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DE Deutschland, Alemania, Allemagne, Germania, Germany
Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
T

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

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Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

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T (W3) [Adelung]


T, der zwanzigste Buchstab des Deutschen Alphabetes und der sechzehnte unter den Mitlautern, welcher mit an die Zähne gelegter Zunge und schnell und stark ausgestoßenem Athem ausgesprochen wird, wodurch er sich von dem d unterscheidet, welches mit einem langsamern und gelindern Drucke der Lunge begleitet wird. Um dieses schnellen und starken Druckes willen, ist dieser Buchstab auch der eigentliche Ausdruck ähnlicher hörbarer Veränderungen in der Natur, daher er denn auch sehr schicklich ist, ein Zeichen der Intension abzugeben, besonders in solchen Fällen, wo der ursprüngliche Laut durch ein d oder s ausgedruckt wird. Daher ist das g, wo es vorkommt, gemeiniglich ein im hohen Grade verstärktes s, ob es gleich in manchen Fällen ein durch den härtesten Zischlaut verstärktes d und t ist. Da sich die Ober- und Niederdeutschen Mundarten, besonders durch das Harte und Weiche in der Aussprache unterscheiden, so wird dieser Unterschied vorzüglich in den Fällen sichtbar, wo ein und eben derselbe ursprüngliche Laut nach verschiedenen merklichen Stufen der Härte oder Gelindigkeit gesprochen und geschrieben werden kann. Daher hat die weichere und sanftere Niederdeutsche Mundart in den meisten Fällen ein d, wo in der rauhern und härtern, zu lauter Intensionen und harten Nachdrücken geneigten Oberdeutschen das t herrscht. Die Niedersächsischen dadeklik, Dag, Danz, Dapper, daven, Deeg, Dook, delgen, Dütsch, u. s. f. lauten im Hoch- und Oberdeutsch thätlich, Tag, Tanz, tapfer, toben, Teich, Tuch, tilgen, Teutsch. Die Hochdeutsche Mundart, welche in vielen Fällen das Mittel zwischen beyden hält, folgt zwar hier größten Theils der Oberdeutschen, behält aber doch in manchen Fällen das Niederdeutsche d; z. B. Dacht, oder Docht, Deich, ein Damm, dichten u. s. f. welche im Oberdeutschen Tocht, Teich, tichten lauten. In vielen Fällen scheinet das so zweydeutige th, seiner ursprünglichen Bestimmung nach, ein Mittellaut zwischen dem weichen Niederdeutschen d und harten Oberdeutschen t zu seyn, wovon an seinem Orte besonders. Von dem Übergange des t in s ist bey S. 3. (1) schon etwas gesagt worden. Ein mehreres würde hier zu weit führen. Die diesem Buchstaben eigene Härte ist oft ein bequemes Mittel in der Zusammensetzung und Ableitung der Wörter, die unangenehme Weiche zusammen treffender flüssiger Mitlauter zu vermeiden; welches besonders alsdann Statt findet, wenn von einem Infinitiv oder einem andern Worte auf -en, ein Wort auf lich und niß gebildet werden soll, wo um des Wohllautes willen gern ein t eingeschaltet wird; Kenntniß, Erkenntniß, Bekenntniß, kenntlich, eigentlich, wesentlich, öffentlich, nahmentlich, geflissentlich, ordentlich, gelegentlich, wissentlich, wöchentlich, flehentlich, freventlich, hoffentlich u. s. f. wofür man ehedem nur sagte, Kennniß, öffenlich, eigenlich u. s. f. In manchen Fällen geschiehet dieses auch vor einem Hauch- und Blaselaute; allenthalben, dessentwegen, kenntbar, meinetwegen, deinethalben, um seinet willen u. s. f. In einigen Oberdeutschen Gegenden gehet man noch weiter, und schreibt und spricht daselbst zwischent, nebent, dieselbten u. s. f. für dieselben, zwischen, neben. Eben so gebraucht man diesen Buchstaben im Französischen in manchen Fällen den Hiatuat zu vermeiden; fera-t-il? für fera il? S. auch Antlitz und Ent- Von dem th siehe an seinem Orte besonders.


Tabak (W3) [Adelung]


Tabak, S. Tobak.


Tabelle (W3) [Adelung]


Die Tabelle, plur. die -n, aus dem Lat. Tabella, ein Verzeichniß, wo Individua, oder auch die Arten, Gattungen und Unterarten kürzlich unter oder neben einander gesetzet werden, so wie sie auf einander folgen, oder aus einander fließen. Eine genealogische, chronologische Tabelle. Daher tabellarisch, in Gestalt einer Tabelle.


Tabernakel (W3) [Adelung]


Das Tabernakel, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Latein. Tabernaculum, in der Römischen Kirche, so wohl ein mit Säulen und Giebeln gezierte Bilderblinde, in Gestalt eines kleinen Altares, Bilder und Heiligthümer dahin zu setzen, als auch das gezierte Behältniß, worin die consecrirte Hostie verwahret wird.


Taberne (W3) [Adelung]


* Die Taberne, plur. die -n, aus dem Lat. Taberna, ein noch hin und wieder in Ober- und Niederdeutschland üblich, im Hochdeutschen aber unbekanntes Wort, ein öffentliches Wirthshaus, eine Schenke zu bezeichnen; im Oberd. ehedem Tafern, Tefern, Täferey, im Nieders. Taverne, Engl. Tavern. Daher Taverner, ein Gast- oder Schenkwirth. In einigen Oberdeutschen eigenthümlichen Nahmen ist es in Zabern verändert worden; Bergzabern, Tabernae montanae, Elsaßzabern, Tabernae Alsatiae, Rheinzabern, Tabernae Rhenanae.


Tabulat (W3) [Adelung]


Das Tabulat, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Tabulatum, ein noch hin und wieder, besonders in den Klöstern übliches Wort, einen gediehlten Boden oder mit Bretern belegten Gang zu bezeichnen.


Tabulatur (W3) [Adelung]


Die Tabulatur, plur. inus. 1. In der Musik, die Art die Töne an Statt der Noten mit Buchstaben und darüber gesetzten Strichen zu bezeichnen. 2. Bey den Meistersängern bezeichnet es den Inbegriff der Regeln und Gesetze, nach welchen sie ihre Gesänge verfertigen und absingen mußten, daher ist im gemeinen Leben nach der Tabulatur noch so viel, als nach der Ordnung. Es ist in beyden Fällen ohne Zweifel von einem mittlern Lat. Tabulatura, welches wieder von Tabella abstammet, ungeachtet ersteres bey den Lateinischen Schriftstellern des mittlern Zeitalters noch nicht gefunden worden.


Tabulet (W3) [Adelung]


Das Tabulet, des -es, plur. die -e, ein aus leichten Bretern gemachter Kasten oder ein ähnliches Behältniß, worin gewisse herum wandernde Krämer ihre Waaren am Halse hängen haben. Daher ein Tabulet-Krämer, ein herum wandernder Krämer, welcher seine Waaren auf solche Art mit sich herum trägt, Franz. Col-porteur, von Col, der Hals. Es ist aus dem mittlern Lat. Tabuleta, welches einen kleinen Tisch bedeutet, vermuthlich, weil sie ihre Waaren oft auf einem solchen kleinen Tische vor sich hangen haben. Er heißt Reffträger, wenn er sie in einem Reffe auf dem Rücken herum träget.


Tact (W3) [Adelung]


Der Tact, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Tactus, in der Musik und Tanzkunst. 1. Die gehörige und bestimmte Dauer eines jeden Tones und einer jeden Geberde, als ein Abstractum und ohne Plural; das Tonmaß. Nach dem Tacte singen, tanzen. Den Tact schlagen oder führen, diese Dauer mit der Hand bezeichnen, von welcher Bewegung der Hand eben die Benennung hergenommen ist. Tact halten, diese Dauer beobachten. 2. Besonders die bestimmte Dauer derjenigen Noten, welche auf dem Papiere zwischen zwey Strichen eingeschlossen sind, und diese Noten selbst. Einen Tact, zwey Tacte, drey Tacte. Ein ganzer, halber Tact, ein Dreyviertel-Tact und so ferner. 3. Diejenige Note, welche einen ganzen Tact bezeichnet, die ganze Tact-Note.


Tactfest (W3) [Adelung]


Tactfest, -er, -este, adj. et adv. Fertigkeit besitzend, den Tact oder das Tonmaß gehörig zu beobachten, und darin gegründet. Daher die Tactfestigkeit.


Tactführer (W3) [Adelung]


Der Tactführer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher bey großen Musiken den Tact führet, d. i. das Tonmaß durch Aufhebung und Niederschlagung der Hand anzeiget.


Tactmäßig (W3) [Adelung]


Tactmäßig, adj. et adv. dem Tacte oder Tonmaße gemäß.


Tadel (W3) [Adelung]


Der Tadel, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine körperliche und in weiterm Verstande, eine jede Unvollkommenheit, ein Fehler. Keiner unter seinen Knechten ist ohne Tadel, Hiob 4, 18. Ein Ding an dem kein Tadel ist. Einen Tadel an etwas finden. Einem jeden einen Tadel anhängen, etwas an ihm zu tadeln finden. Der Plural kommt zwar seltener vor, allein, er ist doch der Sache gemäß, daher man nicht, wie von einigen Sprachlehrern geschiehet, sagen kann, daß dieses Wort keinen habe. Viele Tadel an etwas finden, ist eben so richtig als viele Makel. 2. Die Entdeckung einer solchen Unvollkommenheit durch Worte, am häufigsten auch ohne Plural. Sein Tadel ist mir unerträglich. Laß dich meinen Tadel bessern. Das verdienet keinen Tadel.

Anm. Im Dänischen Dadel, in einigen Oberdeutschen Gegenden Zadel. Die Niedersachsen kennen dieses Wort nicht, und auch bey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern hat es sich bisher noch nicht finden lassen. Indessen scheinet es doch ein altes Wort zu seyn. Die Endsylbe bezeichnet ein Ding, ein Subject, daher es nur auf die Sylbe Tad ankommt. Es scheinet, daß dieses körperliche Verunstaltung, Verstümmelung, oder auch Befleckung bedeutet habe, da es denn entweder zu dem Holländ. Todde, Fetzen, Lumpen, Engl. Tatter, Nieders. Talter, oder auch zu dem Isländ. Tad, Koth, und vielleicht auch zu unserm Sudel gehören würde. Mit einem andern Endlaute ist im Schwed. tälja, so wohl schneiden, theilen, als auch tadeln. Laster, Schande, Mangel, vielleicht auch Sünde u. a. m. bedeuten alle zunächst körperliche Verstümmelung. S. Indessen auch Tadeln.


Tadeler (W3) [Adelung]


Der Tadeler, S. Tadler.


Tadelhaft (W3) [Adelung]


Tadelhaft, -er, -este, adj. et adv. 1. Mit einem Tadel oder Fehler behaftet, werth getadelt zu werden. Eine tadelhafte Aufführung. Das gleichbedeutende tadelig, (nicht tadelich, indem es alsdann tadellich heißen müßte) ist nur in dem Gegensatze untadlig üblich. 2. Neigung, Fertigkeit besitzend, Tadel oder Fehler an etwas zu finden; nur in einigen Gegenden. So auch die Tadelhaftigkeit.


Tadeln (W3) [Adelung]


Tadeln, verb. reg. act. die Tadel, d. i. Mängel, Fehler, Unvollkommenheiten an einer Person oder Sache bemerken oder anzeigen. Eine Waare, jemandes Arbeit, Betragen, Sitten, Gesichtsbildung tadeln. Etwas an einem tadeln. Ich finde nichts hieran zu tadeln. Man hat das an ihm getadelt, daß u. s. f. Immer etwas zu tadeln haben. Ich tadele dich nicht. Gott tadeln, Hiob. 39, 35. So auch das Tadeln.

Anm. Im Schwed. tadla. Im Niedersächsischen und bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern kommt es so wenig vor, als das Hauptwort Tadel. Indessen zeiget sich ein doppelter Weg, die Abstammung dieses Wortes anzugeben. 1. Von einem veralteten Tad, Verstümmelung, oder auch Schmutzflecken, so daß das Zeitwort tadeln, eigentlich von dem Hauptworte Tadel abstammen würde, ( S. das letztere.) 2. Von dem noch in den gemeinen Sprecharten mancher Gegenden üblichen taddeln, Nieders. tateln, plaudern, schnattern, als eine Onomatopöie, und welches in engerer Bedeutung auch schelten, Mängel und Fehler ungestüm durch Worte entdecken, bedeutet hat. Bey den Krainerischen Wenden ist tadlam noch jetzt, ich schelte. Allein, da das Deutsche tadeln weder den Begriff des Ungestümes, noch der Schwatzhaftigkeit bey sich hat, so scheinet die erste Ableitung die wahrscheinlichste zu seyn, und da würden unser tadeln, und das gemeine taddeln, schwatzen, eben so zufällige Onomatopöien seyn, als das Angels. taellan, Engl. tell, erzählen, und unser theilen; und das Schwed. tälja, tadeln, und tälja, schneiden theilen, Die Niedersachsen gebrauchen für tadeln, mäkeln, laken u. s. f.


Tadelsucht (W3) [Adelung]


Die Tadelsucht, plur. car. die Sucht, d. i. ungeordnete anhaltende heftige Neigung oder Fertigkeit zu tadeln, d. i. Mängel und Fehler an andern Dingen zu bemerken.


Tadelsüchtig (W3) [Adelung]


Tadelsüchtig, -er, -ste, adj. et adv. mit der Tadelsucht behaftet, und darin gegründet. So auch die Tadelsüchtigkeit, die Tadelsucht als eine Fertigkeit, ein Zustand betrachtet.


Tadler (W3) [Adelung]


Der Tadler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Tadlerinn, eine Person, welche etwas tadelt. Ingleichen in engerer Bedeutung, welche Neigung und Fertigkeit besitzt, an andern Dingen Mängel zu bemerken und zu entdecken. Momus war ein großer Tadler. Wer am Wege bauet, hat viel Tadler.


Taferne (W3) [Adelung]


Die Taferne, S. Taberne.


Taffer (W3) [Adelung]


Der Taffer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, die leichteste seidene Zeugart, welche unter allen die wenigsten Kettenfäden hat, daher die gewöhnliche Art oder der so genannte leichte Taffet nur mit zwey Kämmen und vier Fußschämeln, der schwere aber mit 8 Kämmen und zwey auch vier Fußschämeln gewebet wird. Der Quadrille-Taffet erhält durch den Einschlag vielfärbige Streifen; der Brillant-Taffet, ist ein Taffet mit Figuren, dessen Figuren indessen doch nur Brillanten, d. i. Steine oder Quadrate sind; der Spiegeltaffet bestehet aus länglichen Quadraten von anderer Farbe als der Grund u. s. f. Im gemeinen Leben auch wohl Taffent, Taft, im Franz. Taffetas, im Ital. Taffeta. Der Nahme ist ohne Zweifel morgenländisch, denn schon im Persischen lautet er Tafteh. Die Nahmen Tobin und Tabinet, welche Arten gewässerten Taffets bezeichnen, scheinen eben desselben Ursprunges zu seyn.


Taffetband (W3) [Adelung]


Das Taffetband, des -es, plur. die -bänder, eine Art seidenen wie Taffet gewirkten Bandes.


Taffeten (W3) [Adelung]


Taffeten, adj. et adv. von Taffet. ein taffetenes Kleid, oder taftenes Kleid.


Taffetweber (W3) [Adelung]


Der Taffetweber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Seidenweber, welcher allerley Arten Taffet webet.


Tag (W3) [Adelung]


Der Tag, des -es, plur. die -e. 1. Die Anwesenheit des Sonnenlichtes über der Oberfläche Erdkugel, und zuweilen auch dieses Licht selbst; beydes ohne Plural und im Gegensatze der Nacht. Der Tag bricht an. Mit anbrechendem Tage. Es wird Tag. Es ist noch nicht Tag. Es ist schon heller Tag. Vor Tage aufstehen. Noch bey Tage zu Bette gehen. In den Tag hinein schlafen, bis an den hellen Tag schlafen. Daher vermuthlich auch die im gemeinen Leben üblichen R. A. wo in den Tag hinein so viel als unbesonnen, ohne Überlegung bedeutet. Siehe aber auch die gleich folgende veraltete Bedeutung der freyen Luft. In den Tag hinein leben. Man gibt die Herzen jetzo nicht so in den Tag hinein weg, Less. In den Tag hinein schwatzen. Die Welt lebt in den Tag, begehret nichts zu wissen Von Zucht und Frömmigkeit, Opitz. Etwas bey Tage besehen. Ich habe zu früh Tag gemacht, Less. bin zu früh aufgestanden. Der Tag scheint durch die Ritze, das Sonnenlicht. In einigen Provinzen gebraucht man dieses Wort in mehrern Fällen für das Licht des Tages. Einem den Tag benehmen. Einem in dem Tage stehen, im Lichte. Gehe mir aus dem Tage. Welche R. A, doch im Hochdeutschen ungewöhnlich sind. Doch sagt man daselbst im figürlichen Verstande: Es liegt am Tage, oder ist am Tage, es ist klar, deutlich. Seine Unschuld liegt am Tage. Alsdann ist ja unser Betrug am Tage. Etwas an dem Tag bringen, eine verborgene Sache klar und deutlich machen. Himmel, bringe es an den Tag, wer ein Betrüger ist, Gell. An den Tag kommen, bekannt werden, von geheimen, verborgenen Dingen. Dein Betrug wird schon an den Tag kommen. Etwas an den Tag aber oder zu Tage legen, es äußern. Seine Gesinnung zu Tage legen. Er legte bald sein Mißvergnügen, bald seinen Beyfall an den Tag. Gell. In einigen Oberdeutschen Gegenden wurde es ehedem häufig für die freye Luft, den Luftraum gebraucht. Ein Rüstbaum lag noch in den Tag frey hinaus, Theuerd. Kap. 28. Herr, so trett auf disen plock do, unnd mest (messet) hinaus in freyen tag anderhalb schuch, in der wag, (im Gleichgewichte,) eben das. Tewrdank sich bald aus seiner Kraft schwang mit den füssen in den tag, durch dasselb er gewann die Wag, eben das. Kap. 56. Figürlich gebrauchen die Bergleute dieses Wort häufig von der Oberfläche der Erde, im Gegensatze der Grube. Erz am Tage antreffen, auf oder nahe unter der Oberfläche. Etwas zu Tage ausfördern, es aus der Grube auf die Oberfläche schaffen. Das Wasser fließt zu Tage aus. Hundert Lachter unter Tage, unter der Oberfläche der Erde. Eine Ortung zu Tage bringen, bey den Markscheidern, einen in der Grube angenommenen Punct in einer seigern oder senkrechten Linie am Tage, d. i. auf der Oberfläche angeben. Und so in tausend Fällen mehr. S. auch einige den folgenden Zusammensetzungen. 2. Diejenige Zeit, da die Eine Hälfte der Erdkugel von der Sonne erleuchtet wird. Plur. die Tage, im Oberd. die Täge. (1) Eigentlich. (a) Im engsten Verstande, die Zeit von Morgen bis zum Anbruche der Nacht, die Zeit, wenn die Sonne über unserm Horizonte sichtbar ist; im Gegensatze der Nacht. Der kürzeste Tag. Der längste Tag. Ein trüber, heller warmer Tag. Den Tag mit etwas zubringen. Tag und Nacht arbeiten. Die Zeit, wenn Tag und Nacht gleich sind, die Tag- und Nachtgleiche. Es ist noch hoch am Tage, der Tag geht so bald noch nicht zu Ende. Es ist schon hoch am Tage, es ist schon lange Tag gewesen. Der Tag gehet zu Ende. Der Tag neiget sich, in der höhern Schreibart. Und gleichwohl neigt sich schon der kurze Tag, Weiße. Des Tages nur Ein Mahl essen. Den Tag vorher, oder Tages vorher; den Tag hernach. Von Tag zu Tage warten, von einem Tage zum andern. Tag für Tag, (nicht vor,) alle Tage, einen Tag wie den andern. Du weißt, daß Tag für Tag dein alter Vater keift, Rost. Tag vor (für) Tag, muß ich es sehen, Opitz. Guten Tag! der gewöhnliche Gruß, wenn man einander am Tage begegnet. Jemanden einen guten Tag biethen, ihn mit dieser Formel grüßen. Einen Tag zu etwas zu bestimmen, setzen. Sich einen guten Tag machen, einen Tag zu seinem Vergnügen anwenden. Gute Tage haben. Müßige Tage haben. Morgen des Tages, im gemeinen Leben, nachdrücklich für morgen schlechthin, nicht morgendes Tages. Morgen des Tages sage ich ihr den Dienst auf, Weiße. Tag und Nacht, wird oft für ununterbrochen, unaufhörlich gebraucht. Tag und Nacht sitzen und studieren. Tag und Nacht ist auch eine im gemeinen Leben übliche Benennung verschiedener Pflanzen, ( S. Glaskraut und Kuhweizen.) Ein Kleid auf alle Tage, ein Alltagskleid, im Gegensatze eines Sonntags- oder Feyertagskleides, ( S. All.) (b) Da der Tag eigentlich die zu Geschäften bestimmte Zeit ist, so wird er auch sehr häufig von der ganzen Zeit gebraucht, in welche sich die Erdkugel Ein Mahl um ihre Achse drehet, so daß er alsdann auch die Nacht mit in sich begreift, und eigentlich für Tag und Nacht, oder eine Zeit von 24 Stunden stehet. In einigen nördlichen Gegenden gebraucht man das Wort Nacht auf eben dieselbe Art. Wenig Tage hernach. Vor drey Tagen. In ein paar Tagen. Es ist nun der dreyzehnte Tag. Acht Tage, eine gewöhnliche Benennung einer Woche, ob sie gleich eigentlich nur aus sieben Tagen bestehet, dagegen vierzehn Tage, eine Zeit von zwey Wochen bezeichnet. In acht Tagen, vor acht Tagen, nach acht Tagen. Heute vor acht Tagen. Morgen über acht, über vierzehn Tage. Gestern vor vierzehn Tagen. Nächster Tage, d. i. nächstens. Dieser Tagen, richtiger dieser Tage, d. i. neulich, vor wenig Tagen. Er war dieser Tage hier. Gestrigen Tages, wofür doch im Hochdeutschen gestern oder am gestrigen Tage üblicher ist. Jahr und Tag, in den Rechten, Ein Jahr und 45 Tage. Das Biblische welches Tages, für wenn, oder an welchem Tage, ist im Hochdeutschen noch weniger gangbar. (2) Figürlich. (a) Ein zu einem gewissen feyerlichen Geschäfte bestimmter Tag. Im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes, wird jemandes Nahmens- oder Geburtstag häufig dessen Tag genannt. In den Gerichten bedeutete es ehedem häufig den Tag oder die Zeit, da jemand vor Gericht beschieden war. Ingleichen eine auf einen gewissen Tag bestimmte feyerliche Versammlung. Einen Tag halten, sich feyerlich versammeln. In dieser Bedeutung ist es nur noch in den Zusammensetzungen Kreistag, Landtag, Reichstag, Wahltag, Churfürstentag, Städtetag, Grafentag u. s. f. üblich, eine Versammlung der Kreis- Land- Reichsstände u. s. f. zu bezeichnen. (b) Die Lebenszeit eines Menschen, indem der Tag die merklichste Abtheilung der Zeit ist, in welchem Verstande es doch nur im Plural allein gebraucht wird. Meine Tage, oder häufiger mein Tage, ein im gemeinen Leben sehr üblicher Ausdruck für in meinem Leben. Das habe ich mein Tage nicht gesehen, in meinem Leben nicht. Da denn mein Tage auch häufig für jemahls, und mein Tage nicht, für niemahls gebraucht wird. Das ist der unverschämteste Mensch, den ich mein Tage gesehen habe. Das habe ich mein Tage nicht gewußt. Es ist mein tage nicht gut, wenn die Kinder wissen, daß die Ältern Geld haben. Ich kann das Tanzen mein Tage nicht leiden. So weiß man doch mein Tage den Morgen nicht was den Abend geschehen wird, Weiße. In unsern Tagen, zu unserer Zeit. Die Tage Mosts, Messtä, zu ihrer Lebenszeit. In seinen besten Tagen seyn, wofür man doch im Hochdeutschen lieber sagt, in seinen besten Jahren, in seinem besten Lebensalter. In meinen alten Tagen, in meinem höhern Alter. Was ihn angetrieben hat auf seine alten Tage (in seinem hohen Alter) noch zu heirathen. Werden sie mir auf meine alten Tage, oder in meinen alten Tagen nicht noch eine Freude machen? Besonders kommt es in der Deutschen Bibel in dieser Bedeutung häufig vor. Deine Tage sind aus, ich will deiner Tage viel machen u. s. f. Ingleichen in der höhern und dichterischen Schreibart der Hochdeutschen. So flossen meine Tage still und ruhig dahin. Seine Tage beschließen, sterben. Zwar will ich mich jugendlich Meiner Tage freuen, Weiße. Eine Tugend, die ehedessen meine Tage heiter, wie die Tage des Frühlings machte. Heil uns, daß unser Morgen in die Tage Des einzigen Monarchen fiel, Raml. Murre nicht, wenn Zevs unter deine Hand voll Tage auch trübe Stunden mischet, Geßn. Im Frühlinge meiner Tage habt ihr Musen nie mich unerhört gelassen, eben ders. (c) Zuweilen auch für eine unbestimmte Zeit überhaupt, so wie das Hebräische Jamim. Heut zu Tage, oder heutiges Tages, zu unsern Zeiten. Nächster Tage, nächstens, in wenig Tagen. Besonders in der höhern Schreibart und im Plural. Die Tage der Zukunft, die künftige Zeit. O, daß es dir gefalle, wenn meine Muse dir singt, wie in der Jugend der Tage (in dem ersten Alter der Welt) ein Hirt die Gartenkunst erfand, Geßner. Ein Brandmahl wird er euch, worauf in späten Tagen Ein beßrer Enkel flucht, Raml.

Anm. Im Isidor Dagh, bey dem Kero Tac, bey dem Ottfried Dag, im Nieders. Dag, im Angels. Daga, bey den alten Schweden und im Dänischen Dag, und mit andern Endlauten bey den Krainerischen Wenden Dan, im Friesischen Dy, im Irländischen Dia, im Englischen Day, im Lat. Dies, und in einigen R. A. diu. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Begriff des Lichtes in diesem Worte der erste und herrschende ist, so daß es zu dem Geschlechte des Arabischen daa, er hat geleuchtet, gerechnet werden muß. ( S. Tagen.) Auf ähnliche Art scheinet das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, mit unserm Schemen (Schein) und Schimmer verwandt zu seyn.


Tagearbeit (W3) [Adelung]


Die Tagearbeit, plur. die -en. 1. Eine Arbeit, welche am Tage oder bey Tage verrichtet wird, zum Unterschiede von der Nachtarbeit. 2. Diejenige Arbeit, welche man den Tag über zu verrichtet hat; das Tagewerk. 3. Eine Arbeit, welche nach dem Tagelohn bezahlt wird; zum Unterschiede von der Stückarbeit.


Tagebuch (W3) [Adelung]


Das Tagebuch, des -es, plur. die -bücher. 1. Ein Buch, in welches man die gewöhnlichen Vorfallenheiten jedes Tages verzeichnet. 2. Dieses Verzeichniß der täglichen Vorfallenheiten selbst. In beyden Fällen nach dem Franz. auch ein Journal, und im Lat. Diarium.


Tagedieb (W3) [Adelung]


Der Tagedieb, des -es, plur. die -e, ein Müßiggänger, eine Person, welche Gott und der Zeit gleichsam die Tage stiehlet, sie mit Müßiggange zubringet.


Tagedienst (W3) [Adelung]


Der Tagedienst, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme des Frohn- oder Hofdienstes, weil er nach Tagen geleistet wird.


Tageerde (W3) [Adelung]


Die Tageerde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, im Weinbaue, die obere Erde, so weit sie von der Sonne und dem Regen durchdrungen, und auch die Tauerde, die Dammerde genannt wird; von Tag, die Oberfläche der Erde.


Tageerz (W3) [Adelung]


Das Tageerz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, im Bergbaue, Erz, welches am Tage, d. i. auf und nahe unter der Oberfläche der Erde bricht.


Tagefahrt (W3) [Adelung]


Die Tagefahrt, plur. die -en, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort. 1. Die Tagereise, ( S. dieses Wort.) 2. Ein in den Gerichten, oder zu einer gerichtlichen oder verbindlichen Handlung bestimmter Zeitpunct, ein Termin; in welcher Bedeutung es im Oberdeutschen noch am üblichsten ist. Wenn es ein bestimmter Zeitpunct ist, zu welchem gewisse Gelder bezahlt werden müssen, so ist dafür auch Tagezeit üblich. S. auch Tagefrist.


Tagefalter (W3) [Adelung]


Der Tagefalter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme derjenigen Zweyfalter, welche sich bey Tage sehen lassen, und unter dem Nahmen der Schmetterlinge am bekanntesten sind; Papiliones Linn. Zum Unterschiede von den Nachtfaltern.


Tagefrist (W3) [Adelung]


* Die Tagefrist, plur. die -en, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, einen bestimmten Tag, besonders einen Termin zu bezeichnen. Weil du mein Schutz gewesen bist, Mein Heil zu jeder Tagefrist, Opitz Ps. 59. S. auch Tagefahrt.


Tagefrohne (W3) [Adelung]


Die Tagefrohne, plur. die -n, Frohnen oder Frohndienste, welche bey Tage oder am Tage geleistet werden, zum Unterschiede von den Nachtfrohnen.


Tagegang (W3) [Adelung]


Der Tagegang, des -es, plur. die -gänge, im Bergbaue, Gänge, welche nahe unter der Oberfläche der Erde angetroffen werden, oder gar am Tage ausgehen, und nicht in die Teufe oder Tiefe fortsetzen.


Tagegarn (W3) [Adelung]


Das Tagegarn, des -es, plur. die -e, bey den Vogelstellern, S. Tagenetz.


Tagegebäude (W3) [Adelung]


Das Tagegebäude, des -s, plur. ut nom. sing. Berggebäude, welche auswärts am Tage, d. i. auf der Oberfläche der Erde befindlich sind, zum Beyspiele Poch- Wäsch- Huthäuser, Kunstgezeuge, Schmieden u. s. f. zum Unterschiede von den Grubengebäuden.


Tagegehänge (W3) [Adelung]


Das Tagegehänge, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, Gehänge, oder Klüfte, welche sich am Tage, oder gleich unter der Dammerde befinden; die Tagekluft.


Tagekluft (W3) [Adelung]


Die Tagekluft, plur. die -klüfte, S. das vorige.


Tagekohle (W3) [Adelung]


Die Tagekohle, plur. die -n, eine Art gegrabener Holzkohlen, welche am Tage, d. i. nahe unter der Dammerde gefunden und auch Erdkohlen genannt werden, zum Unterschiede von den Pech- und Steinkohlen, welche in einer größern Tiefe brechen.


Tagel (W3) [Adelung]


* Der Tagel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Niederdeutsches im Hochdeutschen unbekanntes Wort, ein Ende eines Strickes zum Prügeln zu bezeichnen. Daher tageln, mit einem solchen Werkzeuge prügeln, ingleichen prügeln überhaupt. Es ist mit dem Hoch- und Oberd. Zagel, Zahn, ein Schwanz, verwandt, ( S. dasselbe;) noch mehr aber mit dem Lat. tax! der Onomatopöie eines Schlages; tax, tax erit tergo tuo. S. 1 Tasche.


Tageleistung (W3) [Adelung]


* Die Tageleistung, plur. die -en, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, eine Versammlung mehrerer in öffentlichen Angelegenheiten an einem gewissen bestimmten Tage zu bezeichnen, einen Kreis- Land- oder Reichstag. Es kommt, so wie das gleichbedeutende Tagesatzung, noch in der Schweiz vor.


Tagelilie (W3) [Adelung]


Die Tagelilie, plur. die -n, ein Nahme der Asphodel- oder Affodill-Lilien, weil ihre Blumen über einen Tag nicht offen bleiben.


Tageln (W3) [Adelung]


Tageln, S. Tagel.


Tagelohn (W3) [Adelung]


Das Tagelohn, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -löhne, der Lohn für die Handarbeit, so fern derselbe nach Tagen bezahlet wird; im Gegensatze des Gedinges. Das Tagelohn mit einrechnen, 3 Mos. 25, 50. 53. Um Tagelohn arbeiten.


Tagelöhner (W3) [Adelung]


Der Tagelöhner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Tagelöhnerin, ein Handarbeiter, welcher um Tagelohn arbeitet. Im Schwabensp. Tagewerker, ehedem auch Liedlöhner. Im engerer Bedeutung ist es ein unzünftiger Handarbeiter dieser Art, indem man Maurer, Zimmerleute u. s. f. wie sie gleich auf Tagelohn arbeiten, eben nicht Tagelöhner zu nennen pflegt.


Tageluft (W3) [Adelung]


Die Tageluft, plur. car. im Bergbaue, die auf und über der Erde befindliche Luft, zum Unterschiede von der dickern Grubenluft. Von Tag, Oberfläche der Erde.


Tagen (W3) [Adelung]


Tagen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt vorkommt. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Tag werden, von dem Anbrechen des Tages; am häufigsten persönlich. So taget es in dem herzen min, Heinr. von Morunge. Alsbald es wird morgen tagen, Theuerd. Kap. 18. Wenns aufgehöret zu tagen, Opitz. Komm, schöner Morgenstern, komm, komm, und laß es tagen, eben ders. Er ging zum Kirchhof hin, und zwar so bald es tagte, Gellert. Dann, Göttinn, laß es späte tagen, Kleist. In den Thälern tagt es später als auf den Bergen. Zuweilen, obgleich seltener, und am häufigsten nur bey den Dichtern, auch persönlich. Min vil liebe sunnen diu mir so wunneklichen taget, Heinr. von Morunge, wo es für scheinen, leuchten zu stehen scheinet. Diß ist das Licht, das auch in Japan selbst schien, Und tagt nun fort bis an Chinea hin, Opitz. Die Tage tagen noch, brechen noch an, dauern noch fort, Scultet. So bald der Morgen tagt, Michael. Hiob 24, 27. II. * Als ein Activum, einen Tag setzen, zu etwas bestimmen, ingleichen auf einen bestimmten Tag vorladen, citiren, eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Jemanden tagen, ihn vorladen citiren. Betragen und vertragen waren ehedem in eben diesem Verstande üblich. Das Mittelwort getagt hat über dieß noch eine andere Bedeutung, S. dasselbe.

Anm. In der ersten Bedeutung schon bey dem Notker tagen, im Nieders. dagen, im Angels. daegian. Die Bedeutung des Leuchtens, Scheinens, ist auch hier, so wie in Tag, vermuthlich die ursprüngliche. Dien ze tagenne, ihnen zu leuchten, zu scheinen, heißt es bey dem Notker. Im Mecklenburg. bedeutet dagen auch zaudern, sich Zeit nehmen.


Tagenetz (W3) [Adelung]


Das Tagenetz, des -es, plur. die -e, eine Art Lerchennetze, welche bey Tage auf Forkeln gestellet werden, um die Lerchen des Abends darin zu fangen. Tagegarn, Klebegarn, Klebenetz, zum Unterschiede von den Nachtgarnen oder Nachtnetzen.


Tagepocher (W3) [Adelung]


Der Tagepocher, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Hüttenbaue, diejenigen Arbeiter, welche das Pochen der Erze bey Tage besorgen, zum Unterschiede von den Nachtpochern.


Tagepumpe (W3) [Adelung]


Die Tagepumpe, plur. die -n, im Bergbaue, eine Pumpe, welche von Tage, d. i. von der Oberfläche der Erde in die Grube gerichtet ist, und ihr Wasser auch am Tage wieder ausgießt; zum Unterschiede von solchen, welche es in die Stollen oder Strecken ausgießen.


Tageregister (W3) [Adelung]


Das Tageregister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Register oder Verzeichniß der Vorfallenheiten nach der Reihe der Tage, an welchen sie sich zutragen; am häufigsten ein Tagebuch.


Tagereise (W3) [Adelung]


Die Tagereise, plur. die -n, eine Reise von einem Tage, d. i. so viel Weges, als man an einem Tage bequem zurück legen kann; bey den alten Oberdeutschen Schriftstellern Tagewaidi, Dageweidi, Tageweite, Tagefahrt. Es sind drey Tagereisen von hier. Die Art, die Entfernungen der Örter nach Tagereisen zu bestimmen, ist außer Europa am gewöhnlichsten, und alsdann verstehet jemand darunter gemeiniglich so viel Weges, als ein Fußgänger in Einem Tage bequem zurück legen kann; in den Morgenländern aber auch, so viel als ein beladenes Kamehl den Tag über gehen kann. Starke Tagereisen thun.


Tage-Ronde (W3) [Adelung]


Die Tage-Ronde, plur. die -n, in dem Kriegswesen, die Ronde, welche bey Tage geschiehet, zum Unterschiede von der Nacht-Ronde.


Tagerösche (W3) [Adelung]


Die Tagerösche, plur. die -n, im Bergbaue, eine Rösche, welche am Tage oder über der Dammerde geführet wird.


Tagesatzung (W3) [Adelung]


* Die Tagesatzung, plur. die -en, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, ein zu einem feyerlichen Geschäfte, besonders zu einer öffentlichen Versammlung bestimmter Tag, und noch mehr diese Versammlung selbst, ein Land- oder Reichstag. Es kommt so wie Tageleistung noch in der Schweiz vor.


Tageschacht (W3) [Adelung]


Der Tageschacht, des -es, plur. die -schächte, im Bergbaue, ein Schacht, welcher von Tage, d. i. von der Dammerde an die Grube gehet; zum Unterschiede von solchen Schächten, welche sich in der Grube selbst befinden.


Tageschicht (W3) [Adelung]


Die Tageschicht, plur. die -en, eben daselbst, diejenige Schicht, d. i. abgetheilte Arbeit, welche bei Tage geschiehet, zum Unterschiede von der Nachtschicht. Von der Arbeit der Bergleute am Tage, d. i. außer der Grube, zum Unterschiede von der Grubenschicht, kommt es nur selten vor.


Tageschichter (W3) [Adelung]


Der Tageschichter, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Arbeiter, welcher die Tagearbeit verrichtet, des Tages arbeitet, und dem Nachtschichter entgegen stehet.


Tageschläfer (W3) [Adelung]


Der Tageschläfer, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Vogel, ( S. Nachtrabe) 2. Auch ein Nahme der Rellmaus, welche eine Art Haselmäuse oder Eichhörnchen ist, und bey Tage beständig schläft. S. Rellmaus.


Tageschläger (W3) [Adelung]


Der Tageschläger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme der gewöhnlichen Nachtigallen, welche nur bey Tage schlagen, und in einigen Gegenden auch Rothvögel und Dörlinge genannt werden; zum Unterschiede von den Nachtschlagern oder Sprossern.


Tage-Signal (W3) [Adelung]


Das Tage-Signal, des -es, plur. die -e, auf den Schiffen, Signale oder Zeichen, welche bey Tage mit den Flaggen und Kanonenschüssen gegeben werden, zum Unterschiede von den Nacht-Signalen.


Tageslänge (W3) [Adelung]


Die Tageslänge, plur. die -e, die Länge des Tages.


Tageszeit (W3) [Adelung]


Die Tageszeit, plur. die -en, die Zeit des Tages, ein Theil eines Tages. Die vier Tageszeiten, Morgen, Mittag, Nachmittag und Abend. Bey früher Tageszeit. Siehe auch Tagezeit.


Tagestollen (W3) [Adelung]


Der Tagestollen, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Stollen, welcher zur Ableitung der Tagewasser dienet.


Tagevogel (W3) [Adelung]


Der Tagevogel, des -s, plur. die -vögel, Vögel, welche bey Tage herum fliegen und ihre Nahrung suchen, dergleichen denn die meisten sind; zum Unterschiede von den Nachtvögeln. Auch die Tagefalter werden von einigen Tagevögel genannt.


Tagewähler (W3) [Adelung]


Der Tagewähler, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher aus Aberglauben gewissen Tagen vor andern einen Vorzug zuschreibt, Fämin. die Tagewählerinn; ein Wort, welches, mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt, z. B. 3 Mos. 19, 26; 5 Mos. 18, 1; Es. 2, 6; Kap. 57, 3. Daher die Tagewählerey, die Einbildung größerer Vorzüge gewisser Tage.


Tagewasser (W3) [Adelung]


Das Tagewasser, des -s, plur. von mehrern Quantitäten, ut nom. sing. im Bergbaue, Wasser, welches vom Tage, d. i. von der Oberfläche in die Gruben dringet, und dem Grubenwasser, welches aus dem Innern der Erde kommt, entgegen gesetzt wird.


Tagewerk (W3) [Adelung]


Das Tagewerk, des -es, plur. die -e. 1. Diejenige Arbeit, welche jemand den Tag zu verrichten hat; am häufigsten ohne Plural. Sein Tagewerk verrichten. Besonders die Handarbeit, welche Tagelöhner und Fröhner jeden Tag zu verrichten haben, daher die ersten alsdann auch Tagewerker genannt werden. Bey den Bergleuten ist das Tagewerk, dasjenige, was einem Häuer in einer Schicht heraus zu schlagen, aufgegeben wird. Sein Tagewerk heraus schlagen. 2. So viel Arbeit, als ein Handarbeiter in Einem Tage verrichten kann, gemeiniglich nur in einigen einzelnen Fällen. Ein Tagewerk Heu, im Niederdeutschland, so viel Heu, als einer in Einem Tage abgemähet hat. Daher denn auch Tagewerk in vielen Gegenden ein gewisses Feldmaß ist, so viel Acker oder Wiese zu bezeichnen, als jemand in einem Tage bearbeiten kann, welches Maß in andern Gegenden ein Acker oder Morgen heißt, da denn dieses Wort ehedem auch Tagewand, Tagewan, Tagwen lautete, woraus in einigen Gegenden das noch mehr verunstaltete Thauen geworden ist; im mittlern Lat. Deiwerka, Diurnum, Diuturna, in einigen Gegenden Frankreichs Journal. Ein Tagewerk Acker, so viel, als Ein Pflug in Einem Tage bearbeiten kann, ein Morgen. Ein Tagewerk Wiese, wo es in einigen Gegenden auch Tagemahd, Tagematt, Fries. Dagmat lautet, so viel Wiese, als jemand in Einem Tage abmähen kann, Mannsmahd, Mannsmatt, Mannwerk. Auch im Torfgraben ist das Tagewerk ein gewisses Maß so wohl das abzugrabenden Torfgrundes, als auch des gestochenen Torfes selbst. Das erste wird ein Tagewerk im Grunde genannt, und ist im Grünlande 6 Fuß breit, 4 Fuß tief und 96 Fuß lang; im Morast oder Hochmoor aber 9 bis 10 Fuß breit, 5 Fuß tief und 48 Fuß lang. Das zweyte, welches ein Tagewerk über der Erde heißt, ist im Grünlande 7 Klemm hoch, 13 bis 14 Klemm breit und 96 Fuß lang.


Tagewerken (W3) [Adelung]


Tagewerken, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in einigen Gegenden üblich ist, auf Tagelohn arbeiten.


Tagewirkung (W3) [Adelung]


Die Tagewirkung, plur. die -en, im Bergbaue, Arbeit, welche am Tage, oder über der Erde geschiehet. Es gibt Tagewirkungen, sagt man daselbst, wenn das Erz nahe am Tage liegt und in keine große Teufe setzt.


Tagewurzel (W3) [Adelung]


Die Tagewurzel, plur. die -n, an den Bäumen und Stauden, besonders an dem Weinstocke, diejenigen Wurzeln, welche am Tage oder in dem Dammerde nicht weit von der Oberfläche der Erde zur Seite auswachsen, und auch Thauwurzeln genannt werden, weil sie nicht tiefer wachsen, als ungefähr der Thau in die Erde zu dringen pflegt; zum Unterschiede von den Wasserwurzeln, und der Pfeil- oder Herzwurzel.


Tagezeit (W3) [Adelung]


Die Tagezeit, plur. die -en. 1. Für Tageszeit, im gemeinen Leben, ( S. dieses Wort.) 2. In einem andern Verstande sind die Tagezeiten, gewisse verglichene Fristen oder Termine, an welchen eine Summe bezahlet werden muß. Ein Gut auf Tagezeiten bezahlen, die Kauf-Summe nicht auf Ein Mahl, sondern in gewissen verglichenen Terminen, bezahlen.


Tagezirkel (W3) [Adelung]


Der Tagezirkel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Astronomie, ein Zirkel, welcher von einem jeden Puncte der beweglichen Fläche der Weltkugel an der unbeweglichen beschrieben wird; Circulus diurnus.


Tagezug (W3) [Adelung]


Der Tagezug, des -es, plur. die -züge, bey den Markscheidern, ein Zug, d. i. eine Vermessung und Abzeichnung, welche am Tage, d. i. über der Erde geschiehet; zum Unterschiede von dem Grubenzuge.


Tägig (W3) [Adelung]


Tägig, adj. et adv. Tage enthaltend oder dauernd, ein nur in den Zusammensetzungen eintägig, zweytägig, dreytägig, mittägig, u. s. f. übliches Wort.


Täglich (W3) [Adelung]


Täglich, adj. et adv. was alle Tage ist oder geschiehet. Ich sehe ihn täglich, alle Tage. Die tägliche Arbeit. Die täglichen Kleider. Vor täglichen Gefahren beben. Die tägliche Nahrung, welche man alle Tage zu sich nimmt oder bedarf. Das lehrt die tägliche Erfahrung. Das ist meine tägliche Plage. Alltäglich, sonntäglich, feyertäglich. Um des Nachdruckes willen pflegt man im gemeinen Leben auch wohl das Wort Tag voran zu setzen, tagtäglich, zuverläßig alle Tage.

Anm. Bey dem Kero tagalih, bey dem Ottfried tagelich, dagalih, im Angels. daeglie.


Tahlen (W3) [Adelung]


Tahlen, S. Dahlen.


Taille (W3) [Adelung]


Die Taille, (sprich Talje,) plur. von mehrern Arten, die -n, das Französ. Taille, die gehörige Leibeslänge, im Verhältniß ge- gen die Gliedmaßen; der Wuchs, ehedem das Liedmaß, im Nieders. der Schick, bey den Pferden der Leist. Eine gute Taille haben. In engerer Bedeutung ist die Taille, die Länge des Leibes zwischen den Hüften und der Brust; Nieders. Kneep. Eine kurze, eine lange Taille haben.

Anm. Das Französ. Taille stammet ohne Zweifel von dem alten noch Nieders. Tall, die Höhe, Länge, her, welches zu unserm Zahl gehöret, S. dasselbe.


Talar (W3) [Adelung]


Der Talar, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. talaris, oder vollständig vostis talaris, ein bis auf die Fersen reichendes langes Kleid zu bezeichnen. Man gebraucht es noch von der feyerlichen einem Mantel ähnlichen Kleidung dieser Art fürstlicher Personen. Der kaiserliche Talar. Ein gewöhnlicheres Kleid dieser Art, besonders bey dem andern Geschlechte, heißt ein Schleppkleid oder langes Kleid.


Talemüse (W3) [Adelung]


Die Talemüse, plur. die -n, ein wohl nur in Meißen übliches Wort, eine Art Buttergebackenes zu bezeichnen, welches mit Käsefülle gefüllet wird, und die Gestalt einer Jesuiter-Mütze mit drey Hörnern hat, daher es auch eine Jesuiter-Mütze genannt wird. Das Wort ist vermuthlich Wendischen Ursprunges, von welcher Sprache in Meißen noch mehrere Überbleibsel vorhanden sind.


