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Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
P

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

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Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

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P (W3) [Adelung]


P, der sechzehnte Buchstab des Deutschen Alphabetes, der zwölfte unter den Mitlautern, und der vierte unter den Lippenbuchstaben, welcher entstehet, wenn die fest geschlossenen Lippen mit Ausstoßung des Hauches geöffnet werden, da er denn einen härtern Laut gewähret, als das weichere verwandte b und noch gelindere w hat. Ist dieses p mit einem merklichen Blasen begleitet, so entstehet daraus das pf, davon an seinem Orte. Da die mit einerley Sprachwerkzeugen ausgesprochenen Buchstaben in allen Sprachen und Mundarten sehr leicht in einander übergehen, so widerfähret solches auch den Lippenbuchstaben. Beyspiele sind schon bey b, f, und m gegeben. Das letzte wechselt besonders gern mit dem p ab. So sagt man so wohl Mandore als Pandore, pantschen als mantschen. Im Englischen lautet der verkürzte Nahme Maria im gemeinen Leben eben so oft Mall und Moll, als Pall und Poll. Aber nicht leicht werden zwey Buchstaben häufiger mit einander verwechselt, als b und p, welches selbst in einer und eben derselben Mundart allerley Ungleichheiten verursacht. Besonders lieben die Sächsischen Mundarten das weiche b, und die Oberdeutschen Mundarten das harte p; ja unter den letztern findet man ganze Provinzen, welche kein Anfangs B haben, sondern statt dessen alle Mahl ein P hören lassen, Paum, Piern, (Birn,) pey, Pruder; so wie Ihre alle mit einem P im Schwedischen sich anfangenden Wörter für ausländisch hält, weil die ältern Schweden kein Anfangs P kannten. Ja auch im Hochdeutschen ist man oft unschlüssig, ob man bicken oder picken, Buckel oder Puckel, Budel oder Pudel, Betze oder Petze u. s. f. schreiben und sprechen soll. Ich will ihm schon ein P vorschreiben, d. i. ich will es ihm schon verbiethen oder verwehren, ist eine im Niedersächsischen sehr gewöhnliche Redensart. Man leitet sie gemeiniglich von dem Anfangsbuchstaben der Lat. prohibere oder Poena der, zumahl da man in den Gerichten gemeiniglich bey Pön zu verbiethen pflegt.


Paar (W3) [Adelung]


Paar, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. 1) Gleich, im arithmetischen Verstande. Eine paare Zahl, welche sich mit 2 gerade auf dividiren läßt, im Gegensatze einer unpaaren. Am häufigsten als ein Nebenwort. Paar oder unpaar spielen, ein gewöhnliches Spiel der Kinder. 2) Zu dem andern gehörend, mit demselben ein Paar ausmachend; doch nur im Oberdeutschen und am häufigsten als ein Nebenwort. Diese Handschuhe sind nicht paar, gehören nicht zusammen. Es kommt mit dem Latein. par genau überein, S. das folgende.


Paar (W3) [Adelung]


Das Paar, des -es, plur. die -e, Diminut. das Pärchen, Oberd. Pärlein. 1) Zwey zusammen gehörige Dinge Einer Art, es mag nun die Natur der Sache alle Mahl zwey solcher Dinge erfordern, oder es mag auch diese Verbindung willkührlich seyn. Ein Paar gesunde Augen haben. Ein Paar Schuhe, weil man deren alle Mahl zwey gebraucht. Drey Paar Stiefel. Ein Paar Ochsen, welche zusammen gehören. Zwey Paar Kutschpferde. Paar und Paar gehen, immer zwey und zwey in Einer Reihe, paarweise. Sie näherten sich Paar bey Paar, Geßn. paarweise. Zu Paaren kommen, paarweise, ist ungewöhnlich, obgleich Gellert an einem Orte singt: Ihr Kinder, kommt ihr gar zu Paaren? Andere gebrauchen dafür bey Paaren, welches üblicher ist, besonders in der Dichtkunst. Da kommen sie bey Paaren, paarweise. Von dem reinen Vieh - gingen zu ihm in den Kasten bey Paaren, je ein Männlein und ein Fräulein, 1 Mos. 7, 8. Zu Paaren treiben, ausschweifende Leute in Ordnung bringen, und in weiterer Bedeutung, überwinden, überwältigen; eigentlich die getrennten Paare einer Prozession durch Gewalt wieder herstellen, ohne Ordnung gehende Leute zwingen, paarweise zu gehen, wofür man auch wohl sagt, zu Chore treiben. Mit einer Sache in einem gleichen Paare gehen, ihr gleich seyn, ingleichen mit ihr einerley Veränderungen haben, ist eine Figur, welche wenig gebraucht wird. Die Demuth ging mit ihr in einem gleichen Paare, Günther. In engerer Bedeutung ist ein Paar ein Ehepaar, der Mann mit seiner Gattinn. Das Durchlauchtigste Paar, von fürstlichen Personen. Ein Paar werden, einander heirathen; wofür man auch wohl im Diminutivo sagt, ein Pärchen werden. Ich möchte gern, daß sie ein Paar würden, Gell. Wenn dieses Wort ein Zahlwort vor sich hat, so bleibt es nach dem Muster so vieler andern Wörter, welche ein Maß, ein Gewicht, eine Zahl bedeuten, im Plural unverändert. Sechs Paar Tauben, nicht Paare. Oft wird ein Paar auch adverbisch gebraucht, da es denn unverändert bleibt und sich der folgenden adverbischen Bedeutung nähert. Machen sie sich nicht zum Märtyrer von ein Paar schönen Augen, Gell. für, von einem Paare. 2. Sehr häufig wird der Ausdruck ein Paar, besonders im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart, für wenig, ingleichen für einige, gebraucht, da er denn adverbisch stehet, folglich nicht verändert wird, und das Hauptwort im Plural nach sich hat. Ein paar Tage, d. i. wenig Tage. Es verlieret alsdann den Ton und wirft ihn auf das folgende Substantiv; gemeiniglich wird es alsdann auch mit einem kleinen p geschrieben, um dessen adverbischen Gebrauch von der ersten mehr substantiven Bedeutung zu unterscheiden. Ein paar Thaler, ein paar Äpfel, ein paar Leute oder Personen. Nicht viel, nur ein paar. Es soll mir auf ein paar Versprechungen nicht ankommen, auf einige. Ich habe ein paar Worte mit ihnen zu reden, einige oder wenig Worte. Vor ein paar Augenblicken habe ich ihn noch gesehen, nicht vor einem paar, oder vor einem Paare. Sie hat ihn ja vor ein paar Stunden angestanden, Gell. vor wenig Stunden. Ich will selber ein paar Zeilen an ihn schreiben, ebend.

Anm. Im Nieders. gleichfalls Paar, im Engl. Pair, im Franz. Paire, im Ital. Paro, Pajo, im Schwed. und Wallis. Par, im Böhm. gleichfalls Par. Da dieses Wort in so vielen Sprachen angetroffen wird, so ist es nicht wahrscheinlich, daß es unmittelbar aus dem Latein. Par entlehnet worden, wohl aber, daß es ein Seitenverwandter von demselben ist, und mit ihm aus einer gemeinschaftlichen ältern Sprache herstammet. Indessen kommt es doch bey unsern ältern Oberdeutschen Schriftstellern nicht vor. Ein Paar Turteltauben heißen im Tatian zua gimachun turtilutubun, wo Gimachus unser Gemahl in seiner ältesten weitesten Bedeutung ist. Spätere Schriftsteller gebrauchen dafür Genoß, Genössel. Dieses Wort ist von der ersten Bildung unserer heutigen Orthographie an mit einem gedoppelten a geschrieben worden, nicht nur die Dehnung zu bezeichnen, welche durch den einfachen Consonanten am Ende schon hinlänglich gesichert wäre, sondern wahrscheinlich, dem Worte als einem Substantive mehr Umfang im Äußern zu geben. Man sehe darüber meine Orthographie S. 281. Indessen könnte es seyn, daß man gerade bey diesem Worte auf das Lat. par Rücksicht genommen, welches geschärft gesprochen wird, da man denn durch die Verdoppelung des Vocales vor der Schärfung hat warnen wollen.


Paaren (W3) [Adelung]


Paaren, verb. reg. act. zwey Dinge, welche beysammen bleiben sollen, mit einander verbinden; wo es doch nur in dem Falle gebraucht wird, wenn man Dinge, welche man nicht anders als paarweise verkaufen will, mit einander verbindet. Ingleichen die zu einem Paare gehörigen zwey Stücke aussuchen und zu Einem Paare verbinden. Die Handschuhe paaren. Die Markscheider paaren zwey Züge, wenn sie einen Grubenzug, so wie er in der Grube gemessen worden, wirklich abstecken; wo doch das Wort aus einer andern Quelle herzustammen scheinet. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist sich paaren, von zwey lebendigen Geschöpfen verschiedenen Geschlechtes, sich zu einem Paare verbinden, und in engerer Bedeutung sich zur Fortpflanzung vermischen, sich begatten; eigentlich von Thieren, besonders von Vögeln, wenn sich ein Männchen und ein Weibchen zur Fortpflanzung ihres Geschlechtes zusammen begeben, ingleichen wenn sie sich wirklich begatten. Von Menschen gebraucht man es nur im Scherze. Der Masken Scherz, wo Mummerey und List Verliebte paart, Gepaarten günstig ist, Haged. Flavia will nichts gestatten Was den Schein des Paarens hat, ebend. So auch die Paarung und das Paaren. S. Paar.


Paarweise (W3) [Adelung]


Paarweise, adv. in Paaren, je zwey und zwey. Paarweise gehen, verkaufen.


Pabst (W3) [Adelung]


Pabst, S. Papst.


Pacht (W3) [Adelung]


Der Pacht, des -es, plur. die Pächte. 1) Ein jeder Vertrag, oder Contract; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch im Oberdeutschen gangbar ist, und wofür man im gemeinen Leben der Hochdeutschen in manchen Fällen noch Pact saget, ( S. dieses Wort.) Einen Pacht mit den Satan machen. Den Pacht halten, erneuern, aufheben, den Vertrag, Contract. Es ist in dieser Bedeutung unstreitig aus dem Latein. Pactum entlehnet. Da die älteste Art Gesetze zu machen in einem verabredeten Vertrage zwischen dem Landesherrn und seinen Unterthanen bestand, so wurde ein Gesetz in den ältesten Zeiten sehr häufig Pactum genannt, wovon in des Du Fresne Glossario Stellen genug vorkommen. Nach diesem Vorgange nannte man im 13ten und den folgenden Jahrhunderten auch im Deutschen ein Gesetz den oder die Pacht, oder mit der blasenden Aussprache einiger Provinzen, der oder die Pfacht, bey dem Stryker die Phacht, womit denn zuweilen auch das göttliche Gesetz bezeichnet wurde. 2) In engerer Bedeutung, ein Vertrag, in welchem man die Nutzung einer Sache einem andern gegen einen Theil des Ertrages, oder auch gegen eine bestimmte Geldsumme überlässet, in denjenigen Fällen, in welchen das Zeitwort pachten üblich ist; der Pacht-Contract. Ingleichen der Genuß der Nutzung vermöge und Kraft eines solchen Vertrages. Der Pacht der Zölle, der Einkünste, der Accise, des Zehenten, der Jagd, der Fischerey, der Schenknahrung an einem Orte, der Kühe auf einem Landgute, einer Schäferey u. s. f. Etwas in Pacht nehmen, es pachten. Einem etwas in Pacht geben, im gemeinen Leben, es in Pacht austhun, es verpachten. Etwas in Pacht haben, den Ertrag einer Sache gegen eine bestimmte Vergütung genießen. Der Erbpacht, der erbliche Besitz und Genuß der Nutzungen gegen ein bestimmtes Pachtgeld; zum Unterschiede von einem Zeitpachte, welcher am häufigsten unter dem Pachte schlechthin ver- standen wird. Der eiserne Pacht, ein Pacht auf eine lange Zeit. Einen Pacht antreten. Aus dem Pachte gehen. In der engsten Bedeutung ist der Pacht der Genuß des Ertrages eines Landgutes oder eines Stückes der Erdfläche gegen eine jährliche verhältnißmäßige Geldsumme. Ein Gut in Pacht haben. Der Pacht eines Ackers, eines Gartens. ( S. Pachten.) 3) Figürlich wird auch das Pachtgeld sehr häufig nur der Pacht genannt. Das Gut gibt hundert Thaler Pacht, trägt dem Besitzer so viel Pachtgeld ein. Den Pacht bezahlen. Mehr Pacht biethen. Viel, wenig Pacht geben. Den Pacht schuldig bleiben.

Anm. Der Plural ist in der zweyten Bedeutung von mehrern Arten des Pachtes am üblichsten, so wie er in der dritten nur von mehrern Summen Statt findet. Der Pracht in der zweyten Bedeutung heißt im mittl. Lat. Pactum, Appactus, Appaltus, Affictus, Fictum, Fictus, im Ital. Appalto, Fitto, Affitto. Wäre es nicht überwiegend wahrscheinlich, daß es von Pactum entlehnet worden, so würde das mittl. Lat. pacare, zahlen, bezahlen, Ital. pagare, Franz. payer, von welchem, Paagium, Pacagium, Pedagium, Franz. Peage, ehedem auch einen Tribut, eine Steuer bedeutete, ein bequemes Stammwort abgeben. Im Deutschen scheinet es jüngern Ursprunges zu seyn, wenigstens kommt es in der ersten Bedeutung eines Gesetzes am frühesten vor. In vielen, besonders Niederdeutschen Gegenden, ist es weiblichen Geschlechtes, die Pacht, dagegen die Hoch- und Oberdeutschen es beständig im männlichen gebrauchen, welches auch dem Lat. Pactum gemäßer ist. In einigen Oberdeutschen Provinzen lautet dieses Wort Pfacht. Übrigens ist statt desselben im Oberdeutschen auch Bestand, und in einigen, besonders Niederdeutschen, Gegenden auch Arrende üblich, aus dem Franz. Arrende. S. Pachten.


Pachtanschlag (W3) [Adelung]


Der Pachtanschlag, des -es, plur. die -schläge, der Anschlag, oder die Schätzung des jährlichen Ertrages eines Dinges, welches verpachtet werden soll; zum Unterschiede von dem Kaufanschlage.


Pachtbauer (W3) [Adelung]


Der Pachtbauer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bauer, welcher ein Bauergut in Pacht hat. Ingleichen, ein Bauer, so fern er ein anderes Grundstück in Pacht hat, besonders im Gegensatze des Verpachters. Jemandes Pachtbauer seyn müssen, sich von ihm allerley Lasten und Beschwerden müssen aufbürden lassen. Im Nieders. lautet das Wort in dieser Redensart Packbuur, Packbauer; daher unser Hochdeutsches entweder auch von packen abstammet, oder die Niedersachsen, bey welchen das Wort Pacht nicht so gewöhnlich ist, dasselbe von den Oberdeutschen entlehnet haben müssen.


Pachtbrief (W3) [Adelung]


Der Pachtbrief, des -es, plur. die -e, der Brief, d. i. die Urkunde, über einen geschlossenen Pacht, der schriftliche Pacht-Contract.


Pacht-Contract (W3) [Adelung]


Der Pacht-Contract, des -es, plur. die -e, der Contract oder Vertrag über die Nutzung einer Sache gegen eine gewisse jährliche Geldsumme; der Pacht, der Pachtvertrag. Ingleichen der schriftliche Aufsatz desselben; der Pachtbrief.


Pachten (W3) [Adelung]


Pachten, verb. reg. act. den Ertrag, die Nutzung einer Sache gegen ein dafür bestimmtes angemessenes jährliches Geld an sich bringen. Die Besserung der Wege pachten. Die Zölle, Accise, den Zehnten eines Gutes u. s. f. pachten. In engerer Bedeutung, den Ertrag eines Landgutes oder einen nutzbaren Theil der Erdfläche gegen ein bestimmtes Pachtgeld an sich bringen. Ein Gut pachten. Einen Acker pachten. Einen Garten pachten. Bey dem Worte miethen ist bemerkt worden, daß das Zeitwort pachten von solchen Gegenstände gebraucht werde, welche erst durch Arbeit oder Mühe nutzbar gemacht werden müssen, miethen aber von solchen, welche sogleich ohne weitere Arbeit gebraucht werden können. Noch genauer und bestimmter lässet sich der Unter- schied so angeben, daß pachten zunächst die Nutzung im engsten Verstande, d. i. den Gebrauch zur Erwerbung zeitlichen Vermögens, zur Absicht habe, miethen aber auf andere Bedürfnisse gehe. Daher pachtet der Gärtner, welcher den Ertrag nutzen will, einen Garten, welchen der bloße Liebhaber der Gartenlust miethet. Daher werde die Zölle, die Accise und andere Einkünste gepachtet und verpachtet, aber nicht gemiethet und vermiethet, weil die Absicht des Pachters die Erwerbung zeitlichen Vermögens ist, ungeachtet sie keine andere Bearbeitung bedürfen, als ein Pferd, ein Haus oder andere Dinge, welche man miethet. Daher die Pachtung. S. Pacht.


Pachter (W3) [Adelung]


Der Pachter, des -s, plur. die Pächter, Fämin. die Pachterinn, eine Person, welche etwas gepachtet hat, eine Sache pachtweise besitzet. Besonders eine Person, welche ein Landgut vermittelst eines Pacht-Contractes besitzet; der Pachtinhaber, im Oberdeutschen der Beständner, im Nieders. der Heuersmann. In einigen Gegenden, selbst im Hochdeutschen, ändert dieses Wort den reinen Vokal auch im Singular, der Pächter, die Pächterinn.


Pachtfrau (W3) [Adelung]


Die Pachtfrau, plur. die -en. 1) Eine Frau, welche etwas gepachtet hat. 2) Die Ehefrau eines Pachters; besser die Pachterinn.


Pachtgeld (W3) [Adelung]


Das Pachtgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, das verglichene Geld, welches der Pachter für die Nutzung einer gepachteten Sache dem Eigenthümer entrichtet; der Pacht, der Pachtschilling, der Pachtzins, das Bestandgeld.


Pachtgut (W3) [Adelung]


Das Pachtgut, des -es, plur. die -güter, ein Gut, welches man gepachtet hat, welches man pachtweise besitzt; zum Unterschiede von einem Gute, welches man eigenthümlich besitzet.


Pachtherr (W3) [Adelung]


Der Pachtherr, des -en, plur. die -en, der Eigenthumsherr einer verpachteten Sache; der Verpachter.


Pachtinhaber (W3) [Adelung]


Der Pachtinhaber, des -s, plur. ut. nom. sing. Fämin. die Pachtinhaberinn, eine Person, welche etwas pachtweise besitzet; der Pachter, die Pachterinn.


Pachtjahr (W3) [Adelung]


Das Pachtjahr, des -es, plur. die -e, eines von den Jahren, auf welche ein Pacht geschlossen ist.


Pachtleute (W3) [Adelung]


Die Pachtleute, sing. inus. Leute, d. i. geringe Personen beyderley Geschlechtes, welche etwas in Pacht haben.


Pachtlos (W3) [Adelung]


Pachtlos, adj. et adv. des Pachtes beraubt. Ein Gut wird pachtlos, wenn der Pachter von demselben abziehet. Ein Pachter ist pachtlos, wenn er keine Sache in Pacht hat.


Pachtlustig (W3) [Adelung]


Pachtlustig, -er, -ste, adj. et adv. in den Kanzelleyen einiger Gegenden, Lust, d. i. Neigung, habend, etwas zu pachten, wie kauflustig, geneigt etwas zu kaufen. S. Lustig.


Pachtmann (W3) [Adelung]


Der Pachtmann, des -es, plur. die -männer, oder -leute, eine Person männlichen Geschlechtes, welche ein Ding in Pacht hat; der Pachter.


Pachtmühle (W3) [Adelung]


Die Pachtmühle, plur. die -n, eine Mühle, welche man nur pachtweise besitzet. Daher der Pachtmüller, welcher sie auf diese Art besitzet.


Pachtschäfer (W3) [Adelung]


Der Pachtschäfer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schäfer, welcher die Schäferey gepachtet hat; zum Unterschiede von dem Lohn- und Menge- oder Setzschäfer.


Pachtschilling (W3) [Adelung]


Der Pachtschilling, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -e, das Pachtgeld, S. Schilling.


Pachtweise (W3) [Adelung]


Pachtweise, adv. in Gestalt, nach Art eines Pachtes. Etwas pachtweise besitzen, vermöge eines Pachtes.


Pachtzins (W3) [Adelung]


Der Pachtzins, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -e, in eben dem Verstande wie Pachtschilling.


Pack (W3) [Adelung]


1. Der oder das Pack, des -es, plur. die -e, Diminut. das Päckchen, Oberd. Päcklein, mehrere zusammen gelegte und von außen mit einander verbundene Dinge. Ein Pack Briefe, Kleider, Waaren, Bücher. Sein Pack unter dem Arme tragen. Er will dieses Pack mitnehmen. Ein ganzer Pack Schriften. Mit Sack und Pack ausziehen, mit allem, was man hat, mit allen seinen Geräthschaften. In einigen Gegenden ist es auch eine bestimmte Zahl. So ist z. B. in dem Tuchhandel zu Nürnberg, Braunschweig u. s. f. ein Pack Tücher, eine Zahl von zehen Stück, jedes von 32 Ellen.

Anm. Im Nieders. Pack, Pucke, im Ital. Pacco, im Isländ. Bagge, im Schwed. Packe, im Wallis. Baich, im Engl. Pack, im Span. Baca, im Franz. ehedem Bague, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , im mittl. Lat. Paccus, ( S. 3 Packen.) Der Pack und das Pack werden selbst im Hochdeutschen ohne allen Unterschied gebraucht, doch ist das erste üblicher. Für Pack ist auch Packt und das aus dem Franz. entlehnte Packet üblich, ( S. das letztere.) Ein großer Pack heißt im gemeinen Leben zuweilen ein Packen. Ein Bündel besteht bloß aus mehrern zusammen gebundenen Dingen. Pack setzet voraus, daß die Dinge zusammen gelegt, fest auf einander gedruckt, und dann erst von außen mit einander verbunden worden. Indessen ist das Hauptwort Pack nicht in allen den Fällen üblich, wo das Zeitwort packen gebraucht wird. Man packt allerley Dinge in ein Faß, in einen Koffer, in eine Schachtel u. s. f. und nennet diese zusammen gepackten Dinge doch nicht Packe, welcher Nahme nur alsdann Statt findet, wenn sie von außen entweder mit gar keiner oder doch nur mit einer weichen biegsamen Hülle umgeben sind.


Pack (W3) [Adelung]


2. Das Pack, des -es, plur. car. in der verächtlichen Sprechart, eine Gesellschaft lasterhafter oder niedriger Leute, liederliches Gesindel. Es ist Pack. Schelmpack, Diebespack, Lumpenpack, Hurenpack u. s. f. In einigen Oberdeutschen Gegenden bedeutet es auch den Troß bey einer Armee, da es denn zugleich männlichen Geschlechtes ist. Der Pack ziehet nach. Im Hochdeutschen ist es alle Mahl ungewissen Geschlechtes.

Anm. Nieders. Pack, Packhoop, Pack und Ploje, Schwed. und Engl. gleichfalls Pack. Es ist ohne Zweifel eine Figur des vorigen, und bedeutet eigentlich zusammen gelaufenes Gesindel, durch gemeinschaftliche Laster mit einander verbundene Personen, so wie das letzte Wort in dem im gemeinen Leben üblichen Hack und Mack eben diese Bedeutung hat. Indessen kann es seyn, daß dieses Wort anfänglich den bey dem Gepäcke eines Kriegsheeres befindlichen Troß bedeutet hat, weil das Französische Bagage auf ähnliche Art von liederlichem Gesindel gebraucht wird.


Packbauer (W3) [Adelung]


Der Packbauer, S. Pachtbauer.


Packbret (W3) [Adelung]


Das Packbret, des -es, plur. die -er, die an einer Kutsche so wohl vorn als hinten befindlichen Breter, die Koffer und andere Packe daselbst aufzupacken; die Packbrücke.


Packdecke (W3) [Adelung]


Die Packdecke, plur. die -n, die Decke, welche einem Packpferde über das Gepäck geleget wird.


Packeisen (W3) [Adelung]


Das Packeisen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Salzwerken, kleine runde eiserne Spaten, das Salz, wenn es in den Körben zu fest und trocken geworden, damit auszustechen oder auszustoßen; der Packspaten. Etwa von bicken, piken, Nieders. poken, stechen?


Packen (W3) [Adelung]


Der Packen, des -s, plur. ut nom. sing. S. 1 Pack.


Packen (W3) [Adelung]


1. Packen, verb. reg. recipr. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, und eigentlich sich schnell bewegen bedeutet. So pack dich her und rede! Less. Pack dich herein! Packt euch hinauf! In engerer Bedeutung sich schnell fortbewegen, sich fortpacken; wo es, so wie in der vorigen allgemeinern Bedeutung, gemeiniglich einen Unwillen von Seiten des Redenden voraus setzet. Packe dich deiner Wege, packe dich fort. Packe er sich, Less. Nun packt euch, daß ihr einmahl hinaus kommt, Weiße. Bis oft gestoßen, oft geschmissen, Sich endlich beyde packen müssen, Haged.

Anm. Im Nieders. packen. Im Engl. ist to pack away gleichfalls sich fortpacken, im Schwed. packa, im Finnländ. pakenen, wo Paco auch die Flucht ist. Wachter leitet es von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, her, wovon auch das Lat. apage herstammet. Ihre hält es für eine Figur von 3 Packen, und erkläret es durch abitum parare. Allein es ist wohl unstreitig ein Intensivum von wegen, weichen, wovon auch fackeln, fickfacken u. s. f. Intensiva in einer andern Bedeutung sind. Die Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - haben in der letzten Hälfte das einfache Zeitwort - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wegen. Die Niedersachsen haben von packen das Diminut. pakern, mit kurzen Schritten laufen, traben. Eben daselbst ist von padden, pedden, treten, auch das Diminut. padken, gehen, mit kurzen Schritten einher treten, üblich; sich fort padken, sich aus dem Staube machen.


Packen (W3) [Adelung]


2. Packen, verb. reg. act. welches gleichfalls nur im gemeinen Leben üblich ist, fest, gewiß angreifen, gewiß anfassen, es sey nun mit der Hand, oder mit den Klauen und dem Maule. Die Hunde haben ein Thier gut gepackt, wenn sie es mit dem Maule gewiß gefasset haben. Ich kann es nicht recht packen, nicht fest, gewiß, angreifen. Eine Person zu packen, kriegen, sie doch angreifen. Nehmen was man zu packen kriegt. Die Jäger packen ein Wild, wenn sie es mit dem Gewehre gut fassen, und im Nieders. ist packen auch von dem Fassen mit dem Verstande üblich. Ich kann es nicht packen, kann es nicht begreifen. Siehe auch Anpacken. Anm. Auch dieses Zeitwort ist, wie aus den härten Buchstaben erhellet, ein Intensivum, aber von dem alten fahen, fassen, fangen.


Packen (W3) [Adelung]


3. Packen, verb. reg. act. mehrere Dinge fest zusammen legen, sie auf solche Art zusammen fügen und fest mit einander verbinden. Die Häringe in die Tonnen, die Kleider in den Koffer, die Bücher in den Kasten, die Waaren auf den Wagen packen. Die Waaren sind nicht gut gepackt. Ingleichen figürlich. Ein Faß, eine Kiste, einen Koffer packen, die bestimmten Sachen hinein packen. Nach einer andern Figur sagt man im Scherze die Karte packen, sie künstlich mischen. Daher das Packen. S. auch Abpacken, Aufpacken, Auspacken, Bepacken, Einpacken u. s. f. Anm. In mittlern Lat. paccare, im Ital. gleichfalls paccare, im Engl. to pack, im Schwed. packa, im Finnländ. pacotan. Allem Ansehen nach ist es das Intensivum von fügen, welches zur Bezeichnung der Intension seine weichen Mitlauter in die harten verwandelt hat. Die Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, dicht, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich mache fest und dicht, das alte Lat. pago, Compages, und andere sind freylich damit verwandt, ohne eben, wie Wachter und Frisch wollen, die Quelle des Deutschen Wortes zu seyn. S. Packwerk.


Packer (W3) [Adelung]


Der Packer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Person, welche packt, besonders in Handelsstädten, Leute, welche ein Geschäft daraus machen, die Waaren, welche verschickt werden sollen, einzupacken, und welche zuweilen auch Ballenbinder heißen. 2) Bey den Jägern, ein großer starker Hund, welcher ein wildes Schwein anpackt und so lange hält, bis man demselben den Fang gibt.


Päckerey (W3) [Adelung]


Die Päckerey, plur. die -en, mehrere Packe oder Packete, das Gepäck, das Packgeräth.


Packet (W3) [Adelung]


Das Packet, des -es, plur. die -e, aus dem Französischen Pacquet, und dieß aus dem Ital. Diminut. Pacchetto, ein kleines Pack, ein Päckchen. Ein Packet Briefe, Waaren u. s. f. Ungeachtet Packet schon ein Verkleinerungswort ist, so macht man zuweilen doch noch ein neues Diminutivum davon, das Packetchen.


Packet-Both (W3) [Adelung]


Das Packet-Both, des -es, plur. die -e, in den Seestädten, ein Fahrzeug, welches, so wie zu Lande eine Post, zu bestimmter Zeit mit Briefen, Packeten und Personen zu Wasser von einem Orte zum andern fähret.


Packgeräth (W3) [Adelung]


Das Packgeräth, des -es, plur. inus. ein Collectivum, zusammen gepackte Geräthschaften zu bezeichnen. Das Packgeräth eines Kriegsheeres, das Gepäck; mit einem Französischen Ausdrucke die Bagage.


Packhaus (W3) [Adelung]


Das Packhaus, des, -es, plur. die -häuser, ein öffentliches Haus, in welchem nicht nur die eingepackten Waaren eine Zeit lang aufbehalten werden, sondern wo sie auch auf- und abgepackt, und zur Entrichtung der obrigkeitlichen Gefälle ausgepackt werden müssen; der Packhof, wenn es ein großes mit einem ansehnlichen Hofe versehenes Gebäude ist. In der Schweiz eine Zust oder Suste, an andern Orten, von den daselbst befindlichen großen Wagen, auch wohl die Wage.


Packleinwand (W3) [Adelung]


Die Packleinwand, plur. inus. grobe Leinwand, Waaren darein zu packen; das Packtuch.


Packmeister (W3) [Adelung]


Der Packmeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Postbedienter, welcher das Gepäck in seiner Aussicht und Besorgung hat.


Packnadel (W3) [Adelung]


Die Packnadel, plur. die -n, eine große starke mit einem Öhre versehene Nadel, die äußere Hülle der Packe oder Packete mit groben Zwirne oder Bindfaden zusammen zu nähen.


Packpapier (W3) [Adelung]


Das Packpapier, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, grobes starkes Papier, verschiedene Dinge darin einzupacken.


Packpferd (W3) [Adelung]


Das Packpferd, des -es, plur. die -e, ein Pferd, welches Packe und eingepackte Waaren trägt; im Oberd. ein Saumpferd, ein Saumer, S. dieses Wort.


Packraum (W3) [Adelung]


Der Packraum, des -es, plur. die -räume, derjenige Raum, in welchen etwas gepackt werden kann und soll. Die Packraume in der Kutsche, unter dem Sitze, unter dem Fußboden, unter dem Bocke. Ingleichen ein Raum, wo Waaren und andere Dinge eingepacket werden. In den Salzwerken ist der Packraum ein Gebäude, wo das Salz in Fässer und Tonnen eingepackt wird.


Packriemen (W3) [Adelung]


Der Packriemen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Riemen, so fern derselbe zur Befestigung eines Packes dienet. Besonders lederne Riemen, das Gepäck auf dem Packpferde zu befestigen.


Packsattel (W3) [Adelung]


Der Packsattel, des -s, plur. die -sättel, ein Sattel, welcher den Packpferden und andern Lasten tragenden Thieren aufgelegt wird, um diese Lasten daran zu befestigen, und das Drücken zu verhindern.


Packspaten (W3) [Adelung]


Der Packspaten, des -s, plur. ut nom. sing. S. Packeisen.


Packstock (W3) [Adelung]


Der Packstock, des -es, plur. die -stöcke, ein starker Stock oder Knüttel, die großen Ballen damit zu packen, und die Stricke, womit sie umwunden werden, damit fest zu ziehen; der Packknüttel, Packbängel, das Packscheit, Raitelschait, im Niedersächs. Wreil.


Packt (W3) [Adelung]


Der Packt, des -es, plur. die -e, S. Pack.


Packtuch (W3) [Adelung]


Das Packtuch, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -tücher, grobes Tuch, d. i. häufene Leinwand, Waaren darein zu packen; Packleinwand, im Schwab. Blah. Auch wohl ein Tuch, welches über ein Packpferd gedeckt wird, wie Packdecke.


Packwagen (W3) [Adelung]


Der Packwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein zum Gepäcke bestimmter Reisewagen, ein Wagen, worauf das Packgeräth eines oder mehrerer Reisenden gepackt wird.


Packwerk (W3) [Adelung]


Das Packwerk, des -es, plur. die -e, in dem Wasserbaue, ein aus Faschinen und Würsten gegen das Wasser verfertigtes Werk, das Auswaschen des Ufers von dem Wasser zu verhindern. Von packen, entweder so fern es überhaupt verbinden bedeutet, oder auch so fern die Faschinen, aus welchen ein solches Werk bestehet, fest auf einander gepackt und befestiget werden.


Packwesen (W3) [Adelung]


Das Packwesen, des -s, plur. inus. alles was das Gepäck oder das Packgeräth betrifft. Auch in der Bedeutung des Wortes Packwerk, alles was das Packwerk im Wasserbaue betrifft. Das Packwesen verstehen.


Pact (W3) [Adelung]


Der Pact, des -es, plur. die -e, ein aus dem Lat. Pactum entlehntes, aber nur im gemeinen Leben übliches Wort, einen Vertrag zu bezeichnen. Einen Pact mit jemanden machen. Den Pact brechen. Einen Pact mit dem Satan haben. S. Pacht 1.


Pactbürger (W3) [Adelung]


Der Pactbürger, des -s, plur. ut. nom. sing. in einigen Städten, ein Schutzverwandter, ein Einwohner welcher nur unter einer gewissen Bedingung, oder in gewisser Rücksicht Bürger ist; an einigen Orten auch wohl ein Pachtbürger. Von Pact, Pactum. S. Schutzverwandt.


Padde (W3) [Adelung]


* Die Padde oder Pedde, plur. die -n, der Niederdeutsche Nahme einer Kröte; von pedden, treten, ( S. 2 Kröte.) Ital. Botta, Franz. Botte. Auch das Auslaufen des Rindviehes ist daselbst unter dem Nahmen der Padde bekannt. S. 1 Kröte.


Paff (W3) [Adelung]


Paff, ein unabänderliches Wort, welches den Laut eines gedämpften Schalles oder Knalles nachahmet, der, wenn er kleiner oder seiner ist, durch Piff, und wenn er gröber ist, durch Puff ausdruckt wird. Piff, Puff, Paff, Puff, geht sein Gewehr, Weiße. Daher das im gemeinen Leben übliche paffen, einen solchen Laut von sich geben, versuchen. Stammelnd. Kinder pflegen das Tabackrauchen anderer gleichfalls paffen zu nennen, weil der Laut, welchen manche bey dem Auslassen des Rauches mit dem Munde machen, dem Worte Paff ähnlich ist.


Pagament (W3) [Adelung]


Das Pagament, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, aus dem mittlern Lat. Pagamentum, in den Münzen, allerley unter einander geschmelztes Metall, besonders allerley unter einander geschmelztes Silber; ferner ungemünztes Silber. Im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Niedersachsens, bedeutet es auch alles, womit man zahlet oder bezahlet, Geld, ingleichen eine Münzsorte, wie auch das Aufgeld, welches man auf eine geringhaltige Münze legen muß. Alles aus dem mittlern Lat. pagare, Franz. payer, Engl. to pay, zahlen, bezahlen.


Pagat (W3) [Adelung]


Der Pagat, des -es, plur. die -e, in dem Tarock-Spiele, das mit einer Römischen I bezeichnete Blatt, welches das vornehmste Blatt ist, um welches sich das ganze Spiel drehet. Das Wort ist eben so ausländisch, als das ganze Spiel. Im Frischlin ist Pagatz Longurio, ein langer Mensch.


Page (W3) [Adelung]


Der Page, (sprich Pasche,) des -n, plur. die -n, aus dem Franz. Page, ein adeliger Knabe, welcher einem Vornehmern zur Aufwartung dienet; ein Edelknabe. Als Page dienen. Page seyn. S. Kammer-Page, Leib-Page, Jagd-Page u. s. f.

Anm. Im Ital. Paggio Das mittlere Lat. Pagius bedeutet einen jeden Aufwärter und Bedienten. Bag ist ein altes weit ausgebreitetes Wort, welches einen Knaben bedeutet, und zu dessen Geschlechte mit andern Endlauten auch unser Bube, das Lat. Puer, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gehören. Marpais war im Longobardischen ein Marschall, eigentlich ein Pferdeknabe oder Pferdediener. Nach dem Curtius hießen die Edelknaben der Persischen Monarchen Bagoae, und bey den heutigen Persern heißt ein Lackey Peik. Im Schwed. bedeutet noch jetzt Bagge einen Jüngling, und Pojke einen Knaben, Dän. Pog, Engl. Boy. Im Finnländ. heißt Poika, im Esthnischen Pois, und im Litthauischen Poig, der Sohn.


Pagen-Hofmeister (W3) [Adelung]


Der Pagen-Hofmeister, des -s, plur. ut nom. sing. an den Höfen, ein Hofmeister, welcher die Pagen in seiner Aufsicht hat. So auch das Pagen-Haus, der Pagen-Bediente, der Pagen-Koch, u. s. f.


Pagode (W3) [Adelung]


Die Pagode, plur. die -n, ein Chinesischer oder Ost-Indischer Götzentempel; aus dem Portugiesischen Pagoda, und dieß aus dem Persischen Pulgeda, ein Götzentempel.


Paille (W3) [Adelung]


Paille, (sprich Palje,) das Franz. Paille, welches Stroh bedeutet. Man gebraucht es im Deutschen nur, eine Art der blaßgelben Farbe zu bezeichnen, welche aus schwefelgelb und ein wenig röthlich grau bestehet, und der Farbe des Strohes gleicht; strohgelb. Das Tuch ist paille oder paille-farbig.


Paißelbeere (W3) [Adelung]


Die Paißelbeere, S. Berberis.


Päckel (W3) [Adelung]


Der Päckel, ein im Nieders. für Bökel, Salzbrühe, übliches Wort, S. Bökel.


Palander (W3) [Adelung]


Die Palander, plur. die -n, aus dem Ital. Palandra, Franz. Palangre, eine Art platter Fahrzeuge auf der mittelländischen See, in der Größe eines starken Schiffes, welche von starken Holze und mit Eisen beschlagen sind, und so wohl zum Fischfange, als auch zu Bombardier-Gallioten gebraucht werden. In Genua heißt ein solches Fahrzeug Paramite.


Palast (W3) [Adelung]


Der Palast, S. Pallast.


Palatin (W3) [Adelung]


Der Palatin, des -es, plur. die -e, eine Art zierlicher Halstücher des andern Geschlechtes, welche von Rauchwerk, oft aber auch von Sammet, Flor u. s. f. verfertiget sind, und deren beyde lange Enden gemeiniglich vorn herunter hängen. Aus dem Franz. Palatine, wo dieses Kleidungsstück den Nahmen von seiner Erfinderinn, einer Pfalzgräfinn, bekommen haben soll. Einige gebrauchen es im sächlichen Geschlechte, welches aber im Hochdeutschen, ungewöhnlich ist. Ein zartes Palatin, zu dünn etwas zu decken, Ist doch bemüht, die Brust verräthrisch zu verstecken. Zachar. Ein Palatin von Rauchwerk heißt bey einigen ein Pelzkragen.


Palester (W3) [Adelung]


Der Palester, S. Balester.


Palette (W3) [Adelung]


Die Palette, plur. die -n, aus dem Franz. Palette, bey den Mahlern, ein dünnes rundes oder rundliches Bret von hartem Holze, welches vermittelst eines darin befindlichen Loches auf den Daumen gesteckt wird, und worauf der Mahler die Farben setzet, ordnet und mischet. Ein Gemählde verräth die Palette, schmeckt nach der Palette, wenn die Mischung nicht geschick genug gemacht worden, so daß die einzelnen Farben, welche vermischt worden, zu kenntlich sind. Im mittlern Lat. ist Paletum eine runde Scheibe. Es ist ein Diminut. vielleicht von dem noch im Schwed. üblichen Pall. Isländ. Paller, ein Schämmel.


Palier (W3) [Adelung]


Der Palier, Palieren, S. Polirer, Poliren.


Palisade (W3) [Adelung]


Die Palisade, S. Pallisade.


Pallasch (W3) [Adelung]


Der Pallasch, des -es, plur. die -e, ein kurzes Seitengewehr der Soldaten zu Fuß, welches eine gerade breite Klinge und gemeiniglich einen stumpfen dicken Rücken hat. Das Wort ist, so wie das Gewehr selbst, vermuthlich Slavonischen Ursprunges. In dem Glossar. Chaucico in Leibnitzens Collect. Etymol. kommt Pollesch von einer Streitart vor, welches aber aus bal, bol, groß, oder auch von bal, böse, streitend, und Art zusammen gesetzet ist. Im Schwed. ist Balyxa und Bolyxa gleichfalls eine große Art eine Streitart. Indessen kommt doch im mittlern Lat. Balasardus von einem kurzen Degen vor, welcher auch Badelare, Badarellus, und im alten Franz. Bazelaire genannt wird.


Pallast (W3) [Adelung]


Der Pallast, des -es, plur. die Pallaste, ein großes prächtiges Gebäude, besonders so fern es einem vornehmen Herrn zur Wohnung dienet. Das ist kein Haus, das ist ja ein Pallast. Sie stehen fest wie ein Pallast, Pf. 73, 4. Und werden Dornen wachsen in ihren Pallästen, Nesseln und Disteln in ihren Schlössern, Es. 34, 13. Ein königlicher, fürstlicher, gräflicher Pallast.

Anm. Schon im 9ten Jahrh. Palice, bey dem Ottfried mit dem eingeschalteten n, Palinza, beym Notker Falanzo bey an- dern Palags, Palas, Pfalz u. s. f. Es ist aus dem Lat. Palatium, welches ursprünglich ein jedes Gebäude bedeutet haben mag, da es denn mit Pfahl oder auch mit dessen Verwandten, bal, bol, bo, hoch, groß verwandt sein würde. So fern aber Palatium anfänglich der Nahme eines Hügels zu Rom war, gehöret es unstreitig zu dem alten bal, bol, hoch, groß. Im Deutschen liegt der Ton im Singular bald auf der ersten, bald aber auch auf der letzten, im Plural aber alle Mahl auf der letzten Sylbe. Das doppelte l ist so wie in dem folgenden um der Deutschen Aussprache willen nothwendig, obgleich das Lateinische nur ein einfaches hat. Unmittelbar von Palus, ein Pfahl, ist im mittlern Lat. Palacium, Palitium, ein Pfahlwerk, Pallisaden, S. Pfalz.


Pallette (W3) [Adelung]


Die Pallette, plur. die -n, aus dem Franz. Pallete, eine Verzierung der Knopflöcher, welche aus Gold-Silber- oder Seidenfäden bestehet, die um ein Pergament gewunden werden. Daher der Pallett-Macher, das Pallet-Rad, u. s. f.


Pallier (W3) [Adelung]


Pallier, Palliren, S. Polierer, Poliren.


Pallisade (W3) [Adelung]


Die Pallisade, plur. die -n, ein besonders in der Befestigungskunst übliches Wort, starke hölzerne, oben und unten zugespitzte Pfähle zu bezeichnen, welche fünf bis sechs Schuh über die Erde hervorragen, und zwey Schuh tief nahe an einander in die Erde gesetzet werden; der Schanzpfahl, Pallisaden um den Graben setzen. Mit Pallisaden verwahren. Es ist aus dem Franz. Palissade und Ital. Palisada, Palizzata, Palicciata, welche von dem Lat. Palus, ein Pfahl, abstammen, und eigentlich ein Pfahlwerk, eine aus mehrern Pfählen bestehende Befestigung, nicht aber einzelne Pfähle bezeichnen, wie man es im Deutschen zu gebrauchen pflegt.


Palm (W3) [Adelung]


Der Palm, des -es, plur. die -e, S. 2 Palme.


Palmbaum (W3) [Adelung]


Der Palmbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Asiatischer Baum, welcher nur allein in Ostindien wächset, und einen einfachen geraden Stamm hat, der nur an seinem Gipfel aus Einem Puncte lange schmahle spitzige Blätter treibt, welche, so wie der Baum höher wächset, abfallen, aber den untern Theil an dem Baume sitzen lassen, daher der ganze Stamm mit solchen Überbleibseln besetzt ist. Palma L. auch im Deutschen nur schlechthin die Palme. Die Zwergpalme, Weinpalme, ( S. Palmwein,) Schirmpalme, der Sagobaum, der Kokosbaum, der Dattelbaum, der Arekabaum, die Pflaumpalme, die Keulpalme und die brennende Palme, sind Arten dieses Geschlechtes. In der Monserischen Glosse Palmpouma. Der Nahme ist aus dem Lat. Palma, welches wiederum morgenländischen Ursprunges zu seyn scheinet. Aber so ausländisch er auch seyn mag, so kann er doch die allgemeine Verwandtschaft aller Sprachen und den gemeinschaftlichen Ursprung der Wörter nicht verläugnen. Da alle eigentliche Palmarten lange spitzige Blätter haben, so ist sehr wahrscheinlich, daß auch der Baum von dieser Gestalt derselben seinen Nahmen bekommen hat, da denn dieses Wort kein anderes ist, als das folgende 3 Palme. Da indessen bey den Palmen die starke runde Blumenscheide, welche bey einigen über 2000 Blüthen enthält, aus dem Gipfel hervor kommt: so kann auch dieser Umstand zu der Benennung Anlaß gegeben haben, da denn das Wort mit 2 Palme zu ball, boll, rund, dem Nieders. Bolle, die Zwiebel, Pölle, der Gipfel, u. s. f. gehören würde.


Palme (W3) [Adelung]


1. Die Palme, plur. die -n. 1) Der Palmbaum, ( S. das vorige.) 2) Ein Palmzweig, ein Zweig des Palmbaumes. Mit weißen Kleidern und Palmen in ihren Händen, Offenb. 7, 9. S. Palmzweig.


Palme (W3) [Adelung]


2. Die Palme, plur. die -n, ein im gemeinen Leben noch sehr übliches Wort, welches vornehmlich in einer doppelten Bedeutung vorkommt. 1) Die Augen oder Knospen an den Weinstöcken werden in den Weinländern Palmen genannt. Man muß den Wein- stock heften, ehe die Palmen ausschlagen, sonst wenn die Palmen an den Reben ausschlagen, thut man ihnen leichtlich Schaden, Coler im Hausbuche bey dem Frisch. Ja im Nieders. heißen alle Knospen Palmen, und im männlichen Geschlechte zuweilen Palme. Besonders führen diesen Nahmen diejenigen Blüthknospen an den jungen Zweigen der Weiden, Erlen, Haseln u. s. f. wohin die Bienen im Frühlinge zuerst fliegen. Daher wird der Anfang des Frühlinges, wenn die Knospen an diesen Bäumen hervorkommen, die Palmzeit genannt. 2) In engerer Bedeutung sind die Palmen, besonders in Niedersachsen, die Blüthknospen der Weiden, Erlen, Haseln und anderer Gewächse, welche in viele seidenartige Haare eingehüllet sind, und hernach die so genannten Kätzchen geben. Weil sie um Ostern zum Vorscheine zu kommen pflegen, so pfleget man sie auch Osterpalmen zu nennen. In andern Gegenden heißen sie Minsel, ( S. das Wort.) Ein mit solchen Palmen oder Kätzchen versehener Zweig des Weidenbaumes, welchen man in der Römischen Kirche am Palmsonntage in Ermangelung echter Palmzweige zu weihen pflegt, wird gleichfalls die Palme genannt. S. Palmzweig. Anm. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Wort die runde, erhabene Beschaffenheit der Knospen ausdruckt, da es denn vermittelst des Ableitungslautes, m, von ball, boll, rund, abstammen, und mit Ball, Beule, Bolle, Bühel u. s. f. Eines Geschlechtes seyn würde; wenn nicht vielmehr die wollige Beschaffenheit der meisten Arten von Knospen zu dieser Benennung Anlaß gegeben, da man es vielmehr zu Wolle und Fell rechnen müßte.


Palme (W3) [Adelung]


3. Die Palme, plur. -n, eine Benennung verschiedener mit Dornen oder Stacheln versehenen Gewächse. 1) Der Christdorn, oder Myrtendorn, Ilex aquifolium L. welcher ovalrunde spitzige stechende Blätter hat, wird in vielen Gegenden stechende Palme oder Stechpalme, in andern Stechbaum, Stechlaub und Hülse genannt. 2) Der Mäusedorn, Ruscus aculeatus L. heißt an manchen Orten gleichfalls stechende Palme oder Stechpalme.

Anm. Da beyde Gewächse schmale stachelige Blätter oder doch Dornen haben, auf welche auch ihre übrigen Nahmen abzielen, so ist sehr wahrscheinlich, daß sie dieser Eigenschaft auch den Nahmen Palme zu danken haben, der alsdann mit Pfahl, Beil, Bolz, Pfeil, dem Lat. Palea, von vielen andern Eines Geschlechtes seyn, und die stachelige Beschaffenheit der Blätter oder Dornen bezeichnen würde. S. Palmbaum, dessen Nahme eben dieselbe Abstammung leidet und erfordert.


Palme (W3) [Adelung]


4. Die Palme, plur. die -n, ein in Nieder-Deutschland und den nördlichen Gegenden übliches Maß, wornach die Dicke der Mastbäume und des runden Holzes bestimmt wird. In Hamburg hält die Palme in die Ründe 42 1/3 Französische Linien, im Durchmesser aber 1 1/2 solche Linien. In Holland und Norwegen hält die Palme 39 3/10 Französische Linien, und drey Palmen machen daselbst 10 Zoll 2 Linien Dänischen Maßes. Es ist hier ohne Zweifel das Italiänische Palmo; einer flachen Hand breit, welches von dem Lat. Palma, die flache Hand, abstammet, und gleichfalls häufig als ein Längenmaß gebraucht wird. Schon im Isidor ist Folmo und im Angels. Folm die flache Hand, welches denn entweder von fahen, fassen, abstammen, oder auch zunächst die Fläche bezeichnen kann, in welchem letztern Falle es mit Palette zu Bohle, Feld und andern dieses Geschlechtes gehören würde.


Palmeichhörnchen (W3) [Adelung]


Das Palmeichhörnchen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Eichhörner, welche ihr Leben in den warmen Ländern auf den Palmbäumen zubringt; Sciurus Palmarum L. die Palmratze, weil es gewisser Maßen einer Ratze gleicht, der Palmist, nach dem Franz. Palmiste.


Palmesel (W3) [Adelung]


Der Palmesel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Römischen Kirche, ein geschnitzter Esel, welcher am Palmsonntage, wenn der Einzug Christi vorgestellet wird, dessen ausgehauenes Bild trägt, und auf einem kleinen Rollwagen herum führen wird. Die Redlichkeit ist bey ihm so rar, als der Palmesel, der das Jahr nur Ein Mahl zum Vorscheine kommt.


Palmgewächs (W3) [Adelung]


Das Palmgewächs, des -es, plur. die -e, bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches, Gewächse, welche wie die Palmbäume nur Einen Stamm haben, auf dessen Gipfel die Blätter befindlich sind; zum Unterschiede von den Pflanzen in engerer Bedeutung, von den Gräsern, Farnkräutern, Moosen und Schwämmen.


Palmhonig (W3) [Adelung]


Das Palmhonig, des -s, plur. inus. in der Bienenzucht, dasjenige Honig, welches die Bienen in der Palm- oder Knospenzeit eintragen sollen, ungeachtet die Palmen kein Honig, sondern nur Bienenbrot geben, ( S. 2 Palme.) In andern Gegenden wird es Krauthonig genannt.


Palmist (W3) [Adelung]


Der Palmist, des -en, plur. die -en, S. Palmeichhörnchen.


Palmöhl (W3) [Adelung]


Das Palmöhl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, das aus der Frucht des Palmbaumes gepreßte Öhl, wohin denn auch das Kokosöhl und Dattelöhl gehöret.


Palmratze (W3) [Adelung]


Die Palmratze, plur. die -n, S. Palmeichhörnchen.


Palmsect (W3) [Adelung]


Der Palmsect, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, eine Art Sect oder süßen Weines, welcher von der Canarischen Insel Palma zu uns gebracht wird, woher er auch den Nahmen hat; so wie Canarien-Sect eigentlich der Sect von der Insel Canaria ist.


Palmsonntag (W3) [Adelung]


Der Palmsonntag, des -es, plur. die -e, der Sonntag vor Ostern, an welchem das Andenken des Einzuges Christi zu Jerusalem und seiner Einhohlung mit Palmzweigen gefeyert wird; Dominica Palmarum, ehedem der Blumen-Ostertag, und verderbt der blaue Ostertag, Pascha floridum, Franz. Paque fleurie.


Palmweide (W3) [Adelung]


Die Palmweide, plur. die -n, eine Art Weiden mit fast sägeförmig gezähnten rauchen Blättern, welche auf den trocknen Feldern Europens wächset; Salix caprea L. Saalweide, Werftweide, Buschweide, Streichpalme, Hohlweide. Vielleicht weil sie größere Palmen hat, als die übrigen Arten.


Palmweihe (W3) [Adelung]


Die Palmweihe, plur. die -n, die Weihe oder Weihung der Palmzweige am Palmsonntage in der Römischen Kirche, siehe Palmzweig.


Palmwein (W3) [Adelung]


Der Palmwein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein aus dem Safte der Palmbäume bereiteter Wein, welcher sich aber nicht über 36 Stunden hält. Er gleicht unserm Birkensafte und wird auch fast auf eben dieselbe Art zubereitet.


Palmwoche (W3) [Adelung]


Die Palmwoche, plur. die -n, die Woche vor Ostern, die Woche von dem Palmsonntage bis zum ersten Ostertage, welche jetzt am häufigsten die Charwoche, und die stille Woche genannt wird.


Palmzeit (W3) [Adelung]


Die Palmzeit, plur. inus. die Zeit, da die Palmen, d. i. Blüthknospen an den Weiden, Erlen, Haseln u. s. f. auszuschlagen pflegen, S. 2 Palme.


Palmzucker (W3) [Adelung]


Der Palmzucker, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. eine Art großen Hutzuckers, welcher aus Holland in Palmblätter gewickelt wird, daher er auch den Nahmen hat.


Palmzweig (W3) [Adelung]


Der Palmzweig, des -es, plur. die -e. 1) Ein Zweig des Palmbaumes, welcher ein altes Sinnbild des Sieges, des Friedens und der ruhigen Freude ist. Bey dem Ottfried Palmono gerto, Palmgerte. 2) In der Römischen Kirche werden auch die mit Palmen, d. i. Blüthknospen, versehenen Zweige der Weidenbäume, welche in Ermangelung echter Palmzweige am Palmsonntage geweihet werden, Palmzweige genannt.


Pamel (W3) [Adelung]


* Der Pamel, des -s, plur. inus. eine in einigen Niederdeutschen Gegenden, besonders in Pommern, übliche Benennung des aus seinem Rockenmehle gebackenen Hefenbrotes, welches auf dem Lande bey feyerlichen Gelegenheiten gegessen wird. Im Französ. heißt Pamoule, in der Provence Paumoulle, in der Picardie Pamel, die Gerste, daher auch im mittlern Lateine Paumellya und Palmola von der Gerste vorkommen.


Panacee (W3) [Adelung]


Die Panacee, (dreysylbig,) plur. die -n, (viersylbig,) aus dem Franz. Panacee, und dieß von dem folgenden Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Arzneymittel in allen oder doch den meisten Krankheiten.


Panax-Kraut (W3) [Adelung]


Das Panax-Kraut, des -es, plur. inus. eine Art des Laserkrautes, welche um Montpellier einheimisch ist; Laserpitium Chironium L. Der Nahme ist aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welcher von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - abstammet, weil man diese Pflanze ehedem für ein Heilmittel in allen Krankheiten hielt, daher sie auch im Engl. Allheal heißt. Aus der geritzten Wurzel und dem Stängel rinnet ein Saft, welcher Panax-Saft oder Gummi-Panax genannt wird.


Pandore (W3) [Adelung]


Die Pandore, plur. die -n, eine Art unvollkommener Lauten, welche einen kürzern Hals wie die Laute hat, auch mit weniger Saiten bezogen wird als diese. Sie ist, dem Pollux zu Folge, der sie - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - nennet, eine Assyrische Erfindung, und kommt schon bey dem Lampridius im Leben Heliogabals Kap. 32 vor. Heut zu Tage ist sie in Rußland, Pohlen und der Ukräne am üblichsten, aus welcher letztern Provinz auch die besten Pandoristen oder Panduristen nach Rußland kommen. Sie heißt im Ital. gleichfalls Pandora, im Franz. mit der nicht ungewöhnlichen Verwechselung des m und p Mandore, und auch im Deutschen zuweilen Mandore, im Engl. Bandore, im Span. Bandurria, alle aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, oder wie andere lesen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Panele (W3) [Adelung]


Die Panele, plur. inus. oder das Panelwerk, des -es, plur. nur von mehrern Arten, die -e, eine vornehmlich im Niederdeutschen übliche Benennung der breternen Bekleidung der Wände, besonders wenn sie aus viereckten mit Leisten eingefaßten Feldern bestehet, welche man im Hoch- und Oberdeutschen Täfelwerk zu nennen pflegt. Im Engl. Panel, Pannel, die viereckige Leiste an der Schreinerarbeit, und Pane eine viereckige Scheibe. Es scheinet entweder zu Bahn, oder so fern zunächst auf die vertieften Felder gesehen wird, zu Pfanne, Nieders. Panne, zu gehören.


Panier (W3) [Adelung]


Das Panier, des -es, oder -s, plur. die -e, ein Wort, welches ehedem die Hauptfahne bey einem Kriegsheere oder einem Haufen desselben bezeichnete, jetzt aber nur noch in der biblischen und dichterischen Schreibart für Banier gebraucht wird; welches letztere der Abstammung gemäßer seyn würde, von dem Französ. Banniere, Ital. Bandiera, mittlere Lat. Banderia, alle von Bandum, eine Fahne, und dieß von Band. Die Kinder Israel sollen sich lagern, ein jeglicher in sein Lager (in seinem Lager) und bey das (dem) Panier seiner Schaar, 4, Mos. 1, 52. Gegen Abend soll liegen das Gezelt und Panier Ephraim mit ihrem Heer, Kap. 2, 18. Im Nahmen unsers Gottes worfen wir Panier auf, Ps. 20, 6, rüsten uns zum Kriege. Wie das Panier, von seiner Hand gefasset, Zur drohenden Ägide ward, Raml..


Panis-Brief (W3) [Adelung]


Der Panis-Brief, des -es, plur. die -e, in dem Deutschen Staatsrechte, eine schriftliche Anweisung, welche der Kaiser jemanden auf eine Pfründe zu ertheilen befugt ist; aus dem Lat. Panis.


Panket (W3) [Adelung]


Das Panket, S. Bankett.


Panne (W3) [Adelung]


Die Panne, plur. die -n, ein nur bey den Falkenjägern übliches Wort, die großen Schwingfedern an den Flügeln der Falken zu bezeichnen, S. Wanne, von welchem Worte es nur eine verderbte Aussprache ist.


Pannerherr (W3) [Adelung]


Der Pannerherr, S. Bannerherr.


Panse (W3) [Adelung]


Die Panse, S. Banse.


Pansen (W3) [Adelung]


Der Pansen, S. Bansen.


Panster (W3) [Adelung]


Das Panster, des -s, plur. ut nom. sing. im Mühlenbaue, ein hohes unterschlächtiges Wasserrad, welches zwey Mahlgänge treibt; das Pansterrad, zum Unterschiede von dem Staberrade, welches nur halb so hoch ist, und auch nur Einen Mahlgang treibt. Daher die Panstermühle, eine mit einem Pansterrade versehene Wassermühle; das Pansterzeug, das Pansterrad mit seinem Zubehör. S. Stockpanster und Ziehpanster.

Anm. Obgleich die Stellung der Schaufeln bey dem Pansterrade und Staberrade heut zu Tage einerley ist, indem die Schaufeln bey beyden zwischen den Wangen oder Felgen eingesetzet sind, dagegen ein Straubrad selbige an der Stirn trägt, so scheinet doch ehedem ein Unterschied zwischen denselben Statt gefunden zu haben, woher denn auch die Benennung rühren mag; wenn nicht Panster eigentlich die allgemeine Benennung des Panster- und Staberrades im Gegensatze des Straubrades ist, da denn Panster auf die Vertiefung der Schaufeln und den hohlen Raum zwischen denselben gehen, und zu unserm Banse und Bansen gehören würde, ( S. diese Wörter.) Vermuthlich hat man dieses Wort ehedem von Panzer abgeleitet, wie es denn auch wohl von einigen so geschrieben und gesprochen wird; wenigstens kommt Lorica im mittlern Lateine von einem Theile der Mühle vor. Pro faciendo et ponendo in dicto molendino - unam loricam, d. i. ein Pansterrad, in einer ungedruckten Urkunde bey dem Carpentier.


Pantalon (W3) [Adelung]


Das Pantalon, (sprich Pantalong,) des -s, plur. die -s, ein musikalisches Instrument in Gestalt eines großen Clavieres, wo die Saiten durch Hämmer geschlagen werden. Es hat seinen Nahmen von Pantaleon Hebenstreit, welcher es um das Jahr 1718 in Sachsen erfand, und die Veranlassung dazu von dem Hackebrete nahm.


Panther (W3) [Adelung]


Der Panther, des -s, plur. ut nom. sing. oder das Pantherthier, des -es, plur. die -e, ein fünfzehiges vierfüßiges Thier, welches an Gestalt und Grausamkeit dem Tieger gleicht, nur daß es oben runde, und nur allein unten büschelige Flecken hat, dagegen der Tieger über den ganzen Körper mit büscheligen und streifigen Flecken besäet ist; Pardus L. Der Nahme ist aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Er lebt so wie der Tieger in den wärmern Gegenden Asiens, und in Afrika. Nach dem Griech. und Lat. Nahmen Pardus, Pardalis, wird er auch im Deutschen Pardel und Parder, ehedem auch Pard genannt. Alle drey Formen kommen in der Deutschen Bibel vor. Es wird ihn überfallen wie ein Löwe, und aufreiben wie ein Pard, Sir. 28, 27. Die Pardel werden bey den Böcken liegen, Es. 11, 6. Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln, oder ein Parder seine Flecken? Jer. 13, 23. Weil dieses Thier wie ein Löwe brüllt, so wird es auch Leopard, bey dem Plinius Leopardus, bey dem Stryker Liebart, in dem alten Gedichte auf dem heil. Anno Lebard, bey dem Hornegk Liphart, bey dem Pictorius Lefrat genannt. Von den Bergen der Leoparden, Hobel. 4, 8. Die ältern Schriftsteller hielten den Panther, den Parder und den Leoparden irrig für drey oder noch zwey verschiedene Arten von Thieren, dagegen andere sie mit dem Tieger verwechseln. In Pantherthier für Panther ist die letzte Sylbe unnütz, indem das Wort Thier schon in Panther, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, zu liegen scheinet. Im Hochdeutschen ist der Panther üblicher als das Panther. S. auch Parder.


Panthere (W3) [Adelung]


Die Panthere, plur. die -n, ein im Jagdwesen übliches Wort, ein viereckiges, dreyfaches, auswendig mit Spiegeln und inwendig mit einem subtilen weiten Ingarne versehenes Garn, allerley große und kleine Vögel damit in Menge zu fangen. Es ist in Italien am üblichsten, wird aber auch in den an Italien gränzenden Deutschen Provinzen gebraucht. Der Nahme stammt gleichfalls aus Italien her, indem schon Petrus Crescentius der Panthera als eines im Äntenfange üblichen Garnes gedenket. Er ist aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, weil allerley Arten von Vögeln damit gefangen werden, so wie - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein ähnliches Fischernetz bedeutete. In der Nieder-Normandie ist Pantiere ein Garn, womit allerley Seevögel gefangen werden.


Pantherstein (W3) [Adelung]


Der Pantherstein, des -es, plur. inus. ein Nahme, welchen einige dem Jaspiß geben, weil er fast eben so gefleckt ist als ein Panther.


Panterthier (W3) [Adelung]


Das Panterthier, S. Panther.


Pantoffel (W3) [Adelung]


Der Pantoffel, des -s, plur. die -n, eine Bekleidung der Füße beyder Geschlechter, welche zur Bequemlichkeit getragen wird, und eigentlich eine Art von Halbschuhen ist, indem sie keine Laschen, gemeiniglich auch ein kürzeres Oberleder als die Schuhe und eigentlich auch kein Hinterleder haben, ob es gleich nunmehr auch häufig Pantoffeln mit Hinterleder gibt. Unter der Herrschaft des Pantoffels stehen, unter dem Pantoffel stehen, sich von seiner Frau beherrschen lassen, von den Pantoffeln des andern Geschlechtes, welches sich derselben im Nothfalle wohl zum Angriffe zu bedienen pflegt. Unter den Pantoffel kommen, unter die Herrschaft des andern Geschlechtes. Figürlich wird auch diejenige Pflanze, welche sonst unter dem Nahmen Marienschuh oder Venusschuh bekannt ist, Cypripedium L. in einigen Gegenden Pantöffelchen genannt. Anm. Dieses Wort lautet schon im Theuerdanke Pantoffel, im mittlern Lat. um das Jahr 1480 Pantofla, im Ital. Pantufola, im Franz. Pantoufle, im Engl. Pantofle, im Böhm. gleichfalls Pantoffel. Man hat von diesem dunkel scheinenden Worte eine Menge Ableitungen, welche ich hier nicht wiederhohlen will. Wer sie beysammen zu sehen verlanget, kann sie in Stoschkrit. Anmerk. S. 416 f. und in Diecmanns Spec. Glossar. S. 123 finden. Indessen ist doch noch nicht ausgemacht, ob die Pantoffeln eine einheimische oder ausländische Erfindung sind, wovon doch die Ableitung mit abhängt. Die wahrscheinlichste Meinung ist noch Schilters, der es von Tafel und Bein ableitet, weil die ersten Pantoffeln aus Bretern bestanden, welche man über dem Fuße mit Bändern zu befestigen pflegte, daher auch Frisch für Bein das Zeitwort binden zur Ableitung vorschlägt. Daß der Hauptbegriff in der letzten Hälfte des Wortes liege, erhellet aus dem Nieders. wo ein Pantoffel nur Toffel oder Tüffel heißt, so wie er im Schwed. Toffel, im Isländ. Tapla, im Finnländ. Toffeli, und im Ungar. Tzipelö heißt.


Pantoffelbaum (W3) [Adelung]


Der Pantoffelbaum, des -es, plur. die -bäume, eine Art Eichen, welche in dem mittägigen Europa einheimisch ist, und deren schwammige Rinde den Kork oder das so genannte Pantoffelholz liefert, weil man aus derselben in manchen Gegenden Pantoffeln zu verfertigen pflegt; Quercus Suber L. Korkbaum, Pantoffelholzbaum.


Pantoffelfisch (W3) [Adelung]


Der Pantoffelfisch, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welcher von einigen auch dem Hammerfische gegeben wird, nach dem Franz. Pantouflier, S. Hammerfisch.


Pantoffelholz (W3) [Adelung]


Das Pantoffelholz, des -es, plur. inus. S. Pantoffelbaum.


Pantomime (W3) [Adelung]


Die Pantomime, plur. die -n, aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich ahme nach, eine Art Schauspieler, wo ohne ein einziges Wort dabey zu sprechen, die Handlungen und Worte durch bloße Geberden ausgedruckt und nachgeahmet werden, das Pantomimen-Spiel. Pantomime spielen. In die Pantomime gehen. Der Pantomimen-Spieler oder Pantomimist. Pantomimisch, nach Art einer Pantomime, durch Zeichen ohne Worte.


Pantsch (W3) [Adelung]


Der Pantsch, ein in den niedrigen Sprecharten für Wanst übliches Wort, S. dasselbe.


Pantschen (W3) [Adelung]


+ Pantschen, verb. reg. act. welches gleichfalls nur im niedrigen Leben üblich ist, und den Laut nachahmet, welchen ein ungeschicktes Hantiren in und mit dem Wasser verursacht, und wofür vermöge der nahen Verwandtschaft beyder Buchstaben auch mantschen üblich ist. Im Wasser pantschen oder mantschen, ungeschickt mit demselben hantiren. Den Wein pantschen oder mantschen, ihn auf eine ungeschickte und unerlaubte Art verunschen und verfälschen.


Panzen (W3) [Adelung]


Der Panzen, S. der Bansen.


Panzer (W3) [Adelung]


1. Der Panzer, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben einiger Gegenden für Wanst, Bansen, besonders von dem Bansen des Rindviehes, S. dieses Wort.


Panzer (W3) [Adelung]


2. Das Panzer, eine Art eines unterschlächtigen Wasserrades. S. Panster.


Panzer (W3) [Adelung]


3. Der Panzer, des -s, plur. ut nom. sing. eine feste gemeiniglich metallene Bekleidung des Leibes vor feindlichen Geschossen und Stichen oder Hieben. Dem Frisch zu Folge bestehet der Panzer eigentlich aus lauter kleinen Ringen von Draht, welche denselben biegsam, aber doch auch undurchdringlich machen. Indessen werden Harnisch, Panzer, und das heutige Küraß, besonders über die beyden ersten, sehr häufig als gleichbedeutend gebraucht. Goliath hatte einen schuppigen Panzer an, und das Gewicht seines Panzers war fünf tausend Seckel Erzes, 1 Sam. 17,5. Ein Mann schoß den König zwischen den Panzer und Hengel, 1 Kön. 22, 34. Heute zu Tage werden die Panzer so wie die Harnische wenig mehr gebraucht, und was noch davon bey der schweren Reiterey übrig ist, führet den Nahmen des Kürasses. Bey den Jägern ist der Panzer eine aus Leinwand und Fischbein verfertigte und mit Haaren ausgestopfte Bekleidung der Jagdhunde, um sie auf der wilden Schweinsjagd vor dem Schlagen der wilden Schweine zu beschützen. Anm. Im Oberdeutschen ist es sächlichen Geschlechtes, das Panzer, auf welche Art es schon im Theuerdanke vorkommt. Im mittl. Lat. lautet dieses Wort Pancerea, Panceria, Panleria, im Ital. Panziera, im Schwed. Pantsar, im Böhm. Pancyr und Pohln. Pancerz. Frisch hält es für ein Slavon. Wort. Die meisten übrigen Wortforscher leiten es von Bansen, Panze, Wanst her, ( S. der Bansen und Wanst,) Franz. Panse, Ital. Pancia, weil noch der Panzer vornehmlich den mittlern Theil des Leibes bedeckte, und nach Ihre ist die letzte Sylbe nicht die Ableitungssylbe -er, sondern das Hauptwort aer, aes, Erz, so daß Panzer eigentlich einen ehernen Wanst oder eherne Bekleidung des Unterleibes bedeuten würde. Allein ein Panzer darf eigentlich eben so wenig ehern seyn als ein Harnisch, und über dieß hat es alles Ansehen, daß Panzer, Harnisch und Küraß, so wohl der Sache selbst, als der Benennung nach ausländische Erfindungen sind. Übrigens wurde ein Panzer ehedem auch Halsperik, Halsberge, Hober und Mus, Musu, Museisen genannt. Das mittelste leitet Frisch von dem Franz. Haubert, ein Panzerhemd, ab, wenn nicht vielmehr beyde zu unserm Haube gehören; das letzte aber stammet ihm zu Folge von Masche her, weil er voraus setzt, daß ein Panzer alle Mahl aus kleinen Ringen oder Maschen bestanden habe.


Panzerfegen (W3) [Adelung]


Panzerfegen, verb. reg. act. ein größten Theils veraltetes Wort, welches noch hin und wieder im gemeinen Leben im figürlichen Verstande für einen derben Verweis geben, mit Worten und mit der That züchtigen, gebraucht wird, in welchem Verstande man auch scheuern und ausscheuern gebraucht. Ich panzerfege; gepanzerfeget. Es stammet, wie schon Frisch bemerket, aus der Zeit her, da die Panzer von Draht noch üblicher waren als jetzt. Man gebrauchte die Stücken solcher unbrauchbar gewordenen Panzer, welche Panzerflecke genannt wurden, zum Ausscheuern des Geschirres in den Küchen, und besonders zur Reinigung der eisernen Töpfe oder Grapen. Dieß nannte man eigentlich panzerfegen, von dem Oberdeutschen fegen, scheuern. Da indessen dafür im Nieders. auch teuterfegen üblich ist, (ohne Zweifel von Teute, eine große hölzerne Bierkanne) so kann die Figur auch von dem Fegen, d. i. Scheuern und Putzen, der Panzer selbst entlehnet seyn; zumahl da man ehedem eigene Panzerfeger hatte, welche die Panzer anderer um Lohn reinigten und putzten.


Panzerfisch (W3) [Adelung]


Der Panzerfisch, des -es, plur. die -e, eine Art Fische mit Bauchfinnen hinter den Brustfinnen, welcher mit festen Schuppen, wie mit einem Panzer versehen ist, und sich in den Amerikanischen Gewässern aufhält; Loricaria Eberh.


Panzerfleck (W3) [Adelung]


Der Panzerfleck, des -es, plur. die -e. S. Panzerfegen.


Panzerhandschuh (W3) [Adelung]


Der Panzerhandschuh, des -es, plur. die -e, Handschuhe von Draht oder Blech, zur Vertheidigung der Hände, welche ehedem üblicher waren als jetzt.


Panzerhemd (W3) [Adelung]


Das Panzerhemd, des -es, plur. die -en, ein aus Draht geflochtenes Hemd, welches man ehedem im Kriege statt eines Panzers unter der Kleidung zu tragen pflegte.


Panzerhosen (W3) [Adelung]


Die Panzerhosen, sing. inus. Hosen oder Beinkleider von Draht oder Blech, zur Beschützung der Dickbeine im Kriege.


Panzerkette (W3) [Adelung]


Die Panzerkette, plur. die -n, eine zierliche Kette, deren Glieder länglich gebogen sind, so wie die Gelenke und Maschen an den ehemahligen Panzern. Das andere Geschlecht pflegt sie an einigen Orten noch zur Zierde zu tragen.


Panzerklinge (W3) [Adelung]


Die Panzerklinge, plur. die -n, eine Art starker steifer Stoßklingen, um damit durch einen Panzer zu stoßen. Sie sind mit den Panzern selbst veraltet, und werden nur noch in Spanien gebraucht. Ehedem wurden die mit solchen Klingen versehenen Degen Panzerrenner, Panzerstecher, und Schürzer genannt, weil man damit besonders die Panzerschürzen zu durchbohren suchte.


Panzern (W3) [Adelung]


Panzern, verb. reg. act. mit einem Panzer versehen. Gepanzerte Soldaten. Vom Kopfe bis auf die Füße gepanzert seyn. Ingleichen mit einer undurchdringlichen Bekleidung nach Art eines Panzers versehen. In diesem Verstande panzern die Jäger die Hunde bey den wilden Schweinsjagden. S. Panzer.


Panzerrad (W3) [Adelung]


Das Panzerrad, S. Panster.


Panzerreiter (W3) [Adelung]


Der Panzerreiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein gepanzerter Reiter, dergleichen ehedem üblicher waren als jetzt.


Panzerrenner (W3) [Adelung]


Der Panzerrenner, des -s, plur. ut nom. sing. S. Panzerklinge.


Panzerschürze (W3) [Adelung]


Die Panzerschürze, plur. die -n, oder der Panzerschurz, des -es, plur. die -e, ein von Draht geflochtener oder aus drähternen Maschen zusammen gesetzter Schurz, welcher bey den ehemahligen Rüstungen unten an den Panzern und Harnischen befestiget war, und den Unterleib bedeckte.


Panzerstecher (W3) [Adelung]


Der Panzerstecher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Panzerklinge.


Panzerthier (W3) [Adelung]


Das Panzerthier, des -es, plur. die -e, ein gepanzertes, d. i. mit undurchdringlichen Schuppen versehenes vierfüßiges, vier- und fünfzehiges Thier, welches in Ostindien lebt, und auch Armadillo, (aus dem Span. von armado, bewaffnet,) Schildferkel, Ameisenbär und Ameisenfresser genannt wird, weil es sich von Ameisen nähret; Manis L.


Panzerzeug (W3) [Adelung]


Das Panzerzeug, S. Pansterzeug.


Papa (W3) [Adelung]


Papa, das Nennwort, womit Kinder ihren Vater rufen und anzureden pflegen, da es denn auch als ein Hauptwort gebraucht wird, der Papa, des -s, plur. die -s, der Vater. Es gilt von diesem Worte eben das, was schon bey dem Worte Mamma erinnert worden. Nur Kinder von einem gewissen Stande pflegen ihre Ältern mit Papa und Mamma anzureden. In der Abwesenheit aber nur als ein eigentliches Hauptwort sind bey Kindern von Erziehung und von einigem Alter mein Vater, meine Mutter, für mein Papa, meine Mamma üblicher und schicklicher, indem beyde durch den langen Gebrauch von Kindern ein kindisches Ansehen bekommen haben.

Anm. Dieses Wort ist so wie Mamma erst in den spätern Zeiten aus dem Französischen entlehnet worden, indessen ist es doch so wie dieses im Grunde ein allgemeines Wort, welches die Natur stammelnde Kinder selbst gelehret zu haben scheinet, weil die Sylben pa, pa, ma, ma, die ersten und leichtesten sind, welche ein Kind aussprechen lernet. Daher findet es seine Geschlechtsverwandten auch in allen Sprachen und bey allen Nationen. Selbst in den niedrigen Sprecharten einiger Provinzen, z. B. Thüringens, ist Päppe und Mämme bey Kindern für Vater und Mutter üblich. Das Ital. Papa, und in den gemeinen Sprecharten Babba, das Schwed. Pappa, das Pers. Baba und Papa, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; und andere, werden auf eben dieselbe Art gebraucht. Ja selbst bey den Negern am Senegal heißt Baba der Vater, und Bibel eine bejahrte Matrone. S. Abba, Papst, Pfaff und Vater.


Papagey (W3) [Adelung]


Der Papagey, des -es, plur. die -e, Diminut. das Papageychen, zusammen gezogen in der vertraulichen Sprechart, Papchen, ein ausländischer Waldvogel mit einem oben gewölbten Schnabel, welcher in den warmen Gegenden Asiens und Afrika's einheimisch ist, und eine sehr fleischige Zunge hat, daher er auch leicht reden lernt; Psittacus L. Man findet ihn fast von allen und oft sehr schönen Farben, ingleichen von verschiedener Größe, von der Größe eines Sperlinges an bis zu der Größe eines Huhnes. Zwey häusliche Thiere, Cyper, ein fleckiger Kater, und ein geschwätziges Papchen, Zachar. Ihr plauderndes Papchen Saß im goldnen Käfich, ebend. Besonders wird dieses Diminutivum, so wie sonst ungewöhnliche nicht verkleinernde Pape, als ein Anrede- und Liebkosungswort gegen einen Papagey gebraucht. Wegen einiger Ähnlichkeit in den Farben, zuweilen auch wegen der Ähnlichkeit in leichter Nachahmung der menschlichen Stimme, werden auch wohl einige bey uns einheimische Vögel mit diesem Nahmen belegt. So führen die Mandelkrähe wegen ihrer bunten Farben, und der Krummschnabel wegen seiner grünen Federn, bey einigen den Nahmen des Deutschen Papageyes. ( S. Sittich,) welcher Nahme besonders im Oberdeutschen für Papagey üblich ist.

Anm. Dieser Vogel heißt im mittlern Lat. Papagen und Papagallus, im veralteten Franz. Papegaut, Pappeguez, ehedem Papagaus, im Ital. Papagallo, im Engl. Popingay, im Nieders. Papegoje, Pape, und mit Wegwerfung der ersten Sylbe Goje, Goge, im Schwed. Papegoja, im Böhm. Papaussek, im Portug. Papagayo, im Span. Papagayo, und im Neu-Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Die wunderliche Ableitung von Papa, ein Pfaffe, und dem Franz. Gay, Geai, eine Älster, oder gai, lustig, weil die Geistlichen ihn in den mittlern Zeiten zu ihrem Vergnügen zu halten pflegten, hat schon Frisch verworfen. Der Papagey hat seinen Nahmen ohne Zweifel mit aus Asien gebracht, und im Arab. heißt er wirklich Babagha, welcher der Grund des Europäischen ist. Ob dieser aber zu unserm papern, papeln, plaudern, gehöret, oder ob er ihm um deßwillen gegeben worden, weil die Sylben Baba die ersten sind, welche er aussprechen lernet, mag ein Araber untersuchen. Er ist durch die Handlung aus Italien nach der Levante und nachmahls durch die Kreuzzüge in Europa sehr früh bekannt geworden, und sehr bald zum Vergnügen gehalten worden. Übrigens heißt er im Ital. auch Perochetto, im Franz. Perroquet, im Engl. Perroquet, Parrot, so wie man ihn im Deutschen nach dem Griech. Psittacus auch Sittich nennet, ( S. dieses Wort.) Die Malabaren nennen ihn von seinem Geschrey Klipulley.


Papageyänte (W3) [Adelung]


Die Papageyänte, plur. die -n, eine Art Grönländ. Wasservögel oder Taucher, mit einem breiten oben gekrümmten Schnabel, wie ein Papagey, und schwarzen Federn mit gelben in die Quere gehenden Streifen. Andere nennen ihn den Papageytaucher.


Papageysame (W3) [Adelung]


Der Papageysame, des -ns, plur. inus. bey einigen, der Same des Safflors, weil die Papageyen ihn gern zu fressen pflegen.


Papageytaube (W3) [Adelung]


Die Papageytaube, plur. die -n, eine Art Tauben mit grünem Körper, dunkelbraunen Ruderfedern, welche Farbe auch das Ende des Schwanzes hat, gelben Füßen und dunkelbraunen Klauen. Sie ist auf der Insel St. Thomä einheimisch.


Papageytaucher (W3) [Adelung]


Der Papageytaucher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Papageyänte.


Papern (W3) [Adelung]


Papern, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, aber nur im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart für plaudern oder plappern üblich ist. Den ganzen Tag papern. Ungereimtes Zeug papern. Daher das Gepaper, das Geplauder, ingleichen ein grundloses Geschwätz. Es ahmet den Laut des geschwinden und gedankenlosen Redens nach, und lautet in manchen Gegenden auch papeln, papern, babbeln, Engl. to babble, Franz. babiller, Ital. bavare, baveggiare, babbolare, Lat. fabulari. Man hat von diesem Worte in den niedrigen Sprecharten mehrere Ableitungen und Zusammensetzungen; z. B. paperig, paperhaft, babbelhaft pappelig, plauderhaft, plapperhaft, Papelhans oder Paperhans, der gern und viel plappert, Franz. Babillard u. s. f. Ein anderes nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort ist papeln, streicheln, liebkosen, zärteln, im gemeinen Leben der Obersachsen hätscheln.


Papier (W3) [Adelung]


Das Papier, des -es, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, Diminut. das Papierchen, Oberd. Papierlein. 1) Eine aus verschiedenen Theilen des Pflanzenreiches in Gestalt dünner Blätter bereitete Masse, vornehmlich und darauf zu schreiben, hernach aber auch sich deren zu andern Bedürfnissen zu bedienen; ohne Verkleinerung. Die erste Art des Papieres, oder der unter diesem Nahmen bekannten Masse wurde aus der Ägyptischen Papierstaude bereitet, ( S. dieses Wort.) In den mittlern Zeiten verfertigte man baumwollenes Papier, dessen Gebrauch in öffentlichen Urkunden schon von Kaiser Friedrich II im Jahre 1221 in Neapel, und zwischen 1252 und 1284 in Castilien verbothen wurde. Auf dieses Papier folgte unser heutiges Lampenpapier, welches jetzt nur schlechthin Papier genannt, und das leinenen zuweilen auch wollenen Lumpen auf den Papiermühlen verfertiget wird. Papier machen, ( S. Papiermacher) Mit Papier handeln. Ein Bogen Papier. Ein Buch Papier, 24 Bogen. Ein Rieß Papier, 20 Buch. Ein Blatt Papier, ein Stück von einem Bogen. Das Papier schlägt durch oder fließt, wenn es aus Mangel des Leimes die Tinte zerfließen lässet. Etwas zu Papier (nicht Papiere) bringen, es aufschreiben, aufsetzen. Schreibpapier, Druckpapier, Löschpapier, Packpapier, Postpa- pier u. s. f. Das sehr zarte Chinesische oder Indianische Papier wird nicht, wie man gemeiniglich glaubt, aus Seide verfertiget, sondern ist gleichfalls das Product der zarten Rinde gewisser Pflanzen. 2) Ein Stück Papier von unbestimmter Größe, Diminut. Papierchen, Oberd. Papierlein. Ein jedes Papierchen aufheben. Es liegt unter den Papieren auf dem Tische. Am häufigsten beschriebene Stücke, auch wohl Bogen Papier, im allgemeinsten und unbestimmtesten Verstande. Man hat es unter seinen Papieren gefunden, unter seinen beschriebenen Blättern oder Bogen Papier, unter seinen Scripturen. Jemandes Papiere versiegeln lassen. Anm. Es ist aus dem Griech. und Latein. Papyrus, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches eigentlich der alte Ägyptische Nahme der Papierstaude war, der denn mit der Sache selbst in den übrigen Theilen der Welt bekannt geworden; Franz. Papier, Engl. Paper, Schwed. Papper.


Papieradel (W3) [Adelung]


Der Papieradel, des -s, plur. inus. der Adel, d. i. die adelige Würde, welche sich nicht auf Geburt, sondern auf Erhebung vermittelst einer Urkunde gründet; der Briefadel, Buchadel. Ingleichen mehrere auf diese Art geadelte Personen.


Papieren (W3) [Adelung]


Papieren, adj. et adv. aus dem Papier bereitet. Ein papierenes, papiernes Fenster. Eine papierne Laterne.


Papiergeld (W3) [Adelung]


Das Papiergeld, des -es, plur. inus. Scheine oder Zettel von Papier, so fern sie im Handel und Wandel die Stelle des baren Geldes vertreten.


Papierhandel (W3) [Adelung]


Der Papierhandel, des -s, plur. inus. der Handel mit Papier; der Papierkram. Daher der Papierhändler, Fämin. die Papierhändlerinn, eine Person, welche mit Papier handelt; an einigen Orten der Papierkrämer, die Papierkrämerinn.


Papierlaus (W3) [Adelung]


Die Papierlaus, plur. die -läuse, bey einigen ein Nahme der Buchmilbe, Termes pulsatorius L. weil sie sich gern in den alten Büchern aufhält. Von andern wird sie wegen ihres kleinen Körpers die Staublaus genannt.


Papierlumpen (W3) [Adelung]


Die Papierlumpen, sing. inus. Lumpen, aus welchen Papier gemacht wird, oder gemacht werden soll.


Papiermaß (W3) [Adelung]


Das Papiermaß, des -es, plur. die -e, ein Maß von Papier, dergleichen Maße sich z. B. die Schneider und Schuster bedienen. Bey den Perruckenmachern ist das Papiermaß das papierne Maß der Seitenlocken einer Perrucke, welches in so viele Falze gebrochen ist, als Reihen Locken aufgenähet werden sollen.


Papiermühle (W3) [Adelung]


Die Papiermühle, plur. die -n, eine Wassermühle, in welcher die Papierlumpen klein gestampfet und zu Papier verarbeitet werden. Daher der Papiermüller, der Inhaber einer Papiermühle, der Papiermacher.


Papieröhl (W3) [Adelung]


Das Papieröhl, des -es, plur. inus. eine braune einem Öhle ähnliche Feuchtigkeit, welche zurück bleibt, wenn man reines Papier auf einem zinnernen Teller verbrennet.


Papierschere (W3) [Adelung]


Die Papierschere, plur. die -n, eine lange Schere, Papier damit zu schneiden, und besonders zu beschneiden.


Papierschirm (W3) [Adelung]


Der Papierschirm, des -es, plur. die -e, bey den Kupferstechern, ein mit Papier überzogener Rahmen, hinter welchem man das Auge wider die Blendung des Sonnenlichtes verbirgt.


Papierstaude (W3) [Adelung]


Die Papierstaude, plur. die -n, ein Staudengewächs, welches in Ägypten, in und am Nil sehr häufig wächset, und aus dessen Rinde oder vielmehr Haut die älteste und erste Art des Papieres verfertiget wurde, welches daher auch seinen Nahmen bekommen hat. Im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bey dem Plinius Papyrus.


Papiertorf (W3) [Adelung]


Der Papiertorf, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Art lockern Torfes, welcher aus dünnen dem Papiere ähnlichen Blättern bestehet; der Blättertorf.


Papist (W3) [Adelung]


Der Papist, des -en, plur. die -en, Fämin. die Papistinn, ein nur in der harten und verächtlichen Sprechart übliches Wort, ein Glied der Römischen Kirche, einen Römisch-Katholischen zu bezeichnen; eigentlich ein Anhänger des Papstes, wofür ehedem auch das Wort Päpsiler üblich war, und es zum Theile noch ist.


Papisterey (W3) [Adelung]


Die Papisterey, plur. inus. gleichfalls nur im harten und verächtlichen Verstande, die ganze Römisch-katholische Religion, so fern dieselbe großen Theils auf der Willkühr ihres sichtbaren Oberhauptes, des Papstes, beruhet; das Papstthum, ehedem die Päpstlerey, Ital. Papisteria, Paperia.


Papistisch (W3) [Adelung]


Papistisch, adj. et adv. zum Papstthum, d. i. zur Römischen Kirche gehörig, derselben ähnlich, in derselben gegründet; gleichfalls nur im harten und verächtlichen Verstande für das anständigere katholisch, Römisch-katholisch, oder auch Römisch schlechthin. Die papistische Religion. Papistische Grundsätze. Papistische Gebräuche. Ehedem auch Päpstisch oder Pabstisch. Allein für, dem Papste gehörig, in dessen Würde gegründet, von ihm herkommend, die papistischen Länder, die papistische Würde, ist es völlig veraltet, indem dafür jetzt päpstlich üblich ist.


Pappe (W3) [Adelung]


Die Pappe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n. 1) Ein dicker Brey, vorzüglich im gemeinen Leben. So wird der dickliche Mehlbrey, womit man Kinder zu nähren pflegt, ehe sie Zähne bekommen, und welcher auch Muß heißt, Kinderpappe, Mehlpappe, und nur Pappe schlechthin genannt. Dem Kinde Pappe einstreichen. Bey den Buchbindern und einigen andern Handwerkern ist die Pappe ein dicker Brey von groben Mehle, welcher statt des Kleisters gebraucht wird; Buchbinderpappe. ( S. Pappen.) Im Schiffsbaue ist die Pappe oder der Papp eine Art der Schiffstheerung, um die Schiffe auf weiten Reisen vor den Seewürmern zu verwahren, da er denn aus Harz, Talg, Schwefel, Thran und gestoßenem Glase zusammen gesetzet wird. 2) Mehrere bis zu einer gewissen Dicke zusammen gepappte oder gekleisterte Blätter Papier. Pappe machen, mehrere Blätter Papier zusammen pappen, um diese dicke Masse hervor zu bringen. Jetzt wird diese Pappe ohne Pappe und Kleister sogleich auf den Papiermühlen aus einer schlechtern Papiermasse verfertiget. Ein Buch in Pappe binden, ein Bogen, ein Stück Pappe. Bey den Buchbindern ist dafür auch Pappendeckel üblich, welches so wohl collective für Pappe, als auch von einzelnen Stücken und Bogen Pappe gebraucht wird. Anm. So fern dieses Wort Brey bedeutet, lautet es in einigen niedrigen Mundarten auch Päppe. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Papp. Das Ital. Pappa, das Engl. Pap, das Latein. Pappa bey dem Varro, bedeuten gleichfalls Brey, besonders aber Kinderbrey. Es kann seyn, daß dieses Wort aus der Sprache lallender Kinder entlehnet worden, welchen die Sylbe ba, bab, pap am leichtesten anzusprechen sind, daher sie auch alle ihnen besonders wichtigen Gegenstände damit zu nennen pflegen. ( S. auch Pappe) Es kann aber auch seyn, daß es den Laut nachahmet, welchen ein zahnloser Mund bey dem Essen des Breyes und anderer weichen Speisen von sich gibt. ( S. Pappen.) Im Niederdeutschen und einigen andern Mundarten lautet dieses Wort mit dem eingeschalteten verwandten m Pampe, Pimpe, S. Schlampampen.


Pappeband (W3) [Adelung]


Der Pappeband, des -es, plur. die -bände, der Einband eines Buches, so fern er aus bloßer Pappe bestehet. Ingleichen ein auf solche Art eingebundenes Buch.


Pappel (W3) [Adelung]


1. Die Pappel, plur. die -n, ein Nahme verschiedener Pflanzen. 1) Des Eibisches, Althea officinalis L. welcher zum Unterschiede von den folgenden Arten wilde Pappel und weiße Pappel genannt wird, und filzige, breite zugespitzte Blätter und einen platten runden Samen hat. 2) Ein anderes ähnliches Gewächs eben dieser Classe, welches auch unter dem Nahmen des Siegmarskrautes bekannt ist, Alcea L. wird sehr häufig nur Pappel schlechthin genannt. Die Rosenpappel, Alcea rosea, ist eine Art derselben. Noch häufiger führet, 3) diesen Nahmen eine andere Pflanze dieser Classe, welche auch Malva heißt, Malva L. und von welcher es verschiedene Arten gibt, worunter doch nur die Graspappel, Käsepappel, Gänsepappel oder Hasenpappel, Malva rotundifolia L. die Waldpappel, Malva sylvestris L. und die weiße Pappel oder das Siegmarskraut, Malva Alcea L. bey uns einheimisch sind. Sie wird auch Pappelkraut, und schon in den Monseeischen Glossen Papulla genannt. Die Gartenpappel der Gärtner ist, so wie die krause Pappel, oder Römische Pappel, vermuthlich auch eine Art derselben. 4) Die Sammtpappel der neuern Pflanzenkenner ist eine Ostindische Pflanze, von welcher es mehrere Arten gibt; Sida L. 5) Roßpappel ist ein Nahme, welchen in einigen Gegenden auch die Pestilenzwurz oder Schweißwurzel führet; Tussilago Petasites L. Und endlich, 6) führen auch die ausländischen Arten des Eibisches, Hibiscus L. den Nahmen der Pappeln, wohin besonders der Syrische Eibisch, Hibiscus Syriacus, gehöret, welcher baumartig ist, und daher auch Syrischer Pappelbaum genannt wird.

Anm. Da alle diese Pflanzen oder doch wenigstens die meisten und eigentlichsten derselben weiche wollige Blätter haben, so scheinet auch darin der Grund ihrer Benennung zu liegen; zumahl da der Latein. Nahme Malva und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gleichfalls die Ableitung von mollis, weich, molsch, vertragen. Aber auch der runde, großkörnige, platt gedruckte Same, welchen die meisten dieser Pflanzen haben, und welcher im gemeinen Leben Pappelkäse genannt wird, kann eine bequeme Ableitung an die Hand geben, da denn dieses Wort ein Geschlechtsverwandter von dem Latein. Papa, Papilla, Papula, Paba, von dem Schwed. Papp, die Brustwarze, von dem Oberd. Pfebe, von dem gemeinen Nahmen der Hahnbutten, Wiepen, u. a. m. seyn und eigentlich den Samen dieser Gewächse bezeichnen würde. Man müßte denn lieber annehmen wollen, daß diese Gewächse wegen der Ähnlichkeit ihrer rauchen wolligen Blätter mit den Blättern des folgenden Baumes so benannt worden.


Pappel (W3) [Adelung]


2. Die Pappel, plur. die -n, ein Baum, Populus L. welcher auch Pappelbaum genannt wird. Man hat verschiedene Arten desselben. 1) Die schwarze Pappel, der schwarze Pappelbaum, die Pappelweide, von welcher die Italiänische Pappel eine bloße Abart ist, hat eine rauhe aschfarbene Rinde und dunklere Blätter als die folgende; Populus nigra L. Sie wird im Oberdeutschen, wegen der weißlichen Rinde, Alberbaum, Albele, Abele, Tabelke, Alaprobst, Heiligenbaum, Götzenholz, Rheinweide, Saare, Sarbacken, Sarbache, Sarbachbaum u. s. f. genannt. 2) Die weiße Pappel, der weiße Pappelbaum, Populus alba L. hat eine weißliche grüne Rinde und hellere Blätter, welche auf der untern Seite weiß und wollig sind. Er wird in einigen Gegenden auch Weißbaum genannt. 3) Die kleine Pappel, Zitterpappel, Flatterpappel, Zitteräspe, in Tirol Aschenbaum, in Nieders. Beberesche, Boberesche, Populus tremula L. deren Blätter, wegen der dünnen, langen Stiele in steter Bewegung sind.

Anm. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieser Baum wegen der immer zitternden Bewegung seiner Blätter den Nahmen hat, welche besonders an der dritten Art merklich ist, da denn so wohl der Hochdeutsche Nahme Pappel, als auch der Niederdeutsche Pöppel, der Latein. Populus, der Franz. Peuplier, der Engl. Poplar und der Pohln. Topola, von unserm beben abstammen würde. Um eben dieses Umstandes willen heißt er auch im Nieders. Beberesche, im Holländ. Ratelaar, und im Latein. Tremula. Wenn anders nicht die wollige weiche Beschaffenheit der untern Seite der Blätter, auch hier, wie bey den vorigen Gewächsen, der Grund der Benennung ist. Alle drey Pappelbäume werden im Hochdeutschen auch Äspen genannt, welches einige gleichfalls von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, zittern, ableiten.


Pappelauge (W3) [Adelung]


Das Pappelauge, des -s, plur. die -n, S. Pappelknospe.


Pappelbaum (W3) [Adelung]


Der Pappelbaum, des -es, plur. die -bäume, S. 2 Pappel und 1 Pappel 6.


Pappelkäse (W3) [Adelung]


Der Pappelkäse, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, die platt runden Samenkörner der Pappel, besonders der Hasenpappel oder Gänsepappel; Malva sylvestris L. weil sie in der Gestalt kleinen Käsen gleichen. S. 1 Pappel.


Pappelknospe (W3) [Adelung]


Die Pappelknospe, plur. die -n, die Laubknospen des schwarzen Pappelbaumes oder der schwarzen Äspe, welche im Frühlinge einen überaus balsamischen Geruch von sich geben und wegen ihres balsamischen schleimigen Wesens mit zu der Pappelsalbe genommen werden; Pappelaugen, im Oberdeutschen, wo der Pappelbaum Alber heißt, Alberbrossen, von Brossen, Knospen, Alberknöpfe.


Pappelkraut (W3) [Adelung]


Das Pappelkraut, des -es, plur. inus. S. 1 Pappel.


Pappelmotte (W3) [Adelung]


Die Pappelmotte, plur. die -n, eine Art Motten, welche sich gern auf den Pappel- oder Äspenbäumen aufhält; Phalaena Bombyx Populi L.


Pappelöhl (W3) [Adelung]


Das Pappelöhl, des -es, plur. hoch nur von mehrern Arten, die -e, ein Öhl, welches aus den Pappelknospen bereitet, und als ein Schmerzen stillendes Mittel auf die Schläfe und Pulse gestrichen wird.


Pappelrose (W3) [Adelung]


Die Pappelrose, plur. die -n, S. 1 Pappel.


Pappelsalbe (W3) [Adelung]


Die Pappelsalbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine Salbe, welche aus Pappelknospen, Mohnblättern, Hauswurz u. s. f. mit ungesalzener Butter bereitet, und in verschiedenen Fällen gebraucht wird.


Pappelweide (W3) [Adelung]


Die Pappelweide, plur. die -n, der schwarze Pappelbaum in vielen Gegenden, Populus nigra L. S. 2 Pappel.


Pappen (W3) [Adelung]


Pappen, adj. et adv. aus Pappe oder Pappendeckel bereitet. Eine pappene Schachtel.


Pappen (W3) [Adelung]


Pappen, verb. reg. act. von Pappe. 1) So fern dieses Wort Brey bedeutet, ist pappen im gemeinen Leben mit Breye füttern. Das Kind pappen. In den niedrigen Sprecharten gebraucht man es zuweilen auch als ein Neutrum für Brey essen, Ital. pappare, papponare. Ingleichen mit zahnlosem Munde kauen oder essen, welches vielleicht die erste Bedeutung dieses Wortes ist, und wie mampfen, mumpfen, mümpfeln den damit verbundenen Laut nachahmet. 2) In der zweyten Bedeutung des Wortes Pappe ist pappen mit Pappe oder Mehlbrey befestigen. Zwey Blätter Papier zusammen pappen. Besonders in den Zusammensetzungen anpappen, aufpappen, einpappen. Ingleichen in Pappe arbeiten, allerley Dinge aus Pappe verfertigen. So auch das Pappen.


Pappendeckel (W3) [Adelung]


Der Pappendeckel, des -s, plur. ut nom. sing. ein besonders bey den Buchbindern für Pappe in der zweyten Bedeutung übliches Wort. Etwas aus Pappendeckel verfertigen, aus Pappe. Besonders von einzelnen Bogen Pappe. Zwey Pappendeckel. Die letzte Hälfte scheinet auf den häufigsten Gebrauch der Pappe zu den Deckeln der Bücher zu gehen.


Pappenstiel (W3) [Adelung]


Der Pappenstiel, des -es, plur. die -e, ein nur im gemeinen Leben im figürlichen Verstande übliches Wort eine unerhebliche Kleinigkeit, eine nichtswürdige Sache zu bezeichnen. Ich mache mir so viel daraus als aus einem Pappenstiele, ich mache mir nichts daraus. Der Henker, zwey tausend Thaler sind kein Pappenstiel! Weiße, sind keine Kleinigkeit. Du mußt wissen, die Interessen von 40 000 Thalern sind kein Pappenstiel, ebend. Das Wort ist dunkel. Bedeutet es etwa den Stiel von einem abgenutzten Breylöffel? Oder stehet Stiel hier in seiner weitesten Bedeutung eines schmalen dünnen Stückes, da denn das Wort einen solchen Abgang von Pappe oder Pappendeckel bedeuten würde?


Papst (W3) [Adelung]


Der Papst, des -es, plur. die Päpste, das sichtbare Oberhaupt der Römischen Kirche, welches seinen Sitz gewöhnlich zu Rom hat. Der Römische Papst, der Papst zu Rom, oder am häufigsten schlechthin der Papst. Papst werden. Papst Clemens IX.

Anm. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno Pabis, in der Parän. Tirolis und im Schwabenspiegel Babest, im Nieders. Pawest, Paus, Paust, im Schwed. Pafve. Es ist aus dem mittlern Latein. Papa, Vater, welches Wort als ein Ehrentitel ehedem allen Bischöfen gegeben wurde, so wieder schon angeführte Verfasser des Gedichtes auf den heil. Anno sein Pabis von dem Erzbischofe zu Mainz gebraucht; bis es nachmahls auf die Bischöfe zu Rom allein eingeschränket worden, wozu schon Gregor VII. durch eine förmliche Verordnung den Grund legte. Da das a um der Abstammung von Papa willen gedehnt lautet, so schrieb man, diese Dehnung zu bezeichnen, das Wort ehedem Pabst, oder wohl gar Babst; allein in den neuern Zeiten hat die Etymologie ihr Recht behauptet, und das p wieder hergestellet. ( S. auch Propst,) welches man aus eben derselben Ursache ehedem Probst schrieb. Das Fämininum ist nur von der Päpstinn Johanna üblich, welche als eine weibliche Person zum Pabste soll seyn erwählet worden. S. auch Pfaff.


Papstbaum (W3) [Adelung]


Der Papstbaum, des -es, plur. die -bäume, S. Papstweide.


Päpstisch (W3) [Adelung]


Päpstisch, adj. et adv. S. Papistisch.


Papstkrone (W3) [Adelung]


Die Papstkrone, plur. die -n, die dreyfache Krone des Papstes, die päpstliche Krone.


Päpstler (W3) [Adelung]


Der Päpstler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Päpstlerinn, ein, so wie Papist, nur allein im harten und verächtlichen Verstande übliches Wort, ein Glied der Römischen Kirche, eigentlich einen Anhänger des Papstes zu bezeichnen.


Päpstlich (W3) [Adelung]


Päpstlich, adj. et adv. dem Papste ähnlich, ihm gehörig, in dessen Würde gegründet. Die päpstliche Würde. Die päpstliche Krone. Seine Päpstliche Heiligkeit. Die päpstliche Gewalt. Der päpstliche Nuntius. Eine päpstliche Bulle.


Papstmütze (W3) [Adelung]


Die Papstmütze, plur. die -n, eigentlich eine zugespitzte Mütze, welche die Päpste als ein Ehrenzeichen ihrer Würde bey feyerlichen Gelegenheiten zu tragen pflegen. Figürlich, eine Art Schnecken mit regelmäßig gewundenen Häusern, welcher in den Muschelsammlungen nächst den beyden Admiralen der größte Werth beygeleget wird, und welche auch die Bischofsmütze heißt; Voluta Mitra L.


Papstthum (W3) [Adelung]


Das Papstthum, des -es, plur. inus. 1) * Die päbstliche Würde, eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es noch im Oberdeutschen vorkommt. Zum Papstthum gelangen. Unter dem Papstthume Innocentii X, unter dessen päpstlichen Regierung. 2) Diejenige Religion, in welcher der Papst zu Rom für das sichtbare Oberhaupt der Kirche erkannt wird, die Römische Religion, die Römische oder Römisch-katholische Kirche, doch nur im harten und verächtlichen Verstande. Nieders. Pausdoom.


Papstwiede,Papstweide (W3) [Adelung]


Die Papstwiede, oder Papstweide, plur. die -n, eine im gemeinen Leben übliche Benennung, 1) des Vogelkirschbaumes oder Stinkbaumes Prunus Padus L. welcher auch Elsebeere, Hohlkirsche, Papstbaum, und mit einem vermuthlich Wendischen Worte auch Patscherpe genannt wird, ( S. das letztere.) 2) Des Schlingbaumes oder Mehlbaumes, Viburnum Lantana L. welcher im gemeinen Leben gleichfalls Patscherpe genannt wird. In beyden Fällen ist der Grund der Benennung unbekannt.


Par (W3) [Adelung]


Par, Paren, u. s. f. S. Paar.


Parade (W3) [Adelung]


Die Parade, plur. die -n, aus dem Franz. Parade, und dieß von dem mittlern Lat. Parata. 1) Der Staat, d. i. das feyerliche Gepräge besonders in Ansehung der Kleider und des Hausgeräthes, ohne Plural. Etwas zur Parade haben, zum Staate. Parade mit etwas machen, Staat. Das dient zur Parade, aber nicht zum Nutzen. In Parade erscheinen, in festlicher Kleidung, in feyerlichem Gepräge. Daher denn dieses Wort mit allen Hauptwörtern zusammen gesetzet wird, welche zur Parade, d. i. zum Staate, bestimmt sind, wofür in vielen Fällen auch das mehr Deutsche Pracht gebraucht werden kann. Das Paradebett, das Prachtbett; das Parade-Pferd Parade-Zimmer, Parade-Kleid u. s. f. 2) Ein Aufzug in festlicher Kleidung; in welchem Verstande es nur im Kriegswesen üblich ist, wo die Parade, der feyerliche Aufzug der Soldaten in ihrer besten Kleidung ist. Bey der Parade erscheinen. Daher denn auch die auf solche Art auf die Wache ziehenden Soldaten die Wach-Parade oder auch nur die Parade schlechthin genannt werden, in welchem einzigen Falle auch der Plural Statt findet. Daher der Parade-Platz, des -es, plur. die Plätze, derjenige Platz, auf welchem die Soldaten auf solche Art aufziehen.


Paradies (W3) [Adelung]


Das Paradies, des -es, plur. die -e, Diminut. das Paradieschen, Oberd. das Paradieslein. 1) Eigentlich, die anfängliche Wohnung der ersten Menschen, welche als ein überaus angenehmer Ort beschrieben wird, und im ersten Buche Mosis der Garten in Eden, der Garten Eden heißt. 2. Figürlich. 1) Ein höchst angenehmer Ort, eine überaus anmuthige Gegend. Sehen sie, wie ich mir meine Einöde zu einem Paradiese zu machen weiß. 2) Der Aufenthalt der Seligen nach diesem Leben, die himmlische Glückseligkeit in dem unmittelbaren Genusse Gottes; in welchem Verstande es schon in der Deutschen Bibel vorkommt.

Anm. Schon im Isidor und bey dem Ottfried Paradies, nach dem Griech. und Latein. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Paradisus, welches Wort, so Griechisch es auch ausstehet, dennoch aus dem Morgenländischen herzustammen scheinet, weil das Paradies auch im Persischen Tardeus heißt, und die Überlieferung von dem Paradiese der ersten Menschen bey allen alten Völkern angetroffen wird. Ottfried nennt dieses Paradies auch Wunnisam feld, Notker und andere alte Schriftsteller aber Vunno gartin, Wundergarten, und Ziergarten, wofür es an einem Orte bey dem Notker, vermuthlich nach einer falschen Leseart, Zartkartin heißt. Ehedem wurde auch die Halle vor den großen Stiftskirchen Paradisus, Paravisus, Franz. Parvis, Deutsch auch Perdis genannt; nicht, wie Frisch will, weil insgemein Adam uns Eva im Paradiese daselbst abgebildet wurden, sondern von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches Hesychius durch - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - erkläret. Die folgenden Zusammensetzungen haben dieses Wort theils wegen ihrer angenehmen Beschaffenheit erhalten, theils gründen sie sich auf eine alte Überlieferung, daß dieses oder jenes Ding in dem Paradiese der ersten Menschen befindlich gewesen sey.


Paradiesbaum (W3) [Adelung]


Der Paradiesbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden ein Nahme des wilden Öhlbaumes, Elaeagnus angusti- folio L. weil seine gelben Blumen im Frühlinge einen angenehmen Geruch weit um sich her verbreiten.


Paradiesfeige (W3) [Adelung]


Die Paradiesfeige, plur. die -n, die eßbare weiße und mehlartige Frucht einer Art der Muse, welche in Ostindien einheimisch ist und bey uns nur in den Gewächshäusern gefunden wird, und dieses Gewächs selbst, Musa paradisiaca L. Die Frucht, welche wie ein halber Mond gekrümmet ist, wird von einigen für die verbothene Frucht im Paradiese gehalten, wie sich den auch Adam mit den großen Blättern dieses Gewächses nach dem Falle bedeckt haben soll; eine Überlieferung, welche diesem Gewächse den Nahmen einer Feige erworben hat.


Paradieshäher (W3) [Adelung]


Der Paradieshäher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Paradiesvogel.


Paradiesholz (W3) [Adelung]


Das Paradiesholz, des -es, plur. inus. S. Aloe 1.


Paradiesisch (W3) [Adelung]


Paradiesisch, adj. et adv. dem Paradiese oder anfänglichen Aufenthalte der ersten Menschen ähnlich, im höchsten Grade angenehm und schön. Mit dir stieg für mich Ein paradiesisch Glück am Horizont herauf, Gieseke.


Paradieskorn (W3) [Adelung]


Das Paradieskorn, des -es, plur. die -körner, die dem Pfeffer ähnlichen gewürzhaften Samenkörner einer Art des Cardamomes, welche in Madagaskar und Guinea einheimisch ist, und die so wohl als eine Arzeney, als auch als ein Gewürz gebraucht werden, und die Pflanze, welche sie trägt; Amomum Grana Paradisi L.


Paradiespapagey (W3) [Adelung]


Der Paradiespapagey, des -es, plur. die -e, eine Art Papageye aus Cuba, welche blaßgelb sind und einen rothen Hals und Bauch haben; Psittacus Paradisi Klein.


Paradiesvogel (W3) [Adelung]


Der Paradiesvogel, des -s, plur. die -vögel, eine Art Waldvögel, welche nach dem Klein zu den Hähern gehöret, deren Schnabel halb mit zarten, weichen Flaumfedern bedeckt ist. Der Schwanz bestehet aus sehr langen Federn; dieser, die Brust und der Unterleib sind roth, die Kehle lasurblau, das übrige aber gelb; Paradisea L. Pica Paradisi Klein. bey andern Manucodiata, bey einigen Deutschen Schriftstellern Paradieshäher. Weil die Indianer ihm die Füße abzuschneiden, ihn auszustopfen und auf ihren Mützen zu tragen pflegen, so ist daher die Fabel entstanden, daß er keine Füße habe. Er ist in Ostindien einheimisch; ehedem aber glaubte man, daß er sich in dem ehemahligen Paradiese aufhalte. Der Paradiesvogelkönig ist eine Art dieser Vögel, nur daß er weit größer ist. Einige Schriftsteller, z. B. Seba, nennen alle Vögel mit langen Schwänzen Paradiesvögel; z. B. den morgenländischen Schwarzkamm, Upupa Manucodiata Klein. welcher eine Art Wiedehopfe ist.


Paradox (W3) [Adelung]


Paradox, -er, -este, adj. et adv. einer allgemein angenommenen Meinung entweder wirklich, oder nur zum Scheine widersprechen, wobey es doch unentschieden bleibt, ob die allgemeine Meinung wahr oder falsch ist; aus dem Griech. und Latein. paradoxus.


Parallel (W3) [Adelung]


Parallel, -er, -ste, adj. et adv. aus dem Griech. und Latein. parallelus, in allen Puncten gleich weit von einander abstehend, in Einer Richtung mit einander fortgehend; gleichlaufend. Parallele Linien, oder Parallel-Linien. So auch der Parallel-Zirkel, besonders in der mathematischen Erdbeschreibung, ein Zirkel auf der Erd- oder Weltkugel, welcher mit dem Äquator parallel gehet, und auch nur die Parallele genannt wird; das Parallel-Lineal, ein Lineal, parallele gerade Linien damit zu ziehen; das Parallelogramm, des -es, plur. die -en, eine vierseitige Figur, an welcher die gegen über stehenden Seiten einander parallel sind; das Parallelipipedum, ein viereckiges Prisma, dessen Grundflächen Parallelogrammen sind.


Parasoll (W3) [Adelung]


Das Parasoll, des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Parasol und Ital. Parasole, ein Sonnenschirm.


Parce,Parze (W3) [Adelung]


Die Parce, oder Parze, plur. die -n, in der Mythologie der Griechen und Römer, drey Göttinnen, welche dem Leben der Menschen vorstanden, dessen Lebensfaden spannen, und Klotho, Lachesis und Atropos hießen; wovon die erste den Faden drehte, die zweyte die Spindel hielt, und die letzte ihn abschnitt. Nur Unverständige haben den Nahmen Parce aus dem Latein. parcere ableiten können. Die Römer bekamen ihn von den Griechen, diese aber aus dem Morgenlande, wo im Arabischen pharaka, im Hebräischen und Chaldäischen aber barak, trennen, brechen, abschneiden ist.


Parchent,Parchet (W3) [Adelung]


Der Parchent, oder Parchet, S. Barchent.


Pardel,Parder (W3) [Adelung]


Der Pardel, oder Parder, ( S. Panther.) Der Nahme ist morgenländischen Ursprunges, indem dieses Thier auch im Persischen Par genannt wird.


Pardon (W3) [Adelung]


Der Pardon, des -es, plur. die -e, ein aus dem Franz. Pardon, nur im gemeinen Leben für Vergebung und Begnadigung übliches Wort, so wie pardonniren, aus dem Franz. pardonner, vergeben, begnadigen.


Paren (W3) [Adelung]


Paren, S. Paaren.


Parentation (W3) [Adelung]


Die Parentation, plur. die -en, aus dem Lat. Parentatio, diejenige Rede, welche bey einem Leichenbegängnisse zum Lobe des Verstorbenen und zur Aufrichtung der Leidtragenden gehalten wird; die Trauerrede, Leichenrede oder Standrede, weil sie frey stehend gehalten wird; zum Unterschiede so wohl von der Leichenpredigt, als auch von der bey ansehnlichen Leichenbegängnissen üblichen Abdankungsrede. Daher parentiren, diese Rede halten.


Parforce-Jagd (W3) [Adelung]


Die Parforce-Jagd, plur. die -en, aus dem Franz. par Force, mit Gewalt, diejenige Art der Jagd, da das Wild ohne Garn und Tücher zu Pferde so lange verfolgt wird, bis es niederfällt oder von den Hunden zum Stehen gebracht wird; das Laufjagen, Rennjagen. ( S. das erstere.) Daher der Parforce-Hund, ( S. Laufhund.) Im Theuerdanke wird diese Art der Jagd ein Fortz Gejeid genannt.


Pariren (W3) [Adelung]


Pariren, verb. reg. act. et neutr. aus dem Franz. parer. 1) Gehorchen, als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben; doch nur im gemeinen Leben. 2) In der Fechtkunst ist pariren oder auspariren, die Stöße oder Hiebe des Gegners von sich weg in die Luft leiten. Einen Stoß pariren. Daher die Parirung, so wohl die Handlung des Parirens, als auch die stärkere Hälfte einer Degenklinge, mit welcher das Pariren geschiehet; die Parirstange, an einem Degengefäße, eine mit dem Stichblatte parallele kleine Stange, welche gleichsam das untere Ende des Bügels fortsetzt. 3) Wetten, aus dem Franz. parier; doch nur im gemeinen Leben.


Parlament (W3) [Adelung]


Das Parlament, des -es, plur. die -e, oder -er, in einigen auswärtigen Ländern, z. B. in England und Frankreich, die versammelten Land- und Reichsstände. Aus dem mittlern Latein. Parlamentum, und dieß von parlare, reden, sprechen, Franz. parler, so wie man auch im Deutschen dergleichen Versammlungen ehedem Sprachen zu nennen pflegte, und im gemeinen Leben einiger Gegenden noch jetzt nennet. Franz. Parlement, Engl. Parliament.


Parmesan-Käse (W3) [Adelung]


Der Parmesan-Käse, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art wohl schmeckender Käse, welcher von der Stadt Parma in der Lombardey seinen Nahmen hat. Indessen macht man ihn daselbst nicht allein, sondern in dem ganzen Herzogthum Mailand, besonders in der Gegend von Lodi.


Parole (W3) [Adelung]


Die Parole, plur. die -n, aus dem Franz. Parole, das Wort, besonders im Kriegswesen, dasjenige Wort, woran sich die Wachen, Posten, Befehl und Wache habenden Officiers erkennen; die Losung, zum Unterschiede von dem Feldgeschreye, woran sich die Parteyen im Felde erkennen. Auf den Feldwachen werden Parole und Feldgeschrey zugleich, auf andern Wachen aber nur Parole allein ausgegeben.


Part (W3) [Adelung]


Der Part, des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Part, ein nur noch im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Ein Theil eines Ganzen, oder mehrerer als ein Ganzes betrachteter Dinge Einer Art. Die Waaren in sechs Parte theilen, in sechs Theile. Der Erbpart, das Erbtheil. Besonders der Antheil. Part an etwas haben, Antheil. In Niedersachsen wird der Antheil, welchen jemand an einem gebaueten und ausgerüsteten Schiffe hat, der Part genannt. 1/4 Part, 1/6 Part, 1/8 Part u. s. f. der so vielste Antheil an den sämmtlichen Kosten eines erbaueten Schiffes. Ich für meinen Part, im gemeinen Leben, für meinen Theil, was mich betrifft. Jemanden Part von etwas geben, ihn davon benachrichtigen, in den niedrigen Sprecharten. 2) Ein oder mehrere mit andern streitige Personen, besonders in den Rechten. Der eine Part, der andere Part. Der Gegenpart, der Widerpart. In der bessern Sprechart ist dafür Partey, und in der anständigern Theil, und für Gegenpart Gegner und Gegentheil üblich. ( S. Partey.) In beyden Bedeutungen ist es in einlegen Gegenden sächlichen Geschlechtes, das Part, am häufigsten aber männlichen, wie Franz. Part, aus welchem es entlehnet worden, obgleich die Aussprache völlig Deutsch ist.


Parten (W3) [Adelung]


+ Parten, verb. reg. act. et neutr. aus dem Lat. partiri, welches gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, wo es auf doppelte Art vorkommt. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Theil an etwas haben; in welchem Verstande auch anparten vorkommt. 2) Theilen; Nieders parten, Holländ. parten.


Parterre (W3) [Adelung]


Das Parterre, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Franz. Parterre. 1) In den Gärten sind Parterre Luststücke, welche in Felder von verschiedenen Figuren getheilet und mit Blumen, geschnittenen Taxusbäumen u. s. f. ausgezieret werden; das Luststück. 2) In einem Schauspielhause ist das Parterre der untere auf dem Fußboden des Gebäudes befindliche Platz für die Zuschauer; zum Unterschiede von den Logen und der Gallerie.


