfieber, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Ärzten, ein heftiges hitziges Fieber, welches vieles mit den faulen Fleckfieber gemein hat, und gemeiniglich in den Sommermonathen bey den Soldaten im Felde und in den Lägern entstehet; Febris castrensis, Febris Hungarica.


Lagergeld (W3) [Adelung]


Das Lagergeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1) An einigen Orten, eine Abgabe an die Obrigkeit für die Freyheit, Bier oder Wein auf das Lager zu legen. 2) S. Lagerzins.


Lagerhaft (W3) [Adelung]


* Lagerhaft, adj. et adv. welches im Oberdeutschen für bettlägerig üblich ist. Siech und lagerhaft, Opitz.


Lagerhaus (W3) [Adelung]


Das Lagerhaus, des -es, plur. die -häuser, an einigen Orten, ein Waarenlager, besonders ein öffentliches, ein Haus, wo Waaren und Güter eine Zeit lang aufbehalten werden.


Lagerholz (W3) [Adelung]


Das Lagerholz, des -es, plur. die -hölzer. 1) Im Forstwesen, umgefallene oder von dem Winde umgeworfene Bäume, welche nicht abgeführet worden, sondern in dem Walde liegen geblieben; ohne Plural. 2) Diejenigen Hölzer, d. i. starke viereckige Bäume, aus welchen ein Lager im Keller bestehet, und welche im Oberdeutschen auch Ganter genannt werden, von dem Lat. Cantherium.


Lagerkrankheit (W3) [Adelung]


Die Lagerkrankheit, plur. die -en, eine jede Krankheit, welche besonders unter den Soldaten in einem Lager einreißet; Morbus castrensis.


Lagerkrone (W3) [Adelung]


Die Lagerkrone, plur. die -n, bey den ehemahligen Römern, eine goldene Krone mit Zinken, in Gestalt der Pallisaden, welche denen gegeben werde, welche am ersten in ein verschanztes feindliches Lager gedrungen waren; Corona vallaris, castrensis.


Lagerkunst (W3) [Adelung]


Die Lagerkunst, plur. inus. die Fertigkeit, das Lager einer Armee an dem vortheilhaftesten Orte zu wählen, und alle Eigenschaften des Bodens zu dessen Vortheile zu nutzen; ein Theil der Kriegskunst.


Lagermeister (W3) [Adelung]


Der Lagermeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein gutes ehemahliges Wort, einen Regiments-Quartiermeister zu bezeichnen, welches aber durch den ausländischen Ausdruck nunmehr fast überall verdränget worden.


Lagern (W3) [Adelung]


Lagern, verb. reg. act. von dem Hauptworte das Lager, oder auch von dem Nebenworte lager. 1) Niederlegen. Der Platzregen hat das Korn gelagert, auf den Boden niedergedrückt. Besonders als ein Reciprocum, sich lagern, sich niederlegen. Das Korn hat sich gelagert. Am häufigsten von Menschen und Thieren, wenn sie sich zur Ruhe oder zum Ausruhen niederlegen. Er hat nieder gekniet und sich gelagert wie ein Löwe, 1 Mos. 49, 9. Am häufigsten von mehrern. Da ließ er die Kamele sich lagern, 1 Mos. 24, 11. Hier wollen wir dann ins weiche Gras uns lagern, Geßn. Laß uns einen kühlen Ort suchen und in dem Schatten uns lagern, ebend. Kriegsvölker lagern sich, wenn sie ihr Lager aufschlagen. Auch figürlich in der höhern Schreibart. Schönster unter den zwölf Göttern, die dort am Himmel im Kreise sich lagern, Raml. Die Riesenschatten der Felsengebirge hatten sich über die Stadt gelagert, Zachar. 2) Ein Lager bereiten, das Lager anweisen. Das Volk lagern. Die Truppen an einen Fluß lagern. Ingleichen figürlich. Wie Gott die Erde auf Tiefen gelagert, d. i. gegründet.


Lagerobst (W3) [Adelung]


Das Lagerobst, des -es, plur. inus. Obst, welches sich bis in und durch den Winter aufbehalten läßt; Winterobst. Dergleichen Äpfel werden Lageräpfel, und Birnen Lagerbirnen genannt.


Lagerrebe (W3) [Adelung]


Die Lagerrebe, plur. die -n, im Weinbaue, eine Art Weinstöcke, deren Reben, so bald sie unten am Stocke ausschlagen, an der Erde fortkriechen und sich gleichsam auf dieselbe lagern.


Lagerruhr (W3) [Adelung]


Die Lagerruhr, plur. doch nur von mehrern Arten, die -en, bey den Ärzten, eine ansteckende Ruhr bey den Soldaten im Felde; Dysenteria castrensis.


Lagerscheit (W3) [Adelung]


Das Lagerscheit, des -es, plur. die -e, im Forstwesen, die aus den Stämmen der Bäume geschlagenen Scheite Brennholzes, welche auch Kernscheite genannt werden; zum Unterschiede von den Stockscheiten aus den ausgerotteten Stöcken. Vermuthlich weil sie dauerhafter sind, und sich länger aufbehalten lassen, als diese.


Lagerseuche (W3) [Adelung]


Die Lagerseuche, plur. die -n, eine Lagerkrankheit, wenn sie zu einer Seuche wird, S. Seuche.


Lagerstatt (W3) [Adelung]


Die Lagerstatt, plur. die -stätte, oder die Lagerstätte, plur. die -n, diejenige Statt, oder Stätte, d. i. Stelle, wo ein Ding sein Lager hat, oder gehabt hat; die Lagerstelle. Die Lager der Steine in der Erde, eines Thieres im Felde u. s. f. Das Bett ist die Lagerstatt oder Lagerstätte eines Menschen.


Lagerstock (W3) [Adelung]


Der Lagerstock, des -es, plur. die -stöcke, in der Bienenzucht, Bienenstöcke, welche nach der Länge liegen; zum Unterschiede von den stehenden Bienenstöcken, Ständerstöcken oder Ständern.


Lagersucht (W3) [Adelung]


Die Lagersucht, plur. inus. S. Fleckfieber.


Lagerwache (W3) [Adelung]


Die Lagerwache, plur. die -en, kleine Wachhaufen zur Sicherheit des Lagers einer Armee.


Lagerwand (W3) [Adelung]


Die Lagerwand, plur. die -wände, im Bergbaue, 1) ein festes Gestein, bey welchem die Zimmerung nöthig ist. 2) Der Grund, worauf die Zimmerhölzer gesetzt oder gelegt werden, der ihnen gleichsam zum Lager dienet.


Lagerwein (W3) [Adelung]


Der Lagerwein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, Wein, welcher sich hält, sich aufbehalten und auf das Lager legen lässet.


Lagerwuchs (W3) [Adelung]


Der Lagerwuchs, des -es, plur. inus. in der Landwirthschaft, der allzu fette und starke Wuchs des Getreides, welcher dasselbe zum Lagern bringet, d. i. macht, daß es lager wird, oder sich niederleget.


Lagerzins (W3) [Adelung]


Der Lagerzins, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -e, der Miethzins für ein Waarenlager, der Zins für die Freyheit, seine Waaren an einem Orte eine Zeit lang niederlegen zu dürfen; das Lagergeld.


Lahm (W3) [Adelung]


Lahm, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches überhaupt zwey einander entgegen gesetzte Fehler in der Beweglichkeit ausdruckt. 1) Den Fehler der allzu großen Beweglichkeit, beweglicher, als es der Absicht, dem Gebrauche des Dinges gemäß ist. In diesem Verstande sagt man von Einlegemessern, Scheren, Zirkeln, und andern mit Gewinden und Gelenken versehenen künstlichen Dingen, daß sie lahm sind, wenn sie in ihren Gewinden oder Gelenken allzu beweglich sind. 2) Den Fehler der allzu schwachen Beweglichkeit, oder des völligen Mangels derselben, besonders von den Gliedern und Gelenken der thierischen und menschlichen Körper. Ein Glied ist lahm, wenn es der gehörigen freywilligen Bewegung ganz oder doch zum Theile beraubt ist. Eine lahme Hand, einen lahmen Fuß haben. Lahm gehen, hinken. Hüftenlahm, lendenlahm, eine lahme Hüfte oder Lende habend. An Einem Fuße, an Einer Hand, an allen Gliedern lahm seyn. In engerer Bedeutung, am Fuße lahm. Ein lahmer, ein Hinkender. Auch figürlich, der gehörigen Kraft, Wahrheit und Gründlichkeit beraubt. Eine lahme Entschuldigung, ein lahmer Beweis. Ein lahmer, kraftloser, Gedanke. Ein lahmer Einfall. Anm. Im Tatian, wo es für paralyticus und Luthers gichtbrüchig gebraucht wird, lam, im Nieders. lam, im Engl. lame, im Angels. laem, lam, im Schwed. lam, im Isländ. lamr, im Pohln. lamac, im Slavon. lomiti. Es scheinet, daß es ehedem überhaupt einen jeden Fehler eines Dinges bedeutet habe. Der sprache bilemit, ist bey dem Ottfried stumm. Notker gebraucht lam für dumm, fühllos, im Angelsächs. ist laemp ihalt plump, und im Theuerdanke Leme eine Wunde. In Ansehung der allzu großen Beweglichkeit, sind Lumpen, das provinzielle lumlen, schlaff seyn, damit verwandt. Auf der andern Seite bedeutet Lem im Dänischen, Lim und Leome im Angels. und Limb im Engl. ein Glied, wo die Beweglichkeit gleichfalls der Grund der Benennung zu seyn scheinet.


Lähme (W3) [Adelung]


Die Lähme, plur. inus. der Zustand, da ein Glied oder Körper lahm ist, in der zweyten Bedeutung des vorigen Wortes, die Beraubung oder doch merkliche Verminderung der willkührlichen Bewegung wegen Erschlaffung der nervigen und muskulösen Theile; die Lähmung. Zuweilen werden so wohl der Schlag, Apoplexia, als auch die Gicht, Paralysis, mit diesem Nahmen belegt, weil sie eine solche Lähme zu verursachen pflegen. Im Nieders. Lämde, Lemede, Lämnis, im alten Fries. Lemelsa, Lemethe, Wiemelsa.


Lahme (W3) [Adelung]


Lahme, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben erfordert, lahm werden, wofür doch erlahmen üblicher ist.


Lähmen (W3) [Adelung]


Lähmen, verb. reg. act. lahm machen, in der zweyten Bedeutung des Beywortes, ein Glied der willkührlichen Bewegung berauben. Einer Gans den Flügel lähmen. Einem Thiere den Fuß lähmen, durch Zerschneidung der Nerven oder Flächsen. Bey den Pferden ist das Lähmen oder die Lähmung eine Art des Wallachens, da man ihnen die Samenadern mit einem hölzernen Hammer zerquetschet. Der Schlagfluß hat ihm die Zunge gelähmet. Im Schwabensp. laemen. Daher die Lähmung so wohl von der Handlung des Lähmens, als auch von dem Zustande, die Lähme.


Lahn (W3) [Adelung]


Der Lahn, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, in den Gold- und Silberfabriken, auf der Plättmühle breit gequetschter Draht; im Österreich Plafsch. Goldlahn, Silberlahn. Es scheinet, daß in diesem Worte entweder der Begriff der Breite und Dünne, oder auch des Glanzes zum Grunde liege, weil dergleichen Lahn sehr glänzend ist. Im letztern Falle es zu glänzen, im erstern aber zu lein, klein, Leine u. s. f. gehören. Im Schwed. und Isländ. ist Linda, im Holländ. Lijnd und Lint, und bey dem Ottfried Lahan, eine Binde, ein Band; S. Laken. Im Engl. bedeutet lean und im Nieders. leen dünne, mager.


Lähne (W3) [Adelung]


Lähne, S. Lehne.


Lahnring (W3) [Adelung]


Der Lahnring, des -es, plur. die -e, Ringe von Lahn oder geplättetem Drahte, womit die goldenen und silbernen Kleiderknöpfe überkleidet werden.


Lahnspule (W3) [Adelung]


Die Lahnspule, plur. die -n, diejenige Spule, worauf sich der zu Lahn geplättete Draht sammeln muß.


Lahntresse (W3) [Adelung]


Die Lahntresse, plur. die -n, aus Lahn gewirkte Gold- oder Silbertressen.


Laib (W3) [Adelung]


Laib, S. Leib.


Laich (W3) [Adelung]


Laich, Laichen, S. Leich, Leichen.


Laichen (W3) [Adelung]


Laichen, S. Laich


Laie (W3) [Adelung]


Der Laie, des -n, plur. die -n, ein aus dem Lat. laicus, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, vornehmlich in der Römischen Kirche übliches Wort, weltliche Personen zu bezeichnen, welche keine Ordens-Personen oder Geistliche sind, ohne Unterschied des Standes oder Geschlechtes. Daher der Laienbruder, die Laienschwester, eine weltliche Person in einem Mönchs- oder Nonnenkloster, welche zur Bedienung der eigentlichen Ordens-Personen da ist; die Laienpfründe, eine geistliche Pfründe, welche von einem Weltlichen besessen wird. Weil in den mittlern Zeiten die Geistlichen allein gelehrt waren, oder wenigstens Lateinisch lesen konnten, so bedeutete das Wort Laie auch oft so viel als einen Ungelehrten, in welchem Verstande es schon Apostelg. 4, 13, und 1 Cor. 14, 16 vorkommt. Ja noch jetzt bezeichnet es zuweilen eine in einer Sache unerfahrne Person. Ein Laie in der Weltweisheit, in den schönen Künsten.

Anm. Im Schwabensp. Laige, Lay, der Laigen furst, der weltliche Fürst, im Winsbek Leie, im Nieders. Leige, und mit einem verächtlichen Nebenbegriffe Laks, Läks, Lake, im Schwed. Lek, Lekman, im Angels. und Engl. Layman, im Isländ. Leikman, im Wallis. Llyg, im Span. Leyo. In der Stadt Osnabrück wird die gesammte Bürgerschaft in gewisse Laischaften, d. i. weltliche Gesellschaften, eingetheilet, und in dem Stifte Osnabrück werden diejenigen Gesellschaften der Weltlichen, welche die Geistlichkeit ehedem hinderten, noch mehr liegende Gründe an sich zu kaufen, gleichfalls Laischaften genannt. Der Oberdeutsche Doppellaut ai wird nur noch zu Ehren, der Abstammung beybehalten, sonst könnte man es auch Leie schreiben, wie in den mittlern Zeiten wirklich von vielen geschahe.


Laite (W3) [Adelung]


Laite, Laiten, S. Leite.


Laiten (W3) [Adelung]


Laiten, S. Laite


Lake (W3) [Adelung]


Die Lake, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, Salzwasser, besonders die salzige Brühe von eingepökeltem Fleische oder eingesalzenen Fischen; Fischlake, Häringslake. Dieses Wort ist aus den Niederdeutschen Seestädten zu uns gekommen, und ist mit Lauge, ingleichen mit Lache, so fern es ehedem einen jeden flüssigen Körper bedeutete, Nieders. Lake, ein und eben dasselbe Wort. Daher es vollständiger Salzlake lautet, d. i. Salzbrühe. Das Schwed. Laka bedeutet gleichfalls Brühe, Björklaka Birkensaft, und Sallaka Salzlake. S. Lache.


Laken (W3) [Adelung]


* Das Laken, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. ein Niedersächsisches Wort, welches Tuch bedeutet, d. i. so wohl ein festes wollenes, als auch ein grobes leinenes Gewebe. Feines Holländisches Laken. Daher der Lakenmacher, der Tuchmacher, das Bettlaken oder Leiblaken, das Betttuch, das Tischlaken, das Tischtuch und so ferner.

Anm. Im Oberd. lautet dieses Wort Lachen. Bey dem Kero schon ist Lahhan ein leinenes Tuch und ein Mantel, bey dem Ottfried Lahan eine Binde, Windel, in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter Gelach ein Tuch. Im Dän. lautet dieses Wort Lagen, im Schwed. Lakan.


Laksen (W3) [Adelung]


+ Laksen, verb. reg. neutr. in der niedrigen Sprechart der Bergleute, lauern, S. Lugen.


Lallen (W3) [Adelung]


Lallen, verb. reg. act. et neutr. welches im letzten Falle das Hülfswort haben erfordert, mit Einmischung vieler unbedeutenden l oder la unvernehmlich reden, wie Kinder zu thun pflegen, wenn sie erst anfangen reden zu lernen. Auch pflegt man es lallen zu nennen, wenn manche aus einem Fehler der Natur oder Gewohnheit das r nicht aussprechen können, sondern an dessen Statt ein l hören lassen. Ingleichen ohne Worte mit bloßer Wiederhohlung der Sylbe la singen; Schwed. lulla, Engl. to lull, Finnisch laulan. Da dieses Zeitwort den Schall selbst nachahmet, welcher durch die öftere Wiederhohlung des l oder der Sylbe la hervor gebracht wird, so ist es kein Wunder, daß es sich fast in allen Sprachen gleich geblieben ist. Im Dän. lalle, im Lat. lallare. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein lallender Knabe. Im Griech. hingegen bedeutet - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - reden.


Lamentin (W3) [Adelung]


Der Lamentin, des -s, plur. die -e, ein Nahme der Seekuh, Trichechus Manali L. wegen ihrer klagenden Stimme.


Lamentiren (W3) [Adelung]


Lamentiren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben, für jämmerlich beklagen, wehklagen, üblich ist; aus dem Lat. lamentare.


Lami (W3) [Adelung]


Das Lami, subst indecl. das Wehklagen. Es wird ein Lami daraus entstehen, ein Wehklagen. Es wird sich mit einem Lami endigen, mit Wehklagen. Es wird auf ein Lami ausgehen, es wird ein trauriges Ende nehmen. Es ist, wie schon Frisch bemerket hat, aus der Musik, nach der alten Benennung der Töne mit ut, re, mi, fa, sol, la, entlehnet, und zwar von der aus dem a ins e schließenden kläglich klingenden Baß-Cadenz, wo auf dem ersten Buchstaben la und auf dem andern mi gesungen wird.


Lamm (W3) [Adelung]


Das Lamm, des -es, plur. die Lämmer, Diminut. das Lämmchen, im Plural im gemeinen Leben auch wohl Lämmerchen, Oberd. Lämmlein, ein Junges des Schafgeschlechtes, so lange es noch nicht ein Jahr, oder nach dem Gebrauche anderer Orten, so lange es noch nicht zwey Jahre alt ist; in der Ober-Pfalz ein Petzel. Einjährige Lämmer führen in vielen Gegenden den Nahmen der Jährlinge. So fromm wie ein Lamm, sehr geduldig, nachgebend und unschädlich. Im neuen Testamente wird Christus als das Gegenbild des ehemahligen Osterlammes häufig das Lamm Gottes oder nur das Lamm schlechthin genannt; ein Ausdruck, welcher jetzt mit Behuthsamkeit gebraucht werden sollte, weil er nach unsern Sitten ein unedles und niedriges Bild verursacht. Lamm begreift beyde Geschlechter unter sich, will man sie unterscheiden, so heißt ein weibliches Lamm ein Kälberlamm, Schaflamm oder Mutterlamm, ein männliches aber ein Bocklamm oder Hammellamm.

Anm. Bey dem Ottfried und im Tatian Lamp, im Plural Lembir, im Isidor Lambu, bey dem Ulphilas, im Angelsächs. Engl. und Schwed. Lamb, im Dän. Lam. Im gemeinen Leben werden auch die Kätzchen an den Haselstauden, wegen einiger Ähnlichkeit in der rauchen wolligen Gestalt Lämmerchen genannt.


Lammen (W3) [Adelung]


Lammen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, ein Lamm werfen, oder zur Welt bringen. Die Schafe haben gelammet. In einigen Gegenden auch lämmern, im Dän. lamme, im mittlern Lat. agnellare.


Lammer (W3) [Adelung]


Die Lammer, plur. die -n, bey den Jägern, die langen schmalen Stückchen Fleisch, welche inwendig unter dem Rückgrathe des Wildbretes heraus geschnitten, und auch Lammerbraten, Lämmerbraten, im gemeinen Leben aber Lendenbraten und Mährbraten genannt werden. Das Wort scheinet mit dem Lat. Lumbus, die Lende, verwandt zu seyn.


Lämmergeld (W3) [Adelung]


Das Lämmergeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, an einigen Orten, eine Abgabe, welche diejegen Güter, welche Schafe halten können, dafür an die Obrigkeit entrichten.


Lämmergeyer (W3) [Adelung]


Der Lämmergeyer, des -s, plur. ut nom. sing. eine der größten Art Adler, welche in der Schweiz auf den höchsten Gipfeln der Alpen horstet, und den weidenden Schafen, Ziegen und Lämmern sehr nachstellet. Er scheint der Steinadler unserer Gegenden zu seyn.


Lämmerjunge (W3) [Adelung]


Der Lämmerjunge, des -n, plur. die -n, in den Schäfereyen, ein Knabe, welcher die Lämmer weidet. Ist er völlig erwachsen, so heißt er Lämmerknecht.


Lämmerohren (W3) [Adelung]


Die Lämmerohren, sing. inus. in einigen Gegenden, das Allgut oder der gute Heinrich; Chenopodium bonus Henricus L.


Lämmersalat (W3) [Adelung]


Der Lämmersalat, des -es, plur. inus. ein Nahme der Feldrapunzel, Valeriana Locusta L. welche auch Lämmerlattich genannt wird.


Lämmerstall (W3) [Adelung]


Der Lämmerstall, des -es, plur. die -ställe, in der Landwirthschaft, ein für die Lämmer bestimmter Stall.


Lämmerzehnte (W3) [Adelung]


Der Lämmerzehnte, des -n, plur. die -n, der Zehnte von den Lämmern.


Lammsbauch (W3) [Adelung]


Der Lammsbauch, des -es, plur. die -bäuche, eine an einigen Orten übliche Art des Erbzinses, welcher in einem ausgeschlachteten Lamme, oder dessen Werth in Gelde bestehet, welches der eigenthümliche Besitzer eines Grundstückes dem Zins- oder Lehensherren jährlich entrichten muß.


Lammsbraten (W3) [Adelung]


Der Lammsbraten, des -s, plur. ut nom. sing. ein gebratenes Lamm, oder ein Braten von einem Lamme.


Lammzeit (W3) [Adelung]


Die Lammzeit, plur. die -en, diejenige Zeit, zu welcher die Schafe gemeiniglich zu lammen pflegen.


Lamoner-Holz (W3) [Adelung]


Das Lamoner-Holz, des -es, plur. inus. S. Allerheiligenholz.


Lampe (W3) [Adelung]


2. Die Lampe, plur. die -n, Diminut. das Lämpchen, Oberd. Lämplein, ein Gefäß, worin man Öhl vermittelst eines Dochtes brennet, und dessen man sich statt eines Lichtes bedienet. Eine stehende Lampe, eine hangende Lampe, oder Hangelampe, Nieders. Krüsel. Bey der Lampe studieren.

Anm. Im Engl. Lamp, im Dän. Lampe, im Böhm. Lampa, im Lat. und Griech. Lampas. Es scheinet mit Flamme und glimmen verwandt zu seyn, und den Begriff des Lichtes zu haben. Die ältern Oberdeutschen Schriftsteller gebrauchen dafür Olevaz, Öhlgefäß, und Liehtvaz, Lichtgefäß. Jetzt ist dafür im Oberd. auch Ampel üblich. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Lampen.


Lampenmann (W3) [Adelung]


Der Lampenmann, des -es, plur. die -männer, oder -leute, derjenige, welcher die an öffentlichen Orten befindlichen Lampen anzündet und putzet, der daher auch wohl der Lampenputzer, Lampenwärter genannt wird.


Lampeschwarz (W3) [Adelung]


Das Lampeschwarz, subst. indecl. plur. inus. der Ruß von einer Lampe welcher in manchen Fällen als eine schwarze Farbe gebraucht wird; Lampenruß.


Lampfel (W3) [Adelung]


Das Lampfel, des -s, plur. inus. eine Art Bieres in Meißen, welches besser als Covent, und schlechter als Tischbier ist, ein Gemisch von Halbbier und Covent. S. Lange II. 2. 4).


Lamprete (W3) [Adelung]


Die Lamprete, plur. die -n, eine Art Fische mit sieben Luftlöchern an den Seiten des Halses, und Knorpeln statt der Gräthen, welche weder Brust- noch Bauchfinnen hat, und in den Europäischen Meeren lebt; Petromyzon Marinus L. Die Bricke oder Neunauge ist eine Art derselben, und hält sich in Flüssen auf.

Anm. Ehedem Lampereyd, im Ital. Lambreda, im Engl. Lambrey, im Franz. Lamproie, im Span. Lamprea, im Wallis. Llampiai, alle aus dem Lat. Lampetra, a lambendi petris weil sich dieser Fisch mit seinem immer offenen Saugemaule an die Steine im Wasser anhänget. Bey dem Willeram und in den Monseeischen Glossen wird die Muräne Lampreythe, Lantfrigun, Lantfride genannt.


Land (W3) [Adelung]


Das Land, des -es, plur. die Länder, (Oberd. die Lande,) Diminut. das Ländchen, Oberd. Landlein. 1. Der feste Theil der Erdkugel, im Gegensatze des Wassers, und besonders der Meere; in welcher Bedeutung der Plural ungewöhnlich ist. Das feste Land. Zu Wasser und zu Lande gereiset seyn. Eine Reise zu Lande unternehmen, im Gegensatze einer Reise zu Wasser. Auf dem Lande seyn. Ein Schiff auf das Land ziehen.. Land sehen. An das Land fahren, gehen. Am Land hinfahren. Von dem Lande stoßen, in die hohe See fahren. Das Meer setzet in manchen Gegenden viel Land an. Land, welches man durch Deiche den Fluthen entrissen hat. 2. Besonders in Beziehung des Feldbaues, der feste Theil der Erdfläche in so fern er zum Feld- und Gacienbane gebracht wird; gleichfalls ohne Plural, und wiederum unter verschiedenen Einschränkungen. 1) Tragbares, zum Feld- und Ackerbaue dienliches Land überhaupt. Eine Hufe Landes. Ein Morgen Acker zwischen dem herrschaftlichen Lande und dem Pfarrlande. Das Land bauen. 2) Im Gegensatze der Stadt. Auf dem Lande wohnen, auf einem Dorfe. Auf das Land gehen. Über Land gehen, über Feld, von einer Dorfflur zur andern. Jemanden über Land schicken. 3) In Gegensatze des Gebirges. Das flache, platte oder ebene Land. Siehe Landbauer. 4) In Ansehung seiner Fruchtbarkeit seiner Güte in Beziehung auf den Feldbau; im Oberd. das Geländ. Fettes, fruchtbares Land. Mageres, steiniges Land. Ober- sachsen hat gutes Weitzenland. Gartenland, Grabeland, Brachland. Bezeichnet es aber einen gewissen bestimmten Theil der tragbaren Erdfläche, so gehöret es zu einer der folgenden Bedeutungen. 3. Ein begränzter Theil der Erdfläche; aber auch hier unter mehrern Einschränkungen. 1) Ein von einer ganzen großen Völkerschaft bewohnter und Einem Oberherren unterworfener Theil der Erdfläche. Frankreich ist ein fruchtbares Land. Europa bestehet aus vielen sehr gut bevölkerten Ländern. Deutschland, das Land der Deutschen. Das heilige Land, das Jüdische Land. Ein König ohne Land. Dem Feinde in das Land fallen. Jemanden des Landes verweisen. Das Land räumen müssen. Ingleichen eine Provinz, ein Theil eines solchen größern Landes, welcher in seine bestimmten Gränzen eingeschlossen ist, nach seinen Gesetzen und Gebräuchen regieret wird u. s. f. In meinem Vaterlande, in meinem Lande. Im Lande herum reisen. Über Land reisen, in ein fremdes Land. Die Laster reisten über Land, Lichtw. Hier zu Lande, im gemeinen Leben, für in diesem Lande. Außer Landes seyn, sich nicht im Lande befinden. Land und Leute, in welcher R. A. Land anstatt des Plurals Länder stehet. Ein König, welcher Land und Leute verlieret um Land und Leute kommt. Er ist auf Reisen gewesen, er hat Land und Leute gesehen, Less. d. i. mehrere Länder und Nationen. Nach einer gewöhnlichen Figur bedeutet es oft die in einem Lande befindlichen Dinge, besonders dessen Einwohner. Das ganze Land trauert. Die Sache ist landkündig. Der Plural lautet nach dem Vorgange mehrerer Wörter, welche im Hochdeutschen in der vielfachen Zahl er haben, im Oberdeutschen durchgängig die Lande. Die kaiserlichen Lande. In den Österreichischen Erblanden. Aus ferren Landen weit, Theuerd. Ze teutschen Landen, Hornegk. Ein Erbe vieler Landen, Opitz. An unbekannten Landen stranden, ebend. In des Aufgangs Landen, ebend. Daß solche Satzungen in so viel Landen waren, ebend. In Landen, die uns hat Castilien entdeckt, ebend. In der Deutschen Bibel kommt dieser Plural sehr häufig vor. Die Hochdeutschen behalten diesen Plural besonders in der höhern Schreibart zuweilen bey, zumahl da er einen bequemern Reim abgibt als Länder. Was er in fernen Landen Gesehn und ausgestanden, Gell. Indessen ist der gewöhnlichere Plural Länder nichts weniger als niedrig, oder für die erhabene Schreibart untauglich, daher man jenen gar wohl entbehren kann. Nur in dem zusammen gesetzten die Niederlande, für die Niederländischen Provinzen, ist der Oberdeutsche Plural allgemein angenommen, vermuthlich um die Zweydeutigkeit mit den Niederländern, d. i. den Einwohnern der Niederlande, zu vermeiden. Besonders ist der Plural Lande so wohl im Ober- als Hochdeutschen sehr gewöhnlich, wenn er anstatt des Singulars stehet. Die Pfalz-Neuburgischen Lande, die Gräflich-Schönburgischen Lande. In welcher Bedeutung, wo es Gebieth zu bezeichnen scheinet, weder der Singular Land, noch der Hochdeutsche Plural Länder üblich ist. Die biblische R. A. das Land erben, Ps. 27, bedeutet so wie das Erdreich besitzen, Matth. 5, 5, nichts weiter als lange leben. 2) Im gemeinen Leben, besonders bey den Pferdehändlern, Handwerksgesellen u. s. f. bedeutet das Land Nieder Deutschland. Ins Land reisen oder fahren, nach Niedersachsen, Holstein u. s. f. So wie man unter dem Ausdrucke das Reich oft Ober-Deutschland verstehet. Es scheinet, daß hier mit dem Worte Land auf die ebnere, flächere Beschaffenheit Nieder-Deutschlandes gesehen wird, im Gegensatze des höhern, gebirgigern Ober-Deutschlandes, und daß das Land so viel als flaches Land bedeutet; da es denn in diesem Verstande zur vorigen zweyten Hauptbedeutung gehören würde. 3) Ein abgetheiltes, in seine Gränzen eingeschlossenes Stück tragbaren Feldes von unbestimmter Größe, wo es für Feld, Acker stehet. Die Gartenländer, Brachländer, Pfarrländer u. s. f. In einigen Gegenden werden auch die Beete so wohl im Garten als auf dem Felde Länder genannt. Ein Land im Garten. Den Garten in gewisse Länder abtheilen. 4) Ehedem wurde auch eine wüst gelassene Gegend, besonders an den Gränzen bewohnter Provinzen, das Land, noch häufiger aber im Plural die Lande genannt; in welchem Verstande sich dieses Wort fast in ganz Europa ausgebreitet hat, indem in Gascogne Lande und les Landes, im Span. Llanta, und im Ital. Landa noch jetzt eine solche wüste Gegend bedeuten. I er suum carpserunt usque ad Landas nobilium, quae terra dicitur infertiliset deserta, heißt es im Leben des heil. Leo bey dem Du Fresne. Ihre hält es in dieser im Deutschen nunmehr veralteten Bedeutung für ein besonderes Wort, welches von dem noch im Schwed. üblichen linna, cessare, abstamme, von welchem Linda im Schwed. noch jetzt einen Brachacker bedeutet. S. Lehde.

Anm. Bey dem Ottfried, wo es für Erdreich, Boden, gebraucht wird, schon Lant, bey dem Ulphilas Land, im Angels. Lond, im Engl. Dän. Schwed. und Nieders. gleichfalls Land. Im Wallis. ist Llan eine Ebene, eine Fläche. Es kann so wohl der Begriff der festen, hohen Beschaffenheit, im Gegensatze des Wassers, als auch der Fläche, der Ebene, der Ausdehnung, der Grund der Benennung seyn. Daß das n wie in andern Wörtern nicht zum Stamme gehöret, sondern ein Geschenk nieselnder Mundarten ist, scheinet aus dem Schwedischen zu erhellen, wo dieses Wort ehedem nur Lad lautete. Es kann daher so wohl mit dem heutigen Schwedischen lada, auflaufen, ( S. Laden,) als auch mit dem Lateinischen Latus, vielleicht auch mit lehnen, Lehne, verwandt seyn, zumahl da eine lehne, oder ein Geländer, noch jetzt im Nieders. Land heißt. Wer weiß auch, ob nicht in unserm heutigen Land zwey gleichlautende Wörter von verschiedener Abstammung zusammen geflossen sind. In den folgenden Zusammensetzungen ist bald Land - bald Landes - bald auch nur Lands - üblich, und in manchen Wörtern sind beyde Formen, aber in verschiedener Bedeutung eingeführet; z. B. Landmann und Landsmann, Landknecht und Landsknecht. Oft wird dieses Wort an den Nahmen einer Völkerschaft angehänget, ihren Wohnplatz, die Gegend ihres Aufenthaltes anzudeuten. Finnland, das Land der Finnen, Rußland, Friesland, Engelland, Schottland, Griechenland, Mohrenland u. s. f. Wenn aber die erste Hälfte schon das Land bezeichnet, so findet diese Zusammensetzung nicht Statt. Ägyptenland ist daher unrichtig. Auch alsdann klingt diese Zusammensetzung widrig und unangenehm, wenn das einfache Wort so wohl das Volk als auch das Land bedeutet; z. B. Schwabenland, Frankenland, Sachsenland u. s. f. für Schwaben, Franken, Sachsen, welche Widrigkeit durch Verwandelung des n in r nicht gehoben wird, wie in Böhmerland, Thüringerland, für Böhmen, Thüringen. Von vielen solcher Wörter, welche das Land am Ende annehmen, können wieder Volksnahmen gebildet werden. Ein Finnländer, Irländer, Schottländer, Friesländer, für Finne, Ire, Schotte, Friese. Manche sind in dieser Zusammensetzung nur allein üblich, wie Engländer, für Engel oder Angel. Manche hingegen verstatten selbige gar nicht, wie Russe, Deutscher, Mohr, Grieche u. s. f. wofür man nicht Rußländer, Deutschländer, Griechenländer oder Mohrenländer sagen kann.


Land-Accise (W3) [Adelung]


Die Land-Accise, plur. inus. in den Chursächsischen Länder eine Art der Accise, welche von dem Lande und dessen Producten, im Gegensatze der Städte, gegeben wird, und der General-Consumations-Accise, welche sich nur auf die Städte beziehet, entgegen stehet. S. Accise.


Landadel (W3) [Adelung]


Der Landadel, des -s, plur. inus. 1) Der mittelbare, dem Landesherren, oder Herren der Provinz unterworfene Adel; im Gegensatze des Reichsadels. 2) Der auf dem Lande wohnhafte Adel; im Gegensatze des Stadtadels. Ein solches männliches Glied des Landadels wird im gemeinen Leben ein Landedelmann, und im verächtlichen Verstande ein Landjunker genannt.


Landammann (W3) [Adelung]


Der Landammann, des -es, plur. die -e, ein nur in der Schweiz übliches Wort, welches Landamtmann bedeutet, d. i. den Vorgesetzten einer Landesgemeine; im Gegensatze des Stadtammannes.


Landamt (W3) [Adelung]


Das Landamt, des -es, plur. die -ämter. 1) Ein Hofamt einer Provinz, welches bey Feyerlichkeiten, welche den Landesherren und die Landstände zugleich betreffen, verwaltet wird, daher solche Landämter, welche auch Landesämter, genannt werden, in manchen Ländern von den Hofämtern im engsten Verstande noch unterschieden sind. Daher der Landbeamte oder Landesbeamte, welcher ein solches Amt bekleidet, wohin der Landmarschall, Landtruchseß, Landhofmeister u. s. f. gehören. 2) Ein Amt, d. i. zur Handhabung der Gerechtigkeit, Einnahmen und Polizey niedergesetztes Collegium auf dem Lande, zum Unterschiede von einem Stadtamte. Daher der Landamtmann, der Vorgesetzte eines solchen Amts. 3) Ein jedes obrigkeitliches Amt auf dem Lande, im Gegensatze eines Stadtamtes. Daher der Landbeamte, der ein solches Amt bekleidet.


Landarzt (W3) [Adelung]


Der Landarzt, des -es, plur. die -ärzte, ein Medicus oder Physicus auf dem Lande; im Gegensatze eines Stadtarztes.


Landauer (W3) [Adelung]


Der Landauer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine männliche Person aus der Stadt Landau. 2) Ein viersitziger Reisewagen, dessen Gedeck sich in der Mitte von einander thun läßt. Er wurde damahls erfunden, als Kaiser Joseph I. vor Landau ging, daher er auch den Nahmen hat.


Landausschuß (W3) [Adelung]


Der Landausschuß, des -sses, plur. inus. die zur Vertheidigung des Landes, d. i. der Provinz, aus den sämmtlichen Einwohnern ausgeschossenen, d. i. ausgesonderten Leute, welche am häufigsten die Landmiliz genannt werden. In engerer Bedeutung bezeichnet dieses Wort nur einen solchen Ausschuß von dem flachen Lande, im Gegensatze der Bürger-Miliz, oder Stadt-Miliz.


Landbäcker (W3) [Adelung]


Der Landbäcker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bäcker auf dem Lande, ein Dorfbäcker; zum Unterschiede von einem Stadtbacker.


Landbau (W3) [Adelung]


Der Landbau, des -es, plur. car. der Bau des Landes, d. i. des tragbaren Feldes; der Feldbau, Ackerbau.


Landbauer (W3) [Adelung]


Der Landbauer, des -n, plur. die -n, in einigen Gegenden, z. B. in der Schweiz, ein Bauer auf dem flachen oder ebenen Lande; im Gegensatze eines Bergbauern.


Dar (W3) [Adelung]


Dar Landbaumeister, des -s, plur. ut nom. sing. der Vorgesetzte über das Bauwesen eines ganzen Landes, d. i. einer ganzen Provinz. Zuweilen auch ein Vorgesetzter über das Bauwesen auf dem Lande; zum Unterschiede von einem Stadtbaumeister.


Landbeamte (W3) [Adelung]


Der Landbeamte, des -n, plur. die -n, S. Landamt 1. und 3.


Landbereiter (W3) [Adelung]


Der Landbereiter, S. Landreiter.


Landbescheler (W3) [Adelung]


Der Landbescheler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bescheler oder Hengst, welcher auf herrschaftliche Kosten zur Bedeckung der Stuten des Landvolkes gehalten wird. Die dazu getroffene Anstalt heißt ein Landgestüte.


Landbethe (W3) [Adelung]


Die Landbethe, plur. die -n, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, die Bethe, d. i. Abgabe der Landleute von ihren pflugbaren Grundstücken; der Pflugschatz, die Hufensteuer u. s. f.


Landbischof (W3) [Adelung]


Der Landbischof, des -es, plur. die -bischöfe, in der katholischen Kirche, ein Bischof, welcher sein Amt nur auf dem Lande verwaltet; Chorbischof, von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, regio, Kural-Bischof, Episcopus regionarius.


Landbothe (W3) [Adelung]


Der Landbothe, des -n, plur. die -n. 1) In Pohlen, die aus jedem Lande, d. i. Provinz, auf den allgemeinen Reichstag abgeordneten Bevollmächtigten. Daher der Landbothen-Marschall. 2) In einigen Gegenden ist der Landbothe so viel als der Landknecht oder Büttel, besonders so fern er zu Verschickungen auf das Land gebraucht wird.


Landbret (W3) [Adelung]


Das Landbret, des -es, plur. die -er, auf den Sägemühlen, die gewöhnlichen Breter, welche zu allerley Tischlerarbeiten in das Land verführet und daselbst verbraucht werden; zum Unterschiede von den stärkern Spündebretern.


Landbuch (W3) [Adelung]


Das Landbuch, des -es, plur. die -bücher, in einigen Gegenden, z. B. im Herzogthum Magdeburg, ein Verzeichniß aller adeligen und Rittergüter einer Provinz mit ihren Besitzern, Erden, Schulden u. s. f. Das Ritterbuch, Ritterschaftsbuch, in Böhmen die Landtafel. Auch der Inbegriff der Provinzial-Gesetze eines Landes führet zuweilen den Nahmen eines Landbuches.


Landcharte (W3) [Adelung]


Die Landcharte, S. Landkarte.


Land-Commenthur (W3) [Adelung]


Der Land-Commenthur, S. Commenthur.


Landdeich (W3) [Adelung]


Der Landdeich, des -es, plur. die -e, in den Niedersächsischen Marschländern, 1) ein Deich oder Damm, welcher ein ganzes Land vor der Wuth des Wassers sichert. 2) Ein Deich, welcher innerhalb des Hauptdeiches, nach dem Lande zu, zur Absonderung des Binnenwassers angeleget ist. 3) Ein Deich, welcher 24 Ruthen Land vor sich hat, zum Unterschiede von einem Schordeiche, welcher nur 12 Ruthen vor sich hat.


Landdienst (W3) [Adelung]


Der Landdienst, des -es, plur. die -e, der Dienst zu Lande, auf dem festen Lande; im Gegensatze des Seedienstes.


Landding (W3) [Adelung]


Das Landding, des -es, plur. die -e, eine nur noch in einigen Gegenden, z. B. in Preußen, übliche Benennung eines Land- oder Provinzial-Gerichtes. S. Landgericht.


Landdorf (W3) [Adelung]


Das Landdorf, des -es, plur. die -dörfer, in einigen Gegenden, z. B. in der Mittelmark, Dörfer an Morästen, welche sich vom Landbaue nähren, und daher auch Ackerdörfer heißen; im Gegensatze der Bruchdörfer, S. Randdorf.


Landdragoner (W3) [Adelung]


Der Landdragoner, des -s, plur. ut nom. sing. S. Landreiter.


Landdrost (W3) [Adelung]


Der Landdrost, des -en, plur. die -en, in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, ein Landvogt, Vorgesetzter eines Land, d. i. einer Provinz, ( S. Drost.) Daher die Landdrostey, das Amt, die Würde eines Landdrosten, ingleichen, der ihm untergebene Bezirk.


Landedelmann (W3) [Adelung]


Der Landedelmann, des -es, plur. -edelleute, siehe Landadel.


Landeigner (W3) [Adelung]


Der Landeigner, des -s, plur. ut nom. sing. eine in Dänemark und den Dänischen Provinzen übliche Benennung eines Freybauern, der sein Land eigenthümlich besitzet.


Landen (W3) [Adelung]


Landen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, ein in der Seefahrt übliches Wort, an Land fahren, und daselbst aussteigen. Der Sturm verhindert das Schiff zu landen. Ingleichen, an ein Land fahren, und daselbst Truppen aussetzen. Die Truppen sind glücklich gelandet. Auf einer Küste landen. Daher die Landung, plur. die -en. Eine Landung thun, versuchen, unternehmen. Eine Landung vereiteln, verhindern. Anm. Im Dän. lande, im Schwed. landa und lända, im Engl. to land, im Angels. gelandian, im Nieders. belanden, in einigen Gegenden Deutschlandes auch häufig länden, wo man dieses Wort auch, obgleich nicht so richtig, mit dem Hülfsworte haben verbindet. In verschiedenen Gegenden hat es noch folgende, im Hochdeutschen unbekannte Bedeutungen. 1) Sich wenden; in welcher Bedeutung leintin schon in dem alten Gedichte auf den heil. Anno vorkommt: Dan sulen wir iemir nah imo deinkin Wa wir ci iungist sulin leintin. Wo Scherz ohne Noth leinkin zu lesen vorschlägt, welches selbst nach des Verfassers Art zu reimen unnöthig ist; denn länden und lenden kommt in dieser Bedeutung noch bey neuern Oberdeutschen Schriftstellern häufig vor, vermuthlich als eine Figur der obern eigentlichern Bedeutung. Denn die stein sich theten wennden Und auf den ain pauren lennden, Theuerd. Kap. 69. Dein Zeugniß Herr besitz ich immerdar, Es ist die Luft, dahin ich ganz mich lende, Opitz Ps. 119. Ich will bis daß die Hitze weicht Und ihre Brunst uns nicht erreicht Mich zu dem Myrrhenberge lenden, ebend. 2) Das Land, d. i. den Acker, die Flur, mit Gränzsteinen bezeichnen; als ein Activum und vornehmlich in einigen Oberrheinischen Gegenden. Einen Acker, eine Flur länden. 3) Im Nieders. ist landen und zulanden zu festem, trockenem Lande werden. Der Fluß, der See landet, oder landet zu, wenn sich so viel Schlamm ansetzet, daß er endlich zu trocknem Lande wird.


Landenge (W3) [Adelung]


Die Landenge, plur. die -n, S. Erdenge.


Landerbe (W3) [Adelung]


Der Landerbe, des -n, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Allodial-Erbe, welcher Landgüter erben kann; im Gegensatze des Lehenserben.


Länderrey (W3) [Adelung]


Die Länderrey, plur. die -en, Grundstücke, Äcker, Wiesen, Waldungen u. s. f. wo es am häufigsten im Plural gebraucht wird. Schöne Ländereyen besitzen. Der Singular ist, wenigstens im Hochdeutschen, ungewöhnlich, ungeachtet noch Canitz singt: Durch dessen Länderey man Tagereisen thut. Im Oberdeutschen ist dafür auch Geländ üblich, welches schon bey dem Notker vorkommt. Frisch glaubt, daß dieses Wort keine Analogie für sich habe, weil alle Hauptwörter auf -ey eine Handlung und ein Abstractum bezeichneten. Allein er hat dabey wohl nicht an Mahlereyen, Reiterey, Nähterey, Meyerey, Schäferey u. s. f. gedacht, welche insgesammt Concreta ausdrucken. Vermuthlich ist Länderey ein Collectivum, mehrere Grundstücke anzudeuten, welches aus dem Plural Länder gebildet ist. S. -Ey II. 3.


Landern (W3) [Adelung]


Landern, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist, mit einem Geländer, d. i. Gehäge versehen. Einen Wald landern oder einlandern. S. Geländer.


Landesabschied (W3) [Adelung]


Der Landesabschied, des -es, plur. die -e, der Abschied, d. i. die Schlußschrift der Landstände, auf einem Landtage, S. Abschied.


Landesälteste (W3) [Adelung]


Der Landesälteste, des -n, plur. die -n, in einigen Gegenden, z. B. in der Lausitz, der Älteste und Vornehmste unter dem Adel der Provinz.


Landesamt (W3) [Adelung]


Das Landesamt, S. Landamt.


Landesanwalt (W3) [Adelung]


Der Landesanwalt, des -es, plur. die -e, S. Landeshauptmann.


Landesart (W3) [Adelung]


Die Landesart, plur. inus. die Art eines Landes, d. i. der in demselben eingeführte Gebrauch. Sich nach der Landesart richten. Der Landesgebrauch, die Landesgewohnheiten. Ingleichen die Art oder Eigenschaften des Bodens und der Witterung in einer Gegend.


Landesbeamte (W3) [Adelung]


Der Landesbeamte, des -n, plur. die -n, S. Landamt.


Landesbestallte (W3) [Adelung]


Der Landesbestallte, oder Landesbestellte, des -n, plur. die -n, in einigen Provinzen, z. B. in Schlesien, ein Abgeordneter des Adels, besonders so fern er zu dem Landrechte abgeordnet ist.


Landesbestellte (W3) [Adelung]


Landesbestellte, S. Der Landesbestallte


Landesfolge (W3) [Adelung]


Die Landesfolge, plur. inus. die Verbindlichkeit der Einwohner eines Landes, dem Aufgebothe des Landesherren in dringenden Fällen zu folgen, welche von der Landfolge noch unterschieden ist.


Landesfrau (W3) [Adelung]


Die Landesfrau, plur. die -en, S. Landesherr.


Landesfürst (W3) [Adelung]


Der Landesfürst, des -en, plur. die -en, Fämin. die Landesfürstinn, der Landesherr, so fern er ein Fürst ist, ein Fürst in Beziehung auf das ihm gehörige Land. Daher landesfürstlich, ihm gehörig, demselben gemäß, in seiner Würde gegründet.


Landesgesetz (W3) [Adelung]


Das Landesgesetz, des -es, plur. die -e, Gesetze, welche die Einwohner eines ganzen Landes verbinden.


Landeshauptmann (W3) [Adelung]


Der Landeshauptmann, des -es, plur. die -hauptleute, der Vorgesetzte eines ganzen Landes, oder Provinz, wenigstens in einigen Fällen, der in andern Gegenden Landdrost, Landvogt u. s. f. genannt wird, zuweilen aber, wie z. B. in der Lausitz, noch den Landvogt über sich hat. In den Provinzen Schlesiens hat der Landeshauptmann den Vorsitz in dem Landrechte. ( S. Landrecht.) In Troppau befindet sich außer dem Landrechte noch eine mit verschiedenen Beamten besetzte Landeshauptmannschaft; so wie sich in Österreich ob der Ens eine kaiserlich königliche Landeshauptmannschaft befindet, in welcher ein Landesanwalt den Vorsitz hat.


Landesherr (W3) [Adelung]


Der Landesherr, des -en, plur. die -en, Fämin. die Landesfrau, der höhste Oberherr in einem Lande, d. i. in einer Provinz, welcher die höhste Gewalt in derselben bekleidet, welchem man von Landes wegen unterworfen ist, zum Unterschiede von einem Lehensherren, Schutzherren u. s. f.


Landesherrlich (W3) [Adelung]


Landesherrlich, adj. et adv. dem Landesherren gehörig, in dessen Würde gegründet.


Landesherrschaft (W3) [Adelung]


Die Landesherrschaft, plur. die -en. 1) Die höchste Gewalt oder Herrschaft in einem Lande; ohne Plural. 2) Der Landesherr oder die Landesfrau selbst.


Landeshoheit (W3) [Adelung]


Die Landeshoheit, plur. inus. der höhste Vorzug in einem Lande, und die damit verbundene Gewalt, der Inbegriff aller Regierungsrechte eines Regenten, Superioritas territorialis; zum Unterschiede von der Lehnshoheit.


Landeshuldigung (W3) [Adelung]


Die Landeshuldigung, plur. die -en, die Huldigung, welche dem Landesherren von einem ganzen Lande geschiehet.


Landeskämmerer (W3) [Adelung]


Der Landeskämmerer, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, eine obrigkeitliche Person, welche der herrschaftlichen Einnahme in der ganzen Provinz vorgesetzet ist. Ein solcher Landeskämmerer befindet sich z. B. in den Fürstenthume Brieg.


Landeskanzler (W3) [Adelung]


Der Landeskanzler, des -s, plur. ut nom. sing. in den Schlesischen Fürstenthümern, eine obrigkeitliche Person bey dem Landrechte, welche auf den Landeshauptmann, Landesmarschall und Landrichter folgt, und das Haupt der Kanzelley dieses Gerichtes ist. S. Landrecht.


Landesmarschall (W3) [Adelung]


Der Landesmarschall, des -es, plur. die -schälle, der Marschall eines ganzen Landes, d. i. einer ganzen Provinz. In den Schlesischen Fürstenthümern ist er die zweyte Person bey dem Landrechte.


Landes-Matrikel (W3) [Adelung]


Die Landes-Matrikel, plur. die -n, eine Matrikel, worin die adeligen Güter eines ganzen Landes nach ihren Besitzern, Erben, Schulden u. s. f. verzeichnet sind; das Landbuch.


Landesmutter (W3) [Adelung]


Die Landesmutter, plur. die -mütter, die Landesfrau, als eine gütige Mutter des Landes und seiner Einwohner betrachtet, S. Landesvater.


Landesobrigkeit (W3) [Adelung]


Die Landesobrigkeit, plur. die -en. 1) Die höhste Gewalt, in einem Lande zu gebiethen und zu verbiethen und die Rechtsstreitigkeiten zu entscheiden; ohne Plural. Noch mehr, 2) die mit dieser Gewalt bekleideten Personen.


Landesordnung (W3) [Adelung]


Die Landesordnung, plur. die -en, die in einem Lande eingeführte Ordnung. Noch mehr, eine landesherrliche Verordnung, welche ein ganzes Land verbindet.


Landespfennigmeister (W3) [Adelung]


Der Landespfennigmeister, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, der Einnehmer der obrigkeitlichen Gefälle in einem Lande.


Landespflicht (W3) [Adelung]


Die Landespflicht, plur. inus. die Landeshuldigung.


Landespolizey (W3) [Adelung]


Die Landespolizey, plur. inus. die allgemeine Polizey in einem ganzen Lande, von welcher die Stadt-Polizey und Land-Polizey Theile sind.


Landesregierung (W3) [Adelung]


Die Landesregierung, plur. die -en. 1) Die Regierung eines Landes; ohne Plural. Die Landesregierung antreten. 2) Ein Regierungs-Collegium, dessen Gewalt sich über ein ganzes Land erstrecket, und welches oft auch nur die Regierung schlechthin genannt wird.


Landesschuld (W3) [Adelung]


Die Landesschuld, plur. die -en, eine Geldschuld, welche auf einem Lande haftet. In engerer Bedeutung, eine Geldschuld, welche auf den Einwohnern eines Landes, oder deren Repräsentanten, den Landständen, haftet; zum Unterschiede von den Hof- und Kammerschulden.


Landesschule (W3) [Adelung]


Die Landesschule, plur. die -n, eine Schule, welche zum Behuf eines ganzen Landes, auf dessen Kosten, und zu dessen Besten errichtet ist; zum Unterschiede von den Stadt- und Hausschulen.


Landessprache (W3) [Adelung]


Die Landessprache, plur. die -n, die in einem Lande übliche Sprache. In engerer Bedeutung, die in einem Lande übliche Mundart, so fern sie sich durch gewisse Eigenheiten von den Mundarten anderer Länder unterscheidet.


Landesvater (W3) [Adelung]


Der Landesvater, des -s, plur. die -väter, der Landesherr als ein Vater seiner Unterthanen betrachtet, der Vater des Landes, dessen Gattinn, oder auch eine regierende Landesfrau, in dieser Beziehung Landesmutter genannt wird. Unterobrigkeiten pflegt man in eben dieser Rücksicht auch wohl Väter des Landes, aber nicht Landesväter zu nennen.


Landesverwalter (W3) [Adelung]


Der Landesverwalter, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Ländern, z. B. in Krain, derjenige, welcher die Stelle des Landeshauptmannes vertritt, und auch wohl der Landesverweser genannt wird; der Vice-Landeshauptmann.


Landesverweisung (W3) [Adelung]


Die Landesverweisung, plur. die -en, die gerichtliche Verweisung des Landes. Daher der Landesverwiesene.


Landfahrer (W3) [Adelung]


Der Landfahrer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Landfahrerinn, S. Landstreicher.


Landfaß (W3) [Adelung]


Das Landfaß, des -sses, plur. die -fässer, oder wenn eine Zahl dabey ist, die -sse, ein in einigen Gegenden übliches Maß flüssiger Dinge. So hält in Bern ein Landfaß 6 Saum oder 24 Eimer, dagegen ein gewöhnliches Faß nur 4 Saum oder 16 Eimer hält.


Landfieber (W3) [Adelung]


Das Landfieber, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein epidemisches Fieber, so fern es in einem ganzen Lande herrschet. 2) Ein Fieber, welches auf dem Lande herrschet, die Einwohner auf dem Lande befällt; zum Unterschiede von den in den Städten gewöhnlichern Arten des Fiebers.


Landflagge (W3) [Adelung]


Die Landflagge, plur. die -n, eine auf den Schiffen übliche Art der Flaggen, welche ausgestecket wird, wenn man Land siehet.


Landfleischer (W3) [Adelung]


Der Landfleischer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fleischer, welcher auf dem Lande wohnet, ein Dorffleischer; zum Unterschiede von den Stadtfleischern.


Landflüchtig (W3) [Adelung]


Landflüchtig, adj. et adv. aus dem Lande entfliehend, oder entflohen. Landflüchtig werden. Ein landflüchtiger Übelthäter.


Landfolge (W3) [Adelung]


Die Landfolge, plur. die -n, die Verbindlichkeit der Unterthanen, dem Grund- oder Gerichtsherren in nöthigen Fällen über Land zu folgen, z. B. wenn flüchtige Verbrecher zu verfolgen, Kriegsfuhren zu thun, Züge und Wachen zu verrichten sind u. s. f. S. Landesfolge.


Landforstmeister (W3) [Adelung]


Der Landforstmeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher dem Forstwesen eines ganzen Landes vorgesetzet ist, und, so fern er zugleich das Jagdwesen unter sich hat, auch Landjägermeister genannt wird. In manchen Ländern sind beyde noch unterschieden, und da sind die Landjägermeister Vorgesetzte besonderer Kreise, welche dem Landforstmeister oder Ober-Landforstmeister untergeordnet sind, welcher wiederum unter dem Ober-Hofjägermeister stehet.


Landfracht (W3) [Adelung]


Die Landfracht, plur. die -en. 1) Eine Fracht, d. i. Last, welche vermittelst eines Fuhrwerkes zu Lande fortgeschaffet wird. 2) Das für eine solche Fracht zu bezahlende Frachtgeld; zum Unterschiede von der Wasserfracht.


Landfriede (W3) [Adelung]


Der Landfriede, des -ns, plur. die -n, oder der Landfrieden, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Die öffentliche Sicherheit in einem Lande, oder in einer Provinz, im Gegensatze der ehemahligen Befehdungen; ohne Plural. Den Landfrieden wieder herstellen. Den Landfrieden brechen. Er trauet dem Landfrieden nicht, sagt man auch figürlich und von jemanden, welcher sich nicht für sicher hält, Mißtrauen in einer oder der andern Sache blicken lässet; ein Überrest des Andenkens an die ehemahligen unruhigen Zeiten des 13ten und 14ten Jahrhundertes. 2) Ein mit andern zur Erhaltung dieser öffentlichen Sicherheit gemachter Vertrag, ingleichen die zu deren Behuf gemachten Gesetze und Verordnungen. Einen Landfrieden machen, errichten, ehedem ihn aufrichten. In engerer Bedeutung verstehet man unter dem Nahmen des Landfriedens das auf dem Reichstage zu Worms 1495 zwischen dem Kaiser und den Reichsständen verabredete Gesetz, vermittelst dessen alle Befehdungen auf ewig abgeschafft, und Friede und Ruhe im ganzen Reiche wieder hergestellet wurden; welches Gesetz nachmahls auch der Profan-Friede genannt wurde, um ihn von dem Religions-Frieden zu unterscheiden.


Landfrosch (W3) [Adelung]


Der Landfrosch, des -es, plur. die -frösche, S. Gartenfrosch.


Landfuhre (W3) [Adelung]


Die Landfuhre, plur. die -n. 1) Eine Fuhre zu Lande; zum Unterschiede von einer Wasserfuhre. 2) Eine Fuhre über Land. Besonders solche Fuhren, welche die Unterthanen dem Grund- oder Landesherren über Land zu thun schuldig sind; zum Unterschiede von den Mistfuhren, Baufuhren, und andern nähern Frohnfuhren.


Landgarbe (W3) [Adelung]


Die Landgarbe, plur. die -n, in einigen Gegenden, z. B. im Würtembergischen, eine gewisse Anzahl Garben, Früchte, Wein u. s. f. welche der Unterthan von seinem Lande dem Grundherren als einen Grundzins zu entrichten verbunden ist. Ein solcher Unterthan wird daselbst auch ein Landgarber genannt.


Landgeistliche (W3) [Adelung]


Der Landgeistliche, des -n, plur. die -n, ein Geistlicher auf dem Lande; zum Unterschiede von einem Stadtgeistlichen.


Landgericht (W3) [Adelung]


Das Landgericht, des -es, plur. die -e. 1) Ein höheres Gericht, dessen Gewalt sich über ein ganzes Land, und die darin befindlichen und von der gewöhnlichen Gerichtsbarkeit befreyeten Personen erstrecket, und welches in manchen Gegenden auch Hofgericht, Provinzial-Gericht, Rittergericht, Landvogtey, Landding, Landstuhl, Landrecht, in Österreich die Landschranne u. s. f. genannt wird, überall aber auf verschiedene Art eingeschränkt und bestimmt ist. In einigen Gegenden führen die Beysitzer eines solchen Landgerichtes den Nahmen der Landräthe. In einigen Oberdeutschen Gegenden sind noch kaiserliche Landgerichte dieser Art, deren es ehedem in Deutschland sehr viele gab, und von welchen die Appellationen an die Reichsgerichte gehen. In andern Ländern gehören sie den Ständen zu. In den Schlesischen Fürstenthümern wird es das Mannrecht, noch häufiger aber das Landrecht genannt. ( S. dieses Wort.) In dem Herzogthume Schleswig ist dem Obergerichte das Landgericht untergeordnet, welches jährlich nach Ostern gehalten wird, und an welches die Appellationen von den adeligen Gerichten gehen. Es bestehet aus dem Statthalter, einigen Räthen und dem Landkanzler. In Böhmen gibt es ein doppeltes Landgericht oder Landrecht, das größere, welches über Personen des Herrenstandes erkennet, und das kleinere, welches jenem untergeordnet ist. 2) Ein Criminal-Gericht, welches sich über das flache Land eines gewissen Bezirkes erstrecket; zum Unterschiede von einem Stadtgerichte, dessen Gerichtbarkeit nur allein auf eine Stadt gehet. Von dieser Art ist das kaiserlich königliche Stadt- und Landgericht zu Wien, in welchem ein Stadt- und Landrichter den Vorsitz hat. Auch das Chur-Mainzische Criminal-Gericht in Erfurt führet den Nahmen des Stadt- und Landgerichtes, weil es sich nicht bloß über die Stadt, sondern auch über die dazu gehörigen Dorfschaften erstrecket. Vermuthlich geschiehet es aus eben diesem Grunde, daß 3) in Österreich und Baiern das Halsgericht oder der Blutbann adeliger und gräflicher Schlösser über ihre Unterthanen, das Landgericht genannt wird; zum Unterschiede von der Hofmark, oder dem Grundgerichte, d. i. der untern oder niedern Gerichtbarkeit. Daher der Landgerichtsherr, der Besitzer eines adeligen mit dem Blutbanne begabten Schlosses, welcher auch die Landgerichtsobrigkeit heißt, und von welchem man sagt, daß er die landgerichtliche Hoheit besitze. 4) In einigen Gegenden, besonders Niedersachsens und Frankens, werden auch die geringern Feld- oder Flurgerichte, welche über Gränzstreitigkeiten, Feldschäden u. s. f. gehalten werden, Landgerichte und Landgerichtsstühle genannt, da denn auch der dazu beeidigte Actuarius, oder wer sonst den Vorsitz hat, den Nahmen des Landrichters bekommt. S. Feldgericht.


Landgestüte (W3) [Adelung]


Das Landgestüte, des -s, plur. ut nom. sing. S. Landbescheler.


Landgraben (W3) [Adelung]


Der Landgraben, des -s, plur. die -gräben, ein Graben, welcher durch ein ganzes Land, oder doch durch einen beträchtlichen Theil desselben gehet; zumahl, wenn er zugleich die Gränze eines Landes macht.


Landgraf (W3) [Adelung]


Der Landgraf, des -en, plur. die -en, Fämin. die Landgräfinn. 1) In dem Deutschen Staatsrechte, eine nunmehr erbliche fürstliche Würde, welche gewissen Häusern anklebet, und von denjenigen ehemahligen Grafen, d. i. hohen kaiserlichen Beamten, ihren Ursprung hat, welche einem ganzen Lande vorge- setzet waren, und die Grafen in den Gauen unter sich hatten. Dergleichen sind die ehemahligen Landgrafen von Thüringen, die heutigen Landgrafen von Hessen u. s. f. 2) In einigen Gegenden wird auch der Vorsitzende in einem Landgerichte, der Landrichter, Landgraf genannt. Dergleichen ist der Landgraf in dem Baierischen Hofe zu Regensburg, der Landgraf in dem Landgerichte zu Ravensberg u. s. f.


Landgräflich (W3) [Adelung]


Landgräflich, adj. et adv. einem Landgrafen gehörig, in dessen Würde gegründet.


Landgrafschaft (W3) [Adelung]


Die Landgrafschaft, plur. die -en, ein mit dieser Würde bekleidetes Land, ein Land oder eine Provinz, welche ehedem von einem Landgrafen regieret wurde, und seitdem diesen Nahmen behalten hat, und auch ein Landgrafenthum genannt wird.


Landgrafenthum (W3) [Adelung]


Das Landgrafenthum, des -es, plur. die -thümer, S. das vorige.


Landgränze (W3) [Adelung]


Die Landgränze, plur. die -n, im gemeinen Leben, die Gränze eines Landes, die Landesgränze; ingleichen körperliche Zeichen, wodurch dieselbe angedeutet wird; die Landmark, und wenn es ein Stein ist, der Landstein. S. auch Landgraben und Landwehr.


Landgut (W3) [Adelung]


Das Landgut, des -es, plur. die -güter, Diminut. das Landgütchen, Oberd. Landgütlein, ein Gut, d. i. ein Hof mit den zum Feldbaue gehörigen Grundstücken, auf dem Lande, besonders so fern es jemanden zustehet, welcher nicht eigentlich zum Bauernstande gehöret. Man theilet die Landgüter in Rittergüter, Freygüter und Unterthanengüter oder Bauergüter.


Landhacken (W3) [Adelung]


Der Landhacken, des -s, plur. ut nom. sing. in der Schifffahrt, besonders auf Strömen, ein Anker mit Einem Arme, um damit an den Ufern und Anhöhen zu ankern.


Landhandel (W3) [Adelung]


Der Landhandel, des -s, plur. inus. derjenige Handel, welcher zu Land getrieben wird; zum Unterschiede von dem Seehandel. Ingleichen der Handel auf den Dörfern; zum Unterschiede von dem Stadthandel.


Landhaus (W3) [Adelung]


Das Landhaus, des -es, plur. die -häuser. 1) Ein Wohn- oder Lusthaus eines Herren auf dem Lande, so fern es noch nicht den Nahmen eines Schlosses verdienet. 2) Ein Haus, worin sich die Landstände einer Provinz versammeln; das Landschaftshaus.


Landherr (W3) [Adelung]


Der Landherr, des -en, plur. die -en, eine jetzt größten Theils veraltete Benennung eines Dynasten, oder Burgherren, vermuthlich, weil er die Landeshoheit über ein ansehnliches Stück Landes zu üben hatte. Bey dem Ottfried Lantuualt.


Landhirsch (W3) [Adelung]


Der Landhirsch, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein Hirsch, welcher sich auf dem flachen Lande aufhält, und auch Auhirsch oder gemeiner Waldhirsch heißt; zum Unterschiede von dem Burg- oder Gebirghirsche und Sandhirsche.


Landhofmeister (W3) [Adelung]


Der Landhofmeister, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Provinzen, ein Hofmeister höherer Art, welcher sein Amt in vorkommenden Fällen nur in seiner Provinz, oder in Sachen, welche seine Provinz betreffen, verwaltet, und, wenn seine Würde erblich ist, Erblandhofmeister heißt. S. Hofmeister.


Landhufe (W3) [Adelung]


Die Landhufe, plur. die -n. 1) Eine Hufe auf trocknem oder festem Lande, welche auch die Hufe schlechthin genannt wird; zum Unterschiede von den Wasserhufen, nach welchen in der Mark Brandenburg die Gewässer der Fischer eingetheilet sind. 2) In einigen Gegenden, eine besondere Art Hufen artbaren Landes. In Pommern hält eine Hakenhufe 15 Morgen, eine Land- oder Dorfhufe 30, eine Tripelhufe 45, und eine Hägerhufe 60 Morgen.


Landjägerey (W3) [Adelung]


Die Landjägerey, plur. die -en, ein Collectivum, die sämmtlichen Jäger aus einer besondern Provinz zu bezeichnen; zum Unterschiede von der Hofjägerey.


Landjägermeister (W3) [Adelung]


Der Landjägermeister, des -s, plur. ut nom. sing. der Vorgesetzte über das Jagdwesen eines ganzen Landes, der, wenn er seine Würde erblich bekleidet, Erblandjägermeister genannt wird. S. Landforstmeister.


Land-Inspector (W3) [Adelung]


Der Land-Inspector, des -s, plur. toren, im Herzogthum Gotha, ein Geistlicher, welcher keine eigene Gemeine hat, sondern alle Sonntage die Kirchen auf dem Lande besucht, um zu sehen, ob der Gottesdienst gehörig besorgt wird, und ob die Pfarrer einen ordentlichen Wandel führen; der Land-Kirchen-Inspector.


Landjunker (W3) [Adelung]


Der Landjunker, des -n, plur. die -n, ein Landedelmann; doch nur noch im verächtlichen Verstande, einer von Adel, welcher auf dem Lande lebt, und die feinern Sitten der Stadt und des Hofes nicht kennet. S. Landadel.


Landkammer (W3) [Adelung]


Die Landkammer, plur. die -n, in einigen Provinzen, die Finanzkammer eines ganzen Landes; in welchem Verstande dieses Wort in Böhmen und einigen Schlesischen Fürstenthümern üblich ist.


Landkämmerer (W3) [Adelung]


Der Landkämmerer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher einer Landkammer vorgesetzet ist.


Landkarte (W3) [Adelung]


Die Landkarte, plur. die -n, Diminut. das Landkärtchen, Oberd. Landkärtlein. 1) In der weitesten Bedeutung, eine geographische Abbildung der Erdkugel, oder eines Theiles derselben; zum Unterschiede von einer Mondkarte. 2) In engerer Bedeutung, eine solche Abbildung des festen Landes oder eines Theiles desselben; zum Unterschiede von einer Seekarte. In beyden Fällen ehedem auch eine Landtafel, ingleichen eine Mappe, aus dem Lat. Mappa. S. Karte.


Landkartenstein (W3) [Adelung]


Der Landkartenstein, des -es, plur. die -e, in der Mineralogie, eine Art Steine, besonders Marmor und Alabaster, auf welcher die Adern einige Ähnlichkeit mit den Figuren auf einer Landkarte zu haben scheinen.


Landkirche (W3) [Adelung]


Die Landkirche, plur. die -n, eine Kirche auf dem Lande, die Dorfkirche; zum Unterschiede von einer Stadtkirche.


Landkirchen-Inspector (W3) [Adelung]


Der Landkirchen-Inspector, S. Land-Inspector.


Landknecht (W3) [Adelung]


Der Landknecht, des -es, plur. die -e, ein Gerichtsdiener auf dem Lande, oder so fern er in gerichtlichen Angelegenheiten auf dem Lande gebraucht wird; zum Unterschiede von einem Stadtknechte.


Landkrämer (W3) [Adelung]


Der Landkrämer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Krämer, welcher nur auf dem Lande und in den Landstädten, nicht aber in den größern Städten handeln darf.


Landkrankheit (W3) [Adelung]


Die Landkrankheit, plur. die -en. 1) Eine Krankheit, welche zu einer und eben derselben Zeit viele Menschen in einem ganzen Lande befällt. 2) Eine Krankheit, welche besonders ihren Sitz auf dem Lande hat, zum Unterschiede von den Stadtkrankheiten.


Landkrebs (W3) [Adelung]


Der Landkrebs, des -es, plur. die -e, eine Art Krebse in Amerika, welche im Schlamme am Lande leben; zum Unterschiede von unsern Fluß- und Seekrebsen. Ruricola, Cancer branchiurus L.


Landkrokodill (W3) [Adelung]


Der Landkrokodill, des, -es, plur. die -e, die größte Art Eidechsen, welche in Ostindien einheimisch ist, und sich nur allein auf dem Lande aufhält; Serpens quadrupes Plin. Eine Amerikanische Art, welche aber auch im Wasser lebt, wird daselbst Tejuguacu genannt.


Landkündig (W3) [Adelung]


Landkündig, adj. et adv. im ganzen Lande kund, oder bekannt. Eine landkündige Sache. Im Oberdeutschen landwißlich, landrüchtig.


Landkutsche (W3) [Adelung]


Die Landkutsche, plur. die -n, eine Frachtkutsche, welche durch ein ganzes Land, oder aus einem Lande in das andere gehet; besonders wenn sie einer Privatperson zugehöret. Gehöret sie dem Landesherren, und wird sie von dessen Postamte besorget, so heißt sie gemeiniglich eine Postkutsche. Daher der Landkutscher, derjenige, welcher sie führet; zuweilen auch der Eigenthümer oder Pachter derselben.


Landlage (W3) [Adelung]


Die Landlage, plur. inus. eine in Niedersachsen übliche Benennung des Nachbarrechtes, S. dieses Wort.


Landläufer (W3) [Adelung]


Der Landläufer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Derjenige, welcher im Lande herum läuft, aus einem Lande in das andere läuft, keinen bestimmten Sitz, oder kein bestimmtes Geschäft hat; in noch härtern und verächtlichern Verstande, ein Landstreicher, Fämin. die Landläuferinn. 2) An einigen Orten auf dem Lande, ein geringes Zugemüse aus Wasser und Mehl, welches am häufigsten ein Wassermuß, im Scherze aber auch wohl ein Bachhase genannt wird.


Landläufig (W3) [Adelung]


Landläufig, adj. et adv. 1) Im Lande herum laufend, im gemeinen Leben. Landläufig werden. 2) Im ganzen Lande gänge und gebe. Landläufige Münze. Im Oberd. auch landgebig. 3) Im Lande üblich, dem Landesgebrauche, den Landesgewohnheiten gemäß, landüblich; am häufigsten im Oberdeutschen.


Landleben (W3) [Adelung]


Das Landleben, des -s, plur. car. das Leben, der dauerhafte Aufenthalt auf dem Lande, zum Unterschiede von dem Stadtleben.


Landleute (W3) [Adelung]


Die Landleute, sing. car. 1) Leute, d. i. Personen, welche auf dem Lande leben, im Gegensatze der Stadtleute; in der härtern Sprechart, das Landvolk. 2) Die zu einem Landgerichte gehörigen, einem Landgerichtsherren unterworfenen Leute; nur in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. im Österreichischen. ( S. Landmann und Landsmann.) Ottfried nennet auch die Menschen, als Bewohner der Erde, Lantleute.


Ländlich (W3) [Adelung]


Ländlich, adj. et adv. 1) In einem Lande üblich, bey dessen Einwohnern gewöhnlich; eine größten Theils veraltetet Bedeutung. die ländliche Sprache, die Landessprache. Im Hochdeutschen kennet man es nur in dem Sprichworte ländlich, sittlich, d. i. ein jedes Land hat seine Sitten, seine Gewohnheiten. Die Einfalt macht, daß ländlich sittlich heißt. Ein weiser Mann ist Schöpfer seiner Sitten, Haged. 2) * Freundlich, leutselig, wie es den Einwohnern eines Landes gegen einander geziemet, eine nur im Oberdeutschen bekannte Bedeutung. Ein ländliches Volk, Stumpf. 3) Dem Lande, im Gegensatze der Stadt, gemäß, in demselben und den allda üblichen Gebräuchen und Gewohnheiten gegründet. Eine stille ländliche Gegend. Eine ländliche Mahlzeit. Ein ländlich freyer Scherz, Weiße. Der du mit holden Gesprächen Oft die ländliche Muse durch Flur und Auen begleitet, Zachar.


Landlust (W3) [Adelung]


Die Landlust, plur. car. eine Lust, ein Vergnügen auf dem Lande; im Gegensatze einer Stadtlust. Ingleichen das Landleben als eine Lust, ein Vergnügen betrachtet.


Landmacht (W3) [Adelung]


Die Landmacht, plur. car. die Macht, d. i. das Kriegsheer, zu Lande, im Gegensatze der Seemacht.


Landmann (W3) [Adelung]


Der Landmann, des -es, plur. die Landmänner und Landleute. 1) * In einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Österreich, ein im Lande ansässiger Mann, d. i. Ritter, ein Landstand; Plur. Landmänner. Mann hat hier noch die alte hohe Bedeutung eines Ritters. 2) * Der Beysitzer eines Landgerichtes doch nur in einigen Gegenden, z. B. der Schweiz; Plur. Landmänner. 3) * Der Unterthan eines Landgerichtsherren, gleichfalls nur in einigen Oberdeutschen Gegenden; Plur. Landleute. 4) * Eine männliche Person, so fern sie aus einem Lande oder Bezirke ist, ein einheimischer Mann, so wohl im Oberdeut- schen, als auch im Niederdeutschen, wo er dem Butenmann entgegen gesetzet ist; Plur. Landleute. Im Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung unbekannt; in der Schweiß hingegen sagt man auch im Fämin. die Landmänninn. 5) Ein Mann, d. i. Person männlichen Geschlechtes, vom Lande, im Gegensatze eines Stadtmannes; Fämin. Landfrau, Landjungfer, Landmädchen, Plur. Landleute. 6) * Im Oberdeutschen endlich wird es auch für Landsmann gebraucht, ( S. dieses Wort,) welches im Hochdeutschen gleichfalls fremd ist.


Landmark (W3) [Adelung]


Die Landmark, plur. die -en, die Mark, d. i. Gränze, eines Landes oder Landgerichtes, und die körperlichen Zeichen derselben.


Landmarschall (W3) [Adelung]


Der Landmarschall, des -es, plur. die -schälle, der Marschall eines Landes, d. i. einer Provinz, ein vornehmer Landesbeamter, der, wenn er diese Würde erblich besitzet, Erblandmarschall genannt wird, und wenn ein Hof mehrere Provinzen besitzet, von dem Hofmarschalle noch verschieben ist. Daher die Landmarschallinn, dessen Gemahlinn, das Landmarschallsamt, so wohl dessen Amt und Würde, als auch dessen Gericht. S. Marschall.


Landmesser (W3) [Adelung]


Der Landmesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein vereidigter Feldmesser, welcher sein Amt in einer gewissen ganzen Provinz ausübet.


Land-Miliz (W3) [Adelung]


Die Land-Miliz, plur. inus. der Ausschuß von den wehrhaften Einwohnern eines Landes; d. i. einer Provinz, besonders von den Landleuten, das Land im Nothfalle zu vertheidigen; der Landausschuß. Im gemeinen Leben wird ein Individuum solcher Miliz auch wohl ein Landmilizer genannt. S. Miliz.


Landmolch (W3) [Adelung]


Der Landmolch, des -es, plur. die -e, eine Art Molche oder Salamander, welche sich auf dem trocknen Lande aufhalten; zum Unterschiede von den Wasselmolchen.


Landmünze (W3) [Adelung]


Die Landmünze, plur. die -n. 1) Die in einem Lande eingeführte, von dem Landesherren geprägte Münze, zum Unterschiede von der fremden oder auswärtigen Münze; in welcher Bedeutung der Plural nur von mehrern Arten üblich ist. 2) In Baiern ist die Landmünze eine Art individueller Rechnungsmünze, welche daselbst 2 1/2 Kreuzer oder 10 Pfennige gilt. 24 Landmünzen machen daselbst einen Gulden.


Landpfarre (W3) [Adelung]


Die Landpfarre, plur. die -n, eine Pfarre auf dem Lande; zum Unterschiede von einer Stadtpfarre. Daher der Landpfarrer.


Landpfennig (W3) [Adelung]


Der Landpfennig, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -e, in einigen Gegenden, die Landessteuer, die durch das ganze Land eingeführte Steuer von liegenden Gründen, besonders auf dem Lande. In engerer Bedeutung ist im Osnabrückischen der Landpfennig die auf einem Grundstücke haftende Abgabe, welche der Käufer jährlich an den Verkäufer vergüten muß, weil die Abgaben daselbst auf dem Besitzer nicht aber auf dem Grundstücke haften, und folglich auch nicht mit zu dem Käufer übergeben


Landpfleger (W3) [Adelung]


* Der Landpfleger, des -s, plur. ut nom. sing. eine im Hochdeutschen veraltete, im Oberdeutschen aber noch gangbare Benennung, 1) eines obrigkeitlichen Vorgesetzten einer ganzen Provinz oder doch eines beträchtlichen Theiles derselben, dessen Pflege, d. i. Aufsicht, das Land anvertrauet ist, eines Statthalters, Gouverneurs, Landvogtes u. s. f. In der Deutschen Bibel kommt der Ausdruck in diesem Verstande noch sehr häufig vor. 2) In geringerer Bedeutung ist der Landpfleger im Oberdeutschen der Vorgesetzte eines obrigkeitlichen Kammeramtes auf dem Lande, entweder so fern solches aus einem ehemahligen Landgerichte in der dritten Bedeutung dieses Wortes entstanden ist, oder auch, weil ihm zunächst das Land mit Ausschließung der Stadt anvertrauet ist. In Nürnberg führen fünf Raths- herren, welche die Aufsicht über die sämmtlichen Güter des Rathes außer der Stadt haben, und welchen die Pfleger und Kastner untergeordnet sind, den Nahmen der Landpfleger. Sie zusammen genommen machen das Landpflegamt aus.


Landplage (W3) [Adelung]


Die Landplage, plur. die -n, eine Plage, d. i. ein Übel, welche ein ganzes Land, dessen sämmtliche Einwohner drücket. So sind Krieg, Pest, allgemeiner Mißwachs u. s. f. Landplagen.


Land-Polizey (W3) [Adelung]


Die Land-Polizey, plur. inus. die Polizey auf dem Lande; im Gegensatze der Stadt-Polizey. Beyde sind Theile der Landes-Polizey.


Landrath (W3) [Adelung]


Der Landrath, des -es, plur. die -räthe. 1) In einigen Gegenden, der Beysitzer eines Landgerichtes, besonders eines adeligen Landgerichtes. In andern Provinzen sind es gewisse adelige Landstände, welche theils in allgemeinen Angelegenheiten der Ritterschaft zu Rathe gezogen werden, theils auch die Landesabgaben verwalten, daher sie im Lüneburgischen auch Schatzräthe heißen. 2) In der Schweiz wird, wenigstens in einigen Cantons, der Senat oder das Raths-Collegium eines ganzen Cantons der Landrath genannt.


Landrauch (W3) [Adelung]


Der Landrauch, S. Heerrauch.


Landrauke (W3) [Adelung]


Die Landrauke, plur. inus. eine Art der Rauke, welche auf den sumpfigen Wiesen des mitternächtigen Europa wächset, zum Unterschiede von der Sumpfrauke und dem Wasserrettige; Sisymbrium terrestre L.


Landrecht (W3) [Adelung]


Das Landrecht, des -es, plur. die -e. 1) Die Sammlung oder der Inbegriff der in einem Lande, d. i. einer Provinz, üblichen bürgerlichen Rechte, das Provinzial-Recht; zum Unterschiede so wohl von dem Römischen Rechte, dem kanonischen Rechte und dem Lehnrechte, als auch von dem Stadtrechte. Es wird hier collective, so wohl im Singular als im Plural gebraucht. Schon bey dem Notker Lantrechtiu. Das Sächsische Landrecht, das Schwäbische Landrecht. 2) In einigen Ländern, z. B. in einigen Helvetischen Cantons, ist das Landrecht so wohl dem Bergrechte, als auch dem Stadtrechte entgegen gesetzet, und da begreift jenes den Inbegriff der auf dem flachen Lande eingeführten Rechte. 3) Im Oberdeutschen, besonders in Schlesien, Böhmen und andern Provinzen, ist das Landrecht so viel als ein Landgericht in der ersten Bedeutung dieses Wortes, vor welchem die gemeinen Landesfachen, und Dinge, welche die Güter der Adeligen betreffen, abgehandelt werden. In Schlesien hat fast jede Provinz ihr eigenes Landrecht, in welchem gemeiniglich der Landeshauptmann den Vorsitz hat, welchem der Landrichter, der Landkanzler, mehrere Landschöppen oder Landrechtsbeysitzer, der Landschreiber u. s. f. untergeordnet sind. Das kaiserlich königliche Landrecht in Nieder-Österreich bestehet aus einem obersten Landrichter, mehrern Landräthen als Beysitzern, einem Landschreiber u. s. f. S. auch Landgericht.


Landregen (W3) [Adelung]


Der Landregen, des -s, plur. ut nom. sing. ein anhaltender Regen, welcher sich über ein ganzes Land erstrecket; zum Unterschiede von einem Strichregen. Im gemeinen Leben belegt man mit diesem Nahmen einen ganze Tage anhaltenden Regen, bey welchem der ganze Horizont bezogen ist.


Landreiter (W3) [Adelung]


Der Landreiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein obrigkeitlicher geringer Bedienter zu Pferde, welcher das Land zu bereiten, und auf die Übertreter der Polizey, der Wald- und Forstordnungen, der Zölle u. s. f. ein wachsames Auge hat, und in einigen Gegenden auch Land-Dragoner, Ausreiter, Überreiter genannt wird. In der Mark Brandenburg wird der einem solchen Landreiter angewiesene Bezirk die Landreiterey genannt, mit welchem Worte man zuweilen auch dessen Wohnung und dessen Amt bezeichnet.


Landrentmeister (W3) [Adelung]


Der Landrentmeister, des -s, plur. ut nom. sing. der Rentmeister, d. i. der Einnehmer der öffentlichen Gefälle, so wohl eines ganzen Landes, als auch zuweilen auf dem flachen Lande, in welchem letztern Falle er dem Stadtrentmeister entgegen stehet.


Landrichter (W3) [Adelung]


Der Landrichter, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der Richter in einem Landgerichte oder Landrechte, der aber nicht allemahl in demselben den Vorsitz hat. ( S. Landrecht und Landgericht.) In dem größern Landrechte des Königreiches Böhmen hat der Landrichter noch den obersten Burggrafen, den obersten Landhofmeister, den obersten Landmarschall und den obersten Landkämmerer, in dem kleinern Landrechte aber den Vice-Burggrafen und Vice-Landkämmerer über sich. 2) Ein Richter auf dem Lande; im Gegensatze eines Stadtrichters.


Landröthe (W3) [Adelung]


Die Landröthe, plur. inus. im Handel und Wandel, die gemeinste Art Röthe oder Grappe, welche durch Schößlinge fortgepflanzet wird, und ihren Samen nicht zur Reife bringt. Vermuthlich weil sie gemeiniglich in dem Lande, in welchem sie gebauet wird, auch verbraucht wird.


Landruhr (W3) [Adelung]


Die Landruhr, plur. inus. eine epidemische Ruhr auf dem Lande. Ingleichen eine epidemische Ruhr, welche in einem ganzen Lande herrschet.


Landruthe (W3) [Adelung]


Die Landruthe, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine Art eines Längenmaßes auf dem Lande, welches der Stadtruthe entgegen gesetzt ist. So hält im Nürnbergischen, dem Frisch zu Folge, die Landruthe 16, die Stadtruthe aber nur 10 bis 12 Schuh.


Landsaffran (W3) [Adelung]


Der Landsaffran, des -es, plur. doch nur von mehrern Quantitäten, die -e, Saffran, welche in dem Lande selbst erbauet worden; zum Unterschiede von dem ausländischen.


Land-Salamander (W3) [Adelung]


Der Land-Salamander, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Salamander, welche sich nur allein auf dem trocknen Lande aufhält. S. Landmolch.


Land-Sarsche (W3) [Adelung]


Die Land-Sarsche, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -n, Sarsche, welche im Lande selbst verfertiget wird; zum Unterschiede von der ausländischen. Ingleichen schlechte, gemeine Sarsche, so wie sie von gemeinen Leuten auf dem Lande getragen wird.


Landsaß (W3) [Adelung]


Der Landsaß, des -ssen, plur. die -ssen. 1. * Ein jeder, welcher im Lande ansässig ist; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung, in welcher Lantsacz im Schwabenspiegel vorkommt, wo es einen ansässigen Einwohner bedeutet. 2. * In engerer Bedeutung, der auf dem Lande ansässig ist, ein Landmann, er sey übrigens von welchem Stande er wolle; eine im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnliche Bedeutung. 3. In noch engerm Verstande, sind Landsassen, 1) * in einigen Gegenden Deutschlandes, eine Art Zinsleute, welche, wie es in der Glosse zum Sachsenspiegel heißet, "auf gemiethetem Laßgute sitzen; da man sie abweisen mag, wenn man will, und die auch Bauergülden heißen," und daselbst den Pfleghaften entgegen gesetzet werden, welche Eigenes im Lande haben. Ohne Zweifel sind es eben dieselben, welche am Ober- und Nieder-Rheine Landsiedler heißen, wo ihre Güter auch Landsiedel, ihre Eigenschaft und Stand aber die Landsiedeley genannt wird. 2) In höherer Bedeutung ist ein Landsaß in einigen Gegenden, selbst Obersachsens, der Besitzer eines freyen Landgutes in einem Lande, es sey übrigens ein adeliges Landgut oder nicht, wenn er nur dem Lande, worin es gelegen ist, davon zu Dienst und Pflicht verbunden ist; im Gegensatze eines Reichssassen, der sein Gut unmittelbar von dem Kaiser und Reiche zu Lehen hat. Und in diesem Verstande werden die Landsassen wiederum in Schriftsassen und in Amtsassen eingetheilet, ( S. diese Wörter). In noch engerm Verstande heißt in einigen Ländern nur derjenige ein Landsaß, welcher ein solches Landgut besitzet, welches Sitz und Stimme auf dem Landtage hat.


Landsassiat (W3) [Adelung]


Der Landsassiat, S. die Landsässerey


Landsässerey (W3) [Adelung]


Die Landsässerey, der Landsassiat, plur. inus. in den Kanzelleyen verschiedener Gegenden, die Eigenschaft, der Stand eines Landsassen, in allen Bedeutungen dieses Wortes; besser die Landsässigkeit.


Landsässig (W3) [Adelung]


Landsässig, adj. et adv. die Eigenschaft eines Landsassen habend, in der Landsässerey gegründet, in allen Bedeutungen des Wortes Landsaß. Besonders in der letzten, da es denn dem reichssässig entgegen gesetzet ist. Ein landsässiges Rittergut, welches der Provinz, worin es liegt, zu Dienst und Pflicht verbunden ist, von dem Landesherrn zu Lehen empfangen wird, Sitz und Stimme auf dem Landtage hat. Daher die Landsässigkeit. S. das vorige.


Landschaft (W3) [Adelung]


Die Landschaft, plur. die -en. 1. Von Land, eine Provinz. 1) Eigentlich, eine Provinz, ein Land; eine sehr alte Bedeutung, in welcher Landscaffi schon bey dem Kero, (fone rumen landscaffen, aus entlegenen Ländern,) Lantscheffi in dem Tatian, Lantschefft bey dem Notker, und Landscipe im Angelsächsischen vorkommen. Im Hochdeutschen ist sie größten Theils veraltet, außer, daß in einigen Gegenden noch besondere Bezirke eines Landes oder einer Gegend den Nahmen der Landschaften führen. So bestehet in dem Herzogthume Schleswig das Amt Tondern aus zwey Landschaften oder Bezirken, und die Landschaft Bredstedt ist mit dem Amte Flensburg verbunden. In andern Schleswigischen Ämtern führen diese Bezirke den Nahmen der Harden und Birke. Solchen Landschaften sind entweder Amtleute oder auch Landvögte vorgesetzt. 2) Figürlich werden die Landstände einer Provinz als ein Ganzes betrachtet, die Landschaft genannt, welchen Nahmen auch wohl ein besonderer von derselben niedergesetzter Ausschuß führet, die Angelegenheiten der gesammten Landschaft in ihrem Nahmen zu verwalten. Die Landschaft zusammen berufen, entlassen u. s. f. Daher landschaftlich, der Landschaft gehörig, in derselben gegründet, der Landschaftsdiener, die Landschafts-Casse, das Landschaftshaus, worin sie sich versammeln, welches oft gleichfalls nur die Landschaft genannt wird, u. a. m. 2. Von Land, im Gegensatze der Stadt, eine Gegend auf dem Lande, so wie sie sich dem Auge darstellet. 1) Eigentlich, Eine schöne, eine reitzende Landschaft. So schön, wie eine Landschaft, auf welcher der Thau in flüchtigem Nebel verduftet. Noch mehr aber, 2) figürlich, ein Gemählde, welches eine solche Gegend auf dem Lande abbildet, Franz. Paysage; in welchem Verstande auch wohl das Diminut. Landschäftchen üblich ist. Daher der Landschaftmahler, ein Mahler, welcher vornehmlich Landschaften mahlet, und der von einigen auch ein Landschafter genannt wird; Franz. Paysagiste. Der Landschaftsstein, (Siehe Baumstein.) S. - Schaft.


Landscheide (W3) [Adelung]


Die Landscheide, plur. die -n. 1) Die Scheide, d. i. Gränze, eines Landes; die Landmark, Landesgränze. 2) Die Scheide oder Gränze, des eigenthümlichen Landes besondrer Personen; die Feidgränze. Daher gewisse verpflichtete Leute, welche die Aufsicht über die Gränzen der Felder und Äcker haben, Landscheider genannt werden. An andern Orten heißen sie Untergänger, Steinsetzer u. s. f.


Landschießen (W3) [Adelung]


Das Landschießen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, besonders ehedem, ein feyerliches Schießen aller Schützen eines Landes; zum Unterschiede von einem Gemeinschießen, welches nur von den Schützen einer Gemeine oder eines Ortes gehalten wird. Ein Landschießen halten.


Landschildkröte (W3) [Adelung]


Die Landschildkröte, plur. die -n, S. Erdschildkröte.


Landschnecke (W3) [Adelung]


Die Landschnecke, plur. die -n, alle Arten Schnecken, welche vier Hörner haben und sich auf dem trocknen Lande aufhalten, Erdschnecken; zum Unterschiede von den Wasserschnecken.


Landschöppe (W3) [Adelung]


Der Landschöppe, des -n, plur. die -n. 1) Der Schöppe, d. i. Beysitzer eines Land- oder Provinzial-Gerichtes. So werden die Beysitzer der Landrechte oder Landgerichte in Schlesien Landschöppen genannt. 2) Der Beysitzer eines Gerichtes auf dem Lande, eines Dorfgerichtes. S. Schöppe.


Landschranne (W3) [Adelung]


Die Landschranne, plur. die -n. S. Landgericht.


Landschreiber (W3) [Adelung]


Der Landschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der Schreiber in einem Land- oder Provinzial-Gerichte, dessen Würde und Vorzug nach Maßgebung der Länder von verschiedener Art ist. In Böhmen, Mähren und andern Provinzen gehöret der Landschreiben nebst dem Landkämmerer und Landrichter zu den drey obersten Land-Officieren oder Landesbeamten; vermuthlich weil er daselbst, so wie in der Schweiz, zugleich der Syndicus der ganzen Provinz ist. In andern Landrechten oder Landgerichten ist er nur Secretarius oder Actuarius des Landgerichtes. 2) Der Schreiber oder Actuarius in einem Gerichte auf dem flachen Lande oder für das flache Land; zum Unterschiede von einem Stadtschreiber. S. Schreiber.


Landschule (W3) [Adelung]


Die Landschule, plur. die -n. 1) Eine Schule auf dem Lande; zum Unterschiede von einer Stadtschule. 2) Eine zum Besten eines ganzen Landes, oder auf dessen Kosten errichtete Schule, wofür doch Landesschule üblicher ist.


Landsee (W3) [Adelung]


Der Landsee, des -s, (zweysylbig,) plur. die Landseen, (dreysylbig,) ein See mitten im festen Lande; zum Unterschiede von der See oder dem Weltmeere, oder einem beträchtlichen Theile desselben. Bey dem Ottfried Lantse.


Landseil (W3) [Adelung]


Das Landseil, des -es, plur. die -e, ein in Böhmen übliches Feld- oder Ackermaß, welches so wie das Waldseil gegenwärtig 52 Prager Ellen hält; zum Unterschiede von einem Weinbergsseile, welches deren 64 hält.


Landseuche (W3) [Adelung]


Die Landseuche, plur. die -n, eine Seuche oder ansteckende Krankheit, welche viele Menschen oder Thiere in einem Lande auf einmahl befällt.


Landsiedel (W3) [Adelung]


Das Landsiedel, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, besonders am Rheinstrome, so wohl ein jeder Landsitz oder ein jedes Landgut, als auch in engerm Verstande, eine Art Zinsgüter, welche mit den Obersächsischen Meiergütern überein kommen. ( S. Landsaß.) Daher der Landsiedler, der Besitzer eines Landsiedels oder Landsiedelgutes, welcher zuweilen gleichfalls der Landsiedel genannt wird, die Landsiedeley, die Eigenschaft eines solchen Gutes, der Landsiedelherr, der Grund- und Eigenthumsherr, das Landsiedelrecht u. s. f. Bey dem Ottfried ist Landsidilo ein Landsmann. S. Siedel.


Landsitz (W3) [Adelung]


Der Landsitz, des -es, plur. die -e, der Sitz, d. i. Wohnort, Aufenthalt eines Mannes von Stande auf dem Lande.


Landskind (W3) [Adelung]


Das Landskind, des -es, plur. die -er, im gemeinen Leben, eine Person, welche aus einem Lande gebürtig ist, in Ansehung desselben, und ohne Unterschied des Geschlechtes. Ein Preußisches, Sächsisches Landskind, eine Person, welche in Preußen, in Sachsen, oder in einer zu den Preußischen, den Sächsischen Staaten gehörigen Provinz geboren ist. Im Oberdeutschen ein Landzögling, Landmann, Landsmann.


Landsknecht (W3) [Adelung]


Der Landsknecht, des -es, plur. die -e. 1) Ein zur Vertheidigung des Landes bestimmter Knecht; eine nunmehr veraltete Benennung eines gemeinen Soldaten, besonders eines Fußgängers. Man gebraucht dieses Wort nur noch zuweilen im gemeinen Leben, besonders in der R. A. fluchen, wie ein Landsknecht. Im mittlern Lat. Lanskenetus. 2) Eine besondere Art eines vornehmlich in Frankreich üblichen Kartenspieles; ver- mutlich weil es durch die ehemahligen Deutschen Landkechte ober Soldaten daselbst bekannt geworden, daher es im Französischen auch den Deutschen Nahmen behalten hat, wo es Lansquenet heißt. Landsknecht spielen.

Anm. Einige haben geglaubt, daß die erste Hälfte dieses Wort nicht Land, sondern vielmehr Lanze sey, daß es daher Lanzknecht geschrieben werden müsse, und einen mit einer Lanze bewaffneten Soldaten bedeute. Allein, die wahre Lanze war kein Gewehr für Fußgänger, ja es durfte niemand als ein wirklicher Ritter dieselbe führen. Die Ritter hatten zwar ihre Bedienten zur Tragung der Lanzen, welche Lanzenträger und Lanzenknechte hießen; allein diese waren von unsern Landsknechten gar sehr verschieden. Von dem Nahmen und Ursprunge der Landsknechte, S. Senkenbergs Selecta Th. 3, S. 481 Nova Miscell. Lips. Th. 9, S. 425.


Landsmann (W3) [Adelung]


Der Landsmann, des -es, plur. die -leute, Fämin. die Landsmänninn. 1) Diejenige Person, welche mit einer andern aus einem und eben demselben Lande gebürtig ist; im Oberd. Landmann. Er ist mein Landsmann. Es war deine Landsmänninn. Sie sind Landsleute, sie sind aus einem und eben demselben Orte, aus einer und eben derselben Provinz gebürtig. Schwed. Landsmann, im Oberd. Landmann, bey dem Ottfried im Plural Lantliut, Landsedilon, in dem alten Gesetze der Könige Ludwig und Lothar von 840 Geland. 2) * Ein Landskind; doch nur im Oberdeutschen.


Landsmannschaft (W3) [Adelung]


Die Landsmannschaft, plur. die -en. 1) Die Eigenschaft, noch welcher zwey oder mehr Personen aus einem und eben demselben Lande gebürtig sind, und deren Verbindung; ohne Plural. 2) Mehrere aus Einer Provinz gebürtige Personen, als ein Ganzes betrachtet; besonders auf Universitäten.


Landspitze (W3) [Adelung]


Die Landspitze, plur. die -n, die Spitze des festen Landes, eine in das Meer oder Wasser hervor ragende Spitze des festen Landes.


Landsstrich (W3) [Adelung]


Der Landsstrich, des -es, plur. die -e, ein unter Einer Polhöhe in die Länge sich erstreckender Strich so wohl der Erdkugel, als besonders des festen Landes; der Erdstrich, Himmelstrich, die Zone, das Klima.


Landstadt (W3) [Adelung]


Die Landstadt, plur. die -städte. 1) Eine zu einem Lande, d. i. Provinz, gehörige, dem Landesherren der Provinz unterworfene Stadt, eine Municipal-Stadt; zum Unterschiede von einer Reichsstadt. 2) Zuweilen führen auch dem Landesherren unmittelbar unterworfene Städte den Nahmen der Landstädte; zum Unterschiede von den Amtsstädten oder adeligen Städten. 3) In manchen Ländern werden die kleinern Städte außer den Hauptstädten Landstädte genannt, weil man sie gewisser Maßen mit zu dem flachen Lande, so fern dasselbe der Stadt in engerer Bedeutung entgegen gesetzt ist, rechnet. 4) Eine in dem festen Lande gelegene Stadt; zum Unterschiede von einer Seestadt.


Landstand (W3) [Adelung]


Der Landstand, des -es, plur. die -stände, ein Stand eines Landes oder einer Provinz, doch nur ein solcher Stand, welcher das Recht hat, auf Landtagen zu erscheinen, und daselbst über Landesangelegenheiten zu stimmen. Die Landstände zusammen berufen. ( S. Stand.) Daher landständisch, oder nur ständisch, den Landständen gehörig, in ihrer Eigenschaft und Würde gegründet. S. Landschaft und Landsaß.


Landstein (W3) [Adelung]


Der Landstein, des -es, plur. die -e. 1) Der Gränzstein, so wohl eines ganzen Landes, einer Provinz, als auch einzelner Ländereyen oder Grundstücke. 2) Im Bergbaue werden diejenigen Eisensteine, welche man hin und wieder auf oder gleich unter der Erde findet, und sie daher nicht erst auf bergmännische Art gewinnen darf, Landsteine genannt. S. auch Rasenstein.


Landsterben (W3) [Adelung]


Das Landsterben, des -s, plur. inus. eine Landseuche, wenn sie viele Menschen oder Vieh in einem Lande dahin raffet.


Landsteuer (W3) [Adelung]


Die Landsteuer, plur. die -n, eine Steuer, welche von den Ländereyen eines Landes gegeben wird; zum Unterschiede von der Kopfsteuer, Vermögenssteuer u. s. f. Zuweilen auch eine Steuer, welche auf dem Lande, von den Landleuten gegeben wird; zum Unterschiede von der Städtesteuer.


Landstraße (W3) [Adelung]


Die Landstraße, plur. die -n, eine Straße, d. i. großer breiter Weg, welcher durch ein ganzes Land, oder auch aus einem Lande in das andere gehet, und gemeiniglich auf Kosten des Landes unterhalten, und auch die Heerstraße genannt wird, nicht so wohl von Heer, Kriegsheer, als von Heer, eine jede Menge Menschen. In einigen Gegenden auch die Geleitsstraße, weil sie immer sicheres Geleit hat, ehedem der Königsweg, weil er unter dem besondern Schutze der Deutschen Könige und Kaiser stand, im Schwabenspiegel Kap. 214 des Kungez strauzz, wo aber auch schon Landstrauzz vorkommt, im Nieders. Hellweg, welches vielleicht aus Heerweg verderbt ist.


Landstreicher (W3) [Adelung]


Der Landstreicher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Landstreicherinn eine Person, welche ohne bestimmte rechtmäßige Absicht im Lande herum streicht, im harten und verächtlichen Verstande; ein Irrläufer, im Oberd. Landfahrer, Landstörzer, Landstreiner, Landströmer, Landstürer, Landschweifer, Strickling, von streichen, Strolchengesindel, Freyart, im Westphäl. Schojer.


Landstube (W3) [Adelung]


Die Landstube, plur. die -n. 1) Diejenige Stube, oder dasjenige Zimmer, worin sich die Landstände versammeln. 2) Dasjenige Zimmer, in welchem ein Land- oder Provinzial-Gericht gehalten wird, und dieses Gericht selbst. 3) Dasjenige Zimmer, worin sich ein für die Güter oder Districte auf dem Lande verordnetes Collegium versammelt, und dieses Collegium selbst. So ist die Landstube in Leipzig das Collegium der zu des Rathes Land- und Rittergütern verordneten Deputirten.


Landsuchung (W3) [Adelung]


Die Landsuchung, plur. die -en, die obrigkeitliche Aufsuchung verdächtiger Personen in einem ganzen Lande.


Land-Syndicus (W3) [Adelung]


Der Land-Syndicus, des -ci, plur. die -ci, der Syndicus eines ganzen Landes, oder der Landstände; in einigen Oberdeutschen Gegenden Landschreiber.


Landtobak (W3) [Adelung]


Der Landtobak, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, einheimischer Tobak, welcher im Lande selbst erbauet und zubereitet wird.


Landtafel (W3) [Adelung]


Die Landtafel, plur. die -n. 1) Eine jetzt größten Theils veraltete Benennung einer Landkarte. 2) Das Archiv eines Landes, der Landstände, oder auch nur eines Landgerichtes, und das zu dessen Aufsicht verordnete Collegium; doch nur in einigen Ländern. So ist in Böhmen die Landtafel die Kanzelley des größern Landgerichtes, wo die Landtagsschlüsse und alle öffentliche Handlungen niedergeschrieben und aufbehalten werden. In dem Fürstenthume Troppan befindet sich außer dem Landrechte und der Landeshauptmannschaft noch eine fürstliche Landtafel. Die kaiserlich königliche Nieder-Österreichische Landtafel zu Wien ist mit einem Registrator, einem Vice-Registrator und andern Beamten besetzt. 3) Eine Landes-Matrikel, d. i. ein öffentliches, obrigkeitliches Verzeichniß, worin die Rittergüter eines Landes nach ihren Besitzern, Erben, Schulden u. s. f. verzeichnet werden; auch nur in einigen Gegenden, besonders in Böhmen, wo sie auch das Landhandelsbuch, in andern Ländern aber nur das Landbuch genannt wird. Auch in Baiern ist eine solche Matrikel unter dem Nahmen der Landttafel bekannt. S. Tafel.


Landtag (W3) [Adelung]


Der Landtag, des -es, plur. die -tage, die Versammlung der Landstände, oder der Stände einer Provinz, und zuweilen die versammelten Stände selbst; zum Unterschiede von einem Kreis- und Reichstage. Einen Landtag ausschreiben. Auf den Landtag reisen. Einen Landtag halten, im gemeinen Leben landtagen. In Pohlen, wo die Landtage vor den Reichstagen vorher gehen, sind jene Versammlungen des Adels in den Provinzen. Eben daselbst werden aber auch die Landgerichte in den Woiwodschaften Landtage genannt. Von Tag, eine Versammlung an einem bestimmten Tage. Schwed. Herredag. Ehedem waren die Landtage auch unter dem Nahmen der Landsprachen bekannt.


Landthurm (W3) [Adelung]


Der Landthurm, des -es, plur. die -thürme, in einigen Gegenden, ein Thurm an einer Landwehre.


Landtrauer (W3) [Adelung]


Die Landtrauer, plur. inus. eine Trauer durch das ganze Land.


Landüblich (W3) [Adelung]


Landüblich, adj. et adv. in einem Lande üblich; im Oberdeutschen landläufig.


Landung (W3) [Adelung]


Die Landung, S. Landen.


Landverderblich (W3) [Adelung]


Landverderblich, adj. et adv. das Verderben eines Landes befördernd. Ein landverderblicher Krieg.


Landvogt (W3) [Adelung]


Der Landvogt, des -es, plur. die -vögte. 1) In einigen Gegenden, der Vorgesetzte eines Landes oder einer Provinz, welcher ehedem Landpfleger, Waldboth, Waldgraf, von Wald, Gewalt, hieß, jetzt aber Statthalter, Landeshauptmann u. s. f. genannt wird, und dessen Gewalt und Gerechtsamen nicht in allen Ländern, wo man Landvögte hat, gleich sind. 2) Der oberste Vorgesetzte einer Landschaft, d. i. eines gewissen Bezirkes eines Landes, dergleichen Landvögte, welche so wohl die Gerechtigkeit handhaben, als auch die obrigkeitlichen Gefälle einnehmen, es so wohl in Ober- als Nieder-Deutschland gibt.


Landvogtey (W3) [Adelung]


Die Landvogtey, plur. die -en, die Würde eines Landvogtes, noch mehr aber der seiner Aufsicht anvertraute Bezirk, in beyden Bedeutungen dieses Wortes.


Landvolk (W3) [Adelung]


Das Landvolk, des -es, plur. inus. das Volk auf dem Lande, geringere Einwohner auf dem Lande; zum Unterschiede von dem Stadtvolke.


Landwärts (W3) [Adelung]


Landwärts, adv. nach dem festen oder trocknen Lande zu.


Landwehre (W3) [Adelung]


Die Landwehre, plur. die -n, Wälle, Gräben, Verbaue oder andere zur Vertheidigung der Gränzen eines Landes oder einer Landschaft gemachte Auftalten; in einigen Gegenden der Landfriede, die Heimschaar, im Oberdeutschen die Letze, in Dithmarsen die Hamme.


Landwein (W3) [Adelung]


Der Landwein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, im Lande selbst gebaueter Wein; zum Unterschiede von dem ausländischen.


Landwind (W3) [Adelung]


Der Landwind, des -es, plur. -e, in der Schifffahrt, derjenige Wind, welcher bey Tage von der See nach den Küsten zu wehet, oft auch, der von dem festen Lande her wehet; beydes zum Unterschiede von dem Seewinde.


Landwirth (W3) [Adelung]


Der Landwirth, des -es, plur. die -e, Fämin. die Landwirthinn. 1) Ein Gast- oder Schenkwirth auf dem Lande oder Dorfe; zum Unterschiede von einem Stadtwirthe. 2) Ein jeder Hauswirth auf dem Lande.


Landwirthschaft (W3) [Adelung]


Die Landwirthschaft, plur. inus. besonders in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes, die Beschäftigung oder Lebensart, da man durch den Feld- oder Landbau Unterhalt und zeitliches Vermögen zu erwerben sucht. Ingleichen die Wissenschaft, durch Nutzung eines Feld- oder Landgutes zeitliches Vermögen zu erwerben; die Land-Ökonomie, welche mit der Landes-Ökonomie nicht verwechselt werden muß.


Landwolle (W3) [Adelung]


Die Landwolle, plur. inus. einheimische, im Lande selbst erzeugte Wolle, zum Unterschiede von der ausländischen.


Landzeug (W3) [Adelung]


Der Landzeug, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, einheimische, im Lande selbst ver- fertigte Zeuge, dergleichen Rasch, Boy, Frieß u. s. f. in manchen Ländern sind.


Landzoll (W3) [Adelung]


Der Landzoll, des -es, plur. die -zölle, ein Zoll welcher auf dem Lande entrichtet wird; zum Unterschiede von dem See- und Wasserzoll.


Lang (W3) [Adelung]


Lang, länger, längste, adj. et adv. welches überhaupt ein Ausdruck der größten Ausdehnung an einem Körper ist, im Gegensatze derjenigen, von welchen die Wörter breit und dick gebraucht werden. Es ist in doppelter Hauptbedeutung üblich. I. Absolute, das Maß dieser Ausdehnung zu bezeichnen, mit ausdrücklicher Meldung dieses Maßes. 1. Eigentlich, von der körperlichen Ausdehnung; wo es in der ersten und zweyten Staffel als ein Nebenwort am üblichsten ist. Der Garten ist funfzig Ellen lang. Drey hundert Hufen lang, Raml. Das Haus ist so lang wie die Gasse. Zuweilen auch von der Höhe eines Menschen. Cajus ist so lang wie sein Bruder. Das Maß stehet im Hochdeutschen am häufigsten in der vierten Endung, im Oberdeutschen aber auch in der zweyten, welches auch zuweilen von den Hochdeutschen nachgeahmet wird, sich aber nur in der einfachen Zahl thun lässet. Einer Ellen lang. Doch verstatten diese Wortfügung zuweilen in der mehrern Zahl auch die beyden Zahlwörter zwey und drey, weil sie der Declination fähig sind. Zweyer Spannen lang. Dreyer Ellen lang. Aber nicht, dreyer Meilen, zweyer Zolle lang. So auch in den Zusammensetzungen armslang, gliedslang, ellenlang, eines Armes lang u. s. f. Die R. A. der Länge lang, d. i. der Länge nach, so lang man ist, ist Niedersächsisch, ungeachtet sie bey Hochdeutschen Schriftstellern nicht selten vorkommt. Er streckte sich der Länge lang auf einen Rasen. Und mancher fiel die Länge lang darnieder, Gell. Im Nieders. lingelangst. Ingleichen in der zweyten und dritten Staffel. Diese Gasse ist länger als jene. Das längste von beyden. Es ist eine ganze Elle länger, oder um eine ganze Elle länger; im Oberd. auch mit der zweyten Endung, einer ganzen Elle länger. 2. Figürlich von der Zeitdauer, in der ersten und zweyten Staffel; auch am häufigsten als ein Nebenwort. Er schwatzet Tage lang, d. i. ganze Tage. Jahre lang, ganze Jahre. Drey Mahl neun Tage lang, Raml. Drey Tage lang will ich ihm Gesichter machen, Weiße. Hier sangen sie wohl eine Stunde lang, Gell. Ingleichen in den Zusammensetzungen stundenlang, wo es auch als ein Beywort gebraucht wird, ein stundenlanges Gebeth; lebenslang und lebenlang, welche man doch so wie eine Zeit lang richtiger getheilt schreibt, Lebens lang und mein Leben lang. Die Tage werden länger. Der längste Tag. II. Eine beträchtliche Länge habend, im Gegensatze dessen was kurz ist, länger als gewöhnlich; wo es nur in der ersten und dritten Staffel gebraucht wird. 1. Eigentlich und in engerer Bedeutung, ein mehr als gewöhnliches Maß der Ausdehnung in die Länge habend. Ein langes Kleid. Das Kleid ist mir zu lang. Lange Haare haben. Seine Haare lang wachsen lassen. Ein langer Hals. Eine lange Gasse. Etwas auf die lange Bank schieben. S. Bank. 2. In weiterer Bedeutung, der Ausdehnung in die Höhe nach; doch nur von der Höhe eines Menschen. Ein langer Mensch. Lang seyn, lang von Statur seyn. Ehedem gebrauchte man es auch für hoch überhaupt. In lengi himilo, Ottfr. im hohen Himmel. 3. Figürlich. 1) Eine lange Brühe, in den Küchen, welche viel Flüssigkeit und wenig Consistenz hat; im Gegensatze einer kurzen. 2) Zähe, im gemeinen Leben, und am häufigsten von flüssigen Dingen. Der Wein wird lang, wenn er zähe wird. Nach einer noch weitern Figur sagt man im gemeinen Leben von Speisen oder Getränken, wenn man sie mit Widerwillen hinunter schluckt, daß sie uns lang im Halse werden. 3) Der Zahl, der Menge nach, für viel; doch nur mit dem Hauptworte Jahr und häufigsten in der Sprache der Kanzelleyen und des gemeinen Lebens. Ich habe ihn in langen Jahren nicht gesehen. In Betrachtung seiner lange Jahre geleisteten Dienste. Ein vor langen Jahren verstorbener Mann. - Ich hab' in langen Jahren Was wahr ist, selbst geprüft, was falsch ist selbst erfahren, Schleg. 4) Von der Zeitdauer, ein größeres Maß der Währung habend als gewöhnlich, oder als man wünscht. Eine lange Nacht. Wozu dienet der lange Gram? Das längste Übel höret doch mit dem Tode auf. Ein langes Geschwätz machen. Ein langes Gebeth. Eine lange Predigt. Durch langen Gebrauch abgenutzt. Sich lange Zeit nicht entschließen können. Ich habe ihn in langer Zeit nicht gesehen. Eine lange Krankheit. Eine lange Sylbe, richtiger eine gedehnte, zu deren Aussprache mehr Zeit erfordert wird, als zu einer kurzen, oder geschärften. Ein langer Brief, ein langes Gedicht, eine lange Abhandlung, zu dessen Lesung man viele Zeit gebraucht; aber nicht ein langes Buch. Eine lange Reise, zu welcher viel Zeit erfordert wird. Ein langes und Breites daher schwatzen, viele unnütze Worte machen. Von langem her, 2 Pet. 2, 3, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Lange Weile haben, die leere, geschäftlose Zeitdauer mit Unlust empfinden. Die lange Weile, die unangenehme Empfindung der leeren geschäftlosen Zeitdauer. Man schreibt dieses Wort gemeiniglich zusammen gezogen, Langeweile, welche Form doch wider die Analogie der Zusammensetzungen ist, indem in denselben das Beywort allemahl die Endsylbe wegwirft, wie in langweilig ganz richtig geschiehet; zumahl da in diesem Worte das Beywort ordentlich decliniret wird, der langen Weile, nicht der Langeweile. Wäre es ein wahres Compositum, so müßte es Langweile heißen, nach der Analogie der folgenden und anderer ähnlichen Zusammensetzungen. Die Art des Verdrusses, den man Langeweile nennt, und der aus der Unthätigkeit der Seele entspringt, Sulz. Sich die lange Weile vertreiben. Etwas für die lange Weile thun, zur Vertreibung dieser Empfindung; im gemeinen Leben auch so viel, als es vergebens, umsonst thun. An einigen Orten wird der Kofent im Schertze lange Weile genannt, wo es im gemeinen Leben wohl in Langwel, Langfel, Lampfel verderbt wird. Ingleichen als ein Nebenwort. Die Predigt war sehr lang. Der Brief ist außerordentlich lang. Über lang oder kurz, im gemeinen Leben, in einer unbestimmten Zeit, deren Länge oder Kürze man nicht bestimmen kann. Nicht über lang darnach es geschach, Theuerd. Kap. 72. Uber unlang. Notker, in kurzen. Ich würde über lang oder kurz selbst darauf gefallen seyn, Gell. Die Zeit wird mir lang, scheinet mir lang, ich empfinde ihre lange Dauer auf eine mit Unlust verbundene Weise. Mir wird Zeit und Weile bey ihm lang. Sie wird ihnen die Zeit nicht lang werden lassen, Gell. Man muß dieses Nebenwort lang nicht mit dem folgenden Nebenworte lange verwechseln, wie auch zuweilen von guten Schriftstellern geschiehet. Bey mir soll ihnen die Zeit nicht lange werden, Gell. für lang werden. Wie lange wird mir da die Zeit, Cron. für lang. Lang stehet, wenn das Hauptwort die Zeit, oder ein anderes Hauptwort der Zeit da ist, lange aber wenn solches verschwiegen ist. Man sagt daher richtig, das wird mir zu lange, und der Tag wird mir sehr lang; aber nicht, der Greis sah lang mit stiller Freude auf den Vater herunter, Geßn. S. Lange.