Talent (W3) [Adelung]


Das Talent, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Talentum, nach dessen neuern Bedeutung, natürliche Fähigkeit zu bezeichnen. Ein Mann von vielen Talenten, Gaben, Fähigkeiten. Kein Talent zur Musik haben. Ein hoher Grad der Fähigkeiten Einer Art macht das Genie aus.


Talg (W3) [Adelung]


Der Talg, des -es, plur. car. eine Art des thierischen Fettes, welches eine mehrere Festigkeit hat, als das Schmalz oder Schmeer, besonders, nachdem es geschmolzen und gereinigt worden; in vielen Gegenden so wohl Ober- als Niederdeutschlandes Unschlitt, im Osnabrück. Ungel, welches letztere ein Verwandter von Vnguentum zu seyn scheinet. Schöppsentalg, Rindertalg, Hirschtalg. In weiterer Bedeutung pflegen die Jäger alles Fette oder Feiste an dem Hirsch- und Rothwildbrete Talg zu nennen.

Anm. Im Nieders. Fries. und Schwed. gleichfalls Talg, im Dän. Talge, im Engl. Tallow, im Finnischen Tali. Es scheinet, daß der Begriff der weichen Beschaffenheit in diesem Worte der herrschende ist, da es denn zu dem Angels. telgan, schmieren, zu dem in einigen gemeinen Sprecharten üblichen talken, etwas Weiches drucken, und vielleicht auch zu dem Wallis. deilliow, fließen, gehören würde. Das Lat. Sebum, Talg, ist mit unserm Seife verwandt. (Siehe auch Talk.) Viele, besonders härtere Mundarten, schreiben und sprechen dieses Wort Talk, welches aber wider die Hochdeutsche Aussprache ist. Was das Geschlecht dieses Wortes betrifft, so ist es in manchen Gegenden in dem ungewissen gangbar, obgleich das männliche in Obersachsen am meisten gehöret wird.


Talgbaum (W3) [Adelung]


Der Talgbaum, plur. die -bäume, bey den Schriftstellern des Pflanzenreiches, eine Art des Croton, welcher in China einheimisch ist, unserer Zitterpappel ähnlich siehet, und einen Samen in der Größe unserer Erbsen trägt, welcher mit einer dünnen weißen Talghaut umgeben ist, aus welcher die Chineser eine Art Lichter bereiten.


Talgboden (W3) [Adelung]


Der Talgboden, des -s, plur. die -böden, geschmolzenes und gereinigtes Talg in Gestalt einer dicken runden Scheibe, Siehe Boden.


Talgen (W3) [Adelung]


Talgen, verb. reg. I. Als ein Neutrum mit haben, Talg in sich enthalten und geben. Der Ochs talget nicht gut, wenn er, nachdem er geschlachtet worden, nicht viel Talg gibt. 2. Als ein Activum, Talg, oder Fett verursachen, von Speisen; in einigen niedrigen Sprecharten. Eine Speise talget, wenn sie fett oder feist macht. Zuweilen auch mit Talg fett machen. Eine Suppe talgen.


Talgicht (W3) [Adelung]


Talgicht, adj. et adv. -er, -ste, dem Talge ähnlich, was leicht gerinnet und so fest wird, wie Talg; dem Geruche und Geschmacke nach, dem Talge ähnlich. Talgicht schmecken.


Talgig (W3) [Adelung]


Talgig, -er, -ste, adj. et adv. mit Talg beschmiert. Talgige Finger haben. Sich talgig machen.


Talglicht (W3) [Adelung]


Das Talglicht, des -es, plur. die -e, und -er, ein aus Talg bereitetes Licht; in vielen Gegenden ein Unschlittlicht oder Unschlittkerze, zum Unterschiede von einem Wachslichte.


Talk (W3) [Adelung]


Der Talk, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine thonartige Steinart, welche aus glänzenden Schuppen von ungleichen Flächen bestehet, und sich fettig wie Talg anfühlen lässet; der Talkstein. Man findet ihn von verschiedener Härte und Farbe. Der Goldtalk ist goldfarben, so wie der Silbertalk, silberfarben. Man hat aber auch grauen, rothen, grünen, schwarzen u. s. f.

Anm. Im mittlern Lat. Talcum, auch im Pers. Talcq, Talchum. Es scheinet, daß dieses Wort ursprünglich in Asien einheimisch ist, indessen ist es doch unstreitig mit unserm Talg verwandt, mit welchem diese Steinart nicht nur dem Gefühle, sondern auch oft der Farbe nach, viele Ähnlichkeit hat.


Talken (W3) [Adelung]


+ Talken, verb. reg. neutr. mit haben, welches nur in einigen niedrigen Mundarten üblich ist. 1. Unvernehmlich sprechen, als wenn man Brey im Munde hätte, wo es eine Onomatopöie dieser widerwärtigen Sprechart selbst ist. 2. Etwas Weiches drucken, ingleichen, unreinlich und ekelhaft mit einem weichen Körper umgehen. Mit etwas talken. In welcher Bedeutung es mit Talg aus Einer Quelle herstammet.


Talköhl (W3) [Adelung]


Das Talköhl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein flüssiger Körper, welcher für ein aus dem Talke oder Talksteine destillirtes Öhl ausgegeben wird, und eine schöne Haut geben soll, oder eigentlich nichts als Weinsteinöhl, oder ein an der Luft zerflossenes Weinsteinsalz ist.


Talkstein (W3) [Adelung]


Der Talkstein, des -es, plur. die -e, der Talk, als eine Steinart betrachtet, S. Talk.


Talmud (W3) [Adelung]


Der Talmud, des -s, plur. inus. ein Hebräisches Wort, mit welchem man das Gesetzbuch der neuern Juden zu bezeichnen pflegt. Im eigentlichsten Verstande führet nur die Mischna diesen Nahmen, ob man gleich in weiterm Verstande auch die Gemara oder beyde zusammen mit diesem Nahmen zu belegen pflegt. Daher talmudisch, in diesem Gesetzbuch gegründet; der Talmudist, des -en, plur. die -en, eine Person, welche in dem Talmud und dessen Lehren erfahren ist.


Talpatsch (W3) [Adelung]


Der Talpatsch, S. Tollpatsch.


Tamarinde,Tamarinden-Baum (W3) [Adelung]


Die Tamarinde, plur. die -n, oder Tamarinden-Baum, des -es, plur. die -bäume, ein in den heißen südlichen Welttheilen einheimischer Baum, welcher eine theils saure, theils süßlichere Hülsenfrucht träget, welche in unsern Apotheken gleichfalls unter dem Nahmen der Tamarinde bekannt ist; Tamarindus Linn. Daher das Tamarinden-Mark, in den Apotheken, das Mark der innern Hülse mit dem Samen in Wasser gekocht und mit Zucker zu einem Muse verdickt; Pulpa Tamarindorum. Der Nahme ist morgenländisch.


Tamariske,Tamarisken-Baum,Tamarisken-Staude (W3) [Adelung]


Die Tamariske, plur. die -n, oder oder Tamarisken-Baum, die Tamarisken-Staude, ein Staudengewächs, welches oft zu der Höhe eines Baumes wächset, in den wärmern Ländern Europens einheimisch ist, ein feines, den Cypressen ähnliches Laub, und eine gewürzhafte Rinde und Wurzel hat; Tamarix Linn. besonders dessen Tamarix gallica. Eine gröbere Art wächst auch in dem südlichen Deutschlande.


Tambour (W3) [Adelung]


Der Tambour, des -s, plur. ut nom. sing. 1. * Eine Trommel oder Pauke, eine jetzt im Deutschen veraltete Bedeutung, in welcher es aber ehedem häufig war, und alsdann auch Tamber, Tabur und Tubur lautete. Das Französ. Tambour hat diese Bedeutung noch. 2. Ein Trommelschläger; in welchem Verstande es im Deutschen nur noch allein gangbar ist, und in welchem es bey dem Königshofen Tauber lautet.

Anm. Ungeachtet dieses Wort in einer von beyden Bedeutungen in allen Europäischen Sprachen angetroffen wird, so ist es doch, so wie das Werkzeug selbst, allem Ansehen nach morgenländischen Ursprunges. Im Pers. heißt die Trommel gleichfalls Tambourch, und im Malabarischen ist Tamburu und im Indosthanischen Thanbura, ein ähnliches kriegerisches Instrument. Das Latein. Tympanum ist genau damit verwandt. Da das m vor dem Blaselaute oft zufällig ist, so gehöret auch das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine Trommel oder Pauke, mit zur Verwandtschaft, zumahl, da in den schon angeführten ältern Deutschen Ausdrücken das m gleichfalls mangelt.


Tand (W3) [Adelung]


Der Tand, des -es, plur. car. 1. Ein Geschwätz, eine grundlose Rede. Alter Weiber Tand, Pict. Bey andern Oberdeutschen Schriftstellern kommt Tandmähre in eben dieser Bedeutung vor. 2. Eitele unnütze Dinge, als ein Collectivum. Menschentand, leere menschliche Erdichtungen, wo aber auch die vorige Bedeutung Statt findet. Narrentand, Narrenpossen. Kindertand, Kinderpossen, Kindereyen. Das ist weiter nichts als Tand. Mein Geist soll sich dem Tand der Erde kühn entschwingen, Kleist. Anm. Im Nieders. gleichfalls Tant, und im gemeinen Leben daselbst mit der auch in andern Fällen nicht ungewöhnlichen Verdoppelung Tanterlantant, im Schwed. Dant. Wachter leitet es von dem Arab. und Ital. Dad, ein Würfel, Pellerier in seinem Bretagnischen Wörterbuche, von Dant, ein Zahn, Dens, Frisch von tanti her; welche letztere Ableitung wohl die sonderbarste ist. Die erste Bedeutung des Geschwätzes hat noch in manchen gemeinen Mundarten ihre Verwandten, wo danten, Nieders. tantern, schwatzen, Französ. dandiner, Tander, ein Schwätzer, und Tanderey, Geschwätz ist. Es scheinet in dieser Bedeutung eine Onomatopöie des Schwatzens zu seyn, und mit zu Ton, tönen zu gehören. Wenn die zweyte Bedeutung keine Figur der ersten ist, wie sie es denn nicht zu seyn scheinet, so ist sie wieder eine eigene Onomatopöie der spielenden Bewegung, und in diesem Falle ein Verwandter von tanzen. Im Oberdeutschen bedeutet Tand, auch alte Kleider und Hausrath, Tändlerey, Tändelkram. Daher ist Tändler, Tändlerkrämer, Tändlermann, daselbst ein Trödler oder Trödelmann, der Tändelmarkt, der Trödelmarkt. Siehe Tändeln.


Tande (W3) [Adelung]


Die Tande, plur. die -n, ein nur in einigen Mundarten übliches Wort, eine Klaue oder einen Haken zu bezeichnen. So werden die Klauen oder einem Haken ähnlichen Schaufeln an den Dreg-Ankern daselbst Tanden genannt. Das Wort ist mit Zahn, Nieders. Tän, Bretagn. Dant, Lat. Dens, nahe verwandt.


Tändeley (W3) [Adelung]


Die Tändeley, plur. die -en. 1. Unnütze, bloß zum Zeitvertreibe oder zur Vergnügung vorgenommene Bewegungen, und in weiterer Bedeutung jede Beschäftigung dieser Art mit unerheblichen Kleinigkeiten oder unnütze Dingen, und die Neigung dazu; in diesem letzten Falle ohne Plural, das Getändel. Die Franzosen sind mehr zum Tändeln geneigt, als die Deutschen. Das sind Tändeleyen. 2. Ohne Plural wird es auch wohl für das Zaudern gebraucht, vermuthlich auch nur, so fern dasselbe die Beschäftigung mit unnützen oder unerheblichen Dingen verursacht wird.


Tändeler,Tändler (W3) [Adelung]


Der Tändeler oder Tändler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Tändlerinn, eine Person, welche tändelt, welche Neigung oder Fertigkeit zum Tändeln besitzt. Zuweilen auch, eine Person, welche aus dieser Neigung in ernsthaftern Verrichtungen zaudert oder zögert. Im Oberdeutschen bedeutet es auch einen Trödler, S. Tand, Anm.


Tändelhaft (W3) [Adelung]


Tändelhaft, -er, -este, adj. et adv. Neigung und Fertigkeit zum Tändeln besitzend und darin gegründet. Ein tändelhafter Mensch. Tändelhafte Handlungen. Daher die Tändelhaftigkeit.


Tändelig,Tändelich (W3) [Adelung]


Tändelig, oder Tändelich, (eigentlich tändellich,) -er, -ste, in der vorigen Bedeutung. Ein tändeliger Mensch.


Tändeln (W3) [Adelung]


Tändeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. Eigentlich, leichte Bewegungen bloß zum Vergnügen oder Zeitvertreibe machen, in welcher Bedeutung es doch jetzt mit der folgenden weitern zusammen geflossen ist. Ein Kind auf dem Schooße tanzen lassen, heißt in diesem eigentlichen Verstande noch im Nieders. dendeln, demken, im Engl. to dandle, in Schlesien tillatzeln. 2. In weiterm Verstande, sich zum Zeitvertreibe oder zur Belustigung mit unerheblichen Kleinigkeiten oder unnützen Dingen beschäftigen; spielen. Das heißt nur getändelt. Mit einem Kinde tändeln. Er tändelt gern. Den ganzen Tag mit Tändeln zubringen. Mit einem Frauenzimmer tändeln, in einigen gemeinen Mundarten dahlen. 3. Zaudern, zögern, in einer Sache mit unnützer Langsamkeit verfahren, vermuthlich zunächst, so fern diese Langsamkeit von unnöthiger Beschäftigung mit Kleinigkeiten herrühret; im gemeinen Leben in Niederdeutschland tünteln. So auch das Tändeln.

Anm. Im Engl. to dandle, im Franz. dandiner. Bey dem Hornegk lautet dieses Wort mit der ausländischen Endung -iren, tändellieren. Es ist überwiegend wahrscheinlich, daß leichte, spielhafte Bewegung der herrschende Begriff in diesem Worte ist, so daß es von tanzen, denken, in seiner ursprünglichen Bedeutung, und dem Schwed. danka, herum schweifen, nur im Endlaute verschieden ist. Die Sylbe "-eln" bedeutet theils eine Wiederhohlung, theils auch eine Verkleinerung. Für tändeln in der zweyten Bedeutung gebrauchen die Niedersachsen auch dammeln, draueln, daueln, fenteln u. s. f.


Tändelschürze (W3) [Adelung]


Die Tändelschürze, plur. die -n, bey dem andern Geschlechte, eine kleine kurze Schürze, mehr zum Zierath, als zur eigentlichen Absicht einer Schürze; im Nieders. Dammelplate, Hebelplate, von hebeln, spielen, tändeln.


Tändelwoche (W3) [Adelung]


Die Tändelwoche, plur. die -n, die erste Zeit nach der Hochzeit, weil dieselbe gemeiniglich mit Tändeln und tändelhafter Liebe zugebracht wird; die Flitterwoche.


Tändler (W3) [Adelung]


Der Tändler, S. Tändeler.


Tang (W3) [Adelung]


Der Tang, des -es, plur. car. ein in nördlichen Ländern Europens üblicher Nahme einer Art Seegrases oder Seemoses, welches sehr häufig auf dem Grund des Meeres wächset, und seine Spitzen bis auf die Oberfläche des Wassers treibet; Zostera Linn. Seetang, Meertang, Meergras, Seegras, Schwed Tang.


Tangel (W3) [Adelung]


Die Tangel, plur. die -n, eine Art runder spitziger Blätter an gewissen Bäumen und Sträuchen, welche wegen der Ähnlichkeit ihrer Gestalt, auch Nadeln genannt, und dem Laube und Blättern in engerer Bedeutung entgegen gesetzt werden. Die Tannen, Fichten, der Wachholder u. s. f. haben statt der Blätter solche Tangeln oder Nadeln, daher sie auch Tangelholz genannt werden. Die nadelförmige Spitze ist ohne Zweifel der Grund der Benennung so daß dieses Wort als ein Verwandter von Zahn, Nieders. Tän, Lat. Dens, dünn, anzusehen ist.


Tangelholz (W3) [Adelung]


Das Tangelholz, des -es, plur. die -hölzer. 1. Eine Holzart, deren Stämme statt der eigentlichen Blätter mit Tangeln bekleidet sind, wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist; Nadelholz, zum Unterschiede von dem Laubholze. Dahin gehören die Tannen und Fichten mit ihrer Unterarten, der Lärchenbaum, der Taxus, der Eibenbaum und der Wachholder. 2. Ein mit solchen Holzarten bewachsener Platz oder Bezirk, ein Gehölz von Tangelholz.


Tängeln (W3) [Adelung]


Tängeln, S. Dengeln.


Tanlake (W3) [Adelung]


Die Tanlake, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden üblicher Nahme der Aalmutter, Mustela vinipara Linn. In einigen Gegenden wird die Quappe oder Aalraupe, Lota Linn. Lake genannt.


Tannapfel (W3) [Adelung]


Der Tannapfel, des -s, plur. die -äpfel, S. Tannzapfen.


Tanne (W3) [Adelung]


Die Tanne, plur. die -n, eine Art Fichten, im weitesten Verstande dieses Wortes, deren Nadeln einzeln wachsen, und wohin wiederum die Weiß- oder Edeltanne, welche auch nur Tanne schlechthin heißt, und die Rothtanne gehören; Abies Linn. der Tannenbaum. ( S. Fichte,) wo der Unterschied zwischen dieser Art Bäumen gezeiget worden. Der Nahme kann entweder von dem alten Europäisch. Tan, Feuer, wovon unser zünden, Zunder, Lat. candere, cendere u. s. f. Überbleibsel sind, weil das Holz dieses Baumes leicht Feuer fängt, oder auch von Tangel, Nadel, wegen der spitzigen Blätter, oder auch von andern Umständen herstammen.


Tannen (W3) [Adelung]


Tannen, adj. et adv. aus dem Holze der Tanne bereitet. Tannene Breter. In der Deutschen Bibel lautet es tännen, welche Form aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist.


Tannenbaum (W3) [Adelung]


Der Tannenbaum, des -es, plur. die -bäume, S. Tanne.


Tannenblatter (W3) [Adelung]


Die Tannenblatter, plur. die -n, kleine Blattern oder Beulen unter der Rinde der Tannen, welche, wenn man sie ritzet, das weiße durchsichtige, und fast wie Zitronen-Schalen riechende Tannenharz geben.


Tannenfink (W3) [Adelung]


Der Tannenfink, des -en, plur. die -en, eine Art Finken, mit gelbem Schnabel und bunten staarartigen Farben auf dem Kopfe und Rücken, welcher auch den Winter über bey uns bleibet; Fringilla hyberna Klein. Mont ifringilla Linn. Schneefink, Winterfink, Waldfink, Quäker. Zum Unterschiede von dem Buchfinken.


Tannenhäher (W3) [Adelung]


Der Tannenhäher, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Häher, welcher am Bauche schwarz und weiß gesprengt, und auf dem Rücken von dunkelbrauner Farbe ist, sich auch gern in den Tannenwäldern aufhält; Tannenkrähe, zum Unterschiede von dem Nußhäher, welcher in Laubhölzern wohnet.


Tannenhain (W3) [Adelung]


Der Tannenhain, des -es, plur. die -e, ein mit Tannen bewachsener Hain.


Tannenharz (W3) [Adelung]


Das Tannenharz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein jedes Harz, welches aus den Tannenbäumen fließt, da man denn auch wohl das Harz der Fichten- und Kienbäume mit diesem Nahmen zu belegen pflegt. In engerer Bedeutung ist es das weiße, wohlriechende durchsichtige Harz aus den Tannenblättern, welches auch Weißharz genannt wird.


Tannenkrähe (W3) [Adelung]


Die Tannenkrähe, plur. die -n, S. Tannenhäher.


Tannenmarder (W3) [Adelung]


Der Tannenmarder, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Marder, welche sich in Fichten- oder Tannenwäldern aufhält, und auch Fichtenmarder genannt wird.


Tannenmeise (W3) [Adelung]


Die Tannenmeise, plur. die -n, eine Art Meisen mit schwarzem Kopfe, weißem Scheitel, grauem Rücken und weißem Bauche, welche in den Tannenwäldern wohnet; Motacilla Regulus Linn. Waldmeise, kleine Kohlmeise. S. Holzmeise.


Tannenmotte (W3) [Adelung]


Die Tannenmotte, plur. die -n, eine Art Motten oder Nachtfalter, welche sich auf den Fichten oder Tannen aufhält; Phalaena Bombyx Pini Linn. Fichtenmotte.


Tannenpapagey (W3) [Adelung]


Der Tannenpapagey, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme des Kreuzschnabels, Loxia curvirostra Linn. weil er sich gern auf Tannenbäumen finden lässet.


Tannenpilz (W3) [Adelung]


Der Tannenpilz, S. Birkenpilz.


Tannhirsch (W3) [Adelung]


Der Tannhirsch, S. Damhirsch.


Tännling (W3) [Adelung]


Der Tännling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme derjenigen Schwämme, welche an den Tannenbäumen wachsen und auch Tannenschwämme genannt werden.


Tannwild (W3) [Adelung]


Das Tannwild, S. Damwild.


Tannzapfen (W3) [Adelung]


Der Tannzapfen, des -s, plur. ut nom. sing. das aus über einander liegenden holzigen Schuppen bestehende Samengehäuse der Tannen, welches die Gestalt eines Zapfens, oder auch eines ovalen spitzigen Apfels hat, daher es auch Tannenapfel, Tannapfel genannt wird. Tannzapfen, Fichtenapfel und Kienapfel werden oft eben so sehr verwechselt als Tanne, Fichte und Kienbaum. In einigen Gegenden heißt der Tannzapfen Tange, in Schlesien Schurke, in andern Provinzen Puselke, Putzelkühe, Zutsche.


Tannzapfenmotte (W3) [Adelung]


Die Tannzapfenmotte, plur. die -n, eine Art Motten oder Nachtfalter, welche sich auf Tannzapfen aufhalten; Phalaena Tinea Strobitella Linn.


Tanz (W3) [Adelung]


Der Tanz, des -es, plur. die Tänze, Diminut. das Tänzchen, Oberd. Tänzlein, eine Reihe an einander hängender Bewegungen des Leibes, so fern sie ein Ausbruch der Freude oder des Vergnügens sind, und nach einem gewissen Zeitmaße bestimmt werden. Einen Tanz, ein Tänzchen mit jemanden machen. Eine Person zum Tanze aufziehen, auffordern. Den Tanz aufführen, führen. Jemanden den Tanz versagen. Mit an den Tanz müssen, figürlich, mit daran müssen. Ingleichen das Tanzen, als eine Handlung, ohne Plural. Zum Tanze gehen. Einen Tanz halten, anstellen. Wie auch das musikalische Stück, nach welchem getanzet wird. Einen Tanz spielen. In der weitesten Bedeutung wird es zuweilen, obgleich wohl nur im Scherze, von einer jeden heftigen Bewegung gebraucht. Das war ein Tanz!

Anm. Bey dem Stryker Tantz, im Nieders. Danz, im Engl. Dance, im Franz. Danse, im Ital. Danza, im Böhm. Tanec, Tance, im Pohln. Taniec, so gar im Arabischen Tantza. S. Tanzen.


Tanzbär (W3) [Adelung]


Der Tanzbär, des -en, plur. die -en, ein Bär, welcher zum Tanzen abgerichtet worden.


Tanzboden (W3) [Adelung]


Der Tanzboden, des -s, plur. die -böden, ein Boden oder Saal, auf welchem im Tanzen Unterricht gegeben wird, zuweilen auch ein jeder Ort, an welchem beständig Unterricht im Tanzen ertheilet wird.


Tanzen (W3) [Adelung]


Tanzen, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert. Eigentlich, anhaltend oder zu wiederhohlten Mahlen springen, sich schnell auf und nieder bewegen; in welcher vermuthlich ursprünglichen Bewegung es noch hin und wieder vorkommt. Die Sonnenstrahlen tanzen in den Fluthen. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist tanzen, sein Vergnügen durch abgemessene Bewegungen des Leibes an den Tag legen. Tanzen und springen. Mit jemanden tanzen. Einen Reihen, eine Minuet, eine Polonoise tanzen. Auf dem Seile tanzen. Nach jemandes Pfeife tanzen müssen, figürlich, ihm gehorchen müssen. In weiterer Bedeutung ist tanzen nicht selten, sinnliche Gegenstände durch abgemessene Bewegung des Leibes vorstellen. Daher das Tanzen.

Anm. Im Nieders. danzen, im Französ. danser, im Schwed. dansa, im Engl. to dance, im Bretagn. dansa, und ohne Nasenlaut bey den Dalekarlen dassa, und im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Die Endsylbe zen oder vielmehr das z in derselben ist ein Zeichen eines Intensivi, und es ist mehr als wahrscheinlich, daß die Bewegung der herrschende Begriff in diesem Worte ist, so daß es als ein Verwandter von tändeln, dem Schwed. danka, herum schweifen, unserm denken in der ersten Bedeutung, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, heftige Bewegung, u. s. f. angesehen werden muß.


Tänzer (W3) [Adelung]


Der Tänzer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin., die Tänzerinn, eine Person, welche wirklich tanzet; ingleichen welche tanzen kann. Der Tänzer eines Frauenzimmers, welches mit demselben tanzet, oder getanzet hat.


Tanzkunst (W3) [Adelung]


Die Tanzkunst, plur. car. die Kunst geschickt zu tanzen, der Inbegriff der dazu gehörigen Regeln.


Tanzmeister (W3) [Adelung]


Der Tanzmeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher ein Geschäft daraus macht, andere in der Tanzkunst zu unterrichten


Tanzplatz (W3) [Adelung]


Der Tanzplatz, des -es, plur. die -plätze, derjenige Platz, auf welchem getanzt wird.


Tanzsaal (W3) [Adelung]


Der Tanzsaal, des -es, plur. die -säle, ein Saal, in welchem getanzet wird.


Tanzschuh (W3) [Adelung]


Der Tanzschuh, des -es, plur. die -e, leichte Schuhe zum Tanzen.


Tapet (W3) [Adelung]


Das Tapet, des -es, plur. die -e, ein Teppich, oder eine gewirkte Tischdecke, aus dem Lat. Tapes, und Franz. Tapete; ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches nur noch in der R. A. vorkommt, etwas auf das Tapet bringen, eine Sache als den Gegenstand eines Gespräches, oder einer Berathschlagung auf die Bahn bringen, eine ohne Zweifel von dem Teppiche auf dem Tische einer Rathsversammlung entlehnte Figur.


Tapete (W3) [Adelung]


Die Tapete, plur. die -n, eine jede zierliche Bekleidung der Wand, sie bestehe nun aus gewebten oder gewirkten Zeugen, oder aus Leder, Papier u. s. f. Ein Zimmer mit Tapeten verzieren. Leinene, seidene, lederne, papierne Tapeten. Gleichfalls aus dem Lat. Tapes. S. auch Teppich.


Tapetennagel (W3) [Adelung]


Der Tapetennagel, des -s, plur. die -nägel, eine Art kleiner Nägel, womit die Tapeten befestiget werden.


Tapetenwirker (W3) [Adelung]


Der Tapetenwirker, des -s, plur. ut nom. sing. ein unzünftiger Handwerker, welcher künstliche Tapeten aus Wolle oder Seide wirket.


Tapezerey (W3) [Adelung]


Die Tapezerey, plur. die -en, aus dem Franz. Tapisserie, ein Collectivum, mehrere zusammen gehörige Tapeten, oder auch Tapeten verschiedener Art zu bezeichnen. Die Tapezerey eines Zimmers, die Tapeten in demselben.


Tapeziren (W3) [Adelung]


Tapeziren, verb. reg. act. mit Tapeten bekleiden. Ein Zimmer, eine Wand tapeziren. Eine Stube austapeziren, alle Wände mit Tapeten bekleiden. Daher die Tapezirung, so wohl das Tapeziren, als auch die Tapeten selbst, und die Art und Weise des Tapezirens. Es ist aus dem Französ. tapisser.


Tapezirer (W3) [Adelung]


Der Tapezirer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, dessen vornehmstes Geschäft es ist, die Zimmer zu tapeziren.


Tapfer (W3) [Adelung]


Tapfer, -er, -ste, adj. et adv. 1. Fertigkeit besitzend und zeigend, die Hindernisse nur zu mehrerer Anstrengung seiner Kräfte in Überwindung dagegen zu gebrauchen, und darin gegründet; welche Bedeutung unstreitig eine der ersten ist, welche noch häufig im gemeinen Leben gebraucht wird. Tapfer arbeiten. Du mußt tapfer zulaufen. Er kann tapfer gehen. Tapfer zechen. Tapfer aushalten. Halte dich tapfer! welches man in einem jeden Falle gebraucht, wo Anstrengung der Kräfte zu Überwindung der Hindernisse erfordert wird. Daher es in noch weiterm Verstande im gemeinen Leben auch noch häufig für sehr gebraucht wird. Jemanden tapfer ausprügeln. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist tapfer, Fertigkeit besitzend und zeigend, alle Gefahr bloß zu mehrerer Anstrengung seiner Kräfte im Widerstande dagegen zu gebrauchen, und darin gegründet; im Gegensatze des feige. Ein tapferer Mann. Tapfer seyn. Besonders im Kriege und in Gefechten. Ein tapferer Soldat, ein tapferer Held. Sich tapfer wehren. Eine tapfere That. Sich tapfer halten. In dieser Bedeutung kommt es mit herzhaft in der engern Bedeutung überein, außer, daß es etwa einen höhern Grad bezeichnet, so wie es auch zuweilen für herzhaft in weiterm Verstande, von der pflichtmäßigen Mäßigung aller Furcht gebraucht wird, im Gegensatze des furchtsam. 3. * In weiterm Verstande bedeutete dieses Wort ehedem sehr häufig, den zu seiner Absicht gehörigen Grad körperlicher Stärke besitzend. Ein tapferes Pferd, ein braves. Ein tapferer Arbeiter, ein guter. Und in noch weiterm Verstande, von jedem vorzüglichen Grade der zu seiner Absicht nöthigen Eigenschaften. Ein tapferer Mann, ein nützlicher, brauchbarer. Eine tapfere Ursache, eine rechtschaffene, hinlänglich gegründete. Tapfere Früchte, reife, gute. Ingleichen für derb, fest, stark. Ein tapferes Gebäude, ein starkes Bluntschli. Die Brüstlin sollen an den Jungfrauen klein sein und tapfer, Buch der Natur von 1483 d. i. derb. Welche Bedeutungen noch hin und wieder im Oberdeutschen gangbar, im Hochdeutschen aber veraltet sind.

Anm. In der gemeinen Ober- und Niederdeutschen Mundarten dapfer, dapper; im Engl. dapper, im Schwed. tapper. Bey unsern ältesten Oberdeutschen Schriftstellern kommt dieses Wort nicht vor, indem sie in dessen zweyten Bedeutung, degen, mannfest, mannhaft, fromm u. s. f. dafür gebrauchen. Wachter, Frisch und anderer leiten es von dem Slavon. dobry, gut, her, ohne zu bedenken, daß diese Bedeutung, welche zu der angezeigten dritten gehöret, bloß eine Figur einer ältern eigentlichen ist, daher das Slavonische Wort wohl ein Seitenverwandter, keines Weges aber das Stammwort seyn kann. Da körperliche Stärke und deren Erweisung überall der herrschende Begriff in diesem Worte ist, so ist es mehr als wahrscheinlich, daß es ursprünglich eine Onomatopöie einer heftigen Lebensbewegung gewesen, und mit toben, dem provinz. tabben, tubben, schlagen, tappen u. s. f. verwandt ist, so fern auch diese den Laut heftiger Bewegungen nachahmen.


Tapferkeit (W3) [Adelung]


Die Tapferkeit, plur. inus. das Abstractum des vorigen Wortes, die Eigenschaft, Fertigkeit und darin gegründete Beschaffenheit zu bezeichnen, wo es doch im Hochdeutschen nur noch in der zweyten engern Bedeutung üblich ist, die Fertigkeit alle Gefahr zu mehrerer Anstrengung seiner Kräfte im Widerstande dagegen zu gebrauchen, und die darin gegründete Beschaffenheit. Sich mit vieler Tapfer- skeit wehren, vertheidigen. Seine Tapferkeit zeigen. Die Tapferkeit einer That.


Tappe (W3) [Adelung]


Die Tappe, plur. die -n, eine breite plumpe Hand, in welchem Verstande es nur im gemeinen Leben von einer Hand im verächtlichen Verstande üblich ist. Seine Tappen überall haben, seine Hände. Ingleichen ein breiter Vorderfuß, wo es gleichfalls im verächtlichen Verstande von dem menschlichen Fuße, in einigen Gegenden aber auch von den breiten weichen Füßen mancher Thiere gebraucht wird, dergleichen z. B. die Bären, Affen, Katzen u. s. f. haben. Alles, was auf Tappen gehet unter den Thieren, soll euch unrein seyn, 3 Mos. 11, 27. Wofür doch im Hochdeutschen Tatze üblicher ist. S. das folgende.


Tappen (W3) [Adelung]


Tappen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfswort haben, welches eine Onomatopöie desjenigen Lautes ist, welcher entstehet, sowohl, wenn man mit der flachen Hand plump und ungeschickt auf etwas rühret, als auch, wenn man mit unsichern und plumpen Tritte einher gehet, daher es so wohl für plump berühren, als auch für plump einher gehen, im Gehen plump auftreten, gebraucht wird. Im Finstern tappen, mit der flachen Hand umher fühlen. Und wirst tappen im Mittage, wie ein Blinder tappet im Dunkeln 5 Mos. 28, 29. Wir tappen nach der Wand, wie die Blinden, und tappen als die keine Augen haben, Es. 59, 10. So auch in betappen, ertappen, zutappen. Tappen, mit weichen Füßen ungeschickt einher gehen, ist im gemeinen Leben nicht selten. So auch das Tappen.

Anm. Im Schwed. tappa, im Französ. tapper. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, tappend einher gehen, von den Füßen, daher der Bär daselbst - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - heißt. Unser stapfen ist das Intensivum davon, so wie Tatze, tasten, Französ. tater, toucher, Lat. tangere, Tactus, nur im Endlaute verschieden sind. In einigen gemeinen Mundarten ist noch jetzt tacken, für tappen mit den Händen üblich.


Täppisch (W3) [Adelung]


Täppisch, -er, -te, adj. et adv. plump, ungeschickt in seinen Bewegungen; im gemeinen Leben, wo man einen ungeschickten, plumpen Menschen auch wohl einen Tapps zu nennen pflegt.


Tarantel (W3) [Adelung]


Die Tarantel, plur. die -n, eine Art Spinnen mit acht Füßen, deren Augen in drey Linien stehen, und deren Gift wahnsinnig machen soll, so daß diese Krankheit bloß durch die Musik geheilet werden könne; obgleich dieses Vorgehen noch sehr verdächtig ist. Der Nahme ist aus dem Italiänischen Tarantola, und rühret von der Stadt Taranto her, um welche diese Spinnen sehr häufig sind.


Taras (W3) [Adelung]


Taras, S. Tarras.


Tariff (W3) [Adelung]


Der Tariff, des -es, plur. die -e, ein in der Handlung übliches Wort, das Verzeichniß dessen, was Waaren mancher Art für Zoll und andere Abgaben zu entrichten haben; aus dem Italiän. Tarifsa, und dieß aus dem Morgenländischen, besonders Persischen Tarif.


Tarock (W3) [Adelung]


Das Tarock, des -es, plur. car. eine Art eines Kartenspieles, welches auch das Trappelier-Spiel genannt wird. Tarock spielen, trappelieren. Daher die Tarock-Karte. Der Nahme ist aus dem Ital. Tarocco, welches eine Tarock-Karte bedeutet.


Tarnickel (W3) [Adelung]


Die Tarnickel, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort; eine Art kleiner Pflaumen zu bezeichnen, welche in andern Gegenden Turkelchen genannt werden. Der Nahme scheinet ausländisch zu seyn.


Tarraß (W3) [Adelung]


Der Tarraß, des -es, plur. inus. ein gepülverter Stein, oder Steinstaub, welchen die Maurer in manchen Gegenden statt des Sandes zur Bindung des Kalkes, besonders in dem Wasserbaue gebrauchen; ingleichen die Steinart aus welcher dieser Steinstaub bereitet wird, der ein Toph- oder Duckstein, nach andern aber ein Sandstein ist, welcher um Frankfurt am Mayn, im Darmstädtischen und der Wetterau häufig gefunden, und am dem ersten Orte von den Züchtlingen gestoßen wird. Im gemeinen Leben auch Tras. Das Wort ist allem Ansehen nach fremden, vielleicht Französischen Ursprunges. In einem andern Verstande war Tarraß ehedem ein Erdwall, eine Bastey, da es denn aus dem Franz. Terrasse gebildet war.


Tartäne (W3) [Adelung]


Die Tartäne, plur. die -n, eine Art kleiner Schiffe auf der mittelländischen See, welche ein Lateinisches Segel führen, kleiner als die Polakern sind, einen Mastbaum und eine Focke haben, und ungefähr zehn Mann führen. Der Nahme ist zunächst Italiänisch, scheinet aber morgenländischen Ursprunges zu seyn.


Tartar (W3) [Adelung]


Der Tartar, des -s, plur. die -n. Fämin. die Tartarinn, eine Person von derjenigen zahlreichen Völkerschaft in dem nördlichen Asien, welche bey den Alten unter dem Nahmen der Scythen bekannt war, von welcher die eigentlichen Tartarn nur ein besonderer Stamm waren. Ingleichen ein Pferd aus der Tartarey, ein Tartarisches Pferd. Alle Morgenländer, Russen und Pohlen schreiben und sprechen dieses Wort Tatar, und so lautet es auch in den niedrigen Deutschen Mundarten, wo man die Zigeuner Tatarn zu nennen pflegt. Indessen ist in der anständigen Schreib- und Sprechart die Lateinische Form dieses Wortes einmahl allgemein. Daher die Tartarey, das Land welches von Tartarn bewohnet wird; tartarisch u. s. f. Die Sprechart, der Tartar, mit dem Tone auf der letzten Sylbe, welche nach dem Französischen gemodelt ist, ist größten Theils veraltet. S. auch Tatar.


Tartsche (W3) [Adelung]


Die Tartsche, plur. die -n, eine ehemahlige Art langer halb runder Schilde, deren man sich noch ziemlich lange nach dem bereits erfundenen Feuergewehre bediente, da man sie denn so stark machte, so daß sie einen Schuß von einem Doppelhaken aushalten konnten. Drey hundert Tartschen vom besten Golde, je drey Pfund Goldes zu einer Tartsche, 1 Kön. 10, 17. Rüstet Schilde und Tartschen und ziehet in den Streit, Jer. 46, 3. Und werden dich belagern mit Tartschen, Schilden und Helmen, Ezech. 23, 24. Das er ranndt seinem widertayl Zu der linken seit ins Gefäß hinein, Under den Kürriß Tartschen seyn, Theuerd. Kap. 85. Wo es einen Theil des Harnisches in Gestalt eines Schildes zu bezeichnen scheinet. Aus einigen bey dem Frisch angeführten Stellen erhellet, daß man eigene Sturmtartschen gehabt, welche vermuthlich größer und stärker waren, als die gewöhnlichen, daß eine andere Art hoher Tartschen mit einer langen eisernen Spitze in die Erde gesteckt und Setztartsche und Paffesun genannt wurde, da sie denn die Stelle der heutigen Schanzkörbe vertraten u. s. f. Jetzt ist das Wort mit der Sache selbst veraltet.

Anm. Im mittlern Lat. Targia, im Franz. Targe, im Ital. Targa, im Pohln. Tarcza, im Böhm. Tarts. Es hat alles Ansehen eines fremden Wortes, wie denn mehrere Theile der Deutschen Kriegskunst und Kriegsrüstung der mittlern Zeiten ausländische Erfindungen sind. Schon im Arab. ist Tarka und Darka, ein Schild, ingleichen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im Chaldäischen.


Tartüffe (W3) [Adelung]


Der Tartüffe, des -n, plur. die -n, ein Scheinheiliger, aus dem Franz. Tartuffe, welches Wort Moliere bildete, und in seinem Lustspiele dieses Nahmens verewigte. Die Veranlassung dazu war folgende. Er befand sich bey päpstlichen Nuntius, wo auch zwey Ordensgeistliche gegenwärtig waren, und ihren Rosenkranz dem Scheine nach sehr andächtig betheten. Indessen kam ein Savoyard, welcher Trüffeln zu verkaufen hatte, worauf die Bether sogleich voller Sehnsucht ausriefen: O Signore tartuffi, tartuffi!


Tartuffel,Tartüffel (W3) [Adelung]


Die Tartuffel, oder Tartüffel, plur. die -n. 1. Ein Nahme der Trüffeln, ( S. dieses Wort.) 2. Der Kartoffeln, Solanum tuberosum Linn. welche in einigen Gegenden auch Erdtuffeln genannt werden, ( S. Erdapfel.) Der Nahme scheint aus dem Ital. Tartufo, Tartuffo, Tartufulo entlehnt zu seyn, weil dieses Gewächs eher in Italien als in Deutschland gebauet worden, und erst zu Ende des 16ten Jahrhunderts durch den päpstlichen Gesandten in Holland bekannt geworden seyn soll. Alsdann kann der Italienische Nahme so wie das gleichfalls daraus entstandene Kartoffel, wohl nicht, wie gemeiniglich geglaubt wird, aus dem Deutschen Erdapfel verderbt seyn, sondern ist vermuthlich mit dem Gewächse selbst aus Nordamerika nach Europa gebracht worden.


Tärz (W3) [Adelung]


Der Tärz, des -es, plur. die -e, in vielen Gegenden, das Männchen des Habichtes, welches kleiner und schwächer ist, als das Weibchen.


Tasche (W3) [Adelung]


2. Die Tasche, plur. die -n, Diminut. Täschchen, Oberd. Täschlein, ein Wort, welches eine Erhöhung, etwas Erhabenes bedeutet, aber nur noch in einigen wenigen Fällen vorkommt. Lederne mit Haaren ausgestopfte Kugeln, das Wasser damit vermittelst einer Röhre aus der Tiefe zu heben, werden noch Taschen, sonst aber auch Bäusche, Paternoster genannt. (Siehe Taschenkunst.) In dem Hüttenbaue einiger Gegenden ist die Tasche ein Klump Lehm, in Gestalt einer halben Semmel, welcher bey dem Schleißen oder großen Garmachen bey der Form auf die Herdsohle gelegt wird, damit das Gebläse daran stoße. In andern Hütten wird es das Auge genannt.

Anm. Im Schwed. ist Tassel, ein Quast. Das Franz. Tas, ein Haufen, ist gleichfalls damit verwandt. ( S. Taß.) Da fast alle Wörter, welche eine Vertiefung bezeichnen, auch zugleich eine Erhöhung bedeuten, so erhellet daraus auch die Verwandtschaft mit dem folgenden.


Tasche (W3) [Adelung]


3. Die Tasche, plur. die -n, Diminut. das Täschchen, Oberd. Täschlein, im gemeinen Leben Täschel, ein Wort, in welchem der Begriff der Öffnung, des Behältnisses der herrschende ist, welches aber nur noch in einigen besondern Fällen gebraucht wird. 1. Ein gemeiniglich viereckiger oder halbrunder Beutel, Geld und andere Bedürfnisse darin bey sich zu tragen, heißt eine Tasche, sie sey nun in einem Kleidungsstücke fest gemacht oder nicht. Die Rocktasche, Westentasche, Hosentasche. Etwas in die Tasche stecken. Aus der Tasche speisen. Die Gaukeltasche, Reittasche, Satteltasche, Jagdtasche, Patron-Tasche, Bügeltasche u. s. f. wovon einige Arten beweglich sind, und an- oder übergehänget werden. Das Wort Tasche ist die allgemeine und übliche Benennung dieser Art Beutel oder Behältniß. Im Oberdeutschen aber heißt sie auch der Sack, Schubsack, das Säckel, im gemeinen Leben der Hochdeutschen die Ficke, (von Fach, oder ficken, stecken,) in Franken der Wätschger, Näser, im Niederdeutschen Schrap. (Engl. Shrip,) Grep, Köke, Küpsack, Futsche, bey dem Ottfried Malaha, bey dem Hornegk Malch, Molch, im Tatian Kiulla, von Nieders. Kuhle, Grube, im Schwed. Posse, Französ. Poche u. s. f. 2. Das Maul, besonders ein großes weites Maul, eine nur in den niedrigen Sprecharten im verächtlichen Verstande übliche Bedeutung. Halt die Tasche! Jemanden eines auf die Tasche geben. Die Plaudertasche, ein plauderhaftes Maul, und eine solche Person.

Anm. In der ersten Bedeutung schon bey dem Ottfried Dasgu, im mittlern Lat. und Ital. Tasca, im Nieders. Taske, im Holländ. Tas, Tasch, im Schwed. Taska, im Pohln. Tasz, im Böhm. Tasska. Es gehöret zu dem alten Franz. Desquet, ein Korb, zu dem neuern Franz. Tasse, und andern mehr, in welchen der Begriff der Vertiefung, des Behältnisses gleichfalls der herrschende ist. S. Tasse.


Täschelkraut (W3) [Adelung]


Das Täschelkraut, S. Taschenkraut.


Taschenbuch (W3) [Adelung]


Das Taschenbuch, des -es, plur. die -bücher, ein kleines Buch, welches man bequem in der Tasche bey sich tragen kann. Ingleichen ein Buch, welches man beständig in der Tasche bey sich führet.


Taschendach (W3) [Adelung]


Das Taschendach, des -es, plur. die -dächer, bey einigen ein Nahme einer Art Dächer, welche nur auf der andern Seite abhängig sind, und am häufigsten Pultdächer genannt werden.


Taschengucker (W3) [Adelung]


Der Taschengucker, des -s, plur. ut nom. sing. ein kurzes Fernglas, oder Perspectiv, welches man bequem in der Tasche bey sich tragen kann, und so fern man dasselbe am häufigsten in den Opern gebraucht, auch ein Opern-Gucker genannt wird.


Taschenkraut (W3) [Adelung]


Das Taschenkraut, des -es, plur. inus. der Nahme einer Pflanze, deren Nahme die Gestalt einer Hirtentasche hat; Thlaspi Bursa Pastoris Linn. Taschelkraut, Hirtentasche, Säckelkraut, Täschel.


Taschenkrebs (W3) [Adelung]


Der Taschenkrebs, des -es, plur. die -e, ein Nahme der größten Art Krabben oder Seekrabben, wegen ihres runden taschenförmigen Leibes.


Taschenkunst (W3) [Adelung]


Die Taschenkunst, plur. die -künste, eine Wasserkunst, wo das Wasser vermittelst an einander gereiheter Taschen, d. i. lederner mit Haaren ausgestopfter Bäuschen oder Kugeln in die Höhe gebracht wird, welche auch eine Bäuschel- oder Büschelkunst, ingleichen ein Taschenwerk, Paternoster-Werk genannt wird. S. 2 Tasche.


Taschenmesser (W3) [Adelung]


Das Taschenmesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Messer, welches man zusammen legen kann, um es in der Tasche bey sich zu tragen; das Einlegemesser, Einschlagemesser.


Taschenpuffer (W3) [Adelung]


Der Taschenpuffer, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleiner Puffer, welchen man in der Tasche bey sich tragen kann; das Terzerol, im Oberd. die Sack-Pistole.


Taschenspiegel (W3) [Adelung]


Der Taschenspiegel, des -s, plur. ut nom. sing. ein kleiner Spiegel in einem Futterale, ihn in der Tasche bey sich zu tragen.


Taschenspieler (W3) [Adelung]


Der Taschenspieler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Taschenspielerinn, eine Person, welche, vermittelst der Geschwindigkeit und der Spieltasche, und aus derselben leichtgläubigen Zuschauern allerley Blendwerke vormacht; eine Art Gaukler. Das Taschenspiel, diese Art der Gaukeley; die Taschenspielerey.