Partey (W3) [Adelung]


Die Partey, plur. die -n, ein aus dem Franz. Partie entlehntes Wort. 1. Mehrere Individua von Einer Art, obgleich von unbestimmter Menge oder Anzahl, 1) Überhaupt, von allen Arten von Körpern; wofür doch auch Partie jetzt üblicher ist. Eine Partey Waaren. Die Waaren nicht anders als in Parteyen verkaufen, nicht stückweise, sondern mehrere Stücke zusammen. Eine Partey oder Partie Menschen, Räuber, Zuschauer u. s. f. ein Haufe. 2) In engerer Bedeutung ist eine Partey ein Haufe mehrerer Menschen Einer Art; doch nur in einigen Fällen. (1) In vielen Fällen werden mehrere zu Einer Verrichtung gehörige Menschen eine Partey genannt. Die Jagdpartey, die zur Jagd oder Jägerey gehörigen Personen. Am kaiserlichen Hofe zu Wien sind die Rüdenpartey, Reiherpartey, Milanpartey, Krähenpartey, Revierpartey u. s. f. so viel besondere Haufen von Jagdbedienten. Im Kriegswesen ist eine Partey ein kleiner Haufe Truppen von unbestimmter Anzahl; ein Detachement. Parteyen auf Kundschaft ausschicken. Streifende Parteyen. Daher die R. A. auf Partey ausgehen, ausziehen um Beute zu machen, auf Beutemachen ausgehen; auf Partey ausschicken. ( S. Parteygänger.) (2) Mehrere gleichgesinnte Personen, im Gegensatze derer, welche entgegen gesetzte Gesinnungen hegen; wo es ein gelinder Ausdruck für Secte, Faction, Rotte u. s. f. ist. Eine Republik ist in Parteyen getheilet, wenn es mehrere Haufen widrig gesinnter Personen in derselben gibt. Die Stadt theilte sich in zwey Parteyen, in Ansehung der Gesinnungen. Die Französische Partey, welche es mit Frankreich hält, mit Frankreich gleich gesinnet ist. Jemandes Partey halten, von dessen Partey seyn, es mit ihm halten, seine Handlungen und Gesinnung verfechten, seinen Nutzen zu befördern suchen. Können sie glauben, daß ich ihre Partey gegen meine Schwester habe halten müssen? Less. sie vertheidigen. Jemandes Partey nehmen, zu dessen Partey treten, dessen Partey ergreifen, sich zu dessen Partey schlagen. Jemanden auf seine Partey bringen, auf seine Seite. Es mit keiner Partey halten. Sich eine Partey machen, einen Anhang, weicher der Gesinnung oder Absicht anderer entgegen gesetzt ist. In einer Sache Partey nehmen, sich zu einer oder der andern Partey bekennen. Die Gegenpartey, die entgegen gesetzte Partey. In engerer Bedeutung ist eine Religions-Partey ein Hause mehrerer Menschen, welche in Grundwahrheiten der Religion von andern abgehen. In diesem Verstande sind die Herrenhuther zwar eine Religions-Gesellschaft aber keine Religions-Partey. 2. In einigen Fällen werden auch einzelne Individua Parteyen genannt. Zwey Personen, welche einen Vertrag mit einander schließen, heißen die beyden contrahirenden Parteyen, noch besser aber die contrahirenden Theile. Besonders führen streitige Personen vor Gerichte den Nahmen der Parteyen; im Franz. Parties, im mittlern Latein. Partes. Die Parteyen vergleichen. Beyde Parteyen hören. Die Gegenpartey. Die klagende Partey, der Kläger, die beklagte Partey, der Beklagte. Von einer Person, welche man zu heirathen sucht oder geheirathet hat, ist Partie üblicher, S. dasselbe.

Anm. Parthey, wie viele schreiben, hat nicht den geringsten scheinbaren Grund, weder in der Abstammung, noch in der Aussprache. Ehedem bedeutete es auch einen Streit, einen Zwist. Sie han ein klein parthey unnder in, im Theuerd. S. Part und Partie.


Parteygänger (W3) [Adelung]


Der Parteygänger, des -s, plur. ut nom. sing. im Kriegswesen, Soldaten, welche vornehmlich bestimmt sind, auf Partey auszugehen, d. i. dem Feinde durch Beutemachen zu schaden, wozu jetzt vornehmlich die leichten Truppen und besonders die Freybeuter oder Freypartien gebraucht werden. Auch der Anführer eines solchen Haufens, derselbe sey nun eine Compagnie oder ein Bataillon, führet den Nahmen eines Parteygängers. Ital. Partigiano. S. Partey 1.2).


Parteygeist (W3) [Adelung]


Der Parteygeist, des -es, plur. inus. die ungeordnete Neigung, es mit einer von zwey oder mehr widrigen Parteyen zu halten, oder auch dergleichen Parteyen zu stiften.


Parteyisch (W3) [Adelung]


Parteyisch, -er, -te, adj. et adv. 1) Überhaupt, einer Partey zugethan, es mit einer von zwey oder mehr widrig gesinnten Parteyen haltend; im Gegensatze des parteylos oder unparteyisch. 2) In engerer Bedeutung ist man parteyisch, wenn man sich in der Beurtheilung andrer und in seiner Neigung gegen sie durch außerwesentliche Umstände leiten lässet; ingleichen in dieser Denkungsart gegründet. Beydes im Gegensatze des unparteyisch. Parteyisch seyn. Parteyisch handeln, urtheilen. Ein parteyischer Richter. Eine partheyische (partheyische) Empfehlung der Blutsfreunde, ist, sie mit dem gelindesten Nahmen zu belegen, ein frommer Betrug, Gell.


Parteylich (W3) [Adelung]


Parteylich, -er, -ste, adj. et adv. welches von einigen Neuern mit gutem Glücke eingeführet worden, den Übelklang des zischenden parteyisch zu vermeiden; im Gegensatze des unparteylich. Es wird in beyden Bedeutungen des vorigen Wortes gebraucht, besonders im Superlative. Das parteylichste Betragen, für das harte parteyischte.


Parteylichkeit (W3) [Adelung]


Die Parteylichkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, da man parteylich oder parteyisch ist, in den beyden Bedeutungen des letztern Wortes, und ohne Plural. In engerer Bedeutung ist die Parteylichkeit die Fertigkeit, sich in dem Beurtheilen andrer, in seine Neigung gegen sie, durch außerwesentliche Umstände bestim- men zu lassen; im Gegensatze der Unparteylichkeit. Die Parteylichkeit eines Richters. Die Freundschaft, zu der wir von der Natur eingeladen, werden, die so leicht Partheylichkeit (Parteylichkeit) des Herzens und wohl gar Selbstliebe wird, Gell. 2) Ein parteyliches Betragen in einzelnen Fällen.


Parteylos (W3) [Adelung]


Parteylos, -er, -este, adj. et adv. welches für unparteyisch oder unparteylich in beyden Bedeutungen des Gegensatzes parteyisch üblich ist. Parteylos seyn, unparteyisch. Daher die Parteylosigkeit, plur. inus. die Unparteylichkeit.


Partie (W3) [Adelung]


Die Partie, (zweysylbig,) plur. die Partien, (dreysylbig,) ein gleichfalls aus dem Franz. Partie entlehntes Wort, welches in einigen Fällen für das gemeiner gewordene Partey gebraucht wird. 1. Mehrere Individua Einer Art, ohne Bestimmung der Menge oder Anzahl. Eine Partie Waaren. Eine Partie Obstbäume, Bücher u. s. f. Die Waaren nicht anders als in ganzen Partien verkaufen. Von einem unbestimmten Haufen mehrerer Menschen ist Partey üblicher, außer in einigen Zusammensetzungen. So sagt man für Freypartey, Jagdpartey u. s. f. auch häufig Freypartie, Jagdpartie. Auch ist Partie zuweilen noch ein Haufe mehrerer sich gemeinschaftlich erlustigender Personen. Daher sagt man Partie machen, mit von der Partie seyn, einer solchen Gesellschaft beytreten; welche Ausdrücke auch wohl in weiterm Verstande von dem Beytritte zu einer jeden gemeinschaftlichen Bemühungen gebraucht werden. Besonders bedeutet dieses Wort in manchen Spielen, z. B. im Billiard, im Kegelspiele u. s. f. ein ganzes Spiel. Eine Partie Billiard, Kegel spielen. 2. Ein Theil; doch nur noch in einigen Fällen. 1) bey den Mahlern werden so wohl die einzelnen Theile einer Figur, als auch die einzelnen Theile eines ganzen Gemähldes Partien genannt. 2) Sehr häufig ist auch die Partie die Heirath in Ansehung der Glücksumstände einer oder beyder heirathenden Personen; wo man ehedem Partey sagte. Eine gute Partie thun oder treffen, reich oder vornehm heirathen. Sie hofft noch eine bessere Partie zu treffen. Wo auch wohl eine der beyden Personen eine Partie genannt wird; welches allem Ansehen nach diese erste Bedeutung des Wortes in diesem Verstande ist, gleichsam einer von beyden Theilen. Der Eigennutz wird ihn nagen, da Julchen eine Parthie (Partie) ist, Hermes.

Anm. Partey und Partie sind beyde aus dem Franz. Partie; das letzte ist erst in den neuern Zeiten in einigen Bedeutungen eingeführet worden, um theils dem Französischen näher zu kommen, theils auch den unangenehmen Doppellaut ey zu vermeiden. Das h ist in diesem Worte eben so unnöthig als in Partey.


Partiren (W3) [Adelung]


Partiren, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. 1) Für theilen: aus dem Latein. partiri. So wird in dem Salzwerke zu Halle die Sohle partiret, wenn sie in die Kothe vertheilet wird. 2) Betrügliche Kunstgriffe anwenden, durch betrügliche Kunstgriffe erhalten. Die Noth hat ihn partiren lehren, (gelehret,) Matthes. bey dem Frisch. Sich in einen Ort hinein partiren. Sich in jemandes Freundschaft partiren. Etwas heimlich wegpartiren. Sich wegpartiren, wegschleichen. Etwas verpartiren, heimlich verschleppen. Welche insgesammt nur in den niedrigen Sprecharten üblich sind, so wie die Abgeleiteten ein Partirer, eine Partirerinn, die Partirerey u. s. f. S. auch Partite.

Anm. Frisch leitet in dieser Bedeutung von dem Ital. barattare, entwenden betriegen, her, Ihre aber von dem Schwed. Par, Holländ. Part, Betrug, Ränke; welche Ableitung allen Beyfall verdiente, wenn nur nicht die ausländische Endung -iren dawider wäre, und es überwiegend wahrscheinlich machte, daß partiren nur eine Figur von partiri, theilen ist. Im Bergbaue werden diejenigen, welche die Kure verhandeln, im guten Verstande Kur-Partirer genannt, ohne Zweifel, weil sie solche einzeln verkaufen oder an Mann bringen. Im mittlern Latein. war Particus, oder, wir Grävius bey dem Isidor lieset, Particarius, ein Höke, welcher die Waaren einzeln mit Wucher verkauft. S. Partite.


Partisan (W3) [Adelung]


Der Partisan, des -es, plur. die -e, ein aus dem Franz. Partisan und Ital. Partigiano entlehntes, aber nur noch zuweilen im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Ein Anhänger, welcher es mit jemandes Partey hält. 2) Ein Parteygänger, S. dieses Wort.


Partisane (W3) [Adelung]


Die Partisane, plur. die -n, eine jetzt größten Theils veraltete Art des Gewehres, welches nur noch an einigen Höfen von den Trabanten zur Zierde geführet wird. Es war eine Art Spieße, welche unter dem eigentlichen Eisen zum Stechen noch eine Barte oder kleines zweyschneidiges Beil hatte, und oft mit der Hellebarte verwechselt wird, aber doch von derselben noch unterschieden gewesen zu seyn scheinet, welcher Unterschied von einigen in die mehrere Größe der Partisane, von andern aber in die zweyschneidige Beschaffenheit des unter dem eigentlichen Spieße befindlichen Eisens gesetzet wird. Der Nahme ist ausländisch, so wie das Gewehr selbst. Es lautet im Ital. Partigiana und im Franz. Pertuisane. Aus einem von beyden ist unser Partisane, so wie das Niederdeutsche Bardesan, das Engl. Partisan, und das Schwed. Bartisan, entlehnet. Im Epirotischen heißt dieses Gewehr Patereana. Die Abstammung dieses Wortes hat den Wortforschern viel zu schaffen gemacht. Die meisten haben doch erkannt, daß die erste Hälfte unser altes Barte, ein Beil, ist; obgleich auch dessen Stammwort, das alte und noch jetzt Schwedische bären, bärja, schlagen, streiten, Anspruch darauf machen kann, einige auch den Nahmen von dem Latein: pertusus ableiten. Wachter siehet das mittlere Latein. Barducium, welches durch hastile jaculum, securicula levis, erkläret wird, und wiederum von Barte abstammet, für das Stammwort an. Nach Ihre ist die letzte Hälfte das Wort eisen, Nieders. isen, so daß, Partisane eigentlich eine eiserne Barte, oder wenn die erste Hälfte von bären, streiten, schlagen, abstammen sollte, eine Streitaxt bedeuten würde. Ist die letzte Abstammung die wahre, und stammt Hellebarte, wie Wachter will, von einem alten hellen, streiten, ab: so ist sehr wahrscheinlich, daß Partisane der ausländische, Hellebarte aber der Deutsche Nahme eines und eben desselben Gewehres ist. Denn aus der von Frischen angeführten Stelle aus dem Fronsperg folget noch nicht, daß beyde wirklich verschieden gewesen. S. Barte und Hellebarte.


Partite (W3) [Adelung]


Die Partite, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Eine Partey, eine Post, nur in einigen Oberdeutschen Gegenden; aus dem Ital. Partita. Eine Partite in das Schuldbuch tragen, eine Post. 2) Betrügliches Verfahren, heimliche, listige Ränke; Praktiken. Partiten machen oder spielen. Durch lauter Partiten reich werden. Opitz übersetzt das: Faciat tuus improba lucra maritus, durch: Partiten mache dann der Mann. Daher der Partitenmacher, die Partitenmacherinn, eine Person, welche mit Partiten umgehet. Im Ital. Partita, im mittlern. Latein. Partitum, welches Du Fresne durch suffragationem quae secreto per calculos sit, erkläret, und ohne Zweifel mit partiren von einer noch unbekannten Bedeutung des Zeitwortes partiri in den mittlern Zeiten herstammet; vielleicht einzeln, theilweise wegnehmen, und hernach heimlich, unvermerkt wegstehlen. Wenigstens ist es wohl nicht, wie Frisch will, aus Praktiken verderbt.


Parucke (W3) [Adelung]


Die Parucke, S. Perrucke.


Parze (W3) [Adelung]


Die Parze, S. Parce.


Parzen (W3) [Adelung]


Parzen, verb. reg. reciproc. welches nur im gemeinen Leben, besonders Deutschlandes üblich ist. Sich parzen, sich brüsten, sich stolz geberden. Es ist allem Ansehen nach das Intensivum von dem alten baren oder berden, geberden, für bardsen.


Pasch (W3) [Adelung]


Der Pasch, des -es, plur. die -e, ein nur in dem Würfelspiele übliches Wort, wo es einerley Zahl oder gleich viel Augen auf drey Würfeln bedeutet. Einen Pasch werfen. Frischens Ableitung von dem Paschafeste, weil die Kriegsknechte in der Woche vor Pascha um Christi Kleider gewürfelt, könnte wohl nicht seltsamer seyn. Da es eine gleiche Zahl bedeutet, so stammet es ohne Zweifel von dem noch Nieders. paß, gleiches Maß habend, und der Paß, das rechte Maß, her. S. diese Wörter und 1 Paschen.


Pascha (W3) [Adelung]


Das Pascha, das Osterfest, S. Passa.


Paschen (W3) [Adelung]


1. Paschen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben üblich ist, mit Würfeln spielen, würfeln. Die ganze Nacht paschen. Von dem vorigen Worte Pasch.


Paschen (W3) [Adelung]


2. Paschen, verb. reg. act. welches vorzüglich in Oberdeutschland gebraucht wird, auf eine heimliche verbothene Art handeln; doch nur von der heimlichen Einführung verbothener oder mit Abgaben belegter Waaren, welche eben daselbst auch schwärzen, im Niedersächs. aber smuggeln, genannt wird. Waaren in die Stadt paschen. Sie aus dem Lande paschen, heimlich mit Hintergehung der obrigkeitlichen Gefälle. Vermuthlich aus den mittlern Lat. passare, entweder so fern es vorbey gehen, oder auch so fern es übertreten, Franz. outrepasser, bedeutet, oder auch von passen, lauern, wie schmuggeln von schmiegen.


Pasquill (W3) [Adelung]


Das Pasquill, des -es, plur. die -e, eine Schrift, worin man jemanden fälschlich ehrenrührige Handlungen Schuld gibt, besonders, wenn man eine solche Schrift ohne seinen Nahmen bekannt macht; die Lästerschrift, Schandschrift. Die ungegründete Beschaffenheit der dem andern Schuld gegebenen, dessen guten Nahmen aufhebenden Verbrechen, und nächst dem die Verschweigung des Nahmens des Verfassers sind die wesentlichen Unterscheidungsmerkmahle eines Pasquilles. Fehlt eines dieser Stücke, so ist es eine bloße Schmähschrift. Daher der Pasquillant, des -en, plur. die -en, Fämin. die Pasquillantinn, eine Person, welche Pasquille verfertiget und ausbreitet, und in weiterer Bedeutung ein jeder grober Verleumder, eine Person, welche andere auch mündlich unwahrer ehrenrühriger Handlungen beschuldiget; der Lästerer. Pasquillantisch, einem Pasquille ähnlich, gemäß, in demselben gegründet. Die Pasquinade, plur. die -n, aus dem Ital. Pasquinata, eine Lästerung, und in engerer Bedeutung, eine witzige Lästerung. Anm. Alle diese Wörter stammen aus dem Italiänischen, und dem daselbst in den neuern Zeiten geformten Lateinischen Worte Pasquillus, her. Pasquin oder Pasquino ist der heutige Nahme einer verstümmelten und sehr unkenntlichen Bildsäule zu Rom nahe bey dem Platze Navone, an welche man ehedem alle nahmenlose Schmähschriften und beißende witzige Einfälle anzuheften pflegte. Die Bildsäule, von welcher man nicht weiß, was sie vorstellet, hat den Nahmen von einem witzigen Schneider Pasquino welcher ehedem in ihrer Nachbarschaft wohnete, und in dessen Werkstätte sich alle Liebhaber von Neuigkeiten versammelten, und daselbst alles Gute und Böse, was in Rom vorging, durchhechelten. Er starb, nachdem ihm sein boshafter Witz tausend Verdruß zugezogen hatte, und hinterließ der gedachten Bildsäule so wohl seinen Nahmen, als auch das Amt, dasjenige bekannt zu machen, was die witzigen Köpfe der Stadt gern bekannt machen wollen, ohne sich selbst zu erkennen zu geben. Gemeiniglich antwortet Pasquin auf die Fragen, welche Marforio an ihn thut. Dieses ist eine andere eben so verstümmelte Bildsäule in einem von den Höfen des Cavitolii, deren Nahme so viel als Martis Forum bedeuten soll, wo sie ehedem gestanden hat.


Paß (W3) [Adelung]


* Paß, adv. welches nur im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, gebraucht wird, das rechte Maß habend. Das Kleid ist mir paß. Die Schuhe sind mir nicht paß. In eben diesem Verstande gebraucht Opitz dieses Wort an einem Orte, obgleich nicht auf die schicklichste Art: Ihm ist Americus, sein Schüler nachgegangen, Hat dieß, was von ihm heißt, zu zwingen angefangen, Dem Geitze pas (paß) gemacht. S. das folgende.


Paß (W3) [Adelung]


1. * Der Paß, des -sses, plur. die Pässe, ein gleichfalls nur im gemeinen Leben, besonders Nieder-Deutschlandes, übliches Wort. 1) Ein Maß, ein Ziel, ein Gewicht und ein abgemessenes Ding zu bezeichnen; doch nur in einigen Fällen. Daß der Zirkel ehedem diesen Nahmen geführet haben müsse, erhellet aus dem Franz. Compas. Jetzt heißt er im Holländ. und Nieders. Passer, von dem Zeitworte passen. Ehedem gebrauchte man es auch in einigen Gegenden für den Tact in der Musik, denn Apherdian hat die R. A. nach dem Passe tanzen. Der Wasserpaß ist in einigen Salzwerken das Gewicht des Gefäßes mit süßem Wasser bey dem Probiren der Sohle, gegen welches man eben so viele Sohle abwieget. Im gemeinen Leben hat man eine Art hoher Trinkgläser, welche von einem Raume zum andern mit Reifen versehen sind, welche Reife, so wie der zwischen zwey reifen eingeschlossene Raum, ein Paß genannt werden. ( S. Paßglas.) Ein Paßglas mit vier Pässen. Einen Paß austrinken. Da denn auch wohl das Paßglas selbst ein Paß heißt. Da soff man nun mit ganzen Pässen Auf aller H - - Wohlseyn los, Günth. Diese Gewohnheit, die Trinkgeschirre in gewisse Theile oder Räume abzutheilen, ist alt. Frisch führet eine Stelle aus Alberici Chronik in Leibnitzens Acces. an, wo er sagt: Dunstanus Episcopus in Anglia, ut potationem compatriotarum refrenaret, clavos aureos vel argenteos vasis infigi jussit. ut, dum quisque metam suam cognosceret, non plus lubserviente verecundia vel ipse appeteret vel appetere cogeret. In den alten Statuen von Vercelli bey dem Du Fresne ist Passus und Pazellus eine Art eines unbekannten Maßes oder Gewichtes. Falla penia, heißt es daselbst, statera passus, balancia, marchus. Im Holländ. ist Pols und Passe das Ebenmaß, die Symmetrie. 2) In engerer Bedeutung und ohne Plural, das rechte Maß, die rechte bequeme Zeit; wo es nur im Niederdeutschen und den verwandten nördlichen Sprachen mit einigen Vorwörtern gebraucht wird. Die Schuhe sind mir zu Paß, gerecht, haben das rechte Maß. Von Paß seyn, das rechte Maß haben. Zu Paß kommen zu rechter zeit. Das kommt mir recht zu Paß, zu gelegener Zeit, zu Statten. jetzt noch kommt sie zu paß, (zu Paß,) Opitz. Ingleichen figürlich, der gehörige Zustande der Gesundheit und der Glücksumstände. Wohl zu Paß seyn, sich ganz wohl befinden, so wohl der Gesundheit als den Glücksumständen nach. Nicht wohl zu Paß seyn, sich nicht wohl befinden. Den Gegensatz enthält das Nebenwort, unpaß, welches siehe.

Anm. In der letzten Bedeutung im Holländischen, Englischen und Schwedischen, wo es gleichfalls nur mit einigen Vorwörtern adverbialiter gebraucht wird auch Pass. Wachter leitet es wunderlich genug von dem Franz. a propos her, Frisch in der letzten Bedeutung von dem alten baß, besser, Ihre aber von dem Franz. passer, erträglich seyn. Alle diese und andere Ableitungen thun dem Worte kein Genüge. Es scheinet, wenigstens in der ersten Bedeutung, eigentlich ein eingegrabenes, eingeschnittenes Mahl, oder auch ein spitziges, stechendes Ding, bedeutet zu haben, da es denn zu heißen in dessen weitesten Bedeutung, zu dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, stechen, zu Spitze und andern dieses Geschlechtes gehören würde. Bey verschiedenen Handwerkern bedeutet passig eingegrabene oder getriebene Figuren habend, welches ein Hauptwort Paß, eine gestochene oder gegrabene Figur, voraus setzt, ( S. Passig, Paßlich, Passen und Unpaß.) Im Niedersächsischen bedeutet es auch noch Achtung, Aufmerksamkeit. Paß geben, aufmerken, wo es aber mit 1 Passen zu Pause gehöret.


Paß (W3) [Adelung]


2. Der Paß, des -sses, plur. die Pässe, ein aus dem Latein. Passus, der Schritt, entlehntes Wort. 1. Ein Schritt. 1. Eigentlich, wo es doch nur von einer gewissen Art des Ganges der Pferde üblich ist, welcher in einer zugleich geschehenden niedrigen Bewegung beyder auf Einer Seite befindlichen Füße bestehet, welche mit den andern wechseln; ein zwar bequemer und schneller, aber eigentlich fehlerhafter Gang, welcher auch der Paßgang, der Antritt, der Dreyschlag und der Zelt genannt wird; ( S. diese Wörter.) Im Ital. heißt er gleichfalls Passo. Einen Paß gehen. ( S. Paßgänger.) Der halbe Paß ist eine Mischung von Trab und Paß. 2) Figürlich, ein Fall, ein Umstand, eine jede vorkommende oder vorliegende Sache; doch nur im gemeinen Leben. Ital. Passo. In diesem Passe mag es gut seyn, in diesem Falle. Der Alten und Neuen Gründe, welcher sie sich in diesem Passe bedienen, Opitz, in dieser Materie. 2. Ein enger, beschwerlicher Weg, besonders aus einem Lande in ein anderes; ehedem auch die Clause. 1) Eigentlich; im mittlern Lat. Passus, im Ital. Passo, im Franz. Pas. Der Paß aus Frankreich nach Italien. Alle Pässe besetzen. Einen Paß einnehmen. In der Schiffersprache wird auch die Meerenge zuweilen ein Paß genannt; daher heißt die Meerenge zwischen Frankreich und England in einigen Gegenden der Paß von Calais, Franz. le Pas de Calais. 2) Figürlich, der Durchgang durch einen solchen Ort, und in weiterm Verstande, der Durchgang durch einen jeden Ort. Freyen Paß haben, freyen Durchgang, im gemeinen Leben. Jemanden den Paß abschneiden, verlegen, verhauen, ihm an dem Durchgange, an seinem Fortgange, an seinem Rückgange hindern. Einem den Paß öffnen. Im Ital. gleichfalls Passo. 3. Ein Freybrief zur ungehinderten Fortsetzung seines Weges; ein Paßport, im Oberdeutschen Paßbrief, Paßzettel, Schwed. Pass. Jemanden einen Paß geben. Einen Paß lösen, bekommen. S. Paßport.


Passa (W3) [Adelung]


Das Passa, plur. inus. ein Hebräisches Wort welches eigentlich Verschonung oder Vorübergang bedeutet, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , vorüber gehen und durch die Griech. Übersetzung des alten Testamentes, wo es - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - lautet, in die Lateinische und Deutsche Sprache gekommen ist, zunächst das Osterfest der Juden zu bezeichnen, welches zum Andenken der Verschonung von dem Würgengel bey dem Ausgange aus Ägypten gefeyert wurde. Hernach nannte man auch das christliche Osterfest Pasch, Paschen, Pascha, welcher Nahme noch in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Nieder-Deutschlandes üblich ist. Nieders. Paasken, Schwed. Pask, Isländ. Paska.


Passage (W3) [Adelung]


Die Passage, (sprich Passasche,) plur. die -n, aus dem Franz. Passage, nach welchem Muster es im gemeinen Leben für die Durchreise, für die Stelle aus einem Buch u. s. f. gebraucht wird. Hier wird es nur als ein musikalisches Kunstwort angeführet, wo die willkührlichen Auszierungen oder Veränderungen eines einfachen Gesanges in gewissen dazu tauglichen Stellen Passagen, und, nach dem Italiänischen Passaggio, auch wohl Passagien. (sprich Passadschien) genannt werden.


Passagier (W3) [Adelung]


Der Passagier, (sprich Passaschier,) des -s, plur. ut nom. sing. ein Reisender, eine reisende Person ohne Unterschied des Geschlechtes; aus dem Franz. Passager. Besonders, eine Person, welche mit der Post reiset.


Passat-Wind (W3) [Adelung]


Der Passat-Wind, des -es, plur. die -e, in der Seefahrt, und Erdbeschreibung, ein Wind, welcher in manchen Gewässern entweder beständig nach einerley Richtung wehet, oder nur zu gewissen Zeiten einerley Richtung hat, dergleichen in den Indischen Gewässern, und auf dem stillen Meere sehr häufig sind; ein beständiger Wind, im Franz. Musson. Auch im Atlantischen Meere bläset vom October zum Januar ein beständiger Nordostwind. Der Nahme rühret vermuthlich daher, weil man diese Winde abwarten muß, wenn man ein solches Meer passieren, d. i. durchsegeln, will.


Passe (W3) [Adelung]


Die Passe, plur. die -n. 1) In der Seefahrt, kleine Kanonen, welche statt der Laffeten nur ein Gestell haben, von hinten geladen, und auf den Mastkörben, den hohen Theilen der Castelle, ingleichen auf Prahmen und Schaluppen geführet werden. Man hat ihrer auch auf Galeeren, welche 1 1/2 Pfund schießen. 2) In den Mühlen, besonders Niedersachsens, ist es ein Werkzeug, vermittelst dessen die Mühle zum Stillestehen gebracht wird; in welcher Bedeutung es ohne Zweifel von passen, warten, stille stehen, abstammet.


Pässeln (W3) [Adelung]


* Pässeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden, besonders Oberdeutschlandes üblich ist, kleine, unerhebliche Hausarbeit thun. Daher wird auch im Bergbaue jemand, der kleine geringe Arbeiten verrichtet, ein Päßler genannt. Wendisch pasluju. Etwa von Bissen, Bißchen, Oberd. ein Bißlein.


Passen (W3) [Adelung]


1. Passen, verb. reg. neutr. welches mit dem Hülfsworte haben verbunden wird, und eigentlich unthätig, unwirksam seyn, bedeutet, aber nur noch in einigen Fällen üblich ist. 1) In einigen Spielen, besonders in Kartenspielen, passet man, wenn man nicht Spieler ist, kein eigentliches Spiel unternimmt, sondern sich mehr leidentlich verhält. Franz. passer, Ital. passare und far passo. ( S. Verpassen und Zupassen.) 2) Auf etwas warten, merken, auch Acht haben, in welcher ganzen Bedeutung es nur im gemeinen Leben und in den niedrigen Sprecharten gebraucht wird. Ich habe hier schon lange gepasset, gewartet. Er kann passen, warten. Paß auf etwas geben, im Nieders. auf etwas merken, Acht geben. Besonders in einigen engern Bedeutungen, indem es so wohl, auf jemandes Befehle oder Worte warten, bedeutet. Auf jemanden passen, auf dessen Befehle warten, dessen Worte und Ermahnungen befolgen. Er passet nicht auf mich, folget, gehorchet mir nicht. Als auch, zu jemandes Schaden oder Verderben warten und aufmerken, lauern. Die Katze passet auf die Maus, der Räuber auf den Wanderer. Jemanden auf den Dienst passen, ironisch, ihm nachstellen, ihm ein Unglück zuzubereiten suchen. So auch das Passen.

Anm. Hornegk gebraucht enpaizen für nachstellen, wo es aber auch zu einem andern Stamme gehören kann. Übrigens lautet es in der zweyten Bedeutung im Schwedisch, gleichfalls passa. Ihre leitet es gleichfalls von Paß, die bequeme gehörige Zeit ab, da es denn mit dem folgenden Zeitworte einerley seyn würde. Allein, da man ehedem, wie aus einem alten Vocabul. von 1482 erhellet, auch das Wort Paß für Pause hatte, so ist es entweder ein altes Wort, welches ein Seitenverwandter von Pausa und dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ruhen, unwirksam seyn, ist, oder es ist auch aus Pause entlehnet, und in Paß verderbt worden. S. auch Pause, Aufpassen und Abpassen.


Passen (W3) [Adelung]


2. Passen, verb. reg. welches zu dem Hauptworte 1 Paß gehöret, und in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Activum. 1) Messen, besonders mit dem Zirkel messen, der daher im Nieders. der Passer heißt. In diesem Verstande wird es nur im Nieders. gebraucht; indessen hat das Ital. passare und compassare, und das Franz. compasser, ebendieselbe Bedeutung. 2) Eine Sache der Größe nach einem andern Dinge gemäß machen. Der Deckel ist auf den Topf gepasset. Das Kleid ist auf meinen Leib gepasset. S. Anpassen. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, im Maße zutreffen, das gehörige Maß haben, angemessen seyn. Die Schuhe passen mir nicht. Das Kleid passet sehr gut. Es muß auf ein Haar passen. Der Deckel passet nicht auf den Topf. Ingleichen figürlich, sich schicken, fügen, angemessen seyn. Das passet nicht hierher. Diese Stelle paßt nicht auf unsern Satz. Im Nieders. bedeutet es über dieß noch gefallen, anständig seyn. Den Dieben passet alles. Das paßt mir nur so, gefällt mir so. Ingleichen sich fügen, sich zutragen. Das kann sich wohl ein Mahl passen, zutragen. Daher das Passen.

Anm. Im Schwed. in beyden Gattungen gleichfalls passa. S. 1 Paß.


Paßforme (W3) [Adelung]


Die Paßforme, plur. die -n, bey den Kattundruckern, zusammen gesetzte, oder zusammen gepaßte Formen, deren zuweilen zwanzig und mehr kleine zusammen gesetzt werden, die verschiedenen Renken und mancherley Farben der großen auszufüllen.


Paßgang (W3) [Adelung]


Der Paßgang, des, -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -gänge, der Paß eines Pferdes, S. 2 Paß 1.


Paßgänger (W3) [Adelung]


Der Paßgänger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Pferd, welches den Paß gehet, S. Zelter.


Paßglas (W3) [Adelung]


Das Paßglas, des -es, plur. die -gläser, ein hohes Trinkglas, welches durch verschiedene Pässe, d. i. Reife oder Ringe am Rande, in mehrere Räume getheilet ist, und auch nur ein Paß schlechthin genannt wird. S. 1 Paß.


Passieren (W3) [Adelung]


Passieren, verb. reg. welches aus dem Franz. passer, im mittlern Latein. passare, entlehnet ist, und nur im gemeinen Leben gebraucht wird, wo es in doppelter Gattung vorkommt. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, reisen, wandern, gehen. 1) Überhaupt, wo es mit verschiedenen Vorwörtern gebraucht wird. Durch einen Ort passieren, durch denselben reisen. In die Stadt passieren, in die Stadt reisen, über einen Fluß passieren, setzen. Vorbey passieren. Wo es denn auch ohne Vorwort mit der vierten Endung gebraucht wird. Einen Ort passieren, durch denselben auf seiner Reise kommen. Man kann die Gasse vor Menschen nicht passieren, nicht durch dieselbe kommen. Daher die Zusammensetzungen durchpassieren, einpassieren, auspassieren. 2) In engerer Bedeutung, seine Reise, seinen Weg fortsetzen. (a) Eigentlich. Er kann passieren, er kann seinen Weg fortsetzen. Einen Reisenden, einen Wagen, eine Waare nicht passieren lassen, sie auf dem Wege anhalten. (b) Figürlich. aa) Das kann passieren, ist erträglich, mittelmäßig. Das laß ich passieren, das laß ich gelten, dawider habe ich nichts einzuwenden. bb) Für etwas passieren, gehalten werden. Er passieret für einen ehrlichen Mann. Er passieret noch für einen Jung- gesellen. Er will für einen reichen Mann passieren. cc) Geschehen, sich zutragen. Was passieret neues? Es ist ein rechter Spaß passieret. Schreiben sie mir doch was passieret, was vorgehet. 2. + Als ein Activum, passieren machen, d. i. zubringen; doch nur in den niedrigen Sprecharten, besonders von der Zeit und dem menschlichen Leben. die Zeit passieren, mit etwas zubringen. Die Zeit mir Lesen, mit Spielen passieren. Sein Leben mit Herumreisen passieren.


Passierlich (W3) [Adelung]


+ Passierlich, adj. et adv. welches gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist. 1) Ein passierlicher Weg, welchen man bereisen kann. 2) Mittelmäßig, was passieren kann. Das ist passierlich. Eine passierliche Wärme, Gesundheit. Er spielt so passierlich. S. Paßlich.


Passierzettel (W3) [Adelung]


Der Passierzettel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Paß für Menschen und Waren, besonders für letztere, ein Zettel, vermöge dessen eine Waare oder ein Fuhrwerk ungehindert passieren, oder den Weg fortsetzen kann.


Passion (W3) [Adelung]


Die Passion, plur. die -en, ein aus dem Lat. Passio entlehntes und im gemeinen Leben für körperliche Schmerzen und unangenehme Empfindungen übliches Wort. Besonders gebraucht man es von dem letzten verdienstlichen Leiden Christi, von der Zeit in welcher das Andenken desselben gefeyert wird, und welche auch die Fasten heißt, ingleichen von der Geschichte und dramatischen Vorstellungen desselben.


Passions-Blume (W3) [Adelung]


Die Passions-Blume, plur. die -n, eine Pflanze, in deren Blumen die scharfsichtige Andacht alle bey dem Leiden Christi gebrauchte Werkzeuge zu erblicken geglaubt hat; Passiflora L. Es ist ein ganzes Geschlecht von Pflanzen, welche aber insgesammt in Amerika angetroffen werden.


Passiren (W3) [Adelung]


Passiren, S. Passieren.


Passiv (W3) [Adelung]


Passiv, adj. et adv. aus dem Latein. passivus, leidend; im Gegensatze des activ oder thätig. Sich passiv verhalten, leidend. Die Passiv-Schuld, welche ich zu bezahlen habe, zum Unterschiede von der Activ-Schuld, welche ich zu empfangen habe.


Paßkammer (W3) [Adelung]


Die Paßkammer, plur. die -n, an den Passen, d. i. kleinen Schiffskanonen, die hintere Öffnung, durch welche die Ladung hinein gestecket wird, S. Passe.


Paßkarte (W3) [Adelung]


Die Paßkarte, plur. die -n, eine nur in der Niederdeutschen Schiffersprache übliche Benennung einer Landkarte, und besonders einer Seekarte. Entweder von passieren, reisen oder auch von dem veralteten Paß, ein Zirkel, ein übereinstimmiges Maß, eine abgemessene, genau bestimmte Karte zu bezeichnen.


Paßkugel (W3) [Adelung]


Die Paßkugel, plur. die -n, eine Büchsenkugel, welche genau in das Rohr paßt, im Gegensatze einer Laufkugel.


Paßlich,Päßlich (W3) [Adelung]


Paßlich, oder Päßlich, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist, erträglich, leidlich, mittelmäßig; passierlich, Franz. passable, Ital. passabile. Er befindet sich ganz paßlich oder päßlich. Das ist ganz päßlich. Eine päßliche Gesundheit. S. Unpaß und Unpäßlich.


Paßport (W3) [Adelung]


Der Paßport, des -es, plur. die -e, aus dem Französ. Passeport und Ital. Passaporto, ein Freybrief zur ungehinderten Fortsetzung seines Weges, ein Paß. Schwedisch gleichfalls Passport. Im 15ten und 16ten Jahrhunderte verderbte man es in Paßwort, als wenn es Deutschen Ursprunges wäre. Wachter leitete die letzte Hälfte sehr unschicklich von dem Wallisischen Port, die Hülfe, her. Wahrscheinlicher ist es, daß es mit portare zu unserm Fahrt und fahren in dessen weitesten Bedeutung gehöret.


Paste (W3) [Adelung]


Die Paste, plur. die -n, aus dem Ital. Pasta, im mittlern Lat. Pasta, ein Teig, mit welchem Nahmen man besonders unechte, aus einem Glasteige oder einer Glasmasse nachgemachte Edelsteine, besonders, wenn darauf geschnitten worden, Pasten zu nennen pflegt; Aftersteine, Glaspasten.


Pastell (W3) [Adelung]


Der Pastell, des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Pastel, welches gleichfalls von Paste, der Teig, abstammet, bey den Mahlern, ein aus Farbenreige geformter und hernach getrockneter Stift, und die Art, damit trocken zu mahlen. In Pastell mahlen, mit solchen Stiften. Am üblichsten ist es in den Zusammensetzungen die Pastell-Mahlerey, die Art und Weise mit solchen Stiften zu mahlen, der Pastell-Mahler, das Pastell-Gemählde, der Pastell-Stift, ein solcher Farbenstift u. s. f. Im mittlern Lateine ist Pastellus und Pastillus eine Pastete. Die zur Färberey zubereiteten Waidballen werden im Französischen Pastel genannt, daher auch die Deutschen Material-Händler sie collective Pastell nennen. Schon bey den ältern Griechen hießen sie - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Im Ital. sind Pastelli Spanische Räucherkerzen.


Pastete (W3) [Adelung]


Die Pastete, plur. die -n, Diminut. das Pastetchen, Oberd. Pastetlein, in den Küchen, eine in einen Teig geschlagene und in dem Ofen gebackene Speise. Fleisch-Pastete, Fisch-Pastete u. s. f. eine in einen solchen Teig geschlagene Fleisch- oder Fischspeise. Es stammet aus dem mittlern Lat. Pastata und Empastata her, welche schon in diesem Verstande vorkommen, und gleichfalls von Pasta, ein Teig, abstammen. Ehedem sagte man im Deutschen auch Pastey, welches dem Franz. Paste näher kommt.


Pasteten-Bäcker (W3) [Adelung]


Der Pasteten-Bäcker, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Pasteten-Bäckerinn, eine Person, welche ihr vornehmstes Geschäft daraus macht, Pasteten zu backen.


Pasteten-Band (W3) [Adelung]


Das Pasteten-Band, des -es, plur. die -bänder, eine lange in Holz geschnittene oder ausgestochene Form, den Teig zu dem Rande einer Pastete darin zu formen und auszudrucken; wegen ihrer Länge, in welcher sie einiger Maßen einem Bande gleicht.


Pasteten-Deckel (W3) [Adelung]


Der Pasteten-Deckel, des -s, plur. ut nom. sing. der Deckel einer Pastete.


Pasteten-Fleisch (W3) [Adelung]


Das Pasteten-Fleisch, des -es, plur. inus. dasjenige Fleisch, welches sich zur Fülle in eine Pastete schickt, oder dazu bestimmt ist.


Pasteten-Ofen (W3) [Adelung]


Der Pasteten-Ofen, des -s, plur. die Öfen, ein kleiner Ofen, in welchem die Pasteten gebacken werden.


Pasteten-Pfanne (W3) [Adelung]


Die Pasteten-Pfanne, plur. die -n, eine zierliche Pfanne mit einem Deckel, worin das Pasteten-Fleisch auf den Tisch getragen wird.


Pasteten-Taube (W3) [Adelung]


Die Pasteten-Taube, plur. die -n, zuweilen ein Nahme der gemeinen Feldtauben, weil man sie gemeiniglich in die Pasteten zu füllen pflegt.


Pastor (W3) [Adelung]


Der Pastor, des Pastoris, oder Pastors, Plur. die Pastores, (im niedrigen Leben Pastors,) das Lateinische Wort Pastor, ein Hirt, welches in der evangelischen Kirche als ein Ehrentitel der Pfarrer und Prediger üblich ist, wenn sie mit keinem andern Titel versehen sind. Der Pastor zu N. Herr Pastor. Dessen Gattinn alsdann auch die Pastorinn genannt wird. Im Oberdeutschen ist dafür das Wort Pfarrer üblicher. In engerer Bedeutung ist Pastor der Hauptprediger an einer Kirche, wenn ihrer mehrere sind, zum Unterschiede von dem Diacono. Daher das Pastorat, die Stelle und das Amt eines Pastoris, ingleichen dessen Wohnung.


Patate (W3) [Adelung]


Die Patate, plur. die -n, ( S. Batate.) Im gemeinen Leben pfleget man die Kartoffeln, oder Wurzeln des Solani tuberosi L. häufig mit den Bataten oder Pataten zu verwechseln, und im Dänischen kennet man für sie keinen andern Nahmen, als den letztern, so wie sie auch im Engl. Potatoes heißen. Indessen sind sie doch wesentlich verschieden, indem die Bataten, Convolvulus Batatas L. welche man in England nur auf den Mistbeeten ziehet, in unserm Himmelsstriche noch weniger fortkommen.


Patell-Muschel (W3) [Adelung]


Die Patell-Muschel, plur. die -n, eine Art Schnecken mit unordentlich gewundenen Häusern, deren fast konische mit sehr unmerklichen Windungen versehene Schale einer Schüssel oder einem Napfe ähnlich siehet, daher sie auch Schüsselmuschel und Napfmuschel genannt wird; Patella L. welcher Lateinische Nahme eben denselben Grund hat. Versteinert wird eine solche Muschel der Patellit, des -en, plur. die -en, genannt.


Patente (W3) [Adelung]


Die Patente, plur. die -n, die kleine Oblaten-Schüssel, welche in den Kirchen bey dem Abendmahle gebraucht wird; aus dem Lat. Patina, im mittlern. Lat. Patena.


Patent (W3) [Adelung]


Das Patent, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Patenta, Franz. Patente, welches für Litterae patentes stehet. 1) Ein obrigkeitlicher Befehl, welcher jedermann angehet. 2) Die schriftliche Bestallung eines Officiers.


Pater (W3) [Adelung]


Der Pater, plur. die Patres, (im gemeinen Leben die Paters,) das Lateinische Wort Pater, Vater, so fern es in der Römischen Kirche als ein Ehrentitel der gelehrten Ordensgeistlichen üblich ist. Der Pater Hell. Herr Pater Hell. Herr Pater.


Paternoster (W3) [Adelung]


Das Paternoster, des -s, plur. ut nom. sing. ein aus den beyden ersten Worten des Lat. Vater unser, Pater noster, zusammen gezogenes und besonders in der Römischen Kirche übliches Wort. 1) Das Vater unser, das Gebeth des Herren. ein Pater noster bethen. 2) Jede zehnte große Kugel in dem Rosenkranze, bey welcher das Vater unser gebethet wird, dagegen bey den kleinen Zwischenkugeln nur das Ave Maria gesprochen wird; daher denn, 3) auch der Rosenkranz selbst das Paternoster heißt, in Baiern der Bether. 4) Figürlich führen noch verschiedene Dinge wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Rosenkranze den Nahmen des Paternosters. Dergleichen sind verschiedene an eine Schnur gereihete Arten des Geschmeides, Geldstücke u. s. f. welche man den Kindern um den Hals zu hängen pfleget, und welche an einigen Orten auch das andere Geschlecht zur Zierde trägt. Auch eine geringere Art des aus Preußen, Curland und Liefland zu uns gebrachten Flachses führet den Nahmen Paternoster oder Paternoster-Flachs, vielleicht weil er zuweilen mit gedreheten Knocken untermischt ist.


Paternoster-Werk (W3) [Adelung]


Das Paternoster-Werk, des -es, plur. die -e, eine Wasser-Maschine, wo vermittelst mehrerer an einer Kette oder an ein Seil gebundener ledernen mit Haaren ausgestopften Kugeln, welche durch eine oder mehrere Röhren gehen, das Wasser aus der Tiefe gehoben wird. Gleichfalls wegen einiger Ähnlichkeit mit einem Paternoster. Daher die Paternoster-Kunst, eine auf solche Art eingerichtete Wasserkunst, welche auch wohl eine Taschenkunst und Püschelkunst, vielmehr Bäuschelkunst, genannt wird, von den ledernen Bäuscheln oder Kugeln, S. Bausch.


Pathenbrief (W3) [Adelung]


Der Pathenbrief, S. Pathenzettel.


Pathengeld (W3) [Adelung]


Das Pathengeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, ein Pathengeschenk an Gelde; der Pathenpfennig, im mittlern Lat. Filiolagium, Filiolaticum, Filiatus, Nieders. Vaddernpenning, Hannöv. Vaddernknutte, von Knudde, ein Knoten, weil gemeine Leute es in den Zipfel des Schnupftuches einzuknüpfen pflegen.


Pathengeschenk (W3) [Adelung]


Das Pathengeschenk, des -es, plur. die -e, dasjenige Geschenk, welches die Pathen dem Täuflinge bey der Taufe oder gleich nach derselben zu machen, oder wie man sagt, einzubinden pflegen.


Pathenpfennig (W3) [Adelung]


Der Pathenpfennig, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -e, S. Pathengeld.


Pathenzettel (W3) [Adelung]


Der Pathenzettel, des -s, plur. ut nom. sing. ein geschriebener, oder auch mit Sinnbildern ausgezierter, in Kupfer gestochener und illuminirter Zettel, worein die Pathen das Pathengeld zu wickeln pflegen; im gemeinen Leben auch der Pathenbrief.


Pathetisch (W3) [Adelung]


Pathetisch, -er, -te, adj. et adv. eine starke Leidenschaft verrathend und darin gegründet. Aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , eine jede starke Leidenschaft.


Patient (W3) [Adelung]


Der Patient, (sprich Pazient,) des -en, plur. die -en, Fämin. die Patientinn, aus dem Lat. patiens, ein im gemeinen Leben sehr üblicher Ausdruck, einen Kranken zu bezeichnen.


Patriarch (W3) [Adelung]


Der Patriarch, des -en, plur. die -en, aus dem Griech. und Lat. Patriarcha, eigentlich ein alter Vater, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . 1) Ein noch sehr üblicher Ausdruck, die Stammväter der Familien vor der Sündfluth und kurz nach derselben, bis auf den Ausgang der Israeliten aus Ägypten, zu bezeichnen, weil sie gemeiniglich ein sehr hohes Alter erreichten; ein Erzvater, (siehe dieses Wort.) 2) In der christlichen Kirche ward dieses Wort sehr frühe ein Ehrentitel der vornehmsten Geistlichen, welche mehrere Erzbischöfe und Bischöfe unter sich hatten, oder den Geistlichen eines großen weitläuftigen Landes vorstanden. In diesem Verstande gibt es in den morgenländischen Kirchen noch jetzt Patriarchen. In den abendländischen Kirche bekamen zuweilen die Primaten den Titel der Patriarchen, ja oft wurde er auch nur gewissen Erzbischöfen ertheilet, ohne daß sie dadurch einige Gewalt über andere Erzbischöfe erhalten hätten.


Patriarchalisch (W3) [Adelung]


Patriarchalisch, adj. et adv. dem Patriarchen ähnlich, ihm gehörig, in dessen Würde gegründet, in beyden Bedeutungen des vorigen Wortes; wofür von einigen auch patriarchisch gebraucht wird.


Patrice (W3) [Adelung]


Die Patrice, S. Patrize.


Patriot (W3) [Adelung]


Der Patriot, des -en, plur. die -en. 1) In der engsten Bedeutung, eine Person, welche das allgemeine Beste auch zum Nachtheile ihres eigenen Besten befördert, welche die allgemeine Wohlfahrt ihrer eigenen vorziehet. 2) In weiterer Bedeutung wird dieses Wort oft sehr gemißbraucht, indem man schon einen jeden, welcher eine parteyische oder auf Nebenumstände gegründete Liebe für sein Vaterland, oder seinen Wohnort blicken lässet, und dessen auch partheyische Liebe gemeiniglich nur auf der Zunge wohnet, oder welcher gar seinen eigenen Vortheil unter dem Scheine des allgemeinen Besten sucht, einen Patrioten zu nennen pflegt. Es ist aus dem mittlern Lat. Patriota, welches eigentlich einen Eingebornen eines Landes bedeutet. Man hat statt dieses fremden Wortes das veraltete Biedermann vorgeschlagen, welches aber dessen Begriff in keiner von beyden Bedeutungen erschöpfet.


Patriotisch (W3) [Adelung]


Patriotisch, -er, -te, adj. et adv. einem Patrioten ähnlich, gleich, in dessen eigenthümlichen Art zu denken und zu handeln gegründet; in beyden Bedeutungen des Hauptwortes.


Patrize (W3) [Adelung]


Die Patrize, plur. die -n, aus dem Latein. Patrix, bey den Schriftgießern, der links in Stahl geschnittene Buchstab, welcher hierauf in Kupfer geschlagen wird, und dadurch die Matrize bildet. S. Patrone.


Patrolle (W3) [Adelung]


1. Die Patrolle, plur. die -n, das zierliche mit einem Quaste versehene Band an der Trompete; ein aus dem Franz. Banderol verstümmeltes Wort.


Patrolle (W3) [Adelung]


2. Die Patrolle, oder Patrulle, plur. die -n, die umher gehende Soldatenwache, um die öffentliche Ruhe und Sicherheit zu unterhalten. Patrollen ausschicken. Daher patrolliren, oder patrulliren, zur Beförderung der öffentlichen Sicherheit herum gehen, von solchen Wachen. Ingleichen, im gemeinen Leben, figürlich, emsig und geschäftig umher gehen.

Anm. Es ist wie andere Kriegs- und Soldatenwörter aus dem Franz. Patrouille und patrouiller, Ital. Patruglia, entlehnet. Frisch leitet es sehr unwahrscheinlich von Patronus her, weil eine solche Wache der Schutz der Straßen sey. Wahrscheinlicher ist das alte Deutsche und noch jetzt Nieders. padden, pedden, treten, oft treten, herzhaft einher gehen, im Salischen Gesetze battire, das Stammwort, zu dessen Geschlechte auch die Lat. petere und vadere gehören. S. auch Pfad.


Patron (W3) [Adelung]


Der Patron, des -es, plur. die -e, Fämin. die Patroninn, aus dem Lat. Patronus. 1) Ein Schutzherr, ein Beschützer; doch nur noch in einigen Fällen. In der Römischen Kirche wird der heilige, dessen Schutze eine Kirche oder ein Stift besonders empfohlen ist, und nach welchen sie auch gemeiniglich genannt werden, deren oder dessen Patron, oder wenn es eine Heilige ist, die Patroninn genannt; der Schutzheilige, die Schutzheilige. Ehedem nannte man solche Heilige den Hauptherren, den Hausherren, die Hausfrau, von Haus, ein heiliges Haus, das Gotteshaus. Im gemeinen Leben nennt man noch einen jeden, besonders Höhern und Vornehmern, der unser Bestes aus Wohlwollen befördert, seinen Patron, wofür man jetzt in der anständigern Sprechart lieber das Wort Gönner gebraucht. 2) Der Eigenthumsherr, Eigenthümer; gleichfalls nur noch in einigen Fällen. Der Eigenthümer eines Schiffes heißt auf den Deutschen Schiffen gemeiniglich der Schiffspatron oder nur Patron schlechthin. Im mittl. Lat. Patronas navis. In weiterer Bedeutung heißt auf dem mittelländ. Meere auch derjenige, welcher die Aufsicht über das Schiff und dessen Ladung hat, der Schiffer, der Schiffspatron, oder Patron schlechthin. Im gemeinen Leben nennt der Miethmann seinen Miethherrn den Hauspatron. 3) In engerer Bedeutung wird der Lehensherr über geistliche Bedienungen, oder derjenige, welcher das Recht hat die Stellen an den Kirchen und Schulen zu vergeben, der Patron genannt; im mittlern Lat. Patronus.


Patronat (W3) [Adelung]


Das Patronat, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Patronatus, in der letzten Bedeutung des Wertes Patron, das Recht, die Stellen an den Kirchen und Schulen zu besetzen, das Lehensrecht über geistliche Stellen; das Patronat: Recht, die Collatur, und mit Deutschen Ausdrücken, der Kirchensatz, das Kirchenlehen, das Pfarrlehen, S. das letztere.


Patrone (W3) [Adelung]


Die Patrone, plur. die -n, ein noch in verschiedenen Fällen des gemeinen Lebens übliches Wort. 1) Ein Modell wird noch bey verschiedenen Handwerkern eine Patrone genannt. 2) Noch häufiger werden bey den künstlichen Webern die gezeichneten Muster, wornach sie weben, Patronen genannt, welchen Rahmen auch die Zeichnungen bekommen, wornach die Formenschneider ihre Formen schneiden. Auch die papiernen Muster der Schneider und Putzmacherinnen bekommen diesen Rahmen; wenigstens heißt ein solches Muster in Frankreich Patron. In Niedersachsen führet es den Nahmen Pand. 3) In dem heutigen Kriegswesen ist die Patrone nicht nur das Futter zu einem Schuffe, sondern auch der ganze Schutz selbst, so wohl zu dem großen als kleinen Gewehre, so fern er sich in einem hohlen Cylinder von Papier, Blech, Holz u. s. f. befindet.

Anm. Dieses Wort ist aus dem Franz. Patron entlehnet, und auch im mittlern Lat. kommt Patronus von einem Muster oder Vorbilde vor. Die Übereinstimmung des Klanges mit dem vorigen Patron ist hier allem Ansehen nach nur zufällig, indem dieses Wort, so wie Patrix und Patrize, zu dem alten batten, patten, Franz. battre, schlagen, zu gehören scheinet, weil das Modell, in welcher Bedeutung es ehedem häufiger war, in manchen Fällen in eine weichere Materie abgeschlagen oder abgeformet wird. Die Patrize der Schriftgießer ist der That auch eine solche Patrone, welche hernach in ein weicheres Metall abgeschlagen wird, um die eigentliche Form zu bekommen. ( S. auch Patschen) Von diesen zum Abschlagen bestimmten Modellen haben hernach alle Muster diesen Nahmen bekommen. Im Oberdeutschen ist es männlichen Geschlechtes, der Patron, welches denn dem Franz. Patron näher kommt.


Patrontasche (W3) [Adelung]


Die Patrontasche, plur. die -n, eine lederne Tasche der Soldaten, welche sie an einen breiten ledernen Riemen über der Schulter hangen haben, die Patronen zu dem kleinen Gewehre darin zu verwahren und bey sich zu führen.


Patsch (W3) [Adelung]


Patsch, eine Interjection oder doch ein unabänderliches Wort, welches den Schall nachahmet, den gewisse Körper im Schlagen und Fallen auf andere von sich geben, und im gemeinen Leben noch häufig vorkommt. Patsch! da lag es, sagt man daselbst von einem Kinde oder andern Dinge, welches plötzlich hinfällt. Patsch! da hatte er eins auf das Maul, von jemandem, welcher eine Maulschelle bekommt. Auch den Laut, welchen das Gehen oder Treten im Wasser verursacht, ahmet man mit diesen Worte nach, daher im gemeinen Leben auch patsch naß so viel als über und über naß ist. Von diesem unabänderlichen Laute hat man in den niedrigen Sprecharten auch das Hauptwort der Patsch, des -es, plur. die -e, einen Schlag, besonders mit der flachen Hand, zu bezeichnen. S. die folgenden.


Patsche (W3) [Adelung]


Die Patsche, plur. die -n, Diminut. das Patschchen oder Pätschchen, ein auch nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Ein Werkzeug zum Schlagen, in einigen Fällen. Die Strohdachdecker haben eine solche Patsche, deren sie sich bey dem Decken bedienen. In einigen Niedersächsischen Gegenden heißt das Ruder aus eben dieser Ursache eine Pätsche. Auch ein breites ebenes schweres Holz an einem schiefen Stiele, womit die aus Lehm bereiteten Tennen fest geschlagen werden, ist auf dem Lande unter dem Nahmen einer Patsche bekannt. ( S. auch Päuschel, Peitsche Batzen und Possekel.) 2) Der Ort, woran etwas schlägt. In diesem Verstande heißt in den Salzwerken die Mauer an der Salzpfanne, woran das Feuer schlägt, die Patsche oder Pitschke. 3) In der tändelnden und vertraulichen Kindersprache wird die Hand die Patsche, die Patschhand, und im Diminut. das Patschchen, das Pätschchen, das Patschhändchen genannt; gewiß nicht von dem Ital. basciare, küssen, wie Frisch will, weil gemeiner Leute Kinder die Hand erst zu küssen pflegen, ehe sie solche zum Willkommen darreichen, denn wie wäre der große Haufe zu dem Italiänischen gekommen? sondern gleichfalls von diesem Schalle, welchen der Handschlag bey dem Willkommen macht. Schmerzt nicht das arme Patschchen dir? Weiße. Gib mir einmahl dein liebes Patschchen. ebend. O, lassen sie mich geschwind die weichen niedlichen Patschchen küssen, ebend. S. das folgende.


Patschen (W3) [Adelung]


Patschen, verb. reg. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, wo es in doppelter Gestalt vorkommt. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, den Laut patsch! von sich geben, verursachen, von allen Dingen, welche denselben hervor bringen können. Es regnet, daß es patscht. Er fiel hin, daß es patschte. Wir hören es patschen. 2) Als ein Activum, diesen Laut hervor bringen, da es denn auch im gemeinen Leben den diejenigen Handlungen bezeichnet, welche mit einem solchen Laute verbunden sind. Ein Kind patschen, es mit der flachen Hand vor den Hintern schlagen. Die Tenne patschen, sie mit der breiten Patsche schlagen. Im Wasser patschen, mit den Füßen in dem Wasser herum gehen, wofür man auch die Diminut. patscheln und paddeln hat. In dem Drecke patschen, in dem Kothe herum gehen.

Anm. Dieses Wort stammet von der vorigen Interjection patsch her, und ist zugleich ein von der Natur selbst gebildetes Intensivum von dem alten baten, batten, schlagen, welches einen ähnlichen aber nicht so zischenden Laut ausdruckt. Da diese Wörter, wie so viele andere, unmittelbar nach der Natur copiret worden, so darf man sich auch nicht wundern, daß man sie in allen Sprachen antrifft, diejenigen Handlungen auszudrucken, welche mit diesem Schalle verbunden sind. Zu unserm Intensivo gehören das Dän. Bask, ein Schlag, und baske, schlagen, unter Peitsche, Päuschel, pauschen und Batzen, das Engl. to pash, quetschen, und Buss, ein Kuß, das Ital. basciare, küssen, im Nieders. pussen, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, schlagen, und hundert andere mehr; zu dem einfachern batten aber das Franz. battre, das Angelsächs. beatan, das Wallis. baeddu, das Lat. batuere, schlagen, das Nieders. pedden, gehen, treten, Lat. petere, vadere, nebst unzählig andern mehr.


Patscherpe (W3) [Adelung]


Die Patscherpe, plur. die -n, ein Nahme, welchen im gemeinen Leben einiger Gegenden zweyerley und die Gewächse, welche zu tragen bekommen. 1) Die Vogelkirsche, Prunus Padus L. welche an andern Orten auch Scherbche und Scherbke genannt wird. 2) Der Schlingbaum und dessen Frucht, Viburnum Lantana L. welcher auch Papstwiede heißt, in vielen Gegenden aber unter dem Nahmen Patscherpe, Petscherpe und Scherpe bekannt ist. In beyden Fällen ist das Wort vermuthlich Wendischen Ursprunges.


Patschfuß (W3) [Adelung]


Der Patschfuß, des -es, plur. die -füße, bey einigen Schriftstellern des Thierreiches, ein Nahme derjenigen Vögel, deren Vorderzehen mit einer starken Haut verbunden sind, welche sie zum Schwimmen geschickt machen, wohin denn alle Wasservögel gehören. Der Nahme rühret von dem Laute her, welchen diese Vögel entweder im Gehen auf der Erde, aber auch im Schwimmen im Wasser machen. ( S. Patsch und Patschen.) Klein nennet sie im Latein. Plotus und im Deutschen Plott, S. dieses Wort.


Patschhand (W3) [Adelung]


Die Patschhand, plur. die -hände, Diminut. das Patschhändchen, S. Patsche 3.


Patzig (W3) [Adelung]


Patzig, -er, -ste, adj. adv. welches nur in den niedrigen Sprecharten, besonders Nieder-Deutschlandes, üblich ist, im Reden stolz und trotzig. Patzig thun. Ein patziger Mensch. In anderen Gegenden ist dafür pratzig und protzig üblich.


Pauke (W3) [Adelung]


Die Pauke, plur. die -n, ein hohles, rundes, mit einem Felle bespanntes musikalisches Werkzeug, welches einen hohlen dumpfigen Schall von sich gibt, wenn es geschlagen wird. In diesem Verstande belegte man ehedem auch unsere heutigen Trommeln mit dem Nahmen der Pauken, so wie die Pauken auch oft Trommeln, und um ihrer halb runden Gestalt willen Kesseltrommeln genannt wurden. Von dieser ehemaligen weitern Bedeutung rühret es auch her, daß man ein hohles cylindrisches Gefäß, worin der Kaffeh gebrannt oder geröstet wird, so wohl eine Kaffehpauke als auch eine Kaffehtrommel und oft nur eine Pauke oder Trommel schlechthin zu nennen pflegt. Jetzt gebraucht man dieses Wort nur in engerer Bedeutung, ein gemeiniglich kupfernes, zuweilen aber auch silbernes, halb rundes musikalisches Werkzeug zu bezeichnen, welches auf der offenen Seite mit einem Felle bespannt ist, und, wenn es geschlagen wird, einen starken dumpfigen Schall von sich gibt; zum Unterschiede von einer Trommel. eine solche Pauke nannte man ehedem auch zum Unterschiede von den Trommeln und wegen ihrer halb runden kesselartigen Gestalt auch Kesselpauken, mit welchem Nahmen sie auch noch jetzt zuweilen beleget werden. Heerpauken, so fern sie bey den Kriegsheeren gebraucht werden. Die Pauken schlagen. Der Pauke ein Loch machen, figürlich und im gemeinen Leben, der Sache ein Ende machen, ihr den Ausschlag geben. Ich muß der Pauke nur ein Loch machen, damit ich weiß, woran ich bin, Less.

Anm. Im Oberd. ehedem Puk, Pawk, Bök, die Baukel, und mit dem eingeschalteten n Bunge, Bunke, im Schwed. Pukor, und selbst im Pers. Bik. S. das folgende.


Pauken (W3) [Adelung]


Pauken, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert, und eigentlich den hohlen dumpfigen Schall hervor bringen bedeutet, welchen dieses Zeitwort nachahmet. 1) Überhaupt schlagen; doch nur von dem Schlagen in solchen Fällen, in welchen dadurch ein solcher Schall verursacht wird. Daher gebraucht man es im gemeinen Leben zuweilen noch für prügeln. Jemanden weidlich pauken. ( S. auch Arschpauker.) 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Pauken schlagen. Du sollt noch fröhlich pauken und heraus geben an den Tanz, Jer. 31, 4. Daher das Pauken.

Anm. Dieses Zeitwort ahmet den Schall, welchen es bezeichnet, genau nach. Sogar im Finnländischen ist paucun dumpfig tönen, Pauckina ein dumpfiger Ton, und Pauke ein starker dumpfiger Schall. Das Nieders. pauken bedeutet daher auch mit hohlem Munde reden. Das Nieders. bakern ist ein Intensivum von einem veralteten Zeitworte backen, welches einen ähnlichen aber nicht so dumpfen Ton ausdruckt. S. auch Pochen, welches gleichfalls genau damit verwandt ist.


Paukenwerk (W3) [Adelung]


* Das Paukenwerk, des -es, plur. inus. ein ungewöhnliches nur Ezech. 28, 13 befindliches Wort, alles zur Schlagung der Pauken nöthige Geräth zu bezeichnen.


Pauker (W3) [Adelung]


Der Pauker, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Pauken nach der Kunst zu schlagen weiß, und dessen Amtes ist, sie zu schlagen; in einem alten Vocabulario von 1477 der Buckeler.


Pausback (W3) [Adelung]


Der Pausback, S. Bansback.


Pausch (W3) [Adelung]


Der Pausch, oder die Pausche, S. Bausch.


Päuschel (W3) [Adelung]


Der Päuschel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im Bergbaue übliches Wort, einen schweren Hammer von oft 30 bis 40 Pfund zu bezeichnen, welcher bey dem harten Gesteine gebraucht wird. Der Ortpäuschel, so fern der Bergmann denselben vor Ort gebraucht. Von dem folgenden Zeitworte pauschen, schlagen, und der Ableitungssylbe -el, ein Werkzeug. In einigen Gegenden heißt er der Pauschschlägel.


Pauschen (W3) [Adelung]


1. Pauschen, aufschwellen, S. Bauschen.


Pauschen (W3) [Adelung]


2. Pauschen, verb. reg. act. welches schlagen bedeutet, aber nur noch am häufigsten im Bergbaue üblich ist. Erz pauschen, oder päuschen, es zerschlagen, zersetzen. Die Schlacken pauschen, sie klein schlagen. Figürlich ist pauschen daselbst auch zuweilen so viel als schmelzen, ausschmelzen. Ausgepauschte Schlacken, welche schon mehrmahls durchgesetzt, d. i. ausgeschmelzet worden, so daß kein Gehalt mehr darin ist. Es ist gleichfalls eine Nachahmung eines Schalles, von welchem patschen einen stärkern härtern Grad ausdruckt. In der Bedeutung des Schmelzens, worin es mit dem Wendischen puschczu und pausstjeti, ausdrucken, auslassen, überein kommt, ist es ohne Zweifel eine Figur der ersten Bedeutung indem die Zeitwörter schlagen und durchschlagen in ähnlichen Fällen gebraucht werden.


Pauscht (W3) [Adelung]


Der Pauscht, bey den Papiermachern, S. Buscht.


Pause (W3) [Adelung]


Die Pause, plur. die -n, die Unterbrechung einer Veränderung, das Aufhören, der Stillstand in derselben; in welchem Verstande es zunächst in der Musik gebraucht wird, den Verzug in der Musik und dessen Zeichen auszudrucken. In weiterer Bedeutung aber auch von einer jeden Unterbrechung einer Veränderung und der Zeit, welche sie dauert. Wir ward die Pause selbst zu lang, Drum förderte ich meinen Gang, Michäl. Anm. Schon bey dem Hornegk Paws, im Nieders. Paus, wo auch pausen aufhören, auf eine Zeit lang aufhören, ist. Es ist allen Ansehen nach ein alter Seitenverwandter von dem Lat. Pausa, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Franz. Repos, weil die gemeinen Mundarten dieses Wort noch in einem weitern Umfange der Bedeutung haben, als die Hochdeutsche. Das Nieders. Poos und Pose bedeutet eine jede unterbrochene Dauer. Bey Posen, mit Absätzen, mit Zwischenzeiten. Daher auch der Paroxismus einer Krankheit daselbst Pose genannt wird. Eben so ist im Bergbaue, Pose, Puse, Buse, Buße, eine Arbeit, welche nicht ununterbrochen, sondern nur ruckweise, mit verschiedenen Zwischenzeiten getrieben wird. Auch ein Theil der Schicht wird daselbst Bose genannt, deren gemeiniglich drey, zuweilen aber auch nur zwey auf eine Schicht gerechnet werden. Frisch lässet es in diesen Verstande von dem Nieders. verpusten, verschnaufen, von der Arbeit ausruhen, abstammen. Allein unser Pause hat einen nähern Anspruch darauf. Vermuthlich gehöret auch das Meklenburgische, mit jemanden peuß seyn, ausgesöhnet seyn, hierher. S. Pausiren.


Pausen (W3) [Adelung]


Pausen, aufschwellen, S. Hausen.


Pausiren (W3) [Adelung]


Pausiren, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und erst in den neuern Zeiten aus dem Ital. pausare, oder dem mittlern Lat. pausare entlehnet ist, eine Zeit lang aufhören eine Handlung zu verrichten. Besonders in der Musik, eine Zeit lang schweigen. Die älteren Deutschen gebrauchen dafür das nun veraltete pausen.


Pausten (W3) [Adelung]


Pausten, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, und das Intensivum von pausen oder vielmehr bausen, aufschwellen, ist, sehr aufschwellen und sehr aufschwellen machen. Es kommt in der anständigen Sprechart der Hochdeutschen nur selten vor. Die Taschen pausen, bausen, oder pausten, wenn sie voll gestopfet sind, und daher abstehen. Die Backen aufpausten, aufblasen. ( S. Bausback.) Daß ihr nur paustet Worte, die mich verzagt machen sollen, Hiob. 6, 26; wofür es bey Michaelis heißt, die Worte eines Verzweifelnden gehen in die Luft. Vor Fett pausten, schnaufen.

Anm. Im Nieders. wird pusten für blasen überhaupt gebraucht. Im Schwed. bedeutet pösa, und im Finnländ. paisun gleichfalls aufschwellen, und im Ital. pausare pausten. Die Lat. Pusula und Pustula, eine Blatter und Blase, gehören, wie schon Ihre anmerkt, gleichfalls dahin. Übrigens sind bausen, pausen, bauschen und pausten lauter Wörter, welche den Schall des Blasens und dadurch verursachten Aufschwellens genau ausdrucken.


Pautkebeere (W3) [Adelung]


Die Pautkebeere, plur. die -n, eine nur in einigen Gegenden, z. B. in Preußen, übliche Benennung der Kratzbeeren oder Thaubeeren, Rubus Chamaemorus L. welche den Brombeeren gleichen und nur in den nordischen Ländern in nassen Gegenden wachsen.


Pavedette (W3) [Adelung]


Die Pavedette, plur. die -n, eine Art zahmer Tauben, welche ein großes fleischiges Gewächs auf der Nase und rothe Augen haben; die Brieftaube, Columba tabellaria Klein. weil sie wegen ihres starken Fluges zum Brieftragen am geschicktesten ist. Im Nieders. lautet dieses Wort Pavedette, Povedette, Pawedette, Paudette. Der Nahme scheinet Französisch zu seyn, obgleich diese Tauben im Franz. am häufigsten Couriers genannt werden.


Pavian (W3) [Adelung]


Der Pavian, S. Bavian.


Pavie (W3) [Adelung]


Die Pavie, plur. die -n, bey den Gärtnern, ein aus dem Franz. Pavie entlehnter Nahme der rauhen Pfirschen, bey welchen der Kern am Fleische fest sitzet.


Pavillon (W3) [Adelung]


Der Pavillon, (sprich Pawilljong,) des -s, plur. die -s, aus dem Franz. Pavillon, ein Dach, welches von allen vier Seiten gegen die Mitte zu spitzig zusammen läuft, und ein mit einem solchen Dache versehenes Gebäude. Ferner ein Zelt mit einem stumpfen Dache, und ein ähnlicher Himmel über ein Bett. Ingleichen ein Sommerhaus mit einem runden Dache, in Gestalt eines Gezeltes. Dieses Wort ist schon in den mittlern Zeiten aus dem Französischen entlehnet, aber auch häufig in Paulun verstellet worden, wovon Frisch einige Beyspiele aus Niedersächsischen Schriftstellern anführet. Bey andern kommt dafür Bawelin vor; alle in der Bedeutung eines Thronhimmels.


Pech (W3) [Adelung]


Das Pech, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein festes Harz, welches, wenn man es angreift, an den Fingern klebet, ( S. Bergpech und Judenpech.) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein geläutertes und bis zu einer gewissen Consistenz eingesottenes Fichten- oder Kieferharz, welches schwarzbraun von Farbe und fester als der Theer ist. Das Waldpech, welches auch nur das Pech schlechthin genannt wird, und das Pech ist, so wie es in dem Walde aus dem Harze geläutert oder aus den Kienstöcken gebrannt wird, zum Unterschiede von dem Schusterpeche, welches aus Harz und Talg bestehet. ein Bier lieget auf Pech, wenn es in ausgepichten Fässern aufbehalten wird. Sprichw. wer Pech angreift, besudelt sich, welches schon Sir. 13, 1 vorkommt. Ehedem pflegte man auch das Harz selbst, noch ehe es gesotten worden, Pech zu nennen, S. Pechrinne, Pechholz u. s. f.

Anm. Schon bey dem Ottfried Beh, im Schwabenspiegel daz Bech, im Nieders. dat Pick, im Angels. Pic, im Engl. Pitch, im Wallis. Pyg, im Dän. Beeg, im Schwed. Beek, im Isländ. Bik, im Bretagnischen Pec, im Franz. Poix, im Ital. Peccia, Pece, Pegola, im Lat. Pix, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Slavon. Pekal. Es stammet von bicken, backen, ab, welche noch im gemeinen Leben üblich sind, und kleben bedeuten, wegen der klebrigen Eigenschaft des Pechs. Bey dem Ottfried bedeutet Beche die Dunkelheit, Schwärze, Finsterniß, wo es aber auch von einem andern Stamme seyn kann. ( S. Pechschwarz.) In einigen obgleich wenigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Pech.


Pechbaum (W3) [Adelung]


Der Pechbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden ein Nahme der gemeinen Kiefer, Pinus sylvestris Gram. welche auch Kienbaum und Fohre genannt wird, aber mit der Pechtanne nicht verwechselt werden muß.


Pechblende (W3) [Adelung]


Die Pechblende, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, im Bergbaue und in der Mineralogie, eine schwarze Blende mit klaren und dünnen Blättern; zum Unterschiede von der großblätterigen Hornblende. Beyde halten Zink, zuweilen auch Silber.


Pechbrenner (W3) [Adelung]


Der Pechbrenner, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, dessen vornehmste Beschäftigung darin bestehet, Pech aus dem Harze oder den Kienstöcken zu brennen; der Pechbauer, im Oberd. Pechler, Pecher, Pecherer. S. auch Harzscharrer.


Pechdraht (W3) [Adelung]


Der Pechdraht, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, mehrere zusammen gedrehte und mit Schusterpech bestrichene Fäden, so wie sich die Schuster ihrer zum Nähen bedienen; Nieders. Pekedraht.


Pechen (W3) [Adelung]


Pechen, verb. reg. act. 1) Pech brennen, Pech machen; im Oberd. pichlen. Auch das Abscharren des Harzes um Pech daraus zu brennen, wird zuweilen pechen genannt. 2) Mit Pech bestreichen oder überziehen; wofür doch pichen üblicher ist.,


Pecher (W3) [Adelung]


Der Pecher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Pechrenner und Harzscharrer.


Pecherz (W3) [Adelung]


Das Pecherz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, im Bergbaue, ein schwarzes, glänzendes Kupfererz, welches dem Peche, oder einer Schlacke ähnlich siehet, und ein mit Schwefel und Eisen vererztes Kupfer ist. Das poröße Pecherz wird im Harze Kupferknoten genannt.


Pechfackel (W3) [Adelung]


Die Pechfackel, plur. die -n, eine mit Harz, Pech und Wachs überzogene Fackel, welche außer sechs Strickdochten auch noch ein Kienholz in der Mitte hat; zum Unterschiede von den Wachsfackeln.


Pechflechte (W3) [Adelung]


Die Pechflechte, plur. inus. in der Botanik, eine Art Flechte, deren schwärzliche Farbe dem Peche ähnlich ist, und welche auf den Schwedischen Klippen wohnet; Lichen stygius L.


Pechhaube (W3) [Adelung]


Die Pechhaube, plur. die -n, eine inwendig mit Pech bestrichene Haube, oder Mütze, womit man zuweilen die ausgeschlagenen Köpfe zu heilen pflegt; die Pechkappe, Pechmütze.


Pechhauer (W3) [Adelung]


Der Pechhauer, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Pechbrenner.


Pechholz (W3) [Adelung]


Das Pechholz, des -es, plur. die -hölzer, im Forstwesen. 1) Ein jedes Holz, aus welchem Pech gebrannt werden kann, wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist; Harzholz, Nadelholz. 2) Ein mit solchen Bäumen bewachsenes Gehölz; das Harzholz, Nadelholz, Tangelholz, schwarzes oder finsteres Holz.


Pechhütte (W3) [Adelung]


Die Pechhütte, plur. die -n, eine Hütte oder ein Gebäude, in einem Walde, in welchem das Harz zu Pech gebrannt wird.


Pechicht (W3) [Adelung]


Pechicht, -er, -ste, adj. et adv. dem Peche ähnlich.


Pechig (W3) [Adelung]


Pechig, adj. et adv. Pech enthaltend, mit Pech beschmieret, oder besudelt. Sich pechig machen.


Pechkappe (W3) [Adelung]


Die Pechkappe, plur. die -n, S. Pechhaube und Pechmütze.


Pechkerze (W3) [Adelung]


Die Pechkerze, plur. die -n, eine aus dem schwarzen Unschlitte, welches zuletzt aus den Grieben gebrannt, und zuweilen auch Pech genannt wird, gezogene Kerze, welche zu geringen häuslichen Verrichtungen gebraucht wird; das Pechlicht.


Pechkohle (W3) [Adelung]


Die Pechkohle, plur. die -n, eine Art Steinkohlen, welche fett und fest sind, dem Peche gleichen, und einen groben Schwefel, nebst einer reinern Thonerde erhalten, Schmiedekohlen, weil sie vor andern zur Schmiedearbeit gebraucht werden, Glanzkohlen, weil sie auf dem Bruch glänzen, Fettkohlen, Harzkohlen; zum Unterschiede von den schlechtern Dach- oder Schieferkohlen.


Pechkranz (W3) [Adelung]


Der Pechkranz, des -es, plur. die -kränze, aus brennbaren Materien geflochtene und mit Pech und Harz überzogene Kränze, welche man des Nachts in eisernen Pfannen zur Erleuchtung anzuzünden pflegt. Man bedienet sich ihrer auch im Kriege, Häuser und Gelände damit anzuzünden.


Pechkrücke (W3) [Adelung]


Die Pechkrücke, plur. die -n, eine hölzerne Krücke, womit die Böttcher bey dem Auspichen der Fässer das brennende Pech in dem Fasse verbreiten.


Pechkugel (W3) [Adelung]


Die Pechkugel, plur. die -n, bey den Goldarbeitern, ein runder Pechklumpen auf einer metallenen oder eisernen Halbkugel, die getriebene Arbeit darauf zu verfertigen; der Pechklumpen, das Treibepech.


Pechler (W3) [Adelung]


Der Pechler, des -s, plur. ut nom. sing. S. Pechbrenner.


Pechmütze (W3) [Adelung]


Die Pechmütze, plur. die -n, ( S. Pechhaube.) Auch die kleinen schwarzen Mützen, welche man vor Einführung der Perrücken unter dem Hute trug, wurden, vielleicht wegen ihrer schwarzen Farbe, Pechmützen und Pechkappen genannt.


Pechnelke (W3) [Adelung]


Die Pechnelke, plur. die -n, eine Art von Nelken, welche auf den trocknen Wiesen des mitternächtigen Europa wächset; Lychnis viscaria L.


Pechofen (W3) [Adelung]


Der Pechofen, des -s, plur. die -öfen, ein viereckiger Ofen in der Pechhütte, in welchem das Harz in besondern Töpfen zu Pech gebrannt wird.


Pechöhl (W3) [Adelung]


Das Pechöhl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein Öhl, welches mit Wein aus dem Peche destilliret, und für ein wirksames Mittel in den Krankheiten der Nerven und Gelenke gehalten wird.


Pechpfanne (W3) [Adelung]


Die Pechpfanne, plur. die -n, eine eiserne Pfanne, in welcher man des Nachts Pech oder Pechkränze zur Erleuchtung offener Plätze zu brennen pflegt.


Pechrinne (W3) [Adelung]


Die Pechrinne, plur. die -n, im Forstwesen, der Ort in einem Harzbaume, aus welchem das Pech oder Harz rinnet. Ingleichen das in einem Harzbaume eingehauene Gränzzeichen, wenn solches mit Harz ausgefüllet worden.


Pechscharre (W3) [Adelung]


Die Pechscharre, plur. die -n, S. Harzmesser.


Pechschwarz (W3) [Adelung]


Pechschwarz, adj. et adv. so schwarz wie Pech, besonders im gemeinen Leben, wo es sehr häufig intensive für sehr schwarz gebraucht wird.


Pechstein (W3) [Adelung]


Der Pechstein, des -es, plur. die -e, eine in der Gegend der Stadt Meißen bey Milditz und Schlettau befindliche Steinart, welche ein verhärteter Leiten zu seyn scheinet, und zwischen dem Serpentin und Jaspiß in der Mitte stehet, aber noch nicht genug untersucht ist. Sie ist weißlich, gelblich, roth, grün, bunt u. s. f. von Farbe. In Schlettau, eine halbe Stunde von Meißen, werden fast alle Häuser aus diesem Steine gebauet.


Pechtanne (W3) [Adelung]


Die Pechtanne, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der eigentlichen Fichte, Pinus Abies picea Crain, welche auch Rothtanne und Harztanne genannt wird, und das meiste Pech oder Harz gibt, S. Fichte.


Pechtonne (W3) [Adelung]


Die Pechtonne, plur. die -n, ein mit Pech und andern brennbaren Materien angefülltes Faß, welches in der Nachtzeit angezündet wird, in unruhigen Zeiten Signale damit zu geben.


Pechtorf (W3) [Adelung]


Der Pechtorf, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, die beste Art des Torfes, welche schwarz, dicht und schwer ist, und aus einem mit Erdöhl durchdrungenen Gemenge von Gartenerde und Wurzeln bestehet; zum Unterschiede von dem Blättertorfe und Papiertorfe.


Pedal (W3) [Adelung]


Das Pedal, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Pes, pedis, dasjenige an einer Orgel, welches mit dem Füßen gespielet wird; das Fuß-Clavier. Es soll im 1sten Jahrhunderte von einem Deutschen, Nahmens Bernhard, seyn erfunden worden.


Pedant (W3) [Adelung]


Der Pedant, des -en, plur. die -en, Fämin. die Pedantinn, ein Gelehrter, und in weitere Bedeutung, eine Person, welche Kleinigkeiten als wichtige Dinge ansiehet und vertheidiget. Im weitesten Verstande nennet man jeden Gelehrten ohne Geschmack und Sitten einen Pedanten, worunter denn auch die Pedanten der vorigen engern Bedeutung begriffen sind. Franz. Pedant, Ital. Pedante. Daß dieses Wort in den mittlern Zeiten aus irgend einem Latein. gebildet worden, ist wohl gewiß, ob sich gleich der rechte Stamm bisher noch nicht mit Gewißheit hat wollen ausfündig machen lassen. Frisch leitet es sonderbar genug von dem Lat. pedere her, ohne Zweifel, so fern der Mangel der Sitten sich bey den Pedanten oft nur zu sehr auszeichnet. Nach dem Ferrarius stammet es von Pedaneus ab, und bedeutet Magistrum pedaneum, d. i. einen Unterschulmeister, welcher bey den Römern nicht auf dem Katheder saß, sondern stehend lehren mußte. So viel ist gewiß, das dieses Wort zuerst von Schulmännern gebraucht worden, welche einen übertriebenen Werth auf ihre Schulgelehrsamkeit legen, und im verächtlichen Verstande auch Schulfüchse genannt werden. Im mittlern Lat. ist pedaneus Judex ein Un- terrichter, und pedanea Causa eine geringe, unerhebliche Sache.


Pedanterey (W3) [Adelung]


Die Pedanterey, plur. die -en, das Betragen eines Pedanten, besonders die Erhebung unnützer Kleinigkeiten als wichtiger Dinge aus Mangel des Geschmackes.


Pedantisch (W3) [Adelung]


Pedantisch, -er, -te, adj. et adv. einem Pedanten ähnlich, in dessen Eigenschaft gegründet.


Pedell (W3) [Adelung]


Der Pedell, des -en, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. Pedellus, ein Gerichtsdiener, welcher die Parteyen vor Gericht fordert, welchen Nahmen derselbe noch bey verschiedenen Civil- und Criminal-Gerichten, z. B. bey dem Stadt- und Landgerichte zu Erfurt, führet. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung werden die Diener der Universitäts-Gerichte, welche die Parteyen vor Gericht laden, Pedellen genannt. Weil dieses Wort in mittlern Lat. auch Bedellus, Badellus, Bidellus, Franz. Bedeau und Pedeau, Ital. Bidello, lautet, so glauben die meisten Wortforscher, daß es im mittlern Lateine aus unserm Büttel, welches ehedem in eben diesem Verstande gebraucht wurde, und von biethen abstammet, gebildet, und in dieser ausländischen Gestalt wieder von den Deutschen angenommen worden. Allein, warum sollte es nicht eben so gut von Pes, pedis, herkommen können, als Pedissequus, welches schon bey den Römern einen Lackeyen bedeutete, da es doch eine ihrer vornehmsten Obliegenheiten, dem Richter nachzutreten, um dessen Befehle zu vollziehen? Badellus, Bidellus, Baderius u. a. m. können deßwegen immer aus Bothe oder Büttel gebildet seyn.


Peilketafel (W3) [Adelung]


Die Peilketafel, S. Beilketafel.


Pein (W3) [Adelung]


Die Pein, plur. car. 1) * Mühe, Arbeit; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch im Nieders. angetroffen wird, und worin es mit dem Franz. Peine, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und dem Alban. Puna überein kommt. 2) Der höchste Grad der Unlust, es sey nun körperlicher Schmerzen oder auch der Unlust des Gemüthes; wie Marter und Qual. Pein empfinden, leiden. Jemandes Pein lindern. Jemanden allerley Pein anthun. Wenn du wüßtest, was das für eine Pein ist! Die Höllenpein. Im gemeinen Leben werden die Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen u. s. f. häufig Magenpein, Kopfpein, Zahnpein genannt. Auch die Tortur war ehedem unter dem Nahmen der Pein bekannt; in welcher Bedeutung es aber wenig mehr gebraucht wird. 3) * Die Strafe; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher ehedem auch der Plural üblich war. Bi sodanen Pinen, bey solchen Strafen, bey dem Frisch aus dem 14ten Jahrhunderte. Man hat dafür in einigen Gerichten nachmahls das Wort Pon aus dem Lat. Poena entlehnet, vermuthlich um die Zweydeutigkeit mit der vorigen Bedeutung zu vermeiden.

Anm. In der zweyten Bedeutung schon bey dem Ottfried Pin, bey dem Notker Bina, Binon, im Nieders. Pin, im Schwed. Pina, im Angels. Pin, im Engl. Pain, im Franz. Peine, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es ist gewiß nicht aus dem Lat. Poena entlehnet, wie wohl das spätere Pön, sondern vielmehr ein Seitenverwandter desselben, weil man sonst annehmen müßte, daß so viele Nationen, bey welchen dieses Wort angetroffen wird, einen hohen Grad der Schmerzen nicht eher zu benennen gewußt, als bis sie es von den Römern gelernet. Die Bedeutung der Mühe, der Arbeit, scheinet die erste zu seyn, und alsdann gehöret ohne Zweifel zu dem Geschlechte der Wörter, welche eine Bewegung bedeuten, und wohin unser wenden, winden, wandeln, wanken, das Lat. venire, und hundert andere gehören.


Peinigen (W3) [Adelung]


Peinigen, verb. reg. act. Pein verursachen, jetzt nur noch in der zweyten Bedeutung des Hauptwortes, einen hohen Grad der Schmerzen und der Unlust verursachen. So wohl körperlicher Schmerzen. Da dieser todt war, peinigten sie den vierten auch und geißelten ihn, 2 Macc. 7, 13. Von dem reichen Manne heißt es Luc. 16, 25: es werde in der Hölle gepeiniget. Der König Herodes legte die Hände an etliche von der Gemeine sie zu peinigen, Apostelg. 12, 1. In welchem Verstande der von außen zugefügten körperlichen Schmerzen doch in der anständigern Sprechart martern üblicher ist. Am häufigsten gebraucht man es noch von der Verursachung des höchsten Grades der Unlust des Gemüthes, der Seele. Was plaget ihr doch meine Seele, und peiniget mich mit Worten? Hiob 49, 2. Die Furcht peinigt mich. Das peinigende Gewissen. Ihre Unschuld, ihre unbefangene Seele fühlt nicht, wie sehr mich die kleinen Vertraulichkeiten peinigen, Göthe. Ich kenne keine größere Marter als die, wenn Vorwürfe, die man sich hätte ersparen können, zu ihrer Zelt uns peinigen, Hermes. So auch die Peinigung.

Anm. Dieses Zeitwort ist das neuere Intensivum von dem im Hochdeutschen veralteten peinen, welches noch im Niederdeutschen und den verwandten Sprachen völlig gangbar ist, und bey dem Ottfried pinon, im Nieders. pinen, im Angels. pinian, im Schwed. pina, im Franz. peiner lautet, und auch Mühe verursachen, ingleichen strafen bedeutet, in welchem Verstande es mit dem Lat. punire überein kommt. Im Isländ. lautet dieses Wort pinda, un da pina auch im Schwedischen beengen bedeutet, so erhellet daraus die schon bey dem vorigen Worte bemerkte Verwandtschaft mit binden, winden, und andern Zeitwörtern, in welchen der Begriff der Bedeutung der erste und ursprüngliche ist, wohin mit dem Zischlaute auch unser zwingen gehöret, welches im Finnländ. painan, heißt; woraus zugleich die Verwandtschaft mit bange erhellet.


Peiniger (W3) [Adelung]


Der Peiniger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Peinigerinn, eine Person, welche peiniget. ein Mensch ist der Peiniger des andern, Mosh. Stürmische Leidenschaften, diese Peiniger unsers Herzens, und derer die mit uns leben, Gell. Besonders pflegte man ehedem den Henker, dessen vornehmstes Geschäft es ist, verstockte Übelthäter zu peinigen, d. i. zu martern, mit diesem Nahmen zu belegen, in welchem Verstande es noch Matth. 18, 34 vorkommt. In Franken wird daher der Henker, d. i. der erste und vornehmste Knecht des Scharfrichters, noch jetzt Peinlein, d. i. Peinling, genannt.


Peinlich (W3) [Adelung]


Peinlich, -er, -ste, adj. et adv. der Pein ähnlich, in derselben gegründet, Pein verursachend. 1. In der ersten Bedeutung des Hauptwortes, einen hohen Grad der Mühe verursachend, mit vieler Mühe verbunden; Nieders. pinlik. Der Geloub der so pinlich aufgericht, Jeroschin bey dem Frisch. Man gebraucht es im Hochdeutschen nur noch zuweilen von einer mit vieler Unlust verknüpften Mühe, da es sich denn der folgenden Bedeutung nähert. Als er so großer Noth zu peinlich nachgedacht, Haged. 2. Dem höchsten Grade der Unlust ähnlich, solchen verursachend, darin gegründet. 1) Von körperlichen Schmerzen. Ein peinlicher Tod, ein sehr schmerzhafter. Besonders noch in den Gerichten in einer doppelten Bedeutung. (a) Die peinliche Frage, die Befragung eines Missethäters unter und vermittelst körperlicher Schmerzen, die Tortur, Marter. Einen Missethäter peinlich befragen, ihn gerichtlich martern, auf die Tortur bringen. (b) Leib- und Lebensstrafen betreffend, criminal oder criminell; im Gegensatze des bürgerlich. Die peinliche Gerichtsbarkeit, das Recht, solche Strafen zuzuerkennen. Das peinliche Gericht. Peinliche Gesetze, welche Leib- und Lebensstrafen betreffen. Peinlich gegen jemanden verfahren, als wenn er solche Strafen verdienet hätte. Jemanden peinlich anklagen, auf Leib und Leben. Siehe Bürgerlich 1. 2) Von der Empfindung des Gemüthes, den höchsten oder doch einen sehr hohen Grad der Unlust verursachend, und darin gegründet. (a) Eigentlich. Das ist mir sehr peinlich. Das Zögern ist mir überaus peinlich. Die Langweile (lange Weile) ist eine der peinlichsten Gemüthsfassungen, Sulz. Der Umgang mit einem Menschen, mit welchem man so steht, ist sehr peinlich. Es ist peinlich, ermahnet zu werden, wenn man unschuldig ist. (b) Geneigt, gewohnt, bey unerheblichen Dingen eine übertriebene Unlust, ingleichen eine übertriebene Sorgfalt und Bedenklichkeit zu äußern. Ein peinlicher Mensch. Sehr peinlich thun, ängstlich, bange.


Peinlichkeit (W3) [Adelung]


* Die Peinlichkeit, plur. inus. welches in allen Bedeutungen des vorigen Beywortes von dem Zustande einer Person oder Sache, da sie peinlich ist, gebraucht werden könnte. Ehedem bedeutete es auch die peinliche Gerichtbarkeit, das Halsgericht; in welchem Verstande es doch wenig mehr gebraucht wird.


Peißelbeere (W3) [Adelung]


Die Peißelbeere, S. Berberis.


Peißker (W3) [Adelung]


Der Peißker, eine Art Fische, S. Beißker.


Peitsche (W3) [Adelung]


Die Peitsche, plur. die -n, Diminut. das Peitschchen, ein Werkzeug zum Schlagen, doch nur ein solches, welches im Schlagen den diesem Worte eigenthümlichen Laut nachahmet. 1) Eigentlich. So führet im Bergbaue ein Holz, welches zwey Ellen lang und eine halbe Elle breit ist, und womit die Kupferbleche in der Seigerhütte gleich geschlagen werden, den Nahmen der Peitsche. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Peitsche eine gedrehete oder geflochtene und vorn spitzig zulaufende Schnur an einem Stiele, Thiere und Menschen damit zu hauen. Die Hundepeitsche, Fuhrmannspeitsche, Knutpeitsche, Bußpeitsche u. s. f. Mit der Peitsche hauen, d. i. schlagen. Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtiget, 1 Kön. 12, 11, 14. Mit der Peitsche knallen, klatschen. Der wilden Peitsche Knall betäubt die Strafe ganz, Zach. Die Karbatsche, welche ihrer letzten Hälfte nach gleichfalls hierher gehöret, ist eine lederne Peitsche. In manchen Fällen wird in der anständigen Sprechart das allgemeine Geißel gebraucht. 2) Figürlich. Die Meerpeitsche, Steinpeitsche, Gnurrpeitsche oder Knurrpeitsche, ist ein Fisch, welcher lang, dünne und schmal wie eine Peitsche ist, und um Zelle in allen fließenden Wassern angetroffen wird; Ophidion barbatum L. Den Nahmen Knurrpeitsche hat er daher, weil er einen knurrenden Laut von sich gibt, wenn man ihn aus dem Wasser ziehet. Anm. Im Nieders. Pietsche, im Schwed. Piska, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Böhm. Bic, im Pohln. Bicz. ( S. das folgende.) Im Nieders. wird die Peitsche auch Schwepe genannt, Angels. Hweop, Engl. Whip.


Peitschen (W3) [Adelung]


Peitschen, verb. reg. act. eigentlich, denjenigen Laut hervor bringen, welchen dieses Zeitwort nachahmet. In diesem Verstande sagt man noch im gemeinen Leben, den Wein peitschen, Haufenblase oder andere Dinge hinein schütten, und ihn damit oft und lange hin und her rütteln, um ihn durch solche Zusätze klar zu machen oder zu verbessern. Ein gepeitschter Wein. Verdorbenes Wasser auf den Schiffen wird durch Peitschen gut gemacht. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist peitschen mit der Peitsche hauen oder forttreiben. Die Pferde peitschen. Jemanden peitschen. Daher das Peitschen.

Anm. Peitschen, Nieders. pietsken, im Wend. bicz, biju, ahmet den Laut, welchen es ausdruckt, genau nach, und ist ein Verwandter von peitschen, welches einen gröbern Laut dieser Art bezeichnen. Die Wellen peitschen an den Thurm, Bluntschli, peitschen ihn, d. i. verursachen durch ihr Anschlagen eine harten zischenden Laut. Der starke Zischer macht dieses Wort zugleich zu einem Intensivo von dem veralteren baten, batten, schlagen, womit auch beißen, Nieders. biten, überein kommt, als welches einen ähnlichen Laut nachahmet.


Peltschen (W3) [Adelung]


Die Peltschen, sing. inus. eine im gemeinen Leben vieler Gegenden übliche Benennung des Beilkrautes, Coronilla Securidaca L. welches seinem Deutschen so wohl als Lateinischen Nahmen seinen beil- oder sichelförmigen Hülsen zu handeln hat. Der Nahme Peltschen ist gleichfalls aus Beil, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, verderbt. In einigen Gegenden lautet er Pseltschen, dagegen dieses Gewächs an andern Orten Vogelwicke genannt wird.


Pelz (W3) [Adelung]


Der Pelz, des -es, plur. die -e, Diminut. das Pelzchen, Oberd. Pelzlein. 1. * In der weitesten Bedeutung, eine jede Decke, Bekleidung oder Bedeckung einer Sache; eine nunmehr veraltete Bedeutung, von welcher doch noch verschiedene Spuren vorkommen, wohin auch die sogleich vorkommenden figürlichen Ausdrücke gerechnet werden können, in welchen Pelz für Haut, und nach einer noch weitern Figur für Leib stehet. 2. In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, eine dicke, weiche, zähe Decke. 1) Im weitesten Verstande, wo dieses Wort von allen Arten solcher Decken gebraucht wird, sie mögen nun natürlich oder künstlich seyn. Dicker Schimmel heißt im gemeinen Leben häufig ein Pelz, welchen Nahmen auch oft die dicke Sahne oder Haut auf der Milch bekommt. Die Wiesen sind mit einem Pelze bewachsen, wenn sie mit dickem in einander geschlungenen Mose bekleidet sind. Nach Überschwemmungen bleibt zuweilen ein Pelz auf den Wiesen zurück, welcher aus den halb verweseten Pflanzentheilen entstehet. Und so in andern Fällen mehr. 2) In engerer Bedeutung, die mit starken weichen Haaren bekleidete Haut der Thiere. So wohl eigentlich. Der Bär hat einen dicken Pelz. Als auch figürlich, die Haut so wohl der Thiere als Menschen, und nach einer noch weitern Figur, der Leib selbst. Einem Menschen oder Thiere auf den Pelz schießen, auf den Leib. Einem den Pelz ausklopfen, ihn prügeln. Jemanden den Pelz waschen, gleichfalls ihn prügeln, noch häufiger aber, ihm einen derben Verweis geben. Einem den Pelz waschen, und ihn nicht naß machen, ihn mit unzeitigem Glimpfe, übertriebener Verschonung begegnen. + Jemanden eine Laus in den Pelz setzen, ihn zur Aufnahme eines lästigen Menschen, oder zur Aufnahme einer beschwerlichen Sache bewegen, ingleichen, ihm einen Argwohn beybringen; doch beydes nur in den niedrigen Sprecharten. 3) In noch engerer Bedeutung werden zuweilen die mit Beybehaltung der Haare gegerbten Felle solcher Thiere, welche starke wollige Haare haben, und in weiterer Bedeutung aller haarigen Thiere, collective Pelz genannt, wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist; Pelzwerk und noch häufiger Rauchwerk. Ein Muff von Pelz, besser Pelzmuff oder Muff von Rauchwerk, oder Pelzwerk. Eine Mütze von Pelz, besser eine Pelzmütze. So auch Pelzhandschuhe, Pelzstiefeln u. s. f. Mit Pelz gefüttert, mit Pelzwerk. 4) Im engsten Verstande ist der Pelz ein aus bereitetes Kleidungsstück zur Bedeutung des Leibes oder doch des größten Theiles desselben; ingleichen ein mit Pelzwerk gefütterter Mantel oder Rock. Der Schafspelz, Wolfspelz, Fuchspelz, Zobelpelz, Hermelinpelz, Kuppelpelz u. s. f. Sie sind umher gegangen in Belzen (Pelzen) und Ziegenfellen, Ebr. 11, 37.

Anm. In den Monseeischen Glossen Peliiz, im Nieders. Pelz, Pils, im Angels. Pylece, Pylce, im engl. Pilche, Pelt, im Schwed. Pels, im mittlern Lat. Pellicium, Pellicia, Pelissia, Peltis, im Franz. Pelisse, Pellice, im Ital. Pelliccia. In der zweyten Bedeutung ist es mit Wolle, Filz, Bilz und andern ähnlichen Wörtern genau verwandt, so wie es in der ersten zu Fell, Pallium, Pellis und andern mehr gehöret, und mit denselben allem Ansehen nach von dem alten noch bey dem Ulphilas befindlichen fela, faela, bedecken, Lat. velare, abstammet. Die Schreibart der spätern Jahrhunderte Belz ist so wohl wider die Abstammung, als auch wider die Hochdeutsche Aussprache.


Pelzart (W3) [Adelung]


Die Pelzart, plur. die -en. 1) Von dem vorigen Pelz, eine Art Pelz- oder Rauchwerkes. 2) Von dem Zeitworte pelzen, die Art und Weise zu pelzen, d. i. pfropfen; im Oberdeutschen.


Pelzbein (W3) [Adelung]


Das Pelzbein, des -es, plur. die -e, bey den Gärtnern einiger Gegenden, ein beinernes Werkzeug, die Rinde an dem Orte, wo man pelzen, d. i. pfropfen, will, aus einander zu biegen.


Pelzen (W3) [Adelung]


1. Pelzen, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben für schlagen, prügeln, üblich ist. Jemanden pelzen, ihn abpelzen, auspelzen. Nicht von dem Hauptworte Pelz, sondern als ein Seitenverwandter von dem Lat. pulsare, ein Intensivum von dem veralteten fillen, schlagen, stoßen, Lat. pellere, wohin auch walken gehöret. Im Dithmarsischen ist bülsen gleichfalls prügeln, und im Böhmischen Pelice ein Hammer, Schlägel, Stößel.


Pelzen (W3) [Adelung]


2. Pelzen, verb. reg. act. welches in manchen, besonders Oberdeutschen Gegenden für pfropfen und impfen üblich ist. Einen Zweig von einem Apfelbaume auf einen Quittenstamm pelzen, d. i. pfropfen. Gepelztes Obst, gepfropftes. Im Schwabensp. beltzen. Entweder von Pelz in dessen weitesten Bedeutung der Haut, indem bey dem Pelzen der Zweig in die aufgeschnittene Rinde des Baumes gesetzet wird, oder auch als ein Intensivum von dem veralteten fillen, schneiden, schinden. Daher das Pelzen.


Pelzer (W3) [Adelung]


Der Pelzer, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen vornehmlich Niederdeutschen Gegenden übliches Wort, einen Kürschner zu bezeichnen. Nieders. Pilster, Franz. Pelletier.


Pelzfutter (W3) [Adelung]


Das Pelzfutter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Unterfutter von Pelz und Pelzwerk.


Pelzicht (W3) [Adelung]


Pelzicht, -er, -ste, adj. et adv. einem Pelze, d. i. einer zähen, dicken Haut, ähnlich. ( S. Pelz 2 1). Pelzichte (lederhafte, zähe) Birnen. Pelzig würde bedeuten voller Pelz.


Pelzkamm (W3) [Adelung]


Der Pelzkamm, des -es, plur. die -kämme, bey den Kürschnern, ein eiserner Kamm, das Pelzwerk damit zu kämmen und zu reinigen.


Pelzkragen (W3) [Adelung]


Der Pelzkragen, des -s, plur. die -krägen, ein Kragen von Pelzwerk oder Rauchwerk.


Pelzmesser (W3) [Adelung]


Das Pelzmesser, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Gärtnern einiger Gegenden, ein Messer, damit zu pelzen, d. i. zu pfropfen; das Pfropfmesser.


Pelzmütze (W3) [Adelung]


Die Pelzmütze, plur. die -n, eine von außen und innen mit Pelzwerk besetzte Mütze.


Pelzreis (W3) [Adelung]


Das Pelzreis, des -es, plur. die -er, bey den Oberdeutschen Gärtnern, dasjenige Reis, welches gepelzt oder gepfropft werden soll; das Pfropfreis.


Pelzsammt (W3) [Adelung]


Der Pelzsammt, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Art langhaarigen Sammtes, welcher statt des Pelzwerkes unter die Kleider gefüttert wird; mit einem ausländischen Worte Felbel. S. dasselbe.


Pelzschule (W3) [Adelung]


Die Pelzschule, plur. die -n, bey den Gärtnern einiger Gegenden, eine Baumschule von gepelzten, d. i. gepfropften, Bäu- men, die Pfropfschule; zum Unterschiede von der Stein- und Kernschule.


Pelzwachs (W3) [Adelung]


Das Pelzwachs, des -es, plur. inus. eben daselbst, dasjenige Wachs, womit die durch das Pelzen verursachte Wunde an dem Baume wieder verbunden wird; das Baumwachs, Pfropfwachs.


Pelzwerk (W3) [Adelung]


Das Pelzwerk, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein Collectivum, mit Beybehaltung der Haare gegerbte Thierhäute, und daraus bereitete Kleidungsstücke; alles Pelzwerk sollt ihr entsünden, 4 Mos. 31, 20. Nieders. Pelterije.


Pendul (W3) [Adelung]


Das Pendul, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Latein. Pendulum, in der Mechanik, ein schwerer Körper, welcher so aufgehänget worden, daß er an dem Ende um einen festen Punct beweglich ist, und sich wechselweise hin und her bewegen, d. i. Schwingungen machen, kann. In engerer Bedeutung ist es eine lange und dünne stählerne Stange an einer Uhr, welche an dem einen Ende eine bauchige mit Bley ausgefüllte Linse hat, an dem andern Ende aber auf die jetzt gedachte Art beweglich ist; der Perpendikel, statt der ehemaligen Unruhe. Daher die Pendul-Uhr, eine mit einem solchen Pendul versehene Uhr, die Perpendikel-Uhr; zum Unterschiede von den Federuhren.


Pennal (W3) [Adelung]


Das und der Pennal, des -es, plur. die -e, Diminut. das Pennälchen. 1) Das Pennal, ein cylinderförmiges Behältniß, die Schreibfedern darin bey sich zu tragen, aus dem spätern Lat. Pennale, wofür man auch Pennaculum findet; ehedem Federlöcher. 2) Figürlich, und im männlichen Geschlechte wurde ehedem auf den Universitäten ein neu angekommener Student in dem ersten Jahre seines akademischen Aufenthaltes ein Pennal genannt, weil er den ältern Studenten das Pennal nachtragen, oder es ihnen zu Dienste in Bereitschaft halten mußte. ( S. Fuchs,) welchen Nahmen ein solcher angehender Student gleichfalls bekam.


Pensel (W3) [Adelung]


Der Pensel, S. Pinsel.


Peonie (W3) [Adelung]


Die "Peonie", S. "Päonie".


Perdutz (W3) [Adelung]


Perdutz, ein in gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens, übliches unabänderliches Wort, einen plötzlichen Fall nachzuahmen oder anzukündigen. Perdutz! da fiele er hin. Perdutz! da lag es. Im Lettischen hat man das Zeitwort pardauzu, ich schlage nieder, falle plötzlich nieder, und im Alt-Preußischen ist Spardaus isch schlage zusammen.


Perge (W3) [Adelung]


* Die Perge, plur. die -n, der Schweizerische Nahme der Kiefer, oder des Kienbaumes, welcher aus Fohre verderbt ist, S. Fohre.


Periode (W3) [Adelung]


Die Periode, plur. die -n, aus dem Griech. und Lat. periodus. 1) In der Wohlredenheit, ein Theil einer Rede, welcher aus mehrern unter einander verbundenen Haupt- und Nebensätze bestehet, und mit einem Puncte geschlossen wird, ein bis zu einer gewissen Länge erweiterter Hauptsatz. 2) Ein Theil der Zeit von bestimmter Dauer; ein Zeitraum.


Periodisch (W3) [Adelung]


Periodisch, adj. et adv. in der zweyten Bedeutung des vorigen Wortes, nach bestimmten Zeiträumen erscheinend. Periodische Zufälle einer Krankheit. Eine periodische Schrift, eine Zeitschrift.


Perkan (W3) [Adelung]


Der Perkan, S. Berkan.


Perl-Aloe (W3) [Adelung]


Die Perl-Aloe, plur. inus. eine Art der Aloe mit eyrunden, scharf zugespitzten Blättern, welche allenthalben mit knorpeligen Auswüchsen, wie mit Perlen, besetzt sind; Aloe margaritisera L.


Perlbirn (W3) [Adelung]


Die Perlbirn, plur. die -en, eine Art kleiner, länglicher, fast eyrunder Birnen, von gelblicher oder grüner Farbe, mit einem kurzen dicken Stiele, welche zu Anfang des Septembers reift; Honigbirn, frühe Zuckerbirn, Franz. Petit Blanquette, Poire a la perle.


Perlbohne (W3) [Adelung]


Die Perlbohne, plur. die -n, eine Art weißer ovalrunder Schminkbohnen, von der Größe einer großen Erbse; Erbsbohne, Eyerbohne, Prinzessinnbohne.


Perle (W3) [Adelung]


1. Die Perle, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, z. B. in Niedersachsen, ein mit Löchern durchbohrtes Bret, dergleichen die löcherige Scheibe in dem Butterfasse ingleichen das mit Löchern versehene Bret, wodurch bey dem Brauen das Bier durchgeseihet wird. Es gehören in dieser Bedeutung unstreitig zu bohren.


Perle (W3) [Adelung]


2. Die Perle, plur. die -n, Diminut. das Perlchen, eine rundliche kleine feste Masse, eine kleine Beere. 1. Überhaupt; wo es nur noch in einigen Fällen üblich ist. Im gemeinen Leben einiger Gegenden wird die verhärtete Feuchtigkeit im Auge, welche im Oberdeutschen der Zieger heißt, die Perle genannt. Noch häufiger heißen die kleinen krausen Knöpfchen, welche der Hirsch unten an dem Geweihe nahe am Kopfe an der so genannten Rose hat, Perlen. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung sind die Perlen weiße rundliche Auswüchse oder Verhärtungen in den Per- lenmuscheln, welche wegen ihrer Seltenheit und schönen Weiße sehr hoch geschätzt, und unter die Juwelen gerechnet werden. 1) Eigentlich. Perlen suchen, Perlen fischen, die Perlenmuscheln fischen, um die Perlen zu bekommen. Echte Perlen, im Gegensatze der nachgemachten, unechten oder falschen, welche auch Wasserperlen genannt werden, und wohin die Glasperlen und Wachsperlen gehören. Orientalische Perlen, im Gegensatze der geringern occidentalischen: ( S. auch Lothperle, Zahlperle, Brockenperle, Kartenperle, Staubperle u. s. f.) Mit Perlen gestickt. 2) Figürlich. (a) Wegen einiger Ähnlichkeit in der glänzenden runden Gestalt. So wird dasjenige Insect welches im gemeinen Leben das Heupferd heißt, Libellula grandis L. in vielen Gegenden die Perle genannt; vermuthlich wegen der glänzenden Augen, mit welchen der ganze Kopf besetzt zu seyn scheinet. Die kleinen Bläschen, welche bey dem Einschenken des Bieres und Weines zuweilen aufsteigen, Thränen, glänzende Wassertrofen, heißen häufig Perlen. Sieh die Blume richtet sich auf; voll blitzender Perlen Lacht sie schöner umher, Zachar. (b) Wegen der Kostbarkeit. So pflegt man eine Person von vorzüglichen Werthe, eine vorzügliche Eigenschaft u. s. f. besonders in der höhern Schreibart, eine Perle zu nennen. Anm. In dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter Berille, im Nieders. Berel, im mittlern Lat. Perla, im Franz. Perle, im Ital. Perla, im Engl. Pearl, im Schwed. Perla, im Böhm. Perle. Es ist, wie schon von andern bemerket werden; sehr wahrscheinlich, daß es das Diminut. von Beere, in dessen weitern Bedeutung, einer runden oder rundlichen Waffe ist, daher es in einigen Gegenden auch das Perle im ungewissen Geschlechte lautet. Ihre ziehet zwar diese Ableitung in Zweifel, aber die Gründe, welche er anführet, sind nicht von der Stärke, daß sie selbige verdächtig machen könnten. Auch Ovid nennet eine Perle an einem Orte Baccam. Bey unsern ältesten Schriftstellern kommt dieses Wort nicht vor. Tatians Übersetzer nennt die Perle Merigrozza, und der Angelsachse Meregrot. Es ist schon von andern angemerket und erwiesen worden, daß dieses Wort Meersteinchen bedeutet, von Graus, Gries, Nieders. Grut (sieh Graus,) und daß aus diesem Worte auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Lat. Margarita gebildet worden, zumahl da selbst Plinius bekennet: ne apud Barbaros quidem, inventores ejus aliud (nomen) quam Margaritae. ( S. Scherzen in Schilters Gloss. v. Merigrozza.) Übrigens kommen bey dem Hornegk für Perle auch die Wörter Glaim und Gimme vor, wovon das letztere das Lat. Gemma ist. Wenn die ältern Oberdeutschen Schriftsteller den Schlagfluß Perle nennen, so ist daselbst ohne Zweifel aus dem Griech. und Lat. Paralysis verderbt.


Perlen (W3) [Adelung]


Perlen, verb. reg. neutr. mit haben, von einem flüssigen Körper, kleine Bläschen in Gestalt der Perlen werfen. Champagner perlet, wenn er eingeschenket, oder beweget wird.


Perlenauster (W3) [Adelung]


Die Perlenauster, plur. die -n, S. Perlenmuschel.


Perlenbank (W3) [Adelung]


Die Perlenbank, plur. die -bänke, eine Bank, d. i. ein erhöheter Theil des Bodens der See, auf welchem die Perlenaustern gefangen werden.


Perlenbohrer (W3) [Adelung]


Der Perlenbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Drillbohrer, womit man diejenigen Perlen, welche angereihet werden sollen; zu durchbohren pflegt.


Perlenfang (W3) [Adelung]


Der Perlenfang, des -es, plur. die -fänge, der Fang der Perlenmuscheln, ohne Plural; besser, die Perlenfischerey. Ingleichen der Ort, wo sie gefangen werden, und die Zeit, zu welcher selbiges gemeiniglich geschiehet. Daher der Perlenfänger, welchen man noch richtiger den Perlenfischer nennet.


Perlenfarbe (W3) [Adelung]


Die Perlenfarbe, plur. inus. eine milchweiße, der Farbe der Perlen ähnliche Farbe. Daher das Bey- und Nebenwort perlenfarben oder perlenfarbig, diese Farbe habend.


Perlenfisch (W3) [Adelung]


Der Perlenfisch, S. Perlfisch.


Perlenfischer (W3) [Adelung]


Der Perlenfischer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Perlenmuscheln und der Perlen willen fischet; der Perlentaucher, bey einigen nicht so richtig, der Perlenfänger und Perlensucher.


Perlenfischerey (W3) [Adelung]


Die Perlenfischerey, plur. inus. das Fischen der Perlenmuscheln um der Perlen willen.


Perlenhändler (W3) [Adelung]


Der Perlenhändler, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher vornehmlich mit Perlen handelt.


Perlenhell (W3) [Adelung]


Perlenhell, adj. et adv. so hell, wie eine Perle, in der dichterischen Schreibart. Auf einem perlenhellen Wagen Wird der Monarch der Wafferwelt Hoch auf dem Saum der Fluth getragen, Raml.


Perlenkrone (W3) [Adelung]


Die Perlenkrone, plur. die -n, eine Krone von Perlen, reich mit Perlen besetzte Krone. Der Perlenkranz, ein solcher Kranz.


Perlenkupfer (W3) [Adelung]


Das Perlenkupfer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. Kupfer, welches in Körner wie Perlen gegossen worden, dergleichen in Schweden bereitet wird.


Perlenküste (W3) [Adelung]


Die Perlenküste, plur. die -n, eine Küste, an welcher die Perlenmuscheln in Menge gefunden werden.


Perlenmaß (W3) [Adelung]


Das Perlenmaß, des -es, plur. die -e, bey den Juwelenhändlern, ein durchlöchertes Blech, die Größe der Perlen vermittelst desselben zu bestimmen.


Perlenmuschel (W3) [Adelung]


Die Perlenmuschel, plur. die -n, eine Muschel, in welcher Perlen gefunden werden. Die Perlenmuschel ist keine besondere Gattung von Muscheln, sondern man findet die Perlen in allen Arten derselben auch in den Austern, welche auch Perlenaustern genannt werden.


Perlenmutter (W3) [Adelung]


Die Perlenmutter, plur. inus. die innere Schale der Perlenaustern, besonders der morgenländischen, welche zu allerley künstlichen Sachen verarbeitet wird. Man gebraucht dieses Wort auch ohne Artikel von der Materie. Wie Perlenmutter ausgelegt. Von Perlenmutter.


Perlenmutterschnecke (W3) [Adelung]


Die Perlenmutterschnecke, plur. die -n, eine Art Schnecken mit unordentlich gewundenen Häusern, einer flachen Schale in Gestalt eines Ohres, welche an der Seite einiger Löcher hat, und inwendig wie Perlenmutter glänzet.


Perlenmutterstein (W3) [Adelung]


Der Perlenmutterstein, des -es, plur. inus. eine Art Alabaster, welcher der Perlenmutter gleicht, und unter andern bey Steyerthal in Thüringen gefunden wird; der Perlenmutteralabaster.


Perlennadel (W3) [Adelung]


Die Perlennadel, plur. die -n, eine zarte aus dem schwächsten Drähte zusammen gedrehete Nadel, die Perlen damit anzureihen.


Perlensamen (W3) [Adelung]


Der Perlensamen, des -s, plur. inus. ein Nahme der kleinsten Perlen, welche am häufigsten Staubperlen genannt werden; zum Unterschiede den Lothperlen oder Zahlperlen.


Perlenschlacke (W3) [Adelung]


Die Perlenschlacke, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine Steinart, welche aus kleinen den Perlen ähnlichen glasartigen Kügelchen zusammen gesetzet ist, auf der Ascenstons-Insel gefunden wird, und allem Ansehen nach eine Schlacke Feuer speyender Berge ist.


Perlenschmuck (W3) [Adelung]


Der Perlenschmuck, des -es, plur. die -e, ein aus Perlen bestehende Schmuck.


Perlenschnur (W3) [Adelung]


Die Perlenschnur, plur. die -schnüre, mehrere auf eine Schnur gereihete Perlen; besser eine Schnur Perlen.


Perlensticker (W3) [Adelung]


Der Perlensticker, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Perlenstickerin, eine Person, welche ein Geschäft dar- aus macht, mit Perlen zu sticken, Perlen auf Kleidungsstücke zu sticken.


Perlensucher (W3) [Adelung]


Der Perlensucher, Perlentaucher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Perlenfischer.


