Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
DE Deutschland, Alemania, Allemagne, Germania, Germany
Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
S

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]


(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

Wichtige Hinweise zu dieser Version:
  • Es sind eventuell bei der Konvertierung Fehler passiert.
  • Eine Unzulänglichkeit des Originals wurde übernommen, wirkt sich aber schlimmer aus, nämlich daß nichtlateinischer Text nicht zu lesen ist (und hier keine Bilder vorhanden sind).
  • Die Beiträge des D. W. Soltau fehlen.
  • Anzahl der Stichworte ist etwa 56.200.
  • Zeilenumbrüche sind im Unix-Format.
  • Zeichensatz ist ISO-8859-1 (Latin 1).
  • Das Digitalisierungszentrum garantiert nicht die hundertprozentige Korrektheit der Schrifterkennung. De facto sind dabei und bei der Verschlagwortung allerhand Fehler passiert; insbesondere ist die Datenbank mit Einträgen vom Typ "Der Tieger, oder Tiger" nicht zurechtgekommen und macht daraus zwei Artikel, sind Ziffern bei mehreren Einträgen zu einem Stichwort des öfteren auf die vorige Zeile und damit ans Ende eines ganz anderen Artikels gerutscht. Wo sie mir aufgefallen sind, habe ich die Fehler korrigiert.
Der Text unterliegt keinem urheberrechtlichen Schutz, da dieser nach deutschem Recht nur Werken gewährt wird, deren Urheber noch lebt oder höchstens seit 70 Jahren tot ist.

Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

B

C

D

E

F

G

H

I

J

K

L

M

N

O

P

Q

R

S

S (W3) [Adelung]


S, der neunzehnte Buchstab des Deutschen Alphabetes und der funfzehnte unter den Mitlautern, welcher durch die Zähne ausgesprochen wird, und daher auch zu den Zähnbuchstaben gehöret. Nachdem dieser Buchstab gelinde oder hart ausgesprochen wird, hat man für ihn die Figuren s oder s, ß oder ss, und z, welches letztere doch immer als ein eigener Buchstab angesehen und an das Ende des Alphabetes verwiesen wird, ungeachtet er weiter nichts, als das härteste s ist. Wenn dieses s aber mit einem vollen Zischen ausgesprochen wird, welches besonders manchen Mundarten sehr gewöhnlich ist, so schreibt man es gemeiniglich sch. Ich will das vornehmste, was bey diesem Buchstaben anzumerken ist, auf dessen Aussprache, Schreibart und etymologischen Gebrauch einschränken. 1. Was die Aussprache betrifft, so wird das s oder f theils mit einem halben oder gelinden Zischlaute, theils aber auch mit einem vollen Zischer ausgesprochen. 1) Mit einem halben oder gelinden Zischlaute, wie in rasen, dem Lat. risus, mus u. s. f. Dieses s wird entweder einfach oder gedoppelt ausgesprochen. Das letztere wird allemahl ss und in einigen Fällen mit einem ß geschrieben. Das einfache s oder s aber hat wieder einen gedoppelten Laut, einen gelinden und einen scharfen. Gelinde lautet es am Anfange einer Sylbe, wo es auch mit einem langen s geschrieben wird. Säuseln, Rose, Ameise, Lesebuch. Wohin auch die Fälle gehören, wo der darauf folgende Vocal weggeworfen worden, da denn das s an das Ende der vorher gehenden Sylbe zu stehen kommt, und alsdann oft auch s geschrieben wird; Röschen, Lieschen, Bläschen, er rast oder ras't für raset, er bläs't oder bläset, welche Zusammenziehungen doch lieber vermieden werden. Eine Ausnahme machen diejenigen Wörter, in welchen ein d, t, th, b, p, g, k, und ch vorher gehet, wo das s einen scharfen Laut bekommt; Krebse, krebsen, Kebse, wachsen, Gewächse, drucksen, drechseln, klappsen, des Gypses u. s. f. Daher die Endsylbe -sen oder -seln in vielen Zeitwörtern auch in das noch härtere -zen und -zeln verwandelt worden. Die Endsylbe sam behält ihr gelindes s, was für ein Mitlauter auch vorher gehen mag. Stehet es in der Mitte, so lautet es scharf. Last, Wust, Wüste. Eben so scharf lautet es auch am Ende der Sylbe oder eines Wortes, da es denn allemahl s geschrieben wird. Aus, weislich, gottlos, Beweis, Ries, Maus, Aas, Eis. Ist die Aussprache am Ende eines Wortes gelinder, so wird ein e euphonicum angehängt, diesen gelindern Laut zu bezeichnen; böse, leise, Käse, Matrose, Franzose, Ameise u. s. f. wofür härtere Oberdeutsche Mundarten bös, leis, Käs, Matros, Franzos, Ameis schreiben und sprechen. Von denjenigen Fällen, wo dieses harte s durch ein ß ausgedruckt wird, wird sogleich geredet werden. 2) Mit dem ganzen oder rauschenden Zischer, wie ein sch. Hier sind die Deutschen Mundarten gar sehr von einander unterschieden. Einige Oberdeutsche, besonders die Schwäbische, zischen jedes s an, wenn es vor einem andern Mitlauter stehet, und oft vor einem Vocal, ist, bist, hast, Wespe, wie ischt, bischt, hascht, Weschpe; dagegen die Niederdeutschen mit diesem an und für sich freylich unangenehmen Zischlaute weit sparsamer sind, das s in sp und st niemahls zischend aussprechen, und in den übrigen Fällen statt des sch entweder ein bloßes s oder ein sg hören lassen, welches letztere besonders den Westphalen und Holländern eigen ist. Die Hochdeutsche Mundart, welche das Mittel zwischen beyden hält, pflegt es folgender Gestalt zu halten. Wenn das s zu Anfange eines Wortes vor einem c, k, m, p und t stehet, so lautet es wie sch; Scorpion, Sclave, skoptisch, Smyrna, Smaragd, spaßen, spinnen, Stand, stehen, Stern; welche Aussprache auch in den Zusammensetzungen bleibt, Gestirn, beständig, Verstand. In der Mitte der Wörter und am Ende bleibt der gewöhnlichere Laut des s, gestern, Vesper, lispeln, Wispel, Maske, fest, befestigen, erste, füßeste, Ast, Gäste, Bestie. Nach einem r wird das s, besonders aber in dem st, von dem meisten Hochdeutschen in sehr vielen Wörtern wie ein sch ausgesprochen; Mars, garstig, Durst, Fürst, erst, Borste, bersten u. s. f. wie Marsch, garschtig, Durscht u. s. f. Nur hörst, warst, wirst, Vers, Börse, du fährst, und andere mehr lauten nur in den niedrigen Sprecharten wie hörscht u. s. f. Diejenigen Fälle, wo besonders zu Anfange der Wörter statt dieses gezischten f wirklich ein sch geschrieben wird, gehören nicht hierher. Übrigens wird von dem sch an seinem Orte noch etwas gesagt werden. 2. Was die Schreibart dieses Buchstabens betrifft, so herrscht darin eine nicht geringere Verschiedenheit, indem die vier Figuren s, s, ß und ss fast von einem jeden anders gebraucht werden, welche indessen doch alle darin einig sind, daß das s und s zur Bezeichnung des einfachen, das ss aber zur Bezeichnung des doppelten s gebraucht werden müsse. Das ß (Eßzet) ist der Figur nach freylich auch nichts anders, als ein doppeltes ss, weil das z, welches dessen letzte Hälfte ausmacht, ehedem sehr häufig die Stelle des s vertreten mußte. Es wurde vor diesem auch beständig mit dem ss fast ohne allen Unterschied als gleichgültig gebraucht, und erst in diesem Jahrhunderte hat man angefangen, es noch von demselben zu unterscheiden, und ihm seine eigenen Verrichtungen anzuweisen, weil die Figur einmahl da war, und man es, wie billig, für unnöthig hielt, zwey völlig gleichgültige Zeichen für einen und eben denselben Laut zu haben. Man kann wirklich einen dreyfachen, sehr merklich verschiedenen Laut in dem s unterscheiden, einen sehr gelinden, wie in Rose, blasen; sausen, Muse, Maser, einen stärkern, wie in ich las, weislich, Haus, gottlos, Buße, Muße, das Roß, (im Bienenstocke,) das Maß, mensura, und den stärksten oder das doppelte ss, wie in Roß, lassen, Schloß, müssen, die Masse. 1) Das gelinde oder sanfte s stehet allemahl zu Anfange eines Wortes und sehr oft auch in der Mitte zu Anfange einer Sylbe, und wird ohne Ausnahme durch ein langes s ausgedruckt; Salz, säumen, selig, seltsam, rasen, Blase, summsen. 2) Das scharfe s findet sich in mehrern Fällen und wird nun einmahl bald durch s, bald aber auch durch ß ausgedruckt. (a) Durch s. (aa) Am Ende eines Wortes oder einer Sylbe, wenn es in dessen Verlängerung wieder in das vorige gelinde s übergehet, oder aus demselben entstanden ist; Haus; Häuser, böslich von böse, weislich von weise, Röschen von Rose, ich las, lies von lesen, Ries, Riese, Graus, grausen. Daß man aus, das, was und andere einsylbige Wörter auch nur mit einem s schreibt, ob man gleich außen, dessen und wessen schreibt und spricht, ist als eine Ausnahme anzusehen. (bb) Am Ende einer Sylbe oder eines Wortes, theils wenn noch ein anderer Mitlauter, theils aber auch, wenn ein ausgedehnter Selbstlaut vorher gehet; Dachs, Fuchs, Wachstafel, Gans, Wamms, Hals, es, des Mannes. (b) Durch ein s zu Anfange einer Sylbe nach b, p, ph, ch, g, k, d, t und th; wachsen, des Wachses, die Füchse, die Büchse. Die Endsylbe sam aber lautet allemahl gelinde, wachsam. Nach andern Mitlautern bleibt es gleichfalls gelinde; Gänse, Hälse, wammsen. (c) Durch ein ß, und zwar allemahl nach einem gedehnten Selbstlaute: der Fuß, die Füße, auf etwas fußen, füße, füßlich, groß, größer, Buße, boßeln, spaßen, Kloß, Klöße, Muße, müßig, fließen, Meißen, Preußen, Gruß, grüßen, ich saß, ich aß u. s. f. Die Fälle, wo dieses scharfe ß Statt findet, muß bloß die richtige Aussprache geben. Freylich gibt es Mundarten, z. B. die Schlesische, welche diesen gedehnten Selbstlaut beständig geschärft sprechen, und die müssen denn freylich auch, wenn sie ihrer Aussprache gemäß schreiben wollen, Füsse, grüssen, Busse u. s. f. schreiben, weil sie so sprechen. 3) Das gedoppelte s; dieses wird entweder durch ein ß oder durch ein ss ausgedruckt. (a) Durch ein ß. (aa) Am Ende eines Wortes oder einer Sylbe, wo es eine vorher gehende geschärfte Sylbe voraus setzet, und in der Verlängerung in ss übergehet; Schloß, Faß, Haß, häßlich, Flußwasser. (bb) In der Mitte einer Sylbe, wenn nach dem ss ein e weggeworfen worden, oder wenn es doch aus dem ss entstanden ist; er ißt von isset, heißt, beißt, haßt, gleißt, gewußt, ich wußte. (b) Durch ein ss, zwischen zwey Vocalen, wenn die Aussprache ein doppeltes s erfordert; lassen, hassen, fassen, Gasse, und so ferner. Dieses dreyfache, dem Laute nach verschiedene s ist in der Aussprache hinlänglich gegründet. Rose lautet doch anders, als das Roß (die Wachstafeln im Bienenstocke) und Roß, Muse, anders als Muße, und müssen, Maser anders als Maß und Masse, weise anders als weiß, Schöße anders als Geschosse u. s. f. Indessen gibt es doch Sprachlehrer, welche mit der Vertheilung der Schriftzeichen s, s, ß und ss unter diese drey Laute nicht zufrieden sind, und besonders wider den jetzt gedachten Gebrauch des ß sehr vieles einzuwenden haben. Wahr ist es freylich, daß diese Art, die vier Figuren des Lautes s zu schreiben, ihre Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten hat, besonders da das ß am Ende eines Wortes so wohl das scharfe, als auch das doppelte s ausdrucken muß; allein man hat doch nichts besseres an ihre Statt in Vorschlag gebracht. 3. Von dem etymologischen Gebrauche wäre sehr viel zu sagen; ich will mich aber nur auf einige Stücke einschränken. 1) Das s ist ein Sibilus, welcher in manchen Mundarten gern in das volle, gröbere sch übergehet, und vermöge seiner Natur, alle mit einer Art des Zischens verbundene Bewegungen ausdruckt, wie das Sausen und Säuseln des Windes, das Fließen des Wassers, die hastige Eile u. s. f. daher es denn auch in allen den Wörtern vorkommt, welche einen solchen Begriff ausdrucken, oder doch ursprünglich und eigentlich ausgedruckt haben. Es ist eine Grundregel in der Etymologie, daß, wenn sich ein Wort mit zwey oder mehrern Mitlautern anfängt, nur der letzte zum Stamme gehöret, die vorher gehenden aber nur zufällige Vorlaute sind, welche doch nicht allemahl als müßige Zusätze angesehen werden müssen, sondern die Hauptbedeutung auf mancherley Art bestimmen und abändern. Es gilt dieses besonders von allen denjenigen Wörtern, welche zu Anfange nach dem s noch einen oder mehrere Consonanten haben, wobey noch dieses voraus zu setzen ist, daß die weichen b und d allemahl in die verwandten härtern p und t, k und g aber in das weichere ch übergehen, der Blaselaut w aber, so wie l, m, n und r statt des einfachen s gemeiniglich das voller zischende sch bekommen. So findet man bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern sehr oft s was, swer, swie, swenn, für was, wer, wie, wenn. Spreiten ist von breiten, und dieß wieder von reiten; schlecken von lecken; schmelzen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von milde; Schnee, Nix, von dem noch bey den Jägern üblichen Neu; Stock, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von Docke; der Stollen im Bergbaue, von dem Oberdeutschen Dohle, ein Canal; schließen, Nieders. fluten, von dem noch im Lat. üblichen cludere; das Nieders. Scharn, Mist, von Gahre, Mist, Dünger; sterben von derben; das Holländ. slink von unserm link; Schlamm, Schleim, von Lehm, Leim, Lat. Limus; schlüpferig von dem noch im Lat. befindlichen lubricus; scheren von kehren, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; schreyen von kreyen, Franz. crier; schreiten von gradi; schreiben von reiben, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, stumm und dumm; Specht, Picus, von bicken; Stier, Taurus, von tor, groß; das Stammwort von schwer ist noch in dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - befindlich. Mehrere werden im folgenden auf allen Seiten vorkommen. In manchen Wörtern ist das Anfangs s auch ein Zusatz vor dem Vocal. So sind Saal und Aula sondern und ohne, das Lat. super und über u. a. m. Eines Geschlechtes. Dieser Vorschlag ist nicht bloß den Deutschen Mundarten eigen, sondern er findet sich bey allen Völker schaften; ja es gibt Sprachen, welche fast keinen Mitlauter aussprechen können, ohne ihn mit einem s zu begleiten. So machten die Äolier aus Geten oder Kithen ihre Scythen, aus Kimber, Skimber. Für Servus sagten die ältesten Lateiner erst Erus, und hernach Eruus. Aus Dach machten die Griechen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und aus Zinn, Nieders. Tinn, die Lateiner Stannum. Oft ist dieses s freylich wohl etwas Eigenes der Mundart, ohne eine bestimmte Bedeutung zu haben. Allein in sehr vielen Fällen kann man es doch als eine Intension ansehen, welche sich aus dem natürlichen Laute, den dieser Buchstab nachahmet, sehr wohl erklären läßt. Im mittlern Lateine lautet dieses intensive s häufig vollständig es- und ex- und es stehet dahin, ob es nicht auch im Deutschen aus zusammen gezogen worden. Die Italiäner sagen struccare für estruccare, ausdrucken; svellere, sminuire, stimare, scaldare, u. s. f. wo es überall die Bedeutung verstärkt. Das dieser Nation so eigene privative s zu Anfang der Wörter, ist wenigstens augenscheinlich, aus ex oder dis entstanden; sradicare, ausrotten, scalzare, die Schuhe ausziehen, sbrigare, der Mühe überheben, von Briga, sbendare, entbinden, von Benda, die Binde, sbaccellare, enthülsen, scallare, auspacken, sbarbare, des Bartes berauben, sbarcare, ausschiffen, sborsare, ausbeuteln, und hundert andere mehr. Das t ist dem s sehr nahe verwandt, daher es von vielen auch der halbe Zischer genannt, und von manchen Völkerschaften mit einem gelinden Zischlaute durch die Zähne gesprochen wird. Beyde Mitlauter wechseln daher in allen Sprachen sehr häufig mit einander ab; besonders gebrauchen die Niederdeutschen, und die mit ihnen verwandten Mundarten, in sehr vielen Fällen gern ein t, wo die dem s und sch günstigern Oberdeutschen diese letztern Mitlauter haben. Lassen, Nieders. laten, das, was, Nieders. dat, wat, schleißen, Nieders. sliten, reißen, Nieders. riten u. s. f. Unser es, Nieders. it, Engl. it, und das Lat. id, sind ursprünglich Ein Wort. R und s, h und s gehen in allen Sprachen gleichfalls oft in einander über, weil die Laute, welche sie bezeichnen, oft nur in den Graden verschieden sind. Ein sanfter Wind wehet, ein stärkerer säuselt, ein noch stärkerer sauset, raset und brauset. So lauten die Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bey den Lateinern Sus, Sol, Sylva und Sudor; für Zunder sagte man ehedem Hunuer; unser Hase lautet im Schwed. und Engl. Hare; verlieren und verliesen waren ehedem gleichbedeutend, wie köhren und kiesen, was und war. 2) In der Beugung und Ableitung der Wörter spielet dieser Buchstab eine nicht minder ansehnliche Rolle. Er hilft in vielen Hauptwörtern die zweyte einfache Endung des männlichen und ungewissen Geschlechtes bilden; des Mannes, des Hauses, des Trunkes oder Trankes. Bey den eigentlichen Hauptwörtern hat er hier gemeiniglich ein e vor sich, welches aber auch, wenn der Wohlklang es verstattet, weggelassen werden kann und oft wegbleiben muß. Nur die Infinitive, wenn sie als Hauptwörter gebraucht werden, leiden dieses e nicht; des Daseyns, des Wesens, des Essens. Es ist hier, so wie in allen folgenden Fällen, kein leerer willkührlicher Schall, obgleich das hohe Alterthum alle weitere Muthmaßungen verbiethet. Dieses s, welches eigentlich nur für die männlichen Hauptwörter bestimmt ist, bekommen auch die weiblichen eigenthümlichen Nahmen, wenn sie ohne Artikel in der zweyten Endung vor dem regierenden Hauptworte stehen; Marianens Tugend, Luisens Schönheit, Minervens Schild, Hedwigs Geist. So wie es auch in der Zusammensetzung vielen weiblichen Nennwörtern angehänget wird; hülfsbedürftig, Hülfsgelder, der Geburtstag, die Andachtsübung, hoffnungsvoll, anbethungswürdig, Liebesbriefe, Nahrungsmittel, die Frauensperson. Im Niederdeutschen bildet es auch in vielen Fällen den Plural ohne Unterschied des Geschlechtes, welchen Plural die Niedersachsen oft mit in die Hochdeutsche Mundart bringen, der er doch fremd ist; die Mädchens, Frauens, Jungens, die Schülers, die Dieners. Es scheinet, daß die heutigen Franzosen, so fern ihre Sprache durch die ehemahligen Franken verändert worden, ihren Plural auf s daher bekommen haben. Im Deutschen pflegt man ihn daher auch oft in solchen Wörtern beyzubehalten, welche zunächst aus dem Französischen entlehnet worden; die Ministers, Generals, Officiers, Grenadiers u. s. f. wofür man doch besser sagt, Minister, Generale, Officier, Grenadier. Ferner macht dieses s am Ende der Wörter auch Nebenwörter; allerdings, gleichfalls, theils, rechts, links, unversehens, flugs, erstens, zweytens, drittens, abends, mittags, nachts, montags, dienstags, nächstens, welche nicht selten eine unbestimmte Bedeutung haben, S. -mahls in 6 Mahl. In manchen Wörtern gehet dieses s in st über; einst, dereinst, längst, immittelst, vermittelst. Es scheinet hier aus der Endsylbe "-isch" zusammen gezogen zu seyn, welche in vielen solcher Wörter in den gemeinen Sprecharten noch deutlich gehöret wird. Auch Opitz sagt noch linkisch für links. Von dem sch und st wird noch an seinem Orte etwas gesagt werden.


Saal (W3) [Adelung]


1. Der Saal, S. Sahl.


Saal (W3) [Adelung]


2. Der Saal, des -es, plur. die Säle, Dimin. das Sälchen, ein Wort, welches ehedem eine Wohnung, einen Pallast, ein Zimmer u. s. f. bedeutet. 1) * Ein Behältniß, eine Wohnung; eine jetzt veraltete Bedeutung. In dem 1483 zu Augsburg gedruckten Buche der Natur heißt es noch: die heilig junkfrau was ein Arch und ein außerwelter Saal des obersten Gottes. Der Übersetzer Tatians gebraucht das verwandte Selida von den Nestern der Vögel, und bey dem Ulphilas ist saljan wohnen, sich aufhalten. 2) * Ein Haus; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher es in den Salischen und andern Gesetzen vorkommt. Mit der Ableitungssylbe de ist Selida in eben dieser Bedeutung bey dem Ottfried und andern alten Schriftstellern sehr häufig. 3) * In engerer Bedeutung, der Hof, der Pallast eines vornehmen Herren; eine gleichfalls ungangbar gewordene Bedeutung, in welcher die Palläste der Fränkischen Könige ehedem häufig Säle genannt wurden. Der Saal zu Ingelheim, zu Goßlar. Amos 9, 6 heißt es noch: Gott bauet seinen Saal im Himmel; und in einem alten Weihnachtsliede: und macht uns Erben in seinem Saal. Daher war Saalman ehedem ein Hofmann, Saalmeister der Hofmarschall u. s. f. Das Schwed. Sal hat diese Bedeutung gleichfalls. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Lat. Aula unterscheiden sich bloß durch den Mangel des oft zufälligen Zischlautes, ( S. S. 3, und Halle.) Bey dem Ulphilas ist Alh ein Tempel. 4) Ein geräumiger Platz vor einem Hause, der Vorhof, ingleichen ein Platz vor den Zimmern eines Hauses oder eines Stockwerkes. Ehud ging den Saal hinaus, Richt. 3, 23; das Vorgemach, Michael. In Niederdeutschland nennet man den Flur im Hause, ehe man in die Zimmer tritt, die Diehle, welches gleich falls hierher gehöret, weil d und s immer abwechseln. In Meißen und einigen andern Gegenden heißt der Platz vor den Zimmern eines Stockwerkes, aus welchen man in die Zimmer tritt, der Vorsaal, er sey übrigens so klein er wolle. 5) Am gewöhnlichsten ist dieses Wort von einem großen geräumigen Zimmer, welches viele Personen fassen kann, und welches nach Verschiedenheit seiner Bestimmung allerley Beysätze bekommt. Der Eß- oder Speisesaal, der Tanzsaal, Bildersaal, Concert-Saal, Hochzeitsaal, Rittersaal u. s. f. Französ. Sale, Salon, Ital. Sala, Salone, Salette, Span. Sala, Salon, Pohln. Sala. 6) Im weitesten Verstande wurde es ehedem von den Dichtern in allerley Zusammensetzungen gebraucht, einen jeden Ort von einem beträchtlichen Umfange zu bezeichnen. Der Sternensaal, Freudensaal und so ferner. Anm. Die Bedeutung der Ausdehnung in die Weite, des bedeckten hohen Raumes scheinet in diesem Worte die herrschende zu seyn, obgleich in der ersten der Begriff der Stille, der Ruhe vorzustechen scheint. 1 Chron. 29, 11 lautet der Plural Saale, der aber im Hochdeutschen völlig ungewöhnlich ist. Ehedem schrieb man dieses Wort durchgängig Sal. Im vorigen Jahrhunderte, als man anfing, die gedehnten Selbstlauter in manchen Fällen durch Zeichen zu unterscheiden, fing man an, es Saale zu schreiben, und diese Schreibart hat sich seitdem beständig erhalten, ungeachtet die Verdoppelung des Vocals das unschicklichste Zeichen der Dehnung ist; daher man auch, wenn das a in ä übergehet, dieses nie gern verdoppelt.


Saalmann (W3) [Adelung]


* Der Saalmann, des -es, plur. die -männer, ein veraltetes, oder höchstens nur noch in einigen Gegenden übliches Wort. 1) Von Saal. der Hof, Pallast, war Saalmann ehedem ein Hofmann, Aulicus, wie es in einem alten Vocabulario aus dem 15ten Jahrhunderte ausdrücklich übersetzt wird. 2) So fern Saal das Gerichtshaus, Gericht bedeutete, wurden ehedem in Baiern die Vögte oder Advocati Saalmänner genannt, da denn oft ein jeder Sachwalter, ingleichen ein jeder Bürge diesen Nahmen bekam. Anderer Bedeutungen zu geschweigen.


Saame (W3) [Adelung]


Der Saame, S. Same.


Saar (W3) [Adelung]


Saar, S. Sahr.


Saat (W3) [Adelung]


Die Saat, plur. die -en, von dem Zeitworte säen. 1) Die Handlung des Säens, Lat. Satio, besonders des Getreides; ohne Plural. Die Zeit der Saat, 3 Mos. 26, 5; die Saatzeit. Zur Saat-ackern oder pflügen, einen Acker das letzte Mahl vor dem Säen pflügen, ( S. Staatsfurchen.) Die Saat vornehmen. Die Saat ist geschehen. Wir sind in der Saat, wir sind mit dem Säen des Getreides beschäftiget. Das Saatkorn, der Saatrocken, die Saatgerste, die Saaterbsen, welche gesäet werden sollen; wofür man im Hochdeutschen und in der anständigern Sprechart auch sagt Samenkorn, Samenrocken u. s. f. 2) Derjenige Same, welche gesäet wird, besonders von dem zum Säen bestimmten Getreide; am häufigsten in den Zusammensetzungen Ansaat, Einsaat, Frühsaat, Sommersaat, Wintersaat u. s. f. wo der Plural nur von mehrern Arten gebraucht wird. Es ist in dieser Bedeutung im Niedersächs. am üblichsten; im Hochdeutschen gebraucht man auch hier das Wort Samen. Hoffnungsvoll verwes't die Saat Auf den Tag der Ernte; ein falscher Gedanke nach der übel verstandenen Stelle, 1 Cor. 15, 36, weil der ausgestreute Same in der Erde nicht verweset, sondern nur entwickelt wird. 3) Das aus dem Samen hervor gewachsene und noch auf dem Halme stehende Getreide; Lat. Satum. Das Einkommen deiner Saat, 5 Mos. 14, 32. Wenn du in die Saat deines Nächsten gehest, so magst du mit der Hand Ähren abrupfen, Kap. 23, 25. Von eurer Saat und Weinbergen wird er den Zehenten nehmen, 1 Sam. 8, 15. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung nicht üblich, wo man es in der Landwirthschaft nur noch dem jungen Getreide gebraucht, ehe es schosset. Die Saat stehet schön, schosset. Schön ists, wie die grüne Saat dort über das Feld hin die zarten Spitzen aus dem Schnee empor hebt, Geßn. Auf Saaten, die des Rosses Huf zertreten, Raml. Auch hier findet der Plural nur von mehrern Arten Statt. 4) In einigen Gegenden ist es auch ein Feldmaß, vermuthlich so viel Land, als man auf Ein Mahl, oder in Einem Gange zu besäen pflegt. So ist im Eiderstädtischen eine Saat ein Stück Feldes von 36 Quadrat-Ruthen. Sechs Saat machen ein Demat, und 360 Saat einen Pflug. Der Plural bleibt hier, so wie bey so vielen andern Wörtern dieser Art, unverändert.

Anm. Bey dem Ottfried Sat, im Tatian Sati und Sata, im Nieders. Saad und Saat, im Angels. Saed, im Engl. Seed, im Isländ. Säde, im Schwed. Säd; alle von einem jeden Samen; Nieders. Kohlsaat, Rübesaat u. s. f. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur von dem Getreide, für das gleichfalls übliche Samen. ( S. Säen.) In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es weiblichen Geschlechtes, die Saate. Die Saate gehet auf, Opitz. Die Saate soll hernach, wo Pergamus war, stehn, ebend. Des Cadmus Saate kann dir meine Macht bewähren, Lohenst. Die Alten schreiben in diesem Worte nur ein einfaches a, Sat, Ottfr. Erst in den neuern Zeiten hat man angefangen, ein doppeltes zu schreiben, ob es gleich besser gewesen wäre, man hätte hier nichts geändert. Schreibt man doch That. Bad, Rath, Pfad u. s. f. ohne daß das a Gefahr liefe, kurz ausgesprochen zu werden.


Saatbohne (W3) [Adelung]


Die Saatbohne, plur. die -n, Bohnen, welche man säen oder pflanzen will; Samenbohnen. So auch Saaterbsen, Saatgerste, Saathafer, Saatkorn, Saatlinsen u. s. f.


Saatfeld (W3) [Adelung]


Das Saatfeld, des -es, plur. die -er in der Landwirthschaft, ein bestelltes und besäetes Feld; zum Unterschiede von einem Brachfelde.


Saatfurchen (W3) [Adelung]


Saatfurchen, verb. reg. act. eben daselbst, das letzte Mahl pflügen, worauf sogleich gesäet wird. Daher das Saatfurchen, im Meklenburg. die Saatfahre, wo jedes Pflügen eine Fahre heißt. S. Ackern.


Saatgurke (W3) [Adelung]


Die Saatgurke, plur. die -n. 1) Bey einigen, die gewöhnlichen Gurken, welche in den Gärten gebauet werden, Cucumis lativus L. zum Unterschiede von den wilden Gurken. 2) Im gemeinen Leben auch die Samengurken, welche man zum Samen reif werden läßt.


Staathanf (W3) [Adelung]


Der Staathanf, des -es, plur. car. eine besonders im Nieders. übliche Benennung des weiblichen Hanfes, weil er nur allein Samen trägt, S. Hanf.


Saathuhn (W3) [Adelung]


Das Saathuhn, des -es, plur. die -hühner, S. Brache vogel.


Staatkrähe (W3) [Adelung]


Die Staatkrähe, plur. die -n, die gewöhnliche Krähe, welche sich gern auf den Saatfeldern aufhält.


Staatlerche (W3) [Adelung]


Die Staatlerche, plur. die -n, die gewöhnlichste Feld- oder Sanglerche, weil sie sich gern auf Saatfeldern finden läßt.


Staatwicke (W3) [Adelung]


Die Staatwicke, plur. die -n, in der Landwirthschaft, die gewöhnlichen zahmen Wicken, welche auf dem Felde gebauet werden; zum Unterschiede von den wilden.


Saatzeit (W3) [Adelung]


Die Saatzeit, plur. die -en, in der Landwirthschaft, die Zeit der Saat, die Zeit, da eine Getreideart gesäet zu werden pfleget; Nieders. Sadeltiet.


Sabbath (W3) [Adelung]


Der Sabbath, des -es, plur. die -e, bey den ältern und neuern Juden, der Hebräische Nahme des siebenten und letzten Tages in der Woche, welcher bey uns der Sonnabend heißt von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ruhen, weil er zugleich der Ruhetag von aller Arbeit war. Figürlich pfleget man auch wohl bey den Christen zuweilen den Sonntag, so fern er der gewöhnliche Feyer- und Ruhetag ist, den Sabbath zu nennen. Den Sabbath entheiligen, an dem zur Feyer bestimmten Wochentage muthwillig weltliche Arbeiten und Geschäfte verrichten. Bey dem Notker heißt der Sabbath der Juden Firrotak, Firtag, Viroo, Feyertag, im Angels. Sabbathum und Restedaeg, Rasttag.


Sabbather (W3) [Adelung]


Der Sabbather, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in Luthers Übersetzung des neuen Testamentes übliches Wort, einen Wochentag zu bezeichnen, weil die ältern Juden sie von dem Sabbathe an zu zählen pflegten. Der erste Sabbather, der Sonntag, der zweyte. der Montag u. s. f.


Sabbathin-Sache (W3) [Adelung]


Die Sabbathin-Sache, plur. die -n, an dem Kammergerichte zu Wetzlar, eine Sache, welche Sonnabends vorgenommen zu werden pflegt, wohin z. B. wichtige Interlocutorien gehören, welche einen Senat von vier Beysitzern erfordern.


Sabbath-Jahr (W3) [Adelung]


Das Sabbath-Jahr, des -es, plur. die -e auch bey den ältern Juden, jedes siebente Jahr, an welchem alle Felder u. s. f. ruhen und brach liegen mußten; das Feyerjahr, Ruhejahr.


Sabbaths-Frau (W3) [Adelung]


Die Sabbaths-Frau, plur. die -Weiber, bey den heutigen Juden, eine christliche Frau, welche sie am Sabbathe bedienet, weil Jüdisches Gesinde an diesen Tage kein Geschäft verrichten darf.


Sabbaths-Schänder (W3) [Adelung]


Der Sabbaths-Schänder, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Sabbaths-Schänderinn, bey den Juden so wohl als Ebristen, eine Person, welche den gewöhnlichen Feyertag mit Vorsatz und aus Verachtung entheiliget.


Sabbath-Tag (W3) [Adelung]


Der Sabbath-Tag, des -es, plur. die -e, ein in der Deutschen Bibel für Sabbath gebräuchliches Wort.


Säbel (W3) [Adelung]


Der Säbel, des -s, plur. ut nom. sing. ein langes, breites und gekrümmtes Schwert, dergleichen unter andern auch die Türken, Ungarn und Husaren zu führen pflegen.

Anm. Im Nieders. Zabel, auch in andern gemeinen Mundarten Sabel und Saber, im Schwed. Sabel, im Engl. Sabre, im Ital. Sabra, Sable, im Böhm. Ssawle, im Finnländ. Sabeli. Wachter leitete es von dem Arab. Seif, ein Degen, Schwert, ab, vermuthlich ein krummes Schwert, denn daß der Begriff der Krümme in diesem Worte der herrschende ist, erhellet aus dem Neu - Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, krumm, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Säbel. Wir haben dieses Wort mit der Sache selbst ohne Zweifel aus Ungarn und der Türkey erhalten, weil die krummen Schwerter bey unsern Vorfahren nicht üblich waren. Die Ableitungssylbe -el oder -er, bedeutet ein Werkzeug, ein Subject. ( S. Säbelholz.) Sichel ist nur im Endkante der Stammsylbe verschieden.


Säbelbohne (W3) [Adelung]


Die Säbelbohne, plur. die -n, eine Art langer und breiter Türkischer Bohnen oder Schminkbohnen, welche wie ein Säbel gekrümmet sind.


Säbelfuß (W3) [Adelung]


Der Säbelfuß, des -es, plur. die -füße, krumme fehlerhafte Füße der Pferde, welche wie ein Säbel gekrümmet sind.


Säbelholz (W3) [Adelung]


Das Säbelholz, des -es, plur. inus. im Schiffsbaue, aus krummen Bäumen geschnittene Planken, welche die Figur eines Säbels haben, oder auf der hohen Kante gekrümmet sind.


Säbelklinge (W3) [Adelung]


Die Säbelklinge, plur. die -n, die Klinge eines Säbels, eine breite und lange gekrümmte Degenklinge.


Säbeln (W3) [Adelung]


Säbeln, verb. reg. act. mit dem Säbel hauen. Läßt Sophonisbe zu, daß man den Ehschatz sebelt? Lohenst. niederhauet, Wir gebrauchen es nur in herunter säbeln, und den Zusammensetzungen absäbeln und niedersäbeln.


Säbelschnäbler (W3) [Adelung]


Der Säbelschnäbler, plur. ut nom. sing. eine Art Vögel mit einem gekrümmten Schnabel, S. Sichelschnäbler.


Säbeltasche (W3) [Adelung]


Die Säbeltasche, plur. die -n, eine lederne, mit Tuch überzogene Tasche, welche die Husaren unter dem Säbel hangen haben.


Säbenbaum (W3) [Adelung]


Der Säbenbaum, des -es, plur. die -bäume, eine Art des Wachholders, der in Italien, Portugall und dem Morgenlande einheimisch ist; Juniperus Sabina L. Die Blätter haben einen starken widrigen Geruch und scharfen Geschmack. Der Nahme wird nicht nur in den gemeinen Sprecharten, sondern auch von den Schriftstellern gar sehr verderbt. Bald lautet er Sebenbaum, Sevenbaum, Siebenbaum, bald Sadebaum, Sadelbaum, Sadel, Sathebaum, bald gar Sagebaum und Segelbaum. Allein da alle diese Nahmen aus dem Lateinischen Sabina, Arbor Sabina, verderbt sind, so kann die wahre Schreib- und Sprechart nicht mehr zweifelhaft seyn. Im Englischen heißt dieser Baum Savin, im Französischen Sabine, Savinier.


Säch (W3) [Adelung]


Das Säch, am Pfluge, S. Sech.


Sache (W3) [Adelung]


Die Sache, plur. die -n, Diminutivum, welches doch nur in einigen Fällen üblich ist, Sächlein, in der vertraulichen Sprechart Sächelchen; ein sehr altes Wort von weitem Umfange, dessen vornehmste Bedeutungen folgende sind. 1) Ein Zank, lauter Wortstreit; eine veraltete Bedeutung, von welcher sich aber doch noch hin und wieder Spuren finden. Bey dem Ulphilas ist fakan, und bey dem Kero kisahhan, zanken, streiten. In engerer Bedeutung, eine vor Gericht angebrachte Klage und deren Gegenstand, und in weiterm Umfange, ein jeder Prozeß, ein jeder Rechtshandel; eine der ältesten Bedeutungen, welche noch nicht veraltet ist, obgleich diese Bedeutung sich in der folgenden der Angelegenheit, des Gegenstandes seiner Worte und Handlungen, zu verlieren scheinet. Eine Klagesache, Rechtssache, Streitsache. Wo einer den andern schuldiget - so sollen beyder Sache vor die Götter kommen, 2 Mos. 22, 9. Du sollt den Geringen nicht schmücken in seiner Sache, Kap. 23, 3. In dem Munde zweyer oder dreyer Zeugen soll die Sache bestehen, Kap. 19, 15. Und so in andern Stellen mehr; wo aber die Ausdrücke, eine Sache an, zu, mit, wider, jemanden haben, an, zu und wider jemanden finden, d. i. Klage, und Ursache der Klage, veraltet sind; wie es denn überhaupt für Klage nicht mehr, wohl aber für den ganzen Prozeß oder Rechtsstreit üblich ist. Eine gerechte Sache haben. In seiner eigenen Sache Richter seyn. In einer Sache sprechen. Geldsachen, Halssachen u. s. f. 2) Eine Angelegenheit, ein Geschäft. Haussachen, Staatssachen, Kriegessachen, Geldsachen. Eine große, wichtige und schwere Sache. Unverrichteter Sache abziehen müssen, im Oberd. unverrichteter Dinge. Ich kann nichts bey der Sache thun. Seiner Sache gewiß seyn. Seine Sachen mit Fleiß verrichten. Viele Sachen anfangen und keine ausführen. Der Sache ist nicht mehr zu helfen. Wie gehet die Sache? Sich einer Sache annehmen. Seine Sachen stehen schlecht. In wichtigen Sachen gebraucht werden. Seine Sachen verstehen. Sich in fremde Sachen mengen. Mit jemanden gemeine Sachen machen, sich mit ihm in einer Angelegenheit, in einem Geschäfte vereinigen, mit ihm gemeinschaftlich einerley Absicht zu erreichen suchen. Er hat seine Sache sehr schlecht gemacht, sein Geschäft schlecht ausgeführet. Die Sache Gottes, der Religion vertheidigen. Die Sache der Wahrheit führen, die Wahrheit vertheidigen. Das ist deine Sache, gehet dich an, ist deine Pflicht, kommt dir zu. Das ist meine Sache nicht, gehet mich nichts an, ich habe dazu weder Verbindlichkeit noch Fähigkeit. In der Geschwindigkeit eine gedeihliche Antwort zu finden, ist nicht seine Sache, er besitzt dazu nicht die nöthige Fähigkeit. Der Eigennutz ist nie seine Sache gewesen, er hat sich demselben nie ergeben. In solchen Fällen ist das Reden nicht meine Sache, rede ich nicht gern. Ich weiß lange, daß die seine Lebensart nicht eure Sache ist, Weiße. Es ist sonst nicht meine Sache, Daß ich Complimente mache, Zachar. In der vertraulichen Sprechart gebraucht man auch wohl das Diminutivum von geringen unerheblichen Angelegenheiten und Geschäften. Er dachte seine Sächelchen recht klug anzufangen. 3) Eine geschehene Begebenheit, ein Vorgang, die Art und Weise, wie eine Veränderung erfolget. Ich will ihnen die ganze Sache erzählen. Nach Gestalt der Sachen, der Umstände. Ich muß erst hinter die Sache kommen. Wie ist die Sache zugegangen? Ich kann ihnen noch andre Sächelchen erzählen, Weiße. Es könnten bey ihr eben solche Sächelchen vorgehen. 4) Vermuthlich als eine Figur der vorigen Bedeutung, wird Sache, doch nur im Plural allein, oft leeren Worten entgegen gesetzt. Eine Rede muß Sachen und nicht bloß Worte enthalten. 5) Ein jeder Gegenstand, wovon man spricht oder handelt, womit man sich beschäftiget; wo es in manchen Fällen nur im Singular allein gebraucht wird. In allen Sachen Maße halten. Der Sache zu viel thun. Das dient, gehört nicht zur Sache. Die Sache bestehet darin. Von einer Sache handeln. Zur Sache schreiten. Die Hauptsache, im Gegensatze der Nebensachen. Sich mit lauter Nebensachen beschäftigen. Von der Sache abweichen. Das beste zur Sache reden. Kurz von der Sache zu reden. Der Sache ein Ende machen. Das ist eine andere Sache. Einem tausend süße Sachen vorsagen. Du redest artige Sächelchen, wenn du allein bist, Weiße. Was ich gesagt habe, fließt aus der Natur der Sache, des Gegenstandes, wovon wir handeln. Wir wollen zur Sache kommen. Das thut nichts zur Sache, hat in den Gegenstand, von welchem wir handeln, keinen Einfluß. Sagen sie mir, was bey der Sache anzufangen ist. 6) Sehr oft gebraucht man dieses Wort auch als eine allgemeine Benennung von körperlichen beweglichen Dingen, wenn man sie mit keinem andern allgemeinen Nahmen zu benen- nen weiß. Was sind das für Sachen? Spielsachen, Zuckersachen, Zuckerwerk. Es fehlen mir noch die nöthigen Sachen zu dieser Arzeney. Allerley schöne Sachen. Besonders Geräthschaften, Kleidungsstücke u. s. f. Das sind nicht meine Sachen. Seine Sachen einpacken. Unordentlich in seinen Sachen seyn. Wem gehören diese Sachen? Wo es denn im Plural am häufigsten ist. 7) Oft wird die Sache der Person entgegen gesetzet, und da bedeutet es ein jedes Ding im Gegensatze der Person. Das Zeitwort geben erfordert die vierte Endung der Sache, und die dritte der Person. Auch in den Rechten sind Sachen und Personen einander entgegen gesetzt. Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart kommt es gleichfalls vor, ein jedes Ding, alles was ist, zu bezeichnen; wo es aber zunächst eine Figur der vorigen fünften Bedeutung eines Objectes zu seyn scheinet. Ein Buch früh bey dem Thee ist eine gute Sache, Gell. Es ist doch eine verzweifelte Sache um die liebe Tugend, Weiße. 8) * Eine Ursache; eine veraltete Bedeutung. Er ist ohne Sache aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn, Coloss. 2, 18. Um welcher Sache willen ich dich erinnere, 2 Timoth. 1, 6. Um welcher Sache willen ich solches leide, B. 12. Um der Sache willen strafe ich sie scharf, Tit. 1, 13.

Anm. Im Oberdeutschen wird: ist sach, noch jetzt häufig für wen gebraucht. Ist sach das der Held stürmen thut, So will ich ihn haben gewiß, Theuerd. Kap. 78. Ist sach das ihr solches nit irt, Kap. 95, wenn ihr solches nicht hindert. Seine Sachen verrichten, ist im gemeinen Leben ein höflicher Ausdruck für, seine Nothdurft verrichten, und in manchen Gegenden nennt man auch die monathliche Reinigung des andern Geschlechtes die Sache; wo es eine Figur der zweyten Bedeutung zu seyn scheinet. Schon in dem Salischen Gesetze ist Sack Klage, Rechtsstreit. In der alten Urkunde der Könige Ludwigs und Lothars aus dem 9ten Jahrhunderte bedeutet Sachu dingliches Eigenthum, im Isidor, Tatian und Ottfried ist Sahha, Sacha bald ein Rechtsstreit, bald eine Ursache, bald auch ein Geschäft, welche Bedeutungen auch das Nieders. Sake, das Schwed. Sak, und das Angels. Sac haben. Es ist dieses Wort die Klippe fast aller Wortforscher, auch der besten und gründlichsten, gewesen. Frisch leitet es von Zacke her, und erklärete es durch ein körperliches, handgreifliches Ding; Ihre aber siehet es als ein durch Versetzung der Buchstaben aus dem Lat. Caussa gebildetes Wort an. Allein, wenn man die Bedeutungen dieses Wortes aufmerksam erwäget, so wird man nicht in Abrede seyn können, daß es das Intensivum von Sage und sagen ist, und ursprünglich Wortgeräusch, Streit, Zank, und in weiterm Verstande eine jede Rede und deren Gegenstand bedeutet, ob es gleich durch die Länge der Zeit auf mancherley Art bestimmet worden. Im Nieders. ist saken noch jetzt klagen. Die gleichbedeutenden Wörter im Deutschen so wohl als in andern Sprachen bestätigen diese Ableitung. Unser Ding, welches im weitesten Verstande alles bedeutet, was da ist, bezeichnet ursprünglich auch Wortstreit, Wortgeräusch, und Rede überhaupt. Das Lat. Caussa, Ursache, stammet von cusare, klagen, in accusare, ab, welches wie unser kören und kösen ehedem reden überhaupt bedeutet hat. Dessen Töchter, das Italiänische Cosa und Französische Chose, bedeuten eine jede Sache, ein jedes Ding. Das gleichfalls Lat. Res gehöret zu dem Stamme unsers Rede, Recht, rauschen u. s. f. und noch Kero übersetzt res durch Rachono, welches jetzt veraltete Wort zu rechen, reden, gehöret, wovon unser rechnen abstammet. Das Schwed. Sak bedeutet auch Verbrechen und Strafe, und im Tatian kommt Sahha gleichfalls von einem Verbrechen vor.


Sachfällig (W3) [Adelung]


Sachfällig, adj. et adv. in den Rechten. Sachfällig werden, seine Sache, d. i. seinen Prozeß verlieren. Jemanden sachfällig erkennen. Nieders. nedderfällig, im Oberd. gleichfalls niederfällig. S. Sache 1.


Sachregister (W3) [Adelung]


Das Sachregister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Register über die in einem Buche vorkommenden Sachen; zum Unterschiede von einem Wortregister. S. Sache 4.


Sachs (W3) [Adelung]


* Das Sachs, des -es, plur. die -e, eine veraltete, noch in einigen gemeinen Mundarten übliche Benennung eines Messers und jedes schneidenden, stechenden und hauenden Werkzeuges. In dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter Sahs. Im Tatian ist Scribsachs ein Schreibegriffel. Scharsachs war ehedem ein Schermesser, Blutsachs eine Lanzette zum Aderlassen, Schramsachs ein kleiner Degen. Es ist mit sagen, Sech am Pfluge, Sichel, Sense, Nieders. Seiße, bey dem Ottfried Seche, Eines Geschlechtes. Siehe diese Wörter. Es ist eine alte Meinung, daß die Sachsen von ihren langen Messern, deren sie sich bedienet, den Nahmen haben. Wenn dieses Vorgeben einigen Grund haben sollte, so müßte das Wort haben mehr etymologische Veränderungen erlitten haben, als es erlitten hat. Wird man wohl ein Beyspiel anführen können, daß ein Volk ohne alle Veränderungen des Wortes den Nahmen des Dinges bekommen, dessen es sich bedienet? Und die Sachsen sollten seyn Messer genannt worden, weil sie sich langer Messer im Kriege bedienen? Es ist mit der Ableitung der Nahmen ganzer Völkerschaften allemahl sehr mißlich, weil man vorher wissen muß, ob ein Volk sich diesen Nahmen selbst gegeben, oder ob es solchen von seinen Nachbarn bekommt, von welchem Volke es denselben bekommen, und bey was für einer Gelegenheit u. s. f. Indessen ist unter allen Ableitungen diejenige noch die erträglichste, die ihn von Saß ableitet, ( S. dieses Wort.) Übrigens lautet Sachs, wenn es der Volksnahme ist, im Singular mit dem e euphonico, der Sachse, um die gelinde Aussprache des s zu sichern, und im weiblichen Geschlechte die Sächsinn, nicht Sachsinn. Daher das Bey- und Nebenwort Sächsisch, nicht aber Sachsisch, wie die Niederdeutschen sprechen.


Sacht (W3) [Adelung]


Sacht, -er, -este, adj. et adv. welches in allen seinen Bedeutungen nur im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, üblich ist. 1) Leise, dem Gehöre nach. Sacht gehen, sacht reden. Ich will es ihnen sachte sagen, Gell. leise, stille. Eine sachte Stimme haben. 2) Langsam. Gehe sachte. Sachte! sachte! eine gewöhnliche Formel, die Geschwindigkeit zu hemmen. Ein Zeiger an der Uhr kann nicht so sachte gehen, Lichtw. 3) Gemach, sanft. Jemanden sacht angreifen, sanft. Das thut sacht, sanft. 4) Leicht, nicht schwer zu bewerkstelligen; nur als ein Nebenwort. Das läßt sich sacht sagen, leicht. Das kannst du sacht thun, leicht.

Anm. Dieses der anständigen Hochdeutschen Sprechart fremde Wort lautet im Nieders. wo es eigentlich einheimisch ist, sage und sagte, im Schwed. lakta, mit einem andern Endlaute im Angels. und Engl. soft, mit dem Nasenlaute im Hochdeutschen sanft, ( S. das letztere.) Für sanftmüthig sagen die Niederdeutschen, Holländer und Schweden sachtmüthig.


Sachverständige (W3) [Adelung]


Der Sachverständige, des -n, plur. die -n, derjenige, welcher die Sache, d. i. das jedesmahlige Geschäft, das Object der Rede, verstehet. Ein Sachverständiger.


Sachwalter (W3) [Adelung]


Der Sachwalter, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Von Sache 1, eine Rechtssache, Prozeß, derjenige, welcher eines andern Rechtshandel vor Gericht verwaltet oder besorget. Der Anwalt, Rechtsfreund, Advocat, im Oberdeutschen Sachführer, Nieders. Sakewolt, welches ehedem auch theils eine der streitenden Parteyen, theils aber auch die Hauptperson in einem Prozesse, besonders in einem Criminal-Prozesse, bedeutet. Ehedem hatte man davon auch das Zeitwort sachwalten, theils prozessiren überhaupt, theils auch eines andern Sache vor Gericht führen, advociren. 2) Von Sache, Geschäft, Angelegenheit, ist der Sachwalter zuweilen derjenige, der eines andern Geschäfte oder Angelegenheit besorgt; ein Geschäftsträger, Agent, ehedem auch Sachwerber.


Sack (W3) [Adelung]


Der Sack, des -es, plur. die Säcke, Diminut. das Säckchen, Oberd. Säcklein. 1. Im weitesten Verstande, ein jeder hohler, an einem Ende verschlossener Raum; eine nur noch in einigen Fällen übliche Bedeutung. So nennet man eine Gasse ohne Ausgang in vielen Städten einen Sack, in andern ein Kehrwieder. Der Pulversack an den Schießgewehren ist die Stelle hinten an der Schwanzschraube, wo das Pulver die größte Gewalt ausübt. In den chymischen Öfen ist der Kohlensack der mittelste Raum des Ofens, gleich über dem Roste, in welchem die Kohlen zu liegen kommen; und so vielleicht in andern Fällen mehr. 2. In engerer Bedeutung, ein aus einer biegsamen Materie verfertigter hohler Raum, der an dem einen Ende verschlossen ist, andere Dinge darin aufzubehalten, ohne Unterschied der Größe. Ein lederner Sack, ein leinener Sack. Der Filtrirsack, Watsack. Bettelsack, Mantelsack, Hodensack, Quersack oder Zwerchsack, Strohsack, Dudelsack, Klingelsäckchen, Kräutersäckchen u. s. f. Mit Sack und Pack ausziehen. Im Ober- und Niederdeutschen wird auch die Tasche der Sack, und zum Unterschiede der Schuhsack genannt, welches letztere auch im Hochdeutschen nicht ganz fremd ist. Etwas in den Sack stecken, in die Tasche. Der Hosensack, die Hosentasche. Die Sackuhr, die Taschenuhr. Überhaupt gebraucht man das Wort Sack im Oberdeutschen in den meisten Fällen, wo im Hochdeutschen Beutel üblicher ist. Der Haarsack, der Haarbeutel, der Geldsack, der Geldbeutel. 3. In einigen noch engern Bedeutungen. 1) Ein solches großes Behältniß von einer biegsamen Materie führet im Hochdeutschen im engsten Verstande den Nahmen eines Sackes, zum Unterschiede von dem kleinen Beutel. Ein Geldsack, ein großer Geldbeutel, Wollsack, Mehlsack, Malzsack, Getreidesack, Kornsack, Futtersack, Hopfensack, Kohlensack u. s. f. Jemanden in den Sack stecken, figürlich, ihn überwinden, es sey worin es wolle. Jemanden im Sacke haben, ihn in seiner Gewalt haben. So voll wie ein Sack seyn, im höchsten Grade trunken. Figürlich ist in einigen Gegenden der Sack ein solcher Sack von bestimmter Größe, da es denn zugleich als ein Getreidemaß gebraucht wird. Ein Sack Getreide hält in Basel acht Müdde oder Scheffel, im Meklenburgischen aber nur sechs Scheffel. In Florenz ist Moggio ein Getreidemaß, welches 8 Sacci hält. 2) Ein enges Trauerkleid, bey den ältern Juden, von groben oder härnen Zeuge; in welcher Bedeutung es nur in der Deutschen Bibel vorkommt, wo Luther das Wort Sack nach dem Muster des Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - beybehalten hat. Im Sack und in der Asche Buße thun, einen Sack um sich hüllen u. s. f. wo Michaelis das Wort Trauerkleid gebraucht. Das Lat. sagum scheinet damit verwandt zu seyn. 4. Figürlich. 1) Der Magen; doch nur im verächtlichen Verstande. Seinen Sack füllen. 2) Ein liederliches Weibsbild; doch nur in dem zusammen gesetzten Schleppsack. In Niedersachsen nennt man eine leichtfertige, verschmitzte und muntere weibliche Person im Scherze einen kleinen, oder losen Sack.

Anm. Im Nieders. gleichfalls Sack, bey dem Ulphilas Sakk, im Engl. Sack, im Schwed. Säck, im Ital. Sacco, Saccoccia, im Franz. Sac, im Span. Sacco, im Pohln. Sac, im Lappländ. Tsakes, im Ungar. Zsak, im Lat. Saccus, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Weil die große Übereinstimmung fast aller Sprachen in diesem Worte die Wortforscher von je her befremdete, so behauptete Soropius Becanus im Scherze, als bey dem Babylonischen Thurmbaue die Sprache verwirret worden, so hätten die Bauleute in der Bestürzung sich doch an ihre Schnappsäcke erinnert, hätten darnach gegriffen, und wären damit ihres Weges gegangen, und daher sey es denn gekommen, daß dieses Wort von der allgemeinen Sprachverwirrung verschont geblieben. Indessen ist Sack nicht das einzige Wort dieser Art, indem man bey einer genauen Untersuchung jedes Stammwort in fast allen Europäischen und Asiatischen Sprachen wieder finden wird. Sack bedeutet einen weiten, tiefen, an einem Ende verschlossenen hohlen Raum, entweder von einem veralteten sachen, sacken, ( S. Suchen,) sich bewegen, und in engerer Bedeutung, sich im Kreise, in die Runde bewegen, oder von sacken, sich senken, ( S. dasselbe,) oder auch als ein Verwandter von Dach, weil s und t oder d sehr oft gleichbedeutend sind.


Sackband (W3) [Adelung]


Das Sackband, des -es, plur. die -bänder, starke hänfene Schnüre, die Kornsäcke, Mehlsäcke u. s. f. damit zuzubinden.


Säckel (W3) [Adelung]


Der Säckel, S. Seckel.


Säckelkraut (W3) [Adelung]


Das Säckelkraut, S. Hirtentasche.


Sacken (W3) [Adelung]


1. Sacken, verb. reg. welches nur im gemeinen Leben, besonders Niederdeutschlandes, als ein Reciprocum üblich ist, sich sacken, sich senken, sich aus Antrieb eigener Schwere nach und nach unvermerkt niederwärts bewegen. Ein Haus hat sich gesackt, wenn es sich gesenkt hat. Das Wasser ist im Sacken, im Fallen, im Abnehmen. In den Niederdeutschen Gegenden wird es auch als ein Neutrum gebraucht, mit einem Schiffe langsam den Strom hinab treiben.

Anm. Es ist das Intensivum von siegen, in versiegen, und ein naher Verwandter von senken und sinken, welche nur das n, den gewöhnlichen Begleiter der Gaumenlaute, zu sich genommen haben. S. dieselben.


Sacken (W3) [Adelung]


Sacken, verb. reg. act. et neutr. welches zunächst von Sack abstammet. 1) In der Hauswirthschaft ist sacken in Säcke füllen oder fassen. Korn sacken, Malz sacken. 2) In weiterer Bedeutung ist sacken, gierig einfüllen, wie in einem Sack, besonders in den Zusammensetzungen einsacken, besacken. Darauf wenn jedermann den Wanst recht voll gesackte, Opitz. Bey den Jägern sagt man von einem Hirsche, er sey gut gesackt, wenn er einen starken Unterleib hat. So auch das Sacken.


Säcken (W3) [Adelung]


2. Säcken, verb. reg. act. welches das vorige Zeitworte ist, aber nur von derjenigen Art der Lebensstrafe gebraucht wird, da man einen Verbrecher in einen ledernen Sack steckt und darin ersäuft. Eine Kindermörderinn säcken. Daher die Säckung. Nieders. sacken.


Sackerfalk (W3) [Adelung]


Der Sackerfalk, S. Sakerfalk.


Sackfliege (W3) [Adelung]


Die Sackfliege, plur. die -n, S. Sackwespe.


Sackgans (W3) [Adelung]


Die Sackgans, plur. die -gänse, bey einigen, ein Nahme der Kropfgans, wegen des unter dem Schnabel hängenden Sackes oder Kropfes.


Sackgarn (W3) [Adelung]


Das Sackgarn, des -es, plur. die -e, ein länglich rundes Fischergarn, welches einen Sack oder Koffer vorstellet, und daher auch Koffergarn, Trommel, genannt wird.


Sackgeige (W3) [Adelung]


Die Sackgeige, plur. die -n, die kleine Geige der Tanzmeister, vermuthlich, weil sie selbige im Sacke, d. i. in der Tasche, bey sich tragen. Sie wird auch die Stockgeige genannt.


Sackgeschwulst (W3) [Adelung]


Die Sackgeschwulst, plur. die -schwülste, eine Geschwulst unter der Haut, deren Eiter in einer Art von Sacke befindlich ist. Arten davon sind die Speckgeschwulst und Honiggeschwulst.


Sackhase (W3) [Adelung]


Der Sackhase, des -n, plur. die -n, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, eine figürliche Benennung der fehlerhaften Stellen in einem gepflügten Acker, wenn der Pflüger die Pflugsterze nicht überall gleich fest hält. An andern Orten heißen sie Hafennester, Saunester, Schafböckinnen, Hanfböckinnen.


Sacklast (W3) [Adelung]


Die "Sacklast", plur. die -en, in einigen Gegenden, eine Art Last, d. i. Getreidemaßes. Z. B. in Danzig bedienen sich die Bäcker der Sacklast, welche 5 "Malter" oder 80 Scheffel hält, dagegen eine gewöhnliche Last nur 3 3/2 "Malter" oder 60 Scheffel hält.


Sackpfeife (W3) [Adelung]


Die Sackpfeife, plur. die -n, ein altes musikalisches Instrument, welches jetzt nur noch unter dem großen Haufen üblich ist, und aus einem ledernen Schlauche, mit einer daran befindlichen Pfeife bestehet; im gemeinen Leben auch der Dudelsack, ehedem die Lollepfeif, und in einem alten Vocabulario aus dem 15ten Jahrhunderte Kogelczypfel. Der Pohlnische Bock oder die Bockpfeife ist eine Art davon. Daher der Sackpfeifer, der dieselbe spielet.


Sackpistole (W3) [Adelung]


Die Sackpistole, plur. die -n, kleine Pistolen, welche man im Sacke, d. i. in der Tasche, bey sich trägt; die Taschenpistole, der Puffer, Nieders. Sackpuffer.


Sackpumpe (W3) [Adelung]


Die Sackpumpe, plur. die -n, im Bergbaue, eine Art Pumpen, welche einem ledernen Schuhsacke gleicht, und unten keinen Kolm, sondern einen Pumpenzug in Gestalt eines ledernen Sackes hat.


Sackträger (W3) [Adelung]


Der Sackträger, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art niedriger Arbeiter, deren Hauptgeschäft ist, mit Getreide gefüllte Säcke hin und wieder zu tragen. Figürlich nennt man auch wohl den Esel, wegen seiner ähnlichen Verrichtung, einen Sackträger.


Sackuhr (W3) [Adelung]


Die Sackuhr, plur. die -en, eine Oberdeutsche Benennung einer Taschenuhr; von Sack, die Tasche.


Sackwage (W3) [Adelung]


Die Sackwage, plur. die -n, eine Art bequemer Wagen, welche aus einer Röhre bestehet, in welcher eine Feder verborgen ist, welche durch die daran gehängte Last niedergedrückt wird, und ihr Gewicht vermittelst eines viereckten Stäbchens zeiget; weil man sie im Sacke, d. i. in der Tasche, bey sich tragen kann. In andern Gegenden heißt sie die Federwage.


Sackwespe (W3) [Adelung]


Die Sackwespe, plur. die -n, eine Art Wespen, deren gelber Leib hinten die Gestalt eines schwarzen Säckchens hat; die Sackfliege. In Holland wird sie Spinnentödter genannt, weil sie die größten Spinnen tödtet, sie in die Erde vergräbt und ihr Ey in dieselbe legt.


Sachzehente (W3) [Adelung]


Der Sachzehente, des -n, plur. die -n, der Zehente, welcher von reinem ausgebrochenen in Säcken befindlichen Korne gegeben werden; der Scheffelzehente, Dorfzehente, im Gegensatze des Garben- oder Mandelzehenten, Zugzehenten. Ingleichen dasjenige fest gesetzte reine Getreide, welches an einigen Orten anstatt des Garbenzehenten gegeben wird.


Sacristan (W3) [Adelung]


Der Sacristan, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Sacristanus, in einigen Gegenden, derjenige, welcher die Aufsicht über die Sacristey und die darin befindlichen gottesdienstlichen Geräthschaften hat; der Kirchner, Küster, im Oberdeutschen der Sigrist, Sacrist.


Sacristey (W3) [Adelung]


Die Sacristey, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. Sacristia, für Sacrarium, ein Zimmer oder Behältniß an den Kirchen, worin die gottesdienstlichen Geräthschaften aufbewahret werden, und worin die Geistlichen die gottesdienstliche Kleidung anlegen; in Niederdeutschland noch die Gärbkammer, von gärben, sich zubereiten.


Säcularisiren (W3) [Adelung]


Säcularisiren, verb. reg. act. aus dem Barbarisch. Latein. saecularisare, geistliche Güter und Stiftungen in weltliche verwandeln. Daher die Säcularisation, diese Handlung. Der Französische Gesandte, Herzog von Longueville, hat diese Wörter auf dem Westphälischen Friedens-Convente zuerst gebraucht.


Sadebaum (W3) [Adelung]


Der Sadebaum, S. Säbenbaum.


Sadelhof (W3) [Adelung]


Der Sadelhof, S. Siedelhof.


Sadrach (W3) [Adelung]


Der Sadrach, des -es, plur. die -e, ein in den niedrigen Sprecharten übliches Scheltwort einer boshaften, grausamen und wüthenden Person. Wie führet denn der Teufel diesen Sadrach in die Küche! Hermes. Es ist entweder auf Satan verderbt, welches Wort in den gemeinen Niederdeutschen Mundarten auch Satrian lautet, oder auch aus der Deutschen Bibel entlehnet, wo Dan. 1 7 Hanania von den Babyloniern den Nahmen Sadrach bekam, welches Wort einen Fürsten der bösen Geister bedeutet.


Säemann (W3) [Adelung]


Der Säemann, des -es, plur. die -männer, derjenige, welcher den Samen säet, oder ausstreuet; Nieders. Saadsaier.


Säen (W3) [Adelung]


Säen, verb. reg. act. 1) Überhaupt, mit vollen Händen ausstreuen. Salz säen, Geld säen. 2) In engerer Bedeutung, den Samen ausstreuen. Möhren, Rüben, Gerste, Hafer, Weizen säen. Das Kraut säet sich selbst. Figürlich, in einigen Fällen, im Passivo, beysammen da seyn. Die Dörfer sind hier sehr dünne gesäet. Die Vorzüge sind bey ihm sehr dünne gesäet. Daher das Säen. So auch die Saat.

Anm. Bey dem Notker sahen, im Tatian sauuen, im Nieders. saden, säen, saien, bey dem Ulphilas sajan, im Angels. sawan, im Engl. to sow, im Schwed. sa und sada, im Pohln. sieie, wo Siew die Saat ist, im Böhm. syti, bey den Krainerischen Wenden sejem, bey den ältern Lateinern sao und seo, ich säe, wovon noch sevi in serere ist, daher Seia, die Göttinn der Saat. Es ahmet den Laut genau nach, welcher mit der Ausstreuung des Samens und ähnlicher Dinge verbunden ist, daher man sich nicht wundern darf, daß man dieses Wort und seine Verwandten fast in allen Sprachen wieder findet. Im Oberdeutschen ist dafür, wenigstens in vielen Fällen, auch samen üblich; besamen für besäen, und Lohenstein gebraucht einsamen für einsäen.


Säetuch (W3) [Adelung]


Das Säetuch, des -es, plur. die -tücher, ein vierecktes leinenes Tuch, in welchem der Säemann den Samen, welchen er säet, vor sich trägt.


Saffera (W3) [Adelung]


Saffera, ein Mineral, S. Safflor.


Saffian (W3) [Adelung]


Der Saffian, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein mit Sumach oder Galläpfellauge gar gemachtes Kalb-Ziegen- oder Bockleder, welches hernach roth, gelb oder blau gefärbt, und mit dem Krispelholze bearbeitet wird; Franz. Maroquin, weil dessen viel in Marocco gemacht wird. Der Corduan gleicht dem Saffiane sehr, nur daß er mit Gärberlauge zugerichtet wird. Der Nahme stammt, so wie das Leder selbst, aus der Türkey her, und ist vielleicht mit dem Nahmen des Saffranes verwandt, weil die Türken den gelben Saffian vor andern lieben.


Safflor (W3) [Adelung]


1. Der Safflor, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, in den Blaufarbenwerken, eine Art Kobaltkalk von einer grauen und etwas röthlichen Farbe, welcher entstehet, wenn aller Mißmuth und Arsenik durch das Feuer aus den Kobalterzen geschieden ist; besonders wenn er zu einem seinen Mehle gemahlen und mit gewaschenen Kieseln oder geschlämmten Sande vermischet worden. Aus diesem Safflore wird durch Schmelzung hernach die Schmalte bereitet. Der Nahme lautet bald Zafflor, bald Zaffera, Saffera und Saffra, Franz. Safre. Er ist so ausländisch als der folgende; warum aber diese Masse denselben erhalten, ist mir unbekannt.


Safflor (W3) [Adelung]


2. Der Safflor, des -es, plur. inus. eine Art der Bürstenpflanze, welche zu den Distelgewächsen gehöret, und deren Blumen eine sehr schöne hochgelbe Farbe wie der Saffran geben; Carthamus tinctorius L. bey einigen, obgleich mit Unrecht, wilder Saffran, weil beyde Pflanzen sehr weit von einander unterschieden sind. In engerer Bedeutung werden nur die Blumenblät- ter in der Handlung Safflor, und abgekürzt Flor genannt, und von vielen sehr häufig mit dem ähnlichen Saffran verwechselt. Dieses Gewächs ist in Ägypten einheimisch, wird aber jetzt sehr häufig selbst in Deutschland gebauet. Es hat eigentlich einen stacheligen Stängel, welcher durch die Pflege glatt wird. Die gepflegten glatten Safflorstöcke nennt man Nonnen, die ausgearteten stacheligen aber Mönche. Der Nahme stammet, so wie das Gewächs selbst, aus den Morgenländern her, und ist vermuthlich mit dem folgenden verwandt.


Saffran (W3) [Adelung]


Der Saffran, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e. 1) Eigentlich, die rothgelben Blumenblätter oder vielmehr die drey Narben der Staubwege von der Blume eines gewissen Zwiebelgewächses, welche von den Färbern, Mahlern u. s. f. zu einer schönen hochgelben Farbe gebraucht werden, und dieses Gewächs selbst; Crocus L. Zahmer Saffran, Crocus sativus L. welcher in Spanien, England, Frankreich, Italien, Ungarn und Österreich häufig gebauet, und in den Herbstsaffran und Frühlingssaffran unterschieden wird. Gelb wie Saffran, saffrangelb. Wegen einiger Ähnlichkeit wird auch die gemeine Eberwurz, Carlina vulgaris L. von einigen wilder Saffran genannt. 2) Figürlich pflegt man auch gewisse, gemeiniglich gelbe Arten des Kalkes mancher Metalle, in der Chymie Saffran und Latein. Crocus, zu nennen. Eisensaffran, Crocus martis. Spießglassaffran oder Metallsaffran, eine mit Wasser gewaschene und getrocknete Spießglasleber.

Anm. Der Nahme dieses Gewächses lautet im Franz. und Engl. gleichfalls Saffran, im Ital. Zafferano, im Böhm. Ssaffran. Er stammet, wie das Gewächs selbst, aus den Morgenländern her, indem es im Arab. Sahafaran, im Persischen aber Zafferon, Zaffaranum heißt.


Saft (W3) [Adelung]


Der Saft, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die Säfte, Diminut. welches doch nur in der zweyten Bedeutung üblich ist, das Säftchen, Oberd. Säftlein. 1) Die in einem Körper befindliche und mit dessen festern Theilen vermengte Feuchtigkeit. Ein Apfel, eine Birn hat vielen Saft, wenn sie viele solche Feuchtigkeit enthalten. Der Braten hat weder Saft noch Kraft. Den Saft aus etwas drücken, saugen oder pressen. Im Frühlinge, wenn der Saft in die Bäume tritt. Die Bäume stehen in vollem Safte. Der Birkensaft, Rebensaft u. s. f. Der Nahrungssaft, Lebenssaft. Wenn alle Säfte in dem menschlichen Körper verdorben sind, alle flüssigen Theile. Ohne seine Flüchtigkeit würde der Überfluß seiner Säfte die Gliedmaßen des Körpers für die Befehle der Seele ungelenkig werden lassen, Gell. Verblühete Wangen, welche nur durch reinere Säfte wieder erfrischet werden können. 2) In engerer Bedeutung werden gewisse dickliche flüssige Körper, besonders die in den Apotheken bis zu einer gewissen Dicke eingesottenen flüssigen Körper, Säfte genannt, da man denn auch wohl das Diminut. Säftchen gebraucht. Mohnsaft, Hohlundersaft, Wachholdersaft, Möhrensaft u. s. f. Auch die dicklichen in der Erde befindlichen flüssigen Körper, z. B. Steinöhl, Bergtheer u. s. f. heißen bey einigen auch nach ihrer Erhärtung Erd- oder Bersäfte.

Anm. Im Nieders. Sapp, im Angels. Seaw, Saepe, im Engl. Sap, im Franz. Seve, im Latein. Sapa, Baumsaft, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ohne Zischlaut, S. S 3. Das Stammwort ist das noch im Niederdeutschen übliche siepen, langsam und tropfenweise fließen wovon das Nieders. sappen, den Saft gehen lassen, das Intensivum ist. Das Nieders. Sabbe, der Geister, und unser Suppe gehören gleichfalls dahin. Mit einem andern Endlaute ist auch das Latein. Succus, und Pohln. Sok, der Saft, damit verwandt, welche zunächst von saugen und siegen abstammen.


Saftbehältniß (W3) [Adelung]


Das Saftbehältniß, des -sses, plur. die -sse, an den Blumen, S. Honigkelch.


Saftfarbe (W3) [Adelung]


Die Saftfarbe, plur. die -n, bey den Mahlern Farben, welche aus den Säften des Pflanzen- oder Thierreiches bereitet worden; zum Unterschiede von den mineralischen Farben.


Saftholz (W3) [Adelung]


Das Saftholz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -hölzer, eine im Forstwesen übliche Benennung einer Art Holzes oder Bäume, wo man das lichte Holz in lebendiges oder Laubholz, in Trieb- oder Saftholz, und hauiges, Schlag- oder Weißholz eintheilet.


Saftig (W3) [Adelung]


Saftig, -er, -ste, adj. et adv. Saft, und in engerer Bedeutung, vielen Saft enthaltend. Saftiges Obst, saftige Birnen. Nieders. sappig, welches auch kothig bedeutet. Figürlich ist saftig im gemeinen Leben, auf eine grobe Art unkeusch, schmutzig. Ein saftiges Gespräch. So auch die Saftigkeit.


Saftlos (W3) [Adelung]


Saftlos, -er, -este, adj. et adv. des Saftes beraubend. Saftlose Früchte. Daher die Saftlosigkeit.


Saftröhre (W3) [Adelung]


Die Saftröhre, plur. die -n, in den Gewächsen, gewisse zarte Röhrchen, welche ihnen den nöthigen Nahrungssaft zuführen und von den Luftröhren noch verschieden sind.


Sage (W3) [Adelung]


Die Sage, plur. die -n, von dem Zeitworte sagen, was gesagt wird. 1) Im weitesten Verstande alles, was jemand sagt, wo es doch nur noch im gemeinen Leben von den Worten, dem Ausspruche u. s. f. gebraucht wird. Nicht bey einerley Sage bleiben, nicht einerley aussagen. Seiner Sage nach hätte er ihn nie gesehen. Wenn es seiner Sage nachgehet, so wird das nie geschehen. Vernehmt mein sag, Theuerd. was ich sage. Du bist mein Vater selbst, (wird seine Sage seyn,) Opitz. 2) In engerer Bedeutung ist die Sage die mündliche Fortpflanzung einer geschehenen Begebenheit von mehrern, ohne Bestimmung ihrer Glaubwürdigkeit, bloß daß man sie sagt. Es gehet die Sage, daß der Hof verreiset sey. Es ist eine allgemeine Sage, daß hier ehedem ein Schloß gestanden hat. Der Sage nach hat hier ein Schloß gestanden. Die Sage kam je weiter aus von ihm, Luc. 5, 15. Es wird eine Sage und Sprichwort seyn, Habac. 3, 6. Wenn der Sage zu trauen ist. Sage setzet nicht so viele Mäuler voraus, als Gerücht und Ruf, ohne sie doch eben auszuschließen. Anm. Bey dem Ottfried und im Tatian Saga, wo es auch von einer Erzählung gebraucht wird, im Angels. Saga, im Nieders. Sagge, im Schwed. Saga, wo es auch die Geschichte, die glaubwürdige Erzählung einer geschehenen Sache bedeutet. In Aussage, Zusage, Ansage, u. s. f. ist es von einem weitern Umfange.


Säge (W3) [Adelung]


1. Die Säge, plur. die -n, eine in einigen Gegenden übliche Benennung eines kleinen, vermuthlich tiefen Fischernetzes mit engen Maschen, besonders in dem zusammen gesetzten Krautsäge, ein solches Netz zu den Grühen, ( S. dieses letztere Wort.) Im Holländ. Saeghene, Segghene, Segne, Franz. Seine, Lat. Sagena, aus welchem letztern es, dem Frisch zu Folge, entlehnet seyn soll. Indessen gehöret doch auch dieses zu dem Geschlechte des Wortes Sack.


Säge (W3) [Adelung]


2. Die Säge, plur. die -n, ein mit Zähnen versehenes Werkzeug zum Sägen. Mit der Säge zerschneiden. Die Bogensäge, Holzsäge, Handsäge, Baumsäge, Gartensäge, Klobensäge, Laubsäge u. s. f. Figürlich wird auch die kegelförmige Tellmuschel, wegen ihres, wie eine Säge gekerbten Randes, von einigen die Säge oder Sägemuschel genannt.

Anm. In der Monseeischen Glosse Saga, im Angels. Sagu, Syge, im Schwed. Sag, im Ital. Sega, im Franz. Scie, im Engl. Saw. S. Sägen.


Sagebaum (W3) [Adelung]


Der Sagebaum, S. Säbenbaum.


Sägeblatt,Sägenblatt (W3) [Adelung]


Das Sägeblatt, oder Sägenblatt, des -es, plur. die -blätter, das Blatt, d. i. das lange dünne stählerne Blech, welches an der einen Kante mit Zähnen versehen ist, und den vornehmsten Theil einer Säge ausmacht.


Sägeblock (W3) [Adelung]


Der Sägeblock, des -es, plur. die -blöcke, ein Block, d. i. dicker Stamm eines Baumes, woraus Breter u. s. f. gesäget werden sollen; der Schrot, Sägeklotz.


Sägebock (W3) [Adelung]


Der Sägebock, des -es, plur. die -böcke, ein Bock, d. i. hölzernes Gestell, das Küchenholz, ehe es gespalten wird, daran zu zersägen; der Holzbock.


Sägefisch (W3) [Adelung]


Der Sägefisch, des -es, plur. die -e, eine Art Hayen, welche einen Rüssel hat, der sich in ein knochiges glattes Schwert endiget, welches an beyden Seiten wie eine Säge gezähnt ist; der Schwertfisch, Squalus Pristis L.


Sägemeister (W3) [Adelung]


Der Sägemeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Aufsicht über die Lohnsäger in den Wäldern hat, oder über diejenigen Arbeiter, welche die Breter und Pfosten aus freyer Hand schneiden.


Sägemehl (W3) [Adelung]


Das Sägemehl, des -es, plur. car. S. die Sägespäne.


Sägemühle (W3) [Adelung]


Die Sägemühle, plur. die -n, eine Mühle, d. i. eine von dem Wasser oder Winde getriebene Anstalt, wo die Sägeblöcke zu Bretern, Pfosten oder Latten zersäget werden; die Schneidemühle, Bretmühle. Daher der Sägemüller, der Eigenthümer oder Vorgesetzte einer solchen Mühle.


Sägen (W3) [Adelung]


Sägen, verb. reg. act. mit einer Säge, d. i. einem mit Zähnen versehenen Werkzeuge durch Hin- und Herziehen schneiden. Mit einer Säge sägen. Mit jemanden in Gesellschaft sägen. Ingleichen auf solche Art zerschneiden. Holz sägen, Knochen, Horn sägen. Wie auch auf solche Art hervor bringen. Breter, Bohlen, Pfosten, Latten sägen. Daher das Sägen.

Anm. Im Schwed. saga, im Engl. mit einem andern Endlaute, to saw, im Ital. segare. Es ist mit dem Lat. secare, schneiden, verwandt, und ahmet den mit dem Sägen und oft auch mit dem Schneiden verbundenen Laut genau nach. S. auch Sachs, Sech, Sichel u. s. f.


Sagen (W3) [Adelung]


Sagen, verb. reg. act. welches im weitesten Verstande einen gewissen Laut von sich geben bedeutet, dieser Laut oder Schall sey übrigens von welcher Art er wolle. Diese Bedeutung, in welcher es zugleich ein Neutrum ist, ist noch unter dem gemeinen Volke üblich, wo es von allen Arten der Laute oder Schäbe gebraucht wird. Er fiel hin, das sagte patsch! Er bekam eins hinter die Ohren, das sagte klapp! In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist sagen durch vernehmliche Töne, durch Worte zu erkennen geben, bekannt machen; wo es allemahl ein Activum ist, welches dasjenige, was bekannt gemacht oder ausgedruckt wird, entweder in der vierten Endung oder in anderer Gestalt bey sich hat, wodurch es sich zugleich von den Neutris reden und sprechen unterscheidet. Es kommen zwar einige Fälle vor, wo es ein neutrales Ansehen hat, und für reden oder sprechen zu stehen scheinet, z. B. du hast gut sagen, da hilft kein singen noch sagen; allein diese Fälle sind selten. 1. Eigentlich. Was sagtest du? Ich habe es schon zwey Mahl gesagt. Sagen sie etwas? Ich sage nichts. Er sagte, er sey nicht hier gewesen. Ich sage, daß ich es thun will. Die Wahrheit sagen. Was sagen sie dazu, davon? Davon wäre viel zu sagen. Sage es nicht weiter. Zu allem ja sagen. Ich habe ihnen etwas zu sagen, ich habe ihnen sehr viel zu sagen. Was sagt man von mir? Man sagt nicht viel Gutes von der Sache. Sage niemanden ein Wort davon. Sage es rund heraus, kurz und gut. Ich möchte doch wissen, was sie mir zu sagen hätte, Gell. Ich sage es ihnen frey heraus. Jemanden eine gute Nacht, einen guten Morgen sagen. Ich hätte es nicht gewußt, wenn man mir es nicht gesagt hätte. Sage mir nur, wie bist du dem bösen Menschen in die Hände gefallen? Weiße. Nicht verliebt, zärtlich, wollen sie sagen, Gell. Sagen sie ihr noch nichts von der Erbschaft. Sage es nur gerade heraus. Wohin auch folgende besondere R. A. gehören. Einem Dank sagen, ihm danken. Für jemanden gut sagen, Bürge für ihn werden. Das ist genug gesagt. Was wollen sie damit sagen, zu erkennen, zu verstehen geben? Wie gesagt, wie ich gesagt habe. Ich bin ihm, wie gesagt, nicht feind und auch nicht gut, Gell. Unter uns gesagt, wenn etwas eben nicht jedermann wissen soll. Und, zu dir gesagt, er war auch nicht der Mann, u. s. f. Weiße. Ich habe mir sagen lassen, man hat mir gesagt. Ich habe mir wohl sagen lassen, daß meine Frau Muhme sehr fromm ist, Gell. Wie, oder was ich ihnen sage, eine im gemeinen Leben übliche Art der Versicherung. Was ich ihnen sage, er ist wirklich. Was ich ihnen sage, sie können die Frau Muhme jetzt nicht sprechen, Gell. Nein, was ich ihnen sage, es ist mir unmöglich. Das will ich dir hiermit gesagt haben, eine Formel, jemanden etwas mit ausdrücklichem Ernste zu sagen. Du hast von Glück zu sagen, du kannst dich für glücklich halten. Sie haben von Glück zu sagen, daß sie es dabey bewenden läßt, bloß Sylphen zu lieben. Mich däucht, er habe von Glück zu sagen, daß er noch so davon gekommen ist. Ich sagte nur so, im gemeinen Leben, für, ich sagte es nur im Scherze, es war nicht mein Ernst. Das lasse ich nicht von mir gesagt werden, das lasse ich mir nicht nachsagen. Geitz lasset nicht von euch gesagt werden, Ephes. 5, 3. Jemanden todt sagen, sagen, daß er gestorben sey. Es sagte ohne alle Gnade Die ganze Stadt Nigrinen todt, Less. Einen etwas sagen, und zu einem etwas sagen, sind nicht ganz einerley. Die letzte R. A. gebraucht man besonders, wenn man die Worte, welche gesagt werden, anführet. Er sagte zu mir, er wolle kommen. Wer will zu ihm sagen: was machst du? Hiob 9, 12. Wer zu seinem Bruder saget Racha und Narr, Matth. 2, 22. 2. In engerer und figürlicher Bedeutung. 1) Bedeutende und nicht bloß vernehmliche Worte sagen. Man muß wenig reden, aber viel sagen. Er plaudert oder spricht den ganzen Tag und sagt doch nichts. 2) Befehlen. Ich sage dir, u. s. f. Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Luc. 7, 14. Das laßt dir gesagt seyn. In einer Sache nichts zu sagen haben. Er hat hier nichts zu sagen. Wer hat mir was zu sagen? 3) Durch geschriebene Worte bekannt machen. Moses sagt u. s. f. Was sagt die Schrift? Röm. 10, 8. Man mag gern, wie Montagne sagt, große Männer bey Kleinigkeiten belauschen. 4) Nach einer noch weitern Figur, auf jede andere vernehmliche Art bekannt machen. Mein Herz hat es mir längst gesagt. Mein Gewissen sagt mirs. Und doch sagt mir eine Ahndung, die ich lieb gewinne, daß ich ihn einmahl wiedersehen werde, Hermes. Die Eitelkeit, die dir sagt, daß deine Reitzungen groß genug sind, einen unbeständigen Liebling getreu und beständig zu machen, Dusch. Das Siegel sagte mir, daß der Brief von meinem Freunde kam. 5) Bedeuten. Was will das sagen? Das will so viel sagen. Doch wenn die Natur Nur einmahl recht verstehen sollte, Und was ein Irrlicht sagen wollte, Gell. Augen vom schönsten Braun, die nichts mehr sagen. Mit einem Gesichte, das nichts sagte. Ingleichen, von Wichtigkeit seyn. Zehen Thaler wollen nicht viel sagen. Das will nichts sagen. Tausend Thaler wollen schon viel sagen. Es hat nichts zu sagen, es wird keine erhebliche Folgen haben. Das hat viel zu sagen. Daher das Sagen, besonders in der ersten eigentlichen Bedeutung. Die Sagung ist nur in einigen Zusammensetzungen üblich. Anm. Schon im Isidor sagan, bey dem Willeram gesagan, im Nieders. seggen, in den gemeinen Hoch- und Oberdeutschen Sprecharten sahn, er sahte, für er sagte, er seit, er sagt, im Engl. to say, im Angels. seegan, im Schwed. säga, im Isländ. seiga, im Wallis. sygaen, bey den ältesten Lat. seco, sequor, woraus vermittelst der gewöhnlichen Verwechselung des s und t nachmahls dico geworden, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es ist eine Onomatopöie, welche den Laut des Sagens nachahmet, und so fern dieser Schall auch andern Bewegungen gemein ist, gehören auch säen, sägen, zeigen u. s. f. dahin; so wie reden, sprechen, loqui, u. a. in verschiedene mit ähnlichen Schällen verbundene Veränderungen bezeichnen.


Sägenfliege (W3) [Adelung]


Die Sägenfliege, plur. die -n, eine Art Fliegen, mit einem messerartigen Stachel, welcher zwey vorstehende Blättchen in Gestalt zweyer Sägen hat; Tenthredo Eberh.


Sägenschmid (W3) [Adelung]


Der Sägenschmid, des -es, plur. die -schmiede ein Schmid, welcher vornehmlich Sägen und andere schneidende Werkzeuge verfertiget.


Säger (W3) [Adelung]


Der Säger, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher säget. Auch eine Art Vögel, S. das folgende.


Sägeschnäbler (W3) [Adelung]


Der Sägeschnäbler, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art vierzehiger Patschfüße, deren Schnäbel an beyden Hälften lang und ausgezackt sind; Plotus serrator Klein. Säger, Stücksäger; wegen der Ähnlichkeit des Schnabels mit einer einfachen oder Stücksäge, der Kneifer.


Sägespäne (W3) [Adelung]


Die Sägespäne, sing. inus. kleine zarte Späne, welche durch das Sägen hervor gebracht werden; Sägemehl, im Oberd. Sägegeist, in Österreich. Sagschaten, in Baiern Schoaten, Scheiten, im Nieders. Sagespöne.


Sägetaucher (W3) [Adelung]


Der Sägetaucher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme der Biberänte, Mergus Castor L.


Säglich (W3) [Adelung]


Säglich, adj. et adv. von dem Zeitworte sagen was sich sagen, d. i. aussprechen läßt, welches aber nur in dem zusammen gesetzten unsäglich üblich ist. S. dasselbe.


Sago (W3) [Adelung]


Das Sago, subst. indeclin. plur. car. das zubereitete Mark des Sago-Baumes, welcher eine Art Palme mit gefiederten Blättern ist, und in Ostindien wohnet; Cycas L. Der Nahme welcher auch Sago und Sego lautet, ist gleichfalls Ostindisch.


Sahl,Saal,Sal (W3) [Adelung]


Sahl, Saal oder Sal, ein Wort, welches in einem sehr weiten Umfange der Bedeutung, oder vielmehr in mehrern verschiedenen Bedeutungen üblich ist, die aber doch insgesammt gewisse Veränderungen bezeichnen, welche mit einem ähnlichen und übereinstimmigen Laute verbunden sind, und von denen ich hier überhaupt etwas sagen will, damit man die Verwandtschaft derselben mit Einem Blicke übersehen könne. Ich nehme dieses Wort hier in seinem weitesten Umfange und mit den gewöhnlichen Veränderungen, Sahl, Sal, Sel, Ste, Sol, Schal u. s. f. Zahl, Zel, Ziel u. s. f. wo das härtere Z allenfalls eine Intension bezeichnet, Thal, Theil, weil t und s immer mit einander abwechseln, ingleichen mit den intensiven Endlauten Sall, Sell, Soll, Schall, Toll u. s. f. Sahl und das dazu gehörige Zeitwort sahlen ist, so wie ursprünglich alle Wörter, eine unmittelbare Nachahmung eines Lautes, und da dieses Laut mit mehrern verschiedenen Veränderungen verbünden ist, so ist dieses auch der erste Grund der Verschiedenheit in der Bedeutung. Es bezeichnet oder ahmet nach, 1. Einen gewissen eigenthümlichen Laut überhaupt, wie die Intensiva Schall, schallen, schellen. 2. Besonders, 1) Den Laut der menschlichen Stimme und verschiedene Arten derselben; daher das alte fellan, sagen, sprechen, zählen, erzählen, Psalm, Salm, thalen, schelten, das Nieders. schelen, zanken, schälen, plaudern, Skalde, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bitten, vielleicht auch solch und selbst. 2) Den Laut unarticulirter Bewegungen, und diese Bewegungen selbst. a) Gewisse starke heftige Bewegungen. (a) Eigentlich, wie salire, saltare, salax, Silanus, der Springbrunnen, das Nieders. sich fühlen, das veraltete sal, schnell, das in der Monseeischen Glosse befindliche zellan, weben, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ich bewege, das Schwed. sall, ein Sieb, und salla, sieben, roll, das Holländ. sollen, heftig hinwerfen, u. s. f. Daher denn, (b) Folgende figürliche Bedeutungen stammen. (1) Des Lichts, wie Sol, Silber, Sil, gelbe Erde, Sulphur, Schwefel, vielleicht auch Salmo, der Salm, wegen seiner glänzenden Schuppen, wenn er nicht wegen seiner heftigen Bewegungen, und besonders wegen seiner Gabe zu springen worden. (2) Des Gehens, entweder als eine unmittelbare Figur des Lichtes, oder auch der Bewegung, wie zielen. (3) Der Seele, deren Nahme in allen Sprachen eine Figur des Windes, des Athems, der Bewegung ist. (4) Der Zeugung, wie zielen, erzielen. (5) Gewisser Arten scharfer, heftiger Empfindungen; daher Salz, Sal, Salat, das alte Zala, Gefahr, das Pohln. Zal, Betrübniß, Schmerz, Solicitudo, Bekümmerniß, schal, abgeschmackt. b) Besonders des fließenden Wassers; daher der Meißner schollen, sein Wasser lassen, das Nieders. schälen, spülen, das alte Europäische Sal, das Meer, Lat. Salum, das Meer, das Niederdeutsche Siel, ein Canal, das Malab. Salam, Wasser, und so ferner. c) Ingleichen der schlüpfrigen Bewegung, wie das Holländ. sollen, auf dem Eise gleiten. Daher die Figuren des Fettes, der Schlüpfrigkeit, des Kothes; wie Salbe, Saliva, das alte Oberdeutsche sal, schmutzig, das Nieders. sählen, sich beschmutzen. d) Gewisse langsamer Bewegungen, wie das Schwed. Sele, ein sanfter Fluß. Daher die Figuren selten, solus, das Nieders. schelen, fehlen, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Friede, Ruhe, filere, schweigen, solari, trösten, wie trösten von Rast, Ruhe, Schild; welche aber auch Figuren anderer Bedeutungen seyn können. Ingleichen der Begriff des Aufenthaltes, Exsul, das alte Sal, Wohnung, Aufenthalt, das Nieders. schillern, warten. e) Gewisser Bewegungen, ohne Rücksicht auf die Stärke und Schwäche des damit verbundenen Lautes, oder des Grades ihrer eigenen Heftigkeit. (a) Überhaupt. Daher das alte salen, sellan, übergeben, Sahl, Sal, Übergabe; das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, heraus ziehen, Schwed. sala, theilen, und unser Theil und theilen selbst, solvere, Nieders. schelen, unterschieden seyn, Schwed. Sal, ein Theil an den Strafgefällen, und nach allerley Figuren Sold, Schuld, sollen, Zoll. (b) Ins besondere nach Verschiedenheit der Richtungen. (1) Eine Bewegung und Ausdehnung in die Länge, ohne beträchtliche Breite und Dicke. Daher Seil, Sille, das Nieders. Siehle, das Pferdegeschirr, Zeile, Sahl, das Äußerste eines Dinges, in Sahlband, Sahlleiste, das Nieders. Suhl, Sugel, eine Ahle, Schilf, welches aber auch eine unmittelbare Beziehung auf die rauschende Bewegung haben kann, Schwed. Söl, Schilf. (2) In die Breite, wie das Nieders. Schelf und Diehle, ein Bret, die Scholle. Daher der Begriff der Ebene; Solum, der Boden. (3) In die Höhe, wie Säule, Söller, Schulter, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, erheben, Salebra, ein holperiger Weg, solox, grob, rauh, Solium, Thron. (4) In die Tiefe, wie Sohle, Solea, Thal, Solum, (5) Nach allen Seiten; daher die Figur den Biegsamkeit, wie Salix, Weide, Siler, Bachweide, Sahlweide. (6) In die Weite, mit den Bedeutungen des hohlen Raumes; daher Saal, Aula, Halle, Zelle, Cella, Zille, ein Kahn, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Korb, Schale, Siliqua. Daher die Figur der Bedeutung, Schale, und vielleicht auch das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , Friede. (7) Nach allen Richtungen; daher die figürlichen Bedeutungen der Menge, der Zahl, wie Ottfrieds Zala, Zahl, vielleicht auch Saltus, Wald, Silva. Ingleichen der Verbindung, wie sälla, Schwed. versammeln, Gesell. Wie auch der Masse, Erdscholle, Eisscholle, solidus, wovon die Bedeutung der ganzen unverletzten Beschaffenheit wieder eine Figur ist; daher Salus, salvus, selig. Auf ähnliche Art bedeutet heil eigentlich ganz, unverletzt, und figürlich Wohlstand, Wohlfahrt. Zur Bedeutung der Masse scheinet auch die Ableitungssylbe -al, ein Ding, Subject, zu gehören, wenn es nicht, wie Ding und Sache, eine Figur der menschlichen Stimme ist. Mit mehrerer Gewißheit ist die Härte eine Figur der Masse, der Ausdehnung, vielleicht auch des Schalles, wie Silex, ein Kieselstein. (8) Nach einer schiefen Richtung, wie schäl, schielen. (9) In die Krümme; daher Nieders. schell, krumm, und so noch andere mehr.


Sahl (W3) [Adelung]


Der Sahl, Aula, S. Saal.


Sahlbader (W3) [Adelung]


Der Sahlbader, S. Salbader.


Sahlband (W3) [Adelung]


Das Sahlband, des -es, plur. die -bänder. 1) Im Bergbaue, diejenige Steinart, welche den Erzen auf den Gängen die Einfassung gibt, mit welcher sie am Rande gleichsam als mit einem Bande eingefasset sind; in der verderbten Aussprache der Bergleute Seilband, sonst auch der Saum, der Mantel. 2) An den Zeugen, ( S. Sahlleiste.) 3) In einigen Gegenden, z. B. in der Mark Brandenburg, ist der Sahlband ein Ring, welcher locker um den Pflugbalken liegt, an der Zunge, welche durch die Büchse gehet, befestiget ist, und zur Verbindung des Vordertheiles des Pfluges mit dem Pflugbalken dienet. In den beyden ersten Bedeutungen ist der Begriff der Ausdehnung in die Länge, und der nahe verwandte Begriff des Randes, des Äußersten, der herrschende. S. Sahl und Sahlkeiste.


Sahlbuch (W3) [Adelung]


Das Sahlbuch, des -es, plur. die -bücher, noch in vielen Gegenden, ein öffentliches Schatzungs- und Steuerregister, in welchem eines jeden Unterthanen liegendes Vermögen an Haus, Hof, Äckern u. s. f. mit allen Gränzen, Rainen u. s. f. und den davon schuldigen Steuern, Frohndiensten u. s. f. verzeichnet ist; das Erbbuch, Erbregister, Flurbuch, Lagerbuch, Urbarium, Catastrum. Die erste Sylbe kann auf mehrere Bedeutungen des Wortes Sahl Anspruch machen. Es kann hier zunächst den Besitz, die Wohnung, oder den Grund und Boden, oder die Gränze und Raine der Grundstücke, oder endlich auch die davon schuldigen Abgaben bezeichnen; S. Sahl.


Sahlgut (W3) [Adelung]


Das Sahlgut, des -es, plur. die -güter, ein Wort, welches noch in einigen Gegenden auf dem Lande üblich seyn soll, gewisse freye Güter zu bezeichnen, wo die eigentliche Bedeutung des Wortes Sahl aus der nähern Beschaffenheit solcher Güter bestimmet werden muß. Ehedem war Sahlhof, ein solcher freyer Hof, ( S. Siedelhof und Sahlland,) ein solches freyes, unzinsbares Land, Terra salica; wo doch die Ausleger noch bey weiten nicht einig sind, ob sich gleich der Begriff der Freyheit aus Sahl gar wohl herleiten läßt.


Sahlleiste (W3) [Adelung]


Die Sahlleiste, plur. die -n, der äußerste Rand an gewebten Zeugen der Breite nach; das Sahlband, in den gemeinen Sprecharten das Salbende, in Österreich das Tuchend, im Anhält die Tuchschrote. Von Sahl, so fern es eine Ausdehnung in die Länge und figürlich einen Rind bedeutet.


Sahlmann (W3) [Adelung]


Der Sahlmann, S. Saalmann.


Sahlweide (W3) [Adelung]


Die Sahlweide, plur. die -n, eine Art Weiden mit eyförmigen, runzeligen Blättern, welche auf der untern Fläche filzig und nach oben zugezähnt sind; Salix captea. L. Palmweide, Buschweide, Werftweide, Hohlweide, Streichpalme, Nieders. Salwied, im Hannöv. Beenwied, Franz. Saule, Engl. Sallow. Das Wort Sahlleidet hier mehrere Bedeutungen. Es kann zähe, biegsam, bedeuten, weil die Zweige dieser Art Weiden sehr zähe sind, und daher häufig zum Flechten gebraucht werden, daher sie im gemeinen Leben auch Seilweide heißt; es kann aber auch die weißgrünliche Schale ausdrucken, von dem Nieders. sahl, schmutzig weiß. Indessen kann es auch ein Überbleibsel des ältesten Nahmens der Weide überhaupt seyn, wozu in den spätern Zeiten, nur das Wort Weide zur Erklärung gesetzt worden; indem die Weide überhaupt im Angels Seal, im Engl. Sallow, im Irländ. Sail, und Saileog, im Schwed. Saig, im Finnländ. Salawa, und in den Florentinischen Glossen Salaha, im Lat. Salix, heißt; entweder ihre Biegsamkeit zum Binden, wie das gleichbedeutende Weide, auszudrucken, oder auch ihren Aufenthalt an den Sahlen, d. i. Flüssen.


Sahne (W3) [Adelung]


Die Sahne, plur. die -n, in einigen Gegenden, besonders in Obersachsen, der Milchrahm, besonders der süße, frische, zum Unterschiede von dem sauern, welcher auch in Obersachsen Rahm und Milchrahm heißt. ( S. Rahm, wo die in andern Gegenden übliche Benennungen angeführet worden.) Im Holländ. Saen, in Schlesien Sohn. Es kommt in andern Sprachen nicht vor, scheint aber eine jede dickliche Feuchtigkeit überhaupt bedeutet zu haben, da es denn mit dem Lat. Sanies, Eiter, Eines Geschlechtes seyn würde, wenn es nicht so wie Rahm zunächst die Erhebung ausdruckt. Frisch rechnet auch das Schweizerische Senne, Viehherde, hierher, welches aber allem Ansehen nach zu einem andern Stamme gehöret, S. dasselbe.


Sahnenbrezel (W3) [Adelung]


Die Sahnenbrezel, plur. die -n, eine Art Brezeln, wo der Teig mit süßer Sahne angemacht wird.


Sahnenkäse (W3) [Adelung]


Der Sahnenkäse, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Käse, wo der süßen Milch, aus welcher sie verfertiget worden, ihre Sahnegelassen wird; Süßkäse.


Sahrbache (W3) [Adelung]


Die Sahrbache, plur. die -n, in einigen Oberdeutschen Gegenden, besonders in der Schweiz, der schwarze Pappelbaum oder die Pappelweide, Populus nigra L. welche daselbst auch Sarbacke, Sarbauchbaum, Saare, Saarbaum genannt wird. Gelb stehen die Sarbachen und die Weiden um die Teiche her, Geßn. Die erste Hälfte kam mit Sahl in Sahlweide verwandt seyn, weil die Pappel der Weide sehr ähnlich ist, und l und r beständig mit einander abwechseln. Im Französischen heißt dieser Baum ohne Zischlaut Eard. In manchen Gegenden heißt auch der weiße Pappelbaum Sahrbaum oder Sarbaum.


Saiger (W3) [Adelung]


Saiger, Saigen, u. s. f. S. in Sei.


Saite (W3) [Adelung]


1. Die Saite, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden, in dem zusammen gesetzten Kohlensaite übliches Wort, einen großen Korbwagen zu bezeichnen, worin die Kohlen verrühret werden. Es hat den Begriff des hohlen, tiefen Raumes, und ist mit dem Lateinischen Diminut. Situla, ein Eimer, nahe verwandt. Siehet man s und t als gleichbedeutend an, so gehöret auch Tüte dahin.


Saite (W3) [Adelung]


2. Die Saite, plur. die -n, ein altes Wort, welches, 1) * ehedem einen jeden Faden, ein Seil, einen Strick u. s. f. bedeutete. Bey dem Kero ist Seid ein Strick, und in der Monseeischen Glosse Zata das Haar. Das mittlere Lat. Seta und unser Seide gehöret nebst dem bey den Webern üblichen Zettel, die Fäden des Aufzuges, gleichfalls dahin. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Saite entweder ein Draht, oder auch ein aus Gedärmen gedrehter Faden, so fern beyde zu Hervorbringung der Töne aus musikalischen Instrumenten gebraucht werden; die Darmsaite, Drahtsaite. Harfen von acht Saiten, Psalter von zehen Saiten, in der Deutschen Bibel. Ein Instrument mit Saiten beziehen. Neue Saiten aufziehen. Die Saiten spannen, stimmen u. s. f. Diese Saite muß man nicht berühren, figürlich diesen Punct, diese Sache. Die Saiten zu hoch spannen, seine Forderungen zu weit treiben. Er wird bald gelindere Saiten aufziehen, auch figürlich, er wird bald gelassener reden, von seinen Forderungen, von seinem Trotze nachlassen. In weiterer Bedeutung führen alle aus Därmen gedreheten Schnüre, die man in manchen Fällen auch Sehnen nennet, bey den Handwerkern den Nahmen der Saiten, wenn sie gleich nicht zu musikalischen Instrumenten bestimmt sind. ( S. Michaelis Anmerk. zu Richt. 16, 7) Luther gebraucht es auch einige Mahl für Saiten-Instrument in welchem Verstande es aber nicht gewöhnlich ist.

Anm. In der zweyten Bedeutung schon bey dem Ottfried Seito. Das Oberdeutsche ai ist in diesem Worte älter als in andern, und in den neuern Zeiten hat man es beybehalten, um es von Seite zu unterscheiden, indem wirklich Fälle vorkommen können, wo einerley Schreibart Dunkelheit und Mißverstand verursachen könnte.


Saitenhalter (W3) [Adelung]


Der Saitenhalter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Stück an den Violinen, unter welchem die Saiten oben befestiget werden.


Saiten-Instrument (W3) [Adelung]


Das Saiten-Instrument, des -es, plur. die -e, ein musikalisches Instrument, welches vermittelst der Saiten gespielet wird.


Saitenspiel (W3) [Adelung]


Das Saitenspiel, des -es, plur. die -e, 1) Ein veraltetes nur noch in der Deutschen Bibel, und zuweilen auch noch in der höhern Schreibart übliches Wort, ein Saiten Instrument zu bezeichnen. Bey dem Notker Seidspiele. 2) Das Spiel, die Musik auf Saiten-Instrumenten; ohne Plural.


Saitenspieler (W3) [Adelung]


Der Saitenspieler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Saitenspielerinn, eine Person, welche auf Saiten-Instrumenten spielet, besonders wenn sie daraus ein Geschäft macht; auch nur noch in der Deutschen Bibel und in der höhern Schreibart. Die schönen Gesänge künstlicher Saitenspieler entzücken da das Ohr, Geßn.


Sakerfalk (W3) [Adelung]


Der Sakerfalk, des -en, die -en, eine Art Falken, welcher dem Gierfalken am nächsten kommt, nur daß er etwas kleiner ist. Er hat himmelblaue Füße, einen aschgrauen Kopf, und geflochten Schwanz, ist sehr stark und hurtig, und wird vorzüglich zur Kranich und Reiherbeitze gebraucht; Falcosacer Klein Nach dem Frisch stammet dieser Nahme aus dem Russischen her, wo Sokol einen jeden Falken bedeutet, da denn aus Ankunde dieser Sprache so wohl die Griechische Benennung - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - als auch die Lateinische Falcosacer, und die Deutschen Sackerfalk, Sockerfalk, Stockerfalk u. s. f. entstanden seyn würden. Bey andern heißt er Großfalk.


-sal (W3) [Adelung]


-sal, eine Ableitungssylbe für Hauptwörter, welche zu dem Hauptworte Sahl gehöret aber doch nicht überall einerley Bedeutung hat. 1) In dem Oberdeutschen Rinnsal, das Bett eines Flusses, ist es ohne Zweifel noch das alte Sahl, ein Fluß, Canal, Rinne. ( S. Sohl.) 2) In dem veralteten Fluchtsal, welches in dem Sachsenspiegel vorkommt, und die Strafe wegen einer pflichtwidrigen Flucht bedeutet, gehöret es zu dem alten Sahl, Gabe, sahlen, geben, zahlen, Sold u. s. f. zumahl da Sala auch im Schwedischen noch die Strafe bedeutet. Das gleichfalls im Sachsenspiegel befindliche Ursal, was die Frau nach des Mannes Tode zum voraus bekommt, gehöret gleichfalls zu der Bedeutung der Gabe und des Gebens. 3) In einigen noch gangbaren Hauptwörtern ist die Bedeutung hingegen nicht so klar; z. B. Labsal, Scheusal, Schicksal, Drangsal und Trübsal, wozu noch die veralteten Irrsal, Irrthum, Zwangsal und Achtsal, Elend, u. a. m. gehören. Wachter leitete es hier sehr gezwungen von dem veralteten Sal, Gefahr, ab, Frisch aber und Schilter nicht viel besser von Sahl, Gabe, und fallen, geben. Alle drey kannten das Wort Sahl seinem ganzen Umfange nach nicht, und blieben daher an den ihnen bekannten Bedeutungen hängen. Es scheinet, daß man hier eine doppelte Bedeutung annehmen müsse; welche noch dazu durch das Geschlecht dieser Wörter unterstützet wird. In Labsal, Scheusal und Schicksal bedeutet es ein Subject, ein Ding, von welchem die erste Hälfte der Wörter etwas behauptet; Labsal, ein Ding, welches labet, Scheusal, ein Ding, welches Abscheu erwecket, Schicksal, was uns zugeschicket wird, und diese Wörter sind gemeiniglich ungewissen, in einigen Gegenden aber auch männlichen Geschlechtes. Diese Bedeutung fließt dem Worte Sahl, so fern es eine Masse, eine Ausdehnung nach allen Richtungen bedeutet. In Trübsal und Drangsal hingegen scheinet es zunächst Abstracta zu bilden, und den Zustand zu bezeichnen, daher sie auch weiblichen Geschlechtes sind. Nach einer sehr gewöhnlichen Figur können sie auch, wie alle Abstracta, wieder Concreta bezeichnen, da denn die vorige Bedeutung eines Dinges, Subjectes, wieder mit eintritt. S. die Ableitungssylbe -selig, (wo noch einiges davon vorkommen wird.) Es könnte scheinen, daß diese Endsylbe in manchen Wörtern in -sel verändert worden; Mengsel, Höchsel, Fegsel, Schabsel, Überbleibsel, Räthsel, Einschiebsel u. s. f. Allein, wenn man diese Endsylbe genauer untersucht, so scheinet sie nicht damit verwandt zu seyn. -Sal ist allemahl lang, -sel aber kurz. Über dieß lauten alle die Wörter, welche im Hochdeutschen -sel haben, im Niederdeutschen -els, wie Mengels, Fegels, Schabels u. s. f. Es scheinet daher hier die Ableitungssylbe -el zu seyn, welche hier das s euphonicum vor sich genommen. Im Dänischen ist Angstelse Drangsal. Wer unser -sal eben daher leiten wollte, würde vielleicht doch nicht irren. Übrigens hat man diese Endsylbe jederzeit -sal geschrieben, und die Neuerung, das gedehnte a durch, aa oder ah zu schreiben, hat sich nicht bis auf dieselbe erstreckt.


Salamander (W3) [Adelung]


Der Salamander, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Eiden sen, deren Körper viele kleine Löcher hat, aus welchen sie einen Saft spritzen, welcher die Kohlen, welche auf sie geworfen werden, auf eine Zeit lang auslöschet, daher denn die alte Fabel entstanden, daß der Salamander im Feuer lebe; Lacerta Salamandra L. ehedem Feuerwurm. ( S. auch Molch) In der Dichtkunst der Neuern pflegt man von dem Vorgange des Abis von Villar seinem Comte de Gabalis, auch wohl ein Art erdichteter Feuergeisterchen Salamander zu nennen, so wie die Sylphen, Luftgeister, Gnomen, Erdgeister, und die Nymphen Wassergeister bezeichnen. Der Nahme ist aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - entlehnet, wo die erste Hälfte - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - entweder zu Sahl, Wasser, Feuchtigkeit gehöret, weil diese Eidechse im Feuer Wasser von sich spritzet, oder auch aus einer ältern Sprache herstammet, wo Sahl Feuer bedeutet hat, da es denn wieder eine Onomatopöie der zischenden Bewegung seyn würde.


Salamander-Baum (W3) [Adelung]


Der Salamander-Baum, des -es, plur. die -Bäume, bey den Neuern, ein Ostindischer Baum, dessen Dicke und saftige Rinde den Flammen des Feuers, so wie der Salamander, sehr lange widerstehet; Stilago L.


Salamander-Eidechse (W3) [Adelung]


Die Salamander-Eidechse, plur. die -n, eine Art Eidechsen, welche noch von den Salamander unterschieden wird; Lacerta Salamandrina L. Salamandrin. Ihr Kopf und Zunge gleicht dem Salamander, der Rumpf und Schwanz aber der Eidechse.


Salamander-Haar (W3) [Adelung]


Das Salamander-Haar, des -es, plur. inus. eine Art gediegenen Silbererzes, wo das Silber in Gestalt zarter Fäden oder Haare auf dem Gesteine befindlich ist; Federerz.


Salat (W3) [Adelung]


Der Salat, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e. 1) Eine jede Speise, welche mit darauf gegossenem Öhl und Essig genossen wird, besonders wenn sie kalt und ohne weitere Zubereitung gegessen wird. Daher Häringssalat. Sardellensalat, Krautsalat, Kräutersalat, Gurkensalat, Hopfensalat, Rapünzelsalat u. s. f. Etwas als einen Salat essen, wie einen Salat zurichten. 2) In engerer Bedeutung nennet man den Lattich oder Lactuf, Lactuca L. weil er am häufigsten als Salat gegessen wird, nur schlechthin Salat. Gartensalat oder zahmer Salat, Lactuca sativa L. wohin der krause Salat und Kopfsalat gehören; zum Unterschiede von dem wilden.

Anm. Im Nieders. zusammen gezogen Slaat, Slaut, im Engl. Sallad, im Franz. Salade, im Böhm. Salat. Es stammet zunächst aus dem Ital. Salata, Insalata, her, welches eigentlich ein Beywort ist, welches das Hauptwort Herba voraussetzt mit Salz und Essig zubereite Kräuter oder Speisen welche schon bey Columella Salgama heißen. Indessen kann das Ital. Salata auch aus dem morgenländischen herstammen, weil Salata im Albanischen, Wallachischen und Persischen gleichfalls einigen Salat, eine aus Salat zubereitete Speise bedeutet.


Salatbaum (W3) [Adelung]


Der Salatbaum, des -es, plur. die -bäume, bey einigen Neuern, ein Nahme der Canadischen Judasbaumes, Cercis Canadensis L. weil dessen junge Blumen in Amerika als ein Salat gegessen werden.


Salatkraut (W3) [Adelung]


Das Salatkraut, des -es, plur. die -kräuter, ein jedes Kraut oder Gewächs, dessen Blätter als ein Salat gegessen werden, wol in der Lattich, die Endivie, die Kresse u. s. f. gehören.


Salatwurm (W3) [Adelung]


Der Salatwurm, des -es, plur. die -würmer, gewisse weiße, graue und gelbliche Maden, welche die Wurzeln mancher Gewächse, besonders aber des Salates, abfressen, und auch Warren genannt werden. S. Werre.


Salbader (W3) [Adelung]


Der Salbader, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein alltäglicher Schwätzer, welcher andern mit unerheblichen Erzählungen lästig wird. 2) Ein Qucaksalber; wohl eigentlich ein unreinlicher Bader, der seine Kranken mit Salben curiret. Daher die Quacksalberey, plur. die -en, so wohl langweiliges ekelhaftes Geschwätz als auch Quacksalberey; langweilig schwatzen; ingleichen quacksalbern.

Anm. Beyde Bedeutungen sind gewisser Maßen sehr von einander unterschieden und doch, sind sie üblich. Das Wort selbst ist seiner ersten Hälfte nach noch dunkel, wie die meisten unter dem großen Haufen üblichen verächtlichen Benennungen, weil sie oft von unbekannten individuellen Umständen hergekommen sind; den Frischens Ableitung von einem schwatzhaften Vader, der zu Jena an der Sahle gewohnet, siehet einem Scherze sehr ähnlich. Die erste Sylbe kann aus Salbe zusammen gezogen seyn, sie kann aber auch von dem Ober- und Niederdeutschen, sal, schmutzig, unreinlich, abstammen.


Salbe (W3) [Adelung]


Die Salbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, Diminut. das Sälbchen, Oberd. Sälblein, ein fettes Wesen, welches die Consistenz der Butter oder eines dicklichen Öhles hat, besonders wenn es durch die Kunst bereitet worden. Augensalbe, Brandsalbe, Haarsalbe, Wundsalbe u. s. f. In der Deutschen Bibel wird es häufig von einer wohlriechenden Salbe gebraucht, deren sich die Morgenländer noch bedienen. Wagen- oder Schmiersalbe ist in einigen Oberdeutschen Gegenden auch das Wagenschmier.

Anm. Schon bey dem Kero, Ottfried u. s. f. Salbu, Salbo, Nieders. Salve, im Engl. Salve, im Angels. Sealf, im Schwed. Salva. S. das folgende.


Salben (W3) [Adelung]


Salben, verb. reg. act. 1) * Im weitesten Verstande, mit einem schlüpfrigen flüssigen Körper bestreichen oder beschmieren; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Ehedem gebrauchte man es theils für mit Farben bestreichen, wovon Frisch ein Beyspiel aus dem Altensteig anführet, theils auch für beschmieren, mit einem fettigen schmierigen Körper besudeln, in welcher Bedeutung es noch im Niedersächsischen üblich ist. Mit dem Essen herum salben, sudeln, sich zusalben, besalben, beschmieren, besudeln, da denn auch Salberey Sudeley ist. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur noch, 2) in engerer Bedeutung, mit wohlriechenden Öhlen oder Salben bestreichen. Einen Stein salben, 1 Mos. 31, 13. Einen todten Leichnam salben, wofür wir jetzt balsamiren gebrauchen. Am häufigsten mit dem Salhöhle, dem symbolischen Zeichen der priesterlichen und königlichen Würde, bestreichen. Jemanden zum Priester, zum Könige salben; ein sehr alter Gebrauch, der sich in die ersten Zeiten der wahren Geschichte verlieret, und noch beobachtet wird, daher man regierende Herren, besonders königlichen Standes, in der edlen Schreibart auch gesalbte Häupter, Gesalbte, Gesalbte Gottes zu nennen pflegt. Daher das Salben und die Salbung. So fern in dem alten Testament mit der Salbung oft auch die Mittheilung übernatürlicher Gaben des Geistes verbunden war, ist, die Salbung bey einem theologischen Schriftsteller oft auch Inbrunst, hoher Grad der Einsicht und der eigenen Rührung. Mit vieler Salbung berhen, predigen. Anm. Schon im Isidor salben, wo auch das Hauptwort Salbunga und das veraltete Abstractum Salbidhu vorkommen, Nieders. salven, Schwed. salva. Der Grund der Benennung liegt in der Schlüpfrigkeit, daher auch das Lat. Saliva, Speichel, mit diesem Worte in dessen ersten weitesten Bedeutung verwandt ist. ( S. Sahl.) Wenn man das f als einen oft zufälligen Zischlaut betrachtet, so gehöret auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, salben, mit hierher.


Salbenbaum (W3) [Adelung]


Der Salbenbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, ein Nahme des schwarzen Pappelbaumes, Populus nigra L. weil dessen Knospen zu einer gewissen Art Salbe gebraucht werden.


Salbey (W3) [Adelung]


Die Salbey, plur. inus. ein Staudengewächs, welches einen starken gewürzhaften Geruch und einen scharfen bittern Geschmack hat; Salvia L. besonders die Salvia officinalis, welche in dem mittägigen Europa einheimisch ist. Der Nahme stammet ohne Zweifel aus dem Lat. und Ital. Salvia her, den dieses Gewächs mit aus Italien zu uns gebracht hat. Im Nieders. lautet es Selve, im Böhm. Ssalwey, im Holländ. mit einem andern Endlaute Salgie, und im Franz. ohne l Sauge, Engl. Sage. Die schmierige Beschaffenheit der Blätter scheint der Grund ihrer Benennung zu seyn, die denn zu dem vorigen Salbe gehören würde, wenn sie nicht viel- mehr wegen ihres medicinischen Nutzens von Salus, salvus, oder wegen der schmutzig weißen Farbe ihrer Blätter, von dem Ober- und Niederdeutschen sahl, bleich, schmutzig weiß, benannt worden. Es gibt derselben verschiedene Arten, wohin auch der Scharley, oder das Scharlachkraut gehöret.


Salbeybaum (W3) [Adelung]


Der Salbeybaum, des -es, plur. die -bäume, bey den Neuern, ein staudenartiges Gewächs der wärmern Länder, dessen Blätter den Blättern der Salbey gleichen; Phlomis L.


Salbeyweide (W3) [Adelung]


Die Salbeyweide, plur. die -n, eine Art Weiden mit länglichen, der Salbey ähnlichen, weißlichen Blättern, Salix aurita L. Kampfweide, Sandwerfweide.


Sälbing,Sälbling (W3) [Adelung]


Der Sälbing, oder Sälbling, eine Art Fische, S. Sälmling.


Salböhl (W3) [Adelung]


Das Salböhl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein mit besondern Feyerlichkeiten zubereitetes Öhl, womit Priester und Könige bey Ertheilung oder bey dem Antritte ihrer Würde gesalbet werden.


Sälig (W3) [Adelung]


Sälig, S. Selig.


Saline (W3) [Adelung]


Die Saline, plur. die -n, aus dem Lat. Salinae, arum, ein hin und wieder übliches Wort, ein Salzwerk zu bezeichnen, eine Anstalt, wo Salz aus Sohle gesotten wird. Die Chursächsischen Salinen.


Saliter (W3) [Adelung]


Der Saliter, des -s, plur. inus. eine im gemeinen Leben übliche Benennung des Salpeters, wo es auch Salniter lautet, und aus Sal Nitrum verderbt zu seyn scheinet. S. auch Haarsalz, welches gleichfalls Saliter genannt wird.


Salle (W3) [Adelung]


Die Salle, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Sahlweide, S. dieses Wort.


Salm (W3) [Adelung]


Der Salm, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welchen der Lachs in vielen Gegenden, besonders aber in Oberdeutschland führet, und welcher aus dem Lat. Salmo entlehnet ist. Andere machen einen Unterschied unter Salm und Lachs, und nennen einen noch nicht ausgewachsenen Lachs Salm, so wie andere alle Lachse im Frühlinge und Sommer Salme, im Winter aber Lachse genannt wissen wollen. Engl. Salmon, Franz. Saumon. Der Lateinische Nahme Salmo bezeichnet entweder seine glänzenden Schuppen, als ein Verwandter von Sol, Silber u. s. f. oder ist diesem Fische auch wegen seiner Geschicklichkeit im Springen gegeben werden, da er denn zu salire gehören würde. S. Sahl und Sälmling.


Salmgarn (W3) [Adelung]


Das Salmgarn, des -es, plur. die -e, eine Art dreymaschiger Garne, welche auf dem Rheine zum Lachsfange gebraucht werden.


Salmiak (W3) [Adelung]


Der Salmiak, des -es, plur. inus. ein flüchtiges Mittelsalz, welches aus der Säure des gemeinen Kochsalzes und einem flüchtigen Alkali bestehet, und einen dem Kochsalze ähnlichen, aber doch schärfern und urinösen Geschmack hat. Der natürliche kommt aus dem Lande der Kalmucken, wo er an den Felsen ausschlagen soll. Der künstliche wird in Ägypten aus dem Ruße des verbrannten Thiermistes bereitet. Der Nahme ist aus dem Latein. Sal Ammoniacus zusammen gezogen.


Salmiak-Blumen (W3) [Adelung]


Die Salmiak-Blumen, sing. inus. in der Chemie, sublimirter Salmiak. Eben daselbst pflegt man auch wohl die Krystallen von aufgelöseten und wieder angeschossenen Salmiak, Salmiak-Blumen zu nennen.


Sälmling (W3) [Adelung]


Der Sälmling, des -es, plur. die -e, eine in Oberdeutschland sehr bekannte kleine Art Salme, welche sich in den Flüssen und Seen aufhalten, sehr fett und schmackhaft sind, und daselbst bald Sälbinge, bald aber auch Sälblinge, im Berchtoldsgadischen aber Schwarzreuterle genannt werden; Salmo Salvelinus L.


Salniter (W3) [Adelung]


Der Salniter, S. Saliter und Salpeter.


Salomons-Siegel (W3) [Adelung]


Das Salomons-Siegel, des -s, plur. ut nom. sing. die Wurzel der Weißwarz, Convallaria Polygonatum L. auf deren Knoten man verschiedene einem Siegel ähnliche Eindrücke siehet.


Salpeter (W3) [Adelung]


Der Salpeter, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein laugenartiges oder alkalisches Salz, welches aus einem Alkali und seiner eigenen Säure bestehet, und sich in einer jeden fetten, schleimigen und lehmigen Erde erzeuget, aus der es mit Wasser ausgelauget, und durch Einkochung krystallisirt wird, welches man Salpeter sieden nennet; Nitrum, obgleich das Nitrum oder Natrum der Alten von anderer Art war. Im gemeinen Leben Saliter, Salniter, aus dem Latein. Sal Nitrum, im Pohln. Saletra, im Böhm. Sanytr. Der Nahme Salpeter ist aus dem Lat. Sal petrae, ob es gleich von dem eigentlichen Steinsalze gar sehr verschieden ist.