Taschenuhr (W3) [Adelung]


Die Taschenuhr, plur. die -en, eine kleine Uhr, welche man bequem in der Tasche bey sich tragen kann; im Oberdeutschen eine Sackuhr.


Taschenwerk (W3) [Adelung]


Das Taschenwerk, des -es, plur. die -e, S. Taschenkunst.


Täschner (W3) [Adelung]


Der Täschner, des -s, plur. ut nom. sing. ein zünftiger Handwerker, welche ehedem die rauchen Jagd- und Reisetaschen verfertigten, heut zu Tage aber vornehmlich die Koffer überziehen, Stühle polstern und dergleichen, und wegen der Gränzen ihrer Arbeiten mit den Beutlern und Gürtlern häufige Streitigkeiten haben. In einigen Oberdeutschen Gegenden werden sie auch Säckler genannt.


Taß (W3) [Adelung]


Der Taß, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen unbekanntes und nur in einigen gemeinen Mundarten übliches Wort. 1. Ein Haufe, besonders ein Haufe Stroh, Garben oder anderer Feldfrüchte. Daher tassen, auftassen, aufhäufen. 2. Den Raum zu beyden Seiten in der Scheuer, in welchen die Garben gelegt werden; die Banze. Daher eintassen, das Getreide in die Banzen legen, einbanzen.

Anm. Im Franz. ist Tas gleichfalls ein Haufe. ( S. 2 Tasche.) In der zweyten Bedeutung kann es auch zu 3 Tasche und zu dem folgenden Tasse gehören, einen hohlen Raum zu bezeichnen. die Begriffe der Erhabenheit und des hohlen Raumes sind genau mit einander verbunden, und befinden sich bey tausend ähnlichen Wörtern beysammen.


Tasse (W3) [Adelung]


Die Tasse, plur. die -n, Diminut. das Täßchen, Oberd. Täßlein, kleine Schalen, woraus man Thee und Kaffeh zu trinken pflegt, und deren gemeiniglich zwey zusammen gehören, wovon die Obertasse klein und tief, die Untertasse aber groß und flach ist; im Oberd. das Schälchen, Theeschälchen, Kaffehschälchen.

Anm. Das Wort ist aus dem Französ. Tasse, und mit der Sache selbst aus Frankreich zu uns gebracht worden. Im Ital. lautet es Tazza. Beyde scheinen zunächst aus den Morgenländern herzustammen, aus welchen beyde Arten Getränke bey uns bekannt geworden. Im Persischen ist Tas, ein Becher. Indessen ist doch auch dieses mit unserm Tasche in der weitesten Bedeutung eines hohlen Raumes verwandt.


Tassen (W3) [Adelung]


Tassen, verb. reg. act. S. Taß.


Tasten (W3) [Adelung]


Tasten, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit dem Hülfsworte haben, mit der flachen oder ausgespannten Hand fühlen oder berühren. Nach etwas tasten, greifen. Tastend gehen, im Dunkeln um sich her greifen, wofür doch im Hochdeutschen tappen üblicher ist. Man nehme der Blinde noch das tastende langsam umspannende Gefühl zu Hülfe, raste die Zuckungen, er fühle den Bruch der leidenden Maschine ganz u. s. f. Herd. Danach kann zwar ein Mensch wohl tasten als die Blinden, Opitz. So auch in Antasten und Betasten. Daher das Tasten.

Anm. Im Niedersächsischen gleichfalls tasten, im Holländisch. tasten, im Französ. taster, tater, im Italienischen tastare, im Schwed. tasta. Es ist ohne Zweifel eine Onomatopöie des Tastens oder Angreifens mit voller Hand selbst, und daher ein Verwandter von 1 Tasche, ein Schlag, und dem Oberdeutschen täscheln, ein sanfter Schlag. Im Niedersächsischen, wo Tast gleichfalls ein Schlag ist, hat man von diesem Worte mehr Zusammensetzungen, z. B. eintasten, hinein greifen, durchtasten, durchfühlen, durchgreifen, mißtasten, fehl greifen, zutasten, zufühlen, zugreifen, umtasten u. s. f. Tappen bedeutet auch mit der flachen Hand berühren, hat aber außer dem noch einen merklichen Begriff der Ungeschicklichkeit und Plumpheit bey sich. S. Tatze.


Taster (W3) [Adelung]


Der Taster, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zirkel, dessen Schenkel und Spitzen gegen einander krumm gebogen sind, die Dicke eines erhabenen und bauchigen Körpers damit zu messen; der Tasterzirkel. Der Nahme stammet von dem vorigen Worte her, daher ein solcher Zirkel von einigen auch Greifzirkel genannt wird, weil man einen runden Körper damit betastet, oder umgreifet.


Tatta,Tatte (W3) [Adelung]


+ Tatta oder Tatte, ein Wort, mit welchem in einigen niedrigen Mundarten Ober- und Niederdeutschlandes die Kinder ihren Vater zu belegen pflegen, da es denn auch wohl als ein allgemeines Hauptwort gebraucht wird, der Tatte, des -n, plur. die -n, der Vater. Im Hannöv. und Fries. Teite, im Pohln. Tata, Tatus, im Epirotischen Tata, und schon bey den alten Thessaliern - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . S. Atte, welches genau damit verwandt ist.


Tatar (W3) [Adelung]


Der Tatar, des -s, plur. die -n, ein Nahme womit man in den gemeinen Sprecharten so wohl die Tartarn, als auch die Zigeuner zu belegen pflegt. In dem Bremischen Wörterbuche wird vermuthet, daß es in dieser letzten Bedeutung nicht von der ersten, sondern von dem Engl. Tatter, Lumpen abstamme, und daher eigentlich Lumpengesindel bedeute. Allein Tater könnte alsdann zwar Lumpen, aber niemahls Lumpengesindel bedeuten, weil nichts da ist, wodurch der Begriff des Gesindels ausgedruckt werden könnte. Über dieß ist erweislich genug, daß man die Zigeuner, als sie anfänglich nach Europa kamen, fast überall für wirkliche Tartarn gehalten habe. S. Tartar und Zigeuner.


Tätz (W3) [Adelung]


* Der Tätz, des -en, plur. die -en, in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten, der Zehente, da es denn aus dem Lat. Decem oder Decimus, verderbt ist. In Wien befindet sich ein gemeiner Stadt Wien Tätzamt, welches aus einem Tätzamts-Administrator und verschiedenen andern Beamten bestehet.


Tatze (W3) [Adelung]


Die Tatze, plur. die -n, Diminut. das Tätzchen, Oberd. Tätzlein. 1. Der breite mit haarigen Klauen versehene Fuß mancher Thiere, besonders, so fern sie selbigen zum Zugreifen gebrauchen. So hat der Bär im eigentlichen Verstande Tatzen, welche auch Tappen und Branten genannt werden. Aber im gemeinen Leben schreibt man auch wohl den Löwen, Hunden, Katzen u. s. f. Tatzen zu. Etwas mit der Tatze angreifen. Im Österreichischen heißt daher der Bär, vrsus, Tatzbär, zum Unterschiede von dem Eber, der daselbst gleichfalls Bär genannt wird. 2. Eine plumpe, breite Menschenhand, im verächtlichen Verstande, da es denn in einigen Mundarten auch wohl Tatsche lautet. Es scheinet aber, daß es ehedem auch Hand überhaupt bedeutet habe, wenigstens werden die Handkrausen oder Manschetten im Österreichischen noch im Dimin. Tätzlein, Tätzel oder Handtätzlein genannt.

Anm. Im Schwed. Tasse. In der ersten Bedeutung, vermuthlich als eine Onomatopöie des Ganges auf solchen breiten haarigen Füßen, indem im Schwedischen tassa auch langsam einher gehen ist. In der zweyten scheinet es vielmehr von tasten, Französ. tater, abzustammen, welches sich auf eine ähnliche Onomatopöie gründet. Auch tappen wird daher in beyden Bedeutungen gebraucht.


Tau (W3) [Adelung]


Das Tau, des -es, plur. die -e, ein sehr starkes oder dickes Seil, in welchem Verstande alle ungewöhnlich starke Seile Taue genannt werden. Besonders auf den Schiffen, wo man daher Anker- oder Kabeltaue, deren stärkstes das Haupttau genannt wird, Hißtaue, Halstaue, Spriettaue, Raktaue, Windetaue u. s. f. hat. Takel und Taue, alle schwachen und starken Seile auf einem Schiffe. Das Fährtau, woran eine Fähre gehet. S. Tauwerk.

Anm. Im Nieders. gleichfalls Tau, im Holländ. Touw, im Engl. Tow, im Schwed. mit einem andern Endlaute, Tog, im Isländ. Tog, Taug. Es stammet unstreitig von ziehen, Nieders. tehen, Engl. to tow, ab, so daß es eigentlich ein Seil, schwere Lasten damit zu ziehen, bedeutet. Das Schwed. Tog bestätiget diese Ableitung, zumahl, da in eben dieser Sprache toga ziehen bedeutet. Im Nieders. ist Tau und Tautüg, Tauzeug, auch das Geschirr am Wagen, besonders die Stränge mit ihrem Zugehör, alles, vermittelst dessen der Wagen gezogen wird. Wenn aber in eben dieser Mundart Tau, Tou und Getou auch das Geräth, ingleichen einen Weberstuhl bedeutet, so gehöret es alsdann nicht hierher, sondern zu unserm Zeug, Nieders. Tug, bey den Bergleuten Gezäh.


Taub (W3) [Adelung]


Taub, -er, -este, adj. et adv. ein in einer doppelten Hauptbedeutung übliches Wort. 1. * Toll, unsinnig; eine veraltete Bedeutung, von welcher noch die Tobsucht in manchen Gegenden die Taubsucht genannt wird. 2. Des Gehöres beraubt. (1) Ei- gentlich. Von einem tobenden Lärmen oder Getöse des deutlichen Gehöres beraubt; in welchem eigentlichern Verstande man noch sehr häufig von einem heftigen Lärmen oder Schalle sagt, daß er uns taub mache oder betäube. In theils weiterer, theils engerer Bedeutung ist taub, gehörlos, nicht hörend, es geschehe nun aus Vorsatz: gegen eines Klagen, gegen eines Bitten taub seyn. Etwas mit tauben Ohren anhören. Oder aus einem Fehler in den Werkzeugen des Gehöres, des Vermögens zu hören beraubt. Taub seyn, werden. Ein tauber und stummer Mensch. Einem Tauben das Gehör wieder verschaffen. (Siehe Taubheit.) Bey dem Ulphilas daubata, bey dem Notker toub, im Nieders. doop, im Angels. und Engl. deaf, im Schwed. töf, in einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten töberich. In der Schweiz ist dyppel so wohl taub, als auch blind, in welcher letztern Bedeutung es auf eine merkwürdige Art mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein kommt. (2) Figürlich. a) Sinnlos, unempfindlich; eine wenig gangbare Bedeutung. Taubes Hinbrüten. In einigen Gegenden nennt man ein Glied taub, wenn man keine Empfindung in demselben hat. Nieders. toov. Ein tauber Schmerz, welcher mit einer halben Unempfindlichkeit verbunden ist. Im Schwed. ist döf, dumm, so wie dumm in der Schweiz auch taub bedeutet. b) * Todt; eine veraltete Bedeutung, in welcher douen bey dem Notker für sterben vorkommt. Vielleicht hat es diese Bedeutung auch in folgender Stelle des Kristan von Hamle, eines Schwäbischen Dichters: Swa e lag viel toub diu Heide Da siht man schone ougenweide; wo es aber auch leer bedeuten kann. c) Kraftlos, der gehörigen Kraft beraubt; eine nur noch in einigen Fällen übliche Bedeutung. Taube Kohlen, ausgebrannte und gedämpfte, ( S. Taubkohle.) Ein tauber Schall, ein leerer, kraftloser. Taube Nessel, welche nicht brennet, Lamium Linn. d) Des gehörigen Gehaltes beraubt, leer an dem nöthigen Gehalte; am häufigsten auch nur in einigen bereits angenommenen Fällen. Taube Nüsse, leere, welche keinen Kern haben. Taube Ähren, welche keine Körner enthalten. Tauber Hafer, ( S. Taubhafer.) Taube und leere Bergarten, im Bergbaue, welche kein Erz enthalten. Ein taubes Gebirge, eben daselbst im Gegensatze des haltigen. Ein taubes Ey, ein Windey. Im Niedersächsischen bedeutet es leer im weitesten Verstande: ein tauber Graben, ein leerer, ausgetrockneter. Ein tauber Dunst, ein leerer. Sie machten die Lande toube, leer, Jeroschin. Aus welchem weitern Umfange man beynahe vermuthen sollte, daß es in dieser Bedeutung der Leere nicht so wohl zu taub, gehörlos, als vielmehr tief gehöre-, so fern dasselbe überhaupt einen hohlen, leeren Raum bedeutet hat.

Anm. Da alle Wörter ursprünglich Onomatopöien sind, und eigentlich solche Veränderungen bezeichnen, welche unmittelbar in das Gehör fallen, so ist es sehr wahrscheinlich, daß dieses Wort sehr genau mit toben verwandt ist, und eigentlich von einem tobenden Getöse betäubt bezeichnet. Andere sehen die Bedeutung der Leere als die erste an, können aber alsdann weder einen Grund dieser Bedeutung, noch auch eine wahrscheinliche Verbindung derselben mit der Gehörlosigkeit angeben.


Taube (W3) [Adelung]


Die Taube, an einem Fasse, S. Daube.


Taube (W3) [Adelung]


Die Taube, plur. die -n, Diminut. das Täubchen, Oberd. Täublein, eine Art Vögel, mit einem kegelförmigen zugespitzten Schnabel, und offenen und nackten Nasenlöchern, von welchen es mehrere Arten gibt, dahin die zahmen Tauben, oder Schlagtauben, die wilden Tauben, Feldtauben, Kropftauben, Lachtauben, Pfautauben, Turteltauben u. s. f. gehören. Tauben halten. Wenn dieses Wort ohne allen Beysatz gebraucht wird, so bezeichnet es die gewöhnlichen zahmen Tauben. In einer an- dern Rücksicht bedeutet Taube dieses Thier ohne Beziehung auf das Geschlecht. Soll aber dieses näher bestimmt werden, so wird das männliche der Tauber oder Täuber, im gemeinen Leben Taubert, Täuberich, Nieders. Duffert, Duvert, das weibliche aber entweder die Taube in engerm Verstande, oder auch die Täubinn genannt. Auf dem moosichten Dach girrt schon der buhlende Tauber Um die Geliebte herum, Zachar.

Anm. Bey dem Ottfried Dubu, Diuba, bey dem Notker Tubu, im Nieders. Duve, im Dän. Due, im Angels. Duva, im Engl. Dove, im Schwed. Dufva, bey dem Ulphilas Dubo. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß dieses Wort eine Onomatopöie der ähnlichen Stimme des Taubers ist, welcher Notkers Tubu, und das Nieders. Duve, näher kommen, als unser Hochdeutsches Taube.


Täuben (W3) [Adelung]


Täuben, verb. reg. act. taub machen, in welchem Verstande es so wohl eigentlich als figürlich nur in dem zusammen gesetzten betäuben üblich ist. Indessen ist täuben in einigen gemeinen Mundarten auch, so viel wie dämpfen, unterdrücken. Junges angeflogenes Holz täuben. Im Nieders. döven. So auch das Täuben. S. Taub.


Taubenapfel (W3) [Adelung]


Der Taubenapfel, des -s, plur. die -äpfel, eine Art Äpfel. Die Johannisäpfel werden auch rothe Taubenäpfel genannt, Franz. pigeons rouges. Etwa von der einem Taubenhalse ähnlichen Farbe?


Taubenfalk (W3) [Adelung]


Der Taubenfalk, des -en, plur. die -en, eine Art Falken mit wellenförmigen schwarzen Flecken auf der Brust und dem Bauche, lehmgelben Füßen und schwarzblauem Schnabel, welcher den Tauben sehr halsstarrig nachstellet. Falco palumbarius Klein. et Linn. Stockaar, Taubenhabicht. Eine andere Art ist der Buntschwänzel oder Carolinische Taubenfalk, Falco Caroliniensis palumbarius Klein. welcher einen bunten langen Schwanz und kurze Flügel hat. S. auch Taubenhacht.


Taubenfarbe (W3) [Adelung]


Die Taubenfarbe, plur. inus. eine vermischte Farbe, in welcher roth, blau und grün unter einander spielen, wie die Farbe eines Taubenhalses; Franz. Colombin. Daher taubenfärbig, auch wohl taubenhälsig.


Taubenhabicht (W3) [Adelung]


Der Taubenhabicht, des -es, plur. die -e, S. Taubenfalk.


Taubenhälsig (W3) [Adelung]


Taubenhälsig, adj. et adv. S. Taubenfarbe.


Taubenhaus (W3) [Adelung]


Das Taubenhaus, des -es, plur. die -häuser, ein eigenes freystehendes Gehäuse, in welchem die Feld- und Flugtauben gehalten werden, und welches von einem Taubenschlage noch verschieden ist. Im Oberd. Taubenkobel.


Taubenhacht (W3) [Adelung]


Der Taubenhacht, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme des Mäusegeyers, welcher auch auf Tauben stößt, und vielleicht mit dem Taubenfalken einerley ist. Hacht bedeutet so viel als Habicht.


Taubenkerbel (W3) [Adelung]


Der Taubenkerbel, des -s, plur. inus. S. Taubenkropf.


Taubenkraut (W3) [Adelung]


Das Taubenkraut, des -es, plur. inus. 1. Eine Pflanze, von welcher verschiedene Arten an den Flüssen und Sümpfen Europens einheimisch sind; Lysimachia Linn. 2. Ein Nahme des Eisenkrautes, Verbena Linn. S. dieses Wort.


Taubenkropf (W3) [Adelung]


Der Taubenkropf, des -es, plur. die -kröpfe. 1. Eigentlich, der Kropf einer Taube. 2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit der Blumen, ein Nahme des Eisenkrautes oder Taubenkrautes, Verbena Linn Ingleichen des Erdrauchs, Fumaria Linn. welcher auch Taubenkerbel genannt wird. S. Erdrauch und Ackerraute.


Taubenrock (W3) [Adelung]


Der Taubenrock, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden besonders in Thüringen, ein Nahme des Kannenkrautes, Equisetum Linn. Der Grund der Benennung ist mir unbekannt.


Taubenruf (W3) [Adelung]


Der Taubenruf, des -es, plur. die -e, bey den Jägern eine kleine Pfeife, die Stimme der wilden Tauben damit nachzuahmen, und an sich zu locken. S. Ruf.


Taubenschlag (W3) [Adelung]


Der Taubenschlag, des -es, plur. die -schläge, ein Behältniß unter dem Dache eines Gebäudes, die zahmen Tauben darin zu halten. Schlag heißt es, weil es gemeiniglich mit einer kleinen Schlag- oder Fallthür verschlossen werden kann. Sprichw. Er geht davon wie die Katze von dem Taubenschlage, er schleicht sich mit einem sichtbaren bösen Gewissen davon.


Taubenvogt (W3) [Adelung]


Der Taubenvogt, des -es, plur. die -vögte, in großen Haushaltungen, derjenige, welcher die Aufsicht über die Tauben hat; im Oberd. Täuber, Taubener.


Taubenzehnte (W3) [Adelung]


Der Taubenzehnte, des -n, plur. die -n, der Zehnte, welcher von den Tauben gegeben wird.


Taubfisch (W3) [Adelung]


Der Taubfisch, des -es, plur. die -e, ein Nahme des Krampffisches, Torpedo Linn. dessen Berührung eine Art eines tauben Schmerzens verursacht. S. Krampffisch.


Taubhafer (W3) [Adelung]


Der Taubhafer, des -s, plur. inus. ein Nahme verschiedener Gewächse, welche dem Hafer ähnlich sehen, deren Samenkörner aber taub, d. i. nicht mehlreich sind. 1. Der Trespe, Bromus secalinus Linn. ( S. dieses Wort.) 2. Auena paniculata Lin. welcher auch Flughafer, Windhafer, Mäusehafer, Gauchhafer genannt wird.


Taubheit (W3) [Adelung]


Die Taubheit, plur. car. der Zustand, da man taub ist. Mittel wider die Taubheit. Nieders. und Dän. Dovhed, im Angels. mit dem e abstracto, Deafe.


Taubkohle (W3) [Adelung]


Die Taubkohle, plur. die -n, eine Art Erdkohlen, welche aus einem in der Erde verschlämmten und mit einer öhligen Erdsäure durchzogenen Holze bestehen; Holzkohlen, im Gegensatze der festern und kräftigern Steinkohlen.


Taubkorn (W3) [Adelung]


Das Taubkorn, des -es, plur. car. ein Nahme des Lolchs, Lolium Linn. weil es dem Korne ähnlich siehet, aber taube, d. i. mehl- und kernlose Samenkörner hat. In manchen Gegenden wird es Dorten, Twalch, Tausch, Tewer genannt.


Täubling (W3) [Adelung]


Der Täubling, des -es, plur. die -e, eine Art eßbarer Schwämme, welche ein sehr weißes, trocknes und zerbrechliches Fleisch, dicke walzenförmige Stiele, dicke Samenblätter, und einem Nabel ähnliche Vertiefungen der Hüte haben, welche letztern übrigens von verschiedenen Farben sind; Fungi umbilicum referentes C. Bauh. in einigen Mundarten Täuberling. Der Grund der Benennung dieses Schwammes ist mir noch dunkel. Eine Art desselben, welche nicht eßbar ist, indem sie Speyen erweckt, heißt im Österreich Speytäubling.


Tauchänte (W3) [Adelung]


Die Tauchänte, plur. die -n. 1. ( S. Taucher.) 2. Auch eine Art wilder Änten, welche am ganzen Leibe schwarz ist, und einen weißen Unterleib hat; Mooränte, Schuppsänte, wird in einigen Gegenden, obgleich irrig, Tauchänte genannt.


Tauchen (W3) [Adelung]


Tauchen, verb. reg. act. 1. Mit vorn nieder gebeugtem Kopfe sich in und unter einen flüssigen Körper begeben, am häufigsten als ein Reciprocum. Sich in das Wasser tauchen.. Die Änten und verschiedene andere Wasservögel tauchen sich. In welchen Fällen man doch lieber das zusammen gesetzte untertauchen gebraucht. 2. In weiterm Verstande ist tauchen in einen flüssigen Körper thun oder stecken, wo es vorzüglich in der höhern Schreib- und Sprechart theils für tunken, theils aber auch für stecken üblich ist. Ein glühendes Eisen in das Wasser tauchen, stecken, stoßen. Der mit mir in die Schüssel, Matth. 26, 23. Das äußerste seines Fingers ins Wasser tauchen, Luc. 16, 24. Die Sonne tauchte sich bereits ins Meer, Kleist. Wer taucht den Pinsel In die Farben des Morgenroths ein, dich würdig zu mahlen? Zach. So auch das Tauchen. Anm. Bey dem Notker tunchen, im Nieders. in der ersten Bedeutung ducken, im Engl. to duck, im Dän. dycke; im Schwed. dyka, im mittlern Lat. docare. Es scheinet, daß der Begriff der Beugung, oder Erniedrigung in diesem Worte der herrschende ist, denn im Nieders. und den gemeinen Sprecharten ist ducken überhaupt, den Kopf mit eingezogenen Achseln vorn niederwärts beugen, Holl. duiken. Das Schwed. duka bedeutet beydes, so wohl deprimere als emergere, in welchem letztern Falle man im Deutschen aufducken, und, wenn von der Erhebung im Wasser die Rede ist, auftauchen sagt. Übrigens sind tauchen, taufen, tünchen, tunken und das Nieders. stippen, sehr nahe verwandt. Tunken ist nur vermittelst des zufälligen Nasenlautes und des intensiven t aus tauchen gebildet. Notker gebraucht für tauchen ausdrücklich tunchen. Taufen ist nur im Endlaute verschieden; denn tauchen heißt im Ital. tuffare, und im Böhmisch. topili. Das Niederdeutsche stippen, für tauchen in der zweyten Bedeutung, ist ein doppeltes Intensivum davon. Vielleicht ist stecken ein ähnliches Intensivum von tauchen.


Taucher (W3) [Adelung]


Der Taucher, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Mensch welcher Fertigkeit besitzt, sich unter das Wasser zu tauchen, und eine Zeit lang auf dem Grunde desselben auszuhalten. Im Nieders. Düker. 2. Eine Art Wasservögel, welche mit dem Kopfe unter das Wasser tauchen, wo im weitesten Verstande alle Gänse, Änten u. s. f. Taucher sind. Allein, man gebraucht es nur im engern Verstande von einer besondern Art dieser Vögel mit belappten Falbala-Zehen, welche sich in das Wasser tauchen, eine gesehene Beute aus demselben zu hohlen, und bald mit derselben wieder zum Vorscheine kommen; Mergi Linn. In weiterm Verstande pflegt man auch die, welche unter dem Wasser schwimmen und nach einiger Zeit wieder empor kommen, Colymbi Linn. Taucher zu nennen. Klein begreift beyde Arten unter dem letztern Nahmen. Im gemeinen Leben theilet man diese Taucher nach ihrer Ähnlichkeit mit andern Vögeln ein, und da gibt es Tauchänten oder Taucheränten, Tauchgänse, Tauchschwäne und Tauchhühner. Siehe diese Wörter.

Anm. In vielen gemeinen Mundarten lautet dieses Wort Täucher.


Taucherglocke (W3) [Adelung]


Die Taucherglocke, plur. die -n, eine hölzerne Maschine in Gestalt einer Glocke, vermittelst deren sich die Taucher unter das Wasser lassen, und eine Zeitlang daselbst aushalten.


Tauchersäge (W3) [Adelung]


Die Tauchersäge, plur. die -n, eine Art Taucher oder Tauchvögel, mit einem sägeförmig gezähnten Schnabel; Mergus Serrator Linn.


Taucherschiff (W3) [Adelung]


Das Taucherschiff, des -es, plur. die -e, eine in den neuern Zeiten erfundene Art Schiffe, welche unter dem Wasser gehet.


Tauchgans,Tauchergans (W3) [Adelung]


Die Tauchgans oder Tauchergans, plur. die -gänse, eine Art Taucher oder Tauchvögel, welche so groß als eine mittelmäßige Gans ist, und einen schmalen gezähnten Schnabel hat; Mergus Merganser Linn.


Tauchhuhn,Taucherhuhn (W3) [Adelung]


Das Tauchhuhn, oder Taucherhuhn, des -es, plur. die -hühner, Taucher in Gestalt der Hühner, welche am häufigsten Wasserhühner genannt werden. S. dieses Wort.


Tauchschwan (W3) [Adelung]


Der Tauchschwan, des -es, plur. die -schwäne, bey einigen ein Nahme der Rohrdommel, wegen einiger Ähnlichkeit mit einem Schwane.


Tauen (W3) [Adelung]


* Tauen, verb. reg. act. welches nur in den Niederdeutschen Mundarten üblich ist, wo es für gerben Leder bereiten, gebraucht wird. Leder tauen, bereiten, gerben. Daher der Tauer oder Leder- tauer, der Gerber. Im Osnabrück. towwen, im Holländ. touwen, im Angels. tawian, im Engl. to taw, bereiten. Entweder von dem mit dieser Arbeit verbundenen mehrmahligen ziehen, Nieders. tehen, ( S. Tau,) oder auch von dem schon bey dem Ulphilas befindlichen taujan, machen, thun, von welchem Worte vermuthlich auch das Niedersächs. Tow, Tou, Werkzeug, Zeug, Gezäh, abstammet.


Taufbuch (W3) [Adelung]


Das Taufbuch, des -es, plur. die -bücher, in den Pfarren und bey den Kirchen, dasjenige Buch, in welches die Getauften von dem Kirchendiener eingetragen werden; das Kirchenbuch.


Taufbund (W3) [Adelung]


Der Taufbund, des -es, plur. car. in der Theologie, das Bündniß, welches der Täufling in der Taufe mit Gott errichtet. Seinen Taufbund halten, brechen.


Taufe (W3) [Adelung]


Die Taufe, plur. die -n, von dem folgenden Zeitworte taufen, von welchem es doch nur in engerer Bedeutung üblich ist. 1. Die gottesdienstliche Reinigung vermittelst des Wassers, in welchem Verstande die Taufe schon bey den ältern Juden üblich war. In engerer Bedeutung in der christlichen Kirche, die sacramentliche Reinigung mit Wasser und damit verknüpfte Aufnahme in die Gesellschaft der Christen, in welchem Verstande die Taufe das erste Sacrament der Kirche ist, welches man denen ertheilet, welche man zu Christen macht, daher sie ehedem auch die Christenheit, im Nieders. Kerstening, Franz. ehedem Chretiente, taufen aber christenen, Nieders. karstenen, kastenen, im Franz. chretienner, im Angels. cristnian, im Engl. to christen, genannt wurde. Das Sacrament der Taufe. Einem Menschen, einem Kinde die Taufe ertheilen. Die Taufe empfangen, getauft werden. Ein Kind zur Taufe bringen. Ein Priester verrichtet drey Taufen, wenn er drey Kinder tauft; außer welchem Falle der Plural nicht gewöhnlich ist. In einigen gemeinen Mundarten bedeutet es auch den Taufstein. Daher die auch in der anständigen Sprechart noch gangbaren R. A. ein Kind aus der Taufe heben, oder über die Taufe halten, dessen Pathe oder Taufzeuge seyn. In der Deutschen Bibel bedeutet dieses Wort auch figürlich die reichliche gottesdienstliche Mittheilung einer Sache. Daher die Feuertaufe, Matth. 3, 11. d. i. die reichliche Mittheilung des heil. Geistes, zum Unterschiede von jener Taufe, welche alsdann die Wassertaufe heißt. 2. In weiterer Bedeutung, die feyerliche Einweihung durch Eintauchung oder Abwaschung mit Wasser, besonders, wenn selbige mit Ertheilung eines Nahmens verbunden ist; ein aus der vorigen sacramentlichen Taufe entstandener Mißbrauch. In der Katholischen Kirche werden auf solche Art Glocken, Schiffe, Kanonen u. s. f. getauft. Bey den Seefahrten ist es ein possenhafter Gebrauch, diejenigen, welche zum ersten Mahle die Straße, den Wendezirkel, und die Linie passiren, auf eine feyerliche Art in das Wasser zu tauchen, und so in andern Fällen mehr, besonders bey den Handwerkern.

Anm. Bey dem Ottfried so wohl thie Doufa, als auch ther Douf, im Isidor Daufi, bey dem Willeram Toife, bey dem Stryker der Touff und die Touffe, und noch in der Schweiz und andern Oberdeutsch. Gegenden der Tauf, im Nieders. Döpe, welches daselbst gleichfalls den Taufstein bedeutet. S. das folgende.


Taufen (W3) [Adelung]


Taufen, verb. reg. act. 1. * Eigentlich, in das Wasser tauchen, wo es mit tauchen gleich bedeutend und von demselben nur im Endlaute verschieden ist. Eine hölzerne Feuerkugel in Pech und Harz getauft, Fronsb. Kessel, das Feuerwerk darein zu taufen, eben ders. Naeman taufte sich im Jordan sieben Mahl, 3 Kön. 5. 14; wo es für baden stehet. Der Strymon, In den der Kranche Heer die krummen Federn täuft, Opitz. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung veraltet, wo man es, 2. nur in engern Verstande gebraucht, auf eine gottesdienstliche Art in das Wasser tauchen. (a) Im engsten Verstande, auf eine sacramentliche Art mit Wasser reinigen und dadurch in die Gemeinschaft Gottes und der Kirche aufnehmen. Ein Kind, einen Erwachsenen taufen. Taufen lassen, sein Kind zur Taufe befördern. Im gemeinen Leben auch mit der vierten Endung des Nahmens, welchen man in der Taufe erhält. Er ist Hans getauft. Daher es zuweilen einen Nahmen geben bedeutet. Man tauf ihn wie man will. ich heiß ihn Benjamin, Rost. In der Deutschen Bibel bedeutet es figürlich zuweilen im reichen Maße mittheilen. Mit dem heil. Geiste getauft werden, Apost. 1, 5. (b) In weiterm Verstande, auf eine feyerliche Art mit Wasser reinigen, und dadurch einweihen, besonders, wenn dabey zugleich ein Nahme ertheilt wird. In der Römischen Kirche tauft man noch die Glocken. Ehedem taufte man daselbst auch Schiffe, Kanonen u. s. f. Der Wirth tauft den Wein, wenn er Wasser darunter mischet; ein im gemeinen Leben üblicher Scherz. So auch das Taufen.

Anm. In der engern Bedeutung bey dem Ulphilas daupgan, bey dem Ottfr. doufan, im Nieders. döpen, im Schwed. döpa, im Angels. depan, dyppan, im Engl. to dive, im Wend. dupu, im Pohln. topic. Es ist ein altes Wort, welches von tauchen nur im Endlaute verschieden ist, indem die älteste Art der Taufe ein wahres Eintauchen oder Baden war; daher auch Ottfr. noch badan für taufen gebraucht. Im Ital. ist tuffare, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, gleichfalls eintauchen, woraus das hohe Alter dieses Wortes erhellet. Das Nieders. strippen, tunken, ist ein doppeltes Intensivum davon.


Täufer (W3) [Adelung]


Der Täufer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Taufe handhabet, welcher tauft, ein für sich allein nur in der Deutschen Bibel übliches Wort, wo Johannes, der Vorläufer Christi, zum Unterschiede von dem Evangelisten Johannes, der Täufer genannt wird, schon im Tatian Toufar. Gangbarer ist es in dem zusammen gesetzten Wiedertäufer.


Taufgesinnte (W3) [Adelung]


Der Taufgesinnte, des -n, plur. die -n, eine Benennung der Wiedertäufer oder Mennoniten. S. Wiedertäufer.


Taufgnade (W3) [Adelung]


Die Taufgnade, plur. car. in der Theologie, die in und mit der Taufe ertheilte göttliche Gnade. In der Taufgnade bleiben, seinen Taufbund halten.


Täufling (W3) [Adelung]


Der Täufling, des -es, plur. die -e, diejenige Person, welche gatauft wird, oder getauft werden soll, sie sey nun erwachsen oder nicht.


Taufnahme (W3) [Adelung]


Der Taufnahme, des -ns, plur. die -n, derjenige Nahme, welchen man in der Taufe erhält: der Vornahme, zum Unterschiede von dem Zu- oder Geschlechtsnahmen.


Taufpathe (W3) [Adelung]


Der Taufpathe, des -n, plur. die -n, Fämin. die Taufpathe, plur. die -n, bey einigen auch Taufpathinn, eine Person, welche eine andere aus der Taufe hebet, der oder die Pathe, in der anständigen Sprechart der Taufzeuge; im Oberd. Taufgötti. In vielen Gegenden wird auch der Täufling in Rücksicht der Taufzeugen Taufpathe genannt. S. Pathe.


Taufschein (W3) [Adelung]


Der Taufschein, des -es, plur. die -e, ein schriftliches Zeugniß aus dem Kirchenbuche, daß jemand getauft und von ehrlichen Ältern gezeuget ist.


Taufschmaus (W3) [Adelung]


Der Taufschmaus, des -es, plur. die -schmäuse, ein Schmaus, welcher bey Gelegenheit einer Taufe gehalten wird; das Taufmahl, Taufessen, im gemeinen Leben auch nur die Taufe, Kindtaufe.


Taufstein (W3) [Adelung]


Der Taufstein, des -es, plur. die -e, in den Kirchen, ein zierliches steinernes Behältniß in Gestalt eines Brunnens oder großen Gefäßes, an und über welchem die Kinder getauft werden; im gemeinen Leben vieler Gegenden die Taufe, in andern der Taufbrunnen, im Nieders. auch die Fünte, von dem Lat. Fons. Ihre bemerket bey dem Schwed. Funt, daß in den Cathedral-Kirchen der Alten wirklich ein Brunnen befindlich gewesen, aus welchem man das Wasser zur Taufe gehohlet, und über welchem denn vermuthlich dieselbe auch verrichtet worden. Diesen Brunnen scheinen unsere heutigen Taufsteine vorzustellen.


Tauftuch (W3) [Adelung]


Das Tauftuch, des -es, plur. die -tücher, ein sauberes Tuch, welches man an einigen Orten über das getaufte Kind deckt, und es darin nach Hause trägt.


Taufzeug (W3) [Adelung]


Das Taufzeug, des -es, plur. inus. ein Collectivum, die sämmtliche Kleidungsstücke zu bezeichnen, in welchen ein Kind zur Taufe gebracht und getauft wird.


Taufzeuge (W3) [Adelung]


Der Taufzeuge, des -n, plur. die -n, diejenigen Personen, welche den Täufling zur Taufe darbringen, und diese Handlung bezeugen; die Pathen, und in Beziehung auf die Ältern des Kindes, die Gevattern.


Taugen (W3) [Adelung]


Taugen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1. Brauchbar zu etwas seyn, die erforderlichen Eigenschaften zu Erreichung einer Absicht haben; in welcher Bedeutung es jetzt am gangbarsten ist. Der Zeug taugt dazu nicht. Die Feder taugt nichts mehr, ist nicht mehr zu gebrauchen. Der Beweis taugt nicht. Das taugt nicht, diese Art zu verfahren stimmt mit der Absicht nicht überein. Er taugt zu keinem Thürsteher. Die Holländer taugen zu Wasser aber nicht zu Lande. Was ins Heer zu ziehen taugt, 4 Mos. 1, 3. Ich tauge nicht zu predigen, Jer. 1, 6. Ob es gleich hier bejahender Weise nicht ganz ungewöhnlich ist, so wird es doch am häufigsten mit der Verneinung gebraucht, welches aber bloß dem Gebrauche zuzuschreiben ist. 2. Nützlich seyn, nützen. Was tohta uns thaz, Willer. In welcher Bedeutung es noch im gemeinen Leben und bey wässerigen Poeten vorkommt. Das kann Achillens Augen Auch bey der Hochzeit selbst zur Lust und Freude taugen, Gottsch. Iphig. Ingleichen gut, dem Gesetze gemäß und übereinstimmig seyn, in welcher Bedeutung es gleichfalls nur noch im gemeinen Leben, aber auch nur mit der Verneinung vorkommt. Thun, das nicht taugt, Röm. 1, 28. Es taugt nicht, daß wir sie in Gotteskasten legen, Matth. 27, 6. Ehedem bedeutete es auch sich schicken, geziemen. So iz dohta, Ottfried.

Anm. Bey dem Ottfried dohan, dochan, bey dem Willeram toukan, im Nieders. dögen, im Schwed. doga duga, im Angels. dugan, im Dän. due. Tugend und tüchtig stammen unstreitig von diesem Worte her, welches ursprünglich zu gedeihen, Nieders. dijen, dick u. s. f. gehöret, und nöthige körperliche Stärke bedeutet zu haben scheinet. Im Nieders. ist döger, sehr. Es ging ehedem irregulär und lautete im Infinitiv und im Plural des Präsens tügen, welche Form noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Die Thoren tügen nichts, Ps. 14, 1. Mein Gebet müsse vor dir tügen, Ps. 141, 2. Nun han wir nyemandt dee do tug (taugte) zu demselben, Theuerd. Da tochte ich ze freuden weder wibe noch manne, Kaiser Heinrich.


Taugenichts (W3) [Adelung]


Der Taugenichts, plur. ut nom. sing. eine Person, welche zu nichts taugt, zu nichts brauchbar ist. Er ist ein Taugenichts. Alle diese Taugenichts. Bey einigen auch der Taugenicht, da es denn im Plural von einigen irrig Taugenichte gebildet wird, indem alle am Ende, mit Adverbien und Partikeln zusammen gesetzte Wörter indeclinabel sind. Im Nieders. Dögenig, Dügenir, Undögt, im Dän. Dogenigt, im Französ. un Vaut-rien, Vautneant.


Tauglich (W3) [Adelung]


Tauglich, -er, -ste, adj. et adv. brauchbar. Taugliche Mittel erwählen. Ein tauglicher Zeuge. Das ist mir nicht tauglich, ist dazu nicht tauglich. Ich konnte nichts taugli- ches antworten. Das ist keine taugliche Entschuldigung. Im Nieders. dögelik, zusammen gezogen dölk, wo es im weiterm Verstande auch fromm, tugendhaft bedeutet. So auch das verwandte Tüchtig.


Tauglichkeit (W3) [Adelung]


Die Tauglichkeit, plur. inus. die Brauchbarkeit, die Anwesenheit der zu einer gewissen Absicht unentbehrlichen Beschaffenheit.


Taumel (W3) [Adelung]


Der Taumel, des -s, plur. car. der Zustand, da man taumelt. Eigentlich von einem Schwindel oder Rausche. Einen Taumel haben, einen Rausch. Etwas im Taumel thun. Figürlich aber auch von einem hohen Grade der Leidenschaft, in welchem man keiner deutlichen Begriffe fähig ist. Im Taumel der Freude. Im Nieders. Tümel.


Taumelbecher,Taumelkelch (W3) [Adelung]


* Der Taumelbecher, des -s, plur. ut nom. sing. und der Taumelkelch, des -es, plur. die -e, zwey nur in der Deutschen Bibel im figürlichen Verstande übliche Wörter, solche Gegenstände zu bezeichnen, welche einen hohen Grad des Mangels des Bewußtseyns und der deutlichen Begriffe veranlassen. Ich will Jerusalem zum Taumelbecher zurichten, Zachar. 12, 2. Die Hefen des Taumelkelchs hast du ausgetrunken, Es. 51, 17.


Taumelig (W3) [Adelung]


Taumelig, -er, -ste, adj. et adv. einen Taumel habend, mit schwerem Kopfe hin und her wankend. Taumelig werden, seyn.


Taumelkäfer (W3) [Adelung]


Der Taumelkäfer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Käfer, mit fadenähnlichen kurzen Fühlhörnern, Schwimmfüßen und gedoppelten Augen, welcher im Gehen gleichsam zu taumeln scheint; Gyrinus Linn.


Taumelkelch (W3) [Adelung]


Der Taumelkelch, S. Taumelbecher.


Taumeln (W3) [Adelung]


Taumeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, und wenn der Ort ausgedruckt wird, mit seyn, im Gehen mit schwerem Kopfe hin und her wanken, als wenn man fallen wollte, dergleichen in einem hohen Grade Trunkene, vom Schwindel befallene u. s. f. zu thun pflegen. Daß sie taumelten und wanketen wie ein Trunkener, Ps. 197, 27. Taumelnd gehen. Zur Thür hinaus taumeln. Zur Erde taumeln; er ist zur Erde getaumelt. Das arme Rind bekam eine Maulschelle, daß es taumelte. Ingleichen figürlich, ohne Bewußtseyn und deutliche Begriffe handeln. Ein leichtsinniger junger Mensch, der noch in den Lüften herum taumelt, Weiße. Nach einer andern, obgleich ein wenig hart scheinenden Figur, auch von der heftigen Bewegung lebloser Dinge. Gewässer taumeln jetzt in Strömen von den Höhen, Dusch. So auch das Taumeln.

Anm. Im Nieders. tümeln, im Engl. tumble, im Schwed. tumla. Die Endsylbe "-eln" ist ein Zeichen eines Iterativi oder auch eines Diminutivi, und oft beydes zugleich. Es scheinet daher, daß dieses Wort mit dem Französ. tomber, dem Ital. tomare, tomolare, tombolare, fallen, verwandt ist. Im Angels. ist tumban, springen, tanzen. ( S. auch Tummeln.) In den niedrigen Sprecharten ist für taumeln auch torkeln üblich, welches aber eigentlich einen noch stärkern Grad des Taumelns bezeichnet.


Taumler (W3) [Adelung]


Der Taumler, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Schlagtauben, welche im Gehen taumeln. S. auch Tümmler.


Taupel (W3) [Adelung]


Die Taupel, plur. die -n, in der Fischerey, ein viereckt gestricktes oben offenes, unten aber mit einem gestrickten Boden versehenes Netz, Karpfen und andere Fische darin zu fangen. Es wird mit seinen Wänden an zwey kreuzweise über einander fest gemachte Bügel gebunden, und vermittelst einer langen Stange in das Wasser gelassen und wieder heraus gezogen. In einigen Gegenden heißt es die Senke, das Senkgarn, der Tauchpeern, oder Tauchbern, von Peern Bärn, ein gestrickter Sack, Latein. Pera. Frisch leitet Taupel gleichfalls von tauchen ab; indessen bedeutet dieses Wort in einigen gemeinen Mundarten auch eine Tasche, da es denn zu tief gehören würde. Im Böhmischen ist Tobolka gleichfalls eine Tasche.


Tausch (W3) [Adelung]


Der Tausch, des -es, plur. die -e, die Handlung, da man eine Sache oder Waare gegen eine andere überläßt; zum Unterschiede von dem Kaufe, wo man Geld für Waare gibt. Einen Tausch mit jemanden treffen, machen. Einen Tausch schließen. Der Tausch ist gemacht. Bey den Kaufleuten ist dafür auch das Wort Umsatz üblich, und in einigen Gegenden Umschlag üblich, so wie in einigen gemeinen Mundarten der Tausch die Kaute, und im Nieders. die Büte, Kütebüte heißt.


Tauschen (W3) [Adelung]


Tauschen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, ein Ding gegen das andere, oder Waare gegen Waare geben. Mit jemanden tauschen, ihm ein Ding für ein anderes geben. Mit den Hüten tauschen. Ich wollte nicht mit ihm tauschen, auch figürlich, ich wollte nicht an seiner Stelle, in seinem Verhältnisse seyn. So auch in den Zusammensetzungen austauschen, eintauschen, vertauschen. Daher das Tauschen.

Anm. Im Nieders. tuschen, tuusken. Die Abstammung ist dunkel; aber gewiß ist das Dauß in der Karte nicht das Stammwort, wie Frisch wähnet, weil man im Kartenspiele immer die Blätter verwechselt. Andere sehen den Begriff des Betruges als den herrschenden an, und rechnen es zum folgenden täuschen, da doch nicht die geringste Spur eines solchen Begriffes in einem Worte anzutreffen ist, sondern der Tausch vielmehr die älteste und ehrlichste Art der Handlung ist. Übrigens ist für tauschen auch umsetzen, stutzen, und in einigen gemeinen Mundarten kauten, Niedersächsisch küten, büten, kütjebüten, eigentlich küten und büten üblich.


Täuschen (W3) [Adelung]


Täuschen, verb. reg. act. gerechte Erwartungen unbefriedigt lassen, Schein für Wahrheit geben. Er hat mich getäuscht, und nun zehnmal meinen Lohn verändert, 1 Mos. 31, 7. Meynet ihr, daß ihr ihn täuschen werdet, wie man einen Menschen täuschet? Hiob. 13, 9. Die Sinne täuschen uns nicht selten. Die Kinder mit dem Knecht Ruprecht täuschen. Wenn mich der Spiegel nicht täuscht. Die Einbildung täuschet sie mit unmöglichen Dingen. Eine getäuschte Liebe. Durch falschen Schein getäuscht, eil ich ihm nachzuwandeln, Gellert. Der Held, der dreymahl Frieden heischt, Bevor sein schwerer Arm durch sieben Donnerwetter Der Fürsten Raubsucht täuscht, Raml. In engerer Bedeutung ist in den schönen Künsten täuschen, die Sinne auf eine angenehme Art hintergehen, verursachen, daß die sinnliche Empfindung das Übergewicht über die Vorstellung bekommt, und die Täuschung, angenehmer Betrug der Sinne. Z. B. wenn ein Gegenstand so geschickt nach dem Leben gemahlt ist, daß der Beobachter alles das dabey empfindet, was er bey der Natur selbst empfinden würde, wenn er die Copie für das Urbild selbst hält. Anm. Auch bey diesem Worte ist der Stammbegriff dunkel, zumahl, da es weder bey unsern ältesten Schriftstellern, noch in den verwandten Sprachen vorkommt. Es scheinet indessen, daß es eine Onomatopöie einer geschwinden Bewegung, besonders mit der Hand ist, und eigentlich jemanden durch die Geschwindigkeit hintergehen, bedeutet hat, da es denn zu dem Franz. toucher, berühren, gehören würde.