Perlenwarze (W3) [Adelung]


Die Perlenwarze, plur. die -n, kleine halbkugelichte Auswüchse Perlenmuscheln, welche größer als die eigentlichen Perlen sind, ihnen aber an Güte und Werthe nicht gleich kommen. Man verarbeitet sie zu Halsbändern und Ohrengehängen.


Perlfisch (W3) [Adelung]


Der Perlfisch, des -es, plur. die -e, eine in Österreich, besonders in dem Attersee, befindliche sehr schmackhafte Art Weißfische, welche daselbst auch der edle Weißfisch genannt wird. Er wird zuweilen vier Spannen lang, hat einen kurzen gedruckten Kopf, wie der Karpfen, und große Schuppen. Das Männchen ist im May über den ganzen Leib mit weißen harten Knöpfchen, wie mit Perlen besetzt, welche aber nach der Streichzeit vergehen.


Perlgerste (W3) [Adelung]


Die Perlgerste, plur. inus. S. Perlengraupe.


Perlgras (W3) [Adelung]


Das Perlgras, des -es, plur. inus. ein gutes Futtergras, welches auf den unfruchtbaren Hügeln wächst; Melica L. Besonders die Melica ciliata, welche auch Hafergras genannt wird.


Perlgraupe (W3) [Adelung]


Die Perlgraupe, plur. die -n, ganz rund gestampfte Graupen in Gestalt der Perlen; im Oberdeutschen Perlgerste, Gerste.


Perlhirse (W3) [Adelung]


Die Perlhirse, plur. inus. ein Nahme des officinellen Steinsamens, Lithospermum officinale L. auch Steinhirse genannt; welche Nahmen insgesammt von den vier eyförmigen Samenkörnern dieser Pflanze herrühren, welche der Hirse, ingleichen den Perlen gleichen, und so hart wie Stein sind.


Perlicht (W3) [Adelung]


Perlicht, adj. et adv. den Perlen ähnlich.


Perllauch (W3) [Adelung]


Der Perllauch, des -es, plur. inus. eine noch ziemlich unbekannte Art des Lauches, welche aus vielen kleinen perlenförmigen und perlenfarbigen Zwiebeln bestehet, und aus den im Winter abgenommenen und im März gepflanzten kleinen Nebenschößlingen der Porree erzeuget wird. Er scheinet das Allium rotundum des Linnee zu seyn.


Perlsalz (W3) [Adelung]


Das Perlsalz, des -es, plur. inus. in der Chemie, Urinsalz vom zweyten Anschusse; vielleicht wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt.


Pernise (W3) [Adelung]


Die Pernise, plur. die -n, der Schweizerische Nahme des Rothhuhnes, S. dieses Wort.


Perpendikel (W3) [Adelung]


Der Perpendikel, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem spätern Lat. Perpendiculum, eine gerade Linie mit einem Gewichte an dem einen Ende, welche an dem andern Ende beweglich ist, und sich wechselsweise hin und her beweget. Besonders an einer Uhr, wo derselbe im Deutschen auch die Unruh, bey den Nenern aber das Pendul genannt wird, S. das letztere.


Perpendikulär (W3) [Adelung]


Perpendikulär, adj. et adv. aus dem mittl. Lat. perpendicularis, nach dem Mittelpuncte der Erde gerichtet. Ingleichen mit dem Horizonte, und in weiterer Bedeutung mit einer jeden andern Linie einen rechten Winkel machend; senkrecht, lothrecht, und im Bergbaue seiger.


Perrücke,Perrucke (W3) [Adelung]


Die Perrücke, oder Perrucke, plur. die -n, Diminut. das Perrückchen, aus dem Franz. Perruque, eine zierliche, aus fremden Haaren verfertigte Bekleidung des ganzen Kopfes, entweder zur Bequemlichkeit, oder auch den Mangel eigener Haare zu ersetzen. Eine Perrücke tragen. Bey einigen lautet das Wort Parucke und Parücke, welches sich aber von dem Französischen zu sehr entfernet. Die Gewohnheit, den Mangel eigener Haare durch falsche zu ersetzen, ist sehr alt, und findet sich schon bey den Römern. Auch in Deutschland war sie zu den Zeiten der Schwäbischen Kaiser nicht selten wo man ein solches Haargebäude eine Haarhaube nannte, ( S. dieses Wort). Indessen sind unsere heutigen Perrücken eine Erfindung der Franzosen, daher wir mit denselben auch den Französischen Nahmen angenommen haben, dessen Abstammung doch so ausgemacht noch nicht ist. In der Rothwälschen Diebessprache heißt eine Perrücke Purschaupel, welches die Etymologie nicht wenig erleichtern kann. Einige übertriebene Puristen in der Sprache haben den Französischen Nahmen auszumerzen gesucht, und dafür Haarmütze angerathen, womit sie aber nur verlacht worden. Der Nahme Mütze ist bereits zu niedrig geworden, als daß er sich ohne Ärgerniß von einem so feyerlichen Kleidungsstücke als die Perrücke ist, sollte gebrauchen lassen.


Perrückenbaum (W3) [Adelung]


Der Perrückenbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Nahme, welchen einige dem Färberbaume, Rhus Cotinus L. geben, wovon der Grund vermuthlich in dem Wachsthume der Zweige des Laubes zu suchen ist.


Perrückenfutter (W3) [Adelung]


Das Perrückenfutter, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Perrückenmachern, eine Art Haube, welche aus Bändern zusammen genähet wird, die Haare, welche eigentlich die Perrücke ausmachen. darauf zu befestigen; die Perrückenhaube.


Perrückenkopf (W3) [Adelung]


Der Perrückenkopf, des -es, plur. die -köpfe, ein hölzerner Kopf oder runder Klotz auf einem kurzen Fuße, die Perrücken, wenn man sie nicht trägt, darauf zu setzen. Hat derselbe einen langen Fuß, so wird er ein Perrückenstock genannt.


Perrückenmacher (W3) [Adelung]


Der Perrückenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher Perrücken verfertiget und accommodiret. Dessen Gattinn die Perrückenmacherinn.


Perrückenschachtel (W3) [Adelung]


Die Perrückenschachtel, plur. die -n, eine Schachtel, die Perrücken darin auf Reisen bey sich zu führen.


Perrückenstock (W3) [Adelung]


Der Perrückenstock, des -es, plur. die -stöcke, S. Perrückenkopf.


Persianer (W3) [Adelung]


Der Persianer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Persianerinn, eine aus Persien gebürtige Person. Zuweilen auch ein aus Persien zu uns gebrachtes Ding. So wird eine Art Vögel, welche nach dem Klein zu den Königsfischern gehöret, einen langen Schwanz, und weiße und schwarze Federn hat, in der Naturgeschichte nur der Persianer genannt, weil er um Gamron in Persien am häufigsten angetroffen wird; Ispida ex albo etnigro varia Klein.


Persico (W3) [Adelung]


Der Persico, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. aus dem Ital. Persico, welches eigentlich den Pfirschenbaum bedeutet, ein über Pfirschkerne angezogener Branntwein.


Persing (W3) [Adelung]


Der Persing, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme desjenigen Fisches, welcher im Hochdeutschen unter dem Nahmen des Börses am bekanntesten ist, ( S. Börs) Auch die Perske der Meißner ist kein anderer als dieser Fisch.


Person (W3) [Adelung]


Die Person, plur. die -en, aus dem Lat. Persona. 1. Die äußere Gestalt und Statut eines Menschen; in welcher Bedeutung es dem ehemahligen Lateinischen Persona am nächsten kommt. 1) Eigentlich, als ein Abstractum. (a) Die äußere Gestalt, Statur und Liebeslänge; ohne Plural, und nur in einigen Arten des Ausdruckes. Er ist lang von Person. Schön, häßlich von Person. Klein, unansehnlich von Person. Zachäus war klein von Person, Luc. 19, 3. Ich kenne ihn von Person, seiner äußern Gestalt oder Bildung nach. Von Person hat sie mir gefallen, Gell. ihrer Gestalt und Bildung nach. (b) * Der Rang, die Würde, die Stelle, welche man in der bürgerlichen Gesellschaft bekleidet, das Amt, welches man in derselben hat; eine veraltete Bedeutung, von welcher die R. A. seine Person gut spielen oder vorstellen, das aufgetragene Geschäft geschickt ins Werk richten, ein Überbleibsel zu seyn scheinet, wenn sie nicht vielmehr von der folgenden von dem ehemahligen Theater entlehnten Bedeutung herstammet. 2) Figürlich, ein menschliches Individuum in Ansehung dieser Umstände. (a) In der engsten und eigentlichen Bedeutung, ein menschliches Individuum, so fern es ein anderes menschliches Individuum vorstellet; eine der ersten Bedeutungen dieses Wortes, nach welcher die ehedem bey den Römern üblichen Larven der Schauspieler und die verlarvten Schauspieler selbst Personen genannt wurden. Daher dieses Wort noch jetzt vorzüglich von den Schauspielern beyderley Geschlechtes gebraucht wird. Ein Schauspiel mit sechs Personen. Die stumme Person auf dem Theater. Seine Person gut spielen, vorstellen, seine Rolle. Welche Bedeutung sich auch außer dem Theater fortgepflanzet hat. Sie können eine fremde Person vortrefflich annehmen. Es ist eine verdrießliche Sache, bey welcher ich eine verwirrte Person spiele. (b) Ein menschliches Individuum in Ansehung der äußern Gestalt, Bildung und Statur; von beyden Geschlechtern. Eine schöne, eine lange, eine kleine, eine ansehnliche, eine unansehnliche Person. Er Stellet eine ansehnliche Person vor, hat eine ansehnliche äußere Gestalt. Sie stellet ihre Person gut vor, im gemeinen Leben, für, sie siehet gut aus. (c) Ein menschliches Individuum in Ansehung der Würde, des Ranges, der Stelle in der bürgerlichen Gesellschaft. Die Person ansehen, sich in Beurtheilung anderer und in Sprechung des Rechtes durch ihre äußeren Verhältnisse bestimmen lassen. Keine Person sollt ihr im Gericht ansehen - und vor niemands Person euch scheuen, 5 Mos. 1, 17. Ohne Ansehen der Person strasen, d. i. ohne sich durch den Stand und die Würde derjenigen, welche Strafe verdienet haben, bestimmen zu lassen, wo es auch zu der zweyten abstracten Bedeutung gehören kann. In den meisten übrigen Fällen fließet es mit der nächst folgenden Bedeutung zusammen. 2. Ein menschliches Individuum, ein Mensch, so fern er von andern unterschieden ist, ein eigenes vernünftig denkendes Wesen ausmacht; ohne Unterschied des Geschlechtes. 1) Überhaupt. Eine vornehme, eine geringe Person. Die Person zahlt einen Thaler, im gemeinen Leben der Mann. Zwölf Personen am Tische haben. In eigener Person, selbst; im mittlern Lat. in Persona, Franz. en Personne, von Persona, welches ehedem auch den Leib bedeutete. Der König kam in eigener hoher Person. Meine geringe Person. Ich, für meine Person, d. i. was mich betrifft. Sein Reisegeräth ist bereits abgegangen, er für seine Person (was ihn betrifft) wird erst in acht Tagen abreisen. Wo es auch wohl im Plural unverändert bleibt. wir, für unsere Person. Sie werden in der Person irren. eine Haushaltung, welche aus neun Personen bestehet. 2) In engerer Bedeutung gebraucht man dieses Wort gemeiniglich von menschlichen Individuis, welche in der bürgerlichen Gesellschaft einen gewissen Rang, eine gewisse Würde bekleiden, da es denn aus Achtung anstatt der niedrigen Mensch, Leute u. s. f. gesetzt wird; doch immer nur so fern ein menschliches Individuum ohne Bezeichnung des Geschlechtes oder anderer Verhältnisse angedeutet werden soll. Mit fürstlichen Personen umgehen. Es waren viele Personen zugegen. Eine Raths-Person, Privat-Person, Ordens-Person, Standes-Person, Mittelsperson, Mannsperson, Weibs- oder Frauensperson u. s. f. 3. Im weitesten Verstande, ein für sich bestehendes, vernünftig denkendes Ding, ein Ding, welches sich seiner selbst und seines Zustandes deutlich bewußt ist. 1) Überhaupt. Thiere als Personen auftreten lassen. Die Tugenden, die Laster als Personen aufführen. Die erste, die zweyte, die dritte Person, in der Sprachkunst. Die erste Person, wenn ich rede oder handle, oder wenn wir reden oder handeln; die zweyte Person, wenn du handelst oder ihr handelt; die dritte Person, wenn er oder sie handelt, oder wenn sie handeln. Wo auch das Zeichen der Person die Person genannt wird. Ein Zeitwort in die erste Person setzen. In der dritten Person reden, von sich als von einem dritten reden. 2) In engerer Bedeutung ist in der Theologie, wo man drey Personen in dem göttlichen Wesen annimmt, die Person etwas in Gott für sich bestehendes vernünftig denkendes. Die erste Person, der Vater, die zweyte Person, der Sohn, die dritte Person, der heilige Geist. In Christo waren zwey Naturen in oder zu Einer Person vereiniget.

Anm. Dieses Wort ist erst in den spätern Zeiten aus dem Lat. Persona entlehnet worden, besonders nach dessen Gebrauch in den mittlern Zeiten, wo es unter andern auch die Würde, einen mit einer Würde bekleideten Menschen, einen Herren, ja auch den Leib oder Körper bedeutete. Ehe man dieses fremde Wort entlehnete, marterten sich die einheimischen Schriftsteller sehr, ein für sich bestehendes vernünftig denkendes Ding in der zweyten und dritten Bedeutung des Wortes Person auszudrucken. Kero und der Übersetzer Isidors gebrauchen dafür Heido, Heit, auch von den Personen im göttlichen Wesen. Dhero zuuio Heido, die zwey Personen, dhiu Drittunheit, die dritte Person, im Isidor, S. - Heit. In den späteren Zeiten gebrauchte man dafür das Wort Nahme, bey den älteren Schweden Namn. - Got - dur die siniu Namen driu, Walther von der Vogelweide, S. Nahme.


Personalien (W3) [Adelung]


Die Personalien, sing. inus. aus dem mittlern Lat. personalis, persönliche Umstände, welche die Person unmittelbar betreffen und kenntlich machen. So werden im gemeinen Leben persönliche Anzüglichkeiten oft Personalien genannt. Am häufigsten sind die Lebensbeschreibungen, welche nach den Leichenpredigten verlesen zu werden pflegen, unter dem Nahmen der Personalien bekannt.


Personendichtung (W3) [Adelung]


Die Personendichtung, plur. die -en, in der Dicht- und Redekunst, eine Figur, nach welcher leblosen Dingen solche Eigenschaften beygeleget werden, welche nur Personen, d. i. vernünftig denkenden Wesen zukommen, da man leblose Dinge als Personen anführet; mit einem Griechischen Kunstworte Prosopopoeia, die Prosopopöie.


Persönlich (W3) [Adelung]


Persönlich, adj. et adv. die Person betreffend, in der Person gegründet; doch nur in der zweyten und dritten Bedeutung des Hauptwortes. Der persönliche Gegenstand, der Gegenstand, so fern derselbe eine Person ist, zum Unterschiede von dem Gegenstande der Sache. Persönlich kommen, erscheinen, in eigener Person, im mittlern Lat. personaliter. Einen persönliches Haß gegen jemanden haben, dessen Person hassen. Persönliche Fürwörter, in der Sprachkunst, welche die Stelle einer bestimmten Person vertreten, und wohin man nur die Fürwörter ich, du, er, wir, ihr, sie rechnet, obgleich auch andere diesen Nahmen mit eben so vielem Rechte verdieneten, ( S. Es,

Anm. 1.) Persönliche Zeitwörter, gleichfalls der Sprachkunst, Zeitwörter, welche eines dieser Fürwörter sich leiden, zum Unterschiede von den unpersönlichen, welche sehr unbestimmte Fürwörter vor sich haben nur in der dritten Person gebraucht werden. Persönliche Handlungen, im göttlichen Wesen, Handlungen, welche im Schooße der Gottheit vorgehen, ohne Verhältniß auf zufällige Dinge.


Persönlichkeit (W3) [Adelung]


Die Persönlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es eine Person, d. i. ein für sich bestehendes vernünftig denkendes Wesen ist, das für sich Bestehen eines vernünftig denkenden Wesens. Man hat in den neuern Zeiten wieder angefangen, die Persönlichkeit des Teufels zu bestreiten. Es geschiehet oft, daß wir unsre Existenz und Persönlichkeit gewisser Maßen vergessen. Die Aufnahme der menschlichen Natur Christi von der göttlichen in ihre Persönlichkeit, oder in die Persönlichkeit des Sohnes Gottes. Die menschliche Natur Christi hatte vor der Vereinigung mit der göttlichen für sich keine Persönlichkeit.


Perspectiv (W3) [Adelung]


Das Perspectiv, des -es, plur. die -e, aus dem Französ. Perspectif, ein optisches Instrument, wodurch man entlegene Sachen deutliche erkennen kann; das Fernrohr, Sehrohr.


Perspective (W3) [Adelung]


Die Perspective, plur. inus. aus dem Franz. Perspective, die Wissen schafft, die Gegenstände so zu zeichnen, wie sie aus einer gewissen Entfernung in das Auge fallen. Gryphius suchte dieses Wort durch Schaukunst, welches aber keinen Beyfall erhalten hat.


Perspectivisch (W3) [Adelung]


Perspectivisch, adj. et adv. in der Perspective gegründet. Ingleichen so wie ein Gegenstand in einer gewissen Entfernung sich dem Auge darstellet.


Pertinenzien (W3) [Adelung]


Die Pertinenzien, sing. inus. oder das Pertinenz-Stück, des -es, plur. die -e, was zu einem Dinge, als ein wesentlicher Theil gehöret, das Zubehör; besonders von solchen Theilen eines Gutes, Hauses, oder andern unbeweglichen Dinges.


Pest (W3) [Adelung]


Die Pest, plur. die -en, der Nahme einer im höchsten Grade ansteckenden Krankheit, welcher in kurzer Zeit eine große Menge Geschöpfe hinrasset, und sich unter vielerley Gestalten zeiget, oder gemeiniglich in einem sehr ansteckenden und bösartigen Faulfieber bestehet. Die Pest unter dem Rindviehe, welche doch häufiger das Viehsterben, die Viehseuche genannt wird. Die Pest unter den Pferden, Bienen u. s. f. Die Pest unter den Menschen, welche man am häufigsten unter der Pest schlechthin verstehet. Die Pest herrschet, wüthet in einem Lande. Die Pest haben, bekommen. An der Pest sterben. Mit der Pest angestecket werden. Ungeachtet nicht zu läugnen ist, daß die Pest eine eigene Art einer sehr ansteckenden und bösartigen Krankheit ist, so ist doch auch wahr, daß man ehedem ein jedes bösartiges Faulfieber, besonders bey der ehemaligen schlechten Behandlung desselben, eine Pest genannt hat. ( S. auch Pestilenz.) Figürlich wird eine im höchsten Grade schädliche Sache, welche sehr leicht mehrere Personen verderbet, eine Pest genannt. Die Wollust ist die Pest der Seele. Anm. Im Franz. Peste, welches so wie das Deutsche aus dem Lat. Pestis entlehnet worden. Im gemeinem Leben sind dafür auch die Ausdrücke die Seuche, das Sterben, im Oberdeutschen Sterbote, Sterbat, der Sterbend, in der Schweiz der Prästen, und in andern Gegenden der Schelm, Schölm und Keyb üblich.


Pestarzt (W3) [Adelung]


Der Pestarzt, des -es, plur. die -ärzte, ein Arzt, welcher dazu bestellet ist, in Pestzeiten, die von der Pest angegriffenen Kranken zu heilen; der Pest-Medicus.


Pestbeule (W3) [Adelung]


Die Pestbeule, plur. die -n, Beulen, welche in Pestzeiten zuweilen an den mit der Pest behafteten Kranken ausbrechen; Pestdrüsen.


Pestblase,Pestblatter (W3) [Adelung]


Die Pestblase, oder Pestblatter, plur. die -n, solche Blasen oder Blattern.


Pesthaus (W3) [Adelung]


Das Pesthaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus außer der Stadt, in welches man zu Pestzeiten die angesteckten Personen zu schaffen pflegt; eine Art der Lazarethe oder Siechhäuser.


Pestilenz (W3) [Adelung]


Die Pestilenz, plur. die -en, aus dem Lat. Pestilenna, welches für Pest im gemeinen Leben am üblichsten ist.


Pestilenzialisch (W3) [Adelung]


Pestilenzialisch, adj. et adv. der Pest ähnlich, in derselben gegründet, im höchsten Grade ansteckend; am häufigsten im gemeinen Leben. Eine pestilenzialische Luft. Pestilenzialische Ausdünstungen. Der höhern Schreibart ist dafür pestilenzisch angemessener. Eine gefürchtete Zeit, mit pestilenzischem Fittig Wallet auf Nabeln die Seuche daher, Zachar.


Pestilenzkraut (W3) [Adelung]


Das Pestilenzkraut, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme der Geißraute, Galega L. weil sie ein kräftiges Mittel wider die Pest seyn soll; Pestilenzwurz.


Pestilenzvogel (W3) [Adelung]


Der Pestilenzvogel, des -s, plur. die -vögel, eine Art braunfahler Grasmücken mit weißlich gesäumten Federn, von welchen man glaubt, daß sie häufig in die Gärten kommen, wenn eine Pest bevor siehet; Sylvia pestilentialis Klein. Todtenrogel, Nesselfink.


Pestilenzwurz (W3) [Adelung]


Die Pestilenzwurz, plur. inus. ein Nahme verschiedener Gewächse, welche vorzügliche Kräfte gegen die Pest besitzen sollen. 1) Der Geißraute, Galega L. ( S. Pestilenzkraut.) 2) Einer Art Huflattiges, mit einem eyförmigen Blumenstrauße, welche am Ufer der Quellen und Flüsse wächst; Tussilago Petasites L. Pestilenzwurzel, Dockenblätter, Brennwurz, Neunkraft, Roßpappel, Schweißwurzel. Die Wurzel wird mit unter die Gift- und Schweiß treibenden Mittel gezählet.


Pestordnung (W3) [Adelung]


Die Pestordnung, plur. die -en, eine obrigkeitliche Verordnung in Ansehung des Verhaltens in Pestzeiten.


Pestprediger (W3) [Adelung]


Der Pestprediger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Prediger, welcher in Pestzeiten dazu verordnet wird, die Kranken zu besuchen und zu trösten.


Pestzeit (W3) [Adelung]


Die Pestzeit, plur. die -en, diejenige Zeit, da die Pest in einem Lande, aber an einem Orte herrschet.


Petarde (W3) [Adelung]


Die Petarde, plur. die -n, aus dem Franz. Petarde, in der Artillerie, eine Art eines Geschützes in Gestalt eines abgekürzten Kegels, welches mit Pulver gefüllet, und an die Thore, Mauern, Brücken, Pallisaden u. s. f. befestiget wird, um sie zu zersprengen.


Peterbatzen (W3) [Adelung]


Der Peterbatzen, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe das folgende.


Petermann (W3) [Adelung]


Der Petermann, des -es, plur. die -männer, Diminut. das Petermännchen. 1) Ein Kind, dessen Taufnahme Peter ist pflegt man im gemeinen Leben zuweilen Petermann zu nennen. Ehedem schrieben sich auch erwachsene Leute so, wie Diezmann für Dietrich. 2) Der Petersfisch, kommt in einigen Gegenden gleichfalls unter dem Nahmen des Petermannes und Petermännchens vor. 3) Eine Münze, auf welcher das Bild des Apostels Petri gepräget ist. In diesem Verstande ist ein Petermann oder großen Petermännchen, welches auch ein Peterbatzen heißt, eine Münze, welche im Trierischen 5 Kreuzer oder 3 gewöhnliche Petermännchen gilt. Ein Reichsthaler hält daselbst 18 große Petermännchen oder Peterbatzen, oder 54 gewöhnliche Petermännchen. In Aachen gilt ein Petermännchen 4 4/9 Pfennige. 4) Auch eine Art Drogent seyn würde.


Peterschierling (W3) [Adelung]


Der Peterschierling, des -es, plur. inus. S. Petersilie.


Petersfisch (W3) [Adelung]


Der Petersfisch oder S. Peters-Fisch, des -es, plur. die -e, ein Art Meerfische, welcher einen platten und abhängigen Kopf, eine mit einer Querhaut gewölbte Oberlippe, und einen runden Schwanz hat; Zeus Faber L. In einigen Gegenden Petermann.


Petersgericht (W3) [Adelung]


Das Petersgericht, des -es, plur. die -e, ein Gericht, welches in der Grafschaft Henneberg alle Jahre um Petri Stuhlfeyer gehalten wird.


Petersilie (W3) [Adelung]


Die Petersilie, (fünfsylbig,) im gemeinen Leben Petersilie, plur. inus. eine Pflanze, deren weiße eßbare Wurzel einen angenehmen, süßlichen und gelinde gewürzhaften Geschmack hat; Apium Petroselinum L. im Oberd. Peterlein, Peterle, Peterling, im Niedersächs. und Silk, im mittlern Lat. Petrisellum, im Französ. Persil, im Engl. Parsly, im Ital. Petroselino und verderbt Perasemelo, im Böhm. Petrzel, welche alle aus dem Latein. Petroselinum entlehnet sind, welchen dieses Gewächs schon bey dem Plinius führet. Im Deutschen wird es auch Garteneppich genannt. Es ist auf der Sardinien einheimisch, von da es in unsere Gärten gebracht worden. Daher Petersilienwurzel, Petersiliensamen, Petersilienkraut, Petersilienfleisch, mit dem Kraute oder den Wurzeln der Petersilie gekochtes Fleisch, im Oberdeutschen Peterleinsfleisch u. s. f. Eine Art, welche bey uns an den Quellen wild wächset, und von welcher die Selleri eine veredelte Abart ist, wird wegen ihres starken Geruches auch stark riechende Petersilie, ingleichen Wasserpetersilie genannt; Apium graveolens L. welchen letztern Nahmen bey einigen auch der Wassereppich, Sium latifolium L. bekommt. Die Bergpetersilie ist eine Art des Vogelnestes, Athamanta Oreoselinum L. In einigen Gegenden heißt auch die Gleiße, Aethusa L. wilde Petersilie, Hundspetersilie und Petersilienschierling; so wie die Pastinake im Oberd. auch Wälsche Petersilie genannt wird. Von der letzten Hälfte des Wortes, S. Silge.


Petersilienwein (W3) [Adelung]


Der Petersilienwein, des -es, plur. inus. eine Art Weinstöcke mit fünffachen Blättern, deren Blättchen wie das Kraut der Petersilie vielmahl gespalten sind; Vitis laciniosa L. Franz. Cloutat, Ciolat, Raiun d'Autriche.


Peter-Simons-Wein (W3) [Adelung]


Der Peter-Simons-Wein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, S. Bastard 2.


Peterskorn (W3) [Adelung]


Das Peterskorn, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des wilden Dinkels oder Einkornes. In andern wird das mittlere Zittergras oder Liebesgras, Briza media L. Peterskorn genannt.


Peterswurz (W3) [Adelung]


Die Peterswurz, oder S. Peters-Wurz, plur. inus. eine Art des Johanniskrautes, welche in Siberien, Canada und auf den Pyrenäischen Gebirgen wächset; Hypericum Ascyron L.


Petschaft (W3) [Adelung]


Das Petschaft, des -es, plur. die -e, ein kleines Handsiegel, welches man auf Siegelwachs der Oblate drückt. Ingleichen das auf Siegellack oder Oblate abgedruckte Zeichen desselben; das Siegel. Einen Brief mit seinem Petschafte versiegeln. Das Petschaft eines Briefes erbrechen, wofür man doch lieber das Siegel sagt. S. auch Petschier.

Anm. Dieses Wort lautet im gemeinen Leben, obgleich minder richtig, Pitschaft, im 15ten Jahrhundert Bitschig, im 16ten Bütschet, Pitschet, im Böhm. Pecet (sprich Petschet.) Es ist immer noch am wahrscheinlichsten, daß dieses Böhmische, wie Frisch behauptet, das eigentliche Stammwort unsers nunmehr Deutschen Petschaftes so wohl als des folgenden Petschieres ist, welche unter Carls VI. Zeiten in den Kanzelleyen und nach und nach auch außer denselben gangbar geworden, ein kleineres Handsiegel zum Unterschiede von dem größern Kanzelleysiegel zu bezeichnen. Wenigstens hat es sich vor dem 15ten Jahrhunderte im Deutschen noch nicht finden wollen. Die Endsylbe et, mit welcher dieses Wort noch im 16ten Jahrhunderte gefunden wird, ist nachmahls in - aft übergegangen. Das Stammwort des Böhmischen Petschet ist das Zeitwort petschati, drucken, welches zu dem auch im Deutschen zahlreichen Geschlechte der Wörter patschen, butzen, stoßen, batten, schlagen, stoßen, Bätz, eine Ramme u. s. f. gehöret.


Petschaftring (W3) [Adelung]


Der Petschaftring, des -es, plur. die -e, ein Petschaft in Gestalt eines Fingerringes, ein Fingerring mit einem Petschafte. In Luthers Deutschen Bibel, Hagg. 2, 24 Pitschaftring.


Petscherpe (W3) [Adelung]


Die Petscherpe, S. Patscherpe.


Petschier (W3) [Adelung]


Das Petschier, des -es, plur. die -e, ein für Petschaft, besonders im gemeinen Leben, übliches Wort, so wohl ein Handsiegel als auch dessen Abdruck zu bezeichnen. Mit seinem Petschiere versiegeln. Und sie schrieb Briefe unter Ahabs Nahmen, und versiegelte sie mit seinem Pitschier (Petschier,) 1 Kön. 21, 8. Das Petschier erbrechen, besser, das Siegel. Im Nieders. lautet dieses Wort Pitzer, im Schwed. Pitser. Es ist mit Petschaft Eines Ursprunges und von demselben nur im Endlaute unterschieden, welcher allem Ansehen auch Slavonischen Ursprunges ist, wenn es nicht, wie aus dem Nieders. beynahe glaublich werden sollte, aus unsern Endlaute er verderbt worden; Petschier für Petscher, ein Ding, womit man aufdruckt.


Petschieren (W3) [Adelung]


Petschieren, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben für zusiegeln üblich ist. Einen Brief, ein Packet petschieren, zusiegeln. Daher auch das Siegellack im gemeinen Leben Oberdeutschlandes Petschierwachs genannt wird.


Petschierring (W3) [Adelung]


Der Petschierring, des -es, plur. die -e, mit Petschaftring, am häufigsten im gemeinen Leben.


Petschierstecher (W3) [Adelung]


Der Petschierstecher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, dessen vornehmste Geschäft es ist, Petschiere für andere zu stechen; der Petschaftstecher.


Petum (W3) [Adelung]


Das Petum, des -s, plur. car. eigentlich der Nahme, welchen der Rauchtobak und dessen Pflanze auf der Insel Tobago führet. Bey und pflegt man noch eine Art Amerikanischen Tobakes mit sehr grünen wolligen und dicken Blättern, welche 14 Zoll breit und 26 Zoll lang sind, und den daraus bereiteten Rauchtabak Petum zu nennen.


Petz (W3) [Adelung]


Der Petz, des -es, plur. die -e, der Nahme des Bären im gemeinen Leben. Hier sträubet sich der Petz, Haged. Ingleichen ohne Artikel als ein eigenthümlicher Nahme des Bären. Und wo ein Bär den andern sah, So hieß es: Petz ist wieder da, Gell. S. Bätz, wie dieses Wort auch, und vielleicht am richtigsten, geschrieben und gesprochen wird.


Petze (W3) [Adelung]


Die Petze, plur. die -n, im gemeinen Leben eine Hündinn, und figürlich auch wohl, ein unzüchtiges liederliches Weibsbild. Dieses Wort wird häufig Betze geschrieben und gesprochen; allein im Hoch- und Oberdeutschen hat das P den Vorzug. Im Angels. lautet es Bicce, Bice, im Engl. Bitch, im Franz. Bichon, im Schwed. Byckja, alles in der Bedeutung einer Hündinn. Im Böhm. bedeutet Pes einen Hund, und Psyce eine Hündinn. Wachter leitet es von dem Slavon. bizu, laufen, her, welche Ableitung dadurch unterstützet wird, daß sich auch mehrere Benennungen des Hundes und der Hündinn von laufen, jagen, ableiten lassen. ( S. Hund, ingleichen Bätz.) Man hat in den Deutschen Mundarten eine große Menge Wörter, das weibliche Geschlecht der Hunde zu benennen. Bey den Jägern heißt die Hündinn eine Fähe, eine Wölfinn, eine Hündinn, und eine Debe. Das letztere ist besonders in Niedersachsen üblich, wo es auch Tere, Tiffe, Tieve lautet, im Holländ. Teef, Taewel, im Schwed. Taefwa. In eben dieser Niedersächsischen Mundart bedeutet Tebe auch einen jeden Hund, ohne Rücksicht aus dessen Geschlecht. Wachtern zu Folge stammet dieses Wort von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich laufe, im Imperat. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, her. Zippe ist eine andere auch Niedersächsische Benennung einer Hündinn, welche mit dem Gothischen Sif, und dem Zoba bey den Raban Maurus überein kommt. Doch bedeutet Zip in Niedersachsen, so wie Czupka im Böhmischen, und Soba in andern Slavon. Mundarten, auch einen jeden Hund. Luppe, welches in einigen Gegenden auch eine Hündinn ausdruckt, kommt vermuthlich von laufen her. Bekannter ist das Hannöv. Tacche, welches bey den alten Franken und Alemannen Zoh, bey den neuern Oberdeutschen Zauche, Zaucke, Zuche, im Schwed. Tik, im Isländ. Tyk, im Nordengl. Tyke lautet, und mit dem Engl. Dog, ein Hund, überein kommt. Im Oberd. bedeutet auch Bräcke eine Hündinn, und Metze oder Mätze so wohl eine Hündinn, als auch ein unzüchtiges Weibesbild, und im Würtembergischen soll auch Zatze für eine Hündinn üblich seyn. S. auch Brack, Hund und Racker.


Pf (W3) [Adelung]


Pf, ein zusammen gesetzter Consonant, welcher entstehet, wenn man dem p in der Aussprache einen starken Blaselaut nachschleichen lässet. Dieser Laut ist den Oberdeutschen Mundarten am geläufigsten, aus welchen ihn auch die Hochdeutsche beybehalten hat. Die Niederdeutschen kennen ihn nicht, sondern sprechen und schreiben in ihrer Mundart stattdessen ein p oder pp: tropfen, hüpfen, zapfen, Kropf, Hopfen, Kopf, Krampf, Dampf, Sumpf, Schnupfen, Pfad, pfropfen, Pfaff, Pfand, Pfanne, Pfeffer u. s. f. wofür die Niederdeutschen drüppen, hüppen, tappen, Kropp, Hoppen, Kopp, Kramp, Damp, Sump, Schnuppen, Pad, proppen, Pape, Pand, Panne, Peper u. s. f. sagen. Für das mehr Oberdeutsche Schöpfe haben auch die Hochdeutschen das Niederdeutsche Schöppe beybehalten. Einige Oberdeutsche Mundarten sind mit diesem harten Laute überaus freygebig, und das sagt man für Pacht auch Pfacht, für pachten, pfachten, u. s. f. Ja manche sprechen auch das f mit so fest geschlossenen Lippen aus, daß ein pf heraus kommen muß, daher auch im Hochdeutschen viele Pflaumfeder und Pfinne für Flaumfeder und Finne schreiben und sprechen. In empfahen, empfangen, empfehlen und empfinden, ist emp um des Wohlklanges willen aus ent entstanden. S. diese Wörter, und viele der folgenden mit Pf anfangenden.


Pfad (W3) [Adelung]


Der Pfad, des -es, plur. die -e, (nicht Pfäde, wie einige schreiben), der Weg, worauf man gehet, der Fußweg; ein Wort welches im Oberdeutschen auch in den gemeinen Mundarten üblich ist, im Hochdeutschen aber nur in der edlern und höhern Schreibart, so wohl im eigentlichen als figürlichen Verstande, gebraucht wird. Da trat der Engel des Herrn in den Pfad, 4 Mos. 22, 24. Bald wird ein Mädchen hier den Pfad vorüber gehn, schön wie eine der Grazien, Geßn. Ich will mich jedem Vergnügen überlassen, womit die wohlthätige Natur die dornige Pfade des Lebens bestreuet. Du streust Rosen und Jasmin Auf die sichern Pfade bin, Die ich gehe, Weiße.

Anm. Bey dem Ottfried Pad, im Plural Pedi, bey dem Notker Pliad bey dem Stryker Pliat, im Boxhorns Glossen Fadh, im Nieders. Pad, im Angels. Paad, im Engl. Path, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im Russischen Put, und selbst im Malabarischen Padey. Es ist ein altes Wort, welches von dem noch Nieders. pedden, padden, gehen, treten, Lat. petere, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, abstammet, und mit Fuß, dem Lat. Pes, unserm Pfote und Waten Eines Geschlechtes ist, S. diese Wörter. Ein anderes nur in den gemeinen Sprecharten einiger Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Österreich und Baiern, übliches Wort, ist Pfad, oder nach der dortigen Aussprache Pfoad, ein Hemd, womit das Gothische Paida und Isländ. Paita in eben dieser Bedeutung, überein kommt. Dieser Pfad scheinet das Stammwort von unserm Futter zu seyn, so fern es eine Bekleidung bedeutet.


Pfadeisen (W3) [Adelung]


Das Pfadeisen, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein umgebogenes Eisen in der Haspelstütze, in und auf welchem der Zapfen des Rundbaumes herum läuft und welcher auch das Pfuhleisen genannt wird; ohne Zweifel auch von Pfad, ein Weg, und dem veralteten pfaden, gehen, sich bewegen.


Pfadlos (W3) [Adelung]


Pfadlos, -er, -este, adj. et adv. des Pfades beraubt; in der höhern Schreibart. Eine pfadlose Wüste, eine unwegsame. Pfadlose ach! und rauh ist der Boden.


Pfadschau (W3) [Adelung]


Die Pfadschau, plur. die -en, in einigen Oberdeutschen Gegenden, die obrigkeitliche Besichtigung der Pfade oder Wege.


Pfaff (W3) [Adelung]


1. Der Pfaff, des -en, plur. die -en, oder Pfaffe, des -n, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben in einigen Fällen übliches Wort, einen Zapfen oder doch eine Art desselben zu bezeichnen. So wird bey den Brauern der Zapfen der Pfaff genannt. Bey den Schlössern ist der Miethpfaffe eine Art Weißel, welchen man auf die Niethe, zu denen man mit dem Hammer nicht kommen kann, setzt, und mit dem Hammer darauf schlägt. (Siehe auch Pfaffendorn.) Pfaff hat hier überhaupt den Begriff der spitzigen Beschaffenheit, und in noch weiterer Bedeutung der Erhöhung, daher es zu dem Geschlechte der Lat. Papa, Papilla, Papula, Faba, des Schwed. Papp, die Brustwarze, der Deutschen Pfebe, Wiepe, Feisel, u. s. f. gehöret. Im Nieders. ist Pape ein kleiner Hügel.


Pfaffe (W3) [Adelung]


2. Der Pfaffe, des -n, plur. die -n, eine dem eigentlichen Dienste Gottes oder des für Gott gehaltenen Wesens gewidmete Person; wo es ehedem auch im guten und rühmlichen Verstande gebraucht wurde, einen Priester, und in weiterer Bedeutung einen jeden Geistlichen zu bezeichnen, daher noch Jeroschin den Papst den obersten Pfaffen nennet. In dieser anständigen Bedeutung ist es längst veraltet, und wird nur noch im verächtlichen und harten Verstande von einem jeden Priester und Geistlichen gebraucht, er diene nun dem wahren oder falschen Gotte. Da werden sie denn fragen ihre Götzen und Pfaffen, und Wahrsager und Zeichendeuter, Es. 19, 3. Ein Götzenpfaffe, Dompfaffe, Bauchpfaffe, Meßpfaffe u. s. f. alle im harten und verächtlichen Verstande. Bey den Handwerkern, wo man einen Lehrling mit allerley seltsamen Gebräuchen zum Gesellen zu machen pflegt, hat man einen Gesellen, welcher einen Geistlichen vorstellet, die Deposition verrichtet, und gleichfalls der Pfaffe, der Gesellenpfaffe oder Schleifpfaffe genannt wird. Auf den Niedersächsischen Universitäten wurden die Studenten, weil man sie ehedem mit zu den Geistlichen rechnete, gleichfalls Pfaffen genannt, da denn die Pennale oder so genannten Füchse Halbpfaffen hießen. Figürlich und vermuthlich wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt oder vielleicht auch wegen der schwarzen Farbe sind im gemeinen Leben einige Vögel unter diesem Nahmen bekannt. 1) Die großbärtige Schwalbe welche bey dem großen Hausen in dem ungegründeten Verdachte ist, daß sie die Kinder und Ziegen aussaugen soll, Hirundo Caprimulga Klein, wird auch der Pfaffe genannt. ( S. Nachtrabe.) 2) Das Rohrhuhn, Wasserhuhn oder schwarze Blashuhn, Fulica recentiorum Klein, ist gleichfalls unter dem Nahmen des Pfaffen bekannt. 3) S. auch Dompfaffe.

Anm. Dieses Wort lautet bey dem Verfasser des alten Gedichtes auf den heil. Anno Pfaff, im Nieders. Pape, im Angels. Papa, im Wallis. und Slavon. Pope. Es ist aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Lat. Papa, welches schon frühe ein Ehrennahme der Priester und Geistlichen wurde, und von den Oberdeutschen blasenden Mundarten in Pfaff verwandelt worden. Durch den langen Gebrauch, besonders in dem Munde des großen Haufens, hat es seine ehemahlige Würde verloren, so daß es jetzt zu einem beleidigenden Ausdrucke hinab gesunken ist. In den folgenden Zusammensetzungen liegt theils eine oder die andere Ähnlichkeit mit der Tracht der Geistlichen zum Grunde, theils bedeuten aber auch die mit Pfaff zusammen gesetzten Wörter das vorzüglichste ihrer Art, weil sich die Geistlichen immer gern das Beste anzumaßen pflegen.


[Adelung]

Pfaffenbinde (W3) [Adelung]


Die Pfaffenbinde, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme der Fieberwurzel, Aurum maculatum L. wegen der Ähnlichkeit des Blattes, worin der Same eingewickelt liegt. In manchen Gegenden Pfaffenpint, welches aus Pfaffenbinde verderbt ist.


Pfaffenbirn (W3) [Adelung]


Die Pfaffenbirn, plur. die -en, eine Art schmackhafter Birnen, welche in andern Gegenden Herrenbirn, Königsbirn und Tafelbirn genannt wird. S. Herrenbirn.


Pfaffenbißchen (W3) [Adelung]


Das Pfaffenbißchen, des -s, plur. ut nom. sing. das beste schmackhafte Stück an einem Braten oder gefochten Fleische oder Fische, welches auch wohl der Pfaffenschnitt oder das Pfaffenstück genannt wird, weil man es bey öffentlichen Gastereyen, besonders auf dem Lande, den Geistlichen aus Achtung vorzulegen pflegt. An einer gebratenen Gans ist es die Brust. An einem Rinde heißt das beste Stück Fleisch aus dem Hinterviertel und eben dieser Ursache willen das Pfaffenstück.


Pfaffenblatt (W3) [Adelung]


Das Pfaffenblatt, S. Pfaffenplatte.


Pfaffendorn (W3) [Adelung]


Der Pfaffendorn, des -es, plur. die -e, bey den Sporern, ein am Ende ausgehöhlter Dorn, die Nägel damit ausziehen. S. 1 Pfaff.


Pfaffengasse (W3) [Adelung]


Die Pfaffengasse, plur. die -n, in manchen Städten ein Nahme einer Gasse, in welcher mehrere Geistliche wohnen oder doch ehemals gewohnet haben. Im Scherze pflegte man ehedem auch wohl die Gegend längst des Rheines, wo mehrere Bisthümer und Erzbisthümer beysammen liegen, die Pfaffengasse zu nennen.


Pfaffenknecht (W3) [Adelung]


Der Pfaffenknecht, des -es, plur. die -e, in den niedrigen Sprecharten, derjenige, welcher den Geistlichen auf eine sclavische Art ergeben ist.


Pfaffenköpfchen (W3) [Adelung]


Das Pfaffenköpfchen, S. Birkenpilz.


Pfaffenkraut (W3) [Adelung]


Das Pfaffenkraut, des -es, plur. inus. S. Pfaffenplatte.


Pfaffenkümmel (W3) [Adelung]


Der Pfaffenkümmel, des -s, plur. inus. S. Kümmel.


Pfaffenpint (W3) [Adelung]


Der Pfaffenpint, des -es, plur. inus. S. Pfaffenbinde.


Pfaffenplatte (W3) [Adelung]


Die Pfaffenplatte, plur. inus. Diminut. das Pfaffenplättchen, ein Nahme einer auf allen Wiesen befindlichen Art Löwenzahnes mit hohlen Stielen und gelben Blumen, welcher auch Butterblume und Dotterblume genannt wird; Leonto don Taraxacum L. Er hat den Nahmen von dem großen weißen Fruchtboden, welcher, wenn der mit langen Federn versehene Same davon abgeblasen wird, einer Mönchsplatte ähnlich siehet, daher dieses Gewächs auch Pfaffenkraut, Pfaffenröhrchen oder Pfaffenröhrlein und Mönchskopf genannt wird. Der in einigen Gegenden übliche Nahme Pfaffenplatt ist aus Pfaffenplatte verderbt.


Pfaffenröhrlein (W3) [Adelung]


Das Pfaffenröhrlein, des -s, plur. inus. S. das vorige.


Pfaffenschnitt (W3) [Adelung]


Der Pfaffenschnitt, des -es, plur. die -e, siehe Pfaffenbißchen.


Pfaffenschuh (W3) [Adelung]


Der Pfaffenschuh, des -es, plur. inus. ein Gewächs, siehe Marienschuh.


Pfaffenstück (W3) [Adelung]


Das Pfaffenstück, des -es, plur. die -e, siehe Pfaffenbißchen.


Pfafferey (W3) [Adelung]


Die Pfafferey, plur. die -en, in der verächtlichen Sprechart, die den Geistlichen eigenthümliche Art zu denken und zu handeln, und das darum gegründete Betragen.


Pfäffisch (W3) [Adelung]


Pfäffisch, adj. et adv. welches nur in der harten und verächtlichen Schreibart gebraucht wird, den Geistlichen ähnlich, in ihrer eigenthümlichen Art zu denken und zu handeln gegründet.


Pfahl (W3) [Adelung]


Der Pfahl, des -es, plur. die Pfähle, Diminut. das Pfählchen, ein zugespitztes gemeiniglich rundes Holz, welches man in die Erde schlägt oder auch etwas daran spießet. Man gebraucht es nur von solchen zugespitzten Hölzern von einer gewissen Größe, indem sie wenigstens einige Zoll im Durchmesser halten müssen, bis zu den großen oft viereckigen Grund- und Brückenpfählen. Kleinere Pfähle werden, wenn sie von Holz sind, Pflöcke genannt. Einen Pfahl einschlagen, oder wenn er groß ist, einrammen. An Pfählen befestigen. an den Pfahl stellen, an dem Schandpfahl der öffentlichen Verachtung aussetzen. In meinen vier Pfählen, figürlich, in meiner Wohnung, in meiner Behausung. Der Weinpfahl, Zaunpfahl, Gränzpfahl, Brandpfahl, Schandpfahl, Sturmpfahl, Grundpfahl, Brückenpfahl u. s. f. In einigen der folgenden Zusammensetzungen bezeichnet es in engerer Bedeutung einen Gränz- und Gerichtspfahl.

Anm. Im Nieders. Paal, Pöhl, Paul, im Angels. Pal, im Engl. Pale, im Wallis. Pawl, im Schwed. Pale, im Pohln. Pal, im Ital. Palo, im Franz. Pal, im Lat. Palus. Der Grund der Benennung liegt in der Spitze, daher dieses Wort ein Geschlechtsverwandter von Bolz, Bohle, Bille, Beil, Pfeil, Spille, Palme und andern dieses Geschlechtes ist. In Boxhorns Glossen heißt der Pfahl Steckodhorn und Radestacho. Das h erfordert theils der lange Gebrauch, theils die Regel, daß die flüssigen Mitlauter im Deutschen gemeiniglich ein h vor sich haben, S. H.


Pfahlbauer (W3) [Adelung]


Der Pfahlbauer, des -n, plur. die -n, in einigen Gegenden, z. B. im Osnabrückischen, eine Art Bauern, deren Recht bloß darin bestehet, daß, wenn das Vieh der Eingesessenen zweyer benachbarten einander gleichen Wörter aus der einen in die andere Mark übergehet, solches aus nachbarlicher Freundschaft nicht gepfändet werden darf. S. Berghofs Beschaffenheit des Osnabrück. Pfahlbauerrechtes, Osnabrück 1770. Pfahlbauern scheinen hier also eben das zu seyn, was in den Städten die Pfahlbürger sind, d. i. schutzverwandte Bauern, welche die gegenseitigen Dorfrechte genießen, als innerhalb der Gränzpfähle des Dorfes wohnhaft angesehen werden.


Pfahlbaum (W3) [Adelung]


Der Pfahlbaum, des -es, plur. die -bäume, ein zu einem Pfahle, besonders zu einem Grund- und Brückenpfahle dienlicher, dazu bestimmter Baum.


Pfahlbrücke (W3) [Adelung]


Die Pfahlbrücke, plur. die -n, eine Brücke, welche auf Pfählen ruhet; die Jochbrücke.


Pfahlbürger (W3) [Adelung]


Der Pfahlbürger, des -s, plur. ut nom. sing. ein ehedem sehr gangbares, jetzt nur noch in einigen Gegenden übliches Wort, einen Einwohner einer Stadt zu bezeichnen, welcher zwar außer den Stadtmauern, aber doch innerhalb der Bann- und Gerichtspfähle der Stadt wohnet, einen Vorstädter, welcher daher auch alle oder doch einige Rechte der eigentlichen Bürger genießet. In weiterer Bedeutung pflegte man daher ehedem einen Unterthan, welcher sich zum Nachtheil seiner eigentlichen Obrigkeit das Bürgerrecht in einer fremden Stadt ertheilen ließ, aber an seinem vorigen Wohnorte blieb, einen Pfahlbürger zu nennen. Die Leibeigenen, welche sich auf solche Art ihren Verbindlichkeiten zu entziehen suchten, heißen daher in einer Urkunde Kaiser Rudolphs von 1273 in den Materialien zur Öttingischen Geschichte: Servilis conditionis homines, qui nulla petita licentia vel obtenta, imo ipso so inscio fraudulenter et occulte ad civitates convolant, et per jura civitatum suis debitis servitiis se subtrahunt er subducunt. In dem Städtchen Schellenberg bey Augustus-Burg im Gebirge werden die Bürger noch jetzt in brauende und Pfahlbürger getheilt. In Frankreich erklärte man in den mittlern Zeiten aus Urkunde der Deutschen Sprache dieses Wort durch Faux Bourgeois, als wenn es aus falsch und Bürger zusammen gesetzet sey, wie aus einer Franz. Urkunde Kaiser Heinrichs von 1365 bey dem Da Fresne erhellet, welcher sich gleichfalls dadurch verleiten lassen, einen Pfahlbürger durch falsum burgensem zu erklären, ungeachtet dieses Benennung augenscheinlich von den Baum- und Gerichtspfählen hergenommen ist. In einigen alten Urkunden beißen sie auch Pflugbürger, ohne Zweifel, so fern sie in den Vorstädten wohneten, und sich von dem Ackerbaue nähreten.


Pfahldorf (W3) [Adelung]


Das Pfahldorf, des -es, plur. die -dörfer, ein nur im Braunschweigischen üblichen Wort, wo gewisse Dörfer, welche innerhalb der Bann- und Gerichtspfähle der Stadt Braunschweig liegen, diesen Nahmen führen. S. das vorige.


Pfahleiche (W3) [Adelung]


Die Pfahleiche, plur. die -n, im Forstwesen, eine zu Grund- und Brückenpfähle taugliche Eiche, welche 15 Zoll im Durchmesser und 25 Ellen in der Länge halten muß.


Pfahleisen (W3) [Adelung]


Das Pfahleisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein eiserner Pfahl, die Löcher zu den hölzernen Pfählen in festem Boden damit vorzustoßen. In den Glashütten hingegen ist das Pfahleisen ein starkes in Gestalt einer hölzernen Streugabel, welches in den Pfahl eingeschlagen wird, um das Glasrohr mit dem Scheibentaubel zwischen Gabel zu legen.


Pfählen (W3) [Adelung]


Pfählen, verb. reg. act. 1) Mit Pfählen versehen. Den Wein, den Hopfen pfählen. Ingleichen, einen Wein- oder Hopfenberg pfählen, die nöthigen Pfähle einschlagen. Er pfählt und biegt und zieht die zart- und jungen Stämme, Günth. 2) Auf einen Pfahl so eßen; eine noch in den Morgenländern übliche Lebensstrafe. Ehedem war auch das Pfählen eine in Deutschland übliche Lebensstrafe, besonders der Kindermörderinnen, da ihnen ein Pfahl durch den Leib geschlagen wurde. So auch das Pfählen.


Pfahlgericht (W3) [Adelung]


Das Pfahlgericht, des -es, plur. die -e, eine in einigen Gegenden übliche Benennung, eine Art eines Gerichts, und einer Gerichtbarkeit, welche sich nur über einen bloßen Hof in eines andern Gebieth erstrecket; das Zaungericht, von den Zäunen und Pfählen, womit die Bauerhöfe eingeschlossen sind.


Pfahlgraben (W3) [Adelung]


Der Pfahlgraben, des -s, plur. die -gräben, ein mit Pfählen oder Pallisaden besetzter Graben; ein Nahme, welchen noch in manchen Gegenden die auf solche Art befestigen Gränzgräben führen.


Pfahlhecke (W3) [Adelung]


Die Pfahlhecke, plur. die -n, eine solche mit Schutz- oder auch nur Gränzpfählen besetzte Hecke, so fern sie die Gränze zwischen zwey Gebiethen macht.


Pfahlholz (W3) [Adelung]


Das Pfahlholz, des -es, plur. die -hölzer, Diminut. das Pfahlhölzchen, ein Holz in Gestalt eines Pfahles, ein kleiner Pfahl oder Pflock; eine im gemeinen Leben übliche Benennung verschiedener Arten von Spindeln oder Pflöcken.


Pfahlmühle (W3) [Adelung]


Die Pfahlmühle, plur. die -n, eine Wassermühle, welche auf einem festen mit Pfählen versehenen Boden unbeweglich stehet; im Gegensatze der mehr veränderlichen und beweglichen Schiffmühlen.


Pfahlpäuschel (W3) [Adelung]


Der Pfahlpäuschel, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein großer, schwerer Päuschel, Pfähle damit einzuschlagen.


Pfahlramme (W3) [Adelung]


Die Pfahlramme, plur. die -n, eine Ramme, große Pfähle damit einzurammen, S. Ramme.


Pfahlwerk (W3) [Adelung]


Das Pfahlwerk, des -es, plur. die -e, ein aus mehrern Pfählen bestehendes Werk. Ein solches Werk ist der aus Pfählen bestehende Grund eines Gebäudes.


Pfahlwurzel (W3) [Adelung]


Die Pfahlwurzel, plur. die -n, die Hauptwurzel mancher Bäume, welche als ein Pfahl senkrecht in die Erde gehet; die Herzwurzel, Zapfenwurzel, Pfeilwurzel.


Pfahlzaun (W3) [Adelung]


Der Pfahlzaun, des -es, plur. die -zäune, ein Zaun, welcher aus neben einander geschlagenen und nur oben mit Weiden zusammen geflochtenen Pfählen bestehet; zum Unterschiede von einem geflochtenen Zaune.


Pfalz (W3) [Adelung]


1. Die Pfalz, die Begattung, pfalzen, sich begatten, S. Balz. und Balzen.


Pfalz (W3) [Adelung]


2. Die Pfalz, plur. die -en, ein aus dem Lateinisch. Palatium verderbtes Wort, welches ehedem für Pallast sehr üblich war, aber in dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen veraltet ist, un so wohl allein, als auch in Zusammensetzungen nur noch als eine Art eines eigenthümlichen Nahmens gebraucht wird. Es bedeutete ehedem, 1) einen Pallast, wo es auch Palenz und Pfalenz, im neunten Jahrhunderte Palice, und in dem alten Gedichte auf den heil. Anno Phelinzi, lautete. So wurden die Rathhäuser und Gerichtsorte ehedem sehr häufig Pfalzen genannt, in welcher Bedeutung es noch in Schwaben üblich ist. Wird endlich doch der Menge Der Keimen schon die Pfalz, der weite Bau zu enge, Opitz. Besonders und in engerer Bedeutung waren bey der ehemaligen Gewohnheit der Deutschen Könige und Kaiser, keinen festen Sitz zu haben, sondern in dem Deutschen Reiche herum zu reisen, die ihnen gehörigen Palläste, Schlösser und Königshöfe in den Provinzen, in welchen sie sich von Zeit zu Zeit aufhielten, daselbst Gericht hielten und Recht sprachen, und Reichstage daselbst hielten, unter dem Nahmen der Pfalzen bekannt. Daher war die Pfalzstadt eine Stadt, in welcher sich ein solcher kaiserlichen Pallast befand. 2) Das zu einer solchen Pfalz oder zu einem solchen Pallaste gehörige und den Kaisern und Königen unmittelbar unterworfene Gebieth; in welchem Verstande es ehedem sehr viele Pfalzen in dem Deutschen Reiche gab, welche nach und nach an andere Herren gekommen sind, und zum Theil auch ihren Nahmen verloren haben. In den Nahmen der Ober-Pfalz, und Unter-Pfalz, welches letztere auch die Pfalz bey Rhein, am Rheine, genannt wird, und von welcher die Chur-Pfalz ein Theil ist, ist es als ein eigenthümlicher Nahme geblieben. S. auch Pallast.


Pfalzgraf (W3) [Adelung]


Der Pfalzgraf, des -en, plur. die -en, Fämin. die Pfalzgräfinn. 1) Ehedem eigentlich ein Graf oder Richter, welcher einer kaiserlichen oder königlichen Pfalz und ihrem Gebiethe vorgesetzet war, im Nahmen des Kaisers in derselben Gericht hielt, und das Recht sprach. Im Schwabensp. Pfalzengraf. Nach und nach wurden diese Pfalzgrafen in den anvertrauten Pfalzen und den dazu gehörigen Ländern erblich, da denn auch dieser Titel eine erbliche fürstliche Würde ward, welche gewissen Geschlechtern von dem hohen Adel eigen war, von welchen aber nur noch das Geschlecht der Pfalzgrafen am Rhein übrig ist, von welchem die eine Linie die Chur-Pfalz besitzet. 2) Nach Einführung des Römischen Rechtes, besonders unter Carln IV, ward noch eine andere an Würde weit geringere Art von Pfalz- und Hochgrafen üblich, welche nur gewisse, gemeiniglich geringe Regalia der kaiserlichen Würde ausübten, und wozu die Kaiser noch jetzt Gelehrte und andere bürgerliche Personen zu erheben, welche sich aber aus Bescheidenheit lieber der Comites Palatini, als Deutsch Pfalzgrafen nennen. S. Hofgraf.


Pfalzgrafenbirn (W3) [Adelung]


Die Pfalzgrafenbirn, plur. die -en, eine Art schmackhafter Birnen mit röthlichen Schalen, welche auch Pfalzbirnen und Pfalzgräfer genannt werden.


Pfalzgräflich (W3) [Adelung]


Pfalzgräflich, adj. et adv. einem Pfalzgrafen in der ersten Bedeutung ähnlich, demselben gehörig, in dessen Würde gegründet. Die pfalzgräfliche Länder.


Pfalzgrafschaft (W3) [Adelung]


Die Pfalzgrafschaft, plur. die -en, das einem Pfalzgrafen gehörige, ihm unterworfene Gebieth; wofür doch jetzt das Wort Pfalz üblicher ist.


Pfalzstadt (W3) [Adelung]


Die Pfalzstadt, plur. die -städte, S. 2 Pfalz.


Pfand (W3) [Adelung]


Das Pfand, des -es, plur. die Pfänder. 1) In der weitesten Bedeutung, eine jede Person oder Sache, welche man dem andern zur Sicherheit einer Handlung oder eines Erfolges überträget, sie ihm im widrigen Falle zu seiner Willkühr überlässet. In diesem weitesten Verstande ist es noch in vielen Fällen üblich. Ich setze mich selbst, oder mein Leben, meine Ehre zum Pfande, daß es geschehen wird, wobey man, im Falle die Sache nicht geschiehet, das Recht über sich selbst, sein Leben und seine Ehre verlieren will. In noch weiterer Bedeutung heißt der heilige Geist in der Deutschen Bibel das Pfand unsers Erbes, Ephes. 1, 14, und das Pfand schlechthin, 2 Cor. 1, 22, so fern er der Ver- sicherungsgrund unserer künftigen Glückseligkeit ist, gleichsam das Angeld. Auch Kinder pflegt man häufig Pfänder der Liebe und Ehepfänder zu nennen, so fern sie nicht nur thätige Beweise derselben sind, sondern auch einen Versicherungsgrund der Fortdauer derselben abgeben. 2) In engerer Bedeutung ist das Pfand eine Person oder Sache, welche einem andern zur Sicherheit einer eingegangenen Verbindlichkeit übergeben oder übertragen wird. In dieser Bedeutung ist es nur noch von Sachen üblich, weil ein persönliches Pfand, ehedem ein Pfandmann, Pfandbürge, jetzt ein Geißel genannt wird. Jemanden etwas zum Pfande geben. ( S. Pfänden.) Pfänder spielen, ( S. Pfandspiel.) 3) In noch engerer Bedeutung, eine Sache, welche man dem Gläubiger zur Versicherung seiner Schuldforderung entweder wirklich übergibt, oder ihm nur anweiset, um im Falle der Nichtbezahlung sich an dessen Werthe zu erhohlen. Auch hier ist es nur im engsten Verstande von beweglichen Dingen üblich, welche auf diese Art dem Gläubiger übergeben werden. Unbewegliche Güter, welche nur angewiesen werden, werden ein Unterpfand, noch häufiger aber eine Hypothek genannt. Einem etwas zum Pfande geben, setzen, oder lassen. Einem etwas als ein Pfand, oder zum Pfande einsetzen. Geld auf Pfänder leihen, auf bewegliche Dinge. Ein Pfand einlösen. Das Pfand ist verfallen, wenn die Zeit, auf welche es dem Gläubiger zu seiner Sicherheit übertragen worden, verflossen ist, und der Schuldner seine Verbindlichkeit nicht erfüllet. Verfallene, im Oberdeutschen verstandene, Pfänder.

Anm. Im Schwabensp. Pfant, im Nieders. Pand, im Schwed. Pant, im Isländ. Pantur, im Pohln. Fant, in Boxhorns Glossen Fant. Da das d oft ein müßiger Laut ist, welcher dem n gern nachschleicht, so lautet dieses Wort im mittlern Lat. nur Pannum, im Engl. Pawn, und im Franz. Pan, woraus zugleich die Abstammung von Bann und binden erweislich wird. Wenn das n durch die Nase gesprochen wird, so hängt sich ganz natürlich der Gaumenlaut an, so daß auch das Lat. Pignus, Ital. Pegno, näher mit unserm Pfand verwandt ist, als man dem ersten Anscheine nach vermuthen sollte, welches auch von dem alten Wette, Schwed. Wad, Angels. Bad, Wed, im mittlern Lat. Vadium, Guadius, Franz. Gage, welche insgesammt auch ein Pfand bedeuten, erwiesen werden könnte. ( S. Unterpfand,) welches sehr häufig auch in allen Bedeutungen des einfachern Pfand gebraucht wird, ingleichen Pfennig. Im Oberdeutschen lautet der Plural oft Pfande für Pfänder. Das Nieders. Pand hat noch verschiedene andere Bedeutungen, welche sich gleichfalls auf das Zeitwort binden zurück führen lassen, und in welchen es, wenn man es im Hochdeutschen ausdrucken will, bald Band, bald auch Pfand lautet. 1) Eine Menge, eine Partey, gleichsam eine verbundene Menge mehrerer Dinge. 2) Die Haut über flüssige Körper. 3) Ein papiernes Muster, eine Patrone. 4) Ein Stück, woraus ein Kleidungsstück bestehet. Ein Mützenpand, ein Stück, woraus eine Mütze zusammen gesetzet wird. Das Vorderpand, das Vorderstück, das Hinterpand, das Hinterstück. 5) Das Deichpand, im Hochdeutschen bald Deichpfand, bald Deichband, ist ein bestimmtes Stück eines Deiches, welches jemand im baulichen Stande zu erhalten verbunden ist. Wohin 6) auch das Oberdeutsche Beunt, Peund, Bünt, im mittlern Lat. Biunda, ein eingezäunter Platz, besonders ein eingezäunter Weideplatz, Niedersächs. eine Koppel, zu gehören scheinet.


Pfandbeschloßt (W3) [Adelung]


Pfandbeschloßt, adj. et adv. S. Beschloßt.


Pfandbrief (W3) [Adelung]


Der Pfandbrief, des -es, plur. die -e, ein Brief, d. i. Urkunde, worin man jemanden ein unbewegliches Gut zur Sicherheit seiner Schuldforderung anweiset, von Pfand, so fern es ehe- dem auch ein unbewegliches Pfand bedeutete; die Pfandverschreibung.


Pfandbürge (W3) [Adelung]


Der Pfandbürge, des -n, plur. die -n, eine ziemlich ungewöhnlich gewordene Benennung eines Geißels, welcher ehedem auch Pfandmann und Leistbürge genannt wurde.


Pfandegeld (W3) [Adelung]


Das Pfandegeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, womit eine gepfändete Sache wieder eingelöset wird.


Pfändemann (W3) [Adelung]


Der Pfändemann, des -es, plur. die -männer, siehe Pfänder.


Pfänden (W3) [Adelung]


Pfänden, verb. reg. act. 1) Durch Abnehmung eines Pfandes zur Leistung einer Schuldigkeit zwingen. So pfändet der Gläubiger seinen Schuldner, wenn er zur Sicherheit seiner Forderung demselben eine Sache abnimmt oder vorenthält. Sie machen die Leute arm mit Pfändern, Hiob 24, 9; und nehmen das Kind des Dürftigen zum Pfande, Michaelis. Ingleichen durch Abnehmung eines Pfandes zur Ersetzung eines Schadens zwingen. So pfändet man auf dem Lande das Vieh, wenn es an verbothenen Orten weidet, und man es so lange in Verwahrung nimmt, bis der Eigenthümer der verursachten Schaden ersetzet hat. Im Nieders. schütten, von Schutte, Schutz, ein befriedigter Ort, im Oberdeutschen fürfangen. Der Fuhrmann, welcher verbothene Wege fähret, wird gepfändet, wenn man ihm ein Pferd ausspannet, oder eine andere Sache zum Unterpfande der Ersetzung abnimmt. ( S. auch Abpfänden und Auspfänden.) 2) Zum Pfande geben; doch nur in dem zusammen gesetzten verpfänden. So auch das Pfänden und die Pfändung.

Anm. In dem Schwabensp. pfenden, im Nieders. panden, im Holländ. panden.


Pfänder (W3) [Adelung]


Der Pfänder, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher einen andern pfändet. In engerer Bedeutung ist der Pfänder auf dem Lande, ein Wächter, welcher die Dorfflur begehet, und Menschen und Vieh, welche derselben Schaden zufügen, pfändet; im gemeinen Leben der Pfändemann, Pfandmann. An andern Orten heißt er der Keiler, von dem im Liefländ. üblichen keilen, pfänden; in der anständigern Sprechart aber der Feldvogt, Flurschütz, Feldhüther.


Pfandesinhaber (W3) [Adelung]


Der Pfandesinhaber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Pfandesinhaberinn, eine Person, welche zu ihrer Sicherheit ein Pfand von einem andern in Besitz hat, es sey nun ein bewegliches oder ein unbewegliches Pfand; ehedem der Pfandhaber, Pfandherr, Pfandgläubiger.


Pfandhaus (W3) [Adelung]


Das Pfandhaus, des -es, plur. die -häuser, ein öffentliches Haus, in welchem Geld auf bewegliche Pfänder geliehen wird; ein Leihhaus.


Pfandlehen (W3) [Adelung]


Das Pfandlehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lehen oder Lehengut, welches man als ein Unterpfand besitzet.


Pfändlich (W3) [Adelung]


Pfändlich, adj. et adv. in Gestalt eines Pfandes, als ein Pfand; wofür doch unterpfändlich üblicher ist.


Pfandlösung (W3) [Adelung]


Die Pfandlösung, plur. die -en, nur noch in den Gerichten einiger Gegenden, die Ein- oder Auslösung eines Pfandes.


Pfandrecht (W3) [Adelung]


Das Pfandrecht, des -es, plur. inus. das Recht, eine Sache als ein Pfand oder Unterpfand zu besitzen.


Pfandsache (W3) [Adelung]


Die Pfandsache, plur. die -en, eine Sache, welche ein Pfand oder Unterpfand betrifft.


Pfandsaß (W3) [Adelung]


Der Pfandsaß, des -ssen, plur. die -ssen, in einigen Gegenden, der Pfandesinhaber eines unbeweglichen Gutes, welcher dasselbe unterpfändlich besitzet. S. Saß.


Pfandschaft (W3) [Adelung]


Die Pfandschaft, plur. die -en. 1) Die Eigenschaft eines Dinges, kraft welcher es ein Pfand oder Unterpfand ist; ohne Plural. 2) Ein Pfand oder Unterpfand selbst, es sey nun ein bewegliches oder unbewegliches.


Pfandschilling (W3) [Adelung]


Der Pfandschilling, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -e. 1) Diejenige Summe Geldes, welche man auf ein Pfand bekommen, oder gegen ein Unterpfand aufgenommen hat, von Schilling, eine Summe Geldes; in einigen Gegenden der Pfandpfennig. 2) Auch dasjenige Geld, welches für eine abgepfändete Sache zur Strafe, oder zur Ersetzung des Schadens von dem Gepfändeten erleget wird. 3) In einigen Gegenden ist es auch dasjenige Geld, welches der Richter für die Einwilligung in ein verschiedenes Unterpfand bekommt.


Pfandschuldner (W3) [Adelung]


Der Pfandschuldner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Pfandschuldnerinn, derjenige, welcher gegen ein Pfand Geld aufgenommen hat; im Gegensatze des Pfandinhabers, welchen man auch den Pfandgläubiger nennen könnte.


Pfandspiel (W3) [Adelung]


Das Pfandspiel, des -es, plur. die -e, eine Art gesellschaftlicher Spiele, wo zur Versicherung der Vollziehung einer Verbindlichkeit, die spielenden Personen ein Pfand erlegen; das Pfänderspiel, von der R. A. Pfänder, d. i. um Pfänder, spielen.


Pfandstall (W3) [Adelung]


Der Pfandstall, des -es, plur. die -ställe, auf dem Lande, ein obrigkeitlicher Stall, in welchem das gepfändete Vieh so lange aufbehalten wird, bis der Eigenthümer den dadurch verursachten Schaden vergütet hat; Nieders. der Schuttstall.


Pfandverschreibung (W3) [Adelung]


Die Pfandverschreibung, plur. die -en, S. Pfandbrief.


Pfändung (W3) [Adelung]


Die Pfändung, plur. die -en, S. Pfänden.


Pfandweise (W3) [Adelung]


Pfandweise, adv. in Gestalt eines Pfandes, als ein Pfand oder Unterpfand. Ein Gut pfandweise besitzen, unterpfändlich.


Pfänich (W3) [Adelung]


* Der Pfänich, ein im gemeinen Leben mancher Gegenden üblicher Nahme so wohl des Fenches als des Fenchels, S. diese Wörter.


Pfanne (W3) [Adelung]


Die Pfanne, plur. die -n, Diminut. das Pfännchen, Oberd. Pfännlein. 1. Überhaupt, eine jede flach eingebogene oder vertiefte Fläche, und ein mit einer solchen eingebogenen Fläche versehenes Ding; in welcher weitesten Bedeutung es doch nur in einigen Fällen üblich ist. Diejenige Vertiefung, worin sich der Zapfen einer horizontalen Welle beweget, heißt wohl im Bergbaue, als Mühlenbaue und bey den Uhrmachern eine Pfanne, und bestimmter die Zapfenpfanne, zuweilen aber auch das Zapfenloch. Besonders führen diesen Nahmen mit einer eingebogenen Fläche versehene Dinge, vertiefte Räume und Gefäße. Die Hohlziegel oder hohlen Dachziegel heißen noch an vielen Orten Dachpfannen oder nur Pfannen schlechthin, ja im Niederdeutschen und den damit verwandten Sprachen werden alle, auch unsere gewöhnlichsten flachen Dachziegel Pfannen genannt, im mittlern Lat. Pannei Lapides; entweder, so fern die hohlen Ziegel die erste und älteste Art sind, welche ihren Nahmen denn auch auf die bequemern flachen Ziegel fortgepflanzet haben, oder auch von einem andern, aber doch verwandten Worte, welches eine ebene Fläche bedeutet hat, und wohin das Engl. Pane, eine viereckte Scheibe, das Finnländ. Pann, eine Schindel, gehören. Bey dem Ringrennen war die Pfanne, dem Frisch zu Folge, eine schwebend aufgehängte hohle Scheibe, nach welcher man als nach einem Ringe rennete. Der viereckte eingefaßte flach vertiefte Ort, in welchem die Maurer den Mörtel zubereiten, ist bey ihnen unter dem Nahmen der Mörtelpfanne und der Pfanne schlechthin bekannt. Die Braupfanne ist in den Brauhäusern ein längliches vierecktes flach vertieftes kupfernes Gefäß, in welchem das Bier statt des Braukessels gebrauet wird. Von ähnlicher Art sind die flachen viereckigen blechernen Pfannen in den Salzwerken, worin die Sohle zubereitet wird, und wohin die Siedepfannen oder Gradierpfannen, die Wärmpfannen und Sog- oder Sockpfannen gehören. Die Siedepfannen haben gemeiniglich eine bestimmte Größe. So hält in dem Salzwerke zu Halle ein Pfanne 5 Zober Sohle, jeden Zober zu 8 Eimer und den Eimer zu 12 Kannen gerechnet. Von ganz anderer Art sind unsere heutigen Kohl- oder Feuerpfannen, welche auch Kohl- oder Feuerbecken genannt werden, und zur Aufbehaltung der Kohlen zum Gebrauche in den Zimmern dienen. In der Reichsstadt Aachen ist die Pfanne eine Abgabe, welche von dem Getreide, den Kohlen u. s. f. zum Behuf der Armen in den Thoren der Stadt abgegeben wird, und ihren Nahmen vermuthlich von einem bestimmten Maße dieses Nahmens erhalten hat. 2. In engerer Bedeutung ist die Pfanne in manchen Fällen eine halb kugelige Vertiefung. So führet die Vertiefung dieser Art, worin sich der Zapfen einer stehenden Welle beweget, worin sich die Angel eines Thorweges umdrehet u. s. f. den Nahmen der Pfanne. Die Zündpfanne, oder nur Pfanne schlechthin, ist eine ähnliche Vertiefung an dem Schlosse der kleinen Schießgewehre, das Zündkraut aufzunehmen. Im Niedersächsischen wird die Hirnschale die Bregenpanne, d. i. die Gehirnpfanne, genannt, von welchem Gebrauche Frisch die im gemeinen Leben übliche R. A. seinen Feind in die Pfanne hauen, ableitet, als wenn sie eigentlich von der Tödtung eines fliehenden Feindes gebraucht würde. Da sie aber in allen Fällen gebraucht wird, wo einer oder mehrere niedergehauen werden, so wird sie mit mehr Wahrscheinlichkeit als eine von den in den Küchen üblichen Pfannen entlehnte Figur angesehen. In der Anatomie werden die halb kugeligen Vertiefungen in den Knochen zu den Gelenken die Pfannen genannt. Besonders kennet man unter diesen Nahmen die tiefe Höhle dieser Art in dem Hüftbeine, welches die Kugel oder das Haupt des Schenkelbeines aufnimmt; Lat. Acetabulum. 3. Im engsten Verstande ist die Pfanne ein zuweilen halb kugeliges, allemahl aber flaches vertieftes Gefäß. Von dieser Art ist die Pfanne in den Schmelzhütten, welche eigentlich eine große eiserne Schüssel ist, in welcher der Test geschlagen wird. Die Pfanne der Papiermacher, Franz. Pistolet, ist ein Gefäß, womit der Zeug in der Arbeitshütte erwärmet wird. Die Bettpfanne oder Wärmpfanne, das Bett vermittelst darein gethaner glühender Kohlen zu erwärmen, hat einen langen Stiel, und unterscheidet sich dadurch von der Bett- oder Wärmflasche, worein nur siedendes Wasser zur Erwärmung des Bettes gethan wird. Die Leuchtpfannen sind tiefe Becken, brennbare Sachen zur Erleuchtung eines Ortes in der Nacht darin anzuzünden. In den Küchen hat man Pfannen mancherley Art, welche bald rund, bald länglich sind, bald Füße haben, bald aber auch nicht, bald mit einem langen Stiele versehen sind, bald aber auch nicht, gemeiniglich aus dünnem Eisen geschlagen sind, oft aber auch nur aus Thon bestehen. Allemahl aber sind sie flach, d. i. von einer geringen Tiefe, in Ansehung ihres Umfanges. Dahin gehöret die Bratpfanne, Küchenpfanne, Tortenpfanne u. s. f.

Anm. Bey dem Notker Phannu, im Nieders. Panne, im Angels. Panne, Ponne, im Engl. Pan, im Schwed. Panna, im mittlern Lat. Panna, im Pohln. und Böhm. Panew, bey den Krainerischen Wenden Ponuv. Es bedeutet überhaupt eine Vertiefung und ein vertieftes Gefäß, daher im Wallisischen auch Pann einen Becher bedeutet, und gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Banse, Behnert, Wanne, Wanst u. s. f. Im Niedersächs. wird eine Pfanne auch Schapen und im Oberdeutschen auch ein Rein genannt.


Pfännelstück (W3) [Adelung]


Das Pfännelstück, des -es, plur. die -e, in den Schmelzhütten, dasjenige Werk, welches in das Pfännel oder Pfännlein gegossen wird.


Pfanneisen (W3) [Adelung]


Das Pfanneisen, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. in den Blechhämmern, der Nahme eines starken eisernen Bleches, woraus die Salz- und andern Pfannen verfertiget werden.


Pfannenbaum (W3) [Adelung]


Der Pfannenbaum, des -es, plur. die -bäume, in den Salzwerken, diejenigen Bäume, woran die Salzpfannen hangen.


Pfannenblech (W3) [Adelung]


Das Pfannenblech, des -es, plur. die -e, diejenigen Stücke eisernen Bleches, woraus die Salzpfannen zusammen gesetzet werden.


Pfannenbock (W3) [Adelung]


Der Pfannenbock, des -es, plur. die -böcke, eben daselbst, ein Bock oder Gestell, worauf die aus ihrem Lager genommenen Salzpfannen gesetzet werden, wenn der Bodensatz mit untergelegtem Strohe ausgebrannt werden soll.


Pfannenbret (W3) [Adelung]


Das Pfannenbret, des -es, plur. die -er, eben daselbst, Breter, welche vor die Salzpfannen gesetzet werden; den Zugang der Luft von denselben abzuhalten.


Pfannendeckel (W3) [Adelung]


Der Pfannendeckel, des -s, plur. ut nom. sing. der Deckel auf einer Pfanne. Am gewöhnlichsten, der stählerne Deckel auf der Zündpfanne der kleinen Schießgewehre, an welche zugleich der in dem Hahne befindliche Feuerstein schlägt, daher er auch mit einem aus dem Französischen entlehnten Kunstworte die Batterie genannt wird.


Pfanneneisen (W3) [Adelung]


Das Pfanneneisen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Bey den Büchsenmachern, eine kleine eiserne Schraubenzwinge, die Zündpfanne des Schlosses darin in den Schraubenstock zu spannen, wenn sie mit der Feile bearbeitet werden soll. 2) S. Pfanneisen.


Pfannenflicker (W3) [Adelung]


Der Pfannenflicker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen an einigen Orten die Kesselflicker führen.


Pfannengeld (W3) [Adelung]


Das Pfannengeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches man für die Ausübung der Braugerechtigkeit, eigentlich für den Gebrauch der Braupfanne, an die Obrigkeit entrichtet.


Pfannenhaken (W3) [Adelung]


Der Pfannenhaken, des -s, plur. ut nom. sing. in den Salzwerken, Haken, worin die Salzpfanne hänget, und welche in die Pfannenhäspen eingreifen.


Pfannenknecht (W3) [Adelung]


Der Pfannenknecht, des -es, plur. die -e, in den Küchen, ein Werkzeug, worin der lange Stiel der Kochpfanne als in einer Gabel ruhet.


Pfannenkolben (W3) [Adelung]


Der Pfannenkolben, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Büchsenmachern, ein Kolben, womit die Vertiefung der Zündpfanne ausgerieben wird.


Pfannenläufer (W3) [Adelung]


Der Pfannenläufer, des -s, plur. ut nom. sing. in den Salzwerken, Stücke Salz, welche kleiner gerathen sind; als gewöhnlich, weil die Pfanne alt oder löcherig war, und daher viele Sohle unter dem Sieden ausgelaufen ist.


Pfannenloch (W3) [Adelung]


Das Pfannenloch, des -es, plur. die -löcher, eben daselbst, das Ofenloch unter der Salzpfanne.


Pfannenmeister (W3) [Adelung]


Der Pfannenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Salzwerken, z. B. zu Altorf, ein geschworner Aufseher, welcher die Gebrechen der Pfannen und Salzgebäude besichtiget.


Pfannenschmid (W3) [Adelung]


Der Pfannenschmid, des -s, plur. die -schmiede, ein Handwerker, welcher Pfannen und andere ähnliche Geräthe aus starken eisernen Blechen schmiedet und daher auch zuweilen der Blechschmid genannt wird.


Pfannenstein (W3) [Adelung]


Der Pfannenstein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e. 1) Das erd- und kalkartige, welches sich bey dem Sieden des Salzes von der Sohle in Gestalt eines Steines in den Pfannen ansetzet, und mit Hämmern abgeschlagen werden muß; der Salzstein, Schöpp. 2) Eine Art Schiefer, welche zu Goßlar gebrochen wird, und womit man die Braupfannen zu pflas=tern pfleget.


Pfannenstieglitz (W3) [Adelung]


Der Pfannenstieglitz, des -es, plur. die -e, siehe das folgende.


Pfannenstiel (W3) [Adelung]


Der Pfannenstiel, des -es, plur. die -e. 1) Eigentlich, der lange Stiel, mit welchem zuweilen die in den Küchen üblichen Pfannen versehen sind. 2) Figürlich führet eine Art Meisen mit einem weißen Scheitel, deren langer Schwanz, welcher den ganzen Körper an Länge übertrifft, einige Ähnlichkeit mit einem solchen Stiele hat, Parus caudatus Klein. den Nahmen des Pfannenstieles, oder verderbt des Pfannenstieglitzes. In andern Gegenden wird sie Zagelmeise, zusammen gezogen Zahlmeise, Schwanzmeise, Schneemeise, Mehlmeise, Bergmeise, Aschmeise, Mohrmeise, Rietmeise, und im Nieders. Steermeeske und Schapensteel genannt; das letztere von Schapen, eine Pfanne.


Pfannenziegel (W3) [Adelung]


Der Pfannenziegel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Dachziegel, welche die Gestalt eines großen Lateinischen S haben. Daß auch alle Hohlziegel, ja auch alle flache Dachziegel zuweilen unter dem Nahmen der Dachpfanne bekannt sind, ist schon bey dem Worte Pfanne bemerket worden.


Pfanner (W3) [Adelung]


Der Pfanner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Pfännerinn, in den Salzwerken, eine Person, welche Salzgüter, entweder an Kothen, oder an einer gewissen Quantität Sohle, oder auch an beyden zugleich besitzet. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung wird nur derjenige ein Pfänner genannt, welcher ein Koth, folglich auch die dazu gehörige Salzpfanne besitzet, und die Sohle anderer durch Meister in demselben versieden lässet; zum Unterschiede von den Gutsherren, welche kein Koth, aber einen Antheil an der Sohle besitzen, oder, wie man es nennt, auf ihre Ausläufte sitzen. An andern Orten werden die Pfänner Salzjunkern, in Lüneburg Sülfmeister, Selbstmeister genannt. Sind es Personen von Stande, so pflegt man sie auch wohl Pfannherren zu nennen.


Pfännerschaft (W3) [Adelung]


Die Pfännerschaft, plur. die -en. 1) Die Eigenschaft, die Würde eines Pfänners; ohne Plural. 2) Die sämmtlichen Pfänner eines Ortes, als ein Ganzes, als eine verbundene Gesellschaft betrachtet.


Pfannkuchen (W3) [Adelung]


Der Pfannkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, der in den Küchen verschiedenen Arten von Kuchen, welche man in Pfannen zu backen pflegt, beygeleget wird. So kennet man den bloßen Eyerkuchen an manchen Orten, besonders Niedersachsens, nur unter dem Nahmen des Pfannkuchens; Engl. Pancake. In Obersachsen ist der Pfannkuchen ein Kuchen, welcher aus einem feinen wohl gearbeiteten Teige, entweder bloß in dünnen runden oder viereckten Stücken, oder mit einer Fülle, in einer Pfanne mit Butter oder Schmalz gebacken wird, und welcher, wenn er ungefüllt ist, in Nürnberg ein Hefenkuchen, in Oberdeutschland Pfänzel, in Niedersachsen Plinze, Plinse, heißt.


Pfannwerk (W3) [Adelung]


Das Pfannwerk, des -es, plur. inus. in den Salzwerken, der Besitz eines Salzkothes als ein Gewerbe betrachtet. Da man denn auch wohl das Zeitwort pfannwerken hat, ein Salzkoth als ein Gewerbe besitzen und nutzen.


Pfärch (W3) [Adelung]


Der Pfärch, u. s. f. S. Pferch.


Pfarracker (W3) [Adelung]


Der Pfarracker, des -s, plur. die -äcker, der zu einer Pfarre gehörige, zum Unterhalte des Pfarrers bestimmte Acker.


Pfarrdienst (W3) [Adelung]


Der Pfarrdienst, des -es, plur. die -e, der Dienst, d. i. die Stelle und damit verbundene Obliegenheit eines Pfarrers; die Pfarre, das Pfarramt. Einen Pfarrdienst bekommen, eine Pfarre.


Pfarrdorf (W3) [Adelung]


Das Pfarrdorf, des -es, plur. die -dörfer. 1) Ein Dorf, in welchem sich ein Pfarrer wohnhaft befindet. 2) Ein Dorf, welches einer Pfarrkirche eigenthümlich gehöret.


Pfarre (W3) [Adelung]


Die Pfarre, plur. die -n. 1) Die der geistlichen Aufsicht und Führung eines Pfarrers anvertraute Gemeinde, und die in dieser Aufsicht gegründete Würde. Die Stadtpfarre, im Gegensatze der Land- oder Dorfpfarre. Eine Pfarre bekommen, einer solchen Gemeinde als Pfarrer vorgesetzet werden. Eine einträgliche, gute, schlechte Pfarre. 2) Die Wohnung des Pfarrers.

Anm. In den gemeinen Oberdeutschen Mundarten in beyden Bedeutungen die Pfarrey, im Nieders. Parre, im Engl. Parish, im Pohln. Fara. Es ist schon sehr frühe aus dem Griechischen und Latein. Parochia, oder vielmehr Paroecia, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, entlehnet und in Pfarre verkürzet worden, denn Kero gebraucht Farruuesan schon für eine Diöces, für einen Kirchsprengel. Im Oberdeutschen wird ein Kirchspiel auch die Kirchfahrt genannt, wo die letzte Hälfte doch wohl nur eine zufällige Ähnlichkeit des Klanges mit Pfarre hat.


Pfarren (W3) [Adelung]


Pfarren, verb. neutr. mit dem Hülfsworte haben, in eine Pfarre gehören. Das Dorf N. pfarret nach H. gehöret zu der Pfarre H. ist dahin eingepfarret. S. auch Einpfarren.


Pfarrer (W3) [Adelung]


Der Pfarrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Geistlicher oder Priester, welchem die geistliche Aufsicht über eine Gemeinde, und die Verrichtung des öffentlichen Gottesdienstes anvertrauet ist. Wenn mehrere Geistliche einer und eben derselben Gemeinde vorstehen, so heißt der erste und vornehmste der Pfarrer, zum Unterschiede von dem Diacono, da denn jener in manchen Fällen auch wohl der Oberpfarrer genannt wird. Pfarrer werden. Ein Stadtpfarrer, Landpfarrer oder Dorfpfarrer. Dessen Gattin die Pfarrerinn, die Frau Pfarrerinn, im gemeinen Leben die Pfarrfrau. Im Oberdeutschen wird es auch als ein Ehrenwort eines solchen Pfarrers gebraucht, Herr Pfarrer; wofür in den Ober- und Niedersächsischen Gegenden das Lateinische Pastor üblicher ist. Wenn man mit Achtung von einem Pfarrer spricht, so pflegt man statt der Ableitungssylbe -er auch wohl das Wort Herr anzuhängen; Pfarrherr. Siehe auch Prediger und Priester.

Anm. Im Schwabenspiegel Pharrer, im Nieders. Parrer und zusammen gezogen Parr, auch im gemeinen Leben der Hoch- und Oberdeutschen zusammen gezogen Pfarr, im Fämin. Pfarrinn, im Böhm. Farar, im Pohln. Fararz, im Krainerischen Far. Es ist nicht, wie Frisch will, aus Pfarrherr zusammen gezogen, sondern vermittelst der Ableitungssylbe -er aus Pfarre gebildet. Im Schwabenspiegel ist römische Pfar, collective die Römische Geistlichkeit.


Pfarrey (W3) [Adelung]


Die Pfarrey, plur. die -en, S. Pfarre.


Pfarrfrau (W3) [Adelung]


Die Pfarrfrau, plur. die -en, S. Pfarrer.


Pfarrfuhre (W3) [Adelung]


Die Pfarrfuhre, plur. die -n, Frohnfuhren, welche die Pfarrgenossen zum Behuf des Pfarrers oder der Pfarrkirche zu thun gehalten sind.


Pfarrgebühren (W3) [Adelung]


Die Pfarrgebühren, sing. inus. Einnahmen an Gelde, welche der Pfarrer zu nehmen und zu fordern berechtigt ist.


Pfarrgenoß (W3) [Adelung]


Der Pfarrgenoß, des -ssen, plur. die -ssen, ein Einwohner, welcher zu einer Pfarre gehöret, in dieselbe eingepfarret ist; das Pfarrkind, der Kirchgenoß, im Plural die Pfarrleute.


Pfarrgut (W3) [Adelung]


Das Pfarrgut, des -es, plur. die -güter, Güter, d. i. liegende Gründe, welche zu einer Pfarre gehören, zum Unterhalte des Pfarrers bestimmt sind.


Pfarrhaus (W3) [Adelung]


Das Pfarrhaus, des -es, plur. die -häuser, das Wohnhaus des Pfarrers; die Pfarrwohnung.


Pfarrherr (W3) [Adelung]


Der Pfarrherr, des -en, plur. die -en, S. Pfarrer.


Pfarrhof (W3) [Adelung]


Der Pfarrhof, des -es, plur. die -höfe, der Hof an einem Pfarrhause. Auch ein ansehnliches weitläufiges Pfarrhaus pflegt man einen Pfarrhof zu nennen.


Pfarrhufe (W3) [Adelung]


Die Pfarrhufe, plur. die -n, eine Hufe Ackers, so fern sie zur Pfarre gehöret, zum Unterhalte des Pfarrers bestimmt ist.


Pfarrkind (W3) [Adelung]


Das Pfarrkind, des -es, plur. die -er, S. Pfarrgenoß.


Pfarrkirche (W3) [Adelung]


Die Pfarrkirche, plur. die -n, die Hauptkirche in einer Pfarre, an welcher sich der Pfarrer befindet; die Mutterkirche, im Gegensatze der Beykirche, Tochterkirche oder des Filiales.


Pfarrlehen (W3) [Adelung]


Das Pfarrlehen, des -s, plur. inus. das Recht und die Gewalt, einen Pfarrer zu berufen; der Pfarrsatz, die Pfarrverleihung, das Pfarrecht, das Kirchlehen, der Kirchensatz, mit einem Lat. Worte, das Patronat-Recht, Jus Patronatus.


Pfarrleute (W3) [Adelung]


Die Pfarrleute, sing. inus. ( S. Pfarrgenoß.) In engerer Bedeutung sind an einigen Orten Pfarrleute diejenigen, welche dem Pfarrer einige unentgeldliche Dienste zu leisten verbunden sind.


Pfarrsatz (W3) [Adelung]


Der Pfarrsatz, des -es, plur. inus. S. Pfarrlehen.


Pfarrwohnung (W3) [Adelung]


Die Pfarrwohnung, plur. die -en, S. Pfarrhaus.


Pfarrzehnte (W3) [Adelung]


Der Pfarrzehnte, des -n, plur. die -n, der Zehnte, welcher dem Pfarrer von den Eingepfarrten gebühret.


Pfau (W3) [Adelung]


1. Der Pfau, des -es, plur. inus. ein im gemeinen Leben einiger Gegenden aus Eppich verderbtes Wort. So wird der Mauereppich oft nur Mauerpfau genannt.


Pfau (W3) [Adelung]


2. Der Pfau, des -es, plur. die -e, noch häufiger aber die -en, eine Art großer Hühner mit nackten Füßen, einem Federbusche auf dem Kopfe, und einem langen, schön gefärbten, und mit Augen bemahlten Schwanze, welchen er, wenn er im Affecte ist, aus einander breitet, welches ein Rad schlagen genannt wird; Pavo L. et Klein. So stolz wie ein Pfau. Der Nahme Pfau schließet beyde Geschlechter in sich; will man sie näher bezeichnen, so heißt das männliche der Pfauhahn, und das weibliche die Pfauhenne oder die Pfauinn. Er ist in Ceylon und Persien einheimisch, und wegen seines schönen Ansehens schon sehr frühe nach Europa gebracht worden, wo ihn anfänglich nur Könige zu ihrem Vergnügen hielten.

Anm. Im Schwabensp. Pfau, im Nieders. Pageluhn, Pauluhn, im Angels. Pawa, im Engl. Peecock, (von Cock, ein Hahn,) im Schwed. Pafogal, im Dän. Paa, im Böhm. und Pohln. Paw, im Lat. Pavo, im Ital. Pavone, im Franz. Paon, im Span. Pavon; welche insgesammt eine Nachahmung seines natürlichen Geschreyes sind, welches, besonders bey der Pfauhenne, sehr deutlich Pfa-u lautet. Die ältern Griechen nannten ihn - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Pfauenauge (W3) [Adelung]


Das Pfauenauge, des -s, plur. die -n, eigentlich das Auge eines Pfaues. Figürlich führet diesen Nahmen in der Mineralogie eine Art alten Marmors, welcher in grauem Grunde rothe und braune augenförmige Flecken hat; Ital. Occha di Pavone antico. Unter den Insecten ist das Pfauenauge eine Art Nachtvögel, welche sich auf den Brombeersträuchen aufhält; Phalaena Bombyx Pavonia L.


Pfauenfeder (W3) [Adelung]


Die Pfauenfeder, plur. die -n, eigentlich die Feder von einem Pfaue. Figürlich wird an den Perlenmuscheln ein Stück des knorpeligen Theiles des Gewindes, welches, wenn es trocken ist und poliret worden, sehr genau einer Pfauenfeder gleicht, die Pfauenfeder, ingleichen der Pfauenstein genannt. Die Holländischen Schiffer bringen sie aus Ostindien mit, da man sie denn in Ringe zu fassen pflegt.


Pfauenschwanz (W3) [Adelung]


Der Pfauenschwanz, des -es, plur. die -schwänze, oder in der anständigen Sprechart der Pfauenschweif, des -es, plur. die -e, eigentlich der Schwanz oder Schweif eines Pfaues. Figürlich führen diesen Nahmen verschiedene Körper, welche wegen ihrer farbigen Spiegel einem Pfauenschweife ähnlich sehen. 1) In der Mineralogie ist es ein verwittertes Kupfererz, oder ein Kupferlasur, welcher roth, blau, violet und grünlich spielet, und mit schwarzem Flusse ein schönes Kupfer nebst einer darüber stehenden hochrothen Schlacke gibt. 2) Eine Art Stahlwasser, welches auf seiner Oberfläche eine dünne mit einem zarten martialischen farbigen Wesen versehene Haut hat, heißt gleichfalls Pfauenschweif oder Pfauenschwanz. 3) Eine Art Indianischen Staudengewächses, welches sechs bis acht Fuß hoch an Hecken und Zäunen wächset, Blätter wie Tamarinden und Blüthen wie der Rittersporn hat, und den schwarzbräunlichen Samen in Schoten, wie unsere Felderbsen trägt, wird bey den Gärtnern Pfauenschwanz genannt. 4) Ein dunkelrother brauner Papilion, welcher aus einer stacheligen Nesselraupe erzeuget wird, und auf einem jeden Flügel hinten ein gro- ßes buntfarbiges Auge hat, ist gleichfalls unter diesem Nahmen bekannt. 5) Auch die Pfauentauben führen in manchen Gegenden den Nahmen der Pfauenschwänze.


Pfauenspiegel (W3) [Adelung]


Der Pfauenspiegel, des -s, plur. inus. ein Nahme des drey Mahl getheilten Zweyzahnes oder Wasserdostes, Bidens tripartitia L. welcher auch Wasserhanf und Wassersternkraut genannt wird, und dessen Kraut hochgelb färbet.


Pfauenstein (W3) [Adelung]


Der Pfauenstein, des -es, plur. die -e, S. Pfauenfeder.


Pfaufasan (W3) [Adelung]


Der Pfaufasan, des -es, plur. die -e, eine Art Fasane mit himmelblauen augenförmigen Flecken auf der Bedeckung der Flügel und grünen Flecken auf dem Schwanze; Phasianus Pavonius Klein.


Pfauhahn (W3) [Adelung]


Der Pfauhahn, des -es, plur. die -hähne, S. Pfau.


Pfauhenne (W3) [Adelung]


Die Pfauhenne, plur. die -n, S. ebendas.


Pfautaube (W3) [Adelung]


Die Pfautaube, plur. die -n, eine Art Tauben mit einem breiten Schwanze, welcher beynahe wie der Schweif eines Pfaues gewölbet ist; Columba laticauda, Pavonia Klein. Columba tremula L. weil sie mit dem Halse zittert.


Pfautzen (W3) [Adelung]


Pfautzen, von den Katzen, S. Pfuchzen.


Pfebe (W3) [Adelung]


Die Pfebe, plur. die -n, eine Art Kürbse mit lappigen Blättern und ebener Frucht, Cucurbita Pepo L. wovon die eine Art längliche Früchte trägt. Die Melonenpfebe ist eine andere Art, welche einen aufrechten Stamm, lappige Blätter und eine eingedruckte knotige Frucht hat; Cucurbita Melopepo L. Im Oberdeutschen werden oft nicht nur alle Arten der Kürbse, sondern auch der Melonen Pfeben genannt, in welchem letztern Verstande es auch 4 Mos. 11, 5 vorkommt, wo Michaelis das Wort Melone gebraucht.

Anm. Dieses Wort, welches im Oberdeutschen am gangbarsten ist, lautet daselbst im gemeinen Leben auch Babe, Bäbene; im Lat. Pepo, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Im Schwed. heißt die Gurke mit dem eingeschalteten m Pumpa, im Engl. Pompion. Im Wallis. ist Pompa ein großer Apfel. Es ist kein Zweifel, daß mit diesem Worte nicht auf die runde oft längliche Gestalt der Frucht gesehen werden sollte, daher es ein Geschlechtsverwandter von 1 Pfaff, Feifel, Faba, Wiepe, Papula u. s. f. ist, S. 1. Pfaff und das folgende.


Pfeffer (W3) [Adelung]


Der Pfeffer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein Nahme der runden oder rundlichen Samenkörner verschiedener ausländischen Gewächse, welche einen brennend scharfen Geschmack haben, und daher als ein Gewürz gebraucht werden. 1) Eigentlich und am häufigsten bekommt diesen Nahmen der schwarze Pfeffer, welcher gemeiniglich nur Pfeffer schlechthin genannt wird, und die beerartige Frucht einer Ostindischen sehr hoch steigenden Rebenpflanze ist, welche gleichfalls Pfeffer genannt wird; Piper nigrum L. Pfeffer stoßen. Mit Pfeffer würzen. Ganzer Pfeffer, ungestoßener. Wäre er doch, wo der Pfeffer wächst! d. i. weit von hier. Ich wollte, daß er mit seinen Geheimnissen wäre, wo der Pfeffer wächst, Schleg. Pfeffer ist ein Collectivum; einzelne Körner oder Beeren zu bezeichnen gebraucht man das Wort Pfefferkorn. Im Oberdeutschen wird auch eine stark mit Pfeffer gewürzte Brühe, eine Pfefferbrühe, der Pfeffer genannt. Einen Hasen in Pfeffer einmachen, ihn mit einer Pfefferbrühe zurichten. Daher die figürliche R. A. da liegt der Hase im Pfeffer, d. i. das ist der wahre Grund des Übels, daran liegt es, daran fehlt es. ( S. Hasenschwarz.) In noch weiterer Bedeutung pflegte man ehedem ein jedes Gewürz Pfeffer zu nennen, ( S. Brotpfeffer.) 2) Der lange Pfeffer, die unreifen, mit kleinen grauen unvollkommenen Körnern besetzten Fruchtähren einer andern Pflanze, welche eine heftige brennende Schärfe und einen bittern Geschmack haben; Piper longum L. 3) Der Indianische oder Spanische Pfeffer ist die beerartige Frucht einer in dem mittägigen Amerika einheimischen Pflanze von einem ganz andern Geschlechte, Capsicum L. Die Frucht siehet anfänglich grün, hernach gelb, und wenn sie reif ist, glänzend roth aus, hat aber eine unerträgliche brennende Schärfe. 4) Der falsche Indianische Pfeffer ist eine Art des Nachtschattens, welcher auf der Insel Madera einheimisch ist; Solanum Pseudo Capsicum L. 5) Der Jamaische Pfeffer ist die rundliche glatte schwarze gewürzhafte Beere eines Baumes, welcher in Ostindien wächst und zu den Myrten gehöret; Myrtus Pimenta L. 6) Auch von unsern einheimischen Gewächsen werden viele wegen ihrer brennenden Schärfe Pfeffer genannt. ( S. Froschpfeffer, Mauerpfeffer, Schotenpfeffer, Wasserpfeffer, Steinpfeffer u. s. f.) Besonders ist der Abrahamsbaum oder Keuschbaum, dessen schwarze Beeren einen scharfen brennenden Geschmack haben, auch unter dem Nahmen des Deutschen Pfeffers bekannt.

Anm. Im Nieders. Peper, im Engl. Pepper, im Dän. Peber, im Franz. Poivre, im Ital. Pepe, Pevero, im Böhm. Pepr, im Latein. Piper, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; alle aus dem Pers. Pilpil, oder Pelpel. Im Arabischen heißt der Pfeffer Fulfal, und im Indostanischen ein Pfefferkorn Pipael-gird. Man könnte die runde Beschaffenheit für den Grund der Benennung halten, und sie als einen Verwandten von dem vorigen Pfebe ansehen, indem Pap, Fab, in allen Sprachen etwas Rundes, Erhabenes und Spitziges bedeutet, wenn nicht wahrscheinlicher wäre, daß der brennende Geschmack zu der Benennung dieses Gewürzes Anlaß gegeben. Wenigstens verbindet man diesen Begriff im Deutschen alle Mahl mit dem Worte Pfeffer.


Pfefferfraß (W3) [Adelung]


Der Pfefferfraß, des -es, plur. die -e, S. Pfeffervogel.


Pfeffergurke (W3) [Adelung]


Die Pfeffergurke, plur. die -n, kleine Gurken, welche mit Fenchel und grob gestoßenem Pfeffer in Essig eingemacht werden, und auch Essiggurken und Fenchelgurken heißen; zum Unterschiede von den mit Salzwasser eingemachten größern Salzgurken.


Pfefferkorn (W3) [Adelung]


Das Pfefferkorn, des -es, plur. die -körner, S. Pfeffer 1.


Pfefferkraut (W3) [Adelung]


Das Pfefferkraut, des -es, plur. inus. 1) Eine Art der Kresse, welche in den schattigen und feuchten Gegenden Englandes und Frankreichs wohnet, und deren Blätter einen scharfen und brennenden Geschmack wie Pfeffer haben, daher man sich ihrer auch ehedem statt dieses Gewürzes bedienete; Lepidium latifolium L. Bey den ältern Kräuterkennern heißt sie Piperitis. 2) Auch die Saturey, welche gleichfalls ein flüchtiges gewürzhaftes scharfes Wesen hat, ist unter dem Nahmen des Pfefferkrautes bekannt; Saturcia hortensis L. In Niedersachsen heißt sie Kolle, Köllen, welches mit ihrem Nahmen bey dem Plinius Cunila sativa genau überein kommt. Weil man sie mit unter die Wurst hacket, so heißt sie im gemeinen Leben auch Wurstkraut, an andern Orten aber wilder Isopp.


Pfefferkuchen (W3) [Adelung]


Der Pfefferkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gebackenes, welches aus Mehl, Honig, Pfeffer und auch wohl andern Gewürzen bereitet wird, und im Oberdeutschen Lebkuchen, Lebzelten, im Hochdeutschen aber auch Honigkuchen genannt wird.


Pfefferling (W3) [Adelung]


Der Pfefferling, S. Pfefferschwamm.


Pfeffermühle (W3) [Adelung]


Die Pfeffermühle, plur. die -n, eine kleine Handmühle, den Pfeffer zum Behufe der Küchen damit klein zu mahlen.


Pfeffermünze (W3) [Adelung]


Die Pfeffermünze, plur. inus. eine Art der Münze, welche in England einheimisch ist, und einen scharfen brennenden Geschmack hat; Mentha Piperita L.


Pfeffern (W3) [Adelung]


Pfeffern, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, wie Pfeffer brennen, so wohl eigentlich, von dem Geschmacke. Es pfeffert auf der Zunge. Als auch figürlich im gemeinen Leben von dem Gefühle. Die Ruthe pfeffert. 2. Als ein Activum, mit Pfeffer würzen. 1) Eigentlich. Eine Speise pfeffern. 2) Figürlich, mit unangenehmen Empfindungen, mit vielen Beschwerlichkeiten verbinden. Gepfefferte Worte, beißende, anzügliche. Das ist gepfeffert, sagt man, wenn eine Sache mit vielen Beschwerden verbunden ist, ingleichen, wenn ein hoher Preis darauf gesetzt wird.


Pfeffernuß (W3) [Adelung]


Die Pfeffernuß, plur. die -nüsse, Diminut. das Pfeffernüßchen, Oberd. Pfeffernüßlein, eine Art Gebackenes in Gestalt der Haselnüsse aus eben dem Teige, woraus die Pfefferkuchen bereitet werden.


Pfefferpflanze (W3) [Adelung]


Die Pfefferpflanze, plur. die -n, diejenige Pflanze, welche den Pfeffer trägt, und welche auch nur Pfeffer schlechthin genannt wird, S. dieses Wort.


Pfefferschwamm (W3) [Adelung]


Der Pfefferschwamm, des -es, plur. die -schwämme. 1) Eine Art eßbarer Blätterschwämme, welche einen Strunk, einen platten milchigen Hut mit incarnat-rothen Blättern und einen abwärts gebogenen Rand hat; Agaricus piperatus L. Bitterling, Milchschwamm. Er wohnt auf den Triften und in den Wäldern, und ist voll von einem milchigen Safte, welcher so scharf als Pfeffer auf der Zunge beißt. Im gemeinen Leben wird er daher auch Pfifferling und Pfefferling genannt. An andern Orten heißt er Kresseling, im mittlern Lat. Pipio. ( S. auch Rehling.) 2) Noch eine andere goldgelbe Art Blätterschwämme mit einem Strunke und auf solchen auflaufenden ästigen Blättern, Agaricus Chantarellus L. heißt in einigen Gegenden gleichfalls Pfifferling. Er wächst sehr häufig auf den Wiesen und in den Wäldern, und wird von gemeinen Leuten gegessen, ist aber doch verdächtig. Ohne Zweifel ist es dieser Schwamm, welchen man im gemeinen Leben zu Benennung einer Sache von geringerm oder gar keinem Werthe gebraucht. Ich gebe nicht einen Pfifferling darum, nicht das geringste.


Pfeffervogel (W3) [Adelung]


Der Pfeffervogel, des -s, plur. die -vögel, ein Vogel, mit einem langen unterwärts gebogenen hohlen Schnabel, welcher sägeförmig und eben so dick ist, als der Kopf. Er wohnet in Brasilien, hat die Größe eines Spechtes und nähret sich von den Früchten des Pfefferbaumes; Nasutus, Piperivorus Klein. Bey andern Pica Brasiliana, Hohlschnäbler, Pfefferfraß. Im gemeinen Leben wird auch der Seidenschwanz, dessen Fleisch gewürzhaft schmeckt, Pfeffervogel genannt.


Pfeifänte (W3) [Adelung]


Die Pfeifänte, plur. die -n, eine Art wilder Änten mit einem braunen Kopfe und weißbunten Flügeln, welche im Auffliegen und im Fallen einen hellen Ton, wie eine Pfeife, von sich gibt; Anas fistularis Klein. Speckänte.


Pfeife (W3) [Adelung]


1. Die Pfeife, plur. die -n, Diminut. das Pfeifchen, Oberd. Pfeiflein, ein noch im gemeinen Leben übliches Wort, die Fächser und Schößlinge an den Gewächsen zu bezeichnen. In dem Hopfenbaue sind die Hopfenfächser gleichfalls unter dem Nahmen der Pfeifen bekannt. Es ist nicht glaublich, daß das Wort in dieser ganzen Bedeutung eine Figur von Pfeife, fistula, seyn sollte, weil die Ähnlichkeit zu gesucht und zu gezwungen seyn würde. Es scheinet vielmehr, daß damit auf die sprossende, aufschießende und fortwuchernde Bewegung gesehen werde, welche auch durch die Nahmen Fächser, Schößling, Reis, Sprößling u. s. f. ausgedrucket wird, so daß Pfeife in dieser Bedeutung ein Geschlechtsverwandter von weifen, schweifen, schweben, Wipfel u. s. f. ist.


Pfeife (W3) [Adelung]


2. Die Pfeife, plur. die -n, Diminut. das Pfeifchen, Oberd. Pfeiflein, ein noch in vielen Fällen des gemeinen Lebens übliches Wort, einen hohlen Raum, eine Röhre, und mit einer Röhre versehenes Ding zu bezeichnen. So werden die Zellen in den Wachsscheiben der Bienen häufig Pfeifen genannt. ( S. Honigzelle und Mutterpfeife.) Die Dülle oder Röhre im Leuchter heißt im gemeinen Leben die Pfeife, Nieders. Pipe, und diesen Nahmen führen in Niedersachsen auch die Brunnenröhren und andere Röhren, durch welche Wasser geleitet wird. In den Marschländern sind die Gräben und Kanäle, durch welche das innerhalb eines Deiches oder Dammes eingedrungene Wasser abgeleitet wird, unter dem Nahmen der Pfeifen, Nieders. Pipen, bekannt. Die Röhrbeine oder großen Röhrknochen an den Menschen und Thieren heißen im gemeinen Leben häufig Pfeifen. Bey den Gärtnern ist die Pfeife die mit einem Auge versehene und in Gestalt eines breiten Ringes von einem Schößlinge abgestreifte Rinde, welche auf ein anderes seiner Rinde vorher beraubtes Reis gezogen wird. ( S. 1 Pfeifen.) Die Pfeife der Weber ist ein kleines Röhrchen in dem Schützen oder der Spuhle, welches auf einem eisernen Drahte steckt. Am bekanntesten ist unter diesem Nahmen eine am Ende mit einem Kopfe versehene Röhre, wodurch man den Rauch des angezündeten Tobaks an sich ziehet; die Tobakspfeife oder nur Pfeife schlechthin. Eine thönerne, hörnerne Pfeife. Eine Pfeife Tobak rauchen, so vielen Tobak rauchen, als sich auf ein Mahl in den Kopf der Pfeife füllen lässet. Die Pfeife stopfen, anzünden, ausrauchen u. s. f. In der Bedeutung eines Fasses ist das Niederdeutsche Pipe üblicher, ( S. dasselbe.) Es kann seyn, daß in einigen dieser Fälle auf die Ähnlichkeit mit der folgenden Pfeife gesehen worden. Aber im Ganzen scheinet dieses Wort eben so wenig eine Figur davon zu seyn, als das vorige, sondern überhaupt den Begriff des hohlen Raumes auszudrucken, da es denn ein naher Verwandter von dem Lat. Fovea seyn würde. S. 1 Pfeifer.


Pfeife (W3) [Adelung]


3. Die Pfeife, plur. die -n, Diminut. das Pfeifchen, Oberd. Pfeiflein, eine hohle Röhre, welche vermittelst der eingeblasenen Luft einen hellen pfeifenden Ton von sich gibt. Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Pfeifen, Hiob 21, 12. Und haben Harfen, Psalter, Pauken, Pfeifen und Wein, Es. 5, 12. Der häufige Gebrauch, welchen der große Haufe von dieser Art Werkzeuge von je her gemacht hat, hat dasselbe zugleich verächtlich gemacht, daher man das Wort Pfeife von einem musikalischen Werkzeuge in anständigem Verstande nicht mehr gebraucht, indem dafür andere Nahmen, besonders aber Flöte üblich geworden sind. Über dieß sind die eigentlich pfeifenden Werkzeuge dieser Art in der heutigen Musik nicht mehr gebräuchlich. In dem einzigen Orgelpfeife hat es sich noch in der ehemahligen anständigen Bedeutung erhalten, wo es auch von den großen Röhren gebraucht wird, deren Ton man sonst eben nicht ein Pfeifen nennen würde. Die Sackpfeife, Halmpfeife, Rohrpfeife, Schnurrpfeife, Querpfeife u. s. f. Nach jemandes Pfeife tanzen, sich nach dessen Willen bequemen. Die Pfeife einziehen, in seiner Hitze, in seinem Eifer nachlassen. Pfeifen schneiden, weil man im Rohre sitzt, die Gelegenheit nutzen, indem sie da ist, Sprichw. Wer im Rohre sitzt, hat gut Pfeifen schneiden. Die Liebe ist schlauer als die Freundschaft, ihr süßes Pfeifchen schläfert wohl einen Argus ein, Weiße. Figürlich ist in der Tortur die Pfeife ein ausgeschnittener Knebel mit einem Luftloche, welcher dem Inquisiten an einigen Orten in das Maul gesteckt wird, das Schreyen zu verhindern.

Anm. Im Nieders. und Angels. Pipe, im Engl. Pipe, im Schwed. Pipa, im Ital. Piva, im Wallis. Pib. ( S. 2 Pfeifen,) mit welchem es eine Nachahmung des pfeifenden Klanges selbst ist. Im Chaldäischen und Syrischen heißt eine Halmpfeife mit dem vorgesetzten a - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Pfeifen (W3) [Adelung]


1. Pfeifen, verb. reg. act. welches nur bey den Gärtnern üblich ist, wo es eine Art des Oculirens ist, wenn die Rinde mit einem Auge in Gestalt eines Ringes oder eines Röhrchens von einem Reise abgezogen und auf ein anderes vorher seiner Rinde beraubtes Reis gesetzet wird. Im Oberdeutschen wird es auch röhrlen und teicheln genannt, von Röhre und Teiche, welches letztere so wie Pfeife gleichfalls eine Röhre bedeutet. S. 2 Pfeife.


Pfeifen (W3) [Adelung]


2. Pfeifen, verb. irreg. Imperf. ich pfiff, Partic. gepfiffen. Es ist in doppelter Gestalt üblich. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Denjenigen hellen Laut von sich geben, welchen dieses Zeitwort nachahmet und ausdrucket, wo es in allen den Fällen gebraucht wird, in welchen sich ein solcher Laut hören läßt. Der Wind pfeift, wenn er sich durch enge Öffnungen drängt. Die Kugeln pfeifen in der Luft. Der Kugeln Saat pfeift, da die Flamme heult, Kleist. Der Degen flog pfeifend in die Luft. Die ähnliche Stimme der kleinen Vögel und des jungen Federviehes druckt man gleichfalls durch pfeifen aus, Niedersächs. pipen, jipen, Lat. pipire, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Ital. pipare. Der Laut der Fischotter ist gleichfalls ein Pfeifen, so wie die Stimme der Pfeifänte, der Pfeifdrossel und anderer Vögel. Figürlich heißt pfeifen mit feiner Stimme reden, und in Niedersachsen pfeift man auch, wenn man sich mit schwacher feiner Stimme beklagt. 2) Diesen Laut hervor bringen. Mit dem Munde pfeifen, ohne ein anderes Werkzeug als den zugespitzten Mund dazu zu gebrauchen. Einem Hunde pfeifen, ihn auf solche Art zu sich rufen. Auf einem Blatte pfeifen. In engerer Bedeutung, solchen Laut vermittelst einer Pfeife hervor bringen. Wie kann man wissen, was gepfiffen oder geharfet ist, 1 Cor. 14, 7. Das Volk pfiff mit Pfeifen, auf Pfeifen, 1 Kön. 1, 40. Wir haben euch gepfiffen und ihr wollt nicht tanzen, Matth. 11, 17. Sprichw. Wer gern tanzet, dem ist bald gepfiffen. Da die ehemahligen Pfeifen aus der heutigen Musik verbannet und dafür die Flöten und andere Werkzeuge von einem angenehmeren und männlichern Klange eingeführet worden, so wird dieses Wort auch nur noch von den im gemeinen Leben hin und wieder üblichen Pfeifen gebraucht. Auf dem letzten Loche pfeifen, in den letzten Zügen liegen, ist in der niedrigen Sprechart einheimisch. 2. Ein Activum, durch Pfeifen andeuten oder ausdrucken. Ein Lied, eine Melodie pfeifen. So auch das Pfeifen.

Anm. Im Nieders. pipen, im Schwed. pipa, im Engl. to pipe. Es ist eine genaue Nachahmung des pfeifenden Lautes.


Pfeifenbohrer (W3) [Adelung]


Der Pfeifenbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Drechslern, ein langer dünner Bohrer, die hölzernen oder hörnernen Röhren zu den Tobakspfeifen damit auszubohren.


Pfeifenbret (W3) [Adelung]


Das Pfeifenbret, des -es, plur. die -er, in den Orgeln, ein durchbohrtes Bret, worin die Pfeifen stecken.


Pfeifendeckel (W3) [Adelung]


Der Pfeifendeckel, des -s, plur. ut nom. sing. ein messingener Deckel auf einer Tobakspfeife; Nieders. Pipendop.


Pfeifenfutter (W3) [Adelung]


Das Pfeifenfutter, des -s, plur. ut nom. sing. oder das Pfeifenfutteral, des -es, plur. die -e, ein Futter oder Futteral, die Tobakspfeifen darin zu verwahren.


Pfeifenglaser (W3) [Adelung]


Der Pfeifenglaser, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Pfeifenmachern, derjenige, welcher die thönernen Tobakspfeifen glasiret.


Pfeifenglasur (W3) [Adelung]


Die Pfeifenglasur, plur. doch nur von mehrern Arten, die -en, eine Glasur aus Seife, Gummi und weißem Wachse, womit die thönernen Tobakspfeifen glasiret werden.


Pfeifenholz (W3) [Adelung]


Das Pfeifenholz, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme der Sahlweide, Palmweide oder Buschweide, Salix caprea L. vermuthlich weil sie gemeiniglich hohl ist, daher sie auch Hohlweide genannt wird, S. 2 Pfeife.


Pfeifenknochen (W3) [Adelung]


Der Pfeifenknochen, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, ein Nahme der großen hohlen Röhrknochen bey Menschen und Thieren, welche auch nur Pfeifen schlechthin genannt werden, S. 2 Pfeife. Nieders. Bunkenknaken.


Pfeifenkopf (W3) [Adelung]


Der Pfeifenkopf, des -es, plur. die -köpfe, der Kopf an einer Tobakspfeife.


Pfeifenmacher (W3) [Adelung]


Der Pfeifenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher Tobakspfeifen macht, besonders, der sie aus weißem Thone verfertiget.


Pfeifenmärgel (W3) [Adelung]


Der Pfeifenmärgel, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. eine Art des Märgels, welche aufrecht stehend in Gestalt der Orgelpfeifen gefunden wird.


Pfeifenmuschel (W3) [Adelung]


Die Pfeifenmuschel, plur. die -n, einschalige ungewundene Schnecken in Gestalt einer Pfeife; Tubulus. Bey andern werden sie Meerröhren genannt, dagegen einige die Nägelmuschel, Solen, Pfeifenmuschel nennen.