Anm. Bey dem Kero und Ottfried schon lang, bey dem Ulphilas laggs, (sprich langs,) im Angels. lang, laeng, long, im Engl. long, im Schwed. lang. im Lat. longus. Auch unser schlank oder geschlank, Engl. lank, gehöret zu dem Geschlechte dieses Wortes. In dem Nebenworte lang lautet das g wie ein k, dagegen es in dem Beyworte, wenn es am Ende wächset, seinen gelinden Laut wieder bekommt. Man kann dieses Wort, so wie die ähnlichen kurz, groß, dick, dünn, breit u. s. f. mit vielen Beywörtern zusammen setzen, auch mit solchen, welche für sich nicht allein üblich sind. Z. B. langbeinig, langnäsig, langarmig, langbärtig, langhärig u. s. f. lange Beine, Arme, Haare, einen langen Bart, eine lange Nase habend. Ja es läßt sich auch im gemeinen Leben mit Hauptwörtern mancher Art zusammen setzen. Langbein, der ein langes Bein, oder lange Beine hat; so auch Langnase, Langarm, Langhaar u. s. f.


Lang-Äspe (W3) [Adelung]


Die Lang-Äspe, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der gemeinen Äspe, weil sie zu einem sehr hohen Baume wächset; Fraxinus excelsior L.


Langbeil (W3) [Adelung]


Das Langbeil, des -es, plur. die -e, bey den Stellmachern oder Wagnern, ein langes vorn spitzig zulaufendes Beil, Sachen, welche gerade auslaufen, damit zu behauen.


Langbein (W3) [Adelung]


Der Langbein, des -es, plur. die -e, Langbeinig, siehe Lang Anm.


Lange (W3) [Adelung]


Lange, länger, längste, adv. welches nur von einer Zeit gebraucht wird, und nur alsdann stehet, wenn kein Hauptwort der Zeit da ist, für lange Zeit. 1. Eigentlich, wo es so wohl von einer gegenwärtigen, als vergangenen und künftigen Zeit gebraucht wird. Nicht lange hernach. Es ist schon lange her, daß ich ihn gesehen habe, schon lange Zeit her. Das währt lange, das dauert noch länger. Lange schreiben, viele Zeit damit zubringen. Er hat mir lange nicht geschrieben, seit langer Zeit. Lange an etwas arbeiten. Das wird zu lange. Du machst mir es zu lange. Bist du schon lange hier? Er kommt noch lange nicht. Er wird nicht lange mehr ausbleiben. Er hat mir versprochen, lange (in langer Zeit) nicht wieder von der Liebe zu reden, Gell. Sie ist ihm schon lange gewogen, seit langer Zeit. So lange die Vorsehung, oder als die Vorsehung, mein Leben erhalten will. So lange ich lebe, so lange als ich lebe. Ich werde so lange hier bleiben, bis du wieder kommst. So lange als ich kann. So lange und nicht länger. Je länger, je lieber. Je länger hier, je später dort. Aufs längste in drey Tagen, d. i. wenn es sehr lange währet. Es hat am längsten gewähret, die längste Zeit der Dauer ist schon vorbey. Das weiß ich lange, seit langer Zeit. Das hat er lange gewußt. 2. Figürlich. 1) Eine Art von Intension zu bezeichnen, welche aus der vorigen Bedeutung unmittelbar fließt. Was fragen sie lange? Man muß nicht erst lange fragen. Was zauberst du lange? Ich werde dich nicht lange bitten. 2) In Vergleichung, und mit der Verneinung, für bey weiten. Er ist lange nicht so gelehrt als Leibnitz. Er ist noch lange kein Neuton. Sie sieht lange nicht so schön aus, als es die Leute machen, Gell. 3) Eine Art von Versicherung; doch nur im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart. Wenn ihnen der Wein in den Kopf kommt, so geben sie mir lange eine Verschreibung von hundert Thalern, Gell. Ihr gebt mir eure Tochter lange noch, Weiße. Ich muß das Weib lange noch einsperren, ebend. Du wirst dich aber doch lange einmahl in Damenkleider werfen müssen, ebend. 4) Für hinlänglich; auch nur im gemeinen Leben, und vielleicht nur allein mit dem Nebenworte gut. Es ist lange gut für mich, es ist für mich gut genug. 5) Für gleich, auch; auch nur in der vertraulichen Sprechart. Wenn ich lange hingehe, so finde ich es doch nicht. Wenn du ihm lange gute Worte gibst, so thut er es doch nicht. Anm. In der ersten eigentlichen Bedeutung, im Isidor langhe, bey dem Kero und Ottfried lango, im Schwed. länge, im Isländ. leingi, im Engl. long time, S. Lang II. 3. 4)


Länge (W3) [Adelung]


1. Die Länge, plur. die -n, das Abstractum von dem Bey- und Nebenworte lang, welches am häufigsten absolute gebraucht wird, die größte Ausdehnung eines Dinges zu bezeichnen. 1) Eigentlich, von der körperlichen Ausdehnung; zum Unterschiede von der Breite und Dicke. Der Garten hält hundert Ellen in die Länge. Ein Stück Holz in die Länge, oder nach der Länge spalten. Die Länge eines Dinges messen. Das Leder in die Länge, oder nach der Länge ziehen. Nach aller Länge da liegen, nach der Länge niederfallen; im gemeinen Leben, der Länge lang, ( S. Lang I. 1.) Niemand kann seiner Länge eine Elle zu setzen. Die rechte Länge haben, nähmlich des Leibes. In der Geographie und Seefahrt ist die Länge oder Himmelslänge, im Gegensatze der Breite, die Entfernung von dem ersten Meridian nach Morgen zu. (Siehe Breite.) In der Astronomie ist die Länge eines Sternes dessen Entfernung von dem Anfange des Widders. Als ein Abstractum hat dieses Wort eigentlich keinen Plural, außer wenn man diese Art der Ausdehnung in mehrern Körpern oder in mehrern einzelnen Fällen nimmt. 2) Die Zeitdauer, so wohl überhaupt, als auch eine lange Zeitdauer; ohne Plural. Die Länge der Zeit. Die Gelassenheit ermüdet oft unter der Länge der Zeit, Gell. In die Länge wird man der Sache überdrüssig, wenn sie lange, oder zu lange währet. Etwas in die Länge spielen, es langwierig machen. Die Sache zieht sich in die Länge. Das thut in die Länge nicht gut. Eine liebe lange Länge, im gemeinen Leben, eine sehr lange Zeit. Bey dem Notker Lengi. Im Nieders. Länge und Längte, im Dän. Längde, im Engl. Length. Im Nieders. ist die Länge auch ein langes Seil, dessen Enden an einander befestiget sind, und welches um große Packe und Ballen geschlagen wird, sie desto bequemer in die Höhe zu winden.


Länge (W3) [Adelung]


2. Die Länge, plur. die -n, eine Art Fische aus dem Dorschgeschlechte mit zwey Rückenfinnen und Bartfäden, dessen oberer Kinnbacken länger ist, als der untere; Gadus Molua L. Langfisch, Nieders. Länge, Zartlänge, Dän. Lange, Franz. Langhe. Ohne Zweifel wegen seiner ansehnlichen Länge im Verhältnisse mit seiner Dicke.


Längeholz (W3) [Adelung]


Das Längeholz, des -es, plur. die -hölzer, bey den Bäckern, ein rundes Holz, den Teig damit zu längen, d. i. in die Länge auszudehnen.


Langen (W3) [Adelung]


Langen, verb. reg. welches von dem Nebenworte lang abstammet, und in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1. Länger werden; doch nur noch in einigen Fällen des gemeinen Lebens. Wenn der Tag beginnt zu langen, Kommt die Kälte erst gegangen. Im Oberdeutschen auch für lang werden, d. i. lange däuchten, von der Zeit. Die kurzen Stunden mir sehr langen. 2. Sich mit der Länge bis zu etwas erstrecken. 1) Eigentlich, so wohl von der körperlichen Ausdehnung, als auch von der Zeit, für reichen; am häufigsten nur im gemeinen Leben. Der Rock langt bis auf die Fersen. Die Vohänge langen bis auf die Erde. Das Gebirge langt bis an das Meer. Der Berg Sina langet bis gen Jerusalem, Gal. 4, 25. Deine Gewalt langet bis an der Welt Ende, Dan. 4, 19. 2) Dem Werthe, der Materie, der Güte nach. Hundert Thaler langen nicht weit. Das Geld langet nicht so weit, ist dazu nicht hinlänglich. Der Zeug langet gerade noch zu Einem Kleide. Bis dahin langet (erstrecket sich) meine Höflichkeit nicht, Less. Die Zeit meiner Wallfahrt langet nicht an die Zeit meiner Väter in ihrer Wallfahrt, 1 Mos. 47, 9; d. i. kommt ihr der Dauer nach nicht gleich. Nach einer noch weitern Figur auch für auskommen. Ich kann damit nicht langen. In beyden Bedeutungen ist in der anständigern Sprechart dafür nun reichen üblicher. 3. In engerer Bedeutung, mit ausgestreckter Hand an etwas reichen. 1) Eigentlich, wo in der anständigern Sprechart gleichfalls reichen üblicher ist. Ich kann nicht so weit langen. Ich kann schon bis dahin langen. Ingleichen die ausgestreckte Hand an einen Ort hin bewegen. In die Schüssel langen. Nach etwas langen. Auf den Tisch langen. 2) * Figürlich, mit dem Gemüthe, mit Unruhe begehren; wofür doch jetzt verlangen üblicher ist. Das einfache langen kommt indeß in dieser Bedeutung noch bey dem Notker vor, und im Schwed. heißt es auch noch länga. S. Verlangen. II. Als ein Activum, in dem ersten Falle der letzten dritten Bedeutung, mit ausgestreckter Hand darreichen; gleichfalls nur im gemeinen Leben, für reichen, geben. Lange mir den Hut. So auch in den Zusammensetzungen ablangen, auflangen, herlangen, hinlangen, zulangen. Auch figürlich, doch auch nur im gemeinen Leben, hingehen und hohlen, oder bringen. Ich will immer gehen und die Forellen aus dem Fischhälter langen, Gell. Das Hauptwort die Langung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.


Längen (W3) [Adelung]


Längen, verb. reg. welches das Activum des vorigen Neutrius wenigstens in einigen Bedeutungen ist. 1. Lang machen, in die Länge ausdehnen, erstrecken; wo es doch nur noch in einigen Fällen des gemeinen Lebens üblich ist. 1) Bey den Bäckern wird der Teig gelänget, wenn er mit dem Längeholze gewalzet und dadurch in die Länge ausgedehnet wird. Auch die Metallarbeiter längen ein Metall, wenn sie es vermittelst des Hammers in die Länge ausdehnen. 2) In der Seefahrt wird gespanntes Tauwerk gelänget, wenn es der Länge nach nachgelassen, lockrer gemacht wird. 3) Im Bergbaue wird eine Grube, oder ein Ort gelänget, wenn sie in die Länge getrieben oder fortgesetzet werden. ( S. Längort.) 4) Eine Brühe längen, in den Küchen einiger Gegenden, sie länger, d. i. dünner machen. 2. In der Landwirthschaft Thüringens heißt einen Acker längen, ihn der Länge nach theilen, im Gegensatze des Strümpfens, der Theilung in die Quere. Wo keine Gränzsteine vorhanden sind, müssen die Anstößer in streitigen Fällen mit einander längen, d. i. das streitige Stück Ackers der Länge nach mit einander theilen. Doch auch die Längung. In der anständigern Sprechart ist in den vier ersten Fällen dafür verlängern üblich.


Längenmaß (W3) [Adelung]


Das Längenmaß, des -es, plur. die -e, ein körperliches Maß, die Längen der Dinge darnach zu messen, dessen Größe eine gerade Linie ist; zum Unterschiede von dem Flächenmaße und Körpermaße.


Langeweile (W3) [Adelung]


Die Langeweile, S. Lange Weile in Lang II. 3. 4).


Langfisch (W3) [Adelung]


Der Langfisch, des -es, plur. die -e, S. 3. Länge.


Langhaar (W3) [Adelung]


Das Langhaar, des -es, plur. inus. bey den Perückenmachern, die hintern langen ungekräuselten Haare an den Schwanz- und Beutel-Perrücken.


Langhals (W3) [Adelung]


Der Langhals, des -es, plur. die -hälse, im gemeinen Leben, ein mit einem langen Halse versehenes Geschöpf. In engerer Bedeutung, eine Art ausländischer Baumkletten mit einem langen Halse, welche wegen ihres kurzen Schwanzes auch Kurzschwanz genannt wird; Falcinellus Guiguit, Seba et Klein.


Langhärig (W3) [Adelung]


Langhärig, adj. et adv. lange Haare habend.


Langkragen (W3) [Adelung]


Der Langkragen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Mohränte.


Länglich (W3) [Adelung]


Länglich, adj. et adv. ein wenig lang; doch nur von der körperlichen Ausdehnung, und auch hier nur in Vergleichung mit der Breite. Ein Kuchen ist länglich, wenn er länger ist, als breit. Länglich rund, wie ein Ey. Niedersächs. langwäligg langtöged.


Langmesserschmid (W3) [Adelung]


Der Langmesserschmid, des -s, plur. die -schmiede, eine Art Messerschmiede, welche Degenklingen, Gefäße und anderes Zubehör verfertigen, und sich wieder in Klingenschmiede und Schwertfeger theilen; zum Unterschiede von den Kurzmesserschmieden, welche allerley Arten Messer und Gabeln verfertigen.


Langmuth (W3) [Adelung]


Die Langmuth, plur. car. die Aufschiebung und Milderung des Strafübels so viel als möglich ist; ingleichen die Geneigtheit, Fertigkeit, dasselbe so lange als möglich ist, aufzuschieben, welche letztere auch Langmüthigkeit genannt wird.


Langmüthig (W3) [Adelung]


Langmüthig, -er, -ste, adj. et adv. Langmuth besitzend, in derselben gegründet. Schon bey dem Notker langmuothig.


Langmüthigkeit (W3) [Adelung]


Die Langmüthigkeit, plur. car. S. Langmuth.


Langohr (W3) [Adelung]


Der Langohr, des -es, plur. die -e, ein mit ungewöhnlich langen Ohren versehenes Geschöpf. In engerer Bedeutung, im Scherze, ein Nahme des lang geöhrten Esels. Daher langöhrig, lange Ohren habend.


Längort (W3) [Adelung]


Der Längort, des -es, plur. die -örter, im Bergbaue, ein von einem Schachte aus in die Länge getriebener oder gelängter Ort.


Langsam (W3) [Adelung]


Langsam, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches eine Eigenschaft der Bewegung ausdrucke, in einer gegebenen Zeit einen geringern Raum durchlaufend als ein anderes Ding, als gewöhnlich ist, oder als es die Umstände erfordern; im Gegensatze des geschwinde und hurtig. 1) Eigentlich. Langsam gehen, sprechen, arbeiten. Es gehet bey dieser Sache sehr langsam zu. Ein langsamer Gang. Ein langsamer Mensch, welcher in allen seinen Handlungen langsam ist. Langsam in etwas seyn. Aber das biblische langsam zu etwas, langsam zu reden und langsam zum Zorne, Jac. 1, 19, fängt an zu veralten. 2) Figürlich, spät; doch nur im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens. Langsam kommen, langsam säen. In dieser Bedeutung scheint es auch Gellert Ein Mahl gebraucht zu haben: Fordert er mein Leben zurück, langsam oder schnell, warum sollte ich zagen? d. i. früh oder spät.

Anm. Kero gebraucht lancsam noch für lange während; von welcher ersten eigentlichen Bedeutung unsere heutige nur eine Figur ist. Im Nieders. lautet dieses Wort lanksem, lanksen und laassam, welches letztere aber zu laß, träge, gehöret; im Dän. langsam. Im Nieders. ist dafür auch leverlage, liberlage üblich. Auf eine verdrießliche Art langsam heißt daselbst netelig, und im gemeinen Leben der Hochdeutschen mäußlich.


Langsamkeit (W3) [Adelung]


Die Langsamkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Bewegung, nach welcher sie langsam ist. Ingleichen, die Eigenschaft eines Körpers, nach welcher er in seiner Bewegung langsam ist.


Langschläfer (W3) [Adelung]


Der Langschläfer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Langschläferinn, eine Person, welche des Morgens länger schläft, als gewöhnlich ist.


Langschnabel (W3) [Adelung]


Der Langschnabel, des -s, plur. die -schnäbel, in einigen Gegenden, eine allgemeine Benennung der Schnepfen, wegen ihres lang hervor stehenden cylindrischen Schnabels.


Landschub (W3) [Adelung]


Der Landschub, des -es, plur. die -schübe. 1) Derjenige Kegelschub, oder diejenige Art des Kegelspieles, da man aus einem einzigen bestimmten Abstande in begränzter Breite nach den Kegeln schiebt. 2) Der dazu zugerichtete lange schmale Platz; die Kegelbahn. Beyde im Gegensatze des Kurzschubes.


Langschwanz (W3) [Adelung]


Der Langschwanz, des -es, plur. die -schwänze, eine Art Meisen, deren Schwänze länger als gewöhnlich sind, wohin die Zahlmeise oder der Pfannenstiegliz, Parus caudatus Klein. und der spitzbärtige Langschwanz aus Ostindien, Parus barba nigra, gehören.


Längs (W3) [Adelung]


Längs, ein Nebenwort des Ortes, welches die dritte Endung des Hauptwortes erfordert, und im gemeinen Leben am üblichsten ist, in die Länge an etwas hin. Das Kraut wächst längs den Wegen, an den Wegen. Längs der Mauer hingehen, ihrer ganzen Länge nach, oder nur an der Mauer. Längs dem Lande hinschiffen, an dem Lande. Im Oberdeutschen ist auch die zweyte Endung üblich. Längst (besser längs) des Landes. So wie im Niedersächsischen, wo es langs und entlangs lautet, die vierte. Längs den Weg. Den Weg entlangs. Schwed. langs.


Langsichtig (W3) [Adelung]


Langsichtig, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches man von solchen Personen gebraucht, bey welchen die durchsichtige Hornhaut oder die krystallene Linse im Auge gar zu flach, und zu nahe gegen das netzförmige Häutchen der Augen gerichtet ist, daher sie zwar in der Ferne, nicht aber in der Nähe deutlich sehen können; im Gegensatze des kurzsichtig. Langsichtig seyn. Ein Langsichtiger, Presbyta.


Längst (W3) [Adelung]


Längst, adv. der Zeit, vor sehr lange Zeit, als die dritte Staffel von lange. Das habe ich längst gewußt. S. Lange und Urlängst.


Längstens (W3) [Adelung]


Längstens, ein Nebenwort der Zeit, für auf das längste, in der vertraulichen Sprechart. Ich komme längstens in acht Tagen wieder. Ein Mißbrauch ist es, wenn dieses Nebenwort für das vorige längst gebraucht wird. Das habe ich längstens gewußt.


Langstroh (W3) [Adelung]


Das Langstroh, des -es, plur. car. in der Landwirthschaft, Stroh, welches aus langen geraden Halmen bestehet, und auch Schüttenstroh genannt wird; zum Unterschiede von dem Krummstrohe.


Langwagen (W3) [Adelung]


Der Langwagen, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, das lange Holz an einem Rüst- und Bauerwagen, welches durch das vordere und hintere Gestell gehet, und beyde mit einander verbindet; an einigen Orten die Langwelle, im Nieders. die lange Wage. Man kann vermittelst desselben den Wagen lang oder kurz machen. Weil der Hinterwagen daran befestiget ist, so pfleget man zuweilen auch den ganzen Hinterwagen mit dem Nahmen des Langwagens zu belegen. S. Langwiede.


Langweilig (W3) [Adelung]


Langweilig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Ausdrucke lange Weile. 1) Auf eine unangenehme, verdrießliche Art lange während; zum Unterschiede von langwierig. Ein langweiliger Prozeß. 2) Lange Weile verursachend, wobey uns die Zeit lang wird, wobey man die Dauer der Zeit mit Unlust empfindet. Ein langweiliges Geschwätz. Ein langweiliger Mensch, welcher lange Weile verursacht. Wie oft erweckt man uns in den ersten Jahren durch trockne und langweilige Erklärungen der Glaubenslehre einen Ekel an der Religion! Gell. S. Lange Weile in Lang II. 3. 4).


Langwiede (W3) [Adelung]


Die Langwiede, plur. die -n, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, der Langwagen, wo das Wort nach einer verderbten Aussprache oft Lampert lautet. Lat. Longurius, im mittlern Lat. Longale. S. Wiede.


Langwierig (W3) [Adelung]


Langwierig, -er, -ste, adj. et adv. lange während; am häufigsten von unangenehmen Dingen. Eine langwierige Krankheit. Ein langwieriger Prozeß, Krieg. Nieders. langwilig, langtöged. Soll die durch die lange Dauer verursachte Unlust noch deutlicher ausgedruckt werden, so gebraucht man das Wort langweilig. Von angenehmen Dingen, wird langwierig im Hochdeutschen wohl nicht leicht gebraucht werden; ungeachtet man im Oberdeutschen das langwierig dem kurzwierig überhaupt entgegen setzt.


Langwierigkeit (W3) [Adelung]


Die Langwierigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es der Zeit nach länger währet, als man wünschet. Die Langwierigkeit des Übels.


Lanke (W3) [Adelung]


Die Lanke, plur. die -n, in den gemeinen Sprecharten, die Seite, besonders die Seite des Bauches, die Weiche; im mittlern Lat. Longa, Langa, Longua, im Franz. Longe. Siehe Flanke. Bey den Fischern in der Mark Brandenburg ist die Lanke diejenige Seite des Wassers, wo man fischen darf, und die Böttcher nennen, dem Frisch zu Folge, eine fehlerhafte Krümme, oder einen Knoten in einem Reife eine Lanke, wo aber dieses Wort zu einem andern Geschlechte zu gehören scheinet.


Lanste (W3) [Adelung]


Der Lanste, des -n, plur. die -n, eine nur im Herzogthum Schleswig übliche Benennung derjenigen Bauern, welche ihre Güter zu Lehn besitzen, zum Unterschiede von den Bonden, welche ihre Höfe mit dem völligen Eigenthumsrechte besitzen. Vermuthlich von dem Worte Lehn, gleichsam Lehnbauern, oder auch von Lasse, ( S. dieses Wort.) Sie werden auch Festebauern genannt, weil sie ihre Güter von dem Lehensherren festen, d. i. zu Lehen nehmen, müssen.


Lanze (W3) [Adelung]


Die Lanze, plur. die -n. 1) Ein Spieß überhaupt, in welcher weitern Bedeutung dieses Wort noch in verschiedenen einzelnen Fällen üblich ist. Die Lanze, womit einer der Kriegsknechte Christum durchstochen haben soll, wird noch unter den kaiserlichen Kleinodien zu Nürnberg verwahret. Die Lanzen der Jäger sind kleine Spießchen mit langen Stielen, womit die wilden Schweine zu Pferde, aber gemeiniglich nur zur Lust, getödtet werden. Bey dem Wallfischfange ist es ein Spieß ohne Widerhaken, womit man die Wallfische und Wallrosse tödtet. Daher das Zeitwort länzen, große Seefische lit Lanzen tödten. Bey den Modellmachern in Thon und Wachs ist die Lanze, Franz. Lance, Lancette, eine Art eines Spatels, welcher auf Einer Seite rund zuläuft, am andern Ende aber viereckig abgeschnitten ist, der weichen Masse allerley Gestalten damit zu geben. 2) Ein großer schwerer Spieß ohne Knebel, dessen man sich ehedem zu Pferde, so wohl im Kriege als auch bey den Turnieren bediente. Daher eine Lanze brechen, turnieren.

Anm. Im Franz. Lance, im Ital. Lancia, im Engl. Lance. im Schwed. Lans, im Isländ. Lans, im Lat. Lancea, im Irländ. Langa, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Varro, Nonius und Diodor haben es schon für ein altes Celtisches Wort erkannt, welches so wohl im Lateinischen als Griechischen fremd war. Der erste leitet es von den Celtiberiern, der zweyte von den Sueven, und der dritte von den Deutschen her. Es stammet entweder von lang ab, da es langes Gewehr bedeuten würde, oder auch von dem Bretagnischen lanca, werfen, schleudern, Franz. lancer, da es denn ursprünglich einen Wurfspieß bedeutet haben mag.


Lanzenfest (W3) [Adelung]


Das Lanzenfest, des -es, plur. die -e, ein Fest in der Römischen Kirche, welches im 14ten Jahrhunderte zum Andenken der Lanze, womit Christi Seite geöffnet worden, eingeführet wurde.


Lanzenkraut (W3) [Adelung]


Das Lanzenkraut, des -es, plur. inus. eine Art eines in Surinam befindlichen Frauenhaares, dessen einzelne am Ende befindliche Federn einer Lanze gleichen; Adianthum Lancea L.


Lanzette (W3) [Adelung]


Die Lanzette, plur. die -n, aus dem Franz. Lancette, welches das Diminut. von Lance, Lanze, ist, ein Werkzeug der Wundärzte zu bezeichnen, welches aus einer kleinen zweyschneidigen Klinge zwischen zwey unten nicht zusammen genietheten Schalen bestehet, kleine Öffnungen damit zu machen; das Laßeisen, die Fliete, so fern sie vornehmlich zu Öffnung der Adern gebraucht wird.


Lanzknecht (W3) [Adelung]


Der Lanzknecht, S. Landknecht.


Lapp (W3) [Adelung]


Lapp, -er, -erste, adj. et adv. welches nur in den niedrigen Sprecharten für laff oder schlaff üblich ist, S. Schlaff.


Lappalie (W3) [Adelung]


Die Lappalie, (viersylbig,) plur. die -n, im gemeinen Leben, eine unerhebliche Kleinigkeit im verächtlichen Verstande; eine Lapperey. Es ist aus dem Deutschen Worte Lappen und einer Lateinischen Endung gebildet. Vermuthlich hat man es in den ehemahligen halb Lateinischen Zeiten im Scherze gebraucht, und in der mehrern Zahl Lappalia gesagt, woraus denn das heutige in beyden Endungen entstanden.


Lappe (W3) [Adelung]


Der Lappe, des -n, plur. die -n, Diminut. das Läppchen, ein junger unbesonnener Mensch; gleichfalls nur im gemeinen Leben Ober- und Nieder-Deutschlandes. S. Laffe und Läppisch.


Lappen (W3) [Adelung]


Lappen, verb. reg. act. welches nur im Oberdeutschen und Niedersächsischen üblich ist, Lappen aufsetzen, d. i. flicken. Ein zerrissendes Kleid lappen. Die Schuhe lappen. Gelappte Schuhe. Daher die Schuhflicker daselbst auch Schuhlapper und Altlapper genannt werden. In weiterer Bedeutung auch von metallenen Körpern. Die Pfannen, die Kessel lappen, flicken. Daher der Kessellapper, der Kesselflicker.


Lappenmann (W3) [Adelung]


Der Lappenmann, des -es, plur. die -männer, S. der Lappen 2.


Lapperey (W3) [Adelung]


Die Lapperey, plur. die -en. 1) * Das Lappen, d. i. das Flicken; doch nur im Niedersächsischen und ohne Plural, wo es auch figürlich von einer unangenehmen verdrießlichen Sache gebraucht wird. 2) Eine unerhebliche, unwichtige Sache, in verächtlichem Verstande. Schwed. Lappri, Nieders. Lapperije, vielleicht nicht so wohl von Lappen, pannus, als vielmehr von Lappe, ein junger Mensch, so daß der allgemeine Begriff die Kleinheit ist. Schon im Arab. ist Lahw eine kleine Sache, eine Kleinigkeit, ingleichen ein Kind, Knabe. S. auch das folgende.


Läppern (W3) [Adelung]


+ Läppern, verb. reg. act. welches nur in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden üblich ist. Es läppert sich zusammen, sagt man, wenn aus kleinen unerheblichen Posten endlich eine beträchtliche Summe, oder aus wenig Dingen nach öfterer Wiederhohlung endlich eine beträchtliche Anzahl wird. Einem Geld abläppern, es ihm in kleinen Summen abfordern. Einem etwas zuläppern, es ihm zu mehrern Mahlen in kleinen Posten, oder in kleinen Summen, bey Kleinigkeiten, geben, einhändigen. Daher Läpperschulden, Schulden, welche in kleinen unerheblichen Summen hin und wieder gemacht worden; Klitterschulden, Nieders. Plickschulden. S. das vorige.


Lappicht (W3) [Adelung]


Lappicht, -er, -ste, adj. et adv. von lapp, schlaff, im gemeinen Leben, auf eine fehlerhafte Art weich und beweglich. S. Schlaff.


Lappig (W3) [Adelung]


Lappig, adj. et adv. von Lappen, pannus, aus Lappen bestehend, Lappen habend. Ein lappiges Kleid, woran die Lappen herunter hangen; wofür doch zerlappt und zerlumpt üblicher sind.


Läppisch (W3) [Adelung]


Läppisch, -er, -te, adj. et adv. von Lappe, ein junger unbesonnener Mensch, auf eine unanständige Art jugendlich, kindisch, einem reifern Alter unanständig, im verächtlichen Verstande. Läppische Reden, Einfälle. Ein läppischer Mensch. Sich läppisch betragen. Im Nieders. awiestig.


Lappjagen (W3) [Adelung]


Das Lappjagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Jagen, d. i. eine Jagd, wo der Jagdbezirk nur mit Lappen umstellet worden.


Lappreis (W3) [Adelung]


Das Lappreis, des -es, plur. die -er, bey den Jägern, kleine dünne mit Haken versehene Stangen, mit welchen die Federlappen aufgestellet werden.


Lappstatt (W3) [Adelung]


Die Lappstatt, plur. die -stätte, eben daselbst, ein mit Lappen umstellter und zu einem Lappjagen bestimmter Bezirk.


Lärche (W3) [Adelung]


1. Die Lärche, ein Gangvogel, S. Lerche.


Lärche (W3) [Adelung]


2. Die Lärche, plur. die -n, oder der Lärchenbaum, des -es, plur. die -bäume, eine Art Fichten, mit vielen unzählbaren Nadeln, welche wie ein Quast aus Einem Puncte und aus Einer Scheide wachsen; Pinus Larix L. Leerbaum, Lärbaum, Leertanne, Schönholz, Rothbaum, in Schlesien Löhrbaum, Franz. Larege oder Meleze. Engl. Larch-tree, im mittlern Lat. Laresus, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Ital. Larice. Er wächset auf den hohen Felsgebirgen, hat ein röthliches, geflammtes, sehr festes Holz, welches aus vielem feuerbeständigen Salze und erdigen Theilen bestehet, und daher schwer zum Brennen zu bringen ist. Da der Nahme dieses Baumes mit der Lerche nichts gemein hat, so schreibt man ihn, um der Verwandtschaft mit den oben angeführten ältern Nahmen fremder Völker willen billig mit einem ä.


Lärchenharz (W3) [Adelung]


Das Lärchenharz, des -es, plur. inus. das Harz des Lärchenbaumes, welches im Lande Wallis Lärtschine genannt wird.


Lärchenschwamm (W3) [Adelung]


Der Lärchenschwamm, des -es, plur. die -schwämme, ein schwarzer oder weißer Schwamm, welcher an den alten Lärchenbäumen wächset.


Lärchenzapfen (W3) [Adelung]


Der Lärchenzapfen, des -s, plur. ut nom. sing. die Samenzapfen an den Lärchenbäumen.


Larifari (W3) [Adelung]


Das Larifari, subst. indecl. im gemeinen Leben, ein unbedeutendes Geschwätz, welches zur Sache nichts beyträgt. Die letzte Hälfte ist wohl das Lat. fari, die erste scheinet mit dem veralteten lören und dem folgenden Lärm verwandt zu seyn.


Lärm (W3) [Adelung]


Der Lärm, des -es, oder der Lärmen, des -s, plur. inus. 1) Überhaupt, ein jeder lauter, beschwerlicher Schall; ingleichen ein aus mehrern solchen Arten des Schalles zusammen gesetztes Getöse. Wenn die Kinder spielen, so machen sie oft einen großen Lärm. In den Trinkgesellschaften ist immer vieler Lärm. Der Wind macht einen entsetzlichen Lärm. Vor dem Lärm der Kutschen auf der Gasse nicht zu sich selbst kommen können. Ingleichen heftiger Zank, Streit. Das wird einen Lärm geben. 2) In engerer Bedeutung, ein mit einem verworrenen Geschreye verbundener Auf- oder Zusammenlauf mehrerer. Wenn ein Feuer auskommt, so wird auf den Gassen Lärm. ( S. Feuerlärm.) Lärm machen, einen solchen Auflauf durch sein Geschrey veranlassen. Lärm schlagen oder blasen, bey einer dringenden Gefahr die Soldaten oder Einwohner vermittelst der Trommel oder Trompete eilfertigt zusammen berufen. Ein blinder Lärm, der bey einer vorgegebenen aber nicht vorhandenen Gefahr entstehet.

Anm. Im Nieders. und Dän. Larm. Gemeiniglich leitet man es von dem Ital. Rufe al Arme her, wovon auch das Franz. Alarme, Lärm, in der zweyten Bedeutung, abstammen soll. Allein diese Ableitung scheinet mehr als gründlich zu seyn. Es ist allem Ansehen nach eine Nachahmung des widerlichen lauten Schalles, wohin auch das im Hochdeutschen veraltete lören, ein trauriges eintöniges Geschrey machen, unser plerren, und gewisser Maßen auch lehren gehören, S. die beyden letztern; daher man es auch eben so richtig Lerm als Lärm schreibet. Übrigens nennt man einen Lärm in der ersten Bedeutung im Nieders. auch Spalk und Unstür, in Meißen aber Deds, Tebs, ( S. Toben,) und lärmen im Nieders. rallen, spalken, döhlen, domineren, in Meißen aber tebsen. In einigen Gegenden ist es auch ungewissen Geschlechtes, das Lärm.


Lärmen (W3) [Adelung]


Lärmen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, einen Lärm machen, verursachen, in der ersten Bedeutung des Hauptwortes. Wer lärmet so? Ingleichen zanken, schelten, schreyen. Daher der Lärmer, der da lärmet, doch nur im Scherze. Ist vor euch, Lärmer, denn kein Richter? Haged.


Lärmglocke (W3) [Adelung]


Die Lärmglocke, plur. die -n, diejenige Glocke, durch derren Anschlag Lärm, d. i. ein plötzlicher Auflauf, erreget wird; die Sturmglocke.


Lärmplatz (W3) [Adelung]


Der Lärmplatz, des -es, plur. die -plätze, derjenige Platz in einer Stadt oder Festung, auf welchem sich die Soldaten bey geschlagenem Lärm versammeln.


Larve (W3) [Adelung]


1. Die Larve, plur. die -n, bey den Jägern und Vogelstellern, 1) eine eingeschnittene Kerbe oben auf der Stellstange, in welche die obere Leine des Jagdzeuges zu liegen kommt. 2) Ein eingeschnittenes Gewinde an den Hefteln der Vogelsteller, oder mit einer Kerbe versehene Hölzer, die Schlagstecken vermittelst eines eisernen Nagels in der Kerbe zu befestigen, und sie mit den Vogelwänden auf und nieder zu ziehen. In beyden Fällen auch die Lorve. Ohne Zweifel von leer, vacuus, so daß es überhaupt einen leeren ausgetieften Raum bedeutet; oder dem alten Lar, ein Lager, weil diese Kerbe den Jagdleinen und Schlagstrecken zum Lager dienet.


Larve (W3) [Adelung]


2. Die Larve, plur. die -n, aus dem Lat. Larva. 1) In der Wapenkunst werden noch die Figuren auf den Helmen von einigen Larven genannt. 2) In den bildenden Künsten ist die Larve ein gemahltes oder geformtes menschliches Gesicht von dem ganzen übrigen Körper abgesondert. Große Larven pflegt man daselbst auch Fratzengesichter zu nennen. Noch häufiger, 3) ein nachgemachtes inwendig hohles Gesicht, welches man zur Verstellung seines wahren Gesichtes vor demselben befestiget; die Maske, ehedem ein Schäm, Schämbart, Schönbart, Butzenantlitz, Böckenantlitz, Joler, Mumme, im Nieders. Scherbellenkorp, Sibillkenkopp. Daher der Larventanz, Ball en Masque. Jemanden die Larve abziehen, auch figürlich, ihn seiner Verstellung ungeachtet nach seiner wahren unlautern Art zu denken und zu handeln darstellen. Die Larve wegthun, weglegen, aufhören sich zu verstellen. Unter der Larve der Gleichgültigkeit seinen Begierden nachhängen, unter einer angenommenen, verstellen Gleichgültigkeit. Ingleichen, doch gleichfalls nur im verächtlichen Verstande, das Gesicht in Ansehung seiner Gestalt. Sie hat eine ganz hübsche Larve. Ein Mädchen ohne Vermögen und ohne Rang - mit ein wenig Larve, aber mit vielem Prunke von Tugend und Gefühl und Witz; Less. 4) Ein scheußliches ungestaltes Gesicht, und eine Erscheinung mit einem solchen Gesichte. Scheußliche Larven erscheinen, daran sie sich entsatzten, Weish. 17, 4. Im mittlern Lateine werden die Nachtgeister häufig Larvae genannt. 5) In der Naturlehre wird ein Insect vor der Entwicklung aller seiner Theile, d. i. so lange es noch eine Raupe ist, eine Larve genannt, eine Raupe, als ein noch nicht entwickeltes organisches Geschöpf betrachtet.


Lasche (W3) [Adelung]


Die Lasche, plur. die -n, ein als ein Streifen oder Zwicket angesetztes Stück, besonders an den Kleidungsstücken. Ein Mantel ohne Laschen, bey den Schneidern einiger Gegenden, der aus dem Ganzen geschnitten ist. Die Klappen an den Taschen werden an manchen Orten von den Schneidern Laschen, an andern aber Patten genannt. Am häufigsten kommt dieses Wort bey den Schustern vor, wo es ein viereckiges Stück Leder ist, welches an das Oberleder der Schuhe angesetzet wird; in Lübeck die Pläuße. Ihr Schuh ist niedrig, stumpf, mit aufgesteifter Lasche, Zachar. Im Nieders. Laske, im Schwed. Laska. In einem etwas andern Verstande ist die Lasche bey den Schustern eine Naht, welche nicht aus ganz zerschnittenen Stücken, sondern nur aus Einem leicht eingeschnittenen oder halb durchgeschnittenen Leder gemacht wird. Bey den Zimmerleuten und im Schiffsbaue ist die Lasche ein Einschnitt in ein Stück Bau- oder Zimmerholz, vermittelst dessen dasselbe in einen ähnlicher Einschnitt eines andern Stückes eingefüget wird. Man kann dieses Wort so wohl zu dem Oberdeutschen Bletz, ein Lappen, Flicken, als auch zu Leiste, Litze, so fern es einen schmalen Streif bedeutet, als endlich auch zu der letzten Hälfte des Zeitwortes verlegen, so fern damit auf den gemachten Einschnitt gesehen wird, rechnen; welche letztere Ableitung die wahrscheinlichste ist, S. Anlaschen.


Laschen (W3) [Adelung]


1. Laschen, verb. reg. act. von dem vorigen Hauptworte, 1) Laschen ansetzen, mit Laschen versehen. Einen Schuh laschen. 2) Mit einer in halb eingeschnittenes Leder gemachten Naht versehen. Lederne Beinkleider laschen. Ingleichen bey den Zimmerleuten, vermittelst zweyer Einschnitte zusammen fügen. Daher die Laschung.


Laschen (W3) [Adelung]


2. + Laschen, verb. reg. act. welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, derb ausprügeln, besonders mit einem ledernen Riemen, wofür in manchen Gegenden auch kalaschen üblich ist. Im Engl. ist to lash und slash gleichfalls mit Ruthen hauen. Entweder von schlagen, oder auch von dem Engl. Leash, Franz. Lesse, Span. Lazo, ein Riemen, ein Seil, S. Litze.


Lase (W3) [Adelung]


Die Lase, plur. die -n, ein irdenes bauchiges Gefäß von unbestimmter Größe, mit einem Henkel und einer Dille, allerley flüssige Körper darin eine Zeit lang aufzubehalten. Eine Wasserlase, Trinkwasser darin zu hohlen und aufzubehalten. Eine Bierlase, Weinlase, Bier oder Wein darin aus dem Keller zu hohlen. Drey Lasen waren stets von Wurzner Nasse voll, Zachar. Im Oberdeutschen Lose, Looskanne, Lasse, Laßkanne. Der Begriff des hohlen, leeren Raumes scheinet in diesem Worte der herrschende zu seyn, so daß es mit Flasche, Klause, Schleuse, welche sich nur durch die Vorlaute unterscheiden, dem Schlesischen Lusche, eine Pfütze, und andern Eines Geschlechtes ist. Im mittlern Lat. ist Lassanum ein thönernes Geschirr in einem Nachtstuhle, und Loza, Span. Loza, ein irdenes Gefäß.


Laß (W3) [Adelung]


Laß, lasser, lasseste, adj. et adv. der zu den gewöhnlichen Verrichtungen gehörigen Kräfte des Leibes und Lust und Munterkeit des Gemüthes beraubt; träge, matt, müde, kraftlos. Du hast lasse Hände gestärket, Hiob 4, 3. Daß man allezeit bethen und nicht laß werden sollte, Luc. 18, 1. Wie laß bin ich! Opitz. Ist er vom Gehen laß, ebend. Ingleichen eine fehlerhafte Abneigung vor der Bewegung oder Arbeit habend, faul. Ein lasser Arbeiter. In beyden Fällen ist es in dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen selten, daher es nur noch in der edlern und höhern Schreibart gebraucht wird. Siehe Lässig.

Anm. Bey dem Notker, der es noch für langsam, spät, Nieders. laat, gebraucht, lazzo, bey dem Winsbeck für träge, las, im Nieders. laassam, läsig, lösig, im Engl. lazy, im Schwed. lodsker, lat, im Isländ. latur, im Angels. laet, im Bretagnischen laosg, im Finnländischen loi, laisca, im Franz. las und lache, im Ital. lasso, im Lat. lassus. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - schwächen, entkräften. So scheinet mit dem Zeitworte lassen, sinere, Last und letzte verwandt zu seyn.


Laßbauer (W3) [Adelung]


Der Laßbauer, S. Lasse.


Laßbecken (W3) [Adelung]


Das Laßbecken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Becken, das Blut bey dem Aderlassen darin aufzufangen.


Laßbinde (W3) [Adelung]


Die Laßbinde, plur. die -n, eine Binde, deren man sich bey dem Aderlassen oder Blut lassen bedienet; die Aderlaßbinde.


Laßbrief (W3) [Adelung]


Der Laßbrief, des -es, plur. die -e, eine schriftliche Urkunde, worin man einen Leibeigenen seiner Leibeigenschaft entlässet, ihn frey lässet.


Laßdünkel (W3) [Adelung]


Der Laßdünkel, des -s, plur. inus. ein stolzer Dünkel, eine stolze Einbildung von sich selbst und seinen Vorzügen. Einen unerträglichen Laßdünkel besitzen. Man leitet es gemeiniglich von der R. A. ab, sich dünken lassen, so sehr auch eine solche Ableitung wider die ganze Analogie der Sprache ist. Mathesius sagt nur La-Dünkel: die der Narr und La-Dünkel sticht. Vielleicht ist die erste Sylbe la oder laß hier das alte Wort lau, falsch, S. Laugold.


Lasse (W3) [Adelung]


Der Lasse, des -n, plur. die -n, eine noch in vielen Gegenden Deutschlandes übliche Benennung einer Art zinspflichtiger Unterthanen, deren Einschränkung und Zustand aber nicht an allen Orten gleich ist; der Laßbauer. Im mittlern Lat. Lassus, im Nieders. Lät. Daher ein Laßgut, Nieders. Lätgood, welches von einem Lassen besessen wird, der Laßherr, der Eigenthums- und Grundherr eines solchen Gutes, der Laßzins, der Zins, welcher ihm von dem Laßgute gebühret, laßpflichtig, dazu verpflichtet, die Laßbank, der Gerichtshof der Lassen, bey welcher sich ein Laßrichter nebst mehrern Laßschöpfen befinden. Die Abstammung dieses alten Wortes ist ungewiß. Man leitet es bald von frey lassen her, weil man sie, als die ehemahligen Einwohner nach der Eroberung, des Landes der harten Sclaverey gegen einen gewissen Zins entlassen, bald aber auch, weil man sie im Lande nach dessen Eroberung gelassen, anderer Ableitungen zu geschweigen.


Laßeisen (W3) [Adelung]


Das Laßeisen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Lanzette, so fern sie besonders zum Blut lassen gebraucht wird; im gemeinen Leben eine Fliete.


Lassen (W3) [Adelung]


1. Lassen, verb. irreg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, ich lasse, du lässest, er lässet, oder läßt; Imperf. ich ließ; Mittelw. gelassen; ein äußere Gestalt haben, mit deren Bestimmung, auf diese oder jene Art in die Augen fallen; doch nur als ein unpersönliches Zeitwort, oder doch nur in der dritten Endung. Das läßt schön, stehet schön, läßt sich mit Vergnügen ansehen. Das würde sehr possierlich lassen, ein sehr possierliches Ansehen haben. Das läßt nicht für meinen Stand, schicket sich nicht für ihn. Es läßt, als wenn es regnen wollte, es scheinet, hat das Ansehen, ( S. Anlassen.) Ich möchte doch sehen, wie es dir läßt, wenn du verzweifelst. Das läßt ihm sehr natürlich. Aber für mich läßt es ganz wirthschaftlich, Gell. Auch selbst der Zorn läßt ihr noch schön. Wie läßt das? was hat das für ein Ansehen? Ingleichen elliptisch, für gut lassen, in der vertraulichen Sprechart. Das läßt ja nicht.

Anm. Im Nieders. laten wo auch Galaat das äußere Ansehen, die Gestalt ist, bey den Schwäbischen Dichtern Gelesse. Man könnte dieses Zeitwort als einen elliptischen Gebrauch des folgenden lassen, sinere, ansehen, und es durch sich sehen lassen erklären, zumahl da es mit demselben auf einerley Art abgewandelt wird. Allein es ist wahrscheinlicher, daß es von demselben ganz verschieden ist, und mit der letzten Hälfte des Wortes Antlitz, zu gleißen, Licht, Glas u. s. f. gehöret. Im Schwed. ist lita, im Angels. wlitan, sehen. In den verwandten Sprachen findet sich von diesem Neutro auch das reciproke Activum, sich stellen, Engl. to leeten, Isländ. laeta, Schwed. latas, latsa, welches Ihre von Lat, Later, die Geberden, ableitet, ungeachtet beyde zu dem bereits angeführten gemeinschaftlichen Stamme gehören.


Lassen (W3) [Adelung]


2. Lassen, verb. irreg. welches in der Conjugation mit dem vorigen überein kommt, und am häufigsten als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, zuweilen aber auch als ein Activum gebraucht wird. Es ist von einem sehr weiten Umfange des Gebrauches, der sich doch auf folgende drey Hauptbedeutungen einschränken lässet. 1. Nicht hindern, sich leidentlich verhalten, wo es theils vollständig, mit dem Infinitive eines andern Zeitwortes, theils auch elliptisch, mit allerley Vor- und Beywörtern gebraucht wird. 1) Eigentlich, als ein Neutrum, wo die Franzosen gleichfalls ihr laisser gebrauchen. Ich habe es müssen geschehen lassen. Lasset ihn gehen. Das Glas vorbey gehen lassen. Lassen sie mich nur machen. Einen Vogel fliegen lassen. Der Gärtner hat das Obst erfrieren lassen. Das Feuer ausgehen lassen. Etwas, das man hält, fallen lassen. Das Seil fahren lassen. Die Fahne fliegen lassen. Jemanden zu Grunde lassen. Wir wollen es dabey bewenden lassen. In sehr vielen Fällen bekommt die ganze R. A. allerhand Nebenbedeutungen, welche sich ohne allzu große Weitläuftigkeit nicht unter gewisse Classen bringen lassen. Große Seelen halten sich an den Himmel fest, und lassen den Erdkreis unter sich wegrollen, Dusch, d. i. sehen es gleichgültig mit an. Lassen sie es gut seyn, billigen sie immer, tadeln sie es nicht, kränken sie sich nicht darüber. Laß es nur gut seyn, ich werde ihn schon abführen. Etwas seyn lassen, es bleiben lassen, es unter Weges lassen, im gemeinen Leben, es nicht thun, es unterlassen. Laß es seyn, bedeutet oft so viel als gesetzt. Lassen sie es seyn, daß er nicht mit Anmuth zu pfeifen und zu trallern weiß, Weiße, gesetzt. Eine Sache, eine Arbeit liegen lassen, sich nicht mehr mit ihr beschäftigen. Laß dir das gesagt seyn, nimm es zu Herzen. In einigen Fällen stehet die ganze Wortfügung mit lassen anstatt eines Passivi. Ich habe mir sagen lassen, es ist mir gesagt, erzählet worden, man hat mir gesagt. Unser Geist hat einen nothwendigen Hang sich von jeder Art der Schönheit rühren zu lassen, gerührt zu werden. In andern stehet es ganz müßig. Es läßt sich nichts verdrießen, es verdrießt ihn nichts. Er läßt es sich vortrefflich schmecken, es schmeckt ihm vortrefflich. Er läßt sich nichts anfechten, es ficht ihn nichts an. Laß ihn nur erst groß werden, wenn er nur erst groß wird. Laß mich nur kommen, wenn ich nur komme. Wo es in einigen Fällen auch den unwilligen Tadel begleitet. Wie hast du dir das können einfallen lassen? Er ließ sich träumen, daß er der erste sey. 2) Figürlich und als ein Activum, wo das dazu gehörige Zeitwort sehr häufig verschwiegen wird, indem bald das Hauptwort allein, bald ein Nebenwort, bald auch ein Vorwort stehet. Laß es so wie es ist, nähmlich bleiben. Eine Sache ihrem vorigen Stande lassen. Bier, Wein von dem Fasse lassen, nähmlich fließen. Sein Wasser lassen, seinen Urin fließen lassen. Dem Pferde den Zügel lassen, nämlich schießen. Besonders mit Vor- und Nebenwörtern. Die Thür offen lassen, nähmlich stehen. Den Acker wüst lassen, nähmlich liegen. Jemanden ungehindert in die Stadt lassen. Die Gelegenheit aus den Händen lassen. 2. Erlauben, verstanden, welche Bedeutung oft mit der vorigen zusammen fließt. 1) Eigentlich, wo es bald wiederum vollständig gebraucht wird, mit dem Infinitive des Zeitwortes. In diesem Falle ist es wiederum ein Neutrum, dagegen es, wenn kein Infinitiv dabey stehet, gemeiniglich auch als ein Activum gebraucht werden kann. Laß mich diese Erzählung bis auf eine andere Stunde aufbehalten. Laß diesen Verluft deine Stärke nicht beugen. Wollen sie meine Bitte Statt finden lassen? O lassen sie mich gehen und zu mir selber kommen! Laß die Sache nicht zu weit kommen. Dazu will ich es nie wieder kommen lassen. Sie wird ihnen die Zeit nicht lang werden lassen. Lassen sie sich ihren Irrthum benehmen. Er läßt sich nicht nehmen. Er will sich nicht trösten lassen. Man lasse sich solche Leute nur Ein Mahl über den Kopf wachsen. Laß mich dieses Glück genießen! Ach, lassen sie sich mein Unglück erzählen! Wohin auch die in der gemeinen Höflichkeit übliche Formeln gehören, lassen sie sich was Neues erzählen, ich will ihnen mit ihrer Erlaubniß etwas Neues erzählen, lassen sie nur mit sich reden u. s. f. Bald mit einem Hauptworte in der vierten Endung der Sache und der dritten der Person, ohne Zeitwort. Einem den Vorzug lassen, ihm denselben verstatten. Lassen sie mir nur Zeit, Ruhe. Lassen sie mir meine Freude. Besonders, im Besitz einer Sache lassen, oder setzen. Ich habe ihm das Buch gelassen, überlassen. Ich will es ihnen für zehen Thaler lassen. Für den Preis, oder um den Preis kann ich es nicht lassen. Ingleichen mit Nebenwörtern, oft mit allerley Nebenbegriffen. Ich lasse keinen Dreyer herunter, verstatte nicht, daß man mir ihn abbreche. Jemanden hinaus, hinauf, heraus, herauf lassen u. s. f. verstatten, daß er hinaus u. s. f. gehe. Besonders für zurück lassen. Wo hast du das Buch gelassen? Ich habe es in der Stube, auf dem Tische gelassen. Laß ihn hier. Er fängt wieder da an, wo er es gelassen hat, wo er aufgehöret hat. Ingleichen für übrig lassen. Die Diebe heben ihm nichts gelassen. Wie auch mit Vorwörtern. Jemanden in Ruhe lassen; im gemeinen Leben, ihn mit Frieden lassen. Ich lasse dich nicht von der Stelle, nicht aus dem Hause. Jemanden vor sich lassen, ihn von sich lassen. Niemanden über sein Geld lassen. Einem etwas auf dem Halse, über dem Halse lassen. Jemanden bey seinem Amte, in seiner Freyheit lassen. 2) Figürlich; wohin (a) Diejenige Fälle gehören, wo das einfache Zeitwort, doch nur als ein Neutrum, anstatt eines zusammen gesetzten stehet, und die Figur von dem Zurücklassen entlehnet wird. Jemanden lassen, ihn verlassen, von ihm ablassen, aller Gemeinschaft und Verbindung mit ihm entsagen. Willst du den Schöpfer lassen? Gell. wofür man auch sagt, von einem lassen. Von seiner Meinung nicht lassen wollen, sie nicht ablegen wollen. Ingleichen für unterlassen. Ich habe es ihm schon oft gesagt, aber läßt es doch nicht. Das Böse lassen. Ich hab es oft versucht, und kann es doch nicht lassen, Gell. So sagt schon Ottfried lazan sin thaz slafan, das Schlafen unterlassen, und in der alten Waldenfischen Sprache ist laysa gleichfalls unterlassen. In welcher Bedeutung auch der Infinitiv als ein Hauptwort gebraucht wird, besonders in Verbindung mit dem Hauptwort Thun. Sein Thun und Lassen. Wie auch für nachlassen. Ich lasse dir nach meinem Tode einen ehrlichen Nahmen. Ingleichen einige besondere R. A. Sein Leben lassen, verstatten, daß es auf gewaltsame Art genommen werde. Die Bienen lassen, sagt man für schwärmen. Er hat so viel Getreide, daß er es nicht zu lassen weiß, daß er es nicht räumlich unterzubringen weiß. Und nach einer noch weitern Figur. Ich gebrauche Trost, ich weiß mich vor Schmerz nicht zu lassen, habe keine Ruhe an keinem Orte, weiß mich nicht zu fassen. Er weiß sich vor Freude nicht zu lassen, nicht zu fassen. S. auch Gelassen, welches das Mittelwort dieses Zeitwortes ist, und in einer noch besondern, aber mit dieser genau verbundenen Bedeutung gebraucht wird. (b) Den Grund der Möglichkeit oder doch der Thunlichkeit eines Prädicates enthalten, möglich, rathsam, thunlich seyn, als ein Neutrum in der dritten Person, und mit dem Infinitive des folgenden Zeitwortes. Die Anstalten lassen es, nicht anders vermuthen. Sein Betragen läßt es nicht hoffen. Diese Umstände lassen mich im voraus sehen, daß es nicht gelingen wird. Ingleichen als ein Reciprocum. Das läßt sich nicht sagen, nicht thun. Davon ließe sich vieles sagen. Die angenehme Empfindung läßt sich nur durch reichhaltige Gegenstände erregen. Dabey läßt sich nicht viele Ehre einlegen. Das läßt sich nicht begreifen, nicht denken, nicht hoffen. Holz lässet sich nicht dehnen. Wohin nach einer noch weitern Figur, auch die in der vertraulichen Sprechart üblichen elliptischen R. A. gehören. Das Buch läßt sich lesen, man lieset es nicht ganz ohne Vergnügen. Die Gründe, die er anführet. lassen sich hören, sind nicht unbündig. Das läßt sich sehen, man siehet es nicht ohne Vergnügen, nicht ohne Beyfall. 3. Die befehlende oder verlassende Ursache einer Veränderung seyn, eine Sache befehlen, veranstalten machen, daß sie geschiehet; wo im Franz. faire auf ähnliche Art gebraucht wird. Besonders mit dem Infinitive eines andern Zeitwortes und als ein Neutrum. Ein Kind etwas auswendig lernen lassen, durch Befehl. Ich habe ihm schon schreiben lassen. Er hat es mir wissen lassen. Einen Brief übergeben lassen. Gott lässet seine Sonne aufgehen über Böse und Gute. Lassen sie es mich wissen, machen sie es mir bekannt. Ich darf ihn davon nichts merken lassen. Bis man die Kinder hat das Häßliche des Fehlers fühlen lassen, Gell. Es läßt sich niemand weder sehen noch hören. Lassen sie es mich doch sehen, zeigen sie es mir doch. Waaren kommen lassen. Ich lasse es an nichts fehlen. Laß sehn, spricht Galathee, obs auch die meine sey, Gell. Dort läßt sich schon ein Irrlicht sehn. Dort lässet sich die Taube girrend hören, Haged. O Thor, läßt Zevs sich zornig hören, Gell. Sich auf der Flöte, auf der Violine hören lassen. Laß einmahl hören! sage es. Ich wills die Armen schon genießen lassen, Gell. Ich werde mich dankbar finden lassen. Laß mich die geringsten deiner Sorgen empfinden, Dusch. Einen etwas kosten lassen, es ihm zu kosten geben. Ein Haus bauen, ein Buch drucken, ein Kind taufen lassen. Hierher gehöret auch derjenige Gebrauch dieses Zeitwortes da man den Imperativ anderer Sprachen vermittelst desselben auszudrucken pflegt. Laßt uns die Prüfungen des Himmels gehorsam erdulden. Laßt uns in zärtlicher Umarmung den kommenden Morgen bewachten, Geßn. Wenn wir die Tugend für etwas halten, so laß und das Glück segnen, welches uns mit ihren Empfindungen bekannter macht, Dusch. Ich weiß nicht, wo das Ängstliche und Gezwungene befindlich seyn soll, welches man dieser Art des Ausdruckes beylegt. Wenigstens hat sie Ursache, sich von dem Oberdeutschen, daß wir also das Glück segnen, oder, segnen wir also das Glück, verdrängen zu lassen. In manchen Fällen bleibt auch hier das Zeitwort weg. Blut lassen, dessen Ausfluß durch Offnung der Ader bewerkstelligen, wofür man im gemeinen Leben sagt, die Ader lassen, oder zur Ader lassen. Sich gegen jemanden heraus lassen, ihm etwas eröffnen. Besonders von gewissen Arten der langsamen Bewegung nach unten zu. Sich niederlassen, sich setzen. Sich auf die Knie lassen. Besonders vermittelst eines Seiles. Einen Sack Getreide von dem Boden lassen. Sich in den Brunnen lassen. Daher nach einer noch weitern Figur, sich zu jemanden herab lassen, sich nach seinem niedrigen Staude, Schwachheiten, Vorurtheilen u. s. f. bequemen.

Anm. 1. Wenn dieses Zeitwort noch ein anderes im Infinitive bey sich hat, so ist es alle Mahl ein Neutrum, stehet es aber ohne ein Zeitwort, so wird es zuweilen thätig und kann auch im Passivo gebraucht werden. Das Zeitwort, welches dem lassen beygesellet wird, stehet alle Mahl im thätigen Infinitive der gegenwärtigen Zeit ohne zu. Laß ihn kommen, befiehl, veranstalte, daß er komme. Welcher thätige Infinitiv auch bleibt, wenn gleich der Verstand den leidenden erfordert. Man ließ ihn rufen, so wohl, man erlaubte, daß er rufen konnte, als auch, man befahl, daß er gerufen würde. Weiches denn freylich zuweilen eine Zweydeutigkeit macht; z. B. man lasse ihn würgen, wo nur der Zusammenhang entscheiden kann, ob würgen thätig oder leidend verstanden werden muß. Lassen selbst verlieret, wenn es in Verbindung mit einem andern Zeitworte in einem zusammen gesetzten Tempore stehet, sein Augment ge. Ich habe es ihm schreiben lassen, nicht schreiben gelassen. Doch alles dieses hat es mit den Zeitwörtern sehen, hören, lernen. lehren, wollen, können, müssen, dürfen, mögen und heißen gemein; welches aber noch nicht hinreicht, es zu einem Hülfsworte zu machen, wie von vielen Sprachlehrern geschiehet. Wenn der Casus der Person sich auf das bey lassen befindliche Zeitwort beziehet, so bleibt derselbe auch in dieser Verbindung unverändert. Er hat mich grüßen lassen, weil grüßen die vierte Endung erfordert. Laß die an meiner Gnade gnügen. Laß dir sagen. Laß mir deine Hand beystehen, Ps. 119, 173. Laß mir deine Barmherzigkeit widerfahren, Ps. 119, 77. Weil die Zeitwörter genügen, sagen u. s. f. schon an und für sich die dritte Endung erfordern. Beziehet sich aber die Person auf das Zeitwort lassen, so löse man die ganze Redensart auf. Stehet alsdann die Person in der ersten Endung, so muß sie in Verbindung mit dem lassen und dem dazu gehörigen Zeitworte in der vierten stehen. Laß ihn nichts davon merken, d. i. macht, veranstalte, daß er nichts davon merke. Du lässest mich erfahren viele und große Angst, Ps. 71, 20. Er ließ sie es fühlen. Richt. 18, 16. Er wolt sys lassen wissen vor, Theuerd. Kap. 84. So laß michs wissen bey der Zeit, Kap. 66. Meine Frau darf ichs nicht wissen lassen, Gell. An einem andern Orte hingegen gebraucht Gellert unrichtig die dritte Endung: da kann ich ihnen die Geschicklichkeit meiner Frau sehen lassen, wo es sie heißen muß, weil in allen diesen Fällen bey der Auflösung die Person in der ersten Endung zu stehen kommt. Machen, veranstalten sie, daß ich es sehe, daß er es wisse u. s. f.

Anm. 2. Dieses sehr alte Zeitwort lautet im Oberdeutschen und in den damit verwandten Sprachen und Mundarten schon von des Kero Zeiten an lazzan, lazin, im Imperf. schon im 8ten Jahrhunderte ich liaz, im Ital. lasciare, im Französ. laisser, im Wallach. lasce. Im Ungarischen lassadom und im Lappländ. laazhiidam, ich lasse nach. Andere, besonders nördlichere Sprachen und Mundarten, verwandeln den Zischlaut ihrer Gewohnheit nach in ein t, wie das alte Gothische letan bey dem Ulphilas, das Nieders. laten, das Angels. laetan, das Engl. to let, das Schwed. lata, das Dänische. lade. Noch weichere Sprachen stoßen das t oder g gar aus, wie das alte Oberd. laan, das Friesische lehn, das Albanische lin, und in dem Irländischen ligim löset es sich gar in einen Gaumenlaut auf. Daß es mit los, laß, dem Nieders. lat, späte, und dem Latein. laxare, genau verwandt ist, ist wohl gewiß; ob sich gleich der erste und ursprüngliche Stammbegriff wegen hohen Alters und vielfachen Gebrauches nicht mit Gewißheit angeben lässet. Einige Sprachen und Mundarten haben noch ein anderes ähnliches Zeitwort, welches der Gegensatz unsers lassen ist, und verhindern bedeutet; wie das Gothische latjan, das Schwed. lätja, das Angels. laetan, das Isländ. letia, das Niedersächs. lerten. Allein dieses stammet wohl unmittelbar von dem Niederdeutschen lat, spät, ab.


Laßgut (W3) [Adelung]


Das Laßgut, des -es, plur. die -güter. 1) in einigen Gegenden, überhaupt ein jedes Gut oder Grundstück, dessen Besitz man einem andern gegen einen gewissen Zins auf immer oder doch auf eine lange Zeit überlässet. So werden in großen Wäldern den neuen Anbauern oft gewisse Plätze gegen einen Erbzins abgetreten, welche sie ausräumen und zu Äckern oder Wiesen machen können, die alsdann den Nahmen der Laßgüter, an andern Orten aber auch der Forstbuben, Waldgeraume, Laßräume, führen. 2) In engerer Bedeutung, S. Lasse.


Laßhain (W3) [Adelung]


Der Laßhain, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein gegen einen Erbzins einem andern überlassener Hain, ein Hain als ein Laßgut betrachtet.


Laßheit (W3) [Adelung]


Die Laßheit, plur. inus. der Zustand, da man laß ist, in alles Bedeutungen dieses Wortes.


Lässig (W3) [Adelung]


Lässig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Bey- und Nebenworte laß, Laßheit empfindend, so wohl körperliche Trägheit und Müdigkeit, als auch Mangel des gebührenden Eifers habend und zeigend, und darin gegründet. Lässige Hand macht arm, aber der Fleißigen Hand macht reich, Sprichw. 10, 4. Richtet wieder auf die lässigen Hände und die müden Knie, Ebr. 12, 12. Faulheit bringt Schlafen, und eine lässige Seele wird Hunger leiden, Sprichw. 19, 15. Des Herren Werk lässig thun, Jerem. 48, 10. Das Auge steht jetzt lässig zu, Günth. Nun entsinkt aus lässiger Hand dem Künstler der Hammer, Zachar.

Anm. Im Nieders. ist läsig und im Engl. lazy, faul, d. i. eine fehlerhafte Abneigung vor der Bewegung und pflichtmäßigen Arbeit habend. In dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen ist lässig eben so ungewöhnlich geworden als laß. Man gebraucht es noch am häufigsten in der anständigen Schreibart für das härtere und niedrigere faul. S. auch Fahrlässig und Nachlässig, wo es aber zunächst von lassen abstammen.


Lässigkeit (W3) [Adelung]


Die Lässigkeit, plur. inus. 1) Die Neigung zur Laßheit, die Fertigkeit lässig zu seyn; zum Unterschiede von der Laßheit, dem Zustande, 2) Zuweilen auch die Laßheit selbst.


Laßkopf (W3) [Adelung]


Der Laßkopf, des -es, plur. die -köpfe, ein Schröpfkopf, ein Gefäß, vermittelst des Schröpfens Blut zu lassen.


Läßlich (W3) [Adelung]


Läßlich, -er, -ste, adj. et adv. ein nur im Oberdeutschen für erläßlich, oder vielmehr erlaßlich übliches Wort. Eine läßliche Sünde, welche erlassen, d. i. vergeben, werden kann, Läßlich sündigen. S. Laßsünde.


Laßmännchen (W3) [Adelung]


Das Laßmännchen, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, eine männliche Figur in manchen Kalendern, woran die verschiedenen Arten des Blut- oder Aderlassens abgebildet sind; das Aderlaßmännchen.


Laßraum (W3) [Adelung]


Der Laßraum, des -es, plur. die -räume, S. Laßgut.


Laßreis (W3) [Adelung]


Das Laßreis, des -es, plur. die -er, im Forstwesen, Reiser oder junge Stämme, welche man auf einem Gehaue Landholzes zur Fortpflanzung stehen lässet; Hägereiser, Vorständner, im Oberd. Bannreitel, vermuthlich für Bannreiser.


Laßsünde (W3) [Adelung]


Die Laßsünde, plur. die -n, in der Römischen Kirche, eine läßliche Sünde oder Erlaßsünde, eine geringe Sünde, welche leicht erlassen oder vergeben kann; zum Unterschiede von einer Todsünde.


Laßwiese (W3) [Adelung]


Die Laßwiese, plur. die -n, eine gegen einen Erbzins einem andern überlassene Wiese, S. Laßgut.


Laßzapfen (W3) [Adelung]


Der Laßzapfen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Zapfen in einem Fasse, den darin befindlichen flüssigen Körper nach Belieben ausfließen zu lassen, wovon der Hahn eine Art ist; die Zapfröhre, Epistomium.


Laßzeichen (W3) [Adelung]


Das Laßzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zeichen im Kalender, womit die beste Zeit zum Aderlassen angedeutet wird.


Laßzins (W3) [Adelung]


Der Laßzins, des -es, plur. die -e, der Erbzins für ein Laßgut, S. dieses Wort.


Last (W3) [Adelung]


Die "Last", plur. die -en,

1. Eine Unvollkommenheit, ein Mangel, und in engerer Bedeutung, eine sittliche Unvollkommenheit; in welchem nunmehr veralteten Verstande man nur noch sagt; einem etwas zur Last legen, ihn dessen beschuldigen, ihm ein Versehen, einen moralischen Fehler Schuld geben, und ihn deßwegen tadeln. Man legte es ihm sehr Last, daß er ausgeblieben war, man tadelte ihn deßwegen sehr. Daß diese Bedeutung ehedem von weiterm Umfange gewesen, erhellet aus dem Isländ. "Last" und "Laust", welches noch einen jeden physischen oder sittlichen Fehler bedeutet, und aus dem Griech. "???", und "???", "Schande". S. "Laster", welches noch davon abstammet, und "Verletzen", dessen letzte Hälfte gleichfalls hierher gehöret.

2. In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, ein hoher Grad der Schwere und ein sehr schweres Ding selbst.

1) Ein hoher Grad der drückenden Schwere, als ein Abstractum und ohne Plural.

(a) Eigentlich. Der Stein hat eine rechte Last, eine hohen Grad der Schwere. Bücher haben eine große Last. Der Grund ist wegen der Last des Hauses ausgewichen. Die Säule ist für die Last des Gebäudes, welche sie tragen soll, zu schwach. Im weitesten Verstande ist in der Naturlehre die Last eine jede Kraft, welche eine Bewegung hindert, oder derselben entgegen gesetzt ist, im Gegensatze der Kraft im engern Verstande, wo zugleich der Begriff des hohen Grades verschwindet.

(b) Figürlich.

aa) Die Empfindung dieses hohen Grades der drückenden körperlichen Schwere; doch nur in einigen Fällen. Viele Lastern etwas haben.

bb) Die Eigenschaft eines Dinges, da es von uns mit einem großen Grade Widerwillens, oder mit einer hohen Empfindung des Beschwerlichen, des Unangenehmen, gethan oder gelitten wird. Die Last der Geschäfte. Unter der Last der Arbeit erliegen. Sich unter der Last der Jahre krümmen. So hält uns die Gelassenheit auch unter der Last der widrigsten Begebenheiten aufrecht, Gell.

2) Ein mit dieser drückenden Schwere begabtes Ding.

(a) Eigentlich, wo aa) in der weitesten Bedeutung, in der Naturlehre ein jeder Körper, welcher der Bewegung widerstehet, eine Last genannt wird, im Gegensatze der Kraft im engern Verstande; wo zugleich der ganze Nebenbegriff des hohen Grades der Schwere verschwindet.

bb) In engerer Bedeutung ist Last in manchen Fällen so viel als Ladung überhaupt, auch ohne den Nebenbegriff der Schwere. So ist auf den Floßen die "Oberlast" oder "Oblast" dasjenige, was auf ein Floß geladen wird, im Gegensatze der "Unterlast", oder des Floßes selbst. Die Unterlast in den Schiffen ist, was in den untersten Raum geladen wird, (S. "Ballast".) Auch auf den Lastwägen höret man zuweilen von der Vorder- und Hinterlast, d. i. der vordern und hintern Ladung.

cc) in der gewöhnlichsten Bedeutung, ein mit drückender Schwere versehener Körper. Oft erliegt das Saumroß unter der Last, welche es tragen muß. Diese Säulen tragen eine gewaltige Last. Welche Lasten trägt nicht ein Schiff! Ein Fauler ist eine unnütze Last der Erde.

(b) Figürlich.

aa) Ein Körper von gewisser bestimmter Schwere; wo dieses Wort zugleich ein Körpermaß ist, welches doch auf verschiedene Art gebraucht wird, aber überhaupt so viel zu bedeuten scheinet, als man auf einen Wagen laden kann. Der innere körperliche Raum eines Schiffes wird nach Lasten bestimmt, und da ist eine Last so viel als zwölf Tonnen. Ein Schiff von 150 Last. In Niedersachsen, besonders in den Seestädten, wird besonders das Getreide sehr häufig nach Lasten berechnet. So hält eine Last Getreide in Hamburg 3 Wispel, 30 Scheffel, 60 Faß oder 120 Himten; in Bremen 4 Quart, 40 Scheffel, 160 Viertel oder 640 Spint; im Lübeck 8 Drömt, 24 Tonnen, 96 Scheffel oder 384 Faß; in Stralsund 3 Drömt, 32 Tonnen, 96 Scheffel oder 384 Viertel; in Danzig 3 3/4 "Malter", oder 60 Scheffel, dagegen eine Sacklast, deren sich die Bäcker daselbst bedienen, 5 "Malter" oder 30 Scheffel hält; in Curland 48 bis 60 Loof; in Westphalen 15 "Malter" oder 60 Scheffel; in Hannöverischen seit 1751 2 Wispel, 16 "Malter" oder 96 Himten; in Cöln 20 "Malter" oder 480 Faß u. s. f.

An einigen Orten ist sie auch ein Maß flüssiger Dinge. So hat eine Last Bier in Danzig 6 Faß, 12 Tonnen oder 1080 Stoff oder Quartier, eine Last Wein aber 2 Faß, 8 Oxhoft, 12 Ahm, 48 Anker oder 240 Viertel. An andern werden auch außer dem Getreide noch verschiedene Arten trockner Dinge nach Lasten gemessen. So hält eine Last Bücklinge in dem Niedersächsischen 20 Stroh, eine Last Häringe, Salz oder Steinkohlen aber 12 Tonnen. Eine Last Kupfer hält in Goslar 15 1/2 Zentner oder 1550 Pfund, eine Last Schiefersteine aber 17 1/2 Zentner. In Lübeck ist es sogar ein Flächenmaß des artbaren Landes, wo eine Last Land 60 bis 80 Quadratruthen ist, d. i. so viel Land als zur Aussaat einer Last Getreides erfordert wird.

In allen diesen Fällen, wo das Wort ein bestimmtes Maß bezeichnet, bleibt es, wie andere Wörter dieser Art, im Plural, wenn eine Zahl- oder gleichgültiges Beywort voran stehet, unverändert; zwey Last Korn, viele Last Häringe, nicht Lasten.

bb) Im gemeinen Leben wird es im Singular sehr häufig für sehr viel, von einer unbestimmten Menge gebraucht. Eine Last Geldes haben, sehr vieles Geld. Ist das nicht eine Last Menschen! Es fiel eine Last Steine von dem Dache. Eine Last Schläge bekommen.

cc) Eine jede Sache, welche man mit einem hohen Grade der Empfindung des Beschwerlichen erduldet, wo es so wohl im Singular allein gebraucht wird. Des Tages Last und Hitze tragen. Eine schwere Last auf dem Halse haben. Unter der Last erliegen. Einem eine Last aufbürden. Einem eine Last abnehmen. Müßiggänger, denen die Zeit eine Last ist. Seine Last mit etwas haben. Die ganze Last allein auf sich haben. Alle diese Besuche sind mir eine Last, oder sind mir sehr zur Last. Es wird mir sehr zur Last. Sich selbst zur Last leben. Einem zur Last fallen. Als auch im Plural von einzelnen beschwerlichen Dingen. So pflegt man die Abgaben Obrigkeit und alle gegen den Grund- und Landesherren auf sich habende Verbindlichkeiten häufig Lasten, Onera, zu nennen. Das Land hat viele Lasten zu tragen. Bürgerliche Lasten. Im Oberdeutschen und Niedersächsischen wird auch ein jeder Auftrag, ein jeder Befehl eine Last genannt, wo doch der Begriff des Beschwerlichen verschwindet. Von seinem Principale Last haben, d. i. Auftrag.

Anm. Im Nieders. Dän. und Schwed. gleichfalls "Last", im Pohln. "Laszt", im Engl. "Load", (S. "Loth") alle, so fern dieses Wort zunächst den Begriff der drückenden Schwere hat, von "laden", welches im Dän. "lässe" und im Schwed. "lassa" lautet. Schon im Griech. bey dem Suidas ist "???" "lästig". Siehe indessen auch "Laster". In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, "der Last", in welchem auch Haller es gebraucht. Eben daselbst hat es im Plural auch "Läste" für "Lasten". S. "Ballast", wo auch das männliche Geschlecht beybehalten worden.


Lastadie (W3) [Adelung]


Die Lastadie, (dreysylbig,) plur. die -n, eine in verschiedenen an der See oder großen schiffbaren Flüssen gelegenen Städten, z. B. zu Stettin, übliche Benennung desjenigen Ortes, wo die Waaren in die Schiffe aus- und eingeladen werden, oder auch, wo die Schiffe ihren Ballast ausladen, oder doch ehedem ausgeladen haben. Schwed. Lastage. Ohne Zweifel aus dem im mittlern Lat. von Last geformten Lastadium und Lastagium, welches aber nur den Ballast, die Schiffsfracht bedeutet.


Lastbalken (W3) [Adelung]


Der Lastbalken, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Schiffen, gewisse Hölzer, welche den Balken gleichen und von sechs zu sechs Fuß unter den ersten Bedecke und 3 1/2 Fuß unter dessen Balken liegen.


Lastbar (W3) [Adelung]


Lastbar, adj. et adv. was Lasten trägt oder tragen kann. Lastbare Thiere oder Lastthiere, unter welchen der Esel das berühmteste ist. Das stumme lastbare Thier (Bileams) redete mit Menschenstimme, 2 Petr. 2, 16.


Lasten (W3) [Adelung]


Lasten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, eine Last, d. i. hohen Grad der drückenden Schwere haben. Bücher lasten sehr, haben viele Last nach Maßgebung ihrer Masse. In den zusammen gesetzten belasten, entlassen, überlasten ist es auch in thätiger Gestalt üblich.


Laster (W3) [Adelung]


Das Laster, des -s, plur. ut nom. sing. 1) * Eine jede Verstümmelung oder grobe körperliche Verletzung; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher Läster noch im Schwed. vorkommt, wo auch lätza verletzen ist. Im gemeinen Leben gebraucht man noch das Zeitwort zerlästern in dieser Bedeutung, so wie auch die letzte Hälfte des Zeitwortes verletzen, laedere, hierher gehöret. ( S. Last 1.) 2) * Eine Beleidigung, und in engerer Bedeutung, Beschimpfung, Beleidigung der Ehre, wie auch im leidenden Verstande, Schande, Schimpf; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, von welcher indessen noch lästern abstammet. Einem etwas zu Laster thun, Schwabensp. Kap. 173, zum Schimpfe. Einem weder Laster noch Leid thun, Königshoven. Die Juden, so darum den Haß und Laster tragen Durch alles Christen Reich, Opitz. Im gemeinen Leben einiger Gegenden gebraucht man das Wort Laster als ein niedriges Schimpfwort auf eine schändliche Person oder verächtliches Ding. ( S. Lasterstein.) 3) * Schaden, Nachtheil; welche Bedeutung gleichfalls veraltet ist. Ich will diu seldenhaften wib Niht biten wan des einen Das si mir sin genedig so Das an ir laster si, Walther von Klingen; ohne ihren Schaden. 4) * Ein Verbrechen, eine grobe Übertretung des Gesetzes; schon bey dem Ottfried und im Tatian Lastar. Wenn jemand ein Weib nimmt, und ihre Muster dazu, der hat ein Laster verwirkt, 3 Mos. 20, 4. Da ihr mußtet eure Laster und Greuel tragen, Ezech. 16, 58. Um drey und vier Laster willen der Stadt Zor will ich ihrer nicht schonen, Amos 1, 9, 11, 13. Auch in dieser Bedeutung kennet man es im Hochdeutschen nur noch in dem Ausdrucke das Laster der beleidigten Majestät, wofür doch auch das Verbrechen der beleidigten Majestät üblicher ist. 5) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung, die thätige Neigung ein Gesetz wissentlich zu übertreten; ingleichen die Fertigkeit dieser Übertretung. Im gemeinen Leben pflegt man nur solche thätige Neigungen, deren Ausbruch mit einem besondern Grade äußerer Schande verknüpft ist, Laster zu nennen. Allein in der Sittenlehre nimmt man es in dem weitesten Umfange der Bedeutung, auch von solchen thätigen Neigungen dieser Art, welche gemeiniglich nicht von der öffentlichen Schande (welches die nächste Bedeutung dieses Wortes ist) gebrandmarket werden. Ein Laster an sich haben. Das Laster der Trunkenheit, der Hurerey, der Fluchens, des Ungehorsams u. s. f. In Laster fallen. Den Lastern ergeben seyn. Wo es figürlich zuweilen im Singular anstatt des Plurals gebraucht wird. Das Laster fliehen, die Laster. Ingleichen anstatt der lasterhaften Person. Das Laster scheut die Ewigkeit, weil es genöthigt ist, einen Gott knechtisch zu fürchten, Gell.

Anm. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Wort vermittelst der Endsylbe er von Laster in der ersten Bedeutung, oder vielmehr von dem veralteten Zeitwort lästen, lasten, letzen, verletzen, laedere, abstammet, daher denn die allgemeine Bedeutung einer Verletzung und damit verknüpften Beschimpfung sehr leicht zu erklären ist. Notker gebraucht Lastir auch für Betrug.


Lästerer (W3) [Adelung]


Der Lästerer, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte lästern. 1) So fern dasselbe ehedem zerfetzen, auf eine ungebührliche Art zerreißen oder zerschneiden bedeutete, pflegen die Stadtfleischer so wohl die Dorffleischer als auch alle übrige Pfuscher ihres Handwerkes Lästerer zu nennen, weil sie dem Vorgeben nach das Fleisch nicht so geschickt und reinlich ausschlachten können. 2) Von der jetzt gewöhnlichern Bedeutung des Zeitwortes, der einen andern schändlicher und erdichteter Unvollkommenheiten beschuldiget, ein grober Verleumder. Ein Lästerer der Majestät. Ein Gotteslästerer, der Gott grober Unvollkommenheiten beschuldiget; bey dem Notker Kegotschelto. Anm. Schon bey dem Notker Lasterar für Verleumder. Das weibliche Geschlecht Lästerinn, (um des Wohlklanges für Lästererinn,) kommt in der Deutschen Bibel vor. Ihre Weiber sollen ehrbar seyn, nicht Lästerinne, (Lästerinnen,) 1 Tim. 3, 11. Den alten Weibern, daß sie nicht Lasterin (Lästerinnen,) seyn, Tit. 2, 3.


Lasterfrey (W3) [Adelung]


Lasterfrey, adj. et adv. frey von Lastern, in der letzten Bedeutung dieses Hauptwortes.


Lasterhaft (W3) [Adelung]


Lasterhaft, -er, -este, adj. et adv. Fertigkeit zur möglichsten Ausübung schändlicher und in weiterer Bedeutung; böser


Neigungen (W3) [Adelung]


Neigungen, und in dieser Fertigkeit gegründet. Ein lasterhafter Mensch. Lasterhaft seyn. Lasterhafte Neigungen, Gedanken, Begierden. Lasterhaft leben. Das ungewöhnlichere Oberdeutsche lasterhaftig kommt in der veralteten Bedeutung für schändlich noch bey dem Opitz vor: die lasterhaftig dich verspotten.


Lasterhaftigkeit (W3) [Adelung]


Die Lasterhaftigkeit, plur. inus. die Fertigkeit zu Lastern, so fern dieses Wort ehedem eine mit Schande verbundene Übertretung des Gesetzes bedeutete. Da aber jetzt Laster von dieser Fertigkeit gebraucht wird, so kommt jenes nunmehr seltener vor.


Lasterleben (W3) [Adelung]


Das Lasterleben, des -s, plur. inus. ein lasterhaftes Leben; am häufigsten bey den Dichtern der vorigen Zeiten.


Lästerlich (W3) [Adelung]


Lästerlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Von dem Hauptworte Laster. 1) * Strafbar, wider das Gesetz streitend oder handelnd; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher lastarlihh schon bey dem Kero vorkommt. Ee ich ir lege lasterlichen bi Ee lies ich mich schern vnd villen, Reinmar der Alte; ehe ich ihr eine unerlaubte Ar beywohnen wollte. 2) Schändlich; eine noch im gemeinen Leben übliche Bedeutung. Er hat mich lästerlich betrogen. 2. Von dem Zeitworte lästern, in einer Lästerung gegründet, derselben ähnlich oder gleich. Lästerlich wider die Obrigkeit reden. Lästerliche Reden.


Lästermaul (W3) [Adelung]


Das Lästermaul, des -es, plur. die -mäuler, eine lästernde Person, in der letzten Bedeutung des Zeitwortes Sprich. 4, 24.


Lästern (W3) [Adelung]


Lästern, verb. reg. act. von dem Hauptworte Laster, in dessen sämmtlichen Bedeutungen es ehedem üblich war. 1) * Verstümmeln, zerfetzen, verunstalten, dilacerare; in welcher Bedeutung im gemeinen Leben noch zerlästern üblich ist, ( S. dasselbe.) 2) * Schänden; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, von welcher Frisch einige Beyspiele anführet. Die Frauen lästern, sagte man ehedem in eben der Bedeutung, in welcher wir jetzt das Zeitwort schänden gebrauchen. 3) Aus Vorsatz schändliche oder grobe Unvollkommenheiten wider die Wahrheit von jemanden sagen, jemandes Ehre auf eine grobe Art durch Worte schänden. Die Obrigkeit lästern. Jemanden lästern. Gott lästern. Daher die Lästerung, plur. die -en, so wohl die Handlung, als auch die Lästerrede selbst. Lästerungen wider jemanden ausstoßen.

Anm. In der letzten Bedeutung schon im Isidor lastron, im Ottfried gilastoron, im Notker lasteren, im Dän. laste.


Lästerrede (W3) [Adelung]


Die Lästerrede, plur. die -n, eine Rede, worin man aus Vorsatz jemandes Ehre durch Worte, ihm grobe, schändliche Unvollkommenheiten beymisset; Lästerworte. Eine solche Schrift wird eine Lästerschrift oder Pasquill genannt.


Lasterstein (W3) [Adelung]


Der Lasterstein, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, ein Stein, auf welchem oder mit welchem gewisse Verbrecher zu ihrer Schande öffentlich zur Schau ausgestellet werden, von Laster, so fern es ehedem Schande bedeutete; der Schandstein.


Lasterthat (W3) [Adelung]


Die Lasterthat, plur. die -en, eine lasterhafte That.


Lästerung (W3) [Adelung]


Die Lästerung, S. Lästern.


Lästig (W3) [Adelung]


Lästig, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches nur in der figürlichen Bedeutung des Wortes Last üblich ist, sehr beschwerlich, von Dingen, welche man mit einem merklichen Grade des Widerwillens thut oder leidet. Ein lästiger Besuch. Einer frechen Person ist ihre Tugend sehr lästig. Glücksgüter sichern uns gegen die Armuth und eine gar zu lästige Abhängigkeit, Sulz. Nieders. lastig, Lat. molestus, im gemeinen Leben auch überlästig.


Lästigkeit (W3) [Adelung]


Die Lästigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es lästig ist.


Lastpferd (W3) [Adelung]


Das Lastpferd, des -es, plur. die -e, ein Pferd, welches zum Tragen der Lasten gebraucht wird, im Oberd. ein Saumroß; zum Unterschiede von einem Zugpferde und Reitpferde.


Lastsand (W3) [Adelung]


Der Lastsand, des -es, plur. car. der Ballast eines Schiffes, so fern er aus Sande bestehet.


Lastschiff (W3) [Adelung]


Das Lastschiff, des -es, plur. die -e, ein Schiff, welches dazu bestimmt ist, Lasten oder Waaren von einem Orte zum andern zu führen; zum Unterschiede von einem Kriegsschiffe.


Laststein (W3) [Adelung]


Der Laststein, des -es, plur. die -e, ein Stein von ungewöhnlicher Größe; ein ungebräuchliches Wort, welches nur Zach 12, 3 vorkommt; Jerusalem will ich zum Laststein machen allen Völkern, alle, die denselbigen wegheben wollen, sollen sich daran zerschneiden.


Lastthier (W3) [Adelung]


Das Lastthier, des -es, plur. die -e, ein lastbares Thier, ein Thier, welches zu Tragung der Lasten bestimmt ist, siehe Lastvieh.


Lastträger (W3) [Adelung]


Der Lastträger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Mensch der Lasten träget, aus Tragung schwerere Dinge ein Geschäft macht. In der Baukunst pflegt man Bilder, wenn sie einen Theil des Gebäudes tragen oder zu tragen scheinen, gleichfalls Lastträger zu nennen.


Lastvieh (W3) [Adelung]


Das Lastvieh, des -es, plur. inus. ein Collectivum, zahme Lastthiere zu bezeichnen; im Gegensatze des Zugviehes.


Lastwagen (W3) [Adelung]


Der Lastwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein zu Führung schwerer Lasten bestimmter Wagen; ein Frachtwagen.


Lasur (W3) [Adelung]


1. Der Lasur, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein blaues Kupfererz von einer schönen hochblauen Farbe mit gelben Kiesflecken, welche man ehedem für Gold zu halten, und daher diesem Erze einen hohen Werth beyzulegen, ja es dem Saphier vorzuziehen pflegte; Lasurstein. Lapis Lazuli, in der höhern Schreibart Azur. Er ist von dem Kupferlasur noch verschieden. Der Nahme ist ausländisch und stammet vermuthlich aus dem Arabischen her. Im Hebr. heißt er - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Lasur,Lasur-Farbe (W3) [Adelung]


2. Die Lasur, oder Lasur-Farbe, plur. von mehrern Arten, die -en, eine aus dem morgenländischen Lasur bereitete schöne blaue Farbe, welche auch Ultramarin genannt wird. Eine unechte Lasur wird auch aus blauen gepülvertem Glase, aus Bergblaus u. s. f. bereitet, und alsdann gleichfalls Lasurfarbe genannt.


Lasur-Farbe (W3) [Adelung]


Lasur-Farbe, S. 2. Die Lasur


Lasurblau (W3) [Adelung]


Lasurblau, adj. et adv. der hohen brennenden blauen Farbe des Lasurs gleich. Ingleichen als ein Hauptwort das Lasurblau, indeclin. die blaue Farbe des Lasurs, so wohl im Abstracto, als im Concreto.


Lasurerz (W3) [Adelung]


Das Lasurerz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein grüngelbes mit schönen Farben überzogenes Kupfererz, welches auch Kupferlasur genannt wird.


Lasurfarbe (W3) [Adelung]


Die Lasurfarbe, plur. die -n, die Farbe des Lasurs, so wohl als ein Abstractum, als auch ein Concretum.


Lasurstein (W3) [Adelung]


Der Lasurstein, des -es, plur. die -e, ( S. Lazur,) Michaelis bemerkt 2 Mos. 27, 18, daß die Alten unsern heutigen Lasurstein auch Saphier zu nennen gepflegt, unter welchen Nahmen er auch bey dem Plinius vorkommt.


Latein (W3) [Adelung]


Das Latein, des -es, plur. car. aus dem Lat. Latinum, die Lateinische Sprache. Latein reden, die Lateinische Sprache. Schlechtes Latein schreiben. Dein Latein taugt nichts. Latein lernen.


Lateiner (W3) [Adelung]


Der Lateiner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lateinerinn. 1) Ein ehemahliger Bewohner des alten Latii in Italien, wo die Lateinische Sprache einheimisch war. 2) eine Person, welche die Lateinische Sprache verstehet. Ein guter, ein schlechter Lateiner.


Lateinisch (W3) [Adelung]


Lateinisch, adj. et adv. aus dem Lat. Latinus. 1) Den ehemahligen Einwohnern des alten Latii in Italien, und in weiterer Bedeutung, dem ganzen ehemahligen mittlern Italien gehörig, daher kommend u. s. f. wo es doch nur noch selten gebraucht wird. In der Schifffahrt pflegt man noch die dreyeckigen Segel Lateinische Segel zu nennen. 2) In engerer Bedeutung gebraucht man dieses Wort am häufigsten von der in dem alten Latio ehedem üblichen Sprache, welche in Rom am besten geredet wurde. Die Lateinische Sprache. Lateinisch reden, schreiben. Etwas in das Lateinische übersetzen.


Laterne (W3) [Adelung]


Die Laterne, plur. die -n, Diminut. das Laternchen, Oberdeutsch Laternlein. 1. Eigentlich, ein Behältniß, dessen Wände aus einer durchscheinenden Materie verfertiget sind, das darein gesetzte brennende Licht vor dem Winde und Regen zu verwahren. Die Gassenlaterne, Handlaterne, Blendlaterne, Stangenlaterne u. s. f. Jemanden mit der Laterne nach Hause leuchten. 2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der äußern Gestalt. 1) Ein blecherner Aufsatz auf einer Feuermauer, welcher an den Seiten offen, oben aber mit einem spitzigen Dache versehen ist, und verhindert, daß der Wind den Rauch nicht zurück treibe. 2) An den Kuppeln oder runden Italiänischen Thürmen ist die Laterne ein kleines durchsichtiges Thürmchen, welches oben auf denselben hervor raget. 3) In der Mechanik, besonders aber in dem Mühlenbaue, ist die Laterne ein aus zwey Scheiben zusammen gesetztes Getriebe, welches anstatt der Kämme cylindrische Stöcke hat, und auch der Drehling, Dreyling, Trilling genannt wird.

Anm. Ital Lanterna, Franz. Lanterne, Engl. Lantern, alle von dem Lat. Laterna. Das letztere leitet man gemeiniglich von latere ab, weil das Licht in einer Laterne gleichsam verborgen ist. Allein, da so wohl ein Leuchter, als eine Laterne im Angels. Lechtern, Lihtern, genannt wird, von Arn, Ern, ein Ort, Platz überhaupt, so ist, wie schon Ihre angemerket hat, sehr wahrscheinlich, daß auch das Lateinische aus einer ähnlichen alten Quelle herstammet. Denn daß in dem Worte Licht der Hauchlaut nicht wesentlich ist, lässet sich sehr leicht beweisen. Auf ähnliche Art gebrauchen Notker und Willeram das Wort Liehtfaz, eine Laterne, Lampe oder einen Leuchter zu bezeichnen. Übrigens wird eine Laterne im gemeinen Leben auch eine Leuchte genannt.


Laternenmacher (W3) [Adelung]


Der Laternenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen an einigen Orten die Klempener führen, weil sie vornehmlich die blechernen Laternen mit hörnernen oder gläsernen Wänden verfertigen.


Latschen (W3) [Adelung]


+ Latschen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, diejenige Art des Ganges zu bezeichnen, da man entweder aus einem Fehler an den Füßen, oder aus Nachlässigkeit die Füße im Gehen nicht aufhebet, sondern mit denselben auf dem Boden hinstreichet. Daher man weite ausgetretene Schuhe oder Pantoffeln, welche nicht fest an den Füßen sitzen und daher keine Art des Ganges verstatten, gleichfalls Latschen, Singul. die Latsche, zu nennen pflegt. An andern Orten heißt man sie Schlarfen. Ein Latscher, welcher einen latschigen Gang hat. Figürlich, doch gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten, wird es oft für gehen überhaupt gebraucht. Auslatschen, spazieren gehen, ingleichen extra gehen, zu andern Weibern gehen. Die Schuhe niederlatschen, niedertreten. Die Schuhe ablatschen, ablaufen, u. s. f. Im Rothwälschen wird der Hase Latschfuß genannt. Es scheinet eine Onomatopöie zu seyn, welches so wie das ähnliche schlarfen, den eigenthümlichen Schall eines solchen Ganges nachahmet.


Latte (W3) [Adelung]


Die Latte, plur. die -n, 1) Eine Stange; doch nur noch in einigen Fällen. So werden im Forstwesen junge schlank und gerade aufgeschossene Bäume so wohl Latten, als Stangen genannt. Sommerlatten sind besonders solche junge zarte Weiden vom ersten Wuchse. Ja in einigen Gegenden pflegt man wohl ein jedes Reis, einen jungen Zweig an einem Baume, eine Lode, Latte oder Lahte zu nennen. Im Wallisischen ist Llath eine jede Stange. 2) Am häufigsten sind die Latten lange dünne gemeiniglich viereckige Stangen, dergleichen z. B. sind, woraus manche Arten von Geländer verfertiget werden, welche man der Quere nach über die Dachsparren zu nageln pflegt, das Stroh- oder Ziegeldach darauf zu befestigen u. s. f. Gerissene Latten, welche aus jungen Fichtenbäumen gerissen oder gespalten worden, zum Unterschiede von den geschnittenen, d. i. gesägten. Mit der Latte laufen, oder mit der Stange laufen, sagt man im gemeinen Leben, von einem possirlich windigen Menschen. Sie ärgert sich genug, daß er mit Latten läuft, Günth.

Anm. Im Nieders. gleichfalls Latte, im Dän. Lägte, im Schwed. Läckt, im Engl. Lath, im Franz. Late, im Finnländ. Laita, im Böhm. Lat und Latka, im Pohln. Lata, im Ital. Latta, im mittlern Lat. Lata. Es läßt sich mit fast gleichem Rechte zu mehrern Stammwörtern rechnen, indem Geländer, Nieders. Land, glatt, Wendisch latki, das alte lidon, schneiden. lang und schlank, Leiste und Litze, und noch andere mehr Anspruch darauf machen können. Da man Spuren hat, daß auch Breter in einigen Sprachen und Mundarten Latten genannt werden, so können auch Blatt, Platte und Laden mit in Betrachtung kommen.


Latten (W3) [Adelung]


Latten, verb. reg. act. mit Latten versehen oder belegen. Ein Dach latten, die Dachlatten auf die Sparren nageln, wofür auch belatten üblich ist; im mittlern Lat. latare. Daher die Lattung.


Lattenfischerey (W3) [Adelung]


Die Lattenfischerey, plur. die -en, in einigen Gegenden, die Art und Weise mit der Angel zu fischen, die Angelfischerey oder Ruthenfischerey; von Latte, eine Stange oder Ruthe.


Lattenhauer (W3) [Adelung]


Der Lattenhauer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, welcher Latten im Walde hauet oder reißet; der Lattenreißer.


Lattenholz (W3) [Adelung]


Das Lattenholz, des -es, plur. inus. Holz, welches bequem ist, Latten daraus zu reißen oder zu sägen.


Lattennagel (W3) [Adelung]


Der Lattennagel, oder Lattnagel, des -s, plur. die -nägel, eine Art großer fast vierzölliger eiserner Nägel, die Dachlatten damit auf die Sparren zu nageln.


Lattnagel (W3) [Adelung]


Lattnagel, S. Der Lattennagel


Lattenreißer (W3) [Adelung]


Die Lattenreißer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Lattenhauer.


Lattenspieker (W3) [Adelung]


Der Lattenspieker, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art viereckiger spitziger Nägel mit kleinen Köpfen, zu den Fußböden, vermuthlich so fern Latte ehedem auch ein Bret bedeutete S. Spieker.


Lattenwerk (W3) [Adelung]


Das Lattenwerk, des -es, plur. die -e, eine Aus Latten bestehendes Werk, dergleichen Gartenlauben, Weingeländer u. s. f. sind.


Lattnagel (W3) [Adelung]


Der Lattnagel, S. Lattennagel.


Lattwerge (W3) [Adelung]


Die Lattwerge, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, in den Apotheken ein mit Honig, Syrup, Fleischbrühe u. s. f. in Gestalt eines dicken Breyes vermischtes Pulver, oder auch zu einem solchen dicken Breye eingekochter Saft. Im Franz. ehedem Laituaire, im Böhm. Letkwar, alle aus dem Lat. Electuarium, und dieß aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, auslecken. Schon die mittlern Griechen sagten für - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, daher man sich über die Wegwerfung der ersten Sylbe in den spätern Sprachen um so viel weniger verwunden darf.


Latz (W3) [Adelung]


Der Latz, des -es, plur. die Lätze, Diminut. das Lätzchen, Oberd. Lätzlein, eine Benennung theils eines Kleidungsstückes, theils eines gewissen breiten Theiles einer Sache. 1) In den gemeinen Sprecharten ist der Latz oder Brustlatz ein Kleidungsstück ohne Ärmel, welches nur bis auf die Hüften reicht, und dessen sich beyde Geschlechter bedienen. Bey dem männlichen wird es in den anständigen Sprecharten ein Brusttuch, bey beyden aber auch ein Leibchen genannt. 2) Bey dem andern Geschlechte ist der Latz ein oben breites und unten spitzig zulaufendes, oft zierlich gesticktes oder besetztes Bruststück, welches vorn über die Schnürbrust gesteckt wird. Gemeine Personen bedienen sich anstatt der Schnürbrust auch eines solchen ausgesteiften Latzes, welcher alsdann ein steifer Latz genannt wird. Auch die obere Klappe an dem Schürzen, welche die Brust bedeckt, heißt ein Latz, so wie an den Beinkleidern der Männer die noch unter gemeinen Leuten übliche breite Klappe an dem vordern Theile, unter dem Nahmen des Latzes oder Hosenlatzes bekannt ist. Bey dem Pictorius heißt das Oberleder an einem Schuhe der Überlatz, und im Oberdeutschen wird eine Capuze, in Reisehut mit Klappen, eine Latzmütze genannt. 3) Im Hüttenbaue ist am Planenherde der Latz ein drey Zoll breites Stück Zwillich, welches unter das Gefälle gesteckt wird, damit die Erze nicht mit dem Wasser davon gehen.

Anm. So fern dieses Wort in den meisten Fällen ein Stück bedeutet, könnte man es mit dem alten lidon, schneiden, zu schlitzen, dem Oberdeutschen Blatz und Pletz, dem Lat. Lacinia, und andern dieses Geschlechtes rechnen; ( S. Lasche.) Allein es scheinet vielmehr der Begriff der Bedeckung der herrschende zu seyn, da es denn mit Leder, Lied, ein Deckel, der Laden und Kleid verwandt ist. Mit dem Begriffe der Bedeckung ist der Begriff eines bedeckten oder hohlen Raumes sehr genau verwandt, daher schon im Salischen Gesetze Laisus den Schooß bedeutet. Im Böhmischen heißt ein Latz in der zweyten Bedeutung Lacek.


Lätzchenshemd (W3) [Adelung]


Das Lätzchenshemd, des -es, plur. die -en, eine Art Hemden des andern Geschlechtes, welche einen besonders zusammen gereiheten Oberleib haben; zum Unterschiede von den gemeinern Kittel- oder Leibhemden.


Lau (W3) [Adelung]


Lau, -er, -este, adj. et adv. ein Wort, welches den ersten geringsten Grad der Wärme, besonders an flüssigen Körpern, ausdruckt. Laues Wasser. Das Wasser ist nicht heiß, sondern nur lau. In der Dichtkunst auch von der angenehmen gelinden Wärme der Luft. Laue Lüfte, Wohlgerüche Laden uns zum Tanz, Raml - Es wehen lauere Lüfte Dich, Kind der Sonne, gefälliger an, Ütz. Ingleichen figürlich, für kaltsinnig, nicht den gehörigen Grad des Eifers habend. Eine laue Liebe. Sein Eifer läßt nach und wird schon ganz lau. Jemanden sehr lau empfangen, sehr gleichgültig, kaltsinnig. Siehe Laulich, Lauwarm und Lauigkeit. Anm. Im Nieders. lau, im Angels. hliw, im Isländ. hle, hlyr, im Schwed. ly, ljum, im Engl. lukewarm, im Dän. mit eingeschobenen n, lunken. Im Niederdeutschen auch mit andern Ableitungslauten, flau, flack, black, slak, laak, flöp, flep, welche alle mit lau Eines Stammes sind, aber auch figürlich unschmackhaft, geschmacklos, unkräftig bedeuten, ( S. Flau.) Es scheinet, daß dieses Wort zu Lohe, Lauge, glühen u. s. f. gehöret, und warm und hell überhaupt bedeutet habe, bis es durch den Gebrauch auf den geringsten Grad der Wärme eingeschränket worden. Dahin gehöret auch das Schwed. len, thauwarm, so gelinde, daß das Eis aufthauet, das Nieders. lüen, lühen, aufthauen, Oberd. leinen, das Holländ. lauen, wärmen, und lau wen, warm werden und warm machen. Auch im Hochdeutschen sagt man noch im gemeinen Leben, das Wasser lauet noch ein wenig, ist noch ein wenig lau, oder lauwarm.


Laub (W3) [Adelung]


Das Laub, des -es, plur. inus. die Blätter der Bäume und Sträuche. 1. Eigentlich, als ein Collectivum und ohne Plural, wo es im engern und gewöhnlichern Verstande nur von den breitern Blättern der zu dem so genannten Laubholze gehörigen Bäume und Sträuche gebraucht wird, zum Unterschiede von den Nadeln oder Tangeln des Schwarzholzes. Im Frühlinge wenn die Bäume wieder junges Laub bekommen. Das Laub fällt ab. Laub streifen, das Laub von den Bäumen streifen. Eichenlaub, Lindenlaub, Weinlaub u. s. f. 2. Figürlich. 1) Dem Laube der Bäume ähnliche Zierathen bey den Künstlern, wo zuweilen, z. B. bey den Schlössern, auch der Plural die Laube üblich ist. 2) In der Deutschen Karte wird die grüne Farbe, weil sie das Blatt eines Baumes vorstellet, Laub genannt. Daher der Laubkönig, der Laubober, das Laubdaus u. s. f. 3) Diejenige Zeit, in welcher die Bäume frisches Laub bekommen; in welchem Verstande es im Forstwesen, von dem Laubholze gebraucht, so viel als ein Jahr bedeutet. Der Schlag, stehet schon im dritten, vierten u. s. f. Laube. Von dem Schwarzholze hingegen sagt man, der Schlag stehe in der zweyten, dritten u. s. f. Krone, Querl oder Gipfel. 4) In einigen Gegenden vermuthlich Oberdeutschlandes, bedeutet es auch denjenigen Antheil, welchen ein Gut an dem Genuß eines Waldes hat. Ein vollständiges Bauerngut hat daselbst das ganze Laub, ein Gütchen nur ein halbes Laub Frisch, der diese Bedeutung aus dem Besold hat, setzet hinzu, daß das ganze Laub bisweilen fünf oder sechs Klafter (vermuthlich geschlagenes Holz) ausmache. Vermuthlich ist dieser Gebrauch noch ein Überbleibsel der alten Bedeutung des Wortes Laub, da es auch einen Wald, oder einen Theil desselben bedeutete; in welchem Verstande Lo bey den Schwäbischen Dichtern, Lob für Bäume im Schwabenspiegel, und Lew, Löf, im alten Schwed. vorkommen.

Anm. In dem heutigen Verstande als ein Collectivum schon bey dem Ottfried und Notker Loub, bey dem Ulphilas Lauf, im Angels. Leaf, Laef, im Nieders. Loof, im Engl. Leaf, im Dän. Lov, und im Schwed. Löf; entweder, wie Wachter glaubt, von der Bedeckung, weil das Laub die Bedeckung, Bekleidung der Bäume ausmacht, ( S. Laube;) oder auch von der beweglichen Beschaffenheit der Blätter, da denn dieses Wort zu Laff, Lappen und laufen gehören würde; oder endlich auch wegen ihrer breiten dünnen Beschaffenheit, um welcher willen auch die flache Hand im Wallis. Llaw, und im Friesischen Lofa genannt wird. Ehedem wurde Laub auch häufig von einzelnen Blättern gebraucht, und da findet man im Plural so wohl Laube als Läuber. Jenes kommt in dem alten Gedichte auf den heil. Anno vor, dieses bey Heinrichen von Veldig: Es habent die kalten nehte getan Das die Loiber an der linden Winterliche val gestan; für die Blätter. Daher kommt es vermuthlich auch, daß man noch im gemeinen Leben sagt, er zittert wie ein Äspenlaub, ( S. dieses Wort, ingleichen Lauberhütte.) Im Lettischen bedeutet Lapas noch jetzt ein Blatt.


Laubapfel (W3) [Adelung]


Der Laubapfel, S. Gallapfel.


Laubband (W3) [Adelung]


Das Laubband, des -e, plur. die -bänder, bey den Schlössern, ein Thürband, in welchem das Blech nach allerley dem Laube ähnlichen Zügen ausgeschnitten ist.


Laubdach (W3) [Adelung]


Das Laubdach, des -es, plur. die -dächer, ein Dach von Laub. Die Schafe, die sich ängstlich unter diesem Laubdache gesammelt, schütteln den Regen von der triefenden Wolle, Geßn.


Laube (W3) [Adelung]


Die Laube, plur. die -n, überhaupt ein bedeckter, vor der Witterung verwahrter Ort; in welchem Verstande es nur noch in einem doppelten Verstande üblich ist. 1) Ein oben bedecktes Gebäude, ein Schoppen; ingleichen ein oben bedeckter aber an den Seiten offener Theil eines Gebäudes, in welchem Verstande es ehedem so wohl im Ober- als Niederdeutschen sehr üblich war, und in manchen Gegenden auch noch nicht ganz veraltet ist, ein Vorhaus, eine Gallerie, eine Halle, einen Ärker, Altan, einen auf Säulen stehenden und an den Seiten offenen Saal, und andere Gebäude dieser Art zu bezeichnen. Eine solche Laube, oder ein an der Seiten offenes Zimmer, wird Richt. 3, eine Läube und Sommerläube genannt, wofür Michaelis das Wort Cabinett und Sommer-Cabinett gebraucht. Im Nieders. Löve, Löving, im mittlern Lat. Lobium, Lobia, Laupia, im Oberd. ehedem auch Loube, Leuff. Daher nannte man eine auf Säulen stehende Gallerie, eine Säulenlaube, wenn sie aber Bögen an den Seiten hatte, eine Bogenlaube. 2) Am üblichsten ist es im Hochdeutschen von einer mit grünen Gewächsen umzogenen Hütte. Eine Jasminlaube, Lindenlaube, Weinlaube u. s. f. Eine grüne Laube, zum Unterschiede von einer Laube in der ersten Bedeutung. Ein gepflanzter Weinstock soll sich wie eine kühle Laube um die Fenster wölben. In den Lustgärten pflegt man auch wohl ganze mit grünen Gewächsen oben überwachsene Gänge Lauben zu nennen.

Anm. In der zweyten Bedeutung im Nieders. Löve und im Wend. Lubia. Es kann so wohl der Begriff der Bedeckung in diesem Worte der herrschende seyn, als auch der durchstreichenden Luft, ( S. Lüften,) als endlich auch eines Gebäudes überhaupt. In dem letztern Falle würde das Schwed. Loft, der oberste Theil des Hauses, dahin gehören, welches Ihre mit dem Wallis. Lloft, tabulatum, von dem Bretagnischen lae, lahe, hoch, ableitet. Auch in einigen Deutschen Gegenden scheinet man den obersten Theil eines nach morgenländischer Art flachen Daches ehedem die Laube genannt zu haben. Im Schwed. wird auch eine Dreschtenne Lofwe und Loge genannt, entweder so fern sie in den ältesten Zeiten gleichfalls eine oben bedeckte Laube war, oder auch vom Wallis. Llawr, der Boden, und lofwa, eben, flach. ( S. Laub.) So fern Laube ein Gebäude, einen Wohnort überhaupt bedeutet, ist es sehr wahrscheinlich, daß die Endung - leben an so vielen Niedersächsischen und Fränkischen Nahmen der Dörfer und Städte davon abstamme.


Lauben (W3) [Adelung]


1. Lauben, in dem Zeitworte erlauben, S. dasselbe.


Lauben (W3) [Adelung]


2. * Lauben, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Laub bekommen; ein veraltetes Zeitwort. In dem Abereilen So die bluomen springen So louben die linden, Heinr. von Veldig. In einigen Gegenden ist es auch als ein Activum üblich, des Laubes berauben, oder das Laub der Bäume abstreifen, für ablauben, und in der höhern Schreibart entlauben.