Täuscherey (W3) [Adelung]


Die Täuscherey, plur. die -en, sinnlicher Betrug, und Betrug überhaupt. Weissaget uns Täuscherey, Es. 30, 20. Täuscherey, damit sie uns erschleichen zu verführen, Ephes. 4, 14. Daß nie der Sünde Täuscherey Gefährlich deinem Rinde sey, Gram. Im Hochdeutschen kommt es nur selten, und alsdann allemahl im gehässigen Verstande vor, dagegen in den schönen Künsten das Wort Täuschung üblicher ist.


Tauschhandel (W3) [Adelung]


Der Tauschhandel, des -s, plur. car. diejenige Art des Handels oder der Handlung, da man Waare gegen Waare gibt, zum Unterschiede von dem Kaufhandel.


Tausend (W3) [Adelung]


Der Tausend, ein Hauptwort, welches nur im gemeinen Leben in der ersten und fünften Endung üblich ist, wo es ein verdeckter Ausdruck für Teufel ist. Daß dich der Tausend! Der Tausend! seine Verwunderung an den Tag zu legen. Es ist ohne Zweifel aus dem alten noch Nieders. Duus, der Teufel, welches uns an die Dusios der alten Gallier erinnert, gebildet, und, um dessen Härte zu mildern, dem folgenden ähnlich gemacht worden, so wie man in eben demselben Verstande auch wohl der Deutsch, oder der Deutscher höret. Im Nieders. bedeutet auch Dux, in einigen andern Mundarten der Denker, und im Engl. Dewce, den Teufel.


Tausend (W3) [Adelung]


Tausend, eine Grundzahl, welche zehn Mahl hundert oder hundert Mahl zehen Einheiten ausdruckt, und als ein unabänderliches Beywort unverändert bleibt, wenn sie ihr Hauptwort bey sich hat. Ein tausend Thaler, zehn tausend Mann, zu viel tausend Mahlen, vor tausend Jahren. Für ein tausend ist im gemeinen Leben um der Kürze willen nur tausend üblich. Tausend Mann. Stehet dieses Zahlwort ohne Hauptwort, so nimmt es in der dritten Endung noch ein -en an. Viel tausenden wohl thun, Jerem. 32, 18. Unter tausenden kaum einen, Sir. 6, 6. Ich fürchte mich nicht vor viel tausenden. Freund, den ich mir unter tausenden erwähle. Der Genitiv tausender ist hart und ungewöhnlich, ob er gleich noch in tausenderley vorkommt. Tausender Lob würde mich nicht rühren, besser das Lob von tausenden. Aber in der ersten und vierten Endung tausende für tausend zu sagen, ist ein Fehler. Was liegt Monarchen ob, die tausende regieren? Haged. Oft stehet es auch als eine runde Zahl für sehr viel. Ich habe es dir schon tausend Mahl gesagt, sehr oft. Tausend gutes wird oft an einem Menschen nicht bemerkt, dagegen ein einziger Fehler leicht alles in Bewegung setzen kann. Sonnenf. Wir wollen tausend Spaß mit ihm haben. Tausend kleine Umstände lassen es vermuthen. Das ist eine tausend Luft, im gemeinen Leben, für tausendfache Luft.

Anm. Bey dem Ulphilas thusund, in den Salischen Gesetzen thocond, bey dem Ottfried thusont, bey dem Willeram dusent, im Nieders. dusend, im Angels. dusend, im Engl. thousand, im Schwed. tusend, im Pohln. tysiac. Schon Notker leitete es von dem gemeinen Latein. des-cent, für decies centum her, welche Ableitung im Grunde richtig wäre, wenn er dabey nur mehr Rücksicht auf seine Muttersprache genommen hätte. Es ist überwiegend wahrscheinlich, daß dieses Wort aus zehn, Nieders. tain, in einigen alten Mundarten duis, und dem alten hunt, hundert, centum zusammen gesetzt ist; indem tausend doch nichts anders als zehn Mahl hundert ist. Im Isländischen heißt daher tausend noch jetzt thushundrud, zehn hundert, und bey dem Ulphilas noch vollständiger tigos hund, taihuns hund.


Tausend (W3) [Adelung]


Das Tausend, des -es, plur. die -e, die vorige Grundzahl, als ein Hauptwort gebraucht, eine Menge von tausend Einheiten Einer Art zu bezeichnen. Das erste tausend taugte nichts. In manchen Gegenden hat man ein doppeltes Tausend, so wie man daselbst auch ein gedoppeltes Hundert hat. Ein gewöhnliches oder kleines tausend hält alsdann 1000, ein großes Tausend aber 1200 Einheiten


Tausendblatt (W3) [Adelung]


Das Tausendblatt, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme der Schaafgarbe, Achillea Millefolium L. S. dieses Wort.


Tausender (W3) [Adelung]


Der Tausender, des -s, plur. ut nom. sing. in der Rechenkunst, eine Ziffer oder Zahlfigur, welche so viele tausend bedeutet, als ihre Figur anzeigt, eine Zahl, welche unter mehrern in der vierten Stelle von der rechten Hand zur linken stehet; zum Unterschiede von den Hundertern Zehnern und Einern.


Tausenderley (W3) [Adelung]


Tausenderley, adj. indecl. et adv. von tausend verschiedenen Arten und Beschaffenheiten, wie hunderterley, zehnerley u. s. f. Die erste Hälfte ist der sonst ungewöhnliche Genitiv tausender. S. Tausend.


Tausendfach (W3) [Adelung]


Tausendfach, adj. et adv. welches ein vermehrendes Zahlwort ist, tausend Mahl genommen. Tausendfache Frucht bringen. Einen tausendfachen Lohn bekommen. In einigen Gegenden wird der Blättermagen oder der dritte Magen des Rindviehes, wegen seiner vielen galten, das Tausendfach genannt.


Tausendfältig (W3) [Adelung]


Tausendfältig, adj. et adv. welches ein mit dem vorigen gleich bedeutendes vermehrendes Zahlwort ist, nur daß es in der edlern Schreibart zu veralten anfängt. Tausendfältige Frucht bringen. Gott wird dirs tausendfältig belohnen.


Tausendfuß (W3) [Adelung]


Der Tausendfuß, des -es, plur. die -füße, eine Art Kellerwürmer, Onisci Linn. weil sie hundert und mehr Füße haben. Sie werden in den Apotheken unter dem Nahmen Millepedes gebraucht.


Tausendjährig (W3) [Adelung]


Tausendjährig, adj. et adv. tausend Jahre dauernd. Das tausendjährige Reich bey den Gottesgelehrten.


Tausendkorn (W3) [Adelung]


Das Tausendkorn, des -es, plur. car. in einigen Gegenden ein Nahme des Bruchkrautes, Herniaria L.


Tausendkünstler (W3) [Adelung]


Der Tausendkünstler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die -inn, eine in vielerley Künsten und Kunstgriffen erfahrne Person. Im härtern Verstande wird der Teufel, wegen der ihm Schuld gegebenen vielfachen Kunstgriffe und Versuche zur Verführung der Menschen, schon bey den Kirchenvätern - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - genannt.


Tausendmahl (W3) [Adelung]


Tausendmahl, adv. richtiger tausend Mahl, zu tausend verschiedenen Mahlen, und figürlich sehr oft. Daher tausendmahlig, adj. was zu tausend Mahlen geschiehet.


Tausendste (W3) [Adelung]


Tausendste, adj. welches die Ordnungszahl von tausend ist. Der tausendste Theil. Das hundertste in das tausendste reden, alles ohne Ordnung unter einander. Das weiß der tausendste nicht, d. i. unter tausend nicht einer. Bey vielen nur tausende, oder richtiger tausendte, welche denn auch hunderte sagen. Doch lassen sie uns nicht das hunderte in das tausende schwatzen, Less. Der Tausende Theil, Gell. Allein, da die Ordnungszahlen von zwanzig anstatt des t insgesammt ste annehmen, so ist dieses auch hier das richtigste.


Tauwerk (W3) [Adelung]


Das Tauwerk, des -es, plur. inus. ein Collectivum, mancherley Taue und Stricke, das sämmtliche Zugehör, an Tauen und Seilen, besonders auf den Schiffen zu bezeichnen.


Tax (W3) [Adelung]


1. Der Tax, ein Thier, S. Dachs.


Tax (W3) [Adelung]


2. Der Tax, S. die Taxe.


Tax (W3) [Adelung]


3. Der Tax, des -es, plur. die -e, oder der Taxbaum, des -es, plur. die -bäume, der im Hoch- und Niederdeutschen übliche Nahme des Eibenbaumes, welcher aus dem Latein. Taxus entlehnet ist, in welcher Form derselbe auch wohl im Deutschen üblich ist. Im Böhmischen heißt er Tis. S. Eide.


Taxe (W3) [Adelung]


Die Taxe, plur. die -n. 1. Der bestimmte Preis oder Werth einer Sache, besonders der von der Obrigkeit bestimmte Preis. Eine Taxe machen. Die Post-Taxe, Lehens-Taxe, Fleisch-Taxe, Brot-Taxe u. s. f. 2. An einigen Orten verzeichnen es auch eine Auflage, vermuthlich, so fern sie nach dem bestimmten Werthe beweglicher oder unbeweglicher Güter entrichtet wird. Es ist aus dem mittlern Lat. Taxa, und dieß aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Ordnung, Bestimmung. In einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, ist es im männlichen Geschlechte üblich, der Tax.


Taxieren (W3) [Adelung]


Taxieren, verb. reg. act. aus dem mittlern Lat. taxare, den Werth oder Preis einer Sache bestimmen, schätzen, würdigen. Etwas sehr hoch, geringe taxieren. Daher die Taxierung, ingleichen die Taxation.


Tax-Ordnung (W3) [Adelung]


Die Tax-Ordnung, plur. die -en, eine obrigkeitliche Verordnung, worin der Preis oder Werth einer Sache bestimmt wird.


Tazette (W3) [Adelung]


Die Tazette, plur. die -en, eine Art Narzissen, mit einer vielblümigen Blumenscheide, deren Blumen ein glockenförmiges abgestumpftes Honigbehältniß haben; Narcissus Tazetta L. Man hat sie so wohl gefüllt, als einfach, und von verschiedenen Farben. Sie wohnen am Meerstrande in Languedoc, Spanien und Portugal, wo auch der Nahme herzustammen scheinet.


Tehse (W3) [Adelung]


Die Tehse, plur. die -n, in den Salzhütten, S. Döse.


Teich (W3) [Adelung]


Der Teich, ein Erddamm, oder Erdwall, S. Deich.


Teich (W3) [Adelung]


Der Teich, des -es, plur. die -e, ein gegrabenes Wasserbehältniß, dessen Wasser abgelassen werden kann. Der Mühlteich, das zu einer Wassermühle nöthige Wasser darin zu sammeln. Besonders, so fern Fische in einer solchen Sammlung Wassers gehalten werden. Ein Fischteich, Karpfenteich, Forellenteich u. s. f. Einen Teich graben, ablassen, fischen u. s. f. Ein See ist größer als ein Teich, welcher letztere überdieß allemahl ein Werk der Kunst zu seyn scheinet, dagegen der erstere ein Werk der Natur ist. Der Einsatz oder Fischhälter ist kleiner als ein Teich.

Anm. Im Nieders. Diek, im Dän. Dige. Da Teich allemahl ein gegrabenes Behältniß zu seyn scheinet, so stammet es mit dem Nieders. Deich, ein Erddamm, ohne Zweifel von dem Angels. dican. graben, stechen, her, mit welchem letztern auch das Lat. Stagnum, verwandt zu seyn scheinet. ( S. Deich.) Im Angels. ist daher Dic, im Engl. Dich, Ditch, und im Schwed. Dike, ein Graben. (Siehe Teichel.) Im Oberdeutschen ist für Teich auch Weiher üblich. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - bedeutet gleichfalls eine Sammlung Wassers.


Teichamt (W3) [Adelung]


Teichamt, u. s. f. Teichen, S. in D.


Teichel (W3) [Adelung]


* Der Teichel, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen fremdes, und nur im Oberdeutschen übliches Wort, einen Canal, Röhre zu bezeichnen. Das Wasser durch Teichel in die Stadt leiten. Im mittlern Lat. Dugale, Doa, Doza, Doccia, Ducaria, Ductus. Entweder auch von dem alten dican, teichen, graben, eine gegrabene oder ausgehöhlte Rinne zu bezeichnen, oder auch von ziehen, Nieders. tehen, ducere, leiten, weil das Wasser dadurch abgeleitet wird. Die Endsylbe -el ist die Ableitungssylbe, theils ein Werkzeug, theils aber auch ein Subject, Ding zu bezeichnen.


Teicheln (W3) [Adelung]


Teicheln, verb. reg. act. welches bey den Gärtnern, besonders Oberdeutschlandes, üblich ist, eine Art des Oculierens oder Äugelns zu bezeichnen, S. Röhrlen.


Teichfenster (W3) [Adelung]


Das Teichfenster, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, die Öffnung in einem Teiche, durch welche das Wasser abgelassen wird; der Ablauf.


Teichfisch (W3) [Adelung]


Der Teichfisch, des -es, plur. die -e, Fische, welche man in Teichen zu halten pflegt, zum Unterschiede von dem Flußfischen, Seefischen u. s. f.


Teichfischerey (W3) [Adelung]


Die Teichfischerey, plur. inus. die Kunst Fische in den Teichen zu erziehen, zu erhalten, und zu fangen; die zahme Fischerey, im Gegensatze der wilden, zu welcher wieder die Fluß- und Seefischerey gehören.


Teichforelle (W3) [Adelung]


Die Teichforelle, plur. die -n, Forellen, welche in eigenen Teichen gehalten werden; zum Unterschiede von den Wald- oder Bachforellen.


Teichgräber (W3) [Adelung]


Der Teichgräber, des -s, plur. ut nom. sing. ein unzünftiger Arbeiter, welcher sein Geschäft daraus macht, Teiche zu graben oder anzulegen.


Teichkarpfen (W3) [Adelung]


Der Teichkarpfen, des -s, plur. ut nom. sing. Karpfen, welche in Teichen gehalten werden; zum Unterschiede von den See- und Flußkarpfen.


Teichkolbe (W3) [Adelung]


Die Teichkolbe oder der


Teichkolben (W3) [Adelung]


Teichkolben, ein Gewächs, S. Rohrkolbe.


Teichmeister (W3) [Adelung]


Der Teichmeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher auf großen Landgütern die Aufsicht über die Fischteiche hat.


Teichmünze (W3) [Adelung]


Die Teichmünze, ein Gewächs, S. Feldmünze.


Teichordnung (W3) [Adelung]


Die Teichordnung, plur. die -en, eine obrigkeitliche Verordnung in Ansehung der Fischteiche, welche nicht mit einer Deichordnung zu verwechseln ist.


Teichrechen (W3) [Adelung]


Der Teichrechen, des -s, plur. ut nom. sing. ein großer Rechen, welcher von Pferden gezogen wird, die Teichen von dem darin befindlichen Schlamme zu reinigen; in Thüringen die Roßkrücke, sonst auch Moderrechen, Schlammrechen, Moderkrücke.


Teig (W3) [Adelung]


Der Teig, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, mit einem flüssigen Körper zu einer weichen dicken Masse gemachtes Mehl oder anderer ähnlicher fester gepülverter Körper. Pillenteig, woraus die Pillen verfertiget werden. Zu einem Teige machen. Besonders diejenige Masse aus Mehl, woraus Mehlspeisen, Brot, Kuchen u. s. f. bereitet werden, vor dem Kochen oder Backen. Brotteig, Butterteig, Kuchenteig, Pastetenteig, Oblatenteig, Sauerteig u. s. f. Den Teig anmachen, Mehl vermittelst eines flüssigen Körpers in Teig verwandeln. Den Teig säuern. Den Teig gehen lassen. Den Teig kneten. In die Teige der Egyptier kamen Frösche, 2 Mos. 8, 3.

Anm. Bey dem Stryker Taik, im Niedersäch. Deeg, im Schwed. Deg, im Dän. Dej, im Angels. Dah, im Engl. Dough. Die meisten leiten es von deihen, Nieders. dijen, aufquellen, Wachter aber von dem Angels. deagau, anfeuchten, her. Allein, es ist wahrscheinlicher, daß der Begriff der weichen Beschaffenheit der herrschende ist, und daß Teig ursprünglich einen jeden weichen Körper von einer gewissen Fertigkeit bedeutet hat. Im Isländ. ist deigr noch jetzt weich, und teyga, kneten, im Angels. mit einer andern Endsylbe thavian. Um eben deßwillen bedeutet auch im Wendischen tuch, fett.


Teigicht (W3) [Adelung]


Teigicht, -er, -ste, adj. et adv. dem Teige ähnlich. Teigichte Birnen, welche so weich wie Teig sind. Teigig hingegen bedeutet Teig enthaltend. Teigiges Brot, welches nicht ausgebacken ist. Wenn man indessen den Begriff der Weiche überhaupt als den Stammbegriff ansiehet, so kann man auch teigige Birnen sagen. Im Oberdeutschen lautet es nur teig, teige Mispeln, Birnen; welches diese ursprüngliche Bedeutung bestätiget.


Teigkratze (W3) [Adelung]


Die Teigkratze, plur. die -n, bei den Bäckern, ein Werkzeug, den Teig damit aus dem Backtroge zu kratzen.


Teigmahl (W3) [Adelung]


Das Teigmahl, des -es, plur. die -e, oder -mähler, Flecken, welche einem getrockneten Teige ähnlich sehen. In der Landwirthschaft sind die Teigmahle eine Krankheit der Kälber, welche sich wie ein trockner Grund oder getrockneter Teig auf der Oberfläche der Haut zeiget.


Teigrad (W3) [Adelung]


Das Teigrad, des -es, plur. die -räder, Diminut. Teichrädchen, Oberd. Teichrädlein, ein kleines mit Spitzen versehenes Rad an einem Stiele bey den Köchen und Kuchenbäckern, den Kuchenteig damit abzuschneiden.


Telle (W3) [Adelung]


Die Telle, plur. die -n, ein nur in den gemeinen Sprecharten übliches Wort, eine kleine Vertiefung auf der Oberfläche der Erde zu bezeichnen, in welcher sich das Wasser sammelt; in einigen Gegenden die Tülle, der Tümpel. Es ist mit 1 Dille und Thal genau verwandt. S. auch das folgende.


Teller (W3) [Adelung]


Der Teller, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Tellerchen, Oberd. Tellerlein, ein Geschirr, die Speisen bey der Mahlzeit auf demselben zu zerschneiden. Hölzerne Teller, welche aus ganz ebenen runden Bretern bestehen, ehedem aber viereckt waren. Irdene oder thönerne, porcellanene, zinnerne, silberne Teller, welche eine flache Vertiefung haben. Suppenteller, in welchen diese Vertiefung größer ist, zum Unterschiede von den flächern Speisetellern. Ingleichen wegen der Ähnlichkeit in der Gestalt, der Präsentier-Teller, Spielteller u. s. f. Um eben dieser Ähnlichkeit willen, pflegt man auch wohl die hohle Hand, den Handteller zu nennen.

Anm. Im mittlern Lat. Talierium, im alt Franz. Tailleor, im Ital. Tagliero, im Böhm. Taljre, im Dän. Tallerken, im Schwed. Tallrick, im Finnländ. Talricki, im Russischen Tarelka; welches letztere insgesammt aus dem Deutschen Tellerchen, Nieders. Tellerken, entlehnt zu seyn scheinet. Wenn die Teller von Anfange an eine flache Vertiefung gehabt hätten, so würde dieses Wort sehr wahrscheinlich mit dem vorigen Telle von einem veralteten tel, tief, niedrig abgeleitet werden können, (Siehe Thal.) Allein, da sie ursprünglich flache und zwar viereckte Breter waren, wie die hölzernen Teller oft noch sind, so muß man wohl das Zeitwort theilen, spalten, schneiden, Franz. tailler, Ital. tagliare, als das Stammwort ansehen, und zwar entweder, so fern die ursprünglichen Teller gespaltete Breter waren, oder auch, so fern man die Speisen auf denselben zu zertheilen oder zu zerschneiden pflegt, daher ein Teller im mittlern Lat. auch Scissorium genannt wurde. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist dieses Wort ungewissen Geschlechtes; das Teller. Übrigens ist dafür in einigen Gegenden auch Plendel üblich, so wie die hölzernen Teller im Niederd. Bricken, Breter, genannt werden.


Tellereisen (W3) [Adelung]


Das Tellereisen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Fangeisen, welches auf allerley Raubthiere gestellet wird, und aus einer Maschine mit zwey Federn, zwey Biegeln und einem Teller von breitem Bleche bestehet; das Tritteisen.


Tellerhammer (W3) [Adelung]


Der Tellerhammer, des -s, plur. die -hämmer, bey den Klempenern, ein Hammer, mit einer polierten runden Bahn, blecherne Teller und andere Vertiefungen damit zu schlichten.


Tellerlecker (W3) [Adelung]


Der Tellerlecker, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Tellerleckerinn, ein Schmarotzer, welcher durch niedrige Schmeicheleyen von den Tellern eines andern lebt, einem andern um einer Mahlzeit willen niedrig schmeichelt; Ital. Lecca-pianti, Nieders. Pannlicker. Der alles sucht und wählt, was Tellerlecker ätzet, Hag.


Tellermütze (W3) [Adelung]


Die Tellermütze, plur. die -n, eine Art flacher Mützen, in Gestalt eines Tellers. An einigen Orten tragen die Juden solche Mützen, welche alsdann auch Judenteller genannt werden. Bey dem weiblichen Geschlechte ist es eine Art flacher Mützen gemeiner weiblicher Personen, welche im Oberdeutschen auch Tellerhauben genannt werden.


Tellerrübe (W3) [Adelung]


Die Tellerrübe, plur. die -n, eine Art großer weißer runder Rüben, welche auch Mayrüben genannt werden; Rapa sativa rotunda radice candida Bauh. eine Art der Brassica Rapa Linn.


Tellertuch (W3) [Adelung]


Das Tellertuch, des -es, plur. die -tücher, Diminut. das Tellertüchlein, ein Wort, welches noch im Oberdeutschen am gangbarsten ist, eine Serviette zu bezeichnen, d. i. ein Tuch, welches man bey der Mahlzeit auf den Teller legt, sich während derselben daran abzuwischen.


Tellerwärmer (W3) [Adelung]


Der Tellerwärmer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kasten oben mit einem Roste und inwendig mit einem Kohlenfeuer, die Teller darauf zu wärmen.


Tellmuschel (W3) [Adelung]


Die Tellmuschel, plur. die -n, eine Art flacher zweyschaliger Muscheln, welche den Miesmuscheln gleichen, und daß sie schmäler flächer sind; Telline, welcher Nahme so wie die erste Hälfte des vorigen zunächst ausländisch ist, aber doch entweder zu unserm Telle, oder auch zu Teller gehöret. Versteinert werden sie Telliniten genannt.


Temnitz (W3) [Adelung]


Die Temnitz, plur. die -en, ein nur in einigen Gegenden, besonders Obersachsens, übliches Wort, ein Gefängniß zu bezeichnen, welches ein Überrest der Slavonischen und Wendischen Sprache ist. Russ. Temnitza, Wallach. Temnize. Im Böhmischen bedeutet Dymnice, ein dunkles, finsteres Loch, desgleichen z. B. ein Rauchloch ist, temny aber finster, und Temnost, Dunkelheit, welche Wörter doch insgesammt zu dem Geschlechte unsers dämmern zu gehören scheinen.


Tempel (W3) [Adelung]


Der Tempel, des -s, plur. ut nom. sing. ein zum öffentlichen Gottesdienste gewidmetes Gebäude, da es denn von einem sehr weiten Umfange ist, und eigentlich ein jedes Gebäude dieser Art bedeutet, es mag nun der wahre Gott, oder auch falsche Götter und Götzen darin verehret werden. Der Tempel Salomonis. Der Tempel zu Jerusalem. Ein heidnischer Tempel, ein Götzentempel. Wegen des Tempels der ehemahligen Juden werden auch noch die Synagogen oder Versammlungsörter der heutigen Juden im gemeinen Leben Tempel oder Judentempel genannt. So allgemein nun auch die Bedeutung dieses Wortes ist, so ist es doch von den gottesdienstlichen Versammlungshäusern der Christen in dem gewöhnlichen Sprachgebrauche nicht gangbar, indem selbige Kirchen genannt werden, so wie die ähnlichen Gotteshäuser der Türken unter dem Nahmen der Moscheen bekannt sind, obgleich in der höhern Schreibart auch beyde Tempel genannt werden. Es scheinet daher, daß Tempel eigentlich ein solches gottesdienstliches Gebäude bezeichnet, in welchem die Gottheit unter einer sichtbaren Gestalt verehret wird, welches denn auch von dem Tempel der ältern Juden galt.

Anm. Schon im Isidor Tempil, im Tatian im ungewissen Geschlechte thaz Tempel. Es ist allem Anscheine nach aus dem Griech. und Lat. Templum und die Deutsche Sprache gekommen, welches Stukely von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein abgesonderter Ort ableitet. Merkwürdig ist indessen, daß im Nieders. Tempel eine Kammer in der Höhe, tempeln, auftempeln, aufthürmen, hoch aufhäufen, und Tempeltoorn, einen hohen Haufen bedeuten, welche wohl schwerlich für Figuren des Lat. Templum gehalten werden können. Es scheinet daraus vielmehr zu erhellen, daß Tempel ein altes Europäisches Wort gewesen, welches einen hohen Haufen, ein hohes Gebäude, ein in der Höhe befindliches Ding bedeutet hat, und das Stammwort des Lat. Templum gewesen, wo es besonders ein hohes gottesdienstliches Gebäude bezeichnet hat, welche Bedeutung denn nochmahls auch wieder in das Deutsche aufgenommen wor- den. Ein Verwandter in dieser Bedeutung der Höhe ist Damm. ( S. dasselbe, ingleichen Tempelstock.) Bey den Tuchmachern und Atlaß-Webern heißt die Sperrruthe der Tempel, Böhm. Templ.


Tempelherr (W3) [Adelung]


Der Tempelherr, des -en, plur. die -en, ehemahlige geistliche Ritter, welche dem Lande Palästina zum Besten, und besonders zur Befreyung des Tempels zu Jerusalem aus den Händen der Mahomedaner zu Anfange des 12ten Jahrhundertes gestiftet, zu Anfange des 14ten aber wieder ausgerottet und aufgehoben wurden; im Nieders. Tempeler, im Mittlern Lat. Templarii. Daher der Tempelorden, der Orden dieser Tempelherren; der Tempelhof. die Wohnung eines Commandeurs dieses Ordens, welchen Nahmen noch jetzt manche Schlösser und Häuser führen, weil sie ehedem Wohnsitze der Commandeurs dieses Ordens waren.


Tempelstock (W3) [Adelung]


Der Tempelstock, des -es, plur. die -stöcke, in der Landwirthschaft einiger Provinzen, z. B. in der Mark Brandenburg, ein rundes Stück Eisen an dem Pfluge, welches vor das Sohlband gesteckt wird, damit es nicht abgehe. Etwa von dem Nieders. Tempel, etwas Erhabenes? S. Tempel Anm.


Temperament (W3) [Adelung]


Das Temperament, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Temperamentum. 1. Ein gemäßigtes Mittel, zwischen zwey äußersten; im gemeinen Leben. Ein Temperament treffen. Daher auch eine Vermittelung, ein gütlicher Vergleich zwischen zwey streitigen Personen zuweilen ein Temperament genannt wird. 2. Die Mischung der festen und flüssigen Theile in einem thierischen, besonders menschlichen Körper. Ein gutes Temperament haben, eine gute Natur, gute Leibesbeschaffenheit und Gesundheit. Besonders 3, in engerm Verstande, diese Mischung der festen und flüssigen Theile des Körpers, in Rücksicht auf die, dadurch bestimmten sinnlichen Vorstellungen, Begierden und Neigungen. In diesem Verstande nimmt man vier Haupt-Temperamente bey den Menschen an, das phlegmatische, sanguinische, cholerische und melancholische. Der eifrigste Enthusiasmus in der Freundschaft, der sich nur auf gleichseitige Neigung des Temperaments gründet, ist an und für sich keine Tugend, er ist ein bloßer Naturtrieb, Gell. Das beste Herz hat seine kleinen Fehler, der Erziehung und des Temperaments, eben ders.


Temper-Hafen (W3) [Adelung]


Der Temper-Hafen, des -s, plur. die -häfen, S. Temperofen.


Tempern (W3) [Adelung]


+ Tempern, verb. reg. welches nur in einigen gemeinen Sprecharten üblich ist. 1. * Als ein Activum, mischen, mäßigen, wie das Lat. temperare. Schon Kero sagt in dieser Bedeutung tempron. Do der luft mit sunnen vuire. Wart getempert und gemischet, Burkart v. Hohenfels. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet. 2. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben, zaudern, durch tändeln die Zeit versäumen oder verlieren; nur im gemeinen Leben Meißens, wofür in andern Gegenden tändeln, trändeln, trödeln u. s. f. üblich sind. So auch das Tempern. Anm. In der ersten Bedeutung ist es vermuthlich aus dem Latein. entlehnet, welches denn schon sehr früh geschehen seyn muß. Allein, in der zweyten scheinet es ein echtes Deutsches Wort zu seyn, welches indessen mit tempus und dem mittlern Lat. temporisare, Franz. temporiser, Zeit zu gewinnen suchen, aus Einer Quelle herstammet, wenn es anders nicht so einen ähnlichen Stammbegriff der Spielerey hat, als tändeln, trändeln und andere dieser Art. Im Engl. ist tamper gleichfalls zaudern.


Temper-Ofen (W3) [Adelung]


Der Temper-Ofen, des -s, plur. die -öfen, in den Glashütten, ein Nahme des Kühlofens, in welchem die geblasenen und verfertigten noch glühenden Gläser in großen Töpfen, welche Temper-Häfen heißen, abgekühlet werden. Aus dem Lat. temperare.


Tenakel (W3) [Adelung]


Das Tenakel, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Latein. Tenaculum, bey den Buchdruckern, ein längliches mit Papier überzogenes Holz, das Manuscript, welches abgedruckt werden soll, darin fest zu klemmen; der Halter, Schrifthalter. Der Buchhalter des gemeinen Lebens ist demselben ähnlich.


Tengeln (W3) [Adelung]


Tengeln, S. Dengeln.


Tenne (W3) [Adelung]


Die Tenne, plur. die -n, Diminut. das Tennchen, ein geebneter und fest geschlagener Theil der Erdfläche, gewisse Verrichtungen darauf vorzunehmen, wo es doch nur in einigen einzelnen Fällen üblich ist. Die Haustenne im Oberdeutschen, der Hausflur, das Vorhaus, der Platz im Hause gleich an der Hausthür. Die Vogeltenne, in einigen Oberdeutschen Gegenden, der Vogelherd. In den Pochwerken wird der Fußboden, welcher sonst im Bergbaue die Sohle heißt, gleichfalls die Tenne genannt. Am üblichsten ist es im Hochdeutschen, denjenigen geebneten und fest geschlagenen Fußboden zu bezeichnen, auf welchem das Getreide ausgedroschen wird, wo es in der edlern Schreibart für das gemeinere Diehle gebraucht wird; die Dreschtenne, Nieders. Dreschdiehle; die Scheun- oder Scheuertenne, wenn eine solche Tenne ein Theil einer Scheuer ist, zum Unterschiede von einer Feldtenne. Die Tenne schlagen, durch Festschlagung der Erde oder des Lehmes eine Tenne bereiten.

Anm. Schon im Tatian Tenni, beym Notker, der es im ungewissen Geschlechte gebraucht, daz Tenne. Es ist der Oberdeutschen Mundart vorzüglich eigen, indem die Niederdeutsche dafür ihr Dehle; Diehle gebraucht. Die Abstammung ist ungewiß. Wenn man aber das eben gedachte Niederdeutsche mit zu Rathe zieht, so scheinet der Begriff der Niedrigkeit, vielleicht auch der ebenen Beschaffenheit der herrschende zu seyn. Im erstern Falle würde es mit dem Angels. Den, Lagerstätte, Engl. Den, eine Höhle, Grube, Ital. Tana, und dem Franz. Taniere, eine Höhle, eine Lagerstatt wilder Thiere, Eines Geschlechtes seyn. In den gemeinen Mundarten ist es in allen drey Geschlechtern, im Hochdeutschen aber nur im weiblichen üblich.


Tennenmeister (W3) [Adelung]


Der Tennenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. in der Landwirthschaft einiger Gegenden, derjenige unter den Dreschern, welcher die Aufsicht über die andern hat, und an andern Orten der Scheunknecht genannt wird.


Tenor (W3) [Adelung]


Der Tenor, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, in der Musik, die dritte unter den vier Singestimmen, welche die tiefere Mittelstimme zwischen dem Alte und Basse ist. Den Tenor singen. Daher der Tenorist, des -en, plur. die -en, der den Tenor singt; die Tenor-Stimme, so wohl die Art der Stimme, welche der Tenor genannt wird, als auch die für dieselbe gesetzten und ausgeschriebenen Noten. Das Wort ist aus dem Ital. Tenore, welches wieder von dem Latein. Tenor abstammet, wie man glaubt, in den alten Moteten der Inhalt des Stückes gemeiniglich in dieser Stimme angebracht wurde.


Teppich (W3) [Adelung]


Der Teppich, des -es, plur. die -e, eine jede zierliche, besonders gewirkte Decke, womit die Wände, Fußböden, Tische, Sitze, Altäre u. s. f. zur Zierde bekleidet werden. Teppiche an der Hütte des Stiftes, 2 Mos. 26, 1; womit die Wände bekleidet wurden. Den Himmel, wie einen Teppich ausbreiten, Ps. 104, 2. Die Wände des Zimmers mit Teppichen behängen. Lederne, seidene, wollene Teppiche. Der Wandteppich, Tischteppich, Fußteppich, Altarteppich u. s. f. Das Wort ist im Oberdeutschen am gangbarsten, indem die Wandteppiche im Hochdeutschen unter dem Nahmen der Tapeten am bekanntesten sind. Doch gebraucht man es hier noch von dergleichen zierlichen Bedeckungen der Tische, Fußböden u. s. f. Mit einer Person auf den breiten Teppich treten, figürlich, mit ihr copuliert werden, weil dergleichen Personen an manchen Orten während der Trauung auf einen Teppiche stehen. Im Oberdeutschen sagt man auch, etwas auf den Teppich bringen, wofür im Hochdeutschen das Wort Tapet üblich ist. Figürlich ist in der Gartenkunst der Teppich ein großes Rasenstück, welches wie ein Teppich mit Blumen besetzt wird. Anm. Schon in den Monseeischen Glossen und im Schwabensp. Tepih. Das gleichbedeutende aber durch den Hochdeutschen Sprachgebrauch eingeschränkte Tapete ist unstreitig aus dem Lat. Tapes entlehnet; dieser Teppich aber scheinet, seiner völlig Deutschen Gestalt wegen, ein echtes Deutsches Wort zu seyn, welches mit dem Lateinischen aus Einer und eben derselben ältern Quelle herstammet, und eine jede Decke bedeutet zu haben scheinet. In dem zu Basel 1523 gedruckten neuen Testamente wird es als ein unbekanntes Wort durch Gautter, Golter, Sergen erkläret.


Teppichwirker (W3) [Adelung]


Der Teppichwirker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher Teppiche oder Tapeten wirket, wofür im Hochdeutschen Tapetenwirker üblicher ist. In der Deutschen Bibel heißt er Teppichmacher. Im Oberdeutschen wird der Tapezierer auch Teppich-Staffierer, Tapezerey oder Teppichwerk genannt.


Terbutte (W3) [Adelung]


Die Terbutte, plur. die -n, eine Art Schollen, welche auch Butte und Flunder genannt wird. Pleuronectes Ilesus L. Aus dem Engl. Turbot.


Terebratel (W3) [Adelung]


Die Terebratel, plur. die -n, eine Art zweyschaliger Muscheln mit einer glänzenden Schale, welche den Gienmuscheln ähnlich sind, und an ihrem gekrümmten Ende ein kleines Loch haben. Man hat sie nur noch versteinert gefunden. Der Nahme ist aus dem Lat. Terebratula.


Terling (W3) [Adelung]


* Der Terling, des -es, plur. die -e, ein nur in einigen gemeinen Mundarten übliches Wort. 1. In einigen Gegenden, besonders Niederdeutschlandes werden die Cornelkirschen Terlinge und Tierlen genannt; daher der Terlingbaum, der Cornelkirschenbaum. 2. Im Niederdeutschen ist Tarl, Tarrel, Tarling, Teerling und Terling ein Würfel, ingleichen ein vierecktger Ballen Waare, besonders ein solcher Ballen Tuch von einer gewissen Zahl Tücher, Holländ. Teerling. Daher ist tarlen, mit Würfeln spielen.


Termin (W3) [Adelung]


Der Termin, des -es, plur. die -e, ein zu einem gewissen Geschäfte, besonders zu einer gerichtlichen Handlung bestimmter Tag. Einen Termin ansetzen. Den Termin abwarten, versäumen. eine summe Geldes in zwey Terminen bezahlen, in zwey Fristen, Tageszeiten, Tagefristen, im Oberd. auch Zielen, Zielern. Es ist mit dem Römischen Rechte aus dem Lat. Terminus in die Rechtssprache aufgenommen worden, ob es gleich den alten Deutschen nicht an Wörtern mangelte, diesen Begriff auszudrucken, wohin, außer den schon gedachten, besonders Tagefahrt und Tagesatzung gehöreten.


Terminey (W3) [Adelung]


* Die Terminey, plur. die -en, auch aus dem Lat. Terminus, ein in seine Gränzen eingeschlossener Bezirk, ein Gebieth, Bezirk; ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches nur noch bey den Bettelmönchen, besonders Oberdeutschlandes, üblich ist, wo es eigentlich den Bezirk bedeutet, in welchem ein Bettelkloster zum Unterhalte seiner Ordensglieder Almosen einsammeln darf. Figürlich wird daselbst auch dieses Betteln selbst, und das dazu bestimmte Haus, die Terminey genannt. Daher terminiren, in der Terminey Almosen sammeln, und hernach auch betteln, überhaupt, der Terminirer, der von einem Kloster Bettel-Ordens zu Einsammlung der Almosen ausgeschickt wird, und hernach in weiterm und verächtlichem Verstande, ein jeder im Lande herum wandernder Bettler. Siehe Frischens Wörterb. h. i.


Terpenthin (W3) [Adelung]


Der Terpenthin, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten die -e, ein flüssiges Harz, oder harziges Öhl, welches aus verschiedenen Arten des Nadelholzes erhalten wird. 1. Der echte oder Cyprische Terpenthin kommt von einer Art Pistacien, welche daher Terpenthinbaum genannt wird, Pistacia Terebinthinus L. welcher in dem mittägigen Europa, dem nördlichen Afri- ka und Ostindien einheimisch ist. Er hat eine weiße gelbliche, in das Grüne oder Hellblaue spielende Farbe, einen angenehmen balsamischen Geruch und scharfen, bittern und harzigen Geschmack. Weil er jetzt am häufigsten zu Verfälschung anderer Balsame gebraucht wird, so ist er selten mehr rein zu haben. 2. Der Venetianische oder Venedische Terpenthin ist ein ähnliches harziges Öhl, welches durch Einschnitte in den Lärchenbaum, Pinus Larix L. erhalten wird, und anfänglich gelblich weiß, und so dünne, wie Wasser ist, sich aber hernach verdicket und eine Citron-Farbe annimmt. Eine noch edlere Art, welche von selbst aus dem Baume rinnet, wird in Frankreich Bijon genannt. 3. Der gemeine Terpenthin ist ein Product der gemeinen Fichte so wohl, als auch der Weiß- und Rothtanne, woraus durch die Destillation so wohl das Terpenthin-Öhl, als auch der Terpenthin-Geist bereitet werden.

Anm. Der Nahme ist aus dem Lat. Terebinthina, der wieder aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, entlehnet ist. Daß aber auch dieses in den Morgenländern einheimisch ist, erhellet aus dem Pers. Terbentin, welches gleichfalls dieses harzige Öhl bezeichnet. In einigen Gegenden ist es ungewissen Geschlechtes, das Terpenthin. Ehedem nannte man den Terpenthin im Deutschen auch Pullpech, von pullen, quellen, fließen, und den Baum Pullpechbaum.


Terpenthin-Baum (W3) [Adelung]


Der Terpenthin-Baum, des -es, plur. die -bäume, S. das vorige.


Terpenthin-Geist (W3) [Adelung]


Der Terpenthin-Geist, des -es, plur. inus. das flüchtige ätherische Öhl, welches durch die Destillation aus dem gemeinen Terpenthine erhalten wird; Spiritus Terebinthina.


Terpenthin-Öhl (W3) [Adelung]


Das Terpenthin-Öhl, des -es, plur. inus. ein starkes hitziges, flüchtiges und durchdringendes Öhl, welches gleichfalls aus dem gemeinen Terpenthine bereitet wird. Ein geringeres ähnliches harziges Öhl wird in den Pechhütten aus den Kienstöcken und Wurzeln gesotten, und so wohl Terpenthin-Öhl, als Kienöhl genannt.


Terrasse (W3) [Adelung]


Die Terrasse, plur. die -n, aus dem Französ. Terrasse, ein zierlicher erhabener Platz von Erde, besonders in einem Luftgarten. Ehedem nannte man von eben diesem Worte eine Bastey, ingleichen einen Erdwall Tarras.


Terrine (W3) [Adelung]


Die Terrine, plur. die -n, eine zierliche Suppenschüssel von ungewöhnlicher Tiefe und Höhe; eine Tiefschüssel. Es ist aus dem Franz. Terrine, welches von Terre, Erde, abstammet, und eigentlich dergleichen irdene Schüsseln bezeichnet zu haben scheinet, aber jetzt von allen Schüsseln dieser Art gebraucht wird, sie mögen von Porcellan, Zinn oder Silber seyn.


Tertian (W3) [Adelung]


Der Tertian, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Tortianus, bey den Orgelbauern, ein Orgel-Register, dessen größte Pfeife von zwey Fuß, die größere Tertia, und die kleinste eine Quinte gibt. Bey den Ärzten wird das dreytägige Fieber mit einem halb Lateinischen Worte auch das Tertian-Fieber genannt.


Tertie (W3) [Adelung]


Die Tertie, (dreysylbig,) plur. die -n, im gemeinen Leben, die Terz, plur. die -en, aus dem Lat. Tertia. 1. In der Musik, ein Ton, welcher um drey Stufen von einem andern Tone entfernet ist, wenn diese beyden Töne mit gezählet werden, so daß eine dazwischen liegende Note nicht gehöret wird. So ist in c d e, der Ton e die Tertie von c. 2. In der Mathematik ist die Tertie der 60ste Theil einer Secunde, nach dem Lat. Minutum tertium. 3. In verschiedenen Kartenspielen wird eine auf einander folgende Reihe von drey Blättern in Einer Farbe die Tertie genannt. 4. In der Fechtkunst bedeutet es eine gewisse Art des Stoßes, eigentlich die dritte Art des Stoßes in der angenommenen Reihe künstlicher Stöße.


Terzerol (W3) [Adelung]


Das Terzerol, des -s, plur. die -e, aus dem Ital. Terzaruolo eine kleine Pistole zu bezeichnen, welche man in der Tasche bey sich tragen kann; eine Taschen-Pistole, im Oberd. ein Sack-Pistol, sonst auch ein Puffer, Sackpuffer, Taschenpuffer.


Terzett (W3) [Adelung]


Das Terzett, des -es, plur. die -e, aus dem Italien. Terzetto, in der Musik, eine Arie für drey Singestimmen; wie Duett, Quartett, Quintett u. s. f.


Teschine (W3) [Adelung]


Die Teschine, plur. die -n, eine Art schöner gezogener und mit Bley versehener Büchsenröhre, welche in der Stadt Teschen in Ober-Schlesien gemacht werden, wovon sie auch den Nahmen haben. Man hat deren so wohl lange als kurze, welche letztern besonders von den Ungarn gesucht und von ihnen Teschinken genannt werden, welche Form denn auch wohl im Deutschen gangbar ist. Ehedem wurden diese Teschinen häufig nach Liefland und Curland verschickt.


Test (W3) [Adelung]


1. Der Test, des es, plur. car. ein Nahme, welcher in einigen Gegenden dem Wasserbleye, Reißbleye oder Bleyschweife gegeben wird. Da diese dem Bleye in der Farbe ähnliche, aber taube und nichts metallisches enthaltende Bergart schon lange für eine Unreinigkeit oder bergmännische Unart angesehen worden, so scheinet das Oberdeutsche und besonders Baierische Test, dicke, zähe Unreinigkeit, das Stammwort zu seyn. So pflegt man daselbst, z. B. die aus Schweiz, Puder und Pomade bestehende Unreinigkeit des Kopfes einen Test zu nennen, welches ohne Zweifel das Böhmische Testo, Teig, Masse ist.


Test (W3) [Adelung]


2. Der Test, des -es, plur. die -e, ein nur im Hüttenhause übliches Wort, ein flaches irdenes Gefäß zu bezeichnen, worin man das Silber fein brennet und zum Blicken bringet, welches auch die Kapelle genannt wird. Eben daselbst führet diesen Nahmen auch die eiserne Schüssel, worin der Test gestoßen oder verfertiget wird. So sehr auch dieses Wort dem Lat. Testa, Testula, ähnlich ist, so scheinet es doch nicht unmittelbar von demselben abzustammen, sondern vielmehr ein Seitenverwandter desselben zu seyn, indem schon Notker Testi, für Scherben, gebraucht, da es denn mit 3 Tasche Eines Geschlechtes seyn würde.


Testament (W3) [Adelung]


Das Testament, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Testamentum. 1. Jeder letzter Wille eines Lebenden auf den Fall seines Todes, und in engerer Bedeutung, die Verordnung eines Sterbenden über sein Eigenthum, und die Urkunde, worin dieser Auffaß enthalten ist. Sein Testament machen. Ein Testament eröffnen. Daher der Testaments Erbe, welcher Kraft eines Testamentes eines andern Vermögen erbet; der Testaments-Fälscher, der ein Testament verfälschet, u. s. f. Ehe dieses ausländische Wort mit dem Römischen Rechte in Deutschland eingeführet wurde, hatte man verschiedene Deutsche Ausdrücke, den Begriff desselben auszudrucken. Notker gebraucht dafür Beneimscrift, Beneimeda, von beneimen, ernennen, Erbescrift; der Schwabensp. Geschaeft, von schaffen, verordnen; andere ältere Oberdeutsche Schriftsteller Erbschrift, Erbgemächt, Erbsatzung. Im Oberdeutschen nennt man es noch jetzt das letztwillige Geschäft, im Hochdeutschen aber den letzten Willen. 2. Figürlich gebrauchte man den Lateinischen Ausdruck in den mittlern Zeiten von dem so genannten göttlichen Gnadenbunde mit den Menschen, daher es in der Theologie und der Deutschen Bibel noch folgende Bedeutungen hat. (1) Die Zeit der verschiedenen Haushaltungen dieses göttlichen Gnadenbundes, und der dahin gehörige Zustand der Kirche unter demselben. Das alte Testament, die Kirche Gottes vor der Geburt Christi, und besonders unter dem Mosaischen Gesetze, im Gegensatze des neuen. (2) Die Sammlung der zu jedem solchen Zeitpuncte gehörigen Bücher der nähern Offenbarung Gottes. Das alte Testament, im Gegensatze des neuen. In dieser zweyten Hauptbedeutung kommt dafür im Isidor vor Vuizssod, bey dem Kero Euua, bey dem Ottfried E, ( S. Ehe,) und Urchunde, bey dem Notker Eourchunde, Ea, alter Beneimedo, das alte Testament u. s. f.