Pfeifenräumer (W3) [Adelung]


Der Pfeifenräumer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug, die Tobakspfeifen damit auszuräumen, so wohl ein kleines spitziges Werkzeug zur Ausräumung des Kopfes, als auch ein Draht mit einer kleinen Bürste, zur Reinigung des Rohres selbst.


Pfeifenrohr (W3) [Adelung]


Das Pfeifenrohr, des -es, plur. die -e, ein Rohr, d. i. eine Röhre, so fern solche ein Theil einer Tobakspfeife ist, zum Unterschiede von dem Kopfe und Mundstücke.


Pfeifenstock (W3) [Adelung]


Der Pfeifenstock, des -es, plur. die -stöcke, in den Orgeln, ein mit Löchern versehenes Holz unter dem Pfeifenbrete, worin der eigentliche Fuß der Pfeifen steht.


Pfeifenstopfer (W3) [Adelung]


Der Pfeifenstopfer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug, den brennenden Tobak in der Tobakspfeife nachzustopfen, d. i. fest zu drucken.


Pfeifenthon (W3) [Adelung]


Der Pfeifenthon, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein weißer mit brennbaren Theilen vermischter Thon, welcher fettig anzufühlen ist, und aus welchem die Tobakspfeifen gebrannt werden.


Pfeifer (W3) [Adelung]


1. Der Pfeifer, des -s, plur. ut nom. sing. eine im gemeinen Leben übliche Benennung der Raupen des Rüsselkäfers, Curculio L. welche die Samenschoten des Rübsens leer ausfressen und aushöhlen; ohne Zweifel von 2 Pfeife, ein hohler Raum, eine Röhre. Im gemeinen Leben einiger Gegenden heißen alle Sommervögel oder Schmetterlinge Pfeifholter, vielleicht Pfeilfalter.


Pfeifer (W3) [Adelung]


2. Der Pfeifer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Pfeife geschickt zu spielen weiß. Von Jubal sind die Pfeifer kommen, 1 Mos. 4, 21. Als er in des Obersten Haus kam und sahe die Pfeifer und das Getümmel des Volks, Matth. 9, 23. Der Sackpfeifer, der Querpfeifer. Da die eigentlichen Pfeifen in der Musik veraltet und verächtlich geworden sind, so hat auch das Wort Pfeifer an diesem Schicksale Antheil genommen; nur bey den Soldaten haben sie sich noch erhalten. Im gemeinen Leben nennt man die Musikanten oder Spielleute von den ehedem üblichen Pfeifen noch Kunupfeifer, und wenn sie in einer Stadt angenommen sind, Stadtpfeifer. Nieders. Piper, Angels. Pipere.


Pfeifergericht (W3) [Adelung]


Das Pfeifergericht, des -es, plur. die -e, ein altes Gericht in Frankfurt am Main, welches nur noch kurz vor der Herbstmesse gehalten wird, da denn zugleich die drey Städte, Worms, Nürnberg und Bamberg die Bestätigung ihrer Zoll- und anderer Freyheiten auf der Messe erhalten. Es hat seinen Nahmen von den Pfeifern, d. i. Musikanten, unter deren Begleitung die Abgeordneten der jetzt genannten Städte vor demselben erscheinen.


Pfeifholter (W3) [Adelung]


Der Pfeifholter, des -s, plur. ut nom. sing. S. 1. Pfeifer.


Pfeiflerche (W3) [Adelung]


Die Pfeiflerche, plur. die -n, eine Art Lerchen, Alauda fistulans Frisch. welche doch von der gewöhnlichen Heide- oder Waldlerche in nichts verschieden ist.


Pfeil (W3) [Adelung]


Der Pfeil, des -es, plur. die -e, Diminut. das Pfeilchen, ein an dem einen Ende zugespitzter und an dem andern gemeiniglich mit Federn versehener leichter Stab, welchen man vor Erfindung der Feuergewehre von dem Bogen schoß, und welcher noch von vielen Völkern in dieser Absicht gebraucht wird. Er ist von den schwerern Bolzen, welche von Armbrüsten geschossen werden, sehr verschieden. Mit Pfeilen schießen. Einen Pfeil abschießen. So schnell wie ein Pfeil, sehr schnell. Er kam wie ein Pfeil geschossen, sehr geschwinde. Ein Wort ist ja kein Pfeil, es verwundet nicht, rauscht ohne zu verletzen vorüber. Er hat seine Pfeile verschossen, er weiß nichts mehr zu sagen, ingleichen, er ist entkräftet. An einem Gradbogen heißt das vornehmste in Grade eingetheilte Stück, auf welchem der Hammer oder das Knie beweglich ist, der Pfeil, und in der Mathematik wird derjenige Theil von dem halben Durchmesser eines Zirkels, welcher zwischen dem Bogen und seinem Sinu liegt, Sinus versus, von einigen der Pfeil genannt. Anm. Bey dem Stryker Pheil, im Nieders. Piel, im Schwed. Pil, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es gehöret zu den Wörtern Beil, Bille, Pfahl, Belzen und andern, in welchen der Begriff der Spitze oder der Schärfe der herrschende ist. Im Lat. Pilum, ein Wurfspieß und im Wallis. Bilan, eine Lanze. Die zarten Kiele der noch in der Haut liegenden Federn heißen in Niedersachsen Pilen, und auch im Hochdeutschen mit dem vorgesetzten Zischlaute im gemeinen Leben Spielen. Ehedem wurde auch Strahl häufig für einen Pfeil gebraucht, in welchem Verstande es von Notkers Zeiten an bis auf den Verfasser des Theuerdankes vorkommt.


Pfeileisen (W3) [Adelung]


Das Pfeileisen, des -s, plur. ut nom. sing. die eiserne zuweilen mit Widerhaken versehene Spitze an einem Pfeile.


Pfeiler (W3) [Adelung]


Der Pfeiler, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Pfeilerchen, Oberd. Pfeilerlein, eine eckige steinerne Stütze, sie mag nun frey stehen, oder in eine Wand zum Theil eingemauert seyn, in welchem letztern Falle sie ein Wandpfeiler heißt. Pfeiler stunden unten an den Erkern, Ezech. 40, 49. Die Pfeiler trugen die Gänge am Hause, Kap. 41, 9. Auch der schmale einem Pfeiler ähnliche Theil der Mauer zwischen zweyen Fenstern heißt ein Pfeiler. Im Bergbaue wird dasjenige Gestein, welches man zur Unterstützung des Hangenden in den Gängen stehen lässet, und welches auch die Bergfeste heißt, ein Pfeiler genannt. Im wei- testen Verstande heißt in der Baukunst die eigentliche Säule, im Gegensatze des Postementes und des Gebälkes, der Pfeiler.

Anm. Im Nieders. Piler, im Engl. Pillar, im Ital. Piliere, im Franz. Pilier, im Span. Pilar, im Schwed. Pelare, im Wallis. Piler, im Böhm. Pilir, im Pohln. Filar, im Lat. Pila, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Pfeilfisch (W3) [Adelung]


Der Pfeilfisch, des -es, plur. die -e, eine Art Hechte mit einem pfriemenförmigen spitzigen Maule in Gestalt eines Schnabels; Esox Bellone L. Schneffel, (Schnabel,) Hornfisch, Meernadel. Er hält sich im Meere auf und hat grüne Gräten, welche bey der Nacht leuchten.


Pfeilhöhle (W3) [Adelung]


Die Pfeilhöhle, plur. die -n, in der Anatomie, eine Höhle in dem Hirnhäutchen, welche durch den Rücken der Sichel unter der Pfeilnaht, von welcher sie den Nahmen hat, bis zu dem kleinen Gehirne läuft; Sinus sagittalis.


Pfeilkraut (W3) [Adelung]


Das Pfeilkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme verschiedener Pflanzen, wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit einem mit Widerhaken versehenen Pfeile. 1) Einer Art des Wegetrittes, Polygonum amphibium L. Eine andere Art, welche gleichfalls vielförmige Blätter hat, Polygonum sagittatum, wächst in Virginien und Maryland. 2) Noch häufiger aber einer Pflanze, welche in den thonigen Flüssen und Seen wächst; Sagittaria L. Es gibt verschiedene Arten desselben, wohin das gemeine, das kleine, das große und das bunte Pfeilkraut gehören.


Pfeilmotte (W3) [Adelung]


Die Pfeilmotte, plur. die -n, eine Art Motten, Phalaena Noctua Psi. L.


Pfeilmuschel (W3) [Adelung]


Die Pfeilmuschel, plur. die -n, eine fast cylinderförmige vielschalige Muschel ohne Scharnier mit dünnen zart gestreiften Schalen; Pholas, lange Spitzmuschel.


Pfeilnaht (W3) [Adelung]


Die Pfeilnaht, plur. die -nähte, in der Anatomie, eine der drey Nähte in der Hirnschale, welche sich aus der Ecke der Winkelnaht durch den Wirbel bis zu der Mitte der Kronnaht erstreckt, und die Beine des Vorderhauptes mit einander verbindet; Sutura sagittalis.


Pfeilstein (W3) [Adelung]


Der Pfeilstein, des -es, plur. die -e, S. Belemnit.


Pfeilwurz (W3) [Adelung]


Die Pfeilwurz, plur. inus. eine Pflanze, welche in dem mittägigen Amerika wohnet, und von den Einwohnern als ein sicheres Mittel auf die von vergifteten Pfeilen verursachte Wunden gelegt wird; Thalia L


Pfeilwurzel (W3) [Adelung]


Die Pfeilwurzel, plur. die -n, in dem Weinbaue, ein Nahme der gerade hinab steigenden und vornehmsten Wurzel des Weinstockes, zum Unterschiede von den Thau- und Wasserwurzeln. An den Bäumen wird sie die Spießwurzel, Pfahlwurzel und Herzwurzel genannt.


Pfelle (W3) [Adelung]


Die Pfelle, plur. die -n, ein Nahme, welchen in einigen Oberdeutschen Gegenden die Elritze, Cyprinus Phoxinus L. führet. Weil dieser Fisch eine sehr bittere Galle hat, und selbst bitter schmeckt, so leitet man den Nahmen gemeiniglich von dem Lat. Fel, die Galle, her, wie er denn auch wohl Felle geschrieben und gesprochen wird.


Pfennich,Pfennig (W3) [Adelung]


Der Pfennich, oder Pfennig, der Oberdeutsche Nahme des Fuchsschwanzes, S. Fench.


Pfennig (W3) [Adelung]


Der Pfennig, des -es, plur. die -e. 1. Ein Nahme einer Münze und eines Gewichtes. 1) Einer Münze. Ehedem wurde eine jede Münze zuweilen ein Pfennig genannt, und noch jetzt kommt zuweilen eine Schaumünze, eine Gnadenmünze, eine Denkmünze u. s. f. unter dem Nahmen eines Schaupfenniges, Gnadenpfenniges und Denkpfenniges vor. Auch die Bracteaten oder Blechmünzen wurden vor diesem sehr häufig Blechpfennige genannt. Die Albus oder halben Batzen hießen ehedem Weißpfennige, und kommen noch jetzt zuweilen unter diesem Nahmen vor. Luther nennt Joh. 6, 7, und Marc. 6, 37 die Denare Pfennige, wofür er doch in andern Stellen richtiger das Wort Groschen gebraucht. Heut zu Tage ist der Pfennig eine Art der kleinsten Scheidemünzen, welche doch auch nicht überall von einerley Werth ist. Im Mecklenburgischen werden die Häller Pfennige genannt. In Oberdeutschland hat man leichte Pfennige, deren zwölf auf einen Kaisergroschen gehen, und schwere Pfennige, deren zwölf einen guten Groschen machen. Die letztern werden in Ober- und Niedersachsen und in einem großen Theile Oberdeutschlandes nur Pfennige schlechthin genannt. Drey Pfennige, sechs Pfennige u. s. f. nicht Pfennig, wie wohl bey andern Münzarten mit Zahlwörtern üblich ist. Er hat mich bey Häller und Pfennig bezahlt, völlig. Ich gebe keinen Pfennig mehr, nichts mehr. In Schlesien hält ein Denar oder Pfennig, denn beyde sind daselbst gleichbedeutend, 1 1/2 Häller, dagegen in andern Ländern 2 Häller auf einen Pfennig gehen. Figürlich werden im gemeinen Leben die versteinerten Heliciten, welche zu den vielkammerigen um den Mittelpunct gewundenen Schnecken gehören, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, versteinerte Pfennige oder Pfennigsteine genannt. Auch die kleinen versteinerten Chamiten, welche bey Brattenburg sehr häufig gefunden werden, sind aus eben dieser Ursache bey dem gemeinen Manne unter dem Nahmen der Brattenburgischen Pfennige bekannt. 2) Ein Gewicht. (a) In dem Handelsgewicht ist der Pfennig durch ganz Deutschland der vierte Theil eines Quentes, und zwey Häller machen auch hier einen Pfennig, so daß ein Quent 4 Pfennige, oder 8 Häller hat (b) In einigen Gegenden ist es in den Gold- und Silbergewichten der zwölfte Theil einer Mark, da denn der Pfennig 1 1/3 Loth ist, und wiederum 24 Groschen oder Grän hält. c) Im Hüttenbaue ist das Pfenniggewicht eine besondere Art des Probiergewichtes, wo die Mark in 156 Theile getheilet wird, zum Unterschiede von dem Centnergewichte, Markgewichte und Karatgewichte. Das Brandsilber und die Pagamente werden nach diesem Gewichte probieret. 2. In weiterer Bedeutung wird dieses Wort oft für Geld überhaupt gebraucht, wo es denn bald im Singular allein, bald aber auch im Plural allein stehet. Ehedem war es in dieser Bedeutung überaus gangbar; jetzt kommt sie nur noch in den Zusammensetzungen Beichtpfennig, Pathenpfennig, Nothpfennig, Ehrenpfennig, Zehrpfennig, Haftpfennig, Miethpfennig, Reisepfennig u. s. f. und im Plural in Mutterpfennige vor. S. auch viele der folgenden Bedeutungen. 3. * In noch weiterer Bedeutung wurde es ehedem von einer jeden Waare, von dem Vermögen, und kurz von allem, was Geldes werth war, gebraucht. In diesem Verstande ist es gleichfalls veraltet, man müßte denn die noch bey Steuern und Auflagen übliche R. A. der fünfte, vierte u. s. f. Pfennig, dahin rechnen, worunter man bald den so vielsten Theil des sämmlichen Vermögens, bald nur denselben Theil von dem Werthe der liegenden Gründe verstehet. Ihre beweiset, daß diese Bedeutung ehedem auch in Schweden gangbar gewesen. So heißet es z. B. in dem alten Helsingischen Gesetzbuche: Säter man jord i wäd adrhum fore korn aeller adhra peninga, wo das Korn mit unter die Pfennige, d. i. Geld, gerechnet wird. Und in dem Westgothischen Gesetzbuche: Giwer madher kono sinni gard til hindradax giöf, med allum paenningum them, theriäru, wenn ein Mann seiner Frau zum Heirathsgute ein Landgut mit allen dazu gehörigen Pfennigen (d. i. beweglichen Gütern) gibt; wo im folgenden das Wort Godz, Güter, gebraucht wird. In dem mittlern Lat. wurde Pecunia, so wie im Deutschen ehedem Geld, auf ähnliche Art von einem jeden beweglichen oder unbeweglichen Gute gebraucht. So veraltet auch diese Bedeutung ist, so wichtig ist sie doch bey Erforschung der Abstammung dieses Wortes. Anm. Dieses alte Wort lautet bey dem Ottfried, der es schon für Geld überhaupt gebraucht, Pfening, oder vielmehr wie in den Handschriften nach Schilters Versicherung in den Anmerkungen zum 3ten B. Kap. 14 gelesen wird, Pending, Penthing, Pfentinc; bey dem Willeram Phenning, im Tatian, wo es für Silberling steht, Phenningo, noch im Deutschen bey vielen Pfenning, im Angels. Penig und Pening, im Engl. Penny und im Plural Pence, im Schwed. Penning, im Isländ. Penningur, im Slavon. Penez, im Ungar. Penz, im Pohln. Pieniacz. Die Abstammung dieses Wortes ist noch nichts weniger als ausgemacht. Die letzte Sylbe ist unstreitig die Ableitungssylbe -ing oder -ig, welche ein Ding, ein Subject bedeutet, von welchem etwas gesagt wird. Nur die erste Hälfte, welche das Prädicat enthält, ist noch dunkel. Die Wortforscher, welche sich mit diesem Worte beschäftiget haben, theilen sich vornehmlich in zwey Classen, wovon die eine die erste Bedeutung einer geprägten Scheidemünze, und die andere die letzte Bedeutung einer Waare, eines Gutes, für die erste und ursprüngliche hält, und darauf ihre Etymologien gründet. Um hier nur einige der vornehmsten anzuführen, so ließ Skinner es von dem Lat. Pecunia durch eine Versetzung der Buchstaben abstammen. Goldast leitet es sehr seltsam von behändig ab, und behauptete, das Geld wäre wegen seiner Bequemlichkeit im Handel und Wandel so genannt worden. Viele unter den Deutschen lassen es von Pfanne abstammen, und setzen voraus, daß die Hohlmünzen, welche man im gemeinen Leben auch wohl Schüsselpfennige zu nennen pflegt, zuerst und eigentlich diesen Nahmen geführet. Verelius legte das alte Schwedische paena, ausdehnen, prägen, zum Grunde, welches mit unserm Pein verwandt ist, S. dasselbe. Wachter läßt es von dem alten und noch jetzt im Wallisischen üblichen Pen, ein Kopf, abstammen, weil auf die ersten in Deutschland bekannt gewordenen Münzen der Kopf des Kaisers gepräget war. Was diese Ableitung wahrscheinlich macht, ist theils, daß auch Münze seinen Nahmen von dem Gepräge hat, theils aber auch, daß in der Schweiz ein Pfennig Angster genannt wird, d. i. Angesichter, gleichfalls von dem darauf geprägten Kopfe oder Angesichte. Frisch ist für das Latein. pendo, Schilter aber, der sich auf Ottfrieds Schreibart Penthing und Pfentinc, und auf das Dänische Pendig für Pfennig gründet, leitet es von Pfand, Pignus, ab, und erkläret es, der letzten Bedeutung zu Folge, durch ein bewegliches Gut, welches die Stelle eines Pfandes vertreten kann. Und dieser Ableitung pflichtet auch Ihre bey, welcher mit mehrern Stellen beweiset, daß Pfennig ehedem ein jedes bewegliches Gut bedeutet habe. Ja noch jetzt bedeutet Penning im Isländischen das Vieh, daher es in der Isländischen Bibel Joel 1 heißt: O huersu peninguren styner! o wie stöhnet das Vieh!


Pfennigerz (W3) [Adelung]


Das Pfennigerz, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, eine Art Eisenerzes, welches in den Sümpfen in unförmlichen flachen Stücken gefunden wird, und eine Art des Sumpferzes ausmacht. Vermuthlich von Pfanne, so fern dasselbe auch, wie noch jetzt Pane im Englischen, eine flache Scheibe bedeutet hat.


Pfennigfuchser (W3) [Adelung]


Der Pfennigfuchser, des -s, plur. ut nom. sing. in der niedrigen Sprechart, ein Mensch, welcher aus Geitz auch den geringsten Pfennig zu ersparen und zu erwuchern sucht; Nieders. Hüpennig; von hüen, hüthen, im mittlern Lat. Pincemedallia, Franz. Pincemaille.


Pfenniggewicht (W3) [Adelung]


Das Pfenniggewicht, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, eine Art des Probiergewichtes, ohne Plural; ingleichen einzelne Gewichte dieser Art, S. Pfennig.


Pfennigkraut (W3) [Adelung]


Das Pfennigkraut, des -es, plur. inus. 1) Eine Art des Weiderichs, welches einen langen dünnen an der Erde hinkriechenden Stängel hat, der zu beyden Seiten mit kleinen runden fetten Blättchen in Gestalt eines Pfenniges besetzt ist; Lysimachia Nummularia L. Wiesengeld, Wiesenkraut, Engelkraut, Dän. Pengurt Pengeblad. 2) Die Feldtasche, Thlaspi campestre, und der Bauernsenf, Thlaspi arvense L. werden wegen ihrer runden flachen Samenschoten zuweilen auch Pfennigkraut genannt.


Pfenniglinse (W3) [Adelung]


Die Pfenniglinse, plur. die -n, eine Art der gewöhnlichen Feldlinsen mit platt gedruckten in der Mitte ein wenig erhabenen Samen; Französische Linsen.


Pfennigmark (W3) [Adelung]


Die Pfennigmark, plur. doch nur von mehrern Arten, die -en, in dem Hüttenbaue, die in dem Pfenniggewichte übliche Mark, wo sie in 156 Theile getheilet wird.


Pfennigmeister (W3) [Adelung]


Der Pfennigmeister, des -s, plur. ut nom. sing. eine alte, noch hin und wieder übliche Benennung eines Cassierers oder Schatzmeisters, welcher gewisse Gelder in seiner Aufsicht hat und die Ausgaben und Einnahmen davon berechnet. Daher die Pfennigmeisterey, dessen Amt und Wohnung, ingleichen ein ganzes zu den Einnahmen gewisser Art verordnetes Collegium, und der Ort, wo sich dasselbe versammelt; der Pfennigschreiber, der Schreiber bey einem solchen Collegio, u. s. f.


Pfennigstein (W3) [Adelung]


Der Pfennigstein, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welcher im gemeinen Leben denjenigen Versteinerungen gegeben wird, welche auch unter dem Nahmen der versteinerten Pfennige bekannt sind, S. Pfennig.


Pferch (W3) [Adelung]


Der Pferch, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, in der Landwirthschaft, der Koth der vierfüßigen Thiere, besonders der zahmen, so fern derselbe als Dünger gebraucht wird; daher auch der Dünger überhaupt in manchen Gegenden Pferch heißt. In weiterer Bedeutung wird oft ein jeder Thier- oder Menschenkoth Pferch genannt. S. 1 Pferchen.


Pferche (W3) [Adelung]


Die Pferche, plur. die -n, gleichfalls nur in der Landwirthschaft. 1) Der mit Hürden eingeschlossene Raum, worein die Schafe auf den Brachfeldern über Nacht getrieben werden. 2) Die Art und Weise, die Schafe auf diese Art unter freyem Himmel übernachten zu lassen; ohne Plural. Die Pferche gehörig zu führen wissen. Die Pferche thut auf ebenem Lande bessere Dienste als auf abschüssigen Feldern.

Anm. In beyden Bedeutungen in einigen Gegenden auch im männlichen Geschlechte, der Pferch. Es gehöret in dieser Bedeutung ohne Zweifel zu dem mittlern Lat. Parcus, ein eingeschlossener Ort, Franz. und Engl. Parc, im Ital. Parco, ohne doch unmittelbar von denselben abzustammen. Im Hollsteinischen ist die Berge gleichfalls eine Hütte, so wie Parcum und Parricum im Ripuarischen Gesetze einen Stall, in den alten Baierischen Gesetzen aber ein Kornhaus bedeuten. Das Stammwort ist entweder Barre, ein Riegel, eine Stange, oder auch das Zeitwort bergen. S. 2 Pferchen.


Pferchen (W3) [Adelung]


1. Pferchen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, seinen Koth, die Überbleibsel der verdauten Speisen von sich lassen, cacare, wo es in der Landwirthschaft als ein anständiger Ausdruck für andere niedrigere gebraucht wird. 2) Als ein Activum, mit solchem Kothe düngen, und in weiterer Bedeutung, düngen überhaupt. Den Acker pferchen. So auch das Pferchen.

Anm. Gemeiniglich hält man Pferch, Koth, und Pferche, der mit Hürden eingeschlossene Raum, für ein und eben dasselbe Wort, weil doch die Schafe hauptsächlich um ihres Pferches willen in der Pferche sind. Allein da man Pferch und pferchen auf dem Lande von allen Thieren so wohl als Menschen gebraucht, so ist es wahrscheinlicher, daß es eine Nachahmung des mit dem Pferchen gemeiniglich verbundenen Lautes ist, und zu den niedrigen farzen, furzen gehöret, welche vermittelst des härtern z einen stärkern Laut ausdrucken.


Pferchen (W3) [Adelung]


2. Pferchen, verb. reg. act. von Pferche, ein mit Hürden eingeschlossener Raum, mit Pferchen beziehen, Pferchen auf dem Acker schlagen und die Schafe darin übernachten lassen. Anfangen zu pferchen. Einen Acker pferchen, ihn auf solche Art überziehen und düngen. Daher das Pferchen.


Pferchen (W3) [Adelung]


3. Pferchen, verb. reg. act. mehrere Dinge in einen engen Raum zusammen drängen, stopfen, pfropfen. Die Schulstube wo ein ehrlich altes Weib unsre Kinder zusammen gepfercht hatte, Göthe. Zeugnisse der Väter ohne Observationen zusammen pferchen, Frankf. gel. Zeit. So auch das Pferchen.

Anm. Dieses Zeitwort ist von den beyden vorigen völlig verschieden. Es hat eine sehr sichtbare Übereinstimmung mit dem Lat. farcire, ohne doch von demselben entlehnet zu seyn. Beyde scheinen zu dem Geschlechte unsers wirken zu gehören, oder vielleicht auch Intensiva von fahren in dessen weitesten Bedeutung zu seyn.


Pferchhütte (W3) [Adelung]


Die Pferchhütte, plur. die -n, eine kleine von Bretern zusammen geschlagene und auf einem dreyräderigen Karren befestigte Hütte, worin der Schäfer bey den in der Pferche befindlichen Schafen über Nacht bleibet; der Pferchkarren, der Schäferkarren, die Schäferhütte.


Pferchlager (W3) [Adelung]


Das Pferchlager, des -s, plur. ut nom. sing. die in der Pferche gelagerten Schafe, und in weiterer Bedeutung, die sämmtliche bey einem Gute befindliche Anzahl von Schafen. Das Gut hat ein Pferchlager von 400 Stück, hat so viele Schafe.


Pferchrecht (W3) [Adelung]


Das Pferchrecht, des -es, plur. inus. das Recht, auf seinem Acker Hürden zu schlagen, und die Schafe zu Düngung der Felder in denselben übernachten zu lassen; der Pferchschlag, der Hürdenschlag, das Feldlager, die Buchtschlagung.


Pferchschlag (W3) [Adelung]


Der Pferchschlag, des -es, plur. inus. das Aufschlagen der Hürden und Einsperren der Schafe in dieselben. Ingleichen das Recht, Hürden in dieser Absicht zu schlagen. S. das vorige.


Pferd (W3) [Adelung]


Das Pferd, des -es, plur. die -e, Diminut. das Pferdchen, Oberd. das Pferdlein, ein vierfüßiges einhufiges Thier mit aufgerichteten Ohren und langen Schwanzhaaren, welches eines der vornehmsten zahmen Thiere ist, und vornehmlich zum Ziehen und Lasttragen gebraucht wird. 1) Eigentlich. Ein zugerittenes, noch nicht zugerittenes Pferd. Pferde halten. Mit vier Pferden fahren. Die Pferde anspannen. Die Pferde wechseln, frische Pferde nehmen. Mit untergelegten (d. i. frischen) Pferden reisen. Ein schönes Pferd reiten. Gut zu Pferde sitzen. Zu Pferde kommen, geritten. Sich zu Pferde setzen, auf das Pferd steigen. Zu Pferde dienen, unter der Reiterey. Zu Pferde fechten. Von dem Pferde steigen, absitzen. Das Pferd satteln. Dahin auch die im gemeinen Leben üblichen sprichwörtlichen R. A. Sich von dem Pferde auf den Esel setzen, sich oder seinen Zustand verschlimmern. Die Pferde hinter den Wagen spannen, eine Sache verkehrt anfangen. Einem geschenkten Pferde muß man nicht in das Maul sehen, dessen Alter zu erforschen, d. i. ein Geschenk muß man nicht zu genau untersuchen. Pferde, die den Hafer verdienen, bekommen ihn nicht. Trauwohl ritt das Pferd weg, sagt man, wenn man von jemanden, in welchen man ein zu großes Vertrauen gesetzt hatte, hintergangen wird. Auf dem fahlen Pferde betroffen werden, über einer Lügen, in einem Irrthume betroffen werden, seine Schwäche verrathen; eine R. A. welche einige, obgleich mit geringer Wahrscheinlichkeit, aus Offenb. 6, andere eben so gezwungen von Belisario herleiten, welcher in den Schlachten ein fahles Pferd geritten, und daher leicht von den Feinden erkannt worden. Ingleichen die Zusammensetzungen, ein Ackerpferd, Dienstpferd, Lehenpferd, Kutschpferd, Reitpferd, Zugpferd, Postpferd, Handpferd, Sattelpferd, Jagdpferd, Trauerpferd, Freuden- pferd u. s. f. 2) Figürlich verstehet man unter Pferd zuweilen ein berittenes Pferd, d. i. das Pferd und seinen Reiter. Ein Commando von hundert Pferden ausschicken, von hundert Reitern. Mit zehen Pferden kommen, mit zehen zu Pferde sitzenden Personen.

Anm. 1. Bey dem Königshofen Pferit, im Nieders. Peerd. Der Nahme ist alt, ob er sich gleich in unsern ältesten Denkmählern nicht findet. Das Lat. Veredus, ein Postpferd, ist genau damit verwandt, obgleich Festus glaubte, daß es diesen Nahmen daher habe, quia rhedam vehit. Auch im Arabischen bedeutet Faras ein Pferd, und selbst Persien, welches in der gelehrten Sprache von Indostan Pharis oder Pharistan heißt, soll seinen Nahmen daher haben, und so viel als Land der Pferde bedeuten. Wachter und andere leiten diesen Nahmen von bären, tragen, oder fahren her, weil man doch die Pferde von den ältesten Zeiten an zu diesen beyden Verrichtungen gebraucht hat. Allein es scheinet vielmehr die diesem Thiere, besonders in seinem wilden Zustande eigenthümliche Schnelligkeit der Grund seiner Benennung zu seyn, da denn das Wort gleichfalls von fahren abstammen würde, doch nur, so fern es sich schnell bewegen bedeutet. Die gleichbedeutenden Wörter in der Deutschen und andern Sprachen leiden eine ähnliche Ableitung; wie Roß von reisen, reißen, das Schwed. Haest von hast, hastig, das Engl. Horse von hurtig, das Schwed. Skjul von dem Isländ. skiotr, schnell, und unserm schießen, das Lat. Equus, Isländ. Eikur, Schwed. Ök, Dän. Og, alle in der Bedeutung eines Pferdes, von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , schnell, hurtig, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Schwed. Hoppa, von hüpfen u. s. f. Das e ist in diesem Worte gedehnt, obgleich ein doppelter Mitlauter folgt, welchen Umstand es mit zart, Quarz, Werth, Vogt, Trost, stets, Schwert, und hundert andern gemein hat; woraus zugleich erhellet, daß die Wurzel fahren, oder ein ähnliches Wort mit einem gedehnten Vocale, das d aber ein bloßer alter Ableitungslaut ist. In vielen der folgenden Zusammensetzungen bedeutet das mit Pferd - zusammen gesetzte Wort, ein schlechtes geringeres Ding seiner Art, welches nur für Pferde brauchbar ist, zum Unterschiede des bessern, dessen sich auch die Menschen bedienen. In andern hingegen bedeutet es auch das größte seiner Art, ( S. Pferdeameise, Pferdenuß u. s. f.) welches die Ableitung derer wahrscheinlich macht, welche Pferd, Bär, Farr u. s. f. für allgemeine Benennungen eines jeden großen Thieres halten.

Anm. 2. Pferd ist in ganz Deutschland der allgemeine Nahme dieses Thieres, welcher dessen Alter, Geschlecht und übrige Beschaffenheit unentschieden läßt, für welche die Deutsche Sprache eine Menge eigener Nahmen hat. Ich will die vornehmsten, veralteten so wohl als noch gangbaren, so wie sie mir einfallen, hier hersetzen, ohne mich doch bey den eigentlichen Zusammensetzungen wie Zugpferd, Reitpferd u. s. f. aufzuhalten. Diejenigen, welche von dem Reichthume der Arabischen und anderer fremden Sprachen aus einem so hohen Tone reden, mögen sehen, ob sie den Reichthum der Deutschen aufwiegen können. Statt des allgemeinen Nahmens Pferd sind in einigen Gegenden auch Mahre, Gaul und Roß üblich, ob sie gleich im Hochdeutschen zuweilen andere Bestimmungen bekommen. Im Scherze gebraucht man auch zuweilen das aus dem Französischen oder mittlern Lateine entlehnte Caball. Für Roß sagte man ehedem auch Ors, und in einigen Niedersächsischen Gegenden, z. B. im Sarerlande und Mecklenburg, heißt ein jedes Pferd Hest und Hangst, welches mit dem Schwed. Haest, Isländ. Hestr, ein Pferd, überein kommt. In andern Niedersächsischen Gegenden, z. B. im Bremischen, ist Page die allgemeine Benennung eines Pferdes. Eben so zahlreich sind die Nahmen für besondere Umstände.

1) In Ansehung des Alters. Ein junges noch nicht ausgewachsenes Pferd heißt im Hoch- und Oberdeutschen ein Füllen, in Niederdeutschland ein Fohlen, in Franken ein Hankerlein, in andern Gegenden Bickartlein, Heinsel, Heißerle, Hüßchen, "Hutschela", Kudel, Motschele, Statte, Watte, Wuschel. 2) In Ansehung des Geschlechtes. Ein ungeschnittenes Pferd männlichen Geschlechtes heißt Hengst, und wenn er zur Fortpflanzung seines Geschlechtes bestimmt ist, Bescheler, Zuchthengst, Reithengst u. s. f. in Niedersachsen Stötter, Stößer, ehedem in Baiern auch Maiden. Ein Pferd weiblichen Geschlechtes, Stute, Mutterpferd, Wilde, Gurre, Kobbel, Mähre, Motsche, Strenz, Struke, Töte. Ein geschnittener Hengst, Wallach, Meiden, Heiler, Rune, Reuß. 3) In Ansehung der Größe. Bey dem Dasypodius heißt ein kleines Pferd Bickartlein; in manchen Gegenden ist dafür Nickel, Grämlein, Schnack, Knuter üblich. 4) In Ansehung der Farbe. Rapp, ein schwarzes Pferd; Schimmel, ein weißes, mit seinen Abänderungen, Schwarzschimmel, Rothschimmel, Fliegenschimmel, Apfelschimmel, Spiegelschimmel u. s. f. Fuchs, ein röthliches Pferd, mit seinen Unterarten, Rechtfuchs, Lichtfuchs, Schweißfuchs, Rothfuchs; Falbe, ein fahles, und Schecke, ein geschecktes Pferd. Ein röthliches Pferd, welches aber noch nicht den Nahmen eines Fuchses verdienet, heißt in Niedersachsen Räutke, von raut, roth. 5) Der Güte nach. Ein schlechtes, elendes Pferd heißt im gemeinen Leben eine Gurre, (bey den Schwäbischen Dichtern Gurru,) eine Kracke, eine Mähre, im Nieders. Zöre, anderwärts Page, Roller, Zagge. Graman kommt im 16ten Jahrhunderte in Oberdeutschland von einem alten magern Pferde vor, und im mittlern Lat. ist Mannus ein jedes Pferd. Mähre, welches jetzt nur noch von einem schlechten Pferde gebraucht wird, war ehedem, wo es March lautete, der Nahme eines Kriegs- und Paradepferdes, ( S. Marschall.) Roller und Strenz sind im Oberdeutschen noch hin und wieder gangbare Nahmen eines alten elenden Pferdes, so wie Tscheker oder Scheker in Liefland. Ein Pferd von der schlechtesten Art heißt in den alten Baierischen Gesetzen Angarghaco, und ein mittelmäßiges Vulz. Hornegk gebraucht Runczin, Franz. Roncin, in einigen Oberdeutschen Gegenden noch jetzt Rung, von einem gewöhnlichen mittelmäßigen Pferde. 6) Dem Gebrauche nach. Ein nicht zugerittenes Pferd, welches zum gewöhnlichen schnellen Reiten gebraucht wird, heißt im Hochdeutschen ein Klepper, im Oberd. Rung, im Nieders. Ridder. Ein gewöhnliches Reitpferd im Nieders. Rittling, im Salischen Gesetze Chanco. Ein Paradepferd oder Paradeur bey dem Hornegk Pranczel, von prangen. Ein Turnier- und Kriegspferd im dreyzehnten und vierzehnten Jahrhunderte Raveit, Runczin, Orz, Ors, Roß, Schwed. Hors. Ein Pferd, welches zum Lasttragen gebraucht wird, im Oberd. ein Saumer, Saumpferd, Saumroß. Ein Pferd, welches den Zelt oder Paß gehet, Zelter, Paßgänger. 7) Noch von einigen andern Umständen. Rammesnäse, Rammeskopp sind Niedersächsische Benennungen eines Pferdes mit einer krumm gebogenen Bocksnase, Engl. Ramshead, von Ramm, ein Bock. Einer der Schwäbischen Dichter nennet ein dummes Pferd Muser, Muzer, vielleicht Matz, Mutz. Wildfang ist ein in der Wildniß auferzogenes noch nicht gezähmtes Pferd, und ein noch nicht zum Reiten oder Fahren abgerichtetes zahmes Pferd, heißt in einigen Oberdeutschen Gegenden Strietze. Mengeling ist im Niederd. ein Pferd, welches von verschiedenen Rassen gefallen ist. Krippenbeißer, Kopper, Barngrolzer, Kollerer u. s. f. sind mit gewissen Untugenden behaftete Pferde, wie Speckhals Schwanenhals u. s. f. Eigenschaften in dem Baue des Körpers bezeichnen. Wer Lust hat, kann mit ein wenig Mühe dieses Verzeichniß leicht verdoppeln.


Pferdeacker (W3) [Adelung]


Der Pferdeacker, des -s, die -äcker, in der Grafschaft Schwarzenberg, dem Frisch zu Folge, ein Bauergut, welches nach Absterben des Besitzers das beste Pferd als Hauptfall geben muß, S. Hauptfall.


Pferdeameise (W3) [Adelung]


Die Pferdeameise, plur. die -n, die größte Art Ameisen, welche sich in den verfaulten Stämmen der Bäume aufhält; Formica Herculeana L. Roßameise. Etwa von einiger Ähnlichkeit mit einem Pferde? Oder auch so fern Pferd ehedem ein allgemeiner Nahme eines großen Thieres war? S. Bär und Farr.


Pferdearbeit (W3) [Adelung]


Die Pferdearbeit, plur. die -en. 1) Eine Arbeit, welche mit Pferden verrichtet wird oder verrichtet werden muß. 2) Im gemeinen Leben, figürlich, eine sehr schwere, mühsame Arbeit, wozu gleichsam Pferdekräfte erfordert werden.


Pferdearzt (W3) [Adelung]


Der Pferdearzt, des -es, plur. die -ärzte, derjenige, welcher die Krankheiten der Pferde kennet und zu heilen weiß, besonders wenn er daraus sein vornehmstes und eigentliches Geschäft macht; im gemeinen Leben, ein Pferdedoctor.


Pferdebauer (W3) [Adelung]


Der Pferdebauer, des -s, plur. die -n, ein Bauer, welcher Pferde hält, seinen Acker mit Pferden bestellet; im Gegensatze eines Ochsenbauers. In engerer Bedeutung ist der Pferdebauer in Obersachsen ein Bauer, welcher so viel Land besitzet, daß er zu dessen Bestellung wenigstens ein Paar Pferde halten muß. S. Anspänner und Pferdner.


Pferdeblume (W3) [Adelung]


Die Pferdeblume, plur. die -n, S. Kuhweitzen.


Pferdebohne (W3) [Adelung]


Die Pferdebohne, plur. die -n, ein Nahme der großen Bohnen, welche auch Roßbohnen, Feldbohnen, Futterbohnen, Feigbohnen, Buffbohnen oder Puffbohnen genannt werden, Vicia Faba L. und von welchen die Saubohnen eine Abart sind. Sie sind am Kaspischen Meere einheimisch, und werden an vielen Orten zum Futter für die Pferde gebraucht.


Pferdedecke (W3) [Adelung]


Die Pferdedecke, plur. die -n, eine Decke, womit die Pferde bedecket werden. Man hat ihrer von verschiedener Art und Güte, je nach dem sie im Stalle, oder auf der Reise oder auch zum Staate gebraucht werden.


Pferdedieb (W3) [Adelung]


Der Pferdedieb, des -es, plur. die -e, ein Dieb, welcher Pferde gestohlen hat.


Pferdedienst (W3) [Adelung]


Der Pferdedienst, des -es, plur. die -e, ein Dienst, welcher mit einem oder mehrern Pferden geleistet wird. In engerer und der gewöhnlichsten Bedeutung sind die Pferdedienste Frohndienste, welche mit Pferden geleistet werden müssen, Pferdefrohnen, Spanndienste; zum Unterschiede von den Hand- oder Fußdiensten.


Pferdedille (W3) [Adelung]


Die Pferdedille, plur. inus. eine schlechtere Art der Dille, mit besondern Hüllen, deren Blättchen unter einander zu Einem Blatte zusammen gewachsen sind; Seseli Hippomarathrum L. Roßdill.


Pferdeegel (W3) [Adelung]


Der Pferdeegel, S. Roßegel.


Pferdefenchel (W3) [Adelung]


Der Pferdefenchel, des -s, plur. inus. S. Wasserfenchel.


Pferdefliege (W3) [Adelung]


Die Pferdefliege, plur. die -n, eine Art Fliegen mit kurzen dünnen borstenähnlichen Fühlhörnern, einem walzenähnlichen Saugerüssel und einem Hinterleibe, welcher mit dem Brustschilde von gleicher Dicke ist; Hippobosca L. Sie plaget die Pferde und läßt sich daher gern bey ihnen antreffen.


Pferdefrohne (W3) [Adelung]


Die Pferdefrohne, plur. die -n, Frohndienste, welche mit Pferden verrichtet werden, S. Pferdedienst.


Pferdefutter (W3) [Adelung]


Das Pferdefutter, des -s, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. dasjenige, was den Pferden zum Futter, oder zur gewöhnlichen Nahrung dienet, womit sie gefüttet werden.


Pferdegericht (W3) [Adelung]


Das Pferdegericht, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, ein besonderes Gericht, welches über die bey dem Pferdehandel vorfallenden Streitigkeiten gehalten wird, dergleichen zum Beyspiele zu Cöln ist.


Pferdegift (W3) [Adelung]


Das Pferdegift, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, alles, was den Pferden ein Gift ist. In engerer Bedeutung ist das Pferdegift oder die Pferdemilz ein platter halb runder dünner weicher Körper in Gestalt einer kleinen Milz, welchen die Füllen auf der Zunge mit auf die Welt bringen, aber auch sogleich verschlucken sollen. Man sucht ihnen denselben zu benehmen, weil sie alsdann besser gerathen sollen, gebraucht es aber auch als ein Heilmittel wider allerley Krankheiten der Pferde. Bey den Alten hieß es Hippomanes.


Pferdegopel (W3) [Adelung]


Der Pferdegopel, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Göpel, welcher von Pferden gezogen wird, S. Göpel.


Pferdegut (W3) [Adelung]


Das Pferdegut, des -es, plur. die -güter, ein Bauergut, zu dessen Bestellung wenigstens ein Paar Pferde gehalten werden mussen, S. Pferdebauer und Pferdner.


Pferdehaar (W3) [Adelung]


Das Pferdehaar, des -es, plur. die -e, Haare von einem Pferde. In engerer Bedeutung pfleget man die langen Schwanzhaare von einem Pferde Pferdehaare, die kürzern Haare des Leibes aber Roßhaare zu nennen.


Pferdehandel (W3) [Adelung]


Der Pferdehandel, des -s, plur. inus. der Handel mit Pferden.


Pferdehändler (W3) [Adelung]


Der Pferdehändler, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher mit Pferden handelt; der Roßkamm, Roßtäuscher, S. diese Wörter.


Pferdehuf (W3) [Adelung]


Der Pferdehuf, des -es, plur. die -e, eigentlich der Huf von einem Pferde. Figürlich wird von einigen eine Ostindische Art des Wassernabels, Hydrocotyle Asiatica L. wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter Pferdehuf genannt.


Pferdeigel (W3) [Adelung]


Der Pferdeigel, S. Roßegel.


Pferdejunge (W3) [Adelung]


Der Pferdejunge, des -n, plur. die -n, in der Landwirthschaft, ein Knabe, welchem die Aufsicht über die auf der Weide befindlichen Pferde anvertrauet ist.


Pferdekastanie (W3) [Adelung]


Die Pferdekastanie, plur. die -n, die Frucht des Pferdekastanienbaumes, welcher im mitternächtigen Asien einheimisch ist, von wannen er 1550 nach Deutschland gebracht worden, wo man ihn wegen seines Schattens und wegen seiner schönen Blüthe schätzet; Aesculus L. wilde Kastanie, Roßkastanie. Er hat den Nahmen bloß wegen der Ähnlichkeit seiner herben und bittern Frucht mit den eßbaren Kastanien. In der Türkey pflegt man seine Früchte zu stoßen und sie den Pferden, wenn sie einen heftigen Husten oder schweren Athem bekommen, unter das Futter zu mengen.


Pferdeknecht (W3) [Adelung]


Der Pferdeknecht, des -es, plur. die -e, ein Knecht, welcher zunächst und hauptsächlich zur Wartung der Pferde, oder zur geringen Arbeit mit den Pferden bestimmt ist; zum Unterschiede von einem Hausknechte, Ochsenknechte u. s. f. In engerer Bedeutung wird der Ackerknecht, welcher eigentlich die Bestellung des Feldes zu besorgen hat, der Pferdeknecht genannt; zum Unterschiede von dem auf großen Gütern zuweilen befindlichen Bauknechte.


Pferdekopf (W3) [Adelung]


Der Pferdekopf, des -es, plur. die -köpfe, eigentlich der Kopf eines Pferdes. Figürlich auch eine Art Strohhüte geringer Personen, welche den Kopf von hinten bis in den Nacken ganz bedecken, am Gesichte aber weit hervor gehen, und demselben die Gestalt eines Pferdekopfes geben; zum Unterschiede von einem Schaubhute und Tiroler-Hute.


Pferdelaus (W3) [Adelung]


Die Pferdelaus, plur. die -läuse, bey einigen Schriftstellern des Naturreiches, ein Nahme der Pferdefliege, S. dieses Wort.


Pferdeleine (W3) [Adelung]


Die Pferdeleine, plur. die -n, auf dem Lande, eine Leine oder ein dünnes Seil, die Pferde vor dem Wagen oder dem Pfluge damit zu lenken.


Pferdemarkt (W3) [Adelung]


Der Pferdemarkt, des -es, plur. die -märkte, ein Markt oder Jahrmarkt, auf welchem nur Pferde verkauft werden; ingleichen der dazu bestimmte Platz. In beyden Fällen auch der Roßmarkt.


Pferdemilz (W3) [Adelung]


Die Pferdemilz, plur. die -en. 1) Eigentlich die Milz von einem Pferde. 2) Figürlich, S. Pferdegift.


Pferdemist (W3) [Adelung]


Der Pferdemist, des -es, plur. inus. der Koth von einem Pferde. Ingleichen der mit Stroh vermengte Pferdekoth.


Pferdemühle (W3) [Adelung]


Die Pferdemühle, plur. die -n, eine Mühle, welche von Pferden in Bewegung gesetzet wird; am häufigsten die Roßmühle.


Pferdemünze (W3) [Adelung]


Die Pferdemünze, plur. inus. eine Art wilder Münze, mit länglichen Blumenähren und länglichen, filzigen, sägeförmig gezähnten Blättern, welche in den Gräben und Morästen wohnet; Mentha silvestris L. Roßmünze, Nieders. Pageminte, von Page, ein Pferd, Angels. Horsmint, Engl. Horsemint, Dän. Heftemynte.


Pferdenuß (W3) [Adelung]


Die Pferdenuß, plur. die -nüsse, die größte Art Wälscher Nüsse, welche oft die Größe einer Kinderfaust erreichen, aber gemeiniglich mehr in die Schalen als in den Kern wachsen. Sie werden auch Roßnüsse, Schafnüsse und Polternüsse genannt.


Pferderaupe (W3) [Adelung]


Die Pferderaupe, plur. die -n, ein Insect, welches sich im Wasser aufhält, einer Raupe gleicht, und statt des Maules einen röhrförmigen Rüssel hat, der ihm einiger Maßen die Gestalt eines Pferdes gibt.


Pferdesamen (W3) [Adelung]


Der Pferdesamen, des -s, plur. inus. eine, besonders in Niedersachsen übliche Benennung des Wasserfenchels, Phellandrium aquaticum L. welcher für ein gefährliches Gift der Pferde gehalten wird, dessen Schädlichkeit aber, nach Linnee Beobachtung, bloß von der sehr häufig in dem hohlen Stängel dieser Pflanze befindlichen Larve eines Rüsselkäfers herrühret; Pferdesaat.


Pferdesattel (W3) [Adelung]


Der Pferdesattel, des -s, plur. die -sättel, eigentlich, ein Sattel, ein Pferd damit zu satteln. In der Anatomie führen diesen Nahmen an dem siebförmigen Beine die kleinern inwendig befindlichen Fortsätze mit der dazwischen befindlichen Höhle; Sella equina.


Pferdeschoß (W3) [Adelung]


Der Pferdeschoß, des -sses, plur. die -sse, ein Schoß oder Geschoß, welcher von den Pferden gegeben wird, die man hält. In der Mark Brandenburg ist es ein Geschoß, welchen die Magistrate in den Städten zur Tilgung der übernommenen alten Landesschulden von ihren Einwohnern heben.


Pferdeschwanz (W3) [Adelung]


Der Pferdeschwanz, des -es, plur. die -schwänze, eigentlich, der mit langen Haaren versehene Schwanz eines Pferdes; in der anständigern Sprechart, der Pferdeschweif, der Schweif. Figürlich führet diesen Nahmen auch das Kannenkraut, oder der Schachtelhalm, Equisetum L. welches auch Roßschwanz genannt wird, Nieders. Duwocken; wegen der vielen Nebenäste, die es aus dem Hauptaste treibt.


Pferdeschwefel (W3) [Adelung]


Der Pferdeschwefel, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. der unreinste und gröbste Schwefel, welcher sich bey der Reinigung des Rohschwefels auf den Boden setzt, und zur Arzeney für die Pferde gebraucht wird; Roßschwefel, Rotzschwefel, weil er besonders wider den Rotz der Pferde dienlich ist.


Pferdeschweif (W3) [Adelung]


Der Pferdeschweif, des -es, plur. die -e, S. Pferdeschwanz, ingleichen Roßschweif.


Pferdeschwemme (W3) [Adelung]


Die Pferdeschwemme, plur. die -n, ein Ort, wo die Pferde geschwemmet werden.


Pferdesilge (W3) [Adelung]


Die Pferdesilge, plur. inus. eine der Silge ähnliche Pflanze mit dreyfachen sägeförmig gezähnten, gestielten Stammblättern, welche in Schottland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden häufig wächst; Smirnium Olusatrum L.


Pferdestall (W3) [Adelung]


Der Pferdestall, des -es, plur. die -ställe, ein Stall für Pferde, die Pferde darin zu behalten.


Pferdestecher (W3) [Adelung]


Der Pferdestecher, des -s, plur. ut nom. sing. ein den Fliegen sehr ähnliches Insect mit einem hervor stehenden gelenkigen Rüssel, welches die Pferde mit seinen Stichen plagt; Conops L.


Pferdestein (W3) [Adelung]


Der Pferdestein, des -es, plur. die -e, ein kalkartiger Stein, welcher sich zuweilen in dem Magen und den Gedärmen der Pferde erzeuget.


Pferdestriegel (W3) [Adelung]


Die Pferdestriegel, plur. ut nom. sing. ein Striegel, die Pferde damit zu reinigen.


Pferdetag (W3) [Adelung]


Der Pferdetag, des -es, plur. die -e, auf dem Lande, derjenige Tag, an welchem ein Unterthan mit Pferden zu fröhnen oder Pferdefrohnen zu leisten verbunden ist; im Gegensatze der Handtage und Fußtage.


Pferdeverleiher (W3) [Adelung]


Der Pferdeverleiher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher ein Geschäft daraus macht, andern Pferde, und besonders Reitpferde, für Geld zu leihen; im Oberdeutschen der Lehenrößler.


Pferdezeug (W3) [Adelung]


Das Pferdezeug, des -es, plur. die -e, das Zeug, d. i. Geschirr, welches den Pferden aller Art, sie seyn nun Zugpferde oder Reitpferde, zur Erleichterung des Ziehens oder Tragens aufgeleget wird; das Pferdegeschirr.


Pferdezucht (W3) [Adelung]


Die Pferdezucht, plur. car. die Zucht, d. i. Erziehung der Pferde aus Füllen. Ingleichen die Vervielfältigung der Pferde durch Fortpflanzung und deren Erziehung, als ein Nahrungsgeschäft betrachtet. Hollstein hat eine vortreffliche Pferdezucht, ziehet viele Pferde.


Pferdner (W3) [Adelung]


Der Pferdner, des -s, plur. ut nom. sing. ein in Obersachsen vorzüglich übliches Wort, einen Anspanner oder Pferdebauer zu bezeichnet, d. i. ein Bauer, welcher zu Bestellung seines Ackers wenigstens ein Paar Pferde halten muß, der Hüfener, Großbauer, im Braunschweigischen der Ackermann, im Gegensatze des Kothsassen, Hintersättlers oder Handfröhners. S. Anspänner.


Pfersig (W3) [Adelung]


Der Pfersig, des -es, plur. die -e, S. Pfirsiche.


Pfetzen (W3) [Adelung]


* Pfetzen, verb. reg. act. welches nur in der Deutschen Bibel für das im Hochdeutschen gewöhnlichere fetzen vorkommt. Ihr sollt kein Maal - an eurem Leibe reißen, noch Buchstaben an euch pfetzen, 3 Mos. 19, 28; Kap. 21, 5. S. Fetzen.


Pfiff (W3) [Adelung]


Der Pfiff, des -es, plur. die -e, der durch Pfeifen hervor gebrachte Ton. 1) Eigentlich, wo es besonders von demjenigen eintönigen Laute gebraucht wird, welchen man mit dem Munde oder vermittelst einer Pfeife hervor bringt, jemanden damit zu rufen. Nichts auf den Pfiff geben, nicht folgen, wenn man durch Pfeifen gerufen wird. Der Hund versteht den Pfiff. 2) Figürlich, eine Handlung, welche einen andern Endzweck hat, als sie dem äußern Anscheine nach zu haben scheinet, besonders wenn sie auf den Schaden des andern gerichtet ist. Das sind Pfiffe. Deine Pfiffe werden mich nicht berücken. Er verstehet den Pfiff. Es scheinet, daß es in diesem Verstande, in welchem es, so wie das ganze Wort, nur im gemeinen Leben gebraucht wird, von den Taschenspielern entlehnet worden, welche, wenn sie den Zuschauern einen Handgriff verbergen, und ihre Aufmerksamkeit theilen wollen, dabey mit dem Munde zu pfeifen pflegen. Indessen kann es auch seyn, daß es ein von pfeifen ganz verschiedenes Wort ist, dessen Grundbegriff die Geschwindigkeit ist, da es denn zu weben, weisen u. s. f. gehören, und eigentlich eine auf die Berückung des andern abgezielte Geschwindigkeit bedeuten würde.


Pfifferling (W3) [Adelung]


Der Pfifferling, des -es, plur. die -e, S. Pfefferschwamm. Im Oberdeutschen werden diese Schwämme auch Pfiffer genannt.


Pfiffig (W3) [Adelung]


Pfiffig, -er, -ste, adj. et adv. von der figürlichen Bedeutung des Wortes Pfiff, Fertigkeit besitzend, seinen Handlungen und Endzwecken von außen eine andere Gestalt zu geben, als sie wirklich haben, Fertigkeit besitzend, seine wahren Absichten zu verbergen, und darin gegründet. Ein pfiffiger Mensch. Er ist sehr pfiffig. Ein pfiffiger Streich.


Pfinne (W3) [Adelung]


Die Pfinne, S. Finne.


Pfipps (W3) [Adelung]


Der Pfipps, des -es, plur. inus. in der Landwirthschaft, eine Krankheit des Federviehes und besonders der Hühner, welche in der Verstopfung der Nasenlöcher und der damit verbundenen Verhärtung der Zungenspitze bestehet, auf welcher sich eine kleine harte weiße Haut erzeuget, welche eigentlich der Pfipps genannt wird. Einem Huhne den Pfipps reißen, diese Haut abziehen. Den Pfipps haben.

Anm. Im Nieders. und im gemeinen Leben der Hochdeutschen Zipps, Pipp und Pipps, im Oberdeutschen auch der Zipf, im Schwed. Pipp, im Engl. Pip, im Franz. Pepie, im Span. Peppita, im mittlern Lat. Pipita, im Ital. Pipita.


Pfirsich (W3) [Adelung]


Die Pfirsich, plur. die -en, die rundliche, auswendig ein wenig gespaltene, sehr fleischige, saftige und schmackhafte Frucht des Pfirsichbaumes, welche von außen gemeiniglich mit einer wolligen Haut umgeben ist, inwendig aber einen angenehm bittern Kern in einer festen steinharten Schale hat. Im Oberdeutschen auch der Pfersig, Pfersing, im gemeinen Leben der Hochdeutschen aber Pfirsche. Der Nahme ist aus dem Ital. Persica, indem wir diese Frucht und ihren Baum aus Italien bekommen haben; daher auch die Schreibart Pfersich richtiger ist, als die gewöhnlichere Pfirsich. Der Nahme soll so viel als eine Persische Frucht bedeuten, aus welchem Lande dieser Baum zuerst nach Europa gekommen seyn soll. Im Ital. heißt diese Frucht auch Pesca, und daher haben die Niedersachsen ihr Päske, die Engländer ihr Peach, und die Franzosen ihr Peche, ein Pfirsich, entlehnet.


Pfirsichbaum (W3) [Adelung]


Der Pfirsichbaum, des -es, plur. die -bäume, nach dem Linnee, eine Art des Mandelbaumes, welche sich durch die spitzigen sägeförmigen Einschnitte der Blätter von demselben unterscheidet, und dessen Frucht die Pfirsich ist; Amygdalus Persica L. im Oberdeutschen der Pfersichbaum, Pfersingbaum, im gemeinen Leben der Hochdeutschen der Pfirschenbaum, oder Pfirschbaum. Er ist aus Italien in unsere Gärten gekommen; sein eigentliches Vaterland aber ist unbekannt. S. Pfirsich.


Pfirsichblüthe (W3) [Adelung]


Die Pfirsichblüthe, plur. die -n, die lichtrothe Blüthe des Pfirsichbaumes; im gemeinen Leben Pfirschblüthe oder Pfirschenblüthe. Daher die Pfirsichblüthfarbe, die lichtrothe aus carmesin und hellweiß gemischte Farbe dieser Blüthe; pfirsichblüthfarben, oder -farbig, adj. et adv. diese Farbe habend, wofür auch wohl pfirsichblüth, oder pfirschblüth, als ein Nebenwort gebraucht wird.


Pfirsichbranntwein (W3) [Adelung]


Der Pfirsichbranntwein, des -es, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein über Pfirsichkerne abgezogener Branntwein, welchen man doch am häufigsten mit dem Italiänischen Nahmen Persica nennet.


Pfirsichkern (W3) [Adelung]


Der Pfirsichkern, des -es, plur. die -e, der angenehm bittere Kern der Pfirsich; im gemeinen Leben der Pfirschenkern.


Pfirsichkraut (W3) [Adelung]


Das Pfirsichkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme einiger Arten des Wegetrittes, deren Blätter den Blättern des Pfirsichbaumes ähnlich sind. So wird das fleckige Flöhkraut, Polygonum Persicaria L. sehr häufig auch Pfirsichkraut genannt. An andern Orten heißt es Dürrkraut, Dürrwurz, Röttich, Rötschel. An noch andern Orten ist der Wasserpfeffer, Polygonum Hydropiper L. unter dem Nahmen des Pfirsichkrautes bekannt.


Pfirsichstein (W3) [Adelung]


Der Pfirsichstein, des -es, plur. die -e, das steinharte Samengehäuse in der Pfirsich; im gemeinen Leben der Pfirschenstein. In der Mineralogie führet auch eine Art Naturspiele, welche diesen Steinen ähnlich siehet, diesen Nahmen; Lat. Persicites.


Pfispern (W3) [Adelung]


Pfispern, S. Fispern.


Pflanze (W3) [Adelung]


Die Pflanze, plur. die -n, Dimin. das Pflänzchen, Oberd. das Pflänzlein, ein Wort, welches im gemeinen Leben in einem andern Verstande gebraucht wird, als in der Naturgeschichte. 1. Im gemeinen Leben pflegt man, 1) überhaupt alle Erdgewächse, welche eigentlich so genannte Blätter oder Kraut haben, Pflanzen zu nennen, da denn dieses Wort mit Kraut gleichbedeutend ist, und alle Gewächse in sich begreift, welche nicht Bäume, Sträuche, Moose und Schwämme sind. Zuweilen werden auch noch die Grasarten von den Pflanzen ausgeschlossen. 2) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung ist die Pflanze ein junges Gewächs dieser Art, doch auch oft mit Einschluß der ganz jungen und kleinen aus der Erde hervor sprossenden Bäumchen, besonders so fern sie verpflanzet werden sollen. Kohlpflanzen, Salatpflanzen. Pflanzen stecken. Eine Pflanze versetzen. Die Pflanze bekleibt nicht. ( S. Pflänzling.) Figürlich pflegt man auch wohl Kinder Ehepflanzen, Ehepflänzchen und Ehepflänzlein zu nennen. 2. In der Naturgeschichte nimmt man dieses Wort in dem weitesten Umfange der Bedeutung, indem man alle natürliche organisirte Körper, welche ein Leben ohne Empfindung, aber doch ohne eine mit Bewußtseyn verbundene Empfindung haben, Pflanzen zu nennen pflegt, so daß alle Bäume, Sträuche, Moose und Schwämme dahin gerechnet werden.

Anm. Dieses Wort lautet in der engsten Bedeutung eines jungen Erdgewächses in den Monseeischen Glossen Phlanzu, im Schwed. Planta, im Französ. Plante, im Engl. Plant, im Lat. Planta, von welchem letztern es doch nur ein Seitenverwandter zu seyn scheinet. Die Abstammung ist nicht leicht, weil der erste ursprüngliche Begriff dieses Wortes noch dunkel ist. So fern es anfänglich Früchte tragende Gewächse, und in engerer Bedeutung Getreide bedeutet hat, könnte man es zu dem alten Blat, Angels. Blada, im mittlern Lat. Bladum, Französ. Bled, Ble, rechnen; denn das n ist in vielen Fällen ein müßiger Nasenlaut. Wäre aber, wie es fast scheinet, der Begriff der Kleinheit, oder, welches nicht minder Wahrscheinlichkeit hat, der Begriff des organischen Lebens der erste, so müßte man den Stamm freylich wo anders aufsuchen, ( S. auch das folgende.) Im Nieders. heißt eine Pflanze, so fern es ein junges Gewächs, oder ein junges Bäumchen, welches verpflanzt werden soll, bedeutet, Pate, und paten pflanzen, welches mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - sehr nahe verwandt ist, ( S. Impfen,) welches daraus zusammen gezogen ist, nicht aber, wie Wachter will, von den Niedersachsen in paten verderbt worden. Das Lat. Planta, so fern es die Fußsohle bedeutet, ist ein von Planta, Pflanze, ganz verschiedenes Wort, und gehöret augenscheinlich zu unserm Blatt und platt.


Pflanzen (W3) [Adelung]


Pflanzen, verb. reg. act. 1. Im engsten Verstande, Pflanzen, d. i. junge Erdgewächse, aus einem Orte in den andern versetzen, welches durch Befestigung in der Erde geschiehet. 1. Eigentlich, Bäume pflanzen, wo man von erwachsenen Bäumen lieber das Wort versetzen gebraucht. Kohl, Salat, Gewächse, Blumen pflanzen. Ingleichen, auf solche Art anlegen oder hervor bringen. Einen Garten, einen Weinberg pflanzen. Der Herr pflanzte einen Garten in Eden, 1 Mos. 2, 8; wo es doch nur in einem sehr uneigentlichen Sinne genommen werden kann. Bauet Häuser, pflanzet Gärten, Ier. 29, 5. 2) Figürlich, den Grund zu einer bleibenden Wirkung legen. Das Christenthum in einem Lande pflanzen. Gute Gesinnungen, Empfindungen der Tugend in jemandes Herz pflanzen. Nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, Jac. 1, 21. 2. In weiterer Bedeutung, senkrecht und fest an einem Orte aufstellen; doch nur in einigen Fällen. Die Fahne auf den Wall pflanzen, sie mit dem untern Theil in die Erde stecken. Die Kanonen auf die Wälle pflanzen, die Kanonen aufpflanzen, sie zum Gebrauche auf die Wälle führen. In noch weiterer und figürlicher Bedeutung, auf eine dauerhafte Art an einen Ort versetzen, daselbst befestigen. Das Ohr hat Gott gepflanzet, Ps. 94, 9. Eine Colonie pflanzen. Eine Familie an einen Ort pflanzen. Sich an einen Orte hinpflanzen, im Scherze, sich hinsetzen, oder hinstellen, in der Absicht, nicht so bald wieder aufzustehen. Er pflanzt sich bey dem Kranken, Canitz. S. auch Verpflanzen. Daher die Pflanzung, S. solches hernach besonders. Anm. Bey dem Notker flanzon, an iro stat flanzotost du sie; bey dem Willeram phlanza, im Nieders. planten und paten, im Angels. plantan, im Franz. planter, im Lat. plantare. Auch dieses Wort ist seiner Abstammung nach noch dunkel. Es scheinet nicht so wohl von Pflanze herzukommen, als vielmehr vermittelst des zufälligen Nasenlautes von Platz, die Stelle, abzustammen. Pflanze, ein junges zum Versetzen bestimmtes Erdgewächs, würde alsdann von diesem Zeitworte herkommen, und ein von Pflanze, ein jedes Erdgewächs, ganz verschiedenes Wort seyn.


Pflanzenbeet (W3) [Adelung]


Das Pflanzenbeet, des -es, plur. die -e, ein für junge Pflanzen bestimmtes Beet.


Pflanzenfloh (W3) [Adelung]


Der Pflanzenfloh, des -es, plur. die -flöhe, ein ungeflügeltes Insect, mit einem zweyspitzigen umgebogenen Schwanze, mit welchem es sich, wie ein Floh in die Höhe schnellen kann, dem es auch in der Größe gleich ist; Podura L. Es lebt auf einigen Pflanzen und an feuchten Orten, daher es im gemeinen Leben auch der Wasserfloh genannt wird.


Pflanzenreich (W3) [Adelung]


Das Pflanzenreich, des -es, plur. inus. in der Naturgeschichte, das Reich der Pflanzen, d. i. der ganze Inbegriff aller organisirten Erdgewächse, in der weitesten Bedeutung des Wortes Pflanze; das Gewächsreich, bey andern nicht so bestimmt das Kräuterreich.


Pflanzer (W3) [Adelung]


Der Pflanzer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Person, welche pflanzet, Fämin. die Pflanzerinn. 2) Ein Werkzeug, die Löcher zu den jungen Pflanzen, welche versetzt werden sollen, damit in die Erde zu machen; der Pflanzstock, das Pflanzholz, der Krautstickel. In engerer Bedeutung ist es eine Art Rechens, mehrere Löcher damit auf Ein Mahl zu machen, da es denn von dem bloß einfachen Pflanzholze oder Pflanzstocke noch verschieden ist.


Pflanzgarten (W3) [Adelung]


Der Pflanzgarten, des -s, plur. die -gärten, ein Garten oder abgesonderter Theil eines Gartens, so fern derselbe vornehmlich für junge Pflanzen bestimmt ist, worin junge Gewächse und junge Bäume gezogen werden. S. Pflanzschule.


Pflanzholz (W3) [Adelung]


Das Pflanzholz, des -es, plur. die -hölzer, S. Pflanzer.


Pflänzling (W3) [Adelung]


Der Pflänzling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, junge aus dem Samen gezogene Bäume, welche verpflanzet werden sollen; Pflanzreiser.


Pflanzreis (W3) [Adelung]


Das Pflanzreis, des -es, plur. die -er, S. das vorige.


Pflanzschule (W3) [Adelung]


Die Pflanzschule, plur. die -n, ein Platz, auf welchem junge Pflanzen, ingleichen junge Bäume gezogen werden, welche hernach an den Ort ihrer Bestimmung verpflanzet werden; der Pflanzgarten, Nieders. Queckschole, Quekerije. Ingleichen figürlich, ein Ort, wo junge Leute zu ihrer künftigen Bestimmung zubereitet und geschickt gemacht werden.


Pflanzstadt (W3) [Adelung]


Die Pflanzstadt, plur. die -städte, eine Stadt, so fern sie aus neuen aus einem andern Orte dahin verpflanzten Einwohnern entstanden ist, und daraus bestehet; mit einem ausländischen Worte eine Colonie. ( S. Pflanzung.) Daher man auch die Einwohner einer auf solche Art angelegten Stadt, die Colonisten, Pflanzstädter nennen könnte, wofür andere das Wort Anbauer gebrauchen, welches doch den Begriff nicht erschöpfet.


Pflanzstock (W3) [Adelung]


Der Pflanzstock, des -es, plur. die -stöcke. 1) S. Pflanzer. 2) In einigen Gegenden auch ein zur Fortpflanzung seines Geschlechtes bestimmter Bienenstock; der Mutterstock, Leibstock, Ständer.


Pflanzung (W3) [Adelung]


Die Pflanzung, plur. die -en. 1) Die Handlung des Pflanzens; ohne Plural. 2) Ein gepflanzter oder angepflanzter Ort. So wohl eigentlich, wo ein jeder Ort, welchen man ur- und wohnbar gemacht, und mit Gewächsen bepflanzet hat, so genannt werden kann; als auch figürlich, ein Ort, welcher durch fremde, dahin verpflanzte Einwohner abgebauet worden, eine Colonie; wo dieses Wort als ein allgemeiner Ausdruck gebraucht werden kann, von welchem die Pflanzstadt eine Art ist. Bey dem Notker Flanzunga, in den Monseeischen Glossen Phlanzungo, wo es doch nur von einem Pflanzgarten, Plantarium, gebraucht wird.


Pflaum (W3) [Adelung]


Der Pflaum, des -es, plur. inus. S. Flaumfeder.


Pflaume (W3) [Adelung]


Die Pflaume, plur. die -n, Dimin. das Pfläumchen, Oberd. Pfläumlein, die saftige runde oder länglich runde Frucht des Pflaumenbaumes, welche zu dem Steinobste gehöret, und deren es mehrere Arten von verschiedener Gestalt und Größe gibt. in weiterer Bedeutung, welche besonders im Hochdeutschen üblich ist, bekommen alle diese Arten den Nahmen der Pflaumen. Im gemeinen Leben hingegen hat man für dieselben eigene Nahmen. Besonders nennet man im gemeinen Leben Ober- und Niederdeutschlandes die gemeinsten kleinen länglichen Pflaumen, welche violet, röthlich oder dunkelblau von Farbe sind, Zwetschen, Oberd. Zwespen, Nieders. Quetschen, die größern aber, welche bald eyrund sind, bald aber sich mehr der Kugelründe nähern, in engerer Bedeutung Pflaumen, wohin denn die Damascener-Pflaumen, die Ungarischen Pflaumen, die Catharinen-Pflaumen, die Myrabellen, die Roßpflaumen, die Eyerpflaumen und noch andere gehören. Die Damascener-Pflaumen stammen ursprünglich aus der fruchtbaren Ebene um Damascus in Syrien her, und sind vermuthlich durch die Kreuzzüge zu uns gebracht worden. Die Kriechen, Spillinge, Maronken sind besondere Arten Pflaumen. Anm. Im Nieders. Plumme, im Angels. und Engl. Plum, im Schwed. Plommon, im Isländ. Plummur, im Dän. Blomme. Alle mit der nicht ungewöhnlichen Veränderung des r in l aus dem Lat. Prunum, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches r nicht nur die Franzosen in ihrem Prune behalten haben, sondern auch noch in den im gemeinen Leben Oberdeutschlandes üblichen Prume für Pflaume, bey dem Apherdian Pfraume, vorhanden ist. Auch im Osnabrückischen sagt man für Plumme noch Prume. Da der Pflaumenbaum in Europa nicht einheimisch ist, indem man noch zu des Cato Zeiten in Italien keine andern als die gedörrten, durch die Handlung dahin gebrachten Pflaumen kannte, sondern in dem südlichen Asien, dem Vaterlande unserer meisten Gartenfrüchte und Gartengewächse, zu Hause gehöret, so ist auch der Nahme dort aufzusuchen. Die Asiaten sollen diese Frucht auch noch wirklich Prunaon nennen.


Pflaumenbaum (W3) [Adelung]


Der Pflaumenbaum, des -es, plur. die -bäume, derjenige Baum, dessen Frucht bey uns unter dem Nahmen der Pflaume bekannt ist, Prunus L. Indessen gebraucht dieser Gelehrte das Wort in einem sehr weiten, im gemeinen Leben ganz ungewöhnlichen Umfange, indem er auch die Vogelkirschen, die Gartenkirschen, die Aprikosen und die Schlehen mit zu den Pflaumen rechnet, und die letztern durch die einzelnen Blumenstiele, ey- und lanzettförmigen aufgerollten Blätter und kurze Fruchtstiele von den übrigen Arten unterscheidet; Prunus domestica. In einem alten gegen das Ende des 15ten Jahrh. in Oberdeutschland gedruckten Vocabulario heißt er Pruyndoem.


Pflaumenmuß (W3) [Adelung]


Das Pflaumenmuß, des -es, plur. inus. in den Küchen, ein aus Pflaumen gekochtes Muß; in Franken Honig.


Pflaumenschmetterling (W3) [Adelung]


Der Pflaumenschmetterling, des -es, plur. die -e, eine Art Schmetterlinge, welche sich gern auf den Pflaumenbäumen aufhält; Papilio Nymphalis polychlorus L.


Pflaumfeder (W3) [Adelung]


Die Pflaumfeder, S. Flaumfeder.


Pflaumpalme (W3) [Adelung]


Die Pflaumpalme, plur. die -n, eine Art der Palmen, welche in Ostindien einheimisch ist, und eine eyförmige, den Pflaumen ähnliche Frucht trägt; Elate L.


Pflegamt (W3) [Adelung]


Das Pflegamt, des -es, plur. die -ämter, ein Kammeramt, so fern es der Pflege, d. i. der Verwaltung und Aufsicht, eines andern anvertrauet ist, die Pflege; eine besonders in einigen Oberdeutschen Gegenden übliche Benennung, wofür man in Ober- und Niedersachsen das freylich zweydeutige Wort Amt gebraucht. Daher der Pflegamtmann, welcher oft auch nur der Pfleger schlechthin heißt, ( S. dieses Wort,) der Amtmann.


Pflegbefohlen (W3) [Adelung]


Pflegbefohlen, adj. welches eigentlich das Mittelwort der R. A. eines Pflege befehlen ist, jemandes Pflege, d. i. Aufsicht anvertrauen. Mein Pflegbefohlner, derjenige, welcher meiner Aufsicht und Erziehung anvertrauet ist.


Pflege (W3) [Adelung]


Die Pflege, plur. die -n, von dem Zeitworte pflegen. 1. Die Handlung des Pflegens, ohne Plural; wo es doch nur in einigen Bedeutungen üblich ist. 1) Die Aufsicht und Vorsorge; wo es wiederum in verschiedenen Einschränkungen gebraucht wird. (a) Die Verwaltung einer Sache, die Aufsicht über dieselbe; in welchem Verstande es besonders im Oberdeutschen vorkommt, da es denn wiederum so viele Arten der Pflege gibt, als die Aufsicht oder Verwaltung Abtheilungen leidet. Ein Kammeramt ist der Pflege des Amtmannes befohlen, die Curantinn der Pflege ihres Curators, wo es im Oberdeutschen für das Lat. Curatel üblich ist. So auch ein Hospital, eine Casse, eine verpachtete Sache u. s. f. der Pflege desjenigen, welcher derselben vorstehet, die Einnahmen und Ausgaben verwaltet, oder sie in Pacht hat, da es denn, so wie Aufsicht, Verwaltung und andere ähnliche Wörter die Erhaltung derselben in ihrem guten und nutzbaren Zustande zugleich mit einschließet. ( S. Pfleglich.) (b) In engerer Bedeutung, die Erziehung und Erhaltung oder Versorgung einer Person, welche sich selbst zu erziehen oder zu erhalten unfähig ist. Mit zärtlicher Sorgfalt eiferten sie, wer mehr den frommen Alten erfreuen, mehr die Pflege der Jugend ihm vergelten könne, Geßn. Besonders von solchen Personen, welche dazu keine natürliche Verbindlichkeit haben. Ein Kind in der Pflege haben, zur Erziehung und Erhaltung. Ein der Pflege eines andern anbefohlenes, anvertrautes Kind. ( S. Pflegeältern Pflegekind, Pflegesohn, Pflegetochter, Pflegling.) (c) In weiterer Bedeutung verstehet man unter der Pflege oft weiter nichts, als die zur Bequemlichkeit nöthige Handreichung und Entfernung aller unangenehmen Empfindungen; Nieders. Plicht, Pflicht. Einem Kranken alle Pflege leisten. Keine Pflege haben. Es mangelt dem guten Alten an der nöthigen Pflege. Die Bienenpflege. (d) Die Ausübung oder Handhabung; doch wohl nur noch in den Zusammensetzungen Rechtspflege und Justitz-Pflege, die gehörige Handhabung oder Ausübung der Gerechtigkeit, der Justiz. 2. Eine Gegend, und zwar, 1) eine der Aufsicht und Verwaltung eines andern anvertraute Gegend, wo es besonders im Oberdeutschen üblich ist, ein Amt oder Kammeramt zu bezeichnen; ein Pflegeamt.) 2) In noch weiterer Bedeutung wird es so wohl in Ober- als Niederdeutschland sehr häufig von einer jeden Gegend gebraucht, ohne Rücksicht auf den Vorgesetzten derselben, wohl aber allemahl in Beziehung auf den Ertrag, auf die Nutzbarkeit; wo es denn unmittelbar von Lage herzukommen scheinet, ( S. die

Anm. zu Pflegen.) Die Ackerpflege, Kornpflege, Bienenpflege, eine Gegend in Ansehung ihres Ackerbaues, ihres Kornbaues, ihrer Bienenzucht. Ein in der besten Getreidepflege gelegenes Gut. Im Oberd. ist dafür auch Pflicht üblich.


Pflegeältern (W3) [Adelung]


Die Pflegeältern, sing. inus. Personen beyderley Geschlechtes, welche die Erhaltung und Erziehung eines fremden Kindes übernehmen, welche Ältern-Stelle bey einem fremden Kinde vertreten. Der Pflegevater, eine solche Person männlichen, die Pflegemutter, eine solche Person weiblichen Geschlechtes.


Pflegegericht (W3) [Adelung]


Das Pflegegericht, des -es, plur. die -e, ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, ein der Pflege, d. i. der Verwaltung, Handhabung eines andern anvertrautes Gericht; zum Unterschiede von einem Gerichte, welches man erb- und eigenthümlich besitzet. In engerer Bedeutung ist ein Pflegegericht, ein Gericht in einer Pflege oder in einem Pflegamte, dessen Verwalter oder Gerichtshalter daselbst zuweilen der Pflege-Commissarius genannt wird.


Pflegekind (W3) [Adelung]


Das Pflegekind, des -es, plur. die -er, ein der Pflege, d. i. Aufsicht, und in engerer Bedeutung, der Erziehung und Erhaltung eines andern anvertrautes Kind; ein Pflegling. Der Pflegesohn, ein solches Kind männlichen, die Pflegetochter, weiblichen Geschlechtes.


Pflegemutter (W3) [Adelung]


Die Pflegemutter, plur. die -mütter, S. Pflegeältern. Ingleichen figürlich. Athen war die Pflegemutter der Künste und Wissenschaften, es hat sie geschützet, geheget, und zur Vollkommenheit gebracht.


Pflegen (W3) [Adelung]


Pflegen, verb. reg. et irreg. welches im letztern Falle im Imperf. ich pflog, (bey einigen ich pflag,) und im Mittelw. gepflogen, hat. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Activum, wo es im Oberdeutschen gemeiniglich irregulär abgewandelt wird; ich pflege, du pflichst, er pflicht; Imperf. ich pflag oder pflog; Mittelw. gepflogen. Im Hochdeutschen gehet es regulär, eine einzige Bedeutung ausgenommen. 1. * Befehlen, anordnen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es im Sachsenspiegel vorkommt. Es ist in dieser Bedeutung mit den Geschlechtsverwandten auflegen, anlegen und dem veralteten Lage, ein Gesetz, verwandt, so wie denn auch unser Pflicht von dieser Bedeutung abzustammen scheinet. Siehe dasselbe. 2. * Innehaben, besitzen; eine gleichfalls längst veraltete Bedeutung, von welcher Frisch einige Beyspiele anführet. Das Land - des de Christen plagen e, welches die Christen vorher im Besitze hatten in den Scriptor Brunsuic Th. 3. S. 64. Der des Glaubens pfligt, wer Glauben hat, Jeroschin bey dem Frisch. Wiltu gesigen? Duldin pflig, willst du siegen, so habe Geduld, ebend. Bey dem Notker ist Inphliht der Besitz. 3. * Verwalten, vorgesetzet seyn, die Aufsicht über etwas haben; so wie die vorigen gleichfalls mit der zweyten Endung. Die pflegint werelt, die die Welt regieren, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno. Die knappen, die der Muile pflegen, in der Parän. Tirol. Sit ich von ersten huses pflag, seitdem ich zuerst dem Hauswesen vorstand, Winsbeck. Eleazar aber und Ithamar pflegten des Priesteramts, 4, Mos. 3, 4. Des Amts sollen sie (die Leviten) nicht pflegen, 4, Mos. 8, 26. sie sollen das Priesteramt nicht verwalten. Die des Altars pflegen, genießen des Altars, 1, Cor. 9, 13. Wir haben einen Altar, davon nicht Macht haben zu essen, die der Hütte pflegen, Ebr. 13, 10. Doch auch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet, in welcher seines Amtes pflegen im Oberdeutschen auch dasselbe in einzelnen Fällen ausüben, bedeutet. 4. * Sorge für etwas tragen, auch mit der zweyten Endung; in welcher es im Hochdeutschen gleichfalls unter die veralteten gehöret. Gott der Herr wolle Euer pflegen Und euch halten in seiner Hut, Theuerd. Kap. 106. Durch dich bin ich ans Licht gezogen Auf dich allein, du, du hast mich gepflogen, Opitz. Sie sollen die Wohnung tragen mit allem Geräth, und sollen sein pflegen, 4 Mos. 1, 50. 5. * In engerer Bedeutung, jemandes Ehre und Bestes befördern; gleichfalls mit der zweyten Endung. Suer des biderben schwache pfliget Dabi des bösen wol, Ditmar von Ast. Pflege du des Volks vor Gott, 2 Mos. 18, 19; diene du dem Volk in dem, was es mit Gott zu handeln hat, Michael. 6. * In noch engerer Bedeutung, nöthige Handreichung leisten, und zugleich alle unangenehme Empfindungen von jemanden zu entfernen suchen. Im Oberdeutschen bekommt es auch hier die zweyte Endung, in welcher es auch wohl im Hochdeutschen gebraucht wird, besonders in der poetischen und höhern Schreibart. Zugleich wird es in dieser Bedeutung im Hochdeutschen regulär abgewandelt, ich pflegte, habe gepflegt, dagegen es im Oberdeutschen, wie in den vorigen Bedeutungen, irregulär gehet. Lasset meinem Herrn Könige eine Jungfrau suchen, die sein pflege, 1 Kön. 1, 2. Und sie war eine sehr schöne Dirne und pflegte des Königes, V. 4. Pflege deines Vaters im Alter, Sir. 3, 14. Seiner Gesundheit pflegen, alles sorgfältig vermeiden, was derselben nachtheilig seyn könnte; in welcher R. A. es auch im Hochdeutschen nur allein in der zweyten Endung üblich ist. Und muß des kranken Weibes pflegen, Gell. Indessen wird es in diesem Verstande im Hochdeutschen auch sehr häufig mit der vierten Endung gebraucht. Ein Kind pflegen und warten. Einen Kranken pflegen. Ein Thier pflegen, als wenn es ein Mensch wäre. Gleichwie eine Amme ihre Kinder pfleget, 1 Thess. 2, 7. Er (Gott) der mich nicht bedarf, und mich so sorgfältig pflegt, als wäre ich sein Kind allein, Gell. Ich kann mich nicht pflegen, kann nicht alle unangenehme Empfindungen von meinem Körper abwenden. Seinen Leib pflegen, alles unangenehme von demselben entfernen. In dem zusammen gesetzten verpflegen hat es besonders den Begriff der Reichung des nöthigen Unterhaltes, welcher in dem einfachen Zeitworte in manchen Fällen nur dunkel hervor sticht. 7. Sich einer angenehmen Neigung mit Bequemlichkeit überlassen, auch im Hochdeutschen mit der zweyten Endung, aber mit regulärer Abwandelung, ich pflegte, habe gepflegt. Indessen ist es hier nur noch in einigen Redensarten üblich. Der Ruhe pflegen, sich derselben überlassen. Seiner Gelegenheit pflegen, seinem Hange zur Bequemlichkeit folgen. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, Das Herz im Stillen tugendhaft, Gell. Die biblische R. A. der Liebe, der Wollust pflegen, den Beyschlaf ausüben, 1 Mos. 18, 12, Sprichw. 7, 18 kommen auch im Hochdeutschen noch zuweilen vor, ob sie gleich im gemeinen Sprachgebrauche veraltet sind. In der R. A. seinen Lüsten pflegen, sich ihnen ohne Widerstand überlassen, wird es, wider den ganzen übrigen Gebrauch, mit der dritten Endung verbunden; statt, seiner Lüste pflegen. 8. Endlich wird es in einigen aus der Oberdeutschen Mundart beybehaltenen Redensarten für üben, ausüben, handhaben, gebraucht, wo man zugleich die Oberdeutsche irreguläre Abwandelung ich pflog, bey einigen auch wohl pflag, habe gepflogen, mit beybehalten hat, obgleich das Nennwort bald in der zweyten, bald in der vierten Endung gesetzt wird. Zunächst gehören dahin die im Hochdeutschen veralteten biblischen R. A. Priesteramts pflegen, Luc. 1, 8, dasselbe ausüben, in einzelnen Fällen verwalten. Sie pflegen Gottesdienst, der nicht zu sagen ist, Weish. 14, 23. Vornehmlich aber, die noch gangbaren: Rathes mit jemanden pflegen, mit ihm rathschlagen. Nach lange gepflogenem Rathe. Unterhandlung pflegen, unterhandeln. Es wurden Unterhandlungen gepflogen. Nach lange gepflogenen Unterhandlungen. Der Freundschaft mit jemanden pflegen, oder noch häufiger ohne Artikel, Freundschaft mit jemanden pflegen, Freundschaft mit ihm unterhalten. Unsere so lange gepflogene Freundschaft. Auf ähnliche Art wird das Lat. consuescere und consuetudo gebraucht. Umgang mit jemanden pflegen, mit ihm umgehen. Er pflog Umgang mit mir. Der Güte pflegen, in den Rechten, gütlich unterhandeln, den Weg der Güte versuchen. Die Gläubiger zu Pflegung der Güte einladen, welches auch beynahe der einzige Fall ist, in welchem das Hauptwort die Pflegung gebraucht wird, indem in andern Fällen Pflege üblicher ist. In noch weiterm Verstande bedeutete es ehedem auch gebrauchen. Der hitzigen ertzney er pflag Und nam dieselben alle Tag, Theuerd. Kap. 70. II. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert und den Infinitiv eines andern Zeitwortes mit dem Wörtchen zu nach sich hat; eine und eben dieselbe Handlung in allen oder den meisten vorkommenden Fällen und Gelegenheiten thun und gethan haben. Die Conjugation ist im Hochdeutschen regulär. Er pflegt nach Tische zu schlafen. Er pflegt zu sagen u. s. f. Das pflegt er sonst nicht zu thun. Alsdann pflegt es gemeiniglich zu regnen. So pflegt es zu geschehen. Wie es zu gehen pflegt. Thue, wie du pflegest, nähmlich zu thun. Wer leidet, muß verzeihen, wer unrecht thut, pflegt selten zu vergeben. Da diejenigen Zeitwörter, welche den Infinitiv eines andern Zeitwortes nach sich haben, in den zusammen gesetzten Zeiten oft selbst in den Infinitiv treten; ich habe ihn kommen sehen, für gesehen, ich habe es sagen hören, für gehöret: so wird auch dieses Zeitwort von vielen auf eben dieselbe Art gebraucht. Er hat zu sagen pflegen, für gepflegt. Auf grünen Grase hat man dir zu opfern pflegen, Opitz. Indessen findet man auch häufige Beyspiele des Gegentheiles. Habe ich auch je gepflegt dir also zu thun? 4 Mos. 22, 30. Drum hat man vor der Zeit gepflegt, auf den Altaren Der Griechen weit berühmt, mit Venus dich zu paaren, Opitz. Da beyde Formen das Ohr beleidigen, so gehet man am sichersten, wenn man sie ganz vermeidet, und dafür pflegen, im Imperfect gebraucht, welches in den meisten Fällen ohne einigen Nachtheil des Verstandes wird geschehen können. Dieses Zeitwort gehet in allen Bedeutungen, sie mögen activ oder neutral seyn, im Oberdeutschen irregulär; ich pflege, du pflichst, er pflicht; Impers. ich pflog, und in einigen Gegenden, ich pflag; Mittelw. gepflogen. Sogar das zusammen gesetzte verpflegen hat in der Schweiz verpflog, verpflogen. Es ist daher kein Wunder, daß auch das Neutrum im Oberdeutschen irregulär gehet. Den der Himmel pflag zu lieben, Opitz. Den, der sie zu sehn stets pflag, Flemm. Und was das falsche Maul vorhin zu denken pflag, Rach. Gottsched gab sogar, um dieses Neutrum von dem vorigen Activo zu unterscheiden, die Regel, daß es beständig irregulär conjugirt werden müsse, dagegen jenes regulär gehe; wir pflagen die Zeit mit nützlichen Gesprächen zuzubringen. Allein, zu geschweigen, daß diese Conjugation wider die ganze Hochdeutsche Analogie ist, so hat Gottsched dabey nicht an die achte active Bedeutung gedacht, in welcher die irreguläre Form im Hochdeutschen überall beobachtet wird, obgleich die Bedeutung augenscheinlich thätig ist. Über dieß schrieb Gottsched selbst nur selten so, ohne Zweifel, weil er, seines sonst sehr harten Gehöres ungeachtet, hier den Übelklang fühlen mußte. Vor Alters pflegten auch - so gebraucht zu werden, heißt es in mehrern Stellen seiner größern Sprachkunst.

Anm. In den meisten der vorigen Bedeutungen bey dem Ottfried plegan, bey spätern Oberdeutschen Schriftstellern phlegan, pflegen, im Nieders. plegen, im Angels. pleggan, im Schwed. plaega, im Isländ. plaga, im Dän. pleye. Da der Blaselaut vor dem l und r in allen Fällen entweder ein müßiger Vorschlag, oder eine Verstärkung, ein Nachdruck, eine Intension ist, welchen Blaselaut die Oberdeutsche Mundart in den stärksten Blaser pf verwandelt, so stammet unser pflegen ohne Zweifel von legen und liegen her, welches nicht nur die Oberdeutsche irreguläre Conjugation, sondern auch die verwandten Bedeutungen auflegen, für anbefehlen, einer Sache obliegen, u. s. f. bestätigen. Die heutigen Bedeutungen dieses Wortes sind nur noch wenige Überbleibsel von den ehemahligen, daher die Leiter der Bedeutungen und ihrer Folge aus einander mangelhaft zu seyn scheinet. Zu den im Hochdeutschen veralteten Bedeutungen gehöret noch die Niedersächsische to pflegen, Haudlanger seyn, zulangen, von welcher die achte unsers Activi eine bloße Figur ist. Ehedem bedeu- tete es im Nieders. auch verpflichtet, schuldig seyn, von welcher, und der ersten thätigen des Befehlens unser Pflicht ein Überbleibsel ist. ( S. dasselbe.) Im Schwed. ist Lag und Plaeghed Gewohnheit, Gebrauch, und Lage bedeutete ehedem durch ganz Norden ein. Gesetz. Ferner gehöret hierher das Nieders. flijen, ordentlich legen, in Ordnung legen, welches seine Abkunft von legen am wenigsten verläugnen kann.


Pfleger (W3) [Adelung]


Der Pfleger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Pflegerinn, von dem vorigen Zeitworte, in dessen thätigen Bedeutungen. 1) In dessen dritten Bedeutung, derjenige, welcher einer Sache oder Gegend vorgesetzt ist, dieselbe zu verwalten hat, die Aufsicht über dieselbe führet; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es im Oberdeutschen noch völlig gangbar ist, wo es so viele Arten von Pflegern gibt, als die Pflege, d. i. die Aufsicht und Verwaltung, Abtheilungen leidet. Setze Richter und Pfleger, die alles Volk richten, Esra 7, 25. Daß deine Vorsteher Friede lehren sollen, und deine Pfleger Gerechtigkeit predigen, Es. 60, 17. Chusa, der Pfleger Herodis, Luc. 8, 3. Christus ist ein Pfleger der heiligen Güter, Ebr. 8, 2. In Luthers Bibelübersetzung wird der Gouverneur oder Statthalter einer Provinz häufig ein Landpfleger genannt. Im Oberdeutschen sind die Pfleger bald Amtleute, bald Schloßvögte, bald Gerichtsverwalter, bald auch nur Cassierer oder andere Aufseher. Ein Kirchenvorsteher heißt daselbst Kirchenpfleger. Im mittlern Lat. Pflegarius. 2) Ein Vormund und Curator ist im Oberdeutschen sehr häufig unter dem Nahmen des Pflegers und Pflegevogtes bekannt; eine Bedeutung, welche statt des Lat. Curator auch im Hochdeutschen eingeführet zu werden verdiente. Es kommt in dieser Bedeutung schon im Schwabenspiegel vor. Er ist unter den Vormündern und Pflegern, Gal. 4, 2. Wie rühmlich ists, von seinen Schätzen Ein Pfleger der Bedrängten seyn! Gell. Wo es aber auch die folgende Bedeutung leidet. 3) In der sechsten Bedeutung des Activi, eine Person, welche einer andern alle zur Nothdurft und Bequemlichkeit nöthige Handreichungen thut, und alle unangenehme Empfindungen von der selben zu entfernen sucht; in welchem Verstande es doch nur zuweilen in der höhern und dichterischen Schreibart gebraucht wird.


Pflegeschreiber (W3) [Adelung]


Der Pflegeschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. im Oberdeutschen, der Schreiber in einer Pflege, d. i. in einem der Verwaltung und Aufsicht eines andern anvertrauten Orte oder Gegend, der Amtschreiber, Gerichtsschreiber u. s. f.


Pflegesohn (W3) [Adelung]


Der Pflegesohn, des -es, plur. die -söhne, S. Pflegekind.


Pflegetochter (W3) [Adelung]


Die Pflegetochter, plur. die -töchter, S. eben daselbst.


Pflegevater (W3) [Adelung]


Der Pflegevater, des -s, plur. die -väter, S. Pflegeältern.


Pflegevogt (W3) [Adelung]


Der Pflegevogt, des -es, plur. die -vögte, S. Pfleger 2.


Pfleghaft (W3) [Adelung]


* Pfleghaft, adj. et adv. welches nur in einigen Gegenden üblich ist, und von der veralteten Bedeutung des Wortes pflegen, verpflichtet seyn, abstammet. Besonders werden in einigen Gegenden leibeigene Unterthanen, weil sie dem Grundherrn verpflichtet sind, Pfleghaften genannt, gleichsam verpflichtete oder pflichtige Leute.


Pfleglich (W3) [Adelung]


Pfleglich, adj. et adv. von Pflege, so fern es kluge Verwaltung bedeutet. Die Wälder pfleglich nutzen, einen Teich pfleglich fischen, ein Haus pfleglich bewohnen, einen fremde Sache pfleglich gebrauchen, der vernünftigen Absicht gemäß, wie es einem gewissenhaften Verwalter einer fremden Sache zukommt, wie es die kluge Haushaltung erfordert, mit weiser Sparsamkeit. Im Nieders. ist pflegelik gewöhnlich.


Pflegling (W3) [Adelung]


Der Pflegling, des -es, plur. die -e, eine der Pflege, d. i. der Aufsicht, der Erhaltung und Erziehung eines andern anvertraute Person beyderley Geschlechtes. Besonders ein solches Kind, S. Pflegekind.


Pflegschaft (W3) [Adelung]


Die Pflegschaft, plur. die -en. 1) Die Pflege, als ein Abstractum und ohne Plural, so wohl so fern dasselbe Verwaltung, Handhabung bedeutet, als auch so fern es Erziehung und Unterhaltung bezeichnet. 2) Eine der Pflege, d. i. Aufsicht andern, anvertraute Gegend, die Pflege. In beyden Bedeutungen kommt es nur im Oberdeutschen vor.


Pflicht (W3) [Adelung]


1. Die Pflicht, plur. die -en, ein nur in der Schifffahrt und dem Schiffbaue übliches Wort, ein Halbverdeck zu bezeichnen, welches sich über den Oberlauf erhebt. Die Vorpflicht oder Vorderpflicht, die Erhöhung auf dem Vordertheile; das Vorder-Castell. Die Hinterpflicht oder Steuerpflicht, das Halbverdeck am Hintertheile; das Hinter-Castell, die Hinterschanze, das Hinterverdeck. Auf einigen Schiffen in Niedersachsen heißt das Halbverdeck am Hintertheile in engerer Bedeutung die Pflicht, das am Vordertheile aber die Ducht. Nieders. Plicht, Holländ. Plegt. Vielleicht auch von legen, wenn es nicht vielmehr von dem alten nordischen luka, schließen, einschließen, abstammet, von welchem Piloh bey dem Kero die Clausur ist, da es denn mit Castell gleichbedeutend seyn würde. S. Pflichtanker.


Pflicht (W3) [Adelung]


2. Die Pflicht, plur. die -en, von dem Zeitworte pflegen, nach dessen Oberdeutschen irregulären Abwandlung, nach welcher es in der zweyten und dritten Person des Präsentis, du pflichst, er pflicht, hat. 1. Von der veralteten Bedeutung des Activi, befehlen, und des Neutrius, verpflichtet, verbunden seyn. 1) Ein Befehl, in welchem Verstande schon Notker die Befehle Flihte nennet. In dieser Bedeutung ist es veraltet, dagegen pflegt man noch eine befohlne Sache, in weiterer Bedeutung, ein durch ein Gesetz bestimmtes Verhalten, und in noch weiterm Verstande, ein jedes der Bestimmung, der Natur der Sache und unserm Verhältnisse gegen dieselbe gemäßes Verhalten, eine Pflicht zu nennen, da sie denn nach einer noch weitern Figur zuweilen auch den Zustand bedeutet, in welchem eine moralische Nothwendigkeit vorhanden ist. Natürliche, geoffenbarte, bürgerliche, menschliche Pflichten, welche durch das Naturgesetz, durch das geoffenbarte Gesetz, durch bürgerliche, durch menschliche Gesetze bestimmet werden. Es ist deine Pflicht, mir zu gehorchen. Seiner Pflicht, oder seinen Pflichten eine. Genüge thun, sie erfüllen, in Acht nehmen, beobachten, ihnen oder ihr nachkommen, nachleben; im gemeinen Leben auch seine Pflicht thun, sie abstatten. Seiner Pflicht nachkommen. Meine Pflicht erfordert es. Nach seiner Pflicht handeln. Sich einer Pflicht entledigen, dieselbe erfüllen. Die Pflichten gegen Gott, gegen andere, gegen sich selbst. Seine Pflicht versäumen, unterlassen, aus den Augen setzen. Wider seine Pflicht handeln. Das beste Herz hat seine kleinen Fehler der Erziehung und des Temperamentes; wie es Pflicht der Freundschaft ist, sie zu mindern, so ist es auch Pflicht, sie zu dulden, Gell. Ich habe mir es immer zur Pflicht gemacht, so und nicht anders zu handeln. Die wichtige Pflicht, die (welche) uns obliegt, die Kräfte unsers Geistes auszubilden, Gell. Was lehrt das Auge seine Pflicht? ebend. dasjenige, wozu es vermöge seiner Bestimmung verbunden ist. Einem Verstorbenen die letzte Pflicht abstatten, ihn begraben, seinem Begräbnisse folgen. In engerer Bedeutung werden zuweilen besondere Arten der Obliegenheiten nur Pflichten genannt. Die eheliche Pflicht, die eheliche Beywohnung. Die Lehenspflicht, die dem Lehensherren schuldige Treue. Die Steuern und Abgaben, welche Unterthanen an ihre Obern zu entrichten haben, heißen in manchen Gegenden Pflichten. Auch diejenigen Gaben, welche die Geistlichen an manchen Orten von ihren Pfarrkindern heben, führen zuweilen diesen Nahmen. Der Pfarrer sammelt seine Pflicht ein, wenn er diese Gaben einsammelt. Pflichteyer, Pflichtkorn u. s. f. eine solche Abgabe an Eyern, Korn. S. auch Unpflicht. 2) Ein feyerliches Versprechen, wodurch man sich zu etwas verpflichtet, ein Gelübde; wo besonders das eidliche Versprechen der Treue unter dem Nahmen der Pflicht, zuweilen auch im Plural der Pflichten bekannt ist, ohne doch die darin gegründeten Obliegenheiten auszuschließen. Jemanden in Pflicht nehmen, ihn den Eid der Treue ablegen lassen. Jemanden die Pflicht leisten, ablegen. In Pflicht oder Pflichten stehen, vermöge eines Eides verpflichtet seyn. Das ist wider meine Pflicht. Jemanden seiner Pflicht entlassen. Besonders mit dem Worte Eid. In Eid und Pflicht nehmen. In Eid und Pflicht stehen. Wider Eid und Pflicht handeln. Das mittl. Lat. Plegium und plegiare, gut sagen, das Angels. pligran, gut sagen, verpfänden, und andere gehören gleichfalls hierher. S. auch Verpflichten. 2. Von andern Bedeutungen des Verbi war es ehedem auch in verschiedenen andern Bedeutungen üblich, welche aber im Hochdeutschen insgesammt veraltet sind. So hieß die Pflege, Sorge, Vorsorge, im Oberd. Pflicht und im Nieders. Plicht. Die Gewohnheit, Art und Weise, kam ehedem häufig unter diesem Nahmen vor. Von beyden Bedeutungen hat Frisch einige Beyspiele gesammelt. Die Winsbeckinn gebraucht es für Umgang, von der R. A. Umgang mit jemanden pflegen. Im Oberdeutschen wird es auch noch häufig für Pflege, d. i. Gegend, im weitesten Verstande gebraucht. In dieser Pflicht wächst guter Wein, in dieser Pflege oder Gegend.


Pflichtanker (W3) [Adelung]


Der Pflichtanker, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Schiffen, der vornehmste Anker oder Hauptanker eines Schiffes, weil er auf der Pflicht lieget, damit er immer bey der Hand sey, S. 1 Pflicht.


Pflichtbar (W3) [Adelung]


Pflichtbar, adj. et adv. welches nur in einigen Gegenden für pflichtig üblich ist. Pflichtbare Güter, welche dem Gutsherren zu gewissen Diensten und Obliegenheiten verpflichtet sind; im Gegensatze der freyen Güter. S. Pfleghaft.


Pflichtbrüchig (W3) [Adelung]


Pflichtbrüchig, -er, -ste, adj. et adv. seine Pflicht brechend und darin gegründet; besonders so fern Pflicht das eidliche Versprechen bedeutet, für eidbrüchig. Ein pflichtbrüchiger Beamter. Ein pflichtbrüchiges Betragen. Das Hauptwort der Pflichtbruch kommt seltener vor.


Pflichtey (W3) [Adelung]


Das Pflichtey, des -es, plur. die -er, S. 2 Pflicht 1 1).


Pflichtfrey (W3) [Adelung]


Pflichtfrey, adj. et adv. von der Pflicht befreyet, besonders in der engern Bedeutung, von gewissen Diensten, Abgaben u. s. f. befreyet; im Gegensatze des pflichtbar und pflichtig.


Pflichtig (W3) [Adelung]


Pflichtig, adj. et adv. eine Pflicht auf sich habend, zu gewissen Pflichten verbunden, und darin gegründet. Daß er sich dessen bey Strafe zu enthalten pflichtig sey, d. i. verpflichtet, verbunden, in den Kanzelleyen. Sich gegen jemand pflichtig machen, verbindlich, verpflichtet. Ich schreibe Sinngedichte; die dürfen nicht viel Weile, (Mein andres Thun ist pflichtig) sind Töchter freyer Eile, Logau. Pflichtige Unterthanen, welche zu gewissen Diensten, Abgaben u. s. f. verpflichtet sind, pfleghafte, pflichtbare; im Gegensatze der freyen. Im Hochdeutschen ist es in den Zusammensetzungen dienstpflichtig, steuerpflichtig, frohnpflichtig, zehentpflichtig u. s. f. am üblichsten, zu Diensten, Steuern, Frohnen, zum Zehenten verpflichtet.


Pflichtkorn (W3) [Adelung]


Das Pflichtkorn, des -es, plur. inus. ein in einigen Gegenden für Zinskorn übliches Wort, S. 2 Pflicht 1 1).


Pflichtleistung (W3) [Adelung]


Die Pflichtleistung, plur. die -en, die Leistung der Pflicht. Besonders die Leistung oder Ablegung des Eides der Treue und der Verbindlichkeit.


Pflichtlos (W3) [Adelung]


Pflichtlos, -er, -este, adj. et adv. der Pflicht beraubt, keine Pflicht auf sich habend; im Gegensatze des pflichtbar oder pflichtig. In engerer Bedeutung, der Pflicht zuwider handelnd oder laufend, pflichtbrüchig. Ein pflichtloses Betragen. So auch die Pflichtlosigkeit.


Pflichtmäßig (W3) [Adelung]


Pflichtmäßig, -er, -ste, adj. et adv. der Pflicht gemäß, in derselben gegründet. Ein pflichtmäßiges Betragen, Verhalten. So auch die Pflichtmäßigkeit.


Pflichtschein (W3) [Adelung]


Der Pflichtschein, des -es, plur. die -e, ein schriftliches Zeugniß des gehörig abgelegten Pflichteides.


Pflichtschuldig (W3) [Adelung]


Pflichtschuldig, -er, -ste, adj. et adv. ein besonders in den Kanzelleyen üblicher Pleonasmus, durch eine Pflicht zu etwas verbunden und darin gegründet. Die pflichtschuldige Treue, die schuldige.


Pflichttheil (W3) [Adelung]


Der Pflichttheil, des -es, plur. die -e, in den Rechten, derjenige Theil der Güter, welchen ein Erblasser gewissen Personen aus Pflicht hinterlassen muß, worüber er nicht nach Gutdünken schalten kann, wenn sein Testament nicht für ungültig gehalten werden soll; Legitima, im Oberdeutschen auch die Notherbschaft, das Erbrecht. Es bekommen ihn so wohl die Kinder von den Ältern, als diese von den Kindern.


Pflichtvergessen (W3) [Adelung]


Pflichtvergessen, -er, -ste, adj. et adv. seine Pflicht vorsetzlich vergessend, aus den Augen setzend, und in diesem Verhalten gegründet. Ein pflichtvergessener Mensch. Ein pflichtvergessenes Betragen. Pflichtvergessen handeln. So auch die Pflichtvergessenheit, welches zuweilen auch von einer pflichtvergessenen Handlung gebraucht wird. Eine Pflichtvergessenheit begehen.


Pflinz (W3) [Adelung]


Der Pflinz, eine Steinart, S. Flinz.


Pflock (W3) [Adelung]


1. Der Pflock, des -es, plur. die Pflöcke, oder die Pflocke, plur. die -n, eine Art Fischernetze, S. Flake.


Pflock (W3) [Adelung]


2. Der Pflock, des -es, plur. die Pflöcke, im gemeinen Leben auch wohl Pflöcker, ein kleiner kurzer Pfahl, ein hölzerner Nagel, etwas daran oder damit zu befestigen, oder denselben fest in ein Loch hinein zu schlagen. Die kleinen Pfähle, womit man die Leinwand auf der Bleiche, und die Leinen zu den Gezelten in der Erde befestiget, heißen Pflöcke. Ein kurzes spitziges Holz, welches man in das Mauerwerk treibt, einen Nagel u. s. f. daran zu befestigen, heißt ein Pflock, oft aber auch ein Döbel. Das in den Gestein, welches man sprengen will, gebohrte Loch, wird, nachdem es geladen worden, oft wieder mit einem Pflocke ausgefüllet, statt dessen man an den meisten Orten jetzt Lehm gebraucht. Die kleinen hölzernen Nägel der Schuster heißen gleichfalls Pflöcke und im Nieders. Plüggen.

Anm. In Nieders. Pfluck und Plugge, im Engl. Plug, und mit dem Zischlaute Splug, im Schwed. Plugg, im Isländ. Fleigur, im Finnländ. mit vorgesetztem l Pulcka. Es stammet entweder von dem noch im Nieders. üblichen placken, heften, kleben, her, so fern ein Pflock zur Befestigung dienet, oder auch von dem alten fligen, Schwed. fleiga, Lat fligere, schlagen, weil ein Pflock gemeiniglich eingeschlagen wird. Von eben diesem Zeitworte ist Fleigr im Isländ. und Pligg im Schwed. ein Keil. Das Nieders. Pfluck bedeutet über dieß noch theils einen Block, theils einen Stöpsel, so wie das Holländ. und Engl. Plug, indem selbst ein papierner Pfropf oder Stöpsel daselbst ein Pluck genannt wird.


Pflockbohrer (W3) [Adelung]


Der Pflockbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. wo man die in das Gestein zum Sprengen gebohrten Löcher noch mit hölzernen Pflöcken zuzuschließen pflegt, ein Bohrer, das Zündloch durch den Pflock zu bohren.


Pflöcken (W3) [Adelung]


Pflöcken, verb. reg. act. mit einem Pflocke befestigen, besonders in dem zusammen gesetzten anpflöcken. In der im gemeinen Leben üblichen R. A. stöcken und pflöcken, in das Gefängniß setzen, scheinet es für blöcken zu stehen, in den Stock legen und an den Block schließen, so wie im Nieders. Pluck so wohl Block als Pflock bedeutet.


Pflockfisch (W3) [Adelung]


Der Pflockfisch, des -es, plur. die -e, eine Art Wallfische mit einem großen Höcker nach dem Schwanze zu und weißen Seitenfinnen mitten an dem Leibe, welcher in Neu-England einheimisch ist; Balaena novae Angliae L. Vermuthlich wegen dieses Höckers, von dem Nieders. Pluck, ein Block und Pflock.


Pflöckort (W3) [Adelung]


Der Pflöckort, des -es, plur. die -e, bey den Schustern, ein Ort, d. i. länglich viereckiges spitziges Werkzeug mit einem breiten Hefte, die Löcher zu den Pflöcken damit in die Absätze zu machen.


Pflücken (W3) [Adelung]


Pflücken, verb. reg. act. 1) Mit den Spitzen der zwey vordern Finger ausziehen, wo man es besonders im Oberdeutschen, und nicht selten auch im Hochdeutschen für rupfen gebraucht. Vögel pflücken, sie rupfen, ihnen die Federn ausziehen. Gepflückte Vögel, gerupfte. Hühner, Gänse pflücken. Wir haben noch ein Hühnchen mit einander zu pflücken, figürlich, wir haben noch eine unangenehme Sache mit einander auszumachen. Nach einer noch weitern Figur wird man im gemeinen Leben gepflückt, wenn man nach und nach von dem andern seines Vermögens beraubt wird, wofür das Zeitwort rupfen noch üblicher ist. 2) Mit den Spitzen der zwey vordern Finger auslesen, klauben; wo es besonders im Oberdeutschen üblich ist. Die Wolle, den Salat, die Petersilie pflücken, lesen, klauben, das Unreine mit den Fingerspitzen wegnehmen. 3) Mit den Spitzen der zwey vordern Finger abbrechen. Brot in die Milch pflücken, in den Küchen. Gepflückte Semmeln. Ein gepflückter Hecht, in den Küchen, ein in kleine Bissen gebrochener gesottener und von den Gräten befreyeter Hecht, welcher in einer Schüssel mit Kapern, Citronen u. s. f. gedämpft wird. Besonders in den R. A. Hopfen pflücken, Nüsse pflücken, Erdbeeren pflücken u. s. f. sie mit den vordern Fingern abreißen. In weiterer Bedeutung gebraucht man es auch, doch nur in einigen Fällen, für abbrechen, besonders von den Blumen und dem Obste. Eine Blume pflücken. Blumen pflücken. Obst pflücken. Äpfel, Birnen, Kirschen pflücken u. s. f. S. auch Abpflücken. So auch das Pflücken.

Anm. Im Nieders. plücken, im Angels. pluccian, im Engl. to pluck, im Ital. von Vögeln pelare, und von Weintrauben piluccare, im Schwed. plocka. Es ist sehr wahrscheinlich, daß es vermittelst des starken Blaselautes von dem noch im Nieders. üblichen luken, ziehen, zupfen, Angels lukan, Schwed. luka, gebildet ist. Im Schwed. ist auch flacka, im Isländ. fleika, theilen, zerreißen, welches zunächst zu unserm Fleck, ein Stück, ein Theil, zu gehören scheinet, zu welchem auch pflücken gerechnet werden kann. S. auch 2 Pflug.


Pflug (W3) [Adelung]


1. Der Pflug, des -es, plur. die Pflüge, ein nur im Niedersächsischen, wo es Plog lautet, übliches Wort, eine Gesellschaft mehrerer zu einer gemeinschaftlichen Arbeit, und in weiterm Verstande, zu einer gemeinschaftlichen Absicht verbundener Personen zu bezeichnen; eine Bande. So wird bey dem Torfgraben eine Gesellschaft von Personen, welche erfordert werden, ein Tagewerk Torf in einer gewissen Zeit zu beschicken, ein Pflug genannt, wozu wenigstens sieben Personen erfordert werden. Auch bey den Deicharbeiten heißen diejenigen Arbeiter, welche bey einer Arbeit zugleich und in einer gewissen Ordnung beschäftiget sind, ein Pflug, Holländ. Ploeg. Da denn in weiterer Bedeutung ein jeder ver- bundener Haufen, eine Partey, Faction, Rotte u. s. f. mit diesem Nahmen beleget wird. Die Übereinkunft mit dem folgenden Worte scheinet nur zufällig zu seyn, indem Pflug in dieser Bedeutung, aller Wahrscheinlichkeit nach, zu unserm Gelag und Gelichter gehöret, und statt des Hauches der letztern den oft gleichgültigen Blaselaut vor dem Stammworte lag, Licht, angenommen hat. Wenigstens ist der Begriff der Verbindung allem Ansehen nach in diesem Worte der herrschende.


Pflug (W3) [Adelung]


2. Der Pflug, des -es, plur. die Pflüge, ein bekanntes Werkzeug des Ackerbaues, damit Furchen in den Erdboden zu ziehen und ihn zur Aufnahme des Samens locker und geschickt zu machen. Es ist mit Rädern versehen und unterscheidet sich unter andern auch dadurch von dem Haken. 1. Eigentlich. Die Pferde hinter den Pflug spannen, eine Sache verkehrt anfangen, die Pferde hinter den Wagen spannen. Das ist sein Acker und Pflug, oder, das ist sein Wagen und Pflug, das ist sein ganzes und einziges Gewerbe, das einzige Erwerbungsmittel seines Unterhaltes. 2. Figürlich. 1) Ein Theil des Pfluges. Der Unterpflug, der untere Theil desselben, zum Unterschiede von dem Oberpfluge. 2) Ein bespannter Pflug. Ein Gut hat an ständigen Spanndiensten jährlich 97 Pflüge, wenn so viele Unterthanen demselben jährlich zur Frohne pflügen müssen. 3) In vielen, besonders Niederdeutschen Gegenden, ist der Pflug so viel Acker, als ein Landmann mit Einem Pfluge das Jahr über bestreiten kann; in welchem Verstande es mit den gleichbedeutenden Haken, Joch, Tagewerk u. s. f. überein kommt, und ungefähr so viel ist, als in andern Gegenden eine Hufe. Im Eiderstädtischen, wo 60 Demat auf einen Pflug gehen, hält derselbe 12960, ein Demat aber 216 Quadrat-Ruthen. Anm. Bey dem Ottfried Pluag, im Tatian Phluog, im Nieders. Angels. und Schwed. Plog, im Engl. Plow und Plough, im Albanischen mit einem andern Endlaute Pliuar, und mit noch einem andern im Longobardischen Gesetze Ploum. Es ist wohl kein Zweifel, daß mit diesem Worte auf das Aufreißen und Zerschneiden des Erdbodens gesehen wird, so daß es ein Geschlechtsverwandter von pflücken, Fleck, und andern dieser Art ist, und vermittelst des vorgesetzten Blaselautes von dem alten, noch Nieders. luken, ziehen, zupfen, reißen, Angels. lucan, Schwed. luka, unserm lachen, hauen, Loch u. s. f. abstammet.


Pflugbalken (W3) [Adelung]


Der Pflugbalken, des -s, plur. ut nom. sing. ein drey bis vier Ellen langes, mit vielen Löchern durchbohrtes, starkes Holz an dem Pfluge, welches der Deichsel an einem Wagen gleichet, und das Pflugeisen trägt; der Pflugbaum, in den gemeinen Sprecharten der Grendel, S. dieses Wort.


Pflugbeil (W3) [Adelung]


Das Pflugbeil, des -es, plur. die -e, ein kleines an dem Pfluge hangendes Beil, sich dessen im Nothfalle bey dem Pfluge bedienen zu können; im Oberd. das Pflughäckel.


Pflugbürger (W3) [Adelung]


* Der Pflugbürger, des -s, plur. ut nom. sing. eine ehemahlige Benennung der Pfahlbürger. S. dieses Wort.


Pflugdienst (W3) [Adelung]


Der Pflugdienst, des -es, plur. die -e, auf dem Lande, Frohndienste, welche der Unterthan dem Grundherren mit dem Pfluge zu leisten verbunden ist, Frohndienste, sofern selbige im unentgeldlichen Pflügen bestehen; die Pflugfrohne. In weiterer Bedeutung werden auch wohl alle Spanndienste, wobey der Fröhner mit Pferd und Wagen erscheinen muß, Pflugdienste genannt.


Pflugeisen (W3) [Adelung]


Das Pflugeisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein langes, vorn gekrümmtes schneidendes Eisen, welches in dem Pflugbalken senkrecht befestiget ist, hart vor der Pflugschar hergehet, und das Erdreich zerschneidet, welches hernach die Schar heraus hebet; das Ackermesser, Pflugmesser, in den gemeinen Sprecharten das Sech, das Pflugsech, und in der Mark Brandenburg das Kolter. Beym Hornegk heißt es Arlen, welches Wort noch jetzt in Steiermark üblich ist, von ähren, arare. ( S. Sech und Kolter.) Von einigen wird auch die Pflugschar das Pflugeisen genannt.


Pflügen (W3) [Adelung]


Pflügen, verb. reg. act. eine Art des Ackerns, da die Erde mit dem Pfluge aufgerissen und zur Aufnahme des Samens locker und geschickt gemacht wird; zum Unterschiede von dem Haken, welches mit dem Haken geschiehet, und in einigen Gegenden anstatt des Pflügens üblich ist; ären, in einigen Gegenden fahren. Der Landmann pflüget. Zur Frohne pflügen. Einen Acker, ein Feld pflügen. Mit Pferden, mit Ochsen pflügen. Da der Acker mehrmahls gepflüget werden muß, ehe er den Samen empfangen kann, so haben diese Arten in der Landwirthschaft wieder ihre besondere Nahmen, und alsdann ist pflügen in engerer Bedeutung, den Acker unmittelbar vor der Saat, also zum letzten Mahle pflügen, welches auch Saatfurchen oder zur Saat furchen genannt wird; zum Unterschiede von dem Streichen, Felgen, Stürzen oder Brachen, von dem Wenden und von dem Rühren, ( S. diese Wörter.) In der Seefahrt pflüget der Anker, wenn er nicht fest hält, sondern dem Schiffe folget, und dabey mit seinen Schaufeln den Grund des Meeres aufreißet. So auch das Pflügen.

Anm. Im Nieders. plogen, Schwed. plöja, Isländ. plaegia, Engl. to plow. Es druckt, so wie ackern und ären, eigentlich das Aufreißen des Erdbodens aus, S. 2 Pflug.


Pflüger (W3) [Adelung]


Der Pflüger, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher pflügt; doch mehr in der höhern und dichterischen Schreibart, als im gemeinen Sprachgebrauch, ob es gleich Ps. 129, 3 von einem Ackermanne überhaupt vorkommt.


Pflugfrohne (W3) [Adelung]


Die Pflugfrohne, plur. die -n, S. Pflugdienst.