Lauberhuhn (W3) [Adelung]


Das Lauberhuhn, des -es, plur. die -hühner, ein an einigen Orten übliches Zinshuhn, welches die Unterthanen dem Grundherren zur Erkenntniß seines Grundrechtes entrichten. Entweder, als eine verderbte Aussprache für Leibhuhn, welchen Nahmen ein solches Zinshuhn gleichfalls führet, oder auch so fern es von jeder Laube, d. i. Wohnhause, gegeben wird. Frisch vermuthet, daß ein solches Huhn für die Freyheit das Holz im Walde genießen zu dürfen gegeben werde, ( S. Laub 2, 4), welches denn freylich durch eine genauere Kenntniß der eigentlichen Beschaffenheit dieser Lauberhühner entschieden werden muß.


Lauberhütte (W3) [Adelung]


Die Lauberhütte, plur. die -n, eine grüne mit Zweigen bedeckte Hütte; ein nur im gemeinen Leben für Laubhütte oder Laube übliches Wort, besonders wenn von den festlichen Laubhütten der Juden die Rede ist, in welcher Bedeutung dieses Wort in der Deutschen Bibel Laubhütte lautet. Daher das Lauberhüttenfest, dasjenige Fest der Juden, an welchem sie unter Laubhütten essen müssen, in der Deutschen Bibel, das Fest der Laubhütten, das Laubhüttenfest und das Fest der Laubrüst, welcher letztere Ausdruck völlig veraltet ist. Wenn die Sylbe er nicht bloß ein Einschiebsel gemeiner Mundarten ist, so scheinet Lauber hier der alte Oberdeutsche Plural von Laub zu seyn. Indessen ist auch im Oberdeutschen ein Laubertag ein festlicher Tag, welchen man entweder in Lauben, d. i. großen frey stehenden Sälen, oder auch in grünen Sommerlauben zu bringt; daher Bluntschli einen weltlichen Festtag, einen Gallatag überhaupt, einen Laubertag nennet. Im Nieders. heißt eine Laubhütte gleichfalls Lövering.


Lauberzug (W3) [Adelung]


Der Lauberzug, des -es, plur. die -züge. bey den Schlössern, ein Zierath in Gestalt eines Laubwerkes; von dem veralteten Oberdeutschen Plural de Wortes Laub, ein Blatt, gleichsam ein Blätterzug.


Laubfall (W3) [Adelung]


Der Laubfall, des -es, plur. inus. in dem Forstwesen, das Abfallen des Laubes von den Bäumen, und die Zeit, wenn dasselbe abzufallen pflegt; daher man im Scherze auch wohl den Herbst den Laubfäller nennet.


Laubfink (W3) [Adelung]


Der Laubfink, des -en, plur. die -en, S. Dompfaff.


Laubfrosch (W3) [Adelung]


Der Laubfrosch, des -es, plur. die -frösche, eine Art kleinen grüner Frösche, welche sich nur auf der Erde aufhalten, und sich gern auf den Bäumen unter den Blättern des Laubholzes finden lassen; Rana arborea L. Baumfrosch. Von einigen wird der gemeine grüne Landfrosch irrig Laubfrosch genannt. In der Rothwälschen Diebessprache heißt der Jäger Laubfrosch.


Laubfutter (W3) [Adelung]


Das Laubfutter, des -s, plur. inus. Laub der Bäume, so fern es im Winter zum Futter der Schafe und Kühe gebraucht wird. S. auch Schaflaub.


Laubhuhn (W3) [Adelung]


Das Laubhuhn, des -es, plur. die -hühner, in einigen Gegenden, ein Nahme des Birkhuhnes, weil es sich gern in den Landhölzern aufhält. Das Männchen wird alsdann Laubhahn und das Weibchen Laubhenne genannt.


Laubholz (W3) [Adelung]


Das Laubholz, des -es, plur. die -hölzer. 1) Holz, d. i. Bäume oder Sträuche, welche eigentliches Laub oder Blätter haben, welche sie im Herbste fallen lassen, und im Frühling neue gewinnen; zum Unterschiede von dem Nadelholze oder Tangelholze, welches kein eigentliches Laub, sondern Nadeln oder Tangeln hat. Der Plural ist hier nur von mehrern Arten üblich. 2) Ein aus solchem Laubholze bestehendes Gehölz, ein aus Laubholze bestehender Wald oder Hain.


Laubhütte (W3) [Adelung]


Die Laubhütte, S. Lauberhütte.


Laubicht (W3) [Adelung]


Laubicht, -er, -ste, adj. et adv. 1) Dem Laube ähnlich. Laubichte Zierathen. 2) Einer Laube ähnlich, bedeckt wie eine Laube, in der dichterischen Schreibart. Ein laubichter Gang, Zachar. Ein laubichtes Dach, ebend.


Laubig (W3) [Adelung]


Laubig, -er, -ste, adj. et adv. mit Laub bekleidet, vieles Laub habend. Laubige Äste. Ein laubiger Baum.


Laubknospe (W3) [Adelung]


Die Laubknospe, plur. die -n, eine Knospe an einem Baume, so fern sie unentwickeltes Laub enthält, die Blätterknospe; zum Unterschiede von den Blüth- und Fruchtknospen.


Laubrausch (W3) [Adelung]


Der Laubrausch, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden Oberdeutschlandes, ein Nahme des rothen Brandes an den Bäumen, weil er nur das Laub angreift und dasselbe dürre macht. S. 1. Brand.


Laubrechen (W3) [Adelung]


Der Laubrechen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Landwirthschaft, ein Rechen, das abgefallene Laub in den Wäldern damit zusammen zu rechen. Von der R. A. das Laub rechen hat man auch das Hauptwort das Laubrechen, dieses Handlung zu bezeichnen.


Laubrolle (W3) [Adelung]


Die Laubrolle, plur. die -n, bey den Buchbindern, eine Rolle, allerley dem Laube ähnliche Züge damit die Bände der Bücher zu drucken.


Laubrüst (W3) [Adelung]


Die Laubrüst, plur. inus. S. Lauberhütte.


Laubsäge (W3) [Adelung]


Die Laubsäge, plur. die -n, bey verschiedenen Künstlern und Handwerkern, eine feine zarte Säge laubichte Zierathen damit auszusägen, oder auch wohl einen Körper zu dünnen dem Laube ähnlichen Blättern damit zu sägen. Sie wird bey einigen, z. B. bey den Büchsenschäftern, welche das Elfenbein mit einer solchen Säge zu dünnen Blättern schneiden, vermuthlich nach einer verderbten Aussprache, die Laufsäge genannt.


Laubschnur (W3) [Adelung]


Die Laubschnur, plur. die -schnüre, in den bildenden Künsten, eine Art der Verzierung, welche aus zusammen gebundenen Blättern, Blumen und auch wohl Früchten in Gestalt einer Schnur bestehet; und daher auch wohl eine Blumenschnur oder Fruchtschnur, Franz. aber ein Feston genannt wird.


Laubstreifen (W3) [Adelung]


Das Laubstreifen, des -s, plur. inus. das Abstreifen des Laubes von den Bäumen.


Laubstreu (W3) [Adelung]


Die Laubstreu, plur. inus. eine Streu für das Vieh, so fern sie aus abgefallenem Laube der Bäume bestehet, Laub, so fern es zur Streu für das Vieh gebraucht wird. Nimmt man dazu die Tangeln des Nadelholzes, so wird sie die Nadelstreu genannt. Beyde aber machen die Waldstreu aus.


Laubthaler (W3) [Adelung]


Der Laubthaler, des -s, plur. ut nom. sing. eine Benennung der Französischen großen Thaler oder Ecus, welche 6 Livres, oder 1 Thlr. 12 Gr. 6 Pf. gelten, den Louis d'Or zu 5 Thlr. gerechnet. Nach dem Vorgange der Holländer pflegt man sie auch Ducatons zu nennen, ob sie gleich in Frankreich diesen Nahmen nicht führen. Ducaton ist eigentlich ein Nahme einer Italiänischen und Niederländischen Münze, welche 1 Thlr. 15 bis 1 Thlr. 17 Gr. gilt. Den Deutschen Nahmen Laubthaler hat diese Münze von dem darauf geprägten Laubkranze.


Laubwerk (W3) [Adelung]


Das Laubwerk, des -es, plur. inus. ein Collectivum, allerley Zierathen zu bezeichnen, welche so wohl das Laub der Bäume als auch die Blätter der Pflanzen nachahmen.


Lauchfarbe (W3) [Adelung]


Die Lauchfarbe, plur. inus. ein Abstractum, eine gelblich grüne Farbe zu bezeichnen, welche ein wenig in das Braune fällt, den Übergang in dasselbe ausmacht, und der grünen Farbe des Knoblauches gleichet. Die Olivenfarbe ist eine Abänderung derselben. Daher lauchfarbig oder lauchgrün, adj. et adv. dieses Farbe habend.


Lauck (W3) [Adelung]


Der Lauck, des -es, plur. die -e, ein Fisch, S. 1. Lauge.


Laudanum (W3) [Adelung]


Das Laudanum, des -ni, plur. car. ein schleimiges Harz, welches in gewissen Jahreszeiten aus den Blättern einiger Arten der Cisten-Staude oder Cisten-Rose schwitzet, und in Griechenland und auf den Griechischen Inseln gesammelt wird. Der Nahme, welcher auch Ladanum lautet. ist ausländisch.


Laue (W3) [Adelung]


Die Laue, plur. die -n, eine Art Fische, S. 1. Lauge.


Lauen (W3) [Adelung]


Lauen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, lau seyn, S. Lau.


Lauer (W3) [Adelung]


2. Der Lauer, eine lauernde Person, S. Lauerer.


Lauer (W3) [Adelung]


3. Die Lauer, plur. inus. von dem Zeitworte lauern, die Handlung, der Zustand da man lauert; am häufigsten mit dem Vorworte auf. Auf der Lauer stehen. Jemanden auf die Lauer stellen. Ich bin hier schon fünf Tage auf der Lauer. Im Nieders. und Dän. Luur.


Lauerer (W3) [Adelung]


Der Lauerer, am häufigsten zusammen gezogen Laurer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche lauert. Und sie hielten auf ihn und sandten Laurer aus, Luc. 20, 20. Im gemeinen Leben, besonders einiger Mundarten, wird es häufig noch weiter in Laur zusammen gezogen, einen tückischen, boshaften Menschen zu bezeichnen, wo es oft auch überhaupt ein allgemeines Schimpfwort ist. Bauern sind Laurn. Du Laur, du bist ein vntrewer wicht, Theuerd. Kap. 24. Da Laurerinn im weiblichen Geschlechte das Gehör beleidiget, so gebraucht der Laurer am häufigsten von beyden Geschlechtern.


Lauergrube (W3) [Adelung]


Die Lauergrube, plur. die -n, Gruben, worin man auf das Wildbret zu lauern pfleget.


Lauern (W3) [Adelung]


Lauern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) Scharf auf etwas sehen oder hören, um es zu Gesicht zu bekommen oder mit dem Gehöre zu entdecken, und in weiterer Bedeutung, warten bis etwas geschehe. Auf etwas lauern, warten bis man es erblickt. An der Thür lauern, horchen. Auf eine bequeme Gelegenheit lauern. Gemeiniglich gebraucht man es auch in dieser allgemeinen Bedeutung nur im Scherze oder nachtheiligen Verstande. ( S. auch Ablauern und Belauern.) 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, im Verborgenen zu eines andern Schaden oder Untergang lauern, warten bis einem andern Dinge ein Übel widerfahre, oder um demselben selbst ein Übel zuzufügen. Die Katze lauert auf die Maus, der Fuchs auf die Hühner. Wenn jemand Haß trägt wider seinen Nächsten und lauert auf ihn, und macht sich über ihn u. s. f. 5. Mos. 19, 20. Einem auf den Dienst lauern, ihm nachstellen, auf Gelegenheit lauern, ihm zu schaden. S. auch Lauschen.

Anm. Im Nieders. luren, gluren, kukeluren, im Dän. lure, Schwed. lura, Engl. to leer und lurk, Isländ. hlera. Es ist das Intensivum von dem noch in der Oberpfalz üblichen lauern, sehen, welches mit dem Oberd. lugen, sehen, genau verwandt ist. Es bedeutet also eigentlich lange und scharf auf etwas sehen. (Siehe Beluchsen und Lugen.) Es ist also zunächst von dem Sehen hergenommen, so wie das verwandte Lauschen zunächst von dem Sinne des Gehöres entlehnet ist. Im Schwed. bedeutet Ljura das Fenster, welches im Slavon. Djura heißt, woraus sich zugleich das Nieders. türen für lauern erklären lässet. Unser lauern ist mit dem Nieders. luren, gluren, plieren, und Engl. to leer und lower, mit zusammen gedruckten Augen sehen, ingleichen tückisch ansehen, genau verwandt, indem solche nur besondere Arten der scharfen Bemühung zu sehen sind. Lauren für lauern ist ein Fehler harter Mundarten. Das Nieders. luren hat noch zwey andere Bedeutungen, welche allem Ansehen nach von verschiedenen Stämmen sind. Es bedeutet auch, 1) ankörnen, anlocken, und figürlich mit falscher Hoffnung betrügen, wo es mit dem Franz. leurrer und Engl. to lure, einerley ist. Hier ist es ohne Zweifel aus dem Hochdeutschen ludern zusammen gezogen indem die Niedersachsen das d zwischen zwey Vocalen in tausend andern Fällen zu verbeißen pflegen. 2) Träge, unlustig seyn, wo es aus lau, faul, träge, entstanden zu seyn scheinet. Im Schwed. ist Lurk ein träger fauler Mensch.


Lauf (W3) [Adelung]


Der Lauf, des -es, plur. die Läufe, von dem Zeitworte laufen. 1. Die Handlung, oder vielmehr der Zustand da ein Ding läuft; gemeiniglich, einige wenige Fälle ausgenommen, ohne Plural. 1) In eigentlicher und weiterer Bedeutung, der beschleunigte Gang eines Thieres, die schnelle Bewegung eines Körpers; wo es in den meisten Fällen üblich ist, in welchen das Zeitwort gebraucht wird. Einen Hasen im vollen Laufe schießen. Jemanden im vollen Laufe aufhalten. Stracks Laufs, für hurtig, auf der Stelle, Apostelg. 16, 11, Kap. 21, 1, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Schafe nach dem Laufe verkaufen, wie sie einzeln aus der Hürde heraus kommen, ohne sie auszusuchen. Den Lauf eines Flusses hemmen. Den Lauf der Sterne beobachten, ihre kreisförmige Bewegung. Sich auf den Himmelslauf verstehen, auf den Lauf der Himmelskörper. Der schnelle Lauf der Zeit. Ottfried gebraucht in dieser eigentlichen Bedeutung das Wort Louft auch im Plural: Folgeta in then louftin. 2) Figürlich. (a) *) Die Begattung der Thiere und die Zeit, wenn sie sich zu begatten pflegen; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung, in welcher Luther dieses Wort einige Mahl gebraucht. Wenn der Lauf der Frühlingsherde war, 1. Mos. 30, 41. In der Spätlinge Lauf, V. 42. Wenn die Zeit des Laufs kam, Kap. 31, 10. (b) Der Fortgang einer Sache. Der Tod unterbrach den Lauf der Siege Alexanders, oder, unterbrach die Siege Alexanders in ihrem besten Laufe. Was seiner eingebildeten Glückseligkeit in ihrem Laufe entgegen stehet. Seiner Einbildungskraft freyen Lauf lassen. Der Gerechtigkeit ihren Lauf lassen. Ich will der Sache ihren Lauf lassen. Am Ende unsers Laufes, unsers Lebens. Der Lebenslauf, der Erfolg der Begebenheiten während des Lebens einer Person, und deren Erzählung; in welcher Bedeutung man auch wohl im Plural die Lebensläufe sagt. (c) In engerer Bedeutung, die in dem Wesen der Dinge gegründete Bestimmung ihrer Veränderungen. Der Lauf der Natur, der ganze Inbegriff der Veränderungsgesetze aller erschaffenen Dinge. Man bemerket, daß in dem gemeinen Laufe der Dinge einerley Erfolge oft wieder kommen. Der Lauf der Welt, oder der Welt Lauf, die Gewohnheit der Menschen in der Welt, ihre gewöhnliche Art zu denken und zu handeln. (b) In den Zusammensetzungen Zeitläufte, Kriegesläufte, ist noch das sonst veraltete Lauft, aber nur allein im Plural üblich. Kriegsläufte, Krieg und Kriegszeiten. Zeitläufte, die Zeiten in Ansehung der Veränderungen in denselben. Im Oberdeutschen ist es auch außer der Zusammensetzung üblich. Wegen damahliger trübseliger Läufte, Gryph. d. i. Zeitumstände. Nieders. Luften. 2) Das Werkzeug, vermittelst dessen ein Thier läuft; in welcher Verstande die Jäger die Beine aller vierfüßigen wilden Thiere Läufe und Läufte zu nennen pflegen. Der Hinterlauf oder Hinterlauft, der Vorderlauf oder Vorderlauft. Einem Hasen einen Lauf abschießen. 3) Dasjenige worauf ein Ding läuft, oder sich schnell bewegt, ingleichen der Raum, in welchem es läuft, in verschiedenen einzelnen Fällen. Der Lauf eines Flusses, dessen Bett oder Canal; besonders im Niederdeutschen. Ein von Bretern gemachter Gang für die Karrenschieber wird häufig ein Lauf genannt. Bey den Jägern ist der Lauf oder Laufplatz derjenige Platz, auf welchem das Wild bey dem Abjagen vorlaufen muß. In der Anatomie ist der Lauf eines von den sieben Beinen des Vorderfußes, welches sechs Seiten hat, und den Beinen des Schienbeines zur Grundlage dienet; Os balistae, Astragalus. An einem Schießgewehre, besonders kleinerer Art ist der Lauf die hohle Röhre, in welche man die Kugel hinein laufen lässet. An den Kanonen wird er die Seele genannt. Bey den Mörsern hingegen behält er den Nahmen des Laufes, wo er der Kammer und dem Stoße oder Boden entgegen gesetzet wird. Die Siebmacher pflegen den runden Reifen eines Siebes, welcher sonst die Trommel heißt, auch den Lauf zu nennen; und an den Mühlen ist der Lauf oder die Zarge die breterne Einfassung des untern Mühlsteines, gegen welche der Läufer oder der obere Mühlstein das gemahlne Getreide, so wie es zermalmet hat, hinstößet. Es siehet dahin, ob das Wort Lauf in diesen letzten Fällen, wo es einen hohlen Raum bedeutet, nicht vielmehr zu einem andern Stamme gehöret, von welchen auch Laube, in der Bedeutung eines bedeckten Raumes, herkommt. Lop, Löp ist im Schwed. und Los im Liefländischen ein Getreidemaß, welches dort den sechsten Theil einer Tonne hält. S. Lof.

Anm. Als das Abstractum von laufen, im Nieders. Loop, im Dän. Lop, und im Schwed. Lopp.


Laufbahn (W3) [Adelung]


Die Laufbahn, pur. die -en, eigentlich, ein ebener, gebahnter Platz, worin man einem andern um die Wette läuft. Figürlich, der Umfang von Gegenständen, mit welchen wir uns beschäftigen. Die Liebe ist die angenehmste Laufbahn für einen Dichter. Besonders der Zusammenhang de irdischen Dinge und unsere Beschäftigung mit denselben. Du stehest in der Blüthe deiner Jahre, ich aber nähere mich schon dem Ende meiner Laufbahn. Das Glück säet tausend Gefährlichkeiten im unsere Laufbahn.


Laufband (W3) [Adelung]


Das Laufband, des -es, plur. die -bänder, zwey an die Schnürbrust kleiner Kinder befestigte Bänder, woran man sie führet, wenn sie sollen laufen, d. i. gehen lernen; der Laufzaum, das Leitband Gängelband.


Laufbank (W3) [Adelung]


Das Laufbank, plur. die -bänke, ein mit Rädern versehenes Gestell, worin die Kinder laufen, d. i. gehen lernen; der Gängelwagen.


Laufbret (W3) [Adelung]


Das Laufbret, des -es, plur. die -er, in den Seiden-Manufacturen, ein Bret voller kleiner Löcher, wodurch die Seide auf die Spulen geleitet wird. An der Buchdruckerpresse ist es ein starkes Bret, auf welchem der Karren durch Hülfe der Walze oder Rolle hin und her geschoben wird.


Laufbrücke (W3) [Adelung]


Die Laufbrücke, plur. die -n, eine Brücke, d. i. ein Gerüst von Bretern für die Karrenschieber, so wohl im gemeinen Leben, wo es auch nur ein Lauf genannt wird, als auch im Hüttenbaue, den Eisenstein zur Gicht aufzulaufen. Ingleichen, eine schmale Brücke, bloß für Fußgänger.


Laufdistel (W3) [Adelung]


Die Laufdistel, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Mannstreu, Eryngium L. welche auch Brackendistel und Walzdistel genannt wird.


Laufdohne (W3) [Adelung]


Die Laufdohne, plur. die -n, bey den Jägern, Dohnen oder Schlingen, welche nahe über der Erde oder auf der Erde aufgestellet werden, allerhand Federwildbret darin zu fangen; Laufschlingen, Laufschneißen, das Bodengericht, Erdgericht. Entweder weil sie auf dem Boden gleichsam hinlaufen, oder auch weil die Vögel im Laufen darin gefangen werden.


Laufel (W3) [Adelung]


Die Laufel, plur. die -n. 1) Eine Laufdohne, und überhaupt eine jede Schlinge zum Vogelfangen. 2) Bey den Jägern werden auch die kleinen Pfade der Hühner im Grase und des Viehes um die Wälder Laufeln oder Gelaufen genannt; zum Unterschiede von den Fährten anderer Thiere.


Laufen (W3) [Adelung]


Laufen, verb. irreg. neutr. welches in den meisten Fällen das Hülfswort seyn erfordert. Ich laufe, du läufst, er läuft, (oft auch schon du laufst, er lauft;) Imperf. ich lief; Mittelw. gelaufen, (in den niedrigen Sprecharten geloffen;) Imperat. lauf. Es druckt überhaupt eine beschleunigte Bewegung aus, eine Bewegung, welche schneller ist, als gewöhnlich. 1. In der engsten Bedeutung, von der beschleunigten Bewegung vermittelst der Füße; zum Unterschiede so wohl von dem Gehen, als auch von dem Springen. 1) Eigentlich. Lauf nicht eher, als man dich jagt. Mancher läuft ungejagt. Ich fange an zu laufen, er läuft nach, und lief mir immer hinten drein, Raben. Es kam ein Hase gelaufen, ( S. Kommen.) Du liefest was man laufen kann. Mit jemanden in die Wette, oder um die Wette laufen. Sich müde laufen, sich lahm laufen, sich aus dem Athem laufen, wo es, so wie alle Reciproca, das Hülfswort haben erfordert. Sie liefen über Macht nach dem Gebüsche zu, Less. Der Dieb ist in das Haus gelaufen. Mit dem Kopfe wider die Wand laufen. Bey den Jägern läuft der Rehbock auf das Blatt, wenn er dem vermittelst eines Baumblattes von dem Jäger nachgemachten Rufe des Rehes nacheilet, welches auch auf Reigen laufen genannt, und von allen andern Thieren gebraucht wird, welche man vermittelst eines nachgemachten Schalles anlocket. In einigen wenigen Fällen stehet dieses Zeitwort, ob es gleich ein Neutrum ist, bey einem Hauptworte in der vierten Endung. Bothschaft laufen, im gemeinen Leben, ein Fußbothen abgeben, welches auch Post laufen genannt wird. Sturm laufen. Seine Straße, seinen Weg laufen, sich schnell entfernen, am häufigsten im Imperativo, lauf deine Straße, für gehe fort, wofür man auch wohl in der zweyten Endung sagt, seiner Wege, seiner Straße laufen oder gehen. Das Pferd läuft einen guten Trab. 2) Figürlich. (a) Von einigen Thieren sagt man, daß sie laufen, wenn sie sich begatten, weil sie alsdann weiter und mehr als gewöhnlich zu laufen pflegen. So gebraucht man es von den Hunden, und in der Jägerey auch von den Dachsen. Von andern Thieren sind andere Zeitwörter üblich. In diesem Verstande ist zugleich das Hülfswort haben üblich, wenigstens im Hochdeutschen. Der Hund, die Hündin hat gelaufen, hat sich begattet. Belaufen und läufig sind in einem etwas weiten Umfange der Bedeutung üblich. Bey den Fischern wird es von den Aalen für gebären, gleichfalls mit dem Hülfsworte haben gebraucht. Die Aale haben gelaufen, weil sie lebendige Jungen zur Welt bringen, dagegen von Eyer legenden Fischen leichen üblich ist. (b) Oft und viel gehen; nicht selten mit einem verächtlichen Nebenbegriffe. Den ganzen Tag herum laufen, müßig. In de Stadt herum laufen. Er läuft gewiß auf den Dörfern herum betteln. Alle Tage in die Spielhäuser laufen. (c) Den Ort oder einen Zustand eilfertig verändern; gleichfalls im verächtlichen Verstande. Der Schuldner ist davon gelaufen. Aus einem Kloster, aus dem Dienste laufen. Jemanden laufen lassen, auch figürlich, sich nicht weiter mit ihm abgeben. (d) Sich eifrig um etwas bewerben; gleichfalls im verächtlichen Verstande. Nach einem Amte laufen. In sein Verderben laufen. 2. Von der schnellen Bewegung verschiedener leblosen Körper. Das Schiff läuft in den Hafen, ist auf den Grund gelaufen. Die Post wird bald ablaufen. Die Sonne läuft um die Erde, die Erde um den Mond. Das Rad läuft um. Die Sanduhr läuft nicht mehr, der Sand in der Uhr. Die Uhr ist abgelaufen, die Kette in der Uhr. Es lief mir ein Schauer über die Haut. Die Milch läuft zusammen, wenn sie gerinnet, ( S. Lab.) Besonders von allen Arten flüssiger Körper. Die Sale läuft in die Elbe, die Oder in die Ostsee; wofür doch fließen und sich ergießen üblicher sind. Das Blut lief aus der Wunde. Der Schweiß lief ihm über das Gesicht. Die Thränen liefen ihm über die Wangen. In der anständigern Sprechart sind auch hier die Zeitwörter fließen und rinnen üblicher. Das Wasser läuft mit in die Schuhe, es läuft in den Keller. Die Lichter laufen, oder lecken, wenn die um den Docht befindliche Vertiefung sich mit geschmolzenem Talge anfüllet, und überläuft. Nach einer bey flüssigen Körpern sehr gewöhnlichen Figur wird bey diesem Zeitworte, so wie bey andern ähnlichen, das Gefäß anstatt des darin befindlichen flüssigen Körpers gesetzt. Das Faß läuft, d. i. der Wein im Fasse läuft aus, das Faß ist leck. Die Schiffe liefen halb voll Wasser, das eingedrungene Wasser füllete die Schiffe halb an. Die Augen laufen ihm voll Wasser, die Thränen treten ihm in die Augen. Auch gebraucht man figürlich dieses Wort von der Zeit und der schnellen Fortpflanzung einiger anderer in körperlichen Dinge. Die Zeit verläuft, vergehet. Der laufende Monath, das laufende Jahr, im gemeinen Leben, das gegenwärtige. Es läuft ein Gerücht, es breitet sich aus. 3. In vielen Fällen verschwindet der Begriff der Geschwindigkeit, oder wird doch merklich vermindert. So wird im Bergbaue das Wort laufen anstatt gehen, ja oft für tragen gebraucht, besonders in der Zusammensetzung auflaufen. Besonders gehören hierher verschiedene, großen Theils figürliche R. A. Bey einer Sache Gefahr laufen, in Gefahr gerathen. Du wirst keine Gefahr laufen, in keine Gefahr gerathen. Mein Beutel lief Gefahr, gestohlen zu werden. Ich habe von ungefähr ein Wort davon laufen lassen, es ist mir ein Wort davon entfahren. Das läuft wider die Ehre, streitet wider dieselbe, ist ihr zuwider. Das läuft wider den Stand der natürlichen Freyheit. Das würde wider die Wahrheit laufen. Das läuft nicht in mein Fach, gehöret nicht in dasselbe, schlägt nicht dahin ein. Die Sache wird auf ein Trauern hinaus laufen, wird sich damit endigen. Worauf wird das hinaus laufen? was wird das für ein Ende nehmen? Das läuft auf Eins hinaus, ist einerley. Ingleichen, für sich erstrecken. Die Küste läuft südwest. Das Gebirge läuft nach Morgen. Manche Pflanzen lassen ihre Zweige und Ranken auf der Erde hin laufen, sich nahe über der Erde ausbreiten.

Anm. Schon bey dem Kero lauffan, bey dem Ottfried laufan, bey dem Willeram lofen, (wovon das gemeine Mittelwort geloffen abstammet,) im Nieders. lopen, im Isländ. hleipa, im Dän. lobe, und Schwed. löpa. Es bezeichnet überhaupt eine geschwinde Bewegung, daher ist bey dem Ulphilas hlaupan, Angels. hleapan, Engl. to leap, springen, tanzen,( S. Galopp.) Auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eilen, und Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, gehen, vergehen, durchstechen, gehören zu dem Geschlechte dieses Wortes. Im gemeinen Leben hat man sehr viele Wörter, die besondern Arten des Laufens zu bezeichnen. Unserer rennen, traben und anderer mehr nicht zu gedenken, heißt hin und her laufen im Nieders. bißen, geschwinde laufen aber eben daselbst klanen, kleppen, ( S. Klepper,) kilen, kiddeln, und mit kurzen Schritten laufen in eben dieser Mundart zwickern, purjen, padjen, peideln, packern u. s. f.


Läufer (W3) [Adelung]


Der Läufer, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte laufen. 1) Eine Person, welche läuft, Fämin. die Läuferinn. Er ist ein guter Läufer, läuft gut, d. i. schnell. Besonders sind die Läufer auf besondere Art gekleidete Bedienten, welche vor dem Wagen oder Pferde ihres Herren herlaufen. Ehedem pflegte man auch die Fußbothen Läufer zu nennen, wie in einigen Oberdeutschen Gegenden wohl noch jetzt geschiehet. In der Deutschen Bibel kommt es in dieser Bedeutung einige Mahl vor. Auch im Hochdeutschen kennet man es in dieser Bedeutung in dem zusammen gesetzten Bothenläufer. In manchen Fällen verschwindet der Begriff der Geschwindigkeit. So nennet man in vielen Gegenden einen Aufseher über eine Waldung zu Fuß einen Heideläufer, zum Unterschiede von einem Heidereiter. Im Niedersächsischen werden die Karrenschieber bey der Deicharbeit Läufer genannt. In dem Schachspiele führen zwey Officiers, welche über Eck das ganze Schachbret durchlaufen können, den Nahmen der Läufer. Sie sind aber ursprünglich Elephanten, dagegen unser Elephant in dem Schachspiele bey den Morgenländern ein Kamehl oder Dromedar ist. 2) Von Thieren, mit dem Begriffe der Geschwindigkeit in Ansehung des Laufes. So sagt man von einem schnell laufenden Pferde, daß es ein guter Läufer sey. Aber ein schnell laufendes Pferd oder Kamehl überhaupt: einen Läufer zu nennen, wie in der Deutschen Bibel mehrmahls geschiehet, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. In vielen einzelnen Fällen verschwindet der Begriff der Geschwindigkeit entweder ganz oder doch zum Theil. Bey den Vogelstellern wird ein abgerichteter Vogel, welcher auf dem Vogelherde herum läuft und singt, der Läufer genannt. Junge entwöhnte Schweine werden so lange bis sie das erste Mahl sich begatten, in der Landwirthschaft Läufer genannt, vermuthlich weil man sie in dieser Zeit frey herum laufen lässet. 3) Ingleichen von leblosen, aber beweglichen Dingen, in verschiedenen einzelnen Fällen. So heißt in den Mühlen der obere Mühlstein, welcher sich auf dem untern unbeweglichen herum drehet, der Läufer. Bey denjenigen, welche mit geriebenen Farben zu thun haben, ist der Läufer der kleinere bewegliche Stein in Gestalt eines Kegels, mit welchem die Farbe auf dem Reibesteine zerreiben wird. In der Seefahrt werden die beweglichen Stücke auf dem Jacobsstabe Läufer genannt. Bey den Tuchbereitern ist der Läufer das bewegliche Blatt an der Tuchschere, im Gegensatze des Liegers, oder des unbeweglichen. Die Ranken an den Erdbeeren und andern Pflanzen, sind häufig unter dem Nahmen der Läufer bekannt. Eine Art wilden oder Weidenhopfens heißt Läufer, weil er sich zeitlich von der Hitze aufthut, und so wohl seinen Samen, als das Mehl laufen läßt. Der Läufer der Seiler ist ein in der Wand stehendes bewegliches Rad, ein Seil mit vier Haken daran zu spinnen; das Seilerrad, der Wirbel. An den Thorwegen der Meierhöfe ist der Läufer ein gerade stehendes Holz an der Seite, wo die Haspen sind, welches unten einen in einer Pfanne beweglichen Zapfen hat, oben aber wie ein Cylinder gestaltet ist; damit es in eine Angel gehen könne. Eine abgelaufene Spule, auf welcher nicht Wolle genug gewunden gewesen, heißt bey den Tuchmachern ein Läufer, und unter den Gränzsteinen sind diejenigen, welche zwischen den Haupt- und Ecksteinen stehen, und gleichsam mit unter laufen, unter dem Nahmen der Läufer bekannt. Die Maurer nennen diejenigen Mauersteine, welche nach der Länge der Mauer gehen, Läufer, zum Unterschiede von den Bindern, welche sich nach der Dicke erstrecken. In der Musik macht man einen Läufer, wenn man von einer Note zu einer andern entferntern alle der Scale gemäß dazwischen liegende Tonstufen in der Geschwindigkeit mit berühret.

Anm. Im Nieders. Looper, im Oberd. Laufer, weil man daselbst in der zweyten und dritten Person du laufst, er lauft, sagt. Im Hochdeutschen, wo das a in dieser Person am häufigsten in ein a übergeht, ist daher auch Läufer üblicher.


Läuferbüchse (W3) [Adelung]


Die Läuferbüchse, plur. die -n, an einigen Orten, diejenige Büchse, worin die Bothenläufer ihre Briefschaften tragen.


Läuferplatz (W3) [Adelung]


Der Läuferplatz, des -es, plur. die -plätze, bey den Vogelstellen, derjenige Platz auf dem Vogelherde, auf welchem die Läufer oder Läufervögel zum Herumlaufen angefesselt sind.


Läufervogel (W3) [Adelung]


Der Läufervogel, des -s, plur. die -vögel, eben daselbst, ein auf dem Vogelherde zum Herumlaufen angefesselter Lockvogel; ein Läufer.


Läuferzug (W3) [Adelung]


Der Läuferzug, des -es, plur. die -züge, eben daselbst, zarte lederne Riemchen, welche den Lockvögeln um den Leib geleget werden, sie daran zu befestigen oder anzuläufern.


Lauffaden (W3) [Adelung]


Der Lauffaden, des -s, plur. die -fäden, bey den Jägern, ein Faden, an welchem sich das Ingarn oder der Busen eines spiegeligen Garnes hin und wieder ziehen lässet.


Lauffeuer (W3) [Adelung]


Das Lauffeuer, des -es, plur. ut nom. sing. in einer langen Reihe gestreuetes Schießpulver, eine Mine oder andere Ladung damit anzuzünden, weil das Feuer diese Reihe in der Geschwindigkeit gleichsam durchläuft. Auch diejenige Art zu feuern bey den Soldaten, wo ein Gewehr in der Geschwindigkeit nach dem andern abgefeuert wird, wird ein Lauffeuer genannt.


Lauffuß (W3) [Adelung]


Der Lauffuß, des -es, plur. die -füße, Füße, welche zum Laufen dienen, besonders bey den Insecten; zum Unterschiede von den Scheren, den Schwimmfüßen und Springfüßen.


Laufgeld (W3) [Adelung]


Das Laufgeld, des -es, plur. inus. bey einigen Handwerkern und Künstlern, das Reisegeld, welches der Herr oder Meister einem von einem andern Orte her verschriebenen Gesellen vergütet. in einigen Gegenden wird auch das Handgeld oder Werbegeld, welches man einem angeworbenen Soldaten gibt, um eben dieser Ursache willen das Laufgeld genannt.


Laufgerüst (W3) [Adelung]


Das Laufgerüst, des -es, plur. die -e, in der Baukunst, eine breterne Brücke, vermittelst welcher man auf das Baugerüst gelangt; in dem Hüttenbaue die Laufbrücke.


Laufgraben (W3) [Adelung]


Der Laufgraben, des -s, plur. die -gräben, in der Kriegsbaukunst, ein Graben mit einer Brustwehre, welchen die Belagerer auf einen belagerten Ort zu führen, um sich demselben ohne Gefahr zu nähern; vermuthlich weil solche Gräben bey dem Sturmlaufen vorzüglich nützlich sind. Franz. les Approches, Tranchees. Es ist im Plural am üblichsten, weil gemeiniglich mehrere geführet werden.


Laufhund (W3) [Adelung]


Der Laufhund, des -es, plur. die -e, eine Art starker Hunde, welche ein Wild so lange verfolgen, bis es ermüdet und endlich von den nacheilenden Jägern erleget wird. Sie werden am häufigsten mit einem Französischen Ausdrucke Parforce-Hunde genannt.


Läufig (W3) [Adelung]


Läufig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Zeitworte laufen. 1) Einen gewissen Lauf habend; doch nur in den Zusammensetzungen geradläufig, krummläufig, rechtläufig, weitläufig, beyläufig u. s. f. 2) Von Thieren, besonders aber von Hunden, wenn sie den Trieb zur Begattung empfinden und äußern, sagt man sie seyen läufig, und in den niedrigen Sprecharten läufisch. Beyde gebraucht man im verächtlichen Verstande auch wohl von Menschen. Nieders. löpsk, ( S. Laufen 2.) 3) Im gemeinen Leben auch für geläufig, S. dasselbe.


Laufjagen (W3) [Adelung]


Das Laufjagen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Jägerey, ein Jagen, d. i. eine Jagd, wo man das Wild mit Laufhunden verfolgt, ein Rennjagen und am häufigsten mit einem Französischen Ausdrucke eine Parforce-Jagd, zum Unterschiede von einem Schützenjagen.


Laufkäfer (W3) [Adelung]


Der Laufkäfer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Käfer, welcher sich im Holze und auf den Wiesen aufhält, sehr schnell läuft, und, wenn man ihn berühret, aus dem Hintern einen Rauch mit einem gewissen Geräusche von sich gibt; Carabus L. Erdkäfer, zum Unterschiede von dem Schwimmkäfer, Zangenkäfer und andern Arten.


Laufkarren (W3) [Adelung]


Der Laufkarren, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein gewöhnlicher Schubkarren, womit Berge und Erde hin und wieder geführet werden.


Laufklaue (W3) [Adelung]


Die Laufklaue, plur. die -n, bey den Jägern, die Klaue an dem Laufe, d. i. Fuße, des Hirschwildbretes.


Laufkugel (W3) [Adelung]


Die Laufkugel, plur. die -n, bey den Jägern und Schützen, kleinere Kugeln, welche man in der Geschwindigkeit in den Lauf eines Gewehres laufen lässet.


Lauflatte (W3) [Adelung]


Die Lauflatte, plur. die -n, an einer Ramme, eine einarmige Leiter mit Sprossen, auf welcher man zur Spitze der ganzen Maschine hinauf laufen kann.


Laufleiter (W3) [Adelung]


Die Laufleiter, plur. die -n, bey den Jägern, kleine einfache Garne, welche zu beyden Seiten vor die Treibezeuge gesteckt werden, damit die Feldhühner nicht vorbey laufen können; Steckleiter. S. Leiter.


Laufplatz (W3) [Adelung]


Der Laufplatz, des -es, plur. die -plätze, derjenige Raum in einem Holze, welcher bey einen Jagd zum Laufe bestimmt ist, und mit hohen Jagdtüchern umstellet wird; der Lauf.


Laufrädchen (W3) [Adelung]


Das Laufrädchen, des -s, plur. ut nom. sing. an einem Seidenhaspel, eine horizontale Rolle, in welcher der Laufstock mit dem einen Ende befestiget ist.


Laufsäge (W3) [Adelung]


Die Laufsäge, S. Laubsäge.


Laufschießen (W3) [Adelung]


Das Laufschießen, des -s, plur. inus. das Schießen nach einem Thiere im Laufe, die Fertigkeit, ein Thier im Laufen zu schießen; so wie das Flug- oder Luftschießen die Fertigkeit, einen Vogel im Fluge zu schießen, bezeichnet.


Laufschleich (W3) [Adelung]


Der Laufschleich, des -es, plur. die -e, S. Ausläufer.


Laufschlinge (W3) [Adelung]


Die Laufschlinge, plur. die -n, S. Laufdohne.


Laufschmid (W3) [Adelung]


Der Laufschmid, des -s, plur. die -schmiede, in einigen Gegenden, z. B. in der Mark Brandenburg, ein Dorfschmid, welcher von einem Orte zum andern ziehet, und daselbst arbeitet; zum Unterschiede von einem Wohnschmide. Daher die Laufschmiede, dessen Werkstätte.


Laufschneider (W3) [Adelung]


Der Laufschneider, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, welcher die Läufe, d. i. Reife, zu den Sieben in den Wäldern ausschneidet, und selbige nachmahls an die Siebmacher verkauft.


Laufschuh (W3) [Adelung]


Der Laufschuh, des -es, plur. die -e, leichte Schuhe ohne Absätze zum schnellen Laufen; Läuferschuhe, weil die Läufer sie vornehmlich tragen.


Laufschütze (W3) [Adelung]


Der Laufschütze, des -n, plur. die -n, ein geübter Schütze, welcher ein Thier im Laufe zu treffen weiß. Siehe Laufschießen.


Laufspiel (W3) [Adelung]


Das Laufspiel, des -es, plur. die -e, dasjenige Spiel, wo man auf einem fest geschlagenen Boden Kugeln mit hölzernen Hammern so weit als möglich fortschlägt, und ihnen geschwinde nachläuft, um sie bis an das Ende der Laufbahn zu treiben; mit einem Französischen Ausdrucke das Maille-Spiel. Ingleichen, die dazu zugerichtete Bahn; die Maille-Bahn.


Laufstock (W3) [Adelung]


Der Laufstock, des -es, plur. die -stöcke, ein hölzernes Lineal an einem Seidenhaspel, welches an einem Ende in dem Laufrädchen steckt, am andern aber beweglich ist, und das über einander Laufen der Fäden auf dem Haspel verhindert; der Degen, Franz. Vavient.


Lauft (W3) [Adelung]


Der Lauft, des -es, plur. die Läufte, S. Lauf. Schon Notker gebraucht für Lauf Loufte.


Lauftuch (W3) [Adelung]


Das Lauftuch, des -es, plur. die -tücher, bey den Jägern, ein beweglicher Vorhang mit Ringen, zwischen der Kammer und dem Laufe, welcher geschwinde auf- und zugezogen werden kann; das Rolltuch, Quertuch.


Laufwagen (W3) [Adelung]


Der Laufwagen, des -s, plur. die -wägen, ein Gestell, worin die Kinder laufen, d. i. gehen lernen. Die Laufbank, der Gängelwagen, der Rollwagen.


Laufzaum (W3) [Adelung]


Der Laufzaum, S. Laufband.


Laufzehnte (W3) [Adelung]


Der Laufzehnte, des -n, plur. die -n, in einigen Gegenden, der Zehnte von den an der Zehntgränze gelegenen Ackern, wo die Felder zweyer Zehntherren zusammen stoßen, weil er demjenigen Zehntmahler entrichtet wird, der ihn am ersten erlaufen, d. i. eingefordert hat.


Laufzeit (W3) [Adelung]


Die Laufzeit, plur. die -en, diejenige Zeit, da gewisse Thiere, besonders aber die Bären, Dachse und Hunde zu laufen, d. i. sich zu begatten, pflegen.


Laufziel (W3) [Adelung]


Das Laufziel, des -es, plur. die -e, ein Ziel, nach welchem man läuft.


Laufzirkel (W3) [Adelung]


Der Laufzirkel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zirkel der Windenmacher, dessen Schenkel rechtwinkelig gegen einander gebogen sind, die Gleichheit eines Rades damit zu erforschen.


Läugbar (W3) [Adelung]


Läugbar, adj. et adv. was geläugnet werden kann; doch nur in dem Gegensatze unläugbar. Es ist nicht von unserm heutigen läugnen, sondern von dessen veralteten Stammworte laugen gebildet.


Lauge (W3) [Adelung]


1. Die Lauge, plur. die -n, eine Art Weißfische, im Oberdeutschen, wo der Nahme auch in Laue, Laugele, Lauck u. s. f. verderbt wird. Er wird Digüne genannt, und scheint der Cyprinus Alburnus L. zu seyn, der im Französ. Vandoise oder Dard heißt. Alsdann würde es eben der Fisch seyn, welcher in andern Gegenden Blüthe, Blicke, Akeley und Ochelbeze genannt wird. Frisch vermuthet nicht ohne Grund, daß der Nahme Lauge mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, weiß, verwandt ist, indem diese Fische von einigen auch Leucisci genannt werden, und wirklich zu den gemeinen Leben so genannten Weißfischen gehören.


Lauge (W3) [Adelung]


2. Die Lauge, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -n, ein mit einem vegetabilischen Salze versetztes und dadurch scharf gemachtes Wasser, dergleichen dasjenige Wasser ist, welches eine Zeit lang auf Asche gestanden, und das darin befindliche Salz aufgelöset hat. Lauge machen. Eine Lauge an setzen, Wasser auf Asche gießen. Die Wäsche in Lauge einweichen, aus der Lauge waschen. Die Seifensiederlauge, welche aus Holzasche und Kalk verfertiget wird. Kalklauge, Wasser, welches die in dem Kalke befindlichen Salztheilchen in sich genommen hat. Anm. Im Nieders. Loge, im Engl. Lie, im Angels. Laeg, Leah, im Pohln. Lug, im Böhm. Lauch, im Ungar. Luugh. Andere Sprachen haben statt des Gaumenlautes ein t, wie das Dän. Lud, Schwed. Lut, das Bretagnische Lludw, Llutrod, und noch andere einen Zischlaut, wie das Wallische Llusw, das Lat. Lixivium, das Ital. Liscia, das Franz. Lessive, und das Span. Lexia. Alle in der heutigen Bedeutung des Deutschen Lauge. Ihre hält das Wallis. Lludw und Bretagnische Ludu, Asche, für das Stammwort, weil doch die Lauge gemeiniglich aus Asche gemacht wird. Allein der Begriff des Waschens, Lat. lavare, und in weiterer Bedeutung eines jeden Körpers, ist wohl unstreitig in diesem Worte der herrschende. Im Schwed. ist löga noch jetzt waschen, und Löga ein Bad, eben daselbst aber Lag und Isländ. Laugr ein flüssiger Körper. Im Deutschen nennet man noch den Urin im Scherze Kammerlauge, und in einigen Gegenden wird das Löschwasser der Schmiede Schmiedelauge, das Seifenwasser aber, worin etwas gewaschen worden, Laugter genannt. S. 2. Lache, flauen, und das folgende Zeitwort Laugen.


Laugen (W3) [Adelung]


1. Laugen, verb. reg. act. dem vorigen Hauptworte. 1) In Lauge einweichen. Die Wäsche laugen oder einlaugen, welches im Oberd. laugnen, läugnen, an andern Orten aber beuchen genannt wird. 2) Vermittelst warmen Wassers gewisser auflöslicher Theile berauben. Das Salz aus der Asche, den Alaun aus dem Schiefer laugen. S. auch Auslaugen.


Laugen (W3) [Adelung]


2. Laugen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. Man sagt im gemeinen Leben, ein Faß lauge, wenn der darin befindliche flüssige Körper nach dem frischen Holze des Fasses schmeckt. Ein weingrünes Faß, worin schon Wein gelegen, lauget nicht mehr von dem frischen Holze. Vielleicht von lau, welches in einigen Gegenden, so wie laff, ungeschmackt, kraftlos bedeutet, wenn es nicht eine Figur der zweyten Bedeutung des vorigen Wortes ist.


Laugenartig (W3) [Adelung]


Laugenartig, -er, -ste, adj. et adv. der Lauge an Art gleich oder ähnlich, laugenhaft. Ein laugenartiger Geschmack. Ein laugenartiges Salz, in der Chymie, eine Art Salzes, welches der Lauge an Geschmack gleichet, und zwar in fester Gestalt erscheinet, aber gemeiniglich an der Luft zu einer Lauge zerfließet, und alsdann Oleum per deliquium genannt wird; alkalisches Salz. Laugensalz.


Laugenasche (W3) [Adelung]


Die Laugenasche, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -n, ausgelaugte Asche, aus welcher das Salz und die Schärfe bereits durch Wasser ausgezogen ist. Bey den Wäscherinnen wird sie auch Beuchasche, und bey den Seifensiedern Seifensiederasche genannt.


Laugenhaft (W3) [Adelung]


Laugenhaft, adj. et adv. der Lauge an Geruch oder Geschmacke ähnlich; alkalinisch im gemeinen Leben laugicht oder laugig. Ein laugenhaftes Wasser, eine Art mineralischen Wassers, welches nach der Abrauchung ein mineralisches Alkali gibt, und der Lauge an Geschmack ähnlich ist.


Laugenkorb (W3) [Adelung]


Der Laugenkorb, des -es, plur. die -körbe, in der Hauswirthschaft, ein grob geflochtener Korb, in welchen man den Laugensack, oder das Laugentuch, d. i. den Sack mit Asche, hänget, um das Wasser, welches man zu Lauge machen will, dadurch zu seihen.


Laugenkraut (W3) [Adelung]


Das Laugenkraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze, siehe Wohlverley.


Laugensack (W3) [Adelung]


Der Laugensack, des -es, plur. die -säcke, S. Laugenkorb.


Laugensalz (W3) [Adelung]


Das Laugensalz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ( S. Laugenartig.) Die Potasche, das Weinsteinsalz und die Soda sind solche Laugensalze, und werden, so fern aus der Asche gelauget werden, auch Aschensalz genannt. S. Alkali.


Laughütte (W3) [Adelung]


Die Laughütte, plur. die -n, in den Alaunwerken, diejenige Hütte, oder derjenige Theil der Hütte, in welcher der Alaun ausgelauget wird; zum Unterschiede von der Siedehütte.


Laugicht (W3) [Adelung]


Laugicht, oder Laugig, adj. et adv. S. Laugenhaft.


Laugig (W3) [Adelung]


Laugig, S. Laugicht


Laugold (W3) [Adelung]


Das Laugold, des -es, plur. inus. in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, falsches, unechtes Gold, doch nur von dünnen Messingblättchen, welche zur Nachahmung solcher Goldblättchen geschlagen, und gemeiniglich zu Flintern verarbeitet werden; Rauschgold, Knastergold. Daher die Laugoldschläger, welche das Messing zu solchen dünnen Blättern schlagen, und an andern Orten Flinterschläger, Flinterer heißen. Lau, lou bedeutete ehedem falsch, unecht, und in der Rothwälschen Diebessprache hat loe diese Bedeutung noch, und Loeformat sind daselbst falsche Briefe. Es scheinet mit lau und vielleicht mit dem vorigen läugnen und dessen Stammworte laugen verwandt zu seyn.


Lauigkeit (W3) [Adelung]


Die Lauigkeit, plur. inus. der Zustand eines Körpers, da er lau ist, wofür doch Laulichkeit üblicher ist.


Lauine (W3) [Adelung]


Die Lauine, S. Lauwine.


Laulich (W3) [Adelung]


Laulich, -er, -ste, adj. et adv. eigentlich, ein wenig lau, ob es gleich, da sich die Grade der Wärme nicht so genau bestimmen lassen, sehr oft auch für lau gebraucht wird. Lauliches Wasser. Das Wasser laulich werden lassen. Ingleichen figürlich, des pflichtmäßigen oder doch gewöhnlichen Eifers beraubt. Eine lauliche Liebe. Das Christenthum sehr laulich üben.


Laulichkeit (W3) [Adelung]


Die Laulichkeit, plur. inus. der Zustand eines Dinges, da es laulich ist, so wohl eigentlich als figürlich. Die Laulichkeit des Gemüthes gegen Gott, der Zustand schwächerer Neigungen gegen Gott, als gegen andere Dinge, deren merklichere Grade Kaltsinnigkeit und Gleichgültigkeit sind; im Gegensatze der Inbrunst.


Laune (W3) [Adelung]


Die Laune, plur. die -n, ein altes Wort, welches ehedem nur in den gemeinen Sprecharten üblich war, seit einiger Zeit aber auch in die edlere Schreibart aufgenommen ist. Es bedeutet, 1. * Die Gesichtsbildung eines Menschen, und in weiterer Bedeutung, die äußere Gestalt eines jeden Dinges; welche Bedeutung im Deutschen nur noch einige Spuren hinterlassen hat, aus den verwandten Sprachen aber desto erweislicher ist. Bey dem Ulphilas ist Lynne die Gesichtsbildung, im Schwedischen Lund das Gesicht, und im Wallisischen Llun eine jede Gestalt. In den Deutschen Mundarten kommen dessen Ableitungen noch von einigen besondern zufälligen Gestalten des Gesichtes vor. Dahin gehöret das Nieders. lunen, sauer sehen, lunsk, tückisch aussehend, lünschen, das Maul hängen, schmollen, das Oberdeutsche launen, mürrisch von der Seite sehen, und vielleicht auch das Nieders. lünsen, lünsten, still vor sich hin sehen, figürlich nachdenken, im Mecklenburg. nalünsen, und nach etwas forschen im Osnabrück. lünsken, wenn nicht vielmehr diese letztern Zeitwörter zu unserm lauschen gehören. Aus allem scheinet zu erhellen, daß der Begriff des Gehens in diesem Worte der herrschende, und daß es ein Seitenverwandter von Glanz, Flinkern, Lahn u. s. f. ist. 2. Figürlich. 1) * Die Art und Weise, die Art, wie ein Ding da ist; eine im Deutschen fremde Bedeutung, welche sich aber noch in dem Schwed. Lund und Lynne befindet, welche so wohl allein, als in allerley Zusammensetzungen üblich sind. Allälund bedeutet daselbst auf alle Art und Weise, annorlunda auf andere Art, hurulunda wie, margalunda auf mancherley Art, Lunderni die Gemüthsfähigkeit, ingenium u. s. f. 2) In engerer Bedeutung, die Stellung des Gemüthes, die Einrichtung des Veränderlichen in demselben, in einzelnen Fällen, besonders so fern sich selbige durch äußere Merkmahle an den Tag legt. (a) Überhaupt. Bey guter Laune seyn, aufgeräumt seyn. Die mürrische, närrische Laune haben. Üble Laune, Unmuth. Ich kenne ihre Launen zu gut, als daß ich mich auf sie verlassen könnte. Er hat die ernsthafte, die philosophische, die lustige Laune, sein Gemüth ist jetzt nur Ernsthaftigkeit, zum Philosophiren, zur Lustigkeit gestimmt. Ich ward so vorsichtig, daß ich jede Veränderung meiner Laune, wie der Arzt das Maß des Pulsschlages, auszuspähen suchte, Hermes. Von guter Laun' ist er dabey, Weiße. Er hat es nicht in der Laune, heißt im Niedersächsischen, der Kopf stehet ihm nicht darnach, er ist nicht dazu aufgelegt. Zuweilen, besonders im gemeinen Leben, auch von zufälligen körperlichen Neigungen. Er schläft beständig, und ich weiß nicht, was ich von dieser Laune sagen soll. Der Trieb nach dem Essen zu schlafen wird im gemeinen Leben, Meißens im Scherze die Zwenkische Laune genannt, zu welcher Benennung ein Bürgermeister aus dem kleinen Orte Zwenka Anlaß gegeben haben soll. In Baiern ist launeln schlummern. Auch gewisse epidemische Krankheiten, besonders geringerer Art, z. B. Schnupfen, Flüsse, Husten u. s. f. heißen im gemeinen Leben Launen. (b) In engerer Bedeutung, gewisse besondere Arten der Gemüthsstellung und deren Äußerung durch Mienen und Worte. (aa) Mürrische, verdrießliche Gemüthsstellung und deren Äußerung, besonders im gemeinen Leben Ober- und Nieder-Deutschlandes. Laß ihn gehen, er hat die Laune. (bb) Gute Gemüthsstellung, Aufgeräumtheit. Ihre Laune war eben nöthig, um mich aufzuheitern. (cc) Derjenige Zustand des Gemüthes und der Einbildungskraft, da man den Dingen durch Umkehrung der gewöhnlichen Begriffe das Ansehen der Neuheit zu geben sucht; wenn man z. B. sich das Ansehen gibt, daß man die Tugend lächerlich, und das Laster angenehm vorstellen wolle. In dieser Bedeutung ist es besonders in den neuern Werken des Witzes aufgenommen worden, das Engl. Humour auszudrucken. So sagt man von Dorick, er habe eine unnachahmliche Laune; wo es auch zuweilen für Wirkungen dieser Laune, für launige Einfälle gebraucht wird.

Anm. In dieser ganzen zweyten figürlichen Bedeutung schon bey den Schwäbischen Dichtern Lune, im Niedersächs. Lune, im Schwed. Luna und Lund, im Finnländischen Luondo und Luonnon. Wachter leitet es in derselben von dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Frisch und Ihre aber von dem Lat. Luna, der Mond, ab, weil dieser einen merklichen Einfluß in die menschliche Gemüthsstellung haben soll. Allein, man darf wohl nicht erst erinnern, wie gezwungen und seltsam eine solche Ableitung ist. Die oben angenommene Abstammung ist so wohl wahrscheinlicher und fruchtbarer, als auch dem Gange der menschlichen Ideen, besonders in der Deutschen Sprache, gemäßer. Im Oberdeutschen ist es männlichen Geschlechtes, der Laun.


Launig (W3) [Adelung]


Launig, -er, -ste, adj. et adv. von dem vorigen Hauptworte, Laune habend, in derselben gegründet, doch nur in der beyden letzten engsten Bedeutungen, gute, angenehme, lustige Laune habend, und darin gegründet; ein von den neuern eingeführtes Wort, wofür andere mit wenigerm Beyfalle launenhaft versucht haben. Ein launiger Schriftsteller. Launige Einfälle. Der launigste Ton, Less.


Launisch (W3) [Adelung]


Launisch, -er, ste, adj. et adv. gleichfalls von dem vorigen Hauptworte, welches im gemeinen Leben, doch nur von übler, böser Laune üblich ist, und daselbst oft läunisch, Nieders. lünsk, lautet. So bedeutet es daselbst oft tückisch, mürrisch, verdrießlich, unmuthig. Er wird zornig und launisch auf ihr, Luther in der Kirchen-Postille. Im gemeinen Leben nennet man ein Thier läunisch, wenn es unmuthig ist, und nicht fressen will. Einige Schriftsteller gebrauchen es sehr ungeschickt für das vorige launig, machen aber dadurch, daß sich der diesem Worte anklebende unangenehme und niedrige Nebenbegriff nothwendig mit eindrängt, der überhaupt den meisten neuern Bey- und Nebenwörtern auf "-isch" anklebet. Dem Lazius bey dem Frisch zu Folge ist in Kärnthen und Steyermark auch launig für launisch, unmuthig, üblich, und Hagen sagt bey dem Pez von einer Königinn von Maschau, daß sie bisweilen unlewntig, d. i. im Kopfe verrückt, gewesen. S. auch Wetterläunisch.


Laure (W3) [Adelung]


Die Laure, Lauren u. s. f. S. Lauer, Lauern.


Lauren (W3) [Adelung]


Lauren, S. die Laure


Laus (W3) [Adelung]


Die Laus, plur. die Läuse, Diminut. das Läuschen, Oberd. Läuslein, ein Nahme verschiedener kleiner kriechender Insecten, deren Kriechen auf der Haut eine merkliche Empfindung macht. Dahin gehöret die Blattlaus, Aphis L. von welcher es verschiedene, theils geflügelte, theils ungeflügelte Arten gibt, welche sich auf den Pflanzen aufhalten, und von ihrem Safte leben. Von dieser Art sind die kleinen grünen Läuse an den Nelken. In engerer Bedeutung ist die Laus ein ungeflügeltes Insect, welches ein Maul mit einem Stachel hat, und sich an Menschen und Thieren aufhält, von deren Blute es lebt, und denselben durch Kriechen und Saugen beschwerlich wird, Pediculus L. Läuse haben, Läuse suchen u. s. f. In den niedrigen Sprecharten hat man von diesem verächtlichen Insecte, welches nur ein Kostgänger niedriger und unreinlicher Leute ist, verschiedene figürliche R. A. Er prangt, wie eine Laus, auf einem Sammetkragen, sagt man von einem armen Menschen, der sich mit fremden Kleidern oder Vorzügen brüstet. Er sitzt so sicher, wie eine Laus zwischen zwey Nägeln, er befindet sich in der augenscheinlichsten Gefahr. Er würde eine Laus schinden um des Balges willen, eine Beschreibung eines im höchsten Grade filzigen Menschen. Sich eine Laus in den Pelz setzen, sich einen lästigen Menschen, oder eine beschwerliche Sache auf den Hals laden. Die Laus läust ihm über die Leber, heißt es von einem, der leicht unwillig wird, wofür Kaisersberg sagt, das Würmlein ist ihm bald in die Nase geloffen. Er weiß einer jeden Laus eine Stelze zu machen, eine Beschreibung eines Menschen, der in fremden Angelegenheiten sehr weise ist. Eine Laus im Ohre haben, ein böses Gewissen u. s. f. Die Läuse der Tiere bekommen ihren Nahmen von den Thieren, auf welchen sie sich aufhalten. So hat man Hundsläuse, Schafläuse, Hühnerläuse, Bienenläuse u. s. f.

Anm. In den Monseeischen Glossen Luus, im Nieders. Luus, im Angels. Lus, im Engl. Louse, im Schwed. Lus, im Bretagnischen Laou, bey den Krainerischen Wenden Vsh. Frisch leitet es von dem Wend. lizu, kriechen, ab, mit welchem unser los verwandt zu seyn scheinet; Ihre hingegen bringt das Bretagnische lous, schändlich, unrein, oder das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches eine Art Würmer auf den Zungen der Hunde bedeutet, in Vorschlag. Das Verächtliche dieses Thieres und seines Nahmens klebt auch allen folgenden Ableitungen und Zusammensetzungen an, daher man sie in der edlen und anständigen Sprechart gern vermeidet. In der Rothwälschen Diebessprache wird eine Laus Hanswalter und Kimmer genannt.


Lausche (W3) [Adelung]


Die Lausche, plur. inus. der Zustand, die Handlung, da man auf etwas lauschet, oder lauert; die Lauer. Auf der Lausche sitzen, sitzen und auf etwas lauschen oder lauern. Auf die Lausche gehen. In den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden, z. B. Thüringens, die Lusche.


Lauschen (W3) [Adelung]


Lauschen, verb. reg. neutr. mit den Hülfswörtern haben und seyn. 1) Horchen, in der vertraulichen so wohl als edlen Schreibart, und mit dem Hülfsworte haben. An der Thür stehen und lauschen. Der Enkel hab' ein lauschend Ohr Und sieh' und gaff' uns an, Gleim. Das Volk der Lust Lauscht auf ihr Lied, versteckt in dunkles Laub; Die kleine Lalage lauscht auch darauf, Kleist nach Hrn. Stosch Anführung. 2) Im Verborgenen auf etwas warten, etwas im Verborgenen zu erblicken, zu erhaschen suchen, auch im guten, wenigstens gleichgültigen Verstande, so wie lauern gemeiniglich im nachtheiligen gebraucht wird; gleichfalls mit dem Hülfsworte haben. Dort hätte sie gelauscht, hier hätt' ich lauschen wollen, Gell. Da lauschen furchtsame Nymphen Nur halb durch junge Gesträuche bedeckt, Uz. ( S. auch Belauschen.) 3) Sich im Stande der Unthätigkeit, so wohl dem Leibe als dem Gemüthe nach befinden, einen geringern Grad des Schlummers zu bezeichnen; auch mit dem Hülfsworte haben. Im Bette lauschen, im Bette liegen und der stillen Ruhe pflegen ohne zu schlummern. Mir scheint kein Großer gleich, Wenn ich entzückt in deinen Armen lausche, Haged. In dieser Bedeutung ist es auch in den gemeinen Mundarten nicht unbekannt. 4) Sich in der Stille, im Verborgenen nähern, schleichen; in der vertraulichen Sprechart, und mit dem Hülfsworte seyn. Einzeln sind wir durch verschiedene Thore einher gelauscht, Weiße.

Anm. In der ersten und zweyten Bedeutung bey den Schwäbischen Dichtern luzen, in der Schweiz loßen, im Nieders. lustern, im Hannöv. glustern, in den gemeinen Mundarten Oberdeutschlandes laustern. Ein Laustrer an der Wand hört seine eigne Schand. Es gehöret in diesen beyden ersten Bedeutungen zu dem noch im Oberdeutschen üblichen losen, hören, von welchem es, so wie laustern, das Intensivum zu seyn scheinet, Engl. to listen, bey dem Ulphilas hlausjan, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Wend. klauszyli, im Schwed. lyda. Loset sines uuortes, er höret sein Wort, Ottfr. Losa, losa, wie die vogel singent Das in oren sanfte luot, Graf Conrad von Kirchenberg. Im Angels. bedeutet daher Hlysi, im Wallis. Clust, und in der Rothwälschen Diebessparche Leisling, das Ohr. Bey den Oberdeutschen Jägern ist verlusen so viel als verhören, d. i. genau auf etwas hören und merken, lauschen. ( S. Laut, Losung, Lesen.) In den zwey letzten Bedeutungen stammet es zunächst von dem noch bey dem Hornegk befindlichen Lauß, ein verbor- gener Ort, daher auch laußen bey ihm, so wie loschen bey dem Notker, verborgen seyn bedeutet. Luzzenter ist in Borhorns Glossen verborgen. S. 2. Lausen, Leise, Lase, Klause u. s. f. Beyde Hauptbedeutungen lassen sich indessen sehr gut mit einander vereinigen und aus einander herleiten.


Lauschgarn (W3) [Adelung]


Das Lauschgarn, des -es, plur. die -e, in der Jägerey, zarte Garne, welche man des Abends und Morgens vor die Hölzer stellet, Hasen und Füchse damit zu belauschen; das Lauschnetz, Lucknetz, von lugen, sehen, oder belugsen, berücken.


Läusebaum (W3) [Adelung]


Der Läusebaum, des -es, plur. die -bäume, ein Nahme verschiedener Bäume und Stauden, deren Theile die Läuse an Menschen und Vieh vertreiben sollen. 1) Der Elsebeere, Rhamnus frangula, L. deren Holz auch Läuseholz genannt wird, wenn es hier nicht aus Elsebeere verderbt ist, S. dieses Wort. 2) Der Heckenkirsche oder Zaunkirsche, Lonicera Xylosteum L. S. Heckenkirsche.


Läusekamm (W3) [Adelung]


Der Läusekamm, des -es, plur. die -kämme, ein Kamm mit engen Zähnen, das Ungeziefer damit von dem Kopfe zu bringen.


Läusekrankheit (W3) [Adelung]


Die Läusekrankheit, plur. inus. eine Krankheit, bey welcher durch die verdorbenen Säfte eine Menge Läuse ausgebrütet werden; Phthiriasis, Pediculatio, die Läusesucht. Sie entstehet gemeiniglich aus großer Unreinigkeit, verbindet sich aber auch zuweilen mit der fetten Krätze.


Lausen (W3) [Adelung]


1. + Lausen, verb. reg. act. in der niedrigen Sprechart, Läuse suchen und abnehmen. Narren muß man mit Kolben lausen. Ingleichen nach einer eben so niedrigen Figur, jemanden den Beutel lausen, ihm Geld abschwatzen.


Lausen (W3) [Adelung]


2. + Lausen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, zaudern, fehlerhaft langsam seyn; auch nur in den niedrigen Sprecharten, wo auch wohl ein solcher Zauderer ein Lauser genannt wird. Ingleichen figürlich, im Ausgeben zauderhaft, karg, geitzig seyn. Daher ein Lauser, ein karger Filz. Es scheinet hier von lauschen, verborgen seyn, schleichen, oder vielmehr von laß, träge, abzustammen, und den verächtlichen Nebenbegriff der ihm anklebet, bloß dem Gleichlaute mit dem vorigen Worte zu danken zu haben. S. 2. Lausig.


Lauser (W3) [Adelung]


Der Lauser, des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige.


Läusesalbe (W3) [Adelung]


Die Läusesalbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine Salbe wider die Läuse.


Läusesucht (W3) [Adelung]


Die Läusesucht, plur. inus. S. Läusekrankheit.


Lausewenzel (W3) [Adelung]


+ Der Lausewenzel, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. in den niedrigen Sprecharten, eine verächtliche Benennung des schlechtesten aus gemeinem Landtobake zubereiteten Rauchtobakes. S. Wenzel.


Lausfisch (W3) [Adelung]


Der Lausfisch, des -es, plur. die -e, S. Alose.


Lausig (W3) [Adelung]


1. + Lausig, -er, -ste, adj. et adv. Läuse habend, viele Läuse habend, in der niedrigen Sprechart. Ingleichen, nach einer niedrigen Figur, im höchsten Grade arm und verächtlich.


Lausig (W3) [Adelung]


2. + Lausig, -er, -ste, adj. et adv. auch nur in den niedrigen Sprecharten, zauderhaft, träge; ingleichen figürlich, niedrig, karg, filzig. Vermuthlich von laß, träge, faul, Nieders. läsig, lösig, Engl. lazy, Franz. lache. S. 2. Lausen.


Laustern (W3) [Adelung]


Laustern, S. Lauschen Anm.


Laut (W3) [Adelung]


Laut, -er, -este, adj. et adv. 1. Eigentlich. 1) So daß man es durch das Gehör empfinden kann; am häufigsten als ein Nebenwort. In diesem Verstande ist laut bethen, im Gegensatze des stillen Bethens, oder des Bethens im Herzen, ein Bethen, welches dem Gehöre anderer merkbar wird. Laut reden, sprechen. Du mußt lauter reden, wenn ich dich verstehen soll. Bey den Jägern geben die Hunde laut, sie geben laut aus, sind laut oder werden laut, wenn sie sich hören lassen, d. i. wenn sie anschlagen; der Jäger gibt laut, wenn er ruft, schreyet, oder in das Horn stößet; die Treiber werden laut, wenn sie schreyen; in welchen sämmtlichen Fällen der Nebenbegriff der folgenden Bedeutung eigentlich nicht vorhanden ist. In der höhern Schreibart der Neuern wird es in dieser Bedeutung auch häufig als ein Beywort gebraucht. Das ist die Sprache der lauten Verzweiflung. Bald hör' ich lautes Händeringen und jammerndes Gewimmer. Von höhrer Lust entglommen, Ruft dir das ganze Volk den lauten Beyfall zu, Weiße. 2) In engerer Bedeutung, sehr laut, so daß es sehr stark durch das Gehör empfunden wird. Laut schreyen. Laut rufen. Die Gesellschaft ward endlich laut. Mit lauter vernehmlicher Stimme reden. Die Trompete erschallet laut. Ein lautes Getümmel. 2. Figürlich. 1) Man redet nicht gerne laut davon, öffentlich, so daß es viele hören. Die Sache wird laut, bekannt. Wo es nur als ein Nebenwort gebraucht wird. 2) Ehedem bedeutete es auch berühmt, in welcher nunmehr veralteten Bedeutung es oft den Oberdeutschen Hauchlaut vor sich hatte, hlaut, so wie die Griechen von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, hören, in eben diesem Verstande - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und die Lateiner inclytus sagten.

Anm. Im Isidor hlud, bey dem Ottfried. lut, im Angels. hlud, im Nieders. lunt, im Engl. loud, aloud, im Schwed. lut. S. das folgende.


Laut (W3) [Adelung]


Der Laut, des -es, plur. die -e, dasjenige an einem Dinge, was sich dem Gehöre merkbar macht, der Schall. 1) Eigentlich, wo es den Schall in keiner andern Eigenschaft ausdruckt, als so fern es ein Etwas ist, welches durch das Gehör empfunden wird, ohne aus dessen andere Verhältnisse zu sehen. In dieser Bedeutung ist es zuweilen ein allgemeines Wort, welches Klang, Schall, Ton, Stimme u. s. f. als besondere Arten der Laute oder des Lautes unter sich begreift. Der Knall ist ein starker Laut, welcher entstehet u. s. f. Keinen Laut von sich geben, gebraucht man in dieser weitern Bedeutung auch von leblosen Dingen, wenn sie sich dem Gehöre nicht merklich machen. Ich höre einen Laut, ohne zu wissen, was es ist. In engerer Bedeutung von lebendigen Geschöpfen so wohl als musikalischen Instrumenten. Der Katharr benimmt uns oft so sehr die Sprache, daß wir keinen Laut von uns geben können. Ein Thier gibt keinen Laut von sich, wenn es sich auf keine Art durch seine Stimme hören lässet. Bey den Jägern hat da Horn einen guten Laut, wenn es einen reinen und guten Ton hat. Daher kommt es vermuthlich auch, daß man einen Buchstaben in noch engerer Bedeutung einen Laut nennet, welcher von andern ein Lauter genannt wird. Ein einfacher Laut oder Lauter, ein Doppellaut oder Doppellauter, ein Selbstlaut oder Selbstlauter u. s. f. Ein langer Laut, ein langer Selbstlaut, zum Unterschiede von einem kurzen. Da in der Sprachkunst Fälle vorkommen, wo man dem Buchstaben, als einen bloßen Schall betrachtet, von dem Buchstaben, so fern er das Bild oder Zeichen dieses Schalles ist, zu unterscheiden hat, so thut man wohl, wenn man Laut und Lauter unterscheidet, und jenes nur von dem Schalle, dieses aber allein von dem Zeichen gebraucht. Alsdann ist der Selbstlaut a der Schall, welchen man höret, der Selbstlauter a aber dessen Zeichen a. 2) Figürlich, der Inhalt einer Rede oder Schrift; doch nur noch im Oberdeutschen. Briefe Eines Lautes, Eines Inhaltes. Nach Laut des Briefes, nach dessen Inhalt. In den Kanzelleyen so wohl der Ober- als Hochdeutschen auch in Gestalt einer Partikel, welche die zweyte Endung erfordert. Laut meines Evangelii, Röm. 2, 16; nach dem Inhalte meines Evangelii, meinem Evangelia zu Folge. Laut aller Flüche des Bundes, 5 Mos. 29, 21. Laut des königlichen Befehles. Zuweilen, besonders im Oberdeutschen, auch mit der dritten Endung. Laut Briefen aus Paris. Laut ihren habenden Freyheiten.

Anm. Bey dem Ottfried Lut, bey dem Notker Luta, im Niedersächs. Luut, Lude, im Dän. Lyd, im Schwed. Lät, Ljud, im Isländ. Hliod, welches letztere aber eigentlich die Stimme bedeutet. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter losen, lusen, hören, Ulphil. hljoda, Schwed. lyda, (siehe Lauschen,) Laden, rufen, Plaudern, Lied u. s. f.


Lautbar (W3) [Adelung]


Lautbar, -er, ste, adj. et adv. welches nur in der figürlichen Bedeutung des Wortes laut üblich ist, mehrern bekannt, wovon mehrere sprechen. Dieß ist bald lautbar worden und vor den König kommen, 2 Macc. 1, 33. Herr Stosch bemerkt ganz richtig, daß lautbar einen geringern Grad des öffentlichen bekannt werdens anzeige, als ruchtbar. Indessen ist doch ersteres im Oberdeutschen am üblichsten, und möchte in der edlen Schreibart der Hochdeutschen wohl nicht leicht vorkommen. Opitz gebraucht es noch in der völlig veralteten eigentlichen Bedeutung des Wortes laut, dem Gehöre merkbar: Der Himmel soll vor Lust erklingen, Der Erden Bau aus Freuden springen, Die See und Fische lautbar seyn, Ps. 97. Laßt eure Stimme lautbar seyn, Ps. 98.

Anm. Im Nieders, im figürlichen Verstande luudbarig, luudbördig, bey dem Ottfried und andern ältern Oberdeutschen Schriftstellern lutmar, lautmer, lutbrecht; ersteres entweder aus einer nicht ungewöhnlichen Verwechselung des b und m, oder auch von Mar, Mähre, Erzählung. Im Oberdeutschen hat man davon auch das Zeitwort verlautbaren, bekannt machen, und bekannt werden.


Laute (W3) [Adelung]


Die Laute, plur. die -n. 1) Ein musikalisches Saiten-Instrument von sehr angenehmen Klange, dessen Saiten mit beyden Händen geschlagen werden. Die Laute spielen. Die Laute schlagen. Eine gute Laute spielen, gut auf der Laute spielen. Er schickt sich dazu, wie der Esel zum Lautenschlagen, sagt man in gemeinen Leben von einem Menschen, welcher zu einer Sache höchst ungeschickt ist. Was die Laute, deren Dan. 3, 5, 15, nach Luthers Übersetzung gedacht wird, für ein Instrument gewesen, wird wohl nicht leicht bestimmt werden können. Indessen war doch die Laute, obgleich noch sehr einfach, schon den Griechen und Römern bekannt. Sie hieß daselbst Tessudo, weil sie aus zusammen gefügten Schildkrötenschalen bestand. Boethius brachte sie in den spätern Zeiten wieder in Flor, und in den neuern Zeiten haben der Böhmische Graf Logi, welcher 1721 starb, und der bekannte Sylvio Leopold Weiß ihr diejenige Vollkommenheit gegeben, welche sie jetzt hat. Die Pandore oder Mandore und Zither sind unvollkommene Arten der Laute. 2) Bey den Wollfärbern, eine lange hölzerne Krücke, womit man die Farbe in der Blauküpe herauf rühret. Vielleicht wegen einiger Ähnlichkeit, oder auch als eine verderbte Aussprache für Latte.

Anm. Die Laute in der ersten Bedeutung heißt schon im mittlern Lat. Laudis und Lautus, im Engl. Lute, im Ital. Liuto, im Span. Laud, im Dän. und Schwed. Lut, im Böhm. Lautna, im mittlern Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und im Arab. mit vorgesetztem Artikel Alaud. Dem Scalinger zu Folge haben die Mohren dieses Werkzeug in Europa bekannt gemacht, welches aber wohl noch einer nähern Prüfung bedarf, da es vielmehr scheinet, daß sie dieses Instrument erst in Europa kennen gelernet. Wenigstens wird wohl niemand die Abstammung des Nahmens desselben von unserm Laut und lauten verkennen.


Lauten (W3) [Adelung]


Lauten, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1. Stimme und Laut von sich geben, sich dem Gehöre merkbar machen. 1) Eigentlich. Er ist so heiser, daß er nicht lauten kann, wofür im gemeinen Leben auch auslauten üblich ist. Dinge, die da lauten, und doch nicht leben, es sey eine Pfeife oder eine Harfe, 1 Cor. 14, 7. Zuweilen auch, Ton und Klang von sich geben. Mein Saitenspiel soll lauten für und für, O Herr, von dir, Opitz. Die ängstliche Glocke lautet, Weiße; wofür auch, obgleich nicht so richtig, läuten gebraucht wird. Das Halsband läutete mit allen seinen Schellen, Zach. Wo es aber auch das folgende Activum seyn kann. 2) Figürlich, bekannt werden; doch nur in dem zusammen gesetzten verlauten, S. dasselbe. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, mit Beyfügung der Art und Weise. 1) Eigentlich. Bey der Macht lautet alles stärker. Diese Violine lautet sehr stark, hat einen starken Klang oder Thon. Das lautet nicht als eines Menschen Stimme. Die Glocken lauten sehr traurig. Wohllautend, oder vielmehr wohl lautend, hell lautend, übel lautend. 2) Figürlich. (a) Einen verständlichen Laut haben; wo man dieses Wort gebraucht, wenn man Worte eines andern anführet oder herlieset. Die streitige Stelle lautet so. Der Brief lautet folgender Gestalt. Seine Antwort lautet sehr trotzig. (b) Den Gesetzen der Sittlichkeit, des Wohlstandes gemäß seyn, wofür auch klingen üblich ist. Dein Lob lautet nicht sein. Was gerecht, was keusch, was lieblich ist, was wohl lautet, Phil. 4, 8. Das lautet nicht wohl für einen ehrbaren Mann. Wie würde das lauten? Anm. Bey dem Notker, der es auch für frohlocken, jubiliren gebraucht, liuten, und im Imperfecto irregulär, lutto; im Angels. wo es auch schreyen bedeutet, hlydan; im Dän. lyde, im Schwed. lata, und ljuda.


Läuten (W3) [Adelung]


Läuten, verb. reg. welches das Activum des vorigen ist. 1) * In weiterer und eigentlicher Bedeutung, einen Laut oder Laute verursachen, hervor bringen. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet; indessen kommt es in derselben noch bey dem Opitz vor: Ein Thier schweigt oder schreyt, es wiehert oder kräht, Doch aber kann es nie kein Wort zusammen läuten. Man gebraucht es nur noch, 2) in engerer Bedeutung von Glocken und Schellen. Das Geläut eines Schellenschlittens. Am häufigsten aber von größern Glocken, und zwar nur von derjenigen Art, da man sie durch eine völlige Schwingung lauten macht. Die Glocken läuten. Es wird geläutet. In die Kirche läuten. Zur Kirche, zur Leiche, zur Hochzeit läuten. Zusammen läuten, mit allen Glocken zum letzten Mahle in die Kirche läuten. Feuer läuten, mit den Glocken das Zeichen eines entstandenen Feuers gebest, stürmen.

Anm. Schon bey den Schwäbischen Dichtern lüten, im Oberd. auch lauten, im Nieders. lüden, lüen. Im gemeinen Leben einiger Gegenden, z. B. Meißens, wird es irregulär abgewan- delt, Imperf. ich litt, Mittelw. gelitten; welche Abwandelung doch eigentlich dem Neutro zukommen müßte, die es ehedem im Oberdeutschen auch wirklich gehabt hat.


Lautenist (W3) [Adelung]


Der Lautenist, des -en, plur. die -en, Fämin. die Lautenistinn, eine Person, welche die Laute zu spielen oder zu schlagen verstehet, besonders, wenn sie aus dieser Geschicklichkeit ein Geschäft macht; der Lautenspieler, Lautenschläger. S. -Ist.


Lautenmacher (W3) [Adelung]


Der Lautenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Künstler, welcher Lauten verfertiget.


Lautenschläger (W3) [Adelung]


Der Lautenschläger, oder Lautenspieler, des -s, plur. ut nom. sing. S. Lautenist.


Lautensteg (W3) [Adelung]


Der Lautensteg, des -es, plur. die -e, der Steg, d. i. das kleine Bret, worauf die Saiten einer Laute unten ruhen.


Lauter (W3) [Adelung]


Lauter, -er, ste, adj. et adv. 1. Eigentlich. 1) * Glänzend, hell; eine im Hochdeutschen ungewöhnlich gewordene Bedeutung, welche aber noch im Oberdeutschen gangbar ist. Der Spiegel ist nicht lauter. Ein lauteres (helles) Glas. Der Himmel ist lauter, hell. 2) In gewöhnlicherm Verstande, unvermischt, mit keinem geringern Zusatze vermischt, als eine besondere Art dessen, was man rein zu nennen pflegt. Das Wasser ist nicht lauter. Lauteres Gold, reines, unverfälschtes. Lauteres Honig, gereinigtes. Obgleich auch diese Bedeutung im Oberdeutschen am gangbarsten ist, so kommt sie doch in der edlen und anständigen Schreibart der Hochdeutschen häufig genug vor. Lauterer Wein ist in den Rheinischen Weinländern abgezogener Wein ohne Hefen, der in Niedersachsen klinkschön genannt wird. Der lautere Stall der Pferde, wenn das Wasser, so wie es von dem Pferde getrunken worden, durch den Harn wieder abgehet; das Pferd stallet lauter, S. Lauterstall. 2. Figürlich. 1) In moralischen Verstande, wo es überhaupt so viel, als ohne geringern, schlechtern Zusatz bedeutet, aber doch in machen Fällen allerley Nebenbegriffe bekommt. Es ist die lautere Wahrheit, ohne allen Zusatz von Unwahrheit. Es ist mein lauterer Ernst, mein völliger Ernst. Eine lautere Liebe, ohne alle unrechtmäßige Nebenabsichten. Seine Absichten sind nicht lauter. Lautere Glaubenslehren, in der Dogmatik, purae, welche nur allein aus der nähern Offenbarung begreiflich und erweislich sind. Auf daß ihr seyd lauter und unanstößig, Phil. 1, 10, von Sünden und Fehlern frey. Die Rede des Herrn ist lauter, wie durchläutert Silber, Ps. 12, 7. 2) In welchem Verstande es auch als ein Intensivum gebraucht wird, anzudeuten, daß ein Subject das Prädicat, welches das folgende Hauptwort bezeichnet, ganz und völlig habe, mit Ausschließung alles andern. Und zwar zuweilen als ein Beywort, doch ohne Comparation. So wollen wir uns denn aus lauter Gehorsam würgen lassen? Ein holder Knabe, er ist die lautere Natur, Engel. Wo man es im gemeinen Leben oft noch mit dem pur verstärket. Es ist pur lauterer Betrug. Am häufigsten aber in Gestalt eines Nebenwortes, welches doch seine Stelle vor dem Hauptworte bekommt, wo es sich am häufigsten durch nichts als erklären lässet. Es ist lauter unnutzes Geschwätz. Lauter Lügen vorbringen. Es sind lauter Erdichtungen. Die Franzosen treiben im mittelländischen Meere lauter Activ-Handel. Lauter Wasser trinken. Lauter Glück haben. Es ist lauter Leben an ihm. O seht, ein großer Topf, von lauter Golde voll, Gell. Zuweilen auch durch ganz. Sie war lauter Freundlichkeit. Er ward lauter Feuer im Gesicht. Ingleichen durch all. Es waren ihrer zehen, lauter rechtschaffene Männer. Besonders im Oberdeutschen. Lauter zu deinem Besten, alles zu deinen Besten. Es ist nicht lauter Gold was gleißt.

Anm. Als ein Beywort schon im Isidor hlutro, bey dem Ottfried lutar, im Nieders. luter, im Dän. und Schwed. lutter, im Angels. hluter, im Wallis. lathr. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Licht, leuchten, glau, Glatze, gleißen, der letzten Hälfte des Wortes Antlitz, Blitz u. s. f. und bedeutet eigentlich hell.


Lauter (W3) [Adelung]


Der Lauter, der Buchstab, S. der Laut.


Läuterant (W3) [Adelung]


Der Läuterant, des -en, plur. die -en, der Läuterat, des -en, plur. die -en, S. Läutern 1. 2).


Lauterkeit (W3) [Adelung]


Die Lauterkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es lauter ist, so wohl in der eigentlichen, als figürlichen Bedeutung des Beywortes lauter. Die Lauterkeit des Goldes, des Wassers, des Weines. Am häufigsten im figürlichen Verstande. Die Lauterkeit der Liebe, einer Absicht u. s. f. Weil der Unschuld oft ein Zeuge Ihrer lauterkeit gebricht, Haged. Bey dem Kero mit einer andern Ableitungssylbe Luttri, bey dem Notker Lutteri.


Lauterlich (W3) [Adelung]


* Lauterlich, adj. et adv. welches im Hochdeutschen veraltet ist, in machen Provinzen aber für lauter, selbst als ein Nebenwort, gebraucht wird.


Läutern (W3) [Adelung]


Läutern, verb. reg. act. lauter machen. 1. Von lauter, so fern es ehedem auch hell, klar bedeutete. 1) Eigentlich; welche Bedeutung doch im Hochdeutschen selten ist. Dir grünet Berg und Thal, dir läutert sich die Luft, Opitz. Im Fortwesen werden die Hölzer und Wälder geläutert, oder gelichtet, wenn sie zu dick sind, und einige Bäume heraus gehauen werden. Bey den Hutmachern wird der Zeug geläutert, wenn er mit dem Fachbogen ganz aus einander getrieben und locker gemacht wird. 2) Figürlich, klar, deutlich, verständlich machen, wo es doch nur in dem zusammen gesetzten erläutern üblich ist. In den Rechten hat sich noch das einfache Zeitwort, obgleich in einem veränderten Verstande erhalten. Eine Partey läutert daselbst, nicht wenn sie den von dem Richter gegebenen Bescheid oder dessen gefälltes Urtheil erläutert oder erkläret, sondern wenn sie von eben demselben Richter eine Erklärung oder Milderung eines dunkel oder unbillig scheinenden Urtheils oder Bescheides verlanget. Im mittlern Lat. leuterare, daher es in der gemeinen Sprechart der Rechte auch mit der Lateinischen Endung leuteriren üblich ist, wo auch diejenige Partey, welche läutert, der Läuterant, die andere aber der Läuterat genannt wird. 2. In engerer Bedeutung, von allem geringern beygemischten Zusatze befreyen, so wohl eigentlich als figürlich. Metalle werden durch das Feuer geläutert; wo doch im Hüttenbaue andere Ausdrücke üblich sind. Geläutertes Gold. Flüssige Körper werden durch Abseihen, Filtriren u. s. f. geläutert. Den Zucker läutern, ihn zu einem Syrupe kochen und vermittelst Wassers und Eyweißes von aller Unreinigkeit befreyen. Den Branntwein läutern, ihn nochmahls abziehen. Butter läutern, durch Schmelzen. Honig läutern u. s. f. Die Kürschner läutern die Felle, wenn sie das Fett aus den Haaren mit einem heißen Körper wegschaffen, die Weißgärber die Häute, wenn sie den Kalk durch mehrmahliges Spülen und Waschen heraus schaffen. So auch die Läuterung in allen obigen Fällen.

Anm. Bey dem Notker liuteren, luoten, bey dem Willeram luiteren, in dem alten Fragmente aus Carls Feldzug bey dem Schilter gelutteren, im Nieders. luttern, im Dän. und Schwed. luttre.


Lauterstall (W3) [Adelung]


Der Lauterstall, des -es, plur. car. eine Krankheit der Pferde, da sie das getrunkene Wasser so hell und lauter als sie es getrun- ken haben, wieder ausharnen; der lautere Stall, in den niedrigern Sprecharten die kalte Pisse, die Strahlpisse, Nieders. Luttermige.


Lauwarm (W3) [Adelung]


Lauwarm, adj. et adv. lau, der Wärme nach Lauwarmes Wasser, laues. Den Wein nur lauwarm machen, lau. Das angehängte warm soll diese Bedeutung des Wortes lau von andern unterscheiden, indem es in manchen Gegenden auch für kraftlos, unschmackhaft, flau, gebraucht wird. Engl. lukewarm.


Lauwine (W3) [Adelung]


Die "Lauwine", plur. die -n, ein nur in den Schweizerischen Alpengegenden übliches Wort, eine von den Bergen herab fallende Masse Schnee zu bezeichnen. Eine Schnee- oder Berglauwine, ein Klumpen Schnee, welcher von den steilen Bergen rollt, sich im Herabfallen vergrößert, und oft ganze Häuser und Dörfer bedecket, welche auch nur schlechthin eine "Lauwine", "Lawine", und verderbt eine "Lauine", "Lähne", "Lowinn" u. s. f. genannt wird. Eine "Windlauwine", wenn sie von dem Winde los gerissen wird, oder auch schnell wie ein Wind daher fähret, und auch "Staublawine" heißt, weil sie alles mit einem Schneestaube bedeckt; zum Unterschiede von einer von einer Schlag- oder Grundlauwine, welche nicht so geschwind daher fährt, aber alles zu Boden schlägt, ja Bäume, Felsen und Berge mit aus dem Grunde reißet.

Im mittlern Lat. "Lavanchia", "Lauina", in der Dauphinee "Lavange", in andern Französis. Gegenden "Avalange", "Avalanche", in Savoyen "Lavanche". Wohl nicht, wie Stumpf und nach ihm Frisch glauben, von dem Oberdeutschen "leinen", "aufthauen", weil solche Lauwinen am häufigsten bey dem Anfange des Thauwetters zum Vorscheine kommen, sondern unstreitig von dem Lat. "labi", "fallen"; daher die Lauwinen auch an einigen Orten "Schneeschlüpfen" genannt werden. Schon Isdidor sagt: "Lavina, lapsum inferens." Und an einem andern Orte: "Labina, eo quod ambulantibus lapsum inferat dicti per derivationem a labe." Daher "Labina" im mittlern Lateine auch von einer morastigen Gegend gebraucht wurde. S. "Murre".


Lavete (W3) [Adelung]


Die Lavete, S. Laffete.


Lavetzstein (W3) [Adelung]


Der Lavetzstein, des -es, plur. die -e, eine besonders im Oberdeutschen übliche Benennung eines weichen thonartigen Steines, welcher eigentlich ein mit Glimmer vermischter Seifstein ist, und häufig zu Töpfen, Tiegeln und andern Gefäßen verarbeitet wird, daher er auch Topfstein heißt. Der Nahme ist aus dem Ital. Lavezzo, eine Pfanne, welches wieder von dem Lat. Lebes herkommt; er bedeutet also eben das, was der mehr Hochdeutsche Nahme Topfstein sagen will.


Lavor (W3) [Adelung]


Das Lavor, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Waschbecken; aus dem Franz. Lavoir, im mittlern Lat. Lavarium.


Lawine (W3) [Adelung]


Die Lawine, S. Lauwine.


Lariren (W3) [Adelung]


Lariren, verb. erg. welches im gemeinen Leben, so wie purgiren, so wohl als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, als auch als ein Activum gebraucht wird. Man lariret, wenn man einen dünnen flüssigen Stuhlgang hat. Zu lariren einnehmen, einen solchen Stuhlgang durch gelinde reizende Mittel verursachen. Ingleichen als ein Activum. Diese Arzeney hat mich lariret, wenn sie einen solchen Stuhlgang bewirket. Ein Arzt lariret einen Kranken, wenn er ihm solche Arzeneymittel verordnet. Aus dem mittlern Lat. laxare.


Larir-Milch (W3) [Adelung]


Die Larir-Milch, plur. inus. in den Apotheken, eine einer Milch ähnliche Arzeney, welche lariret, oder die Ausleerung der Gedärme befördert.


Laye (W3) [Adelung]


Der Laye, S. Laie.


Lazareth (W3) [Adelung]


Das Lazareth, des -es, plur. die -e, ein besonders Gebäude, oder auch eine Anstalt, wo Kranke, und besonders inficirte Kranke, verpfleget und wieder gesund gemacht werden; ein Krankenhaus, im Oberdeutschen Siechenhaus. In den Seestädten werden auch diejenigen Gebäude, in welchen die aus angesteckten Gegenden kommenden Schiffe die Quarantäne halten, zuweilen Lazarethe genannt. Ursprünglich bedeutete dieses Wort ein Haus, worin aussätzige Personen verpfleget wurden, weil die berühmteste Anstalt dieser Art in den mittlern Zeiten, welche vor der Stadt Jerusalem lag, dem heil. Lazarus gewidmet war; daher auch ein jeder Aussätziger in den mittlern Zeiten Lazarus genannt wurde. Nachmahls ist diese Benennung allen solchen Anstalten, wo Kranke, besonders arme Kranke verpfleget werden, gemein geworden.


Lazerolen-Birn (W3) [Adelung]


Die Lazerolen-Birn, plur. die -en, eine Art kleiner, länglicher, gelblich rother Birnen; Mispelbirn, Mehlbirn, Honigbirn, Hahnbuttenbirn.


Leben (W3) [Adelung]


Leben, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1. * Im eigentlichen Verstande, schreyen, lärmen, einen starken Schall hervor bringen. Diese Bedeutung, in welcher das Wort zugleich eine sinnliche Nachahmung des Schalles ist, ist unstreitig die erste und ursprünglichste, in welcher es zugleich mit dem Nieders. leuen, brüllen, blöcken, und unserm Löwe verwandt ist. Daß indessen auch unser Leben diese Bedeutung gehabt haben müsse, erhellet aus dem folgenden Hauptworte das Leben, welches noch in derselben üblich ist. 2. Sich bewegen, entweder als eine Figur der vorigen Bedeutung, weil jeder starke Schall eine Bewegung voraus setztet, oder auch als eine eigene Onomatopöie bewegender Dinge, wo es mit wegen dem Laute nach überein kommt. 1) Überhaupt, wo es nur noch in einigen Fällen üblich ist. Es lebt alles an ihm, sagt man von einem Menschen, an welchem alle Glieder in steter Bewegung sind. Hier ist alles lebendig, sagt man, wenn man eine Bewegung irgend wo verspüret, deren Ursache man nicht weiß. Wie er leibt und lebt, im gemeinen Leben, wie er gestaltet ist, und als wenn er sich bewegte. In den Monseeischen Glossen ist leben thun, handeln. Um dieser Bewegung willen heißt vermuthlich das Herz im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, nicht weil es der Grund des Lebens ist, denn so viel Anatomie verstanden die ersten Erfinder der Sprache wohl nicht, sondern weil dessen Bewegung auch von außen sichtbar ist. 2) * In engerm Verstande, von besondern Arten der Bewegung. So wurde leben ehedem auch für essen gebraucht. Daz heuues lebet, Notker, was Heu frißt. 3. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine eigene Bewegung haben, die Kraft der willkührlichen Bewegung besitzen, den Grund seiner eigenen Veränderungen in sich enthalten. 1) Eigentlich, wo dieses Wort dem todt oder leblos seyn entgegen gesetzet wird. Von allen Geistern und Thieren sagt man daher, daß sie leben, dagegen dieses Zeitwort von andern mit keiner willkührlichen Bewegungskraft versehenen Geschöpfen, nicht anders als höchstens figürlich gebraucht werden kann. Unser Freund lebt nicht mehr, er ist todt. Unsere Vorfahren lebten länger als wir. So lange ich lebe. Die Fische leben im Wasser, die Vögel in der Luft. Jemanden leben lassen. Er hat noch zu meiner Zeit gelebt. Die Zeit, wie lange ein Geschöpf lebet oder gelebt hat, wird durch die vierte Endung ausgedruckt. Er hat nur dreyßig Jahre gelebt. Wir leben kurze Zeit. Wenn ich zurück sehe, dann ist es als hätt ich einen langen Frühling gelebt, Geßn. Für jemand leben, sein Leben, seine Kräfte in dessen Dienste, zu dessen Besten verwenden, wofür man auch nur die dritte Endung gebraucht. Unser keiner lebt ihm (sich) selber, Röm. 14, 7. Dem Geschäfte, welches man erwählet hat, ganz leben, Gell. Nun wollen wir uns selber leben, und den niedern Stolz des Hofes nicht mehr unsers Andenkens würdigen, Kleist. 2) Figürlich. (a) Von der Art und Weise, theils wie man die Kraft willkührlicher Veränderungen anwendet, theils wie man solch erhält. aa) Von jemanden, welcher sich alle Bequemlichkeit und alles Vergnügen zu verschaffen sucht, sagt man, er lebe gut. Im Felde leben wir zwar schlechter, Allein weit ruhiger als hier, Michael der Dichter. Schlecht, elend leben. Auf einem großen Fuße leben. Eines Gnade leben, von dessen Gnade seinen Unterhalt haben. Seines Gefallens leben, nach seinem Gefallen; eine im Hochdeutschen veraltete R. A. bb) Besonders im moralischen Verstande, von der Anwendung der willkürlichen Bewegungskraft im Verhältniß gegen gewisse Vorschriften und gegen das Gesetz. Fromm, gottlos, tugendhaft leben. In den Tag hinein leben. Ausschweifend, ordentlich leben. Nach der Gesundheit leben, die Regeln der Gesundheit beobachten. Man lehrt uns erst leben, wenn das Leben schon vorbey ist, sagt Montagne. Er lebet, wie gar viel schließt dieses Wort nicht ein! Ihr Weisen saget mir, heißt leben mehr als seyn? Hag. cc) Ingleichen, in Ansehung der Gesetze des Wohlstandes, der gesellschaftlichen Artigkeit. Er weiß zu leben, sagt man von einem Menschen, welcher diese Gesetze beobachtet. (b) Sich in gewissen dauerhaften Verhältnissen befinden. In einem Amte leben. Bey Hofe leben. In der Stadt, auf dem Lande leben. Ich kann unmöglich mit ihm leben. Wir leben schon zwey Jahre in Einem Haufe. Ein Mensch, welcher niemahls in Gesellschaft gelebt hat. (c) Einem zu Willen leben, ihm zu Willen seyn, nach dessen Verlangen handeln. In einigen Fällen bedeutet es auch so viel als haben, hegen, wo es zugleich die zweyte Endung erfordert; welche Arten des Ausdruckes im Hochdeutschen veralten, der Oberdeutschen Mundart aber am geläufigsten sind. Das ich des trostes lebe, daß ich den Trost habe, Reinmar der Alte. Der Hoffnung, der Zuversicht, das Zutrauens leben, Hoffnung, Zuversicht u. s. f. haben. (c) Wirksam, geschäftig seyn, Einfluß auf den Willen haben. Christus lebt in mir, Gal. 2, 20. In dem Menschenfreunde lebt ein gütiges Verlangen, das in seiner Art gegen andere zu seyn, was Gott gegen alle ist, Gell. Anm. In der dritten Hauptbedeutung schon bey dem Ulphilas liban, im Isidor leban, bey dem Kero leben, im Nieders. leven, im Angels. libban, lysian, im Engl. to live, im Dän. leve, im Schwed. lefva. Das Activum dieses Neutrius ist wenigstens in der zweyten und zum Theil auch in der dritten Hauptbedeutung laben. S. 2. Laben.


Leben (W3) [Adelung]


Das Leben, des -s, plur. doch nur in einigen wenigen Fällen, ut nom. sing. das Hauptwort des vorigen Zeitwortes. 1. Lärm, Getöse, lärmender Zank, eine nur noch im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, übliche Bedeutung; ohne Plural. Was ist das für ein Leben? Ein Leben anfangen, verführen. Das war ein Leben! Das Holländ. Leben hat gleiche Bedeutung. 2. Bewegung; auch ohne Plural, und nur in einigen Fällen. Es ist lauter Leben an ihm, sagt man von einem Menschen, dessen Glieder in beständiger Bewegung sind. 3. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, der Zustand der willkürlichen Bewegungen, das Vermögen eigene Veränderungen hervor zu bringen, solche selbst zu bestimmen, und die Fortdauer dieses Zustandes; am häufigsten gleichfalls ohne Plural. 1) Eigentlich, der Zustand, da man das Vermögen hat, eigene Veränderungen hervor zu bringen, und dessen Fortdauer. Ein todter Körper hat kein Leben mehr. Jemanden das Leben nehmen. Ihn bey dem Leben erhalten. Noch am Leben seyn, noch leben. Er ist nicht mehr am Leben, er ist schon verstorben. Jemanden um das Leben bringen, sein Leben verkürzen, Sich selbst das Leben nehmen. Einem nach dem Leben stehen, im gemeinen Leben trachten. Das Leben lassen, aufhören zu leben, am häufigsten von einem gewaltsamen Tode. Sein Leben für einen lassen. Sein Leben beschließen, aufhören zu leben. Jemanden am Leben strafen. Es gehet ihm an das Leben, er ist in Gefahr das Leben zu verlieren. Einem etwas bey Leib und Leben verbiethen. Man wird ihm nicht an das Leben kommen, man wird keine Ursache finden, ihm das Leben nach den Gesetzen zu nehmen. Der Richter spricht einem Verbrecher das Leben ab, wenn er ihm zu Tode verurtheilet; der Arzt einem Kranken, wenn er seine Krankheit für tödlich erkennet. Jemanden das Leben schenken, es ihm lassen, da man es ihm nehmen könnte. Einem das Leben fristen, so wohl von Gott, als auch von einem Arzte. Sein Leben für jemanden wagen. Das Leben davon bringen, mit dem Leben davon kommen. Mit dem Leben bezahlen. In diesem Leben, in dem gegenwärtigen Zustande natürlicher Veränderungen. Beym Leben, oder am Leben bleiben, fortfahren zu leben. Einem das Leben sauer machen. Ich höre solche Sachen für mein Leben gern, sehr gern. Er schiebt für sein Leben gern Regel. Zeit meines Lebens thät ich das nicht, niemahls, so lange ich lebe nicht. Dergleichen Frau habe ich Zeit meines Lebens nicht gesehen, Gell. Wie fließet so traurig euch das Leben dahin! Zach. Zuweilen auch der Grund der eigenen natürlichen Veränderungen. Regt kein Leben sich mehr in dir? Sich, wie sein Leben letzt Aus dieser Wunde Quillt, Weiße. Des Leibes Leben ist im Blut, 3 Mos. 17, 11, 14. Der Plural ist nur in einigen wenigen Fällen, und auch hier am häufigsten in der höhern Schreibart üblich. Tausend Mahl will ich mein Leben für das deinige geben, und immer noch fragen, ob ich nicht noch zehn tausend Leben dir zu schenken habe, Weiße. Ich aber will in nichtigen Versuchen Nicht solcher Männer theure Leben wagen, Schleg. 2) In weiterer Bedeutung ist in der Theologie und biblischen Schreibart das neue Leben, das geistliche Leben, das Leben aus Gott u. s. f. der neue von dem Geiste Gottes gewirkte Zustand der rechtmäßigen Handlungen und Veränderungen, und der Grund desselben. Das ewige Leben, so wohl die Glückseligkeit der Gläubigen in dieser Welt, als auch der Zustand der künftigen Glückseligkeit, im Gegensatze so wohl des natürlichen Lebens, als auch des ewigen Todes. 3) Figürlich. (a) Die Art und Weise der Anwendung des Vermögens eigener natürlichen Veränderungen, im Verhältnisse mit andern; ohne Plural. Ein armseliges Leben führen, armselig leben. Das Herrenleben, Kosterleben, Stadtleben, Landleben u. s. f. Ein schändliches, ein sündliches ein frommes Leben führen. Sein Leben bessern. Wieder in sein voriges Leben verfallen. (b) Die Lebensbeschreibung, die Erzählung der Veränderungen, welche jemand in seinem Leben erfahren; mit dem Plural. Jemandes Leben beschreiben. Pauli's Leben Preußischer Helden. Die Leben der Gelehrten. (c) Dinge, welche man vorzüglich liebt, pflegt man in der vertraulichen Sprechart häufig sein Leben zu nennen; ohne Plural. Die Geschichte ist sein Leben. Diese Speise ist mein Leben. Wo es zugleich ein Ausdruck der Zärtlichkeit ist. Ich hieß ihn mein Montan! er mich mein Herz! mein Leben! Gell. (d) In den schönen Künsten hat ein Kunstwerk Leben, wenn das Bild die Handlung, welche man vorstellen will, wirklich und mit aller erforderlichen Leidenschaft zu thun scheinet. (e) Wirkung, Einfluß auf den Willen; gleichfalls ohne Plural. So legt man einem Beweisgrunde, einer Rede, einem Gedichte ein Leben bey, wenn es die Empfindungen rege macht, Einfluß auf den Willen hat. (f) Im gemeinen Leben wird der fleischige empfindliche Theil an thierischen Körpern in manchen Fällen das Leben genannt, im Gegensatze des unempfindlichem. So ist das Leben an einem Pferdefuße der fleischige Theil, welcher an den Seiten und unten von dem Hufe eingeschlossen ist, und auch der Kern genannt wird. Einen Huf bis auf das Leben auswirken. Das Leben tritt einem Pferde aus, wenn es unter der Sohle des Hufes hervor tritt. Auch an den Gewächsen heißt der gesunde Theil das Leben, im Gegensatze eines verdorreten oder abgestorbenen. Einen dürren Ast bis auf das Leben abschneiden. Nach einer noch weitern Figur pflegt man auch den innern, festen, kernigen Theil eines Steines, im Gegensatze des äußern, weichen, verwitterten Theiles, das Leben zu nennen. Auch in dieser Bedeutung ist der Plural ungewöhnlich.

Anm. Im Nieders. Leven. Die ältesten Oberdeutschen Schriftsteller gebrauchen von dem Kero an dafür beständig der Lib, Leib, dagegen der Leib bey ihnen der Lichenam heißt. Im Dänischen ist so wohl Leven als Liv üblich.


Lebendig (W3) [Adelung]


Lebendig, -er, -ste, adj. et adv. welche beyden Stufen doch nur in der dritten figürlichen Bedeutung üblich sind, Leben habend. 1. Eigentlich, den Grund seiner eigenen Veränderungen enthaltend und beweisend. Lebendige Geschöpfe, welche Leben haben, im Gegensatze der leblosen. Ein lebendiges Thier, im Gegensatze eines tobten. Das Kind kam nicht mehr lebendig auf die Welt. Das darf kein lebendiger Mensch wissen, Schleg, ein im gemeinen Leben üblicher Pleonasmus, welcher das kein verstärket. Wieder lebendig werden. Einen Todten wieder lebendig machen. Er ist lebendig todt, 2. Figürlich. 1) Aus einem lebendigen Dinge bestehend, in einem solchen Dinge gegründet. Ich habe davon ein lebendiges Beyspiel an meiner Schwester, Gell. Cajus ist ein lebendiger Beweis, daß die Tugend in dieser Welt nicht alle Mahl glücklich macht. Der lebendige Zehnte, welcher von Thieren gegeben wird; der Blutzehnte. Eine lebendige Wehre, bey den Jägern, wenn anstatt des Zeuges Menschen angestellt werden. Eine lebendige Sprache, welche noch zu unserer Zeit von einer Völkerschaft gesprochen wird, im Gegensatze einer todten oder abgestorbenen. 2) Ein lebendiger Zaun, welcher aus grünem, noch vegetalisches Leben habenden Holze bestehet, eine Hecke; im Gegensatze eines todten Zaunes. ä Lebendiges Holz, welches, wenn es abgetrieben worden, wieder von der Wurzel ausschlägt, Laubholz; im Gegensatze des todten Holzes oder Schwarzholzes. Lebendiges Wasser, eine lebendige Quelle, welche beständig fortquillet. Lebendiger Kalk, ungelöschter, im Gegensatze des gelöschten. 3) Einfluß auf den Willen habend; in welcher Bedeutung auch die zweyte und dritte Staffel gebraucht werden. Die lebendige Erkenntniß, im Gegensatze der todten. Ein lebendiges Gefühl alles dessen, was gut, löblich und rechtschaffen ist. 4) Die lebendige Kraft, in der Mechanik, diejenige Kraft, welche wirklich eine Bewegung hervor bringet; im Gegensatze der todten Kräfte, d. i. solcher Kräfte, welche einander im Gleichgewichte erhalten, folglich keine Bewegung hervor bringen.

Anm. Bey dem Willeram lebenteg, bey dem Stryker lebentik und lentig bey dem Hornegk lemtig, wo zugleich der Ton auf der ersten Sylbe liegt, auf welche Art auch Opitz unser heutiges lebendig gebraucht. Auch das Nieders. levendig hat den Ton auf der ersten Sylbe. Woher es gekommen, daß die Hochdeutschen und fast alle heutige Oberdeutschen den Ton, wider die ganze Analogie der Sprache, von der Stammsylbe weg, auf die zweyte Sylbe gelegt haben, ist schwer anzugeben. Viele gemeine Mundarten sprechen lebenig, ohne d, dagegen in unserm lebendig das noch im Nieders. übliche Lebend für Leben zum Grunde zu liegen scheinet.


Lebendigkeit (W3) [Adelung]


Die Lebendigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es lebendig ist, d. i. seine Veränderungen selbst bestimmen; ein Wort, welches wenig gebraucht wird, indem Leben dafür üblicher ist. Am häufigsten kommt es noch in der dritten figürlichen Bedeutung des vorigen Beywortes vor. Die Lebendigkeit der Erkenntniß, die Eigenschaft derselben, vermöge welcher sie auf den Willen wirket.


Lebenlang (W3) [Adelung]


Das Lebenlang, besser getheilt, Leben lang, wie Zeit lang, Tage lang, ein nur in der vierten einfachen Endung üblicher Ausdruck, welcher aber jetzt nur noch im gemeinen Leben gebraucht wird, das ganze Leben hindurch. Mit Kummer sollt du dich nähren dein Lebenlang, 1 Mos. 3, 17. All dein Lebenlang, 5 Mos. 4, 9. Gott dienen ohne Furcht unser Lebenlang, Luc. 1, 74. Mein ganzes Lebenlang, Opitz. Die sich ihr Lebenlang um keine Sprachkunst bekümmern, Gottsched. S. Lebtage.


Lebensart (W3) [Adelung]


Die Lebensart, plur. die -en, die Art und Weise zu leben. 1) In Ansehung des Gebrauches der Nahrung und der Bequemlichkeit; ohne Plural. Eine armselige Lebensart. Seine Lebensart ändern. Eine seltsame, wunderliche Lebensart führen. 2) In Ansehung der sittlichen Handlungen; auch ohne Plural. Eine ausschweifende Lebensart. Seine Lebensart ist nicht die beste. 3) In Ansehung des Erwerbes seines Unterhaltes, die bestimmte Art und Weise, wie man Unterhalt und Bequemlichkeit erwirbt. Eine Lebensart ergreifen. Seine Lebensart ändern. Es gibt mancherley Lebensarten. 4) In Ansehung des Betragens gegen andere im gesellschaftlichen Leben; ohne Plural. Eine gute Lebensart haben. Er versteht Lebensart, er hat Lebensart, sagt man von einem Menschen, welcher zu leben weiß. Sein Geschmack der durch die Künste seiner und sichrer geworden, wird es auch in der Lebensart, Gell. Jetzt sehe ich wohl, daß es ihm an Lebensart fehlt. Ein Fehler gegen die gute Lebensart.


Lebensbalsam (W3) [Adelung]


Der Lebensbalsam, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein künstlicher Balsam, welcher eine schnelle und sehr merkliche Wirkung auf die Nerven oder Lebensgeister hat, und aus wohlriechenden und stärkenden Öhlen verfertiget wird.


Lebensbaum (W3) [Adelung]


Der Lebensbaum, des -es, plur. die -bäume, ein immer grüner harziger Baum, wovon die eine Art in China die andere aber in Canada und Sibirien einheimisch ist; Thuja L. Das Holz dieses Baumes soll unter allen Holzarten der Fäulniß unter freyem Himmel am längsten widerstehen, daher auch der Baum seinen Deutschen Nahmen erhalten hat. Von andern wird er wilder Öhlbaum und Amerikanischer Cedernbaum genannt.


Lebensbeschreibung (W3) [Adelung]


Die Lebensbeschreibung, plur. die -en, die Beschreibung des Lebens einer einzelnen Person; die Lebensgeschichte, das Leben.


Lebensfaden (W3) [Adelung]


Der Lebensfaden, des -s, plur. die -fäden, eine figürliche, nur in der höhern Schreibart übliche Benennung des Lebens in Ansehung seiner Dauer. Die Gewohnheit sich das menschliche Leben als ein Gewebe vorzustellen, dessen Faden der Werkmeister abschneidet, wenn wir sterben, ist sehr alt, und findet sich lange vor der Griechischen und Römischen Mythologie bey den Morgenläudern.


Lebensflamme (W3) [Adelung]


Die Lebensflamme, plur. inus. bey einigen ältern Ärzten, ein Feuer höherer Art, welches sich in dem Herzen des Menschen befinden, und die wirkende Ursache der Verfertigung des Blutes und folglich auch der Lebenskraft seyn soll. Figürlich in der höhern Schreibart auch wohl das Leben, so fern es den Grund der eigenen Veränderungen bezeichnet.


Lebensgefahr (W3) [Adelung]


Die Lebensgefahr, plur. die -en, die Gefahr, nahe Möglichkeit, das Leben zu verlieren. In Lebensgefahr gerathen.