Testamentarisch (W3) [Adelung]


Testamentarisch, adj. et adv. in Form und nach Art eines Testamentes, d. i. letzten Willens.


Testamenter (W3) [Adelung]


* Der Testamenter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Testamenterinn, diejenige Person, welche ein Testament macht, oder gemacht hat; ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, wofür man daselbst das Lat. Testatot, zuweilen auch Testierer gebraucht. Ehedem hatte man dafür die Wörter Erbsetzer und Erbschreiber.


Testamentisch (W3) [Adelung]


Testamentisch, adj. et adv. in der zweyten Bedeutung des Hauptwortes Testament, zu einem der beyden Testamente gehörig, darin gegründet, daher es nur in den Zusammensetzungen alttestamentisch, und neu testamentisch üblich ist, wofür doch das Wort testamentlich schicklicher wäre


Testkorn (W3) [Adelung]


Das Testkorn, des -es, plur. die -körner, von 2 Test, im Hüttenbaue, diejenigen Silberkörner, welche sich hin und wieder in dem Teste ansetzen.


Testkugel (W3) [Adelung]


Die Testkugel, plur. die -n, eben daselbst, eine messingene Kugel, womit die Teste glatt gerieben werden.


Teuchel (W3) [Adelung]


Der Teuchel, ein Canal, S. Teichel.


Teufe (W3) [Adelung]


Die Teufe, plur. die -n, ein von Tiefe bloß in der Mundart verschiedenes Wort, welches noch im Bergbaue gäng und gäbe ist, wo es überall für Tiefe gebraucht wird. Die Erbteufe, Erzteufe u. s. f. Eine allzu große Teufe macht die Gebäude schwerhältig. Es ist in dieser Gestalt nicht bloß den Bergleuten eigen, sondern auch in einigen gemeinen Mundarten üblich. Bey dem Notker lautet es Doufi. Die Ströme gehn mit stürmender Gewalt, Und reissen mich hinunter in die Täuffen, Opitz Ps. 69. Daher sie von den Bergleuten nur aus einer andern Mundart beybehalten worden.


Teufeley (W3) [Adelung]


Die Teufeley, plur. die -en, eine unmittelbare Wirkung des Teufels, und was dafür gehalten wird. Ingleichen figürlich, boshafte, lose, verwirrte Händel. Lauter Teufeley anfangen.


Teufelisch (W3) [Adelung]


Teufelisch, teuflisch, -er, -te, adject. 1. Von dem Teufel herrührend, in demselben gegründet. Noch mehr, 2 figürlich, im höchsten Grade lasterhaft und boshaft. Teuflische Gedanken. Ein teuflischer Anschlag. Eine teuflische Bosheit. Ein teuflisches Mittel. Im Angels. deoflice.


Teufelsabbiß (W3) [Adelung]


Der Teufelsabbiß, des -sses, plur. inus. eine Pflanze, welche auch Teufelsbiß genannt wird, S. Abbiß.


Teufelsauge (W3) [Adelung]


Das Teufelsauge, des -s, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Adonis-Blumen, Adonis Linn. welche auch Feuerrofen genannt werden. In andern des Bilsenkrautes.


Teufelsband (W3) [Adelung]


Das Teufelsband, S. Grant.


Teufelsbanner (W3) [Adelung]


Der Teufelsbanner, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher den Teufel bannen zu können vorgibt.


Teufelsbeere (W3) [Adelung]


Die Teufelsbeere, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Tollkirschen oder Schlafbeeren, welche auch Teufelskirschen genannt werden; Atropa Belladonna Linn. In andern werden die Beeren des Geißblattes oder der Waldlilie, Periclymenum Linn. weil sie nicht zum Essen taugen, Teufelsbeeren genannt.


Teufelsbiß (W3) [Adelung]


Der Teufelsbiß, S. Teufelsabbiß.


Teufelsdreck (W3) [Adelung]


Der Teufelsdreck, des -es, plur. inus. eine figürliche Bedeutung des widerlich und wie Knoblauch riechenden kleberigen Harzes einer Art des Gartenkrautes, welches in Persien einheimisch ist, Ferula Assa foetida Linn. Das gelbe, weißröthliche, glänzende und durchsichtige Gummi dieser Pflanze, wird aus ihrer Wurzel gesammelt und Lat. Assa foetida genannt.


Teufelsfarbe (W3) [Adelung]


Die Teufelsfarbe, plur. inus. ein Nahme, mit welchem in der zweyten Hälfte des 16ten Jahrhundertes der Indigo belegt wurde, und unter welchem man ihn selbst in mehrern Reichsgesetzen verboth, weil man ihm Schuld gab, daß er die Zeuge zerfresse und mürbe mache.


Teufelskegel (W3) [Adelung]


Der Teufelskegel, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Nahme der Belemniten oder Luchssteine, weil der große Haufe mancherley alberne und abergläubige Meinungen von ihrem Ursprunge und ihrer Wirkung hat.


Teufelskind (W3) [Adelung]


Das Teufelskind, des -es, plur. die -er, in dem harten Kanzelstyl, ein verstockter Sünder. Im gemeinen Leben auch wohl ein durchtriebener, im höchsten Grade leichtfertiger Mensch. An manchen Orten wird auch wohl der Iltiß, theils wegen seiner Schädlichkeit, theils aber auch wegen seines heftigen Gestankes mit diesem Nahmen belegt.


Teufelskirsche (W3) [Adelung]


Die Teufelskirsche, plur. die -n. (1. S. Teufelsbeere.) 2. In andern Gegenden ist es ein Nahme der Zaunrübe, welche auch Hundskirsche und Kürbiskirsche genannt wird; Bryonia alba Linn.


Teufelsklaue (W3) [Adelung]


Die Teufelsklaue, plur. inus. ein Nahme des Bärlappes, S. dieses Wort.


Teufelskopf (W3) [Adelung]


Der Teufelskopf, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des kleinen Wegerichs mit schmalen Blättern; Plantago dubia Linn.


Teufelsmilch (W3) [Adelung]


Die Teufelsmilch, plur. car. ein Nahme einer Pflanze, welche einen schädlichen Milchsaft in sich hat, und auch Wolfsmilch und Eselsmilch genannt wird; Euphorbia helioscopia Linn.


Teufelswurz (W3) [Adelung]


Die Teufelswurz, plur. car. ein Nahme des blauen Sturmhutes; Aconitum Napellus Linn.


Teul (W3) [Adelung]


Teul, S. Theil.


Teute (W3) [Adelung]


Die Teute, S. Düte.


Text (W3) [Adelung]


Der Text, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Textus, die Worte eines Schriftstellers, zum Unterschiede von der Auslegung derselben, oder so fern sie zum Grunde einer Erklärung dienen; in welchem Verstande, besonders die biblischen Stellen, über welche gepredigt wird, Texte heißen. Nun weiter in den Text! weiter in oder von dieser Sache. Zu tief in den Text kommen, zu viel von einer Sache reden. Jemanden den Text lesen, ihm eine ernsthafte Vermahnung, einen ernsthaften wörtlichen Verweis geben, wofür man auch sagt, die Epistel, den Leviten lesen; lauter von den Texten der Prediger entlehnte R. A.


Teyanker (W3) [Adelung]


Der Teyanker, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Schiffen, ein kleiner Anker, welchen man auswirft, damit ein Schiff nicht von dem Strome oder der Fluth fortgetrieben werde; der Gabelanker. Der Fluthanker und Ebbeanker sind Arten dieses Ankers. Das Wort ist Niederdeutsch und lautet daselbst Tyanker, vermuthlich von Tide, Tie, Holländ. Tye, die Zeit, und figürlich Ebbe und Fluth.


Th (W3) [Adelung]


Th, der Figur nach ein zusammengesetzter Buchstab, welcher indessen doch nur einen einfachen Laut bezeichnet, einen Laut, welcher dem t gleicht, nur daß er der Regel nach gelinder seyn, und das Mittel zwischen dem weichern d und härtern t halten sollte; Theil, Theer, Thau, Muth, Werth. In den neuern Zeiten hat dieser Buchstab von solchen, welche sich zu Sprechverbesserern aufwarfen, und die Verbesserung der Sprache immer mit der Rechtschreibung anfingen, weil da das Bessern am leichtesten und bequemsten ist, viele Gegner bekommen. Die schwächsten darunter verkannten seinen wahren Werth und seine Bestimmung, und glaubten, daß das h bloß zur Bezeichnung eines gedehntes Selbstlautes da sey, und aus Unkunde in den vorigen Zeiten von seiner rechten Stelle versetzt und dem t anhängt worden. Unter der Zahl dieser befand sich auch Mosheim, dessen anderweitige Gelehrsamkeit und Verdienste viele auf seine Seite zogen, welche glaubten, ein gelehrter Mann müsse gerade in allen Wissenschaften und Theilen derselben gleich gelehrt seyn. Beyder irrigen Voraussetzungen zu Folge schrieben Mosheim und seine Nachfolger Noht, rahten, Wehrt, Teihl, tuhn, Tiehr, Tuhrm, teuher u. s. f. und glaubten, sich ein großes Verdienst erworben zu haben, daß sie das h ihren Gedanken nach wieder an seine rechte Stelle gebracht hatten. Allein, es war sehr leicht ihnen zu zeigen, daß das h, wenn es dem t zugesellet wird, kein Zeichen eines gedehnten Selbstlautes, sondern vielmehr eines gelindern Lautes des t sey, und dieses geschahe besonders von Gottsched in den krit. Beytr. Th. 5 S. 571 und in seiner Sprachkunst, oder gleich keinen andern Grund anzugeben wußte, als weil die Niederdeutschen in den Fällen, wo wir ein th schreiben, ein d gebrauchen; welches aber viel zu viel beweiset, indem auch das härteste t der Hoch- und Oberdeutschen in eben so vielen Fällen im Niederdeutschen ein d ist. Mit Mosheim sind die Feinde dieses Buchstabens nicht abgestorben, sondern es haben sich auch noch in den neuesten Zeiten verschiedene so genannte Sprachverbesserer gefunden, welche das h verbannet wissen wollten, weil sie keinen begreiflichen Nutzen von demselben einsahen. Die Griechen hatten eine eigene Figur, den Mittellaut zwischen dem - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - anzudeuten, nähmlich das - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - oder - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches aber mit einigen Zischen ausgesprochen wurde. Die Lateiner, welchen es an einer eigenen Figur fehlte, wählten dafür das th, welches sie besonders in solchen Wörtern gebrauchten, welche unmittelbar aus dem Griechischen herstammeten und daselbst ein - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - hatten. Die ältesten nordischen Völker hatten den Laut des th gleichfalls und ihre Runen hatten dafür ein eigenes Zeichen, das - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches aber erweislich aus dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - entlehnet ist. Auch in der Sprache der Angelsachsen befand sich ein Mittellaut zwischen dem d und t, welcher noch dazu wie das Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - mit einem gelinden Zischen ausgesprochen wurde, und ihr Alphabet hatte das - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - denselben zu bezeichnen, wofür ihre Nachkommen, die heutigen Engländer, als sie das Angelsächsische Alphabet mit dem Lateinischen vertauschten, das Lat. th annahmen, welches sie noch jetzt mit einem gelinden Zischen aussprechen. Die alten eigentlichen Deutschen hatten kein eigenes Alphabet, sondern nahmen mit Einführung des Christenthums das Lateinische an. Es ist unbekannt, ob in einer ihrer alten Mundarten ein - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gewesen, welches wie das Englische th mit einem Zischer ausgesprochen worden. Aber es scheinet doch, das sie den dreyfachen Unterschied des t sehr lebhaft gefühlt, daher sie allerley Versuche machten, den mittlern Laut durch Buchstaben auszudrucken. Der unbekannte Übersetzer eines Stückes des Isidor, welcher für den ältesten Schriftsteller gehalten wird, schreibt erdha, dhuo, (da,) dhanne, uuardh, dher, dhiz, dhurah u. s. f. Indessen hängt er nicht einem jeden d das h an, sondern er schreibt auch mittungardes, garuuida, abgrunidiu, herduom u. s. f. Das th kommt bey ihm seltener vor, doch schreibt er anthlatte, Antlitz, anthlühhan, eröffnen. Sein nächster Nachfolger Kero hat weder dh noch th sondern schreibt Teil, -tum, tuan, thun, tat, That u. s. f. Allein Ottfried, welcher über seine Sprache mehr nachgedacht zu haben scheinet, macht einen bestimmten Gebrauch von dem th, welcher doch von dem heutigen sehr abweicht, indem er das Hochdeutsche d häufig dadurch ausdruckt; thu, du thaz, daß und das, thiu, die, thanne, dann, u. s. f. Es würde unnöthig seyn, diesem Buchstaben in den folgenden Jahrhunderten zu folgen, indem doch nichts weiter daraus erhellen würde, als daß man denselben zu allen Zeiten für nothwendig gehalten, daß man aber in dessen Anwendung sehr unbestimmt und ungewiß gewesen, entweder, weil der Unterschied in der Aussprache schon unmerklich oder schwankend geworden; oder weil jeder Schriftsteller der Mundart folgte, in welcher er schrieb, welches bey allen Schriftstellern des mittlern Zeitalters der Fall ist. So viel ist gewiß, daß in unserm heutigen Hoch- und Oberdeutschen die alte wahre Aussprache des th verloren gegangen, und daß wir heut zu Tage keinen Mittellaut zwischen dem d und t mehr haben. Theil lautet nicht anders als Teil, Thau nicht anders als Tau, Ruthe nicht anders als Rute, u. s. f. Ein Mittellaut zwischen den d und t bloß in der Härte oder Weiche ist vielleicht ein bloßes Hirngespinst, eine Grille; das gezischte - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und th aber, der Griechen und heutigen Engländer haben wir in unserer heutigen Sprache nicht; ob es gleich sehr wahrscheinlich ist, daß die Angelsachsen und übrigen verwandten Germanischen Völker es gehabt. Indessen stehet es noch dahin, ob unser th nicht ursprünglich ein Überbleibsel rauher Oberdeutscher Mundarten ist, welche das t mit einem anklebenden Hauche aus der Gurgel aussprachen und zum Theil noch jetzt aussprechen, welche Aussprache denn die ältesten Oberdeutschen Schriftsteller, welche sichs zur Pflicht hielten, ihre rauhe Mundart nach allen ihren Schattierungen zu schreiben, durch Buchstaben so gut auszudrucken gesucht, als ihnen möglich war. Das h war dazu am geschicktesten, weil es in der Schrift der alten Oberdeutschen Schriftsteller die Stelle des ch vertrat. Als sich in der Folge die Sprache verfeinerte, oder vielmehr, als feinere Mundarten in den Schriften die Oberhand bekamen, behielt man das th vermuthlich bloß darum bey, weil man es bey seinen Vorgängern fand, ob man es gleich in der Aussprache nicht von dem t unterschied. Sollten wir aber um deßwillen das th aus unserer Schrift verbannen, weil es in der Aussprache nicht gegründet ist, und auch sonst keinen erweislichen Nutzen hat? Ich glaube nicht. So unbestimmt und schwankend auch dessen Gebrauch in den vorigen Zeiten war, so ist derselbe doch seit ungefähr Einem Jahrhunderte durch die stillschweigende Vereinigung der ganzen Nation hinlänglich bestimmt und gewisser Maßen zu einem orthographischen National-Gesetze geworden. Ganz Deutschland schreibt Thal, That, thun, theuer, Werth, Ruthe, roth, vertheidigen u. s. f. und eine Neuerung würde nicht den mindesten Nutzen, wohl aber viel Verwirrung und Mißverstand verursachen. In unschädlichen Dingen ist die allgemeine Übereinstimmung des Volkes ein Heiltathum, welches jedem einzelnen Mitgliede ehrwürdig seyn muß. Aber es gehet unserer Sprache heut zu Tage wie der Religion. So viele arbeiten öffentlich und insgeheim daran, sie uns aus den Händen zu winden, ohne etwas besseres dafür versprechen zu können. Man sehe die Bemühungen unserer neuern Sprachverbesserer an, und urtheile, ob denn ihre Neuerungen, wenn sie auch allgemein werden könnten, vor dem bisherigen Sprachgebrauche das geringste voraus haben. Dieß voraus gesetzt, wird man nicht erwarten, daß einige Regeln gegeben werden könnten, wo man ein th oder ein t schreiben müsse. Es kommt hier bloß auf den Gebrauch an, und dieser ist zum Glücke so übereinstimmig, als man es von irgend einem Puncte der Orthographie nur erwarten kann. Einige wenige Fälle sind zweifelhaft, z. B. bethen, biethen, Geboth, wo aber doch das th die meisten Stimmen für sich hat. In einigen Fällen ist es erweislich, daß es mit dem Verlängerungs h verwechselt, und von seiner wahren stelle verdrängt worden. So schreibt man richtiger Draht, Naht, Fahrt, als Drath, Nath, Farth, weil sie von drehen, nähen, fahren abstammen. Blüthe hingegen kann sein th behalten, weil th hier statt der Ableitungssylbe de stehet. Wollte man Blühthe oder Blühte schreiben, so müßte man das h auch in Blut, Blume u. s. f. einführen, weil sie insgesammt von blühen herkommen.


Thal (W3) [Adelung]


Das Thal, des -es, plur. die Thäler, Diminut. das Thälchen. 1. Eine zwischen zwey Bergen oder Anhöhen liegende Tiefe. Ein schönes, fruchtbares Thal. Über Berg und Thal. Sprichw. Berg und Thal kommen nie zusammen, wohl aber gute Freunde. 2. Zu Halle im Magdeburgischen wird derjenige Theil der Stadt, in welchem sich die Salzkothen befinden, nur schlechthin das Thal genannt, weil er sich in der Tiefe an der Saale befindet. Daher einige der folgenden Zusammensetzungen aus dieser engern Bedeutung erkläret werden müssen.

Anm. Bey dem Ottfried Dal, bey dem Notker und Willeram Tal, bey dem Ulphilas Dalei, im Angels. Dael, im Engl Dale, im Schwed. Dal, im Isländ. Dalur. Es kommt von dem alten Nebenworte dal, nieder, niederwärts her, bey dem Ulphilas dalath, im Slavon. dolu, im Wend. dele, welches noch im Niederdeutschen gänge und gebe ist; sich dal setzen, niedersetzen u. s. f. Ob ist gleich im Hochdeutschen veraltet ist, so scheinet es doch noch in einigen Gegenden Oberdeutschlandes üblich zu seyn, wenigstens kommt in Theuerdanke zutal und zutall häufig für nieder, niederwärts vor. ( S. 2 Diele) In der Deutschen Bibel lautet der Plural oft Thale; auserwählte Thale, Es. 22. 7; alle Thale sollen erhöhet werden, Kap. 40, 4. Welches doch eine bloße veraltete Oberdeutsche Form ist, welche nicht, wie Herr Stosch vorschlägt, zu einigem Unterschiede in der Bedeutung gebraucht werden kann, indem eine bloße Verschiedenheit der Mundart seine Abänderung in der Bedeutung machen kann, es auch völlig ungewöhnlich ist, ein Ding überhaupt, und ein fruchtbares bewohntes Ding auf solche Art zu unterscheiden. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Thal.


Thalbüche (W3) [Adelung]


Die Thalbüche, S. Büche.


Thalen (W3) [Adelung]


Thalen, tändeln, S. Dahlen.


Thaler (W3) [Adelung]


Der Thaler, des -s, plur. ut nom. sing. eine Silbermünze, welche in Deutschland von gedoppelter Art ist; der ganze Thaler, harte Thaler oder Species Thaler, welcher die älteste Art ist; wieget zwey Loth und gilt 32 gute Groschen, dagegen der Reichsthaler, welcher auch nur Thaler schlechthin genannt wird, am häufigsten als eine Rechnungsmünze bekannt ist, welche 24 gute Groschen, 30 Kaisergroschen, 36 Marien-Groschen, 18 gute oder 22 1/2 leichte Batzen, 72 gute oder 90 leichte Kreuzer gilt. Ein halber Thaler, d. i. eine Rechnungsmünze von 12 Groschen. (Siehe auch Ortsthaler.) Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart wird Thaler als die gangbarste Rechnungsmünze, besonders in dem nördlichen Deutschlande, dagegen in dem südlichen die Rechnung nach Gulden häufiger ist, für Geld überhaupt gebraucht. Sie kriegt nach ihres Vaters Tode einen feinen Thaler Geld, Gell. Sie könnten einen ansehnlichen Thaler Geld dabey gewinnen, Weiße. Das Diminutivum Thälerchen ist nur im Scherze üblich. Ein Paar tausend Thälerchen.

Anm. Im Nieders. Dahler, im Dän. und Schwed. Daler, im Engl. Doller, im Ital. Talero. Diese Münzsorte hat den Nahmen von der Bergstadt Joachims-Thal in Böhmen, wo die Grafen von Schlick solche harte Silbermünzen von zwey Loth um 1518 zwar nicht zuerst, aber doch sehr häufig und gut schlagen ließen, daher sie anfänglich auch Schlickenthaler und Joachims-Thaler genannt wurden. Schon vorher hatte man ähnliche harte Silbermünzen, welche aber nicht Thaler, sondern dicke Groschen, Güldengroschen, gedoppelte Guldengroschen genannt wurden. Weil die Böhmischen Schlickenthaler von gutem Gehalte waren und in großer Menge geschlagen wurden, so fanden sie so vielen Beyfall, daß man sie auch in andern Ländern nachahmete, ohne sich doch an den Gehalt der Böhmischen zu binden; daher entstanden die Dickthaler, Laubthaler. Philipps-Thaler; die Schwedischen Kupferthaler u. s. f. In Rußland heißt ein Thaler, dem Frisch zu Folge, Jephimok, von Joachim.


Thalgehänge (W3) [Adelung]


Das Thalgehänge, des -s, plur. ut nom. sing. die abhängige Seite eines Berges oder einer Anhöhe, wo sich dieselbe in das Thal neiget; auch die Thalhänge, der Abhang. Daher thalhängig, abhängig. Thal ist in dieser Zusammensetzung vermuthlich das veraltete, noch Niederdeutsche Nebenwort thal dal, niedrig, welcher hier die stelle des Vorwortes ab vertritt.


Thalgericht (W3) [Adelung]


Das Thalgericht, des -es, plur. die -e, zu Halle in Sachsen, dasjenige Gericht, dessen Gerichtbarkeit sich über das Thal, d. i. die im Grunde liegenden Salzwerke erstrecket; zum Unterschiede von dem Berggerichte, unter welches der höher gelegene Theil der Stadt gehöret. Jetzt sind beyde vereinigt, und werden alsdann das Berg- und Thalgericht genannt.


Thalgut (W3) [Adelung]


Das Thalgut, des -es, plur. die -güter, eben daselbst, in dem Thale, oder in den Salzkothen gelegene Grundstücke, an Kothen, Häusern u. s. f.


Thalhänge (W3) [Adelung]


Die Thalhänge, plur. die -n, S. Thalgehänge.


Thalleute (W3) [Adelung]


Die Thalleute, sing. car. zu Halle im Magdeburgischen, diejenigen, welche zu dem Thale, d. i. den Salzwerken gehören, und mit ihrem eigenthümlichen Nahmen Halloren genannt werden.


Thalordnung (W3) [Adelung]


Die Thalordnung, plur. die -en, eben daselbst, eine obrigkeitliche Verordnung für das Thal, d. i. für die Salzwerke.


Thalschöppe (W3) [Adelung]


Der Thalschöppe, des -n, plur. die -n, eben daselbst, ein Schöppe oder Beysitzer in dem Thalgerichte.


That (W3) [Adelung]


Die That, plur. die -en, von den Zeitwort thun, und dessen vergangenen Zeit, wo es doch nur in engerm Verstande gebraucht wird, eine durch Überlegung außer sich hervor gebrachte Veränderung zu bezeichnen. 1. Im weitesten Verstande, eine jede solche Veränderung, ohne Rücksicht auf ihre Beschaffenheit, oder Wichtigkeit. Kann man mit Zufriedenheit in die Reihe guter Thaten zurück blicken, wenn man da eine Lücke siehet, die so leicht ausgefüllt werden konnte? Hermes. Indessen wird er in dieser weitern Bedeutung ihrem ganzen Umfange nach, im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht, indem Handlung dafür üblicher ist, obgleich dieses eigentlich einen weitern Umfang hat. Gangbarer ist es in den Zusammensetzungen; Gutthat, Heldenthat Frevelthat, Wohlthat, Missethat, Mordthat, Schandthat, Übelthat, Wunderthat, Unthat u. s. f. Doch gebraucht man es noch mehrmahls in Gestalt eines Abstracti und im Singular allein, obgleich auch hier nur am häufigsten in einigen bereits eingeführten Arten des Ausdruckes, besonders im Gegensatze der Worte. Zur That schreiten, zur Ausführung. Jemanden mit Rath und That beystehen. Er hat den Nahmen mit der That. Mit der That und nicht mit Worten. Nach der That kommt der Rath zu spät. Wer jedem Rathe folgen will, kommt niemahls zur That. Wohin auch der figürliche und adverbische Ausdruck gehöret, in der That, wirklich, wahrhaftig. Ich weiß es in der That nicht. Es verhält sich in der That so. Ich fühle die Kraft ihrer Gründe in der That nicht, Gell. Die Freundschaft scheint mir in der That besser, ebenders. Ist er denn in der That geitzig? 2. In einigen engern Bedeutungen. (1) Eine wichtige That oder Handlung, besonders eine tapfere Handlung. Große, herrliche Thaten thun. Die Thaten Gottes, in der Deutschen Bibel. Eine tapfere That. Leben und Thaten Kaisers Carls V. (2) Eine gewaltsame, ingleichen eine böse Handlung, ein Verbrechen. Eine That begehen. Nach vollbrachter That. Auf frischer That ergriffen werden. Die That leugnen, gestehen, bereuen. Leben und Thaten Nickel Lists. In welcher ganzen Bedeutung es für Missethat, Unthat oder Frevelthat stehet.

Anm. Im Kero Tad, bey dem Ottfried Dat. im Angels. Daed, im Engl. Deed, im Schwed. Dad, Dad. Ehedem war dafür auch Gethat üblich. S. Thun.


Thäter (W3) [Adelung]


Der Thäter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Thäterinn, der eine That verrichtet oder verrichtet hat. 1. Im weitesten Verstande. Seyd Thäter des Worts. Jac. 1, 22 f. Thäter des Gesetzes, Kap. 4, 11. Außer den Zusammensetzungen Gutthäter, Wohltäter, Wunderthäter u. s. f. kommt es in dieser weitern Bedeutung im Hochdeutschen wenig mehr vor, wo man es 2. nur noch in der zweyten engern Bedeutung von dem Urheber einer bösen That, von einem Verbrecher gebraucht. Dem Thäter nachforschen, ihn aufsuchen. Man hat die Thäter entdeckt. Ich bin die Thäterinn.


Thathandlung (W3) [Adelung]


Die Thathandlung, plur. die -en, ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, eine gewalttätige Handlung, Gewalttätigkeit zu bezeichnen, von That, gewaltsame, böse Handlung. Einige Neuere haben es mit wenig Überlegung für Factum zu gebrauchen angefangen, S. Thatsache.


Thätig (W3) [Adelung]


Thätig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Hauptwort That. 1. Im weitesten Verstande, sein Daseyn durch die That, d. i. durch Veränderungen außer sich, an den Tag legend, und darin gegründet. Der Glaube, der durch die Liebe thätig wird, Gal. 5, 6. Das thätige Christenthum, welches sich durch Handlungen äußert. Der thätige Glaube. Der thätige Gehorsam, im Gegensatze des leidenden. Thätige Sünden. Begehungssünden, im Gegensatze der Unterlassungssünden. So auch in den Zusammensetzungen gutthätig, wohlthätig, wunderthätig, werkthätig, gewaltthätig u. s. f. 2. In engerer Bedeutung. (1) Fertigkeit besitzend viel zu thun, d. i. viele pflichtmäßige Veränderungen außer sich hervor zu bringen, im Gegensatze des unthätig. Ein thätiger Mann. Sehr thätig seyn. Im Oberdeutschen gebraucht man es auch in weiterer Bedeutung für wirksam. Eine thätige Arzeney. (2) In einigen Gegenden wird thätig auch für zuthätig gebraucht. So wird ein Pferd, ehe es auf der Reitbahn zugeritten wird, zuvörderst thätig gemacht, damit es zu einem Menschen ein Zutrauen bekomme.


Thätigkeit (W3) [Adelung]


Die Thätigkeit, plur. inus. der Zustand, die Eigenschaft, da ein Ding thätig ist, in allen Bedeutungen dieses Wortes. Das Bestreben zu wirken, und in engerer Bedeutung, viel zu wirken. Die Thätigkeit des Gehorsams, der Seele. Erfindsamkeit und Fleiß bestreben sich um die Wette, den Staat in eine heilsame Thätigkeit zu setzen. Jemanden außer Thätigkeit setzen, ihm eine Gelegenheit benehmen, dieses Bestreben zu äußern.


Thatkundig (W3) [Adelung]


* Thatkundig, -er, -ste, adj. et adv. ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, durch die That bekannt, und bekannt überhaupt. Die Sache ist thatkundig, ist bekannt.


Thätlich (W3) [Adelung]


Thätlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. * Durch die That, vermittelst einer That, wie thätig 1; in welcher Bedeutung es doch im Hochdeutschen veraltet ist. Das thätliche Christenthum, der thätliche Glaube, im Oberdeutschen für thätige. Also sind wir thätlich überführet, Opitz; durch die That, thätig. 2. Für thätig 2 (1) *, auch nur im Oberdeutschen. Ein thätlicher Mensch, ein thätiger. 3. Von That 2 (2), eine gewaltsame That, gewaltthätige Handlung, ist thätlich so viel wie gewaltthätig, gewaltsam. Jemanden thätlich mißhandeln. Thätlich verfahren. Thätlich Hand an jemanden legen.


Thätlichkeit (W3) [Adelung]


Die Thätlichkeit, plur. die -en. 1. Als das Abstractum des vorigen Wortes, und ohne Plural, wo es doch im Hochdeutschen nur noch zuweilen in der dritten Bedeutung des Beywortes vorkommt. Die Thätlichkeit eines Verfahrens. Noch häufiger bezeichnet es, 2. eine gewaltsame, gewaltthätige, feindselige Handlung selbst. Thätlichkeiten verüben. Von allen Thätlichkeiten abstehen. Sich aller Thätlichkeiten enthalten.


Thatsache (W3) [Adelung]


Die Thatsache, plur. die -n, ein von vorigen Neuern versuchtes Wort, das Lat. Factum, eine geschehene Sache, eine gewirkte Veränderung außer sich zu bezeichnen. Das sind Thatsachen, sind wirklich geschehene Dinge, Begebenheiten. Die herrlichste Offenbarung Gottes erscheint dir jeden Morgen als Thatsache, Herd. Andere gebrauchen dafür Thathandlung. Beyde Wörter sind nicht nur unschicklich und wider die Analogie zusammen gesetzt, sondern auch der Mißdeutung unterworfen, indem ein Oberdeutscher sich bey Thathandlung und Thatsache bey dem ersten Anblicke vermuthlich nichts anders als eine Gewaltthätigkeit, eine Thätlichkeit gedenken wird, welches das erstere daselbst wirklich bedeutet.


Thau (W3) [Adelung]


Der Thau, des -es, plur. doch nur zuweilen von mehrern Arten, die -e, eine Menge Zarter wässeriger Dünste, welche, so wohl in Abwesenheit der Sonne, als auch des Morgens bald nach ihrem Anfange, unvermerkt aus dem Dunstkreise auf die Oberfläche der Erde fallen. Der Thau ist ein zärterer und dünnerer Dunst als der Nebel, welcher aus verdickten Dünsten bestehet. Der letzte findet so wohl bey Tage als bey der Nacht, der erste aber nur von dem Untergange der Sonne bis zu ihrem Anfange Statt. Der Thau fällt. wenn sich diese Dünste auf der Oberfläche der Erde in zarte Tropfen auflösen. Auch die kleinen Wassertropfen, welche man nach einem gefallenen Thaue auf den Blättern der Pflanzen und Gewächse findet, führen den Nahmen des Thaues, ob sie gleich nicht allemahl von dem Thaue herrühren, sondern auch oft des Nachts aus den zarten Öffnungen der Pflanzen selbst hervor schwitzen. S. auch Honigthau und Mehlthau.

Anm. In dem Isidor Dau, bey dem Notker Tou, bey dem Willeram Toiune, im Nieders. Dau, mit andern Endlauten im Angels. Deawe, im Engl. Dew, im Dän. und Holländ. Dug, im Schwed. Dagg, im Isländ. Diogg, im Lat. Ros, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, womit das Slavon. und Wend. Rosa überein kommt. S. Thauen.


Thaubogen (W3) [Adelung]


Der Thaubogen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Naturgeschichte, ein Bogen, welcher entstehet, wenn sich die Strahlen der Sonne in den Dünsten des Thaues brechen. Der Thaubogen und Nebelbogen sind weiß und ohne alle Farbe, wodurch sie sich von einem Regenbogen unterscheiden.


Thaue (W3) [Adelung]


Die Thaue, plur. die -n, ein Feldmaß, S. Tagewerk.


Thauen (W3) [Adelung]


Thauen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und unpersönlich am üblichsten ist. Es kommt in einer doppelten Bedeutung vor. 1. Es thauet, wenn die gefrornen Feuchtigkeiten von der gelinden Wärme der Luft anfangen zu zergehen und aufgelöset zu werden. Es hat gethauet. Es wird bald thauen. ( S. Thauwetter.) Die Niedersachsen gebrauchen dafür lüen, die Oberd. leinen, die Upländer mit vorgesetzten Blaselaute flia, welches nicht unmittelbar von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, auflösen, herstammet, sondern zu dem alten Lan, Leine, Wasser, gehöret, indem hier, so wie in thauen, der Begriff der Flüssigkeit der herrschende ist; obgleich das Lat. lenis, und das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, in weitesten Umfange damit seyn können. Unser thauen lautet in dieser Bedeutung im Schwed. töa, im Angels. thavan, im Engl. thau, im Dän. töe, im Isländ. mit einem andern Endlaute tidna. In aufthauen leidet es auch eine thätige Bedeutung. 2. Von dem Hauptworte Thau sagt man, es thauet, so wohl wenn der Luftkreis mit den zarten Dünsten, welche man Thau nennet, erfüllet ist, als auch, wenn sich diese Dünste in zarte Tropfen auf den Körpern auflösen oder zusammen setzen. Es muß weder thauen noch regnen, 2 Sam. 1, 21. Es hat diese Nacht gethauet. In der dichterischen Schreibart wird es zuweilen auch thätig gebraucht. Mich entzückt der thauende Morgen, Geßn. Welche Form schon alt ist. So touuon himila, Notker. Da stat nu gruener kle Er touwet an dem morgen, Heinr. von Veldig; wo es doch wohl nur bedeutet, er wird von Thau benetzet.

Anm. In dieser zweyten Bedeutung im Nieders. dauen, im Angels. deawian, im Dän. dugger. Beyde Bedeutungen sind sehr nahe verwandt, indem der Begriff der sanften, allmähligen Flüssigkeit in beyden der herrschende zu seyn scheinet, daher dieses Wort als ein Verwandter von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, naß machen, dem Wallis. taud, und Bretag. teuzi, schmelzen, angesehen werden muß. Einen ähnlichen Begriff gewähret das Latein. Ros, im Slavon. Rosa, welches zu unserm röhren, rieseln, sanft rinnen, gehöret. Dauen in verdauen, gehöret nicht hierher, sondern hat vermuthlich den Stammbegriff des Reibens, Bereitens, als ein Verwandter des Nieders. tauen, bereiten, gärben, S. dasselbe.


Thauerde (W3) [Adelung]


Die Thauerde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, im Weinbaue, die obere Erde, so weit sie von dem Thaue und den Sonnenstrahlen durchdrungen wird; die Tagerde, Moorerde, im Bergbaue die Dammerde, S. Thauwurzel.


Thauig (W3) [Adelung]


Thauig, adj. et adv. mit Thau benetzt. Towig rose, Schenk Ulrich von Winterstetten. Die thauichte (thauige) Flur, Zachar. edler die bethaute. S. Thauschlägig.


Thaumade (W3) [Adelung]


Die Thaumade, plur. die -n, bey einigen der Regenwurm.


Thausaat (W3) [Adelung]


Die Thausaat, plur. car. in der Landwirthschaft, diejenige Art und Weise zu säen, da man das Getreide des Abends bey Sonnen-Untergang säet, e die Nacht im Thaue unbedeckt liegen läßt, und es des Morgens vor Sonnen-Aufgange unterpflügt.


Thauschlag (W3) [Adelung]


Der Thauschlag, des -es, plur. car. ein besonders im Forst- und Jagdwesen übliches Wort, geschlagenen, d. i. gefallenen Thau zu bezeichnen. Fährten, worin zu viel Thauschlag liegt. Die Kälte des Thauschlags dämpft die Witterung in der Fährte. Nach dem Frisch bedeutet es auch die Fährte des Wildes, welche man im Thaue stehet.


Thauschlägig,Thauschlächtig (W3) [Adelung]


Thauschlägig oder Thauschlächtig, adj. et adv. vom Thauschlage benetzt, thauig. Wenn es die Nacht sehr thauschlägig gewesen, wenn es stark gethauet hat. Eine thauschlächtige Nacht.


Thauschnarre (W3) [Adelung]


Die Thauschnarre, plur. die -n, in einigen Gegenden, z. B. in der Mark Brandenburg, ein Nahme des Gras- oder Wiesenläufers, Rallus Linn. ( S. Ralle.) Vermuthlich wegen ihres Geschreyes des Morgens im Thau.


Thauwetter (W3) [Adelung]


Das Thauwetter, des -s, plur. car. diejenige Witterung, da es thauet, d. i. da Schnee und Eis zergehen. Im Nieders. Lünweder. S. Thauen 1.


Thauwind (W3) [Adelung]


Der Thauwind, des -es, plur. die -e, ein Wind, aus einer warmen Gegend, bey welchem es thauet, d. i. bey welchem Schnee und Eis zergehen.


Thauwurzel (W3) [Adelung]


Die Thauwurzel, plur. die -n, im Weinbaue, die Seitenwurzeln des Weinstockes, welche in der obern oder Thauerde liegen, und nur die Säfte vom Thau und Regen an sich ziehen; die Tagewurzeln, Wasserwurzeln, zum Unterschiede von der Pfeilwurzel.


Theater (W3) [Adelung]


Das Theater, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Griech. und Latein. Theatrum, der Schauplatz, die Schaubühne, und alles was dazu gehöret. ( S. die beyden Deutschen Wörter.) Daher der Theater-Styl in der Musik, welcher feurig, ausdrückend und in manchen Stellen mahlerisch ist, aber dagegen weniger gebunden seyn, und weniger Kunst der Harmonie anwenden darf; zum Unterschiede von dem Kirchen-Style und Kammer-Style.


Thee (W3) [Adelung]


Der Thee, (einsylbig,) des -s, (zweysylbig,) plur. doch nur von mehrern Arten, die Thee, (zweysylbig,) das getrocknete frische Land einer in Japan und China einheimischen Staude, welche die Thee-Staude, der Thee-Strauch, von einigen auch der Theebaum genannt wird; Thea Linn. Der braune Thee, oder Thee-Bohe, Thee-Boy, im gemeinen Leben Thee-Buh, Thea Bohea Linn. zum Unterschiede von dem grünen Thee, Thea viridis. Man macht von diesen Blättern einen Aufguß mit heißem Wasser, welcher denn gleichfalls Thee genannt wird. Thee trinken. Eine Tasse Thee. In weiterer Bedeutung, werden auch andere getrocknete Blätter und Pflanzentheile, deren Aufgüsse man auf ähnliche Art trinket, und diese Aufgüsse selbst, Thee genannt. Daher Kräuter-Thee, Brust-Thee u. s. f. Der Nahme ist Chinesisch, und mit den Blättern selbst aus diesem Lande zu uns gebracht worden. Daher die Thee-Büchse, oder Thee-Capsel, ein gemeiniglich viereckiges Behältniß, den trocknen Thee darin zu verwahren; die Thee-Kanne, ein Geschirr, den Aufguß darin zu bereiten; der Thee-Kessel, das Wasser zu dem Aufgusse darin zu kochen; das Thee Köpfchen, das Thee-Schälchen, die Thee Schale oder Thee-Tasse, den Aufguß daraus zu trinken. Das Thee-Kraut, ist eine Art des Gänsekrautes, welches in Mexico einheimisch ist, Chenopodium Ambrosioides Linn. welches gleichfalls wie ein Thee getrunken wird, und weil es besonders durch den Jesuiter-Orden bekannt geworden, auch Jesuiter-Thee genannt wird. Der Gebrauch des Thees ist in China sehr alt, indem dessen schon von den zwey Arabern, welche im 9ten Jahrhunderte das südliche Asien bereiseten, Meldung geschiehet, wo dieses Getränk und die Pflanze Chah und Tchah heißt, woraus unser Thee geworden.


Theer (W3) [Adelung]


Der Theer, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein harziges dickliches Öhl, welches an einigen Orten aus der Erde quillt, da es denn Bergtheer genannt wird, am häufigsten aber aus den Harzhölzern und deren Wurzeln vermittelst eines langsamen Feuers gezogen wird, welches man Theer brennen, im Nieders. Theer schwehlen nennet. Radtheer, welcher zum Schmieren der Achsen eines Wagens gebraucht wird, und körnig ist, zum Unterschiede von dem Schifftheere, und andern Arten. Der erste wird im Hochdeutschen auch Wagenschmier und im gemeinen Leben Schmiere genannt, welche Wörter aber von weiterer Bedeutung sind, und auch die Seife und andere Arten des Fettes unter sich begreifen, womit die Achsen der Räder geschmieret werden. In einigen Gegenden heißt der Theer Laßpech, in andern, obgleich irrig, Pech.

Anm. Im Niedersächsischen, wo dieses Wort einheimisch zu seyn scheint, Tär, in größern Mundarten Teier, im Holländ. Tarre, Terre, Teer, im Angels. Tare, im Engl. Tarr, im Schwed. Tiära, im Isländ. Tiora, im Bretagn. Ter, Taer, Tear, im Finnischen Terwa. Wohl nicht von Zähre, Nieders. Tär, weil es wie Zähren heraus rinnet, sondern, wie die meisten ähnlichen Wörter wegen der weichen, flüssigen Beschaffenheit, von dem Holländ. taer, weich. Verwandt sind damit das Angels. Tyr, Tyrve, Harz, Pech; das Schwed. Torr, Pech, und Torrwed, und Tyre, Harzholz, und selbst das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Tsari, Baumharz, Balsam. Dahin gehöret vermuthlich auch das Schleswigische Terrig, welches daselbst eine weiche Torf- oder Moorerde unter dem Kleyboden bedeutet, woraus Salz bereitet wird, und welche auch Kleen heißt. Es ist im Oberdeutschen im sächlichen, im Nieders. und Hochdeutschen aber im männlichen am gangbarsten.


Theerbüchse (W3) [Adelung]


Die Theerbüchse, plur. die -n, ein hölzernes cylindrisches Gefäß, worin die Fuhrleute den Radtheer auf der Reise bey sich führen; die Theerbutte, in andern Gegenden die Schmiermäste, Pechmäste, das Schmierfaß.


Theerbrenner (W3) [Adelung]


Der Theerbrenner, der -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher Theer aus den Harzhölzern und ihren Wurzeln brennet; in Niedersachsen der Theerschwehler.


Theerdocke (W3) [Adelung]


Die Theerdocke, plur. die -n, in einigen Häfen, eine eigene Docke, wo die Schiffe getheeret werden.


Theeren (W3) [Adelung]


Theeren, verb. reg. act. mit Theer beschmieren, bestreichen. So werden die Schiffe und verschiedenes Holzwerk getheeret, wenn sie der Fäulniß widerstehen sollen. Getheertes Tauwerk. Hingegen gebraucht man von einem Wagen oder vielmehr dessen Achsen nicht theeren, sondern schmieren; den Wagen schmieren.


Theergrube (W3) [Adelung]


Die Theergrube, plur. die -n, Gruben, aus welchen natürlicher Theer, oder vielmehr ein mit Bergtheer oder Bergöhl durchzogener Sand aus der Erde gegraben wird.


Theerhütte (W3) [Adelung]


Die Theerhütte, plur. die -n, ein Gebäude, in welchem Theer aus dem Harzholze und dessen Wurzeln gebrennet wird.


Theerig (W3) [Adelung]


Theerig, -er, -ste, adj. et adv. mit Theer beschmutzt. sich theerig machen. Theericht würde bedeuten dem Theere ähnlich.


Theerkraut (W3) [Adelung]


Das Theerkraut, des -es, plur. inus. 1. An einigen Orten eine Art Silene, welche breite Blätter und rothe Blumen hat, und in Frankreich, England und Dänemark einheimisch ist; Silene Armeria Linn. 2. An andern führen die Pechnelke, Theernelke, Lychnis viscaria Linn. diesen Nahmen.


Theernelke (W3) [Adelung]


Die Theernelke, plur. die -n, S. das vorige.


Theerofen (W3) [Adelung]


Der Theerofen, des -s, plur. die -öfen, ein Ofen, worin der Theer durch ein langsames Feuer aus dem Harzholze und dessen Wurzeln gezogen wird; der Pechofen, so fern daselbst zugleich Pech bereitet wird.


Theerquelle (W3) [Adelung]


Die Theerquelle, plur. die -n, eine Quelle, wo der Bergtheer mit dem Wasser aus der Erde quillet.


Theersand (W3) [Adelung]


Der Theersand, des -es, plur. car. ein mit Bergtheer oder Bergöhl durchzogener Sand.


Theerschwehler (W3) [Adelung]


Der Theerschwehler, S. Theerbrenner.


Theertonne (W3) [Adelung]


Die Theertonne, plur. die -n, eine Tonne, worin der Theer aufbehalten wird.


Theerwasser (W3) [Adelung]


Das Theerwasser, des -s, plur. inus. ein auf reinen Theer gegossenes und von demselben geschwängertes Wasser, welches vor einiger Zeit sehr häufig als eine Mode-Cur gebraucht ward.


Theidigen (W3) [Adelung]


Theidigen, ein veraltetes und nur noch in dem zusammen gesetzten vertheidigen übliches Wort, S. dasselbe, und das folgende.


Theidung,Theiding (W3) [Adelung]


* Die Theidung oder Theiding, plur. die -e, richtiger -en, ein im Hochdeutschen gleichfalls veraltetes Wort, welches ehedem in verschiedenen Bedeutungen üblich war. 1. Eine verglichene oder bestimmte Zeit zu etwas, eine Frist, ein Termin. So wurde es ehedem sehr häufig gebraucht, denjenigen Tag zu bezeichnen, da jemand in Gericht erscheinen mußte; der Termin. Ingleichen zuweilen für den Gerichtstag überhaupt. Daher war theidigen, theidingen, und vollständiger dagedingen, tagedingen, verklagen, vor Gericht fordern, und in weiterer Bedeutung, prozessiren überhaupt. 2. Derjenige, was an einem solchen bestimmten Tage vorgenommen wurde; besonders ein Vergleich, er sey nun gerichtlich oder außer gerichtlich. Daher tagedingen, und zusammen gezogen tädigen, theidigen, sich vergleichen, ingleichen einen Vergleich bewirken. Ferner 3 Reden, wodurch man vor Gericht seine Unschuld oder die Rechtmäßigkeit seines Verfahrens zu beweisen suchte, von welcher Bedeutung unser vertheidigen noch im weitesten Verstande übrig ist. Weil dabey viel unnütze Geschwätz vorfiel, besonders nach dem Deutschen Rechte, wo alles mündlich behandelt wurde, so wurde dieses Wort. 4. auch sehr häufig für Geschwätz überhaupt gebraucht. Weibertäding, Weibergeschwätz, bey dem Kaisersberg. Narrentheiding, Narrengeschwätz, und in weiterer Bedeutung, Narrenpossen, bey Luthern und seinen Zeitgenossen. Und in diesem Verstande kommt es noch in der Deutschen Bibel vor. Und gibt stolze Theidinge für mit Unverstand, Hiob. 35, 16. Lose Theidinge, Jer. 23, 32. Ezech. 22, 8.