Salpeterdruse (W3) [Adelung]


Die Salpeterdruse, plur. die -n, im Bergbaue, eine Art Quarzdrusen, deren Krystallen abgestumpft, ungleich, winkelig und zusammen gedrückt sind, wie die Krystallen des Salpeters.


Salpetererde (W3) [Adelung]


Die Salpetererde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine Erde, welche Salpeter in sich enthält. Im gemeinen Leben hat man auch eine Erde, welche mit einem Kalke in Gestalt eines weißen Mehles vermischet ist, und bey den Salpetersiedern Schalk heißt, aus Irrthum mit diesem Nahmen belegt.


Salpeterfraß (W3) [Adelung]


Der Salpeterfraß, des -es, plur. doch nur von mehrern solchen schadhaften Stellen, die -e, ein Fehler der Wände und Mauern, wo der Kalk und die Steine in denselben bröcklich werden, sich verzehren und abfallen, welches man dem, dem Kalke beygemischten, Salpeter zuschreibt. Ingleichen solche schadhafte Stellen.


Salpetergeist (W3) [Adelung]


Der Salpetergeist, des -es, plur. inus. S. Salpetersäure.


Salpeterhütte (W3) [Adelung]


Die Salpeterhütte, plur. die -n, eine Anstalt, wo Salpeter aus der dazu dienlichen Erde gesotten wird; die Salpetersiederey.


Salpeterlauge (W3) [Adelung]


Die Salpeterlauge, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, in den Salpetersiedereyen, das mit aufgelösetem Salpeter geschwängerte Wasser, welches hernach eingekocht wird, damit der Salpeter darin anschieße.


Salpetermutter (W3) [Adelung]


Die Salpetermutter, plur. inus. eben daselbst, die Lauge, nachdem aller darin befindlicher Salpeter in Krystallen angeschossen ist, da sie denn eine braunrothe Farbe hat.


Salpetersäure (W3) [Adelung]


Die Salpetersäure, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, die durch die Hitze des Feuers in flüssiger Gestalt von dem Salpeter geschiedene Säure, welche einen starken unangenehmen Geruch hat, und sich mit dem brennbaren Wesen entzündet; Salpetergeist, Spiritus Nitri, im gemeinen Leben Scheidewasser.


Salpetersieder (W3) [Adelung]


Der Salpetersieder, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher ein Geschäft daraus macht, den Salpeter zu sieden. Daher die Salpetersiederey, so wohl diese Verrichtung selbst, als auch diejenige Anstalt, wo Salpeter gesotten wird.


Salpeterzeltlein (W3) [Adelung]


Das Salpeterzeltlein, des -s, plur. ut nom. sing. in den Apotheken, mit Schwefelblumen geschmolzener Salpeter, welche Masse hernach in Gestalt kleiner Zeltlein oder Küchlein auf eine Platte gegossen wird; Salpeterküchlein, Prunellsalz, Nitrum praeparatum, Lapis Prunellae.


Salpetrig (W3) [Adelung]


Salpetrig, -er, -ste, adj. et adv. Salpeter enthaltend. Salpetricht, dem Salpeter ähnlich. Im gemeinen Leben pflegt man ein jedes kalkartiges Wasser ein salpetriges Wasser zu nennen.


Salse (W3) [Adelung]


Die Salse, plur. die -n, ein im Hochdeutschen ungangbar gewordenes Wort, welches indessen noch im Oberdeutschen üblich ist, und eigentlich eine scharfe, salzige oder saure Tunke zu den Speisen bedeutet. Eine Knoblauchsalse, von zerstoßenem Knoblauch und Essig, ein Kräutersalse, von zerstoßenen Kräutern und Essig, Brunnkreßsalse, Löffelkrautsalse, Meerrettigsalse, Weinsalse, Johannisbeersalse, Kirschsalse, Hohlundersalse u. s. f. In einem 1501 zu Rom gedruckten Deutsch-Italiänischen Vocabul. wird eine Senfttunke Salse genannt. Nach 2 Mos. 12, 8, und 4 Mos. 9, 11 mußte das Osterlamm mit Salsen gegessen werden, welches eine solche Tunke von bittern Kräutern war, daher Michaelis hier auch statt des im Hochdeutschen unbekanntern Salse sie durch bittere Kräuter umschreibet. Ich schmecke von der ersten Wiege Nichts als ein bittres Salsenmahl, Gryph. In den Apotheken werden zuweilen verdickte Fruchtsäfte, welche mit dem 4ten oder 6ten Theile Zucker zu einem weichen Brey oder zu einer Gallerte gekocht werden, Salsen genannt; mit einem ausländischen Worte Rob. Daher Attichsalse, ein solcher verdickter Attichsaft u. s. f.

Anm. Im Ital. Salsa, woraus es die Deutschen mit der Sache selbst entlehnet haben. Die Franzosen haben vermittelst der ihnen gewöhnlichen Ausstoßung des l daraus ihr Sauce gemacht, eine jede Brühe zu bezeichnen. Salse und Salsa stammen unstreitig von Salz her; entweder so fern in den ältern ungekünstelter Zeiten das Salz der vornehmste Bestandtheil einer Tunke war, oder auch so fern Salz einen jeden Körper von scharfen und bittern Geschmack bedeutet, S. Salat.


Salsendorn (W3) [Adelung]


Der Salsendorn, des -es, plur. die -en, in einigen Gegenden ein Nahme der Berberisstaude, wegen des säuerlichen Geschmackes ihrer Beeren, welche daher in Oberdeutschland häufig zu Salsen gebraucht werden; Berberis dumetorum L.


Salter (W3) [Adelung]


Der Salter, in Niederdeutschen der Psalter, ingleichen der erste Magen des Rindviehes, S. Psalter.


Salvatell-Ader (W3) [Adelung]


Salvatell-Ader, S. Hauptader.


Salve (W3) [Adelung]


Die Salve, plur. die -n, die Abfeuerung mehrerer Feuergewehre oder Kanonen auf Ein Mahl, so fern sie eine Art der Begrüßung ist. Eine Salve geben, d. i. schießen. Drey Salven geben. In weiterer Bedeutung auch eine jede Abfeuerung mehrerer Gewehre oder Kanonen zugleich. Aus der lateinischen Grußformel salve! daher dieses Wort im Österreichischen auch ungewissen Geschlechtes ist, das Salve.


Salz (W3) [Adelung]


Das Salz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, in der weitesten, aber nur in der Naturgeschichte und Naturlehre üblichen Bedeutung, ein jeder trockner Körper, welcher sich im Wasser auflösen läßt, und einen Geschmack hat, in welchem Verstande auch der Zucker ein Salz genannt wird. In engerer und gewöhnlicher Bedeutung ist das Salz ein mineralischer Körper, welcher sich im Wasser auflösen läßt, und seinen eigenen scharfen Geschmack hat, der sich nur empfinden, nicht aber beschreiben läßt. Man hat sehr viele Arten des Salzes, welche insgesammt unter die drey Classen des alkalischen oder laugenartigen Salzes, des sauren Salzes und des Mittelsalzes gebracht werden können. Im engsten und gewöhnlichsten Verstande verstehet man unter Salz schlechthin dasjenige Mittelsalz, dessen man sich zur Würzung der Speisen bedienet, und welches zum Unterschiede auch Kochsalz, Küchensalz, Speisesalz und gemeines Salz genannt wird. 1) Eigentlich, wo dieses Salz wiederum entweder Steinsalz, oder Boj- und Seesalz, oder Quellensalz, Brunnensalz, gesottenes Salz ist, da man denn diejenige Art, deren man sich in einer Gegend oder zu einem Gebrauche gewöhnlich bedienet, nur Salz schlechthin heißt. Salz graben, das Steinsalz auf bergmännische Art aus der Ende gewinnen. Salz sieden, aus der Sohle oder dem natürlichen Salzwasser das Salz durch Einkochung und Abdünstung des Wassers und durch veranstaltete Krystallisation der Salztheilchen erhalten. Mit Salz würzen. Salz und Brot, eine Benennung der einfachsten und spärlichsten Kost. Fleisch in das Salz hauen, es in Stücke hauen, damit es eingesalzen werden könne; daher die im gemeinen Leben übliche figürliche R. A. jemanden bey einem andern in das Salz hauen, ihn bey demselben verleumden. 2) Figürlich. Eure Rede sey mit Salz gewürzet, Col. 4, 6, sie sey eindringend, damit sie die verlangte Wirkung thue. Ein sinnreicher und mit Salz gewürzter Scherz. In engerer Bedeutung ist Salz oft ein beißender Witz.

Anm. Schon bey dem Ottfried Salz, im Niederdeutschen mit dem t statt des z Solt, bey dem Ulphilas Salt, im Engl. Salt, im Holländ. Sout, im Schwed. und Isländ. Salt, in andern Sprachen ohne Endlaut, wie im Latein. Sal, im Engl. Sal und Salt, im Franz. Sel, im Pohln. Sol, im Böhm Sül, im Wallis. mit dem Hauchlaute statt des Zischlers Halen, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Nicht von dem nordischen Sal, Salt, das Meer, sondern wegen seines scharfen beißenden Geschmackes, daher auch saure Dinge in manchen Sprachen Sal genannt werden. ( S. Sahl, Salat, Salse, Sohle und Sülze.)


Salzader (W3) [Adelung]


Die Salzader, plur. die -n, eine Ader in der Erde, welche Salz enthält, sie enthalte nun Steinsalz oder auch Salzsohle.


Salzamt (W3) [Adelung]


Das Salzamt, des -es, plur. die -ämter, in denjenigen Ländern, wo der Salzhandel ein Regal des Landesherrn ist, ein Amt, d. i. Collegium dazu verordneter Personen, welches den Verkauf des Salzes besorget.


Salzbereiter (W3) [Adelung]


Der Salzbereiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein obrigkeitlicher Diener, welcher die Straßen bereitet, die Unterschleife der Salzsuhrleute zu hindern; von reiten, equitare.


Salzberg (W3) [Adelung]


Der Salzberg, des -es, plur. die -e, ein Berg, welcher vieles Steinsalz enthält.


Salzblumen (W3) [Adelung]


Die Salzblumen, sing. inus. sublimirtes Salz. Auch zarte Salztheilchen, welche sich in den Salzkothen mit den Dünsten absondern, und sich wie ein zartes Eis an die Fenster hängen.


Salzbohne (W3) [Adelung]


Die Salzbohne, plur. die -n, eingemachte und eingesalzene Schminkbohnen; sauere Bohnen.


Salzbrodem (W3) [Adelung]


Der Salzbrodem, des -s, plur. inus. in den Salzkothen, der Dampf, welcher im Sieden der Salzsohle von derselben aufsteigt.


Salzbrühe (W3) [Adelung]


Die Salzbrühe, plur. die -n, eine Brühe, deren vornehmster Bestandtheil Salz ist. Die Salzbrühe von eingesalzenem Fleische u. s. f. wird im gemeinen Leben auch Lake, Bökel oder Pekel, und Sulze genannt, S. das letztere.


Salzbrunnen (W3) [Adelung]


Der Salzbrunnen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Brunnen, welcher Salzsohle oder salziges Wasser enthält.


Salzbund (W3) [Adelung]


* Der Salzbund, des -es, plur. car. eine ungewöhnliche, nur in der Deutschen Bibel 2 Chron. 13, 5, befindliche Benennung eines dauerhaften unvergänglichen Bundes; ohne Zweifel, weil das Salz die animalischen Körper und ihre Theile vor der Fäulniß bewahret.


Salzen (W3) [Adelung]


Salzen, verb. reg. act. nur daß es im Mittelworte nicht gesalzet, sondern gesalzen hat, mit Salz würzen, mit Salz bestreuen. Die Speisen salzen. Die Speise ist sehr gesalzen. Gesalzene Butter, im Gegensatze der ungesalzenen. Steinsalz salzet besser als Brunnensalz. Figürlich ist gesalzen im gemeinen Leben so viel wie sehr theuer. Daher das Salzen. Anm. Bey dem Ottfried salzan, im Tatian silzan, im Nieders. solten, bey dem Ulphilas saltan, im Schwed. salta, im Angels. syltan. Aus dem irregulären Mittelworte gesalzen erhellet, daß das Zeitwort selbst ehedem irregulär gewesen seyn müsse, wohin auch die jetzt gedachte Form silzan im Tatian und unser Sulze und Sülze gehören.


Salzerde (W3) [Adelung]


Die Salzerde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, die dem Salze beygemischte feine Erde. Ingleichen eine mit vielen Salztheilchen geschwängerte Erde.


Salzfaß (W3) [Adelung]


Das Salzfaß, des -sses, plur. die -fässer, Diminut, das Salzfäßchen, Oberd. Salzfäßlein. 1) Ein Faß, d. i. großes, rundes, aus Dauben verfertigtes hölzernes Gefäß. Salz darin aufzubehalten oder zu verführen. 2) Ein kleines Gefäß von Glas, Metall u. s. f. von mancherley Gestalt, das zu den Mahlzeiten nöthige Salz darin auf den Tisch zu setzen; in Thüringen, der Lausitz, u. s. f. die Salzmäste. 3) Auch ein vierecktes mit einem Deckel versehenes Behältniß, das in den Küchen nöthige Salz bey der Hand zu haben, wird so wohl ein Salzfaß, als eine Salzmäste genannt.


Salzfluß (W3) [Adelung]


Der Salzfluß, des -sses, plur. die -flüsse, ein Ausschlag auf der Haut, welcher eine salzige Feuchtigkeit von sich gibt, und wenn er abtrocknet, eine weiße, dem Salze ähnliche Rinde bekommt.


Salzgast (W3) [Adelung]


Der Salzgast, des -es, plur. die -gäste, eine in den Salzwerken und Salzkothen übliche Benennung derjenigen, welche das Salz daselbst kaufen und abhohlen, S. Gast.


Salzgeist (W3) [Adelung]


Der Salzgeist, des -es, plur. inus. in der Chemie, der durch das Feuer von dem Salze, besonders von dem Kochsalze in flüssiger Gestalt abgesonderte geistigte Theil; Spiritus Salis.


Salzgraf (W3) [Adelung]


Der Salzgraf, des -en, plur. die -en, in einigen Gegenden, der oberste Vorgesetzte eines Salzwerkes, welcher an manchen Orten auch der Salzgräfe heißt. S. Graf.


Salzgrube (W3) [Adelung]


Die Salzgrube, plur. die -n, ein Ort, wo Steinsalz aus der Erde gegraben wird; bey dem Notker Salzcruobe, in einigen Oberdeutschen Gegenden die Sille, S. Sohle.


Salzhandel (W3) [Adelung]


Der Salzhandel, des -s, plur. car. der Handel mit Salz; daher der Salzhändler, Fämin. die Salzhändlerinn.


Salzhaus (W3) [Adelung]


Das Salzhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Gebäude, in welchem das Salz zum weitern Verkaufe aufbewahret wird; die Salzniederlage.


Salzhecht (W3) [Adelung]


Der Salzhecht, des -es, plur. die -e, ein eingesalzener Hecht. Da man nur die großen Hechte einzusalzen pflegt, so werden zuweilen auch alle große Hechte Salzhechte, Bökelhechte und Tonnenhechte genannt.


Salzicht (W3) [Adelung]


Salzicht, -er, -ste, adj. et adv. dem Salze ähnlich, ein wenig salzig.


Salzig (W3) [Adelung]


Salzig, -er, -ste, adj. et adv. Salz, und in engerer Bedeutung, vieles Salz enthaltend, und solches durch den Geschmack verrathend. Salzig schmecken. Zu salzig seyn. Salziges Wasser. Von den Speisen gebraucht man dieses Wort nicht gern, wohl aber gesalzen. Im Nieders. nur solt. So auch die Salzigkeit.


Salzjunker (W3) [Adelung]


Der Salzjunker, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Salzwerken, diejenigen Patricii oder Adelige, welche einen eigenthümlichen Antheil an einem Salzwerke haben, und welche mit einem allgemeinen Ausdrucke auch Pfänner heißen.


Salzkloß (W3) [Adelung]


Der Salzkloß, des -es, plur. die -klöße, in der Landwirthschaft, Klöße von Salz, Ofenlehm und allerley Gesame, die Tauben damit anzulocken.


Salzknecht (W3) [Adelung]


Der Salzknecht, des -es, plur. die -e, geringe Arbeiter, welche in den Salzkothen den Wirkern als Knechte untergeordnet sind.


Salzkorb (W3) [Adelung]


Der Salzkorb, des -es, plur. die -körbe, in der Salzkothen, zugespitzte große Körbe, worein das gekörnte Salz geschlagen wird, damit das übrige Wasser davon ablaufen könne.


Salzkorn (W3) [Adelung]


Das Salzkorn, des -es, plur. die -körner, Diminut das Salzkornchen, Oberd. Salzkörnlein, ein kleiner fester Theil des Salzes, eines von denjenigen krystallinischen Körner, woraus das Salz bestehet.


Salzkothe (W3) [Adelung]


Die Salzkothe, plur. die -n, in den Salzwerken, eine Kothe, d. i. Hütte, in welcher das gemeine Küchensalz aus der Salzsohle bereitet wird; bey einigen im ungewissen Geschlechte, das Salzkoth, in einigen Oberdeutschen Gegenden das Sülzhaus, in Frankenhausen die Sölde, in einer alten Kaltenvornischen Klosterurkunde von 1179 Panstedhel, Pfannstädte zu Salzungen die Nap- pe, welches vermuthlich zunächst die Pfanne bedeutet, worin das Salz gesotten wird, und zu unsern Napf gehöret.


Salzkraut (W3) [Adelung]


Das Salzkraut, des -es, plur. inus. 1) Eine Pflanze, welche an dem Meerufer und andern salzigen Gegenden wächset, und aus deren Asche, das unter dem Nahmen der Pottasche und Soda bekannte alkalische Salz bereitet wird; Salsola L. besonders dessen Salsola Kali und Salsola Soda. Der Salzstrauch, Salsola fruticosa L. ist gleichfalls eine Art davon, nur daß er als ein aufrechter Strauch wächset. 2) Das Glasschmalz, Salicornia L. welches gleichfalls viele Salztheile enthält, und aus deren Asche ein feuerbeständiges Laugensalz bereitet wird, ist bey vielen gleichfalls unter diesem Nahmen bekannt; so wie 3) einige Arten des Gänsefußes, Chenopodium maritimum und hirfutum L. welche gleichfalls viel Salz bey sich führen.


Salz-Krystalle (W3) [Adelung]


Die Salz-Krystalle, plur. die -n, eine von denjenigen Krystallen, worin das Salz nach genugsamer Verdickung der Sohle anzuschießen, oder, wie man in den Salzkothen sagt, sich zu körnen pflegt.


Salzkuchen (W3) [Adelung]


Der Salzkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, eine Art Kuchen vom groben Weitzen- oder Rockenmehle, welche mit Salz bestreuet werden.


Salzlake (W3) [Adelung]


Die Salzlake, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, in einigen Gegenden, besonders Niederdeutschlandes, die salzige Brühe von eingesalzenem Fleische, Häringen u. s. f. welche auch nur die Lake schlechthin, ingleichen die Salzbrühe genannt wird. S. Lake.


Salzlecke (W3) [Adelung]


Die Salzlecke, plur. die -n, in dem Jagdwesen und der Landwirthschaft, der Ort, wo man dem zahmen Viehe oder dem Wildbrete Salz zu lecken gibt, und die Salzmasse, an welcher man sie zu ihrer Gesundheit lecken läßt; bey den Jägern auch die Sulze, die Beitze. Oft ist die Sulze ein Stück Steinsalz, am häufigsten aber eine Masse aus altem Lehm, welcher mit Salz oder Häringslake durchknetet ist.


Salzmarkt (W3) [Adelung]


Der Salzmarkt, des -es, plur. die -märkte, in einigen Städten, ein Marktplatz, wo Salz verkaufet wird.


Salzmarmor (W3) [Adelung]


Der Salzmarmor, des -s, plur. Doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein klein gefleckter Marmor, welcher mit weißem Glimmer in Gestalt der Salzkörner durchsetzt ist.


Salzmäste (W3) [Adelung]


Die Salzmäste, plur. die -n, S. Salzfaß.


Salzmesser (W3) [Adelung]


Der Salzmesser, des -s, plur. ut nom. sing. im Salzhandel, eine verpflichtete Person, welche den Käufern das Salz zumißt.


Salzordnung (W3) [Adelung]


Die Salzordnung, plur. die -en, eine obrigkeitliche Verordnung, in Ansehung der Verfertigung des Salzes, des Handels mit demselben u. s. f.


Salzpfanne (W3) [Adelung]


Die Salzpfanne, plur. die -n, eine viereckte Pfanne, worin die Salzsohle bis zu einer gewissen Dicke eingekocht wird, damit sich das darin befindliche Salz krystallisiren könne.


Salzprobe (W3) [Adelung]


Die Salzprobe, plur. die -n, die Untersuchung des Salzerhaltes einer Sohle oder eines salzigen Wassers. Ingleichen das Werkzeug, womit dieser Gehalt erforschet wird. S. Salzwage.


Salzquelle (W3) [Adelung]


Die Salzquelle, plur. die -n, eine Quelle, welche Sohle, d. i. salziges Wasser, gibt.


Salzsäule (W3) [Adelung]


Die Salzsäule, plur. die -n, ein nur in der Deutschen Bibel befindliches Wort, wo Loths Weib nach 1 Mos. 19, 26, wegen ihres Ungehorsams in eine Salzsäule verwandelt ward. In Michaelis Übersetzung heißt diese Stelle begreiflicher: Loths Frau aber sahe zurück, und ihr ist ein Salzhaufen zum Denkmahl aufgerichtet, weil das Salz in dieser Gegend in überaus großer Menge befindlich ist.


Salzschank (W3) [Adelung]


Der Salzschank, des -es, plur. inus. der Verkauf des Salzes in Kleinen. Daher der Salzschenke, der es im Kleinen verkauft, Siehe Schenken.


Salzscheibe (W3) [Adelung]


Die Salzscheibe, plur. die -n, in dem Salzwerke zu Halle, ein hölzernes Gefäß in Gestalt eines halben Fasses von Böttcherarbeit, worin das Salz verführet wird. S. Scheibe.


Salzschlag (W3) [Adelung]


Der Salzschlag, des -es, plur. doch nur von mehreren Arten, die -schläge, ein von einigen Übersetzern Schwedischer Schriften ohne Noth aus dem Schwedischen bey behaltenes Wort, körnige Gesteinarten zu bezeichnen; Schwed. Saltslag, wegen der Ähnlichkeit mit den Salzkörnern.


Salzschmant (W3) [Adelung]


Der Salzschmant, des -es, plur. doch nur von mehreren Arten, die -e, in den Salzwerken, der Schmant, d. i. die Unreinigkeit in der Sohle, welche sich bey den Kochen als ein Schaum oben aufsetzet. S. Schmant.


Salzschöpp (W3) [Adelung]


Der Salzschöpp, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, S. Salzstein.


Salzschrape (W3) [Adelung]


Die Salzschrape, plur. die -n, in den Salzwerken, Schrapen in Gestalt der Pferdestriegeln, den Schmutz von den Stücken Salz, wenn sie lange auf den Trockenböden gestanden, damit abzuscharren. Vom Niederd. schrapen, scharren.


Salzschreiber (W3) [Adelung]


Der Salzschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige welcher bey einem Salzamte, oder einer Anstalt, wo Salz auf Rechnung der Obrigkeit verkauft wird, das Amt eines Schreibers verwaltet.


Salzschwaden (W3) [Adelung]


Der Salzschwaden, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut. nom. sing. ein in den Salzwerken auch für Salzbrodem übliches Wort.


Salzschweiß (W3) [Adelung]


Der Salzschweiß, des -es, plur. die -e, salziges oder mit Salztheilchen geschwängertes Wasser, welches nicht wie eine Quelle fließet, sondern nur aus den Klüften, Ritzen u. s. f. gleichsam aus schwitzet, daher es auch nicht den Nahmen der Sohle verdienet.


Salzsieder (W3) [Adelung]


Der Salzsieder, des -s, plur. ut nom. sing. diejenigen, deren Geschäft es ist, das Kochsalz durch Sieden aus der Sohle zu bereiten und welche auch Wirker oder Salzwirker, in Lüneburg Sülzer, in Halle Halloren genannt werden.


Salzsiederey (W3) [Adelung]


Die Salzsiederey, plur. die -en, eine Anstalt, wo Salz aus Sohle gesotten wird, welches doch am häufigsten ein Salzwerk genannt wird.


Salzsohle (W3) [Adelung]


Die Salzsohle, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, Quellwasser, welches mit Salz geschwängert ist, und in engerer Bedeutung, welches so viel Salz bey sich führet, daß dieses mit Vortheil daraus gesotten werden kann. S. Sohle.


Salzspindel (W3) [Adelung]


Die Salzspindel, plur. die -n, S. Salzwage.


Salzstätte (W3) [Adelung]


Die Salzstätte, plur. die -n, in den Salzwerken, ein erhöheter Ort von der Erde bey der Salzpfanne, auf welchem das Salzin Körben getrocknet wird.


Salzstein (W3) [Adelung]


Der Salzstein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, die der Salzsohle beygemischte Kalkerde, welche sich im Sieden in Gestalt eines Steines an die Pfannen anlegt, und auch Schepp, Schöpp oder Salzschöpp, Pfannenstein genannt wird.


Salzsteuer (W3) [Adelung]


Die Salzsteuer, plur. die -n, eine Steuer, welche von den Salzwerken, so fern sie Privatpersonen gehören, gegeben wird.


Salzstrauch (W3) [Adelung]


Der Salzstrauch, des -es, plur. die -sträuche, S. Salzkraut.


Salzstück (W3) [Adelung]


Das Salzstück, des -es, plur. die -e, in den Salzwerken, so viel Salz als in einer Pfanne auf Ein Mahl gesotten, welches auch ein Korb Salz heißt, aber nicht überall von einer und eben derselben Quantität ist. An einigen Orten hält ein solches Stück oder ein Korb zwey bis drey Scheffel, in Schöningen aber nur Eine Metze.


Salzwage (W3) [Adelung]


Die Salzwage, plur. die -n, ein Werkzeug, den Gehalt der Sohle damit zu erforschen, welches einer gewöhnlichen Bierwage gleicht; die Salzprobe, Salzspindel, Salzwage.


Salzwasser (W3) [Adelung]


Das Salzwasser, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut. nom. sing. ein salziges, mit Salztheilchen geschwängertes Wasser, S. auch Sohle.


Salzwerk (W3) [Adelung]


Das Salzwerk, des -es, plur. die -e, 1) Eine Anstalt, wo das Steinsalz aus der Erde gefördert wird; das Salzbergwerk, die Salzgrube. 2) Eine Anstalt, wo Kochsalz aus der Salzsohle gesotten wird; die Salzsiederey, in Lüneburg die Sülze. In beyden Bedeutungen gebraucht man auch wohl das aus dem Lat. entlehnte Saline.


Salzwirker (W3) [Adelung]


Der Salzwirker, S. Salzsieder.


Sam (W3) [Adelung]


Sam, ein altes Wort, welches die Deutsche Sprache mit vielen andern gemein hat, und welches vornehmlich in einem doppelten Hauptverstande vorkommt. 1. Mit dem Begriffe der Menge, der Vielheit, und deren Verbindung; ein jetzt in dieser Form völlig veraltetes Wort, wovon aber so wohl das Lat. simul, als unser Samen, sammt, sammeln, zusammen, beysammen u. s. f. Abkömmlinge sind. Bey dem Notker ist samoso, zugleich, simul. ( S. die jetzt angeführten Wörter.) Da der Hauch und der Zischlaut mehrmahls in einander übergehen, so gehöret auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, zugleich, mit hierher. Sam ist hier eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, welchen mehrere neben einander befindliche, oder in einen Punct sich vereinigende Dinge verursachen, und wovon unser summen bloß ein Intensivum ist. 2. Mit dem Begriffe der Gleichheit, der Ähnlichkeit, welcher zunächst eine Figur des Lichtes, des Scheines ist, so wie dieses wieder eine von der schnellen Bewegung übertragene Bedeutung ist. Zu der Bedeutung des Lichtes, des Scheines, gehöret unser Sommer, und mit dem stärkeren Zischlaute das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - unser Schemen; ein Bild, Schein, Schatten, und Schimmer, und zu dem davon abstammenden Bilde der Ähnlichkeit das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Lat. similis, Simia, das Engl. to seem, scheinen, Franz. sembler u. a. m. Auf unser sam wieder zu kommen, so war es 1) Ehedem als eine Partikel am üblichsten, welche eine Vergleichung bezeichnete, und für als, wie und das nahe verwandte so gebraucht wurde. So samo stehet bey dem Kero für so wie. Ottfried gebraucht sama für so, also, gleichfalls, und Kero sam - sama für so wohl - als auch, Lat. tam - quam. Ir minneklicher mund Der duhte mih in solher roete Sam ein fuirig flamme entzunt, Markgr. Otto von Brandenburg. Teurdank saget uns alles sam Wie im damit wer geschehen, Theuerd. Will ich thun sam ich gar nit seh, Hans Sachs. Und urtheilt sam sey sie unsinnig, ebend. Doch in dieser Gestalt ist es im Hochdeutschen veraltet, und wir gebrauchen es 2) Nur noch in Zusammensetzungen, wo dieses sam gewissen Hauptwörtern, Zeitwörtern und Partikeln angehänget wird, Bey- und Nebenwörter daraus zu bilden, welche eigentlich und zunächst eine Ähnlichkeit mit dem in der ersten Hälfte bezeichneten Subjecte andeuten. Arbeitsam, bedachtsam, genügsam, achtsam, aufmerksam, betriebsam, behutsam, biegsam, folgsam, gewaltsam, wegsam, grausam, rathsam, sparsam, wachsam, sorgsam, erfindsam, tugendsam, ehrsam, mühsam, heilsam, friedsam, empfindsam, gleichsam, genugsam, langsam, seltsam, sattsam, bey welchen letztern, welche mit Partikeln zusammen gesetzt sind, es zunächst die Art und Weise bezeichnet, welche die Partikel an und für sich allein nicht ausdrucken können. In einsam ist es noch nicht ausgemacht, ob es hierher oder zu einem andern Stamme gehöre, S. dieses Wort. Ich sage, die Ableitungssylbe bedeute eigentlich und zunächst eine Ähnlichkeit; denn nach sehr bekannten Figuren, bekommt sie oft andere Bedeutungen. Denn sie bezeichnet zuweilen (1) eine Fertigkeit, dasjenige zu thun, oder eine Fähigkeit, dasjenige zu leiden, was das Subject in der ersten Hälfte der Zusammensetzung ausdruckt. Arbeitsam, Fertigkeit besitzend, zu arbeiten, mühsam, Fertigkeit besitzend, keine Mühe zu achten, genügsam, Fertigkeit besitzend, sich genügen zu lassen, erfindsam, geschickt etwas zu erfinden, biegsam, fähig sich biegen zu lassen u. s. f. (2) Dasjenige wirklich habend, mit demselben verbunden, was die erste Hälfte der Zusammensetzung besaget. Mühsam, mit Mühe verbunden, Mühe verursachend, bedachtsam, Bedacht nehmend oder anwendend, sorgsam, Sorge wagend, tugendsam, Tugend besitzend, tugendhaft u. s. f. Sam hat die Bedeutungen mit der Sylbe -lich gemein, von welcher es in der Bedeutung nicht verschieden ist, daher es auch häufig für dieselbe gesetzt wird. Friedsam und friedlich sind im Grunde doch einerley, für dienlich sagt man auch diensam, für gemächlich in einigen Bedeutungen gemachsam, für wunderlich in seiner veralteten eigentlichen Bedeutung auch wundersam, für empfindlich, so fern es Leichtigkeit im empfinden bedeutet, auch empfindsam, für nachdrücklich ist im Oberdeutschen nachdrucksam üblich, für löblich sagte man ehedem lobsam, lobesan u. s. f. Herr Ramler hatte diese Uebereinstimmung in seiner Ausgabe des Batteux bereits eingesehen; ein Recensent läugnete dieselbe in der neuen Hamburger Zeitung, und führete z. B. fürchterlich und furchtsam, gräulich und grausam, empfindlich und empfindsam, bildlich und bildsam an. Allein in den beyden ersten Beyspielen ist das Subject verschieden, wie schon aus den verschiedenen Formen erhellet, in dem dritten übersiehet derselbe die erste eigentliche Bedeutung des Wortes empfindlich, welche noch nicht veraltet ist, und im vierten findet wieder eine Verschiedenheit des Subjectes Statt, denn in bildlich ist die erste Hälfte das Hauptwort Bild, in bildsam aber, welcher doch wenig gebraucht wird, ist es das Zeitwort bilden. Freylich hat der Gebrauch die mit -lich und -sam gebildeten Wörter auf mancherley Art bestimmt und eingeschränkt, daher man nun nicht allemahl eines für das andere setzen kann; allein in der ersten eigentlichen Bedeutung kommen sie doch mit einander überein. Eben um deßwillen ist es auch nicht ohne alle Einschränkung erlaubt, neue Wörter vermittelst dieser Ableitungssylbe zu bilden, obgleich solches in einigen Fällen Statt finden kann. So hat das von einigen Neuern gebildete Wort überlegsam nichts, was die Analogie oder das Gehör beleidigte. Übrigens ist diese Sylbe in der Prosodie lang. Die dadurch gebildeten Beywörter leiden die Comparation, und lassen in derselben das a unverändert; mühsamer, mühsamste. Ehedem bildete man von diesen Beywörtern vermittelst des angehängten e sehr häufig Hauptwörter, das Abstractum, den Zustand, zu bezeichnen, welche denn ganz natürlich weiblichen Geschlechtes waren. Die meisten davon sind veraltet, einige sind im Hochdeutschen ungangbar, aber noch im Oberdeutschen üblich. Die Gerechtsame, die Gewahrsame, das Oberdeutsche Gewaltsame. Diese Hauptwörter kommen mit den auf - schaft überein, und da diese figürlich auch oft ein Concretum bedeuten, so geschiehet solches auch zuweilen mit jenen. Die Bauersame ist im Oberdeutschen die Bauerschaft, die sämmtlichen Bauern eines Dorfes, einer Gegend, die Genossame, die Genossenschaft, wohin auch unser Gerechtsame für Befugniß gehöret. Der Gehorsam macht hier jetzt eine Ausnahme von der Regel; allein ehedem war es rich- tiger im weiblichen Geschlechte üblich, die Gehorsame, welches Geschlecht den Abstractis ihrer Natur nach zukommt. Das Oberd. der Genossam, für ein Genoß, ein Glied einer Genossame, würde eine noch merkwürdigere Ausnahme machen, wenn es nicht verdächtig wäre. Statt dieser Hauptwörter, welche wie gesagt, größten Theils veraltet sind, sind die vermittelst der Nachsylbe -keit gebildeten Hauptwörter üblicher, welche die meisten Beywörter auf - sam annehmen können. Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Bedachtsamkeit, Rathsamkeit, Biegsamkeit, Folgsamkeit, Grausamkeit, Arbeitsamkeit, Sparsamkeit, Wachsamkeit, Erfindsamkeit, Empfindsamkeit, Mühsamkeit, Heilsamkeit, Einsamkeit, Langsamkeit, Seltsamkeit u. s. f. Einige wenige verstatten selbige nicht, besonders diejenigen, welche nur als Nebenwörter üblich sind, wie gleichsam, genugsam und sattsam. Von Gelehrsamkeit ist das Beywort gelehrsam ungangbar geworden, es war aber ehedem üblich.


Same (W3) [Adelung]


Der Same, des -ns, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n. 1. Eigentlich, diejenigen Theile der Gewächse, welche nach der Blüthe zum Vorschein kommen, und voraus wieder andere Gewächse eben derselben Art erzeuget werden. Samen bringen, tragen. In der weitesten Bedeutung können alle diese Theile, sie haben übrigens eine Gestalt welche sie wollen den Nahmen des Samens führen, und alsdann gehören auch die Nüsse, und besonders ihre Kerne, mit dahin. Allein in engerer und gewöhnlicherer Bedeutung wird nur der aus eigentlichen Körnern bestehende Same mit diesem Nahmen belegt, obgleich bey den eigentlichen Früchten und Beeren auch das Wort Kern üblich ist. 1) Im eigentlichen Verstande. Der Flachssame, Hanfsame, Kohlsame, Rübensame, u. s. f. Das Senfkorn ist das kleinste unter allen Samen, Matth. 13, 32. Einen Samen säen. Der Same gehet auf. Von den Getreidearten gebraucht man dieses Wort nur in so fern, als sie zur Fortpflanzung ihres Geschlechtes bestimmt sind. Den Samen ausstreuen, säen. Obgleich auch hier die zusammen gesetzten Samenkorn, Samengerste, Samenerbsen u. s. f. üblicher sind, wofür man auch Saatkorn, Saatgerste u. s. f. sagt. Same ist ein Collectivum; soll ein einzelnes Korn bezeichnet werden, so setzet man das Wort Korn daran, zwey Samenkörner. 2) Figürlich. (a) In einigen Gegenden wird auch das grüne Getreide, ehe es schosset, Samen genannt, wofür man in Ober- und Niedersachsen Saat sagt. Der Same stehet schön, das junge Getreide, die Frucht. (b) Der Same des göttlichen Wortes, der Samen guter Lehren, so fern sie nach ihrer Bekanntmachung Frucht bringen, d. i. heilsame Wirkungen haben können und sollen. Auch der erste Anfang zu sittlichen Veränderungen, die Fähigkeit dazu, die wirkende oder veranlassende Ursache derselben, wird oft ihr Same genannt. Kinder müssen den Samen einer frühen Tugend nicht unter dem Unkraute der falschen Meinungen - ersticken lassen, Gell. Der Same alles Bösen ist Finsterniß Herd. wo doch die Figur ein wenig hart ist. 2. In weiterer Bedeutung, diejenige flüssige Materie, wodurch das Geschlecht der Menschen und Thiere fortgepflanzet wird. 1) Eigentlich. Der männliche Same, diejenige Flüssigkeit, womit ein männlicher Körper den weiblichen befruchtet. Der weibliche Same, eine ihm ähnliche Flüssigkeit in den weiblichen Körpern, welcher aber keine befruchtende Kraft hat. 2) Figürlich. (a) Die junge Brut der Fische und mancher Insecten wird sehr häufig der Same genannt. Von den Fischen gebraucht man dieses Wort bis sie zwey Jahr alt sind. (b) In der Deutschen Bibel bezeichnet dieses Wort sehr häufig die Nachkommen. Im Deutschen ist diese morgenländische Figur ungewöhnlich.

Anm. 1. Im Hüttenbaue kommt dieses Wort noch in einer doppelten Bedeutung vor, wo es aber noch ungewiß ist, ob es nicht vielmehr zu andern Stämmen gehöret. Bey den Seigern werden diejenigen Schlacken, welche noch Metall enthalten, der Same genannt, wo es allenfalls eine Figur von der ersten Bedeutung seyn könnte. Eben daselbst heißt die flache Grube in den Pochwerken unter dem Planenherde, in welcher der abfallende Schlich aufgefangen wird, der Same, wo der Begriff eines hohlen Raumes der herrschende zu seyn scheinet, dessen dieses Wort, als ein ursprünglicher Ausdruck einer gewissen schnellen Bewegung, wie alle andere Wörter dieser Art, gar wohl fähig ist. 2. Dieses Wort lautet schon im Isidor Sami, bey dem Notker Samo, im Lat. Semen, im Böhm. Syme, Semeno, im Pohlnischen Siemie, im Dalmat. Szime, im Türkischen Sembil, und selbst in der alten Ägyptischen Sprache Dsom und Som. Es stammet von säen ab; welches den mit dieser Handlung verbundenen Laut nachahmet, daher auch Same ursprünglich das Geräusch, das Samen oder Sammen mehrerer bey einander befindlicher Dinge gewisser Art ausdruckt. ( S. Sam und Säen.) Mit einem andern Endlaute ist dafür im Nieders. und in den verwandten Sprachen Saat üblich, ( S. dasselbe,) das doppelte a, welches einige Neuere in diesem Worte einzuführen gesucht, hat nichts zu seiner Vertheidigung. Bey vielen lautet dieses Wort in der ersten Endung Samen. Im Hochdeutschen ist dieses ungewöhnlich, obgleich die folgende Endungen dieses n behalten.


Samenader (W3) [Adelung]


Die Samenader, plur. die -n, in der Anatomie, diejenigen Adern, welche den männlichen Samen in die Samengefäße bringen, oder das Blut zu denselben führen; in welchem Falle sie wieder in Blut- und Pulsadern getheilet werden.


Samenbaum (W3) [Adelung]


Der Samenbaum, des -es, plur. die -bäume, im Forstwesen, diejenigen Bäume, welche zur Besamung oder zur Fortpflanzung auf den Gehauen stehen bleiben, und auch Mutterbäume oder Schlaghüther genannt werden.


Samenblatt (W3) [Adelung]


Das Samenblatt, des -es, plur. die -blätter, die ersten Blätter, welche aus dem Kerne des vegetabilischen Samen hervor wachsen; Folia seminalia.


Samenbruch (W3) [Adelung]


Der Samenbruch, des -es, plur. die -brüche, in der Chirurgie, eine Art des Bruches; welche aus allzu starker Anhäufung des männlichen Samens entstehet.


Samenfluß (W3) [Adelung]


Der Samenfluß, des -sses, plur. doch nur von mehrern Arten, die -flüsse, der Abfluß des männlichen Samens. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist es eine Krankheit, bey welcher der Same wider Willen des Kranken beständig abfließet; Gonorrhea, im gemeinen Leben der Tripper.


Samengefäß (W3) [Adelung]


Das Samengefäß, des -es, plur. die -e, in der Anatomie, alle Gefäße in dem menschlichen und thierischen Körper, welche den Samen in sich enthalten, und wovon einige auch Samenbehälter und Samenbläschen, Vesiculae seminales, genannt werden.


Samengehäuse (W3) [Adelung]


Das Samengehäuse, des -s, plur. ut nom. sing. an den Pflanzen und Gewächsen, dasjenige Gehäuse, welches den eigentlichen Samen in sich schließet, Pericarpium L. und welches entweder eine Capsel, Schote, Hülse, Nuß, Beere, Frucht oder ein Fruchtbalg ist.


Samenholz (W3) [Adelung]


Das Samenholz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -hölzer. Im Forstwesen, 1) Holz, welches zur Besamung auf den Gehauen stehen bleibt; ohne Plural. 2) Jede Holzart, welche weder Frucht noch Mast, sondern Samen im engsten Verstande trägt.


Samenkelch (W3) [Adelung]


Der Samenkelch, des -es, plur. die -e, an gewissen Pflanzen und Blumen, das äußerste Samengehäuse, wenn es die Gestalt eines Kelches hat, wie z. B. bey den Nelken.


Samenknopf (W3) [Adelung]


Der Samenknopf, des -es, plur. die -knöpfe, ein Samengehäuse der Pflanzen, in Gestalt eines Knopfes.


Samenkorn (W3) [Adelung]


Das Samenkorn, des -es, plur. die -körner. 1) Einzelne Körner des vegetabilischen Samens. 2) Korn, d. i. Getreide, und engerer Bedeutung, Rocken, welcher zum Säen bestimmt ist, ohne Plural, als ein Collectivum; Saatkorn. So auch Samengerste, Samenweitzen, Samenerbsen u. s. f.


Samenkraut (W3) [Adelung]


Das Samenkraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche in den Seen, Flüssen und Wassergräben wächst, und auch Froschlactuk, Froschlattich genannt wird; Potamogeton L. Samkraut.


Samenlode (W3) [Adelung]


Die Samenlode, plur. die -n, im Forstwesen, Loden, d. i. junge Bäume, welche aus dem Samen aufgewachsen sind; Samenreiser. S. Lode.


Samenmilch (W3) [Adelung]


Die Samenmilch, plur. car. in den Apotheken, ein der Milch ähnliches flüssiges Wesen, welches aus zerstoßenen öhligen Samen mit einem wässerigen Wesen bereitet wird, dergleichen z. B. die Mandelmilch ist; Emulsio.


Samenmöhre (W3) [Adelung]


Die Samenmöhre, plur. die -n, bey den Gärtnern, Möhren, welche man zur Fortpflanzung, zur Besamung, oder auch um des Samens willen in der Erde stehen läßt. So auch Samenrüben, Samengurken, Samenzwiebeln, Samenkohl, Samennelken u. s. f. Die letztern werden auch Mutternelken oder Samenmütter genannt.


Samenreis (W3) [Adelung]


Das Samenreis, des -es, plur. die -er, S. Samenlode.


Samenschule (W3) [Adelung]


Die Samenschule, plur. die -n, bey den Gärtnern, eine Baumschule, in welcher man Obstbäume aus den Samen ziehet; zum Unterschiede von einer Pfropfschule.


Samenstängel (W3) [Adelung]


Der Samenstängel, des -s, plur. ut nom. sing. an den Gewächsen, derjenige Stängel, welcher den Samen trägt.


Samenstaub (W3) [Adelung]


Der Samenstaub, des -es, plur. car. an den männlichen Blumen der Pflanzen, ein zarter, an den Staubfäden befindlicher Staub, welcher die Staubwege der weiblichen Blumen befruchtet; Pollen L.


Samenthierchen (W3) [Adelung]


Das Samenthierchen, des -s, plur. ut nom. sing. sing. kleine, dem bloßen Auge unsichtbare, lebendige Thierchen, woraus der männliche Same der Menschen und Thiere bestehen soll; Animalcula spermatica.


Sämerey (W3) [Adelung]


Die Sämerey, plur. die -en, mehrere Arten vegetabilischen Samens; das Gesäme. Mit Sämmereyen handeln, mit allerley Arten von Samen.


Samig (W3) [Adelung]


Samig, adj. et adv. welches nur in einigen Zusammensetzungen üblich ist. Einsamige Beeren, welche nur Einen Kern, oder Ein Samenkorn enthalten.


Sämisch (W3) [Adelung]


Sämisch, adj. et adv. welches nur mit dem Hauptworte Leder üblich ist, oder doch dasselbe voraus setzet. Sämisches Leder, eine Art sehr weichen und geschmeidigen Leders, welches sich wie ein gewebter Zeug behandeln läßt, und auf der rauhen oder linken Seite getragen wird. Es wird von den Weißgärbern mit Mehl, Alaun und Weinstein, so wohl aus Schaf- Ziegen- Gems- und Kalbfellen, als auch aus Ochsen- Hirsch- Reh- und Elendshäuten zubereitet, und zu Colletten, Beinkleidern, Gewehrgehenken, Handschuhen u. s. f. verarbeitet. Man nennet es auch fettgares Leder, weil es nach dem Beitzen und Walken mit Öhl geschmieret und gewalket wird. Man hat es von allerley Farben; doch ist die weißgelbe die gewöhnlichste, und dieß hat vermuthlich Luthern veranlasset, Ezech. 16, 10, semische Schuhe zu setzen, wo bey den 70 Dolmetschern das Wort - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - steht, welches zwar bey uns jetzt einen blauen Edelstein bezeichnet, bey den Alten aber, dem Plinius zu Folge, aureo colore lucens pretiosus lapis war.

Anm. Im Holländ. Seem und Seemleder, im Schwedischen samsk, im Französ. als ein Hauptwort Chameau, im Pohln. zamesz, im Böhmischen als ein Hauptwort Zamis. Die Abstammung ist noch ungewiß. Junius leitete von Seim, seimig, her, und glaubte, daß die gelbe Farbe der herrschende Begriff wäre, daher es von dem Honigseim, wegen seiner Ähnlichkeit mit dessen Farbe, benannt worden, welcher Ableitung, so unwahrscheinlich sie auch ist, Frisch beypflichtet. Wahrscheinlicher nimmt man die sanfte, gelinde, weiche Beschaffenheit für den Stammbegriff an, indem Seim einen jeden schlüpfrigen, flüssigen Körper bedeutet. ( S. auch Sammet.) Wenigstens eben so wahrscheinlich ist die Ableitung von dem Französ. Chamois, Gems, Ital. Camoccia; weil man ehedem nur das Gemsleder auf diese Art so zugerichtet, daher sämisches Leder im Französ. überhaupt Chameau, Ital. Camozza, heißt. Indessen kommt es noch darauf an, von welchem Volke die Deutschen dieses Leder und dessen Zubereitung empfangen haben. Viele Nahmen der Lederarten und ihrer Zubereitung sind Morgenländisch oder Slavonisch, und es könnte mit diesem Worte auch wohl so seyn.


Sämischgärber (W3) [Adelung]


Der Sämischgärber, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Weißgärber, welche sämisches Leder verfertigen; Französ. Chamoisseur, Pohln. Zamesznik. In Deutschland sind sie von den Weißgärbern nicht verschieden.


Samkost (W3) [Adelung]


Die Samkost, plur. car. nur in einigen Gegenden, diejenige Kost oder Speise, welche ein Eigenthümer selbst bauet, und damit seine Arbeiter ablohnet. Es scheint hier von dem Wend. ssam, eigen selbst, abzustammen.


Samkosten (W3) [Adelung]


Die Samkosten, sing. car. auch nur in einigen Gegenden, gemeinschaftliche Kosten, wozu mehrere ihren Antheil beytragen. So wird die Zubuße im Bergbaue einiger Gegenden noch die Samkosten, und verderbt, die Saumkosten, genannt. Von sam, zusammen, gemeinschaftlich, S. Sam und Sammt.


Samkraut (W3) [Adelung]


Das Samkraut, S. Samenkraut.


Sammelkasten (W3) [Adelung]


Der Sammelkasten, des -e, plur. ut nom. sing. ein Kasten oder weites Behältniß, worin sich das Wasser sammelt, die Cisterne. Auch in den menschlichen und thierischen Körpern, ein Behältniß, in welches die großen Milchadern die Nahrungsmittel zusammen bringen; Cisterna lactea, das Milchbehältniß.


Sammeln (W3) [Adelung]


Sammeln, verb. reg. act. mehrere Dinge Einer Art einzeln zusammen bringen. Die Steine von dem Acker, die Ähren von dem Felde sammeln. Phrases sammeln. Steine auf einen Haufen sammeln. Die Bienen sammeln Honig. Der Mahler sammelt, wählt und ordnet. Der Dichter sammelt alle Heldentugenden und schafft daraus seinen Helden. Ingleichen in der dichterischen Schreibart: Hier kühl' ich meine Flügel im Rosenthau und sammle liebliche Gerüche, Geßn. In engerer Bedeutung, mehrere Dinge Einer einzeln, oder nach und nach in einen Besitz bringen. Geld sammeln, Schätze sammeln. Seltene Bücher, Mineralien, Kupferstiche sammeln. Sammeln für ernten, wie Matth. 25, 24, ist ungewöhnlich. Von lebendigen Geschöpfen und Personen ist das intensive versammeln üblicher, obgleich das einfachere sammeln in dieser Bedeutung in der Deutschen Bibel sehr häufig ist, und auch noch außer derselben in der höhern und dichterischen Schreibart gebraucht wird. Ich will meine Kinder um mich her sammeln, Geßn. So auch das Reciprocum, sich sammeln, einzeln, und nach und nach an einem Orte zusammen kommen. Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Örter, 1 Mos. 1, 9. Die Unreinigkeit sammelt sich auf dem Boden. Es sammelt sich, sagt man, wenn aus kleinen Schuldposten nach und nach eine beträchtliche Summe wird. Ingleichen von Personen, einzeln, nach und nach zusammen kommen. Sammlet euch. ihr Kinder Benjamin, Es. 48, 14. Sammlet euch alle und höret, Jer. 19, 9. Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Wo die schöne Welt beym Spieltische sich sammelt, Geßn. Indessen ist doch auch hier das intensive versammeln üblicher, außer wenn man ausdrücklich andeuten will, daß die Zusammenkunft nach und nach und in einzelnen Individuis geschehe, wo sich sammeln besser schickt, als versammeln. Es sammeln sich Leute auf dem Markte, wenn sie nach und nach und einzeln zusammen kommen; sie versammeln wenn sie in größerer Anzahl auf Ein Mahl zusammen kommen, von welchem Unterschiede der Grund in der intensiven Partikel verliegt. Hiernach muß dasjenige berichtiget werden, was Gottsched von dem Unterschiede beyder Zeitwörter behauptete, wenn er sammeln allein auf leblose und versammeln allein auf lebendige Geschöpfe einschränkte. Figürlich ist sich sammeln, seine Gedanken sammeln, sich fassen, vor einer Zerstreuung zu sich selbst kommen, sich seiner deutlich bewußt werden. So auch die Sammlung, für das ungewöhnliche Sammelung, S. solches an seinem Orte besonders

Anm. Bey dem Willeram samelen, im Schwed. samla, im Franz. sembler im assembler. Frisch kannte den Mechanismus der abgeleiteten Zeitwörter sehr schlecht, wenn er glaubte, daß das l aus dem Lat. simul herrührete. Sammeln ist ein abgeleitetes Zeitwort. Das Stammwort, welches im Hochdeutschen veraltet ist, hieß samen, welches noch im Isidor, bey dem Ulphilas und Ottfried vorkommt, und gleichfalls einzeln zusammen bringen bedeutete. In einigen Oberdeutschen Gegenden sagt man noch besamen für versammeln. Von diesem samen hatte man das Intensivum sammen, in eben der Bedeutung, und von diesen stammet, vermittelst der Endsylbe "-eln", unser Frequentativum sammeln her. Hieraus erhellet zugleich die Unrichtigkeit der Schreibart sammlen, obgleich das e vor dem l um des Wohlklanges willen oft ausgestoßen wird; ich sammle für sammele, die Sammlung für Sammelung. Aber du sammlest, ich sammlete, für sammelst, sammelte, beleidigt das Gehör. Mit der gleichbedeutenden Endsylbe -nen sagte man für sammlen ehedem auch sammen, bey dem Ottfried samanon, im Angels. samnian, im Schwed. samna. Das alte Stammwort samen ahmet den Laut nach, welchen mehrere sich versammelnde Dinge machen. Das Lat. simul, Summa, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, u. s. f. sind nahe damit verwandt. S. Sam, Samen und Sammt.


Sammelplatz (W3) [Adelung]


Der Sammelplatz, des -es, plur. die -plätze, derjenige Platz, auf welchem sich mehrere lebendige Geschöpfte versammeln sollen; Franz. Rendez-vous.


Sammet (W3) [Adelung]


Der Sammet, zusammen gezogen Sammt, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein feinhaariges, seidenes Gewebe, dessen linke Seite einen Gros de Tour Grund bildet. Der Sammet bestehet aus doppelten einzelnen Fäden, welche man im Weben über der Oberfläche hervor gehen läßt, und sie hernach aufschneidet. Gerissener Sammet ist derjenige, woran die Fäden nicht aufgeschnitten sind. Geblümter oder geschorner Sammet, wo Blumen oder andere Figuren mit besondern Scheren hinein geschoren worden. Pelzsammet ist sehr langhärig, und wird zu Unterfutter statt des Pelzes gebraucht. Plüsch-Sammet hat einen leinenen Boden. Anm. Dieses Wort kommt in Deutschen Schriften schon seit dem 14ten Jahrhunderte vor, wo es Samit Tuch heißt. In den folgenden Jahrhunderten schrieb man es Sammelt und Samant. Im Schwedischen lautet es Sammet. Dietrich von Stade, Frisch und andere leiten es von sanft, ehedem samft, her, weil der Sammet weich und sanft anzufühlen ist; eine Ableitung, welche scheinbar genug wäre, wenn man nicht Spuren hätte, daß der Nahme eben so ausländisch ist, als dieses üppige Gewebe selbst. Es ist vermuthlich eine Griechische Erfindung wenigstens haben die übrigen Europäer dasselbe von den Griechen bekommen. Diese nannten ihn in den mittlern Zeiten - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, weil er mit sechs Fäden gewebet wurde, so wie - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein Gewebe mit drey Fäden, Drillich, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein Gewebe mit zwey Fäden, Zwillich bedeutet. Hieraus wurde im mittlern Lat. Exametum, Examitum, und mit Abkürzung der ersten Sylbe, Samitum, Sammitus, Samis u. s. f. und unser Sammet. Siehe des Du Fresne Gloss. v. Exametum. Um deßwillen heißt der Sammet im Böhmischen noch vollständiger Axamit.


Sammetbürste (W3) [Adelung]


Die Sammetbürste, plur. die -n, eine Bürste von seinen, weichen Haaren, den Sammet damit auszubürsten.


Sammeten (W3) [Adelung]


Sammeten, zusammen gezogen sammten, adj. von Sammet. Ein sammtenes Kleid.


Sammetgras (W3) [Adelung]


Das Sammetgras, des -es, plur. inus. eine Art Grases, mit weichen, dem Sammet ähnlichen Blättern, welches in den wärmern Ländern Europens einheimisch ist; Lagurus L.


Sammetmoos (W3) [Adelung]


Das Sammetmoos, des -es, plur. inus. eine Art des Knotenmooses, welches auf allen Dächern auf dem Lande wächst, und einem Sammet gleichet; Bryum argentinum L.


Sammetpappel (W3) [Adelung]


Die Sammetpappel, plur. die -n, ein Ostindisches, der Pappel ähnliches Gewächs, dessen Blätter so weich wie ein Sammet sind; Sida Abutilon L.


Sammetrose (W3) [Adelung]


Die Sammetrose, plur. die -n, S. Sammetblume.


Sammetschwarz (W3) [Adelung]


Das Sammetschwarz, subst. indeclin. plur. car. eine dem schwarzen Sammet ähnliche, glänzende schwarze Farbe. Auch ein Farbenkörper dieser Art. So wird das Elfenbeinschwarz, welches aus gebranntem Elfenbeine bereitet wird, bey den Mahlern auch Sammetschwarz genannt; Franz. Noir de velours.


Sammetweber (W3) [Adelung]


Der Sammetweber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Weber, welcher Sammet verfertiget.


Sammler (W3) [Adelung]


Der Sammler, für das ungewöhnliche Sammler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Sammlerinn, eine Person, welche sammelt, und in engerer Bedeutung, deren vornehmstes Geschäft im Sammeln bestehet.


Sammlung (W3) [Adelung]


Die Sammlung, plur. die -en, anstatt des ungewöhnlichen Sammelung, von dem Zeitworte sammeln. 1) Die Handlung des Sammelns; ohne Plural. Die Sammlung seiner Gedanken. 2) Eine Menge mehrerer einzeln und nach und nach zusammen gebrachter Dinge. Die Sammlung der Wasser, 1 Mos. 1, 10. Eine Sammlung machen. Die Büchersammlung, Kupfersammlung, Münzsammlung, Naturalien-Sammlung, u. s. f. Eine Sammlung von Reisen, von Kupfern, von Münzen. Von mehrern zusammen gekommenen oder zusammen berufenen Personen kommt es zwar in der Deutschen Bibel noch mehrmahls vor; die Sammlung der Heiligen, Ps. 89, 8. Wie man prediget in ihrer Sammlung, Hos. 7, 12. Auch Opitz gebraucht es noch so. Allein im Hochdeutschen ist es in diesem Verstande veraltet, weil das intensive Versammlung dafür üblich geworden. Im Isidor, Ottfried u. s. f. kommt Samanunga, von dem veralteten samenen, sammen, in eben diesem Verstande vor.


Sammt (W3) [Adelung]


Sammt, ein Partikel, welche in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Nebenwort. 1) Für alle, insgesammt; eine nur noch in den Kanzelleyen in der R. A. sammt und sonders, alle insgesammt und jeder besonders, übliche Bedeutung. S. Allesammt, Insgesammt und Gesammt, wo es in diesem Verstande üblicher ist. 2) * Als ein vergleichendes Neben- oder Bindewort, für wie, als; eine im Hochdeutschen völlig veraltete Bedeutung, in welcher es ehedem für das gleichfalls veraltete sam gebraucht wurde. Dermaßen pflegt ihr hier, zu werden euern Mann, Sammt alles, was ihr thut, euch selber sey gethan, Scultet. Es scheinet hier bloß das schon gedachte sam mit dem angehängten t euphonico zu seyn. 2. Als ein Vorwort, welches die dritte Endung des Hauptwortes erfordert, und so viel als mit bedeutet, wenn dasselbe eine Gesellschaft bezeichnet, da es denn ehedem sehr oft für die bloße verbindende Partikel und Gebrauch wurde. Gott hat uns, da wir todt waren in Sünden, sammt Christo lebendig gemacht, und hat uns sammt ihm auferwecket, und sammt ihm in das himmlische Wesen gesetzt, Ephes. 2, 5, 6. Jacob kam sammt alle dem Volk, das mit ihm war, 1 Mos. 35, 5. Wer Unrecht hasset sammt dem Geitze, Es. 33, 15, Unrecht und Geitz. Laßt uns unser Herz sammt den Händen aufheben zu Gott, Klagel. 3, 41. Ihr könnet nicht Gott dienen sammt dem Mammon, Luc. 16, 17, und dem Mammon. Ihr werdet sammt eurem Kerle das Brot noch vor dem Thüren suchen müssen, Gell. Es ist in dieser Bedeutung zwar nicht veraltet; aber man gebraucht es im Hochdeutschen doch bey weiten nicht mehr so häufig, als ehedem, und scheinet sich dieses Vorwortes nur noch zu bedienen, um mit dem Vorworte mit abwechseln zu können, wenn dasselbe zu oft auf einander folgen sollte. Oft gebraucht man es auch, wenn man einer Rede mehr Nachdruck geben will, als ihr das bloße mit gewähret. In den gemeinen Sprecharten, besonders Niederdeutschlandes, pflegt man vor dem sammt gern noch ein müßiges mit vorher gehen zu lassen. Ein pyrin (Bärinn) mit sambt iren welftein klein, Theuerd. Du solltest dich der Luft mit sammt der Braut verzeichnen, Günth. Welcher Pleonasmus aber der anständigen Sprechart fremd ist.

Anm. Bey dem Ulphilas samath, im Schwed. samt, bey dem Notker sament, sament mir, bey den Schwäbischen Dichtern auch sant: Lieb und leit das teile ich sant dir, der von Kinrenberg. Unser sammt ist von dem intensiven samm, sammen, mit dem angehängten t, so wie das ältere samt von dem einfachern sam und sammen ist. ( S. Sam und Sammeln.) Man gebrauchte diese Partikel ehedem sehr häufig in Zusammensetzungen, so wohl mit Zeitwörtern, samath rinnan, Ulphilas, wofür jetzt zusammen üblich ist, zusammen laufen; theils mit Hauptwörtern, eine Handlung oder Sache zu bezeichnen, woran mehrere Theil haben, welche von mehrern gemeinschaftlich geschiehet. Die ersten sind völlig veraltet; von den letztern aber sind noch manche in der Schreibart der Kanzelleyen üblich. Sammtamt, Sammtbelehnung, Sammtgeleit, Sammtgut, Sammthändler, Sammtkauf, Sammtlehen u. s. f. welche Wörter insgesammt, und zwar am häufigsten, auch mit gesammt zusammen gesetzt werden, daher sie schon dort aufgeführet worden.


Sammtamt (W3) [Adelung]


Das Sammtamt, u. s. f. Siehe in Gesammt.


Sämmtlich (W3) [Adelung]


Sämmtlich, adj. et adv. alle zusammen genommen, alle insgesammt, gesammt. Die sämmtlichen königlichen Bedienten. Sie kamen sämmtlich zu Pilato, Matth. 27, 62. Das Beywort setzt so wie gesammt, seiner Bedeutung nach, entweder ein Collectivum im Singular, oder ein Hauptwort im Plural voraus; indessen gebraucht man im erstern Falle lieber gesammt, im letztern aber lieber sämmtlich; die gesammte Familie, die sämmtlichen Verwandten; die gesammte Armee, die sämmtlichen Truppen. Anm. Im Oberdeutschen sammentlich, im Niederdeutschen samentlik, im Schwed. samtligen. Es ist aus dem vorigen sammt und der Endsylbe -lich zusammen gesetzt. Hornegk gebraucht dafür auch samhaft.


Sammtregierung (W3) [Adelung]


Die Sammtregierung, Sammtschrift, Sammtstimme, u. s. f. Siehe in Gesammt.


Sampel (W3) [Adelung]


Der Sampel, S. Zampel.


Samstag (W3) [Adelung]


Der Samstag, des -es, plur. die -e, eine vorzüglich im Oberdeutschen übliche Benennung des letzten Tages in der Woche, des Sonnabends. Bey dem Ottfried Sambazdag, in den folgenden Zeiten Sammestag, im Franz. Samedi. Es ist, wie schon Wachter, Frisch und andere bemerkt haben, aus Sabbathstag verderbt worden, weil b und m sehr leicht in einander übergehen.


Samuel (W3) [Adelung]


Samuel, ein aus dem Hebräischen entlehnter männlicher Taufnahme, welcher einen von Gott erbethenen bedeutet, und in den gemeinen Sprecharten nicht selten im Schmuel, Nieders. Smuel, verkürzet wird.


Sanct (W3) [Adelung]


Sanct, ein aus dem Lat. sanctus entlehntes, und im gemeinen Leben übliches Wort, welches nur den eigenthümlichen Nahmen der Heiligen ohne Artikel vorgesetzt, und alsdann als ein unabänderliches Beywort behandelt wird. Sanct Paulus spricht. Das Bild Sanct Pauli. Sanct Petersburg, die Burg des heil. Petri. Nieders. sunt, sünte, Holländ. sint. Im schreiben wird dieses Wort gemeiniglich nur mit S. Sct. oder St. ausdruckt.


Sandaal (W3) [Adelung]


Der Sandaal, des -es, plur. die -e, 1) Siehe Sander. 2) Noch häufiger, eine Art kleiner Aale, mit fast unsichtbaren Schuppen, welcher sich im Sande am Ufer des Meeres aufhält, wo er sich in einen Kreis zusammen wickelt, und alsdann die Mitte desselben mit dem Kopfe durchbohret; Ammodites L. im gemeinen Leben wird er auch Sandilz, Tobiasfisch, Tobieschen genannt, Franz. Lanson, Alancon. Die letzte Hälfte in dem Nahmen Sandilz ist mit Aal verwandt, die lange dünne Gestalt dieses Fisches zu bezeichnen, wohin auch die Französischen Nahmen gehören. S. Aal, Ahle, Elle.


Sand-Allee (W3) [Adelung]


Die Sand-Allee, plur. die -n, in den Gärten, eine Allee, welche mit Sand ausgeschüttet ist.


Sandarach (W3) [Adelung]


Das Sandarach, des -e, plur. inus. das blaßgelbe Harz ausländischer Wachholderbäume, Wachholderharz, welches aus den- selben heraus fließet, wenn man den Stamm ritzet. Figürlich pflegt man mehrere Massen wegen einiger Ähnlichkeit diesem Nahmen zu belegen. Im Bergbaue nennet man ein jedes gummöse Mineral Sandarach. Besonders führet eine Art des rothen, mit Schwefel verbundenen Arsenikes, welcher einem Gummi gleicht, diesen Nahmen. Im Bienenbaue nennet man das mehlige, braune, weiße, gelbe oder rothe Wesen, welches die Bienen in die Brotwaben eintragen, und welches ihre Speise ausmacht, in manchen Gegenden gleichfalls Sandarach. In andern heißt es Bienenbrot, S. dieses Wort. Im gemeinen Leben sehr häufig auch Sandarack, Sandrack. Es ist ein ausländisches, und vermuthlich Morgenländisches Wort, welches, allem Ansehen nach, durch den häufigen Gebrauch des Sandarachs zum Räuchern in den Kirchen unter dem großen Haufen so bekannt geworden.


Sandauster (W3) [Adelung]


Die Sandauster, plur. die -n, eine Art Austern, welche sich auf Sandgründen aufhält, und zwar von ansehnlicher Größe, aber von mittelmäßigem Geschmacke ist.


Sandbad (W3) [Adelung]


Das Sandbad, des -es, plur. die -bäder. 1) In der Chirurgie, eine Art des Bades, wo das kranke Glied in warmen Sand gesteckt wird. 2) In der Chemie ist es eine Art der Destillation, wo das Gefäß mit dem zu destillirenden Körper in Sand gesetzet, und dieser durch das darunter gemachte Feuer erhitzet wird.


Sandball (W3) [Adelung]


Der Sandball, des -es, plur. die -bälle, S. Sandkloß.


Sandbank (W3) [Adelung]


Die Sandbank, plur. die -bänke, eine aus Sand bestehende Bank, d. i. Erhöhung des Bodens. Im Bergbaue nennet man alle die großen Lagen Sand, auf welche man im Absinken zuweilen trifft, Sandbänke. Die Sandgebirge bestehen aus über einander liegenden Sandbänken. Am häufigsten gebraucht man dieses Wort von einer aus Sand bestehenden Erhöhung des Bodens in dem Meere oder in einem Flusse, welche letztere man auch eine Klinge nennet, so wie eine Sandbank im Meere, besonders wenn sie eine Untiefe macht, im Nieders. auch eine Platte, ein Reff heißt. S. Sandhorst.


Sandbeere (W3) [Adelung]


Die Sandbeere, plur. die -n, die Frucht einer Art der Erdbeerenstaude, welche nur in dem kältesten Europa einheimisch ist, wo sie in sandigen, unfruchtbaren Gegenden wächst, und einen unangenehmen Geschmack hat; Arbutus Uva ursi L. Bärentraube. Franz. la Bousserolle.


Sandberg (W3) [Adelung]


Der Sandberg, des -es, plur. die -e, ein aus Sand bestehender Berg. Viele Berge dieser Art machen ein Sandgebirge.


Sandboden (W3) [Adelung]


Der Sandboden, des -s, plur. die -böden. 1) Ein Boden, auf welchem man Sand verwahret. 2) Die aus Sand bestehende Oberfläche der Erde; ohne Plural.


Sandbohrer (W3) [Adelung]


Der Sandbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Bohrer der Brunnengräber, den überflüssigen Sand einem Brunnen heraus zu Schaffen. Er bestehet aus einer langen hölzernen Stange, mit einem, wie eine Lichtputze geformten Eisen, und einem daran befindlichen Sacke.


Sandbörs (W3) [Adelung]


Der Sandbörs, des -es, plur. die -e, S. Sander.


Sandbruch (W3) [Adelung]


Der Sandbruch, des -es, plur. die -brüche, ein nur in einigen Gegenden, z. B. im Lüneburgischen, übliches Wort, einen mit Flugsand überschwemmten Platz zu bezeichnen; um Zelle eine Sandschelle. Von Bruch, ein weicher, anhaltbarer Boden.


Sandbüchse (W3) [Adelung]


Die Sandbüchse, plur. die -n, eine Büchse, worin man seinen Sand zum Streuen aufbewahret; die Streubüchse.


Sanddöbel (W3) [Adelung]


Der Sanddöbel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen die Döbel eine Art Fische, Cyprinus Dobula L. in einigen Gegenden führen; vermuthlich, weil sie sich gern im Sande der Flüsse aufhalten. S. Döbel.


Sandel (W3) [Adelung]


Der Sandel, des -s, plur. inus. 1) Der Nahme eines blauen Holzes, welches in den Apotheken gebraucht wird, und von dem Beennußbaum oder Behnnußbaum, Guilandina Moringa L. kommt, welcher in Zeylon, Amerika und Ägypten einheimisch ist; Grießholz, Sandelholz, wahrer Sandel, zum Unterschiede von dem folgenden. 2) Das Brasilien-Holz, welches von einer Art der Caesalpina L. kommt, ist in der Handlung und im gemeinen Leben gleichfalls unter dem Nahmen des Sandels und des Sandelholzes bekannt. Zum Unterschiede von dem vorigen wird es rother Sandel genannt. 3) Bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches wird noch ein dritter, gleichfalls in Ostindien einheimischer, aber von den vorigen ganz verschiedener Baum, weißer Sandelbaum genannt; Santalum album L. Im mittlern Lat. Santalum, welches so wie das Deutsche, ein ausländisches, und vermuthlich in Ostindien einheimisches Wort ist.


Sanden (W3) [Adelung]


Sanden, verb. reg. act. Sand streuen, und mit Sand bestreuen; ein nur in einigen Fällen übliches Wort. Die Deiche sanden, in den Niederdeutschen Marschländern, sie auf der Oberfläche mit Sand bestreuen. Die Schmiede sanden das Eisen, wenn es in der Schweißhitze ist, damit es nicht verbrenne, welche auch besanden genannt wird. S. auch Versanden.


Sander (W3) [Adelung]


Der Sander, des -s, plur. ut nom. sing. ein eßbarer Raubfisch, welcher sich in den großen Landseen mancher Gegend sehr häufig aufhält, und zu dem Geschlechte der Börse gehöret, welchen er auch in Ansehung seines Körpers gleicht, dagegen der Kopf dem Kopfe eines Hechtes ähnlich siehet. Er erreicht die Größe einer Elle, und hat ein weißes und schmackhafte Fleisch; Perca Lucioperca L. Zander, Zindel, Sandaal, Sandbörs, Seebörs, Schill, Nagemaul, Engl. Sandel, Dän. Sandart, Sandat. Er hat den Nahmen von dem Sande, weil er sich am häufigsten auf dem Grunde der Seen in dem Sande aufhält. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe -er. In dem Nahmen Sandaal ist die letzte Hälfte unstreitig auch die gleichbedeutende Sylbe -el indem er mit dem Aale keine Ähnlichkeit hat, daher man dieses Wort auch richtiger Sandel schreiben würde.


Sandfelch (W3) [Adelung]


Der Sandfelch, des -es, plur. die -e, eine Art schmackhafter Weißfische; Albula nobilis, S. Adelfisch.


Sandfeld (W3) [Adelung]


Das Sandfeld, des -es, plur. die -er, ein sandiges Feld, sandiger Acker.


Sandfluhe (W3) [Adelung]


Die Sandfluhe, S. Fluhe.


Sandgang (W3) [Adelung]


Der Sandgang, des -es, plur. die -gänge, in den Gärten, ein mit Sand ausgefüllter Gang.


Sandgebirge (W3) [Adelung]


Das Sandgebirge, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Sandberg.


Sandgries (W3) [Adelung]


Der Sandgries, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, so wohl eine Art grobkörnigen Sandes, dessen Körner doch noch nicht so grob sind, daß sie den Nahmen des Greises verdienen; als auch ein aus eigentlichem Sande, d. i. einer glasartigen Erde, bestehender Gries, zum Unterschiede von den Kalkgriese, welcher aus kleinen Kalkkörnern bestehet.


Sandgrube (W3) [Adelung]


Die Sandgrube, plur. die -n, eine Grube, aus welcher man Sand gräbet.


Sandgrund (W3) [Adelung]


Der Sandgrund, des -es, plur. die -gründe, ein aus Sand bestehender Grund.


Sandguß (W3) [Adelung]


Der Sandguß, des -sses, plur. die -güsse, das Gießen geschmolzener Metalle in Formen von Sand; ohne Plural. Ingleichen, Eisenwaaren, welche bey den hohen Öfen in Formen von Sand gegossen worden, z. B. Ofenplatten; zum Unterschiede von einem Lehmgusse.


Sandgut (W3) [Adelung]


Das Sandgut, des -es, plur. inus. im Tobaksbaue, ein Nahme der untersten Blätter an der Tobakspflanze, welche fahl werden, schlechter sind, und weil sie nahe an der Erde hängen, oft mit Sand beschmutzet sind; Erdgut.


Sandhafer (W3) [Adelung]


Der Sandhafer, des -s, plur. inus. 1) Ein Nahme des Sandgrases, Elymus arenarius L. weil es dem Hafer gleicht und in dem Sande an dem Strande wächst. 2) Auch eine Art des zahmen Hafers, welcher einen langen Bart, graue oder schwärzliche Schalen hat, und am liebsten an sandigen Orten wächst; Rauthhafer, Purrhafer. 3) S. Sandrohr.


Sandhäger (W3) [Adelung]


Der Sandhäger, des -s, plur. ut nom. sing. S. Sandhorst und Häger.


Sandhase (W3) [Adelung]


Der Sandhase, des -n, plur. die -n, eine Art der Feldhasen, welche sich auf den Alpen und in den nördlichen Ländern auf den Gebirgen und in sandigen Gegenden aufhält, und im Winter gemeiniglich weiß wird; Steinhase, Berghase.


Sandhaufen (W3) [Adelung]


Der Sandhaufen, des -s, plur. ut nom. sing. ein aus Sand bestehender Haufen, ein Haufen Sand. Bey dem Notker Santhufso.


Sandhirsch (W3) [Adelung]


Der Sandhirsch, des -es, plur. die -e, die gewöhnlichen Hirsche, so fern sie sich in dürren, sandigen Gegenden aufhalten, da sie denn ein niedriges und schlechtes Geweih haben; zum Unterschiede von den Gebirghirschen, und Land- Au- oder Waldhirschen.


Sandig (W3) [Adelung]


Sandig, -er, -ste, adj. et adv. vielen Sand enthaltend, aus Sand bestehend. Ein sandiges Land. Sandige Ufer, Felder u. s. f.


Sandilz (W3) [Adelung]


Der Sandilz, des -es, plur. die -e, S. Sandaal.


Sandklinge (W3) [Adelung]


Die Sandklinge, plur. die -n, S. Sandhorst und Klinge.


Sandkloß (W3) [Adelung]


Der Sandkloß, des -es, plur. die -klöße, bey den Ärzten, ein entzündeter, aufgeschwollener Testikel, welche entweder von einem Stoße, einem heftigen Drucke, oder auch von unreinem Beyschlafe herrühret; Testiculus venereus, Sandball.


Sandknoblauch (W3) [Adelung]


Der Sandknoblauch, des -es, plur. inus. eine Art des Knoblauches, welcher in den sandigen Gegenden wächst; Allium arenarium L.


Sandkorn (W3) [Adelung]


Das Sandkorn, des -es, plur. die -körner, Dimin. das Sandkörnchen, Oberd. Sandkörnlein, eines von denjenigen kleinen Körnchen, welche den Sand ausmachen. Collective ist es Korn oder Rocken, welcher auf Sandfeldern erbauet worden.


Sandkraut (W3) [Adelung]


Das Sandkraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche viel Salz bey sich führet; und deren Samen eine Sonne vorstellen; Arenaria L. Sie wächst an den sandigen Ufern des mitternächtigen Europa.


Sandläufer (W3) [Adelung]


Der Sandläufer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Vögel, welche den Schnepfen ähnlich sind, nur daß sie einen kürzern, kegelförmigen, engen Schnabel, hohe Füße, lange Schenkel und stärkere Vorderzehen haben; Glareola Klein. Wasserschnepfe, Strandläufer, Grieshuhn, weil man sie nur an den sandigen Ufern der Flüsse und Seen, und in sumpfigen Gegenden antrifft. Im gemeinen Leben werden sie häufig mit zu den Schnepfen gerechnet, obgleich ihr Fleisch oft einen wilden Fischgeschmack hat. Von einigen werden auch die Wasserhühner, Sandläufer genannt.


Sandlieschgras (W3) [Adelung]


Das Sandlieschgras, des -es, plur. inus. eine Art des Lieschgrases, mit einer eyförmigen, mit Haaren eingefaßten Blüthenkolbe, welches in den sandigen Gegenden wächst; Phleum arenarium L.


Sandmann (W3) [Adelung]


Der Sandmann, des -es, plur. die -leute. 1) Ein Mann, der Sand führet, Sand verkauft. Im Scherze sagt man auch zu den Kindern, wenn sie schläfrig werden, und sich die Augen reiben, als wenn man ihnen Sand hinein gestreuet hätte, der Sandmann komme; Nieders. Sandsaier, Sandsäer. 2) im Hollsteinischen heißen diejenigen Bonden oder Erdbauern, welche Beysitzer in den Feld- und Criminal-Gerichten sind, Sandleute, wo die erste Hälfte zu Send oder Zent zu gehören scheinet, siehe diese Wörter.


Sandmumie (W3) [Adelung]


Die Sandmumie, plur. die -n, ein menschlicher oder thierischer Körper, welcher in den heißen Ländern unter dem Sande zu einer Mumie ausgetrocknet worden; zum Unterschiede von den durch Einbalsamirung entstandenen Mumien.


Sandnelke (W3) [Adelung]


Die Sandnelke, plur. die -n, eine Art wilder Nelken, welche in dem Flugsande des mitternächtigen Europa Wächst; Dianthus arenarius L.


Sandpfanne (W3) [Adelung]


Die Sandpfanne, plur. die -n, bey den Kürschnern, eine viereckige eiserne Pfanne, den Sand darin heiß zu machen, womit die Haare der Felle getrocknet werden.


Sandpulver (W3) [Adelung]


Das Sandpulver, des -s, plur. ut nom. sing. in der Apotheken, ein Pulver wider den Sand oder Gries in dem menschlichen Körper, welches aus Austerschalen, und den Kraute der Sandbeerenstaude bereitet wird; Steinpulver, so fern es auch wider den Stein gebraucht wird.


Sandrach (W3) [Adelung]


Sandrach, Sandrack, S. Sandarach.


Sandrauke (W3) [Adelung]


Die Sandrauke, plur. inus. eine Art der Rauke, mit einem blätterigen, ästigen Stamme, und leyerförmigen, mit Borsten besetzten Blättern, welche in den sandigen Gegenden Deutschlands und der Schweiz wächst; Sisymbrium arenosum L.


Sandrechnung (W3) [Adelung]


Die Sandrechnung, plur. inus. in der Rechenkunst, eine von dem Archimedes erfundene Rechnung, d. i. Art und Weise, eine ungeheure Zahl, welche größer ist, als die Zahl aller Sandkörner, wenn auch der ganze Weltraum bis an die Fixsterne damit ausgefüllet wäre, mit einer außerordentlichen Leichtigkeit auszusprechen.


Sandreiter (W3) [Adelung]


Der Sandreiter, des -s, plur. ut nom. sing. in Scherze ein Reiter, welchen sein Pferd abgeworfen, und auf den Sand gesetzet hat; der Sandritter, Nieders. Sandrider.


Sandriethgras (W3) [Adelung]


Das Sandriethgras, des -es, plur. inus. eine Art des Riethgrases mit einer zusammen gesetzten Blüthenähre, welches in den sandigen Gegenden Europens wächst, und zur Dämpfung des Flugsandes dienet; Carex arenaria L.


Sandrohr (W3) [Adelung]


Das Sandrohr, des -es, plur. inus. eine Art des Rohres, welches an den sandigen Meerufern wächst und den Flugsand zurück hält; Arundo arenaria L. Sandschilf, Sandhafer, in Holland Helm, Halm.


Sandschelle (W3) [Adelung]


Die Sandschelle, plur. die -n, S. Sandbruch.


Sandschiefer (W3) [Adelung]


Der Sandschiefer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein aus verhärtetem Sande bestehender Schiefer, Sandstein in Gestalt des Schiefers.


Sandschilf (W3) [Adelung]


Der Sandschilf, des -es, plur. inus. S. Sandrohr.


Sandschimmel (W3) [Adelung]


Der Sandschimmel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Schimmel, d. i. weißer Pferde, welche gleichsam mit Sand bestreuet zu seyn scheinen.


Sandschwalbe (W3) [Adelung]


Die Sandschwalbe, plur. die -n, ein Nahme der Erd- oder Rheinschwalbe, Hirundo riparia Klein, weil sie in den Sandufern an den Flüssen zu überwintern pflegt.


Sandstein (W3) [Adelung]


Der Sandstein, des -es, plur. die -e, 1) Eine Art glasartige Steine, welche aus zusammen gebackenen Sandkörnern bestehet, und wie der Sand selbst von verschiedener Feinheit und Farbe ist. 2) Im Bernsteinhandel, wird die kleinste und schlechteste Sorte Bernsteines Sandstein genannt, vermuthlich, weil diese Sorte aus kleinen dem großen Sande ähnlichen Körnern bestehet. Hier ist der Plural ungewöhnlich.


Sandtorf (W3) [Adelung]


Der Sandtorf, des -es, plur. von mehrern Quantitäten, die -e, ein mit Sand vermengter, bröcklicher Torf, welcher auf einem sandigen Grunde liegt.


Sandtorte (W3) [Adelung]


Die Sandtorte, plur. die -n, eine Art der Mandeltorten, welche wie Sand im Munde zerfällt.


Sanduhr (W3) [Adelung]


Die Sanduhr, plur. die -en, eine Art gläserner Uhren, in welchen der ausgelaufene Sand die Stunde und ihre Theile andeutet.


Sandweide (W3) [Adelung]


Die Sandweide, plur. die -n, eine Art Weiden, welche auf der obern Seite ein wenig rauch, auf der untern aber filzig sind; Salix arenaria L. Sie wächst an Sümpfen, und wird daher auch kleine Bruchweide genannt, weil sie klein bleibt. In einigen Gegenden führet auch die Buchweide, welche auf den sandigen Ufern der Bäche wächst, Salix Helix L. den Nahmen der Sandweide, im gemeinen Leben Sandwichel.


Sandwüste (W3) [Adelung]


Die Sandwüste, plur. die -n, eine große wüste Gegend, welche aus dürren unfruchtbaren Sande bestehet.


Sanft (W3) [Adelung]


Sanft, -er, -este, adj. et adv. welches in seinen meisten Bedeutungen dem rauh entgegen gesetzet ist, und so wie alle Wörter zunächst eine in das Gehör fallende Eigenschaft ausdruckt. 1. Im eigentlichsten Verstande, da er von dem Laute gebraucht wird, und die gelinde, leise, und doch dabey angenehme Eigenschaft eines Tones oder Lautes bezeichnet, diejenige Eigenschaft, da er nur schwach in das Gehör fällt; im Gegensatze des heftig, laut, stark. 1) In der engsten Bedeutung, für das niedrigere sacht. Ein sanftes Saufen, 1. Kön. 19, 12. Sanft reden, sprechen, leise, schwach. Eine sanfte Stimme haben. Ich höre das sanfte Geschwätz eines nahen Baches. Das sanfte Murmeln der Quelle. 2) Da Laut und Bewegung unzertrennlich verbunden sind, so wird es in weiterer Bedeutung auch sehr oft von einer angenehmen gelinden Bewegung, im Gegensatze einer starken oder heftigen, gebraucht. (a) Eigentlich, wo es in der anständigeren Sprechart für das niedrigere facht gebraucht wird. Machet Bahn dem der da sanft herfähret, Ps. 68, 5. Sanfte gehen, reiten; wofür doch theils leise, theils langsam üblicher sind. Sanft wandelnd, Klopft. Sanft spielt ein leichter Wind auf dem vergoldten Teich, Willam. Wie sanft rieselst du vorüber, kleine Quelle! Geßn. Ihr Wellen hüpfet sanft ums Schiff, ebbend. Nach dem Maße als die Donau sanfter floß. (b) Figürlich, wo es aa) allen heftigen, starken, und im hohen Grade lebhaften, aber dabey angenehmen Gemüthsbewegungen, Empfindungen und Eindrücken entgegen gesetzet ist, auf eine angenehme Art schwach. Ein sanftes Licht. Sanft wie das Morgenlicht, Das über frische Rosen gleitet, Uz. Laß uns den Glanz des Abendrothes und den sanften Schimmer der Mondes betrachte, Geßn. Sanfte und zärtliche Empfindungen. Dieß Herz, das so sanft schlägt. Sanfte Entzückungen, ein sanftes vergnügen, eine sanfte Freude. Unschuld lächelt sanft auf ihren Wangen, Geßn. In deinen Augen quillt die sanfte Zähre, Schleg. Sanft umfängt die Nacht ihn mit süßem Schlummer, Geßn. Sanft schlafen. Ein sanfter Tod. Besonders in Ansehung des Betrages gegen andere, alle lebhafte unangenehme Empfindungen, gegen andere vermeidend. Sanft regieren, im Gegensatze des strenge. Sanfte Sitten haben, im Gegensatze der rauhen. Ein sanftes Betragen. Sanft mit jemanden umgehen. Wenn ungezähmte Bosheit der sanften Warnung lacht, Dusch Jemanden einen sanften Verweis geben. Ein gutes und sanftes Herz. bb) Sich nach und nach erhebend, sich in einem weiten Raume erhebend; im Gegensatze des jäh und prallig. Ein sanftes Gebirge, im Bergbaue, welches nur nach und nach erhebet. Eine sanfte Anhöhe. Im Bergbaue auch sanftig. 2. Nach einer noch weitern Figur wird dieses Wort besonders von dem Gefühle gebraucht, wegen seiner Schwäche einen angenehmen Eindruck auf das Gefühl machend; wo es von mehrern Arten dieser Empfindung gebraucht wird. Eine sanfte Luft, welche einen schwachen aber dabey angenehmen Eindruck macht. Sanfte Hände, eine sanfte Haut haben, eine weiche, gelinde, im Gegensatze der harten. Jemanden sanft anrühren. Sanft liegen. Ein sanftes Bett, ein sanftes Küssen, ein sanfter Stuhl. Jemanden sanft streicheln. Ich will mein Haupt nicht eher sanft legen, bis ich meine Absicht erreiche. Das fühlt sich sanft an, weich und gelinde. Anm. Dieses Wort hat in allen Bedeutungen den Nebenbegriff des angenehmen bey sich. Es lautet schon bey dem Kero, Notker und Willeram samft, semfte, die es theils für möglich, theils auch für leicht und weich gebrauchen, und es dem unsamft, entgegen setzen; bey der Winsbeckinn senft, und noch in vielen gemeinen Sprecharten sanft. Da m und n oft nur müßige Begleiter der Blaselaute sind, so lautet dieses Wort im Engl. und Angels. soft, im ital. soffice, und selbst in einer Oberdeutschen Urkunde von 1400 sewft, seuft. Junius leitete es von Soft, succus, her, Wachter von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Frisch aber von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, berühren. Allein es ist erweislich genug, daß der Begriff der langsamen, gleitenden Bewegung in diesem Worte der herrschende ist, in welcher Betrachtung es denn allerdings mit Saft verwandt ist, ( S. dieses Wort.) Der Begriff der Stille, der Ruhe, fließt ganz natürlich daraus, daher das Gothische Sef, das Angels. Sib. beyde für Ruhe, und das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ruhen, ( S. Sabbath,) gleichfalls mit hierher gehören. Mit einem andern Endlaute hat das Niederdeutsche sacht vieles mit sanft gemein, ob es gleich den Nebenbegriff des Angenehmen nicht bey sich führet.


Sänfte (W3) [Adelung]


Die Sänfte, plur. die -n, 1) * Das Abstractum des vorigen Zeitwortes, die sanfte Beschaffenheit zu bezeichnen, die Sanftheit; ohne Plural; eine veraltete Bedeutung. Min lib in grosser Senfte lebt Des tages so si min ouge siht, Reinmar der Alte. Im Bergbaue wird es noch zuweilen von der sanften Erhebung der Erdfläche gebraucht; wofür aber doch auch Sänftigkeit üblicher ist. 2) Ein verschlossener Stuhl, worin man von Menschen oder Thieren getragen wird; Franz. Porte-chaise. Sich in einer Sanfte tragen lassen. Eine von Pferden oder Mauleseln getragene Sänfte, welche in dem mittägigen Deutschlande auf Reisen gewöhnlich ist, heißt bey den ältern Schriftstellern ein Reitbarn, Reitbahre, von reiten, reisen, ein Roßbarn, in der Monseeischen Glosse, Paro, Bahre, Tragestuole. Die sanfte Bequemlichkeit, welche derjenige empfindet, welcher sich in einem Sänfte tragen läßt, ist vermuthlich der Grund ihrer Benennung, ob sie gleich nicht sagen läßt, wenn oder wo diese Benennung aufgekommen ist. Übrigens ist noch jeder Tragsessel sogleich eine Sänfte, weil die letztere gemeiniglich verschlossen ist.


Sänftenträger (W3) [Adelung]


Der Sänftenträger, des -s, plur. ut nom. sing. diejenigen, deren Geschäft oder Pflicht es ist, andere in Sänften zu tragen.


Sanftheit (W3) [Adelung]


Die Sanftheit, plur. inus. das Abstractum von sanft, die sanfte Beschaffenheit, in allen Bedeutungen, besonders in der moralischen, für die veralteten Sänfte und Sanftigkeit.


Sänftig (W3) [Adelung]


Sänftig, adj. et adv. welches nur in einigen Fällen des gemeinen Lebens für sanft üblich ist. So nennen die Bergleute ein Gebirge welches sich sanft, d. i. nach und nach, erhebet, nicht jäh oder hrallig ist, ein sänftiges Gebirge. Daher die Sänftigkeit, auch nur noch im Bergbaue, von der sänftigen Beschaffenheit eines Gebirges.


Sanftmuth (W3) [Adelung]


Die Sanftmuth, plur. car. 1) Ein sanfter Muth; eine von allen heftigen Leidenschaften oder Empfindungen entfernte Stellung des Gemüthes. 2) In engerer und gewöhnlicher Bedeutung ist die Sanftmuth die tugendhafte Mäßigung des Zornes, und in noch engerm Verstande, die Fertigkeit, den Zorn auf eine tugendhafte Weise zu mäßigen, anderer Beleidigungen nicht leicht zu empfinden. Viele Sanftmuth haben, besitzen, zeigen. Jemanden mit aller Sanftmuth begegnen. Nieders. Sachtmood, Sachtsinn.


Sanftmüthig (W3) [Adelung]


Sanftmüthig, -er, -ste, adj. et adv. Sanftmuth besitzend, in derselben gegründet. Nieders. sachtmodig, sachtsinnig, sinnig, Schwed. saktmodig, im Oberd. im 14ten Jahrhunderte nur sewft, sanft.


Sanftmüthigkeit (W3) [Adelung]


Die Sanftmüthigkeit, plur. inus. die Fertigkeit, sanftmüthig zu seyn, und in engerer Bedeutung, nicht leicht Beleidigungen zu empfinden; wie Sanftmuth in der engsten Bedeutung. Für Sanftmuth in weiterm Verstande, d. i. von der bloßen jedesmahligen sanften Stellung des Gemüthes, ist es ungewöhnlich.


Sang (W3) [Adelung]


* Der Sang, des -es, plur. die Sänge, ein für sich allein veraltetes Wort, wofür jetzt Gesang üblich ist, welcher aber noch in einigen Zusammensetzungen beybehalten wird, obgleich selbige auch mit Gesang - gebraucht werden. bey dem Ottfried Sango.


Sange (W3) [Adelung]


Die Sange, plur. die -n, eine Art kleiner Fische, welche auch Sängel, Sänglein, Sengle genannt werden, S. Grühe und Gründlich.


Sangen (W3) [Adelung]


* Die Sangen, sing. inus. ein im Hochdeutschen völlig unbekanntes Wort, welches mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt, wo es gesengte oder geröstete Ähren bedeutet. Willt du ein Speiseopfer dem Herrn thun von den ersten Früchten, sollt du die Sangen, am Feuer gedörret, klein zerstoßen - opfern, 3 Mos. 2, 14. Und sollt kein neu Brot, noch Sangen, noch Korn zuvor essen, Kap. 23, 14. Sie Aßen andern tage des Passah ungesäuert Brot und Sangen, Jos. 5, 11. Boas legte der Ruth Sangen vor, Ruth 2, 14. Eine Epha Sangen, 1 Sam. 17, 17. In welchen Stellen Michaelis dafür geröstet Korn setzt. im Hebräischen befindet sich das Wort - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, rösten, und Ludolf glaubte, daß es in diesen Stellen den Kaffeh bedeute, welchen man gemeiniglich für ein Getränk von weit jüngerer Erfindung hält. Das Wort Sangen ist so wohl im Ober- als Niederdeutschen selten, und es scheint, daß Luther es bloß aus ältern Übersetzungen entlehnet habe: denn nach dem Frisch heißt es in der alten 1483 gedruckten Deutschen Bibel, Jos. 5, 11: sie aßen von den Sangen der Erden, wo die Vulgata setzt: comederunt de frugibus terrae. Man leitet gemeiniglich von sengen ab, weil die Sangen eigentlich ein Büschel Ähren sind, die man am Feuer abgesenget, und die Körner auf diese Art geröstet hat. Allein, es scheinet, daß dieses Wort ein Bündel oder Büschel überhaupt bedeute. Frisch selbst führet aus Fritsch Var. Tract. die Stelle an: wenn jemand aus den Hopfenbergen die Sangen wegtrüge oder sonst dem Hopfen Schaden zufügete; wenn hier anders nicht durch einen Schreib- oder Druckfehler Sangen für Stangen gesetzt worden. Im Killians Holländ. Wörterbuche wird Sangh, Sanghe durch Fasciculus spicarum erkläret, allein von Hoogstratens Woordboeck findet sich dieses Wort nicht.


Sänger (W3) [Adelung]


Der Sänger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Sängerinnen, von dem Zeitworte singen, eine Person, welche singet, und in engerer Bedeutung, welche nach den Regeln der Kunst zu singen weiß, und diese Kunst ausübet. Der Opern: Sänger, Kirchensänger, Vorsänger u. s. f. Wie sollt ich hören, was die Sänger oder Sängerinnen singen; 2 Sam. 19, 35. Sey mir gegrüßt Mykon, du lieblicher Sänger! Geßn. in der dichterischen Schreibart führen auch die Sang- oder Gesangvögel diesen Nahmen. Ihr kleinen frohen Sänger, wie lieblich tönt euer Lied von hoher Bäume Wipfeln! Geßn. Es hüpfen die Sänger des Waldes fröhlich empor und putzen die Schwingen, Zachar. So wie man in eben dichterischen Schreibart zuweilen auch einen Dichter einen Sänger zu nennen pflegt, wofür Opitz das veraltete Singer gebraucht. Im Isidor wird Psalmista, Psalmendichter, durch Sangheri übersetzt, und Kero nennet einen Cantor Sangari.


Sangherd (W3) [Adelung]


Der Sangherd, des -es, plur. die -e, bey den Vogelstellern eine Art Vogelherde, auf welchen man nur die großen Sangvögel zu stellen pflegt.


Sanglerche (W3) [Adelung]


Die Sanglerche, plur. die -n, S. Feldlerche.


Sangmeister (W3) [Adelung]


* Der Sangmeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, denjenigen zu bezeichnen, welcher im Singen Unterricht gibt, und die Vocal-Musik regieret. 1 Chron. 16, 22 heißt Chenanja, der Leviten Oberster, der Sangmeister. Jetzt ist in manchen Fällen dafür das Wort Cantor üblich. Bey dem Notker bedeutet Sangmeister einen Sänger, einen Meister in der Geschicklichkeit zu singen.


Sangschwalbe (W3) [Adelung]


Die Sangschwalbe, plur. die -n, S. Gesangschwalbe.


Sangvogel (W3) [Adelung]


Der Sangvogel, S. Gesangvogel.


Sanikel (W3) [Adelung]


Der Sanikel, des -s, plur. inus. eine Pflanze, welche einen rauhen Samen in Gestalt kleiner Kletten bringet, und einen bittern Geschmack aht, auch eines der vornehmsten Mundkräuter ist; Sanicula L. Der Deutsche Nahme ist zunächst aus dem Latein entlehnet. Wegen ihrer heilenden Kraft scheinet die erste Hälfte zu sanus zu gehören, da denn icula dir Ableitungssylbe seyn würde.


Saphier,Sapphier (W3) [Adelung]


Der Saphier, oder Sapphier, des -es, plur. die -e, ein Edelstein, welcher nach dem Rubin der härteste ist, dessen Farbe sich aber im Feuer verändert. Der hoch- und dunkelblaue ist der seltenste und theuerste. Der Luxsapphier ist ein mit Flecken versehener Sapphier. Außer diesem Edelsteine wurde bey den Alten auch der Lasurstein mit diesem Nahmen belegt, welchen auch Michaelis, 2 Mos. 27, 18 verstehet. Im Latein Sapphirus, im griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, alles aus dem hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, schön seyn, weil uns die Edelsteine aus den Morgenländischen bekannt geworden sind, und sie daselbst noch jetzt am schönsten gefunden werden.


Sappe (W3) [Adelung]


Die Sappe, plur. die -n, zunächst aus dem Franz. Sappe, im Kriegswesen, ein in und durch die Erde gegrabener Weg, um durch die Contrescarpe in den graben der Festung zu kommen. Daher sappiren, Franz. sapper, einen solchen Weg graben; wofür man auch, obgleich seltener, sappen gebraucht. Zunächst stammen diese Wörter freylich aus den Französ. her; allein sappen ist doch ein altes Europäisches Wort, welches graben, schneiden, Hauen u. s. f. überhaupt bedeutet zu haben scheinet, und das Intensivum von einem veralteten saben ist, von welchen auch Säbel abgeleitet werden kann. Im Heldenbuche und bey dem Kaisersberg kommt sappen mehrmahls in verwandter Bedeutung, für raffen, reißen, vor, und im Ital. ist Zappa eine Haue. Auch im Wallach. ist sapu ich grabe.


Saraß,Sarraß (W3) [Adelung]


Der Saraß, oder Sarraß, des -sses, plur. die -sse, ein nur in den gemeinen Sprecharten übliches Wort, einen Degen, besonders größerer Art, einen Säbel zu bezeichnen. Das Wort ist ausländisch. Vielleicht ist es das Pohln. Zarraz, gleich alsbald. Wenn sich Pohlen zum Zweykampfe ausfordern, pflegt der eine Theil, indem er den Säbel ziehet, dem andern zarraz! zuzurufen, um anzuzeigen, daß er bereit sey. Das hörten vielleicht Deutsche, und bedeuteten es auf den Säbel. In dessen war schon bey den Macedoniern und Geten Sarissa eine Art langer Spieße.


Sarbache (W3) [Adelung]


Die Sarbache, S. Sahrbache.


Sardelle (W3) [Adelung]


Die Sardelle, plur. die -n, eine Art kleiner Häringe, welche im Mittelländischen Meere, besonders in der Gegend der Insel Sardinien, sehr häufig gefangen und eingesalzen zu uns gebracht werden; Clupea Sprattus L. Besonders diejenigen, welche aus Italien zu uns kommen, dagegen die noch kleinern, welche aus Frankreich und Portugall gebracht werden, gemeiniglich Anschoven heißen, ( S. dieses Wort.) Geräucherte Sardellen sind unter dem Nahmen der Sprotten bekannt, ( S. dieses Wort.) In einigen Oberdeutschen Gegenden werden die Sardellen auch Spieringe, Spierlinge, und im Norwegischen Breislinge genannt. Der Nahme Sardelle stammt aus dem Ital. Sardella her; im Franz. lautet dieses Wort Sardine, daher auch in einigen Deutschen Gegenden Sardine üblich ist. Beyde Nahmen sind von der Insel Sardinien, wo diese Fische am häufigsten gefangen werden.


Sarder (W3) [Adelung]


Der Sarder, des -s, plur. ut nom. sing. ein ungewöhnlich gewordener Nahme eines Edelsteines, der noch mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt, und mit unserm heutigen Sardonyr, d. i. einem mit rothen Streifen vermischten Onyx verwandt zu seyn scheinet. Derjenige Stein, welchen Luther 2 Mos. 28, 17, und 29, 10 Sarder nennet, heißt bey Michaelis Carniol. Der Sardonyr, welcher bey einigen auch Sardonier heißt, kommt auch Offenb. 21, 20 vor, wo er Sardonich geschrieben wird. Das Wort Sarder ist aus dem Hebräischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -


Sarg (W3) [Adelung]


Der Sarg, des -es, plur. die Särge. 1) * Ein Kasten, ein längliches vierecktes Behältnis; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird noch eine Cisterne ein Sarg oder Regensarg. Bey dem Dasypodius heißt ein steinerner Wassertrog am Brunnen der Sarch und Faust nennt in der Frankenb. Chronik bey dem Frisch, ein vierecktes gemauertes Behältnis in dem Boden eines Weinkellers, den Wein aufzufangen, wenn etwa ein Faß springen sollte, einen Sarg. Wir gebrauchen es, 2) nur noch in engerer Bedeutung, denjenigen Kasten zu bezeichnen, worin man einen todten Körper zu begraben pflegt, und der in einigen Gegenden auch die Todtenruhe, Todtenlade genannt wird, ehedem aber auch Leichkahr hieß, ( S. 1 Kahr.) Ein hölzerner, zinnerner, steinerner Sarg. Die Leiche in den Sarg legen.

Anm. In der heutigen Bedeutung schon bey dem Stryker Sarich, im Oberdeutschen in einigen Gegenden das Sarg, da es denn im Plural auch die Särger hat. Frisch leitet es auf eine seltsame Art von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ab, da ihm doch die weitere eigentliche Bedeutung eines Kastens oder Behältnisses nicht unbekannt war. Zu derselben gehöret auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Gefäß, das Lat. Sarracum, ein Lastwagen, und Seria, ein Faß, so wie das Franz. Cercueil, ehedem Sarcueil, ein Sarg, von einem veralteten Lat. sarculus, sarcus, abzustammen scheinet. Siehet man das s als einen müßigen Zischlaut an, wie es denn solches oft ist, so gehören auch Arca und Arche, Orcus u. s. f. dahin. S. auch Zarge, und 1 Sorge.


Sarge (W3) [Adelung]


Die Sarge, S. Zarge.


Sarraß (W3) [Adelung]


Der Sarraß, S. Saraß.


Sarsaparilla (W3) [Adelung]


Die Sarsaparilla, plur. inus. eine Art der Stechwinde, mit einem dornigen eckigen Stamme, welche so wohl im mittägigen als nördlichen Amerika einheimisch ist, und deren mehlige bittere Wurzel in der Medicin gebraucht wird; Smilax Sarsaparilla L. im gemeinen Leben oft Sassaparille. Der Nahme ist so ausländisch als das Gewächs selbst.


Sarsche (W3) [Adelung]


Die Sarsche, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine Art wolligen Gewebes, wo die wollenen Fäden zuweilen mit leinenen, zuweilen auch mit seidenen vermischet werden. Aus dem Franz. Sarge, Ital. Sargia, Engl. Serge, Nieders. Sarse, im mittlern Lat. Sargium, welche wiederum von dem Lat. Sericum, Seide, abstammen, weil die Sarsche ehedem vermuthlich ein seidenes Gewebe war. Man hatte ehedem mehrere Wörter im Deutschen, wo die Sylbe Sar von diesem Sericum abstammet; z. B. das veraltete Särge, eine gewirkte Decke, Tapete, Sartuch, eine unbekannte Art eines Zeuges, Sarewat, eine Art seidener Zeuge u. s. f. von welchen Frischens Wörterbuch nachgesehen werden kann.


Sarter (W3) [Adelung]


Der Sarter, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im Schiffsbaue übliches Wort, wo das Modell eines Schiffes, der schriftliche Entwurf dazu, die ganze Bauart, und das ganze Verhältniß aller Theile gegen einander, der Sarter genannt werden. Jede Nation hat ihren eigenen Sarter, die Russischen Kriegsschiffe, welche in dem vorigen Kriege in das Mittelländische Meer kamen, waren nach dem alten Holländischen Sarter gebauet. Ein erfahrner Seemann kennet jedes Schiff an seinem Sarter. Dieses Wort wird im Schiffsbaue und Seewesen sehr häufig gebraucht, und dennoch ist es in keinem Wörterbuche, weder in einem Deutschen noch in einem mir bekannten Wörterbuche einer fremden Sprache, zu finden. So fern es eigentlich ein schriftliches Verzeichnis der Theile eines Schiffes, der dazu nöthigen Materialien und Kosten bedeutet, kann es mit dem größten Theils veralteten Zerter, eine Art ausgezahnter Urkunden, ein und eben dasselbe Wort seyn, welches hernach in weiterer Bedeutung auch eine jede Urkunde, einen jeden Vertrag bedeutete, und denn besonders von dem Vertrage über den Bau eines Schiffes kann seyn gebraucht worden. Die Bedeutung der Bauart würde alsdann eine nicht ungewöhnliche Figur dieser Bedeutung seyn. Man findet für Sarter auch wirklich Zarter und Zerter geschrieben. S. das letztere.


Saß (W3) [Adelung]


Der Saß, des -sses, plur. die -ssen, von dem Zeitworte sitzen, der da sitzet, und figürlich in gewöhnlicherm Verstande, ein Einwohner, Besitzer. Es ist für sich allein veraltet, kommt aber noch in vielen Zusammensetzungen vor. ( S. Amtssaß, Beysaß, Kanzelleysaß, Erbsaß, Freysaß, Hintersaß, Haussaß, Holzsaß, Kothsaß, Landsaß, Schriftsaß, Untersaß u. s. f.) wo die nähere Beschaffenheit des Einwohners oder Besitzers durch die erste Hälfte des Wortes bestimmet wird. Im Nieders. ist Sate, im Angels. Saeta, im Schwed. Sate, gleichfalls ein Einwohner. S. Sasse.


Sassaparille (W3) [Adelung]


Die Sassaparille, S. Sarsaparilla.


Sasse (W3) [Adelung]


Die Sasse, plur. die -n, ein bey den Jägern für Sitz übliches Wort, wo es doch nur von den Hasen gebraucht wird, denjenigen Ort zu bezeichnen, wo ein Hase sitzt oder lieget. Der Hase drücket sich in seiner Sasse.


Saßjagen (W3) [Adelung]


Das Saßjagen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Jagen, oder eine Jagd, welche nur auf Thiere oder Wildbret geschiehet, und wobey kein Hirsch geschossen wird. Die Saßjagen gehen nach der Hirschbrunft an, und werden, theils wie ein Laufjagen, theils wie ein Contra-Jagen, theils auch wie ein Schützenjagen angestellet.


Satan (W3) [Adelung]


Der Satan, des -s, plur. die -e, der oberste unter den Teufeln, das Haupt unter den gefallenen Engeln, wo es auch als ein eigenthümlicher Nahme ohne Artikel gebraucht wird. Der Herr sprach zu dem Satan: o kommest du her? Satan antwortete u. s. f. Hiob 1, 6. In weiterer Bedeutung wird auch wohl ein jeder gefallener Engel oder Teufel, ein Satan, oder auch als ein eigenthümliches Wort Satan genannt. So denn ein Satan den andern austreibet, Matth. 12, 26. In beyden Fällen ist dieses Wort auch mit der ausländischen Endung as üblich, Satanas, so wohl mit als ohne Artikel. Im gemeinen Leben ist Satan häufig ein Scheltwort boshaften, widerwärtigen oder verhaßten Dinges. So einen Satan vom Pferde habe ich nie geritten, Herm.

Anm. Schon bey dem Ottfried Satanas, im gemeinen Leben Niedersachsens auch Satrian. Es ist aus dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches einen Feind oder Widersacher überhaupt bedeutet.


Satanisch (W3) [Adelung]


Satanisch, -er, -te, adj. et adv. dem Satan gehörig, dessen boshaften Eigenschaften gemäß oder ähnlich, darin gegründet. Eine satanische Bosheit.


Satin (W3) [Adelung]


Der Satin, (sprich Sateng,) des -s, plur. die -s, aus dem Franz. Satin und Ital. Satino, eine Art halb seidener Zeuge, deren im Deutschen schon im 16ten Jahrhunderte gedacht wird. Es gehöret zu dem Ital. und mittlern Lat. Seta und unserm Seide.


Satt (W3) [Adelung]


Satt, -er, -este, adj. et adv. dem Magen nach voll, so daß die Eßlust durch genossene Speise und Trank befriediget ist; denn die bloße Abwesenheit des Hungers macht noch nicht satt. 1. Eigentlich. Satte Gäste. Ein satter (voller) Bauch, in der niedrigen Sprechart. Ein Satter weiß nicht, wie dem Hungrigen zu Muthe ist. Am häufigsten als ein Nebenwort. Satt seyn. Satt werden. Sich satt essen, sich satt trinken, sich nur halb essen. Jemanden satt machen. Nicht satt zu essen haben, nicht so viel haben, daß man sich satt essen könne. In der anständigen Sprechart gebraucht man für dieses, seiner eigentlichen Bedeutung der Fülle wegen, oft weniger edle Worte lieber gesättigt, gesättigt seyn, für satt seyn, und sich sättigen, für sich satt essen. Ist ein Hauptwort haben, so stehet solches in der edlern Sprechart nach dem Muster der Oberdeutschen gern in der zweyten, übrigens aber auch in der vierten Endung. In beyden Fällen kann satt vor oder hinter dem Hauptworte stehen. Brot satt zu essen haben, Klagel. 5, 6; oder Brotes satt, satt Brotes zu essen haben. Sie werden des Brotes nicht satt haben, Hiob 27, 14. S. die folgenden Bedeutungen, wo diese Verbindungsart häufiger vorkommt. 2. Figürlich. 1) Durch hinlänglichen Genuß der Begierde nach befriediget, gestillet. Ein Satter, der seine Begierden, sein Verlangen befriediget hat, und daher keine Begierde weiter empfindet. Am häufigsten auch hier als ein Nebenwort. Das Auge stehet sich nimmer satt, das Ohr höret nimmer satt, Pred. 1, 8. Sich an etwas nicht satt sehen können. Sich satt lachen, schlafen, spielen u. s. f. seinen Trieb zum Lachen, sein Verlangen zu schlafen, zum Spielen völlig befriedigen. Etwas satt werden, nach dem hinlänglichen Genusse, nach vieler Übung einer Sache, sein Verlangen darnach befriediget haben. Er kann es nicht satt werden. Doch wurdet ihrs nicht satt, Gell. Auch hier mit der zweyten Endung des Hauptwortes, welches aber vorher gehen muß. Des Reichthumes nicht satt werden, Pred. 4, 8. 2) Durch häufigen Genuß oder Gebrauch Überdruß empfindend; nur als ein Nebenwort, welches hier gern ein Hauptwort in der zweyten Endung vor sich hat. Seines Lebens satt seyn, überdrüssig. Hingegen alt und Lebens satt seyn, bedeutet auch nur, daß man sein Verlangen zu leben gestillet habe, kein lebhaftes Verlangen nach einem längern Leben weiter empfinde. Ich bin des armen Lebens, So wie der Wünsche satt, Günth. überdrüssig. Man wird seiner bald satt. Sie sind meiner schon satt, Gell. Bey einigen auch mit der vierten Endung. Da würde ich meine Frau bald satt werden, Gell. Und wenn er alsdann das schöne Gesicht satt wäre, Less. 3) Für genug; Lat. satis. Satte Nahrung haben, Opitz, genug. Im Hochdeutschen nur als ein Nebenwort. Ich habe nicht satt Zeug dazu. Satt zu thun haben. 4) Zuweilen wird es auch von Farben gebraucht, und bedeutet alsdann dunkel, gleichsam eine völlig gesättigte Farbe. Ein sattes Gelb, sattgelb, dunkelgelb. Sattgrün u. s. f. So wie es Haller von dem Glanze gebraucht: Die unzählbaren Heere, Die ungleich satt von Glanz des mitgetheilten Lichts In langer Ordnung stehn von Gott zum öden Nichts.

Anm. Schon bey dem Notker und Ottfried sat, bey dem Ulphilas sad, im Nieders. gleichfalls satt, im Engl sated, im Pohln. syt, im Böhm. syty, im Lat. sat, satur. Da dieses Wort doch eigentlich die Empfindung des mit hinlänglicher Speise angefüllten Magens bedeutet, so scheinet es zunächst zu schütten zu gehören, so fern es ehedem überhaupt füllen, anfüllen bedeutet hat.


Sattel (W3) [Adelung]


Der Sattel, des -s, plur. die Sättel, ein Ort, wo man sitzet, ein Werkzeug oder Gestell, worauf eine Person oder ein Ding sitzet. 1. * In der eigentlichen und weitern Bedeutung, wo es ehedem von einem jeden Stuhle üblich war; bey dem Ulphilas Sitl, Angels. Setl, Nieders. Setel. ( S. Sessel und Siedel.) In dieser Bedeutung ist es längst veraltet, und wir gebrauchen es, 2. Nur im engern Verstande, von einer Art eines Stuhles oder Sitzes, vermittels desselben bequem und sicher zu Pferde zu sitzen. Sattel und Zeug, wo unter dem letzten Worte das übrige zum Reiten gehörige Geschirr verstanden wird. Einem Pferde den Sattel auflegen. Das Pferd that einen Satz und rückte seinen Reiter aus dem Sattel. Jemanden aus dem Sattel heben oder werfen, eine von den ehemaligen Turnieren entlehnte figürliche R. A. ihn mit Geschicklichkeit, Geschwindigkeit oder List eines Vortheiles berauben. Fest im Sattel sitzen, sich seines Vortheiles nicht berauben lassen, seiner Sache gewiß seyn. Sich in den Sattel schwingen, auch zuweilen figürlich, durch seine Geschicklichkeit einen Vortheil erhalten. Jemanden in den Sattel helfen, ihm zu einem Amte, zu einem Vortheile behülflich seyn. In alle Sättel gerecht seyn, sich in alle Umstände zu schicken wissen. Ein Urtheil, das in alle Sättel gerecht ist, welche auf alle Fälle paßt. In der Oberlausitzischen Unterthanenordnung ist, sich auf den Sattel legen, müßig leben. Gemeiniglich verstehet man unter Sattel schlechthin einen Reitsattel, wie man diesen auch nennet, wenn man ihn von einem Saumsattel unterscheiden will. Von jenem gibt es mehrere Arten. Die Englischen Sättel sind leicht und ganz glatt, die Pohlnischen sind klein und leicht, die Deutschen schwer und tief. Zu den letztern gehören der Tummelsattel, der Kleppersattel u. s. f. Der Quer- oder Weibersattel ist für das weibliche Geschlecht. 3. Figürlich. 1) Oft bekommen viele Dinge und Theile anderer Werkzeuge den Nahmen eines Sattels, entweder wegen einiger Ähnlichkeiten mit einem Reitsattel, oder auch so fern ein anderes Ding darauf sitzet oder ruhet; in welchem letztern Falle denn das Wort zur erstern weitern Bedeutung gehöret. So wird an einer Malzdarre das Gewölbe, welches die Darre eigentlich ausmacht, und auf den Seitenmauern ruhet, wegen seiner Ähnlichkeit der Sattel genannt, um welcher Ähnlichkeit willen auch eine Art Austern diesen Nahmen führet, ( S. Sattelmuschel.) Bey den Vogelstellern ist der Sattel eine Art des Vogelfanges, wo mit Schlingen von Pferdehaaren auf einer lebendigen Taube nach den Raubvögeln gestellet wird, welches man auf dem Sattel fangen nennet, wo aber der Grund der Benennung noch dunkel ist. In der Anatomie ist der Sattel oder das Sattelbein, Sella equina, ein Theil des siebförmigen Beines der Hirnschale, welches mit der dazwischen gelegenen Höhle einen Pferdesattel vorstellet. In den Wälschen Nüssen wird die Scheidewand, welche den Kern in vier Theile theilet, im gemeinen Leben der Sattel genannt, ohne Zweifel, weil er dem Kerne zum Spitze und zur Befestigung dienet. Im Bergbaue ist der Sattel an den Kunstgestänge ein Stück harten Holzes mit einem Loche in der Mitte, wodurch man eine Spindel steckt, damit sich derselbe mit dem darauf liegenden Kunstgestänge hin und wieder bewegen könne. Am Knechte Tischler ist der Sattel ein Klötzchen, welches bald hoch, bald niedrig gehänget wird, und worauf das Bret, welches man bearbeitet, mit der hohlen Kante ruhet. Der Sattel der Tuchbereiter ist ein Galgen von Holz, der die Tuchschere in ihrer Lage erhält. An den Pressen der Kupferdrucker sind die Sättel vier Büchsen, worin die beyden Walzen mit ihren Zapfenenden ruhen, und deren ausgeschweifte Ecken mit Eisenblech überzogen sind. An den Gieß-Instrumenten der Schriftgießer ist es derjenige Theil, worauf die Matritze ruhet. Und so in andern Fällen mehr. 2) * Ein Sitz auf dem Lande, d. i. ein Wohnhaus mit den dazu gehörigen Grundstücken, ein Gut; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, wovon aber doch noch verschiedene Spuren vorkommen. In der Kärnthischen Gerichtsordnung bedeutet die R. A. dem Kläger in den Satel weisen, ihn in den Besitz des Gutes setzen. S. auch Siedel und einige der folgenden Zusammensetzungen.

Anm. In der zweyten engern Bedeutung eines Pferdesattels, schon bey dem Stryker und im Schwabens. Satil, im Nieders. und Schwed. Sadel, im Angels. Sadl, Sadol, im Engl. Saddle, im Isländ. Sadul, im Wallis. Sadell, bey den Krainern Sedlu, im Pohln. Siodlo, im Böhm. Sedlo. Andere Sprachen stoßen nach Art der Niedersachsen das d oder rt aus, wie das Latein. und Ital. Sella, das Franz. Selle, das Span. Silla. Die Endsylbe ist die Ableitungssylbe -el, welche so wohl ein Werkzeug, als auch ein Subject, von welchem etwas gesagt wird, ein Ding, bedeuten kann. Die erste Hälfte gehöret ohne Zweifel zu sitzen, Nieders. sitten, welches in seinen verschiedenen Formen fast alle Selbstlaute durchläuft; Sattel bedeutet also ein Ding, worauf ein anderes sitzet, ob es gleich auch ein Ding bedeuten kann, welches auf einem andern sitzet. Wenn es in einigen eigenthümlichen Nahmen der Berge ehedem einen Berg überhaupt bedeutet zu haben scheinet, so kann diese Benennung auch eine Figur der Ähnlichkeit mit einem Sattel seyn, obgleich auch der Begriff der Erhöhung überhaupt dem Worte gar wohl zukommen könnte.


Sattelbaum (W3) [Adelung]


Der Sattelbaum, des -es, plur. die -bäume, an den Reit- und Pferdesätteln, zwey krumme Stücken Holz, welche auf den Rücken des Pferdes passen, und das Geripp des Sattels ausmachen, und auch Sattelbogen, bey den Sattlern in der Grafschaft Schönburg aber die Äfter genannt werden.


Sattelbein (W3) [Adelung]


Das Sattelbein, des -es, plur. die -e, in der Anatomie, S. Sattel 3 1).


Sattelbogen (W3) [Adelung]


Der Sattelbogen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Sattelbaum.


Satteldach (W3) [Adelung]


Das Satteldach, des -es, plur. die -dächer, in der Bau- und Zimmermannskunst, ein Dach, welches zwey gerade in die Höhe gehende Gibel hat, und daher einem Sattel gleicht; ein zweyhängiges Dach, Giebeldach, zum Unterschiede von einem einhängigen oder Pultdache, einem Zeltdache, Kuppeldache und so ferner.


Satteldecke (W3) [Adelung]


Die Satteldecke, plur. die -n, eine Decke, womit der Sattel auf dem Pferde bedeckt wird.


Sattelfrey (W3) [Adelung]


Sattelfrey, adj. et adv. welches nur als ein Beywort von gewissen Landgütern in einigen Gegenden gebraucht wird. Ein sattelfreyer Hof, ein freyer Hof, ein Sattelhof, zum Unterschiede von einem dienstbaren oder unterthänigen. Ein Sattelfreyer, der Besitzer eines solchen sattelfreyen Gutes, der im Niederdeutschen auch ein Sattelhöfer heißt. Nieders. sadelfrij. Das Wort Sattel wird hier auf verschiedene Art erkläret. In dem Bremisch-Nieders. Wörterbuche heißen sattelfreye Güter, welche von Ritterdiensten frey sind, und nach dieser Erklärung würde Sattel, figürlich das Reitpferd bedeuten. Allein die sattelfreyen Güter sind in Niedersachsen keine Ritter- sondern Bauergüter, welche ohnehin kein Ritterpferd geben, daher Sattel hier wohl unmittelbar sitzen gehören muß, einen freyen Sitz zu bezeichnen. s. Sattelhof und Sattellehen.


Sattelgurt (W3) [Adelung]


Der Sattelgurt, des -es, plur. die -e, derjenige Gurt, womit der Sattel auf dem Pferde fest geschnallet wird.


Sattelgut (W3) [Adelung]


Das Sattelgut, des -es, plur. die -güter, S. Sattelhof.


Sattelhammer (W3) [Adelung]


Der Sattelhammer, des -s, plur. die -hämmer, ein langer schmaler Hammer der Sattler, die gelben Nägel damit einzuschlagen; der Sattlerhammer.


Sattelhof (W3) [Adelung]


Der Sattelhof, des -es, plur. die -höfe. 1) Ein sattelfreyer Hof; Nieders. Sadelhof, im Oberdeutschen auch Siedelhof. Ein Gut, welches einen sattelfreyen Hof hat, oder selbst von allen Diensten frey ist, wird daher auch ein Sattelgut oder sattelfreyes Gut genannt. ( S. Sattelfrey.) 2) Ein Hof dessen Besitzer in gewissen Fällen mit einem gesattelten Pferde Dienste leisten; das Sattelgut.


Sattelkammer (W3) [Adelung]


Die Sattelkammer, plur. die -n, eine Kammer, ein Zimmer, in welchem die Sättel und anderes Reitzeug verwahret werden.