Lebensgeister (W3) [Adelung]


Die Lebensgeister, sing. inus. eine höchst feine flüssige Materie, welche in dem Gehirn erzeugt wird, und sich vermittelst der Nerven durch den ganzen Leib vertheilet, um ihm Empfindung und Bewegung zu ertheilen; der Nervensaft, so fern derselbe von einigen mit diesen Lebensgeistern für einerley gehalten wird.


Lebensgeschichte (W3) [Adelung]


Die Lebensgeschichte, plur. die -n, S. Lebensbeschreibung.


Lebenslang (W3) [Adelung]


Lebenslang, adv. so lange man lebt, so lange das Leben dauert. Das werde ich lebenslang nicht vergessen.


Lebensmittel (W3) [Adelung]


Das Lebensmittel, des -s, noch mehr aber im Plural, ut nom. sing. Körper, welche zum Unterhalte des natürlichen menschlichen Lebens dienen; Nahrungsmittel, im Schwabensp. Lipnar. Die Lebensmittel werden theuer, wenn Brot, Fleisch, Gemüse u. s. f. theuer werden. Einer Armee die Lebensmittel abschneiden, die Zufuhre derselben. Von den Nahrungsmitteln für Thiere ist dieses Wort nicht üblich.


Lebensordnung (W3) [Adelung]


Die Lebensordnung, plur. inus. die Ordnung in dem Gebrauche solcher Dinge, welche zur Erhaltung des natürlichen Lebens gereichen; mit einem fremden Kunstwort die Diät.


Lebenspflicht (W3) [Adelung]


Die Lebenspflicht, plur. die -en, eine Pflicht, welche man in Ansehung seines Lebens, d. i. ganzen Verhaltens zu beobachten hat.


Lebensregel (W3) [Adelung]


Die Lebensregel, plur. die -n, eien Regel oder Vorschrift, welche unser Leben, d. i. so wohl unser Verhalten in Ansehung der Erhaltung des natürlichen Lebens, als auch unser sittliches Verhalten bestimmt.


Lebenssaft (W3) [Adelung]


Der Lebenssaft, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -säfte, bey einigen, der Nervensaft, so fern er als der Grund des natürlichen Lebens betrachtet wird. S. Lebensgeister.


Lebensstrafe (W3) [Adelung]


Die Lebensstrafe, plur. die -n, die Strafe am Leben; zum Unterschiede von einer bloßen Leibesstrafe. Jemanden mit einer Lebensstrafe belegen.


Lebenswandel (W3) [Adelung]


Der Lebenswandel, des -s, plur. inus. das ganze so wohl natürliche als moralische Verhalten eines Menschen, welches auch nur schlechthin der Wandel genannt wird.


Lebenswasser (W3) [Adelung]


Das Lebenswasser, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein Nahme, welchen man den verschiedenen Arten abgezogenen Branntweines beyzulegen pfleget, weil sie die Lebensgeister ermuntern oder stärken sollen; nach dem Latein. Aqua vitae, Aquavit.


Leber (W3) [Adelung]


Die Leber, plur. die -n, Diminut. das Leberchen, Oberd. Leberlein. Es scheinet ehedem, 1) * Überhaupt, einen jeden erhabenen, oder seinen Theilen nach fest verbundenen Körper bezeichnet zu haben; im Gegensatze, so wohl eines niedrigen, als auch eines weichern. Hornegk, und einige andere alte Oberdeutsche Schriftsteller nennen eine Anhöhe, einen erhöheten Ort, mehrmahls eine Leber, welche Bedeutung in einigen Oberdeutschen Gegenden noch jetzt gangbar ist. König Mela in Ungarn belaib (blieb) enhalb der March und trat an ain Leber, und wolt davon den Feinden des Streites zusehen, Hagen in seiner Österreich. Chronik bey dem Frisch, der dieses Wort aber nicht zu erklären weiß. Im Österreichischen werden die Flur- und Gräuzsteine noch jetzt Lebern und Lebersteine genannt. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, in den thierischen Körpern, ein drüsiger großer Theil in dem Unterleibe, gleich unter dem Zwerchfelle, welcher oben und von vorn erhaben ist, die Galle von dem Geblüre absondert, und wegen seiner festern Beschaffenheit oder erhabenern Gestalt, im Gegensatze der weichern und flachern Lunge, den Nahmen der Leber bekommen zu haben scheinet. Deutsch von der Leber weg sprechen, freymüthig, offenherzig reden. Es läuft ihm eine Laus über die Leber. ( S. Laus.) Die Gänseleber, Hechtsleber, Kalbsleber, Kindsleber, u. s. f. In der Chymie pflegt man, vermuthlich wegen der Ähnlichkeit in der braunen Farbe, eine Bereinigung des weißen Arseniks mit dem flüssigen feuerbeständigen vegetabilischen Alkali eine Arsenik-Leber zu nennen. Anm. In der zweyten engern Bedeutung im Oberd. Läber, im Nieders. Lewer, im Dän. Lever, im Angels. Lyfer, im Engl. Liver, im Schwed. Lefver, im Isländ. Lifur. Schon Wachter sahe es ein, daß dieses Wort mit liefern, geliefern Eines Geschlechtes sey, doch nur so fern dasselbe in der weitesten Bedeutung erhaben, fest werden, bezeichnet; ob ihm gleich die erste allgemeine Bedeutung des Wortes Leber, welche diese Verwandtschaft außer allen Streit setzet, unbekannt war. ( S. Lab und Kleben) welche gleichfalls zu dessen Geschlechtsverwandten gehören. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - scheinet auf ähnliche Art mit Hause verwandt zu seyn.


Leberader (W3) [Adelung]


Die Leberader, plur. die -n, in der Anatomie, der untere größere Ast der Achselader, welcher sich wiederum in die zwey Brustadern theilet. Bey den Thieren, wo sie innerhalb des Schenkels liegt, wird sie auch die Viertelader genannt.


Leber-Aloe (W3) [Adelung]


Die Leber-Aloe, plur. inus. ein Nahme des Gummi Aloe, wenn es von gelblicher Farbe ist, und der Farbe der Leber nahe kommt. S. Aloe 6.


Leberbalsam (W3) [Adelung]


Der Leberbalsam, des -es, plur. inus. eine Art des Achillenkrautes, welche in Languedok und Toscana einheimisch ist; Achillea Ageratum L. Costen-Balsam, Cunigunden-Kraut. Kraut und Samen haben einen aromatischen Geruch und Geschmack, und werden wider die Verstopfung der Leber gerühmt.


Leberblume (W3) [Adelung]


Die Leberblume, plur. die -n, oder das Leberblümchen, Oberd. Leberblümlein, plur. ut nom. sing. eine Pflanze, welche an den feuchten Orten Europens wächset, und im gemeinen Leben wider allerley Zufälle der Leber gebraucht wird; Parnessia palustris L Einblatt, weißes Leberkraut.


Leberbrand (W3) [Adelung]


Der Leberbrand, des -es, plur. inus. eine Krankheit so wohl der Schafe als des Rindviehes, welche die innern Theile, besonders aber Lunge und Leber angreift; der weiße Brand, zum Unterschiede von dem äußern oder schwarzen. Bey dem Rindviehe wird dieser innere Brand gemeiniglich der Herzbrand genannt; derjenige Brand aber, welchen man daselbst mit dem Nahmen des Leberbrandes belegt, ist eigentlich eine Entzündung der Säfte zwischen Fell und Fleisch.


Leberbraun (W3) [Adelung]


Leberbraun, adj. et adv. der lichten, braunen, ein wenig in das Graue fallenden Farbe der Leber gleich; leberfarben, leberfarbig. Im Oberdeutschen ist der Leberbraune eine Art süßer Weintrauben von leberbrauner Farbe, welche auch Kuhländer, in Sachen aber der Kleinbraune genannt wird.


Lebererz (W3) [Adelung]


Das Lebererz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, im Bergbaue, 1) ein bräunliches, leberfarbenes Federerz, ( S. Federerz.) 2) Ein leberfarbenes, zuweilen gelbliches Kupfererz, welches sehr reichhaltig ist, und oft gewachsenes Kupfer enthält. In einigen Kupfergruben wird auch ein röthlicher Eisenstein Lebererz oder Leberschlag genannt. 3) Ein leberfarbenes Quecksilbererz zu Idria, welches auf 80 Pfund Quecksilber im Zentner hält.


Leberfarbe (W3) [Adelung]


Die Leberfarbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine lichtbraune Farbe, welche der gewöhnlichen Farbe der Leber gleicht, ( S. Leberbraun.) Daher die Bey- und Nebenwörter leberfarben und leberfarbig, die Farbe habend, leberbraun.


Leberflecken (W3) [Adelung]


Der Leberflecken, des -s, plur. ut nom. sing. ein leberfarbener oder leberbrauner Flecken. Besonders pflegt man breite Flecken dieser Art, welche zuweilen auf der äußern Haut so wohl im Gesichte, als auf der Brust, den Armen und den Händen zum Vorscheine kommen, und ehedem einer Erhitzung der Leber zugeschrieben wurden, Leberflecken zu nennen.


Leberfluß (W3) [Adelung]


Der Leberfluß, des -sses, plur. doch nur von mehrern Arten, die -flüsse, eine aus der Verstopfung der Leber herrührende Art des Bauchflusses, wo Blut mit andern Unreinigkeiten von verschiedener Farbe abgehet, womit aber doch kein Stuhlzwang, wie in der Ruhr, verbunden ist.


Leberfuchs (W3) [Adelung]


Der Leberfuchs, des -es, plur. die -füchse, ein Fuchs, d. i. röthliches Pferd, dessen Haare in die Leberfarbe fallen.


Lebergang (W3) [Adelung]


Der Lebergang, des -es, plur. die -gänge, in der Anatomie, ein jeder Gang oder Canal, welcher nach und von der Leber führet. In engerer Bedeutung ist es ein Gallengang, welcher die Galle aus der Leber in den Zwölffingerdarm führet, zum Unterschiede von dem Blasengange und gemeinen Gange; Ductus hepaticus.


Leberkies (W3) [Adelung]


Der Leberkies, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, im Bergbaue einiger Gegenden, ein bräunlicher, leberfarbener Kupferkies.


Leberklee (W3) [Adelung]


Der Leberklee, des -s, plur. inus. eine Art des gemeinen Klees, welche ein zaseriges Wintergewächs ist, und den Nahmen vermuthlich wegen der leberbraunen Blumen hat.


Leberklette (W3) [Adelung]


Die Leberklette, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme der Agrimone, wegen ihrer guten Wirkung in den Verstopfungen der Leber. S. Agrimone.


Leberkrankheit (W3) [Adelung]


Die Leberkrankheit, plur. die -en, eine jede Krankheit, d. i. unnatürlicher Zustand, der Leber in den thierischen Körpern; Morbus hepaticus. In engerer Bedeutung führet die Entzündung der Leber, Hepatitis, diesen Nahmen.


Leberkraut (W3) [Adelung]


Das Leberkraut, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -kräuter, ein Nahme verschiedener Pflanzen, welche in Leberkrankheiten, besonders aber in Verstopfung derselben, von vorzüglicher Wirkung seyn sollen. 1) Der Agrimone, Agrimonia L. ( S. Leberklette.) 2) Des Einblattes, Parnassia palustris L. ( S. Leberblume.) 3) Einer Art der Anemone, deren Blume mit drey Blättern versehen ist, welche das Ansehen eines Kelches haben; Anemone Hepatica oder Hepatica officinarum L. Edles Leberkraut, Güldenklee. 4) Des Waldmeisters, Marchantia polymorpha L. welches eine Art Mooses ist, und auch Lebermoos und Steinleberkraut genannt wird, weil er sich häufig an die Steine anhänget. Und vielleicht noch andere Arten mehr.


Lebermittel (W3) [Adelung]


Das Lebermittel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arzeneymittel wider Krankheiten der Leber.


Lebermoos (W3) [Adelung]


Das Lebermoos, des -es, plur. inus. S. Leberkraut 4.


Lebern (W3) [Adelung]


Lebern, verb. erg. act. et reciproc. welches im gemeinen Leben einiger Gegenden für laben und liefern oder geliefern üblich ist. Sich lebern, gerinnen. Geleberte Milch, gelabte, oder geronnene. S. Lab, Leber 1. und Geliefern.


Leberraute (W3) [Adelung]


Die Leberraute, plur. inus. eine Art des Farrenkrautes, welchem man vermuthlich ehedem auch besondere Wirkungen in Leberkrankheiten zutrauete; Osmunda lunaria, Mondraute.


Leberreim (W3) [Adelung]


Der Leberreim, des -es, plur. die -e, eine unwitzige Art der Scherzgedichte, welche ehedem bey feyerlichen Mahlzeiten sehr üblich waren, und welche ehedem bey Gelegenheit der Hechtleber auf die jedesmahligen Umstände gemacht wurden.


Leberschlag (W3) [Adelung]


Der Leberschlag, des -es, plur. inus. S. Lebererz.


Leberstein (W3) [Adelung]


Der Leberstein, des -es, plur. die -e, in der Mineralogie, ein mit einem brennbaren Wesen und der Vitriolsäure vermischter Kalkstein, welcher wie Schwefelleber riecht.


Leberthran (W3) [Adelung]


Der Leberthran, des -es, plur. inus. Thran, welcher aus den Lebern gewisser großen Seethiere bereitet, und weil er aus Bergen in Norwegen zu uns kommt, auch Berger Thran genannt wird; zum Unterschiede von dem Speckthrane und Kobbenthrane.


Leberwurm (W3) [Adelung]


Der Leberwurm, des -es, plur. die -würmer, eine Art langer und flacher Würmer, welche am Ende und Bauche eine Öffnung haben, und sich in den Eingeweiden, besonders aber in der Leber der Thiere aufhalten; Fascicola lumbricus latus.


Leberwurst (W3) [Adelung]


Die Leberwurst, plur. die -würste, eine Art Würste von gehackter Leber.


Lebetage (W3) [Adelung]


Lebetage, S. Lebtage.


Lebhaft (W3) [Adelung]


Lebhaft, -er, -este, adj. et adv. 1. * Leben habend; eine veraltete Bedeutung, in welcher libhaft noch bey dem Ottfried vorkommt, wofür jetzt lebendig üblich ist. 2. * So wie man lebt, einem lebendigen Geschöpfe völlig ähnlich; ein gleichfalls ungewöhnlicher Gebrauch, nach welchem man noch in einigen Gegenden sagt, jemanden ganz lebhaft abbilden, d. i. so wie er lebt. Im gemeinen Leben ist dafür in einigen Fällen noch leibhaftig üblich. 3. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, einen vorzüglichen Grad der Bewegung und des Lebens habend. 1) In mehr eigentlichem Verstande. Ein lebhafter junger Mensch, welcher immer in Bewegung ist. Der Mann ist sehr lebhaft. Lebhafte Augen. Es ist in der Stadt sehr lebhaft, wenn die Einwohner außer ihren Häusern viele Geschäfte haben. Der Handel wird sehr lebhaft getrieben. Ein lebhafter Handel. 2) Figürlich. (a) Von Leidenschaften und Empfindungen gebraucht, bezeichnet es einen merklichen Grad ihrer Stärke. Eine lebhafte Freude. (b) Ein lebhafter Verstand, welcher eine Sache schnell und deutlich begreift. (c) Eine anschauernde Erkenntniß habend und darin gegründet. Ein lebhafter Gedanke. Eine lebhafte Schreibart. (d) Die lebhafte Gesichtsfarbe, die hohe Farbe, welche ein gesunder Mensch in seinen besten Jahren zu haben pflegt. In noch weiterer Bedeutung ist eine lebhafte Farbe, eine jede Farbe, welche einen vorzüglichen Grad der Höhe und des Glanzes hat.

Anm. In allen diesen Fällen ist lebhaft dem todt entgegen gesetzet, weil es, wie aus der ersten Bedeutung erhellet, eigentlich lebendig bezeichnete.


Lebhaftigkeit (W3) [Adelung]


Die Lebhaftigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es lebhaft ist, in allen Bedeutungen des vorigen Wortes.


Lebhonig (W3) [Adelung]


Das Lebhonig, des -es, plur. inus. in der Bienenzucht, das grobe gezeidelte Honig oder Jungfernhonig, welches nicht mehr von sich selbst aus den Scheiben läuft, sondern vermittelst eines Sackes ausgepresset wird; zum Unterschiede von dem eigentlichen geseimten Honige, welches von sich selbst auströpfelt. Siehe das folgende.


Lebkuchen (W3) [Adelung]


Der Lebkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. eine vorzüglich im Oberdeutschen übliche Benennung einer Art Kuchen, welche aus Mehl, Honig, Mandeln, und allerley Gewürzen verfertiget, und im Hochdeutschen am häufigsten Pfefferkuchen, im gemeinen Leben aber auch Honigkuchen genannt werden. Sie scheinen den Nahmen von dem Lebhonige zu haben, aus welchem sie gemeiniglich verfertiget werden. Lebhonig aber kann dickeres, festeres, gröberes Honig bedeuten, von laben, dick, fest machen, und Leber, ein fest verbundener Körper, ( S. diese Wörter, ingleichen Leid.) Indessen finden sich auch Spuren, daß leb auch süß bedeutet habe. Im Osnabrückischen ist lebbe noch jetzt sehr süß. Frisch leitet es von laben ab, so fern es resicere bedeutet; allein alsdann käme dieses Wort allen Arten von Kuchen zu. In der Rothwälschen Diebessprache ist Leben noch jetzt das Brot. Ein Bäcker, welcher vorzüglich solche Lebkuchen bäckt, heißt im Oberdeutschen ein Lebküchner, und Lebküchler.


Leblos (W3) [Adelung]


Leblos, -er, -este, adj. et adv. kein Leben, d. i. keine eigene Bewegungskraft habend; im Gegensatze des lebendig. Leblose Geschöpfe. Ein lebloses Bild, Weish. 15, 5. Leblose Götzen, Kap. 14, 29. Da liegt sein lebloser Körper, von einem Verstorbenen.


Leblosigkeit (W3) [Adelung]


Die Leblosigkeit, plur. inus. der Zustand eines Dinges, da es leblos ist.


Lebtage (W3) [Adelung]


+ Die Lebtage, ein nur im gemeinen Leben in der vierten Endung des Plurals, und zwar nur mit den posessiven Fürwörtern mein, dein, sein u. s. f. übliches Wort, für Lebenstage, Lebenszeit. Daß du den Herrn - fürchtest -du und deine Kinder - alle eure Lebetage, (Lebtage) 5 Mos. 6, 2. Auf daß es uns wohl gehe alle unser Lebtage, v. 24. Ich werde mich scheuen alle mein Lebtage, Es. 38, 15. Großer weder ichs alle mein Lebtag ye mer hab gesehen, Theuerd. Ich habe ihn mein Lebtage nicht gesehen, in meinem Leben nicht. Wo das Fürwort gemeiniglich um sein letztes e gebracht wird.


Lebzeiten (W3) [Adelung]


Die Lebzeiten, sing. inus. auch nur in der Sprache des täglichen Umganges in den R. A. bey meinen Lebzeiten, so lange ich lebe, bey seinen Lebzeiten, als er noch lebte u. s. f.


Lech (W3) [Adelung]


Das Lech, im Hüttenbaue, S. Leg.


Lechel (W3) [Adelung]


Das Lechel, S. Lägel.


Lechzen (W3) [Adelung]


Lechzen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. Es bedeutet, 1) vor großer Dürre oder Trockenheit Risse, Spalten bekommen. Darum, daß die Erde lechzet, weil es nicht regnet, Jer. 14, 4. Besonders wird es von hölzernen Gefäßen gebraucht, wenn sie trocken werden, so daß sich die Fugen von einander geben, und der darin befindliche flüssige Körper heraus rinnet. In beyden Fällen ist es nur im Oberdeutschen und zuweilen auch in der höhern Schreibart der Hochdeutschen üblich, welche dafür gemeiniglich rinnen, im gemeinen Leben alber lecken gebrauchen. Im Oberdeutschen sagt man auch verlechzen und zerlechzen in eben diesem Verstande. 2) In engerer Bedeutung, durch Öffnung des Mundes und öftere Ausstoßung des Athems eine große Dürre des Mundes und den höchsten Grad des Durstes zu erkennen geben, sehr dursten, und figürlich, den höchsten Grad der Begierde nach etwas empfinden. Wie ein Wild, wenn es vor großer Brunst lechzet und läuft, Jer. 2, 24. Wie ein Fußgänger, der durstig ist, lechzet sie, Sir. 26, 15. Vor Durst, vor Begierde lechzen. Ein lechzendes Verlangen.

Anm. Die Endsylbe zen zeigt an, daß dieses Zeitwort ein Intensivum ist. Das einfache lechen kommt noch zuweilen im Oberdeutschen vor, und ist mit 1. 2, Lache, dem Oberdeutschen Klack ( S. dasselbe,) unserm leck und ecken, Loch u. s. f. verwandt.


Leck (W3) [Adelung]


Leck, adj. et adv. welches mit dem vorigen Worte Eines Geschlechtes ist, und nur im gemeinen Leben, besonders der Niedersachsen, von hölzernen zusammen gesetzten Gefäßen gebraucht wird, wenn sich vor Trockenheit die Fugen aus einander geben, und folglich den flüssigen Körper ein- oder ausrinnen lassen, lechzend, rinnend. Der Eimer wird leck. Ein leckes Faß. Das Schiff wird leck, wenn das Wasser durch die Fugen einbringt. Sein leckes Schiff, Schleg. Im Niedersächsischen wird dafür auch spack gebraucht.

Anm. Im Oberd. lech, im Holländ. gleichfalls leck, im Engl. leak, im Schwed. läck, im Angels. hlaeck, im Isländ. lek. S. das folgende.


Leck (W3) [Adelung]


Der Leck, des -es, plur. die -e, am häufigsten in Niedersachsen, besonders in der Schiffahrt, ein Riß, eine Spalte in einem hölzernen Gefäße, durch welche das Wasser hinein dringet. Das Schiff hat einen Leck bekommen. Holländ. Leck und Lecke, Engl. Leak, Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . S. Lechzen.


Leckasie (W3) [Adelung]


Die Leckasie, plur. inus. in der Seehandlung und Schiffahrt, der Verlust, welchen man an flüssigen Waaren durch das Auslecken leidet. Franz. Leccage. S. 2. Lecken


Lecke (W3) [Adelung]


Die Lecke, plur. die -n. 1) In einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, wie das vorige Leck. 2) Von dem Zeitworte lecken, lambere, ist in der Landwirthschaft die Lecke oder Salzlecke, der Trog, ja ein jeder Ort, wo man dem Rind- und Schafviehe Salz zu lecken gibt.


Lecken (W3) [Adelung]


1. Lecken, springen, S. Läcken.


Lecken (W3) [Adelung]


2. Lecken, verb. reg. neutr. welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1) Mit dem Hülfsworte seyn, tropfenweise aus einem Gefäße fließen, von flüssigen Körpern, besonders wenn sie durch einen Leck, einen Spalt, dringen. Aller Wein ist aus dem Fasse geleckt. Auf welche Art es doch nur selten vorkommt. 2) Am häufigsten mit dem Hülfsworte haben, im gemeinen Leben, von Gefäßen, den flüssigen Körper durch einen Leck ein- oder ausrinnen lassen; rinnen, bey den Böttchern drahnen, d. i. thränen. Das Faß leckt. Das Schiff hat geleckt. Figürlich sagt man auch wohl leckende Augen haben, für triefende, rinnende. Die Lichter lecken, wenn sie den geschmolzenen Talg an dem Lichte herab rinnen lassen, welches auch laufen und rinnen genannt wird.

Anm. Im Oberdeutschen lechen, im Schwed. läcka, im Isländ. lecka, ohne Zweifel von Leck, eine Spalte, Ritze, ( S. auch Lechzen) oder auch, besonders in der ersten Bedeutung, von Lache, Lauge, so daß der Begriff der Flüssigkeit der herrschende ist. Im Braunschweigischen ist es auch in thätiger Gestalt für sprengen üblich. Da kommt der Amtmann, heißt es daselbst zuweilen, den muß man lecken, d. i. Wasser sprengen, damit sich der Staub setze; über welchen Ausdruck ein Hochdeutscher freylich allerley Glossen macht.


Lecken (W3) [Adelung]


3. Lecken, verb. reg. act. mit der Zunge an etwas hin und her fahren. Der Hund leckt sich die Wunde. An etwas lecken. Besonders um auf solche Art etwas in sich zu ziehen. Der Hund leckt das Wasser. Die Hunde sollen dein Blur lecken, 1 Kön. 21, 19. Den Staub lecken, Ps. 72, 9. Die Teller lecken, für ablecken. Die Finger nach etwas lecken, in der niederigen Sprechart, es mit dem lebhaftesten Vergnügen genießen. In den niedrigen Sprecharten und im verächtlichen Verstande wird es auch für oft und viel küssen gebraucht. Bey den Mahlern heißt ein Gemählde geleckt, wenn die Farben auf eine gezwungene, ängstliche Art vertrieben und verschmolzen sind.

Anm. Bey dem Ulphilas laiguan, bey dem Ottfried und Notker lechon, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Nieders. licken, im Engl. to lick, im Angels. liccan, im Ital. leccare, im Franz. licher, im Lettischen lakti, schon im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und im Lateinisches mit dem eingeschobenen Nasenlaute lingere, so wie lambere auf ähnliche Art mit dem Nieders. labben, schlabben überein kommt. Ohne Zweifel als eine Nachahmung des durch Einleckung des Wassers verursachten Schalles, welches in den niedrigen Sprecharten auch mit dem vorgesetzten Zischlaute schlecken genannt wird.


Leckerbissen (W3) [Adelung]


Der Leckerbissen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Leckerbißchen, Oberd. Leckerbißlein, ein leckerer oder leckerhafter Bissen, und im weiterer Bedeutung, eine jede schmackhafte Speise.


Leckerey (W3) [Adelung]


Die Leckerey, plur. die -en. 1) Eine leckerhafte Speise, ein Leckerbissen. Doch auch Wasser und Brot schmeckten mir bester, als seine Leckereyen, Weiße. 2) Figürlich auch das ungeordnete Bestreben sich sinnliche Vergnügungen zu verschaffen; daher es im Oberdeutschen theils für körperliche Wollust, theils aber auch für nichtswürdiges Betragen vorkommt. S. 1. 2. der Lecker.


Leckerhaft (W3) [Adelung]


Leckerhaft, -er, -este, adj. et adv. welches für lecker, in beyden Bedeutungen, an meisten aber in der ersten gebraucht wird. Leckerhafte Speisen.


Leckerhaftigkeit (W3) [Adelung]


Das Leckerhaftigkeit, plur. inus. die untergeordnete Neigung zu leckeren Speisen und Gegenständen, in der ersten Bedeutung dieses Wortes.


Leckermaul (W3) [Adelung]


Das Leckermaul, des -es, plur. die -mäuler, Diminut. das Leckermäulchen, im gemeinen Leben, eine leckere, leckerhafte Person; Nieders. Leckertäne.


Leckwein (W3) [Adelung]


Der Leckwein, des -es, plur. inus. außer von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e. 1) In einigen Gegenden, besonders Ungarns, Wein, welcher aus den reifsten und besten Beeren von selbst heraus lecket oder tröpfelt, und welcher auch Tropfwein, am häufigsten aber Ausbruch genannt wird. 2) Wein, welcher aus dem Hahne eines Fasses oder neben dem Zapfen heraus lecket; Traufwein, Tropfwein.


Leckwerk (W3) [Adelung]


Das Leckwerk, des -es, plur. die -e, in den Salzsiedereyen, eine Anstalt, wo die Sohle von oben aus den Rinnen tropfenweise in die Kasten fallen muß, ( S. Gradierwerk.) Von lecken, tropfenweise heraus rinnen.


Lection (W3) [Adelung]


Die Lection, plur. die -en, aus dem Lat. Lectio, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Stück eines Buches oder Kapitels aus der Bibel, welches in der Kirche vorgelesen wird. Dergleichen Lectionen die Evangelien und Episteln sind. Daher einem die Lection lesen, im gemeinen Leben, ihm einen derben Verweis geben; im Oberdeutschen Lezge. In den niedern Schulen auch dasjenige, was den Kindern zu lesen, zu lernen, oder zu schreiben aufgegeben wird. Nieders. Lekse. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird auch ein Hörsaal, ein Auditorium, eine Lezge genannt.


Leder (W3) [Adelung]


Das Leder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. die zubereitete oder gegärbte Haut der Thiere. Kalbsleder, Ochsenleder, Kindsleder, Schafleder u. s. f. Leder bereiten. Auch aus Leder bereitete Dinge werden zuweilen nur das Leder schlechthin genannt. So wird den Pferden ein Leder gelegt, wenn man ihnen einen ledernen Riemen durch die Haut ziehet, ( S. Haarseil) So auch in Handleder, Oberleder u. s. f. In der R. A. von Leder ziehen, d. i. den Degen ziehen, scheint es die lederne Scheide oder auch das lederne Degengehenk zu bezeichnen. Indessen bedeutet diese R. A. im Niedersächsischen auch so viel, als sich auskleiden. Herr steet ab drat Zu füssen von eurem pferdt, Gewindt von leder ewr gut schwert, Theuerd. Kap. 38. Sprichw. Aus andrer Leute Leder ist gut Kiemen schneiden, d. i. aus andrer Leute Kosten ist gut freygebig seyn. Von dem Unterschiede zwischen Haut, Fell und Leder, ( S. Fell.) In den niedrigen Sprecharten und im verächtlichen Verstande bezeichnet es zuweilen auch die Haut. Einem über das Leder kommen, oder ihm das Leder gärben, ihn derb ausprügeln.

Anm. Schon im Schwabenspiegel Leder, im Nieders. Leder, Leer, Lier, bey dem Ulphilas Alethr, im Wallis. Lledr, im Angels. Lether, im Engl. Leather, im Schwed. Läder. Ohne Zweifel ist der Begriff der Bedeckung der herrschende in diesem Worte, so daß es ein Geschlechtsverwandter von Kleid, Laden, Lied, ein Deckel u. s. f. ist.


Lederband (W3) [Adelung]


Der Lederband, des -es, plur. die -bände, der aus Leder verfertigte Band eines Buches; zum Unterschiede von einem Hornbande, Pergamentbande u. s. f.


Lederbereiter (W3) [Adelung]


Der Lederbereiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher aus Häuten Leder bereitet; ein Gärber, Lederer, im Nieders. Ledertauer, von tauen, gärben, bereiten, Engl. to taw, Angels. tawian.


Lederdrucker (W3) [Adelung]


Der Lederdrucker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher vermittelst der Presse allerley Figuren auf das Leder druckt.


Lederhandel (W3) [Adelung]


Der Lederhandel, des -s, plur. inus. der Handel mit unverarbeitetem Leder. Daher der Lederhändler.


Lederhart (W3) [Adelung]


Lederhart, adj. et adv. so hart wie Leder.


Lederharz (W3) [Adelung]


Das Lederharz, S. Federharz.


Lederholz (W3) [Adelung]


Das Lederholz, des -es, plur. inus. ein Virginisches Staudengewächs, dessen Rinde so zähe als Leder ist, und daher auch zu allerley Haus geräthen verarbeitet wird; Dirca L. Mäuseholz.


Lederkalk (W3) [Adelung]


Der Lederkalk, des -es, plur. inus. S. Bitterkalk.


Lederleim (W3) [Adelung]


Der Lederleim, des -es, plur. inus. ein schwacher aus Lederschnitzchen gekochter Leim.


Ledern (W3) [Adelung]


Ledern, adj. et adv. von Leder, aus Leder bereitet. Lederne Handschuhe. Ein lederner Gürtel. Im Schwabenspiegel liderinn.


Ledern (W3) [Adelung]


Ledern, verb. reg. act. 1) Mit Leder versehen, in einigen Fällen des gemeinen Lebens. Eine Pumpe ledern, oder ausledern. 2) Nachdrücklich prügeln, in den niedrigen Sprecharten, vermuthlich nach der R. A. jemanden das Leder gärben.


Ledertauer (W3) [Adelung]


Der Ledertauer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Lederbereiter.


Lederwerk (W3) [Adelung]


Das Lederwerk, des -es, plur. inus. mehrere aus Leder bereitete Dinge.


Lederwurm (W3) [Adelung]


Der Lederwurm, des -es, plur. inus. eine Krankheit des Rindviehes, wo es den Wurm, d. i. gewisse Arten von Beulen, unter der Haut oder in den weichen Theilen bekommt; zum Unterschiede von dem Knochenwurm, wenn sich diese Beulen an die Knochen setzen.


Ledig (W3) [Adelung]


Ledig, adj. et adv. welches seiner Natur nach, die erste Bedeutung ausgenommen, nicht leicht eine Comparation verstattet. 1. Bey den Jägern bedeutet es so viel als schlaff. Das Hängeseil wird daselbst ledig, wenn es schlaff wird, zu lang herunter hänget. In dieser Bedeutung scheinet es zu los zu gehören, indem das s und d oder t in den Mundarten häufig in einander übergehen. ( S. auch Liederlich und Schlottern,) welches letztere vorn nur den groben Zischlaut und hinten das ern, das Zeichen der Frequentativen, angenommen hat. 2. Leeren, unausgefüllten Raum habend. 1) Eigentlich. (a) Von Gefäßen oder hohlen Räumen; wo es doch nur noch in einigen Fällen, besonders des gemeinen Lebens üblich ist, dagegen man in der anständigern Sprechart lieber leer gebraucht. Das Haus steht schon lange ledig, besser leer. Es ist nur noch ein Zimmer im Hause ledig. Ledige Krüge, Richt. 7, 16. Das Glas ist ledig, besser leer. (b) Noch häufiger, unbesetzt, mit keinen andern Körpern besetzt, belegt oder beladen; obgleich auch in diesem Verstande in der edlen Schreibart leer fast üblicher ist. Der Wagen gehet ledig (unbeladen) wieder zurück. Ein lediger Wagen. Ein lediges Schiff. Einen Wagen ledig machen. Das Pferd geht ledig, wenn es nicht beladen ist, oder keinen Reiter auf sich hat. Ein lediger Tisch, der mit nichts besetzt ist. Der Stuhl steht ledig, wenn niemand darauf sitzt. Daher im figürlichen Verstande, der päpstliche Stuhl, der Thron steht ledig, (siehe Erledigen.) Im Feldbaue Meißens ist die Ledige ein unbebautes Stück Ackers. Viele Ledigen geben bey Bauergütern eine schlechte Aussicht. In andern Gegenden werden sie Lehden genannt, ( S. dieses Wort.) 2) Figürlich. (a) Unvermischt; doch nur im Bergbaue, wo ein lediger Stein, ein fast reiner Erzstein ist, so wie er in den Seifen gefunden wird. (b) Des Besitzers, des Eigenthümers, des Oberherren beraubt. Ein Amt, eine Bedienung steht ledig, wenn sie mit niemanden besetzt sind. Das Lehen wird ledig, wenn der Besitzer stirbt, oder dessen auf andere Art verlustig wird, welches man auch mit offen werden ausdruckt. (c) Unverheirathet; eine mit der vorigen genau verwandte Bedeutung. Eine ledige Manns- oder Weibesperson. Der ledige Stand. Er, sie ist noch ledig. Im Schwabenspiegel kommt in dieser Bedeutung ledeclich als ein Nebenwort vor. (d) Müßig; eine doch nur im Niedersächsischen übliche Bedeutung, wo ledig gehen müßig gehen, der Lediggang der Müßiggang, und der Lediggänger der Müßiggänger ist. (e) Von Banden, von der Gefangenschaft frey; eine noch in den Rechten übliche Bedeutung, welche mehrmahls auch in der Deutschen Bibel vorkommt. Einen Verhafteten ledig lassen, ihn los lassen. ( S. Erledigen.) (f) Frey von Schuld und Strafe; auch nur in den Rechten und in der Deutschen Bibel. Jemanden ledig sprechen, ihn frey sprechen. Sich von der Missethat ledig sprechen, Dan. 4, 24. (Siehe Entledigen. (g) Ledig ausgehen, nichts bekommen; wofür doch im Hochdeutschen leer ausgehen, üblicher ist. Diese letzte ist zugleich die einzige figürliche Bedeutung, in welcher sich ledig durch leer ersetzen lässet. S. auch das letztere.

Anm. Bey dem Notker im figürlichen Verstande für frey, leidig, der es zugleich mit der zweyten Endung verbindet, leidig iro sunndon, frey von ihren Sünden; in dem alten Gedichte aus den heil Anno für leer, ledig, im Nieders. leddig, und mit der dieser Mundart sehr gewöhnlichen Ausstoßung des d und dd, leeg, lieg, welche auch im Holländischen üblich sind, im Schwed. ledig. Die Endsylbe ig bedeutet in den meisten und gewöhnlichsten Fällen so viel als habend; das Stammwort ist also Led, Läd oder Lad. Wer siehet nicht, daß dieses unser heutiges Lade ist, so fern solches überhaupt einen hohlen Raum bedeutet? Ledig bedeutet also einen hohlen, und in engerer Bedeutung einen unausgefüllten hohlen, und in weiterm Verstande einen unbesetzten Raum habend; welche Ableitung weit wahr- scheinlicher ist, als Wachters von laten, lassen, und Frischens von laden, onerare, nach welcher letztern es gerade das Gegentheil von dem bedeuten müßte, was es wirklich bedeutet. Ihre bemerket, daß die ältern Schweden statt dieses Wortes lös, los, gebraucht haben, und es kann seyn, daß dieses auch in einigen figürlichen Bedeutungen zum Grunde liegt, welche alsdann Figuren von ledig, so fern es in der ersten Bedeutung schlaff bedeutet, seyn würden.


Ledigen (W3) [Adelung]


Ledigen, verb. reg. act. ledig, und in figürlichem Verstande, frey, los machen; wo es doch nur noch in den Zusammensetzungen erledigen und entledigen üblich ist. Im Schwabensp. bedeutet ledigen lösen, los kaufen.


Ledigkeit (W3) [Adelung]


Die Ledigkeit, plur. inus. der Zustand, da ein Ding ledig ist. Am häufigsten im figürlichen Verstande, die Ledigkeit des Standes, der unverehlichte Zustand.


Lediglich (W3) [Adelung]


Lediglich, adv. welches nur noch im gemeinen Leben, für gänzlich, völlig, gebraucht wird. Ich verlasse mich lediglich auf dich; ganz und allein. Bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern kommt es auch als ein Beywort für frey, ungebunden, vor. Ich han vil ledekliche braht In ir genade minen lib, Reinmar der Alte.


Leebort (W3) [Adelung]


Das Leebort, des -es, plur. die -e, in der Seefahrt, das linke Bort des Schiffes, die Schiffseite unter dem Winde, welche auch das Bakbort genannt wird; zum Unterschiede von dem Steuerborte oder Stryborte. Im Engl. Larboard, von dem veralteten lee, bey den Schwäbischen Dichtern lere, lare, link, welches mit dem Lat. laevus überein kommt. Andere leiten es von dem noch im Nieders. üblichen lee, (zweysylbig,) vor dem Winde und Wellen sicher, Schwed. lä, und das Lee, ein vor dem Winde und Wellen sicherer Ort, Angelsächsisch Hleow, Hleowth her. Im Engl. ist, wie in dem Bremisch-Nieders. Wörterbuche bemerket wird, Lea, lega, ein umzäumtes Land, ein Ort, Franz. Lieu. S. auch Lege, niedrig, und Legen.


Leech (W3) [Adelung]


Das Leech, im Hüttenbaue, S. Leg.


Leede (W3) [Adelung]


Die Leede, S. Lehde.


Leeg (W3) [Adelung]


Leeg, niedrig, S. Lege.


Leene (W3) [Adelung]


Die Leene, ein wildes Schwein weiblichen Geschlechtes, siehe 2. Lehne.


Leer (W3) [Adelung]


Leer, -er, -ste, adj. et adv. unausgefüllt, unbesetzt. 1. Eigentlich. 1) Im eigentlichsten Verstande vielleicht, von hohlen Räumen und allen Gefäßen. Ein leerer Krug, ein leeres Faß, ein leerer Beutel. Das Glas ist leer. Eine leere Nuß, welche keinen Kern hat. Die Stadt wird von Menschen leer. Das ganze Haus stehet leer, unbewohnt. Eine Stube leer machen, die Dinge, welche sie anfüllen, ausräumen. Leeres Stroh dreschen, welches keine Körner enthält; ingleichen figürlich, eine vergebliche Arbeit thun. Ein leerer Raum, das Leere, im schärfsten Verstande, in welchem sich gar keine Körper, folglich auch keine Luft oder Lichttheilchen befinden. Leere Taschen haben. Mit leeren Händen kommen, ohne Geld, ohne Geschenke. Auch mit allein leer kommen, leer weggehen, d. i. mit leeren Händen. Leer bey etwas ausgeben, nichts bekommen. Ein leerer Magen, ein hungeriger. Bey einem leeren Magen kann sichs unmöglich lieben, Rab. 2) Von ebnen Flächen, mit keinen andern Dingen besetzt, ledig. Ein leerer Wagen. Der Wagen fähret leer wieder zurück. Die Erde war wüste und leer, 1 Mos. 1, 2. Ein leeres, unbeschriebenes, Papier. Einen leeren Platz lassen. Den Tisch leer machen. Es ist kein Platz mehr leer. Der Stuhl steht leer. 2. Figürlich in einigen besondern Fällen. 1) Von Wissenschaften oder nützlichen Kenntnissen leer. Ein leerer Kopf, auch ein solcher Mensch. Der leerste Kopf in der ganzen Stadt. 2) Leer von nährender Kraft. Krebse sind eine leere Speise. Es schmeckt so leer, so kraftlos. 3) Leer von Wirkung, von Nachdruck. Ein leerer Schall, der keine Bedeutung hat; ingleichen der keine Wirkung hat. Leere Worte, ohne Empfindung, ohne Kraft, ohne Wirkung. Leere Versprechungen. Leere Drohungen. Das Wort soll nicht leer wiederkommen, Es. 55, 11. 4) Leer von Gründlichkeit. Leere Besuche. Eine leere Pracht, ein leeres Gepränge. Der Stolze würde trostlos seyn, wenn die Welt das leere Schattenspiel seines Hochmuthes sähe, Gell. 5) Leer von Empfindungen. Wer ist der, von dem er spricht, daß er meine Liebe hätte? Kann er meinem leeren Herzen so etwas zutrauen? 6) Seines Besitzers beraubt. Es ist keine Stelle in dem Collegio leer. In andern Fällen ist dafür ledig üblich. 7) Leer von Geschäften. Leere Stunden, die uns unser Stand und Beruf frey läßt, Gell. Das Leere der Zeit ausfüllen. 8) Ein leerer Monath, in der Zeitrechnung, ein Mondenmonath, welcher 29 Tage hat.

Anm. Im Oberd. lär und in einigen Gegenden lar, bey dem Notker lare, im Angels. gelaer, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Leerbaum (W3) [Adelung]


Der Leerbaum, die Leertanne, in einigen Gegenden, Nahmen des Lärchenbaumes, S. dieses Wort.


Leerbecher (W3) [Adelung]


Der Leerbecher, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Papiermachern, ein kleines hölzernes Gefäß, womit der Zeug aus dem Löcherbaume geleeret, d. i. geschöpfet wird. S. Leerfaß.


Leere (W3) [Adelung]


1. Die Leere, S. Lehre.


Leere (W3) [Adelung]


2. Die Leere, plur. inus. von leer, der Zustand, da ein Ding oder Ort leer ist; ingleichen ein leerer Raum. Pracht und Größe lassen oft eine schreckliche Leere in der Seele zurück, Sonnenf.


Leeren (W3) [Adelung]


Leeren, verb. reg. act. leer machen; am häufigsten in der höhern Schreibart, wofür im gemeinen Leben ausleeren üblicher ist. Die Becher, die Gläser leeren, sie austrinken. Erfülle, was der Krieg geleert, Erfüll uns die Provinzen, Raml. Indeß der Überfluß auf jede seiner Spuren Ein ganzes Füllhorn leert, ebend. Bey dem Stryker laeren.


Leerfaß (W3) [Adelung]


Das Leerfaß, des -sses, plur. die -fässer, bey den Papiermachern, ein Eimer mit einem Handgriffe, die gestampften Lumpen damit aus dem Löcherbaume zu schöpfen. S. Leerbecher.


Leffeln (W3) [Adelung]


Leffeln, S. Läffeln.


Lefze (W3) [Adelung]


Die Lefze, plur. die -n, ein im Oberdeutschen für Lippe übliches Wort, welches im Hochdeutschen nur noch zuweilen in der höhern Schreibart vorkommt, außer daß man es zuweilen von großen ungestalten Lippen, ingleichen von den herab hängenden Lippen der Thiere gebraucht, welche Bedeutung in der Endung ze gegründet zu seyn scheinet. Ein Hund mit großen herab hangenden Lefzen. Indessen ist diese Nebenbedeutung dem Worte nicht wesentlich, indem es im Oberdeutschen, da wo es gangbar ist, in allen, selbst in den von Herrn Stosch verworfenen Fällen für unser Lippe üblich ist, auch bey dem Kero, Notker, Willeram und andern häufig dafür gebraucht wird. Wenn es 1 Mos. 11, 1 heißt, die Welt habe einerley Zunge und Sprache gehabt, so stehet dafür in den ältern Bibeln des 15ten Jahrhundertes, sie sey eines Lefzens oder Lepsens gewesen, und in dem zu Basel 1523 gedruckten neuen Testamente Luthers wird Lippe als ein dort unverständliches Wort durch Leffze er- kläret; hundert anderer Beyspiele zu geschweigen. In einigen obgleich wenigen Fällen wird es im Hochdeutschen auch figürlich gebraucht, wo das Wort Lippe nicht so gangbar ist. So wird das nieder gedrückte schräge Feld über Ausschnitte einer Flöte die Oberlefze, das kleinere Feld aber die Unterlefze genannt. Ja im Oberd. kommt es zuweilen von einem jeden Rande vor.

Anm. Bey dem Kero und Notker Leffa, bey dem Willeram nur Leffa, bey den Schwäbischen Dichtern und spätern Oberdeutschen Schriftstellern mit versetztem Zischlaute Lespe und Lesfe. S. Lippe.


Lefzenschnecke (W3) [Adelung]


Die Lefzenschnecke, S. Schwimmschnecke.


Leg (W3) [Adelung]


Das Leg, des -es, plur. inus. im Hüttenbaue, ein metallisches Gemenge aus Kupfer, Eisen und Arsenik, welches sich bey dem Machen des Schwarzkupfers zwischen der Schlacke und dem Schwarzkupfer leget, und eben das ist, was bey der Bleyarbeit die Speise genannt wird; das Kupferleg. Es wird von vielen Leech oder Lech geschrieben und gesprochen, scheinet aber von dem Zeitworte legen abzustammen, welches in vielen gemeinen Mundarten statt des hellen e gleichfalls ein dunkeles hat.


Leg (W3) [Adelung]


* Leg, -er, -este, oder Lege, -r, -ste, adj. et adv. welches nur in einigen gemeinen Mundarten üblich ist, wo es eigentlich niederig bedeutet, in welchem Verstande es vorzüglich im Niederdeutschen vorkommt. Das Wasser ist leg, niederig. Leges Wasser ist da selbst besonders der niedrigste Wasserstand bey der Ebbe. Leges Land, niedrig, tief gelegenes Land, im Gegensatze des hohen. Das Legmohr, ein niedriges Mohrland, im Gegensatze des Hochmohres. Figürlich wird es daselbst auch theils für kraftlos, unschmackhaft gebraucht, leges Bier, ein leger Mensch, der keine Kräfte hat; theils für kränklich. leg aussehen; theils für schlimm, böse, wo auch Leger als ein Hauptwort für Noth, schlechte Umstände, üblich ist; theils aber auch für verächtlich, niederig, jemanden sehr leg halten.

Anm. Im Dänischen für niedrig lav, im Schwed. lag, im Holländ. laeg, im Engl. low, im Isländ. lagr. Im Schwed. ist Lagd ein niedriger Ort, im Holländ. Leeghde. Die Niedersachsen sprechen es gemeiniglich mit einem dunkeln, die gemeinen Oberdeutschen Mundarten aber mit einem hellen e aus. Es ist das Stammwort von dem Zeitworte legen. In dem zusammen gesetzten donlege, abhängig, scheinet lege mehr die Bedeutung des Zeitwortes zu haben, weil don gleichfalls tief bedeutet, gleichsam sich niederwärts legend, d. i. neigend; so wie im Theuerdanke in eben diesem Verstande, aber in anderer Betrachtung, anleg vorkommt, d. i. sich aufwärts legend oder erstreckend: Das dahin ist ein böser weg Stickel und gar wenig anleg, Kap. 47. Im Hochdeutschen muß man beyde Richtungen durch abhängig ausdrucken, welches man in den Mundarten nicht nöthig hat.


Legangel (W3) [Adelung]


Die Legangel, plur. die -n, bey den Fischer, eine Art Angeln, welche aus bloßen Angelhaken und Schnüren bestehen, und in das Wasser gelegt werden, damit die durchgehenden Fische daran anbeißen mögen, Nachtschnüre, weil sie gegen die Nachtzeit gelegt werden; zum Unterschiede von der Angelruthe.


Legebüsche (W3) [Adelung]


Die Legebüsche, plur. die -n, S. Selbstschuß.


Legeisen (W3) [Adelung]


Das Legeisen, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, Stücke Eisen, welche auf der einen Site scharf wie ein Keil sind, und in den gemachten Ritz gelegt werden, um eiserne Keile dazwischen zu setzen, und das Gestein damit los zu gewinnen. Auch das Eisen über der Walze wird eben daselbst ein Legeisen genannt.


Legegranate (W3) [Adelung]


Die Legegranate, plur. die -n, S. Fallgranate.


Legel (W3) [Adelung]


Das Legel, S. Lägel.


Legen (W3) [Adelung]


Legen, verb. reg. act. welches von dem Bey- und Nebenworte leg, niedrig, abstammet, und eigentlich niedrig machen bedeutet, das es denn das Activum von dem Neutro liegen ist. Da nun ein Körper unter andern auch niedriger gemacht wird, wenn man seine größte Seite zur Grundfläche macht, so bedeutet dieses Zeitwort heut zu Tage, 1. Im eigentlichen Verstande, einen Körper liegen machen, d. i. ihn in eine solche Stellung bringen, daß er auf seiner größten Seite ruhe, welches zugleich den Begriff des Vorsatzes und der Bedachtsamkeit mit einschließet. Das Buch wird auf den Tisch geleget, wenn man es auf seine größte Fläche in Ruhe bringet; zum Unterschiede von dem setzen und stellen. Man legt sich in das Bett, wenn man seine ganze Länge zur Grundfläche macht; zum Unterschiede von dem setzen und stellen. Man legt sich zu Bette, wenn man sich in das Bett legt, um zu ruhen oder schlafen. Alles ordentlich legen. Etwas hinter den Ofen, unter den Tisch, in den Schrank, an die Luft an die Sonne legen. Etwas beyseit legen. Holz an das Feuer legen. Sich auf die Erde legen. Sich schlafen legen, welches zugleich der einzige Fall ist, da dieses Zeitwort den Infinitiv eines andern zu sich nimmt. Sich zu jemanden legen, nähmlich in das Bett. Sich legen, bedeutet im gemeinen Leben oft, theils sich zu Bette legen, theils aber so krank werden, daß man sich in das Bett legen muß, bettlägerig werden. Ein Pferd legen, es wallachen, reißen, weil es dabey auf die Erde gelegt wird. In vielen Fällen verschwindet der Begriff der größten Fläche mehr oder weniger, und da bedeutet legen oft weiter nichts, als ein Ding an einen gewissen Ort, in eine gewisse Richtung bringen. Fallstricke, Fallen, Schlingen legen. Reineke verwirrte sich In die ihm gelegten Stricke, Haged. Schuhe an die Füße legen. Das Kleid an - den Mantel um - die Kleider ablegen. Geschmeide an den Arm legen. Ein Schloß vor die Thür legen. Wein in den Keller legen. Feuer legen, d. i. anlegen. Eyer legen, oder nur legen schlechthin, von dem Federviehe und Vögeln, welches im Österreichischen dienen genannt wird, von dien, don, niederig, wie legen von leg, niederig. Besatzung in eine Stadt legen. Soldaten in das Quartier legen. Sich vor eine Stadt legen, sich vor dieselbe lagern. Wohin auch viele figürliche Arten des Ausdruckes gehören, worin das Zeitwort bald in der engern, bald aber auch in der letztern weitern Bedeutung stehet. Einem etwas in den Weg legen, ihm eine Hinderniß, einen Anstoß verursachen, ihn beleidigen. Hand an das Werk legen, das Werk anfangen. Hand an jemanden legen, ihn thätlich, mit gewaltsamer Hand beleidigen, sich an ihm vergreifen. Hand an sich selbst legen, sich selbst umbringen. Einem etwas sehr nahe legen, theils es ihn deutlich merken lassen, theils auch ihn sehr reitzen, besonders zum Zorne. Ein Feld in den Grund legen, eine Zeichnung im Kleinen machen, welche dem Felde ähnlich ist, es aufnehmen. Mit jemanden heben und legen, siehe Heben. Sich darein legen, sich ins Mittel legen, eine Sache zu vermitteln, zwey Personen zu vergleichen suchen. Seinen Feind zu Boden legen, so wohl ihn überwinden, als auch, ihn tödtten; ihn erlegen. In beyden Fällen gebraucht man auch das in vielen Bedeutungen aus diesem Zeitworte gebildete schlagen; so wie lägga im Schwed. und das Lat. legere, bey dem Plautus, gleichfalls schlagen, ferire, bedeutet. Sich auf die faule Seite legen, faul, träge zur Arbeit werden. Etwas an den Tag (im Oberd. zu Tage) legen, es merklich machen, andere merken lassen. Seine Gesinnung, sein Vergnügen, sein Mißvergnügen an den Tag legen. Einem die Worte in den Mund legen, welche er sprechen soll, deutlich merken lassen. Einem etwas zur Last legen, es ihm als einen Fehler, als ein Versehen auslegen, ( S. Last.) Sich zum Ziele legen, sich nach des andern Absichten bequemen. Die Hand auf den Mund legen, aus Ehrerbiethung, aus Achtung schweigen. Die Schuld auf jemanden legen, wofür doch schieben üblicher ist, ihm die Schuld von etwas zuschreiben. Ein Haus, eine Stadt in die Asche legen, sie anzünden und abbrennen. Sich wider jemanden legen, Hiob 9, 4, sich ihm widersetzen. 2. Im figürlichen Verstande. 1) Bey den Schiffern bedeutet es, den Lauf nach einem Orte richten, dahin steuern. Worauf zu legen. Mit dem Schiffe von dem Ufer legen. Schwed. lägga. Von Landreisen gebraucht man dafür im gemeinen Leben oft schlagen; sich rechter, linker Hand schlagen. 2) Mit dem vorzüglich vorstechenden Nebenbegriffe der Dauer, so wohl in Ansehung der Zeit, als auch der Festigkeit. Die dauerhafteste Lage eines Körpers ist, wenn er auf seiner größren Seite ruhet. Den Grund zu etwas legen. Einen Fußboden legen, ihn verfertigen. Ein Steinpflas=ter legen. In welchen Fällen zugleich der Begriff der Tiefe mit vorscheinet. Sich zu jemanden in das Haus legen, auf lange Zeit bey ihm einkehren. Einen Missethäter in Ketten und Banden legen. Jemanden in das Gefängniß legen. Einen Hund, einen Rasenden an die Kette legen, ( S. Kette.) Ein Schiff vor Anker legen, sich vor Anker legen, oder auch nur, vor Anker legen, das Schiff vermittelst der Anker befestigen. Die Funken des Muthes, welche die verwandte Natur in mein junges Herz gelegt hatte, Dusch. In engerer Bedeutung. (a) Auf eine bleibende Art, wenigstens auf eine gewisse Zeit zu etwas anwenden, die Kosten zu Erreichung einer Absicht hergeben. Geld in die Lotterie legen, oder nur schlechthin in die Lotterie legen. Sein Geld auf Zinsen, auf Leibrenten legen. Wer Landgüter kauft, hat sein Geld wohl angelegt. Sein Geld an Waaren legen. Ein Capital in die Handlung legen. (b) Sich auf etwas legen, sich einer Sache mit Ernst befleißigen. Sich auf das Studieren, auf die Dichtkunst, auf die Handlung, auf das Zeichnen legen. Sich auf das Trinken, auf den Müßiggang, auf das Fluchen legen. Er legt sich nun aufs Bitten, er fängt nun an zu bitten. In der vertraulichen Sprechart auch zuweilen ohne Reciprocation. Der Hase legt es nun aufs Flehen, Haged. (c) * Bestimmen, erklären; doch nur im Niedersächsischen. Einen Verbrecher friedelos legen, ihn in die Acht erklären. Einen Tag legen, ansetzen, bestimmen, Schwed. lägga. 3) Mit dem merklichern Nebenbegriffe der Ruhe, des Aufhörens von der Bewegung. Ein Körper, welcher auf seiner größten Seite ruhet, ist der Bewegung am wenigsten fähig. Einem das Handwerk legen, ihm verbiethen, verhindern, sein Handwerk zu treiben, und in weiterer Bedeutung und im verächtlichen Verstande, ihn an Erreichung einer Absicht, an Vollziehung einer gewohnten Handlung hindern. Am häufigsten als ein Reciprocum. Die Wellen legen sich, hören auf zu toben. Der Wind hat sich gelegt. Wenn sich der Sturm legen wird. Die Kälte wird sich bald legen. Wenn sich sein Zorn legen wird. Die Schmerzen fangen an sich zu legen. Das Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - bedeutet gleichfalls aufhören, sich legen. Daher die Legung, statt dessen aber doch außer den zusammen gesetzten Zeitwörtern am häufigsten das Legen, und im Abstracto die Lage gebraucht wird.

Anm. Bey dem Kero leccen, bey dem Ottfried leggen, bey dem Ulphilas lagjan, im Nieders. liggen, in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten mit Ausstoßung des Gaumenlautes leien, im Dän. und Schwed. lägga, im Angels. lecgan, im Engl. to lay, im Isländ. leggia, im Wallis. llehau, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; wohin auch das Lat. locare, von Locus, gehöret. S. Leg, niedrig, Loch, Lache u. s. f.


Legende (W3) [Adelung]


Die Legende, plur. die -n, die Lebensbeschreibung eines Heiligen; aus dem mittlern Lat. Legenda, orum, so fern sie an gewissen Tagen in den Kirchen öffentlich vorgelesen wurden. Weil diese Lebensbeschreibungen sehr häufig aus frommen Erdichtungen bestehen, so pflegt man im gemeinen Leben auch wohl ein jedes Mährchen, oder eine erdichtete Erzählung, eine Legende zu nennen.


Leger (W3) [Adelung]


Der Leger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Legerinn, eine Person, welche etwas legt; wo es doch in den Zusammensetzungen am häufigsten ist. Nur bey den Papiermachern ist der Leger derjenige, welcher die gepreßten Bogen aus dem Buscht auf den Legestuhl legt.


Legereuse (W3) [Adelung]


Die Legereuse, plur. die -n, bey den Fischern, eine Reuse, welche auf den Grund eines Wassers gelegt, und auch eine Fangreuse genannt wird.


Legeschuß (W3) [Adelung]


Der Legeschuß, S. Selbstschuß.


Legestachel (W3) [Adelung]


Der Legestachel, des -s, plur. die -n, bey verschiedenen Insecten, z. B. den Bienen, Brämsen u. s. f. ein besonderer Stachel, vermittelst dessen die Weibchen ihre Eyer in das Fleisch anderer Thiere, in die Erde oder in das Holz der Pflanzen legen; bey einigen der Nachstachel.


Legestadt (W3) [Adelung]


Die Legestadt, plur. die -städte, überhaupt, eine Stadt, in welche etwas niedergelegt wird. Besonders, 1) in der Deutschen Reichsverfassung ist eine Legestadt diejenige, in welcher die Reichsanlagen von den Ständen niedergelegte, d. i. bezahlet werden. In einigen Provinzen führen daher auch diejenigen Städte diesen Nahmen, in welchen gewisse landesfürstliche Abgaben entrichtet werden müssen. 2) Im Österreichischen sind Legestädte diejenigen Städte einer Provinz, in welchen Waaren, welche in beträchtlicher Menge aus fremden Ländern kommen, niedergelegt und vollständig verzollet werden müssen. 3) Zuweilen wird auch eine Stapelstadt, in welcher die in einem gewissen Bezirke vorbey gehenden Waaren auf eine gewisse Zeit zum Verkaufe ausgelegt und feil gebothen werden müssen, eine Legestadt genannt.


Legestuhl (W3) [Adelung]


Der Legestuhl, des -es, plur. die -stühle, S. Leger.


Legezeit (W3) [Adelung]


Die Legezeit, plur. inus. diejenige Zeit, da das Federvieh und Geflügel seine Eyer zu legen pflegt.


Leghenne (W3) [Adelung]


Die Leghenne, plur. die -n, in der Hauswirthschaft, eine Henne, welche wirklich Eyer legt; zum Unterschiede von einer Brüthenne.


Legion (W3) [Adelung]


Die Legion, plur. die -en, aus dem Lat. Legio, eine gewisse Schaar Römischer Soldaten zu bezeichnen, welche anfänglich nur aus 3000 Mann zu Fuße bestand, bis sie endlich nach und nach und stufenweise bis auf 6000 Mann stieg. Figürlich auch oft so viel als eine große unbestimmte Menge.


Legiren (W3) [Adelung]


Legiren, verb. reg. act. welches nur im Münzwesen üblich ist, und gute Metalle nach einem gewissen Verhältnisse mit geringern versetzen oder vermischen bedeutet, welches man im Hüttenbaue auch wohl mit beschicken ausdruckt. Legirtes Geld, welches nach einem gewissen Verhältnisse mit Silber oder Kupfer vermischt ist. Diese Vermischung heißt im mittlern Lat. Lex, Liga, Aliada, Alleium, Aleium, Aleamentum, im Ital. Lega, im Franz. Loy, Aloy. Man leitet es bald von Lex, das Gesetz, her, weil diese Vermischung durch Gesetze bestimmt war, bald von ligare, binden, verbinden. Vielleicht ist der Begriff des Falschen, des Unechten, der Stammbegriff, und da könnte es ursprünglich von lau, lee, leg, falsch, schlimm, böse, herkommen. S. Laugold und Leg, niedrig.


Lehde (W3) [Adelung]


Die Lehde, plur. die -n, in der Landwirthschaft, ein wüstes ungebauetes Stück Landes, welches keinen Nutzen bringet; zum Unterschiede so wohl von einem Acker, als auch von einer Wiese. Lehden aufreißen und tragbar machen. Von den beackerten Feldern etwas zur Schafhüthung als Lehde liegen lassen. Auch Äcker, welche man unbesäet liegen lässet, Brachäcker, werden in einigen Gegenden Lehden genannt, welche in einigen Gegenden Meißens vollständiger Ledigen heißen.

Anm. Im gemeinen Leben, wo es auch zuweilen Laite lautet, wird das e in der ersten Sylbe bald hell, bald dunkel gesprochen, und von vielen auch Leede, Läde geschrieben. Im mittlern Lat. lautet es Leda und Lauda. Im Schwed. ist lät ungebauet, und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein ungebauetes Land. Man hat von diesem Worte allerley seltsame Abstammungen angegeben; allein wer siehet nicht, daß es zu ledig und dessen ganzem Geschlechte gehöret? daher man es auch Lede schreiben könnte, (siehe Ledig.) Es ist sehr wahrscheinlich, daß Land, in der Bedeutung einer ungebaueten Gegend, durch Einschiebung des n nieselnder Mundarten aus diesem Lehde gebildet worden. Siehe Land 3. 4).


Lehen (W3) [Adelung]


Lehen, zusammen gezogen Lehn, ein Wort, welches in einem doppelten Geschlechte gebraucht wird. I. In dem sächlichen Geschlechte das Lehen, des -s, plur. ut nom. sing. 1.) Im weitesten Verstande, ein jedes Ding, welches einem andern geliehen oder gelehnet wird, wo es von geliehenen oder entliehenen Geldsummen nur in den zusammen gesetzten Darlehn und Anlehn gebraucht wird. 2) In engerer Bedeutung, eine jede Sache, ein Recht, ein Vorzug, dessen Nießbrauch von dem Eigenthümer einem andern unter gewissen Bedingungen, unter dem ausdrücklichen Nahmen eines Lehens, und mit gewissen Feyerlichkeiten übertragen wird. Das Pfarrlehen, die als ein Lehen einem andern übergebene Pfarre. Das Gnadenlehen, gewisse in Gestalt eines Lehens einem andern übertragene Gefälle, Jahrgelder u. s. f. Das Kellerlehen, wenn es in einem Genusse aus dem herrschaftlichen Keller bestehet. 3) In noch engerer Bedeutung, ein Grundstück, dessen Nießbrauch, einem andern unter gewissen Bedingungen und mit gewissen Feyerlichkeiten übertragen wird; ein Lehngut. Ein adeliges oder Ritterlehen, welches adelige Freyheiten hat, und von dem Besitzer durch Ritterdienste verdienet wird, zum Unterschiede von einem Bürger- oder Bauerlehen, welches diese Vorrechte nicht hat, und statt der Ritterdienste zu gewissen Abgaben verpflichtet ist, daher es auch ein Beutellehen genannt wird. Ein Mannlehen, worin allein die männlichen Nachkommen die Erbfolge haben. Ein Weiberlehen, Schleyerlehen oder Kunkellehen, welches auf die Weiber erbet. Ein Erblehen, welches Mann- und Weiberlehen zugleich ist. Das Schupflehen, in Schwaben, ein Bauergut, welches nur auf Lebenszeit besessen wird. Ein Zinslehen, wovon ein gewisser Zins entrichtet wird. In einigen Gegenden führen alle Zinsgüter oder Erbzinsgüter den Nahmen der Lehen. Der Lehensherr ziehet das Lehen ein, wenn er es selbst nutzet, oder auch es dem gegenwärtigen Besitzer nimmt. Das Lehen verdienen, die Bedingungen erfüllen, unter welchen man es bekommen hat. Das Lehen verwirken, einen Fehler begehen, welcher den Verlust des Lehens nach sich ziehet. Das Lehen muthen, an einigen Orten sinnen, um die Belehnung feyerlich ansuchen. Einem ein Lehen reichen. Ein Lehen von jemanden haben, tragen. Ein Gut von jemanden zu Lehen tragen, als ein Lehen von ihm haben. Von jemanden zu Lehen rühren, ihn für seinen Eigenthums- oder Lehensherren erkennen. Einem etwas zu Lehen geben, als ein Lehen. Im Bergbaue wird alles dasjenige, was jemanden an Fundgruben und Maßen auf eine feyerliche Art übertragen wird, ein Lehen genannt. In engerem Verstande ist das Lehen daselbst ein Flächenmaß, ein Stück Feldes zu bezeichnen, welches 7 Lachter lang und eben so viele breit ist. Zwey Lehen machen alsdann ein Wehr. 4) Im engsten Verstande werden die adeligen Lehen oder Ritterlehen, deren Besitzer zu Ritterdiensten verpflichtet sind, nur schlechthin Lehen, von einigen auch wohl rechte Lehen genannt. II. Im weiblichen Geschlechte, die Lehen, plur. inus. 1.) Das Verhältniß einer Sache, vermittelt dessen ihr Nießbrauch einem andern unter gewissen Bedingungen zustehet, das daraus für den Besitzer erwachsende Recht, und dessen Ertheilung. Die Lehen empfangen, belehnet werden. Um die Lehen ansuchen, um die Belehnung. Einem die Lehen reichen. Bey jemanden zu Lehen gehen, dessen Lehensmann oder Vasall seyn, die Lehen in vorkommenden Fällen bey ihm empfangen müssen. 2) Das Lehengeld, die Lehenwaare, ( S. diese Wörter.) Die Lehen entrichten. S. auch Annehmelehen, Kauflehen, Erbelehen, Sterbelehen.

Anm. Lehen ist, wie aus der ersten Bedeutung erhellet, ein sehr allgemeines Wort. Es wird aber am häufigsten nur in den Fällen gebraucht, wo dieser Nahme einmahl ausdrücklich hergebracht ist, und wo die Ertheilung des Rechtes des Nießbrauches mit gewissen angenommenen Feyerlichkeiten geschiehet. Im gemeinen Leben wird es so wohl für sich allein, als in den folgenden Zusammensetzungen, sehr häufig in Lehn zusammen gezogen, und alsdann im Plural von einigen, aber irrig, die Lehne gemacht. In vielen der folgenden Zusammensetzungen ist so wohl Lehen - oder Lehn - als auch Lehens - oder Lehns - üblich. Dieses Wort kommt im Deutschen in der heutigen Bedeutung, in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter vielleicht am ersten vor, wo es Len lautet. Im Nieders. heißt es Leen, im Longobard. Lanne, Laune, im Schwed. Lan, im Dän. Län, im Böhmischen Lehno. Es stammet unstreitig von dem Zeitworte leihen, ehedem lehen, so fern es ehedem geben überhaupt bedeutete, und dem damit verwandten Lohn ab. Die Lehen waren bey dem ehemaligen Mangel an barem Gelde, und Überfluß an unbesessenen Grundstücken, doch nichts anders als Belohnungen geleisteter oder versprochener Dienste. Im Schwed. bedeutet daher auch Lan ein jedes Geschenk. Ihre beweiset sehr einleuchtend, daß das mittlere Lat. gleich bedeutende Feudum, über dessen Abstammung bisher so viel geträumet worden, auf ähnliche Art von dem noch im Schwed. üblichen veita, weta, geben, abstamme, Angels. witan, welches mit dem verwandten Zischlaute noch in unserm erweisen übrig ist, und im Schwed. gleichfalls belehnen bedeutet.


Lehenbar (W3) [Adelung]


Lehenbar, oder Lehnbar, adj. et adv. 1) Der Lehen oder Belehnung fähig. Nach dem Schwabenspiegel wird ein Kind im dreyzehenten Jahre lehenbar. 2) Die Eigenschaft eines Lehens habend. Ein lehnbares Gut. ( S. Lehenhaft.) 3) In engerer Bedeutung, einem Fürsten lehenbar seyn, dessen Lehen oder Lehensmann seyn, bey ihm zu Lehen gehen.


Lehenbauer (W3) [Adelung]


Der Lehenbauer, oder Lehnbauer, des -n, plur. die -n, ein Bauer, welcher sein Gut von einem andern zu Lehen hat.


Lehenbrief (W3) [Adelung]


Der Lehenbrief, Lehnbrief, Lehensbrief, oder Lehnsbrief, des -es, plur. die -e, der Brief, d. i. die schriftliche Urkunde, worin jemanden die Lehen über eine Sache ertheilet wird.


Lehendienst (W3) [Adelung]


Der Lehendienst, Lehndienst, des -es, plur. die -e, Dienste, welche der Lehnmann dem Lehnherren wegen des Lehens zu leisten hat.


Lehenen (W3) [Adelung]


Lehenen, S. Lehnen.


Lehener (W3) [Adelung]


Der Lehener, oder Lehner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lehnerinn, in einigen Gegenden, eine Person, welche eine Sache von einer andern zu Lehen trägt. ( S. Afterlehner.) Wenn im Braunschweigischen die Söldner gleichfalls Lehner heißen, so sollte es billig Löhner geschrieben und gesprochen werden, weil es hier einen Tagelöhner bedeutet.


Lehenfeld (W3) [Adelung]


Das Lehenfeld, oder Lehnsfeld, des -es, plur. die -er, Felder, welche von einem andern zu Lehen getragen werden. Besonders in der vierten engsten Bedeutung, Ritterfelder, zum Unterschiede von den Bauerfeldern.


Lehenfischer (W3) [Adelung]


Der Lehenfischer, oder Lehnfischer, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Fischer, welcher das Fischwasser und das Fischrecht von einem andern zu Lehen trägt.


Lehenfrau (W3) [Adelung]


Die Lehenfrau, Lehnfrau, oder Lehensfrau, plur. die -en. 1) Eine Frau, so fern eine Sache bey ihr zu Lehen gehet; als das weibliche Geschlecht von Lehensherr. 2) Auch eine Frau, welche eine Sache von einem andern zu Lehen trägt; als das weibliche Geschlecht von Lehenmann, oder Lehensmann.


Lehengeld (W3) [Adelung]


Das Lehengeld, Lehngeld, Lehensgeld, oder Lehngeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches dem Lehensherren für oder bey der Belehnung zur Erkenntniß seines obern Eigenthumsrechtes entrichtet wird. S. Lehenware.


Lehengut (W3) [Adelung]


Das Lehengut, oder Lehngut, des -es, plur. die -güter, ein Land- oder Feldgut, welches ein Lehen eines andern ist; zum Unterschiede von einem Allodialgute, Erbgute oder eigenthümlichen Gute.


Lehenhaft (W3) [Adelung]


Lehenhaft, oder Lehnhaft, adj. et adv. die Eigenschaft eines Lehens habend; lehenbar. Ein lehenhaftes Gut. Ingleichen zum Lehen gehörig, in dem Lehen gegründet, wofür im Niedersächsischen und einigen andern Gegenden das ungebräuchlichere lehnisch üblich ist.


Lehenhäuer (W3) [Adelung]


Der Lehenhäuer, oder Lehnhäuer, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, Bergleute, welche eine Zeche von den Gewerken auf Gewinn und Verlust zu bauen übernehmen; zum Unterschiede von den Lohnhäuern oder Herrenarbeitern. Vielleicht, weil sie die Zeche von den Gewerken gleichsam als ein Afterlehen bekommen.


Lehenherr (W3) [Adelung]


Der Lehenherr, Lehnherr, Lehensherr, oder Lehensherr, des -en, plur. die -en, der obere Eigenthumsherr eines Lehens, bey welchem dasselbe zu Lehen genommen wird; der Erbherr, im Gegensatze des Lehenmannes, oder Vasallen. Siehe Lehenfrau.


Lehenhof (W3) [Adelung]


Der Lehenhof, Lehnhof, Lehenshof, oder Lehnshof, des -es, plur. die -höfe. 1) Der Gerichtshof eines Lehenherren, vor welchem die Lehensstreitigkeiten abgethan, und die Lehen empfangen werden; die Lehentafel, Lehenkammer, Lehnskammer, Lehens-Curie, das Lehensgericht; ehedem das Manngericht, das Mannding, die Mannkammer. Dessen Kanzelley, die Lehenskanzelley, mit welchem Nahmen aber auch wohl Lehenhöfe kleinerer Lehenherren belegt werden. 2) In einigen Gegenden auch ein Bauerhof, so fern er ein Lehen eines andern ist.


Lehenmann (W3) [Adelung]


Der Lehenmann, Lehnmann, Lehensmann, Lehnsmann, plur. die -männer, Fämin. die Lehenfrau, plur. die -en, von beyden Geschlechtern im Plural, die Lehenleute, oder Lehnleute, Personen, welche von einem andern Güter oder Sachen zu Lehen haben; im Gegensatze des Lehenherren.


Lehensmann (W3) [Adelung]


Lehensmann, S. der Lehenmann


Lehnmann (W3) [Adelung]


Lehnmann, S. der Lehenmann


Lehnsmann (W3) [Adelung]


Lehnsmann, S. der Lehenmann


Lehenpferd (W3) [Adelung]


Das Lehenpferd, Lehnpferd, Lehenspferd, Lehnspferd / , des -es, plur. die -e, dasjenige Pferd, welches ein Lehenmann dem Lehenherren zu dessen Dienste zu halten verpflichtet ist. Besonders, ein solches Pferd, welches von adeligen Lehengütern zu Kriegsdiensten gehalten, oder mit Gelde vergütet wird, da es denn auch das Ritterpferd heißt. In beyden Fällen muß es mit einem Lehn- oder Miethpferde nicht verwechselt werden.


Lehenspferd (W3) [Adelung]


Lehenspferd, S. Das Lehenpferd


Lehnpferd (W3) [Adelung]


Lehnpferd, S. Das Lehenpferd


Lehnspferd (W3) [Adelung]


Lehnspferd, S. Das Lehenpferd


Lehen-Propst (W3) [Adelung]


Der Lehen-Propst, Lehn-Propst, des -es, plur. die -Pröpste, der Propst, d. i. Vorgesetzte, eines Lehenhofes, welcher die Stelle des Lehenherren in demselben vertritt; der Lehenrichter oder Lehnsrichter. S. Propst.


Lehn-Propst (W3) [Adelung]


Lehn-Propst, S. Der Lehen-Propst


Lehenrecht,Lehnrecht (W3) [Adelung]


Das Lehenrecht, oder Lehnrecht, des -es, plur. die -e. 1) Ein Recht, d. i. ein Gesetz, oder zu einem Gesetze gewordener Gebrauch in Lehenssachen, Gesetze, nach welchen die Rechte des Lehenherren und der Lehenleute in Ansehung der lehenbaren Verbindung entschieden werden. 2) Der ganze Inbegriff dieser Gesetze; ohne Plural. ( S. auch Hofrecht.) 3) In einigen Gegenden auch wohl ein für Lehensachen niedergesetztes Gericht; ein Lehenhof. 4) Das Recht des Lehenherren, besonders die von ihm abhängigen Lehengüter zu Lehen zu geben.


Lehen-Regal (W3) [Adelung]


Das Lehen-Regal, oder Lehn-Regal, des -es, plur. die -e, das Lehenrecht in der letzten vierten Bedeutung, als ein Regal betrachtet, S. dieses Wort.


Lehenrichter (W3) [Adelung]


Der Lehenrichter, oder Lehnrichter, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der Richter in einem Lehenhofe; der Lehensrichter. ( S. Lehen-Propst.) 2) Ein Richter auf dem Lande, welcher sein Richteramt von einem andern zu Lehen trägt; zum Unterschiede von einem Erbrichter.


Lehensbekenntniß (W3) [Adelung]


Das Lehensbekenntniß, oder Lehnsbekenntniß, des -sses, plur. die -sse, S. Lehensschein.


Lehensbuch (W3) [Adelung]


Das Lehensbuch, oder Lehensbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch oder Verzeichniß der Lehen; das Lehens-Register, ehedem das Mannbuch, besonders so fern es ein Verzeichniß der Ritterlehen enthält. Auch in den Bergwerken hat man Lehensbücher oder Lehnbücher, worin die Lehenschaften verzeichnet werden.


Lehenschaft (W3) [Adelung]


Die Lehenschaft, oder Lehnschaft, plur. die -en, ein besonders im Bergbau übliches Wort. 1) Ein Lehen, eine Zeche, oder Grube, welche einem andern zu Lehen gegeben ist. 2) Auch die Gewerken oder Personen, welche sich zur gemeinschaftlichen Anbauung eines Bergwerkes mit einander verbinden, werden zuweilen eine Lehenschaft genannt.


Lehenschatz (W3) [Adelung]


Der Lehenschatz, des -es, plur. die -schätze, S. Lehenware.


Lehenschein (W3) [Adelung]


Der Lehenschein, S. Lehensschein.


Lehenschulze (W3) [Adelung]


Der Lehenschulze, oder Lehnschulze, des -n, plur. die -n, ein Schulze auf dem Dorfe, welcher sein Schulzenamt erblich zu Leben besitzet, und weder von dem Gerichtsherren, noch von der Gemeine erwählet werden darf.


Lehens-Curie (W3) [Adelung]


Die Lehens-Curie, plur. die -n, S. Lehenhof.


Lehenseid (W3) [Adelung]


Der Lehenseid, oder Lehnseid, des -es, plur. die -e, die eidliche Angelobung der Treue, welche der Lehenmann dem Lehenherren bey Empfangung der Lehen ableget.


Lehenserbe (W3) [Adelung]


Der Lehenserbe, Lehnserbe, oder Lehnerbe, des -n, plur. die -n, Fämin. die Lehenserbinn, der Erbe eines Lehens oder Lehngutes, zum Unterschiede von den Leibes- und Allodial-Erben; der Lehensfolger. Wenn an einigen Orten die so genannten Schupflehen ( S. dieses Wort,) auch Lehenerben genannt werden, so bedeutet Erbe hier ein erbliches Gut.


Lehensfall (W3) [Adelung]


Der Lehensfall, oder Lehnsfall, des -es, plur. die -fälle, derjenige Fall, da ein Lehen offen oder erlediget wird, oder zu Falle kommt, d. i. beim Lehensherren anheim fällt, es sey nun durch den Tod des Lehenherren oder des Lehenmannes. Jener wird der Oberlehensfall, dieser aber der Unterlehensfall genannt.


Lehensfehler (W3) [Adelung]


Der Lehensfehler, oder Lehnsfehler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fehler, welchen ein Lehenmann wider seine dem Lehenherren schnidige Pflicht begehet, besonders, wenn derselbe den Verlust des Lehens nach sich ziehet; mit einem ausländischen Worte der Felonie.


Lehensfolge (W3) [Adelung]


Die Lehensfolge, plur. die -n. 1) Die Folge oder Erbfolge in dem Besitz eines Lehens. So hat z. B. der älteste Sohn die Lehensfolge in das Lehen seines Vaters. 2) Die Verbindlichkeit des Lehenmannes, dem Lehenherren in gewissen Fällen über Land oder Kriegsdienste zu folgen; ohne Plural. Auch in weiterer Bedeutung, die Verbindlichkeit, ihm in den bedungenen Fällen Folge, d. i. Gehorsam zu leisten.


Lehensfolger (W3) [Adelung]


Der Lehensfolger, oder Lehnsfolger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lehnsfolgerinn, S. Lehnserbe.


Lehensfrau (W3) [Adelung]


Die Lehensfrau, oder Lehnsfrau, plur. die -en, siehe Lehenfrau.


Lehensgebühr (W3) [Adelung]


Die Lehensgebühr, oder Lehnsgebühr, plur. inus. oder auch die Lehnsgebühren, sing. inus. die Gebühr, oder Gebühren, welche dem Lehenherren bey Empfangung der Lehen entrichtet werden; das Lehengeld. S. Lehenware.


Lehensgefälle (W3) [Adelung]


Die Lehensgefälle, oder Lehnsgefälle, sing. inus. alles was der Lehensherr in den hergebrachten Fällen von seinem Lehensmanne einzunehmen hat.


Lehensgericht (W3) [Adelung]


Das Lehensgericht, oder Lehnsgericht, des -es, plur. die -e, S. Lehenhof.


Lehenshand (W3) [Adelung]


Die Lehenshand, plur. car. ein größten Theils veraltetes Wort, die Lehensfolge zu bezeichnen, d. i. das Recht, in einem Lehen zu folgen. Die Lehenshand haben, lehensfähig seyn.


Lehensherr (W3) [Adelung]


Der Lehensherr, oder Lehnsherr, S. Lehenherr.


Lehenshof (W3) [Adelung]


Der Lehenshof, oder Lehnshof, S. Lehenhof.


Lehens-Indult (W3) [Adelung]


Der Lehens-Indult, des -es, plur. die -e, die Nachsicht, welche der Lehnsherr dem Lehnsmanne in Aufhebung der Zeit zur Empfangung des Lehens bewilliget; aus dem Lat, Indultum.


Lehenskammer (W3) [Adelung]


Die Lehenskammer, oder Lehnskammer, plur. die -n, S. Lehenhof.


Lehenskanzelley (W3) [Adelung]


Die Lehenskanzelley, oder Lehnskanzelley, plur. die -en, S. eben daselbst.


Lehensmann (W3) [Adelung]


Der Lehensmann, oder Lehnsmann, S. Lehenmann.


Lehenspferd (W3) [Adelung]


Das Lehenspferd, oder Lehnspferd, S. Lehenpferd.


Lehenspflicht (W3) [Adelung]


Die Lehenspflicht, oder Lehnspflicht, plur. die -en. 1) Eine jede Pflicht, welche der Lehenherr und Lehenmann einander zu leisten schuldig sind, besonders welche der letztere dem erstern zu entrichten verbunden ist. Ingleichen der ganze Inbegriff dieser Pflichten; ohne Plural. 2) Die feyerliche Versicherung der Treue des Lehenmannes gegen seinen Lehenherren, welche, wenn sie vermittelst eines Eides geleistet wird, der Lehenseid heißt; ohne Plural. Die Lehenspflichten leisten.


Lehnspflicht (W3) [Adelung]


Lehnspflicht, S. Die Lehenspflicht


Lehens-Register (W3) [Adelung]


Das Lehens-Register, oder Lehns-Register, des -s, plur. ut nom. sing. S. Lehensbuch.


Lehens-Regal (W3) [Adelung]


Das Lehens-Regal, oder Lehns-Regal, S. Lehen-Regal.


Lehensrichter (W3) [Adelung]


Der Lehensrichter, oder Lehnsrichter, des -s, plur. ut nom. sing. S. Lehenrichter.


Lehensschein (W3) [Adelung]


Der Lehensschein, oder Lehnsschein, des -es, plur. die -e. 1) Der Schein, d. i. das schriftliche Zeugniß des Lehenherren, daß der Lehenmann die Lehen gesucht und empfangen habe; zuweilen auch ein Zeugniß, daß die ihm ertheilte Lehen in das Lehensbuch gehörig eingetragen worden. 2) In manchen Fällen auch ein schriftliches Bekenntniß des Lehenmannes, daß er diese oder jene Sache in Lehen empfangen habe; das Lehensbekenntniß.


Lehensschuld (W3) [Adelung]


Die Lehensschuld, oder Lehnsschuld, plur. die -en, eine Schuld, welche auf einem Lehengute haftet, auf dasselbe gemacht wird; zum Unterschiede von einer Allodial-Schuld.


Lehenstreue (W3) [Adelung]


Die Lehenstreue, oder Lehnstreue, plur. car. die Treue, welche der Lehenmann dem Lehenherren schuldig ist; ein Stück der Lehenspflicht.


Lehensvererbung (W3) [Adelung]


Die Lehensvererbung, oder Lehnsvererbung, plur. die -en, die Vererbung eines Lehens, d. i. die Übertragung desselben auf einen andern, nach seinem Tode.


Lehensverwirkung (W3) [Adelung]


Die Lehensverwirkung, plur. inus. die Verwirkung eines Lehens, die Begehung eines Fehlers oder Verbrechens, welches den Verlust des Lehengutes nach sich ziehet.


Lehentafel (W3) [Adelung]


Die Lehentafel, oder Lehntafel, plur. die -n. 1) In einigen Gegenden, ein Lehengericht, ( S. Lehenhof.) 2) In dem Salzwerke zu Halle wird die wächserne Tafel, worauf die Nahmen der belehnten Pfänner nach altem Gebrauche geschrieben werden, die Lehntafel genannt. Daher im figürlichen Verstande auch das zum Behufe dieser Tafel niedergesetzte Gericht und dessen Versammlung diesen Nahmen führet.


Lehenträger (W3) [Adelung]


Der Lehenträger, oder Lehnträger, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Lehen im Nahmen eines andern empfänget, und in dessen Nahmen die auf dem Lehen haftenden Obliegenheiten erfüllet. So wird so wohl derjenige, welcher unter mehrern Mitbelehnten die Lehen in ihrer aller Nahmen empfängt, der Lehenträger genannt, als auch derjenige, welcher im Nahmen eines fremden Religions-Verwandten, oder eines außer dem Bezirke des Lehengerichtes ansässigen Lehenmannes die Lehen empfänget, und an dessen Statt die schuldigen Pflichten erfüllet. In einigen Gegenden führet er noch den Nahmen des Ausrichters.


Lehenware (W3) [Adelung]


Die Lehenware, oder Lehnware, plur. doch nur von mehrern Summen, die -n, Dasjenige Geld, welches der Lehenmann dem Lehenherren bey vorkommenden Lehensfällen und bey Empfangung der Lehen zur Anerkennung seines obern Eigenthumsrechtes entrichtet, welches so wohl von Ritterlehen, als auch von Erbzinsgütern, wenn diese den Nahmen der Lehen führen, gegeben wird. Die hohe Lehnware, welche der Lehenmann bey dem Sterbefalle des Lehenherren entrichtet; zum Unterschiede von der niedern, bey dem Sterbefalle des Lehenmannes. An einigen Orten heißt die Lehenware die Lehen, die Lehensgebühr, der Lehnschatz, das Lehngeld, der Lehngroschen, der Handlohn, die Huldigungslehen, weil sie gleich nach der Huldigung abgestattet wird; bey Bauergütern in Baiern die Anleit, der Anfall, in Elsaß der Ehrschatz, in Schwaben die Weglösin, gleichsam Weglösung, weil das heim gefallene Lehen dadurch von dem Lehenherren wieder weg gelöset wird, im Bremischen die Willigmiethe, bey einigen Meiergütern in Niedersachsen die Umfahrt, der Umsatz, in Österreich das Pfundgeld, in Schlesien der Markengroschen, an andern Orten die Auffahrt, u. s. f. ( S. auch Leihkauf.) Im mittlern Lat. Laudemium, Relevium, Bretia, Intragium u. s. f. ( S. auch Sterbelehen und Kauflehen.) In einigen Orten wird auch dasjenige Geld, welches der Lehnrichter oder die Beamten des Lehenherren als eine Ergetzlichkeit für die Belehnung bekommen, die kleine Lehnware genannt, da denn jene die größere heißt. An manchen Orten führet nur Dasjenige Geld, welches bey Annehmung oder Theilung der Bauergüter dem Lehenherren entrichtet wird, den Nahmen der Lehenware, da denn diese noch von der Sterbelehen, unterschieden ist. An andern Orten sind noch andere Einschränkungen üblich.

Anm. Ware stammet in diesem Zusammenhang entweder von Wäre, Gewähr her, so daß es eigentlich die Einwilligung oder Bewilligung des Lehenherren, und die darin gegründete Sicherheit des Lehenmannes bezeichnet; oder auch von Waare, so fern es ehedem eine jede Sache von gewissem Werthe, oder ein dem Werthe eines andern Dinges angemessenes Äquivalent bezeichnete.


Lehm (W3) [Adelung]


Der Lehm, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine vermischte aus Thon und Sand bestehende Erdart von gelblicher Farbe, welche zähe ist und im Feuer erhärtet. Die Wände aus dem Lehm kleiben. Töpferlehm, woraus die Töpfer ihre Geschirre bereiten. Kleiberlehm, die Wände damit auszukleiben. Ziegellehm, woraus die Ziegelsteine gebrannt werden.

Anm. Im Oberdeutschen Lahm, Lam, im Nieders. Leem, bey dem Notker, wo es aber Schlamm bedeutet, Leim, im Angels. Lam, Lim, im Engl. Loam; in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, Letten. Entweder wegen der Zähigkeit, als ein Geschlechtsverwandter von Kley, kleiben und Leim, oder auch wegen seiner trüben Farbe, besonders wenn er im Wasser aufgelöset wird, als ein Verwandter von Glumm, ober auch wegen beyder Umstände zugleich; da es denn zu Schlamm, Schleim, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Latein. Limus gehören würde. Es ist mit Leim, gluten, allerdings genau verwandt, daher auch in den gröbern Mundarten beständig Leim und Leimen lautet, auch in der Deutschen Bibel in dieser Gestalt vorkommt. Indessen ist doch Lehm in den anständigern Sprecharten am üblichsten. S. auch Letten.


Lehmen (W3) [Adelung]


Lehmen, verb. reg. act. mit Lehm ausfüllen, wofür doch kleiben und im Nieders. kleimen üblicher sind.


Lehmer (W3) [Adelung]


Der Lehmer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, welcher in Lehm arbeitet, Wände mit Lehm ausfüllet; Lehmklicker.


Lehmern (W3) [Adelung]


Lehmern, adj. et adv. aus Lehm verfertiget; im gemeinen Leben leimern. Eine lehmerne Wand, eine Lehmwand.


Lehmgrube (W3) [Adelung]


Die Lehmgrube, plur. die -n, eine Grube, aus welcher Lehm gegraben wird.


Lehmguß (W3) [Adelung]


Der Lehmguß, des -sses, plur. die -güsse, in dem Hüttenbaue, Eisenwaaren, welche bey den hohen Öfen in Formen von Lehm gegossen werden, dergleichen Töpfe, Öfen u. s. f. sind; zum Unterschiede von den Sandgüssen.


Lehmicht (W3) [Adelung]


Lehmicht, adj. et adv. dem aufgelöseten Lehme an Dicke und trüber Farbe ähnlich; im gemeinen Leben leimicht. Das Bier sieht trübe und lehmicht aus.


Lehmig (W3) [Adelung]


Lehmig, adj. et adv. Lehm enthaltend. Lehmiges Wasser.


Lehmschindel (W3) [Adelung]


Die Lehmschindel, plur. die -n, hölzerne Schindeln, mit welchen an manchen Ortes die Dächer gedeckt werden, da man sie denn mit Lehm zu verschmieren pflegt.


Lehmwand (W3) [Adelung]


Die Lehmwand, plur. die -wände, eine Wand, deren Fachwerk mit Lehm ausgekleibet ist; eine Wellerwand. Auch eine frey stehende aus Lehm aufgeworfene Wand.


Lehmwerk (W3) [Adelung]


Das Lehmwerk, des -es, plur. inus. ein aus Lehm bereitetes Werk, z. B. eine Lehmwand. Ingleichen die Art mit Lehm zu arbeiten; ohne Plural.


Lehn (W3) [Adelung]


Das oder die Lehn, mit den Zusammensetzungen, S. Lehen.


Lehnbank (W3) [Adelung]


1. Die Lehnbank, plur. die -bänke, in einigen Gegenden, ein Nahme eines Lehnhauses, S. dieses Wort.


Lehnbank (W3) [Adelung]


2. Die Lehnbank, plur. die -bänke, eine mit einer Lehne versehene Bank.


Lehnbret (W3) [Adelung]


Das Lehnbret, des -es, plur. die -er, ein Bret, woran man sich lehnet, besonders bey den Weißgärbern, woran sie sich bey dem Abschaben der Felle mit dem Leibe lehnen.


Lehne (W3) [Adelung]


1. Lehne, (mit einem hellen e,) adj. et adv. welches nur im Landbaue Obersachsens üblich ist. Wenn der Weizen vor völliger Reife in die Banse gelegt wird, pflegt er sich zu bleichen, oder er wird lehne. Es scheinet hier das auch im Nieders. übliche leene, löne, mager, abgezehrt, zu seyn, Angels. hleane, Eng. lean. Im Schwed. ist len weich, im Isländ. linur, und im Angels. lith, gelinde. Beyde vielleicht gehören zu dem Geschlecht der Wörter Linde, lenis, -lein u. s. f.


Lehne (W3) [Adelung]


2. Lehne, adj. et adv. in den gemeinen Sprecharten, schräge in die Höhe, mit dem Horizonte einen spitzigen Winkel machend; im Gegensatze des steil. Der Berg gehet ganz lehne, erhebt sich ganz sanft. S. 4. Die Lehne.


Lehne (W3) [Adelung]


1. Die Lehne, (mit einem hellen e,) plur. die -n, eine Art des Ahorns oder Maßholders, welche in Norden und Niedersachsen häufig wächset, eine weiße und glatte Rinde hat, und zwar zu einem großen Baume in den Wäldern wird, aber doch kleiner bleibt, als der gemeine Ahorn; Acer platanoides L. In den gemeinen Sprecharten heißt er Lenne, Löhne, Leinbaum, Leimbaum, in Sachsen Linbaum, in der Schweiz Leinahre, an andern Orten, wegen seiner breiten Blätter, Breitlaub, Breitblatt, Breitlöber, Weinblatt, und wegen der fünffach gezackten Blätter Gänsebaum. Der Nahme Lehne scheint seinen geringern Wachsthum zu bezeichnen, und so viel als kleine Ähre oder kleiner Ahorn zu bezeichnen. S. 1. Lehne Beywort und -Lein. Übrigens wird auch die Ulme in einigen Gegenden Leimbaum genannt.


Lehne (W3) [Adelung]


2. Die Lehne, (auch mit einem hellen e,) plur. die -n, in einigen Gegenden, ein wildes Schwein weiblichen Geschlechtes, welches am häufigsten eine Bache genannt wird. Gewiß nicht, wie Frisch glaubt, weil sich der Eber auf sie lehnet. Schon in dem Capitul. de Villis c. 40 bedeutet Leha, (wo aber für et Lehas unrichtig Etlehas gedruckt ist,) und im Franz. Laye, ein solches wildes Schwein weiblichen Geschlechtes. Das n ist in vielen Wörtern ein Zulaß nieselnder Mundarten.


Lehne (W3) [Adelung]


3. Die Lehne, (mit einem dunkeln e,) plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme des Achsnagels, welcher an andern Orten mit der intensiven Endung die Lünse genannt wird, da denn beyde im gemeinen Leben häufig in Lönse, Lünsch, Leine, Lan, Lyn, Lihn u. s. f. verderbt werden. Im Böhmischen heißt dieser Achs- oder Vorstecknagel Launek. Weil an den Rüstwagen dieser Nagel in einer langen Stange befestigt ist, an welche sich die Leitern lehnen, so leitet Frisch es von diesem Worte ab. Allein, da die wenigsten Achsnägel solche Stangen haben, und doch Lehnen heißen, so scheint dieses Wort zu einem andern Geschlechte zu gehören. Vielleicht zu Lanze. Eine Decklehne ist eine solche Lehne mit einem breiten Bleche, den Koth abzuhalten.


Lehne (W3) [Adelung]


4. Die Lehne, (auch mit einem dunkeln e,) plur. die -n, ein Wort, welches den Begriff der schiefen Richtung, der Abweichung von der senkrechten Linie hat. 1) Die abhängige Seite eines Berges oder Hügels, besonders wenn sie sich sanft, nicht steil erhebt, wird in vielen Gegenden eine Lehne genannt. Die Sommerlehne, die mittägliche Seite eines Berges. Die Winterlehne, die mitternächtliche. Daher denn an einigen Orten auch solche sanft ansteigende Hügel oder kleine Berge selbst Lehnen, und wenn sie sich auf dem Acker befinden, Ackerlehnen und Feldlehnen genannt werden. Schon bey dem Ulphilas ist Hlains ein Hügel, Schwed. Lena; wohin auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gehöret. 2) Die schiefe Richtung selbst; im gemeinen Leben einiger Gegenden ohne Plural. In der Lehne stehen, eine von der senkrechten Richtung abweichende Stellung haben. Ein Mensch lieget in der Lehne, wenn er sich an etwas lehnet. 3) Derjenige Theil an einem Dinge, woran man sich lehnet. Die Lehne an einem Stuhle, an einer Bank. Die Armlehne eines Stuhles, worauf man den Arm lehnet. Die Brustlehne, z. B. an einem Fenster, worauf man sich mit der Brust lehnet. Eine Lehne, so fern dieses Wort unmittelbar von dem Zeitworte lehnen abstammt, bedeutet bloß ein Ding, dessen einzige und nächste Bestimmung ist, sich daran oder darauf zu lehnen. Ist aber ein solches Ding zunächst dazu bestimmt, das Hinunterfallen anderer Körper zu verhindern, so heißt es ein Geländer, welches Wort allem Ansehen nach zu einem ganz andern Stamme gehöret. Indessen werden doch beyde häufig verwechselt; besonders wenn ein solches Geländer auch zugleich zur Lehne dienet. Wenn du ein neu Haus bauet, so mache eine Lehne darum auf deinem Dache, auf daß du nicht Blut auf deinem Hause ladest, wenn jemand herab fiele, 5 Mos. 22, 8; wo eigentlich das Wort Geländer stehen sollte. Nieders. Läne. Willeram nennt eine Lehne in der letzten Bedeutung Lineberga, von leinen, lehnen, S. das folgende Zeitwort.


Lehnen (W3) [Adelung]


1. Lehnen, verb. reg. welches in einer doppelten Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, in der Stellung von der senkrechten Richtung abweichen. Die Säule lehnet, stehet nicht gerade. Besonders und am häufigsten, in solcher Stellung einen andern Körper berühren, der den erstern dadurch in Bewegung aufhält, einen Theil seiner Schwere träget. Der Stock lehnet an der Wand. Eine Schaufel, so bey der Wand leinet, Theuerd. Er linete uber sine krucke, in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter. Doch in dieser ganzen Form ist es in den gemeinen Sprecharten, besonders Oberdeutschlandes, am üblichsten. 2. Als ein Activum, in einer von der senkrechten Richtung abweichenden Stellung an einen andern Körper legen. Lehne den Schrank an die Wand. Die Götzen, welche sich nicht aufrichten, so man sie lehnet, Baruch. 6, 26. Eine jegliche Achse (an den vier Gestühlen) gegen der andern über, unten an den Kessel gelehnet, 1 Kön. 7, 30; wo es für legen zu stehen scheinet. Am häufigsten als ein Reciprocum. Sich auf etwas lehnen. Sich auf das Fenster lehnen. Sich auf einen Sack lehnen. Er lehnete sich an die Wand. Das Hauptwort die Lehnung ist nicht üblich.

Anm. Bey dem Kero hlinen, im Tatian linen, bey dem Willeram leinen, im Oberd. noch jetzt leinen, im Angels. hlionan, hlynian, im Engl. to lean, im Dän. läne, im Schwed. läna, im Lat. clinare, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, deren Gaumenlaut auch in den alten Deutschen Mundarten nicht selten ist. Es gehöret zu dem Beyworte lehne, abhängig, und scheinet mit legen und liegen Eines Geschlechtes und vielleicht ein Inchoativum von denselben zu seyn, welches vermittelt der Sylbe - neu aus ihnen gebildet worden; lehnen, leinen, für legenen, liegenen, anfangen zu liegen, mit der nicht ungewöhnlichen Ausstoßung des Gaumenlauts. S. - Nen. Bey dem Kero und im Tatian kommt hlinen und linen wirklich für liegen vor, und noch jetzt werden beyde Zeitwörter oft für einander gesetzt. Lehnet euch unter dem (den) Baum, Mos, 18, 4; ruhet euch unter dem Baum aus, Michael. In den Zusammensetzungen ablehnen und auflehnen hat es einige figürliche Bedeutungen, welche dem Zeitworte legen gleichfalls nicht fremd sind.


Lehnen (W3) [Adelung]


2. Lehnen, (mit einem hellen e,) verb. reg. welches in einer doppelten Gestalt üblich ist. 1. Als ein Activum. 1) * Geben überhaupt, den Gebrauch oder Besitz einer Sache übertragen, ohne die Art und Weise zu bestimmen; eine im Deutschen veraltete Bedeutung, von welchen sich doch in den verwandten Sprachen häufige Spuren finden. Das Schwed. läna bedeutet geben, bewilligen, und das Finnländ. lahjan schenken. ( S. Leihen, welches in dieser allgemeinen Bedeutung gleichfalls üblich war.) Man gebraucht dieses Wort jetzt nur noch in engerem Verstande, den Gebrauch, Nießbrauch einer Sache auf eine Zeit verstatten, besonders, wenn es unentgeldlich geschiehet; denn wenn etwas dafür entrichtet wird, so sind die Ausdrücke miethen und pachten üblicher, ob es gleich auch, besonders in den Zusammensetzungen, Fälle gibt, wo die Vergütung nicht ausgeschlossen wird. Jemanden ein Buch, sein Pferd, ein Haus lehnen. Cajus bat mich, ihm meinen Wagen zu lehnen. Hierzu nun sollen uns auch ihre Stimmen lehnen Die welschen Druides und indischen Bramen, Opitz. In dieser Bedeutung ist es, so wie borgen, obgleich dieses von weiterm Umfange der Bedeutung ist, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart der Ober- und Niedersachsen am üblichsten; dagegen im Oberdeutschen und in der edlern Sprech- und Schreibart der Hochdeutschen leihen gangbarer ist. ( S. dieses Wort.) Nach einer andern Einschränkung bedeutete es, so wie leihen ehedem auch, als ein Lehen geben, überlassen; jemanden ein Gut lehnen oder leihen, wofür man doch jetzt lieber sagt, es ihm zu Lehen geben. Nur das zusammen gesetzte belehnen, wofür man wohl nicht leicht beleihen finden dürfte, erhält dieses Wort noch. 2) Nehmen, empfangen, doch gleichfalls nur noch in der vorigen engern Bedeutung, eine Sache zum Gebrauche, besonders zum unentgeldlichen Gebrauche, auf eine Zeit verlangen und bekommen; entlehnen, borgen, leihen. Es ist nicht mein eigen, es ist nur gelehnet. Etwas von einem lehnen. Geld von seinem Freunde lehnen. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Bey jemanden zu Lehen gehen, als ein Lehen, Feudum, von ihm abhängen, bey den Schriftstellern des Lehnrechtes. Das Gut lehnet dem Fürsten, rühret als ein Lehen von ihm her. 2) Zur Lehenware verpflichtet seyn, wo es auch von Erbzinsgütern gebraucht wird, wenn diese den Nahmen der Lehen führen. So viel der Acker zinset, so viel lehnet er auch. Aus welchem Grundsatze es vermuthlich herrühret, daß lehnen oft auch für zinsen überhaupt gebraucht wird. Der Acker lehnet zwölf Gulden, gibt so viele Erbzinsen; wenn anders nicht hier noch die obige allgemeinere Bedeutung zum Grunde lieget. Das Hauptwort die Lehnung ist in den Zusammensetzungen üblicher als in dem einfachen. Anm. In den Greifswaldischen kritischen Versuchungen, und in dem Hamburgischen gemeinnützigen Magazine wird behauptet, daß lehnen in der ersten thätigen Bedeutung unrichtig sey, indem der Geber leihe, der Nehmer aber nur lehne. Dieser Unterschied müßte doch einen Grund haben, wenn er nicht bloß willkührlich seyn soll; allein der Gebrauch, so wohl der Deutschen, als aller verwandten Sprachen, die Analogie der Wörter leihen und borgen, und selbst die Abstammung beweisen gerade das Gegentheil. Dieses Wort lautet im Nieders. und Holländ. leenen, im Angels. hlaenan und laenan, im Dän. laane, im Schwed. läna oder lana, im Finnländischen lainan; alle so wohl von dem Geben, als auch von dem Nehmen, in welchen doppelten Verstande sogar schon das einfachere lewjan und lechwan bey dem Ulphilas, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im Hebräischen, vorkommen. Warum sollte denn lehnen allein im Deutschen so eingeschränkt seyn? Forschen wir dem Ursprunge dieses Wortes weiter nach, so ist es vermittelst der Ableitungssylbe -nen unstreitig aus leihen, ehedem lehen gebildet, und lehnen, stehet für lehenen. Noch im Schwabenspieg wird Lehenung durch locatio et conductio erkläret. Die Endsylbe -nen, welche Ihre in diesem Worte sehr unwahrscheinlich für das Zeitwort na, nehmen, und aus diesem Grunde, die Bedeutung des Nehmens für die eigentlichste hält, bezeichnet theils einen Anfang, wie vielleicht in dem vorigen 1. Lehnen und in den Lat. Zeitwörtern auf sco, theils eine Verursachung, wie in öffnen, offen machen, warnen, wahrnehmen machen, festenen, fest machen u. s. f. theils eine bloße Intension, wie in sehnen, von sehen, u. a. m. S. - Nen. Man nehme hier welche Bedeutung man will, so wird man nichts für den behaupteten Unterschied daraus schließen können, und lehnen kann so gut von dem Geber gesagt werden, als das einfachere leihen, und in belehnen ist diese bebende Bedeutung unstreitig. Es kommt hier also bloß auf den Gebrauch an, und dieser beweiset nichts, als daß lehnen bey den Oberdeutschen am sparsamsten vorkommt, in Niederdeutschland und den nördlichen Sprachen aber einheimisch ist, und vermuthlich aus dem Niederdeutschen in die vertrauliche Sprechart der Hochdeutschen aufgenommen worden. S. Leihen und Lohn.


Lehner (W3) [Adelung]


* Der Lehner, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher einem andern etwas lehnet; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches nur Sprichw. 22, 7 vorkommt: Wer borget, ist des Lehners Knecht. Es. 24, 2 gebraucht Luther dafür das gewöhnlichere Leiher.


Lehnig (W3) [Adelung]


Lehnig, adj. et adv. welches nur im Bergbaue einiger Gegenden üblich ist, wo es für söhlig, d. i. wagerecht, üblich ist. S. das Beywort 2. Lehne und Legen.


Lehnlackey (W3) [Adelung]


Der Lehnlackey, des -en, plur. die -en, ein Lackey, welcher ein Geschäft daraus macht, sich auf einige Zeit von andern entlehnen, d. i. zu ihrem Gebrauche auf kurze Zeit für Geld dingen zu lassen; an andern Orten ein Lohnlackey, Miethlackey.


Lehnpferd (W3) [Adelung]


Das Lehnpferd, des -es, plur. die -e, ein entlehntes, d. i. für Geld auf kurze Zeit gedungenes Pferd, welches doch im Hochdeutschen am häufigsten ein Lohnpferd oder Mithpferd genannt wird, und mit einem Lehenpferde oder Lehenspferde nicht verwechselt werden muß.


Lehnschnur (W3) [Adelung]


Die Lehnschnur, plur. die -schnüre, bey den Buchdruckern, die Schnur, woran sich das Rähmchen am Deckel der Druckpresse lehnet, und welche am häufigsten der Anschlag oder der Immhamen genannt wird.


Lehnsessel (W3) [Adelung]


Der Lehnsessel, des -s, plur. ut nom. sing. ein mit einer Rück- und Armlehne versehener Sessel; ein Lehnstuhl, Franz. Fauteuil, aus dem mittlern Lat. Faldistolium, Faltenstuhl. S. Sessel. @@


Lehnsschuld (W3) [Adelung]


Lehnsschuld, S. Die Lehensschuld


Lehnstreue (W3) [Adelung]


Lehnstreue, S. Die Lehenstreue


Lehnstuhl (W3) [Adelung]


Der Lehnstuhl, des -es, plur. die -stühle, ein mit Lehnen versehener Stuhl, woran man nicht nur den Rücken, sondern auch die Arme und Backen lehnen kann; ein Sorgenstuhl, ein Großvaterstuhl oder Großvater.


Lehnsvererbung (W3) [Adelung]


Lehnsvererbung, S. Die Lehensvererbung


Lehntafel (W3) [Adelung]


Lehntafel, S. Die Lehentafel


Lehnträger (W3) [Adelung]


Lehnträger, S. Der Lehenträger


Lehnware (W3) [Adelung]


Lehnware, S. Die Lehenware


Lehr (W3) [Adelung]


Das Lehr, des -es, plur. die -e, ein nur bey verschiedenen Arbeitern und Künstlern übliches Wort, ein Maß, ein Modell zu bezeichnen. In diesem Verstande kommt es in dem Worte Kugellehr vor, S. dasselbe. Am häufigsten ist es im weiblichen Geschlechte üblich, die Lehre, S. Lehre 1.


Lehrabschied (W3) [Adelung]


Der Lehrabschied, des -es, plur. die -e, S. Lehrbrief.


Lehramt (W3) [Adelung]


Das Lehramt, des -es, plur. die -ämter. 1) Das Amt, d. i. Verbindlichkeit und Befugniß, andere zu lehren; ohne Plural. Das gottesdienstliche Lehramt, welches auch nur das Lehramt schlechthin genannt wird. 2) Dasjenige äußere Verhältniß, die Stelle, Bedienung, kraft welcher man dieses Amt, oder diese Verbindlichkeit auf sich hat. In einem öffentlichen Lehramte stehen. Ein gottesdienstliches Lehramt. Ein akademisches Lehramt, eine Professur. Das Lehramt an einer Schulen verwalten. Zwey Lehrämter zugleich bekleiden.


Lehrart (W3) [Adelung]


Die Lehrart, plur. die -en, die Art und Weise, wie man andere lehret, oder unterrichtet. Eine gute Lehrart haben. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Ordnung in dem Vortrage einer Lehre, oder der zu derselben gehörigen Regeln; mit einem Griechischen Kunstworte die Methode. Die synthetische, mathematische, oder zusammen setzende Lehrart, welche von den Erklärungen und Grundsätzen anfängt. Die analytische oder auflösende, welche von dem zu erweisenden Satze selbst anfängt, und bis auf die Grundsätze und Erklärungen zurück gehet. Die vermischte Lehrart, welche aus Verbindung beyder entstehet.


Lehrbegierde (W3) [Adelung]


Die Lehrbegierde, plur. inus. 1) Die Begierde andere zu lehren; in welcher Bedeutung doch dieses Wort nicht üblich ist. 2) Die Begierde gelehret zu werden, oder zu lernen, wo es für Lernbegierde gebraucht wird, und ein Überbleibsel der alten Bedeutung des Zeitwortes lehren ist, da es auch lernen bedeutete, S. dasselbe.


Lehrbegierig (W3) [Adelung]


Lehrbegierig, -er, -ste, adj. et adv. Lehrbegierde besitzend, und darin gegründet, in der zweyten Bedeutung des Hauptwortes. Ein lehrbegieriger Schüler. Daher die Lehrbegierigkeit, so wohl die Lehrbegierde zu bezeichnen, als auch in engerm Verstande, die Fertigkeit derselben.


Lehrbegriff (W3) [Adelung]


Der Lehrbegriff, des -es, plur. die -e, der ganze Umfang, und in engerer Bedeutung, ein kurzer Begriff einer Lehre, d. i. der Wahrheiten Einer Art. Besonders der ganze Umfang der Glaubenswahrheiten. Der evangelische, focinianische, Römisch-katholische Lehrbegriff, u. s. f.


Lehrbogen (W3) [Adelung]


Der Lehrbogen, des -s, plur. die -bogen, S. Lehre 1.


Lehrbraten (W3) [Adelung]


Der Lehrbraten, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Handwerkern, ein Schmaus, welchen die Lehrlinge geben, wenn sie ausgelernet haben, oder Gesellen werden; das Lehressen.


Lehrbrief (W3) [Adelung]


Der Lehrbrief, des -es, plur. die -e, bey den Handwerkern und andern Zunftgenossen, ein Brief, d. i. eine schriftliche Urkunde, daß ein Lehrling sein Handwerk, oder seine Kunst gehörig erlernet habe, welches Zeugniß er bey seiner Lossprechung nach geendigten Lehrjahren erhält. Bey den Jägern wird es ein Lehrabschied genannt.


Lehrbuch (W3) [Adelung]


Das Lehrbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, worin eine Wissenschaft oder Kunst gelehret wird.


Lehrbursch (W3) [Adelung]


Der Lehrbursch, des -en, plur. die -en, bey den Handwerkern und andern Zunftgenossen, ein Bursch, d. i. junger Mensch, so lange er noch in der Lehre stehet, noch die Anfangsgründe des Handwerkes oder der Kunst erlernet; in der niedrigern Sprechart Lehrjunge, in der edlern Lehrling, im Schwabenspiegel Lerenkind. Bey den Jägern wird es in engerer Bedeutung von einem Lehrlinge in dem zweyten Behängen, d. i. in dem zweyten Lehrjahre, gebraucht. Im ersten heißt er Lehrling, Hundsjunge, Jägerjunge, und im dritten Jägerbursch. S. Lehrling.