Anm. Wenn dieses Wort ehedem nicht so häufig Tageding, tagedingen, und im Nieders. Dagding, Dageding, Dagedingen, u. s. f. geschrieben würde, so könnte man leicht in Versuchung gerathen, die Sylbe theid, als eine eigene Stammsylbe anzusehen. So aber ist es wohl unläugbar aus Tag, und dem alten Ding, Gerichte, Vergleich u. s. f. zusammen gesetzt, S. das letztere, ingleichen Frischens Wörterb. Th. 2 S. 360. Haltaus Glossar, und das Vermischte Wörterb. Th. 1 S. 210.


Theidungsleute (W3) [Adelung]


* Die Theidungsleute, sing. inus. ein gleichfalls veraltetes Wort, Schiedsleute oder Schiedsrichter zu bezeichnen, welches noch 2 Mos. 21, 22 vorkommt; von Theidung, Vergleich, Vertrag.


Theil (W3) [Adelung]


Der Theil, des -es, plur. die -e, Diminut. das Theilchen. 1. Eigentlich, eines von denjenigen verschiedenen Dingen, aus welchen etwas bestehet, welche Dinge sich wirklich von einander trennen lasse, so daß nach der Trennung die übrigen noch fortdauern; außer einander befindliche Dinge, welche ein Ganzes ausmachen. In diesem engern Verstande nennet man dasjenige zusammen gesetzt, was solche Theile hat, und einfach, was nicht aus Theilen bestehet. Die Theile eines Ganzen sind entweder wirklich von einander oder von dem Ganzen getrennet, oder man unterscheidet sie nur in Gedanken. Auch ist das Ganze, zu welchem diese Theile gehören, entweder ein wirkliches physisches oder zusammen hangendes Ganzes, oder man verbindet mehrere Dinge einer Art in Gedanken zu einem Ganzen. In allen diesen Fällen findet das Wort Theil statt, welches sich durch diesen weiten Umfang seiner Bedeutung hinlänglich von Stück unterscheidet. In noch weiterer Bedeutung wird auch jedes von dem Mannigfaltigen, welches man sich bey einer Sache vorstellen, und in Gedanken von den übrigen Dingen, mit welchen es verbunden ist, absondern kann, ein Theil genannt. Eine Erbschaft in drey Theile theilen, wo jeder Theil wieder aus verschiedenen Stücken bestehen kann. Der größte Theil der Welt, der Menschen. Indem seinen Theil geben. Der Mensch bestehet aus zwey Theilen, wovon die Seele der vornehmste ist. Einen Körper, oder ein Ganzes in viele Theile theilen; z. B. eine Summe Geldes, einen Haufen Getreide. Ist es ein zusammen hangendes Ganzes, welches auf solche Art körperlich getheilet wird, so entstehen daraus Stücke, welche aber auch Theile genannt werden können. Die Theile einer Wissenschaft, einer Predigt. Ein Theil von einem Buche, oder eines Buches, welcher von dem Verfasser herrühret, und mehr Bände enthalten, so wie ein Band aus mehrern Theilen bestehen kann. Seinen Theil zu etwas geben, seinen Theil von etwas bekommen, S. auch Antheil. Daher auch verschiedene figürliche Arten des Ausdruckes. Ein guter Theil, oder ein gut Theil, eine beträchtliche Menge, Anzahl. Wir wären da gewiß ein gut Theil schlechter dran, Willam. um vieles schlechter,. Er hat seinen Theil bekommen, er hat Schläge genug, den gehörigen Verweis, die verdiente Strafe bekommen. Er hat seinen Theil gelebt, er hat lange genug gelebt. Zum Theil, einem Theile nach, in etwas. Es ist mir zum Theil lieb. Zum Theil kann ich ihn wohl leiden. Theil an etwas haben, ohne Artikel. Er hat keinen Theil an dieser Sache, an diesem Verbrechen, hat auf keine Art dazu mitgewirkt. Theil an etwas nehmen, auch ohne Artikel, schon bey dem Kero teil nemen. Vielen Theil an jemandes Glück, Unglück, Kummer, Wohlergehen u. s. f. nehmen, dabey mit empfinden ( S. auch Antheil.) Jemanden zu Theil werden, in seine Gewalt gerathen. Den Thieren zu Theil werden, Es. 46, 1. Ingleichen in der zweyten Endung. Großen Theils, größten Theils, einem großen, oder dem größten Theile nach. Die Sache ist größten Theils vorbey. Der Ekel gegen die Tugend, rühret größten Theils von der schlechten Art her, wie man sie andern beybringet. Meisten Theils, mehren Theils, welche beyde am häufigsten zusammen gezogen werden mehrentheils, meistentheils, dem mehresten, meisten Theile nach. Guten Theils, einem guten, d. i. beträchtlichen, große Theile nach. Im Oberdeutschen sagt man auch übrigen Theils, für übrigens. Eines Theils - andern Theils. Eines Theils wundere ich mich selbst, daß - andern Theils bereue ich es fast. Aus diesem Genitiv ist denn das Nebenwort theils geworden, von welchem an seinem Orte. 2. In einigen engern und zum Theil figürlichen Bedeutungen, (1) Im Bergbaue ist ein Theil oder Bergtheil ein bestimmter Theil einer Zeche. Eine Zeche hat daselbst 32 Theile, ein Theil aber vier Kuxe. Wo es gemeiniglich ungewissen Geschlechtes ist, das Theil oder Bergtheil. (2) Auf den hohen Öfen und den Blechhämmern ist Theil, ein von der Ganze ab, und eingeschmelztes Stück, ein Klumpen Eisen welcher zu mehrerer Reinigung aus den Gänzen oder Frischstücken nochmahls geschmelzet, und hernach zu Stangen verschmiedet wird. Es ist in dieser Bedeutung gleichfalls ungewissen Geschlechtes, und lautet in der Mundart der Hüttenleute gemeiniglich Deul oder Teul. Indessen ist es unstreitig unser Theil, weil es wirklich ein stück der Gans, oder besser der Ganze, das ist, des Ganzen, ist. (3) Mehrere in gewissen Absichten in zwey oder mehrere Theile oder Haufen getheilte Personen, werden häufig Theile genannt. So sind zwey streitige Personen, oder zwey streitige Haufen, zwey Theile; welche in den Rechten auch die beyden Parteyen genannt werden. Man muß beyde Theile hören. Der klagende, der beklagte Theil. Der Gegentheil. Sich mit keinem Theile einlassen. So auch in andern Fällen, wo nur irgend eine Art des Gegensatzes Statt findet. Ich an meinem Theile, was mich betrifft, ich von meiner Seite. Ich an meinem Theile kenne keine größere Marter als die, wenn Vorwürfe, die man sich hätte ersparen können, zu ihrer Zeit uns peinigen, Hermes. Sie befördern jedes an seinem Theile die häusliche Wohlfahrt, jeder so viel ihn betrifft, so viel in seinem Vermögen ist. Wir müssen an unserm Theile unser Bestes thun. Wo man auch wohl die zweyte Endung gebraucht. Ich meines Theils. Wir unsers Theils. Er schmeichelte ihr seines Theils auch, von seiner Seite.

Anm. Bey dem Kero Teil, bey dem Ottfried Deil, im Nieders. Deel, im Angels. Dael, bey dem Ulphilas Dail, im Schwed. Del, im Engl. Deal, im Böhm. Dil, im Pohln. Dzial. Siehe Theilen. Das Geschlecht ist den Deutschen Mundarten, im Ganzen genommen, nicht einförmig, indem in vielen Oberdeutschen Gegenden das ungewisse das herrschende ist, welches auch in vielen Stellen der Deutschen Bibel vorkommt; z. B. 1 Mos. 15, 10. Ezech. 48. 8. 9. 12. 21. Luc. 10, 42. Dagegen in andern Stellen das männliche gebraucht wird. Indessen ist das einfache Wort im Hochdeutschen im männlichen Geschlechte am gangbarsten, einige einzelne R. A. etwa ausgenommen, in welchen sich das ungewisse aus dem Oberdeutschen erhalten hat. Nur in Zusammensetzungen ist das Geschlecht auch im Hochdeutschen getheilt, und wenn man im männlichen sagt, der Antheil, Bestandtheil, Nachtheil, der Vortheil, so sagt man hingegen, das Hintertheil, das Vordertheil, das Erbtheil, das Bergtheil, das Vatertheil, das Muttertheil, das Viertheil, das Fünftheil u. s. f. Gegentheil ist in verschiedenen Bedeutungen so gar in beyden Geschlechtern üblich. Dieser Unterschied gründet sich nicht auf einen Unterschied in der Bedeutung, sondern rühret bloß daher, daß einige Wörter aus solchen Oberdeutschen Gegenden angenommen worden, welche dieses Wort im ungewissen Geschlechte gebrauchen. Wenn dieses Wort Zahlwörter angehänget wird, so bildet es Hauptwörter, welche einen Theil nebst dessen Verhältnisse zu dem Ganzen bezeichnen, welche Hauptwörter gleichfalls ungewissen Geschlechtes sind. Man nimmt dazu die Ordnungszahl, welche aber die Endung te verlieret, oder sie vielmehr nur mit theil zusammen schmelzen lässet. Das Zweytheil, wofür aber die Hälfte üblicher ist, Drittheil, Viertheil, Zehntheil u. s. f. für die dritte, vierte, zehnte Theil; wobey das Wort theil zugleich den Ton verlieret und denselben auf das Zahlwort zurück wirft. Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart wird dieses theil gern in tel verkürzt; ein Drittel, drey Viertel, ein Fünftel, vier Sechstel, ein Hundertstel, Tausendstel u. s. f.


Theilbar (W3) [Adelung]


Theilbar, -er, -ste, adj. et adv. 1. Was getheilet werden kann, und darf. Die Materie ist theilbar. Gott ist untheilbar. Hingegen theilbare Güter, Güter, welche ohne Unterschied unter die Erben getheilet werden dürfen, und auch walzende Güter heißen, im Gegensatze der untheilbaren. 2. Im gemeinen Leben ist theilbar auch zuweilen, was sich in viele Theile zertheilen lässet, wofür an andern theilhaft und theilsam üblich sind. So nennet man ein Stück Fleisch theilbar, wenn man viele Portionen daraus schneiden kann.


Theilbarkeit (W3) [Adelung]


Die Theilbarkeit, plur. car. das Abstractum des vorigen Wortes, die Eigenschaft eines Dinges, da es theilbar ist; im Gegensatze der Untheilbarkeit.


Theileisen (W3) [Adelung]


Das Theileisen, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, ein Eisen in Gestalt eines halben Mondes mit einem kurzen Stiele, das Brandsilber damit zu theilen.


Theilen (W3) [Adelung]


Theilen, verb. reg. act. was in Eines beysammen ist, oder beysammen gedacht wird, absondern, Dinge, welche ein Ganzes ausmachen oder als ein Ganzes gedacht werden, trennen; wo dieses Wort von sehr weiten Umfange der Bedeutung ist, und die Art und Weise der Absonderung oder Trennung völlig unbestimmt läßt. Jeder Körper läßt sich theilen. Ein Stück Holz, ein Stück Brot u. s. f. in drey Theile theilen. Zunächst bedeutet es die Theile eines Dinges körperlich trennen, so daß jeder einen eigenen Raum einnimmt, hernach aber auch jedes Ding, welches als ein Ganzes betrachtet werden kann, in mehrere Ganze absondern sollte es auch nur in Gedanken seyn. Wenn die Zahl der Theile nicht ausgedruckt wird, so bedeutet theilen für sich allein oft, ein Ganzes in zwey Theile theilen Ein Brot theilen, in zwey Hälften. Die Beute theilen. Der Feind muß seine Macht theilen. Hier theilet sich der Weg. Eine Erbschaft unter die Erben theilen. Die Einkünfte eines Gutes unter mehrere theilen. Etwas mit jemanden theilen, ihm einen Theil davon abtreten, widerfahren lassen. Gedoppelt glücklich ist der, der sein Glück mit einer Gattinn theilt, Geßn. Die Arbeit mit einem theilen. Sich in etwas theilen, es unter sich vertheilen. Sich in jemandes Vermögen, in eine Arbeit theilen. So auch die Theilung, plur. die -en, die Handlung des Theilens. S. auch Abtheilen, Eintheilen, Vertheilen und Zertheiler.

Anm. Schon im Isidor deilan, bey dem Ulphilas dailan, im Nieders. dielen, im Alt-Fries. talia, im Angels. daelan, im Schwed. dela, im Wend. dejlim, im Böhm. deliti, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Die nächste Bedeutung, welche in der jetzigen herrschenden zum Grunde liegt, scheinet die des Schneidens zu seyn, da es denn unmittelbar zu dem Schwed. tälja, dem mittlern Lat. talliare, dem Ital. tagliare, und dem Franz. tailler, schneiden, gehören würde; wenn anders diese nicht Unterarten der Hauptbedeutung sind, ( S. Diehle.). Indessen kommen doch bey diesem Worte noch zwey andere gleichfalls ursprüngliche Bedeutungen mit in Betrachtung, welche sich auf ähnliche Onomatopöien verschiedener Sachen gründen. 1. Der Menge, Vielheit, Zahl, Nieders. Tall. Daher ist im Nieders. Tall, nicht nur ein Theil, Antheil, welches sonst auch Deel heißt, sondern auch die Zahl, die Menge, die Höhe, Französ. Taille; daher unser Theil in den Redensarten ein Theil, ein gut Theil, ein großer Theil, so viel als Menge bedeutet. 2. Der Rede, der Sprache, wovon noch viele Beweise vorhanden sind. Zahlen bedeutet in erzählen so etwas, ehedem im Nieders. tellen, Engl. tell, welches das Intensivum von theilen ist. Im Schwed, ist Delas auch Streit, Prozeß, und dela, streiten, zanken, Tal, die Klage, und tälja, nicht allein schneiden, sondern auch erzählen und tadeln. Unser ertheilen, Urtheil und urtheilen scheinen diese Bedeutung noch beybehalten zu haben, obgleich die beyden letztern bequem als Figuren von theilen, diuidere, angesehen werden könnten, wenn nicht die weitere Bedeutung des Sprechens erweislich wäre.


Theiler (W3) [Adelung]


Der Theiler, des -s, plur. ut nom. sing. in der Rechenkunst, eine Zahl, mit welcher eine andere getheilt wird; der Divident.


Theilhaber (W3) [Adelung]


Der Theilhaber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Theilhaberinn, eine Person, welche an etwas Theil hat, doch nur in engerer Bedeutung, welche ein Ganzes mit andern gemeinschaftlich besitzet. Die Theilhaber eines Gutes, Feldes. Zuweilen auch durch der Theilgenoß.


Theilhaft (W3) [Adelung]


Theilhaft, adj. et adv. 1. Wie das folgende theilhaftig. ( S. dasselbe.) 2. Im gemeinen Leben ist theilhaft oft, was sich bequem oder vortheilhaft in mehrere Theile theilen läßt, wie theilbar und theilsam. In welchem Falle nicht nur die Comparation, theilhafter, theilhafteste, sondern auch das Hauptwort die Theilhaftigkeit gebraucht werden.


Theilhaftig,Theilhaft (W3) [Adelung]


Theilhaftig oder theilhaft, -er, -ste, adj. et adv. Theil an etwas habend, mit der zweyten Endung der Sache. 1. An dem Besitz und Genuß einer Sache Theil habend; wo doch die Comparation selten vorkommt. Einer Sache theilhaft oder theilhaftig werden, den Besitz oder Genuß derselben überkommen. Jemanden eine Sache theilhaftig machen, ihm selbige mittheilen. Ihn seines Wunsches theilhaftig machen. In der Deutschen Bibel kommt es in dieser Bedeutung häufig vor, außer dem aber ist es im Hochdeutschen in der feyerlichen Schreibart am üblichsten. 2. An der sittlichen Beschaffenheit einer Sache Theil habend, besonders an der Schuld böser Handlungen. Sich fremder Sünden theilhaftig machen. 1 Tim. 5, 22. Fremder Laster theilhaftig werden.

Anm. Im Dän. deelachtig. In beyden Bedeutungen, besonders aber der letztern ist im Hochdeutschen theilhaftig üblicher als theilhaft. Das Hauptwort die Theilhaftigkeit kommt seltener vor, ob es gleich nicht ganz ungewöhnlich ist.


Theilhaken (W3) [Adelung]


Der Theilhaken, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Blechhämmern und hohen Öfen, ein langer eiserner Haken an einem Stiele, das Theil damit von dem Herde zu ziehen, im gemeinen Leben Teulhaken. S. Theil 2. (2).


Theilnehmung (W3) [Adelung]


Die Theilnehmung, plur. die -en, von der R. A. Theil an etwas nehmen, die Handlung, da man Theil an einer Sache nimmt; schon bey dem Kero Teilnumft und Zeteilnufti. Von eben dieser R. A. hat man auch die Hauptwörter der Theilnehmer und die Theilnehmerinn, Personen zu bezeichnen, welche an etwas Theil nehmen.


Theilig (W3) [Adelung]


Theilig, adj. et adv. 1. Theile habend, doch nur in den Zusammensetzungen eintheilig, zweytheilig, dreytheilig u. s. f. 2. In den Zusammensetzungen nachtheilig, gegentheilig, vorurtheilig u. s. f. was zuweilen auch die Comparation verstattet. S. diese Wörter.


Theilrichter (W3) [Adelung]


Der Theilrichter, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. im Würtembergischen, ein Nahme der Beysitzer eines Pupillen-Collegii oder Vormundschaftsamtes, welche die Aufsicht über die Erbtheile der Unmündigen haben.


Theils (W3) [Adelung]


Theils, adverb. welches aus dem Hauptworte Theil gebildet ist. 1. Für einige, in Gestalt eines unabänderliches Beywortes, welches doch nur im gemeinen Leben üblich ist. An theils Orten, an einigen. Theils Leute nennen ihn zum Spott den Unverstand, Cron. 2. Theils - teils, wird als ein Nebenwort, oder wenn man lieber will, als ein disjunctives Bindewort gebraucht, wenn sich die Glieder eines Satzes theilen, und getheilt neben einander stehen. Theils warm, theils kalt seyn, zum Theile oder einem Theile nach warm, einem andern nach aber kalt seyn. Sein Vermögen bestehet Theils in baarem Gelde, theils in Wechseln, theils in liegenden Gründen, theils endlich (theils aber) auch in ungewissen Schulden. Wo das theils so oft wiederhohlet werden kann, als die Eintheilung es erfordert. Millionen verschiedener Bewohner, theils fliegen von Blumen zu Blumen, theils kriechen und laufen umher in Labyrinthen des Grases, Geßn. wo es aber das vorige Bey- oder Fürwort ist, und für einige und andere stehet. Wenn die Glieder einander aufheben, so daß eines ist, das andere aber nicht ist, so wird richtiger, oder wenigstens mit mehr Deutlichkeit entweder - oder gebraucht. Man muß dieses Nebenwort nicht mit den adverbischen R. A. meines Theils, größten Theils, Eines Theils u. s. f. verwechseln, wo Theils der wahre Genitiv des Hauptwortes ist.


Theilscheibe (W3) [Adelung]


Die Theilscheibe, plur. die -n, bey den Uhrmachern, eine künstliche Scheibe, die Zähne der Räder vermittelst derselben auf mechanische Art einzutheilen.


Theilschilling (W3) [Adelung]


Der Theilschilling, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, ein Schilling, d. i. ein bestimmtes Geld, welches dem Gerichtsherren von den Erbschaften oder Erbtheilen entrichtet wird.


Theilwehr (W3) [Adelung]


Das Theilwehr, des -s, plur. die -e, an den Teichen, Kanäle, Flüssen u. s. f. ein Wehr, vermittelst dessen nur der überflüssige Theil des Wassers abgeleitet oder das Wasser getheilet wird; der Abschlag, Wasserabschlag.


Theilzirkel (W3) [Adelung]


Der Theilzirkel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme des Stellzirkels, weil er besonders zu Eintheilungen bequem ist, indem er sich nicht wieder verrücken läßt.


Theologie (W3) [Adelung]


Die Theologie, plur. die -n, aus dem Griech. und Lat. Theologia. 1. Im weitesten Verstande, der Lehrbegriff von einem oder mehrern göttlichen Wesen; in welchem weitesten Verstande man auch den Heiden eine Theologie zuschreibet, welche doch, so fern sie sich auf Vielgötterey gründet, häufiger und richtiger die Götterlehre genannt wird. 2. In engerm Verstande ist es die Lehre von dem wahren Gotte und unserm Verhältnisse gegen ihn; die Gottesgelehrsamkeit. Die natürliche Theologie, im Gegensatze der geoffenbarten; welche letztere 3. in noch engerm Verstande und am gewöhnlichsten die Theologie schlechthin genannt wird. Theologie studieren, sich der Theologie widmen. Daher Theologe, welcher sich diesem Theile der Gelehrsamkeit gewidmet hat, selbige verstehet; ein Gottesgelehrter, im gemeinen Leben ein Geistlicher. Theologisch, was dahin gehöret, in der nähern Offenbarung Gottes gegründet ist. Theologische Wahrheiten. 4. Im engsten Verstande ist es derjenige Theil dieser geoffenbarten Theologie, welcher die Lehre von Gott, seinem Wesen, Personen und Werken enthält; zum Unterschiede von der Anthropologie, oder der Lehre von dem Verhältnisse der Menschen gegen Gott.


Theorbe (W3) [Adelung]


Die Theorbe, plur. die -n, ein musikalisches Instrument, welches einer Laute gleicht, nur daß er größer ist, und einen stärkern und tiefern Ton hat. Dem Kircher zu Folge, ist dieses Werkzeug von einem Neapolitanischen Marktschreyer erfunden worden, der es aus Scherz nach einem Gefäße benannte, worin er seine Quacksalbereyen zubereitete. Ein Deutscher Edelmann, Hieron. Capsberger hat es nachmahls zur Vollkommenheit gebracht


Theorem (W3) [Adelung]


Das Theorem, des -s, plur. die -e, aus dem Griech. und Latein. Theorema; ein theoretischer Satz, dessen Wahrheit man nicht eher erkennen kann, als bis er erwiesen worden; der Lehrsatz.


Theoretisch (W3) [Adelung]


Theoretisch, -er, -te, adj. et adv. was zur Theorie, oder zur Einsicht allgemeiner Wahrheiten gehöret, im Gegensatze des practisch. Theoretische Wahrheiten, theils allgemeine Wahrheiten, theils auch practische Wahrheiten, wenn sie bloß allgemein, zur Erlangung der gehörigen Erkenntniß und Einsicht derselben vorgetragen werden.


Theorie (W3) [Adelung]


Die Theorie, (dreysylbig,) plur. die -n, (viersylbig,) aus dem Griech. und Latein. Theoria. 1. Die Einsicht allgemeiner Wahrheiten; ohne Plural, und im Gegensatze der Praxis oder Ausübung. 2. Ein Zusammenhang allgemeiner Wahrheiten Einer Art, mit dem Plural; der Lehrbegriff.


Therbutte (W3) [Adelung]


Die Therbutte, S. Terbutte.


Theriak (W3) [Adelung]


Der Theriak, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine aus gewissen gepülverten Pflanzentheilchen mit Honig zu einer Latwerge verdickte Arzeney wider das Gift. Der gemeine Theriak, Theriaca Diatessaron, wird aus der Enzianwurzel, der wahren Osterluzeywurzel, Lorbeeren, Wachholderbeeren, Myrthen und Honig bereitet. Man hat indessen verschiedene Arten, wovon einige für Thiere, andere aber auch für Menschen gebraucht werden. Daher der Theriaks-Krämer, eine Art Hausierer, gemeiniglich aus Ungarn, welche den gemeinen Theriak für das Vieh herum tragen, und im mittlern Lat. Experimentatores. im mittlern Franz. aber Esprouueur heißen. Das Theriaks-Kraut, in einigen Gegenden, ein Nahme des gemeinen Baldrians, weil es mit zu dem Theriake genommen wird. Das Theriak-Wasser, ein aus Theriak, Citronen-Schalen, Rautenblättern, Angelik, Diptam, Giftwurzel u. s. f. mit Weingeist und Wachholderwasser destilliertes Wasser.

Anm. In den gemeinen Mundarten Driakel, Trijakel, Tyriakel, Triachel, Triakes, im Engl. Treacle, im Franz. schon 1409 Triacle. Der Nahme stammet aus dem Griech. von dem Worte - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - her, entweder, weil es ursprünglich eine Arzeney für das Vieh war, als auch, weil anfänglich auch Vipern dazu genommen wurden, welche im Griech. auch - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - genannt werden. Diese Arzeney ist alt und schon von Andromacho dem Ältern, welcher unter dem Nero lebte, erfunden; und in einem eigenen Gedichte besungen worden. Er nannte diese Arzeney - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . So wohl der Mithridat als Theriak waren ursprünglich bloße Gegenmittel wider das Gift. Sie unterschieden sich theils dadurch, daß zu dem letztern an die 60 Species, und unter andern auch Vipern und Opium, zu dem erstern aber nur einige dreyßig Species kamen.


Thermometer (W3) [Adelung]


Das Thermometer, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Griech. und Lat. Thermometrum, eine Art Wettergläser, welche die Abwechselung der Wärme und Kälte in der Luft zeigen, zum Unterschiede von dem Barometer, Hygrometer u. s. f. Das Wetterglas, im engsten Verstande, bey einigen Neuern der Wärmemesser.


Therpenthin (W3) [Adelung]


Der Therpenthin, S. Terpenthin.


Theuer (W3) [Adelung]


Theuer, theurer, (für theuerer,) theuerste, adj. et adv. ein Wort, welches jetzt nur noch in einigen figürlichen Bedeutungen übrig ist, ehedem aber deren noch mehrere hatte. 1. * Groß; welches vermuthlich eine der ersten Bedeutungen war, in welcher es aber längst veraltet ist. In einigen Schwedischen Mundarten ist dert noch jetzt groß. Das alte tor, tur, stor, groß, und vielleicht auch Thier, sind genau damit verwandt. 2. * Stark, eine der ersten Figuren der vorigen Bedeutung. Auch diese Bedeutung ist veraltet, indessen war es ehedem, da die Tapferkeit hauptsächlich in der Stärke des Leibes bestand, für tapfer sehr üblich, in welcher Bedeutung es noch in den Oberdeutschen Schriften des 16ten Jahrhundertes häufig ist. Der Held thet als ein tewrer Man, Er schry die schifleut tapfer an, Theuerd, Kap. 72. Darvmb sol ein jeder tewrer Man Sich Kheiner abenthewr unnderstan Aus Hochfart und eyteler eer, Kap. 115. Warlich der mögt werden gezelt Für tewrlich, freydig und mannhaft, Kap. 16. Ein Held frey, Der frumb und teurlich sey, eben das. Und so in andern Stellen mehr. Unser stark und dürfen sind allein Ansehen nach nahe damit verwandt. 3. In einem hohen Grade werth und lieb; ohne Zweifel eine Figur der vorigen Bedeutung. Das theure Wort Gottes. Ein theurer Mann. Mein theuerster Freund! Sein Leben nicht theuer achten, Apost. 20, 24; nicht werth. Sein Ruhm ist mir theuer und werth. 4. Einen hohen Preis habend; im Gegensatze des wohlfeil. Eine theure Waare. Die Waare ist sehr theuer. Das Getreide wird theuer. Ein theurer Kauf. Das ist mir zu theuer. Seine Haut theuer verkaufen, sich tapfer wehren. Hier ist guter Rath theuer, welches aber auch zur vorigen Bedeutung gehören kann. Das wird dir theuer zu stehen kommen, auch figürlich, du wirst dafür viel Unangenehmes empfinden müssen. Es ist hier theuer zehren, wenn die Lebensmittel theuer sind. Ingleichen figürlich. Die theure Zeit, da die Lebensmittel und besonders das Getreide sehr selten und in einem ungewöhnlich hohen Preise ist. ( S. Theurung.) Ein theurer Mann, der seine Waaren gern theuer verkauft. Sie sind mir zu theuer. Da es dann im weitesten Verstande auch von dem Preise überhaupt gebraucht wird. Wie theuer ist das? was kostet es? oder was soll es kosten? 5. Feyerlich, bey allem was theuer, d. i. kostbar und werth ist, in welcher Bedeutung es besonders von Eidschwüren, Versicherungen und Versprechungen üblich ist. Theuer schwören, Ezech. 21, 23. Teure Verheißungen, 2 Petr. 1, 4. Einen theuren Eid schwören. Am häufigsten gebraucht man es im Hochdeutschen als ein Nebenwort, und in Verbindung mit dem Worte hoch. Etwas hoch und theuer versichern. Daher das Zeitwort betheuern.

Anm. Bey dem Kero tiuru, bey dem Ottfried diur, diurlib, bey den Oberschwaben noch jetzt diur, tuir, im Nieders. dür, im Dän. Schwed. und Isländ. dyr, im Angels. deor, diore, im Engl. dear, welche alle theils kostbar, theils aber auch im hohen Grade werth und lieb bedeuten. Es scheinet, daß der Begriff der Größe und der Stärke einer der ersten und ursprünglichsten gewesen. Zu der Zeit, da die Sprachen ausgebildet wurden, war körperliche Stärke das schätzbarste und edelste, was man kannte, und da wäre denn der Übergang von dem Begriffe der Größe und Stärke auf den Begriff der Hochschätzung und des Werthes sehr leicht begreiflich. Es müßte denn seyn, daß in den heutigen Bedeutungen dieses Wortes mehrere ähnliche anfänglich verschiedene Wörter zusammen geflossen wären. Das Schwed. dyr wird gleichfalls in unserer 5ten Bedeutung von Eidschwüren und Versicherungen gebraucht. Eben daselbst ist Dyrd, Majestät, Herrlichkeit. Wenn dieses Wort am Ende wächset, und auf das r ein Selbstlaut folgt, so wird um des Wohlklanges willen, bald das vorher gehende, bald aber auch das nachfolgende, wenn aber ein Mitlaut folgt, alle Mahl das folgende e verschlungen. Theurer Freund, für theuerer. Betheuern, für betheuren. Die theuersten Waaren, für theueresten oder theuresten.


Theuerdank (W3) [Adelung]


Theuerdank, -es, ein erdichteter eigenthümlicher Nahme, unter welchem Kaiser Maximilian I seine eigenen tapfern und gefährlichen Thaten beschrieb, welche Geschichte nachmahls Melch. Pfinzing in Reime brachte, oder doch ausbesserte und heraus gab. Die Unkunde der wahren Bedeutung dieses Wortes verleitete den Vincentius Placcius es durch Caraegrates, Cari-Gratius oder Rarigratius zu übersetzen. Allein, theuer hat hier die veraltete Bedeutung des tapfer, kühn, gefährlich; Dank aber scheinet die gleichfalls veraltete Bedeutung eines Preises zu haben. Theuerdank würde also den durch tapfere Thaten errungenen Preis bezeichnen. Weil die erste Ausgabe dieses Gedichtes zu Nürnb. 1517 mit einer ganz neuen und zierlichen Art von Schrift gedruckt wurde, welche aber nicht, wie fast allgemein geglaubt wird, in Holz geschnitten worden, sondern eine wahre gegossene Schrift ist, wie aus einigen verkehrt stehenden Buchstaben erweislich gemacht werden kann: so wird diese Art von Schrift noch jetzt bey den Schriftgießern und Buchdruckern Theuerdank genannt.


Theuere,Theure (W3) [Adelung]


* Die Theuere oder Theure, plur. -n. 1. Der Zustand, da ein Ding theuer ist, doch nur in der vierten Bedeutung dieses Wortes, und ohne Plural. Thiu Diuri, Ottfr. Die Theure einer Waare. Im Hochdeutschen ist es veraltet, oder wird doch daselbst wenig gehöret. 2. Im Oberdeutschen gebraucht man es auch für das folgende Theuerung, S. dasselbe.


Theuerung (W3) [Adelung]


Die Theuerung, plur. die -en, von dem veralteten Zeitworte theuern, theuer machen, welches noch im vertheuern üblich ist, oder vielmehr unmittelbar von theuer und der Ableitungssylbe -ing oder -ung. Es ist nur in der vierten Bedeutung des Beywortes üblich. 1. Der Zustand, da eine Waare theuer ist, d. i. in einem hohen Preise bezahlt wird, welches von ihrer Seltenheit herrühret. Die Theuerung einer Waare. Im Oberdeutschen die Theuere. Am üblichsten ist es, 2, in engerer Bedeutung, den Zustand und den Zeitpunct zu bezeichnen, da die nothwendigsten Lebensmittel, und besonders das Getreide und Brot, wegen ihrer Seltenheit in einem drückenden hohen Preise stehen; im Oberdeutschen gleichfalls die Theure. Eine Theurung machen, verursachen. In der Theurung, zu der Zeit, wenn u. s. f. Die Dürre macht selten, überflüssiger Regen aber allezeit Theuerung. Der höchste Grad der Theurung ist die Hungersnoth.


Thienenholz (W3) [Adelung]


* Das Thienenholz, des -es, plur. car. ein im Deutschen ungewöhnliches Wort, welches nur Offenb. 18, 12 eine Art ausländischen wohlriechenden Holzes zu bezeichnen vorkommt. Luther hat das Wort aus dem Griechischen Beywort - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - beybehalten, dessen Hauptwort - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - lautet, welches der Nahme des Baumes ist. Man hält es gemeiniglich für eine Art Zedernholzes.


Thier (W3) [Adelung]


Das Thier, des -es, plur. die -e, Diminut. das Thierchen, Oberd. Thierlein. 1. Im weitesten Verstande, ein jedes lebendiges Geschöpf, ein Körper, welcher der Empfindung und freywilligen Bewegung fähig ist. Ein unvernünftiges Thier, zum Unterschiede von dem vernünftigen, welches doch unter dem Nahmen des Menschen am bekanntesten ist. Es wird hier nur als ein allgemeiner Ausdruck gebraucht, die Classe oder das Geschlecht zu bezeichnen. Wenn sich der Mensch zum Geschlecht der Thiere rechnen muß, so kann er doch auch in mancher andern Absicht seinen wahren Adel und Vorzug erweisen, die ihm auf einen höhern Rang ein gegründetes Recht geben. Wenn man im vertraulichen Scherze oder aus Verachtung einen Menschen ein Thierchen oder ein Thier nennet, so ist es ohne Zweifel eine Figur einer der folgenden engern Bedeutungen. Sie ist ein häßliches Thier. Er ist ein freudenvolles und gramloses Thier. 2. In engerer und gewöhnlicher Bedeutung führen nur die unvernünftigen Thiere, oder mit bloßer Sinnlichkeit und freyen Bewegung versehene Körper den Nahmen der Thiere. Und da hat man zahme und wilde Thiere, lasttragende Thiere, vierfüßige, gefiederte, kriechende, schwimmende Thiere, wovon die mehresten Arten wieder eigene Geschlechtsnahmen haben. 3. In noch engern Bedeutungen. (a) Oft verstehet man unter Thier schlechthin ein vierfüßiges auf der Erde lebendes Thier. Ein wildes Thier. So auch in den Zusammensetzungen Rennthier, Murmelthier, Elendthier, Panterthier, Tiegerthier, Maulthier u. s. f. (b) Mit einem andern Nebenbegriffe werden die schädlichen und großen vierfüßigen Raubthiere nur wilde Thiere schlechthin genannt. Den wilden Thieren vorgeworfen werden. Mit wilden Thieren kämpfen müssen. (c) Ein Maulthier heißt in der Deutschen Bibel nur schlechthin das Thier. Er hub ihn auf sein Thier, Luc. 10, 34. Wie man denn im gemeinen Leben diejenigen zahmen vierfüßigen Thiere, mit welchen man am meisten umgehet, in manchen Gegenden noch Thiere zu nennen pflegt. (b) Im engsten Verstande ist bey den Jägern das Thier, das Weibchen des Roth- und Damwildes, welches von dem Hirschgeschlechte auch die Hirschkuh, das Wild, die Hindinn, von dem Rehbocke oder das Reh genannt wird. Im Engl. Deer. Das Schwed. Djur bedeutet auch den Hirsch.

Anm. Im Notker Tier, im Willeram Dier, im Niedersächs. Deert, im Angels. Deor, im Engl. Deer, im Dän. und Isländ. Dyr, im Schwed. Djur, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Da das Wort in so mancherley Einschränkungen gebraucht wird, und sich jetzt nicht bestimmen läßt, in welcher Bedeutung es am ersten gebraucht worden, so läßt sich auch dessen Abstammung nicht mit Gewißheit bestimmen. Wenn nur große Thiere anfänglich mit diesem Nahmen belegt worden, so würde vielleicht nur das alte tor, tur, groß, als das Stammwort angesehen worden können. ( S. Theuer 1.) Wenn es aber ursprünglich schon eine allgemeine Benennung dessen, was lebt und sich bewegt, gewesen, so scheinet der Begriff der Bewegung der herrschende zu seyn, der denn eine Onomatopöie einer Art der Bewegung seyn, und zu dem Holländ. tieren, wachsen, gedeihen, dem alten Getier, Bewegung, Lärmen u. s. f. gehören würde.


Thierarzt (W3) [Adelung]


Der Thierarzt, S. Vieharzt.


Thiergarten (W3) [Adelung]


Der Thiergarten, des -s, plur. die -gärten, ein Garten, d. i. eingeschlossener Platz in welchem wilde vierfüßige Thiere unterhalten werden.


Thiergefecht (W3) [Adelung]


Das Thiergefecht, des -es, plur. die -e, ein Gefecht, welches von vierfüßigen, gemeiniglich vierfüßigen Thieren, zum Vergnügen der Zuschauer veranstaltet wird; bey einigen der Thierkampf.


Thiergeschichte (W3) [Adelung]


Die Thiergeschichte, plur. die -n, die Naturgeschichte der Thiere, derjenige Theil der Naturgeschichte, welcher die Thiere beschreibet und eintheilet; eigentlich ohne Plural, der aber Statt findet, wenn mehrere Bücher oder Lehrgebäude dieser Art bezeichnet werden sollen.


Thierisch (W3) [Adelung]


Thierisch, -er, -te, adj. et adv. 1. In der weitesten Bedeutung des Hauptwortes zu einem Thiere, d. i. mit Empfindung und freyen Bewegung begabter Geschöpfe, gehörig, in dessen Beschaffenheit gegründet. Das thierische Leben, das bloß sinnliche, im Gegensatze, theils des vegetabilischen, theils aber auch des vernünftigen. Thierische Eigenschaften, welche einem Körper als einem Thiere zukommen; z. B. sinnliche Empfindung, freye Bewegung u. s. f. 2. In gewöhnlicherm Verstande, in der zweyten Bedeutung des Hauptwortes, Fertigkeit zur möglichsten Befriedigung sinnlicher Triebe, mit Vernachlässigung höherer Einsichten und Bewegungsgründe, habend und darin gegründet; im Gegensatze des vernünftig. Ein thierisches Leben führen. Thierische Triebe, Vergnügungen. Der höchste Grad des Thierischen ist viehisch, wobey das gesellschaftliche Leben der Menschen völlig unterbrochen wird.


Thierkreis (W3) [Adelung]


Der Thierkreis, des -es, plur. die -e, in der Astronomie, ein Kreis in der beweglichen Fläche der Weltkugel, innerhalb dessen sich die Planeten bewegen. Seine Breite beträgt 10 Grad auf jeder Seite der Ekliptik, und wird auch, wie diese in zwölf Theile oder so genannte himmlische Zeichen getheilet, welche aus Stern- bildern bestehen, unter welchen man sich schon von den ältesten Zeiten her gewisse Thiere gedacht hat, wovon er auch den Nahmen hat. Logau nennet ihn den Bilderbogen, andere haben dafür das Wort Zeichenkreis vorgeschlagen.


Thierpflanze (W3) [Adelung]


Die Thierpflanze, plur. die -n, eine Art natürlicher Körper, welche halb einem Thiere und halb einer Pflanze gleichen, d. i. welche in der äußern Gestalt, der Fortpflanzung und dem Wachsthume den Pflanzen gleichen, aber wegen ihrer willkürlichen Nahrung, räumlicher Bewegung und Empfindung wirklich zu den Thieren gehören; Zoophyta Linn. Bey einigen Pflanzenthiere. Dahin gehören z. B. die Polypen, der Bandwurm, die Rosenkränze und so ferner.


Thole (W3) [Adelung]


* Die Thole, plur. die -n, in den niedrigen Sprecharten Niedersachsens, theils einen jeden großen Hund im verächtlichen Verstande, theils aber auch eine Hündinn oder Petze zu bezeichnen. Schon im Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - das Weibchen. S. Betze.


Thomas (W3) [Adelung]


Thomas, ein männlicher Taufnahme, welcher aus dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Zwilling, herstammet, einen Zwillingsbruder bedeutet, und aus der Deutschen Bibel beybehalten worden. Im gemeinen Leben wird er bald in Thoms, bald in Maß verkürzet, welches aber mit Matz, Mathias, nicht verwechseln werden darf.


Thon (W3) [Adelung]


Der Thon, Tonus, S. Ton.


Thon (W3) [Adelung]


Der Thon, des -es, plur. doch nur zuweilen von mehrern Arten, die -e, besser Thonarten, eine zähe, schlüpfrige und fette Erdart, welche an der Zunge klebt, im Wasser zu einem Teige wird, der sich auf der Scheibe drehen lässet, mit den Säuren im Wasser aufbrauset, und in dem Feuer erhärtet, daher sie sehr bequem ist, allerley Gefäße daraus zu verfertigen, ( S. Töpfer.) Man findet den Thon von allerley Farben, welche von den beygemischten metallischen Theilen herrühren. Weißer, grauer, blauer Thon, u. s. f. Pfeifenthon, Porzellan-Thon, gemeiner Töpferthon, welcher letztere auch Letten, und im Niedersachsen auch Dwa genannt wird.

Anm. Das Wort ist wohl nur im Oberdeutschen einheimisch, indem es in den Niederdeutschen Mundarten und den mit ihnen verwandten Sprachen nicht befindlich zu seyn scheinet. Die Dänen nennen den Thon Leer, die Engländer Clay, und einige Niederdeutsche gleichfalls Kley. Frisch glaubte, daß es mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Erde, verwandt sey; allein, da es in dem zu Augsburg 1483 gedruckten Buche der Natur ausdrücklich Tahen lautet, so siehet man wohl, daß er den Nahmen so einer Dehnbarkeit hat, und zunächst mit dem Intensivo dehnen, und dessen veralteten Stammworte dehen verwandt ist. ( S. Dehnen und Dohne.) Um deßwillen wird es im Hochdeutschen auch mit einem th geschrieben, obgleich andere es mit einem D schreiben, Frisch aber gar Tohn daraus machte.


Thonartig (W3) [Adelung]


Thonartig, -er, -ste, adj. et adv. die Art, d. i. Natur, Beschaffenheit des Thones an sich habend. Thonartige Erden, Steine u. s. f.


Thonbeschlag (W3) [Adelung]


Der Thonbeschlag, des -es, plur. die -schläge, ein Beschlag, oder Überzug von Thon, dergleichen man z. B. über die gläsernen Retorten zu machen pflegt.


Thondraht (W3) [Adelung]


Der Thondraht, des -es, plur. die -e, bey den Töpfen, ein dünner Messingdraht mit zwey Griffen am Ende, den Thon damit abzuschneiden.


Thonerde (W3) [Adelung]


Die Thonerde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, 1. In der Chemie, die Bestanderde des Thones, welche mit der Vitriolerde den Alaun ausmacht. 2. Eine jede Erde, welche dem Thone gleicht, d. i. schlüpfrig und fett anzufühlen ist, im Wasser auflösen lässet, im Feuer erhärtet und mit den Säuren nicht aufbrauset; thonartige Erde.


Thönern (W3) [Adelung]


Thönern, adj. et adv. aus Thon bereitet; irden. Thönerne Gefäße, Pfeifen, Schüsseln, Teller u. s. f.


Thongrube (W3) [Adelung]


Die Thongrube, plur. die -n, 1. Eine Grube, aus welcher Thon gegraben wird. 2. Bey den Töpfern, ein Behältniß, den vorräthigen Thon darin aufzubewahren.


Thonicht (W3) [Adelung]


Thonicht, -er, -ste, adj. et adv. dem Thone ähnlich. Eine thonichte Erde.


Thonig (W3) [Adelung]


Thonig, -er, -ste, adj. et adv. Thon enthaltend. Ein thoniger Boden oder Acker.


Thonschlägel (W3) [Adelung]


Der Thonschlägel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Töpfern, ein viereckigter Klotz mit einem Stiele, den Thon damit zu runden Klumpen zu schlagen.


Thonschneide (W3) [Adelung]


Die Thonschneide, plur. die -n, eben daselbst, ein wie ein halber Mond gebogenes Eisen mit zwey Griffen, den Thonklumpen damit zu dünnen Blättern zu schneiden.


Thor (W3) [Adelung]


1. Das Thor, des -es, plur. die -e. 1. Im weitesten Verstande, eine jede große Thür, in welchem Falle es doch nur noch in einigen Fällen üblich ist. Das Scheuerthor. Auch in großen Pallästen und Kirchen pflegt man die Eingänge noch zuweilen Thore zu nennen, wenigstens sagt man in einigen Gegenden für Kirchthür beständig Kirchthor. 2. Am üblichsten ist es von den großen Eingängen in den Ringmauern oder Befriedigungen eines Raumes; da es denn bald von der Öffnung, bald von der aus Bretern oder Bohlen bestehenden beweglichen Verwahrung dieser Öffnung oder den Thorflügeln, bald aber von dem ganzen Gebäude, dessen Hauptteil diese Öffnung ist, gebraucht wird. Das Gartenthor, zum Unterschiede, von der kleinen Gartenthür; das Hofthor, welches auch der Thorweg, die Thorfahrt genannt wird; das Schloßthor, in der Ringmauer eines Schlosses. Etwas ansehen, wie die Kuh das neue Thor, mit unwissender Verwunderung. Am üblichsten ist es von den großen gemeiniglich gewölbten Eingängen in den Ringmauern der Städte, Festungen und Flecken, für Stadtthor, zum Unterschiede von den kleinern Pforten oder Pförtchen. Durch das Thor fahren, gehen. Zum Thore hinein, hinaus fahren. Die Thore sperren, schließen. Zum Thore hinaus laufen. Vor das Thor gehen, d. i. in den Raum zunächst außer dem Thore. In der Deutschen Bibel bedeutet es figürlich, theils die Stadt selbst: dein Same soll besitzen die Thore seiner Feinde, 1 Mos. 22, 17. Ein Fremdling, der in deinen Thoren ist, 2 Mos. 20, 10. Theils aber auch den Ort des Gerichtes, weil man in den Morgenländern ehedem unter den Thoren Gericht zu halten pflegte, wie in manchen Gegenden noch jetzt geschiehet. Streitige Sachen in deinen Thoren, 5 Mos. 17, 8. Die im Thor sitzen, wachsen von mir, Ps. 69, 13. Der Narr darf seinen Mund im Thor nicht aufthun. Sprichw. 24, 7.