Sattelknecht (W3) [Adelung]


Der Sattelknecht, des -es, plur. die -e, ein Knecht, welcher nur mit Reitpferden zu thun hat, dieselben sattelt und absattelt. In den Marställen hat der Sattelknecht die Sattelkammer unter seiner Aufsicht und ist des Herrn erster Reitknecht. Zuweilen hat er noch den Leibknecht vor sich.


Sattelknopf (W3) [Adelung]


Der Sattelknopf, des -es, plur. die -knöpfe, der erhöhete Knopf vorn in der Mitte des vordern Sattelbaumes an einem Reitsattel, der bey einigen Sattlern der Äfterknopf genannt wird.


Sattelküssen (W3) [Adelung]


Das Sattelküssen, des -s, plur. ut nom. sing. der mit Haaren in Gestalt eines Küssens ausgestopfte Theil eines Sattels. Ingleichen eine Art weicher Sättel, welche kein Holzwerk haben, sondern nur aus einem ausgestopften Küssen bestehen.


Sattellehen (W3) [Adelung]


Das Sattellehen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Lehengut, welches statt der Dienste dem Lehensherren ein gesatteltes Pferd stellet, da denn ein solches Gut von einem Rittergute nicht sehr verschieden seyn würde. Nach andern ist es ein Lehengut, welches statt der Lehenwaare ein gesatteltes Pferd gibt.


Sattelmuschel (W3) [Adelung]


Die Sattelmuschel, plur. die -n, eine Art Austern, wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem Sattel; Ostrea Ephippium L. bey einigen auch der Englische Sattel.


Satteln (W3) [Adelung]


Satteln, verb. reg. act. dem Pferde den Sattel auflegen und denselben an ihm befestigen. Ein Pferd satteln. Es ist noch nicht gesattelt. Nieders. sadeln, Schwed. sadla, Engl. to saddle.


Sattelpferd (W3) [Adelung]


Das Sattelpferd, des -es, plur. die -e, unter den Wagenpferden, dasjenige Pferd, welches den Sattel träget, auf welchem der Fuhrmann reitet, und dem das Handpferd zur rechten Hand gehet. In der Monseeischen Glosse heißt Satalrosso ein Reitpferd, in welchem Verstande es aber veraltet ist.


Sattelrücken (W3) [Adelung]


Der Sattelrücken, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, der erhabene Theil des Rückens eines wilden Schweines, der bey ihnen auch der Krammenruck oder Krammenrücken genannt wird.


Sattelsteg (W3) [Adelung]


Der Sattelsteg, des -es, plur. die -e, an einem Reitsattel, der Steg, d. i. das lange Holz zu beyden Seiten zwischen den Bäumen.


Satteltasche (W3) [Adelung]


Die Satteltasche, plur. die -n, Taschen an einem Sattel, allerley Bedürfnisse darin zu verwahren.


Sattelzeug (W3) [Adelung]


Das Sattelzeug, des -es, plur. inus. der Sattel und dessen sämmtliches Zugehör.


Sattelzwecke (W3) [Adelung]


Die Sattelzwecke, plur. die -n, Zwecken, deren sich die Sattler bey Beschlagung eines Sattels bedienen.


Sattheit (W3) [Adelung]


Die Sattheit, plur. car. von dem Bey- und Nebenworte satt, der Zustand, da man satt ist, so wohl eigentlich, als figürlich. Das größte Übel der Sattheit an allen Dingen, die erfreuen können, hat seine Seele ganz eingenommen. Bey dem Kero mit einer andern Ableitungssylbe Setii.


Sättig (W3) [Adelung]


Sättig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Sättigend, was bald und leicht satt macht; im gemeinen Leben. Der Reiß ist sehr sättig. Die Mehlspeisen sind sättig. 2) * Leicht zu sättigen; eine veraltete Bedeutung, in welcher Luther Sprichw. 27, 20 den Gegensatz unsättig für unersättlich gebraucht.


Sättigen (W3) [Adelung]


Sättigen, verb. reg. act. satt machen. 1. Eigentlich. Mehlspeisen sättigen sehr, sind sehr sättig, machen bald satt. Einen Hungrigen sättigen. Er ist nicht zu sättigen. Sich sättigen, für das niedrigere sich satt essen; daher man auch das Mittelwort gesättigt in der anständigen Sprechart für das gemeinere satt gebraucht. Sich mit etwas sättigen. Sich an einem Gerichte sättigen. 2. Figürlich. 1) Eine Begierde durch den Genuß befriedigen. Des Harpax Geitz ist nicht zu sättigen. Die biblische Wortfügung mit der zweyten Endung, sich nicht des Gutes sättigen, Pred. 6, 3 ist im Hochdeutschen ungewöhnlich, so wie die R. A. seinen Eifer an jemanden sättigen, Ezech. 16, 42, und die Bedeutung für erquicken: die bekümmerte Seele sättigen, Jerem. 31, 25. 2) In der Chemie sättigt man einen Körper mit dem andern, wenn man von diesem so viel zu jenem thut, als er nur annehmen kann. Ein mit Silber gesättigtes Scheidewasser, welches so viel Silber aufgelöset hat, als es nur auflösen kann. Wasser mit Salz, Weinessig mit Silberglätte sättigen. Man gebraucht es auch wohl von den Farben, so viel von einer Farbe zu einer andern thun, als sie in einem gewissen Verhältnisse davon an sich nehmen kann. So auch die Sättigung.

Anm. Die Endsylbe -igen zeiget schon an, daß dieses ein abgeleitetes Zeitwort ist, welches entweder von dem Beyworte sättig gebildet worden, oder noch wahrscheinlicher das Intensivum von dem veralteten satten ist, welches noch bey dem Hornegk, Ottfried u. s. f. vorkommt; setan, Ottfried satan, Notker. Auch im Nieders. sagt man so wohl saden als sadigen und sädigen. Latein satiare und saturare.


Sättigkeit (W3) [Adelung]


Die Sättigkeit, plur. inus. 1) Die Eigenschaft einer Speise, da sie sättig ist, leicht sättiget; im gemeinen Leben. 2) * Die Eigenschaft einer Person, da sie leicht zu sättigen ist; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. 3) Der Zustand, da man satt ist; wofür doch, wenigstens in der anständigen Sprechart, Sattheit üblicher ist.


Sattler (W3) [Adelung]


Der Sattler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher vornehmlich Sättel verfertiget, dessen Gattinn, die Sattlerinn. Nieders. Sadeler, Sadelmaker, Böhm. Sedlar.


Sattlerahle (W3) [Adelung]


Die Sattlerahle, plur. die -n, eine Art Ahlen mit einem Loche zum Durchziehen, deren sich die Sattler bedienen; das Sattlereisen.


Sattlerarbeit (W3) [Adelung]


Die Sattlerarbeit, plur. die -en, Arbeit, welche die Sattler verfertigen.


Sattlereisen (W3) [Adelung]


Das Sattlereisen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Sattlerahle.


Sattlergare (W3) [Adelung]


Die Sattlergare, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, die Art und Weise, wie die Sattler ihre Felle gar machen.


Sattlerhammer (W3) [Adelung]


Der Sattlerhammer, S. Sattelhammer.


Sattlerzwecke (W3) [Adelung]


Die Sattlerzwecke, plur. die -n, Zwecken, deren sich die Sattler bedienen, und wovon die Sattelzwecken eine Art sind.


Sättlich (W3) [Adelung]


Sättlich, -er, -ste, adj. et adv. leicht zu sättigen; doch nur in den Zusammensetzungen ersättlich und unersättlich. Siehe dieselben.


Sattsam (W3) [Adelung]


Sattsam, adj. et adv. von satt und der Ableitungssylbe -sam, hinreichend, zu einer Absicht zulänglich, genugsam. Sattsamen Grund, sattsame Ursache zu etwas haben. Sich sattsam entschuldigen. Einen sattsamen Vorrath von etwas haben. Ich habe sattsame Nachricht davon. Die Stirn muß sattsam gewölbet seyn.


Sattsamkeit (W3) [Adelung]


Die Sattsamkeit, plur. inus. die Eigenschaft, da eine Sache zu einer Absicht hinreichend und zulänglich ist; welches doch nur selten gebraucht wird. Die Sattsamkeit eines Beweises.


Saturey (W3) [Adelung]


Die Saturey, plur. car. 1) Eine Pflanze, welche in den wärmern Gegenden Europens einheimisch ist; Satureia L. woraus auch der Deutsche Nahme entlehnet ist, der im gemeinen Leben nach einer verderbten Aussprache auch Zatrey, Sengenkraut lautet; Engl. Savory. Die Garten-Saturey, Satureia hortensis L. ist auch unter dem Nahmen des Gartenisoppes und der Bohnenkölle bekannt. 2) In einigen Gegenden wird auch der Quendel oder Hühnerkohl, Thymus Serpillum L. Saturey genannt.


Satzhase (W3) [Adelung]


Der Satzhase, des -n, plur. die -n, bey den Jägern, ein Hase weiblichen Geschlechtes, welcher Junge setzet oder bringet; der Setzhase, die Häsinn, der Mutterhase, zum Unterschiede von dem Rammler.


Satzmeißel (W3) [Adelung]


Der Satzmeißel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Schlössern, ein Meißel, womit die Nietnägel angetrieben werden.


Satzmöhre (W3) [Adelung]


Die Satzmöhre, plur. die -n, bey den Gärtnern, zum Samen bestimmte Möhren, welche den Winter über im Keller verwahret, und im Frühlinge wieder in den Garten ausgesetzet werden; die Samenmöhre. So auch die Satzrübe.


Satzstock (W3) [Adelung]


Der Satzstock, des -es, plur. die -stöcke, im Landbaue, Weidenstäbe, welche zur Fortpflanzung in die Erde gesetzt werden.


Satzstück (W3) [Adelung]


Das Satzstück, des -es, plur. die -e, in den Rechten einiger Gegenden, die Artikel einer gerichtlichen Schrift. Siehe Satz 2 2) (a).


Satzteich (W3) [Adelung]


Der Satzteich, des -es, plur. die -e, Teiche, worein die schon erwachsenen Fische gesetzet, und daselbst bis zum weitern Gebrauch ernähret werden; Besetzteich, Gewächsteich, Hauptteich, zum Unterschiede von den Streich- und Streckteichen.


Satzung (W3) [Adelung]


Die Satzung, plur. die -en, von dem veralteten Zeitworte satzen für setzen. 1. Die Handlung des Setzens; doch nur in einigen Fällen und am häufigsten auch nur in einigen Gegenden, besonders in einigen Zusammensetzungen. So ist im Oberdeutschen die Tagesatzung die Bestimmung eines Tages, besonders zu einer öffentlichen Versammlung, die Fleischsatzung, Brotsatzung, Mehlsatzung, die obrigkeitliche Schätzung oder Taxation des Fleisches, Brotes, Mehles, und oft auch die Taxe selbst. 2. Was gesetzet wird; doch nur in einigen Fällen. 1) * Ein versetztes Pfand hieß ehedem sehr häufig eine Satzung, welche Bedeutung schon im Schwabenspiegel vorkommt, aber jetzt völlig veraltet ist. 2) Ein Befehl, eine Verordnung, ein Gesetz. In der Deutschen Bibel kommt es in diesem Verstande von Befehlen und Gesetzen aller Art sehr häufig vor. Nach meinen Rechten sollt ihr thun, und meine Satzungen sollt ihr halten, 3 Mos. 18, 4. Wandelt nicht in den Satzungen der Heiden, Kap. 20, 23. Opitz gebraucht es in den Psalmen beständig für Gesetz, und im Niederdeutschen sind Settinge, Satunge, die Statuten. Doch auch in dieser Bedeutung ist es im Ganzen veraltet und man gebraucht es nur noch in wenigen engern Fällen. (a) Von den Vorschriften des äußern Gottesdienstes bey den ältern Juden, nach dem Vorgange der Deutschen Bibel. (b) In dem zusammen gesetzten Reichssatzung, Landtagssatzung u. s. f. bedeutet es verbindliche Verordnungen, wodurch die Glieder einer Gesellschaft sich und ihre Committenten verbinden; da es denn von den Gesetzen im engern Verstande, so fern diese eigentliche Unterthanen verpflichten, unterschieden wird. Menschensatzungen sind solche Gesetze in Glaubens- und gottesdienstlichen Sachen, wodurch Menschen sich selbst verpflichten.


Satzweide (W3) [Adelung]


Die Satzweide, plur. die -n, in der Landwirthschaft, Weiden, welche zur Fortpflanzung in die Erde gesetzt werden, Satzstöcke.


Satzzeit (W3) [Adelung]


Die Satzzeit, plur. die -en, bey den Jägern, die Zeit, wenn das Wild zu setzen, d. i. Junge zu werfen, pflegt. Die Satzzeit der Hasen u. s. f.


Satzzwiebel (W3) [Adelung]


Die Satzzwiebel, plur. die -n, bey den Gärtnern, Zwiebeln, welche versetzet werden, und auch Stechzwiebeln genannt werden; zum Unterschiede von denen, welche man da, wo sie gesäet worden, stehen läßt.


Sau (W3) [Adelung]


1. Die Sau, plur. die Säue, ein nur in einigen wenigen Fällen, besonders im Hüttenbaue übliches Wort. 1) Eine Masse Schwarzkupfer wird daselbst eine Sau oder Kupfersau genannt. Wenn aber im Seigern und Kupferschmelzen diejenigen Schlacken, welche noch viel Erz in sich enthalten, Säue genannt werden, so scheinet hier die figürliche Bedeutung des folgenden Wortes, eines Fehlers, zum Grunde zu liegen. Eine Sau machen oder das Silber in die Sau jagen, ist eben daselbst, wenn das Silber den Treibeherd aufhebt, und unterkriecht, da es sich denn in den Schlacken verlieret. 2) Bey den Planenherden ist die Sau eine flache Grube unter dem Herde, in welcher der Schlich, der mit der Trübe abfällt, aufgefangen wird. Im ersten Falle bedeutet es eine Masse, und in zweyten eine Vertiefung, einen hohlen Raum. Die Übereinstimmung mit dem folgenden Worte ist gewiß nur zufällig. Allem Ansehen nach stammet es hier von einem Zeitworte her, welches eine gleichlautende schnelle Bewegung bedeutet hat, wovon unser säen ein Ast ist, und wovon mit verschiedenen Endlauten auch Same sauber u. s. f. abstammen. Nach sehr gewöhnlichen Figuren bedeuten alle diese Zeitwörter eine Bewegung theils in eine Masse, theils aber auch in die Tiefe. Das Lat. sus in susque, so wie die Sylbe su in super, supra u. s. f. gehören gleichfalls dahin, so wie in suere eigentlich auch der Begriff der Verbindung Statt findet, wovon der Begriff der Masse eine nahe Figur ist.


Sau (W3) [Adelung]


2. Die Sau, plur. die Säue, und bey den Jägern so wohl, als im Oberdeutschen die Sauen. 1. Ein erwachsenes Schwein überhaupt, ohne Unterschied des Geschlechtes; zum Unterschiede von einem Ferkel und Frischlinge. 1) Eigentlich. (a) Bey den Jägern wird ein jedes erwachsenes wildes Schwein ohne Unterschied eine Sau und im Plural die Sauen genannt. Soll das Geschlecht näher bestimmt werden, so heißt eine Sau männlichen Geschlechtes ein Sauschwein, eine Schweinesau, ein hauend Schwein, ein Hauer oder Keiler, und eine Sau weiblichen Geschlechtes eine Bache. (b) Von den zahmen Schweinen wird es gleichfalls sehr häufig von beyden Geschlechtern, oder vielmehr von dieser Art Thiere gebraucht, wenn man ihr Geschlecht nicht näher bezeichnen will oder kann. Der Plural hat hier gemeiniglich die Säue in vielen gemeinen Sprecharten aber gleichfalls die Sauen. Die Säue hüthen, die Schweine. Eine Herde Säue. Die Teufel fuhren in die Säue, Matth. 8, 32. Indessen ist es in dieser allgemeinen Bedeutung niedriger als das gleichbedeutende Schwein, daher man in der anständigen Sprechart dieses jenem allemahl vorziehet. In den gemeinen Sprecharten aber gebraucht man es statt dessen auch in den Zusammensetzungen Saubraten, Saufleisch u. s. f. für Schweinsbraten, Schweinefleisch. 2) Figürlich. (a) Eine unreinliche, schmutzige Person, besonders weiblichen Geschlechtes, doch nur in den niedrigsten Sprecharten und im verächtlichen Verstande, von der bekannten unreinlichen Eigenschaft dieser Thiere. ( S. auch Sauen und säuisch.) (b) Ein Klecks, besonders ein Tintenklecks, heißt im gemeinen Leben häufig so wohl eine Sau als ein Schwein, welchen Nahmen in den niedrigen Sprecharten auch wohl ein jeder Fehler bekommt. Eine Sau machen, Ital. Porco. 2. In engerer Bedeutung, eine Sau oder ein Schwein weiblichen Geschlechtes, besonders wenn sie schon geworfen hat, die man auch eine Fährmutter, ein Mutterschwein, im Nieders. eine Mutte, in andern Gegenden eine Mocke, in der Schweiz eine Mohr, in Österreich eine Zaucke, in Schlesien eine Ranze und Range zu nennen pflegt, um sie dem Eber, Bär oder Hacksch entgegen zu setzen. In dieser eingeschränkten Bedeutung wird es nur von zahmen Schweinen gebraucht, denn eine weibliche wilde Sau heißt am gewöhnlichsten eine Bache oder Leene.

Anm. Schon in dem Galischen Gesetze ist Suden ein Schweinstall. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno lautet dieses Wort Su, im Engl. Sow, im Schwed. So, und im Lat. Sus, welches von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - abstammet, weil s und h immer in einander übergehen. Mit dem Endlaute g oder ch heißt eine Sau im Nieders. Söge, im Fries. Siugge, im Westphäl. Sugge, im Österr. Zaucke, im Angels. Sugu und Syge, im Finnländ. Sica, im Estnischen Siga, in der Lakonischen Mundart der Griechen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, mit dem Hauche statt des s im Armenischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Wallis. Hvvch, im Bretagnischen Houch, im Engl. Hog; wohin auch unser Hacksch, ein Eber, gehöret. Alle diese Wörter bedeuten theils ein Schwein überhaupt, theils aber auch ein weibliches Schwein. Ihre hält das alte Nordische Saur, Koth, im Deutschen Hor und Gor, für das Stammwort, ohne zu erwägen, daß der Begriff der Unreinlichkeit erst eine von diesem unreinlichen Thiere entlehnte Figur ist. Wachter und die meisten übrigen Wortforscher sehen den eingeschränkten Begriff eines weiblichen Schweines für den Stammbegriff an, legen die Niederdeutsche Form Söge zum Grunde, und leiten es von säugen ab. Keinem ist es eingefallen, daß dieses Wort eine Nachahmung des diesem Thiere, und besonders dem weiblichen Geschlechte desselben, so eigenthümlichen Lautes ist, welchen schon stammelnde Kinder durch hüs, hüs, ausdrucken, und so wie die Griechen ihr - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - zu Benennung eines Schweines gebrauchen. Eben darin liegt auch der Grund, warum dieses Wort nur von erwachsenen Schweinen gebraucht wird. Das Niederdeutsche und verwandte Söge ist der durch ein Suffixum verstärkte Ausdruck dieses Lautes, den auch die Lateiner in ihrem Diminut. Sucula haben, so wie ihr Endlaut s in suarius, suatim, suillus ganz wegfällt, in subare und surire aber in andere übergehet. S. auch Schwein. In den folgenden Zusammensetzungen bedeutet es theils ein Schwein überhaupt, wo er zuweilen, aber nicht immer, mit Schwein - vertauschet werden kann, theils aber auch ein wildes Schwein.


Sauaß (W3) [Adelung]


Das Sauaß, des -es, plur. car. von Aß, Speise, in einigen Gegenden, alles was den Sauen oder Schweinen zur Nahrung dienet. In engerer Bedeutung wird das Geringste von dem geschrotenen Getreide, womit man die Schweine zu füttern pflegt, bey den Müllern und Bäckern sowohl Sauaß als Schweinaß genannt.


Sauauge (W3) [Adelung]


Das Sauauge, des -s, plur. die -n, eine in einigen Gegenden übliche figürliche Benennung der Ein- oder Wolfsbeere, Paris L. S. diese Wörter.


Saubär (W3) [Adelung]


Der Saubär, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein männliches Schwein oder Eber, der an manchen Orten auch Saubätz genannt wird. Siehe Schwein, ingleichen Bär und Eber.


Saubeere (W3) [Adelung]


Die Saubeere, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Beeren des gemeinen Nachtschattens, und diese Pflanze selbst; Solanum nigrum L. Hintschkraut, Schlafkraut.


Saubeller (W3) [Adelung]


Der Saubeller, des -s, plur. ut nom. sing. im Jagdwesen, eine Art abgerichteter zotiger Mittelhunde, welche nur allein auf Sauen, d. i. wilde Schweine, suchen, und eher keinen Laut von sich geben, als bis sie eines gefunden haben; der Saufinder.


Sauber (W3) [Adelung]


Sauber, -er, -ste, adj. et adv. rein, von allem Schmutze, oder Unreinlichkeit befreyet und dabey zierlich. 1) Eigentlich. Das Glas ist sehr sauber, rein. Eine saubere Kleidung. Ein sauberes Hemd. Sich sauber und reinlich halten. Sauber gekleidet gehen. Man hat dich nicht mit Wasser gebadet, daß du sauber würdest, Ezech. 16, 4. Im Hochdeutschen verbindet man mit dem Begriffe der Reinlichkeit allemahl auch dem Begriff der Zierlichkeit; allein im Oberdeutschen gebraucht man es auch für rein überhaupt. Saubere Wäsche, ein sauberer Teller ist daselbst, weiter nichts, als ein reiner. Im Hochdeutschen ist der Gegensatz unsauber in eben diesem Verstande üblich. 2. Figürlich. 1) * Unverfälscht, unvermischt, ingleichen unbefleckt, im moralischen Verstande; eine nur im Niederdeutschen übliche Benennung, wo eine saubere Jungfer eine reine Jungfer, sauberes Gold, reines, unvermischtes Gold ist. 2) Fein und zierlich. Eine saubere Arbeit. Ein sauberes Uhrgehäuse. Das ist sehr sauber. 3) Behuthsam und vorsichtig; im gemeinen Leben. Sauber mit etwas umgehen. Jemanden sehr sauber angreifen. (Siehe Säuberlich.) 4) Nach einer gewöhnlichen Ironie bezeichnet es zuweilen auch den Gegensatz, und wird alsdann ironisch überhaupt von Dingen gebraucht, welche die gehörige Beschaffenheit nicht haben. Ein sauberer Vogel, ein leichtfertiger, ausschweifender, lasterhafter Mensch. Das ist mein sauberer Sohn, mein ungerathener. Anm. Schon bey dem Kero für rein, subro, im Tatian heißt die Reinigung Mariä Subarnesse, im Nieders. suver, im Angels. sifer. Die sonst verwandten Sprachen haben dieses Wort nicht, man müßte denn das Lat. sobrius als eine figürliche Bedeutung davon ansehen, wie denn Notker dieses Wort wirklich durch suber übersetzet. Die Endsylbe -er ist die gewöhnliche Ableitungssylbe so vieler Beywörter. Die Stammsylbe saub gehöret zu einem Zeitworte, welches mit säen und stehen verwandt ist, und eine heftige, hin und her gehende Bewegung überhaupt, dergleichen mit dem Reinigen und Säubern gemeiniglich verbunden ist, bedeutet hat. Rein und andere gleichbedeutende Wörter haben einen ähnlichen Ursprung. S. Säubern und das folgende.


Sauberkasten (W3) [Adelung]


Der Sauberkasten, des -s, plur. ut nom. sing. in den Mühlen, ein Kasten, in welchen das gesiebte Mehl gethan wird; wo die Verwandtschaft mit sieben sehr deutlich ist.


Sauberkeit (W3) [Adelung]


Die Sauberkeit, plur. inus. der Zustand einer Sache, da sie sauber ist, in der ersten eigentlichen und zweyten figürlichen Bedeutung.


Säuberlich (W3) [Adelung]


Säuberlich, adv. dem was sauber ist, ähnlich, auf eine saubere Art. 1) * In der ersten Bedeutung des Beywortes sauber, wo es für dieses Wort selbst stehet, aber im Hochdeutschen veraltet ist. Der euch kleidete säuberlich, 2 Sam. 1, 24. 2) In der dritten figürlichen Bedeutung, behuthsam, vorsichtig, gelinde, sanft. Säuberlich mit etwas umgehen. Etwas sehr säuberlich angreifen, behuthsam und sanft. Fahrer mit säuberlich mit dem Knaben Absalom, 2 Sam. 18, 5. Darum strafest du säuberlich, die da fallen, Weish. 12, 2. In der anständigen Schreibart fängt es auch in dieser Bedeutung an zu veralten.

Anm. In der zweyten Bedeutung im Schwedischen säfverlig. Sauber und säuberlich scheinen in dieser Bedeutung der behuthsamen, sanften Behandlung, von sauber, rein, noch verschieden zu seyn; dieses setzt ein Zeitwort der Bewegung voraus, jenes aber der Ruhe. Im Schwed. ist Sef, Sefe, Ruhe, sefa beruhigen, im Angels. Sib, und bey unsern alten Oberdeutschen Schriftstellern Sibba, gleichfalls die Ruhe, die Stille. Dieses ist allem Ansehen nach das Stammwort von säuberlich in dieser Bedeutung, so wie auch sanft, welches sich nur durch das oft zufällige n von dem Angels. soft, sanft, unterscheidet, damit verwandt ist.


Säuberling (W3) [Adelung]


Der Säuberling, des -es, plur. die -e, ein gutes, aber nur in einigen Gegenden übliches Wort, einen Menschen zu bezeichnen, welcher sich mit übertriebener Sorgfalt der Sauberkeit in der Kleidung befleißiget, und der ungefähr das ist, was man im Französ. einen Petit-Maitre und im Deutschen auch einen süsten Herren nennet.


Säubern (W3) [Adelung]


Säubern, verb. reg. act. sauber machen, von allem Schmutze, von aller Unreinigkeit befreyen; in der Oberdeutschen Mundart saubern. Das Essen von dem Koste säubern. Die Bäume säubern, sie von den dürren Ästen und von dem Moose reinigen. Die Zähne die Ohren säubern. Das Getreide säubern, durch Sieben oder Worfeln. Sich säubern, so wohl sich von dem Ungeziefer befreyen, als auch für sich reinigen. Das Geschirr säubern, es scheuern. Im Oberdeutschen säubert man auch ein Zimmer und die schwarze Wäsche, wenn die Hochdeutschen im ersten Falle lieber auskehren, und im zweyten lieber waschen sagen. Überhaupt werden sauber und säubern im Oberdeutschen als gleichbedeutend mit rein und reinigen gebraucht, dagegen man im Hochdeutschen säubern am häufigsten von der Art der Reinigung gebraucht, welche mit einem Reiben verbunden ist. Die Bienen säubern sich, wenn sie an einem hellen Tage vor dem Stocke auf und nieder fliegen, welches man auch sich auswittern oder sich verwittern nennet. Von böser Art des Volkes will ich sorgen, Das ganze Land zu säubern alle Morgen, Opitz. Im Bergbaue säubert man, wenn man den Schutt vor Ort wegräumet. So auch die Säuberung.

Anm. Bey dem Notker seuueren, subern, im Tatian subirin, im Nieders. süvern. Entweder unmittelbar von sauber, oder auch als das Intensivum eines veralteten Zeitwortes sauben, welches eigentlich hin und her bewegen, reiben, bedeutet hat, und womit stehen nahe verwandt ist.


Saubersieb (W3) [Adelung]


Das Saubersieb, des -es, plur. die -e, in den Mühlen, ein Sieb, womit das Mehl gesäubert, d. i. gesiebet wird.


Saubohne (W3) [Adelung]


Die Saubohne, plur. die -n. 1) Eine Art der Feldbohnen, welche nicht so schmackhaft sind als Puffbohnen, und gemeiniglich nur als ein Futter für die Schweine gebraucht werden; Vicia Faba L. Feigbohnen mit weißer Blüthe. 2) In einigen Gegenden ist auch das Bilsenkraut oder Tollkraut, Hyoscyamus L. unter diesem Nahmen bekannt.


Sauborg (W3) [Adelung]


Der Sauborg, des -es, plur. die -e, vornehmlich im Nieders. ein verschnittenes Mutterschwein. S. Borg und Schwein.


Sauborste (W3) [Adelung]


Die Sauborste, plur. die -n, Borsten, d. i. starke Rückhaare, von einem Schweine; Schweinsborsten.


Saubrot (W3) [Adelung]


Das Saubrot, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme der Erd- oder Grundbirnen; Helianthus tuberosus L. welche auch Schweinsbrot genannt werden. S. Erdapfel. 5.


Saubruch (W3) [Adelung]


Der Saubruch, des -es, plur. die -brüche, bey den Jägern, ein Ort, welchen die Sauen, d. i. wilden Schweine, umgebrochen, oder umgewühlet haben.


Saudistel (W3) [Adelung]


Die Saudistel, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Gänsedistel oder des Hasenkohles, Sonchus cleraceus L. Schweinsdistel, Engl. Sowthistle, Nieders. Sögedistel, weil sie eine angenehme Speise der Schweine ist.


Sauen (W3) [Adelung]


Sauen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den harten und niedrigen Sprecharten üblich ist, unreinlich mit etwas umgehen, besonders mit flüssigen Körpern unbehuthsam umgehen, so daß man viel davon verschüttet. Entweder von Sau, eine unreinliche Person, oder auch von dem alten Saw, Set, Wasser. Daher versauen, durch Unreinlichkeit verderben, ingleichen verschütten.


Sauer (W3) [Adelung]


Sauer, -er, -ste, (nicht säurer, säuerste,) adj. et adv. ein Wort, welches eine Art der Empfindung in Ansehung des Geschmackes ausdruckt, und dem, was süß ist, entgegen stehet. 1. Eigentlich der Essig ist sauer. Sauer seyn, sauer schmecken, sauer werden. Saurer Wein, saures Bier, saure Kirschen, saure Milch. Geistige Körper werden sauer, wenn sie nach der ersten geistigen Gährung in eine nochnahlige Gährung gerathen, in welchen die Säure entwickelt wird. Wenn ein saurer Körper zugleich den Mund zusammen ziehet so heißt er herbe. In einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Baiern, wird es auch sehr häufig für salzig gebraucht, in welchem Verstande es aber den Hochdeutschen fremd ist. 2. Figürlich. 1) In einem hohen Grade beschwerlich, viele Mühe kostend und verursachend. Saure Arbeit. Sich es sauer werden lassen. Diese Arbeit ist mir überaus sauer, blutsauer geworden. Jemanden das Leben sauer machen, beschwerlich. Diese Rolle wird mir sehr sauer werden, Gell. Sie wendet noch die letzte Bemühung an, der Liebe den Sieg sauer zu machen, ebend. Das Stehen wird mir gar zu sauer werden. ebend. Das kommt mir sauer an, fällt mir zu thun beschwerlich. Mich däucht, es kommt ihnen weit säurer (saurer) an, eine Sache zu verschweigen, als auszuschwatzen, Gell. 2) Unangenehm, im Gegensatze des gleichfalls figürlichen süß; in welcher Bedeutung es doch seltener ist. Geht es gleich sauer ein, Opitz, geschiehet es gleich mit Widerwillen mit unangenehmer Empfindung. 3) Mürrisch, verdrießlich. Sauer sehen, sauer aussehen. Ein saures Gesicht, saure Mienen machen. Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer sehen, wie die Heuchler, Matth. 6, 16. Du sahst so sauer aus, als wäre dirs nicht recht, Rost. So sauer auch die liebe Mutter sah, Gel. Etwas Saures in seiner Gemüthsart haben, etwas Mürrisches, Verdrießliches.

Anm. Bey dem Ottfried suar; bey der Winsbeckinn sur, im Nieders. suur, im Angels. sur, im Engl. sour, im alt Französ. und Bretagnischen sur, im Schwed. sur, im Pers. sciur, im Pohln. surowy, im Slavon. seron. Die Sylbe er ist hier entweder die gewöhnliche Ableitungssylbe, da denn sau die Stammsylbe seyn würde, oder das r gehöret, wie noch wahrscheinlicher ist zu dem Stamme, so daß das e vor demselben nur um des Wohllautes willen eingeschaltet worden. In diesem Falle würde es zu scharf, dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, rauch, unserm sehr, in versehren, zu Sorge u. s. f. vielleicht auch zu dem Lat. severus, gehören, in welchen allen eine sehr lebhafte unangenehme Empfindung zum Grunde liegt, welche allemahl eine Figur einer heftigen Bewegung ist. Nach dem Pelletier bedeutet auch - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im Hebr. sauer; gewisser ist, daß - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - in dieser Sprache den Sauerteig bedeutet. In Bannetois heißt hüero sauer, welches mit unserm herb überein kommt, zumahl da h und s sehr oft in einander übergehen. In Boxhorns Glossen heißt ohne f Virlust die Säure, und urlusthihho sauer. In den gemeinen Sprecharten ist für säuerlich auch serblich üblich. Da das e vor dem r allem Ansehen nach um des Wohllautes willen eingeschaltet ist, so fällt dasselbe oft wieder weg, wenn in der Verlängerung des Wortes ein e auf das r folgt; ein saurer Wein, für sauerer, die Säure, für Säuere; aber für säuren sagt man lieber säuren.


Sauer (W3) [Adelung]


Der Sauer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein nur im gemeinen Leben übliches Wort, einen sauern Körper zu bezeichnen. Der Sauerteig heißt bey den Bäckern nur der Sauer schlechthin. In Mecklenburg heißt der Essig der Suer, d. i. der Sauer, und in einigen Gegenden führet das Sauerkraut diesen Nahmen.


Sauerach (W3) [Adelung]


Der Sauerach, eine Pflanze, S. Saurach.


Sauerampfer (W3) [Adelung]


Der Sauerampfer, des -s, plur. inus. eine Art des Ampfers, mit länglichen, pfeilförmigen Blättern, welche einen sehr merklichen säuerlichen Geschmack haben, und daher sehr gut wider den Scharbock sind; Rumex acetosa L. Der Wiesensauerampfer und Bergsauerampfer sind Arten davon. Im gemeinen Leben abgekürzt Sauerampf. In manchen Gegenden heißt er Spitzampfer, Säuerling, im Nieders. Sürken, Süring, im Dän. und Norweg. Syre, Suurkale. S. Ampfer.


Sauerblau (W3) [Adelung]


Sauerblau, adj. et adv. welches nur in Franken von einer Art rother Weintraube üblich ist, welche nur allein um Mergentheim angetroffen werden, sauerblauer Zeug genannt werden, und einen dunkelrothen, sauern Most geben. Sie werden auch Tauber Schwarz genannt, weil sie an der Tauber wachsen, und an den meisten Orten als ein wilder Wein ausgerottet.


Sauerbraten (W3) [Adelung]


Der Sauerbraten, des -s, plur. ut nom. sing. in den Küchen, ein eine Zeit lang in Essig gelegtes, und hernach gebratenes Stück Fleisch; besonders ein auf solcher Art zugerichtetes Stück Rindfleisch, welches entweder am Spieße gebraten, oder auch als ein Boeuf a la mode gedämpft wird.


Sauerbrunnen (W3) [Adelung]


Der Sauerbrunnen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Brunnen oder eine Quelle, deren Wasser einen säuerlichen, zusammen ziehenden, vitriolischen Geschmack hat, welcher die Gegenwart eines seinen Eisen-Vitrioles verräth. Auch das Wasser dieser Art, welches auch Eisenwasser, Sauerwasser und Stahlwasser genannt wird, führet gleichfalls diesen Nahmen; in welchem Falle der Plural aber nur von mehrern Arten üblich ist. Daher das Sauerbrunnensalz, welches daraus erhalten wird, und auch Bittersalz heißt. Das so genannte Englische Salz ist eine Art davon.


Sauerdorn (W3) [Adelung]


Der Sauerdorn, des -es, plur. die -en, ein in einigen Gegenden sehr üblicher Nahme der Berberis Staude, Berberis vulgaris L. wegen des angenehmen säuerlichen Geschmackes ihrer Beeren, daher sie an andern Orten auch Saurach und Salsendorn heißt. S. Berberis.


Säuere (W3) [Adelung]


Die Säuere, S. Säure.


Sauerey (W3) [Adelung]


Die Sauerey, plur. die -en, von dem Zeitworte sauen, in den niedrigen Sprecharten, die unreinliche Behandlungsart anderer Dinge, besonders unvorsichtiges Verschütten flüssiger Körper. Eine Sauerey machen.


Sauerhonig (W3) [Adelung]


Der Sauerhonig, des -es, plur. inus. in den Apotheken, Weinessig mit Honig eingekocht; Oxymel.


Sauerklee (W3) [Adelung]


Der Sauerklee, des -s, plur. inus. ein Nahme verschiedener, dem Klee ähnlicher Pflanzen, deren Blätter einen säuerlichen Geschmack haben. 1) Des Schafampfers, Rumex Acetosella L. welcher auch Guckgucksklee genannt wird. 2) Am vorzüglichsten, des Buchampfers oder Hasenampfers, Oxalis Acetosella L. dessen Blätter eine erfrischende, angenehme Säure haben. Siehe Buchampfer.


Sauerkraut (W3) [Adelung]


Das Sauerkraut, des -es, plur. car. klein geschnittenes und mit Essig, oder auch nur, wie am häufigsten geschiehet, mit Salz allein eingemachtes Weiß- oder Kappiskraut; Zettelkraut, im Nieders. sauerer Kohl, Sauerkohl.


Säuerlich (W3) [Adelung]


Säuerlich, -er, -ste, adj. et adv. ein wenig sauer. Säuerlich schmecken. Ein säuerlicher Geschmack. Im Nieders. ansuur, im Österr. anzückt. S. Ähnlich.


Säuerling (W3) [Adelung]


Der Säuerling, des -es, plur. die -e, ein hin und wieder übliches Wort, einen sauern Körper zu bezeichnen. Ein Sauerbrunnen wird in vielen Gegenden Säuerling genannt. Saure Weintrauben, saure Äpfel sind unter eben demselben Nahmen bekannt, ohne daß es eben ein Spottnahme seyn dürfe, wie Frisch will. Auch der Sauerampfer heißt in manchen Gegenden Säuerling. S. -Ling.


Sauern (W3) [Adelung]


Sauern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, sauer werden. Der Sauerteig hat nicht hinlänglich Zeit gehabt zu sauern. Es ist noch nicht in dem Fasse, worin es sauern muß, im gemeinen Leben figürlich, die Sache ist noch nicht zu Ende. Die Milch sauert, wird sauer. Nieders. suuren, Angels. mit der intensiven Endung surigan. In dem zusammen gesetzten versauern, in einem Amte versauern, bedeutet es figürlich veralten und verderben.


Säuern (W3) [Adelung]


Säuern, verb. reg. act. sauer machen, welches aber nur allein von dem zum Brote bestimmten Teige gebraucht wird. Der Sauer- teig säuert gut, wenn er dem Teige die gehörige Säure mittheilet. Ingleichen, den Teig säuern, ihn mit Sauerteige vermengen und dadurch zum Gähren bringen; einsauern, in einigen Gegenden hebeln, ( S. Hebel,) im Tatian theisman, von Theisme, Hefen, Sauerteig. Nieders. süern. Gesäuertes Brot, im Gegensatze des angesäuerten.


Sauerort (W3) [Adelung]


Der Sauerort, des -es, plur. die -örter, bey den Bäckern der von dem Mehle abgesonderte Ort im Backtroge, wo der Sauer, d. i. der Sauerteig, mit Wasser eingeweichet wird.


Sauersichtig (W3) [Adelung]


Sauersichtig, -er, -ste, adj. et adv. sauer d. i. mürrisch, verdrießlich, aussehend. Sauersichtig seyn. Ein sauersichtiger Mensch. S. Sauertopf.


Sauerteig (W3) [Adelung]


Der Sauerteig, des -es, plur. inus. ein durch die Gährung sauer gemachter Teig, womit die übrige zum Brote bestimmte Masse Teiges zur Gährung gebracht, und gesäuert wird; bey den Bäckern nur der Sauer, im Österr. Vrel, bey dem Dasypodius Deissem, bey dem Kero Deismin, im Tatian Theisma, sonst auch Hefel, ehedem Urhab, wo die letzte Sylbe gleichfalls zu Hefel gehöret, bey den Krainerischen Wenden Quas.


Sauertopf (W3) [Adelung]


Der Sauertopf, des -es, plur. die -töpfe, im gemeinen Scherze, eine sauersichtige, d. i. mürrische, verdrießliche Person, besonders, wenn diese Gemüthsart bey ihr zur Fertigkeit geworden ist. Schau an den Sauertopf, der sich so fromm kann zieren, Opitz. Nieders. Suursnute, Suurpulle, Suurkruke.


Sauertöpfisch (W3) [Adelung]


Sauertöpfisch, adj. et adv. im gemeinen Leben, für sauersichtig, mürrisch, verdrießlich. Nieders. suurmulsk, suursnutsk.


Sauerwasser (W3) [Adelung]


Das Sauerwasser, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. S. Sauerbrunnen.


Saufang (W3) [Adelung]


Der Saufang, des -es, plur. die -fänge. 1) Das Fangen einer Sau, d. i. eines wilden Schweines; ohne Plural. 2) Der Ort, wo man wilde Schweine lebendig fängt. 3) Der Fang, d. i. Stich mit dem Fangeisen, welchen man einem wilden Schweine beybringet.


Saufaus (W3) [Adelung]


Der Saufaus, subst. indecl. plur. die -e, in den niedrigen Sprecharten, ein Mensch, der dem Trunke auf eine ausschweifende Art ergeben ist: von aussaufen.


Saufbruder (W3) [Adelung]


Der Saufbruder, des -s, plur. die -brüder, eben daselbst, eine dem Trunke auf eine lasterhafte Art ergebene Person männlichen Geschlechtes. Die Saufschwester, eine solche Person weiblichen Geschlechtes.


Saufen (W3) [Adelung]


Saufen, verb. irreg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert, ich saufe, du säufst, er säuft, (Oberd. du saufst, er sauft;) Imperf. ich soff; Mittelw. gesoffen; Imperat. sauf oder saufe. 1) Einen flüssigen Körper als einen Theil seiner Nahrung in sich ziehen, eigentlich, denselben mit starken Zügen, mit einem merklichen Laute in sich ziehen; daher es für trinken, besonders von solchen Thieren gebraucht wird, welche mit lautem Geräusche trinken. Dem Viehe zu saufen geben. Das Vieh säuft Wasser. Bis der Löwe das Blut der Erschlagenen saufe, 4 Mos. 23, 24. Von Menschen in dieser allgemeinen Bedeutung für trinken überhaupt ist es nur im harten und verächtlichen Verstande üblich. Das sie ihren eigenen Mist fressen und ihren Harn saufen, Es. 36, 12. Ein Mensch der Unrecht säuft wie Wasser, Hiob. 15, 16. Figürlich zuweilen in der dichterischen Schreibart von leblosen Dingen, einen flüssigen Körper reichlich in sich ziehen; wofür aber auch das anständigere trinken üblich ist. 2) In engerer Bedeutung, auf eine ausschweifende Art trinken, mehr trinken, als die Natur zur Stillung des Durstes bedarf; auch nur im harten, verächtlichen Verstande. So wohl absolute und als ein Neutrum, saufen, die lasterhafte Fer- tigkeit haben, mehr zu trinken, als die Natur bedarf, und als der Verstand ertragen kann, als auch mit dem Accusativ der Sache. Fressen und saufen. Die ganze Nacht durch saufen. Sich das Saufen angewöhnen. Dem Saufen ergeben seyn. Sich toll und voll saufen. Mit jemanden saufen. Wein, Bier u. s. f. saufen. Lauter im gemeinen Leben, oder doch nur im harten verächtlichen Verstande, übliche Redensarten. Man säuft sich von Verstand bloß auf ihr Wohlergehn, Zachar. Daher das Saufen. S. auch der Soff.

Anm. Bey dem Kero suuffen, bey dem Notker soufen, der es auch für ersaufen gebraucht, in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten soaffen, seefen u. s. f. im Angels. supan, sypan, im Nieders. supen, im Schwed. supa. Selbst im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ingurgitavit. Das Wort selbst ist eine Onomatopöie, und ahmet den mit dem lauten Einziehen eines flüssigen Getränkes verbundenen Laut genau nach. Und da dieser Laut sich im Ganzen immer ähnlich bleibt, wenn gleich die Nebenumstände verschieden sind, so wird es bey verschiedenen Völkerschaften auch mit allerley Nebenbedeutungen gebraucht. Hornegk gebraucht saufen noch in der veralteten Bedeutung für schlürfen, und zuweilen auch für hinterschlucken, welche Bedeutung auch das Angels. supan und das Schwed. supa haben, und wovon unser Suppe abstammet. Das Angels. supan bedeutet auch kosten. Bey dem Ulphilas ist supan würzen, welches aber zu einem andern, obgleich verwandten Stamm zu gehören scheinet. Das Bretagnische souba ist befeuchten, beitzen, das Französ, souper und Engl. to sup zu Abend speisen, und das Schwed. supa und Engl to sup, sip, bedeutet auch mit kleinen Zügen trinken. Unser saufen drückt zunächst das Einschlürfen mit starken Zügen aus, und dieß ist auch die Ursache, warum es mit seinem ganzen Geschlechte für die anständige Sprechart in den meisten Fällen zu niedrig ist. Die Bedeutung des unmäßigen Trinkens war den Alten unbekannt. Die Oberdeutsche Mundart druckte diesen Begriff im 8ten Jahrhunderte durch ubardrin kann, übertrinken aus. Die gemeinen Sprecharten haben von diesem Worte noch allerley Zeitwörter, welche im Hochdeutschen fremd sind. Dergleichen sind das Oberdeutsche Desiderativum säufern für dursten, das Nieders. Intensivum sobben, immer saufen, das Oberdeutsche Intensivum supfen, mit lautem Schalle in sich schlürfen, das Nieders. Diminut. sipken, mit kleinen Zügen kosten, pitissire, und das gleichfalls Nieders. Activum söpen, zu saufen geben, tränken, wovon wir nur die Zusammensetzungen ersäufen und besaufen haben.


Saufenchel (W3) [Adelung]


Der Saufenchel, des -s, plur. inus. eine Pflanze; Englisch Hogs-Fennel. S. Haarstrang.


Säufer (W3) [Adelung]


Der Säufer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Säuferinn, ohne Person, welche die lasterhafte Fertigkeit besitzet, im Trinken unmäßig zu seyn; im gemeinen Leben auch ein Saufaus, eine Saufgurgel Nieders. Sobbe, Sobber.


Sauferey (W3) [Adelung]


* Die Sauferey, plur. car. ein im Hochdeutschen unbekanntes Wort, die lasterhafte Fertigkeit des unmäßigen Trinkens, und die Handlung des Saufens zu bezeichnen; die Völlerey. Es kommt nur 1 Petr. 4, 3 vor; in Sauferey wandeln.


Saufgelach (W3) [Adelung]


Das Saufgelach, des -es, plur. die -e, ein der Völlerey gewidmetes Gelach.


Saufhaus (W3) [Adelung]


Das Saufhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, in welchem auf eine unmäßige Art getrunken wird, ein der Völlerey gewidmetes Haus; im harten und verächtlichen Verstande.


Sauffinne (W3) [Adelung]


Die Sauffinne, plur. die -n, Finnen im Gesichte, so fern sie von dem Saufen, d. i. unmäßigen Trinken, herrühren.


Saufinder (W3) [Adelung]


Der Saufinder, des -s, plur. ut nom. sing. S. Saubeller.


Sauflied (W3) [Adelung]


Das Sauflied, des -es, plur. die -er, ein Lied, welches in unmäßigen Trinkgesellschaften gesungen wird.


Säugamme (W3) [Adelung]


Die Säugamme, plur. die -n, eine Amme, welche fremde Kinder säuget, besonders wenn sie selbige um Lohn säuget, und die man auch nur die Amme schlechthin nennet; zum Unterschiede von einer Hebamme. In einigen Gegenden auch die Stillamme.


Saugarn (W3) [Adelung]


Das Saugarn, des -es, plur. die -e, im Jagdwesen, Garne, welche in den Jagden auf Sauen, d. i. wilde Schweine gebraucht werden; Saunetze.


Saugarten (W3) [Adelung]


Der Saugarten, des -s, plur. die -gärten, eben daselbst, ein Garten, d. i. eingeschlossener Ort, in welchen die wilden Schweine zwar hinein, aber nicht wieder hinaus können, folglich daselbst lebendig gefangen werden; der Saufang.


Sauge (W3) [Adelung]


Die Sauge, plur. die -n, ein nur bey den Malzdarren übliches Wort, die ausgemauerte Röhre zu bezeichnen, welche aus dem hintern Theile des Ofens in die Höhe steiget; vielleicht weil sie die Luft an sich saugen muß, den Zug der Luft befördert. In Nieder. ist Sog die Zugluft. *


Saugebruder (W3) [Adelung]


Der Saugebruder, des -s, plur. die -brüder, eine veraltete Benennung eines, der mit einem andern von einerley Mutter gesäuget worden, wofür Milchbruder üblicher und bequemer ist.


Saugeferkel (W3) [Adelung]


Das Saugeferkel, des -s, plur. ut nom. sing. ein junges Ferkel, welches noch sauget; im gemeinen Leben Sogferkel.


Saugefisch (W3) [Adelung]


Der Saugefisch, des -es, plur. die -e. 1) Eine Art Stichlinge, welche auch Pilotfisch, Franz. Pilotin, genannt wird; Gasterosteus Ductor L. 2) S. Sauger.


Saugehorn (W3) [Adelung]


Das Saugehorn, des -es, plur. die -hörner, in einigen Gegenden, ein mit Milch gefülltes Horn, woran man die Kinder saugen läßt, wenn sie nicht von Menschen gesäuget werden können; in den niedrigen Spracharten, eine Ludel. Ein solches Gefäß von Glas heißt ein Saugeglas, und von Holz das Säugekännchen.


Saugekalb (W3) [Adelung]


Das Saugekalb, des -es, plur. die -kälber, ein Kalb, welches noch saugt; im gemeinen Leben ein Sogkalb.


Saugelamm (W3) [Adelung]


Das Saugelamm, des -es, plur. die -lämmer, ein Lamm, welches noch sauget; im gemeinen Leben Soglamm.


Saugeloch (W3) [Adelung]


Das Saugeloch, des -es, plur. die -löcher, das Loch, welches der Dachs zwischen dem Hinten und dem Schwanze hat, und aus welchem er den Winter über das im Sommer angelegte Fett aus sich selbst heraus sauget, und sich damit nähret.


Saugen (W3) [Adelung]


Saugen, verb. irreg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt; ich sauge, du saugst, er saugt; Imperf. ich sog, Conjunct. ich söge; Mittelw. gesogen; Imperat. sauge. Den Saft, die Flüssigkeit mit dem Munde langsam und nach und nach in sich ziehen; wo es so wohl als ein Neutrum, als auch active mit der vierten Endung der Flüssingkeit gebraucht wird. Den Honig aus dem Felsen saugen, 5 Mos. 32, 13. Den Saft aus einem Apfel saugen. Die Bienen saugen Honig aus den Blumen. Am Hungertuche saugen; wofür doch am Hungertuche nagen üblicher ist. Der Bär saugt im Winter an seinen Bratzen. Daher die figürliche, im gemeinen Leben übliche R. A. etwas aus den Fingern saugen, es von sich selbst her haben, und im engern Verstande, es erdichten. In engerer Bedeutung, von jungen Kindern und Thieren, die Muttermilch aus der Mutter Brust in sich saugen. Das Kind will saugen, hat schon gesogen. An der Brust saugen. Die Brust saugen, die darin befindliche Milch. Selig sind die Brüste, die du gesogen hast! Luc. 11, 27. Ein saugendes Kind, wofür man im gemeinen Leben unrichtig mit dem folgenden Factitivo sagt, ein säugendes Kind. Ein saugendes Lamm, ein saugendes Kalb u. s. f. im gemeinen Leben ein Soglamm, ein Sogkalb, für Saugelamm, Saugekalb von dem Nieders. Sog, das Saugen. In weiterer Bedeutung auch von leblosen Dingen; wenn sie einen flüssigen Körper vermittelst enger Röhren langsam in sich ziehen. Der Schwamm saugt das Wasser in sich. Die Röhre hat sich vollgesogen. ( S. Saugeröhre.) So auch das Saugen, wofür im Nieders. der Sog üblich ist. Anm. Schon im Isidor saughan, im Tatian, Notker u. s. f. sugan, im Nieders. sugen, im Angelsächs. sucan, im Engl. to suck, im Wallisischen mit der intensiven Endung -nen, sugno, im Schwed. suga, im Isländ. siuga, im Irländ. sugham, im Lat. sugere, im Franz. sucer, im Pohln. ssack, im Böhm. cucati. Es ahmet den mit dieser Handlung verbundenen Laut nach, und da dieser Laut mehrern Veränderungen gemein ist, so gehören auch ziehen, Zug, seigen, seihen, Succus u. s. f. hierher. Im gemeinen Leben hat von saugen die Intensiva sugeln, sutzeln, zutscheln, womit das niedrigere nutscheln gleichbedeutend ist. Da das g in diesem Zeitworte seinen gelinden Laut nicht verlieren darf, so ist es im Hochdeutschen nothwendig, demselben auch in den Zusammensetzungen das e euphonicum nachtreten zu lassen; Saugelamm, Saugefisch u. s. f. für die härtern Sauglamm, Saugfisch.


Säugen (W3) [Adelung]


Säugen, verb. reg. welches das Factitivum des vorigen ist, saugen lassen, zu saugen geben, aber nur in engerer Bedeutung von der Darreichung der Brust an junge Kinder und Thiere gebraucht wird. Ein Kind säugen. Seine Kinder selbst säugen. S. auch Stillen. Eine säugende Kuh. Ein säugendes Schaf. Wie kommt es, da sie säugen sollen, Daß Obrigkeiten saugen wollen? Logau. In der Stelle Matth. 23, 24; die ihr Mücken seiget, und Kameele verschlucket, haben die meisten Herausgeber das seigen, seihen, aus Unkunde dieses Wortes, in säugen verwandelt, und dadurch zu unrichtigen Auslegungen Anlaß gegeben. S. Seihen. Daher das Säugen und die Säugung.

Anm. Schon bey dem Ottfried. sougan, im Nieders. sögen, im Angels. sican, im Engl to suckle. Saugen und säugen sind eben so verschieden wie saufen und säufen, schallen und schällen oder schellen, trinken und tränken, sinken und senken und so ferner.


Sauger (W3) [Adelung]


Der Sauger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ding, welches saugt; doch nur in engerer Bedeutung als ein Nahme eines Seefisches, welcher von einer Spanne bis zu drey Fuß lang wird, und sich an die Schiffe und andere Körper so fest saugt, daß man ihn eher zerreißen, als davon abreißen kann; Echeneis Remora L. der Schiffsauger, Schiffhalter ungeachtet es eine Fabel ist, daß er ein Schiff sollte anhalten können. In dem zusammen gesetzten Blutsauger ist es in weiterer Bedeutung üblich. In der Landwirthschaft wird ein Lamm, welches noch saugt, ein Säuger, richtiger Sauger, genannt.


Säugerinn (W3) [Adelung]


Die Säugerinn, plur. die -en, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche säuget. Wehe den Schwangern und Säugern (Säugerinnen) zu der Zeit! Math. 24, 19. Welche ungewöhnliche Zusammenziehung auch Marc. 13, 17, und Luc. 21, 23 angetroffen wird.


Saugeröhre (W3) [Adelung]


Die Saugeröhre, plur. die -n, eine jede Röhre, welche flüssige Körper in sich sauget, d. i. selbige nach und nach in sich ziehet, von welcher Art gewisse Röhren in den Wasserkünsten, die Vasa lymphatica oder bibula in den thierischen Körpern, und die Saströhren in dem Gewächsreiche sind.


Saugerüssel (W3) [Adelung]


Der Saugerüssel, des -s, plur. ut nom. sing. ein hohler Rüssel gewisser Insecten, den Saft dadurch zu ihrer Nahrung an sich zu ziehen.


Säugethier (W3) [Adelung]


Das Säugethier, des -es, plur. die -e, in der Naturgeschichte, mit Brüsten oder Eutern versehene Thiere, welche ihre Jungen säugen.


Saugewerk (W3) [Adelung]


Das Saugewerk, des -es, plur. die -e, eine Art Wasserkünste, wo das Wasser vermittelst der in der Röhre verdünnten Luft von derselben eingesogen, und dadurch in die Höhe gebracht wird; zum Unterschiede von einem Druckwerke. Alle Pumpen sind solche Saugewerke.


Säugling (W3) [Adelung]


Der Säugling, des -es, plur. die -e, ein noch saugendes Kind, in der edlen Schreibart, und von Kindern beyderley Geschlechtes. Eine Amme verpflegt ihren Säugling, 4 Esr. 1, 28. Ingleichen figürlich. Ein Säugling am Verstande. Nieders. Sögling. Es stammet entweder von säugen her, da es denn ein Kind, welches gesäugt wird, bedeuten würde, oder auch von saugen, ein saugendes Kind, da denn der reine Vocal, um der Ableitungssylbe willen, in das unreinere ä verwandelt worden, wie Jüngling von jung, Günstling von Gunst. S. Ling.


Sauglocke (W3) [Adelung]


Die Sauglocke, plur. die -n, ein figürlicher, nur in den harten und niedrigen Spracharten üblicher Ausdruck. Mit der Sauglocke läuten, Zoten, im höchsten Grade grobe und ungesittete Scherze, vorbringen; von Sau, dem bekannten unreinlichen Thiere.


Saugras (W3) [Adelung]


Das Saugras, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Porsches, Ledum palustre L. welcher auch Schweineporsch. Schweinepost, um Dresden aber Saugrenze heißt.


Sauhatz (W3) [Adelung]


Die Sauhatz, plur. die -en, im Jagdwesen, eine Art der Saujagd, wo Sauen oder wilde Schweine aufgehetzet und von Hunden gefangen werden; die Sauhetze.


Sauhirt (W3) [Adelung]


Der Sauhirt, des -en, plur. die -en, derjenige, welcher zahme Säue hüthet; noch häufiger der Schweinshirt.


Sauhund (W3) [Adelung]


Der Sauhund, des -es, plur. die -e, Hunde, welche auf Sauen, d. i. wilde Schweine, gearbeitet oder abgerichtet sind, wohin denn so wohl die Saubeller als Rüdenhunde gehören. In engerer Bedeutung bekommen nur die allein zu Sauen gewöhnten Leithunde diesen Nahmen.


Sauigel (W3) [Adelung]


Der Sauigel, S. Schweinigel.


Säuisch (W3) [Adelung]


Säuisch, -er, -te, adj. et adv. im höchsten Grade unreinlich, im harten Verstande, als eine von der Sau, einem äußerst unreinlichen Thiere, entlehnte Figur; schweinisch. Säuisch mit etwas umgehen. Eine säuische Person.


Saujagd (W3) [Adelung]


Die Saujagd, plur. die -en, eine Jagd auf Sauen, d. i. auf wilde Schweine; die wilde Schweinsjagd, bey den Jägern das Saujagen.


Saukasten (W3) [Adelung]


Der Saukasten, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kasten, wilde Schweine darin lebendig von einem Orte zum andern zu bringen.


Saukraut (W3) [Adelung]


Das Saukraut, des -es, plur. inus. 1) Eine Pflanze, welche auf den Wiesen und in den Wäldern wild wächst; Hypochaeris L. 2) In einigen Gegenden, auch ein Nahme des Nachtschattens, S. dieses Wort.


Saulache (W3) [Adelung]


Die Saulache, plur. die -n, eine Lache, d. i. Pfütze, worin sich die Sauen oder wilden Schweine abzukühlen pflegen; bey den Jägern die Suhllache.


Säulbaum,Säulenbaum (W3) [Adelung]


Der Säulbaum, oder Säulenbaum, des -es, plur. die -bäume, im Forstwesen, ein Baum, welcher Säulen für die Zimmerleute abgeben kann. Ein einfacher Säulbaum muß 16 bis 18 Zoll im Durchmesser halten, und 35 bis 40 Ellen lang seyn; ein doppelter ist 19 bis 21 Zoll dick, und 40 bis 45 Ellen lang.


Säule (W3) [Adelung]


Die Säule, plur. die -n, Diminut. das Säulchen. 1. Im weitesten Verstande, ein jeder senkrecht stehender Körper, der um ein beträchtliches länger ist, als dick; in welchem weitesten Verstande noch sehr viele Körper dieser Art, wenn sie keinen andern Nahmen haben, Säulen genannt werden. Besonders gehören dahin die Zusammensetzungen Bildsäule, Spitzsäule, eine Pyramide, Feuersäule, Wolkensäule, Salzsäule u. s. f. Vornehmlich werden gewisse zierliche, senkrecht stehende Pfähle noch mehrmahls Säulen genannt, dergleichen die Wegesäulen, Hägesäulen, Gränzsäulen, Schandsäulen u. s. f. sind. 2. In engerer Bedeutung. 1) In der Zimmermannskunst wird ein jedes aufrecht stehendes Zimmerholz, besonders so fern es etwas träget, eine Säule, in einigen Gegenden auch ein Ständer, genannt. Auch in kleinern Maschinen sind die Säulen oder Säulchen solche senkrecht stehende Hölzer, wie z. B. die Säulen an einem Bettgestelle. In manchen Fällen werden solche Säulen Pfosten und Studel genannt. 2) In der Baukunst ist die Säule ein zierlicher, senkrecht stehender, runder Pfeiler oder Stütze, wo so wohl diese ganze Stütze mit ihrem Zugehör, als auch in engerer Bedeutung, nur der runde Schaft allein mit diesem Nahmen belegt wird. Figürlich nennt man eine Person oder Sache eine Säule des Landes, der Kirche, der Familie u. s. f. so fern die Erhaltung und Sicherheit derselben auf ihr beruhet.

Anm. Bey dem Notker Siula, bey dem Willeram Sule, bey dem Stryker im männlichen Geschlechte der Seul, in den gemeinen Sprecharten die Saule, im Nieders. Süle, im Angels. Syl, im Wallis. Sail. Es hat hier die Bedeutung der Bewegung und Ausdehnung in die Höhe, und ist vermittelst des Endlautes e von dem veralteten sal, sul, hoch, gebildet, (siehe Sahl.) Im alt Schwed. bedeutet daher Sula einen Berg, und im Lat. ist salire springen, und saltare tanzen. Da Sahl aber auch eine Ausdehnung in die Länge bedeutet, so ist Syll im Schwed. und Süll im Nieders. eine Schwelle, so wie das Böhmische Sula, die Stärke, eine Figur des Masse, der Ausdehnung nach allen Seiten ist. S. Sahl.


Sauleder (W3) [Adelung]


Das Sauleder, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Das Leder von einer Sau, wo der Plural nur von mehrern Arten gebraucht wird; Schweinsleder. 2) In den niedrigsten Sprecharten, das verächtlichste Scheltwort auf eine unreinliche, grobe, ungesittete und lasterhafte Person.


Säulenfuß (W3) [Adelung]


Der Säulenfuß, des -es, plur. die -füße, in der Baukunst, der untere Theil einer Säule über dem Untersatze, welcher unten allezeit viereckt, übrigens aber rund ist, und auch das Schaftgesimse heißt. Von einigen wird auch, obgleich nicht so richtig, das Postement oder der Säulenstuhl mit diesem Nahmen beleget, S. das letztere.


Säulengang (W3) [Adelung]


Der Säulengang, des -es, plur. die -gänge, in der Baukunst, mehrere unter einem Hauptgesimse neben einander gestellte Säulen, vornehmlich wenn sie durch keine Bogen oben mit einander verbunden werden; in welchem Falle ein solcher Gang ein Bogengang heißt; die Säulenlaube, die Säulenstellung, nach dem Französ. die Colonnade.


Säulenordnung (W3) [Adelung]


Die Säulenordnung, plur. die -en, in der Baukunst, das Verhältniß der sämmtlichen Theile einer Säule, so wohl gegen einander als gegen Säule oder den Schaft selbst, welches auch nur die Ordnung schlechthin genannt wird. Die Toskanische, Dorische, Ionische, Korinthische und Römische Ordnung oder Säulenordnung.


Säulenschaft (W3) [Adelung]


Der Säulenschaft, des -es, plur. die -schäfte, der Schaft einer Säule, der Theil zwischen dem Capitale und dem Säulenfuße, welcher auch die Säule im engsten Verstande genannt wird.


Säulenspath (W3) [Adelung]


Der Säulenspath, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Art Spathes, welcher in Gestalt vieleckiger Säulen bricht.


Säulenstein (W3) [Adelung]


Der Säulenstein, des -es, plur. die -e, ein schwerer, harter und glänzender thonartiger Stein, welcher in vier bis achtecki- gen Säulen, die 1 1/2 Fuß dick, und 12 bis 14 Fuß hoch sind, gefunden wird; Eisenmarmor, Probierstein. Er gleicht einer Eisenschlacke und ist von Farbe bald schwarz, bald braun, bald grün. Von dem Äthiopischen Basal, Eisen, wird er auch Basalt genannt, weil man ihn zuerst aus Äthiopien zu uns brachte, ehe man entdeckte, daß er auch in Deutschland an vielen Orten gefunden wird.


Säulenstellung (W3) [Adelung]


Die Säulenstellung, plur. die -en, S. Säulengang.


Säulenstuhl (W3) [Adelung]


Der Säulenstuhl, des -es, plur. die -stühle, in der Baukunst, der zierliche viereckte Körper, worauf eine Säule mit ihrem Fuße stehet, und der ihr so wohl zur Erhöhung als zur Fertigkeit dienet; das Postement, bey einigen, obgleich irrig, der Säulenfuß.


Säulenweite (W3) [Adelung]


Die Säulenweite, plur. die -n, eben daselbst, die Entfernung zweyer Säulen von einander, welche durch eine horizontale Linie von der Achse der einen bis zu der Achse der andern Säule gemessen wird.


Saum (W3) [Adelung]


1. Saum, ein Wort, welches ursprünglich mit Sam einerley ist, und in einem eben so weiten Umfange der Bedeutung gebraucht wird, als Sahl; von welchem hier etwas überhaupt bemerkt werden muß, damit man den Zusammenhang der folgenden Wörter und ihrer Verwandten desto besser übersehen könne. Es ist so wie alle Wörter 1. eigentlich eine Nachahmung eines gewissen eigenthümlichen Lautes, von welchem schon bey den verwandten Sam, Same und Säen etwas gesagt worden. Summen und das Nieders. semmeln, ein langsames, albernes Geschwätz vorbringen, sind Intensiva davon, wo doch in dem ersten das tiefe u den groben, dumpfigen Laut bezeichnet. 2. In weiterer Bedeutung ist es ein Ausdruck der Bewegung, besonders einer solchen, als der durch Sam und Saum ausgedruckte Laut voraussetzt, wo es wieder sehr mancherley Arten der Bewegung bezeichnet. 1) Überhaupt; wohin der Begriff des Nehmens, an sich Reißens gehöret, daher das Lat. sumere, obgleich dieses auch zu sammeln, in einen Haufen vereinigen, gehören kann. Ferner Begriff des Zermalmens, daher das Lat. Simila, Semmelmehl; der Begriff des Nachahmens, similis, Simia, unser sam; der Begriff der schnellen Bewegung, wovon die Bedeutung des Lichts eine Figur ist, Engl. to seem, scheinen, und unser Sommer; der Begriff der sich in Einen Punct sammelnden Menge, daher Same, sammeln, Summa u. s. f. der Begriff der glatten, gleitenden Bewegung, daher Seim, Sumen, Schmer, sanft, ehedem samft, Sumpf; der Begriff der Langsamkeit, der Ruhe, daher säumen, Somnus, zahm u. s. f. obgleich dieser Begriff auch eine Figur der Aushöhlung, des Daches, des Schutzes seyn kann. 2) Besonders in Ansehung der Richtungen. (a) Der Ausdehnung in die Länge, daher der Begriff des Randes, wie 2 Saum, Sims, Gesims, Lat. Sima, Ziemer. Und die Figur der Zeitdauer, semper. (b) In die Höhe, wie summus, das Schlesische Saum, Milchrahm. (c) In die Krümme; daher der Begriff des Biegens, wie 3 Saum, ein umgebogener Rand, das Lat. simare, umbiegen, simus; vielleicht auch der Begriff des Verbindens, wie das Isländ. semja, verbinden, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Gürtel, welches aber auch zum Begriff der Länge gehören kann. Daher ferner der Begriff eines hohlen Raumes, eines Gefäßes, wie das Oberdeutsche Simmer, ein Fruchtmaß, unser Zimmer u. a. m. und die gewöhnlichen Figuren der Ruhe, des Aufenthaltes u. s. f. wie säumen, zahm, Somnus. (d) Die Ausdehnung nach allen Richtungen; daher die Figur der Masse, der Quantität, der Menge, wie 4 Saum, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - der Leib, Summa, und nach neuen Figuren vielleicht auch das alte und noch jetzige Engl. so me, jemand, etwas, das Lat. sum, ich bin, u. s. f. S. auch Sahl, welches nur im Endlaute von diesem Worte verschieden ist, daher sich jenes sämmt- liche Bedeutungen auch bey diesem wieder finden, wo nicht in der Deutschen; doch gewiß in andern Sprachen.


Saum (W3) [Adelung]


2. Der Saum, des -es, plur. die Säume, Diminut. das Säumchen, Oberd. das Säumlein, ein Wort, welches zunächst den Begriff der Ausdehnung in die Länge gewähret aber nur in engerer Bedeutung von dem Rande, vom Ende der Ausdehnung eines Dinges gebraucht wird. Ehedem war es sehr üblich, den äußersten Rand der Kleidungsstücke zu bezeichnen, in welchem Verstande es in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt; z. B. deine Säume sind dir aufgedeckt, Jer. 13, 22. Wenn es hier einen umgeschlagenen Rand bedeuten soll, so würde es zunächst zu dem folgenden Worte gehören. Indessen wird es auch in andern Fällen noch mehrmahls von einem Rande gebraucht. Der Saum an einem gestrickten Garne ist eine Schnur, ein starker Faden, welcher durch die Maschen am Rande des Garnes gezogen wird. An den Segeln der Schiffe sind die Säume Seile oder Taue, welche zur Verstärkung der Segel längs dem Segelende befestiget werden. An einem Pferdehufe wird der Streifen, welcher oben um den Huf zwischen dem Horne und dem Fleische herumgehet, so wohl der Saum, als auch der Preis und die Krone genannt. Indessen ist Saum hier nur in einigen Fällen, Rand aber fast in allen üblich. Nur in der dichterischen Schreibart ist jenes von einem weitern Umfange. Ein goldner Saum verliert sich am Ende der Flügel (des Schmetterlinges) ins Grüne, Geßn. Hier steh ich an dem Saum einer Felsenwand, und seh ins niedere Thal, ebend. Wolken, die Gebirgen gleich, am Saume des Meeres aufsteigen, ebend. Auf einem perlenhellen Wagen Wird der Monarch der Wasserwelt Hoch auf dem Saum der Fluth getragen, Raml.

Anm. Zu dem Begriffe der Bewegung in die Länge überhaupt, gehören unser Sims, (welches aber auch den Begriff der Hervorragung leidet,) das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Gürtel, das Nieders. Sömer, ein langer schlanker Pfahl u. a. m. Das Schlesische Saum, Sahne, Milchrahm, gehöret gleichfalls zu der Bedeutung des Randes. S. das vorige.


Saum (W3) [Adelung]


3. Der Saum, des -es, plur. die Säume, Diminut. das Säumchen, Oberd. Säumlein, ein mit dem vorigen sehr nahe verwandtes Wort, welches vornehmlich den Begriff der Bewegung in die Krümme hat, von welchem die Bedeutung der Umbiegung eine gewöhnliche Figur ist. Ein umgebogener oder umgeschlagener Rand, so wohl an den Zeugen, als an andern nur einiger Maßen biegsamen Körpern, bekommt beständig den Nahmen eines Saumes. Die Nähterinnen machen einen Saum, wenn sie den Rand eines Stückes Zeug umschlagen und fest nähen; ( S. 1. Säumen.) Bey den Hufschmieden ist der Saum der umgeschlagene Rand an einem Pferdehufe. Einen solchen Rand machen heißt bey ihnen, ein Hufeisen einsäumen oder einräumen, wo das letztere zu dem Geschlechte des Wortes Rand gehöret. Auf den Blechhämmern ist der Saum die zusammen geschlagene Seite der Stürzlein oder geschmiedeten Eisenplatten, welche von dem Saum aus gleicher breiter geschmiedet wird.

Anm. Im Nieders. Soom, im Angels. und Engl. seam, im Schwed. Söm, welches aber auch eine jede Fuge bedeutet. Der Begriff der Verbindung ist eine nahe Figur davon, und im Isländ. ist daher semja noch jetzt verbinden. S. 1 Saum.


Saum (W3) [Adelung]


4. Der Saum, des -es, plur. die Säume, in manchen Gegenden auch Saume, ein Wort, welches zunächst den Begriff der Masse, der Ausdehnung nach allen Seiten, der Last hat, aber nur noch im Handel und Wandel vieler Gegenden als ein Nahme eines Maßes, eines Gewichtes gebraucht wird. Zunächst scheinet es wohl so viel von einer Waare zu bezeichnen, als man auf ein gewis- ses Lastthier laden kann; daher dieses Wort auch im Oberdeutschen am häufigsten ist, wo man sich wegen der gebirgigen Gegenden der Pferde, Maulesel und Esel zum Lasttragen häufiger bedienet, als in Niederdeutschland. Pictorius erkläret Saum ausdrücklich durch so viel Last, als ein Roß trägt, und im Schwed. ist Some, onus Jumenti. In weiterer Bedeutung wird es aber auch überhaupt von einer gewissen bestimmten Menge und Schwere gebraucht, welche ungefähr so viel ist, als ein Lastthier tragen kann; wo es aber auch nur in einigen Gegenden, und von einigen Waaren üblich ist. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist Saum, und in Italien Soma, Salma, ein Maß flüssiger Dinge, welches zuweilen einen halben Eimer beträgt. Zu Gallipoli in Italien ist Salma ein Öhlmaß, welches 290 Pfund wiegt. Im Basel hält ein Saum drey Ohm oder Ahm, ein Ahm aber 32 alte, oder 40 neue Pott. In Zürich ist ein Saum 1 1/2 Eimer, in Bern aber 4 Eimer oder Breuten, welches zusammen 100 Maß machen. Vier Saum machen in Bern ein Faß, sechs Saum aber ein Landfaß. In Österreich ist Saum ein Handlungsgewicht, welches 275 Pfund wieget; in Botzen aber wieget es 400 Pfund. Am häufigsten werden die wollenen Tücher fast durch ganz Deutschland nach Säumen gerechnet, und da hält ein Saum in Wien, Nürnberg, Ulm, Frankfurt am Main, Sachsen, Berlin u. s. f. allemahl 22 Tücher oder Stücke Tuches, jedes von 32 Ellen. Im Braunschweigischen heißt ein solcher Saum, ein Stück. Wenn dieses Wort eine Zahl vor sich hat, so bleibt es nach dem Vorgange der meisten Wörter dieser Art im Plural unverändert; sechs Saum. Auf dem Harze ist Sahm ein Kohlenmaß, deren zwey ein Pferd tragen kann.

Anm. Es ist in dieser Bedeutung ein überaus altes Wort, welches mit dem Griech. und Lat. Sagma genau überein kommt. Schon in der Kirchenversammlung zu Metz vom Jahre 753 kommen Carri et Saumi vor. Im Ital. lautet es Soma, im Franz. Some, im mittlern Lat. Sauma, im Angels. und Engl. Seam, im Schwed. Some, im Bretag. Sam. Das Lat. Summa, das Bretagnische samma, niederdrücken, haben gleichfalls den Begriff der Menge, der Last, so wie in dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, der Leib, der Begriff der Masse der herrschende ist. Wenn bey dem Kero ein Lastthier Sonaz heißt, so muß dafür wohl Somaz, oder vielleicht noch besser Somar gelesen werden. S. Saumer, Saumthier und 1 Saum.


Säumen (W3) [Adelung]


1. Säumen, verb. reg. act. von 3 Saum, der umgebogene Rand, mit einem solchen Saume versehen, am häufigsten bey den Nähterinnen, den Rand eines Zeuges umschlagen und fest nähen, damit es sich nicht ausfase. Ein Schnupftuch säumen. Nieders. inbördken, sömen, von Bord, ein Rand. In weiterer Bedeutung von 2 Saum, der Rand überhaupt, ist ein Baum, einen Bretblock säumen, bey den Zimmerleuten und im Forstwesen, ihn beschlagen, ihn viereckig hauen, oder die Schwarten auf allen vier Seiten absägen. Daher gesäumte Breter, welche aus einem solchen Blocke geschnitten werden, im Gegensatze der ungesäumten.


Säumen (W3) [Adelung]


2. Säumen, verb. reg. welches in einer doppelten Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, langsam in einer Bewegung oder in einer Handlung seyn, und in engerer Bedeutung fehlerhaft langsam seyn, langsam seyn, da man eilen sollte, welches man auch mit größten Theils gleichbedeutenden Wörtern zögern und zaudern nennet; im Gegensatze des Eilens. Ich will es thun und nicht säumen, Ezech. 24, 14 Der Tod säumet nicht, Sir. 14, 12. Häufet euch und säumet nicht, Jer. 4, 6. Ich habe nicht gesäumet. Ich fürchte doch, daß du säumen möchtest. 2. Als ein Activum, säumen machen, in der Bewegung, in einer Veränderung hindern, wo es ehedem für hindern überhaupt gebraucht wurde. Säume mich nicht mit dem Reuten, 2 Kön. 2, 24. Im Hochdeutschen ist es in dieser thätigen Gestalt wenig mehr üblich, doch gebraucht man es noch reciproce für das vorige Neutrum; sich säumen, säumen, zaudern, langsam seyn. Komm herab und säume dich nicht, 1 Mos. 45, 9. Der Herr säumet sich nicht, zu vergelten, 5 Mos. 7, 10. Ihre Tage werden sich nicht säumen, Es. 23, 22. Daher das Säumen, und obgleich seltener, die Säumung.

Anm. Bey dem Kero suuman, bey den Schwäbischen Dichtern sumen, in dem Buche Belial von 1483 samen, bey den heutigen Oberdeutschen saumen, im Nieders. sumen, im Franz. chomer, im Schwed. suma, im Isländ. söma; welche bey den letztern doch nur in dem zusammen gesetzten försuma und forsuma, versäumen, üblich sind. Das Wort ist alt, und schon in dem Galischen Gesetze ist Sonnis (richtiger Somnis) Versäumniß, Grund des Außenbleibens. Man siehet leicht, daß die heutige Bedeutung dieses Wortes eine Figur einer ältern eigentlichern ist. Aber welche diese ältere ist, läßt sich nicht mit Gewißheit bestimmen. Es kann solches, wie Wachter will, der Begriff der Last, der Schwere, seyn, ( S. 4 Saum.) Es kann aber auch von der Bedeutung der sanften, schleichenden, gleitenden Bewegung abstammen, und ein Verwandter von sanft, Seim u. s. f. seyn. Endlich kann auch der Begriff der Ruhe, der Muße, der Stätigkeit, der herrschenden seyn, welcher gemeiniglich eine Figur der Bedeckung, des hohlen Raumes ist. In den beyden letzten Fällen sind das Lat. Somnus, Schwed. Sömn, der Schlaf, sömnig, schläferig, das Schwed. Tom, Muße, das Säumen, (weil s und t oft mit einander abwechseln,) und unser zahm, Nieders. taam, damit verwandt. Ehedem hatte man auch das Nebenwort sam, für träge, faul, langsam, wovon Frisch verschiedene Beyspiele anführet. Das zusammen gesetzte versäumen hat so wohl die neutrale, als die active Bedeutung. S. 4 Saum, Säumig, Säumniß und Saumselig.


Saumer (W3) [Adelung]


Der Saumer, des -s, plur. ut nom. sing. von 4 Saum, Last; ein nur im Oberdeutschen übliches Wort. 1) Der Saumthiere hält, und selbige Lasten zu tragen vermiethet, ingleichen, der sie führet; im Österr. Samer, Ital. Somiere, Someggino, Someggiaro. Eben daselbst hat man auch das Zeitwort saumen, mit Saumthieren Waaren und Lasten verführen. Mit Eseln, mit Pferden saumen. 2) Ein Saumthier, besonders ein Saumroß; im Ital. Somaro, im Franz. Somier, im mittlern Lat. Somarius. Weil der Esel vornehmlich zu dieser Verrichtung gebraucht wird, so heißt er im Ital. Somaro, im Ungar. Szamur, und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wenn er diese Nahmen nicht vielmehr wegen seiner Trägheit hat, von dem vorigen 2 Säumen.


Saumesel (W3) [Adelung]


Der Saumesel, des -s, plur. ut nom. sing. im Oberdeutschen, ein Esel, welcher zum Lasttragen gebraucht wird; ein Packesel. S. 4 Saum und das vorige.


Saumhaft (W3) [Adelung]


Saumhaft, -er, -este, adj. et adv. säumig, saumselig; ein im Hochdeutschen wenig mehr übliches Wort.


Säumig (W3) [Adelung]


Säumig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Zeitworte 2 Säumen, langsam in seinen Bewegungen und Verrichtungen, und darin gegründet; ingleichen in engerer Bedeutung, auf eine fehlerhafte Art langsam, zaudernd, zögernd. Mit der Bezahlung säumig seyn. Ein säumiger Schuldner. Sich in Verrichtung seiner Dienste säumig erweisen. Nieders. sümig. S. Saumselig.


Säumigkeit (W3) [Adelung]


Die Säumigkeit, plur. inus. der Zustand, die Eigenschaft einer Person, da sie säumig ist; die Saumseligkeit.


Saumlatte (W3) [Adelung]


Die Saumlatte, plur. die -n, an den Windmühlen, diejenige Latte, welche der Länge nach mitten durch jede Fläche des Flügels gehet. Vielleicht von Saum, so fern es den Begriff der Ausdehnung in die Länge hat, S. 1 und 2 Saum.


Säumniß (W3) [Adelung]


Die und das Säumniß, plur. die -sse, von dem Zeitworte 2 Säumen. 1) Von dessen neutralen Bedeutung, die Säumung, der Verzug. Ohn alle Säumniß eilen, Opitz. ( S. auch Versäumniß) 2) Von dessen activen Bedeutung, die Hinderung, und was uns hindert, das Hinderniß; da es zugleich ungewissen Geschlechtes ist, das Säumniß. In beyden Bedeutungen wird es im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht. In der ersten lautet es schon in den Galischen und Ripuarischen Gesetzen Sumnis, Sunnis.


Saumpferd (W3) [Adelung]


Das Saumpferd, des -es, plur. die -e, ober das Saumroß, des -sses, plur. die -sse, ein Pferd oder Roß, welches nicht zum Ziehen, sondern Lasten zu tragen gebraucht wird; eine vorzüglich im Oberdeutschen übliche Benennung, wofür man im Hochdeutschen den Ausdruck Packpferd gebraucht.


Saumsattel (W3) [Adelung]


Der Saumsattel, des -s, plur. die -sättel, ein hölzerner Sattel, worauf die Saumthiere ihre Lasten tragen.


Saumschicht (W3) [Adelung]


Die Saumschicht, plur. die -en, bey den Mäurern, diejenige Schicht oder Reihe Ziegel auf einem Dache, welche über den Sims des Hauses heraus lieget, und gleichsam den Saum des Daches ausmacht.


Saumselig (W3) [Adelung]


Saumselig, -er, -ste, adj. et adv. ein auch für säumig übliches Wort, besonders in engerer Bedeutung, auf eine fehlerhafte Art langsam, die pflichtmäßige Eilfertigkeit und den pflichtmäßigen Gebrauch der Gelegenheit aus Trägheit unterlassend. Saumselig seyn. Ein saumseliger Schuldner. Das im Hochdeutschen veraltete Hauptwort Saumsal, wovon dieses Beywort abstammet, ist noch in Baiern üblich, so wie auch Logau es noch gebraucht.


Saumseligkeit (W3) [Adelung]


Die Saumseligkeit, plur. doch nur von dieser Beschaffenheit in einzelnen Fällen, die -en, der Zustand, da eine Person oder Sache saumselig ist, die Unterlassung der pflichtmäßigen Geschwindigkeit, besonders im Gebrauche der Gelegenheit; die Säumigkeit, ehedem der Saumsal.


Saumtau (W3) [Adelung]


Das Saumtau, des -es, plur. die -e, auf den Schiffen, diejenigen Taue, womit die Segeltücher, Hangematten u. s. f. am Rande eingefasset werden. Ingleichen ein solches Tau, womit die Fischernetze eingefasset werden. S. 2 Saum.


Saumthier (W3) [Adelung]


Das Saumthier, des -es, plur. die -e, eine im Oberdeutschen übliche Benennung eines Thieres, welches zum Lasttragen gebraucht wird, dergleichen der Saumesel, das Saumroß, und in einigen Gegenden auch der Saumochs sind; das Lastthier, der Saumer.


Saumutter (W3) [Adelung]


Die Saumutter, plur. die mütter, eine Sau weiblichen Geschlechtes, wenn sie Junge hat, oder doch gehabt hat, S. Sau 2.


Saunest (W3) [Adelung]


Das Saunest, des -es, plur. die -er, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, ein im Pflügen aus Versehen oder Ungeschicklichkeit stehen gebliebenes Stück Erde, S. Sackhase.


Saunetz (W3) [Adelung]


Das Saunetz, des -es, plur. die -e, ein Netz, mit welchem auf Sauen, d. i. wilde Schweine, gestellet wird; das Saugarn.


Saurach (W3) [Adelung]


Der Saurach, des -es, plur. inus. eine in vielen Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, übliche Benennung der Berberisstaude, wegen der angenehmen Säure ihrer Beeren, daher sie auch Säuerling, Sauerdorn, und in Österreich Weinschädling genannt wird. ( S. Berberis.) Die Endsylbe ach ist die Ableitungssylbe -ich.


Säure (W3) [Adelung]


Die Säure, plur. die -n, das Abstractum des Bey- und Nebenwortes sauer, für das schleppende Säuere, die saure Beschaffenheit eines Dinges. 1) Eigentlich, und ohne Plural, außer von mehrern Arten. Die Säure des Essiges, des Weines u. s. f. Dem Weine seine Säure benehmen. 2) Ein saurer flüssiger Körper, als ein allgemeiner Ausdruck. Die Salzsäure, Vitriolsäure u. s. f. Die Säure im Magen, sauer gewordene Säfte.


Saureißke (W3) [Adelung]


Der Saureißke, des -n, plur. die -n, eine Art Reißken von schwarzer und bläulicher Farbe, welche eine schlechte Speise der Menschen, aber eine bessere der Säue sind. S. Reißke.


Säuren (W3) [Adelung]


Säuren, S. Säuern.


Saurüde (W3) [Adelung]


Der Saurüde, des -n, plur. die -n, bey den Jägern, eine Art zotiger starker Hunde, welche ein wildes Ansehen haben und zu den Sauhatzen oder wilden Schweinsjagden gebraucht werden; der Rüdenhund. S. Rüde.


Saurüssel (W3) [Adelung]


Der Saurüssel, des -s, plur. ut nom. sing. der Rüssel einer Sau, oder eines Schweines.


Saus (W3) [Adelung]


Der Saus, des -es, plur. inus. von dem Zeitworte sausen, ein sausender Laut, ein sausendes Getöse. 1) * Eigentlich, wo es doch im Hochdeutschen veraltet ist, wo man dafür lieber das Sausen, oder Gesause gebraucht. Thewrdank der Held hört den Saus, Theuerd. In einem stillen Suysse, Jeroschin. 2) Figürlich, das Getöse mit wilder Freude schmausender oder zechender Personen. Im Sause leben, oder auch im Sause und Brause, im Sause und Schmause leben. Sie lebten all mit ihm in Saus, Theuerd. Kap. 75. Der reiche Mann lebte alle Tag in dem Suß, Kaisersb. S. Sausen.


Sausack (W3) [Adelung]


Der Sausack, des -es, plur. die -säcke, ein mit zerschnittenem Specke, Schwarten, Semmel und Schweinsblut als eine Wurst gefüllter und hernach geräucherter Schweinsmagen; der Schweinsmagen, Schwartenmagen, die Magenwurst.


Sauschneider (W3) [Adelung]


Der Sauschneider, des -s, plur. ut nom. sing. der Schweinschneider.


Säuseln (W3) [Adelung]


Säuseln, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle des Hülfswort haben erfordert. Es ist das Diminut. des folgenden sausen, ein gelindes sanftes Sausen von sich geben und hervor bringen. Besonders von dem sanften Sausen eines gelinden angenehmen Windes. Der Weste Säuseln, Der Lerche Kräuseln, Weiße. Laß mit säuselndem West den Abend den Weltkreis erfrischen, Zachar. Wie säuselten die Lüste so gelinde Zu jener Ruh, Haged. Die Haine säuselten, Dusch. Ingleichen von einem ähnlich lautenden Tone der menschlichen Stimme, der eine Art eines leisen Singens ohne Worte ist. Ein Kind durch Säuseln in den Schlaf bringen, es einsäuseln, welches man im Niederdeutschen nach einer andern, aber ähnlichen Onomatopöie, hüssen, hüsseken nennet.


Sausen (W3) [Adelung]


Sausen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und einen gewissen starken, mit einem Zischen verbundenen Laut nach ahmet, den ein starker Wind oder eine schnell und heftig bewegte Luft am häufigsten von sich gibt; diesen Schall von sich geben und hervor bringen. Der Wind sauset um die Dächer. Du hörest das Sausen des Windes wohl, Joh. 3. 8. Nach dem Feuer kam ein stilles sanftes Saussen, (Sausen,) 1 Kön. 19, 12. ( S. Säuseln.) Das Meer sauset. Eine Kanonenkugel sauset, wenn sie schnell durch die Luft fähret, kleinere Kugeln pfeifen. Das Sausen und Brausen der Ohren, diejenige Empfindung in den Ohren, als wenn man einen starken Wind sausen und brausen höret. Ingleichen figürlich, sich auf eine wilde lärmende Art vergnügen. Es soll heute alles in Sausen und Schmausen bey mir gehen, Weiße. ( S. Saus.) So auch das Sausen.

Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern susen, im Nieders. susen, (welches auch von einer Art des Singens ohne Worte gebraucht wird, wofür im Hochdeutschen säuseln üblicher ist,) im Schwed. susa. Es ist eine unmittelbare Nachahmung der Natur.


Sausewind (W3) [Adelung]


Der Sausewind, des -es, plur. die -e, eigentlich ein heftiger sausender Wind. Man gebraucht es nur im figürlichen Scherze, von einer wilden unruhigen Person, welche theils ihre Geschäfte mit einem lärmenden Geräusche verrichtet, theils auch wilden lärmenden Vergnügungen ergeben ist. S. Saus.


Sauspieß (W3) [Adelung]


Der Sauspieß, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein starker Spieß mit einem Knebel, die Sauen oder wilden Schweine daran auflaufen zu lassen; das Fangeisen, die Schweinsfeder.


Saustall (W3) [Adelung]


Der Saustall, des -es, plur. die -ställe, ein Schweinstall.


Sautanne (W3) [Adelung]


Die Sautanne, plur. die -n, S. Bärlapp.


Sauwurz (W3) [Adelung]


Die Sauwurz, plur. inus. ein Nahme der großen oder knotigen Braunwurz, Scrophularia nodosa L. deren Wurzel und Blätter einen widrigen Geruch und bittern Geschmack haben.


Savoyer-Kohl (W3) [Adelung]


Der Savoyer-Kohl, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme des weißen Wirsinges oder Berschkohles, Brassica oleracea Sabauda L. ohne Zweifel, weil er aus Savoyen zu uns gekommen.


Scapulier (W3) [Adelung]


Das Scapulier, des -es, plur. die -e, ein nur noch in der Römischen Kirche übliches Wort. 1) Das Scapulier der Mönche ist ein kurzes Oberkleid, welches nur die Schultern bedeckt, oder wie es gemeiniglich erkläret wird, in armos tantum clausa est, daher es im mittlern Lat. auch Armisausa hieß. Hier ist es aus Vestis scapularis, von Scapula, das Schulterblatt, entlehnet, und wurde im mittlern Lat. Scapulare genannt. 2) Der Rosenkranz wird daselbst gleichfalls noch das Scapulier genannt; ehedem der Schapel, welches auch einen Kranz überhaupt bedeutet, Franz. Chapelet. S. Schapel.


Scene (W3) [Adelung]


Die Scene, plur. die -n, S. Auftritt.


Scepter (W3) [Adelung]


Scepter, S. Zepter.


Sch (W3) [Adelung]


Sch, der volle oder grobe Zischlaut, welcher vornehmlich der Oberdeutschen Mundart, und auch hier manchen Provinzen mehr als andern eigen ist, obgleich die Niederdeutschen ihn auch nicht ganz vermissen. Indessen gebrauchen ihn diese nur vor einem Selbstlaute und vor dem r, dagegen sie sich vor dem l, m, n, und w, wie ihre Nachbarn, die weiter gegen Norden wohnenden Völkerschaften, mit einem bloßen einfachen s begnügen, und um deßwillen in dem Wohlklange vieles vor den Oberdeutschen voraus haben; smeken für schmecken, swart für schwarz, sniden für schneiden. Auch da, wo die Oberdeutschen das einfache s wie ein sch hören lassen besonders vor dem p und t, sprechen die Niederdeutschen nur ein einfaches s; ob es gleich auch gröbere Mundarten unter ihnen gibt, welche sogar das s vor der verkleinernden Endung chen, in ein sch verwandeln; Röschen für Röschen. ( Siehe S. wo von dieser Aussprache mehr gesagt worden. Die Westphalen haben nebst den Holländern und einigen nördlichen Völkerschaften dieses Besondere, da sie auch da, wo sie ein sch haben, es doch nicht zischend aussprechen können, sondern das s und den Gaumenlaut besonders hören lassen: Sgall für Schall, Fleisg für Fleisch, Sginken für Schinken. Ottfried und seine Zeitgenossen schreiben das sch gleichfalls häufig durch sg, frenkisga zungun, Fränkische Sprache. Dieser Zischlaut ist sehr oft unmittelbar aus der Natur entlehnet; rauschen ist ein anderer und stärker zischender Schall als rausen in brausen. In diesem Falle ist es freylich sehr unbequem, daß wir diesen einfachen Laut durch drey Buchstaben s, c und h ausdrucken müssen, welches bey dem Buchstabiren sehr viele Unbequemlichkeiten hat. Es haben daher schon mehrere ein eigenes Schriftzeichen für diesen Laut in Vorschlag gebracht, welches desto mehr zu billigen wäre, da uns unter andern auch schon die Hebräer mit ihrem - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Schin, darin vorgegangen sind. Allein, so nützlich ein solches eigenes Schriftzeichen für den jetzt gedachten Fall seyn würde, da dieser Laut wirklich einfach und aus der Natur entlehnet ist, so würde es doch in einer andern Betrachtung wieder seine Unbequemlichkeit haben. Denn in vielen Wörtern ist dieses sch wirklich aus zwey verschiedenen Lauten zusammen geschmolzen, nähmlich aus dem Gaumenlaute ch oder g, und aus dem vorgesetzten Zischer s, welcher entweder die Bedeutung verstärket, oder auch nur ein bloßes Eigenthum der Mundart ist. So ist Schall allem Ansehen nach aus Gall, gällen, und dem verstärkendem s gebildet, schehen in geschehen aus gehen u. s. f. wovon im folgenden häufige Beyspiele vorkommen werden. In diesem Falle würde es die Ableitung erschweren, weil man alsdann das s nicht so leicht von dem Gaumenlaute würde absondern können. Daß unsere Ableitungssylbe "-isch" auf eben diese Art, nähmlich durch den Zusatz des Zischlautes aus -ig, oder -icht, entstanden, ist schon an seinem Orte bemerket worden. In der Comparation solcher Beywörter, welche sich auf sch und isch endigen, wird im gemeinen Leben, und selbst bey vielen Sprachlehrer nicht genug für das Ohr gesorgt; närrischste, bübischste, keuschste, klingen überaus rauh und widrig. Die sich auf ein bloßes sch endigen, nehmen daher zu Milderung dieses Übelklanges ein e vor der Endsylbe an, welches auch die auf ß, st, und z thun; keuscheste, gewisseste. Aichinger und andere wollen dieses e auch bey denen auf isch eingeführet wissen; närrscheste, hämischeste u. s. f. wo aber bloß ein Übelklang durch den andern ersetzet wird. Am sichersten vermeidet man diese Superlativen; ist solches aber nicht möglich, so läßt sich der Übellaut sehr dadurch vermindern, daß man von der Endung ste das s verheißet, närrischte, bübischte, hämischte, parteyischte, schelmischte, höhnischte, knechtischte u. s. f.


Schaaf (W3) [Adelung]


Schaaf, Schaam, Schaar, S. Schaf, Scham, Schar.


Schabaas (W3) [Adelung]


Das Schabaas, des -es, plur. inus. bey den Gärbern, dasjenige Aas, d. i. Fleisch und Haut, was von der inwendigen Seite der Felle abgeschabet wird.


Schabab (W3) [Adelung]


Das Schabab, subst. indecl. plur. inus. ein nur im gemeinen Leben einiger Gegenden übliches, von dem Zeitworte abschaben gebildetes Wort, das Unnütze oder Unreine zu bezeichnen, was von einem andern Dinge abgeschabet, und in weiterer Bedeutung, abgesondert wird; das Schabsel, Abschabsel, Nieders. Schabels. Dem Frisch zu Folge wird der Raden in einigen Gegenden Schabab genannt, weil er als untauglich von dem Getreide abgesondert werden muß. Daher gebrauchte man es ehedem auch figürlich für Auswurf, Ausschuß, Scheusal u. s. f. Er mußte von jedermann bey der Pfaffheit Schabab seyn, Hedion in der Kirchenhist. bey dem Frisch. Ich zeuch dahin du bist Schabab, Hans Sachs. Wo es in unsern jetzigen Bibel-Ausgaben, 1 Cor. 4, 13, heißt, und ein Fegopfer aller Leute, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, da hieß es in den Ausgaben von 1522, 1524 und 1527, und eyns ydermans schabab. In dem alten Reimspruche hingegen, da man von einem Verstorbenen sagt; Ein Tuch ins Grab, damit schabab, scheinet es aus abschieben, Nieders. abschuven, sich abführen, fortmachen, entstanden zu seyn.


Schabatte (W3) [Adelung]


Die Schabatte, plur. die -n, ein nur in den Kupferbämmern übliches Wort, wo das Gestell, worin ein Amboß stehet, mit diesem Nahmen beleget wird. Das Wort ist allem Ansehen nach ausländisch.


Schabbelschnabel (W3) [Adelung]


Der Schabbelschnabel, eine Art Vögel. S. Schapelschnabel.


Schabe (W3) [Adelung]


Die Schabe, plur. die -n, von dem Zeitworte schaben. 1. Ein Ding welches schabet, ein Werkzeug zum Schaben. 1) Ein Ding welches schabet. So führen verschiedene Arten von Insecten, welche andere Körper zerfressen oder zernagen, den Nahmen der Schaben. Dahin gehöret die Motte, Phalaena Tinea L. die Milbe, Blatta L. die Assel, welche nicht nur Kellerschabe, sondern auch nur Schabe schlechthin genannt wird, ( S. Assel.) Die Bäckerschaben sind eine Art schwarzer, breiter Mehlwürmer, welche sich gern bey den Bäckern in dem Mehle aufhalten. Auch der Riehwurm, welcher sich in den Bienenstöcken aufhält, wird so wohl Schabe als Motte genannt. In allen diesen Fällen lautet das Wort in vielen Gegenden Schwabe, ( S. dasselbe.) 2) Ein Werkzeug zum Schaben. So heißt die Thonschneide der Töpfer bey ihnen auch die Schabe. Hierher scheinet auch das unter dem Nahmen der Schabe bekannte Fischnetz zu gehören, welches in den meisten Gegenden verbothen ist, und der Raffel ähnlich zu seyn scheinet, ( S. dieses Wort.) Das Nachtfischen mit Schaben oder Schiefern, heißt es in der Sächsischen Fischerordnung. Wenn es nicht vielmehr von schieben abstammet. 2. Der Zustand, da man sich schabet oder schaben muß, ohne Plural; in welchem Verstande die Krätze im gemeinen Leben häufig die Schabe genannt wird. Lat. Scabies, Ital. Scabbia, Engl. Scab, Angels. Scacb. S. Schäbig.


Schäbe (W3) [Adelung]


Die Schäbe, plur. die -n, ein nur in dem Salzwerke zu Halle, in dem zusammen gesetzten Bortschäbe übliches Wort, diejenigen Bleche zu bezeichnen, womit der Rand der Salzpfannen erhöhet wird. Vielleicht von schieben, weil diese Bleche gewisser Maßen angeschoben werden.


Schabebaum (W3) [Adelung]


Der Schabebaum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum, welcher vorn zwey Füße hat, hinten aber auf der Erde liegt, auf und über welchen die Gärber, Pergamenter u. s. f. die Häute so wohl rein, als dünne schaben. S. Schabebock.


Schabeblech (W3) [Adelung]


Das Schabeblech, des -es, plur. die -e, bey den Schustern, eine spitzige stumpfe Messerklinge, das überflüssige Wachs damit aus den weißen Nähten zu schaben; die Schabeklinge.


Schabebock (W3) [Adelung]


Der Schabebock, des -es, plur. die -böcke, ein Bock oder Gestell der Kammmacher, welches dem Schabebaum der Gärber vollkommen gleich ist, das behauene Horn darauf gleich zu schaben.


Schabebret (W3) [Adelung]


Das Schabebret, des -es, plur. die -er, ein Bret der Lederarbeiter, das Leder darauf zu beschaben.


Schabedegen (W3) [Adelung]


Der Schabedegen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug von Stahl der Zinngießer, in Gestalt eines flachen Dolches mit einem Hefte, ihre Arbeiten damit zu beschaben.


Schabeeisen (W3) [Adelung]


Das Schabeeisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Eisen, oder eisernes Werkzeug, andere Dinge damit zu beschaben, dergleichen mehrere Künstler und Handwerker haben. Bey den Klämpenern ist ein Messer, das Messing rein zu schaben; bey den Schwertfegern ein Eisen mit einem Hefte, die Metalle vor dem Polieren damit zu beschaben, wo es auch der Schaber heißt; bey den Böttchern ein scharfer Halbzirkel mit zwey Griffen, das Inwendige der Fässer glatt zu schaben; bey den Kupferstechern ein Werkzeug, in die zur schwarzen Kunst aufgeackerte Platte die Achter einzuschaben, die Schabebrücke, der Schabekrug; bey den Lohgärbern eine krumme Klinge mit zwey Griffen, die Haare und das Fleisch damit von den Fellen zu schaben, das Haareisen, Streicheisen u. s. f.


Schabehobel (W3) [Adelung]


Der Schabehobel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Hobel der Instrumentmacher, feste Materien damit zu schaben.


Schabeklinge (W3) [Adelung]


Die Schabeklinge, plur. die -n, eine Klinge verschiedener Handwerker und Künstler, andere Dinge damit zu beschaben. S. Schabeblech.) Auch die Beindrechsler haben eine solche Klinge, das Bein auf den Boden glatt zu schaben, welche bey ihnen der Schabklinger heißt.


Schabekrücke (W3) [Adelung]


Die Schabekrücke, plur. die -n, S. Schabeeisen.


Schabekrug (W3) [Adelung]


Der Schabekrug, des -es, plur. die -krüge, S. eben daselbst.


Schabemesser (W3) [Adelung]


Das Schabemesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Messer zum Schaben, dergleichen besonders die Pergamenter und andere Handwerker haben.


Schaben (W3) [Adelung]


Schaben, verb. reg. act. 1) Stark, und mit einem diesem Zeitworte eigenthümlichen Geräusche reiben. Die Thiere schaben sich, wenn sie sich den Leib an Bäume, Wände u. s. f. reiben. Hiob schabete sich mit Scherben, Hiob 2, 8. In den gemeinen Sprecharten, besonders Niederdeutschlandes, hat man in dieser Bedeutung auch die Intensiva schabben und schubben, welche im Gebrauche noch niedriger sind, als das einfachere Zeitwort; Schwed. skubba. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, mit einer scharfen und schneidenden Fläche reiben, um dadurch etwas wegzuschaffen, oder einem Dinge eine Zubereitung zu geben. Den Koth von etwas schaben. Den Käse schaben, das Äußere davon abschaben. Möhren, Rüben schaben, durch Schaben reinigen. Jemanden ein Rübchen schaben, ( S. Rübe.) Mit einem Messer, mit einem Stücke Glas u. s. f. schaben. Im Nieders. bedeutet es auch die Flächen eines Deiches eben und glatt abstechen. Bey den Fischern ist das Schaben und Schiefern eine verbothene Art des Fischens, ( S. Schabe.) Figürlich, doch nur in den niedrigen Sprecharten, ist schaben, Geld zusammen schaben, es durch den niedrigsten, ängstlichen Geitz zusammen bringen. Daher das Schaben.

Anm. Bey dem Notker scaben, im Nieders. schaven, im Angels. scafan, sceafan, im Engl. to shave, im Schwed. skafva, im Lat. scabere, im Griech. intensive - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es ist eine Onomatopöie, und bedeutet in den verwandten Sprachen allerley verwandte Handlungen. So ist z. B. im Holländischen schaeven hobeln, und Schaeve ein Hobel. Unser scheuern ist nahe damit verwandt, nur daß es vermöge der Endsylbe -ern, ein Intensivum oder Iterativum ist. S. auch Schieben, welches einen ähnlichen, aber wegen des gedehntern ie langsamern Laut ausdruckt.


Schabengift (W3) [Adelung]


Das Schabengift, S. Schwabengift.


Schabenkraut (W3) [Adelung]


Das Schabenkraut, des -es, plur. inus. eine Art der Königskerze, welche im mittägigen Europa wächst; Verbascum Blattaria L. Mottenkraut; vielleicht weil es die Schaben und Motten vertreibt.


Schaber (W3) [Adelung]


Der Schaber, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Werkzeug zum Schaben, ( S. Schabeeisen.) 2) Im gemeinen Leben, eine verächtliche Benennung einer geitzigen, habsüchtigen Person. Daher die Schaberey.


Schabernack (W3) [Adelung]


Der Schabernack, des -es, plur. die -e, in den gemeinen Sprecharten, ein arglistiger Possen, ein arglistiger Streich. Jemanden einen Schabernack thun, ihm etwas zum Schabernacke thun. Eben daselbst hat man auch das Zeitwort schaber- nacken; jemanden schabernacken, ihm solche Possen spielen. Nieders. Schavernack. Die Ableitungen, welche man von diesem dunkeln Worte versucht hat, sind größten Theils seltsam; z. B. Frischens, bey welchem es so viel ist, als jemanden zum Schimpfe die Haare im Nacken abschaben oder abscheren. Die letzte Hälfte gehöret ohne Zweifel zu necken, weil der Schabernack mehr eine Art der Neckerey als des Schimpfes ist; nur die erste Hälfte ist noch dunkel.


Schaberusch (W3) [Adelung]


Der Schaberusch, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme des Schachtelhalmes oder Kannenkrautes, weil Holz u. s. f. damit geschabet oder gerieben und auf solche Art geglättet wird. Die letzte Sylbe ist das Wort Rusch, S. dasselbe.


Schabewolle (W3) [Adelung]


Die Schabewolle, plur. car. diejenige Wolle, welche die Weißgärber von den Schaf- und Hammelfellen schaben.


Schabracke (W3) [Adelung]


Die Schabracke, plur. die -n, eine zierliche Decke von Zeug oder Leder, welche hinten am Reitsattel befestiget wird, und das Kreuz des Pferdes bedecket. Das Wort ist ausländisch, vermuthlich aus dem Türkischen Ciaprak, Tschaprak, in eben der Bedeutung, Pohln. Czaprag. In einigen Gegenden heißt sie auch Waltrappe, Ital. Gualdrappa, Valdrappa, ohne Zweifel von Drappo, Tuch, und unserm wallen, eine Reisedecke zu bezeichnen.


Schabsel (W3) [Adelung]


Das Schabsel, des -s, plur. doch nur im gemeinen Leben, ut nom. sing. dasjenige, was abgeschabet wird; Niedersächsisch Schavels.


Schach (W3) [Adelung]


1. Der Schach, der Raub, S. Schächer.


Schach (W3) [Adelung]


2. Der Schach, ein Viereck, S. Schacht.


Schach (W3) [Adelung]


3. Schach, ein in dem bekannten Schachspiele übliches Wort, welches daselbst in folgenden Bedeutungen vorkommt. 1) Der vornehmste Stein dieses Spieles führet bey den Morgenländern, wo dieses Spiel einheimisch ist, den Nahmen des Schaches, welches noch jetzt in den Morgenländern sehr bekannte Wort einen König oder Fürsten bedeutet. Im Deutschen ist es in dieser Bedeutung unbekannt, weil dieser Stein bey uns der König genannt wird. 2) Von diesem Könige, dem vornehmsten Steine, wird dieses Spiel selbst zuweilen Schach genannt, wo es doch nur ohne Artikel üblich ist. Schach spielen. Zwey Spiele Schach spielen. Zuweilen höret man es alsdann auch mit dem ungewissen Artikel; das Schach ist ein scharfsinniges Spiel. 3) In der Schweiz nennet man auch das Schachbret nur Schach schlechthin, und daher kommt die noch nicht ganz veraltete Redensart, im Schach spielen, für Schach spielen. Endlich 4) ist es auch in diesem Spiele ein sehr übliches Wort, den König zu nennen. Schach dem Könige! Dem Könige Schach biethen, ihn durch einen andern Stein nöthigen, seine Stelle zu verlassen. Den König schachmatt machen, ( S. Schachmatt.) Wo es üblich ist, da biethet man auch der Königinn Schach. In dieser Bedeutung ist es ein bloßer Mißbrauch, der aus Unkunde der wahren Bedeutung dieses Wortes entstanden. Wenn die Morgenländer den König durch einen Stein bedrohen, so rufen sie z. B. Schach Ruch, das heißt, der König wird von dem Rochen bedrohet oder gewarnet. Hierdurch sind die Europäer verleitet worden, den Ausdruck in der jetzt gedachten Bedeutung einzuführen.

Anm. Im Franz. Echec, im Ital. Scacco, im Engl. Chess. Sehr viele Wortforscher haben es von dem veralteten Schach, Raub, das Rauben, ( S. Schächer) ableiten wollen; allein der nur bey ausländischen Wörtern übliche indeclinable Gebrauch des Wortes Schach hätte sie schon belehren können, daß das Wort ausländisch seyn müsse. Die Geschichte dieses Spieles wird solches noch mehr erhärten. Dieses Spiel ist in ganz Asien gewöhnlich, und ist dem übereinstimmigen Zeugnisse aller Morgenländer zu Folge in ganz Indien, und wie die Perser behaupten, von einem gewissen Zezeh Eben Daher erfunden worden. Es ist ein Kriegsspiel, und bildet die alte Indianische Art zu kriegen sehr deutlich ab. Die Römer lerneten es vermuthlich bey ihren Kriegen in Asien kennen, und nannten es Ludum latronum oder latrunculorum, nicht von latro, ein Räuber, sondern so fern dieses Wort ehedem einen Soldaten, einen Krieger, in gutem Verstande bedeutete. Nachmahls scheinet es in Europa in Vergessenheit gerathen zu seyn, bis es durch die Araber in Spanien wieder bekannt geworden, da es denn unter andern an Carls des Großen Hofe sehr üblich war, wie denn auch die von ihm gebrauchten Schachsteine noch zu St. Denis gezeiget werden. Die Perser und meisten Morgenländer nennen das Spiel Setrenge, d. i. tausend Sorgen, wegen des dazu nöthigen Nachdenkens, ( S. Angeli a S. Josepho Gazophylac. linguae Pers. S. 370,) wovon auch die neuern Griechen ihr - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - entlehnet haben; die Chineser das Elephantenspiel u. s. f. Bey allen aber heißt der erste und vornehmste Stein, der die Seele des Spieles ist, Schach, Pers. Cha, d. i. König oder Fürst; und diesen Nahmen haben die Europäer beybehalten, ob sie ihm gleich manche ihm fremde Bedeutungen beygelegt haben. Die Franzosen nennen auch alle Schachsteine les Echecs. In Deutschland sind nach und nach dreyerley Arten dieses Spieles üblich gewesen; das große, das kleine, und dasjenige, welches jetzt überall gespielet wird. Das große, welches dasjenige ist, von welchem die Schriftsteller des 12ten und 13ten Jahrh. reden, hat sich noch bis auf unsere Zeiten in dem Halberstädtischen Dorfe Ströpke erhalten, dessen Einwohner von undenklichen Zeiten her den Ruhm geschickter Schachspieler haben. Sie nennen es das Courier-Spiel, und spielen es auf einer länglichen Tafel von 96 Feldern, wovon 12 auf der langen und 8 auf der kurzen Seite sind. Jeder Spieler hat 24 Steine, nähmlich außer den 16 gewöhnlichen zwey Courier, einen Rath für den König, welchen sie den Alten oder des Königs Mann nennen, einen Narren für die Königinn, der den Nahmen Schleich führet, und vier Bauern. Das kleine Schach wird noch in eben diesem Dorfe beybehalten, und mit 16 Steinen in 64 Feldern eben wie das große gespielet. Sie nennen es das alte Spiel, dagegen unser gewöhnliches Schachspiel bey ihnen den Nahmen des Wälschen Schachs führet. Ein Mehrers würde hier am unrechten Orte stehen; doch ist bey den Nahmen der Steine dieses Spieles noch manches hierher gehörige bemerket worden. S. Thom. Hyde de iudis orient. Oxford 1694 in 8.


Schachbret (W3) [Adelung]


Das Schachbret, des -es, plur. die -er, ein in viereckige Felder getheiltes Bret, worauf Schach gespielet wird; im Oberd. auch nur der Schach, ingleichen die Schachtafel.


Schachen (W3) [Adelung]


Schachen, in Vierecke theilen, S. Schachten.


Schächer (W3) [Adelung]


Der Schächer, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen veraltetes, aber noch in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, einen Räuber und Mörder zu bezeichnen. Man gebraucht es nur noch zuweilen in der theologischen Schreibart, wenn von den zwey mit Christe gekreuzigten Übelthätern die Rede ist, welche Luther Mörder nennet. Das Wort ist alt und kommt schon bey dem Ottfried vor, der einen Räuber und Mörder mehrmahls Scaher nennet. Scahero luag ist bey ihm eine Räuberhöhle oder Mördergrube. Sich legt an den Weg als ein schacher, heißt es in einer alten Übersetzung der Sprüche Salomo von 1400, Kap. 23, 28. Es stammet von dem veralteten Zeitworte schachen, Franz. saccager, her, welches überhaupt eine schnelle Bewegung machen, in engerm Verstande aber rauben, tödten, niedermachen bedeutet hat, ( S. Schächten,) und sich von jagen nur durch den Zischlaut unterscheidet. Es ist noch im Niederdeutschen üblich, wo es schaken lautet, und besonders von der Entführung eines Frauenzimmers gebraucht wird. Das Hauptwort Schach, im mittlern Lat. Scacus, Holl. Schaek, war für Raub, Rauberey, ehedem gleichfalls sehr üblich, und kommt bey unsern alten Oberdeutschen Schriftstellern häufig vor. Die erste und ursprüngliche Bedeutung ist, wie in Raub und andern ähnlichen Wörtern, die heftige Bewegung, daher die Verwandtschaft mit Schäker, schicken, Schal, schaukeln, dem Angels. scacan, dem Engl. to shock, stoßen, schütteln, dem Franz. chocquer u. s. f. leicht kenntlich ist. Wenn Schächer im vertraulichen Scherze zuweilen als ein Scheltwort gebraucht wird, ein armer Schächer, ein armer Mensch, so hat es dieses mit Schelm und andern Ausdrücken gemein, ob es gleich auch hier für Schäker stehen kann.


Schächerkreuz (W3) [Adelung]


Das Schächerkreuz, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst, ein wie ein großes Y gebildetes Kreuz, weil die mit Christo hingerichteten Schächer an ein solches sollen seyn gehenket worden; das Gabelkreuz. Andere belegen das Andreas-Kreuz, welches einem X gleicht, mit diesem Nahmen.


Schachern (W3) [Adelung]


Schachern, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, wo es handeln, Kauf- oder Tauschhandel treiben, bedeutet, aber nur von einem gewinnsüchtigen Handel im Kleinen gebraucht wird. Im Nieders. gleichfalls schachern, im Schwed. skackra. Es ist ohne Zweifel von den Juden entlehnet, welche dieses Wort bey ihrem Handel beständig im Munde führen, daher es auch nur von einer Jüdischen, gewinnsüchtigen Art zu handeln gebraucht wird. Das Jüdisch-Deutsche schachern ist aus dem Chald. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, kaufen, handeln, entlehnet, wohin auch - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, betrüglich handeln, lügen, gehöret. Aber auch diese morgenländischen Wörter verrathen, daß sie vermittelst des intensiven oder iterativen r, ern, von dem vorhin gedachten Zeitworte schachen, heftig bewegen, abstammen, ( S. Schächer). Unser Handel und handeln haben einen ähnlichen Ursprung. Das Nieders. schachern, laut und unanständig lachen, gehöret zu unserm schäkern.


Schachkraut (W3) [Adelung]


Das Schachkraut, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Pfriemenkrautes, Spartium scoparium L. ( S. Geniste.) Ohne Zweifel von dem veralteten schachen, welches unter andern auch in eine scharfe Spitze zulaufen, ingleichen stechen, bedeutet hat, wegen der spitzigen Ruthen und Blätter. S. Schächer und Schächten.


Schachmatt (W3) [Adelung]


Schachmatt, adj. et adv. welches eigentlich im Schachspiele üblich ist. Der König ist schachmatt, wenn ihm alle Zugänge so besetzt sind, daß er keinen Zug thun kann, sondern sich ergeben muß. In weiterer Bedeutung wird es auch für völlig entkräftet und kraftlos gebraucht. Schachmatt seyn. Es ist als ein Nebenwort am üblichsten, wird aber doch auch zuweilen als ein Beywort gebraucht. Ein schachmatter König.

Anm. Ital. Scacco-matto, Franz. Echec et mat, richtiger Echec est mat. so deutsch auch dieses Wort aussiehet, so morgenländisch ist es doch. Die erste Hälfte ist das Arab. Schach, der König, und die letzte das morgenländische mat todt, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Wenn der König im Schachspiele in diesem Zustande der Ohnmacht ist, der dem ganzen Spiele ein Ende macht, so sagen die Araber Schach mat, die Perser aber Scia-mat, d. i. der König ist todt, oder überwunden. Von diesen ist es mit dem Schachspiele selbst nach Europa gekommen. S. Matt und Metzeln.


Schachspiel (W3) [Adelung]


Das Schachspiel, des -es, plur. die -e, das unter dem Nahmen des Schachs bekannte morgenländische Spiel, dasjenige Spiel, worin der Schach oder König der vornehmste Stein ist, das Königsspiel; ohne Plural. Ingleichen ein einzelnes Spiel in dieser Art zu spielen. S. Schach.


Schachstein (W3) [Adelung]


Der Schachstein, des -es, plur. die -e, ein Stein, oder Körper, in dem Schachspiele, womit dieses Spiel gespielet wird.


Schacht (W3) [Adelung]


Der Schacht, des -es, plur. die Schächte, ein Wort, welches besonders in einer dreyfachen Hauptbedeutung gebraucht wird, welche dem Ansehen nach sehr verschieden sind, aber doch darin überein kommen, daß sie insgesammt ausgedehnte Räume oder ausgedehnte Körper bedeuten. 1. Einen bloß in die Länge ausgedehnten Körper. In diesem Verstande ist im Nieders. Schacht und Schecht eine hölzerne Stange, Hopfenschächte, Hopfenstangen u. s. f. Auch der Schaft an einem Spieße heißt im Nieders. und Holländ. Schacht und Schicht. Wir gebrauchen dafür in vielen Fällen Schaft, welches auf eben die Art von schaffen abstammet, wie Schacht von schachen. 2. Eine in die Länge und Breite ausgedehnte Fläche. 1) Überhaupt; in welchem Verstande es besonders im Forstwesen für Gegend üblich ist. Dieß ist ein schöner Schacht Holz, eine schöne mit Holz bestandene Gegend, ein schönes Holz. Feldschächte sind daselbst die Feldhölzer, oder kleinen auf dem Felde mit Holz bewachsenen Gegenden. 2) In engerer Bedeutung. (a) Ein Körper, welcher beynahe so lang als breit, aber nach dem Verhältniß der Länge und Breite sehr dünn ist, ( S. Schicht.) In diesem Verstande ist es in der Feldmeßkunst u. s. f. eine körperliche Größe, woran die Breite und Länge einander gleich ist, die Dicke aber nur den zweyten Theil der Länge beträgt. Ein Schacht oder Schiffschuh ist ein Körper, der z. B. eine Ruthe lang und breit und einen Fuß dick ist, welcher denn zur nähern Bestimmung ein Ruthenschacht genannt wird. Ein Schuhschacht ist ein Körper, der einen Schuh lang und breit, aber nur einen Zoll dick ist. So auch Zollschacht, Linienschacht u. s. f. Daher das Schachtmaß, die Art und Weise, die Körper auf diese Art zu messen, die Schachtruthe, eine solche Ruthe, der Schachtschuh oder Schachtfuß, der Schachtzoll, die Schachtlinie u. s. f. (b) Ein jedes Quadrat, d. i. ein gleichseitiges Viereck, ohne den Nebenbegriff der Dicke. In dieser Bedeutung lautet es in einigen Gegenden auch Schach, Ital. Scacco; daher einige den Nahmen des Schachspieles daher leiten wollen, weil es auf einer in solche Schache oder Schächte getheilten Fläche gespielet wird. 3. Ein in die Tiefe ausgedehnter Raum; in welchem Verstande es ehedem eine jede Grube bedeutete. Hornegk gebraucht es noch für eine Grube oder einen Graben, im mittlern Lat. Schachta; in Golii Onomast heißt ein Abtritt der Schacht. In der Hochdeutschen Mundart kommt es wenig mehr vor, doch haben die Bergleute es noch aufbehalten, bey welchen es in einem doppelten Verstande üblich ist. 1) Der oberste Theil der viereckten Höhlung eines hohen Ofens, durch welchen die Kohlen und Eisensteine eingestürzet werden, heißt der Schacht, im Gegensatze des Herdes. 2) Ein von der Dammerde gerade in die Tiefe gemachtes Loch, wodurch man in die Erzgruben aus- und einfähret, Erz, Berge und Wasser hinauf schaffet u. s. f. Gemeiniglich gehen die Schächte senkrecht, aber nach Beschaffenheit der Umstände werden sie auch nach einer schiefen Richtung geführet. Am häufigsten sind sie viereckt, obgleich auch dieß nicht wesentlich ist. Nach Maßgebung ihres Endzweckes bekommen sie verschiedene Nahmen; daher hat man Fahrschächte, Förderschächte, Kunstschächte u. s. f. Einen Schacht abteufen oder absinken, ihn graben, verfertigen; ihn austonnen, mit Bretern ausschlagen; ihn auswechseln, mit frischem Holze anstatt des faulen auszimmern u. s. f. Der Plural lautet im Hochdeutschen beständig Schächte, im Oberdeutschen aber auch Schachte. Du hast Der Schachten Erz aus Sand geschmelzt, Hall.

Anm. In dieser letzten Bedeutung im Schwed. Skackt, im Böhm. Ssachta, im mittlern Lat. Xasetus, nach einer gewöhnlichen Verwechselung der Hauch- und Blaselaute, daher auch im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - graben ist. Schacht stammet von schachten, oder vermittelst des intensiven t unmittelbar von dem veralteten schachen, her, welches eine schnelle Bewegung überhaupt, und eine Bewegung nach verschiedenen Arten von Richtungen besonders bedeutet. Im Nieders. ist schechten schnell hin und her laufen. Zu der zweyten Bedeutung der Tiefe, der Höhlung, gehöret auch unser Schachtel. S. dasselbe, ingleichen Schächer.


Schachtafel (W3) [Adelung]


Die Schachtafel, plur. die -n, eigentlich, eine Tafel, auf welcher Schach gespielet wird, wofür jetzt Schachbret üblicher ist. Ehedem nannte man auch das Schachspiel selbst Schachtafel, und nach der Mundart einiger Oberdeutschen Gegenden auch Schachzabel, in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter Scazable, bey dem Hornegk Geschachezabel, Schwed. Skafttafvel.