Pfluggeld (W3) [Adelung]


Das Pfluggeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, S. Pflugschatz.


Pflughaken (W3) [Adelung]


Der Pflughaken, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Nahme des Hakenpfluges, S. dieses Wort.


Pflughalter (W3) [Adelung]


Der Pflughalter, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, derjenige, welcher die Pflugsterze im Pflügen hält und leitet; zum Unterschiede von demjenigen, welcher die Pferde lenket, welcher letztere in Franken der Mähnjunge genannt wird, von dem alten mähnen, meinen, führen, Franz. mener.


Pflughaupt (W3) [Adelung]


Das Pflughaupt, des -es, plur. die -häupter, das Haupt des Pfluges, d. i. das unterste Holz desselben, worauf gewisser Maßen der ganze Pflug gebauet ist; das Haupt, in den gemeinen Mundarten das Pflugheut, Pflughöt.


Pflugkehre (W3) [Adelung]


Die Pflugkehre, plur. die -n, die Kehre, d. i. die Umwendung mit dem Pfluge am Ende des Ackers oder eines Theiles desselben, und der Ort, wo der Ackermann mit dem Pfluge umwendet: die Pflugwende.


Pflugmesser (W3) [Adelung]


Das Pflugmesser, des -s, plur. ut nom. sing. S. Pflugeisen.


Pflugnase (W3) [Adelung]


Die Pflugnase, plur. die -n, derjenige Theil eines Pfluges, wo das Streichbret und die Griechsäule vorn an einander gestoßen werden.


Pflugochs (W3) [Adelung]


Der Pflugochs, des -en, plur. die -en, ein zum Pflügen bestimmter Ochs; zum Unterschiede von einem Mastochsen.


Pflugpferd (W3) [Adelung]


Das Pflugpferd, des -es, plur. die -e, ein solches Pferd, ein Ackerpferd, zum Unterschiede von einem Reit- und Wagenpferde.


Pflugrad (W3) [Adelung]


Das Pflugrad, des -es, plur. die -räder, eines von den zwey Rädern an einem Pfluge.


Pflugrecht (W3) [Adelung]


Das Pflugrecht, des -es, plur. die -e. 1) Das Recht, welches die Gesetzgeber dem Pfluge ertheilet haben, da z. B. dessen Entwendung von dem Felde schärfer bestraft wird, als ein anderer Diebstahl. 2) In einigen Gegenden wird auch die Eintheilung des Ackers in drey Arten das Pflugrecht genannt. Ein Stück Feld nach Pflugrecht übernehmen, heißt alsdann so viel, als es auf drey Jahre übernehmen, so lange bis drey Arten herum sind. S. 1 Art. 3) In andern wird der Rain das Pflugrecht genannt, wie z. B. in dem Preuß. Gesetzbuche.


Pflugreute (W3) [Adelung]


Die Pflugreute, plur. die -n, ein langer und dicker Stecken, welcher vorn mit einem breiten und scharfen Eisen beschlagen ist, die fette Erde, welche sich im Pflügen an den Pflug und an das Streichbret setzet, damit abzustoßen; die Reute, das Pflugrödel, die Pflugscharre, der Pflugschorrer.


Pflugrödel (W3) [Adelung]


Das Pflugrödel, des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige.


Pflugsäge (W3) [Adelung]


Die Pflugsäge, plur. die -n, ein Nahme, welchen einige Hochdeutsche Schriftsteller in Schriften dem Seche oder Pflugseche geben, welches in den gemeinen Sprecharten das Sech lautet, und mit Säge freylich Eines Geschlechtes ist, ob es gleich von demjenigen Werkzeuge, welches wir heut zu Tage eine Säge nennen, gar sehr abweicht, S. Pflugeisen, Säge und Sech.


Pflugschar (W3) [Adelung]


Die Pflugschar, plur. die -en, ein vorn spitziges und hinten breit zulaufendes Eisen, in Gestalt einer 4, welches vorn an das Haupt des Pfluges befestiget wird, und die Erde, welche das Pflugeisen senkrecht abgeschnitten, horizontal heraus hebet und auf die Seite legt; die Schar, bey einigen auch das Pflugeisen. In der Anatomie wird das dreyzehnte Bein des obern Kinnbackens, in der Mitte der Nase, welche es in zwey gleiche Höhlen abtheilet, wegen seiner Ähnlichkeit die Pflugschar, oder das Pflugscharbein genannt; Vomer.

Anm. im Engl. Share, im Ital. Curetta, welchem nur der Zischlaut fehlet. In Schriften kommt dieses Wort in allen drey Geschlechtern vor, obgleich das weibliche, selbst im gemeinen Sprachgebrauche, das gewöhnlichste ist. Luther gebraucht es im sächlichen. Wenn jemand hatte ein Pflugschar zu schärfen, 1 Mos. 13, 20. In den Ausdrücken, die Schwerter zu Pflugscharen und die Spieße zu Sicheln machen, Es. 2, 4, Micha 4, 3, und Joel 3, 15 wollen einige nicht Pflugscharen, sondern Pflugscharren verstehen. Notker nennet die Pflugschar Wagisin, welches Wort noch in einigen Gegenden üblich seyn muß, weil Frisch aus dem Dasypodius und andern Oberdeutschen Schriftstellern Wägyß, Wegense und Wegenese für Pflugschar anführet. Er erkläret es durch Weckeneisen, weil dieses Eisen die Gestalt eines Weckes habe. Allein Wag scheinet hier vielmehr unser Wagen in seiner weitesten Bedeutung zu seyn, in welcher es auch den Pflug mit unter sich begriffen hat und gar wohl begreifen kann.


Pflugscharre (W3) [Adelung]


Die Pflugscharre, plur. die -n, S. Pflugreute.


Pflugschatz (W3) [Adelung]


Der Pflugschatz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Summen, die -schätze, in einigen Gegenden, eine Abgabe auf dem Lande, welche der Landmann nach den Pflügen geben muß, welche er hält und zu Bearbeitung seines Ackers nöthig hat; besonders in denjenigen Gegenden, wo man den Acker in Pflüge einzutheilen oder nach Pflügen zu berechnen pflegt, ( S. Pflug,) da denn der Pflugschatz mit dem Hufenschosse anderer Gegenden überein kommt; der Pflugschoß, das Pfluggeld. In manchen Gegenden wird der Pflugschatz auch von solchen Landleuten entrichtet, welche keinen Acker haben, und alsdann werden derer sechs, acht und noch mehrere für einen Pflug gerechnet.


Pflugsech (W3) [Adelung]


Das Pflugsech, des -es, plur. die -e, S. Pflugeisen und Sech.


Pflugsterze (W3) [Adelung]


Die Pflugsterze, plur. die -n, die zwey langen krummen Sterzen, welche oben an dem Hintertheile des Pfluges hinaus gehen, und an welche der Ackermann die Hände legt, den Pflug vermittelst derselben zu regieren; die Sterzen, von Sterze, ein langer dünner hinten hervor ragender Theil, ( S. dieses Wort.) Nieders. Pflogsteert, im Oberdeutschen auch die Geitze, im mittlern Lat. Echette. In einigen Gegenden wird die rechte Pflugsterze die Streichbrotrüster, die linke aber, womit der Pflug eigentlich gewendet wird, die Laderüster, oder Pflugsterze in engerer Bedeutung, und verderbt Pflugstürze genannt, S. Rüster, und Pflugstürze.


Pflugstöckchen (W3) [Adelung]


Das Pflugstöckchen, des -s, plur. ut nom. sing. dasjenige Holz an dem Pfluge, woran die Räder befestiget sind, und woraus der vordere Theil des Grendels lieget; das Pfluggestellchen.


Pflugstürze (W3) [Adelung]


Die Pflugstürze, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme des Streichbretes an dem Pfluge, welches die von der Pflugschar ausgehobene Erdscholle umstürzet; das Pflugbret. Bey einigen wird auch die Pflugsterze verderbt Pflugstürze genannt.


Pflugtag (W3) [Adelung]


Der Pflugtag, des -es, plur. die -e, auf dem Lande, ein Tag, an welchem ein Unterthan dem Grundherren zur Frohne pflügen muß; zum Unterschiede von einem Wagentage, Handtage oder Fußtage.


Pflugwage (W3) [Adelung]


Die Pflugwage, plur. die -n, die Wage an einem Pfluge, welche von der Wage eines Wagens in nichts verschieden ist. S. Wage.


Pflugwende (W3) [Adelung]


Die Pflugwende, plur. die -n, S. Pflugkehre.


Pflugwetter (W3) [Adelung]


Das Pflugwetter, des -s, plur. ut nom. sing. ein langes, vorn zwieseliges Holz an dem Pfluge, welches hinten in dem Pflugstöckchen befestiget ist, und vorn die Pflugwage trägt; das Wetter, ingleichen die Leyer, beydes von der zitternden Bewegung, in welcher es sich im Pflügen befindet, S. diese Wörter.


Pfneischen (W3) [Adelung]


* Pfneischen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden für schnauben üblich ist, und zugleich das dadurch mit der Nase verursachte Geräusch nachahmet, wie das Griech. verwandte - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von welchem es ein Intensivum ist, wie aus der Endung schen, erhellet. In einigen Gegenden lautet es fnausen, pfnausen, pfnäusen. Besonders gebrauchen die Jäger dieses Zeitwort in thätiger Gestalt, theils für anködern, locken, ein Thier durch den Geruch der Speise anlocken, theils aber auch für füttern, zu essen geben, doch nur in engerer Bedeutung, von demjenigen mit dem Schweiße oder Blute benetzten Fleische, welches den Jagdhunden von dem ersten auf der Jagd gefällten Wilde, als ihr Antheil gegeben wird, welcher Antheil auch die Pfneische und das Gepfneische heißt. Die Hunde pfneischen, wofür die Jäger auch sagen, ihnen das Genieß geben, oder sie genossen machen. Mit einem noch andern Worte wird dasselbe bey den Jägern auch passen genannt, welches mit dem Lat. pasci eine sichtbare Übereinkunft hat, ( S. auch Pfosch.) Indessen kann es seyn, daß pfneischen in dieser thätigen Bedeutung zunächst von naschen abstammet, welchem vermittelst des starken Oberdeutschen Blaselautes eine thätige Bedeutung gegeben worden.


Pfortader (W3) [Adelung]


Die Pfortader, plur. die -n, in der Anatomie, eine der drey großen Blutadern, welche das Blut aus den Theilen des Unterleibes in die Leber führet; Vena Portae, vermuthlich wegen ihrer weiten Öffnung.


Pforte (W3) [Adelung]


Die Pforte, plur. die -n, Diminut. das Pförtchen, Oberd. Pförtlein, die Öffnung, durch welche man aus- oder eingehet. 1) Im engsten Verstande, die Öffnung an einem Gebäude durch welche man aus- und eingehet, wo es eigentlich eine allgemeine Benennung ist, welche alle besondere Arten unter sich begreift. Am Niederrheine und in einigen Oberdeutschen Gegenden werden auch noch jetzt alle Thore und Thüren, mit dem Nahmen der Pforten belegt. Gehet ein durch die enge Pforte, denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammniß führet, Matth. 7, 13. Im Hochdeutschen hingegen führen in dem gemeinen Sprachgebrauche nur kleinere Thore oder Thüren neben den größern, Nebenthore oder Nebenthüren, den Nahmen der Pforten oder Pförtchen. So ist in den Städten die Pforte oder das Pförtchen ein kleineres Nebenthor für Fußgänger. Auch in den Gärten, neben den Thorwegen, in den Häusern u. s. f. hat man zuweilen solche Pforten. In der höhern und dichterischen Schreibart hingegen wird es noch häufig auch von großen und prächtigen Thoren oder Thüren gebraucht, welche Bedeutung auch in dem zusammen gesetzten Ehrenpforte Statt findet. Die Pforten am Pallaste, Nehem. 2, 8. 2) In weiterer Bedeutung, ein jeder Ort, durch welchen man zu einem andern gelanget. So wurden die Pässe oder Clausen, d. i. die engen und hohlen Wege aus einem Lande in das andere ehedem häufig Pforten genannt. Ein Hafen hieß ehedem eine Meerpforte. In der Deutschen Bibel kommen auch die figürlichen Ausdrücke die Pforte des Grabes, des Himmels, der Hölle vor. Jetzt ist es in dieser weitern Bedeutung noch in dem zusammen gesetzten Stückpforte oder Geschützpforte am üblichsten, die mit einer Kappe verschlossenen Öffnungen am Schiffe zu bezeichnen, in welchen die Kanonen mit ihren Mündungen liegen. ( S. Pfortader.) 3) Figürlich, doch nur in dem Ausdrucke die Ottomannische Pforte, worunter eigentlich der Pallast des Türkisch. Kaisers dann dessen Hof, oder der Türkische Kaiser mit seinen vornehmsten Hof- und Staatsbedienten, und endlich auch das ganze Türkische Reich verstanden wird, und wofür man auch nur schlechthin die Pforte sagt. Die Groß-Sultane legen sich und ihrem Hofe diese Benennung in allen ihren Ausfertigungen mit allerley schwülstigen Beywörtern, z. B. der glänzenden, der erhabenen Pforte u. s. f. selbst bey, worauf sie auch in den meisten Europäischen Sprachen beybehalten worden. Der Ursprung ist noch ungewiß. Herbelot behauptet zwar, Pforte bedeute bey allen Morgenländern den Hof eines Fürsten, welches doch andere nur allein von Persien zugeben, von welchem Reiche es schon im Daniel und Xenophon vorkommt. Indessen ist es wohl gewiß, daß die Figur von der Pforte oder dem Thore des Pallastes entlehnet worden, zumahl da in den ältern Zeiten in den Morgenländern alle wichtige Staats- und Gerichtsgeschäfte öffentlich in den Thoren verhandelt wurden, wie in einigen Gegenden noch üblich ist.

Anm. Dieses Wort lautet schon im Isidor Porta, im Tatian Phorta, und bey dem Notker Porto, im Nieders. Poorte, im Schwed. Port, im Franz. Porte. Es kommt mit dem Lat. Porta genau überein, ohne eben von demselben abzustammen, indem es entweder den allgemeinen Begriff der Öffnung hat, und alsdann ein Verwandter von bohren, Börse, Sporta u. s. f. ist, oder auch von fahren, in dessen weitesten Bedeutung, abstammet, und einen Ort bezeichnet, durch welchen man fähret, d. i. sich beweget. Wenn es, dem Frisch zu Folge, an einigen Orten das Gefängniß bedeutet, so wird damit wohl auf den noch in vielen Städten üblichen Gebrauch gesehen, die Gefängnisse über den Stadtpforten oder Thoren anzulegen.


Pfortengericht (W3) [Adelung]


Das Pfortengericht, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, eine Art des Gerichtes, welches in den Klöstern vor den Pforten, d. i. Thoren, gehalten wird.


Pfortentau (W3) [Adelung]


Das Pfortentau, des -es, plur. die -e, auf den Schiffen, besondere Taue womit die Stückpforten verschlossen werden.


Pförtner (W3) [Adelung]


Der Pförtner, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher in oder an der Pforte, d. i. dem Thore eines Pallastes, Klosters u. s. f. auf die Aus- und Eingehenden Acht hat, dergleichen Pförtner besonders in den Klöstern üblich sind; der Thorwärter, Thorwächter, Nieders. Peurtner, Böhmisch Fortnyr. Figürlich wird in der Anatomie das rechte Mundloch des Magens von einigen der Pförtner genannt; Orificium dextrum.


Pfosch (W3) [Adelung]


Der Pfosch, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein nur bey den Jägern übliches Wort, wo es alles Futter der wilden Thiere, einen jeden Fraß derselben bezeichnet. So wird dasjenige Futter, welches den wilden Sauen an Hafer, Gerste, Eicheln u. s. f. im Winter in den Wäldern vorgeschüttet wird, Pfosch genannt. Auch dasjenige, womit man die wilden Sauen und andere Thiere ankörnet, ist unter diesem Nahmen bekannt. Daher wird auch eine Art Vogelherde, welche auf dem bloßen Rasen angeleget werden, und mit keinem Gebüsche besetzt sind, Pfoschherde genannt; ohne Zweifel, weil die Vögel durch Pfosch, d. i. gestreutes Futter, dahin gelockt werden, im Gegensatze der Buschherde. Es hat mit dem Lat. vesci und pascere eine unläugbare Ähnlichkeit, und beweiset den gemeinschaftlichen Ursprung beyder Sprachen. Frisch schränket dieses Wort zu enge ein, wenn er es bloß von dem Aase gestorbener Thiere erkläret, ungeachtet auch dieses eine Art des Pfosches ist.


Pfoste (W3) [Adelung]


Die Pfoste, plur. die -n, Diminut. das Pföstchen, ein senkrecht stehendes, starkes, gemeiniglich viereckiges Holz, welches etwas trägt oder stützet. Die Brückenpfähle, welche das Joch der Brücke tragen, werden in vielen Gegenden Pfosten genannt. Besonders heißen in der Zimmermannskunst, die senkrecht stehenden starken Hölzer, welche eine Thür- oder Fensteröffnung zu beyden Seiten einfassen, Pfosten, Fensterpfosten, Thürpfosten, dagegen daselbst andere senkrecht stehende Bauhölzer gemeiniglich Säulen genannt werden. So halte ihn sein Herr an die Thür oder Pfosten, (Pfoste,) 2 Mos. 21, 6. Und sollt sie über deines Hauses Pfosten schreiben und an die Thore, 5 Mos. 6, 9. Eli saß an der Pfosten (Pfoste) des Tempels, 1 Sam. 1, 9. In welchen so wie in mehrern Stellen Luther es auf eine sonst ungewöhnliche Art für die Thür selbst gebraucht. Auch das senkrechte starke Holz in der Mitte eines Fensters heißt eine Pfoste, so wie verschiedene andere Arten starker senkrechter Hölzer, welche etwas tragen; wohin die Bettpfosten, welche die Seitenbreter des Bettes tragen, die Gangpfosten, welche einen Gang tragen, u. s. f. gehören. In weiterer Bedeutung werden bey den Tischlern, Zimmerleuten u. s. f. starke Bohlen, welche drey bis vier Zoll dick sind, so lange sie noch unverarbeitet sind, Pfosten genannt. Im Oberdeutschen führen auch schwächere Stützen, z. B. die dünnen Stangen, welche zu den Bohnen, Erbsen u. s. f. gesteckt werden, damit sie sich daran hinauf ranken, den Nahmen der Pfosten, Bohnenpfosten, Erbsenpfosten u. s. f. Ia im Ital. ist postare stäbeln, stängeln, solche Stangen zu den Gartengewächsen stecken.

Anm. Im Engl. und Schwed. Post, im Wallisischen Post, im Franz. Poste und Poteau, im Lat. Postis. Es scheinet zunächst den Begriff der Höhe oder doch der senkrechten Richtung zu haben, da es denn mit dem Holländ. Faas, in einigen gemeinen Mundarten Föste, die Firste, der Gibel, dem Latein. Fastigium, Festuca, u. a. m. Eines Geschlechtes seyn würde. Indessen kann auch der Begriff des Tragens der herrschende seyn, da es denn zu dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und zu unserm bären, tragen, gehören würde, indem r und s sehr häufig mit einander verwechselt werden. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Pfost oder Pfosten.


Pfote (W3) [Adelung]


Die Pfote, plur. die -n, Diminut. das Pfötchen, Oberdeutsch Pfötlein, ein Wort, welches in einer doppelten Bedeutung üblich ist. 1) Der vordere und äußere Theil der Hand, oder des Fußes an den Thieren, so fern er dazu dienet etwas damit zu fassen, oder zu halten. Von Menschen wird es nur noch im verächtlichen Verstande, oder doch höchstens nur im vertraulichen Scherze gebraucht, die Hände und Finger zu bezeichnen. Sich die Pfoten verbrennen. Jemanden auf die Pfoten klopfen. Pfötchen halten, eine in den niedern Schulen für Kinder übliche Strafe, da sie die Finger der Hand zusammen gelegt herhalten müssen, um auf die Spitzen eine Anzahl Schläge zu bekommen. Oft bedeutet ein Pfötchen auch so viel, als man mit den Spitzen der sämmtlichen Finger einer Hand fassen kann; Pugillus. Von Thieren wird es von dem äußersten Theile der Füße aller Thiere gebraucht, so fern sie ihnen dazu dienen, etwas damit zu halten, da es denn auch wohl von den Vögeln vorkommt, ungeachtet Klaue und Kralle von denselben üblicher sind. In engerer Bedeutung heißen nur die vordern Theile der vordern Füße an den vierfüßigen Thieren so fern sie ihnen dienen, etwas damit zu halten. Der Bär saugt an den Pfoten. Der Hund gibt die Pfote, oder gibt ein Pfötchen. Das Eichhörnchen hält seinen Fraß mit den Pfoten, die Maus mit den Pfötchen. Bey den Bären heißt dieser Theil kunstmäßiger die Tatze, und bey andern großen Raubthieren die Klaue. 2) Eben dieser Theil an dem Ende der Füße, so ferner das Werkzeug des Gehens ist, oder so fern man darauf gehet. Von Menschen gleichfalls nur im verächtlichen Verstande, von Thieren hingegen im gemeinen Leben fast wiederum von allen Thieren, besonders aber von den mit Zehen versehenen vierfüßigen Thieren; denn ob man gleich zuweilen sagt Ochsenpfoten, Hammelpfoten, so ist doch von den mit einem gespaltenen Hufe versehenen Thieren das Wort Klaue üblicher, ( S. dasselbe.) Die Jäger nennen diesen untern Theil des Fußes an allen mit Zehen versehenen Thieren die Tatze. Die Vorderpfote, die Hinterpfote. Anm. In beyden Bedeutungen im Nieders. Pote, im Holländ. Poote, im Franz. Patte, im Engl. mit einem andern Ableitungslaute Paw. Beyde Bedeutungen sind in der Abstammung augenscheinlich verschieden. In der ersten gehöret das Wort zu fassen, Nieders. faten, Schwed. fatta; in der zweyten aber zu dem veralteten paten, pfaten, gehen, Nieders. pedden, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und zu den davon abstammenden Pfad, Fuß, Nieders. Foot u. a. m. Indessen sind es doch nicht zwey verschiedene Wörter, sondern fassen, Oberd. fahen, und das veraltete paten, gehen, sind sehr nahe mit einander verwandt, indem sie bloß verschiedene Arten der Bewegung bezeichnen, und von wehen, fahen, so fern solche ehedem bewegen überhaupt bedeutet haben, abstammen.


Pfrieme (W3) [Adelung]


Die Pfrieme, plur. die -n, oder der Pfriem, des -es, plur. die -e, bey einigen auch der Pfriemen, des -s, plur. ut nom. sing. überhaupt ein jeder langer und spitziger Körper; in welcher weitern Bedeutung es doch veraltet ist, indem es jetzt nur noch von einzelnen Körpern dieser Art gebraucht wird. Von den spitzigen Blättern wird so wohl der Ginster, Genista L. als auch die Hasenheide, Spartium L. häufig Pfriemen und Pfriemenkraut genannt. Bey den Tuchmachern ist der Pfriemen der eiserne Draht in dem Schützen, worauf die Pfeife steckt. Ein schmales an Einem Ende spitzig zulaufendes Stück Ackers ist in der Landwirthschaft häufig unter dem Nahmen eines Pfriemens bekannt. Am häufigsten gebraucht man dieses Wort von einem spitzigen Eisen, Löcher damit in einen weichen Körper zu bohren, dergleichen Pfriemen besonders die Schneider und Sattler haben, bey welchen letztern dieses Werkzeug zugleich mit einem Hefte versehen ist. Mit einem Pfriemen das Ohr durchbohren, 2 Mos. 21, 6. Sich mit Pfriemen ritzen, 1 Kön. 18, 28. In einer andern Stelle gebraucht Luther es im weiblichen Geschlechte: so nimm eine Pfrieme und bohre ihm durch sein Ohr, 5 Mos. 15, 17; in welchem Geschlechte es, wenn es dieses Werkzeug bedeutet, auch im Hochdeutschen am üblichsten ist. Die Ahlen oder Orte der Schuster sind eine Art dünner, schwacher und gemeiniglich gekrümmter Pfriemen.

Anm. Im Nieders. Preem, im Schwed. Pren, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Der Begriff der Länge, besonders aber der Spitze, ist in diesem Worte ohne Zweifel der herrschende. Im Nieders. wird daher die Geniste Brahm genannt, Angels. Brom, und bremen war ehedessen für stehen üblich. Im Isländischen ist Prionn eine Nadel, und im Holländ. Moordpriem ein Dolch. Wenn es bey dem Tacitus heißt, daß die alten Deutschen ihre Spieße, mit welchen sie sich so wohl in der Nähe als Ferne vertheidigten, Frameas genannt, so bleibt Wachter bey den Wörtern nahe und fern stehen, und da fram in allen alten Mundarten beydes bedeutet, so läßt er das Frama des Taciti davon abstammen, worin ihm auch Ihre beypflichtet, ungeachtet diese Ableitung überaus gezwungen und sprachwidrig ist. Wahrscheinlicher wäre sie geworden, wenn er das alte rahmen, schießen, bey dem Ottfried rammen, als das Stammwort angenommen hätte. Allein, was bedarfs so vieler Umschweife, da unser Pfrieme die natürlichste Ableitung an die Hand gibt. Noch Hornegk gebraucht Fram von einem Wurfspieße, einer Lanze. S. Riemen.


Pfriemengras (W3) [Adelung]


Das Pfriemengras, des -es, plur. inus. S. Borstengras.


Pfriemenholz (W3) [Adelung]


Das Pfriemenholz, des -es, plur. inus. S. Geniste 2.


Pfriemenkraut (W3) [Adelung]


Das Pfriemenkraut, des -es, plur. inus. S. Geniste 1. und 2.


Pfriemgeld (W3) [Adelung]


Das Pfriemgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, in der Schifffahrt, ein gewisses Geld, welches der Schiffer außer der Fracht als eine Ergetzlichkeit von jeder Tonne erhält; in Niederdeutschland und Kaplaken, gleichsam Laken oder Tuch zu einer Kappe, Franz. Drat de Chausse.


Pfriemhorn (W3) [Adelung]


Das Pfriemhorn, des -es, plur. die -hörner, bey einigen eine Art Schraubhörner, d. i. gewundener einfächeriger Schnecken, bey welchen die Windungen nicht merklich sind, und welche wie eine Pfrieme spitz zulaufen; Pfriemschnecke, Strombus.


Pfrill (W3) [Adelung]


Der Pfrill, des -es, plur. die -e, oder -en, oder die Pfrille, plur. die -n, der Oberdeutsche Nahme der Elritze, S. dieses Wort.


Pfropf (W3) [Adelung]


* Der Pfropf, des -es, plur. die -e, das Pfropfreis; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches bey dem Opitz vorkommt. S. 2 Pfropfen, das Zeitwort.


Pfropfen (W3) [Adelung]


Der Pfropfen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Pfröpfchen, ein Stück von einer gemeiniglich weichern Materie, welches fest in eine Öffnung hinein gedrückt, gedrehet oder geschlagen wird, dieselbe damit zu verstopfen. Der Pfropfen auf einer Bouteille oder Flasche, er sey nun von Kork, oder von Papier, oder von Lumpen; ein Stöpsel oder Stöpfel, im Oberdeutschen ein Zapfen. Ein Stöpsel kann aber auch von Glas seyn, welchen man nicht leicht einen Pfropfen nennen wird. Auf die Ladung eines Schießgewehres wird ein Pfropfen von Werk, Papier, Gras u. s. f. gesetzt, d. i. fest in das Gewehr hinein gedrückt. Die Mündungen der Kanonen werden, wenn sie nicht gebraucht werden, mit einem hölzernen Pfropfen verstopft, damit nichts Unreines hinein komme. In der Seefahrt werden auch die eisernen, bleyernen und kupfernen Platten, womit man die Löcher oder schadhaften Stellen in einem Schiffe auszubessern pflegt, Pfropfen genannt. Nieders. Propp, Engl. Prop, Schwed. Propp, auch im Deutschen bey einigen Pfropf, obgleich die Endung hier nicht ein bloßes müßiges Anhängsel zu seyn, sondern ein Werkzeug zu bezeichnen scheinet. S. das folgende.


Pfropfen (W3) [Adelung]


1. Pfropfen, verb. reg. act. 1) Mit Gewalt in eine Öffnung hinein drehen, zwingen oder stopfen. Blüthen, Rosenblätter in eine Bouteille pfropfen, sie mit Heftigkeit hinein stopfen. Die Blutgefäße waren mit Blut voll gepfropft. Gepfropft voll, so voll, daß auch mit Gewalt nicht mehr hinein zu bringen ist. Sich voll pfropfen, sich mit Speise überladen. Das Komödien-Haus war gepfropft voll, von Menschen. Im Ober- deutschen pferchen. 2) Mit einem Pfropfen verstopfen; doch nur in den zusammen gesetzten zupfropfen. So auch die Pfropfung.

Anm. Im Nieders. proppen, im Schwed. proppa, im Griech. in der zweyten Bedeutung - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es scheinet vermittelst des harten Blaselautes von reiben abzustammen, von welchem auch vermittelst eines andern Vorschlages treiben herkommt, welches in ähnlicher Bedeutung vorkommt. Bey dem Kero ist Ruab eine Zahl. Im Niedersächs. ist in eben dieser Bedeutung auch prammen üblich, welches mit dem Lat. premere sichtbar überein kommt, und von welchem das im gemeinen Leben der Hochdeutschen übliche bremsen und premsen in eben diesem Verstande ein bloßes Intensivum ist.


Pfropfen (W3) [Adelung]


2. Pfropfen, verb. reg. act. 1) Eigentlich, ein Reis eines Baumes in einen in den Stamm eines andern gemachten Spalt setzen, damit beyde zusammen wachsen, welches besonders von den Gärtnern zur Veredlung schlechterer Stämme geschiehet. Auf einen wilden Stamm pfropfen. Ein Reis von einem Apfelbaume auf den Stamm eines Birnbaumes pfropfen. In den Spalt pfropfen, wenn ein junger Stamm oben ganz abgeschnitten, und das Pfropfreis in den darein oben auf dem Schnitte gemachten Spalt gesetzet wird. In die Rinde pfropfen, wenn das Pfropfreis in einen in die Rinde eines stärkern Stammes gemachten Spalt gesetzet wird. In den Kerb pfropfen, wenn das Pfropfreis in eine durch die Rinde in das Holz eines alten Baumes gehauene Kerbe gesetzet wird. Statt dieses Zeitwortes ist in Niedersachsen risen üblich, von Ris, ein Reis. Gottsched behauptete impfen sey, einen einzigen Knospen in die Rinde eines andern Baumes setzen, und pfropfen, wenn statt des Knospens ein Reis oder kleiner Zweig genommen würde. Allein, er irrete sich, denn jenes heißt nicht so wohl impfen, als vielmehr äugeln und oculiren. Impfen ist, so wie pelzen, mehr im Oberdeutschen üblich, und kann vermöge seiner Abstammung so wohl äugeln, als pfropfen, als auch pfeifen bedeuten, wird aber daselbst am häufigsten für pfropfen gebraucht. ( S. auch Pfeifen, welches eine andere Art des Impfens ist.) 2) Figürlich pfropfen auch die Zimmerleute, wenn sie an ein schadhaft gewordenes Zimmerholz ein frisches Stück ansetzen, und beyde dergestalt verbinden, daß sie an allen Seiten gleiche Stärke haben, und nur ein einziges Stück zu seyn scheinen. Daher das Pfropfen. Anm. Ob es gleich sehr füglich angehet, dieses Zeitwort als eine bloße Figur des vorigen anzusehen, und es durch einsetzen, einpflanzen überhaupt zu erklären, so kann es doch auch als ein eigenes Wort angesehen werden, welches von dem bey dem Opitz befindlichen Pfropf, ein Pfropfreis, abstammet, mit dem Angels. ryp, dem alten noch im Engl. üblichen grow, wachsen, und andern ähnlichen Wörtern Eines Geschlechtes ist, und eigentlich, ein Reis, einen Schößling bedeutet, zumahl da auch das Wort Trieb in eben diesem Verstande gebraucht wird, und das Nieders. risen gleichfalls von Ris, ein Reis, abstammet.


Pfropfmesser (W3) [Adelung]


Das Pfropfmesser, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Gärtnern, ein breites Messer ohne Spitze mit einem dicken Rücken, den Spalt in denjenigen Baum, auf welchen gepfropft werden soll, damit zu machen; das Spaltmesser.


Pfropfreis (W3) [Adelung]


Das Pfropfreis, des -es, plur. die -er, ein Reis, d. i. jähriger Zweig mit Knospen, welcher auf oder in den Stamm eines andern gepfropft wird; bey dem Opitz der Pfropf.


Pfropfsäge (W3) [Adelung]


Die Pfropfsäge, plur. die -n, eine eigene Säge der Gärtner, die Stämme derjenigen Bäume, auf welche gepfropft werden soll, damit abzusägen.


Pfropfschule (W3) [Adelung]


Die Pfropfschule, plur. die -n, eine Baumschule von jungen gepfropften Stämmen, oder auf welche doch gepfropft werden soll, zum Unterschiede von einer Samenschule.


Pfropfwachs (W3) [Adelung]


Das Pfropfwachs, des -es, plur. inus. dasjenige zubereitete Wachs, womit die durch Pfropfen entblößte Stelle eines Stammes verstrichen und dadurch vor der Nässe verwahret wird; Baumwachs.


Pfropfzieher (W3) [Adelung]


Der Pfropfzieher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug, die Korkpfropfen damit aus den Bouteillen zu ziehen; der Korkzieher, Nieders. Buttelworm, von Buttel, eine Bouteille, weil er aus zwey schlangenförmig gekrümmten starken Drahten besteht.


Pfründe (W3) [Adelung]


Die Pfründe, plur. die -n, ein Wort, welches in der Römischen Kirche am üblichsten ist, den Unterhalt zu bezeichnen, welchen jemand auf Lebenszeit aus einer geistlichen Stiftung genießet; ingleichen ein Theil der Kirchengüter, ein geistliches Amt, ein mit Einkünften begleiteter Titel, so fern sie jemanden den nöthigen Unterhalt gewähren. So werden die Bisthümer, Abteyen, Prioreyen, Pfarren, Canonicate u. s. f. in Ansehung des Unterhaltes, welchen sie ihren Besitzern gewähren Pfründen genannt. Eben diesen Nahmen bekommt eine Stelle in einem Hospitale oder einer andern ähnlichen Stiftung, welche jemand durch Kauf oder auf andere Art erhält, in Ansehung des Unterhaltes, welchen ihm dieselbe gewähret; in welchem Verstande es auch in der evangelischen Kirche üblich ist. Im mittlern Lateine Praebenda und Beneficium. Daher der Pfründner, derjenige, welcher eine Pfründe besitzet, welcher seinen Unterhalt aus einer geistlichen Stiftung hat, besonders so fern er zu keinen Amtsverrichtungen verbunden ist; die Pfründ-Collatur, im Oberdeutschen, das Patronat-Recht, der Kirchensatz.

Anm. Bey dem Notker schon Phruonda, im Schwabenspiegel Pfrunde. Man leitet es gemeiniglich von dem schon gedachten Latein. Praebenda her, von welchem auch das Holländ. Provande, das alt Franz. Prouvende, und das ehemahlige Deutsche Pröven abstammen. Allein unser Pfründe scheinet einen echt Deutschen Ursprung zu haben. Bey dem Ottfried ist B. 2, Kap. 4, V. 97 Pruanta Unterhalt, und V. 64 pruenten unterhalten, ernähren, und das Zeitwort pfründen kommt in eben diesem Verstande noch jetzt im gemeinen Leben Oberdeutschlandes vor. Pfründe scheinet also eigentlich einen jeden Unterhalt zu bedeuten, und kann zu dem alten frommen, Nutzen, Frucht bringen, gehören.


Pfuchzen (W3) [Adelung]


Pfuchzen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und den Laut nachahmet, welchen die Katzen machen, wenn sie sich gegen einen Hund vertheidigen, und welcher dem Niesen gleichet. Die Katze pfuchzet. Im Oberdeutschen, wo es auch niesen bedeutet, pfuchezen, im Ital. scaffare. Im Nieders. ist prusten so wohl pfuchzen als niesen. Im Hochdeutschen lautet es auch pfutzen und pfautzen. Daher jemanden anpfuchzen oder anpfutzen, ihn ungestüm anfahren.


Pfuhl (W3) [Adelung]


1. Der Pfuhl, des -es, plur. die Pfühle, in der Baukunst, S. Pfühl.


Pfuhl (W3) [Adelung]


2. Der Pfuhl, des -es, plur. die Pfühle, Diminut. das Pfühlchen, eine Sammlung Wasser von geringem Umfange, welches keinen Abfluß hat. Ein Regenpfuhl, eine solche Sammlung von zusammen gelaufenem Regenwasser. In engerer Bedeutung, eine solche Sammlung unreinen oder stinkenden Wassers. Der Mistpfuhl, das auf dem Hofe von dem Miste zusammen gelaufene Wasser. In der Deutschen Bibel wird die Hölle der feurige Pfuhl genannt. S. Pfütze, welches mit diesem Worte oft gleichbedeutend gebraucht wird.

Anm. Bey dem Stryker Phul, im Nieders. Pohl, im Angels. Pul, im Engl. Pool, im Irländ. Pol, im Schwed. Pöl, im Wallis. Pwl, Poul, im mittlern Lat. Faulaium, im Lat. Palus. Entweder von Wal, dem alten allgemeinen Nennworte des Wassers, ( S. Quelle und Welle,) oder auch besonders in Ansehung der unreinen und stinkenden Beschaffenheit, als ein Geschlechtsverwandter von faul, und dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Koth; wenn es nicht, so wie Pfütze, ursprünglich eine jede Vertiefung bedeutet hat, S. Pfuhlbaum.


Pfühl (W3) [Adelung]


Der Pfühl, des -es, plur. die -e, Diminut. das Pfühlchen, welches eigentlich ein jedes aufgeschwollenes, hervorragendes, erhabenes Ding bedeutet, aber nur noch in einem doppelten Verstande gebraucht wird. 1) In der Baukunst wird von einigen, z. B. dem Goldmann, ein jedes rundes Glied, welches einen halben Zirkel ausmacht, der Pfühl, oder nach Oberdeutscher Mundart der Pfuhl genannt, wofür doch das Wort Stab üblicher ist. Bey dem Vitruv heißt ein solches Glied Torus. Der Wulst ist eine Art desselben, und wird auch der Viertelstab genannt. 2) Ein Bett oder Küssen, darauf zu ruhen, wo es ehedem in der weitesten Bedeutung dieser Wörter üblich war. Daher ist in dem Heergewette der Heerpfühl ein wohl bereitetes Bett nach dem besten. Besonders wird es im Oberdeutschen von einem jeden Küssen oder Polster gebraucht. Der Bankpfühl, Fensterpfühl, Stuhlpfühl u. s. f. Im Hochdeutschen ist der Pfühl das Mittel zwischen dem größern Bette und dem kleinern Küssen, und dasjenige Stück eines Gebettes, welches die Breite eines Kopfküssens hat, aber weit länger ist, und so wohl unter den Kopf, als auch unter die Füße gelegt wird; der Kopfpfühl, Fußpfühl.

Anm. Im Tatian Phuluiri, im Nieders. Pöhl, im Angels. Pyle, im Engl. Pillow, im Holländ. Peuluw. Aus der Art, wie im Tatian dieses Wort geschrieben wird, sollte es fast wahrscheinlich werden, daß es zunächst aus dem Lat. Pulvinus und Pulvinar entlehnet worden; indessen gehören auch diese zu Polster, Wulst, Gewölbe und andern ähnlichen Wörtern, welche ein aufgeschwollenes, aufgequollenes, rundes, hervor ragendes Ding bedeuten. Im Oberd. ist dieses Wort auch sächlichen Geschlechtes das Pfühl. Eben daselbst lautet es aber auch sehr häufig der oder das Pfulb, die Pfülbe, das Pfülf, der oder das Pfulg, Pfülk oder Pfulz, der Pfilm u. s. f. Hast du doch so sanft mir zur Pfülbe gedienet, sagt der Wanderer zu seiner Bürde in Geßuers Idyllen.


Pfuhlbaum (W3) [Adelung]


Der Pfuhlbaum, des -es, plur. die -bäume, im Bergbaue. 1) Der Baum, woran sich der Korb eines Göpels befindet. 2) Diejenigen horizontalen Balken, worin die Haspelstützen eingezapfet sind. Entweder von Pfuhl, eine jede Vertiefung, indem sich die Pfuhlbäume allemahl über und neben einem Schachte befinden; oder auch in der ersten Bedeutung von Welle, indem der Pfuhlbaum eines Göpels eine wahre senkrechte Welle ist, und in der zweyten von Schwelle, weil diese Pfuhlbäume wahre Schwellen sind, welche hier nur ihren zufälligen Zischlaut verloren haben. S. auch das folgende.


Pfuhleisen (W3) [Adelung]


Das Pfuhleisen, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, dasjenige Eisen, worin die Welle oder der Rundbaum gebet; gleichfalls von Welle, gleichsam das Welleisen. Von andern wird es das Pfadeisen genannt.


Pfuhlfisch (W3) [Adelung]


Der Pfuhlfisch, des -es, plur. die -e, Fische, welche sich in Pfühlen aufhalten, in Pfühlen gefangen werden.


Pfuhlicht (W3) [Adelung]


Pfuhlicht, -er, -ste, adj. et adv. einem unreinen Pfuhle ähnlich. Das Wasser riecht oder schmeckt pfuhlicht.


Pfuhlschnepfe (W3) [Adelung]


Die Pfuhlschnepfe, plur. die -n, eine Benennung derjenigen Schnepfen, welche sich gern an Pfühlen und Sümpfen aufhalten, und welche auch Riethschnepfen genannt werden; daher bald die große Doppelschnepfe, bald die kleinere Heerschnepfe oder Himmelsziege, bald auch die kleinste Haarschnepfe unter diesem Nahmen vorkommt.


Pfund (W3) [Adelung]


1. Das Pfund, des -es, plur. die -e, eine nur im Bergbaue übliches Wort, wo es ein gewisses Holz an dem Bläuel ist, worin der krumme Zapfen herum gehet. Die nähere Kenntniß dieses Stückes muß es ausweisen, ob es in dieser Bedeutung zu dem folgenden Worte gehöret, oder ob der Begriff der Bewegung, der auch der Vertiefung der herrschende ist. Im letzten Falle würde es zu Pfanne, Wanne, Wanst, Banse u. s. f. im zweyten aber zu schwanken, Schwanz und andern Wörtern der Bewegung gehören. Übrigens bedeutet Punt im Nieders. auch eine Spitze, worin es mit dem Engl. und Franz. Point und dem Latein. Punctum überein kommt. S. auch Pfundholz.


Pfund (W3) [Adelung]


2. Das "Pfund", des -es, plur. die -e, ein Schlag; ein nur noch in der Jägerey übliches Wort, wo diejenigen Streiche mit dem Weidemesser, mit welchen die Fehler wider die Weidesprache bestrafet werden, und deren gemeiniglich drey sind, "Pfunde" heißen. Die Pfunde bekommen. Jemanden die Pfunde geben. Das folgende Pfund wird so wie "Malter" und "Schilling" zwar zuweilen auch von einer gewissen Zahl, und folglich auch von einer bestimmten Anzahl Streiche gebraucht, S. das folgende; allein hier scheinet es doch ein eigenes dahin nicht gehöriges Wort zu seyn, welches zu dem noch im Schwed. üblichen "bana", "schlagen", "gehöret", und wovon unser "bamsen" und "wamsen" Intensiva sind. Im Niedersächsischen ist "Panter" ein breites Werkzeug zum Schlagen, eine Handpatsche, womit ungezogene Kinder in den Schulen auf die flache Hand geschlagen werden.


Pfund (W3) [Adelung]


3. Das Pfund, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches ehedem die Schwere und ein schweres Ding überhaupt bedeutet haben mag, jetzt aber nur noch eigentlich von einem bestimmten Gewicht gebraucht wird, figürlich aber auch eine Art Münzen, eine Zahl und ein Maß bedeutet. 1. Ein Gewicht, eine bestimmte Schwere zu bezeichnen, wo es wiederum mehrere Arten von Pfunden gibt. 1) Die größte Art dieses Gewichtes ist das so genannte schwere Pfund, wonach die Frachten so wohl zu Wasser als zu Lande berechnet werden, daher es auch das Schiffpfund genannt wird. Es hält ungefähr drey Zentner, ist sich aber doch auch nicht an allen Orten gleich. In Zelle hat ein Pfund schwer, oder ein schweres Ding 320, in Osnabrück und Hildesheim 300, an andern Orten aber nur 280 gewöhnliche Pfund, in der folgenden Bedeutung. ( S. Schiffpfund, welcher Nahme in den meisten Gegenden üblicher ist.) 2) Das gewöhnliche Pfund oder Kramerpfund, welches in Handel und Wandel durch ganz Deutschland üblich ist, und allemahl unter dem Worte Pfund schlechthin verstanden wird, ist ein weit kleineres Gewicht, aus welchem alle größere Gewichte zusammen gesetzet sind. Es wird gemeiniglich in 16 Unzen oder 32 Loth getheilet, ist sich aber auch nicht an allen Orten in der Schwere gleich. Es bleibt so wie in der vorigen und allen folgenden Bedeutungen, wenn es ein Zahlwort vor sich hat, im Plural unverändert, welches es mit allen andern Wörtern, welche ein Gewicht, ein Maß, eine Zahl u. s. f. bedeuten, gemein hat. Zwey Pfund, nicht Pfunde. Die Sache wäget sechs Pfund. Myrrhen und Aloen bey hundert Pfunden, Joh. 19, 39; besser, bey hundert Pfund. Anderthalb Pfund, ein halbes Pfund, ein Viertel Pfund. Ein Pfund Brot, Fleisch u. s. f. Ein Pfund schwer, im Oberd. eines Pfundes schwer. Wie viel gehet davon auf ein Pfund? Von vielen Lichtern gehen ihrer vier auf ein Pfund. Etwas nach dem Pfunde kaufen. Wenn kein Zahlwort vorher gehet, hat es seinen ordentlichen Plural. Bey oder nach Pfunden verkaufen. Rechte Pfunde sollen bey euch seyn, 3 Mos. 19, 36; d. i. Pfundgewichte, Gewichte, welche ein Pfund vorstellen. Alle Pfunde im Sack sind seine Werke, Sprichw. 16, 11. Wenn man ein Pfund als eine Kleinigkeit vorstellen will, so pflegt man es auch wohl ein Pfündchen zu nennen. 3) Das Apotheker-Pfund, oder Pfund nach Apotheker-Gewicht, welches in den Apotheken üblich ist, ist um 4 Unzen kleiner, und hält nur 12 Unzen oder 24 Loth. 4) Ehedem pflegte man auch eine Mark, d. i. ein halbes Pfund oder 8 Unzen, ein Pfund zu nennen, in welchem Verstande es besonders bey dem Golde und Silber üblich war, und an einigen Orten noch jetzt als gleichbedeutend mit Mark gebraucht wird. 2. Eine bestimmte Art gemünztes Gold oder Silber zu berechnen. 1) Eigentlich. Ehedem, da man die Münzsorten, besonders die kleinern, zu wägen pflegte, waren die Ausdrücke ein Pfund Schillinge, ein Pfund Pfennige, ein Pfund Häller sehr gangbar, so viel Schillinge, Pfennige und Häller zu bezeichnen, als auf ein Pfund, besonders in der letzten Bedeutung einer Mark, gingen. Die Zahl der Schillinge, Pfennige oder Häller, war nach ihrer Schwere veränderlich. Gemeiniglich rechnete man 20 Schillinge, jeden zu 12 Pfennige, folglich 240 Pfennige auf ein Pfund. Und in diesem Verstande ist das Wort Pfund noch in vielen Ländern eine Rechnungsmünze, welche doch sehr verschieden ist, je nachdem eine verschiedene Münzart dabey zum Grunde liegt, welches doch gemeiniglich Schillinge sind. Im Würtembergischen ist ein Pfund 20 Schillinge oder 120 Pfennige. Ein Pfund Flämisch hält in Hamburg 20 Schillinge Flämisch, oder 120 Schillinge Lübisch, d. i. 2 1/2 Thaler. Ein Pfund schwarzer Münze, wonach in Baiern die Grundzinsen und gerichtlichen Strafen berechnet werden, hat 41 Schillinge, 164 Groschen, 402 Regensburger, oder 1230 Pfennige schwarzer Münze, d. i. 5 6/7 Gulden weißer Münze. Hingegen hat ein Pfund Pfennige in eben dieser schwarzen Münze 8 Schilling, 32 Groschen, 96 Regensburger, 240 Pfennige, oder 1 1/7 Gulden weißer Münze. Die zu Ber- lin errichtete Bank rechnet nach Pfunden Banco, jedes zu 30 Groschen. Das größte Pfund dieser Art ist ein Engl. Pfund Sterling, welches gleichfalls nur eine Rechnungsmünze ist, 20 Engl. Schillinge zu 7 1/3 bis 3/4 Groschen hält, und 6 Thaler 4 2/3 Groschen, bis 6 Thaler 8 Groschen nach unserm Gelde macht. Die Französischen Livres und Italiänischen Lire, welche man im Deutschen oft auch Pfunde zu übersetzen pflegt, gehören vermuthlich zur folgenden dritten Bedeutung. 2) Figürlich bedeutet es, nach dem Muster des Griechischen Talent, das einem jeden mitgetheilte bestimmte Maß natürlicher Fähigkeiten; doch nur in den aus Luc. 19, 23 entlehnten R. A. mit seinem Pfunde wuchern, sein Pfund gut anlegen, seine Gaben zu seinem und andrer Nutzen pflichtmäßig anwenden; sein Pfund in einem Schweißtuche vergraben, den pflichtmäßigen Gebrauch seiner Gaben vorsetzlich unterlassen. Unser Verstand ist ein kostbares Pfund, das uns der Allmächtige zum Wucher anvertrauet hat, gell. 3. Da das Pfund in den beyden vorigen Bedeutungen allemahl eine bestimmte Anzahl Unzen und Münzsorten in sich begriff, so wurde dieses Wort ehedem auch sehr häufig gebraucht, eine gewisse bestimmte Anzahl zu bezeichnen. So ist im mittlern Lat. Libra annorum und Libra testium eine Zahl von 72 Jahren oder Zeugen, nach der Libra occidua, oder der spätern Libra auri, zu uns nach Balentinians Zeiten, welche von diesem Kaiser auf 72 Solidos gesetzt wurde. Auch im Deutschen ist ein Pfund oft eine Zahl von 240, wo das ehemahlige Pfund Pfennige zum Grunde liegt, welches 240 Pfennige, oder 8 Schillinge, jeden zu 30 Pfennige, hatte. In einigen Osterreichisch. Chroniken kommen drey Pfund Menschen, und eilf Schilling Städte und Flecken vor, wo die drey Pfund 720 Seelen und die eilf Schillinge 330 Städte und Flecken machen. Noch jetzt ist in Nürnberg ein Pfund Krautköpfe oder Nüsse eine Zahl von 240 Stück. Zuweilen liegt die Zahl der acht in einem Pfunde begriffenen Schillinge zum Grunde, und alsdann ist ein Pfund eine Zahl von 8. So wird in den Schriften der vorigen Jahrhunderte zuweilen eines Pfundes Schläge oder Streiche gedacht, welches 8 Schläge sind, so wie ein Schilling ihrer 12 hat, von den 12 Hällern, welche auf einen Schilling gingen. Vermuthlich gehören hierher auch die Französ. Livres und Italiänischen Lire, welches Rechnungsmünzen, obgleich von sehr verschiedenem Gehalte sind, indem das Französische Pfund 6 Groschen, das Italiänische aber oft nur 2 3/4 Groschen beträgt, wo es gleichfalls eine Zahl von 8 kleinern Münzen zu bezeichnen scheinet. Wenigstens machen 8 leichte Groschen oder Kaisergroschen gerade ein Französis. Pfund oder einen Livre. Die Venetianische Lira macht 12 Kreuzer Reichsgeld, dagegen die Toscanische Lira 20 Soldi hält. S. "Malter" und Schillinge welche gleichfalls von einer Zahl gebraucht werden. 4. Zuweilen, obgleich seltener, ist Pfund auch der Nahme eines körperlichen und Flächenmaßes; ohne Zweifel auch als eine Anspielung auf das Gewicht dieses Nahmens und die Zahl seiner Theile. So hält in Regensburg ein Pfund Salz 8 Schillinge oder 240 Scheiben. Im Österreichischen werden die Weingärten nach Pfunden, so wie die Äcker nach Jochen und die Wiesen nach Tagewerken, berechnet, wo vielleicht der nach Pfunden in der zweyten Bedeutung geschätzte Werth zu verstehen ist, wenn anders hier nicht auch die dritte Bedeutung einer gewissen Zahl eines kleinern Flächenmaßes zum Grunde liegt.

Anm. Schon bey dem Kero Funt, bey dem Notker Phunt, im Nieders. Pund, im Engl. Pound, im Angels. und schon bey dem Ulphilas Pund, im Pohln. Fund, im Lat. Pondo, mit welchem es zu Pondus, das Gewicht, die Schwere, gehöret. Hornegk gebraucht Ponder und Poynder auch figürlich für Nachdruck, Gewalt.


Pfundbirn (W3) [Adelung]


Die Pfundbirn, plur. die -en, eine Art sehr großer Birnen, welche auch Faustbirnen genannt wird, und schon bey dem Plinius Pirum librale heißt. Die Volema des Cato und Virgils, welche gemeiniglich für unsere Pfundbirn gehalten wird, ist, nach dem was Plinius davon sagt, vielmehr die Bon Chretien d'Ete. Der Nahme Pfundbirn, welchen man gemeiniglich durch pfündige Birn erkläret, wegen ihrer Größe und Schwere, kann auch aus dem Oberd. Funst und Pfunz, die Faust, verderbt seyn, da er denn mit Pfundbirn gleichbedeutend seyn würde.


Pfundbude (W3) [Adelung]


Die Pfundbude, plur. die -n, S. Pfundzoll.


Pfünder (W3) [Adelung]


Der Pfünder, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ding, welches Ein Pfund schwer ist. So nennt man einen einpfündigen, zweypfündigen u. s. f. Fisch, oft einen Pfünder oder Einpfünder, Zweypfünder, u. s. f. Auch eine Kanone, welche zwey, drey, zehen Pfund u. s. f. schießt, heißt in dieser Betrachtung ein Zweypfünder, Dreypfünder, Zehnpfünder u. s. f.


Pfundgeld (W3) [Adelung]


Das Pfundgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, ein besonders im Österreichischen übliches Wort, wo die Kauf- und Annehmelehen von erkauften oder ererbten unfreyen Grundstücken das Pfundgeld genannt wird, ( S. Lehenwaare.) Es ist in dieser Bedeutung ohne Zweifel aus dem Lat. Fundus entlehnet, so daß Pfundgeld nach der Oberdeutschen Aussprache für Fundgeld stehet. Die Deutschen Provinzen jenseit der Donau, welche so lange unter der Römischen Herrschaft gestanden sind, haben mehrere Lateinische Wörter angenommen, welche in den übrigen Provinzen unbekannt sind. S. auch Fundschoß.


Pfundgewicht (W3) [Adelung]


Das Pfundgewicht, des -es, plur. die -e. 1) Ein Gewicht, welches Ein Pfund wäget, und Ein Pfund vorstellet, ein Pfundstein; zum Unterschiede von einem Zentnergewichte, Lothgewichte u. s. f. 2) Die Art und Weise, die Schwere der Körper nach Pfunden und deren kleinern Theilen zu bestimmen, wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist; zum Unterschiede von dem Markgewichte, Karatgewichte u. s. f.


Pfundhaus (W3) [Adelung]


Das Pfundhaus, des -es, plur. die -häuser, S. Pfundzoll.


Pfundholz (W3) [Adelung]


1. Das Pfundholz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -hölzer, im Handel und Wandel, ausländische seltene Hölzer oder Holzarten, welche nach Pfunden verkauft werden.


Pfundholz (W3) [Adelung]


2. Das Pfundholz, des -es, plur. die -hölzer, im Bergbaue, Hölzer, welche in die Halbgerinne gelegt werden, und dem Fluder die gehörige Weite geben. Etwa auch mit Pfundgeld aus dem Lat. Fundus, oder doch mit demselben aus einer gemeinschaftlichen Quelle, so daß eigentlich Bodenhölzer bedeutet? Oder gehöret es vielmehr zu 1 Pfund? S. dasselbe.


Pfündig (W3) [Adelung]


Pfündig, adj. et adv. 1) Ein Pfund haltend oder wägend. Ein pfündiger Karpfen. Ein zweypfündiger Hecht. Ein zehnpfündiger Stein. 2) Bey den Zinngießern ist pfündiges Zinn, oder Pfundzinn, solches Zinn, welches die bestimmte Anzahl Pfunde Bley in dem Zentner hält; zum Unterschiede von dem reinen Englischen Zinne, welches ohne alles Bley ist. Dreypfündiges, sechzehnpfündiges, dreyßigpfündiges Zinn, welches drey, sechzehn, dreyßig Pfund Bley in dem Zentner hält. Auf ähnliche Art wird bey den Silberarbeitern das Wort löthig gebraucht, ( S. dasselbe.) 3) Pfündige Pfennige waren ehedem solche Pfennige, deren die bestimmte Anzahl ein völliges Pfund ausmachte, also wichtige Pfennige, zum Unterschiede von den unwichtigen. Ingleichen solche, welche pfundweise gerechnet wurden, zum Unterschiede von den geringern und leichten, welche nach Schillingen gezählet wurden.


Pfundkammer (W3) [Adelung]


Die Pfundkammer, plur. die -n, S. Pfundzoll.


Pfundleder (W3) [Adelung]


Das Pfundleder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. dickes, starkes aus Ochsenhäuten bereitetes Sohlleder, welches nach Pfunden verkauft wird.


Pfundschoß (W3) [Adelung]


Das Pfundschoß, S. Fundschoß.


Pfundschreiber (W3) [Adelung]


Der Pfundschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Pfundzoll.


Pfundsohle (W3) [Adelung]


Die Pfundsohle, plur. die -n, eine Schuhsohle von dickem starken Pfundleder.


Pfundstein (W3) [Adelung]


Der Pfundstein, des -es, plur. die -e, S. Pfundgewicht.


Pfundweise (W3) [Adelung]


Pfundweise, adv. nach Pfunden. Pfundweise verkaufen.


Pfundzinn (W3) [Adelung]


Das Pfundzinn, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, S. Pfündig 2).


Pfundzoll (W3) [Adelung]


Der Pfundzoll, des -es, plur. die -zölle, ein nur in den Preußischen Seestädten übliches Wort, den Zoll zu bezeichnen, welcher von den Schiffsfrachten entrichtet wird; ohne Zweifel, weil die Waaren oder Güter dabey nach schweren Pfunden, oder Schiffspfunden, in Betrachtung kommen. Daher ist die Pfundbude, oder das Pfundhaus, daselbst ein Haus oder Gebäude, wo dieser Zoll entrichtet wird, die Pfundkammer, das zu Einhebung und Berechnung dieses Zolles verordnete Collegium, der Pfundschreiber, der Schreiber oder Einnehmer bey einem solchen Zolle u. s. f.


Pfusche (W3) [Adelung]


* Die Pfusche, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben, besonders Thüringens, übliches Wort, ein Kohlhaupt zu bezeichnen, welches sich nicht gehörig schließen will. Ohne Zweifel von foß, Nieders. fussig, locker.


Pfuschen (W3) [Adelung]


Pfuschen, verb. reg. neutr. welches das Hülfsworte haben erfordert, und eigentlich eine Nachahmung eines zischenden Schalles ist, diesen Schall von sich geben und verursachen. 1. Lockeres Schießpulver pfuscht, wenn es angezündet wird. Wenn daher das Pulver von der Pfanne eines Feuergewehres unwirksam abbrennt, so sagt man, es pfusche ab, und dieser zischende Laut und die Handlung der Hervorbringung desselben nennt man daselbst einen Pfuscher. Pulver auf die Pfanne schütten, um einen Pfuscher zu machen. Figürlich wird daher auch wohl ein jeder Fehler, ein jedes Versehen ein Pfuscher genannt, den man nach ähnlichen Figuren auch einen Placker und Pudel zu nennen pflegt. 2. Eilfertig und obenhin arbeiten und handeln. 1) Eigentlich, wo pfuschen überhaupt, eine Handlung mit nachtheiliger Eilfertigkeit verrichten ist, so daß sie dadurch schlecht und untauglich wird. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist pfuschen eine Arbeit verrichten, von welcher man nicht die gehörige Kenntniß hat; und 3) in der engsten, und besonders bey den Handwerkern und Künstlern üblichen Bedeutung, eine Arbeit verrichten, welche man nicht auf die eingeführte Art erlernet hat, oder zu welcher man nicht den gehörigen Beruf hat, zu welcher man nicht auf die einmahl eingeführte Art berechtiget ist. Derjenige pfuscht, welcher Arbeiten verrichtet, zu welchen die einmahl zunftmäßig eingeführten Künstler und Handwerker nur allein berechtiget seyn wollen. In eine Kunst, in eine Wissenschaft, in ein Handwerk pfuschen, sich damit abgeben, ungeachtet man selbige nicht auf die gehörige Art erlernet hat, oder dazu gehörig berufen und berechtiget ist. Der Lehrling pfuschet hinter dem Rücken seines Meisters, wenn er ohne dessen Wissen Arbeiten übernimmt, die dieser verrichten sollte.

Anm. Im gemeinen Leben auch pfuschern, im Dän. fuske. Es ist in der zweyten Bedeutung gleichfalls eine Nachahmung des zischenden Lautes, welchen eine Art geschwinder Bewegung hervor bringet, da es denn zu wischen und wuschen, fuseln, faseln, dem Angels. fysa, eilen, und andern Wörtern dieses Geschlechtes gehöret. Schlechte, ungeschickte Arbeit verrichten heißt im Nieders. funstern, und gewisse schnelle Bewegungen mit den Händen machen, funseln.


Pfuscher (W3) [Adelung]


1. Der Pfuscher, des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige.


Pfuscherey (W3) [Adelung]


Die Pfuscherey, plur. die -en. 1) Das Pfuschen in der zweyten Bedeutung des Zeitwortes, und ohne Plural. 2) Dergleichen obenhin, in der Eile und fehlerhaft verfertigte Arbeit.


Pfuschern (W3) [Adelung]


Pfuschern, S. Pfuscher.


Pfütze (W3) [Adelung]


Die Pfütze, plur. die -n, Dimin. das Pfützchen, Oberd. das Pfützlein. 1) * Ein Brunnen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es aber bey allen alten Oberdeutschen Schriftstellern vorkommt, und bey dem Ottfried Puzzi, bey dem Notker Buzza, und bey dem Willeram Putza lautet. Im Nieders. ist Pütte noch jetzt ein Brunnen, und zwar so wohl ein Ziehbrunnen, als auch eine Pumpe. Eben daselbst ist Pütte auch ein Stück Morast, aus welchem der Torf heraus gegraben worden, welches sich hernach mit Wasser angefüllet hat. Im Engl. ist Pit, im Franz. Puits, im Albanischen Pus, und im Lat. Puteus gleichfalls ein Brunnen. 2) Ein stehendes Wasser von einem nicht gar großen Umfange, welches sich an einem tiefen Orte gesammelt hat. So werden alle kleinere Sammlungen von Wasser dieser Art auf den Feldern, in den Wegen und Straßen, auf den Höfen u. s. f. Pfützen genannt. Die Mistpfütze, das von dem Miste in einem Vertiefung auf dem Hofe zusammen gelaufene Wasser. In eine Pfütze treten. Aus einer Pfütze trinken. In engerer Bedeutung verbindet man mit einer Pfütze zugleich den Begriff des trüben und unreinen Wassers. Im Bergbaue werden die Sammlungen Wassers in den Berggebäuden gleichfalls Pfützen und Sümpfe genannt.

Anm. In dieser zweyten Bedeutung im Nieders. gleichfalls Pütte, im Angels. Pyt, im Engl. Pit, im Schwed. Puss, im Isländ. Pytt, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches nicht allein eine Pfütze, sondern auch Koth bedeutet. Auch das Lat. Puteus bedeutete, dem Nonius zu Folge, ehedem ein stehendes Wasser. Man siehet bald, daß beyde Bedeutungen in der Tiefe zusammen kommen, und daß Pfütze eigentlich einen tiefen oder vertieften Ort bedeutet, an welchen Orten sich das Wasser ganz natürlich sammelt, so daß dieses Wort ein Geschlechtsverwandter von heißen, in die Tiefe lassen, dem Franz. bas, dem Deutschen Boden, Isländ. Botn, die Tiefe, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, öffnen, dem Lat. fodere und andern mehr ist. Pfütze, Pfuhl, Lache, in Schlesien Lusche, Gölle oder Kölke, Prudel, Sudel, Suhllache, Dimpfel oder Tümpfel, Sumpf, und andere mehr sind insgesammt Wörter, welche kleinere Sammlungen von Wasser ohne Abfluß bezeichnen. Um hier nur bey den beyden ersten stehen zu bleiben, denn die übrigen sind an ihrem Orte erkläret, so setzte Herr Stosch den Unterschied derselben darin, daß ein Pfuhl niemahls oder doch nur selten austrockne, die Pfütze aber an niedrigen Ort bald entstehe, bald aber auch wieder austrockne. Der Unterschied hat seine Richtigkeit, nur muß er, wie mich däucht, ein wenig anders bestimmt werden. Pfütze wird nur von solchen kleinern Sammlungen von Wasser gebraucht, welche keinen erheblichen Umfang haben, und daher eben so leicht wieder vergehen, als sie entstehen; Pfuhl zwar von diesen auch, zugleich aber auch von größern Sammlungen stehenden Wassers, welche einem natürlichen oder von selbst entstandenen Teiche schon nahe kommen. Über dieß kommt Pfuhl im Nieders. und bey den Hochdeutsch redenden Niedersachsen am häufigsten vor; wenigstens wird von kleinern Wassern dieser Art im Hochdeutschen häufiger Pfütze als Pfuhl gebraucht. Selbst die Etymologie kann diese Bestimmung bestätigen, denn obgleich bey dem Worte Pfuhl eine andere Ableitung angegeben worden, so können doch Pfuhl und Pfütze auch füglich als Wörter Eines Ursprunges angesehen werden. Das Stammwort heißt, wie aus dem vorigen erhellet, Bat, Put, oder mit dem Oberdeutschen starken Blaser Pfut, und bedeutet eine Tiefe, und figürlich, eine Sammlung Wasser an einem tiefen Orte. Eine solche kleine Sammlung heißt mit dem starken Zischlaute, welcher in mehrern Fällen eine Verkleinerung macht, Pfütze; eine größere aber, mit einem neuen Ableitungslaute Pfutel, oder Pfudel, und Coler und andere schreiben und sprechen es wirklich Pfudel. Bey den Niedersachsen ist nichts gewöhnlicher, als die Ausstoßung des d in der Mitte des Wortes, und so entstehet daraus Pfuhl, Nieders. Pool; welche Abkunft denn auch dadurch bestätiget wird, daß dieses Wort im Niederdeutschen am gangbarsten ist.


Pfützen (W3) [Adelung]


Pfützen, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, z. B. im Bergbaue, für schöpfen und plumpen üblich ist. Eine Grube pfutzen, das Wasser aus derselben schöpfen oder plumpen. Daher der Pfützeimer, womit solches geschiehet. Das Nieders. pütten, das Franz. puiser, haben gleiche Bedeutung.


Pfützenwasser (W3) [Adelung]


Das Pfützenwasser, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. Wasser aus Pfützen.


Pfützmade (W3) [Adelung]


Die Pfützmade, plur. die -n, im gemeinen Leben, Würmer, welche sich unter dem Misthaufen an den Mistpfützen aufhalten, und zum Köder im Fischfange gebraucht werden.


Pfütznaß (W3) [Adelung]


Pfütznaß, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, naß, durchaus naß, völlig naß, so naß, als wenn es aus einer Pfütze gezogen worden; pfützennaß.


Pfützschale (W3) [Adelung]


Die Pfützschale, plur. die -n, im Bergbaue, blecherne Schalen, das Wasser, welches sich in Berggebäuden sammelt, damit auszupfützen, d. i. auszuschöpfen; die Pfützschüssel.


Pfuy (W3) [Adelung]


Pfuy, S. Pfuj.


Ph (W3) [Adelung]


Ph, der mit dem starken Blaselaute ausgesprochene Hauch, ein Laut welcher dem Laute des f gleich kommt, aber unter diesem Zeichen in der Deutschen Sprache fremd ist. Wir haben ihn nur in einigen aus dem Griechischen herstammenden Wörtern, wo man das - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - der Griechen nach dem Vorgange der Lateiner durch denselben auszudrucken pflegt. In vielen Wörtern, welche bereits eine Art von Bürger- recht erhalten haben, kann man ihm füglich ein Deutsches f unterschieben, daher auch die ehemahligen Phantasie, phantasiren, Phantast, Phasan, und Phasele, oder Phaseole, in diesem Wörterbuche mit einem F geschrieben worden. Viele haben dieses auch auf Philosophie, Phantom, und andere ausdehnen wollen; sie haben aber bisher noch immer den größten Theil wider sich gehabt. In einigen eigenthümlichen Nahmen, Zütphen, Adolph, Rudolph, Westphalen, hat es auch einmahl den langen Gebrauch für sich, ungeachtet diese Wörter keines Wegs aus dem Griech. herkommen. Eben verhält es sich mit Epheu, wo das ph das p in dem Lat. Apium ausdruckt.


Phänomen (W3) [Adelung]


Das Phänomen, des -es, plur. die -e, aus dem Griech. und Lat. Phaenomenon, eigentlich, eine merkliche Veränderung in der Atmosphäre der Erde, eine Lufterscheinung. In weiterer Bedeutung auch wohl eine jede seltene und merkwürdige Veränderung jeder Art.


Phantasie (W3) [Adelung]


Die Phantasie, Phantasiren, Phantast, u. s. f. Siehe in F.


Pharaonis-Maus (W3) [Adelung]


Die Pharaonis-Maus, plur. die Mäuse. 1) Ein Nahme, welchen einige, obgleich sehr unbillig, dem Meerschweinchen, Mus porcellus L. beylegen, ( S. dieses Wort.) 2) Bey andern führet der Ichnevmon, Viverra Ichnevmon L. Mustela Aegyptiaca Kl. welcher die Größe einer Katze hat, und sich in Ägypten und Indien aufhält, den Nahmen der Pharaonis-Maus, oder Pharaonis-Katze.


Phasan (W3) [Adelung]


Der Phasan, S. Fasan.


Phasele (W3) [Adelung]


Die Phasele, S. Fasele.


Philipp (W3) [Adelung]


Philipp, Gen. Philipps, ein aus dem Griech. entlehnter Taufnahme des männlichen Geschlechtes, welcher eigentlich einen Pferdeliebhaber bedeutet, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . In den gemeinen Mundarten wird derselbe oft in Lipps und im Dimin. Lippchen verkürzet.


Philipps-Thaler (W3) [Adelung]


Der Philipps-Thaler, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Spanischer Thaler, welche ihren Nahmen von dem Könige Philippo haben, und jetzt 1 Thl. 12 Gr. gelten, wenn der Louis d'or zu 5 Thl. gerechnet wird.


Philister (W3) [Adelung]


Der Philister, des -s, plur. ut nom. sing. ein noch in vielen Städten im gemeinen Leben üblicher Nahme, womit diejenigen, welche keine Bürger sind, die Bürger, und besonders die gemeinen Bürger aus Verachtung zu belegen pflegen. Die Pferde Philister, ein Pferdeverleiher. Man irret sich, wenn man glaubt, daß dieser Nahme nur allein auf Universitäten in dem Munde der Studenten üblich sey, da man denn wohl allerley Ähnlichkeiten zu erzwingen pflegt, um ihn von den ehemahligen Philistern an der Gränze des Jüdischen Landes abzuleiten. In Wien werden die Stadtsoldaten im gemeinen Leben sehr gewöhnlich Philister genannt. Es ist vielmehr erweislich, daß dieses Wort aus dem mittlern Lat. Balistarii, Balistaei, verderbt worden, womit man ehedem die Stadtsoldaten und gemeinen Bürger benannte, weil sie mit Balistis oder Armbrüsten schossen. Bey Veränderung der Kriegsart ist der Nahme im gemeinen Leben geblieben, und in verächtlicher Bedeutung auf alle Bürger ausgedehnet worden. Aus Kaprinai Hungaria diplom. S. 312 erhellet, daß die Balistarii oder Armbrustschützen in den mittlern Zeiten in Ungarn wirklich Philistaei genannt und geschrieben worden. Wenn bey den Böttchern ein Reif zu weit ist, so daß ein Stück dazwischen geschlagen werden muß, so wird dieses Stück in Schwaben ein Philister, außerhalb Schwaben aber ein Schwabe genannt.


Philosoph (W3) [Adelung]


Der Philosoph, des -en, plur. die -en, Fämin. die Philosophinn, aus dem Lat. und Griech. Philosophus. 1) In engerer Bedeutung, wo es nur im männlichen Geschlechte üblich ist, ein Mann, welcher die Philosophie in engerer Bedeutung verstehet und lehret. 2) In weiterer Bedeutung, eine jede Person, welche deutliche Begriffe sucht, sich deutlicher Begriffe befleißiget. Ein Philosoph, oder wie ich mich lieber ohne alles Gepränge ausdrücke, ein Freund der Wahrheit und der Tugend, Zimmerm. Ihr wollte Lucinden gern zur Philosophinn machen, Gell. 3) Wegen des Mißbrauches, welcher von mancher unter dem Vorwande des Aufsuchens deutlicher Begriffe begangen wird, pflegt man auch oft eine Person, welche sich nicht allein über wirkliche Vorurtheile, sondern auch über Pflichten und Obliegenheiten hinaus setzt, einen Philosophen zu nennen. S. Weltweiser, und das folgende. Raban Maurus übersetzte im 8ten Jahrhunderte das Wort Philosophus durch Ubarwizzo, vermuthlich so fern ein Philosoph mehr weiß, als andere Menschen.


Philosophie (W3) [Adelung]


Die Philosophie, plur. inus. aus dem Griech. und Lat. Philosophia, die Sammlung solcher Wahrheiten, worin die Natur und Eigenschaften der Dinge vermittelst der Vernunft untersucht werden, und deren wissenschaftliche Erkenntniß. In diesem Verstande ist die Philosophie nach Errichtung der Universitäten ein Gegenstand einer eigenen Facultät geworden, welche den untersten Rang bekommen hat, die philosophische genannt wird, und den drey obern oder höhern entgegen gesetzet ist. Die theoretische Philosophie, die Sammlung derjenigen Vernunftwahrheiten dieser Art, welche bloß zu Aufklärung des Verstandes dienen, zum Unterschiede von der praktischen, welche zunächst auf die Verbesserung des Willens abzielet. Im Deutschen ist das Wort Weltweisheit gangbar, welches bey weiten nicht so bescheiden ist, als der Griechische Ausdruck, welcher Liebe zur Weisheit oder Gelehrsamkeit bedeutet, aber dafür auch desto unbestimmter, und dem heutigen Gebrauche dieses Wortes nicht angemessen ist, S. Weltweisheit.


Philosophiren (W3) [Adelung]


Philosophiren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, deutliche Begriffe zu erhalten suchen, der Art und Weise, wie ein Ding ist, und den Ursachen, warum es so ist, nachforschen.


Philosophisch (W3) [Adelung]


Philosophisch, -er, -te, adj. et adv. zur Philosophie gehörig, in derselben gegründet. Ingleichen, so fern Philosophie auch subjective die wissenschaftliche Erkenntniß bedeutet, Fertigkeit besitzend, deutliche Begriffe aufzusuchen und zu finden, und darin gegründet. Ein philosophischer Kopf.


Phiole (W3) [Adelung]


Die Phiole, plur. die -n, aus dem Lat. phiola, eine Flasche mit einem langen Halse und runden Bauche.


Phlegma (W3) [Adelung]


Das Phlegma, plur. inus. aus dem Griech. und Lat. phlegma, wässerige Feuchtigkeit, besonders im Geblüte. Daher phlegmatisch, viele solche wässerige Feuchtigkeiten habend, und figürlich, träge.


Phönix (W3) [Adelung]


Der Phönix, des -es, plur. die -e, aus dem Griech. und Lat. Phoenix. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein erdichteter Vogel der Alten, selbst der alten Morgenländer, von welchem man sagte, daß nur immer Einer in der Welt sey, daß er einige hundert Jahre alt werde, sich hernach in Arabien auf einem Berge in einem aus wohlriechenden Kräutern und Hölzern bereiteten Neste verbrenne, worauf aus seiner Asche ein neuer Vogel erwache u. s. f. In den schönen Künsten ist er daher das Sinnbild der unvergänglichen Dauer.


Physik (W3) [Adelung]


Die Physik, plur. inus. außer wenn mehrere Lehrbücher dieser Wissenschaft gemeinet werden, plur. die -en, aus dem Griech. und Lat. Physica, derjenige Theil der Philosophie oder Weltweisheit, welcher sich mit den Veränderungskräften der Körper beschäf- tiget, die Lehre den Ursachen der Veränderungen in der Körperwelt; die Naturlehre, Naturkunde, Naturkenntniß, und, wenn sie wissenschaftlich vorgetragen wird, die Naturwissenschaft. Daher der Physicus oder Physiker, der dieser Wissenschaft kundig ist; der Naturkenner, Naturkundige.


Physiognomie (W3) [Adelung]


Die Physiognomie, (fünfsylbig,) plur. die -n, (sechssylbig,) aus dem Griechischen, die Gesichtsbildung, die Gesichtszüge, besonders so fern sich daraus auf die moralische Beschaffenheit schließen läßt. Daher die Physiognomik, die Lehre von den Gesichtszügen, als Erkenntnißquellen des moralischen Charakters, die Gesichtsdeutung; der Physiognom ist, der dieser Lehre kundig zu seyn glaubt.


Physisch (W3) [Adelung]


Physisch, adj. et adv. zur Physik gehörig, in derselben gegründet, statt des minder gebräuchlichen und ohne Noth verlängerten physikalisch. Ingleichen in der Natur der Dinge, in ihrer Veränderungskraft gegründet, natürlich; im Gegensatze des moralisch oder sittlich.


Pichen (W3) [Adelung]


Pichen, verb. reg. act. von dem Hauptworte Pech. 1) Mit Pech beschmieren, mit Pech überziehen. Die Fässer pichen, sie inwendig mit geschmolzenem Peche überziehen. Nieders. peken. ( S. Auspichen, Verpichen.) 2) Im Forstwesen einiger Gegenden werden auch die Bäume gepicht, wenn Löcher hinein gehauen werden, damit das Pech oder Harz heraus rinne, welches doch am häufigsten harzen genannt wird. ( S. Pechen.) 3) In Erpicht, ( S. dasselbe.) 4) Opitz gebraucht dieses Wort in einer sehr ungewöhnlichen Figur: So wird der fromme Loth von Sodoma gedrückt, Eh Gott auf dieses Volk gepichte Wolken schickt, d. i. mit Pech angefüllte. Daher das Pichen.


Pichwachs (W3) [Adelung]


Das Pichwachs, des -es, plur. inus. in der Bienenzucht einiger Gegenden, dasjenige grobe Wachs, womit die Bienen die Ritzen und Öffnungen der Stöcke verschmieren und gleichsam verpichen; das Stopfwachs, das Vorwachs, der Vorstoß, der Leim, Beutenleim, Propolis.


Pickart (W3) [Adelung]


Der Pickart, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme der Rohrdommel, weil sie Menschen und Thieren nach den Augen picket oder vielmehr bicket.


Pickel (W3) [Adelung]


Der Pickel, in den zusammen gesetzten Mißpickel, S. dieses Wort.


Pickel (W3) [Adelung]


Der Pickel, ein Werkzeug zum Bicken, S. Bickel.


Pickelhäring,Pickelhering (W3) [Adelung]


Der Pickelhäring oder Pickelhering, des -es, plur. die -e, die lustige Person auf der Schaubühne, und in weiterer Bedeutung ein jeder Possenmacher. Der Ursprung dieses Nahmens, ist so, wie bey den meisten gleich bedeutenden Hans Wurst u. s. f. unbekannt und dunkel. Wachter leitete ihn von dem Nieders. pickeln, scherzen, Possen machen, und Hering, gregarius, her, so daß es einen Possenmacher aus der Herde der Schauspieler bedeutete. Allein die letzte Hälfte scheinet vielmehr ein eigenthümlicher Nahme eines merkwürdigen Possenmachers dieser Art gewesen zu seyn, welchen man um deßwillen den Pickel-Hering, d. i. den Possen-Hering genannt, welcher dann seinen Nahmen auf alle seine nachfolgenden Kunstverwandten verderbt hat. An einen Pöckelhäring, d. i. eingesalzenen oder eingepöckelten Häring, ist hier wenigstens nicht zu gedenken. Übrigens lautet dieses Wort im Engl. gleichfalls Pickle-Herring, und im Schwed. Pickelhering.


Pickelhaube (W3) [Adelung]


Die Pickelhaube, S. Bickelhaube.


Picken (W3) [Adelung]


Picken, S. Bicken.


Picket (W3) [Adelung]


Das Picket, des -es, plur. inus. aus dem Französ. Piquet. 1) Ein gewisses Spiel in der Karte, wo man auf hundert Pics, d. i. Augen, spielet; das Picket-Spiel. Picket spielen. 2) Im Kriegswesen, die Feldwache; vermuthlich so fern sie ehedem mit Pieken bewaffnet war.


Pieke (W3) [Adelung]


Die Pieke, plur. die -n, gleichfalls aus dem Franz. Pique, ein Spieß mit einem langen Schafte, womit ehedem die Fußgänger im Kriege bewaffnet waren. Jetzt ist dieses Gewehr nicht mehr üblich, denn was die Unter-Officier und Officier bey den Fußvölkern noch davon übrig haben, wird jetzt bey jenen das Kurzgewehr, bey diesen aber das Sponton genannt. In einigen Gegenden, doch am häufigsten außer Deutschland, ist die Pieke zugleich ein Längenmaß, welches ungefähr zwey Klafter beträgt, und ohne Zweifel von der Länge der ehemahligen Pieken entlehnet ist.

Anm. Im Theuerdanke Pickhe, im Nieders. Peek, im Engl. Pike, im Franz. Pique, im Ital. Picca, im Schwed. Pick. Der Stammbegriff ist die Spitze und das Stechen. Im Engl. ist Peak die Spitze, und im Schwed. Pigg, der Stachel; so daß dieses Wort ein Geschlechtsverwandter von bicken, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, stechen, dem Lat. Spiculum, und hundert andern ist. Auf den Franz. Karten ist Piek eine Art der Farbe, welche das Eisen einer Pieke vorstellet. Eine Pieke auf jemanden haben, einen Groll, ist gleichfalls aus dem Franz. Pique entlehnet. Im Niedersächsis. gebraucht man es in diesem Verstande im männlichen Geschlechte ein Pik, daher Frisch es auch aus dem Pic im Picketspiele herleitet.


Piekenier (W3) [Adelung]


Der Piekenier, des -s, plur. ut nom. sing. eine ehemahlige Art der Soldaten zu Fuß, welche mit Pieken bewaffnet waren; der Piekenträger.


Pielketafel (W3) [Adelung]


Die Pielketafel, S. Beilketafel.


Piff (W3) [Adelung]


Piff, S. Paff.


Pignole (W3) [Adelung]


Pignole, S. Pinie.


Pikotte (W3) [Adelung]


Die Pikotte, plur. die -n, aus dem Franz. Picote, bey den Blumenliebhabern, eine Art Nelken, welche entweder um den Rand herum eingefaßt sind, oder deren lange Striche doch nicht durch das ganze Blatt, sondern nur bis zur Hälfte gehen. Gelbe Pikotten, wenn der Grund gelb ist, weiße, wenn er weiß ist.


Pilaster (W3) [Adelung]


Der Pilaster, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Französ. Pilastre, ein Pfeiler.


Pilger (W3) [Adelung]


Der Pilger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Pilgerinn, oder der Pilgrim, welches von beyden Geschlechtern gebraucht wird, des -s, plur. die -e. 1) * Ein Fremder, ein Ausländer, im Gegensatze eines Einheimischen, Inländers oder Bürgers; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Es habe der Bürger gesündiget oder der Bilgere, heißt es 3 Mos. 24, 16 in einer alten handschriftlichen Übersetzung der Bibel bey dem Frisch, wofür Luther hat: wie der Fremdling, so soll auch der Einheimische seyn. Indessen gebraucht Luther in andern Stellen das Wort auch in diesem Verstande. Denn ich bin beyde dein Pilgrim und dein Bürger, wie alle meine Väter, Ps. 30, 13. Ich ermahne euch als die Fremdlingen (Fremdlinge) und Pilgrim, (Pilgrime) 1 Pet. 2, 11. Sie kauften einen Töpfersacker zum Begräbniß der Pilger, Matth. 27, 7. 2) In engerer Bedeutung, ein auf der Reise zu Fuß begriffener Ausländer, und in weiterm Verstande, ein jeder Reisender zu Fuß, ein Wanderer, bey dem Heinr. von Osterdingen, ein Waller; in welchem Verstande es nur noch in der höhern und dichterischen Schreibart üblich ist. Den Pilgram, welchen du siehst ausser Weges wallen Und irrig gehn Wald ein, Opitz. 3) In der engsten und üblichsten Bedeutung ist ein Pilger oder Pilgrim, besonders in der Römischen Kirche, derjenige, welcher aus Andacht zu entfernten gottesdienstlichen Orten reiset, oder wallfahrtet; im Oberdeutschen ein Wallbruder, eine Wallschwester. Anm. Schon bey dem Kero in der ersten Bedeutung Pilgrim, im Schwabensp. Bilgerin, bey dem Stryker Pilgerein, im Schwed. Pelegrim, im Isländ. Piilagrimur, im Engl. Pilgrim, im Franz. Pelerin, im Ital. Pellegrino, Peregrino; alle aus dem Lat. Peregrinus und peregrinari, mit der sehr gewöhnlichen Verwechselung des r und l. Pilgrim hat seine letzte Sylbe aus -grin verderbt; in der anständigern Sprechart gebraucht man statt dessen lieber Pilger.


Pilgerfahrt (W3) [Adelung]


Die Pilgerfahrt, plur. die -en, in der dritten Bedeutung des vorigen Wortes, die Fahrt oder Reise an einen entfernten heiligen Ort; die Wallfahrt.


Pilgerflasche (W3) [Adelung]


Die Pilgerflasche, plur. die -n, eine gemeiniglich aus einem Kürbiß bereitete Flasche, welche die gemeinen Pilger in der Römischen Kirche auf ihrer Pilgerfahrt zu tragen pflegen.


Pilgerhut (W3) [Adelung]


Der Pilgerhut, des -es, plur. die -hütte, ein besonderer breiter Hut der Pilger in der Römischen Kirche.


Pilgerkleid (W3) [Adelung]


Das Pilgerkleid, des -es, plur. die -er, eine besondere Kleidung dieser Pilger.


Pilgerschaft (W3) [Adelung]


Die Pilgerschaft, plur. inus. der Zustand, da jemand ein Pilger oder eine Pilgerinn ist, in allen Bedeutungen dieses Wortes; bey einigen auch die Pilgrimschaft. In den beyden ersten Bedeutungen nur noch in der höhern dichterischen Schreibart. Die Eintracht treuer Herzen, die jede Rauhigkeit Der Pilgrimschaft des Lebens mit Blumen überstreut, Dusch. Um diese Pilgrimschaft genüglich zu vollenden, Die mich von der Geburt bis zur Verwesung bringt, Haged. Wo es zugleich figürlich von der kurzen, vergänglichen Dauer dieses Lebens, im Gegensatze jenes dauerhaftern Lebens, gebraucht wird.


Pilgerstab (W3) [Adelung]


Der Pilgerstab, des -es, plur. die -stäbe, ein besonderer Stab, welcher eben zwey Knöpfe hat, dergleichen die Pilger der Römischen Kirche auf ihren Pilgerfahrten zu führen pflegen; der Pilgrimstab, der Jacobs-Stab, so fern er besonders auf den ehedem sehr häufigen Wallfahrten nach dem heil. Jacob zu Compostell üblich war. Im Schwedischen heißt ein jeder Stab oder Stecken Palm, daher wird ein Pilger von diesem Stecken im Isländ. Palmare, im Engl. Palmer, und im Alt-Franz. Palmiour genannt, wenn diese Wörter nicht vielmehr von unserm wallen wandern, abstammen.


Pilgertasche (W3) [Adelung]


Die Pilgertasche, plur. die -n, eine bewegliche Tasche in Gestalt einer Jagdtasche, welche die Pilger der Römischen Kirche auf ihren Pilgerfahrten um sich hangen haben.


Pilketafel (W3) [Adelung]


Die Pilketafel, S. Beilketafel.


Pille (W3) [Adelung]


Die Pille, plur. die -n, eine Arzeney in Gestalt kleiner runder Kügelchen. Pillen machen, einnehmen. Flußpillen, Magenpillen, Laxir-Pillen u. s. f. Jemanden eine Pille zu verschlucken geben, auch figürlich, ihm einen bittern Verweis geben. Das waren bittere Pillen, unangenehme, empfindliche Verweise, Vorwürfe u. s. f.

Anm. Im Engl. Pill, im mittlern Lat. Pillula, im Lat. Pilula, als das Dimin. von Pila, ein Ball.


Pillen (W3) [Adelung]


Pillen, bey den Müllern, den Mühlstein schärfen, S. Bille und Billen.


Pillenfarn (W3) [Adelung]


Der Pillenfarn, des -es, plur. inus. eine Art des Farns oder Farnkrautes, dessen männliche Blüthe an der Seite des Blattes, die weibliche runde Fructification aber in Gestalt kleiner Pillen an der Wurzel sitzet; Pilularia L.


Pillennessel (W3) [Adelung]


Die Pillennessel, plur. inus. eine Art der Nessel, welche kleine kugelrunde fruchttragende Kätzchen in Gestalt der Pillen hat, und in dem mittägigen Europa einheimisch ist; Urtica pilulifera L.


Pilot (W3) [Adelung]


Der Pilot, des -en, plur. die -en, ein Steuermann oder Schiffs-Officier, welcher den Lauf des Schiffes regieret, und am häufigsten der Steuermann genannt wird. Auch ein Steuermann, welcher der Anfuhrt um einen Hafen kundig ist, und die ein- und abfahrenden Schiffe ein- und auszuführen pflegt; im gemeinen Leben eine Lothse oder Lothsmann.

Anm. Im Holländ. Piloot, im Ital. Piloto, im Franz. Pilote, aus welcher Sprache es zunächst entlehnet worden, im mittlern Lat. Pilotus. Gemeiniglich leitet man es von dem Niederdeutschen pilen, den Grund messen, und Loth her, weil eine der vornehmsten Verrichtungen der Piloten in der Erforschung der Tiefe mit dem Lothe oder Senkbleye bestehet.


Pilz (W3) [Adelung]


Der Pilz, des -es, plur. die -e, Dimin. Pilzchen, ein Nahme, welchen man im gemeinen Leben theils allen Schwämmen, theils nur den eßbaren Arten derselben, welche frisch oder grün zubereitet werden, im Gegensatze der Morcheln, beyzulegen pflegt; dagegen in der Naturgeschichte nur allein der Löcherschwamm, Boletus L. diesen Nahmen führet. Dieses Unbestandes ungeachtet, ist wohl gewiß, daß Pilz, oder Bilz, wie manche weiche Mundarten schreiben und sprechen, mit Boletus genau verwandt ist, und von dem alten bol, pol, rund, abstammet, weil doch die meisten Schwämme mit einem erhabenen runden Hute gezieret sind. Es gehet in die Pilze, es gehet verloren, wird verdorben. Wäre nicht die ganze Tragödie darüber in die Bilze gegangen, Less.


Pimpelmeise (W3) [Adelung]


Die Pimpelmeise, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine Benennung der kleinsten Art Meisen, welche unter dem Nahmen der Blaumeise oder Mehlmeise am bekanntesten ist; Parus caeruleus Kl. ( S. Aschmeise.) Vermuthlich von dem noch im Englischen üblichen Pimpel, ein kleines verächtliches Ding, weil diese Meise die kleinste unter allen ist; es müßte denn dieser Nahme eine Nachahmung ihrer Stimme seyn. Im gemeinen Leben der Hochdeutschen ist pimpeln, so wohl mit kleinen Glocken läuten, als auch, sich mit schwacher Stimme beklagen; daher die Wehmutter auch daselbst die Pimpelmutter genannt wird.


Pimpernuß (W3) [Adelung]


Die Pimpernuß, plur. die -nüsse, eine Benennung verschiedener einer Nuß ähnlichen Früchte. 1) Die Frucht der echten Pistazie, Pistacia vera L. welche in Persien, Arabien und Indien wächst, und durch die Handlung zu uns gebracht wird, ist im gemeinen Leben unter dem Nahmen der Pimpernuß oder des Pimpernüßchens bekannt. 2) Die Frucht des Pimpernußbaumes, welcher in dem mittägigen Europa einheimisch ist, und seine kugelrunden Samenkerne in drey aufgeblasenen zusammen gewachsenen Kapseln trägt; Staphylea L. Klappernuß, Judennuß, wilde Pistazie, Todtenkopfbaum. 3) In Niedersachsen sind auch die gemeinen kleinen Haselnüsse, deren Kerne in den Schalen klappern, unter dem Nahmen der Pimpernüsse bekannt.

Anm. Da in allen diesen Arten von Früchten der lockere Kern klappert, wenn man sie schüttelt, so ist sehr wahrscheinlich, daß mit der ersten Hälfte dieses Wortes auf diese Eigenschaft gesehen wird, zumahl da pimpeln im gemeinen Leben auch einen hellen scharfen Klang, z. B. mit kleinen Glocken, verursachen, bedeutet.


Pimpinellrose (W3) [Adelung]


Die Pimpinellrose, plur. die -n, eine kleine Art Rosen, welche selten über ein Knie wächst, große, kugelrunde, glarte und schwarze Früchte trägt, und kleine glatte Blätter hat, welche der Pimpinelle gleichen; Rosa pimpinellifolia L. Die Zweige sind mit vielen gelben Stacheln besetzt.


Pimpinellwurz (W3) [Adelung]


Die Pimpinellwurz, plur. inus. S. Pimpinelle 1.


Pin (W3) [Adelung]


Der Pin, des -es, plur. die -e, S. Pinie.


Pinasse (W3) [Adelung]


Die Pinasse, plur. die -n, eine Art Schiffe mit viereckigem Hintertheile, welche drey Masten führen, und sehr geschwinde segeln, weil sie sich so wohl der Segel als der Ruder bedienen. Aus dem Franz. Pinasse, im Ital. Pinaccia. S. Pinke, welches eine ähnliche Art Schiffe ist.


Pinetsch (W3) [Adelung]


Der Pinetsch, des -es, plur. inus. in den gemeinen Mundarten, ein Nahme des Spinates, aus welchem Worte es auch mit Weglassung des zufälligen Zischlautes gebildet ist.


Pinge (W3) [Adelung]


Die Pinge, plur. die -n, ein besonders im Bergbaue übliches Wort, wo die Vertiefungen in Gestalt eines Kessels, besonders so fern sie von eingefallenen ehemahligen Berggebäuden herrühren, Pingen, Bingen oder Büngen genannt werden. Der herrschende Begriff ist die Vertiefung. Im Schwed. ist Bunke ein hölzernes Gefäß. Es stammet ohne Zweifel vermittelst des Nasenlautes, welcher sich so gern und so leicht an die Gaumenlaute anschließt, von Bak, Bauch her, welches nicht nur eine Vertiefung, sondern auch eine Erhöhung bedeutet. Daher ist im Dänischen Binge so wohl ein Fach in der Scheune, eine Bause als auch ein Kornhaufen. Im Schwed. ist Bunke eine Beule ein Haufen, und Binge ein Haufen Garben, so wie - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im Griech. ein Hügel ist. S. auch Bunge 5, Bunken und Pinke.


Pinguin (W3) [Adelung]


Der Pinguin, des -es, plur. die -e, der Englische Nahme einer Art Patschfüße, welche sich an der Magellanischen Meerenge aufhalten; Plautus pinguis Kl. Sie haben den Nahmen, weil sie sehr fett werden, von pinguis, fett, daher sie auch im Deutschen Fettgänse heißen. Bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreichs wird auch eine Art Ananas, welche in Jamaika und Barbados einheimisch ist, Ananas Pinguin L. mit diesem Nahmen belegt.


Pinhammer (W3) [Adelung]


Der Pinhammer, der Goldschmiede, S. Finnhammer.


Pinie (W3) [Adelung]


Die Pinie, (dreysylbig,) plur. die -n, der längliche spitzige Kern des Zirbelbaumes oder Pinienbaumes, welcher eine Art der Fichten ist, und in dem mittägigen Europa wächst; Pinus Pinea L. Der schmackhafte Kern, welcher so wohl in der Arzeney als auch an den Speisen gebraucht wird, heißt auch Pinienkern, Pinnüßchen, im gemeinen Leben Pinichen, und nach dem Ital. Pignolo, auch Pignole, Piniole, und der Baum Pignolenbaum. Im Wallisser Lande wird er Arb, der Zapfen, worin er befindlich ist, der Arb- oder Ardzapfen, und der Baum die Arbe genannt; ( S. Fichte Anm.) Im Oberdeutschen wird ein Fichtenzapfen, und in einigen Gegenden auch die Fichte selbst der Pin genannt, daher auch die Erdkiefer daselbst Erdpin heißt; alles in Verwandtschaft mit dem Lat. Pinus, welchen Nahmen dieser Baum vermuthlich wegen seiner spitzigen Tangeln oder Nadeln hat, S. 2 Finne und Pinne.


Pinne (W3) [Adelung]


Die Pinne, plur. die -n, Dimin. das Pinnchen, ein in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens, für Finne übliches Wort. 1) Bey den Jägern werden die starken Schwungfedern an den Flügeln der Felken Pinnen genannt, wo es mit dem Lat. Penna zu 4 Finne gehöret. 2) Ein kleiner spitziger Nagel, eine Zwecke, ist im gemeinen Leben unter dem Nahmen der Pinne bekannt, ( S. 2 Finne 3;) welchen Nahmen 3) auch die dünnste Seite eines Hammers, im Gegensatze des Kopfes bekommt. ( S. 2 Finne 2.) Bey den Drechslern ist die Pinne, besser Finne, der eiserne spitzige Zapfen in den Pfeilern oder Docken der Drehbank, um deren Spitzen sich die Sache, welche gedrehet wird, umdrehet. 4) In dem Thierreiche ist die Pinne, Pinna L. eine Art langer spitziger Muscheln, bey welcher beyde Schalen an einander gewachsen sind, und welche oft zwey Fuß lang wird; die Steckmuschel. Eine Art kleiner Krebse kriecht zu ihr in die Schale und vertheidigt sie gegen eine Art von Seekatze, daher derselbe der Pinnenwächter genannt wird. Versteinert heißt diese Muschel der Pinnit.


Pinnebaum (W3) [Adelung]


Der Pinnebaum, des -es, plur. die -bäume, der Brustbaum an den Stühlen der Sammtweber, weil seine hölzerne Welle mit spitzigen Pinnen oder Finnen beschlagen ist.


Pinnenwächter (W3) [Adelung]


Der Pinnenwächter, des -s, plur. ut nom. sing. S. Pinne 4.


Pinnhammer (W3) [Adelung]


Der Pinnhammer, S. Finnhammer.


Pinnholz (W3) [Adelung]


Das Pinnholz, des -es, plur. inus. im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, ein Nahme des Faulbaumes, Rhamnus frangula L. weil dessen Holz von den Schustern zu Pinnen oder Finnen gebraucht wird.


Pinnit (W3) [Adelung]


Der Pinnit, des -en, plur. die -en, S. Pinne 4.


Pinsbeck (W3) [Adelung]


Der Pinsbeck, eine Art Metall, S. Bindspeck.


Pinsel (W3) [Adelung]


Der Pinsel, des -s, plur. ut nom. sing. Dimin. das Pinselchen, Oberd. Pinselein. 1. Ein nur bey den Jägern übliches Wort, das männliche Glied an den wilden Schweinen und Rehböcken zu bezeichnen, welches im Nieders. bey allen Thieren Pesel, Pint, Engl. Pintle, genannt wird. 2. Am üblichsten bedeutet es einen Büschel zusammen gebundener Haare an einem Stiele, einen flüssigen Körper damit aufzutragen. 1) Eigentlich. Der Tüntherpinsel, Leimpinsel, und andere sind von Schweinsborsten, und werden daher auch Borstenpinsel genannt. Der Pinsel der Mahler ist von feinern Haaren, und wird auch oft von der ganzen Behandlungsart des Mahlers gesagt. Ein fetter, markiger, geistreicher Pinsel, eine fette, markige und geistreiche Behandlungsart. Den Pinsel gut zu führen wissen, gut mahlen. 2) Figürlich, ein einfältiger Mensch, welcher, so wie der Pinsel, das unthätige Werkzeug in der Hand eines andern ist; der Einfaltspinsel. Im Nieders. bedeutet Pinsel einen Knauser.

Anm. In der ersten Bedeutung kommt es mit dem Lat. Penis, überein. In der zweyten lautet es im Schwed. Pensel, im Engl. Pencil, im Pohln. Penzel, im Franz. Pinceau, im Ital. Penello, Pennello; entweder unmittelbar aus dem Lat. Penicillum und Peniculus, oder doch mit denselben von Pinne, ein spitziges Werkzeug, ohne Zweifel in Rücksicht auf die spitzigen zarten Haare, woraus der Pinsel bestehet.


Pinseln (W3) [Adelung]


Pinseln, verb. irreg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1) Mahlen, doch gemeiniglich nur im Scherze, wo es auch active gebraucht werden kann. 2) Sich mit heller tönender Stimme beklagen, besonders im verächtlichen Verstande. Wer wird auch immer pinseln? Gottsch. Im Nieders. pinsen. Es ahmet hier den hohen klagenden Ton nach, so wie das nahe verwandte winseln. Im Nieders. ist pinseln auch knausern, ingleichen zaudern, wo es aber zu einem andern Stamme gerechnet werden muß.


Pinseltrog (W3) [Adelung]


Der Pinseltrog, des -es, plur. die -tröge, ein kleiner küpferner, mit Öhl angefüllter Trog der Mahler, die Pinsel darin zu reinigen.


Pinte (W3) [Adelung]


Die Pinte, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Maß flüssiger Dinge, welches ungefähr eine Kanne beträgt. Am üblichsten ist es in den auswärtigen Ländern. Eine Französische Pinte hält 48 Pariser Cubic-Zoll, oder eine Dresdner Kanne. Ein Pint in Böhmen, wo es ein Weinmaß ist, hält 4 Seidel. Engl. Pint, Angels. Pynt, Franz. Pinte, Ital. Pinta.


Pipe (W3) [Adelung]


Die Pipe, plur. die -n, das Hoch- und Oberdeutsche Pfeife, nach der Mundart des Niederdeutschen. Wir gebrauchen es nur noch in der Bedeutung einer Art langer Spanischer Wein- und Öhlfässer, in welchem Verstande es durch die Handlung auch in Hoch- und Oberdeutschland bekannt geworden, und zugleich ein bestimmtes Maß einiger flüssigen Körper ist, welches gemeiniglich 5 Eimer oder 300 Maß hält. So hält in Danzig eine Pipe Spanischen Weines 2 1/2 Ahm, eine Pipe Sect aber 3 Ahm, oder 12 Anker, oder 60 Viertel. Im Span. Pipa, im Ital. Pippa. Im mittlern Lat. ist Pipa, und im Engl. Pipe, ein Canal, eine Röhre. S. Pfeife.


Pipenstab (W3) [Adelung]


Der Pipenstab, des -es, plur. die -stäbe, in der Handlung und im Forstwesen, gespaltenes Eichenholz, woraus die Dauben zu den Pipen, und in weiterer Bedeutung auch zu andern Fässern gemacht werden; Nieders. Piepstave, Piepenstave, ( S. Stab). In einigen Oberdeutschen Gegenden wird solches Holz Pfeifholz genannt, ungeachtet Pfeife in dieser Bedeutung eines Fasses sonst nicht gebräuchlich ist.


Pipps (W3) [Adelung]


Der Pipps, S. Pfipps.


Pique (W3) [Adelung]


Pique, S. Pieke.


Piquet (W3) [Adelung]


Piquet, S. Picket.


Piraß (W3) [Adelung]


Der Piraß, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, der Regenwurm, so fern er zum Köder für die Fische auf die Angel gesteckt wird. Nach dem Frisch von dem Holländ. Pir, Pier, ein Regenwurm, und Aß, Köder, Lockpfeife. In Pommern wird die kleine Brut der Schmeißfliegen Pierken genannt.


Pirolt (W3) [Adelung]


Der Pirolt, des -es, plur. die -e, S. Goldamsel.


Pisse (W3) [Adelung]


+ Die Pisse, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, ein nur in den niedrigsten Sprecharten übliches Wort, den Harn oder Urin von Menschen und Thieren zu bezeichnen; in einigen Mundarten, die Pische, im Ital. Piscio, Piscia, Pissato, im Franz. Pisse, im Engl. Piss. S. das folgende.


Pissen (W3) [Adelung]


+ Pissen, verb. reg. act. et neutr. welches im letzten Falle das Hülfswort haben bekommt, und gleichfalls nur in den niedrigen Sprecharten gebraucht wird, ungeachtet es einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt, harnen, sein Wasser lassen, oder, abschlagen. In einigen Gegenden pischen, im Nieders. gleichfalls pissen, im Wallis. pisc, im Franz. pisser, im Ital. pissare, pisciare, im Schwed. pissa, im Engl. to piss. Ohne Zweifel als eine Nachahmung des damit verbundenen Lautes, so wie die meisten ähnlichen Wörter. Eben so niedrig sind das Meißnische schollen, (im mittlern Lat. ist Escolitha die Cloak, der Abstuß,) die Hochdeutschen seichen und brunnzen, und das Nieders. migen, Lat. mejere und mingere, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Ein wenig feiner, für die anständige Sprechart aber auch zu niedrig, sind die Oberdeutschen brunnlen, brünnlen, pullen, und die Nieders. pölken, tülken, pinkeln und watern.


Pißgurre (W3) [Adelung]


Die Pißgurre, plur. die -n, der Oberdeutsche Nahme einer Art Weißfische, S. Beißker.


Pistazie (W3) [Adelung]


Die Pistazie, (viersylbig,) plur. die -n, der fette, öhlige und wohlschmeckende Kern der länglichen, eckigen Nuß des Pistazienbaumes, welcher in Persien, Arabien, Syrien und Ostindien einheimisch ist, aber auch in den südlichen Gegenden Italiens und Spaniens gebauet wird; Pistacia vera L. Die ganze Nuß ist bey uns auch unter dem Nahmen der Pimpernuß bekannt, ( S. die- ses Wort.) Der Nahme ist morgenländisch, und lautet im Persischen Pestech, im Türkischen Fistich, im Arabischen Phistak.


Pisten (W3) [Adelung]


Pisten, pst, pst, rufen, S. Bisten.


Pistole (W3) [Adelung]


1. Die Pistole, plur. die -n, ein kurzes Schießgewehr, welches mit einer Hand gehalten und abgefeuert wird, und das Mittel zwischen der Flinte und dem Terzerole ist. Jemanden auf ein Paar Pistolen heraus fordern. Sich auf Pistolen oder mit Pistolen schlagen. Im Oberdeutschen die Faustbüchse. Im Engl. Pistol, im Franz. Pistole, Pistolet, im Ital. Pistola, aus welchem beyden letztern Sprachen es von den Deutschen entlehnet worden. Füretier leitet den Nahmen von der Stadt Pistoja in Italien her, wo dieses Gewehr erfunden seyn soll, von welcher Stadt Ferrarius auch das Italiänische Wort Pistolese, ein Pallasch, ableitet. Allein, es ist noch unerwiesen, daß die Pistolen in dieser Stadt erfunden worden, daher andere den Nahmen von dem Lat. Fistula abstammen lassen. Von vielen wird es im sächlichen Geschlechte gebraucht, das Pistol; indessen ist das weibliche das üblichste.


Pistole (W3) [Adelung]


2. Die Pistole, plur. die -n, eine gleichfalls aus dem Französischen Pistole entlehnte Benennung einer Französischen und Spanischen Goldmünze, welche fünf Reichsthaler gilt, wofür doch in Ansehung der erstern das Wort Louis d'or üblicher ist. Das gleichbedeutende Pistolette, welches auch noch zuweilen vorkommt, ist gleichfalls aus dem Franz. Pistolette. Nach dem Frisch soll auch dieses Wort von dem Nahmen der Stadt Pistoja in Italien entlehnet seyn, wo diese Münze zuerst geschlagen seyn soll; welches doch noch einer nähern Untersuchung bedarf.


Pistolenholfter (W3) [Adelung]


Die Pistolenholfter, plur. die -n, Holftern oder Futterale zu beyden Seiten des Sattels, die Pistolen darein zu stecken, um sie im Reiten sogleich bey der Hand zu haben. S. 1 Pistole.


Pistolenkappe (W3) [Adelung]


Die Pistolenkappe, plur. die -n, Kappen von Tuch oder Leder an den Pistolenholftern, den Schaft der Pistolen damit zu bedecken; der Pistolenmantel.


Pitschaft (W3) [Adelung]


Das Pitschaft, Pitschler, S. Petschaft und Petschier.


Placat (W3) [Adelung]


Das Placat, des -es, plur. die -e, in einigen, besonders Niederdeutschen und nordischen Gegenden, ein obrigkeitlicher öffentlicher Befehl, ein Mandat oder Edict. Man leitet dieses Wort gemeiniglich von dem Nieders. placken, kleben, heften, her, weil es gemeiniglich an öffentlichen Orten angeheftet wird, da es denn mit Anschlag gleichbedeutend seyn würde. Allein um der Endung willen scheinet es vielmehr zu dem mittlern Lat. placare, setzen, heften, befestigen, zu gehören, welches denn freylich wiederum von dem jetzt gedachten placken abstammet. Placare sigillum hieß das Siegel aufdrücken; Placat würde also eigentlich ein mit dem öffentlichen Siegel versehener obrigkeitlicher Befehl seyn.


Plache (W3) [Adelung]


Die Plache, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden, oder nur in einigen Fällen übliches Wort. 1) In den gemeinen Mundarten einiger Gegenden, besonders Oberdeutschlandes ist es für Fläche üblich; einen flachen ebenen Platz zu bezeichnen. Siehe Fläche. 2) Grobes Tuch oder grobe Leinwand, so wie beydes zum Einpacken, oder andern geringen Bedürfnissen gebraucht wird, heißt in manchen Gegenden Plache, im Oberdeutschen Plahe, im Schwed. Plagg. Bey dem Frischlin ist Blahe und Wachsplahe, Wachsleinwand. Besonders ist dieses Wort bey den Jägern üblich, wie die zum Jagen nöthigen Tücher von grober Leinwand Plahen, Planen oder Plachen genannt werden. Die Plachenpartey, bey der Jägerey am kaiserlichen Hofe zu Wien, bestehet aus einem Geschirrmeister, einem Ober-Plachenknechte, und zehen Plachenknechten. Ohne Zweifel auch von flach, eben, breit. Schon im Lat. ist Plaga ein Jägergarn, oder Netz, und Plagula ein Vorhang, eine Decke. Wenn im Isidor die Leinen oder Archen, womit die Tücher gespannet werden, plagae heißen, so hat der gute Mann aus Unkunde der Jägerey sich vermuthlich geirret. Im Albanischen ist Blaku ein Netz. S. auch Flake, welches gleichfalls von einem Netze üblich ist, und Plane, welches im Bergbaue eine Plache bedeutet.


Plackbuckel (W3) [Adelung]


Die Plackbuckel, plur. die -n, bey den Perrückenmachern, verschiedene Reihen Locken von einer Tresse, welche man über den obern Theil der großen Locke nähet, welche an den Knoten- und Quarree-Perrücken im Nacken der Länge nach herunter hänget. Die letzte Hälfte ist das Franz. Boucle, eine Locke, und die erste das gleichfalls Franz. Plaque, das gerade, flache Haar an dem hintern Theile einiger Perrücken, welches bey den Deutschen Haarkünstlern gleichfalls die Placke heißt.


Placken (W3) [Adelung]


1. Placken, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und vornehmlich bey dem Exerciren der Soldaten üblich ist, einzelne unordentliche Schüsse thun, da denn ein solcher Schuß auch ein Placker genannt wird, so wie man für placken auch das Frequentativum plackern gebraucht. Es ist hier ohne Zweifel eine Nachahmung des Schalles, welchen dergleichen einzelne fehlerhafte Schüsse in einiger Ferne machen.


Placken (W3) [Adelung]


2. * Placken, verb. reg. act. et neutr. welches nur in einigen gemeinen Mundarten, besonders Niederdeutschlandes, üblich ist. 1. Als ein Activum. 1) Anheften, ankleben, befestigen. Ein Mandat, ein Bild an die Wand placken, d. i. kleben. 2) Flecken machen, doch nur im Nieders. von Plack, Placken, ein Flecken. Schwarze Kirschen placken, flecken. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Flecken bekommen; gleichfalls nur im Niedersächsischen.

Anm. Es ist in dieser Bedeutung ein Abkömmling von Lack, Lacken, welches in diesem Worte den starken Blaselaut angenommen hat, so wie es in Klecks, klecken, klicken, den Gaumenlaut hat. Beyde sind indessen Nachahmungen des mit dem Klecken und Placken verbundenen Lautes.


Placken (W3) [Adelung]


3. Placken, verb. reg. act. welches das Intensivum von dem folgenden plagen ist. 1) So fern dasselbe als ein Geschlechtsverwandter von dem Lat. fligere ehedem schlagen bedeutete, ist placken noch in einigen Fällen des gemeinen Lebens für fest schlagen, derb schlagen, üblich ist. So ist das Placken, in dem Wasserbaue eine Art, Dämme und Deiche zu errichten, da die über einander geführte Erde mit Wasser begossen, fest gestampfet, und endlich an der Böschung mit dem Plackscheite fest geschlagen wird. Einen solchen Damm oder Deich pflegt man auch ein Plackwerk zu nennen. In den Gärten werden die Gänge auf diese Art zuweilen gleichfalls geplacket. 2) Figürlich, einen hohen Grad der Unlust und Beschwerde verursachen, sehr plagen. Jemanden placken und plagen. Jemanden mit einer Bitte placken. Sich mit etwas placken. Ich habe mich schon lange mit dieser Sache geplacket. Jemanden um etwas placken, auf eine sehr beschwerliche und anhaltende Art um etwas bitten. Die Unterthanen placken, ihnen durch Erpressungen beschwerlich fallen. Ich habe noch einige Groschen von ihm heraus geplackt, durch beschwerliche Mühe von ihm erpresset. Daher das Placken.


Placker (W3) [Adelung]


1. Der Placker, des -s, plur. ut nom. sing. ein fehlerhafter Schuß, S. 1 Placken.


Placker (W3) [Adelung]


2. Der Placker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Flecken, ein Klecks; von dem Nieders. Plack, Placken. Der Placker bey den Kupferstechern ist, wenn man anstatt der Schraffierungen einen schwarzen Fleck siehet; Franz. Plaque. Figürlich pflegt man im gemeinen Leben auch wohl einen Fehler, ein jedes Versehen einen Placker zu nennen. S. 2 Placken.


Placker (W3) [Adelung]


3. Der Placker, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher einen andern placket, in der figürlichen Bedeutung von 3 Placken. Der Bauernplacker, der den Bauern durch allerley Erpressungen lästig wird.


Plackerey (W3) [Adelung]


Die Plackerey, plur. die -en, eine mit vieler Beschwerde und Unlust verbundene Bemühung, besonders in engerer Bedeutung von beschwerlichen und unbefugten Erpressungen. S. 3 Placken.


Plackwerk (W3) [Adelung]


Das Plackwerk, des -es, plur. die -e, S. 3 Placken 1.


Plage (W3) [Adelung]


Die Plage, plur. die -n, dasjenige, was uns plagt, und in einigen Fällen auch dessen Empfindung. 1. * Ein Schlag, ein Streich, ein Hieb, und figürlich auch die dadurch verursachte Wunde; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es schon im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und im Lat. Plaga lautete. Von der Bedeutung einer Wunde führet Frisch ein Beyspiel an, aus einer alten handschriftlichen Übersetzung der Bibel; seiner Plagen Blut floß aus. Das Franz. Playe bedeutet noch jetzt eine Wunde. 2. Ein äußeres beschwerliches Übel. 1) In engerer Bedeutung, ein solches Übel, so fern es die natürliche oder sittliche Folge vorher gegangener Handlungen ist; in welchem Verstande es in der Deutschen Bibel mehrmahls von den Strafübeln und Strafgerichten Gottes gebraucht wird. Aber der Herr plagte den Pharao mit großen Plagen, 1 Mos. 12, 17. So wird der Heer wunderlich mit dir umgehen, mit Plagen auf dich und deinen Samen, mit großen und langwierigen Plagen, 5 Mos. 28, 29. Der Gottlose hat viel Plage, Ps. 32, 10. Landplagen sind dergleichen allgemeine Strafübel, welche ein ganzes Land betreffen, und in einigen Gegenden ist die Plage in engerer Bedeutung die Pest; welche Bedeutung auch das Englische Plague und das Wallische Pla haben. 2) In weiterer Bedeutung, ein jedes äußeres beschwerliches Übel, auch so fern es ohne Verschulden von andern herrühret. Hiobs Plage war ein böses Weib. Das ist meine größte Plage. Einem alle Plage anthun. Ich glaube, du bist nur mir zur Plage da. Seine Plage mit etwas haben. Hat man nicht seine Plage mit den ungezogenen Kindern! Nun geht meine Plage an. Ist das nicht eine Plage!

Anm. Im Schwed. Plaga, im Isländ. Plaaga, im Pohln. Plaga, im Ital. Piaga. S. Plagen.


Plagegeist (W3) [Adelung]


Der Plagegeist, des -es, plur. die -er, eine Person, welche uns plagt, uns zur Plage da ist, welche, wenn sie mit der Plage einen hohen Grad der Bosheit verbindet, auch wohl ein Plageteufel genannt wird.


Plagen (W3) [Adelung]


Plagen, verb. reg. act. welches 1. * eigentlich und ursprünglich, geißeln, schlagen, bedeutete, in welcher nunmehr veralteten Bedeutung, wo das Intensivum placken noch zuweilen gebraucht wird, es ein Geschlechtsverwandter von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, dem alten Lat. plagare, und dem neuern Latein. fligere, dem Schwed. plagga, und unserm Bläuen und Flegel ist; ( S. diese Wörter.) 2. Ein beschwerliches äußeres Übel verursachen. 1) * In engerer Bedeutung, ein beschwerliches äußeres Übel um vorher gegangener Vergehungen willen veranstalten; in welchem veralteten Verstande es in der Deutschen Bibel mehrmahls von Gott gebraucht wird. Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, Ps. 90, 15, d. i. strafest, züchtigest. 2) Ein unverschuldetes, äußeres, beschwerliches Übel verursachen, und in noch weiterm Verstande, ein beschwerliches, äußeres Übel überhaupt verursachen. Die Vorgesetzten plagen die Unterthanen, wenn sie dieselben ohne Befugniß beschweren, oder auch die Befugniß übertreiben. Mit einer Krankheit, mit einem bösen Weibe geplaget seyn. Ein Vater war, wie viele Väter, Mit einem wilden Sohn geplagt, Gell. Jemand mit etwas plagen. Er plaget mich mit seinem Lobe. Er hat mich schon lange um eine Antwort geplagt. Einen um Geld plagen. Von seinen Gläubigern geplagt werden. Sich mit einer beschwerlichen Arbeit plagen. Der Husten, der Durst plaget mich. Der Geitz, die Neugier plaget ihn. Von seinem bösen Gewissen geplaget werden. Sich mit Sorgen plagen. S. auch 3 Placken. Daher das Plagen. Anm. In der zweyten Hauptbedeutung auch im Schwed. plaga, im Engl. to plague. Im gemeinen Leben der Niedersachsen ist dafür pisacken üblich, welches gleichfalls eigentlich schlagen und prügeln bedeutet.


Plager (W3) [Adelung]


Der Plager, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Plagerinn, eine Person, welche uns plagt, uns zur Plage da ist, doch nur in der höhern und poetischen Schreibart. In der vertraulichen ist dafür Plagegeist, und im harten Verstande Plageteufel üblich.


Plageteufel (W3) [Adelung]


Der Plageteufel, des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige und Plagegeist.