Anm. Im Isidor Dor, bey dem Notker Tore, bey dem Ulphilas Dour, im Nieders. und Engl. Door. Es ist mit Thür auf das genaueste verwandt, nur daß der Begriff der größern Öffnung hier durch das breitere o ausgedruckt wird. S. Thür.


Thor (W3) [Adelung]


2 Der Thor, des -en, plur. die -en, Fämin. die Thörinn. 1. * Eine des gesunden Verstandes beraubte Person, ein Wahnsinniger, welchen man un härterm Verstande auch wohl einen Narren zu nennen pflegt. Die Thoren werden nicht irren, Es. 35, 8. In dieser Bedeutung ist es jetzt im Hochdeutschen veraltet, allein, ehedem war es in derselben sehr gangbar. Im Oberdeutschen scheinet diese Bedeutung noch üblich zu seyn. Ain Tore, im Schwabenspiegel. In einem alten Vocabulario von 1482 ist daher toren, wahnsinnig seyn, rasen. 2. Im engern und gewöhnlichsten Verstande ist ein Thor derjenige, welcher entweder ohne Absicht handelt, oder Absichten ohne Mittel oder durch untaugliche Mittel zu erreichen sucht; im Gegensatze so wohl des Klugen, als des Weisen. Es ist in dieser Bedeutung so wohl ein edlerer, als auch glimpflicherer Ausdruck für das härtere und niedrigere Narr. Ich müßte wohl ein Thor seyn, wenn ich das thäte. Die edelsten unter den Menschen haben den Beyfall der Thoren verachtet und entbehret, Gell. Die Wissenschaft, zu rechter zeit ein Thor zu seyn, ist noch die einträglichste unter allen. 3. In der Deutschen Bibel hat dieses Wort noch die Bedeutung eines Gottlosen, Lasterhaften, welche aber außer derselben nicht gebräuchlich ist.

Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern Tor, im Nieders. Door, wo auch sich doren thöricht handeln, sich betriegen, und där, dar, albern ist, im Schwed. Dare, im Slavon. Durak. Entweder mit dem herrschenden Begriffe des Rasens, Tobens, weil die Bedeutung eines Wahnsinnigen doch eine der ersten ist, da es denn zu unserm stören, Sturm, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ungestüm, turnieren u. a. m. gehören würde. In einem alten Vocab. von 1482 wird toren wirklich durch rasen erkläret. Oder auch mit dem herrschenden Begriffe der Dummheit, Bestürzung u. s. f. als ein Verwandter von bestürzen, dem Nieders. verstört, dem alten noch bey dem Jeroschin befindlichen vertoren, erstaunen, den kaduoran, verwirrt, beschämt, in der Monseeischen Glosse, und dem alt-Franz. daurne, bestürzt, etourdi. Da die Endlaute oft nur Bestimmungen der Stammsylbe sind, so scheinet das Schwed. Da, Wahnsinn und Unbewußtseyn, das Stammwort zu seyn, von welchem mit verschiedenen Endlauten, so wohl die Schwed. dan rasen, dalig, närrisch, dafna, nicht gescheut seyn, Dare, und Däse, ein Thor, als auch unser dämisch, das Lat. demens, und andere mehr abstammen.


Thorfahrt (W3) [Adelung]


Die Thorfahrt, plur. die -n, ein Thor oder große Thür, welche bloß für Wägen bestimmt ist, damit selbige dadurch fahren können; der Thorweg. Dergleichen Thorfahrten gibt es besonders auf dem Lande so wohl auf den Höfen, als auch an den Häusern. S. 1 Thor.


Thorflügel (W3) [Adelung]


Der Thorflügel, des -s, plur. ut nom. sing. die aus Bretern oder Bohlen bestehende und auf der Angel bewegliche Verwahrung eines Thores oder Thorweges, sie bestehe nun aus einem oder zwey Theilen. Die Thorflügel zumachen. Siehe! Thor.


Thorgeld (W3) [Adelung]


Das Thorgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, Geld, welches dem Thore erleget wird, und besonders dasjenige Geld, welches man für den Einlaß nach bereits gesperrten Stadtthoren entrichtet, das Sperrgeld; der Thorgroschen, wenn dasselbe in einem Groschen bestehet.


Thorglocke (W3) [Adelung]


Die Thorglocke, plur. die -n. 1. Eine Glocke, welche auf oder über einem Thore hänget. 2. Eine Glocke, mit welcher das Zeichen der bevorstehenden Sperrung oder Schließung der Stadtthore gegeben wird; die Sperrglocke.


Thorgroschen (W3) [Adelung]


Der Thorgroschen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Thorgeld.


Thorheit (W3) [Adelung]


Die Thorheit, plur. die -en, von 2 Thor. 1. Der Zustand, da jemand ein Thor ist, ohne Plural. In der ersten Bedeutung des Wahnsinnes, der Tollheit, ist es im Hochdeutschen gleichfalls veraltet, indem es nur in der zweyten Bedeutung gebraucht wird, den Zustand zu bezeichnen, da man entweder ohne Endzwecke handelt, oder Endzwecke ohne Mittel oder durch untaugliche Mittel erreichen will, oder auch die Fertigkeit zur unrichtigen Bestimmung des Guten und Bösen und die Stufen derselben, im Gegensatze der Klugheit und Weisheit. In noch weiterer Bedeutung wird es in der Deutschen Bibel häufig von der Gottlosigkeit gebraucht. 2. Eine in diesem Zustande gegründete Handlung; mit dem Plural. Eine Thorheit begehen. Das wäre eine große Thorheit. Es wäre eine Thorheit, daran zu denken. Die kürzesten Thorhei- ten sind die besten. Ein hoher Grad der Thorheit ist Narrheit, wo gar keine begreifliche Absicht zum Grunde liegt.

Anm. Bey dem Hornegk in der zweyten Bedeutung Tornwerch, welches aber auch Possen bedeutet, im Nieders. Dorije.


Thorhüther (W3) [Adelung]


Der Thorhüther, S. Thorwärter.


Thöricht (W3) [Adelung]


Thöricht, -er, -ste, adj. et adv. einem Thoren und dessen Thorheit gemäß, eine Thorheit enthaltend und darin gegründet, in der zweyten Bedeutung des Wortes Thor. Ein thörichter Mensch. Thöricht handeln. Sein Geld auf eine thörichte Art durchbringen. Thörichte Anschläge. Ehedem gebrauchte man es auch für unsinnig, toll, und noch jetzt pflegt man einen tollen Hund, in einigen Gegenden einen thörichten Hund zu nennen. Im Nieders. dörlik, im Schwabenspiegel mit einem andern Endlaute toersch, gleichsam thörisch. Thöricht stehet für thorachtig, wie es in einigen Oberdeutschen Gegenden wohl noch lautet; folglich ist die Schreibart thörigt unrichtig, zumahl, da es ohnehin keine Endsylbe igt. wohl aber icht gibt; thörig aber würde richtig seyn, wenn nur Thor nicht eine Person, sondern einen Zustand oder eine Handlung bedeutete.


Thörlich (W3) [Adelung]


* Thörlich, adj. et adv. welches mit dem vorigen gleichbedeutend ist, und in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt, aber im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht wird.


Thorriegel (W3) [Adelung]


Der Thorriegel, des -s, plur. ut nom. sing. von 1 Thor, der Riegel, womit ein Thor verschlossen wird.


Thorschließer (W3) [Adelung]


Der Thorschließer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, dessen Pflicht es ist, das Thor oder die Thore zu gehöriger Zeit auf- und zuzuschließen.


Thorschluß (W3) [Adelung]


Der Thorschluß, des -sses, plur. inus. die Handlung, da die Stadtthore Abends geschlossen werden, und die Zeit, um welche solches zu geschehen pflegt. ( S. Thorsperre.) Vor Thorschluß in die Stadt kommen.


Thorschlüssel (W3) [Adelung]


Der Thorschlüssel, des -s, plur. ut nom. sing. der Schlüssel zu einem Thore.


Thorschreiber (W3) [Adelung]


Der Thorschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. ein obrigkeitlicher Unterbeamter, welcher die zu dem Thore ein- oder ausgehende Waaren oder Personen aufzeichnet.


Thorsperre (W3) [Adelung]


Die Thorsperre, plur. inus. die Handlung, da die Stadtthore gesperret werden, ingleichen die Zeit, da dasselbe gewöhnlich zu geschehen pflegt. Die Thorsperre gehet gemeiniglich vor dem Thorschlusse vorher, und geschiehet mit dem Anfange der Dämmerung.


Thorwache (W3) [Adelung]


Die Thorwache, plur. die -n, die Wache in einem Thore, besonders in dem Stadtthore.


Thorwärter (W3) [Adelung]


Der Thorwärter, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher dazu bestellt ist, in den Thoren auf die ein- und ausgehenden Personen Acht zu haben, dergleichen Thorwärter es in den Klöstern gibt. Sie werden auch Pförtner und Thorhüther genannt. In den Städten ist der Thorwärter oft mit dem Thorschreiber einerley, zuweilen aber auch noch von demselben verschieden.


Thorweg (W3) [Adelung]


Der Thorweg, des -es, plur. die -e, eigentlich ein Fahrweg durch ein Thor, oder ein Thor, so fern es zu Verschließung eines Fahrweges bestimmt ist. Am häufigsten gebraucht man es so wie Thorfahrt von solchen Thoren, welche bloß und allein für Wagen bestimmt sind, besonders auf dem Lande, auf den Höfen und an den Häusern, welche aber auch Thore genannt werden. Im Nieders. Dürweg, welches von dör, dür, durch, abzustammen, und eine Durchfahrt zu bezeichnen scheinet.


Thram (W3) [Adelung]


* Der Thram, des -ens, plur. die -en, ein Oberdeutsches, im Hochdeutschen unbekanntes Wort, einen Balken zu bezeichnen. Er legte Thramen außen am Hause umher, 1 Kön. 6, 6. Das Wort ist mit dem Lat. Trabs nur im Endlaute verschieden, ohne eben aus demselben abzustammen. Es ist mit unserm Trumm und Drümmel verwandt. S. auch Tram.


Thran (W3) [Adelung]


Der Thran, des -es, plur. nur von mehrern Arten oder Quantitäten die -e, flüssiges oder ausgelassenes Fischfett, Fischthran. Thran brennen oder sieden, durch Zerlassung oder Siedung des Fischfettes Thran hervor bringen. Speckthran, Thran von Wallfischen; Robbenthran, von Seehunden; Leberthran oder Berger-Thran, aus den Lebern gewisser Fische und Seethiere, welches zu Bergen in Norwegen bereitet wird. Anm. Im Niedersächs. Traan, im Schwed. Tran, im Engl. Trainoil. Die Ableitung von dem folgenden Thräne und thränen, in der weitern Bedeutung des Tröpfelns, würde alle Wahrscheinlichkeit haben, wenn sie dieses Wort nicht, wie von einigen versichert wird, mit der Sache selbst zuerst aus Rußland zu uns gekommen wäre. In einigen Gegenden ist es ungewissen Geschlechtes, das Thran.


Thranaicher (W3) [Adelung]


Der Thranaicher, des -s, plur. ut nom. sing. in den Thranbrennereyen, ein Geschworner, der die Thranfässer aicht oder visieret, damit sie alle gleiche Größe haben.


Thranorennerey (W3) [Adelung]


Die Thranorennerey, plur. die -en, eine Anstalt, wo der Speck der großen Seefische zu Thran zerlassen wird, die Thrankocherey, Thransiederey, Thranhütte.


Thräne (W3) [Adelung]


1. * Die Thräne, plur. die -n, ein nur im Niederdeutschen übliches Wort, die ungefähr zwey Zoll langen Locken an der Eichbäumen zu bezeichnen, welche im Frühlinge die Blüthen mit gelben Fäserchen enthalten. In andern Gegenden heißen die so genannten Kätzchen an den Wälschen- und Haselnüssen Drönen. Siehe 5 Katze.


Thräne (W3) [Adelung]


2. Die Thräne, plur. die -n, eine Art Bienen, welche größer und stärker, als die gewöhnlichen Arbeitsbienen sind, und deren es in jedem Stocke eine gewisse Anzahl gibt. Sie sind von vielen, obgleich ohne Grund, für die Männchen der Bienen gehalten worden; gewisser ist, daß sie nur zur Ausbringung oder Ausbrütung der Jungen bestimmt sind, weil sie nach Vollendung der Zeugungszeit von den übrigen Bienen sämmtlich hingerichtet werden; Helmbienen, Wasserbienen, Brutbienen. Sie haben ihren eigenen Thränenweiser, welcher keine eigentlichen Bienen, sondern nur Thränen zeugt. ( S. auch Afterthräne.) Der Nahme wird im Hochdeutschen bald Thräne, bald Threne, im Niederdeutschen aber richtiger Drohne geschrieben, weil er unstreitig von dem Niederd. dröhnen, einen hellen, hohlen, zitternden Schall von sich geben, abstammet, indem sich diese Art Bienen durch ihr besonderes Sumsen von den übrigen unterscheiden, daher sie in einzigen Gegenden auch Hummeln, und im Franz. Bourdons heißen. Im Engl. heißt eine solche Thräne Drone, im Angels. Draen, Dran, im Schwed. Drön, Drönje, im Latein. Fuci, Sirenes, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und bey dem Aristoteles - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welche bey den letztern mit dem Deutschen Thrane genau verwandt sind.


Thräne (W3) [Adelung]


3. Die Thräne, plur. die -n, Diminut. das Thränchen, Oberd. Thränlein, ein rinnender Tropfen. Das tropfenweise aus den Fichten und Kienbäumen rinnende Harz heißt bey dem Stumpf Thranpech, Thränpech. Die Tropfen, welche aus den beschnittenen Reben des Weinstockes im Frühlinge rinnen, sind im Weinbaue unter dem Nahmen der Thränen und Rebthränen bekannt. Im Niederdeutschen wird es in noch mehrern Fällen für Tropfen gebraucht. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die aus den Augen in Tropfen rinnende wässerige Feuchtigkeit. Wenn man das Auge drücket, so gehen Thränen heraus, Sir. 22, 23. Auch der Rauch verursachet Thränen. Thränen der Freude oder Freudenthränen. Besonders, so fern sie ein Merkmahl des Schmerzens, des Grames, der Wehmuth sind. Thränen ver- gießen, weinen. In Thränen zerfließen, sehr heftig weinen. Bittere Thränen weinen, in einem hohen Grade des Schmerzens, des Kummers. Jetzt weinte er Thränen, die nicht bitterer seyn konnten. Etwas mit Thränen sehen, hören, lesen. Die Thränen schossen ihm in die Augen. Er konnte die Thränen nicht halten, oder zurück halten. In Thränen und laute Klagen ausbrechen. Und ganzen Scharen Lockt er die Thränen ins Gesicht, Gell. Mein Freund ist fort! Und meine Thräne fließt umsonst, Weiße. Wo es collective anstatt des Plurals steht. Etliche Thränchen aus ein Paar so schönen Augen können bald die Flammen eines erzürnten Ehemannes auslöschen, Weiße. Dein Staat hat mich manches Thränchen gekostet, eben ders. Die biblischen Wortfügungen, die Augen rinnen mir Thränchen, Jer. 9, 18. die Augen fließen mit Thränen, Kap. 13, 17, sind sehr harte Figuren, ob sie gleich von unsern neuern Dichtern häufig nachgeahmet worden.

Anm. Bey dem Notker Trane, bey andern Oberdeutschen Schriftstellern im Plural Trehen, Treher, in Liefland Trahn, im Plural Trane. Frisch sahe es sehr gezwungen als ein aus dem gleich bedeutenden Zähre, Nieders. Täre, durch die Versetzung der Buchstaben gebildetes Wort an. Wachter hingegen leitete es von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, weinen, wehklagen, ab, und wollte daher dieses Wort bloß auf Thränen des Schmerzens eingeschränket, von andern Arten aber Zähre gebraucht wissen. So sehr diese Einschränkung wider allen Sprachgebrauch streitet, so unrichtig ist auch die Ableitung, worauf sie beruhet. Von zwey Mitlautern zu Anfange eines Wortes ist der erste allemahl ein Präfixum. Nimmt man das t von diesem Worte weg, welches hier vielleicht eine Intension oder andern ähnlichen Umstand bedeutet, so bleibt Rän, Räne übrig, welches unstreitig zu unsern Intensivo rinnen gehöret; zumahl, da Thräne in mehrern Fällen von einem jeden rinnenden Tropfen gebraucht wird. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ist, wenn der Begriff des Weinens in demselben herrschet, ein Seitenverwandter von dem unsrigen, nicht aber der Stamm; wenn es aber ursprünglich winseln, wehklagen bedeutet hat, so kann es zu dem Niederdeutschen drönen gerechnet werden. ( S. 2 Thräne.) Übrigens sind Thräne, triefen, Tropfen u. s. f. nur im Endlaute verschieden. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist dieses Wort männlichen Geschlechtes: Kein Thrän ist, der umsonst von Mannes Augen fällt, Opitz.


Thränen (W3) [Adelung]


Thränen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Thränen rinnen lassen. Der Weinstock thränt, wenn er im Frühlinge aus den Sturzenden der beschnittenen Reben den überflüssigen Saft in Tropfen rinnen lässet, welches auch weinen genannt wird. Besonders von den Augen. Die Augen thränen, wenn der Rauch, der Schmerz u. s. f. jemanden Thränen erpressen. Mit trenenden ougen, in dem alten Gedichte auf Carln den Großen bey dem Schilter. Aber mein Auge thränet zu Gott, Hiob. 16. 20. Mein Auge, das nach dir und deiner Anmuth thränet, Gryph. Es wird alle Mahl von dem Auge, nicht aber von der Person gebraucht. So auch das Thränen.

Anm. In einigen Oberdeutschen Gegenden trähen, im Nieders. tranen. Eben daselbst hat man auch das Diminut. tränken, ein wenig weinen, welches auch zippeltränken und simpeltranen genannt wird. Eben daselbst ist Tranauge, ein Triefauge, trenoged, triefäugig, und Trien, Trane, eine triefäugige, ingleichen eine auf weibische Art winselnde Person.


Thränenbach (W3) [Adelung]


Der Thränenbach, des -es, plur. die -bäche, in der dichterischen Schreibart, ein reichliches Maß von Thränen, deren noch größere Menge ein Thränenfluß, Thränenguß, ein Thränenstrom genannt wird.


Thränenbein (W3) [Adelung]


Das Thränenbein, des -es, plur. die -e, in der Anatomie, zwey Beine der Hirnschale, welche den vordersten und mittlern Theil der Orbitae einnehmen, die Thränen gruben und den Thränengang zusammen setzen helfen, und einem Nagel am Finger gleichen, daher sie auch Nagelbeine genannt werden.


Thränenbrot (W3) [Adelung]


Das Thränenbrot, des -es, plur. car. in der dichterischen Schreibart, Brot, d. i. sparsame Nahrung, welche man in betrübten Umständen und unter Vergießung häufiger Thränen zu sich nimmt. Du speisest sie mit Thränenbrot, Ps. 80, 6.


Thränenbrut (W3) [Adelung]


Die Thränenbrut, plur. car. von 2 Thräne, diejenige Brut in den Bienenstöcken, woraus Thränen werden; richtiger Drohnenbrut.


Thränendrüse (W3) [Adelung]


Die Thränendrüse, plur. die -n, in der Anatomie, zwey Drüsen im Auge, welche diejenige wässerige Feuchtigkeit, absondern, welche, wenn sie tropfenweise heraus rinnet, Thränen genannt werden; Glandulae lacrimales. Die eine kleinere wird auch das Thränenfleisch, die andere größere aber die ungenannte Drüse, Glandula innominata genannt.


Thränenfänger (W3) [Adelung]


Der Thränenfänger, von 2 Thräne, besser Drohnenfänger, S. Hummelfänger.


Thränenfistel (W3) [Adelung]


Die Thränenfistel, plur. die -n, von 3 Thräne, eine Fistel, oder höhlenartiges Geschwür in dem Thränensacke des innern Augenwinkels.


Thränenfleisch (W3) [Adelung]


Das Thränenfleisch, des -es, plur. car. S. Thränendrüse.


Thränenfluß (W3) [Adelung]


Der Thränenfluß, des -sses, plur. die -flüsse. 1. Die häufige Vergießung der Thränen, ohne Plural. 2. Häufige Thränen selbst. S. Thränenbach.


Thränengang (W3) [Adelung]


Der Thränengang, des -es, plur. die -gänge, in der Anatomie, zwey Gänge oder zarte Röhren am Thränenbeine in der innern Augenhöhle, welche die Thränen aus der Thränendrüse in das Auge führen.


Thränengrube (W3) [Adelung]


Die Thränengrube, plur. die -n, S. Thränenbein.


Thränenguß (W3) [Adelung]


Der Thränenguß, des -es, plur. die -güsse, S. Thränenbach.


Thränenleer (W3) [Adelung]


Thränenleer, -er, -ste, adj. et adv. leer von Thränen. Wenn die eigennützige Schmeicheley mit thränenleeren Augen ein prächtiges Denkmahl über die Gebeine des vergessenen Todten aufrichtet.


Thränenlos (W3) [Adelung]


Thränenlos, -er, -este, adj. et adv. der Thränen beraubt, wie das vorige, hart, unempfindlich. Ihr thränenlosen Sünder bebt, Raml.


Thränenpunct (W3) [Adelung]


Der Thränenpunct, des -es, plur. die -e, in der Anatomie, zwey Löcher am Rande der Augenlieder neben dem innern Winkel des Auges, welche einen Theil der Thränen durch die Nase abführen; Puncta lacrimalia.


Thränenquelle (W3) [Adelung]


Die Thränenquelle, plur. die -n, in der dichterischen Schreibart, das Auge, so fern es häufige Thränen vergießt. Ach, daß meine Augen Thränenquellen wären, Jerem. 9, 1.


Thränensack (W3) [Adelung]


Der Thränensack, des -es, plur. die -säcke, in der Anatomie, ein Behältniß am innern Augenwinkel, welches die Thränen enthält.


Thränenscheibe (W3) [Adelung]


Die Thränenscheibe, plur. die -n, von 2 Thräne, Wachsscheiben in den Bienenstöcken, welche für die Thränenbrut bestimmt sind; besser Drohnenscheiben, Nieders. Dronenmaarte.


Thränenvoll (W3) [Adelung]


Thränenvoll, -er, -ste, adv. et adv. voll Thränen. Wie sie ihr thränenvolles Auge verbarg.


Thränenweiser (W3) [Adelung]


Der Thränenweiser, des -s, plur. ut nom. sing. von 2 Thräne, der Weiser der Thränen oder Drohnen in einem Bienenstocke; besser Drohnenweiser.


Tranhütte (W3) [Adelung]


Die Tranhütte, Thransiederey, S. Thranbrennerey.


Thranicht (W3) [Adelung]


Thranicht, -er, -ste, adj. et adv. dem Thrane ähnlich, nach Thran schmeckend; Thranig hingegen Thran enthaltend.


Threne (W3) [Adelung]


Die Threne, S. 2 Thräne.


Thresor (W3) [Adelung]


Das Thresor, des -es, plur. die -e, Diminut. das Thresorchen, ein zierliches Simswerk oder Gestell, welches an der Wand befestiget wird, das Thee- oder Kaffeh-Zeug, Gläser u. s. f. darauf zu stellen. Zuweilen ist es ein sauberer Schrank auf einem zierlichen Postemente zu eben demselben Gebrauche. Nicht, wie einige wollen, von dem Franz. Tresor, der Schatz, sondern von Dressoir, und dieß von dem mittlern Lat. Dressorium, ein Ort, etwas in Ordnung darauf zu stellen, daher man im Deutschen auch das th beybehalten hat. S. auch Tresekammer.


Thron (W3) [Adelung]


Der Thron, des -es, plur. die -e, im biblischen Sinne, -en, ein feyerlicher erhabener Sitz, so fern er das feyerliche Unterscheidungsmerkmahl der fürstlichen, besonders aber der königlichen kaiserlichen Würde ist. Auf dem Throne sitzend Audienz geben. Der König von Ninive stund auf von seinem Thron, Jon. 3, 6. In weiterer Bedeutung wird es auch von erhabenen Sitzen geringerer Personen bey feyerlichen Gelegenheiten, z. B. eines Statthalters, Bischofes u. s. f. gebraucht. Figürlich bedeutet es sehr häufig die höchste obrigkeitliche Würde und Gewalt, wo es von der kaiserlichen, königlichen und päpstlichen Würde am gewöhnlichsten ist, von der fürstlichen seltener, und von einer geringern gar nicht gebraucht wird. ( S. auch Stuhl.) Den Thron besteigen, auf den Thron gelangen. Sich auf den Thron schwingen. Jemanden von dem Throne stoßen, ihn auf den Thron setzen. Seinen Thron befestigen. Einem Könige auf dem Throne nachfolgen oder folgen. In dem neuen Testamente werden gute Engel höherer Art einige Mahle Thronen genannt, vermuthlich, so fern sie vor den andern mit vorzüglicher Würde und Gewalt bekleidet sind.

Anm. In dem alten Fragmente auf Carln den Großen kommt dieses Wort zuerst vor, wo es aber von der Kirche gebraucht wird. Die ältern Schriftsteller bedienen sich dafür anderer Ausdrücke; der alte Übersetzer Isidors Hochsetli, Kero und Notker Stuol, und Willeram Herstuol. Es ist also aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Lat. Thronus in die Deutsche Sprache aufgenommen worden. Der Plural Thronen ist bloß biblisch.


Thronen (W3) [Adelung]


Thronen, verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte haben, den Thron bekleiden, herrschen. Gott thronet im Himmel. In figürlichem Verstande auch, sich an einem Orte, wie auf einem Throne befinden. Wie thront auf Moos und rasen Der Hirt in stolzer Ruh! Haged.


Thronerbe (W3) [Adelung]


Der Thronerbe, des -n, plur. die -n, der Erbe eines Thrones, d. i. der königlichen oder kaiserlichen Würde, im ersten Falle der Kronerbe.


Thronfolger (W3) [Adelung]


Der Thronfolger, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher bestimmt ist, einem andern auf dem Throne zu folgen; Fämin. die Thronfolgerinn.


Thronhimmel (W3) [Adelung]


Der Thronhimmel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Himmel, d. i. zierliche ausgespannte Decke, über einen Thron, und in weiterer Bedeutung oft ein jeder solcher Himmel, worunter bey freyerlichen Gelegenheiten vornehme Personen stehen oder sitzen. ( S. Himmel, Prachthimmel, Baldachin.) Wenn ein solcher Himmel über gewisse Personen getragen wird, so pflegt man ihn auch wohl einen Tragehimmel zu nennen.


Thronwerber (W3) [Adelung]


Der Thronwerber, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher sich um den Besitz eines Thrones bewirbt.


-thum (W3) [Adelung]


-thum, ein jetzt für sich allein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches nur noch als eine Ableitungssylbe gebraucht, und gewissen Bey- noch mehr aber Hauptwörtern angehänget wird, neue Hauptwörter daraus zu bilden. Diejenigen Wörter, an welchen dasselbe befindlich ist, bedeuten: 1. Eine Gerichtsbarkeit, ein Gebieth, einen Bezirk. Dergleichen sind Kaiserthum, Herzogthum, Markgrafthum, Fürstenthum, Burggrafthum, Bisthum, das Gebieth oder Landesbezirk eines Kaisers, Herzogs, Markgrafen u. s. f. Das Witthum, das einer Witwe zu ihrem Aufenthalte und Unterhalte ausgesetzte Grundstück. Ehedem sagte man auch Königthum, Angels. Cynedome, Engl. Kingdom, Holländ. Koningdom, für Königreich. In andern ist dafür das Wort -schaft üblich, z. B. Grafschaft. Alt-Fries. bedeutete Dom, Habe, Gut, wovon auch noch das Nieders. Ingedom, Ingedömte, Hausrath, gleichsam innere Habe, herstammet. Im mittlern. Lat. kommt Doma mehrmahls für Acker, Landgut vor. 2. Es scheinet, daß dieses Wort auch zuweilen als ein Collectivum gebraucht worden, alle unter der ersten Hälfte des Wortes begriffene Individua zu bezeichnen. Diese Bedeutung, welche genau aus der vorigen fließt, ist zwar jetzt größten Theils veraltet, allein man findet noch Spuren davon in Heidenthum, die sämmtlichen Heiden, das Alterthum, die sämmtlichen zu alten Zeiten lebenden Menschen, das Papstthum, so wohl der ganze Theil des Erdbodens, in welchem die päpstliche Religion herrschet, als auch die sämmtlichen Bekenner derselben. So das Judenthum, Christenthum, Lutherthum. Allein, es kann diese Bedeutung auch eine Figur der folgenden vierten seyn. Indessen gebrauchte noch Logau Menschenthum für das menschliche Geschlecht: Würdig bist du, daß dein Ruhm Bleibt, weil bleibt das Menschenthum. 3. Die Würde, Macht; eine mit den beyden vorigen sehr genau verbundene Bedeutung, welche die Sylbe ehedem in sehr vielen Wörtern, welche aber im Hochd. größten Theils veraltet sind, hatte. Noch jetzt sagt man das Priesterthum, für die priesterliche Würde. Das Heermeisterthum, die Würde eines Heermeisters. Allein, ehedem hatte man auch das Schultheißenthum, das Zöllnerthum, das Münzmeisterthum u. s. f. Bey dem Ottfried ist Todesduam, die Macht des Todes. Auch Papstthum, Kaiserthum, Herzogthum, u. s. f. wurden ehedem sehr häufig von der bloßen Würde gebraucht. Im Schwed. ist Döme, Macht, Gerichtbarkeit, und das Lat. Dominus, ist ohne Zweifel damit verwandt. 4. Noch häufiger hilft dieses Wort Abstracta bilden, einen Zustand, eine Eigenschaft zu bezeichnen, welche durch die erste Hälfte des Wortes näher bestimmt werden. Das Eigenthum, der Zustand, da jemand ein Ding als sein eigen besitzet, das Alterthum, da ein Ding alt ist, der Reichthum, da jemand reich ist, der Wachsthum, da ein Ding wächset, das Christenthum, da jemand ein Christ ist. Ehedem hatte man weit mehrere Wörter dieser Art, welche jetzt theils mit den Ableitungssylben -schaft, -lichkeit, und -igkeit, theils mit andern üblich sind. Beyspiele sind: Leibeigenthum, Leibeigenschaft, Magdthum, Jungferschaft, Herthum, Herrlichkeit, Majestät, Süßthum, Süßigkeit, Wißthum, Weisheit, Todesthum, Sterblichkeit u. s. f. 5. Nach einer bey solchen Abstractis sehr gewöhnlichen Figur, werden diese Wörter oft wieder gebraucht, Concreta zu bezeichnen, von welchen dieser Zustand, obgleich in verschiedener Rücksicht, gesagt werden kann. Das Alterthum, ein Ding, welches ein hohes Alterthum besitzt, der Beweisthum, ein Satz, welcher einen Beweis abgibt, das Eigenthum, ein Ding, welches jemand als eigen besitzet, über welches er das Eigenthum hat, das Heiligthum, ein heiliges Ding, ein heiliges Ort, der Reichthum, ein Ding, welches reich macht, der Irrthum, u. s. f. Auch Christenthum., Papstthum, Judenthum, Heidenthum, Lutherthum scheinen hierher zu gehören, wenn sie die christliche, päpstliche u. s. f. Religionen bedeuten, ob sie gleich auch alsdann zur vorigen Bedeutung gerechnet werden können. Anm. 1. Diese alte Ableitungssylbe ist heutiges Tages im Hochdeutschen von einem eingeschränkten Gebrauche, das heißt, es stehet nicht in jedes Deutschen Gewalt, neue Wörter damit zu bilden, welche vielleicht nur in überaus wenig Fällen erlaubt seyn dürfte. Die meisten damit verbundenen Wörter sind ungewissen Geschlechtes; Beweisthum, Irrthum und Reichthum ausgenommen, welche männlich sind. Es lassen sich auch von den damit gemachten Wörtern nicht leicht andere ableiten; Eigenthümer, eigenthümlich, Eigenthümlichkeit etwa ausgenommen. Welches alles den eingeschränkten Gebrauch dieser Endsylbe im Hochdeutschen zeiget.

Anm. 2. Wenn man diese Sylbe in ihrem ganzen Umfange nimmt, so bleibet fast kein Zweifel übrig, daß sie nicht von dem überaus alten Dom, Dum, Gericht, abstammen sollte, welches in allen mit der Deutschen verwandten Sprachen angetroffen wird, aber alsdann in seiner ursprünglichen weitern Bedeutung genommen werden muß, in welcher es Macht und Herrschaft überhaupt bedeutet hat. Das alte Oberdeutsche Duom, Thuom, das Angels. Dame, Dome, des Ulphilas Duomi, und selbst das Russische Dum, bedeuten Gericht, so wie im Tatian Thuomo, und im Angels. Dema, ein Richter, im Dänischen Dom, ein Urtheil, und noch jetzt im Nieders. dömen, ein Urtheil fällen ist; welche Bedeutungen insgesammt Figuren von der ersten Bedeutung der Macht oder Herrschaft zu seyn scheinen, so daß auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und die Lat. domare und Dominus, mit zur Verwandtschaft gehören. Aus dieser Abstammung erhellet zugleich die Nothwendigkeit des th; weil alle alte Mundarten und Sprachen in demselben ein weiches d haben, welches im Hochdeutschen sehr oft durch ein th ausgedruckt wird.


Thun (W3) [Adelung]


Thun, verb. irreg. Präs. Ind. ich thue, du thust, er thut; Conj. ich thue, du thuest, er thue; Imperf. ich tat (in einigen Gegenden ich thäte;) Conj. ich thäte; Mittelw. gethan; Imper. thue, thu. Es ist bald ein Activum, bald ein Neutrum, welches aber doch im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert. Es bedeutet, 1. Im weitesten Verstande, eine Veränderung, besonders eine eigene Veränderung verursachen, sie sey nun eine äußere oder eine innere, wobey es oft dem Leiden, oft dem Lassen, oft aber auch in engerer Bedeutung dem Sagen entgegen gesetzt wird. Es ist hier von einem überaus weiten Umfange der Bedeutung, und bezeichnet den eben angezeigten Begriff ohne alle nähere Bestimmung der Art und Weise, des Grades u. s. f. Es stehet Entweder ganz unbestimmt. Man muß nicht allein reden, sondern auch thun. Sagen und thun sind zweyerley. Thun lehret thun. Du willst mich betriegen, wie du schon andern gethan hast. Arbeitet, wie ich thue. Es ist Ein Thun, im gemeinen Leben, es ist einerley. Oder auch mit Partikeln, die Art und Weise zum Theil zu bestimmen. Dawider thun, handeln. Wider das Gesetz thun. Recht thun, übel thun. Sie haben recht gethan. Das ist sehr wohl gethan. daran thun sie wohl. Ein Mensch, der nicht gut thun will, im gemeinen Leben, der das pflichtmäßige, gehörige Verhalten nicht beobachten will; welches Opitz noch in der höhern Schreibart gebraucht: Die Heiden, die nicht gut gethan. das thut nicht gut, figürlich, das wird keine guten Folgen, keine gute Wirkung haben. Die Manufacturen thun bey und nicht gut, kommen bey uns nicht fort. Rund thun, eine zunächst aus dem Oberdeutschen herstammende R. A. für bekannt machen. Der Sache zu viel, zu wenig thun. Hingegen, jemanden zu viel thun, ihm Unrecht thun. Oder mit der vierten Endung der Veränderung, oder auch der Reihe von Veränderungen. Ich habe es schon gethan. Es ist schon gethan. Thue was dir gebühret. Thue das Deinige. Thue was ich dir heiße. Er weiß nicht, was er thun soll. Er weiß nicht, was er thut. Das will ich gern thun. Wenn sichs thun lässet. Das will sich nicht thun lassen. Es andern gleich thun wollen. Etwas aus Andacht, aus Geitz, aus Eigennutz thun. Sein Bestes, sein Möglichstes, ein Übriges thun. Er thut nichts als essen und trinken. Thun sie mirs zu Liebe, zu Gefallen. Jemanden etwas zu Leide thun. Aber, sich ein Leides thun, ist im gemeinen Leben, Hand an sich selbst legen. Besonders mit Hauptwörtern. Seine Pflicht, seine Schuldigkeit thun. Sein Amt thun. Jemanden Unrecht thun. Seine Arbeit thun, verrichten. Gutes, Böses thun. Jemanden einen Possen thun. Thue ihm seinen Willen, thue, was er verlangt. Jemanden einen Gefallen thun. Einem Handreichung thun. Einen Weg für Jemanden thun. Jemanden gute Dienste thun. Bey Leuten, die nicht scharf denken, thun witzige Blendwerke oft gute Dienste, Gell. Da denn dieses Zeitwort das eigene hat, daß es mit einer Menge Hauptwörter verbunden werden kann, das gleichbedeutende Zeitwort auszudrucken. Einen Blick auf jemanden thun, auf ihn blicken. Eine Bitte thun, bitten. Eine Reise thun, reisen. Jemanden Schaden thun, ihm schaden. Ihm Vorstellung thun. Meldung, Erwähnung thun, melden. Abbitte, Luftstreiche, sein Gebeth thun. Jemanden eine Ehre, eine Gnade thun. Eine gute Mahlzeit, einen Trunk, einen Schluck, einen Zug thun. Einen Schritt, einen Gang, einen Sprung, einen Fall thun. Einen Riß, einen Schnitt thun. Einen Schuß, einen Schrey thun. Buße thun. Rechnung thun, ablegen. Ein Gelübde thun. Widerstand thun, leisten. Wunder thun. Eine Predigt thun, halten. Gute Wünsche für jemanden thun. Seine Wirkung thun. Sünde thun, sündigen. Eine Frage an jemanden thun, ihn fragen. Eine reiche Heirath thun. Einen Einfall in ein Land thun, einfallen. Den Angriff thun, angreifen. Und so in vielen andern Fällen mehr. So zahlreich nun die Hauptwörter dieser Art sind, mit welchen thun solcher Gestalt verbunden, und statt der gleich bedeutenden Zeitwörter gebraucht wird; so gehet doch solches nicht mit allen an, indem der Gebrauch hier Ziel und Gränzen vorschreibt. So lassen sich die biblischen Ausdrücke, einem Befehl thun, einem Verheißung thun, im Hochdeutschen nicht gebrauchen, ob man gleich sehr wohl sagen kann, einem ein Versprechen thun. Endlich wird dieses Zeitwort auch im Hochdeutschen, obgleich nur in einigen wenigen Fällen, mit dem Infinitiv eines Zeitwortes und dem Wörtchen zu verbunden. Jemanden etwas zu wissen thun, es ihm bekannt machen, kund thun. Allein in den gemeinen Mundarten wird es mit dem bloßen Infinitiv sehr häufig gebraucht, und zwar in einem gedoppelten Falle. (1) So bedienet man sich desselben im Niederdeutschen und Holländischen statt des Zeitwortes lassen. Bereiten thun, bereiten lassen. Machen thun, machen lassen, Jemanden gehen thun, ihn gehen lassen. Nach welchem Muster die Franzosen ihre ähnlichen Ausdrücke mit faire gebildet zu haben scheinen. In Hochdeutschen ist diese Bedeutung völlig unbekannt. (2) In den niedrigen Hoch- und Oberdeutschen Mundarten gehet man in dem Gebrauche dieses Zeitwortes noch weiter, wo es als ein wahres Hülfswort gebraucht wird, alle Zeitwörter, auch Neutra damit zu conjugieren. Essen thun, essen. Ich that gehen, ich ging. Ich will schreiben thun, schrei- ben. Sie thaten singen. Thun gehen, gehen. Opitz gebraucht diese Wortführung so gar in der edlern Schreibart. Ein fettes Haselhuhn, Darnach die Bürger sonst die Finger lecken thun. Thu Unfall von mir wenden, eben ders. Im Englischen ist diese Art des Ausdruckes gleichfalls völlig gangbar. I do believe, ich glaube. How do you do, wie befinden sie sich, eigentlich, wie thut ihr thun. Dieser Gebrauch ist freylich sehr bequem, weil man nur das Zeitwort thun darf conjugieren können, um alle übrige Zeitwörter damit abzuwandeln, daher er auch von einigen mit Recht alsdann empfohlen worden, wenn die leichteste Sprache erfunden werden sollte. Allein im Hochdeutschen klingt es überaus niedrig und widerwärtig. In dieser ganzen weitern Bedeutung ist dieses Zeitwort so viel, als Veränderungen, und besonders Veränderungen außer sich, und in noch engerm Verstande, solche Veränderungen mit Überlegung hervor bringen. Allein, es bezeichnet diese Veränderungen bloß als Veränderungen. Und daher rühret es vermuthlich auch, daß es seines weiten Umfanges ungeachtet doch nicht ohne alle Einschränkung gebraucht wird. Gewisse Veränderungen sind mit andern Zeitwörtern üblicher. So werden z. B. diejenigen Veränderungen, welche in einem körperlichen Werke bestehen, nicht mit thun, sondern mit machen ausgedruckt, wovon der Grund in der Abstammung beyder Wörter zu liegen scheinet, davon in der Anmerkung. So fern es Veränderungen überhaupt verursachen bedeutet, ist es dem leiden entgegen gesetzt; wenn es Veränderungen außer sich bezeichnet, so stehet es dem lassen oder unterlassen, und in einigen Fällen auch dem sagen entgegen, welches letztere im gemeinen Leben für seine äußere Veränderung gehalten wird. 2. Wird dieses Zeitwort auch sehr häufig in engerer und figürlicher Bedeutung gebraucht, besondere Arten der Veränderung zu bezeichnen. Die vornehmsten sind etwa folgende. (1) Mit Ernst, mit Anstrengung handeln oder thun; in einigen bereits eingeführten Fällen. Die Arbeit will gethan seyn, sie erfordert Anstrengung. Man muß zur Sache thun. Wir wollen je eher je lieber dazu thun, den Anfang damit machen. Sie müssen nur dazu thun, und ihn fortschicken. Mit sich selbst genug zu thun haben. Diese Sache macht mir viel zu thun, viel zu schaffen. (2) Die Ursache einer Wirkung seyn; auch mir in einigen Fällen. Hundert Thaler thuns nicht, richten es nicht aus. Wasser thuts freylich nicht. Es kann viel bey der Sache thun. Ich kann nichts mehr in dieser Sache thun. Die Menge muß es thun. Es ist damit nicht gethan, es reicht nicht zu, es ist damit nicht ausgerichtet. Wenn meine Wartung nicht thäte, er wäre lange todt. Ja, wenn ihr nicht thätet, ich glaube, ich wäre Petern wieder gut, Weiße. Es thuts ihm wohl was schlechters, er kann wohl mit etwas schlechterm zufrieden seyn. (3) Gemeinschaft, Umgang, Beschäftigung mit etwas haben, mit dem Zeitworte haben. Ich mag nichts mit der Sache zu thun haben. Mit jemanden zu thun haben, mit ihm in Verbindung stehen. Mit wem habe ich es zu thun? wer ist die Person, mit welcher ich rede, welche ich vor mir sehe. Ingleichen mit machen. Sich mit jemanden zu thun machen, sich mit ihm abgeben, unterhalten. Machen sie sich mit ihm nichts zu thun, geben sie sich nicht mit ihm ab. Im gemeinen Leben ist mir einer Person zu thun haben, ein anständiger Ausdruck der unterlaubten Beywohnung. (4) Pflichtmäßige Veränderungen hervor bringen, Berufsgeschäfte verrichten. Den ganzen Tag nichts thun. Nichts zu thun haben. Jemanden etwas zu thun geben. Zu thun bekommen. Viel zu thun haben. Ich habe jetzt zu thun, habe Berufsgeschäfte. Um sechs Uhr muß alles gethan seyn, verrichtet seyn. Was habt ihr da zu thun? Du hast hier nichts zu thun. Besonders wird es bey den Kaufleuten von Handelsgeschäften gebraucht. Ein Kaufmann thut viel, wenn er viele nützliche Geschäfte hat. (5) Es ist mir darum zu thun, ich suche es zu erlangen, es liegt mir am Herzen. Es ist ihm nur ums Geld zu thun. Es ist mir um deine Wohlfahrt zu thun. Es ist dem Junker viel (d. i. nichts) um seinen Kammerdiener zu thun, sondern nur um sich. In weiterm Verstande bedeutet diese Redensart aber ohne Fürwort so viel als betreffen, auf etwas ankommen. Es ist um dein Glück zu thun, es betrifft dein Glück. Es ist noch um Einen Monath zu thun, es kommt noch auf Einen Monath an, es ist dazu nur noch Ein Monath nöthig. Es ist um ein böses Stündchen zu thun. (6) Es ist um diese Sache gethan, oder es ist mit ihr gethan, sie ist verloren. Herrn es ist mit mir gethan, Gryph. es ist aus mit mir, ich bin verloren. Es war um ihre Gunst und um mein Glück gethan, Gell. (7) Den Ort eines Dinges verändern, mit ausdrücklicher Meldung des Ortes, als ein allgemeiner Ausdruck für setzen, legen, bringen u. s. f. Öhl in die Lampe, Wasser in den Wein thun. gießen. Die Hände in die Tasche thun, stecken. Das Pferd in den Stall thun. Salz an die Speise thun. Eine Sache bey Seite thun. Etwas davon, dazu thun. Geld aus dem Beutel thun. Etwas aus der Hand thun, legen. Schuhe an die Füße thun. Den Mantel umthun. Ein Kind in die Schule, einen Knaben auf ein Handwerk thun, verdingen. Einen Bedienten von sich thun, ihn abdanken. Dahin auch die figürlichen Arten des Ausdruckes gehören. So du aber dich bey Zeit zu Gott thust, Hiob. 8, 5. ihn suchest, dich um seine Gemeinschaft bewirbest. Warum thust du dich nicht von mir? Hiob 7, 19; enfernest dich nicht von mir. So ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich thut, Matth. 5, 17. Sich zu jemanden thun, nahe um ihn seyn, sich seine Gunst zu erwerben, daher sich zuthun, zuthätig. Sich hervor thun, andere zu übertreffen suchen. In mehr eigentlichen Verstande gehören hierher auch die Zusammensetzungen aufthun, abthun, anthun, austhun, hinthun, wegthun, zuthun u. s. f. welche insgesammt eine Veränderung des Ortes bezeichnen. Im Nieders. ist doon auch so viel als geben, reichen: thue mir das Buch, reiche mir es her. Die meisten Fälle dieser Bedeutung sind indessen nur im gemeinen Leben üblich, und werden in der anständigern Schreibart gern vermieden. (8) Seine Empfindungen durch Geberden und andere äußere Merkmahle an den Tag legen. Sehr nach etwas thun, im gemeinen Leben, sein großes Verlangen nach etwas durch Geberden, Bitten und Worte, merklich machen. Sehr um jemanden thun, ihn beklagen, bedauern. Wie sehr wir nach ihm rennen, Wie sehr wir nach ihm thun, Opitz. Wie mußtest du thun, wenn du es gar nicht hättest! Thun sie doch, als wenn ihr Körper eine Spinnwebe wäre, sie stellen geberden sich so. Scheu, blöde, furchtsam, vertraut, bekannt u. s. f. thun. Sehr ängstlich, sehr gefährlich thun,. Klüger thun, als es sich für seine Jahre schickt. Wenn du so böse thust, so bin ich ohne Sorgen, Rost. Meiner Jahre wegen könnte ich in der Kleidung noch sehr jung thun, Gell. Mit einem Frauenzimmer schön thun, sie liebkosen. Ich fürchte, daß Damöt mit vielen freundlich thut, Gell. Groß thun, prahlen, es sey nun durch Worte oder andere äußere Zeichen. In allen diesen Fällen, welche doch nur in der vertraulichen Sprechart einheimisch sind, bezeichnet das Zeitwort bloß die äußern Zeichen und Gebärden, und läßt es unentschieden, ob der Gemüthszustand damit übereinstimmet oder nicht. (9) Aber in sehr vielen bedeutet es ausdrücklich so viel als sich stellen, Empfindungen äußern, welche man nicht wirklich hat. Böse thun. Er that sehr gleichgültig. besonders mit der Partikel als. Er thut, als wenn er krank wäre. Thun sie, als wenn sie meine Muhme nicht wären, Gell. Ich muß also thun, als ob ich gar nichts wüßte, eben derselbe. Aber das heiße ich nicht bethen, das heißt nur thun, als ob man bethen wollte, eben ders. Ich that, als wollte michs verdrießen, eben ders. Noch that ich als schlummert' ich, Weiße. Aus einer andächtigen Höflichkeit thut man zuweilen so, als habe man sein Amt von Gott, Raben. (10) Sinnliche Empfindungen verursachen, mit den Nebenwörtern wohl, weh, gut, sanft u. s. f. Das thut mir wohl. das thut mir sanft. Das wird dir gut thun, figürlich, wird dir wohl bekommen, wird dir heilsam seyn. Es wird ihm auch gut thun, wenn er einen seinen Thaler Geld mit kriegt, wird ihm angenehm seyn. Wehe thun, schmerzen. Ein Lobspruch, den ich mir wegen seiner Größe nicht zueignen kann, thut mir weher, als ein verdienter Verweis, Gell. Jemanden weh thun, ihm Schmerzen, Kummer verursachen, auch figürlich, ihm zu nahe, zu viel thun. Es thut mir leid, es ist mir leid. Im gemeinen Leben einiger Gegenden sagt man auch, es thut mir and, für, es ist mir bange. (11) Böses thun, ingleichen Schaden thun, beleidigen. Was habe ich gethan? nähmlich Böses. Ich will dir nichts thun, will dich nicht persönlich beleidigen. Was hat er dir denn gethan, daß du ihm diese Ehre nicht auch erweisest? Gell. Du siehst recht sauer aus, hab' ich dir was gethan? Rost. Das thut mir nichts, kann mir nicht schaden. Es thut nichts, wenn man dich auch auslachen sollte, es schadet nichts, hindert nichts. Noch habe ich keinen Brief, aber das thut nichts, schadet nichts. (12) Es thut von Nöthen, es thut nöthig, besser und gewöhnlicher, es thut Noth, für, es ist nöthig. Jetzt thäte es Noth, man bedanke sich noch dazu, wenn man seine Reitzungen einem Undankbaren überläßt. Es thäte wirklich Noth Du ließest es geschehn, und würdest niemals roth, Rost. Es thut mir Noth, ist in meinem Leben so viel, als ich werde von der Natur zum Stuhlgange genöthiget. (13) * Beschaffen seyn, in welcher Bedeutung gethan seyn, ehedem sehr üblich war. Nun was es dergestalt gethan, und dieselb hol, Theuerd. Kap. 48. sie war so beschaffen. Die Geburt Christi war also gethan, Matth. 1, 18; ging so zu. Im Hochdeutschen, ist es in dieser Bedeutung veraltet, wovon die Oberdeutschen noch ihr so gethan oder sothan haben. In sothanen Umständen, in solchen. (14) In den gemeinen Mundarten hat dieses Zeitwort noch manche andere Bedeutungen, von welchen hier einige nur überhaupt angeführet werden sollen. Im Niederdeutschen wird es oft für gelten, kosten gebraucht. Was thut der Rocken, wie steht er im Preise? Er hat es mir gethan, er hat mich bezaubert, behext; im gemeinen Leben, wo thun auch ein höflicher Ausdruck für seine Nothdurft verrichten ist. Sprichw. Es ist ein böser Vogel, der in sein eigen Nest thut. (15) * Endlich wurde dieses Zeitwort ehedem auch sehr häufig für machen, ein körperliches Werk, und in weiterm Verstande, ein Werk hervor bringen, gebraucht. Duomes mannen, laßt uns Menschen hervor bringen, im Isidor. Zu Vuine getan, zu Wein gemacht, im Tatian. Dine hende taten mih, machten mich, im Notker. Diese Bedeutung, welche eine der ersten zu seyn scheinet, ist im Hochdeutschen längst veraltet und dem Zeitworte machen eigenthümlich überlassen worden. Das Dänische danne, bilden, und Danlighed, die Gestalt, scheint ein Intensivum davon zu seyn. Daher das Thun, S. solches gleich hernach.