Schachtbühne (W3) [Adelung]


Die Schachtbühne, plur. die -n, im Bergbaue, Bühnen oder Absätze, welche in einem Fahrschachte angebracht werden, die Fahrten zu befestigen und den Bergleuten das Ein- und Ausfahren zu erleichtern.


Schachtel (W3) [Adelung]


Die Schachtel, plur. die -n, Diminut. das Schächtelchen, Oberd. Schächtellein, ein Behältniß von dünnen Seitenwänden, mit einem darüber passenden Deckel. Gemeiniglich sind die Schachteln aus dünnen Bretern zusammen gebogen, aber man hat sie auch von Pappe, Metall u. s. f. Die Figur und Tiefe ist gleichgültig; man hat runde, ovalrunde, viereckte mit rund gebogenen Ecken, ganz viereckte u. s. f. Schachteln. Die dünnen Seitenwände und der darüber passende Deckel scheinen die wesentlichsten Eigenschaften zu seyn. Nach dem Unterschiede ihrer Bestimmung bekommen sie allerley Nahmen; Haubenschachtel, Puderschachtel, Perrückenschachtel, Latwergenschachtel u. s. f. Ein Satz Schachteln, oder ein Einsatz, mehrere Schachteln von verschiedener Größe, wovon immer eine in die andere passet.

Anm. Im Ital. Scatola. Die Endsylbe -el bezeichnet hier kein Diminutivum, sondern ist die Ableitungssylbe -el oder -er, ein Ding, Subject. Die erste Sylbe gehöret ohne Zweifel zu dem vorigen Worte Schacht in dessen dritten Bedeutung, so daß Schachtel eigentlich ein hohles Ding, einen hohlen Raum bedeutet. Das Ital. Scatola bedeutet auch einen kleinen Schrank.


Schachtelborste (W3) [Adelung]


Die Schachtelborste, plur. die -n, diejenigen Schweinsborsten, welche die Schuster, Sattler, Riemer u. s. f. an ihren Draht machen, damit sie solchen desto leichter durch die mit der Ahle gemachten Löcher ziehen können; weil man sie in Schachteln einmacht und verkauft.


Schachteldeckel (W3) [Adelung]


Der Schachteldeckel, des -s, plur. ut nom. sing. der Deckel auf einer Schachtel.


Schachtelhalm (W3) [Adelung]


Der Schachtelhalm, des -es, plur. inus. eine Art des Katzenschwanzes oder Kannenkrautes, Equisetum L. welche zur Glättung allerley Holzwerkes gebraucht wird; Schafthalm, Schachtelheu, Schaftheu, Nieders. Duwock. Der Nahme Schachtelhalm scheinet hier von Schacht 1, ein langer dünner Körper, abzustammen, und so Schafthalm, die gerade, lange, dünne Beschaffenheit der Stiele zu bezeichnen, oder auch von Schacht 3, um der hohlen Beschaffenheit der Stängel willen.


Schachtelmacher (W3) [Adelung]


Der Schachtelmacher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher vornehmlich hölzerne Schachteln auf den Kauf verfertiget.


Schachtelmahler (W3) [Adelung]


Der Schachtelmahler, des -s, plur. ut nom. sing. eine an einigen Orten übliche Benennung einer Art geringer Mahler, welche die hölzernen Schachteln bemahlen und auch Briefmahler genannt werden.


Schachteln (W3) [Adelung]


Schachteln, verb. reg. act. mit Schachtelhalm reiben, polieren. Elfenbein schachteln.


Schachtelstock (W3) [Adelung]


Der Schachtelstock, des -es, plur. die -stöcke, der hölzerne Klotz, über welchen die Schachteln geformt werden; die Schachtelform.


Schachtelzarge (W3) [Adelung]


Die Schachtelzarge, plur. die -n, die Seitenwände einer Schachtel; die Schachtelschiene. S. Zarge.


Schachten (W3) [Adelung]


Schachten, verb. reg. act. von Schacht, ein Quadrat, in gleichseitige Vierecke theilen. Ein geschachtetes Feld in einem Wapen, welches wie ein Schachbret in lauter gleiche Quadrate getheilet ist. Bey einigen auch schachen. S. Schacht 2.


Schächten (W3) [Adelung]


Schächten, verb. reg. act. welches nur bey den Juden für schlachten üblich, und augenscheinlich aus dem Hebräischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, schlachten, entlehnet ist. Daher der Schächter, derjenige, der das Vieh schlachtet. Das im gemeinen Leben übliche jemanden schächten, welches so wohl für bevortheilen, als auch für ausprügeln gebraucht wird, ist keine Figur davon, sondern allem Ansehen nach ein Intensivum von dem veralteten schachen, schnelle Bewegungen machen, ingleichen jagen, treiben. S. Schächer und Schacht.


Schachtfuß (W3) [Adelung]


Der Schachtfuß, des -es, plur. die -füße, und wenn ein Zahlwort vorher gehet, plur. ut nom. sing. S. Schacht 2.


Schachtholz (W3) [Adelung]


Das Schachtholz, des -es, plur. die -hölzer, im Bergbaue, so wohl diejenigen Hölzer, womit ein Schacht inwendig ausgezimmert wird, als auch diejenigen, womit er zugedecket wird.


Schachthut (W3) [Adelung]


Der Schachthut, des -es, plur. die -hüte, Diminut. das Schachthütchen, Oberd. Schachthütlein, kleine Hüte von Filz ohne Rand, deren sich die Bergleute bedienen, besonders wenn sie durch den Schacht in die Grube fahren.


Schachtkraut (W3) [Adelung]


Das Schachtkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme des Behen, oder Gliedkrautes, Cucubalus Behen L.


Schachtlatte (W3) [Adelung]


Die Schachtlatte, plur. die -n, im Bergbauen, Latten, welche senkrecht an die Seiten des Schachtes befestiget werden, und woran die Kübel auf und niedergehen, die Schachtstangen.


Schachtmeister (W3) [Adelung]


Der Schachtmeister, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, der Vorgesetzte und Vornehmste unter denjenigen Arbeitern, welche einen Graben, Teich u. s. f. graben. Bey einem großen Graben, wo viele Arbeiter sind, theilet man sie in kleine Banden, d. i. Gesellschaften von Hackern, Ladern und Schubkärrnern. Der geschickteste Lader von jeder Bande wird zum Schachtmeister ernannt, der denn die übrigen seiner Bande regieret. Ohne Zweifel von Schacht, so fern es eigentlich einen jeden Graben, eine jede Grube bedeutet.


Schachtnagel (W3) [Adelung]


Der Schachtnagel, des -s, plur. die -nägel, im Bergbaue, große starke Nägel womit die Schachtlatten an die Seiten eines Schachtes befestiget werden.


Schachtruthe (W3) [Adelung]


Die Schachtruthe, plur. die -n, S. Schacht 2.


Schachtschiene (W3) [Adelung]


Die Schachtschiene, plur. die -n, im Bergbaue, starke eiserne Bleche, welche an den Stellen, wo zwey Schachtlatten zusammen stoßen, über dieselben geschlagen werden, alle Hervorragung zu vermeiden.


Schachtschuh (W3) [Adelung]


Der Schachtschuh, des -es, plur. die -e, S. Schacht 2.


Schachtstämpel (W3) [Adelung]


Der Schachtstämpel, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, auf beyden Seiten eingeschnittene Hölzer, welche zwischen die Wandruthen und Anfälle eines Schachtes getrieben werden.


Schachtstange (W3) [Adelung]


Die Schachtstange, plur. die -n, S. Schachtlatte.


Schachtstätte (W3) [Adelung]


Die Schachtstätte, plur. die -n, im Bergbaue, die Stätte, der Ort, wo sich ein Schacht befindet, oder wo er abgesunken werden soll.


Schachtsteuer (W3) [Adelung]


Die Schachtsteuer, plur. die -n, eben daselbst, diejenige Steuer, welche dem Eigenthümer eines Schachtes von fremden Gewerken entrichtet wird, wenn sie sich desselben zugleich mit bedienen wollen.


Schachtstoß (W3) [Adelung]


Der Schachtstoß, des -es, plur. die -stöße, eben daselbst, der Stoß, d. i. die kurze Seite eines Schachtes, wenn derselbe keinem Quadrate, sondern einem länglichen Vierecke gleicht. S. Stoß.


Schachttonne (W3) [Adelung]


Die Schachttonne, plur. die -n, eben daselbst, diejenigen Tonnen, d. i. Breter, womit ein Schacht ausgeschlagen wird. S. Tonne.


Schachtzoll (W3) [Adelung]


Der Schachtzoll, des -es, plur. die -zölle, und wenn ein Zahlwort vorher gehet, plur. ut nom. sing. S. Schacht 2.


Schäcke (W3) [Adelung]


Schäcke, Schäckig, S. Schecke u. s. f.


Schadbar (W3) [Adelung]


Schadbar, -er, -ste, adj. et adv. einen Schaden, eine Verletzung habend, beschädiget; wofür doch schadhaft üblicher ist.


Schadbürge (W3) [Adelung]


Der Schadbürge, des -n, plur. die -n, nur noch in einigen Gegenden, ein zweyter Bürge, welcher sich verbindet, den Hauptbürgen im Nothfalle schadlos zu halten; der Schadlosbürge, Rückbürge.


Schade (W3) [Adelung]


Die Schade, plur. die -n, in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, ein Nahme der Alose, Clupea Alosa L. welche auch im Engl. Shadde heißt.


Schade (W3) [Adelung]


Der Schade, des -ns, plur. die Schäden, von dem Zeitworte schaden. 1. Eigentlich, eine jede körperliche Verletzung, die Verletzung so wohl eines leblosen als lebendigen Körpers. Ein Glas hat einen Schaden, wenn es einen Riß oder Sprung hat. Das Vieh thut den Feldfrüchten Schaden, wenn es dieselben zertritt oder abfrißt. Feuerschade, Wetterschade, Wasserschade, die durch Feuer, Wetter oder Wasser geschehene Verletzung unsers Eigenthumes. Am häufigsten von der Verletzung eines lebendigen Körpers. Einen Schaden am Auge, am Fuße haben. Ein offener Schade. Ein innerer Schade. Ein Schade am Leibe, ein Leibesschade. Ein frischer Schade heilet leicht. Schade um Schade, Auge um Auge u. s. f. 3 Mos. 24, 20. Es ist hier ein allgemeiner Ausdruck, welcher eigentlich alle körperliche Verletzungen und daraus entstehende Unvollkommenheiten in sich schließt, sie seyn nun Wunden oder Geschwüre u. s. f. Indessen hat der Gebrauch es auch hier in manchen Fällen eingeschränkt; besonders wird es nur mit gewissen einmahl eingeführten Zeitwörtern gebraucht. Man sagt nicht, jemanden einen Schaden machen, ihm einen Schaden zufügen, ihn an seinem Leibe oder an seiner Gesundheit verletzen; wohl aber Schaden nehmen, zu Schaden kommen, an seinem Leibe verletzet werden, besonders wenn es gewisser Maßen von ungefähr geschiehet. Es soll dir kein Schade geschehen, du sollst auf keine Weise an deiner Gesundheit verletzet werden, welche R. A. auch von leblosen Körpern gebraucht wird; es soll kein Schade daran geschehen. 2. In weiterer und figürlicher Bedeutung. 1) Alles was den Zustand so wohl eines Dinges als einer Person unvollkommen macht, und die Verletzung in diesen Zustand; auch hier nur mit gewissen Zeitwörtern. (2) Im weitesten Verstande. Schaden an seiner Gesundheit, an seinem guten Nahmen, an seinem Vermögen, an seiner Seele leiden, wo man nicht Schaden nehmen oder zu Schaden kommen sagt, welche beyde R. A. nur von körperlichen Verletzungen gebraucht werden. Durch Schaden wird man klug. Jemanden Schaden thun, ihm Schaden zufügen. Das wird dir an deiner Ehre Schaden thun. Seiner Gesundheit Schaden thun. Seine Gewalt zu anderer Schaden mißbrauchen. Das wird dein Schade seyn, wird deinen Zustand unvollkommner machen. Dem Feinde im Kriege Schaden thun, Abbruch. (b) In engerer Bedeutung, Verminderung des Eigenthumes, so fern sie unvollkommener macht, Verlust am Vermögen; in welchem Verstande es beynahe am üblichsten ist. Nach ihrem Munde sollen alle Schäden gehandelt werden, 5 Mos. 21, 5. Jemanden Schaden thun, zufügen. Das thut mir vielen Schaden. Schaden bey einer Sache leiden. Eine Waare mit Schaden verkaufen. Schaden bey etwas haben. Einen Schaden ersetzen. Jemanden in Schaden bringen, setzen. Ein unersetzlicher Schade. Es ist für mehr als tausend Thaler Schade geschehen. Andern mit seinem Schaden dienen. Daraus könnte mir ein Schade erwachsen. Durch Schaden wird man klug, aber nicht reich. In Schaden gerathen. Etwas mit seinem Schaden lernen. Ich diene gern, aber ohne meinen Schaden. Einen Schaden tragen, den Verlust über sich nehmen. Das Verzeichniß der verursachten Schäden war zu hoch angerechnet. Daher es denn auch wohl überhaupt für einen jeden nachtheiligen Verlust gebraucht wird. Der Tod eines großen Mannes ist ein unersetzlicher Schade für ein Land. 2) Ohne Zweifel ist hieraus auch der elliptische Gebrauch dieses Hauptwortes entstanden, da man es als ein Zwischenwort gebraucht, sein Bedauern über etwas an den Tag zu legen. Das ist Schade! das ist ein bedauerlicher Verlust. Ist das nicht Schade? Ey Schade! Schade! Das ist ewig Schade, Mord Schade, Jammer Schade! im gemeinen Leben. Der Gegenstand, welchen man bedauert, bekommt, wenn er ein Hauptwort ist, das Vorwort um, sonst aber die Partikel daß, und von einer künftigen Sache wenn. Es ist Schade um ihn! er ist zu bedauern, ingleichen, der Verlust seiner Person ist zu bedauern. Es ist kein Schade um ihn, an ihm ist nichts verloren. Es ist Schade um das Mädchen, daß sie nicht zu leben weiß, Gell. Es ist Schade, daß ich nicht eher gekommen bin. Es war Schade, daß er nicht da war, es war zu bedauern. Es wäre Schade, wenn es nicht geschehen sollte. Nach einer noch weitern Ellipse wird auch das Zeitwort mit dem Artikel häufig verbissen. Schade, daß sie das Gedicht nicht vollendet haben. Schade, daß ich kein Gleichniß dazu finden kann, Less. Schade, sprach er, solltest du Baum in dies wilde Wasser stürzen! Geßn. d. i. es wäre Schade. Da es denn mit dem Vorworte für auch häufig ironisch gebraucht wird, anzudeuten, daß an einer Sache nichts gelegen ist. Schade für den Kranz: Schade für das Glück berühmt zu seyn, wenn es nicht beliebt macht! Gell. Ey Schade für die Schafe, Und für Tirenen mit! Ich lobe mir das Band, Rost. Doch Schade, dacht er, für die Ehre, Wenn ich kein zärtlich Wort aus ihrem Munde höre, ebend.

Anm. 1. In manchen Mundarten lautet dieses Wort in der ersten einfachen Endung der Schaden. In der Hochdeutschen Mundart ist diese Form, welche auch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt, zwar nicht ganz ungewöhnlich, aber doch eben nicht die beliebteste, ob das n gleich in allen übrigen Endungen bleibt. Da dieses Wort eigentlich ein Abstractum ist, so ist es auch im Singular allein am gewöhnlichsten, daher es denn auch so oft absolute und ohne Artikel gebraucht wird. Den Plural gebraucht man zwar auch, aber doch wohl nur allein in der zweyten engern Bedeutung des Verlustes an zeitlichem Vermögen; denn die Feuerschäden, Wetterschäden u. s. f. beziehen sich zunächst auf den durch das Feuer und Wetter verursachten nachtheiligen Verlust des Vermögens. Indessen leidet es auch hier kein eigentliches Zahlwort vor sich. In einigen Gegenden scheinet es Mängel, Unvollkommenheit überhaupt zu bedeuten. Darf keine neue Welt mit tausend Schäden schauen, Opitz. Und Gryphius scheint es für Streitigkeiten, Händel, zu gebrauchen: Wer sich mischt in fremde Schäden.

Anm. 2. In der Fränkischen Mundart schon im 8ten Jahrhunderte Scadhe, bey dem Ottfried Scado, im Nieders. Schade, Schae, im Angels. Scathe, im Engl. Scath, im Schwed. Skada, im Isländ. Skade, im Böhm. und Wend. Skoda, im Pohln. Szkoda. Wachter leitete es von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Schade, her, welches allenfalls ein weitläufiger Seitenverwandter davon seyn kann. Noch näher ist das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches bey dem Scholiasten des Homer für unverletzt vorkommt, damit verwandt. Der nächste Begriff ist der der körperlichen Verletzung, welcher wieder eine Figur der ersten ursprünglichen Bedeutung der heftigen Bewegung ist. Im Isländ. ist daher Manskiaed Todtschlag, Menschenmord. S. Schaden.


Schadegeld (W3) [Adelung]


Das Schadegeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, nur in einigen Gegenden, Geld, welches zur Ersetzung eines verursachten Schadens erleget wird; der Ersatz.


Schädel (W3) [Adelung]


Der Schädel, S. Schedel.


Schaden (W3) [Adelung]


Schaden, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben bekommt, Schaden zufügen, in der weitesten Bedeutung, den Zustand eines Dinges oder einer Person unvollkommner machen, mit der dritten Endung der Person. Vieles Wachen schadet der Gesundheit. Das wird dir schaden, wird deiner Gesundheit, deinem guten Nahmen, deinem Wohlstande, deinem Vermögen nachtheilig seyn. So sie etwas tödtliches trinken, wird es ihnen nicht schaden, Marc. 16, 15. Der Mund des Narren schadet ihm (sich) selbst, Sprichw. 18, 5. Wer ist der euch schaden könnte? 1 Petr. 3, 13. Das kann meinem Glücke schaden. Ich würde mir auf immer bey ihm geschadet haben, würde seine mir nöthige Gunst auf immer vermindert oder verloren haben. Was schadet es? was kann es für nachtheilige Folgen haben? Das kann ihm nicht schaden, oder das schadet ihm nicht, ein gewöhnlicher Ausdruck, seinen Mangel des Bedauerns über eines andern Unfall an den Tag zu legen. Die Hauptwörter das Schaden und die Schadung sind nicht üblich.

Anm. Bey dem Ulphilas mit der intensiven Endung, die wir noch in beschädigten haben, scathjan, bey dem Notker scadon, im Angels. scathan, im Engl. to scath, im Nieders. schaden, im Schwed. skada. Ursprünglich bedeutet es eine heftige Bewegung machen, welche es durch seinen Laut nachahmet, und figürlich durch solche heftige Bewegung verletzen; daher es ein naher Verwandter von schießen, Nieders. scheten, scheiden, Scheit, Schedel, in der Oberdeutschen Bedeutung der Trümmer, schütten, dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, verwüsten, dem Lat. caedere, (der Römischen Aussprache nach kaedere,) dem nur der Zischlaut mangelt, dem alten Latein. scidere, für scindere u. s. f. ist. Schaden ist nur in der weitesten Bedeutung üblich. In der eigentlichen engern, körperlich verletzen, ist das Intensivum beschädigen eingeführet.


Schadenfreude (W3) [Adelung]


Die Schadenfreude, plur. car. die Freude über den Schaden anderer, das Vergnügen, welches man bey dem Schaden anderer empfindet.


Schadenfroh (W3) [Adelung]


Schadenfroh, -er, -este, adj. et adv. Schadenfreude empfindend und darin gegründet. Ein schadenfrohes Gemüth. Ein schadenfrohes Gelächter. Der Schadenfrohe, eine Person, welche über den Schaden anderer ein Vergnügen empfindet.


Schadhaft (W3) [Adelung]


Schadhaft, -er, -este, adj. et adv. einen Schaden habend; doch nur in der Bedeutung einer körperlichen Verletzung. Ein schadhaftes Glas. Ein schadhaftes Bein, woran man einen Schaden hat. Schadhaft seyn, werden. Ein schadhaftes Gebäude. Das Dach ist schadhaft. Schon in dem alten Fragmente auf Carln den Großen beym Schilter, scadhaft.


Schädigen (W3) [Adelung]


Schädigen, verb. reg. act. welches das Intensivum von schaden ist, aber nur noch in dem zusammen gesetzten beschädigen gebraucht wird, S. dasselbe.


Schädlich (W3) [Adelung]


Schädlich, -er, -ste, adv. et adj. Schaden bringend, die Unvollkommenheit anderer Dinge befördernd, und in dieser Eigenschaft gegründet; im Gegensatze des nützlich. Schädliche Kräuter, eine schädliche Speise, ungesunde. Der Frost ist den Bäumen, die Erkältung der Gesundheit schädlich. Ein schädlicher Nebel, eine schädliche Luft; wofür doch ungesund üblicher ist. Schädliche Gewohnheiten, schädliche Rathschläge. Ein schädliches Thier. Ein schädlicher Mensch, in engerer Bedeutung, die Neigung und Fertigkeit besitzen, andern Schaden zu thun. In der Deutschen Bibel kommt es in diesen Verbindungen vor, wie man jetzt lieber gefährlich, boshaft u. s. f. sagt. Bey dem Notker nur scadal, bey den Schwäbischen Dichtern schedelich, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - .


Schädlichkeit (W3) [Adelung]


Die Schädlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es schädlich ist.


Schadlos (W3) [Adelung]


Schadlos, -er, -este, adj. et adv. keinen Schaden leidend, unbeschädigt. So wohl in Ansehung der unverletzten körperlichen Beschaffenheit, wo es in der dichterischen Schreibart zuweilen von Personen und Sachen gebraucht wird. O, vertraun sie mir ihn, ich bring' ihn schadlos zurück, Zachar. ohne Schaden, unbeschädigt. Wenn er Die Geisel eurer Treu, euch schadlos wieder sendet, Schleg. Als auch, und zwar am üblichsten in der engern Bedeutung des Wortes Schade, so fern dasselbe Verlust an zeitlichem Vermögen bedeutet; wo es doch nur in engerm Verstande und als ein Nebenwort üblich ist, wegen eines erlittenen oder doch möglichen Schadens Ersatz habend, und bekommend. Ich bin noch nicht schadlos, habe noch nicht Ersatz meines Verlustes. Jemanden schadlos halten, ihn vor einem möglichen Verlust sicher stellen; ingleichen, wie entschädigen, ihm seinen Verlust ersetzen. Ingleichen in weiterm Verstande, von dem Ersatze eines jeden Verlustes. Die Vorsicht hält den ehrlichen Mann immer schadlos, und öfters schon voraus, Less. Die Freundschaft, so vortrefflich sie ist, hält uns doch nie wegen der Liebe schadlos, Gell.


Schadlosbürge (W3) [Adelung]


Der Schadlosbürge, S. Schadbürge.


Schadloshaltung (W3) [Adelung]


Die Schadloshaltung, plur. die -en, die Handlung, da man jemanden schadlos hält, im Oberd. die Schadlosung.


Schadlosigkeit (W3) [Adelung]


Die Schadlosigkeit, plur. car. der Zustand, da man schadlos ist, besonders in der engern Bedeutung.


Schaf (W3) [Adelung]


1. Das Schaf, in einigen Gegenden, ein Nahme eines Gefäßes, S. Schaff.


Schaf (W3) [Adelung]


2. Das oder der Schaf, des -es, plur. die -e, auch nur in einigen Gegenden, ein Hobel, Holländ. Schaef, Schaefe, wo es von schaben, Nieders. schaven, in dessen weitern Bedeutung abstammet, ( S. dieses Wort.) Bey dem Apherdian kommt es in diesem Verstande vor.


Schaf (W3) [Adelung]


3. Das Schaf, des -es, plur. die -e, Dimin. das Schäfchen, Oberd. Schäflein, der Nahme eines vierfüßigen, zweyhufigen Thieres, welches wegen seiner Wolle geschätzet wird, und wovon das männliche Geschlecht rückwärts gewundene Hörner hat. 1) Im weitesten Verstande, wo man, besonders im Plural, und in vielen der folgenden Zusammensetzungen dieses Thier überhaupt, ohne Unterschied des Geschlechtes, ein Schaf nennet. Schafe halten. Viele Schafe haben. Schafvieh, so wohl weibliche Schafe, als Widder, Hämmel und Lämmer. Besonders ein solches erwachsenes Thier; zum Unterschiede von einem Lamme. Eine große Herde Schafe. Sprichw. Ein räudig Schaf steckt die ganze Herde an. Geduldiger Schafe gehen viele in einen Stall. Der Wolf frißt auch die gezählten Schafe. Er hat sein Schäfchen geschoren, hat den gehofften Nutzen, den verlangten Gewinn, reichlich erhalten. Sein Schäfchen in das Trockne bringen, sich und das Seinige in Sicherheit bringen. Es kann in dieser R. A. auch aus Schiffchen verderbt seyn, gleichsam seinen Kahn auf das Trockne ziehen und ihn auf solche Art in Sicherheit bringen; zumahl da man in Niedersachsen in dieser R. A. das Wort Schepken gebraucht, von Schep, ein Schiff, dagegen ein Schäfchen daselbst Schäpken und Schapken heißt. 2) In engerer Bedeutung wird nur das weibliche tragbare Individuum dieser Thiere ein Schaf genannt, zum Unterschiede von dem Widder und Hammel; ein Mutterschaf oder Trageschaf. Schafe, Widder und Hämmel. Sehr häufig wird dieses wehrlose und unschädliche Thier als ein Sinnbild so wohl der Sanftmuth und Geduld, als auch der Einfalt und Dummheit gebraucht. Ein gutes, frommes, geduldiges Schaf, eine solche Person. Ein einfältiges, albernes, dummes Schaf. Das Schaf von einem Manne schwieg zu allen ihrem Unwesen still, der feige, einfältige Mann. 3) Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der dicken wolligen Gestalt, werden so wohl die Kätzchen oder Palmen an manchen Arten von Bäumen, als auch die Kellerwürmer, ( S. Assel) im gemeinen Leben Schäfchen genannt.

Anm. Im Isidor Scaap, bey dem Ottfried Scaf, bey dem Notker Scaff, im Nieders. Schaap, im Angels. Sceap, im Engl. Sheep. Es ist nicht leicht mit Gewißheit zu bestimmen, von welcher Eigenschaft dieses Thier seinen Nahmen habe. Vielleicht ist es sein wolliges, weiches Fell, ( S. Schopf); vielleicht sein eigenthümliches Geschrey; vielleicht auch seine nagende Eigenschaft, siehe Schabe und Schaben. Es sey welche es wolle, so ist Schöpps, und wenn man den Zischlaut als zufällig ansiehet, auch das Latein. Ovis und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - damit verwandt. Im Nieders. heißt ein Schaf weiblichen Geschlechtes auch Euve, Uewwe, Auwe, Angels. Eowu, Engl. Ewe, welches dem Lat. Ovis noch näher kommt, aber gewiß nicht daraus entlehnet ist. Übrigens wird ein weibliches Schaf im Mecklenburgischen auch Tajie, und in andern Gegenden Zade, Snucke genannt. Enterik ist im Nieders. ein Mutterschaf, welches im ersten Jahre nicht trächtig wird, und Overenterik, welches auch im zweyten Jahre nicht unfruchtbar bleibet. Eine Art kleiner Schafe, welche auf der hohen Heide oder Geest geweidet werden, heißen in Niedersachsen Heidesnacken, Heidesnucken und Geestknabben. In einigen Gegenden heißt ein Schaf mit einem andern Endlaute auch eine Schacke, eine Schafherde ist alsdann eine Schackenherde, und im Meklenburgischen nennen die Schäfer ihre Schafe nur Dinger, so wie sie in Meißen mit einer eben so allgemeinen Benennung auch Nößer und Schafnößer heißen.


Schafampfer (W3) [Adelung]


Der Schafampfer, des -s, plur. inus. eine Art des Ampfers, welcher auf den Wiesen und sandigen Feldern wächst; Rumex Acetosella L. Sauerklee, Hasenklee, Guckgucksklee.


Schafbau (W3) [Adelung]


Der Schafbau, des -es, plur. inus. der Schafmist, Schafdünger; doch nur in denjenigen Gegenden, wo Bau für Dünger oder Mist üblich ist.


Schafblattern (W3) [Adelung]


Die Schafblattern, sing. inus. eine ansteckende Krankheit der Schafe, welche den Kinderblattern gleicht, und eben solche Ver- wüstung unter den Schafen anrichtet, als diese unter den Kindern; im Nieders. die Schafpocken, Franz. le Clavin, le Claveau.


Schafbock (W3) [Adelung]


Der Schafbock, des -es, plur. die -böcke, der Bock, das männliche Individuum unter den Schafen, besonders wenn er schon zur Zucht gebraucht wird; der Widder, in Obersachsen der Stähr. In der engsten Bedeutung eines zur Zucht tauglichen Widders wird er dem Bock- oder Hammellamme, dem Jährlinge und Zeitbocke entgegen gesetzet. Im Niedersächs. heißt er Ramm, Angels. und Engl. Ram, S. Rammeln.


Schafböckinn (W3) [Adelung]


Die Schafböckinn, plur. die -en, S. Saunest und Hasennest.


Schafen (W3) [Adelung]


Schafen, adj. et adv. von einem Schafe; doch nur in einigen Fällen und in einigen Gegenden, wo es auch wohl schäfen lautet. Schafenes Pergament, Schafpergament. Schafenes Leder, Schafleder. Schafenes Fleisch, im Oberd. für Schafleisch. Scafine giuuati sind bey dem Ottfried Schaffskleider.


Schäfer (W3) [Adelung]


Der Schäfer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Schäferinn, eine Person, welche die Schafe weidet, deren Geschäft es ist, die Schafe zu weiden; der Schafhirt, die Schafhirtinn. In engerer Bedeutung ist der Schäfer der vornehmste unter den Schafhirten einer Herde, dessen Untergebene den Nahmen der Schafknechte oder Schäferknechte führen. In der Dichtkunst, wo man das Schäferleben der ersten jugendlichen Welt, aus dichterischer Freyheit, überaus unschuldig, geistreich und vergnügt schildert, sind die Schäfer und Schäferinnen die zärtlichsten, schuldlosesten und reizendsten Geschöpfe unter der Sonne; daher diese Ausdrücke denn auch von einem zärtlichen Liebhaber und einer zärtlichen Liebhaberinn überhaupt gebraucht werden. Wenn in einigen Gegenden im Zehentwesen diejenigen Hocken am Ende des Ackers, deren weniger als zehen sind, und wovon also der Zehente nicht gegeben werden kann, Schäfer heißen, so ist es ohne Zweifel eine Figur, zumahl da man sie in einigen Gegenden auch Rinder nennt. Minder figürlich heißen sie Freyhocken, Endehocken. Im Nieders. Schäper, Schöper, im Österreich. Schäfler.


Schäferey (W3) [Adelung]


Die Schäferey, plur. die -en, eine Anstalt, wo Schafe in Menge gehalten und gewartet werden, ingleichen der Ort, wo sie gehalten werden, und zuweilen auch die ganze Herde Schafe mit den dazu gehörigen Personen. Opitz gebraucht es auch auf eine jetzt ungewöhnliche Art von einem Schäfergedichte, oder Schäfergespräche.


Schäfergedicht (W3) [Adelung]


Das Schäfergedicht, des -es, plur. die -e, in der Dichtkunst, eine poetische Nachahmung des mit allen Reitzen verschönerten Schäfer- oder Hirtenlebens der alten Welt; das Hirtengedicht, mit fremden Wörtern die Ekloge, die Idylle.


Schäferhund (W3) [Adelung]


Der Schäferhund, des -es, plur. die -e, Hunde, deren sich die Schäfer zur Bewachung ihrer Herden zu bedienen pflegen, und welche Hiob 30, 1 Schafhunde heißen.


Schäferkarre (W3) [Adelung]


Die Schäferkarre, plur. die -n, S. Schafhütte.


Schäferknecht (W3) [Adelung]


Der Schäferknecht, S. Schafknecht.


Schäferlied (W3) [Adelung]


Das Schäferlied, des -es, plur. die -er, ein Lied, so fern es die Empfindungen der schuldlosen, zärtlichen Schäfer der Vorwelt schildert.


Schäferspiel (W3) [Adelung]


Das Schäferspiel, des -es, plur. die -e, ein Schauspiel, in welchem die handelnden Personen aus dieser erdichteten Schäferwelt sind; mit einem fremden Ausdrucke eine Pastorelle oder Pastorale.


Schäferstunde (W3) [Adelung]


Die Schäferstunde, plur. die -n, diejenige Stunde, derjenige Augenblick, welcher Verliebten günstig ist, die günstige Gesinnung des geliebten Gegenstandes zur Befriedigung der Liebe; nach dem Franz. Heure du Berger.


Schaff (W3) [Adelung]


Das Schaff, des -es, plur. die -e, und im Oberdeutschen auch Schäffer, ein altes, sehr weit ausgebreitetes, aber in dieser Gestalt nur noch im Oberdeutschen übliches Wort, welches ursprünglich einen jeden hohlen Raum, ein jedes Gefäß bedeutet, aber daselbst nur noch von gewissen hölzernen Gefäßen gebraucht wird, die man in andern Gegenden Wannen, Tinen, Standen, Gelten u. s. f. nennet. Ein Schüsselschaff oder Scheuerschaff, worin das Küchengeschirr aufgewaschen wird, das Spülschaff, worin es gespület wird. Wegen dieser und anderer ähnlichen hölzernen Gefäße werden die Böttcher oder Faßbinder in einigen Gegenden auch Schäffler genannt. In engerer Bedeutung ist es ein Oberdeutsches Getreidemaß, welches mehr als unser Scheffel zu halten scheinet. Wenigstens ist ein Regensburgisches Schaff so viel wie ein Hamburgischer Wispel. In Augsburg hält das Schaff 8 Metzen, 32 Vierlinge, 128 Viertheile oder 512 Mäßle; in Regensburg aber 4 Mäß, 16 Vierlinge oder 32 Metzen.

Anm. Im Schwed. ist Skäppa der sechste Theil einer Tonne. Zu der großen Familie dieses Wortes gehören unser Scheffel, Schiff, Schoppen, Schuppen, schöpfen, die Nieders. Schapp, ein Schrank, und Schapen, eine Pfanne, das Angels. Sciop, ein Gefäß, das Lat. Scapha, ein Kahn, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Becher, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , ein Becken, und ohne Zischlaute unser Kübel, Kufe, Koben, Käfter, Hafen, das mittlere Lat. Hava, ein Getreidemaß, das Lat. cavus, und hundert andere mehr. Siehe Scheffel.


Schäffel (W3) [Adelung]


Der Schäffel, S. Scheffel.


Schaffen (W3) [Adelung]


Schaffen, verb. reg. et irreg. act. et neutr. welches im letzten Falle das Hülfswort haben bekommt, und der Form nach ein Intensivum von einem veralteten Zeitworte schafen ist, von dem noch das irreguläre ich schuf herstammet, sich aber doch wie dieses auf eine Onomatopöie gründet, welche vornehmlich von doppelter Art ist. 1. * Als eine Nachahmung und ein Ausdruck der menschlichen Stimme, wo es nur noch in der Bedeutung des Befehlens üblich ist, aber auch hier nur im Oberdeutschen bekannt ist, indem den Hochdeutschen diese Bedeutung seltsam klinget. Was schaffen sie? was befehlen sie? Thue, was ich dir schaffe. Er hat mir nichts zu schaffen. Haben sie etwas geschafft? befohlen? Der darf so hoch nicht traben, Der solchen Feinden dient, die ihm zu schaffen haben, Opitz. Es ist hier im Oberdeutschen von regelmäßiger Conjugation, ehedem war es auch irregulär, und in manchen Gegenden ist es solches wohl noch. Wenigstens heißt es in diesem Verstande im Theuerdanke ich schuff, für, ich schaffete. Als eine Onomatopöie der menschlichen, besonders befehlenden Stimme, fehlt es demselben nicht an Verwandten in andern Sprachen, und im Deutschen ist ohne Zischlaut auch keifen von einer Art der Stimme üblich. Indessen läßt sich diese Bedeutung auch als eine Figur einer der folgenden betrachten, besonders der des Anordnens. Im Schwed. ist skipa, welches alle Bedeutungen mit unserm schaffen gemein hat, deren aber noch mehrere besitzet, nicht nur befehlen, sondern auch richten, Recht sprechen, so wie im Nieders. schippen, regieren, und im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - richten ist. ( S. Schöppe.) Man erinnere sich, daß richten und dessen altes Stammwort rechen eben auch so wohl von der Stimme, als von dem Laute einer unarticulirten körperlichen Bewegung gebraucht wird. 2. Als eine Nachahmung einer schnellen geschäftigen Bewegung. 1) Überhaupt, mit regulärer Conjugation, wo es doch nur im gemeinen Leben und auch hier nur im Infinitiv üblich ist. Den ganzen Tag zu schaffen haben, immer in geschäftiger Bewegung seyn. Im gemeinen Leben hat man davon auch das neue Intensivum oder Iterativum schäften, wovon Geschäft und geschäftig abstammen. Viel zu schäften haben, immer in geschäftiger Bewegung seyn. 2) In engerer Bedeutung von verschiedenen besondern Arten der pflichtmäßigen, mit Bewegung verbundenen Wirkungen; wo es gleichfalls regulär abgewandelt wird, ehedem aber auch hier irregulär war, und es in einigen Oberdeutschen Gegenden noch ist. (a) * Arbeiten; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, welche aber in Schwaben, in der Pfalz u. s. f. noch gangbar ist. An einem Baue schaffen. Bey einem Meister als Gesell schaffen. Jemanden zu schaffen geben. (b) * Bilden; eine gleichfalls im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche aber sehr alt ist. Bey dem Ruodebert im 9ten Jahrhunderte ist Scaffelosa Zimber ein ungebildeter Stoff, informis materia. Ottfried und Notker gebrauchen scaffen gleichfalls in dieser Bedeutung so wie in derselben auch das Intensivum schöpfen üblich war. Im Nieders. ist schippen, im Angels. scipan, im Engl. to shape, und im Schwed. skipa, gleichfalls formen, bilden, eine Gestalt geben. Unser schaffen in der letzten engsten Bedeutung, Geschöpf, rechtschaffen, beschaffen, und die Ableitungssylbe -schaft sind genau damit verwandt. Im Oberd. ist geschaffen wohl gebildet, ungeschaffen, Nieders. wahnschaffen, übel gebildet. (c) * In Ordnung bringen und erhalten, anordnen; ein mit der Bedeutung des Befehlens verwandter Gebrauch, der aber im Hochdeutschen gleichfalls veraltet ist. Die Nieders. schäffen und schippen haben indessen diese Bedeutung noch, so wie das Schwed. skipa und skaffa. Im Nieders. ist schaffen auch die Speisen anrichten und auftragen, und in der Pfalz heißt schaffen seinen letzten Willen bekannt machen, und jemanden etwas verschaffen, es ihm vermachen. Siehe auch Schaffer und Schaffner. (d) * Ausrichten, besorgen, ein aufgetragenes Geschäft zur Wirklichkeit bringen; auch nur in den gemeinen Sprecharten Ober- und Niederdeutschlandes. Daß die Wolken schaffen, alles was er ihnen gebeut, Hiob 37, 12. Im Schwed. auch hier skipa und skaffa. (e) * Die verlangte Wirkung haben; eine den Hochdeutschen gleichfalls fremde Bedeutung. Pilatus sahe, daß er nichts schaffte, Matth. 27, 24, nichts ausrichtete. Das schafft nichts, hat keine Wirkung. Ungeschafft weggehen, unverrichteter Sachen. Im Schwed. skaffa und skapa. (f) Machen, daß etwas gegenwärtig werde oder zur Wirklichkeit komme, zur Wirklichkeit bringen, so wohl als die wirkende Ursache, als auch, und zwar am häufigsten, als die Mittelsperson. Es ist hier zwar noch im Oberdeutschen gangbar, aber nur in einigen Fällen. Jemanden Geld schaffen. Ihm Rath, Hülfe, Beystand schaffen. Er weiß sich keinen Rath zu schaffen. Jemanden Ruhe, Friede schaffen. Schaffe uns Brot. 1 Mos. 47, 15. Schaffe mir Kinder, Kap. 30, 1. Ich will es dir für einen billigen Preis schaffen, machen, daß du es bekommest. Ich habe es ihm geschafft, habe gemacht, daß er es bekommen hat. Das ist wohl noch zu schaffen. Etwas herbey schaffen, machen, daß es gegenwärtig werde. Jemanden fortschaffen, ihn aus dem Hause schaffen machen, daß er fortgehe, das Haus räume; wo es zunächst zu schieben gehöret, und vielleicht gar das Intensivum davon ist. So üblich es in diesen und andern Fällen ist, so ist es doch nicht ohne Einschränkung. Jemanden Bestes schaffen, 2 Macc. 11, 19, sagt man im Hochdeutschen eben so ungern, als, ich will dir viel Schmerzen schaffen, 1 Mos. 3, 16. Ich zweifle, daß man davon eine andere Ursache werde angeben können, als den Gebrauch. Denn es erhellet aus allen Umständen, daß dieses Zeitwort im Hochdeut- schen gewisser Maßen ein Defectivum ist, zumahl da es in manchen Bedeutungen nur im Infinitiv allein gebraucht wird. In engerer Bedeutung, durch Mühe erwerben, und zuweilen auch für laufen. Sich Kleider schaffen, sie erwerben und kaufen. Er kann sich nichts schaffen. Sich schöne Bücher schaffen. Sich ein Haus, einen Garten schaffen. (g) Im weitesten Verstande, machen, thun, Veränderungen hervor bringen, wirken; doch nur am häufigsten im Infinitiv allein. Was hast du hier zu schaffen? zu thun. Ich habe da nichts zu schaffen. Bey mir hat er nichts zu schaffen. Mit jemanden zu schaffen haben, zu thun, in Verbindung mit ihm stehen, Geschäfte mit ihm haben. Ich habe nichts mit dir zu schaffen. In engerer Bedeutung, mit Mühe und vieler Bewegung und Anstrengung verbundene Veränderungen vornehmen, wo es sich der ersten Bedeutung des Arbeitens wieder nähert; auch nur im Infinitiv. Sich viel zu schaffen machen, viel Geschäfte. Das wird mir viel zu schaffen machen, viel Mühe. In den übrigen Modis ist es zwar im Oberdeutschen, aber nicht im Hochdeutschen, üblich. Schaffe damit was du willt, Richt. 3, 4, d. i. thue, mache. 3) Im engsten Verstande ist schaffen etwas hervor bringen, welches vorher noch nicht da war; wo es doch nur im theologischen Verstande von Gott gebraucht, und alsdann irregulär abgewandelt wird; Imperf. ich schuf, Conj. ich schüfe; Mittelw. geschaffen; Imperat. schaffe. Es ist in dieser Bedeutung kein anderes als das vorige Zeitwort, welches hier nur die auch in den vorigen Bedeutungen im Oberdeutschen ehedem übliche irreguläre Form behalten hat. Man gebrauchte vor diesem auch das Intensivum schöpfen in eben diesem Verstande, bey dem Stryker schephen, im Nieders. scheppen, im Angels. sceppan, welches im Hochdeutschen zwar veraltet ist, aber uns doch sein Schöpfung, Schöpfer und Geschöpf zurück gelassen hat. (a) Eigentlich und im strengsten Verstande, ein Ding seiner Substanz nach hervor bringen, etwas hervor bringen, was vorher ein Nichts war; in welchem Verstande es denn freylich nur von Gott gesagt werden kann. Gott hat die Welt geschaffen, so wohl, er hat die vorher nicht da gewesenen einfachen Dinge hervor gebracht, als auch, er hat aus diesen einfachen Dingen die Welt zusammen gesetzet. Schon bey dem Ulphilas skapan, im Isidor skaffan, und im Imperf. giscuaf, bey dem Willeram scaffen, im Angels. sceopan, im Schwed. und Isländ. skapa, im Nieders. schaffen und scheppen. (b) Figürlich. (1) Im theologischen Verstande, und gleichfalls nur von Gott gebraucht, zufällige Beschaffenheiten, einen Zustand und die dazu nöthigen Veränderungen hervor bringen. Schaffe in mir Gott ein reines Herz. Es ist hier nur in der biblischen Schreibart üblich, wo diese Bedeutung unmittelbar mit der vorigen sechsten engern zusammen hängt. (2) Für hervor bringen überhaupt; doch nur in der dichterischen Schreibart. Der epische Dichter sammelt alle Heldentugenden und schafft daraus seinen Helden. Meine Brust klopft mir voll Unmuth, daß mich die Natur nicht männlich schuf, Weiße. Ernstlich ist sie bemühet, auf ihren verblichenen Wangen Künstliche Rosen zu schaffen, Zach. Daher das Schaffen, und in der dritten engsten Bedeutung die Schöpfung von dem veralteten schöpfen für schaffen.

Anm. Ehedem hatte dieses Wort noch weit mehrere Bedeutungen, welche aber veraltet, und nur noch in den verwandten Sprachen üblich sind. Ottfried gebraucht es für geben, einem Dinge einen Nahmen schaffen; ingleichen, erhalten, bekommen, sie heili thar io scuafun. Im Nieders. theilen sich schaffen und schippen, und im Schwed. scaffa, skapa und skipa, in die Bedeutungen unsers Zeitwortes, welche doch eigentlich nur verschiedene Mundarten sind. Das mittelste bedeutet daselbst auch theilen, verändern, schicken, und mit einem Zaune einschließen, welche letztere Bedeutung sich unserm Schaff, so fern es einen hohlen Raum bezeichnet, nähert. Aus allen erhellet, daß dieses Zeitwort ursprünglich der Ausdruck einer lebhaften Bewegung ist, und in seinen Ableitungen und Verwandten durch alle die Bedeutungen und Figuren durch gehet, welche allen Wörtern dieser Art gemein sind, und wobey bey Sahl und 1 Saum eine kleine Probe gegeben worden. Zu der Bewegung in die Krümme, in die Tiefe, gehören unser Schaff, Scheffel, Schiff, Schoppen, mit allen ihren Verwandten; zu der Ausdehnung in die Länge aber unter andern auch Schaft, S. auch Schöpfen und die Ableitungssylbe -Schaft.


Schaffer (W3) [Adelung]


Der Schaffer, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, für das folgende Schaffner, unmittelbar von Schaffen. So werden in Nürnberg die ältesten Diaconi an den beyden Hauptkirchen Schaffer genannt, weil sie alle Pfarrverrichtungen in der Stadt anzuordnen haben.


Schaffner (W3) [Adelung]


Der Schaffner, des -s, plur. ut nom. sing. im Oberd. auch Schaffer, Fämin. die Schaffnerinn, Oberd. auch Schafferinn, von dem vorigen Zeitworte, eine Person, welche schafft; wo es doch nur noch von der im Hochdeutschen veralteten Bedeutung des Veranstaltens, der Besorgung häuslicher Geschäfte gebraucht wird, und da ist der Schaffner derjenige, welcher die häuslichen wirthschaftlichen Geschäfte im Nahmen eines andern verwaltet, einer Haushaltung vorgesetzet ist. Auf den Oberdeutschen landesherrlichen Ämtern hat man Amtsschaffner, welche am Rheine Amtskeller heißen, und vermuthlich eben das sind, was in Obersachsen Amtsverwalter sind, diejenigen nähmlich, welche die ökonomischen Angelegenheiten eines Amtes besorgen. Auch in großen Häusern Oberdeutschlandes ist der Schaffner derjenige, welcher die häuslichen Angelegenheiten im Nahmen des Herrn besorget, und vornehmlich die Aufsicht über die Küche und den Keller hat; der Haushofmeister, Hofmeister. Da es Abend ward, sprach der Herr des Weinberges zu seinem Schaffner, Math. 20, 8. In den Oberdeutschen Klöstern wird der Pater Ökonomus häufig Pater Schaffner genannt. Auch auf den Landgütern ist der Schaffner daselbst derjenige, welchen man in Obersachsen einen Verwalter, und in Meißen einen Hofmeister, in Pommern aber auch einen Statthalter nennet, der seinen bestimmten Gehalt bekommt, und dagegen die Einkünfte des Gutes dem Eigenthümer berechnet, übrigens aber für die gehörige Verwaltung desselben sorget. In den Oberdeutschen Gast- und Weinhäusern ist der Schaffner ein Bedienter, welcher die Gäste besorget, und an andern Orten der Kellner oder Küper genannt wird. In Niederdeutschland ist es derjenige, welcher die Anordnung und Besorgung einer Mahlzeit oder eines Schmauses hat; da denn auf den Bauerhochzeiten auch derjenige diesen Nahmen führet, welcher den Tisch besorget und die Gäste bedienet, und gemeiniglich der nächste Verwandte ist. Der Schaffertanz ist daselbst der erste Tanz, weil derselbe den Schaffern gebühret. Im Hochdeutschen ist dieses Wort nur in einigen Fällen üblich. So ist bey den Land- und Postkutschen der Schaffer derjenige, welcher mit der Kutsche an den bestimmten Ort fähret, die Aufsicht über dieselbe hat, und die unter Weges vorfallenden Kosten und Einkünfte dem Eigenthümer berechnet. In Leipzig ist der Schaffner, der den Fuhrleuten Fracht verschaffet. In allen diesen Fällen sticht die Bedeutung der Besorgung, der Veranstaltung, der Anordnung des vorigen Zeitwortes merklich hervor. Das im Oberdeutschen und Niedersachsen übliche Schaffer ist unmittelbar davon gebildet, so wie das in Hochdeutschen gangbare Schaffner ein ungewöhnliches intensives Zeitwort schaffnen voraus setzet. Keller und Kellner sind auf gleiche Art üblich. In den Tirolischen Bergwerksurkunden bey dem Herrn von Spergg lautet dieses Wort 1208 im mittlern Lat. Scaffiator. In der letzten engsten Bedeutung des Zeitwortes schaffen, für Creator, gebraucht man es zuweilen nur in dem zusammen gesetzten Erschaffer. Übrigens ist dafür Schöpfer eingeführet.


Schaffnerey (W3) [Adelung]


Die Schaffnerey, plur. die -en, das Amt eines Schaffners, ingleichen dessen Wohnung, wie auch, der einem Schaffner untergebene District, eine Gegend, ein Kammeramt, welches von einem Schaffner verwaltet wird; im Oberdeutschen auch die Schafferey.


Schafgarbe (W3) [Adelung]


Die Schafgarbe, plur. inus. eine Art des Achillenkrautes, welches auf den Wiesen und Triften wohnet und ein heilsames Wundkraut ist; Achillea Millesolium L. Vermuthlich ist sie eine angenehme Speise der Schafe. Die letzte Hälfte des Nahmens bezeichnet die vielen geraden Stängel dieser Pflanze, welche mit unzähligen kleinen steifen Blättern besetzt sind, daher sie auch Garbe genannt wird, in der Monserischen Glosse Garva. In andern Gegenden heißt sie Tausendblatt, Feldgarbe, Garbe, im Nieders. Roleg, um Hamb. Röhlke, im Hannöv. Releke, im Dän. und Norweg. Rölliker, vielleicht wegen der Rillen oder Furchen an den Stängeln, oder auch wegen der hohlen Stängel. In weiterer Bedeutung führet auch wohl das ganze Geschlecht aller Achillenkräuter, Achilleae L. diesen Nahmen. In einigen Gegenden wird auch die Wasser-Aloe, Stratiotes Aloides L. Schafgarbe genannt.


Schafgarte (W3) [Adelung]


Die Schafgarte, plur. inus. ein Nahme der Akeley, siehe dieses Wort.


Schafgras (W3) [Adelung]


Das Schafgras, des -es, plur. inus. eine Art des Schwingels, mit einer zusammen gezogenen, mit Grannen versehenen Rispe, deren Ährchen nach einer Seite gerichtet sind, mit einem viereckigen Halme und borstigen Blättern; Festuca ovina L. Schafschwingel. Es wächst auf dürren Hügeln und wird von den Schafen allen andern Gräsern vorgezogen.


Schafhäutchen (W3) [Adelung]


Das Schafhäutchen, des -s, Oberd. das Schafhäutlein, plur. ut nom. sing. diejenige zarte Haut, welche im Mutterleibe die Frucht unmittelbar umgibt, Amnios; etwa wegen einiger Ähnlichkeit mit einer Schafhaut?


Schafhirt (W3) [Adelung]


Der Schafhirt, des -en, plur. die -en, der Hirt der Schafe, S. Schäfer.


Schafhürde (W3) [Adelung]


Die Schafhürde, plur. die -n, Hürden, so fern sie den Schafen des Nachts unter freyem Himmel statt eines Stalles dienen.


Schafhusten (W3) [Adelung]


Der Schafhusten, des -s, plur. ut nom. sing. ein trockner aber doch nur schwacher Husten, dergleichen die Schafe gemeiniglich zu haben pflegen; zum Unterschiede von dem stärkern Keichhusten.


Schafhütte (W3) [Adelung]


Die Schafhütte, plur. die -n, eine kleine breterne Hütte auf einem Karren, worin der Schäfer über Nacht bey den Schafhürden bleibet; die Schäferhütte, die Schäferkarre, Pferchhütte, der Pferchkarren.


Schafkamehl (W3) [Adelung]


Das Schafkamehl, des -es, plur. die -e, in der Naturgeschichte der Neuern, eine in Peru einheimische Art Kamehle, welche am ganzen Leibe wollig ist, wie ein Schaf; Pacos.


Schafkäse (W3) [Adelung]


Der Schafkäse, des -s, plur. ut nom. sing. aus Schafmilch bereiteter Käse; zum Unterschiede von den Kuh- und Ziegenkäsen.


Schafknecht (W3) [Adelung]


Der Schafknecht, des -es, plur. die -e, die dem Schäfer in der engsten Bedeutung in der Aufsicht über die Schafe untergeordneten Knechte, welche wieder in Meisterknechte, Hämmelknechte und Lämmerknechte getheilet und auch Schäferknechte genannt werden.


Schaflamm (W3) [Adelung]


Das Schaflamm, des -es, plur. die -lämmer, in der Landwirthschaft, ein weibliches Lamm, im Nieders. Aulamm, Zibbe oder Kibbe; zum Unterschiede von einem Hammel- oder Bocklamme.


Schaflaub (W3) [Adelung]


Das Schaflaub, des -es, plur. car. eben daselbst, das eingesammelte und gedörrete Laub der Bäume, so fern es im Winter zum Futter für die Schafe dienet.


Schaflaus (W3) [Adelung]


Die Schaflaus, plur. die -läuse, eine Art Läuse, welche besonders die Schafe plaget; Pediculus ovis L. Die Schafzäcke ist davon ganz verschieden.


Schaflecke (W3) [Adelung]


Die Schaflecke, plur. die -n, in der Landwirthschaft, dasjenige, woran man die Schafe zu Erhaltung ihrer Gesundheit lecken läßt. So werden die Salzlecken, so fern sie für die Schafe bestimmt sind, auch Schaflecken genannt. Auch die Pulver von heilsamen Kräutern, welche man in Rinnen streuet, und die Schafe daran lecken läßt, führen diesen Nahmen.


Schaflinse (W3) [Adelung]


Die Schaflinse, plur. die -n, eine Art der Kronwicke, welche krautartig wächst, zahlreiche Hülsen und eine bunte Frucht träget, aber von dem Viehe nicht berühret wird, ob man sie gleich für ein gutes Futter halten sollte; Coronilla varia L. Auch der Linsenbaum, welcher in Italien wild wächst, führet in einigen Gegenden diesen Nahmen, weil man mit seiner Frucht die Schafe mästen soll. Ingleichen der Blasenbaum oder die falsche Senne, Colutea arborescens L.


Schaflorbeere (W3) [Adelung]


Die Schaflorbeere, plur. die -n, im Scherze, der Koth der Schafe, weil er in der Gestalt einige Ähnlichkeit mit den Lorbeeren hat.


Schafmaul (W3) [Adelung]


Das Schafmaul, des -es, plur. car. oder auch im Plural, die Schafmäuler, sing. car. in einigen Gegenden, ein Nahme des Feldlattiches oder Ackersalates, vermuthlich auch wegen einiger Ähnlichkeit, S. Feldlattich.


Schafmeister (W3) [Adelung]


Der Schafmeister, des -s, plur. ut nom. sing. der Schäfer, als Meister, d. i. rechtmäßiger Vorgesetzter der Herde, betrachtet, besonders bey großen Schäfereyen.


Schafmilbe (W3) [Adelung]


Die Schafmilbe, plur. die -n, S. Schafzäcke.


Schafmist (W3) [Adelung]


Der Schafmist, des -es, plur. inus. der Mist von den Schafen, die mit Schafkoth vermengte Schafstreu; der Schafdünger, im Oberdeutschen der Schafbau.


Schafmühle (W3) [Adelung]


Die Schafmühle, Schafmülbe, Schafmulle, plur. die -n, in einigen, besonders Oberdeutschen, Gegenden, ein Nahme des Keuschbaumes. S. dieses Wort.


Schafmutter (W3) [Adelung]


Die Schafmutter, plur. die -mütter, in der Landwirthschaft, ein weibliches Schaf vom dritten bis zum sechsten Jahre, da es Junge zu werfen pflegt, und zur Fortpflanzung tauglich ist. Es. 40, 11. Im Nieders. auch Snucke. S. Schaf.


Schafnoß (W3) [Adelung]


Das Schafnoß, des -es, plur. die -nößer, nur in einigen Gegenden; z. B. in Meißen, ein Individuum des Schafviehes, ohne Unterschied des Geschlechtes; ein Schaf, in dem weitesten Verstande dieses Wortes. S. Noß.


Schafnuß (W3) [Adelung]


Die Schafnuß, plur. die -nüsse, die größte Art Wälscher Nüsse, welche auch Polternüsse, Pferdenüsse und Roßnüsse genannt werden.


Schafott (W3) [Adelung]


Das Schafott, des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Echafaud, eine Bühne, ein Gerüst, worauf ein Bluturtheil vollzogen wird; die Blutbühne, das Blutgerüst, ehedem und noch 1596 in Meißen eine Pocherte.


Schafpelz (W3) [Adelung]


Der Schafpelz, des -es, plur. die -e, ein Pelz von Schaffellen, ein mit Schaffellen gefütterter Rock; in Luthers Deutscher Bibel ein Schafskleid, welches doch außer dem nicht gewöhnlich ist.


Schafpilz (W3) [Adelung]


Der Schafpilz, S. Birkenpilz.


Schafpocken (W3) [Adelung]


Die Schafpocken, sing. inus. S. Schafblattern.


Schafribbe (W3) [Adelung]


Die Schafribbe, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme der Schafgarbe; vermuthlich wegen der Riefen oder Furchen in den Stängeln.


Schafrüde (W3) [Adelung]


Der Schafrüde, des -n, plur. die -n, ein Rüde, d. i. ein großer, starker, zotiger Hund, welcher zur Sicherheit der Schafe und Schafherde gehalten wird; der Schafhund, in den niedrigen Sprecharten der Schafrekel.


Schafsalbe (W3) [Adelung]


Die Schafsalbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, diejenige Salbe, womit die Schäfer die räudigen Schafe schmieren; die Schmiere, die Schmiersalbe.


Schafschatz (W3) [Adelung]


Der Schafschatz, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, der Schatz, d. i. die Abgabe, welche von den Schafen, die man hält, gegeben wird.


Schafschere (W3) [Adelung]


Die Schafschere, plur. die -n, eine große Schere ohne Nieth, deren Arme hinten durch einen stählernen biegsamen Bügel, der die Stelle einer Feder vertritt, verbunden sind, den Schafen damit die Wolle abzunehmen.


Schafscherer (W3) [Adelung]


Der Schafscherer, des -s, plur. ut nom. sing. diejenigen, welche die Schafe scheren, ihnen die Wolle mit der Schere abnehmen; gemeiniglich von beyden Geschlechtern. 1 Sam. 25, 7; 2 Sam. 13, 23. f.


Schafschur (W3) [Adelung]


Die Schafschur, plur. inus. die Handlung, da die Schafe geschoren werden. Die Schafschur vornehmen. Ingleichen die Zeit, wenn ihnen gewöhnlich die Wolle mit der Schere abgenommen wird; die Wollschur.


Schafschwingel (W3) [Adelung]


Der Schafschwingel, des -s, plur. inus. S. Schafgras.


Schafskleid (W3) [Adelung]


Das Schafskleid, des -es, plur. die -er, S. Schafpelz.


Schafskopf (W3) [Adelung]


Der Schafskopf, des -es, plur. die -köpfe, eigentlich der Kopf eines Schafes. Figürlich. 1) Eine Art der Köpfe an den Pferden, welcher dem Kopfe eines Schafes ähnlich siehet, und von dem Rammskopfe noch verschieden ist. Ingleichen, ein Pferd mit einem solchen Kopfe. 2) In der niedrigen Sprechart ist Schafskopf oder Schafkopf ein Scheltwort, einen dummen, einfältigen Menschen zu bezeichnen.


Schafstall (W3) [Adelung]


Der Schafstall, des -es, plur. die -ställe, ein Stall für die Schafe, ein Gebäude, worin die Schafe gefüttert und gehalten werden.


Schafstand (W3) [Adelung]


Der Schafstand, des -es, plur. inus. das an einem Orte befindliche Schafvieh. Ein Gut hat einen beträchtlichen Schafstand, wenn es viel Schafvieh halten kann. S. Stand.


Schaft (W3) [Adelung]


Der Schaft, des -es, plur. die Schäfte, ein von dem Zeitworte schaffen in dessen weitesten Bedeutungen abstammendes Wort, welches daher auch auf verschiedene Art gebraucht wird. 1. * Mit dem herrschenden Begriffe des hohlen Raumes ist Schaft in einigen Gegenden ein Behältniß, ein Schrank; Nieders. Schapp. Bücherschaft, ein Bücherschrank oder Bücherbret. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung ungewöhnlich; nur daß bey den Jägern noch das Geburtsglied der Hündinnen und weiblichen Raubtiere der Schaft genannt wird. S. auch Schaff. 2. Mit dem Begriffe der Ausdehnung in die Länge. 1) Überhaupt, wo der lange, gerade und glatte Theil eines Dinges, ingleichen ein langes, gerades, dünnes Ding in sehr vielen Fällen ein Schaft, Nieders. mit der gewöhnlichen Verwechselung der Hauch- und Blaselaute, ein Schacht oder Schecht genannt wird. So ist im Nieders. Schecht eine Stange. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein Stecken, die Ruthe eines Baumes, ein Zepter. Im Schwed. Skap, das männliche Glied an Menschen und größern Thieren, welches auch wohl im Deutschen ein Schaft genannt wird. Die lange, gerade Stange an einem Spieße heißt noch hin und wieder ein Schaft, z. B. 1 Sam. 17, 7; daher dieses Wort ehedem auch wohl für den Spieß selbst gebraucht wurde. Der Schaft des Leuchters, 2 Mos. 25, 31, der gerade, auf dem Fuße senkrecht stehende Theil desselben. Ein gerader langer Stamm eines Baumes heißt im Forstwesen der Schaft, und ein Baum ist daselbst gut geschäftet, wenn er einen schönen geraden Stamm hat. Oft wird auch ein jeder Stamm im Reiche der Pflanzen und Bäume der Schaft genannt, Lat. Scapus. In engerer und in der Botanik üblicher Bedeutung ist es ein glatter Stamm, welcher nur Blumen aber keine Blätter trägt. Der Schaft einer Säule, der gerade glatte Theil zwischen dem Fuße und Capital, die Säule im engsten Verstande. Der Schaft am Stiefel, der Theil zwischen dem Fuße und den Stulpen. Bey den Jägern heißt ein Hund wohl geschäftet, wenn er einen langen, schlanken Leib hat. An einem Federkiele wird der obere, mit Mark angefüllete Theil der Schaft genannt. Bey den Nadlern ist der Schaft einer Nadel dem Kopfe entgegen gesetzet, und die Schäfte sind daselbst die noch nicht mit Knöpfen versehenen Stecknadeln. An den Weberstühlen sind die Schäfte die Stäbe an den Kämmen, da denn auch wohl das Ganze dazu gehörige Gerüst, mit Einschluß der Schämel, wodurch sie auf- und niedergezogen werden, unter diesem Nahmen begriffen sind. Drey- vier- oder fünfschäftig arbeiten, mit so vielen Schämeln oder Schäften. Auch der Theil einer Mauer zwischen zwey Öffnungen, oder auch zwischen der Ecke und einem Fenster oder einer Thür, heißt ein Schaft, Französ. Trumeau; daher man einen Spiegel, mit welchem eine solche Wand bekleidet wird, auch wohl einen Schaftspiegel heißt. 2) In engerer Bedeutung, so daß der Begriff des Schaffens, d. i. des Handhabens, mit eintritt, wo Schaft in vielen Fällen so viel als Heft oder Häft ist, welches nur durch den Mangel des Zischlautes von dem vorigen unterschieden wird. Im Schwed. und Isländ. ist Skapt ein jeder Heft, eine jede Handhabe. Der schon gedachte Schaft an einem Spieße kann auch hierher gerechnet werden. An einem Schießgewehre ist der Schaft die ganze hölzerne Einfassung des Laufes und Schlosses, welche zur bequemern Handhabung dienet. Der Vorderschaft, der hintere dicke Theil desselben, welcher auch der Anschlag, die Kolbe heißt, zum Unterschiede von dem langen Schafte unter dem Laufe. Ehedem nannte man auch die Laffeten an den Kanonen Schäfte, und eine Kanone schäften war, sie auf die Laffete legen. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es in dieser Bedeutung noch üblich. Anm. Bey dem Stryker Schaft, im Nieders. Schecht, im Angels. Sceaft, im Engl. Shaft, im Schwed. Skap und Skaft, im Isländ. Skapt, im Böhm. Ssyfft, im Latein. Scapus, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Alle von schaffen, so fern es überhaupt sich schnell bewegen, und in engerer Bedeutung, sich in die Tiefe, Länge u. s. f. ausdehnen bedeutet. Siehe dasselbe, ingleichen Schäften. In einigen, vielleicht nur wenigen Gegenden, ist es ungewissen Geschlechtes, das Schaft. Im Hochdeutschen kennet man es nur allein im männlichen.


Schaftdraht (W3) [Adelung]


Der Schaftdraht, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, bey den Nadlern, Draht, woraus die Schäfte der Stecknadeln geschnitten werden.


Schäften (W3) [Adelung]


Schäften, verb. reg. act. welches theils von Schaft herstammet, theils aber auch ein unmittelbares Intensivum von schaffen zu seyn scheinet. 1) Mit einem Schafte versehen. Ein Gewehr schäften, es mit hölzernen Schafte bekleiden, in den gemeinen Sprecharten schiften und schüften. Daher ist der Büchsenschäfter ein eigener Handwerker, welcher die Schäfte zu den Feuergewehren verfertiget. Schwed. skafta. In einigen Fällen ist nur allein das Mittelwort geschaftet üblich. ( S. das vorige Schaft 2 1). 2) Im Jagdwesen ist schäften, eine zersprungene Leine ohne einen Knoten wiederum zusammen machen, welches durch aufdrehen, in einander stoßen und zusammen nähen beyder Theile geschiehet, wo so wohl der Begriff des Verbindens, als des in einander Fügens der herrschende seyn kann. Eben diese Handlung wird auch spießen genannt. 3) Im Schiffbaue sagt man z. B. ein Schiff ist auf funfzehen Kanonen geschäftet; wenn es so viel Kanonen führet. Gleich stark geschäftete Schiffe sind die, welche gleich viel Kanonen führen. Weil man in diesem Falle auch sagt, ein Schiff ist auf so viel Kanonen gebohret, vermuthlich in Rücksicht auf die Stückpforten, so scheinet auch hier die Bedeutung der Öffnung zum Grunde zu liegen. Siehe Schaft 1, und Schaff. So auch die Schäftung.


Schaftgesimse (W3) [Adelung]


Das Schaftgesimse, des -s, plur. ut nom. sing. das unterste Gesimse an dem Schafte einer Säule, worauf dieselbe ruhet, unmittelbar über dem Säulenfuße.


Schafthalm (W3) [Adelung]


Der Schafthalm, des -es, plur. inus. S. das folgende.


Schaftheu (W3) [Adelung]


Das Schaftheu, des -es, plur. inus. ein Nahme des Schachtelhalmes, ( S. dieses Wort,) welcher auch Ackerroßschwanz, Katzenzahl, Schafthalm u. s. f. genannt wird; Equisetum hiemale L. und in den neuern Ausgaben desselben Hippuris. Den Nahmen des Heues hat es wegen der Ähnlichkeit seiner harten graugrünen Stängel mit dem Heue; die erste Hälfte aber bezeichnet entweder die gerade glatte, oder auch die hohle Beschaffenheit dieser Stängel, und scheinet mit Schachtelhalm gleichbedeutend zu seyn, indem das Hochdeutsche Schaft im Niederdeutschen Schacht und Schecht lautet. Im Engl. heißt es Shavegrass. Daher Schaft - und Schachtel - hier auch aus schaben entstanden seyn können, zumahl da es in einigen Gegenden auch Schaberusch heißt.


Schaftholz (W3) [Adelung]


Das Schaftholz, des -es, plur. inus. dasjenige Holz, woraus die Büchsenschäfter die Schäfte zu den Feuergewehren verfertigen.


Schäftig (W3) [Adelung]


1. * Schäftig, adj. et adv. welches im Hochdeutschen veraltet ist, seitdem geschäftig dafür üblich geworden. Sprichw. 14, 4 kommt es noch in der ungewöhnlichen Bedeutung für arbeitsam vor: der Ochse ist schäftig.


Schäftig (W3) [Adelung]


2. Schäftig, adj. et adv. welches unmittelbar von Schaft herstammet, aber nur in einigen Zusammensetzungen üblich ist. Dreyschäftig u. s. f. ( S. Schaft 2, 1).


Schaftmodel (W3) [Adelung]


Der Schaftmodel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Radlern, ein längliches Bretchen, die Schäfte zu den Stecknadeln vermittelst desselben alle gleich lang zu schroten.


Schaftmodell (W3) [Adelung]


Das Schaftmodell, des -es, plur. die -e, bey den Büchsenschäftern, ein nach dem Umfange des Schaftes ausgeschnittenes Bret, um dem Schafte seine gehörige Form zu geben.


Schaftrieb (W3) [Adelung]


Der Schaftrieb, des -es, plur. inus. das Recht, seine Schafe auf und über die Felder und Grundstücke anderer zu treiben.


Schaftrift (W3) [Adelung]


Die Schaftrift, plur. die -en, diejenige Trift, worauf Schafe getrieben werden.


Schaftschneider (W3) [Adelung]


Der Schaftschneider, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Nadlern, derjenige Arbeiter, welcher den zugespitzten Draht zu Schäften schrotet oder schneidet.


Schaftspiegel (W3) [Adelung]


Der Schaftspiegel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Trumeau, Spiegel. ( S. Schaft 2 1).


Schafvieh (W3) [Adelung]


Das Schafvieh, des -es, plur. car. ein Collectivum, Schafe als Vieh betrachtet, Schafe ohne Unterschied des Geschlechtes und des Alters.


Schafweide (W3) [Adelung]


1. Die Schafweide, plur. die -n, S. Baumwollenweide.


Schafweide (W3) [Adelung]


2. Die Schafweide, plur. die -n, ein Ort, wo die Schafe weiden oder weiden können, ein zur Weide für die Schafe bequemer oder bestimmter Ort.


Schafzäcke (W3) [Adelung]


Die Schafzäcke, plur. die -n, eine Art Milben oder Zäcken, welche sich in den Wäldern aufhält, und sich fest an die Schafe ansauget; Acarus reduvius, Ricinus L. Schafmilbe, S. Zäcke.


Schafzunge (W3) [Adelung]


Die Schafzunge, plur. inus. eine figürliche, in einigen Gegenden übliche Benennung des breiten Wegeriches; vermuthlich wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, S. Wegerich.


Schakal (W3) [Adelung]


Der Schakal, des -s, plur. die -s, der Nahme eines in den Morgenländern sehr gewöhnlichen Thieres, welches einem Fuchse sehr ähnlich ist, und daher auch im Hebräischen mit dem Fuchse nur einen und eben denselben Nahmen hat. Indessen ist es nicht so beißig und gefährlich als der Fuchs, und hält sich oft in Herden von mehrern Hunderten zusammen. Simsons Füchse Richt. 15 waren dem Hofr. Michaelis zu Folge solche Schakals. Niebuhr hat diese Thiere in seiner Beschreibung von Arabien umständlich beschrieben. Der Nahme ist Morgenländisch, besonders Persisch, und vermuthlich eine Nachahmung des ihm eigenthümlichen Lautes, der eine Art des Bellens ist. Im Hebräischen lautet er Schugal. Nach dem Vorgange Französischer und Engländischer Schriftsteller wird dieses Wort von einigen in Jackal und Jackhals verderbt.


Schakan (W3) [Adelung]


Der Schakan, des -es, plur. die -e, oder der Schakaner, des -s, plur. ut nom. sing. so wohl die Krücke, als auch der obere krumm gebogene Theil an einem Spazierstocke, und ein solcher oben mit einer Krücke oder einem krumm gebogenen Theile versehener Spazierstock selbst, dergleichen die Heiducken zu tragen pflegen. Das Wort ist ausländisch, vermuthlich Ungarisch.


Schake (W3) [Adelung]


Die Schake, plur. die -n, ein vornehmlich bey den Nadlern übliches Wort, eine Art Ketten zu bezeichnen, woran ein jedes Gelenk ein einfacher, an beyden Enden umgebogener Draht ist, dergleichen man zu den Wageschalen, an den Deckeln der Tobakspfeifen, für die Affen und andere kleine Thiere u. s. f. gebraucht, und auch Schakenkette nennet. Vermuthlich bedeutet das Wort Schake eigentlich ein auf solche Art umgebogenes Glied der Kette. Das Schakenholz ist bey den Nadlern ein Holz mit zwey Stiften, die Glieder zu solchen Ketten darauf zu verfertigen. Es ist allem Ansehen nach ein Niederdeutsches Wort. Im Nieders. ist Schake ein Bein, Schenkel, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Chald. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; vielleicht auch ein jedes Gelenk oder Glied.


Schäker (W3) [Adelung]


Der Schäker, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche schäkert, besonders muntere, auf eine lärmende Art scherzende Kinder. ( S. Schäkern.) Das in einigen Gegenden, z. B. in Meißen, übliche Schäker oder Schächer, ein untaugliches, ungesundes Pferd zu bezeichnen, ist von einem andern Stamme und vielleicht Schwedischen oder Slavonischen Ursprunges, welche Sprachen noch verschiedene Überbleibsel unter den Meißnischen Landleuten zurück gelassen haben. In Liefland ist Tschuker eine Schindmähre.


Schäkerey (W3) [Adelung]


Die Schäkerey, plur. die -en, in den vertraulichen Sprechart, ein lauter mit einem Geräusche verbundener Scherz, und in weiterer Bedeutung, ein jeder Scherz. Es war eine bloße Schäkerey, ein bloßer Scherz. S. das folgende. Ich geb' ihm Brot, mit Schäkereyen Mich, eh' ich schlafe, zu erfreuen, Uz.


Schäkerhaft (W3) [Adelung]


Schäkerhaft, -er, -este, adj. et adv. zur Schäkerey, d. i. lautem Scherze, geneigt und darin gegründet. So auch die Schäkerhaftigkeit.


Schäkern (W3) [Adelung]


Schäkern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, laut scherzen und lachen, kurzweilen, in einigen Mundarten schökern. Daher das Schäkern. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, und das Diminutivum und zugleich Intensivum des Nieders. und Holländ. schachen und schachern, welche wegen ihres breiten a laut und unanständig lachen bedeutet, und sich von dem Lat. cachinnari nur durch den Zischlaut un- terscheiden, der auch dem Nieders. jachern, und im Lat. jocari fehlet, ( S. Jachern und Geck.) Im Engl. ist Joke der Scherz, to joke scherzen.


Schal (W3) [Adelung]


Schal, -er, -este, adj. et adv. welches besonders von geistigen flüssigen Körpern gebraucht wird, wenn sie den gehörigen kräftigen Geruch und Geschmack verloren haben, geistlos, kraftlos, wässerig. Schales Bier, schaler Wein. Der Wein ist schal geworden. Ingleichen figürlich, wie geistlos, kraftlos. Ein schaler Kopf, ein geistloser. Ein schaler Ausdruck, ein kraftloser. Blendender Witz unsinniger schaler Romane, Zach. Romanen stiegen hier gethürmet in die Höh Voll schaler Zärtlichkeit und süßem Liebesweh, ebend. Und leert den schalen Witz, den er bey manchem Schmaus Gesammelt hat, bey diesem Anlaß aus. Wiel. Anm. Im Nieders. schaal, im Schwed. skäll. Kilian und andere lassen es von Schale abstammen, und erklären es, freylich so gezwungen als möglich, von Wein oder Bier, welches durch langes Stehen in einer Schale unschmackhaft geworden. Erträglicher ist die Ableitung von dem Nieders. schälen, spülen, ingleichen unachtsam, nachlässig gekleidet gehen, wovon schälig, unachtsam, nachlässig, ist. Schal würde alsdann der ersten Bedeutung zu Folge so viel wie wässerig bedeuten.


Schäl (W3) [Adelung]


Schäl, S. Schel.


Schalaune (W3) [Adelung]


Die Schalaune, plur. die -n, ein kurzer Mantel, dergleichen z. B. die Schüler auf den Fürstenschulen in Meißen zu tragen pflegen; aus dem Lat. Seholana, nähmlich Vestis.


Schälbe (W3) [Adelung]


Die Schälbe, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden in der Landwirthschaft übliches Wort, eine Kuh zu bezeichnen, welche noch nicht gekalbet hat, und die man an andern Orten eine Färse und Kalbe nennet, aus welchem letztern es durch den vorgesetzten Zischlaut entstanden zu seyn scheinet.


Schälblase,Schälblatter (W3) [Adelung]


Die Schälblase, oder Schälblatter, plur. die -n, S. Hitzblatter.


Schalblech (W3) [Adelung]


Das Schalblech, des -es, plur. die -e, ein eisernes plattes Beschläge, welches auf die Achsen eines Rüst- oder Bauerwagens gelegt, und auch eine Schale und Schwarte genannt wird.


Schalbret (W3) [Adelung]


Das Schalbret, des -es, plur. die -er, von den aus einem Baume oder Blocke geschnittenen Bretern, das äußerste Bret an der Seite des Baumes, unmittelbar unter der Rinde, dessen eine Seite daher uneben und gemeiniglich halb rundlich ist; das Schalstück, die Schwarte, Nieders. Schelldele, Schaaldele.


Schale (W3) [Adelung]


Die Schale, plur. die -n, Diminut. das Schälchen, ein Wort, welches noch in mehr als Einer Hauptbedeutung gebraucht wird. 1. Mit dem herrschenden Begriffe der Höhlung, des hohlen, tiefen Raumes, scheint es ehedem einen jeden hohlen Raum, und in engerer Bedeutung ein Gefäß bedeutet zu haben. Im Griech. sind - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - Arten von Trinkgeschirren. Auf der Oder sind gewisse Fahrzeuge unter dem Nahmen der Schalen bekannt, ( S. auch Chaluppe.) Wir gebrauchen es nur noch in engerer Bedeutung von gewissen Gefäßen, deren hohler Raum eine Halbkugel vorstellet oder doch dieser Figur am nächsten kommt. Die Pochschale ist im Bergbaue eine eiserne Platte einer halben Elle dick mit einer fast eben so tiefen runden Grube, das Erz darin zu pochen. Die Wageschalen sind halb kugelförmige dünne Gefäße an einer Wage. Besonders ein solches Gefäß für Speise und Trank, ohne Rücksicht auf die Größe. Eine Theeschale, Kaffehschale, wofür das ausländische Tasse in den meisten Gegenden üblicher ist. Eine Schale Thee, ein Schälchen Thee trinken. Eine Zuckerschale, Obstschale, Punschschale, Trinkschale u. s. f. Eine Schale Obst, wo es auch für Schüssel stehet, obgleich eine Schüssel gemeiniglich theils größer, theils flacher ist, als eine Schale. Goldene Äpfel in silbernen Schalen. Die kalte Schale, eine figürliche Benennung einer kalten flüssigen Speise, Brot, Semmel u. s. f. in Bier, Wein, Milch u. s. f. gebrockt, welche aus einer Schale gegessen wird; Schwed. gleichfalls Kallskal. In dieser Bedeutung lautet es im Nieders. gleichfalls Schale, im Engl. Shell, im Schwed. Skal, im Wallis. Ysgal, im Böhm. Ssal und Ssalek. Es ist in dem weitesten Verstande des hohlen Raumes mit Schilf, und wenn man den Zischlaut abrechnet, auch mit Kelch, Gölle, Hohl u. s. f. verwandt. 2. Mit dem Begriffe der Bedeutung, der gewöhnlichen Figur des hohlen Raumes. 1) In engern Verstande, ein hohler Körper, welcher einen andern weichern umgibt und bedecket, wo es am häufigsten von solchen harten und festen, zuweilen aber auch von weichen und biegsamen gebraucht wird. (a) Von harten und festen, wo es fast in allen Fällen üblich ist, wo kein anderer Nahme eingeführet worden. Die Hirnschale, die beinerne hohle Bedeckung des Gehirnes; bey dem Stryker nur Scal, Schwed. Skalle, Engl. Skull. Die Nußschale, welchen Nahmen so wohl die weichere grüne und äußerste Bekleidung der Wälschen Nuß am Baume, als auch die harte Bedeckung des Kernes so wohl an den Wälschen, als an den Haselnüssen bekommt. Die Eyerschale, Mandelschale, Austerschale, Krebsschale, Schildkrötenschale u. s. f. Die hornartige Bekleidung des untersten Theiles der Füße an manchen Arten von Thieren heißt, besonders bey den mit gespaltenen Klauen, die Schale. Bey denen Thieren, welche keine gespaltenen Klauen haben, heißt diese Bekleidung am häufigsten der Huf, in manchen Gegenden aber doch auch die Schale. An den Gießformen, besonders auf den hohen Öfen, heißt die äußere Form so wohl die Schale, als der Mantel, zum Unterschiede von dem Kerne oder der innern Form. Die Schale eines Baumes, welche doch noch häufiger die Rinde genannt wird. Die Schale von einem Buche ist der Einband, nachdem das Buch heraus geschnitten worden. So fern aber auch die steifen Seitentheile eines Bücherbandes die Schalen heißen, gehöret es zu der folgenden Bedeutung einer flachen ebenen Bedeckung. Die Schale an einem Messerhefte, sind Bekleidungen des Heftes von Bein u. s. f. welche gemeiniglich eine halb runde Gestalt haben, oft aber auch flach sind; Nieders. Schulpe. In dieser Bedeutung einer hohlen Bedeckung lautet es im Nieders. Schelle, im Angels. Sceala, Scyll, im Engl. Shell, Shale, im Schwed. Skalme. Rechnet man den Zischlaut ab, so sind auch Hülle, Hülse das mittlere Lat. Culea, Helm u. a. m. damit verwandt. (b) Von biegsamen, weichen und dünnen Bekleidungen; in welchem Falle es doch seltener gebraucht wird, weil dafür Haut und andere Benennungen üblicher sind. Äpfelschalen, Birnschalen, die äußere Bekleidung der Äpfel und Birnen, welche im gemeinen Leben auch Schelfen genannt werden. Im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - die Haut, das Fell. 2) Im weitern Verstande, wo sich der Begriff der Höhlung verlieret und allein der Begriff der Bedeckung übrig bleibt, da denn dieses Wort in vielen Fällen auch von ebenen, gemeiniglich aber dünnen und festen Bedeckungen gebraucht wird. So werden die Schalbleche und Schalbreter auch nur Schalen genannt. Bey dem Ulphilas ist Skalja ein Ziegel, nach dem Latein. Tegula. 3) In noch weiterm Verstande verlieret sich auch der Begriff der Bedeckung, und da ist die Schale in vielen Fällen die Benennung eines in die Länge und Breite ausgedehnten festen aber dünnen Körpers. Die Kammschale ist der Nahme eines schwarzen harten Kupferschiefers. Die Erzschale oder eine Schale Erz ist im Bergbaue ein flaches oder dünnes Stück Erz, welches sich von dem übrigen los gegeben, wo aber auch der Begriff der Absonde- rung Statt findet. Vielleicht ist auch dieß der Grund, warum die Fleischer gewisse Stücken Fleisch von der Keule eines Rindes die Ober- und Unterschale nennen. Im Schwed. ist Skolla Blech. S. auch Scholle. Anm. Der Begriff der Höhlung, und figürlich der Bedeckung, ist in den meisten Bedeutungen dieses Wortes der herrschende, und da stammt es von dem noch im Schwed. üblichen skyla, decken, bedecken, her, von welchem auch unser Schild abgeleitet werden muß. Das Engl. Scale und Franz. Ecaille, Fischschuppe, gehöret gleichfalls dahin. S. das folgende.


Schalen (W3) [Adelung]


Schalen, verb. reg. act. mit Schalen versehen. Die Messer schalen, die Schalen an dem Hefte befestigen. Das Ufer eines Deiches oder Dammes schalen, die Seiten mit Bretern oder Bohlen bekleiden. In dem Jagdwesen heißt ein Hirsch hoch geschalt, wenn er hohe Schalen an den Läuften hat. Anm. In dieser Bedeutung stammet es zunächst von Schale ab. Allein, ehedessen muß es, wie aus den Abgeleiteten erhellet, ein Zeitwort von einem sehr weiten Umfange gewesen seyn, welches ursprünglich eine Nachahmung eines gewissen Lautes war, und wovon unser schallen das Intensivum ist. Nach einer sehr gewöhnlichen Figur bedeutete es hernach auch allerley Bewegungen und Veränderungen, welche mit diesem Laute bekleidet sind, wie noch das Nieders. schälen, welches nicht nur plaudern, sondern auch spülen, anspülen, ingleichen einen flüssigen Körper rütteln, wie auch unachtsam und nachlässig gekleidet gehen, bedeutet. Das verwandte schelen bedeutet in Niedersachsen zanken u. s. f. Nach einer andern Figur bezeichnet es eine jede Bewegung oder Ausdehnung, und zwar so wohl überhaupt, als auch nach besondern Richtungen, wohin denn auch der Begriff der Bewegung in die Ründe, in die Tiefe gehöret, wovon die Bedeutung des hohlen Raumes, und der Bedeckung gewöhnliche Figuren sind.


Schälen (W3) [Adelung]


Schälen, verb. reg. act. der Schale berauben, wo es doch nur von weichen biegsamen Schalen gebraucht wird. Äpfel, Birnen schälen. Geschälte Äpfel. Die Bäume schälen, die Rinde von denselben abziehen oder absondern. Jakob schälete Stäbe, 1 Mos. 30, 37. In einigen Gegenden schälet man einen Boden, welcher urbar gemacht werden soll, wenn man den Rasen mit der Schälhacke oder dem Schälpfluge absticht und hernach verbrennet, welche Arbeit im Badenschen schorben genannt wird. Von harten Schalen gebraucht man dieses Wort nicht, außer von den Eyerschalen; wohl aber ist es in manchen Fällen auch von solchen weichen und dünnen Bedeckungen üblich, welche unter dem Nahmen der Häute und Hülsen bekannt sind. Z. B. Nüsse schälen, nicht der harten festen Schale berauben, sondern das weiche Häutchen von dem Kerne absondern. Daher es auch als ein Reciprocum gebraucht wird, sich schälen, sich in Gestalt einer Schale oder Haut absondern. Die Haut im Gesichte schälet sich, oder das Gesicht schälet sich, wenn sich die Haut in Gestalt einer trocknen biegsamen Schale absondert. So auch das Schälen.

Anm. Im Nieders. schellen, im Schwed. skala. Das Engl. to scale bedeutet schuppen, abschuppen. Es kann seyn, daß dieses schälen nicht so wohl unmittelbar von Schale abstammet, sondern eine eigene Onomatopöie des Theilens, Schneidens ist, da es denn nur eine einzelne Bedeutung des vorigen Wortes schalen seyn würde. Im Schwed. ist skälla in dünne Blätter schneiden, und skilja theilen, absondern. Daß bey dem vorigen Worte gedachte Nieders. schälen, spülen, und schälen, befeuchten, in beschälen, gründen sich auf ähnliche Onomatopöien.


Schalenmehl (W3) [Adelung]


Das Schalenmehl, des -es, plur. car. bey den Müllern, dasjenige Mehl, welches noch in den zermalmeten Schalen, d. i. in der Kleye, sitzet, und davon gebeutelt wird.


Schalenschröter (W3) [Adelung]


Der Schalenschröter, des -s, plur. ut nom. sing. in den Messer-Fabriken, derjenige Arbeiter, welcher die Schalen zu den Messerheften verfertiget; von schroten, schneiden.


Schalfisch (W3) [Adelung]


Der Schalfisch, des -es, plur. die -e, S. Schalthier.


Schälfisch (W3) [Adelung]


Der Schälfisch, S. Schellfisch.


Schälgang (W3) [Adelung]


Der Schälgang, des -es, plur. die -gänge, in den Mühlen, ein Gang, worin das zu Graupen bestimmte Getreide geschälet, d. i. seiner Hülsen, beraubt wird; der Graupengang.


Schalgebirge (W3) [Adelung]


Das Schalgebirge, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, der Nahme einer steinartigen Flötzlage, oder Schicht in einem Flötzgebirge, weil sie sich schälet, oder in dünne Blätter absondert. So ist in den Thüringischen Flötzgebirgen das blaue Schalgebirge ein Steinflötz, welches aus Thon, Schiefer und Kalk bestehet. Das darüber liegende rothe Schalgebirge ist ein rother, eisenschüssiger, mit Thon und Quarz vermengter Marmor. Darüber liegt das weiße Schalgebirge, welches eine Mischung aus thonartigem Schiefer, Jaßpiß und Marmor ist.


Schälhacke (W3) [Adelung]


Die Schälhacke, plur. die -n, S. Schälen.


Schalhaut (W3) [Adelung]


Die Schalhaut, plur. die -häute, diejenige Haut, womit die Flügeldecken der Käfer überzogen sind.


Schälhengst (W3) [Adelung]


Der Schälhengst, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Hengst, welcher zum Beschälen gehalten wird. S. dieses Wort.


Schalholz (W3) [Adelung]


Das Schalholz, des -es, plur. die -hölzer. 1) Ein auch für Schalbret übliches Wort, ( S. dasselbe.) 2) Hölzer, womit ein Deich oder Damm geschälet, d. i. an den Seiten bekleidet, wird. 3) In dem Bergbaue sind es gespaltene Bäume, welche in den Schächten hinter die Geviere geleget werden.


Schalk (W3) [Adelung]


Der Schalk, des -es, plur. die Schälke, ein altes Wort, welches, 1. * ehedem einen Diener, einen Bedienten, einen Knecht, kurz eine jede Person bedeutete, welche einem andern zu gewissen Dienstleistungen verbunden ist. Es war in diesem Verstande ehedem sehr üblich, und wurde nicht nur von Knechten und Bedienten geringer, sondern auch von Dienern höherer Art, von Vasallen und Hofbedienten gebraucht, und da sagte man auch im weiblichen Geschlechte, die Schälkinn. Es ist in dieser Bedeutung, vermuthlich unter der Zweydeutigkeit mit der folgenden willen, veraltet, und nur noch in einigen Zusammensetzungen üblich; wohin der eigenthümliche Nahme Gottschalk, und die Benennung Marschall, ehedem Marschalk, und das Franz. Senechal, im mittlern Lateine Senechalcus, gehören. Im Nieders. gebraucht man es noch zuweilen figürlich, eine Stütze, einen Träger, einen leblosen Körper zu bezeichnen, worauf ein andere ruhet, welchen man im Hochdeutschen auch wohl einen Knecht zu nennen pfleget. 2. Eine Person, welche die Fertigkeit besitzet, andern bey einem unschuldig scheinenden Verhalten zu schaden; wo es von beyden Geschlechtern gebraucht wird, und ein so genanntes Mittelwort ist, welches so wohl einen groben arglistigen Betrieger bezeichnen kann, als auch eine Person, welche andere durch ein unschuldig scheinendes Betragen nur im Scherze zu hintergehen sucht. 1) Eigentlich. Die Propheten sind Schälke, Jer. 23, 11, Betrieger. Halte deine Feyertage, Juda - denn es wird der Schalk nicht mehr über dich kommen, er ist gar ausgerottet, Nabum. 2, 1. Es ist mancher scharfsinnig, und ist doch ein Schalk, Sir. 19, 22. Der Schalk kann den Korf hängen und ernst sehen, und ist doch eitel Betrug, V. 23. Dieweil der Bösen Maul im Lügen, Der Schalk im Schmähen sucht Genügen, Opitz Ps. 109, 1. Am üblichsten ist es jetzt von kleinen unbedeutenden Hintergebungen, eine Person zu bezeichnen, welche Leichtfertigkeit, scherzhafte Arglist hinter ein unschuldiges äußeres Betragen zu verbergen weiß; wenigstens hat es viel von dem ehemahligen harten Begriffe verloren, welcher andern Wörtern dieser Art anklebet. Ein durchtriebener, ein abgesäumter Schalk. Einen Schalk hinter den Ohren haben, ein Schalk seyn. Er weiß den Schalk fein zu bedecken, er weiß sich sehr unschuldig, sehr ernsthaft zu stellen. Je ärger Schalk, je besser Glück. Schälke muß man mit Schälken fangen. 2) Figürlich. (a) Bey den Salpetersiedern wird eine weiße Kalkerde, welche sich zuweilen unter der schwarzen Erde befindet, und von Unverständigen oft für Salpetererde gehalten wird, Schalk genannt. (b) In der Landwirthschaft einiger Gegenden sind die Schälke Kohlstöcke, welche einen guten Wuchs, aber doch dabey kein so genanntes Herz haben. In beyden Fällen ohne Zweifel, weil diese Dinger durch ihr gutes äußeres Aussehen Unwissende hintergehen.

Anm. In der ersten, allem Ansehen nach ältesten Bedeutung, lautet dieses Wort bey dem Ulphilas Skalks, bey dem Kero Scalcha, bey dem Ottfried Scalc, der auch scalclih für knechtlich gebraucht, im Nieders. Schalk, im Schwed. Skalk. Im Isidor wird es Scaalih geschrieben, woraus wahrscheinlich wird, daß das k am Ende aus der Ableitungssylbe -ig oder -ich entstanden ist; Schalich, eine Person, welche dienet, zusammen gezogen Schalch und Schalk. Es kommt also bey der Ableitung nur auf die Sylbe Schal an. Diese gehöret allem Ansehen nach zu dem schon gedachten alten Stammworte schalen, welches unter andern auch allerley geschäftige Bewegungen vornehmen, arbeiten, dienen bedeutet haben kann, ( S. Schalten,) welches nahe damit verwandt ist. Bey dem Ulphilas kommt auch das Zeitwort skalkinon für dienen vor. Frisch leitete es sehr gezwungen von dem Slavonischen Slug, ein Knecht, her, Wachter auf eine mehr erträgliche Art von sollen. Die zweyte Bedeutung wird gemeiniglich als eine Figur der ersten angesehen, weil Knechte gemeiniglich betriegerisch sind, und man an Dieb, dem Latein. Fur und andern schon ähnliche Beyspiele solcher Figuren hat. Allein diese Erklärungsart wird hier um deßwillen unwahrscheinlich, weil Schalk ehedem am häufigsten einen Diener höherer Art bedeutete, bey welchem dergleichen Gesinnung nicht immer vermuthet werden kann. Es ist also wahrscheinlicher, daß diese Bedeutung von einem andern, längst veralteten Gebrauche des Zeitwortes schalen abstammet; denn daß dieses ehedem alle die vielen Bedeutungen gehabt haben müsse, welche Zeitwörter dieser Art gemeiniglich haben, erhellet aus dem Hamburg. Schalk, der Mund, welches mit Schale von schalen abstammet, so fern es ehedem eine Richtung und Bewegung in und nach der Tiefe bedeutet hat. Eben dieser Begriff scheinet auch in dem Baierischen Schalkel, ein Weiber-Corset ohne Schöße, der herrschende zu seyn, wenn es nicht vielmehr vermittelst des Zischlautes aus Jacke gebildet worden. In dem Schwed. Skalk, das erste Stück von einem angeschnittenen Brote, welches im Oberdeutschen der Ranft, der Schärzel, und im Niederdeutschen der Knuust heißt, scheinet der Begriff des Abschneidens, vielleicht auch der Masse, zum Grunde zu liegen. Siehe Schälken. Im Pictorius ist Schalk Hader, Zank, und schelken, schalken, zanken, welches eine unmittelbare Onomatopöie des Zankens ist, und zu unserm schelten gehöret. Übrigens hatte man ehedem auch das Zeitwort schalken für hintergehen, betriegen, welches aber, wenigstens im Hochdeutschen, veraltet ist. Die Lieb ist jederzeit Begabt mit Freundlichkeit; Läßt bösen Eifer bleiben. Die Liebe schalket nicht, Sie denkt an ihre Pflicht, Opitz. Im Schwed. ist skalkas gleichfalls betriegen. Eben so ungewöhnlich sind die ehemahligen Zusammensetzungen Schalksauge, Schalksknecht, Schalksrath, Schalksohr, Schalkschrift, Schalks- liebe u. s. f. geworden, arglistige, verstellte betrügliche Dinge zu bezeichnen.


Schalken (W3) [Adelung]


Schalken, verb. reg. act. welches nur im Schiffbaue, besonders in den zusammen gesetzten zuschalken, zunageln, mit Nägeln zuschlagen, üblich ist. S. das folgende.


Schälken (W3) [Adelung]


Schälken, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Niedersachsens, üblich ist, und eigentlich schlagen, hauen bedeutet, aber nur von dem Beschlagen oder Behauen der Bäume und des Bauholzes gebraucht wird. Einen Baum schälken, ihn behauen, beschlagen. So auch in dem zusammen gesetzten Anschälken.


Schalkhaft (W3) [Adelung]


Schalkhaft, -er, -este, adj. et adv. einem Schalke ähnlich, in dessen Gesinnung und Fertigkeit gegründet. Deine Missethat lehret deinen Mund also, und hast erwählet eine schalkhaftige Zunge, Hiob 15, 3; d. i. arglistig. In dieser harten Bedeutung ist es veraltet, und es bedeutet nur noch, Fertigkeit besitzend, unter einem unschuldigen äußeren Ansehen auf eine scherzhafte Art zu hintergehen, und darin gegründet. Schalkhaft seyn. Einige Neuere haben dafür ohne Noth das ungewöhnliche und das Ohr beleidigende schalkisch einzuführen gesucht. So auch die Schalkhaftigkeit.


Schalkheit (W3) [Adelung]


Die Schalkheit, plur. die -en. 1) Der Zustand, die Fertigkeit, da jemand ein Schalk ist, ohne Plural; ehedem besonders im harten Verstande, für Arglist, betriegerische Gesinnung, in welcher Bedeutung es in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt. Die Schlange verführete Evam mit ihrer Schalkheit, 2 Cor. 11, 3. Jetzt hat es auch hier den harten Nebenbegriff verloren, und man gebraucht es am häufigsten von der Fertigkeit, andere unter einem unschuldigen Scheine auf eine scherzhafte Art zu hintergehen. Voller Schalkheit stecken. 2) Ein in dieser Fertigkeit gegründetes Betragen; auch nur in der letztern gelinden Bedeutung. Jemanden eine Schalkheit erweisen. In allen Schalkheiten erfahren seyn. Notker gebraucht Scalcheit noch für Dienstbarkeit, von Schalk, ein Diener.


Schalksauge (W3) [Adelung]


Das Schalksauge, des -s, plur. die -n, ein nur in der Deutschen Bibel und biblischen Schreibart übliches Wort, ein betriegerisches, arglistiges Auge zu bezeichnen, Marc. 7, 22.


Schalksdeckel (W3) [Adelung]


Der Schalksdeckel, des -s, plur. ut nom. sing. eine scherzhafte figürliche Benennung des Hutes, so fern er den Schalk, d. i. schalkhafte, arglistige Fertigkeit, bedecket.


Schalksfreund (W3) [Adelung]


Der Schalksfreund, des -es, plur. die -e, ein falscher, arglistiger Freund, der uns unter dem Scheine der Freundschaft zu hintergehen sucht; ein im Hochdeutschen wenig gebräuchliches Wort. Der Schalksfreund, Filz und Menschenhasser, Haged.


Schalksnarr (W3) [Adelung]


Der Schalksnarr, des -en, plur. die -en, ein Mensch, der sich aus List oder Arglist als ein Narr stellet, sich als einen Narren gebrauchen läßt, ohne es wirklich zu seyn; zum Unterschiede von einem gebornen Narren; einem von der Natur am gesunden Verstande verwahrloseten Menschen.


Schalksohr (W3) [Adelung]


Das Schalksohr, des -es, plur. die -en, nur in der Deutschen Bibel, das Ohr eines arglistigen, auf den Betrug anderer bedachten Menschen. Sir. 19, 24.


Schalksrath (W3) [Adelung]


Der Schalksrath, des -es, plur. die -räthe, auch nur in der Deutschen Bibel, ein betrüglicher, arglistiger Rath. Nahum 1, 11.


Schall (W3) [Adelung]


Der Schall, des -es, plur. die Schälle. 1) Überhaupt, die zitternde Bewegung der Luft, so fern sie sich dem Ohre nähert, und als solche von dem Ohr empfunden wird, wo man es oft im weitesten Verstande, von einer jeden auf solche Art empfundenen Bewegung der Luft gebraucht, sie führe nun von der Summe oder von andern Veränderungen her, sie sey nun schwach oder stark, tönend und klingend, oder auf andere Art bestimmt. Man kennet die Schälle überhaupt unter dem Nahmen der Töne. Ein angenehmer Schall heißt ein Klang. Papagey und Stahr haben genug menschliche Schälle gelernt, aber auch ein menschliches Wort gedacht? Herd. Kinder sprechen Schälle der Empfindung, wie die Thiere, ebend. Der Wiederschall, das Echo. 2) In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, welche zugleich dem Laute, der Onomatopöie dieses Wortes am angemessensten ist, ist der Schall ein heller Laut, eine sehr helle empfundene zitternde Bewegung der Luft. Der Schall der Glocken, der Trompeten, der Trommeln. Gott donnert mit großem Schall, Hiob 17, 4. Und in dieser engern Bedeutung wird der Plural seltener gebraucht. Anm. Bey dem Notker Scall, im Schwed. Skall. S. Schallen.


Schallänte (W3) [Adelung]


Die Schallänte, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Löffelänte, Anas latirostra Klein. Schall scheinet hier aus Schale verderbt zu seyn, und den weiten und tiefen Schnabel, welcher die Gestalt eines Löffels hat, zu bezeichnen, daher sie in einigen Gegenden auch Schildänte genannt wird.


Schallen (W3) [Adelung]


Schallen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, einen Schall von sich geben und verursachen, doch nur in der engern eigentlichern Bedeutung des Hauptwortes, einen hellen lauten Schall von sich geben. Die Posaune wird schallen, 1 Cor. 15, 52. Der Herr wird seine herrliche Stimme schallen lassen, Es. 30, 30. Der Wiederschall schallet aus den hohen Bergen, Weish. 17, 19. Die Gesellschaft ging mit einem schallenden Gelächter aus einander. In weiterer, sonst ungewöhnlicher Bedeutung schallet bey den Jägern ein Thier, wenn es einen Laut von sich hören läßt, welches auch schalten, schelten und melden genannt wird. Daher das Schallen.

Anm. Bey dem Notker schillen, schellen und skellen, im Nieders. gleichfalls schallen, im Schwed. skalla. Ehedem war es ein irreguläres Zeitwort, und bey dem Notker lautet das Imperfectum schull. Diese irreguläre Form hat sich noch in dem zusammen gesetzten erschallen erhalten, dagegen das einfache jetzt völlig regulär ist. Das Activum schällen, schallen machen, wird am gewöhnlichsten mit einem e geschrieben, ( S. Schelle und Schellen.) Übrigens ist dieses Zeitwort eine Onomatopöie eines hellen, schallenden Lautes, der Form nach aber das Intensivum des alten Zeitwortes schallen, welches unter andern auch einen gewissen Laut von sich geben bedeutet that. Hall, hallen, Gall und gällen, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, die Stimme, und andere unterscheiden sich bloß durch den Mangel des verstärkenden Zischlautes, daher sie auch geringere Arten von Schällen bezeichnen.


Schallhorn (W3) [Adelung]


Das Schallhorn, des -es, plur. die -hörner, eine ehemahlige, jetzt veraltete Benennung, so wohl einer Posaune, als auch einer Schalmeye. Jetzt wird nur bey den Jägern noch der weite Theil des Hiefhornes, aus welchem der Schall heraus fähret, das Schallhorn, noch häufiger aber das Schallstück genannt.


Schallloch (W3) [Adelung]


Das Schallloch, des -es, plur. die -löcher, ein Loch, so fern es dazu da ist, dem Schalle einen Ausgang zu machen. So werden die Öffnungen in den Glockenthürmen, durch welche sich der Schall der Glocken verbreitet, Schalllöcher genannt.


Schallstück (W3) [Adelung]


Das Schallstück, des -es, plur. die -e, eine weite Öffnung unten an den Waldhörner, Trompeten, Posaunen u. s. f. durch welche den Schall heraus fähret. An den Pauken es durch Trichter über dem runden Loche an dem Paukenkessel, wo es auch die Stimme genannt wird.


Schallung (W3) [Adelung]


Die Schallung, plur. die -en, ein nur in den Niederdeutschen Marschländern übliches Wort, das mit Schilfrohr bewachsen oder auf andere Art befestigte Ufer eines Deiches oder Dammes zu bezeichnen. Es wird von vielen, und wie es scheinet, richtiger, Schalung und Schals geschrieben und gesprochen, da es eigentlich die Bekleidung mit Schalen oder Bretern bezeichnen würde.


Schalm (W3) [Adelung]


Der Schalm, des -es, plur. die -e, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, einen abgesonderten Theil, einen Theil eines Ganzen zu bezeichnen. So ist in der Land- und Forstwirthschaft einiger Gegenden, der Schalm ein gewisser bestimmter Theil, so wohl eines Waldes, als auch einer Weide. Es scheinet in dieser Bedeutung besonders in der Mark Brandenburg üblich zu seyn. S. das folgende.


Schalmen (W3) [Adelung]


Schalmen, verb. reg. act. welches gleichfalls nur in einigen Gegenden gehöret wird, die Schale oder Rinde abhauen. Einen Baum schalmen, ihn durch Abhauung eines Stückes der Rinde oder äußern Schale zeichnen, in welcher Bedeutung auch abschalmen und anschalmen gebraucht werden. da man in den Wäldern die Gränzen gewisser Bezirke auf solche Art zu bezeichnen pflegt, so wird schalmen, besonders im Forstwesen, zuweilen auch überhaupt für zeichnen, absondern, abtheilen gebraucht. So auch die Schalmung.

Anm. Es ist von dem Nieders. Schälken, hauen, schlagen, nur im Endlaute verschieben, und vermittelst der Endsylbe -men, entweder von Schale und schälen gebildet, oder stammet auch unmittelbar von schalen ab, den mit dem Hauen verbundenen Schall zu bezeichnen. Im mittlern Lateine ist Eschalmamentus der obere Theil eines Baumes, wo er anfängt, sich in Äste zu schalmen oder zu theilen.


Schalmeye (W3) [Adelung]


Die Schalmeye, plur. die -n, der Nahme eines musikalischen Blase-Instrumentes, welches im Ganzen einer Röhre gleicht, wovon es aber mehrere Arten gibt. So wird die Pfeife an einem Dudelsacke auch die Schalmeye genannt. Am üblichsten ist es von einem Blase-Instrumente, welches der Haut-Bois gleicht, nur daß es größer ist, und noch hin und wieder auf dem Lande, von den Schäfern u. s. f. gebraucht wird. Zuweilen pflegt man auch wohl die kleinern Haut-Bois Schalmeyen zu nennen. Ehedem hieß die Schalmeye auch das Schallhorn, und auf dem Lande einiger Gegenden führte sie noch den Nahmen der Tatter, vermuthlich wegen ihres schnarrenden Klanges.

Anm. Im Schwed. Skalmeja, im Böhm. Ssalamage, im Engl. nur Shalm. Frisch bemerket, daß schon in einer 1483 gedruckten Deutschen Bibel Schalmei für Pfeife gesetzt worden. Das Wort ist ohne Zweifel aus dem Franz. Chalumeau entlehnet, welches wieder von Calamus abstammet, und nicht nur einen Halm, eine Röhre von Stroh oder Rohr, sondern auch eine daraus verfertigte Pfeife, und in engerer Bedeutung die ländliche Schalmeye, welche letztere auch Chalemie genannt wird. Im Ital. heißt sie auf ähnliche Art Cannamela, Cennamela, Ciaramela. Indessen könnte ihr Nahmen auch ganz füglich von dem Schalle oder Galine abgeleitet werden.


Schalmuschel (W3) [Adelung]


Die Schalmuschel, plur. die -n, eine Art einschaliger Muscheln, deren Muschel oder Schale einem Napfe oder einer Schale in der ersten Bedeutung gleicht, daher sie auch Schüsselmuschel genannt wird; Patella.


Schalohr (W3) [Adelung]


Das Schalohr, des -es, plur. die -en, ein fehlerhaftes weites Ohr eines Pferdes, welches einer Schale gleicht; daher auch ein mit solchen Ohren begabtes Pferd selbst ein Schalohr genannt wird.


Schalotte (W3) [Adelung]


Die Schalotte, plur. die -n, eine Art Lauches, welcher keinen so strengen und widerwärtigen Geruch und Geschmack hat, als andere Arten des Lauches, Allium ascalonium L. Äschlauch, Eschlauch, Franz. Echalotte, Escalotte, Ital. Scalogna, Span. Escalona, Engl. Scallion. Alle von dem Nahmen der Stadt Askalon in Palästina, wo dieser Lauch sehr häufig wächset und auch aus diesen Gegenden zu uns gebracht worden. Schon Plinius nennet ihn Ascalonia und Cepa Ascalonia. In der Monseeischen Glosse heißt dieser Lauch Hynnilaee.


Schälpflug (W3) [Adelung]


Der Schälpflug, des -es, plur. die -pflüge, eine Art eines Pfluges, einen wilden, noch nicht artbar gemachten Boden damit gleichsam abzuschälen und zu entrasen. S. Schälen.


Schalstück (W3) [Adelung]


Das Schalstück, des -es, plur. die -e, S. Schaltbret.


Schalten (W3) [Adelung]


Schalten, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Fall das Hülfswort haben erfordert, aber schon seit geraumer Zeit sehr ungewöhnlich geworden ist. Es bedeutet noch, 1) Schieben; in welchem Verstande es nur noch in dem zusammen gesetzten einschalten üblich ist, und das Latein. calare in intercalare als seinen Verwandten erkennet. 2) Hantieren, behandeln, und figürlich die Veränderungen eines Dinges nach Gutdünken bestimmen. Mit etwas nach eigenem Belieben schalten, nach einigem Belieben damit umgehen, verfahren. Schalte damit, wie du willst. Am häufigsten gebraucht man es in Verbindung mit dem gleichbedeutenden walten. Mit etwas schalten und walten, die Veränderungen eines Dinges nach eigener Willkühr bestimmen. Die Hauptwörter das Schalten und die Schaltung sind im Hochdeutschen nicht gewöhnlich.

Anm. Dieses Zeitwort ist der Figur nach das Intensivum von dem schon gedachten veralteten schalen, und bedeutet eigentlich gewisse mit einem eigenthümlichen Schalle verbundene Handlungen vornehmen. Daher wurde es ehedem für stoßen gebraucht. Scalt thaz Shef in Tiuffi, stoße das Schiff auf die Höhe, im Tatian. Du scaltest ze rukke, du stößest oder treibest sie zurück, Notker. Bey dem Dasypodius und Frischlin ist, dem Frisch zu Folge, ein Schiff schalten, es fortsteuern, die Schalte eine Stange, womit die Schiffe gehalten, vielleicht richtiger, womit sie gesteuert werden, und Schalter der Steuermann. Jemanden von sich schalten, heißt bey dem Kaisersberg, ihn von sich jagen, davon schalten, fortgehen. Schalten in der zweyten Bedeutung darf eben keine Figur davon seyn, sondern kann auch als eine unmittelbare Onomatopöie des Hantirens mit körperlichen Dingen angesehen werden. Im Hebräischen ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gleichfalls herrschen, beherrschen. Die von der ersten Bedeutung gebildeten Oberdeutschen Schaltfürst, Schaltkönig, Schaltpfarrer u. s. f. einen Vice-König, Vice-Pfarrer zu bezeichnen, sind im Hochdeutschen ungewöhnlich, auch wegen der Zweydeutigkeit des darin herrschenden Begriffes der Einschiebung nicht anzurathen.


Schalthier (W3) [Adelung]


Das Schalthier, des -es, plur. die -e, von Schale, in der Naturgeschichte, ein mit einer harten Schale bedecktes Thier; in welchem Verstande auch die Schildkröte mit diesem Nahmen beleget werden könnte. Am üblichsten ist es in engerer Bedeutung, von Gewürmen, welche in kalkartigen Schalen wohnen, da denn nur die Schnecken und Muscheln die Classe der Schalthiere, ausmachen. Diejenigen von ihnen, welche allein im Wasser leben, pflegt man auch wohl Schalfische zu nennen.


Schaltjahr (W3) [Adelung]


Das Schaltjahr, des -es, plur. die -e, in der Chronologie und dem Kalenderwesen. 1) Ein Jahr, welches in die Reihe mehrerer Jahre über die gewöhnliche Zahl eingeschaltet wird. Am gewöhnlichsten, 2) ein Jahr, welches durch einen Schalttag um einen Tag länger gemacht wird, in welches ein Tag eingeschaltet wird. Schwed. Skottar, von skjutta, stoßen, schieben, schießen, schalten.


Schaltmonath (W3) [Adelung]


Der Schaltmonath, des -es, plur. die -e, eben daselbst, ein Monath, welcher über die gewöhnliche Zahl der Monathe eingeschaltet wird. So wird in einem Mondenjahre der dreyzehnte Monath, welcher über die gewöhnliche Zahl eingerücket wird, damit der Anfang eines Jahres immer zu einer und eben derselben Jahreszeit erhalten werde, der Schaltmonath genannt; Mensis embolismicus embolimaeus.


Schalttag (W3) [Adelung]


Der Schalttag, des -es, plur. die -e, eben daselbst, ein Tag, welcher über die gewöhnliche Anzahl der Tage in der Zeitrechnung eingeschaltet wird, damit das bürgerliche Jahr mit dem astronomischen überein komme; Dies intercalaris, bissextilis. So ist nach unserer Zeitrechnung alle vier Jahre der 24ste Februar ein Schalttag, da denn der Februar statt seiner gewöhnlichen 28 Tage, deren 29 hat.


Schaluppe (W3) [Adelung]


Die Schaluppe, S. Chaluppe.


Schalwerk (W3) [Adelung]


Das Schalwerk, des -es, plur. die -e, besonders in den Niederdeutschen Marschländern, eine wasserdicht geschlagene Wand von Pfählen oder dicken Bohlen; von Schale, die Bekleidung eines Deiches oder Dammes.


Schälzahn (W3) [Adelung]


Der Schälzahn, des -es, plur. die -zähne, ein schadhafter Zahn, besonders bey den Pferden, welcher sich abschälet; ein Schieferzahn, Blätterzahn.


Scham (W3) [Adelung]


Die Scham, plur. car. ein Wort, welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. Der Zustand, da man sich schämet. 1) Eigentlich, die mit Schamröthe verbundene Unlust, oder unangenehme Empfindung über die Sichtbarkeit unserer Blöße, und in weiterm Verstande, unserer Unvollkommenheit. Vor Scham roth werden. Scham empfinden. Vor Scham die Augen nicht aufschlagen können. Sich in Scham verhüllen, in der dichterischen Schreibart. 2) In weiterer Bedeutung. (a) Das Vermögen, die Fähigkeit, Unlust über die Sichtbarkeit unserer Blöße, unserer Unvollkommenheit, zu empfinden. Wo keine Scham ist, da ist keine Ehre. Weder Scham noch Schande haben. Aller Scham den Kopf abgebissen haben, in der niedrigen Sprechart, die Fähigkeit sich zu schämen verloren haben. (b) * Die Fertigkeit, alles zu vermeiden, was die Blöße des Leibes zeigen, und in weiterer Bedeutung, Neigung zur Unkeuschheit verrathen kann: eine jetzt veraltete Bedeutung, in welcher es ehedem sehr häufig zur Zucht, Züchtigkeit, Schamhaftigkeit u. s. f. gebraucht wurde. Scham ist eine Krone Die zieret frowen schone, Burkhard von Hohenfels. Diu Scham alsam ein reines kint in schoner frowen schozen spilt; Schame zieret reiniu wib und wirdet edelen man; Schame kan leiden of den ban, Da nie schandentrit kam an; der Marner. Die Schwäbischen Dichter sind voll von Lobsprüchen dieser Scham, besonders bey dem weiblichen Geschlechte. Scham machet große Gunst, Sir. 32, 14. Die Weiber sollen sich mit Scham und Zucht schmücken, 1 Tim. 2, 9. 3) * Figürlich, dasjenige, dessen man sich zu schämen hat, die Sichtbarkeit unserer Blöße, und in weiterm Verstande, unserer willkührlichen Unvollkommenheiten; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher es ehedem für Schande und das nahe verwandte Schimpf sehr üblich war. Ihre Scham war offenbar, Ezech. 23, 18. Mit Scham bekleidet werden, Ps. 35, 26. Du weißest meine Schmach, Schande und Scham, Ps. 69, 20. Mit Scham unten an sitzen, Luc. 14, 9. 2. Die Blöße des Leibes. 1) Überhaupt, wo man es nur noch in der im gemeinen Leben üblichen R. A. gebraucht, seine Scham nicht bedecken können, seine Blöße, halb nackend gehen. 2) In engerer Bedeutung ist es eine ehrbare und anständige Benennung der Geburtsglieder beyder Geschlechter, derjenigen Theile des Leibes, welche die Schamhaftigkeit zu bedecken besichtet, deren Blöße vornehmlich Scham erwecket, und welche man auch die Schamglieder, die Schamtheile zu nennen pfleget. In diesem Ver- stande, in welchem es schon bey dem Winsbeck die Schame lautet, ist es in der Deutschen Bibel und bey andern Schriftstellern sehr gangbar, für die anständige Schreibart aber schon zu unedel. In engerer, besonders in der Anatomie üblichen Bedeutung, ist die Scham, Latein. Pubes, die unterste Gegend des untern Schmerbauches unmittelbar über den Geburtsgliedern. In einer gegen das Ende des 15ten Jahrhundertes gedruckten Deutschen Bibel, welche Schelhorn im 8ten Bande der kritischen Beyträge (S. 1. f. beschreibt,) kommen dafür die Ausdrücke Schnödigkeit und Laster vor.

Anm. In der ersten Hauptbedeutung schon bey dem Kero Scamu, bey dem Notker Scama, im Nieders. Schaam, und mit einem andern Endlaute Schämte, im Angels. Scame, im Engl. Shame, im Schwed. Skam. ( S. Schämen.) In der zweyten Hauptbedeutung wird es gemeiniglich als eine Figur der ersten angesehen, und dadurch dasjenige erkläret, dessen man sich zu schämen hat. Allein es ist wahrscheinlicher, daß der Begriff der Blöße hier der herrschende ist, der wieder eine Figur des Lichtes ist, daher es in dieser Bedeutung unmittelbar mit dem veralteten Schämen oder Schemen, das Bild, der Schatten, Schein, und den Intensivis Schimmel und Schimmer er zusammen hängt. Auch die Scham, als eine Empfindung betrachtet, setzet im eigentlichsten Verstande die unanständige Blöße voraus. Das Wort Blöße selbst wird in der edlen Sprechart zuweilen von denjenigen Theilen gebraucht, welche der Wohlstand zu entblößen verbiethet. Siehe Schämen.


Schambein (W3) [Adelung]


Das Schambein, des -es, plur. die -e, in der Anatomie, der kleinste Theil des ungenannten oder Hüftbeins, welches die Scham im engern anatomischen Verstande bilden hilft; Os pubis.


Schämel. (W3) [Adelung]


Der Schämel. des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Schämelchen, ein Wort, in dessen noch hin und wieder üblichen Bedeutungen mehrere Hauptbegriffe vorstehen. 1) * Mit dem Begriffe der Masse, der Ausdehnung in die Länge, Breite und Dicke, ist der Schämel in einigen Oberdeutschen Gegenden ein Klumpen, ein Stück. So ist bey dem Wurstisen ein Eisschämel ein großes Stück Eis, eine Eisscholle. Es kann hier auch von dem veralteten, noch bey dem Kero befindlichen skemman, abkürzen abstammen, so daß es ein abgesondertes Stück bedeuten würde. ( S. die Anmerk. zu dem Zeitworte Schämen) 2) In manchen Fällen ist der Schämel ein Gerüst, ein Gestell, welches etwas träget, wobey zuweilen der Begriff der Beweglichkeit mit eintritt. Ein breterner Stuhl heißt Schämel. Der Reitschämel ist in den Sägemühlen das Gestell, worauf der Sägeklotz lieget, und auf demselben gleichsam reitet, d. i. sich vorwärts beweget. In der Artillerie ist der Schämel eines Mörsers ein an den Mörser gleich angegossener Fuß, ( S. Schämelmörser.) In der Landwirthschaft ist der Wendeschämel, Lenkschämel, Rungenschämel, ein auf der Asche bewegliches Holz, worin die Rungen befestiget sind, und welches die Wendung des Wagens erleichtert. Die Schämel der Weber sind bewegliche Tritte unter den Füßen des Webenden. 3) In der engsten und ungewöhnlichsten Bedeutung ist der Schämel ein kleines niedriges Gestell, die Füße im Sitzen darauf zu stellen, daher auch, zum Unterschiede von den vorigen Arten, der Fußschämel genannt wird. Im gemeinen Leben Obersachsens und Oberdeutschlandes heißt er die Hütsche.

Anm. In der letzten Bedeutung schon im Tatian Scamal, im Oberdeutschen Schamel, und im Nieders. Schemmel. Kero nennet alle Sitze oder Bänke Scamelu. Das Lat. Scamnum und Scabellum ist genau damit verwandt. Um des männlichen Geschlechtes willen kann die Endsylbe hier nicht eine Verkleinerung bezeichnen, sondern sie muß die Ableitungssylbe -el seyn, welches so wohl ein Werkzeug, als ein Subject andeutet. Es kommt hier also auf die Sylbe Schäm - an, welche ihre Erläuterung in der Anmerkung zu dem Worte Schämen finden wird.


Schämeleisen (W3) [Adelung]


Das Schämeleisen, des -s, plur. ut nom. sing. an den Weberstühlen, diejenigen Eisen, in welchen sich die Weberschämel bewegen.


Schämelmörser (W3) [Adelung]


Der Schämelmörser, des -s, plur. ut nom. sing. in der Artillerie, ein mit einem Schämel, d. i. angegossenen Fuße, versehener Mörser; ein Fußmörser.


Schämen (W3) [Adelung]


Der Schämen, der Schein, Schatten, S. Schemen.


Schämen (W3) [Adelung]


Schämen, verb. reg. act. welches doch nur als ein Reciprocum gebraucht wird, sich schämen. 1) Eigentlich, Scham empfinden; im eigentlichen Verstande so wohl über die von andern entdeckte Blöße des Leibes erröthen, und in weiterer Bedeutung, Unlust über die von andern entdeckte Unanständigkeit und Unvollkommenheit an uns empfinden. Adam und Eva waren beyde nacket, und schämeten sich nicht, 1 Mos. 2, 25. Ich schäme mich es zu sagen. Sich vor jemanden schämen, Unlust empfinden, daß er unsere Unanständigkeiten entdecket habe, oder entdecken werde. Sich vor sich selbst schämen. Pfui, schäme dich in dein Herz! im gemeinen Leben. In weiterer Bedeutung wird es auch zuweilen für scheuen, Scheu empfinden, gebraucht. Schäme dich nicht, das Recht zu bekennen, Sir. 4, 24. Besonders, wenn man wegen übler Erziehung bey rechtmäßigen oder unschuldigen Dingen Scheu empfindet. Wenn die Sache, wegen welcher man sich schämet, durch ein Hauptwort ausgedruckt wird, so steht dasselbe auch wohl in der zweyten Endung. Sich eines Wortes schämen, sich schämen, dasselbe zu sagen oder auszusprechen. Es ist eine elende Scham, wenn man sich einer höhern Hülfe schämet, Gell. Indessen ist diese Verbindung bey der folgenden Bedeutung gewöhnlicher, als bey dieser. 2) In weiterer Bedeutung, vielleicht von Scham, so fern es ehedem auch Schande bedeutet, sich für unanständig, für Schande halten. Schäme dich nicht, deinen Freund zu schützen, Sir. 22, 30. Er schämet sich nicht, sie Brüder zu heißen, Ebr. 2, 11. Die Sache, welche man seiner unanständig hält, stehet, wenn sie ein Haupt- oder Fürwort ist, in der zweyten Person. Ich schäme mich des Evangelii von Christo nicht, Röm. 1, 16. Gott schämet sich ihrer nicht, Ebr. 14, 16. Ich muß mich deiner schämen. Ich schäme mich meiner Zärtlichkeit nicht einen Augenblick. Du hast ein Herz, dessen sich die Tugend selbst nicht schämen dürfte, Gell. Ich schäme mich der süßen Schwachheit nicht, ebend. Daher das Schämen.