Lehre (W3) [Adelung]


Die Lehre, plur. die -n, von dem Zeitworte lehren. 1. Ein bey verschiedenen Handwerkern und Künstlern übliches Wort, wo es überhaupt ein Modell, Muster, ein Werkzeug, die Größe oder Beschaffenheit eines Dinges zu untersuchen, es darnach zu bestimmen, u. s. f. bedeutet. 1. Eigentlich. Bey den Feuerwerkern ist die Lehre, das Lehr, das Kugellehr, und verderbt des Kugelöhr, ein eisernes Blech, worin die Größe der Kugeln ausgeschnitten ist, ihren Durchmesser darnach zu bestimmen. Bey den Maurern wird das Bogengerüst, oder das hölzerne Gerüst, Gewölber und Bogen darüber aufzuführen; der Lehrbogen, die Bogenlehre, oder nur die Lehre schlechthin genannt. Bey den Schlössern ist die Lehre bald ein eiserner Stift, bald auch ein Loch, um zu sehen, ob verschiedene Löcher von gleicher Größe sind, oder ob verschiedene Dörner oder Stifter einerley Stärke haben; Franz. Calibre. Bey eben denselben wird auch ein kleines Werkzeug, welches mit der Stellschraube hin und her geschoben werden kann, allerley Öffnungen damit zu messen, und welches die Stelle eines Stangenzieles vertritt, die Lehre genannt. Ein ähnliches Werkzeug derselben, welches gleichfalls diesen Nahmen führet, dienet dazu, die Röhren in den Schlüsseln zu probieren, ob sie recht gerade sind. Ja alle stählerne Muster, Schilder, Schlüssellöcher und Bleche darnach auszuhauen, führen bey ihnen den Nahmen der Lehren. Die Jäger und Fischer nennen das Strickholz oder Strickbret, vermittelst dessen die Maschen gestricket werden, die Lehre. Bey den Seilern ist die Lehre ein Rechen mit kleinen hölzernen Zähnen, zwischen welchen die Spinnfäden geleitet werden. Auch die Bildhauer pflegen die Modelle oder Muster Lehren zu nennen. In der Landwirthschaft einiger Gegenden, wird auch der Vorsteckkeil hinten an dem Walterchen, vermittelst dessen die Räder des Pfluges gestellet werden, von einigen die Lehre genannt. In diesem Verstande lautet es bald die Lehre, bald der Leher, und der Lehrer, bald aber auch das Lehr, dagegen es von andern mit zwey e die Leere geschrieben wird. Allein, wer siehet nicht, daß es so wie die folgenden Bedeutungen von dem Zeitworte lehren abstammet? Schon bey dem Kero ist Leera ein Werkzeug, Instrument. 2) Figürlich, der Zustand eines Dinges, da es der Vorschrift, dem Maße gemäß ist, ohne Plural; in welcher Bedeutung es besonders bey den Müllern üblich ist, bey welchen der Stein in die Lehre gebracht wird, wenn man ihn in das Gleichgewicht bringet. Der Stein liegt in der Lehre, wenn er im Gleichgewicht liegt. 2. In weiterer Bedeutung. 1) Der Vortrag einer Wahrheit. (a) Im engsten Verstande eine Regel des Verhaltens. Jemanden eine gute Lehre geben. Einem allerley gute Lehren beybringen. Das soll mir eine Lehre seyn. Laß dir das zur Lehre dienen. Chrysipps Unglücksfälle sind für uns Lehren vom Himmel. (b) In weiterer Bedeutung, der Vortrag einer Erkenntniß, eine in Worten vorgetragene Wahrheit. Allerley neue Lehren aufbringen. (c) Figürlich, der ganze Umfang oder Zusammenhang aller Vorschriften oder Wahrheiten Einer Art, eine Doctrinn; ingleichen ein Buch, welches denselben enthält. Die Glaubenslehre, Tugendlehre oder Sittenlehre, die Arzeneylehre, die Vernunftlehre, Rechtslehre, die Sprachlehre u. s. f. Die Mathematik ist die Lehre von der Größe der Körper. In engerer Bedeutung wird die Glaubenslehre zuweilen nur schlechthin die Lehre genannt. In der Lehre nicht richtig seyn. Die reine Lehre. 2) der Zustand, da man lehret, oder gelehret wird; ohne Plural. (a) In einigen Gegenden führet die Katechisation den Nahmen der Rinderlehre. (b) Der Zustand, da man gelehret wird, oder lernet; eine besonders bey den Handwerkern und andern Zunftverwandten übliche Bedeutung. Ein Mensch ist bey allen zünftigen Anstalten so lange in der Lehre, als die Anfangsgründe eines Handwerkers oder einer Kunst erlernet, bis er los gesprochen oder zum Gesellen erkläret wird. S. Lehrbursch. Bey einem Meister oder Künstler in der Lehre seyn, ein Handwerk oder eine Kunst bey ihm erlernen. Einen Knaben bey jemanden in die Lehre thun oder geben. Enen Knaben in die Lehre nehmen. Bey einem in der Lehre stehen. Aus der Lehre laufen. Von dem Zustande, wo man in Wissenschaften oder freyen unzünftigen Künsten unterrichtet wird, ist dieses Wort nicht üblich.

Anm. Schon bey Kero Leru, bey dem Ottfried, der es auch für Doctrina gebraucht, Lera, im Isidor Lerunga, im Nieders. Leere, im Angels. Laera, im Engl. Lere, Lerry, S. Lehren.


Lehren (W3) [Adelung]


Lehren, verb. reg. neutr. et act. welches im ersten Falle das Hülfswort haben erfordert. Es bedeutet, 1. * Im ersten und eigentlichen Verstande, ein lautes Getöse machen, besonders schreyen, als ein Neutrum, wo es zugleich eine sinnliche Nachahmung des Geschreyes oder Getöses ist. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet. Nur in den gemeinen Sprecharten kommt lören, lehren und noch für schreyen, traurig heulen u. s. f. vor. S. Lärm und Plerren, welche gleichfalls zu dem Geschlechte dieses Wortes gehören. 2. * In engerem Verstande, mit deutlicher und lauter Stimme her- oder vorsagen; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher ein gelehrter Eid ehedem ein Eid war, welchen man einem andern mit lauter Stimme vorsagte, und welcher auch ein gestabter Eid genannt wurde. S. auch Lesen, welches bey dem Kero noch leran lautet, und bloß durch die nicht ungewöhnliche Verwechselung des r und s aus diesem Worte entstanden ist. 3. In noch engerer, zum Theil aber auch weiterer Bedeutung, Fertigkeit, Begriffe und Kenntnisse beybringen, zunächst freylich durch mündlichen Vortrag, hernach aber auch auf jede andere Art. 1) Eigentlich. Der Prediger lehret auf der Kanzel der Professor auf hohen Schulen. Christus lehrte oft auf den Gassen. Die Sache, welche man lehret, oder in und von welcher man andern Begriffe und Erkenntniß beyzubringen sucht, stehet in der vierten Endung. Die Weltweisheit, die Mathematik, die Arzeneykunst, die Gottesgelehrsamkeit lehren, d. i. ein Geschäft daraus machen, solche andern beyzubringen. Ein Fauler dünket sich weiser, denn sieben, die da Sitten lehren, Sprichw. 26, 16. Ich bins, der Gerechtigkeit lehret, Es. 63, 1. Ingleichen in weiterer und figürlicher Bedeutung. Armuth lehret viel Böses, Sir. 13, 10, gibt Gelegenheit, daß man sich böse Fertigkeiten verschaffet. Kreuz lehret Geduld. Die Erfahrung wird es lehren, es wird sich aus dem Erfolge erkennen lassen. Das lehret die Vernunft, das läßt sich aus der Vernunft erkennen. Statt des Accusativs kann auch ein Zeitwort Stattfinden, welches alsdann im bloßen Infinitiv stehet, ohne das Wort zu. Reiten, singen. tanzen, lehren, ein Geschäft daraus machen, andern diese Fertigkeit beyzubringen. Ingleichen, in weiterm und figürlichem Verstande. Noth lehrt bethen. Anfechtung lehret aufs Wort merken, Es. 28, 19. Die Person, welcher man Fertigkeit, Begriffe und Erkenntniß beyzubringen sucht, wird gleichfalls vermittelst der vierten Endung ausgedruckt. Daß sie lehren ihre Kinder, 5 Mos. 22, 11. Kein Lehrer lehret und mehr, Ps. 74, 9. Lerne vor selbst, ehe du andere lehrest, Sir. 18, 20. Ihr dürft nicht, daß euch jemand lehre, 1 Joh. 2, 27. Welcher Accusativ der Person auch bleibt, wenn der Accusativ der Sache ausdrücklich Statt findet; nach dem Beyspiel der Zeitwörter fragen, heißen, nennen, und bey einigen auch kosten. Thaz ir min lertut, was ihr mich lehret, Ottfried, Lere mich dine rechtunga, Notk. Du lertest mich iz, ebend. Die wil ich alle leren dich, die Winsbeckinn. Frowe ir solt mich froeide leren, Walther v. Klingen. Welche es nicht wissen, die lehret es, Esr. 7, 25. Lehre mich deine Rechte, Ps. 119, 12. Lehret solches eure Kinder, Tob. 14, 11. Er lehret die Elenden seien Weg, Ps. 25, 9. Er lehrete sie viele Lieder, Geßn. Ältern, die ihre Kinder Weisheit und Sitten von den ersten Jahren an lehren, Gell. Wer lehrt das Auge seine Pflicht? ebend. Sein Zorn lehrt ihn die Vorsichtigkeit, Gell. Sie haben mich heute eine Fabel gelehrt, ebend. Ingleichen mit dem Infinitiv, ohne zu. Si sol mich sprechen leren, Heinrich von Veldeck. Leirte sini man arabeiti lidin, Gedicht auf den heil Anno. Den wolt er leren rechte tun, Winsbeck. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, Ps. 143, 10. Ein Kind singen, einen Hund tanzen, einen Vogel pfeifen lehren, Aus Schilf lehrete er sie Flöten machen, Geßn. Man lehre das Kind da vornehmlich erschrecken und sich schämen, wo es die Vernunft am meisten befiehlt, Gell. Lehren sie mich ihre Tugend nachahmen. Er schlichtete ihre kleinen Zwiste, und lehrete sie gütig seyn, Geßn. Nur alsdann, wenn der Infinitiv ein wenig weit hinter dem Zeitworte lehren stehet, ist das zu erträglich und oft nothwendig. Gleich einem ungezähmten Rosse, das noch kein Gebiß des Reiters gelehret hat, seine Schritte und Vorsicht abzumessen, Dusch. Der Knabe den Irin gelehret, Auf jede Schönheit der Natur zu merken, Kleist. Dagegen vor dem Zeitworte, und nahe hinter demselben das Wort zu alle Mahl ein Fehler seyn würde. Da bey den Zeitwörtern, welche einen bloßen Infinitiv erfordern, dergleichen lassen, heißen, dürfen, können, finden, helfen, hören, mögen, müssen, sehen u. s. f. sind, der bloße Infinitiv auch in den zusammen gesetzten Zeiten anstatt des Mittelwortes der vergangenen Zeit stehet. z. B. wer hat dich kommen heißen? für geheißen; ich habe ihn singen hören, für gehöret: so ahmen viele dieses auch mit den Zeitwörtern lehren und lernen nach. Ich habe ihn singen lehren, für gelehrt. Ein Umgang von etlichen Monathen hat mich sie kennen lehren. Euch Künstler kann ich leicht entbehren, Mich hat die Liebe zeichnen lehren, Thümmel. Dagegen andere, und zwar zum Vortheile des Wohlklanges bey diesem Zeitworte, lieber der ordentlichen Regel folgen. Alles hat mich sein Herz kennen gelehret. Ein zwanzigjähriger Ehestand hat mich die Vortrefflichkeit der bösen Männer einsehen gelehrt, Raben. Da diejenigen Zeitwörter, welche einen doppelten Accusativ, nähmlich einen der Person und einen der Sache erfordern, im Deutschen sehr selten sind, indem nur nennen, heißen und in einigen Fällen auch fragen, auf diese Art gebraucht werden, (denn kosten kann noch sehr streitig gemacht werden:) so wollen einige auch lehren lieber mit der dritten Endung der Person verbinden, wenn die vierte Endung der Sache ausdrücklich dabey stehet, Jede Rettung, die ihm das Gegentheil lehret, Herd. Die Biene in ihrem Korbe bauet mit der Weisheit, die Egevia ihrem Numa nicht lehren konnte, ebend. Sagt Sterbliche den Sphären ihre Zahlen Und lehrt dem wilden Winde seinen Lauf, Raml. Da nun auch im gemeinen Leben, und besonders unter Ungelehrten, der Dativ in diesem Falle fast allgemein ist: so kann es seyn, daß die vierte Endung bloß nach dem Muster des Lateinischen docere eingeführet ist. Hierzu kommt, daß im Passive wohl noch niemand gesagt hat: diese Kunst wird andere nur für Geld gelehret, sondern in der dritten Endung andern, woraus denn zu erhellen scheinet, daß diese Endung auch im Activo Statt finden müsse. Indessen ist der Accusativo, wie aus den obigen Beyspielen erhellet, schon so alt, und in Schriften nunmehr so allgemein, daß er für einen Schriftsteller beynahe zu einer verbindlichen Regel geworden ist. Der Accusativ der Sache, oder der Infinitiv des Zeitwortes, schließen die Umschreibung vermittelst einer Partikel nicht aus. Herr lehre mich, daß mein Leben ein Ziel hat, Ps. 39, 5. Lehre mich, wie ich es anfangen soll. Im gemeinen Leben begleitet es oft ein mit Unwillen verbundenes Verboth. Ich will dich schweigen lehren, Warte! ich werde dich gehen lehren. Das Mittelwort der vergangenen Zeit gelehrt, wird sehr häufig als ein besonderes Beywort gebraucht. S. dasselbe besonders an diesem Orte. 2) * Figürlich für lernen. Dadurch ir die kriegshendel lert, Theuerd. Kap. 76. Wollt ir dann noch mer leren pas Die schwein zu stechen zu roß, ebend. Kap. 41. In der reinen und anständigen Schreibart ist diese Bedeutung nunmehr veraltet, ob sie gleich im gemeinen Leben noch häufig genug vorkommt, jemanden zeichnen lehren; so wie lernen eben daselbst sehr oft für lehren gesetzt wird. Der heutige Unterschied zwischen lehren und lernen scheinet auch nur bloß durch den Gebrauch eingeführet, und in der Bildung beyder Wörter nicht gegründet zu seyn; ( S. Lernen.) Über dieß bedeuten das Nieders. leeren, das Angels. laeran, das Schwed. lära und Dän. läre, so wie das Franz. apprendre, so wohl lehren als lernen; in welcher zwiefachen Bedeutung, wovon die eine der andern entgegen gesetzt zu seyn scheinet, es wir borgen, lehnen, leihen, u. a. m. überein kommt. Diese Zweydeutigkeit hat sich noch in verschiedenen Zusammensetzungen erhalten; z. B. Lehrbrief, gelehrig, Lehrbegierde u. s. f. wo es für lern - stehet.


Lehrer (W3) [Adelung]


Der Lehrer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin, die Lehrerinn, eine Person, welche andere lehret, d. i. ihnen Fertigkeit, Begriffe und Erkenntniß beybringet. Besonders so fern sie eine öffentliche Verbindlichkeit und Befugniß dazu hat. Lehrer in Schulen. Ein Lehrer der Weltweisheit, der Rechte u. s. f. auf Universitäten. In der engsten Bedeutung führen die zur Verrichtung des öffentlichen Gottesdienstes und dem damit verbundenen Unterrichte bestellten Personen den Nahmen der Lehrer. Schon bey dem Kero Lerar, bey dem Stryker Lerere.


Lehressen (W3) [Adelung]


Das Lehressen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Lehrbraten.


Lehrfrau (W3) [Adelung]


Die Lehrfrau, plur. die -en, S. Lehrherr.


Lehrgebäude (W3) [Adelung]


Das Lehrgebäude, des -s, plur. ut nom. sing. in den Wissenschaften, ein Zusammenhang von Lehrern oder Wahrheiten von einerley Art und Einrichtung; mit einem Griechischen Kunstwerte ein System.


Lehrgedicht (W3) [Adelung]


Das Lehrgedicht, des -es, plur. die -e, ein Gedicht, dessen vornehmster Endzweck ist, zu lehren oder zu unterrichten.


Lehrgeld (W3) [Adelung]


Das Lehrgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1) Eigentlich, dasjenige Geld, welches man einem Lehrer für den Unterricht bezahlet; wo es doch nur am häufigsten bey den Handwerkern und andern Zunftverwandten üblich ist, das Geld für den Unterricht eines Lehrlinges zu bezeichnen. 2) Figürlich, Lehrgeld geben, mit Schaden klug werden.


Lehrhaft (W3) [Adelung]


* Lehrhaft, adj. et adv. welches aber im Hochdeutschen veraltet ist. 1) Geschickt, andere zu lehren, 1 Tim. 3, 2; 2 Tim. 2, 24. 2) Lehrreich. Ein lehrhafter Spruch.


Lehrhäuer (W3) [Adelung]


Der Lehrhäuer, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Häuer, welcher das Häuerwerk noch lernet; ein Lehrling unter den Häuern.


Lehrherr (W3) [Adelung]


Der Lehrherr, des -en, plur. die -en, ein bey den Handwerkern und andern Zunftgenossen in der anständigen Sprechart übliches Wort, den Meister, Künstler oder Kaufmann in Ansehung des Lehrlinges und im Gegensatze desselben zu bezeichnen. Dessen Gattinn, die Lehrfrau. Bey den Jägern, Trompetern, und an einigen Orten auch bey den Barbieren wird der Lehrprinz, Lehr. Prinzipal, bey den Handwerkern aber im gemeinen Leben der Meister genannt.


Lehrjahr (W3) [Adelung]


Das Lehrjahr, des -es, plur. die -e, bey den Handwerkern und andern Zunftverwandten, diejenigen Jahre, welche ein Lehrling in der Lehre ist.


Lehrjunge (W3) [Adelung]


Der Lehrjunge, des -n, plur. die -n, S. Lehrling.


Lehrjünger (W3) [Adelung]


Der Lehrjünger, des -s, plur. ut nom. ling. S. eben daselbst.


Lehrknecht (W3) [Adelung]


Der Lehrknecht, des -es, plur. die -e, ein Lehrling bey verschiedenen Handwerkern und Lebensarten. So werden die Lehrlinge der Fleischer und Flußschiffer einiger Gegenden Lehrknechte genannt.


Lehrling (W3) [Adelung]


Der Lehrling, des -es, plur. die -e, eine Person, welche gelehret oder unterrichtet wird, sie sey männlichen oder weiblichen Geschlechtes. 1) Eine Person, welche die Anfangsgründe einer Wissenschaft oder freyen unzünftigen Kunst erlernet. Ein Lehrling in der Weltweisheit, in der Sprachkunst, in der Dichtkunst u. s. f. Ein Schüler, bey einigen ein Lehrjünger, bey dem Opitz mit einem Collectivo Lehrgesinde, im Schwabenspiegel Lerenkind, in der Deutschen Bibel ein Jünger. 2) In der anständigen Sprechart auch, der die Anfangsgründe eines Handwerkers oder zünftigen Kunst erlernet; im gemeinen Leben ein Lehrbursch, und im weiblichen Geschlechte Lehrmädchen, in der niedrigen Sprechart Lehrjunge, Junge. S. Lehrbursch.


Lehrmeister (W3) [Adelung]


Der Lehrmeister, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lehrmeisterinn, ein Lehrer oder eine Lehrerinn, in Beziehung auf den Lehrling; wo es so wohl von einem Lehrer in der Wissenschaften und freyen Künsten, doch im männlichen Geschlechte nur im gemeinen Leben, als auch von einem Handwerker und zünftigen Lehrer gebraucht wird. In der Schweiz Lehrgötte.


Lehrmeinung (W3) [Adelung]


Die Lehrmeinung, plur. die -en, ein von einigen in Vorschlag gebrachtes Wort, das Griechische Hypothese auszudrucken.


Lehr-Ode (W3) [Adelung]


Die Lehr-Ode, plur. die -n, in der Dichtkunst, eine Ode, deren nächtlicher Endzweck ist, zu lehren oder zu unterrichten; zum Unterschiede von einem Liede im engern Verstande.


Lehrprinz (W3) [Adelung]


Der Lehrprinz, des -en, plur. die -en, oder Lehr-Principal, des -es, plur. die -e, S. Lehrherr und Prinz.


Lehrreich (W3) [Adelung]


Lehrreich, -er, -ste, adj. et adv. reich an Lehren, d. i. so wohl an Vorschriften des Verhaltens, als auch an unbekannten Wahrheiten und Begriffen. Ein Mann kann sehr lehrreich auf dem Papiere, und doch im gemeinen Umgange sehr eintönig seyn. Ein lehrreicher Gedanke, Spruch. Ein lehrreiches Buch.


Lehrsaal (W3) [Adelung]


Der Lehrsaal, des -es, plur. die -säle, ein Saal, d. i. großes Zimmer, worin den Zuhörern gelehrte Wahrheiten und Begriffe vorgetragen werden; in Rücksicht auf die Zuhörer ein Hörsaal, Lat. Auditorium. Ein kleineres Zimmer dieser Art heißt eine Lehrstube.


Lehrsatz (W3) [Adelung]


Der Lehrsatz, des -es, plur. die -sätze. 1) Ein jeder Satz, welcher eine Lehre, d. i. eine theoretische Wahrheit enthält; zum Unterschiede von einer Regel, Vorschrift, oder einem practischen Satze. In diesem Verstande werden in der Theologie die Lehrsätze den Lebenspflichten entgegen gesetzt. 2) In der Philosophie, in engerm Verstande, ein theoretischer Satz, dessen Wahrheit man nicht erkennen kann, als hier bis er erwiesen worden; mit einem Griechischen Kunstworte ein Theorema.


Lehrsparren (W3) [Adelung]


Der Lehrsparren, des -s, plur. ut nom. sing. in der Zimmermannskunst, diejenigen Sparren, welche an den Walmdächern, Zeltdächern und Pavillons von den Ecken des Gebäudes oben in der Spitze zusammen laufen; zum Unterschiede von den Schiftsparren. Ohne Zweifel von der ersten Bedeutung des Wortes Lehre, weil diese Sparren gleichsam das Modell des ganzen Daches abgeben, nach welchen sich die andern Sparren richten müssen.


Lehrspruch (W3) [Adelung]


Der Lehrspruch, des -es, plur. die -sprüche, ein kurzer allgemeiner Grundsatz, welcher entweder eine fruchtbare theoretische Wahrheit, oder auch eine gute Sittenregel enthält; eine Sentenz. Im erstern Falle wird er auch ein Sittenspruch, in beyden aber auch von einigen, nach einer sehr ungeschickten Übersetzung des Lat. Locus communis, ein Gemeinort oder Gemeinplanung genannt.


Lehrstand (W3) [Adelung]


Der Lehrstand, des -es, plur. inus. derjenige Stand, d. i. dasjenige Verhältniß unter den Menschen, in welchem man andere zu lehren oder zu unterrichten verbunden und befugt ist. Im Lehrstande leben.


Lehrstube (W3) [Adelung]


Die Lehrstube, plur. die -n, S. Lehrsaal.


Lehrstuhl (W3) [Adelung]


Der Lehrstuhl, des -es, plur. die -stühle, ein erhöheter Stuhl, von welchem man andere lehret, dergleichen die Kanzeln in den Kirchen, und die Katheder in den Lehrsälen und Lehrstuben sind, welche letztern am häufigsten unter dem Nahmen der Lehrstühle bekannt sind. Den philosophischen Lehrstuhl besteigen, betreten.


Lehrstunde (W3) [Adelung]


Die Lehrstunde, plur. die -n, eine Stunde, in welcher man andere lehret, oder von einem andern gelehret wird; wofür im gemeinen Leben nur das einfache Stunde und in den niedern Schulen Schulstunde üblich ist. Seine gewissen Lehrstunden haben. In die Lehrstunde gehen.


Lehrwand (W3) [Adelung]


Die Lehrwand, plur. die -wände, an den Überfallwehren, vermuthlich die Wände an den Seiten des Fluthbettes vor dem Wehre; entweder, so fern sie dem Fluthbette seine Gestalt und Festigkeit geben, von Lehre 1, oder welches noch wahrscheinlicher ist, von dem Nieders. Leer, die Backe, Wange, Angels. Hleare, das Gesicht, so daß es eigentlich eine Seitenwand bedeuten würde.


Lehrwerk (W3) [Adelung]


Das Lehrwerk, des -es, plur. die -e, ein von einem Lehrlinge verfertigtes Werk oder Arbeit. Lehrwerk ist kein Meisterstück.


Leib (W3) [Adelung]


Der Leib, des -es, plur. die -er, Diminut. das Leibchen, Oberd. Leiblein. 1 * Eigentlich, eine zusammen hangende, den innern Theilen noch mit einander verbundene Masse von unbestimmter Größe und Gestalt; in welcher ersten, im Hochdeutschen veralteten Bedeutung es zu dem Geschlechte der Wörter Lab, laben, Leber, kleben, kleiben, Kley, der ersten Hälfte des Wortes Lebkuchen, und der Latein. Lapis und Gleba gehöret. So ist im Bergbaue einiger Gegenden ein Leib oder Bergleib ein Klumpen geschmelzten Erzes, welcher an andern Orten eine Luppe genannt wird, ( S. dieses Wort.) Am häufigsten ist es im Oberdeutschen, ein einzelnes Brot, das zu einem gewissen Körper geformte Brot zu bezeichnen, wo es doch nur von den runden oder Länglich runden Broten dieser Art gebraucht wird. Ein Leib Brot, im Hochdeutschen ein Brot. Und theilet aus jedermann - ein Laib Brots und ein Stück Fleisches, Chron. 17, 3. Und ließ ihm des Tages ein Laiblein Brots geben aus der Beckergassen, Jerem. 37, 21. Ein Zuckerleibchen, Engl. Sugar-Loaf, ein Zuckerbrötchen. Daher es denn im Oberdeuts. auch häufig allein gebraucht wird, mit Auslassung des Wortes Brot. Einen frischen Leib anschneiden, ein frisches Brot, Finf Leiba, fünf Brote, Ottfried. Im Oberdeutschen, wo dieses Wort einheimisch ist, wird es mit dem dieser Mundart eigenen Doppellaute ai, oft aber auch mit einem hellen a, Laib, Lab, geschrieben und gesprochen, und in einigen Gegenden ist es ungewissen Geschlechtes, das Laib. Ohne Zweifel ist es eine Figur von dieser Bedeutung, daß das Brot von den ältesten Zeiten an, fast in allen Europäischen und Nord-Asiatischen Sprachen Leib genannt worden; wohin das Lat. Libum, Libo, das Ulphilan. Hhlaiban, das Angels. Hlaf, das Engl. Loaf, das mittlere Lat. Leibo, das Schwed. Lef, das Finnländ. Leipa, das Lappländ, Leabe, das Böhmische Chleba, das Pohln. Chleb, das Wendis. Chlieb, Klieb, das Kroatische Hlib, das Russische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - u. a. m. gehören, welche so wohl ein zu einer gewissen Gestalt geformtes Brot, als auch, und zwar am häufigsten, Brot überhaupt bedeuten; in welchem Verstande es gemeiniglich von laben, so fern es erquicken, stärken, bedeutet, abgeleitet wird. Das Hochdeutsche Brot hat beyde Bedeutungen gleichfalls. Im Hannöverischen ist Luffe eine Art groben weitzenen Brotes. 2. * Ein jedes aus Materie bestehendes Ding, und diese Materie selbst; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, für welche nunmehr das Wort Körper üblich ist. Figürlich wurde es ehedem auch für die Gestalt, Form eines Körpers gebraucht, in welchem Verstande es noch bey dem Pictorius heißt, man muß dem Dinge einen rechten Leib geben, eine rechte Form, oder Gestalt. Nach einer andern, aber gleichfalls veralteten Figur, ist in der Deutschen Bibel, Röm. 6, 6 Col. 2, 11, der Leib der Sünde, der ganze Zusammenhang der sündlichen Beschaffenheit in dem Menschen. 3. In engerer Bedeutung, ein organischer mit einem belebenden Geiste oder mit einer Seele versehener Körper, wodurch dieselbe zum Gebrauche der sichtbaren Welt fähig wird. 1) Eigentlich. Die Seelen der Menschen und Thiere wirken vermittelst des Leibes, viele Weltweise legen den Engeln sehr feine, gröbern Sinnen nicht empfindbare Leiber bey. Die Seele scheidet aus dem Leibe, verlässet den Leib, wenn der Mensch stirbt. Seinem Leibe Gutes thun, seinen Leib pflegen, im Oberd. seines Leibes pflegen. Einen kranken, gesunden, stechen Leib haben. Die Glieder des Leibes. Christus nahm einen menschlichen Leib an. Eine unheilbare Krankheit an seinem Leibe haben. In allen diesen und vielen andern Fällen kann es auch durch das Wort Körper ersetztet werden. Hingegen gibt es auch viele Arten des Ausdruckes, wo das Wort Körper nicht üblich ist. Jemanden am Leibe strafen, durch Verursachung körperlicher Schmerzen, im Gegensatze der Strafe am Gelde, am Leben u. s. f. ( S. Leibesstrafe.) Da ist er ja mit Leib und Seele! Einem die Kleider von dem Leibe reißen. Mit bloßem Leibe einher gehen. Leib und Leben für einen lassen; eine Sache, welche Leib und Leben betrifft; bey Leib und Leben nicht; wenn nicht Leib in diesen und ähnlichen R. A. noch die alte Bedeutung des Lebens hat, so daß das folgende Leben nur zur Erklärung beygefüget worden. Er hat es eben nicht auf dem Leibe, in den gemeinen Sprecharten, er hat die Mittel nicht dazu, er siehet nicht darnach aus, er hat es nicht Ursache. Gut bey Leibe seyn, sagt man nur von Thieren, wenn sie fleischig sind. Vom Leibe fallen, in den niedrigen Sprecharten, mager werden, abnehmen, ( S. Fallen.) Einem nahe auf den Leib treten. Ihm zu Leibe gehen. Bleiben sie mir damit von dem Leibe. Zuweilen stehet es auch überflüssig, um des Nachdrucks willen. Kein ganzes Kleid auf dem Leibe haben. Das Herz im Leibe thut mir weh. Kein Herz im Leibe haben. 2) In engerer Bedeutung. (a) Derjenige Theil des Leibes zwischen den Armen und den Füßen; im gemeinen Leben der Rumpf. aa) Eigentlich. Einen langen Leib haben. Schlank von Leibe seyn. Schwed. Lif. bb) Figürlich, derjenige Theil eines Kleidungsstückes, welcher diesen Theil des Leibes bedecket. Der Leib an einem Hemde, an einem langen Frauenzimmerkleide. Ingleichen ein Kleidungsstück ohne Ärmel, welches allein diesen Theil bedecket, welches auch Leibchen genannt wird. Arten davon sind die Brustkleider, Bindleiber, Schnürleiber u. s. f. in welchen Wörtern es nach dem Vorgange einiger Oberdeutschen Mundarten auch ungewissen Geschlechtes ist. (b) In noch engerer Bedeutung, der untere Theil dieses Leibes; der Unterleib, im Gegensatze des Oberleibes, in der niedrigen Sprechart der Bauch. Jemanden um den Leib anfassen. Einen dünnen, schlanken Leib haben. Die Hülsenfrüchte blähen den Leib auf. Einen großen Leib haben, welches im Oberd. auch schwanger seyn bedeutet, wofür man im Hochdeutschen sagt, gesegnetes Leibes seyn, sich gesegnetes Leibes befinden. Von Mutter-Leibe an, von der Geburt an. Das Reißen im Leibe. Jemanden vor den Leib stoßen. Offnen Leib machen, den Abgang durch den Mastdarm befördern. Offenen Leibes seyn. Einen verstopften Leib haben. Der Leib gehet dem Kinde aus, im gemeinen Leben, wenn der Mastdarm austritt. 3) Figürlich. (a) Die Person selbst; eine Bedeutung, welche ehedem häufiger war als jetzt. Mit seinem selbst Leibe, hieß ehedem so viel als persönlich, in eigner Person. Ein Lehen auf drey Leib, bis auf den Enkel. Bis auf den dritten oder das dritte Leib, bis in das dritte Glied. Im gemeinen Leben sagt man nur noch, sich etwas auf seinen eignen Leib, für seinen eigenen Leib halten, zum unmittelbaren Bedürfnisse oder Vergnügen seiner eigenen Person. Daher an Höfen und bey vornehmen Personen diejenigen Dinge oder Bedienten, welche allein für den Herren bestimmt sind, durch das vorgesetzte Leib - von andern ihrer Art unterschieden werden; der Leibarzt, Leibbäcker, Leibschneider, Leibkutscher, Leibpferd u. s. f. zum Unterschiede von dem Hofarzte, Hofbäcker, Hofschneider, Hof- und Kammerkutscher u. s. f. ( S. Kammer 3. 2) (a) Ja auch im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, pflegt man noch weitern Figur alle Dinge, an welchen man ein vorzügliches Vergnügen findet, durch das vorgesetzte Wort Leib - zu unterscheiden. Pfirschen sind sein Leibobst, Fische sein Leibessen. Gellerts Schriften sollten aller Schönen Leibbuch seyn. Da fast alle Hauptwörter diese Zusammensetzung leiden, so würde es unnöthig gewesen seyn, die im folgenden besonders anzuführen. (b) * Das Leben, ohne Plural; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, welche aber ehedem sehr gangbar war. Kero, Ottfried, Notker und andere alte Schriftsteller nennen das Leben beständig Lip, den Leib aber Lichenam. Im Hochdeutschen hat sich diese Bedeutung nur noch in einigen R. A. und Zusammensetzungen erhalten. Ihr mecht verlieren euren Leib, Theuerd. Kap. 81, euer Leben. Dadurch ich schier mein Leib verlor, ebend. Kap. 75. Bey Leibe nicht! eine im gemeinen Leben übliche Art des Verbothes, so lieb wie dir dein Leben ist. Bey Leibe sprich kein Wort, Gell. Bey Leibe müßt ihr mich nicht gnädige Frau heißen, Weiße. Leib und Leben daran wagen. Seines Leibes keinen Rath wissen, im gemeinen Leben, schlechterdings keinen Rath wissen. Leib und Gut verlieren, Leben und Vermögen. ( S. Leibrente.) Leibzucht und andere der folgenden Zusammensetzungen. Geloubo ewigen Lip, ich glaube ein ewiges Leben, in dem alten apostolischen Glaubensbekenntnisse. Eben so ist bey dem Ulphilas Libains, Im Angels. Isländ. Schwed. und Nieders. Lif, Engl. Life, gleichfalls das Leben. Ja bey dem Suidas wird - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - durch - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , todt, erkläret, welches augenscheinlich das Oberdeutsche ableibig und Niederd. aflibig, todt, verstorben ist. Es kann seyn, daß Leib in dieser Bedeutung keine Figur von Leib, Corpus ist, sondern unmittelbar von Leben abstammet, oder vielmehr das Stammwort von diesem ist, und so wie dieses eigentlich ein merkliches Getöse, hernach eine Bewegung, und im engsten Verstande den Zustand eigener willkürlicher Bewegungen bedeutet hat. S. Leben.

Anm. Im Oberdeutschen hat dieses Wort noch jetzt im Plural sehr häufig die Leibe, welcher Form auch Luther zuweilen gefolgt ist. Selig sind die Leibe, die nicht geboren haben, Luc. 23, 29. Im Hochdeutschen ist der Plural auf -er ohne Ausnahme gangbar, ungeachtet dieser sonst eigentlich nur gewissen Neutris zukommt. Allein Leib ist auch in einigen Oberdeutschen Gegenden im ungewissen Geschlechte üblich. Im mittlern Lat. bedeutet Gleba einen todten Körper, einen Leichnam.


Leibarzt (W3) [Adelung]


Der Leibarzt, des -es, pur. die -ärzte, ein Arzt, welcher allein die Person eines großen Herren zu bedienen hat, und im Hochdeutschen am häufigsten der Leib-Medicus genannt wird; zum Unterschiede von dem Hofarzte oder Hof-Medico. Ehedem war der Leibarzt ein Arzt, welcher innere Krankheiten heilet; zum Unterschiede von einem Wundarzte.


Leibbarbier (W3) [Adelung]


Der Leibbarbier, des -s, plur. ut nom. sing. ein Barbier, welcher allein die Person eines großen Herren bedienet; zum Unterschiede von einem Hofbarbier.


Leibbede (W3) [Adelung]


Die Leibbede, plur. die -n, ein in einigen Niedersächsischen Gegenden übliches Wort, eine Bede oder Abgabe zu bezeichnen, vermittelst welcher gewisse Leibeigene von der Leibeigenschaft frey sind. S. Freygut 5.


Leibbiene (W3) [Adelung]


Die Leibbiene, plur. die -n, so fern Biene zuweilen auch einen Bienenstock bedeutet, ein Bienenstock, welcher zur Zucht stehen gelassen oder aufbehalten wird; ein Leibstock, Mutterstock, Vorzucht, Stammschwarm, Ständer. Vielleicht von Leib, so fern es etwas bedeutet, für welches man eine vorzügliche Sorgfalt und Neigung heget.


Leibbinde (W3) [Adelung]


Die Leibbinde, plur. die -n, eine Binde um den Unterleib, z. B. den Schlafrock damit zubinden.


Leib-Chirurgus (W3) [Adelung]


Der Leib-Chirurgus, des -gi, plur. die -gi, ein Chirurgus oder Wundarzt, welcher allein die Person eines großen Herren zu besorgen hat, der Leibwundarzt; zum Unterschiede von einem Hof-Chirurgo.


Leib-Compagnie (W3) [Adelung]


Die Leib-Compagnie, plur. die -n, bey den Armeen, diejenige Compagnie eines Regimentes, welche unmittelbar unter dem Chef des Regimentes stehet, deren Hauptmann der Chef selbst ist. Eine solche Escadron oder Schwadrone bey der Reiterey wird eine Leib-Escadron oder Leibschwadrone genannt. Von Leib, so fern es die Person selbst und unmittelbar bedeutet. S. auch Leib-Regiment.


Leibdienst (W3) [Adelung]


Der Leibdienst, des -es, plur. die -e, Frohndienste, welche ein Fröhner allein mit einer eigenen Person verrichtet, und wozu die Hand- und Fußdienste gehören; Leibfrohnen, zum Unterschiede von den Spanndiensten.


Leibeigen (W3) [Adelung]


Leibeigen, adj. et adv. m t seinem Leibe, d. i. mit seiner Person, einem andern als ein Eigenthum gehörig, im Gegensatze des frey; im Oberdeutschen eigen, im Osnabrück. eigenbehörig, in andern Gegenden leibesangehörig. Leibeigene Unterthanen haben. Ein leibeigener Knecht. Ein Leibeigener. Jemanden leibeigen amchen. Da die Leibeigenschaft sehr vieler Grade fähig ist, so wird auch dieses Wort in manchen Einschränkungen gebraucht. Leibeigene, welche der willkürlichen Gewalt eines andern unterworfen sind, heißen Sclaven, ehedem Knechte. In manchen Gegenden haftet die Leibeigenschaft so wohl auf den Personen, als Gütern; in manchen nur auf den Personen, und in manchen nur auf den Gütern allein.


Leibeigenschaft (W3) [Adelung]


Die Leibeigenschaft, plur. inus. der Zustand, da jemand leibeigen, d. i. für seine Person, und oft auch für seine Güter, ein Eigenthum eines andern ist; im Schwabensp. die Eigenschaft.


Leibeigenthum (W3) [Adelung]


Das Leibeigenthum, des -es, plur. inus. das Eigenthumsrecht über den Leib, d. i. die Person, eines anderen, das Recht über einen Leibeigenen.


Leiben (W3) [Adelung]


* Leiben, verb. reg. neutr. welches nur in einigen Ausdrücken des gemeinen Lebens üblich ist. Wie er leibt und lebt, wie er gestaltet ist und sich beweget, natürlich als wenn er lebte. Was wohl leibet, das seelet übel, was dem Leibe angenehm scheinet, ist oft der Seele schädlich. In dem Oberdeutschen ableiten, wo es sterben bedeutet, ist es das veraltete leiben, leben.


Leibesbeschaffenheit (W3) [Adelung]


Die Leibesbeschaffenheit, plur. die -en, die Beschaffenheit des Leibes oder Körpers eines Menschen in Ansehung seiner Gesundheit oder Stärke; die Constitution. Von guter, dauerhafter, starker Leibesbeschaffenheit seyn.


Leibesbürde (W3) [Adelung]


Die Leibesbürde, plur. die -n, in der anständigen Sprechart, besonders in der Kanzelsprache, ein Kind, mit welchem eine Frau schwanger gehet; in einer andern Beziehung die Leibesfrucht. Von der Leibesbürde entbunden werden.


Leib-Escadron (W3) [Adelung]


Die Leib-Escadron, plur. die -en, S. Leib-Compagnie.


Leibeserbe (W3) [Adelung]


Der Leibeserbe, des -n, plur. die -n, ein Erbe, welchen jemand selbst erzeuget hat, und in weiterer Bedeutung, ein Allodial-Erbe, so fern er von einem Lehenserben verschieden ist.


Leibesfehler (W3) [Adelung]


Der Leibesfehler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fehler oder Mangel an dem Leibe oder Körper, im Gegensatze eines Fehlers an der Seele oder dem Gemüthe.


Leibesfrucht (W3) [Adelung]


Die Leibesfrucht, plur. inus. ( S. Leibesbürde.) In weiterer Bedeutung, auch ein jedes Kind, so fern man dasselbe als eine Frucht seines Leibes betrachtet. Kinder sind eine Gabe des Herren, und Leibesfrucht ist ein Geschenk, Ps. 127, 3.


Leibesgaben (W3) [Adelung]


Die Leibesgaben, sing. inus. Gaben, d. i. Fähigkeiten, des Leibes, zum Unterschiede von den Gemüths- oder Geistesgaben.


Leibesgefahr (W3) [Adelung]


Die Leibesgefahr, plur. die -en, ein vorzüglich in dem zusammen gesetzten Leib- und Lebensgefahr üblicher Ausdruck, eine Gefahr zu bezeichnen, von welcher so wohl der unverletzte Zustand des Leibes als auch das Leben selbst bedrohet wird. In Leib- und Lebensgefahr gerathen.


Leibesgestalt (W3) [Adelung]


Die Leibesgestalt, plur. die -en, die Gestalt des Leibes oder Körpers.


Leibeslänge (W3) [Adelung]


Die Leibeslänge, plur. die -n, die Länge des Leibes oder Körpers.


Leibesleben (W3) [Adelung]


* Leibesleben, ein nur in den gemeinen Sprecharten mit dem Vorworte übliches Wort. Die so genannten Großen werden oft noch bey Leibesleben wieder kleiner, wie der Körper alter Leute, Hermes; d. i. in ihrem gegenwärtigen Leben.


Leibespflege (W3) [Adelung]


Die Leibespflege, plur. inus. die Pflege oder Wartung des Leibes.


Leibessorge (W3) [Adelung]


Die Leibessorge, plur. inus. die Sorge für die Wohlfahrt des Leibes.


Leibesstrafe (W3) [Adelung]


Die Leibesstrafe, plur. die -n, eine Strafe, welche unmittelbar an dem Leibe oder Körper, durch Verursachung körperlicher Schmerzen vollzogen wird; zum Unterschiede von der Geldstrafe und Lebensstrafe. Etwas bey Leibesstrafe verbiethen. In dem zusammen gesetzten Leib- und Lebensstrafe, scheinet es die veraltete Bedeutung des Lebens zu haben, so daß das hinzu gefügte dem ersten nur zur Erklärung dienet.


Leibesübung (W3) [Adelung]


Die Leibesübung, plur. die -en, eine Übung der Glieder und Fähigkeiten des Leibes, d. i. des Körpers.


Leibfall (W3) [Adelung]


Der Leibfall, des -es, plur. die -fälle, in einigen Gegenden, derjenige Fall, d. i. Umstand, da das Gut eines Leibeigenen nach dessen Tode an den Eigenthumsherren zurück fällt; der Hauptfall. Daher leibfällige Güter, welche nach dem Tode des Inhabers an den Eigenthumsherren zurück fallen, und welche an andern Orten Schupflehen und Fallgüter genannt werden.


Leibfarbe (W3) [Adelung]


Die Leibfarbe, plur. die -n. 1) Eine Farbe, welcher man vorzüglich geneigt ist, oder in welcher ein Ding an häufigsten erscheinet. Roth ist meine Leibfarbe. Es ist doch in der ganzen Natur nichts so reizendes las ein artiges Mädchen, das noch die Leibfarbe der Unschuld nicht verloren hat, Weiße. Die grüne Farbe ist die Leibfarbe des Vergnügens und der Freude. 2) Die natürliche Farbe des nackten menschlichen Leibes in seinem blühendsten Zustande, welche ein mit sehr wenig Roth vermischtes Weiß ist; die Fleischfarbe, Franz. Incarnat. Daher das Bey- und Nebenwort leibfarben oder leibfarbig, diese Farbe habend.


Leibfrohne (W3) [Adelung]


Die Leibfrohne, plur. die -n, S. Leibdienst.


Leibgarde (W3) [Adelung]


Die Leibgarde, plur. die -n, S. Leibwache.


Leibgedinge (W3) [Adelung]


Das Leibgedinge, des -s, plur. ut nom. sing. das Gedinge, d. i. bestimmter ausbedungener und verglichener Unterhalt auf Lebenszeit, von Leib, so fern es ehedem das Leben bedeutete; da denn dieses Wort von verschiedenen solcher Anstalten geraucht wird. So wird derjenige Unterhalt, welchen vornehme Personen ihren Gemahlinnen so wohl bey ihrem Leben, als auch nach ihrem Tode aussetzen, und welcher in dem letztern Falle auch der Witwengehalt, das Witthum heißt, das Leibgedinge und mit einem mehr veraltenden Worte die Leibzucht genannt; da denn auch diejenigen Güter diesen Nahmen führen, auf welche solcher Unterhalt angewiesen wird. Auch die erhöheten Zinsen, welche sich jemand auf Lebenszeit von einem weggegebenen Capitale für seine Person bedinget, und welche auch der Leibgewinn, die Leibgülte, am häufigsten aber die Leibrenten heißen, führen zuweilen den Nahmen des Leibgedinges, so wie die Wohnung und der Unterhalt, welchen sich ein Bauer nach abgegebenem Bauernhofe von seinem Nachfolger ausbedinget, und welcher in einigen Gegenden auch die Leibzucht und der Auszug genannt wird. Im Schwabenspiegel Lipdinge. Daher der Leibgedingsbrief, die in allen obigen Fällen darüber ausgestellte Urkunde; verleibdingen, mit einem Leibgedinge versehen u. s. f.


Leibgeld (W3) [Adelung]


Das Leibgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1) An einigen Orten, z. B. in Baiern, ein gewisses Geld, welches die leibeigenen Unterthanen dem Grund- und Eigenthumsherren zur Erkenntniß des Leibeigenthumes jährlich entrichten müssen, und welches auch der Leibpfennig, der Leibschilling, und wenn statt des Geldes ein Huhn, eine Gans, Hafer u. s. f. gegeben wird, das Leibhuhn oder die Leibhenne, die Leibgans, der Leibhafer u. s. f. genannt wird. ( S. Haupthafer) 2) Auch dasjenige Geld, welches dem Eigenthumsherren bey dem Absterben eines Leibeigenen von den Erben anstatt des ihm sonst gebührenden dritten Theiles der Erbschaft gegeben wird. 3) In einigen Gegenden wird auch die Kopfsteuer oder das Personengeld das Leibgeld oder der Leibpfennig genannt; von Leib, die Person.


Leibgeleit (W3) [Adelung]


Das Leibgeleit, des -es, plur. inus. das persönliche Geleit reisender Personen durch einen Geleitbezirk, und das Recht, Durchreisende von den dazu bestellten Personen wirklich und persönlich geleiten zu lassen. S. Geleit 2. 2) (a). Von Leib, die Person.


Leibgewinn (W3) [Adelung]


Der Leibgewinn, des -es, plur. inus. S. Leibgedinge.


Leibgülte (W3) [Adelung]


Die Leibgülte, plur. die -n, S. Leibgedinge.


Leibgürtel (W3) [Adelung]


Der Leibgürtel, des -s, plur. ut nom. sing. oder der Leibgurt, des -es, plur. die -e, ein Gürtel oder Gurt, den Unterleib damit gürten.


Leibgut (W3) [Adelung]


Das Leibgut, des -es, plur. die -güter, ein jemanden zu seinem persönlichen Unterhalte auf Lebenszeit angewiesenes Gut, ein Gut, von welchem einer Person ein Leibgedinge ausgesetzet ist.


Leibhafer (W3) [Adelung]


Der Leibhafer, des -s, plur. inus. S. Leibgeld.


Leibhaft (W3) [Adelung]


Leibhaft, oder Leibhaftig, adj. et adv. 1) * Körperlich, mit einem Körper versehen; eine veraltete Bedeutung, in welcher in dem 1483 gedruckten Buche der Natur die Körper leibhaftige Dinge genannt werden. 2) In engerer Bedeutung, mit einem organischen Körper bekleidet, auf eine sinnliche, körperliche Art. Alle Fülle der Gottheit wohnet in Christo leibhaftig, Col. 2, 9, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . In leibhafter Gestalt. Er ist mir leibhaftig erschienen. Von dem Teufel leibhaftig (körperlich) besessen seyn. Wo es 3) figürlich oft für wirklich, wahr, auf eine sinnlich überzeugende Art stehet. Er ist der leibhaftige Teufel, ein wirklicher, eingefleischter Teufel. Er spielt den leibhaftigen Pedanten. Er ist es leibhaftig, wirklich, in körperlicher Gestalt. Sie ist das leibhafte Bild ihrer Mutter. Du würdest dich gewiß leibhaftig sehen können, Opitz.

Anm. So fern Leib ehedem das Leben bedeutete, kommt liphaft bey dem Ottfried und Notker für lebendig, und liphaften für lebendig machen vor.


Leibhenne (W3) [Adelung]


Die Leibhenne, plur. die -n, S. Leibgeld.


Leibherr (W3) [Adelung]


Der Leibherr, des -en, plur. die -en, der Eigenthumsherr eines Leibeigenen, der Herr in Ansehung seiner Leibeigenen.


Leibhetze (W3) [Adelung]


Die Leibhetze, plur. die -n, im Jagdwesen, die zu einer Hetze gehörigen Hetzhunde, welche der Herr der Jagd zur Sauhetze für sich behält, und sie in seiner Gegenwart los hetzen lässet. S. Leib 3. 3).


Leibhuhn (W3) [Adelung]


Das Leibhuhn, des -es, plur. die -hühner, S. Leibgeld.


Leibhund (W3) [Adelung]


Der Leibhund, des -es, plur. die -e, ein Hund, welchen ein vornehmer Herr beständig um seine Person hat, zum Unterschiede von einem Kammerhunde. Auch ein Hund, welchem man vorzüglich gewogen ist. S. Leib, 3. 3).


Leibig (W3) [Adelung]


* Leibig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben so wohl von Thieren als Menschen gebraucht wird, gut bey Leibe, mit Fett und Fleische wohl versehen, fleischig. In ableibig, im Oberdeutschen für todt, hartleibig, u. s. f. hat es andere Bedeutungen.


Leibjäger (W3) [Adelung]


Der Leibjäger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Jäger, welcher bey der Jagd beständig um die Person eines vornehmen Herren ist, der Leibschütz; zum Unterschiede von einem bloßen Hofjäger oder Hofschützen.


Leibknecht (W3) [Adelung]


Der Leibknecht, des -es, plur. die -e, an den Höfen, ein Knecht in dem Reitstalle, welcher die Leibpferde des Herren in seiner Aufsicht hat; zum Unterschiede von den Sattelknechten.


Leibkräuserinn (W3) [Adelung]


Die Leibkräuserinn, plur. die -en, eben daselbst, eine Hofbediente, welche die Manschetten und andere Krausen des Herren oder seiner Gemahlinn in ihrer Versorgung hat, und welche nach einer verderbten Aussprache an manchen Höfen die Leibgrößerinn genannt wird.


Leibkuchen (W3) [Adelung]


Der Leibkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. in Preußen, ein rundes aus feinem Weitzenmehle gemachtes Brot, welches an dem Neujahrstage gebacken und verkauft oder verschenkt wird. Da man nach einem alten Aberglauben die Nahmen der Personen, an welche man diese Brote verschenken will, vor dem Backen auf dieselben aufkleben lässet, und dann glaubt, daß derjenige in diesem Jahre sterben werde, dessen Kuchen gebrochen ist, so scheinet hier Leib entweder die Person oder auch das Leben zu bedeuten, wenn es nicht vielmehr das alte Leib, Brot, ist, einen Brotkuchen damit zu bezeichnen. S. Leib 1.


Leibkürschner (W3) [Adelung]


Der Leibkürschner, des -s, plur. ut nom. sing. an den Höfen, ein Kürschner, welcher allein die Kürschnerwaaren des Herren und seiner Gemahlinn besorgt; zum Unterschiede von dem Hofkürschner.


Leibkutscher (W3) [Adelung]


Der Leibkutscher, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Kutscher, welcher nur allein den Herren oder dessen Gemahlinn fähret; zum Unterschiede von dem Hof- und Kammerkutscher.


Leiblackey (W3) [Adelung]


Der Leiblackey, des -en, plur. die -en, eben daselbst, ein Lackey, welcher nur allein zur Bedienung eines vornehmen Herren bestimmt ist; zum Unterschiede von den Hof- und Kammerlackeyen.


Leiblich (W3) [Adelung]


Leiblich, adj. et adv. 1) Dem Leibe nach, in dem Leibe gegründet, körperlich; im Gegensatze zu geistlich. Etwas mit leiblichen Augen betrachten, zum Unterschiede von den geistlichen Augen, oder dem Verstande. Die Leibliche Schönheit. Leibliche Schwachheiten. Der leibliche Tod, der natürliche, weil er in der Auflösung der Theile des Leibes bestehet; zum Unterschiede von dem geistlichen und ewigen Tode der Theologen. In weiterer Bedeutung wird, besonders in der biblischen Schreibart oft alles, was in dem gegenwärtigen Zusammenhange der Körperwelt gegründet ist, und mit den Sinnen des Leibes empfunden wird, leiblich genannt; zum Unterschiede von dem was geistlich und ewig ist. Leibliche Dinge, zeitliche, irdische. Leibliche Götter. 2) Mit einem Leibe, d. i. Körper versehen; doch nur in einigen Fällen. In leiblicher Gestalt erscheinen. 3) Ein leiblicher Eid, welchen man in eigener Person ableget, von Leib, Person, und welchen man auch einen körperlichen Eid nennt, obgleich beyde ehedem noch verschieden gewesen zu seyn scheinen. 4) Unmittelbar von jemandes Leibe, d. i. Person herkommend, darin gegründet, wo es nur in Rücksicht auf die Zeugung gebraucht wird; im mittlern Lat. carnalis. Ein leiblicher Bruder, der mit einem andern von einerley Ältern gezeuget worden, ein vollbürtiger, echter Bruder; zum Unterschiede von einem Halbbruder oder Stiefbruder. Er ist sein leiblicher Vater, sie ist seine leibliche Mutter. Leibliche Geschwister. Leibliche Kinder, welche man selbst gezeuget hat, und welche, wenn sie in rechtmäßiger Ehe gezeuget worden, eheleiblich heißen; zum Unterschiede von den unehelichen

Anm. So fern Leib ehedem das Leben bedeutete, hieß leiblich ehedem auch lebendig, welche Bedeutung das Holländ. lieflick und Schwed. liflig noch haben. Für leiblich in der heutigen Bedeutung braucht Notker lichanhafti.


Leib-Medicus (W3) [Adelung]


Der Leib-Medicus, des -ci, plur. die -ci, S. Leibarzt.


Leibnähterinn (W3) [Adelung]


Die Leibnähterinn, plur. die -en, an den Höfen, eine Person, welche allein für eine der Hauptpersonen des Hofes nähet.


Leibpacht (W3) [Adelung]


Der Leibpacht, des -es, plur. die -pächte, ein Pacht aus Lebenszeit, welcher eine Art des Erbpachtes ist; von Leib, das Leben, oder auch die Person.


Leib-Page (W3) [Adelung]


Der Leib-Page, (sprich Leib-Pasche,) des -n, plur. die -n, an einigen Höfen, ein Page, welcher unmittelbar den Herren bedienet, und am nächsten um dessen Person ist; zum Unterschiede von den Hof- und Kammer-Pagen.


Leibpfennig (W3) [Adelung]


Der Leibpfennig, des -es, plur. die -e, S. Leibgeld.


Leibpferd (W3) [Adelung]


Das Leibpferd, des -es, plur. die -e, ein Pferd, welches ein vornehmer Herr allein, und in Person reitet.


Leibrecht (W3) [Adelung]


Das Leibrecht, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, das Leibeigenthum, das Eigenthumsrecht über die Person eines andern.


Leib-Regiment (W3) [Adelung]


Das Leib-Regiment, des -es, plur. die -er, ein Regiment Soldaten, von welchem der Landesherr oder dessen Gemahlin selbst Oberster ist.


Leibrente (W3) [Adelung]


Die Leibrente, noch häufiger aber im Plural, die Leibrenten, Renten, d. i. Einkünfte, welche jemand auf Lebenszeit genießet. In engerer Bedeutung sind die Leibrenten erhöhrte Zinsen, welche man sich von einem weggegebenen Capitale auf Lebenszeit bedinget, dagegen das Capital nach des Gläubigers Tode dem Schuldner anheim fällt; Leibzinsen. Siehe Leibgedinge und Rente.


Leibrock (W3) [Adelung]


Der Leibrock, des -es, plur. die -röcke, ein Rock oder Kleid, welches nahe an dem Leibe lieget; ein Wort, welches am häufigsten aus der Deutschen Bibel bekannt ist, wo der Leibrock der priesterlichen Kleidung der ehemaligen Juden war.


Leibschilling (W3) [Adelung]


Der Leibschilling, des -es, plur. die -e, S. Leibgeld.


Leibschirm (W3) [Adelung]


Der Leibschirm, des -es, plur. die -e, in der Jägerey, der Jagdschirm, so fern er unmittelbar zum Behuf des Herren der Jagd dienet. S. Jagdschirm.


Leibschmerzen (W3) [Adelung]


Die Leibschmerzen, sing. inus. Schmerzen im Unterleibe und den Gedärmen; das Leibweh, in der niedrigen Sprechart Bauchschmerzen.


Leibschneiden (W3) [Adelung]


Das Leibschneiden, des -s, plur. inus. im gemeinen Leben, ein schneidender Schmerz in den Gedärmen.


Leibschneider (W3) [Adelung]


Der Leibschneider, des -s, plur. ut nom. sing. an den Höfen, ein Schneider, welcher allein die Kleider für die Person eines vornehmen Herren verfertiget; zum Unterschiede von dem Hofschneider, Jagdschneider u. s. f.


Leibschuster (W3) [Adelung]


Der Leibschuster, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein solcher Schuster.


Leibschütz (W3) [Adelung]


Der Leibschütz, des -en, plur. die -en, 1) S. Leibjäger. 2) Ehedem wurden auch die Trabanten, so fern sie die Person eines vornehmen Herren bewachten, Leibschützen genannt.


Leibschwadrone (W3) [Adelung]


Die Leibschwadrone, plur. die -n, S. Leib-Compagnie.


Leibspruch (W3) [Adelung]


Der Leibspruch, des -es, plur. die -sprüche, ein Spruch, d. i. lehrreicher oder sinnreicher Satz, welchen man vorzüglich liebt; mit ausländischen Wörtern das Symbolum, die Devise.


Leibstock (W3) [Adelung]


Der Leibstock, des -es, plur. die -stöcke, S. Leibbeine.


Leibstuhl (W3) [Adelung]


Der Leibstuhl, des -es, plur. die -stühle, in der anständigen Sprechart, der Nahme eines Nachtstuhles, weil er zu den Bedürfnissen des Unterleibes dienet.


Leibwache (W3) [Adelung]


Die Leibwache, plur. die -n, Personen, welche zur Bewachung, zur Sicherheit der Person des Landesherren bestimmt sind. Von der Art ist im Felde die Leibwache die zur Bewachung des Hauptquartiers bestimmten Soldaten. Sind solche allein dazu bestimmt, für die Sicherheit des Fürsten auch an seinem Hofe zu wachen, so werden sie auch die Leibgarde und mit einem völlig Französ. Ausdrucke die Garde du Corps genannt; obgleich zuweilen beyde noch unterschieden werden.


Leibwagen (W3) [Adelung]


Der Leibwagen, des -s, plur. die -wägen, an den Höfen, derjenige Wagen, worin allein die Herrschaft fähret; zum Unterschiede von den Hof- und Kammerwagen. Daher der Leibwagenmeister, der nebst den unter ihm stehenden Leibwagenhaltern diese Wagen in seiner Aufsicht hat.


Leibwäsche (W3) [Adelung]


Die Leibwäsche, plur. inus. Wäsche, welche man unmittelbar am Leibe trägt; zum Unterschiede von der Bettwäsche, Tischwäsche u. s. f.


Leibwäscherinn (W3) [Adelung]


Die Leibwäscherinn, plur. die -en, eine Wäscherinn, welche allein die Leibwäsche einer Person wäschet.


Leibwasser (W3) [Adelung]


Das Leibwasser, des -s, plur. inus. das bey der Wassersucht in der Höhle des Unterleibes befindliche Wasser, zum Unterschiede von dem Brustwasser u. s. f.


Leibweh (W3) [Adelung]


Das Leibweh, des -es, plur. inus. S. Leibschmerzen.


Leibwundarzt (W3) [Adelung]


Der Leibwundarzt, des -es, plur. die -ärzte, S. Leib-Chirurgus.


Leibzeichen (W3) [Adelung]


Das Leibzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Criminal-Gerichten, besonders Oberdeutschlandes, das zum Beweise einer begangenen Mordthat von dem Ermordeten in das Gericht gebrachte körperliche Zeichen.


Leibzinsen (W3) [Adelung]


Die Leibzinsen, sing. inus. die Zinsen auf Lebenszeit, siehe Leibrente.


Leibzucht (W3) [Adelung]


Die Leibzucht, plur. die -züchte, der Unterhalt auf Lebenszeit; ein Wort, welches im Hochdeutschen ungewöhnlicher zu werden anfängt, als das gleichbedeutende Leibgedinge, S. dasselbe. Im Nieders. Lieftocht. Auch der Auszug, d. i. die Wohnung und der Unterhalt, welchen sich ein Meier oder Bauer nach übergebenem Meiergute auf Lebenszeit ausbedinget; wird in vielen Gegenden die Leibzucht, und ein solcher beleibzüchtigter der Leibzüchter, und wenn es eine Person weiblichen Geschlechtes ist, die Leibzüchterinn genannt. Zucht scheinet in dieser Zusammensetzung so wie ein Auszug, von ausziehen, ausbedingen, abzustammen, und dasjenige zu bezeichnen, was man sich auf Lebenszeit ausbedinget.


Leich (W3) [Adelung]


1. * Das Leich, des -es, plur. die -e, ein nur noch in einigen Gegenden, und in einigen Fällen übliches Wort. 1) Ein hohler Raum; in welcher Bedeutung es zunächst zu Lache, Loch u. s. f. zu gehören scheinet. In einer alten handschriftlichen Übersetzung der Sprichwörter Salomonis aus dem Anfange des 15ten Jahrhundertes ist Herczenleich eben das, was in den späteren Zeiten Herzenschrein genannt wurde. In den Wasserkünsten ist das Mundleich das äußerste Stück Rohr, woraus das Wasser senkrecht in die Höhe steiget. 2) Ein ebener Platz. Eine Kegelbahn wird in manchen Gegenden, z. B. in Thüringen, das Kugelleich genannt. Daher das lange Leich, der Langschub, im Gegensatze des kurzen Leiches oder des Kurzschubes, Auch ein Stück Land an der Gränze führet in Thüringen den Nahmen des Leiches. Das Mühlberger Leich, ein solches Stück Landes an der Mühlberger Gränze, wo es aber auch die gleich folgende Bedeutung haben kann. Daher werden in manchen Gegenden auch noch gewisse Gassen das Leich genannt. So ist das Endleich in Erfurt der Nahme einer Gasse, welche ehedem am Ende der Stadt lag. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno bedeutet Leige den Weg, und figürlich eine Reise; wovon allem Ansehen auch nach das alte Gallische Leuga, und heutige Französische Lieue abstammt. S. Legen, Leiten, zu welchem Geschlechte es zu gehören, und eigentlich einen niedrigen, d. i. ebenen, flachen Ort, und hernach in weiterer Bedeutung eine jede Fläche, einen jeden Ort zu bezeichnen scheinet, wie noch jetzt das Franz. Lieu, und Lat. Locus. Im Angels. ist Lea ein Feld, ein Ort, und Aclea ein Eichelfeld, ein Eichelbaum. 3) Ein Mahl, ein Ziegel, gleichfalls nur im gemeinen Leben einiger Gegenden; eine mit der vorigen genau verbundene Bedeutung. So wird dieses Wort in den ländlichen Spielen in Thüringen und Franken gebraucht. Das Leich geben, setzen, das Mahl.


Leich (W3) [Adelung]


2. Das Leich, des -es, plur. inus. der mit einem zähen Schleime vermischte Rogen oder Same der Fische, Frösche und anderer ähnlicher Wasserthiere, welche keine lebendige Jungen gebären, und den die Weibchen ihres Geschlechtes zu gewissen Zeiten auslassen. Fischleich, Froschleich. Auch die Handlung des Leichens wird zuweilen das Leich genannt. Im May sind manche Fische wegen des Leiches am leichtesten zu fangen. Nieders. Look, im Wend. Lejch. S. Leichen.


Leichbegängniß (W3) [Adelung]


Das Leichbegängniß, S. Leichenbegängniß.


Leichdorn (W3) [Adelung]


Der Leichdorn, ds -es, plur. die -dörner, im gemeinen Leben, eine Benennung eines Hühnerauges, d. i. einer erhobenen und zugleich spitzigen Erhöhung an den untern Theilen der Füße, und besonders der Zehen, welche aus einer Verhärtung der Nerven entstehet, und eine stechende schmerzhafte Empfindung verursacht. Leichdörner haben. Nieders. Liekdoorn, in einigen Gegenden Lieddorn, von Lied, das Glied, Gelenk, im Dän. Lugtorn, Schwed. Liktorn. Die erste Hälfte dieses Wortes ist das folgende 2. Leiche, so fern es ehedem Fleisch, den fleischigen Theil eines Körpers, bedeutete.


Leiche (W3) [Adelung]


1. Die Leiche, plur. inus. die Zeit, wenn die leichenden Thiere zu leichen pflegen; ingleichen die Handlung des Leichens selbst. Die Karpfenleiche, Hechtleiche, Froschleiche. Die Fische treten in die Leiche, wenn sie anfangen zu leichen.


Leiche (W3) [Adelung]


2. Die Leiche, plur. die -n, ein Wort, welches ehedem in einem weitern Umfange der Bedeutung gebraucht wurde als jetzt. Es bedeutete. 1. * Fleisch, die fleischigen muskulösen Theile des thierischen Körpers. In diesem Verstande lautet es im Isidor, selbst in der figürlichen biblischen Bedeutung, Liihhe, bey dem Ulphilas Leik, im Finnländischen noch jetzt Liha, im Wallach. Leike, und schon im Arab. Lachma. Im Deutschen ist es in diesem Verstande veraltet, außer daß noch Leichdorn, und das Nieders. Likteken, Fries. Licklaven, eine Narbe, das Andeuten derselben erhält. Aus eben dieser Ursache heißt der Krebs im Schwed. Likmask, der Aussatz im Isländ. Likthraa, und ein Aussätziger im Angels. Lic-throvere. 2. * Der menschliche Leib oder Körper, er sey todt oder lebendig; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher Lichi noch bey dem Ottfried Liche bey dem Notker, Leik bey dem Ulphilas, und Lic im Angelsächsischen vorkommen. Eine Leiche in der heutigen Bedeutung pflegte man alsdann eine todte Leiche zu nennen. 3. In engerer Bedeutung, der Körper eines verstorbenen Menschen, ehedem in dem weitesten Verstande, dessen dieses Wort nur fähig ist; daher die Leiber der verstorbenen Heiligen in den Gräbern im Angels. Leika heißen. Jetzt gebraucht man es im Deutschen nur, wie schon Herr Stosch bemerket im engern Verstande von dem Körper eines Verstorbenen vor seiner Beerdigung, von einem todte Körper, so fern er beerdiget werden soll; und zwar 1) eigentlich. Eine Leiche im Hause haben. Er war so blaß wie eine Leiche. Das Schlachtfeld liegt voller Leichen. Die Leiche beschicken, ankleiden u. s. f. Mit dr Leiche gehen, nähmlich zu Grabe. Die Leiche begleiten, sie zum Grabe begleiten. Die Nadler pflegen, vermuthlich im Scherze, die mißrathenen Nadelköpfe, und die Schriftsetzer ausgelassene Stellen, Leichen zu nennen. 2) Figürlich, das Leichenbegängniß, eine nur in einigen Gegenden übliche Bedeutung. Eine Leiche anstellen, halten. Doch sagt man auch im Hochdeutschen, zur Leiche bitten, zum Leichenbegängnisse. Zur Leiche gehen. Eine vornehme Leiche, ein vornehmes Leichenbegängniß.

Anm. Es scheinet zunächst die weiche Beschaffenheit des Fleisches auszudrucken, und mit diesem Worte Eines Geschlechtes zu seyn, welches allem Ansehen nach nur durch Vorsetzung des Blaselautes daraus gebildet worden. S. auch Leichnam.


Leichen (W3) [Adelung]


Leichen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und im Hochdeutschen nur allein von denjenigen Wasserthieren gebraucht wird, welche keine lebendige Jungen gebären, die Eyer, den Samen auslassen. Die Fische, die Frösche leichen, wenn den Weibchen die Eyer abgehen, welche von den Männchen durch Weglassung des Samens befruchtet werden, daher das Leich einem zähen Schleime ähnlich siehet.

Anm. Im Nieders. löken, im Schwed. leka. Sonst wird das Leichen auch streichen, im Nieders. geten, schaden, von scheten, schießen, der Leich Schot, und die Leichzeit Schadeltied genannt. Es scheinet, daß der flüssige zähe Schleim, der die Eyer zusammen hängt, den Grund zu dieser Benennung abgegeben; so daß dieses Wort zu dem Geschlechte der Wörter Lache, Lake, Lauge, vielleicht auch zu Kley u. a. m. gehören würde. Wahr ist es, daß in einigen gemeinen Mundarten leichen auch spielen, scherzen, selbst wollüstig scherzen, bedeutet, ingleichen täuschen, betriegen, wovon Frisch Beyspiele anführet, welche Bedeutungen auch das Schwed. leka hat, welches über dieß noch auf einem Instrumente spielen, ingleichen streiten, fechten bedeutet. Aber alsdann scheinet es zunächst zu läcken, springen, vielleicht auch zu 2. Lecken zu gehören. ( S. diese Wörter.) Die Schreibart laichen hat nichts als die rauhe Oderdeutsche Mundart für sich.


Leichenacker (W3) [Adelung]


Der Leichenacker, S. Gottesacker.


Leichenbegängniß (W3) [Adelung]


Das Leichenbegängniß, des -sses, plur. die -sse, die feyerliche Bestattung eines Verstorbenen zur Erde, zum Unterschiede von dem nicht so feyerlichen Begräbnisse; die Leichenbestattung, und wenn selbige mit einem besondern feyerlichen Gepränge verbunden ist, das Leichengepränge. Im gemeinen Leben ist auch das einfachere Begängniß und im Oberd. das Leichenbesingniß üblich. S. Begängniß.


Leichenbegleitung (W3) [Adelung]


Die Leichenbegleitung, plur. die -en, die Begleitung einer Leiche zum Grabe. Ingleichen diejenigen Personen, welche eine Leiche zum Grabe begleiten, als ein Collectivum. Einzelne Personen heißen Leichenbegleiter und Leichenbegleiterinnen.


Leichenbitter (W3) [Adelung]


Der Leichenbitter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Leichenbitterinn, eine Person, welche dazu verordnet ist, andere zur Leichenbegleitung zu bitten; in einigen Gegenden Leidbitter. Nieders. Dodenbidder, Doonbidder.


Leichenfackel (W3) [Adelung]


Die Leichenfackel, plur. die -n, Fackeln, welche bey einem nächtlichen Leichenbegängnisse den Begleitern leuchten; Trauerfackeln.


Leichengedicht (W3) [Adelung]


Das Leichengedicht, des -es, plur. die -e, ein Gedicht, welches bey Gelegenheit einer Leiche, oder auf das Absterben einer Person verfertiget wird; das Trauergedicht, und wenn es eine Ode ist, die Trauerode, Leichenode, im gemeinen Leben das Leichen-Carmen oder Trauer-Carmen.


Leichengerüst (W3) [Adelung]


Das Leichengerüst, des -es, plur. die -e, ein zierliches Gerüst, worauf bey vornehmen Leichen der Sarg unter einem Baldachin stehet, und mit allerley Mahler- und Bildhauerarbeiten ausgeschmücket ist; Lat. Castrum doloris, Franz. Catafalque.


Leichenhuhn (W3) [Adelung]


Das Leichenhuhn, des -es, plur. die -hühner, S. Huhn 1. und Uhu.


Leichenkosten (W3) [Adelung]


Die Leichenkosten, sing. inus. die zu einem Leichenbegängnisse oder auch nur zu einem Begräbnisse erforderlichen Kosten.


Leichenmahl (W3) [Adelung]


Das Leichenmahl, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, -mähler, die nach einem Begräbnisse oder Leichenbegängnisse in einigen Gegenden noch übliche feyerliche Mahlzeit; das Trauermahl.


Leichen-Musik (W3) [Adelung]


Die Leichen-Musik, plur. die -en, die bey einer Leiche, d. i. einem Leichenbegängnisse veranstaltete, feyerliche Musik; die Trauer-Musik.


Leichenpredigt (W3) [Adelung]


Die Leichenpredigt, plur. die -en, die Predigt, welche bey einem Begräbnisse oder Leichenbegängnisse gehalten wird; im gemeinen Leben die Leichpredigt.


Leichenstein (W3) [Adelung]


Der Leichenstein, des -es, plur. die -e, der flache breite Stein, womit man die Grabstätte eines Verstorbenen zu bedecken pflegt; der Grabstein.


Leichenträger (W3) [Adelung]


Der Leichenträger, des -s, plur. ut nom. sing. diejenigen, welche die Leiche zu Grabe tragen.


Leichentuch (W3) [Adelung]


Das Leichentuch, des -es, plur. die -tücher, ein schwarzes, an einigen Orten auch weißes Tuch, womit der Sarg der Leiche bey dem Begräbnisse bedeckt wird; im Nieders. und Oberd. das Baartuch, weil es zugleich die Totenbahre bedecket.


Leichenwagen (W3) [Adelung]


Der Leichenwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein besonderer Wagen, worauf die Leichen zu Grabe gefahren werden.


Leichenzug (W3) [Adelung]


Der Leichenzug, des -es, plur. die -züge, der feyerliche Zug der Leichenbegleiter und diese selbst, als ein Collectivum.


Leichhuhn (W3) [Adelung]


Das Leichhuhn, S. Huhn 1. und Uhu.


Leichkarpfen (W3) [Adelung]


Der Leichkarpfen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Landwirthschaft, Karpfen, welche zum Leichen, oder zur Fortpflanzung ihres Geschlechtes in die Streichteiche gesetzet werden; Streichkarpfen.


Leichnam (W3) [Adelung]


Der Leichnam, des -es, plur. die -e. 1) * Der menschliche Leib oder menschliche Körper, er sey todt oder lebendig; in welcher weitern, im Hochdeutschen jetzt veralteten Bedeutung Liihhamin im Isidor, Lihhamu im Kero, Lichamon bey dem Ottfried, Lichama im Angelsächsischen, Liekam im Niedersächsischen, Legneme im Dänischen und Lekamen im Schwedischen, von dem Leibe eines lebendigen Menschen vorkommen. Notker nennet daher die Menschwerdung Christi Lichamhafti. Das Frohnleichnamsfest, in der Römischen Kirche, das Fest des Leibes Christi. Es scheinet, daß diese Bedeutung in einigen Hochdeutschen Gegenden noch jetzt üblich ist. Wenigstens singt noch Opitz: In eurem Leichnam ist zwar alle Zierlichkeit, Doch auch nicht wenig steht vom Himmel trefflich weit. Sie ist zuvor kommen, meinen Leichnam zu salben zu meinem Begräbniß, Marc. 14, 8. Und will eure Leichnam vor den Bildern todt schlagen lassen, Ezech. 6, 4. Denn der sterbliche Leichnam beschweret die Seele, Weish. 10, 15. 2) In engerer Bedeutung, in welcher es im Hochdeutschen nur allein üblich ist, wird es nur in der edlen und anständigen Schreibart gebraucht, den Leib eines Verstorbenen zu bezeichnen, wo es sich zugleich weiter erstreckt, als das Wort Leiche, indem es einen solchen todten Körper zu allen Zeiten bezeichnen kann. Der erblaßte Leichnam. Der Leichnam eines Heiligen. Anm. Die erste Sylbe in diesem Worte ist unstreitig das vorige 2. Leiche. Die letzte -nam, welche, wie aus dem obigen erhellet, ehedem nur ham und am lautete, ist noch dunkel. Hickes erkläret sie durch anma, Geist, ( S. Athem,) und Sommer durch hama, Haut, Decke, ( S. Heim,) worin ihm Wachter beyfällt, der das Wort durch eine sterbliche Hütte, domicilium terrenum et corporale, erkläret. Ihre ist zweifelhaft, bringt aber, wenn die Bedeutung eines todten Körpers die erste und eigentliche seyn sollte, das Isländ. hamur, exuviae, in Vorschlag, so daß Leichnam eigentlich einen todten Körper bedeuten würde. Übrigens war für Leichnam bey den Angelsachsen auch Fleichama üblich, so wie sie die Brust Ferhtcofa, den Koben, d. i. Sitz, Behältnis des Lebens, nannten, welches Sommers Ableitung zu bestätigen scheinet.


Leichpredigt (W3) [Adelung]


Die Leichpredigt, S. Leichenpredigt.


Leicht (W3) [Adelung]


Leicht, -er, -este, adj. et adv. welches dem schwer entgegengesetzet ist, und im eigentlichsten und schärfsten Verstande nur von solchen Körpern gesagt werden könnte, welche den Mittelpunkt der Schwere gleichsam von selbst zu fliehen scheinen. Aus dieser Ursache nennt man die Dünste, das Feuer, eine Feder u. s. f. leicht. Allein, da es dergleichen völlig leichte Körper in der Natur nicht gibt, so ist dieses Wort nur ein beziehender Ausdruck, diejenige Eigenschaft eines Körpers zu bezeichnen, da er einen geringern Grad der Schwere hat, oder mit weniger Empfindung der Mühe von dem Schwerpuncte entfernet werden kann, als ein anderer ähnlicher, oder als ein anderer von eben derselben Größe. 1. Eigentlich. In diesem Verstande sagt man ein Stein sey schwer, das Holz aber leicht, weil eine gleich große Masse von diesem mit weniger Mühe gehoben werden kann, als von jenem. Am häufigsten ist die Empfindung der Mühe der Maßstab, welcher das Schwere und Leichte bestimmet. Eine leichte Bürde. Einem eine Last leicht machen. So leicht wie eine Feder. In etwas engerer Bedeutung, leichter als sich gebühret. Leichte Ducaten. Der Louis d'or ist um vier Aß zu leicht. Leichtes Geld, auch im weitern Verstande, welches nicht von dem gehörigen Gehalte ist. Leichtes Gewicht, welches leichter als gehörig ist; ingleichen ohne diesen Nebenbegriff, ein Gewicht, welches leichter ist, als ein anderes eben derselben Art. So wird das Kramergewicht an einigen Orten leichtes Gewicht genannt, weil das Pfund von diesem Gewichte um einige Loth leichter ist, als das so genannte schwere oder Fleischergewicht. 2. Figürlich. 1) Ein leichtes Kleid, eine leichte Kleidung, welche aus dünnerm Zeuge verfertiget ist, oder wozu weniger Zeug als gewöhnlich genommen worden. Leicht gekleidet gehen. 2) Das Herz wird uns leicht, wenn es von einem großen Grame, von einer großen Sorge oder Furcht befreyet wird; im Gegensatze des schwer. 3) In Rücksicht auf die zur Bewegung erforderliche Mühe. (a) Wozu wenig Mühe, wenig Anstrengung, wenig Überwindung erfordert wird. Das ist leicht zu sagen, leicht zu thun, leicht zu begreifen, leicht zu errathen im Oberd. ohnschwer. Eine leichte Kunst, eine leichte Sache. Das ist mir ein Leichtes. Das wird mir leicht, fällt mir leicht, kommt mir leicht an. Das kann ich ihnen leicht sagen, das kann ich leicht thun. Es wird ihm leichter werden, uns zu verlassen, als wir denken. Da ich ihn kenne, so ist es mir leicht, seine Gesinnung zu errathen. Der Weg zu uns ist nicht so leicht zu gehen, Gell. Eine leichte Schreibart, welche leicht zu verstehen ist. Ein leichtes Gedicht. Eine leichte Sprache, welche leicht zu erlernen ist. Dazu kannst du leicht kommen, ohne viele Mühe. (b) Was wenig Zwang, wenig Anstrengung verräth, doch oft mit dem folgenden Nebenbegriffe der Geschwindigkeit. Eine leichte Stimme, in der Musik, welche wenig Zwang erfordert und verräth. Ein leichter Pinsel, eine ungezwungene, kühne und fertige Hand des Mahlers. Eine leichte Manier, im Gegensatze der mühsamen, gezwungenen. 4) In Rücksicht auf die zur Bewegung erforderliche Zeit, ohne doch den Nebenbegriff der geringern Mühe auszuschließen. (a) Leich auf den Füßen, leicht von Füßen seyn, sich mit geringer Mühe schnell bewegen können. Sehr leicht tanzen. Die leichte oder leicht bewaffnete Reiterey, im Kriegswesen, im Gegensatze der schweren oder schwer bewaffneten. Von Schenkeln leicht, schön von Gestalt, Gell. Sanft spielt ein leichter Wind auf dem vergoldten Teich, Willam. Wie leicht vergessen sie etwas! wie bald. (b) Besonders als ein Nebenwort allein. Er wird leicht zornig, bald, und ohne große Reitzung zu bedürfen. Cajus wird so leicht nicht böse. Das kann leicht kommen, leicht geschehen, ist sehr wohl mög- lich. Sie können leicht denken, daß mir alle Gelassenheit verging. Das Geld gibt sich leicht aus. Nach einer noch weitern Figur ist nicht leicht zuweilen so viel als sehr selten. Eine so edle Liebe habe ich nicht leicht unter zwo Schwestern gesehen, Gell. Schlau war er, listig, und verschlagen, Und gab nicht leicht was Alberns an, Bernh. Da es denn im gemeinen Leben häufig versetzt wird. Ihr dürft mir leicht etwas geben, so thue ichs, wenn ihr mir nur etwas gebet, so soll es mir nicht schwer ankommen, es zu thun. Man mag mir leicht ein gutes Wort geben, so verrathe ich alles. 5) Oft bezeichnet es intensive einen geringen Grad der innern Stärke überhaupt; gleichfalls im Gegensatze des schwer. Ein leichter Schmerz, eine leichte Empfindung, eine leichte Strafe. Eine leichte Mühe. Das läßt sich mit leichter Mühe thun. 6) Leichtsinnig, unbeständig; doch nur im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, wo es auch für leichtfertig gebraucht wird. Er ist sehr leicht, d. i. leichtsinnig, unbeständig.

Anm. Bey dem Ottfried liht, bey dem Willeram lihto, im Angel. leoht, im Nieders. licht, im Engl. light, im Wend. lohak, im Böhm. lehky. Andere Sprachen und Mundarten kennen den Hauchlaut in diesem Worte nicht, wie das Schwed. lätt, Dän. lät, Isländ. liettr, und Wend. lieden. Es scheinet zunächst den Begriff der Geschwindigkeit zu haben, und zu dem Geschlechte der Wörter locker, Flocke, flackern, fliehen, leise u. s. f. zu gehören, ohne das Lat. levis, levare, so wie das Niederdeutsche liften, von der Verwandtschaft auszuschließen, weil der Übergang der Hauch- und Blaselaute in einander etwas sehr gewöhnliches ist.


Leichte (W3) [Adelung]


Die Leichte, plur. car. das Abstractum des vorigen Wortes, S. Leichtigkeit.


Leichteich (W3) [Adelung]


Der Leichteich, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein Teich, worein die Karpfen zum Leichen gesetzet werden; S. Streichteich.


Leichtern (W3) [Adelung]


* Leichtern, verb. reg. act. leichter machen, so wohl im eigentlichen, als figürlichen Verstande. So leichtere nun du den harten Dienst deines Vaters, 2 Chron. 10, 4. Leichtere das Joch, V. 9. Mein Lager soll mirs leichtern, Hiob. 7, 13. Im Hochdeutschen ist es veraltet, weil das zusammen gesetzte erleichtern dafür eingeführet ist. Es ist von dem Comparativo leichter. In einigen Gegenden hat man von dem Positivo auch das Zeitwort leichten in eben dieser Bedeutung, welches in der Niederdeutschen Schiffersprache lichten lautet. S. Lichten und Lichter.


Leichtfertig (W3) [Adelung]


Leichtfertig, -er, -ste, adj. et adv. 1. * Eigentlich, eine leichte Bewegung habend, sich ohne Mühe, ohne Anstrengung schnell bewegend; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es noch im Niedersächsischen üblich ist. Ein leichtfertiger Gang, ein hurtiger, geschwinder Gang. Leichtfertig zu Fuße seyn, leicht, hurtig. Die Arbeit geht ihm so leichtfertig von der Hand, so hurtig. Der leichtfertig ist zu glauben, leichtgläubig, im Buche der Weisen, 1501. Vermuthlich hatte Luther diese Bedeutung im Sinne, wenn er 1 Mos. 49, 4 setzte: Er (Ruben) fuhr leichtfertig dahin, wie Wasser; wo es bey Michaelis heißt; du bist rasend und unsinnig geworden. 2. Figürlich. 1) * Leicht, was wenig Mühe und Anstrengung erfordert; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung. Im Niedersächsischen sagt man noch, die Arbeit ist leichtfertig anzusehen, leicht u. s. f. Und Frisch führet aus Ryffs Spiegel der Gesundheit die Stelle an: Die leichtfertigste (leichteste, bequemste) Übung ist, das wir je derweilen sänftiglichen erspazieren 2) * Unbesonnen, unbedachtsam, verschnell; ein gleichfalls veralteter Gebrauch. Siehe ich bin zu leichtfertig gewest, was soll ich dir antworten? Hiob. 39, 34. Wer bald glaubt, ist leichtfertig, Sir. 19, 4. 3) * Leichtsinnig; welche Bedeutung gleichfalls nicht mehr üblich ist. Abimelech bestellte leichtfertige Leute, Richt. 9, 4; wo das im Hebräischen befindliche Wort, Hrn. Stosches Versicherung zu Folge, leichtsinnig bedeutet. Sie schwören leichtfertig falschen Eid, Weish. 14, 28. Erwöhne deinen Mund nicht zu leichtfertigen schwören, Sir. 23, 17. 4) Fertigkeit besitzend, mit Fleiß Böses zu thun, andern mit Vorsatz und ungereitzt Schaden zuzufügen, boshaft; in welchem Verstande es nur noch zuweilen in der Sprache der Gerichte üblich ist. Ihre Propheten sind leichtfertig und Verächter, Zephanja 3, 4; wenn anders hier nicht auch die vorige Bedeutung Statt findet. 5) Im gewöhnlichsten Verstande, geneigt, Fertigkeit besitzend, einem andern mit Vorsatz und ohne dazu bekommende Reitzung einen Possen zu spielen, und darin gegründet; so daß der verhaßte Nebenbegriff der vorigen Bedeutung verschwindet. Ein leichtfertiger Mensch. Ein leichtfertiger Streich.

Anm. Im Nieders. lichtvarig, im Dän. lätfärdig, im Sched. lättferdig. Es ist unnöthig, dieses Wort mit Grammen und Ihren von dem Angels. Ferhth, das Gemüth, (im Deutschen bedeutete Ferch ehedem das Leben, das Blut, Siehe 2. Ferch,) abzuleiten; indem aus der ersten eigentlichen Bedeutung zur Gnüge erhellet, daß die letzte Hälfte dieses Wortes unser fertig, von fahren, ist, so fern dasselbe im weitesten Verstande eine jede schnelle Bewegung bedeutet.


Leichtfertigkeit (W3) [Adelung]


Die Leichtfertigkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, die Eigenschaft, da man leichtfertig ist, doch am häufigsten nur noch in der letzten Bedeutung, die Fertigkeit, andern mit Vorsatz ungereitzt einen Possen zu spielen; ohne Plural. 2) Handlungen, welche aus dieser Fertigkeit herrühren, darin gegründet sind. In beyden Fällen kommt es zuweilen auch in der vierten figürlichen Bedeutung vor.


Leichtflüssig (W3) [Adelung]


Leichtflüssig, -er, -ste, adj. et adv. leicht in den Fluß gerathend, leicht zu schmelzen; besonders im Hüttenbaue. Leichtflüssiges Erz, leichtflüssige Metalle. Im Gegensatze des strengflüssig.


Leichtfüßig (W3) [Adelung]


Leichtfüßig, -er, -ste, adj. et adv. leicht zu Fuße, schnell; in der dichterischen Schreibart. Der leichtfüßige Hirsch, Zachar.


Leichtgläubig (W3) [Adelung]


Leichtgläubig, -er, -ste, adj. et adv. geneigt, etwas leicht zu glauben, d. i. geneigt, oder Fertigkeit besitzend, eine Sache ohne vorher gegangene hinlängliche Prüfung um des bloßen Zeugnisses eines andern willen für wahr halten, und darin gegründet. Leichtgläubig seyn. Ein Leichtgläubiger Mensch. Daher die Leichtgläubigkeit.


Leichtigkeit (W3) [Adelung]


Die Leichtigkeit, plur. inus. das Abstractum des Beywortes leicht, der Zustand, die Eigenschaft eines Dinges, da es leicht ist, so wohl im eigentlichen Verstande, als auch in allen figürlichen Bedeutungen des Beywortes, besonders der Zustand, da uns eine Sache leicht wird, wenig Mühe und Anstrengung erfordert. Die Leichtigkeit eines Körpers. Mit großer Leichtigkeit tanzen, sich bewegen. Die Leichtigkeit über alle Gefahren der Welt hinzuschlüpfen. Die Leichtigkeit des Pinsels, des Meißels, des Grabstichels. Die Leichtigkeit zu denken und zu schreiben. Nimm für den Dichtertrieb nicht Leichtigkeit zu reimen, Kästn. Andere haben dafür das Wort die Leichte einzuführen gesucht, aber ohne alle Noth und daher auch ohne Erfolg. Die Leichte in der Schreibart entstehet aus der Richtigkeit und Klarheit der Gedanken, und aus der Deutlichkeit des Ausdrucks, Gell.


Leichtlich (W3) [Adelung]


Leichtlich, adv. auf eine leichte Art, ohne Mühe, ohne Anstrengung, leicht, in den figürlichen Bedeutungen dieses Nebenwortes, und am häufigsten im gemeinen Leben. Wie er die Stadt leichtlich gewinnen möge, Iudith 10, 14. Die unsterbliche Speise, die doch wie ein Eis leichtlich zerschmalz, Weish. 19, 20. Daraus man leichtlich spüren konnte, 2. Macc. 3, 17. Es kann leichtlich geschehen. Er wird nicht leichtlich böse.


Leichtsinn (W3) [Adelung]


Der Leichtsinn, des -es, plur. car. 1) Derjenige Zustand des Gemüthes, da man Dinge aus vorsetzlicher Unterlassung der gehörigen Überlegung geringer schätzet, für unwichtiger hält als sie sind. Sein Glück aus Leichtsinn verscherzen. Jemanden aus bloßem Leichtsinn beleidigen. 2) Derjenige Zustand des Gemüthes, da man ohne gegründete Ursache, aus bloßer Willkühr, von einer Vorstellung, oder von einem Grundsatze zum andern übergehet. In beyden Fällen wird es auch von der Fertigkeit dieses Zustandes gebraucht, welche aber eigentlich durch das Wort Leichtsinnigkeit ausgedruckt wird. Nieders. Lichtmood. S. Sinn.


Leichtsinnig (W3) [Adelung]


Leichtsinnig, -er, -ste, adj. et adv. Leichtsinn habend, darin gegründet. Ein leichtsinniger Mensch. Leichtsinnige Handlungen, Reden. Nieders. lichtmödig, lichthartig, leichtherzig, Schwed. lättsinnig.


Leichtsinnigkeit (W3) [Adelung]


Die Leichtsinnigkeit, plur. die -en. 1) Die Fertigkeit, leichtsinnig zu seyn, der Leichtsinn; ohne Plural. 2) Der Leichtsinn selbst, oder der Zustand; auch ohne Plural. 3) Leichtsinnige Handlungen.


Leichzeit (W3) [Adelung]


Die Leichzeit, plur. inus. diejenige Zeit, in welcher die Fische gemeiniglich zu leichen pflegen; die Leiche, Streichzeit.


Leid (W3) [Adelung]


Leid, adv. welches ehedem in einem größern Umfange der Bedeutung üblich war als jetzt, indem es, 1) * einen jeden beträchtlichen Grad der unangenehmen Empfindung und eine solche Eigenschaft der Dinge bedeutete, welche dieselbe verursacht. So wurde es z. B. für häßlich, der äußern Gestalt nach, für ekelhaft, beschwerlich, zornig, Ekel, Abscheu empfindend u. s. f. gebraucht, von welchen Bedeutungen, in denen es auch als ein Beywort üblich war, so wohl im Deutschen, als in den Verwandten Sprachen noch häufige Beyspiele vorkommen. Die leiden Gäste, die beschwerlichen unangenehmen, in einem alten Schriftsteller bey dem Frisch. Noch sagt man im gemeinen Leben; ein erzwungener Eid ist Gott leid, wird von Gott gemißbilliger, verabscheuet. Das Schwed. led, Isländ. leidur, Angelsächs. lath, bedeuten so wohl zornig, als auch häßlich, in Ansehung der äußern Gestalt, welche letzte Bedeutung die davon abstammenden Franz. laid und Ital. laido noch haben. In Borherns Glossen ist leidlich abscheulich leidlichen verabschenen, und Leidlami der Abscheu, und bey den Kero ist leidlam abscheulich. ( S. auch verleiden.) 2) Jetzt ist es nur in engerer Bedeutung, einen geringern Grad von Gram, Unruhe, Fercht und Reue empfindend, üblich: in welchen Fällen es aber auch nur noch im gemeinen Leben, und am häufigsten in einigen bereits eingeführten R. A. vorkommt. Es ist mir leid um dich, mein lieber Jonathan, 2. Sam. 1, 26; ich empfinde Gram, Kummer, um deinen Verlust, dein Verlust dauert mich. Darum lasset uns das leid seyn, und Gnade suchen mit Thränen, Judith 8, 12; lasset uns Reue empfinden. Für sie ist nur leid, ich befürchte nur, daß ihr etwas Böses widerfahre. Man hatte mir ein Bißchen leid vor ihnen gemacht, man hatte mir einigen Widerwillen, einiges Mißtrauen gegen sie beyzubringen gesucht. Es thut mir leid, es reuet mich, es kränket mich. Für dich ist mir nur leid, bange. Lassen sie sich nicht leid seyn, Weiße, fürchten sie sich nicht. Lassen sie es sich nicht leid seyn, bereuen sie es nicht.

Anm. Verschiedene Sprachlehrer geben dieses Wort in seiner heutigen Gestalt für ein Beywort aus, welches nur in der ersten und vierten Endung üblich sey. Allein warum nennen sie es nicht lieber gerade zu ein Nebenwort, da es sich nur allein den Zeitwort beygesellet? Die zweyte und dritte Staffel waren ehedem üblich; jetzt höret man sie nur noch in der niederigen Sprechart. S. das folgende.


Leid (W3) [Adelung]


Das Leid, des -es, plur. car. welches in den meisten Fällen nur in gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart, und auch hier am häufigsten in einigen einmahl angenommenen Fällen gebraucht wird. 1. Haß, Widerwillen; nur noch in einigen wenigen Fällen des gemeinen Lebens. Ich rede es ihm weder zu Liebe noch zu Leid. Ich sage es niemanden zu Leide, aus Haß; wo es aber auch die folgende Bedeutung der Beleidigung, der Kränkung erträget. Das Nieders. Leide ist für Haß in mehrern Fällen gangbar, und das Angels. Laetthe bedeutete gleichfalls Haß. 2. Unangenehme Empfindung. 1) Überhaupt, und in so fern sie einem andern verursacht wird, besonders wenn sie ihm unverschuldeter Weise verursacht wird, Beleidigung, Unrecht; wo man im gemeinen Leben so wohl sagt, einem ein Leid thun, als, ihm etwas zu Leide thun, als endlich auch, ihm Leides thun, in der zweyten Endung. Ich habe ihm kein leid gethan. Es soll dir kein Leides, oder nichts zu Leide geschehen. Ich hab' euch ja kein Leids gethan, Gell. Venus grämt sich ja, was ist Leides ihr geschehen? Gleim. Er hat mir vileze Laithe getan, in dem alten Gedichte auf Carln den Großen bey dem Schilter. Swas mir leides ist geschehen, Ditmar von Ast. In Lieb und Leid, in guten und bösen Umständen. Dem Gerechten geschieht kein Leid, Sprichw. 12, 21. Wer Gott fürchtet, dem widerfähret kein Leid, Sir. 33, 1. Thut meinem Propheten kein Leid, 1. Chron. 17, 22. Sich ein Leides thun, bedeutet im gemeinen Leben, Hand an sich selbst legen, sich selbst umbringen. Sprich, ich wollte mir ein Leides thun, Gell. Ich thäte mir ein Leides, wenn sie nicht mein Schwiegersohn werden sollten, Weiße. 2) In engerer Bedeutung, Wehklagen, und figürlich, Gram, Kummer, Betrübniß, Traurigkeit. (a) Überhaupt. Ich werde mir Leide hinunter fahren in die Grube, 1 Mos. 37, 35. Und ward aus dem Sieg des Tages ein Leid unter dem ganzen Volk, 2 Sam. 19, 2. Ich habe ihr Geschrey gehöret - ich habe ihr Leid erkannt, 2 Mos. 3, 7. Wo ist wehe, wo ist Leid? Sprich. 23, 29. Vor Leid sterben, Tob. 6, 16. Freude für Leid geben, Kap. 7, 20. Und so in andern Stellen mehr, wo auch die R. A. Leid tragen, d. i. Gram, Kummer, Betrübniß überhaupt empfinden, häufig vorkommt. Reue und Leid über die Sünde empfinden. Einem sein Leid tragen, seinen Kummer. Vor Leid vergehen. Im Leide vergehen, vor Leid sterben u. s. f. ( S. Beyleid.) (b) In engerer Bedeutung, Betrübniß um einen Verstorbenen. (aa) Um jemanden Leid tragen, seinen Tod bedauern. Der Büsche traurig Grün scheint Leid um euch zu tragen, Cron. Einem das Leid klagen, in einigen Gegenden, ihm condoliren, ihm sein Beyleid bezeigen. das Leid einnehmen, in einigen Gegenden, die Condolenz, bey einem Begräbnisse. Figürlich, (bb) die Trauerkleidung; doch nur im gemeinen Leben, so wohl Ober- als Niederdeutschlandes. Im Leide gehen, in der Trauer. das volle Leid, das Halbleid, das Kleinleid. (cc) Das Leichenbegängniß, die Leichenbegleitung; gleichfalls nur im gemeinen Leben einiger Gegenden. Im Leide gehen, in der Leichen-Procession. Das Leid begleiten, die Leiche. Ein vornehmes Leid, eine vornehme Leiche. Ein Männerleid, eine männliche Leiche, ein Weiberleid, eine weibliche Leiche. Daher in einigen Gegenden auch die Zusammensetzung Leidbitter, Leidbrief, Leidfrau, Leidhaus, Leidkleid, Leidflor u. s. f. für Leichenbitter, Trauerbrief, Klagefrau, Trauerhaus, Trauerkleid, Trauerflor u. s. f. üblich sind.

Anm. Für Gram, Betrübniß, Schmerz, schon bey dem Ottfried Leid und Leidlust, und bey dem Willeram Leit. Im Nieders. Leed und Leyd, im Schwed. Led, im Wallis. Alaeth, im Dän. Lee, Leede; welche aber auch theils körperliche Krankheit, theils Widerwärtigkeit und Unfälle bedeuten. Es scheinet, daß dieses Wort zunächst entweder den lauten Ausbruch der Schmerzen des Leibes und des Gemüthes, oder auch den Ausdruck derselben in den Gesichtszügen bedeutet. In dem letztern Falle würde die Bedeutung des Nebenwortes, da es für häßlich, widerwärtig gebraucht wurde, die erste und eigentliche seyn; im ersten Falle aber würde es zu laut und dessen Verwandtschaft gehören.


Leidbitter (W3) [Adelung]


Der Leidbitter, des -s, plur. ut nom. fing, stehe das vorige 2. 2) (b).


Leiden (W3) [Adelung]


Leiden, verb. irreg. act. Imperf. ich litte, litt, Mittelw. gelitten, Imperat. leide. 1. Eigentlich, ein Übel, welches man nicht verhindern kann, mit Unlust empfinden. So wohl mit ausdrücklicher Benennung des Übels. Große Schmerzen leiden. Hunger und Durst, Frost und Hitze leiden. Noth, Mangel leiden. Gewalt, Verfolgung, Verspottung, Verachtung leiden. Unrecht leiden. Seine verdiente Strafe leiden. Als auch absolute, mit Verschweigung des Übels. Der Kranke leidet sehr, empfindet viele Schmerzen. Wenn ein Glied leidet, so leidet der ganze Körper. Wer leidet, muß verzeihen. Der leidende Theil. Von andern viel leiden müssen, Verfolgung, Verachtung, Ungemach. Mein Herz leidet bey dieser verstellten Zärtlichkeit mehr als du glaubst. Leiden und dafür danken ist die beste Hofkunst. 2. In weiterer Bedeutung, doch nur in einigen Fällen, mit Verschwindung des Nebenbegriffes der Unlust, so daß bloß der Begriff der Verursachung des Übels von außen übrig bleibet. Schiffbruch leiden. Schaden, Verlust, Nachtheil leiden. Ingleichen absolute. Dein Bruder würde bey diesem Handel leiden, d. i. zu kurz kommen, Nachtheil leiden. Ehre und Tugend leiden allerdings darunter. Bey einem solchen Betragen leidet die ganze Ordnung des Staates. 3. Etwas ohne Unlust, ohne Widerwillen empfinden. 1) Eigentlich. Das kann ich leiden. So warm du es leiden kannst. Ich kanns leiden, meinetwegen mag es geschehen. Das Schreyen kann ich unmöglich leiden. Er kann diesen Menschen nicht vor Augen leiden. Jemandem um sich leiden können, auch, ihn nicht ungern um sich haben. Im Grunde mag sie ihn wohl leiden können, nicht ungern sehen. In welcher Bedeutung auch das Mittelwort gelitten mit dem Zeitworte seyn gebraucht wird. Er ist in diesem Hause wohl gelitten, man stehet ihn daselbst gern. Dieß macht bey aller Welt gelitten. 2) Figürlich, verstatten, der Sache selbst, den Umständen, den Absichten gemäß seyn. Dieser Wein leidet kein Wasser. So viel die Umstände leiden. Die Sache leidet keinen Verzug. Wenn Zeit und Ort es so gelitten hätten. 4. Im weitesten Verstande leidet dasjenige Ding, oder ist dasjenige Ding der leidende Theil, in welchem eine Veränderung von einem andern hervor gebracht wird; da denn leiden dem thun entgegengesetzt ist. So ist das Eisen auf dem Amboße, oder auch der Amboß selbst, der leidende Theil, im Gegensatze des Hammers. Und in dieser Bedeutung ist in der Sprachkunst das Passivum oder die leidende Gattung der Zeitwörter, diejenige Gattung, da sie das Verhältnis bey einer andern hervor gebrachten Veränderung bezeichnen, im Gegensatze der thätigen oder des Activi. Der leidende Gehorsam, in der Theologie, welcher gegen den beschließenden Willen Gottes, so wie der thätige gegen den befehlenden geübt wird. 5. Geschehen lassen, daß etwas sey oder geschehe, es nicht hindern, eine Fortsetzung der vorigen ersten und dritten Bedeutung. In diesem Lande wird kein Wucher gelitten. Dieses kann nicht gelitten werden. In den Preußischen Landen werden alle Religionen gelitten. Sollte ich das von ihm leiden? 6. * Sich leiden, geduldig seyn; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Ein Siech sich billig leiden soll, Auf Hofnung daß ihm bald werd wohl, Narrenschiff bey dem Frisch. Halt fest und leide dich, Sir. 2, 2. Leide dich als ein guter Streiter Jesu Christi, 2 Tim. 2, 3.

Anm. Bey dem Willeram lidan, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno lidia, im Nieders. liden, im Schwed. lida, im Dän. lide. Ihre bemerket, daß das Lat. latum, das Zeitwortes fero hierher gehöret, so wie das Perf. tull von dulden, ehedem dolen, ist, und fero, ferre, zu unserm bären, tragen, gehöret. Es war ehedem auch in gemeinen Sprachgebrauche von weiterm Umfange, und wurde, so wie das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von einer jeden auch angenehmen Veränderung gebraucht. Ehedem hatte man auch ein Activum leiden, welches unmittelbar von Leid abstammete, und Leid, d. i. Unlust, verursachen bedeutete, und schon bey dem Notker leidon lautet.


Leiden (W3) [Adelung]


Das Leiden, des -s, plur. ut nom. sing. welches statt des Hauptwortes Leid in der ersten Bedeutung des vorigen Verbi gebraucht wird, der merkliche Grad der Unlust über ein Übel, welches man nicht hindern kann. Das war ein Leiden! im gemeinen Leben, das war ein Wehklagen, ein Kummer. Seine Leiden ließen mich zuerst eine zärtliche Freundschaft gegen ihn fassen. Krankheiten und Schmerzen, Mangel und Armuth; Verachtung und Schmach u. s. f. werden, wenn sie mit Unlust empfunden werden, häufig Leiden genannt. Das äußere Leiden, in der Theologie, welches in der Empfindung der Verschlimmerung seines Zustandes in der sichtbaren Welt bestehet; im Gegensatze des innern Leidens. Geduldig im Leiden seyn. Im engsten Verstande wird zuweilen nur die Empfindung eines unverschuldeten Übels ein Leiden genannt, da es denn einer Strafe und Plage entgegen gesetzet ist.


Leidendlich (W3) [Adelung]


Leidendlich, adj. et adv. 1) Was man leiden, d. i. nach dem Maße seiner Kräfte ohne Unlust empfinden kann; im gemeinen Leben, wofür doch leidlich üblicher ist, ( S. dasselbe.) Die Hitze ist noch leidendlich. Ein leidendlicher Preis. 2) Am häufigsten in der vierten weitesten Bedeutung des Verbi leiden, wirklich leidend. Sich leidendlich verhalten, geschehen lassen, daß eine Veränderung von außen an und in uns hervor gebracht werde. Die leblosen Körper verhalten sich bloß leidendlich. Im leidendlichen Verstande significatione passiva. im Gegensatze des thätigen.

Anm. Es scheinet aus dem Mittelworte leidend gebildet zu seyn, und wird alsdann richtiger mit einem d als leidentlich geschrieben. Im Nieders. ist lidend seht. S. indessen T.


Leidenschaft (W3) [Adelung]


Die Leidenschaft, plur. die -en, 1) In der weitesten Bedeutung, eine Veränderung, welche von außen in einem Dinge hervor gebracht wird, und wobey sich dasselbe leidendlich verhält, im Gegensatze der Handlung; eine Bedeutung, in welcher dieses Wort nur zuweilen in der neuen Philosophie vorkommt. In diesem Verstande ist die Veränderung, welche in einem Schwamme vorgeht, wenn ich ihn zusammen drücke, eine Leidenschaft. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine jede Begierde, und in noch weiterm Verstande, eine jede Gemüthsbewegung, wenn sie zu einer Fertigkeit geworden ist, weil sich die Seele dabey leidenschaftlicher verhält, als sie sollte. In diesem Verstande sind Liebe, Haß, Verlangen, Abscheu, Traurigkeit, Furcht, Verzweiflung u. s. f. so bald sie zur Fertigkeit werden, Leidenschaften. In solcher Übermaß wird die Liebe zum Leben Leidenschaft, Gell. Aus ihrer stillen Leidenschaft, aus ihren öftern Entfernungen von der Gesellschaft um dem Grame nachzuhängen, ist erweislich, daß sie noch verliebt ist. Das Feuer der Leidenschaft, welches in seinem Busen wüthet. 3) Häufig werden auch die einzelnen Ausdrücke heftiger Begierden, die Gemüthsbewegungen und Affecten, Leidenschaften genannt. Es ist nach dem Lat. Passio gebildet.


Leidenschaftlich (W3) [Adelung]


Leidenschaftlich, -er, -ste, adj. et adv. in einer Leidenschaft gegründet, daraus herfließend. Ein leidenschaftlicher Eifer.


Leider (W3) [Adelung]


Leider, ein Zwischenwort, welches solchen Sätzen beygefüget wird, welche man in einer Art von Klage, Reue, Betrübniß begleiten will. Unser sind, leider! wenig geblieben, Ier. 42, 2. Wir sind, leider, gottlos gewesen, Dan. 9, 15. Leider ist das Geld schwer verdient und leicht verthan! Gell. Leider ist er nicht mehr am Leben, oder, er ist, leider! nicht mehr am Leben. In den gemeinen Sprecharten pflegt man auch wohl den unnützen Genitiv Gottes daran zu hängen. Es ist, leider Gottes! aus mit mir; d. i. es sey Gott geklagt.

Anm. Als eine Interjection schon bey dem Ottfried leidor, und in dem alten Fragmente auf Carlu den Großen bey dem Schilter leither. Das Hauptwort der Leider von dem Zeitworte leiden ist nur in den im gemeinen Leben üblichen Zusammensetzungen Hungerleider und Mitleider gangbar.


Leidessen (W3) [Adelung]


Das Leidessen, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben einiger Gegenden, eine Begräbnißmahlzeit, ein Trauermahl, S. das Leid 2. 2).


Leidfrau (W3) [Adelung]


Die Leidfrau, plur. die -en, S. das Leid und Klagefrau.


Leidhaus (W3) [Adelung]


Das Leidhaus, des -es, plur. die -häuser, im gemeinen Leben, ein Haus, in welchem ein Leid, d. i. eine Leiche, ist; das Trauerhaus.


Leidig (W3) [Adelung]


Leidig, adj. et adv. welches in einem doppelten Verstande gefunden wird. 1. Im täthigen Verstande, Unlust erweckend. 1) Für beschwerlich, lästig. Ihr seyd allzumahl leidige Tröster, Hiod. 16, 2; beschwerliche Tröster, Michael. O, Laura, du bist eine leidige Trösterin! Weiße. 2) * Leid, d. i. Kummer, Unglück, Sorgen, Schaden bringend; eine veraltete Bedeutung. Der leide tag, Heinrich von Frauenberg. Wie lange wollen bey dir bleiben die leidigen Lehren? Ier. 4, 16; die schädlichen. Im gemeinen Leben sagt man auch noch zuweilen, das leidige Geld. 2. Im leidendlichen Verstande. 1) Häßlich, abscheulich, nur noch im gemeinen Leben einiger Gegenden. ein leidiges Gesicht. Franz. laid, ( S. das Nebenwort Leid.) Im Hochdeutschen sagt man nur noch der leidige Teufel, der leidige Geitz u. s. f. wenn es anders hier nicht zu der vorigen Bedeutung ge- höret. 2) * Arglistig, boshaft; im Niederdeutschen und einigen Oberdeutschen Gegenden, wo es aber auch zu einem andern Stamme gehören kann. 3) * Traurig, betrübt, Leid tragend; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher man so wohl im Ober- als Niederdeutschen sagt, leidig seyn, betrübt, die Leidigen, die Leidtragenden. Bey dem Notker ist leideg gleichfalls traurig, und im Nieders. bedeutet leidigen über etwas traurig seyn. Er sprach, ich bring euch leidig mer (Mähr,) Theuerd. Geschenk, wie leidig er darumb war, ebend.


Leidkleid (W3) [Adelung]


Das Leidkleid, des -es, plur. die -er, im gemeinen leben einiger Gegenden, ein Trauerkleid, in welchem Verstande es auch 2 Sam. 14, 2 vorkommt.


Leidlich (W3) [Adelung]


Leidlich, -er, -ste, adj. et adv. was sich leiden, d. i. ohne merkliche Unlust empfinden lässet; erträglich. 1) Eigentlich. Es ist leidlich warm. Eine leidliche Gestalt. Der Schmerz ist noch leidlich, lässet sich noch ertragen. Entschlossen, unser Leben durch die fröhliche aller Erwartungen uns leidlicher zu machen, Sonnenf. 2) Figürlich, mittelmäßig. er befindet sich ganz leidlich. Er hat einen leidlichen Antheil natürlichen Verstandes. Ein leidlicher Preis. Er ist so leidlich geschickt.

Anm. Im Oberd. leidentlich, erleidentlich. Leidlich hingegen kommt daselbst noch in der Hochdeutschen veralteten Bedeutung für häßlich, abscheulich vor, Widerwillen, Ekel erweckend, Franz. laid, in welchem Verstande es schon in Borhorns Glossen leidlih lautet. ( S. das Nebenwort Leid 1 und Leidig 2) Bey dem Ottfried ist leidlich elend. Leitliche blike und groesliche ruiwe Hat mir das herze und den lip nach verlorn, Heinrich von Morunge; wo es traurig, leidig bedeutet.


Leidlichleit (W3) [Adelung]


Die Leidlichleit, plur. inus. die Eigenschaft, der Zustand eines Dinges, da es leidlich ist, in beyden Bedeutungen.


Leidsam (W3) [Adelung]


* Leidsam, -er, -ste, adj. et adv. Fertigkeit besitzend, sich leidentlich zu verhalten, und besonders ein Übel mit Geduld zu ertragen; welches aber im Hochdeutschen eben so fremd ist, als das Hauptwort, die Leidsamkeit. Die Gegensätze unleidsam und Unleidsamkeit kommen noch zuweilen vor.


Leidtag (W3) [Adelung]


Der Leidtag, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Trauertag, ein Tag, an welchem man um einen Verstorbenen trauert. Die Leidtage waren aus, 1 Mos. 50, 4.


Leidtragend (W3) [Adelung]


Leidtragend, adj. welches eigentlich das Mittelwort der R. A. Leid tragen ist. Ein Leidtragender, ein Betrübter. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur noch in engerer Bedeutung von den nächsten Verwandten eines Verstorbenen, so fern sie um ihn Leid tragen, d. i. trauern.


Leidwesen (W3) [Adelung]


Das Leidwesen, des -es, plur. car. das Wehklagen, ein hoher Grad der Trauer, der Betrübniß; im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Das Leidwesen kann sich niemand vorstellen. Zu seinem Leidwesen traf er ihn nicht an. S. Wesen.


Leie (W3) [Adelung]


Der Leie, S. Laie.


Leihbank (W3) [Adelung]


Die Leihbank, plur. die -bänke, eine Bank, d. i. gemeine Casse, in welcher andern gegen genugsame Sicherheit Geld geliehen wird, mit einem ausländischen Worte ein Lombard; zum Unterschiede von einer Giro-Bank und Zettelbank. Kleinere Anstalten dieser Art werden nur Leihhäuser genannt.