Plagge (W3) [Adelung]


Die Plagge, plur. die -n, ein nur auf dem Lande, am häufigsten aber in Niedersachsen übliches Wort, ausgestochene flache Stücke Rasen zu bezeichnen. Plaggen mähen oder hauen, dergleichen Rasenstücke mit einer Querhacke aushauen. Plaggen stechen, sie mit dem Grabscheite ausstechen. Grasplaggen, dergleichen mit Gras bewachsene Rasenstücke, Heideplaggen, welche mit Heide bewachsen sind. Man hat daselbst auch das Zeitwort plaggen, solche Plaggen hauen. Ohne Zweifel von Fleck, Flecken, und mit demselben zugleich von plagen, so fern es ursprünglich hauen, schlagen u. s. f. bedeutete.


Plakat (W3) [Adelung]


Das Plakat, S. Placat.


Plämpe (W3) [Adelung]


Die Plämpe, plur. die -n, im gemeinen Leben, ein kurzer Degen mit einer breiten Klinge; entweder als eine Nachahmung des Lautes, welchen ein Schlag mit einem solchen Degen verursacht, oder auch mit dem vorgesetzten Blaselaute von dem Nieders. Lämmel, eine Messerklinge, Lat. Lamella, welches indessen am Ende doch auf den vorigen Laut zurück geführet werden muß. Nieders. Plampe. ( S. auch Plaute.) Man hat im gemeinen Leben noch mehrere diesem gleich lautende Wörter. Z. B. plampen, bey dem Matthesius, für plaudern, wovon unser verplämpern das Diminut. oder Frequent. ist, S. dasselbe.


Plan (W3) [Adelung]


Plan, -er, -ste, adj. et adv. welches ehedem eigentlich eben bedeutete, im planen Felde, Brotuff; in welcher Bedeutung es aber veraltet ist. Man gebraucht es nur noch zuweilen im figürlichen Verstande, für, der gemeinen Vorstellungsart angemessen, allgemein verständlich, im Gegensatze des erhaben. Sich sehr plan ausdrucken. Eine plane Schreibart. S. das folgende.


Plan (W3) [Adelung]


Der Plan, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches ehedem 1. eigentlich einen ebenen Platz, einen ebenen Theil der Erdfläche bedeutete. In diesem Verstande kommt es bey den Schriftstellern der vorigen Jahrhunderte häufig vor. Bis zu dem Plan der Weinberge, Richt. 11, 33, bis zu der Ebene, in welcher die Weinberge liegen. Der Plan Mehola, 1 Kön. 4, 12. Ein grüner Plan heißt noch jetzt im gemeinen Leben ein ebener mit Gras bewachsener Platz. Auf einem grünen Plane, Opitz. Daher der Bleichplan, der ebene grüne Bleichplatz. In dem Forstwesen ist der Plan zuweilen ein ebener mit Bäumen bewachsener Platz. Das Holz planweise verkaufen, nach Plätzen oder Flächen von bestimmter Größe. Bey den Jägern heißt ein ebener Platz auf einer Anhöhe die Blohme, welches mit Plan sehr nahe verwandt ist, wenn es nicht gar daraus verderbt worden. 2. In engerer Bedeutung. 1) * Der Fußboden, die Erdfläche, doch nur noch im Oberdeutschen. Auf dem Plane liegen, auf der Erde. 2) Ein zu einer gewissen Verrichtung bestimmter ebener oder geebneter Platz; wofür man das Wort Platz gebraucht. Der Schießplan, Fechtplan, Tanzplan, Kampfplan u. s. f. der Schieß- platz, Fechtplatz, Tanzplatz, Kampfplatz. Besonders wurde der Kampf- oder Schlachtplatz ehedem häufig der Plan genannt, wovon Frisch einige Beyspiele anführet. Gleich auf dem Plane seyn, gleich auf dem Kampfplatze, gleich bey der Hand seyn, gleich auf dem Platze seyn. 3) In noch engerer Bedeutung, der ebene Platz, auf welchem ein Gebäude aufgeführet werden soll; ein gleichfalls veraltete Bedeutung, von welcher es nur noch in figürlichen Verstande üblich ist, den Grundriß eines Gebäudes, einer Stadt oder einer bebaueten und angebaueten Fläche, ja einer jeden Fläche überhaupt zu bezeichnen, nach dem Muster des Französischen Plan. Ein geometrischer Plan, ein geometrischer Grundriß. Der Plan eines Gebäudes, dessen Grundriß. Nach einer noch weitern Figur heißt eine jede nach einer bestimmten Absicht gemachte Vertheilung der Haupttheile eines Ganzen, auch wenn sie nur in Gedanken geschiehet, der Plan. 4) Bey den ältern Geometern wurde auch der Flächeninhalt einer Figur der Plan derselben genannt.

Anm. In der ersten Bedeutung im Franz. Plaine, im Ital. Plana. Es ist mit dem Lat. planus sehr genau verwandt, ohne doch von demselben abzustammen. Plan, blach, flach, platt und Platz sind nur in den Ableitungslauten verschieden, und kommen daher auch in der Hauptbedeutung mit einander überein. S. Planer.


Pläne (W3) [Adelung]


Die Pläne, plur. die -n, ein in den neuern Zeiten aus dem Franz. Plaine entlehntes Wort, das veraltete Plan zu ersetzen, und einen ebenen Theil der Erdfläche von einem beträchtlichen Umfange zu bezeichnen. Die Stadt liegt in einer angenehmen Pläne, Ebene.


Plane (W3) [Adelung]


Die Plane, plur. die -n, ein nur noch in einigen Gegenden und Fällen übliches Wort, eine ebene einfache Decke, ein grobes Tuch, grobe Leinwand zu bezeichnen. Coler läßt im Hausbuche den Hopfen mit Planen oder Tüchern bedecken, und Flemming nennet im Deutschen Jäger die Decken über die Jagdwägen Planen. Die leinenen Tücher, womit bey einer Jagd ein Wald umstellet wird, heißen bey den Jägern gleichfalls Planen, noch häufiger aber Plachen und Plahen. ( S. das erstere.) Im Bergbaue sind die Planen grobe Tücher von Zwillich, worauf der gepochte Schlich mit Wasser geläutert oder geflauet wird; daher der Planenherd daselbst das abhängig, gemachte Täfelwerk ist, worauf die Planen gelegt werden. Ohne Zweifel mit Plan gleichfalls in Rücksicht auf die ebene Fläche. Im mittlern Lat. ist planeus pannus ein einfaches, aus einfachen Fäden bestehendes Gewebe.


Planer (W3) [Adelung]


Der Planer, des -s, plur. die Pläner, in einigen Gegenden, z. B. in Meißen, breite flache Steine, welche am häufigsten unter den Nahmen der Platten bekannt sind, von welchen sie sich nur im Endlaute unterscheiden. Den Fußboden mit Plänern belegen, mit Platten, sie mögen nun gebrannte Steine oder Bruchsteine seyn.


Planet (W3) [Adelung]


Der Planet, des -en, plur. die -en, aus dem Lat. Planeta, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Stern, welcher seinen Stand gegen andere Sterne beständig verändert, im Gegensatze der Fixsterne, welche ihren Stand am Himmel dem Ansehen nach nicht merklich verändern, oder vielmehr, ein Stern, welcher seine eigene Bewegung von Abend gegen Morgen um die Sonne hat; ein Irrstern, welches doch einen falschen Begriff gewähret, daher das poetische, aber nicht so übliche, Wandelstern richtiger ist. Die Planeten lesen, aus den Planeten wahrsagen, den Einfluß der Planeten und ihrer Stellung in die menschlichen Schicksale erklären; daher man einen Astrologen auch einen Planetenleser, und so fern er sich mit dem Nativität-Stellen abgibt, einen Planetensteller zu nennen pflegt. Die ältern Astronomen rechneten auch die Sonne um ihrer schein- baren Bewegung willen mit unter die Planeten, von welchen sie aber in der neuern Astronomie ausgeschlossen worden. Die Monde sind eine besondere Art Planeten.


Planeten-Bahn (W3) [Adelung]


Die Planeten-Bahn, plur. die -en, in der Astronomie, diejenige Bahn, welche ein Planet um die Sonne durchläuft, d. i. diejenige Linie, welche sein Mittelpunct in der eigenen Bewegung von Abend gegen Morgen beschreibt.


Planeten-Jahr (W3) [Adelung]


Das Planeten-Jahr, des -es, plur. die -e, ein Jahr, so fern dessen Dauer durch den Umlauf eines Planeten um die Sonne bestimmt wird, dahin denn das Saturnische Jahr, das Jupiters-Jahr, das Mars-Jahr, das Venus-Jahr und Mercurialische Jahr gehören. Unser Erdenjahr ist gleichfalls ein Planeten-Jahr, wird aber um der scheinbaren Bewegung der Sonne willen gemeiniglich ein Sonnenjahr genannt.


Planeten-Stunde (W3) [Adelung]


Die Planeten-Stunde, plur. die -n, in der Astronomie, der zwölfte Theil eines natürlichen Tages, so fern derselbe die Zeit von dem Aufgange der Sonne bis zu ihrem Untergange in sich begreift; vermuthlich so fern sie von der Sonne, dem vornehmsten Planeten, der ehemahligen Art zu reden nach, bestimmt werden, oder auch, weil nach den Astrologen, welche diese Art der Stunden von den ältern Morgenländern annahmen, jede derselben einem gewissen Planeten unterworfen und gewidmet war. Weil die ältern Juden den Tag und die Nacht auf diese Art einzutheilen pflegten, so werden diese Stunden auch Jüdische Stunden genannt.


Planhirsch (W3) [Adelung]


Der Planhirsch, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein Hirsch, welcher bey einem Kampfe mit andern Hirschen den Plan, d. i. den Kampfplatz, behauptet; der Platzhirsch. Siehe Plan 2 2).


Planieren (W3) [Adelung]


1. Planieren, verb. reg. act. welches aus dem mittlern Lat. planare und dem Franz. planer, entlehnet, und im gemeinen Leben für gleich, eben machen, üblich ist, besonders von der Oberfläche des Erdbodens. Einen Platz zu einem Hause, zu einem Garten planieren. Verschiedene Metallarbeiter planieren ein Metall, wenn sie es glatt und eben schlagen. Daher daß Planieren.


Planieren (W3) [Adelung]


2. Planieren, verb. reg. act. bey den Buchbindern, Druckpapier durch ein mit Alaun gesottenes Leimwasser ziehen, um ihm dadurch mehr Fertigkeit zu geben. Ein Buch planieren. Es scheinet, daß es in dieser Bedeutung von einem veralteten mittlern Lateinischen Worte herkomme, welches waschen bedeutet hat, und mit unserm planschen und dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, waschen, verwandt gewesen.


Planier-Hammer (W3) [Adelung]


Der Planier-Hammer, des -s, plur. die -Hämmer, bey den Goldarbeitern und Kupferschmieden, ein Hammer mit einer glatten Bahn, ein flach geschlagenes Metall damit völlig glatt und eben zu schlagen, S. 1 Planieren.


Planier-Kreuz (W3) [Adelung]


Das Planier-Kreuz, des -es, plur. die -e, bey den Buchbindern, ein Stab mit einem flachen Querholze in Gestalt eines Lateinischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, die planirten Bogen damit zum Trocknen auf die Schnüre zu hängen.


Planier-Presse (W3) [Adelung]


Die Planier-Presse, plur. die -n, eben daselbst, eine Presse, das überflüssige Wasser aus dem planierten Druckpapier heraus zu pressen.


Planier-Wasser (W3) [Adelung]


Das Planier-Wasser, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. eben daselbst, mit Alaun gesottenes Leimwasser, womit das Druckpapier planieret wird.


Planke (W3) [Adelung]


1. * Die Planke, plur. die -n, ein nur in einigen, besonders Niederdeutschen Gegenden übliche Wort, ein kleines Maß flüssiger Dinge zu bezeichnen, welches im Dithmarsischen, wo es im männlichen Geschlechte der Plank lautet, ein halbes Nößel hält. In Lübeck ist eine Planke Wein die Hälfte eines Quartieres, der vierte Theil einer Kanne, und der achte eines Stübchens. Eine Planke hat daselbst zwey Orte. In dem alten Augsburgischen Stadtrechte bey dem Schilter ist ain Blahe Saltzes, ein gewisses Salzmaß. Es hat hier die Bedeutung der Vertiefung, so wie in der Schweiz, wo die Vorhügel an den Bergen, welche wie Pfeiler zu ihrer Befestigung dienen, Planken genannt werden, den nahe verwandten Begriff der Hervorragung. In der Bedeutung eines Gefäßes ist es mit Lägel, Loch, Luke, u. s. f. verwandt.


Planke (W3) [Adelung]


2. Die Planke, plur. die -n, 1) Ein dickes starkes Bret, eine Bohle. Macht Blanken (Planken) in den Zaun, schnitzt Flegel, stielt die Hauen, Opitz. Bey den Damastwebern wird das hölzerne durchlöcherte Bret, durch welches der Harnisch oder die Garnschnüre gehen, und welches auch das Harnischbret heißt, die Planke genannt. 2) Eine von solchen starken Bretern, oder auch nur von Bretern überhaupt verfertigte Wand, welche mit einem andern sehr nahe verwandten Endlaute und ohne den zufälligen Nasenlaut in Meißen die Pleiche oder Bleiche heißt. Die Planke um einen Garten, um einen Hof. Des Menschen Leben ist umzäunt mit engen Blanken, Opitz; wo es in der ungewöhnlichen Figur der Schranken überhaupt gebraucht wird.

Anm. In der ersten Bedeutung eines dicken Bretes und eines Bretes überhaupt, im Nieders. gleichfalls Planke, im Schwed. Plancka, im Engl. Plank, im Franz. Planche, im Wallis. Plange, im Ital. Pianca und Palanca, im Lat. Planca und im Griech. ohne Nasenlaut - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Auch hier ist der Begriff der Ebene der herrschende, als ein Verwandter von Blech, Blache, und mit andern Endlauten von Blatt, Platte u. s. f. In einer handschriftlichen Übersetzung der Sprüche Salomo aus dem Anfange des 15ten Jahrhunderts heißt ein Halsband ein Plank; und ain Plank deinem Hals, Kap. 1 9, S. Plansche.


Plankengeld (W3) [Adelung]


Das Plankengeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Österreich, eine Abgabe von den Weinbergen an andere, welche dafür die Planken im baulichen Stande erhalten.


Plankwerk (W3) [Adelung]


Das Plankwerk, des -es, plur. die -e, ein aus Planken bestehendes Werk; ingleichen eine Planke in der zweyten Bedeutung des Wortes.


Planlos (W3) [Adelung]


Planlos, -er, -este, adj. et adv. keinen vernünftigen Plan habend, des Planes beraubt. Ein planloses Verfahren. So auch die Planlosigkeit. S. Plan 2 3).


Plansche,Plantsche (W3) [Adelung]


Die Plansche oder Plantsche, plur. die -n, im gemeinen Leben, ein breites und nach Verhältniß dünnes Stück gegossenen Metalles, auch wenn es unförmlich ist, eine Platte. So werden in den Münzen und bey andern Metallarbeitern die gegossenen Stücke Gold, Silber, Kupfer u. s. f. Planschen genannt. Eine Goldplansche, Silberplansche, Kupferplansche u. s. f. Entweder aus dem gleichbedeutenden Franz. Planche, oder mit demselben aus einer ältern Quelle, welche das folgende Zeitwort ist.


Planschen,Plantschen (W3) [Adelung]


Planschen oder Plantschen, verb. reg. act. welches eigentlich den Schall nachahmet, welchen manche, gemeiniglich flüssige Körper im herunter Fallen oder Hantieren verursachen; wo es doch nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist. Es regnet, daß es plantscht, als ein Neutrum. In dem Wasser plantschen, mit dem Wasser plantschen, im Diminut. pläntschern, in demselben hantieren, und zugleich vieles dabey verschütten; wofür auch pantschen, mantschen, pladdern, u. s. f. üblich sind. Nieders. plasken, Schwed. plaska, Engl. to splash. Im Griech. ist daher - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - waschen, wohin auch unser flauen, fließen u. s. f. gehöret, ungeachtet sie schwächere Schälle dieser Art ausdrucken. Im Dän. ist forblande vermischen. So fern auch breite weiche Körper im Fallen oder Schlagen einen ähnlichen Schall verursachen, gehöret auch das vorige Plansche hierher.


Planscheneinguß (W3) [Adelung]


Der Planscheneinguß, des -sses, plur. die -güsse, bey den Gold- und Silberarbeitern, eine eiserne Form, worein das Silber zu viereckten Plauschen oder Platten gegossen wird; der Tascheneinguß. S. Plansche.


Planschenhammer (W3) [Adelung]


Der Planschenhammer, des -s, plur. die -hämmer, eben daselbst, ein schwerer Hammer von zehen bis zwanzig Pfund, die Silberplauschen damit dünner zu schlagen.


Plapperer (W3) [Adelung]


Der Plapperer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche gern plappert; das Plappermaul, die Plappertasche, und in der niedrigen Sprechart der Plappermatz.


Plapperey (W3) [Adelung]


Die Plapperey, plur. die -en, das Plappern, plappernd vorgebrachte unerhebliche Sachen.


Plapperhaft (W3) [Adelung]


Plapperhaft, -er, -este, adj. et adv. Fertigkeit besitzend zu plappern, zum Plappern geneigt.


Plapperhaftigkeit (W3) [Adelung]


Die Plapperhaftigkeit, plur. inus. die Neigung, Fertigkeit zu plappern.


Plappern (W3) [Adelung]


Plappern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Worte mit schneller gedankenloser Bewegung der Lippen hervor bringen. Kleine Kinder plappern. Wenn meine Hand des plappernden Kindes wankenden Fußtritt leitete, Geßn. Wenn ihr bethet, sollt ihr nicht viel plappern, Matth. 6, 7. Ingleichen als ein Activum. Etwas daher plappern, gedankenlos und schnell hersagen. Daher das Plappern.

Anm. Im Nieders. blabbern, stubbern und blubbern, im Engl. to blab. Es ist vermöge der vielen in diesem Worte befindlichen Lippenlaute und flüssigen Buchstaben eine natürliche Nachahmung des von plappernden Lippen verursachten Schalles, von welchem plaudern, Lat. blaterare, klaffen, klatschen, waschen, das niedrige labbern, das gemeine papern, papeln, und hundert andere ähnliche, aber doch noch unterschiedene Schälle ausdrucken, ( S. Plaudern.) Im Franz. ist babiller gleichfalls plappern, Babil das Geplapper, und Babillard ein Schwätzer. Nicod leitet es von der Sprachenverwirrung zu Babel her, Menage aber von dem Ital. bambinare, dieß von Bambino, dem Diminut. von Bambo, und dieß wiederum von dem Syrischen Babion, ein Kind. Aber mit solchen ungereimten Ableitungen straft die Natur mehrere Etymologen, wenn sie ihren Weg verlassen und auf schwankende Ähnlichkeiten bauen. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist plappern auch für klappern üblich, und da bedeutet es besonders eine Art Kinderspiele mit kleinen platten Steinen.


Plappert (W3) [Adelung]


Der Plappert, eine Münze, S. Blaffert.


Plappertasche (W3) [Adelung]


Die Plappertasche, plur. die -n, S. Plapperer.


Plärrauge (W3) [Adelung]


Das Plärrauge, des -s, plur. die -n, im gemeinen Leben, ein rothes triefendes Auge, und eine Person mit solchen Augen; Nieders. Blarroge, Bleeroge, Flirroge, wo plieren auch mit den Augen blinzeln ist, Schwed. blira. Im gemeinen Leben einiger, besonders Oberdeutschen Gegenden ist blarren, plarren, mit trüben, ingleichen mit blinzelnden Augen sehen, und die Blärre, Plärre, die Dunkelheit, triefende Beschaffenheit der Augen, Franz. la Berlue.


Plärräugig (W3) [Adelung]


Plärräugig, adj. et adv. Plärraugen, d. i. triefende, blinzelnde Augen habend; Engl. blear-eyed.


Plarre (W3) [Adelung]


Die Plarre, plur. die -n, im gemeinen Leben, die Blatter, besonders eine große Blatter. So ist die Plarre oder Blatter auf dem Lande der Nahme einer Krankheit des Rindviehes, welche mit einer großen weißen Blatter unter der Zunge oder auch am Mastdarme verbunden ist, und eigentlich zu den eranthematischen Fiebern gehöret. Es ist vermittelst der in den gemeinen, besonders Niedersächsischen Mundarten gewöhnlichen Ausstoßung des d, dd t und tt aus Blatter entstanden.


Plärre (W3) [Adelung]


Die Plärre, plur. die -n, in den niedrigen Sprecharten, das Maul, besonders ein großes Maul, das Werkzeug des Plärrens oder gedankenlosen Geschreyes, daher diesem Worte allemahl ein verächtlicher Nebenbegriff anklebet; das Plärrmaul. S. das folgende.


Plärren (W3) [Adelung]


Plärren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches eine Nachahmung desjenigen widrigen und lauten Geschreyes ist, welches es ausdruckt. Das Kalb plärret. Ingleichen von Menschen, ein widriges wildes und kunstloses Geschrey machen; ingleichen auf eine widrige schreyende und wilde Art singen, Ital. balare. Im Engl. ist to blare blöken, von dem Rindviehe, und im Lat. balare blöken, von den Schafen. Auch wird es zuweilen im Hochdeutschen für heulen, mit lauter widriger Stimme weinen, gebraucht; Nieders. blarren, blaren, womit auch das Franz. pleurer, und Lat. plorare verwandt sind, alle als Nachahmungen des eigenthümlichen Schalles. ( S. auch Geplärr.) Daher das Plärren.


Plärrmaul (W3) [Adelung]


Das Plärrmaul, des -es, plur. die -mäuler, ein großes, gleichsam plärrendes Maul, in den niedrigen Sprecharten.


Platina (W3) [Adelung]


Die Platina, plur. car. eine Art eines sehr schweren und feuerbeständigen Metalles, welches weißbläulich von Farbe, für sich unschmelzbar ist, aber in Europa wenig bekannt ist, weil dessen Gewinnung, um der Verfälschung des Goldes willen, verbothen worden. Man findet es an dem Rio de Pinto in dem Spanischen Amerika, wo Ant. de Ulloa es 1748 zuerst entdeckte und beschrieb.


Platine (W3) [Adelung]


Die Platine, plur. die -n, aus dem Franz. Platine, eine kleine Platte, ein Plättchen, in verschiedenen Fällen des gemeinen Lebens. So sind an den Stühlen der Strumpfwirker die Platinen lange dünne messingene Plättchen, welche in der Mitte ausgeschweift, und der Länge nach gespalten sind. Daher die Platinenstange, diejenige Stange, von welcher die obern Platinen herab hangen.


Plätschern (W3) [Adelung]


Plätschern, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, und das Diminut. des in einigen Gegenden noch üblichen platschen ist. Es ahmet den Laut nach, welchen das Wasser, wenn es in Bewegung ist, macht, oder welchen ein anderer in dem Wasser befindlicher Körper durch seine Bewegung macht, und ist auch in der edlern Schreibart für die niedrigen plantschen und pladdern, Nieders. plasken, plas=tern und palsken, üblich. Ich höre ein Plätschern, wie wenn die Wellen wider den Nachen schlagen, Geßn. Wollt ihr mich noch oft betriegen, ihr plätschernden Wellen? ebend. Wie der Bach vor uns niederplätschert, ebend. Die jungen Änten scherzen plätschernd im Wasser. Daher das Plätschern.


Plattbaum (W3) [Adelung]


Der Plattbaum, des -es, plur. die -bäume, bey den Vogelstellern, ein Baum in oder nahe an einem Walde, welchen man bis in den Gipfel seiner Äste beraubt, und die Leimruthen daran befestiget; entweder weil er durch das Abhauen der Äste gewisser Maßen platt gemacht wird, oder auch, weil er auf einer Platte, d. i. einem freyen, von Bäumen entblößten Platze stehen muß, daher er auch der Feldbaum heißt. Daher das Zeitwort plattnen, die Vögel vermittelst eines solchen Baumes fangen; das Plattnetz oder Plattgarn, womit der Baum unten umstellet wird, damit die mit den Spindeln herunter gefallenen Vögel nicht entlaufen können; die Plattzeit, wenn die Vögel auf solche Art gefangen werden.


Plättchenkolben (W3) [Adelung]


Der Plättchenkolben, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Glasern, ein Kolben in Gestalt eines viereckten Hammers, die messingenen Plättchen damit anzulöthen.


Plattdecke (W3) [Adelung]


Die Plattdecke, plur. die -n, in der Baukunst, die platte, ebene Decke eines Zimmers; zum Unterschiede von einer Felderdecke oder Spiegeldecke.


Plattdeutsch (W3) [Adelung]


Plattdeutsch, adj. et adv. plattes Deutsch, Niederdeutsch; im Gegensatze des Hoch- und Oberdeutsch. Plattdeutsch reden. Die Plattdeutsche Sprache.


Platte (W3) [Adelung]


1. Die Platte, plur. die -n, von dem Zeitworte platten, ein Werkzeug zum Platten; in welchem Verstande besonders bey den Wäscherinnen die Platte oder das Platteisen ein messingenes Werkzeug ist, die Wäsche damit zu platten, d. i. eben und glatt zu machen.


Platteisen,Plätteisen (W3) [Adelung]


Das Platteisen, oder Plätteisen, des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich der eiserne Bolzen, welcher glühend gemacht und in die Platte gesteckt wird, wenn man Wäsche platten oder plätten will. In weiterer Bedeutung bekommt die Platte selbst diesen Nahmen.


Platteiße (W3) [Adelung]


Die Platteiße, plur. die -n, eine Art Schollen in der weitern Bedeutung, deren Augen auf der rechten Seite befindlich sind; Pleuronectes Platessa L. Sie haben einen glatten, platt gedrückten Körper, und einen mit sechs Höckern versehenen Kopf, und werden auch Plattfische, Schollen in engerer Bedeutung, und Halbfische genannt. Man fängt sie häufig in Holland und verschickt sie getrocknet. Die Rigaischen Bütten sind auch nichts anders als geräucherte Platteiße, obgleich die Bütte eigentlich ein anderer, aber doch verwandter Fisch ist.

Anm. Im Nieders. Platteißke, Plattfisk, im Pohln. Plascezka, im Böhm. Plateys, Plateysek, und im Lat. bey dem Ansonius Platessa. Dieser Fisch hat den Nahmen von seiner platten, breitgedrückten Gestalt, obgleich die letzte Hälfte, welche Frisch aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - herleitet, noch dunkel ist. Um eben dieses platten Körpers willen heißt die Platteiße, im Engl. Plaice und Plaise, im Franz. Plays, Pluge, la Plie, und im mittlern Lat. Plada. Kleine Platteiße heißen in Nieder-Deutschland Pliten. Platteiße, Flünder und Bütten werden im gemeinen Leben häufig mit einander verwechselt, ungeachtet sie verschieden genug sind. Aber die gemeine Scholle und die Platteiße sind nur ein und eben derselbe Fisch. In das Geschlecht und die Schreibart dieses Wortes haben sich viele Hochdeutsche Schriftsteller nicht zu finden gewußt. Selbst Sprachlehrer geben ihm das männliche Geschlecht, der Platteys, da ihm doch dem Gebrauche so wohl, als der Analogie anderer Sprachen nach das weibliche zukommt.


Platten,Plätten (W3) [Adelung]


Platten, oder Plätten, verb. reg. act. platt machen. 1) Die Erhabenheit vermindern, der platten Beschaffenheit näher bringen. In diesem Verstande sagt man, die Erde sey an den Polen geplättet, so fern sie sich daselbst von der Kugelründe entfernet, und sich der platten Gestalt nähert. 2) Völlig platt drücken. In dieser Bedeutung ist es vorzüglich in den Gold- und Silberfabriken üblich, wo der Draht geplättet wird, wenn man ihn zwischen den zwey Walzen der Plättmühle zu einem platten glänzenden Lahne quetschet, wo es auch zuweilen platten lautet. Die Wäscherinnen plätten die Wäsche, wenn sie selbige vermittelst des heißen in der Platte befindlichen Platteisens glatt drücken, wo es in einigen Mundarten auch platten lautet. Andere nennen dieses Plätten der Wäsche bügeln, die Niedersachsen flichten und striken, ob sie gleich auch plätten und platten sagen. 3) Die Zimmerleute plätten auch, wenn sie zwey Balken platt oder flach auf einander legen und vernageln. So auch das Plätten.


Plattenfeile (W3) [Adelung]


Die Plattenfeile, plur. die -n, bey den Schlössern, eine Art Feilen, welche einen feinern Hieb haben, als die Vorfeile.


Platten-Tour (W3) [Adelung]


Die Platten-Tour, plur. die -en, bey den Perrückenmachern, die runde Öffnung in den Abbee-Perrücken, welche der Platte der Römischen Geistlichen gleicht.


Plätter (W3) [Adelung]


Der Plätter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Plätterinn, eine Person, welche plättet oder plattet. Besonders in den Gold- und Silberfabriken, welche den Draht zu Lahn plättet; bey einigen auch der Plattner.


Platterbse (W3) [Adelung]


Die Platterbse, plur. die -n, eine Pflanze, welche ihren platten den Erbsen übrigens ähnlichen Samen in Hülfen trägt; Lathyrus L. Kicher. Besonders diejenige Art, welche bey uns auf den Wiesen einheimisch ist, Lathyrus pratensis L. so wie diejenigen Arten, welche man in der Schweiz und in Schwaben auf den Feldern bauet, Lathyrus sativus L. und Lathyrus cicera Hall.


Platterdings (W3) [Adelung]


Platterdings, adv. welches nur im gemeinen Leben für schlechterdings, durchaus, üblich ist. Ich will es platterdings haben. Es ist platterdings unmöglich. S. Platt.


Plattfisch (W3) [Adelung]


Der Plattfisch, des -es, plur. die -e, S. Platteiße.


Plattfuß (W3) [Adelung]


Der Plattfuß, des -es, plur. die -füße. 1) Der untere platte Theil des Fußes, worauf man gehet; die Sohle, das Fußbret, Metatarsus. 2) Eine mit einem platten, d. i. breiten Fuße versehene Person; bey den ältern Lateinern Plautus, Nieders. Plattfoot, Schwed. Flatfot. S. Platt.


Plattgarn (W3) [Adelung]


Das Plattgarn, des -es, plur. die -e, S. Plattbaum.


Plattheit (W3) [Adelung]


Die Plattheit, plur. die -en. 1) Die Eigenschaft, da etwas platt ist, besonders im dritten figürlichen Verstande; ohne Plural. Die Plattheit des Ausdruckes. 2) Ein platter, der nöthigen Erhabenheit beraubter Ausdruck.


Plättküssen (W3) [Adelung]


Das Plättküssen, des -s, plur. ut nom. sing. ein besonders Küssen auf einem Brete, worauf die Wäscherinnen mancher Gegenden die Wäsche zu plätten pflegen.


Plattlack (W3) [Adelung]


Der Plattlack, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Art des Gummi-Lackes, welches geschmolzen und auf einen Marmorstein platt geschlagen worden.


Plattlaus (W3) [Adelung]


Die Plattlaus, plur. die -läuse, S. Filzlaus.


Plättmühle,Plattmühle (W3) [Adelung]


Die Plättmühle, oder Plattmühle, plur. die -n, eine Maschine mit zwey stählernen Walzen, zwischen welchen der Draht in den Gold- und Silberfabriken zu Lahn geplättet wird.


Plattnase (W3) [Adelung]


Die Plattnase, plur. die -n, eine platte Nase, welche platter ist als gewöhnlich, und eine mit einer solchen Nase versehene Person.


Plattnen (W3) [Adelung]


Plattnen, verb. reg. act. die Vögel mit den Leimspindeln auf dem Plattbaume sangen, ( S. Plattbaum.) In einigen Gegenden wird auch wohl das Platten oder Plätten des Gold- und Silberdrahtes plattnen genannt.


Plattner (W3) [Adelung]


Der Plattner, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der Platter oder Plätter in den Gold- oder Silberfabriken, ( S. Plätter und das vorige.) 2) Ehedem da die Platten, d. i. aus eisernen Platten geschlagene Brustharnische, noch üblicher waren, als jetzt, waren die Plattner eigene Handwerker, welche vornehmlich dergleichen Brustplatten, ingleichen die Arm- und Beinschienen verfertigten, und auch Harnischmacher genannt wurden. Man findet sie unter beyden Nahmen noch jetzt in einigen Städten.


Plattnetz (W3) [Adelung]


Das Plattnetz, des -es, plur. die -e, S. Plattbaum.


Plattreif (W3) [Adelung]


Der Plattreif, des -es, plur. die -e, bey den Böttchern, ein plattes, d. i. breites, eisernes Faßband, welches man im Nothfalle um ein angefülltes Faß schraubt, wenn die ordentlichen Reife zerspringen.


Plattrose (W3) [Adelung]


Die Plattrose, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme des Mauerpfeffers, S. dieses Wort.


Plattschlich (W3) [Adelung]


Der Plattschlich, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, im Hüttenbaue, eine Unart in Gestalt eines Sinters, welche bey den Goldproben durch den Schwefel des Goldkieses erzeuget wird.


Plattstampfer (W3) [Adelung]


Der Plattstampfer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Hutmachern, eine viereckige messingene Platte, die Runzeln damit aus dem angeformten Hute zu streichen, ihn platt, d. i. gleich und eben, damit zu drücken; zum Unterschiede von dem Krummstampfer.


Plattstück (W3) [Adelung]


Das Plattstück, des -es, plur. die -e, bey den Tuchbereitern, die obere Scheide an dem Nahmen.


Plattteller,Plättteller (W3) [Adelung]


Der Plattteller, oder Plättteller, des -s, plur. ut nom. sing. ein platter Fuß von Thon oder Metall der Wäscherinnen, die heiße Platte, wenn sie nicht gebraucht wird, darauf zu setzen.


Platttopf,Plätttopf (W3) [Adelung]


Der Platttopf, oder Plätttopf, des -es, plur. die -töpfe, ein in einigen Gegenden üblicher besonderer eiserner Topf, die eisernen Bolzen zu den Platten darin mit Vortheil heiß zu machen.


Plattwäsche,Plättwäsche (W3) [Adelung]


Die Plattwäsche, oder Plättwäsche, plur. inus. bey den Wäscherinnen, Wäsche, welche geplattet oder geplättet werden muß; zum Unterschiede von der Rollwäsche.


Plattzeit (W3) [Adelung]


Die Plattzeit, plur. die -en, S. Plattbaum.


Platz (W3) [Adelung]


1. Der Platz, des -es, plur. die -e, und Plätze, ein Wort, welches eine unmittelbare Nachahmung desjenigen Schalles ist, welchen ein platter schwerer Körper macht, wenn er auf den Boden fällt, wenn ein Körper platzet, d. i. durch innere Gewalt zersprenget wird, wenn die mit Heftigkeit eingepreßte Luft einen plötzlichen Ausgang gewinnet, und ihn andern Fällen mehr; welchen Schall man auch als eine bloße Interjection auszudrucken pflegt. Platz! da lag es. Platz! da sprang es von einander. Noch häufiger aber in Gestalt eines Hauptwortes; Plur. Platze. Das Gewehr ging los und that einen heftigen Platz. Mit einem Platze zerspringen. Das gab einen Platz. Ich hörte einen Platz. ( S. Platzen.) Figürlich bedeutet es auch, theils einen Schlag mit einem platten, d. i. breiten Werkzeuge, einem einen Platz auf den Hintern geben, wo es im Plural auch die Plätze hat, theils die Geschwindigkeit, weil der Schall dieser Art selbige allemahl voraus setzt; doch nur in der im gemeinen Leben üblichen R. A. auf dem Platze, d. i. den Augenblick, wofür auch auf den Plotz, auf dem Plutz üblich sind, S. das erste. Nach einer noch weitern Figur ist im Forstwesen, der Platz, plur. die Plätze, diejenige Stelle an einem Baume, wo die Rinde und zugleich etwas Holz von demselben ausgehauen worden, zum Zeichen, daß der Baum verkauft ist, oder daß er gefället werden soll; wo zunächst gleichfalls auf den Schall gesehen wird, welchen dieser Hieb mit der Axt verursacht. S. Abplätzen und Anplätzen.

Anm. Für Platz, so wohl wenn es einen Schall, als auch wenn es einen Schlag bedeutet, ist auch Platzer, und von einem kleinern und schwächern Schall oder Schlage auch Plätzer üblich, ( S. dasselbe.) Im Nieders. lautet dieses Wort Platz, und da bedeutet es auch einen Fall, selbst in den figürlichen R. A. zu Plasse kommen, zu Falle kommen, übel anlaufen, zu Plasse bringen, zu Falle bringen, stürzen. Plautz, Plotz, Plutz, sind auch in den gemeinen Sprecharten gangbar, gröbere Platze auszudrucken, so wie Plitz zuweilen gebraucht wird, einen schwächern zu bezeichnen. Dieses unmittelbar von der Natur copirte Wort ist übrigens das Stammwort von Blatt, platt, Platte, dem folgenden Platz, und allen übrigen dieses Geschlechtes, wo es solche Dinge bezeichnet, welche wegen ihrer eigenthümlichen Beschaffenheit fähig sind, diese Art des Schalles hervor zu bringen.


Platz (W3) [Adelung]


2. Der Platz, des -es, plur. die Plätze, Diminut. das Plätzchen, Oberd. Plätzlein, ein platter, d. i. breiter, ebener und dünner Körper, und ein breiter und ebener Theil der Erdfläche. 1. Ein platter, d. i. breiter, ebener und dünner Körper; in welchem Falle es doch nur noch in Einem Falle gebraucht wird, da in andern Platte und Blatt üblicher sind. Ein platter, d. i. breiter und ebener Kuchen, heißt in vielen Gegenden ein Platz, und in andern ein Fladen. Ein Eyerplatz, ein Eyerkuchen, Osterplatz, Osterkuchen oder Osterfladen. Die Zuckerplätzchen oder Zuckerplätzlein sind kleine dünne Kuchen dieser Art von Zucker, Mehl und Eiweiß. Im Böhmischen Placek, im mittlern Lat. Plaitia. Es ist mit Fladen und dem Lat. Placenta Eines Geschlechtes, ohne eben von dem letztern abzustammen. 2. Ein platter, d. i. breiter, ebener Theil der Erdfläche. 1) Eigentlich, ein breiter, ebener oder geebneter Theil der Erdfläche, so fern gewisse Handlungen darauf vorgenommen werden sollen, und welcher ehedem auch der Plan genannt wurde. Ein freyer Platz, welcher mit nichts besetzt ist, ingleichen, welcher durch nichts eingeschränkt wird. Ein schöner ebener Platz. Ein grüner Platz. Öffentliche Plätze, dergleichen z. B. die Marktplätze sind. Ein bedeckter Platz vor einem Hause. Ein Gartenplatz, so fern ein Garten auf demselben angeleget werden soll. Der Marktplatz, Spielplatz, Richtplatz, Musterplatz, Sammelplatz, Schauplatz, Schießplatz, Tanzplatz, Fechtplatz, Kirchplatz, Tummelplatz, Kampfplatz, Wahlplatz, Schlachtplatz u. s. f. welche letztern zuweilen auch nur schlechthin Platz genannt werden. Auf dem Platze bleiben, auf dem Kampfplatze, im Gefechte, in einem Handgemenge getödtet werden. Gleich auf dem Platze seyn, eigentlich, gleich auf dem Kampfplatze, und figürlich, gleich zu etwas bereit seyn. ( S. auch Plan.) Im Forstwesen einiger Gegenden ist der Platz ein bestimmter Theil der Erdfläche mit dem darauf befindlichen geschlagenen Holze. Funfzehn Schock Scheite machen alsdann einen Platz und vier Plätze einen Sechzig, d. i. sechzig Schock. 2) Ein von Menschen bewohnter Theil der Erdfläche, wo dieses Wort von Schlössern, Städten und zuweilen auch von Dörfern, doch nur in Rücksicht theils auf die Befestigung oder Festigkeit, theils auch auf die Handlung, gebraucht wird; im Franz. Place, im mittlern Lat. Placea. (a) In Ansehung der Befestigung. Ein fester Platz. Ein offener Platz. Das Wort Ort wird auf eben diese Art gebraucht. (b) In Ansehung der Handlung. Ein Handelsplatz, eine Stadt, ein Flecken, ein Dorf, wo Handlung getrieben wird. In einem Handelsplatze, welcher eine blühende Großhandlung und ein beträchtliches Wechselgeschäft hat, pflegen die daselbst befindlichen Kaufleute diesen Ort und der Kürze willen nur schlechthin den Platz zu nennen. Es sind keine Kaffehbohnen auf dem Platze, d. i. in dieser Stadt. Es sind jetzt viele Englische Briefe auf dem Platze. Jede Waare, welche in dieser Stadt selbst verfertiget wird, heißt alsdann eine Waare vom Platze, um sie von auswärtigen zu unterscheiden. Das Leder vom Platze gilt so viel, d. i. das hiesige Leder. 3) Derjenige Raum, welchen ein Körper mit seiner Grundfläche einnimmt, weil derselbe gemeiniglich als eine platte, d. i. breite und ebene Fläche voraus gesetzet wird, das bestimmte Verhältniß in der Reihe und Folge der auf und neben einander kommenden Dinge. (a) Eigentlich. Vielen Platz einnehmen, eine Fläche von beträchtlichem Umfange einnehmen. Das ist mein Platz. Sich an seinem Platze setzen, stellen. Jemanden von seinem Platze vertreiben. Nehmen sie Platz, sagt man in der höflichen Sprechart, für das niedrigere, setzen sie sich nieder. Als die Zuschauer Platz genommen hatten, sich jeder auf seinen Platz gesetzet hatte. Von seinem Platze aufstehen. In andern Fällen ist Stelle, und von leblosen Dingen das sich weiter erstreckende Ort üblicher. Der Stuhl steht nicht an seinem rechten Orte, für auf seinem rechten Platze. Stolz tritt an die Stelle der Demuth und Fühllosigkeit, nimmt den Platz der Menschenliebe ein. (b) Figürlich, die Würde, das Amt, welches jemand bekleidet, die ihm aufgetragene Verrichtung; doch nur in einigen Fällen, in welchen in der anständigen Sprechart doch auch Stelle üblicher ist. Eines andern Platz einnehmen, dessen Verrichtungen, dessen Amt übernehmen. An einen Platz kommen, an dessen Stelle. Jemanden von seinem Platze vertreiben, aus seinem Amte. Wäre ich an deinem Platze gewesen, besser, an deiner Stelle. Daher man für Platzhalter auch lieber Statthalter oder Stellvertreter sagt. 4) In weiterer Bedeutung, derjenige Theil des Raumes, welchen ein Körper mit seiner Grundfläche einnehmen kann oder soll, und in weiterer Bedeutung, derjenige Raum, welchen ein Ding einnehmen kann, oder einnehmen soll. (a) Eigentlich. Es ist hier nur für zwey Personen Platz. Es ist kein Platz mehr da. Alle Plätze sind besetzt. Einem Platz machen, so wohl überhaupt, ihm so vielen Raum verschaffen, als er bedarf, als auch ihm weichen. Platz gemacht! Die vorige Welt, die nun der unsrigen Platz macht. Platz zu etwas lassen. In einem Briefe, in einer Schrift zu etwas Platz lassen. Ein leerer Platz, so fern er von einem andern Dinge eingenommen werden kann oder soll. Jemanden einen Platz bestellen, einen Ort, wohin er sich setzen oder stellen könne. Das nimmt mir zu vielen Platz weg. (b) Figürlich, doch nur in einigen R. A. Eines Bitte Platz geben, sie bewilligen. Der Gnade Gottes Platz geben, sich ihren Wirkungen überlassen. So auch der Billigkeit, der Wahrheit, eines Vorstellungen u. s. f. Platz geben. Die Wahrheit findet selten Platz, wird selten angenommen und befolget. Eines Bitte Platz finden lassen, sie bewilligen. Die Wahrheit, die Vorstellungen, eines Bitte u. s. f. Platz greifen lassen, in den Kanzelleyen. Die Wörter Raum und Statt werden auf eben diese Art gebraucht.

Anm. Im Nieders. Platz, im Holländ. Plaats, im Schwed. Plats, im Engl. Place, im Franz. Place, im Ital. Piazza, im Pohln. und Böhm. Plac. Es ist, wie schon oben bemerkt worden, eine bloße Figur von 1 Platz, und druckt zunächst den Begriff der Fläche und der Grundfläche aus. Das Lat. Platea, die Gasse, im Angels. Plaets, ist genau damit verwandt. S. auch Platt, Platte, Pflas=ter, Blatt, Breit, Flötz u. s. f.


Platz-Adjutant (W3) [Adelung]


Der Platz-Adjutant, des -en, plur. die -en, der Adjutant des Platz-Majors, S. das letztere.


Platzbäcker (W3) [Adelung]


Der Platzbäcker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bäcker, welcher kein ordentliches Backhaus hat, keine Bursche halten, auch kein weißes, sondern nur schwarzes Brot backen darf; vermuthlich weil er eigentlich nur Plätze zu backen befugt ist.


Platzbüchse (W3) [Adelung]


Die Platzbüchse, plur. die -n, S. Klatschbüchse.


Plätze (W3) [Adelung]


Die Plätze, plur. die -n, im Forstwesen einiger Gegenden, die vordersten Schlägel einer wilden Sau, entweder wegen ihrer platten Form, oder auch als ein gleichbedeutendes Wort von Hammer, Schlägel, Keule, welche Nahmen in diesen Fällen gleichfalls üblich sind, und von plätzen, schlagen, abstammen. In den Küchen ist die Plätze ein starkes breites Messer, welches mehr zum Hauen als zum Schneiden bestimmt ist.


Platzen (W3) [Adelung]


Platzen, verb. reg. neutr. welches, 1. eigentlich, den Schall nachahmet, welcher entstehet, wenn z. B. ein breiter platter Körper auf einen andern geschlagen wird, wenn ein heftiger und starker Regen schnell auf harte Körper fällt, wenn ein Körper durch eine innere Gewalt heftig ausgedehnet und plötzlich zersprenget wird, wenn die in einen engen Raum zusammen gepreßte Luft auf einmahl eine völlige Öffnung gewinnet u. s. f. diesen Schall von sich geben, verursachen, da es denn das Hülfswort haben bekommt. Ich höre etwas platzen. Es regnet, daß es platzt; Nieders. plas=tern, ( S. Platzregen.) Das Holz, platzt im Feuer, wenn es im Brennen diesen Schall von sich gibt. Pulver, welches nicht platzt, nicht knallt. 2. Figürlich, da es zugleich das Hülfswort seyn bekommt. 1) Durch innere Gewalt ausgedehnet werden und plötzlich zerspringen oder zerreißen; springen, aufspringen. Es sind drey Bouteillen geplatzt. Die starken Nelkenblumen pflegen im Aufblühen gern zu platzen, wo man es auch prassen nennet. Die Blase platzt, wenn sie zu sehr ausgedehnet wird. Die Kastanien platzen auf den Kohlen, wenn sie nicht eingekerbet worden. So viel essen, daß man platzen möchte, im gemeinen Leben. 2) Mit einem dem Platzen ähnlichen Schalle in oder auf etwas treten, fallen, und nach einer noch weitern Figur, plötzlich und ungestüm zum Vorschein kommen. In den Dreck platzen. Er platzte hin, so lang er war. Er platzte, ohne sich anmelden zu lassen, in das Zimmer herein. Ingleichen unbesonnen mit etwas heraus fahren. Mit etwas heraus platzen, es plötzlich heraus sagen. Es hätte nicht viel gefehlet, daß ich losgeplatzt wäre, Weiße. 3) In einigen Gegenden ist platzen prahlen, und ein Platzer ein Prahler. So auch das Platzen.

Anm. Im Nieders. plassen, im Engl. to plash, im Pohln. plask. S. 1 Platz und Plötzlich.


Plätzen (W3) [Adelung]


Plätzen, verb. reg. act. welches das Activum des vorigen ist, platzen machen, denjenigen Schall, welchen man mit Platz ausdruckt, hervor bringen. Wenn man mit einem Feuergewehre schießet, nicht so wohl um zu treffen, als vielmehr um diesen Knall hervor zu bringen, so plätzet man; in welchem Falle manche platzen sagen, welches doch wider die Analogie der meisten Activorum dieser Art ist. Mit der Flinte unnöthig plätzen. Ein Kind auf den Hintern plätzen, es mit der flachen Hand, oder einem breiten Werkzeuge auf dem Hintern züchtigen, gleichfalls wegen des damit verbundenen Schalles. S. Platzer.


Platzer (W3) [Adelung]


Der Platzer, des -s, plur. ut nom. sing. ein oft für 1 Platz übliches Wort, S. dasselbe.


Plätzer (W3) [Adelung]


Der Plätzer, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte plätzen, ein Schlag mit der flachen Hand, noch mehr aber mit einem platten, d. i. breiten und flachen Werkzeuge. Einem Kinde Plätzer geben, es mit einem solchen Werkzeuge, welches in Niedersachsen die Handpatsche heißt, auf die flache Hand schlagen. S. auch 1 Platz.


Platzfaß (W3) [Adelung]


Das Platzfaß, des -sses, plur. die -fässer, ein Faß, worin die Kupferschmiede das Kupfer abplätzen, d. i. ablöschen.


Platzgold (W3) [Adelung]


Das Platzgold, des -es, plur. car. S. Knallgold.


Platzgras (W3) [Adelung]


Das Platzgras, des -es, plur. inus. S. Berstgras.


Platzhalter (W3) [Adelung]


Der Platzhalter, des -s, plur. ut nom. sing. S. 2 Platz 3.


Platzhirsch (W3) [Adelung]


Der Platzhirsch, des -es, plur. die -e, S. Planhirsch.


Plätzig (W3) [Adelung]


Plätzig, adj. et adv. welches nur im Forstwesen üblich ist, wo ein plätziger Hau ein solcher Hau ist, in welchem hin und wieder nur kleine Striche oder Platze abgeholzet werden.


Platzknecht (W3) [Adelung]


Der Platzknecht, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden unter dem gemeinen Volke, derjenige, welcher unter den Tanzenden auf dem Tanzplatze den ersten Reihen führet; der Vortänzer, bey andern auch der Platzmeister.


Platzkraut (W3) [Adelung]


Das Platzkraut, des -es, plur. inus. S. Berstgras.


Platzkugel (W3) [Adelung]


Die Platzkugel, plur. die -n, in der Physik, eine wohl verwahrte mit Luft angefüllte gläserne Kugel, welche mit einem heftigen Knalle zerplatzet, wenn man sie auf Kohlen legt, und dadurch die innere Luft ausdehnet.


Platz-Major (W3) [Adelung]


Der Platz-Major, des -s, plur. die -e, in Festungen, ein Major, welcher die Wachen vertheilet und besichtiget; der Platz-Adjutant, dessen Adjutant. Vermuthlich von Platz, so fern es zuweilen eine Festung bedeutet.


Platzmeister (W3) [Adelung]


Der Platzmeister, des -s, plur. ut nom. sing. S. Platzknecht.


Platzpulver (W3) [Adelung]


Das Platzpulver, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut. nom. sing. S. Knallpulver.


Platzrecht (W3) [Adelung]


Das Platzrecht, des -es, plur. inus. S. Grundrecht.


Platzregen (W3) [Adelung]


Der Platzregen, des -s, plur. ut nom. sing. ein heftiger Regen, welcher in großen Tropfen in großer Menge und mit großer Geschwindigkeit fällt, von dem platzenden Geräusche, welches er erreget; der Schlagregen, Gußregen, Nieders. Platzregen.


Plauderer (W3) [Adelung]


Der Plauderer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Plaudrerinn oder Plauderinn, eine Person, welche plaudert, und in engerer Bedeutung, welche eine Fertigkeit zu plaudern besitzet; im gemeinen Leben ein Plaudermaul, eine Plaudertasche, ein Plaudermatz. Von dem Fäminino S. - Inn.


Plauderey (W3) [Adelung]


Die Plauderey, plur. die -en, das Plaudern; ohne Plural. Ingleichen eine unbedeutende schnell vorgebrachte Rede. In engerer Bedeutung, eine solche Rede, so fern sie zum Nachtheil anderer gereicht, andere Personen veruneiniget. Plaudereyen anrichten; im gemeinen Leben Klatschereyen.


Plauderhaft (W3) [Adelung]


Plauderhaft, -er, -este, adj. et adv. statt des minder üblichen plauderhaftig, geneigt, und Fertigkeit besitzend zu plaudern. Ein plauderhafter Mensch. Ingleichen, geneigt und Fertigkeit besitzend, die Heimlichkeiten anderer ohne Noth bekannt zu machen, schwatzhaft, waschhaftig. Plauderhaft seyn.


Plauderhaftigkeit (W3) [Adelung]


Die Plauderhaftigkeit, plur. car. die Fertigkeit zu plaudern, in beyden Bedeutungen des vorigen Wortes, die Unmäßigkeit im Gebrauche der Zunge; die Schwatzhaftigkeit, Waschhaftigkeit.


Plaudermarkt (W3) [Adelung]


Der Plaudermarkt, des -es, plur. die -märkte, ein Ort, wo mehrere zusammen plaudern, im verächtlichen Verstande; eine von dem Marktplätzen, dem gewöhnlichen Sammelplatze der gemeinen Plauderer, entlehnte Figur; der Klatschmarkt, Waschmarkt.


Plaudermatz (W3) [Adelung]


Der Plaudermatz, des -es, plur. die -mätze, S. Plauderer und Matz.


Plaudermaul (W3) [Adelung]


Das Plaudermaul, des -es, plur. die -mäuler, S. Plauderer.


Plaudern (W3) [Adelung]


Plaudern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, viele unbedeutende Worte mit einer gewissen Geschwindigkeit vorbringen, viel, schnell und unbedeutend reden. Den ganzen Tag plaudern. Er hörte nicht auf zu plaudern. In der vertraulichen Sprechart wird es auch so wie schwatzen von einem jeden vertraulichen Gespräche gebraucht. Wir plauderten die ganze Nacht mit einander. Dagegen es auch im verächtlichen Verstande zuweilen von dem Reden an unrechten Orten gebraucht wird. In der Kirche sitzen und plaudern. Oft bedeutet es auch in engerm Verstande die Heimlichkeiten anderer ohne Noth bekannt machen, besonders in dem zusammen gesetzten ausplaudern. Daher das Plaudern.

Anm. Im Nieders. pludern, pladdern, plätern, flätern, im Schwed. bladdra, pladdra, im Latein. blaterare, im Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es druckt vermittelst der Zungenbuchstaben l, d, r und des Kehllautes an, eigentlich die Beschäftigung der Zunge und der Kehle im Plaudern aus, so wie plappern mehr auf die Bewegung der Lippen siehet. Die gemeinen Sprecharten Deutschlandes sind überaus reich an nachahmenden Ausdrücken, das Plaudern und dessen verschiedene Arten zu bezeichnen; wohin das mandelchosen des Notker, die Oberdeutschen plampen, plämpern, guderschen, rätschen, klaffen, die Hochdeutschen waschen, klatschen, schwatzen, schnatern, labern, die Niedersächsischen slabbern, schälen, kaueln, käkeln, haspeln, piterpatern, praten, pratjen, (Engl. to prate, prattle, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, rastern, sludern, titeltateln, zaustern, flubbern, kören, kelsken u. s. f. gehören, welche doch bald diesen, bald jenen Nebenbegriff bey sich haben. S. Plappern, Klatschen, Reden u. s. f. wo deren mehrere vorkommen.


Plaudertasche (W3) [Adelung]


Die Plaudertasche, plur. die -n, Diminut. das Plaudertäschchen, eine plauderhafte Person, besonders weiblichen Geschlechtes, eine Person, welche gern und viel plaudert, ( S. Tasche.) Nieders. Snatertaske, Räteltaske, Plätertaske, Geschewäske, Pauketaske u. s. f.


Plaute (W3) [Adelung]


Die Plaute, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein kurzer und breiter Degen, und im verächtlichen Verstande, ein jeder großer unförmlicher Degen; in einigen Gegenden die Plotze, Plinte. Von platt, breit und flach, als eine Nachahmung des Schalles, welchen ein Schlag mit einem solchen Degen verursacht, den man auch wohl eine Plämpe, Pämpe und Prätze zu nennen pflegt.


Pleiche (W3) [Adelung]


Die Pleiche, plur. die -n, in einigen Gegenden, besonders in Meißen, eine aus Planken oder Bretern bestehende Wand; eine Planke, mit welchem Worte es Eines Geschlechtes ist, ( S. dasselbe.) Von vielen wird es Bleiche geschrieben und gesprochen, S. 2 Bleiche.


Plerren (W3) [Adelung]


Plerren, S. Plärren.


Pletzfaß (W3) [Adelung]


Das Pletzfaß, S. Bletzfaß.


Plinken (W3) [Adelung]


Plinken, mit halb geschlossenen Augen sehen, S. Blinken.


Plinse (W3) [Adelung]


Die Plinse, plur. die -n, eine Art dünner Pfannkuchen aus einem mit Milch und Eyern angemachten Teige. Im Churkreise und in der Nieder-Lausitz werden diese Plinken von den gemeinen Leuten auch aus Buchweitzenmehl gebacken. Daher das Plinseneisen oder Plinsenblech, eine Art eiserner flacher Pfannen, die Plinsen darin zu backen, an deren Statt man an andern Orten irdene Plinsentiegel ohne Füße hat. Es stammet vermittelst der Ableitungssylbe -se von plan, platt, ab, und bedeutet eigentlich ein plattes dünnes Ding, so daß es mit 2 Platz, ein platter Kuchen, Fliese, Planke, und andern dieser Art Eines Geschlechtes ist.


Plinsen,Plinzen (W3) [Adelung]


Plinsen, oder Plinzen, mit halb geschlossenen Augen sehen, siehe Blinzen.


Plott (W3) [Adelung]


Der Plott, des -es, plur. die -e, ein Ding mit einem breitern Fuße als gewöhnlich ist. Es kommt nur bey einigen neuern Schriftstellern des Thierreiches, z. B. bey dem Klein, vor, diejenigen Vögel zu bezeichnen, deren Vorderzehen mit einer starken pergamentartigen Haut verbunden werden, die zum Schwimmen geschickt macht, und welche bey andern Patschfüße heißen. Es ist aus dem Plotus Plautus der ältern Lateiner entlehnet, welches einen breitfüßigen Menschen bedeutete.


Plotz (W3) [Adelung]


Der Plotz, des -es, plur. inus. ein Wort, welches den Schall nachahmet, welchen ein schwerer platter Körper durch einen schnellen Fall macht, und zwar einen Schall gröberer Art, als man sonst durch Platz ausdruckt. Am häufigsten gebraucht man es von einer großen Geschwindigkeit, doch nur in der R. A. auf den Plotz, d. i. den Augenblick, sogleich, alsobald, welche aber nur in den gemeinen Sprecharten gangbar ist. Auf den Plotz kann ich es nicht schaffen. In einigen Gegenden sagt man auch auf den Plutz, in Niedersachsen auf den Stutz. S. 1 Platz und Plötzlich, welches letztere davon abstammet.


Plötze (W3) [Adelung]


Die Plötze, plur. die -n, eine Art Weißfische, welche sich in Flüssen, Seen und Teichen aufhalten, ungefähr eine Spanne lang werden, einen platten, breiten Leib, weiß glänzende Schuppen und hellrothe Floßfedern haben, daher sie auch Rothfedern genannt werden. Sie haben ein gräthiges und weiches Fleisch. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Plötz, des -es, plur. die -e, in andern lautet es Bletz und Blötz, im mittlern Lat. Flota. Der Nahme rühret vermuthlich von der platten Beschaffenheit des Körpers her, daher er zu 2 Platz, ein platter Kuchen, Flötz, Platte, platt u. s. f. gehöret.


Plötzlich (W3) [Adelung]


Plötzlich, -er, -ste, adj. et adv. was auf dem Plotze ist oder geschiehet, d. i. was unvermuthet und auf einmahl ist oder geschiehet. Plötzlich müssen die Leute sterben, Hiob 34, 20. Ich will sie plötzlich vertilgen, 4 Mos. 16, 44. Um und um wird ihn schrecken plötzliche Furcht, Hiob 18, 11. Ein plötzlicher Fall, plötzlicher Schrecken, plötzlicher Knall, plötzlicher Sturm. Die plötzliche Erröthung ihrer Wangen. S. auch Urplötzlich.

Anm. Im Schwed. plötslig, im Holländ. plotselyk. Es ist von dem vorigen Plotz, und druckt eigentlich etwas aus, was mit einem Platze oder Plotze, d. i. einem schnellen unvermuthet und auf einmahl aufbrechenden heftigen Schalle ist oder geschiehet, und daher kommt es auch, daß es häufiger von unangenehmen und gleichgültigen, als von angenehmen Veränderungen gebraucht wird, ungeachtet die letztern dieses Wort keines Wegs ausschließen. Nun aber ist ein wenig und plötzlich Gnade von dem Herrn geschehen, Esr. 9, 8. Eine plötzliche Freude. In dem 1523 zu Basel gedruckten neuen Testamente Luthers wird blotzling durch gehling, schnelliglich erkläret. Im Nieders. ist dafür murz üblich, S. Morsch.


Pluderhosen (W3) [Adelung]


Die Pluderhosen, sing. inus. im gemeinen Leben, weite, lange, gemeiniglich bis auf die Fersen herab reichende Beinkleider. Im Pohln. Pludry. Von dem noch in Baiern üblichen plodern, weit, locker seyn, welches ein Geschlechtsverwandter von flattern, Lotter, schlottern u. s. f. ist. S. Pomphosen.


Plümänte (W3) [Adelung]


Die Plümänte, plur. die -n, eine Art Amerikanischer wilder Änten, welche auf dem Kopfe zwey lange an beyden Seiten gleichsam haarige, blaugrüne und purpurfarbene Federn herab hangen haben, von welchen auch ihr Nahme herrühret; Auas cristata Americana Klein. Im Nieders. ist Plume, im Engl. Plume, im Französ. Plume, und im Lat. Pluma, die Flaumfeder, S. dieses Wort.


Plump (W3) [Adelung]


Plump, eine Interjection, welche den Schall nachahmet, den ein großer dicker und schwerer Körper macht; wenn er plötzlich in ein tiefes Wasser fällt. Plump! da fiel er in das Wasser. Pump! da lag er. Wenn der Stein in das Wasser fällt, so macht er plump! S. Plumpen.


Plump (W3) [Adelung]


Plump, -er, -este, adj. et adv. ein unmittelbar von dem vorigen gebildetes Wort, oder vielmehr, das vorige m Gestalt eines Bey- und Nebenwortes. 1) Eigentlich, eine unförmliche, schwere, ungebildete Masse habend, dergleichen Körper den vorigen Schall im Fallen, und zuweilen auch in ihrer Bewegung zu machen pflegen, da es denn von allen Körpern und deren Theilen gebraucht wird, welche nicht die verhältnißmäßige Feinheit und Zierlichkeit haben. Ein plumper Körper. Plumpe Hände und Füße haben. Eine plumpe Figur. Ein plumpes Gesicht. 2) Figürlich, dieser körperlichen Beschaffenheit ähnlich, der Feinheit, Artigkeit, Leichtigkeit und des guten Geschmackes in einem sehr hohen Grade beraubt. Ein plumper Gang. Ein plumper Scherz. Plump zufahren. Plump zugreifen. Etwas plump angreifen. Plump mit etwas umgehen. Ein plumper Geschmack. Ein plumper Mensch, im Niedersächs. Plumperjaan.

Anm. Im Nieders. und Engl. gleichfalls plump, im Holländ. plomp. ( S. das vorige.) Von Klumpe ist es nur in dem Vorschlage unterschieden.


Plumpe (W3) [Adelung]


Die Plumpe, S. Pumpe.


Plumpen (W3) [Adelung]


Plumpen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und von der Interjection plump gebildet ist. 1) Den Schall von sich geben, welchen man durch plump ausdruckt. Es fiel in das Wasser, daß es plumpte. Ich hörte es plumpen. 2) Figürlich, zunächst Handlungen begehen, welche diesen Schall verursachen, mit demselben verbunden sind. So ist in das Wasser plumpen, in das Wasser fallen, so daß dadurch dieser Schall verursacht werde. Bey dem Fischen plumpet man gleichfalls in das Wasser, wenn man mit großen schweren Stangen in dasselbe schlägt, um die Fische in das Netz zu jagen, welche Stange die Plumpkäule und der Plumpstock genannt wird. Nach einer noch weitern Figur ist in das Zimmer plumpen, plötzlich, plump und ungeschickt hinein treten; mit etwas heraus plumpen, es auf eine unbedachtsame und ungeschickte Art plötzlich heraus sagen. ( S. auch Zuplumpen.) Von einer andern activen Bedeutung, S. Plumpen. Daher das Plumpen. Im Schwed. plumpa, im Englischen to plump.


Plumpheit (W3) [Adelung]


Die Plumpheit, plur. die -en, die Eigenschaft eines Dinges, da es plump ist, in beyden Bedeutungen dieses Wortes, und ohne Plural. Ingleichen, ein plumpes Betragen, plumpe Reden und Handlungen.


Plumpkäule (W3) [Adelung]


Die Plumpkäule, plur. die -n, S. Plumpen.


Plumpstock (W3) [Adelung]


Der Plumpstock, des -es, plur. die -stöcke, S. eben daselbst.


Plunder (W3) [Adelung]


Der Plunder, des -s, plur. car. eigentlich, untaugliche und abgetragene Kleidungsstücke und deren Theile, Lumpen. In weiterer Bedeutung, untaugliches und abgenutztes Geräth, und figürlich, eine jede schlechte, verächtliche und unerhebliche Sache. Das ist nur Plunder. Weg mit dem Plunder! Leute, die allen Plunder wissen wollen, Less. Anm. Bey dem Hornegk Plundrech. Es ist mit Leinen und Lumpe Eines Geschlechtes, und scheinet ehedem Zeug und Kleidung überhaupt bedeutet zu haben, wenigstens wird die Wäsche in der Schweiz noch im guten Verstande Plunder genannt, und bey dem Spangenberg kommt geplündertes Hausgeräth noch unter dem Nahmen des Plunders vor. Im Nieders. sind Plunnen, Plunnken, ehedem Plunden, Lumpen, Holländ. Plunje. Es druckt so wie seine Verwandten eigentlich die weiche schlotternde Beschaffenheit aus, daher wird auch dicke geronnene Milch in Niedersachs. Plundermilch, und verderbt Plumpermilch genannt. Im Engl. ist Lumber abgenützter Hausrath, Plunder aber die Beute, S. Plündern.


Plünderer (W3) [Adelung]


Der Plünderer, des -s, plur. ut nom. sing. Personen, Leute, welche plündern.


Plunderkammer (W3) [Adelung]


Die Plunderkammer, plur. die -n, eine Kammer, in welcher man den Plunder, d. i. den untauglich gewordenen oder abgenutzten Hausrath, zu verwahren pflegt; die Plunderkiste oder der Plunderkasten, eine solche Kiste, ein solcher Kasten.


Plunderkram (W3) [Adelung]


Der Plunderkram, des -es, plur. inus. der Kram, d. i. Handel mit Plunder, oder abgetragenen Kleidern und abgenutztem Hausrathe; der Trödelkram. Auch der Plunder selbst, so fern er ein Gegenstand des Handels ist, wird zuweilen Plunderkram genannt.


Plundermann (W3) [Adelung]


Der Plundermann, des -es, plur. die -männer, oder -leute, in einigen Gegenden, in Nahme des Lumpensammlers, der die Lumpen zum Gebrauche der Papiermühlen sammelt; von Plunder, Lumpen.


Plundermilch (W3) [Adelung]


Die Plundermilch, plur. car. S. Plunder Anm.


Plündern (W3) [Adelung]


Plündern, verb. reg. act. von Plunder. 1) Bey den Täschnern wird ein Stuhl abgeplündert, wenn dasjenige, womit er beschlagen ist, abgenommen wird. 2) Am häufigsten bedeutet es, nach dem Rechte des Krieges, des Hausgeräthes und der beweglichen Güter mit Gewalt berauben. So plündern die Soldaten eine Stadt, wenn sie die beweglichen Güter der Einwohner mit Gewalt aus den Häusern tragen und sich zueignen. Den Soldaten das Plündern verstatten. Die aufrührischen Unterthanen plünderten die Kirchen und Häuser, so fern der Aufruhr als eine Art des Krieges angesehen wird. Daher das Plündern und die Plünderung. Anm. Im Schwed. plundra, im Engl. to plunder, im Böhmischen plundrowati, Wachter leitete es von dem in den Longobardischen Gesetzen befindlichen spätern Lat. blutare, ausleeren, berauben, her, woraus durch das eingeschaltete n leicht plündern werden können, und welches wiederum von bloß, ehedem blot, abstammen soll. Allein man kann mit mehrerer Wahrscheinlichkeit bey dem Worte Plunder stehen bleiben, welches ehedem Hausgeräth, bewegliches Gut überhaupt bedeutete, da dieses doch nur ein Gegenstand der Plünderung ist. Plunder bedeutete daher ehedem auch geplündertes Gut, Beute, in welchem Verstande das Engl. Plunder noch jetzt gebraucht wird. Ehedem war dafür auch pochen, und im Nieders. pilligen üblich, Franz. piller, Engl. to pillage, Lat. expilare. Das Hauptwort Plünderey für Plünderung ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Er ward mit Plünderey beraubt von jedermann, Opitz.


Plünderstock (W3) [Adelung]


Der Plünderstock, des -es, plur. die -stöcke, in der Bienenzucht, ein Stock, welcher von Raubbienen bewohnet wird.


Plüsch (W3) [Adelung]


Der Plüsch, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein in dem Sammt ähnliches Gewehr, welches einen leinenen Boden hat, wo aber der Eintrag Seide oder Kamehlhaare ist; in dem ersten Falle heißt er Plüschsammt, oder halber Sammt, in dem letzten Falle aber kamehlhaarener Plüsch, oder auch nur Plüsch schlechthin. Der Nahme ist aus dem Französ. Peluche, Ital. Peluccio, Peluzzo, welche beyden letztern Diminut. von Pelo, das Haar, und figürlich der Sammt, sind.


Plutz (W3) [Adelung]


Der Plutz, des -es, plur. car. S. Plotz und 1 Platz.


Plützer (W3) [Adelung]


Der Plützer, des -s, plur. ut nom. sing. eine nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliche Benennung der Kürbisse, welche auch in einigen Gegenden Plotzer genannt werden. Auch ein irdener Becher mit einem großen weiten Bauche ist daselbst unter diesem Nahmen bekannt. Man siehet bald, daß die ausgedehnte, aufgedunsene Figur der Grund der Benennung in beyden Fällen ist. S. das folgende.


Plutzig (W3) [Adelung]


Plutzig, -er, -ste, adj. et adv. aufgeblasen, aufgedunsen, in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens. Ein plutziges Gesicht. Plutzige Finger. Nieders. plutzig, plüssig, und plüß. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Blasser, Blase, blasen, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, plenus u. s. f. Im Schwed. ist plösa sig sich anfüllen, voll pfropfen.


Pöbel (W3) [Adelung]


Der Pöbel, des -s, plur. inus. 1. Das gemeine Volk, der größte und niedrigste Hause in einem Staate, der große Hause. Ehedem war dieses Wort ohne allen verächtlichen Nebenbegriff üblich, so wie man jetzt das Wort Volk gebraucht, und in diesem Verstande kommt es auch noch mehrmahls in der Deutschen Bibel vor. Allein heut zu Tage klebt ihm fast in allen Fällen der Begriff der bürgerlichen so wohl als sittlichen Niedrigkeit an, daher man dieses Wort selten anders als mit einem verächtlichen Nebenbegriffe gebraucht. 2. Figürlich. 1) Personen ohne Tugend und vorzügliche Denkungsart, Personen, welche in ihrer Art zu denken und zu handeln dem Pöbel in der vorigen Bedeutung gleich sind, da man denn zuweilen wohl von dem Pöbel in allerley Ständen spricht. 2) Die größte und geringste Anzahl von Dingen Einer Art. Der Tod sieht keinen Vorzug an, Und stellt den allergrößten Mann Zum Pöbel der gemeinen Schatten, Haged. Der Mond und der ganze Pöbel des Gestirnes haben ihre Wanderschaft, Opitz.

Anm. Bey den Oberdeutschen Schriftstellern der vorigen Jahrhunderte Gebuvel, Popel, Pepel und das Bösel. Es ist, so wie das Engl. People und Franz. Peuple, aus dem Lat. Populus entlehnet. Sehr unnöthig, und wider die ganz entschiedene Aussprache der Hochdeutschen ist es, das harte p in der letzten Sylbe wieder herzustellen, und dieses Wort, wie einige Sprachlehrer verlangt haben, Pöpel zu schreiben. Sollte die Schreibart der Lateiner die Richtschnur für die Deutschen seyn, so könnte es leicht einem Dritten einfallen, dieses Wort Popul zu schreiben, und der hätte denn eben so viel Recht als der vorige. In Boxhorns Glossen heißt das gemeine Volk smal Firihi, bey dem Hornegk Throten, im Hochdeutschen ist im Scherze auch Hans Omnis, in Meißen Hottich, in Nieders. Jahn Hagel, Klattjenvolk, u. s. f. üblich, welche größten Theils auch den verächtlichen Nebenbegriff der Niedrigkeit bey sich haben.


Pöbelhaft (W3) [Adelung]


Pöbelhaft, -er, -este adj. et adv. dem Pöbel, d. i. dem niedrigsten Haufen in einem Staate, an Sitten und Denkungsart gleich und ähnlich, mit dem ganzen harten und verächtlichen Nebenbegriffe, welcher diesem Hauptworte anklebt. Ein pöbelhaftes Betragen. Ein pöbelhafter Scherz.


Pöbelvolk (W3) [Adelung]


Das Pöbelvolk, des -es, plur. inus. Volk aus dem Pöbel, Pöbel; gleichfalls nur im harten und verächtlichen Verstande. Es kommt einige Mahl in der Deutschen Bibel vor. So auch die Pöbelsprache, die Sprache des Pöbels, d. i. die Art und Weise des niedrigsten Haufens, sich auszudrucken.


Pocal (W3) [Adelung]


Der Pocal, S. Pokal.


Pocheisen (W3) [Adelung]


Das Pocheisen, des -s, plur. ut nom. sing. in einem Pochwerke, die schweren viereckigen an den Pochstämpeln befindlichen Eisen, vermittelst deren das Erz klein gepocht wird.


Pochen (W3) [Adelung]


Pochen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und eigentlich in doppelter Gestalt gebraucht wird. 1. Denjenigen dunkeln oder dumpfigen Schall von sich geben oder hören lassen, welchen dieses Zeitwort eigenthümlich ausdruckt. Es pocht. Ich höre es pochen. Bey den Krainer. Wenden pokam. 2. Diesen dumpfigen Schall hervor bringen, besonders von denjenigen Arten des Schlagens, mit welchen dieser Schall verbunden ist. 1) Eigentlich, wo es von verschiedenen Arten des Schlagens, Klopfens oder Stoßens gebraucht wird, welche diesen Schall verursachen. An die Thür pochen, stark anklopfen. ( S. Anpochen.) Es wird gepocht, d. i. an die Thür. Wer pocht? wer klopft an? Auf den Universitäten pochen die Studenten, wenn sie mit den Absätzen oder Stöcken auf die Erde stoßen, ( S. Auspochen.) In den Bergwerken wird das Erz gepocht, wenn es in den Pochwerken klein gestoßen wird, welches in andern Anstalten dieser Art stampfen heißt. Das Herz pocht, wenn es heftig klopft. Das Herz, das in dieser Brust oft so empörend pocht. Die Angst und Beschämung pochte in meinem Blute. Es pocht mein Herz nicht mehr von feurigen Entzücken, Cron. In andern Fällen sind klopfen, stoßen, stampfen, schlagen u. s. f. üblicher. 2) Figürlich. a) * Ungestüm und mit großem Lärmen zanken; eine veraltete Bedeutung, wofür jetzt das ähnliche poltern gebraucht wird. Betrug, Untreu, Pochen, Meineid, Weish. 14, 25. Ehe du mit deinem Nächsten pochest, Sir. 19, 17. Der Narr trotzt und pocht, bis er wohl gebläuet wird, Kap. 31, 38. Ein Bischof soll nicht pochen, Tim. 3, 3. Bey den Schwäbischen Dichtern ist bochen eisern. b) * Jemanden pochen, als ein Activum, und mit der vierten Endung, ihm mit Ungestüm allerley Drangsale zufügen, ist im Hochdeutschen gleichfalls veraltet. Alle Heiden fingen an, das Volk zu pochen und zu plagen, 1 Macc. 12, 53. Die Unterthanen pochen, Esth. 6, 3. Wenn mich mein Hasser pochte, Ps. 55, 13. c) Einem pochen, mit der dritten Endung, ihm trotzig und mit Ungestüm drohen. Die uns mit großem Pochen alle Schande anlegen, 2 Macc. 1, 28. Im Nieders. puchen, im Schwed. pocka. d) Auf etwas pochen, ein übertriebenes Vertrauen auf eine Person oder Sache mit Ungestüm an den Tag legen. Auf sein Glück, auf seinen Reichthum, auf seine Freunde pochen. Daher das Pochen.

Anm. In der eigentlichen Bedeutung des Schlagens, Stoßens, im Nieders. pucken und boken, im Holländ. beuken, im Schwed. boka, im Franz. buquer, im Ital. picchiare, bussare, im Pohln. pukan. Im Böhmischen ist Pich ein Stämpel, und Bauch ein Schlag. Es ist Paucke, bakern, Baculus, Bock, pauschen, peitschen, dem alten batten u. s. f. nahe verwandt, und druckt eigentlich den hohlen dumpfigen Schall aus, den das Pochen verursacht. Die figürlichen Bedeutungen folgen sehr natürlich daraus, zumahl da das Poltern, Trotzen u. s. f. bey niedrigen Personen, denen wir doch die Sprache zu danken haben, gemeiniglich mit einem Pochen, Stampfen oder Schlagen auf den Tisch oder die Erde verbunden ist.


Pocher (W3) [Adelung]


Der Pocher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher pochet, besonders im Bergbaue, wo die Arbeiter in einem Pochwerke Pocher genannt werden. Figürlich, ein trotziger Prahler.


Pocherz (W3) [Adelung]


Das Pocherz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, im Bergbaue, Erze, welche gepochet, d. i. zerstampfet, werden müssen.


Pochgerinne (W3) [Adelung]


Das Pochgerinne, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, dasjenige Gerinne, durch welches das zu dem Pochwerke nöthige Wasser auf den Pochkasten geleitet wird; der Pochgraben.


Pochgeschworne (W3) [Adelung]


Der Pochgeschworne, des -n, plur. die -n, eben daselbst, ein geschworner Ausseher bey einem Pochwerke.


Pochgraben (W3) [Adelung]


Der Pochgraben, des -s, plur. die -gräben, siehe Pochgerinne.


Pochherd (W3) [Adelung]


Der Pochherd, des -es, plur. die -e, eben daselbst, der geebnete und eingefaßte Platz, auf welchen das gepochte Erz gewaschen wird, und welcher am häufigsten der Planenherd heißt.


Pochheye (W3) [Adelung]


Die Pochheye, plur. die -n, ein hölzerner Schlägel. S. Heye.


Pochkasten (W3) [Adelung]


Der Pochkasten, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, die längliche Vierung in dem Pochwerke, worein das Erz geschüttet und daselbst durchgepocht wird.


Pochkern (W3) [Adelung]


Der Pochkern, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eben daselbst, kleine Steine, welche zu Verfertigung des Gestübes mit den Kohlen klein gepocht werden sollen, bey dem Durchwurfe aber zurück bleiben.


Pochkiel (W3) [Adelung]


Der Pochkiel, des -es, plur. die -e, der länglich gevierte Kiel oben an dem Pocheisen, vermittelst dessen es in dem aufgeschlitzten Pochstämpel befestiget wird.


Pochknecht (W3) [Adelung]


Der Pochknecht, des -es, plur. die -e, eben daselbst, ein geringer Arbeiter, welcher die gebrannten Edelsteine auf die Pochschale führet, und, wenn sie zerpocht sind, sie durch den Durchwurf wirft.


Pochlasche (W3) [Adelung]


Die Pochlasche, plur. die -n, eben daselbst. Breter an den Seiten der Pochtroge, damit im Pochen nichts aus dem Troge springe. S. Lasche.


Pochleitung (W3) [Adelung]


Die Pochleitung, plur. die -en, eben daselbst, Querhölzer an den Pochsäulen, welche die Stämpel in ihrem Gange erhalten.


Pochmehl (W3) [Adelung]


Das Pochmehl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eben daselbst, das zu einem Mehle gepochte Erz oder Gestein. Das letztere wird auch Felsenwerk genannt. Bey den Zwittern ist das Pochmehl die zweyte Art der gepochten Zwitter, welche auch Fasenwerk genannt wird; zum Unterschiede von dem bessern Gerinnsteine und geringern Sumpfwerke oder Schlamm. Bey andern Erzen heißt es auch Mittelschlamm.


Pochmühle (W3) [Adelung]


Die Pochmühle, plur. die -n, eben daselbst, eine Mühle, in welcher die Erze gepocht werden; doch nur in den Zinnwerken, wo sie auch wohl das Uhrwerk genannt wird. Bey andern ist der Ausdruck Pochwerk üblich.


Pochrad (W3) [Adelung]


Das Pochrad, des -es, plur. die -räder, das Wasserrad an einem Pochwerke, welches das ganze Werk treibet.


Pochriegel (W3) [Adelung]


Der Pochriegel, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, Hölzer zwischen den Pochstämpeln, worin die Pochleitungen befindlich sind, welche das an einander Fahren der Stämpel verhindern.


Pochring (W3) [Adelung]


Der Pochring, des -es, plur. die -e, eben daselbst, eiserne Ringe, vermittelst deren das Pocheisen in dem Stämpel befestiget wird.


Pochsäule (W3) [Adelung]


Die Pochsäule, plur. die -n, eben daselbst, hölzerne Säulen, zwischen welchen sich die Pochstämpel bewegen.


Pochschale (W3) [Adelung]


Die Pochschale, plur. die -n, eben daselbst, eine gegossene eiserne Platte mit einer kleinen runden Grube in der Mitte, worauf das Erz gepocht wird.


Pochschießer (W3) [Adelung]


Der Pochschießer, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Pochstämpel.


Pochschlage (W3) [Adelung]


Die Pochschlage, plur. die -n, eben daselbst, ein großer Hammer, womit die Erze aus freyer Hand gepocht werden.


Pochschlamm (W3) [Adelung]


Der Pochschlamm, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eben daselbst, das klein gepochte Erz, wenn es aus dem Pochtroge in den Schlämmgraben gelaufen ist.


Pochsohle (W3) [Adelung]


Die Pochsohle, plur. die -n, eben daselbst, die eisernen oder steinernen Unterlagen im Pochtroge, worauf das Erz gepocht wird.


Pochstämpel (W3) [Adelung]


Der Pochstämpel, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, die Hölzer, in welchen die Pocheisen befestiget sind; der Pochschießer.


Pochsteiger (W3) [Adelung]


Der Pochsteiger, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Steiger, welcher die Aufsicht über die Arbeiter an einem Pochwerke hat.


Pochtrog (W3) [Adelung]


Der Pochtrog, des -es, plur. die -tröge, eben daselbst, derjenige Trog, worin das Erz von den Pochstämpeln gepocht wird.


Pochwand (W3) [Adelung]


Die Pochwand, plur. die -wände. 1) Die Wand, d. i. der harte Felsstein unten in dem Pochtroge; die Pochsohle. 2) Dasjenige Erz oder Gestein, was gepocht werden soll; wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist. ( S. Wand.) 3) Die Wände, d. i. Seiten, des Pochkastens.


Pochwasser (W3) [Adelung]


Das Pochwasser, des -s, plur. doch nur von mehrern Bächen oder Gräben dieser Art, ut nom. sing. das zum Pochen des Erzes nöthige Wasser, welches durch das Pochgerinne auf die Pochkasten geleitet wird.


Pochwelle (W3) [Adelung]


Die Pochwelle, plur. die -n, eben daselbst, die Welle an dem Pochrade, welche die Pochstämpel hebet.


Pochwerk (W3) [Adelung]


Das Pochwerk, des -es, plur. die -e. 1) In dem Bergbaue, eine Anstalt, wo das Erz vermittelst eiserner von dem Wasser getriebener Stämpel gepocht, d. i. klein gestoßen wird; siehe Pochmühle. Andere Anstalten dieser Art, wo andere Körper gestampft werden, sind unter dem Nahmen der Stampfmühlen bekannt. 2) Auch dasjenige Erz, welches gepocht werden soll; wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist.


Pochzins (W3) [Adelung]


Der Pochzins, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -e, eben daselbst, derjenige Zins, welcher dem Eigenthümer eines Pochwerkes für das Pochen der Erze entrichtet wird.


Pocke (W3) [Adelung]


Die Pocke, plur. die -n, der im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, übliche Nahme der Blattern, vornehmlich aber der Kinderblattern, da er denn, wenn er diese Krankheit überhaupt bedeutet, so wie Blattern, nur im Plural gebraucht wird. Die Pocken haben, bekommen, besser, die Blattern. Eben so verhält es sich auch mit den Zusammensetzungen Pockenfieber, Pockenholz, Pockenstein, Pockenwurzel, u. s. f. welche in der reinern Hochdeutschen Sprechart mit Blattern - gemacht werden, ( S. dieses Wort.) Im Engl. gleichfalls Pock. Der Grund der Benennung liegt in der Erhöhung. S. Buckel, womit es nahe verwandt ist.


Pockel (W3) [Adelung]


* Die Pockel, plur. die -n, Diminut. das Pöcklein, eine im Hochdeutschen veraltete Form des Wortes Buckel, welche noch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt, wie 1 Kön. 7, 31, Hohel. 1, 11. S. Buckel.


Pocken (W3) [Adelung]


Pocken, verb. reg. neutr. mit haben, die Pocken oder Blattern bekommen; am häufigsten in Niedersachsen. Die Schafe fangen an zu pocken.


Poesie (W3) [Adelung]


Die Poesie, (dreysylbig,) plur. die Poesien, (viersylbig,) aus dem Griech. und Lat. Poesis. 1) Die Fertigkeit, ein Gedicht zu verfertigen, ohne Plural; die Dichtkunst, welches jetzt in der anständigern Sprechart üblicher ist. 2) Ein Gedicht; auch nur noch im gemeinen Leben.


Poet (W3) [Adelung]


Der Poet, des -en, plur. die -en, Fämin. die Poetinn, aus dem Griech. und Lat. Poeta, der Dichter, die Dichterinn, ein ehedem sehr gangbares Wort, welches durch den Mißbrauch nunmehr etwas verächtliches an sich genommen hat, daher in der anständigern Schreib- und Sprechart die ohnehin einheimischen Dichter und Dichterinn üblicher sind. S. Dichter.


Poetenkasten (W3) [Adelung]


Der Poetenkasten, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Scherze, der Hintertheil des Kopfes, besonders wenn er eine vorzügliche Erhöhung hat.


Poeterey (W3) [Adelung]


* Die Poeterey, plur. die -en, ein jetzt im Hochdeutschen völlig veraltetes Wort. Die Schriftsteller des vorigen Jahrhundertes gebrauchten es, so wie das gleichfalls veraltete Dichterey, theils von der Fertigkeit, Verse und Gedichte zu machen, theils von dem Inbegriffe aller dazu nöthigen Regeln, für Poetik, theils endlich auch von Gedichten selbst; in den beyden ersten Fällen ohne Plural. Es bringt Poeterey zwar nicht viel Brod ins Haus, Was aber drinnen ist, wirft sie auch nicht hinaus, Logau.


Poetik (W3) [Adelung]


Die Poetik, plur. inus. außer von mehrern Lehrbüchern dieser Art, die -en, aus dem Griech. und Lat. Poetica, die Anweisung zur Dichtkunst, der Inbegriff aller zur Dichtkunst gehörigen Regeln und deren Vortrag; die Dichtkunst, objective betrachtet, die Dichtkunde.


Poetisch (W3) [Adelung]


Poetisch, er, -te, adj. et adv. aus dem Griech. und Latein. poeticus, in der Poesie, oder der Dichtkunst, der Dichtung gegründet, derselben gemäß, ähnlich, im Gegensatze des prosaisch; dichterisch, welches sich doch nicht in allen Fällen gebrauchen läßt. Die poetische Schreibart. Poetische Bilder.


Pofel (W3) [Adelung]


Der Pofel, des -s, plur. car. im gemeinen Leben, schlechte verdorbene, oder untaugliche Waare, Ausschuß, Brack; in den gemeinen Sprecharten Bavel und Pafel.


Pohl (W3) [Adelung]


Der Pohl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, bey den Sammtwebern, das Haar des Sammtes, welches bey einigen auch der Flor genannt wird. Es ist unstreitig aus dem Franz. Poil, weil doch die Sammtweberey aus Frankreich zu uns gekommen ist. Noch mehr verderbt lautet es bey einigen Boll. S. Pöhlen.


Pohlarm (W3) [Adelung]


Der Pohlarm, des -es, plur. die -e, eben daselbst, zwey hölzerne Arme über dem Hinterbaume, welche die Pohle tragen, wodurch der Pohl gemacht wird.


Pohle (W3) [Adelung]


Die Pohle, plur. die -n, eben daselbst, die obere Kette an dem Stuhle, welche den Flor, d. i. das Haar, des Sammtes macht. Aus dem Franz. Pole.


Pöhlen (W3) [Adelung]


Pöhlen, verb. reg. act. welches nur bey den Gärbern üblich ist, besonders in dem zusammen gesetzten abpöhlen, abhaaren. Ein Fell pöhlen oder abpöhlen, die Haare abstoßen. Es gehöret zu dem Franz. Poil, Haar.


Pohlen (W3) [Adelung]


Pohlen, Genit. Pohlens, der eigentliche Nahme eines bekannten Deutschland gegen Morgen gelegenen Landes; aus dem Lat. Polonia. Diesem Worte zu Folge schreibt man es auch im Deutschen gemeiniglich Polen, ungeachtet die flüssigen Buchstaben im Deutschen so gern ein h vor sich haben, für welches das vorher gehende gedehnte o noch ein Grund mehr ist. Daher der Pohle, des -n, plur. die -n, Fämin. die Pohlinn, eine aus diesem Lande gebürtige Person; im gemeinen Leben ein Polak, die Polakinn, welches doch etwas Niedriges und Verächtliches bey sich hat, ungeachtet es aus dem Pohln. Polacy entlehnet ist. Das Beywort Polnisch, wie es gemeiniglich geschrieben und mit einem geschärften o gesprochen wird, lautet, der Analogie mit Pohlen zu Folge, richtiger Pohlnisch, mit einem gedehnten o. Im gemeinen Leben ist dafür Pohlisch, Pohlsch üblich.


Poisse (W3) [Adelung]


Der Poisse, des -n, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein im Alter geschnittener Stammochs, S. Ochs.


Pokal (W3) [Adelung]


Der Pokal, des -es, plur. die -e, ein großer Becher von Gold, Silber oder Glas; von dem Franz. Bocal, Bocail, und dem Ital. Boccale, und diese entweder von dem Lat. Poculum, oder auch mit demselben von dem alten Bak, ein tiefes Gefäß. Es stamme nun, woher es wolle, so ist doch das P im Hochdeutschen beynahe allgemein üblich. Im Lateine der mittlern Zeiten lautet dieses Wort Bausa und Baucalis; ( S. den Du Fresne.) Das Franz. Bocal bedeutet eigentlich eine runde Bouteille mit einem engen Halse. Im Arab. ist Baucal ein Gefäß ohne Handhabe. S. Becher und Bak.


Pol (W3) [Adelung]


Der Pol, des -es, plur. die -e, aus dem Griech. und Lat. Polus, die beyden Puncte, um welche sich eine runde Kugel um sich selbst herum drehet. Daher der Erdpol, einer dieser Puncte an der Erdkugel, welcher auch nur der Pol schlechthin genannt wird. Der Nordpol oder Norderpol, im Gegensatze des Südpoles oder Süderpoles. Die Weltpole, die beyden Puncte, um welche sich die Weltkugel um sich selbst drehet. Die gerade Linie, welche von einem Pole zum andern gehet, heißt die Achse, deren äußerste Puncte die Pole sind. ( S. Polhöhe.) An einem Magnet werden auch die zwey einander entgegen gesetzten Puncte, welche die anziehende Kraft gegen das Eisen am stärksten zeigen, dessen Pole genannt, weil sie sich, wenn der Magnet frey hängt, nach den beyden Erdpolen zu wenden pflegen, daher man an einem Magnet so wohl einen Süd- als Nordpol hat.


Polak (W3) [Adelung]


Der Polak, des -en, plur. die -en, ( S. Pohlen.) Auch ein geschnittenes Huhn wird häufig ein Polak genannt; vielleicht weil die Kunst Hühner zu schneiden, aus Pohlen zu uns gekommen ist.


Polamit (W3) [Adelung]


Der Polamit, eine Art Zeuges, S. Polymit.


Polar-Änte (W3) [Adelung]


Die Polar-Änte, plur. die -n, eine Art Patschfüße, mit drey Zehen, welche einen Schnabel wie ein Papagey, rothe Füße, einen schwarzen Kopf, weiße Backen und Unterleib, schwarzen Rücken und Flügel hat, und sich um Spitzbergen, und andere nahe um den Nordpol gelegene Gegenden aufhält. Die Holländer nennen sie Papagey Duyker, die Engländer Pussin oder Culterneb.


Polar-Bär (W3) [Adelung]


Der Polar-Bär, des -en, plur. die -en, eine besondere Art Bären, welche auf dem Eise der nördlichen Länder um den Pol lebt; der Eis-Bär, zum Unterschiede von dem Land-Bären.


Polar-Stern (W3) [Adelung]


Der Polar-Stern, des -es, plur. die -e, in der Astronomie, derjenige Stern, welcher einem der Weltpole am nächsten ist. Auf unserer nördlichen Halbkugel führet der letzte Stern in dem Schwanze des kleinen Bären, welcher dem Nordpole am nächsten ist, den Nahmen des Polar-Sternes. Nach dem Lat. Stella polaris. Sonst nennet man ihn auch den Nordstern, ehedem hieß er der Meerstern, weil sich die Seefahrer schon von den ältesten Zeiten an nach ihm zu richten pflegten. Ottfried nennet ihn Polaran then stetigon.


Polar-Uhr (W3) [Adelung]


Die Polar-Uhr, plur. die -en, in der Gnomonik, eine Sonnenuhr, welche auf einer Fläche beschrieben wird, die so wohl durch die Weltpole, als auch durch Osten und Westen geht.


Polar-Zirkel (W3) [Adelung]


Der Polar-Zirkel, des -s, plur. ut nom. sing. in der mathematischen Erdbeschreibung, diejenigen Zirkel, welche die Pole der Ekliptik in der unbeweglichen Fläche der Erdkugel um die Weltpole beschreiben, und welche in der Geographie 23 Gr. 29 Min. um die Erdpole beschrieben werden.


Polder (W3) [Adelung]


Der Polder, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur an den Küsten des Deutschen Meeres, in Niederdeutschland und Schleswig übliches Wort, trocknes Land zu bezeichnen, welches durch Eindeichen dem Meere oder einem Flusse entrissen worden. Holländ. Polder. Vielleicht von Pfuhl, Nieders. Pol, welches daselbst auch von dem Wasser überhaupt gebraucht wird, oder von boll, erhaben, hoch, erhöhetes Land zu bezeichnen.


Polderschlage (W3) [Adelung]


Die Polderschlage, plur. die -n, S. Polterhammer.


Poldrack (W3) [Adelung]


Der Poldrack, des -es, plur. die -e, der Pohlnische Nahme einer Pohlnischen Münze, welche in Danzig, wo sie auch Brommer heißt, 1 1/2 Groschen gilt.


Pole (W3) [Adelung]


Die Pole, S. Pohle.


Polen (W3) [Adelung]


Polen, S. Pohlen.


Poley (W3) [Adelung]


Der Poley, des -es, plur. inus. eine Art der Münze mit querlförmig stehenden Bäumen, eyförmigen, stumpfen, ein wenig gekerbten Blättern; Mentha Pulegium L. Flöhkraut, weil es die Flöhe vetreiben soll, Wasserpoley, weil es in den feuchten Gegenden Frankreichs, Italiens und der Schweiz einheimisch ist. Die Feldmünze, Mentha arvensis L. heißt zuweilen auch wilder Poley. Der Nahme lautet im Dänischen gleichfalls Poley, im Engl. Poly, im Böhm. Poleg, im Ital. Puleggio; alle aus dem Lat. Pulegium, und dieß von Pulex, ein Floh, weil es wegen seiner Wirkung wider die Flöhe schon bey den Alten berühmt war.


Polhöhe (W3) [Adelung]


Die Polhöhe, plur. die -n, in der Astronomie und mathematischen Erdbeschreibung, die Höhe des Weltpoles über dem Horizonte eines Ortes, d. i. der Bogen des Mittagszirkels zwischen dem Pole und dem Horizonte, besonders so fern derselbe nach Graden bestimmt wird. S. auch Breite.


Polieren (W3) [Adelung]


Polieren, verb. reg. act. aus dem Lateinischen polire, einen festen Körper durch Reiben glatt und glänzend machen. Die Pfeile polieren, Jerem. 51, 11. Einen Spiegel polieren, Sir. 12, 11. Metallene Arbeiten, Steme u. s. f. werden polieret. Die Bildhauer polieren ihre marmornen Bildwerke mit Schmergelasche. Die Zinngießer brauchen statt polieren das Wort versäubern, so wie bey den Kupferschmieden dafür gärben oder gerben üblich ist. Das Bohren ist bey hölzernen Arbeiten ein wahres Polieren. Ottfried gebraucht dafür furben, yrfurben. Im gemeinen Leben wird es häufig pallieren gesprochen und nicht selten geschrieben. S. Politzen.


Polierer (W3) [Adelung]


Der Polierer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher polieret, besonders, wenn er ein eigenes Geschäft daraus macht. Ehedem machten die Polierer ein eigenes Handwerk aus, da sie sich denn vornehmlich mit dem Polieren der Harnische abgaben, und daher auch Harnischpolierer genannt wurden. Bey einigen Handwerkern heißen diejenigen Gesellen, welche das, was aus dem Gröbsten gearbeitet worden, in das Feine bringen, z. B. bey den Zimmerleuten und Mäurern, Polierer, da sie sich denn oft überhaupt nur mit feinen Arbeiten beschäftigen, und auch den Untermeistern gleich geachtet werden. So sind die Zimmer-Polierer an einigen Orten solche Mäurer, welche nur die Zimmer ausbessern, weißen u. s. f. In Wien hat man auch Brunnen-Polierer. Im gemeinen Leben lautet es gemeiniglich Pallier, Pollier.


Polier-Feile (W3) [Adelung]


Die Polier-Feile, plur. die -n, bey den Schlössern, eine feine Feile, die Arbeiten damit zum eigentlichen Polieren vorzubereiten.


Polier-Hammer (W3) [Adelung]


Der Polier-Hammer, des -s, plur. die Hämmer, bey verschiedenen Metallarbeitern, ein Hammer mit einer glatten Bahn, metallene Arbeiten damit glänzend zu schlagen.


Polier-Mühle (W3) [Adelung]


Die Polier-Mühle, plur. die -n, eine eigene Mühle, Gewehr, Harnische und Eisengeräth darauf zu polieren.


Polier-Meister (W3) [Adelung]


Der Polier-Meister, des -s, plur. ut nom. sing. der Meister, d. i. der Vorgesetzte, einer Poliermühle.


Polier-Stahl (W3) [Adelung]


Der Polier-Stahl, des -es, plur. die Stähle, bey den Kunstdrechslern, ein Stahl, d. i. stählernes Werkzeug, die gedreheten Arbeiten von Metall damit zu polieren; der Gärbestahl. Auch die Schwertfeger, Gürtler, Goldschmiede, Orgelbauer u. s. f. haben dergleichen Werkzeuge zum Polieren, welche zwar eben diesen Nahmen, aber eine verschiedene Gestalt haben.


Polier-Stock (W3) [Adelung]


Der Polier-Stock, des -es, plur. die Stöcke, bey den Klempenern, ein kleiner verstählter glatter Amboß, Sachen darauf mit dem Polier-Hammer glänzend zu schlagen.


Polier-Strauch (W3) [Adelung]


Der Polier-Strauch, des -es, plur. die Sträuche, bey den neuen Schriftstellern des Pflanzenreiches, ein in Zeylon einheimisches Gewächs, welches so steife und rauche Blätter hat. daß sich die Einwohner ihrer zum Polieren bedienen können; Delima L.


Polier-Zahn (W3) [Adelung]


Der Polier-Zahn, des -es, plur. die Zähne, bey den Buchbindern, Vergoldern u. s. f. ein Zahn zum Polieren; der Glättzahn.


Politik (W3) [Adelung]


Die Politik, plur. inus. aus dem Griech. und Lat. Politica, die Fertigkeit, alles was in der bürgerlichen Gesellschaft vorkommt, vernünftig zu beurtheilen, die nach den Verhältnissen der Staatsverbindung bestimmte Klugheit; die Staatsklugheit, ( S. auch Staatswissenschaft.) Ingleichen, objective, der Inbegriff aller dahin gehörigen Wahrheiten. In weiterer Bedeutung wird auch die Klugheit, so fern sie sich in dem Umgange mit andern äußert, die Politik genannt.


Politisch (W3) [Adelung]


Politisch, -er, -ste, adj. et adv. der Politik gemäß, in derselben gegründet. Ingleichen in weiterer Bedeutung, doch nur im gemeinen Leben, der gesellschaftlichen Klugheit gemäß, und in noch weiterem Verstande, oft für listig, verschlagen, schlau überhaupt. Ein politischer Streich, ein feiner, listiger, kluger Streich. Auch im Engl. ist Politik und Policy List, Verschlagenheit.


Politur (W3) [Adelung]


Die Politur, plur. inus. der einem Körper durch Polieren ertheilte Glanz.


Politze (W3) [Adelung]


Die Politze, plur. die -n, aus dem Franz. Police, oder vielmehr aus dem Ital. Polizza, ein Zettel, eine kurze Schrift; da es denn besonders in den Seestädten von mehrern Arten kurzer Schriften, Scheine, Zeugnisse, Verträge u. s. f. üblich ist, und an einigen Orten auch wohl Polite lautet, nach dem Französischen Poulet.


Politzen (W3) [Adelung]


Politzen, verb. reg. act. welches nur bey einigen Handwerkern üblich ist. Die Goldschmiede politzen ihre Arbeit, wenn sie selbige vor dem Polieren mit Bims- oder Prager-Steinen schleifen. Vermuthlich aus einem Französischen oder Italiänischen gleichlautenden Worte.


Polizey (W3) [Adelung]


Die Polizey, plur. inus. wohl zunächst aus dem Franz. Police, so wie dieses aus dem Griech. und Lat. Politia. 1) Eigentlich, die Handhabung solcher Dinge, auf welche die Wohlfahrt und Sicherheit eines Staates ankommt; in welcher Bedeutung es doch jetzt nicht mehr üblich ist, da man unter der Polizey bloß die Handhabung guter Ordnung und Verfassung so wohl in Ansehung der Personen als Sachen eines Staates verstehet. Indessen ist es auch hier noch nicht genug bestimmt, wenigstens sind die Gegenstände, über welche sich die Polizey erstreckt, nicht in allen Staaten und Orten einerley, welches ohne Zweifel daher rühret, weil der Polizey, als einer, wenigstens dem Nahmen nach, nenern Anstalt, nur dasjenige übrig geblieben, was die Justiz, die Regierung, die Kammer u. s. f. in einem Staate nicht schon in ihren Bezirk gezogen hatten. In einem Staate herrscht eine gute Polizey, wenn in den Personen und Sachen eine gute Ordnung gehalten wird. Auf gute Polizey halten. Daher die Polizey-Sache, welche die Polizey betrifft, die Polizey-Ordnung, der Polizey-Reiter, das Polizey-Collegium u. s. f. 2) Der Inbegriff aller dahin gehörigen Lehren und Wahrheiten; die Polizey-Wissenschaft.


Poll (W3) [Adelung]


1. Der Poll, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben einiger Gegenden, der Gipfel, besonders eines Baumes, oder eines Gewächses. Es gehöret zu dem alten bal, hoch, groß.


Poll (W3) [Adelung]


2. Das Poll, des -es, plur. inus. S. Pollmehl.


Polleisen (W3) [Adelung]


Das Polleisen, S. Bolleisen.


Pöller (W3) [Adelung]


Der Pöller, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleiner Mörser zum Schießen; in weichern Mundarten Böller. Ohne Zweifel von dem Palle, Balle oder Knalle, welchen er im Abfeuern macht. S. Bellen und Poltern.


Pollig (W3) [Adelung]


Pollig, S. Bollig.


Pollmehl (W3) [Adelung]


Das Pollmehl, des -es, plur. inus. in den Mühlen und in der Haushaltung vieler Gegenden, die mittlere Sorte des Mehles zwischen dem feinsten Griesmehle und der Grieskleye, welches auch das Poll, das Halbmehl, das Aftermehl oder Mittelmehl genannt wird. Man erhält es von den Spitzkleyen und dem zum dritten Mahle durch die Mühle gegangenen Griese. Entweder als ein Geschlechtsverwandter von dem Lat. Pollen, Pollis, Semmelmehl, oder auch, welches noch wahrscheinlicher ist, von dem Wendischen pol, pul, halb, indem dieses Wort besonders in Meißen, der Lausitz, Österreich und andern Ländern üblich ist, wo die Wendische Sprache, vielen Einfluß gehabt hat, und dieses Mehl im Deutschen auch wirklich Halbmehl genannt wird. In der Lausitz und in Meißen heißt es Pulmehl, in Österreich Pohlmehl, und allein auch im weiblichen Geschlechte die Pohl.


Polnisch (W3) [Adelung]


Polnisch, adj. et adv. ( S. Pohlen.) Der Polnische oder vielmehr Pohlnische Bock. S. Bock.


Polster (W3) [Adelung]


Der oder das Polster, des -s, plur. ut nom. sing. Dimin. Polsterchen, Oberd. Polsterlein, ein Küssen, es sey, von welcher Art es wolle, besonders im Oberdeutschen; und in der anständigern und edlern Sprechart der Hochdeutschen. Der Kopfpolster, Fußpolster, Stuhlpolster, Fensterpolster u. s. f. Auch in den Wassermühlen kommt das Was Polster vor. Daß kein Wassermüller das Gefluder bauen oder neue Polster legen lassen soll. Wo es figürlich eine Art von Grundbaum oder dergleichen zu bedeuten scheinet.

Anm. Schon bey dem Kero Polstar; im Schwabenspiegel Bolster, in Schwaben noch jetzt Bolster, bey andern Oberdeutschen Pfulster, im Schwed. Polster, im Isländ. Palster, im Angels. und Engl. Bolster, im Ital. Boldrone, im Böhm. Pollstar. Es stammet vermittelst der Ableitungssylbe ster oder ter von Pfühl, Nieders. Pöl und mit demselben von boll, rund, aufgeblasen, her, welches noch im Niedersächsis. gangbar ist und wohin auch das Nieders. Bultsack, ein Strohsack, unser Wulst, und andere mehr gehören. ( S. Pfühl und Polstern.) In vielen Gegenden ist es sächlichen Geschlechtes, das Polster.


Polster-Aloe (W3) [Adelung]


Die Polster-Aloe, plur. inus. eine Art Aloe mit dreyseitigen, zweylippigen Blumen, deren Unterlippe zurück gerollt ist, und gleichsam einen Polster vorstellt; Aloe retusa L.


Polstern (W3) [Adelung]


Polstern, verb. reg. act. mit Haaren, Federn oder einem andern weichen und elastischen Körper ausstopfen und gleichsam zu einem Polster machen. Einen Stuhl polstern. Ein gepolsterter Stuhl. Eine gepolsterte Bank. Daher das Polstern. Siehe Polster.


Polterabend (W3) [Adelung]


Der Polterabend, des -es, plur. die -e, der Abend vor einer Hochzeit, da in dem Hochzeithause alles aufgeräumet wird, wobey es denn ohne Gepolter nicht abgehet; der Brautabend. In vielen Gegenden wird an diesem Abend zugleich mit den nächsten Verwandten geschmauset, und weil an demselben auf dem Lande auch die Hühner zu dem morgenden Schmause gefangen werden, so heißt er auch der Hühnerabend das Hühnerfangen, in Frankreich in den mittlern Zeiten Cochetus, von Cochet, ein junges Huhn.


Polterer (W3) [Adelung]


Der Polterer, des -s, plur. ut nom. sing. in der figürlichen Bedeutung des Verbi poltern, ein Mensch, welcher leicht in einen ungestümen Zorn geräth.


Poltergeist (W3) [Adelung]


Der Poltergeist, des -es, plur. die -er, in der Geisterlehre des großen Haufens, ein bösartiger Geist, welcher sich in dem Hause mit Poltern und Lärmen hören läßt; Nieders. Rumpelgeest. Auch eine Person, welche ihre Handlungen mit vielem Lärmen und Poltern verrichtet, bekommt den Nahmen eines Poltergeistes.


Polterhammer (W3) [Adelung]


Der Polterhammer, des -s, plur. die -hämmer, auf den Kupferhämmern und bey den Kupferschmieden, ein hölzerner Hammer, den Kesseln die rechte runde Weite zu geben, und die Buckeln daran gleich zu schlagen; der Polterschläge, die Polterschlage.


Polterkammer (W3) [Adelung]


Die Polterkammer, plur. die -n, eine Kammer, in welcher man altes, abgenutztes Hausgeräth verwahret, von dem polternden Schalle, mit welchem das Hantieren in derselben verbunden ist; die Rumpelkammer, Plunderkammer, Dreßkammer. Ein solcher Kasten wird der Polterkasten; Rumpelkasten u. s. f. genannt.


Poltermesse (W3) [Adelung]


Die Poltermesse, plur. die -n, in der katholischen Kirche einiger Gegenden, diejenige Messe, welche am grünen Donnerstage und Charfreytage gelesen wird. S. Pumpermette.


Poltern (W3) [Adelung]


Poltern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und eigentlich den Schall nachahmet, welchen ein schwerer fester Körper macht, wenn er sich mit Heftigkeit auf einen andern hohlen oder hohl liegenden festen Körper beweget. 1. Eigentlich. Ich höre es poltern. Wer poltert so? An die Thür, poltern, ungestüm daran schlagen. Steine fielen mit einem erschrecklichen Poltern herunter. Der große Haufe höret nur zu oft die Gespenster und Poltergeister poltern. Vor dem Poltern ihrer Räder, Jer. 47, 3; wofür man doch lieber rasseln sagt. Die in Holofernis Gezelt waren, richteten ein Poltern an vor seiner Kammer, davon er sollte aufwachen, Judith 24, 8. 2. In engerer und figürlicher Bedeutung. 1) In den Kupferhämmern und bey den Kupferschmieden heißt poltern, die aufgetieften Kessel und andere Geschirre mit dem hölzernen Polterhammer gleich und zur gehörigen Gestalt schlagen, weil der Schall, welchen solches macht, dem Poltern ähnlich ist. 2) Ungestüm und hastig hinter einander reden, besonders wenn es im Zorne und mit hohlen Backen geschiehet. Immer poltern und lärmen. Ehedem sagte man dafür pochen. Noch einer noch weitern Figur, ist heraus poltern oder mit etwas heraus poltern es ungestüm und unbesonnen heraus sagen, wofür auch heraus platzen üblich ist. So auch das Poltern.

Anm. Im Nieders. pultern. Das Lat. pultare und pulsare drucken einen ähnlichen Schall aus. Die Nieders. baldern, ballern und bullern bezeichnen ein gelinderes Gepolter und werden auch von einem stark rauschenden Wasser gebraucht, von welchem man poltern nicht gebrauchen würde.


Polternonne (W3) [Adelung]


Die Polternonne, plur. die -n, eine Benennung der ehemahligen Beginen, unter welcher sie z. B. auch in Freyberg bekannt waren. Da sich diese Nonnen unter andern auch mit Beschickung der Leichen beschäftigen, so glaubt man, daß dieser Nahme aus Sepultur-Nonnen verderbt worden.


Polternuß (W3) [Adelung]


Die Polternuß, plur. die -nüsse, ein Nahme der großen Wälschen Nüsse, welche die Größe einer kleinen Faust erreichen, aber mehr Schale als Kern haben; vermuthlich, weil sie wegen ihrer Größe im Hantieren poltern. Sie werden auch Schafnüsse, Pferdenüsse und Roßnüsse genannt.


Polterschlage (W3) [Adelung]


Die Polterschlage, plur. die -n, oder der Polterschlägel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Polterhammer.


Polygamie (W3) [Adelung]


Die Polygamie, (viersylbig,) plur. die -n, (fünfsylbig,) aus dem Griech. und Lat. Polygamia, die Vervielfältigung der Glieder der ehelichen Gesellschaft, wovon Polyandrie oder Vielmännerey, wenn ein Weib mehrern Männern gemein ist, und die Polygynie, die Vielweiberey, da ein Mann mehrern Weibern gemein ist, Arten sind.


Polygon (W3) [Adelung]


Das Polygon, des -es, plur. die -e, aus dem Griech. und Lat. Polygonum, in der Mathematik, eine Figur, welche mehr als vier Seiten hat; ein Vieleck. Daher der Polygon-Winkel, der Winkel, welchen zwey Seiten eines regulären Vieleckes mit einander machen; die Polygon-Linie, eine Seite an einem Vielecke, welche im Festungsbaue, nach dem Muster des Franz. Polygone, auch wohl im weiblichen Geschlechte die Polygone genannt wird.


Polymit (W3) [Adelung]


Der Polymit, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein gemeiner wollener glatter und buntfärbiger Zeug, welcher einen starken gedrehten Faden hat, und von dem andern Geschlechte zu schlechten Hauskleidern getragen wird. Er heißt auch Concent; eine ganz schmale Art aber ist unter dem Nahmen Quinette bekannt. Im gemeinen Leben lautet dieses Wort Polamit, Polemit. Allein es stammet wohl unstreitig von dem mittlern Lat. und Griech. Polymitus her, welches aus - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, viel, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Faden, zusammen gesetzt ist, und in dem mittlern Zeiten der Nahme eines weit schönern bunten oder figurirten Zeuges war, wovon man des Du Fresne Wörterbuch nachsehen kann.


Polyp (W3) [Adelung]


Der Polyp, des -en, plur. die -en, aus dem Griech. und Lat. Polypus, welches eigentlich ein mit vielen Füßen versehenes Thier bedeutet. 1) In der Naturgeschichte sind die Polypen eine Art Thierpflanzen, welche sich in dem Wasser aufhalten, und einen weichen und schleimigen Stamm haben; Hydra L. Das merkwürdigste an ihnen ist, daß, wenn man das Thier zerschneidet, aus jedem abgeschnittenen Stücke ein eignes Thier dieser Art wird. 2) Bey den Ärzten ist der Polyp ein Fleischgewächs, welches sich in und an verschiedenen Theilen des Körpers erzeugt, und mit seinen vielen Füßen sich weit umher verbreitet, auch nach Art der vorigen Polypen wieder nachwächst, wenn etwas von demselben zurück bleibt.


Polz, Polzen (W3) [Adelung]


Der Polz oder Polzen, S. Bolzen.


Pomade (W3) [Adelung]


Die Pomade, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, aus dem Franz. Pomade, Ital. Pomata, eine aus Schweinfett, Hammeltalg und zuweilen auch verschiedenen wohlriechenden Dingen bereitete Salbe, die Haare oder Haut damit zu schmieren. Haar-Pomade, zum Unterschiede von der Mund-Pomade. Weil man sie ehedem mit Äpfel und Zitronen-Schnitten bereitete, wie wohl noch jetzt geschiehet, so hat sie vermuthlich auch daher den Nahmen bekommen, von Pomme, Ital. Pomo, ein Apfel, Lat. Pomum. Wäre diese Ableitung nicht überwiegend wahrscheinlich, so könnte man es mit Bamme und dem Böhm. pomazati, ein wenig bestreichen, zu dem veralteten bamen, pomen, salben, bestreichen, rechnen. S. Butterbämme.


Pomeranze (W3) [Adelung]


Die Pomeranze, plur. die -n, die goldgelbe Frucht des Pomeranzenbaumes, welcher eine Art des Zitronenbaumes ist, von welchen er sich durch die gebrämten Blattstiele und zugespitzten Blätter unterscheidet; Citrus Aurantium L. Der Nahme ist aus dem Ital. Pomo d'Arancio; wofür doch jetzt in Italien Araacio, Narazzo, Melaranzo üblich sind.


Pomeranze-Kürbiß (W3) [Adelung]


Der Pomeranze-Kürbiß, des -sses, plur. die -sse, eine Art kleiner Kürbisse, welche die Gestalt einer Pomeranze haben.


Pomesine (W3) [Adelung]


Die Pomesine, plur. die -n, ein Nahme der Apfelsinen; nach dem Franz. Pomme de Sine.


Pommer (W3) [Adelung]


Der Pommer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der aus Pommern gebürtig ist, Fämin. die Pommerinn. 2) Eine Art gelehriger Hunde mit einem spitzigen Kopfe, welche auch unter dem Nahmen der Spitze bekannt sind, und aus Pommern herstammen sollen.


Pomochel (W3) [Adelung]


Der Pomochel, des -s, plur. ut nom. sing. der besonders in Preußen übliche Nahme des Dorsches, Gadus Callarias L. Pomuchel, welcher vermuthlich Slavonischen Ursprunges ist.


Pomp (W3) [Adelung]


Der Pomp, des -es, plur. inus. ein aus dem Lat. Pompa entlehntes Wort, ein feyerliches Gepränge zu bezeichnen. Eine Leiche mit vielem Pompe zur Erde bestatten. Und er (der Morgen) fährt im Osten herauf im Pompe des Sieges, Welchen er über die Schatten erstreckt, Zach. Gottsched war sehr unrecht daran, wenn er mit der ihm eigenen Art des Witzes behauptete, Pomp sey ein neues Alpinisches Geschöpf, vom Zürcher See gebürtig, welches sein Wesen vermuthlich den Schweizerischen Pomphosen zu danken habe. Es kommt bey den Dichtern des vorigen Jahrhundertes häufig genug vor, und das Nieders. Pump ist in eben diesem Verstande in Nieder-Deutschland allem Ansehen nach schon lange gangbar gewesen. Wenigstens sagt schon Hamelmann bey dem Frisch: Er ist mit großer Pomp begraben worden. S. Pomphosen.


Pompe (W3) [Adelung]


1. Die Pompe, S. Pumpe.


Pompe (W3) [Adelung]


2. Die Pompe, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Eselsgurken, vielleicht weil sie, wenn sie reif sind, mit Heftigkeit aufzuplatzen pflegen, und dabey einen Schall machen, welcher dem Klange dieses Wortes ähnlich ist, S. Pumpen.


Pompelmus (W3) [Adelung]


Die Pompelmus, plur. die -e, eine Art Apfelsinen, welche in Ostindien häufig wachsen, und die Größe eines Menschenkopfes bekommen; Citrus decumanus L. Engl. Pumplenose. Die Schale ist fleckig, das Fleisch röthlich, und der Saftwein sauer und sehr erfrischend. Der Nahme rühret von den Holländern her, welche ihr derselben ohne Zweifel wegen ihrer dicken runden Gestalt gegeben haben, S. Pomphosen.


Pompermette (W3) [Adelung]


Die Pompermette, S. Pumpermette.


Pompernickel (W3) [Adelung]


Der Pompernickel, S. Pumpernickel.


Pompholyx (W3) [Adelung]


Das Pompholyx, des -es, plur. inus. in der Chymie, ein Nahme des grauen Nichtes, S. 1 Nicht, welcher aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Schaum, gebildet ist.


Pomphosen (W3) [Adelung]


Die Pomphosen, sing. inus. oder wie in einigen Gegenden üblich ist, die Pomphose, plur. die -n, lange weite Hosen, welche bis auf die Fersen hinunter hangen, wo sie zugebunden werden, und alsdann wegen ihrer Weite sehr aufbrausen, dergleichen Hosen vornehmlich noch die Schiffer zu tragen pflegen; Pluderhofen. Nieders. Pumphore. Wohl nicht, wie Frisch und andere wollen, von Pomp, Pompa, als wenn sie ehedem nur zum Pompe oder Staate wären getragen worden, sondern so fern Pomp der natürliche Ausdruck einer aufbrausenden, lockern und weiten Sache ist, welcher Begriff auch in dem Lat. Pompa der herrschende ist. Das eben gedachte Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Schaum, Wasserblase, gehöret gleichfalls dahin.


Pontack (W3) [Adelung]


Der Pontack, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein Französischer Wein von dunkler rother Farbe und einem ausziehenden herben Geschmacke, welcher in Guienne wächst.


Pöonie (W3) [Adelung]


Die "Pöonie", S. "Päonie".