Anm. Schon im Isidor, bey dem Ottfried und Willeram schamen, in den gemeinen Sprecharten noch jetzt schamen, im Angels. sceaman, bey dem Ulphilas skama, im Schwed. skämmas. Frisch hatte den sonderbaren Einfall, es von dem Ital. scemare, nehmen, abstammen zu lassen, weil Adam und Eva sich nicht eher zu schämen anfingen, als bis ihnen das göttliche Ebenbild genommen war. Scham und schämen sind Veränderungen, welche nicht in das Gehör fallen, und daher nothwendig Figuren einer sich unmittelbar auf das Gehör beziehenden Bedeutung seyn müssen. Schämen oder schamen ist von samen, ( S. Sam, Sammeln und Saum,) nur in dem stärkern Zischlaute unterschieden, und es sind noch Spuren genug vorhanden, daß es ehedem mehrere Arten einer mit einem gewissen Geräusche verbundenen Bewegung bedeutet habe. Dahin gehöret theils unser schimpfen, welches Intensivum davon ist, theils das Isländ. skima, hin und wieder laufen, Schwed. skimpa, Nieders. schummeln, theils unser schäumen, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches so wohl schäumen, als zürnen bedeutet, theils das veraltete noch bey dem Kero befindliche skemman, abkürzen, stutzen, Schwed. skämma, Keros Skemmi, die Kürze, das Schwed. skam, kurz, welche von unserm alten hammeln nur in dem Zischlaute verschieden sind, anderer zu geschweigen. Von der rauschenden Bewegung ist der Begriff der schnellen Bewegung eine sehr gewöhnliche Figur, und von diesem wieder der Begriff des Lichtes, des Scheines, der hellen lebhaften Farbe. Daher das Schemen, ein Bild, der Schein, der Schatten, das Engl. to seem, scheinen, unser Schimmel, ein weißes Ding, Schimmer, blasser Schein u. s. f. Welche Bedeutung in unserm Scham und schämen zum Grunde liege, läßt sich nur muthmaßen. In der Bedeutung der Schamtheile scheinet es die Blöße zu seyn, welche wieder von dem Lichte abstammet. Eine ähnliche Bedeutung scheinet in Scham, pudor, zum Grunde zu liegen, indem dasselbe ursprünglich die mit dieser Empfindung verbundene Röthe des Gesichtes bedeutet haben kann, daher auch im Latein. sich schämen durch erubesoere ausgedruckt wird. Die hochrothe Farbe hat ihren Nahmen in mehrern Fällen von dem Lichte entlehnet, wie Blut von blühen, welches mit Licht, bloß, Blitz u. s. f. nahe verwandt ist. Eine Art rother Äpfel heißt im gemeinen Leben einiger Gegenden wirklich Schämapfel, d. i. rother Apfel.


Schamhaft (W3) [Adelung]


Schamhaft, -er, -este, adj. et adv. eigentlich, Fertigkeit besitzend, über alle unanständige Entblößung vor andern Unlust zu empfinden, und darin gegründet. In weiterer Bedeutung, Fertigkeit, über allen Schein der Unkeuschheit Unlust zu empfinden, und darin gegründet. Schamhaft seyn. Ist deine Tochter nicht schamhaftig, so halte sie hart, Sir. 26, 13. Welches ohne Noth verlängerte schamhaftig doch in Vergessenheit zu gerathen anfängt. In den gemeinen Sprecharten ist dafür auch verschämt, im Oberdeutschen geschamig, im Nieders. schämerig, schämern üblich.


Schamhaftigkeit (W3) [Adelung]


Die Schamhaftigkeit, plur. inus. die Eigenschaft, da man schamhaft ist; bey dem Logau Verschämlichkeit.


Schamkraut (W3) [Adelung]


Das Schamkraut, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme der stinkenden Melde oder Hundsmelde; Chenopodium vulvaria L. von Scham 2.


Schamlefze (W3) [Adelung]


Die Schamlefze, plur. die -n, in der Anatomie, die Lefzen an der weiblichen Scham.


Schamlos (W3) [Adelung]


Schamlos, -er, -este, adj. et adv. der pflichtmäßigen Scham im hohen Grade beraubt, ohne Scham, und darin gegründet, in der ersten Bedeutung des Hauptwortes. Ein schamloses Betragen. Schamlose Worte, Geberden. Ein schamloser Wollüstling. Nieders. unschämlich. Unser Unverschämt hat noch eine weitere Bedeutung.


Schamlosigkeit (W3) [Adelung]


Die Schamlosigkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, die Fertigkeit, da eine Person schamlos ist; ohne Plural. 2) Schamlose Worte, Handlungen oder Geberden. Bey dem Notker in der ersten Bedeutung mit einer andern Endsylbe Scamelosi.


Schamroth (W3) [Adelung]


Schamroth, adj. et adv. welches nur im Positivo üblich ist, im Gesichte roth vor Scham. Schamroth werden, seyn. In weiterer Bedeutung wird man auch über ein ertheiltes Lob schamroth. Jemanden schamroth machen, durch ein ertheiltes Lob.


Schamröthe (W3) [Adelung]


Die Schamröthe, plur. inus. die Röthe, rothe Farbe im Gesicht, so fern sie von der Scham herrühret. Die Schamröthe stieg ihm in das Gesicht. Jemanden eine Schamröthe abjagen, ihn schamroth machen. Der Schamröthe eines Gebrechlichen spotten, Gell.


Schamseite (W3) [Adelung]


Die Schamseite, plur. die -n, die Seiten des menschlichen Leibes zu beyden Seiten der Scham, welche im gemeinen Leben auch die Weichen, die Leisten genannt werden.


Schamtheile (W3) [Adelung]


Die Schamtheile, sing. inus. die Scham mit allen dazu gehörigen Theilen, die Geburtsglieder bey beyden Geschlechtern; die Schamglieder.


Schandaltar (W3) [Adelung]


Der Schandaltar, des -es, plur. die -äre, in der Deutschen Bibel, ein Altar, auf welchem die Götzen geopfert, und folglich Schande darauf getrieben wird. Ier. 11, 13.


Schandbalg (W3) [Adelung]


Der Schandbalg, des -es, plur. die -bälge, in der harten Sprechart, ein schändlicher Balg, d. i. eine lasterhafte Person weiblichen Geschlechtes. Ingleichen ein in Schande und Unehren erzeugtes Kind; ein Bastard.


Schandbar (W3) [Adelung]


Schandbar, -er, -ste, adj. et adv. Schande bringend, schändlich. Schandbare Worte, Ephef. 5, 4. Ein schandhares Leben führen, ein schändliches, lasterhaftes. Schandbare Dinge. zuweilen auch für lasterhaft. Ein schandbarer Mensch, ein schändlicher, lasterhafter.


Schandbarkeit (W3) [Adelung]


Die Schandbarkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es schandbar ist.


Schandbube (W3) [Adelung]


Der Schandbube, des -n, plur. die -n, in der harten Sprechart, ein schändlicher Bube, eine im höchsten Grade lasterhafte Person männlichen Geschlechtes.


Schanddeckel (W3) [Adelung]


Der Schanddeckel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Dasjenige, was die Schande, d. i. Blöße bedecket, in welchem Verstande der Hut in den gemeinen Sprecharten zuweilen diesen Nahmen führet. 2) Was die Schande, d. i. ein begangenes öffentliches Verbrechen, bedecket. So ist zuweilen die Copulation, der Ehestand, ein Schanddeckel einer vorher gegangenen Entehrung.


Schande (W3) [Adelung]


Die Schande, plur. inus. ein Wort, welches vermittelst der Ableitungssylbe -de von einem veralteten Zeitworte schanen, schenen u. s. f. abstammet, welches uns noch eine zahlreiche Nachkommenschaft hinterlassen hat, daher hier etwas davon überhaupt gesagt werden muß, damit die Verbindung der mancherley Bedeutungen des Wortes Schande und seiner Verwandten desto deutlicher werde. Schanen und das sanftere sanen war, wie alle Zeitwörter, eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, so wohl einer menschlichen Stimme. als auch einer gewissen Art einer Körperlichen Bewegung. Zur menschlichen Stimme gehöret das Lat. Sonus, das Nieders. schünden, hetzen, anreißen, unser schänden, so fern es im gemeinen Leben mit Worten beschimpfen bedeutet, und das Latein. Sanna, Verspottung u. a. m. Zum unartikulierten Laute, so wohl das Latein. Sonus, als auch figürlich mancherley mit diesem Laute verbundene Bewegungen; daher unser schenken, geben, schanzen, das Latein. scindere, unser schinden, schänden und Schande, so fern es körperliche Verletzung bedeutet, das Angels. skunian, meiden, vermeiden, unser schonen, das Schwed. skena, ausreißen von Pferden, skynda, eilen, unser schon u. s. f. Von der schnellen Bewegung ist die Bedeutung des Lichtes eine gewöhnliche Figur; daher schön, scheinen, Schande, so fern es Blöße bedeutet, Sonne, zünden, Candela, im Deutschen ehedem Schandel u. s. f. Besonders bedeutete es allerley Bewegungen nach verschiedenen einzelnen Richtungen. 1) In die Höhe; wie scandere, und unser Sahne, vielleicht auch Schanze. 2) In die Tiefe; daher die Lat. Sinus, ein Napf und der Schoß, Sentina, die Grundsuppe, das Schwed. Skänk, ein Becher, unser senken, sinken, das veraltete Schande, eine Cloak, Schundgrube. Von der Tiefe, der Höhlung, ist die Bedeckung eine gewöhnliche Figur; daher das alte Nieders. Schin, die Haut, Engl. Skin, Schwed. Skinn, vielleicht auch unser schinden, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Gezelt, unser Scheune. 3) In die Länge, wie Schiene, und in die Spitze, wie das Latein. Sentis, der Dorn. 4) Nach einer schiefen Richtung, wie das Nieders. schüns, schief. 5) In die Länge, Breite und Dicke, daher die Figuren der Masse, zuweilen auch der Verbindung, wie Schinken, Sohn, sanus, eigentlich ganz, und unser gesund. Wenn man erwäget, daß das n oft ein mäßiger Laut ist, welcher sich manchen andern Mitlautern gern anhänget, und daß m und n wegen ihres geringen Unterschiedes sehr oft mit einander verwechselt werden, so wird man sich nicht befremden lassen, daß Schade, Schande und Scham sich in ihren Bedeutungen mehrmahls durchkreuzen, daher denn auch besonders die beyden letzten sehr oft für einander gesetzet werden. Was nun besonders unser Schande betrifft, so bedeutet es, 1. Eine Tiefe, einen hohlen tiefen Raum. Hierher gehöret nur das noch in einigen Oberdeutschen Gegenden übliche Schande, eine Cloak, wofür im gemeinen Leben der Hochdeutschen Schundgrube üblich ist. S. Scheune. 2. Eine Bedeckung; ein nur noch in einigen Gegenden und in einigen Fällen üblicher Gebrauch. Der Lappen, welchen die Schneider um den Griff des heißen Bügeleisens wickeln, um die Hand nicht zu verbrennen, heißt in manchen Gegenden, besonders Niedersachsens, die Schande. In dem Salzwerke zu Halle ist die Schande ein rundes Tuch von Haaren oder Filz, welches die Arbeiter vor die Brust legen, wenn sie die vollen Salzkörbe tragen. In manchen Niedersächsischen Gegenden ist die Schande oder Schande ein in der Mitte ausgehöhltes Holz, welches man auf die Achseln legt, zwey Eimer, Fässer u. s. f. daran zu tragen, wo aber auch der Begriff der Schiene Statt findet. In andern Gegenden ist es ein zwey Finger breites Band, dessen beyde Enden mit einem kleinen Stricke an der Sense befestiget werden, welches dem Mäher die Sense tragen hilft. Ehedem bedeutete Schin, im Deutschen auch die Haut, und das Schwed. Skinn und Engl. Skin haben diese Bedeutung noch, S. Schinden. 3. Die Blöße; eine Figur der veralteten Bedeutung des Lichts, wovon noch scheinen, schön u. a. m. zeugen. In der weitesten Bedeutung ist es hier veraltet, und man gebraucht es nur noch zuweilen im gemeinen Leben von einer unanständigen Blöße. Seine Schande nicht bedecken können, seine Blöße, keine Kleider haben. S. Schanddeckel. 4. Die Schamröthe; so wie bey Scham, eine Figur des Lichtes. 1) Eigentlich. Auch hier wird es nur noch zuweilen im gemeinen Leben von der Fähigkeit zu erröthen, sich zu schämen, gebraucht. Aller Schande den Kopf abgebissen haben, alle Scham abgeleget haben, sich nicht mehr schämen können, in welcher Bedeutung man auch wohl sagt, weder Scham noch Schande mehr haben. Im Englischen bedeutet Shame so wohl Scham als Schande, und das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - bedeutet gleichfalls Scham. 2) Der Zustand da man schamroth wird, da man sich schämet, welche aber auch zur folgenden Bedeutung gehören kann. Man gebraucht es hier nur noch im gemeinen Leben mit dem Vorworte zu und in der alten Oberdeutschen Form, Schanden für Schande. Jemanden zu Schanden machen, machen, daß er schamroth werden muß, ihn einer Unvollkommenheit überführen, deren er sich zu schämen Ursache hat. Im gemeinen Leben macht man auch jemanden zu Schanden, wenn man ihn durch Lob schamroth macht, da denn der Erröthende alsdann zu Schanden wird. 5. Körperliche Verunstaltung und Verstümmelung, eine Verletzung, wodurch ein Ding seine gehörige Gestalt auf eine sehr merkliche Art verlieret, und der Zustand, da ein Ding auf solche Art verunstaltet wird, wo es mit scindere und dem Schwed. Skena, die Wunde, genau verwandt ist. 1) Eigentlich, wo es nur noch im gemeinen Leben in der vorigen Form mit dem Vorworte zu in weiterm Verstande gebraucht wird. Ein Ding zu Schanden machen, es verunstalten, verderben, unbrauchbar machen. Ein Pferd zu Schanden reiten. Sich zu Schanden arbeiten, fallen, laufen. Jemanden ganz zu Schanden prügeln. Ein Schiff zu Schanden schießen. Durch den Hagel ist für viel tausend Thaler zu Schanden gegangen. Um das Vergnügen zu haben, einen armen Hasen zu fangen, reiten sie mehr als fünfzig Hufen Feldes zu Schande, Weiße. 2) Figürlich, wo es so wie Laster, welches auch eigentlich körperliche Verstümmelung ist, einen hohen Grad der moralischen Verunstaltung bedeutet, wo es denn wieder in verschiedenen Beziehungen üblich ist. (a) Hoher Grad der Unehre, das Urtheil anderer von uns, so fern es mit Unehre und Erniedrigung in der bürgerlichen Gesellschaft verbunden ist, und der Zustand, da man einem solchen Urtheile unterworfen ist; wo es der Ehre entgegen stehet, Schande von etwas haben. Mit Schande, mit Schande und Spott bestehen, auch wohl in der Oberdeutschen Form, mit Schanden bestehen. Das ist dir eine Schande, gereicht dir zur Schande. Pfui, der Schande! Sich etwas für eine Schande halten. Jemanden Schande machen, machen, daß er Schande mit uns einlege. Seine Schande an jemanden erziehen. Thue mir die Schande nicht an. Sie ist elend, weil sie ihre Schande fühlet. Armuth bringt keine Schande. Zu Schanden werden, für in Schande gerathen, welches in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt, ist nur noch in der vorigen Bedeutung der Beschämung üblich. In der engsten Bedeutung ist die Schande das gegründete Urtheil anderer von unserer lasterhaften Beschaffenheit, Unehre wegen böser Thaten. (b) Die thätige Erweisung dieses Urtheiles, die Beschimpfung. Jemanden alle Schande anthun, ihn thätig beschimpfen. Im Lat. ist Sanna Verspottung. (c) Was dieses Urtheil wirkt, grobe, mit öffentlicher Unehre verbundene Verbrechen, wo es mit Scandalum, sons, und unserm Sünde verwandt ist. Der Plural ist auch hier nicht üblich, ungeachtet er dem Anscheine nach Statt finden könnte. Schande und Laster begehen. Am üblichsten ist es von den mit öffentlicher Unehre verbundenen Verbrechen der Unkeuschheit. Wenn jemand bey seiner Schnur schläft, so sollen sie beyde des Todes sterben, denn sie haben eine Schande begangen, 3 Mos. 20, 12. Sie haben Mann mit Mann Schande getrieben, Röm. 1, 27. S. auch Blutschande.

Anm. Bey dem Ottfried Scantu, im Nieders. gleichfalls Schande, im Angels. Scande, im Böhmischen nur Handa, welcher Zischlaut auch dem Franz. Honte und unserm verwandten Hohn fehlet. Es stammet vermittelst der Ableitungssylbe -de, welches Abstracta bildet, von dem schon gedachten veralteten Zeitworte schanen her. Die Gewohnheit, diesem Worte in manchen R. A. ein n anzuhängen, wenn die Vorwörter mit und zu vorher gehen, mit Schanden, zu Schanden, scheinet aus einigen Oberdeutschen Gegenden abzustammen, wo dieses Wort so wie Glaube, Erde und andere weibliche auf e, die Schanden heißt. Gott hat die Schanden der Christen kund gemacht, sagt noch Opitz. Im Hochdeutschen läßt man dieses n am richtigsten weg; mit Schande bestehen, zu Schande werden. Im gemeinen Leben wird es mit vielen Wörtern zusammen gesetzet, nicht nur ihre Schändlichkeit, sondern auch eine gewisser Maßen entehrende niedrige Zahl zu bezeichnen. Ein Schandgeld, ein unerhörtes geringes Geld, welches mit dem Werthe der Sache in keinem Verhältnisse stehet, ein Schandgeboth, Schandpreis u. s. f.


Schänden (W3) [Adelung]


Schänden, verb. reg. act. Schande zufügen, in der fünften Bedeutung dieses Hauptwortes. 1. Eigentlich, so fern Schande ehedem körperliche Verletzung bedeutet, ist schänden verletzen überhaupt; in welcher Bedeutung es doch nur in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich ist. Die Rinde eines Baumes schänden, verletzen. Der Blitzstrahl fuhr den Tourm hinunter und schändete die Sacristey, Bluntschli, ein Zürcher. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur im engern Verstande, so verletzen, daß daraus eine völlige Verunstaltung erfolge. Wer sich die Nase abschneidet, der schändet sein Gesicht. Ein Bild, ein Gemählde schänden. Einen Braten schänden, ihn auf eine unschickliche Art anschneiden. Im gemeinen Leben in allen diesen Fällen auch verschänden. 2. Figürlich. 1) Schande, d. i. thätige Beschimpfung zufügen; wo es in engerer Bedeutung häufig für schmähen, schimpfen gebraucht wird, und in der niedrigen Sprechart mit der ausländischen Endung auch wohl schändiren lautet. Jemanden schänden, schmähen. Er hat geschändet den Zeug des lebendigen Gottes, 1 Sam. 17, 36. Es lobe mich ins Gesicht, es schändet mich im Rücken, Logau. ( S. auch Ausschänden.) 2) In weiterer Bedeutung ist schänden oft grobe Unvollkommenheiten überhaupt andichten, zufügen; entehren. Wie lange soll meine Ehre geschändet werden? Ps. 4, 3. Wenn mich mein Feind schändete, Ps. 55, 13. Der Gottlose schändet sich selbst, Sprichw. 13, 5. Armuth schändet nicht, bringt keine wahre Schande oder Unehre. Seine Familie schänden, ihr durch sein Betragen Unehre, Schande bringen. Den Sabbath schänden, ihn vorsetzlich und auf eine grobe Art entheiligen. So trotzen Freund und Feind und schänden die Gesetze, Weiße. 3) In der engsten Bedeutung ist eine Person weiblichen Geschlechtes schänden, sie der weiblichen und jungfräulichen Ehre berauben; wo es doch jetzt schon unter die Harten und minder anständigen Ausdrücke gehöret, wofür entehren üblicher ist. Eine Jungfrau schänden, sie entehren. So fern Schande jedes grobe Verbrechen wider das sechste Geboth bedeutet, wird auch wohl schänden in dieser Bedeutung gebraucht. Zu schänden ihre eigene Leiber an ihnen selbst, Röm. 1, 24. Knaben schänden. So auch das Schänden und die Schändung.

Anm. Schon bey dem Kero scantan, der es aber für beschämen gebraucht, bey dem Notker schenden, für zu Schanden machen, beschämen, im Nieders. schennen, im Schwed. skända, im Engl. to shend. Es stammet entweder unmittelbar von Schande her, oder es ist auch das Intensivum von dem veralteten Zeitworte schanen; schänden für schännen. ( S. Schande.) Opitz gebraucht es Ein Mahl, in einer sonst ganz ungewöhnlichen Bedeutung: Die Pein mit der ich mich bey Nacht und Tage schände. Wo es für kränken zu stehen scheinet.


Schänder (W3) [Adelung]


Der Schänder, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher schänder. Ja der Deutschen Bibel wird es einige Mahl in der ungewöhnlichen Bedeutung eines Verleumders gebraucht. Die Schänder muß ich hören, Ps. 44, 17. Die Menschen werden seyn Schänder. 2 Tim. 2, 3. Am üblichsten ist es in den Zusammensetzungen Ehrenschänder, Sabbathschänder, Knabenschänder u. s. f.


Schandfleck (W3) [Adelung]


Der Schandfleck, des -es, plur. die -en, eigentlich ein Schmutzfleck, so fern er ein Ding entstellet, eine verunstaltende Stelle an einem Dinge. Figürlich, eine jede Person oder Sache, welche einer andern wahre Schande bringet oder macht. Die Lügen ist ein häßlicher Schandfleck, Sir. 20, 25. Seiner Ehre einen Schandfleck anhängen, Kap. 47, 23. Sie sind Schandflecken und nicht seine Kinder, 5 Mos. 32, 5. Der Schandfleck seiner Familie seyn. Schandfleck stehet hier für Schandflecken.


Schandgeboth (W3) [Adelung]


Das Schandgeboth, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein ungewöhnliches niedriges Geboth, welches mit dem Werthe der Sache, auf welche es geschiehet, in keinem Verhältnisse stehet, in einigen Gegenden das Schandboth.


Schandgeld (W3) [Adelung]


Das Schandgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1) Ein durch schändliche Mittel erworbenes Geld. 2) Im gemeinen Leben, ein ungewöhnlich geringes Geld, welches mit dem Werthe der Sache in keinem Verhältnisse stehet.


Schandgemählde (W3) [Adelung]


Das Schandgemählde, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein schändliches Gemählde, welches schändliche Vorstellungen enthält. 2) Ein Gemählde, so fern es jemanden grobe persönliche Unvollkommenheiten andichtet, ein Pasquill in Gestalt eines Gemähldes.


Schandglocke (W3) [Adelung]


Die Schandglocke, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine Glocke, unter deren Läutung ein Verbrecher des Landes verwiesen wird.


Schandhure (W3) [Adelung]


Die Schandhure, plur. die -n, eine öffentliche Hure von der niedrigsten, schändlichen Art.


Schändiren (W3) [Adelung]


Schändiren, verb. reg. neutr. S. Schänden 2.


Schandkauf (W3) [Adelung]


Der Schandkauf, des -es, plur. die -käufe, im gemeinen Leben, ein Kauf für einen ungewöhnlich niedrigen Preis, dessen sich so wohl der Käufer, als der Verkäufer zu schämen hat.


Schändlich (W3) [Adelung]


Schändlich, -er, -ste, adj. et adv. von dem Hauptworte Schande 5, und der Ableitungssylbe -lich. 1. Verunstaltet, durch Verletzung seiner Gestalt nach verderbt; in welcher Bedeutung es doch nur im gemeinen Leben üblich ist. Ein schändliches Gesicht, ein verunstaltetes. Schändlich aussehen. schändlich verstöret werden, Dan. 2, 5. 2. Figürlich. 1) * So fern Schande ehedem mit Scham gleichbedeutend war, ist schändlich, beschämt; in welchem Verstande es doch nur noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Wie schändlich hängen sie die Köpfe, Jer. 48, 39. 2) Mit Schande, d. i. Unehre in der bürgerlichen Gesellschaft, verbunden, Schande und Unehre habend. Ein schändlicher Mensch. Eine schändliche Lebensart. Noch mehr, 3) Schande bringend; schandbar. Eine schändliche Hantirung. Schändlich leben. Schändliche Gewohnheiten. Ein Verleumder ist schändlicher als ein Dieb, Sir. 5, 17. Ein schändlicher Tod. Da es denn im weitern Verstande im gemeinen Leben häufig von allem gebraucht wird, dessen man sich zu schämen hat. 4) In der engsten Bedeutung ist schändlich, im hohen Grade wider die Ehrbarkeit und den Wohlstand laufend. Schändliche Reden führen. Sich schändlich betragen. Ein schändlicher Mensch. Schon bey dem Willeram scantlih.


Schändlichkeit (W3) [Adelung]


Die Schändlichkeit, plur. die -en. 1) Die Eigenschaft eines Dinges, da es schändlich ist; ohne Plural. Da wo die Schändlichkeit In menschlicher Gestalt jetzt herrscht, Weiße. 2) Schändliche Handlungen, Worte u. s. f.


Schandlüge (W3) [Adelung]


Die Schandlüge, plur. die -n, eine grobe, schändliche Lüge, deren man sich im hohen Grade zu schämen hat.


Schandmahl (W3) [Adelung]


Das Schandmahl, des -es, plur. die -mähler, ein jemanden zur Schande, zur öffentlichen Beschimpfung verursachtes Mahl, dergleichen z. B. Brandmarken sind.


Schandmaul (W3) [Adelung]


Das Schandmaul, des -es, plur. die -mäuler, im gemeinen Leben, ein schändliches Maul, d. i. die Fertigkeit, so wohl an und für sich schändliche Sachen zu reden, als auch andere auf eine grobe Art mit Worten zu verunglimpfen. Ein Schandmaul haben. Ingleichen eine mit dieser Fertigkeit begabte Person.


Schandpfahl (W3) [Adelung]


Der Schandpfahl, des -es, plur. die -pfähle. 1) Ein Pfahl, an welchem die Verbrecher zur öffentlichen Beschimpfung ausgestellet werden; der Pranger, das Halsreifen, die Schandsäule. 2) Ein zu jemandes Schande errichteter Pfahl; die Schandsäule.


Schandsack (W3) [Adelung]


Der Schandsack, des -es, plur. die -säcke, im gemeinen Leben, eine im höchsten Grade schändliche oder unzüchtige Weibesperson. Ein Biederweib im Angesicht, ein Schandsack in der Haut Ist manche, Logau.


Schandsäule (W3) [Adelung]


Die Schandsäule, plur. die -n, S. Schandpfahl.


Schandschrift (W3) [Adelung]


Die Schandschrift, plur. die -en. 1) Eine schändliche, ihren Verfasser schändende, der Schande werthe Schrift. 2) Eine Schrift, welche darauf abzielet jemanden grobe persönliche Unvollkommenheit anzudichten; ein Pasquill, eine Schmähschrift.


Schandstein (W3) [Adelung]


Der Schandstein, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, zwey in Form einer Flasche ausgehauene Steine, welche gewisse Verbrecher ehedem auf eine gewisse Zeit, oder in eine gewisse Entfernung zur öffentlichen Schande tragen mußten, die auch Lastersteine genannt wurden. An manchen Orten wird denen, welche am Pranger stehen, auch noch ein solcher Schandstein angehänget; daher dieses Wort auch zuweilen für den Pranger selbst gebraucht wird.


Schandthat (W3) [Adelung]


Die Schandthat, plur. die -en, eine schändliche That, eine That, welche den, der sie begehet, der öffentlichen Unehre aussetzet.


Schank (W3) [Adelung]


Der Schank, des -es, plur. inus. von dem Zeitworte schenken, im Kleinen verkaufen, der Verkauf im Kleinen, und das Recht, gewisse Waaren im Kleinen verkaufen zu dürfen; wo es doch nur in denjenigen Fällen üblich ist, in welchen das Zeitwort schenken gebraucht wird. Der Bierschrank, der Weinschrank, der Salzschrank, der öffentliche Verkauf des Bieres, Weines oder Salzes im Kleinen, und das Recht sie verkaufen zu dürfen. Das Oberdeutsche Schrank, ein Schrank, gehöret zu einem andern, aber verwandten Stamme.


Schanzgräber (W3) [Adelung]


Der Schanzgräber, des -s, plur. ut nom. sing. im Festungsbaue und Kriegswesen, diejenigen Arbeiter, welche Schanzen im weitesten Verstande, d. i. alle zur Vertheidigung gehörigen Werke, graben; ehedem die Schanzer.


Schanzkleid (W3) [Adelung]


Das Schanzkleid, des -es, plur. die -er, auf den Kriegsschiffen, eine grobe Leinwand, welche vermittelst aufgerichteter Hölzer im Gefechte um ein Kriegsschiff gezogen wird, theils die kleinen Kugeln abzuhalten, theils auch dem Feinde die Arbeiten auf dem Schiffe zu verbergen. (Siehe Schanze 2.) Oft bedienet man sich statt der Leinwand in eben dieser Absicht auch der Schanzkörbe.


Schanzkorb (W3) [Adelung]


Der Schanzkorb, des -es, plur. die -körbe, im Kriegswesen, ein geflochtener und mit Erde gefüllter Korb, die Soldaten und Arbeiter dadurch vor dem groben Geschütze des Feindes zu bedecken. Entweder von Schanze, so fern es noch am Niederrhein ein Reisbündel bedeutet, oder auch von Schanze, Bedeckung, oder endlich auch von schanzen, graben, weil ein solcher Korb so wohl mit ausgegrabener Erde gefüttert wird, als auch zur Bedeckung der Schanzgräber dienet. In Niederdeutschland werden auch die mit Erde gefüllten Körbe, womit man den Bruch in einem Deiche oder Damme ausfüllet, Schanzkörbe genannt.


Schanzzeug (W3) [Adelung]


Das Schanzzeug, des -es, plur. car. alles zum Schanzen, d. i. Graben der Vertheidigungswerke, im Kriege gehörige Zeug oder Geräth.


Schapel (W3) [Adelung]


* Der Schapel, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches ehedem unter andern auch einen Kranz bedeutete. Mir ist von strowe ein Schapel und mien vrier muot Lieber danne ein rosenkranz, so ich bin behuot, Burkh. von Hohenfels. Ein Schapel ist bald gemacht, wenn man die Blumen beysammen hat, Kaisersb. bey dem Frisch. Auch der Rosenkranz führete ehedem diesen Nahmen, und im Französ. heißt er noch Chapelet. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe -el, ein Subject, ein Ding, ingleichen ein Werkzeug. Die erste Sylbe, auf welche es hier allein ankommt, gehöret zu dem Zeitworte schaffen, und kann wegen des weiten Umfangs der Bedeutungen desselben, eine Bewegung in die Ründe, in die Tiefe, und figürlich auch eine Bedeckung bedeuten, daher so wohl das Ital. Capello, ein Hut, als auch unser Schaube, u. a. m. damit verwandt sind. S. auch Scapulier.


Schapelschnabel (W3) [Adelung]


Der Schapelschnabel, des -s, plur. die -schnäbel, eine Art Wasservögel oder Patschfüße, welche zu den Platten des Klein gehöret, und den Nahmen von ihrem krummen, einer umgekehrten Sichel oder einem kurzen Säbel ähnlichen Schnabel hat; Plotus recurviroster Klein. von Schapel, ein krummes Ding. Da aber dieser Nahme in einigen Gegenden Schabbelschnabel lautet, so kann derselbe auch von Säbel abstammen, und Säbelschnabel bedeuten.


Schaquerille (W3) [Adelung]


Die Schaquerille, S. Cascaville.


Schar (W3) [Adelung]


1. Schar, ein uraltes Stammwort, welches unter den gewöhnlichen Veränderungen und mit den gewöhnlichen Endlauten "scharb", "scherb", "schirm", "schart", "schurz" u. s. f. im Deutschen und den verwandten Sprachen in tausend Fällen vorkommt, daher hier etwas davon überhaupt gesagt werden muß, damit man die Verbindung so vieler, dem Anscheine nach sehr verschiedener Bedeutungen, desto besser übersehen könne. Ich setze dabey "s", "sch" und "z" als gleichbedeutend voraus, obgleich das sch wegen seines vollen Zischers oft eine Intension bezeichnet, welche das "z" in einem noch höhern Grade ausdruckt. "Schar" ist, wie alle Stammwörter, ursprünglich die Nachahmung eines Lautes, welcher Laut mit vielen Arten von Veränderungen verbunden ist. Bey dem Notker ist ohne Zischlaut "Char" der Ruf, das Geschrey. "Sirmen", "surmen", sind noch im gemeinen Leben Nachahmungen einer Art eines Murmelns und Summens, wie das Lat. "susurrare". Im Schwed. ist "Sorl" das Getöse, und die "Sirenen" der Alten hatten vermuthlich von ihrem Singen den Nahmen. Aus dem Lat. "Sermo", und "serere" in "disserere", "asserere" u. s. f. erhellet, daß es auch die menschliche "Rede", die "Sprache", bedeutet habe. Unser "zirpen", das Latein. "sorbere", das Intensivum "scharren", die "Scharbe" oder "Schärbe", ein gewisser Vogel, u. a. m. beziehen sich alle auf den eigenthümlichen Laut. Nach einer sehr gewöhnlichen Figur bezeichnet es gewisse, mit diesem Laute verbundene Veränderungen und Bewegungen, welche denn von sehr vielfacher Art sind.

1. In Ansehung der Geschwindigkeit oder des Grades der Stärke.

1) Gewisse schnelle oder heftige Bewegungen und Veränderungen. Daher die im gemeinen Leben üblicher "schergen", "schürgen", "antreiben", "forttreiben", (siehe "Scherge"; "schüren", "scheren", "vexare", "sehr", "schier" u. s. f.) Im Schwed. ist "surra" "herum treiben", und "serda", "coire". Das Lat. "servire" beziehet sich vermuthlich zunächst auf mühsame Handarbeit, mit unser "Scharwerk". In der Monseeischen Glosse ist "Scara" "Frohne". Im Mecklenburgischen bedeutet "scharwachen" "sich schlaflos im Beete herum wälzen". Besonders gehöret hierher der Begriff des "Gehens", "Wanderns", "Reisens". Im Hebr. ist ohne Zischlaut - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - "wandern", wohin auch unser niedriges "sich fortscheren", "sich herscheren", "sich hinscheren", und das Lat. "serere" in "deserere" gehöret. Besonders des "Reißens", "Theilens", "Schneidens", "Grabens" u. s. f. eine in allen Sprachen sehr häufige und fruchtbare Bedeutung. Es gehöret dahin unser "Saraß", "versehen", "Schere", "scheren", "Scharbe", "scharben", "schürfen", "Scharte", "Scherbe", "ein zerbrochenes Stück", zerren, Sarter, Zerter, die Schwed. "skada", "verletzen", "Skara", "eine Kerbe", "Skänf", "ein Stückchen", "Scherf", die Französ. "dechirer", "Serpe" u. s. f. die Lat. "Scarabaeus", von dem "Scharben" oder Nagen, wie "Käfer" von "kauen", "Kiefer"; "Serra", eine "Säge", "sarpere", "schneiteln", "sarrire", "ausreißen", Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, "schneiden"; das Oberdeutsche "Schar", ein Maulwurf, Latein. "Sorex", Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Schwed. "Sork", Wend. Kart; das Scheren oder Theilen der Weber, "Schar", ein Theil in "Heimschar" und "Überschar", vermuthlich auch das Latein. "Sors", unser "Sorte", und hundert andere mehr. Das Licht in allen Sprachen und in allen Fällen eine Figur der schnellen Bewegung. Daher das Niedersächs. "schier", "hell", Schwed. "skär", das Lat. "serenus", unser "Zier", das Französ. "Charbon", Kohle, eigentlich glühende Kohle, "Sirius", der Hundsstern, wegen seines hellen Lichtes, vielleicht auch die erste Sylbe von "Scharlach" u. a. m. Eine andere eben so gewöhnliche Figur ist die Bedeutung der unangenehmen Empfindung; daher unser "sauer", so fern man es als eine Erweiterung von "saur" ansiehet, das veraltete "Sehr", "Seer", der "Schmerz", unser "Sorge", das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, brennen, u. s. f.
2) Gewisse langsame Bewegungen. Besonders des Kriechens; daher das Lat. "serpere", "kriechen", "Siro", eine "Filzlaus", "serus", "langsam", wovon vielleicht vermittelst einer neuen Figur "serius", "ernsthaft", ist.

2. In Ansehung der Leichtigkeit der Bewegung, wo es in manchen Fällen ein Ausdruck der Flüssigkeit ist; wie das Lat. Serum, vielleicht auch das alte "Schor", "Hor", "Gohr", "Koth", Schwed. "Skarn", Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und das Lat. "Sordes". Der Begriff der weichen Beschaffenheit läßt sich als eine Figur der Flüssigkeit ansehen; daher - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , das Fleisch, vielleicht auch "sericus", seiden.

3. In Ansehung der Menge der in Bewegung befindlichen Theile; wo es vornehmlich ein Ausdruck des sirmenden Lautes vieler um und neben einander in Bewegung befindlicher Theile ist. Dahin das Latein. "serere", "säen", ingleichen, "ordnen", "zusammen setzen", unser 2 Schar, und ohne Zischlaut das Hebräische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, "versammeln". Figuren davon sind die Begriffe des "Gewinnens", "Bereinigens" und "Verbindens"; wie "sarcire", "nähen", "sticken", "Soror", die "Schwester", das Schwed. "skära", "gerinnen", vielleicht auch "Sera", ein "Schloß", und "serare", "aufschließen". Ingleichen der Begriff der Masse, wovon die Härte, Schwere, und vielleicht auch die Trockenheit neue Figuren sind. Daher das Schwed. "svar", "schwer", welches aber auch zu der Bedeutung der unangenehmen Empfindung gehören kann, "Skara", "harter, fest gefrorner Schnee", das Nieders. "sor", "trocken", Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - "trocknen".

4. In Ansehung der Richtung der Bewegung oder Ausdehnung.
1) In die Länge; wie "Series", eine "Reihe", "Sarmentum", die "Rede", "Surus", ein "Pfahl", "Sorex", die "Spitzmaus", "Scirpus", die "Binse", das veraltete "Serle", ein "langer Balken".
2) In die Höhe. im mittlern Lat. ist "Essarum" ein "Damm", im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - "aufgehen", im Schwed. ein "Felsen"; wo aber auch die Bedeutung der Masse, ingleichen der senkrechten Richtung mit eintritt, wie in dem veralteten "scharf", für "schroff". Eine Figur davon ist das in so vielen Sprachen übliche "Sir", ein "Herr", Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein "Fürst".
3) In die Länge und Breite, eine Fläche, Gegend zu bezeichnen; wie "Schar" in "Oberschar", siehe dasselbe.
4) In die Ründe; wie "Sertum", ein "Kranz", und unser "Schurz", so fern es auch eine Art des Kranzes ist.
5) In die Tiefe; daher die Benennung eines hohlen Raumes, eines Gefäßes. Wie "Sarg", "Geschirr", "Scherben", ein "Gefäß", das Lat. "Seria", ein "Faß", und "Sarracum", ein "Lastwagen", welches aber auch mit dem Französ. "Charrue" und unserm "Karren" zu der Bedeutung des "Reisens", "Gehens", gehören kann; die "Zarge", der "Scharren", für "Schranne", das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine "Höhle", "Sirus", u. s. f. Die Decke, Bedeckung ist eine gewöhnliche Figur des hohlen Raumes. Ehedem war "Särge" eine "Tapete", Latein. ist "Scortea" eine "lederne Decke", Schwed. "Särk" ein "Weiberhemd", unser "Schürze", "Schaur" oder "Schauer" u. s. f. Nach einer noch weitern Figur gehöret auch "Schirm" hierher. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein "Schild". Und so noch andere Bedeutungen mehr, welche in obige Hauptclassen leicht einzuschalten sind.


Schar (W3) [Adelung]


2. Die Schar, plur. die -n, ein Collectivum, mehrere bey und neben einander befindliche Dinge Einer Art; wo es doch nur von lebendigen Dingen gebraucht wird. Eine große Schar, eine kleine Schar. Der Herr gibt das Wort mit großen Scharen Evangelisten, Ps. 68, 12. Sie, die Würmchen, fliegen zu Scharen empor, Geßn. Bey den Jägern sind Schar, Trupp und Rudel gleichbedeutende Wörter. Die Schar der Musen, die Musenschar, bey den Dichtern. Gemeiniglich schleicht sich bey diesem Worte der Begriff der Menge, der Vielheit mit ein; allein für Zahl oder Menge überhaupt, wie Apostg. 1, 15: die Schar der nahmen war bey hundert und zwanzig., ist es im Hochdeutschen veraltet. In engerer Bedeutung war
1) die Schar ehedem, ein Haufe Soldaten von einer bestimmten Anzahl. Die Kinder Israel sollen sich lagern, ein jeder bey das Panier seiner Schar, 4 Mos. 1, 52. Notker nennt eine Legion Scara. Gott- sched that den Vorschlag, ein Regiment im Deutschen eine Schar, und das Battallion eine halbe Schar zu nennen. Ehedem wurde es aber
2) auch von kleinen Haufen Soldaten, Wächtern u. s. f. gebraucht. Luc. 22, 47 nahm die Schar Christum gefangen, wo es bloß einen abgeordneten Haufen bedeutet, ( S. Scharwache.) In beyden Fällen ist es heut zu Tage veraltet.

Anm. Bey dem Ottfried Skara, im Schwed. "Skare", im Ital. "Sciera". Es druckt das Geräusch aus welches mehrere bey und neben einander befindliche Dinge machen, welche Bedeutung auch im Lat. "serere", "säen", zum Grunde lieget. (Siehe 1 Schar und Scharen.) Ohne Zischlaut gehöret auch unser Heer, die letzte Hälfte des Lat. "Cohors" und das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - hierher. Gemeiniglich schreibt man dieses Wort "Schaar". Allein die Verdoppelung des Selbstlautes ist das unschicklichste Mittel, welches man nur hat, einen langen Selbstlaut zu bezeichnen, und da man viele der folgenden Verwandten dieses Worte von je her nur mit einem "a" geschrieben, so ist dasselbe auch hier hinreichend.


Schar (W3) [Adelung]


3. Die Schar, plur. die -en, von "Schar", ein "schneidendes Werkzeug", und "scheren", "schneiden".

1) Ein breites, vorn spitzig zulaufendes Eisen, welches die Gestalt einer umgekehrten 4 hat, und das vornehmste Stück am einem Pfluge ist, indem es die Furche von unten aus los schneidet und sie aufhebet, die "Pflugschar", und wenn sie sich am einem Haken befindet, die "Hakenschar"; zum Unterschiede von dem "Seche", welches sie auf der Seite abschneidet.

2) Im Bergbaue wird der Einschnitt an einem Schacht- oder Tragestämpel die "Schar" genannt.

Anm. In beyden Fällen ist die Bedeutung des Schneidens die herrschende, ( S. 1 Schar.) Dem Ital. Curetta, die Pflugschar, fehlet nur der Zischlaut. Auch das Lat. Securis scheinet hierher zu gehören. Daß der Maulwurf wegen seines Wühlens noch in einigen Gegenden Schar genannt werde, ist schon oben bemerket werden. Am Ober-Rheine wird das Wort Schar noch in einer andern Bedeutung gebraucht, welche gleichfalls hierher zu gehören scheinet. So heißt es z. B. in einer Nassauischen Verordnung: Einem jeden soll vergönnet seyn, die Schar und Abnutzung der besamten Äcker mit der Sensen einzusammeln, und nach eingebrachter Schaar dieselbe offen liegen zu lassen; wo es das abgeschnittene oder abzuschneidende Getreide zu bezeichnen scheinet.


Scharbe (W3) [Adelung]


1. Die Scharbe, plur. die -n, ein nur im Bergbaue in dem zusammen gesetzten Korbscharbe übliches Wort, einen der starken, senkrechten Stäbe zu bezeichnen, aus welchen der Korb am Göpel, bestehet. Die erste Hälfte gehöret vermuthlich zu Schar, so fern die Ausdehnung in die Länge der herrschende Begriff daselbst ist. ( S. 1 Schar.) Das Lat. Scirpus leidet eben dieselbe Ableitung.


Schärben (W3) [Adelung]


Schärben, verb. reg. act. mehrere zusammen gefaßte Dinge in schmale, lange Stückchen zerschneiden. Petersilie, Kohl u. s. f. werden in den Küchen geschärbet. Nieders. scharven, Holländ. scherven. Es ist hier eine unmittelbare Nachahmung des mit dieser Art des Schneidens verbundenen Lautes, und ist mit kerben, dem nur der Zischlaut mangelt, genau verwandt. Im Angels. ist scearpan schneiden, im lat. sarpere beschneiteln, im Franz. echarper zersetzen, und Sarpe, Serpe, ein Schnittmesser, Slavon. Sirp. S. 1 Schar und Scheren.


Scharbock (W3) [Adelung]


Der Scharbock, des -es, plur. inus. 1) Der Nahme einer Krankheit, welche aus sehr verderbten, besonders salzigen, Säften des menschlichen Leibes entstehet, und sich durch vielerley sonderbare Wirkungen und unter andern auch durch scharfe, salzige Ausschläge äußert; Scorbutus, der Scorbut. 2) Eine Art des Hahnenfußes, welche wegen ihres scharfen und bittern Geschmackes ein Heilmittel des Scharbockes ist, Ranunculus Ficaria L. wird figürlich gleichfalls Scharbock genannt. In andern Gegenden heißt es Feigwarzenkraut.

Anm. Da die Einwohner der Seeküsten, wegen der salzigen Seeluft, und die Seefahrer, wegen der vielen salzigen Speisen, dieser Krankheit am häufigsten und schrecklichsten ausgesetzet sind, so ist dieses Wort auch aus den nördlichen Gegenden zu uns gekommen, und die ältesten Beyspiele, welche Frisch in dem inländischen Deutschlande gefunden, sind aus dem 15ten Jahrhunderte. Im Niedersächs. heißt diese Krankheit Schärbuk, im Holländ. Scheurbuik, im Schwed. Skörbjugg, im Engl. Scurvy, woraus denn auch das neuere Lat. Scorbutus gemacht worden. Man hat von diesem Worte mehrere Ableitungen. Wachter leitet es von Schärfe her, weil die Schärfe des Geblütes die wirkende Ursache dieser Krankheit ist, andere von Schorf, der Rinde eines Ausschlages, Engl. Scurf, wovon im Englischen auch scurvy räudig, ist. Frisch, Ihre und andere leiten es aus dem Holländ. her, von scheuern und Bauch, Holländ. Buik, und erklären es durch eine Krankheit, wobey besonders der Unterleib leidet. Diese Ableitung wird dadurch bestätiget, daß die Holländer diese Krankheit, wenn sie sich vornehmlich im Munde äußert, und eine Art der Mundsäule ist, Scheuermond, und wenn sie von andern Theilen die Beine angreift, Scheurbeen nennen. Indessen kann die letzte Hälfte auch aus der Ableitungssylbe -ig oder -icht verderbt seyn.


Scharbocksklee (W3) [Adelung]


Der Scharbocksklee, des -s, plur. inus. S. Fieberklee.


Scharbockskraut (W3) [Adelung]


Das Scharbockskraut, des -es, plur. die -kräuter, ein jedes Kraut, welches wegen seiner Bitterkeit ein gutes Heilmittel wider den Scharbock ist. Besonders, und ohne Plural, führet das Löffelkraut in einigen Gegenden diesen Nahmen, welches in andern auch wohl Scharbocksheil genannt wird.


Scharde (W3) [Adelung]


Die Scharde, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme einer Art Schollen, mit scharfen Seitenlinien und kleinen Stacheln an den Wurzeln der Finnen, welche vermuthlich auch zu der Benennung Anlaß gegeben. Im Nieders. heißt dieser Fisch Flünder; Pleuronectes Flesus L. Passer sordidi coloris Klein. Siehe 1 Schar und Scharbe.


Schäre (W3) [Adelung]


Die Schäre, eine Klippe in der See, S. 1 Schere.


Scharen (W3) [Adelung]


Scharen, verb. reg. act. versammeln, sich scharen, sich versammeln, zusammen kommen. Die gedanke min si luket Die vliegent zuo zir geschart, Burkhard v. Hohenfels Do sich die unerforchten Heden paidenthalben geschart, Hornegk. d. i. versammelt. Tho seareten sich thie haithene, in dem alten Fragmente auf Carln des Großen, bey dem Schilter. Es ist im gemeinen Sprachgebrauche veraltet, und nur noch im Bergbaue üblich, wo sich zwey Gänge scharen, wenn sie sich mit einander vereinigen, und eine Zeit lang in dieser Vereinigung fortgehen. Ein Gang scharet dem andern zu, wenn er sich mit dem andern vereiniget. Daher denn auch diejenigen Gänge, welche sich auf solche Art vereinigen, und besonders die Nebengänge, welche sich mit einem Hauptgange vereinigen, Schargänge genannt werden. S. 1 und 2 Schar.


Scharf (W3) [Adelung]


Scharf, schärfer, schärfeste, adj. et adv. welches vermittelst des Endlautes f von scharen, scheren, abstammet, so fern es ehedem schneiden überhaupt bedeutete. 1. Eigentlich, schneidend; im Gegensatze des stumpf. Ein Messer ist scharf, wenn es gut oder gehörig schneidet. Ein scharfes Messer, ein scharfes Schwert, eine scharfe Art, eine scharfe Sichel u. s. f. Ein scharfer Stein. Scharfe Ecken haben, gleichsam schneidende, im Gegensatze des stumpfen. Ein Messer, eine Art scharf machen, sie schärfen. 2. In weiterer Bedeutung ist scharf oft dem runden entgegen gesetzt. Bey den Mahlern und Bildhauern müssen die Muskeln an männlichen Körpern scharf seyn, dagegen sie an weiblichen Figuren kaum merklich seyn müssen. 3. Figürlich. 1) Auf eine wirklich verletzende Art. Ein Gewehr scharf laden, mit Kugeln, im Gegensatze des blind. Scharf feuern. Ein scharfer Schuß, Scharfschuß. das Scharfrennen, eine ernstliche Art des Turniers mit scharfem Gewehre. Im Kriege gehet es scharf her. 2) Eine beißende Empfindung verursachend. Ein scharfer Wind, ein rauher, schneidender. Ein scharfes Geblüt, welches viele salzige und saure Theilchen hat. Eine scharfe Lauge. Besonders in Ansehung des Geschmackes. Das Bier ist scharf, wenn dessen geistige Stärke eine Art einer schneidenden Empfindung auf der Zunge macht; Nieders. schrell, dergleichen etwas auch die Oberdeutschen durch hantig und räß ausdrucken. Ein scharfer Essig. Der Senf, der Rettig, der Käse ist scharf. 3) Nach einer noch weitern Figur für strenge; im Gegensatze des gelinde. Jemanden in scharfer Zucht halten. Einem scharf seyn. Ein scharfer Vater. Scharf mit jemanden verfahren. Alles auf das schärfste beurtheilen, untersuchen. Etwas auf das schärfste verbiethen. Ein scharfer Befehl. Jemanden scharf anreden, hart, auf eine empfindliche Art. Die scharfe Frage, in den Rechten, die Tortur. Scharf an einander kommen, hitzig. 4) Für genau, enge. Jemanden scharf bewachen. Scharf geschlossen seyn. Eine scharfe Nachfrage halten. Das Gewehr scharf schultern, fest an die Schultern anlegen. 5) Mit genauer Bemerkung aller Umstände und Kleinigkeiten. Besonders von dem Sinne des Gehöres und Gesichtes. Ein scharfes Gehör haben, scharf hören. Scharf sehen, ein scharfes Gesicht haben. ( S. Scharfsichtig.) Du hörst so scharf als sie, Haged. Jemanden scharf ansehen, starr, als wenn man alle Kleinigkeiten in seinem Gesichte beobachten wollte. Haarscharf, im gemeinen Leben, überaus scharf, so daß man auch kein Haar übersiehet. Ingleichen von gewissen Fähigkeiten des Geistes. Ein scharfes Gedächtniß, welches alle Kleinigkeiten fasset und behält. Eine scharfe Beurtheilungskraft, einen scharfen Verstand haben. Scharf auf etwas merken. Scharf denken, alle kleine Umstände an einer Sache überdenken. Bey Leuten, die nicht scharf denken können, thun witzige Blendwerke oft gute Dienste, Gell. 6) Von dem Schalle oder Tone ist scharf zuweilen durchdringend und zugleich hell; Nieders. schrell. Einen scharfen Ton haben. In einem etwas andern Verstande ist in der Sprachkunst ein scharfer Ton, der ungedehnte Ton, mit welchem eine Sylbe zwar kurz aber deutlich und mit merklicher Erhebung der Stimme ausgesprochen wird. So haben die ersten Sylben von machen, sterben, Hölle, einen scharfen, oder geschärften, in leben, stehen, fließen aber einen gedehnten Ton. 7) In manchen Fällen, besonders des gemeinen Lebens, wird es für schnell, und figürlich von einem merklichen Grade der innern Stärke gebraucht. Scharfe Wasser, schnell fließende. Scharf zugeben, scharf zufahren, schnell. Scharf arbeiten. Es gehet hier scharf her. Der Weihrauch dampfte scharf, Günth.

Anm. Bey dem Kero sarf, bey dem Ottfried sarph, bey dem Notker sarf, in dem alten Gedichte auf dem heil. Anno sceirph, im Nieders. scharp, im Angels. scearp, im Engl. sharp, im Holländ. scharp, scherp, wo es auch rauh bedeutet, im Schwed. skarp. Da Dinge, welche trocken sind, sich gemeiniglich scharf anfühlen lassen, so ist skarp im Schwed. auch trocken, wohin auch das Nieders. sor, das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, austrocknen, und ohne Zischlaut das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, austrocknen, gehören. Scharf stammet von 1 Schar her, und kann alle die Bedeutungen haben, deren dieses Wort fähig ist, daher die oben angeführten nicht eben alle Figuren der schneidenden Beschaffenheit seyn dürfen, obgleich einige es wirklich sind. Ehedem wurde es auch für schroff, jäh, steil, gebraucht, in welchem Verstande es noch im Theuerdanke vorkommt. Opitzens schärflich für scharf, etwas schärflich gebiethen, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Schärfe (W3) [Adelung]


Die Schärfe, plur. die -n, von dem vorigen Beyworte. 1. Als ein Abstractum, und ohne Plural, die Eigenschaft, der Zustand eines Dinges, da es scharf ist, in allen Bedeutungen des Beywortes. Die Schärfe eines Messers, eines Schwertes, des Geblütes, des Essiges, des Meerrettiges, des Gesichtes, des Verstandes, des Gesetzes, eines Vaters u. s. f. Die Schärfe des Richters, wenn er alle Umstände auf das genaueste untersucht, und die Strafe darnach bestimmt, ohne etwas zu übersehen oder nachzulassen. Die Schärfe des Nachdruckes, des Verstandes, da man alle Kleinigkeiten an einer Sache und ihr Verhältniß gegen das Ganze gewahr wird. Bey dem Willeram Scarfe, bey dem Ottfried mit einem andern Endlaute Sarphida. In mehr eigentlichem Verstande ist bey den Müllern die Schärfe die Art und Weise, die Mühlsteine zu schärfen. Die Märkische Schärfe, die Art, die Mühlsteine mit Hauschlägen zu schärfen. 2. Als ein Concretum. 1) Der scharfe, schneidende Theil eines Dinges. Jemanden mit der Schärfe schlagen, des Degens, im Gegensatze der Fläche. In die Schärfe fallen, des Messers. Sich an der Schärfe eines Pfeilers stoßen, an der scharfen Ecke. 2) Ein scharfes Verfahren, die Strenge. Schärfe gebrauchen, Schärfe anwenden. Einen Missethäter mit der Schärfe angreifen, mit der Tortur. 3) Eine scharfe, ätzende Flüssigkeit. Die Schärfe im Geblüte, verdorbene, salzige oder saure Theile.


Schärfen (W3) [Adelung]


1. Schärfen, verb. reg. act. welches nicht so wohl von scharf, als vielmehr mit demselben und mit schärben von 1 Schar abstammet, und schneiden bedeutet, aber nur in einigen Fällen üblich ist. Die Jäger gebrauchen dieses Wort und dessen Zusammensetzung abschärfen, aufschärfen u. s. f. durchgehends für schneiden, und es würde ein Fehler wider die weidemännische Sprache seyn, dieses letztere Zeitwort zu gebrauchen. Bey den Buchbindern wird das Leder geschärfet oder abgeschärfet, wenn es auf dem Schärfsteine am Rande dünner geschnitten oder vielmehr geschärbet wird. In einigen Gegenden schärfet man sich an etwas, schärfet man sich die Haut auf, wenn man sich ritzet, wund stößet, daran schneidet u. s. f. Wo es denn auch wohl für streifen ohne Verletzung gebraucht wird. Mit der Hand ein wenig die Mauer anschärfen. S. auch das Schärfen.


Schärfen (W3) [Adelung]


2. Schärfen, verb. reg. act. welches unmittelbar von scharf abstammet, scharf oder schärfer machen. 1) Eigentlich, wo es in der anständigen Sprechart als ein allgemeiner Ausdruck für die gemeinern scharf machen und wetzen u. s. f. gebraucht wird. Ein Messer schärfen, wetzen. Die Art, ein Beil zu schärfen. Die Sensen und Sicheln schärfen, so fern es durch Hämmern geschiehet, dängeln, und in Niedersachsen Haaren genannt wird, welches letztere gleichfalls mit schärfen verwandt ist. Einen Mühlstein schärfen, bey den Müllern, scharfe Fugen in denselben hauen. Einem Pferde die Hufeisen schärfen, auch wohl ein Pferd schärfen, die Stollen schärfen und spitziger machen, damit es auf dem Eise nicht ausgleite. In manchen Fällen wird es auch für spitzen gebraucht, obgleich scharf für spitzig im Hochdeutschen nicht üblich ist. Die Bohnenstangen schärfen, sie zuspitzen. 2) Ingleichen in verschiedenen figürlichen Bedeutungen. Eine Strafe schärfen, sie schärfer, empfindlicher machen. Einen Befehl schärfen, ihn mit mehrerm Nachdruck mit drohenden Clauseln ertheilen. Einem etwas schärfen, es ihm scharf, mit Nachdruck anbefehlen, oder auch nur empfehlen. Du sollst die Worte, die ich dir heute gebiethe, deinen Kindern schärfen, 5 Mos. 6, 7; wofür doch jetzt im Hochdeutschen einschärfen üblicher ist. Einen Beweis schärfen, ihn bündiger machen, ihn auf alle einzelne Umstände der zu beweisenden Sache ausdehnen. Das Gesicht, das Gehör, die Aufmerksamkeit schärfen, sie schärfer machen, auf alle einzelne Merkmahle eines Dinges erstrecken. Seine Einsicht, seinen Verstand schärfen. Viel denken schärft den Sinn, Opitz. Da es denn zuweilen auch von der Erhöhung des Grades der innern Stärke gebraucht wird. Ihr schadenfrohes Gelächter schärfte den Schmerz, den ich empfand. Mit der Empfindlichkeit für das Schöne schärft sich auch Ekel und Widerwillen vor allem Schlechten. Eine Sylbe schärfen, in der Sprachlehre, sie mit einem scharfen, oder geschärften Tone aussprechen; im Gegensatze des Dehnens. So auch das Schärfen und die Schärfung. Im Niedersächs. scharpen, im Angels. scearpan, im Schwed. skärpa.


Schärfhobel (W3) [Adelung]


Der Schärfhobel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Tischlern, ein Hobel mit einem etwas bogenförmigen Eisen, welches tiefer in das Holz eingreifet, und die rauhe Fläche des Holzes für den Schlichthobel zubereitet; in andern Gegenden der Schrothobel, Schrupphobel.


Schärfkammer (W3) [Adelung]


Die Schärfkammer, plur. die -n, auf den Papiermühlen, diejenige Kammer, wo das fertige und gebundene Papier beraspelt wird; Holländ. Scherpkammer.


Scharfkraut (W3) [Adelung]


Das Scharfkraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche auf den fetten Europäischen Rainen wächst; Asperugo L. in einigen Gegenden auch Frauenkrieg.


Scharfrichter (W3) [Adelung]


Der Scharfrichter, des -s, plur. ut nom. sing. dessen Gattian, die Scharfrichterinn, der Nachrichter, welcher die zuerkannten Leib- und Lebensstrafen an den Verbrechern vollziehet, weil er scharf, d. i. an Leib und Leben richtet; eine Benennung, welche vermuthlich noch aus denjenigen Zeiten herstammet, da noch der jüngste Richter oder Beysitzer eines Gerichtes die Todesurtheile an den Verbrechern zu vollziehen pflegte. Schwed. Skarprättare. In einem andern Verstande des Wortes scharf heißt in Graubünden der Censor Scharfrichter, dessen Beysitzer oder Gaumer, von dem veralteten Gaum, Sorge, Aussicht.


Scharfschuß (W3) [Adelung]


Der Scharfschuß, des -sses, plur. die -schüsse, ein scharfer, d. i. mit einer Kugel geladener, Schuß.


Scharfschütze (W3) [Adelung]


Der Scharfschütze, des -n, plur. die -n, ein Schütze, welcher scharf schießet. 1) Ein Schütze, zuweilen auch ein Jäger, welcher nur allein mit gezogenem Gewehr schießet, und daher in allen Fällen schärfer oder genauer trifft, als ein anderer. Die Scheidenschützen sind gleichfalls solche Scharfschützen. 2) Ein Schütze, oder Jäger, welcher ein Wild so wohl im Fluge als im Laufe trifft. 3) Auch ein Gränzjäger, welcher alles über die Gränze tretende Wild wegschießen darf.


Scharfsichtig (W3) [Adelung]


Scharfsichtig, -er, -ste, adj. et adv. von dem für sich allein veralteten sichtig, sehend, scharf sehend, so wohl eigentlich, alle Merkmahle an einem Dinge deutlich erkennend, als auch und noch mehr figürlich, von dem Verstande, Fertigkeit besitzend, die einzelnen Merkmahle an einer Sache mit Deutlichkeit und Richtigkeit zu erkennen und zu unterscheiden, und darin gegründet.


Scharfsichtigkeit (W3) [Adelung]


Die Scharfsichtigkeit, plur. sing. am häufigsten im figürlichen Verstande, die Fertigkeit, auch die kleinsten Umstände, die geringsten Merkmahle an einer Sache deutlich und richtig zu erkennen.


Scharfsinn (W3) [Adelung]


Der Scharfsinn, des -es, plur. car. 1) * Eigentlich, ein scharfer Sinn, in welchem jetzt ungewöhnlichen Verstande ein scharfes Gesicht, ein scharfes Gehör u. s. f. ein Scharfsinn seyn würde. Man gebraucht es 2) nur im figürlichen Verstande, und da ist Scharfsinn die Eigenschaft des Verstandes, die verbogenen Unterschiede der Dinge oder Verschiedenheiten an einem Dinge zu erkennen und zu entdecken, da es denn zuweilen auch für Scharfsinnigkeit, d. i. die Fertigkeit dieser Eigenschaft, gebraucht wird. Der Scharfsinn ist in diesem Verstande eigentlich eine Art der Scharfsichtigkeit. Indessen wird doch diese mehr von den Merkmahlen eines Dinges überhaupt, jener aber mehr von den Unterschieden mehrerer Dinge gebraucht.


Scharfsinnig (W3) [Adelung]


Scharfsinnig, -er, -ste, adj. et adv. Scharfsinn habend und darin gegründet. Es ist mancher scharfsinnig und doch ein Schalk, Sir. 19, 22; wo es in der veralteten Bedeutung für verständig überhaupt stehet.


Scharfsinnigkeit (W3) [Adelung]


Die Scharfsinnigkeit, plur. inus. der Scharfsinn, als eine Fertigkeit betrachtet.


Scharfstein (W3) [Adelung]


Der Scharfstein, des -es, plur. die -e, bey den Buchbindern, ein Stein, worauf das Leder geschärfet, d. i. seiner scharfen Ecken beraubt wird. S. 1 Schärfen.


Schargang (W3) [Adelung]


Der Schargang, des -es, plur. die -gänge, im Bergbaue, 1) ein Gang, welcher dem andern zuscharet, d. i. sich mit demselben vereiniget, ( S. Scharen.) 2) Auch diejenigen Gänge, welche nicht gerade nach einer der vier Hauptgegenden, nach Morgen, Mittag, Abend und Mitternacht, sondern nach einer Zwischengegend streichen, werden daselbst Schargänge genannt. Auf dem Harze hingegen führen die Morgengänge diesen Nahmen.


Schärge (W3) [Adelung]


Der Schärge, S. Scherge.


Schärgen (W3) [Adelung]


Schärgen, S. Schergen.


Scharhaufen (W3) [Adelung]


Der Scharhaufen, S. Ameisenhaufen.


Scharkluft (W3) [Adelung]


Die Scharkluft, plur. die -klüfte, im Bergbaue, eine Kluft, welche einer andern zuscharet, sich mit derselben vereiniget. Siehe Scharen.


Scharkramme (W3) [Adelung]


Die Scharkramme, plur. die -n, eine Kramme oder Krampe an dem untern Theile des Pfluges, woran die Pflugschar vermittelst eines eisernes Keiles befestiget ist.


Scharkübe (W3) [Adelung]


Die Scharkübe, S. Scherküse.


Scharlach (W3) [Adelung]


Der Scharlach, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e. 1) Eine Pflanze, ( S. Scharley). 2) Ein hellrothes, feines Tuch, von einer brennenden Röthe, welche sich ein wenig in das Gelbe ziehet, und Carmoisinroth mit etwas Zitronengelb gemischt zu seyn scheinet. Das Weib war bekleidet mit Scharlacken (Scharlach) und Rosinfarb, Offenb. 17, 3. Der Scharlacken, den sie umhaben, wird von den Motten zerfressen werden, Bar. 6, 71. Sich in Scharlach kleiden.

Anm. In der zweyten Bedeutung im Nieders. Scharlaken, im Schwed. Skarlakan, im Ital. Scarlato, im Engl. Scarlet, im Französ. Ecarlate, im Böhm. Ssarlat, im Isländ. Skarlat. Unser Deutsches Scharlach würde sich leicht von Deutschen Stämmen ableiten lassen, indem Laken, Oberdeutsch Lachen, Tuch bedeutet, Schar aber, wie aus mehrern Spuren erhellet, auch durch hell, feuerfarben, erkläret werden kann. Allein es ist wohl wahrscheinlicher, daß dieses Wort Morgenländischen Ursprungs ist, und mit diesem kostbaren Tuche zugleich mit aus den Morgenländern, dem Vaterlande der Künste und der Üppigkeit, zu uns gebracht worden. Im Arabischen heißt der Scharlach Yxquerlat, im Türkischen Iskerlet, im Persischen aber Sagallat; man müßte denn erweisen können, daß die Morgenländer diese Wort von den Europäern entlehnet hätten. Indessen scheinet es eigentlich eine brennend rothe Farbe zu bezeichnen, und im Slavonischen ist escarlyen gleichfalls roth. Voß bemerkt, daß dieses Wort schon 1134 bey dem Matth. Paris. vorkomme. In einer alten, im 15ten Jahrhunderte gedruckten Deutschen Bibel, welche Schelhorn in den Beyträgen zur krit. Historie der Deutschen Sprache S. 1 f. beschreibt stehet für Scharlach allemahl Samatt azwir gedunkt, vielleicht zweymahl eingedunkter oder gefärbter Sammet.


Scharlachbaum (W3) [Adelung]


Der Scharlachbaum, des -es, plur. die -bäume, eine Art des Eichbaumes, mit eyförmigen, ungetheilten, stachelig gezähnten Blättern, welcher in den Morgenländern und dem südlichen Europa einheimisch ist, und auf welchem sich die Scharlachbeeren erzeugen; Quercus coccifera L. Kermesbaum.


Scharlachbeere (W3) [Adelung]


Die Scharlachbeere, plur. die -n, kleine, runde, rothe Beeren, oder vielmehr Nester einer Art Schildläuse, welche sich auf der vorhin gedachten Eiche aufhalten, und mit der unechte Scharlach gefärbet wird; Scharlachkörner, S. Kermes.


Scharlachen (W3) [Adelung]


Scharlachen, adj. von Scharlach. Ein scharlachenes Kleid. Eine scharlachene Weste. In der Deutschen Bibel nach der Niederdeutschen Mundart scharlacken oder vielmehr scharlaken.


Scharlachfarbe (W3) [Adelung]


Die Scharlachfarbe, plur. inus. die dem Scharlach ähnliche hellrothe, ein wenig in das Gelbe spielende Farbe.


Scharlachfieber (W3) [Adelung]


Das Scharlachfieber, des -s, plur. ut nom. sing. ein mit Ausschlägen verbundenes Fieber, besonders der Kinder, wobey der ganze Körper so roth wie ein Scharlach wird; Scarlatina.


Scharlachkehlchen (W3) [Adelung]


Das Scharlachkehlchen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art der Rothkehlchen mit einer scharlachrothen Kehle; Silvia gula Phoenicea Klein.


Scharlachkessel (W3) [Adelung]


Der Scharlachkessel, des -s, plur. ut nom. sing. ein zinnerner Kessel, woraus die Färber den Scharlach färben.


Scharlachkorn (W3) [Adelung]


Das Scharlachkorn, des -es, plur. die -körner, Körner, womit der Scharlach gefärbet wird; welchen Nahmen daher zuweilen die Cochenille und das Johannisblut, am häufigsten aber die Scharlachbeeren führen. S. Kermes.


Scharlachkraut (W3) [Adelung]


Das Scharlachkraut, des -es, plur. inus. eine Art der Salbey, welche in Griechenland und in Apulien wild wächst, und deren Blätter eine andere als grüne Farbe haben; Salvia Horminium L. Gartenscharlach, Römische Salbey; vielleicht weil sie oft eine Scharlachfarbe haben. S. auch Scharley.


Scharlachroth (W3) [Adelung]


Scharlachroth, adj. et adv. roth wie der Scharlach, der rothen Farbe des Scharlaches gleicht; zinnoberroth.


Scharlachröthe (W3) [Adelung]


Die Scharlachröthe, plur. inus. die Röthe des Scharlachs, die hellrothe, ein wenig in das Gelbe spielende Farbe.


Scharlachtaube (W3) [Adelung]


Die Scharlachtaube, plur. die -n, die schönste unter allen Taubenarten, welche sich in Ostindien aufhält, kleiner als unsere Turteltaube ist, und mit den vornehmsten Farben, vornehmlich aber mit der scharlachrothen spielet.


Scharley (W3) [Adelung]


Der Scharley, des -es, plur. inus. ein Nahme verschiedener Pflanzen. 1) Des Scharlachkrautes, oder der Römischen Sal- bey, Salvia Horminium L. welche auch Scharlach, Gartenscharlach genannt wird; vermuthlich wegen der scharlachrothen Blätter. 2) Einer Art des Alantes mit länglichen ungetheilten zotigen Blättern und einem haarigen Stamme, welcher in Österreich wild wächst; Inula Oculus Christi L. Christauge, wilder Scharley. 3) Der Borago, Borago L. 4) In einigen Gegenden auch der Scharte, oder des Schartenkrautes, Serratula L.

Anm. Die Sylbe -ley ist die Ableitungssylbe. In dem letzten Falle gehöret die Sylbe Schar zu scheren, schneiden, theilen, ( S. Scharte.) In dem zweyten und dritten Falle scheinet die haarige Beschaffenheit der Stängel und Blätter der Grund der Benennung zu seyn, indem Haar und Schar nur durch den Zischlaut verschieden sind, S. 1 Schar.


Scharmützel (W3) [Adelung]


1. Das Scharmützel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im Oberdeutschen, besonders in Baiern, Österreich und Böhmen, übliches Wort, eine paplerne Tüte zu bezeichnen. In den Obersächsischen Bergwerken, wo dieses Wort gleichfalls üblich ist, lautet es Scornitzel, in Nürnberg Schnaritzel, in einigen Niedersächs. Gegenden Scharnute. Frisch leitet es seltsam genug von dem Ital. Scaramuccio, ein Pickelhäring, her, weil sich diese zwey zuweilen Halskrägen von Papiertüten machen. Es scheinet Slavonischen Ursprunges zu seyn.


Scharmützel (W3) [Adelung]


2. Das Scharmützel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gefecht unter mehrern als zweyen, wo es besonders im Kriege von Gefechten unter kleinen Hausen üblich ist, welche man noch keine Schlacht oder kein Treffen nennen kann. Unter den leichten Trappen fielen häufige Scharmützel vor, statt des ungewöhnlichen, ein Scharmützel halten, und liefern, wofür im Theuerdanke Kap. 89 das noch ungewöhnlichere Scharmützel pflegen vorkommt.

Anm. Im Oberdeutschen auch ohne die Endsylbe -el, der Scharmutz, in der Schweiz Schalmütz, im Ital. Scaramuccia und Scarmiglia, im Franz. Escarmouche. Wachter leitet es von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Gefecht, her, Frisch von dem Böhm. Ssermir, ein Fechter, Junius und Ihre von dem veralteten Oberdeutschen schirmen, fechten, Franz. escrimer, Ital. scrimare, im Schwed. ehedem skirma, welche doch insgesammt Eines Geschlechtes sind, und vermittelst des Endlautes m von 1 Schar, so fern es der nachahmende Ausdruck einer heftigen Bewegung ist, abstammen. Alsdann wäre die Sylbe -itz aus der Endsylbe -iß verderbt, welche in dem Engl. Skirmiss und Skirmish noch unverändert vorhanden ist. Allein um der Endsylbe -el willen ist es wahrscheinlicher, daß unser Scharmützel aus Schar, ein Haufen, und metzeln zusammen gesetzt ist, und daher ein Gemetzel, ein Gefecht, unter mehrern bedeutet, obgleich andere es auch Schar und mischen erklären, da es denn ein Handgemenge unter mehrern bedeuten würde. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Scharmützel.


Scharmützeln (W3) [Adelung]


Scharmützeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, ein Scharmützel liefern, fechten, von kleinern Haufen. Mit einander scharmützeln. Mit der fremden Endung -iren ist dafür auch scharmutziren üblich.


Scharre (W3) [Adelung]


Die Scharre, plur. die -n, von dem Zeitworte scharren. 1) Ein Werkzeug zum Scharren; das Scharreisen, in einigen Mundarten die Schore, der Schorrer. So ist die Pflugscharre ein kleines scharfes Eisen an einem langen Stiele, die Erde damit von der Pflugschar abzustoßen, welches auch der Reitel heißt. Die Pech- Harz- oder Holzscharre, das Harz damit von den Bäumen zu scharren. Die Rußscharre der Schornsteinfeger u. s. f. 2) Was gescharret wird. Si ist im gemeinen Leben dasjenige, was sich von dem Breye und andern Speisen an die Töpfe anhängt, die Scharre, welche in andern Gegenden das Schwärtchen genannt wird. 3) Die Oberdeutsche Benennung einer Art Krammesvögel, S. Schnarre.


Scharren (W3) [Adelung]


Der Scharren, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, besonders Niederdeutschlandes, der beschränkt Ort in den Städten, wo Brot oder Fleisch verkaufet wird, im Oberdeutschen die Schranne; der Brotscharren, der Fleischscharren, im Hochdeutschen die Brotbank, die Fleischbank, in Oberdeutschland die Brotschranne, die Fleischschranne, in einigen Niederdeutschen Gegenden auch die Schrange. Es scheinet damit auf das Pfahl- oder Gitterwerk gesehen zu seyn, womit dergleichen öffentliche Plätze ehedem versehen waren, und es an einigen Orten noch sind. In den Niederdeutschen Marschländern sind die Scharren breite Pfähle, welche zur Abhaltung des Wassers von den Deichen in die Erde geschlagen werden. S. 1 Schar, besonders so fern es eine Ausdehnung in die Länge bezeichnet.


Scharren (W3) [Adelung]


Scharren, verb. reg. act. et neutr. welches im letzten Falle das Hülfswort haben erfordert, der Form nach das Intensivum von dem veralteten scharen, und eigentlich eine unmittelbare Nachahmung eines gewissen Lautes ist. Im gemeinen Leben ist das Scharren mit dem Halse eine Art des Räusperns. Eine Art Krammesvögel, die wir unter dem nahmen der Schnarre kennen, heißt daher im Oberdeutschen die Scharre. Besonders ahmet es den Laut nach, welcher durch eine heftige Art des Reibens oder Kratzens verursacht wird, da es denn auch diejenigen Handlungen ausdruckt, welche mit diesem Schalle verbunden sind. Mit den Füßen scharren, mit den Fußsohlen auf einem festen, besonders mit Sande bestreuten Boden, stark hin und her fahren, wodurch dieser Laut hervor gebracht wird. Darum daß du mit deinen Händen geklitschet, und mit den Füßen gescharret und - so höhnisch dich gefreuet hast, Ezech. 25, 6. ( S. auch Ausscharren.) Die Hühner scharren mit den Füßen in den Mist. Auch die Pferde scharren, wenn sie mit den Vorderfüßen die Erde aufkratzen. Das Roß tobet und scharret in die Erde, Hiob 39, 24. (Siehe auch Ausscharren, Einscharren, Verscharren.) Das auf dem Tische liegende Geld zusammen scharren, zusammen raffen oder schieben. Figürlich ist Geld zusammen scharren, Geld auf jede nur mögliche Art, ohne Wahl der Mittel, mit ängstlicher Begier zusammen zu bringen suchen. Ingleichen mit gewissen Werkzeugen, wo es eine heftige Art des Reibens, Schabens, oder Kratzens ist. Das Harz von den Bäumen scharren, mit einer Art eines Messers. Die Feuermäuerkehrer scharen den Ruß aus den Schornsteinen. Im Oberdeutschen scharret man auch die Rüben, welche man in Ober- und Niedersachsen schabet. Daher das Scharren.

Anm. Schon bey dem Kero ist skerran auskratzen, und bey dem Ottfried scerran ausreißen, welches aber zunächst zu dem verwandten zerren gehöret. Scheuern, schürfen, schurren, u. a. m. sind gleichfalls damit verwandt, weil sie ähnliche Laute bezeichnen. Im Niederdeutschen ist für scharren schragen üblich, und im Oberdeutschen hat man auch die Hauptwörter Scharrsal und Scharricht, was ab- oder ausgescharret wird. In einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, gehet dieses Zeitwort irregulär. Dieweil du uns so arg mit Drohen angeregt, Durchschorren wir den Sand, Opitz; für durch scharren. Will mit der Aschen mich, wie er, verschorren seyn, ebend. In andern Stellen hat er dagegen richtiger verscharrt und eingescharret. Im Hochdeutschen ist es ohne Ausnahme regulär. Indessen sagt man doch in einigen Gegenden schoren für scharren, S. Scharrende.


Scharrer (W3) [Adelung]


Der Scharrer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige welcher scharret, besonders in den zusammen gesetzten Harzscharrer oder Pechscharrer, wofür auch nur Scharrer, Harzer und Pecher üblich sind. S. Harzscharrer.


Scharrerde (W3) [Adelung]


Die Scharrerde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, Erde, welche auf den Wegen und Straßen zusammen gescharrte, und als Dünger gebraucht wird; in einigen Gegenden Schurerde, Schorerde, von dem provinziellen schoren, für scharren.


Schar-Riegel (W3) [Adelung]


Der Schar-Riegel, des -s, plur. ut nom. sing. von Schar, Pflugschar, an einem Pfluge, einem Stückchen Eisen, welches in den Bolzen gesteckt wird, die Pflugschar zu halten.


Scharstock (W3) [Adelung]


Der Scharstock, des -es, plur. die -stöcke, auf einigen Flußschiffen, Hölzer, welche unten zur Befestigung des Mastes dienen, denselben einschließen, und nach dessen Ründung ausgeschnitten sind. Ohne Zweifel von Schar, Aushöhlung, oder auch Verbindung. S. 1 Schar.


Scharte (W3) [Adelung]


Die Scharte, plur. die -n, ein vermittelst des verstärkenden Endlautes t von 1 Schar, und dem daselbst zum Grunde liegenden Zeitworte scharen, abstammendes Wort, welches daher auch aller dort bemerkten Bedeutungen fähig ist. Im Hochdeutschen kommen davon noch folgende vor. 1. Mit dem Begriffe des hohlen Raumes, eines Gefäßes, ist die Scharte oder Schar, in einigen Gegenden, selbst Obersachsens, ein großer runder küpferner Tiegel auf Füßen, mit einer küpfernen einschließenden Decke, welche eben mit glühenden Kohlen beleget wird, Pasteten darin zu backen, oder andere Speisen darin zuzurichten. In einem von dem Frisch angeführten alten Vocabulario von 1482 ist Schart eine jede Pfanne. 2. Mit dem Begriffe des Schneidens, Brechens, Theilens u. s. f. der sich auf eine unmittelbare Onomatopöie gründet, ist die Scharte, 1) * Ein abgebrochenes, abgeschnittenes, abgesprungenes Stück, ein Span, Splitter, ein Stück; eine noch in den gemeinen Sprecharten, so wohl Ober- als Niederdeutschlandes gangbare, im Hochdeutschen aber unbekannte Bedeutung. So gebraucht Jeroschin Schart für einen Span. ( S. auch Heftscharte.) Im Nieders. ist Schaard in engerer Bedeutung ein Stück eines zerbrochenen Topfes; eine Scherbe, Angels. Sceard, Engl. Shard, Sheard, Sherd. 2) Ein Einschnitt, eine durch Schneiden, Reißen, Brechen u. s. f. verursachte Öffnung. Bey dem Stryker kommt schart für verwundet vor. Im Engl. ist Scar eine Narbe, Franz. Escarre. In den Alemannischen Gesetzen bedeutet Lidiscarti die Verstümmelung eines Gliedes, und Orscarti die Verletzung des Ohres. Das Schwed. skarda bedeutet gleichfalls verletzen, das Isländ. skord vermindern, und unser kurz ist nur durch den Mangel des Zischlautes davon verschieden. Es kommt hier noch in folgenden Fällen vor. (a) In dem zusammen gesetzten Hasenscharte bedeutet es eine angeborene Spalte in der Lippe, dergleichen die Hasen haben, ( S. dieses Wort.) (b) An scharfen schneidenden Werkzeugen ist die Scharte eine fehlerhafte Öffnung an der Schärfe, welche durch ein ausgesprungenes Stück verursacht worden; Niedersächsisch Schaard, Isländisch Skard. Das Messer hat Scharten, bekommt Scharten. Eine Scharte auswetzen, so wohl eigentlich als auch figürlich, einen Fehler wieder gut machen, einen Schaden ersetzen. Du hast kein scharfes Schwert mit Scharten stumpf gemacht, Opitz. (c) Ein Einschnitt in die Oberfläche der Mauern oder Brustwehren, dadurch zu schießen, ist unter dem Nahmen einer Schießscharte bekannt. Schwed. Skard, Franz. Escarre. In den Niederdeutschen Marschländern wird auch die in die Oberfläche eines Deiches oder Dammes eingeschnittene Durchfahrt eine Scharte genannt. Ohne Zischlaut ist im Nieders. Kart eine Kerbe. (d) Eine gewisse Pflanze, wird wegen ihrer zackigen gekerbten Blätter so wohl Scharte, als Schartenkraut, und mit einer andern Endsylbe Scharley genannt; Serratula L. welcher Lateinische Nahme sich auf eben diesen Umstand beziehet, von Serra, eine Säge. Es gibt mehrere Arten derselben, worunter besonders diejenigen diesen Nahmen führet, welche zum Färben gebraucht wird und eine mittelmäßige gelbe Farbe gibt; Serratula tinctoria L. Färberscharte. Im Nieders. heißt sie nur Schar.

Anm. ( S. 1 Schar.) Das a wird im Hochdeutschen in diesem Worte gemeiniglich gedehnt ausgesprochen, andere Mundarten brechen es kurz ab. Aber es, wenn Scharte die Lücke in einer Schneide bedeutet, lang, und wenn es der Einsicht in einer Brustwehre ist, kurz aussprechen, wie einige wollen, ist eine sehr willkührliche Regel.


Schartenschnäbler (W3) [Adelung]


Der Schartenschnäbler, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Angler, (Hamiota Klein.) welcher außer den sechs schwarzen Ruderfedern ganz roth von Farbe ist, und wenn er aufgerichtet wie ein Reiher stehet, über fünf Englische Fuß hoch ist; Phoenicopterus Plin. et Klein. Er hat den nahmen von seinem sonderbaren Schnabel, welcher an der Wurzel eine tiefe Scharte oder Höhle hat. In einigen Oberdeutschen Gegenden heißt er Flambart, im mittlern Lat. Flambardus, wo die letzte Sylbe die Ableitungssylbe art oder hard ist, die erste aber seine feuerrothe Farbe bezeichnet; Franz. Flamant.


Schartig (W3) [Adelung]


Schartig, -er, -ste, adj. et adv. Scharten habend, doch nur in der Bedeutung der Lücken in der Schärfe eines schneidenden Werkzeuges. Ein schartiges Messer. Sprichw. Allzu scharf macht schartig.


Scharwache (W3) [Adelung]


Die Scharwache, plur. die -n, eine Wache, so fern sie aus einer Schar, d. i. aus mehrern wachthabenden Personen, bestehet, im Gegensatze der einzelnen Schildwachen. So werden die in der Scharwache fliehen, Judith 14, 3. Da solches die in der Scharwache sahen, V. 8. Wo es einen Vorposten, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bezeichnet; in welchem Verstande es doch, so wie von einer jeden aus mehrern Soldaten bestehenden Wache, veraltet ist, und nur noch hin und wieder von einem Haufen bewaffneter bürgerlicher Wächter gebraucht wird, welchen die Erhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit auf den Gassen oblieget; wo es aber auch eine herum gehende, patrullirende Wache bedeuten kann, von dem veralteten scheren, gehn, S. 1 Schar.


Scharwächter (W3) [Adelung]


Der Scharwächter, des -s, plur. ut nom. sing. ein einzelnes Glied der Scharwache.


Scharwage (W3) [Adelung]


Die Scharwage, plur. die -n, im Festungsbaue, ein hölzernes Werkzeug in Gestalt eines rechten Winkels, woran sich ein viereckiges Bret befindet, auf welchem die Böschungen abgetheilet sind; das Pocier-Bret, richtiger Dossier-Bret. Ohne Zweifel von 1 Schar, so fern es ehedem auch eine Bewegung nach einer schiefen Richtung bedeutete, daher Schargänge im Bergbaue auch solche Gänge sind, welche nicht nach einer der vier Hauptgegenden, sondern nach einer schiefen Zwischengegend streifen. Ohne Zischlaut gehöret auch der Gehren hierher.


Scharweise (W3) [Adelung]


Scharweise, adv. in Gestalt einer Schar, d. i. mehrerer einzelner lebendiger Geschöpfe. Scharweise herbey eilen.


Scharwerk (W3) [Adelung]


Das Scharwerk, des -es, plur. die -e, und das Zeitwort scharwerken, welches ein Neutrum ist, und das Hülfswort haben erfordert, zwey aus Schar und Werk zusammengesetzter Wörter, welche noch im gemeinen Leben mancher Gegenden üblich sind. 1) In einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Baiern, ist das Scharwerk ein jeder Frohndienst, eine Frohnarbeit, eine Fröhne, und scharwerken fröhnen. Es ist in dieser Bedeutung, sehr alt, noch früher aber kommt Schar, im mittlern Lat. Scara, in der Bedeutung der Frohne, und Scararius von einem Fröhner, Frohnbauer vor, wovon des Du Fresne Glossarium nachgesehen werden kann. Frisch und andere nehmen Schar hier in der Bedeutung eines Haufens von mehrern, und erklären es durch Arbeiten, welche mehrere zugleich verrichten müssen. Allein für das einfache Scara ist diese Figur viel zu hart und ungewöhnlich, daher hier vielmehr die erste eigentliche Bedeutung einer heftigen Bewegung zum Grunde zu liegen scheinet, so daß Schar und Scharwerk eine schwere Handarbeit bedeuten würde. In Baiern ist scharen noch wirklich arbeiten. ( S. 1 Schar) obgleich selbiges auch die Bedeutung des Zwanges leidet, so daß Scharwerk eine Handarbeit, im mittlern Lat. Angaria, ist. Ohne Zischlaut kann auch das mittlere Latein. Corbata und heutige Franz. Courvee dahin gerechnet werden. Zu der Bedeutung der heftigen Bewegung gehöret auch das Mecklenburgische scharwachen, sich im Bette schlaflos herum wälzen. 2) Bey den Mäurer, Zimmerleuten und andern Handwerkern und Arbeitern ist Scharwerk, theils eine Nebenarbeit, theils aber auch diejenige Arbeit, welche sie nach und außer den gewöhnlichen Arbeit verrichten, und scharwerken solche Arbeit verrichten. Hier scheinet der Begriff der Kleinheit, der Verminderung, der Verkürzung zum Grunde zu liegen, so daß Scharwerk hier eine jede kleine Handarbeit bedeutet. S. 1 Schar.


Schatt (W3) [Adelung]


Schatt, Schatten, ein Wort, welches ursprünglich eine Nachahmung eines gewissen Lautes ist, und hernach die mit solchem Laute verbundenen Veränderungen bezeichnet, und zugleich in seinen Ableitungen und mit der gewöhnlichen Veränderungen durch alle die Figuren gehet, deren schon bey 1 Schar, Schaffen, 1 Saum, Sahl u. s. f. gedacht worden. ( S. auch Satt, Schade, Scheiden, Schatz, Schotten, Schote, Schütten, Schutz u. s. f.) welche insgesammt zu dieser Verwandtschaft gehören. Im Oberdeutschen, besonders im Österreichischen, werden die Sägespäne Sagschatten genannt, wo es zu scheiden in dessen weitester Bedeutung gehöret. In einigen Gegenden wird auch die Scharte, das Färbekraut, Serratula L. genannt, gleichfalls wegen der geschiedenen oder eingekerbten Blätter. Im Lüneburgischen ist Schatt ein Honigmaß, deren 32 auf eine Tonne gehen, wo es den Begriff des hohlen Raumes hat, und zum Nieders. Schottel, eine Schüssel, Seidel u. a. m. gehöret. Wenn der Nachtrabe in einigen Gegenden Nachtschatten heißt, so scheinet es hier für Nachtschade zu stehen, welchen Nahmen er an einigen Orten wirklich führet, ( S. Nachtrabe.) Ob das unter dem Nahmen des Nachtschattens bekannte Gewächs denselben gleichfalls wegen der Schädlichkeit des Geruches seiner Blüthe bey der Nacht habe, oder ob sich der Nahme auf den nächtlichen Geruch beziehe, da denn Schatten, wie andere Nahmen des Geruches, eine Figur der schnellen Bewegung seyn würde, ist so ausgemacht noch nicht.


Schatten (W3) [Adelung]


Der Schatten, des -s, plur. ut nom. sing. 1 Eigentlich, das dunkele Bild eines Körpers, so fern dasselbe durch die Auf- haltung der Lichtstrahlen entstehet. Seinen Schatten im Wasser sehen. Nach einem Schatten greifen. Der Thurm wirft seinen Schatten gegen Abend. Du siehest die Schatten der Bäume für Leute an, Richt. 9, 36. Es will Abend werden und die Schatten werden groß, Jer. 6, 4. Abends, wenn die Schatten länger werden. Gegen den Mittag werden die Schatten kürzer. Sprichw. Ein krummer Stecken kann keinen geraden Schatten werfen. Seinen eigenen Schatten fliehen, figürlich, sich ohne Ursache fürchten. Der Mensch fleucht wie ein Schatten, Hiob 14, 2. Unser Leben ist wie ein Schatten, 1 Chron 30, 15. Ich fahre dahin wie ein Schatten, Ps. 109, 23. Lauter Morgenländische, theils von der Vergänglichkeit, theils von der beständigen Bewegung des Schattens hergenommene Bilder. In einer andern Rücksicht ist der Schatten ein sehr gewöhnliches Bild einer entkräfteten äußern Gestalt. Er vergehet wie ein Schatten. Er siehet aus wie ein Schatten. Er ist einem Schatten ähnlicher als einem Menschen. In dieser Bedeutung des durch die Beraubung des Lichtes entstandenen dunkeln Bildes, sagt man nicht, einen Schatten machen oder geben, welche R. A. nur in der folgenden Bedeutung üblich sind, sondern einen Schatten werfen. 2. Figürlich. 1) Ein schwaches Bild, ein einem andern nur auf eine unvollkommene Art ähnliches Ding. Die Physik der Alten ist kaum ein Schatten von der neuern. Das Gesetz (das Ceremonial-Gesetz des alten Testamentes) ist der Schatten von dem, das zukünftig war, Col. 2, 17, eine unvollkommene sinnbildliche Vorstellung; daher man in dieser Rücksicht auch den ganzen Jüdischen Gottesdienst des alten Testamentes einen Schattendienst, ein Schattenwerk u. s. f. nennet. 2) Eine abgeschiedene Seele, der Geist eines verstorbenen Körpers, heißt in der dichterischen Schreibart häufig ein Schatten, Lat. Umbra. Laß deinen Schatten mir erscheinen. Der Tod steht keinen Vorzug an, Und stellt den allergrößten Mann Zum Pöbel der gemeinen Schatten, Haged. Das Reich der Schatten, das Schattenreich, der Aufenthalt der abgeschiedenen Seelen. 3. In weiterer Bedeutung, der Mangel des Lichtes in einem erleuchteten Orte, so fern derselbe durch die von Körpern aufgehaltenen Lichtstrahlen verursacht wird; wo der Begriff des Bildes verschwindet und nur der Begriff der Dunkelheit übrig bleibt. 1) Eigentlich. Einen Schatten machen, durch seine körperliche Masse die Lichtstrahlen aufhalten, welches in dieser Bedeutung üblicher ist, als Schatten geben. Ein Körper stehet im Schatten, auf der Seite, welche kein Licht empfängt. Bey den Mahlern ist der Schatten im Gegensatze des Lichtes, dunkle Partien und Züge, welche den natürlichen Schatten nachahmen, und zur Erhöhung der beleuchteten oder hellen dienen. Große Lichter erfordern große Schatten, weil sie die Rubestellen für das Auge sind. ( S. Schattiren. Halbschatten und Schlatzschatten.) In einigen biblischen Stellen wird es auf eine sonst ungewöhnliche Art für Finsterniß überhaupt gebraucht. Die da saßen am Ort und Schatten des Todes, Matth. 4, 16. 2) In engerer Bedeutung, Schatten vor den Sonnenstrahlen, mit dem Nebenbegriffe der Kühle. (a) Eigentlich. Schatten geben, oder einem Schatten geben, durch seine körperliche Masse die heißen Sonnenstrahlen abhalten; in welcher Bedeutung man nicht gern Schatten machen, Schatten werfen aber gar nicht sagt. Im Schatten sitzen. Sich in den Schatten setzen. In den Schatten treten. Laß uns einen kühlen Ort suchen, und in den Schatten uns lagern, Geßn. Ihr Büsche schließet mich in heil'ge Schatten ein, Cron. (b) Figürlich. aa) Ein Schatten gebendes Gewächs; doch nur in der dichterischen Schreibart. Oft besucht die Muse bemooste Hütten, um die der Landmann stille Schatten pflanzet, Geßn. Wie wenn ich einen kühlen Schatten von fruchtbaren Bäumen hier pflanzte, ebend. bb) Schutz, Schirm, Erquickung; eine besonders Morgenländische Figur, wo der Schatten in der brennenden Hitze des Tages eine größere Wohlthat ist, als in den gemäßigten Zonen. Beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel, Ps. 17, 8. Der Herr ist dein Schatten, Ps. 121, 5. Es nähert sich hier zugleich dem Begriffe des verwandten Schutzes, wohin ohne Zischlaut auch Hütte und hüthen gehören.

Anm. Bey dem Willeram Scade, bey dem Notker Scato, Scatue, bey dem Ulphilas Skadau, im Angels. Sceadu, im Engl. Shade, Shadow, im Holländ. Schaduwe, im Wallisischen Ysgod, im Bretagnischen Skeut. Es scheinet, daß in diesem Worte zwey verschiedene Hauptbegriffe liegen, die aber doch aus Einer gemeinschaftlichen Quelle fließen, der Begriff eines Bildes, und der Begriff der Dunkelheit; jener ist eine Figur des Lichtes, dieser aber des hohlen Raumes, beyde aber stammen von dem Begriffe der Bewegung und ihrer Richtung her. Zu der Bedeutung der Dunkelheit gehöret das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; Finsterniß. Was die Bedeutung eines Bildes betrifft, so gehöret es hier zunächst zu schauen, und allen Wörtern dieser Art, welche den Begriff des Lichtes voraus setzen; denn daß es hier am Ende nur auf die Sylbe Scha ankommt, und daß das t oder n nur der Endlaut ist, erhellet aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, dem Irländischen Ska, dem Holländ. Skuwe, dem alten Alemannischen im Tatian befindlichen Scuwen, dem Schwedischen Skugga, dem Niederdeutschen Schemen und Schemel, und dem Osnabrückischen Schär, welche aller Verschiedenheit der End-Consonanten ungeachtet, insgesammt den Schatten bedeuten, besonders so fern er ein dunkles Bild ist, aber alle ursprünglich Licht bezeichnen. Der Schatte, für Schatten, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Schatten (W3) [Adelung]


Schatten, verb. reg. act. et neutr. im letzten Falle mit dem Hülfsworte haben. 1) Einen Schatten werfen, Schatten gehen, Schatten machen, doch nur in den Zusammensetzungen beschatten, umschatten und überschatten. 2) Für schattiren, in welcher Bedeutung es doch nur von einigen Neuern versucht worden, welche aber ohne Nachfolger geblieben sind.


Schattenbild (W3) [Adelung]


Das Schattenbild, des -es, plur. die -er, die Abbildung eines Körpers nach dem Schatten.


Schattendienst (W3) [Adelung]


Der Schattendienst, des -es, plur. inus. Siehe Schatten 2 1).


Schattenfarbe (W3) [Adelung]


Die Schattenfarbe, plur. die -n, in der Mahlerey, diejenige Farbe, womit der Schatten in einem Gemählde und dessen Theilen angedeutet wird.


Schattengang (W3) [Adelung]


Der Schattengang, des -es, plur. die -gänge, ein schattiger Gang, in der dichterischen Schreibart.


Schattenhufe (W3) [Adelung]


Die Schattenhufe, plur. die -n, ein nur in der Mark Brandenburg übliches Wort, eine eingebildete oder Scheinhufe zu bezeichnen. Um in den Contributions-Anlagen einerley Haupttitel zu führen, werden auch andere Grundstücke als Äcker, z. B. fischreiche Wasser, und sogar die Arten der Gewerbe nach Hufen versteuert, da denn solche Scheinhufen daselbst Schattenhufen heißen, weil sie wahre Hufen abbilden oder vorstellen.


Schattenhut (W3) [Adelung]


Der Schattenhut, des -es, plur. die -hüte, in einigen Oberdeutschen Gegenden, ein Hut des andern Geschlechtes, welcher von der Sonne Schatten gibt, ein Sonnenhut, Strohhut, in andern Gegenden ein Schaubhut.


Schattenmasse (W3) [Adelung]


Die Schattenmasse, plur. die -n, in der Mahlerey, mehrere Schatten in einem Theile eines Gemähldes, als ein Ganzes betrachtet; im Gegensatze der Lichtmasse.


Schattenriß (W3) [Adelung]


Der Schattenriß, des -sses, plur. die -sse, die Abbildung eines Körpers, und in engerer Bedeutung eines Gesichtes, nach dem Schatten; Franz. Silhouette.


Schattenspiel (W3) [Adelung]


Das Schattenspiel, des -es, plur. die -e, eine Art Pantomime, wo Figuren und Handlungen durch den an die Wand geworfenen Schatten vorgestellet werden.


Schattenweiderich (W3) [Adelung]


Der Schattenweiderich, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme so wohl des großen, als des kleinen Weiderichs, vielleicht weil beyde gern an feuchten schattigen Örtern wachsen.


Schattenwerk (W3) [Adelung]


Das Schattenwerk, des -es, plur. die -e, S. Schatten 2 1).


Schätter (W3) [Adelung]


Der Schätter, S. Schetter.


Schattig (W3) [Adelung]


Schattig, -er, -ste, adj. et adv. Schatten habend oder enthaltend, doch nur in dem zweyten engern Falle der zweyten Bedeutung des Hauptwortes, Schatten vor den Sonnenstrahlen enthaltend. Ein schattiger Ort, ein schattiger Wald, ein schattiger Gang, eine schattige Gegend.


Schattiren (W3) [Adelung]


Schattiren, verb. reg. act. welches vermittelst der ausländischen Endung iren ( S. dieselbe) von Schatten gebildet worden, aber nur in dem ersten Falle der zweyten Bedeutung des Hauptwortes üblich ist, den Schatten, d. i. dunkeln Stellen, in einer Figur durch Züge oder dunkele Farben anzeigen und ausdrucken. Eine Figur, einen Umriß schattiren. Einige Neuere haben statt dieses Worts das freylich bessere schatten und verschatten versucht, aber vermuthlich wegen der Zweydeutigkeit des erstern Wortes wenig Nachfolger gefunden. Daher die Schattirung, nicht nur von der Handlung des Schattirens, sondern auch von den schattirten Stellen einer Zeichnung, von dem Schatten. Figürlich ist die Schattierung zuweilen die allmähliche stufenweise eingerichtete Abnahme oder Veränderung der Dinge Einer Art; Franz. Nuance, die Verflößung. Es gibt viele Schattirungen der Empfindungen, als es Gesichter gibt. Nach einer andern Figur ist in der Mahlerey eine Schattirung Stifte, Farbenstifte von Einer Farbe, doch nach verschiedenen Graden der Höhe derselben.


Schatulle (W3) [Adelung]


Die Schatulle, plur. die -n. 1) Ein gemeiniglich kleiner Kasten, vorräthiges Geld darin zu verwahren, und das darin befindliche Geld. 2) An den Höfen ist die Schatulle das zu den zufälligen persönlichen Ausgaben des Fürsten bestimmte Geld. Daher das Schatullen-Gut, des -es, plur. die -güter, ein Gut, dessen Einkünfte für die Schatulle bestimmt sind; ingleichen, ein aus der Schatulle erkauftes, und dem Fürsten unmittelbar unterworfenes Gut; zum Unterschiede von einem Kammergute, Tafelgute u. s. f. Es ist aus dem ital. Scatola, und dieß aus dem Lat. Scatula.


Schatz (W3) [Adelung]


Der Schatz, des -es, plur. die Schätze, ein Wort, welches das Intensivum eines veralteten Schad oder Schar ist, und so wie dieses vieler Bedeutungen fähig ist, ( S. Schatt,) von welchen noch folgende vorkommen. 1) * Mit dem Begriffe des hohlen oder tiefen Raumes, ist Schatz in einigen Oberdeutschen Gegenden ein Maß trockner Dinge, welches vielleicht mit dem Fränkischen Gescheid, der achte Theil einer Metze überein kommt. Im Angels. ist Scath ein Behältniß, im Nieders. Schatt gleichfalls ein gewisses Maß, ( S. dasselbe.) Unser Scheide und ohne Zischlaut 8 Katze, ( S. dasselbe.) Kasten, und andere mehr gehören gleichfalls dahin. 2) * Mit dem Begriffe des Habens, Besitzens, Haltens, war Schatz ehedem so viel wie Habe, sie mochte nun beweglich oder unbeweglich seyn. Varanter Scaz bedeutet in der Monseeischen Glosse fahrende Habe, bewegliches Gut, und Scaza, Substantia, Vermögen. Das Schwed. Skatt bedeutet noch jetzt Habe. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung veraltet. 3) Eine Menge mehrerer Dinge einer Art, ein Vorrath; eine jetzt veraltete Bedeutung, welche nur noch zuweilen im gemeinen Leben üblich ist. Aus seinem Schatze und altes hervor langen, aus seinem Vorrathe, Matth. 13, 52. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es in dieser Bedeutung gangbarer, denn da ist ein Kunstschatz eine Sammlung von Kunstsachen, ein Gemähldeschatz, eine Bilder-Gallerie, ein Kornschatz ein Vorrath von Getreide, ein Weinschatz, ein Vorrath von Wein. Der herrschende Begriff ist hier der Begriff der Verbindung, der Versammlung, daher auch ohne Zischlaut auch gatten und 2 Katze damit verwandt sind. Daß Magazin seiner letzten Hälfte nach hiervon abstammet, ist schon bey diesem Worte bemerket worden. 4) Mit dem Begriffe des Behüthens, Bewahrens, der sorgfältigen Aufsicht, ist Schatz ein jedes Ding, welches man mit vorzüglicher Sorgfalt bewahret. Dein Geboth ist ewiglich mein Schatz, Ps. 119, 98. Schaffet, daß euer Schatz nicht verlästert werde, Röm. 14, 16. In engerer Bedeutung Schatz ein schmeichelhaftes Anredewort geliebter Personen, wo auch das Diminutivum Schätzchen üblich ist, da es denn auch wohl als ein allgemeines Nennwort einer geliebten Person gebraucht wird. Einen Schatz haben, eine Liebste oder einen Liebsten. indessen ist es wegen des häufigen Gebrauches in der anständigen Sprechart in dieser Bedeutung veraltet, und dem großen Haufen überlassen geblieben. Es lautet in dieser Bedeutung schon bey den alten Alemannischen Schriftstellern Scaz, im Nieders. Schatt, und ohne Zischlaut im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Pers. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wovon im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Schatzmeister, ist. Das Stammwort ist ein veraltetes schaten, bewahren, wovon noch unser Schutz abstammet, so wie das schon gedachte Morgenländische Gaza, ein Schatz, zu dem Schwed. gata, bewahren, gehöret. Bey dem Ulphilas heißt der Schatz gleichfalls ohne Zischlaut Huzl, welches augenscheinlich von unserm huthen abstammet. Im Nieders. ist verhutzen noch als einen Schatz beylegen. 5) In engerer Bedeutung und in Verbindung mit der vorigen dritten Bedeutung der Menge, des Vorrathes, ist der Schatz ein Vorrath kostbarer, oder für kostbar gehaltener Dinge, ein Vorrath von Dingen, welche man mit besonderer Sorgfalt zu erhalten und zu bewahren bemühet ist. Etwas in den Schatz legen, zu dem Vorrath kostbarer Dinge. Schätze sammeln. Ein vergrabener Schatz. Einen Schatz heben, einen vergrabenen Schatz in seinen Besitz bekommen. Einen Schatz finden. Besonders ein Vorrath von Geld, welches nicht zum täglichen Gebrauche, sondern zum Aufheben bestimmt ist. Etwas in den Schatz legen. Schätze sammeln, vieles geld. Seinen Schatz angreifen. Der richtigste und beste Verstand ohne Anwendung auf das Herz, ist ein Schatz, der seinen Besitzer darben läßt, Gell. Figürlich bedeutet es collective einen Vorrath, einen Reichthum kostbarer, achtungswerther Dinge und Eigenschaften. Die Blume, die ihre Schätze der kommenden Sonne entfaltet. 6) * Geld, als ein Collectivum ohne daß eben der Nebenbegriff der Menge und der Kostbarkeit dabey Statt fände; in welcher Bedeutung es doch veraltet ist. Bey dem Ottfried ist Scazz Geld, und das Schwed. Skatt hat diese Bedeutung noch. So war ehedem der Klagschatz die Gerichtssporteln, der Miethschatz das Miethgeld, der Kaufschatz das Kaufgeld, der Schlageschatz der Münz- oder Prägelohn u. s. f. Wir haben es nur noch in den Zusammensetzungen Brautschatz, Mithabe und Mahlschatz, in welchem letztern doch auch der Begriff einer Kostbarkeit mit eintritt. In beyden findet auch die Bedeutung einer Gabe Statt. Auch war es ehedem individualiter von einzelnen Münzsorten sehr üblich. Im Tatian sind dreyßig Scazze dreyßig Silberlinge. Eben daselbst wird aber auch ein Häller Scazz genannt. Bey dem Ulphilas ist Skatt nicht nur ein Groschen, Denarius, sondern auch ein Gewicht, Mina, und das Pers. Gaza bedeutet gleichfalls Denarium. Welches hier das eigentliche und herrschende Begriff ist, ist nicht leicht zu bestimmen. Vielleicht ist es der Begriff des Werthes, indem das Schwed. Skatt noch den Werth, den Preis, bedeutet, ( S. Schätzen.) Vielleicht ist es der vorige zweyte Begriff der Habe, vielleicht aber auch der Begriff eines Stückes, eines Theiles, weil die älteste Art des Geldes in einzelnen Stücken Metall bestehend. 7) Eine öffentliche Abgabe, sie sey nun von welcher Art sie wolle, Steuer, Zoll u. s. f. Nieders. Schatt, Schott, Angels. Skeat, Skeot. In dieser Bedeutung ist es zwar im Hochdeutschen ungangbar, aber in den Provinzen, besonders Oberdeutschlandes, kommt es so wohl allein, als in vielen Zusammensetzungen, von einer jeden Abgabe an die Obrigkeit häufig vor. Es ist in dieser Bedeutung mit Schoß und schießen, so fern dasselbe geben, zusammen schießen, zusammen legen, bedeutet, Eines Geschlechtes, so daß es hier so viel als eine Gabe zu bedeuten scheinet. S. auch Schatzung.

Anm. Man wird leicht einräumen, daß diese verschiedenen Bedeutungen von verschiedenen Stämmen abgeleitet werden müssen, und nicht allemahl als Figuren von einander angesehen werden können; obgleich alle diese verschiedenen Stämme wieder von der ersten Bedeutung des Lautes und der damit verbundenen Handlung oder Bewegung abgeleitet werden müssen.


Schatzbar (W3) [Adelung]


Schatzbar, adj. et adv. von Schatz 7. doch nur in einigen Gegenden, verpflichtet, Schatz, d. i. Steuern u. s. f. zu geben, wofür in einigen Gegenden auch schatzpflichtig üblich ist. Schatzbare Güter. steuerbare.


Schätzbar (W3) [Adelung]


Schätzbar, -er, -este, adj. et adv. von dem Zeitworte schätzen, was geschätzet, d. i. hoch geachtet zu werden verdienet. Schätzbare Eigenschaften. Er ist mir jetzt noch eben so schätzbar, als von einem Jahre, Gell. In dem zusammen gesetzten unschätzbar hat es noch die sonst ungewöhnliche mehr eigentliche Bedeutung, was geschätzet werden kann, d. i. dessen Preis oder Werth bestimmet werden kann.


Schätzbarkeit (W3) [Adelung]


Die Schätzbarkeit, plur. die -n, die Eigenschaft eines Dinges, da es schätzbar ist, d. i. einen vorzüglichen Grad der Achtung verdienet; ohne Plural. Zuweilen auch, obgleich seltener, eine schätzbare Eigenschaft.


Schatz-Collegium (W3) [Adelung]


Das Schatz-Collegium, des -ii, plur. die -gia, in einigen Ländern, ein Collegium, welches den öffentlichen Schatz, d. i. die Einnahmen und Ausgaben eines Reiches, verwaltet, welches in manchen von einer Schatz-Commission u. s. f. geschiehet. In dem Herzogthum Braunschweig Wolfenbüttel werden die zum engern Ausschusse verordneten Stände, welche sich mit den öffentlichen Einnahmen und Ausgaben beschäftigen, der Schatz-Convent genannt. S. Schatz 5 und 7.


Schatzen (W3) [Adelung]


Schatzen, verb. reg. act. 1) Schatz, d. i. eine öffentliche Abgabe, eine Schatzung fordern, Mit Schatzung belegen; Nieders. schatten, Schwed. skatta. Es ist im Hochdeutschen veraltet, und nur noch in den Zusammensetzungen beschatzen und brandschatzen üblich. 2) Schatz oder Schatzung geben; Nieders. schatten und schotten. Auch hier ist es nur in einigen Gegenden in dem zusammen gesetzten verschatzen gangbar. Daher die Schatzung. S. solches hernach besonders.


Schätzen (W3) [Adelung]


Schätzen, verb. reg. welches nicht unmittelbar von Schatz abstammet, wohl aber ein Seitenverwandter von demselben ist. 1. Dafür halten, aus wahrscheinlichen Gründen urtheilen. Etliche, die uns schätzen, als wandelten wir fleischlicher Weise, 2 Chor. 10, 2. Ich schätze mich selbst noch nicht, daß ichs ergriffen habe, Phil. 3, 13. In dieser Veränderung ist es im Hochdeutschen veraltet. Man sagt nur noch, ich schätze es mir für eine Ehre u. s. f. für ich halte; ob man gleich nicht gern mehr sagt, sich etwas für eine Schande schätzen. 2. Im engern Verstande, ein Ding seiner Zahl, seinem Gewichte, seinem Werthe nach aus wahrscheinlichen Gründen bestimmen. 1) Überhaupt. Ich schätze ihn ungefähr fünfzig Jahre alt. Man schätzt es nicht so hoch. Man schätzte ihn auf Eine Tonne Goldes, man glaubt, daß er so reich ist. Ich schätze das Gut auf 10000 Thaler, glaube, daß es so viel werth ist. Das ist dem nicht gleich zu schätzen. Etwas sehr hoch schätzen, er werth, geringe schätzen, einem Dinge einen hohen, einen geringen Werth beylegen, und dieses Urtheil thätig erweisen. 2) In einigen engern Bedeutungen. (a) Hoch schätzen, doch halten, einem Dinge einen hohen Werth beylegen, und solches thätig erweisen. Er weiß den Werth des Lebens zu schätzen, hoch zu schätzen, oder auch nur, es seinem ganzen Werthe nach zu beurtheilen. Der hassenswürdige Charakter, da man das Gute an niemanden als an sich schätzet, Gell. Das von einigen Neuern in dieser Bedeutung gebrauchte Mittelwort geschätzt, z. B. geschätzter Freund, für hoch oder werth geschätzter, hat wegen der vorstehenden Zweydeutigkeit mit der vorigen Bedeutung wenig Beyfall gefunden, ob es gleich in der dichterischen Schreibart mehrmahls vorkommt. Geschätztes Nichts der eiteln Ehre, Hall. (b) Den Werth, den Preis eines Dinges bestimmen, so daß sich der Begriff der Muthmaßlichkeit, des wahrscheinlichen Grundes verlieret; taxiren, in einigen Gegenden schatzen. Das Fleisch schätzen, den Preis bestimmen, um welchen die Fleischer dasselbe verkaufen sollen. Das Brot schätzen u. s. f. Jemanden schätzen, den Theil bestimmen, welchen er nach Maßgabe seines Alters, seines Vermögens u. s. f. zu öffentlichen Anlagen beyzutragen hat; ihn schatzen. Luc. 2, 1. Daher die Schätzung. Anm. Im Nieders. scharren, im Schwed. skatta, wie das vorige. Bey unsern alten Oberdeutschen Schriftstellern kommt es nicht vor, ob es gleich alles Ansehen eines alten Wortes dar. Die erste Bedeutung ist entweder der Werth, der Preis, der im Schwed. noch jetzt skart heißt, oder auch das Urtheilen, Meinen, dafür Halten, überhaupt. Im letztern Falle ist es eine unmittelbare Figur der Bewegung, weil alle ähnliche, ähnliche Veränderungen des Geistes bezeichnende Wörter sich auf dieselbe Figur gründen.


Schätzer (W3) [Adelung]


Der Schätzer, des -s, plur. ut nom. sing. eine obrigkeitliche Person, deren Pflicht es ist, gewisse Waaren und Lebensmittel zu besichtigen und den Preis derselben zu bestimmen, der Schätzmeister, und wenn es ein Glied des Rathes ist, in einigen Gegenden der Schätzherr, im Oberdeutschen der Schatzherr. Der Fleischschätzer, Brotschätzer u. s. f.


Schatzfrey (W3) [Adelung]


Schatzfrey, adj. et adv. nur in einigen Gegenden, frey von dem Schatze, d. i. von der Schatzung oder Steuer; im Gegensatze des schatzbar. Schatzfreye Güter, S. Schatz 7.


Schatzgeld (W3) [Adelung]


Das Schatzgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1) Geld, so fern es als ein Schatz oder eine Schatzung erleget wird oder erleget worden; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. ( S. Schatz 7.) 2) Geld, welches man als eine Kostbarkeit oder Seltenheit aufhebet, im Gegensatze dessen, welches man zu seinen gewöhnlichen Bedürfnissen gebraucht. So pflegt man z. B. die Medaillen im gemeinen Leben Schatzgeld zu nennen. S. Schatz 5.


Schatzgräber (W3) [Adelung]


Der Schatzgräber, des -s, plur. ut nom. sing. der ein Geschäft macht, nach den in der Erde verborgenen Schätzen zu graben.


Schatzgut (W3) [Adelung]


Das Schatzgut, des -es, plur. die -güter, in einigen Gegenden, schatzbare, schatzpflichtige Güter, welche der Schatzung unterworfen sind; im Gegensatze der schatzfreyen. S. Schatz 7.


Schatzhaus (W3) [Adelung]


* Das Schatzhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, so fern es zur Aufbewahrung eines Schatzes dienet. ( S. Schatz 5.) In weiterer Bedeutung, ein jedes Vorrathshaus, ein Magazin. In beyden Fällen ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich, ob es gleich in der Deutschen Bibel noch in derselben vorkommt. Man bauete Städte zu Schatzhäusern, 2 Mos. 1, 11; und so in andern Stellen mehr.


Schätzherr (W3) [Adelung]


Der Schätzherr, in einigen Gegenden Schatzherr, des -en, plur. die -en, S. Schätzer.


Schatzkammer (W3) [Adelung]


Die Schatzkammer, plur. die -n, eine Kammer, d. i. ein Zimmer, und in weiterer Bedeutung, ein Gehäuse, worin man seinen Schatz verwahret. Die königliche Schatzkammer. In einigen Gegenden ist es auch dasjenige Collegium, welches die öffentlichen Einkünste verwaltet, und welches am häufigsten nur die Kammer schlechthin genannt wird.


Schatzkasten (W3) [Adelung]


Der Schatzkasten, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Schatzkästchen, Oberd. Schatzkästlein. 1) Eigentlich, ein Kasten, so fern er zur Aufbewahrung eines Schatzes, d. i. so wohl des Geldes, als auch einer jeden kostbaren Sache, bestimmt ist. In der Deutschen Bibel kommt es auch in der sonst ungewöhnlichen Bedeutung eines Vorrathskastens, ja eines Vorrathshauses vor. In der Bedeutung eines Ortes, wo die öffentlichen Einkünste verwahret werden, ingleichen der zu ihrer Verwaltung verordneten Personen, ist es im Hochdeutschen gleichfalls veraltet. 2) Eine figürliche Benennung mehrerer entweder auf einzelne Blätter oder in Gestalt eines Buches zusammen gedruckter erbaulicher Stellen, wovon man durch das Ungefähr eine zu seiner Erbauung aufschläget oder ziehet; wo es doch nur im Diminutivo allein üblich ist.


Schätzmeister (W3) [Adelung]


Der Schätzmeister, S. Schätzer.


Schatzmeister (W3) [Adelung]


Der Schatzmeister, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Schatzmeisterinn, eine Person, welche einem Schatze, in den drey letzten Bedeutungen dieses Wortes, vorgesetzet ist, wo dieses Wort noch in vielen Fällen üblich ist, besonders diejenige Person zu bezeichnen, welche dazu bestimmt ist, die Geldeinnahmen in Empfang zu nehmen und selbige an die bestimmten Orte wieder auszuzahlen; da denn der Schatzmeister oft eben das ist, was in andern Fällen ein Rentmeister, Cassier, Seckelmeister, Pfennigmeister, Zahlmeister u. s. f. ist, oft aber noch von demselben unterschieden wird.


Schatzpflichtig (W3) [Adelung]


Schatzpflichtig, -er, -ste, adj. et adv. nur in einigen Gegenden, verpflichtet, Schatz oder Schatzung zu geben, schatzbar; im Gegensatze des schatzfrey. So auch die Schatzpflichtigkeit. S. Schatz 7.


Schatzrath (W3) [Adelung]


Der Schatzrath, des -es, plur. die -räthe, in einigen Provinzen, 1) ein Beysitzer eines Schatz-Collegii; ein Kammerrath. 2) Ein ganzes zur Verwaltung der öffentlichen Einkünste niedergesetztes Raths-Collegium; die Kammer.


Schätztafel (W3) [Adelung]


Die Schätztafel, plur. die -n, bey den Fleischern, Bäckern u. s. f. diejenige Tafel, worauf der von den Schätzern bestimmte Preis des Fleisches oder Brotes geschrieben wird.


Schatzung (W3) [Adelung]


Die Schatzung, plur. die -en, von dem Zeitworte schatzen, aber auch unmittelbar von dem Worte Schatz und der Ableitungssylbe -ing, oder ung, ein Schatz, öffentliche Abgabe, doch nur diejenige, welche ein Unterthan nach Maßgabe seines Vermögens, seiner Grundstücke, seines Alters, oder seines Standes zu den öffentlichen Bedürfnissen entrichtet; die Steuer, der Schoß, Tribut. Eine Schatzung ausschreiben. Schatzung entrichten. Nieders. Schattung, im mittlern Lat. Aestimum, Extimum. In einigen Gegenden wird das Abzugsgeld in engerer Bedeutung die Schatzung genannt. S. auch Brandschatzung.


Schatzung (W3) [Adelung]


1. Die Schatzung, plur. die -en, ein nur in der Seefahrt übliches Wort, wo diejenige Flagge, womit die Fahrzeuge vom Lande an das Schiff gerufen werden, und welche man an dem Stocke hinauf und zusammen ziehet, die Schau genannt wird.


Schau (W3) [Adelung]


2. Die Schau, plur. inus. von dem Zeitworte schauen. 1) Der Zustand, da man gesehen wird; wo es doch, als ein ursprünglich Oberdeutsches Wort, im Hochdeutschen nur in einigen Redensarten und ohne Artikel üblich ist. Etwas zur Schau ausstellen, daß es von jedermann gesehen und besehen werden kann. Die Leichen werden zur Schau ausgestellet, wenn man sie von jedermann sehen läßt. Die Missethäter werden am Pranger zur öffentlichen Schau ausgestellet. Jemanden zur Schau herum führen. Der königliche Pfau Trägt seinen Schweif zur Schau, Haged. Nur zur Schau da stehen, nur um gesehen zu werden. 2) Die Handlung des Besehens oder Besichtigens, als ein ursprünglich Oberdeutsches Wort; gleichfalls nur in einigen Fällen. Ehedem war die Heerschau die Besichtigung eines Kriegsheeres, die Revue. Die Deichschau oder Deichschauung ist in den Niederdeutschen Marschländern die obrigkeitliche Besichtigung der Deiche. Besonders die von gewissen verpflichteten Personen vorgenommene Besichtigung gewisser Waaren, ihre gehörige Güte zu erkennen; wo es gleichfalls zunächst aus dem Oberdeutschen herstammet. Die Schau halten oder vornehmen. Auf Schau und Probe arbeiten, seine Arbeit beschauen und probieren lassen. Figürlich werden an einigen Orten so wohl die zur Besichtigung gewisser Waaren verordneten Personen, welche auch wohl das Schauamt heißen, als auch der Ort, das Gebäude, wo diese Besichtigung geschiehet, die Schau genannt. In den Niederdeutschen Marschländern führet diesen Nahmen auch der ganze District, welchen ein Deichgräve zu beschauen oder zu besichtigen hat. S. Schauen.


Schau (W3) [Adelung]


* Schau, adv. auf eine jedermann sichtbare Art, und um von jedermann gesehen zu werden; ein sehr ungewöhnliches, nur noch in einigen wenigen Fällen gebräuchliches Ort. Christus hat die geistlichen Feinde öffentlich schau getragen, Col. 2, 15, sie zur Schau getragen.