Leihegroschen (W3) [Adelung]


Der Leihegroschen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden Obersachsens, eine Abgabe, welche von gewissen Bauergütern anstatt der Lehenware in den vorkommenden Lebensfällen für die Verleihung entrichtet wird.


Leihen (W3) [Adelung]


Leihen, verb. irreg. act. Imperf. ich liehe, Mittelw. geliehen, Imperf. liehe; welches in zwey dem Anscheine nach einander entgegen gesetzten Bedeutungen vorkommt. 1. Des Gebens. 1) * Geben überhaupt, und im engern Verstande schenken; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche sich nur noch in dem zusammen gesetzten Verleihen erhalten het. Leh ihn lib, daß er ihnen das Leben schenkte, Ottfried. Das Isländ. lia bedeutet gleichfalls schenken, geben. 2) In engerer Bedeutung, den Gebrauch oder Mießbrauch einer Sache auf einige Zeit verstatten; wo es von beweglichen Dingen am häufigsten, von unbeweglichen Dingen aber wohl nur allein gebraucht wird, wenn man einem andern den Gebrauch umsonst und unentgeldlich verstattet. Einem sein Haus, seinen Garten, seinen Acker auf acht Tage leihen. Leihe mir dein Pferd, das Buch. Einem Korn, Holz u. s. f. leihen. Lieber Freund, leihe mir drey Brote, Luc. 11, 5. Von dem Gelde kann dieses Zeitwort in allen Fällen gebraucht werden, man mag den Gebrauch desselben umsonst oder gegen eine Vergeltung verstatten. Geld auf Pfänder leihen. Einem Geld ohne Zinsen leihen. Sein Vermögen auf Grundstücke leihen. Wenn du Geld leihest meinem Volke, solt du keinen Wucher auf ihn treiben, 2 Mos. 22, 25. Wohl dem, der gerne leihet, Ps. 12, 5. Er wird dir leihen, du aber wirst ihm nicht leihen, 5 Mos. 28, 44. Von andern beweglichen und unbeweglichen Dingen, sind, wenn der Mießbrauch vergütet wird, auch die Zeitwörter vermiethen und verpachten üblich. 3) In noch engerer Bedeutung, zu Lehen geben, die Lehen über etwas ertheilen, belehnen; eine nur noch zuweilen bey den Schriftstellern des Lehenrechtes übliche Bedeutung. Das si lihe mir ze lehen, Burckh. von Hohenfels. So man im daz gut lihet, Schwabenspiegel. 2. Des Nehmens, wo es nur in der vorigen zweyten engern Bedeutung vorkommt, als ein Darlehen bekommt, empfangen. Geld von einem leihen. Das Buch ist nicht mein, ich habe es nur geliehen. Ein geliehenes Pferd, ein entlehntes. Das Hauptwort die Leihung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.

Anm. In der zweyten Bedeutung des Gebens ist dieses Wort vorzüglich im Oberdeutschen und in der anständigen Schreibart der Hochdeutschen für das gemeinere lehen üblich; in der Bedeutung des Nehmens aber kommt es wohl nur am häufigsten im gemeinen Leben für lehnen oder entlehnen vor. Indessen ist doch dieser Unterschied nur erst in den neuern Zeiten aufgekommen; denn in den vorigen wurden lehnen und leihen, so wie borgen, so wohl von dem Geben, als von dem Nehmen gebraucht. Der Grund scheinet in der Abstammung zu liegen. Denn leihen, bey dem Kero und Ottfried lihen, in härtern Mundarten lichen, liegen, (wohin auch das Lat. locare gehöret,) stammet allem Ansehen noch von dem Wallis. Lla. Llaw. die Hand, her, wohin auch unser liefern, so wie das Herb. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - (avah) leihen und entlehnen, gehören. In dem leihvan, leihen, des Ulphilas, hat sich das v noch erhalten. Das Geben geschieht so wohl mit der Hand, als das Nehmen. Vermittelst der Ableitungssylbe -nen, ist aus leihen, lehen, lehenen, lehnen gebildet worden, S. dieses Wort.


Leiher (W3) [Adelung]


Der Leiher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Leiherinn, eine Person, welche einem andern etwas leihet. Dem Leiher geht es, wie dem Borger, Es. 24, 2. S. Lehner.


Leihetag (W3) [Adelung]


Der Leihetag, des -es, plur. die -e, in den Obersächsischen Bergämtern, ein gewisser Tag in der Woche, am welchem die verließenen Felder bestätiget werden; der Verleihetag.


Leihhaus (W3) [Adelung]


Das Leihhaus, des -es, plur. die -häuser, ein öffentliches Haus, in welchem Geld auf Pfänder geliehen wird; mit einem ausländischen Wort ein Lombard. S. Leihbank.


Leihkauf (W3) [Adelung]


Der Leihkauf, des -es, plur. die -käufe. 1) Diejenige Gewohnheit, da unter gemeinen Leuten nach getroffenem Kaufe oder geschlossenem Handel so wohl der Käufer als Verkäufer zusammen legen, und mit einander trinken. Leihkauf trinken. Den Leihkauf geben, die Kosten tragen. In einigen Gegenden ist es ein förmlicher Schmans, welcher sogar beym Verkaufe der Güter gegeben wird. 2) Zuweilen wird auch das Angeld, welches der Käufer dem Verkäufer zur Sicherheit des geschlossenen Kaufes oder Handels entrichtet, der Leihkauf genannt; besonders so fern es hernach von beyden Theilen zur Ergeßlichkeit angewandt wird. 3) In andern Gegenden hingegen ist der Leihkauf ein gewisses Geld, welches bey neu erkauften lehenbaren Bauergütern dem Lehenherren entrichtet, und am häufigsten die Lehenware, sonst aber auch die Kauflehen, die Anfahrt, der Markgroschen u. s. f. genannt wird. S. Lehenware.

Anm. Im Schwed. wo dieses Wort das Angeld bedeutet, lautet es Lidköp, Lödköp, woraus zugleich die Abstammung deutlicher erhellet als aus dem Deutschen. Es ist aus Kauf und dem noch im Schwed. üblichen Lid, Angels. Lith, bey dem Ulphilas Lye, zusammen gesetzt, welches eine Art eines berauschenden Getränkes, Cider, war. Ottfried gebraucht Lid von einem jeden Getränke, und Notker von einem jeden flüssigen Körper. Leihkauf bedeutet also ein Geld, welches zu Ehren des geschlossenen Kaufes vertrunken wird, und in den Lübeckischen Statuten bey dem Haltaus v. Leykauf wird es ausdrücklich durch Mercipotus übersetzt. S. Weinkauf, welches in eben diesem Verstande üblich ist.


Leilaken (W3) [Adelung]


Das Leilaken, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, das Betttuch. Die erste Hälfte ist entweder aus Leib oder Leiche, der Leib, verderbt, für Leilaken, Leichlacken, oder sie stammet auch von dem noch in einigen Gegenden üblichen lein, liegen, ab, ein Laken oder Tuch zu bezeichnen, worauf man lieget. Schon im Schwabenspiegel heißt es Lilachen.


Leim (W3) [Adelung]


1. Der Leim, oder Leimen, eine gelbe zähe Erde, S. Lehm.


Leim (W3) [Adelung]


2. Der Leim, des -es, plur. doch von mehrern Arten, die -e. 1) Überhaupt, ein jeder Flüssiger, klebriger Körper, welcher nach dem Erhärten zwey Körper oder Flächen mit einander verbindet; in welcher allgemeinen Bedeutung es nur einigen Fällen üblich ist. Der Vogelleim, ein solcher aus den Mistelbeeren oder Rinden der Stechpalmen gemachter zäher Körper, kleine Vögel damit zu fangen. Die Mahler pflegen auch ein solchen zäher Körper, welchen sie aus Gummi oder auch aus Honig zu den Goldgründen verfertigen, gleichfalls einen Leim zu nennen. 2) In engerer Bedeutung, ein aus gewissen thierischen Theilen gesottener Leim; zum Unterschiede von dem Gummi, Kleister, Kitt, Pappe u. s. f. Der gemeine Leim oder Tischlerleim, welcher aus Ochsenfüßen und häuten, Schaffüßen und Schafhäuten gesotten wird. Der Pergamentleim, welchen manaus den Abgängen des Pergaments bereitet. Der Buchbinderleim oder Mundleim, welcher nur mit dem Munde befeuchtet werden darf, und aus den reinsten Abgängen des Pergamentes bereitet wird. S. auch Hausenblase, welche ein aus Tischblasen gesottener Leim ist und daher auch Fischleim heißt. Das Schreibpapier hat keinen Leim, wenn es nicht gehörig geleimet worden.

Anm. Im Nieders. Liem, im Angels. Lim, im Engl. Lime, im Dän. Lüm, im Schwed. Lim, im Isländ. ijm. Es ist mit Lehm ein und eben dasselbe Wort, und Eines Geschlechtes mit klamm, Schlamm, Schleim, Kley, kleben u. s. f. S. diese Wörter.


Leimahre (W3) [Adelung]


Die Leimahre, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme des gemeinen Ahornes; Acer pseudoplatanus L. S. 1. die Lehne.


Leimbank (W3) [Adelung]


Die Leimbank, plur. die -bänke, bey den Vogelstellern, eine Bank, oder ein Gestell, worauf sie die Leimruthen stecken, um selbige hin und her zu tragen.


Leimbaum (W3) [Adelung]


Der Leimbaum, des -es, plur. die -bäume. 1) S. 1. die Lehne. 2) Bey den Jägern führet auch die Leimstange diesen Nahmen.


Leimen (W3) [Adelung]


Der Leimen, S. Lehm.


Leimen (W3) [Adelung]


Leimen, verb. reg. act. 1) Mit Leim verbinden, befestigen. Ein Bret leimen. 2) Mit Leim überziehen. So leimen die Buchbinder die Rücken der Bücher. 3) Mit Leim tränken. Die Papiermacher leimen das Schreibpapier, die Weber den Aufzug des Garnes u. s. f. Im Dän. lime, im Angels. geliman, im Nieders. limen.


Leimenhaufen (W3) [Adelung]


Der Leimenhaufen, des -s, plur. ut nom. sing. ein in der Deutschen Bibel Hiob. 13, 12 für Lehmhaufe befindliches Wort, wofür man in einigen Ausgaben durch einen Druckfehler Leimenhaus liefet. S. Lehm.


Leimern (W3) [Adelung]


Leimern, S. Lehmern.


Leimfarbe (W3) [Adelung]


Die Leimfarbe, plur. die -n, eine mit Leimwasser aufgetragene Farbe. Etwas mit Leimfarbe anstreichen. Mit Leimfarbe mahlen. Ingleichen ein Farbenkörper, welcher sich nur mit Leimwasser bearbeiten lässet. Beydes im Gegensatze der Öhlfarben.


Leimfuge (W3) [Adelung]


Die Leimfuge, plur. die -n, der Ort, wo zwey Körper mit Leim zusammen gefüget worden.


Leimicht (W3) [Adelung]


Leimicht, -er, -ste, adj. et adv. dem Leim ähnlich, zähe wie Leim. In einer andern Bedeutung, S. Lehmicht.


Leimig (W3) [Adelung]


Leimig, adj. et adv. Leim enthaltend. S. auch Lehmig.


Leimküche (W3) [Adelung]


Die Leimküche, plur. die -n, bey den Papiermachern, ein Zimmer, in welchem die Papiere geleimet werden.


Leimkumme (W3) [Adelung]


Die Leimkumme, plur. die -n, eben daselbst, eine Kumme oder Faß, woraus das Papier geleimet wird. S. 2. Kumpf.


Leimleder (W3) [Adelung]


Das Leimleder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. die Abgänge von dem Leder, so fern Leim daraus gesottet werden soll.


Leimpinsel (W3) [Adelung]


Der Leimpinsel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Pinsel, den aufgelöseten Leim damit aufzutragen.


Leimruthe (W3) [Adelung]


Die Leimruthe, plur. die -n, bey den Vogelstellern, Ruthen oder Pinseln vom weichem Holze, welche mit Vogelleim überzogen werden, damit die Vögel, wenn sie sich darauf setzen, kleben bleiben; Leimspindeln, im Oberd. Kleberüthlein.


Leimsieder (W3) [Adelung]


Der Leimsieder, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher den Leim aus allerley thierischen Abgängen siedet.


Leimspindel (W3) [Adelung]


Die Leimspindel, plur. die -n, S. Leimruthe.


Leimstange (W3) [Adelung]


Die Leimstange, plur. die -n, eben daselbst, eine lange schlanke Stange, in welche die Leimruthen gesteckt werden.


Leimtasche (W3) [Adelung]


Die Leimtasche, plur. die -n, eine lederne Tasche der Vogelsteller, die Leimruthen darin zu tragen.


Leimtiegel (W3) [Adelung]


Der Leimtiegel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Tischlern, Buchbindern u. s. f. ein Tiegel, den Leim darin durch Kochen aufzulösen; der Leimtopf, wenn er einem Topfe ähnlich ist.


Leimwasser (W3) [Adelung]


Das Leimwasser, des -s, plur. inus. mit aufgelösetem Leime versetztes Wasser.


Leimzwinge (W3) [Adelung]


Die Leimzwinge, plur. die -n, bey den Tischlern, zwey starke Breter mit zwey senkrechten Zapfen, zwey Breter, welche mit ihren Schärfen zusammen geleimet werden sollten, darin zusammen zu zwingen, oder fest zu keilen.


-lein (W3) [Adelung]


-lein, eine Endsylbe, welche den Hauptwörtern angehänget wird, wenn man aus denselben verkleinernde Wörter bilden will. Das Kindlein, Herzlein, Thierlein, Weiblein, Brieflein, Stienlein u. s. f. ein kleines Kind, Herz, Thier u. s. f. zu bezeichnen. Wenn in der ersten oder zweyten vorher gehenden Sylbe einer der Selbstlaute a, o und u folget, so werden selbige in den meisten Fällen in die verwandten Laute ä, ö und ü verwandelt. Lämmlein, Mägdlein, Männlein, Mäuslein, Städlein, Häutlein, Fräulein, Bäumlein, Brötlein, Söhnlein, Büchlein, Mütterlein, Rüthlein, Hütlein, Hündlein, Brüderlein, Kämmerlein, Klösterlein u. s. f. In einigen wenigen bleiben diese Selbstlaute unverändert. Maulbeerlein, Alraunlein und noch einige andere, wohin auch die meisten eigenen Nahmen gehören, besonders wenn sie anstatt -lein die Sylbe -el bekommen; Kosel, Charlottel u. s. f. Häuslein oder Häusel, von Haus, folgt nebst noch einigen der Regel. Die Endsylben e und en werden vor der Verkleinerung weggeworfen. Fähnlein, Knäblein, Öchslein, Büchslein, Öflein, Küßlein, Küchlein u. s. f. von Sahne, Knabe, Ochse, Büchse, Ofen, Küssen, Kuchen. Wenn sich aber ein Wort auf ein unbetontes l endet, oder vielmehr, wenn die Sylbe, worin sich das l am Ende befindet, unbetont ist, so bleibt das eine l weg. Engelein, Vögelein, Kügelein, Näbelein, Sesselein u. s. f. von Engel, Vogel, Kugel, Nabel, Sessel. Ist hingegen die Sylbe betont, so leidet in den meisten Fällen der Wohlklang, daher man sich alsdann lieber des gleichbedeutenden; aber mehr Hochdeutschen -chen bedienet. Harte Sprecharten machen frechlich von Maul, Stuhl, Mäullein, Stühllein u. s. f. Allein, wem es um den Wohllaut zu thun ist, wird diese Diminutiva ohne Bedenken mit Mäulchen, Stühlchen vertauschen. Von der gleichbedeutenden verkleinernden Endung -chen im ersten Bande dieses Wörterbuches, ist bereits angemerket worden, daß die vermittelst der Sylbe -lein gemachten Verkleinerungen der Oberdeutschen Mundart vorzüglich eigen sind, und daher auch in der feyerlichen und höhern Schreibart der Hochdeutschen, welche über dieß die Diminutiva so sehr als möglich vermeidet, den Verkleinerungen auf -chen vorgezogen werden, welche im Hochdeutschen mehr der vertraulichen und geselligen Sprechart eigen sind. S. Chen. Alle eigentliche Diminutiva haben im Deutschen so wie in den meisten andern Sprachen, außer der eigentlichen verkleinerden Bedeutung noch einen doppelten Nebengebrauch, indem sie theils, und zwar am häufigsten, zugleich Ausdrücke der Vertraulichkeit und Zärtlichkeit sind, wo zugleich der harte Nebenbegriff des Hauptwortes verschwindet, ein kleines artiges Närrlein oder Närrchen; zuweilen aber auch der Verachtung. Ein Dichterlein, Kunstrichterlein, ein verächtlicher Dichter oder Kunstrichter. Einige wenige haben durch den Gebrauch auch andere Nebenbegriffe bekommen. So ist Fräulein ein Ehrennahme unverheiratheter adeliger Frauenzimmer geworden; sein Müthlein kühlen; es sind gute Leutlein, haben die Verkleinerung nebst den Neben-Ideen fast völlig verloren. Die Verkleinerungen auf -lein sind so wie die auf -chen insgesammt sächlichen Geschlechtes; in der zweyten einfachen Endung bekommt sie ein s und die erste vielfache ist der ersten einfachen alle Mahl gleich. In den Oberdeutschen gemeinen Mundarten wird diese Endung überaus sehr verändert. In der Schweiz lautet sie -li, um Nürnberg und in der Oberpfalz -la, in Schlesien -le, -la, -aln und -ang, um Grünberg in Schlesien -lang, in andern Gegenden -ling, ( S. diese Endung,) in der Jüdisch-Deutschen Mundart -lich, im Salzburgischen -lach u. s. f. Bübla, Büble, Bübli, Bübaln, Büblang u. s. f. für Büblein. Die häufigste Zusammenziehung, welche fast in allen Oberdeutschen Gegenden gangbar ist, geschieht in -el, und wenn ein n vorher gehet, im Österreichischen u. s. f. in -del; Steindel, Mandel, Hähndel, Hahndel, für Steinlein, Männlein, Hähnlein. Oft bleibt auch von dieser Sylbe weiter nichts als ein bloßes l übrig; Wörtl, Klösterl, für Wörtel oder Wörtlein, Klösterlein. Die Hochdeutschen haben manche dieser Wörter auf -el gleichfalls angenommen, Mädel für Mägdlein, von Mad, Magd, Mündel, Ferkel u. s. f. welche man aber mit derjenigen Endung nicht verwechseln muß, wo el ein Werkzeug, ein handelndes Oject u. s. f. bedeutet, S. -El. Bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern, z. B. dem Kero, Ottfried, Notker, Willeram u. a. wo doch überhaupt die verkleinerden Formen selten sind, lautet diese Endung beständig lin. Sie kommt mit den verkleinernden Endungen der Lateiner lus und culus überein, und gehöret außer allem Streite zu dem noch in dem Nieders. und andern nördlichen Sprachen üblichen Worte lehn, leen, mager, klein, ja zu unserm klein selbst, welches, so wie das Angels. hlean, bloß durch Vorsetzung des Hauch- und Gaumenlautes daraus gebildet worden. S. das Beywort 1. Lehne und Klein.


Lein (W3) [Adelung]


Der Lein, des -es, plur. inus. diejenige Pflanze, welche unter dem Nahmen des Flasches am bekanntesten ist, ( S. dieses Wort,) doch unter verschiedenen Einschränkungen. 1) Die Pflanze selbst, so lange sie noch auf dem Felde stehet, und grün ist, führet im gemeinen Leben, besonders Nieder-Deutschlandes, den Nahmen des Leines. Der Lein stehet gut. Den Lein jäten. Im Hoch- und Oberdeutschen ist dafür hingegen auch Flachs üblich, ( S. dieses Wort.) 2) Am üblichsten ist dieses Wort von dem Samen dieser Pflanze, welcher überall den Nahmen des Leines so wohl als des Leinsamens Führet. Lein säen, bauen. Aus Lein Öhl schlagen lassen. 3) * Ehedem wurden auch die aus den Fasern dieser Pflanze bereiteten Dinge, besonders aber die Leinwand, Lein genannt; in welcher Bedeutung es bey uns veraltet ist, außer daß das Beywort leinen, Leinbödig, Leindrucker u. s. f. selbige noch erhalten haben. Im Tatian heißt das rauchende Docht Lin riohhenti. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Lat. Linum, Span. Lino, Bretagnische Llin, u. a. m. haben eben diese Bedeutung.

Anm. Hieraus erhellet zugleich, daß der Nahme dieser Pflanze sehr alt ist, und aus ältern Sprachen auf uns fortgepflanzet worden, daher fast alle Europäische Sprachen denselben aufzuweisen haben. Im Niedersächs. lautet er Lein, im Schwed. Lin, Ital. Lino, im Slavon. und Wend. Len, Lan, im wallachischen Llinu, im Alban. Lli. Wenn es ausgemacht wäre, daß mit dem Nahmen dieser Pflanze auf den zur Bedeckung und Bekleidung gemachten Gebrauch gesehen worden; so würde derselbe mit dem Lat. Lana, Wolle, dem alten Gallischen Linna, ein Kleid, u. a. Eines Geschlechtes seyn.


Leinbau (W3) [Adelung]


Der Leinbau, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, der Flachsbau.


Leinbaum (W3) [Adelung]


Der Leinbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, ein Nahme einer Art Ahornes, weiche auch unter dem Nahmen der Küster, Waldäsche, Lenne und Lehne bekannt ist; Acerplatanoides L. ( S. 1. die Lehne.) In einigen Gegenden lautet er Leimbaum, Leinahre, Linbaum.


Leinblatt (W3) [Adelung]


Der Leinblatt, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche in den trockenen Berggegenden Europens wächset, und den Blättern noch dem Leine oder Flasche ähnlich ist; Thesium L. Bergflachs.


Leinbödig (W3) [Adelung]


Leinbödig, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben, besonders der Zeug-Fabriken, üblich ist. Ein leinbödiger Zeug, der einen leinenen Boden oder Aufzug hat.


Leindotter (W3) [Adelung]


Der Leindotter, der Nahme einer Pflanze, S. Flachsdotter.


Leindrucker (W3) [Adelung]


Der Leindrucker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher bunte Figuren auf Leinwand druckt, und vollständiger der Leinwanddrucker genannt wird. S. Lein 3.


Leine (W3) [Adelung]


Die Leine, plur. die -n, Diminut. das Leinchen, eine Benennung eines dünnen langen hänfenen oder flächsenen Strickes, welcher stärker ist als eine Schnur, schwächer, länger und anständiger als ein Strick, dünner als ein Seil, ein Tau u. s. f. Eine Leine, die Wäsche darauf zu hängen, die Wächselleine oder Zeugleine; die Gezelte damit zu befestigen, die Gezeltleine oder Zeltleine; die Pferde vor dem Wagen oder Pfluge damit zu regieren, die Pferdeleine, Ackerleine; die Jagdtücher und Netze damit zu befestigen, die Jagdleine, wohin die Hauptleinen, Oberleinen, Unterleinen, Windleinen u. s. f. gehören; starke Angeln daran zu befestigen, Die Angelleine, zum Unterschiede von der schwächern Angelschnur u. s. f.

Anm. Im Nieders. Angels. Engl. und Dän. Line, im Schwed. und Isländ. Lina, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Lat. Linea, im Franz. Ligne, im Böhm. und Pohln. lano, im Lettischen Lyna. Es kann seyn, daß dieses Wort von dem vorigen Lein, Flachs, abstammet, weil die Leinen am häufigsten aus Hanf oder Flachs verfertiget werden. Es kann aber auch seyn, daß der Begriff der Länge der herrschende ist, da es denn nicht so wohl von dem Lat. Linea, eine Linie, abstammen, als vielmehr mit demselben von einer gemeinschaftlichen ältern Mundart herkommen, und mit lang Eines Geschlechtes seyn würde. In der anständigern Sprechart gebraucht man für das gemeinere Leine lieber das in vielen fällen gleich bedeutende Seil. Bey den Oberdeutschen Jägern aber ist dafür auch Arche üblich.


Leinen (W3) [Adelung]


1. Leinen, verb. reg. act. welches in einigen Oberdeutschen Mundarten für lehnen üblich ist, S. dieses Wort.


Leinen (W3) [Adelung]


2. * Leinen, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, und gleichfalls nur in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten für thauen, aufthauen üblich ist. Die Sonne leinet das Eis auf, thauet es auf. Es leinet, es thauet. Im Nieders. lautet es lüen, lühen, welches das Stammwort zu seyn scheinet, von welchem das oberd. leinen vermittelst der Sylbe -nen gebildet worden. Die Sonne lüet stark, schmelzet den Schnee. Der Schnee lüet weg, schmilzet weg. Es scheinet zu lau, und mit demselben zu linde, Schwed. len, Angels. lith, dem latein. lenis und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, auflösen, zu gehören.


Leinen (W3) [Adelung]


Leinen, adj. et adv. von dem Hauptworte Lein, und zwar in dessen dritten Bedeutung, aus den gesponnenen Fäden des Flachses, und in weiterer Bedeutung auch, des Hanfes, bereitet; im Gegensatze des wöllen und seiden. Ein leinener Zug. Leinenes Garn. Leinene Strümpfe, wofür doch zwirnene im Hochdeutschen üblicher ist. Am Werft oder Eintracht (Eintrag) es sey leinen oder wollen, 3 Mos. 13, 48. Ingleichen aus Leinwand verfertiget; leinwanden. Ein Kleid, es sey wöllen oder leinen, 3 Mos. 13, 47. Ein leinenes Kleid, leinene Beinkleider, ein leinener Kittel. Dieses Beywort wird im gemeinen Leben häufig verkürzt gebraucht, als wenn es unabänderlich wäre, in welcher Gestalt es auch häufig in der Deutschen Bibel vorkommt. Und sollt ihnen leinen (leinene) Niederkleider machen, 2 Mos. 28, 42. Der Priester soll seinen leinen (leinenen) Rock anziehen, 3 Mos. 6, 10, und so in andern Stellen mehr. Leinen Zeug, leinen Geräth. In weiterer Bedeutung bedeutete es in der Deutschen Bibel auch aus rohen, ungesponnenen Fäden des Flachses oder Hanfes bereitet. Leinene Seile, Esth. 1, 6. Eine leinene Schnur, Ezech. 40, 3; wofür aber im Hochdeutschen flächsen oder hanfen üblich ist.

Anm. Bey dem Ottfried linin, mit lininemo duache, linio tuoch bey dem Winsbeck, lininu lachan im Tatian, im Angels. linen, im Engl. und Nieders. linnen.


Leinen (W3) [Adelung]


Das Leinen, des -s, plur. car. leinenes Garn, ingleichen leinenes Zeug; im gemeinen Leben. Ein Kleid das mit Wolle und Leinen vermengt ist, 3 Mos. 19, 19. Das Leinen bleichen, die Leinwand. Nieders. Linnen.


Leinenmeister (W3) [Adelung]


Der Leinenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Seestädten, z. B. zu Lübeck, eine verpflichtete Person, welche die Segeltücher, die daselbst verfertigt werden, von ihrer Versendung besichtiget und misset.


Leinfink (W3) [Adelung]


Der Leinfink, des -en, plur. die -en, in einigen Gegenden, ein Nahme des Flachsfinken, S. dieses Wort und Bluthänfling.


Leinknoten (W3) [Adelung]


Der Leinknoten, des -s, plur. ut nom. sing. die Knoten oder Samenbehältnisse des Leinen oder Flachses; Niedersächs. Leinbollen.


Leinkraut (W3) [Adelung]


Das Leinkraut, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme derjenigen Pflanzen, welche am häufigsten Flachskraut genannt werden, und zwar so wohl der Cuscuta, als auch des Antirrhinum Linaria L. ( S. Flachskraut.) Auch der Purgir-Lein oder Purgir-Flachs, Linum catharticum L. wird in einigen Gegenden kleines Leinkraut genannt.


Leinkuchen (W3) [Adelung]


Der Leinkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Landwirthschaft, die in Form eines Kuchens zusammen gebackenen Hülsen, welche in den Öhlmühlen nach heraus gestampftem Öhle von dem Leinsamen bleiben.


Leinochse (W3) [Adelung]


Der Leinochse, des -n, plur. die -n, derjenige Ochse, welcher zur rechten Hand an dem Pfluge gehet, weil er mit der Leine reagieret wird; zum Unterschiede von dem Handochsen.


Leinöhl (W3) [Adelung]


Das Leinöhl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, Öhl, welches aus dem Leinsamen geschlagen, d. i. gestampfet, ist.


Leinsamen (W3) [Adelung]


Der Leinsamen, des -s, plur. inus. der Samen des Leines, d. i. Flachses, welcher auch nur schlechthin der Lein genannt wird; Nieders. Lien, Liensaat, im Osnabrück. Werkensaat.


Leinspreu (W3) [Adelung]


Der Leinspreu, plur. inus. die Spreu von den ausgedroschenen oder ausgefallenen Leinknoten; Nieders. Lienkaff, wovon die Obersachsen ihr Leinkaben in eben dieser Bedeutung gebildet haben.


Leinstraße (W3) [Adelung]


Die Leinstraße, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein gebahnter Weg am Ufer der Ströme, für diejenigen, welche die Fahrzeuge auf denselben vermittelst der Leinen fortziehen; im Oberdeutschen Leinpfad, in einigen Gegenden, verderbt Leimpfad und Leimstraße.


Leinwand (W3) [Adelung]


Die Leinwand, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein aus leinenen, d. i. gesponnenen flächsenen oder hänfenen Fäden, bereitetes Wand oder Gewebe. Hänfene Leinwand. Flächsene Leinwand, welche am häufigsten Leinwand schlechthin genannt wird. Grobe, feine, gebleichte, ungebleichte Leinwand. Hausleinwand, zum Häuslichen Gebrauche. Kaufleinwand, welche auf den Kauf gemacht wird. Holländische, Schlesische, Sächsische Leinwand. Steife Leinwand, welche mit einem Gummi steif gemacht worden. Wachsleinwand u. s. f. Anm. Im Oberdeutschen Leinwat, Leinwad, von Wad, Tuch, ein Gewebe, ( S. Gewand und Wand,) im Osnabrück. Lewwend, im Dän. lärred, vielleicht gleichsam leinenes Geräth, im Angels. Linwaeda, in den meisten Niedersächsischen Gegenden nur Linnen, Leinen. In der Deutschen Bibel, wo es auf eine ungewöhnliche Art im männlichen Geschlechte gebraucht wird, der Leinwand, Marc. 14, 52, Kap. 15, 45, dagegen es Luc. 16, 19 richtiger im weiblichen vorkommt, stehet es auch für leinene Kleidung. Starke, derbe oder grobe Leinwand wird im gemeinen Leben auch häufig Tuch genannt. S. dieses Wort.


Leinwanden (W3) [Adelung]


Leinwanden, adj. et adv. aus Leinwand verfertiget, leinen.


Leinweber (W3) [Adelung]


Der Leinweber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Leinweberinn, ein Handwerker, welcher Leinwand webet, oder allerley Gewebe aus leinenem Garne verfertiget, der Garnweber; zum Unterschiede von einem Wollenweber, Seidenweber, Sammetweber u. s. f. Nieders. Linnenweber, im mittlern Lat. Linifio.


Leise (W3) [Adelung]


Die Leise, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, für das Geleise, S. dieses Wort.


Leise (W3) [Adelung]


Leise, -r, -ste, adj. et adv. welches, 1. im eigentlichsten Verstande diejenige Eigenschaft des Schalles bedeutet, nach welcher derselbe nur schwach, oder sehr wenig in das Gehör fällt. 1) Eigentlich. Leise reden, sprechen, singen. Eine leise Stimme. Joel ging leise zum Sissera hinein, Richt. 4, 21. Und sie kam leise - und legte sich, Ruth 3, 7. David schnitt leise einen Zipfel vom Rock Sauls, 1 Sam. 24, 5. Daß die Stimme der Müllerinn leise wird, Pred. 12, 4. Leise einher treten. Ein leiser Gang. Einem etwas ganz leise in das Ohr sagen. Die Thür leise öffnen. Jetzt schleich ich leise zu ihrem Bette mich hin, Geßn. Fern von der leisen Fluth, Utz. Im gemeinen Leben ist in allen diesen Fällen das niedrigere sacht üblich. 2) Figürlich, fähig auch den leisesten Schall zu empfinden. Sehr leise hören. Ein leises Gehör haben. Leise schlafen. Ein leichter Schlaf. 2. Nach einer noch weitern Figur wird es in manchen Fällen des gemeinen Lebens, besonders Oberdeutschlandes, gebraucht, einen schwachen geringen Grad der innern Stärke zu bezeichnen. Leise reiten, im Theuerdanke, für langsam, Leise gebackenes Brot, welches wenig, schwach gebacken ist.

Anm. Bey dem Notker liso, bey dem Willeram lisno, im Nieders. lise. Es ist, so wie flistern, ohne Zweifel eine Nachahmung des Schalkes, welchen ein leise Redender verursacht. Kaisersberg gebraucht lisnen für zischeln, flistern. Es scheinet daher mit laß, los, lauschen, dem Schwed. Lisa, Muße, Rube, Franz. Loisir, Engl. Leisure, dem Dän. lys, hell, klar, licht, lise, mildern, und dem alten Deutschen leis, tief: Fürwahr ihr seyd ein theurer Man Geschickt zu stechen hoch und leyß, Theuerd. Kap. 18, nur eine zufällige Ähnlichkeit im Klange zu haben.


Leisetreter (W3) [Adelung]


Der Leisetreter, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im figürlichen Verstande übliches Wort, so wohl einen Spion, Horcher zu bezeichnen, als auch jemanden, der aus Menschenfurcht und unzeitiger Gesälligkeit die Wahrheit zurück hält, einen strafbar gelinden Prediger u. s. f.


Leistbügel (W3) [Adelung]


Der Leistbügel, des -s, plur. ut nom. sing. an den Rüstwagen, ein breiter eiserner Bügel mit zwey Ringen, in deren einem die Leiste und in dem andern die Runge steckt, die Wagenleiter daran zu hängen, und welcher auch die Wiede genannt wird, wenn er bloß von einer jungen Weide gestochen ist.


Leiste (W3) [Adelung]


Die Leiste, plur. die -n, in einigen Gegenden auch der Leist, des -en, plur. die -en, oder der Leisten, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Leistchen, Oberdeutsch Leistlein, ein Wort, welches nur noch in einigen Fällen üblich ist, einen langen und nach Verhältniß seiner Länge dünnen oder schmalen Körper zu bezeichnen. 1. In weiterer Bedeutung. 1) Einen langen und nach Verhältniß seiner Länge dünnen Körper. So ist an den Küstwagen die Leiste, Stämmleiste oder das Leistenholz, ein langes unten gerades, oben aber gekrümmtes rundliches Holz, unten mit einem Ringe, vermittelst dessen es hinter der Lünse an die Achse gesteckt wird. das obere Ende ist spitzig und trägt den einen Ring des Leistbugels. Sie dienet bey Lastwagen die Leitern zu tragen, damit nicht die ganze Zeit auf den Rungen allein ruhe. Die Sperrleiste ist ein horizontales an beyden Enden mit Ringen versehenes Holz, welches die Leitern aus einander hält. Hierher gehöret auch das mittlere Latein. Licia, Franz. Lice, Ital. Lizza, Liccia, ein Pfahl, eine Pallisade, und Liciae, Franz. Lices, Schranken, und andere ähnliche Wörter mehr. Die leisten des helmes bey dem Stryker scheinen die Stangen zu seyn, welche das gitterförmige Visier ausmachen. 2) Einen langen schmalen Körper, oder einen solchen Theil eines Körpers. In diesem Verstande ist die Leiste oder Querleiste bey den Holzarbeitern ein langes schmales Holz, welches in die Quere über zwey Breter befestiget wird, sie zusammen zu halten, oder auch ein Bret, das Werfen zu verhindern. Nieders. Klaspe, Engl. Clasp. Die breiten Säume, ingleichen die Borten an den Kleidern wurden ehedem häufig Leisten genannt, und an einigen Orten führen sie diesen Nahmen noch. Goldene Leisten, goldene Borten. Ein Kleid mit Leisten verbrämen, mit Borten. der grobe Rand oder angeschrotene Saum an den Tüchern führet bey den Tuchmachern noch den Nahmen der Leiste oder Sahlleiste, dagegen er von andern die Anschrote, das Schrot, das Zettelende, und im Nieders. die Egge, Sulfegge genannt wird; im mittlern Lat. Lista. Ja ehedem wurde ein jeder Rand, Rahm oder Saum eine Leiste, Nieders. Liste, genannt, in welcher Bedeutung dieses Wort mit dem Dänischen Liste, Schwed. Angels. und Engl. List, Franz. Le, Lez und Lisiere, Finnländ. Liewe, überein kommt, und obgleich ohne Grund, von einigen von unserm letzt, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , abgeleitet worden. Bey den Buchdruckern werden lange und nach Verhältniß schmale Stöcke, oder in Holz geschnittene Figuren, Leisten, und, so fern sie für das Ende eines Buches oder Abschnittes bestimmt sind, Schlußleisten oder Final-Leisten genannt. Im mittlern Lateine ist Lista terrae ein langes schmales Stück Landes oder Feldes, im Böhmischen List, das Blatt an einer Pflanze, vermuthlich zunächst ein solches langes schmales Blatt, und im Schwed. La, Lad, ein Schleyer, eine Binde, Isländ. Land. 2. In engerer Bedeutung. 1) mit dem Nebenbegriffe der Erhabenheit, lange schmale erhabene Theile eines Körpers. Dergleichen zur Zierde dienende Einfassung, so wohl in der Mitte als am Rande eines Körpers, Führen sehr häufig den Nahmen der leisten; Engl. Ledge, Pohln. Listwa. und sollt eine Leiste umher machen (um den Tisch) einer Hand breit hoch, und einen güldenen Kranz um die Leiste her, 2 Mos. 25, 25; Kap. 37, 12, 14. Es war aber das Gestühle also gemacht, daß es Seiten hatte zwischen den Leisten, 1 Kön. 7, 28, 29, 35. In den Säulenordnungen und daher entlehnten Bauzierathen bekommen diese Leisten nach Maßgebung ihrer runden oder flachen Erhabenheit, Größe u. s. f. allerley besondere Nahmen. Bey den Pferden wird der erhabene Theil des hintern Schenkels, welcher sich im Gehen dem Bauche nähert, so wohl die große maus oder der große Muskel, als auch die Leiste oder der Leist genannt. In einem andern Verstande ist die Leiste oder der Leist eine Krankheit des Pferdefußes, wenn die Muskel an dem obern Rande des Hufbeines zu Knorpeln werden, an der Fessel so wohl der Vorder- als Hinterfüße, welche das Pferd oft lahm macht. Einem Pferde wächset der Leist, wenn es diese Krankheit bekommt. Da dieselbe im Franz. la Forme genannt wird, so muß entweder die Franz. Benennung aus einer Verwechselung dieses Wortes mit dem folgenden Leisten entstanden seyn, oder es ist auch der Deutsche Nahme selbst nichts weiter als eine Figur des folgenden Wortes. Indessen werden in einigen Oberdeutschen Gegenden alle harte Schwielen an den Händen oder Füßen Leisten, Ital. Liste callose genannt. 2) Mit dem Nebenbegriffe der Vertiefung, lange schmale Vertiefungen. Dahin gehören die Hohlleisten, Kehlleisten oder Hohlkehlen, eingebogene Rinnen zur Zierde an oder um einen Körper. Das Geleise, oder die dem Wege von dem Rade eingedrückte tiefe Spur, heißt in vielen Gegenden Oberdeutschlandes die Leiste. Fotläst ist im Angels. die Spur, der Eindruck des Fußes in die Erde. Die tiefen Rinnen an dem menschlichen Unterleibe nach den Schamtheilen zu sind im gemeinen Leben unter dem Nahmen der Leisten bekannt, daher die dünne Seite des Unterleibes, die Weiche, auch wohl in weiterer Bedeutung die Leiste genannt wird. S. Leistenbruch.

Anm. Aus allem erhellet, daß der Begriff der Länge und Dünne oder Schmäle in diesem Worte der herrschende ist, und daß es allem Ansehen nach zu dem Geschlechte der Wörter Latte, Laden, lang, Lehne, so fern es eine Lünse bedeutet u. a. m. gehöret. S und t gehen, wie bekannt ist, sehr häufig in einander über, und das n ist in sehr vielen Fällen nichts andres, als ein Einschiebsel nieselnder Mundarten. S. auch Liste.


Leisten (W3) [Adelung]


Der Leisten, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches ehedem, 1) * die Gestalt eines Dinges überhaupt, und die verhältnißmäßige Gestalt, die Taille besonders, bedeutet; von welcher im Hochdeutschen veralteten Bedeutung Frisch folgende Beyspiele anführet. Matthesins sagt von einem geformten Glase, daß es seinen geformten Leist oder Proportion habe. - Ein Spanisches Roß, ob es gleich klein von Leist, ist es doch adelich von Gestalt, Kraus im Gestüttgarten. 2) In engerer Bedeutung, eine Form, ein Muster, ein Vorbild. Ein Pfarrer soll ein Bildner und Leist sin zu Leben sinen Unterthanen, Leo Jud bey dem frisch. Auch in dieser Bedeutung ist es bis auf einige wenige Fälle veraltet. Bey den hohen Ofen wird die vertiefte Form, worin bey dem Abstechen die Gans geformt wird, noch der Leisten genannt. Am bekanntesten ist es von der Hölzernen Form des untern Fußes, über und nach welcher die Schuhmacher die Schuhe verfertigen; der Leisten oder Schuhleisten. Den Schuh über den Leisten schlagen. Alle diese Leute sind über Einen Leisten geschlagen, figürlich, sie sind alle von Einer Denkungsart. Alle Leute über Einen Leisten schlagen, sie auf einerley Art behandeln, oder nach einer andern eben so niedrigen Figur, sie über Einen Kamm scheren. Anm. In dieser letzten Bedeutung im Engl. Last, im Holländ. und Nieders. Leest, im Angels. Dän. und Schwed. Läst, im Böhm. Lista. Die Abstammung ist noch ungewiß. So fern es die Form eines Fußes bedeutet, leiten einige es von dem Angels. Läst, die Fußsohle, und dem Ulphilanischen laistjan, gehen, her. Allein, da es ehedem unstreitig eine jede Form, ein jedes Muster bezeichnet hat, so lässet Wachter es von dem Veralteten leisen, nachahmen, abstammen; eine Ableitung, welche allen Beyfall verdiente, wenn nur dieses Zeitworte selbst erwiesen wäre. S. indessen Ließpfund und List.


Leisten (W3) [Adelung]


1. Leisten, verb. reg. act. 1) Bey den Webern, die Leiste oder Sahlleiste an ein Tuch iveben, S. Leiste 1. 2). 2) Bey den Fuhrleuten, die Leitern eines Küstwagens leisten, sie an die Leiste hängen. S. Leiste 1. 1).


Leisten (W3) [Adelung]


2. Leisten, verb. reg. act. welches ehedem überhaupt, thun, eine Veränderung hervor bringen, bedeutet zu haben scheinet. Noch wurd es fro leiste diu schone des ich si bete, Reinmar der Alte. Jetzt gebraucht man es nur noch für bewerkstelligen, durch die That wirklich machen. leisten, was man versprochen hat, welche R. A. doch im Hochdeutschen wenig mehr gehöret wird, so wie die: ich habe es versprochen, aber ich kann es nicht leisten, d. i. nicht halten, erfüllen. Der Menschenfreund bestrebt sich nicht nur, andern dasjenige zu leisten, was das Gesetz buchstäblich befiehlt, und also gerecht zu seyn, u. s. f. Gell. Kann ich zweifeln, daß ich dem, für den mein Herz in mir spricht, insbesondere das leisten soll, was ich mir nach den Regeln der Billigkeit von ihm wünsche und verspreche? ebend. Besonders mit einigen Hauptwörtern, doch nur mit solchen, welche die Verbindung mit diesem Zeitworte bereits hergebracht haben, denn willkührlich lässet sich dasselbe nicht gebrauchen. Dem Landesherren die Huldigung, seinen Obern den schuldigen Gehorsam, einem Befehle Folge leisten. Einem nützliche Dienste leisten, ihm Schutz, Hülfe, hülfliche Handreichung leisten. Die Gewähr für etwas leisten, Bürgschaft, Sicherheit leisten. Einem die schuldige Pflicht leisten, 1 Cor. 7, 3. Widerstand leisten, sich widersetzen. Einem Gesellschaft leisten. Christus hat für uns die vollkommenste Genugthuung geleistet. Hingegen wird man jetzt nicht mehr sagen, sein Versprechen leisten, einem allerley Gefälligkeiten leisten, sein Gelübd leisten, 3 Esr. 4, 46. In engerer Bedeutung gebrauchte man es ehedem sehr häufig für, sich als Bürge oder Geißel persönlich stellen, wo denn auch die Leistung diese persönliche Stellung, das Einlager, der Einritt war. Der Bürge soll leisten mit dem Pferde, d. i. sich stellen, die Bürgschaft vollziehen. Daher die Leistung, in den obigen Fällen.

Anm. Schon bey dem Ottfried und Notker leisten, im Angels. laesian, im Nieders. lösten, alle in der Bedeutung des Latein. praestare. Die Abstammung ist ungewiß. Die Endung -ten kann eine Intension bedeuten; aber es ist auch möglich, daß das t zum Stamme gehöret. Vielleicht kommt es von lösen her, sich von einer Verbindlichkeit durch die That selbst los machen, obgleich leisten einen weitern Umfang der Bedeutung hat; vielleicht von Leise, Leiste, die Spur, das Geleise, bey dem Ulphilas ist laistgan gehen, auf dem Fuße nachgehen; vielleicht auch von Los, so fern es ehedem die Vergeltung, den Lohn überhaupt bedeutete.


Leistenbruch (W3) [Adelung]


Der Leistenbruch, des -es, plur. die -brüche, in einigen Gegenden, ein Bruch (Hernia) in demjenigen Theile des menschlichen Unterleibes, welcher die Leiste genannt wird, der Weichenbruch, Buborocele, Hernia inguinalis. S. Leiste 2. 2).


Leistenhobel (W3) [Adelung]


Der Leistenhobel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Holzarbeitern, ein Hobel, allerley Leisten damit zu verfertigen.


Leistenhode (W3) [Adelung]


Die Leistenhode, plur. die -n, eine dritte überzählige Hode, welche sich zuweilen in der Leists oder Weiche eines Menschen befindet.


Leistenholz (W3) [Adelung]


Das Leistenholz, des -es, plur. die -hölzer, S. Leiste 1. 1).


Leistenschneider (W3) [Adelung]


Der Leistenschneider, des -s, plur. ut nom. sing. ein unkünftiger Handwerker, welcher die Leisten für die Schuhmacher verfertigt. S. der Leisten.


Leitarm (W3) [Adelung]


Der Leitarm, des -es, plur. die -e, in dem Verstande, diejenige Kunststange, welche in den Schacht nicht senkrecht nieder, sondern quer hinein gehet. Vielleicht weil sie die übrigem Kunststangen nach den andern Ort hin leitet oder weiset. Siehe Leitstämpel.


Leitband (W3) [Adelung]


Das Leitband, des -es, plur. die -bänder, ein breites Band, Kinder, welche noch nicht gehen können, taran zu leiten; das Führband, Gängelband, der Laufzaum, Nieders. mit Ausstoßung des t, Leeband.


Leite (W3) [Adelung]


1. Die Leite, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, ein langes nicht gar weites Faß zu bezeichnen, welches anstatt des Spundes eine große Öffnung hat, Fische damit auf einen Wagen zu verführen, die Weinbeeren aus dem Weinberge darin nach Hause zu fahren, u. s. f. In Oberdeutschen die Laite, in Franken die Legte. Der Begriff des hohlen Raumes scheinet der herrschende zu seyn, da es denn zu Lade und den damit verwandten Wörtern gehören würde, S. dasselbe. Im Schwed. ist Lada eine Scheuer.


Leite (W3) [Adelung]


2. Die Leite, plur. die -n, ein in den gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes, sehr bekanntes Wort, die sanft abhängige Seite eines Berges oder Hügels zu bezeichnen, wo es auch wohl die Leiten lautet. Unden für an des pergs leyten, Theuerd. Kap. 36. Die Buschleite, eine mit Buschholz bewachsenen Bergleiste. Die Hageleite, Holzleite, Waldleite, wenn sie mit hochstämmigem Holze bewachsen ist. Die Sommerleite, die mittägige Bergseite, im Gegensatze der Winterleite, der mitternächtigen. In weiterer Bedeutung wird auch wohl ein sanfter abhängiger Berg oder Hügel selbst eine Leite genannt. Anm. Im Schwed. Lid. Wohl nicht unmittelbar aus dem lat. Latus. der sanfte Abhang oder die Richtung nach der Tiefe hin, ist so wohl in diesem Worte, als auch in dem an andern Orten dafür üblichen lehne, der Stammbegriff. S. das folgende Zeitwort Leiten und das Beywort Lege. Lege, niedrig, Lehne und Leite sind nur in den Ableitungslauten unterschieden.


Leiten (W3) [Adelung]


Leiten, verb. reg. welches seinem ganzen Umfange nach in einer doppelten Bedeutung vorkommt. I. * Als ein Neutrum, für gehen; eine im Hochdeutschen längst veraltete Bedeutung, von welcher sich aber noch sehr häufige Spuren finden. Im Isidor ist arliudan hinaus gehen, und bey dem Kero kalidan weggehen. Sid er 'nan thar uberuuant, Ioh leitta in ander art land, nachdem er ihn überwunden hatte, und in ein anderes Land gezogen war, Ottfried B. 5, Kap. 4, V. 103; wo es in Schilters Ausgabe, wie auch Ihre bemerket, irrig durch ducebat übersetzt ist. Liess der Heidine man obar si lidan, ließ die heidnischen Soldaten über sie hingehen, in dem alten Gedichte auf den König Ludwig. das alte Gothische leithan Angels. lithan, Schwed. lida, Isländ. leita, Holländ. lyden, bedeuten gleichfalls gehen, wohin auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich gehe, komme, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich komme, gehören. Im Nieders. ist verleden noch für verwichen, vergangen, von der Zeit üblich; anderer zu geschweigen. II. Als Activum oder vielmehr Factitivum, gehen, machen, d. i. die Richtung der Bewegung eines Gehenden, und in weiterer Bedeutung die Richtung einer Bewegung, und zwar die ganze Bewegung hindurch, bestimmen. 1. In mehr eigentlichem Verstande. Ein Kind am Führ- oder Leitbande leiten. Einen Blinden bey der Hand leiten. Jemanden auf den rechten Weg leiten, mit der vierten Endung, Ursache seyn, daß er auf den rechten Weg komme; dagegen leite mich auf rechter Bahn, Ps. 27, 11, ich bin dein Gott der dich Leitet auf dem Wege, den du gehest, Es. 48, 17, mit der dritten, schon die Anwesenheit auf diesem Wege voraus setzen. Der Stern leitete die Weisen aus Morgenlande, ( S. Leitstern.) Einen Hund, einen Ochsen am Stricke leiten, ( S. Leithund.) Das Wasser in das Thal, in einen Garten leiten. Einen Fluß um die Stadt leiten. Den Faden auf die Spule leiten. Bey den Jägern leitet der Habicht ein Feldhuhn, wenn er es wegführet. Leiten setzt, wie Herr Stosch bemerket, freylich voraus, daß derjenige, welcher geleitet wird, dieser Leistung bedürfe, weil er ohne dieselbe nicht im Stande ist zu gehen, oder den Weg zu finden. Allein es läßt doch nicht in allen den Fällen gebrauchen, wo dieser Begriff Statt findet, und ich glaube, daß sich die Fälle, wo man führen gebrauchen müsse, bloß durch die Übung zu erlernen sind, weil sie bloß von dem Eigensinne des Gebrauches abhangen. So sagt man: eine Armee führen, eine Herde Führen, einen Dieb zum Galgen führen, den Ochsen zur Schlachtbank führen, die Transcheen bis an den Hauptwall führen, einem Kinde die Hand führen u. s. f. In welchen und hundert andern Fällen das Zeitwort leiten nicht hergebracht ist, obgleich in einigen sogar der Begriff des Festhaltens zugegen ist, der doch dem Worte leiten nicht wesentlich anklebet. Ehedem wurde es auch häufig für geleiten und begleiten gebraucht; einen Reisenden leiten, ihn zur Sicherheit begleiten, ihn geleiten. Woraus zugleich der ehemahlige weite Umfang dieses Zeitwortes erhellet, wovon der heutige Gebrauch nur noch ein schwacher Überrest ist. 2. In mehr figürlichem Verstande, die Richtung der Veränderungen eines Dinges bestimmen. Eines Gewissen leiten, oder führen. Eine Intrigue leiten. Jemanden zum Guten leiten, wofür anleiten beynahe üblicher ist. Sich von jemanden in allen Stücken leiten lassen. Gehorsam gegen die Leitungen Gottes, gegen die von ihm herrührende Bestimmung unserer Veränderungen, welche auch die Führung genannt wird. Ein Wort von einem andern herleiten, zeigen, glauben, daß es von demselben herstamme, ( S. Ableiten.) Alle seine Empfindungen werden von Liebe geleitet. Ein dunkles Gefühl der Glückseligkeit leitete ihn. Der Trieb der Schamhaftigkeit wird nur auf das äußerliche der Handlung - geleitet, Gell. So auch die Leitung. Anm. In den täthigen Bedeutung schon von des Kero Zeiten an leitan, im Nieders. leiden, im Angels. lädden, Läden, im Dän lede, im Isländ. leida, im Schwed. leda, im Engl. to lead, bey den Krainerischen Wenden ladam, ich leite. Zu den Ahnherren dieses alten Wortes gehöret vornehmlich das im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Leit, Leige, der Weg, die Reise, Holländ. Ley, Schwed. Led, Angels. Late, Isländ. Leid, wovon Geleit noch häufig im Theuerdanke vorkommt. Auf ein pös geleyt hat der Knecht euch geführet, Kap. 20. Das Geleyt was scharpf, stickel an all hab, Kap. 40. Es kann dieses Wort mit lege, niedrig, tief, und Lehne und Leite, der abhang, Eines Geschlechtes seyn; es kann aber auch seinen Ursprung der unmittelbaren Nachahmung des Schalles eines Gehenden zu danken haben. S. Leicht, Geleise, 2. Leite, Gleiten u. s. f.


Leiter (W3) [Adelung]


Der Leiter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Leiterinn, von dem Zeitworte leiten, eine Person, welche eine andere leitet. Die Leiter dieses Volkes sind Verführer, und die sich leiten lassen, sind verlohren. Es. 9, 16. Sie sind blind und blinde Leiter; Matth. 15, 14. Wehe euch verblendete Leiter, Kap. 23, 16. Und vermittelst dich zu seyn ein Leiter der Blinden. Röm. 2, 19. Im Isidor Lididh, bey dem Ottfried Leitir, bey dem Stryker Laiter.


Leiter (W3) [Adelung]


Die Leiter, plur. die -n, Diminut. das Leiterchen, Oberd. Leiterlein. 1. Eigentlich, ein bewegliches Werkzeug, welches aus zwey senkrechten Stangen mit dazwischen befindlichen Horizontalen Sprossen bestehet, vermittelst desselben in die Höhe zu steigen. Eine Leiter an die Mauer legen, oder lehnen, zum Hinansteigen. Auf die Leiter steigen. Die Leiter hinauf oder hinan steigen. Eine Stadt, den Wall mit Leitern besteigen, vermittelst derselben. ( S. Sturmleiter, Feuerleiter, Baumleiter, Gartenleiter u. s. f.) Die Strickleiter, ein solches ganz aus Stricken bestehendes Werkzeug. Die Beweglichkeit, und die statt der Stufen in der Leiter befindlichen Sprossen unterscheiden sie zwar von einer Treppe. Indessen gibt es auch tragbare Werkzeuge dieser Art, welche mit Stufen versehen sind, und doch Leitern heißen; dergleichen z. B. die Bücherleitern sind, daher die Beweglichkeit oder Tragbarkeit der Unterscheidungsmerkmahl zu seyn scheinet. Im Bergbaue werden die Leitern Fahrten genannt. 2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt. 1) Die Leitern an einem Bauerwagen, die Wagenleitern, welche zu beyden Seiten des Wagens horizontal auf den Achsen fliegen und sich an die Rungen, und bey den Rüstwagen auch an die Stämmleisten lehnen, dienen, die Dinge, welche man auf den Wagen ladet, zu halten. 2) Die Leiter bey der Tortur, ist ein einer Leiter ähnliches Werkzeug der Folter, auf welches der Inquisit mit rückwärts gebundenen Händen ausgedehnet wird. Den Inquisiten auf die Leiter ziehen oder spannen. ( S. Folter.) 3) Die Schrotleiter, welche auch nur die Leiter schlechthin heißt, bestehet aus zwey horizontalen starken Bäumen, welche an den Enden und zuweilen auch in der Mitte durch Querhölzer befestiget sind, volle Fässer darauf in den Keller gleiten zu lassen. 4). Die Gradleiter an der Thermometern, Barometern u. s. f. die mit kurzen Querstrichen angedeutete und mit Zahlen versehenen Grade; nach dem Latein, Skala. 5) Bey den Jägern werden einfache spiegelicht oder viereckig gestrickte Garne Leitern genannt. Die Laufleitern oder Steckleitern sind solche niedrige Garne, welche zum Abwehren der Feldhühner vor die Tücher gesteckt werden. ( S. auch Geleiter.) 6) Die Leiter in der Mühle, dasjenige Gerüst, worin der Rumpf stehet, uns an welchem auch die Winde befindlich ist.

Anm. In der ersten eigentlichen Bedeutung bey dem Notker Leitero, im Schwabensp. der Laiter, im Nieders. Ledder, im Holländ. Ladder, im Engl. Ladder, im Pohln. Letra. Es ist allen Ansehen nach von leiten, so fern es im Neutro ehedem gehen bedeutete, gebildet, ein Werkzeug zu bezeichnen, vermittelst dessen man in die Höhe gehet, oder steiget. Da es bey dem Kero mit vorgesetztem Hauchlaute auch Hleitar und im Angels. Hläddr lautet, so erhellet daraus die Verwandtschaft mit unserem Klettern, S. dieses Wort.


Leiterbaum (W3) [Adelung]


Der Leiterbaum, des -es, plur. die -bäume, die starken Seitenstangen oder Bäume an einer Leiter, zwischen welchen sich die Sprossen befinden, die Leiterstange. Nieders. Ledderbalken; bey dem Kero Hieitarpaum.


Leitersprosse (W3) [Adelung]


Die Leitersprosse, plur. die -n, die Sprossen an einer Leiter.


Leitertonne (W3) [Adelung]


Die Leitertonne, plur. die -n, bey den Kürschnern, eine zwischen Bäumen oder Bohlen, welche die Gestalt einer Leiter haben, horizontal aufgehängte Tonne, welche überall mit langen hölzernen Nägeln ausgeschlagen ist, die Felle darin mit heißem Sande zu trocknen.


Leiterwagen (W3) [Adelung]


Der Leiterwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein auf den Seiten mit Leitern versehener gemeiner Wagen.


Leitfeuer (W3) [Adelung]


Das Leitfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. in der Feuerwerkskunst, brennbare in eine lange Linie angebrachte Materialien, in eine lange Linie gestreuetes Schießpulver, das Feuer damit an einen entfernten Ort zu leiten; das Lauffeuer.


Leithammel (W3) [Adelung]


Der Leithammel, des -s, plur. die -hämmel, in der Landwirthschaft, ein abgerichteter, gemeiniglich mit einer Glocke versehener Hammel, welcher vor der ganzen Herde hergehet, dem Schäfer oder dessen Hunde auf den ersten Wink folget, und dadurch die ganze Herde leitet; Nieders. Bellhammel, Holländ. Bellhamel, Belleman, von der Belle, d. i. Glocke oder Schelle, Franz. Clocheman. S. Bellhammel.


Leithund (W3) [Adelung]


Der Leithund, des -es, plur. die -e, Fämin. die Leithündinn, in der Jägerey, ein Jagdhund, welcher von dem Jäger beständig am Hängeseil geleitet wird, das Wild vermittelst der Fährte auszuforschen und zu bestätigen, und dadurch gleichsam den Jäger auf die Fährte des Hirsches zu leiten. Er ist der vornehmste Hund in der Jägerey, und die ganze Stütze der Kunst der Jägers. Im mittlern Lat. Canis ductor, im Schwabensp. Laithund, in den alten Baierischen Gesetzen Leitihunt. Bey den Jägern führet der Leithund gemeiniglich den eigenthümlichen Nahmen Waldmann, so wie die Hündin Waldinn und Hela genannt wird.


Leitnagel (W3) [Adelung]


Der Leitnagel, des -s, plur. -nägel, im Bergbaue, ein Nagel in dem so genannten Hunde, unten zwischen den zwey vordern Nägeln, welcher den Hund gleichsam leitet, daß er nicht von der Spur oder dem Gestänge abweichen kann.


Leitseil (W3) [Adelung]


Das Leitseil, des -es, plur. die -e, ein Seil, die Pferde vor dem Wagen damit zu leiten oder zu lenken; das Lenkseil.


Leitsmann (W3) [Adelung]


Der Leitsmann, S. Geleitsmann.


Leitstämpel (W3) [Adelung]


Der Leitstämpel, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue an den Kunst- und Streckengestängen, ein Stämpel, welcher vermittelst zweyer nach der jedesmahligen Krümme eingerichteten Arme das Feldgestänge bey Krümmen gleichsam leitet


Leituch (W3) [Adelung]


Das Leituch, des -es, plur. die -tücher, in einigen Gegenden so viel als Leilaken, d. i. Betttuch, S. Leilaken.


Leitzeug (W3) [Adelung]


Das Leitzeug, des -es, plur. inus. in der Naturlehre und Chymie, ein Körper, vermittelst dessen man einen Dinge einen andern Körper zuführet, oder gewisse Theile von demselben absondert; Menstruum, Vehiculum. Das Wasser ist das allgemeine Leitzeug der zum Nahrung und zum Wachsthume nöthigen Bestandtheile.


-len (W3) [Adelung]


"-len", eine Ableitungssylbe, Zeitwörter damit von andern Zeitwörtern so wohl als Hauptwörtern zu bilden, welches vermittelst einer Zusammenziehung aus "-elen" oder "-eln" entstanden ist. S. "-Eln". Man muß indessen diese Sylbe nicht mit denjenigen Zeitwörtern auf "-len" verwechseln, in welchen das "l" zum Stamme gehöret, daher daselbst bloß die Endung "-en" Statt findet, dergleichen "hohlen", "hehlen", "spulen" und andere mehr sind.


Lende (W3) [Adelung]


Die Lende, plur. die -n, Diminut. das Lendchen. 1) Die obere Fläche der hintersten Theile des Schmerbauches über der Hüfte und dem Gefäße, welchen Theil man bey heftigen Arbeiten oder starken Bewegungen mit einem breiten Gurte zu umgeben pflegt, um sich die Arbeit zu erleichtern. Von den Lenden bis an die Hüften, 2 Mos. 28, 42. Um die Lenden gegürtet seyn, Kap. 12, 11. 2) In weiterer Bedeutung wird die Hüfte, ja das ganze Dickbein im gemeinen Leben sehr häufig die Lende genannt. Ein Thier schleppt die Lenden nach, wenn es an den obern Theilen der hintern Füße lahm ist. S. Lendenlahm.

Anm. Bey dem Kero, der es auch für Niere gebraucht, Lenti, bey dem Raban Maurus Lendi, im Isidor Laendi, im Nieders. Lende, im Dän. Länd, im Schwed. Länd, im Isländ. und Angels. Lend, im Finnländ. Landet, im Wallis. Llwyn. Es scheinet eigentlich die Seite zu bedeuten, da es denn mit dem Latein. Latus Eines Geschlechtes seyn würde; das n ist in mehrern Fällen ein Erbtheil nieselnder Mundarten. Im Böhmischen heißt daher die Lende nur Ledwi, und bey den Krainerischen Wenden Ladja. Ja selbst in alten Oberdeutschen Bibelübersetzungen werden die Nieren Lewie, Leute genannt. Andere Sprachen und Mundarten haben statt des d einen Gaunen- oder Zischlaut, wie das im gemeinen Leben vieler Gegenden übliche Lanke, Flanke, die Seite an Unter- oder Hinterleibe des thierischen Körpers, bey dem Kero Lancho, das Franz. Longe, Ital. Longia, Lonza, Engl. Loyn, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; alle in der Bedeutung der Lende, wie das Latein. Lumbus, nach welchen die Lende im Isidor auch Lumlo heißt.


Lenden (W3) [Adelung]


Lenden, sich wenden, S. Landen, Anm.


Lendenader (W3) [Adelung]


Die Lendenader, plur. die -n, in der Anatomie, ein Nahme verschiedener Adern, welche Äste der Hohlader sind, und über die Lenden hingehen; Venae lumbares.


Lendenbraten (W3) [Adelung]


Der Lendenbraten, des -s, plur. ut nom. sing. diejenigen langen und schmalen Stücklein Fleisch, welche inwendig an dem Rückgrathe des geschlachteten Viehes in den Gegenden der Lenden über den Hüften und Nieren heraus geschnitten, und gebraten werden; in einigen Gegenden der Mehrbraten. Bey dem Rindviehe ist der Lendenbraten der untere Theil des Rückgrathes mit dem daran befindlichen Fleische, welcher gleichfalls als ein Braten zugerichtet wird. Raban Maurus nennet in der Mitte des achten Jahrhundertes die Nieren Lendibraton.


Lendengries (W3) [Adelung]


Der Lendengries, des -es, plur. car. Gries, d. i. grobkörniger Sand, so fern er sich in der Gegend der Lenden und besonders in den Nieren der thierischen Körper erzeuget. Nierengries.


Lendenknochen (W3) [Adelung]


Der Lendenknochen, des -s, plur. ut nom. sing. bey einigen ein Nahme des Hüftknoches, S. dieses Wort, und Lende 2.


Lendenkrankheit (W3) [Adelung]


Die Lendenkrankheit, plur. inus. ein Nahme, welchen die Englische Krankheit zuweilen führet, weil sie unter andern auch die Lenden, d. i. die Hüften, angreift.


Lendenlahm (W3) [Adelung]


Lendenlahm, adj. et adv. lahm in der Gegend der Lenden, d. i. an den Hüften; hüftenlahm, ( S. dieses Wort,) Nieders. lendenlaam und laamlenned, lurrenlaam, von Lurre, der Schenkel, Hüftknochen.


Lendenschmerz (W3) [Adelung]


Der Lendenschmerz, des -ens, plur. die -en, ein Schmerz in den Lendenmuskeln, welcher von einer scorbutischen Schärfe herrühret, welche sich daselbst gesetzt hat; Lumbago, das Lendenweh.


Lendenstein (W3) [Adelung]


Der Lendenstein, des -es, plur. die -e, ein Stein, welcher sich in der Gegend der Lenden der thierischen Körper erzeuget; der Nierenstein, weil die Nieren der eigentliche Sitz desselben sind, S. dieses Wort.


Lendenweh (W3) [Adelung]


Das Lendenweh, des -es, plur. inus. 1) Siehe Lendenschmerz. 2) Auch das Hüftweh, Malum ischiadicum kommt zuweilen unter diesem Nahmen vor, S. dieses Wort.


Lendenwirbel (W3) [Adelung]


Der Lendenwirbel, des -s, plur. ut nom. sing. die fünf Wirbelbeine des Rückgrathes in der Gegend der Lenden.


Lenken (W3) [Adelung]


Lenken, verb. reg. act. 1. * Eigentlich, einen langen oder auch einen mit Gliedern oder Gelenken versehenen Körper biegen, oder auch ihm eine Richtung nach dieser oder jener Seite gehen; eine ungewöhnlich gewordene Bedeutung, welche aber doch die erste zu seyn scheinet. Zuweilen sagt man noch, seien Körper lenken und biegen können wie man will. 2. In weiterer Bedeutung, die Richtung der Bewegung eines Körpers nach dieser oder jener Seite bestimmen, wo es besonders von langen, schlanken Körpern üblich ist, oder auch, so fern diese Bestimmung vermittelst eines langen, schlanken Werkzeuges geschiehet. Die Pferde lenken, vermittelst des Zügels oder Lenkseiles. Das Pferd rechter Hand lenken. Den Wagen lenken. Die Deichsel des Wagens lenken, indem man sie nach dieser oder jener Seite Bieget. Die Pferde halten wir in Zäumen, daß sie uns gehorchen, und lenken den ganzen Leib, Jac. 3, 3. das Schiff vermittelst des Steuerruders lenken. Das Schiff von dem Ufer lenken, wofür in der Schiffersprache steuern üblicher ist. Figürlich sagt man auch wohl, das Schiff lenket gut, bey den Schiffern es steuert gut, wenn es sich vermittelst des Steuerruders gut lenken oder regieren lässet. 3. Figürlich. 1) Sich rechter Hand, sich linker Hand lenken, seine Bewegung nach dieser Seite hin richten. Rede nit den Kindern Israel und sprich, daß sie sich herum lenken und sich lagern gegen dem (das) Thal Himoth, 2 Mos. 14, 2. Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollen wieder zu Herodes lenken, Matth. 2, 12. Nach einer noch weitern Figur, von der Richtung unbeweglicher Dinge, ihrer Lage nach. Daselbst lenket sie (die Gränze) sich herum gegen dem (den) Aufgang u. s. f. Jos. 16, 6. und die Grenze lenke sich auf die Seiten des Meeres, 4 Mos. 34, 11. 2) Die Richtung einer Veränderung nach dieser oder jener Absicht bestimmen. Jemanden mit Vernunft lenken, seine Handlungen, seine Neigungen, sein Entschließungen durch vernünftige Vorstellung bestimmen. Gott lenkt die Herzen der Menschen. Der Mensch denkts, Gott lenkts. Jemanden nach seinem Gefallen lenken. Er Mußte die Sache so zu lenken, daß u. s. f. Das Gespräch auf etwas andres lenken. Den Trieb der Schamröthe in den Kindern unrichtig lenken, Gell. Der Verstand muß mit seinen Einsichten die Neigungen des Willens lenken und ordnen. Etwas Böses zum Guten lenken, es so mit andern Veränderungen verknüpfen, daß etwas Gutes erfolge. So auch die Lenkung.

Anm. Im Dän. Länke. Das Schwed. länka bedeutet eigentlich vermittelst der Gelenke verbinden, von Länk, das Gelenk, der Ring einer Kette. Bey unsern ältern Schriftsteller kommt dieses Wort, so viel ich weiß, nicht vor, wohl aber das verwandte und in manchen Fällen gleichbedeutende lenden. Siehe Landen,

Anm. Es scheinet so wohl den Begriff der Länge und des Geschlank, als auch des Gelenken in sich zu vereinigen. S. Gelenk, Geschlank, Schlingen, Schlängen u. s. f.


Lenkriemen (W3) [Adelung]


Der Lenkriemen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Riemen, die Pferde vor dem Wagen damit zu lenken; wenn es ein Seil ist, das Lenkseil.


Lenksam (W3) [Adelung]


Lenksam, -er, -ste, adj. et adv. Neigung, Fertigkeit besitzend, sich lenken zu lassen, so wohl in der weitern, als auch zweyten figürlichen Bedeutung, doch nur von den lebendigen Geschöpfen. Ein lenksames Pferd. Ein lenksames Herz haben. So auch die Lenksamkeit. In der ersten eigentlichen Bedeutung ist dafür gelenk üblich.


Lenkschämel (W3) [Adelung]


Der Lenkschämel, des -s, plur. ut nom. sing. an dem vordern Theile eines gemeinen Wagens, ein auf dem Rungstocke, bewegliches horizontales Holz, in welchem sich die Rungen befinden, und welches die Lenkung oder Wendung des Wagens erleichtert; der Wendeschämel. S. Schämel.


Lenkseil (W3) [Adelung]


Das Lenkseil, des -es, plur. die -e, ein Seil, die Bewegung eines Körpers damit zu lenken. Besonders ein Seil, das Zugvieh damit zu lenken. S. Lenkriemen.


Lenne (W3) [Adelung]


1. Die Lenne, eine Art des Ahornes, S. 1. die Lehne.


Lenne (W3) [Adelung]


2. Die Lenne, ein wildes Schwein weiblichen Geschlechtes, siehe 2. die Lehne.


Lenz (W3) [Adelung]


Der Lenz, des -es, plur. die -e, eine nur in den Höhern und dichterischen Schreibart der Hochdeutschen übliche Benennung des Frühlinges. Das Wasser Tigris gehet im Lenzen (Lenze) über, Sir. 24, 35. Wie eine schöne Rose im Lenzen, (Lenze,) Kap. 50, 8. So schön kann nie Die Flur im Lenze prangen, Weiße.

Anm. Schon bey den Notker ther Lenzen, welche Oberdeutsche Form noch in der Deutschen Bibel üblich ist, im Holländ. Lent, in der Schweiz mit vorgesetztem Gaumenlaute Glenz, im Schwed. hingegen ohne n und Zischlaut Lading. Marschall und Frisch leiten es von lang ab, weil die Tage im Lenze anfangen länger zu werden, andere von Glanz, weil der April bey den Hebräern aus eben dieser Ursache - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und bey den Chaldäern und Arabern ä heißt, beyde von Stammwörtern, welche glänzen bedeuten. Mit mehrerm Rechte leitet man unser Lenz von dem Oberdeutschen Leinen, aufthauen, lau werden, her, ( S. dieses Wort.) das Bey- und Nebenwort lenzisch, welches Gleim gebraucht, Singend wünsch ich auch, o Freund, Lenzisches Vergnügen, ist ganz ungewöhnlich und wegen der Ableitungssylbe isch niedrig.


Lenzmonath (W3) [Adelung]


Das Lenzmonath, des -es, plur. die -e, eine schon von Carln dem Großen herstammende Benennung des dritten Monathes im Jahre, welcher unter dem Römischen Nahmen des Märzes noch am bekanntesten ist, weil der Lenz oder Frühling in demselben seinen Anfang nimmt. Bey dem Raban Maurus Lengizinmanoth.


Leopard (W3) [Adelung]


Der Leopard, des -en, plur. die -en, S. Panther.


Lerche (W3) [Adelung]


1. Die Lerche, plur. die -n, ein Sangvogel, welcher an der hintern Zehe einen langen Sporn hat, sich auf den Feldern aufhält und seines angenehmen Gesanges wegen bekannt ist; Alauda L. Siehe Feldlerche, Sanglerche, Häubellerche, Doppellerche u. s. f. Die Leipziger Lerchen, welche keine besondere Art ausmachen, ob sie gleich fleischiger und fetter sind als in andern Gegenden, auch nicht um Leipzig allein gefangen, sondern aus Thüringen, dem Mansfeldischen, dem Saalkreise u. s. f. dahin gebracht werden. Die Lerchen streichen, wenn sie im Herbste in wärmere Länder ziehen. Die Lerchen streichen, sie mit Netzen fangen; daher das Lerchenstreichen.

Anm. Im Nieders. Lewerk, auch in einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten Leuwerk, im Holländ. Lauwerik, im Angels. Lawerce, Leferce, woraus so wohl unser Lerche, als auch das Schwed. und Dän. Lärka und Lerke, und das Engl. Lark, zusammen gezogen zu seyn scheinen, wenn nicht jener Nahme vielmehr eine Ausdehnung des letztern ist. Dem sey wie ihm wolle, so scheinet der angenehme Gesang der Grund der ganzen Benennung zu seyn. Lerche stammet ohne Zweifel von dem alten lären, laut werden, singen, ab, ( S. Lärm und Lehren,) so wie Lauwerk seiner ersten Hälfte nach zu unserm Laut, oder dem Wallisischen Llef, die Stimme, gehöret. Von eben diesem Laut stammet auch das Lat. oder vielmehr Gallische Alauda ab, so wie Gallerita zu dem Geschlechte des Wortes Gall, gällen, zu gehören scheinet, wenn es nicht vielmehr eine besondere Benennung der Häubellerchen ist, von galera, Haube, Helm. im Wallasischen heißt Alarch, Elerch, der Schwan, Lat. Olor, vermuthlich auch wegen des ihm schon von Alters her angedichteten Gesanges. In einigen Gegenden ist dieses Wort männlichen Geschlechtes, der Lerch.


Lerche (W3) [Adelung]


2. Die Lerche, der Lerchenbaum, S. Lärche.


Lerchenfalk (W3) [Adelung]


Der Lerchenfalk, des -en, plur. die -en, eine Art kleiner Falken mit kurzen Flügeln, einem blauen Schnabel, und lehmfarbenen Füßen, mit welchen man zu Pferde Lerchen fängt. Bey andern ist der Baumfalk oder Weißbacke unter diesem Nahmen bekannt.


Lerchenfang (W3) [Adelung]


Der Lerchenfang, des -es, plur. inus. der Fang der Lerchen, welcher, wenn er vermittelst eines Netzes oder des Garnes geschiehet, auch das Lerchenstreichen genannt wird. Ingleichen die Zeit, wenn die Lerchen am besten und häufigsten gefangen werden.


Lerchenfänger (W3) [Adelung]


Der Lerchenfänger, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art kleiner Sperber, welcher nur auf kleine Vögel stößet; Schmerl, Sprinz.


Lerchengarn (W3) [Adelung]


Das Lerchengarn, des -es, plur. die -e, eine Art Garne oder Netze, deren man sich bey dem Lerchenfange bedienet; das Lerchennetz. das Nachtgarn oder Nachtnetz und Klebegarn oder Tagenetz sind Arten derselben.


Lerchenharz (W3) [Adelung]


Das Lerchenharz, S. Lärchenharz.


Lerchenhaube (W3) [Adelung]


Die Lerchenhaube, plur. die -n, ein kleines Garn an einer Stange in Gestalt einer Haube, um die Lerchen, wenn sie sich vor dem Fallen ducken, damit zu bedecken und zu fangen.


Lerchenherd (W3) [Adelung]


Der Lerchenherd, des -es, plur. die -e, ein Vogelherd, Lerchen darauf zu fangen.


Lerchenklaue (W3) [Adelung]


Die Lerchenklaue, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Rittersporen, wegen der Ähnlichkeit der Blumen mit dem Sporne einer Lerche.


Lerchennetz (W3) [Adelung]


Das Lerchennetz, des -es, plur. die -e, S. Lerchengarn.


Lerchenschwamm (W3) [Adelung]


Der Lerchenschwamm, S. Lärchenschwamm.


Lerchenspiegel (W3) [Adelung]


Der Lerchenspiegel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Vogelstellern, eine ovalrunde Maschine auf einer Walze mit verschiedenen Spiegeln, die Lerchen damit zu berücken und zu fangen.


Lerchenspieß (W3) [Adelung]


Der Lerchenspieß, des -es, plur. die -e, in den Küchen, kleine Spießchen von Holz oder Metall, Lerchen und andere kleine Vögel daran zu spießen, und selbige an einen ordentlichen Bratspieß zu binden, um sie auf solche Art zu braten; der Vogelspieß.


Lerchenstreichen (W3) [Adelung]


Das Lerchenstreichen, des -s, plur. inus. ein aus den R. A. Lerchen streichen und die Lerchen streichen zusammen gezogenes Wort. 1) Der Fang der Lerchen mit dem Lerchennetze, besonders mit dem Klebegarne und Nachtnetze. 2) Das Streichen, d. i. das Ankommen und Fortziehen, der Lerchen. ( S. Streichen.) In beyden Fällen auch der Lerchenstrich.


Lerchenwagen (W3) [Adelung]


Der Lerchenwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein grün angestrichener Wagen, die bey dem Lerchenstreichen gefangenen Lerchen darauf nach Haufe zu führen.


Lernbegierde (W3) [Adelung]


Die Lernbegierde, plur. inus. die Begierde etwas zu lernen. Daher lernbegierig. S. Lehrbegierde und Lehrbegierig.


Lernen (W3) [Adelung]


Lernen, verb. reg. act. et neutr. welches im letztem Falle das Hülfswort haben erfordert. Es kommt in doppelter Gestalt vor. I. In mehr activer Bedeutung, für lehren, in welchem Verstande es in der anständigen Schreib- und Sprechart veraltet ist, im gemeinen Leben aber noch häufig vorkommt. So wolt er im der vil zeigen Und lernen eine newe monier, Theuerd. Kap. 71. Ich will euch lernen, was ihr thun sollt, 2 Mos. 4, 15; wo doch bessere Ausgaben lehren haben. Lernen sie mir nur die Liebe erst kennen, Gell. für lehren sie mich u. s. f. Bey den Handwerkern lernet der Meister einen Lehrburschen, wenn er ihm sein Handwerk beybringet; einen Lehrburschen auslernen, ihn die gesetzte Zeit hindurch bis zu Ende unterrichten und anführen. Bey dem Zeitworte lehren ist schon angemerket worden, daß lehren und lernen ursprünglich ein und eben dasselbe Zeitwort sind, und daher auch von je her häufig für einander gesetzt worden. Eben so bedeutet das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das mittlere Lat. discere, das Franz. apprendre, das Schwed. lära und das Nieders. lere, so wohl lehren als lernen. II. In mehr neutraler Bedeutung, Fertigkeit, und in weiterm Verstande, unbekannte Kenntnisse und Begriffe zu bekommen suchen. 1) Im engsten und vermuthlich eigentlichsten Verstande, im Gedächtnisse zu behalten suchen, und zwar zunächst durch mehrmahliges lautes Hersagen, welches lehren, so fern es ursprünglich laut hersagen bedeutet hat, zu bezeichnen scheinet; hernach aber auch, auf jede andere Art. Etwas auswendig lernen. Seine Lection lernen. Einem Kinde etwas zu lernen aufgeben. Ein Lied, einen Psalm lernen. Lernet sie (die Gebothe,) und behaltet sie, 5 Mos. 5, 1. 2) In weiterer Bedeutung, Fertigkeit in einer Sache zu erlangen suchen. Ein Handwerk, eine Kunst, eine Wissenschaft lernen. Eine Sprache lernen. Das Kind lernt gehen. Lesen, schreiben, tanzen, zeichnen, singen lernen. Etwas von sich selbst lernen. Bey einem Meister lernen, das Handwerk bey ihm zu erlernen suchen. Etwas von einem lernen. Wo es oft auch absolute stehet, für nützliche Fertigkeiten zu erlangen suchen. Der Knabe will nichts lernen. Er hat nichts gelernt. Lerne vor ehe du andere lehrest, Sir. 18, 20. Er hat etwas gelernt und wird sein Glück gewiß machen, Gell. 3) In noch weiterm Verstande, unbekannte Kenntnisse und Begriffe erlangen und zu erlangen suchen. Sie lerneten der Heiden Werk, Ps. 106, 35. Lauter Böses von jemanden lernen. Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig, Matth. 11, 29. Man muß lernen, so lange man lebt. Etwas durch die Übung, aus der Erfahrung lernen. Jemanden kennen lernen. Lerne aus andrer Leute Schaden klug werden. Jetzt lernete er über sein eigenes Herz erröthen. So lernt ich mich mit wenigem begnügen, Gell. Durch eignes Leiden lernte sie Beym Leiden anderer zerfließen, Gotter. Das lernt sich bald, wird bald erlernet. Was man nicht kann, daß lernt sich, wenn man nur Lust hat, Weiße.

Anm. Dieses Zeitwort kommt in dem Gebrauche größten Theils mit lehren überein. Es wird so wie dieses mit dem bloßen Infinitiv des Zeitwortes verbunden, wie aus den obigen Beyspielen erhellet. Nur in den zusammen gesetzten Zeiten scheinet es gleichgültig zu seyn, ob man alsdann lernen im Infinitiv stehen lässet, nach dem Muster der Zeitwörter heißen, sehen, hören, mögen, wollen u. s. f. oder ob man der gewöhnlichern Form folget, weil man von beyden Beyspiele findet. Seitdem ich ihn habe kennen lernen, oder kennen gelernet. Wer die Natur einer jeden Sache hat kennen, und die Weisheit, Kunst und Macht, die sich in allen natürlichen Dingen zeiget, bemerken lernen, Gell. Sie haben die Unschuld unsrer Liebe kennen gelernet, Cron. Indessen gibt es viele Fälle, in welchen der Infinitiv in der vergangenen Zeit anstatt des Mittelwortes das Gehör beleidiget. Wird man wohl, z. B. gerne sagen: bey wem haben sie tanzen lernen? Das Kind hat erst vor vier Wochen gehen lernen u. s. f. Daher es scheinet, als wenn sich diese Form mit dem Zeitworte kennen noch am besten vertrüge. Dieses Zeitwort lautet, so fern es discere bedeutet, schon bey dem Kero lirnan, bey dem Ottfried und dessen Zeitgenossen lernen und gilernen, im Angels. leornan, im Engl. to learn. Bey dem Zeitworte lehren ist bereits bemerket worden, daß es vermittelst der vermuthlich hier intensiven Ableitungssylbe -nen von diesem Worte gebildet worden, daher es auch in der Schweiz und andern Oberdeutschen Gegenden noch lehrnen geschrieben und gesprochen wird.


Lesbar (W3) [Adelung]


Lesbar, adj. et adv. fähig gelesen zu werden. Das Chinesische ist einem Deutschen nicht lesbar. Ingleichen, fähig mit Verstande, mit Unterhaltung gelesen zu werden. Ein Buch ist nicht lesbar, wenn man entweder nicht verstehet, was man lieset, oder keine Unterhaltung dabey findet. So auch die Lesbarkeit. S. Leserlich, welches noch davon verschieden ist.


Lesche (W3) [Adelung]


Die Lesche, Leschen u. s. f. S. in Lösch -


Leschen (W3) [Adelung]


Leschen, S. die Lesche


Lese (W3) [Adelung]


Die Lese, plur. die -n, von dem Zeitworte lesen, colligere. 1) Die Handlung, da man etwas zusammen lieset; ohne Plural. Am häufigsten in den Zusammensetzungen Weinlese, welche auch nur die Lese schlechthin genannt wird, Öhllese, Nachlese u. s. f. 2) Was man zusammen gelesen hat; in welchem Verstande es nur in einigen Kartenspielen üblich ist, wo es theils die mit einem höhern Blatte gestochenen Karten der übrigen Mitspieler bedeutet, drey Lesen haben, d. i. drey Stiche; theils aber auch und zwar im Singular allein, die meisten Stiche. Die Lese haben, die meisten Stiche haben.


Lesebuch (W3) [Adelung]


Das Lesebuch, des -es, plur. die -bücher, von lesen, legere. 1) Ein Buch, worin man zum Vergnügen, zum Zeitvertreibe lieset. 2) Auf hohen Schulen, ein Buch, worüber ein Collegium gelesen, welches zum Grunde einer Vorlesung gelegt wird.


Lesebret (W3) [Adelung]


Das Lesebret, des -es, plur. die -er, bey den Leinwebern und Zeugmachern, ein Bret mit vielen Löchern, vermittelst dessen die Fäden auf den Scherrahmen gelesen werden. S. 1. Lesen.


Leseholz (W3) [Adelung]


Das Leseholz, des -es, plur. inus. Holz, welches an dürren Zweigen, Spänen u. s. f. im Walde aufgelesen wird; Raffholz.


Lesemeister (W3) [Adelung]


Der Lesemeister, des -s, plur. ut nom. sing. 1) In den Klöstern einiger Gegenden, der Vorleser, Lector; von lesen, legere. 2) In einigen Oberdeutschen Weinländern, z. B. in Österreich, eine beeidigte Person, welche die Aufsicht über die Weinlese, und die Einnahme des davon schuldigen Zehnten hat.


Lesen (W3) [Adelung]


1. Lesen, verb. irreg. act. ich lese, (Oberd. ich lies,) du liesest, er lieset, wir lesen u. s. f. Imperf. ich las; Mittelw. gelesen; Imperat. lies, (Oberd. lese). Es bedeutet überhaupt, von mehrern Dingen Einer Art eines nach dem andern wegnehmen, oder ausheben; wo es doch nur noch in einigen Fällen üblich ist. Auf dem Acker Ähren lesen, zusammen lesen, auflesen. Holz lesen, auflesen. Wein lesen, die reifen Weintrauben nach einander abbrechen, ( S. Weinlese.) Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Matth. 7, 16. Die Steine von dem Acker lesen. Das Unreine aus den Erbsen, Linsen u. s. f. lesen. In vielen Fällen ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich geworden. Da ging einer aufs Feld, daß er Kraut läse, 2 Kön. 4, 39, suchte, hohlte. Erdbeeren, Heidelbeeren lesen, im Oberd. wofür man in Hochdeutschen lieber pflücken sagt. So auch, So lise ich bluomen do rife nu liet, Walth. von der Vogelweide, für pflücken. Ingleichen figürlich, auf solche Art reinigen, leer machen. Den Weinberg lesen, die Trauben in demselben, Wenn du deinen Weinberg gelesen hast, 5 Mos. 24, 21. Den Acker lesen, die Steine von demselben lesen. Den Salat lesen, die verdorbenen Blätter aufsuchen und wegnehmen. Erbsen, Linsen, Reiß u. s. f. lesen, das Unreine einzeln hinweg nehmen. Wolle lesen. Im Nieders. verlesen. Bey den Webern werden die Fäden gelesen, wenn die Fäden des Aufzuges aus einander gelesen und in Ordnung gebracht werden. Das Hauptwort die Lesung wird nur in einigen Zusammensetzungen gebraucht, in welchen lesen zugleich von einem weitern Umfange der Bedeutung ist, als jetzt das einfache Zeitwort hat.

Anm. Schon bey dem Kero lesan, im Nieders. lesen, im Engl. to lease, im Schwed. läsa, im Angels. lesan, im Lat. legere, colligere, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Merkwürdig ist es allerdings, daß dieses Zeitwort mit dem folgenden nicht nur in der Conjugation überein kommt, sondern auch in allen Europäischen Sprachen mit demselben gleichlautend ist. Indessen ist doch bey dem sehr einfachen Gange der menschlichen Begriffe, besonders in denjenigen Zeiten, in welche der Ursprung der Wörter fällt, kein scheinbarer Grund vorhanden, sie beyde von Einem Stamme herzuleiten. Denn daß einige das folgende lesen so erklären, als wenn es eigentlich die Buchstaben, Sylben und Wörter zusammen lesen oder sammeln bedeute, ist mehr ein witziger Einfall, als eine der Analogie der Sprache gemäße Ableitung. Vielleicht stammet das gegenwärtige Zeitwort von los, lösen ab, (in einigen Oberdeutschen Gegenden wird es wirklich lösen gesprochen;) alsdann wäre dessen Verwandtschaft mit verlieren, welches im Nieders. ehedem nur lesen lautete, Engl. to leese, lose, loose, Angels. losgan, leosan, bey dem Ulphilas liusan, sehr leicht begreiflich. S. Verlieren.


Lesen (W3) [Adelung]


2. Lesen, verb. irreg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert, in der Conjugation aber mit dem vorigen völlig überein kommt. Es bedeutet, 1. eigentlich, laut hersagen, oder hersingen; eine größten Theils veraltete Bedeutung, welche sich nur noch in dem Ausdrucke Messe lesen in der Römischen Kirche erhalten hat. Ehedem war sie häufiger, denn da war lehren und lesen einerley; indem beyde eigentlich den lauten Schall ausdrucken, r und s aber in allen Sprachen sehr leicht in einander übergehen. Kero gebraucht für lesen noch leran, dagegen bey dem Ulphilas laisjan lehren bedeutet. Das Franz. lire, lesen, nous lisons, wir lesen u. s. f. hat beyde Formen beybehalten. Das Schwed. läsa bedeutet gleichfalls hersagen, und sein Gebeth lesen ist daselbst so viel als es bethen. Auf den hohen Schulen Deutschlandes ist es noch im engern Verstande für lehren, eine Lehrstunde halten, üblich. Ein Collegium lesen. Die Theologie, die Weltweisheit lesen, d. i. lehren. Mit vielem Beyfalle lesen. Heute wird nicht gelesen. Das Lat. legere wurde in den mittlern Zeiten auf eben diese Art gebraucht. Indessen kann es seyn, daß beyde in dieser Bedeutung eine Figur sind, welche von dem ehemahligen Vorlesen der Lehrer im eigentlichsten Verstande entlehnet ist. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die willkührlichen Zeichen der Worte und Gedanken kennen, durch vernehmliche Töne aussprechen, und in weiterer Bedeutung, sie sich deutlich vorstellen, sie gleichsam stille für sich aussprechen. 1) Eigentlich. Deutsch, Lateinisch, Griechisch, Hebräisch lesen können. Das Kind lernt erst lesen. Verstehest du auch, was du liesest? In einem Buche, in der Bibel lesen. Ein Buch lesen. Ich muß das Buch erst zu Ende lesen. Einen Brief lesen. Ich will ihnen den Brief lesen, d. i. vorlesen. Einem den Text, den Leviten, das Kapitel lesen, ihm einen derben Verweis geben. ( S. Kapitel und Levit.) Etwas mit lauter Stimme lesen. 2) Figürlich. (a) Den Planeten lesen, aus dessen Stellung unbekannte Dinge muthmaßen und schließen. (b) Dieser Gram, den ich in ihrem Gesichte lese, aus ihren Gesichtszügen erkenne. Ich las in seinen Mienen alles, was er dabey dachte. Ich werde zwar Mitleiden in seinen Augen lesen, aber ein verachtendes Mitleiden. Daher die Lesung, welches doch in den Zusammensetzungen häufiger ist, als in dem einfachen Zeitworte. Anm. In der ersten engern Bedeutung bey dem Kero kalesan, bey dem Ottfried lezan, im Dän. läse, im Schwed. läsa, im Epirotischen liexune, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches auch sagen bedeutet, und im Lat. legere. S. das vorige.


Lesepult (W3) [Adelung]


Das Lesepult, des -es, plur. die -e, ein Pult; vor welchem man lieset, oder andern etwas vorlieset.


Leser (W3) [Adelung]


1. Der Leser, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Leserinn, eine Person welche lieset, colligit, besonders in den Zusammensetzungen Weinleser, Federleser u. s. f. S. 1. Lesen.


Leser (W3) [Adelung]


2. Der Leser, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Leserinn, eine Person, welche lieset, so wohl in Absicht auf die Fertigkeit im Lesen, ein schlechter Leser; als auch in Absicht der Beschäftigung, wo die Leser dem Schriftsteller entgegen gesetzet sind. Bey dem Notker Leso. Ehedem bedeutete es auch theils einen Lehrer auf hohen Schulen, einen Professor, theils aber auch einen Vorleser, Lector.


Leserlich (W3) [Adelung]


Leserlich, -er, -ste, adj. et adv. so daß man es lesen kann, doch nur von den Zügen einer bekannten Schrift. Eine leserliche Hand schreiben. Eine leserliche Schrift. Die Urkunde ist nicht mehr leserlich. Die in der Mitte, wie es scheinet, um des Wohlklanges willen, eingeschobene Sylbe er, damit das s nicht, wenn es ohne Vocal stände, zu hart lauten möchte, findet sich auch in lächerlich, fürchterlich, dem gemeinen mörderlich u. s. f. S. - Lich.


Leserlohn (W3) [Adelung]


Der Leserlohn, des -es, plur. inus. der Lohn, welchen man für das Lesen, colligere, bezahlet, besonders der Lohn, welchen die Weinleser in den Weinbergen bekommen.


Leseschule (W3) [Adelung]


Die Leseschule, plur. die -n, eine Schule, in welcher die Kinder lesen lernen.


Lesestein (W3) [Adelung]


Der Lesestein, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, reichhaltige Eisensteine, welche auf oder unter der Erde in Geschrieben angetroffen werden, da man sie denn zusammen zu lesen und auszuschmelzen pfleget; Rasensteine, so fern sie gleich unter dem Rasen befindlich sind, Wiesensteine, so fern sie sich oft auf Wiesen finden lassen.


Lesestunde (W3) [Adelung]


Die Lesestunde, plur. die -n, eine Stunde, in welcher man im Lesen, legere, Unterricht gibt, oder empfängt. Lesestunden halten. In die Lesestunde gehen.


Leseübung (W3) [Adelung]


Die Leseübung, plur. die -en, die Übung im Lesen, legere.


Lesezeit (W3) [Adelung]


Die Lesezeit, plur. die -en, diejenige Zeit, da gewisse Dinge gelesen (colligere) werden. Besonders die Zeit, da der Wein gelesen wird; die Weinlese.


Leslich (W3) [Adelung]


Leslich, adj. et adv. S. Leserlich.


Letten (W3) [Adelung]


Der Letten, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. eine Benennung verschiedener zäher und fetter Erdarten. 1) Der gemeine Töpferthon, welcher gemeiniglich bläulich ist, und im Wasser zu einer zähen Masse wird, ist am häufigsten im Oberdeutschen unter dem Nahmen des Lettens bekannt. 2) Im Bergbaue ist der Letten eine zähe, fette und schmierige Bergart, von allerley Farben, welche gemeiniglich auch nichts anders als ein Thon ist. Der weiße Letten ist zuweilen silberhaltig. 3) Im Oberdeutschen wird auch der Lehm zuweilen Letten genannt, S. Lehm. Anm. Die zähe, zusammen hangende weiche Beschaffenheit ist ohne Zweifel der Grund der Benennung, so daß dieses Wort mit Lutum, Klette, Kloß, Lehm, Leim, dem Nieders. Kley u. a. Eines Geschlechtes ist. Lättjord bedeutet im Schwed. einen Boden, welcher leicht weich und schmierig wird. Im Wallis. ist Llaid, im Isländ. Ledia, Koth, und im Finnländ. Letto. ein sumpfiger Ort.


Lettenhaue (W3) [Adelung]


Die Lettenhaue, plur. die -n, im Bergbaue, eine Haue, welche nur zwey Finger breit ist, womit das lettige Gebirge losgehauen wird; die breite Weilhaue.


Lettenschmitz (W3) [Adelung]


Der Lettenschmitz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine im Bergbaue übliche Benennung des Lettens, oder einer lettichten Erdart. S. Schmitz.


Letter (W3) [Adelung]


Die Letter, plur. die -n, ein aus dem Lat. Littera entlehntes Wort, einen Buchstaben zu bezeichnen, welches doch wenig mehr gebraucht wird, außer daß einige noch die gegossenen Schriften der Buchdrucker, so wie die gedruckten Buchstaben Lettern zu nennen pflegen. Thorheit war es wohl, wenn einige ältere Sprachlehrer, und sogar auch Bödicker dieses Wort nicht aus dem Lat. sondern von Lied, Glied, abgeleitet wissen wollten.


Letterhörnchen (W3) [Adelung]


Das Letterhörnchen, S. Abcbuch.


Letterwechsel (W3) [Adelung]


Der Letterwechsel, S. Buchstabenwechsel.


Letticht (W3) [Adelung]


Letticht, adj. et adv. dem Letten ähnlich. Ein lettichter Boden. Nieders. ankleiig.


Lettig (W3) [Adelung]


Lettig, adj. et adv. Letten enthaltend, aus Letten bestehend. Ein lettiger Boden.


Letze (W3) [Adelung]


1. Die Letze, plur. die -n, ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, eine Vertheidigung an der Gränze, eine Landwehre, und hernach auch wohl eine jede Gränze zu bezeichnen. ( S. Frischens Wörterbuch.) Wohl nicht, wie dieser glaubt, von lat, spät, und letzte, man müßte es denn von dem davon abstammenden, noch im Niedersächsischen üblichen latten, hindern, ableiten wollen; sondern vermuthlich von letzen, welches nicht nur laedere, sondern auch wehren, vertheidigen, bedeutete. Im Theuerdanke kommt daher Lytz von einem Gewehr, einem Werkzeuge der Vertheidigung und des Angriffes vor. S. Verletzen.


Letze (W3) [Adelung]


2. Die Letze, plur. die -n, ein im Hochdeutschen sehr ungewöhnlich gewordenes Wort. Es bedeutet, 1) ein Geschenk. welches man bey seinem Abschiede einem andern zum Andenken oder zur Ergetzlichkeit macht. Welches Geld man ihnen zur Letze verehrete, Bluntschli. Frisch führet eine Stelle aus Wurstisens Baseler Chronik an, worin dieses Wort Lezine lautet. Das laß ich dir zur Letze, in einem alten Kirchenliede, wofür man gemeiniglich singt, das laß ich dir zur Letze, als wenn es das Wort letzt, ultimus, wäre. Vermuthlich gehöret auch die im gemeinen Leben übliche R. A. zu guter letzt hierher, da sie denn eigentlich zu guter Letze heißen müßte, d. i. zum freundlichen Abschiede. 2) Ein Überbleibsel, ein Überrest; eine nur noch im Oberdeutschen übliche Bedeutung, von welcher Frisch eine Stelle aus Ryffs Spiegel der Gesundheit anführet. S. 2. Letzen.


Letzen (W3) [Adelung]


1. Letzen, verb. reg. act. laedere, ingleichen sich wehren, siehe Verletzen.


Letzen (W3) [Adelung]


2. Letzen, verb. reg. act. vergnügen, erfreuen, belustigen; ein indem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen veraltetes Wort, welches nur noch zuweilen bey den Dichtern vorkommt. 1) Überhaupt. Du letzest mir mein Leben, Opitz. Wer seinen Muth will letzen Mit schneller Jagd und Hetzen, ebend. Mein Auge wird sich wohl An den Belügern letzen, ebend. Sie wird sich wohl einmahl am Bilde letzen wollen, Gell. Wenn sie (die Wörter) Ambrosia Und Nectar letzen soll. Weiße. So können sie ja selbst Mit eignen Augen sehn, wie uns der Kuß Von ihren Schönen letzt, ebend. 2) In engerer Bedeutung, sich mit einem andern letzen, sich bey dem Abschiede noch Ein Mahl mit ihm vergnügen. Mein Freund, ich komme bald, mich noch mit dir zu letzen, Günth. Wie einander umarmend, bey einem schleunigen Marsche An den Ecken der Straßen die Krieger und Mägde sich letzen, Zachar. Daher die noch im Oberdeutschen gangbaren Wörter der Letzkuß, der Abschiedskuß, die Letzpredigt, die Abschiedspredigt, der Letzschmaus u. s. f.

Anm. Unsere Sprachforscher, welche nur allein die letzte engere Bedeutung von diesem Worte gekannt, oder solche doch für die erste eigentliche gehalten haben, leiten es von dem folgenden Worte letzt ab. Allein, es ist unstreitig von einem weitern Umfange, und stammet allem Ansehen nach mit laetari, laetus, u. s. f. aus Einer gemeinschaftlichen ältern Quelle her, so wie getzen, in ergetzen, zu dem Geschlechte des Wortes gaudere gehöret.


Letzt (W3) [Adelung]


Letzt, adj. et adv. welches von Dingen gebraucht wird, welche kein anderes Ding ihrer Art an sich haben, so wohl der Zeit, als dem Orte und der Ordnung nach; im Gegensatze des erst. 1) Der Zeit nach. Der letzte Tag im Jahre. Er ist immer der letzte, kommt am spätesten. Immer das letzte Wort haben wollen. Jetzt komme ich zum letzten Mahle. Der letzte Tag meines Lebens. Oft auch nur beziehungsweise, was bis jetzt noch kein anderes Ding nach sich hat. Das letzte Mahl, da ich ihn sahe. Der letzte Krieg, der vorige, seit welchem kein anderer Krieg gewesen ist. Besonders von Dingen, welche einen Sterbenden betreffen. Der letzte Wille, das Testament. In den letzten Zügen liegen, im gemeinen Leben, im Begriffe zu sterben seyn. Die letzte Öhlung, in der Römischen Kirche. Einem die letzte Ehre erweisen, seiner Beerdigung beywohnen. Du hießest uns zu deinem Lager kommen, um den letzten Segen zu empfangen. Ingleichen was das Ende der sichtbaren Körperwelt und ihres gegenwärtigen Zusammenhanges betrifft. Das letzte Gericht, das jüngste. Die vier letzten Dinge. 2) Dem Orte nach. Der letzte Baum auf dem Felde. Portugall ist das letzte Land in Europa gegen Abend. 3) Der Ordnung und der damit verknüpften Würde, dem Vorrathe u. s. f. nach. In einer Prozession der letzte seyn. Liebe und Haß sind zwey Leidenschaften, wovon die erste oft strafbar wird, die letzte aber es fast jederzeit ist. Der letzte, höchste Endzweck. Das ist das letzte Geld, was ich habe, oder das ist mein letztes. Den letzten Ausspruch thun, welcher keine Widersetzung leidet.

Anm. Als ein Nebenwort kommt es außer dem zusammen gesetzten zuletzt selten vor. Doch gebraucht man im gemeinen Leben letzt für neulich, jüngst, der Zeit nach, wofür doch letztens und letztlich üblicher sind. ( S. diese Wörter) In der höhern Schreibart leidet das Beywort auch die zweyte Endung nach sich. Wie zufrieden wird der letzte meiner Tage seyn, wenn u. s. f. Obgleich dieses Wort der eigentliche Superlativ von lat, spät, ist, so macht man doch, so wie von erst und mehr, oft einen neuen Comparativ davon, und zwar nicht nur, wenn nur zwey Glieder vorhanden sind; Cajus und Sempronius, ersterer war arm, letzterer aber reich; sondern auch, wenn man die nächst vorher gegangene Sache bezeichnen will. Der letztere Krieg. So machten auch die Lateiner von dem Superlativ proximus den Comparativ proximior, von postremus und minimus die neuen Superlative postremissimus, minimissimus. Den bestimmten Artikel kann dieses Wort außer dem jetzt gedachten Comparativ nicht leicht entbehren, ob man ihn gleich in den Kanzelleyen oft weglässet, wenn es ohne Hauptwort stehet, und die nächst vorher gemeldete Sache oder Person bezeichnet. In einigen R. A. hat man in der vertraulichen Sprechart auch das Hauptwort die Letzt oder die Letzte. Es gehet auf die Letzte, es gehet zum Ende. Zu guter Letzt, zum Beschluß, S. 2. Letze. Auf die Letzte (endlich, am Ende) machen sie mir wohl noch alles weiß. Eben so sagt man im gemeinen Leben, in der Erst, für anfänglich. Bey den ältern Fränkischen und Oberdeutschen Schriftstellern lautet dieses Wort lezest, lezist, im Angels. laesta, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es ist der Superlativ von dem noch im Nieders. üblichen lat, spät, oder auch von unserm laß, langsam, spät, träge, daher es ohne Zusammenziehung latest oder lassest heißen sollte. Der Comparativ findet sich unter andern auch in dem Nieders. Worte Laterndag, welches in Niederdeutschen Urkunden mehrmahls vorkommt. Frisch hält ihn für den achten Tag nach dem Feste eines Heiligen, Haltaus aber für den Sonnabend. Allein Hr. J. P. Wöhner zeigt in einer kleinen Schrift, de vera significatione vocis Laterndag, daß es von lat, spät, komm, und den folgenden Tag bedeute.


Letztens (W3) [Adelung]


Letztens, adv. der Zeit, welches nur im gemeinen Leben üblich ist, und für neulich, jüngst, oder von solchen Dingen gebraucht wird, welche seitdem kein anderes ihrer Art nach sich gehabt haben. Als ich ihn letztens sahe. In der anständigern Sprechart sind dafür letzthin und letztlich üblicher. Letzthin gab sie ihr ein Buch, Gell. neulich. Als ich ihn letztlich sprach. Im Oberdeutschen wird dieses letztlich auch für zuletzt, endlich, gebraucht, in welchem Verstande es auch einige Hochdeutsche angenommen haben. Da dieß alles nichts fruchten wollte, so hat Gott letztlich die Schande der Christen kund gemacht.


Leuchel (W3) [Adelung]


Der oder das Leuchel, des -s, plur. inus. eine Pflanze. S. Knoblauchskraut.


Leuchte (W3) [Adelung]


Die Leuchte, plur. die -n, Diminut. das Leuchtchen, Oberd. Leuchtlein. 1) * Ein jeder leuchtender Körper, ein Licht, eine Lampe u. s. f. eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es noch mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt. Das reinste Öhl zur Leuchten (Leuchte) daß man allezeit oben in die Lampen thue, 2 Mos. 27, 20. Und so in andern Stellen mehr. Ihr hellen Leuchten in der Nacht, Ihr Sterne, preiset Gott, Cram. 2) In engerer Bedeutung, eine Laterne, besonders im Nieders. wo es Luchte lautet; Dän. Lychte, Schwed. Lykta, Isländ. Luktarn, im Finnländ. Lyhty.


Leuchten (W3) [Adelung]


1. Leuchten, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist, wo es verschneiden, castriren, bedeutet, und besonders von dem Verschneiden der Lämmer gebraucht, oft aber auch leichten geschrieben und gesprochen wird. Die Verschneidung selbst, und die Zeit, da selbige geschiehet, heißt alsdann die Leuchte. Die Sylbe ten bezeichnet in sehr vielen Fällen ein Intensivum. Das einfachere aber ungewöhnliche leuchen oder leichen scheint zu lachen, schneiden, hauen, und schlagen zu gehören. Im Angels. ist Leahtre, und im Schwed. ohne Hauchlaut Lyte, ein Laster, eigentlich ein körperlicher Fehler. ( S. Laster.) Frisch hat irgendwo Leichtung gefunden, welches er durch Schafschur erkläret.


Leuchten (W3) [Adelung]


2. Leuchten, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Licht von sich geben, die umstehenden Sachen helle machen. 1) Eigentlich. Sieben Lampen, daß sie gegen einander leuchten, 2 Mos. 25, 37. Ein Feuer des Nachts zu leuchten, Ps. 77, 39. Lasset euer Licht leuchten, Matth. 5, 16. Der Mond leuchtete des Nachts, die Sonne des Tages. Die Sonne leuchtet allen, die auf Erden wohnen. Zuweilen auch für scheinen, glänzen. Von Gold und Edelsteinen leuchten, sehr glänzen. Aber noch leuchtet kein glücklich Gestirn dem Liebling der Musen, Deutschland, in dir, Zachar. In engerer Bedeutung ist leuchten und wetterleuchten im gemeinen Leben blitzen. Es leuchtet, es blitzet. 2) Figürlich. Mit einem hohen Grade der Deutlichkeit erkannt werden. Das leuchtet allen in die Augen. Aus den Geschöpfen leuchtet die Macht Gottes hervor. Überall leuchtet Eitelkeit und Selbstruhm durch, Sonnenf. In der höhern Schreibart auch wohl mit der vierten Endung, als ein Activum. So blühet wenigstens des Himmels reine Jugend, Ihr Antlitz leuchtet Lieb, und ihre Brust flammt Tugend, Weiße. II. Als ein Activum, welches doch im Passivo wenig gebraucht wird, ein Licht vortragen, vorhalten. 1) Eigentlich. Einem leuchten. Den Gästen (oder auch die Gäste) die Treppe hinunter leuchten, ihnen (oder sie) nach Hause leuchten. Leuchte hierher, halte das Licht hierher. Einem zu etwas leuchten. 2) Figürlich, einen hohen Grad der deutlichen Erkenntniß gewähren; in der höhern Schreibart. Den Blöden leuchtet sein Verstand, Weiße. Daher die Leuchtung, welches doch in den zusammen gesetzten Wörtern üblicher ist als in dem einfachen, außer daß der Blitz im gemeinen Leben einiger Gegenden die Leuchtung genannt wird.

Anm. Bey den alten Oberdeutschen Schriftstellern liuchtan, im Nieders. luchten, bey dem Ulphilas liuhtjan, wo lauhatjan auch blitzen bedeutet, im Angels. lyhtan, im Engl. to light, im Dän. lyse. Die Endung ten bezeichnet eine Intension. Das einfachere leuchen ist noch in dem Lat. lucere kenntlich. S. Licht und Lohe.


Leuchter (W3) [Adelung]


Der Leuchter, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person oder ein Ding, welche leuchten. 1) Von einer Person, welche einer andern ein Licht vorträgt, sagt man nur im Scherze, der Leuchter geht voran. 2) Ein Ding, welches leuchtet, wo es doch nur figürlich von demjenigen Werkzeuge oder Gestelle gebraucht wird, auf welches das zum Brennen bestimmte Licht, oder die Kerze gesteckt wird. Ein messingener, hölzerner, zinnerner Leuchter. Ein Altarleuchter, Kronenleuchter, Arm- oder Wandleuchter, Drahtleuchter, Handleuchter, Hangeleuchter u. s. f. Am häufigsten bezeichnet dieses Wort die gewöhnlichen Tischleuchter, welche aus einem breiten Leuchterfuße, einem geraden Schafte und einer Tille bestehen, in welche das Licht gesteckt wird. In der Deutschen Bibel, z. B. 4 Mos. 8, 3, wird auch ein solches Gestell zu einer oder mehrern Lampen mehrmahls ein Leuchter genannt, in welchem Verstande es aber im Hochdeutschen veraltet ist.

Anm. Im Nieders. Luchter. Bey den ältern Schriftstellern kommt dieses Wort, welches freylich eigentlich das Licht selbst bezeichnen sollte, nicht vor. Ottfried, Notker und Willeram nennen einen Leuchter so wohl als eine Laterne und Lampe Lichtsaz, ersterer aber auch einen Leuchter Kerzistal; ja Kerzenstock und Kerzenstall kommen im Oberdeutschen noch im vorigen Jahr- hunderte vor. In dem 1523 zu Basel gedruckten N. T. Luthers wird Liechtstar als ein unbekanntes Wort durch Leuchtern, Lutzern erkläret; woraus zu erhellen scheinet, daß die Sylbe -er in Leuchter, nicht so wohl die Ableitungssylbe -er ist, welche ein Werkzeug, oder auch ein handelndes Ding bedeutet, sondern das alte Arn, Ern, ein Ort, Platz, Behältniß, welches auch in dem Worte Laterne zum Grunde lieget, welche im Angels. Licht ern heißt, ( S. Laterne;) daher es denn eigentlich Leuchtern oder die Leuchtäre heißen sollte. Übrigens heißt ein Leuchter im Schwed. Ljusstake, im Isländ. Liososticka, bey dem Ulphilas Luzerna statha, im Angels. Candel-Staf, im Engl. Candlestick, und schon im Tatian Kentilastab.


Leuchterstuhl (W3) [Adelung]


Der Leuchterstuhl, des -es, plur. die -stühle, ein Stuhl oder Gestell, einen Leuchter darauf zu stellen; mit einem Franz. Ausdrucke ein Gueridon, wofür andere das zweydeutige Leuchterfuß gebraucht haben, welches doch eigentlich den Fuß an einem Leuchter bedeutet.


Leuchtfeuer (W3) [Adelung]


Das Leuchtfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Feuer, so fern es dazu bestimmt ist, andern zu leuchten, dergleichen an einigen Orten auf hohen Bergen oder Thürmen an den Küsten zum Behuf der Seefahrer unterhalten werden, S. Leuchtthurm, und Leuchtröhre.


Leuchtkugel (W3) [Adelung]


Die Leuchtkugel, plur. die -n, in der Feuerwerkskunst, eine Feuerkugel, welche man an einen Ort wirft, den man bey der Nacht erleuchten will; zum Unterschiede von den Dampf- und Stinkkugeln.


Leuchtpfanne (W3) [Adelung]


Die Leuchtpfanne, plur. die -n, eine eiserne erhöhete Pfanne, worin man Talg, Harz, Späne u. s. f. brennet, einen Ort unter freyem Himmel damit bey der Nacht zu erleuchten.


Leuchtröhre (W3) [Adelung]


Die Leuchtröhre, plur. die -n, bey den Bäckern, eine Röhre, oder ein Loch an der Seite des Ofens, worin Holz angezündet wird, den Ofen zu erleuchten; das Leuchtloch. An andern Orten brennet statt dessen zur rechten Hand vor dem Mundloche ein Leuchtfeuer.