Popanz (W3) [Adelung]


Der Popanz, des -es, plur. die -e, eigentlich, ein Schreckbild, womit man die Kinder zu fürchten macht, besonders zu manchen feyerlichen Zeiten, daher es auch wohl überhaupt, von einem jeden Schreckbilde ohne Wesen gebraucht wird. Zuweilen verstehet man unter diesem Worte auch den Teufel. Mag doch Peter zum Popanz gehen, Weiße. Daß dich der Popanz! In einigen Gegenden ist dafür Popel und Popelmann üblich. Die Abstammung ist ungewiß. Beynahe sollte es scheinen, daß der Laut bau, bau, womit der verkleidete Popanz die Kinder zu schrecken pflegt, auch an dessen Nahmen Schuld sey, um weßwillen er auch in Liefland Bubbul heißt, ( S. Mummel, wo mehr von diesem Schreckbilde gesagt worden. Da indessen in einigen Oberdeutschen Gegenden der Pöpel noch jetzt einen Schleyer, eine Kappe, womit man sich das Gesicht verhüllet, Pöpelmütze, eine solche Mütze oder Kappe, und sich verpöpeln sich vermummen, bedeutet, wobey man nothwendig an das Lateinische Peplus, ein Schleyer, denken muß: so stehet es dahin, ob nicht die Verkleidung zu diesem Nahmen Anlaß gegeben. Hans wird im gemeinen Leben mehrmahls von einer jeden Person im verächtlichen Verstande gebraucht, und kann gar wohl an der letzten Sylbe Theil haben, so daß Popanz für Pöpelhans stehen würde.


Populär (W3) [Adelung]


Populär, -er, -ste, adj. et adv. ein von einigen neuern Schriftstellern ohne Noth aus dem Franz. populaire entlehntes Wort, dem größten Haufen, den niedern Classen der Glieder eines Staates verständlich; allgemein verständlich. Ein populärer Vortrag. Ein populärer Schriftsteller. Auch für, den niedern Classen der Weltbürger nützlich, haben es einige einführen wollen, als wenn wir nicht schon das gute, eben das sagende Deutsche Wort gemeinnützig hätten. Bey andern bedeutet es, der Art zu denken und sich auszudrucken des großen Haufens gemäß.


Porkirche (W3) [Adelung]


Die Porkirche, plur. die -n, S. Emporkirche und Empor.


Porphyr (W3) [Adelung]


Der Porphyr, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, besser Porphyrarten, ein rother mit Quarz, zuweilen aber auch mit Schörlkörnern und Hornblende vermischter Jaspitz, von welchen die weißen Flecken herrühren, welche ihn von dem reinen Jaspisse unterscheiden. Wegen seiner Feinheit und Härte haben die daraus gearbeiteten Dinge einen vorzüglichen Werth. Der Nahme ist aus dem Griech. und Lat. Porphyrus. Aber auch im Pers. heißt diese Steinart Farfarius.


Porree (W3) [Adelung]


Der Porree, (zweysylbig,) des -s, (dreysylbig,) plur. inus. bey den Gärtnern, ein Nahme des zahmen, oder auch so genannten Spanischen Lauches, Allium Porrum L. welcher in den Gärten gebauet; und in den Küchen gebraucht wird. Er ist etwas kleiner als die gewöhnliche Zwiebel, am Kiele aber schärfer, und hat ein großes Kraut und große Blätter, fast wie die Tulpen. In Niedersachsen Burree. Der Nahme ist aus dem Franz. Porree, Ital. Porro, Latein. Porrum. In einigen Oberdeutschen Gegenden heißt ein jeder Lauch Porn, in Schwaben Pfarren.


Porscheune (W3) [Adelung]


Die Porscheune, S. Emporscheune.


Pörschkohl (W3) [Adelung]


Der Pörschkohl, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Wirsinges; Brassica oleracea Sabellica L. S. Wirsing.


Porschussig (W3) [Adelung]


Porschussig, adj. et adv. welches nur im Bergbaue üblich ist. Ein Erz liegt daselbst porschüssig, wenn es auf der Oberfläche der Erde angeschossen ist, wenn es am Tage liegt. Von por für empor, S. das letztere.


Porst (W3) [Adelung]


Der Porst, eine Pflanze, S. Porsch.


Porstorfer (W3) [Adelung]


Porstorfer, S. Borsdorfer.


Port (W3) [Adelung]


Der Port, des -es, plur. die -e, ein aus dem Franz. Port, oder Lat. Portus, entlehntes Wort, einen Hafen an der See zu bezeichnen, welches jetzt unter die veralteten Wörter gehören würde, wenn nicht die Dichter es noch zuweilen im Andenken erhielten. In der Deutschen Bibel kommt es einige Mahl vor. Ein anderes und zu einem andern Stamme gehöriges Wort ist das in Franken übliche Port, welches eine Art eines Kopfzeuges des andern Geschlechtes ist.


Portal (W3) [Adelung]


Das Portal, des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Portail, in der Baukunst, die an und über der Hauptthür oder dem Hauptthore eines großen Gebäudes angebrachten Bauzierathen, und eine mit solchen Zierathen versehene Hauptthür selbst. Eine Kirche mit einem prächtigen Portale.


Porte (W3) [Adelung]


Die Porte, plur. die -n, 1) * Eine jede Thür; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher jetzt Pforte üblich ist, ( S. dasselbe.) Franz. Porte, Lat. Porta. 2) Der Eingang zu einer gewissen Art Fischergarn, wo es zunächst aus dem Franz. Porte entlehnet ist, S. Fünfporte.


Porträt (W3) [Adelung]


Das Porträt, des -es, plur. die -e, (oder das Portrait, sprich Porträ, des -s, plur. die -s,) aus dem Franz. Por- trait, das gemahlte oder gezeichnete Bildniß eines Menschen mit Beybehaltung seiner charakteristischen Züge; das Bildniß, ehedem das Conterfat. Daher der Porträt-Mahler, der Bildnißmahler.


Portulak (W3) [Adelung]


Der Portulak, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche bey uns in den Gärten gebauet, und als ein Salat gegessen wird; Portulaca L. bey andern Porcilaca, besonders die Portulaca oleracea L. woraus auch der Deutsche Nahme entlehnet ist. In manchen Gegenden heißt es Burzelkraut, Bürzelkraut und Bürgelkraut, Ital. Porcellana und Portulaca, und im Oberd. auch Grensel.


Porwisch (W3) [Adelung]


Der Porwisch, S. Borwisch.


Posaune (W3) [Adelung]


Die Posaune, plur. die -n, ein musikalisches Instrument, welches geblasen wird, und einer Trompete ähnlich siehet, nur daß es länger ist, und durch bewegliche Theile, welche im Blasen auf und nieder geschoben werden, die Höhe und Tiefe des Tones gewähret. Es kommt schon sehr früh in der Deutschen Bibel vor, aber nach Luthers Übersetzung in der alten Oberdeutschen Declination, Genit der Posaunen, für der Posaune. Die Posaune blasen für das ungewöhnliche auf der Posaune blasen. Luthers mit Posaunen spielen, 1 Chron. 14, 8, ist gleichfalls nicht üblich. Anm. Im Niedersächs. Basune, im Holländ. Bazuin. im Schwed. Basun, im Isländ. Baesun, im alt Franz. Buisine, im Böhm. Pazaun, im Latein. Buccina, aus welchem es vielleicht verderbt worden, weil wir doch einmahl unsere meisten musikalischen Werkzeuge von Ausländern haben. Das Latein. Buccina wird gemeiniglich von Bucca und canere abgeleitet, weil die Posaune mit aufgeblasenen Backen geblasen wird. Gudm. Andreä lässet Posaune von baß, Ital. basso, tief, abstammen, weil dieses Instrument einen tiefen Klang hat. Allein die fremde Endung aune und un leistet für den ausländischen Ursprung hinlängliche Gewähr.


Posaunen (W3) [Adelung]


Posaunen, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit dem Hülfsworte haben, die Posaune blasen, doch nur im gemeinen Leben, ob es gleich in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt, z. B. Offenb. 8, 6; Kap. 9, 1, 13. Ingleichen figürlich, mit starker, lauter Stimme reden, und nach einer noch weitern Figur, mit lauter Stimme bekannt machen, besonders in dem zusammen gesetzten ausposaunen.


Posaunenbläser (W3) [Adelung]


Der Posaunenbläser, des -s, plur. ut nom. sing. der die Posaune bläst; zuweilen auch wohl der Posaunist. Luthers Posauner, Offenb. 18, 22, ist ungewöhnlich.


Posaunenregister (W3) [Adelung]


Das Posaunenregister, des -s, plur. ut nom. sing. in den Orgeln, ein Register, welches den Ton der Posaune nachahmet.


Posaunenschnecke (W3) [Adelung]


Die Posaunenschnecke, plur. die -n, eine Art gewundener einfächeriger Schnecken, mit mehrern Gewinden, wovon das erste sehr weit und dickbäuchig ist, und ihr die Gestalt einer Posaune gibt; Buccina, Meerhorn, Meertrompete, Seetrompete, bey den Holländern Kinkhorn. Versteinert wird sie Buccinit genannt.


Posauner (W3) [Adelung]


Der Posauner, des -s, plur. ut nom. sing. S. Posaunenbläser.


Posaunist (W3) [Adelung]


Der Posaunist, des -en, plur. die -en, S. eben daselbst.


Positiv (W3) [Adelung]


Das Positiv, des -es, plur. die -e, eine Art kleiner Orgeln, welche man aus einem Orte in den andern tragen kann. Aus dem mittlern Lateine positivus, und dieß von ponere, positus.


Positur (W3) [Adelung]


Die Positur, plur. die -en, aus dem Franz. Positure, Posture, Ital. Positura, die Stellung des Leibes, am häufigsten im gemeinen Leben; die Stellung.


Posse (W3) [Adelung]


Die Posse, plur. die -n, Diminut. das Pößchen, Oberdeutsch Pößlein, eine scherzhafte Geberde, oder Rede, welche bloß zur niedrigen Belustigung dienet; daher dieses Wort jetzt allemahl in einem nachtheiligen Verstande gebraucht wird, dagegen es ehedem auch für Spaß und Scherz, überhaupt üblich war. Possen machen, Possen treiben, Possen reißen, ( S. Reißen,) zunächst von Geberden, hernach aber auch von Reden. Alberne, grobe Possen. Das sind Possen. Jemanden Possen vormachen. Eine ungefähre Posse, Less. Drum tummle sich im Thal der Posse, Wer sich nicht höher schwingen kann. Gottsch.

Anm. Im Oberdeutschen auch der Boß, in den Monseeischen Glossen im Plural Gibosi, im Nieders. wo es auch in gelinderm Verstande gebraucht wird, Butze, Putze, im Ital. Pazzie. Die Abstammung ist ungewiß. Unser Spaß, das alte fatzen, das Ulphilanische baud, närrisch, Böhm. possetily, und das Ital. Pazzo, ein Narr, Böhm. Possetilost, die Narrheit, sind allem Ansehen nach damit verwandt. Da die meisten gleichbedeutenden Wörter von der Bewegung hergenommen sind, wie Gaukeler, Schwank, das Lat. Jocus, u. s. f. und zunächst possenhafte Bewegungen und Stellungen bedeuten, so leidet auch dieses eine ähnliche Ableitung, da es denn mit wetzen, Witz, wachsen. Nieders. wassen, faseln, dem Dän. passe, thun, handeln, verrichten, dem veralteten fatzen u. s. f. Eines Geschlechtes seyn würde. Im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gleichfalls spielen und scherzen. Aus dem Frisch erhellet, daß die Geberden ehedem Bossen genannt wurden, daher auch Mimus in Golii Onomast. durch Bossierer übersetzt wird. ( S. der Possen Possierlich und Spaß. Im Franz. ist Passepasse Gaukeley.


Possekel (W3) [Adelung]


Der Possekel, plur. die -n, bey den Hufschmieden, Stellmachern u. s. f. der Nahme eines großen schweren Hammers. So wird bey den Hufschmieden der größte Schmiedehammer Possekel genannt. Die letzte Hälfte dieses Wortes ist dunkel, die erste aber unstreitig das alte bossen, schlagen, stoßen, wovon noch die Franzosen ihr pousser haben, S. Patschen.


Possen (W3) [Adelung]


Der Possen, des -s, plur. ur nom. sing. 1) Der einem andern auf eine belustigende Art, auf eine lustige Weise zugefügte Schade; Nieders. ein Schabernack. Jemanden einen Possen spielen. Den Possen merken. 2) Jemanden etwas zum Possen thun, es ihm zum Trotze thun, etwas wider seinen Willen thun, und in der Absicht, ihm damit zu trotzen.

Anm. In der letzten Bedeutung könnte man es zu böse, dem Angels. Beot, Drohung, beotian, drohen, rechnen. In der ersten Bedeutung, in welcher es im Schwed. Puss lautet, ist es unstreitig eine Figur von Posse. Jemanden einen Possen spielen, heißt im Franz. jouer une piece a quelquun, und auch im Deutschen gebraucht man das Wort Stück oder Stückchen auf ähnliche Art. Bey einigen Oberdeutschen Schriftstellern ist der Kriegsboß eine Kriegslist, und der Juristen-Boß eine Chicane, Finte. Bey den Oberdeutschen Schriftstellern des 16ten Jahrhunderts kommt Boß häufig von der Stellung, Positur, eines Menschen oder Thieres, und in weiterer Bedeutung auch von einer jeden Figur vor, sie sey nun gemahlt, gezeichnet oder erhaben. In diesem Verstande findet man es besonders in den Zeichenbüchern des jetzt gedachten Jahrhunderts. Auch die Schildhalter eines Wapens, die Figuren von Bildhauerarbeit auf Brunnen u. s. f. sie seyen von welcher Art sie wollen, selbst die so genannten Fratzengesichter, führen daselbst den Nahmen der Bossen. Frisch rechnet auch dieses Wort zu dem vorigen Posse; allein es scheinet davon verschieden zu seyn, und mit Positur entweder zu ponere, positus, gestellt, oder auch zu dem alten boß, erhaben, zu gehören, und eigentlich eine erhabene Figur zu bedeuten, S. Bossiren und Boßeln.


Possenhaft (W3) [Adelung]


Possenhaft, -er, -este, adj. et adv. 1) Einer Posse, oder den Possen ähnlich, zur unordentlichen Belustigung bewegend. Possenhafte Bewegungen, Stellungen, Reden. Das ist possenhaft. 2) Fertigkeit besitzend, Possen zu machen, d. i. andere auf eine niedrige oder ungeordnete Art zu belustigen. Ein possenhafter Mensch. S. Posse.


Possenmacher (W3) [Adelung]


Der Possenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Possenmacherinn, eine Person, welche die Fertigkeit besitzt, oder ein Geschäft daraus macht, andere auf eine niedrige oder ungeordnete Art zu belustigen, ihnen Possen vorzumachen; Lustigmacher, Nieders. Putzenmaker. S. Posse.


Possenreißer (W3) [Adelung]


Der Possenreißer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Possenreißerinn, welches aus der R. A. Possen reißen gebildet ist, und in der vorigen Bedeutung gebraucht wird, S. auch Reißen.


Possenspiel (W3) [Adelung]


Das Possenspiel, des -es, plur. die -e, eine Art Lustspiele, welche lustige Auftritte aus dem niedrigen Leben schildert, in einer etwas gelindern Bedeutung des Wortes Posse. Die komische Oper ist eine Art davon.


Possierlich (W3) [Adelung]


Possierlich, -er, -ste, adj. et adv. durch das Ungereimte in einen merklichen Grade belustigend, besonders durch ungereimte Geberden, Stellungen und Ausdrücke, wo zugleich ein Theil des gehässigen Nebenbegriffes des Wortes Posse wegfällt, daher es bey weiten nicht so hart und verächtlich ist, als possenhaft. Ein possierlicher Mensch. Ein possierlicher Einfall. Possierlich seyn. Eine possierliche Stellung. Anm. Nieders. putzig, Böhm. possetile. Es ist von dem veralteten possieren, bossieren, welches, wie aus dem Frisch erhellet, ehedem lustige oder belustigende Bewegungen machen, bedeutete, und, seiner ausländischen Endung ungeachtet, doch von Posse abstammet, indem wir mehr ähnliche Zeitwörter haben, welche vermittelst der Endung -iren aus echten Deutschen Wörtern gebildet worden, S. - Iren. Die Hochdeutschen spaßhaft, kurzweilig, lustig neckisch, schnakisch, schnurrig, das Österreich. packschierig und die Niederdeutschen kluftig, koddig, u. s. f. drucken eben denselben, oder doch beynahe eben denselben Begriff aus.


Possierlichkeit (W3) [Adelung]


Die Possierlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Person oder Sache, nach welcher sie possierlich ist, andere belustiget.


Post (W3) [Adelung]


1. Der Post, ein Kraut. S. Porsch.


Post (W3) [Adelung]


2. Die Post, plur. die -en, Diminut. das Pöstchen, Oberd. Pöstlein im Handel und Wandel, eine Summe Geldes, besonders so fern sie zu etwas ausgesetzt oder bestimmt ist. Eine Geldpost, oder nur Post schlechthin. Eine große Post verlieren. Bey einem Concurse ansehnliche Posten einbüßen. Eine Post in die Rechnung tragen. Eine Schuldpost, eine Summe Geldes, welche man schuldig ist, oder von einem andern zu fordern hat. Auch in weiterer Bedeutung zuweilen von einer jeden bestimmten Zahl oder Masse anderer bey einander befindlicher Dinge. ( S. Postbley, Posterz.) Es ist aus dem Ital. Posta durch die Handlung eingeführet worden, welches wiederum von dem Lat. ponere, positus abstammet.


Post (W3) [Adelung]


3. Die Post, plur. die -en. 1) Diejenige Anstalt, da Güter, Briefe und Personen durch gewisse in bestimmten Entfernungen in Bereitschaft gehaltene Personen und Pferde weiter geschaffet werden, und einzelne Fuhrwerke oder reitende und gehende Bothen dieser Art. Die fahrende Post, zum Unterschiede von der reitende Post. An einigen Orten hat man auch Fußposten. Die ordinäre Post, welche allemahl zu bestimmten Zeiten an einem Ort gehet, zum Unterschiede von der extraordinären oder Extra-Post. Die Post geht ab, kommt an, bleibt aus. Die Posten gehen jetzt sehr unordentlich. Die Post expediren, abfertigen. Mit der Post reisen oder gehen. Sich der Post bedienen. Die Post nehmen, mit der Post reisen. Extra-Post nehmen. Mit der ersten Post schreiben, mit der ersten abgehenden Post. Mit jeder Post schreiben. Die Post versäumen. Die Post bezahlen. Weil die Posten geschwinder als anderes Fuhrwerk gehen, so wird die R. A. auf der Post zuweilen für eilfertig gebraucht. Es gehet bey ihm alles auf der Post. Auf der Post arbeiten, eilfertig. Etwas auf der Post machen. 2) Eine Post-Station, der Ort, wo die Pferde gewechselt werden, und die Entfernung eines solchen Ortes von dem andern. Ital. Posta. Drey Posten von hier, drey Post-Stationen. 3) Das Posthaus. Auf der Post wohnen. Auf die Post gehen. Briefe auf die Post tragen, von der Post hohlen. Einen Brief auf die Post geben. 4) Eine mit der Post erhaltene Nachricht, und in weiterer Bedeutung, eine jede Nachricht oder Bothschaft; doch nur im gemeinen Leben. Post bekommen, Nachricht. Einem eine gute Post bringen. Einem Post thun, Nachricht geben, in der niedrigen Sprechart. Posten tragen, Nachrichten, Neuigkeiten bringen, gemeiniglich im verächtlichen Verstande.

Anm. Im Engl. und Schwed. gleichfalls Post. Es ist so wie die Sache selbst aus dem Franz. Poste entlehnet, im mittlern Lat. Posta, welches wiederum von dem Lat. positus abstammet, a positis equis zur Fortschaffung der Briefe und Personen, in dem schon die Römer eine ähnliche Anstalt hatten. Die öffentlichen Posten kamen in Frankreich im 15ten Jahrhunderte auf, und wurden in Deutschland ein Jahrhundert später nachgeahmet. Indessen legte schon Ludwig XI in Frankreich Stationen von reitenden Bothen an, und von allen Schritten seines Erbfeindes Carls des Kühnen Nachricht zu erlangen, und diese hießen schon damahls Postes.


Postamt (W3) [Adelung]


Das Postamt, des -es, plur. die -ämter. 1) Ein Amt bey dem Postwesen; die Postbedienung. 2) Ein zur Aufsicht und Verwaltung des Postwesens in einem Lande oder in einer großen Stadt niedergesetztes Collegium; da es denn auch Oberpostämter, Hofpostämter u. s. f. gibt. 3) Das Amt und die Würde eines Postmeisters. Daher das Erbpostamt, Hofpostamt, Oberpostamt u. s. f.


Postbeamte (W3) [Adelung]


Der Postbeamte, des -n, plur. die -n, derjenige, welcher ein Amt bey dem Postwesen bekleidet.


Postbediente (W3) [Adelung]


Der Postbediente, des -n, plur. die -n, in eben dieser Bedeutung, doch am häufigsten von geringern Personen dieser Art, dagegen das vorige mehr von wichtigern Personen gebraucht wird.


Postbedienung (W3) [Adelung]


Die Postbedienung, plur. die -en, eine Bedienung bey den Postwesen, am häufigsten auch von den geringern Bedienungen dieser Art.


Postbericht (W3) [Adelung]


Der Postbericht, des -es, plur. die -e, ein Verzeichniß, wie die Posten in einer Stadt ankommen und abgehen.


Postbley (W3) [Adelung]


Das Postbley, des -es, plur. inus. im Hüttenbaue, so viel Bley als in einer Schicht auf Ein Mahl ausgeschmelzet wird, S. 2 Post.


Postbothe (W3) [Adelung]


Der Postbothe, des -n, plur. die -n, ein Bothe, welcher die mit der Post gekommenen Briefe und Packete zu bestimmen Zeiten abhohlet, und an entferntere Orte träget. Auch ein Bothe, welcher wie die Post zu bestimmten Zeiten von einem Orte zum andern gehet, oder reitet, um Briefe und Packete zu überbringen.


Postement (W3) [Adelung]


Das Postement, des -es, plur. die -e, untere abgesonderte Theil eines künstlichen Körpers, worauf derselbe stehet, und welcher demselben gleichsam zum Fuße dienet; das Fußgestell. Das Postement einer Bildsäule. An den Säulen ist das Postement oder der Säulenstuhl der unterste Theil der Ordnung, welcher zur Erhöhung der Säule dienet, und der eigentlichen Säule oder dem Pfeiler, und dem Hauptgesimse entgegen gesetzet ist. Franz. Piedestal. Vermuthlich von einem in dem mittlern Lateiner üblich gewesenen Postementum, und dieß von ponere, positus, das Gestell.


Posten (W3) [Adelung]


Der Posten, des -s, plur. ut nom. sing. welches gleichfalls aus dem Franz. Poste und Ital. Posto entlehnet worden, und vornehmlich in einer doppelten Bedeutung üblich ist. 1. Bey den Jägern ist der Posten ein Zeichen mit dem Jagdhorne, wo es vermuthlich eine Anzahl mehrerer zusammen gehöriger Töne bedeutet, und alsdann zu 2 Post gehören würde, ( S. Jagdposten.) 2. Der Ort, wohin jemand gestellet wird, eine Handlung daselbst zu verrichten. 1) Eigentlich. Einen Arbeiter an seinen Posten stellen. Besonders im Kriegswesen, wo ein jeder Ort, wohin einer oder mehrere Soldaten gestellet werden, denselben zu vertheidigen, zu beobachten, oder andere Handlungen daselbst zu verrichten, der Posten genannt wird. Die Schildwache darf nicht von ihrem Posten gehen. Seinen Posten verlassen. Auf seinem Posten bleiben. Seinen Posten vertheidigen. Von seinem Posten getrieben werden. Im Ital. Posto, welches in dieser Form auch in der R. A. Posto fassen, sich fest setzen, üblich ist, wofür man nicht sagt, Posten fassen. 2) Figürlich, eine Bedienung, ein Amt, eine Würde, so fern sie nicht ein bloßer Titel ist, und in welcher man zu gewissen pflichtmäßigen Geschäften, wie man im Oberdeutschen sagt, angestellet ist. Es ist in diesem Verstande von allen Arten der Bedienungen und mit pflichtmäßigen Geschäften verbundene Würden üblich. Ein ansehnlicher, einträglicher, hoher, geringer Posten. Einen Posten bekleiden. Bey der Römischen Königswahl von 1658 that der Chur-Brandenburgische Gesandte die sonderbare Erinnerung: "Es befänden sich in einem gewissen Projecte eines Artikels die Worte Rang und Posten, welche weder Lateinisch noch Deutsch wären, und weil die Kaiser nur auf die Lateinische und Deutsche Sprache schwören müßten, so müßten diese Worte geändert werden." Sie wurden aus dieser Ursache auch wirklich weggelassen, und man setzte dafür das Wort Stelle.


Posterz (W3) [Adelung]


Das Posterz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, im Hüttenbaue, eine Post Erz, d. i. eine gewisse Menge Erz von einerley Gehalt, welches der Schichtmeister in die Hütte liefert. S. 2 Post.


Postgeld (W3) [Adelung]


Das Postgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige, was man für die Fortschaffung der Briefe und Packete mit der Post bezahlet: mit einem Italiänischen Worte das Porto. Dasjenige, was Personen für ihre Fortschaffung auf der Post erlegen, ist unter dem Nahmen des Passagier-Geldes am bekanntesten.


Posthalter (W3) [Adelung]


Der Posthalter, des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich, derjenige, der die Pferde zur Fortschaffung der Posten hält und hergibt, und von dem Postmeister noch verschieden ist. An einigen Orten werden auch die Postwärter, welche einer Post an einem kleinen aber nicht gangbaren Orte verstehen, und gemeiniglich dem Postmeister eines benachbarten größern untergeordnet sind, Posthalter genannt. Daher die Posthalterey, das Amt und die Bedienung eines Posthalters, ingleichen die Post-Station, welcher ein Posthalter vorgesetzet ist, und dessen Wohnung.


Posthaus (W3) [Adelung]


Das Posthaus, des -es, plur. die -häuser, ein zum Aufenthalte der Post, und zur Verrichtung der dazu gehörigen Geschäfte bestimmtes Haus.


Posthorn (W3) [Adelung]


Das Posthorn, des -es, plur. die -hörner, ein kleines messingenes Blase-Instrument in Gestalt eines kleinen Waldhornes, welches die Postillions oder Postknechte zu führen berechtiget sind.


Postille (W3) [Adelung]


Die Postille, plur. die -n, ein Buch, welches Predigten über die Evangelien und Episteln enthält; ein Predigtbuch. Die Kirchen-Postille, wenn es Predigten enthält, welche der Gemeine in der Kirche vorgelesen werden sollen, zum Unterschiede von einer Haus Postille, welche bloß zur häuslichen Andacht bestimmt ist. Daher der Postillen Reiter, eine verächtliche Benennung eines Predigers, welcher seine Predigten aus Postillen entlehnet. Das Wort ist aus dem mittlern Lat. Postilla, welches eigentlich von den fortlaufenden Randglossen über die Bibel gebraucht wurde, und wiederum von den Worten postilla verba herrühren soll, mit welchen die Lehrer, welche ihren Zuhörern solche Randglossen in die Feder dictirten, selbige begleiteten.


Postillion (W3) [Adelung]


Der Postillion, des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Postillon, der Fuhrmann der fahrenden und der Reiter der reitenden Post. Der erste wird auch der Postknecht genannt.


Postkamehl (W3) [Adelung]


Das Postkamehl, des -es, plur. die -e, bey einigen Schriftstellern des Naturreiches, eine Benennung der geschwinden Kamehle, welche einen sehr flüchtigen Gang haben, und daher auch Dromedare genannt werden.


Postkarte (W3) [Adelung]


Die Postkarte, plur. die -n. 1) Auf den Posten, die Liste derjenigen Briefe, welche mit einer Post abgehen oder ankommen. 2) Eine Landkarte, auf welcher die Postwege und Post-Stationen abgebildet sind.


Postknecht (W3) [Adelung]


Der Postknecht, des -es, plur. die -e, S. Postillion.


Postkutsche (W3) [Adelung]


Die Postkutsche, plur. die -n, S. Landkutsche.


Postmeister (W3) [Adelung]


Der Postmeister, des -s, plur. ut nom. sing. der Vorgesetzte des Postwesens, so wohl in höherm Verstande, des Postwesens eines ganzen Landes in den zusammen gesetzten Erbpostmeister, General-Postmeister u. s. f. als auch des Postwesens an einem Orte, wo derjenige Postmeister heißt, welcher die Posten expediret oder expediren läßt, und unmittelbar dem Postamte des Landesherren unterworfen ist. An geringern Orten gibt es statt dieser nur Postverwalter und Postwärter, welche gemeiniglich dem Postmeister eines benachbarten größern untergeordnet sind.


Postordnung (W3) [Adelung]


Die Postordnung, plur. die -en, eine landesherrliche Verordnung in Ansehung des Postwesens.


Postpapier (W3) [Adelung]


Das Postpapier, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, seines Schreibepapier, welches sich wegen seiner Feinheit und Leichtigkeit besonders zu solchen Briefen schickt, welche mit der Post gehen sollen.


Postpferd (W3) [Adelung]


Das Postpferd, des -es, plur. die -e, Pferde, welche zur Fortschaffung der fahrenden und reitenden Posten gebraucht werden.


Postrath (W3) [Adelung]


Der Postrath, des -es, plur. die -räthe, ein landesfürstlicher Rath in Postsachen.


Postrecht (W3) [Adelung]


Das Postrecht, des -es, plur. die -e, das Recht, Posten zu halten, ohne Plural; welches, wenn es als ein Regale betrachtet wird, das Post-Regal heißt.


Postsäule (W3) [Adelung]


Die Postsäule, plur. die -n, eine Säule, welche die Poststraßen und Entfernungen von einem Orte zum andern anzeiget.


Postschein (W3) [Adelung]


Der Postschein, des -es, plur. die -e, ein von den Postbedienten ausgestellter Schein über das auf die Post gegebene Geld.


Postschiff (W3) [Adelung]


Das Postschiff, des -es, plur. die -e, ein Schiff, welches wie eine Post zu gewissen bestimmten Zeiten von einem Orte zum andern segelt, und Personen, Briefe und Waaren überbringt; das Packetboth, wie es am häufigsten genannt wird.


Postschreiber (W3) [Adelung]


Der Postschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. der Schreiber bey einer Post-Expedition oder einem Postamte; mit einem anständigern Ausdrucke der Post-Secretär.


Poststall (W3) [Adelung]


Der Poststall, des -es, plur. die -ställe, der Stall für die Postpferde. An einigen Orten auch wohl die Wohnung des Posthalters mit den dazu gehörigen Ställen und andern Gebäuden.


Post-Station (W3) [Adelung]


Die Post-Station, plur. die -en, derjenige Ort, wo die Posten die Pferde wechseln; die Post.


Poststraße (W3) [Adelung]


Die Poststraße, plur. die -n, die Straße, welche von den Posten befahren wird.


Posttag (W3) [Adelung]


Der Posttag, des -es, plur. die -e, derjenige Tag, an welchen an einem Orte Posten abgehen oder ankommen. Ingleichen ein Tag, an welchem eine gewisse Post abgehet, besonders in Ansehung der Briefe, welche man zu schreiben hat.


Postulat (W3) [Adelung]


Das Postulat, des -es, plur. die -e, ein aus dem Latein. postulare entlehntes und besonders bey den Buchdruckern übliches Wort, diejenige Handlung zu bezeichnen, da ein Cornut auf sein Verlangen zu einem eigentlichen Gesellen erkläret wird; von welcher Handlung auch das Zeitwort postuliren üblich ist.


Postuliren (W3) [Adelung]


Postuliren, verb. reg. aus dem Latein. postulare. 1) Bey den Buchdruckern, als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Gesell werden, feyerlich zum Gesellen gemacht werden, ( S. das vorige.) 2) Als ein Activum. In der Römischen Kirche wird ein Bischof postulirt, wenn bey dem Candidaten sich solche Umstände finden, daß er dem canonischen Rechte nach nicht eigentlich gewählet werden kann, und daher von den mit dem Wahlrechte begabten Personen unter Begünstigung der Obern begehret wird. Ehedem bedeutete es einstimmig, einmüthig zum Bischofe wählen, besonders wenn der Candidat schon an einem andern Orte Bischof war. Daher die Postulation.


Postverwalter (W3) [Adelung]


Der Postverwalter, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher das Postwesen an einem Orte in Ermangelung des Postmeisters verwaltet. S. Postmeister.


Postwagen (W3) [Adelung]


Der Postwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wagen, dessen sich die fahrenden Posten bedienen.


Postwechsel (W3) [Adelung]


Der Postwechsel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der Wechsel oder die Abwechselung der Pferde vor einem Postwagen. 2) Der Ort, wo dieses gewöhnlich geschiehet; die Station.


Postweg (W3) [Adelung]


Der Postweg, des -es, plur. die -e, ein Weg, dessen sich nur die Posten bedienen dürfen, und welcher von der Poststraße noch verschieden ist.


Postwesen (W3) [Adelung]


Das Postwesen, des -s, plur. car. die Anstalt der Posten in einem Lande oder an einem Orte, mit allem was dazu gehöret.


Potage (W3) [Adelung]


Die Potage, (sprich Potasche, mit einem gelinden sch,) plur. die -n, aus dem Franz. Potage, ein aus Fleisch oder Fischen in einer langen Brühe mit Reiß, Graupen, Kräutern oder Wurzeln, Klößchen u. s. f. gekochtes Gericht, welches bey einer Mahlzeit gemeiniglich zuerst aufgetragen und im Deutschen ein Allerley genannt wird. Daher der Potagen-Kessel, ein kupferner Kessel in Form einer Wanne mit Henkeln, die Potage darin zu kochen; der Potagen-Löffel, ein großer Löffel mit einem langen Stiele, sie damit vorzulegen, der Vorlegelöffel; die Potagen-Schüssel, eine große Schüssel mit einem hohen Rande, sie darin aufzutragen.


Potentat (W3) [Adelung]


Der Potentat, des -en, plur. die -en, ein nur noch im gemeinen Leben übliches Wort, ein gekröntes Haupt zu bezeichnen. Ein großer Potentat. Es ist aus dem mittlern Lat. Potentatus Franz. Potentat. Das Deutsche Macht wird auf ähnliche Art gebraucht.


Potentille (W3) [Adelung]


Die Potentille, plur. inus. aus dem Lat. Potentilla, ein Nahme, unter welchem bey den Schriftstellern des Pflanzenreiches verschiedene Pflanzen wegen ihrer Heilkräfte vorkommen. Bey den ältern führte die Tormentille diesen Nahmen. Bey andern, und selbst der dem Linnee, ist es ein Geschlechtsnahme, der den Gänserich, das Fünffingerkraut und verschiedene ausländische Pflanzen unter sich begreift.


Pott (W3) [Adelung]


Der Pott, des -es, plur. die -e, ein nur in Nieder-Deutschland übliches Wort, welches einen Topf bedeutet, und daselbst auch als ein bestimmtes Maß flüssiger Dinge üblich ist, welches mit unserm Maße oder Kanne überein kommt. Indessen kommt es als ein Maß auch in Basel vor, wo die Ahm Wein 32 alte oder 40 neue Pott hält. Im Engl. Franz. und Holländ. Pot, im Dän. Potte, im Schwed. und Isländ. Potta, im Irländ. Pota, im Alban. Potdge. Es ist mit Butte, Bütte, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und andern dieser Art Eines Geschlechtes, und bedeutet überhaupt ein tiefes Gefäß. S. Topf.


Pottasche (W3) [Adelung]


Die Pottasche, plur. inus. ein weißes, gemeiniglich bläuliches, calcinirtes alkalisches Salz, welches aus gemeiner Holz- oder Pflanzenasche ausgelauget wird. Die gemeinste wird aus der Asche des verbrannten Eichenholzes bereitet. Daher der Pottaschensieder, der ein Geschäft daraus macht, sie zu bereiten. Den Nahmen hat sie von dem Nieders. Pott, ein Topf, ein eiserner Grapen, weil man die Lauge, woraus dieses Salz bereitet wird, in solchen Grapen oder Kesseln abrauchen läßt, daher sie bey einigen auch Kesselasche heißt. In andern Gegenden kennet man sie unter dem Nahmen Floß. Die Drusenasche ist ein solches aus den getrockneten Weinhefen ausgelaugtes Salz, welches, weil es häufig von den Waidfärbern gebraucht wird, auch Waidasche oder Weidasche, Franz. Vedasse, heißt. Im Lat. nennet man die Pottasche Cinis clavatus und clavellatus, weil sie anfänglich, wie man will, aus den Dauben alter Weinfässer verfertigt wurde, ob sich gleich Clavus und Clavella in der Bedeutung einer Faßdaube noch nicht haben wollen finden lassen. Wachtet leitete die erste Hälfte des Deutschen Nahmens, aber höchst gezwungen und unwahrscheinlich, von Daube her, und glaubte, daß vermittelst einer Versetzung der Sylben daraus Pottentstanden sey. Franz. heißt sie Cendre gravelee.


Pottfisch (W3) [Adelung]


Der Pottfisch, des -es, plur. die -e, eine der größten Art Fische mit horizontalem Schwanze, welcher keine Floßen auf dem Rücken, aber in dem untern Kinnbacken Zähne hat; Physeter Macrocephalus L. Er hat ein Luftloch im Nacken, wird 50 bis 60 Fuß lang, und 30 bis 36 Fuß dick. Er hat den Nahmen vermuthlich wegen seines großen dicken und vorn wie eine Ochsenschnauze flachen Kopfes, welcher in der Ferne einige Ähnlichkeit mit einem Potte oder Topfe hat. Aus seinem Gehirne wird der Wallrath, Sperma Ceti, bereitet. Franz. heißt er Cachelot.


Pottweide (W3) [Adelung]


Die Pottweide, plur. die -n, in einigen Gegenden, die gemeine weiße Weide, Salix alba L. welche alle drey oder vier Jahre geköpfet werden kann, daher sie auch Kopfweide heißt. Ohne Zweifel von dem veralteten potten, beiten, schneiden, hauen, Lat. putare, S. 3 und 4 Beutel.


Potz! (W3) [Adelung]


Potz! ein Zwischenwort, welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, und bey dem großen Haufen als ein Ausdruck der Verwunderung gebraucht wird. Potz tausend! Potz Element! Potz Velten! Potz Henker! Potz Stern, was das für Zeug ist! Less. Potz Wetter! und wie die Blumen alle heißen. Es scheinet aus einer Art von Bescheidenheit für Gotz! oder vielmehr Gotts! gebraucht zu werden, welches in eben diesem Falle üblich ist. Indessen pflegt auch der Italiänische Pöbel seine Verwunderung mit potta! anzukündigen.


Poussiren (W3) [Adelung]


Poussiren, S. Bossiren.


Präbende (W3) [Adelung]


Die Präbende, plur. die -n, aus dem mittlern Lat. Praebenda, in der Römischen Kirche, wo es mit Pfründe gleichbedeutend ist, ( S. dasselbe.) Im Nieders. Präven, welches auch von einer Stelle im Hospitale, von einzelnen Wohlthaten aus einer geistlichen Stiftung, und in weiterer Bedeutung von einem jeden bestimmten Theile gebraucht wird.


Pracher (W3) [Adelung]


* Der Pracher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Pracherinn, ein vornehmlich in Niedersachsen übliches Wort, einen Bettler zu bezeichnen, welches auch Opitz einige Mahl gebraucht. Daher Pracherey, Betteley, Armseligkeit, prachern, betteln, anhaltend bitten u. s. f. welche im Hochdeutschen insgesammt fremd sind. Wachter leitete es von brechen, gebrechen her, allein, das Zeitwort, welches als das Stammwort angesehen werden muß, ist ohne Zweifel eine Nachahmung des mit dem wiederhohlten Bitten verbundenen Lautes, da es denn mit dem Lat. precari genau überein kommt, und eigentlich das Frequentativum oder Intensivum von einem veralteten brachen, reden, sagen, ist, wovon vermittelst des Zischlautes auch unser sprechen, das Lat. Praeco, das Französ. precher u. a. m. abstammen. Im Schwed. ist Prackare ein Bettler. S. auch das folgende.


Pracht (W3) [Adelung]


Die Pracht, plur. car. welches ehedem in einem weitern Umfange der Bedeutung üblich war, als jetzt. 1. * Eigentlich, Geschrey, Lärmen, Getöse; eine veraltete Bedeutung. Bey dem Pictorius ist Prächt großes Geschrey, und prächten laut schreyen. Du werist wol an allen brecht. Mit einem phening uiberkomen, der Burggr. v. Riedenburg. Die voegel mit gepraechte si sungen widerstrit, ebend. Nicht lanng darnach er das schrein hort Her gegen im mit grossem Pracht, Theuerd. Kap. 35. Theurdank höret den lauten Pracht, Kap. 36. Alspald sye den Held vernamen Schlugen sie von stund zusammen Mit einem ubergrossen Pracht, Kap. 87. Die Stein huben an zu fallen Mit großem Geprecht und schallen, Kap. 69. Im mittlern Lat. ist bragare schreyen. Es ist hier eine Nachahmung des eintönigen Geschreyes, und in weiterer Bedeutung des Getöses und Lärmens überhaupt, daher auch das Lat. Fragor und mit einem andern Vorlaute auch unser krachen hierher gehören. Sprechen, welches eigentlich einen Schall hervor bringen bedeutet, ist vermittelst des vorgesetzten Zischlautes gleichfalls daraus gebildet, und in Scherzens Gnomol. Ms. kommt auch breiten für sprechen vor: Wer uibel von dem andern breit Es wurt im zwurnet als vil geseit. Siehe auch das vorige, ingleichen Predigen und Prahlen. 2. Figürlich. 1) Der Glanz, helle Schein; eine im Ganzen genommen gleichfalls veraltete Bedeutung, deren Zusammenhang mit dem vorigen niemanden befremden darf, indem die meisten Wörter, welche jetzt Licht, Glanz u. s. f. bedeuten, eigentlich einen Schall ausdrucken, ( S. Hell.) Schon im Isidor ist Berahtnissi Glanz. Brechen war ehedem für glänzen sehr üblich, und hat diese Bedeutung noch in anbrechen erhalten, ( S. dasselbe, wo mehrere Beyspiele davon angeführet worden.) Schon im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - glänzen. Noch jetzt kommt Pracht zuweilen von einem Glanze vor, wo sich aber allemahl der folgende Begriff des feyerlichen, des vorzüglichen mit einmischet. Wie süß und freundlich lacht Der Mondes stille Pracht! Weiße. 2) Glänzende und kostbare äußere Hülfsmittel im gesellschaftlichen Leben, so fern man dadurch seine Meinung von seinen eigenen hohen Vorzügen an den Tag legt; wo die Figur zunächst von dem Glanze, auf entferntere Art auch von dem Geräusche hergenommen ist. (a) Eigentlich, wo die Pracht vornehmlich in kostbaren Kleidern, kostbaren und theuren Hausgeräth, kostbaren und vielen Speisen, vielen Bedienten u. s. f. bestehet; wo es zugleich, wie alle Wörter dieser Art, ein relativer Begriff ist, welcher sich auf die Umstände des Redenden oder auch dessen, von dem die Pracht gesagt wird, beziehet, und einen nachtheiligen Begriff bekommt, so bald die Meinung von seinen Vorzügen, welche man durch dergleichen äußere Hülfsmittel an den Tag legen will, übertrieben ist. Pracht führen. Viele Pracht zeigen. In diesem Hause, an diesem Hofe herrscht viele Pracht. Viel Geld auf die Pracht wenden. In seiner Pracht erscheinen. Das Beylager wurde mit vieler Pracht vollzogen. Kleiderpracht, Pracht im Hausgeräthe, im Essen und Trinken. Mit königlicher Pracht. Seine Pracht sehen lassen. Die R. A. Pracht treiben kommt selten mehr vor, hat aber, wenn sie gebraucht wird, allemahl den Nebenbegriff der unbefugten, übertriebenen Pracht. ( S. auch Staat) welches einen geringern Grad der Pracht bezeichnet. (b) Die Neigung und Fertigkeit, seine Meinung von seinen eigenen Vorzügen durch glänzende und kostbare äußere Hülfsmittel im gesellschaftlichen Leben an den Tag zu legen. Sich der Pracht ergeben. Die Pracht ist das Verderben der Staaten. Wo es von einigen zugleich für das Lat. Luxus gebraucht worden, dessen Begriff es doch bey weiten nicht erschöpfet, indem die Pracht nur eine Art, nur ein hoher Grad des Luxus ist, S. Üppigkeit, welches dasselbe in manchen Beziehungen besser ausdruckt.

Anm. In der zweyten figürlichen Bedeutung lautet es auch im Schwed. Prakt. Im mittlern Lat. ist bragare Pracht führen, alt Franz. braguer, daher Bragard im Franz. noch jetzt einen Menschen bedeutet, welcher eine übertriebene Pracht führet. Mit einem andern Endlaute, oder vielmehr mit ausgelassenem Hauchlaute, lautet dieses Wort bey dem Hornegk Parat, womit das Franz. Parade, das Ital. Parata, und das Engl. Pride überein kommen. Ehedem war dafür auch die Hebr üblich, und im Niedersächs. gebraucht man dafür Grootskheit und Swier, welches letztere vermuthlich zu schwirren gehöret. ( S. auch Prangen.) Im Oberdeutschen ist dieses Wort fast beständig männlichen Geschlechtes, der Pracht, in welchem es auch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt. Der köstliche Pracht seiner Majestät, Esth. 1, 4. Daß er schwächte allen Pracht der lustigen Stadt, Es. 23, 9. Er wird ihren Pracht niedrigen, Kap. 25, 12. Dagegen in weit mehrern Stellen das weibliche, welches auch im Hochdeutschen nur allein üblich ist, beybehalten wird. Gottsched nahm von diesem doppelten Geschlechte Anlaß, in seinen Beobachtungen zu behaupten, die Pracht bedeute die äußerlichen feyerlichen Umstände selbst, der Pracht aber die übertriebene Neigung dazu, den Luxus. Allein zu geschweigen, daß Pracht als ein gleichbedeutender Ausdruck für Luxus sehr ungeschickt ist, so hat diese Art, die Bedeutungen der Wörter zu unterscheiden, bey niemanden Beyfall gefunden, zumahl da Gottsched selbst im Schreiben und Sprechen seine eigenen Regeln am meisten selbst übertrat.


Prachbett (W3) [Adelung]


Das Prachbett, des -es, plur. die -e, ein zur Pracht veranstaltetes Bett; doch am häufigsten nur von einem zierlich aufgebaueten Gerüste, worauf die Leichen vornehmer Personen zur Schau ausgestellet werden, wofür doch auch Parade-Bett üblicher ist. Nieders. Prunkbedde, auch wohl bey einigen Hochdeutschen Schriftstellern, obgleich auf eine ungewöhnliche Art, Prunkbett, S. Prunk.


Prachthimmel (W3) [Adelung]


Der Prachthimmel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Himmel.


Prächtig (W3) [Adelung]


Prächtig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Mit Pracht, in der noch üblichen figürlichen Bedeutung dieses Wortes, feyerlichen Glanz, Kostbarkeit und kostbare Zierde enthaltend. Ein prächtiges Kleid. Prächtig gekleidet seyn. Ein prächtiger Hof, ein prächtiger Schmaus. Prächtige Gebäude. Prächtig leben. 2) Geneigt und Fertigkeit besitzend, Pracht sehen zu lassen, prächtig zu leben. Prächtig seyn. Schwed. präktig. Ehedem bedeutete es auch laut, laut schallend, ingleichen glänzend; in welchen beyden Bedeutungen es aber veraltet ist.


Prachtkegel (W3) [Adelung]


Der Prachtkegel, des -s, plur. ut nom. sing. ein von einigen Neuern für Obelisk in Vorschlag gebrachtes Wort, welches aber noch nicht gangbar genug geworden ist. S. Obelisk.


Prachtlilie (W3) [Adelung]


Die Prachtlilie, plur. die -n, eine der Lilie ähnliche sehr schöne Blume, welche in Malabar und am Senegal einheimisch ist; Gloriosa L. Besonders die Malabarische Gloriosa superba, welche auch Siegerkrone genannt wird.


Prachtzimmer (W3) [Adelung]


Das Prachtzimmer, des -s, plur. ut nom. sing. ein prächtig ausgeschmücktes und zur Pracht bestimmtes Zimmer; das Parade-Zimmer, bey einigen, obgleich seltener, das Prunkzimmer.


Präcipitat (W3) [Adelung]


Das Präcipitat, des -es, plur. die -e, und das Zeitwort präcipitiren, aus dem Lat. praecipitare, S. Niederschlag und Niederschlagen.


Practicieren (W3) [Adelung]


Practicieren, verb. reg. act. welches aus dem mittlern Latein. practicare entlehnet ist, aber nur im gemeinen Leben gebraucht wird, ausüben. Das läßt sich nicht practicieren, in Ausübung bringen. In engerer Bedeutung sagt man von Advocaten und Ärzten, daß sie practicieren, wenn sie ihre Wissenschaft wirklich ausüben, daher auch practicierende Ärzte, welche keine Doctores sind, Practicanten genannt werden; welchen Nahmen zuweilen auch diejenigen bekommen, welche das Advociren erlernen, aber noch nicht wirkliche Advocaten sind. Nach einer andern Einschränkung ist practicieren, mit List in das Werk richten. Jemanden etwas in die Tasche practicieren. Sich in ein Amt practicieren. S. Practike.


Practik (W3) [Adelung]


Die Practik, plur. inus. aus dem mittlern Lat. Practica, und dieß aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; die Ausübung, im Gegensatze der Theorie oder der bloßen Regeln; wofür doch das mehr Griechische Praxis üblicher ist. Das erste kommt am häufigsten in einigen einzelnen Fällen vor. So war Practik ehedem die Astrologie, Practiken-Schreiber ein Astrologe oder Sternseher, und practicieren aus den Sternen weißagen. Die Wälsche Practik ist bey den Rechenmeistern die Anweisung zu Anwendung gewisser Vortheile im Rechnen. Die Bauern-Practik, zufällige und in der Naturlehre nicht gegründete Zeichen künftiger Witterungen, deren sich die Landleute zu bedienen pflegen. Die Practik eines Arztes, wofür im Hochdeutschen Praxis üblicher ist.


Practike (W3) [Adelung]


Die Practike, plur. die -n, gleichfalls von dem vorigen Worte, aber nur im gemeinen Leben, Ränke, listige und andere schädliche Streiche. Practiken machen. Practiken anrichten, 3 Macc. 6, 22. ( S. auch Partite und Practicieren.) Schwed. Praktik, welches einige Schwedische Wortforscher von dem Angels. Praett, List, abstammen lassen.


Practisch (W3) [Adelung]


Practisch, -er, -te, adj. et adv. ausübend, in der Ausübung gegründet; im Gegensatze des theoretisch. Eine practische Lehre. Die practische Weltweisheit, welche unser Verhalten oder die Einrichtung unserer Veränderungen bestimmet. Eine practische Schrift, worin die zur Ausübung bequemsten Wahrheiten vorgetragen werden.


Prädestination (W3) [Adelung]


Die Prädestination, plur. inus. aus dem mittlern Lat. Praedestinatio, in der Theologie, besonders der Reformirten Kirche, der Rathschluß Gottes über die Seligkeit und Verdammniß der Menschen; die Vorherbestimmung.


Prädicant (W3) [Adelung]


Der Prädicant, des -en, plur. die -en, aus dem Lat. praedicans, ein Prediger; in welchem Verstande es auch ehedem sehr häufig war. Jetzt ist es vorzüglich in der katholischen Kirche von protestantischen Geistlichen üblich, welche man zwar für Prediger, aber nicht für wahre Priester und Geistliche gelten läßt.


Prag (W3) [Adelung]


Prag, der eigenthümliche Nahme der Hauptstadt Böhmens. Eine Art goldgelber Renetten heißen von dieser Stadt Prager Äpfel, und im Niedersächsischen verderbt Pracher Äpfel. Der Prager Stein, bey den Goldschmieden, ein gelbgrauer Stein von der Länge eines Fußes, welcher aber nur 1/4 Zoll dick und vorn zugespitzt ist, womit das Silber vor dem Poliren, besonders an den krausen Stellen, glatt geschliffen wird.


Prägeeisen (W3) [Adelung]


Das Prägeeisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein stählerner Stämpel in den Klippwerken, in welchen der Revers der Münze geschnitten ist, und womit die Scheidemünzen gepräget werden. S. Prägestock.


Prägen (W3) [Adelung]


Prägen, verb. reg. act. welches, 1) überhaupt drücken bedeutet; in welcher weitern Bedeutung es nur noch im figürlichen Verstande üblich ist. Sich etwas in das Gedächtniß prägen, es wohl fassen, um es nicht wieder zu vergessen. Einem etwas in das Herz prägen, in eben diesem Verstande, doch mit der Nebenbedeutung des bleibenden Einflusses auf den Willen. Wie oft läßt man uns Lehrsätze ins Gedächtniß prägen, die für uns mit Finsterniß umgeben sind, Gell. ( S. auch Einprägen.) 2) In engerer Bedeutung, durch Drücken hervor bringen; doch auch nur von den Münzen, durch Aufdrückung der Figur oder des Bildnisses hervor bringen. Geld prägen, Münzen prägen. Geprägtes Silber, Geld, im Gegensatze des ungeprägten. ( S. auch Ausprägen, Umprägen.) Ingleichen figürlich. Neue Worte prägen, machen. Jede böse Luft ist eine Empörung gegen den, der hernach auf jede Vorstellung des geängstigten Gewissens das Bild seiner erschrecklichen Größe prägen kann; Hermes. Daher das Prägen und die Prägung.

Anm. Im Böhmischen pregowati, Schwed. prägla. Frisch leitete es von Pracht her, wegen des Glanzes der neu geprägten Münzen. Allein es ist wohl unläugbar, daß der herrschende Begriff in diesem Worte das Drücken ist. In den alten Oberdeutschen Mundarten ist mit dem eingeschalteten Nasenlaute, dem gewöhnlichen Begleiter der Gaumenbuchstaben, phrengen, und im Holländ. und Nieders. prangen, drücken. Das Lat. premere und unser pressen sind nur im Endlaute verschieden.


Präger (W3) [Adelung]


Der Präger, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige welcher präget. In den Münzen führet diesen Nahmen derjenige Arbeiter, welcher das Prägen der Scheidemünzen mit dem Prägeeisen verrichtet.


Prägestock (W3) [Adelung]


Der Prägestock, des -es, plur. die -stöcke, an einem Klippwerke in den Münzen, ein kurzer dicker Stämpel, welcher sich unten in dem Klippwerke befindet, und die Rückseite der Münze bildet. S. Prägeeisen.


Prahl (W3) [Adelung]


Der Prahl, des -es, plur. inus. S. Prahlsalat.


Prahlen (W3) [Adelung]


Prahlen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und so wie Pracht, eigentlich eine dreyfache Bedeutung hat. 1. * Mit lauter und ungestümer Stimme reden; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es aber in Niedersachsen noch völlig gangbar ist. Das Franz. brailler bedeutet gleichfalls viel und laut reden, und Braillard einen solchen Schreyer. Es ist in dieser Bedeutung aus der Natur selbst entlehnet, und ahmet den Schall einer solchen ungestümen Stimme genau nach. 2. Figürlich. 1) Glänzen durch einen äußern Glanz, durch schöne bunte Farben seine Vorzüge an den Tag legen; eine noch im gemeinen Leben gangbare Bedeutung. Die Treffe prahlt, wenn sie ein sehr schönes äußeres Ansehen hat. ( S. Prahlsalat.) In weiterer Bedeutung wird es zuweilen auch von einem jeden prächtigen viel versprechenden äußern Ansehen gebraucht, wo es von einigen neuern Dichtern auch wohl active gebraucht wird. Im weißen Strumpfe prahlt die dicke Wade Kraft, Zachar. Wenn seine Feder strahlt. Und hoher Stand und Geld die goldne Weste prahlt, ebend. Im Schwed. ist Pral, und im Isländ. Prial gleichfalls Glanz, und in der erstern Sprache, prala stolz, prächtig einher gehen. Die Figur von dem Schalle auf den Glanz kann hier so wenig befremden, als in hell, Pracht und andern ähnlichen Wörtern. 2) Unerhebliche Dinge als Beweise eigener Vorzüge zur Schau auslegen, besonders in engerer Bedeutung, wenn dasselbe mit Worten geschiehet, sich ungegründeter oder doch übertriebener Vorzüge auf eine ungebührliche Art rühmen, wo die Figur so wohl von dem Glanze als auch der lauten Stimme hergenommen ist. Ein Mensch prahlt, so wohl wenn er sich Vorzüge beyleget, welche er nicht hat, als auch, wenn er diejenigen, welche er besitzet, auf eine ungebührliche Art vergrößert. Mit etwas prahlen. Mit seinem Gelde, mit seinen Kleidern prahlen, sie als Merkmahle seiner Vorzüge ungebührlich zur Schau auslegen. Ein Arzt, der sich zum Doctor prahlt, So auch das Prahlen.

Anm. Im Nieders. gleichfalls pralen. Frisch läßt es von dem schon angeführten Franz. brailler, Wachter aber von parler abstammen. Allein, die Endsylbe zeiget uns, daß dieses Zeitwort ein Frequentativum oder Intensivum ist, welches von einem jetzt veralteten prahen, oder mit dem härtern Oberdeutschen Hauche pragen, abstammet, von welchem noch Spuren genug vorhanden sind. Hornegk gebraucht progen wirklich für prahlen, und im Engl. ist Brag noch jetzt Prahlerey. Dieses progen und pragen aber ist mit prachen und prochen, dem Stammworte von Pracht, ein und eben dasselbe Wort, und daher kommt es auch, daß prahlen so wohl als Pracht, zunächst von der Stimme, hernach aber auch von dem Glanze gebraucht werden. Prahlen stehet also für pragelen; woraus zugleich erhellet, daß man dieses Wort bisher mit dem besten Grunde mit einem h geschrieben, um den ausgestoßenen Hauchlaut dadurch anzudeuten. Nur einige neuere Sprachlehrer haben aus Unkunde der Abstammung das h ausstoßen, und dieses Wort pralen schreiben wollen. In dieser intensiven oder frequentativen Form liegt zugleich die Ursache, warum prahlen allemahl den Nebenbegriff des Ungebührlichen und Übertriebenen bey sich hat, dagegen dessen Geschlechtsverwandte Pracht und prangen in einem sehr unschuldigen Verstande gebraucht werden. S. Prangen.


Prahler (W3) [Adelung]


Der Prahler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Prahlerinn, eine Person, welche prahlt, in der letzten Bedeutung des vorigen Zeitwortes, welche sich ungegründeter Vorzüge rühmet, oder wirkliche Vorzüge auf eine ungebührliche Art vergrößert; der Großprahler, im gemeinen Leben der Prahlhans, Nieders. Braaschker, Braaschkesaat, von braaschen, mit ungestümer schreyender Stimme reden.


Prahlerey (W3) [Adelung]


Die Prahlerey, plur. die -en. 1) Das Prahlen, und in engerer Bedeutung, die Neigung oder Fertigkeit, sich erdichteter Vorzüge zu rühmen, oder wirkliche auf eine ungebührliche Art zu vergrößern; ohne Plural. 2) Dieses Betragen in einzelnen Fällen, Worte und Handlungen, worin man prahlt. Bey dem Notker Lobogerni.


Prahlerisch (W3) [Adelung]


Prahlerisch, -er, -te, adj. et adv. einem Prahler, oder einer Prahlerey ähnlich, in derselben gegründet; wo doch für die anständige Sprechart prahlhaft schicklicher ist. Folgen denn Ehre und Ansehen so gewiß der Tugend nach, als man uns in unsern jüngern Jahren prahlerisch verheißt? Gell. Du blaue Viole, du stehst bescheiden niedrig im Gras, und streuest Gerüche umher, indeß daß geruchlose Blumen hoch über das Gras empor stehen und prahlerisch winken, Geßn.


Prahlhaft (W3) [Adelung]


Prahlhaft, -er, -este, adj. et adv. geneigt, Fertigkeit besitzend, zu prahlen, und darin gegründet, der Prahlerey ähnlich. Ein prahlhafter Mensch. Prahlhafte Versprechungen. Immer ist Star auf den prahlhaften Ton gestimmt.


Prahlhaftigkeit (W3) [Adelung]


Die Prahlhaftigkeit, plur. inus. die Neigung oder Fertigkeit zu prahlen, für das niedrigere Prahlerey.


Prahlhans (W3) [Adelung]


Der Prahlhans, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein Prahler.


Prahlsalat (W3) [Adelung]


Der Prahlsalat, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, bey den Gärtnern, eine Art des Kopfsalates mit großen, angenehm in die Augen fallenden, gleichsam prahlenden Köpfen, wovon man so wohl grünen als gelben und rothen hat, welche man auch wohl prahlgelben, prahlgrünen und prahlrothen zu nennen pflegt. In andern Gegenden heißt dieser Salat der Prahl, und in noch andern der Prahler. S. Prahlen 2 1).


Prahlsucht (W3) [Adelung]


Die Prahlsucht, plur. car. die Sucht, d. i. heftige, ungeordnete Begierde zu prahlen, sich ungegründeter Vorzüge auf eine ungebührliche Art zu rühmen.


Prahm (W3) [Adelung]


Der Prahm, des -es, plur. die -e. 1) Ein plattes Fahrzeug ohne Kiel, Lasten, Wagen und Menschen über Flüsse zu setzen. Oft wird auch eine jede Fähre, wenn sie einen Rand hat, ein Prahm genannt. Auch die Pontons der Franzosen, welche oft sehr groß sind, drey Masten haben, zur Vertheidigung an den Küsten gebraucht werden, und oft mit sechzig Kanonen besetzet sind, aber gleichfalls nur flach und ohne Kiel gebauet werden, sind unter dem Nahmen der Prahme bekannt. Nieders. Praam, Engl. Prawm, Holländ. Praam. Frisch leitet es von dem Lat. premere her, weil ein solches Fahrzeug, wegen seiner flachen Bauart sehr leicht in das Wasser gedrückt werde; eine freylich sehr weit hergehohlte Ableitung. In Baiern, wo man sich dieser Fahrzeuge gleichfalls bedienet, heißen sie Farme; daher es beynahe scheinen sollte, daß Prahm durch die sehr gewöhnliche Versetzung des r aus Fähre entstanden sey, weil der Prahm doch eigentlich nur zum Übersetzen oder Überfahren bestimmt ist. In einigen Gegenden lautet es der Prahmen, des -s, plur. ut nom. sing. In andern ist es weiblichen Geschlechtes, die Prahme. 2) In einigen Provinzen, z. B. in der Mark Brandenburg, ein Maß der Kalksteine, wo es einen Haufen solcher Steine bezeichnet, welcher 21 Fuß lang, 7 Fuß breit, und 2 Fuß hoch ist; ohne Zweifel so viel, als man auf einen Prahm in der vorigen Bedeutung laden kann.


Prahme (W3) [Adelung]


Die Prahme, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, einen Ranken zu bezeichnen; in welchem Verstande es besonders im Hopfenbaue üblich ist. Der Hopfen muß in dem zweyten Jahre von den übrigen Keimen gereinigt, und ihm nicht mehr als eine Prahme zum aufwachsen gelassen werden. Im dritten und dem folgenden Jahre lässet man ihm zwey bis drey Prahmen zum Wachsthume, welche richtig angewiesen, geblattet und mit mehr Stangen versehen werden müssen. Frisch hat das Wort Prame auch in der Bedeutung eines gemeinen Schäferstockes gefunden ist aber wieder sehr unrichtig daran, wenn er es auch von premere herleitet, weil ein solcher Stock dazu dienet, die Schafe beysammen zu erhalten. Es ist vielmehr ein Seitenverwandter von dem Latein. Ramus, welches im Deutschen nur den müßigen Blaselaut angenommen hat, welcher vor dem l und r aus tausend Fällen erweislich ist. Im Hannöv. ist Prange ein großer Stock. S. auch Riemen.


Prälat (W3) [Adelung]


Der Prälat, des -en, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. Praelatus, ein vornehmer Geistlicher, besonders in der Römischen Kirche, wo man Bischöfe und infulierte Äbte, und aus Achtung zuweilen alle vornehme Äbte Prälaten zu nennen pflegt. Daher die Prälatur, plur. die -en, die Würde, die Stelle eines Prälaten. Das mittlere Lat. Praelatus bedeutete einen Vorgesetzten, so wohl weltlichen als geistlichen Standes, wurde aber bald auf die geistlichen Vorgesetzten eingeschränket, da denn auch wohl die gemeinen Pfarrer unter diesem Nahmen vorkommen, bis derselbe endlich nur den jetzt gedachten geistlichen Vorgesetzten höherer Art zu Theil geworden. Es lautet schon im Schwabensp. Prelat.


Prall (W3) [Adelung]


Prall, -er, -este, adj. et adv. scharf gespannt, oder ausgestopft, so daß es zum Prallen geschickt ist, oder andere Körper prallen machen kann. Das Seil ist zu prall, wenn es zu scharf gespannet ist. Ein praller Ball, wenn er sehr dicht ausgestopfet ist. Pralle Waden, ein praller Bauch. Nieders. gleichfalls prall. Figürlich, für jähe, ist prallig üblicher, S. dasselbe.


Prall (W3) [Adelung]


Der Prall, des -es, plur. die -e, eigentlich, der Schall, welchen ein Körper im Prallen macht, und in weiterer Bedeutung die Handlung des Prallens. Böse Pferde, wenn sie den Reiter abwerfen wollen, machen den ganzen Vorderschenkel so steif als möglich, damit im Springen der Prall oder Gegenprall wider den Reiter gehe und ihn aus dem Sattel hebe. S. das folgende, ingleichen Prell.


Prallen (W3) [Adelung]


Prallen, verb. reg. neutr. welches mit beyden Hülfswörtern gebraucht wird. 1) Mit dem Hülfsworte haben, denjenigen Schall von sich geben und hervor bringen, welchen ein scharf gespannter elastischer Körper macht, wenn er mit Heftigkeit gegen einen andern elastischen oder auch festen Körper getrieben wird. Ich höre etwas prallen. Es hat geprallt. 2) Mit dem Hülfsworte seyn, auf diese Art zurück gestoßen werden, so wohl von elastischen Körpern, wenn sie mit Heftigkeit gegen einander getrieben werden, als auch von einem elastischen Körper, wenn er gegen einen festen, und von einem festen, wenn er gegen einen elastischen Körper getrieben wird. Wenn der Ball gegen die Wand geworfen wird, so prallt er zurück. An etwas prallen, auf solche Art an einen andern Körper getrieben werden. Figürlich gebraucht man es auch wohl zuweilen von Körpern, welche nicht elastisch sind, wenigstens nicht merklich oder sichtbar elastisch sind. So übersetzen viele das Reflectiren der Lichtstrahlen, wenn sie auf eine glatte Fläche stoßen und alsdann unter einem schiefen Winkel wieder zurück geworfen werden, durch zurück prallen, und die Reflexion durch Zurückprallung, zum Unterschiede von der Refraction oder Strahlenbrechung. Daher das Prallen.

Anm. Im Nieders. gleichfalls prallen. Es ist das Neutrum von prellen, prallen machen, welches oft, aber unrichtig, statt dieses Neutrius gebraucht wird, S. dasselbe.


Prallig (W3) [Adelung]


Prallig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Hauptworte Prall. 1) Wie das Bey- und Nebenwort prall, ( S. dasselbe.) 2) Figürlich, jähe, steil, besonders im Bergbaue, wo ein pralliges, d. i. jähes, steiles, Gebirge, dem sanften, abhängigen, entgegen gesetzet wird. Der Fels ist sehr prallig. In welchem Verstande man auch wohl das Hauptwort die Pralligkeit findet.


Pralltriller (W3) [Adelung]


Der Pralltriller, des -s, plur. ut nom. sing. in der Musik, ein Triller, welcher kurz und schnell geschlagen wird, wo die zwey abwechselnden Töne gleichsam zurück prallen.


Pramme (W3) [Adelung]


Die Pramme, im Bergbaue, S. Pronne.


Prangen (W3) [Adelung]


Prangen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und in einer doppelten Hauptbedeutung gebraucht wird. 1. * Sprechen, reden, Worte machen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher prangan noch bey dem Kero für bitten vorkommt. Es ist hier mit fragen, sprechen, dem Schwed. wräka, erzählen, dem Lat. rogare, bitten, Praeco u. s. f. genau verwandt, von welchen es sich theils nur in dem zufälligen vorgesetzten Blaselaute, theils auch durch den eben so zufälligen Nasenlaut, dem freundschaftlichen Begleiter der Gaumenlaute, unterscheidet. Vermittelst eben dieses n ist es unmittelbar aus dem veralteten brechen, progen, pragen, dem Stammworte von Pracht und prahlen, gebildet, daher es auch in den Hauptbedeutungen mit demselben überein kommt. Ein Überbleibsel dieser Bedeutung scheinet noch der im gemeinen Leben vieler Gegenden übliche Gebrauch dieses Wortes zu seyn, wo prangen, aus höflicher Schüchternheit viel Worte und Umstände machen, bedeutet. Prangen wie eine Braut, welches hier nicht die folgende Bedeutung des äußern festlichen Putzes, sondern der feyerlichen Gepränges in Worten und Geberden hat, Franz. faire des facons. Bey Tische und im Bette muß man nicht prangen, nicht viele Umstände machen. 2. Figürlich, glänzen, und in weiterer Bedeutung, durch vorzügliche äußere Reitze, festlichen Putz, kostbare Zierathen, u. s. f. die Augen anderer auf sich ziehen; welche Figur es mit brechen in anbrechen, Pracht und prahlen gemein hat. 1) Eigentlich. Meinest du, du wollest König seyn, weil du mit Cedern prangest? Jer. 22, 15. Im ewigen Kranze prangen, Weish. 4, 2. Du weißt, daß ich nicht achte den herrlichen Schmuck, wenn ich prangen muß, St. Esth. 3, 11. In prächtigen Kleidern einher prangen. So schön kann nie Die Flur im Lenze prangen, Weiße. Ingleichen durch vorzügliche, glänzende Eigenschaften die Augen anderer auf sich ziehen. Wie viele Tugendhelden prangen nicht in der Geschichte! Im weitesten Verstande bedeutet es zuweilen überhaupt die Augen anderer auf sich ziehen, es sey wodurch es wolle. So sagt man, der Übelthäter prange am Halseisen, wenn er hier andern zur Schau ausgesetzet ist. 2) In engerer und figürlichen Bedeutung. (a) Durch glänzende äußere Umstände die Augen anderer auf sich zu ziehen suchen, und in engerer Bedeutung, durch glänzende äußere Umstände von seinen Vorzügen zu überzeugen suchen; wo es auch eine nachtheilige Bedeutung bekommen kann, wenn diese Absicht ungeordnet und übertrieben ist, ob es gleich den verächtlichen Nebenbegriff des Wortes prahlen nie bey sich hat. Sie prangen von eurem Almosen, 2 Pet. 2, 13. Prange nicht vor dem Könige, Sprichw. 25, 6. Wer sehr pranget, der verdirbt darüber, Sir. 20, 11. Mit seinem Reichthume, mit seinem Stande, mit schönen Kleidern prangen. (b) Andere durch Worte von seinen Vorzügen zu überzeugen suchen, um sich dadurch bey ihnen Ansehen zu erwerben, sich seiner Vorzüge rühmen; wo es gleichfalls in einem weit gelindern Verstande gebraucht wird, als prahlen. Ach Herr siehe an mein Elend, denn mein Feind pranget sehr, Klagel. 1, 9, rühmet sich seiner Übermacht. Mit seinen Verdiensten, mit seiner Gelehrsamkeit prangen, sie gleichsam zur Schau auslegen. So auch das Prangen. S. auch das Gepränge.

Anm. Im Engl. to prank, im Nieders. prunken, wovon auch im Hochdeutschen das Wort Prunk üblich ist, im Holländ. pronken. Ohne Nasenlaut gehören auch das Engl. to brag und das Franz. braguer hierher. ( S. auch Pracht und Prahlen.) In den neuern Zeiten haben viele angefangen, solche Dinge, welche man gemeiniglich mit dem Franz. Parade zu benennen pflegt, mit Prang - auszudrücken; das Prangbett, oder vielmehr Prangebett, Prangepferd, Prangezimmer u. s. f. Allein sie haben noch wenig Nachahmer gefunden, so wenig als die, welche dazu Prunk in Vorschlag gebracht haben. Prangen ist wegen der Zweydeutigkeit der letzten Bedeutungen dazu am unbequemsten. Pracht wäre dazu noch am schicklichsten. S. auch Staat.


Pranger (W3) [Adelung]


1. Der Pranger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Prangerinn, eine Person, welche pranget, besonders in den letzten figürlichen Bedeutungen und im nachtheiligen Verstande. Das Schlemmen der Pranger, Amos 6, 7. Im Hochdeutschen kommt es wenig mehr vor.


Pranger (W3) [Adelung]


2. Der Pranger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Pfahl, eine Säule oder auch ein jeder Ort, an welchem die Missethäter zur öffentlichen Schau und Schande ausgestellet werden. Am Pranger stehen. An den Pranger gestellet werden. Weil der Verbrecher gemeiniglich vermittelst eines eisernen Bandes um den Hals daselbst befestiget wird, so wird er auch das Halseisen genannt. In andern Gegenden heißt er der Schandpfahl, im Nieders. der Kaak.

Anm. Bey dem Pictorius der Brangen, im Pohln. Pranga. Entweder von dem Nieders. Prange, ein großer Stock, ein Pfahl, welches sich von Prügel nur durch den Nasenlaut, von Range aber nur durch den vorgesetzten Blaser unterscheidet, oder auch von dem vorigen Zeitworte prangen, so fern es überhaupt zur Schau ausstellen bedeutet, da es denn den Ort bedeuten würde, wo solches geschiehet. Das Nieders. Kaak oder Kak wird von vielen gleichfalls von dem Nieders. kiken, sehen, abgeleitet.


Pranke (W3) [Adelung]


Die Pranke, S. Brante.


Präposition (W3) [Adelung]


Die Präposition, plur. die -en, S. Vorwort.


Präsent (W3) [Adelung]


Das Präsent, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben -er, ein nur im gemeinen Sprachgebrauche für Geschenk übliches Wort; von dem Französ. Present, oder mittlern Latein. Praesentia.


Praser (W3) [Adelung]


Der Praser, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Latein. Prasius und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein weicher glasartiger Edelstein, welcher eine gelbgrünliche dem Porree ähnliche Farbe hat, von welcher er auch den Nahmen hat, von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Porree-Lauch. Man hält ihn für eine Abänderung des Chrysolithes. In einigen Zusammensetzungen lautet dieses Wort nur Pras; der Smaragdgpras, ein grasgrüner, dem Schmaragd ähnlicher Praser; der Chrysopras, ein gelblicher Praser, welcher zuweilen weiß, roth und schwarz gesteckt ist.


Präsident (W3) [Adelung]


Der Präsident, des -en, plur. die -en, aus dem Latein. praesidere, den Vorsitz haben, derjenige, welcher in einem Collegio den Vorsitz hat, das Haupt eines Collegii, welcher die Geschäfte anordnet und vertheilet, und in manchen Fällen auch entscheidet; Franz. President. Dessen Gattinn, die Präsidentinn. Ehedem gebrauchte man das gute Deutsche Wort Stabhalter dafür, so fern der Stab das Ehrenzeichen der vorsitzenden Person in einem jeden, besonders Rechts-Collegio war.


Praß (W3) [Adelung]


Der Praß, S. Braß.


Prasselgold (W3) [Adelung]


Das Prasselgold, des -es, plur. inus. S. Knallgold.


Prasseln (W3) [Adelung]


Prasseln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Frequentativum von dem größten Theils veralteten brassen, brechen, ist, und einen mehrmahligen brassenden oder brechenden Schall nachahmet und ausdruckt; diesen Schall von sich geben oder verursachen. So prasselt das Feuer, wenn es Stroh, dürres Reisig und andere dürre und lockere Körper ergreift, wovon das im gemeinen Leben übliche spratzeln einen kleinern Schall ausdruckt. Wenn sich mehrere Theile eines festen Körpers zugleich los reißen, so entsteht ein Prasseln. Ein bis zur Schweißhitze glühendes Eisen prasselt, weil sich verschiedene Eisentheilchen von demselben losreißen. Es gibt auch Arten von Donnerschlägen, welche prasseln. So auch das Prasseln.

Anm. In den gemeinen Oberdeutschen Mundarten prasteln, im Angels. brastian, im Engl. to brusile, im Schwed. prassla. Prässeln, prazeln und spratzeln, sind hin und wieder im gemeinen Leben üblich, und bezeichnen kleinere oder schwächere Schälle dieser Art. Die Endung "-eln" beweiset, daß es ein Frequentativum von prassen ist, welches den Schall eines brechenden Körpers nachahmet und ehedem für brechen sehr üblich war. Noch jetzt sagt man, die Nelken prassen, wenn sie platzen. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gleichfalls reißen, platzen. Von dem Feuer, wenn es trockne Sachen ergreift, sagt man im Schwed. kras. ( S. Prassen Anm.) Der vorgesetzte Blaselaut, welcher zugleich einen härtern Schall ausdruckt, unterscheidet es von dem lockerern Rasseln. S. dasselbe.


Prassen (W3) [Adelung]


Prassen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, ein ausschweifendes üppiges Leben führen, besonders im verschwenderischen Genusse der Speise und des Trankes. Prasse nicht mit ihr, Sir. 9, 13. Die Heiden schwelgeten und prasseten im Tempel, 2 Macc. 6, 4. Der verlorne Sohn brachte sein Gut um mit Prassen, Luc. 15, 13. Sie prangen von eurem Almosen und prassen mit dem Euren, 2 Pet. 2, 13. Daher das Prassen. S. auch Verprassen.

Anm. Im Dän. brase, im Schwed. braska, wo Brask das Geräusch ist. Es scheinet zunächst das Geräusch auszudrucken, welches mit einem solchen ausschweifenden Genusse der Vergnügungen verbunden ist, da es denn das bey dem vorigen Worte gedachte prassen, platzen, toben, lärmen, seyn würde. Die gleichbedeutenden schwärmen, im Sause und Brause leben, dämmen, Nieders. deumen, sehen insgesammt zunächst auf das Getöse. Auch das Lat. heluari (vielleicht richtiges helluari) läßt sich auf Hall, Schall, Getöse, zurück führen.


Prasser (W3) [Adelung]


Der Prasser, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher prasset, sich den Vergnügungen, besonders dem Genusse der Speise und des Trankes auf eine ausschweifende, brausende Art überläßt. Sey nicht ein Prasser, Sir. 18, 32.


Prätze (W3) [Adelung]


Die Prätze, plur. die -n, S. Plaute.


Predicant (W3) [Adelung]


Der Predicant, S. Prädicant.


Predigen (W3) [Adelung]


Predigen, verb. reg. act. eigentlich, die Wahrheiten der Religion öffentlich und mündlich vortragen. Alle Sonntage predigen. Die Buße, den Glauben predigen. Der Gemeine predigen, wofür doch vor der Gemeine predigen, üblicher ist. Figürlich, mit lauter Stimme verkündigen, bekannt machen, und nach einer noch weitern Figur, mit Nachdruck ermahnen oder bekannt machen überhaupt. Die Tugend predigen, andere nachdrücklich zur Tugend ermahnen, es geschehe nun mündlich oder schriftlich; in welcher figürlichen Bedeutung die dritte Endung der Person üblicher ist, als in der vorigen eigentlichen. Einem predigen. Der mein Thun zu meistern denkt, Predigt tauben Ohren, Haged. Die Bibel predigt nicht bloß für den Verstand. Wunderbare Führungen und Errettungen, was predigen sie anders, als eine über alles wachende Vorsehung? Gell. So auch das Predigen, und zuweilen auch die Predigung.

Anm. Schon im Isidor predigon, bey dem Ottfried bredigon, im Schwed. praedika, im Engl. to preach, im Französ. precher. Es ist ohne Zweifel aus dem Lat. praedicare entlehnet, welches sogleich mit dem Christenthume in Deutschland bekannt geworden. Viele, welche auf eine übertriebene Art für die Ehre der Deutschen Sprache besorgt gewesen, haben es für ein altes echtes Deutsches Wort ausgegeben, welches von dem noch hin und wieder üblichen präten, prätchen, prätschen, pratschen, mit lauter, gemeiniglich heller und eintöniger Stimme reden, abstammen; Wörter, welche den damit verbundenen Schall genau nachahmen. Im Schwed. ist prata reden, sprechen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wohin auch die Hälfte des Lat. interpretari gehöret, und vielleicht, auch unser breiten in ausbreiten und verbreiten. Das Lateinische wird gemeiniglich als ein aus prae und dicare, dicere, zusammengesetztes Wort gehalten, wozu es auch alles Ansehen hat. Indessen stehet es doch noch dahin, ob es nicht von unserm präten ein Seitenverwandter ist, welcher erst in den spätern Zeiten Roms, als man auf die Bildung der Sprache zu denken anfing, aus preticare oder praeticare in praedicare umgemodelt worden. Die Endungen -igen und -icare machen in beyden Sprachen Intensiva, welche sich bald auf ein Thun, bald auf ein Seyn beziehen; amaricare, albicare, candicare u. s. f. S. auch -Igen.


Prediger (W3) [Adelung]


Der Prediger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Predigerinn, eine Person, welche predigt. In engerer Bedeutung, derjenige, welcher dazu berufen ist, dessen Pflicht es ist, die Wahrheiten der Religion öffentlich bekannt zu machen; wo es in den christlichen Kirchen nur im männlichen Geschlechte üblich ist, außer wenn es die Gattinn eines Predigers in den protestantischen Kirchen bedeutet. In diesen Kirchen werden die gewöhnlichen Geistlichen oder Priester, d. i. die zur Verrichtung des öffentlichen Gottesdienstes bestellten Personen, in der anständigen Sprechart gemeiniglich Prediger genannt, weil das Predigen eine ihrer vornehmsten Obliegenheiten ist. ( S. Pastor, Pfaff, Pfarrer und Priester.) Der Landprediger, Stadtprediger, Feldprediger, Hofprediger u. s. f. Prediger werden. Zum Prediger berufen werden. An einigen Orten wird der Hauptprediger an einer Kirche, oder der eigentliche Pfarrer, im Gegensatze des Capellans oder Diaconi, nur der Prediger schlechthin genannt, weil das Predigen seine vornehmste Verrichtung ist, dagegen die übrigen Verrichtungen dem Diacons obliegen. In der Römischen Kirche ist dieses Wort als eine allgemeine Benennung geweiheter Geistlichen nicht üblich, indem diese nach den gehörigen Weihen Priester, und, wenn sie bey einer Gemeinde angestellet sind, Pfarrer heißen. Wohl aber führen daselbst die Glieder des Dominicaner-Ordens den Nahmen der Prediger oder der Predigermönche, weil sie ursprünglich zum Predigen bestimmt waren, daher auch ihr Orden der Prediger-Orden, ihr Kloster das Prediger-Kloster, die Kirche in demselben die Prediger-Kirche u. s. f. heißt. Figürlich heißt oft derjenige ein Prediger, welcher mit Nachdruck zu etwas ermahnet, oder etwas mit Nachdruck bekannt macht. Ein Prediger der Tugend, des Lasters, der Wollust. Daher auch Salomo; wegen der von ihm gepredigten Lehren der Weisheit und Tugend, in der Deutschen Bibel der Prediger Salomo heißt, welche Benennung nachmahls auch dem ihm zugeschriebenen biblischen Buche beygeleget worden, welches von einigen auch, obgleich nicht schicklich, das Predigerbuch, von andern aber noch irriger der Prediger Salomonis genannt wird, als wenn das Buch selbst den Nahmen des Predigers führete, und der Genitiv dessen Verfasser andeutete. Anm. Schon bey dem Ottfried Bredigar, bey dem Notker Predicar, und bey den heutigen Schwaben Bredigar. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe -er von dem Zeitworte predigen gebildet. Die Niedersachsen kennen es nicht, sondern gebrauchen dafür ihre Preester. S. Priester.


Predigt (W3) [Adelung]


Die Predigt, plur. die -en, der Vortrag der Religions-Wahrheiten in Gestalt einer Rede, eine geistliche Rede über einen gewissen Text; die Kanzelrede, so fern sie gemeiniglich von der Kanzel gehalten wird. Eine Predigt halten, ablegen; in der niedrigen Sprechart, eine Predigt thun. Eine Predigt hören. In die Predigt gehen. In die Predigt läuten. Die Predigt versäumen. Unter der Predigt. In weiterer Bedeutung, auch wohl eine jede nachdrückliche Rede. Jemanden eine Predigt halten, ihn nachdrücklich ermahnen, ihm einen nachdrücklichen Beweis geben. Anm. Bey dem Kero Praedigi, bey dem Ottfried Brediga, im Schwabenspiegel Bredig, und noch jetzt in vielen Oberdeutschen Gegenden die Predig oder Bredig. Allein das t am Ende scheinet nicht bloß um des Wohlklanges willen da zu seyn, sondern die Abstammung von dem Lat. Praedicatio zu bezeichnen, daher dieses Wort ehedem auch Predigate geschrieben wurde.


Predigtamt (W3) [Adelung]


Das Predigtamt, des -es, plur. inus. das Amt eines Predigers, besonders in den protestantischen Kirchen, wo es den ganzen Umfang der Obliegenheiten einer zur Verwaltung des öffentlichen Gottesdienstes bestellten Person mit in sich fasset. Zum Predigtamte berufen werden, zum Prediger. Das Predigtamt verwalten, demselben vorstehen, Prediger seyn.


Predigtbuch (W3) [Adelung]


Das Predigtbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, welches Predigten enthält. S. Postille.


Predigtstuhl (W3) [Adelung]


Der Predigtstuhl, des -es, plur. die -stühle, der erhöhete Ort in den Kirchen, von welchem die Predigten gehalten werden, und welcher unter dem Nahmen der Kanzel am bekanntesten ist. Im Nieders. wo dieses Wort am häufigsten vorkommt, Predigtstool.


Preis (W3) [Adelung]


1. Der Preis, des -es, plur. die -e, Dimin. das Preischen, im gemeinen Leben auch Prieschen, ein nur hin und wieder übliches Wort, einen Saum, einen Riemen, und was dem ähnlich ist, zu bezeichnen. So wird der mit Haaren bewachsene Sweif an einem Pferdefuße zwischen dem Horne und Fleische der Preis genannt; in andern Gegenden heißt er der Saum, die Krone. Bey den Nähterinnen werden die breiten Säume, oder die Einfassungen eines Hemdes oben am Halse so wohl, als vorn an den Ärmeln, welche auch unter dem Nahmen der Quadern, Besetzchen, Bindchen, bekannt sind, Preise, Preischen und Prieschen genannt, wo man das Wort auch wohl im weiblichen Geschlechte höret, die Preise. Frischlin nennt einen Schnürriemen Preisriem, Altenstieg einen mit Riemen gebundenen Schuh Preisschuh, und aus dem Frisch erhellet, daß auch die pergamentenen Streifen, woran die Siegel der Urkunden befindlich sind, ehedem Presselen, Preißelen genannt worden. Das Wort Presse, welches der Spate von dem viereckten Stückchen Papier gebraucht, welches auf das wächserne Siegel in den Kanzelleyen gelegt wird, scheinet nicht hierher, sondern zu unserm Presse zu gehören, weil das Siegel darauf gedrückt wird. Indessen ist auch im Schwed. Ret eine jede viereckte Fläche, wohin auch unser Raute gehöret.

Anm. Preis vereiniget in dieser Bedeutung den Begriff der Länge mit dem Begriffe der Breite, und scheinet vermittelst des vorgesetzten Blaselautes aus Reis, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Reis zum Binden, oder einem ähnlichen Stamme entstanden zu seyn, wohin auch das Lat. Restis gehöret. In Ansehung der Breite ist es auch mit unserm breit verwandt, weil t und s beständig abwechseln. Im Schwedischen ist Brädd der Rand, ( S. Preisziegel,) und das in der Baukunst übliche Wort Fries, so fern es ein langes breites Glied an den Säulenordnungen bedeutet, könnte gleichfalls hierher gerechnet werden. In den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden nennet man die Brustdrüsen von den Kälbern gleichfalls Preischen; allein alsdann ist es aus Bröschen verderbt, siehe dasselbe.


Preis (W3) [Adelung]


2. Der Preis, des -es, plur. die -e, 1. Überhaupt eine Sache, welche der Willkühr eines jeden überlassen ist; wo es aber nur noch indeclinabel und ohne Artikel in verschiedenen Redensarten üblich ist, in denen es alles Ansehen eines Nebenwortes hat. Etwas Preis geben, es der Willkühr eines jeden überlassen. Eine Stadt Preis geben, die den Soldaten zur Plünderung überlassen. Sich den Lastern Preis geben, sich ihnen ohne Widerstand überlassen. Wenn es niemand wagen will, sich dem Sturme Preis zu geben, so will ich es thun, Gell. Sich der Gefahr Preis geben, sich in dieselbe wagen. Etwas Preis machen, es Beute machen, als eine der Willkühr eines jeden überlassene Sache sich zueignen; ingleichen, so wie Preis geben, der Willkühr anderer überlassen. Es ging alles Preis, was da war. 2. In engerer Bedeutung, eine dem Wetteifer anderer ausgestellte oder überlassene Sache, eine Belohnung, so fern sie in einem Wettstreite dem Würdigsten zuerkannt wird. 1) Eigentlich. Einen Preis auf etwas setzen, einen Preis aussetzen, ausstellen. Die Akademien und gelehrten Gesellschaften pflegen jährlich gewisse Preise auszusetzen. Den Preis davon tragen, erhalten, bekommen. Jemanden den Preis zuerkennen, zusprechen, ertheilen, geben. Daher die Preisfrage, diejenige Frage, auf deren beste Auflösung ein Preis gesetzet wird; die Preisschrift, diejenige Schrift, welche den Preis erhalten hat, mit dem Preise gekrönet worden; zuweilen auch in weiterer Bedeutung, eine Schrift, welche sich mit um den Preis bewirbt. Die R. A. einen Preis auf jemandes Kopf setzen, gehöret gleichfalls hierher, kann aber auch zu dem folgenden Worte des bestimmten Werthes gerechnet werden. Bey den Ritterspielen, Turnieren, Kampfspielen und andern dem Wetteifer anderer bestimmten Übungen werden gleichfalls Preise ausgesetzt und erhalten. 2) Figürlich, eine jede Belohnung; in welcher Bedeutung es doch nur noch zuweilen in der dichterischen Schreibart vorkommt, außer derselben aber veraltet ist. Der Tugend Preis.

Anm. Da dieses Wort in der ersten Bedeutung nie anders als adverbisch gebraucht wird, so könnte man es hier füglich auch als ein Nebenwort betrachten, und folglich mit einem kleinen Buchstaben schreiben. Allein es scheinet ursprünglich ein wahres Hauptwort zu seyn, welches ein Seitenverwandter von dem Franz. Prise (siehe Prise) und dem Lat. Praeda ist, und mit denselben von dem veralteten reisen, nehmen, in den Monseeischen Glossen ruzan, wovon unser reißen das Intensivum ist, abstammet. In Fausts Limburgischer Chronik heißt Preisschiff ein erbeutetes Schiff, eine Prise. Im Holländ. ist ruiten plündern. Sagt doch auch jedermann adverbisch, etwas Beute machen, und nicht selten hört man auch, eine Sache Beute geben, für, sie Preis geben. In der zweyten Bedeutung, wo es schon bey dem Stryker und seinen Zeitgenossen Pris, im Schwed. gleichfalls Pris, lautet, wird es gemeiniglich zu dem folgenden Worte gerechnet, von welchem es sich auch ohne großen Zwang würde ableiten lassen, wenn nicht die hier angegebene Abstammung mehr Wahrscheinlichkeit für sich hätte, indem der Begriff des Wetteifers hier allerdings der herrschende zu seyn scheinet. Über dieß bestätiget die verschiedene Schreibart in den verwandten Sprachen die Verschiedenheit in der Abstammung. Der Preis in dieser Bedeutung heißt im Engl. Prize, der bezahlte Werth Price, und das Lob Praise. Das Lat. Praemium und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - sind von Preis in der zweyten Bedeutung nur im Endlaute unterschieden.


Preis (W3) [Adelung]


3. Der Preis, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches eigentlich die laute Rede, die laute Stimme, bedeutet, welches aber nur noch in engerer Bedeutung üblich ist, das Lob, den Ruhm, das durch Worte ausgedruckte Urtheil von den Vorzügen anderer zu bezeichnen. 1. Eigentlich, wo es keinen Plural hat, und 1) im engsten Verstande des Urtheil von den erhabenen Vorzügen anderer bedeutet, als eine Figur der lauten Stimme, welche dieses Wort zunächst bezeichnet. Es saget in diesem Verstande mehr als Lob und Ruhm, und ist in der biblischen und erhabenen Schreibart am üblichsten. Herr, du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft, Off. 4, 21. Mit Preis und Ehre hast du ihn gekrönet, Ebr. 2, 7. Da er empfing von Gott dem Vater Ehre und Preis, 2 Petr. 1, 17; obgleich die R. A. Preis empfangen, und die in andern Stellen vorkommenden Preis geben, Preis opfern, außer der biblischen Schreibart veraltet sind. Laß meinen Mund deines Ruhms und deines Preises voll seyn täglich, Ps. 71, 8. Zum Preis (Preise) deines Volks Israel. Luc. 2, 32. 2) * In weiterer Bedeutung, das Lob überhaupt, ein jedes ausgesprochenes Urtheil von den Vorzügen anderer, in welchem Ver- stande es im Hochdeutschen veraltet ist. Ehedem war davon auch der Gegensatz Unpreis für Verleumdung, Spott, üblich. 2. Figürlich, der Vorzug, die Ursache und der Bewegungsgrund des Preises in der vorigen Bedeutung. 1) Überhaupt, der Vorzug, der Werth, im Gegensatze des veralteten Unpreises; gleichfalls ohne Plural. Ir Pris kan so hohe strichen Vnd Vnpris so gar verjagen u. s. f. Burkhard von Hohenfels. Auf daß ich erzähle allen deinen Preis, Ps. 9, 15. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung größten Theils veraltet, welche noch bey den Dichtern der vorigen Zeiten häufig vorkommt. 2) In engerer Bedeutung. a) * Der äußere Vorzug, und besonders der Zierath, der Schmuck; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher es noch im Oberdeutschen von allen zur Zierde und zum Schmucke gereichenden Dingen, und von der Zierde selbst üblich ist. Im Angels. ist Präte der Schmuck, und bey den ältern Schweden pryda schmücken. Es fließt in dieser Bedeutung mit dem ohnehin verwandten Pracht zusammen, ( S. dasselbe.) Ehedem wurde die Sakristey bey den Kirchen die Preiskammer genannt, ohne Zweifel, weil der Kirchenschmuck darin verwahret wird, daher sie auch die Dreßkammer oder Treßkammer hieß. b) Der Werth, welchen ein Ding im Handel und Wandel hat, der geforderte oder bezahlte Werth; in welchem Verstande allein im Hochdeutschen auch der Plural gebraucht wird. Nach dem Preise einer Waare fragen. Sagen sie mir den genauesten, den nächsten Preis. Der Preis ist mir zu hoch. Ein hoher, theurer, niedriger, geringer, billiger Preis. Den Preis setzen, machen, bestimmen. Von dem Preise etwas ab- oder herunter lassen. Etwas für einen billigen Preis kaufen. Für den Preis mag ich es nicht. Die Sache stehet jetzt hoch im Preise, sie stehet in einem hohen, in einem niedrigen Preise. Der Preis der Waare steigt, fällt; die Waare steigt, fällt im Preise. Den Preis einer Waare erhöhen, steigern. Ich gebe es um oder für einen guten (billigen) Preis. Etwas an dem Preise abbrechen.

Anm. In der ersten Bedeutung des Lobes lautet dieses Wort im Schwed. Pris, und im Engl. Praise; in der zweyten Bedeutung des geforderten oder bezahlten Werthes im Schwed. gleichfalls Pris, im Franz. Prix, im Engl. Price, im Ital. Pregio und Prezzo, und im Lat. Pretium. Allen Gründen einer gesunden Etymologie nach druckt es ursprünglich den Schall des Redenden aus, so daß es mit Rede selbst auf das genaueste verwandt ist, welches hier nur den gewöhnlichen Blaselaut zu seiner Begleitung angenommen, und sein d in das verwandte s verwandelt hat. Im Schwed. ist rosa, im Isländ. hrosa, bey den nördlichen Engländern reose, im Schottländischen ruse, loben. Mit dem vorgesetzten Blaselaute war breiten, präten, ehedem sprechen überhaupt. ( S. die Anmerkung zu Predigen.) Unser grüßen gehöret auch zu diesem Stamme, und ist nur in dem Verschlage und intensiven ß statt des s verschieden, so wie brausen und das Nieders. prusten, niesen, einen ähnlichen Schall bedeuten. Luther scheinet Hiob 39, 20 mit dem Worte Preis den Begriff eines ähnlichen Schalles verbunden zu haben, wenn er Gott von dem Rosse sagen lässet: Kannst du es schrecken, wie die Heuschrecken? Das ist Preis seiner Nasen, was schrecklich ist; wo es bey Michaelis heißt: befiehlst du ihm, den Heuschrecken gleich zu springen? Sein prächtiges Wiehern ist Schrecken.


Preischen (W3) [Adelung]


Das Preischen, des -s, plur. ut nom. sing. S. 1. Preis.


Preise (W3) [Adelung]


Die Preise, plur. die -n, S. eben daselbst.


Preiselbeere (W3) [Adelung]


Die Preiselbeere, plur. die -n, ein Nahme einer doppelten Art Beeren und der Staude, welche sie trägt. 1) Der rothen mehlartigen Bärentraube oder Sandbeere, welche in sandigen unfruchtbaren Wäldern wächst, und auch Mehlbeere, bey Zelle Moorbeere, von dem Nieders. mör, mürbe, genannt wird; Arbutus Uva ursi L. Die Blätter dieser Staude haben einen herben zusammen ziehenden Geschmack. Noch mehr aber, 2) einer Art Heidelbeere, welche auf ganz niedrigen Ständchen in den Wäldern des kältern Europa wachsen, roth von Farbe sind, und einen zwar herben, aber zugleich auch angenehmen, säuerlichen und erfrischenden Geschmack haben, und daher in Zucker eingemacht und zum Braten gegessen werden; Vaccinium Vitis Idea L. rothe Heidelbeere, auf dem Harze Kronbeere, in Kärnthen Granten, in Franken Moßjocken, um Nürnberg Steinbeere, weil sie gut wider den Stein sind, im Thüringer Walde Hölperlebeere, in andern Gegenden Krausbeere, Mehlbeere, Bocksbeere, Griffelbeere, Kreubeere, Rausch, in Norwegen Tranebeere. Weil das erste Gewächs herbe Blätter, das letzte aber herbe Beeren hat, so scheinet diese Eigenschaft auch zu dem Nahmen Preiselbeere, welcher bald Preißelsbeere, bald auch Preußelbeere gesprochen wird, Anlaß gegeben zu haben. In Baiern und andern Oberdeutschen Gegenden ist räß herbe, woraus mit vorgesetztem Blaselaute leicht Preis und Preisel werden können. Der Nahme Rausch, vielleicht auch Krausbeere, leidet eben dieselbe Ableitung, so wie die Nahmen Kronbeere und Granten mit Grän, dem Oberdeutschen Nahmen des Meerrettiges, von dem Wendischen und Slavonischen grenak, herbe, bitter, abstammen können.


Preisen (W3) [Adelung]


Preisen, verb. reg. et irreg. act. welches im letztern Falle, ich preise, du preisest; Imperf. ich pries; Mittelw. gepriesen; Imperat. preise, hat. Es bedeutete ehedem mit lauter Stimme reden, sprechen, wie aus der Anmerkung zu 3 Preis erhellet, wird aber jetzt nur noch in der ersten Bedeutung dieses Hauptwortes gebraucht, jemandes erhabene Vorzüge bekannt machen; da es denn, so wie das Hauptwort Preis, mehr sagt, als die ähnlichen loben und rühmen, und besonders mehr Feyerlichkeit, mehr Schmuck in den Worten voraus setzt, daher es auch in der höhern und feyerlichen Schreibart am üblichsten ist. Gott loben und preisen. Wer kann die großen Thaten des Herrn ausreden und alle seine löblichen Werke preisen? Pf. 106, 2. Jemanden glücklich preisen, mit vielen feyerlichen Worten für glücklich erklären. Ein gepriesener, hoch gepriesener Mann, dessen Vorzüge von jedermann erkannt und bekannt gemacht werden. Ein jeder Krämer preiset seine Waare. Siehe auch Unpreisen, wo es in weiterer Bedeutung für loben, doch mit Einschluß des Wortgepränges, gebraucht wird. Daher das Preisen.

Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern prisen, bey dem Stryker schon preisen. Ehedem war es auch für schätzen üblich, von der zweyten engern Bedeutung des Hauptwortes Preis, von welcher Bedeutung auch das Franz. mepriser, mißpreisen, verachten, herrühret. So fern Preis auch Zier, Schmuck bedeutete, ist preisen noch jetzt im Oberdeutschen zieren, schmücken. ( S. 3 Preis Anm.) Bey vielen Schriftstellern kommt dieses Wort in der regulären Form vor, ich preisete, gepreiset. So gebrauchen es Luther in der Deutschen Bibel, Opitz, Gryphius und selbst viele Hochdeutsche Schriftsteller. Auf daß sie von den Leuten gepreiset werden, Matth. 6, 2. Daß Christus hoch gepreiset werde, Phil. 1, 6. Indessen ist doch im Hochdeutschen die irreguläre Form einmahl die gebräuchlichste, welche durch einzelne Beyspiele des Gegentheile nicht aufgehoben werden kann und einen gepriesenen Mann wird wohl nicht leicht jemand einen gepreiseten nennen.


Preisfrage (W3) [Adelung]


Die Preisfrage, plur. die -n, S. 2 Preis 2.


Preislich (W3) [Adelung]


Preislich, -er, -ste, adj. et adv. von dem Hauptworte Preis, so fern es erhabenen Vorzug bedeutet, im hohen Grade vorzüglich, oder auch von dem Zeitworte preisen für preiswürdig. Dein preisliches Verdienst macht unsern Mund zu enge Günth. Im Hochdeutschen wird es nur noch im Scherze gebraucht. Da die Bekanntschaft schon recht preislich angegangen, Haged. Ein preislicher Schmaus. Sich preislich belustigen. In einigen Gegenden ist preislich und hochpreislich ein Titel, welchen gewisse Collegia zu bekommen pflegen. So heißt das Churfürstlich Mainzische Regierungs-Collegium zu Erfurt die hochpreisliche Regierung. Löblich, wohllöblich und hochlöblich, werden auf ähnliche Art, aber von geringern Collegiis gebraucht.


Preisschrift (W3) [Adelung]


Die Preisschrift, plur. die -en, S. 2 Preis 2.


Preiswürdig (W3) [Adelung]


Preiswürdig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Von 3 Preis, der im Handel und Wandel bestimmte Werth, des Preises würdig; wo es doch nur in einigen Gegenden üblich ist. Preiswürdige Waaren liefern. 2) Von dem Zeitworte preisen, werth gepriesen zu werden. Eine preiswürdige That. Nichts preiswürdiges verrichten. Ein preiswürdiger Mann. So auch die Preiswürdigkeit.


Preisziegel (W3) [Adelung]


Der Preisziegel, des -s, plur. ut nom. sing. kleine Forstziegel, welche an dem einen Ende breiter und tiefer sind, als am andern, die Walmsparren damit zu decken; von 1 Preis, der Rand, die Ecke, daher sie auch Ortziegel, bey andern aber auch Walmziegel heißen.


Preißelsbeere (W3) [Adelung]


Die Preißelsbeere, S. Preiselbeere. 2.


Prell (W3) [Adelung]


Der Prell, des -es, plur. inus. ein nur im gemeinen Leben übliches Wort, die Fläche eines prall gespannten Körpers zu bezeichnen. So wird dieses Wort im Jagdwesen gebraucht, die Länge der ausgespannten Jagdleinen, Tücher und Netze zu bezeichnen. Ein Netz, welches auf dem Prell oder im Prelle 60 Klafter lang ist, wenn es ausgespannet worden.


Prelle (W3) [Adelung]


Die Prelle, plur. die -n, ein starkes Tuch, womit in der Jägerey die Füchse geprellet werden. Einen Fuchs auf die Prelle laufen lassen. Wenn es ein Netz ist, wird es auch das Prellnetz genannt.


Prellen (W3) [Adelung]


Prellen, verb. reg. act. prallen machen, vermittelst der Schnellkraft, durch seine elastische Kraft forttreiben, so wohl von einem elastischen Körper, wenn er einen unelastischen forttreibet, als auch von einem unelastischen, wenn er einen auf ihn fallenden oder stoßenden elastischen forttreibt. 1) Eigentlich. Der Ball flog an die Wand, aber er wurde zurück geprellet. Füchse prellen, eine Art der Jagdlustbarkeit, da man einen Fuchs auf ein auf der Erde liegendes Tuch oder Netz laufen läßt, welches, so bald der Fuchs darauf ist, mit beyden Enden prall angezogen wird, und diesen ihm unvermuthet einige Ellen hoch in die Luft wirft. In weiterer Bedeutung bedeutet es auch zuweilen plötzlich treiben. Den Feind zurück prellen. Gott hat mich zurück geprellet, Klagel. 1, 13; wo doch der Ausdruck, von Gott gebraucht, zu niedrig ist. 2) Figürlich, mit Lift anführen, hintergehen; doch nur im gemeinen Leben, wo die Bedeutung ohne Zweifel von den Universitäten herstammet, wo die neuen Ankömmlinge Füchse heißen, von welchen die Figur allem Ansehen nach entlehnet ist, weil beyde Arten des Prellens einen unvermutheten Nachtheil gewähren. Jemanden prellen, zunächst, ihn unter einem scheinbaren Vorwande um das Geld bringen; in weiterer Bedeutung, ihn anführen, hintergehen; und in noch weiterm Verstande, seine Erwartung, seine Hoffnung vereiteln. Sonst spielte ich immer solche Histörchen, um meinen Vater ums Geld zu prellen, Weiße. Ein Schulfuchs hofft, mit dürren Gründen Den Beyfall aller Welt zu finden, Allein er wird geprellet, Haged. Daher das Prellen.

Anm. Ital. bricollare, Franz. bricoller. Prellen ist die thätige Form von prallen, darf daher nicht für dieses gebraucht werden, obgleich solches häufig geschiehet. Einige Beyspiele sind bey Anprallen angeführet worden.


Preller (W3) [Adelung]


Der Preller, des -s, plur. ut nom. sing. ein prellender Stoß oder Schlag. So heißt derjenige prellende Ruck mit der Prelle, welcher den Fuchs in die Luft schleudert, der Preller. Ital. Bricollo, Franz. Bricolle. Ingleichen ein Schlag auf einen prall gespannten Körper; in welchem Verstande die Schläge auf den Hintern zuweilen Preller heißen. In der Geschützkunst werden eine Art Geschütz, welche 16 Caliber lang sind, 28 Pfund Eisen schießen und 37 Zentner schwer sind, Preller genannt, wo der Grund der Benennung zunächst in dem prallenden Knalle zu liegen scheinet, daher es eigentlich Praller heißen sollte.


Prellnetz (W3) [Adelung]


Das Prellnetz, des -es, plur. die -e, ( S. Prelle.) Bey dem Saujagen gibt es noch eine andere Art Prellnetze, welche vor den Lauftüchern auf die Erde gelegt, und wenn die wilden Schweine auf die Tücher zulaufen, plötzlich aufgezogen werden, da denn diese zurück prallen.


Prellschuß (W3) [Adelung]


Der Prellschuß, des -sses, plur. die -schüsse, in der Geschützkunst, ein Schuß aus einer Kanone, wo bey diese so gerichtet wird, daß die Kugel unter einem spitzigen Winkel auf den Boden stößt, da sie denn unter eben diesem Winkel abprallt, und dem Feinde unvermutheten Schaden zufügt; Franz. Ricochet. Von prellen, so fern es oft, obgleich deßwegen nicht richtiger, für prallen gebraucht wird.


Premsen (W3) [Adelung]


Premsen, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben für stark zusammen drücken, ingleichen für heftig stopfen und pfropfen üblich ist. Es ist das Intensivum von dem noch im Niedersächsischen gangbaren prammen, pfropfen, stopfen, welches seine Verwandtschaft mit dem Lat. premere nicht verläugnen kann. S. auch Brämse.


Present (W3) [Adelung]


Present, President, S. in Prä-


Preß (W3) [Adelung]


Preß, -sser, -sseste, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben gehört wird, fest angedrückt, fest. Es liegt preß an, von einem Kleidungsstücke oder andern Dinge.


Preßbängel (W3) [Adelung]


Der Preßbängel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Buchbindern, ein Bängel, d. i. ein kurzes, starkes in der Mitte mit einem Loche versehenes Holz, die hölzernen Schraubenmütter an der Presse damit scharf anzuziehen.


Preßbank (W3) [Adelung]


Die Preßbank, plur. die -bänke, bey den Popiermachern, ein starkes Bret in der großen Presse, welches zwischen den Pfeilern auf- und niedersteigt, und den Buscht eigentlich zusammen drückt. Bey den Kartenmachern ist es eine Bank, auf welcher die Karten zwischen den Preßstahlen gepresset werden, ehe man sie beschneidet.


Preßbaum (W3) [Adelung]


Der Preßbaum, des -es, plur. die -bäume, der Baum, d. i. starke lange Hebel an einer großen Presse, dieselbe damit an- und zuzuziehen; z. B. an den Weinpressen, oder Keltern, wo er auch der Kelterbaum genannt wird. An den Windmühlen ist der Preßbaum derjenige Baum, worauf die Presse ruhet, wenn die Mühle geht.


Preß-Boy (W3) [Adelung]


Die Preß-Boy, plur. inus. seine Boy, welche zuletzt gepreßt wird.


Preßbret (W3) [Adelung]


Das Preßbret, des -es, plur. die -er, Breter, zwischen welchen diejenige Sache, welche gepresset werden soll, in der Presse lieget; dergleichen z. B. bey den Buchbindern üblich sind. Bey den Tuchbereitern heißen sie Preßthüren.


Presse (W3) [Adelung]


Die Presse, plur. die -n. 1) Ein Körper, welcher auf einen andern drückt; doch nur in einigen Fällen. Es ist die Presse an den Windmühlen ein großer hölzerner schwerer Bogen, über dem Obertheile der glatten Peripherie des Kammrades, welcher auf dieselbe drückt, wenn die Mühle stille stehen soll. Bey den Strumpfwirkern ist es eine eiserne Stange quer über dein Register der Platinen, welche die Nadeln zusammen drückt, bis die neue Masche fertig geworden ist. Am häufigsten, 2) ein Werkzeug, einen andern Körper entweder durch einen einfachen oder durch Schrauben verstärkten Druck darin zusammen zu drücken, und ihm dadurch eine gewisse Art von Zurichtung geben. Die Briefpresse, Buchbinderpresse, Beschneidepresse, Serviettenpresse, Obstpresse, Öhlpresse, Weinpresse, welche auch Kelter heißt u. s. f. In engerer Bedeutung verstehet man unter der Presse schlechthin oft nur die Buchdruckerpresse. in Buch unter die Presse geben, es drucken lassen; es unter die Presse nehmen, anfangen daran zu drucken. Das Buch kommt aus der Presse, ist in der Druckerey fertig. So wie es in andern Fällen von dem Glanze gebraucht wird, welchen ein Zeug durch die Presse erhält. Die Presse ist nicht in dem Zeuge, der Zeug hat die Presse verloren, wenn er diesen Glanz verloren hat.

Anm. Bey dem Notker Fressa, im Nieders. mit versetztem r Parße, und mit ausgestoßenem r, Passe, Holländ. Pars, Pers, im Engl. und Schwed. Press, im Pohln. Prasa. ( S. das folgende.) Notker gebraucht Presso auch figürlich für Bedrückung, und noch jetzt sagt man im gemeinen Leben, in der Presse seyn, in der Enge seyn, bedrückt werden.


Pressen (W3) [Adelung]


Pressen, verb. reg. act. in einem hohen Grade drücken, und besonders zusammen drücken. 1. Eigentlich. Das Kleid, die Schuhe pressen uns, wenn sie die Theile des Leibes sehr zusammen drücken. Etwas in einen engen Raum zusammen pressen. Mein Herz ist gepreßt, ich will versuchen, ob ich ihm Luft machen kann. Rastlose Seufzer preßt seiner Söhne Zwist aus seinem Herzen, Schleg. In engerer Bedeutung, vermittelst einer Presse zusammen drücken, und dadurch eine Art von Zubereitung geben. Den Saft aus den Zitronen, aus dem Obste pressen. Wein pressen, die Weintrauben, wofür auch keltern üblich ist, ( S. dieses Wort.) Öhl pressen, vermittelst der Presse aus den Öhlbeeren drücken. Einen Brief, ein Buch pressen u. s. f. 2. Figürlich. 1) Sehr dringen. Gepresset werden, in der Enge, in dringender Verlegenheit seyn. Die Noth presset mich. Pressende Geschäfte, besser dringende. 2) Matrosen pressen, eine nur in England und Holland übliche Gewohnheit, sie zum Dienst der Kriegsschiffe mit Gewalt wegnehmen. Soldaten pressen, eben daselbst, Leute mit Gewalt zu Soldaten anwerben. In Holland presset man auch die Schiffe, wenn man sie in Beschlag nimmt, und dem Staate Dienste zu thun zwingt. Daher das Pressen und die Pressung.

Anm. Bey dem Notker bressen, im Nieders. parßen, passen, im Holländ. parsen, persen, im Schwed. prässa, im Englischen to preis, im Lat. pressare.


Presser (W3) [Adelung]


Der Presser, des -s, plur. ut nom. sing. Fäm. die Presserinn, eine Person, welche presset.


Presserlohn (W3) [Adelung]


Der Presserlohn, des -es, plur. inus. der Lohn, welchen man dem Presser für seine Arbeit bezahlt, besonders bey dem Pressen der Weintrauben.


Preßglanz (W3) [Adelung]


Der Preßglanz, des -es, plur. car. der Glanz, welchen eine Sache unter der Presse, d. i. durch das Pressen, erhält.


Preßhaft (W3) [Adelung]


Preßhaft, -er, -este, adj. et adv. mit einem Gebrechen des Leibes oder der Seele behaftet; S. Bresthaft, aus welchem Wort das Hochdeutsche preßhaft verderbt worden.


Preßhaspel (W3) [Adelung]


Der Preßhaspel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Papiermachern, ein Haspel, d. i. eine Welle mit vier Querstangen, vermittelst deren die große Presse zugezogen wird.


Preßkopf (W3) [Adelung]


Der Preßkopf, des -es, plur. die -köpfe. 1) In den Küchen das von den Rinds- und Schweinsköpfen abgelöste Fleisch, nachdem es klein gehackt, gekocht, und in eine Form oder in ein Tuch gethan und gepresset, d. i. mit Gewichten beschweret worden, damit alles Wasser davon ablaufen möge. 2) An den Pressen der Papiermacher heißt der untere Theil der Schraube, wodurch die Preßstange gesteckt wird, der Preßkopf.


Preßmeister (W3) [Adelung]


Der Preßmeister, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Buchdruckern, derjenige von den Druckern, welcher den Bogen in den Deckel einsticht, den Karren unter den Tiegel windet, und die Presse mit dem Bängel zuziehet.


Preßmost (W3) [Adelung]


Der Preßmost, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, der aus Äpfeln, Birnen, Quitten und andern Früchten gepreßte Most; zum Unterschiede von dem Weinmoste.


Preßschraube (W3) [Adelung]


Die Preßschraube, plur. die -n, die Schraube an einer Presse.


Preßthür (W3) [Adelung]


Die Preßthür, plur. die -en, bey den Tuchbereitern, viereckte Breter, welche zwischen die Tücher, die man preßt, gelegt werden.


Preußelbeere (W3) [Adelung]


Die Preußelbeere, S. Preiselbeere 2.


Prezel (W3) [Adelung]


Die Prezel, S. Brezel.


Prickeln (W3) [Adelung]


Prickeln, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, mehrere Stiche, besonders mehrere kleine Stiche geben oder machen. Es ist das Frequentativum und zugleich Diminutivum von dem Nieders. pricken, stechen, Angels. prickan, Engl. to prick, wo auch prökeln stochern, der Prickel ein Stachel, und die Pricke eine Aalgabel ist.


Priesteramt (W3) [Adelung]


Das Priesteramt, des -es, plur. inus. das Amt, d. i. der ganze Inbegriff der Obliegenheit, und die damit verbundene Würde eines Priesters. Das Priesteramt verwalten, dazu berufen werden. Die biblischen Ausdrücke, das Priesteramt thun, führen, desselben pflegen, sind veraltet.


Priesterlich (W3) [Adelung]


Priesterlich, adj. et adv. in der Würde eines Priesters gegründet. Das priesterliche Amt. Die priesterliche Kleidung.


Priesterrock (W3) [Adelung]


Der Priesterrock, des -es, plur. die -röcke, ein Rock, so wie ihn die Priester zu tragen pflegen.


Priesterschaft (W3) [Adelung]


Die Priesterschaft, plur. die -en, die sämmtlichen Priester einer Kirche, eines Landes, oder eines Ortes.


Priesterstand (W3) [Adelung]


Der Priesterstand, des -es, plur. inus. der Stand der Priester, der geistliche Stand.


Priesterthum (W3) [Adelung]


Das Priesterthum, des -es, plur. inus. die Würde eines Priesters; ein Wort, welches außer der Bibel und biblischen Schreibart wenig mehr gebraucht wird, wenigstens von der priesterlichen Würde in den christlichen Kirchen nur selten vorkommt.


Priesterweihe (W3) [Adelung]


Die Priesterweihe, plur. die -n, in der Römischen und Griechischen Kirche, die feyerliche Einweihung zum Priesteramte unter allerley äußern sinnbildlichen Gebräuchen. In den protestantischen Kirchen ist dafür die Ordination üblich.


Primas (W3) [Adelung]


Der Primas, Gen. des Primas, oder des Primaten, Plur. die Primaten, aus dem mittlern Lat. Primas, der oberste und vornehmste Erzbischof in einem Reiche. So ist der Erzbischof zu Mainz als solcher zugleich Primas in und von Deutschland. In einigen Städten, besonders Böhmens, wird auch die vornehmste Person in der bürgerlichen Regierung der Primas oder Primare genannt.


Primat (W3) [Adelung]


Das Primat, des -es, plur. die -e, die Würde und Stelle eines Primas.


Prime (W3) [Adelung]


Die Prime, plur. die -n, ein aus dem Lat. prima, in einigen Fällen auch aus dem Franz. Prime, entlehntes Wort, welches in verschiedenen Fällen gebraucht wird. In der Fechtkunst ist es diejenige Lage der Hand und des Degens, welche sie haben, wenn man den Degen von der linken Hälfte ausziehet, wobey der Daumen gegen die Erde, die Spitze des Degens aber gegen den Feind gerichtet ist; zum Unterschiede von der Secunde, Tertie, Quarte u. s. f. In der Musik ist es der tiefere Ton, wovon man die Intervallen zu zählen anfängt. Bey den Buchdruckern heißt die erste Seite eines jeden Bogens die Prime. In der Decimal-Rechnung und bey den Markscheidern ist die Prime der zehnte Theil eines Zolles, welcher wieder zehn Secunden, die Secunde zehen Tertien u. s. f. hält. Bey der Eintheilung der Stunden ist für Prime das v. Wort Minute üblicher.


Principal (W3) [Adelung]


1. Der Principal, des -es, plur. die -e, Fämin. die Principalinn, ein im gemeinen Leben aus dem Lat. principalis übliches Wort, welches man von einem solchen Obern gebraucht, welchen man nicht gern seinen Herrn nennen will, ob er es gleich gewisser Massen wirklich ist. So pflegen z. B. Kaufmannsdiener, Hofmeister u. s. f. diejenigen, bey welchen sie in den Diensten oder Bedienung stehen, ihre Principale zu nennen. S. Prinz 1.


Principal (W3) [Adelung]


2. Das Principal, des -es, plur. die -e, von eben diesem Worte, in den Orgeln, das vornehmste Pfeifenwerk, welches oben offen ist, und gemeiniglich vorn im Gesichte stehet. Es gibt deren im Manuale von 16, 8, 4 und 2 Fuß Tau, von welchen auch denn die ganze Orgel 6 füßig, 8 füßig u. s. f. genannt wird.