Schauamt (W3) [Adelung]


Das Schauamt, des -es, plur. die -ämter, in einigen Gegenden. 1) Die Verbindlichkeit, gewisse Dinge und Waaren zu beschauen, um ihre gesetzmäßige Güte zu erkennen. 2) Ein Collegium dazu verordneter Personen; in einigen Gegenden nur die Schau.


Schaub (W3) [Adelung]


Der Schaub, des -es, plur. die -e, ein nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, übliches Wort, welches ein Bündel, in ein Bund zusammen gefaßte mehrere Dinge bedeutet. Man gebrauchte es am häufigsten in der Landwirthschaft von einem kleinern Bunde glatten Strohes welches man in Obersachsen mit einem andern Endlaute eine Schütte, im Niedersächs. aber ein Schoof, in Weißen auch wohl einen Schob, im Plural Schöbe, nennet. Ein Schaub Stroh. Auch diejenigen Bündel Strohes, womit in einigen Gegenden die Dächer gedeckt werden, heißen daselbst Schaube, daher ein Strohdach oft auch ein Schaubdach genannt wird. In einigen Gegenden heißt der auf den Wegen, den Feldern u. s. f. zur Warnung aufgesteckte Strohwisch, der Heuschaub.

Anm. Im Nieders. Schoof, im Angels. Sceaf, im Engl. Sheaf, im Holländ. Schoof und Schoove, alle in der Bedeutung eines Strohbundes. Der Begriff der Verbindung, vielleicht auch der Masse, der Ausdehnung in die Länge, Breite und Dicke, ist der herrschende Begriff, daher es mit Schober, ein Haufe, Franz. Javelle, und Schopf, zu den Zeitworte schaffen gehöret, so fern es ehedem eine schnelle Bewegung bezeichnete, von welcher die jetzt gedachte Bedeutung eine gewöhnliche Figur ist. Ohne Zischlaut gehören auch unser Kopf, das mittlere Latein. Covis, Cova, ein Bündel, Schaub, das Lat. Intensivum oder Frequentativum copulare, kuppeln, u. a. m. dahin. S. auch Schaube.


Schaubar (W3) [Adelung]


Schaubar, -er, -ste, adj. et adv. welches von dem Zeitworte schauen nur in einigen Gegenden üblich ist, was beschauet werden kann. In engerer Bedeutung heißt in den Niederdeutschen Marschländern ein Deich schaubar, wenn er in solchem Stande ist, daß er von dem Deichgräven beschauet oder besichtiget werden kann.


Schaube (W3) [Adelung]


Die Schaube, plur. die -n, Diminut. das Schäubchen, gleichfalls nur in einigen Oberdeutschen Gegenden, ein Nahme eines langen Mantels, und eines demselben ähnlichen Kleides, welches den ganzen Leib bedeckt, und von beyden Geschlechtern getragen wird. Eine Schaube tragen. Die Regenschaube, der Regenmantel, die Nachtschaube, der Schlafrock, die Doctor-Schaube, der Doctor-Mantel, die Kinderschaube, ein langes Kinderkleid; lauter nur allein im Oberdeutschen übliche Ausdrücke. In einigen Gegenden heißt auch der Rock des andern Geschlechts eine Schaube.

Anm. Im Ital. Giubba, im Böhmischen Czuba. Hier ist die Bedeckung und der hohle tiefe Raum der herrschende Begriff, daher es mit Schaff, Scheffel, Schoppen oder Schuppen, dem Schwed. Sköfve, eine Decke, und hundert andern gleichfalls von schaffen in dessen weitesten Bedeutung einer schnellen Bewegung herstammet. Ohne Zischlaut gehören auch unser Jope, Haube, das mittlere Latein. Cupha, ein Hut, u. a. m. dahin. Siehe Schaubhut.


Schauber (W3) [Adelung]


Der Schauber, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Fischern, ein Hamen, welcher vor sich hin geschoben wird, aber keine Gabel hat; Franz. Bouteux. Hat er eine Gabel, so heißt er ein Setzhamen, wird er aber nicht so wohl vorwärts geschoben, als vielmehr nach sich gezogen, ein Kratzhamen. Es stammet von dem Zeitworte schieben ab.


Schaubhut (W3) [Adelung]


Der Schaubhut, des -es, plur. die -hüte, ein großer runder Strohhut in Gestalt eines Siebes mit einer Höhlung für den Kopf in der Mitte der Decke, welcher den ganzen Kopf vor der Sonne und den Leib vor dem Regen bedecket. Er ist bey dem weiblichen Geschlechte auf dem Lande sehr gewöhnlich. In einigen Gegenden Schobhut, Schaubert, Scheppert. Gleichfalls von dem veralteten schauben, schaffen, sich in die Tiefe bewegen und figürlich bedecken. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - bedeutet bedecken, und das Böhm. schowati verbergen. S. Schaube und Schaffen.


Schaubrot (W3) [Adelung]


Das Schaubrot, des -es, plur. die -e, nur in den Deutschen Bibel und bey den ältern Juden, Brote von feinem Mehle, welche in der Stiftshütte und in dem Tempel zur Schau vor dem Angesichte Gottes liegen mußten, und hernach von den Priestern gegessen wurden.


Schaubühne (W3) [Adelung]


Die Schaubühne, plur. die -n, gleichfalls von dem Zeitworte schauen, eine Bühne, auf welcher ein Ding zur Schau ausgestellet, oder eine Handlung zur Schau verrichtet wird; doch nur noch in engerer Bedeutung von derjenigen Bühne, auf welcher Schauspiele vorgestellet werden, und welche oft auch nur die Bühne, mit einem Griechischen Ausdrucke aber das Theater genannt wird. S. Schauplatz und Schauspiel.


Schauder (W3) [Adelung]


Der Schauder, des -s, plur. ut nom. sing. ein vermittelst des intensiven d von Schauer gebildetes Wort, einen höhern Grad des Schauers, einen von strenger Kälte, von einem hohen Grade des Abscheues, des Grauens, gewirkten Schauer zu bezeichnen. Aber auf einmahl verjagt die triumphirende Sonne Schatten und Schauder und Schlaf zum Niedergange zurück, Zachar. Der Schauder kommt mich an, wenn ich daran gedenke. Diese Worte, dieser Ton, die Wendung dieser grausenden Romanze drangen in unserer Kindheit mit einem Heere von Nebenbegriffen des Schauders, der Feyer, des Schreckens in unsere Seele, Herd. S. Schauer.


Schauderhaft (W3) [Adelung]


Schauderhaft, -er, -este, adj. et adv. fähig, Schauder zu erwecken oder zu verursachen. So auch die Schauderhaftigkeit.


Schaudern (W3) [Adelung]


Schaudern, verb. reg. welches das Intensivum von schaudern ist, und auf doppelte Art gebraucht wird. 1) Als ein Activum, Schauder, einen hohen Grad des Schauers verursachen; wo es doch nur unpersönlich gebraucht wird, und der Regel nach die vierte Endung der Person erfordert, weil es eigentlich für schütteln stehet. Es schaudert mich, wenn ich daran denke. Es schaudert mich vor Kälte. Wenn aber, die Haut, der eigentliche Sitz des Schauders und Schauers, ausdrücklich mit genannt ist, so stehet die dritte Endung der Person. Es schaudert mir die Haut. Die Haut schauderte mir vor Kälte. Und dieses Hauptwort scheinet auch darunter verstanden zu werden, wenn dieses unpersönliche Zeitwort, wie von den meisten geschiehet, ohne dasselbe mit der dritten Endung der Person verbunden wird. Es schaudert mir vor Kälte. Es schaudert mir, wenn ich daran denke. Es schaudert ihm vor dem Tode, er empfindet einen hohen Grad der Furcht, des Abscheues vor dem Tode. Es schaudert der bangen Natur, Zach. Man kann nicht ohne Schaudern davon reden. 2) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Schauder empfinden; in welcher Gestalt es doch nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist. Ich schauderte vor Entsetzen.

Anm. Im Nieders. schudern, schrudern, im Engl. to shudder, und mit einem andern Endlaute to shiver. S. Schauen und Schauern.


Schauen (W3) [Adelung]


Schauen, verb. reg. act. et neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und mit sehen einerley Abstammung und Bedeutung hat, nur daß es der Oberdeutschen Mundart, in welcher es eigentlich einheimisch ist, mehr angemessen ist, als den übrigen, welches so wohl aus dem stärkern Zischer, als auch aus dem hohen Doppellaute au erhellet. 1) Mit scharfer Aufmerksamkeit sehen, genau sehen, ingleichen besichtigen; in welcher Bedeutung es eigentlich ein Intensivum von sehen ist, welche Intension von dem stärkern Zischlaute sch herrühret. In dieser Bedeutung ist es besonders in einigen Fällen im Oberdeutschen üblich. Das Fleisch schauen, es besichtigen. Das Brot schauen, besichtigen. In den Niederdeutschen Marschländern hält man ein Schauen, wenn die Deiche von der dazu gesetzten Obrigkeit besichtiget werden. ( S. auch Schau.) 2) In weiterer Bedeutung wird es im Oberdeutschen durchgehends für das Zeitwort sehen gebraucht, es sey nun ein Neutrum oder ein Activum. Ich habe es geschauet, gesehen. Schau, siehe. Abraham wandte sein Angesicht gegen Sodom - und schauete, und siehe, da ging ein Rauch auf, 1 Mos. 19, 28. Schaue gen Himmel, und siehe, und schaue an die Wolken, Hiob 35, 5. Schaut, daß ihr sie bewegt, Opitz; sehet zu. Die Alten wollten nicht verstehn Die Wunder im Ägyptenlande, So sie geschaut durch dich ergehn, ebend. Ps. 106. In der gemeinen Sprechart der Hochdeutschen ist es in keiner von beyden Bedeutungen üblich, wohl aber in der höhern, besonders poetischen, wo es sehr häufig für sehen gebraucht wird. Auf seinen Wangen ist zu schaun Anstatt der Jugend Milch, ein lebhaft männlich Braun, Haged. Eine bloß biblische, vermuthlich auf eine Morgenländische Figur gegründete Bedeutung ist es, wenn dieses Wort für vorher sehen und vorher verkündigen, weißagen, gebraucht wird. Ihr sollt uns nicht schauen die rechte Lehre, Es. 30, 10. Schauet uns Täuscherey, ebend. Daher Luther auch die Propheten so wohl Schauer als Seher nennet, weil sie gleichsam in die Zukunft schauen oder sehen. Daher das Schauen, und die Schauung, welches letztere doch nur in Zusammensetzungen üblich ist.

Anm. Schon bey dem Kero, Ottfried u. s. f. scouuon, bey dem Willeram skouuen, im Nieders. doch nur in einigen aus dem Oberdeutschen entlehnten Fällen, schauen, im Schwed. mit einem intensiven Endlaute skada, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Griech. mit dem gleichbedeutenden th, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Kero gebraucht es noch in der ersten intensiven Bedeutung, denn bey ihm scauuon forschen. Im Angels. ist sceavian, und im Engl. to shew, factitive, sehen machen, d. i. zeigen. Die Bedeutung des Sehens ist nur eine von den vielen, welche diesem Zeitworte, wenn es in seiner ursprünglichen Bedeutung und in seinem ganzen Umfange betrachtet wird, zukommt. Der stärkere und schwächere Sibilus s und sch sind in der Natur gegründete Ausdrücke eines zischenden Lautes und der damit verbundenen, gemeiniglich schnellen und gelinden Bewegung, und vermittelst der Endung -en, entstehen daraus die Zeitwörter schaen, scheen, schauen, saen, seen u. s. f. welche ursprünglich gewisse mit diesem Laute verbundene Bewegungen bedeuten, und in allen Sprachen noch eine große Menge Nachkommen hinterlassen haben. Davon stammen denn See, Schau, eine Flagge, so, schehen in geschehen u. a. m. her. Mit den gewöhnlichen intensiven und frequentativen Endungen bezeichnen schauern, schaudern, scheuern, schütten, schütteln u. s. f. allerley Abänderungen dieser Bewegung. Die Bedeutung des Lichtes ist in allen Sprachen eine Figur der schnellen Bewegung, daher kommt bey den Schwäbischen Dichtern noch Schowe für Gestalt, Aussehen, eigentlich Schein vor, welches letztere selbst hierher gehöret, indem es so wie Sonne, Sol, Schemen, Schatten, schier u. s. f. sich nur in Endlaute unterscheidet. Die Bedeutung des Scheinens, Leuchtens, gehet sehr leicht in die Bedeutung des Sehens über, welches doch nichts anders ist, als das Scheinen empfinden, und so bekommen wir unser sehen und dessen Oberdeutsches Intensivum schauen, nebst dem Engl. Factitivo to shew, zeigen. Alle Zeitwörter, welche eine schnelle Bewegung bedeuten, bezeichnen sie auch in engerm Verstande nach verschiedenen Richtungen. So fern schauen auch diese Bewegung in die Tiefe, oder in einem hohlen Raume bedeutet, stammet daher die Bedeutung eines Behältnisses, Gefäßes, einer Bedeckung u. s. f. Daher das veraltete Schauer, ein Becher, Schauer, ein bedeckter Ort, unser Scheuer oder Scheure, und mit verschiedenen Endlauten Schaube, Schutz, Schaff, Schauffel u. s. f.


Schauer (W3) [Adelung]


1. Der Schauer, des -s, plur. ut nom. sing. unmittelbar von dem vorigen Zeitworte, derjenige welcher schauet oder siehet. Es ist nur in einigen Zusammensetzungen üblich, so wohl in der intensiven Bedeutung des Besichtigens, wie Fleischschauer, Brotschauer, Deichschauer u. s. f. als auch für sehen überhaupt, wie in Zuschauer. Luther gebraucht es auch nach einer sonst ungewöhnlichen Morgenländischen Figur von einem Propheten, der die Zukunft siehet und vorher verkündiget, welchen er in andern Stellen einen Seher nennet. Gad der Schauer, 1 Chron. 22, 9. Deine Schauer sollen zu Schanden werden, Mich. 3, 7.


Schauer (W3) [Adelung]


2. Der Schauer, des -s, plur. ut nom. sing. welches vermittelst der Ableitungssylbe -er von schauen abstammet, so fern es ehedem sich in die Tiefe oder in die Ründe bewegen bedeutete, und einen tiefen oder hohlen Raum, ein Behältniß, und figürlich einen bedeckten Ort, Bedeckung, Schutz, Sicherheit bedeutet. 1. * Einen hohlen Raum, ein Behältniß. Im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - eine Höhle. Im Nieders. war Schauer ehedem ein großer Becher, ein Pokal, welches im Hochdeutschen ganz fremde Wort noch Sir. 50, 10 vorkommt, ein güldener Schäuer, wo es von vielen irrig von schauen, sehen, abgeleitet, und durch einen Schaubecher erkläret wird. Schirr in Geschirr ist auf das genaueste damit verwandt, ( S. Schar.) 2. Eine Decke, Bedeckung, und einen bedeckten Ort. 1) * Eine Decke; eine veraltete Bedeutung, in welcher im Nieders. nur noch Schuur, die Haut, das Fell bedeutet, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ( S. Schar.) 2) Ein Ort, wo man von der rauhen Witterung bedeckt ist, in welchem Verstande es noch häufig vorkommt. Im Schauer stehen, an einem Orte, wo die Winde, der Regen u. s. f. ein Ding nicht treffen können, in der Geduld stehen. Die Schauer einladender Schatten, Klopst. Nieders. Schuur, Schwed. Skur. Im mittlern Lateine ist daher Escuare Sicherheit, und selbst unter Schirm ist nahe damit verwandt. In einer Thüringischen Urkunde von 1385 kommen Schur für Schutz und Schürer für Beschirmer, Beschützer, Vogt, vor. 3) In engerer Bedeutung, eine Wetterhütte, Regenhütte, ein leichtes Gebäude, worin man vor den Witterungen in Sicherheit ist, welches auch ein Schuppen genannt wird. Ein Hüther (Wächter) macht sich einen Schauer, Hiob. 27, 18. Ein Wagenschauer, ein solcher bedeckter Ort, wo Wagen vor der Witterung bedeckt stehen; so auch Bienenschauer u. s. f. Es ist in dieser Bedeutung im Nieders. am üblichsten, wo es Schuur lautet, Schwed. Skur, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Unser Scheuer oder Scheure ist nahe damit verwandt, so wie das mittlere Lat. Scuria, ein Stall, Franz. Ecurie, eben dasselbe Wort ist.

Anm. Ich habe oben gesagt, daß es vermittelst des Endlautes -er von schauen abstamme, so fern es im weitesten Verstande sich schnell bewegen bedeutet; allein es kann auch, wenigstens in einigen Fällen, nur eine Ausdehnung von Schauer seyn, da es denn zunächst zu Schar gehören würde, welches wenigstens alle die Bedeutungen leidet, deren schauen fähig ist. S. das folgende.


Schauer (W3) [Adelung]


3. Der Schauer, des -s, plur. ut nom. sing. welches mit dem vorigen Eines Geschlechtes ist, aber noch in mehr eigentlicher Bedeutung gebraucht wird. Es bezeichnet eine schnell vorüber gehende, gemeiniglich zitternde oder doch rauschende Bewegung, deren Laut es eigenthümlich nachahmet und wird noch in folgenden Fällen gebraucht. 1) Ein schnell vorüber gehender Sturm, ein schnell vorüber gehender Platzregen oder Hagel, eine vorüber gehende Erschütterung der Erde, wird noch häufig ein Schauer genannt. Skura windis ist schon bey dem Ulphilas ein Windsturm, und Jeroschin nennet eine vorüber gehende Erschütterung der Erde einen Schauer. Am üblichsten ist es von einem vorüber gehender Platzregen oder Hagel, welche man so wohl einen Schauer schlechthin, als auch einen Regenschauer, einen Hagelschauer nennet. Der Schaur heißt im andern Teutsch der Hagel, Buch der Natur von 1483. Eben hatte der weichende Winter von stürmischer Schwingen Seine letzten Spure (Schauer) von rieselndem Hagel geschüttelt, Zachar. Im Nieders. Schuur, im Angels. Scur, im Engl. Shower, im Schwed. Skur, alle entweder von einem Platzregen, oder von einem Hagel. Das Nieders. Schuur bedeutet auch eine dunkle Regen- oder Gewitterwolke, wo aber auch der Begriff der Dunkelheit, des Schattens, Statt findet. Im Tatian heißt Scouwen der Schatten. 2) Eine schnell vorüber gehende Erschütterung der Haut, dergleichen man bey einem plötzlichen Anfalle der Kälte, bey einem hohen Grade des Schreckens, des Abscheues, der Angst u. s. f. empfindet. Es läuft mir ein Schauer über die Haut. Der Schauer kommt mich an. Überläuft sie nicht ein Schauer bey diesen Frechheiten? Der Schauer, welcher mich mit kalter Angst durchläuft, Weiße. Schon bey dem Stryker ist Schawr Schrecken, Horror, welches letztere selbst hierher gehöret, indem ihm nur der Zischlaut mangelt. Ein höherer Grad des Schauers heißt Schauder, vermittelst des intensiven d, und in Franken hat man das noch mehr verstärkte Schütter für Schauder und Schauer. Oft ist der Schauer eine Wirkung des höchsten Grades der Ehrfurcht, der mit einer Art von Furcht und Schrecken verknüpften Empfindung der Größe, der Majestät, daher es bey den Dichtern häufig für diese Empfindungen gebraucht wird. Ein mächt'ger Schauer rauscht Durch das erschrockne Thal, in dem kein Waldgott lauscht, Cron. O, senkt euch herab von rauschenden Wipfeln, Heilige Schauer, die ganz die Seele des Dichters empfindet! Zachar. Wo sich aber der Begriff der feyerlichen Stille mit einschleicht, welche eine Figur der vorigen Bedeutung der Bedeckung seyn kann. 3) Eine jede schnell vorüber gehende mit einer Art eines Rauschens verbundene Veränderung. Ein Fieberschauer, ein Fieber-Paroxismus. Im Niederdeutschen heißt der Anfall der Epilepsie der Schauer, welchen Nahmen daselbst auch ein jeder vorüber gehender Anstoß, ja eine jede Zwischenzeit bekommt. Seinen tollen Schauer haben, seinen gewöhnlichen Anfall von Raserey. Der schlafende Schauer, der Anfall der Schlafsucht, der weinende Schauer, der Anfall der Lust zu weinen u. s. f. S. das Bremisch-Niedersächsische Wörterbuch.

Anm. Gleichfalls vermittelst der Endsylbe -er von schauen, so fern es ursprünglich eine schnelle gelinde rauschende Bewegung bezeichnet, deren verstärkte Grade durch schauden, scheiden, schütten, und zitternde Abänderung durch schauern, schäuern, schaudern, schüttern, schütteln u. s. f. ausgedruckt werden. S. Schauen Anmerk. und Schauder.


Schauerig (W3) [Adelung]


Schauerig, adj. et adv. welches von den beyden vorigen Wörtern nur im gemeinen Leben üblich ist. 1. Von 2 Schauer, Schutz vor den Witterungen, ist schauerig vor den Witterungen bedeckt; in welcher Bedeutung es doch am seltensten gebraucht wird. 2. Von 3 Schauer, vorüber gehende Erschütterung der äußern Haut. 1) Einen Schauer empfindend, besonders so fern er durch Kälte verursacht wird. Es ist mir schauerig, ich empfinde einen oder mehrere Schauer. 2) Schauer verursachend; doch auch nur von der Kälte. Schaueriges Wetter, naßkaltes, welches Schauer verursacht.


Schauern (W3) [Adelung]


Schauern, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert, und das Intensivum oder Frequentativum von schauen ist, so fern es ursprünglich eine schnelle rauschende Bewegung bedeutet. Es kommt nach Maßgebung des Hauptwortes 3 Schauer noch in folgenden Bedeutungen vor. 1. Es schauert, ist im gemeinen Leben einiger Gegenden als ein Impersonale für es hagelt üblich. Noch häufiger gebraucht man es, 2. von der zitternden vorüber gehenden Erschütterung der äußern Haut, welche durch Kälte, einen hohen Grad des Abscheues, des Schreckens, der Furcht u. s. f. verursacht wird. 1) Einen solchen Schauer empfinden. (a) Als ein persönliches Neutrum, in welcher Gestalt es doch nur von einigen Neuern gewagt worden. Sie würden schauern, wenn sie es hören sollten. Der junge Baum weht und schauert und fühlet die Glieder im Morgen oder der erweckten Schöpfung, Herd. Verleihe mir auch Kraft zu dieser Bürde, Die Helden oft zu tragen schauerten, Schleg. (b) In der dritten Person, mit ausdrücklicher Benennung der Haut, welche erschüttert wird, wo es mit der dritten Endung der Person verbunden wird. Ich fürchte mich, daß mir die Haut schauert, Ps. 119, 120. Ingleichen unpersönlich mit Auslassung des Wortes Haut. Es schauert mir, oder mir schauert, wenn ich daran denke. Es schauert ihm vor dem Tode, oder ihm schauert vor dem Tode. Der Unsterblichen (nämlich Seele) schauert vor ihrer Zernichtung, Klopst. Doch würde mir vor solchen Buben schauern, Schleg. 2) Schauer verursachen. Eine schauernde Stille herrscht umher, Geßn. nur in der dichterischen Schreibart. Hierher gehöret auch das unpersönliche es schauert, wenn es von einigen mit der vierten Endung verbunden wird. Es schauret (schauert) mich das Fleisch und auch er Sinn, Opitz Ps. 119. Welche Wortfügung doch im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. So auch das Schauern. Einen höhern Grad des Schauerns druckt man durch schaudern, und den stärksten durch schüttern, erschüttern aus.


Schauervoll (W3) [Adelung]


Schauervoll, -er, -este, adj. et adv. einen hohen Grad des mit Furcht, Schrecken und Abscheue verbundenen Schauers erweckend. Eine schauervolle Geschichte.


Schauessen (W3) [Adelung]


Das Schauessen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Essen, d. i. ein Gericht, welches nicht wirklich gegessen werden soll, sondern nur zur Schau aufgesetzet wird; ein Schaugericht.


Schaufel (W3) [Adelung]


Die Schaufel, plur. die -n, Diminut. das Schäufelchen, Oberd. Schäuflein, ein Wort, welches so wohl den Begriff der Fläche, der Breite, als auch den Begriff der Tiefe, des hohlen Raumes hat, mit welchen bey den sich gemeiniglich der Begriff des Schöpfens, Auffassens und Fortschiebens verbindet. 1) Mit dem Begriffe des hohlen Raumes ist die Schaufel ein flach vertieftes Behältniß an einem Stiele, andere Körper damit aufzufassen und fortzuschaffen, eine Art eines großen Löffels; im Tatian Scuuala, in einigen Hochdeutschen Gegenden die Schuffe, im Nieders. Schufel und Schüppe, im Angels. Scofl, im Engl. Shovel und Scoop, im Schwed. Skofvel und Skyffel, im Pohln. Szufla. Dahin gehöret die Backschaufel, die Kornschaufel, die Wurfschaufel, die Ladeschaufel, die Feuerschaufel u. s. f. Schaufeln von Erz, 2 Mos. 27, 2. 2) Oft verlieret sich der Begriff des hohlen Raumes, so daß der Begriff des Fortschiebens oder Fortschaffens allein übrig bleibt. Die Malzschaufel ist ein flaches Bret an einem schief stehenden Stiele. Die Schaufel an einem Ruder ist der flache dünnere Theil am Ende, womit das Fahrzeug im Wasser gleichsam fortgeschoben wird. An einem Wasserrade sind die Schaufeln die Breter zwischen den Kränzen, worauf das Aufschlagewasser fällt und das Rad in Bewegung setzet. 3) Oft verlieret sich dieser Begriff, und es bleibt nur die breite ebene Fläche übrig. So nennet man die breiten, dünnen, spitzig zulaufenden Theile an den beyden Ankerarmen, welche bey andern die Fliegen und Flunken heißen, auch die Schaufeln. Die breiten Äste an den Geweihen der Damhirsche, Elendthiere u. s. f. welche anstatt zackig zu seyn, sich auf eine breite Fläche endigen, heißen gleichfalls Schaufeln, welchen Nahmen auch die zwey vordersten Zähne in dem Munde des Hirsches führen, weil sie breiter sind, als die übrigen. Unser Scheibe ist mit dieser Bedeutung verwandt. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird der Schämel ein Trittschäufelein genannt, wo vermuthlich auch die Bedeutung eines Bretes die herrschende ist, und schon Raban Maurus nennet das Bret, welches auf der Thürschwelle befestiget wird, Düscufle, richtiger Dürscufle.

Anm. Die Endsylbe ist hier kein Merkmahl eines Diminutivi, sondern die Ableitungssylbe -el, welche ein Werkzeug, ein Subject, bedeutet. Die Stammsylbe schauf gehöret zu schaffen, schieben, schöpfen u. s. f. so daß die Schaufel eigentlich ein Werkzeug zum Auffassen, Fortschieben u. s. f. oder so fern der Begriff des hohlen Raumes der herrschende ist, ein tiefes, hohles Ding bedeutet, in welchem Falle es mit Schaff, Scheffel, Schaube u. s. f. verwandt ist. Ohne Zischlaut gehöret auch das Oberdeutsche Gauffel, die flache und hohle Hand dahin. Die dritte Bedeutung eines in die Breite ausgedehnten Dinges fließet gleichfalls von schaffen her, so fern es auch eine Bewegung und Ausdehnung nach allen Richtungen bedeutet hat.


Schaufelbein (W3) [Adelung]


Das Schaufelbein, des -es, plur. die -e, ein Bein in Gestalt einer Schaufel. Besonders werden an den Bienen das dritte Paar Beine die Schaufelbeine genannt, weil in denselben eine Höhlung befindlich ist, worein das Blumenmehl packen.


Schaufelbürger (W3) [Adelung]


Der Schaufelbürger, des -s, plur. ut nom. sing. ein in einigen Gegenden ehedem für Pfahlbürger, so wohl in dessen weitern als engern Bedeutung, übliches Wort, ( S. dasselbe.) Frisch erkläret es durch einen, der eigentlich zur Schaufel- und Feldarbeit gehöret, und zum Nachtheil seiner Grundherrschaft Bürger in der Stadt wird. Es kann aber auch überhaupt einen mit der Schaufel arbeitenden Tagelöhner bedeuten, dergleichen in den Vorstädten noch jetzt wohnen, wenn nicht mit dem Worte Schaufel vornehmlich auf die Befriedigung der Vorstädte gesehen wird, da es denn mit Pfahlbürger im eigentlichsten Verstande gleichbedeutend seyn würde. So fern schüfeln aber im Nieders. auch unredlich handeln, Unterschleif machen, Schüfeler einen Betrieger, und Schüfelije Betriegerey bedeutet, leidet es auch die von Frischen gegebene Erklärung.


Schaufelgehörn (W3) [Adelung]


Das Schaufelgehörn, des -es, plur. die -e, ein Gehörn, welches statt der Zacken breite, schaufelförmige Äste hat, dergleichen das Gehörn der Damhirsche und Elendthiere ist; das Schaufelgeweih. Auch ein Hirschgeweih, welches oben in der Krone breite Enden hat, und auch ein Handgehörn heißt; im Gegensatze eines Gabelgehörnes.


Schaufelhirsch (W3) [Adelung]


Der Schaufelhirsch, des -es, plur. die -e, ein mit einem Schaufelgehörne versehener Hirsch. Besonders werden die Damhirsche von den Jägern mit diesem Nahmen beleget.


Schaufelhose (W3) [Adelung]


Die Schaufelhose, plur. die -n, in dem Salzwerke zu Halle, eine Hofe, d. i. kleines Faß, mit süßem Wasser, worin man die in der Siedepfanne gebrauchten Salzschaufeln abkühlet.


Schaufelkunst (W3) [Adelung]


Die Schaufelkunst, plur. die -künste, eine Art eines Wasserkunst, einen Teich u. s. f. vermittelst vieler von dem Winde getriebenen Schaufeln auszuschöpfen; das Schaufelwerk.


Schaufeln (W3) [Adelung]


Schaufeln, verb. reg. act. 1) Mit der Schaufel arbeiten. Den ganzen Tag schaufeln müssen. Erde, Getreide zusammen schaufeln, mit der Schaufel auf einen Haufen werfen. Etwas hinaus schaufeln, fortschaufeln, umschaufeln u. s. f. Da grub er tief und schwitzt' und keichte Und fand im Schaufeln einen Schatz, Haged. 2) Mit Schaufeln versehen. Die Wasserräder anders schaufeln, sie mit andern Schaufeln versehen.

Anm. Im Nieders. schüfeln und schüppen. Das erste bedeutet daselbst auch mischen, mengen, Engl. to snuffle, besonders wenn es mit einer Art des Schiebens verbunden ist, wie bey den Karten, ingleichen, unredlich handeln, Unterschleif machen; in welchen bey den Bedeutungen es zunächst das Diminutivum von schieben ist.


Schaufelrad (W3) [Adelung]


Das Schaufelrad, des -es, plur. die -räder, ein mit Schaufeln versehenes Wasserrad, ein jedes Wasserrad, welches durch den Stoß oder Druck des Wassers beweget wird.


Schaufelrecht (W3) [Adelung]


Das Schaufelrecht, des -es, plur. inus. 1) Das Recht, eines andern Acker vorzüglich und mit Ausschließung anderer für einen gewissen Zins zu bauen; entweder, so fern die Feldarbeit ehedem mehr mit der Schaufel geschahe, als jetzt, oder auch, so fern schaufeln das Frequentativum oder Diminutivum von schieben ist, da es denn mit dem Abtriebrechte gleichbedeutend seyn würde. 2) In Elsaß verstehet man unter Schaufelrecht das Recht, die Zinsgüter zu bessern. 3) S. auch das folgende.


Schaufelschlag (W3) [Adelung]


Der Schaufelschlag, des -es, plur. die -schläge, auf dem Lande vieler Gegenden. 1) Das Recht, einen Graben oder Fluß zu reinigen oder zu räumen, ohne Plural, weil man sich dazu der Schaufeln bedienet; das Fegerecht, Räumungsrecht. Den Schaufelschlag haben, dieses Recht. 2) Das Gebieth, die Gegend, wo jemand dieses Recht hat. Auf der Gemeine Schaufelschlag. 3) Der mit der Schaufel auf solche Art aus einem Graben oder Flusse geworfene Schlamm, und der Bezirk, welchen derselbe einnimmt; ohne Plural. Die Bäume stehen auf dem Schaufelschlage des Baches. Wenn der Graben breit ist, so gehören wohl sechzehn Schuh zum Schaufelschlage.


Schaufelwerk (W3) [Adelung]


Das Schaufelwerk, des -es, plur. die -e, siehe Schaufelkunst.


Schaufelzahn (W3) [Adelung]


Der Schaufelzahn, des -es, plur. die -zähne, ein Zahn in Gestalt einer Schaufel. So werden die breiten Vorderzähne der Hirsche, Pferde u. s. f. so wohl Schaufeln als Schaufelzähne genannt. Auch die breiten Zähne, welche die Schafe, so wie die an Alter zunehmen, anstatt der spitzigen Zähne bekommen, führen diesen Nahmen. Daher heißt ein Jährling oder jähriges Schaf, wenn es die zwey mittlern Hundszähne verloren und dafür Schaufelzähne bekommen hat, ein Zweyschaufler; am Ende des zweyten Jahres, wenn es vier Schaufelzähne bekommen hat; ein Vierschaufler, und nach dem dritten Jahre, wenn es mit sechs solchen Zähnen versehen ist, ein Sechsschaufler.


Schaufler (W3) [Adelung]


Der Schaufler, des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige.


Schaufrey (W3) [Adelung]


Schaufrey, adj. et adv. in den Niederdeutschen Marschländern, nicht so wohl von der Schau oder Besichtigung, als vielmehr von allen bey der Schau entdeckten Mängeln frey, fehlerfrey. Einen Deich schaufrey zu machen, ihn in solchen Stand setzen, daß nichts daran zu tadeln ist.


Schaugeld (W3) [Adelung]


Das Schaugeld, des -es, plur. inus. Geld, welches nicht zum Ausgeben im Handel und Wandel, sondern zur Schau, d. i. zum Ansehen, zum Denkmahl einer merkwürdigen Begebenheit geschlagen worden, dergleichen die Medaillen sind. Einzelne Stücken solches Schaugeldes werden Schaumünzen, ehedem auch Schaugroschen und Schaupfennige genannt, so fern Pfennig und Groschen ehedem eine jede Münze bedeuteten.


Schaugerüst (W3) [Adelung]


Das Schaugerüst, des -es, plur. die -e, ein Gerüst, auf welchem eine Handlung, welche von mehrern gesehen werden soll, vorgestellet wird.


Schaugroschen (W3) [Adelung]


Der Schaugroschen, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Schaugeld.


Schauherr (W3) [Adelung]


Der Schauherr, des -en, plur. die -en, in einigen Gegenden, ein Rathsherr oder eine obrigkeitliche Person, welche zur Beschauung gewisser Waaren und Dinge verordnet ist. Gerin- gere verpflichtete Personen dieser Art werden nur Schauer, Beschauer u. s. f. genannt.


Schauhaus (W3) [Adelung]


* Das Schauhaus, des -es, plur. die -häuser, ein ungewöhnliches Wort, welches Opitz für Amphitheater und Schauspielhaus einzuführen suchte.


Schaukel (W3) [Adelung]


Die Schaukel, plur. die -n, ein jeden Ding, womit man sich schaukelt, d. i. sich schwebend hin und her, oder auf und nieder beweget. Ein in der Mitte aufliegendes Bret, vermittelst dessen sich zwey auf den beyden Enden sitzende Personen auf und nieder bewegen, ein herab hängendes, einfaches oder doppeltes Seil, woran man sich hin und her schwinget, heißet eine Schaukel, in einigen Mundarten eine Schockel, ein Schockeler, und so fern es ein Seil ist, im Nieders. ein Schockreif, Schockregen. Im Oberdeutschen ist es männlichen Geschlechtes, der Schaukel. S. das folgende.


Schaukeln (W3) [Adelung]


Schaukeln, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert, schwebend hin und her, auf und nieder bewegen. Das Schiff schaukelt, es beweget sich auf dem Wasser von einer Seite zur andern, auf und nieder, wo es ein Neutrum ist. Noch häufiger als ein Activum. Jemanden schaukeln, ihn schwebend hin und her, auf und nieder bewegen, so wohl vermittelst eines in der Mitte aufliegendes Bretes, als auch eines herab haugenden Seiles. Sich schaukeln. Daher das Schaukeln.

Anm. In den gemeinen Mundarten schockeln und schuckeln, im Engl. to joggle, im Ital. cioccolare. Es ist das Diminutivum von dem noch im Ober- und Niederdeutschen üblichen schocken, welches nicht nur stoßen, sondern auch heftig rütteln und schütteln bedeutet, Ital. scoccare, cioccare, Franz. choquer, Engl. to shake; dieses aber ist wieder das Intensivum von dem veralteten schachen, und von schauen, so fern beyde eine gewisse schnelle Bewegung bedeuten, S. Schächer und Schauen. Darob mein Geist sich hat erquicket, Daß er im Jubel schwebt und schocket, Hans Sachs. Unser schuckeln und das Nieders. suckeln, rütteln, schütteln, ist genau damit verwandt, nur daß es vermöge des kurzen u und verdoppelten k eine schnellere hin und her gehende Bewegung bezeichnet, dagegen das lange au und einfache k in schaukeln eine schwebende langsame Bewegung andeutet. Übrigens ist für schaukeln in Baiern auch schützen; im Dithmarsischen hüschen und hüsken, und in andern Nieders. Gegenden vielen üblich, welches letztere zu regen gehöret.


Schaukunst (W3) [Adelung]


* Die Schaukunst, plur. inus. ein ungewöhnliches, von dem Gryphius für Perspective versuchtes Wort.


Schaum (W3) [Adelung]


Der Schaum, des -es, plur. car. ein durch eine heftige Bewegung in zusammen hangende Blasen verwandelter flüssiger Körper. Der Schweiß setzet sich oft in Gestalt eines Schaumes auf den Pferden. Schaum vor dem Munde haben, ein Zeichen einer heftigen innern Bewegung. Im höchsten Grade wüthenden und zornigen Personen pflegt der Schaum vor den Mund zu treten. Besonders auf der Oberfläche flüssiger oder flüssig gemachter Körper, wenn sich die in denselben befindliche Luft entwickelt, und die leichtern, oft unreinen Theile in Gestalt vieler zusammen hängender Blasen mit in die Höhe nimmt. Schaum geben. Zu Schaum werden. Der Schaum des Bieres, welcher in Nieders. Mood und Riem genannt wird, letzteres von Rahm, Rand, das Oberste. Der Schaum des Bleyes, Goldes, Silbers u. s. f. So fern der Schaum oft der leichtere, unreinere Theil mancher Körper ist, gebraucht man dieses Wort in manchen Gegenden auch von dem schlechtesten, untauglichsten seiner Art, wofür doch im Hochdeutschen Abschaum üblicher ist.

Anm. Im Nieders. Schuum, im Engl. Seum, im Isländ. Skuum, im Schwed. Skumm, im Ital. Schiuma, im Franz. Escume, Ecume, im Alban. Skiumpa, im Pohln. Szum. Mit einem andern Vorlaute heißt der Schaum im Oberdeutschen Saum, Sahm, Böhm. Pena, wohin mit vorgesetztem Zischlaute auch das Lat. Spuma gehöret. S. Schäumen.


Schaumdiehle (W3) [Adelung]


Die Schaumdiehle, plur. die -n, an dem Steuerruder eines Schiffes, eine Diehle oder ein Bret, welches bis zum Schwerte des Ruders senkrecht stehet. Vielleicht von Schaum, so fern es figürlich auch das Oberste eines Dinges bedeuten kann, ( S. Saum,) welches sich in dieser Bedeutung nur durch den sanftern Zischlaut unterscheidet.


Schaumeister (W3) [Adelung]


Der Schaumeister, des -s, plur. ut nom. sing. bey einigen Handwerkern einiger Gegenden, ein Meister, welcher dazu verordnet ist, die von den übrigen Meistern seiner Zunft verfertigten Waaren zu beschauen; der Schauer. In andern Oberdeutschen Gegenden, z. B. Straßburg, wird ein Visitator Schaumeister genannt.


Schäumen (W3) [Adelung]


Schäumen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Schaum von sich geben. Vor Wuth, vor Zorn schäumen. Mit dem Munde schäumen. Das Bier schäumet. Das Meer schäumet. Sieh, wie lieblich die Quelle aus meinem Felsen schäumt, Geßn. schäumend hervor bricht. Figürlich. Der Mund der Gottlosen schäumet Böses, Sprichw. 15, 28. 2. Als ein Activum. 1) In Gestalt eines Schaumes hervor treiben. Wie ein gereitztes Thier, das Zorn und Geifer schäumt, Schleg. 2) Von dem Schaume befreyen. Das Fleisch schäumen, den Schaum, welcher sich im Kochen obenauf setzet, wegschaffen. Den Honig, das Wachs schäumen. ( S. auch Abschäumen.) Daher das Schäumen in beyden Formen.

Anm. Im Nieders. schümen, im Engl. to scum und skim, im Schwed. skuma, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es ahmet den zischenden Laut genau nach, welchen ein durch heftige innere Bewegung zum Schäumen gebrachter flüssiger Körper von sich gibt. Da dieser Laut auch andern Arten schneller Bewegungen eigen ist, so bedeutet schäumen, Nieders. schümen, Engl. to skim, schnell laufen, sich schnell hin und her oder fortbewegen; wegschümen ist im Nieders. schnell fortlaufen. Daher ist das Meer schäumen, in der Seefahrt, auf Raub auf demselben hin und her streifen, und ein Meerschäumer eine gelinde Benennung eines Seeräubers. Ein Intensivum davon ist das Nieders. schummeln, so wohl scheuern, als auch nachlässig hin und her laufen. ( S. auch Schämen.) Die Oberdeutsche Mundart unterscheidet das Neutrum von dem Activo sehr richtig; jenes heißt daselbst schaumen, dieses aber schäumen. Die Hoch- und Niederdeutschen haben diesen nützlichen Unterschied vernachlässiget, und sagen in beyden Fällen ohne Unterschied schäumen, Niederdeutsch schümen.


Schaumig (W3) [Adelung]


Schaumig, adj. et adv. Schaum habend, enthaltend. Schaumiges Bier. Schaumicht würde bedeuten, dem Schaume ähnlich.


Schaumkelle (W3) [Adelung]


Die Schaumkelle, plur. die -n, eine Kelle, den Schaum damit von schäumenden, flüssigen Körpern abzuschöpfen; der Schaumlöffel, in einigen Gegenden der Schäumer, im Oberdeutschen der Saumlöffel.


Schaumkette (W3) [Adelung]


Die Schaumkette, plur. die -n, an einem Pferdegebisse, die Kinnkette, weil sich der Schaum aus dem Munde des Pferdes am ersten daran setzet.


Schaumlöffel (W3) [Adelung]


Der Schaumlöffel, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Schaumkelle.


Schaumünze (W3) [Adelung]


Die Schaumünze, plur. die -n, S. Schaugeld.


Schaumwurm (W3) [Adelung]


Der Schaumwurm, des -es, plur. die -würmer, die Larven einer Art Cicaden, welche sich auf den Zweigen der Bäume unter einer Menge von Schaum aufhalten, welchen sie blasenweise aus dem Hintern lassen, und daher auch Speywürmer genannt werden; Cicada spumaria L. Flöhheuschrecke.


Schaupfennig (W3) [Adelung]


Der Schaupfennig, des -es, plur. die -e, S. Schaugeld.


Schauplatz (W3) [Adelung]


Der Schauplatz, des -es, plur. die -plätze, ein jeder Platz, auf welchem eine Handlung vorgestellet wird, welche von jedem oder doch von vielen gesehen werden soll; in engerer Bedeutung, derjenige Platz, auf welchem von den Schauspielern ein Schauspiel vorgestellet wird, welcher Platz auch die Schaubühne, das Theater heißt. In noch weiterer Bedeutung, ein jeder Ort, auf welchem eine Handlung vorgenommen wird. Die Demuth tritt mit Gefälligkeit und Leutseligkeit in das gesellschaftliche Leben ein, so wie der Stolz mit Selbstliebe und Geringschätzung anderer auf dem Schauplatze erscheinet, Gell. Der große Schauplatz der Welt.


Schauprahm (W3) [Adelung]


Der Schauprahm, des -es, plur. die -e, von Schau und Prahm, in der Schifffahrt einiger Gegenden, ein Prahm oder plattes Fahrzeug in Gestalt eines Floßes, welches so wohl zum Überfahren über schmale Wasser, als auch zum Kalfatern der Schiffe, zur Aushebung und Einsetzung der Masten u. s. f. gebraucht wird. Schau scheinet hier zu schieben oder einem ähnlichen Worte zu gehören.


Schauspiel (W3) [Adelung]


Das Schauspiel, des -es, plur. die -e. 1. Eine jede Handlung, so fern sie zur Belustigung anderer zuschauender Personen unternommen wird; in welchem Verstande ein Thiergefecht, das Spiel des Seiltänzers, des Taschenspielers u. s. f. ein Schauspiel genannt werden könnte. Indessen wird es doch in dieser weitern Bedeutung seltener gebraucht, als in der noch weitern eines Anblickes, einer Sache, welche man mit besonderer Empfindung siehet. Ein erbärmliches Schauspiel, 3 Marc. 5, 21. Ein angenehmes Schauspiel. 2. In engerm Verstande. 1) Eine nach gewissen Regeln eingerichtete Nachahmung menschlicher Handlungen, so fern sie zur Belustigung anderer unternommen wird; in welchem gewöhnlichsten Verstande dieses Wort so wohl das Lustspiel als das Trauerspiel unter sich begreift. Daher die Schauspielkunst, die Kunst, nicht so wohl Schauspiele zu verfertigen, als vielmehr, sie auf eine geschickte Art vorzustellen. Das Schauspielhaus, das Komödien Haus. 2) * Ein Gegenstand des Hohnes, der Verspottung anderer, vermuthlich als eine Anspielung auf die erste und älteste Art Schauspiele, welche gemeiniglich persönliche Anzüglichkeiten enthielten; eine veraltete Bedeutung, welche noch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt. Ich will ein Schauspiel aus dir machen, Ezech. 28, 17. Wir sind ein Schauspiel worden der Welt, 1 Cor. 4, 9.


Schauspieler (W3) [Adelung]


Der Schauspieler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Schauspielerinn, eine Person, welche die Schauspielkunst ausübet; ein anständiger Ausdruck für das niedrigere Komödiant und Komödiantinn.


Schaustück (W3) [Adelung]


Das Schaustück, des -es, plur. die -e, S. Schaugeld.


Schaustufe (W3) [Adelung]


Die Schaustufe, plur. die -n, eine Stufe, d. i. Stück Erz, so fern es nicht zum Verschmelzen, sondern zur Aufbewahrung in einem Kabinette, bestimmet ist.


Schautag (W3) [Adelung]


Der Schautag, des -es, plur. die -e, derjenige Tag, da eine Sache feyerlich beschauet wird; doch nur in einigen Gegenden. Z. B. der tag, da gewisse Waaren, Arbeiten u. s. f. von den dazu gesetzten Schauherren beschauet werden.


Schauteufel (W3) [Adelung]


* Der Schauteufel, des -s, plur. ut nom. sing. eine in einen Teufel verkleidete Person. Schauteufel laufen, ein in Niederdeutschland ehedem sehr üblicher Mißbrauch, da sich junge Leute in den Weihnachtstagen in Teufel verkleideten, und in die- ser Gestalt vielfachen Unfug trieben. Durch strenge Verbothe ist Sache und Wort nunmehr veraltet.


Schebe (W3) [Adelung]


Die Schebe, S. Schepe.


Schebeke (W3) [Adelung]


Die Schebeke, plur. die -n, ein besonders in der Mittelländischen See übliches Wort, ein Fahrzeug zu bezeichnen, welches mit Segeln und Rudern getrieben wird; Franz. Chebeque, Span. und Portug. Xebeque.


Schech (W3) [Adelung]


Das Schech, des -es, plur. die -e, im Schiffbaue einiger Gegenden, das an den Vordersteven befestigte Holz, worauf das vordere Bild am Schiffe ruhet. Es stehet vorn heraus, macht die vordere Schneide des Bauches aus, und wird auch das Kriech, das Krech, die Griechsäule genannt. Schech ist ohne Zweifel mit Schacht 1 verwandt, so fern es einen in die Länge ausgedehnten Körper bedeutet, daher Schecht im Nieders. eine Stange ist. S. Schacht.


Schecke (W3) [Adelung]


1. Die Schecke, plur. die -n, ein Nahme, welchen in einigen Gegenden der Gras- oder Wiesenläufer, Rallus terrestris Ortygometra Klein. führet. Da es nicht scheinet, daß dieser Wasservogel weiß geflecket ist, so scheinet er den Nahmen von seiner besondern Stimme zu haben, daher er in andern Gegenden auch Schrick genannt wird.


Schecke (W3) [Adelung]


2. Die Schecke, plur. die -n, ein mit weißen Flecken auf einem gefärbten Grunde, oder mit farbigen Flecken auf einem weißen Grunde, versehenes Thier. So werden eine Art wilder Schweine, welche weiße Flecken haben, bey den Jägern Schecken genannt. Besonders gebraucht man es von den Pferden, wenn sie viele farbige Flecken auf einem weißen Grunde oder weiße Stellen auf einem farbigen Grunde des Körpers haben, da man sie denn wiederum in Achatschecken, Blauschecken, Braunschecken, Schwarzschecken, Fuchsschecken, Gelbschecken u. s. f. unterscheidet. Anm. Bey dem Pictorius Schäggy, ein weiß geflecktes Roß, im Schwed. Skäk. Die meisten leiten es von Schach, Schacht, ein vierecktes Feld von mehrern Farben, her, siehe Schacht 2; allein es scheint vielmehr mit dem Isländ. skackr, unähnlich, ungleich, Skacki, Ungleichheit, skeckia, ungleich machen, verwandt zu seyn, oder auch, da dieses Wort allemahl die Beymischung der weißen Farbe voraus setzet, den Begriff des Lichtes zu haben, einer gewöhnlichen Figur der schnellen Bewegung, welche Schach, Schacht, Schak in mehrern Verwandten hat, siehe Schicken und Schaukeln.


Schecken (W3) [Adelung]


Schecken, verb. reg. act. mit weißen Flecken auf einem farbigen Grunde, oder mit farbigen Flecken auf einem weißen Grunde versehen; von welchem doch das Mittelwort gescheckt für scheckig am üblichsten ist.


Scheckig (W3) [Adelung]


Scheckig, -er, -ste, adj. et adv. mit weißen Flecken auf einem farbigen Grunde, oder mit farbigen Flecken auf einem weißen Grunde versehen. Ein scheckiges Pferd, ein geschecktes, eine Schecke. In weiterer Bedeutung, mit Flecken oder abwechselnden Stellen von mehrern abstechenden Farben versehen, ohne daß eben der Begriff der weißen Farbe herrsche; besonders in dem zusammen gesetzten buntscheckig.


Schedel (W3) [Adelung]


Der Schedel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches vermittelst der Ableitungssylbe -el, ein Werkzeug, Subject, Ding, von schad, schäd abstammet, und vermöge dieses Ursprunges gar vieler Bedeutungen fähig ist. Es kommt noch in einer gedoppelten Art vor. 1) * Trümmer, zerbrochene Stücke; nur in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in der Schweiz, wo die Mauernschedel eines Schlosses dessen Trümmer, Ruinen, Überreste sind. Es gehöret in diesem Verstande zunächst zu schaden, so fern es überhaupt verletzen bedeutete, und dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, verwüsten, ( S. Schaden.) 2) Mit dem Begriffe des hohlen Raumes wird die Hirnschale noch zuweilen, vorzüglich aber im Oberdeutschen, der Schedel genannt, ob es gleich in Hochdeutschen in dieser Bedeutung auch nicht ganz fremd ist. Ein Weib warf ein Stück von einem Mühlsteine Abimelech auf den Kopf und zerbrach ihm den Schädel, Richt. 9, 53. Da sie hingingen Jesebel zu begraben, fanden sie nichts von ihr, denn den Schedel und die Füße, 2 Kön. 9, 35. Da es denn auch zuweilen im verächtlichen Verstande für den ganzen Kopf gebraucht wird.

Anm. In Ansehung der letzten Bedeutung sind die meisten Sprachforscher bey der Ähnlichkeit zwischen Schedel und Scheitel stehen geblieben. Allein obgleich beyde Wörter ursprünglich Eines Stammes sind, so sind sie doch in ihren nächsten Ahnherren gar sehr verschieden. Das erstere hat ohne allen Zweifel den Begriff des hohlen Raumes, und gehöret zu Schatt, Schatten, Scheide, Schatz 1, und andern dieser Art. Das Nieders. Schedel, die kleine Elbogenröhre, stammet wieder von einem andern Begriffe ab, welcher vermuthlich die Ausdehnung in die Länge ist. Viele halten die Schreibart Schädel für die richtigste, weil viele Verwandte dieses Wortes ein a haben; allein es gibt deren wenigstens eben so viele, welche ein e, ja einen jeden andern Vocal haben, und da das ä und e in so viel hundert andern Fällen beständig mit einander abwechseln, so kommt es bloß auf den Gebrauch an, welcher Buchstab den Vorzug verdienet, und dieser spricht ohne Zweifel für das e.


Schedelbohrer (W3) [Adelung]


Der Schedelbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein chirurgischer Bohrer, den Schedel, d. i. Hirnschale, damit zu durchbohren; der Hauptbohrer, am häufigsten aber mit einem ausländischen Kunstworte, der Trepan.


Schedelstätte (W3) [Adelung]


Die Schedelstätte, plur. die -n, ein nur von Luthern in der Deutschen Bibel gebrauchtes Wort, den Berg Golgatha bey Jerusalem auszudrucken, Lat. Calvaria, Mons calvariae, ohne Zweifel, weil er der gewöhnliche Richtplatz war, und daher viele Hirnschedel von den daselbst hingerichteten Übelthätern auf demselben zerstreuet lagen. Und da sie an die Stätte kamen mit Nahmen Golgatha, das ist verdeutschet Schedelstätte, Matth. 27, 33. Notker nennet ihn Chaffe dero Chalinut und Chaloberge, als eine buchstäbliche Übersetzung des Lat. Calvaria, der Übersetzer Tatians aber Hamalstat, von dem veralteten hammeln, zerstümmeln, hauen u. s. f. da es denn mit Richtplatz gleichbedeutend seyn würde, S. Hammel.


Scheffe (W3) [Adelung]


Der Scheffe, S. Schöppe.


Scheffel (W3) [Adelung]


Der Scheffel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches ursprünglich einen hohlen Raum, ein Behältniß bedeutet, aber nur noch als ein gewisses Maß trockner Dinge gebraucht wird. 1) Ein viereckiger Kasten ohne Boden, womit man in Obersachsen die Pflas=tersteine zu überschlagen und zu bezahlen pflegt, führet daselbst den Nahmen eines Scheffels. Er ist daselbst 1 1/2 Elle breit, 2 Ellen lang und 1/2 Elle hoch, so daß sein körperlicher Inhalt 12 Kubik-Schuh ausmacht. 2) Noch häufiger wird es so wohl in Ober- als Niederdeutschland von einem Getreidemaße gebraucht, welches zwar nicht überall gleich, aber doch gemeiniglich der 3te oder 4te Theil einer Tonne, der 12te Theil eines "Malters", und der 30ste, 40ste bis 60ste Theil einer Last ist. In Obersachsen, Schlesien u. s. f. wird der Scheffel wieder in 4 Viertel und 16 Metzen getheilt; in Hamburg, Bremen u. s. f. hält der Scheffel 2 Faß, 4 Himten, oder 16 Spint; in Thüringen 4 Metzen oder 16 Mäßchen; im Osnabrückischen 4 Viertel oder 16 Becher, in andern Gegenden Westphalens 4 Viertel oder 48 Kannen; in Ostfriesland 18 Kruß; in Lübeck 4 Fuß; im Würtembergischen 8 Simri, 32 Unzen oder Vierlinge oder 128 Achtel; in Basel, wo er auch Müdde heißt, und ein kleineres Maß zu seyn scheinet, 4 Küpstein oder 8 Becher, acht Scheffel machen daselbst einen Sack u. s. f. In Westphalen rechnet man 4 Scheffel auf ein "Malter", in Danzig 16, in Thüringen, Obersachsen, Ostfriesland u. s. f. 12. In Danzig hat eine Last 60 Scheffel, in Lübeck 96, in Bremen 40, in Hamburg 30 u. s. f. In der Landwirthschaft einiger Gegenden wird es auch als ein Feldmaß gebraucht, so viel Acker zu bezeichnen, als man mit einem Scheffel Getreide besäen kann; zwölf Scheffel Landes.

Anm. Im mittlern Lateine als ein Getreidemaß und zwar schon zu Carls des Großen Zeiten Scapilus, Scopellus, Scaphula, im Nieders. Schepel, im Schwed. Scäppa, welches daselbst der sechste Theil einer Tonne ist, im Ital. Eschepa, Sceppa. Gemeiniglich siehet man es als ein Diminutivum von dem Oberdeutschen Schaff an, welches unter andern auch ein größeres Maß trockner Dinge ist. Das Baierische das Schäffel kann, weil es ungewissen Geschlechtes ist, eher für ein Diminutivum davon gehalten werden; allein unser männliches Scheffel stammet vielmehr vermittelst der Ableitungssylbe -el, ein Werkzeug, Ding, Subject, mit Schaff aus Einer Quelle her, und bezeichnet eigentlich ein Behältniß, ein hohles Ding, da es denn so wohl mit unserm Schiff, Schoppen, Schuppen, als auch mit dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Gefäß, verwandt ist, und um dieser und anderer Verwandtschaften willen eben so richtig Scheffel als Schäffel geschrieben wird, zumahl da das erstere den Gebrauch vor sich hat, auf welchen es hier allein ankommt. S. Schaff.


Scheffeln (W3) [Adelung]


Scheffeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben üblich ist. Das Getreide scheffelt gut, wenn es viele Körner gibt, den Scheffel reichlich füllet. Der Weitzen hat recht gut gemandelt und wird auch gut scheffeln.


Scheffelschatz (W3) [Adelung]


Der Scheffelschatz, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, ein Schatz, d. i. eine Abgabe, eine Steuer, welche der Herrschaft von jedem Scheffel Getreide gegeben wird; die Scheffelsteuer.


Scheffelzehnte (W3) [Adelung]


Der Scheffelzehnte, des -n, plur. die -n, in der Landwirthschaft, der Zehnte, so fern er nicht in Garben, sondern in ausgebrochenem Getreide gegeben wird; der Sackzehnte, Dorfzehnte, im Gegensatze des Mandel- Garben- oder Zugzehnten.


Scheibe (W3) [Adelung]


Die Scheibe, plur. die -n, Dimin. das Scheibchen, Oberd. Scheiblein, im gemeinen Leben Scheibel, ein Wort, welches von dem veralteten Zeitworte scheiben abstammet, welches eigentlich eine Nachahmung eines gewissen Lautes ist, und vermöge einer sehr gewöhnlichen Figur mehrere Arten der mit diesem Laute verbundenen Bewegungen bedeutet hat, wohin denn auch schaben, schieben, schaffen u. a. m. gehören. Dergleichen Bewegungen sind z. B. die Bewegung in die Ründe, und die damit verbundene Bewegung in die Tiefe; noch im 14ten Jahrhunderte kommt scheiben häufig für drehen vor. Ferner die Bewegung des Schneidens oder Spaltens, ( S. Säbel,) besonders in dünne Blätter, wie das Isländ. skysa, in dünne Blätter schneiden; der Begriff der Ausdehnung in die Länge und Breite ohne Dicke, daher Scheibe und das Intensivum Schiefer und schiefern, welche sich auch als Figuren von schieben ansehen lassen, und andere sehr gewöhnliche Figuren mehr. Dieß voraus gesetzt, ist Scheibe 1) ein um den Mittelpunct beweglicher, flacher, dünner, runder Körper, der in manchen Fällen auch eine Rolle heißt. Von dieser Art sind z. B. die Scheiben in einem Kloben, welche an der äußern runden Fläche mit einer Rinne versehen sind, das Seil zu fassen; Nieders. Schive. Ferner die Drahtzieherscheibe, die Töpferscheibe, die Radscheibe u. s. f. 2) In vielen Fällen verlieret sich der Begriff der Beweglichkeit, und da ist die Scheibe ein runder oder rundlicher, auf beyden Seiten ebener, dünner Körper. Bey den Markscheidern ist die Scheibe derjenige Zirkel des Compasses, auf welchem die Stunden abgezeichnet sind. Die Sonnenscheibe, die Mond- scheibe, die Sonne und der Mond, so fern sie sich dem Auge als dünne, flache, runde Körper darstellen. Die Schießscheibe oder Scheibe schlechthin, ein rund geschnittenes Bret, nach welchem geschossen wird. Nach der Scheibe schießen, nach einem solchen Brete. ( S. Scheibenschießen.) Die Salzscheibe, in den Salzhütten, eine dünne, runde und flache Masse Salzes. ( S. die folgende vierte Bedeutung.) Im Bergbaue sind die Scheiben rund geschnittene Stücken Leders, so wie sie zu den Kunstzeugen gebraucht werden. Einen Apfel, eine Wurst in Scheiben schneiden. Ein Scheibchen von einem Apfel. Das Scheibchen oder Scheibel ist bey den Jägern das dünne, flache, rundliche Stück Erde, welches der Hirsch im Gehen mit den Schalen auffasset und von sich wirft. Im Niedersächsischen heißt ein rundes Tischblatt, und in weiterer Bedeutung, ein jeder Tisch, eine Scheibe. Die Kniescheibe ist ein erhabenes, rundliches, flaches Bein, welches das Schenkelbein mit dem Schienbeine verbindet. Die Jäger nennen das Hintertheil eines Hirsches so wohl die Scheibe, als auch den Schirm und den Schurz, wo aber auch ein anderer Begriff zum Grunde liegen kann. In allen diesen Fällen lautet es im Nieders. Shive, im Engl. Shive. Vermuthlich von der Ausdehnung in die Länge und Breite ohne Dicke, oder auch von theilen, schneiden. Im Schwed. ist skifva in dünne Blätter schneiden, und im Isländ. skysa theilen; im Pohln. Skiba ein Stück. ( S. auch Schiefer und Schiefern.) 3) In manchen, obgleich nicht so vielen Fällen, verlieret sich auch der Begriff der Ründe, und da ist die Scheibe ein flacher, dünner, in die Länge und Breite ausgedehnter Körper. Die Fensterscheibe oder Glasscheibe, Pohln. Szyba, welche so wohl rund als viereckt seyn kann, ob es gleich auch hier zu der vorigen Bedeutung gehören kann, weil die runden Scheiben doch wohl die ältesten sind. Die flachen, langen, breiten und dünnen, aus lauter Zellen bestehenden Körper von Wachs, worein die Bienen das Honig sammeln, werden häufig Scheiben, Honigscheiben, und wenn sie von Honig leer sind, Wachsscheiben genannt. An andern Orten heißen sie Waben, Wefel, das Gewebe, die Mahrten, die Tafeln, das Rooß, die Gehren u. s. f. Im Hüttenbaue heißt der obere erkaltete Theil des geschmolzenen Kupfers oder Steines nach abgehobenen Schlacken, der die Gestalt eines Kuchens hat, die Scheibe. Scheiben reißen, diese Masse abheben. Bey den Tuchbereitern ist die Scheibe ein längliches Bretchen mit zwey Griffen, welches mit Hausenblase und Mauersande übergossen ist, womit die nach dem Scheren noch übrigen langen Haare völlig los gerissen werden. 4) In einigen Fällen tritt auch der Begriff der Tiefe, es hohlen Raumes mit ein, welcher unmittelbar aus der Ründe fließet. So ist bey den Papiermachern die Scheibe ein Sieb von Pferdehaaren in dem Löcherbaume, wodurch das Wasser und der Schmutz von den gestampften Lumpen abfließen. Die Salzscheibe ist in den Salzhütten ein hölzernes Gefäß von Böttcherarbeit, in Gestalt eines halben Fasses, worin das Salz verführet wird.


Scheibel (W3) [Adelung]


Das Scheibel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Scheibe 2.


Scheibenapfel (W3) [Adelung]


Der Scheibenapfel, des -s, plur. die -äpfel, eine Art Äpfel, welche man in Scheiben zu schneiden, und Küchlein daraus zu backen pflegt.


Scheibenbirn (W3) [Adelung]


Die Scheibenbirn, plur. die -en, eine Art schmackhafter, strohgelber und rother Birnen, welche platt wie eine Scheibe ist, und in August reifet.


Scheibenbohrer (W3) [Adelung]


Der Scheibenbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein mit einer Scheibe versehener Drell- oder Drillbohrer; der Zugbohrer, weil er vermittelst einer um die Scheibe gehenden Schnur gezogen wird.


Scheibenbüchse (W3) [Adelung]


Die Scheibenbüchse, plur. die -n, eine Büchse, damit nach der Scheibe zu schießen; das Scheibenrohr.


Scheibenhonig (W3) [Adelung]


Das Scheibenhonig, des -es, plur. car. Honig in Scheiben, S. Scheibe 3.


Scheiben-Instrument (W3) [Adelung]


Das Scheiben-Instrument, des -es, plur. die -e, bey einigen, ein Nahme des Astrolabii, weil der vornehmste Theil desselben aus einer runden Scheibe bestehet. S. Winkelmesser.


Scheibenkeule (W3) [Adelung]


Die Scheibenkeule, plur. die -n, in den Glashütten, die durch das Rohr geblasenen Glaskeulen oder Ballen, woraus die gemeinen Spiegelscheiben geformet werden.


Scheibenkönig (W3) [Adelung]


Der Scheibenkönig, des -es, plur. die -e, derjenige, welcher bey einem Scheibenschießen König geworden.


Scheibenkopf (W3) [Adelung]


Der Scheibenkopf, des -es, plur. die -köpfe, bey den Perrückenmachern, ein gespaltener Formkopf, welcher vermittelst hölzerner Scheiben dicker und dünner gemacht werden kann.


Scheibenkrücke (W3) [Adelung]


Die Scheibenkrücke, plur. die -n, bey den Böttchern, siehe Reifbeuge.


Scheibenpulver (W3) [Adelung]


Das Scheibenpulver, des -s, plur. inus. feines, kleinkörniges Schießpulver, dessen sich die Schützen bey dem Schießen nach der Scheibe bedienen.


Scheibenrohr (W3) [Adelung]


Das Scheibenrohr, des -es, plur. die -e, ein Rohr, d. i. eine gezogene Büchse, mit welcher man nach der Scheibe schießet.


Scheibenrennen (W3) [Adelung]


Das Scheibenrennen, des -s, plur. ut nom. sing. eine ehemahlige Art einer Lustbarkeit, wo nach einer aufgehängten Scheibe gerannt wurde. Ein Scheibenrennen halten.


Scheibenschießen (W3) [Adelung]


Das Scheibenschießen, des -s, plur. ut nom. sing. das feyerliche Schießen nach einer Scheibe, so wohl zur Übung, als auch zur Lust; zum Unterschiede von dem Vogelschießen. Der Plural wird in diesem und dem vorigen Worte nur von mehrern feyerlichen Anstalten dieser Art gebraucht.


Scheibenschütz (W3) [Adelung]


Der Scheibenschütz, des -en, plur. die -en, so wohl in weiterer Bedeutung, derjenige, welcher eine Fertigkeit im Schießen nach der Scheibe besitzet, als auch in engerer, ein Mitglied einer Gesellschaft, welche sich im Schießen nach der Scheibe übet.


Scheibig (W3) [Adelung]


Scheibig, adj. et adv. die Gestalt einer Scheibe habend. Etwas scheibig schneiden zu Scheiben.


Scheid (W3) [Adelung]


Scheid, ein für sich allein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches in gescheid in Gestalt eines Beywortes, in Bescheid, Entscheid, Erbscheid, Halbscheid und Unterscheid aber als ein Hauptwort vorkommt, in vielen auch Schied lautet, z. B. in Abschied und Unterschied, und halb männlichen, bald weiblichen Geschlechtes ist. Es stammet von dem Zeitworte scheiden her. ( S. die jetzt angeführten Wörter.) Das Scheit, welches viele um der Abstammung willen Scheid schreiben, sich aber dadurch an der Aussprache verkündigen. S. an seinem Orte.


Scheidbar (W3) [Adelung]


Scheidbar, -er, -ste, adj. et adv. fähig geschieden zu werden. So auch die Scheidbarkeit.


Scheide (W3) [Adelung]


1. Die Scheide, plur. die -n, ein Nahme, welchen in Oberdeutschen der Wels, ein bekannter Stromfisch, führet, wo er nach Oberdeutscher Art Schaide geschrieben wird, und auch wohl im männlichen Geschlechte der Schaiden lautet. Sein Nahme scheint mit dem gleichfalls Oberdeutschen Worte Schade, welches ein Nahme der Alose ist, verwandt zu seyn.


Scheide (W3) [Adelung]


2. Die Scheide, plur. die -n, von dem Zeitworte scheiden, der Ort, wo sich zwey Dinge scheiden. Es ist in den Zusammensetzungen Gränzscheide, Landscheide, Wegscheide und Wetterscheide am üblichsten, für sich allein aber seltener.


Scheide (W3) [Adelung]


3. Die Scheide, plur. die -n, ein Wort, welches nur in einigen Fällen von der hohlen, länglichen Bekleidung anderer Körper üblich ist. Besonders werden die langen, hohlen Futterale schneidender und stechender Werkzeuge mit diesem Nahmen beleget. Die Scheide eines Degens, die Degenscheide. Den Degen aus der Scheide ziehen, ihn in die Scheide stecken. Die Scheide einer Gabel, eines Messers, die Messerscheide, einer Stricknadel u. s. f. Aber auch von der ähnlichen Bekleidung anderer Dinge ist es in manchen Fällen nicht ungewöhnlich. So befinden sich zwey Scheiden an einem Kutschkasten, die ledernen Trageriemen aufzunehmen und zu bekleiden. Die Seilscheiden an den Pferdegeschirren sind lederne Bekleidungen der Zugstränge, damit sie das Pferd am Bauche nicht reiben. Die Mutterscheide, in der Anatomie, ist eine längliche, häutige Röhre am Halse der Bärmutter, welche das männliche Glied aufnimmt.

Anm. von der Scheide eines Schwertes schon bey dem Stryker Schaide, im Nieders. Schede, Schee, im Angels. Scaethe, im Engl. Sheath, im Schwed. Skida, welches aber auch eine Hülfe bedeutet. Ihre und andere leiten es von schützen her; so fern es überhaupt bedecken, bekleiden, bedeutet. Allein es scheinet hier überhaupt den Begriff des hohlen Raumes zu haben. Im Oberdeutschen ist das Gescheid ein Maß trockner Dinge, bey den Jägern das Gescheide, das Gedärm des Wildbrets, vermuthlich auch wegen der hohlen Röhren, woraus es bestehet, im Niederdeutschen die Schüte eine Art Fahrzeuge, und im Schwed. Sked ein Löffel. ( S. auch Schedel, Schacht, Schachtel u. s. f.) Beyde Begriffe, so wohl des hohlen Raumes, als auch der Bekleidung, sind indessen sehr nahe verwandt, indem der letzte bloß eine Figur des ersten ist.


Scheidebank (W3) [Adelung]


Die Scheidebank, plur. die -bänke, im Bergbaue, die Bank oder der Tisch, worauf das aus den Gruben gezogene Erz geschieden, d. i. mit dem Scheidefäustel zerschlagen, und das gute Erz von dem tauben abgesondert wird.


Scheideberg (W3) [Adelung]


* Der Scheideberg, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, einen Berg oder Fels mit gespaltenen Spitzen zu bezeichnen, welches nur Hohel. 2, 17 vorkommt: Kehre um, werde wie ein Rehe, mein Freund, oder wie ein junger Hirsch auf den Scheidebergen.


Scheideböckchen (W3) [Adelung]


Das Scheideböckchen, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, ein Böckchen oder kleines Gestell, worauf der Scheidekolben zu den Goldproben gesetzt wird.


Scheidebrief (W3) [Adelung]


Der Scheidebrief, des -es, plur. die -e, bey den ältern Juden, eine Urkunde, durch welche ein Mann, wenn er sich von seiner Ehegattinn scheiden wollte, sie von sich entließ, und ihr erlaubte einen andern zu heirathen. Im Tatian kommt dafür der Ausdruck Buch thanatribes vor. Ehedem wurde auch das schriftliche Endurtheil des Richters, wodurch der Streit zwischen zwey Parteyen entschieden wurde, der Scheidebrief genannt.


Scheideeisen (W3) [Adelung]


Das Scheideeisen, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, der Hammer, womit das Erz auf der Scheidebank geschieden wird, und welcher auch der Scheidefäustel heißt.


Scheideerz (W3) [Adelung]


Das Scheideerz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, eben daselbst, das geschiedene, d. i. von dem tauben abgesonderte, gute Erz.


Scheidefäustel (W3) [Adelung]


Der Scheidefäustel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Scheideeisen.


Scheideglas (W3) [Adelung]


Das Scheideglas, des -es, plur. die -gläser, in der Chemie, ein gläsernes Gefäß in Gestalt eines Trichters, flüssige Körper vermittelst desselben von einander zu scheiden; der Scheidetrichter.


Scheidehaken (W3) [Adelung]


Der Scheidehaken, des -s, plur. ut nom. sing. an der Degenscheide, derjenige Haken, vermittelst dessen die Scheide an dem Gehänge fest sitzet.


Scheidejunge (W3) [Adelung]


Der Scheidejunge, des -n, plur. die -n, im Bergbaue, Knaben, welche zum Scheiden des Erzes gebraucht werden.


Scheidekamm (W3) [Adelung]


Der Scheidekamm, des -es, plur. die -kämme, bey den Kattunwebern, ein viereckiger, länglicher, hölzerner Rahmen, mit engen, parallelen Sprossen, wodurch die Kette auf den Weberstuhl aufgebaumet wird; der Riethkamm.


Scheidekolben (W3) [Adelung]


Der Scheidekolben, des -s, plur. ut nom. sing. in der Chemie und im Hüttenbaue, ein Kolben, d. i. ein weitbauchiges, langhälfiges, gläsernes Gefäß, das Gold darin von dem Silber vermittelst des Scheidewassers zu scheiden.


Scheidekunst (W3) [Adelung]


Die Scheidekunst, plur. inus. die Kunst, die natürlichen Körper durch Hülfe des Feuers oder anderer Auflösungsmittel von einander zu scheiden, sie in ihre Bestandtheile aufzulösen, und sie mit einander zu verbinden; die Chymie, oder wie andere lieber wollen, die Chemie. Allein Scheidekünstler für Chymicus ist noch nicht so üblich, noch weniger aber das unschickliche scheidekünstlerisch für chymisch.


Scheidelatte (W3) [Adelung]


Die Scheidelatte, plur. die -n, im Bergbaue, Staugen oder Latten, welche in der Mitte eines Schachtes auf die Tonnenbreter geheftet werden, damit die Kübel im Auf- oder Niedergehen einander nicht hindern, weil sie dadurch von einander gleichsam geschieden werden.


Scheidemann (W3) [Adelung]


* Der Scheidemann, des -es, plur. die -männer, ein ungewöhnliches Wort, welches für Schiedsrichter Hiob 9, 33 vorkommt. S. Scheidemeister.


Scheidemehl (W3) [Adelung]


Das Scheidemehl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, im Bergbaue, dasjenige, was bey dem Scheiden des Erzes in Gestalt eines Mehles oder Staubes abgehet.


Scheidemeister (W3) [Adelung]


Der Scheidemeister, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Salzwerke zu Halle, derjenige, welcher die Thalleute, wenn sie bey ihren Ergetzlichkeiten in Streit gerathen, verträget, und ihren Streit auf der Stell entscheidet; der Schiedsrichter.


Scheidemünze (W3) [Adelung]


Die Scheidemünze, plur. die -n, kleine Münze, im Gegensatze der harten, groben; vermuthlich weil sie erst nach Einführung der letztern geschlagen wurde, um den Käufer und Verkäufer im Handel und Wandel in Kleinigkeiten zu scheiden. Es gehören dahin die kleinen Münzen von dem Häller an bis zu den Doppelgroschen, oder nach andern gar bis zu den ein Sechstel Stücken.


Scheiden (W3) [Adelung]


Scheiden, verb. irreg. act. et neutr. Imperf. ich schied; Mittelw. geschieden; Imper. scheide. Um die sämmtlichen, dem Anscheine nach so sehr verschiedenen Bedeutungen dieses Wortes und seiner Abkömmlinge begreiflich zu machen, muß man bis auf den ersten Ursprung zurück gehen, da es, so wie alle Wörter, eine unmittelbare Nachahmung eines gewissen Lautes ist, der aber mehrern ganz verschiedenen Handlungen zukommt. 1) Dem Sprechen, Reden, Urtheilen u. s. f. von welcher veralteten Bedeutung noch sehr viele Überreste vorhanden sind, wie aus unserm Bescheid, dem Zeitworte bescheiden, entscheiden u. a. m. erhellet. Bey dem Notker heißt ein Traumdeuter Troum sceidere, und die Traumbedeutung Troum sceith. 2) Des Laufens, des Rennens; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, von welcher im Schwed. noch Skede, und im Isländ. Skeith, den Lauf, die Reife, bedeutet. Skeida war im Schwed. ehedem auf der Rennbahn laufen. Unser schießen, Nieders. scheten, ist genau damit verwandt, und nur das Intensivum davon. 3) Des Schneidens, Spaltens, Theilens, Zerbrechens u. s. f. in welcher es ehedem für spalten gebraucht wurde, welche Bedeutung noch in unserm Scheit übrig ist. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und Lat. scindo, scidi, sind genau damit verwandt, so wie unser scheitern, welches das Frequentativum oder Intensivum davon ist. Vermuthlich gehöret auch schaden dahin. Von dieser letzten Bedeutung stammen zunächst die noch heutigen Arten des Gebrauches dieses Zeitwortes ab. Es ist aber I. Ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn erfordert, sich auf lange oder doch geraume Zeit von jemanden entfernen; eine Bedeutung, welche in dem gemeinen Sprachgebrauche zu veralten anfängt, und von den Dichtern noch am häufigsten gebraucht wird. Der Engel schied von ihr, Luc. 1, 38. Da er sie segnete, schied er von ihnen, Luc. 24, 51. Darnach schied Paulus von Athen, Apostelgesch. 18, 1. ( S. Abschied.) Aus diesem Leben scheiden, von hinnen scheiden, zwey noch in der feyerlichen Schreibart für sterben übliche Ausdrücke. (Siehe Abscheiden und Verscheiden.) Man kann diese Bedeutung füglich als eine Figur der folgenden des Trennens, Absonderns, ansehen; allein sie kann auch von der vorhin gedachten veralteten Bedeutung des Laufens abstammen, wovon der Begriff der Entfernung gleichfalls eine Figur seyn kann. Noch ein anderer neutraler Gebrauch, welcher Ein Mahl in Luthers Bibel vorkommt, ist jetzt im Hochdeutschen ungewöhnlich: das Loos scheidet zwischen den Mächtigen, Sprichw. 18, 18; wo es für entscheiden zu stehen scheinet, und alsdann zu der oben gedachten ersten Bedeutung gehören würde. II. Ein Activum, zwey Dinge oder die Theile eines Dinges dem Raume nach von einander entfernen. Da dieses auf verschiedene Art geschehen kann, so wird dieses Zeitwort auch in mehrern Fällen gebraucht. 1. Durch gewaltsame Trennung des Zusammenhanges; eine jetzt veraltete Bedeutung, in welcher es aber ehedem für schneiden, spalten u. s. f. üblich gewesen seyn muß, welche Handlungen es durch Nachahmung des damit verbundenen Schalles ausgedrucket hat. Das alte Lat. scido für scindo, wovon noch das Perfect. scidi abstammet, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und unser schaden selbst, sind genau damit verwandt. Es scheinet auch, daß ehedem ein Intensivum scheiten gangbar gewesen seyn muß, wovon noch Scheit und das Frequentativum oder neue Intensivum scheitern übrig sind. 2. In jetzt gewöhnlicherm Verstande scheidet man jetzt: 1) Was einem andern Dinge örtlich oder räumlich nahe ist. (a) Durch örtliche Entfernung. Dahin gehöret besonders das Reciprocum sich scheiden, wenn sich zwey Personen auf geraume Zeit, oder in einem weiten Raume von einander entfernen; wo es zunächst von dem vorigen Neutro abzustammen scheinet. Freunde scheiden sich, wenn sie von einander reifen. Wir müssen uns scheiden. ( S. Abschied.) In einigen wenigen Fällen auch als ein Activum, wohin auch der figürliche Gebrauch gehöret; eure Untugenden scheiden euch und euern Gott von einander, Es. 59, 2. (b) Durch Setzung einer Gränze, Bestimmung der Schranken; nur noch zuweilen. Wie der Herr Israel und Egypten scheide, 2 Mos. 11, 7. Hier scheidet sich das Land, hier hat es seine Gränzen. Die Alpen scheiden Italien von Deutschland. Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht, 1 Mos. 1, 14. Die Wand scheidet ein Zimmer von dem andern. 2) Was mit einem andern Dinge verbunden ist; wo es doch nur im figürlichen Verstande gebraucht wird. Was Gott zusammen fügt, soll der Mensch nicht scheiden, Matth. 19, 8. Der Tod muß mich und dich scheiden, Ruth. 1, 17. Da nun Loth sich von Abraham geschieden hatte, 1 Mos. 13, 14; wo zugleich die örtliche Entfernung mir eintritt. Zwey Eheleute von einander scheiden, die eheliche Verbindung zwischen ihnen aufheben. Ein Ehepaar von Tisch und Bett scheiden. Daher die Ehescheidung. Zwey Kauffleute scheiden sich, wenn sie vorher gemeinschaftlich gehandelt haben, und diese Verbindung aufheben. Wir sind geschieden Leute. Wenn sich Leib und Seele scheidet. 3) Was nur eine und eben dieselbe Masse ausmacht. (a) Durch bloße Trennung des Zusammenhanges; nur noch in einigen Fällen für trennen. Die dicken Wolken scheiden sich, daß es helle werde, Hiob 37, 11. Die Milch scheidet sich, sagt man in vielen Gegenden, wenn sie gerinnet, wofür man in andern das Intensivum sich schütten gebraucht. (b) Durch Trennung des Zusammenhanges uns Absonderung der fremdartigen Theile; in welchem Verstande es am häufigsten gebraucht wird, da man denn das scheidet, was vermischt war, welches wieder auf mancherley Art geschehen kann. Gott scheidete (schied) das Licht von der Finsterniß, 1 Mos. 1, 4, 18. In dem Bergbaue wird das Erz geschieden, wenn das gute Erz mit dem Hammer von dem tauben Gesteine oder geringhaltigen Erze abgeschlagen wird. Das Gold von dem Silber, das Bley von dem Kupfer scheiden, so wohl durch Schmelzung, als auch durch Scheidewasser oder andere Auflösungsmittel. (Siehe Scheidekunst.) (c) Durch Theilung in mehrere Theile; eine veraltete Bedeutung. Du sollst die Gränze deines Landes in drey Kreise scheiden, 5 Mos. 19, 3. Doch sagt man noch, hier scheidet sich der Weg; wo aber zugleich der Begriff der räumlichen Entfernung mit eintritt. S. Scheideweg und Wegescheide. 4) Was vorher nur einen und eben denselben Haufen, eine und eben dieselbe Menge ausmachte, von fremdartigen, mit einander vermischten Dingen. Die Schafe von den Böcken scheiden, Matth. 25, 32. Das Gute von dem Bösen scheiden. 5) * Was verworren war; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher man im Niedersächsischen noch im figürlichen Verstande sagt, einen Streit scheiden, für entscheiden. Das Recht soll uns scheiden. S. Schiedsrichter. So auch die Scheidung in den thätigen Bedeutungen, dagegen das Hauptwort von dem Neutro und Reciproco das Scheiden heißt. Anm. 1. Luther gebraucht dieses Zeitwort einige Mahl regulär. Da scheidete Gott das Licht von der Finsterniß, 1 Mos. 1, 4. Also scheidete sich ein Bruder von dem andern, Kap. 13, 11. Da scheidete Jacob die Lämmer, Kap. 30, 4. Stosch leitet daraus die Regel her, daß dieses Zeitwort, wenn es im eigentlichen Verstande von körperlichen Dingen gebraucht wird, regulär, im figürlichen Verstande aber irregulär abgewandelt werde. Allein diese Regel ist so wohl wider die Analogie, als auch wider den Gebrauch. Luther selbst beobachtet sie nicht. Da nun Loth sich von Abraham geschieden hatte, 1 Mos. 13, 14; in welchem Verstande er doch V. 11, scheidete gebraucht hatte. Mit mehrerm Rechte könnte man behaupten, daß das Activum regulär, das Neutrum aber irregulär gehe, welches bey mehrern andern Zeitwörtern Statt findet. Indessen ist doch der Gebrauch auch dawider, denn im Hochdeutschen wird dieses ganze Zeitwort durchgängig irregulär abgewandelt.

Anm. 2. Schon bey dem Kero kommt keskeidan für unterscheiden vor. Unser einfaches scheiden lautet bey dem Ulphilas skaidan, bey dem Ottfried skeiden und sciadan, von welcher letztern jetzt veralteten Form so wohl unser schied, geschieden, als auch die Abteilungen Abschied, Unterschied, Schiedsrichter u. s. f. übrig sind; im Nieders. scheden und mit der dieser Mundart gewöhnlichen Ausstoßung des d scheen, im Angels. scadan, sceaden. Im Lettischen ist skaitau ich lese aus, wähle.


Scheidepresse (W3) [Adelung]


Die Scheidepresse, plur. die -n, bey den Schwertfergern, eine Presse die schwarzen Degenscheiden damit bunt zu pressen.


Scheider (W3) [Adelung]


Der Scheider, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Scheiderinn, eine Person, welche scheidet. So werden im Bergbaue diejenigen Arbeiter, welche das Erz mit dem Scheidefäustel scheiden, Scheider genannt. In einigen Gegenden hat man auch auf den Mahlmühlen Scheider, welche vermuthlich das gemahlene Mehl sieben. So auch die Zusammensetzungen Markscheider, Gränzscheider, Landscheider.


Scheidestube (W3) [Adelung]


Die Scheidestube, plur. die -n, im Bergbaue, eine Stube, worin das Scheiden des Erzes verrichtet wird.


Scheidetrichter (W3) [Adelung]


Der Scheidetrichter, des -s, plur. ut nom. sing. S. Scheideglas.


Scheidewand (W3) [Adelung]


Die Scheidewand, plur. die -wände, eine Wand, welche zwey Zimmer von einander scheidet. Im Bergbaue hingegen ist es ein großer flacher Stein, oder eine eiserne Platte, auf welcher das Erz geschieden wird.


Scheidewasser (W3) [Adelung]


Das Scheidewasser, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. ein Wasser, d. i. flüssiger Körper, zwey mit einander vermischte Metalle durch die Auflösung von einander zu scheiden. Im engsten und gewöhnlichsten Verstande führet ein aus der Vitriol- und Salpeter-Säure zusammen gesetzter Spiritus den Nahmen des Scheidewassers, weil er sehr häufig zur Scheidung des Silbers von andern Metallen gebraucht wird; Lat. Aqua fortis.


Scheideweg (W3) [Adelung]


Der Scheideweg, des -es, plur. die -e, der Ort, wo sich zwey oder mehrere Wege scheiden, wo sich ein Weg in zwey oder mehrere auf verschiedene Orte führende Wege theilet. In Boxhorns Glossen Kiwicki.


Scheidewerk (W3) [Adelung]


Das Scheidewerk, des -es, plur. inus. im Bergbaue, eine taube Steinart, welche in den Gängen mit einbricht, und vornehmlich von dem Erze geschieden werden muß.


Schein (W3) [Adelung]


Der Schein, des -es, plur. inus. von dem Zeitworte scheinen, 1. Der Zustand des Scheinens, doch nur zuweilen in engerer Bedeutung, von dem Zustande, da ein leuchtender Körper sichtbar ist. So sagt man z. b. wir haben Mondschein, Sonnenschein, wenn das helle Licht dieser Himmelskörper ohne Hinderniß gesehen wird. Dahin gehöret denn auch die bey den Astrologen übliche Bedeutung, wo der Schein der Stand eines Planeten im Verhältniß gegen andere ist, die Art und Weise, wie er mit und gegen andere gesehen wird; der Aspect. Der gedritte Schein, wenn zwey Planeten 120 Grad von einander stehen; der gevierte Schein, wenn die Entfernung 90 Grad beträgt; der gesechste Schein, wenn sie 60 Grad ist. ( S. auch Gegenschein.) In weiterer und figürlicher Bedeutung sagte man ehedem Schein werden, für entstehen, Schein thun, erzeigen, erweisen; woraus die Verwandtschaft mit seyn und geschehen erhellet. S. auch Vorschein und Erscheinen. 2. Dasjenige, was an einem Körper gesehen wird; doch nur in einigen Fällen. 1) Eigentlich. Das helle Licht eines leuchtenden Körpers, so fern es durch das Gesicht empfunden wird. Einen Schein von sich geben. Sonne und Mond werden ihren Schein verlieren, Matth. 24, 29. Der Mondenschein, Sonnenschein. Bey dem blassen Scheine einer Lampe. Der Schein des Feuers, des Lichtes. Das Licht gibt einen hellen, einen schwachen Schein. Ein Schein am Himmel, ein leuchtendes, übrigens unbekanntes Wesen. Der Nordschein, Wiederschein. In den meisten Fällen, die Zusammensetzungen ausgenommen, hat das Wort Schein etwas unedles an sich; wenigstens gebraucht man in den edlern Schreibarten dafür oft lieber Licht und Glanz, obgleich dieses letztere nur zuweilen mit Schein gleichbedeutend ist. Ehedem gebrauchte man aber Schein auch für Glanz von nicht leuchtenden Körpern. Der Bluomen Schin, einer der Schwäbischen Dichter. In engerer Bedeutung wird die veränderliche Gestalt des Mondes in einigen Gegenden der Schein genannt, der in andern das Licht heißt. Der neue Schein, der Neumond, das neue Licht. So auch der alte Schein, der volle Schein. Im engsten Verstande ist in der Astrologie Schein der Neumond, doch nur in den Zusammensetzungen Jännerschein, Hornschein, Märzschein u. s. f. der Neumond im Jänner, im Hornung, im März. 2) In weiterer Bedeutung, die Gestalt eines Dinges. (a) Im eigentlichsten Verstande, die Figur eines Dinges, im Gegensatze seines Wesens; eine veraltete Bedeutung, in welcher es ehedem von dem Bilde, dem Schatten der Körper gebraucht wurde. Mir ist geschehen als einem kindeline Das sin schoenes Bilde in einem glase gesach Vnde greif dar nach sin selbes Schine, Heinr. von Morungen. In einigen Gegenden sagt man noch, wie ein Schein einher gehen, wie ein Schatten, wie ein Bild ohne körperliches Wesen. Das alte Schemen, ein Schatten, ist genau damit verwandt. In der noch im gemeinen Leben üblichen R. A. sich mit dem Scheine begnügen müssen, d. i. mit dem bloßen Ansehen, hat es die gleichfalls veraltete Bedeutung des Sehens. (b) Figürlich, das was von einem Dinge in die Sinne fällt, die Art und Weise, wie ein Ding empfunden wird, gemeiniglich, so fern diese Art von der wahren Beschaffenheit noch unterschieden, oder derselben entgegen gesetzet ist. Die Sache hat einen guten, einen bösen Schein. Der äußere Schein gibts. Allen bösen Schein meiden, sich hüthen, damit eine Handlung nicht böse scheine. Der Schein ist betrüglich. Sich von dem Scheine hintergehen lassen. Etwas nur zum Scheine thun, bloß damit es von andern dafür gehalten werde, ohne daß es wirklich das sey, was es zu seyn scheinet. Unter dem Scheine Rechtens. Unter dem Scheine des Guten. Der Schein ist sehr wider dich. ( S. auch Anschein.) Eben diese Bedeutung findet auch in vielen Zusammensetzungen Statt, wo der Schein allemahl der Wahren Beschaffenheit entgegen gesetzet ist. Ein Scheingut, Scheinchrist, Scheingrund u. s. f. was nur den Schein, die äußere Gestalt eines Gutes, eines Christen, eines Grundes hat, es aber nicht wirklich ist. 3. Dasjenige, was ein anderes Ding sichtbar macht, doch nur, in einem einzigen figürlichen Falle, von einem schriftlichen Zeugnisse einer geschehenen Sache, wo es im gemeinen Leben von kleinen, ohne viele Formalitäten ausgefertigten schriftlichen Zeugnissen am üblichsten ist. Jemanden einen Schein geben, eine Quittung über eine bezahlte Geldpost. Einen Schein geben, ausstellen. Ein Taufschein, ein schriftliches Zeugniß, daß ein Kind getauft sey, mit Bestimmung der Zeit, wenn solches geschehen. Der Trauschein, Postschein, Zollschein, Todtenschein u. s. f. ( S. diese Wörter.) Zuweilen ist der Schein im gemeinen Leben auch ein schriftliches Zeugniß des Wohlverhaltens, so wie bey den Kaufleuten auch ein schriftliches Verzeichniß abgelieferter Waaren zuweilen ein Schein heißt. In dieser ganzen Bedeutung, in welcher Schein eigentlich einen Beweis bedeutet, ist im gemeinen Leben auch das Diminutivum Scheinchen üblich. S. auch Bescheinigen und Scheinen.

Anm. Bey dem Ottfried Skim, woraus die Verwandtschaft mit Schimmer und Schemen erhellet, bey dem Notker Skuno, im Engl. Shine, im Schwed. Sken, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Im Pohln. ist Dzin der Tag. S. Scheinen.


Scheinbar (W3) [Adelung]


Scheinbar, -er, -ste, adj. et adv. welches nach Maßgebung des Hauptwortes Schein verschiedene Bedeutungen hat. 1. Was sehr merklich gesehen wird, für augenscheinlich; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher Scimbar schon bey dem Notker vorkommt. Liebt nicht mit Worten nur allein Laßt eure Liebe scheinbar seyn, Durch wahren Mund und rechte Thaten, Opitz. Im gemeinen Leben einiger Gegenden ist das verlängerte scheinbarlich noch in diesem Verstande gangbar. Gott hat ihn scheinbarlich gestraft. Ein scheinbarliches Wunder. Beydes für augenscheinlich. Ottfried gebraucht dafür das gleichfalls veraltete scinhaft. 2. Was einen Schein, d. i. ein helles Licht hat. 1) Eigentlich; wo es gleichfalls veraltet ist. 2) Figürlich, ein gutes äußeres Ansehen habend; in welchem Verstande es noch hin und wieder gebraucht wird. Eine Waare scheinbar machen, ihr ein gutes äußeres Ansehen geben. So auch der Gegensatz unscheinbar. Nach einer noch weitern Figur gebraucht Notker scinbar für berühmt. 3. Den Schein von etwas habend, ohne es wirklich zu seyn, und in engerer Bedeutung, den Schein der Wahrheit habend. Die scheinbare Unschuld des Spieles verleitete ihn zur Sicherheit. Sie stand in einer scheinbaren Verlegenheit auf. Ein scheinbarer Vorwand, eine scheinbare Entschuldigung, scheinbare Gründe. Eine scheinbare Tugend. Der scheinbare Ort eines Sternes, der Ort, wo der Stern gesehen wird, aus welchem er uns in die Augen fällt; im Gegensatze des wahren Ortes, wo er wirklich befindlich ist. In allen diesen Fällen wird Schein, dem was die Sache wirklich ist, mehr oder weniger entgegen gesetzet.


Scheinbarkeit (W3) [Adelung]


Die Scheinbarkeit, plur. inus. der Zustand, die Eigenschaft, da ein Ding scheinbar ist, in allen obigen Bedeutungen.


Scheinbegriff (W3) [Adelung]


Der Scheinbegriff, des -es, plur. die -e, ein Laut, welcher einen Gedanken bey sich zu führen scheinet, aber nicht wirklich hat.


Scheinbehelf (W3) [Adelung]


Der Scheinbehelf, des -es, plur. die -e, eine Entschuldigung, einer bösen Sache einen guten Schein zu geben.


Scheinbeweis (W3) [Adelung]


Der Scheinbeweis, des -es, plur. die -e, ein Satz, welcher den Schein eines richtigen Beweises hat, aber im Grunde das nicht beweiset, was er beweisen soll. Ingleichen, ein Beweis, welcher nur zum Scheine geführet wird.


Scheinchrist (W3) [Adelung]


Der Scheinchrist, des -en, plur. die -en, ein Mensch, welcher sich bloß im Äußern den Vorschriften des Christenthumes gemäß bezeiget; im Gegensatze des wahren Christen.


Scheinding (W3) [Adelung]


Das Scheinding, des -es, plur. die -e, was nur den Schein der Möglichkeit hat, in der That aber nicht seyn kann.


Scheinehre (W3) [Adelung]


Die Scheinehre, plur. inus. ein Vorzug, welcher den Schein einer Ehre hat, ohne es wirklich zu seyn.


Scheinen (W3) [Adelung]


Scheinen, verb. irreg. neutr. Imperf. ich schien; Mittelw. geschienen; Imperat. scheine. Es wird mit dem Hülfsworte haben abgewandelt, und bedeutet, 1. Ein helles bleibendes Licht um sich geben, oder in engerm Verstande, wegen seines hellen bleibendes Lichtes sichtbar seyn. In diesem Verstande sagt man, der Mond scheinet, wenn er mit hellem Lichte sichtbar ist; die Sonne kann vor dem Nebel nicht scheinen. Gott machte Lichter, daß sie schienen auf Erden, 1 Mos. 1, 15, 17. Die Sonne scheinet warm. Die Sonne schien durch das Glas. Das Mittelwort scheinend, ein scheinend Licht, Joh. 1, 35, ist in dieser Bedeutung im Hochdeutschen ungewöhnlich. Das ganze Zeitwort wird jetzt nicht mehr in dem Umfange gebraucht, in welchem es wohl ehedem üblich war. Von dem Feuer, von dem Blitze, von den Sternen, von einem Lichte wird es, einige gemeine Sprecharten ausgenommen, nicht mehr gesagt, ob man gleich das Hauptwort Schein noch von denselben gebraucht. Ehedem war es anders. In schinentemo Fiure, Ottfr. bey flammenden Feuer. Der Blitz scheint vom Aufgang bis zum Niedergang, Matth. 24, 17, für leuchten. Sein Blitz scheinet auf die Erden der Erden, Hiob 37, 3. Wohin auch die figürlichen Ausdrücke gehören, die Seligen werden helle scheinen, Offenb. 3, 7; meine Lehre scheinet ferne, Sir. 24, 44; für leuchten, glänzen. 2. Figürlich. 1) * Deutlich, erweislich werden: eine veraltete Bedeutung, für welche jetzt erscheinen, noch mehr aber erhellen üblich ist. Wie aus den Büchern scheint, Opitz. 2) Auf eine gewisse Art unmittelbar empfunden werden, ohne daß eben die Sache so sey, wie sie unmittelbar empfunden wird; ja oft wird dieses Scheinen oder diese unmittelbare Empfindung dem Seyn, der wahren Beschaffenheit, entgegen gesetzt. Es ist in dieser Bedeutung auf eine doppelte Art üblich; in beyden stehet die Person, wenn solche ausgedruckt wird, in der dritten Endung. (a) Als ein persönliches Zeitwort. Die Sonne scheinet uns klein zu seyn, und ist doch sehr groß. Ein anders ist etwas scheinen, und ein anders etwas seyn. Die Pastete scheint gut zu seyn. Gelehrt scheinen wollen. Auf daß sie vor den Menschen scheinen, daß sie fasten. Matth. 6, 16. Ein fromm scheinender Mensch. Jede Stunde scheint ihm eine traurige Winternacht, Geßn. Daß ich einige Augenblicke ganz fühllos geschienen habe, Gell. Die Freundschaft scheint mir in der That besser, ebend. In welcher persönlichen Form nur harte und unrichtige Verbindungen vermieden werden müssen. Z. B. Die Streitigkeiten scheinen noch so bald nicht beygelegt zu werden; für: es scheinet, daß die Streitigkeiten noch so bald nicht werden beygelegt werden. (b) Als ein unpersönliches Zeitwort. Es scheinet, daß es regnen wolle, oder als wollte es regnen. Es scheinet, daß es nichts helfen werde, oder es werde nichts helfen, als wenn es nichts helfen werde, als werde es nichts helfen. Es scheinet, mir nicht so. Wie es scheinet, so befindet er sich noch wohl.

Anm. In der ersten Bedeutung schon im Isidor, bey dem Kero, Ottfried u. s. f. scheinan, skinan, (von welcher letztern Form unser Imperfect und Mittelwort ist,) bey dem Ulphilas skeinan, im Nieders. schinen, im Engl. to shine, im Schwed. skina. Unser schön, Sonne, sehen, (im Schwed. ist skönja sehen,) schimmern, das Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Lat. Scintilla, das Ital. sembiare, sembrare, u. a. m. sind genau damit verwandt. Ehedem war es auch als ein Activum üblich, welches eigentlich sichtbar machen, hernach zeigen, weisen und beweisen bedeutete, in welchem Verstande es noch bey dem Ottfried und Willeram vorkommt. Das Isländ. skina bedeutet noch jetzt zeigen, und unser Schein, ein schriftliches Zeugniß, und bescheinigen, sind noch Überbleibsel davon; das letztere ist vermöge der Endung -igen, ein Intensivum von scheinen. Unser scheinen selbst ist nur eine, vermittelst der gewöhnlichen intensiven Endung -nen, abgeleitete Form von einem veralteten scheien, scheen, schien, welches ursprünglich eine Nachahmung einer schnellen zischenden Bewegung war, und wovon unter andern auch unser geschehen und seyn abstammen. Mit dieser Bedeutung ist die des Entstehens genau verwandt, daher das abgeleitete erscheinen auch gegenwärtig werden bedeutet. Der Gegensatz verscheinen ist noch im Niedersächsischen für vergehen, verschwinden üblich. Das Licht, der Glanz ist in allen Sprachen eine Figur der schnellen leichten Bewegung, obgleich die ersten Erfinder der Sprachen wohl nicht gemußt haben daß die Bewegung des Lichtes die schnelleste in der Natur ist. Daher stammet denn die Bedeutung des sichtbar werdens, und besonders vermittelst eines eigenen Lichtes, her, welche auch in unserm schön zum Grunde liegt. Unter den Landleuten Meißens ist noch eine sonst ungewöhnliche Bedeutung im Gange, nach welcher man von dem Getreide sagt, daß es scheine, wenn es vor der Zeit und ehe es noch kernet, zu Stroh wird, und alsdann leer ist. Ohne Zweifel gehöret es hier zu dem schon gedachten Niedersächsischen verscheinen, vergehen, verschwinden.


Scheinfeder (W3) [Adelung]


Die Scheinfeder, plur. die -n, an den Deutschen Schlössern, das Gehäuse, welches die wahre Feder verbirgt.


Scheinfreund (W3) [Adelung]


Der Scheinfreund, des -es, plur. die -e, derjenige, welcher nur den Schein eines Freundes hat, ohne es wirklich zu seyn. Uns spricht der Scheinfreund, so wie du, Allein bey guten Tagen zu, Haged.


Scheinglaube (W3) [Adelung]


Der Scheinglaube, des -ns, plur. car. in der Theologie, ein Vertrauen auf Gott, welches den Schein des wahren Glaubens hat, es aber nicht ist.


Scheingrund (W3) [Adelung]


Der Scheingrund, des -es, plur. die -gründe, ein Grund in figürlichem Verstande, welcher bey dem ersten Anblicke gut zu seyn scheinet, es aber bey genauer Untersuchung nicht ist.


Scheingut (W3) [Adelung]


Das Scheingut, des -es, plur. die -güter, ein Ding, welches der ersten unmittelbaren Empfindung nach ein Gut zu seyn scheinet, es aber im Zusammenhange betrachtet nicht ist.


Scheinhandel (W3) [Adelung]


Der Scheinhandel, des -s, plur. inus. ein Handel, d. i. Vertrag; welcher nur zum Scheine geschiehet; besonders wo der eine Theil seine wahre Absicht verhehlet, und den andern unter einem redlichen Scheine hintergehet.


Scheinheilig (W3) [Adelung]


Scheinheilig, -er, -ste, adj. et adv. den äußern Schein der Heiligkeit, d. i. der Gottesfurcht; annehmend und habend, ohne es wirklich zu seyn. Ein Scheinheiliger, ein Heuchler, den man um gemeinen Leben auch einen Kopfhänger, in Niedersachsen einen Bibelträger, Kirchenklepper, Heiligenfresser, Heiligenbeißer u. s. f. nennet. ein scheinheiliges Betragen.


Scheinheiligkeit (W3) [Adelung]


Die Scheinheiligkeit, plur. car. der Zustand da man scheinheilig ist, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit sein äußeres Betragen der Frömmigkeit gemäß einzurichten, ohne solche wirklich zu besitzen.


Scheinkauf (W3) [Adelung]


Der Scheinkauf, des -es, plur. die -käufe, ein zum Scheine geschlossener Kauf, eine Handlung, welche den Schein eines wahren Kaufes hat, es aber nicht ist.


Scheinkörper (W3) [Adelung]


Der Scheinkörper, des -s, plur. ut nom. sing. eine bloße Gestalt ohne körperliche Theile, im Gegensatze eines wahren oder organischen Körpers; Corpus parastaticum.


Scheinlich (W3) [Adelung]


* Scheinlich, adj. et adv. welches im Hochdeutschen für sich allein veraltet ist ehedem aber für scheinbar gebraucht wurde. Pillen, die sonst allzu bitter schmecken, scheinlich machen und vergolden, Logau. Augenscheinlich und wahrscheinlich haben es noch, obgleich in etwas veränderten Bedeutungen.


Scheinliebe (W3) [Adelung]


Die Scheinliebe, plur. car. ein Betragen, welches dem ersten Eindrucke nach Liebe zu seyn scheinet, es aber nicht wirklich ist.


Scheinmittel (W3) [Adelung]


Das Scheinmittel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ding, welches dem ersten Scheine nach wirksam zu seyn scheinet, aber die verlangte Wirkung nicht hervor bringt. Dergleichen Scheinmittel sind die Palliative in der Medicin.


Scheintugend (W3) [Adelung]


Die Scheintugend, plur. die -en, ein Zustand, eine Handlung oder Fertigkeit, welche den Schein der Tugend hat, es aber nicht ist.


Scheinübel (W3) [Adelung]


Das Scheinübel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ding, welches der ersten Empfindung nach ein Übel zu seyn scheinet, es aber im Zusammenhange betrachtet nicht ist.


Scheinwiderspruch (W3) [Adelung]


Der Scheinwiderspruch, des -es, plur. die -sprüche, ein Satz oder eine Handlung, welche ein Wort zu seyn, d. i. sich oder ein anderes Ding aufzuheben scheinet, es aber im Zusammenhange nicht ist.


Scheinwort (W3) [Adelung]


Das Scheinwort, des -es, plur. die -e, und -wörter, ( S. Wort,) ein oder mehrere Laute, welche ein Wort zu seyn scheinen, aber bey genauerer Untersuchung keinen vernünftigen Begriff enthalten.


Scheißbeere (W3) [Adelung]


+ Die Scheißbeere, plur. die -n, in den niedrigen Sprecharten, ein Nahme sehr vieler Arten Beeren, und der Standen, welche sie tragen, welche letztern alsdann auch wohl Scheißbeerholz oder Scheißbeerstaude genannt werden. Die vornehmsten derselben sind: 1) Die Kreuzbeere, deren Staude der Kreuzdorn oder Wegedorn genannt wird, Rhamnus catharticus L. aus welchen das Saftgrün bereitet wird. 2) Die verwandte Faulbeere, Rhamnus frangula L. 3) Die Beeren des Hartriegels, Cornus sanguinea L. welche in manchen Gegenden unter dem Nahmen der Horlsken und Hernsken bekannt sind. 4) Die Zaun- oder Heckenkirsche, Lonicera Xylosteum L. deren Strauch und Holz auch Beinholz genannt wird. 5) Die Mehl- oder Schlingbeere, Viburnum Lantana L. und 6) der verwandte Bach- oder Wasserhohlunder, Viburnus Opulus L.

Anm. Weil das Holz einiger dieser Staudenarten gute Kohlen für das Schießpulver gibt, so glauben viele, daß der Nahme aus Schießbeere verderbt worden. Allein bey vielen ist er gewiß älter, als die Erfindung des Schießpulvers. Es ist daher glaublicher, daß der üble Geschmack einiger dieser Beeren, und bey andern ihre purgirende Kraft bey einem übermäßigen Gebrauche, zu ihrer Benennung Anlaß gegeben, welche indessen, wie schon gesagt worden, nur unter dem großen Haufen gangbar ist.


Scheiße (W3) [Adelung]


+ Die Scheiße, plur. car. in den niedrigsten Sprecharten, so wohl Menschen- und Thierkoth, besonders von dünnerer Art, und in weiterm Verstande ein jeder Koth, als auch der Durchfall.


Scheißen (W3) [Adelung]


+ Scheißen, verb. irreg. act. Imperf. ich schiß, Mittelw. geschissen; Imperat. scheiße; den Unrath aus den Därmen in flüssiger Gestalt und mit einem gewissen Schalle von sich geben, welchen dieses Wort nachahmet, und in weiterer Bedeutung, den Überrest von verdauten Speisen durch gewöhnlichen Stuhlgang von sich geben. Es ist nur noch den niedrigsten und ungesittetsten Sprecharten eigen; anständigere haben es wegen der schmutzigen Onomatopöie längst veralten lassen. Eben dieß gilt auch von allen Ableitungen und Zusammensetzungen, z. B. scheißangst und scheißbange, im hohen Grade angst und bange, Scheißer, Scheißerey, Scheißhaus, Scheißmatz, Scheißdreck, Schiß u. s. f. welche daher auch hier keine weitere Stelle verdienen.

Anm. Im Schwabensp. schizzen, im Nieders. schiten, im Schwed. skita, im Engl. to shite, im Franz. chier, welches letztere Art der Niedersachsen mit Ausstoßung des t gebildet zu seyn scheinet. Da der Laut, welcher in diesem Worte zum Grunde liegt, mehrern Handlungen eigen ist, so muß man auch schießen, schütten und das Nieders. scheuten, spritzen, als verwandte ansehen, welche anständigere Handlungen bezeichnen, und daher auch ohne allen Anstoß gebraucht werden.


Scheißfalk (W3) [Adelung]


Der Scheißfalk, des -en, plur. die -en, in den gemeinen Sprecharten, eine Art Patschfüße in den nördlichsten Gegenden, welche einem Falken ähnlich ist; Plautus stercorarius Klein. Der Koth der Kutgegef, einer andern Art Patschfüße, ist sein größter Leckerbissen, daher er diesen Vogel so lange in der Luft verfolgt und ängstiget, bis er denselben von sich gibt, da er ihn denn sehr geschickt in der Luft anzufangen weiß. Die Holländischen Schiffleute nennen ihn daher auch Strontjaeger, Struntjäger, d. i. Dreckjäger.


Scheit (W3) [Adelung]


Das Scheit, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, die -er, Diminut. das Scheitchen, Oberd. Scheitlein, von dem Zeitworte scheiden, in seiner ältesten und weitesten Bedeutung, da es von allen Arten der Trennung des Zusammenhanges gebraucht wurde. 1. Ein Werkzeug, andere Körper damit zu scheiden, d. i. den Zusammenhang ihrer Theile zu trennen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, von welcher doch noch verschiedene Spuren übrig sind. In der Lotharingischen Provinzial-Sprache ist Cheite ein mit Eisen beschlagener Keil, im Schwed. Ardasked die Pflugschar, im Ital. Schidone der Bratspieß, und unser Grabscheit bedeutet noch ein solches Werkzeug zum Graben. Indessen kann es seyn, daß man in den ältern einfältigen Zeiten sich statt dieser Werkzeuge eines geschärften oder zugespitzten Scheines in der folgenden Bedeutung bedient hat, in welchem Falle es denn auch dahin gerechnet werden müßte. 2. Ein Stück eines Ganzen, eines von den Theilen, in welche ein fester Körper durch gewaltsame Trennung zerstückelt worden. 1) Im weitesten Verstande, wo Scheit ehedem für Bruchstück, für ein Trumm gebraucht wurde, und in einigen Gegenden noch dafür üblich ist. So sagt man, in einigen noch, ein Schiff gehe in Scheiter oder zu Scheitern, wenn es auf den Grund geräth und von den Wellen zertrümmert wird, wofür im Hochdeutschen das Zeitwort scheitern üblich ist, ( S. dasselbe.) 2) In engerer Bedeutung, ein durch Schneiden oder Spalten hervor gebrachtes Stück, da es denn in einigen Oberdeutschen Gegenden von einem jeden Spane gebraucht wird. Im Hochdeutschen ist es nur in engerer Bedeutung gangbar, wo man ein Stück gespalteten Holzes von einer beträchtlichen Größe ein Scheit nennet, besonders solches grob gespaltenes Holz, woraus das Klafterholz bestehet; Nieders. Kluft, von kloven, spalten. Scheite schlagen, d. i. durch Spalten hervor bringen. Holz zu Scheiten schlagen. Ein Brandscheit, ein solches zum Verbrennen bestimmtes Scheit, zum Unterschiede von den Böttcherscheiten. ( S. auch Kernscheit, Klöppelscheit, Stockscheit, Scheiterhaufe u. s. f.) Auch die kleinern für den Herd bestimmten Stücken Brennholzes, welche aus diesen größern Scheiten gehauen und gespalten werden, werden in vielen Gegenden Scheitchen genannt. 3) Figürlich wird zuweilen ein gerades, dickes und mehrentheils kurzes hölzernes Werkzeug gleichfalls ein Scheit genannt, da es denn durch einen Vorsatz näher bestimmt werden muß. Das Rattelscheit ist in einigen Gegenden der Knüttel der Ballenbinder, womit sie die Ballen und Packe zusammen ratteln; das Knetscheit, ein Holz, womit die Bäcker das Kneten verrichten; das Fügescheit; im Oberdeutschen, ein Werkzeug der Böttcher; das Richtscheit, ein starkes Lineal der Werkleute, und in weiterer Bedeutung oft ein jedes Lineal. Bey den Webern wird der untere dickere Theil der Lade, welcher dem Fluge derselben einen schweren Schwung mittheilet, das Scheit genannt, und in der Schweiz hieß ehedem eine Muskete das Schießscheit. Ohne Zweifel, weil man sich anfänglich zu allen diesen Werkzeugen eines gespaltenen und gröblich bearbeiteten Stückes Holzes bedienete.

Anm. In der zweyten engern Bedeutung eines Stückes gespaltenen Holzes, im Angels. Scidi, im Engl. Shide, im Schwed. Skid, im Isländ. Skide, im Ital. Scheggia. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und die Latein, Schidia und Scindula ( S. Schindel) gehören gleichfalls dahin. Da dieses Wort unstreitig von scheiden in seiner weitesten Bedeutung abstammet, so haben viele aus einer übertriebenen Gewissenhaftigkeit dasselbe Scheid schreiben wollen, sich aber dadurch auf das gröblichste an der allgemeinen Aussprache versündiget. Es ist ja nichts gewöhnlicher, als daß in den Ableitungen die verwandten Buchstaben mit einander verwechselt werden. Der Plural Scheiter für Scheite ist nur den gemeinen, besonders Niederdeutschen Mundarten eigen.


Scheitel (W3) [Adelung]


Die Scheitel, plur. die -n, der oberste Theil des Hauptes, zwischen der Stirn und dem Hinterhaupte, wo sich die Haupthaare zu theilen pflegen, und wovon der hintere Theil der Wirbel genannt wird. Von den Fußsohlen bis auf die Scheitel, Hiob. 2, 7. Silbern war sein Haar auf seiner Scheitel und um sein Kinn, Geßn. Die Locke, Die fünfzehn oder sechzehn Jahr Die Zierde meiner Scheitel war. Raml. Wo es in der höhern Schreibart figürlich für den ganzen mit Haaren bekleideten Theil Hauptes gebraucht wird. In noch wei- terer Bedeutung wird es zuweilen für den obersten, gemeiniglich spitzigen oder runden Theil eines jeden Dinges, für den Gipfel, gebraucht, S. Scheitelpunct.

Anm. Schon bey dem Raban Maurus Scheitila, bey dem Notker Scheitela, im Nieders. Schedel. Gemeiniglich leitet man dieses Wort von scheiden her, weil sich die Haare daselbst zu scheiden pflegen; eine Ableitung, welche alle Wahrscheinlichkeit für sich hat. ( S. indessen auch Schedel.) Wenn das Nieders. Schedel auch die kleine Elbogenröhre bedeutet, welche im Alt-Fries. Scidel heißt, so gehöret es alsdann ohne Zweifel zu Scheide. Im Hoch- und Oberdeutschen ist dieses Wort fast durchgängig weiblichen Geschlechtes. So gebraucht es auch Luther, 1 Mos. 49, 26, und in andern Stellen; dagegen es in einigen in dem ungewöhnlichern männlichen vorkommt: sein Frevel wird auf seinen Scheitel fallen, Pf. 7, 17. Der Herr wird den Scheitel der Tochter Zion kahl machen, Es. 3, 17.


Scheitelbein (W3) [Adelung]


Das Scheitelbein, des -es, plur. die -e, in der Anatomie, diejenigen Beine oder Knochen, welche die Scheitel des Hauptes binden, und den obern, mittlern und Seitentheil der Beine der Hirnschale einnehmen; Ossa bregmatis, verticis.


Scheiteln (W3) [Adelung]


Scheiteln, verb. reg. act. welches nur von den Haaren auf der Scheitel üblich ist. Die Haare scheiteln, sie auf beyden Seiten der Scheitel vermittelst des Kammes theilen. Gescheitelte Haare tragen. Nieders. scheteln. Entweder von Scheitel, oder auch als das Intensivum von scheiden; in welchem Falle es aber von der Theilung in mehrern Fällen üblich seyn müßte, welches mir doch nicht bekannt ist.


Scheitelpunct (W3) [Adelung]


Der Scheitelpunct, des -es, plur. die -e, in der Astronomie, ein Punct, welchen man in der unbeweglichen Fläche der Weltkugel senkrecht über seinen Scheitel annimmt, und welcher mit einem Arabischen Kunstworte auch das Zenith heißt, im Gegensatze des Nadirs oder Fußpunctes. In weiterer Bedeutung wird in der Algebra derjenige Punct einer krummen Linie der Scheitelpunct oder die Scheitel genannt, wo der Diameter oder die Asche dieselbe durchschneidet, so wie man in der Geometrie auch die Spitze eines Winkels, welche der Grundfläche entgegen gesetzt ist, oder wohl gar einen jeden Punct, wo zwey Linien einander durchschneiden, mit diesem Rahmen zu belegen pflegt, da es denn für Gipfel oder Spitze stehet.


Scheitelrecht (W3) [Adelung]


Scheitelrecht, adj. et adv. in der Mathematik, auf dem scheinbaren Horizonte senkrecht stehend, so daß die gezogene gerade Linie in den Scheitelpunct trifft; mit einem Lateinischen Kunstworte vertical. Einen Mörser scheitelrecht richten. Scheitelrecht oder vertical, und senkrecht oder perpendicular, sind zwar zuweilen, aber nicht allemahl einerley. Auf eben diese Art könnte man eine Vertical-Fläche, einen Vertical-Zirkel, einen Vertical-Winkel u. s. f. eine Scheitelfläche, einen Scheitelzirkel, einen Scheitelwinkel nennen.


Scheiterhaufen (W3) [Adelung]


Der Scheiterhaufen, des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich ein jeder aus Holzscheiten bestehender Haufen, wo es doch nur in engerm Verstande von solchen Haufen dieser Art am üblichsten ist, auf welchen man ehedem die Leichen verbrannte, jetzt aber noch gewisse Verbrecher zu verbrennen pflegt; der Holzstoß.


Scheitern (W3) [Adelung]


Scheitern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, in Stücken gehen, zertrümmert werden; am häufigsten von den Schiffen, Schiffbruch leiden. Das Schiff ist gescheitert, es scheiterte an einer Klippe. Ingleichen figürlich. Der Anschlag das Vorhaben ist gescheitert. Daher das Scheitern.

Anm. Im Ital. scheggiare. Es ist unstreitig das intensive Frequentativum von dem Neutro scheiden, wie so wohl aus der iterativen Endung -ern, als aus dem intensiven t statt des weichern d erhellet. In einigen gemeinen Oberdeutschen Mund- arten ist es auch als ein Activum üblich, welches nicht nur zertrümmern, sondern auch Holz zu Scheiten schlagen, bedeutet.


Scheitflöße (W3) [Adelung]


Die Scheitflöße, plur. die -n, eine Anstalt, durch welche das zu Scheiten geschlagene Brennholz von einem Orte zum andern geflößet wird; zum Unterschiede von einer Zimmerflöße.


Scheithauer (W3) [Adelung]


Der Scheithauer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, welcher das Holz in den Wäldern zu Scheiten schläget; der Scheitschläger, Holzhauer, Klafterschläger.


Scheitholz (W3) [Adelung]


Das Scheitholz, des -es, plur. inus. das zu Scheiten geschlagene Holz; im Gegensatze des Bauholzes, ganzer Stämmen u. s. f. Ein Scheit Holz hingegen bezeichnet ein Individuum solches Scheitholzes.


Scheitmaß (W3) [Adelung]


Das Scheitmaß, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, dasjenige Maß, welches die zu Klafterholz bestimmten Scheite haben müssen.


Schel (W3) [Adelung]


Schel, -er, -este, adj. et adv. welches eigentlich schief bedeutet, hernach aber auch für das verwandte schielend gebraucht wurde; wenigstens scheint Luther 3 Mos. 21, 20 es so genommen zu haben: der ein Fell auf dem Auge hat oder scheel ist; wo es bey Michaelis heißt: in dessen Augen eine unregelmäßige Mischung des Augapfels mit dem Weißen im Auge ist. In dem zu Basel 1523 gedruckten N. Test. wird scheel ausdrücklich durch schylen, glunen, übersichtig erkläret. In beyden Bedeutungen ist es im Hochdeutschen veraltet, wo man es nur noch im figürlichen Verstande gebraucht, seinen Unwillen durch schiefe und mürrische Blicke an den Tag legend. Schel zu etwas sehen, seine Unzufriedenheit darüber durch mürrische Blicke und Mienen offenbaren. Siehest du darum so scheel, daß ich so gütig bin? Matth. 20, 15. Ein scheler Blick. Die Stutzer sahen ihn mit schelen Augen an, Zachar.

Anm. Im Oberdeutschen schelch, im Schwed. skälg, Nieders. schell, im Holländ. scheel, welches nicht nur schief und krumm bedeutet, schelles Holz, krummes, schief und schell, schief und krumm, sondern auch schielend, und figürlich böse, mürrisch, verdrießlich. Im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gleichfalls schief. ( S. Schielen.) Das veraltete Hauptwort Schele, Uneinigkeit, Zwietracht, Streit, welches noch im Niedersächsischen üblich ist, scheinet zunächst von schallen abzustammen, ( S. Schelten.) Zu einem von beyden gehöret vermuthlich auch das Lat. Scelus. Wer siehet nicht, daß das Franz. Jalousie und Ital. Gelosia damit überein kommt? Die Schreibart schäl, welche man zuweilen findet, würde sich eher vertheidigen lassen, als die mit zwey e, scheel.


Schelbe (W3) [Adelung]


Die Schelbe, eine junge Kuh, S. Schälbe.


Schelch (W3) [Adelung]


Der Schelch, des -es, plur. die -e, ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Baiern, übliches Wort, welches einen Kahn bedeutet, und ohne Zweifel zu der Verwandtschaft des Wortes Schale gehöret; oder auch zunächst von Kelch, in der weitesten Bedeutung, vermittelst des Zischlautes gebildet ist.


Schelfe (W3) [Adelung]


Die Schelfe, plur. die -n, in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden, die Schale, besonders die weiche biegsame Schale, die Hülfe. Äpfelschelfen, Apfelschalen. Die Schelfen von Erbsen, Bohnen, Wälschen Nüssen u. s. f. Man tritt den wahren Kern und sättigt sich mit Schelfen, Günth.