Leuchtthurm (W3) [Adelung]


Der Leuchtthurm, des -es, plur. die -thürme, ein Thurm an der Küste, worauf ein Feuer unterhalten, oder auch große Lampen in Laternen angesteckt werden, den Seefahrenden zu leuchten; Feuerthurm, Feuerwarte, im Niedersächsischen eine Bake, Blüse.


Leuer (W3) [Adelung]


Die Leuer, bey den Vogelstellern, S. Leyer.


Leute (W3) [Adelung]


Die Leute, sing. inus. Diminut. die Leutchen, Oberd. Leutlein. Es bedeutet heut zu Tage, 1. In der weitesten Bedeutung, Menschen, Personen überhaupt, ohne Unterschied des Geschlechtes, besonders erwachsene Personen, von einer unbestimmten Anzahl; daher es auch kein eigentliches Zahlwort vor sich leidet. Indessen ist es in dieser allgemeinen Bedeutung nur im gemeinen Leben, oder von geringern Personen üblich. Wenn man von andern mit Achtung spricht, pflegt man sie niemahls Leute zu nennen. Er ist auf Reisen gewesen, und hat Land und Leute gesehen, viele Länder und Menschen. Von andern Leuten leben müssen. Alle Leute sagen es. Eine Gesellschaft von wenig Leuten. Es waren viele Leute zugegen. Wir sehen, daß oft Leute sich aus Dingen ein Vergnügen machen, worin alle übrigen keines finden. Bey Leuten, die nicht scharf denken können, thun witzige Blendwerke oft gute Dienste, Gell. So sind wir geschiedene Leute. Nicht viel unter die Leute kommen. Etwas vor allen Leuten thun. Aus Kindern werden Leute, erwachsene Menschen. In der Deutschen Bibel wird es noch oft von angesehenen, vornehmen Personen gebraucht; berühmte Leute, 1 Mos. 6, 4, Sir. 39, 4, und in andern Stellen mehr, in welchem Verstande es aber in der anständigen Schreibart gern vermieden wird. 2. In engerer Bedeutung, Personen, Menschen aus dem Volke, geringe Leute, diejenigen, welche das Volk, den großen Haufen ausmachen. Die Leute sagen es. Etwas unter die Leute bringen. In der Leute Mäuler gerathen. Es stand ein Haufen Leute auf dem Markte. Wer kann den Leuten die Mäuler verbiethen? In welchen und vielen andern R. A. man doch zunächst Personen aus dem Volke verstehet. 3. In noch engerm Verstande. 1) Personen, welche jemanden unterworfen sind. Meine Leute, d. i. mein Gesinde, meine Unterthanen, Personen aus meiner Familie. Land und Leute verlieren, das Land mit den Unterthanen. Eben so nennen die Befehlshaber der Kriegsvölker die ihnen untergebenen gemeinen Soldaten ihre Leute. Im Schwed. bedeutet Lid, im Wallis. Lluyd, und im Angels. Hlot, Kriegsvölker, daher einige diese Bedeutung für die erste gehalten haben, und Leute von dem veralteten liden, letzen, streiten, kämpfen, ableiten wollen. Allein man siehet leicht, daß Leute hier so gebraucht wird, wie Volk, Völker. 2) Personen, welche zu unsrer Familie gehören, pflegen wir im gemeinen Leben häufig unsre Leute zu nennen. So sagt ein Kind meine Leute, und verstehet darunter seine Ältern und Geschwister. Auch Dienstbothen begreifen darunter ihre Herrschaft. 3) In einigen Fällen, besonders in Zusammensetzungen, beziehet es sich vorzüglich auf das männliche Geschlecht. S. Mann, wo diese Fälle werden angeführet werden. Anm. Schon im Isidor Liudi, bey dem Ottfried Liuti, im Nieders. Lüde, Lüe, bey den Krainerischen Wenden Ludji. Ehedem wurde es auch sehr häufig als ein Collectivum gebraucht, das Volk zu bezeichnen, da es denn auch im Singular und im männlichen Geschlechte üblich war. So bedeutet Linteo bey dem Kero die Völker, und ther Liut, ther Luit, bey dem Ottfried, Willeram und Notker, das Volk. Auch im Isländ. ist Liod, im Schwed. Lyd, im Böhm. Lid, im Pohln. Lud, im Wallisischen Lliwed, das Volk, wozu auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , das Volk, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , öffentlich, gehören. Die Abstammung dieses Wortes ist bey dessen hohem Alterthum sehr ungewiß. Rudbeck leitet es von dem Schwed. lyda, hören, gehorchen, her, so wie Volk von vielen von folgen abgeleitet wird. Der fast beständige Gebrauch, da man nur geringe und andern unterworfene Personen Leute zu nennen pflegt, macht diese Ableitung wahrscheinlich; zumahl da auch Lidi, Leudes, Leudi, Leodi, Laeti, Liti u. s. f. im mittlern Lat. von einer Art leibeigener oder zum Dienst verpflichteter Unterthanen gebraucht wurde. ( S. auch Lasse.) Richey nahm laut, der Laut, für das Stammwort an, und glaubte, daß dieses Wort zunächst das Geräusch, welches mehrere Menschen, besonders geringerer Art, durch ihre Versammlung machen, ausdrucke; woraus sich so wohl die sehr unbestimmte Bedeutung, als auch der anklebende verächtliche Nebenbegriff erklären lassen würde. Im Meklenburgischen ist, eene grote Laut noch jetzt confluxus hominum concurrentium. Mit eben so vielem Rechte ließe es sich aber auch zu dem Geschlechte der Wörter Kleete, Kloß, Nieders. Kloot, laden, Letten u. s. f. rechnen, so daß es zunächst den Zusammenhang, die Verbindung mehrerer Menschen, einen Haufen Menschen ausdrucken würde. Indessen du das Leut in einigen Oberdeutschen Gegenden auch noch im Singular und individuell üblich ist, eine Person zu bezeichnen, sie ist ein feines Leut, im alten Engl. auch Lede, Leid, und im Angels. Leode, einen Menschen, und bey dem Ulphilas Laude einen Mann bedeuten: so stehet es dahin, ob dieses Wort nicht vielmehr mit Leib und Leiche Eines Geschlechtes ist, welche ehedem auch von einer lebendigen Person gebraucht wurden. Alsdann würde auch der größten Theils Oberdeutsche Gebrauch, da man eine Leiche an vielen Orten ein Leid heißt, hierher gehören. S. das Leid. Das Diminut. Leutchen und Leutlein ist nur in der vertraulichen Sprachart üblich, wenn man mit Liebe, Freundlichkeit von andern Leuten, besonders geringerer Art spricht. Die Leutlein aber erzeigten uns nicht geringe Freundschaft, Apostelg. 28, 2, 4. O ich liebe solche politische Leutchen, wie ich und sie sind, Weiße.


Leutern (W3) [Adelung]


Leutern, Leuteriren, S. Läutern.


Leuteriren (W3) [Adelung]


Leuteriren, S. Leutern


Leutescheu (W3) [Adelung]


Leutescheu, -er, -este, adj. et adv. die Leute, den Anblick, die Gesellschaft der Menschen auf eine fehlerhafte Art scheuend, und in dieser Scheu gegründet; menschenscheu, Niedersächs. minskenschou, mit einem Griechischen Ausdrucke misanthropisch. Sie müssen mich für sehr leutescheu ansehen, Gell. Schwed. folkskygg, Dän. folkesky.


Leutgeb (W3) [Adelung]


* Der Leutgeb, des -en, plur. die -en, ein nur im Oberdeutschen üblicher Ausdruck, einen Schenkwirth zu bezeichnen, der den Leuten das nöthige Getränk für das Geld gibt.


Leutselig (W3) [Adelung]


Leutselig, -er, -ste, adj. et adv. 1) * Volkreich, von Leuten und Menschen lebhaft; ein nur im Oberdeutschen üblicher Gebrauch. Ein leutseliger Ort. Es ist in dieser Gasse, in dieser Stadt sehr leutselig. 2) Ein wohlwollendes Vergnügen in dem Anblicke und Umgange der Menschen überhaupt äußernd, darin gegründet. Ein leutseliger Mensch. Ein leutseliges Betragen. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung gebraucht man es nur von dieser Gemüthsstellung höherer Personen gegen geringere, welche gewisser Maßen als ihre Leute, d. i. Untergebene, angesehen werden können. Im Pohln. ludsky, in der Schweiz ländlich. S. - Selig.


Leutseligkeit (W3) [Adelung]


Die Leutseligkeit, plur. inus. 1) * Der Zustand eines Ortes, da er leutselig, d. i. lebhaft ist; doch nur im Oberdeutschen. 2) Die Gemüthsstellung, die Neigung, die Fertigkeit eine Menschen, leutselig zu seyn.


Levante (W3) [Adelung]


Die Levante, (sprich Lewante,) plur. car. ein in der Erdbeschreibung und Seefahrt aus dem Ital. Levante entlehntes Wort, die Morgenländische Weltgegend in Ansehung des Mittelländischen Meeres, die Morgenländer zu bezeichnen, unter welchem Ausdrucke man gemeiniglich Griechenland, Romanien, Natolien, Syrien, einen Theil von Arabien, und Ägypten begreift; dagegen die Franzosen noch die Barbarey und zuweilen auch Italien, die Engländer aber alles, was von der Straße bey Gibraltar öftlich bis an den Euphrat lieget, die Levante oder Morgenländer zu nennen pflegen. Daher die levantische Compagnie, eine Gesellschaft Kaufleute, welche nach der Levante handelt.


Levit (W3) [Adelung]


Der Levit, des -en, plur. die -en, bey den ehemahligen Juden, ein Glied des Stammes Levi, besonders so fern die Glieder dieses Stammes zu dem Dienste des Tempels verbunden und berechtiget waren. Der levitische Gottesdienst, der Gottesdienst des alten Testamentes, weil er von den Leviten besorgt wurde. In engerer Bedeutung waren die Leviten noch von den eigentlichen Priestern unterschieden, denen sie an Würde nachgingen, und gleichsam Gehülfen derselben waren, daher auch in der Lateinischen Kirche die Diaconi ehedem Leviten genannt wurden, so wie in den Rheinischen Stiftern ein Dom-Vicarius noch jetzt diesen Nahmen führen. Einem den Leviten lesen, ihm einen derben Verweis geben, wofür man auch sagt, ihm den Text, das Kapitel oder die Epistel lesen; eine R. A. worin die Anspielung dunkel ist. Kaisersberg sagt in einer Stelle bey dem Frisch: Da er ihnen nun also den Text gelesen hatte, da wollt er ihnen die Leviten daß lesen.


Levkoje (W3) [Adelung]


Die Levkoje, plur. die -n, eine Pflanze, welche wohl riechende Blumen trägt und so wohl in Spanien als in der Barbarey einheimisch ist; Cheiranthus incanus L. Eigentlich kommt dieser Nahme nur derjenigen Art zu, welche weiße Blumen trägt, von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, weiß, daher man diese auch weißen Veil zu nennen pflegt. Hernach hat man ihn auch den rothen und violetten Arten gegeben. Diejenige Pflanze, welcher Linnee, wider den Sprachgebrauch, den Nahmen Leucojum gegeben hat, gehöret zu einer ganz andern Classe, und wird im Deutschen Hornungsblume, Märzblume und Schneeglöckchen genannt.


Lexicon (W3) [Adelung]


Das Lexicon, des -s, plur. ut nom. sing. oder des -ci, plur. die -ca, eine aus dem Griechischen entlehnte Benennung eines Wörterbuches, wofür andere, aber mit schlechtem Erfolge, die Ausdrücke Nahmenbuch und Aufschlagebuch einzuführen versucht haben.


-ley (W3) [Adelung]


-ley, ein für sich allein veraltetes Wort, welches ehedem ein Hauptwort weiblichen Geschlechtes war, und eigentlich den Weg, figürlich aber auch die Art, Gattung, des Geschlecht, bedeutete, und im Oberdeutschen ehedem auch Lige, Leige lautete, und zum Theil noch lautet. Aller leige, von aller Art, bey einem der Schwäbischen Dichter. Jetzt ist es nur noch in der Zusammensetzung mit verschiedenen Bey- und Fürwörtern üblich, neue Beywörter daraus zu bilden, welche aber indeclinabel sind, und auf keine Art verändert werden können. Die Wörter, welche diese Zusammensetzung leiden, sind alle Zahlwörter und einige Fürwörter, oder den Fürwörtern ähnliche Beywörter. Alle diese müssen, wenn sie das ley annehmen sollen, in der zweyten weiblichen Endung stehen; nicht, als wenn, wie Frisch glaubt, ein weibliches Hauptwort, Art, Gattung u. s. f. darunter verstanden würde, sondern, weil Ley selbst ein eigentliches Hauptwort weiblichen Geschlechtes ist. Wie man nun sagt, das sind Dinge aller Art, d. i. von aller Art, ohne ein anderes Hauptwort darunter zu verstehen, so sagte man ehedem auch, das sind aller Ley Dinge, oder jetzt zusammen gezogen allerley Dinge; woraus zugleich erhellet, warum die aus dieser Zusammensetzung entstehenden Wörter ihrer Natur nach indeclinabel sind. Die Wörter, welche diese Zusammensetzung leiden, sind 1) Zahlwörter. Einerley, von Einer Art, zweyerley, beyderley, dreyerley. Ja es lassen sich nicht nur die declinabeln Zahlwörter auf diese Art verändern, sondern auch die indeclinabeln; doch müssen sie vorher die Sylbe er annehmen, und dadurch gleichsam zu weiblichen Beywörtern der zweyten Endung gemacht werden. Sechserley Geld, sechs verschiedene Arten Geldes. Achterley Leute. Zwanzigerley Sachen. Hunderterley unter einander. Tausenderley Dinge. Im Oberdeutschen sagt man auch anderley, für von andrer Art, welches aber im Hochdeutschen nicht üblich ist. 2) Fürwörter, oder Fürwörtern ähnliche Beywörter, doch nur einige. Diese sind im Hochdeutschen all, kein, viel und manch; allerley, keinerley, vielerley, mancherley. Im Oberdeutschen hat man deren weit mehrere; derley, für dergleichen, welcherley, solcherley, jederley von dieser Waare, Logau, waserley, dieserley, der selberley Dunst, Buch der Natur 1483, einicherley im Theuerdank, für von irgend einer Art, meinerley, deinerley, seinerley u. s. f. Kaisersberg. Würme, die du in dir hast, sind nicht deinerley, ebend sind nicht von deiner Art.

Anm. Dieses veraltete Hauptwort Leige und zusammen gezogen Ley, Holländ. gleichfalls Ley, (wo das y das Andenken des stärkern Hauches erhält,) ist noch im Schwed. gangbar, wo es Led lautet, und nicht nur eigentlich den Weg, ( S. Lege, Legen und Leiten) sondern auch figürlich die Art, Gattung, das Geschlecht, bedeutet. Annorledes ist daselbst anderley, auf andere Art, alleleds allerley, mangaleds mancherley. ( S. Geschlecht und Schlachten,) Arten, welche gleichfalls damit verwandt sind. Ehedem gebrauchte man statt dieser Sylbe auch Hand, welches sich noch in allerhand für allerley erhalten hat, ehedem aber in allen den Fällen üblich war, wo man jetzt ley anhänget, welches in dieser Art des Gebrauches neuer ist als jenes.


Leyer (W3) [Adelung]


Die Leyer, plur. die -n, Diminut. das Leyerchen, Oberd. Leyerlein, ein Nahme eines zwiefachen musikalischen Werkzeuges. 1) Die Leyer der Alten, Lat. Lyra, war eine Art Harfe, welche anfänglich drey Saiten hatte, deren Zahl mit der Zeit bis auf sechzehen vermehret wurde. Sie wurde, wie die Harfe, mit den Fingern gespielet, und soll von dem Apoll seyn zur Vollkommenheit gebracht worden, daher sie auch seit dessen Zeit ein Sinnbild der Dichtkunst geworden ist. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, ist die Leyer am Himmel ein nördliches Sternbild, welches aus dreyzehn Sternen bestehet. 2) Unsere heutige Leyer ist ein sehr unvollkommenes eintöniges Saiten-Instrument, welches vermittelst eines mit einer Kurbel versehenen Rades gespielet wird, und nur noch unter dem großen Haufen einigen Beyfall findet. Es ist die alte Leyer, figürlich, die alte, bekannte Sache. Immer bey Einer Leyer bleiben, bey Einer Sache, bey Einer Neigung, bey Einem Vorgeben, im verächtlichen Verstande. Figürlich bekommen verschiedene Dinge, welche so wie das Rad an einer Leyer umgedrehet werden, den Nahmen der Leyern. So wurde die Winde an einer Armbrust ehedem auch die Leyer genannt. In der Schweiz ist die Leyer eine Art Butterfaß, welches mit einer Handhabe zwischen zwey Hölzern umgedrehet wird. Die Leyer der Bortenwirker ist ein Stock mit einem beweglichen Querholze, die Kette zu Borten und Bändern von dem Schweisramen auf die Schweifspule abzuwickeln. Die Vogelsteller nennen eine auf Pfählen bewegliche Walze, welche mit Leimruthen besteckt wird, eine Leyer und nach einer verderbten Aussprache eine Leuer, Leure. In großen Küchen hat man Bratenleyern, oder Maschinen, mehrere Spieße zugleich vermittelst einer einzigen Kurbel umzudrehen. An dem Pfluge ist die Leyer ein zwieseliges Holz, welches durch das Pfluggestell gehet, und die Pflugwage trägt, woran die Pferde gespannet werden; vielleicht, weil es in einer beständigen Bewegung ist, daher es auch das Pflugwetter genannt wird.

Anm. Bey dem Ottfried Lira, im Nieders. Lier, Lire, im Engl. Lyre, im Dän. Lire. Wenn es auch von dem Griech. und Lat. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Lyra; herstammen sollte, so gehören doch diese zu dem Geschlechte der Wörter Lärche, lehren, Lärm, u. s. f. In einigen Niedersächsischen Gegenden, z. B. im Meklenburgischen, heißt eine Leyer, aus einer ähnlichen Nachahmung ihres eintönigen Klanges, eine Ninnel.


Leyermann (W3) [Adelung]


Der Leyermann, des -es, plur. die -männer, derjenige, welcher ein Geschäft daraus macht, andern auf der Leyer vor- oder aufzuspielen; Nieders. Lirendreyer. Eine solche Person weiblichen Geschlechtes, eine Leyerfrau.


Leyern (W3) [Adelung]


1. Leyern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, auf der Leyer spielen; Nieders. liren. Ingleichen figürlich und im verächtlichen Verstande, auf eine eintönige Art sprechen oder singen. Etwas daher leyern.


Leyern (W3) [Adelung]


2. Leyern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben üblich ist, saumselig in seinen Verrichtungen seyn, zaudern. Den ganzen Tag an etwas leyern. In dieser Bedeutung kommt es schon bey dem Hornegk vor, der es unregelmäßig abwandelt, sie lirten. Im Imperf. Es scheinet in dieser Bedeutung zu lau, lauern, Nieders. luren, träge seyn, u. a. dieses Geschlechtes zu gehören. S. Lauern Anm.


Leykauf (W3) [Adelung]


Der Leykauf, S. Leihkauf.


Leykuchen (W3) [Adelung]


Der Leykuchen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Salzkothen, Stücke Schlotten, welche man oben auf den Bort des Herdes und der Salzpfanne legt, damit die Hitze an den Seiten der Pfanne recht hinauf streichen könne. Die erste Hälfte ist vermuthlich das in verschiedenen Gegenden. Ober- und Niederdeutschlandes noch übliche Leye, im Nieders. Leiden, welches Schiefer bedeutet, und zu dem Geschlechte der Wörter flach, Platte, Blech u. s. f. gehöret. Leyendecker, Leidendecker ist daher ein Schieferdecker, Leyendach, ein Schieferdach, Leidensticken der Griffel zu einer Schreibtafel von Schiefer u. s. f.


Leysegel (W3) [Adelung]


Das Leysegel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Schifffahrt, schmale Segel, welche man an den verlängerten Rahen wehen lässet, um mehr Wind zu fassen, und welche auch Beysegel, Reffe und Bonniten heißen. Vielleicht von lau, Nieders. leg, falsch, unecht, falsche Segel zu bezeichnen. S. Laugold und Leg.


Liberey (W3) [Adelung]


* Die Liberey, plur. die -en, ein aus dem Lat. libraria, nähmlich res oder supellex, gebildetes seltsames Wort, eine Bibliothek zu bezeichnen, welches aber zum Glück veraltet ist, ehedem aber auch Librarey lautete. Es kommt noch 2 Macc. 2, 13 vor.


Licent (W3) [Adelung]


Der Licent, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, aus dem Lat. Licentia, eine in vielen Ländern übliche Benennung derjenigen Abgabe, welche von ausgehenden Waaren ein für alle Mahl gegeben wird, und in weiterer Bedeutung auch wohl von einer jeden Art des Zolles oder der Accise, welche von Waaren entrichtet wird. Der Licent soll zuerst in den Niederländischen Unruhen in der letzten Hälfte des 16ten Jahrh. entstanden seyn, da er zuerst 1572 in der Provinz Seeland für die Erlaubniß gegeben wurde, Waaren in feindliche Länder ausführen zu dürfen, worauf diese Abgabe auch in andern Ländern eingeführet und weiter ausgedehnet wurde. In den Ländern, wo diese Abgabe unter dem Nahmen des Licentes üblich ist, hat man Licent-Einnehmer, Licent-Kammern, Licent-Gerichte u. s. f.


Licentiat (W3) [Adelung]


Der Licentiat, des -en, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. licentiare und Licentiatus, auf den Universitäten, derjenige, welcher nach überstandenem Examine Erlaubniß erhalten hat, Doctor zu werden, indessen aber die Vorrechte und Vorzüge eines Doctors bereits genießet.


-lich (W3) [Adelung]


"-lich", eine im Deutschen sehr fruchtbare Ableitungssylbe Bey- und Nebenwörter zu bilden, wovon die erstern, wenn es anders die Sache selbst leidet; nach der ordentlichen Regel compariret werden; Compar. -licher, Superl. -lichste. Diejenigen Wörter, welche diese Sylbe annehmen können, sind, I. Zeitwörter, welche insgesammt, einige wenige ausgenommen, die Sylbe en, und wenn sie sich auf "-ern" oder "-eln" endigen, nur allein das n, vorher wegwerfen. Sie sind, 1. Neutra, da denn die daraus gebildeten Bey- und Nebenwörter, 1) die wirkliche Anwesenheit desjenigen Zustandes bezeichnen, welchen das Zeitwort ausdruckt, und mit dem Mittelworte der gegenwärtigen Zeit oft einerley Bedeutung haben. Tauglich, was wirklich taugt, untauglich, behaglich, was behaget, beharrlich, beharrend, ersprießlich, dienlich, schicklich, sehnlich, hinlänglich, schmerzlich, einträglich, ziemlich, sich ziemend, gebührlich, sehr begehrlich seyn. Einige, besonders Oberdeutsche Wörter dieser Art werden nur allein als Nebenwörter gebraucht. Bittlich einkommen, bittend, beschwerlich vorbringen, beschwerend. Es ist mir erinnerlich. Hierher gehören auch die Nebenwörter, welche von den Desiderativis auf -ern gebildet werden, aber größten Theils eben so niedrig sind, als die Zeitwörter selbst. Es ist mir nicht esserlich, es essert mich nicht, ich habe keine Lust zu essen. So auch speyerlich, kotzerlich, tanzerlich u. s. f. Lächerlich und weinerlich sind von ihnen nur allein in der anständigern Sprechart aufgenommen, haben aber auch noch einige Nebenbedeutungen. 2) In einigen bezeichnet es noch die Möglichkeit, in denjenigen Zustand zu gerathen; welchen das Zeitwort ausdruckt. Ein sterblicher Mensch, der sterben kann und muß, die unsterblichen Götter, einer Sache empfänglich seyn, sie empfangen können, das ist mir nicht dienlich, kann mir nicht dienen. 2. Activa. Die davon gebildeten Bey- und Nebenwörter werden so wohl im thätigen als leidendlichen Verstande gebraucht. 1) Im thätigen. (a) Die Handlung, welche das Zeitwort bezeichnet, wirklich verrichtend, so wie die Mittelwörter der gegenwärtigen Zeit. Erbaulich, beförderlich, eine bewegliche Rede, einem hinderlich seyn, ein verächtliches Kopfnicken, ein verderblicher Krieg, ein betrieglicher Mensch, gedeihlich, vergeßlich, verkleinerlich, schrecklich, erfreulich, befremdlich, schädlich u. s. f. Viele Sprachlehrer haben diese thätige Bedeutung getadelt, und sie ganz auszumerzen angerathen, aber ohne einen triftigen Grund anzuführen. Über dieß sind sie zu zahlreich, und zu allgemein eingeführet, als daß man an eine Abschaffung derselben sollte denken können, wenn auch die Zweydeutigkeit mit den folgenden passiven Bedeutungen dazu Bewegungsgrundes genug wäre. (b) Was die Handlung des Zeitwortes thun, dessen Wirkung hervor bringen kann, in welchem Verstande auch viele der schon angeführten gebraucht wer. den. Erbaulich, was erbauen kann. So auch schmerzlich, erquicklich, ergetzlich u. s. f. 2) Im leidendlichen Verstande. (a) Was wirklich gethan wird. Merklich, was bemerket wird. Üblich, gebräuchlich, erforderlich, was geübt, gebraucht, erfordert wird, und andere mehr. (b) Was gethan zu werden verdienet. Eine bedenk- liche Sache, ein verächtlicher Mensch, ein bedauerliches Unglück, ein anmerklicher Umstand, eine besorgliche Gefahr, ein erbärmlicher Anblick u. s. f. (c) Noch häufiger aber, was gethan werden kann, so wie die Beywörter auf -bar. Verdaulich, erweislich, ersinnlich, beweglich, glaublich, begreiflich, erdenklich, thunlich, erhörlich bethen, baulich, wohnbar, besorglich u. s. f. Welche in den meisten Fällen im Gegensatze auch das un vor sich leiden; unverdaulich, unerweislich, unbeweglich u. s. f. Ja man kann nach dieser Form auch verneinende Bey- und Nebenwörter machen, wenn gleich ihr Gegensatz in der bejahenden Form nicht üblich ist. Unverbesserlich, unermeßlich, unverletzlich, unaussprechlich, unerbittlich, untadelich, (eigentlich untadellich,) unerforschlich, unergründlich, und tausend andere mehr, deren bejahende Gegensätze verbesserlich, ermeßlich u. s. f. entweder gar nicht, oder doch nur selten vorkommen.

Anm. Einige wenige Wörter dieser Art scheinen von dem Mittelworte der gegenwärtigen Zeit gebildet zu seyn; flehentlich, hoffentlich, wissentlich, vermessentlich, von flehend, hoffend u. s. f. in welchem Falle man sie auch richtiger mit einem d schreiben würde. Allein da sich dieses t auch in öffentlich und ordentlich findet, ersteres von dem Nebenworte offen, und letzteres vermuthlich von Ordnung, wir auch ein eigenes t euphonicum haben, welches gerne dem n nachgesetzet wird, S. T.: so scheinen sie vielmehr von dem vollständigen Infinitiv gemacht zu seyn, obgleich auch diese Beybehaltung des -en, eine Ausnahme von der Regel ist. Leserlich und fürchterlich, was gelesen werden kann, was fürchten macht, sind vielleicht die einzigen, welche, vielleicht auch um des Wohllautes willen, noch ein müßiges er annehmen, für leslich, fürchtlich, wenn nicht dieses letzte vielmehr von dem Hauptworte Furcht gemacht ist. Lächerlich, weinerlich, grauerlich, u. a. m. sind nach der Regel von den Desiderativis lächern, weinern, grauern gebildet. II. Hauptwörter. Die davon vermittelst dieser Ableitungssylbe gebildeten Bey- und Nebenwörter bezeichnen, 1. Eine Ähnlichkeit, welches die erste und eigentlichste Bedeutung dieses Wortes ist, und figürlich auch eine in dieser Ähnlichkeit gegründete Sache. Fürstlich leben, wie ein Fürst, königlich speisen, ein herrliches Gastmahl, gräfliche Güter haben, ein männliches Betragen, der kindliche Gehorsam, eine jugendliche Freude, ein väterliches Herz, sehr bürgerlich thun. So auch feyerlich, spöttlich, wunderlich, göttlich, herbstlich, jämmerlich, menschlich, schmerzlich, meisterlich, ehrlich, weltlich u. s. f. Wohin, 2. Auch diejenigen gehören, welche eine Art und Weise bezeichnen, keine Comparation leiden, und zum Theil nur als Nebenwörter üblich sind. Bildlich, in Gestalt eines Bildes, käuflich, eidlich, nahmentlich, mit Nahmen, das Oberdeutsche nachrichtlich, in Gestalt einer Nachricht, augenblicklich, im Augenblicke, wörtlich, mit Worten, mündlich, mit dem Munde, schriftlich, persönlich u. s. f. Ingleichen jährlich, täglich, monathlich, wöchentlich und stündlich, für alle Jahre, alle Tage, alle Monathe, alle Wochen, alle Stunden, gleichsam jahrweise u. s. f. 3. Ein Eigenthum, und zuweilen figürlich auch einen darin gegründeten Zustand; gleichfalls ohne Comparation. Die bischöflichen Güter, die fürstliche Würde, die königliche Krone, das gräfliche Wapen, die göttlichen Eigenschaften, die weiblichen Vorrechte, die menschlichen Schwachheiten, häusliche Angelegenheiten, die mitternächtlichen Länder, welche gegen Mitternacht liegen u. s. f. Ohne Zweifel wird diese Ableitungs- sylbe gemißbraucht, wenn man die damit gebildeten Wörter anstatt des Genitivs eines Hauptwortes gebraucht, so gemein solches auch in vielen Fällen ist. Die churfürstliche Frau Mutter, für, die Frau Mutter des Churfürsten, die fürstlichen Herren Brüder, die Herren Brüder des Fürsten. Oder wohl gar, wenn eine Apposition Statt finden sollte, der königliche Liebhaber, der ein König ist, oder der mit der königlichen Würde begabte Liebhaber. S. Königlich. 4. Einen Besitz und eine darin gegründete Eigenschaft; anstatt der Sylbe -ig. Unglücklich, glücklich, Glück, Unglück habend, Holländ. gelukkig, körperlich, einen Körper habend, füglich, räumlich, ehrlich, gefährlich, zuversichtlich u. s. f. 5. Eine wirkende Ursache, eine Verursachung. Nützlich, rühmlich, löblich, schändlich, schädlich, schimpflich, was Nutzen, Ruhm, Lob u. s. f. bringt, bedenklich, Bedenken verursachend, gefährlich, Gefahr bringend, abscheulich, Abscheu erweckend, erstaunlich u. s. f. III. Beywörter, wo diese Sylbe vornehmlich eine doppelte Bedeutung hat. 1. Bedeutet sie eine Ähnlichkeit, einen dem Begriff des Beywortes nahe kommenden, aber doch geringern Grad. Bräunlich, bläulich, röthlich, schwärzlich, weißlich u. s. f. dem Braunen, Blauen, ähnlich, in diese Farben fallend. Kältlich, ein wenig kalt, kärglich, ein wenig karg, etwas gröblich zerstoßen. So auch süßlich, bitterlich, härtlich, kränklich, länglich, laulich, ältlich, dicklich, breitlich, weichlich, fälschlich, schwächlich, und hundert andere mehr. In vielen Gegenden lautet diese Sylbe, besonders wenn von Farbe die Rede ist, licht, und im Oberdeutschen mit Ausstoßung des Hauches let; röthlet, weißlet, schwärzlet u. s. f. Die Schweden sagen auf eben dieselbe Art rödlett, hwitlett, für röthlich, weißlich, welche Ihre von dem noch in dieser Sprache gangbaren Hauptworte Let, Lit, die Farbe, ableitet, und es kann seyn, daß im Deutschen ehedem eben ein solches Hauptwort üblich gewesen, von welchem die gedachten Oberdeutschen Beywörter ihr let, leicht und licht entlehnet haben. Im Hochdeutschen werden sie am häufigsten auf lich gemacht, welches einen eben so guten Verstand gibt. In den Niederdeutschen Mundarten setzet man dafür die Sylbe an voran, anroot, röthlich, ansöt, süßlich, anhart, härtlich u. s. f. S. Ähnlich. 2. Hat diese Sylbe auch die Kraft, Nebenwörter aus Beywörtern zu bilden, und zwar solche, welche als eine Figur der vorigen Bedeutung, eigentlich eine Art und Weise bedeuten, aber hernach auch sehr häufig für die adverbische Form des Beywortes selbst gebraucht werden. Klärlich, auf eine klare Art, und hernach auch klar, d. i. deutlich, selbst. So auch höchlich, gütlich, sichtbarlich, bitterlich weinen, treulich, gänzlich, erstlich, wahrlich, säuberlich, sicherlich, mißlich, freylich, kühnlich, leichtlich, schwerlich u. s. f. Wo denn dieses lich zuweilen auch solchen Beywörtern angehänget wird, welche vermittelst der Endungen ig, bar, sam und haft zu Beywörtern gebildet worden; gleichfalls in der Absicht, Nebenwörter daraus zu bilden. Ewiglich, inniglich, gnädiglich, listiglich, gehorsamlich, dankbarlich, sichtbarlich u. s. f. Im Hochdeutschen sind diese Nebenwörter größten Theils veraltet, wenigstens in der Edlern Schreibart, weil man dafür lieber das Beywort in der adverbischen Form selbst gebraucht; ewig, gnädig, listig, u. s. f. Die Oberdeutsche Mundart, welche die Begriffe und Sylben so gern auf eine unnöthige Art häuft, gebraucht sie noch ohne alle Einschränkung, selbst als Beywörter; ein meineidigliches Betragen, für ein meineidiges, mächtiglich, fleißiglich, brünstiglich u. s. f. Da man denn auch den Beywörtern, welche eigentlich kein ig am Ende haben, vor der Bildung noch ein unnöthiges ig aufzudringen, und an dem lich in der adverbischen Gestalt noch ein en zu hängen pflegt; jämmerlichen, herziglichen, wonniglichen, trauriglichen u. s. f. IV. Partikeln, deren doch nur wenige sind. Öffentlich, von offen, widerlich, innerlich, äußerlich, und vielleicht noch einige andere, welche zum Theil aber auch von den gleichlautenden Beywörtern offen, innere, äußere, herkommen können.

Anm. Man muß die mit dieser Sylbe gemachten Wörter nicht mit denjenigen verwechseln, wo einem mit l sich endigenden Worte das -ig angehänget wird. Adelig, kitzelig, billig, selig, hügelig u. s. f. kommen von Adel, Kitzel, Bill, Sal und Hügel her, und müßten, wenn sie mit dieser Sylbe zusammen gesetzet werden sollten, adellich, kitzellich, hügellich u. s. f. heißen. Indessen gibt es doch Fälle, wo bey einem zusammen kommenden doppelten l das eine weggeworfen wird, wie in untadelich. In den Hauptwörtern Zwillich und Drillich ist die letzte Sylbe ein eigenes Hauptwort, welches zu dem Geschlechte des Lat. Licium gehöret. Die mit dieser Sylbe verbundenen Wörter verwandeln die Vocale a, o und u der zweyten und dritten Sylbe vom Ende in den meisten Fällen in die verwandten laute ä, ö und ü. Erträglich, sträflich, nützlich, körperlich u. s. f. Dagegen viele dieselben unverändert erhalten; erbaulich, laulich, wunderlich, sonderlich, ordentlich. In sehr vielen Fällen lassen sich aus diesen Beywörtern vermittelst der Ableitungssylbe -keit Hauptwörter bilden; Höflichkeit, Seligkeit, Beharrlichkeit u. s. f. ( S. - Keit.) Ehedem hängte man nur ein e daran, ähnliche Abstracta daraus zu bilden; Armlichi, Notk. Ärmlichkeit, Armuth, Elend, Sangleiche, Melodie, Willeram; welche Form aber veraltet ist. Auch Zeitwörter wußte man aus solchen Bey- und Nebenwörtern zu machen. Guoudlichan, guotlichen, gefallen, bey dem Willeram und Notker, mislichen, mißfallen, bey dem Willeram. Auch diese sind größten Theils veraltet; doch hat man noch die Zeitwörter ehelichen, verherrlichen, und vielleicht noch einige andere. Es gilt auch von dieser Ableitungssylbe, was von den meisten übrigen gilt, nähmlich, daß es nicht in unsrer Willkühr stehet, nach eigenem Gefallen neue Wörter vermittelst derselben zu bilden, obgleich in einigen Fällen, welche aber doch der Analogie sehr genau angemessen seyn müssen, dieses Recht erlaubt ist. Diese Ableitungssylbe, welche bey den ältern Schriftstellern oft leich, licho, lautet, ist sehr alt, und fast in allen Europäischen Sprachen anzutreffen. Im Angelsächsischen lautet sie lic, im Engl. ly, im Schwed. und Dän. lig, und im Lat. lis, regalis, puerilis u. s. f. Es ist wohl gewiß, daß es eben dasselbe Wort ist, welches mit dem vorgesetzten Gaumenlaute jetzt bey uns gleich lautet, und in vielen der vorhin angezeigten Fälle ist die erste und eigentliche Bedeutung dieses Wortes noch vorhanden, von welchen die übrigen bloß Figuren sind. ( S. Gleich.) Die Fürwörter solch, talis, und weich, qualis, sind mit Ausstoßung des i gleichfalls daraus gebildet. ( S. diese Wörter). In jähling und vielleicht noch einigen andern hat sich ein n mit eingeschlichen, S. Ling.


-licht (W3) [Adelung]


-licht, eine Ableitungssylbe, S. das vorige III. 1.


Licht (W3) [Adelung]


Licht, -er, -este, adj. et adv. welches fast in allen seinen Bedeutungen nur im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart üblich ist, dagegen die edlere dafür hell gebraucht. 1. Eigentlich, so wohl, 1) viel eigenes Licht habend; hell. Die lichte Sonne, die helle Sonne, im Theuerd. Das Feuer brennt nicht licht. In lichten Brand stecken, Opitz. 2) Von einem fremden Lichte erleuchtet; hell. Der Mond macht die Nacht licht. Eine lichte Wolke. Des Morgens, wenn es licht wird. Ein lichtes Haus. Die Treppe ist sehr licht. Besonders von dem Tage. Bey lichtem Tage. Die vil lichten langen tage, König Conrad der Junge. Als er nun sach den lichten Tag, Theuerd. Wo man im gemeinen Leben um des Nachdruckes willen auch wohl noch das hell hinzu zu setzen pflegt. Es ist schon heller lichter Tag. 2. Figürlich. 1) Von Farben; gleichfalls für hell. Lichte Farben, im Gegensatze der dunkeln. Lichtbraun, lichtroth, lichtblau u. s. f. für hellbraun, hellroth, hellblau. 2) Ein lichter Kopf, in der anständigern Sprechart, ein heller Kopf, welcher viele deutliche und klare Begriffe hat, oder fähig ist, bald deutliche und klare Begriffe von einer Sache zu bekommen. Es wird licht im Verstande, wenn man anstatt der dunkeln deutliche Begriffe bekommt. ( S. auch das folgende Hauptwort.) 3) Weit, weitläufig; doch nur in einigen Fällen des gemeinen Lebens. Lichte Maschen, bey den Fischern und Jägern, weitläufige, welche große leere Zwischenräume haben. Daher ist bey den Jägern der lichte Zeug eine allgemeine Benennung so wohl der Garne und Netze, als auch der Tuch- und Federlappen; zum Unterschiede von dem finstern Zeuge, wozu die Tücher und Plachen oder Planen gerechnet werden. Ein lichtes Holz, ein lichter Wald, im Forstwesen, worin die Bäume sehr weitläufig stehen. Einen Wald licht machen, die Bäume heraus schlagen. Daher werden auch die Laubhölzer im Forstwesen lichte Hölzer genannt, weil die Bäume in solchen weitläufiger stehen, und folglich auch mehr Licht durchlassen, als in den Nadelhölzern, welche daher auch Schwarzhölzer, oder finstre Hölzer heißen. Auch das Lichte wird daselbst so wohl von einem abgetriebenen Schlage, als auch überhaupt von dem Freyen, einem nicht mit Waldung bewachsenen Platze gebraucht. 4) Im Lichten, ein im gemeinen Leben sehr häufiger Ausdruck, die Breite oder Weite einer Öffnung, ja den innern Raum überhaupt zu bezeichnen; eine Fortsetzung der vorigen Figur. Ein Schiff hat 12 Ellen im Lichten, wenn es so viel Ellen breit oder weit ist. Ein Fenster ist im Lichten vier Fuß weit, im Gegensatze der Höhe. Ein Zimmer ist im Lichten 18 Fuß lang und 16 breit im innern Raume, die Wände nicht mit gerechnet. 5) Jemanden an den lichten Galgen henken, in den niedrigen Sprecharten, an den öffentlichen Galgen, der von jedermann gesehen wird.

Anm. Im Nieders. lecht. S. das folgende.


Licht (W3) [Adelung]


Das Licht, des -es, plur. die -er, Diminut. das Lichtchen, im Plural auch wohl Lichterchen, Oberd. Lichtlein; ein Wort, welches so wohl die leuchtende Materie, als einen mit derselben begabten Körper von bestimmter Gestalt bedeutet. 1. Die leuchtende Materie, die dadurch verursachte Helle und die Eigenschaft mancher Körper, vermittelst der in ihnen befindlichen Lichtmaterie zu leuchten, d. i. die umstehenden Körper sichtbar zu machen, in allen diesen Fällen ohne Plural. 1) Eigentlich. (a) Überhaupt. Das zuerst von Gott erschaffene Licht, lux primigenia. Die Sonne streuet das Licht auf ihr ganzes Planeten-System aus. Die Geschwindigkeit des Lichts berechnen. Die Lampe gibt ein stilleres Licht als die Talglichter. Der Mond hat ein entlehntes Licht. Die Weber gebrauchen bey ihrer Arbeit ein helles Licht. Das Licht und Recht in dem Brustschmucke des hohen Priesters, 2 Mos. 28, 30, welches einige durch glänzende und echte Steine erklären. Der Ofen geht zu Lichte, im Hüttenbaue, wenn er helle brennt. (b) In engerer Bedeutung. aa) Das durch die Sonnenstrahlen bey Tage verursachte Licht. Ein Haus hat viel, hat wenig Licht, wenn es gehörig hell in demselben ist oder nicht. Die Treppe hat zu wenig Licht. Das Licht fällt durch das Fenster herein. Einem das Licht verbauen. Etwas gegen das Licht halten. Wenn ich es bey dem Lichte besehe, auch figürlich, wenn ich es genau untersuche. Auf eine ungewöhnliche Art heißt es bey dem Opitz: Wann daß man ihr Red und Thun zum Lichtern halt. Jemanden im Lichte stehen, durch seinen Körper die Lichtstrahlen aufhalten, im gemeinen Leben auch, ihm im Lichten stehen, da es denn das vorige Beywort seyn würde. Sich selbst im Lichte stehen, figürlich, seinen Vortheil selbst verhindern. Gehe mir aus dem Lichte, entferne dich, damit die Lichtstrahlen ungehindert auf mich fallen können. Jemanden hinter das Licht führen, figürlich, ihn hintergehen, betriegen. Zwischen zwey Lichten, oder unter Lichts, im gemeinen Leben, in der Dämmerung. Mit anbrechendem Lichte, Tage. Das Licht der Welt erblicken, geboren werden. Bey den Mahlern stehet ein Gemählde in einem falschen Lichte, wenn das Licht, welches durch das Fenster fällt, es nicht so beleuchtet, daß alle Theile desselben hinlänglich gesehen werden. Daher sagt man auch figürlich, etwas in einem falschen Lichte sehen, oder betrachten, nicht aus dem gehörigen Gesichtspuncte. Und alles wird nunmehr im andern Licht gesehn, Wiel. bb) In einigen Fällen wird hingegen das künstliche Licht einer Lampe, eines Talglichtes u. s. f. nur schlechthin das Licht genannt. Bey Lichte arbeiten, studieren. cc) Im gemeinen Leben wird der Schein des Mondes, und der Mond selbst in Ansehung seines Scheines, sehr häufig das Licht genannt. Das volle Licht, der Vollmond. Das neue Licht, das erste Viertel. Im zunehmenden Lichte. Bey gutem Lichte Holz fällen, in einem guten Mondsviertel. 2) Figürlich. (a) Im Gegensatze der Dunkelheit oder Verborgenheit. Etwas aus Licht bringen, es bekannt machen, da es vorher verborgen war. Das Licht scheuen, sich scheuen bekannt zu werden. Eine des Lichtes unwürdige Schmähschrift, der Bekanntmachung. Wer arges thut, der hasset das Licht, Joh. 3, 20. (b) Deutliche, klare Erkenntniß. Ich muß mehr Licht in der Sache haben. Einem in einer Sache Licht geben. Licht bekommen. Jetzt gehet mir ein Licht in der Sache auf, jetzt bekomme ich einen deutlichen oder klaren Begriff von derselben. Daher in der Bibel die heilsame Erkenntniß göttlicher Wahrheiten so oft ein Licht genannt wird. Das Licht des Verstandes, dessen Eigenschaft oder Fähigkeit, uns deutliche Begriffe zu gewähren. Der Verstand führt uns sehl und verlaßt uns zu eben der Zeit, wo wir seines Lichtes am meisten bedurfen, Gell. (c) Das Licht des Lebens, das Lebenslicht, das Leben, die Lebenskraft; eine den Dichtern der vorigen Zeiten sehr gewöhnliche Figur. Einem das Lebenslicht ausblasen, ihn umbringen. (d) Das Licht ist schon von den ältesten Zeiten her das Bild der Gottheit, besonders in den Morgenländern; daher Gott auch in der Bibel so oft ein Licht genannt wird, besonders wegen seiner vollkommen Einsicht aller Dinge. 2. Ein mit Licht, d. i. leuchtender Materie, Lichtmaterie, begabter Körper. 1) Eigentlich. (a) Überhaupt, wo ein jeder Körper, welcher die umstehenden Dinge sichtbar macht, und so fern er dazu geschickt ist, ein Licht genannt wird. Gott machte zwey große Lichter, ein groß Licht, das den Tag regiere, und ein klein Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne, 1 Mos. 1, 16. Die Lichter des Himmels, die leuchtenden Weltkörper. Ein Windlicht, eine Windfackel. Das Irrlicht. (b) In engerer Bedeutung, eine kleine aus Unschlitt, Wachs oder einem ähnlichen festen fetten Körper bereitete und mit einem Dochte versehene gerade Fackel. Ein Talglicht, oder Unschlittlicht, zum Unterschiede von einem Wachslichte. In noch engerer und gewöhnlicherer Bedeutung führen die Talglichter nur schlechthin den Nahmen der Lichter, zum Unterschiede von den Wachslichtern, welche in vielen Gegenden nur allein Kerzen genannt werden. ( S. dieses Wort.) Lichter ziehen, gießen. Gegossene Lichter, zum Unterschiede von den gezogenen. Das Licht anzünden, putzen, auslöschen. Das Licht auf den Tisch setzen. Einen das Licht zu etwas halten, auch figürlich, ihm in einer bösen Sache hulfliche Hand leisten. Dem Teufel muß man zwey Lichter anbrennen, ein unter dem großen Haufen üblicher Grundsatz, welcher ein Überrest eines alten Aberglaubens bey den Leichen der Verstorbenen ist. Ein Pfund Lichter. Die Violine schweigt, es stirbt der Lichter Glanz, Zachar. 2) Figürlich. (a) Bey den Jägern werden die Augen des Hirsches so wohl die Lichter als die Seher genannt. Bey den Dichtern der vorigen Zeiten war es sehr gewöhnlich, die Augen, besonders ihrer Schönen, Lichter zu nennen. (b) Die weiße Ader, woran das Herz und Geränsch hängt; wird so wohl im gemeinen Leben als bey den Jägern die Lichtader, und das Licht schlechthin genannt; vermuthlich wegen ihrer weißen Farbe. (c) Bey den Mahlern heißen die heller gemahlten Theile eines Gemähldes die Lichter, zum Unterschiede von den Schatten. (d) Bey vielen, besonders bey den Dichtern, ist es ein Liebkosungswort, eine geliebte Person damit anzureden; wo es doch nur allein im Singular üblich ist. (e) Alles wodurch wir eine deutliche oder klare Vorstellung bekommen, wird oft ein Licht genannt; gleichfalls nur im Singular allein. Daher man, (f) auch Personen, welchen eine Art von Wahrheiten viele deutliche oder klare Begriffe zu danken hat, Lichter zu nennen pflegt. Ein Licht der Kirche. Ihr Lichter dieser Welt, Gryph. Newton und Leibnitz, diese Lichter des menschlichen Geschlechtes.

Anm. 1. So fern dieses Wort die Lichtmaterie, oder leuchtende Eigenschaft eines Dinges bedeutet, hat es keinen Plural. Wenn es aber einen bestimmten mit Lichtmaterie begabten Körper bedeutet, lautet es im Hochdeutschen überhaupt ohne Ausnahme die Lichter. Nur in der zweyten eigentlichen Bedeutung eines solchen leuchtenden Körpers haben einige neuere Sprachlehrer Zweifel zu erregen gesucht, und behauptet, das Wort Licht habe im Plural Lichter, so oft es ein brennendes Licht von Talg oder Wachs bedeutet, Lichte aber, wenn es nicht als brennend vorgestellet werde. Daher sage man richtig, die Lichter putzen, und Lichte ziehen oder gießen, ein Pfund Lichte u. s. f. Allein ein solcher Unterschied zwischen einem zu einem gewissen Gebrauche bestimmten, und wirklich gebrauchten Körper ist wohl bey keinem Worte in der ganzen Sprache anzutreffen, und über dieß ohne allen begreiflichen Nutzen. Dieß allein hätte diese Herren schon von der Unrichtigkeit ihrer Regel überführen können. Vermuthlich sind sie dadurch irre geworden, daß in manchen Gegenden, wo sich die Sprache der Oberdeutschen Mundart nähert, der Plural nach Oberdeutscher Mundart, welche die meisten Hochdeutschen Plurale in er auf e macht, ( S. 4. -Er,) wirklich Lichte lautet. Aber alsdann lautet es so, die Lichter mögen brennen oder nicht, und in manchen Gegenden, selbst in Meißen, höret man beyde Arten des Plurals ohne Unterschied gebrauchen; woraus aber weiter nichts folgt, als daß in solchen Gegenden beyde Mundarten vermischt sind. Wenn wollte man fertig werden, wenn man aus allen solchen Vermischungen Regeln machen wollte? Anm. 2. Dieses Wort lautet im Isidor und Kero Lecht, bey dem Ottfried und im Tatian Licht, im Nieders. Lucht, und wenn es ein Talg oder Wachslicht bedeutet, Lecht, im Angels. Lecht, im Engl. Light, bey dem Ulphilas Ljuhath, im Wallis. Llug. Andere Sprachen stoßen den Hauchlaut ganz aus, wie das Lettische Luti, und noch andere lassen dieses t in den verwandten Zischer übergehen, wie das Dän. Lius, Lys, Schwed. Ljus und Isländ. Lios. Das Lat. Lux hat so wohl den Hauch- als Zischlaut. Es ist ein sehr altes Wort, welches mit dem Zeitworte leuchten zu dem großen Geschlechte der Wörter Blitz, Glanz, gleißen, bleich, blaß, blinken, bloß, Lohe, Blick, lugen, sehen, und hundert anderer gehöret, wohin auch die Lat. lucere, diluculum der zweyten Sylbe nach, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bleich, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, lucerna, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, die Morgendämmerung, u. a. m. zu rechnen sind.


Lichtader (W3) [Adelung]


Die Lichtader, plur. die -n. 1) Die weiße Ader bey dem Wildbret und geschlachteten Thieren, woran das Herz und Geränsch hänget, ( S. Licht 2, 2) (b). 2) Bey den Pferden, eine Ader am Kopfe in der Gegend der Schläfe, welche ein Ast der Lungenader ist, und von den Pferdeärzten bey Beschädigungen der Lichter, d. i. der Augen, geöffnet wird; die Kollerader, weil man sie auch im Koller zu schlagen pflegt.


Lichtarbeit (W3) [Adelung]


Die Lichtarbeit, plur. die -en, diejenige Arbeit, welche bey einem künstlichen Lichte verrichtet wird, zum Unterschiede von der Tagearbeit. S. Licht 1. 1) (b) bb).


Lichtbaum (W3) [Adelung]


Der Lichtbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Ostindischer und Amerikanischer Baum, dessen schotenartige Früchte die Gestalt eines gezogenen Lichtes haben; Rhizophora Mangle L.


Lichtblau (W3) [Adelung]


Lichtblau, adj. et adv. für hellblau, im gemeinen Leben, S. das Beywort Licht.


Lichtbraten (W3) [Adelung]


Der Lichtbraten, des -s, plur. ut nom. sing. bey einigen Handwerkern, ein feyerlicher Braten, welcher den Gesellen gegeben wird, wenn sie bey abnehmenden Tagen anfangen, bey Lichte zu arbeiten; die Lichtgans, wenn es eine gebratene Gans ist.


Lichtbraun (W3) [Adelung]


Lichtbraun, adj. et adv. welches für hellbraun im gemeinen Leben üblich ist, S. das Beywort Licht.


Lichtbret (W3) [Adelung]


Das Lichtbret, des -es, plur. die -er, bey den Lichtziehern, durchlöcherte dünne Breter, vermittelst derselben viele Lichter auf Ein Mahl zu ziehen.


Lichten (W3) [Adelung]


1. Lichten, verb. reg. act. welches im Niedersächsischen, besonders in der Seefahrt üblich ist, und von dem Bey- und Nebenworte leicht, Nieders. licht, abstammet. 1) Leichter machen, entlasten. Eine Tonne lichten, sie austrinken, ausleeren. Die Casse lichten, alles Geld heraus nehmen. ( S. das folgende der Lichter, welches von dieser Bedeutung abstammet.) 2) In die Höhe heben, aufheben, von schweren Körpern. Die Anker lichten, sie in die Höhe winden. Lichte! der gewöhnliche Zuruf der Niedersächsischen Fuhrleute an ihre Pferde, wenn sie den Fuß aufheben sollen. Den Protest lichten, in Nieders. Handelsstädten, ihn aufheben. Da es in dieser Bedeutung in vielen Gegenden auch lüften lautet, f und ch aber mehrmahls mit einander verwechselt werden, indem das Nieders. Lucht auch Luft bedeutet, so kann es auch unmittelbar von diesem letztern Worte abstammen, S. Lüften. So auch die Lichtung.


Lichten (W3) [Adelung]


2. Lichten, verb. reg. act. welches von dem Worte Licht, lux, abstammet, licht, hell machen. Sein Verstand lichtet sich auf, wird hell, bekommt deutliche und klare Begriffe. Außer welchem zusammen gesetzten Zeitworte es vorzüglich noch im figürlichen Verstande im Forstwesen üblich ist, wo die Wälder durch Ausschlagung der Bäume gelichtet oder ausgelichtet wer- den. S. das Beywort Licht. Daher die Lichtung, plur. die -en, daselbst auch einen ausgeschlagenen, von dem Oberholze entblößten Platz bedeutet.


Lichter (W3) [Adelung]


Der Lichter, des -s, plur. ut nom. sing. in den Seestädten, kleine Schiffe oder Fahrzeuge, vermittelst deren größere gelichtet, d. i. entladen, werden, besonders in seichten Häsen, wo jene mit voller Ladung nicht würden einlaufen können. Engl. Lighter, Dän. Ligter, im mittlern Lat. Levamentum, Allegium, Franz. Allege, in einigen Oberdeutschen Gegenden ein Leichter, Leichtschiff. S. 1. Leichten. 1.


Lichterloh (W3) [Adelung]


Lichterloh, adv. welches nur im gemeinen Leben üblich, und aus der R. A. mit lichter Lohe zusammen gezogen ist. Das Feuer brennt lichterloh, mit lichter, heller Lohe, d. i. Flamme.


Lichtflechte (W3) [Adelung]


Die Lichtflechte, plur. inus. in der Kräuterkunde, eine Art Flechte, welche an den Wänden, Mauern und Baumstämmen wächset, und mit welcher die Schwedischen Landleute ihre Talglichter gelb färben, wovon sie auch den Nahmen hat; Lichen candelarius L. Lichtmoos.


Lichtform (W3) [Adelung]


Die Lichtform, plur. die -en, Formen von Glas oder Metall, Lichter darein zu gießen. Auch das Gefäß, worein bey dem Lichtziehen der geschmolzene Talg gegossen wird, führet den Nahmen der Lichtform.


Lichtfuchs (W3) [Adelung]


Der Lichtfuchs, des -es, plur. die -füchse, ein Fuchs, d. i. röthliches Pferd von einer hellen Farbe; ein Hellfuchs, zum Unterschiede von einem Rothfuchse. Zuweilen pflegt man auch die Rothfüchse, wenn sie einen weißen Schwanz, Schopf und Wähne haben, Lichtfüchse zu nennen.


Lichtgans (W3) [Adelung]


Die Lichtgans, plur. die -gänse, S. Lichtbraten.


Lichtgarn (W3) [Adelung]


Das Lichtgarn, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, Garn, welches zu den Dochten der Lichter gebraucht wird, oder bestimmt ist; Dochtgarn.


Lichtgelb (W3) [Adelung]


Lichtgelb, adj. et adv. welches im gemeinen Leben für hellgelb üblich ist. S. das Beywort Licht, 2. 1).


Lichtgrau (W3) [Adelung]


Lichtgrau, adj. et adv. hellgrau, im gemeinen Leben. So auch lichtgrün. S. das Beywort Licht, 2. 1).


Lichtholz (W3) [Adelung]


Das Lichtholz, des -es, plur. die -hölzer. 1) Das Föhren- und Büchenholz, so fern daraus Späne gemacht werden, deren sich die Landleute anstatt der Lichter bedienen; ohne Plural, außer wenn es solche Späne selbst bedeutet. 2) Im Forstwesen werden die Laubhölzer Lichthölzer oder vielmehr lichte Hölzer genannt, zum Unterschiede von den Schwarzhölzern. S. das Beywort Licht, 2. 3).


Lichthut (W3) [Adelung]


Der Lichthut, des -es, plur. die -hüte, ein blecherner hohler Kegel, in Gestalt der ehemahligen üblichen spitzigen Hüte, das Licht damit auszulöschen.


Lichtkammer (W3) [Adelung]


Die Lichtkammer, plur. die -n, eine Kammer, worin man die Wachs- oder Unschlittlichter zu verwahren pflegt. An den Höfen schließt dieser Ausdruck zugleich die zur Aufsicht über die Lichter bestellten Personen mit ein, worunter der Lichtkämmerer der vornehmste ist, der den Lichtkammerschreiber oder Lichtschreiber, Reiselichtschreiber u. s. f. unter sich hat.


Lichtknecht (W3) [Adelung]


Der Lichtknecht, des -es, plur. die -e, ein oben mit Stacheln versehenes Werkzeug, welches in die Dille des Leuchters gesetzt wird, die kurzen Enden der Lichter darauf zu stecken, um sie völlig auszubrennen; der Lichtstecher. Im gemeinen Leben Niedersachsens ein Profiter, weil er Profit, d. i. Ersparniß des Lichtes, bringet, ingleichen Spaarendken.


Lichtkorb (W3) [Adelung]


Der Lichtkorb, des -es, plur. die -körbe, in der Haushaltung, ein länglich runder geflochtener Korb, die Talglichter darin zu verwahren.


Lichtloch (W3) [Adelung]


Das Lichtloch, des -es, plur. die -löcher, ein Loch, Licht dadurch in einen dunkel Ort zu bringen. In dem Bergbaue führen die Schächte, durch welche Licht in die Stellen fällt, diesen Nahmen; das Lichtschacht.


Lichtmasse (W3) [Adelung]


Die Lichtmasse, plur. die -n, eine Masse von Licht oder Lichtstrahlen, d. i. eine große Menge derselben. In der Mahlerey werden die sehr hell gemahlten Stellen, welche vieles Licht zurück werfen, Lichtmassen genannt; zum Unterschiede von den Schattenmassen. S. Masse.


Lichtmaterie (W3) [Adelung]


Die Lichtmaterie, plur. inus. diejenige Materie, oder das körperliche Wesen, welches eigentlich das Licht ausmacht. Nach der Lichtmaterie ist die Luft das feinste körperliche Wesen.


Lichtmoos (W3) [Adelung]


Das Lichtmoos, des -es, plur. inus. S. Lichtflechte.


Lichtmücke (W3) [Adelung]


Die Lichtmücke, plur. die -n, eine Art Mücken, welche in die Zimmer nach den Lichtern flieget, und sich die Flügel verbrennet; Culex pipiens L.


Lichtputze (W3) [Adelung]


Die Lichtputze, plur. die -n, ein Werkzeug in Gestalt einer Schere, woran der eine Arm hohl ist, das Licht damit zu putzen, d. i. die Schnuppe von dem Lichte wegzunehmen; die Lichtschere, im Oberdeutschen die Lichtschneutze, welches auch 2 Mos. 25, 38, Kap. 37, 23, vorkommt, die Abbreche, im Nieders. die Putzschere.


Lichtrecht (W3) [Adelung]


Das Lichtrecht, des -es, plur. inus. das Recht, durch die Wand seines Nachbarn ein Fenster zu brechen, um dadurch Licht in seinem Gebäude zu bekommen.


Lichtroth (W3) [Adelung]


Lichtroth, adj. et adv. im gemeinen Leben für hellroth. S. das Beywort Licht, 2. 1).


Lichtschere (W3) [Adelung]


Die Lichtschere, plur. die -n, S. Lichtputze.


Lichtscheu (W3) [Adelung]


Lichtscheu, -er, -este, adj. et adv. das Licht scheuend, Scheu vor dem Lichte tragend. Die Nachteule ist ein lichtscheuer Vogel. Ingleichen figürlich, aus dem Bewußtseyn einer bösen Sache das Bekanntwerden scheuend. Ein lichtscheuer Schriftsteller.


Lichtschirm (W3) [Adelung]


Der Lichtschirm, des -es, plur. die -e, ein kleiner Schirm vor einem brennenden Lichte oder einer brennenden Lampe, das allzu helle Licht dadurch von den Augen abzuhalten.


Lichtschnuppe (W3) [Adelung]


Die Lichtschnuppe, plur. die -n, der ausgebrannte Docht von einem Lichte, welcher auch nur die Schnuppe, und in Niedersachsen das Ösel genannt wird; bey dem Apherdian der Lucken. S. Schnuppe.


Lichtschreiber (W3) [Adelung]


Der Lichtschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. S. Lichtkammer.


Lichtspieß (W3) [Adelung]


Der Lichtspieß, des -es, plur. die -e, bey dem Lichtziehen, kleine hölzerne Spießchen, woran die Dochte, welche zu Lichtern gezogen werden sollen, angereihet werden.


Lichtstecher (W3) [Adelung]


Der Lichtstecher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Lichtknecht.


Lichtstock (W3) [Adelung]


Der Lichtstock, des -es, plur. die -stöcke, im gemeinen Leben einiger Gegenden, der Nahme eines Leuchters, besonders wenn derselbe ganz einfach und grob aus Holz bereitet ist. S. Leuchter.


Lichtstrahl (W3) [Adelung]


Der Lichtstrahl, des -es, plur. die -en, das Licht in Ansehung seiner Bewegung von dem leuchtenden Körper betrachtet, die geraden Linien, in welchen sich die Theilchen der Lichtmaterie von dem leuchtenden Körper fortbewegen, oder doch als fortbewegend gedacht werden.


Lichtvoll (W3) [Adelung]


Lichtvoll, -er, -este, adj. et adv. voll Lichtes. Eine lichtvolle Wolke. Auch im figürlichen Verstande, voll deutlicher und klarer Begriffe, voll Deutlichkeit. Eine lichtvolle Idee, eine klare Vorstellung.


Lichtwand (W3) [Adelung]


Die Lichtwand, plur. die -wände, im Hüttenbaue, zwey schwache gebrochene Mauern oder Steine auf den Futtermauern des Stichofens, hinter welchen zu ihrer Haltung noch andere Mauern aufgeführet werden. Etwa weil sie im Lichten des Ofens, d. i. in dessen Breite, stehen? Oder von dem Nieders. licht, leicht, wegen ihrer Schwäche oder Dünne?


Lichtziehen (W3) [Adelung]


Das Lichtziehen, des -s, plur. car. von der Redensart Lichte oder Lichter ziehen, die Handlung da man Lichter ziehet, d. i. durch mehrmahlige Eintauchung des Dochtes in den geschmolzenen Talg nach und nach Lichter hervor bringet.


Lichtzieher (W3) [Adelung]


Der Lichtzieher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lichtzieherinn, eine Person, welche ein Geschäft daraus macht, lichter zu ziehen.


Lieb (W3) [Adelung]


Lieb, -er, -ste, adj. et adv. welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. In leidendlicher Bedeutung. 1) Angenehm, was mit einem merklichen Gerade des Vergnügens empfunden wird; wo es als ein Beywort nur in einigen Fällen, besonders des gemeinen Lebens und der vertraulichen Sprechart üblich ist. Das ist gar ein liebes Kind, er ist ein lieber Mann, sie ist gar eine liebe Frau, wo man in der edlern Sprechart angenehm oder liebenswürdig gebrauchen würde. O, sie sind ein lieber Mann, ich will auch ihrer gedenken, Weiße. Ich weiß ein liebes Weib für dich, Gell. Auch im Neutro als ein Hauptwort, gleichfalls nur im gemeinen Leben. Ich weiß nichts als Liebes und Gutes von ihm. ( S. Gut.) Sie thut ihm Liebes und kein Leides sein Lebenlang, Sprichw. 31, 12. Es geht mehr Liebes als Schönes zur Kirche, mehr angenehme als wirklich schöne Personen. Ingleichen als ein Nebenwort. Es ist mir lieb, daß du kommst. Auch mit dem Infinitiv und dem Worte zu. Es ist mir lieb zu hören, zu sehen, zu vernehmen. Das ist mir nicht lieb zu hören. Laß dir das lieb seyn. Mit etwas für lieb, oder fürlieb nehmen, ( S. Fürlieb.) Es mag ihm lieb oder leid seyn. Lassen sie sich ihre kleine Halsstarrigkeit lieb seyn, Gell. Ingleichen im Comparativo. Er möchte lieber schlafen als essen. Es wäre mir lieber, er wäre gar nicht gekommen. Und im Superlativo. Das thut er am liebsten. Von einem demüthigen Retter läßt sich auch das störrige Laster am liebsten retten, Gell. 2) In engerm Verstande, was man liebt und hoch schätzet, dessen Besitz man mit Vergnügen empfindet und daher zu erhalten sucht; in der höhern Schreibart geliebt. Mein lieber Freund. Lieber Bruder. Der liebe Gott, ein im gemeinen Leben sehr häufiger Ausdruck. Unsere liebe Frau, eine in der Römischen Kirche übliche Benennung der Jungfrau Maria. Seine liebsten Sachen in Sicherheit bringen. Das ist mir das liebste auf der Welt. Das liebe Brot, ein gleichfalls im gemeinen Leben sehr üblicher Ausdruck, weil das Brot das unentbehrlichste, und daher auch schätzbarste Nahrungsmittel ist. Das liebe Geld. Ihr treibet die Weiber meines Volks aus ihren lieben Häusern, Mich. 2, 9. Nes- seln werden wachsen, da jetzt ihr liebes Götzensilber stehet, Hos. 9, 6. Er nahm die Reise vor und sah schon mit Vergnügen Die liebe Stadt auf einem Berge liegen, Gell. Das liebe kleine Bäumchen hier, Das einst gepflanzet ward mit mir, Weiße. Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprachart pflegt der Begriff der Liebe und der Schätzung in manchen Fällen mehr oder weniger zu verschwinden. Es kam ein liebes Gewitter. Auf der lieben Erde liegen. Durch's liebe Ungefähr, das mancher Glücksstern ist, Michäl. Das ich mochte geleben mancher lieben tag, Kaiser Heinrich. Ingleichen als ein Nebenwort. Bey einem lieb und werth seyn. Deine Gesundheit ist mir lieb. So lieb dir dein Leben ist. Personen, denen wir lieb sind, ist unsere Traurigkeit nur dann erträglich, wenn wir uns ihnen mit Fülle des Herzens entdecken. Glauben sie wohl, daß mir ihr Glück lieb ist? Die erste und dritte Staffel des Beywortes werden auch häufig als Hauptwörter gebraucht. Mein Lieber, meine Liebe, d. i. mein lieber Freund, meine liebe Freundinn. In der niedrigen Sprechart sagt man auch im ungewissen Geschlechte etwas Liebes haben, eine geliebte Person. Der Liebste, die Liebste, werden häufig so wohl von verehlichten, als auch von unverehlichten Personen zweyerley Geschlechtes gebraucht, wenn sie einander lieben. Im erstern Falle, wo man auch wohl Eheliebster und Eheliebste sagt, ist Liebster und Liebste anständiger, als das geringere und gemeinere Mann und Frau, aber geringer als das höhere Gemahl und Gemahlinn. Ihr Herr Liebster. Die Frau Liebste. Von unverehlichten Personen ist es besonders im gemeinen Leben sehr häufig, sie mögen sich nun unschuldig und in rechtmäßiger Absicht, oder auf eine verbothene Art lieben. Ehedem sagte man in diesem Verstande auch das Lieb. S. Liebchen. 2. In thätiger Bedeutung, wirklich liebend; in welcher Bedeutung es doch nur als ein Nebenwort mit den Zeitwörtern haben, bekommen und gewinnen üblich ist. Jemanden lieb haben, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, wofür in der anständigern lieben üblich ist. Sein Kind lieb haben. Das Geld lieb haben, geitzig sein. Den sie so lieb wie sich und wohl noch lieber hatte, Gell. Eine Person oder Sache lieb bekommen, in der anständigern Sprechart lieb gewinnen, Liebe, Neigung zu derselben bekommen. Weil mein Herz die Gottesfurcht über alles lieb gewann, Hermes.

Anm. Bey dem Ottfried, im Tatian u. s. f. liob, liub, beym Notker in der zweyten Staffel liebra, im Nieders. leef, im Angels. leof, im Engl. leef, lief, im Schwed. ljuf, im Isländ. liufr, bey dem Ulphilas liubs, im Pohln. luby, im Wendischen, wo es auch schön bedeutet, luba. Das Lat. libet und libitus sind unstreitig damit verwandt, ( S. Belieben,) und nach Ihre ist das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - nur durch Versetzung der Sylben daraus entstanden. ( S. Lieben.) Das biblische lieben Brüder, lieben Leute, für liebe, ist wider die Sprachrichtigkeit und verdiente nicht auf den Kanzeln beybehalten zu werden. S. die Sprachlehre.


Liebäugeln (W3) [Adelung]


Liebäugeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, mit den Augen liebkosen, seine Liebe gegen eine Person andern Geschlechtes mit den Augen an den Tag legen. Mit einer Person liebäugeln. Nur Herr von Baum manchmahl liebäugelt nach der Kunst Bald um Belindens Herz bald um Clorinnens Gunst, Zachar. Nieders. gliemken, anglimken, ögeln.


Liebchen (W3) [Adelung]


Das Liebchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur noch in den niedrigen Sprecharten übliches Wort, eine geliebte Person zu bezeichnen, welche man außer der Ehe liebet; einen Liebsten, eine Liebste. Mein Liebchen ging mit mir ins Feld, Haged. Ehedem war auch das Lieb in dieser Bedeutung sehr gangbar. Dafur han ich mir ein schones lieb erkorn, Graf Conrad von Kirchberg. Min lib mag mich gerne zu der linden bringen, Heinrich von Veldig. Justine Dein allerwerthstes Lieb, Opitz. Die Röhre so mein Lieb in ihren Wangen hat, ebend. Kommt, kommt zu meinem Lieb auf ihren Rosenmund, ebend. In Boxhorns Glossen wird Libiu durch Mulier gratiosa erklärt. S. auch das folgende.


Liebden (W3) [Adelung]


Liebden, ein Abstractum, mit welchem sich nur noch fürstliche so wohl vermählte, als verwandte und nicht verwandte Personen, mit den Fürwörtern Euer oder im Schreiben Ew. Deine, Ihre, anzureden pflegen. Fürstliche Personen gleiches Standes pflegen sich mit Ew. Liebden anzureden, und königliche und kaiserliche Personen geben bloß fürstlichen entweder diesen Titel gleichfalls, oder, wie besonders von dem Kaiser in einigen Fällen geschiehet, nur Deine Liebden. Es bedeutet so viel als geliebt, und ist unser heutiges Liebe, mit welchem noch auf den Kanzeln die Prediger ihre Gemeine anzureden pflegen. Eure Liebe oder eure christliche Liebe wolle u. s. f. Im Theuerdanke wird die Königinn nur Euer Lieb angeredet. Im Ober- und Niederdeutschen sind mehrere Abstracta mit der Endung de üblich, welche im Hochdeutschen nur ein e haben; und im Nieders. ist so wohl Leefte als Leve für Liebe üblich. In den mittlern Zeiten wurde Agape auf ähnliche Art gebraucht. Aichinger und einige andere Sprechlehrer halten Liebden für den Plural; allein das n scheint vielmehr ein bloßer müßiger Oberdeutscher Anhang zu seyn.


Liebe (W3) [Adelung]


Die Liebe, plur. car. das Abstractum des Bey- und Nebenwortes lieb, welches nur allein in dessen thätigen Bedeutung üblich ist. 1) In der weitesten Bedeutung, der Gemüthsstand, da man sich an dem Genusse oder Besitze einer Sache vergnüget. Die Liebe zum Weine, zum Gelde, zur Wahrheit, zur Freyheit u. s. f. Lust und Liebe zu einem Dinge u. s. f. 2) In etwas engerer Bedeutung ist es der Gemüthsstand, da man sich an jemandes Wohlfahrt vergnüget und selbige auf das möglichste zu befördern sucht. Eine reine, unschuldige Liebe. Die unerlaubte, eigennützige Liebe. Die blinde Liebe, welche bloß aus einem natürlichen Triebe entstehet, oder doch die Neigung nicht nach den Graden der Beschaffenheit des Gegenstandes abmisset. Die eheliche Liebe. Die Liebe Gottes, so wohl, welche Gott gegen seine Geschöpfe heget, als auch die Liebe der Menschen gegen Gott, oder die Fertigkeit sich an Gott über alles zu belustigen, wodurch oft alle Pflichten gegen Gott ausgedruckt werden. Liebe zu jemanden tragen, gegen ihn hegen. Seine Liebe auf etwas werfen. Jemandes Liebe erwecken, ihn zur Liebe reitzen. Jemanden viele Liebe beweisen, ihm viele Proben seiner Liebe geben. Thun sie mir die Liebe und sagen es nicht. Etwas aus Liebe thun, im Gegensatze dessen, was aus Zwang geschiehet. Thun sie es mir zu Liebe, aus Liebe zu mir. Werden sie mir zur (zu) Liebe munter, Gell. 2) In der engsten Bedeutung ist es die Leidenschaft, oder das zu einer Fertigkeit gewordene Verlangen nach dem Besitze oder Genusse einer Person andern Geschlechtes, da sie denn so wohl rechtmäßig und geordnet, als unrechtmässig und ungeordnet seyn kann. Liebe gegen eine Person empfinden. Die Liebe erlischt, so bald man aufhört zu hoffen und zu fürchten.

Anm. Daß es auf den Kanzeln noch zuweilen im Concreto gebraucht werde, geliebte Personen zu bezeichnen, ist schon bey dem Worte Liebden bemerket worden. Es lautet bey dem Ottfried Liabe, bey der Winsbeckinn Lieb, im Nieders. Leeve und Leefte, im Angels. Leof, Lynisse, im Engl. Love. ( S. Lieben.) Es kommt indessen in den ältern und mittlern Zeiten nicht so häufig vor, als das gleichbedeutende, jetzt aber veraltete Minne. S. dasselbe.


Liebeln (W3) [Adelung]


* Liebeln, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, und das Diminutivum des folgenden Zeitwortes ist, aber im Hochdeutschen nur im verächtlichen Verstande üblich ist. Es bedeutet liebkosen und kommt besonders bey den Schlesischen Dichtern des vorigen Jahrhundertes vor. Kann die Deutsche Sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachen; Kann sie doch auch spielen, scherzen, liebeln, güteln, kürmeln, lachen, Logau. Da vor Freuden alles wiebelt, Da mit Gleichem Gleiches liebelt, ebend. Im Oberdeutschen liebelt der Hund seinen Herren, wenn er ihm schmeichelt. S. Läffeln, welches vermuthlich aus diesem Worte gebildet ist.


Lieben (W3) [Adelung]


Lieben, verb. reg. act. welches, 1. eigentlich, mit der Hand streicheln bedeutet zu haben scheinet. In dieser Bedeutung kommt es noch bey den Jägern vor, welche einen Hund lieben, wenn sie ihn streicheln, und ihn ablieben, wenn sie ihn mit Streicheln von der Fährte weglocken. Alberus in seinem 1540 heraus gegebenen Lexico erkläret das vorige Diminutivum liebeln ausdrücklich durch streicheln, mulcere, palpare. "Den Leithund lieben oder ablieben heißt: der Jäger nimmt den Leithund an sich streichet mit flacher Hand ihm die Augen brav aus dem Kopf, patschelt oder klopfet ihn sänftiglich an der rechten Seite am Hals und andern Flähmen, fähret ihm mit der Hand sittsam über den Rücken" u. s. f. Carl von Heppe in der practischen Abhandlung von dem Leithunde S. 7. Bey dem Opitz ist zulieben schmeicheln, und einlieben einschmeicheln. ( S. die Anmerkung.) 2. Figürlich. 1) Liebe zu oder gegen etwas empfinden, im gemeinen Leben lieb haben, in allen drey Bedeutungen des Wortes Liebe. Gott lieben. Ein Kind lieben. Er liebt den Wein gar sehr. Wüßtest du, Phillis, wie sehr mein Herz dich liebt! Salomo liebte viele ausländische Weiber 1 Kön. 11, 2. Das Mittelwort der vergangenen Zeit wird in der edlern Schreibart auch häufig als ein Hauptwort gebraucht. Ein Geliebter, eine Geliebte, eine geliebte Person, besonders für das niedrigere Liebster und Liebste. 2) Neigung zu einer Veränderung empfinden, etwas gern thun, als ein Neutrum, und nach dem Muster des Französischen aimer; ein in der Deutschen Sprache fremder Gebraucht, welcher sich nur bey einigen Schriftstellern als eine unzeitige Nachahmung des Französischen findet. Viel Lieben von dem Strand auf einen hinzuschauen, Der in Gewitters Noth die strenge See muß bauen, Opitz. Schach Gebal war ein kriegerischer Fürst, aber er liebte feine Leibwache schön geputzt zu sehen, Wiel. Das Hauptwort die Liebung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.

Anm. Im Nieders. leeven, im Holländ. lieven, im Angels. lufian, im Engl. to love. Im Krainerischen ist lubem ich liebe, und im Böhm. libati küssen. Um der ersten Bedeutung willen ist es sehr wahrscheinlich, daß es von dem veralteten Laf, die Hand, abstammet, und eigentlich streicheln bedeutet. Die Niedersachsen haben davon noch das Zeitwort leeven, welches nicht nur lieben, sondern auch geben bedeutet, und wovon unser liefern abstammet. S. dasselbe. Ehedem wurde es auch für belieben gebraucht, S. dasselbe. Im Schwed. ist ljufwa sich jemandes Liebe oder Freundschaft erwerben.


Liebenswürdig (W3) [Adelung]


Liebenswürdig, -er, -ste, adj. et adv. der Liebe würdig, würdig geliebt zu werden, in der zweyten und dritten engern Bedeutung des Zeitwortes. Die Tugend macht den Menschen liebenswürdig. Ein liebenswürdiges Frauenzimmer.


Lieber (W3) [Adelung]


Lieber, 1. Der Comparativ des Bey- und Nebenwortes lieb, welcher vornehmlich als ein Nebenwort gebraucht wird, einen höhern Grad der Neigung zu einer Sache oder Veränderung zu bezeichnen, als zu einer andern, wo es den Comparativ zu gern abgibt, so wie am liebsten den Superlativ. Mein Herz wollte lieber alles für dich leiden, als dich verlassen, ( S. Lieb.) Wo es denn auch häufig figürlich für vielmehr, potius, gebraucht wird. Sie hätten lieber meine Tochter auch zu der galanten Lebensart anführen wollen, Gell. Ich weiß, daß sie sechzig sind - Warum nicht lieber achtzig? ebend. Ingleichen mir einer Ellipse für, es ist besser. Lieber das schwächliche Kind um seiner Bosheit willen bis auf das Blut gestraft, als in ihm ein unseliges Geschöpf aufwachsen zulassen, ebend. Lieber alles verloren, als die Ehre. Lieber todt, als ungetreu. Nieders. lever, leverst. 2. Der Vocativ des Adjectives lieb, besonders so fern er die Stelle einer Interjection vertritt, jemanden auf eine freundschaftliche, vertrauliche Art anzureden. Lieber, laß nicht Zank seyn, 1 Mos. 13, 8. Da sprach der Dirnen Vater zu dem Mann: Lieber, bleibe über Nacht, Richt. 19, 6. Denn sie sprach, lieber, laß mich auflesen, Ruth 2, 7. Ey lieber, geht doch gleich und bringt ihn eilend her. Günther. Es ist in dieser Bedeutung, in welcher es im Hochdeutschen nur selten vorkommt, das Beywort lieb, worunter Freund oder ein anderes Hauptwort verstanden werden muß; ob es gleich unabänderlich gebraucht wird, ohne Unterschied so wohl des Geschlechtes, als der Zahl.


Liebesapfel (W3) [Adelung]


Der Liebesapfel, des -s, plur. die -äpfel, eine Art des Nachtschattens, S. Goldapfel.


Liebesbrief (W3) [Adelung]


Der Liebesbrief, des -es, plur. die -e, Diminut. das Liebesbriefchen, in der engsten Bedeutung des Wortes Liebe, ein verliebter Brief, ein Brief, worin man einer Person andern Geschlechtes seine Liebe erkläret oder versichert.


Liebesdienst (W3) [Adelung]


Der Liebesdienst, des -es, plur. die -e, in der zweyten Bedeutung des Wortes Liebe, ein Dienst, welchen man jemanden aus Liebe, und in engerer Bedeutung aus Liebe allein ohne Belohnung leistet. Jemanden einen Liebesdienst thun, erweisen.


Liebesfieber (W3) [Adelung]


Das Liebesfieber, des -s, plur. ut nom. sing. in der engsten Bedeutung des Wortes Liebe, diese Leidenschaft, wenn sie mit einem schleichenden Fieber verbunden ist; Febris amatoria. ( S. Jungfernsucht.) Artet der Trieb zum Beyschlafe in Wuth und Unsinn aus, so wird er auch wohl die Liebeswuth genannt; Furor uterinus.


Liebesflamme (W3) [Adelung]


Die Liebesflamme, plur. die -n, die Liebe unter dem Bilde einer Flamme betrachtet, ein hoher Grad der Liebe, in der zweyten und dritten Bedeutung; ein Ausdruck, welcher den Dichtern der vorigen Zeiten sehr gewöhnlich war.


Liebesgedicht (W3) [Adelung]


Das Liebesgedicht, des -es, plur. die -e, in der dritten Bedeutung des Wortes Liebe, ein verliebtes Gedicht, ein Gedicht, dessen Inhalt die Liebe zu dem andern Geschlechte ist.


Liebesgeschichte (W3) [Adelung]


Die Liebesgeschichte, plur. die -n, eine solche Geschichte oder Erzählung.


Liebesgott (W3) [Adelung]


Der Liebesgott, des -es, plur. die -götter, Fämin. die Liebesgöttinn, in der Mythologie der Griechen und Römer, erdichtete göttliche Wesen, welche der Liebe zu dem andern Geschlechte vorgesetzet waren. In engerer Bedeutung führet Cupido den Nahmen des Liebesgottes und Venus den Nahmen der Liebesgöttinn.


Liebesgras (W3) [Adelung]


Das Liebesgras, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des mittlern Zittergrases, welches auf den trocknen Wiesen wächset; Briza media L. S. Peterskorn.


Liebeshandel (W3) [Adelung]


Der Liebeshandel, des -s, plur. die -händel, in der dritten Bedeutung des Wortes Liebe, ein verliebter Handel, eine verliebte Unterhandlung.


Liebeskind (W3) [Adelung]


* Das Liebeskind, des -es, plur. die -er, eine noch im gemeinen Leben übliche Benennung eines unehelichen, aus verbothener Liebe gezeugten Kindes.


Liebeskuß (W3) [Adelung]


Der Liebeskuß, des -sses, plur. die -küsse, in der zweyten Bedeutung des Wortes Liebe, in der ältern christlichen Kirche, ein Kuß, welchen man einander bey der Begegnung, oder auch bey gewissen feyerlichen Gelegenheiten zur Versicherung der brüderlichen Liebe gab.


Liebesmahl (W3) [Adelung]


Das Liebesmahl, des -es, plur. die -mähler, oder -mahle, in eben dieser Bedeutung und gleichfalls nur in der ersten christlichen Kirche, gemeinschaftliche Mahlzeiten zur Erhaltung der Liebe und Vertraulichkeit, mit welchen die haltung des Abendmahles verknüpft ist.


Liebestrank (W3) [Adelung]


Der Liebestrank, des -es, plur. die -tränke, ein gemeiniglich aus abergläubischen Mitteln bestehender Trank, vermittelst dessen man eine Person andern Geschlechtes zur Liebe zu reitzen sucht, Philtrum; im gemeinen Leben auch der Nachlauf, weil er verursachen soll, daß die Person, welche ihn bekommt, der andern nachlaufen muß.


Liebeswerk (W3) [Adelung]


Das Liebeswerk, des -es, plur. die -e, ein Werk, d. i. eine Verrichtung, welche man aus Liebe zu des andern Wohlfahrt oder Erhaltung unentgeldlich übernimmt. So ist die Befreyung eines andern aus einer Lebensgefahr ein Liebeswerk oder Werk der Liebe.


Liebeswuth (W3) [Adelung]


Die Liebeswuth, plur. car. S. Liebesfieber.


Liebhaber (W3) [Adelung]


Der Liebhaber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Liebhaberinn, ein aus der R. A. lieb haben, gebildeter Ausdruck, eine Person, welche eine andere Sache oder Person lieb hat, oder liebt. 1. Überhaupt, in der zweyten Bedeutung des Wortes Liebe. Du hast es (das Land) gegeben dem Samen Abrahams deines Liebhabers ewiglich, 2 Chron. 20, 7. Die Schläge des Liebhabers meynens recht gut, Sprichw. 27, 6; d. i. des Freundes, weil es dem Hasser entgegen gesetzet ist. Denn alle deine (des Jojakim) Liebhaber sind umbracht, Jer. 22, 20; für Freunde. In dieser allgemeinen Bedeutung ist es größten Theils veraltet, außer daß in der Kanzelberedsamkeit noch zuweilen Liebhaber des göttlichen Wortes vorkommen. Am häufigsten gebraucht man es, 2. in einigen besonders Bedeutungen. 1) In der dritten engsten Bedeutung des Wortes Liebe ist es eine Person, welche sich um die Liebe einer Person andern Geschlechtes bewirbt, oder dieselbe auch schon besitzt, ohne die sittliche Beschaffenheit dieser Liebe zu bestimmen. So können so wohl unverheirathete Personen, auch ohne Absicht einander zu heirathen, als auch Ehegatten Liebhaber oder Liebhaberinnen seyn. Im gemeinen Leben werden dafür die Ausdrücke Liebster und Liebste gebraucht. 2) In weiterer Bedeutung heißt derjenige ein Liebhaber, welcher einen vorzüglichen Grad des Vergnügens an Dingen gewisser Art und deren Besitze findet. Ein Liebhaber von der Jagd, von Pferden, von Hunden, von Landkarten, von Gemählden seyn. Eine Liebhaberinn vom Spiele, vom Putze u. s. f. Es kommt auf den Liebhaber an, es kommt darauf an, daß sich jemand findet, welcher eine vorzügliche Neigung zu dieser Sache trägt. Eben so ist in den schönen Künsten der Liebhaber, Ital. Dilettante, derjenige, welcher eine vorzügliche Neigung zu diesen Künsten und den Kunstwerken träget, ohne selbst ein Künstler zu seyn. Nicht alle Liebhaber sind zugleich Kenner. 3) In der weitesten Bedeutung wird oft ein jeder Käufer ein Liebhaber genannt. Einen Liebhaber zu etwas abgeben, es kaufen wollen, darum handeln. Diese Waare findet keinen Liebhaber mehr.


Liebhaberey (W3) [Adelung]


Die Liebhaberey, plur. doch nur von mehrern Arten, die -en, welches in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes, obgleich nicht in deren ganzen Umfange gebraucht wird, die vorzügliche sinnliche Neigung zu dem Besitze einer Sache, welche keinen erweislichen oder merklichen Nutzen hat. So ist die Begierde Bücher zu sammeln, bey solchen, welche sie nicht gebrauchen können oder wollen, eine bloße Liebhaberey. Ob man gleich nicht sagen kann, daß diesem Worte ein verächtlicher Nebenbegriff anklebe, so ist es doch ein zweydeutiger Ausdruck, welcher in den meisten Fällen die Abwesenheit des begreiflichen Nutzens mit einschließet; welcher Nebenbegriff von der Ableitungssylbe -ey herzurühren scheinet, welche am häufigsten niedrige und verächtliche Fertigkeiten zu bezeichnen pflegt.


Liebkosen (W3) [Adelung]


Liebkosen, verb. reg. act. seine Liebe und Zärtlichkeit gegen eine Person durch Streicheln, Küsse und ähnliche Handlungen an den Tag legen; Franz. caresser. Der Hund liebkoset seinen Herren, wenn er ihm seine Neigung durch Lecken, Schmiegen u. s. f. an den Tag leget. Eine Mutter liebkoset ihr Kind, durch Küsse, Streicheln u. s. f. Das Kind seine Amme, der Liebhaber seine Geliebte u. s. f. Figürlich wird es auch wohl von andern thätigen Beweisen der Zärtlichkeit gebraucht. Von dem Schicksale geliebkoset werden. Daher die Liebkosung, plur. die -en, dergleichen Handlungen.

Anm. In einem alten Deutsch Latein. Vocabulario von 1482 liebekosen, welches daselbst auch durch flinstern erkläret wird. Die erste Hälfte des Wortes ist keinem Zweifel unterworfen. Die letzte wird gemeiniglich, und freylich sehr wahrscheinlich für das größten Theils veraltete kosen, reden, gehalten, ( S. Kosen und Köhren.) Liebkosen würde also eigentlich auf eine zärtliche, verliebte Art mit jemanden reden bedeuten. Allein ich zweifele, ob es in diesem Falle vorkommen wird, indem es, so wie das Franz. caresser, welches dasselbe eigentlich ausdruckt, fast nur allein von den oben gedachten zärtlichen Handlungen gebraucht wird; und in diesem Falle müßte man für kosen wohl ein anderes Stammwort suchen. Vielleicht ist es küssen, welches in manchen Mundarten nur ein einfaches s hat, so daß liebkosen zärtlich küssen bedeuten würde, von welcher Handlung es wirklich am häufigsten gebraucht wird. Im Schwedischen ist für liebkosen nur kuska üblich, welches Ihre zwar auch von kosen, schwatzen, ableitet, aber auch von kyssa, küssen, abstammen kann. Im Niedersächsischen heißt liebkosen liberlocken, locken, und mit vorgesetztem Gaumenlaute kluckern, bey ältern Oberdeutschen Schriftstellern aber liebeln. So viel ich weiß, wird liebkosen jederzeit mit der vierten Endung verbunden. Herr Stosch und einige andere geben ihm die dritte, einer Person liebkosen, welche Verbindung sich auf die Herleitung von kosen, reden, zu gründen scheinet. Allein, daß diese dritte Endung unrichtig ist, siehet man deutlich, wenn das Zeitwort in das Passivum versetzet wird, wo es die erste Endung erfordert. Das Kind wurde geliebkoset, ist geliebkoset worden. Erforderte es im Activo die dritte, so müßte es auch im Passivo heißen, dem Kinde wurde geliebkoset; welche Art zu sprechen doch ganz ungewöhnlich ist.


Lieblich (W3) [Adelung]


Lieblich, -er, -ste, adj. et adv. von dem Beyworte lieb, in dessen ersten passiven Bedeutung, was mit einem merklichen Grade des Vergnügens empfunden wird, wo es von der Empfindung durch alle Sinne gebraucht werden kann. Ein lieblicher Geruch, 1 Mos. 8, 21. Liebliche Harfen und Psalter, Ps. 81, 3. Eine liebliche Gestalt, Hohel. 2, 14. Die Weisheit ist lieblicher denn Wein, Sir. 40, 20. Lieblich ist diese Gegend, lieblich des Abends Kühlung, Geßn. O, die du lieblicher bist, als der thauende Morgen, ebend. Siehe, wie lieblich es ist, auf diesem Hügel zu wohnen, ebend. Hier sammle ich liebliche Gerüche, ebend. Wie der liebliche Mond mich anlächelt! O, verzögere noch deine Stunde! Weiße. Anm. Schon bey dem Ottfried liublich, im Dän. liflig, im Schwed. ljuflig, im Angels. luflice, im Engl. lovely, im Böhm. liby. Das Nieders. leefliken hingegen bedeutet liebreich.


Lieblichkeit (W3) [Adelung]


Die Lieblichkeit, plur. die -en. 1) Die Eigenschaft eines Dinges, da es lieblich ist; ohne Plural. 2) Zuweilen auch liebliche Dinge selbst.


Liebling (W3) [Adelung]


Der Liebling, des -es, plur. die -e, eine Person, welche von einer andern mit vorzüglicher Zärtlichkeit geliebt wird; so wohl in der zweyten, als dritten Bedeutung des Hauptwortes Liebe, und von beyden Geschlechtern. Johannes war der Liebling Christi, die Pompadour der Liebling Ludwig XV. Mißtraue der Eitelkeit, die dir sagt, daß deine Reitzungen groß genug sind, einen unbeständigen Liebling getreu und beständig zu machen, Dusch. Der Liebling der Musen. Daher die Zusammensetzungen Lieblingsideen, Lieblingsthorheiten, Lieblingssünden, Lieblingslaster, Lieblingstugenden, Ideen, Thorheiten, Sünden, Laster u. s. f. welche man mit vorzüglichem Vergnügen heget und begehet. S. - Ling.


Lieblos (W3) [Adelung]


Lieblos, -er, -este, adj. et adv. in der zweyten Bedeutung des Wortes Liebe, der Liebe, d. i. der pflichtmäßigen Fertigkeit sich an der Vollkommenheit andrer zu belustigen, und selbige möglichst zu befördern, beraubt, und in dieser Gesinnung gegründet. Gegen jemanden lieblos seyn, handeln. Ein liebloser Mensch, ein liebloses Betragen.


Lieblosigkeit (W3) [Adelung]


Die Lieblosigkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, die Fertigkeit, da man lieblos ist, die Fertigkeit, die Beförderung des Nutzens anderer aus Mangel der Liebe zu versäumen; ohne Plural. Die Lieblosigkeit gegen Gott, die Fertigkeit, sich an andern Dingen mehr als an Gott zu vergnügen. 3) Dergleichen einzelne Handlungen.


Liebreich (W3) [Adelung]


Liebreich, -er, ste, adj. et adv. reich an Liebe, in der zweyten Bedeutung dieses Hauptwortes, d. i. einen hohen Grad der Liebe gegen andere besitzend, doch am häufigsten nur in engerer Bedeutung, so fern sich derselbe durch Worte, Stimme, Geberden und Handlungen äußert; ingleichen, in dieser Gemüthsstellung gegründet. Ein liebreicher Mann. Ein Herr, welcher gegen seine Unterthanen sehr liebreich ist. Ein liebreiches Betragen. Liebreiche Mienen. Zuweilen auch von andern thätigen Beweisen dieser Gesinnung. Das Glück ist nicht so liebreich gegen sie gewesen, als die Natur, Gell.


Liebreitz (W3) [Adelung]


Der Liebreitz, des -es, plur. die -e, ein angenehmer Reitz, von lieb, so fern es in der ersten passiven Bedeutung so viel als angenehm ist, oder vielmehr von dem Hauptworte Liebe, zur Liebe reitzend, eine Eigenschaft, eine Fertigkeit, welche fähig ist, Liebe in andern zu erwecken. Der Liebreitz der Tugend. Ihr anmuthsvollen Kinder, mit jedem Liebreitz der Mutter geschmückt, Geßn. Wo das Herz bescheiden ist, da theilt es unsern äußerlichen Handlungen den der Bescheidenheit eigenen Liebreitz unbemerkt in allen Fällen mit, Gell. Der Liebreitz, der uns früh verbunden, Haged. Die thränenden Augen, die keschende Brust, Entkräften den Liebreitz, verscheuchen die Lust, ebend. So richtig dieses Wort auch zusammen gesetzt ist, so klebt demselben doch immer etwas Widriges an, vermuthlich, weil es von den Dichtern der vorigen Zeiten so sehr gemißbraucht worden. Über dieß sagt das kürzere Reitz in engerer Bedeutung eben dasselbe, und wird daher auch lieber und häufiger für jenes gebraucht.


Liebreitzend (W3) [Adelung]


Liebreitzend, -er, -ste, adj. et adv. zur Liebe reitzend, wofür doch auch das einfache reitzend üblicher ist. Liebreitzend von Gesicht, Haged.


Liebste (W3) [Adelung]


Der Liebste, die Liebste, S. Lieb.


Liebstöckel (W3) [Adelung]


Der Liebstöckel, des -s, plur. inus. der Nahme einer Pflanze, welche einen hohlen fetten und starken Stängel treibt, eine scharfe stinkende Wurzel hat, und in den Apotheken gebraucht wird; Ligusticum Levisticun L. Dieses Gewächs ist auf den Apenninischen Gebirgen einheimisch, von woher es mit seinem Nahmen in unsere Gärten gekommen ist. Sein eigentlicher Nahme ist Ligusticum, von der Landschaft Ligurien, wie Plinius versichert, in welcher es auf den Apenninen sehr häufig wächst; bey dem Dioskorides - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, woraus Galens - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das spätere Lat. Levisticum, und unser Liebstöckel, welches schon in den Monseeischen Glossen Lubistechal lautet, entstanden sind. Im Nieders. heißt dieses Gewächs Leverstock, im Dän. Loestilk, im Franz. Liveche, im Engl. Lovage, im Böhm. Libecek.


Liebwerth (W3) [Adelung]


Liebwerth, -er, -este, adj. et adv. ein nur noch in dem Briefstyl des gemeinen Lebens übliches Beywort, für lieb und werth. Liebwertheste Ältern. Liebwerth Frau Muhme. Als ein Nebenwort ist es nicht gebräuchlich.


Lied (W3) [Adelung]


1. * Das Lied, des -es, plur. die -er, ein nur in einigen Gegenden, z. B. Meißens, übliches Wort, einen Tisch, und besonders den Tisch, oder die Bank zu bezeichnen, worauf die Fleischer ihr Fleisch feil haben. So heißt es in einer der neuesten Dresdener Fleischer Ordnungen: Die Fleischer sollen das gute und schlechte Fleisch nicht unter einander auf das Liet (Lied) legen. - Er soll es auf die Bank oder Liet bringen. S. Laden, das Hauptwort, zu dessen Geschlechte es zu gehören scheinet.


Lied (W3) [Adelung]


2. * Das Lied, des -es, plur. die -er, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, ein Glied, ein Gelenk, und einen vermittelst eines Gelenkes oder Gewindes beweglichen Deckel zu bezeichnen. S. Glied und Augenlied.


Lied (W3) [Adelung]


3. Das Lied, des -es, plur. die -er, Diminut. Liedchen, im Plural auch wohl Liederchen, Oberd. Liedlein. 1) In der eigentlichsten und weitesten Bedeutung, alles was gesungen wird, melodisch hervor gebrachte Töne; in welcher Bedeutung, doch nur in der höhern Schreibart, die melodischen Töne mancher Vögel ein Lied oder Lieder genannt werden. Die Nachtigall singt ihr zärtliches Lied. 2) In engerer Bedeutung, ein jedes zum Singen bestimmtes Gedicht. Das hohe Lied Salomonis. In dieser Bedeutung pflegt man nur noch in der dichterischen Schreibart ein jedes Gedicht zuweilen ein Lied zu nennen. 3) In noch engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein zum Singen bestimmtes Gedicht, welches Empfindungen schildert, besonders wenn es in Strophen abgetheilet ist, welche insgesammt nach Einer Melodie gesungen werden können; zum Unterschiede von einer Ode, einem Psalme u. s. f. Ein geistliches Lied, welches auch in engerer Bedeutung ein Gesang, Nieders. ein Salm, genannt wird. Ein weltliches Lied. Das Schäferlied, Heldenlied, Trinklied, Hochzeitlied, Siegeslied, Loblied, Morgenlied u. s. f. Davon kann ich auch ein Liedchen singen, figürlich, ich habe solches auch erfahren. Das ist das Ende vom Liede, das ist der Beschluß, der letzte Ausspruch, wobey es bleiben soll; wofür man im geschmacklosen Scherze auch wohl umgekehrt sagt, das ist das Lied vom Ende.

Anm. Bey dem Ottfried und Notker Lied, bey andern Lioth, im Nieders. Leed, im Isländ. Liod, im mittlern Lat. Leudus. Gottsched leitete es von dem vorigen Lied, Glied, her, weil es aus Strophen, als so vielen Gliedern und Gelenken bestehe. Allein es ist wohl unstreitig, daß es zu dem Geschlechte der Wörter laut, Laute, lauten u. s. f. gehöret, und überhaupt den melodischen Klang der Stimme ausdruckt. Bey dem Ottfried heißen daher Lieder im Plural noch Ludila, und das Isländ. Liod bedeutet auch die Musik überhaupt.


Liederbuch (W3) [Adelung]


Das Liederbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, worin Lieder, besonders Lieder weltlichen Inhaltes enthalten sind; zum Unterschiede von einem Gesangbuche, welches nur zum Gottesdienste bestimmte geistliche Lieder enthält.


Liederbühne (W3) [Adelung]


Die Liederbühne, plur. die -n, in dem Bergbaue, von dem Zeitworte liedern, eine Bühne, worauf die Sätze in den Wasserkünsten geliedert werden.


Liederdichter (W3) [Adelung]


Der Liederdichter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Liederdichterinn, ein Dichter, welcher vorzüglich Lieder dichtet, oder gedichtet hat.


Liederlich (W3) [Adelung]


Liederlich, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches 1. Eigentlich, den Begriff des leichten, leicht beweglichen hat, und im Grunde auch zu dem Geschlechte des Wortes leicht gehöret. Durch die Wollensäcke ist nicht liederlich zu schießen, nicht leicht, nicht leichtlich, Fronsberg bey dem Frisch. Bey den Jägern ist ledig so viel als schlaff, ( S. Ledig 1.) In dieser weitern Bedeutung ist es veraltet, wo man es nur im verächtlichen Verstande von einem fehlerhaften, leicht beweglichen Zustande solcher Dinge gebraucht, welche fest, derb anliegen sollten. So heißt ein Mensch oder seine Kleidung liederlich, wenn seine Kleidungsstücke an dem Leibe schlottern, anstatt fest und derb anzuliegen, wenn die Lumpen daran herunterhängen u. s. f. Etwas sehr liederlich befestigen, so daß es nicht die gehörige Haltung oder Festigkeit hat. 2. Figürlich, und im verächtlichen Verstande, wo in vielen Fällen in der anständigern Sprechart auch das Stammwort leicht üblich ist. 1) Einen geringen, schlechten Werth haben. Liederliches Geld, leichtes, geringhaltiges. Liederliche Scheidemünze. Ein liederlicher Lohn, ein geringer, niedriger. Ein liederlicher Preis. 2) Nachlässig, obenhin, ohne die gehörige Aufmerksamkeit, ohne den gehörigen Fleiß. Lauter liederliche Arbeit machen. Liederlich arbeiten. Ein Liederlicher Arbeiter. 3) Die pflichtmäßige Ordnung in seinen Geschäften und Handlungen nicht beobachtend. In seinen Sachen sehr liederlich seyn. Auf seiner Stube sieht es sehr liederlich aus. 4) Leichtsinnig. Ach Herr, dein Knecht, der dein Gesetze Bisher so liederlich verlacht, Gryph. Wo es aber, so wie in allen Bedeutungen, für die edle und feyerliche Schreibart zu niedrig ist. 5) Den Ausschweifungen in den Sitten ergeben, besonders wenn damit Unordnung und Sorglosigkeit in den häuslichen Geschäften verbunden ist; im harten und sehr verächtlichen Verstande. Liederlich leben. Ein liederlicher Mensch. Liederlich seyn. Liederliches Gesindel.

Anm. Im Schwed. liderlig. Wachter, Frisch und andere leiten es von Luder her, und wollen es daher auch lüderlich geschrieben haben, wogegen aber schon die allgemeine Aussprache streitet. So hart und gezwungen die Figur seyn würde, wenn man dieses Wort von Luder ableiten wollte, so leicht begreiflich wird die Abstammung von leicht, und die Verwandtschaft mit lose, lodern, flattern, schlottern, Lotterbube, schlendern, und allen dieses Geschlechtes, in welchen insgesammt der Begriff der Beweglichkeit der herrschende ist. Im Angelsächs. ist lutherlice, pessime, und lythre, lithre, schmutzig, böse. Im Wendischen ist liede, lieden, leicht, kaum, dagegen in den Nordischen Sprachen und Mundarten liden klein bedeutet.


Liedern (W3) [Adelung]


Liedern, verb. reg. act. welches von Leder abstammet, und im gemeinen Leben so wohl als im Bergbaue üblich ist, mit dem gehörige Leder versehen. Eine Kunst liedern, die Sätze des Kunstgezeuges mit neuem Leder versehen.


Liedlohn (W3) [Adelung]


Der Liedlohn, des -es, plur. inus. nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, so wohl den Gesindelohn, als auch einen jeden Arbeitslohn zu bezeichnen, welcher für Handarbeiten bezahlet wird. Daher ein Tagelöhner daselbst auch ein Liedlöhner heißt. Frisch und andere leiten es von Lied, Glied, her, weil dieser Lohn für die Arbeit des Leides und seiner Glieder bezahlet wird; welche Figur doch hart und ungewöhnlich ist. Vielleicht gehöret die erste Hälfte hier zu dem Worte Leute, Nieders. Lüde, so fern dasselbe geringere; unterworfene Personen bezeichnet. Bey dem Kero ist Itloon, Itlot, Vergeltung, Lohn, überhaupt, und itlonan vergelten; wo die Sylbe it das Lat. re - ausdruckt, wie in iteniuwes, Notker, von neuem, itniuwan, Kero, erneuern u. s. f. Schilter leitet hiervon unser Liedlohn ab; aber wo käme denn das L her?


Liefern (W3) [Adelung]


1. Liefern, verb. reg. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort seyn bekommt, gerinnen und gerinnen machen, wofür aber geliefern üblich ist, S. dasselbe.


Liefern (W3) [Adelung]


2. Liefern, verb. reg. act. welches ehedem überhaupt geben, hinhalten, reichen, bedeutete, aber jetzt nur noch in engerer Bedeutung gebraucht wird, in jemandes Gewahrsam oder Besitz überantworten, besonders von Dingen, welche nicht unmittelbar mit der bloßen Hand allein übergeben werden. 1. Eigentlich. Die Bauern haben die erhaschten Ausreißer in die Festung geliefert. Einen Übelthäter an die Obrigkeit liefern, ihn der Obrigkeit ausliefern. Die Getreidezinsen nach der Stadt liefern, dem Zinsherren einliefern. Besonders für Geld, für Bezahlung in den Besitz eines andern bringen. Das Brot oder Mehl für die Armee liefern. Die Lebensmittel, allerley Waaren für den Hof liefern, sie für Geld herbey schaffen. Personen, welche besonders dazu angenommen werden, werden mit einem entlehnten halb Lateinischen Worte Lieferanten genannt. Ich liefere (schaffe) den Zentner für zehn Thaler. Der Handwerksmann hat die versprochenen Arbeiten doch nicht geliefert, fertig überantwortet. 2. Figürlich. 1) Eine Schlacht liefern, dem Feinde ein Treffen liefern, eine Schlacht, ein Treffen mit ihm halten. 2) Er ist geliefert, er ist verloren, es ist um ihn geschehen, er ist ein Kind des Todes. Daher die Lieferung in der eigentlichen Bedeutung, so wohl die Überantwortung, als auch die gelieferte Sache, besonders so viel als auf Ein Mahl geliefert, oder abgeliefert wird; ingleichen das Recht, die Verbindlichkeit etwas für Geld zu liefern. Die Lieferung thun, haben, berechtiget und verbunden seyn, etwas für die Bezahlung zu liefern. Ingleichen der Lieferschein, eine Bescheinigung über eine geschehene Ablieferung.

Anm. Im Nieders. levern, im Dän. levern, im Schwed. lefwerera, im mittlern Lat. liberare, im Franz. livrer. Es ist das Intensivum oder Frequentativum von dem noch im Nieders. üblichen leven, bey dem Ottfried liuuun, geben, übergeben, reichen, welches im Angels. laevan, belaevan, im Engl. to allow, und bey dem Ulphilas lewjan lautet. Der letzte gebraucht es in der Stelle Matth. 5, 39: so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem liefere den andern auch, für darbiethen. Es stammet aller Wahrscheinlichkeit nach von dem im Deutschen veralteten, aber noch im Wallisischen üblichen Llav, die Hand, her, so wie geben, von einem ähnlichen Gab, Gaff, herkommt. S. Erlauben und Glaube.


Liegamboß (W3) [Adelung]


Der Liegamboß, des -es, plur. die -e, bey den Kupferschmieden, ein liegender Amboß.


Liegegeld (W3) [Adelung]


Das Liegegeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, ein nur im gemeinen Leben für Wartegeld übliches Wort, die Vergeltung für das Liegen, d. i. Warten, eines andern. Dergleichen ist das Geld, welches dem Schiffer für jeden Tag, welchen er vor der Ein- und Ausladung über die Gebühr stille liegen muß, gegeben wird. S. Liegetag.


Liegen (W3) [Adelung]


Liegen, verb. irreg. neutr. Imperf. Ich lag; Mittelw. gelegen; Imper. liege. Es ist das Neutrum von legen, bekommt im Hochdeutschen das Hülfswort haben, im Oberd. aber auch seyn, und bedeutet eigentlich, niedrig seyn, von dem Bey- und Nebenworte leg, lege, niedrig. Doch in dieser allgemeinern Bedeutung ist es veraltet, außer daß im Bergbaue noch die untere Fläche eines Ganges das Liegende genannt wird, zum Unterschiede von der obern oder dem Hangenden. In engerer und jetzt gewöhnlicherer Bedeutung, auf seiner größten Seite ruhen, weil ein Körper unbeschadet seiner Größe und Gestalt nur allein dadurch niedriger gemacht werden kann, daß man seine größte Fläche zur Grundfläche macht; zum Unterschiede von dem Stehen und bey lebendigen Körpern auch von dem Sitzen. 1. Eigentlich. Das Buch liegt auf dem Tische, wenn es auf seiner größten Fläche ruhet; dagegen es stehet, wenn es auf der kleinsten ruhet. Die Kleider liegen ganz ordentlich im Schranke. Es liegt alles unordentlich durch einander. Der Hund liegt unter dem Ofen. Auf dem Bette liegen, im Bette liegen, um zu ruhen. Auf der Erde, auf der Bank liegen. Die Leiche liegt schon auf dem Strohe. Er hat schon zwey Stunden im Bette gelegen; im Oberdeutschen, er ist gelegen. Auf einem Küssen liegen. Laß es alles liegen, wie es liegt. Auf dem Rücken, auf dem Gesichte liegen. Im Grabe liegen. Hart, sanft, sehr unbequem liegen. Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen, Pred. 2, 3. Eine große Last auf sich liegen haben. Nach einer sehr gewöhnlichen Figur wird das Subject bey diesem Zeitworte oft verwechselt. Das Feld liegt voller Steine, es liegen eine Menge Steine auf dem Felde, das Feld ist voller Steine. Der Weg lag voll Kleider, 2 Kön. 7, 15. Die Bücher liegen voll Staub. Schon Ottfried sagt: thie (Porticus) lagen fol alles mannes, B. 3. Kap. 4, V. 15. Eben so sagt man: der Baum hängt voller Äpfel u. s. f. Besonders an einer Krankheit im Bette liegen müssen. Krank liegen, krank darnieder liegen, bett- lägerig seyn; wofür man auch zuweilen nur liegen allein gebraucht. Auf den Tod liegen, nähmlich krank. Am Fieber krank liegen, am Fieber darnieder liegen. Der Kranke hat schon acht Tage gelegen. Zu Bette liegen, krank liegen. In den letzten Zügen liegen. In Kindesnöthen liegen, von Gebärerinnen. In Wochen liegen, oder in den Wochen liegen, eigentlich, in den Wochen, ein Kind geboren haben. Ich habe sieben Mahl in den Wochen gelegen, Gell. Bald hat sie in Wochen gelegen, Weiße. Im Oberdeutschen sagt man, sie ist gelegen, d. i. sie ist in das Kindbett gekommen. In der Deutschen Bibel kommt dafür das veraltete geliegen vor. Seine Schnur war schwanger und sollte schier geliegen, 1 Sam. 4, 19. Da mir dir gelegen ist, die dich gezeuget hatte, Hohel. 8, 7. In manchen R. A. behält liegen zwar seine eigentliche Bedeutung, allein der ganze Ausdruck ist doch eine Figur. Auf der Bärenhaut liegen, müßig gehen, faullenzen. ( S. Bärenhaut.) Mit jemanden unter Einer Decke liegen, in einer bösen Sache gemeinschaftlich mit ihm handeln. Einander in den Haaren liegen, sich raufen, ingleichen figürlich im gemeinen Leben, sich zanken, mit einander rechten, prozessiren. 2. Figürlich. 1) In manchen Fällen verschwindet der Begriff der größten Fläche mehr oder wenig, und da bedeutet liegen bloß, im Stande der Ruhe seyn, müßig da seyn, oft aber auch nur schlechthin da seyn. Geld auf Zinsen liegen haben, wofür man auch das Wort stehen gebraucht. Die alten Thaler, die ich schon lange liegen habe. Liegende Gründe, unbewegliche Güter, Häuser, Äcker, Gärten. Es liegt mir so auf der Brust, wenn man einen fast sitzenden Schleim auf der Brust verspüret. Wein im Keller liegen haben. Der Wein hat schon lange gelegen. Das Bier liegt auf den Fasse. Besonders, 2) von Gegenden, Ortern u. s. f. von dem Verhältnisse ihres Ortes in Ansehung des Ortes anderer Dinge. Leipzig liegt in Sachsen. Portugal liegt gegen Abend, Persien gegen Morgen. Das Dorf liegt hinter dem Berge, der Garten hinter dem Hause, die Wiese an dem Flusse. Schwarz liegt das unabsehbare Meer vor uns, Geßn. Der Wald liegt linker Hand. Die Stadt rechter Hand liegen lassen, auf der linken Seite derselben vorbey reisen. Die Augen liegen ihm vor dem Kopfe. 3) In einigen Fällen wird es auch gebraucht, eine Stellung zu bezeichnen, welche dem Liegen nahe kommt, ob man gleich in derselben noch nicht völlig liegt. In der Secunde, in der Quart liegen, in der Fechtkunst, wegen der gestreckten Stellung, worin man sich alsdann befindet. Im Vortheile liegen, eben daselbst, eine vortheilhafte Stellung haben. Jetzt setzt ein kahler Troß, der in dem Vortheil liegt, Den besten Helden ab, Opitz. Auf den Knien liegen. Vor Ort liegen, im Bergbaue, für sitzen. Im Anschlage liegen, bey den Soldaten und Schützen, des Gewehr in einer gestreckten Stellung zum Schusse an die Backen legen. Im Fenster liegen, mit der Brust sich auf die Brustlehne lehnen. 4) Bey einer Person liegen, oder ihr beyliegen, eine im Hochdeutschen veraltete R. A. ihr beywohnen, sich fleischlich mit ihr vermischen, welche noch oft in der Deutschen Bibel, aber auch schon im Schwabenspiegel vorkommt. 5) Mit dem Nebenbegriffe der anhaltenden Zeitdauer. Die Soldaten liegen im Felde, wenn sie im Felde im Lager stehen. Was für ein Regiment liegt in diesem Orte zur Besatzung? Im Gefängnisse liegen. In Ketten und Banden liegen. Besonders mit einem verächtlichen Nebenbegriffe. Immer in den Weinhäusern liegen, sich oft und lange daselbst aufhalten. Er liegt den ganzen Tag auf dem Kaffehhause. Einem auf dem Halse liegen, ihm durch seine lange Gegenwart, durch seinen langen Aufenthalt beschwerlich fallen. Immer über den Büchern liegen, beständig lesen oder studieren. Immer zu Hause liegen. Jemanden in den Ohren liegen, ihn beständig und auf eine beschwerliche Art zu einer und eben derselben Sache zu bereden suchen. 6) Mit dem Nebenbegriffe der Ruhe; denn was liegt, d. i. seine größte Seite Grundfläche hat, hat auch die dauerhafteste Ruhe. Vor Anker liegen, von Schiffen. Unter Weges stille liegen, sich auf der Reise an einem Orte aufhalten. Auf dem Wege liegen bleiben, nicht weiter können. Die Sache bleibt liegen, wird nicht fortgesetzt. Eine Arbeit, einen Prozeß liegen lassen, nicht fortsetzen. Handel und Wandel liegt, befindet sich in Stande der Ruhe, in einem schlechten, unthätigen Zustande. Die Sache liegt daran, wird dadurch gehindert. An mir liegt es nicht, ich hindere es nicht. 7) Oft bedeutet es nur überhaupt, sich in einem gewissen Zustande befinden, wobey sich doch zuweilen etwas von den vorigen Nebenbegriffen mit einschleicht. Mit einander im Streite liegen, einen langwierigen Streit mit einander haben, welches man, wenn es ein gerichtlicher Streit ist, auch vor Gericht liegen nennet. Das liegt vor Augen, ist leicht zu erkennen; es liegt am Tage, ist bekennt, deutlich. Seine Unschuld liegt am Tage. Der Unterschied liegt darin u. s. f. ist darin befindlich. Die Gefahr einer ewigen Trennung hier liegt das Schreckliche, Weiße. Das Schöne, welches in der Harmonie und in der Folge der Töne liegt. In der Mittheilung unsrer Begriff an unsre Freunde liegt eine Seligkeit, die auch der hartnäckigste Einsame fühlt, Zach. Das allein liegt mir noch im Sinne. Ach das Geld liegt mir nicht an der Seele! Gell. 3) Es liegt nichts daran, es liegt viel daran, oder mit dem Mittelworte und dem Zeitworte seyn, es ist nichts, es ist viel daran gelegen, die Sache ist von Wichtigkeit, wird als wichtig erkannt. Wem liegt daran? Less. Denkst du denn, daß mir so viel an zeitlichen Gütern liegt? Liegt was daran, was für eines Werkzeuges sich die Natur bedienet, uns zu zernichten? Sonnenf. Den Bösen liegt daran, daß keine Gottheit wäre, Dusch.