Prinz (W3) [Adelung]


Der Prinz, des -en, plur. die -en, Diminut. das Prinzchen, Fämin. die Prinzessinn. 1) Im weitesten Verstande, eine jede der andern vorgesetzte Person; eine nur noch bey den Jägern übliche Bedeutung, wo der Meister Jäger in Ansehung der Lehrlinge, welche die Jägerey unter ihm erlernen, der Lehrprinz genannt wird. Es kommt in dieser Bedeutung mit Principal überein, so wie das Wort in einigen Gegenden auch wirklich Lehr-Principal lautet. 2) In engerer Bedeutung, eine jede fürstliche Person, sie sey übrigens von welchem Range sie wolle; in welchem Verstande es nach Muster des Französischen Prince von einigen Schriftstellern auch von regierenden Fürsten und gekrönten Häuptern gebraucht wird, aber allemahl widrig klinget und daher lieber vermieden wird. Das Deutsche Fürst und Fürstinn sind in diesem Verstande immer bequemer, wenn man ja ein solches Wort gebrauchen will. 3) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung werden nur die Kinder und Verwandte eines regierenden Herrn fürstlichen Standes Prinzen und Prinzessinnen genannt. Ein kaiserlicher, königlicher, churfürstlicher, fürstlicher Prinz. Der Erbprinz, Kronprinz, die Erbprinzessinn, Kronprinzessinn. Auch die apanagierten Verwandten regierender Herren fürstlichen Standes sind unter dem Nahmen der Prinzen bekannt. Bey den Schreibstellern des Insecten-Reiches sind der Prinz und die Prinzessinn die Nahmen zweyer Schmetterlinge, wovon jener bey dem Linnee Papilio Nymphalis Euphrosyne, diese aber Papilio Nymphalis Lathonia heißt.

Anm. Schon bey dem Hornegk Princz, im Engl. Prince; entweder aus dem Franz. Prince, Princesse, oder auch unmittelbar aus dem Lat. Princeps.


Prinzenfarbe (W3) [Adelung]


Die Prinzenfarbe, plur. inus. ein Nahme, welcher bey den Färbern der wahren goldgelben Farbe beygelegt wird, nach dem Franz. Couleur de Prince; Königsfarbe.


Prinzenflagge (W3) [Adelung]


Die Prinzenflagge, plur. die -n, in den vereinigten Niederlanden, eine Flagge auf dem Hintertheile der Schiffe, welche nur gewisse Schiffe zu führen berechtigt sind. Etwa weil sie das Wapen des Prinzen Statthalters hat?


Prinzenkopf (W3) [Adelung]


Der Prinzenkopf, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, eine Art schönen Kopfsalates.


Prinzessinnbohne (W3) [Adelung]


Die Prinzessinnbohne, plur. die -n, eine Art Türkischer Bohnen oder Faseolen, welche nicht steigen, und also auch nicht gestängelt werden dürfen; Phaseolus nanus L. Franzbohnen, Eyerbohnen, Zwergbohnen.


Prinzessinnsteuer (W3) [Adelung]


Die Prinzessinnsteuer, plur. die -n, eine Steuer, welche zur Ausstattung einer Prinzessinn von dem Lande gegeben wird; die Fräuleinsteuer.


Prinzlich (W3) [Adelung]


Prinzlich, adj. et adv. einem Prinzen gehörig, ähnlich, gemäß, in dessen Würde gegründet, in der dritten Bedeutung des Hauptwortes. Die prinzlichen Güter. Mit prinzlicher Begegnung, Schleg.


Prinzmetall (W3) [Adelung]


Das Prinzmetall, des -es, plur. inus. eine Art vermischten Metalles, welches eine rothgelbe Farbe hat, und aus einem Theile Zink und drey Theilen Kupfer bereitet wird. Man glaubt gemeiniglich, es habe den Nahmen von dem Pfälzischen Prinzen Robert, der es zu London erfunden haben soll, daher man es anfänglich Prinz Roberts Metall und hernach verkürzt Prinzmetall genannt habe. Henkel hingegen behauptet, der Nahme sey aus Bronce-Metall verderbt.


Prior (W3) [Adelung]


Der Prior, des -s, plur. die Priores oder Prioren, Fämin. die Priorinn, aus dem Lat. prior, eigentlich, ein jeder Vorgesetzter oder Oberer; wo es doch nur in einigen einzelnen Fällen üblich ist. Bey einigen geistlichen Ritterorden ist der Groß-Prior der erste und vornehmste Vorgesetzte des Ordens nach dem Großmeister, welcher wiederum verschiedene Priores in den Provinzen unter sich hat. In den Mönchsklöstern ist der Prior und in den Nonnenklöstern die Priorinn die nächste vorgesetzte Person über die Mönche oder Nonnen nach dem Abte, welche in dessen Abwesenheit dessen Stelle vertritt. Ja in vielen, besonders geringen Klöstern, wo kein Vorgesetzter unter dem Nahmen eines Abtes befindlich ist, ist der Prior der erste Vorgesetzte des Klosters. Daher das Priorat, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Prioratus, die Würde, die Stelle, das Amt eines Priors oder einer Priorinn; ingleichen deren Gebieth und Wohnung, wofür auch Priorey aus dem mittlern Lat. Prioria gebraucht wird.


Prise (W3) [Adelung]


Die Prise, plur. die -n, aus dem Franz. Prise, und dieß von prendre, nehmen. 1) So viel als man zu einem gewissen Gebrauche von einem Dinge auf ein Mahl nimmt; in welchem Verstande es in verschiedenen Fällen des gemeinen Lebens gebraucht wird. Besonders ist eine Prise Schnupftobak, eine Prise Tobak, oder auch nur eine Prise schlechthin, so viel Schnupftobak, als man zwischen zwey Fingern hält und in die Nase zu schnupfen pflegt. 2) Ein von dem Feinde erbeutetes Schiff. Prisen machen, Schiffe erbeuten. Ein Schiff für eine gute Prise erklären, für eine rechtmäßige Beute. Ehedem nannte man ein solches Schiff Preisschiff, von 2 Preis, eine Preis gemachte Sache, S. dasselbe.


Pritsche (W3) [Adelung]


Pritsche, Pritschen, u. s. f. S. in Br.


Privat (W3) [Adelung]


Privat, ein aus dem Lat. privatus entlehntes und in verschiedenen Zusammensetzungen übliches Wort, solche Dinge zu bezeichnen, welche den öffentlichen eben dieser Art entgegen gesetzet werden, und wofür sich im Ganzen noch kein schicklicher Deutscher Ausdruck hat wollen finden lassen, indem geheim in den meisten Fällen zu viel saget. Indessen hat man doch in vielen einzelnen Fällen gute Deutsche Wörter, die man dafür gebrauchen kann. Die Privat-Beicht, die geheime Beicht, von welcher die Ohrenbeicht der Römische Kirche eine Unterart ist. Der Privat-Gottesdienst, ein Gottesdienst, welcher sich von dem öffentlichen Gottesdienste durch den Mangel des Geläutes und der öffentlichen Aufzüge auf den Gassen unterscheidet, von dem Hausgottesdienste aber noch verschieden ist, ( S. Gottesdienst.) Der Privat-Nutzen, der eigene, besondere Nutzen, im Gegensatze des allgemeinen Nutzens oder des Nutzens des gemeinen Wesens. Die Privat-Wirthschaft, die Wirthschaft oder Haushaltung einzelner Glieder eines gemeinen Wesens, zum Unterschiede von der Staatswirthschaft, Die Privat-Stunde, eine Stunde oder ein nach Stunden eingetheilter Unterricht auf Schulen, welcher besonders bezahlt, und den öffentlichen Lehrstunden entgegen gesetzet wird. Die Privat-Person, eigentlich eine in keinem öffentlichen Amte stehende Person; als eine Privat-Person leben, welches man auch privatisiren nennet. Nach einer andern Einschränkung ist die Privat-Person der befehlenden Person in einem gemeinen Wesen entgegen gesetzt, und da sind alle zum Gehorchen verbundene Glieder eines Staates in dieser Rücksicht Privat-Personen.


Privet (W3) [Adelung]


Das Privet, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Privata, ein abgesonderter geheimer, zur Verrichtung der Nothdurft bestimmter Ort; ein Secret. Beyde Benennungen waren anfänglich nur für die anständige Sprechart bestimmt, bis sie durch den langen Gebrauch verunedelt und durch den Ausdruck das heimliche Gemach aus der anständigern Sprechart verdrängt worden. ( S. auch Abtritt.) Es lautet schon im Schwabenspiegel Privet, bey dem Hornegk Privat, bey spätern Oberdeutschen Schriftstellern Private, Prophetli, Profey, in dem Lübeckischen Stadtrechte die Privat Heimlichkeit.


Privilegium (W3) [Adelung]


Das Privilegium, des -legii, plur. die -legia; im gemeinen Leben -legien, aus dem Lat. Privilegium, ( S. Freyheit II und Freyheitsbrief.) Raban Maurus übersetzt dieses Wort durch Selbuvaltida, die Monseeische Glosse durch Suntrigi.


Probeband (W3) [Adelung]


Das Probeband, des -es, plur. die -bänder, bey den Böttchern, ein starkes Band, nach welchem den Fässern die gehörige Weite gegeben wird, S. Probe 3.


Probeblatt (W3) [Adelung]


Das Probeblatt, des -es, plur. die -blätter, ein Blatt, so fern es eine Probe von der Beschaffenheit eines Dinges ist. So werden bey den Kupferdruckern das erste, zweyte und dritte Blatt des Abdruckes einer Kupferplatte, Probeblätter genannt, so fern man daraus die Beschaffenheit des Stiches und Abdruckes beurtheilet. Von dem Probeblatte wird die Gegenprobe abgedruckt.


Probebogen (W3) [Adelung]


Der Probebogen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Buchdruckereyen, Bogen, welche von einer gesetzten Form abgezogen werden, um die Beschaffenheit und Richtigkeit des Druckes daraus zu beurtheilen; Correctur-Bogen, so fern die bemerkten Fehler darauf angemerket und darnach verbessert werden.


Probehengst (W3) [Adelung]


Der Probehengst, S. Probier-Hengst.


Probejagen (W3) [Adelung]


Das Probejagen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Jägerey, eine Jagd, welche ein junger Jäger nach ausgestandener Lehrzeit anordnet, um dadurch einen Beweis seiner Geschicklichkeit abzulegen.


Probejahr (W3) [Adelung]


Das Probejahr, des -es, plur. die -e, in den Klöstern, dasjenige Jahr, in welchem der Candidat des Klosterlebens sich zur Probe in dem Kloster aufhält, ehe er völlig eingekleidet wird; die Probezeit, mit einem Latein. Ausdrucke das Novitiat.


Probemaß (W3) [Adelung]


Das Probemaß, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, im Österreichischen, Hannöverischen u. s. f. ein Nahme des Eichmaßes, ( S. dieses Wort.) Daher der Probescheffel, ein solcher Scheffel.


Proben (W3) [Adelung]


Proben, verb. reg. act. auf die Probe stellen, versuchen; ein größten Theils veraltetes Wort, welches durch das ausländische probieren verdränget worden. In den Küchen wird das Essen geprobet, wenn es gekostet wird.


Probenstößer (W3) [Adelung]


Der Probenstößer, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, derjenige, welcher von den eingelieferten Erzen eine Probe nimmt, selbige stößt, einreibet und abwärmet, worauf sie von dem Probierer probiert wird.


Probepredigt (W3) [Adelung]


Die Probepredigt, plur. die -en, eine Predigt, welche ein Candidat des Predigtamtes in der protestantischen Kirche zur Probe seiner Geschicklichkeit ableget.


Probesilber (W3) [Adelung]


Das Probesilber, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. vermischtes Silber, welches nach der obrigkeitlichen Verordnung in einem Lande oder in einer Stadt verarbeitet, und mit der Probe, d. i. dem Stadtwapen oder einem andern bestimmten Zeichen, zum Beweise seiner echten Beschaffenheit bezeichnet wird. So verarbeitet Augsburg 13löthiges, Berlin 12löthiges, Sachsen beynahe 12löthiges Silber, welches alsdann in diesen Ländern oder Städten Probesilber genannt wird. S. 2 Probe.


Probestein (W3) [Adelung]


Der Probestein, S. Probier-Stein.


Probestück (W3) [Adelung]


Das Probestück, des -es, plur. die -e, Diminut. das Probestückchen, Oberd. Probestücklein, eine Probe in der zweyten Bedeutung dieses Wortes, ein Theil eines Ganzen, die Beschaffenheit des letztern daraus zu erkennen. Ingleichen eine Handlung, so fern man daraus die Beschaffenheit der handelnden Person erkennet.


Probezeit (W3) [Adelung]


Die Probezeit, plur. inus. die Zeit, da jemand in der Probe ist, oder geprüfet wird, ( S. Probejahr.) Wir können dieses Leben nicht anders als eine Probezeit für die Ewigkeit betrachten.


Probezinn (W3) [Adelung]


Das Probezinn, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, wie Probesilber, mit Bley vermischtes Zinn, so wie es nach den obrigkeitlichen Verordnungen an einem Orte oder in einem Lande verarbeitet, und zum Zeichen dieser Beschaffenheit mit der Pro be bezeichnet wird; im Gegensatze des ganz reinen und unvermischten Huttenzinnes oder Bergzinnes.


Probier-Bley (W3) [Adelung]


Das Probier-Bley, des -es, plur. doch nur von mehrern rten, die -e, im Hüttenbaue, ein silberhaltiges Bley, so wie es zum Probieren der Erze gebraucht wird.


Probier-Buch (W3) [Adelung]


Das Probier-Buch, des -es, plur. die Bücher. 1) Eben daselbst, dasjenige Buch, worein der Probierer alle gemachte Proben alle ihren Umständen nach verzeichnet. 2) Ein Buch, worin die Probier-Kunst gelehret wird.


Probieren (W3) [Adelung]


Probieren, verb. reg. act. welches aus dem Lat. probare entlehnet ist, und nur im gemeinen Leben gebraucht wird. 1) Die Möglichkeit und Beschaffenheit einer Sache aus Erfahrung oder eigner Empfindung zu erkennen suchen; wo es sich weiter erstreckt, als das Hauptwort Probe, indem es auch von der Möglichkeit gebraucht wird. In der reinern und anständigern Sprechart gebraucht man dafür lieber versuchen, außer in denjenigen Fällen, wo probieren als ein Kunstwort einmahl eingeführet ist, wie z. B. im Hüttenbaue, bey den Gold- und Silberarbeitern u. s. f. Ich will es probieren, versuchen, ob die Sache möglich, oder thunlich ist. Probiere es nur. Einen Wein, eine Speise probieren, sie kosten. Eine Feder, ein Gewehr, ein Messer, ein Pferd probieren, sie versuchen. Das Erz probieren, im Hüttenbaue, dessen Gehalt durch die Schmelzung im Kleinen erforschen. Gold, Silber probieren, vermittelst des Probiersteines. Im moralischen Verstande, jemandes Fleiß, Gemüthsart, Fähigkeit u. s. f. probieren, wird es wenig mehr gebraucht, indem dafür die R. A. auf die Probe stellen, eine Probe machen, üblicher sind. 2) Beweisen; eine nur im Oberdeutschen übliche Bedeutung, in welcher es im Hochdeutschen fremd ist. So auch das Probieren.


Probierer (W3) [Adelung]


Der Probierer, des -s, plur. ut nom. sing. im Berg- und Hüttenbaue, ein verpflichteter Beamter, welcher die Erz- und Bergarten probieret, d. i. ihren Gehalt vermittelst der Schmelzung aus kleinen Proben zu erforschen sucht; der Wardein. Im Böhm. Prübyr, welches aus dem Deutschen entlehnet ist.


Probier-Gehäuse (W3) [Adelung]


Das Probier-Gehäuse, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Gehäuse, worein die Probier-Wage gesetzt wird, um sie vor dem Staube und der Luft zu verwahren.


Probier-Gewicht (W3) [Adelung]


Das Probier-Gewicht, des -es, plur. die -e, dasjenige Gewicht und die Art des Gewichtes, wonach der Probierer den Gehalt der Erzproben erforschet, und welches die im Großen üblichen Gewichte im Kleinen vorstellet. Daher der Probier-Zentner, die Probier-Mark, das Probier-Pfund u. s. f.


Probier-Hammer (W3) [Adelung]


Der Probier-Hammer, des -s, plur. die Hämmer, eben daselbst, ein Hammer, die Proben damit klein zu machen.


Probier-Hengst (W3) [Adelung]


Der Probier-Hengst, des -es, plur. die -e, in den Stutereyen, ein Hengst geringerer Art, welcher den Stuten vorgeführet wird, um daraus zu ersehen, ob sie nach der Befruchtung verlangen; der Probehengst.


Probier-Kluft (W3) [Adelung]


Die Probier-Kluft, plur. die -Klüfte, S. Probier-Zange.


Probier-Kunst (W3) [Adelung]


Die Probier-Kunst, plur. inus. im Hüttenbaue, die Kunst, den Gehalt der Erz- und Bergarten vermittelst des Feuers zu erforschen.


Probier-Löffel (W3) [Adelung]


Der Probier-Löffel, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein eiserner Löffel mit einem langen Stiele, den im Feuer befindlichen Proben damit etwas zuzusetzen.


Probier-Mehl (W3) [Adelung]


Das Probier-Mehl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, eben daselbst, die zu einem seinen Mehle gestoßene Erz- oder Bergart, womit der Probierer die Proben anstellet.


Probier-Nadel (W3) [Adelung]


Die Probier-Nadel, plur. die -n, bey den Gold- und Silberarbeitern, silberne Nadeln von allen Graden der Feinheit; vermittelst derselben und des Probiersteines die Feinheit eines jeden andern Silbers zu probieren; die Streichnadeln, weil sie auf den Probierstein gestrichen werden.


Probier-Näpfchen (W3) [Adelung]


Das Probier-Näpfchen, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, thönerne Näpfchen, in welchen die Erzproben angesotren und geröstet werden; der Probier. Scherben.


Probier-Ofen (W3) [Adelung]


Der Probier-Ofen, des -s, plur. die -Öfen, eben daselbst, eine besondere Art Schmelzöfen, worin die Erze und Bergarten probieret werden.


Probier-Platte (W3) [Adelung]


Die Probier-Platte, plur. die -n, bey den Zinngießern, eine messingene Platte, deren sie sich statt des Probiersteines bedienen, die Güte und Feinheit des Zinnes zu probieren.


Probier-Schale; (W3) [Adelung]


Die Probier-Schale; plur. die -n, im Hüttenbaue, kleine küpferne Schüsselchen, worin das abgewogene Probier-Mehl zum Probieren aufbehalten wird.


Probier-Scherben (W3) [Adelung]


Der Probier-Scherben, des -s, plur. ut nom. sing. siehe Probier-Näpfchen.


Probier-Stange (W3) [Adelung]


Die Probier-Stange, plur. die -n, im Hüttenbaue, diejenige Stange, woran die Probier-Wage hängt; der Aufzug.


Probier-Stein (W3) [Adelung]


Der Probier-Stein, des -es, plur. die -e. 1) Ein schwarzer Stein, dessen sich die Gold- und Silberarbeiter bedienen, die Feinheit des Silbers und Goldes vermittelst des Striches darauf zu probieren, und welcher eigentlich eine harte feinkörnige Schieferart ist, welche im Feuer fließt; Lapis Lydius, bey dem Plinius Obsidianus der Streichstein. Die Zinngießer bedienen sich statt dessen der Probierplatte. Ingleichen figürlich, dasjenige durch dessen Mittel die Beschaffenheit einer Sache erkannt wird. Shastsbury sagte, das Lächerliche sey der Probierstein der Wahrheit. 2) In den Zinnwerken ist der Probier-Stein oder Sicherstein, ein großer viereckter Stein, worauf die Zwitter oder Zinnsteine klein gerieben und hernach gesichert werden. 3) Bey den Zinngießern, steinerne Formen, die Probiergewichte zu dem Zinne darein zu gießen.


Probier-Wage (W3) [Adelung]


Die Probier-Wage, plur. die -n, eine accurate Wage, auf welcher im Hüttenbaue die Erz- und Bergproben abgewogen werden.


Probier-Zange (W3) [Adelung]


Die Probier-Zange, plur. die -n, bey den Probierern, eine lange Zange, die Probier-Scherben und Kapellen damit in den Ofen zu setzen und wieder heraus zu nehmen; die Probier-Kluft.


Probst (W3) [Adelung]


Der Probst, S. Propst.


Proceß (W3) [Adelung]


Der Proceß, S. Prozeß.


Procession (W3) [Adelung]


Die Procession, plur. die -en, die Reihe mehrerer feyerlicher Ordnung gehender Personen; aus dem mittlern Lat. Processio. Eine Procession halten, anstellen, einen Umgang, welches Wort sich wenigstens in vielen Fällen gebrauchen läßt. In Procession gehen, in feyerlicher Ordnung. Die Leichen-Procession, das Leichengefolge. Die Handwerker nennen diejenige Procession, in welcher sie die Lade zu dem neu erwählten Obermeister tragen, den Auszug.


Procurator (W3) [Adelung]


Der Procurator, des -s, oder -toris, plur. die Procuratores oder Procuratoren, aus dem Lat. Procurator, derjenige, welchem die Besorgung einer Sache, oder die Sorge für eine Sache von einem andern aufgetragen ist, wo dieses Wort noch in vielen Fällen gebraucht wird. In den Klöstern heißt derjenige Conventual, welchem die Besorgung der Ökonomie des Klosters aufgetragen ist, der Procurator. Der Fiscal, oder derjenige, welcher über die Rechte des Fisci wacht, heißt in manchen Gegenden der Procurator. Am häufigsten ist es in vielen Ländern von einem Anwalte oder Sachwalter, der eines andern Sache vor Gericht besorgt, wo man es als einen anständigern Ausdruck für das gemeiner gewordene Advocat gebraucht.


Product (W3) [Adelung]


1. Der Product, des -es, plur. die -e, in den Schulen, eine feyerliche Züchtigung ungezogener Schüler vor dem Hintern. Einem Kinde einen Product geben. Vermuthlich von dem mittlern Lat. producere, productus, mit Gewalt hervor führen, weil dieses gemeiniglich mit einem Schul-Producte verbunden ist, da es denn eigentlich die zur Züchtigung bestimmte Person mag bedeutet haben.


Product (W3) [Adelung]


2. Das Product, des -es, plur. die -e, gleichfalls aus dem Lat. producere. 1) Die Früchte oder Güter eines Landes, so wie sie durch die Hand des ersten Besitzers von der Natur gewonnen werden, pflegt man gemeiniglich die Producte eines solchen Landes, die Landes-Producte zu nennen. Das mehr Deutsche Erzeugniß, plur. Erzeugnisse, druckt sie eben so gut aus. 2) In der Rechenkunst ist das Product, diejenige Zahl, welche entstehet, wenn eine Zahl mit der andern multiplicirt wird, und welche auch das Factum heißt. 3) Eine jede hervor gebrachte Substanz.


Profan (W3) [Adelung]


Profan, -er, -ste, adj. et adv. aus dem Lat. profanus, unheilig, gemein. 1) Eine Person, in so fern sie kein Glied einer Gesellschaft ist, welche Geheimnisse zu besitzen behauptet, und in weiterer Bedeutung, ein jeder, welcher kein Glied einer gewissen Gesellschaft ist, heißt bald im Ernste, bald aber auch im Scherze, in Ansehung der Glieder einer solchen Gesellschaft, ein Profaner. 2) Weltlich, im Gegensatze des geistlich, eine Bedeutung, welche um der Zweydeutigkeit mit der folgenden willen, größten Theils veraltet ist. In dem Deutschen Staatsrechte ist derjenige Vertrag, welcher 1495 zwischen dem Kaiser und den Ständen des Deutschen Reichs zu Abstellung des Faustrechtes und der Befehdungen auf ewige Zeiten, errichtet wurde, unter dem Nahmen des Profan-Friedens, oder des Friedens in profan- und weltlichen Sachen bekannt. Anfänglich hieß er der Landfriede; nach geschlossenem Religions-Frieden aber ward der Nahme Profan-Friede üblich, um ihn von jenem zu unterscheiden. 3) Ruchlos, d. i. Fertigkeit besitzend, alles was der menschlichen Gesellschaft heilig ist, geringe zu schätzen; in welchem Verstande schon Lactantius das Nebenwort profane gebraucht. Ein profaner Mensch. Profan reden.


Profeß (W3) [Adelung]


Die Profeß, plur. inus. aus dem mittlern Lat. Professio, ein besonders in der Römischen Kirche übliches Wort, die feyerliche Ablegung der Klostergelübde zu bezeichnen, weil man sich dadurch zugleich feyerlich und auf immer zu demjenigen Orden bekennet, dessen Gelübde man ablegt. Profeß thun, diese Gelübde ablegen.


Profession (W3) [Adelung]


Die Profession, plur. die -en, ein gleichfalls aus dem Lat. Professio entlehntes Wort, welches doch nur in engerer Bedeutung gebraucht wird. Profession von etwas machen, es als sein vornehmstes Geschäft, als das vornehmste Erwerbungsmittel seiner Nahrung üben, eigentlich, sich förmlich dazu bekennen. Profession vom Tanzen, vom Singen, vom Stehlen u. s. f. machen. In noch weiterer Bedeutung, öffentlich und ungescheut ausüben. Profession vom Saufen, vom Fluchen machen. In engerer Bedeutung werden die Handwerke Professionen und die Handwerker Professionisten oder Professions-Verwandte genannt. Auch die Lehrämter auf Universitäten pflegt man zuweilen Professionen zu nennen, wofür doch Professur üblicher ist.


Professor (W3) [Adelung]


Der Professor, des -s, plur. die Professores, oder Professoren, ein öffentlicher Lehrer auf einer Universität, bey einer Akademie, oder einem akademischen Gymnasio; aus dem Lat. Professor und dieß von profiteri, welches in den mittlern Zeiten häufig für lehren gebraucht wurde, daher im Oberdeutschen profitieren noch jetzt für lehren üblich ist. Ein ordentlicher, außerordentlicher Professor. Professor der Theologie, der Medicin u. s. f. ein öffentlicher Lehrer der Gottesgelehrsamkeit, der Arzeneywissenschaft.


Professur (W3) [Adelung]


Die Professur, plur. die -en, aus dem spätern Lat. Professura, das Amt und die Würde eines Professors, das öffentliche Lehramt. Die philosophische Professur, das öffentliche Lehramt der Weltweisheit.


Profil (W3) [Adelung]


Das Profil, des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Profil, die Abbildung eines Körpers, so wie er sich dem Auge darstellen würde, wenn er senkrecht durchschnitten worden; der Durchschnitt. Das Profil eines Hauses. Von menschlichen Figuren bedeutet es die Abbildung derselben von der Seite. Jemanden im Profile mahlen.


Profit (W3) [Adelung]


Der Profit, des -es, plur. inus. aus dem Franz. Profit, ehedem Prosict, und dieß von dem Lat. Prosicuum, der Gewinn, besonders der zufällige Gewinn. Profit bey einer Sache haben, Gewinn. Dabey ist kein Profit, kein Nutzen, kein Gewinn. Das Profitchen, ein kleiner Gewinn, im gemeinen Leben, wo man auch das Zeitwort profitiren hat, Gewinn bey einer Sache haben, und in weiterer Bedeutung Nutzen von etwas haben.


Profiter (W3) [Adelung]


Der Profiter, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, ein Werkzeug mit drey Stacheln, welches man in die Dille des Leuchters setzt, die Stümpfchen Licht darauf rein ausbrennen zu lassen; der Lichtknecht, Lichtstecher, Nieders. auch Stumpelknecht. Vermuthlich auch von dem vorigen Wort.


Profoß (W3) [Adelung]


Der Profoß, des -es, plur. die -e, oder des -en, plur. die -en, aus dem Franz. Prevost, Prevot, und dieß von Prae- positus, von welchem auch unter Propst gebildet ist. 1) * Ein jeder Vorgesetzter, ingleichen, derjenige, welchem ein Geschäft anvertrauet ist, welcher einem Geschäfte vorgesetzet worden; eine veraltete Bedeutung, in welcher dieses Wort aber ehedem üblich war. Im Theuerdanke kommt der Kuniginn Provoß im Hofgerichte vor, welches vermuthlich ihr Anwalt oder Sachwalter war. 2) * In engerer Bedeutung war Praepositus ein Unterrichter auf den Dörfern, in welchem Verstande auch das Franz. Prevost üblich ist. Bey der Französischen Armee ist der Grand-Prevost der Feldrichter, welcher im Feld unumschränkte Gewalt hat, die Ausreißer, Marodeurs und andere Übertreter der Kriegsgesetze auf der Stelle zu bestrafen. Bey den Deutschen Kriegsheeren kennet man ihn unter dem Nahmen des General-Gewaltigers. 3) In noch engerer und geringerer Bedeutung, wird in vielen Fällen der Stockmeister, welcher die Übertreter in Verhaft nimmt, die Aufsicht über sie hat, und zuweilen auch die Strafen an ihnen vollziehet, der Profoß genannt. In diesem Verstande hat man an den Höfen einen Hof-Profoß, welcher bey dem Marschall-Amte dienet, und die diesem unterworfenen Übertreter in Verhaft nimmt, verwahret, und zuweilen auch bestrafet. Ihm ist der Profoß, Knecht untergeordnet. Der Stockmeister auf den Schiffen führet gleichfalls den Nahmen des Profoßes, und in der Schweiz belegt man so wohl den Bettelvogt, als auch den Büttel mit diesem Nahmen. Am üblichsten ist dieser Ausdruck bey den Armeen, wo jedes Regiment seinen Stockmeister unter dem Nahmen des Profoßes hat.

Anm. Man spricht und schreibt dieses Wort auch oft Prevos oder Prevoß, welches zwar dem Französischen näher kommt, aber doch der häufigsten Aussprache, nach welcher es Profoß lautet, nicht so angemessen ist. S. auch Propst.


Prohne,Prone (W3) [Adelung]


Die Prohne, oder Prone, der mit Laubholz bewachsene Rand eines Feldes, S. 2 Brame.


Pronne (W3) [Adelung]


Die Pronne, plur. die -n, ein nur im Bergbaue übliches Wort, denjenigen Riß zu bezeichnen, welcher bey Gewinnung der Erze mit dem Bergeisen in das Gestein gehauen wird. Eine schöne Pronne führen, die Pronnen gleich und gerade machen. Eben daselbst hat man auch das Zeitwort pronnen, solche Ritzen machen, und in weiterer Bedeutung, das Gestein durch solche Ritzen gewinnen. In manchen Gegenden wird es auch Pramme geschrieben und gesprochen. Es ist ohne Zweifel vermittelst des vorgesetzten Blaselautes aus Kinne, Nieders. Rönne gebildet, oder doch mit demselben Eines Geschlechtes, wohin auch das Lat. Rima und unser Brunnen gehören.


Prophet (W3) [Adelung]


Der Prophet, des -en, plur. die -en, Fämin. die Prophetinn, aus dem Griech. und Lat. Propheta, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - 1) * Im weitesten, aber jetzt ungewöhnlichen Verstande, eine Person, welche andern unbekannte Sachen bekannt macht, von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich verkündige, mache bekannt; in welcher veralteten Bedeutung Paulus Tit. 1, 12 die heidnischen Dichter Propheten nennet. 2) In engerer Bedeutung, ein gottesdienstlicher Lehrer, eine Person, welche andern unbekannte Religions-Wahrheiten bekannt macht; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher dieses Wort noch oft in der Deutschen Bibel des alten Testamentes vorkommt. 3) In noch engerer, aber auch nur in der Deutschen Bibel üblichen Bedeutung ist ein Prophet, ein zur Bekanntmachung unbekannter Sachen unmittelbar von Gott verordnete Bothe; wo es wiederum unter verschiedenen Einschränkungen vorkommt. Im weitesten Verstande werden auch solche unmittelbar von Gott verordnete Personen im neuen Testamente Propheten genannt, Ephes. 3, 5. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung bekommen diesen Nahmen nur solche Personen des alten Testamentes, da denn auch alle Verfasser der Schriften des alten Bundes mit diesem Nahmen belegt werden. Nach einer andern Einschränkung heißen bey den Juden nur die Verfasser der biblischen Bücher außer dem Gesetze, oder den Büchern Mosis, und den Hagiographis, oder den Verfassern der poetischen Bücher, dem Daniel, Nehemia, Esra und den Verfassern der Chronik, Propheten. 4) In der engsten Bedeutung ist ein Prophet derjenige, welcher unbekannte zukünftige Dinge vorher sagt; in welchem Verstande nicht nur die vier großen und zwölf kleinen Propheten des alten Testamentes bekannt sind, sondern das Wort auch noch jetzt üblich ist. Es ist ein neuer Prophet aufgestanden. Ein Wetter-Prophet, der das künftige Wetter vorher sagt, ein Unglücks-Prophet, der künftiges Unglück verkündigt; wo es doch in den meisten Fällen etwas verächtliches bey sich hat, weil sie Gabe, künftige zufällige Dinge vorher zu sagen, heut zu Tage in den meisten Fällen auf Schwärmerey oder Betrug gegründet ist.

Anm. Dieses aus dem Vorworte - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich sage, Lat. fari, zusammen gesetzte Wort, kommt seiner letzten Hälfte nach mit dem Lat. Vates, der letzten Hälfte von prositeri, und dem alten Celtischen Faidh, ein Prophet, genau überein. Schon bey dem Ulphilas lautet es Praufetes. Im Deutschen wurde es später eingeführet. Im Isidor heißt ein Prophet Forasago, bey dem Kero Forasakun, bey dem Ottfried Forasago, Vuizzago, bey dem Notker Vuizzego, im Schwabens. Vuizsage, im 15ten Jahrhunderte der Weißage, und noch jetzt zuweilen Weißager, ( S. dieses Wort,) ingleichen Seher, welches von einigen neuern Dichtern gebraucht worden.


Propheten-Gurke (W3) [Adelung]


Die Propheten-Gurke, plur. die -n, eine Art kugelrunder stacheliger Gurken, welche in Arabien einheimisch ist, und herzförmige, klein gezähmte stumpfe Blätter hat; Cucumis Prophetarum L.


Propheten-Kuchen (W3) [Adelung]


Der Propheten-Kuchen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. in Meißen und Thüringen, eine Art großer sehr dünner und hart gebackener Kuchen, von Mehl, Milch, Eyern und Butter, welche auf der Oberfläche gemeiniglich aufgelaufen sind. Der Grund der Benennung ist unbekannt.


Prophetisch (W3) [Adelung]


Prophetisch, adj. et adv. in der Eigenschaft und Würde eines Propheten gegründet. Das prophetische Amt Christi, in der Theologie, wohin die Bekanntmachung der geschehenen Versöhnung gerechnet wird. Besonders in der vierten engern Bedeutung, zufällige künftige Dinge verkündigend und darin gegründet. Ein prophetischer Traum.


Prophezey (W3) [Adelung]


* Die Prophezey, plur. die -en, ein veraltetes Wort für Prophezeyung, welches noch 2 Chron. 9, 29 vorkommt: Das ist geschrieben in den Prophezeyen Asta von Silo. Es ist aus dem Lat. Phrophetis gebildet, und findet sich auch bey dem Opitz: Durch Prophezey der Kunst wird dir nur dieß gesagt.


Prophezeyen (W3) [Adelung]


Prophezeyen, verb. reg. act. von dem vorigen Hauptworte, künftige zufällige Dinge vorher sagen, solche zufällige künftige Dinge verkündigen, welche aus keiner nothwendigen Folge des Vorhergehenden und Nachfolgenden eingesehen werden können, und in weiterer Bedeutung, überhaupt künftige Dinge vorher sagen. Man prophezeyet uns nichts Gutes. Böses Wetter prophezeyen. S. auch Weißagen.


Prophezeyung (W3) [Adelung]


Die Prophezeyung, plur. die -en, von dem vorigen Zeitworte, die Bekanntmachung künftiger zufälliger Dinge. Bey den ältern Schriftstellern Foraspel, Foresaga. S. auch Weißagung.


Propst (W3) [Adelung]


Der Propst, des -es, plur. die Pröpste, Fämin. die Pröpstinn, ein aus dem Lat. Praepositus verkürztes Wort, welches überhaupt einen Vorgesetzten bedeutet, aber nur in einigen einzelnen Fällen üblich ist. So führet der Vorgesetzte eines Lehenshofes in manchen Gegenden den Nahmen eines Lehens-Propstes. Am häufigsten ist es von einem Vorgesetzten über geistliche Personen, und in Kirchensachen. In der Römischen Kirche haben manche Klöster anstatt der Äbte und Äbtissinnen Pröbste und Pröbstinnen, welche zuweilen die fürstliche Würde bekleiden, wie der gefürstete Propst zu Ellwangen. Der Vorgesetzte eines Kathedral-Stiftes ist unter dem Nahmen des Dom-Propstes bekannt. Auch in den evangelischen Kirchen hat man Pröbste, oder Kirchen-Pröbste, welche den Geistlichen eines gewissen Bezirkes vorgesetzet sind, unter dem Superintendenten oder General-Superintendenten stehen, und in manchen Ländern Inspectores, und mit dem mehr Lateinischen Ausdrucke Präpositi heißen. In einigen Ländern sind sie von den Inspectoren noch verschieden, und da sind sie dem General-Superintendenten untergeordnet, und den Inspectoren vorgesetzt, und vertreten alsdann die Stelle der Superintendenten. In den Preußischen Landen wird derjenige Vorgesetzte, unter welchen die Feldprediger bey der ganzen Armee stehen, der Feld-Propst genannt, da er denn den General-Superintendenten bey der Armee vorstellet.

Anm. Es ist schon frühe aus dem Lat. entlehnet worden, denn schon Notker übersetzt Praepositus durch Probista. Im Schwabenspiegel lautet dieses Wort Brobst, im Nieders. Prawest, Prawst, im Angels. Profast, Prauast, Pravos, im Schwed. Probst, im Isländ. Profastur, im Engl. Provost, im Franz. Prevost. ( S. auch Profoß, welches gleichfalls davon abstammen.) Man schrieb es ehedem gemeiniglich Probst, die Dehnung des o zu bezeichnen, welches aber so wohl wider die Abstammung als allgemeine Hochdeutsche Aussprache streitet. S. auch Papst, Anm.


Propstey (W3) [Adelung]


Die Propstey, plur. die -en, der der Aufsicht eines Propstes, besonders eines Kirchen-Propstes anvertraute Bezirk. In einigen Ländern, z. B. in Pommern, wo die Pröbste Präpositi heißen, ist dafür Präpositur üblich. Ingleichen die Wohnung eines Propstes. Bey der Universität Leipzig, wo der Vorgesetzte der der Universität gehörigen Dorfschaften Praepositus heißt, ist die Propstey ein Gericht, welches sich aus dem Rectore und den Decanis der vier Facultäten bestehet, und welchem die fünf neuen Dorfschaften unterworfen sind. Die Dorf Propstey ist eben daselbst ein anderes Gericht, welches sich über die drey alten Dörfer erstreckt, und allein von dem Praeposito magno und seinen vier Beisitzern abhängt. Daher propsteylich, zu einer Propstey gehörig.


Propstey-Gericht,Propst-Gericht (W3) [Adelung]


Das Propstey-Gericht, oder Propst-Gericht, des -es, plur. die -e, ein Gericht, in welchem ein Propst den Vorsitz hat. So befindet sich z. B. in dem Herzogthume Schleswig in jeder Propstey ein solches Gericht, welchem die Prediger derselben in Rechtssachen, welche ihr Amt, ihre Lehre und ihren Wandel betreffen, unterworfen sind.


Prosa,Prose (W3) [Adelung]


Die Prosa, oder Prose, plur. car. aus dem Lat. Prosa, die ungebundene Rede, im Gegensatze der Poeste oder gebundenen Rede. In Prosa schreiben. Gereimte Prosa. Daher prosaisch, in Prosa abgefasset, ingleichen der ungebundenen Rede gemäß, ähnlich, im Gegensatze des poetisch.


Prosodie (W3) [Adelung]


Die Prosodie, (dreysylbig,) plur. doch nur von mehrern Lehrbüchern dieser Art, die Prosodien, (viersylbig,) aus dem Lat. und Griech. Prosodia, die durch den Gebrauch eingeführet Länge und Kürze der Sylben einer Sprache, und in engerer Bedeutung, die Lehre von der Länge und Kürze der Sylben einer Sprache; die Tonsprechung, die Tonmessung, welches doch den ausländischen Ausdruck nicht erschöpft, auch zweydeutig ist, indem der eigentliche Ton von der Länge und Kürze der Sylben ganz unabhängig ist, ob er gleich von den meisten Sprachlehrern damit verwechselt wird.


Prospect (W3) [Adelung]


Der Prospect, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Prospectus und Franz. Prospect. 1) Alles dasjenige, was man erblickt, in Ansehung der angenehmen oder unangenehmen Empfin- dung, welche es bey dem Anblicke macht; der Anblick. 2) Was man in einiger Ferne erblickt, und die Aussicht in die Ferne; die Aussicht. Jemanden den Prospect verbauen. Ein angenehmer Prospect. Besonders ein Theil der Erdfläche, so wie er sich dem Auge in der Entfernung darstellet; die Ansicht. Daher der Prospect-Mahler, welcher vornehmlich solche Prospecte mahlt.


Protest (W3) [Adelung]


Der Protest, des -es, plur. die -e, aus dem Ital. Protesta, im mittlern Lat. Protestum, Widerspruch, Protestation, welches durch die Handlung in Wechselsachen eingeführet worden, wo es die Äußerung bedeutet, daß man einen Wechselbrief nicht bezahlen könne oder wolle, besonders so fern diese Äußerung von einem Notario schriftlich aufgesetzet wird. Einen Wechsel mit Protest zurück schicken. S. auch Protestiren.


Protestant (W3) [Adelung]


Der Protestant, des -en, plur. die -en, Fämin. die Protestantinn, eigentlich, eine Person, welche wider etwas protestiret. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung führen in Deutschland die Glieder der Lutherischen und reformirten Kirche, im Gegensatze der katholischen, den Nahmen der Protestanten. Anfänglich legte man denselben nur allein den Lutheranern bey, weil der Churfürst von Sachsen, Johann der Standhafte, und der Landgraf von Hessen, in ihrem Nahmen auf dem Reichstage zu Speyer 1529 wider die von dem katholischen Theile gegen sie beschlossene Reichsacht protestireten; allein nochmahls begriff man unter dieser Benennung auch die Reformirten.


Protestantisch (W3) [Adelung]


Protestantisch, adj. et adv. in der engern Bedeutung des vorigen Wortes, dem Lehrbegriffe der Protestanten zugethan, in demselben gegründet. Die protestantischen Reichsstände, im Gegensatze der katholischen.


Protestation (W3) [Adelung]


Die Protestation, plur. die -en, aus dem Latein. Protestatio, in dessen in den mittlern Zeiten üblich gewordenen Bedeutung, die Verwahrung seiner Gerechtsamen durch einen förmlichen Widerspruch; und die Schrift, worin dieser Widerspruch befindlich ist; die Verwahrung. Eine Protestation einlegen. Ehedem gebrauchte man dafür die Ausdrücke Einrede, Sonderung, Meldung u. s. f. welche doch insgesammt den Begriff nur halb ausdrucken, so wie auch das noch hin und wieder übliche Verwahrung ihn nicht völlig erschöpft.


Protestiren (W3) [Adelung]


Protestiren, verb. reg. welches aus dem Lat. protestari entlehnet ist, und in doppelter Bedeutung gebraucht wird. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, einer Verletzung seiner Befugnisse widersprechen, seine Gerechtsamen durch einen Widersprach verwahren. Wider etwas protestiren. 2) Als ein Activum, doch nur in Wechselgeschäften. Einen Wechsel protestiren, die Weigerung der Zahlung von Seiten dessen, welcher ihn bezahlen sollte, niederschreiben, welches allemahl von einem Notario geschehen muß. Einen Wechselbrief protestiren lassen.


Protokoll (W3) [Adelung]


Das Protokoll, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Protocollum, ein Buch oder eine Schrift, worein öffentliche, und besonders gerichtliche Verhandlungen verzeichnet werden. Das Protokoll führen, diese Verhandlungen niederschreiben. Etwas zum Protokoll geben. Das Wort stammet aus dem Griechischen her, und kommt schon in der 40sten Novelle Justinians vor, wo es aber die kurze Nota bezeichnet, welche auf das zu öffentlichen Verhandlungen bestimmte Papier gesetzt werden mußte, und in welcher zu Verhüthung alles Betrugs bemerkt wurde, wenn, von wem und unter was für einem Comite Largitionum es verfertiget worden: diese Note vertrat die Stelle der heutigen Papierzeichen. ( S. des Du Fresne Glossar.) Daher protokolliren, öffentliche Verhandlungen niederschreiben.


Protzen (W3) [Adelung]


1. Protzen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, seinen Unwillen durch ein mürrisches und widerspenstiges Stillschweigen an den Tag legen; trotzen, von welchem Worte es nur in dem Vorschlage verschieden ist. S. Protzig.


Protzen (W3) [Adelung]


2. Protzen, verb. reg. act. welches besonders in der Geschützkunst üblich ist, wo es von Kanonen und andern schweren Körpern gebraucht wird, wenn man sie mit Mühe von einem Orte zum andern bewegt. Am häufigsten gebraucht man es in den Zusammensetzungen abprotzen und aufprotzen. Eine Kanone aufprotzen, sie auf den Protzwagen heben, sie abprotzen, sie von demselben abheben. Es scheinet, daß der Begriff der mühsamen Fortbewegung in diesem Worte der herrschende ist, und daß es sich von dem in andern Fällen üblichen schroten nur in dem Vorschlage und in dem tz, dem Zeichen der Intension, unterscheidet. Bey dem Denzler ist fretten mühsam arbeiten, mühsam bewegen. Wenn nicht der Begriff der Reife der Grundbegriff ist, S. Reiten und die folgenden.


Protzig (W3) [Adelung]


Protzig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Starr, steif, unbiegsam; in welchem Verstande es besonders in der Lausitz, von dem Kraute und andern Feldfrüchten gebraucht wird, wenn sie steif aufgerichtet und starr stehen. Das Wendische prosty, prostze, bedeutet gleichfalls starr. Mit vorgesetztem Zischlaute stammet unser spreitzen davon ab. 2) Figürlich, trotzig, übermüthig, Nieders. pratzig. Protzig thun. Ein protziger Mensch.


Protzkette (W3) [Adelung]


Die Protzkette, plur. die -n, in der Geschützkunst, diejenige Kette, mit welcher die Kanone auf dem Protzwagen befestiget wird.


Protznagel (W3) [Adelung]


Der Protznagel, des -s, plur. die -nägel, eben daselbst, ein starker eiserner Nagel, welcher durch den Schwanzriegel der Kanone und der Achse des Protzwagens gesteckt wird, jene auf diesem zu befestigen.


Protzwagen (W3) [Adelung]


Der Protzwagen, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, eine Achse mit zwey Rädern, worauf die Kanone mit ihrer Laffete befestiget wird, sie auf diese Art desto bequemer fortzuführen.


Proviant (W3) [Adelung]


Der Proviant, des -es, plur. car. Lebensmittel, besonders für Kriegsvölker, und andere in zahlreichen Haufen versammelte Menschen. Einer Armee den Proviant zuführen, Lebensmittel. Einer Stadt den Proviant abschneiden. Es stammet aus dem Franz. Proviant, und Ital. Provianda her, welche vermuthlich aus dem Lat. Praebenda gebildet worden, wenn sie nicht mit unserm Pfründe Eines Ursprunges sind. Auf dem Lande in Meißen wird dasjenige, was den Fröhnern oder Dienstleuten zur Beköstigung gereicht wird, die Pröven genannt. ( S. Pfründe.) Daher verproviantiren, mit Lebensmitteln versehen.


Proviant-Amt (W3) [Adelung]


Das Proviant-Amt, des -es, plur. car. die Ämter, an einigen Orten, z. B. zu Wien, ein obrigkeitliches Collegium, welches dafür zu sorgen hat, daß es den Einwohnern nicht an Proviant oder Lebensmitteln fehle.


Proviant-Commissar (W3) [Adelung]


Der Proviant-Commissar, des -es, plur. die -e; ein Commissar, welcher für die Herbeyschaffung des Proviantes zu sorgen hat, besonders bey einem Kriegsheere.


Proviant-Haus (W3) [Adelung]


Das Proviant-Haus, des -es, plur. die Häuser, ein Gebäude, in welchem der Proviant in Menge verwahret wird, dergleichen es unter andern auch an den Höfen zum Behufe des Hofes gibt, welchen gemeiniglich ein Proviant-Verwalter vorgesetzt ist.


Proviant-Meister (W3) [Adelung]


Der Proviant-Meister, des -s, plur. ut nom. sing. an verschiedenen Orten, derjenige, welcher für die Herbeyschaffung, oder Aufbewahrung des Proviantes zu sorgen hat.


Proviant-Wagen (W3) [Adelung]


Der Proviant-Wagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wagen, so fern er einem Kriegsheere den Proviant zu- oder nachführet.


Provinz (W3) [Adelung]


Die Provinz, plur. die -en, ein in seine Gränzen eingeschlossener und mit seiner eigenen obrigkeitlichen Verfassung versehener Landesbezirk; wo es eine allgemeine Bedeutung ist, welche die besondern Benennungen Herzogthum, Fürstenthum, Grafschaft u. s. f. unter sich begreift, aber doch nur von Landesbezirken von einem gewissen beträchtlichen Umfange gebraucht wird. So sind Österreich, Steyermark, Kärnthen, Krain, Tirol, so viel besondere, dem Hause Österreich gehörige Provinzen. Notker gebraucht dafür das längst veraltete Flihtland, wo er es aber in der bey den Römern üblichen Bedeutung eines unterworfenen oder unterwürfigen Landes gebraucht, von Pflicht, Huldigung.


Provinz-Rose (W3) [Adelung]


Die Provinz-Rose, plur. die -n, ein Nahme der gemeinen rothen Gartenrosen, welcher vermuthlich aus dem Französischen übersetzt ist.


Provision (W3) [Adelung]


Die Provision, plur. die -en, aus dem Lat. Provisio, der zu einem Behufe nöthige Vorrath; ohne Plural. Besonders führet der Lebensunterhalt, die Lebensmittel, zuweilen den Nahmen der Provision, daher man auch die Lohnsoldaten oder besoldeten Kriegsleute ehedem Provisioner zu nennen pflegte.


Provisor (W3) [Adelung]


Der Provisor, des -s, plur. die Provisores oder Provisoren, aus dem mittlern Lat. Provisor, dem die Aufsicht über, oder die Sorge für etwas aufgetragen ist; ein besonders in den Apotheken übliches Wort, wo der erste Gesell, welcher nächst dem Apotheker die Aufsicht über die Apotheke führet, diesen Nahmen bekommt.


Provoß (W3) [Adelung]


Provoß, S. Profoß.


Prozessiren (W3) [Adelung]


Prozessiren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes, einen Prozeß, oder Rechtsstreit, als Partey mit jemanden haben und führen. Mit jemanden prozessiren. Daher das Prozessiren.


Prozeß-Kosten (W3) [Adelung]


Die Prozeß-Kosten, sing. inus. diejenigen Kosten, welche das Prozessiren verursacht.


Prozeß-Ordnung (W3) [Adelung]


Die Prozeß-Ordnung, plur. die -en, die eingeführte oder von dem Landesherren vorgeschriebene Ordnung, nach welcher die Rechtssachen vor Gericht verhandelt werden sollen.


Prudel (W3) [Adelung]


Der Prudel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der dicke sichtbare Dampf, welcher von einem Körper aufsteiget, besonders von siedendem Wasser, wie Brodem, und ohne Plural. Bey den Müllern führet der Dampf, der von dem Steine aufsteiget, besonders wenn geringes Getreide aufgeschüttet wird, den Nahmen des Prudels. 2) Ein mit einem Geräusche hervor quellendes Wasser. So heißt z. B. in dem Carlsbade die warme Hauptquelle mitten in der Stadt der Prudel. 3) Bey den Jägern ist der Prudel so viel als ein Sumpf oder eine Pfütze, worin Hirsche und wilde Schweine sich abzukühlen pflegen; eine Suhle, Suhlache, ein Bad.

Anm. In den beyden ersten Bedeutungen ist es eine Nachahmung des Schalles, welchen kochende und dampfende Körper gemeiniglich von sich geben, und da gehöret es zu brauen, Brühe, Brodem und sprudeln. In der dritten Bedeutung scheinet es zunächst zu Brühl zu gehören, ( S. dieses Wort;) und da würde es ein Abkömmling von Brud seyn, welches noch im Wendischen einen Morast bedeutet, oder von Brod, im mittlern Lateine Brodium, im Ital. Broda, Brodo, Brühe. Einige Mundarten sprechen es auch Prodel, Prödel aus. S. auch Aschenbrödel.


Prudeln (W3) [Adelung]


Prudeln, verb. reg. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, mit einem Geräusche aufwallen, von flüssigen Körpern. So prudelt das siedende Wasser in einem Topfe, und das hervor dringende Wasser einer Quelle. ( S. das vorige, ingleichen Sprudeln.) 2) Als ein Activum, da es vorzüglich in Niedersachsen üblich ist, und eine Sache leicht und obenhin machen bedeutet, und besonders in den Küchen von der unreinlichen Zubereitung des Essens gebraucht wird. S. Aschenbrödel.


Prüfen (W3) [Adelung]


Prüfen, verb. reg. act. dessen heutiger Gebrauch nur noch ein geringer Überrest seiner ehemahligen Bedeutungen ist, wovon man die meisten, vermuthlich um der Zweydeutigkeit willen, zu welcher sie Anlaß gaben, veralten lassen. Es bedeutete, 1) * billigen, gut heißen, wie das Lat. probare; ein längst veralteter Gebrauch, wovon aber in den ältern Schriften noch hin und wieder Spuren vorkommen. 2) * Beweisen; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, welche noch bey den Dichtern des Schwäbischen Zeitalters gangbar ist. Schwed. pröfva, Franz. prouver, Lat. probare. 3) * Empfinden, erfahren, gewahr werden, spüren; Angels. profian, Schwed. profva, Franz. eprouver. Du magst sein Zartheit priefen daran, Buch der Natur 1483. So seind die Luft in der Stille und prüfft man wenig Wind, ebend. Im Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung veraltet, indessen ist sie noch im Oberdeutschen, wenigstens in einigen Gegenden, gangbar. Ich habe die Kälte geprüfet, ist daselbst so viel, als ich habe sie erfahren, empfunden. 4) * Betrachten, erwegen. Seht an ir kele wis und pruivent ir mund, Heinrich von Mohrunge. Pruive er wol swer tihten kunne, was Materie liet an dem waldeu u. s. f. Schenk Ulrich von Winterstetten. Auch diese Bedeutung ist veraltet. 5) Die Beschaffenheit eines Dinges zu erkennen suchen, so wohl überhaupt, für untersuchen; eine noch gangbare Bedeutung. Ich habe diesen Vorschlag lange geprüft. Prüfet alles, und das Gute behaltet, 1 Thess. 5, 21. Sich selbst, sein Gewissen prüfen, seine Beschaffenheit, ingleichen die Rechtmäßigkeit oder Unrechtmäßigkeit seiner begangenen Handlungen untersuchen. Als auch, 6) in engerer Bedeutung, die Beschaffenheit einer Sache durch einen angestellten Versuch, durch eine ausdrücklich dazu vorgenommene Handlung untersuchen, solche Umstände verursachen, worin sich die Beschaffenheit eines Dinges und der Grad derselben äußern muß; wo es von körperlichen Untersuchungen dieser Art nur noch zuweilen in der edlern Schreibart ge- braucht wird. Einen Wein prüfen, ihn kosten, ihn probieren. Das Gold prüfen, Weish. 3, 6, es probieren. Am üblichsten ist es noch von unkörperlichen Untersuchungen dieser Art. Einen Freund prüfen, ihn in Umstände versetzen, worin er zeigen muß, ob er wirklich unser Freund ist. Eines Freundschaft, Gelehrsamkeit, Fähigkeit prüfen. Besonders in der Deutschen Bibel und biblischen Schreibart. Daran will ich euch prüfen, 1 Mos. 42, 15. Prüfe mich Herr, und versuche mich, Pf. 26, 2. Und so in andern Stellen mehr. S. auch das folgende. Anm. Im Nieders. ist pröven kosten, schmecken, versuchen, probieren. Es scheint nicht aus dem Lat. probare entlehnet zu seyn, wie gemeiniglich geglaubt wird, und wie von probieren erweislich ist. Es ist vielmehr allem Ansehen nach ein Seitenverwandter desselben, ob sich gleich die erste und eigentliche Bedeutung nur errathen läßt. Es kann vermittelst des vorgesetzten Blaselautes von rufen, in dessen weitern Bedeutung, einen vernehmlichen Laut von sich geben, abstammen, und alsdann würde die Bedeutung des Billigens, des Beweisens die erste seyn. Es kann aber auch zuerst essen, genießen, kosten bedeutet haben, da es denn von Pfründe nur im Endlaute unterschieden seyn, und unter andern auch zu reiben gehören würde, so fern dieses im weitesten Verstande auch kauen und essen bedeutet hat. S. auch Kosten, welches in der Abstammung und Bedeutung vieles mit diesem Worte gemein hat, ingleichen Probieren und Versuchen.


Prüfestein (W3) [Adelung]


* Der Prüfestein, des -es, plur. die -e, ein ungewöhnliches Wort, einen Probierstein zu bezeichnen, welches nur Sir. 6, 22 vorkommt.


Prüfung (W3) [Adelung]


Die Prüfung, plur. die -en, von dem vorigen Zeitworte, in dessen noch gangbaren Bedeutungen, die Untersuchung der Beschaffenheit eines Dinges, besonders durch einen angestellten Versuch. In engerer Bedeutung sind in der Theologie Prüfungen solche von Gott veranstaltete Umstände, in welchen jemandes sittliche Beschaffenheit offenbar werden muß, besonders wenn es unangenehme Umstände dieser Art sind, welche zu Entdeckung und Offenbarung des Guten gereichen.


Prunelle (W3) [Adelung]


Die Prunelle, S. Brunelle.


Prunk (W3) [Adelung]


Der Prunk, des -es, plur. inus. ein Wort, welches mit Pracht und prangen Eines Geschlechtes ist, und auch mit denselben einerley Bedeutung hat. Es bedeutete ehedem Geräusch, Getöse, in welchem Verstande es aber veraltet ist. Nach der schon bey diesen Wörtern bemerkten Figur gebrauchte man es hernach für hellen, feyerlichen Glanz, in welchem Verstande es noch zuweilen in der höhern Schreibart üblich ist. Der Prunk der Waffen, der Sonne. Nach einer noch weitern Figur ist der Prunk die Kostbarkeit, feyerliche Zierlichkeit in Kleidern Hausgeräthe und allen äußern Hülfsmitteln des gesellschaftlichen Lebens, besonders so fern sie Merkmahle der Vorzüge ihres Besitzers seyn sollen. Der Stammbaum unter dem Spiegel vermehret den Prunk, Hermes. Einige Schriftsteller haben daher dieses Wort für diejenigen Fälle in Vorschlag gebracht, wo wir uns der ausländischen Wörter Parade, Staat, Galla u. s. f. bedienen, und daher von Prunkpferden, Prunkbetten, Prunkzimmern, Prunktagen, Prunkkleidern u. s. f. gesprochen, welche aber in der ernsthaften Schreibart noch wenig Beyfall gefunden haben. Nach einer noch weitern Figur ist der Prunk in Niedersachsen auch das feyerliche Gepränge in Worten und Geberden, in welchem Verstande es auch von einigen Hochdeutschen Schriftstellern aufgenommen worden. Ein Mädchen ohne Vermögen und ohne Rang, mit ein wenig Larve, aber mit vielem Prunke von Tugend und Gefühl und Witz, Less. für Gepränge. Wenn jemand bey Tische aus höflicher Schüchternheit nicht isset, so sagt man in Niedersachsen, er prunke. S. Prangen, welches auf eben diese Art gebraucht wird.

Anm. Im Holländ. Pronk. Es ist eigentlich ein Niederdeutsches, den Oberdeutschen unbekanntes Wort, welches von einigen Hochdeutschen in die feyerliche Schreibart aufgenommen worden; denn in der Sprache des täglichen Umganges kommt es auch hier nicht vor. S. das folgende.


Prunken (W3) [Adelung]


Prunken, verb. reg. act. welches für prangen in Niederdeutschland üblich ist, und für eben dasselbe auch von einigen Hochdeutschen Schriftstellern, obgleich ohne Noth gebraucht worden; glänzen, und figürlich, durch äußern Glanz, durch äußere Zierlichkeit, Kostbarkeit u. s. f. die Augen anderer auf sich ziehen. Das wird recht prunken! Gottsch. Sie prunken ja heute wie eine Braut, ebend. ( S. Prangen, welches von prunken nur in der Mundart verschieden ist, außer daß das u und k etwa eine mehrere Intension, einen höhern Grad des Pranges ausdrucken könnten.) Im Nieders. ist Prunker ein Mensch, der übertriebenen Staat wacht, und Prunkmakerske, Prunkmacherinn, eine Putzmacherinn.


Prüsel (W3) [Adelung]


Der Prüsel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Fällen übliches Wort. Bey den Jägern wird das erste und anders Ende unten an einem Hirschgeweihe der Prüsel oder Eisprüsel genannt. Auch an dem Baume eines Schlußsattels heißt ein gewisser Theil der Prüsel, welchen andere den Döbel nennen. Es ist das Stammwort von Sprüsel und Sprosse, welche vermittelst des vorgesetzten Zischlautes davon gebildet worden, so wie Prüsel wiederum von dem alten riefen, in die Höhe schießen, sich erheben, abstammet. S. Riese und Reis.


Psalm (W3) [Adelung]


Der Psalm, des -es, plur. die -en, ein Wort, welches seiner Abstammung nach, eigentlich ein Lied, einen Gesang bedeutet, aber nur von den in der Deutschen Bibel hin und wieder vorkommenden geistlichen Liedern gebraucht wird. In engerer Bedeutung führen besonders diejenigen Lieder diesen Nahmen, welche ein ganzes biblisches Buch ausmachen, gemeiniglich dem David zugeschrieben werden, und verschiedenen Inhalts sind, größten Theils aber doch das Lob Gottes zum Gegenstande haben. Daher man in der höhern Schreibart auch noch jetzt ein erhabenes Lied, worin das Lob Gottes besungen wird, einen Psalm zu nennen Pflegt. Im allerhöchsten Siegeston, Mehr Psalm als Siegeslied, Gleim.

Anm. Es ist aus dem Griech. und Lat. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Psalmus, Da die Gaumen- und Blaselaute vor andern Consonanten zu Anfange des Wortes fast niemahls zum Stamme gehören, so muß man auch das P absondern, wenn man auf die Quelle des Wortes kommen will. Läßt man dieses hier weg, so bleibt Salmus übrig, welches mit unserm schallen und, wenn man die Abwechselung der Hauch- und Zischlaute als bekannt voraus bekannt voraus setzt, auch mit hallen Eines Geschlechtes ist, und also eigentlich ein Lied bedeutet. Das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - kommt damit genau überein. Man hat daher das P auch ehedem in sehr vielen Sprachen weggelassen, als man das Wort Psalm mit der Deutschen Bibel annahm. Bey dem Kero, Ottfried und Notker heißt ein Psalm beständig Salm, und die Niedersachsen kennen kein anderes als Salm. Vermuthlich hat erst die neuere Oberdeutsche Mundart das P wieder vorgesetzt. Die Italiäner sagen gleichfalls Salmo. Im Nieders. bedeutet Salm zugleich einen jeden Kirchengesang, in welcher Bedeutung auch Psalm ehedem üblich war, vermuthlich weil man ehedem in den Kirchen am häufigsten die biblischen Psalmen zu singen pflegte. Notker gebraucht dafür auch Scalsang, Schallgesang.


Psalmbuch (W3) [Adelung]


Das Psalmbuch, des -es, plur. die -bücher, dasjenige biblische Buch, welches die Psalmen Davids und anderer in sich enthält und auch der Psalter genannt wird, in welcher Bedeutung es Luc. 20, 42, Apostg. 1, 20 vorkommt. In weiterer Bedeutung ist Salmbuch in Niederdeutschland ein Gesangbuch.


Psalmist (W3) [Adelung]


Der Psalmist, des -en, plur. die -en, der Verfasser eines biblischen in dem Psalmbuche befindlichen Psalmes. So werden David, Assaph und andere Psalmendichter oft Psalmisten genannt. S. -Ist.


Psalmlied (W3) [Adelung]


* Das Psalmlied, des -es, plur. die -er, ein ungewöhnliches, aber mehrmahls in der Deutschen Bibel befindliches Wort, einen Psalm zu bezeichnen; z. B. das Psalmlied der Kinder Korah, Ps. 48, 1.


Psalter (W3) [Adelung]


Der Psalter, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Griech. und Lat. Psalterium. 1) Ein sehr altes musikalisches Saiten-Instrument, mit welchem man den Gesang zu begleiten pflegte, und dessen schon in den Büchern Samuels und der Chronik gedacht wird, von welchem man aber wenig mehr weiß, als daß es nach Ps. 33, 2 und andern Stellen zehen Saiten hatte, und eine Art von Harfe war. Der heil. Augustin sagt bey dieser Stelle Cythara est lignum illud concavum, tanquam tympanum, pendente testudine, cui ligno chordae innituntur, ut tactae resonent. Non plectrum dico quo tanguntur, sed lignum illud dixi concavum, cui superjacent, cui quodammodo incumbunt, ut ex illo cum tanguntur tremesactae, et exilla concavitate sonum concipien- tes, magis canorae reddantur. Hoc ergo lignum in inferiore parte cythara habet, Psalterium in superiore. Woraus erhellet, daß der Psalter, wenigstens zu seiner Zeit, den Resonanzboden oben gehabt hat. Notker übersetzt Psalterium in dieser Bedeutung durch Saltirsang, und setzt hinzu, daß er zu seiner Zeit im Deutschen Rotta geheißen, a sono vocis - ut tintionabulum et clocca. An einer andern Stelle nennt er ihn Rottun, und Ottfried setzet B. 5, Kap. 23, V. 397 die Harpha und Rotta neben einander. In einem alten 1482 gedruckten Vocabelbuche kommt die Rotte noch als ein Saitenspiel vor, wo sie durch Decachordum und Nauplium erkläret wird. (des Du Fresne Gloss. v. Rocta.) Wenn der Verfasser des Mamotrecti bey dem Du Fresne sagt; Psalterium dicitur canora cythara decem chordarum coaptata, quae cum plectro percutitur; Nablum vero duodecim sonos habens digitis tangitur: so scheinet sein Nablum das jetzt gedachte Nauplium oder Rotte, sein Psalterium aber ein anderes von dem ältern Psalter verschiedenes Instrument zu seyn, weil er hinzu setzet, daß es cum plectro gespielet wurde. Man hat noch jetzt in einigen Gegenden unter dem Nahmen des Psalters eine Art eines musikalischen Saiten-Instrumentes, welches die Singestimme begleitet, und einem Hackebrete gleicht, nur daß es weit schmäler ist, nach Verhältniß seiner Breite einen tiefen Resonanzboden hat, und mit Federkielen geschlagen wird. Ein solches Instrument läßt sich hier denken, wenn man nur nicht zu ängstlich unter Plectrum einen Fiedelbogen verstehen will. In den Monseeischen Glossen heißt der Psalter Salmharipha. Übrigens hat dieses Instrument seinen Nahmen nicht daher, weil man beständig Psalmen dazu gesungen, sondern mit Psalm aus einer Quelle, nähmlich wegen seines lauten oder angenehmen Klanges. 2) Das biblische Buch, welches die Psalmen enthält, und auch das Psalmbuch genannt wird; schon bey dem Kero, Ottfried und Notker Saltare, im Nieders. Salter, im Ital. Salterio. In Niedersachsen nannte man ehedem auch ein Gesangbuch Salter; daher noch der dritte Magen der wiederkäuenden Thiere und besonders des Rindviehes, dessen Falten den Blättern eines Buches gleichen, daselbst der Salter, in andern Gegenden aber das Buch heißt, ( S. Magen.) 3) Ein langer Rosenkranz der Nonnen.


Psalterspiel (W3) [Adelung]


* Das Psalterspiel, des -es, plur. inus. ein ungewöhnliches, nur in der Deutschen Bibel befindliches Wort, das Spielen auf dem Pflas=ter zu bezeichnen. Ps. 71, 22, Amos 5, 23.


Psillienkraut (W3) [Adelung]


Das Psillienkraut, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Flöhsamens, Plantago Psyllium L. aus dessen Lat. und Griech. Nahmen er auch entlehnet ist, und daher richtiger Psyllienkraut geschrieben wird. S. Flöhsame.


Ptisane (W3) [Adelung]


Die Ptisane,


Publicum (W3) [Adelung]


Das Publicum, des Publici oder, wie einige wollen, des Publicums, Plur. bey einigen die Publicums, ein aus dem Latein. Publicum gangbar gewordenes Wort. Es bedeutet, 1) eigentlich eine an einem öffentlichen Orte versammelte Menge Menschen. In diesem ersten und nächsten Verstande haben nur die Schauspieler, die Verfasser der Schauspiele, die öffentlichen Redner und andere vor einer Menge Menschen an einem öffentlichen Orte handelnde Personen ein Publicum; und in dieser Bedeutung haben wir im Deutschen freylich kein schickliches Wort, dasselbe in allen Fällen auszudrucken, obgleich der Ausdruck Zuschauer für viele Fälle bequem ist. Das richtende Publicum. 2) In weiterer Bedeutung werden oft die Leser eines Schriftstellers dessen Publicum genannt, ob sie gleich nirgends im Ganzen versammelt sind, ihr Ausspruch auch nirgends im Ganzen gehöret wird. 3) Im weitesten Verstande verstehet man unter diesem Ausdrucke alle mit uns zugleich lebende Personen; in welchem Falle das Deutsche Wort Welt diesen Begriff eben so gut ausdruckt, den Nebenbegriff abgerechnet, welcher den Latein. Ausdruck Publicum nie verläßt, nach welchem man sich diese mit uns zugleich lebenden Personen an einem öffentlichen Orte versammelt denkt. Etwas vor den Augen des Publici thun, vor den Augen der Welt, öffentlich.


Pucht (W3) [Adelung]


Die Pucht, plur. die -en, ein in den Salzwerken übliches Wort, wo es einen Boden bedeutet, besonders einen solchen, worauf das Salz getrocknet wird, einen Trockenboden. Daher die Puchttreppe, eine Treppe, welche auf diese Böden führet, und aus starken Bretern bestehet, welche statt der Stufen mit Latten benagelt sind. Es ist hier das noch im Niedersächsischen völlig gangbare Bucht, ein Verschlag. In einem andern Verstande kommt dieses Wort in dem Forstwesen vor, wo die zu Puchten dienlichen Eichbäume im Durchmesser 40 bis 30 Zoll dick, und 20 bis 15 Ellen lang seyn müssen. Vielleicht bedeutet es hier solche Eichen, welche zu Pochstämpeln tauglich sind, weil man im Bergbaue für pochen gemeiniglich puchen spricht. Indessen scheinet auch Puch oder Pucht in manchen Gegenden das zu bedeuten, was man sonst einen Block nennet. In der Lausitz werden diejenigen Wagen, an welchen sich kein Eisen außer den Radschienen befindet, Puchwagen genannt; an andern Orten heißen sie Blockwagen.


Pudding (W3) [Adelung]


Der Pudding, des -es, plur. die -e, ein aus dem Englischen und Niederdeutschen entlehntes Wort, einen in eine Serviette geschlagenen und so in Wasser gekochten großen dicken Kloß zu bezeichnen, einen Englischen Kloß. Engl. Pudding, Nieders. gleichfalls Pudding, im Dithmars. Budden und Mehlbüdel, Holländ. Podding. Der Grund der Benennung liegt in der Dicke. Im Nieders. ist puddig dick, butt grob, stumpf, und Puddewurst eine kurze dicke Wurst, Franz. Boudio, Engl. auch Pudding, Holländ. Beuling.


Pudel (W3) [Adelung]


1. Der Pudel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, welches den Begriff der Tiefe, der Vertiefung und folglich auch des hohlen Raumes hat. 1) In manchen Gegenden bedeutet dieses Wort so viel als Pfuhl oder Pfütze, von welchen es auch abstammet, indem für das erste in einigen Mundarten auch Pfudel üblich ist, von welchem hier nur das Oberdeutsche f weggelassen worden. Daher wird auch diejenige Art Schnepfen, welche sonst unter dem Nahmen der Wasserschnepfe, Sumpfschnepfe, Riethschnepfe, Pfuhlschnepfe bekannt ist, in einigen Gegenden Pudelschnepfe genannt. 2) In Niedersachsen ist der Pudel ein kurzes Stück- oder Lagerfaß zum Weine; entweder von dem Nieders. butt, buddig, kurz und dick, oder auch als ein Geschlechtsverwandter von Butte, Bottich, Beute in der Bienenzucht, Beutel u. s. f. in der allgemeinen Bedeutung eines Gefäßes. Im Liefländ. ist Pudel eine Schachtel aus Baumrinden, und im mittlern Lat. kommt Budellus gleichfalls von einem Gefäße vor.


Pudel (W3) [Adelung]


2. Der Pudel, des -s, plur. ut nom. sing. ein in Ober- und Niedersachsen übliches Wort, einen Fehler, ein Versehen zu bezeichnen. Es ist in dieser Bedeutung im Kegelspiele am üblichsten, wo derjenige Fehler, wenn die Kugel durchgehet, ein Pudel h ißt. Da Placker, Pfuscher und Bock gleichfalls von dem Schalle hergenommen sind, welchen gewisse mißlungene Handlungen verursachen, so scheinet derselbe auch hier zum Grunde zu liegen, und da würde Pudel den Laut ausdrucken, weichen die Kugel macht, wenn sie ohne einen Kegel zu treffen an das Ende der Kegelbahn anschlägt, welches gemeiniglich mit einem ausgestopften Sacke bekleidet ist, da denn der dumpfige Schall erfolget, welchen Pud, Butt ausdruckt. Buß! ist im gemeinen Leben sehr üblich, einen solchen intensiven Schall nachzuahmen; daher batten, borten, ehedem auch für stoßen üblich war und es in vielen Sprachen noch ist, Im Ital. ist Botta ein Stoß. ( S. die verwandten Patschen, Peitschen u. s. f.) Die Endsylbe -el bedeutet ein Ding, ein Subject. Im Mecklenburgischen sagt man dafür Puden. Von einem Fehler im Kegelspiele ist es vermuthlich auf einen jeden Fehler übergetragen worden. Daher pudeln, einen Fehler, ein Versehen begehen.


Pudel (W3) [Adelung]


3. Der Pudel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, in welchem der Begriff des Rauchen, des Zotigen der herrschende ist. 1) Eine Art kurzer untersetzter zotiger Hunde mit krausen Haaren, welche sehr gelehrig sind, und aus Ungarn herstammen sollen, sind unter dem Nahmen der Pudel oder Pudelhunde bekannt genug. Franz. Barbet. 2) Bey dem andern Geschlechte war der Pudel oder Pudelkopf eine ehemahlige Art der Frisur, da die Haare im Nacken abgeschnitten, und der ganze Kopf wie eine Stutz-Perrücke in Locken gelegt wurde.

Anm. Der Grund der Benennung liegt hier ohne Zweifel in der zitternden flatternden Bewegung, so daß dieses Wort mit 2 Pudeln, Wedel, dem in den gemeinen Sprecharten üblichen wudeln, und andern dieser Art genau verwandt ist. Im Nieders. ist fuddeln nachlässig arbeiten. S. auch Pudelmütze.


Pudelhund (W3) [Adelung]


Der Pudelhund, des -es, plur. die -e, S. das vorige.


Pudelkopf (W3) [Adelung]


Der Pudelkopf, des -es, plur. die -köpfe, S. eben daselbst.


Pudelmütze (W3) [Adelung]


Die Pudelmütze, plur. die -n, eine krause rauche Mütze des männlichen Geschlechtes, welche von außen ganz mit krausen Lämmerfellen überzogen ist.


Pudeln (W3) [Adelung]


1. Pudeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, einen Pudel, d. i. Fehler machen, S. 2 Pudel.


Pudeln (W3) [Adelung]


2. Pudeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber nur im gemeinen Leben Ober- und Niedersachsens üblich ist, mit kurzen Schritten gehen, und dabey von einer Seite zur andern wanken, wie die Anten, fette Personen u. s. f. zu thun pflegen; im Oberdeutschen watscheln. Beyde drucken, so wie das in andern Gegenden übliche wudeln, die wankende und dabey mühsame Bewegung aus. ( S. 3 Pudel.) Wenn jemand so sehr betrunken ist, daß er im Gehen wanket, so sagt man in Niedersachsen, er sey pudeldick.


Pudelnärrisch (W3) [Adelung]


Pudelnärrisch, adj. et adv. im gemeinen Leben Ober- und Niedersachsens, im höchsten Grade närrisch, d. i. lustig, spaßhaft. Ein pudelnärrischer Mensch. Etwa von den Hunden dieses Nahmens, weil sie vor andern Arten Hunden zu Spaßen und Possen abzurichten sind? Oder von dem Nieders. putzig, spaßhaft, Putz, ein Possen?


Pudelschnepfe (W3) [Adelung]


Die Pudelschnepfe, plur. die -n, S. 1 Pudel 1.


Puder (W3) [Adelung]


Der Puder, des -s, plur. car. aus dem Französ. Poudre, welches eigentlich einen zu Pulver, zu einem zarten Mehle, klein gemachten Körper bedeutet. Ehedem nannte man sein gestoßenes Gewürz in Niedersachsen Puder, und eine gepuderte Suppe war alsdann eine gewürzte Suppe. Zu einem seinen Mehle gestoßener Zucker heißt noch jetzt in der Haushaltung Puderzucker Am üblichsten ist dieses Wort, von einem seinen zubereiteten Weitzenmehle, womit man die Haupthaare zur Zierde zu bestreuen pflegt, und welches nun zum Unterschiede von den vorigen Arten auch Haarpuder nennt. Nieders. gleichfalls Puder, Engl. Powder. Wir haben das Wort mit der Sache selbst aus Frankreich, wo Poudre aus dem Lat. Pulvis verderbt ist.


Puderbeutel (W3) [Adelung]


Der Puderbeutel, des -s, plur. ut nom. sing. ein lederner Beutel, den Puder darin zu verwahren und bey sich zu führen.


Puderbläser (W3) [Adelung]


Der Puderbläser, des -s, plur. ut nom. sing. ein ähnlicher aber verschlossener Beutel, aus welchem der Puder durch ein vorgespanntes Sieb vermittelst des Zusammendrückens heraus gestoßen wird; der Puderpüster, von dem Nieders. pusten, blasen.


Puderig (W3) [Adelung]


Puderig, adj. et adv. mit Puder bestäubt. Sich puderig machen.


Pudern (W3) [Adelung]


Pudern, verb. reg. act. mit Puder bestreuen. Die Haare pudern. Eine Perrücke pudern. Daher das Pudern.


Puderquast (W3) [Adelung]


Der Puderquast, des -es, plur. die -e, ein Quast aus wollenen, leinen oder seidenen Fäden, den Puder damit aufzustreuen.


Puderschachtel (W3) [Adelung]


Die Puderschachtel, plur. die -n, eine Schachtel, den Puder darin zu verwahren.


Puff (W3) [Adelung]


Puff, ein unabänderliches Wörtchen, welches den dumpfigen Laut nachahmet, welchen manche Körper, besonders im Stoßen und Fallen verursachen, und welcher gröber und dumpfiger ist, als diejenigen, welche man durch Piff und Paff ausdruckt. Siehe diese Wörter. Piff, Puff, Paff, Puff, geht sein Gewehr, Weiße: Husch! zag ich einen Apfel vor, Puff! hatt er einen an das Ohr, Puff! wieder einen auf den Rücken, ebend. Puff, puff wird es auf deinen Buckel gehen, tax, tax erit tergo tuo; wo das Lat. tax zugleich das Stammwort von dem Nieders. tageln, prügeln, und vielleicht auch von unserm Stock ist. Wie sehr sich die Natur in Nachahmung der Schälle und Laute, und folglich auch in Erfindung und Bildung der Worte, getreu bleibt, erhellet unter andern auch daraus, daß die Negern in Afrika ein Europäisches Feuergewehr nicht anders als Puff zu nennen wissen; ein Wort, welches eigentlich den Knall desselben nachahmet und ausdruckt. S. Puffer.


Puff (W3) [Adelung]


Der Puff, des -es, plur. die Püffe, eigentlich der vorige Laut, in Gestalt eines Hauptwortes. 1) Es gab einen Puff, einen dumpfigen Laut. Noch häufiger, ein mit einem solchen dumpfigen Laute verbundener Stoß; besonders ein Stoß oder Schlag mit zusammen geballter Faust. Jemanden einen heimlichen Puff geben. Püffe austheilen, Stöße. Püffe bekommen. Es wird hier nicht ohne Püffe abgehen. Einen guten Puff vertragen können, eigentlich einen derben Stoß, figürlich, auch einen derben Verweis, ja eine jede heftige Veränderung. Im Schwed. ist Puss gleichfalls ein solcher Stoß oder Schlag, im Engl. Buffet, im Franz. Buffe, im Ital. Boffetto, und im Span. Bofetada, eine Maulschelle. 2) In Halle wird das gemeine Stadtbier Puff, und im Engl. ein gewisses starkes Bier Bub genannt. 3) Eine Art des Spieles, S. Puffspiegel.


Puffbohne (W3) [Adelung]


Die Puffbohne, plur. die -n, eine Art großer Bohnen, mit einem aufrecht wachsend n Stamme und Blattstielen ohne Gabeln, welche ihre großen Früchte in einer dicken aufgeblasenen fleischigen Hülse tragen; Vicia Faba L. große Bohnen, Feldbohnen, Feigbohnen. Die Sau- oder Pferdebohnen sind eine Art davon. S. das folgende.


Puffbret (W3) [Adelung]


Das Puffbret, des -es, plur. die -er, das innere Dambret, so fern Puff darauf gespielet wird. S. Puffspiel.


Puffen (W3) [Adelung]


Puffen, verb. reg. welches gleichfalls von den beyden vorigen Wörtern abstammet, und in doppelter Gestalt vorkommt. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, diesen Schall von sich geben, verursachen. 1) Eigentlich. Darauf schlagen, daß es pufft. Ich höre es puffen. Im Ital. buffare und boffare. ( S. auch Verpuffen.) 2) Figürlich. a) * Aufblasen, aufschwellen, im Engl. to puff, im Franz. bouffir, weil aufgeblasene, oder aufgeschwollene Körper diesen Laut von sich geben, wenn man darauf stößt oder schlägt. Im Deutschen ist diese Bedeutung veraltet, eben das vorige Puffbohne stammet noch davon her. b) Das pufft, ist ein in den niedrigen Sprecharten üblicher Ausdruck, welcher so viel sagen soll, das läßt sich hören, das hat ein Ansehen; wo die Figur von dem Schalle hergenommen ist, so wie bey Pracht. Hundert Thaler, das pufft. Da der selige Papa mit ihnen hier durch ging, blieben sie etwa einen lumpigen Tag, das puffte, Weiße; wo es ironisch steht. Puff machen, ist in den niedrigen Sprecharten einiger Gegenden so viel als Staat machen. c) Puff spielen, ( S. Puffspiel.) 2. Als ein Activum, puffen machen, d. i. solche Schläge oder Stöße geben, welche diesen Laut hervor bringen. Jemanden puffen, ihn mit geballter Faust stoßen oder schlagen. ( S. auch Abpuffen.) Nieders. puffen und buffen, Engl. to puff, Franz. bouffer. So auch das Puffen.


Puffer (W3) [Adelung]


Der Puffer, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Pufferchen, ein kleines kurzes Schießgewehr, welches man in der Tasche bey sich tragen kann; eine Sachpistole, Taschenpistole, mit einem fremden Worte das Terzerol. Von dem dumpfigen Knalle, welchen es im Abschießen macht. S. Puff.


Puffspiel (W3) [Adelung]


Das Puffspiel, des -es, plur. die -e, eine Art des Spieles, welches in dem Dambrete mit zwey Würfeln und dreyßig Steinen gespielt, und auch nur der Puff genannt wird. Der lange Puff, diejenige Art dieses Spieles; wenn beyde Theile ihre Steine in Ein Quartier einsetzen; der Contra-Puff, wenn jeder Theil seine Steine in ein besonderes Quartier setzt, und dem andern entgegen spielet. Ohne Zweifel von dem Geräusche, welches die Steine im Spielen machen.


Pulle (W3) [Adelung]


Die Pulle, plur. die -n, Dimin. das Püllchen, ein nur im Niederdeutschen übliches Wort, eine Flasche mit einem dicken Bauche, eine Bouteille, zu bezeichnen, S. dieses Wort.


Pulpet (W3) [Adelung]


Das Pulpet, des -es, plur. die -e, ein erhöhetes Gerüst mit einem gemeiniglich abhängigen Tische, davor zu lesen, schreiben, oder zu singen; das Pult, ( S. dasselbe.) Vor dem Pulpete stehen. Es ist aus dem Lat. Pulpitum entlehnet. Ehedem nannte man ein zum Lesen oder Singen bestimmtes Pulpet die Lesebank, Singebank, den Leczner, Lettner, aus dem mittlern Lat. Lectionarium.


Puls (W3) [Adelung]


Der Puls, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches eigentlich einen Schlag bedeutet, aber nur noch in zwey Fällen üblich ist. 1) Bey dem Läuten der Glocken ist in Ober- und Niedersachsen ein Puls das Läuten der Glocken von einer Pause bis zur andern. Einen Puls läuten, zwey Pulse u. s. f. Der erste Puls, der zweyte, der dritte. 2) Bey den Ärzten ist der Puls das Schlagen der Pulsader in der Gegend der Handwurzel unter dem Ballen des Daumens, oder der Druck, welchen man mit der Hand von außen fühlet, wenn das Blut von dem Herzen in die Pulsadern gestoßen wird; ingleichen die Pulsadern in der Gegend der Handwurzel in Ansehung dieser schlagenden Bewegung. Es wird hier collective gebraucht, folglich ist auch der Plural nicht üblich, außer etwa von dieser Bewegung der Pulsadern in mehrern Menschen. Einem an den Puls fühlen oder greifen. Einem den Puls fühlen. Der Puls geht oder schlägt geschwinde, ungleich, schwach u. s. f. Einen heftigen, schwachen, ungleichen Puls haben. Reinem Puls haben, wenn die Bewegung der Pulsadern unmerklich schwach ist.

Anm. In der ersten Bedeutung lautet es im mittlern Lat. Pultio. In der zweyten ist es unstreitig aus dem Lat. Pulsus entlehnet. Im Ganzen aber ist es doch ein altes Europäisches Wort, welches in allen alten Sprachen einheimisch ist. Im Nieders. wird Buls noch jetzt für Schläge gebraucht, und im Dithmarsischen ist bulßen prügeln, schlagen. S. 1 Pelzen, schlagen, welches genau damit verwandt ist.


Pulsader (W3) [Adelung]


Die Pulsader, plur. die -n, diejenigen Adern in den menschlichen und thierischen Körpern, in welche das Blut aus dem Herzen gestoßen wird, und welche das Blut aus dem Herzen durch den ganzen Leib leiten, Arteriae, Schlagadern, weil der Druck des Blutes aus dem Herzen ihnen eine schlagende Bewegung gibt; im Gegensatze der Blutadern, Venae, welche es zum Herzen führen. Bey den ältern Ärzten heißen sie Luftadern, weil die in der Lunge befindliche Luft ihre Bewegung befördert.


Pulsschlag (W3) [Adelung]


Der Pulsschlag, des -es, plur. die -schläge, einzelne Schläge oder Drucke der Pulsader an der Handwurzel, deren ganzer Inbegriff den Puls ausmacht.


Pult (W3) [Adelung]


Das Pult, des -es, plur. die -e, Dimin. das Pultchen, Oberd. Pultlein, ein wie Pulpet gleichfalls aus dem Lat. Pulpitum gebildetes Wort, welches aber in weiterer Bedeutung üblich ist, indem es nicht allein von einer abhängigen ebenen Fläche auf einem eigenen erhöhten Gestelle, sondern auch von einer jeden abhängigen Fläche gebraucht wird, vor welcher man eine gewisse Verrichtung vornimmt. Daher das Bücherpult, das Lesepult, das Schreibepult, das Singepult, das Nähpult, das Klöppelpult u. s. f. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Pult, obgleich das sächliche theils gewöhnlicher, theils auch dem Lateinischen Originale angemessener ist.


Pultdach (W3) [Adelung]


Das Pultdach, des -es, plur. die -dächer, in der Baukunst, ein Dach, welches, wie ein Pult, nur auf Einer Seite abhängig ist; ein einhängiges Dach, bey einigen auch ein Taschendach.


Pulver (W3) [Adelung]


Das Pulver, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Lat. Pulvis. 1. Überhaupt, ein trockner und in sehr kleine Theile verwandelter Körper; wo der Plural nur von mehrern Arten gebraucht wird. Räucherpulver, welches, so wie es heut zu Tage beschaffen ist, aus gröbern Theilen bestehet, als man jetzt gemeiniglich Pulver zu nennen pflegt, worunter man einen in so seine Theile verwandelten trocknen Körper verstehet, daß sie dem bloßen Auge nicht mehr sichtbar sind. Sind sie so fein, daß sie auch unfühlbar sind, so bekommen sie den Nahmen des Staubes und in einigen Fällen des Mehles. Etwas zu Pulver schlagen, stoßen, reiben, brennen. 2. In engerer Bedeutung. 1) Eine solche in sehr kleine Theile verwandelte trockene Arzeney. So wohl überhaupt, wo der Plural auch nur von mehrern Arten gebraucht wird. Flußpulver, Magenpulver, Niesepulver, Laxierpulver, Goldpulver u. s. f. Als auch so viel eines solchen Pulvers, als auf Ein Mahl eingenommen wird, wo der Plural auch von solchen Quantitäten gebraucht wird,. Zwey Pulver einnehmen. In eben dieser Bedeutung wird zuweilen auch das Diminut. das Pülverchen, Oberd. Pülverlein gebraucht. 2) Das Schießpulver ist sehr häufig nur unter dem Nahmen des Pulvers schlechthin bekannt, ob es gleich heut zu Tage gröbere Körner hat, als man sonst mit dem Nahmen des Pulvers zu belegen pflegt. Vermuthlich war es ehedem einem eigentlichen Pulver ähnlicher. Pulver und Bley, wofür man auch Kraut und Brot gebraucht, ( S. diese Wörter.) ein Schuß Pulver. Er ist keinen Schuß Pulver werth, sagt man von einem nichtswürdigen Menschen oder Thiere. Kein Pulver riechen können, feige, des Krieges ungewohnt seyn.


Pulverflasche (W3) [Adelung]


Die Pulverflasche, plur. die -n, eine Flasche, Pulver darin zu verwahren. Besonders ein krummes hölzernes oder hörnernes Gefäß der Jäger, das Schießpulver darin bey sich zu tragen, welches, weil es die Gestalt eines Hornes hat, auch wohl aus einem Horne bereitet wird, auch das Pulverhorn heißt.


Pulverholz (W3) [Adelung]


Das Pulverholz, des -es, plur. inus. ein Nahme verschiedener Stauden, deren Holz, wenn es zu Kohlen gebrannt worden, gutes Schießpulver gibt, und ehedem auch dazu gebraucht wurde, besonders des Faulbaumes oder Elsebeerstrauches, Rhamnus Frangula L. S. Elsebeere.


Pulverhorn (W3) [Adelung]


Das Pulverhorn, des -es, plur. die -hörner, S. Pulverflasche.


Pulverkammer (W3) [Adelung]


Die Pulverkammer, plur. die -n, eine Kammer, worin Pulver, und besonders Schießpulver, verwahret wird. In der Geschützkunst kommt dieses Wort noch in einigen engern Bedeutungen vor. Ein in die Erde gegrabenes Behältniß hinter den Batterien und Bombenkesseln, worin das Schießpulver und andere zum Feuern nöthige Bedürfnisse aufbewahret werden, heißt daselbst die Pulverkammer. Auch derjenige Ort einer Mine, wo das Pulver in Tonnen oder Säcken hingesetzet und hernach durch ein Leitfeuer angezündet wird, führet diesen Nahmen. Bey den Feuermörsern und Haubitzen ist die Pulverkammer oder Kammer schlechthin, die hinterste Höhle, worein das Pulver geladen wird, S. Kammerstück.


Pulverkorn (W3) [Adelung]


Das Pulverkorn, des -es, plur. die -körner, ein einzelnes Korn eines zu Pulver verwandelten Körpers. Besonders ein einzelnes Korn Schießpulvers.


Pulver-Magazin (W3) [Adelung]


Das Pulver-Magazin, des -es, plur. die -e, ein verwahrter, feuerfester Ort, wo Schießpulver in Menge aufbehalten wird; der Pulverthurm, wenn er die Gestalt eines Thurmes hat.


Pulvermaß (W3) [Adelung]


Das Pulvermaß, des -es, plur. die -e, ein körperliches Maß, das Pulver und besonders das Schießpulver damit zu messen. So haben die Jäger und Schützen ein solches Muß in Gestalt eines kleinen hohlen Cylinders, die Schüsse Pulver zu den Feuergewehren damit zu bestimmen.


Pulvermühle (W3) [Adelung]


Die Pulvermühle, plur. die -n, eine Mühle, wo die zum Schießpulver gehörigen Dinge gestampfet und unter einander gemenget werden, deren Vorgesetzter der Pulvermüller genannt wird.


Pülvern (W3) [Adelung]


Pülvern, verb. reg. act. in Pulver verwandeln, mit der vierten Endung. Einen trocknen Köper pülvern. Im gemeinen Leben ist dafür auch pulverisiren üblich; aus dem mittlern Lat. pulverisare, Franz. pulveriser.


Pulverprobe (W3) [Adelung]


Die Pulverprobe, plur. die -n, in der Geschützkunst, ein Werkzeug, die Stärke des Schießpulvers damit zu probieren.


Pulversack (W3) [Adelung]


Der Pulversack, des -es, plur. die -säcke. 1) Ein Sack zur Aufbewahrung des Pulvers, und besonders des Schießpulvers. Ingleichen, ein mit Schießpulver gefüllter Sack. 2) Figürlich, an den Feuerröhren, die Stelle hinten an der Schwanzschraube, es das Pulver die größte Gewalt ausübt.


Pulverthurm (W3) [Adelung]


Der Pulverthurm, des -es, plur. die -thürme, ein Thurm, das Schießpulver daselbst in Menge zu verwahren.


Pulvertonne (W3) [Adelung]


Die Pulvertonne, plur. die -n, eine Tanne, das Schießpulver darin aufzubehalten. Ingleichen eine mit Schießpulver gefüllte Tonne.


Pulvier (W3) [Adelung]


Der Pulvier, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden; ein Nahme des grünen Kybitzes, Gavia viridis Kl. welcher aus dem Franz. Pluvier, Lat. Pluvialis, Engl. Plover, verderbt ist. In andern Gegenden wird er Pulros genannt, welches aus dem Nahmen Pardel verunstaltet zu seyn scheinet, unter welchem man ihn in andern Gegenden kennet. Schon bey dem Aristoteles heißt er - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Pumpe (W3) [Adelung]


Die Pumpe, plur. die -n, eine Maschine, einen flüssigen Körper durch Auf- und Niederdrücken, d. i. durch die Bewegung eines Kolbens in einer Röhre, damit aus einem Orte zu bringen. Die Luftpumpe, eine solche Maschine, die Luft damit aus einem Orte zu bringen. Die Wasserpumpe, das Wasser damit aus der Tiefe zu heben, welche auch nur die Pumpe schlechthin genannt wird, und nach ihrer verschiedenen Einrichtung verschiedene Rahmen bekommt, ( S. Drückpumpe oder Drückelpumpe, Krückenpumpe, Schwengelpumpe, Ziehpumpe u. s. f.) Eine zusammen gesetzte Maschine dieser Art, besonders wenn sie nicht mehr durch Menschenhände bewegt, sondern von dem Wasser getrieben wird, ist unter dem Nahmen der Wasserkunst, oder der Kunst bekannt. Die Schiff- pumpe ist auf den Schiffen üblich, das Wasser aus den untern Theilen das Schiffes in die Höhe zu bringen und fortzuschaffen. Anm. Im Nieders. gleichfalls Pumpe, im Engl. und Schwed. Pump, im Ital. Pompa, im Franz. Pompe, im Böhm. Pumpa, im Span. Bomba, im Finnländ. Pumpu. Es ist von dem Schalle gebildet, welchen das Wasser macht, wenn es auf solche Art gehoben wird; und da dieser auch dem Plumpen ähnlich ist, so wird eine Pumpe auch sehr häufig Plumpe genannt. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist dafür Prumbe, so wie im Ital. auch Tromba, üblich. Pompe für Pumpe ist eine gezierte, nach dem Franz. Pompe gemodelte Aussprache. Da Pump ein Wort ist, welches unmittelbar den so lautenden Schall nach ahmet, dieser Schall aber in mehrern Fällen vorhanden ist, so kommt auch das Wort Pumpe von mehrern dem Ansehen nach sehr verschiedenen Dingen vor. Im gemeinen Leben heißt ein gewisser Vogel von seiner Stimme die Pumpe, noch häufiger aber Spitzpumpe, (siehe dieses Wort.) Im Nieders. ist der Pump, Pumpel und Pumpstock ein Stößel, Stampfer oder Stämpel, ingleichen figürlich, ein dicker ungeschickter Mensch, und pumpeln im Mörser stoßen; gleichfalls von dem ähnlichen dumpfigen Schalle, welchen das Stoßen in großen Mörsern verursacht. Im Hannöverischen ist Pump eine Pfütze; schmutziger und niedriger Ausdrücke dieser Art zu geschweigen. Siehe auch Pomp, Pomphosen, Plumpen, Bamsen, Bombe u. s. f.


Pumpelmus (W3) [Adelung]


Pumpelmus, siehe Pompelmus.


Pumpen (W3) [Adelung]


Pumpen, verb. reg. act. die Pumpe bewegen, ingleichen durch Bewegung der Pumpe einen flüssigen Körper aus einem Orte bringen. Den ganzen Tag stehen und pumpen. Die Luft aus einem Raume pumpen. Das Wasser aus dem Keller, aus dem Schiffe u. s. f. pumpen. Im gemeinen Leben plumpen. Daher das Pumpen.


Pumpenbohrer (W3) [Adelung]


Der Pumpenbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bohrer, die hölzernen Röhren zu den Wasserpumpen damit zu bohren. Im Nieders. wird der Pumpenmacher oder Brunnenmeister Pumpenbohrer genannt, weil er zugleich die zu den Pumpen nöthigen Röhren bohret.


Pumpengesenk (W3) [Adelung]


Das Pumpengesenk, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, ein Gesenk zum Behuf einer Pumpe, eine senkrechte Grube für eine Pumpe, welche nur eine oder zwey Fahrten tief ist. Ist sie tiefer, so daß mehrere Pumpen über einander angebracht werden müssen, so heißt sie ein Pumpenschacht.


Pumpenmacher (W3) [Adelung]


Der Pumpenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Wasserpumpen macht und setzet, und, so fern er auch die Wasserleitungen macht und besorgt, auch der Röhrmeister genannt wird.


Pumpenschacht (W3) [Adelung]


Der Pumpenschacht, des -es, plur. die -schächte, siehe Pumpengesenk.


Pumpenschuh (W3) [Adelung]


Der Pumpenschuh, des -es, plur. die -e, das Holz an dem Pumpenschwengel, besonders im Bergbaue. Nach andern ist es das Ventil-Leder an einer Wasserpumpe.


Pumpenschwengel (W3) [Adelung]


Der Pumpenschwengel, des -s, plur. ut nom. sing. der Schwengel, d. i. die lange bewegliche Handhabe an einer gemeinen Wasserpumpe.


Pumpenstock (W3) [Adelung]


Der Pumpenstock, des -es, plur. die -stöcke, ein kurzes ausgebohrtes Holz, durch welches eine Wasserpumpe das gehobene Wasser ausgießet.


Pumpenwerk (W3) [Adelung]


Das Pumpenwerk, des -es, plur. die -e, eine Art Wasserkünste, welche am gewöhnlichsten ein Saugwerk genannt wird. S. dieses Wort.


Pumper (W3) [Adelung]


Der Pumper, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher pumpet, besonders, welcher durch Pumpen das Wasser aus einem Orte schaffen.


Pumpermette (W3) [Adelung]


Die Pumpermette, plur. die -n, in der katholischen Kirche, ein Nahme derjenigen Mette, welche am grünen Donnerstage Nachmittags gesungen wird. Vermuthlich, weil man an diesem Tage keine Glocken läutet, sondern statt derselben mit hölzernen Klöppeln auf ein Bret stößt, die Zeit des Anfanges der Messe damit bekannt zu machen; von dem Nieders. Pump, ein Stößel, ( S. Pumpe Anm.) Aus eben dieser Ursache wird auch eine an diesem Tage gelesene Messe die Poltermesse genannt.


Pumpernickel (W3) [Adelung]


Der Pumpernickel, des -s, plur. inus. eine Benennung des großen Brotes der Westphälinger, welches aus zwey Mahl geschrotenem und nicht gesiebtem Rocken, der also seine Kleye bey sich behält, bereitet wird. Indessen ist diese Benennung in Westphalen selbst nicht üblich, wo man dieses Brot grobes Brot zu nennen pflegt, sondern sie ist nur bey den Nachbarn und Ausländern im Gange. Um dieses Umstandes willen kann es seyn, daß diese Benennung einen scherzhaften Ursprung hat, und die gemeinste Meinung ist, daß sie von einem durchreisenden Franzosen herrühre, welcher in Westphalen Brot gefordert, bey dessen Erblickung aber gesagt habe, daß es bon pour Nickel sey, da denn einige hinzu setzen, daß sein Bedienter Nickel geheißen habe, andere aber unter dem Worte Nickel ein kleines Pferd verstehen, ( S. dieses Wort.) Doch die ganze Ableitung siehet einem Mährchen sehr ähnlich, ob sie gleich manchen wichtig genug geschienen, um ihretwillen die ganze Schreibart des Wortes, der gewöhnlichsten Aussprache zuwider, zu ändern und Bompernickel zu schreiben. Brauchte man ja eine possierliche auf Muthmaßung gegründete Ableitung, so könnte man auf das in den niedrigen Sprecharten übliche pumpen, pedere, Pumper und Pumps, Peditum, Crepitus ventris, rathen, weil dieses grobe Brot, wegen der noch bey sich haben den Kleye einem ungewohnten Magen leicht Blähungen verursachen kann. Nickel ist in den gemeinen Sprecharten oft eine verächtliche Benennung eines jeden Dinges. In dem Dieskanischen Mark stecken Nercha bey Grimma wird ein starkes Bier gebrauet, welches gleichfalls Pumpernickel heißt. In Baiern sagt man auf dem Lande: wo es gebräuchlich ist, da legt man wohl eine Kuh in das Bett, und singt den Pumpernickel dazu, d. i. ländlich, sittlich; wo es aber aus Pumpermette verderbt zu seyn scheinet.


Pumphosen (W3) [Adelung]


Die Pumphosen, S. Pomphosen.


Pumpkeule (W3) [Adelung]


Die Pumpkeule, plur. die -n, bey den Weißgärbern, hölzerne Keulen, womit die Felle gewalket werden; gleichfalls von dem Laute, welchen sie im Walken verursachen. S. Pumpe Anm.


Punct (W3) [Adelung]


Der Punct, des -es, plur. die -e, Diminut. das Pünctchen, Oberd. Pünctlein. 1. Eigentlich, die unmerklich subtile Spitze eines spitzigen Dinges, noch häufiger aber der Stich mit einer solchen Spitze. in Punct von einem Zirkel. Einen Punct machen. Es trifft auf einen Punct zu, sehr genau. 2. Figürlich. 1) Ein solcher mit der Feder, einem seinen Pinsel, oder einem andern ähnlichen Werkzeuge gemachter sehr kleiner Fleck von einer andern Farbe; ein Tüpflein, Nieders. Stippe, S. auch Titel. Der Punct über dem i. Einen Punct machen. Thrar schont die Pünctchen auf dem i, Um Tinte zu ersparen. Der Punct am Ende einer Periode, welcher auch der Schlußpunct genannt wird. In der Hebräischen Sprache werden die Vocalzeichen, so fern sie noch von den eigentlichen Consonanten unterschieden sind, Puncte genannt, weil die meisten derselben aus wirklichen Puncten bestehen. Mit Puncten mahlen, wie die Mignatur-Mahler. So fern dieses Wort im Schreiben gebraucht wird, ist es zunächst ein Überbleibsel der ehemahligen Art auf Wachstafeln zu schreiben, wo der Punct wirklich mit dem Griffel eingedrückt oder eingestochen wurde. 2) Derjenige Theil einer Rede, welcher am Ende mit einem Puncte bezeichnet wird; ein Satz. Am häufigsten aber, nach einer fortgesetzten Figur, ein bestimmter Theil, Abschnitt oder Umstand einer Schrift, und in noch weiterer Bedeutung einer jeden Sache. Die Haupt-Puncte des christlichen Glaubens, die Haupt-Artikel. Ein Neben-Punct. Einen Vertrag nach allen Puncten erfüllen, nach allen seinen bestimmten Theilen und Umständen. Über diesen Punct sind wir noch streitig, über diese bestimmte Sache. Was diesen Punct betrifft, diesen Umstand, diese bestimmte Sache. Die streitigen Puncte. Ich kann ihr diesen Punct schon übersehen. Diesen Punct wollen wir unberührt lassen. Diesen Punct wollen wir unmaßgeblich gleich in Richtigkeit bringen, Gell. Der Zeitpunct, ein genau bestimmter Theil der Zeit. 3) Auf dem Puncte seyn oder stehen, etwas zu thun, im Begriffe; eine aus dem Französischen entlehnte R. A. Uns sie sind auf dem Puncte, ihn zu heiraten, Weiße. 4) Ein sehr kleiner, kaum den äußern Sinnen merklicher Theil. Die Erde ist nur ein Pünctchen in dem unermeßlichen Raume des Himmels. In der Geometrie ist der Punct, nach einer fortgesetzten Figur, die kleinste Größe, welche man sich ohne alle Ausdehnung und Theile denkt, der Anfang und das Ende einer mathematischen Linie.

Anm. Dieses Wort scheint sehr früh aus dem Lat. Punctum entlehnet zu seyn, welches wieder von pungere, stechen, abstammet. Das Nieders. Punt, die Spitze, Franz. Point, ist ein Seitenverwandter von demselben. Für unser Punct in der ersten eigentlichen Bedeutung gebrauchen die Niedersachsen Prick, die Schweden Prick, Angels. Prikka, gleichfalls von pricken, stechen; in der ersten figürlichen Bedeutung aber Stippe. Einige gebrauchen es im sächlichen Geschlechte, das Punct, welches freylich dem Lat. Originale gemäßer ist, aber doch wider den einmahl angenommenen Hochdeutschen Gebrauch streitet.


Punctieren (W3) [Adelung]


Punctieren, verb. reg. act. aus dem mittlern Lat. punctare, mit Puncten bezeichnen, in der ersten figürlichen Bedeutung des Hauptwortes. Eine punctierte Hebräische Schrift, welche mit den Vocal-Puncten bezeichnet ist. In der Astrologie ist punctieren, verborgene Dinge durch gemachte Puncte erforschen, ( S. Auspunctiren;) bey den Ärzten aber, einem Wassersüchtigen Löcher in die Haut machen, das Wasser abzuzapfen.


Punctier-Rad (W3) [Adelung]


Das Punctier-Rad, des -es, plur. die Räder, in der Geometrie, ein mit zarten Spitzen versehenes Rädchen an einem Stiele, die Puncte auf den blinden Linien damit zu machen.


Pünctlich (W3) [Adelung]


Pünctlich, -er, -ste, adj. et adv. eigentlich, einem Puncte ähnlich, gemäß, in welchem Verstande es doch nicht üblich ist. Man gebraucht es nur in figürlicher Bedeutung, für sehr genau. Es trifft pünctlich zu, vollkommen, gleichsam auf den Punct. Ich halte pünctlich Wort. Ein pünktlicher Mann, welcher Fertigkeit besitzet, sich genau an eine gewisse Ordnung zu binden. Sehr pünctlich seyn. Daher die Pünctlichkeit, die Fertigkeit, eine gewisse Ordnung genau und ohne Ausnahme zu befolgen.


Punctstein (W3) [Adelung]


Der Punctstein, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welchen einige dem Granite beylegen, wegen der farbigen Puncte, welche er hat.


Punctur (W3) [Adelung]


Die Punctur, plur. die -en, aus dem Lat. Punctura, bey den Buchdruckern, zwey angeschrobene gabelförmige Stacheln von Eisen auf dem Deckel der Presse, welche den zum Druck bestimmten Bogen fest halten. Ingleichen die dadurch in einen gedruckten Bogen gestochenen Löcher. Franz. Pointure.


Punsch (W3) [Adelung]


Der Punsch, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein Getränk, welches aus Branntwein, sauren Säften, Zucker und Wasser bereitet und so wohl kalt als warm getrunken wird. Punsch trinken. Wir haben das Wort von den Engländern bekommen, bey welchen es aber auch nicht einheimisch ist, sondern mit dem Getränke selbst aus Ostindien herstammet. Der Nahme soll von dem Malabarischen Worte Panscha, fünfe abstammen, weil dieses Getränk aus fünf Ingredienzien bereitet wird.


Pünte (W3) [Adelung]


Die Pünte, plur. die -n, ein Niederdeutsches Wort, welches die Spitze bedeutet, und mit dem Französ. Pointe und Latein. Punctum verwandt ist. Es ist nur im Festungsbaue üblich, wo die Bollwerksspitze, nach dem Muster der Niederländischen Schriftsteller von dem Festungsbaue, von einigen die Pünte genannt wird.


Punzen (W3) [Adelung]


Der Punzen, S. Bunzen.


Pupill (W3) [Adelung]


Der Pupill, des -en, plur. die -en, Fämin. die Pupille, plur. die -n, aus dem Lat. Pupillus, Pupilla, eine der Aufsicht eines Vormundes anvertraute minderjährige Person; wofür wir doch das gute Deutsche Wort Mündel haben. Daher das Pupillen-Collegium, ein obrigkeitliches Collegium, welches die Aufsicht über die Vormünder eines Landes oder einer Stadt führet, und welches in andern Gegenden das Vormundschaftsamt, in Breslau das Waisenamt genannt wird.


Pupin (W3) [Adelung]


Der Pupin, des -es, plur. die -e, eine Art Mewen mit rothen Patschfüßen, welche sich auf der Insel Man in den Höhlen der Kaninchen aufhält, und daher auch Erdmewe genannt wird; Larus piger Kl. Der Nahme ist aus dem Engl. Puffin, wo er denselben von seiner Stimme bekommen hat.


Puppe (W3) [Adelung]


2. Die Puppe, plur. die -n, Dimin. das Püppchen, Oberd. Püpplein, ein kleines Kind. 1) Eigentlich, wo es nur noch ein Liebreicher, schmeichelhafter Ausdruck ist, ein Kind, besonders weiblichen Geschlechtes, zu bezeichnen. Es ist ein allerliebstes Püppchen. Geliebte auch erwachsene Personen des andern Geschlechtes pflegt man in vertraulicher Zärtlichkeit gleichfalls mit diesem Nahmen zu belegen. 2) Die nachgemachte Figur, das körperliche Bild eines Kindes; im Oberd. die Docke. Mit der Puppe spielen. Das Kind liebt die Puppen. Anm. Im Schwed. Puppa, im Engl. Puppet, Baby, im Ital. Pupa, Puppa, im Franz. Poupee, im Lat. Pupa. Es ist ohne Zweifel ein Wort, bey welchem der Begriff der Kleinheit der beherrschende ist, so daß es ein naher Verwandter von Bube ist. S. dieses Wort.


Puppen (W3) [Adelung]


1. Puppen, verb. reg. act. von Puppe, ein längliches Bündel, ( S. 1 Puppe 2.) So fern Puppe ein Insect in seinem zweyten Zu- stande bedeutet, ist es nur in dem zusammen gesetzten verpuppen üblich, S. dasselbe.


Puppen (W3) [Adelung]


2. Puppen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Puppen machen, mit der Puppe spielen; im Oberd. packen. Das Kind puppet. Daher das Puppen. S. 2 Puppe 2


Puppenkram (W3) [Adelung]


Der Puppenkram, des -es, plur. inus. der Handel mit Puppen und dahin gehörigen Spielsachen; der Dockenkram. Ingleichen Puppen und dazu gehörige Spielsachen selbst. Puppenzeug. Daher der Puppenkrämer, die Puppenkrämerinn, eine Person, welche mit Puppen und dazu gehörigen Spielsachen handelt.


Puppenspiel (W3) [Adelung]


Das Puppenspiel, des -es, plur. die -e, das Spiel mit Puppen. Ingleichen ein Schauspiel, wo statt der handelnden Personen bewegliche Puppen auftreten; das Marionetten-Spiel. Daher der Puppenspieler, der Eigenthümer und Unternehmer eines solchen Spieles; der Marionetten-Spieler. Figürlich bekommt oft eine jede unerhebliche Beschäftigung ohne wesentlichen Nutzen den Nahmen eines Puppenspieles. Sie entziehen sich allmählich dem eitlen Gelärme und dem Puppenspiele der Welt. Zimmerm.


Puppenstand (W3) [Adelung]


Der Puppenstand, des -es, plur. inus. derjenige Zustand eines Insectes, da es eine leblose, wenigstens eine unbewegliche Puppe ist, derjenige Stand, welcher auf den Raupenstand folgt, und unmittelbar von dem Stande des vollkommenen Insectes vorher gehet; der Nymphen-Stand.


Pur (W3) [Adelung]


Pur, -er, -ste, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, wo es wie lauter gebraucht wird. 1) Unvermischt, unverfälscht. Pures Gold, lautres, reines Gold. Purer Wein. Pures, klares Wasser. 2) Figürlich, nichts als. Pures Wasser trinken, nichts als Wasser; wo es auch als ein Nebenwort gebraucht wird, pur Wasser trinken. Nicht selten gebraucht man es im gemeinen Leben als eine Verstärkung des Wortes lauter. Es ist die pur lautere Wahrheit. Es ist pur lauter nichts. Im Niedersächsischen, wo dieses Wort vorzüglich gänge und gebe ist, wird es auch für genau, ganz und gar, durchaus, gebraucht. Es ist pur aus, ganz und gar aus. Um dieses häufigen Gebrauches in den gemeinen besonders Niederdeutschen Sprecharten willen, scheinet es nicht so wohl aus dem Lat. purus herzustammen, als vielmehr ein gleichzeitiger Seitenverwandter desselben zu seyn.


Pürdel (W3) [Adelung]


Der Pürdel, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, der Schmiedehammer, S. Bürde Anm.


Purganz (W3) [Adelung]


Die Purganz, plur. die -en, aus dem Lat. purgans, eine purgierende Arzeney; ehedem die Purgation. Eine Purganz einnehmen. Einem Kranken eine Purganz verordnen.


Purgier-Flachs (W3) [Adelung]


Der Purgier-Flachs, des -es, plur. inus. eine Art des Flachses oder Leines, welcher auf den Wiesen des mittägigen Europa einheimisch ist, und sehr heftig purgieret; Linum cacharticum L. Purgier-Lein, kleines Leinkraut.


Purgier-Kirsche (W3) [Adelung]


Die Purgier-Kirsche, plur. die -n, eine Art den Kirschen ähnlicher Früchte, welche eine purgierende Kraft haben, und die Staude, welche sie trägt. 1) Eine Art Kreuzdornes, welche auf den hohen Gebirgen des mittägigen Europa wächst Rhamnus alpinus L. Rhamnus mermis Hall. Man findet sie im Österreich, um Regensburg und in Elsaß. 2) Eine Art der Heckenkirschen, mit punctierten rothen Beeren, welche auf den Alpen in Österreich und der Schweiz einheimisch ist; Lonicera alpigena L. 3) Eine Art Gartenkirschen, welche schmale Blätter, wie die Reinweiden, haben, von keinem angenehmen Geschmacke sind, aber den Leib mehr als andere Kirschen öffnen.


Purgier-Körner (W3) [Adelung]


Die Purgier-Körner, sing. inus. die eyrunden glatten, grauen Körner eines Ostindischen Baumes, welcher eine Art des Croton ist, und dieser Baum selbst; Croton Tiglium L. So wohl die Körner als auch das Holz dieses Baumes, welches unter dem Nahmen Lignum Moluccanum oder Pavana bekannt ist, gehören unter die gewaltsamsten Purgier-Mittel.


Purgier-Kraut (W3) [Adelung]


Das Purgier-Kraut, des -es, plur. inus. siehe Purgier-Winde.


Purgier-Lein (W3) [Adelung]


Der Purgier-Lein, des -es, plur. inus. S. Purgier-Flachs.


Purgier-Mittel (W3) [Adelung]


Das Purgier-Mittel, des -s, plur. ut nom. sing. ein purgierendes Mittel, eine purgierende Arzeney.


Purgier-Nuß (W3) [Adelung]


Die Purgier-Nuß, plur. die -Nüsse, die schwarze, glatte, einer Nuß ähnliche Frucht eines in dem mittägigen Amerika einheimischen Baumes, welche einen weißen, fetten, öhligen Kern hat, der ein übermäßiges Erbrechen und Purgieren erwecket, daher er auch Ficus infernalis, so wie die Nuß auch Brechnuß genannt wird. Ingleichen der Baum, welcher diese Nuß trägt, latropha L. dessen es mehrere Arten gibt.


Purgier-Pille (W3) [Adelung]


Die Purgier-Pille, plur. die -n, ein Purgier-Mittel in Gestalt der Pillen. So auch Purgier-Pulver, Purgier-Trank und so ferner.


Purgier-Winde (W3) [Adelung]


Die Purgier-Winde, plur. inus. eine Art der Winde, mit pfeilförmigen, hinten abgestumpften Blättern, welche in Syrien und Kappadocien einheimisch ist, deren unter den Nahmen des Scammonium bekannter erhärtete Harzsaft eine purgierende Kraft hat; Convolvulus Scammonia L. Purgier-Kraut.


Purhafer (W3) [Adelung]


Der Purhafer, S. Rauchhafer.


Purpur (W3) [Adelung]


Der Purpur, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine hochrothe, nahe an das Violette gränzende, kostbare Farbe, welche bey den Alten in sehr hohem Werthe war, deren Zubereitung aber uns jetzt unbekannt ist, ob wir gleich so viel wissen, daß sie aus dem Blute einer gewissen Art Schnecken bereitet wurde, ( S. Purpurschnecke.) Unser heutiger Purpur, oder Purpurfarbe, wird aus Coccenille und Kermes-Beeren bereitet, und kommt derjenigen Art Roth nahe, welche man auch blutroth zu nennen pfleget. In der höhern Schreibart pflegt man oft eine jede hochrothe oder brennende rothe Farbe Purpur zu nennen. Morgen- und Abendroth mit ihrem hellenen Purpur. In dieser Bedeutung ist der Plural ungewöhnlich. 2) Ein purpurfarbnes Gewand, und in engerer Bedeutung, ein purpurfarbner Mantel, der seit den ältesten Zeiten das Sinnbild der vorzüglichen Gewalt und des festlichen Gepränges ist; am häufigsten in der höhern Schreibart. Sich in Purpur kleiden. Den Purpur anlegen, ablegen, den Purpurmantel. Das Haar auf deinem Haupt ist wie der Purpur des Königes in Falten gebunden, Hohel. 7, 5. Anm. Schon bey dem Ottfried Purpurin, bey dem Willeram Purpur. Der letzte gebraucht es noch im weiblichen Geschlechte, welches dem Lat. Purpura, aus dem es entlehnet ist, freylich gemäßer ist. Indessen ist doch jetzt im Deutschen das männliche allgemein. Das Wort scheinet mit - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Feuer verwandt zu seyn, und die brennende Röthe auszudrucken.


Purpurammer (W3) [Adelung]


Die Purpurammer, plur. die -n, eine Art Ammen, welche einen purpurfarbenen Körper, ziegelfarbenen Kopf und schwarzbunte Flügel haben, und in Mexico angetroffen werden. Emberiza Mexicana Kl.


Purpurdohle (W3) [Adelung]


Die Purpurdohle, plur. die -n, eine Art Dohlen mit einem schwarzen Schnabel und schwarzen Füßen, von welcher das Männchen ganz purpurfarbig, das Weibchen aber dunkelbraun ist; Monedula purpurea Kl.


Purpurfarbe (W3) [Adelung]


Die Purpurfarbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, die hochrothe Farbe, welche man auch nur den Purpur schlechthin nennet. Ingleichen ein Farbenkörper, welcher diese Farbe gewähret.


Purpurfarben,Purpurfarbig (W3) [Adelung]


Purpurfarben, oder Purpurfarbig, adj. et adv. diese Farbe habend; purpurroth. Ein purpurfarbenes Tuch. Ein purpurfarbiges Kleid. In der höhern Schreibart purpurn.


Purpurhaube (W3) [Adelung]


* Die Purpurhaube, plur. die -n, eine aus Purpur verfertigte Bedeckung des Hauptes; ein ungewöhnliches Wort, welches nur Sir. 6, 31 vorkommt.


Purpurhut (W3) [Adelung]


Der Purpurhut, des -es, plur. die -hüte, ein purpurfarbener Hut, dergleichen noch jetzt die Kardinäle in der Römischen Kirche tragen.


Purpurit (W3) [Adelung]


Der Purpurit, des -en, plur. die -en, S. Purpurschnecke.


Purpurkleid (W3) [Adelung]


Das Purpurkleid, des -es, plur. die -er, ein purpurfarbenes, aus Purpur v