Anm. Nieders. Schluwe, vermuthlich für Scheluwe. Es ist von Schale nur im Endlaute unterschieden, und hat mit demselben den Stammbegriff des hohlen Raumes und der Bedeckung gemein. Im Niedersächsischen war Schelf ehedem ein Bret, ein breternes Gerüst, welche Bedeutung das Engl. Shelf und Angels. Scylf gleichfalls hat. Im Schwed. ist Skalp und im Isländ. Skalpr die Scheide. Ohne Zischlaut ist im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - die äußere Baumrinde, welches zunächst von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - abstammet, so wie Schale und Schelfe von dem veralteten schelen, bedecken, Schwed. skyla. Selbst im Chald. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und im Syrischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - die Fischsuppe, Angels. Scylle.


Schelfen (W3) [Adelung]


Schelfen, und das Intensivum Schelfern, verb. reg. act. in Schelfen, d. i. dünne Blätter, theilen; ein nur in den gemeinen Sprecharten übliches Wort, wo es am häufigsten als ein Reciprocum gebraucht wird, sich schelfen oder schelfern, sich in Blätter oder Schalen absondern. Die Haut schelfert sich.


Schellaxt (W3) [Adelung]


Die Schellaxt, die -äxte, in einigen Gegenden, eine stumpfe Art, die Bänke Steinsalzes damit zu zerschellen oder zu zerschlagen.


Schellen (W3) [Adelung]


Schellen, verb. reg. welches das Activum bey dem Neutro schallen ist, schallen machen. 1) Im weitesten Verstande, wo es ehedem von verschiedenen Handlungen gebraucht wurde, welche mit einem sich merklich auszeichnenden Schalle verbunden sind. Im Schwedischen ist skölja ausspüle; eben daselbst wird es auch von dem Schlagen der Wellen an das Schiff oder an einen Felsen gebraucht. Wir haben es in diesem weitesten Verstande noch in dem zusammen gesetzten zerschellen, mit einem merklichen Schalle in Stücke zertrümmern, wohin auch das Nieders. knackschellig oder knäckschellig, gebrechlich, entkräftet, gehöret. 2) In engerer Bedeutung ist schellen, mit Schellen einen Schall hervor bringen. In manchen Gegenden gebraucht man es auch von kleinen Glocken. Es schellt jemand an der Thür, wofür man im Hoch- deutschen auch klingeln gebraucht. Im gemeinen Leben hat man dafür auch das Iterativum schellern, so wie schelten eigentlich das Intensivum ist. Daher das Schellen.

Anm. Im Ital. squillare. Es ist das Activum von schallen, ohne daß es deßwegen eben mit einem ä geschrieben werden müßte. Schwenken, wecken, u. a. m. haben auch ein e, obgleich ihre Neutra schwanken, wachen u. s. f. heißen.


Schellenbaum (W3) [Adelung]


Der Schellenbaum, des -es, plur. die -bäume, der Nahme eines Brasilischen und Ostindischen Baumes, dessen Frucht einer Kastanie oder Wassernuß gleicht, aber eine harte klingende Schale hat, daher sich die Brasilianer ihrer anstatt der Schellen bedienen; Cerbera L. der Ostindische Herzbaum, Cerbera Manghas L. ist eine Art davon.


Schellengeläut (W3) [Adelung]


Das Schellengeläut, des -es, plur. die -e, der Klang mehrerer Schellen; ohne Plural. Am häufigsten das mit Schellen versehene Geschirr, womit die Pferde vor einem Schellenschlitten beleget werden.


Schellenpflanze (W3) [Adelung]


Die Schellenpflanze, plur. die -n, eine Pflanze, Nolana L. welche diesen Nahmen vermuthlich wegen der Gestalt ihrer Blumen hat.


Schellenschlitten (W3) [Adelung]


Der Schellenschlitten, des -s, plur. ut nom. sing. ein Rennschlitten, so fern das davor gespannte Pferd mit einem Schellengeläute beleget wird.


Schellenwerk (W3) [Adelung]


Das Schellenwerk, des -es, plur. die -e, ein aus Schellen bestehendes Werk.


Schellfisch (W3) [Adelung]


Der Schellfisch, des -es, plur. die -e, eine Art Kabliau oder Dorsch, welcher silberfarbig, und sehr schmackhaft ist, und häufig in der Nordsee gefangen wird; Gadus Aeglesinus L. Er hat den Nahmen ohne Zweifel von seinen zwar kleinen, aber sehr dichten Schuppen, von dem Nieders. Schelle, die Schale, und Engl. Scale, Fischschuppe, Franz. Ecaille, Ital. Scaglia. Im Dänischen heißt er Kuller.


Schellhengst (W3) [Adelung]


Der Schellhengst, des -es, plur. die -e, ein zur Zucht, zur Fortpflanzung seines Geschlechtes bestimmter und gehaltener Hengst. Der Schellhengst schreyet gegen alle Mähren, Sir. 33, 6. Häufiger und zugleich richtiger wird dieses Wort Schelhengst oder Schälhengst geschrieben und gesprochen, obgleich auch für dieses im Hochdeutschen Beschäler üblich ist. Es stammet ohne Zweifel von dem alten schälen oder schelen, decken, her. S. Beschälen und Schelfe.


Schelllack (W3) [Adelung]


Der Schelllack, des -es, plur. inus. eine nur im Niedersächsischen übliche Benennung des in Tafeln zu uns gebrachten Gummi Lacks; von dem Nieders. Schelle, eine Schale, Bret.


Schellwurz (W3) [Adelung]


Die Schellwurz, oder Schellwurzel, plur. inus. S. Schellkraut.


Schelm (W3) [Adelung]


1. * Der Schelm, des -es, (Oberd. des -en,) plur. die -e, (Oberd. -en,) ein im Hochdeutschen völlig unbekanntes Wort, welches eigentlich ein abgezogenes todtes Vieh bedeutet, in welchem Verstande es noch in Niedersachsen hin und wieder gangbar ist, wo sein Pferd zum Schelmen machen, lassen, so viel ist, als es abdecken lassen. In weiterer Bedeutung wird es in manchen Gegenden Oberdeutschlandes von einem jeden todten, an Krankheit verstorbenen Körper, auch in verächtlichem Verstande von einem Aase gebraucht. Ein Schelmengeschmack, ein Aasgeruch, Hans Sachs. Es stinkt als ein Schelm, Geb. Frank, bey dem Frisch. Der Rab, der aus Noa Arche flog, fand vielleicht einen Schelmen im Wasser fließen, Königshof. eben daselbst.

Anm. Das Zeitwort schelmen, schinden, auch im figürlichen Verstande, und die Hauptwörter Schelmschinder, der Abdecker, und Schelmerey, Schinderarbeit, sind im Hochdeutschen eben so fremd. Bedeutete dieses Wort, wie sehr wahrscheinlich ist, eigentlich ein abgezognes todtes Thier, so würde es mit schalmen, der Schale, Rinde oder Haut berauben, zu Schale, Nieders. Schelle, gehören. Indessen, da das m ein bloßer, seiner Bedeutung nach noch nicht genug bekannter Endlaut ist, Schal oder Schel aber gar viele Bedeutungen leidet, worunter besonders die des übeln Geruchs ( S. Schal) oder auch des leblosen todten Zustandes ( S. Schellen) in Betrachtung kommen, so findet immer noch eine schicklichere Ableitung Statt. ( S. das folgende.) Im Wallis. ist Celain ohne Zischlaut gleichfalls ein Aas.


Schelm (W3) [Adelung]


2. * Der Schelm, des -es, oder -en, plur. inus. ein auch nur im gemeinen Leben einiger Gegenden übliches Wort, eine ansteckende tödtliche Seuche, die Pest, das Viehsterben zu bezeichnen. Schelm oder Sucht oder Keyb, Pestis, in einem alten Vocabul. von 1482 bey dem Frisch, welcher noch mehrere Beyspiele von dieser Bedeutung anführet. Es scheinet, daß sich dieses Wort am füglichsten von schellen, zerschellen, zertrümmern, vernichten, ableiten lasse, obgleich Frisch, Wachter und andere dieses und das folgende Wort bloß für figürliche Bedeutungen von Schelm, ein Aas, halten.


Schelm (W3) [Adelung]


3. Der Schelm, des -es, plur. die -e, ein auch noch im Hochdeutschen gangbares Wort, welches daselbst in einem doppelten Verstande vorkommt. 1) In einem sehr harten, da man unter Schelm eigentlich einen seiner Verbrechen wegen ehrlos gemachten Menschen verstehet. Jemanden zum Schelm machen, ihn mit gewissen Feyerlichkeiten ehelos machen. Ihn als einen Schelm wegjagen. Bey den Handwerkern ist der Mißbrauch eingerissen, jeden, der seine wahre oder eingebildete Schuldigkeit nicht beobachtet, für einen Schelm und Hundsfott, für einen ehrlosen Menschen zu halten. Ein Schelm der weggehet! Indessen hat es im gemeinen Sprachgebrauche viel von seiner ersten Härte verloren, wenigstens wird es nicht mehr für so ehrenrührig gehalten als andere Wörter dieser Art. In weiterer Bedeutung ist Schelm ein Mensch, der sich solcher Vergehungen schuldig macht, welche in der bürgerlichen Gesellschaft die Ehrlosigkeit mit sich führen, besonders ein Dieb, und grober Betrieger. Zum Schelme werden, zum Betrieger; ingleichen in der harten Sprechart für bankerott werden. Wie ein Schelm handeln, davon gehen. Der Schelmen arger Griff, damit er uns will fangen, Opitz. Damit entfährt der Geist dem losen Mammonsknechte, Dem jeder um das Grab mit einem Schelmen ziert, Canitz. Diese Abänderung des Schelmen u. s. f. ist in der Oberdeutschen Mundart üblicher als in der Hochdeutschen. 2) In gelinderer Bedeutung ist Schelm, so wie Schalk, eine Person, welche einem andern bey einem unschuldig scheinenden äußern Verhalten zu schaden sucht, und in noch gelinderer Bedeutung, welche leichtfertige Absichten hinter einem äußern unschuldig scheinenden Betragen zu verbergen weiß. Ein loser, leichtfertiger Schelm. Einen Schelm hinter den Ohren haben. Je ärger Schelm, je besser Glück. Ein armer Schelm, in noch weiterer Bedeutung, ein armer mitleidswürdiger Mensch.

Anm. Im Schwed. und Isländ. Skälm, im Engl. Skellum, im Pohln. Szelma. Frisch, Wachter, Dietrich von Stade; Ihre u. a. m. sehen dieses Wort mit Eckardten als eine Figur von Schelm, Aas, an; allein, man wird wohl nicht leicht ein Beyspiel finden, daß in einem Worte von einer so bestimmten Bedeutung, wie Schelm ist, eine so unbestimmte Anspielung zum Grunde liegen sollte. Da es ausgemacht ist, daß von zwey End-Consonanten der letzte allemahl ein Endlaut ist, welcher das abgeleitete Wort näher bestimmt, so kommt es hier nur auf die Sylbe Schel an, welche, da die Selbstlauter unaufhörlich abwechseln, mit Schal gleichbedeutend ist. Schalk und Schelm sind also nur in den Endlauten unterschieden, und stammen beyde von einer veralteten Bedeutung des Zeitwortes schalen und schelen, schellen ab. Welches diese Bedeutung unter den vielen ist, welche dieses Wort leidet, läßt sich nur muthmaßlich bestimmen, weil uns die Genealogie dieses Wortes fehlet. Es kann die geschwinde betrügliche Bewegung seyn, welche sich besonders zu der zweyten Bedeutung schickt, da sich die erste durch eine ehrlose Flucht erklären läßt. Bey den Krainerischen Wenden ist schalam ich scherze. Es können aber auch das Lat. Scelus und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - mit unserm Schelm verwandt seyn, da denn auch schel und das alte schelen, sehlen, mangeln, mit zur Verwandtschaft gezogen werden können. Noch im 16ten Jahrh. bedeutete schelmen verstümmeln. So sagt der bekannte Dichter, Paul Rephuhn, der Übersetzer habe sein Original nicht geschelmet und gestimmelt. Daß dieses Wort ehedem noch andere anständige Bedeutungen gehabt haben müsse, erhellet aus der ehemahligen adeligen Familie der Schelme. Vielleicht hat es, so wie Schalk, ehedem auch einen Diener bedeutet. S. Schalk.


Schelmerey (W3) [Adelung]


Die Schelmerey, plur. die -en, von 3 Schelm. 1) Die Fertigkeit, jemanden unter einem unschuldig scheinenden äußern Ansehen zu hintergehen; besonders in der zweyten gelindern Bedeutung, und ohne Plural. 2) Ein solches Betragen, eine solche Handlung selbst; auch nur in der zweyten gelindern Bedeutung, von dem Hintergehen im Scherze.


Schelmisch (W3) [Adelung]


Schelmisch, -er, -te, adj. et adv. von 3 Schelm, in der Gesinnung und Fertigkeit eines Schelmes gegründet. 1) Im ersten und harten Verstande. Ein schelmisches Betragen, im höchsten Grade betrügliches. Schelmischer Weise davon gehen, als ein ehrloser, vorsetzlicher Betrieger. Ein schelmisches Vorhaben. 2) In der zweyten gelindern Bedeutung, wo es doch nur zuweilen im gemeinen Leben vorkommt.


Schelmstreich (W3) [Adelung]


Der Schelmstreich, des -es, plur. die -e, ein schelmischer, vorsetzlich betriegerischer Streich; am häufigsten im harten Verstande, zuweilen aber auch im gelindern. Einen Schelmstreich begehen.


Schelmstück (W3) [Adelung]


Das Schelmstück, des -es, plur. die -e, Diminut. das Schelmstückchen, ein listiger Schelmstreich, und in weiterm Verstande, eine jede mit List verbundene böse und boshafte Handlung. Ein Schelmstück begehen. Im gemeinen Leben auch im gelindern Verstande, von leichtfertigen, scherzhaften mit List ausgeführten Handlungen. Schwed. Stycke Skälm, Skälmstyck, Skalksstyck.


Schelsucht (W3) [Adelung]


Die Schelsucht, plur. car. die Sucht, d. i. ungeordnete heftige Fertigkeit, zu den Vorzügen anderer schel zu sehen; Neid, Eifersucht. Schelsucht, Ungeduld und Wahn, Heißt ihn, sich der Gegend nahn, Wo Elpin den Schritt gethan, Haged. Auch Galliens vergnügter Sänger Höre den Nachhall nicht ohne Schelsucht, Raml. So auch das Bey- und Nebenwort schelsüchtig, in dieser Gesinnung gegründet. S. Schel.


Schelten (W3) [Adelung]


Schelten, verb. irreg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert; ich schelte, du schilst, er schilt Imperf. ich schalt, Conj. ich schälte, (ehedem scholt, schölte;) Mittelw. gescholten; Imperf. schilt. Es ist ein vermittelst der intensiven Endung -ten gebildetes Intensivum von schallen und schellen, und bedeutet, 1. Eigentlich einen starken Schall, und in weiterer Bedeutung einen Schall von sich geben und hervor bringen. Diese Bedeutung ist zwar im Hochdeutschen längst veraltet, indessen kommen doch noch manche Spuren davon vor. Wenn das weibliche Geschlecht, des Roth- und Tannwildbretes seine Stimme hören läßt, so nennen die Jäger solches noch schelten und schalten. Das Schwed. skälla, welches mit unserm schelten gleichbedeutend ist, heißt eigentlich bellen. 2. In engerer Bedeutung, nachdrückliche und laute Worte von sich hören lassen, mit starker lauter Stimme sprechen oder reden, besonders von einzelnen Arten der lauten Rede. 1) * Ernstlich befehlen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Und er schalt das Schilfmeer, da ward es trocken, Ps. 106, 9. Siehe mit meinem Schelten mache ich das Meer trocken, Es. 50, 2. Der das Meer schilt und treuge macht, Nahum. 1, 4. 2) * Anklagen; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher Schelte in den vorigen Jahrhunderten mehrmahls für Klage vorkommt. 3) * Rufen, nennen, welche Bedeutungen im Hochdeutschen auch nicht mehr üblich sind. Im gemeinen Leben einiger Gegenden sagt man noch, jemanden einen gnädigen Herrn schelten, d. i. tituliren; sich Exzellenz schelten lassen, ohne daß man dabey an die folgende fünfte Bedeutung dächte. 4) * Fluchen; eine noch hin und wieder gangbare Bedeutung. 4 Mos. 23, 7, 8 heißt es noch: verfluche mir Jacob, komm schilt Israel. - Wie soll ich fluchen, dem Gott nicht fluchet? Wie soll ich schelten, den der Herr nicht schilt? Wo fluchen und schelten gleichbedeutend zu seyn scheinen. 5) Seinen Unwillen durch heftige Worte an den Tag legen; so wohl absolute und als ein Neutrum. Den ganzen Tag schelten. Als auch thätiger Weise mit der vierten Endung der Sache. Jemanden schelten. Christus schalt nicht wieder, da er gescholten ward, 1. Petr. 2, 23. Jesus schalt ihren Unglauben, Marc. 16, 14. Jemanden einen Schelm schelten, ihn im Unwillen so nennen, wo zugleich die vorige dritte Bedeutung des Nennens mit eintritt. Statt der vierten Endung findet auch das Neutrum mit dem Vorworte auf Statt. Auf jemanden schelten, seinen Unwillen über ihn durch heftige Worte ausbrechen lassen. In weiterer Bedeutung für tadeln, in welchem Verstande es noch hin und wieder gehöret wird. Ich kann es weder loben noch schelten. Das ist nicht zu schelten. Ein unbescholtener Mann, dem man nichts Nachtheiliges nachsagen kann. Ehedem war ein Urtheil schelten von demselben appelliren; im mittlern Lat. blasphemare, Franz. blamer. 3. * Figürlich, erklären; eine veraltete Bedeutung. Ehedem sagte man, jemanden quit schelten, ihn für frey von seiner bisherigen Verbindlichkeit erklären. Jemanden unschuldig schelten, ihn für unschuldig erklären. Im Niedersächsischen ist diese Bedeutung noch gangbar. So auch das Schelten.

Anm. In der vorigen fünften Bedeutung schon bey dem Ottfried und Notker schelten, im Nieders. schelden, schellen, im Angels. scyldan, im Engl. to scold, im Lotharing. chelte. Nach dem, was oben angeführet worden, bedarf Frischens und anderer Ableitung welche dieses Wort von Schuld abstammen lassen und es durch beschuldigen erklären, wohl keiner weitern Widerlegung. Die Sylbe -ten ist ein sehr gewöhnliches Zeichen einer Intension, so daß schelten zunächst von schellen abstammet. Ohne diese Intension ist im Schwed. skälla so wohl bellen als schelten. Siehe auch Schalten, welches sich auf eine ähnliche Onomatopöie gründet.


Scheltwort (W3) [Adelung]


Das Scheltwort, des -es, plur. die -e, und -wörter, ( S. Wort,) Worte, welche im Schelten ausgesprochen werden, Worte, wodurch man seinen hohen Grad des Unwillens ausbrechen läßt, wodurch man im Unwillen Unvollkommenheiten oder Böses von jemanden behauptet. Vergeltet nicht Scheltworte mit Scheltworten, 1. Petr. 3, 9. Daß diese Worte ehrenrührig seyn müssen, liegt in diesem Ausdrucke nicht, sondern nur der Ausbruch des Unwillens, daher auch Scheltwort für Injurien, wie es einige gebraucht haben, unschicklich ist. Bey dem Ottfried Scheltuuort.


Schemel (W3) [Adelung]


Der Schemel, S. Schämel.


Schemen (W3) [Adelung]


Der Schemen, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches nur in den gemeinen Sprecharten Ober- und Niederdeutschlandes üblich ist. Es bedeutet daselbst: 1) das Bild eines Dinges, so fern es durch Hemmung des Zuflusses des Lichtes entstehet, es geschehe nun im Wasser oder auf einen festen Körper, ein Schattenbild. Wie der Schemen im Wasser ist gegen das Angesicht, Sprichw. 27, 19. Sie gehen daher wie ein Schemen, Ps. 39. 7. Wo man dafür im Hochdeutschen Schatten gebraucht. 2) Eine jede Figur, Gestalt, wo es doch nur von einer erdichteten Gestalt des Gesichts für Larve, Maske in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich ist, ehedem aber noch üblicher war. Verschiedene Beyspiele hat Frisch angeführet.

Anm. Im Nieders. Schem, Scheme und Schemel. Es ist so wohl mit Schein als mit Schatten Eines Geschlechtes indem alle drey nur in den Endlauten unterschieden sind. ( S. die

Anm. zu Schatten und Schein.) Zu der nächsten Verwandtschaft unsers Wortes aber gehören so wohl unser Schimmer, als ein Intensivum, als auch das Schwed. Skymning, die Dämmerung, das Goth. Skeima, die Laterne, und das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - die Gestalt. Luther gebrauchte es noch für Schein: Da Kain geboren war, machte ihm Eva einen heiligen Schemen oder Krone um den Kopf, als wenn sie den Messiam geboren hätte. Im Niedersächsischen ist aver schemen überschatten, und hevenschemig trübe, dunkel, von der Luft und Witterung, woraus zugleich erhellet, daß Schemen und Schatten ursprünglich völlig gleichbedeutend sind, indem das erste hier auch von der Beraubung des Lichtes überhaupt gebraucht wird.


Schenk (W3) [Adelung]


* Das Schenk, ein veraltetes Wort, wofür jetzt Geschenk üblich ist, S. dasselbe.


Schenk (W3) [Adelung]


Der Schenk, des -en, plur. die -en, Fämin. die Schenkinn, derjenige, welcher schenket, doch nur in einigen Bedeutungen des Zeitwortes. 1) Derjenige, dessen Pflicht es ist, einem Höhern das jedesmahlige Getränk zu reichen. Der Schenke, (Schenk) des Königes, 1 Mos. 40, 1. Der Schenk Salomonis, 1 Kön. 10, 5. Noch jetzt hat der Mundschenk an den Höfen das Amt, dem Herrn bey der Tafel das Getränk zu reichen. In höherer Bedeutung sind die Schenken adelige Vasallen, welche dem Lebensherren bey feyerlichen Gelegenheiten das Getränk darreichen. Daher Erzschenk Erbschenk. Lat. Pincerna, im mittlern Lat. Escancius, Scantio. 2) Derjenige, welcher ein Ding im Kleinen verkauft. In den Chursächsischen Landen wird derjenige, welcher das Salz im Kleinen verkauft, der Salzschenk genannt, so wir sein Amt und das Befugniß dieses Verkaufes der Salzschank heißt. Am häufigsten ist es derjenige, welcher das Getränk ausschenket oder verschenket, d. i. in kleinen Maßen verkaufet, der zuweilen auch der Schenkwirth genannt wird. Der Bierschenk, Weinschenk, Kaffehschenk, Branntweinschenk.

Anm. In der ersten höhern Bedeutung im Schwabenspiegel Schenke. In dem Fragmente eines alten Gedichtes auf Carln den Großen bey dem Schilter kommt Scenke von einem jeden Bedienten vor, welche Bedeutung dem Zeitworte schenke völlig angemessen ist. Diesem Worte ein e euphonicum anzuhängen, der Schenke, wie von vielen geschiehet, ist unnöthig, weil das k dessen nicht bedarf.


Schenke (W3) [Adelung]


Die Schenke, plur. die -n, gleichfalls von dem Zeitwort schenken. 1) * Ein Trinkgeschirr, eine Kanne, ein Becher u. s. f. Schwed. Schänk, Angels. Scanc. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung nicht mehr üblich, außer daß die Sattlergesellen noch die Kanne oder den Krug, aus welchem sie bey ihren Zusammenkünften trinken, die Schenke nennen. Die Schenke auftrinken, heißt bey ihren Zusammenkünften auf Gesundheit des Handwerks trinken. Bey dem Alberus ist Schank so viel als ein Schrank. 2) Ein Ort, ein Haus, wo gewisse Waaren im Kleinen verkauft werden. Die Salzschenke, in einigen Gegenden Obersachsens, wo Salz geschenket, d. i. im Kleinen verkauft wird. Am häufigsten ein Ort, wo Getränk im Kleinen verkauft wird. Die Bierschenke, Weinschenke, Kaffehschenke, Methschenke; Branntweinschenke. Den ganzen Tag in der Schenke sitzen. Am häufigsten ist die Schenke ein solches Haus, wo die Gäste das gereichte Getränk zugleich austrinken, obgleich auch ein solches, wo dasselbe nur über die Gasse verkauft wird, oft diesen Nahmen führet. Eine solche Schenke heißt im Nieders. der Krug, in Schlesien der Kretscham, und in einigen Oberdeutschen Gegenden die Taferne, von dem Lat. Tabernae. Da das Wort Schenke etwas Unedles an sich hat, so wird es nur von solchen Häusern dieser Art gebraucht, wo sich gemeine Leute zum Trunke versammeln. Anständigere Häuser heißen Kaffehhäuser, Weinhäuser u. s. f.


Schenkel (W3) [Adelung]


Der Schenkel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Schenkelchen. 1. Im weitesten Verstande, wo es in verschiedenen einzelnen Fällen ein in die Länge ausgedehntes Ding bedeutet, dessen Länge die Breite und Dicke weit übertrifft. In dem Bergbaue werden an den Fahrten die langen senkrecht stehenden Hölzer, worin sich die Sprossen befinden, die Schenkel genannt; an andern Leitern heißen sie die Leiterbäume. Im Weinbaue ist der Schenkel das junge Holz, welches aus einem Sturze oder Knoten, d. i. einer abgeschnittenen Rebe, wieder nachwächset. Auch der Fuhrmannssitz an dem Göpel im Bergbaue führet gleichfalls den Nahmen des Schenkels, ob er gleich auch von andern der Schämel genannt wird. In der Schifffahrt ist der Schenkel ein Tau von mittlerer Länge, an dessen Ende eine Rolle hängt, worüber das Tauwerk gezogen wird, da man denn Brasseschenkel, Toppschenkel u. s. f. hat. Und so noch vielleicht in andern Fällen mehr, wo sich nicht füglich eine Figur der folgenden Bedeutung annehmen läßt. 2. In engerer Bedeutung, der Fuß, das Bein, der lange Theil eines thierischen Körpers, worauf derselbe ruhet, und vermittelst dessen er den Ort verändert. 1) Der ganze Fuß, in welchem Verstande man das Dickbein zuweilen den großen oder obern, und das Schienbein den kleinen oder untern Schenkel zu nenne pflegt. Den Widder sollt du zerlegen, und sein Eingeweide und Schenkel waschen, 2 Mos. 29, 17; seine Eingeweide und Füße, Michael. So auch 3 Mos. 8, 21. Indessen wird es in dieser Bedeutung nur noch in der höhern Schreibart von den Füßen der Menschen und größern Thiere gebraucht. Deinen zur Rückkehr erhabenen Schenkel, Raml. Figürlich werden in der Geometrie so wohl die Linien, welche durch ihre Neigung einen Winkel machen, als auch die auf der Grundlinie stehenden Seiten eines Triangels Schenkel, Crura, genannt. 2) Im engsten und gewöhnlichsten Verstande ist der Schenkel der obere dickere Theil des Fußes zwischen dem Knie und der Hüfte, so wohl an Menschen als Thieren, da es denn besonders der edlern Schreibart für die niedrigern Lende und Dickbein eigen ist. Bey den Pferden wird dieser Theil des Vorderfußes so wohl der Schenkel als der Vorarm genannt.

Anm. Es ist dieses Wort kein Diminutivum, wie Frisch will, weil es sonst ungewissen Geschlechtes seyn müßte; die Endung -el zeigt hier entweder ein Werkzeug, oder auch ein Subject an. Schenkel sagt also eigentlich eben das, was mit einem andern Endlaute oder auch ohne Endlaut Schinken und dessen Verwandte bedeuten. In der Monseeischen Glosse wird Schiuchum durch Bases et tibiae erkläret. Im Angels. ist Scancu das Bein, der Fuß, das Schienbein, welche letztere Bedeutung auch das Italiänische in der Lombardey übliche Schinca und das Schwed. Skank hat. Im Ungarischen ist Czonc ein Knochen, Bein, und im Finnischen ohne Zischlaut Konti der Fuß. Siehet man das n als einen oft müßigen Begleiter der Gaumenlaute an, so gehören auch das Nieders. Schake, der Schenkel, das Bein, das Hebräische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Chaldäische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Schienbein, hierher. Aus allem ergibt sich, daß der Begriff der Bewegung in diesem Worte der herrschende sey, so daß in der ersten allgemeinsten Bedeutung die Ausdehnung in die Länge zum Grunde lieget, daher auch im Schwed. Skakel die Deichsel heißt, wozu in der zweyten engern Bedeutung noch der Begriff des Gehens, und in der engsten des Dickbeines der Begriff der Ausdehnung in die Dicke kommt. S. Schake, Schacht, Schenken, Schicken, Schiene u. s. f. welche alle zu dieser Verwandtschaft gehören.


Schenkelader (W3) [Adelung]


Die Schenkelader, plur. die -n, in der Anatomie, die untere Hohlader, so fern sie sich über den Schenkel erstrecket.


Schenkelbein (W3) [Adelung]


Das Schenkelbein, des -es, plur. die -e, das Bein, der Knochen des Schenkels, besonders in der engsten Bedeutung, der lange starke Knochen des Dickbeines; der Schenkelknochen, oder auch nur der Schenkel schlechthin.


Schenkelblatt (W3) [Adelung]


Das Schenkelblatt, des -es, plur. die -blätter, an einem Pferdegeschirre, der über den hintern Schenkel herab hangende Theil.


Schenkeldeich (W3) [Adelung]


Der Schenkeldeich, des -es, plur. die -e, in den Niederdeutschen Marschländern, ein Deich in Gestalt eines Schenkels, d. i. ein Deich, welcher von einem neuen Hauptdeiche nach einem andern gezogen wird, und auch der Flügeldeich, der Armschlag heißt.


Schenkelknochen (W3) [Adelung]


Der Schenkelknochen, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Schenkelbein.


Schenkellade (W3) [Adelung]


Die Schenkellade, plur. die -n, bey den Nadlern, eine Art von Schraubstock, den Draht, welchen sie durchschneiden wollen, darin auf dem Schenkel zu befestigen; die Knielade, Französ. Chausse.


Schenken (W3) [Adelung]


Schenken, verb. reg. act. welches noch in einer doppelten Hauptbedeutung vorkommt. 1. Des Gießens eines flüssigen Körpers aus einer Bouteille, Flasche, Kanne u. s. f. in ein kleineres Gefäß. 1) Eigentlich, wo es doch nur von eigentlichen Getränken gebraucht wird, sie aus einem größern Gefäße in das Trinkgefäß gießen. Wein aus der Kanne in den Becher schenken. Das Glas, den Becher, die Tasse zu voll schenken. Besonders in dem zusammen gesetzten einschenken. Im Schwed. lautet es in dieser Bedeutung gleichfalls skänka, im Franz. chinquer. Es scheinet, daß es ehedem gießen überhaupt bedeutet habe, denn bey dem Notker ist scangan vergießen, und in der Monseeischen Glosse scanchan gießen. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung. (a) Das Getränk darreichen. So schenkte ehedem derjenige, welcher einem andern das Getränk in das Trinkgeschirr goß und es demselben darreichte, ( S. Schenk.) Trinket des Weins, den ich schenke, Sprichw. 9, 5. Der Herr hat einen Becher in der Hand- und schenket aus demselben, Ps. 75, 9. Jetzt ist es in dieser Bedeutung nur noch unter dem großen Haufen üblich, wo man einem schenket, oder ihm eines schenket, wenn man ihm zur Bewillkommung oder aus Freundschaft unentgeldlich einen Trunk darreichet. In dem alten Siegesliede auf den König Ludwig schon skankan, im Angels. scencan. Im Nieders. ist daher beschenken und im Dänischen beskiänka berauschen. (b) Das Getränk im Kleinen verkaufen. Wein, Bier, Branntwein, Kaffeh, Chocolate, Meth u. s. f. schenken. Hier schenkt man guten Wein. In einigen Gegenden Obersachsens schenket man auch Salz, wenn man dasselbe in kleinen Quantitäten verkaufet. Derjenige, welcher auf solche Art Getränk im Kleinen verkauft, heißt der Schenk, der Ort, wo selbiges geschiehet, die Schenke, und der Verkauf selbst und das Befugniß dazu, der Schank, S. diese Wörter. 2. Unentgeldlich geben, das Eigenthum einer Sache umsonst übertragen, mit der dritten Endung der Person, und der vierten der Sache. 1) Eigentlich. Einem etwas schenken. Ich habe es ihm geschenkt. Es ist mir geschenket worden. Ingleichen in weiterer Bedeutung, jemanden sein Herz, seine Huld schenken. Schenken sie mir einen gütigen Blick. Die Sache, welche geschenket wird, heißt ein Geschenk, in einigen Gegenden auch ein Schank, eine Schenkung oder Schankung, welche aber im Hochdeutschen ungewöhnlich sind. Dahin gehören auch unter den Handwerkern die geschenkten Handwerke, worunter man im weitern Verstande diejenigen Handwerke verstehet, deren Gesellen auf ihren Wanderschaften von ihren Handwerksgenossen ein Geschenk erhalten. Im engsten und gewöhnlichsten Verstande ist ein geschenktes Handwerk ein altes, freyes, im ganzen Römischen Reiche privilegirtes Handwerk, dessen Gesellen aller Orten entweder Arbeit oder doch ein freyes Geschenk erhalten. Beydes im Gegensatze der ungeschenkten. Der Gebrauch des Mittelwortes ist hier freylich hart und ungewöhnlich. 2) Freygebig erlassen. Jemanden das Leben schenken, ihm das Leben, welches man ihm nehmen konnte, aus wahrer oder vorgegebener Großmuth lassen. Jemanden eine Schuld schenken, ihm die Strafe schenken, unentgeldlich erlassen. Es soll dir geschenkt seyn, die Ahndung, die Strafe soll dir erlassen seyn. So auch das Schenken und die Schenkung, besonders in der zweyten Hauptbedeutung.

Anm. In einigen gemeinen Sprecharten lautet dieses Zeitwort im Imperf. und im Mittelworte, schonkte, geschonken, in andern schankte, geschankt. Beyde rühren von einer veralteten Form des ganzen Zeitwortes her. Bey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern lautet es beständig schanken für schenken. Wachter bemerket mit Recht, daß die zweyte Hauptbedeutung bey unsern alten Schriftstellern nicht vorkomme; woraus aber noch nicht folgt, daß sie neuern Ursprunges ist, und noch weniger, daß sie eine Figur der ersten ist, wie er, Frisch und andere behaupten, weil eine solche Figur zu hart und ungewöhnlich seyn würde. Schenken kann vielmehr ehedem geben überhaupt bedeutet haben, und da können alle heutige Bedeutungen als besondere Arten derselben angesehen werden. Oder, da alle Zeitwörter eigentlich Onomatopöien sind, und daher ein Wort sehr häufig ganz verschiedene Handlungen bedeutet, wenn nur der Laut, unter welchem sie in das Gehör fallen, einerley oder doch ähnlich ist, so kann in der ersten Bedeutung der Laut des Gießens, und in der zweyten, der mit dem Geben verbundenen Bewegung, zum Grunde liegen. Auch in Ansehung der Form dieses Zeitwortes findet ein doppelter Fall Statt. Das n kann der nicht ungewöhnliche müßige Begleiter der Gaumenlaute seyn, und alsdann würde der Stamm Schach, Schak heißen; oder das -ken kann auch die nicht ungewöhnliche intensive Ableitungssylbe seyn, und alsdann hätte man nur auf die Sylbe Schan, Schen zu sehen. Die älteste Spur von diesem Worte findet sich bey dem Otfried, wo scancan einschenken ist. Keros skangames, laßt uns fortfahren, ist ohne Zweifel das mit dem Oberdeutschen Zischworte verstärkte gehen, für gangames.


Schenkenamt (W3) [Adelung]


Das Schenkenamt, des -es, plur. die -ämter, das Amt eines Schenken, in der ersten edlern Bedeutung, d. i. desjenigen, welcher einem Obern das Getränk darreichet; 1 Mos. 40, 21 auf eine ungewöhnliche Art das Schenkamt, Nieders. das Püttkeamt, von pütten, schöpfen, und püttjen, kosten, credenzen.


Schenkfaß (W3) [Adelung]


Das Schenkfaß, des -sses, plur. die -fässer, in einigen Gegenden, besonders in Meißen, ein mit Wasser oder Eis angefülltes Gefäß, die mit Getränk angefüllten Bouteillen, Kannen u. s. f. darein zu setzen, um das Getränk kühl zu erhalten; wenn es von Holz ist, ein Bierständer.


Schenkgerechtigkeit (W3) [Adelung]


Die Schenkgerechtigkeit, plur. inus. das Recht allerley Getränk einzeln zu verkaufen; das Schenkrecht, der Schank, besonders in den Zusammensetzungen Bierschank, Weinschank u. s. f.


Schenkhochzeit (W3) [Adelung]


Die Schenkhochzeit, plur. die -en, im gemeinen Leben einiger Gegenden, eine Hochzeit, bey welcher von den Gästen ein Hochzeitsgeschenk genommen wird.


Schenkmaß (W3) [Adelung]


Das Schenkmaß, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, diejenige Art des Maßes, nach welcher die Schenkwirthe das Getränk ausmessen, d. i. im Einzelnen verkaufen; zum Unterschiede von dem Visier-Maße.


Schenkstatt (W3) [Adelung]


Die Schenkstatt, plur. die -stätte, oder die Schenkstätte, plur. die -n, ein Ort, wo Getränk im Einzelnen verkauft wird; die Schenke. Eine neue Schenkstatt oder Schenkstätte anlegen.


Schenkstube (W3) [Adelung]


Die Schenkstube, plur. die -n, diejenige Stube, in welcher sich bey einem Schenkwirthe die Gäste befinden; zum Unterschiede von der Wohnstube.


Schenktisch (W3) [Adelung]


Der Schenktisch, des -es, plur. die -e, ein Tisch, auf welchem das Getränk mit seinem Zugehör an Gläsern u. s. f. gestellet wird, und welcher gemeiniglich mit einer Art von Schranke versehen ist; Nieders. Schenkschive, an Höfen auch der Credenz-Tisch.


Schenkwirth (W3) [Adelung]


Der Schenkwirth, des -es, plur. die -e, Fämin. die Schenkwirthinn, ein Wirth, welcher den bey ihm einsprechenden Gästen Getränk im Einzelnen verkaufet, der Zapfenwirth; zum Unterschiede von einem Gastwirthe und Speisewirthe. ( S. Schenk.) Daher die Schenkwirthschaft, dieses Gewerbe.


Schepp (W3) [Adelung]


Der Schepp, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein nur in den Salzsiedereyen übliches Wort, wo die mit der Salzsohle häufig verbundene Kalkerde, wenn sie sich in Gestalt eines Steines im Gradiren an die Dornen, und im Sieben an die Salzpfannen anleget, der Schepp, Salzschepp, Salzstein oder Pfannenstein genannt wird. Ohne Zweifel von dem Zeitworte schaben, weil dieser Stein von den Salzpfannen abgeschabet, oder auch mit dem hölzernen Schepphammer abgeschlagen werden muß. Das Nieders. Intensivum scheppen bedeutet nicht allein schaffen und schöpfen, sondern in einigen Gegenden auch schneiden u. s. f.


Scheps (W3) [Adelung]


Der Scheps, des -es, plur. inus. der eigenthümliche Nahme des Bieres welches in Breslau gebrauet wird, und ehedem ein sehr fettes und starkes Bier war.


Scherbank (W3) [Adelung]


Die Scherbank, plur. die -bänke, in den Blechhämmern, eine Bank, woran die großen Blechscheren befestiget sind, das Blech damit nach dem gewöhnlichen Hüttenmaße zu beschneiden. Siehe Schere.


Scherbe (W3) [Adelung]


Die Scherbe, plur. die -n, Diminut. das Scherbchen, Oberd. Scherblein, ein Wort, in welchem ein doppelter Hauptbegriff Statt findet. 1) Der Theilung, des Bruches, wo es im weitesten Verstande eigentlich ein Stück eines Ganzen ist, welche Bedeutung das Schwed, Skärf noch hat, welches z. B. auch von den Stücken eines zerbrochenen Beines oder Knochens gebraucht wird. Im Deutschen ist es nur im engern Verstande gangbar von den Stücken eines zerbrochenen gläsernen, noch mehr aber irdenen oder steinernen Gefäßes. In Scherben zerfallen, zerbrechen. Sprichw. an den Scherben siehet man, was am Hafen oder Topfe gewesen ist. In der Deutschen Bibel lautet es beständig im männlichen Geschlechte der Scherbe, so wie es im Oberdeutschen in eben demselben Geschlechte der Scherben heißt; indessen ist im Hochdeutschen das weibliche Geschlechte das gangbarste. Es stammet von scheren ab, so fern es theilen überhaupt, und zerbrechen besonders bedeutet; indessen kann es seyn, daß in der heutigen engern Bedeutung der verwandte Begriff der Schärfe mit eintritt, indem dergleichen Bruchstücke gemeiniglich scharf sind. In einer alten Chronik bey dem Frisch heißt es: es habe Steine und Scherben gehagelt, ohne Zweifel starke Hagelstücke. Mit einem andern Endlaute heißt eine Scherbe im Nieders. Schaart, im Angels. Sceard, im Engl. Shard, gleichfalls von scheren, theilen. ( S. Scharte und Scharf.) 2) Des hohlen Raumes, wo verschiedene Arten von hohlen Gefäßen hin und wieder unter dem Nahmen der Scherben bekannt sind. Die Seifenscherbe ist in einigen Gegenden ein kleines oft halb rundes Gefäß, die Handseife darin zu verwahren; vielleicht nur, so fern es oft ein Bruchstück eines zerbrochenen andern Gefäßes ist, welches auch von den Probierscherben gilt. Indessen ist in andern Fällen die Bedeutung eines Gefäßes erweislicher, aber alsdann ist es, selbst im Hochdeutschen, im männlichen Geschlechte am üblichsten, der Scherben, und in manchen Gegenden sagt man auch mit einem andern Endlaute der Scherbel oder Schirbel. Die Blumenscherbe, noch häufiger der Blumenscherbel, ein irdenes oder porzellänenes Gefäß, Blumen darein zu pflanzen, welches man sonst auch einen Asch, oder einen Topf zu nennen pflegt. Das Nachtgeschirr oder der Nachttopf ist im Oberdeutschen unter dem Nahmen des Nachtscherbens, oder auch nur des Scherbens schlechthin am bekanntesten. Daß sich diese Bedeutung des hohlen Raumes aus der eigentlichen Bedeutung des Zeitwortes scheren sehr füglich herleiten lasse, erhellet aus 1 Schar.


Scherbel (W3) [Adelung]


Der Scherbel, des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige.


Scherben (W3) [Adelung]


Der Scherben, des -s, plur. ut nom. sing. S. eben daselbst.


Scherben (W3) [Adelung]


Scherben, mehrere zusammen genommene Theile in lange, schmale Stücke zerschneiden, S. Schärben.


Scherbenkobalt (W3) [Adelung]


Der Scherbenkobalt, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, im Bergbaue, eine Art des Kobaltes, oder des dichten gediegenen Arseniks, welcher eine halb metallische, blätterige Gestalt, und auf dem frischen Anbruche eine weißblaue, glänzende Farbe hat; Cobaltum testaceum, bey den Bergleuten Schirbenkobalt. Er hat den Nahmen wegen seines blätterigen Gewebes, weil er aus lauter Schalen oder Scherben zusammen gesetzt zu seyn scheinet.


Scherbenkuchen (W3) [Adelung]


Der Scherbenkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein runder, hoher, inwendig hohler Kuchen, welcher in einem Scherben, d. i. in einer thönernen Form gebacken wird; im gemeinen Leben Scherbelkuchen, Schirbelkuchen. S. Aschkuchen.


Scherbennelke (W3) [Adelung]


Die Scherbennelke, plur. die -n, bey den Liebhabern der Blumen, die schönsten und edelsten Arten von Nelken, welche in Blumenscherben oder Blumentöpfen gezogen werden, und daher auch Topfnelken heißen.


Scherboth (W3) [Adelung]


Das Scherboth, des -es, plur. die -e, in der Seefahrt, besonders an den Schwedischen Kästen, kleine, bewaffnete Bothe oder Schaluppen, welche in den Scheren oder den Seeklippen vor Stockholm die Einfahrt decken.


Schere (W3) [Adelung]


Die Schere, plur. die -n, Diminut. das Scherchen, Oberd. Scherlein, ein Wort, welches nach Maßgebung des Zeitwortes scheren in verschiedenen Bedeutungen vorkommt, welche sich doch insgesammt in der Bedeutung des Theilens und Spaltens vereinigen. 1) In der Ostsee und einigen Gegenden der Nordsee werden die Klippen, oder schroffen und scharfen Felsen in der See, besonders so fern sie sich vor und an den Küsten befinden, Scheren genannt. Es ist hier eigentlich ein aus dem Schwed. Skär, eine solche Klippe entlehntes Wort, welches durch die Schifffahrt auch im Deutschen üblich geworden, weil es außer dem jetzt gedachten Falle wenig gebraucht wird. Es stammet ohne Zweifel von scheren, reißen, brechen, schneiden, ab, so daß es mit Klippe gleichbedeutend ist, und einen abgerissenen, gespaltenen Fels bedeutet, wozu denn freylich auch noch der Begriff der Schärfe kommt, weil dergleichen abgerissene Stücke gemeiniglich selbst scharf und schneidend sind. Indessen ist es hier nicht bloß den nördlichen Sprecharten eigen. Die Insel Scyrus im Ägäischen Meere hat diesen Nahmen ihrer schroffen, abgerissenen Gestalt zu verdanken im Französ. ist Escore ein steiles, abgerissenes Ufer, Angels. Carr, Engl. Shore, die Küste. Indessen scheinet in andern Fällen auch der Begriff der Höhe, und in andern der Härte, vorzustechen. Im Span. ist Sierra der Rücken eines Berges, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein Fels oder Stein, und im Wallis. Carreg ein jeder Stein. (Siehe 1 Schar.) 2) Ein gespaltenes in zwey Arme getheiltes Ding wird noch in vielen Fällen eine Schere genannt; in andern heißt es ein Kloben. So ist der gespaltene Kloben einer Wage, worin der beweglich Wagebalken schwebt, in vielen Gegenden auch unter dem Nahmen der Schere bekannt; in andern heißt der Kloben, das Wagegericht. Das eiserne Beschlage an den Sperrleisten in der Landwirthschaft heißt in eben dieser Rücksicht die Schere. Die Bettschere ist in manchen Gegenden ein solches aus zwey Armen bestehendes Holz an den Wiegen oder Betten der Kinder, welches verhindert, daß nichts aus denselben heraus falle. An dem hintern Gestelle eines Feld- und Leiterwagens ist die Schere das, was an dem vordern Wagen die Arme sind, nur daß jene sich mit ihren beyden Armen in der hintern Achse endiget; in Niedersachsen wird diese Schere, das Spreit oder Spriet genannt, von spreitzen. Auch die Töpfer haben eine Schere, welches gleichfalls ein gespaltenes Holz ist, über welchem sich die Scheibe mit dem Thone umdrehet, damit sie horizontal bleibe. Die Schere der Mäurer bestehet in zwey über das Kreuz zusammen gebundenen Bretern, die Rüstbäume dadurch in die Höhe zu richten. Und so in andern Fällen mehr, wohin allem Ansehen nach auch die Krebsscheren gehören, obgleich hier auch der Begriff des Schneidens oder Zwickens mit eintritt. 3) Besonders wird ein aus zwey an einander befestigten, aber zugleich beweglichen Armen bestehendes, schneidendes Werkzeug die Schere genannt, da es denn sehr viele Arten derselben gibt; z. B. Schneiderschere, Papierschere, Blechschere, Tuchschere, Schafschere, Licht- oder Putzschere u. s. f. Eine solche Schere heißt schon im Schwabenspiegel ain Schaer. Da dieses Werkzeug gleichfalls aus zwey Armen bestehet, so scheinet dessen Benennung ebenfalls daher zu rühren, obgleich auch der Begriff des Schneidens mit in Betrachtung kommen kann. Im Wendischen heißt eine Schere im Plural Skarje, und da wird ein Arm oder eine Hälfte derselben Skar genannt, wo der Begriff des Schneidens augenscheinlich der herrschende ist. Im Schwed. ist Skära die Sichel. S. 3 Schar.

Anm. Gottsched wollte dieses Wort in der ersten Bedeutung Schäre und in der dritten Scheere geschrieben wissen. Die zweyte war ihm vermuthlich unbekannt, sonst würde er ihr vermuthlich die Schreibart Schere oder Schehre eingeräumet haben. Wie unetymologisch dieses ist, darf nicht erst erinnert werden. Selbst die Schreibart Scheere ist neu, aber eben so unnöthig. Man hat dieses Wort mit allen seinen Verwandten von je her Schere und scheren geschrieben. Wäre ja eine Veränderung nöthig, so könnte man Schäre und schären empfehlen, wohl diese Schreibart der Aussprache am nächsten kommt. S. 1 Schar und Scheren.


Schereisen (W3) [Adelung]


Das Schereisen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art eines Hufeisens, welches wie eine Schere aus zwey beweglichen Theilen bestehet, so daß es vermittelst einer Schraube zu großen und kleinen Hufen gebraucht werden kann.


Scheren (W3) [Adelung]


Scheren, verb. irreg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt; ich schere, du scherest, vulg. schierst, er scheret, vulg. schiert; Imperf. ich schor, Conj. ich schöre; Mittelw. geschoren; Imperat. schere, vulg. schier. Es ist in vielen dem Anscheine nach sehr verschiedenen Bedeutungen üblich, welche doch insgesammt darin überein kommen, daß sie Handlungen bezeichnen, welche ursprünglich mit einem und eben demselben Laute oder Schalle begleitet waren. Das Stammwort, oder vielmehr der Stammlaut ist wie bey allen Wörtern eine Interjection, hier aber der Laut schar oder scher, woraus vermittelst der gewöhnlichen Endsylben der Zeiten und Personen das Zeitwort scheren gebildet ist. Bey 1 Schar ist bereits das nöthigste von den mancherley Bedeutungen dieses Wortes und ihrer Verbindung unter sich gesagt worden, daher ich hier desto kürzer seyn, und nur dasjenige anführen darf, was das Zeitwort unmittelbar betrifft. Scheren ist eine unmittelbare Nachahmung eines gewissen Lautes, daher es ehedem auch von der Stimme, Sprache und ihren Arten gebraucht wurde. Bey dem Notker ist Sceronne das Geschrey, Jubelgeschrey. Der Lat. Sermo, serere in asserere, disserere u. s. f. ist nebst andern schon bey 1 Schar gedacht worden. Allein es bezeichnet noch verschiedene andere mit einem ähnlichen Schalle verbundene Handlungen, welche wieder allerley Unterabtheilungen in Ansehung ihrer Geschwindigkeit, Heftigkeit, Leichtigkeit, Richtung u. s. f. leiden. 1. Den Ort schnell verändern; in welcher Bedeutung es im Niederdeutschen ein Neutrum ist. Der Schuldiger scheret, ein Niederdeutsches Sprichwort, wer fliehet, gibt sich schuldig. Im Hochdeutschen ist es hier nur als ein Reciprocum üblich, wo es aber auch nur in den gemeinen und niedrigen Sprecharten gebraucht wird. Scher dich weg, mache dich fort. So auch scher dich her. Kannst du dich nicht hinaus scheren? Wirst du dich bald hinein scheren? Scher dich aus dem Wege! Ich will mich fortscheren. Warum schorest du dich nicht hin? Obgleich die übrigen Zeiten und Arten außer dem Infinitiv und Imperativ seltener vorkommen. In einigen Gegenden gebraucht man es auch in der thätigen Gattung für jagen. Jemanden hinaus scheren, hinaus jagen; Engl. to scare. In den Hochdeutschen gemeinen Sprecharten gebraucht man dafür das Intensivum scherchen und schürchen. Die Niederdeutsche Mundart gebraucht dieses Wort noch in einem weitern Umfange. Die Wolken scheren daselbst, wenn die untern Wolken schneller fortziehen, als die obern, wo aber auch die folgende Bedeutung des Theilens Statt findest. Hefenscher sind daselbst einzelne schnell laufende Wolken, welche die Sonne eine Zeit lang verdunkeln, wo sich aber auch der Begriff des Schauers, der Verdunkelung, Verdeckung annehmen läßt. Eben daselbst bedeutet es auch, sich schwebend hin und her bewegen. Die Störche scheren, wenn sie langsam in der Luft hin und her ziehen. Daher wird auch eine Art Meven, welche einen schwebenden Flug hat, daselbst Scherke genannt. Auf Schlittschuhen nach beyden Seiten in halben Zirkeln ausschweifen, heißt gleichfalls scheren, und auch im Engl. ist to sheer seitwärts streichen, von Schiffen. Frisch und Wachter sehen diese ganze Bedeutung als eine Figur der folgenden den Bedeutung der Theilung an; allein es ist hier ohne Zweifel eine unmittelbare Onomatopöie und allem Ansehen nach eine der ersten und ältesten Bedeutungen dieses Wortes. Unser schier, so fern es hurtig bedeutet, ist nahe damit verwandt, und ohne Zischlaut gehören auch das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, wandern, reisen, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - reisen, vielleicht auch das Lat. intensive currere und unser hurtig dahin. 2. Heftig und schnell bewegen; eine im Ganzen veraltete Bedeutung, welche aber doch noch einige Überbleibsel zurück gelassen hat. 1) * Als ein Neutrum, lustige, spaßhafte Bewegungen machen, und im weitern Verstande scherzen; eine veraltete Bedeutung. Im Österreichischen ist pakschierig noch possierlich. Kero übersetzt Scurrilitas durch Skerin, Skeru, im Engl. ist to jeer scherzen, spotten. Das Lat. Scurra und unser Scherz und Schurk gehören allem Ansehen nach auch zu dieser Verwandtschaft. 2) Als ein Activum. (a) Jemanden scheren, im gemeinen Leben, ihn schrauben, aufziehen. Mancher will geschoren seyn. Und wer nicht schiert, der wird geschoren, So bald er nur den Rücken dreht, Günth. Frisch und Wachter sehen diese Bedeutung sehr unwahrscheinlich als eine Figur von scheren, tondere, an, weil die Abscherung der Haare ehedem eine verächtliche Strafe war. Im Engl. ist Scorn und im Ital. Scherno Verspottung. (b) Jemanden scheren, ihn ohne Noth und Nutzen, gleichsam nur zur Lust plagen und beunruhigen; auch nur in den gemeinen Sprecharten, eigentlich auch, ihn zur Lust gewaltsam hin und her stoßen, wenn es hier nicht vielmehr durch den harten Zischlaut aus sehr und sehren in versehren gebildet ist. Die Unterthanen scheren, sie plagen, drücken. Laß mich damit ungeschoren, ungeplagt. Ich bin mit ihm geschoren, geplaget. Ingleichen in weiterm Verstande. Das schert (im gemeinen Leben schiert) mich nichts, das bekümmert mich nicht. Was schiert das dich? was bekümmert das dich? Sich um etwas scheren, bekümmern. Alle nur in den niedrigen Sprecharten. Die Schererey ist daselbst eine Sache, welche uns unnöthige verdrießliche Mühe macht. Der ehemahligen Schoristen auf den Universitäten, welche die neu ankommenden zu plagen sich berechtigt hielten, gedenkt Frisch. In den gemeinen Sprecharten hat man in dieser und der vorigen Bedeutung das Iterativum schurigeln, S. dasselbe. 3. Reißen, schneiden, spalten, theilen u. s. f. eine gleichfalls sehr alte Bedeutung, zu welcher Scharte, Scherbe, Scherf, Sarter, Zerter, zerren, scharf, schürfen, das Lat. Serra, das Schwed. skära, hauen, schneiden, das alte Franz. scirer, in dem heutigen dechirer, und ohne Zischlaut kerben, der Gehren das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Heb. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - u. a. m. gehören. Überhaupt findet man es von allen Arten des Theilens, Schneidens, Verletzens u. s. f. bey welchen ein diesem Worte angemessener Laut gedacht werden kann. ( S. Schere.) Im Deutschen kommt es besonders in folgenden Fällen vor. 1) * Essen und fressen, als ein Neutrum; doch nur in einigen Niederdeutschen Gegenden z. B. in Dithmarsen. Wacker scheren können, wacker essen. Das Vieh schert die Wiese, wenn es selbige kahl frißt. 2) Mähen, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, besonders von dem Abmähen des Grases. Daher sind in einigen Gegenden einschürige, zweyschürige Wiesen, welche des Jahres Ein Mahl oder zwey Mahl gemähet werden können. Im Schwed. ist skära gleichfalls mähen, Skära die Sichel, und Skörd die Ernte. 3) Mit einem Messer horizontal über eine Fläche wegfahren, um die hervorstehenden Haare, Wolle u. s. f. wegzunehmen; wo die Onomatopöie unläugbar ist. Mit dem Schermesser scheren. Sich den Kopf kahl scheren lassen. Vom Barte, den Bart scheren, ist es nur in den niedrigen Sprecharten üblich, so wie die meisten davon herrührenden Zusammensetzungen und Ableitungen, z. B. Bartscherer, Scherbecken u. s. f. In den anständigern Sprecharten gebraucht man dafür die ausländischen barbieren und rasieren. Sich eine Platte scheren lassen. Figürlich doch auch nur in den niedrigen Sprecharten: ich weiß nicht wie ich da geschoren bin, wie ich in diesem Falle daran bin; der Wirth schert oder schiert seine Gäste, wenn er sie zu viel bezahlen läßt. In dieser Bedeu- tung schon bey dem Kero intensive skerran, wo Skurt auch die Tonsur ist, bey dem Stryker schern, im Engl. to shear, im Nieders. gleichfalls scheren. 4) Mit der Schere auf ähnliche Art horizontal über eine Fläche fahren, um alle hervor stehende weichere Theile an derselben wegzunehmen. Sich den Kopf kahl scheren, wenn es auf diese Art mit der Schere geschiehet. Jemanden über den Kamm scheren, bedeutete ehedem, wie es in den alten Deutschen Sprichwörtern erkläret wird, jemanden unter dem Scheine der Liebkosung, der Schmeicheley, zu schaden suchen. Aber, alle über Einen Kamm scheren ist noch jetzt im gemeinen Leben, alle auf einerley Art behandeln, einem wie dem andern begegnen. Einen Hund scheren, ihm mit der Schere die Haare nahe an der Haut wegnehmen. So auch, die Schafe scheren. Er hat sein Schäfchen geschoren, sagt man von jemanden, der bey einer Sache seinen Vortheil gemacht hat. Auch das Beschneiden der Hecken mit einer großen Schere wird das Scheren genannt; wenigstens sagt man im Mittelworte geschorne Hecken. Wenn die wollenen Tücher von dem Stuhle des Webers kommen, so werden sie von dem Tuchscherer mit der großen Tuchschere geschoren, wozu eigentlich eine dreyfache Arbeit gehöret, deren jede ihren besondern Nahmen hat. Das erste Mahl, da sie geschoren werden, heißt, bärteln oder zu halben Haaren scheren. Hierauf weicht der Tuchmacher sie wieder ein, und kartet sie mit scharfen Karten, damit sie dicke Haare bekommen, worauf sie denn zum zweyten Mahle dem Tuchscherer in die Hände kommen, um sie im engsten Verstande zu scheren. Hierauf werden sie gefärbt, an dem Nahmen getrocknet, und endlich ausgeschoren. 5) * Theilen, einen Unterschied machen, ausnehmen; lauter im Hochdeutschen veraltete Bedeutungen, welche aber noch in einigen Provinzen vorkommen. Im mittlern Lat. ist carrire theilen, und im Lettischen skirru absondern, wohin ohne Zischlaut auch das Lat. Intensivum secernere gehöret. Wer da wollde scheren, einen Unterschied machen, in einer alten Reim-Chronik in den Script. Brunsu. nach dem Frisch. Dar quomen gegen de Oster Heren Unde begonden sek dar scheren, sich zu theilen, ebend. Ausscheren ist daselbst eine Ausnahme machen. Im Niedersächsischen ist scheren und schoren noch jetzt scheiden, absondern, durch eine Zwischenwand theilen, daher Schorels daselbst eine solche breterne Zwischenwand, und Schorten abgetheilte Fächer bedeutet. Eben daselbst ist scheren und schieren auch zutheilen, und Schierung ein zugetheiltes Ding, ein zuerkannter Theil, besonders das jemanden zur Unterhaltung zugetheilte Stück eines Deiches. Unser bescheren hat diese Bedeutung gleichfalls noch. 4. Ausspannen, besonders von Seilen, Fäden u. s. f. welche Bedeutung von dem Begriffe der Bewegung und Ausdehnung in die Länge abstammet, und womit das Latein. Series verwandt ist, ( S. 2 Schar). Eine Linie, ein Seil scheren, heißt noch durch ganz Niedersachsen, ein Seil anspannen wo es in manchen Gegenden auch schieren lautet. Die Kattunweber scheren daher, wenn sie von jeder Spule einen einzigen langen Faden oder eine Strähne auf den Scherrahmen aufhaspeln, und in manchen Gegenden wird das Aufziehen des Garnes bey allen Arten der Weber scheren genannt, da denn die Anschere oder Scherung Nieders. Schering, so viel als der Aufzug ist. Ein Tuch ist auf 36 Eilen geschoren, (Nieders. geschiert,) wenn der Aufzug so lang war. Manche Sprachforscher, denen diese allgemeine Bedeutung des Ausspannens unbekannt war, haben diesen bey den Webern üblichen Gebrauch als eine Figur von scheren, theilen, angesehen. S. auch einige der folgenden Zusammensetzungen. Daher das Scheren in allen obigen Fällen. Das in einigen Gegenden übliche Scherung, ein beschiedenes, zugemessenes Theil, ingleichen der Aufzug eines Gewebes, ist nicht das Verbale, son- dern ein eigenes vermittelst der Ableitungssylbe -ing oder -ung gebildetes Hauptwort.

Anm. Dieß sind noch nicht alle die Fälle, in welchen dieses Zeitwort gebraucht wird; in den Mundarten gibt es derer noch mehrere. Dahin gehöret z. B. das Dithmarsische scheren, den Koth von sich geben, und Schor, Koth, und das Österreichische scheren für schaben, daher die kleinen Steckrüben daselbst Scherrübel genannt werden. Unser scharren ist das Intensivum davon, so wie auch scheuern damit verwandt ist. Im Schwed. ist skära gleichfalls reinigen. Die Form du schierst, er schiert, für scherst, schert, ist nur den gemeinen Sprecharten eigen. Überhaupt ist dieses eines von denjenigen Zeitwörtern, welche in ihren Veränderungen und Verwandten durch alle Selbstlaute durchgehen, zu einem deutlichen Beweise, daß diese in sehr vielen Fällen für völlig gleichbedeutend gehalten werden; die Schar, scheren, scheuern, du schierst, Nieders. schieren, geschoren, Schur; Feuer schüren. Von der Schreibart scheeren ist schon bey Schere etwas gesagt worden.


Scherenassel (W3) [Adelung]


Die Scherenassel, plur. die -n, eine Art Asseln, welche an den Füßen mit Scheren versehen sind; Scolopendra forsicata L.


Scherenschleifer (W3) [Adelung]


Der Scherenschleifer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher die stumpf gewordenen Scheren, Messer u. s. f. schleift.


Scherer (W3) [Adelung]


Der Scherer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Schererinn, eine Person, welche scheret, doch nur in dem dritten und vierten Falle der dritten Bedeutung des Zeitwortes scheren. Ein Schaf das verstummet für (vor) seinem Scherer, Es. 53, 7. Fleisch, das ich für meine Scherer geschlachtet habe, 1 Sam. 25, 11. In dem gewöhnlichen Sprachgebrauche ist es nur in den Zusammensetzungen Tuchscherer, Schafscherer, Feldscherer u. s. f. üblich.


Schererey (W3) [Adelung]


Die Schererey, plur. die -en, von Scheren 2 2) doch nur in den gemeinen Sprecharten, so wohl für Plackerey, muthwillige Bedrückung, als auch verdrießliche Mühe, und eine Sache, welche uns unnütze und verdrießliche Mühe macht. Viele Schererey mit etwas haben, viele verdrießliche Mühe. Das macht viele Schererey.


Scherf (W3) [Adelung]


Der Scherf, des -es, plur. die -e, Diminut. das Scherfchen, Oberd. Scherflein, eine noch in einigen Gegenden übliche Münzsorte, welche die kleinste unter allen Münzen ist, und zuweilen für einen Häller genommen wird, an manchen Orten aber noch weniger als ein Häller ist. Luther übersetzte Marc. 12, 42, und Luc. 12, 59, Kap. 21, 2, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - durch Scherflein. Es ist diese Münze noch im Lüneburgischen üblich, wo 2 2/3 Scherf einen Pfennig, 8 einen Witten, 788 aber einen Thaler machen. Zu Mathesii Zeit machten zehn Scherf im Erzgebirge einen Kreuzer.

Anm. Es scheinet ursprünglich ein jedes Stück bedeutet zu haben, und mit Scherbe gleichbedeutend gewesen zu seyn, vermuthlich, weil diese Scherfe anfänglich nur kleine unförmliche Stücke eines dünn geschlagenen Metalles waren. Das Schwed. Skärf bedeutet gleichfalls so wohl ein Stück, einen Splitter, als auch die kleinste Münzsorte. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, auch eine Art der kleinsten Münze, stammet gleichfalls von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, schneiden, her. Noch wahrscheinlicher wird diese Bedeutung aus Hickesii Beobachtung, welche versichert, daß die Angelsächsischen Münzen so eingerichtet gewesen, daß man sie leichtlich in vier Theile habe brechen können, da denn vermuthlich ein solcher Theil eigentlich ein Scherf geheißen. S. Ihre Glossar. v. Saarfwa.


Scherflocke (W3) [Adelung]


Die Scherflocke, plur. die -n, S. Scherwolle.


Schergabel (W3) [Adelung]


Die Schergabel, plur. die -n, bey den Tuchmachern, eine hölzerne Gabel, deren sie sich bey dem Scheren oder Aufziehen bedienen. S. Scheren 4.


Schergang (W3) [Adelung]


Der Schergang, des -es, plur. die -gänge, auf den Schiffen der äußere Gang um das Schiff; ingleichen die langen Balken, welche dem Schiffe oben seine gehörige Gestalt geben helfen. In beyden Fällen vielleicht von scheren, theilen, abtheilen, oder auch von dem veralteten scheren, sich in die Länge erstrecken. S. Scheren 4, und 1 Schar.


Schergarn (W3) [Adelung]


Das Schergarn, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, bey verschiedenen Arten der Weber, dasjenige Garn, welches den Aufzug eines Gewebes ausmacht; die Scherung, Anschere, der Aufzug, die Kette, das Werft, der Zettel.


Scherge (W3) [Adelung]


Der Scherge, des -n, plur. die -n, ein jeder obrigkeitlicher Bedienter, welcher die ihm Untergebenen zu ihrer Pflicht anhält; in welchem Verstande es ehedem von Amtleuten, Vögten, und andern Finanz-Bedienten, selbst über ganze Provinzen, gebraucht wurde, welche die landesfürstlichen Einkünfte von den Einwohnern eintrieben. Philopator wird in königlichen Ehren sitzen, wie ein Scherge, Dan. 11, 20. Frisch führet mehrere Beyspiele von dieser jetzt veralteten Bedeutung an, indem das Wort gegenwärtig nur noch von den niedrigsten Bedienten der Polizey und der Gerechtigkeit, d. i. von den Gerichtsknechten, Stadtknechten, Häschern, ja auch wohl von den Henkersknechten gebraucht wird, im Hochdeutschen aber mehr in Schriften, als in der Sprache des täglichen Umgangs üblich ist. In diesem Verstande kommt es schon im Schwabenspiegel Kap. 149 vor. So haben ihn des Satans Schergen Mit schweren Fesseln eingeschränkt, Gryph.

Anm. Vermuthlich gehören auch das Engl. Sherif, das Franz. Sergent, und das mittlere Lat. Circa, die Ronde, Nachtwache und ein Wächter dahin, obgleich das letztere gemeiniglich von dem Lat. circa und circumire, ( S. Schar und Scharwache,) das mittlere aber von servicus hergeleitet wird. Unser Scherge stammet von dem noch in den gemeinen Sprecharten Obersachsens, Schlesiens, und anderer Provinzen sehr bekannten schergen, scherchen, schirgen u. s. f. her, welches das Intensivum von scheren ist, um so wohl im Neutro heftige Bewegungen machen, als auch active, heftig bewegen bedeutet, ( S. 1 Schar und Scheren). Nach einer sehr gewöhnlichen Figur wird es hernach von verschiedenen Handlungen gebraucht, welche mit einer heftigen Bewegung verbunden sind. Bey einigen alten Oberdeutschen Schriftstellern ist scurgan schieben, stoßen. Sy sahin ynen intgegen schurgin Die Lut von denen dreyen Burgin, Jeroschin. bey dem Frisch. Den Tisch an die Wand schergen, schieben. Figürlich ist schergen, scherchen, schirgen, anschergen, noch in den gemeinen Sprecharten Meißens antreiben, durch Aufmunterung und Zuspruch befördern. Da war ich ein Ochse, daß ich nicht genug schob und schergete, Weiße. Anschergen, antreiben, in Schlesien anschirgen, wo auch schirgen, schürgen, sich fördern, eilen ist. Von dieser Bedeutung des Antreibens und Eintreibens stammet das Hauptwort Scherge in beyden Bedeutungen her. Dem Lat. urgere fehlet nur der Zischlaut.


Scherglied (W3) [Adelung]


Das Scherglied, des -es, plur. die -er, im Bergbaue, ein eiserner an beyden Seiten gekrümmter Haken, die eisernen Ketten, wenn sie etwa springen, in der Geschwindigkeit an einander zu hängen; der Seilhaken. Ohne Zweifel, weil dieses Glied gespalten ist, damit es in der Geschwindigkeit eingehängt werden kann, daher es auch der Kloben, das Klobenglied, der Klobenring genannt wird. S. Scheren 3 5).


Scherhaare (W3) [Adelung]


Die Scherhaare, sing. inus. abgeschorne Haare. Besonders werden bey den Tuchscherern die ersten Abschnittlinge des geschornen Tuchs Scherhaare genannt.


Scherhaken (W3) [Adelung]


Der Scherhaken, des -s, plur. ut nom. sing. ein krummer Haken, womit die Tuchscherer das Tuch auf dem Schertische befestigen, damit es unter dem Scheren fest liege.


Scherhorn (W3) [Adelung]


Das Scherhorn, des -es, plur. die -hörner, ein Nahme, welchen in einigen Gegenden das Ammons-Horn führet; vermuthlich von scheren, theilen, weil es in viele Fächer getheilet ist.


Scherkasten (W3) [Adelung]


Der Scherkasten, des -s, plur. ut nom. sing. bey einigen Webern, ein Kasten, worin die zur Anschere bestimmten Spulen in verschiedenen Reihen über einander befestiget sind. S. Scheren 4, und Scherküfe.


Scherke (W3) [Adelung]


Die Scherke, plur. die -n, in einigen Niedersächsischen Gegenden, eine Art kleiner Meven, welche einen langsamen, schwebenden Flug hat. S. Scheren 1, und Meve, Anm.


Scherkind (W3) [Adelung]


Das Scherkind, des -es, plur. die -er, ein Nahme, welchen bey den Tuchscherern ihre Gesellen führen.


Scherküfe (W3) [Adelung]


Die Scherküfe, plur. die -n, bey den Tuchmachern, das, was der Scherkasten bey den Kattunwebern ist. Verderbt lautet dieses Wort bey ihnen auch Scharkübe. Diese Scherküfe oder Scherkufe hat vier Scherlatten, deren mittelste sich in dem Scherklötzchen drehet. Alles von scheren, aufziehen, ausspannen, S. Scheren 4.


Scherleine (W3) [Adelung]


Die Scherleine, plur. die -n, auf den Schiffen, kleine Leinen, welche sich in zwey oder mehr Enden theilen. Von scheren, spalten, theilen.


Scherm (W3) [Adelung]


Der Scherm, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, die Fläche, eines Ganges, und zwar so wohl die hangende als liegende, d. i. die obere und untere. Vermuthlich verderbt für Schirm, so fern es in der weitesten Bedeutung eine Decke, und statt des Daches dienende Fläche bedeutet.


Schermesser (W3) [Adelung]


Das Schermesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Messer, damit zu scheren; das Barbiermesser, bey dem Notker Scarsahs, S. Scheren 3 3).


Schermühle (W3) [Adelung]


Die Schermühle, plur. die -n, bey den Seidenwebern, eine Mühle, worauf die zur Anschere, d. i. zu dem Aufzuge, bestimmte Seide, geschoren, oder ausgespannt wird. S. Scheren 4, und Scherrahmen.


Scherpche (W3) [Adelung]


Die Scherpche, Scherpe, Scherpke, ein Nahme, welchen in einigen gemeinen Mundarten verschiedene Beeren, und die Stauden, auf welchen sie wachsen, führen. 1) Die Vogelkirsche, Prunus Padus L. welche auch Patscherpe, Scherpchenpapst und Scherkenholz genannt wird. Engl. Bird Cherry. 2) Die Faulbeere, Rhamnus frangula L. 3) Die Mehl- oder Schlingbeere, Viburnum Lantana L. welche gleichfalls Scherpke, Patscherpe, Petscherpe, Schergenpapst heißt. Wenn dieses Wort nicht Wendischen Ursprunges ist, wie es das Ansehen hat, so scheinet es mit Sorbus verwandt zu seyn, obgleich dieses jetzt eine andere Art von Beeren bezeichnet.


Scherpe (W3) [Adelung]


2. Die Scherpe, oder der Scherpen, des -s, plur. car. in einigen Gegenden der Lausitz und Obersachsens, ein Nahme eines Halbbieres, welches aus dem andern Aufgusse auf die übrig gebliebenen Trebern bereitet wird. Frisch leitet es seltsam genug von Scherf her, weil es sich gegen das stärkere Bier wie der Scherf gegen gröbere Münzsorten verhält. Es scheinet vielmehr Wendischen Ursprunges zu seyn, vielleicht von czerpam, schöpfen.


Scherrahmen (W3) [Adelung]


Der Scherrahmen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Kattunwebern, ein großer Haspel, die Anschere darauf von den Spulen zu haspeln. Bey den Seidenwebern heißt er die Schermühle, S. dieses Wort.


Scherschwanz (W3) [Adelung]


Der Scherschwanz, des -es, plur. die -schwänze, Dimin. das Scherschwänzchen, Oberd. das Scherschwänzlein, eine Art Falken mit lehmgelben Füßen, einem schwarzen Schnabel, und einem geschornen, d. i. getheilten Schwanze; Falco cauda Klein. S. Scheren 3 5).


Schertanz (W3) [Adelung]


Der Schertanz, des -es, plur. die -tänze, im Niedersächsischen, eine Art Tänze, bey welchem die Tanzenden in das Kreuz und in die Quere durch einander gehen, von scheren, sich langsam hin und her bewegen. S. Scheren 1.


Schertisch (W3) [Adelung]


Der Schertisch, des -es, plur. die -e, bey den Tuchscherern, ein Tisch, auf welchem die Tücher geschoren werden.


Scherung (W3) [Adelung]


Die Scherung, plur. die -n, S. Scheren.


Scherwenzel (W3) [Adelung]


Der Scherwenzel, des -s, plur. ut nom. sing. in einem noch auf dem Lande in Deutschland, Pohlen, Schlesien, Böhmen u. s. f. üblichen Kartenspiele, der Untere in allen Farben, welcher zu sehr vielerley Verrichtungen gebraucht wird, daher auch das ganze Spiel Scherwenzel, und dasselbe spielen scherwenzeln heißt. Die ähnlichen Spiele Trischak, und auf dem Lande in Sachsen Grobhäuser, sind noch davon verschieden. Auch ein geschäftiger und zugleich willfähriger Mensch, welcher sich zu allem gebrauchen läßt, wird im gemeinen Leben häufig ein Scherwenzel genannt, daher auch eine Arzeney, oder ein jedes anderes Ding, dessen man sich aus Gewohnheit in mehrern verschiedenen Fällen bedienet, diesen Nahmen führet. Die letzte Hälfte dieses in allen Wörterbüchern übergangenen, obgleich sehr bekannten Wortes, scheinet der eigenthümliche Nahme Wenzel zu seyn, oder auch von wenden in der weitern Bedeutung herzustammen. Die erste Hälfte gehöret unstreitig zu Schar in Scharwerk, oder zu scheren, in der ersten veralteten Bedeutung der schnellen Bewegung, indem man unter Scherwenzel doch eigentlich eine ausrichtige, geschäftige Person verstehet, welche sich in allen vorkommenden Fällen zu wenden und zu drehen weiß. S. Wenzel.


Scherwolle (W3) [Adelung]


Die Scherwolle, plur. car. abgeschorne Wolle. So könnte man diejenige Wolle, welche von lebendigen Schafen geschoren worden, Scherwolle nennen, im Gegensatze der Kaufwolle. Am üblichsten aber ist es von derjenigen Wolle, welche die Tuchscherer von den gewebten Tüchern scheren, und welche auch Scherflocken genannt wird.


Scherz (W3) [Adelung]


Der Scherz, des -es, plur. die -e, eine Rede oder Handlung, welche andern zu anständigen Belustigungen dienet, wodurch sich der Scherz von der Posse u. s. f. unterscheidet. Ehedem wurde dieses Wort von allen zur Belustigung seiner und anderer vorgenommenen Handlungen gebraucht, und da war der Scherzhof eine zu Ritterspielen veranstaltete Zusammenkunft, ein Scherzfeuer ein Luftfeuer u. s. f. Jetzt ist es, wenigstens, im Hochdeutschen, von einer witzigen Rede am üblichsten, welche andern zur anständigen Belustigung dienen, andere zum Lachen bewegen soll. Ein glücklicher, feuriger, frostiger, matter Scherz. Einen Scherz vorbringen, sagen, machen. Er hat vielleicht einen Scherz machen wollen, den du übel verstanden hast, Gell. Einen Scherz aus etwas machen, es als einen Scherz erklären. Seinen Scherz mit jemanden haben, ihn zum Gegenstande des Scherzes gebrauchen. Sich auf den Scherz verstehen, die Kunst geschickt zu scherzen verstehen; aber Scherz verstehen heißt einen Scherz als Scherz aufnehmen. Wer andre necken kann, muß wieder Scherz verstehn, Gell. Scherz treiben, für scherzen, ist nur im gemeinen Leben üblich, außer in der figürlichen R. A. seinen Scherz mit etwas treiben, es für einen Scherz halten, es so behandeln, als wenn es bloß eine zur Belustigung bestimmte Sache wäre. Alle Festungen werden ihnen ein Scherz, Hab. 1, 10. Scherz setzet eine anständige Belustigung voraus, Posse eine unanständige, Zote eine unzüchtige, Spaß läßt den Werth unentschieden, wird daher am häufigsten im gemeinen Leben gebraucht. Oft wird der Scherz dem Ernste entgegen gesetzet, und da ist es eine Rede oder Handlung, welche nicht so gemeinet ist, als sie dem ersten Anblicke nach scheinet, sondern nur zu eigener Belustigung dienet. Es ist kein Scherz, sondern Ernst. Oft wird aus dem Scherze Ernst. Scherz bey Seite, ohne Scherz.

Anm. Im Ital. Scherzo, im Böhm. Zert. S. Scherzen.


Scherzel (W3) [Adelung]


Der Scherzel, des -s, plur. inus. eine im Oberdeutschen übliche Benennung des Alpes, vermuthlich von scheren, plagen, S. Alp.


Scherzen (W3) [Adelung]


Scherzen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt vorkommt. I. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert, da es denn überhaupt solche Handlungen und Bewegungen vornehmen bedeutet, welche keine weitere Absicht haben; als sein Vergnügen, seine Lustigkeit an den Tag zu legen. In diesem Verstande scherzen die Kälber, die Hunde u. s. f., wenn sie sich erlustigen. Die Wallfische scherzen im Meere, Ps. 104, 26. Bey den Dichtern scherzen die Weste um das Laub, umscherzen die Blumen. In engerer Bedeutung scherzet man, wenn man Reden, und in noch engerm Verstande witzige Reden vorbringt, welche zur erlaubten Belustigung unserer und anderer dienen, andere zu einem anständigen Lachen bewegen. Mit einer Person oder Sache scherzen, sie zum Gegenstande seines Scherzes machen. Nicht mit sich scherzen lassen. Damit ist nicht zu scherzen. Über etwas scherzen. Mit einer scherzenden Miene, besser, mit einer scherzhaften. In beyden Fällen oft im Gegensatze des Ernstes. Es war nicht mein Ernst, ich habe nur gescherzet. Ein falscher Mensch geht mit seinem Nächsten betrüglich um, und spricht darnach: ich habe gescherzt, Sprichw. 26, 19. II. * Als ein Activum, für verspotten, verhöhnen. Opitz sagt von einem buhlerischen Frauenzimmer; wie sie durch ihr tägliches Aufnehmen und tägliches Verstoßen andere scherzet, also wird sie von andern wieder gescherzet. Scherze ja den Himmel nicht und die Geduld der Götter, ebend. Wenn hier ein Eselskopf mich den Poeten nennt, Und scherze mich, wie er meynt, ebend. d. i. schimpft, so wie unser heutiges Schimpf ehedem gleichfalls Scherz bedeutete. Wer nicht würdig trinkt und isset, Der scherzt des Herren Leib und Blut, ebend. Im Hochdeutschen ist diese thätige Bedeutung völlig unbekannt, obgleich noch Gleim singt: Da stehen sie die Schönen Um mich und sehn mich an, Und scherzen mich und sagen: Du bist ein alter Mann! So auch das Scherzen.

Anm. Es kommt dieses Wort, so viel ich gefunden habe, weder in unsern ältesten Schriften noch in den sonst verwandten Sprachen vor, außer daß die Italiäner ihr scherzare daher entlehnet haben. Indessen hat es doch das Ansehen eines alten Wortes. Die Ableitungssylbe -zen ist bey vielen Zeitwörtern ein Zeichen eines Intensivi, und allem Ansehen nach ist scherzen ein solches Intensivum von scheren, entweder so fern es überhaupt hurtige, lustige Bewegungen machen, oder auch so fern es aufziehen, verspotten bedeutet, welche Bedeutung wenigstens in dem Activo scherzen unläugbar ist. Merkwürdig ist nur, daß das Intensivum in der anständigsten Bedeutung üblich ist, dagegen scheren bis zum großen Haufen hinab gesunken ist. S. Scheren 2.


Scherzgedicht (W3) [Adelung]


Das Scherzgedicht, des -es, plur. die -e, ein scherzhaftes, Scherze enthaltendes Gedicht, ein Gedicht, welches andere zum erlaubten Lachen bewegen soll.


Scherzhaft (W3) [Adelung]


Scherzhaft, -er, -este, adj. et adv. 1) Einem Scherze ähnlich, in einem Scherze gegründet, zuweilen auch einen Scherz enthaltend. Ein scherzhaftes Gedicht. Ein scherzhafter Ausdruck. Eine scherzhafte Miene. 2) Neigung und Fertigkeit besitzend zu scherzen. Scherzhaft seyn. Ein scherzhafter Mensch.


Scherzhaftigkeit (W3) [Adelung]


Die Scherzhaftigkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Person oder Sache da sie scherzhaft ist; besonders in der zweyten Bedeutung.


Scherzrede (W3) [Adelung]


Die Scherzrede, plur. die -n, eine Rede, welche einen Scherz enthält, eine scherzhafte Rede, ein in Worten vorgetragener Scherz.


Schetter (W3) [Adelung]


Der Schetter, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. in Nürnberg, ein Nahme eines jeden steif gemachten Zeuges, besonders der so genannten steifen Leinwand. Im 16ten Jahrhunderte kommen, nach Frischens Bemerkung, Schechter und Scherter in eben derselben Bedeutung eines gesteiften Zeuges, er bestehe nun aus Leinwand oder Seide. Frisch vermuthet nicht unwahrscheinlich, daß der Nahme von dem Geräusche herrühre; welchen ein solcher gesteifter Zeug verursacht; und wirklich ist schettern noch hin und wieder in den gemeinen Sprecharten, ein solcher Geräusch machen und von sich geben. Im Englischen ist um deßwillen shattery locker, dünne. S. Glanzschetter.


Scheu (W3) [Adelung]


Scheu, -er, -este, adj. et adv. einen Gegenstand aus dunkeln und verworrenen Begriffen fliehend, bemüht, sich von einem Gegenstande aus einer verworrenen Vorstellung eines Übels zu entfernen. In diesem ersten und eigentlichen Verstande wird ein Pferd scheu, wenn es vor einem ungewohnten Gegenstande erschrickt und die Flucht ergreift, da es denn in engerer Bedeutung die Fertigkeit oder Gewohnheit bezeichnet, vor jedem ungewöhnlichen Gegenstande zu fliehen. Ein scheues Pferd. Ein Pferd scheu machen. So auch in den Zusammensetzungen menschenscheu, leutescheu, lichtscheu, wasserscheu, feuerscheu u. s. f. Neigung und Fertigkeit habend, die Menschen u. s. f. aus einer auf verworrene Vorstellungen gegründeten Furcht zu fliehen. Ein Eber fragt den Hirsch, was macht dich hundescheu? Haged. Kopfscheu ist eigentlich ein Thier, wenn es sich nicht an den Kopf angreifen läßt, sich scheuet, d. i. sich mit dem Kopfe zu entfernen sucht, so bald man es daran angreifen will. In engerer Bedeutung ist jemand scheu, wenn er aus übler Erziehung, verworrener Vorstellung, die Gemeinschaft anderer, ihren Unterricht u. s. f. zu fliehen sucht. Ihr Väter erbittert eure Kinder nicht, auf daß sie nicht scheu werden, Col. 3, 21. Zuweilen wird es auch in weiterer Bedeutung für schüchtern und furchtsam überhaupt gebraucht. - Er schleicht mit scheuem Blicke Und mehr als dieb'scher Furcht zurücke, Haged. Laß in dein Heiligthum die scheue Muse sehen, Zach.

Anm. Im Niedersächs. schou, im Engl. shy, im Schwed. skygg, im Ital. mit einem andern Endlaute schifo, schivo, schivolo. Ohne Zischlaut ist im Engl. coy spröde. Die schnelle Flucht ist in diesem und den folgenden Worte der herrschende Begriff. S. Scheuen.


Scheu (W3) [Adelung]


Die Scheu, plur. car. welches in doppelter Gestalt gebraucht wird. 1. Als ein Abstractum. 1) Eigentlich, die schnelle Entfernung von einem Gegenstande aus verworrener Vorstellung eines Übels, auch mehr und häufiger aber die Gewohnheit, Neigung und Fer- tigkeit einen Gegenstand aus verworrener Vorstellung eines Übels zu fliehen. Dem Pferde die Scheu benehmen. Besonders in den Zusammensetzungen die Wasserscheu, Menschenscheu, Leutescheu. 2) In weiterer und zum Theil figürlicher Bedeutung ist die Scheu, (a) eine jede Entfernung von einem als ein Übel erkannten Gegenstande. Die zärtliche Gemächlichkeit des Gemüthes ist allemahl mit einer Scheu und Flucht aller unangenehmen Empfindungen verknüpft. (b) * Ein hoher Grad des sinnlichen, d. i. auf dunkele Begriffe gegründeten Widerwillens gegen gewisse Gegenstände; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung für Ekel und Abscheu, in welcher es doch noch in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich ist. Eine Scheu gegen etwas tragen. (c) * Furcht überhaupt; eine im Hochdeutschen ungewöhnlich gewordene Bedeutung. Ohne Scheu unter seinem Weinstocke wohnen, Micha 4, 4, ohne Furcht. (d) Abneigung, in jemandes Gegenwart oder mit dessen Wissen etwas ihm Mißfälliges oder etwas Unanständiges zu begehen. Sie thun mir Unrecht ohne Scheu, Ps. 27, 12. Scheu vor jemanden tragen. Keine Scheu empfinden Gott zu beleidigen. Die Einwohner in Otaheiti begatten sich öffentlich ohne Scheu. (e) In noch weiterer Bedeutung wurde es daher ehedem auch für Ehrfurcht überhaupt gebraucht, welche Bedeutung aber im Hochdeutschen veraltet ist, obgleich einige neuere Dichter dieselbe wieder zu erneuern gesucht haben. Wahr ists, ich hätt' es sonst vielleicht vor dir verstecket, Die Scheu befahl mir dieß, Schleg. Und stund Mit ehrfurchtvoller Scheu, Uz. 2. * Als ein Concretum, ein Gegenstand des sinnlichen, d. i. auf dunkle Begriffe gegründeten Widerwillens; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, wofür jetzt Abscheu üblich ist. Alles was Floßfedern und Schuppen hat, soll euch eine Scheu seyn, 3 Mos. 1, 10. Ich bin ein (eine) Scheu meiner Verwandten, Ps. 31, 21. Die Freunde, deren Scheu ich bin, Stehn alle gegen über, Opitz.

Anm. Im Nieders. Schou, im Engl. Shy, im Schwed. Sky, ( S. Scheuen.) Im Oberdeutschen ist dieses Wort männlichen Geschlechtes, der Scheu, welches auch einige Mahl in Luthers Deutscher Bibel vorkommt. Das Volk hatte einen Scheu sich in das Wasser zu begeben, 1 Marc. 16, 6. In dem zusammen gesetzten Abscheu haben wir dieses männliche Geschlecht noch behalten.


Scheuchen (W3) [Adelung]


Scheuchen, verb. reg. act. scheuen machen, d. i. durch Erregung dunkler Begriffe von einem Übel in die Flucht treiben; am häufigsten von Thieren. Abraham scheuchte das Gevögel davon, 1 Mos. 15, 11. Daß Herden daselbst weiden, die niemand scheuche, Es. 17, 2. Hier fliehet dem gescheuchten Rehe, der aufgejagten Gemse gleich, die königliche Tochter Radmus, Raml. Ingleichen für vertreiben, verjagen überhaupt. Was scheucht die Ruh aus deinem Herzen? In einigen Gegenden wird es auch für scheu und schüchtern machen gebraucht. Die Kinder in der Jugend mit dem Knecht Ruprecht scheuchen. So auch das Scheuchen. Anm. Im Ital. mit einem andern Endlaute chifare, im Franz. ehedem eschever. Es ist unnöthig, es mit Frischen von dem Zischlaute sch! sch! womit man im gemeinen Leben das Geflügel zu scheuchen pflegt, abzuleiten. Es ist vielmehr das Intensivum und Activum von scheuen, zumahl da dieses Zeitwort ehedem auch als ein Neutrum für fliehen, meiden gebraucht wurde. Gott alle die verwasse Dur die ich schuichen muosir ir wiplich zartes bilde, Graf Werner von Honberg. In einigen Oberdeutschen Gegenden gehet es irregulär, ich schoch, geschochen. Das Franz. chasser, das niedrige schechten, jagen u. a. m. sind genau damit verwandt. Ein Schreckbild, die Vögel aus den Gärten und dem Getreide damit zu verjagen, wird daher in manchen Gegenden eine Scheuche genannt.


Scheuel (W3) [Adelung]


* Der Scheuel, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort für Scheusal. Sie haben aus ihren edlen Kleinodien - Bilder ihrer Greuel und Scheuel gemacht, Hesek. 7, 20. Bildnisse der Würme und Thiere, eitel Scheuel, Kap. 8, 10. Denen, so nach ihres Herzens Scheueln und Greueln wandeln, Kap. 11, 21. Es ist von scheuen gebildet, wie Gräuel von grauen, und bedeutet eine der Scheu oder des Abscheues würdige Sache.


Scheuen (W3) [Adelung]


Scheuen, verb. reg. act. et reciproc. welches eigentlich fliehen bedeutet hat, von welchem jetzt veralteten Gebrauche noch hin und wieder Spuren vorkommen. Bey dem Notker ist das abgeleitete skigtig sin fliehen. Jetzt ist es nur noch in verschiedenen figürlichen Arten des Gebrauches üblich. 1) Eine auf dunkele Vorstellungen gegründete Furcht vor einem Dinge empfinden und sich von demselben zu entfernen suchen; als ein Reciprocum. Das Pferd scheuet sich vor einer Windmühle, das Kind vor dem Ruprecht. In weiterer Bedeutung ist sich scheuen, einen gewissen Grad des Widerwillens, des Ekels, ingleichen der Furcht vor etwas empfinden. Sich scheuen, mit einem andern aus einem Glase zu trinken. Sich vor den Blattern scheuen. Sie scheut sich nicht vor der Liebe, sondern nur vor dem Nahmen derselben, Gell. 2) Als ein Übel zu vermeiden suchen; als ein Activum mit der vierten Endung der Person. Ein gebranntes Kind scheuet das Feuer. Die Kälte, die Arbeit scheuen. Jemandes Umgang scheuen. Das Lichtscheuen. Wo in manchen Fällen auch das Reciprocum gebraucht werden kann. Sich vor der Kälte, vor der Arbeit scheuen. Aber für sich hüthen ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich, obgleich Luther es mehrmahls so gebraucht. Sich vor der Abgötterey scheuen, Sir. 15, 13. Daß sich auch die Höhen fürchten und scheuen auf dem Wege, Pred. 12, 5. Daß ihr vor ihrem Aase euch scheuet, 3 Mos. 11, 11. 3) Aus Achtung Bedenken tragen, etwas jemanden mißfälliges zu begehen, oder den Wohlstand zu verletzen; als ein Reciprocum. Sich vor niemanden scheuen. Ich scheue mich, es zu sagen. Vor wem sollt ich scheuen? Sich scheuen jemanden unter die Augen zu kommen. Zuweilen, obgleich seltener, auch mit der vierten Endung. Thue Recht, scheue niemand. Zuweilen gebraucht man es auch mit der zweyten Endung der Sache: wenn ihr euch auch der Sünde nicht scheuet, so solltet ihr euch der Schande fürchten, Hermes; d. i. wenn ihr euch auch nicht scheuet, die Sünde zu begehen. Daher das Scheuen, noch mehr aber die Scheu.

Anm. Schon bey dem Ottfried sciuhan, der es nicht nur für meiden und vermeiden, sondern auch für fürchten und befürchten gebraucht; tho er nan sciuhen gisah, da er ihn sich fürchten sahe. Bey dem Notker skien, von welcher Form es vermuthlich noch herrühret, daß dieses Zeitwort in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. im Salzburgischen, irregulär gehet, Imperf. ich schieh, Mittelw. geschiehen. Im Nieders. schouen, schuwen, im Engl. to eschew, im Schwed. sky, im Ital. schivare, im Span. esquivar. Ohne Zweifel ist der Begriff des Fliehens, der schnellen Bewegung, der erste und herrschende in diesem Worte, der auch in geschehen, scheinen und andern Verwandten mehr zum Grunde liegt. Ehedem hatte man davon das Intensivum scheutzen, scheußen, sich sehr scheuen, welches mit schießen verwandt ist, und wovon auch unser scheußlich abstammet. S. auch Scheusal.


Scheuer (W3) [Adelung]


Der Scheuer, ein Becher, S. 2 Schauer.


Scheuer (W3) [Adelung]


Die Scheuer, in härtern Sprecharten die Scheure, plur. die -n, ein bedecktes Gebäude, etwas darin vor der äußern Witterung zu verwahren. In diesem Verstande ist noch die Ziegelscheuer ein leichtes Gebäude, worin die Ziegel gestrichen und getrocknet werden. In andern Fällen ist dafür im Hochdeutschen Schauer üblicher; z. B. der Wagenschauer. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Scheuer ein landwirtschaftliches Gebäude, worin das vom Felde abgebrachte Getreide verwahret und ausgedroschen wird. Die Vögel unter dem Himmel sammeln nicht in die Scheuern, Matth. 6, 2. Das Getreide in die Scheuer bringen.

Anm. Schon im Galischen Gesetze Scuria, bey dem Ottfried Shiura, bey dem Tatian Skiura, im Nieders. in der ersten weitern Bedeutung Schur. Der Begriff der Bedeckung und der damit nahe verwandte Begriff des hohlen Raumes ist in diesem Worte der herrschende, daher es mit 2 Schauer und Geschirr zu einem und eben demselben Geschlechte gehöret. Das Franz. Escurie stammet davon ab, so wie dem Latein. horreum und Arab. Horjon nur der Zischlaut mangelt. Die Endsylbe kann die gewöhnliche Ableitungssylbe -er seyn, und alsdann ist die Schreibart Scheure unrichtig; wenn aber auch das zum Stamme gehören sollte, so hat doch der Wohlklang schon in den meisten Wörtern dieser Art dem r das e vorgesetzt, die sonst unvermeidliche Härte zu mildern. So spricht man gelinder Dauer, dauern, Mauer, mauern, lauern, scheuern u. s. f. als Daure, dauren, Maure, mauren, lauren, scheuren. In den gemeinen, besonders Niedersächsischen Mundarten, ist für das höhere und edlere Scheuer das nur im Endlaute unterschiedene Scheune üblich, so wie man die Scheuer in einigen Oberdeutschen Gegenden auch den Stadel nennet.


Scheuern (W3) [Adelung]


Scheuern, verb. reg. act. 1) Mit einem diesem Worte eigenen Laute reiben, heftig oder stark reiben. So scheuern sich die Schweine an den Bäumen, Steinen u. s. f. Im Nieders. ist sich scheuern auch sich die Haut aufreiben. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung scheuert man einen Körper, wenn man ihn mit Sand oder einem andern grobkörnigen Körper heftig reibet, um ihn rein oder glänzend zu machen. Das Küchengeschirr scheuern. Die Stube scheuern, d. i. den Fußboden der Stube. Daher Scheuerfaß, Scheuerlappen, Scheuerwisch, Scheuersand, Scheuerfrau u. s. f. In den Münzstätten scheuert man die geprägten Silbermünzen, indem man sie in einem Sacke mit einem dazu gethanen angreifenden Reinigungsmittel hin und her schüttelt. Der Grund der Benennung liegt wieder in der Onomatopöie, daher man ähnliche Reinigungsarten, die aber nicht mit diesem Laute verbunden sind, auch nicht scheuern nennet. Das Gewehr, das Silbergeschirr u. s. f. wird nicht gescheuert, sondern geputzet, polieret u. s. f. ob man sich gleich dabey eines ähnlichen Reinigungsmittels und eines ähnlichen Reibens bedienet. Jemanden den Kopf scheuern, figürlich, ihm einen derben Verweis geben. So auch das Scheuern.

Anm. Bey dem Ulphilas skauran, im Nieders. schüren, im Schwed. skära, skira und skura, im Engl. to scour, im Irländ. sciuram, im mittlern Lateine escurare, und ohne Zischer curare, im Ital. scurare, curare, im Franz. escurer, curer; welche größten Theils auch reinigen überhaupt bedeuten, obgleich im Deutschen diese Figur nicht mehr üblich ist. Der Grund der Benennung liegt in der Onomatopöie, so wie scheren, schier u. a. m. damit verwandt sind. Der Form nach kann dieses Wort ein Intensivum von scheuen in der veralteten Bedeutung einer jeden schnellen oder gelinden Bewegung seyn. Härtere Mundarten sprechen und schreiben auch hier scheuren für scheuern.


Scheuertag (W3) [Adelung]


Der Scheuertag, des -es, plur. die -e, ein noch in einigen Oberdeutschen Gegenden übliche Benennung der Aschermittwoche, von scheuern, in der veralteten Bedeutung des Reinigens. Im Schwed. hingegen ist Skärtorsdag der grüne Donnerstag, der Donnerstag in der Charwoche, vermuthlich so viel wie Char-Donnerstag, so wie wir noch Charfreytag sagen, S. dieses Wort.


Scheuleder (W3) [Adelung]


Das Scheuleder, des -s, plur. ut nom. sing. lederne Klappen, an den Zäumen der Kutsch- und Zugpferde, in der Gegend der Augen, damit sie nicht auf die Seite sehen, und scheu werden können; das Augenleder, Blendleder, die Blende.


Scheune (W3) [Adelung]


Die Scheune, plur. die -n, in den gemeinen Sprecharten, besonders Niederdeutschlandes, eben das, was in der edlern Sprechart Scheuer ist. Die Ziegelscheune. Besonders ein Gebäude, das vom Felde gebrachte Getreide darin zu verwahren und auszudreschen. Luther gebraucht es in der Deutschen Bibel mehrmahls, dagegen er in andern Stellen auch Scheuer hat.

Anm. Nieders. Schüne. Frisch leitet es seltsam genug von schön und schonen ab, weil das Getreide in der Scheuer schön erhalten und geschonet wird. Es ist von Scheuer nur im Endlaute verschieden, und bedeutet, so wie dieses eigentlich auch einen bedeckten Ort, oder hohlen eingeschlossenen Raum. Das alte Oberdeutsche Schank, ein Schrank, das noch bey den Handwerkern übliche Schenke, ein Krug, eine Kanne, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Gezelt, das alte Schin, Skin, die Haut, Engl. Skin ( S. Schinden) und andere mehr sind genau damit verwandt.


Scheunknecht (W3) [Adelung]


Der Scheunknecht, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft einiger Gegenden, der vornehmste unter den Dreschern, welcher den übrigen vorgesetzet ist, und in andern Gegenden mit einem edlern Ausdrucke der Tennmeister heißt.


Scheuntenne (W3) [Adelung]


Die Scheuntenne, plur. die -n, die Tenne in der Scheune; die Scheuertenne, und am häufigsten die Tenne schlechthin.


Scheusal (W3) [Adelung]


Das Scheusal, des -es, plur. die -e. 1) Ein Schreckbild, andere Geschöpfe, dadurch zu verscheuchen, dergleichen dasjenige ist, welches man in den Gärten und Feldern zur Verscheuchung der Vögel aufzustellen pflegt. Wie ein Scheusal im Garten nichts verwahren kann u. s. f. Bar. 6, 69. In einigen Gegenden eine Scheuche, ein Scheuel. 2) Ein Ding, welches durch seine Beschaffenheit Abscheu, den höchsten Grad des Widerwillens erregt. Machet eure Seele nicht zum Scheusal, 3 Mos. 11, 43. Eine im höchsten Grade boshafte und lasterhafte Person wird daher mehrmahls ein Scheusal genannt.

Anm. Es ist eben nicht nöthig, die letzte Sylbe in diesem Worte für die Ableitungssylbe -sal zu halten, indem es auch aus dem veralteten scheutzen, scheußen, für scheuen, und der Endsylbe -el, ein Ding, Subject, Werkzeug gebildet seyn kann. In den gemeinen Sprecharten lautet es auch wirklich Scheußel. ( S. das folgende.) Das ungewöhnliche Beywort scheusälig, welches Zachariä Ein Mahl gebraucht: Scheusäligstes Gesicht im Himmel und auf Erden, ist daher in dieser Rücksicht zugleich unrichtig, indem das Beywort von Scheußel, scheußlich lautet, wie von Gräuel, gräulich wird. Luther gebraucht dieses Wort auch in dem ungewöhnlichen männlichen Geschlechte. Ich will einen Scheusal aus dir machen, Nah. 3, 6.


Scheuslich (W3) [Adelung]


Scheuslich, oder vielmehr


Scheußlich (W3) [Adelung]


Scheußlich, -er, -ste, adj. et adv. so wohl Scheu, d. i. mit Begierde zur Flucht verbundene Furcht, als auch Abscheu, den höchsten Grad der Abneigung und des Widerwillens einflößend. Scheußlich aussehen, so wohl, daß man davor entfliehen möchte, als auch so, daß man den höchsten Grad des sinnlichen und geistigen Widerwillens dagegen empfindet. Scheußliche Larven erschienen, davon (davor) sie sich entsetzten, Weish. 17, 4. 5 Mos. 25, 2, 3, wird verordnet, einem Verbrecher nicht mehr als vierzig Schläge zu geben, damit dein Bruder nicht scheuslich vor deinen Augen sey, durch seine verwundete Gestalt nicht Ekel und Abscheu einflöße. Sich scheußlich stellen. Ein scheußliches Verbrechen, ein abscheuliches.

Anm. Im Nieders. schüslik. Es ist von dem veralteten scheuen, scheußen, welches das Intensivum von scheuen ist, und einen hohen Grad der Scheu empfinden bedeutete. Ihr scheuczete vor Stechen und Turnieren, ihr grauete davor, Hagen bey dem Petz.


Scheußlichkeit (W3) [Adelung]


Die Scheußlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, nach welcher es scheußlich ist.


Schicht (W3) [Adelung]


1. * Die Schicht, ein veraltetes, noch im Niederdeutschen übliches Wort für Geschichte, S. dasselbe.


Schicht (W3) [Adelung]


2. Die Schicht, plur. die -en, ein Wort, welches wie schichten ursprünglich das Intensivum von schehen, schechen u. s. f. ist, und eigentlich den Laut einer schnellen gelinden Bewegung nachahmet, wozu auch scheuen, scheuchen und schüchtern mit ihren Verwandten gehören. Notker gebraucht skigtig noch für fliehend. ( S. auch Schach und Schacht.) Von dieser ersten, längst veralteten Bedeutung sind die noch heut zu Tage üblichen Arten des Gebrauches gewöhnliche Figuren. 1. In den Eisenhämmern wird die ganze Tiefe des hohen Ofens die Schicht genannt, wo der Begriff der Tiefe, des hohlen Raumes, der herrschende zu seyn scheinet. Es ist hier mit Schacht, in der bergmännischen Bedeutung, und ohne Zischlaut auch mit Sicht verwandt, S. dieselben. 2. Ein Theil eines Ganzen, von schichten, theilen, welches mit Schacht und schächten verwandt ist. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, theilen, unterscheidet sich nur in dem Endlaute, so wie die Niederdeutschen schiften, Angels. scyftan, und schieren, Hochd. scheren, mit noch andern Endlauten gleichfalls theilen bedeuten. Es ist in dieser Bedeutung eines Theiles nur noch hin und wieder im gemeinen Leben üblich. Die Erbschicht ist nicht nur das Erbtheil, der Theil einer Erbschaft, sondern auch die Erbtheilung, die Handlung des Theilens. Die Schicht der Kinder erster Ehe war ehedem die Abtheilung, Abfindung derselben, ingleichen der ihnen abgetretene Theil. Besonders bedeutet es noch zuweilen in engerer Bedeutung den vierten Theil eines Ganzen. So wird im Bergbaue der vierte Theil einer Zeche, der aus 32 Augen bestehet, eine Schicht genannt. ( S. Schichtkur.) Es ist hier mit Schacht, ein Quadrat, genau verwandt. ( S. dasselbe.) Das gleichbedeutende Nieders. Schuft bedeutet gleichfalls den vierten Theil eines Tages oder eines Tagewerkes. Die erste Schuft ist die Morgenzeit bis zum Frühstück u. s. f. In vielen Gegenden ist die Schicht die Dicke einer Schachtruthe, d. i. drey Fuß. Ein Graben wird drey Schichten tief, wenn er 9 Fußtief wird. 3. Eine Reihe mehrerer an und über einander befindlicher Dinge, von schichten, so fern es ursprünglich auch sich in die Länge bewegen bedeutete. ( S. auch Schacht.) 1) Eigentlich, wo es noch häufig gebraucht wird, und zwar so wohl von mehrern ordentlich über einander, als auch neben einander befindlichen Dingen. Ein Stratum super stratum, d. i. eine von mehrern über einander befindlichen Lagen, Dinge Einer oder verschiedener Art heißt eine Schicht. Die Schichten in der Erde sind die in langen, breiten, gemeiniglich horizontalen Flächen über einander liegenden Erd- oder Steinarten, die der Bergmann Flotze, der Steinhauer Bänke, die edlere Schreibart aber Lagen oder Lager nennet. Ingleichen eine Reihe mehrerer einzelner über oder neben einander befindlicher Dinge. Und sollst die Kuchen legen, je sechs auf eine Schicht, 3 Mos. 46, 6. Und sie satzten sich nach Schichten, je hundert und hundert, funfzig und funfzig, Marc. 6, 40, in Reihen. 2) Figürlich, eine an einander hängende, ohne dazwischen genossene Ruhe fortgesetzte Arbeit, ingleichen die Zeit, in welcher eine Arbeit von einem merklichen Ruhepuncte bis zum andern fortgesetzet wird; wo dieses Wort im gemeinen Leben sehr häufig ist, und oft eine zur Arbeit bestimmte Zeit von einer bestimmen Länge bezeichnet. Im Bergbaue ist es z. B. eine bestimmte Zeit von 6, 8 oder 12 Stunden, so lange ein Bergmann an seiner Arbeit zu bleiben verbunden ist. Die Frühschicht, die Arbeit von Morgens 4 Uhr bis Mittags um 12; die Tageschicht von Mittags 12 Uhr bis Abends um 7; die Nachtschicht, von Abends 8 Uhr bis Morgens um 3. An andern Orten sind die 24 Stunden in vier Schichten eingetheilet. Die Schicht antreten, anfangen zu arbeiten. Schicht halten, seine bestimmte Arbeit gehörig verrichten. Die Schicht verfahren, in eben diesem Verstande. Lauter im Bergbaue übliche Redensarten. Auch in dem Salzwerke zu Halle arbeiten die Bornknechte nach Schichten von sieben bis acht Stunden, da denn auch die zu jeder Schicht bestimmten Arbeiter eine Schicht heißen. Im Nieders. ist das gleichbedeutende und nur im Endlaute verschiedene Schuft oder Schuftied von einer jeden Arbeit üblich, welche ununterbrochen geschiehet. Das kann ich in einer Schuft thun, ohne auszuruhen. Die erste Schuft ist daselbst die Morgenzeit bis zum Frühstücke, die zweyte bis zu Mittag u. s. f. nach einer nach weitern Figur wird zuweilen auch dasjenige, was auf Ein Mahl gearbeitet oder verarbeitet wird, eine Schicht genannt. So wird im Hüttenbaue nicht nur jedes Schmelzen, sondern auch die Quantität, welche jedes Mahl geschmolzen wird, eine Schicht genannt. Bey einem hohen Ofen rechnet man 36, bey einem krummen Ofen 24, und bey einem Stichofen 12 Schichten auf ein Wochenwerk. Die Schicht beschicken, das zur Schmelzung bestimmte Erz mit den gehörigen Zuschlägen versehen. 4. In einem entgegen gesetzten Verstande ist die Schicht sehr häufig das Aufhören von der Arbeit. Schicht machen, aufhören zu arbeiten, so wohl im Bergbaue, als bey den Handwerkern und andern Arbeitern. Die Bierschicht, bey den Handwerkern und Arbeitern, wenn sie aufhören zu arbeiten, um zu Biere zu gehen. So auch die Badeschicht, in denjenigen Gegenden, wo das Baden noch üblich ist. Es scheinet hier keine Figur der vorigen Bedeutung zu seyn, sondern seinen eigenen herrschenden Begriff der Ruhe, vielleicht auch des Unvermögens zur Arbeit zu haben, indem im Bergbaue auch das Nebenwort schicht üblich ist. Ein Bergmann wird schicht, wenn er Krankheit oder Unvermögens halber nicht mehr arbeiten kann. Es wurden alle Zechen auf Ein Mahl schicht und die Wasser giengen auf, Melzer in der Schneeberg. Chronik, die Zechen blieben liegen, konnten nicht bearbeitet werden, weil das Wasser in denselben überhand nahm. Es scheint hier mit Schächer in der R. A. ein armer Schächer und mit dem provinziellen Schäker, in der Bedeutung eines untauglichen Pferdes, verwandt zu seyn. 5. In den Zinnhütten wird ein kupfernes Blech, welches einige Ellen lang und eine Elle breit ist, und worauf das Zinn geplattet wird, eine Schicht genannt; wo unstreitig die obige dritte Bedeutung, eines in die Länge ausgedehnten Körpers zum Grunde lieget. S. auch Schacht.


Schichtbank (W3) [Adelung]


Die Schichtbank, plur. die -bänke, gleichfalls nur in den Zinnhütten, diejenige Bank, worauf die Schicht, d. i. das kupferne Blech, lieget, auf welchem das Zinn geplattet wird.


Schichten (W3) [Adelung]


Schichten, verb. reg. act. welches so wie das Hauptwort Schicht ehedem in mehrern Bedeutungen üblich war, wovon sich aber nur noch folgende erhalten haben. 1) * Theilen, abtheilen, absondern. Die Erbschaft schichten, theilen. Die Kinder erster Ehe schichten oder abschichten, sie abtheilen, abfinden. Eine Rede in drey Theile schichten, theilen. Im Hochdeutschen kommt diese Bedeutung am seltensten vor. ( S. Schicht 2.) 2) Mehrere Dinge ordentlich neben und übereinander legen; im Oberdeutschen schlichten. Die Waaren in das Schiff schichten, ordentlich und fest packen, wozu man in großen Häfen eigene Leute hat, welche alsdann Schichter heißen. Das Holz, die Mauersteine u. s. f. schichten, sie ordentlich neben und über einander legen. Daher das Schichten, die Schicht, und die Schichtung.

Anm. Im Nieders. gleichfalls schichten und mit einem andern Endlaute auch schiften, Holländ. schiften, im Schwed. in der Bedeutung des Theilens skifva und skifta. Im Nieders. bedeutet schichten auch gerinnen. Bey dem Hauptworte Schicht ist schon bemerket worden, daß dieses Wort eigentlich ein vermittelst des intensiven e gebildetes Intensivum von einem veralteten schichen oder schihen, schehen, schechen, ist, welches ursprünglich eine schnelle gelinde Bewegung bedeutete. Ein anderes Intensivum davon ist unser schicken, wo die Intension bloß durch Verdoppelung oder Verstärkung des Gaumenlautes angedeutet wird.


Schichtglätte (W3) [Adelung]


Die Schichtglätte, plur. inus. im Hüttenbaue, diejenige Glätte, welche in Einer Schicht, d. i. auf Ein Mahl, von dem blickenden Silber abgezogen wird.


Schichtholz (W3) [Adelung]


Das Schichtholz, des -es, plur. car. bey den Kohlenbrennern, Klöppelholz, so fern es verkohlet wird, wovon einzelne Klöppel Schichtklöppel genannt werden, und woraus der Klöppelmeiser bestehet. Ohne Zweifel von schichten, ordentlich auf und neben einander legen.


Schichtig (W3) [Adelung]


Schichtig, adj. et adv. welches nur in den Zusammensetzungen einschichtig, zweyschichtig u. s. f. üblich ist, aus Einem, zwey Theilen, ingleichen aus Einer oder zwey Reihen bestehend. Sechsschichtige Gerste, sechszeilige, welche sechs Reihen Körner neben einander hat.


Schichtkux (W3) [Adelung]


Der Schichtkux, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, ein Kux, so fern derselbe aus einer ganzen Schicht bestehet, der vierte Theil einer Zeche, welcher aus acht gewöhnlichen Kurxen bestehet, und auch nur eine Schicht schlechthin genannt wird.


Schichtlohn (W3) [Adelung]


Der Schichtlohn, des -es, plur. von mehrern Summen, die -löhne, derjenige Lohn, welchen ein Arbeiter für Eine Schicht verdienet, in welchem Verstande es besonders im Bergbaue üblich ist.


Schichtmeister (W3) [Adelung]


Der Schichtmeister, des -s, plur. ut nom. sing. überhaupt, ein Aufseher und Vorgesetzter über die nach Schichten arbeitenden Arbeiter. So ist in den Bergwerken, so wohl im Gruben- als Hüttenbaue, der Schichtmeister, ein beeidigter Beamter, welcher der Gewerken Geld in Empfang nimmt, die Arbeiter nach ihren Schichten bezahlet, und darauf siehet, daß sie ihre Schichten gehörig halten. Daher die Schichtmeisterey, das Amt eines Schichtmeisters und der seiner Aufsicht anvertrauete Bezirk. Bey den Seigerhütten führet derjenige den Nahmen des Schichtmeisters, welcher die Aufsicht über die Schmelzschicht hat, das eingelieferte Metall probieret, und die Beschickung darnach einrichtet, daher er auch der Anrichter genannt wird.


Schichttrog (W3) [Adelung]


Der Schichttrog, des -es, plur. die -tröge, im Hüttenbaue, eine Mulde, worin das zu jeder Schmelzschicht gehörige beschickte Erz auf den Ofen getragen wird.


Schichtung (W3) [Adelung]


Die Schichtung, plur. die -en, von Schichten 1, die Theilung. Besonders in den Rechten, diejenige Theilung eines gemeinschaftlichen Vermögens, welche der überlebende Ehegatte alsdann vorzunehmen verbunden ist, wenn er zur zweyten Ehe schreiten will.


Schichtweise (W3) [Adelung]


Schichtweise, adv. nach Schichten oder Lagen, in Schichten. Schichtweise legen.


Schick (W3) [Adelung]


* Das Schick, ein im Hochdeutschen veraltetes Hauptwort, welches noch in Geschick und Ortschick übrig ist, S. diese Wörter.


Schicken (W3) [Adelung]


Schicken, verb. reg. act. et neutr. im letzten Falle mit haben, welches der Form nach so wie schichten das Intensivum von einem veralteten schichen, schihen oder schehen ist, und ursprünglich eine schnelle aber doch härtere Bewegung ausdrucket, als dieses. Nach einer sehr gewöhnlichen Figur wurde es nachmahls von mancherley Handlung gebraucht, welche mit einer schnellen Bewegung und ihrem eigenthümlichen Laute verbunden sind. Daher wird es noch jetzt in mehrern dem Anscheine nach sehr verschiedenen Bedeutungen gebraucht, welche sich doch insgesammt auf eine und eben dieselbe Onomatopöie gründen. 1. Die Bewegung eines andern Dinges beschleunigen; wo es zu dem Geschlechte der Wörter scheuchen, schächen im gemeinen Leben für jagen, Ital. cacciare, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - kommen, und andern ähnlichen Wörtern mehr gehöret. Es ist hier noch in einem doppelten Falle üblich. 1) Für eilen, als ein Reciprocum. Schickt euch, eilet, macht fort. Ich will mich schicken, eilen. Das Beywort geschickt wird noch für behende, schnell und leicht in seinen Bewegungen gebraucht. 2) In weiterer Bedeutung, machen, daß ein Ding an einem andern Orte gegenwärtig werde; wo es doch nur noch in einigen Fällen gebraucht wird, weil die meisten Arten dieser Handlung ihre eigenen Nahmen haben, wohin z. B. werfen, tragen, fahren u. s. f. gehören. In engerer Bedeutung schickt man so wohl Personen als Sachen. Personen werden geschickt, wenn man ihnen Befehl oder Auftrag ertheilet, sich an einen Ort begeben. Der Ort, wohin man schickt, bekommt die Vorwörter zu, in, nach, an u. s. f. Einen Bothen nach der Stadt, in die Stadt schicken. Schicke deinen Bedienten zu mir. Eine Armee in des Feindes Land schicken. Zu jemanden schicken. Seinen Sohn auf Reisen schicken. Jemanden in das Elend schicken, ihn verweisen. Zuweilen stehet auch die dritte Endung der Person. Schicke mir deinen Bruder, oder schicke ihn zu mir. Die Sache, welche der geschickte hohlen soll, bekommt das Vorwort nach. Nach Brot, nach Wein, nach dem Doctor schicken. Ich will nach der Wache schicken. Im Oberdeutschen gebraucht man das Vorwort um; um Brot, um den Doctor schicken. Die Sache, welche der geschickte thun soll, kann zuweilen durch den bloßen Infinitiv ausgedruckt werden. Ein Kind schlafen schicken. Da dieses Zeitwort, wenn es von Personen gebraucht wird, einen Befehl, oder doch einen vertraulichen Auftrag voraus setzt, so verstehet es sich von selbst, daß man dieses Wort nicht gebrauchen kann, wenn man nur zu bitten hat, und sich mit Anstand und Behuthsamkeit ausdrucken will. Einen Höhern schickt man nicht. Sachen werden geschickt, wenn man sie durch einen dritten an einen Ort bringen, oder daselbst gegenwärtig werden läßt. Jemanden ein Packet Waare schicken. Was hat dir dein Freund geschickt? Ich will es dir durch deinen Bedienten schicken. Einen Brief auf die Post, Waaren mit der Post schicken. Güter nach Leipzig, nach London schicken, es geschehe nun zu Wasser oder zu Lande, auf welche Art es wolle. In beyden Fällen ist dieses Wort, wie schon Stosch bemerket, in gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart am üblichsten; in der höhern gebraucht man dafür senden, besonders wenn von wichtigen Dingen und Personen die Rede ist. Eben dieses gilt auch von den Zusammensetzungen abschicken, verschicken, einschicken, wegschicken u. s. f. In weiterm Verstande sagt man, jemanden in die andere Welt schicken, mittelbarer oder unmittelbarer Weise die Ursache seines Todes seyn. Ein Buch in die Welt schicken, es heraus geben. 3) Figürlich, in der Reihe der zufälligen Dinge wirklich werden lassen, besonders von der Einrichtung der menschlichen Veränderungen, welche ohne unser Zuthun erfolgen; fügen. Der Herr schickts also, 2 Sam. 17, 14, füget, ordnet, verhängt es so. Gott schickt dem Menschen Krankheit, Leiden u. s. f. Sprichw. Gott muß es schicken, wenn es soll glücken. Ingleichen als ein Reciprocum, so fern man solche Veränderungen einem Zufalle oder Ungefähr zuschreibt. Es kann sich noch wunderlich schicken. Was seyn soll, schickt sich gleichwohl. Es mußte sich schicken, daß ich ihn zu Hause antraf. Man weiß oft nicht, wie sich etwas schicken soll. Es kann hier als das Factitivum von schehen in geschehen angesehen werden, geschehen machen; indessen findet auch die folgende Bedeutung des Ordens, Anordnens, Statt. S. auch Schicksal, Schickung und Geschick. 2. Geschäfte verrichten; eine gleichfalls von der Bewegung entlehnte Figur, wovon schäften, geschäftig und Geschäft nur im Endlaute verschieden sind. Es ist hier als ein Neutrum üblich, wird aber nur noch hin und wieder im gemeinen Leben gebraucht. Er hat immer was zu schicken, ist immer geschäftig. Ich mag nichts mehr mit ihm zu schicken haben, zu thun. Sie sollen mit ihm nichts schicken und tauschen, und der Schick soll nichts gelten, bey einem Schweizerischen Schriftsteller, wo zugleich das im Hochdeutschen unbekannte Schick zu bemerken ist. 3. In engerer Bedeutung werden verschiedene besondere Arten der Geschäftigkeit durch dieses Zeitwort ausgedruckt. 1) Rüsten, sich rüsten. Schicket euch, und sie schickten sich, 1 Kön. 20, 12. Sich zur Arbeit, zur Reise, zum Tode, zum Sterben schicken. Es schickt sich alles zum Winter. Der Himmel schickt sich zum Regen. Figürlich auch sich gefaßt halten. Schicke dich zur Anfechtung, Sir. 2, 1. Als eine Figur kann auch der sonst ungewöhnliche biblische Gebrauch angesehen werden. Er schickte sein Herz nicht, daß er den Herrn suchte, 2 Chron. 12, 14. Die ihr Herz schicken, Gott zu suchen, Kap. 30, 9. Schicke dich Israel, begegne deinem Gott, Hos. 4, 12. Frühe will ich mich zu dir schicken, Ps. 5, 4. 2) Die nöthige Ordnung, Gestalt und Fähigkeit zu etwas ertheilen. Im Schwedischen ist skicka ordnen, in Ordnung bringen. Im Oberdeutschen sagt man noch, eine Materie zu einer Gestalt schicken, d. i. bilden, ihr eine Gestalt ertheilen. Daher das Ober- und Niederdeutsche Schicken, die Gestalt. Er schickt sich albern dazu, sagt man von jemanden, der sich bey einer Handlung oder Verrichtung auf eine ungewöhnliche Art anstellet. Im Hochdeutschen wird es nur als ein Reciprocum im figürlichen Verstande gebraucht, sich schicken, das nöthige Verhältniß, die nöthige Gestalt, die nöthige Fähigkeit, kurz, jede nöthige Beschaffenheit im Verhältnisse gegen ein anderes Ding haben. Der Rock schickt sich nicht zur Weste, es sey nun in Ansehung der Größe, oder der Farbe, oder sonst einer andern Rücksicht. Die Antwort schickt sich nicht zu der Frage. Cajus schickt sich gar nicht zu dem Amte, hat nicht die nöthigen Eigenschaften dazu. Das schickt sich nicht zur Sache. Zwey Personen schicken sich gut zusammen, wenn sie beyde die zu einer Absicht erforderlichen Eigenschaften haben. ( S. auch Geschickt.) Aber, sich in etwas schicken heißt die nöthige Fähigkeit, Willigkeit und Einsicht zu etwas erlangen. Er weiß sich gut in die Sache zu schicken. Sich in sein Elend schicken, dasselbe mit Gelassenheit ertragen. Sich in jedermann zu schicken wissen, sich nach jedes Gemüthsart richten. Sich in die Zeit schicken, sich nach den Umständen derselben betragen. Ingleichen, eine Sache nach ihren Gründen einsehen; ich kann mich in seine Schmeicheleyen gar nicht schicken, wofür doch sich finden üblicher ist. 3) Im engsten Verstande schickt sich ein Ding, wenn es dem Wohlstande gemäß ist. Das schickt sich nicht für dich, ist deiner Würde nicht angemessen. Schmeicheleyen schicken sich für keinen gesetzten Mann. Es schickt sich nicht, daß man zur Zeit der Trauer bunte Kleider trage. Das würde sich nicht schicken. Daher das Schicken, welches doch in den reciproken Bedeutungen ungewöhnlich ist. Das Hauptwort die Schickung siehe an seinem Orte besonders.