Anm. Bey dem Kero lickan, bey dem Ottfried liggen, im Nieders. liggen, im Angels. liegan, ligan, im Engl. to ly, im Dän. ligge, im Schwed. ligga, bey dem Ulphilas ligan, im Isländ. liggia, im Wendischen leshim, im Böhm. lezeti, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es stammet von lege, niedrig, her. ( S. dieses Wort, ingleichen Legen, Lage und Lager.) Das Lat. lectum, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gehören gleichfalls zu dessen Geschlechte. Der biblischen Ausdruck schlafen liegen, 2 Sam. 7, 12, für liegen und schlafen, ist im Hochdeutschen veraltet, und verdiente daher in den Sprachlehren unter denjenigen Zeitwörtern, welche ein anderes Verbum im Infinitiv neben sich leiden, nicht noch mit angeführet zu werden.


Lieger (W3) [Adelung]


Der Lieger, des -es, plur. ut nom. sing. eine Person oder Ding, welches liegt, doch nur in einigen Zusammensetzungen. Indessen pflegen noch die Tuchbereiter das still liegende Blatt der Tuchschere den Lieger zu nennen. Im Nieders. wird auch ein Schiff, welches dazu bestimmt ist, daß es an einem Orte stille liegen soll, ein Lieger, Nieders. Ligger genannt. Siehe auch Auslieger.


Liegestunde (W3) [Adelung]


Die Liegestunde, plur. die -n, im Bergbaue, diejenige Zeit, in welcher die Bergleute stille liegen und ausruhen; die Aufsetzstunde.


Liegetag (W3) [Adelung]


Der Liegetag, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, diejenigen Tage, da jemand an einem Orte stille lieget, d. i. sich auf der Reise an einem Orte aufhält. In engerer Bedeutung sind in den Seestädten Liegetage diejenigen Tage, welche ein Schiffer vor der Ein- oder Ausladung unentgeldlich stille liegen muß. Nach deren Verlauf kann er Liegegeld verlangen.


Liene (W3) [Adelung]


Die Liene, oder Lienen, eine in einigen Gegenden übliche Benennung der Waldrebe, Clematis vitalba und recta L. vermuthlich wegen der Reden oder Ranken, so daß dieses Wort zu Leine und Linie gehöret. Um dieser Ranken willen heißt sie in einigen Gegenden auch Teufelszwirn, Hurenstrang und Hexenstrang.


Lier (W3) [Adelung]


Das Lier, des -es, plur. die -e, ein nur in den Salzwerken übliches Wort, wo die drey Mauern oder Wände, welche den Herd umfangen, Liere genannt werden. Das Vorderlier, das Seitenlier. Es gehöret ohne Zweifel zu dem Niedersächs. Leer, die Backe, Wange, oder auch zu dem gleichfalls Nieders. Lurre, die Hüfte, Schwed. Lar, Dän. Laar. In beyden Fällen scheint es eigentlich eine Hervorragung, Erhabenheit zu bezeichnen.


Lieren (W3) [Adelung]


Lieren, in verlieren, S. dieses Wort.


Lieschen (W3) [Adelung]


Lieschen, das Diminut. des im gemeinen Leben üblichen Liese, welches der verkürzte Weibernahme Elisabeth ist; Oberd. Liefel, Nieders. Lieske.


Lieschgras (W3) [Adelung]


Das Lieschgras, des -es, plur. inus. eine Art Grases mit langen walzenförmigen Blüthenkolben, welche Lieschkolben genannt werden; Phleum L. Es wächset auf den Europäischen Wiesen, und wird in einigen Gegenden auch das Liesch genannt. Im mittlern Lat. heißt es Lisca, im Franz. Laiche. Frisch leitet es von dem Franz. Lis, Lilie, her, weil es an den Blättern den Schwertlilien gleicht. Allein wegen der langen schmalen Blätter, vielleicht auch wegen der langen dünnen Stängel, scheinet es vielmehr zu Leisten, vielleicht auch zu dem folgenden 2. Liese zu gehören.


Liese (W3) [Adelung]


1. Liese, der verkürzte Nahme Elisabeth, S. Lieschen.


Liese (W3) [Adelung]


2. Die Liese, plur. die -n, ein im gemeinen Leben hin und wieder übliches Wort, eine spitzige hohle Röhre zu bezeichnen. Besonders wird im Hüttenbaue, bey den Schmieden u. s. f. die lange eiserne hohle Schnautze an den Blasebälgen die Liese genannt. Entweder wegen der langen dünnen Gestalt, von dem Worte Leiste, welches in einigen Gegenden auch nur Lisse lautet; oder auch wegen des innern hohlen Raumes von dem Worte Lase.


Ließpfund (W3) [Adelung]


Das Ließpfund, des -es, plur. die -e, ein besonders in Niedersachsen übliches Gewicht, welches gemeiniglich 15 gemeine Pfund, in Hannover nur 14, im Mecklenburgischen und Danzig hingegen 16 Pfund hält. Im Holländ. wo es 15 Pfund hat, Lyspondt, im Schwed. wo es 20 Mark schwer ist. Lispund. Weil es in dem alten Deutschen Wißbyischen Rechte Livesche Pund geschrieben wird, so vermuthet Ihre nicht unbillig, daß es aus diesen Worten zusammen gezogen ist, und so viel als ein Liefländisches Pfund bedeutet.


Lilak (W3) [Adelung]


Der Lilak, eine aus dem Französ. entlehnte Benennung des Spanischen Hohlunders, S. Hohlunder.


Lilien-Asphodille (W3) [Adelung]


Die Lilien-Asphodille, plur. die -n, ein ausländischen Gewächs, welches theils der Lilie theils aber auch der Asphodille ähnlich ist, und wovon eine Art in China, die andere aber in Siberien und Ungarn wächset; Hemerocalis L.


Lilienbaum (W3) [Adelung]


Der Lilienbaum, des -es, plur. die -bäume, eine Art des Tulpenbaumes, dessen Blumen den Lilien ähnlich sind, und welcher in Amboina einheimisch ist; Liriodendron Liliifera L.


Lilien-Hyacinthe (W3) [Adelung]


Die Lilien-Hyacinthe, plur. die -n, eine Art der Meerzwiebel mit einer schuppigen Wurzel, deren Blumen den Lilien gleichen, und welche in Spanien und auf den Pyrenäen wächset; Scilla Lilio-Hyacinthus L.


Lilienkreuz (W3) [Adelung]


Das Lilienkreuz, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst ein Kreuz, welches an den vier Enden Lilienblumen hat.


Lilien-Narzisse (W3) [Adelung]


Die Lilien-Narzisse, plur. die -n, eine Pflanze, deren Blume so wohl der Lilie als der Narzisse gleicht; Crinum L. Sie ist in Ostindien einheimisch.


Lilienöhl (W3) [Adelung]


Das Lilienöhl, des -es, plur. inus. Baumöhl, worin die Blumenblätter der weißen Lilie gebeitzet worden.


Lilienstein (W3) [Adelung]


Der Lilienstein, des -es, plur. die -e, der Deutsche Nahme der Enkriniten oder versteinerten Seesterne, wegen der lilienförmigen Krone, woraus sie bestehen.


Limande (W3) [Adelung]


Die Limande, plur. die -n, eine Art Seefische, welche zu dem Geschlechte der Butten oder Schollen gehören, Pleuronectes Limanda L. Franz. Limande. Im Dänischen heißt dieser Fisch Skrubbe. Eine kleinere Art wird im Französ. Limandelle genannt.


Limbaum (W3) [Adelung]


Der Limbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, ein Nahme des Vogelbeer- oder Eberäschenbaumes; Sorbus aucuparia L. S. Vogelbeere.


Limonade (W3) [Adelung]


Die Limonade, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, aus dem Franz. Limonade, und dieß aus dem Ital. Limonata, ein kühlen des Getränk von Wasser, Zucker und Limonen- oder Citronen-Saft.


Limone (W3) [Adelung]


Die Limone, oder Limonie, plur. die -n, die Frucht des Limonen- oder Limonienbaumes, unter welchem Nahmen besonders zwey Arten von Bäumen verstanden werden. 1) Der bekannteste Limonienbaum ist eine Abänderung des Citronenbaumes, dessen Frucht kleiner, eyförmiger und kürzer ist, als die Citrone, auch eine blässere Farbe, dünnere Schale und mehr Mark hat; Citrus Limon L. Franz. Limon, Ital. Limone, Persisch Limon, von welchem letztern vermuthlich alle andere herstammen, weil Persien und die umliegenden Gegenden das Vaterland dieses Baumes sind. Im gemeinen Leben pflegt man alte eingemachte Früchte des ganzen Citronengeschlechtes Limonien, alle grüne und frische Früchte aber Citronen zu nennen; so wie man in Italien alle Citronen mit unter dem Nahmen der Limonien oder Limonen begreift. 2) Die saure Limonie ist die Frucht des sauern Limonienbaumes, welcher zu einer ganz andern Classe gehöret, in Ostindien wächset, und sehr saure Beeren anstatt der Früchte trägt; Limonia acidissima L.


Limpf (W3) [Adelung]


Der Limpf, des -es, plur. die -e, ein nur in den Forstwesen, wenigstens einiger Gegenden, übliches Wort. 1) Der Gipfel, das oberste Ende eines Baumes, welches mit zu dem Afterschlage gerechnet wird. 2) Auch das alle Jahre an einem Baume neu gewachsene Holz führet den Nahmen des Limpfes, dagegen andere es den Trieb, aber den May nennen.

Anm. Im Schwed. ist Lima ein jeder Zweig eines Baumes, Isländ. Lim, ingleichen eine Ruthe, ein Besen, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Ein anderes aber veraltetes Wort Limpf, lautet jetzt mit vorgesetztem Gaumenlaute Glimpf, S. dasselbe.


Linbaum (W3) [Adelung]


Der Linbaum, in einigen Gegenden, ein Nahme des Ahornes, S. 1. die Lehne.


Linde (W3) [Adelung]


Linde, adj. et adv. S. Gelinde.


Linde (W3) [Adelung]


Die Linde, plur. die -n, ein angenehmer und auf allen Spaziergängen beliebter Baum; Tilia L. der Lindenbaum, in einigen Oberdeutschen Gegenden das Lind. ( S. Steinlinde, Graslinde, Wasserlinde, Sandlinde, Ostlinde.) Daher die Lindenblüthe, der Lindenwald, das Lindenholz, das Holz des Lindenbaumes, welches in einigen Gegenden, so wie der Baum selbst, auch Lastholz genannt wird, weil die daraus bereiteten Balken sich von der Last über sich biegen sollen, u. s. f. In einigen Gegenden wird auch die Ilme oder der Ulmbaum Rauchlinde genannt.

Anm. Im Dän. Schwed. und Angel. Lind, im Engl. Linden, Lime, und Limetree. (Im Deutschen wird die Ilme oder Ulme so wohl Leimbaum, als auch Rauchlinde genannt). Weil der Bast dieses Baumes schon von den ältesten Zeiten her zu allerley Stricken und Seilen gebraucht worden, so glaubt Ihre, daß daher auch der Nahme entlehnet worden, und daß das Schwed. und Isländ. Linda, eine Binde, und linda, winden, wickeln, das Stammwort sey. ( S. Leine, Lintels, Lahn, Lindwurm, u. s. f.) Indessen kann der Nahme auch von linde, gelinde, herkommen, so wohl die weiche, gelinde Beschaffenheit des Holzes, als auch den linden, d. i. sanften und angenehmen Geruch der Blätter und Blüthen zu bezeichnen.


Lindenbast (W3) [Adelung]


Der Lindenbast, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, der Bast, d. i. die weiche zähe Haut, unter der äußern Rinde des Lindenbaumes. In einigen Gegenden führet die Ulme, oder doch eine noch nicht genug bestimmte Art derselben, den Nahmen des Lindbastes, Lindenbastes oder Bastilme.


Lindenbaum (W3) [Adelung]


Der Lindenbaum, des -es, plur. die -bäume, siehe die Linde.


Lindenhonig (W3) [Adelung]


Das Lindenhonig, des -es, plur. inus. dasjenige Honig, welches von den Bienen von der Lindenblüthe eingerragen wird, und welches eine schädliche Schärfe hat.


Lindenkohle (W3) [Adelung]


Die Lindenkohle, plur. die -n, aus Lindenholz gebrannte Kohlen, welche so wohl zum Schießpulver, als auch zum Zeichnen und Reißen gebraucht werden.


Lindenlaus (W3) [Adelung]


Die Lindenlaus, plur. die -läuse, eine Art Blatt- oder Baumläuse, welche sich auf den Lindenbäumen aufhält; Aphis Tiliae L.


Lindenmistel (W3) [Adelung]


Die Lindenmistel, plur. die -n, eine Art Mistel, welche auf den Ästen der alten Lindenbäume wächset, knotige Stängel, längliche, bleichgrüne und dicke Blätter und weiße Beeren hat, aus welchen der Vogelleim bereitet wird; Viscum album L.


Lindern (W3) [Adelung]


Lindern, verb. irreg. act. von dem Bey- und Nebenworte linde, gelinde, gelinder machen, doch nur in einigen Fällen dieses Wortes. 1) * In mehr eigentlicher Bedeutung, weich, weicher machen; ein im Hochdeutschen ungewöhnlicher Gebrauch, welcher noch Es. 1, 6 vorzukommen scheinet: Eiterbeulen, die nicht mit Öhl gelindert sind, erweichet worden. 2) Die Heftigkeit einer unangenehmen Empfindung vermindern, durch Wegschaffung eines Theiles derselben. Den Schmerzen lindern. Herr ich leide Noth, lindre mirs, Es. 38, 14. Eines Sorgen, eines Kummer lindern. Die Strafe, das Urtheil lindern, wofür man doch lieber mildern sagt. Lindernde Arzeneyen, welche die Schmerzen lindern. Im Oberdeutschen sagt man auch, das Wetter lindert sich, für, es wird gelinder, ingleichen, eines Verlangen lindern, es stillen. Wenn Hagedorn singet, O Dichtkunst, die das Leben lindert! so drückt Leben hier eigentlich die unangenehmen Vorfälle des Lebens und deren Empfindung aus. Daher die Linderung, so wohl active, von der Handlung des Linderns, als auch passive, von der Empfindung eines verminderten Übels. Linderung haben, empfinden. Einem Linderung geben, verschaffen. Anm. Im Dän. lindere, Schwed. lindra, Lat. lenire. Siehe Gelinde.


Lindigkeit (W3) [Adelung]


Die Lindigkeit, plur. inus. ein noch hin und wieder für Gelindigkeit übliches Wort, welches unter andern auch noch mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt. S. Gelindigkeit.


Lindwurm (W3) [Adelung]


Der Lindwurm, des -es, plur. die -würmer, ein erdichtetes Ungeheuer, welches unter andern in den alten Rittergeschichten noch häufig vorkommt, und als eine Art eines Drachens, oder einer großen vierfüßigen geflügelten Schlange beschrieben wird. Unter den Heiligen der Römischen Kirche wird der Ritter Georg mit einem solchen Drachen oder Lindwurme vorgestellet.

Anm. Im Nieders. Lindworm, Dän. und Schwed. Lindorm, Isländ. Lingormr. Ohne Zweifel von dem noch im Schwed. üblichen linda, winden, wickeln, weil man von dieser Art Schlangen unter andern auch vorgab, daß sie sich in einen Kreis krümme, den Schwanz in das Maul nehme, und auf solche Art sehr geschwinde laufen könne. Bey den ältern Schweden bedeutete daher Linne eine jede Schlange, welches Deutsche Wort damit einerley Bedeutung und Abstammung hat. Da der Lindwurm ein erdichtetes Ungeheuer ist, so darf man sich nicht wundern, wenn ältere Schriftsteller dieses Wort bald von dem Basilisk, bald aber auch von dem Krokodill erkläret haben.


Lineal (W3) [Adelung]


Das Lineal, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Linea, ein langes dünnes schmales Bret, gerade Linien vermittelst desselben zu ziehen; im gemeinen Leben das Richtscheit, die Regel, im mittlern Lat. Linearium.


-ling (W3) [Adelung]


-ling, eine Ableitungssylbe, welche verschiedenen Haupt- Bey- und Zeitwörtern angehänget wird, Hauptwörter daraus zu bilden. 1. In einigen bezeichnet es ein Ding, welches dem voran stehenden Hauptworte gleich, angemessen ist. Ein Däumling, eine Bekleidung des Daumes, Fäustling eine Art Fausthandschuhe, der Fingerling, eine Bekleidung des Fingers, der Füßling, eine Bekleidung der untern Füße, Beinling u. s. f. In dieser Bedeutung scheinet es aus -lich, gleich, entstanden zu seyn, indem das n sich in tausend andern Fällen neben den Hauch- und Gaumenlauten einschleicht. 2. Am häufigsten und allgemeinsten bedeutet es ein Individuum, ein Subject, von der Art, wie die erste Hälfte des Wortes es bestimmet, es sey nun eine Person, oder eine Sache. Diejenigen Wörter; welche das -ling an sich nehmen können, sind, 1) Hauptwörter. Ästling, ein junger Vogel, der nur noch auf den Ästen herum hüpfet. Gründlinge, Fische, welche sich auf dem Grunde aufhalten. Jährling, ein Thier von einem Jahre, oder von diesem Jahre. Nachkömmling, ein Nachkomme. Nestling, ein Vogel, der noch im Neste ist. Hänsling, ein Ding oder Vogel, welcher sich vom Hanfe nähret, wenn es hier nicht das Nieders. Lünke, Sperling, ist, S. Hänfling. Kümmerling, im Oberd. eine Gurke. Kämmerling, im mittlern Lat. Camarlingus, Cambellanus, Ital. Camerlingo, Franz. Chambellan. Höfling, ein Hofbediener. Häusling, der zur Miethe in einem Hause wohnet. So auch Schilling, Flüchtling, Günstling, Häuptling, Brötling, Silberling, Pfifferling u. a. m. 2) Zeitwörter, mit Weglassung der Endsylbe, da denn die daraus gebildeten Wörter bald eine thätige, bald aber auch eine leidendliche Bedeutung haben. Findling, ein gefundenes Kind; Säugling, ein saugendes Kind; Sticherling, ein stehendes Ding, ein stechender Fisch; Ankömmling, eine neu angekommene Person; Anschiebling, ein angeschobenes Ding; Bückling, eine Verbeugung; Bückling, ein gepökelter Häring; Hämmerling, ein hämmerndes Ding; Häckerling, ein gehacktes Ding, Hacksel; Dichterling, ein schlechter Dichter; Täufling, eine Person, welche getauft werden soll, oder vor kurzen gekauft worden; Lehrling, der gelehret wird; Brätling, ein zum Braten bestimmtes Ding; Schößling, ein aufgeschossenes Reis u. s. f. In Fröstling, Frömmling, Klügling, Wigling u. s. f. welche von Verbis auf "-eln", wie frösteln, frömmeln, klügeln, witzeln abgeleitet sind, ist es die Sylbe -ing, und nicht ling, und da rühret auch die verächtliche Nebenbedeutung von dem Verbo, und nicht von der Ableitungssylbe her. 3) Zahl- und Nebenwörter. Erstling, das erste Ding seiner Art; Zwilling, ein Ding, welches nebst noch einem andern zugleich kommt; Dreyling, ein Ding von drey Theilen oder Einheiten, eine Münze, welche drey Pfennige gilt; Vierling, Sechsling, eine Münze von vier, von sechs Pfennigen, ein Vierer, ein Sechser; Fremdling, ein fremdes Ding, eine fremde Person; Neuling, der in einer Sache neu ist; Jüngling, ein junger Mensch; Zärtling, eine der Empfindung nach zarte, oder verzärtelte Person, vielleicht auch von dem Verbo zärteln; Spätling, ein Ding, welches spät im Jahre gegenwärtig wird, so wohl von Thieren als Früchten, im Gegensatze eines Frühlinges, welches über dieß noch die frühe Jahreszeit bedeutet; Herling, ein herbes oder hartes Ding; Kränkling, Siechling, ein kränklicher, siecher Mensch; Wüstling, ein wüster Mensch; Wildling, eine wilde Frucht, ein wildes Gewächs; Hälberling, eine Münze, welche die Hälfte einer andern gilt; Dürrling, ein dürrer Mensch; Grünling, eine Art Grünspechte; Kärgling, ein karger Mensch; Sonderling, eine besondere Person u. s. f. Die Rothwälsche Diebessprache ist besonders reich an dergleichen Hauptwörtern. Langling ist daselbst eine Bratwurst, Längling ein Strick, Krachling eine Nuß, Knerling ein Stiefel, Fletterling eine Taube, Flößling ein Fisch, Fünkling das Feuer, Fürling eine Schürze, Oberd. Fürtuch, Feling ein Kramer, von feil, Derling ein Würfel, Dirling oder Zwieling das Auge, Gelbling der Weitzen, Gitzling ein Stück Brot, Griffling die Hand oder ein Handtuch, Grünling ein Garten oder Wiese, Härling das Haar, Härtling ein Messer, Hitzling der Ofen, Bretling ein Fisch, Blechling ein Kreuzer, Klapperling ein Pantoffel, Leißling das Ohr, Rauling und Schreyling ein Kind, Keiling eine Sau, Kumpfling Senf, Schalerling eine weiße Rübe, Schäberling eine gelbe Rübe, Scheinling das Auge oder Fenster, Spältling ein Häller, Sperrling ein Knebel, Spitzling der Hafer, Stichling ein Schneider, Stilling vielleicht Stiehlling eine Birn, Strafling ein Strumpf, Süßling das Honig, Trittling der Schuh, Weitling der Beinkleider u. s. f. Aus allen bey dieser ganzen zweyten Bedeutung angeführten Wörtern erhellet, daß -ling denselben die Bedeutung eines Indi- vidui, eines einzelnen Dinges, von welchem etwas gesagt wird, gibt, und daß es in dieser Bedeutung mit den Ableitungssylben -ing, -ich, -rich, -ickel, -er, -el und -ert überein komme. Die Abstammung ist noch dunkel. Die meisten Sprachlehrer und Sprachforscher kennen das ling nur allein unter der verkleinernden Bedeutung, welche doch unerweislich ist, und halten alle übrigen für eine Figur derselben. Allein man siehet gar bald, daß sie diese Sylbe und die Wörter, worin sie vorkommt, gar nicht untersucht haben. Vielleicht stammet sie gleichfalls von der Sylbe -lich, oder gleich ab, ein der ersten Hälfte der Zusammensetzung ähnliches Ding zu bedeuten, denn ehedem wurde diese Sylbe auch häufig gebraucht, Hauptwörter zu bilden. Die gleichlautende Ableitungssylbe -ing könnte alsdann auf ähnliche Art aus -ich oder -ig entstanden seyn. An das eingeschobene n darf man sich nicht stoßen, weil dieses in so vielen andern Fällen ein Anhang nieselnder Mundarten ist, und das folgende -lings ist unstreitig aus -lichs oder -lich geworden. Wachter, Frisch und andere legen dieser Sylbe noch verschiedene andere Bedeutungen bey, die sie doch wirklich nicht hat. So soll sie in Erstling, Zwilling, Dreyling, Vierling, Sechsling u. s. f. etwas bedeuten, das kleiner als das Ganze ist; in Ankömmling, Einkömmling u. s. f. einen Gegensatz; in Jährling, Jüngling, Gründling, Findling u. s. f. ein kleines oder junges Thier. Allein sie haben die angeführten Wörter theils nicht einmahl recht verstanden, theils aber auch die Bedeutung des Hauptwortes der Zusammensetzung mit in die Bestimmung der Ableitungssylbe gebracht. Ling bedeutet weiter nichts als ein Subject, ein Individuum, welche seine Bestimmung theils durch das Wort, dem es angehänget wird, theils aber auch durch den bloßen Gebrauch erhält. Denn daß Säugling nicht auch von einem saugenden Thiere, Findling nicht auch von einem gefundenen Schatze, Jüngling nicht auch von einem jungen Mädchen oder Thiere, Häckerling nicht auch von gehackten Speisen üblich ist, daran ist bloß der Gebrauch Schuld. Indessen lässet sich beweisen, daß unsere Ableitungssylbe oft auch -lein gelautet hat. Ein Weichling heißt bey dem Hornegk Wächelein, ein Fingerling, Vingerlein u. s. f. Alle Wörter auf -ling männlichen Geschlechtes, auch wenn sie Personen oder Sachen weiblichen Geschlechtes bezeichnen, in welchem Falle sie niemahls die weibliche Endung -inn annehmen. Ein Findling bedeutet so wohl einen gefundenen Knaben, als ein gefundenes Mädchen, der Liebling so wohl eine geliebte Person männlichen, als weiblichen Geschlechtes. In einer Österreichischen Urkunde des 15ten Jahrhundertes wird eine Erbinn ausdrücklich ein Erbling genannt. Diese Sylbe ist alt und in allen Deutschen Mundarten, so wie in der Angelsächsischen anzutreffen. Mit Beobachtung der genauesten Analogie lassen sich vermittelst derselben noch jetzt Wörter bilden, und selbst viele der oben angeführten Beyspiele sind neu und den vorigen Zeiten unbekannt.


Lingen (W3) [Adelung]


Lingen, das Zeitwort, S. Gelingen.


-lings (W3) [Adelung]


-lings, eine Endsylbe einiger Nebenwörter, welche doch nur im gemeinen Leben üblich sind. Jähling oder jählings, auf eine jähe, unvermuthet schnelle Art; blindlings, blinder Weise, mit verbundenen oder verschlossenen Augen; rücklings, rückwärts. Im Oberdeutschen sagt man auch rittlings, reitend, zu Pferde, schrittlings, im Schritte gehend, sitzlings, sitzend, mündlings, für mündlich u. s. f. Hier ist es wohl ausgemacht, daß die Ableitungssylbe aus der adverbischen Endung -lich durch Einschiebung des nieselnden n und Anhängung des adverbischen s entstanden ist. Jählings siehet für jählich, wie mündlings für mündlich.


Linie (W3) [Adelung]


Die Linie, (dreysylbig,) plur. die -n, überhaupt, eine jede Ausdehnung in die Länge, wo doch dieses Wort in verschiedenen Einschränkungen üblich ist. 1. In der Mathematik ist es eine Ausdehnung in die Länge ohne Breite und Dicke, oder welche doch ohne Breite und Dicke gedacht wird. Besonders eine sichtbare Länge dieser Art, so wohl als die äußerste Gränze einer Fläche betrachtet, als auch an und für sich allein, eine gezeichnete Linie; im gemeinen Leben zuweilen auch ein Strich. Eine gerade Linie. Eine krumme Linie. Eine Linie ziehen, eine gerade Linie vermittelst des Lineales. Eine Zirkellinie, welche in allen Puncten gleich weit von dem Mittelpuncte entfernt ist. Eine Schlangenlinie, Eyerlinie u. s. f. Die Grundlinie, worauf eine Fläche stehet. In der Mathematik, Geographie und den verwandten Wissenschaften gibt es sehr viele Arten von Linien. Im engsten Verstande heißt in der Seefahrt der Äquator die Linie. Die Linie passieren, durch diejenige Gegend des Weltmeeres segeln, in welche in der Erdbeschreibung der Äquator gesetzt wird. 2. In engerer Bedeutung wird die äußerste Gränze mehrerer der Länge nach neben einander befindlicher Dinge eine Linie genannt. Die Häuser stehen in gerader Linie neben einander. Auch die der Länge nach neben einander befindlichen Dinge Einer Art bekommen zuweilen den Nahmen der Linie. So werden die neben einander stehenden Wörter eine Linie genannt, welche sonst auch eine Zeile heißen. Auch die in zwey oder drey Gliedern neben einander stehenden Soldaten; ingleichen die in einer Schlachtordnung neben oder hinter einander gestellten Schiffe heißen eine Linie. Linie machen, sich in die Ordnung zum Gefechte stellen. Daher ist ein Schiff von der Linie, oder ein Linienschiff, ein Schiff, welches groß und stark genug ist, um mit in die Linie zum Gefechte gestellet zu werden, wozu wenigstens ein Schiff von funfzig Kanonen erfordert wird. In noch engerer Bedeutung bedeutet es zuweilen so viel als eine gerade Linie; die Reihe. Die Bäume stehen alle in Einer Linie. Die Häuser alle nach der Linie bauen. Dahin gehöret auch die in den Geschlechts-Registern übliche Bedeutung die auf- und neben einander folgenden Abkömmlinge von einem gemeinschaftlichen Stammvater zu bezeichnen; die Geschlechtslinie. In gerader Linie von jemanden abstammen. Die aufsteigende Linie, absteigende Linie, Seitenlinie, Nebenlinie u. s. f. 3. Führen auch verschiedene lange Körper oder körperliche Dinge den Nahmen der Linien. 1) In der Physiognomie und Chiromantie werden die Falten im Gesichte und an den Händen Linien genannt. 2) In dem Festungsbaue sind die Linien in die Länge sich erstreckende Brustwehren mit Gräben. Dahin gehören die Circumvallations-Linien, die Communications-Linien, die Contravallations-Linien u. s. f. 3) Auch ein langes dünnes Seil, welches im gemeinen Leben unter dem Nahmen einer Linie bekannt ist, besonders das Lenkseil, wird in der anständigern Sprechart oft eine Linie genannt. Endlich, 4. ist die Linie auch ein Längenmaß der kleinsten Art, indem es den zehnten Theil eines Zolles ausmacht, der von andern ein Gran genannt wird.

Anm. Dieses Wort ist freylich zunächst aus dem Lat. Linea entlehnet, allein auch dieses kann seine Verwandtschaft mit unserm Leine, Lang u. s. f. nicht verlängern.


Linienblatt (W3) [Adelung]


Das Linienblatt, des -es, plur. die -blätter, ein Blatt Papier, worauf mit Dinte starke Linien gezogen sind, und welches man unter dasjenige Blatt legt, worauf man schreiben will, um im Schreiben gerade Zeilen zu machen.


Linien-Perspective (W3) [Adelung]


Die Linien-Perspective, plur. inus. diejenige Perspective, welche die genaue Verjüngung der Linien und Theile eines Gegenstandes nach geometrischen Regeln lehret.


Linienschiff (W3) [Adelung]


Das Linienschiff, des -es, plur. die -e, ein Schiff von der Linie, S. Linie 2.


Linien-System (W3) [Adelung]


Das Linien-System, des -es, plur. die -e, in der Musik, die fünf Linien, welche das Steigen und Fallen der Töne vorstellen; die Musikleiter, der Notenplan.


Linig (W3) [Adelung]


Linig, adj. et adv. welches nur in den Zusammensetzungen geradlinig, krummlinig u. s. f. üblich ist, gerade, krumme Linien habend, daraus bestehend.


Link (W3) [Adelung]


Link, adj. et adv. welches dem recht entgegen gesetzet wird, aber nur in einigen Fällen als der Gegensatz von diesem Worte üblich ist. 1) Die linke Hand, diejenige Hand, welche der rechten entgegen gesetzet ist, und welche man nicht so geschickt gebrauchen kann, als diese. Die linke Seite eines Hauses, eines Berges u. s. f. diejenige Seite, welche man zur linken Hand hat, wenn man vor dem Hause oder Berge stehet, mit dem Rücken nach demselben gekehret. Der linke Flügel der Armee. Der linke Fuß. Der linke Ärmel des Kleides. Sich zur linken Hand wenden, zur linken Seite; auch mit Auslassung des Hautpwortes, sich zur Linken wenden; ingleichen in der zweyten Endung, sich linker Hand wenden. Andere Hauptwörter verstatten diese Auslassung nicht so leicht. Die Linke der Stadt, 1 Mos. 14, 15, besser, die linke Seite. Einem linker Hand sitzen, gehen, oder zur Linken. Er weiß nicht, was recht oder link ist, Jon. 4, 11. Link seyn, wofür man auch sagt, links seyn, die linke Hand so gut gebrauchen können, als die rechte; nur als ein Nebenwort allein. 2) Die linke Seite eines Körpers, die unrechte, die umgewandte Seite, im Gegensatze der rechten. Die linke Seite des Tuches, eines Zeuges. Die linke Seite des Kleides auswärts kehren, es links anziehen.

Anm. Es ist wohl nicht leicht ein Wort auf eine so unläugbare Art durch alle etymologische Veränderungen gegangen als dieses. Bey einigen Schwäbischen Dichtern lautet es wie noch jetzt im Hochdeutschen lingg, bey dem Steyker lenk, im Nieders. lunk, im Dän. ling, in einigen Oberdeutschen Gegenden mit vorgesetztem Gaumenlaute glink, im Holländischen mit vorgesetztem Zischleute slink. Andere Mundarten stoßen den zufälligen Nasenlaut aus, behalten aber den Gaumenlaut, oder statt dessen den Hauchlaut, wie das Nieders. locht, lochter, lucht, luchter, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Andere schieben ihnen den Blaselaut unter, wie das Engl. left, das Lat. laevus, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, der link ist. Noch andere verwerfen beyde und behalten das bloße t mit oder ohne Zischer, wie das Elsassische lätz, letz, und Schwed. lätta; anderer zu geschweigen, denn das alte Oberdeutsche lure, lurk, bey dem Hornegk lercz, im Nieders, sluur, ist ohne Zweifel von einem andern Stamme, so wie das noch in einigen Gegenden übliche tenk. Es scheinet, daß dieses Wort zu dem Geschlechte des veralteten lau, falsch, böse, unecht, Nieders. leg, lege, gehöret, ( S. Laugold und Leg.) In der Rothwälschen Diebesprache heißt ein falscher Paß eine linke Flagge. Außerden beyden schon gedachten lur und tenk hatte man ehedem noch andere Wörter, unser link auszudrucken. Dahin gehöret das bey dem Ottfried, Willeram und andern befindliche win stra, winstra, welches nicht so wohl zu dem Lat. linister, als vielmehr zu dem alten Wan, Mangel, gehöret; das noch Oberdeutsche äbicht, ( S. dieses Wort;) das noch bey den Fuhrleuten als eine Interjection übliche schwude, von Wallis. cwith, link, u. s. f. Im gemeinen Leben heißt zu der Hand, zur linken Hand, von der Hand, zur rechten Hand, die Handseite, die linke Seite des Wagens, im Gegensatze der Fernseite, d. i. der rechten Seite; welche Ausdrücke von den Fuhrleuten entleh- net zu seyn scheinen, welche auf dem linken Pferde vor dem Wagen sitzen.


Links (W3) [Adelung]


Links, adv. von dem vorigen Bey- und Nebenworte. 1. Eigentlich 1) Nach der linken Seite hin. Sich links wenden. Links um, auf der linken Seite herum, im Gegensatze des rechts um. 2) Auf der umgekehrten, oder linken Seite. Das Tuch links walken. Das Kleid links anziehen. 3) Links seyn, die linke Hand so gut gebrauchen können, als die rechte. Links essen, mit der linken Hand. Links schreiben. 2. Figürlich, verkehret, auf die unrechte Art. Etwas links auslegen. Wer wollte so links urtheilen! Sich links ausdrucken.

Anm. Nieders. lunks. Links stehet für linkisch, welches letztere noch bey dem Opitz vorkommt: An Tugend bin ich recht und linkisch auch gewesen. Hieraus erhellet zugleich, daß links seyn, die linke Hand so gut als die rechte gebrauchen können, kein Fehler ist, wie einige behaupten wollen.


Linse (W3) [Adelung]


1. Die Linse, plur. die -n, der Achsnagel, S. Lünse.


Linse (W3) [Adelung]


2. Die Linse, plur. die -n, Diminut. das Linschen, Oberd. Linslein. 1) Eigentlich, ein jeder kleiner platt gedruckter, in der Mitte erhabener runder Körper; eine größten Theils veraltete Bedeutung, in welcher man noch im Oberdeutschen kleine erhabene flache Blattern im Gesichte Linschen zu nennen pflegt. In der Optik werden die auf beyden Seiten erhaben geschliffenen runden Gläser gleichfalls Linsen, noch häufiger aber Linsengläser genannt. ( S. das letztere.) 2) In der gewöhnlichen engern Bedeutung ist die Linse die platt gedruckte erhabene runde Frucht eines Schotengewächses, welches in Frankreich einheimisch ist, und von Menschen und Vieh gegessen wird; Ervum Lens L. Auch das Gewächs selbst wird im Plural allein Linsen genannt. Wegen einiger Ähnlichkeit führen auch die Meer- oder Wasserlinsen diesen Nahmen. Anm. Schon bey dem Notker Linsi, im Dän. Lindse, im Schwed. Lints, im Lat. Lens, Lenticula, im Franz. Lentilles. Die flach gedruckte Gestalt scheint der Grund der Benennung zu seyn, da sie denn zu lehne, niedrig, gehören würde. S. dieses Wort.


Linsenbaum (W3) [Adelung]


Der Linsenbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, ein Nahme des Blasenbaumes, Colutea L. weil er seinen Samen in Gestalt der Linsen in blasenförmigen Schoten trägt.


Linsendrüse (W3) [Adelung]


Die Linsendrüse, plur. die -n, in der Anatomie, linsenförmige Drüsen in den thierischen Körpern.


Linsenförmig (W3) [Adelung]


Linsenförmig, -er, -ste, adj. et adv. den Linsen an der Form, d. i. äußern Gestalt, ähnlich.


Linsengerste (W3) [Adelung]


Die Linsengerste, plur. car. in einigen Gegenden, Linsen, welche zum Futter für das Vieh unter die Gerste gesäet werden; im Oberd. Linsengetreide.


Linsenglas (W3) [Adelung]


Das Linsenglas, des -es, plur. die -gläser, in der Optik, ein linsenförmig geschliffenes rundes Glas, welches auch nur die Linse genannt wird.


Linsenmahl (W3) [Adelung]


Das Linsenmahl, des -es, plur. die -mähler, bey den Ärzten, kleine erhabene, röthliche oder bräunliche Flecken im Gesichte; Lentigines.


Linsenstahl (W3) [Adelung]


Der Linsenstahl, des -es, plur. die -stähle, ein linsenförmiges Dreheisen der Kunstdrechsler.


Linsenstein (W3) [Adelung]


Der Linsenstein, des -es, plur. die -e, kleine den Linsen ähnliche Steinchen, welche wie versteinerte Linsen aussehen, aber bloße Naturspiele sind.


Lintels (W3) [Adelung]


Das Lintels, plur. ut nom. sing. bey den Nähterinnen, besonders Niedersachsens, dasjenige leinene Band, welches vorn an die Ärmel der Hemden gesetzt wird, im Oberdeutschen das Hand- besetz, an andern Orten die Prise; von dem Nieders. Lind, Lint, leinen Band, Schwed. und Isländ. Linda, ein jedes Band. S. Linde und Lindwurm.


Lippe (W3) [Adelung]


Die Lippe, plur. die -n, Diminut. das Lippchen, Oberd. Lipplein, der bewegliche fleischige Rand des Mundes an Menschen und Thieren, welcher den Eingang öffnet und schließet. Die Oberlippe. Die Unterlippe. Die Vorlippen, die äußern rothen Streifen an den Lippen. Es wird nimmermehr über meine Lippen kommen, ich will es nie sagen. Figürlich werden die Lippen oft anstatt des Mundes gesetzt. Sie haben mir Gütigkeiten erwiesen, ehe noch meine Lippen fähig waren, ihnen dafür zu danken.

Anm. Bey dem Willeram Leffa, bey andern Oberdeutschen Schriftstellern Gleif, Gleff, von welcher Form das heutige Oberdeutsche Letze abstammet. Im Nieders. Angels. und Dän. gleichfalls Lippe, im Engl. Lip, im Schwed. Läpp, im Wallis. Lap, Lipp, im Wend. Lippia, im Pers. Lab, im Latein. Labium. Die weiche, bewegliche, herab hangende Beschaffenheit ist ohne Zweifel der Stammbegriff, so daß dieses Wort zu lapp, schlaff, lappen u. a. dieses Geschlechtes gehöret. Das niedrige labben, labbern, schlappen, viel und langweilig plaudern, ingleichen mit einem Geräusche hinein lecken, wie die Hunde, wenn sie trinken, sind mehr eigene Nachahmungen des mit diesen Handlungen verbundenen Schalles, als daß sie von Lippe abstammen sollten. Eine dicke Unterlippe heißt im Nieders. Lipe, dicke hangende Lippen oder Lobben. S. Lefze.


Lippenbuchstab (W3) [Adelung]


Der Lippenbuchstab, des -ens, plur. die -en, ein Buchstab, welcher vornehmlich mit den Lippen ausgesprochen wird, dergleichen das h, m, p, f, v, w sind, wovon die drey letzten zugleich Blaselaute sind, weil sie von einem ausgestoßenen Winde begleitet sind. Betrachtet man diese Buchstaben als bloße Laute, so werden sie auch Lippenlaute, ihrer Figur nach aber Lippenlauter genannt.


Lips (W3) [Adelung]


Lips, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Als der verkürzte Nahme des eigenthümlichen männlichen Nahmens Philipp. 2) Als eine spöttsiche Benennung einer mit dicken oder hangenden Lippen begabten Person, besonders im Niedersächsischen; Engl. Lips, Franz. Lippa.


Lispeln (W3) [Adelung]


Lispeln, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt. Es ist eine Onomatopäie, welche eine dreyfache Art des Schalles ausdruckt. 1) Einen Fehler der Aussprache, wenn die Zunge des Sprechenden zu lang und groß ist, und daher zu oft an die Zähne anstößet, und ein falsches gelindes s hören lässet. Ehedem nur lispen, im Schwed. lispa, Dän. lespe, Angels. wlisp, Nieders. wispeln, Engl. to whisper und lisp. Schon bey dem Aristophanes ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine lispelnde Zunge. Daher der Lispeler, welcher im Reden lispelt, ehedem nur Lisper. 2) In der edlern und dichterischen Schreibart wird es für leise reden gebraucht, welches im gemeinen Leben durch flistern, wispern, wispeln, bispeln, zischeln u. s. f. ausgedruckt wird. Ital. bisbigliare. Die Schwermuth lispelt mir nur Schrecken in das Ohr, Cron. Den Anschlag lispelt dir die Eifersucht ins Ohr, Weiße. Dort klagt blutdürstig ihn laut sein Verbrechen an, Doch lispelt hier mein Herz, nein, er hat nichts gethan, ebend. 3) In eben dieser Schreibart wird es auch gebraucht, das sanfte Säuseln des Windes, das gelinde Geräusch eines Baches, und des bewegten Laubes der Bäume auszudrucken. Sanfte Entzückungen duften aus jeder Blume ihm zu, ertönen und lispeln ihm aus jedem Gebüsche, Geßn. Nahe Bäche lispel- ten durch das Gras oder rauschten in kleinen Gefällen sanft in das Getöse, ebend. Ich höre den lispelndeln West, der sich auf schlanken Zweigen wiegt.


List (W3) [Adelung]


Die List, plur. die -en, ein Wort, welches heut zu Tage einen großen Theil von dem ehemaligen Umfange seiner Bedeutung verloren hat. Es bezeichnete nähmlich, 1. * Ehedem. 1) Kunst, d. i. Fertigkeit etwas zur Wirklichkeit zu bringen, besonders so fern dasselbe auf eine andere unbekannte oder verborgene Art geschiehet. In diesem Verstande kommen List, Listi und Liste seit des Kero Zeiten bey allen alten Oberdeutschen Schriftstellern sehr häufig für Kunst, Erfahrenheit, ja auch nicht selten in noch weiterer Bedeutung für Wissenschaft vor; daher auch Kero einen Künstler Listar, Willeram aber Listmester nennet. Im Schwedischen und Isländischen wird List noch in dieser Bedeutung gebraucht. Saunglist ist daselbst die Singekunst, Bokare List die freyen Künste, Gotes List die Wissenschaft oder Allwissenheit Gottes u. s. f. Dahin gehöret auch das in Boxhorns Glossen befindliche List, argumentum, Schluß, welches letztere Wort so wie schließen in dieser Bedeutung ohne Zweifel mit zu dessen Geschlechte gehöret. 2) Weisheit, von welcher Bedeutung Frisch einige Beyspiele anführet. 2. In engerer und jetzt gewöhnlicher Bedeutung, die Fertigkeit, sich dem andern verborgener Umstände zur Erreichung seiner Absicht vortheilhaft zu bedienen, und das dazu gebrauchte Mittel. 1) Von der Fertigkeit; in welchem Falle es keinen Plural hat. Seine List gehet über alles. 2) Das dem andern verborgene Mittel selbst, seine Absicht zu erreichen. Jemanden eine List spielen, einen listigen Streich. Etwas durch List von einem andern erfahren. Jemanden mit List zu etwas bereden. List gebrauchen. Eine List erdenken, ersinnen. Dein Bruder ist kommen mit List, und hat den Segen hinweg, 1 Mos. 27, 35. Obgleich der Plural in dieser Bedeutung der Sache und Analogie völlig gemäß ist, auch häufige Beyspiele des Alterthums für sich hat, so kommt er doch seltener vor, und klingt auch da, wo er gebraucht wird; wirklich fremd. Mich helfen nit all meine List, Theuerd. Kap. 17. Wachter liebe hilf mir in (minen Holde) fristen Mit dinen kluogen wol verholnen listen, Heinrich von Frauenberg. Vor diebschen Hinterlisten, Logau. Die mir übel wollen gehen mit eitel Lüsten (Listen) um, Ps. 39, 13. Giftig steht es der Neid, sieht seine Listen vereitelt, Zach. Ach, was kann ich dafür, daß eine Furie Listen Mich auf den Vogel erhitzt? ebend. Auf eure Listen Und Punischen Betrug entbrannt, Raml. Es scheinet, daß List ehedem auf eine doppelte Art üblich gewesen. Die List, oder vielmehr die Liste, bedeutete das Abstractum, die Kunst, Fertigkeit, der List aber, ein listiges Mittel, einen listigen Anschlag; wenigstens kommt das männliche Geschlecht in dieser Bedeutung oft vor. Unfallo der wolt seinen List offnen, (offenbaren,) Theuerd. Kap. 42. Mit bösen List, in dem 1514 gedruckten Deutschen Livio. Voll Mords, Haders, Lists, Röm. 1, 29. Alsdann müßte der Plural Liste heißen. Da jetzt beyde Formen in einander geschmolzen sind, so kann ein Theil des Ungewöhnlichen, welches den Plural Listen begleitet, daher rühren. Das Wort List wird in der Moral unstreitig zu sehr eingeschränket, wenn man allein böse Absichten dabey zum voraus, und Klugheit und List einander entgegen setzet. Die Klugheit ist die Fertigkeit, alle Umstände zu seinen Absichten vortheilhaft zu gebrauchen. Die List ist ihr untergeordnet, ist eine Art der Klugheit, und setzt voraus, daß die Umstände, welche man zu Erreichung seiner Absicht gebraucht, zuweilen auch die Absicht selbst, dem andern verborgen sind. Und in dieser unschuldigen Bedeutung kommt es täglich im gesellschaftlichen Leben vor. Da aber die Verbergung seiner Absicht und Mittel sehr oft eine böse Absicht, oder doch den Schaden des andern voraus setzt, weil sonst kein Grund der Verheimlichung vorhanden seyn würde, so wird es freylich auch häufig genug in diesem Falle und anstatt des Wortes Arglist gebraucht, welches eigentlich eine auf den Schaden eines andern abzielende List bedeutet. Der Begriff des Bösen, des Schädlichen, liegt nicht in dem Worte selbst, wohl aber der Begriff der Verheimlichung, welcher das eigentliche Unterscheidungsmerkmahl dieses Wortes zu seyn scheinet. Anm. In dieser zweyten Bedeutung lautet es, selbst im nachtheiligen Verstande für Arglist, bey dem Willeram List, im Schwed. und Dän. List, im Böhm. Lest, bey dem Ulphilas mit der sehr gewöhnlichen Verwechselung des s und t Lintei, im Angels. Lytignes, wo auch lytig listig ist. Die Abstammung ist so ausgemacht noch nicht. Wachter nahm für die zwey Hauptbedeutungen auf eine sehr unbequeme Art auch zwey verschiedene Stämme an. In der ersten Bedeutung leitete er es von leisten, thun, in der zweyten aber von lassen, scheinen, das Ansehen haben, her, Schwed. latas, wovon daselbst la sa sich stellen, verstellen, bedeutet. Ihre leitet es in beyden von laesa. lesen, ab, weil das Lesen ehedem zugleich alle gelehrte Erkenntniß mit in sich begriff. Allein, da bey allen diesen der Begriff der Verborgenheit, der diesem Worte doch wesentlich anklebt, unerklärlich bleibt, so ist Frischens Ableitung immer noch die wahrscheinlichste, der es von lauschen, ehedem losen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, abstammen lässet. Nur muß man diese Zeitwörter nicht in der engern Bedeutung für lauern nehmen, sondern so fern sie überhaupt scharf, genau sehen, mehr sehen als ein anderer, bedeuten. Auf ähnliche Art stammet klug von dem veralteten lugen, sehen, ab; und für das niedrige belugsen ist in der anständigen Sprechart belisten, im Mecklenburg, aber belitzen üblich. Indessen könnte auch leise eine erträgliche Ableitung an die Hand geben.


Liste (W3) [Adelung]


Die Liste, plur. die -n, ein Verzeichniß mehrere einzelner Dinge. Die Soldaten in die Liste tragen, in das Vergleichniß ihrer Nahmen. Die Liste der Gestorbenen, der Gebornen, u. s. f. Im Franz. Liste, Ital. Lista, Engl. List, Dän. Liste, Schwed. Lista. Alle aus dem mittlern Lat. Lista, welches nicht, wie einige wollen, von lesen abstammet, sondern von unserm Leiste, so fern dasselbe einen langen schmalen Streifen bedeutet. Man pflegte solche Verzeichnisse einzelner Dinge ehedem auf lange schmale Pergamentstreifen zu schreiben, und noch jetzt nimmt man ähnliche Streifen Papiers dazu.


Listig (W3) [Adelung]


Listig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Hauptworte List, gleichfalls nur noch in dessen jetzt gewöhnlicher Bedeutung, List habend, und darin gegründet. Ein listiger Mensch, welcher die Fertigkeit besitzet, seine Absichten auf eine dem andern verborgene Art zu erreichen. Die Schlange war listiger, denn alle Thiere auf dem Felde, 1 Mos. 3, 1. Ein listiger Streich. Listige Anschläge. Listiger Weise. Seine Sachen sehr listig anfangen. Besonders so fern die Absicht auf den Schaden eines andern gerichtet ist. Die listigen Anschläge des Teufels, Ephes. 6, 11. Im gemeinen Leben ist listig aussehen auch seltsam, bedenklich aussehen, eigentlich wohl viel List durch seine Gesichtszüge verrathend. Der, der immer so listig aussiehet, wenn er mit den Leuten redet, Schleg. Daher die Listigkeit, wofür doch in den gewöhnlichen Fällen List üblicher ist.

Anm. Bey dem Notker listig, im Dän. und Schwed. listig, im Böhm. lstky, lstiwy. In dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter kommt listeg noch für weise vor. Das Nebenwort listiglich, bey dem Willeram listeklich, ist im Hochdeutschen, wie andere dieser Art, veraltet.


Litaney (W3) [Adelung]


Die Litaney, plur. die -en, ein Kirchenwort, eine Art eines zum Absingen bestimmten demüthigen Gebethes um Abwendung allgemeiner Noth zu bezeichnen. Aus dem mittlern Lat. Litania und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, demüthig bitten. In dem alten Siegesliede auf den König Ludwig Liothfrono, und in dem Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter Wihlieth, beyde eigentlich ein heiliges Lied.


Litze (W3) [Adelung]


Die Litze, plur. die -n, Diminut. das Litzchen, Oberdeutsch Liztlein, ein nur noch im gemeinen Leben übliches Wort, dünne runde Schnüre zu bezeichnen. So werden die gedrehten Enden an den Kämmen der Seidenweber Kammlitzen genannt. Die runden Schnüre, womit die Kleider eingefasset werden, welche man um die Hüte bindet u. s. f. heißen, besonders in Niedersachsen Litzen.

Anm. Nieders. Litse, Litze, Dän. Lisse, Schwed. Lits. In andern Sprachen und Mundarten bedeutet es ein jedes Seil, oft aber auch einen Riemen, ein Band u. s. f. wie das Engl. Latchet, das Ital. Laccio, das Engl. Leash, das Franz. Lesse, das Span. Lazo, die mittlern Lat. Lexa und Leka, das Böhm. Licka, das Alban. Liak, und Wallach. Lagu, welche fast insgesammt einen Strick, Lat. Laqueus, bedeuten. Das Lat. Licium ist ein Faden. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Leiste, Lasche, Latte u. s. f. in welchen der Begriff der Länge der herrschende ist. In der Schweiz ist ließmen stricken; geließmete Strümpfe, gestrickte.


Liztenbruder (W3) [Adelung]


Der Liztenbruder, des -s, plur. die -brüder, in einigen Niedersächsichen Handelsstädten, eine Benennung der beeidigten Ballenbinder, Packknechte, oder Abläder, welche daselbst eine eigene Innung oder Brüderschaft ausmachen. Ohne Zweifel von der Litze, d. i. dem Stricke, womit sie beständig versehen sind, kleinere Lasten auf dem Rücken fortzutragen.


Livree (W3) [Adelung]


Die Livree, plur. die -n, die Kleidung eines Bedienten, so fern sie von einem Herren auf eine einförmige Art allen seinen Bedienten gegeben wird. Livree geben, seinen Bedienten eine gewisse einförmige Kleidung geben. Livree tragen, ein solcher Bedienter eines Herren seyn. Der Livree-Bediente, der Livree bekommt und trägt. Zuweilen ist Livree auch ein Collectivum, die sämmtlichen Livree-Bedienten zu bezeichnen. Anm. Dän. Liberie, Engl. Livery, aus dem Franz. Livree, Ital. Livrea, beyde aus dem mittlern Lat. Liberata, und Liberatio, welche nicht allein die Kleidung, sondern auch die Lebensmittel, den Gehalt bedeuteten, welchen ein Herr seinen Bedienten für ihren Dienst lieferte oder gab, von liberare, liefern, weil diese Kleider von dem Herren geliefert werden. Ehedem, da auch vornehme Hofbediente und Minister von ihrem Herren gewisse einförmige Kleider bekamen, war im Deutschen statt dieses fremden Wortes der Ausdruck Hoffarbe üblich.


Lob (W3) [Adelung]


Das Lob, des -es, plur. car. von dem Zeitworte loben, doch nur noch in einigen Bedeutungen desselben. 1) In weiterer Bedeutung, das mündliche Bekenntniß der Beschaffenheit, der Vorzüge eines andern. Jemanden ein gutes Lob, ein schlechtes Lob geben. Bey jedermann ein gutes Lob haben. 2) Noch mehr, in engerer Bedeutung, das mündliche Bekenntniß der Vorzüge eines andern, das durch Worte ausgedruckte Urtheil von der guten Beschaffenheit eines andern. Mit vielem Lobe von jemanden sprechen. Jemanden ein großes Lob beyle- gen. Lob erhalten, davon tragen. Das ist in meinen Augen kein Lob. Eigenes Lob stinkt. Einem etwas zum Lobe nachsagen. Sein Lob verlieren. Die biblischen Ausdrücke, Lob geben, Lob bringen, mit Lobe erhöhen, erheben u. s. f. sind im Hochdeutschen ungewöhnlich.

Anm. Schon bey dem Kero, Ottfried u. s. f. Lob, bey dem letztern auch Lobduam, im Nieders. Love, Lof, Angels. Lofe, im Dän. Lov, im Schwed. Lof, im Pohln. Chluba, im Engl. Laud, welches sich dem Lat. Laus, dis, nähert, und woraus unter andern auch erhellet, daß Lob zu dem Geschlechte des Wortes Laut gehöret, und eigentlich den lauten Ausdruck seines Urtheiles bezeichnet. ( S. Loben.) Das o ist im Hochdeutschen gedehnt; nur einige Hochdeutsch redende Niedersachsen pflegen es zu schärfen. Anstatt des ungebräuchlichen Plurals gebraucht man die Lobsprüche und von einem großen Lobe, Lobeserhebungen.


Lobbegierig (W3) [Adelung]


Lobbegierig, -er, -ste, adj. et adv. begierig von andern gelobt zu werden. Daher die Lobbegierde, welche auch unschuldig und rechtmäßig seyn kann; dagegen lobgierig und Lobgier oder Lobgierde nur im nachtheiligen Verstande von einer ungeordneten Begierde gebraucht werden. S. Gierig.


Lobegeld (W3) [Adelung]


Das Lobegeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, in einigen Gegenden, z. B. der Schweiz, eine Benennung der Lehenware, Lat. Laudemium, von loben, einwilligen, im mittlern Lateine laudare. S. Lehenware und das folgende.


Lober (W3) [Adelung]


Das Lober, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher einen andern lobt, in der siebenten Bedeutung des Zeitwortes; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches nur Sprichw. 27, 11 vorkommt.


Lobesam (W3) [Adelung]


* Lobesam, adj. et adv. welches ehedem für löblich, lobenswürdig üblich war, jetzt aber veraltet ist, und nur noch bey den ältern Dichtern vorkommt, welche es nach Art der vorigen Jahrhunderte gern hinter das Hauptworte zu setzen pflegten. Bey dem Ottfried lobosam, bey dem Notker lobesam, bey welchen unlobesam auch unlöblich ist. Gott hat wunder manigvalt Daniel zeigt er einen walt Der duht in volle lobesan, König Tirol aus Schotten. Mein fraw Küniginn lobesan, Theuerd. Kap. 74. Er sprach zu dem tewren held lobensan, ebend. Kap. 18. Dem Frisch zu Folge heißt das Stadtgericht in Stettin noch das lobsame Stadtgericht, für löbliche. Von löven, glauben, ist im Nieders. lovesam glaublich.


Lobeserhebung (W3) [Adelung]


Die Lobeserhebung, plur. die -en, die Erhebung einer Person oder Sache vermittelst des Lobes, ein nachdrücklicher Lobspruch, ein nachdrückliches Lob. Viele Lobeserhebungen von etwas machen.


Lobgedicht (W3) [Adelung]


Das Lobgedicht, des -es, plur. die -e, ein Gedicht, worin man die Vorzüge oder Vollkommenheiten eines Dinges oder einer Person lobt.


Lobgesang (W3) [Adelung]


Der Lobgesang, des -es, plur. die -sänge, ein Gesang, d. i. geistliches Lied, worin die Vollkommenheiten Gottes gepriesen werden; Hymnus. In der dichterischen Schreibart auch wohl ein jedes Loblied. Tönt in meinen Lobgesang, Wellen, Felsen und Gestade, Raml. Er siegt, mein Perseus siegt! Ihr Freudenzähren, Erstickt nicht meinen Lobgesang! ebend.


Löblich (W3) [Adelung]


Löblich, -er, -ste, adj. et adv. von dem Zeitworte loben, in dessen sechsten und siebenten engern Bedeutung, des Beyfal- les, und in höherm Verstande, des Lobes werth, werth gelobt zu werden. Wer andre loben will muß selbsten löblich seyn, Logau. Ein löbliches Werk thun, Sir. 50, 5. Löbliche Sitten, 2 Marc. 4, 11. Löbliche Thaten, Sir. 44, 3. Eine löbliche Gewohnheit. Eine löbliche Regierung. Sehr löblich regieren. Von Gott, wie in der Deutschen Bibel, der Herr ist löblich, 1 Chron. 17, 25; Ps. 145, 3; was Gott ordnet, das ist löblich, Ps. 111, 3, wird es nicht mehr gebraucht, theils weil loben in diesem Verstande zu kalt ist, und zu wenig sagt, theils aber auch, weil man löblich lieber von Sachen und Handlungen, als von Personen gebraucht, ob man gleich noch zuweilen höret, ein löblicher König, ein löblicher Fürst. Wohl aber wird es als ein Ehrennahme gewisser Collegiorum und Ämter und der denselben vorgesetzten Personen gebraucht. Das löbliche Stadtgericht. Der hochlöbliche Schöppenstuhl. Oberster des hochlöblichen Regimentes N. N. Das löbliche oder wohllöbliche Postamt. Das hochlöbliche Oberpostamt. Von höhern Collegiis sind die Ausdrücke preislich und hochpreislich üblich.

Anm. Bey dem Notker lobelih, bey dem Stryker lobelich, auch noch bey den Dichtern des vorigen Jahrhunderts löbelich, welche Form aber veraltet ist; Schwed. loflig. Opitz gebraucht es auch in der jetzt ungewöhnlichen thätigen Bedeutung, für lobend, mit Lobe: Streicht löblich aus dem Herren seine Werke. Wenn in dem 1500 gedruckten Liber pestlient. löbliches Fleisch, für gesundes, reines Fleisch, stehet, so scheinet es von loben, erlauben, abzustammen. Für löblich in der heutigen Bedeutung, kommt bey Schweizerischen Schriftstellern auch lobselig vor.


Löblichkeit (W3) [Adelung]


Die Löblichkeit, plur. die -en, die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie löblich ist, d. i. Lob verdienet; ohne Plural. Ingleichen, eine löbliche Sache. Im letztern Falle kommt es im Oberdeutschen häufiger vor, als im Hochdeutschen. Deine werthe Sinnen, Die außer Löblichkeit nichts denken noch beginnen, Opitz.


Loblied (W3) [Adelung]


Das Loblied, des -es, plur. die -er, ein Lied, worin das Lob einer Person oder Sache besungen wird.


Lobopfer (W3) [Adelung]


Das Lobopfer, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Gottesdienste der ehemaligen Juden, ein Opfer, welches Gott zum Lobe gebracht wurde, dessen nächste Absicht war, die Vollkommenheiten Gottes zu erheben. Figürlich, besonders in der dichterischen Schreibart, wird auch wohl ein jedes Lob, vornehmlich, wenn Gott oder dessen Vollkommenheiten der Gegenstand desselben sind, ein Lobopfer genannt.


Lobpreisen (W3) [Adelung]


Lobpreisen, verb. reg. act. jemandes Vorzüge, Vollkommenheiten erheben; ein nur im Infinitiv und Imperativ in der höhern und dichterischen Schreibart übliches Wort. Die R. A. einem das Lob preisen, ist noch im gemeinen Leben üblich, wo sie auch im ironischen Verstande gebraucht wird.


Lobrede (W3) [Adelung]


Die Lobrede, plur. die -n, eine Rede, welche das Lob eines andern enthält; ein Panegyricus. Jemanden eine Lobrede halten. Plinii Lobrede auf den Kaiser Trajan. Die Thränen der Tugendhaften sind die besten Lobreden der Verstorbenen.


Lobredner (W3) [Adelung]


Der Lobredner, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher einem andern eine Lobrede hält.


Lobsagen (W3) [Adelung]


* Lobsagen, verb. reg. neutr. welches nur in der Deutschen Bibel für loben, lobpreisen, mit der dritten Endung der Person, doch nur im Präsenti, Infinitiv und Imperativ vorkommt, außer dem aber ungewöhnlich ist. Daß wir dir lobsagen, 1 Chron. 17, 35.


Lobsingen (W3) [Adelung]


Lobsingen, verb. reg. neutr. welches nur in der höhern und dichterischen Schreibart, und auch hier nur im Präsenti, Infinitiv und Imperativ gebraucht wird, jemandes Lob besingen; mit der dritten Endung der Person. Lobsinget dem Herrn, Ps. 30, 5. Darum will ich deinem Nahmen lobsingen, 2 Sam. 22, 50. Alles Land lobsinge dir, Ps. 66, 4. Meine Lippen lobsingen dir, Ps. 71, 23. Ihr Kinder des Mayen, lobsinget dem May, Raml. Bey dem Notker hohsingan.


Lobspruch (W3) [Adelung]


Der Lobspruch, des -es, plur. die -sprüche, ein Ausspruch, welcher das Lob einer Person oder Sache enthält, wo es zugleich anstatt des ungewöhnlichen Plurals des Wortes Lob gebraucht wird. Viele Lobsprüche von etwas machen. Er hat ihnen die größten Lobsprüche beygelegt. Ein Lobspruch, den ich mir wegen seiner Größe nicht zueignen kann, thut mir weher, als ein verdienter Verweis, Gell.


Loch (W3) [Adelung]


Der Loch, des -es, plur. die -e, S. Lochbaum.


Loch (W3) [Adelung]


Das Loch, des -es, plur. die Löcher, Diminut. das Löchelchen, im Plural auch die Löcherchen, Oberd. Löchlein. 1) In der gewöhnlichsten Bedeutung, eine jede Öffnung in und durch einen Körper, sie sey regulär oder irregulär, durch die Kunst gemacht oder nicht, wo es doch durch den Gebrauch auf mancherley Art eingeschränket worden. Da die meisten Öffnungen dieser Art eigene Rahmen haben, indem sie an den thierischen Körpern zum Essen, Sehen, Hören, Mund, Auge, Ohr, in den Gebäuden zur Einlassung des Tagelichtes Fenster, zum Aus- und Eingehen Thüren u. s. f. heißen, so wird Loch nur von solchen Öffnungen gebraucht, welche mit keinem eigenen Nahmen versehen sind, wo es aber durch einen Beypaß näher bestimmt werden muß. Das Nasenloch, Luftloch, Rauchloch, Schweißloch, Flötenloch, Zapfenloch, Ofenloch, Kellerloch, Mundloch, Flugloch, Schlüsselloch, Zündloch, Wurmloch, Mäuseloch u. s. f. welche Beysätze auch weggelassen werden, wenn keine Mißdeutung zu besorgen ist. Ein Loch in das Eis hauen. Ein Loch in die Wand schlagen. Löcher in die Erde machen. Am häufigsten von gebohrten, gestochenen, mit einem Eisen geschlagenen kleinen Öffnungen. Löcher in ein Bret bohren. Ein Loch mit der Nadel stechen. Löcher in das Blech schlagen. Ein rundes, vierecktes Loch. Besonders gebraucht man es von fehlerhaften Öffnungen. Sich ein Loch in den Kopf fallen. Sich ein Loch schneiden. Löcher in den Füßen haben. Ein Loch in dem Kleide, in dem Tuche. Sich ein Loch in den Rock reißen. Überhaupt ist es in den meisten Fällen, außer wo kein anderer Ausdruck vorhanden ist, nur im gemeinen Leben üblich, wo man es auch aus Verachtung von Öffnungen zu gebrauchen pflegt, welche sonst unter andern Nahmen bekannt sind. So wird eine Grube, eine Höhle, ein enges dunkles Zimmer, ein Gefängniß u. s. f. auch Verachtung oft ein Loch genannt. Da sandte Pharao hin und ließ Joseph rufen, und ließen ihn eilend aus dem Loche, 1 Mos. 41, 14, aus dem Gefängnisse. Wohin auch die figürlichen R. A. gehören, ein Loch auf- das andere zumachen, Schulden mit Schulden bezahlen. Dem Prozesse, dem Kriege ein Loch machen, ihm einen Ausgang verschaffen. Der Krieg, die Sache bekommt ein Loch, eine Veränderung, welche ihre Endschaft nach sich ziehet. Nun steh ja, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat, mache dich fort, mache dich aus dem Staube. Sehr niedrig aber ist, auf dem letzten Loche pfeifen, in den letzten Zügen liegen, auch wohl überhaupt, auf das Äußerste gebracht seyn. Eine Gasse, welche keinen Ausgang hat, wird in mehrern Städten ein Loch genannt. 2) In einigen Niedersächsischen Gegenden, z. B. im Braunschweigischen, ist das Loch ein Maß trockner Dinge, welches der Metze andrer Gegenden ähnlich zu seyn scheinet. So hält da selbst ein Wispel 640, ein Himten 16, und ein Vierfaß 4 Löcher. ( S. auch Lof.) Im mittlern Lat. ist Lochea ein Löffel.

Anm. In der ersten Bedeutung bey dem Kero, Ottfried, Notker u. s. f. Lohh, Loch, Luag, bey dem Hornegk Lug, im Nieders. Lock, bey den Krainerischen Wenden Lukna, im Lappländ. Luko, im Ungar. Lyuk. Im Pohln. ist Loch eine Höhle. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Lücke, Locus, Lacuna, Lache, lege, niedrig, liegen u. s. f. und bedeutet eigentlich einen tiefen, vertieften, niedrigen Ort, eine Höhle, Öffnung, hohlen Raum, hohles Verhältniß u. s. f. Kero nennt die Zellen in einem Kloster Pilohhir in monastre. Übrigens ist für Loch im Nieders. auch Holl, von hohl, Höhle, und Slop, von schlupfen, üblich. S. auch Lof.


Lochbaum (W3) [Adelung]


Der Lochbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, ein Gränzbaum, besonders so fern er zur Bemerkung der Gränze mit einem gewissen eingebauenen Zeichen versehen ist; ohne Zweifel nach einer verderbten Aussprache für das gewöhnlichere Lachbaum, ( S. dieses Wort.) In einigen Gegenden wird ein solcher Baum auch die Loche, oder der Loch genannt, S. Lache, Lochstein und Lochen.


Lochberg (W3) [Adelung]


Der Lochberg, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein besonders in den Eislebischen Bergwerken übliches Wort, ein gewisses Lagergebirge, oder eine Steinart zu bezeichnen, welche daselbst auch Kamm genannt wird, und 1/2 Elle dick ist. Vielleicht von liegen, gleichsam Lagerberg.


Lochbeutel (W3) [Adelung]


Der Lochbeutel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Tischlern, ein Meißel mit schmaler schiefer Schneide und einem hölzernen Stiele, Löcher damit in das Holz zu machen; das Locheisen. Von Beutel, ein Meißel, oder Stämmeisen. Siehe 4. Beutel.


Lochbohrer (W3) [Adelung]


Der Lochbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Wagnern, ein Bohrer, womit die Nabe zum ersten Mahle geöffnet wird.


Locheiche (W3) [Adelung]


Die Locheiche, S. Loheiche.


Locheisen (W3) [Adelung]


Das Locheisen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Bey verschiedenen Handwerkern, ein Dorn, oder spitziges Eisen, Löcher damit zu schlagen; der Körner. 2) S. Lochbeutel.


Löcheln (W3) [Adelung]


Löcheln, verb. reg. act. kleine Löcher machen, im gemeinen Leben. Eine gelöchelte Haselnuß.


Lochen (W3) [Adelung]


1. Lochen, verb. reg. act. welches im Forstwesen einiger Gegenden für lachen üblich ist, mit einem Gränzzeichen bemerken. Einen Baum lochen. Ingleichen mit Gränzbäumen oder Gränzsteinen versehen. Ein Feld, einen Wald lochen. S. 1 Lachen und Lochbaum.


Lochen (W3) [Adelung]


2. Lochen, verb. reg. act. von Loch, eine Öffnung, ein Loch machen, oder schlagen, doch nur in einigen Fällen des gemeinen Lebens. Die Eisenarbeiter lochen ein Eisen mit dem Dorne, wenn sie ein Loch hinein schlagen. Die Zeidler lochen einen Raum für einen Bienenschwarm in den Baum. Im Oberdeutschen locht man das gestorbene Vieh ein, oder verlocht es in die Erde, wenn man es begräbt. Im Bergbaue wird das Erz ausgelocht, wenn es auf unbergmännische Art aus der Erde gegraben wird.

Anm. In der weitesten Bedeutung kommt es bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern vor. So ist bey dem Kero mund intlohhan ihn öffnen, aufthun; antlihhun, auch im Isidor, öffnen; bilohhon, eben daselbst, verschließen, einschließen. Das Intensivum oder Iterativum löchern kommt nur in den Zusammensetzungen durchlöchern und zerlöchern vor.


Löcherbaum (W3) [Adelung]


Der Löcherbaum, des -es, plur. die -bäume, bey den Papiermachern, der Baum oder starke dicke Block, mit den Löchern oder Trögen, worin die Lumpen gestampft werden.


Löcherer (W3) [Adelung]


Der Löcherer, des -s, plur. ut nom. sing. der Nahme einer besondern Secte unter den Senklern, welche die Stifte mit einem Loche befestigen; zum Unterschiede von den Unlöcherern, welche sie mit einem Drahte fest machen.


Löcherig (W3) [Adelung]


Löcherig, -er, -ste, adj. et adv. Löcher habend. Ein löcheriges Bret. Der Schwamm ist sehr löcherig. Besonders, fehlerhafte Löcher habend. Ein löcheriger Hut. Ein löcheriger Kahn. Im gemeinen Leben, obwohl irrig, löchericht, welches auch Jer. 2, 13, und Hagg. 1, 6 vorkommt.


Löchern (W3) [Adelung]


Löchern, verb. reg. act. S. 2. Lochen Anm.


Löcherschwamm (W3) [Adelung]


Der Löcherschwamm, des -es, plur. die -schwämme, eine Art horizontaler Schwämme, welche auf der untern Fläche viele kleine Löcher hat; Boletus L. wohin auch der Feuerschwamm, Kuhpilz, Schweinepilz u. s. f. gehören.


Lochholz (W3) [Adelung]


Das Lochholz, des -es, plur. die -hölzer, bey den Schustern, ein viereckiges Stück eichenen Holzes mit länglich runden Höhlungen, das Sohlleder da hinein zu stoßen.


Lochkehrer (W3) [Adelung]


Der Lochkehrer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Bäckern, eine Stange mit daran gebundenen Lappen, die Rauchlöcher des Backofens damit zu kehren.


Lochring (W3) [Adelung]


Der Lochring, des -es, plur. die -e. 1) Im Forstwesen, nach einer verderbten Aussprache für Lachring, ( S. dieses Wort) 2) Bey den Schmieden und Schlössern, ein dicker hohler eiserner Cylinder, worauf man diejenigen Dinge legt, in welche Löcher geschlagen werden sollen.


Lochsäge (W3) [Adelung]


Die Lochsäge, plur. die -n, bey den Tischlern, eine starke schmale Säge ohne Gestell, nur mit einem Häfte, Löcher damit zu sägen; die Stichsäge, Stoßsäge.


Lochscheibe (W3) [Adelung]


Die Lochscheibe, plur. die -n, bey den Eisenarbeitern, eine eiserne Platte mit Löchern, worauf man den Ort, worein man ein Loch schlagen will, legt, damit er unten hohl sey.


Lochschreiber (W3) [Adelung]


Der Lochschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. in Nürnberg, der Schreiber des Schöppengerichtes, welcher auch der Schöppenschreiber genannt wird. Von Loch, das Gefängniß, weil er die Gefangenen mit in seiner Aufsicht hat.


Lochstein (W3) [Adelung]


Der Lochstein, des -es, plur. die -e, ein Gränzstein, besonders im Bergbaue, wo eines ieden Gruben und Districte mit solchen Steinen bemerket werden; der Schnurstein. Entweder von Loch, in der weitesten Bedeutung eines Ortes, Franz. lieu, Lat. locus, oder auch von lachen, mit einem eingeschlagenen Zeichen bemerken, für Lachstein. S. 1. Lachen, 1 Lochen und Lochbaum.


Lochtaube (W3) [Adelung]


Die Lochtaube, S. Holztaube.


Lock (W3) [Adelung]


Der Lock, des -es, plur. die -e, in der Schiffahrt, ein Werkzeug den Lauf eines Schiffes zu messen. Es bestehet aus einem kleinen, mit Bley beschwerten, schiffförmigen Holze, welches von dem Hintertheile in die See geworfen wird, und an einer Schnur befestiget ist, welche man von fünf zu fünf Faden abgetheilet hat, und die sich von einer Spindel sehr leicht abspulen läßt. Die Abstammung des Wortes ist vermuthlich im Holländischen oder Englischen zu suchen.


Lockaas (W3) [Adelung]


Das Lockaas, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -äser, S. Lockspeise.


Lockante (W3) [Adelung]


Die Lockante, plur. die -n, eine zahm gemachte wilde Änte, andere wilde Änten damit auf den Äntenfang zu locken.


Locke (W3) [Adelung]


* Locke, -r, -ste, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, wo es für kirre gebraucht wird. Ein Thier locke machen. Der Rittelgeyer wird niemahls locke. Von dem Zeitworte locken, so wie kirre von kirren.


Locke (W3) [Adelung]


1. Die Locke, plur. die -n, Dimin. das Löckchen, Oberd. Löcklein, ein Büschel mehrerer kreisförmig gebogener Haare oder ähnlicher Fäden; die Haarlocke. Die krausen Haare in Locken legen. Wenn du sieben Locken meines Hauptes flöchtest mit einem Flechtbande, Richt. 17, 13. Seine Locken sind kraus, schwarz wie ein Rabe, Hohel. 5, 11. Ihr gekräuseltes Haar, welches in große Locken um ihre Schulter fällt. In goldnen Locken wallt sein Haar, Geßn.

Anm. Bey dem Ottfried Loco, Loke, bey dem Willeram Locca, in Boxborns Glossen Locka, im Engl. Lock, im Dän. Lok, im Schwed. Lock, im Isländ. Lockr. Die leichte, lockere, lenk- und biegsame Beschaffenheit ist ohne Zweifel der Stammbegriff. Im Schwed. ist Lugg, im Isländ. Lagd, eine Flocke, welches letztere Wort nur durch den vorgesetzten Blaselaut daraus gebildet worden. Im Isländ. wird daher eine Locke auch Flock, und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - genannt, wo auch das Zeitwort - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, biegen, Lat. plicare, noch vorhanden ist. Es scheint, daß Locke ehedem von einem jeden auch geraden Büschel Haare oder ähnlicher Dinge gebraucht worden, und Plautus nennet einen kahlköpfigen Greis ausdrücklich defloccatum. ( S. Flocke, Leicht, Locker u. s. f.) Im Nieders. heißt eine Locke Krulle und Buckel, Franz. Boucle, von biegen. In einigen Gegenden ist es, so wie Flocke, männlichen Geschlechtes. Sie knüpfe einen Haarlocken, Opitz.


Locke (W3) [Adelung]


2. Die Locke, plur. die -n, von dem Zeitworte 2. Locken, im gemeinen Leben, besonders bey den Jägern. 1) Das Locken selbst, und die Art und Weise zu locken; ohne Plural. Die lebendige Locke, die Art und Weise die Vögel durch andere abgerichtete Vögel zu locken; im Gegensatze der todten, welche vermittelst des Pfeifens oder auf ähnliche Art geschiehet. 2) Auch die Vögel oder Werkzeuge selbst, womit andere Vögel gelocket werden, führen den Rahmen der Locken.


Löckeln (W3) [Adelung]


Löckeln, verb. reg. act. in Löckchen oder kleine Locken legen. Die Haare löckeln. Das Diminut. von dem folgenden 1. Locken.


Löcken (W3) [Adelung]


Löcken, springen, S. Läcken.


Locken (W3) [Adelung]


1. Locken, verb. reg. act. in Locken legen. Die Haare locken. Gelockte Haare.


Locken (W3) [Adelung]


2. Locken, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt. 1. In der engsten Bedeutung, wo es eine sinnliche Nachahmung desjenigen Lautes ist, womit nicht nur manche Thiere einander rufen, sondern auch, womit Menschen Thiere an sich rufen. Im ernstern Falle wird dieses Wort bey den Jägern besonders von den Turteltauben gebraucht, weil ihre Stimme dem Schalle des Wortes locken am nächsten kommt. Von den Ringel- und Blautauben hingegen ist heulen, von den Haselhühnern pisten, von wilden Gänsen, Änten, Wachteln u. s. f. rufen üblich. In etwas weiterer Bedeutung wird auch ein Thier gelocket, wenn man dasselbe durch Nachahmung seiner eigenthümlichen Stimme zu sich rufet. Daß locken in dieser eigentlichen Bedeutung eine Nachahmung des Schalles ist, erhellet aus den verwandten Wörtern lachen, Glocke, der letzten Hälfte des Wortes frohlocken, schlagen, so fern es von dem Schalle gebraucht wird, und andern. Bey dem Hornegk ist lauchen rufen, einladen überhaupt. 2. Figürlich, durch Vorstellung eines Guten, besonders eines sinnlichen Guten, an einen Ort zu kommen, und in weiterer Bedeutung zu etwas zu bewegen, suchen. 1) Durch hingelegte Speise. So werden die wilden Vögel auf den Vogelherden durch abgerichtete zahme Vögel gelockt. ( S. Lockvogel.) Wilde Thiere, welche man fangen will, lockt man durch hingestreuete oder hingelegte Speise in die Schlingen, in die Fallen u. s. f. welches im gemeinen Leben auch körnen, aßen, ludern u. s. f. genannt wird. S. Lockpfeife. Wib und vederspil die werden lihte zam, Swer si zerehte luket so suochent si den man, Herr Ditmar von Ast. 2) Durch Freundlichkeit, durch List, oder auch überhaupt durch Vorhaltung der Bewegungsgründe gegenwärtig werden lassen oder zu etwas bewegen. Jemanden zu sich locken, an sich locken. Wenn dich die bösen Buben locken. Ein Frevler locket seinen Nächsten, und führet ihn auf keinen guten Weg, Sprichw. 16, 29. Sie locken an sich die leichtfertigen Seelen, 2 Pet. 2, 14. Den Feind zur Schlacht locken. Ein Geheimniß von jemanden heraus locken. Jemanden auf seine Seite locken. Einem nach und nach viel Geld ablocken. Da dieses Zeitwort gemeiniglich die Verheimlichung der Absicht mit in sich schließet, so wird es auch am häufigsten im nachtheiligen Verstande gebraucht. Indessen finden sich auch Beyspiele genug, wo es in gleichgültiger und selbst guter Bedeutung gebraucht wird. Der Herr wird die Heiden locken vom Ende der Erde, Es. 5, 26. Und ganzen Scharen Lock er die Thränen ins Gesicht, Gell. Daher die Lockung, plur. die -en, so wohl von der Handlung, ohne Plural, als auch von den Worten und Bewegungsgründen, wodurch man jemanden zu etwas zu locken sucht.

Anm. Bey dem Notker lucchin und ferlucchin in figürlichem Verstande, im Niedersächsischen, wo es auch schmeicheln und liebkosen bedeutet, locken, im Dän. lokke, im Isländ. und Schwed. locka, im Pohln. ludze. Daß den alten Römern auch ein Zeitwort lacio in diesem Verstande bekannt gewesen, erhellet aus dem zusammen gesetzten allicio. Einige Schriftsteller verbinden es mit der dritten Endung des Hauptwortes, einem locken, welches aber wider den allgemeinen Gebrauch ist, auch aus dem Passivo als irrig erwiesen werden kann. Da man sagt, ich werde gelockt, so erfordert das Activum die vierte Endung. Hätte es die dritte, so müßte es im Passivo heißen, mir ist gelockt worden.


Locker (W3) [Adelung]


Locker, -er, -ste, adj. et adv. welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. Im Gegensatze dessen was fest ist, nicht fest sitzend, leicht hin und her beweglich; im gemeinen Leben lose, und im verächtlichen Verstande liederlich, welche Wörter gleichfalls zu dem Geschlechte dieses Wortes gehören. 1) Eigentlich. Das Bret sitzt nicht fest, es ist so locker. Ein lockerer Zahn, welcher wackelt. Etwas nur locker zubinden, leicht, nicht fest. Ingleichen im Gegensatze des straff. Ein locker gespannter Strick. 2) Figürlich. Locker leben, viel verthun. Sehr locker seyn, verthunlich. Zuweilen auch wohl für leichtsinnig. Ein lockrer junger Mensch. 2. Im Gegensatze des derb oder dicht, eine geringe Dichtigkeit, viele und große Zwischenräume habend. Lockere Erde. Die Erde lockrer machen. Das Garn sehr locker spinnen, die Fäden nicht gehörig drehen. Ein locker gewundenes Knäuel. Die Wolle lockerer machen, sie auflockern; in den Wollfabriken, sie flacken oder flocken. Die Müller mahlen locker, wenn sie den Mühlstein höher stellen.

Anm. Im Oberdeutschen nur luck, ohne Ableitungssylbe, in der zweyten Bedeutung aber auch rogel, Nieders. roof, von regen. Im Osnabrück mit vorgesetztem Blaselaute flagge. In andern Niedersächsischen Gegenden ist flakkern wackeln. In der ersten Bedeutung gehöret es unstreitig zu leicht, läcken, springen, Flocke, fliegen, flackern, und allen Wörtern dieses Geschlechtes, welche einen hohen Grad der Beweglichkeit bedeuten. In der zweyten Bedeutung, welche aber auch eine Figur der ersten seyn kann, scheinet es zunächst zu Loch zu gehören, die Zwischenräume lockerer Körper auszudrucken. Das veraltete lukke, welches bey den Notker so wohl falsch und unecht, als auch betrüglich bedeutet, stammet von lügen ab.


Lockern (W3) [Adelung]


1. * Lockern, verb. reg. act. welches das Intensivum oder Iterativum von locken, rufen, ist, und nur in den gemeinen Sprecharten vorkommt. Etwas von jemanden heraus lockern. durch mehrmahliges Locken von ihm erfahren. Jemanden Geld ablockern, ablocken.


Lockern (W3) [Adelung]


2. Lockern, verb. reg. act. von dem Beyworte locker, locker machen, besonders in den zusammen gesetzten auflockern. Ingleichen im gemeinen Leben und als ein Neutrum, locker leben. Doch wo er lockert, spielt und säuft, Weiße.


Lockig (W3) [Adelung]


Lockig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Hauptworte 1. Locke, Locken habend, aus Locken bestehend. Ja lockigt (lockig) Haar steht fein, Gell. Wie lockigt (lockig) ist sein Haar! ebend. Lockicht würde Locken ähnlich bedeuten; lockigt aber ist völlig unrichtig.


Lockpfeife (W3) [Adelung]


Die Lockpfeife, plur. die -n, Diminut. das Lockpfeifchen, eine Pfeife, Vögel damit zu locken; eine Art der Vogelpfeifen.


Lockspeise (W3) [Adelung]


Die Lockspeise, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n; eigentlich, eine Speise oder eßbarer Körper, Thiere damit an- oder herbey zu locken; im gemeinen Leben Lockaas, von Aas, Speise, im Nieders. Lockebrot. Figürlich auch eine jede Lockung, ein jeder besonders sinnlicher Bewegungsgrund, wodurch man einen andern wider sein Wissen zu etwas zu bewegen sucht.


Lockstimme (W3) [Adelung]


Die Lockstimme, plur. die -n, eine lockende Stimme, die Stimme, so fern sie ein Thier lockt. Figürlich, Worte, so fern sie eine Lockung enthalten.


Lockvogel (W3) [Adelung]


Der Lockvogel, des -s, plur. die -vögel, ein abgerichteter Vogel auf den Vogelherden, wilde Vögel damit herbey zu locken.


Lode (W3) [Adelung]


Die Lode, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Ein Lappen, Lumpen; in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden. Ein Loden Tuches, ein Stück, ein Lappen. Die Loden hängen an dem Kleide herunter, die Lumpen. Ungewalste Tücher, welche noch haarig sind, führen bey den Tuchmachern gleichfalls den Nahmen der Loden, und eben so werden im Oberdeutschen die groben Fußdecken genannt, daher es daselbst eigene Lodenweber oder Loderer gibt. 2) Im Forstwesen wird der Trieb oder Schuß, d. i. dasjenige, um wie viel ein Baum in Einem Jahre in der Länge gewachsen ist, eine Lode, in einigen Gegenden auch wohl ein Limpf genannt. Ja auch die Ringe in dem Holze, welche den Jahrwuchs in der Dicke bezeichnen führen gleichfalls diesen Nahmen. 3) Die jungen aufgeschossenen Bäume des Laubholzes, so lange sie noch Reifern ähnlich sind, die Schößlinge, sind gleichfalls unter dem Nahmen der Loden bekannt. Junge Schößlinge oder Loden.

Anm. In beyden Bedeutungen ist der Begriff der leichten Bewegung ohne Zweifel der herrschende. In der ersten ist er es unlängbar, wie aus den verwandten lodern, liederlich, flattern, schlottern, Lotterbube u. s. f. erhellet. In der zweyten und dritten könnte dieses Wort zu Latte gehören; allein aus dem folgenden Zeitworte loden erhellet, daß auch hier die Bewegung der Stammbegriff ist, so wie die gleichbedeutenden Schuß und Schößling von schießen herkommen. Im Isländ. ist Lod und im Schwed. Lo eine Zote, ein Büschel Haare oder Wolle, und luden rauch, zotig.


Loden (W3) [Adelung]


Loden, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, und nur im gemeinen Leben üblich ist. Viele Arten Bäume loden von ihren Wurzeln aus, oder hervor, d. i. schießen, sprossen hervor. Aus- oder aufgelodetes Holz, junges aufgeschossenes Holz.


Loderasche (W3) [Adelung]


Die Loderasche, plur. inus. die leichte weiße Asche von verbrannten Körpern, welche bey der geringsten Bewegung der Luft wie Schneeflocken in die Höhe fliegen; Flugasche, Nieders. Flogasche. Von dem Zeitworte lodern, so fern es in der weitesten Bedeutung sich leicht und schnell bewegen bedeutet. Zuweilen führet auch die glühende Asche diesen Nahmen, Wallis. Llodw; alsdann druckt lodern freylich zunächst den Begriff des Brennens aus.


Lodern (W3) [Adelung]


Lodern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1. * Eigentlich, sich schnell oder leicht hin und her bewegen; in welcher veralteten Bedeutung es nur noch in den verwandten Loderasche, Lode, Lotterbube, schlottern, flattern u. s. f. üblich ist. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung wird es von dem Feuer gebraucht. 1) Mit einer zitternden Bewegung brennen, ohne eben in Flammen auszubrechen. Ein Feuer, welches unter der Asche lodert, glimmet, fortglimmet. So lange loderte der Rache schwarzes Feuer In keines Gottes Brust, Raml. 2) In Gestalt heller, beweglicher Flammen brennen; im gemeinen Leben flackern. Die Flamme lodert im Stroh, Ioel. 2, 5. Doch wird die Zwietracht nicht in vollen Flammen lodern? Weiße. Das Stroh lodert bald weg.

Anm. Schwed. loddra. Der Begriff der Beweglichkeit ist der nächste und erste, worauf dieses Wort und dessen Verwandte auch häufig figürlich zur Bezeichnung des Feuers, des Lichtes, der Hitzen u. s. f. gebraucht worden. ( S. Lohe, Glühen, Licht u. s. f.) Im Ital. bedeutet Luta einen Funken. Eigentlich ist lodern das Iterativum von dem vorigen Zeitworte loden, so fern es ehedem überhaupt sich schnell bewegen bedeutet hat, wovon Schlitten, gleiten u. s. f. noch Überbleibsel sind.


Lof (W3) [Adelung]


Das Lof, des -es, plur. die -e, ein nur in Lief- und Curland übliches Maß trockner Dinge, besonders des Getreides. In Liefland hält 1 Lof 4 Küllmitt, zwey Lof aber machen daselbst eine Tonne. In Curland hält eine Last Getreide 48 bis 60 Lof. In Riga ist es auch ein Gewicht, welches 5 Ließpfund oder 100 Pfund hält. In Schweden ist Lop oder Löp gleichfalls ein Getreidemaß, welches den sechsten Theil einer Tonne beträgt. Im Angels. ist Leap, und im Isländ. Laup, ein Korb; woraus erhellet, daß der Begriff der Vertiefung, des hohlen Raumes, in diesem Worte der herrschende ist, daher es zu dem Geschlechte des alten Laf. die Hand, ( S. Liefern,) und des folgenden Löffel zu rechnen ist. S. auch Laube und Lauf 3.


Löffel (W3) [Adelung]


Der Löffel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Löffelchen, Oberd. Löfflein. 1. * Überhaupt, ein hohler, vertiefter Raum, ein Gefäß, Behältniß; eine jetzt veraltete Bedeutung, wovon aber noch häufiger Spuren übrig sind. Im Nieders. ist Löpen noch ein hölzernes Gefäß, ein Kübel, Lat. Labrum, welches bey dem Ausonius auch einen Graben bedeutet. Im mittlern Lat. ist Labs ein eherner Topf, ein Grapen, Labellum, Lavellum und Lavellus eine Eisterne, eine Vertiefung, ingleichen ein Sarg, Ital. Lavello, und Lepista eine Art eines Gefäßes, und im Griech. und Lat. Lepas eine Art Schnecken. In dem Tatian bedeutet Labal ein Becken. Anderer zu geschweigen. ( S. Lof.) 2. In engerer Bedeutung, wo es nur noch von einigen vertieften Dingen gebraucht wird. 1) Am häufigsten ist es ein Werkzeug, welches aus einer rundlich hohlen Vertiefung an einem Stiele bestehet, flüssige Körper so wohl damit zu schöpfen, als auch nach dem Munde zu führen. Der Kochlöffel, Schaumlöffel, Rührlöffel, Theelöffel, Kaffehlöffel, Vorlegelöffel, Eßlöffel oder Suppenlöffel u. s. f. welcher letztere am häufigsten nur schlechthin der Löffel genannt wird. Mit dem Löffel essen. Ein silberner, zinnerner, hölzerner Löffel. Die Mundärzte haben ein ähnliches Werkzeug, das gefallene Zäpfchen damit wieder aufzuheben. Einige Arten großer Löffel führen den Nahmen der Kellen. 2) Bey den Jägern werden die Ohren der Hasen wegen ihrer langen tiefen Gestalt die Löffel genannt, nicht wie ein bekannter Sprachlehrer glaubte, als eine Figur der vorigen Bedeutung, und aus einer sonderbaren Liebe zum Besondern, sondern als ein ehrwürdiger Überrest der alten allgemeinen Bedeutung dieses Wortes. Die Sprachen der Jäger und Bergleute, zwey sehr alte Lebensarten, haben uns viele veraltete Wörter und Bedeutungen aufbehalten, die wir ohne sie nicht wissen würden.

Anm. In der ersten engern Bedeutung im Nieders. Lepel, im mittlern Lat. Lochea, welches letztere die Verwandtschaft mit Loch bestätiget. Die Endsylbe -el bezeichnet ein Subject, so daß Löffel eigentlich ein tiefes Ding, ein vertieftes Gefäß bedeutet.


Löffelänte (W3) [Adelung]


Die Löffelänte, plur. die -n, eine Art wilder Änten oder Gänse mit einem schwarzen, breiten und weiten Schnabel in Gestalt eines Löffels; Anas platyrynchos L. Anas latirosira Klein. Die Löffelgans, Schildänte, Schallänte, der Breitschnabel.


Löffelbaum (W3) [Adelung]


Der Löffelbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Nord-Amerikanischer Baum, aus welchem die Einwohner ihre Löffel und Kellen verfertigen; Kalmia L.


Löffelblech (W3) [Adelung]


Das Löffelblech, des -es, plur. die -e, in den Küchen, ein Blech, worein die Koch- oder Rührlöffel gehänget werden.


Löffelbohrer (W3) [Adelung]


Der Löffelbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Drechslern, Bürstenbindern u. s. f. ein Bohrer, welcher die Gestalt eines hohlen Halb-Cylinders mit einer aufgeworfenen Schnautze in Gestalt eines Löffels hat; der Löffling.


Löffeley (W3) [Adelung]


Die Löffeley, S. Löffeln.


Löffelfohre (W3) [Adelung]


Die Löffelfohre, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der kleinern Alpenkiefer, oder des Krummholzbaumes; pinns montana L. ohne Zweifel, weil man aus dessen Holze Löffel zu schnitzen pflegt, daher er aus einer andern ähnlichen Ursache auch Dosenbaum genannt wird. Der in einigen Gegenden gleichfalls übliche Nahme Löwenforche ist allem Ansehen nach daraus verderbt.


Löffelkraut (W3) [Adelung]


Das Löffelkraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche ihren Samen in Schötchen trägt, am Meerstrande des mitternächtigen Europa wächset, und in den Apotheken gebraucht wird; Cochlearia officinalis L. Es hat den Nahmen von der Ähnlichkeit seiner hohlen Blätter. Daher das Löffelkrautwasser, ein von diesem Kraute destillirtes Wasser; der Löffelkrautwein, Wein, welcher als Most mit Löffelkraut gegohren hat, u. s. f.


Löffel-Majoran (W3) [Adelung]


Der Löffel-Majoran, des -es, plur. inus. eine Art ausländischen Majoranes, dessen Blätter dem Löffelkraute ähnlich sind,


Löffeln (W3) [Adelung]


1. Löffeln, verb. reg. act. et neutr. auf verbothene Art lieben, S. Läffeln.


Löffeln (W3) [Adelung]


2. Löffeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, mit Löffeln essen; doch nur im Scherze. Es gibt heute nichts zu löffeln.


Löffelreiher (W3) [Adelung]


Der Löffelreiher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Löffelgans.


Löffelspeise (W3) [Adelung]


Die Löffelspeise, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, Speise welche vermittelst des Löffels genossen wird; Nieders. Lepelkost, Körelkost.


Löffelstiel (W3) [Adelung]


Der Löffelstiel, des -es, plur. die -e, der Stiel an einem Löffel.


Löffler (W3) [Adelung]


1. Der Löffler, des -s, plur. ut nom. sing. S. Löffeln.


Löffler (W3) [Adelung]


2. Der Löffler, des -s, plur. ut nom. sing. S. Löffelgans.


Löffling (W3) [Adelung]


Der Löffling, des -es, plur. die -e, S. Löffelbohrer.


Loge (W3) [Adelung]


Die Loge, (sprich Losche,) plur. die -n, aus dem Französ. Loge, ein verschlossener Sitz in einem Komödien-Hause.


Loh (W3) [Adelung]


Das Loh, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme eines Morastes, einer sumpfigen Gegend. Daher der Lohboden, ein sumpfiger Boden. In einigen Niedersächsichen Gegenden führet auch der Torf den Nahmen des Lohes, da er denn auch wohl im männlichen Geschlechte der Loh genannt wird.

Anm. In dieser Bedeutung scheinet es von lege, niedrig, oder auch von Lache, Lauge, ein flüssiger Körper, abzustammen, ( S. diese Wörter.) Ein anderes, jetzt außer einigen eigenthümlichen Nahmen veraltetes Wort, bedeutete ehedem einen Wald, einen Hain. Sumer mache vns aber fro Du zierest anger un lo, Walther von der Vogelweide. ( S. Frischens Wörterb. v. Loh.) In diesem Verstande scheine es mit dem Lat. Lucus zu Laub oder auch zu Laube zu gehören.


Lohe (W3) [Adelung]


1. Die Lohe, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -n, die abgeschälte und zu Pulver gestampfte Rinde der Eichen, Erlen, Birken und Fichten, wie sie von den Gärbern zur Zubereitung des Leders gebraucht wird. Eichenlohe, Fichtenlohe, Erlenlohe, Birkenlohe. Bey einigen der Loh, im Nieders. das Loh. Siehe viele der folgenden Zusammensetzungen.

Anm. Es ist ungewiß, ob in diesem Worte der Begriff der Zermalmung, oder der beitzenden Kraft, oder eines andern Umstandes der herrschende ist. Im ersten Falle würde es zu klein, -lein, schlagen, und andern dieses Geschlechtes gehören, im zweyten aber zu Lauge im heutigen Verstande. Im Nieders. ist lohen, löen, trübe, farbig machen. Wenn eine neue Pumpe in das Wasser gesetzet wird, so löet das Holz, es macht das Wasser unrein und trübe. Der Kirschsaft lohet das Wasser, färbt es. Ingleichen flecken, welches Wort selbst hierher zu gehören scheinet. Die Kirschen lohen, machen Flecken.


Lohe (W3) [Adelung]


2. Die Lohe, plur. inus. 1) Eigentlich, die Flamme eines Feuers, und in engerer Bedeutung, die äußern mit heißem Rauche vermischten Spitzen derselben. Und da die Lohe auffuhr vom Altar gen Himmel, Richt. 13, 20. Sein Odem ist wie lichte Lohe, und aus seinem Munde gehen Flammen, Hiob 41, 12. Wie des Feuers Flamme Stroh verzehret und die Lohe Stoppeln hinnimmt, Es. 5, 24. Da die Lohe in die Pfanne schlug, 2 Macc. 7, 5. ( S. auch Lichterloh.) 2) Figürlich, Hitze, so wohl im eigentlichen als figürlichen Verstande; in beyden kommt es im Hochdeutschen nur selten vor. Der Maymonath war sehr heiß, daher man befürchtete, es möchte die Lohe in den geschröpften Weizen schlagen, bey den Meißnischen Landwirthen. Wohl dem, der beßre Gluth in seinem Herzen fühlet, Und dem kein Ungemach die heiße Lohe dämpft, Canitz.

Anm. Bey dem Kero Lauga, bey dem Notker der Loug, im Nieders. Lögniß, im Dän. Lue, im Engl. Lowe, bey dem Ulphilas Lauh, im Schwed. Lago, im Isländ. Log, im Angels. Log, im Finnländ. Liecki, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; alle in der Bedeutung der Flamme. Daher ist lohezen bey dem Willeram, laga im Schwed. und flagrare im Lat. brennen, ( S. Flackern.) Bey dem Worte lodern ist schon bemerket worden, daß die schnelle zitternde Bewegung der Stammbegriff so wohl in diesem als allen verwandten Wörtern ist. ( S. auch Glü- hen, Licht, Flamme u. s. f.) In einigen Gegenden ist dieses Wort im ungewissen, in noch mehrern aber im männlichen Geschlechte üblich. Wie die Lohe in die Höhe schlug, Opitz. Daß durch Erhitzung sich der lichte Loh empöret, ebend. Der Loh der heißen Flammen Umringte deinen Leib, ebend.


Lohbad (W3) [Adelung]


Das Lohbad, des -es, plur. die -bäder, bey den Gärbern, derjenige Ort, wo die zur Lohe bestimmten Rinden getrocknet werden.


Lohballen (W3) [Adelung]


Der Lohballen, des -s, plur. ut nom. sing. von den Gärbern gebrauchte und zu Ballen und Kuchen geformte und getrocknete Lohe, um sie zur Feuerung zu gebrauchen; der Lohkuchen.


Lohbelze (W3) [Adelung]


Die Lohbelze, plur. die -n, 1) Das Beitzen vermittelst der Lohe, d. i. der gestampften Baumrinden; ohne Plural. 2) Bey den Gärbern, diejenige Grube, worin die Häute mit Lohe gebeitzet werden; die Lohgrube.


Lohboden (W3) [Adelung]


Der Lohboden, des -s, plur. inus. der Torfboden, siehe das Loh.


Lohbrühe (W3) [Adelung]


Die Lohbrühe, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -n, Wasser, worin die Lohe gebeitzet, oder eingeweichet worden. S. 1. Lohe.


Loheiche (W3) [Adelung]


Die Loheiche, plur. die -n, ein Nahme unsrer gewöhnlichen Wintereiche oder Rotheiche, welche auch Haseleiche, Hageneiche, Zirneiche, Traubeneiche, und verderbt Locheiche genannt wird. Linnee rechnet sie mit zur Steineiche, Quercus robur, von welcher sie doch eine eigene ganz verschiedene Art ist. Ihre Rinde wird am häufigsten zur Lohe gebraucht. Weil sie am liebsten in den Wäldern wächst, so kann der Nahme Loheiche auch so viel als Hageiche seyn, von dem alten Loh, ein Wald, S. das Loh, Anm.


Lohen (W3) [Adelung]


1. Lohen, verb. reg. act. von Lohe, gestampfte Baumrinde, mit dieser Lohe zubereiten, beitzen. Die Netze, Taue u. s. f. werden zuweilen gelohet, d. i. in Lohe gesotten, damit sie im Wasser desto länger dauern. In einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden wird auch das Gärben mit Lohe, lohen, oder löhen genannt, daher die Lohgärber daselbst auch Loher oder Löher heißen.


Lohen (W3) [Adelung]


2. Lohen, verb. reg. 1) Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, mit einem Loh- oder Flammenfeuer brennen; wofür doch lodern üblicher ist. 2) Als ein Activum, mit einem Flammenfeuer bearbeiten; doch nur in dem zusammen gesetzten auslohen, S. dasselbe.


Lohfarbe (W3) [Adelung]


Die Lohfarbe, plur. inus. die röthlich braune Farbe der aus Baumrinden gestampften Lohe, welche der Ziegelfarbe nahe kommt. Daher das Beywort lohfarben oder lohfarbig, diese Farbe habend; lohroth.


Lohfeuer (W3) [Adelung]


Das Lohfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. ein starkes Flammenfeuer, ein loderndes Feuer. Nieders. Blaßvüer.


Lohfink (W3) [Adelung]


Der Lohfink, des -en, plur. die -en, in einigen Gegenden, ein Nahme des Blutfinken, Dompfaffen, Gimpels oder Rothvogels, wegen seiner lohfarbenen Brust, S. Dompfaff und Gimpel.


Lohtzar (W3) [Adelung]


Lohtzar, adj. et adv. mit Lohe, d. i. gestampften Baumrinden, gar gemacht. Lohgares Leder, welches mit Lohe, und vielleicht mit Lohe allein zubereitet worden.


Lohgärber (W3) [Adelung]


Der Lohgärber, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Gärber, welche die Häute mit Lohe gar machen oder gärben, und welche an andern Orten auch Loher, Lauwer, Löher und Rothgärber genannt werden; zum Unterschiede von den Weißgärbern.


Lohgrube (W3) [Adelung]


Die Lohgrube, plur. die -n, S. Lohbeitze.


Lohkuchen (W3) [Adelung]


Der Lohkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. siehe Lohballen.


Lohme (W3) [Adelung]


Die Lohme, plur. die -n, der Nordische Nahme einer Art Patschfüße, deren Füße außer dem Schwerpuncte ihres Körpers nahe an dem Hintern sitzen, daher sie einen schweren und hinkenden Gang haben. Von andern werden sie Halbänten genannt; Ploti anomalopedes, Mergi, Klein. Linnee rechnet sie mit zu den Tauchern, Colymbis. Der Nahme lautet in einigen Gegenden Lomme Lumme, Engl. Loom, Dän. Lomme, Schwedisch Lomr. Ohne Zweifel von lahm, wegen des hinkenden Ganges. Im Nieders. ist lumpen ein wenig hinken, Engl. to limp.


Lohmühle (W3) [Adelung]


Die Lohmühle, plur. die -n, eine Mühle, auf welcher die Baumrinde zu Lohe gemahlen wird. Daher der Lohmüller.


Lohn (W3) [Adelung]


Der Lohn, des -es, plur. car. 1) In der weitesten Bedeutung, das Gute, welches einem andern um seines Verhaltens willen erzeiget wird; eine nur noch im gemeinen Leben und in der biblischen Schreibart übliche Bedeutung, wofür in der anständigern Sprechart Belohnung gangbarer ist. Fürchte dich nicht Abram, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn, 1 Mos. 15, 1. Was gibt mir aber Gott zu Lohn von oben? Hiob 31, 2. Sie haben ihren Lohn dahin, Matth. 6, 2. Ich komme, und mein Lohn mit mir, Offenb. 22, 12. Und so in andern Stellen mehr. In noch weiterer Bedeutung auch das Übel, welches jemanden um seines vorher gegangenen unrechtmäßigen Verhaltens willen zugefüget wird; nur in der harten Schreibart. Er wird ihnen (den Gottlosen) ein Wetter zum Lohn geben, Ps. 11, 6. Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bey Gott, Hiob 20, 29. Das ist der Lohn unserer Räuber, Es. 17, 14. Von einem bestraften Verbrecher sagt man, er habe seinen verdienten Lohn bekommen. 2) In engerer Bedeutung, das Gute, welches einem andern für seine geleisteten Dienste erzeiget wird; gleichfalls nur im gemeinen Leben, und in der harten Schreibart, für Belohnung, Vergeltung, Besoldung u. s. f. Der verdiente Lohn, wenn der andere vorher zu diesen Diensten nicht verbunden gewesen, im Gegensatze des doch nur in der Theologie üblichen Gnadenlohnes. Undank ist der Welt Lohn. Der Arztlohn, die Arztgebühren. Willt du meinen Sohn geleiten, so will ich dir deinen Lohn geben, Tob. 5, 15. Die Ältesten der Moabiten hatten den Lohn des Wahrsagers (für den Bileam,) in ihren Händen, 7 Mos. 22, 7. 3) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung bezeichnet Lohn nur die gehörige Vergeltung einer Handarbeit, zu welcher der andere nicht verbunden gewesen. So bekommen das Gesinde, Tagelöhner, Fuhrleute, und in der harten Schreibart auch Handwerker u. s. f. für die körperlichen Dienste, welche sie uns leisten Lohn. Um Lohn dienen, arbeiten. Dem Gesinde seinen Lohn geben. Die Fracht ist hoch im Lohne, der Fuhrmann fordert viel Fracht. Um den Lohn eins werden. Jemanden Lohn und Brot geben, ihn in seinem Dienste haben. Ein Arbeiter ist seines Lohnes werth.

Anm. 1. Im gemeinen Leben kennt man auch den Plural die Löhne, theils von dem Lohne mehrer Individuen, theils auch von mehrern Summen dieser Art; allein in der anständigen Schreibart wird er billig vermieden. In Ansehung des Geschlechtes sind die Deutschen Mundarten sehr unbeständig. Im Hoch- und Oberdeutschen ist das männliche das gewöhnlichste, im Niederdeutschen aber das ungewisse. Doch höret man in den erstern auch oft das Lohn. Und das Lohn deiner Knechte will ich dir geben, 1 Kön. 5, 6; ungeachtet Luther in den meisten übrigen Fällen das männliche gebraucht. Wenn ich sie, ehe das Jahr um ist, fortjage, so muß ich ihr das ganze Lohn bezahlen, Gell. Ein jeder Held hat schon sein Lohn hinweg genommen, Opitz; welcher diesem Worte bald das männliche, bald das ungewisse Geschlecht gibt. Diese Unbeständigkeit hat sich auch in den Zusammensetzungen eingeschlichen. Im Hochdeutschen sagt man am häufigsten der Arbeitslohn, der Gnadenlohn, der Hütherlohn, der Leserlohn, der Dienstlohn u. s. f. hingegen das Bothenlohn, das Gesindelohn, das Wochenlohn, das Fuhrlohn, das Macherlohn, das Druckerlohn u. s. f. ob es gleich besser wäre, alle diese Wörter im männlichen zu gebrauchen. In dem 2ten Th. der Schriften der Anhaltischen Deutschen Gesellschaft thut S. 321 jemand den Vorschlag, in der ersten allgemeinsten Bedeutung der Lohn und in den beyden übrigen das Lohn zu sagen. Allein diese seltsame Begierde, die einzelnen Bedeutungen der Wörter durch Geschlechter und Schreibearten zu unterscheiden, hat in unsern Tagen zum Glücke allen Beyfall verloren.

Anm. 2. Dieses alte Wort lautet schon bey dem Kero Loon, welcher Itloon von einer jeden Vergeltung gebraucht, bey dem Ottfried Lon, bey dem Ulphilas Laun, im Angels. Lean, Hlaen, im Dän. Lon, im Schwed. Lön, im Isländ. Laun, Es bedeutet eigentlich eine Gabe, alles, was gegeben wird, und ist mit Lehen, leihen und lehnen sehr genau verwandt. S. diese Wörter.


Lohnarbeiter (W3) [Adelung]


Der Lohnarbeiter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lohnarbeiterinn, ein Arbeiter, welcher um Lohn arbeitet, siehe Lohn 3.


Lohnbauer (W3) [Adelung]


Der Lohnbauer, des -n, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine des Ackerbaues kundige Person, welche man für einen jährlichen Lohn dinget, die Feldarbeiten auf einem Landgute zu verrichten, und die Aufsicht darüber zu führen; der Hofmeier, Hofmeister u. s. f.


Löhne (W3) [Adelung]


Die Löhne, der Ahorn, S. 1. die Lehne.


Lohnen (W3) [Adelung]


Lohnen, verb. reg. act. et neutr. im letzte