Anm. Frisch und andere haben schon bemerket, daß dieses Wort bey unsern ältesten Oberdeutschen Schriftstellern nicht angetroffen wird, ob es gleich alles Ansehen eines alten Wortes hat. Es scheinet zunächst aus der Niederdeutschen Mundart herzustammen, in welcher es gleichfalls schicken, so wie im Schwed. skicka, lautet. Es ist allem Ansehen nach das Intensivum, und in manchen Fällen das Factitivum, von schehen in geschehen, so wie schickten dessen Intensivum in andern Rücksichten ist. Mit der ältesten Bedeutung der heftigen Bewegung sind auch schaukeln, das veraltete schaken, stoßen, Franz. chocquer, u. a. m. verwandt. Provinzielle Bedeutungen sind noch das Ober- und Niederdeutsche aufschicken, aufputzen, eigentlich in die Ordnung stellen, das bey den Jägern übliche beschicken, befruchten, das Oberd. Schick, Anlaß, Gelegenheit, Ursache u. s. f.


Schicklich (W3) [Adelung]


Schicklich, -er, -ste, adj. et adv. was sich schickt, in der dritten Bedeutung des Zeitwortes, der Sache und ihren Umständen gemäß; im Gegensatze des unschicklich. Eine schickliche Antwort geben. Jeder Sinn hat seine eigene schickliche Materie, welche die Nerven in das erforderliche Spiel setzt. Sie hielt es noch nicht für schicklich, sich zu erklären. Sich in allen Umständen auf die schicklichste Art zu betragen wissen. Im Österreich. ist dafür schicksam üblich, und im gemeinen Leben wird geschicklich auch für geschickt gebraucht.


Schicklichkeit (W3) [Adelung]


Die Schicklichkeit, plur. inus. die Eigenschaft, da eine Sache schicklich, d. i. den Umständen gemäß ist; im Gegensatze der Unschicklichkeit. In Geschicklichkeit hat es noch eine andere Bedeutung, S. dasselbe.


Schicksal (W3) [Adelung]


Das Schicksal, des -es, plur. die -e, ein Wort, von welchem sich weder in den alten Denkmählern der Deutschen Sprache, noch in den heutigen mit den Deutschen verwandten Sprachen einige Spuren finden. Es ist von dem Zeitworte schicken, in der Bedeutung des Verordnens, Veranstaltens, und der Ableitungssylbe -sal gebildet, und wird in einem doppelten Hauptverstande gebraucht. 1) Von Begebenheiten und Veränderungen eines Dinges, welche nicht in dessen Willkühr stehen, welche ohne dessen Zuthun in einer unbekannten Ursache außer ihm gegründet sind, wo man es besonders von unwillkürlichen menschlichen Veränderungen, und selbst von solchen gebraucht, deren Grund in dem vorher gehenden Verhalten des Menschen man nicht einsiehet, wenn sie gleich wirklich in demselben gegründet sind. Ein Mensch hat sonderbare Schicksale, wenn er ohne seine unmittelbare Mitwirkung sonderbaren Veränderungen ausgesetzt ist; wo es auch collective von der ganzen Reihe solcher Veränderungen gebraucht wird. Der große Gedanke, Gott regieret und ordnet die allgemeinen und besondern Schicksale der Menschen - ist göttliche Beruhigung des Herzens in Unfällen und Leiden, Gell. Ihr Schicksal (die ganze Reihe der Veränderungen) ist wunderbar; es ist aus kleinen Schicksalen vieler an einander gekettet, Jaco- bi. Sich in guten und bösen Schicksalen gleich seyn. 2) Dasjenige Wesen, in welchem diejenigen Veränderungen in der Welt gegründet sind, deren Zusammenhang aus dem vorher gehenden Zustande nicht begreiflich ist. Nach der christlichen Philosophie ist dieses Wesen kein anderes als Gott; allein man gebraucht das Wort Schicksal nur noch in dem Verstande der ehemahligen heidnischen Philosophen, welche noch ein gewisses unbekanntes Wesen außer Gott annahmen, von welchem die Veränderungen in der Welt und den menschlichen Begebenheiten abhängen sollten; es sey dieses nun ein Ohngefähr, oder eine unbedingte Nothwendigkeit u. s. f. Der Unglaube macht das blinde Schicksal zu einer gesetzgebenden Person. Gesundheit, Schätze, Ansehen, alles was der Thor anbethet, hat das lachende Schicksal über ihn ausgeschüttet, Dusch. Wo man denn oft weiter nichts, als die Veranstaltung und Verbindung der menschlichen Begenbenheiten verstehet, so fern sie nicht unmittelbar von ihm selbst herrühren. S. auch Geschick. S. Schicken 1 3), von welcher Bedeutung dieses Wort herstammet.


Schickung (W3) [Adelung]


Die Schickung, plur. die -en, welches hier nicht zunächst das Verbale von schicken, sondern ein aus demselben und der Endsylbe -ing oder -ung zusammen gesetztes Wort ist, welches so wie das vorige, aber in einer dem christlichen Lehrbegriffe mehr gemäßen Bedeutung gebraucht wird. 1) Menschliche Begebenheiten, so fern sie zunächst in der Vorsehung oder Veranstaltung Gottes gegründet sind. Sich in alle Schickungen Gottes ergeben. Es war eine besondere Schickung, daß u. s. f. 2) Die Vorsehung Gottes, so fern sie sich besonders in Anordnung und Veranstaltung der menschlichen Begebenheiten und der Veränderungen in der Welt äußert. Sich auf die Schickung Gottes verlassen.

Anm. Im Nieders. bedeutet Schickung eine jede Einrichtung und Anordnung. In seinem Hauswesen eine andere Schickung machen, eine andere Einrichtung.


Schiebebock (W3) [Adelung]


Der Schiebebock, des -es, plur. die -böcke, S. Schiebkarren.


Schiebekolben (W3) [Adelung]


Der Schiebekolben, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen bey den Schlössern eine Art Zange führet; vermuthlich auch eine solche, deren sie sich bey dem Ziehen des groben Drahtes bedienen.


Schieben (W3) [Adelung]


Schieben, verb. irreg. ich schiebe, du schiebst, (Oberd. scheubst,) er schiebt, (Oberd. scheubt;) Imperf. ich schob; Mittelw. geschoben; Imperat. schieb (Oberd. scheub). Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Activum, auf einer horizontalen oder fast horizontalen Fläche einen andern Körper nach und nach so vor sich her fortdrücken, daß man allemahl dessen Stellen einnehme; wodurch sich das Schieben von dem Ziehen, Drücken, Heben, Stoßen u. s. f. unterscheidet. Einen Kasten fortschieben. Den Tisch an die Wand schieben. Den Wagen in den Schuppen schieben. Schieben helfen. Den Riegel vorschieben. Etwas uneigentlicher schiebt der Ochs in der Landwirthschaft, wenn er den Wagen oder Pflug vermittelst der Stirn ziehet. ( S. Schiebochs.) Brot in den Ofen schieben, wie die Bäcker thun. Im Oberdeutschen schiebt man auch den Bissen in den Mund, man schiebt etwas in die Tasche, wo man im Hochdeutschen das Zeitwort stecken gebraucht. Sich schieben, das Reciprocum, aus seiner horizontaler Lage seitwärts verrücket werden. Das Papier hat sich geschoben. In der R. A. Regel schieben wird es für rollen oder schießen gebraucht, indem es sich hier eigentlich auf die Kugel beziehet. Es ist hier ohne Zweifel ein Überrest einer Oberdeutschen Bedeutung; wenigstens sagt man daselbst noch im Diminutivo schiebeln von Rollen kleiner Körper. Figürliche Arten des Ausdrucks sind: einem etwas in das Gewissen schieben, es ihm vor Gott und Menschen zu verantworten überlassen, es seinem Gewissen heim stellen. Die Schuld auf jemanden schieben. Einen Antrag von sich schieben, ablehnen. Ehedem wurde es auch für befördern gebraucht, wovon unser Vorschub noch ein Überbleibsel ist. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird es auch noch für schicken, senden, gebraucht. Jemanden zu etwas schieben und ordnen, senden und abordnen, Tschudi bey dem Frisch. Daher ist noch zu Wien der Schub der Transport des liederlichen Gesindels auf der Donau nach Ungarn. II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben; doch nur in einigen Fällen des gemeinen Lebens. 1) In der Landwirthschaft schiebt ein Thier oder es schiebt Zähne, wenn es die Jugendzähne verlieret, weil die neuen Zähne die alten gleichsam vor sich her schieben. 2) Auch das Wachsen der Gewächse wird zuweilen schieben genannt. Die Pflanzen haben gut geschoben, sind merklich in die Höhe gewachsen. 3) Im Gehen schieben, mit voraus gestrecktem Kopfe träge und schwerfällig gehen, als wenn man etwas schöbe. So auch das Schieben.

Anm. Bey dem Ottfried im Imperf. scoub, im Schwabenspiegel schiuban, im Nieders. schuven, im Angels. scufan, im Englischen to shove, im Schwedischen skufva. Es ist, wie alle Zeitwörter, eine Onomatopöie, welche den mit dem Schieben verbundenen Laut nachahmet; und da dieser Laut mehrern sonst verschiedenen Handlungen gemein ist, so wird sich auch nicht leicht eine Beschreibung dieses Wortes geben lassen, welche genau auf alle Fälle paßte. Die obige ist auf die meisten gerichtet, denn es gibt freylich auch Fälle, wo man ein Ding senkrecht in die Höhe und niederwärts schiebet, wie z. B. einen Schieber, obgleich für diese Richtungen drücken, heben u. s. f. in andern Fällen üblicher sind. Das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, sich umwenden, scheint damit verwandt zu sein. Das Intensivum von unserm schieben ist schuppen, mit einem Stoße schieben, Franz. chopper. Die im Hochdeutschen irreguläre Form des Präsens kommt unter andern auch bey dem Opitz vor: Scheub nur auf Gott dein Thun und alle Sachen.


Schiebkarren,Schiebekarren (W3) [Adelung]


Der Schiebkarren, oder Schiebekarren, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kasten mit einem Rade, welchen eine Person vor sich her schiebet; in einigen Gegenden der Schubkarren, die Radeberge, der Kastenkarren. Hat dieses Werkzeug statt des Kastens ein Geselle, so heißt es ein Schiebebock.


Schiebochs (W3) [Adelung]


Der Schiebochs, des -en, plur. die -en, in der Landwirthschaft, ein Ochs, welcher mit der Stirn ziehet, der Schieber; zum Unterschiede von einem Zugochsen, welcher das Joch am Halse trägt.


Schiebsack,Schubsack (W3) [Adelung]


Der Schiebsack, oder Schubsack, des -es, plur. die -säcke, eine im Oberdeutschen übliche Benennung einer Tasche. Siehe Schieben.


Schiebstange (W3) [Adelung]


Die Schiebstange, plur. die -n, eine Stange, womit man etwas schiebet. Dergleichen Schiebstangen haben die Stromschiffer, die Schiffe damit fortzuschieben. In den Schneidemühlen ist es eine Stange, welche in den Zahnring eingreift und den Sägeblock vorwärts schiebet.


Schied (W3) [Adelung]


1. Der Schied, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, der Nahme eines Fisches, der in andern eine Kappe heißt, ( S. 1 Kappe.) Vermuthlich wegen seiner Raubgier, von schaden, verletzen überhaupt, obgleich die Schade eine andere Art Fische ist.


Schied (W3) [Adelung]


2. Der Schied, des -es, plur. die -e, das Hauptwort von dem Zeitworte scheiden, welches für sich allein im Hochdeutschen veraltet ist, aber noch in Abschied, Unterschied und den folgenden Zusammensetzungen beybehalten ist. In andern Fällen lautet es Scheid.


Schiedeschacht (W3) [Adelung]


Der Schiedeschacht, des -es, plur. die -schächte, im Bergbaue, ein Schacht, so fern er zur Bestimmung der Gränzen, der Zechen und Maßen dienet; vielleicht besser Scheideschacht.


Schiedlich (W3) [Adelung]


Schiedlich, adj. et adv. was sich scheiden läßt; in welchem Verstande es doch nur in figürlicher Bedeutung in unterschiedlich üblich ist, ( S. dasselbe.) Nach einer andern Figur ist schiedlich noch hin und wieder so viel als verträglich, Neigung und Fertigkeit besitzend, sich durch Nachgeben in streitigen Sachen leicht von dem andern zu scheiden. Schiedlich und friedlich leben.


Schiedmauer,Schiedsmauer (W3) [Adelung]


Die Schiedmauer, oder Schiedsmauer, plur. die -n, eine Mauer, welche zwey Dinge, besonders zwey Häuser, von einander scheidet; vielleicht besser Scheidemauer, wie Scheidewand.


Schiedrain (W3) [Adelung]


Der Schiedrain, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein Rain, so fern es mehrere Äcker von einander scheidet. In engerer Bedeutung ist der Schiedrain ein solcher Rain, der die Äcker einer Flur von einander scheidet; zum Unterschiede von den Gränz- oder Flurrainen.


Schiedsmann (W3) [Adelung]


Der Schiedsmann, des -es, plur. die -männer, oder -leute, eine Person, welche einen Streit entscheidet, sie mag nun dazu erwählet oder auf andere Art berechtigt seyn, und welche man in einem etwas höhern Verstande auch einen Schiedsrichter, und wenn sie von beyden Parteyen freywillig erwählet worden, einen Schiedsfreund nennet. Schiedsmann kann im Singular von beyden Geschlechtern gebraucht werden, so wie Schiedsleute in Plural, welches letztere über dieß nur von Personen geringern Standes gesagt wird; Schiedsmänner setzt Personen männlichen Geschlechtes voraus. ( S. Mann.) Luther gebraucht Hiob. 9, 33 das ungewöhnliche Scheidemann.


Schiedsprobe (W3) [Adelung]


Die Schiedsprobe, plur. die -n, im Hüttenbaue, die dritte Probe des Erzes, welche vorgenommen wird, wenn die Proben des Hüttenschreibers und des Gewerken-Probierers nicht mit einander überein kommen, und welche auch die Gegenprobe genannt wird.


Schiedsrichter (W3) [Adelung]


Der Schiedsrichter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Schiedsrichterinn, wie Schiedsmann, doch in einem höhern Verstande und in der anständigern Schreibart. Freywillig erwählte freundschaftliche Schiedsrichter wurden ehedem auch Austräge, Sühnleute, Obleute, Tageleute, Tagesherren, Sprecher, Spruchleute, Theidinger, Theidingsleute u. s. f. genannt, so wie sie in Niedersachsen Mittelmänner oder Mittelsleute heißen.


Schiedsspruch (W3) [Adelung]


Der Schiedsspruch, des -es, plur. die -sprüche, ein Ausspruch, so fern derselbe einen Streit zweyer Parteyen entscheidet, besonders so fern er von einem freywillig erwählten Schiedsrichter geschiehet.


Schiedstein (W3) [Adelung]


Der Schiedstein, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme eines Gränzsteines, besonders so fern er die Äcker einer und eben derselben Flur scheidet; wie Schiedrain.


Schiedung (W3) [Adelung]


* Die Schiedung, plur. inus. ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort für Scheidung. Ehedem wurde so wohl das Andenken des Todes Christi, als auch die Himmelfahrt Mariä die Schiedung genannt. Zu Halle in Schwaben sind Schiedungsherren gewisse Ratsherren, welche über Frevel, Maulschellen und andere kleine Verbrechen richten, und auch Einigungsherren heißen, weil sie auch die Streitigkeiten über Einigungen, d. i. Verträge, von geringem Werthe entscheiden.


Schiedwand (W3) [Adelung]


Die Schiedwand, S. Scheidewand.


Schief (W3) [Adelung]


Schief, -er, -este, adj. et adv. verschoben, das ist, von der Horizontal- oder Perpendicular-Linie abweichend, und in weiterer Bedeutung, von der gehörigen Lage oder Richtung abweichend, 1. Eigentlich, wo man eine jede gerade Linie, wenn sie von der senk- oder wasserrechten Richtung, und im weitern Verstande, von der gehörigen Richtung, abweicht, schief nennet; daher es denn auch kommt, daß dieses Wort oft den Begriff des Fehlerhaften bey sich führet. Eine Säule stehet schief, wenn sie nicht genau senkrecht stehet. Der Tisch stehet schief, wenn er nicht völlig horizontal stehet, und im weitern Verstande, wenn er nicht mit den Wänden des Zimmers parallel stehet. Ein schiefer Winkel, in der Geometrie, dessen Senkel von der horizontalen und perpendicularen Richtung abweichen, im Gegensatze eines rechten; wohin denn so wohl die spitzigen als stumpfen Winkel gehören. Eine schiefe Fläche, welche von der horizontalen abweicht. Einen schiefen Hals haben, wenn er nicht perpendicular ist. Schief schreiben. Der Wagen hängt schief. Ein schiefes Maul machen, das Maul verziehen. Einen schiefen Seitenblick auf jemanden thun, ihn von der Seite ansehen. Die Perrücke sitzt schief, wenn sie nicht gerade sitzt. Krumm und schief sind sehr verschieden. Was schief ist, kann an und für sich selbst, seinen Theilen nach gerade seyn; das Schiefe beziehet sich bloß auf das Verhältniß der Richtung gegen andere Körper. Indessen gebraucht man doch schief in den gemeinen Sprecharten mancher Gegenden auch für krumm; z. B. schiefe Beine haben, krumme. Schräge ist ein anderes, aber doch mehr provinzielles Wort, für schief, indessen druckt es die von der senk- oder wasserrechten Richtung abweichende Richtung allgemein und überhaupt aus, ohne den Nebenbegriff des Fehlerhaften an sich zu haben, welcher dem Worte schief in den meisten Fällen anklebet. 2. Figürlich. 1) Eine Sache gehet schief, wenn sie nicht so gehet, wie sie soll und wie man wünschet. 2) Schief denken, schief urtheilen, unrichtig, nicht so wie man soll, und wie die Sache es efordert. Ein schiefes Urtheil, ein schiefer Gedanke. Ein Werk aus einem schiefen Gesichtspunkte beurtheilen, nicht aus dem gehörigen. Anm. In den gemeinen Sprecharten schäf, schef, schepp, scheif, schieb, schiebicht, im Nieders. scheev, im Engl. askew, skue, im Schwed. skef, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, link, welches aber auch eigentlich schief bedeutete, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein schiefes Maul, bey dem Scholiasten des Sophokles; im Lat. scaevus. Es stammet von schieben, verschieben her, wie aus dem Oberd. schiebicht für schief erhellet. Mit andern Endlauten gehören auch das Ober- und Niederdeutsche schäl, schell, schelch, ( S. Schel und Schielen,) und das Oberd. schech, scheg, scheck, schief, hierher.


Schiefe (W3) [Adelung]


Die Schiefe, plur. die -n, das Abstractum des vorigen, die Eigenschaft eines Körpers, da er schief ist, in den niedrigen Sprecharten die Schiefigkeit; ohne Plural. Zuweilen, obgleich seltener, auch eine schiefe Fläche, d. i. eine Fläche, welche von der Horizontallinie abweicht.


Schiefer (W3) [Adelung]


1. Der Schiefer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art eines in den meisten Gegenden verbothenen Fischergarnes, welches auch eine Schabe genannt wird. Ohne Zweifel als das Intensivum von schieben oder schaben. Mit einem solchen Garne fischen wird daher schiefern genannt.


Schiefer (W3) [Adelung]


2. Der Schiefer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) * Überhaupt, ein jedes Ding, welches in dünnen Blättern von einander gehet, oder sich in solcher Gestalt theilen läßt, in welchem in Hochdeutschen ungewöhnlichen Verstande, dieses Wort noch im Oberdeutschen üblich ist. Z. B. der Schiefer auf dem Kopfe, Unreinigkeit, welche sich in Gestalt der Schuppen absondert. Siehe dieses verwandte Schuppe. In weiterer Bedeutung wird ein jeder Splitter, d. i. ein dünnes, langes, spitziges Bruchstück eines Ganzen, im Oberdeutschen ein Schiefer, und in manchen Gegenden im weiblichen Geschlechte, eine Schiefer genannt. Sich einen Schiefer in den Fuß treten. Daher die eben daselbst üblichen figürlichen R. A. einen Schiefer auf jemanden haben, einen Groll, einen Unwillen. Einen Schiefer im Herzen haben, gleichsam einen Splitter, d. i. ein heimliches, kränkendes Anliegen, ein verwundetes Herz haben. In allen diesen Fällen ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. Das Niederdeutsche Scheve gehöret gleichfalls dahin. ( S. Schieferzahn.) 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist der Schiefer eine Steinart, welche aus groben Blättern bestehet, und sich leicht in Blätter spalten läßt, wo der Plural nur von mehrern Arten oder Quantitäten üblich ist; der Schieferstein. So wird bey Lüneburg ein harter, schwarzgrauer Alabaster, welcher in Blättern bricht, aber keine Politur annimmt, daselbst Schiefer genannt. Der thonartige Schiefer, der aus einem verhärteten Thone bestehet, Kalkschiefer, dessen Bestandtheile Kalk sind. Schwarzer, weißer, blauer, rother, brauner Schiefer, welcher auch nur Schiefer schlechthin, und wegen seines Gebrauches Dachschiefer genannt wird, ist ein verhärteter Moder. Kupferschiefer, welcher Kupfererz bey sich führet.

Anm. Im Nieders. Schevel, weil die Sylben -el und -er gleichbedeutend sind, im Engl. Shiver, im Schwedischen Skifver, und selbst im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Das Griech. und Lat. Schistus, Schiefer, sind gleichfalls nur im Endlaute verschieden. Es stammet von dem noch im Schwed. üblichen skifta, spalten, her. Im Ital. heißt der Schiefer in der letzten Bedeutung Scaglia, welches zu Schale gehöret, und Sceggia. In einigen Ober- und Niederdeutschen Gegenden wird der Schiefer Leye und Leiden genannt, welches allem Ansehen nach von Lage abstammet.


Schieferblau (W3) [Adelung]


Das Schieferblau, subst. indeclin. plur. car. eine feine Art Bergblau, welche wie ein Sand an dem Schiefer hanget.


Schieferbruch (W3) [Adelung]


Der Schieferbruch, des -es, plur. die -brüche, ein Steinbruch, in welchem Schiefer gebrochen wird.


Schieferdach (W3) [Adelung]


Das Schieferdach, des -es, plur. die -dächer, ein mit Schiefer gedecktes Dach.


Schieferdecker (W3) [Adelung]


Der Schieferdecker, des -s, plur. ut nom. sing. eine eigene Art Dachdecker, welche mit Schiefer decken; Nieders. Leidendecker.


Schiefergebirge (W3) [Adelung]


Das Schiefergebirge, des -s, plur. ut nom. sing. ein aus Schiefer bestehendes Gebirge, auch im bergmännischen Bedeutung, wo eine jede beträchtliche Erd- oder Steinmasse unter der Erde ein Gebirge genannt wird.


Schiefergeschworne (W3) [Adelung]


Der Schiefergeschworne, des -n, plur. die -n, beeidigte Bergbediente, welche gewisse Zechen in ihrer Aufsicht haben, und auch Schauherren, Sinkler und Geschworne schlechthin genannt werden. Der Nahme Schiefergeschworne scheinet nur in den Gegenden üblich zu seyn, wo auf Kupferschiefern gearbeitet wird.


Schiefergestein (W3) [Adelung]


Das Schiefergestein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine aus Schiefer bestehende Steinart, ingleichen eine solche Steinmasse. Schieferstein hingegen bedeutet so wohl collective gleichfalls eine solche Masse, als auch individuell, einzelne Steine dieser Masse.


Schiefergrün (W3) [Adelung]


Das Schiefergrün, subst. indecl. plur. car. eine Art Berggrün, welches sich an manchen Schiefern befindet, und ein verwittertes oder aufgelöstes Kupfererz ist. Auch der Borax wird von einigen Schiefergrün genannt.


Schiefergyps (W3) [Adelung]


Der Schiefergyps, des -es, plur. inus. Gyps, welcher aus dünnen Scheiben und Blättern bestehet.


Schieferhammer (W3) [Adelung]


Der Schieferhammer, des -s, plur. die -hämmer, eine Art Hämmer, deren sich die Schieferdecker zum Annageln der Schiefer auf den Dächern bedienen.


Schieferhauer (W3) [Adelung]


Der Schieferhauer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, welcher in einem Schieferbranche arbeitet. Im Bergbaue hingegen ist der Schieferhäuer ein Bergmann, welcher auf Kupferschiefern arbeitet.


Schiefericht (W3) [Adelung]


Schiefericht, -er, -este, adj. et adv. dem Schiefer ähnlich, d. i. sich wie der Schiefer in dünne Blätter absondernd.


Schieferig (W3) [Adelung]


Schieferig, adj. et adv. aus Schiefer, d. i. dünnen Blättern, bestehend. Im Hochdeutschen am häufigsten in der zweyten Bedeutung des Hauptwortes. Ein schieferiges Gestein. Im Oberdeutschen wird es auch für splitterig gebraucht. Eben daselbst es auch figürlich, so viel wie mürrisch, immer unwillig und Verweise gebend. S. 2 Schiefer 1, und 2 Schiefern.


Schieferknoten (W3) [Adelung]


Der Schieferknoten, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein festes, in rundlicher Gestalt unter den Schiefern zuweilen vorkommendes Gestein, womit in den Schmelzöfen die Futtermauern gemacht werden.


Schieferkohle (W3) [Adelung]


Die Schieferkohle, plur. die -n, eine Art schlechter, spröder und schieferiger Steinkohlen, welche im Bergbaue Dachkohlen genannt werden, weil sie über den bessern Pechkohlen liegen und ihr Dach ausmachen. Sie bestehen aus einem mit Erdpeche ärmlich durchdrungenen Schiefer.


Schieferkopf (W3) [Adelung]


Der Schieferkopf, des -es, plur. inus. im Bergbaue, diejenige Erdschicht, worin der erzhaltige Schiefer befindlich ist.


Schiefern (W3) [Adelung]


1. Schiefern, verb. reg. act. mit dem unter dem Nahmen des Schiefers bekannten Netze fischen. S. 1 Schiefer.


Schiefern (W3) [Adelung]


2. * Schiefern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich ist, kleinen Unwillen durch kleine Verweise ausbrechen lassen; wo es so wie die im gemeinen Leben anderer Gegenden üblichen nörgeln, nergeln, bremmeln, u. s. f. eine Nachahmung des Lautes zu seyn scheinet. S. indessen 2 Schiefer 1.


Schiefern (W3) [Adelung]


3. Schiefern, verb. reg. act. von 2 Schiefer; in Schiefer, d. i. dünne Blätter, theilen, wo es doch nur als ein Reciprocum üblich ist, sich schiefern, sich in solchen dünnen Blättern ablösen; sich blättern, im gemeinen Leben, sich schelfen, sich schälen. Die Haut schiefert sich. Daher das Schiefern.


Schiefernagel (W3) [Adelung]


Der Schiefernagel, des -s, plur. die -nägel, eine Art Nägel, womit der Schiefer auf den Dächern befestiget wird.


Schieferniere (W3) [Adelung]


Die Schieferniere, plur. die -n, im Bergbaue, Nieren aus der gewöhnlichen Masse des Schiefergesteines, Schiefer in kugelförmiger oder runder Gestalt. S. Niere.


Schieferplatte (W3) [Adelung]


Die Schieferplatte, plur. die -n, eine aus Schiefer bestehende Platte, ein dickes Blatt Schieferstein.


Schieferschwarz (W3) [Adelung]


Das Schieferschwarz, subst. indecl. plur. car. eine schwarze Farbe in Gestalt eines Schiefers, d. i. ein weicher, abfärbender Schiefer von schwarzer Farbe.


Schieferstein (W3) [Adelung]


Der Schieferstein, des -es, plur. die -e, siehe Schiefergestein.


Schiefertafel (W3) [Adelung]


Die Schiefertafel, plur. die -n, eine aus Schieferstein gemachte Tafel, darauf zu rechnen und zu schreiben.


Schieferweiß (W3) [Adelung]


Das Schieferweiß, subst. indecl. plur. car. die feinste Art des Bleyweißes, welche aus dünnen, dem Schiefer ähnlichen Blättern bestehet, und aus bleyernen Blättern bereitet wird.


Schieferzahn (W3) [Adelung]


Der Schieferzahn, des -es, plur. die -zähne, in der Landwirthschaft, fehlerhafte spitzige Zähne, dergleichen die Ferkel und andere Thiere zuweilen bekommen, von 2 Schiefer, ein Splitter. In der zweyten Bedeutung des Hauptwortes Schiefer könnte man auch einen Zahn, welcher sich schiefert, d. i. in Blätter ablöset, einen Schieferzahn nennen.


Schiel (W3) [Adelung]


* Schiel, -er, -este, adj. et adv. ein nur im Oberdeutschen für schel übliches Wort, welches eigentlich schief bedeutet. Figürlich für schel sehend. Der dürre schiele Neid, Kleist; ob es gleich in diesem Verstande im Hochdeutschen ungewöhnlich ist.


Schiele (W3) [Adelung]


Die Schiele, plur. die -n, der Oberdeutsche, besonders Österreichische, Nahme einer Art eßbarer Flußfische, von welcher ich keine nähere Bestimmung angeben kann.


Schielen (W3) [Adelung]


Schielen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und eigentlich schief seyn bedeutet, aber nur in engerer Bedeutung von der Art und Weise zu sehen, und wie die Dinge durch das Gesicht empfunden werden, gebraucht wird. 1. Eigentlich, wo man schielet, 1) wenn man einen Gegenstand seitwärts oder von der Seite ansiehet. Wenn die Sunn den mon (Mond) bey siezt anschilhent oder anscheinent, in dem 1483 zu Augsburg gedruckten Buche der Natur. Kumt ein iunger ieze dar So wirde ich mit twerhen ougen Schilhend angesehen, Herm. von der Vogelweide. Jetzt schielt er dem Mädchen aufs Mieder, Bernh. Nach etwas schielen, verstohlen von der Seite sehen. 2) Wenn die Achse des einen Auges schel oder schief, d. i. anders gerichtet wird, als die Achse des andern Auges, da man denn die Gegenstände doppelt siehet. Schielen, so sehen. Mit den Augen schielen. Ein schielendes Gesicht. Schon bey dem Notker schielen, im Nieders. schelen, im Angels. scylian, im Schwed. skäla und skela, und selbst im Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Im Oberdeutschen sind dafür die Intensiva schiglen, schickeln und schelchen üblich, so wie man im Niedersächsischen für schielen auch grellen sagt. 2. Figürlich. 1) Von Farben und gefärbten Dingen. Ein Zeug schielet, wenn er aus einer Farbe in die andere spielet; wofür man in den gemeinen Sprecharten auch das Intensivum schillern gebraucht; wovon die Wörter Schillebold, Schillertaffet u. s. f. abstammen, ( S. dieselben, ingleichen Schieler.) Noch gewöhnlicher gebraucht man es von einer Farbe, welche auf eine fehlerhafte Art in die andere spielt. So schielen die hellen Emaille-Farben oder werden schielend, wenn eine beygemischte fremde Farbe ihnen ihren Glanz, ihr Licht benimmt. 2) Ein Ausspruch, ein Urtheil, ein Satz, eine Definition schielet; aber noch häufiger, ist schielend, wenn sie nicht völlig auf die Sache, auf die Umstände passet, etwas anders mit bezeichnet, was sie nicht bezeichnen soll. So auch das Schielen. es ist von dem Bey- und Nebenworte schiel, schel, schief, Niedersächs. schell, Oberd. schelch, Schwed. skäll, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; S. Schiel und Schel.


Schieler (W3) [Adelung]


Der Schieler, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Person männlichen Geschlechtes, welche schielet, 2) In der ersten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes, ein Ding, welches in eine andere Farbe spielt; nur in manchen besondern Fällen. So wird der Bleicher, d. i. ein blaßrother, ein weißer, in das Rothe spielender Wein, in manchen Gegenden auch Schieler, Schiller genannt, welche letzte Form auch in Schillertaffet die übliche ist, siehe dasselbe.


Schienbein (W3) [Adelung]


Das Schienbein, des -es, plur. die -e, der untere Schenkel, das lange, starke, vordere Bein des Fußes zwischen dem Knie und dem Gelenkbeine, hinter welchem sich die Wade befindet; oft auch nur die Schiene schlechthin, Nieders. Schenne, Angels. Scyne, Scynban, Engl. Shin, Schwed. Skenben. Weil Schin in den alten Mundarten auch Haut bedeutet, ( S. Schinden) und dieses Bein unmittelbar unter der äußern Haut befindlich ist, so glauben Frisch und andere, daß es so viel als Hautbein bedeute. Allein alsdann könnte dieses Bein nicht auch den Nahmen der Schiene schlechthin führen. Es ist vielmehr das folgende Schiene, ein Bein in Gestalt einer Schiene, weil es das größte unter allen Beinen ist, welche von außen durch das Gesicht und Gefühl empfunden werden, dessen äußere Fläche auch wirklich einer Schiene gleicht. Schinken und Schenkel sind nahe damit verwandt.


Schiene (W3) [Adelung]


Die Schiene, plur. die -n, Diminut. das Schienchen, Oberd. Schienlein, ein langes, dünnes, gemeiniglich schmales Werkzeug oder Ding; doch nur in einigen einzelnen Fällen. Die Schiene der Töpfer ist ein kleines, flaches Bret; die Töpfe damit von außen und innen zu ebnen. Der Schiene, so fern sie im gemeinen Leben das Schienbein bedeutet, ist schon bey dem vorigen Worte gedacht worden. Die langen, biegsamen, dünnen, hölzernen Riemen, woraus die Siebe geflochten werden, führen gleichfalls den Nahmen der Schienen oder der Flechtschienen. Besonders, so fern ein solches Ding zur Bekleidung, Bedeckung oder zur Befestigung eines andern dienet. So sind die Armschienen und Beinschienen Theile des Harnisches, welche aus halb runden, langen eisernen Blättern bestehen, die Arme und Füße damit zu bekleiden. An den eisernen Öfen heißen die beyden Stücke Eisen, welche an den Ecken der Vorderstücke eines eisernen Ofens angeschraubet werden, und welche den Ofen zusammen halten, die Schienen. Die platte, lange eiserne Stange, welche auf die Wagenachse befestiget wird, wird die Achsschiene, so wie die ähnlichen Eisen, womit die Räder auf der Stirn beschlagen werden, Radschienen genannt. Die Schienen der Wundärzte, welche auch Schindeln heißen, sind schmale hölzerne Breter, einen zerbrochenen Arm oder Fuß dadurch in seiner gehörigen Lage zu erhalten, und so in andern Fällen mehr. Anm. Im Nieders. Schene, Schenne, im Schwed. Skena, im Pohl. Szyna. Entweder von dem veralteten schinen, spalten, wovon noch Schindel abstammet, oder unmittelbar von dessen weitesten Bedeutung, nach welcher es ehedem der nachahmende Ausdruck einer schnellen Bewegung, und unter andern auch einer Bewegung und Ausdehnung in die Länge war, ( S. Scheinen, Schin, Sehne, welche alle besondere Arten dieser Bewegung und Richtung bezeichnen) Der Begriff des hohlen Raumes, der Bedeckung, ist eine gewöhnliche Figur des Begriffes der Bewegung in die Tiefe, daher denn die Verwandtschaft des veralteten Schin, die Haut, begreiflich wird. S. auch Schinden und Scheune.


Schieneisen (W3) [Adelung]


Das Schieneisen, des -s, plur. ut nom. sing. im Eisenhandel, so wohl collective, zu Schienen, und im engern Verstande, zu Radschienen geschmiedetes Eisen, als auch von einzelnen Schie- nen, welche letztere man doch lieber Schienen und Radschienen zu nennen pflegt.


Schienen (W3) [Adelung]


Schienen, verb. reg. act. von dem Hauptworte Schiene, mit Schienen versehen. Die Wundärzte schienen ein gebrochenes Bein, die Schmiede die Räder u. s. f. Nieders. schennen. So auch das Schienen.


Schienenfaß,Schienfaß (W3) [Adelung]


Das Schienenfaß, oder Schienfaß, des -sses, plur. die -fässer, im Bergbaue, eine aus starken hölzernen Schienen geflochtene Mulde, mit welcher die Kohlen auf den Ofen getragen werden.


Schienenruthe (W3) [Adelung]


Die Schienenruthe, plur. die -n, an den Weberstühlen, Ruthen in Gestalt der Schienen, welche hinter den Kammerblättern quer durch die Kette gehen, die Fäden der Kette in zwey Hälften theilen, und sie zum Durchschießen hohl machen.


Schienhaken (W3) [Adelung]


Der Schienhaken, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Hüttenbaue, eine eiserne Schiene mit einem Haken, welche unten den Schämel oben aber den Hängehaken des obern Balgenbretes an dem Blasebalge mit einander verknüpfet.


Schiennagel (W3) [Adelung]


Der Schiennagel, des -s, plur. die -nägel, starke Nägel mit dicken großen Köpfen, die Radschiene damit auf die Felgen zu befestigen; der Radnagel.


Schienzange (W3) [Adelung]


Die Schienzange, plur. die -n, auf den Eisenhämmern, eigene Zangen, das Schieneisen damit zu handhaben.


Schier (W3) [Adelung]


Schier, -er, -ste, adj. et adv. ein noch in den gemeinen Sprecharten Ober- und Niederdeutschlandes sehr gangbares Wort, welches aber in der anständigen Schreib- und Sprechart der Hochdeutschen wenig mehr gebraucht wird. Es kommt in einer doppelten Hauptbedeutung vor. 1. Schnell, plötzlich, hurtig, wo es als ein Nebenwort am häufigsten ist. 1) Eigentlich. Es wird ihre Ernte gar schier kommen, Jer. 51, 33. Aufs schierste kommen, Apost. 17, 15. Ebr. 13, 19. 2) Figürlich. (a) Bald, mit nächsten; im Böhm. skeiro. Pinehas Weib war schwanger, und sollte schier geliegen, 1 Sam. 4, 19. Hüther, ist die Nacht schier hin? Es. 21, 11. Daher schierstkünftig, in den Oberdeutschen Kanzelleyen. (b) Beynahe; schon bey dem Ottfried scioro. Ich hätte auch schier so gesagt, Ps. 119, 15. Sie haben mich schier umbracht, V. 87. Ich habe schier meine Augen ausgeweinet, Klagel. 2, 11. Ich wäre schier gefallen. Ich hätte es schier vergessen. Noch in den vertraulichen Sprecharten. 2. * Glänzend hell, in welchem Verstande es im Niederdeutschen am häufigsten ist, und auch als ein Beywort gebraucht wird. 1) Eigentlich, im Nieders. schier, Angels. scir, Schwed. skär und skir, Isländ. skyr; eine selbst im Niederdeutschen wenig mehr übliche Bedeutung. 2) Figürlich. (a) Weiß; in welchem Verstande es nur noch hin und wieder vorkommt. (b) Lauter, rein, unvermischt, im Engl. sheer. Eine schiere Haut, im Nieders. so wohl rein und glänzend, als auch rein von Flecken. Schieres Korn, welches mit keinem andern vermischt ist. Schiere Butter essen, lauter Butter. Schieres Fleisch, welches keine Knochen hat. Den Pferden schieren Hafer geben, lauter Hafer. Alles im Niederdeutschen, wo es nach einer noch weitern Figur auch für gänzlich wird. (c) Glatt, eben. Eine schiere Haut. Schier von Gesicht seyn, glatt.

Anm. Schier gehöret zu 1 Schar und Scheren, deren erste Bedeutung gleichfalls eine schnelle Bewegung ist. Der Begriff des Lichtes ist in allen Sprachen eine Figur der schnellen Bewegung, daher der Zusammenhang der beyden Bedeutungen dieses Wortes leicht begreiflich wird. Unser Zier ist mit der zweyten nahe verwandt. in den gemeinen Sprecharten werden Scherkasten, Scherbottich u. s. f. häufig wie Schier - ausgesprochen. Siehe auch das folgende.


Schieren (W3) [Adelung]


Schieren, verb. reg. act. welches auch nur in den gemeinen Sprecharten üblich ist. 1) Als ein Factitivum von dem Neutro scheren, den Ort schnell verändern, ist schieren, so wie schüren, scherchen und schirchen, in den gemeinen Sprecharten, die Bewegung eines andern Dinges beschleunigen, und figürlich, aufhetzen, anhetzen, aufmuntern. Ich will hingegen und ein Bißchen schieren, Weiße. ( S. Schüren.) In Hamburg ist Milch, Butter, Brühe u. s. f. schieren, sie durchrühren. 2) In Niederdeutschland, genau betrachten, um zu sehen, ob ein Ding lauter und unvermischt sey. So schieret man die Eyer, wenn man sie gegen die Sonne hält, um zu sehen, ob sie noch klar oder trübe und verdorben sind. Durchschieren ist daselbst genau betrachten, und in weiterer Bedeutung durchmustern, verschieren durch einen Blick bezaubern. S. Schier 2.


Schierling (W3) [Adelung]


Der Schierling, des -es, plur. inus. eine sehr giftige Pflanze, welche in den Gärten, Feldern und auf den Ruinen Europens wild wächset, und der Petersilie gleicht, sich aber durch ihren häßlichen Geruch gar halb verräth; Conium L. sonst Cicuta, im gemeinen Leben Wuthscherling, eigentlich Wuthschierling, weil es oft wüthend macht, Wütherich, Tollkraut, Hunds-Petersilie. Weil diese Pflanze eben so eingekerbte Blätter hat, wie die Petersilie, so hat sie vermuthlich auch daher ihren Nahmen, von scheren, kerben, theilen. Ing oder Ling ist die Endsylbe. Der Niedersächs. Nahme Scharnpipe, welches eigentlich den Schierling mit langen hohlen Stängeln bedeutet, Norweg. Skarntyde, scheinet mehr von dem Niederd. Scharn, Mist, abzustammen, weil diese Art des Schierlinges gern auf den Misthaufen wächst.


Schießbeere (W3) [Adelung]


Die Schießbeere, plur. die -n, S. Scheißbeere.


Schießblech (W3) [Adelung]


Das Schießblech, des -es, plur. die -e, bey dem Sprengen der Steine und des Gesteines mit Pulver, ein zwey Hände breites Eisen, welches zwischen die Spreitze und den Schießpflock gelegt wird, damit die erstere nicht von dem letztern gespalten werde.


Schießbolzen (W3) [Adelung]


Der Schießbolzen, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Seekriege, eiserne Bolzen, welche aus Kanonen geschossen werden, das Tauwerk der feindlichen Schiffe damit zu zerreißen.


Schieße (W3) [Adelung]


Die Schieße, plur. die -n, bey den Bäckern, ein flaches Bret an einer Stange, das Brot damit in den Ofen zu schießen, d. i. zu schieben; der Schieber.


Schießeisen (W3) [Adelung]


Das Schießeisen, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, 1) ein Eisen in Gestalt eines Fäustels, welches bey dem Schießen, d. i. Sprengen des Gesteines mit Pulver, über dem Schießloche in das Gestein gehauen und auf das Schießblech getrieben wird. 2) Eiserne Bolzen an den Kunstzeugen, welche quer durch den Zug gesteckt werden, damit der Zug nicht hinunter schieße.


Schießen (W3) [Adelung]


Schießen, verb. irreg. ich schieße, du schießest, (in einigen Oberdeutschen Gegenden scheußest,) er schießt, (Oberd. scheußt;) Imperf. ich schoß; Mittelw. geschossen; Imperat. schieße oder schieß, (Oberd. scheuß.) Es ist in einer doppelten Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, wo es der Form nach das Intensivum von schehen, schiehen, scheuen, ist, sich auf das schnellste fortbewegen; es wird von einer solchen Bewegung nach allen Richtungen gebraucht, und ist eine unmittelbare Nachahmung des damit verbundenen Lautes, welchen man auch noch jetzt durch den Zischlaut auszudrucken pflegt. 1. Eigentlich, schnell dahin, daher fahren, so wohl von lebendigen als leblosen Dingen. Ein Bach schießet dahin von den Leuten, Hiob. 25, 4. Die Schlange schoß nach dem Weibe im Wasser, Offenb. 2, 15, 16. Die Stoßvögel schießen von der Höhe herab auf ihren Raub. Sehr häufig sagt man in der vertraulichen Sprechart, es sey jemand vor uns vorbey geschossen, er komme geschossen, für gerannt. Die Erde schießt von einem Berge, ein Stein von dem Dache, wenn sie plötzlich herunter fallen. Das Blut schießt aus der Wunde, wenn es mit Ungestüm und haufenweise heraus quillt. Endlich schossen ihr die Thränen in die Augen. Seine Augen überall herum schießen lassen, schnell und ungestüm herum fahren. Das Blättchen schoß mir, ( S. Blatt.) Es schießt uns etwas aus der Hand, wenn es uns durch seine eigene Schwere plötzlich entfällt. 2. Figürlich, wo der Begriff des Ungestümes und der schnellen Eile sich verlieret oder doch sehr vermindert wird. 1) Ein Seil schießen lassen, es fahren lassen. Den Leithund schießen lassen, bey den Jägern, ihm mehr Hängeseil geben, das Hängeseil nachlassen. Einem Pferde den Zügel schießen lassen. 2) Für aufwachsen. Eine Pflanze schießet in den Samen, wenn sie Blüthe und Samen ansetzet. In die Höhe schießen, schnell in die Höhe wachsen. Besonders in den Zusammensetzungen aufschießen, anschießen, von Krystallen gebraucht, erschießen, in der Oberdeutschen Figur des Ergebens, Nützens, und in den Ableitungen schossen, Schößling, Schuß. Im Oberdeutschen ist Schießling ein junger aufgeschossener Mensch, S. Schößling. II. Als ein Activum, oder vielmehr Factitivum, schießen machen, einem Dinge eine schießende, d. i. fast unmerklich schnelle Bewegung mittheilen. 1. Eigentlich, wo es mehr als werfen, stoßen u. s. f. sagt, und eine solche schnelle Bewegung voraussetzt, deren einzelne Theile den Augen kaum merklich sind. Die Sonne schießt ihre Strahlen. Jupiter schießt seine Blitze aus den Wolken. Einen zornigen Blick auf jemanden schießen. Schüs wilder blicke nicht zevil, die Winsbeckinn. Ha! welche Flammenströme schoß die Hyder nach seinem Leben! Raml. Saul schoß den Spieß nach dem David, 1 Sam. 20, 33. Den Dolch in seiner Hand, schoß er mit blinder Wuth Bey mir vorbey, Weiße. Dahin scheinet auch die schießende Falle der Schlösser zu gehören, welche ein rechtwinkelig gebogenes Eisen in den Schlössern ist, an dessen hinteres Ende die Schloßfeder anschießet. 2. In engerer Bedeutung, vermittelst eines Schießgewehres, es sey von welcher Art es wolle, fortschnellen, wo es wieder unter verschiedenen Einschränkungen gebraucht wird. 1) Von der Person, welche sich eines solchen Geschosses bedienet. Mit einer Flinte, mit einer Büchse, mit einer Pistole, mit einer Kanone, mit einer Armbrust schießen. Mit Kugeln, mit Schrot schießen. Mit Pfeilen, mit Bolzen nach dem Ziele schießen. Nach jemanden schießen. Nach einem Vogel, nach der Scheibe schießen. Jemanden schießen, ihn mit einem solchen Schusse treffen, wenn er gleich nicht tot geschossen ist. Aber einen Vogel, einen Hasen, einen Hirsch schießen, ist so viel als ihn durch Schießen erlegen. Die Jäger gebrauchen das Zeitwort schießen nur, wenn sie sich der Flinte oder der Pistole bedienen; von einer Kugelbüchse ist bey ihnen bürschen üblich, ( S. dasselbe.) Scharf schießen, mit einer Kugel, mit Schrot u. s. f. im Gegensatze des blind schießen, wenn das Gewehr nur allein mit Pulver geladen ist. Jemanden über den Haufen schießen, ihn vor den Kopf schießen, in den Arm, in den Leib schießen. Fehl schießen. Aus einer Flinte, aus Kanonen schießen. Von einem possierlichen Menschen, ingleichen von einem der aus Mangel des Verstandes Thorheiten begehet, sagt man in der vertraulichen Sprechart, er sey geschossen, oder habe einen Schuß, wo es für angeschossen zu stehen scheinet. In engerer Bedeutung ist im Bergbaue schießen, mit Schießpulver sprengen, welches man außer dem Bergbaue nur sprengen nennet. Erze und Berge herein schießen, das Gestein durch Sprengen mit Pulver gewältigen. 2) Von einem Schießgewehre. Ein Gewehr schießt gut, wenn es ohne Fehler ist. Eine Kanone schießt 20 Pfund, wenn eine Kugel von 20 Pfund aus derselben geschossen wird. S. auch Schuß. 3. Figürlich verlieret sich auch hier der Begriff der großen Geschwindigkeit, so daß schießen oft nur für werfen stehet. In manchen Gegenden schießt man einen Graben, aber man schießt ihn aus, wenn man ihn gräbt, ihn durch Auswerfung der Erde verfertiget. In Niederdeutschland werden die Steine geschossen, wenn einer sie dem andern zuwirft. Brot in den Ofen schießen, bey den Bäckern, welches eine mit Werfen verbundene Art des Schiebens ist. Ausschießen wird häufig, für auswerfen gebraucht; so auch durch schießen. In manchen Fällen verliert sich auch der mit dem Werfen verbundene Begriff der Heftigkeit, und da bedeutet schießen nach einer nicht ungewöhnlichen Vergrößerung nichts mehr, als legen, ordnen u. s. f. Geld zusammen schießen, zusammen legen ( S. auch Schoß.) Daher die Zusammensetzungen, vorschießen, herschießen, überschießen, zuschießen, Vorschuß, Zuschuß, Überschuß. Bey den Schneidern ist anschießen so viel als ansetzen. So auch das Schießen, welches auch von einer feyerlichen Versammlung gebraucht wird, wo man zur Übung oder zum Vergnügen schießet. Ein Schießen halten. So auch das Scheibenschießen, Vogelschießen, Gesellenschießen u. s. f. Siehe auch Schuß, welches in einigen Fällen gleichfalls von der Handlung des Schießens gebraucht wird, auch in der ersten neutralen Gattung.

Anm. Dieses Zeitwort lautet schon bey den Notker sciezzen, und im Imperf. scoz, scuzzin. Es ist das Intensivum von scheuen, sausen und andern ähnlichen, so fern sie sich insgesammt auf eine Onomatopöie gründen. Das veraltete scheußen, (siehe Scheußlich,) das niedrige scheißen, unser schossen, das in den gemeinen Sprecharten übliche schußeln, unvorsichtig und flüchtig hin und her laufen, ein Schuß, eine flüchtige und vorsichtige Person, das Franz. chasser, das Ital. schizzare, spritzen, Nieders. scheuten, das mittlere Lat. Gussa, Guza, Guzia, eine alte Art eines kriegerischen Werkzeuges, ( S. 3 Katze,) u. a. m. sind genau damit verwandt. Die Niederdeutsche Mundart und die mit ihr verwandten Sprachen haben statt des Zischlautes ihr gewöhnliches t, wie das Nieders. scheten, das Angels. sceotan, scytan, das Engl. to shoot, das Schwed. skjuta, das Holländ. schieten, das Lettische szauti, das Wallisische saelhu, wohin auch das alte Franz. jouster, das heutige Franz. jetter, und das Ital. jettare, werfen, vielleicht auch das Lat. Sagitta, gehören. Es ist dieses Zeitwort eines von den vielen, welche in ihren Formen durch alle Selbstlaute durchgehen; chasser, scheußlich, scheißen, Nieders. scheten, Mittelw. schaten, schießen, schoß, schossen, Schuß, Schütze u. s. f. Die irreguläre Form unsers heutigen Zeitwortes rühret auch von nichts anders her, als weil einige Zeiten von dem in dieser weitesten Bedeutung veralteten schossen entlehnet sind, wozu in dem in einigen Oberdeutschen Gegenden üblichen scheußest, scheußt, noch das veraltete scheußen kommt, welches in manchen raubern Provinzen noch wirklich gangbar ist, ( S. Scheußlich.) Opitz und einige andere Oberdeutsche Dichter haben dieses scheußt auch zuweilen in Gedichten gebraucht, bloß weil es den Mund mehr füllet, und daher von ihnen für erhabener gehalten wurde.


Schießgeld (W3) [Adelung]


Das Schießgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches dem Jäger für jedes Stück Wild, welches von ihm geschossen worden, von seiner Herrschaft erleget wird; das Schußgeld, und bey großem Wildbret, welches gebürschet wird, Bürschgeld. Im Bergbaue ist es dasjenige Geld, welches der Steiger für jeden Schuß in der Grube bekommt.


Schießgerechtigkeit (W3) [Adelung]


Die Schießgerechtigkeit, plur. inus. die Gerechtigkeit, d. i. das Recht, die Befugniß, auf eines andern Grund und Boden nach Wildbret zu schießen; das Schießrecht, welches von der Jagdgerechtigkeit noch unterschieden ist.


Schießgewehr (W3) [Adelung]


Das Schießgewehr, des -es, plur. die -e, ein Gewehr, damit zu schießen; zum Unterschiede von dem Seitengewehr, Kurzgewehr u. s. f.


Schießgraben (W3) [Adelung]


Der Schießgraben, des -s, plur. die -gräben, derjenige Theil eines trocknen Stadtgrabens, in welchem die Bürger nach der Scheibe u. s. f. schießen.


Schießhaus (W3) [Adelung]


Das Schießhaus, des -es, plur. die -häuser, ein dem feyerlichen Scheiben- Vogel- und andern Schießen gewidmetes Haus.


Schießherd (W3) [Adelung]


Der Schießherd, des -es, plur. die -e, ein Vogelherd, wo die Vögel durch abgeschossene Pfeile in die aufgestellten Garne oder Netze getrieben werden.


Schießhund (W3) [Adelung]


Der Schießhund, des -es, plur. die -e, eine Art abgerichteter Jagdhunde, welche das angeschossene und nicht gleich gefallene Wildbret aufsuchen, und wenn es Federwildbret ist, zugleich dringen. Große Hunde dieser Art, welche bey den Bürschen auf großes Wild gebraucht werden, heißen auch Bürschhunde, so wie die kleinern, welche auf Wassergeflügel abgerichtet sind, auch Wasserhunde heißen. Wie ein Schießhund aufmerken, im gemeinen Leben, sehr genau. In manchen Gegenden verstehet man unter Schießhund auch einen jeden Jagdhund.


Schießhütte (W3) [Adelung]


Die Schießhütte, plur. die -n, eine Hütte, in derselben auf Wildbret und Raubthiere zu lauern, und dieselben zu schießen.


Schießkarren (W3) [Adelung]


Der Schießkarren, des -s, plur. ut nom. sing. ein Karren, auf welchem die so genannte Karrenbüchse, woraus man auf Trappen und wilde Gänse zu schießen pflegt, befestiget wird; der Schießwagen.


Schießklinge (W3) [Adelung]


Die Schießklinge, plur. die -n, bey den Nadlern, eine stählerne Platte mit Öffnungen an beyden Seiten, die Dicke eines Drahtes damit zu messen; das Drahtmaß. Warum dieses Maß die Schießklinge heißt, ist mir unbekannt. Etwa von Ausschießen.


Schießloch (W3) [Adelung]


Das Schießloch, des -es, plur. die -löcher, im Bergbaue, die Löcher, welche in das Gestein gebohret und hernach mit Schießpulver geladen werden, wenn geschlossen, d. i. gesprenget, werden soll. Auch die Löcher in den Stadtmauern, aus denselben auf den Feind zu schießen, führen diesen Nahmen. S. Schießscharte.


Schießmahl (W3) [Adelung]


Das Schießmahl, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, plur. die -mähler, ein Mahl, abgestecktes Zeichen, nach welchem man mit einem Gewehre oder Geschütze schießet.


Schießpferd (W3) [Adelung]


Das Schießpferd, des -es, plur. die -e, ein zur Jagd abgerichtetes Pferd, hinter denselben und vermittelst desselben das Wild zu beschleichen und zu schießen; das Schußpferd, Treibepferd.


Schießplan (W3) [Adelung]


Der Schießplan, des -es, plur. die -e, ein Plan, d. i. langer ebener Platz, auf demselben zur Lust oder zur Übung zu schießen.


Schießplatz (W3) [Adelung]


Der Schießplatz, des -es, plur. die -plätze, ein jeder Platz, auf welchem Schießen gehalten werden, auf welchem zur Lust oder zur Übung geschossen wird; im Oberdeutschen die Schießstatt.


Schießpulver (W3) [Adelung]


Das Schießpulver, des -s, plur. inus. die allgemeine Benennung des aus Schwefel, Kohlen und Salpeter bereiteten Pulvers, dessen man sich zum Schießen bedienet, und welches oft auch nur Pulver schlechthin genannt, und wieder in Kartaunen-Büchsen- Bürsch- Scheibenpulver u. s. f. eingetheilet wird.


Schießrecht (W3) [Adelung]


Das Schießrecht, des -es, plur. inus. S. Schießgerechtigkeit.


Schießröhre (W3) [Adelung]


Die Schießröhre, plur. die -n, Diminut. das Schießröhrchen, im Bergbaue, eine Röhre von Hohlunderholz, welche mit Pulver gefüllet und als ein Zünder bey dem Schießen oder Sprengen gebraucht wird.


Schießscharte (W3) [Adelung]


Die Schießscharte, plur. die -n, Scharten, d. i. Einschnitte in den obern Theil der Mauern und Brustwehren, um dadurch mit groben und kleinen Geschütz auf den Feind zu schießen. In weiterer Bedeutung werden auch wohl die Schießlöcher in den Mauern Schießscharten genannt.


Schießscheibe (W3) [Adelung]


Die Schießscheibe, plur. die -n, eine Scheibe, darnach zu schießen.


Schießschlange (W3) [Adelung]


Die Schießschlange, plur. die -n, eine Art ausländischer Schlangen, welche wie ein Pfeil auf ihren Raub zu schießen pflegt; Coluber Aurora L. Augenschlange, Angelschlange.


Schießspreitze (W3) [Adelung]


Die Schießspreitze, plur. die -n, im Bergbaue, Spreitzen, welche bey dem Schießen oder Sprengen des Gesteines auf die Pflöcke gesetzet werden, damit dieselben nicht zurück springen.


Schießspule (W3) [Adelung]


Die Schießspule, plur. die -n, bey den Webern ein Nahme des Schiffes, welches mit der darin befindlichen Spule durch die Kette geschossen, d. i. geworfen, und auch der Schütze, ingleichen das Schiff genannt wird, S. diese Wörter.


Schießstand (W3) [Adelung]


Der Schießstand, des -es, plur. die -stände, derjenige Stand oder abgetheilte Raum, aus welchem die Schützen nach der Scheibe schießen.


Schießsteiger (W3) [Adelung]


Der Schießsteiger, der -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, derjenige Steiger, welcher das Schießen, d. i. das Sprengen des Gesteines mit Pulver, besorget und verrichtet.


Schießstück (W3) [Adelung]


Das Schießstück, des -es, plur. die -e, eben daselbst, ein Nahme des Schießbleches, S. dieses Wort.


Schießtafel (W3) [Adelung]


Die Schießtafel, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Druck- oder Beilketafel, S. das letztere.


Schießtasche (W3) [Adelung]


Die Schießtasche, plur. die -n, eine große an einem Riemen über der Schulter hangende Tasche der Jäger und Schützen, Pulver, Bley u. s. f. nebst dem geschossenen kleinen Wildbret darin bey sich zu führen; bey den Jägern auch die Weidtasche.


Schießwagen (W3) [Adelung]


Der Schießwagen, des -s, plur. die -wägen, S. Schießkarren.


Schießwand (W3) [Adelung]


Die Schießwand, plur. die -wände, eine hohe Mauer hinter der Schießscheibe, damit die Kugel keinen Schaden thue.


Schiff (W3) [Adelung]


Das Schiff, des -es, plur. die -e, Diminut. das Schiffchen, Oberd. Schifflein, ein Wort, in welchem der Begriff des hohlen Raumes, der Vertiefung, der herrschende ist, daher es ehedem so viel als ein hohles Gefäß bedeutete. 1) Überhaupt, zu welcher weitern Bedeutung unser Schaff und Scheffel, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Gefäß, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Schiff und ein Becher, u. a. m. gehören. Im Deutschen kommt es in dieser weitern Bedeutung noch in verschiedenen einzelnen Fällen vor, am häufigsten aber von gewissen hohlen Gefäßen ohne Füße und Henkel. In den Brauhäusern werden die hölzernen Gefäße, in welchen das Bier sich abkühlen muß, so wohl Kühlschiffe als Kühlstöcke genannt. Bey den Mahlern sind die Schiffchen kleine runde Gefäße ohne Henkel, das Öhl und die Farben hinein zu thun, welche auch Näpfchen heißen. Das Schiff der Weber ist ein in der Mitte ausgehöhltes an beyden Enden spitziges Werkzeug, den darin auf der Spule befindlichen Eintrag mit demselben durch die Kette zu schießen; wo aber auch der Begriff des Schiebens mit in Betrachtung kommen kann, zumahl da es auch die Schießspule und der Schütze, von schießen, genannt wird. Im Darmstädtischen heißt es der Scheffel. Im mittlern Latein heißt es gleichfalls Navicula. Ähnliche aber weit kleinere und von Elfenbein bereitete Schiffchen hat das Frauenzimmer, die Knötchen damit zu schlingen. Das Schiff der Buchdrucker, Franz. la Gallee, ist ein längliches vierecktes Bret mit einem Rande, aus dessen Falze sich ein schmaleres Bret, die Schiffzunge, heraus ziehen läßt, in welchem die Columnen aus den Zeilen formiret werden. Das Schiff einer Kirche, im mittlern Lat. Navis, ist der mittlere größte Theil der Kirche, im Gegensatze der Halle und des Chors. In der im gemeinen Leben sehr üblichen Redensart Schiff und Geschirr, bedeutet Schiff alle zu einer gewissen Absicht nöthigen Gefäße, Geschirr aber alles übrige Geräth. Dem Pachter eines Landgutes das Inventarium über Schiff und Geschirr einhändigen, über alles zur Landwirthschaft gehöriger Geräth. Indessen kann es seyn, daß es hier besonders die zum Feldbau nöthigen Wagen bedeutet; wenigstens wird bey dem Fuhr- und Postwesen, wenn von Schiff und Geschirr die Rede ist, unter Schiff zunächst der Wagen verstanden. Jeder Bürger mag mit seinem eigenen Schiff und Geschirr zu seinem Hausgebrauche fischen, heißt es in einer Oberdeutschen Fischerordnung, wo unter Schiff zunächst wohl das Fahrzeug auf dem Wasser verstanden wird. 2) In engerer und der gewöhnlichen Bedeutung ist das Schiff ein hohles Fahrzeug auf dem Wasser mit einem vertieften Boden, ein Fahrzeug, welches sich vermittelst der Borte auf seinem Kiele oder Boden erhebet; zum Unterschiede von einer Prahme, einer Fähre, und einem Floße. Man könnte es hier sehr wahrscheinlich mit Wachtern von schieben, in der weitern ehemahligen Bedeutung der schnellen leichten Veränderung des Ortes, ableiten, wenn nicht glaublicher wäre, daß auch hier der Begriff der Vertiefung, des hohlen Raumes, der herrschende ist, wie unter andern auch aus den gleichbedeutenden Wörtern erhellet. Die Flußschiffe werden in vielen Gegenden nur Gefäße genannt; das Lat. Navis gehöret zu Napf, so wie das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Kahn, Schiff, zu - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und mit demselben zu - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, aushöhlen. Ehedem, da unsere heutigen großen Schiffe noch unbekannt waren, hieß ein jeder kleiner Kahn oder Nachen schon ein Schiff; bey dem Ulphilas Skipa, im Schwed. Skepp, im Nieders. Schipp, im Bretagnischen Schaff, im Wallis. Ysgaff, im Franz. Esquif, im Ital. Schiffo, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Latein. Scapha; alle in der Bedeutung eines Kahnes. Macrobius erzählt, es sey eine alte Sage, Herculem scypho tanquam navigio vento immensa maria transiisse, wobey er doch so verständig ist, daß er es nicht durch einen Becher, sondern durch ein Fahrzeug erklären will, ob ihm gleich unbekannt war, daß dieses Scyphus unser altes Schiff in der nunmehr veralteten Bedeutung eines Kahnes ist. Jetzt ist dieses Wort nur noch die allgemeine Benennung aller großen Fahrzeuge dieser Art, um sie von Kähnen, Nachen, Böthen u. s. f. zu unterscheiden, und welche nach Verschiedenheit ihrer Bauart, ihrer Bestimmung u. s. f. wieder eine Menge eigener Nahmen haben, wohin die Ruderschiffe, Fischerschiffe, Lastschiffe, Jagdschiffe, Kauffahrteyschiffe oder Handelsschiffe, Kriegsschiffe, Raubschiffe, Flußschiffe, Seeschiffe u. s. f. gehören. Bey dem Ottfried Scif, bey dem Tatian Shef, im Nieders. Schipp, im Angels. Scip, im Schwed. Skepp, im Engl. Ship. In Ansehung der Art des Fortkommens theilet man sie in Schiffe mit hohen Borten oder im Hochborte, welche durch Segel fortgetrieben werden, und in Schiffe mit niedrigen Borten, oder Niederborte, Ruderschiffe, welche sich der Ruder bedienen, und wohin auch die Galeeren gehören, ob es gleich auch eine dritte Art gibt, welche sich der Segel und Ruder zugleich bedienet. Ein Schiff bauen, ausrüsten. Zu Schiffe gehen. Waaren zu Schiffe, in das Schiff bringen. Zu Schiffe fahren, zu Wasser. Sich zu Schiffe begeben. Mit dem Schiffe abfahren. Das Schiff strandet u. s. f. Figürlich nennet man auch zuweilen einen Theil eines Schiffes das Schiff. So ist das Vorderschiff der vordere Theil des Schiffes, und das Hinterschiff der hintere Theil. Wegen einiger Ähnlichkeit der Gestalt, wird auch eine Art Muscheln mit einem scharnierförmigen Schlosse das Schiffchen genannt, und bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches ist das Schiff, Carina L. das untere von den vier Blumenblättern einer Schmetterlingsblume; gleichfalls wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt.

Anm. In den folgenden Zusammensetzungen ist das Schiffs bald Schiff - üblich. Das erstere beziehet sich auf ein einzelnes bestimmtes Schiff, das letztere ist unbestimmter. So ist ein Schiffknecht überhaupt jemand, welcher sich zu den geringsten Arbeiten auf Schiffen gebrauchen läßt, der Schiffsknecht aber in Beziehung auf ein gewisses bestimmtes Schiff. Es können daher in einem und eben demselben Worte beyde Formen in verschiedenen Beziehungen üblich seyn. In manchen Fällen aber hat auch der Gebrauch ein anderes eingeführet.


Schiffahrt (W3) [Adelung]


Die Schiffahrt, S. Schiffahrt.


Schiffamt (W3) [Adelung]


Das Schiffamt, des -es, plur. die -ämter, in einigen Ländern, ein Collegium obrigkeitlicher Personen, welchem die Aufsicht über die Schifffahrt anvertrauet ist. So besorget das Ober-Schiffamt in Wien die ganze Schifffahrt auf der Donau. Es ist mit einem adeligen Oberst- Schiffamts- Obersten und einem Amts-Officier besetzt.


Schiffbalken (W3) [Adelung]


Der Schiffbalken, des -s, plur. ut nom. sing. Balken, welche im Schiffbaue gebraucht werden; der Schiffsbalken aber ist der Balken in einem bestimmten Schiffe.


Schiffbank (W3) [Adelung]


Die Schiffbank, plur. die -bänke, auf den Ruderschiffen, Bänke, auf welchem sich die Ruderer befinden; die Ruderbank. Schiffsbank würde sich auf ein gewisses bestimmtes Schiff beziehen.


Schiffbar (W3) [Adelung]


Schiffbar, -er, -ste, adj. et adv. von Flüssen und Wassern, was mit Schiffen befahren, beschiffet werden kann. Ein schiffbarer Strom. ( S. auch Schiffreich.) Daher die Schiffbarkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Wassers, da es beschiffet werden kann.


Schiffbau (W3) [Adelung]


Der Schiffbau, des -es, plur. inus. der Bau der Schiffe, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit, Schiffe zu bauen. Die Schiffbaukunst. Den Schiffbau verstehen. Schiffbau beziehet sich auf den Bau eines oder mehrerer bestimmter Schiffe.


Schiffbauer (W3) [Adelung]


Der Schiffbauer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher ein Schiff bauet, oder bauen läßt; ingleichen derjenige, welcher die Schiffbaukunst verstehet und ausübet.


Schiffbaukunst (W3) [Adelung]


Die Schiffbaukunst, plur. inus. so wohl subjective, die Kunst und Geschicklichkeit, Schiffe zu bauen, als auch objective, der Inbegriff aller dazu gehörigen Regeln.


Schiffbaumeister (W3) [Adelung]


Der Schiffbaumeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Schiffbaukunst als Meister verstehet und den Schiffbauern vorgesetzet ist. Schiffsbaumeister würde den Baumeister eines gewissen bestimmten Schiffes bedeuten.


Schiffbein (W3) [Adelung]


Das Schiffbein, des -es, plur. die -e, in der Anatomie, ein Bein des Oberfußes am menschlichen Leibe, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt; Os naviculare; scaphoideum.


Schiffbiene (W3) [Adelung]


Die Schiffbiene, plur. die -n, Bienen deren Körbe man in Schiffe auf einen Fluß stellet, da sie denn beyde Ufer besuchen.


Schiffbruch (W3) [Adelung]


Der Schiffbruch, des -es, plur. die -brüche, der Unfall eines Schiffes, da dasselbe an Klippen, auf Sandbänken u. s. f. zerbrochen oder zertrümmert wird. Schiffbruch leiden. Aus dem Schiffbruche errettet werden. Die Schiffbrüche sind jetzt seltener als ehedem. Bey dem Notker Cruntsousi.


Schiffbrüchig (W3) [Adelung]


Schiffbrüchig, adj. et adv. Schiffbrüchig werden, Schiffbruch leiden. Schiffbrüchige Leute, welche Schiffbruch erlitten haben Schiffbrüchige Waaren, welche aus einem Schiffbruche gerettet worden.


Schiffbrücke (W3) [Adelung]


Die Schiffbrücke, plur. die -n, eine auf Schiffen ruhende, aus zusammen gesetzten Schiffen bestehende Brücke.


Schiffen (W3) [Adelung]


Schiffen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. * Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn. 1) auf dem Wasser den Ort verändern, doch nur von einem Schiffe; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. Daselbst fand der Unterhauptmann ein Schiff, das schiffete in Welschland, Apost. 27, 6. Segeln, gehen u. s. f. sind jetzt dafür üblicher. 2) Auf dem Schiffe mit dem Schiffe fahren; welche Bedeutung zwar noch gangbar ist, aber doch auch seltener wird. Von Hochborten ist auch hier segeln üblicher. Da es nunmehr gefährlich war zu schiffen, Apost. 27, 9. Da wir aber langsam schiffeten, B. 7. Wir schiffeten unter Cypern hin, B. 4, II. Als ein Activum, mit dem Schiffe fortschaffen. Waaren nach Frankreich schiffen. In den Zusammensetzungen aus schiffen und einschiffen bedeutet es, aus dem Schiffe und in das Schiff bringen. So auch das Schiffen.


Schiffer (W3) [Adelung]


Der Schiffer, des -s, plur. ut nom. sing. dessen Gattinn die Schifferinn, derjenige, welcher auf dem Schiffe die Aufsicht über dasselbe und über die Ladung hat, und auf der Mittelländischen See der Schiffs-Patron oder Patron heißt. Auch im Deutschen nennet man ihn, wenn man ihm Achtung erweisen will, den Schiffherren, Schiffsherren, obgleich dieses letztere eigentlich den Eigenthümer des Schiffes bezeichnet. Ein Schiffer, welcher nicht Eigenthümer des Schiffes ist, wird zum Unterschiede Setzschiffer genannt. Auf den Handelsschiffen, wo sich kein Schiffs-Capitän befindet, ist er der Oberste des Schiffes, der den Steuermann, welcher auch wohl zuweilen der Schiffmann genannt wird, unter sich hat. Auf ansehnlichen Kauffahrern pflegt man im gemeinen Leben auch wohl den Schiffer Schiffs-Capitän zu nennen. Schwed. Skeppare.


Schifferknoten (W3) [Adelung]


Der Schifferknoten, des -s, plur. ut nom. sing. ein an beyden Enden zusammen gebundenes und in der Mitte zusammen gezogenes starkes Tau in Gestalt einer 8, Lasten, besonders aber zwey Tonnen auf Ein Mahl damit in das Schiff zu heben.


Schiffermüze (W3) [Adelung]


Die Schiffermüze, S. Schiffmütze.


Schifferzirkel (W3) [Adelung]


Der Schifferzirkel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug des Schiffers und Steuermannes in Gestalt eines Zirkels, aus der gegebenen Breite eines Ortes zur See dessen Länge zu finden.


Schifffahrer (W3) [Adelung]


Der Schifffahrer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher zu Schiffe fähret, noch mehr aber, welcher mehrmahls zu Schiffe gefahren ist, Fertigkeit und Übung in Seereisen besitzet; der Seefahrer.


Schifffahrt (W3) [Adelung]


Die Schifffahrt, plur. die -en. 1) Die Fahrt auf einem Schiffe, die Reisen zu Schiffe. Eine glückliche Schifffahrt haben. So lange die Schiffahrt dauert. 2) Die Kunst zu Schiffe zu fahren und deren Ausübung; ohne Plural. Die Schifffahrt verstehen. In einem Lande blühet die Schifffahrt, wenn viele Schiffe mit Nutzen in demselben ab- und zufahren. In engerer Bedeutung begreift Schifffahrt nur die Fahrt auf dem Meere, zum Unterschiede von der Wasserfahrt, auf Strömen. 3) Ein schiffbarer Strom im Meere oder in den Flüssen, zum Unterschiede von den Untiefen u. s. f. das Fahrwasser. Das Schiff stieß an die mitten in die Schiffahrt geschlagenen Pfähle an.


Schiffflotte (W3) [Adelung]


Die Schiffflotte, S. Schiffsflotte.


Schifffracht (W3) [Adelung]


Die Schifffracht, plur. die -en, diejenige Fracht, welche von Waaren, die zu Schiffe gehen, bezahlet wird; zum Unterschiede von der Landfracht. Schiffsfracht würde sich auf ein gewisses bestimmtes Schiff beziehen.


Schiffhalter (W3) [Adelung]


Der Schiffhalter, des -s, plur. ut nom. sing. der Nahme eines Fisches, S. Sauger.


Schiffherr (W3) [Adelung]


Der Schiffherr, S. Schiffsherr.


Schiffkunst (W3) [Adelung]


Die Schiffkunst, plur. inus. die Kunst zu schiffen, die Fertigkeit, ein Schiff geschickt zu regieren, welche doch am häufigsten die Steuermannskunst genannt wird.


Schiffküttel,Schiffkuttel (W3) [Adelung]


Der Schiffküttel, oder Schiffkuttel, des -s, plur. ut nom. sing. eine aus dem Holländischen entlehnte Benennung einer Art einschaliger, rund gewundener und in viele Kammern getheilter, auch mit einer Nervenröhre versehener Seeschnecken, welche auch Schiffmuschel, Segler, Lat. Nautili, genannt werden. Sie unterscheiden sich von den Ammons-Hörnern theils durch die Nervenröhre, theils durch ihre größere Dicke, besonders an dem äußersten Gewinde. Im gemeinen Leben pflegt man auch wohl den Ammons-Hörnern diesen Nahmen beyzulegen.


Schifflände (W3) [Adelung]


Die Schifflände, plur. die -n, derjenige Ort, wo die Schiffe sicher und bequem anländen können; am häufigsten in der Wasserfahrt auf Flüssen.


Schifflast (W3) [Adelung]


Die Schifflast, plur. die -en und wenn ein Zahlwort dabey ist, ut nom. sing. ein gewisses körperliches Maß, in den innern körperlichen Raum der Schiffe zu bestimmen, welches zwey Tonnen hält. Schiffslast, wie einige unrichtig schreiben und sprechen, würde sich auf ein bestimmtes Schiff beziehen.


Schiffleute (W3) [Adelung]


Die Schiffleute, sing. inus. Personen, welche zur Regierung und Führung eines Schiffes gehören, ohne Unterschied ihres Ranges. Hiram sandte seine Knechte im Schiff, die gute Schiffleute und auf dem Meer erfahren waren, 1 Kön. 9, 27.


Schiffmann (W3) [Adelung]


Der Schiffmann, des -es, plur. die -männer, derjenige, welcher das Schiff regieret, und jetzt am häufigsten der Steuermann genannt wird. Der Unterhauptmann glaubte dem Schiffmann, Apost. 27, 11. S. Schiffer.


Schiffmaß (W3) [Adelung]


Das Schiffmaß, des -es, plur. inus. S. Schiffschuh.


Schiffmühle (W3) [Adelung]


Die Schiffmühle, plur. die -n, eine auf einem platten Schiffe erbauete Wassermühle auf einem Flusse. Daher der Schiffmüller, der Eigenthümer oder Vorgesetzte derselben.


Schiffmumme (W3) [Adelung]


Die Schiffmumme, plur. car. in Braunschweig, die beste Art Mumme, oder des dasigen Bieres dieses Nahmens, weil es sich zu Schiffe verführen läßt; zum Unterschiede von der Stadtmumme.


Schiffmütze (W3) [Adelung]


Die Schiffmütze, plur. die -n, eine Mütze mit zwey spitzigen Schnäbeln an der Seite, in Gestalt eines Schiffes; eine Schiffermütze hingegen würde eine Mütze seyn, wie die Schiffer sie tragen.


Schiff-Nobel (W3) [Adelung]


Der Schiff-Nobel, des -s, plur. ut nom. sing. eine ehemahlige Art Englischer Goldmünzen, auf welcher ein Schiff gepräget war, S. Nobel.


Schiffpech (W3) [Adelung]


Das Schiffpech, des -es, plur. inus. eine Mischung aus Pech, Theer, Harz und Unschlitt, welche in die Fugen der Schiffe gegossen wird, das Holz vor der Fäulniß zu bewahren.


Schiffpfund (W3) [Adelung]


Das Schiffpfund, des -es, plur. die -e, und wenn ein Zahlwort dabey ist, ut nom. sing. eine Art großen Gewichtes, welche auf den Schiffen am üblichsten ist, und gemeiniglich 2 1/2 Zentner oder 280 gewöhnliche Pfund wieget. In vielen Gegenden werden auch die Landfrachten nach Schiffpfunden gerechnet, und da hält dasselbe in manchen Gegenden, z. B. zu Hamburg, 320 Pfund.


Schiffpumpe (W3) [Adelung]


Die Schiffpumpe, plur. die -n, eine Art Pumpen, wodurch das Wasser aus den Schiffen gepumpet wird. Schiffspumpe würde sich auf ein bestimmtes Schiff beziehen.


Schiffrecht (W3) [Adelung]


Das Schiffrecht, S. Seerecht.


Schiffreich (W3) [Adelung]


Schiffreich, -er, -ste, adj. et adv. reich an Schiffen. Ein schiffreicher Fluß, auf welchem viele Schiffe hin und wieder fahren. Ein schiffreiches Land, in welchem die Schifffahrt blühet. Manche Schriftsteller verwechseln dieses Wort sehr unschicklich mit schiffbar.


Schiffrose (W3) [Adelung]


Die Schiffrose, plur. die -n, diejenige einer Rose nicht unähnliche Figur, welche die 32 Winde und ihre Gegenden vorstellet; die Windrose.


Schiffruthe (W3) [Adelung]


Die Schiffruthe, plur. die -n, S. Schiffschuh.


Schiffsand (W3) [Adelung]


Der Schiffsand, plur. car. derjenige Sand, welcher in manchen Fällen unten in das Schiff geladen wird, um dasselbe im Gleichgewichte zu erhalten, und welcher unter dem Nahmen des Ballastes am bekanntesten ist.


Schiffsbaumeister (W3) [Adelung]


Der Schiffsbaumeister, S. Schiffbaumeister.


Schiffsbekleidung (W3) [Adelung]


Die Schiffsbekleidung, plur. die -en, die innere und äußere Bekleidung eines Schiffes, welche vermittelst der Futterdielen geschiehet.


Schiffsboden (W3) [Adelung]


Der Schiffsboden, des -s, plur. die -böden, der Boden eines Schiffes, oder in einem Schiffe, der zwischen zwey Decken eingeschlossene Raum in demselben.


Schiffs-Capitän (W3) [Adelung]


Der Schiffs-Capitän, des -es, plur. die -e, der erste und vornehmste Befehlshaber auf einem zum Kriege oder zur Vertheidigung ausgerüsteten Schiffe.


Schiffschuh (W3) [Adelung]


Der Schiffschuh, des -es, plur. die -e, und wenn ein Zahlwort dabey ist, ut nom. sing. bey einigen Meßkünstlern, der Nahme des Maßes eines Körpers, welches Eine Ruthe lang und breit und Einen Fuß dick ist, und welches auch ein Schachtschuh genannt wird. So auch Schiffruthe, Schiffzoll u. s. f. Das Schiffmaß, die Art und Weise die Ausdehnung der Körper auf diese Art zu messen; das Schachtmaß. ( S. Schacht 2.) Schiff gehöret hier nur auf eine sehr entfernte Art zu Schiff, navis, und ist mit Schacht gleichbedeutend, so daß es zunächst zu Schaft und Schiften gerechnet werden muß.


Schiffsflotte (W3) [Adelung]


Die Schiffsflotte, plur. die -n, ein bey vielen sehr gewöhnliches Wort für Flotte, welches aber theils überflüssig, theils unrichtig ist; überflüssig, weil Flotte im Hochdeutschen schon allein von einer Sammlung mehrerer mit einander in Verbindung fahrender Schiffe üblich ist, und keine nähere Bestimmung nöthig hat; unrichtig, weil Schiffsflotte, die Flotte eines gewissen bestimmten Schiffes bedeuten würde, und das Wort auf allen Fall Schiffflotte heißen müßte.


Schiffsform (W3) [Adelung]


Die Schiffsform, plur. die -en, in der Schiffbaukunst, diejenigen Hölzer, welche bey Erbauung eines Schiffes demselben seine Gestalt geben; Franz. Baloires.


Schiffsfreund (W3) [Adelung]


Der Schiffsfreund, des -es, plur. die -e, in den Seestädten, ein Nahme, welchen sich diejenigen geben, welche ein Schiff auf gemeinschaftliche Kosten ausrüsten, und welche auch Rehder, Mitrehder und Schiffs-Partener genannt werden.


Schiffsgebäude (W3) [Adelung]


Das Schiffsgebäude, des -s, plur. ut nom. sing. der Rumpf eines Schiffes, der eigentlich dessen Haupttheil ausmacht, zum Unterschiede von den Masten, dem Tau- und Takelwerke u. s. f.


Schiffsherr (W3) [Adelung]


Der Schiffsherr, des -en, plur. die -en, der Herr, d. i. Eigenthümer eines Schiffes, welcher in den Seestädten gemeiniglich ein Rehder genannt wird. S. auch Schiffer.


Schiffsholm (W3) [Adelung]


Der Schiffsholm, des -es, plur. die -e, ein aus dem nordischen Sprachen eingeführtes Wort, denjenigen Platz zu bezeichnen, wo Schiffe gebauet werden, und welcher am gewöhnlichsten ein Werft oder Schiffwerft genannt wird. Eigentlich sollte es Schiffholm heißen.


Schiffskrone (W3) [Adelung]


Die Schiffskrone, plur. die -n, ein von einigen Neuern gebrauchtes Wort, die Coronam navalem oder rostratam der ehemahligen Römer zu bezeichnen, welche derjenige zur Belohnung erhielt, welcher zuerst ein feindliches Schiff erstieg.


Schiffslast (W3) [Adelung]


Die Schiffslast, S. Schifflast.


Schiffs-Officier (W3) [Adelung]


Der Schiffs-Officier, des -s, plur ut nom. sing. ein jeder, welcher auf einem Schiffe zu befehlen hat, ein Amt auf demselben vewaltet, welche denn wieder in Ober- und Unterofficier getheilet werden. Auf den Kriegsschiffen ist diese Benennung am üblichsten, wo die Generals-Personen auch Flaggen-Officier genannt werden. Schiff-Officier würde überhaupt einen Officier bedeuten, der zu Schiffe oder zur See dienet, und welchen man auch einen See-Officier nennet.


Schiffs-Part (W3) [Adelung]


Der Schiffs-Part, des -es, plur. die -e, in den Niederdeutschen Seestädten der Part, d. i. Antheil, an einem Schiffe; daher die Rehder oder Mitrehder, welche ein Schiff auf gemeinschaftliche Kosten ausrüsten, und den Gewinn unter sich theilen, daselbst auch Schiffs-Partener genannt werden. 1/12 Part oder Schiffs-Part, d. i. der 12 Theil von der ganzen Ausrüstung eines Schiffes. S. Part.


Schiffs-Patron (W3) [Adelung]


Der Schiffs-Patron, des -es, plur. die -e, auf den Fracht- und Handelsschiffen, ein Nahme des Schiffers oder Schiffherren. ( S. Schiffer.) Ingleichen in der Römischen Kirche, derjenige Heilige, welcher der jedesmahlige Patron oder Schutzheilige eines Schiffes ist.


Schiffsrath (W3) [Adelung]


Der Schiffsrath, des -es, plur. die -räthe, die Versammlung der Officier auf einem Schiffe zur Berathschlagung über gemeinschaftliche Angelegenheiten. Einen Schiffsrath halten, den Schiffsrath zusammen berufen.


Schiffsraum (W3) [Adelung]


Der Schiffsraum, des -es, plur. die -räume, der Raum oder Boden in einem Schiffe unter dem letzten Verdecke, welcher für die Waaren und Vorräthe bestimmt ist, und auch nur der Raum schlechthin genannt wird.


Schiffsrehder (W3) [Adelung]


Der Schiffsrehder, S. Rehder.


Schiffsrose (W3) [Adelung]


Die Schiffsrose, S. Schiffrose.


Schiffsschnabel (W3) [Adelung]


Der Schiffsschnabel, des -s, plur. die -schnäbel, an den Kriegsschiffen der Griechen und Römer ein bevor ragender zugespitzter Theil an dem Vordertheile, die feindlichen Schiffe damit zu durchstoßen; Rostrum. Statt dessen haben die heutigen Schiffe das Gallion.


Schiffssoldat (W3) [Adelung]


Der Schiffssoldat, des -en, plur. die -en, ein Soldat auf einem Schiffe. Für Schiffsoldat, welches nur den Stand überhaupt ohne Beziehung auf ein gewisses Schiff andeutet, ist Seesoldat üblicher.


Schiffsspiegel (W3) [Adelung]


Der Schiffsspiegel, des -s, plur. ut nom. sing. der hintere mit Schnitzwerk und Mahlerey gezierte Theil eines Schiffes, welcher von dem Hintersteven bis an die Kajiite gehet. S. Spiegel.


Schiffsvolk (W3) [Adelung]


Das Schiffsvolk, des -es, plur. inus. ein Collectivum, alle zur Regierung oder Vertheidigung eines Schiffes gehörigen Personen. Schiffvolk bedeutet dergleichen Personen überhaupt, ohne Beziehung auf ein bestimmtes Schiff.


Schiffswerft (W3) [Adelung]


Das Schiffswerft, (besser Schiffwerft,) des -es, plur. die -e, derjenige Ort, wo die Schiffe gebauet und gezimmert werden, und welches auch nur das Werft schlechthin genannt wird, ( S. dieses Wort); in den nordischen Ländern der Schiffsholm.


Schiffszunge (W3) [Adelung]


Die Schiffszunge, plur. die -n, S. Schiff 1.


Schiffwurm (W3) [Adelung]


Der Schiffwurm, des -es, plur. die -würmer, ein einem Faden ähnlicher Wurm, mit halb kugelrunden steinartigen Kinnbacken, welcher sich an die Schiffe hängt, und das Holzwerk an denselben zernaget; Teredo L.


Schiffzoll (W3) [Adelung]


Der Schiffzoll, des -es, plur. die -zölle, der Zoll, welcher von den Schiffen und ihren Waaren gegeben wird, ingleichen der Ort, wo solches geschiehet; der Seezoll, Wasserzoll.


Schiften (W3) [Adelung]


Schiften, verb. reg. act. ein nur in einigen Fällen üblichen Wort. 1) Ein Gewehr schiften, in einigen Gegenden, es mit einem Schafte versehen; wofür doch schäften gangbarer ist, ( S. dasselbe.) 2) Bey den Falkenieren wird ein Habicht geschiftet, wenn ihm frische Schwingfedern aufgesetzet werden. 3) Einen Sparren schiften ist in der Zimmermannskunst, einen Sparren der Länge nach an und auf den andern verbinden, daher diejenigen Sparren, welche an einem andern Sparren auf solche Art anlaufen, daselbst Schiftsparren genannt werden. So auch das Schiften und die Schiftung.

Anm. Es ist mit schäften ein und eben dasselbe Wort und von demselben nur in der Mundart verschieden. ( S. dasselbe.) Das Niedersächsische schiften, theilen, ist von schichten nur im Endlaute verschieden.


Schild (W3) [Adelung]


Schild, ein Hauptwort, welches in einer doppelten Gestalt gebraucht wird. 1. Im männlichen Geschlechte, der Schild, des -es, plur. die -e. 1) Eigentlich, eine in der heutigen Europäischen Kriegskunst veraltete Art Schutzwaffen, den Leib damit gegen die feindlichen Pfeile und Hiebe zu bedecken und zu beschützen, da denn die Schilde ehedem von verschiedener Materie, Größe und Gestalt waren. Schild und Bogen führen. Den Schild vorhalten. Güldene Schilde, 1 Kön. 24, 27. Zwey hundert Schilde, Kap. 10, 16. Aller Schilde Pracht, Opitz. Gelehnt auf ihre goldne Schilde, Raml.. 2) Figürlich. (a) Dasjenige, was uns einen kräftigen und sichern Schutz gewähret. Der Herr ist mein Schild, Ps. 28, 7. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, Ps. 91, 4. (b) Diejenige Figur, worein ein Wapen mit seinen Theilen verzeichnet wird, welche noch jetzt die Gestalt der ehemahligen Schilde hat, weil die Wapen ehedem auf die Schilde gemahlet wurden; der Wapenschild. Einen Adler im Schilde führen, zum Wapen haben. Daher die figürliche Redensart, sehen was jemand im Schilde führet, was er für geheime Absichten hat; vielleicht eigentlich, zu welcher Partey er gehöret. Nichts Gutes im Schilde führen, mit etwas Bösen umgehen. Weil ehedem nur adelige Personen Wapenschilde führen durften, so wird nach einer noch weitern Figur auch die adelige Würde noch in einigen Redensarten der Schild genannt. Zum Schilde geboren seyn, von adeliger Herkunft seyn. Nach einer noch andern Figur bedeutet Schilde zuweilen die Ahnen. Dann Schilde sind das mindste Von dem was Tugend heißt, Opitz. Der bloß auf Schilder (Schilde) pocht, Günth. * Ingleichen Personen von hoher Geburt und Würde; welche Figur doch jetzt veraltet ist. Gott ist selbst erhöht bey den Schildern auf Erden, Ps. 47, 10. Gott, der Ew. Majestät groß gemacht und unter den Schilden dieser Erde erhöhet hat, Mosheim. (c) * Eine Münze, auf welche ein Wapenschild mit seinem Wapen gepräget ist, eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher Schild ehedem für Thaler gebraucht wurde, wie im mittlern Lat. Scutum, noch jetzt im Ital. Scudo und im Franz. Ecu. Frisch führet verschiedene Beyspiele von dieser Bedeutung an, welche in einigen Oberdeutschen Gegenden noch jetzt üblich zu seyn scheinet. Daher war Schildfrank ehedem ein Ducaten. Eine gewisse Französische Goldmünze, welche unsern Carolinen ziemlich gleich kommt, wird noch jetzt Schild d'or, eigentlich ein goldener Schild, genannt. (d) Bey den Jägern wird das auf Leinwand gemahlte und in einem Rahmen befindliche Bild eines Thieres ein Schild genannt; vermuthlich, weil sie dasselbe wie einen Schild vor sich halten, wenn sie das Geflügel beschleichen wollen; wenn es hier nicht vielmehr ein Überrest einer alten Bedeutung eines Gemähldes ist, ( S. Schildern.) (e) Eine schwache Wand zwischen zwey stärkern Pfeilern, besonders an den Gartenmauern, führet gleichfalls den Nahmen eines Schildes; vielleicht auch wegen einiger sich dabey gedachten Ähnlichkeiten mit einem Schilde. Manche gebrauchen es hier im ungewissen Geschlechte das Schild. (f) Endlich wird es noch in vielen einzelnen Fällen gebraucht, ein Ding zu bezeichnen, welches einem Schilde im ersten Verstande ähnlich ist, besonders wenn es zugleich zur Bedeckung eines andern Dinges oder eines Theiles desselben dienet. So ist die harte hohle Schale, welche den ganzen Körper der Schildkröte bedecket, unter dem Nahmen des Schildes bekannt, ( S. Schildkröte;) ja unter den Insecten gibt es mehrere Arten, welchen man einen Schild zuzuschreiben pfleget, ( S. Schildkäfer.) Das Amt- oder Brustschildlein Aarons ist aus den Jüdischen Alterthümern bekannt. Die Postillione, Herolde u. s. f. haben metallene Schilde an der Brust, wo aber auch zunächst die Bedeutung eines Wapenschildes Statt finden kann. Ein breiter dicker Knorpel auf dem Rücken der wilden Schweine heißt bey den Jägern der Schild, und bey den Schlössern ist es das Blech, welches das Schlüsselloch bedeckt, im mittlern Lat. Escuchonetus. Die Feld- und Haselhühner haben an der Brust Federn von einer andern Farbe, welche bey den Jägern der Schild heißen; welchen Nahmen oft die Brust eines jeden Geflügels führet. Bey den Fleischern ist der Schild ein gewisser Theil von dem Buge eines Rindes, und bey den Schustern eine gewisse Stelle an der Hüfte de Pfundleders, wo es am dicksten ist, weil der Ochs auf dieser Stelle allemahl liegt. Bey den Gärtnern ist das Oculiren mit dem Schilde oder anschilden, dem Oculiren mit dem Ringe entgegen gesetzet. Und so in andern Fällen mehr. 2. In dem ungewissen Geschlechte, das Schild, des -es, plur. die -er, werden in Ober- und Niedersachsen nur die Wapenbilder oder Zeichen der Häuser, ingleichen die aushängenden und auf ein Bret gemahlten Zeichen der Handwerker und Gewerbe das Schild genannt; gleichfalls als eine Anspielung auf einen Wapenschild. Das Schild einziehen, sein Handwerk, sein Gewerbe niederlegen.

Anm. 1. Der Unterschied in dem Geschlechte und der Declination dieses Wortes ist im Grunde provinziell und daher nicht zu billigen, obgleich alle Obersächsische Sprachlehrer denselben zu einer grammatischen Regel gemacht haben. Im Oberdeutschen ist dieses Wort ohne Unterschied männlichen Geschlechtes, und hat daher im Plural auch ohne Ausnahme die Schilde. In Ober- und Niedersachsen hingegen, besonders im gemeinen Leben, sagt man fast in allen obigen Bedeutungen des männlichen Geschlechtes die Schilder; dieses setzt aber ein Wort ungewissen Geschlechtes voraus, und wirklich wird es daselbst sehr häufig in allen Bedeutungen als ein Neutrum gebraucht. Indessen hat das Masculinum alle nur erforderlichen Gründe für sich, und es ist der Analogie gemäß, es auch in der letzten Bedeutung eines Zeichens eines Handwerkers oder Gewerbes männlich zu gebrauchen, und folglich auch im Plural die Schilde zu sagen, weil kein Grund vorhanden ist, warum ein Wort in der einen Bedeutung anders geformet werden soll, als in der andern. Aichinger sagt in seiner Sprachkunst ausdrücklich, der Plural, die Schilder, sey ein Eigenthum der Meißner.

Anm. 2. Schon bey dem Ottfried und Notker Schilt, im Nieders. gleichfalls Schild, im Engl. Shield, im Angels. Scylt, im Schwed. Sköld, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Schiltch. Es ist von dem veralteten schalen, schelen, schilen, decken, bedecken, Schwed. skyla, wovon auch unser Schale abstammet. Auf ähnliche Art stammet das Schwed. Hlif, ein Schild, Lat. Clipeus, von lifa, decken, bedecken, und das Lat. Scutum, in den Slavonischen Mundarten Schit, Pohln. Sczyt, Böhm. Ssijt, von dem veralteten schuten, bedecken, her, wovon wir noch das Intensivum schützen haben.


Schildamsel (W3) [Adelung]


Die Schildamsel, plur. die -n, eine art Amseln, in der Größe eines Krammetsvogels von schwarzgrauer mit weiß gesprengter Farbe, welche vor der Brust einen weißen Fleck in Gestalt eines Schildes hat; die Meeramsel.


Schildänte (W3) [Adelung]


Die Schildänte, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Löffelänte, welche auch Schallänte und von einigen, im Latein. Schellaria genannt wird. Einer von beyden Nahmen ist vermuthlich aus dem andern verderbt.


Schildbauer (W3) [Adelung]


Der Schildbauer, des -s, plur. die -n, in Tirol, eine Art freyer Bauern, welche nicht leibeigen sind, sondern mit zum Adel steuern, daher sie vermuthlich auch den Nahmen haben. Ihre Höfe werden Schildhöfe genannt.


Schild (W3) [Adelung]


Der Schild d'or, des -s, plur. ut nom. sing. wo die letzte Hälfte das Franz. d'or ist, S. Schild 2) (c).


Schilder (W3) [Adelung]


* Der Schilder, des -s, plur. ut nom. sing. eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Benennung eines Mahlers. Die Schilder-Innung zu Magdeburg, in den Script. Brunsw. Es ist von Schild und der Endsylbe -er, dagegen Schilderer, welches doch auch wenig gebraucht wird, von schildern und der Endsylbe ist. S. Schildern.


Schilderey (W3) [Adelung]


Die Schilderey, plur. die -en, ein Gemählde, ohne daß es eben in einen Rahmen eingefaßt seyn dürfte, wie Stosch will, oder ein eigentliches Porträt seyn müßte, wie Gottsched behauptet. Am üblichsten ist es im Plural Schildereyen, künstliche, allen ihren Theilen nach fleißig ausgearbeitete Gemählde. Im Niedersächs. Schilleraatse, Schilleratste. S. Schildern und Schilderung.


Schilderhaus (W3) [Adelung]


Das Schilderhaus, des -es, plur. die -häuser, Diminut. das Schilderhäuschen, Oberd. Schilderhäuslein, ein kleines Gehäuse von Bretern oder Steinen, worin die auf ihrem Posten stehende Schildwache sich bey üblem Wetter verbergen kann. Von 2. Schildern, s. dasselbe.


Schildern (W3) [Adelung]


1. Schildern, verb. reg. act. von dem Hauptworte Schild. 1) Mit einem Schilde versehen, in verschiedenen einzelnen Fällen. So nennen die Jäger diejenigen Feld- und Wasserhühner, welche einen Schild auf der Brust haben, geschildert. In weiterm Verstande ist ein Geflügel bey ihnen wohl geschildert, wenn es auf der Brust reichlich mit Federn bedeckt ist. 2) Die Feldhühner schildern, eben daselbst, sie mit dem Schilde, d. i. dem gemahlten Bilde eines Thieres vor sich her treiben. 3) Mahlen, Figuren mit Farben entwerfen; im Nieders. schillern, im Schwed. skildra. so wird das Schildern bey den Kattundruckern dem Drucken entgegen gesetzt. Farben einschildern, sie auf den Kattun mahlen. Geschilderte Kattune, gemahlte, im Gegensatze der gedruckten. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist schildern von mahlen noch unterschieden, und da bedeutet es, die einzelnen Theile eines Gemähldes durch Farben, Licht und Schatten, gehörig ausarbeiten. Eine Schlacht schildern, sie nach allen ihren Theilen kunstmäßig abbilden. Figürlich schildert auch der Redner, der Dichter, wenn er eine sehr lebhafte Beschreibung eines Dinges macht, ein Ding nach allen seinen Theilen der Einbildungskraft durch Worte gegenwärtig macht. So schildert der Dichter eine schöne Gegend, die Schrecken einer Schlacht, den Sturm auf der See u. s. f. so auch das Schildern. S. auch die Schilderung. Die gewöhnlichste Ableitung des Wortes schildern in dieser Bedeutung, welche auch Wachter, Frisch, Ihre und andere angenommen haben, ist von Schild in der ersten eigentlichen Bedeutung, weil die Bemahlung der Schilde eine der ersten und vornehmsten Beschäftigungen der Mahler war, und sich die alten Deutschen schon zu Taciti Zeiten der bemahlten Schilde bedienten. Es hat diese Ableitung sehr viele Wahrscheinlichkeit für sich, und da würde von Schild mit der Ableitungssylbe -er das Hauptwort Schilder, ein Mahler, und von diesem das Zeitwort schildern gebildet seyn. Allein es ist doch die Figur ein wenig hart und ungewöhnlich. Nach der Analogie so vieler andern Wörter müßte Schilder eigentlich jemanden bedienen, welcher Schilde verfertiget, und nicht, der verfertigte Schilder bemahlet. Die drey leeren Schilde, welche die Mahler in ihrem Wapen führen, können hier nichts beweisen, indem sie ohne Zweifel sehr späten Ursprunges sind, und durch eine unrichtige Ableitung entstanden seyn können. Es käme daher darauf an, ob man nicht eine geschicktere und weniger gezwungene Abstammung ausmachen könnte, und diese biethet das veraltete Zeitwort schillen, schellen, theilen, unterscheiden, an, Schwed. skilja, Angels. scylan, von welchem schildern, Nieders. schillern, das Intensivum seyn kann; zumahl da der Begriff des Unterscheidens, der Bearbeitung aller einzelnen Theile, in dem Worte schillern so deutlich hervorsticht.


Schildern (W3) [Adelung]


2. Schildern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) Stehen und warten, stehen und einem Dinge, welches kommen soll, lange entgegen sehen; ein vornehmlich in der Niederdeutschen Mundarten üblicher Gebrauch, wo es schillern lautet. 2) In engerer, auch im Hochdeutschen nicht ganz unbekannten Bedeutung, Schildwache stehen. Schildern müssen. Der Spanier schildert oft ganze Stunden unter dem Fenster seiner Geliebten. So auch das Schildern.

Anm. Frisch leitet dieses Wort geradezu von dem Lat. scultari her, andere von Schild, weil die Schildwachen ihre Wachen mit dem Schilde am Arme verrichten müssen. Erträglicher würde die letzte Ableitung seyn, wenn man sie durch eine Wache erklärete, welche bey den Schilden des übrigen Haufens stand, so wie man noch jetzt die Gewehrwachen hat, welcher besondern Bedeutung es denn die allgemeine bekommen haben könnte. Allein man muß den Ursprung dieses Wortes wohl ein wenig weiter suchen. Die Form zeiget schon, daß es ein intensives Diminutivum oder auch bloß ein doppeltes Intensivum ist, wo theils das doppelte ll, theils das r die Intension bezeichnet. Das Stammwort würde also schielen, seitwärts sehen, zielen, genau auf etwas sehen, seyn, welche Bedeutung schillern, Hochdeutsch schildern, nur verstärkt. Das Latein. scultari, wovon - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im mittlern Griech. eine Schildwache bedeutete, kann genau damit verwandt, und bloß eine Figur von einem Sinne auf den andern seyn. Die Nahmen der Schildwachen in andern Sprachen haben einen ähnlichen Ursprung; z. B. das Franz. Sentinelle, von sentire, das gleichfalls Franz. etre aux ecoutes, Schildwache stehen, von ecouter, hören, horchen. S. Schilderhaus und Schildwache.


Schilderung (W3) [Adelung]


Die Schilderung, plur. die -en, von schildern, mahlen, doch nur in dessen figürlichen Bedeutung, eine lebhafte Beschreibung eines Dinges nach allen seinen Theilen, ein rednerisches oder poetisches Bild. In der mehr eigentlichen eines Gemähldes ist Schilderey üblich.


Schildferkel (W3) [Adelung]


Das Schildferkel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den neuern Schriftstellern des Thierreiches eine Art Armadille oder Panzerthiere, dessen länglicher Kopf einem Schweinskopfe ähnlich ist. Der vordere und hintere Theil des Körpers ist mit zweyen Schildern versehen, zwischen welchen sich zehn kleinere befinden. Es ist auf den Ostindischen Inseln einheimisch. Tatu porcinus Klein.


Schildgerechtigkeit (W3) [Adelung]


Die Schildgerechtigkeit, plur. inus. die Gerechtigkeit, d. i. das Recht, einen Schild auszuhängen, und folglich ein öffentliches Gewerbe zu treiben; wo es zuweilen von der Gastgerechtigkeit gebraucht wird, oder dem Rechte Fremde zu beherbergen.


Schildhalter (W3) [Adelung]


Der Schildhalter, des -s, plur. ut nom. sing. in der Wapenkunst, eine menschliche oder thierische Figur, welche den Wapenschild hält; Wapenhalter.


Schildhof (W3) [Adelung]


Der Schildhof, des -es, plur. die -höfe, S. Schildbauer.


Schildkäfer (W3) [Adelung]


Der Schildkäfer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Käfer mit fadenförmigen Fühlhörnern, deren Brustschild zugleich den Kopf bedeckt; Cassida L.


Schildknorpel (W3) [Adelung]


Der Schildknorpel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adamsapfel.


Schildkrabbe (W3) [Adelung]


Die Schildkrabbe, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme des Taschenkrebses, weil es gleichsam mit einem Schilde bedeckt ist. S. Taschenkrebs.


Schildkrähe (W3) [Adelung]


Die Schildkrähe, S. Schildrabe.


Schildkraut (W3) [Adelung]


Das Schildkraut, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -kräuter, eine Art Pflanzen; Scutellaria L.


Schildkröte (W3) [Adelung]


Die Schildkröte, plur. die -n, ein vierfüßiges Amphibium, in Gestalt einer Kröte, dessen Körper mit einer harten Schale wie mit einem Schilde bedeckt ist; Testudo L. Nieders. Schildpadde, von Padde, eine Kröte. Daher die Schildkrötenschale, welche zu allerley saubern Arbeiten verarbeitet wird, und deren Masse alsdann im gemeinen Leben auch Schildkrot, Nieders. Schildpadd, genannt wird. Figürlich wird auch eine Nord-Amerikanische Pflanze, deren Helm an der Blumenkrone der Schale einer Schildkröte gleicht, Chelone L. ingleichen ein rother Schmetterling, dessen Flügel wie die Farben der Schildkrötenschale aussehen, Schildkröte genannt.


Schildlaus (W3) [Adelung]


Die Schildlaus, plur. die -läuse, ein Insect, mit halb harten Flügeldecken, welches sich häufig auf den Weinreben, Weiden, und an den Orangerien in den Gewächshäusern aufhält, und dessen ungeflügeltes Weibchen mit einem Schilde bedeckt ist, welcher einer Muschel gleicht, Coccus L. das Muschel-Insect. die Cochenille, und das Johannis-Blut oder der Pohlnische Kermes sind Arten desselben.


Schildlehen (W3) [Adelung]


Das Schildlehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lehen, welches mit Kriegsdiensten verdienet werden muß; ein adeliges Lehen, im Gegensatze eines bürgerlichen oder Bauerlehens.


Schildmauer (W3) [Adelung]


Die Schildmauer, plur. die -n, in den Weinbergen, niedrige Mauern an den Bergen, das Wasser aufzuhalten, damit es nicht so viele Erde mit sich führe; weil sie von Weinbergen gleichsam zu einem Schilde gegen das Wasser dienen.


Schildmotte (W3) [Adelung]


Die Schildmotte, plur. die -n, eine Art Motten, welche mit einem Schilde bedeckt ist, und sich auf der Rothbüche aufhält; Phalaena Bombyx limacodes Hufnag.


Schildrabe (W3) [Adelung]


Der Schildrabe, des -n, plur. die -n, eine Art grauer Raben mit einem schwarzen Schilde.


Schildreiher (W3) [Adelung]


Der Schildreiher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme des Nachtraben, vielleicht wegen seiner weißen Brust, oder auch wegen seines schwärzlich grünen Rückens; Ardea varia Klein. S. 2 Focke.


Schildträger (W3) [Adelung]


Der Schildträger, des -s, plur. ut nom. sing. bey der ehemahligen Art zu kriegen, derjenige, welcher einem Ritter oder vornehmen Krieger den Schild nachtragen mußte, und welcher ehedem auch Schildknappe, und wenn er von dem geringsten Stande war, Schildknecht genannt wurde. Goliaths Schildträger, 1 Sam. 17, 7.


Schildwache (W3) [Adelung]


Die Schildwache, plur. die -n. 1) Die Wache, d. i. die Verrichtung, da jemand an einem Orte stehet, um auf dasjenige Acht zu geben, was daselbst vorgehet; wo es nur in einigen besondern Redensarten üblich ist. Schildwache stehen, auf solche Art stehen und Acht haben. Von der Schildwache gehen, von seinem Posten. Jonathas verordnete Leute ums Lager umher in die Schildwache, 1 Macc. 12, 27. 2) Diejenige Person, welche auf solche Art an einen Ort gestellet wird, um auf alles Acht zu haben, was daselbst vorgehet. Die Schildwache ablösen. Schildwachen stellen. Die Schildwachen besuchen. Die verlorne Schildwache, im Kriege, welche an dem gefährlichsten Orte stehet.

Anm. Ohne Zweifel von dem veraltetem schilden, jetzt schildern, warten und sehen, stehen und auf etwas sehen. ( S. 2 Schil- dern und Schilderhaus.) Schildwache wird sowohl im Kriege, als auch außer demselben gebraucht, aber gemeiniglich nur von einzelnen Personen, weil, wenn auch die Wache aus mehrern Personen bestehet, das Schildern doch nur Einer unter denselben aufgetragen wird. Luthers Schildwächter, Richt. 7, 11, ist ungewöhnlich. In einer alten Urkunde bey dem Schilter wird eine Schildwache bey der Nacht Nachtfelde genannt, entweder auch von schilden, mit dem sanftern Zischlaute, oder auch von dem alten selden, stellen, eigentlich eine ausgestellte Wache zu bezeichnen.


Schilfdornreich (W3) [Adelung]


Der Schilfdornreich, des -es, plur. die -e, eine Art des unter dem Nahmen des Dornreiches bekannten Vogels, welcher dem gemeinen Dornreiche gleicht, nur daß er kleiner ist, und sich gern im Schilfe aufhält, und unter dem Nahmen des Rohrsperlinges am bekanntesten ist.


Schilfen (W3) [Adelung]


Schilfen, verb. reg. act. mit Schilf versehen. So schilfen die Glaser die Glasscheibe, wenn sie selbige in der Nuth des Rahmens mit Schilf bekleiden, das Eindringen des Wassers zu hindern.


Schilfgras (W3) [Adelung]


Das Schilfgras, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -gräser, ein Nahme, welcher verschiedenen dem Schilfe ähnlichen Grasarten gegeben wird. 1) Dem Waldschilfe, oder der Waldsemse, Scirpus sylvaticus L. welche dem Hornviehe sehr schädlich ist, und in Niedersachsen Segge, und vermuthlich auch Dümmel genannt wird. 2) Dem Wasserrispengrase, Poa aquatica L. welches dem Rindviehe eben so schädlich ist, und auch Wasserviehgras, großer Militz, im Niedersächsischen aber gleichfalls Segge genannt wird. S. auch Riethgras.


Schilfklinge (W3) [Adelung]


Die Schilfklinge, plur. die -n, dreyeckige Degenklingen, deren jede Seite hohl ausgeschliffen ist; entweder wegen der Ähnlichkeit mit den Blättern mancher Schilfarten, oder auch unmittelbar von Schilf, ein hohles Ding; die Hohlklinge.


Schilfrohr (W3) [Adelung]


Das Schilfrohr, des -es, plur. inus. S. Schilf.


Schill (W3) [Adelung]


Der Schill, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme desjenigen Fisches, welcher am häufigsten Zander genannt wird. Etwa wegen seiner schielenden oder schillernden Farbe?


Schillebold (W3) [Adelung]


Der Schillebold, des -es, plur. die -e, in der Mark Brandenburg, der Nahme desjenigen Insectes, welches unter dem Nahmen der Jungfer, des Heupferdes, am bekanntesten ist, ( S. diese Wörter.) Von schielen, schillern, mit verschiedenen Farben spielen, und Bold, Bolzen, wegen seiner langen, cylindrischen Figur.


Schillerspath (W3) [Adelung]


Der Schillerspath, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, am Harze, ein lauchgrüner Serpentinstein, mit eingesprengtem Goldglimmer, welcher übrigens nichts spathartiges enthält.


Schillertaffet (W3) [Adelung]


Der Schillertaffet, des -s, plur. von mehrern Arten, die -e, ein mit mehrern Farben spielender Taffet; Franz. Changeant. Von dem noch im gemeinen Leben üblichen schillern, dem Intensivo von schielen, mit verschiedenen Farben spielen. Siehe Schielen.


Schillervogel (W3) [Adelung]


Der Schillervogel, des -s, plur. die -vögel, ein Tagefalter, welcher auf einer schwärzlichen, braunen oder ockergelben Grundfarbe in ein schönes Blau spielet; Papilio Nymphalis gemmaticus Iris L.


Schilling (W3) [Adelung]


Der Schilling, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches im Deutschen noch in verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird. 1. Am häufigsten als ein Nahme einer Münze, welche doch nach Beschaffenheit der Zeiten und Orte von einer sehr verschiedenen Währung ist; Angels. Scylling, Engl Shilling, Schwed. Skilling, im mittlern Lat. Chalongia, Schellingus. man findet Spuren, daß ein Schilling ehedem so viel als ein jetziger Gulden gewesen. Der Englische Schilling, oder Shilling, macht nach unserm Gelde beynahe einen halben Gulden. In Aachen sind noch Schillinge, vielleicht nur als eine Rechnungsmünze, gangabar, deren vier einen Reichsgulden machen. In verschiedenen Provinzen am Niederrheine ist der Schilling eine Münze, welche ungefähr drey gute Groschen ausmacht, daher deren bald acht, bald auch neun auf einen Reichsthaler gerechnet werden; so hält der Schilling in Westphalen 3 gute Groschen oder 7 1/2 Stüver, in Ostfriesland 2 Flinderke, 6 Stüver, 8 Grot, 12 Sieferts, 24 Örtchens oder 60 Witten, so daß deren neun einen Reichsthaler machen, im Cölnischen, wo ihrer vier einen Herrengulden machen, 2 1/2 Blafferts, 6 Gößchen, 7 1/2 Clevische Stüver, 10 Albus oder 12 Häller. Der Schilling Flämisch, wornach in verschiedenen Gegenden Niederdeutschlandes gerechnet wird, macht gleichfalls 3 Gr. denn 20 Schilling Flämisch machen daselbst ein Pfund Flämisch, d. i. 2 1/2 Rthlr. In Österreich und einigen andern Oberdeutschen Gegenden ist der Schilling eine Rechnungsmünze, deren 8 einen Gulden machen, daher einer so viel als ein Zweygroschenstück ist. Im Münsterschen hingegen machen 28 Schillinge einen Thaler, so daß 1 Schilling 1 2/7 Mariengroschen ist. Am üblichsten ist es als der Nahme einer Scheidemünze, welche sich aber doch auch nicht gleich ist, sondern bald 9, bald 6, bald aber auch nur 1 Pfennig hält. 1) In Regensburg, Franken und andern Gegenden sind Kaisergroschen und Schilling gleichbedeutend, indem beyde 3 Kreuzer halten. 2) Durch ganz Niedersachsen ist der Schilling das, was man in Obersachsen einen Sechser nennet, d. i. 6 Pfennige. Einzelne Gegenden machen indessen auch hier eine Ausnahme; so hat man z. B. in Stettin zwey Rechnungsmünzen dieses Nahmens, wovon der Schilling schlechthin 8 Pf. der Schilling Sundisch aber nur vier Pfennige gilt. Man findet es in ähnlicher Währung auch in einigen Oberdeutschen Gegenden. In Basel ist ein Schilling so viel wie ein Blaffert, denn beyde halten 6 Rappen oder 12 Pfennige, und 45 Schillinge machen einen Thaler. In Zürch gilt ein Schilling 1 1/2 Kreuzer. 3) In Preußen und Pohlen endlich ist ein Schilling, oder nach der Schlesischen Aussprache ein Schillcher, nicht mehr als ein Meißnischer Pfennig. Nach einer sehr gewöhnlichen Figur wird Schilling noch in einigen Zusammensetzungen für Münze oder Geld überhaupt gebraucht; z. B. Kaufschilling, Pfandschilling. 2. In manchen Gegenden ist der Schilling eine bestimmte Zahl gewisser Dinge. Bey den Wörtern Pfund und "Malter" ist schon bemerket worden, daß diese Art zu zählen in den mittlern Zeiten sehr gemein war. Die gewöhnliche Art die Schillinge einzuteilen war nach Pfennigen oder Hallern, welche letztern oft auch Pfennige genannt wurden; da aber der Schilling in einigen Gegenden 2 1/2 Groschen, und in andern nur 1/2 Groschen galt, so bedeutet Schilling bald eine Zahl von 30, d. i. Pfennigen, bald nur eine Zahl von 12, d. i. Hallern. So sind in einer Österreichischen Chronik 11 Schillinge Städte und Flecken so viel als 330, siehe Pfund. In diesem Verstande ist es als ein Zahlwort, welches 30 bedeutet, noch jetzt in Österreich gangbar. In Schlesien hingegen ist ein Schilling oder Schillcher Vögel eine Zahl von zwölfen. 3. Hierher gehört noch eine doppelte Art des Gebrauches, welche noch hin und wieder gangbar ist, und als eine Figur der vorigen Bedeutung angesehen werden kann. 1) In manchen Gegenden ist es ein Maß körperlichen Dinge. So ist den Böhmischen Bergwerken der Schilling, Böhm. Ssilink, ein Maß Erz von 5 Schubkarren. Man könnte es hier füglich von Schale ableiten, so daß es überhaupt den Begriff eines hohlen Maßes und Raumes hätte, wenn nicht wahrscheinlicher wäre, daß hier oben die vorige Art zu zählen zum Grunde liege. Denn in eben den jetzt gedachten Böhmischen Bergwerken ist ein Schilling Wasser eine Zahl von zwölf ledernen Schläuchen oder 480 Prager Pinten; 18 Schillinge machen daselbst eine Losung Wasser. In Regensburg hingegen hat ein Schilling Salz 30 Scheuben, und 3 Schillinge machen daselbst ein Pfund Salz. 2) Oft bedeutet Schilling auch eine Züchtigung, welche einem Verbrecher mit dem Stocke, der Peitsche oder mit Ruthen gegeben wird. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird es daher für den Staubbesen gebraucht. Der Stockschilling ist in den Gerichten noch jetzt eine Züchtigung von dem Stockmeister in dem Stocke oder Gefängnisse. Auch die Züchtigung ungezogener Knaben in den Schulen auf den Hintern führet daselbst den Nahmen des Schillings. Da Plätzer von platzen in ähnlichem Verstande vorkommt, so könnte man auch Schilling in dieser Bedeutung von schallen ableiten, wenn es nicht wahrscheinlicher wäre, daß es auch hier von der vorigen Bedeutung entlehnet worden, und ursprünglich eine bestimmte Zahl Streiche, etwa 12 oder 30, bedeutet habe. S. Pfund. Anm. Die letzte Sylbe an diesem Worte ist die Ableitungssylbe -ing oder -ling, welche ein Ding, ein Subject bedeutet. Es kommt also bey der Ableitung nur auf die erste Sylbe an, deren nächste Bedeutung aber hier noch nicht völlig ausgemacht ist, zumahl da die unter dem Nahmen der Schillinge bekannten Münz- arten von einem so verschiedenen Werthe und Gehalte sind. Ich will die vornehmsten und wahrscheinlichsten Ableitungen hier kürzlich anführen. 1) Freher de re Monetaria leitet es von dem Latein. Siliqua her, welches bey den Römern den vierten Theil einer Unze bedeutete. Es beruft sich dabey auf ein altes Deutsch-Lateinisches Glossarium, in welchem Numisma durch Silihha übersetzt ist: Obolum dimidium scriptuli, quod facit siliquas tres, Stuhi (Stück) halb scriptolus, daz tot Silihhun tri; Stater est nummus ut quidam affirmant, unciam unam, aureos sex, Waga ist Silihhono, so sume zafastinot, unce ainan, Scillinga sehsi. Welches doch wider Frehern selbst streitet, weil hier Silihha und Scillinga ausdrücklich unterschieden werden. 2) Junius ließ es von dem alten skella, schallen, klingen, abstammen, und nach ihm wurden alle dickere Münzen Schillinge genannt, im Gegensatze der Blechmünzen, welche letztern gar keinen Klang hatten. 3) Nach Wachtern, dessen Ableitungen oft überaus weit her gehohlet sind, ist das Mösogothische skula, ein Schuldiger, das Stammwort, und da wäre Schilling ursprünglich von den Strafgeldern gebraucht worden. 4) Ich habe auch irgend wo eine Ableitung von Schild gefunden, welche eben nicht unter die unwahrscheinlichsten gehören, und da würde Schilling, eigentlich Schildling, eine mit dem Wapenschilde des Münzherren bezeichnete Münze seyn, auf welche Art auch der Scudo der Italiäner und der Ecu der Franzosen erkläret werden müssen. Dieser Ableitung kommt das zu Statten, daß ehedem auch grobe Münzsorten unter dem Nahmen der Schillinge vorkommen; 5) Viele andere, und unter denselben auch Frisch, sehen dieses Wort als ein aus dem Lateinischen Solidus gebildetes Wort an, woraus auch die Franzosen ihr Sol entlehnet, und woraus die Deutschen vermittelst ihrer Endsylbe -ing, oder -ling Solling, Silling, und mit dem härtern Zischlaute Schilling, gemacht. Man beruft sich dabey darauf, daß diejenige Art Münzen, welche man Schillinge genannt, gemeiniglich den Blechmünzen entgegen gesetzet werden, daher dieses Wort ehedem oft als eine allgemeinere Bestimmung den besondern Münznahmen vorgesetzt wurde, z. B. eilf Schillinge Pfennig, undecim solidi, d. i. eilf Dickmünzen von dem Gehalte eines Pfenniges. Allein dieser Beysatz läßt sich auch nach andern der jetzt angeführten Ableitungen erklären, 6) Ihre endlich glaubt, daß dieses Wort ursprünglich mit Scheidemünze in dessen ersten Bedeutung gleichbedeutend gewesen, und leitet es von schellen, Schwed. skelja, theilen, ab. Diese Ableitung erhält dadurch ungemein viel Wahrscheinlichkeit, weil ausgemacht ist, daß die ältesten Dickmünzen, welche man den Blechmünzen entgegen setzte, vermöge eines vertieften, eingeprägten Kreuzes im nöthigen Falle leicht in zwey oder vier Theile gebrochen oder geschnitten werden konnten, wie aus den noch übrigen so wohl ganzen, als getheilten Münzen dieser Art, besonders bey dem Hickes, erweislich ist. Was wir im heutigen Verstander Scheidemünze nennen, heißt im Schwedischen noch jetzt Skiljemynt. Schilling würde also so wohl eine auf solche Art geprägte theilbare Dickmünze, als auch einen bestimmten Theil derselben bedeuten, und daher läßt sich auch die verschiedene Währung der Schillinge erklären, indem sie bald größere, bald kleinere Münzsorten bezeichnen. Ein Schilling-Pfennig ist alsdann ein Pfennig in dieser Münzsorte zum Unterschiede von einem Blechpfennige. S. auch Scherf.


Schillingsdraht (W3) [Adelung]


Der Schillingsdraht, des -es, plur. inus. eine gewisse Art Drahtes, welcher zum Stricken, zu Zelthacken u. s. f. gebraucht wird, und auf der Dr