Anm. 1. Ich thät, für ich that, du thätest, u. s. f. im Imperf. Indic. ist eine alte Oberdeutsche Form, welche im Hochdeutschen veraltet ist, und nur noch zuweilen in der komischen Schreibart gebraucht wird. Die Drachen thäten auch galant. Gött. Mus. Alman. 1776.

Anm. 2. Im Isidor chiduon, bey dem Kero ketuon, giduan, tuen, bey dem Ottfried duan, bey dem Ulphilas taujan, im Nieders. doon, im Angels. don, im Engl. do, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Wenn man voraus setzt, wie denn bey einer gründlichen Kenntniß des Ursprunges der Sprachen voraus gesetzt werden muß, daß alle Zeitwörter ursprünglich Nachahmungen natürlicher Laute sind, folglich anfänglich eine sehr individuelle Bedeutung hatten, und nochmahls auf mehrere Handlungen und Erscheinungen angewandt wurden, welche mit einem ähnlichen Laute verbunden waren, oder doch unter demselben gedacht wurden; so ist leicht zu beweisen, daß thun ehedem eigentlich eine Art körperlicher, mit einem gewissen merklichen und eigenthümlichen Laute verbundenen Verrichtung oder Handthierung bedeutet haben müsse. Eine Spur ist davon unter andern noch in dem Englischen vorhanden, wo to do, thun, the Do oder Doo aber, Geräusch, Lärm ist, wovon mit andern und zwar einen höhren Grad bezeichnenden Endsylben unser toben, taub, Getös, ehedem Tos, u. s. f. abstammen, ( S. auch Ton und Tönen.) Das oben gedachte Niedersächsische doon, geben, reichen, hat eine merkwürdige Übereinstimmung mit dem Lat. dare, geben, und donare, schenken, Donum, ein Geschenk, und allen ihren Verwandten.


Thun (W3) [Adelung]


Das Thun, des -s, plur. car. der Infinitiv des vorigen Wortes, als ein Hauptwort, besonders in der ersten weitern Bedeutung und als ein Collectivum, die Handlung eines vernünftigen Geschöpfes zu bezeichnen, wodurch es sich von That unterscheidet, welches von einzelnen Handlungen gebraucht wird. Um eures Thuns willen, ward der Herr erzürnet, 5 Mos. 4, 21. In allem Thun weislich handeln, Kap. 29, 1. Der Herren Augen sehen auf des Menschen Thun, Hiob 24, 23. Gottes Thun verkündigen, Ps. 9, 12. Alles Thun ist voll Mühe, Pred. 1, 8. Der mein Thun zu meistern denkt, Predigt tauben Ohren, Haged. Ingleichen die pflichtmäßigen Handlungen eines Menschen. Seines Thuns warten, Sir. 10, 30. Im Hochdeutschen fängt es an zu veralten, wo man es noch am häufigsten mit dem Worte Lassen gebraucht; das Thun und Lassen eines Menschen, die Handlungen, welche er verrichtet und unterläßt, zu bezeichnen.


Thunfisch (W3) [Adelung]


Der Thunfisch, des -es, plur. die -e, eine Art Makrelen, welche oben und unten acht Aftersinnen hat, ungefähr sieben Fuß lang ist, und sich häufig in dem Atlantischen und mittelländischen Meere aufhält, wo er gefangen und eingesalzen wird; Thynnus L. woraus auch der Deutsche Nahme ist, im Ital. Tonno.


Thunlich (W3) [Adelung]


Thunlich, -er, -ste, was sich thun, d. i. als Veränderung hervor bringen, wirken läßt, im weitesten Umfange dieser Wörter und zwar so wohl absolute, für möglich, als auch und zwar noch häufiger, den Umständen noch, für rathsam, leicht u. s. f. Die Sache ist nicht thunlich, läßt sich nicht thun. Noch ist es nicht thunlich gewesen, abzureisen. Eine thunliche Sache. Der Gegensatz ist unthunlich.


Thunlichkeit (W3) [Adelung]


Die Thunlichkeit, plur. car. die Eigenschaft eines Dinges, da es thunlich ist; im Gegensatze der Unthunlichkeit.


Thür (W3) [Adelung]


Die Thür, plur. die -en, Diminut. das Thürchen, Oberd. Thürlein. 1. In weiterer Bedeutung, eine mit einer senkrechten, senkrecht auf ihrer Angel stehenden beweglichen Fläche versehene Öffnung zu einem verschlossenen Raume, um zu demselben zu kommen, un die Fläche, womit diese Öffnung geschlossen wird. In dieser weitern Bedeutung hat man Ofenthüren, Schrankthüren, Thüren an den Bratröhren, Feuermauern, Vogelhäusern u. s. f. wo bald die Öffnung, bald aber auch die bewegliche Fläche von derselben den Nahmen der Thür führet. Der senkrechte Stand unterscheidet eine Thür von einem Deckel, der senkrechte Stand auf der Angel von einer Klappe, Falle oder Fallthüre, und die Absicht, um zu dem eingeschlossenen Raume zu kommen, von einem Fenster, und andern Öffnungen, welche andere Absichten haben. 2. In engerer Bedeutung ist die Thür eine solche Öffnung, um in einen umschlossenen Raum zu gehen, wo wiederum bald die Öffnung selbst, bald aber auch die Fläche, womit sie verschlossen wird, die Thür heißt. Die Hausthür, Stubenthür, Kammerthür, Hinterthür, Nebenthür, Hofthür, Treppenthür, Stallthür, Kellerthür, Gartenthür, Kirchenthür u. s. f. Die Thür aufmachen, zumachen, aufschließen, zuschließen. An die Thür klopfen. Vor der Thür stehen. In die Thür treten. An der Thür stehen. Zur Thür hinaus, hinein gehen. Vor der Thür, in dem Raume außerhalb der Thür. Sein Brot vor den Thüren suchen, von Haus zu Haus betteln. Den Lastern Thür und Thor aufthun, ihnen den ungehinderten Eingang verstatten. Daher auch die figürlichen Arten des Ausdruckes, in welchen Thür zum Theil das Zimmer und das Haus bedeutet. Jemanden die Thür weisen, ihn fortgehen heißen. Die Thür suchen, sich in der Geschwindigkeit fortmachen. Sich nach der Thür umsehen, zu entkommen suchen. Hinter der Thür Abschied nehmen, ohne Abschied fortgehen. Mit der Thür ins Haus fallen, ungestüm zuplatzen. Zwischen Thür und Angel stecken, aus zwey Übeln Eins erwählen müssen. Man sucht niemanden hinter der Thür, wenn man nicht selbst dahinter gewesen ist, das Bewußtseyn eigner Schuld macht, daß man andere in gleichem Verdacht hat. Vor fremden Thüren kehren, und seine eigene nicht rein halten, an andern Fehler entdecken und seine eigenen übersehen. Vor der Thür, nahe, so wohl von dem Orte, als der Zeit. Der Feind ist vor der Thür, ist nahe, ist nicht mehr weit. Ostern ist vor der Thür. Seine Besserung ist vor der Thür. Es ist ein Krieg vor der Thür. Wenn bey den Tuchbereitern ein viereckiges Bret, welches man über die Tücher legt, wenn sie gepreßt werden, die Preßthür heißt, so geschiehet es vermuthlich um der Ähnlichkeit willen, oder auch, weil man sich dazu anfänglich wirklich einer Thür bedienet hat.

Anm. Im Isidor Duri, beym Kero Tur, beym Willeram Ture, bey dem Notker Dura und Ture, In Oberschwaben noch jetzt Düra, im Nieders. Dör, im Schwed. Dör, im Dänischen Dor, im Isländ. Dyr, im Engl. Door, bey dem Ulphilas Daur, im Böhm. Dwere, bey den Sorben-Wenden Duri, im Alban. Dera, im Epirotischen Derene, im Pers. Der, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Chald. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, (Tera); woraus das hohe Alter dieses Wortes hinlänglich erhellet. Es ist, wie schon von den meisten Sprachforschern bemerket worden, sehr wahrscheinlich, daß der Begriff der Öffnung und der Bewegung durch dieselbe in diesem Worte der herrschende ist, und daß es also mit dem Vorworte durch auf das genaueste verwandt ist. Diesen weitesten Begriff der Öffnung bestätigen noch Ulphilas Thairko nethlos, ein Na- delöhr, (bey den Krainerischen Wenden heißt Urata, die Thür, welches mit unserm Öhr verwandt ist,) und das Angels. Thyrl, ein Loch, Naes-Thyrl, das Nasenloch, welches eigentlich das Diminutivum von Thür ist. Das Lat. obturare, ein Loch ausfüllen, scheint auch hierher zu gehören, S. auch Einthüren, welches bey den Müllern üblich ist, die Öffnungen der Mühlenflügel mit Schindeln ausfüllen. Viele schreiben dieses Wort Thüre, unter dem Vorwande, weil es weiblichen Geschlechtes ist. Allein, so fehlerhaft dieses ein Spur, Flur, Maner, und hundert andern ähnlichen seyn würde, so unnöthig ist es auch hier.


Thürangel (W3) [Adelung]


Die Thürangel, plur. die -n, die Angel, oder der Haken, worin die Thür hängt, der Thürhaken, Nieders. die Hänge, die Häspe.


Thürband (W3) [Adelung]


Das Thürband, des -es, plur. die -bänder, das eiserne Band, vermittelst dessen eine Thür auf der Angel hängt.


Thürfeld (W3) [Adelung]


Das Thürfeld, des -es, plur. die -er, das von der Zarge eingeschlossene Feld der beweglichen Thürfläche, welches unter dem Nahmen der Füllung am üblichsten ist.


Thürflügel (W3) [Adelung]


Der Thürflügel, des -s, plur. ut nom. sing. die bewegliche Fläche, womit die Thüröffnung verschlossen wird, besonders, wenn sie aus zwey gegen einander über stehenden Flächen bestehet.


Thürgerüst (W3) [Adelung]


Das Thürgerüst, des -es, plur. die -e, in der Zimmermannskunst, das Viereck von Holz, welches die Thüröffnung einschließt und selbige ausmacht, das Thürgestell, im Osnabrück. das Weeg; zum Unterschiede von einem Thürgewende, wenn dieses Viereck von gehauenen Steinen ist.


Thürgesims (W3) [Adelung]


Das Thürgesims, des -es, plur. die -e, ein Gesims über einer Hausthür, den Regen und Schnee von dem Thürgerüste oder Thürgewende abzuhalten.


Thürgestell (W3) [Adelung]


Das Thürgestell, des -es, plur. die -e, S. Thürgerüst.


Thürgewende (W3) [Adelung]


Das Thürgewende, des -s, plur. ut nom. sing. S. eben daselbst.


Thürhaken (W3) [Adelung]


Der Thürhaken, des -s, plur. ut nom. sing. S. Thürangel.


Thürhüther (W3) [Adelung]


Der Thürhüther, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bedienter, welcher die Aufsicht über eine Thür hat, und die Aus- und Eingehenden beobachtet, der Thürwärter, von welchem der Thürsteher eine Art ist. Des Reichs Erbthürhüther, welches die Grafen von Werther sind. In manchen Gerichten und Dikasterien sind die Thürhüther mehr zum Einlaß der Parteyen zur Ausrichtung der Befehle des Gerichtes, als zur Bewachung der Thür bestimmt, daher sie in einigen Gegenden auch Thürsteher genannt werden. Die Thürknechte sind die geringste Art derselben. Im Tatian Duriuuarta.


Thürknecht (W3) [Adelung]


Der Thürknecht, des -es, plur. die -e, S. das vorige.


Thurm (W3) [Adelung]


Der Thurm, des -es, plur. die Thürme, Diminut. das Thürmchen, Oberd. Thürmlein, ein hohes Gebäude, dessen Höhe, die Breite und Länge weit übertrifft. Ein spitziger Thurm, im Gegensatze eines stumpfen. Ein hölzerner Thurm, zum Unterschiede von einem steinernen oder massiven. Der Kirchthurm, Glockenthurm, Schloßthurm, Pulverthurm, Wachthurm, Leuchtthurm oder Feuerthurm u. s. f. Auf den Thurm steigen. Der Babylonische Thurm. Auch ein solches Gebäude auf einem andern, da manche Häuser und Gebäude Thürme oder Thürmchen haben. Da die Thürme so wohl an den Rathhäusern als auch über den Thoren häufig zu Gefängnissen gebraucht wurden, und noch jetzt gebraucht werden, so wird Thurm sehr oft für Gefängniß gebraucht, auch wenn es sich eben nicht mehr in einem eigentlichen Thurme befindet. Jemanden in den Thurm stecken. Aber, ihn auf den Thurm setzen u. s. f. setzet ein Gefängniß in einem wahren Thurme voraus. Von dem Thurme in dem Schachspiele, S. 2. Roche.

Anm. Bey dem Notker Turre, im Theuerdank Turen, im Niederd. Toorn, Tahren, im Angels. Tor, im Engl. Towr, Tor, im Schwed. Torn, im Isländ. Turn, im Isländ. Tor, im Franz. Tour, im Bretagn. Twr, im Pohln. Turma, im Lat. Turris, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, (Tzur und Sohar,) weil s und t sehr leicht in einander übergehen, im Syr. Tur. Es ist wohl gewiß, daß der Begriff der Höhe in diesem Worte der Stammbegriff ist, und daß es von dem alten thor, tor, groß, hoch, abstammet, welches aus dem Zeitworte thürmen noch deutlicher erhellet. Daher bedeutet im Engl. Tor, nicht nur einen Thurm, sondern auch einen hohen Felsen. Die Form Thurn für Thurm im Hochdeutschen veraltet, so wie der Plural die Thürmer für Thürme nur in einigen gemeinen Mundarten üblich ist.


Thurmbau (W3) [Adelung]


Der Thurmbau, -es, plur. inus. der Bau eines Thurmes. Der Babylonische Thurmbau.


Thürmen (W3) [Adelung]


Thürmen, verb. reg. act. in Gestalt eines Thurmes aufhäufen, zu einem hohen Haufen machen, dessen Höhe die Grundfläche weit übertrifft; besonders in der dichterischen Schreibart, dagegen in der prosaischen aufthürmen üblicher ist. O, daß die Sonne nur, die mir jetzt heiter scheint, Um diesen May des Glücks- Nicht ein Grwölke thürmt! Weiße.

Anm. In diesem Zeitworte und dessen ausländischen Verwandten ist der Stammbegriff der Höhe unläugbar. Im Englischen ist to towr, sich in die Höhe schwingen, hoch in die Luft fliegen, towring, hochfliegend, und figürlich hochmüthig; im Wallis. ist dwyre, aufstehen, surgere, welches Lateinische Wort seiner ersten Sylbe nach nebst sursum u. s. f. gleichfalls hierher gehöret.


Thürmer (W3) [Adelung]


Der Thürmer, des -s, plur. ut nom. sing. der Wächter auf einem Thurme, welcher auf die Feuersbrünste in der Stadt Acht zu geben und zuweilen auch die Stunden durch den Glockenschlag anzudeuten hat; der Thurmwächter, an einigen Orten der Hausmann.


Thurmfalk (W3) [Adelung]


Der Thurmfalk, des -en, plur. die -en, ein Nahme des Wannenweders oder Rüttelgeyers, weil er gern auf Thürmen horstet


Thurmfisch (W3) [Adelung]


Der Thurmfisch, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme des Döbels oder Sanddöbels; Cyprinus Dobula L. welcher in andern Gegenden Giebel heißt.


Thurmherr (W3) [Adelung]


Der Thurmherr, des -en, plur. die -en, an einigen Orten, wo die öffentlichen Gefängnisse sich in einem Thurme befinden, wie z. B. zu Straßburg, gewisse Beamte der Stadt, welche die Aufsicht über diese Gefängnisse haben. In Cöln am Rhein, wo das öffentliche Gefängniß der Fränkenthurm heißt, sind die Thurmherren oder Thurmmeister zwey im Rathe sitzende Personen, welche einen eingezogenen Verbrecher in die Inquisition nehmen, und ihn hernach an das Schöffengericht abliefern.


Thurmkohl (W3) [Adelung]


Der Thurmkohl, des -es, plur. car. eine Pflanze mit langen eckigen Schoten, welche auf den Triften Europens wächst, und auch Thurmkraut, Thurmsenf genannt wird; Turritis L.


Thurmmeister (W3) [Adelung]


Der Thurmmeister, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe Thurmherr.


Thurmmühle (W3) [Adelung]


Die Thurmmühle, plur. die -n, eine auf einem kegelartigen Thurme stehende Windmühle, eine Holländische Windmühle; zum Unterschiede von den Deutschen Bockmühlen.


Thurmschwalbe (W3) [Adelung]


Die Thurmschwalbe, plur. die -n, eine Art Schwalben, welche größer ist, als die Hausschwalbe, sich gern um Steinfelsen und hohe Thürme aufhält, und ein starkes Geschrey hat. Vielleicht ist sie mit der Mauerschwalbe einerley.


Thurmsenf (W3) [Adelung]


Der Thurmsenf, des -es, plur. inus. S. Thurmkohl.


Thurmuhr (W3) [Adelung]


Die Thurmuhr, plur. die -en, ein großes Uhrwerk auf einem Thurme, die Stunden zu zeigen und zu schlagen.


Thurmwärter (W3) [Adelung]


Der Thurmwärter, S. Thürmer.


Thürnagel (W3) [Adelung]


Der Thürnagel, des -s, plur. die -nägel, im Hüttenbaue, diejenigen Nägel, womit das Ventil an die Pumpe genagelt wird, weil dieses daselbst auch das Thürlein genannt wird.


Thurnier (W3) [Adelung]


Thurnier, Thurnieren, u. s. f. S. Turnier.


Thürpfoste (W3) [Adelung]


Die Thürpfoste, plur. die -n. 1. Diejenige Pfoste an dem Thürgerüste, worin die Thür hängt. In weiterer Bedeutung werden auch beyde Thürstöcke wohl Thürpfosten genannt. 2. Von Pfoste, dicke Bohle, dergleichen Bohlen, woraus starke Thüren verfertiget werden.


Thürriegel (W3) [Adelung]


Der Thürriegel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Riegel, eine Thür damit zuzuriegeln, oder zu verschließen.


Thürschwelle (W3) [Adelung]


Die Thürschwelle, plur. die -n, die Grundfläche der Thüröffnung und der Balken oder das Balkenstück, welches selbige ausmacht. Zuweilen wird auch der Sturz, oder das obere Balkenstück, die Oberschwelle genannt, da denn jene die Unterschwelle heißt.


Thürsteher (W3) [Adelung]


Der Thürsteher, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche an der Thür stehet, selbige zu bewachen, eine Art Thürhüther. So haben vornehme Personen Schweizer oder Heiducken, welche so wohl an der Hausthür, als auch an den Zimmerthüren, selbige zu bewachen, und auch wohl Schweizer genannt werden. der Kammerthürsteher ist an den Höfen eine angesehene Person, welche gleich auf den Kammerdiener folgt.


Thürstock (W3) [Adelung]


Der Thürstock, des -es, plur. die -stöcke, die beyden senkrechten Theile eines Thürgerüstes, welche auch wohl Thürpfosten genannt werden, zum Unterschiede von den Thürschwellen. Vermuthlich um der Ähnlichkeit willen, werden im Bergbaue die senkrechten Bauhölzer in der Verzimmerung eines Stollens, worauf die Kappen liegen, Thürstöcke genannt. S. Stock.


Thürverkleidung (W3) [Adelung]


Die Thürverkleidung, plur. die -en, das Leistenwerk, womit das Thürgerüst bekleidet wird.


Thürwärter (W3) [Adelung]


Der Thürwärter, S. Thürhüther.


Thymber-Pflanze (W3) [Adelung]


Die Thymber-Pflanze, plur. die -n, eine in dem mittägigen Europa einheimische Pflanze, wovon eine Art besonders in Macedonien einheimisch ist; Thymbra Linn. aus welchem Griechischen Nahmen auch der Deutsche gebildet ist.


Tichten (W3) [Adelung]


Tichten, S. Dichten.


Ticken (W3) [Adelung]


Ticken, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit dem Hülfsworte haben, mit der äußersten Spitze des Fingers oder mit einem andern spitzigen Werkzeuge gelinde berühren. Daher der Tick, diese Berührung, anticken, anrühren u. s. f. Das ck in der Mitte zeiget schon, daß dieses Wort ein Intensivum ist; die einfachere Form ist noch in Ulphilas tekan, berühren, Franz. toucher, Engl. touch, und in dem veralteten Lat. tagere, tigere, wofür nachmahls mit eingeschaltetem Naselaute tangere üblich ward, vorhanden. Das Nieders. tippen, Hochd. tupfen wird in ähnlichem Verstande gebraucht.


Tief (W3) [Adelung]


Tief, -er, -ste, adj. et adv. welches einen relativen Begriff bezeichnet, und in verschiedenem Verstande gebraucht wird. 1. Eigentlich, unter der angenommenen oder doch gewöhnlichen Horizontal-Linie, oder näher nach dem Mittelpuncte der Erde befindlich, im Gegensatze des hoch; wo es theils absolute gebraucht wird, das Maß dieser Entfernung zu bestimmen, in weichem Falle das Hauptwort des Maßes am gewöhnlichsten in der vierten Endung stehet, wie bey den Wörtern hoch, lang, breit, weit u. s. f. Der Brunnen ist zwanzig Ellen tief. Wie tief ist der Schacht? Antw. Fünfzig Klafter. Drey Fuß, sechs Zoll tief. Wofür im Oberdeutschen auch die zweyte Endung üblich ist. Vieler Ellen tief. Ingleichen ohne Beysatz des Maßes, wo tief weit von der Horizontal-Fläche, oder doch weiter als gewöhnlich von derselben entfernt, bedeutet. Ist die gewöhnliche Horizontal-Fläche der Begriff, worauf sich tief beziehet, so stehet es dem hoch entgegen, in andern Fällen aber auch dem flach, seicht u. s. f. Eine tiefe Gegend, welche unter der Horizontal-Linie liegt. Das Land liegt tief, im Gegensatze des hoch. Ein tiefer Graben, tiefer als gewöhnlich. Der Graben ist nicht tief. Ein tiefer Fluß. Das Meer ist hier sehr tief. Ein tiefer Abgrund. Eine tiefe Wunde. Die Wurzeln gehen tief. Tief graben. Eine tiefe Schlüssel, im Gegensatze einer flachen. Es liegt ein tiefer Schnee, d. i. hoher, vieler Schnee; wegen der weiten Entfernung von seiner Oberfläche bis zum Grunde. So auch tiefer Koth, in welchen man tief einsinkt. Tiefe Wege oder Straßen, wo vieler und tiefer Koth liegt. 2. In weiterer Bedeutung wird es in vielen Fällen auch von der horizontalen Entfernung gebraucht, und zwar so wohl absolute mit Bestimmung des Maßes. Das Haus ist zwanzig Ellen tief, d. i. von der Vorderseite bis zur hintersten Mauer. Als auch ohne Bestimmung des Maßes, für weit, weit von einem angenommenen Puncte in horizontaler Richtung entfernt. Tief in das Land hinein gehen. Sich tief in den Wald hinein wagen. Er ging tief in das Gebirge. Tief in die Höhle hinein gehen. Wie tief in der Feldschlacht sterbend ein Gottesläugner sich wälzt, Klopst. Es ist zwar als ein Nebenwort am üblichsten, doch ist das Beywort auch nicht ganz ungewöhnlich. Ein tiefes Haus, welches von der Vorderwand bis zur Hinterwand einen beträchtlichen Raum einnimmt. Und sahe ungesehn in die tiefe Versammlung, Klopst. 3. Figürlich. (1) Sich tief vor jemanden neigen. Eine tiefe Verbeugung machen. Und nach einer noch weitern Figur. Sich sehr tief erniedrigen. Die tiefste Erniedrigung. Tiefe Demuth. Die zügellose Liebe wird zur Brunst, die den Menschen tief unter das Thier erniedrigt; Gell. (2) Tiefe Farben, dunkle, im Gegensatz der hohen. Tief trauern, mit sehr dunkeln Farben, oder auch als eine Figur der vorigen Bedeutung. (3) Von den Tönen; ein tiefer Ton, derjenige, welchen eine dickere, längere oder schwächer gespannte Saite hervor bringt; im Gegensatze des höhern. Ein Instrument tiefer stimmen. Die tiefe Baßstimme. (4) Bis in die tiefe Nacht hinein, weit in die Nacht hinein, von der zweyten engern Bedeutung. Die tiefste Mitternacht ist durch dich helle, Weiße. Denn tiefe Nacht deckt vor uns her die Tage Die jeder noch durchwandern wird, Uz. Wo sich auch der vorige zweyte Begriff der Dunkelheit mit hinzu gesellet. (5) Ein tiefer Schlaf, aus welchem man schwer zu erwecken ist. Im tiefsten Schlafe liegen. So auch in tiefen Gedanken sitzen, stehen, begriffen seyn, wofür man auch wohl sagt, tief in Gedanken sitzen, u. s. f. In tiefer Betrachtung versunken. Tief in Schulden stecken, viele Schulden haben, wofür man im gemeinen Leben nur sagt, tief stecken, sehr tief stecken. (6) Verborgen, unergründlich. Ein tiefes Geheimniß. Die tiefe Weisheit Gottes. Tiefe mystische Beweise ergrübeln. och häufiger, (7) Gründlich, subjective, deutliche Begriffe von allen Merkmahlen eines Dinges habend, und darin gegründet. Eine tiefe Erkenntniß. Ein tiefer Verstand. Tief denken. Ein tief denkender Mann. Gesetzt, ich sähe hier nicht tief genug. Wir sehn nicht tief genug, was dieses Herz empfand, Weiße. (3) Tief Athem hohlen, gleichsam von den untersten Theilen der Brusthöhle heraus. Einen tiefen Seufzer lassen. Tief seufzen. (9) In manchen Fällen ist es ein Zeichen einer Intension, eines hohen Grades. Ein tiefes Stillschweigen beobachten. Es herrscht hier eine tiefe, die tiefste Stille. Wo man aber nicht mit dem Nebenworte sagen kann, tief stillschweigen. Sich etwas tief einprägen, tief in das Gedächtniß prägen. Es bleibt im tiefen Andenken. Ein tiefer Schmerz, der nicht nur stark, sondern auch dauerhaft ist, und in der Stille empfunden wird. Der Schmerz eines Weisen ist tief. aber ohne Geräusch und mit Majestät bekleidet. Du scheinst einen tiefen Gram zu verbergen. Anm. Bey dem Ulphilas diup, bey dem Ottfried diuf, im Nieders. deep, im Angels. deop. im Engl. deep, im Schwed. diup, im Wallischen dwfn. Es ist mit taufen nahe verwandt, S. dasselbe.


Tief (W3) [Adelung]


Das Tief, des -es, plur. die -e, ein besonders in der Schifffahrt übliches Wort, den tiefsten Theil oder Ort einer Wassermenge zu bezeichnen. Besonders wird das Fahrwasser, welches die gehörige Tiefe für die Schiffe hat, zum Unterschiede von den seichtern Stellen das Tief genannt. In den Niederdeutschen Marschländern führet diesen Nahmen der Hauptwasserzug, worin alle Zuggräben zusammen fließen. Nieders. Deep.


Tiefäugig (W3) [Adelung]


Tiefäugig, adj. et adv. tief, d. i. weit in den Kopf hinein liegende Augen habend.


Tiefe (W3) [Adelung]


Die Tiefe, plur. die -n. 1. Als ein Abstractum und ohne Plural, außer von mehrern Arten, oder von dieser Beschaffenheit in mehrern Individuis, die Eigenschaft eines Dinges, da es tief, d. i. unter der angenommenen oder gewöhnlichen Horizontal-Linie, befindlich ist; ingleichen Entfernung unter dieser Horizontal-Linie. Die Tiefe eines Brunnens messen. Eine Tiefe von zwanzig Ellen. eine grundlose Tiefe. Auch in einigen Fällen von der horizontalen Entfernung. Die Tiefe eines Hauses, dessen Breite von der Vorderwand gerechnet bis zur Hinterwand. Die Tiefe eines Zimmers, dessen Länge. Ingleichen in den meisten figürlichen Bedeutungen des Wortes tief. Die Tiefe des Schlafes, der Erniedrigung, der Farben, der Töne. Die Tiefe der Weisheit Gottes, ihre unergründliche Beschaffenheit. Die Tiefe der Erkenntniß, diejenige Eigenschaft, da alle Merkmahle einer Sache zur Deutlichkeit gebracht werden. 2. Ein tiefes Ding, ein tiefer Ort, als ein Concretum. (1) In mehr eigentlichem Verstande, wo man einen jeden tiefen, d. i. weit unter der Horizontal-Linie befindlichen Ort oder Raum, eine Tiefe nennet. Eine grundlose Tiefe, ein Abgrund. Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Ps. 130, 1. Gewiß, das Herz eines Frauenzimmers ist eine unergründliche Tiefe, Krüg. Besonders wird ein tiefes Wasser, und der tiefste Theil einer großen Sammlung Wassers die Tiefe genannt. Auf die Tiefe fahren, auf das hohe Meer. Es war finster auf der Tiefe, 1 Mos. 1, 2. In die Tiefe des Meeres versenken. In die Tiefe kommen, gerathen. Wie Gott die Erde auf Tiefen lagert, Herd. Als ich urplötzlich einen Drachen Aus blauer Tiefe steigen sah, Raml. (2) In verschiedenen figürlichen Bedeutungen. Besonders uner- gründliche Beschaffenheit, unerforschliche Gesinnung. Die Tiefen der Gottheit, 2 Cor. 2, 10. Tiefen des Satans, Offenb. 2, 24. Der Schönen Herz hat unergründte Tiefen, Gell.

Anm. Bey dem Ottfried Diufi, im Tatian, der es auch von dem hohen Meere gebraucht, Tiufi, bey dem Willeram Toife, in Oberschwaben noch jetzt Diafi, bey den Bergleuten Teufe, ( S. dieses Wort,) im Dän. Dyb, im Nieders. mit der Endsylbe -te, Diepte, Deepte, bey dem Ulphilas Diupita, im Holländ. Diepte.


Tiefen (W3) [Adelung]


Tiefen, verb. reg. act. tief, oder tiefer machen, welches aber nur in den Zusammensetzungen auftiefen, austiefen, vertiefen üblich ist. ( S. dieselben.) Im Nieders. ist dipen die Tiefen messen.


Tiefhammer (W3) [Adelung]


Der Tiefhammer, des -s, plur. die -hämmer, bey verschiedenen Metallarbeitern, z. B. den Goldschmieden, Kupferschmieden u. s. f. ein Hammer mit einer großen bauchigen Bahn, mit seinen langen Enden bis auf den Boden der tiefen Geschirre damit zu langen und selbigen damit zu bearbeiten.


Tiefherr (W3) [Adelung]


Der Tiefherr, des -en, plur. die -en, an einigen Orten, z. B. zu Hamburg, zwey Rathsherren, welche für die Austiefung des Hafens und des Fahrwassers zu sorgen haben. Von dem Neutro das Tief, das Fahrwasser.


Tiefordnung (W3) [Adelung]


Die Tiefordnung, plur. die -n, eben daselbst, die obrigkeitliche Verordnung, wie es mit dem Tiefe, oder dem Fahrwasser, und dessen Austiefung gehalten werden soll.


Tiefschäftig (W3) [Adelung]


Tiefschäftig, adj. et adv. in der Weberey. Tiefschäftige Tapeten, Tapeten, welche auf einem Stuhle gewebet werden, wo die Kette mit ihren Schäften, wie bey andern Zeugen, horizontal liegt; zum Unterschiede von dem hochschäftigen Tapeten, wo sie senkrecht liegt. Im Franz. Basselisse und Hautelisse, welche auch im Deutschen angenommen sind. So auch ein tiefschäftiger Stuhl, zum Unterschiede von einem hochschäftigen


Tiefsinn (W3) [Adelung]


Der Tiefsinn, des -es, plur. car. 1. Derjenige Zustand des Gemüthes, da es in tiefen Gedanken begriffen ist, und die Fertigkeit dieses Zustandes. Jemanden aus seinem Tiefsinne erwecken. In Tiefsinn gerathen, in die Fertigkeit dieses Zustandes. 2. Diejenige Fertigkeit, da man von den Merkmahlen eines Dinges deutliche Begriffe hat, die Deutlichkeit der Begriffe bis auf mehrere Grade erstrecket. Scharfsinn entdeckt nur das Mannigfaltige in einer Sache, und bleibt bey Einem Grade der Deutlichkeit stehen. Eine Wahrheit mit vielem Tiefsinne erforschen. In beyden Fällen auch die Tiefsinnigkeit; obgleich im schärfsten Verstande dieses die Fertigkeit, Tiefsinn aber den bloßen Zustand bedeutet.


Tiefsinnig (W3) [Adelung]


Tiefsinnig, -er, -ste, adj. et adv. Tiefsinn enthaltend, in demselben gegründet, in beyden Bedeutungen des vorigen Wortes. 1. Tiefsinnig seyn, in tiefen Gedanken begriffen seyn, und die Fertigkeit dieses Zustandes. Tiefsinnig werden. 2. Von den Merkmahlen eines Dinges deutliche Begriffe habend, und darin gegründet. Ein tiefsinniger Verstand. Tiefsinnige Wahrheiten. Nieders. indeepsk.


Tiefsinnigkeit (W3) [Adelung]


Die Tiefsinnigkeit, plur. inus. S. Tiefsinn.


Tiegel (W3) [Adelung]


Der Tiegel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Tiegelchen, Oberd. Tiegellein. 1. Der Nahme eines Gefäßes, wo es doch nur in einigen einzelnen Fällen vorkommt. (1) Das flache Gefäß einer Lampe heißt im Oberdeutschen der Lampentiegel daher eine Lampe eben daselbst noch hin und wieder ein Tiegel genannt wird, wovon Frisch und ein Paar Beyspiele aus dem Kaisersberg anführet. (2) Der Schmelztiegel oder Gießtiegel, in der Metallurgie und Chymie, ist ein irdenes Gefäß in Gestalt eines runden und unten ein wenig zugespitzten Bechers, Metalle und andere Mineralien darin zu schmelzen. Oben ist er oft drey- oder viereckig. (3) In den Küchen und der Haushaltung ist der Tiegel ein flach rundes gemeiniglich irdenes Gefäß mit drey Beinen, Fett darin zu zerlassen, Speisen darin aufzuwärmen u. s. f. der Kochtiegel. Einen ähnlichen Leimtiegel von Eisen oder Kupfer haben die Buchbinder und Holzarbeiter. Im Oberdeutschen wird ein solcher Tiegel ein Rain genannt, hingegen führet (4) daselbst ein jeder irdener Napf den Nahmen eines Tiegels. 2. An den Buchdruckerpressen ist der Tiegel eine schwere messingene oder eiserne Platte, welche vermittelst der Presse auf den Bogen gedruckt wird, und den Abdruck der Leitern auf demselben eigentlich verrichtet.

Anm. In der ersten Bedeutung bey dem Notker Tegel, im Nieders. Degel, im Schwed. Digel, im Isländ. Deigul, im Pohln. Tygiel, im Ital. mit einem andern Endlaute Tegame, Tegamino. Da Tigel, im Angels. ein Ziegel, Tegula, heißt, so glaubt Ihre, daß ein solches hohles Gefäß von diesem Lateinischen Worte, aus eben der Ursache Tiegel genannt worden, aus welcher andere ähnliche Gefäße Scherben und Teste genannt werden. Indessen scheinet es ein altes Deutsches Wort zu seyn, welches zu Teich und dessen Verwandten gehöret, ein Gefäß, einen hohlen Raum zu bezeichnen. Die Ableitungssylbe -el bedeutete so wohl ein Werkzeug, als auch ein Ding oder Subject. In der zweyten Bedeutung, wo der Tiegel der Buchdrucker nichts ähnliches mit einem Gefäße hat, sondern eine ebene Platte ist, ist es wohl unstreitig aus dem Latein. Tigillum, ein Balke, entlehnet; es müßte denn seyn, daß diese Platte von dem in der Mitte befindlichen stählernen Pfännchen, worin sich der Zapfen befindet, den Nahmen bekommen hätte, welches doch eben nicht sehr wahrscheinlich ist. Die Buchdruckerkunst hat mehrere Kunstwörter aus dem Lateinischen angenommen, und es ist glaublich, daß dieser Tiegel in der Kindheit der Kunst ein wahrer Balken gewesen ist.


Tiegelbrey (W3) [Adelung]


Der Tiegelbrey, des -es, plur. inus. in den Küchen, eine Art Breyes, von Mehl, Gries, Hirse, Reiß u. s. f. welcher mit Milch und Butter in einem Tiegel bereitet, und auch das Tiegelmus genannt wird.


Tiegelprobe (W3) [Adelung]


Die Tiegelprobe, plur. die -n, in dem Hüttenbaue und den Münzen, die Probe, welche mit Erzen und Metallen, in dem Schmelztiegel angestellet wird, und in weiterer Bedeutung, eine jede Probe, ein jeder Versuch mit Erzen und Metallen, welcher im Kleinen gemacht wird.


Tieger,Tiger (W3) [Adelung]


Der Tieger, oder Tiger, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. Tiegerchen, Oberd. Tiegerlein. 1) Eigentlich, ein vierfüßiges fünfzehiges überaus wildes Raubtier, welches so groß wie ein Löwe ist, über den ganzen Körper büschlige oder streifige Flecken hat, und häufig in Asien und Afrika angetroffen wird, das Tiegerthier. 2) Figürlich auch ein jedes anderes Thier, welches getiegert, d. i. wie ein Tieger gefleckt ist, z. B. ein Pferd, ein Hund, eine Katze, ein Tieger genannt. Der Nahme ist aus dem Griech. und Lat. Tigris.


Tiegerfuß (W3) [Adelung]


Der Tiegerfuß, des -es, plur. inus. in der Botanik, eine Art Trichterwinde, mit handförmigen Blättern, welche die Gestalt eines Tiegerfußes haben; Ipomoea Pes Tigris L. Sie ist in Ostindien einheimisch.


Tiegerhund (W3) [Adelung]


Der Tiegerhund, des -es, plur. die -e, ein getiegerter, d. i. mit Flecken, wie ein Tieger, versehener Hund.


Tiegerkatze (W3) [Adelung]


Die Tiegerkatze, plur. die -n. 1) Eine Art wilder Katzen in Amerika, welche eine fleckige Haut, wie ein Tieger hat, und so wild und grausam, wie dieser ist; Catus tygrinus K. 2) Auch eine zahme Hauskatze, wenn sie wie ein Tieger gefleckt ist.


Tiegermotte (W3) [Adelung]


Die Tiegermotte, plur. die -n, eine Art Motten oder Nachtfalter; Phalaena Bombyx lubricipeda L.


Tiegern (W3) [Adelung]


Tiegern, verb. reg. act. mit Flecken, wie ein Tieger versehen. Besonders im Mittelworte der vergangenen Zeit. Ein getiegertes Pferd.


Tiegerthier (W3) [Adelung]


Das Tiegerthier, des -es, plur. die -e, S. Tieger.


Tiene (W3) [Adelung]


Die Tiene, plur. die -n, Diminut. das Tienchen, ein in vielen Gegenden übliches Wort, eine Art hölzerner Gefäße zu bezeichnen, welches doch nicht überall von einerley Gestalt und Größe ist. In einigen Niederdeutschen Gegenden ist es ein kleines Fäßchen mit einem Deckel, allerley Vorrath darin zu verwahren. An andern Orten wird ein größeres ovales, einer Wanne ähnliches Gefäß zum Waschen, die Waschtiene oder Tiene schlechthin genannt. Und wenn ich nicht irre, so wird auch eine Stande oder ein Ständer, d. i. ein runder hölzernes Gefäß mit drey Füßen, in einigen Gegenden eine Tiene genannt.

Anm. Im Schwed. Tina, im Ital. Tina, Tino, Tinaccia. Das Wort ist alt und Tina war schon den Römern bekannt, wie aus dem Festus, Varro und Apicius erhellet. Im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine Art eines Bechers. S. Tonne, welches das Intensivum davon zu seyn, und eine große Tiene zu bezeichnen scheinet.


Tiffe (W3) [Adelung]


* Die Tiffe, plur. die -n, ein nur in einigen gemeinen Mundarten übliches Wort, eine Hündinn oder Petze zu bezeichnen, S. Petze.


Tiger (W3) [Adelung]


Der Tiger, S. Tieger.


Tilgen (W3) [Adelung]


Tilgen, verb. reg. act. 1) Eigentlich, vernichten, des Daseyns berauben, verwüsten, zerstören; eine im Hochdeutschen größten Theils veraltete Bedeutung, in welcher vertilgen noch in einigen Fällen üblich ist. ( S. auch Austilgen.) Eine Feuersbrunst tilgen. Das Ungeziefer ist nicht zu tilgen. Das Unkraut will sich nicht tilgen lassen. Damit er in tilgt von der weldt, Theuerd. Kap. 79. 2) Im figürlichen Verstande, der Zurechnung und den Folgen nach aufheben. Tilge meine Sünde, Ps. 51, 3. ich tilge deine Übertretung, Es. 43, 25. Die Almosen tilgen die Sünde, Tob. 12, 9. Auch in dieser Bedeutung kommt es außer der biblischen Schreibart im Hochdeutschen nicht mehr vor, wo man es nur noch theils von der Auslöschung einer bezahlten Schuld in dem Schuldbuche, theils auch von Bezahlung der Schuld selbst gebraucht. Eine Schuld tilgen, so wohl sie in dem Buche auslöschen, als auch sie bezahlen. Ehedem gebrauchte man es auch in anderen Fällen für auslöschen, ausstreichen. Aus dem Buche der Lebendigen tilgen, 2 Mos. 32, 32. Ps. 69, 29. So auch die Tilgung.

Anm. bey dem Notker tiligon, im Nieders. delgen, welches auch verthun, verschwenden, prassen bedeutet im Angels. dilgian, im Dän. dolge. Die letzte Sylbe -gen zeiget schon, daß dieses Wort ein Iterativum oder Intensivum ist, dessen Stammwort dilon, dilan, für tilgen, noch im Isidor und bey dem Ottfried vorkommt, und auf eine merkwürdige Art mit dem Lat. delere überein stimmet. Es kann seyn, daß dieses Wort mit theilen, Nieders. delen, bey dem Ulphilas dailjan verwandt ist, aber es kann auch eine eigene Onomatopöie einer Art des Vernichtens und Zerstörens seyn. Im mittlern Lat. ist Tala, Verwüstung, und Talator, ein Verwüster, im Nieders. Delger, ein Verwüster, Verschwender.


Tille (W3) [Adelung]


Die Tille, S. Dille.


Tinctur (W3) [Adelung]


Die Tinctur, plur. die -en, aus dem Latein. Tinctura, und dieß von tingere, färben, ein gefärbter flüssiger Körper; besonders in der Chymie und Medicin, ein flüssiger Körper, aus welchem die leicht auflöslichen und entwickelten wirksamen Theile einer Substanz durch gewisse Auflösungsmittel ausgezogen worden; zum Unterschiede von einer Essenz, welche alle wirksamen Theile enthält.


Tine (W3) [Adelung]


Die Tine, S. Tiene.


Tinte (W3) [Adelung]


Die Tinte, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -n. 1) Ein gefärbter flüssiger Körper, damit zu schreiben. Rothe, grüne, gelbe, blaue Tinte. Schwarze Tinte, welche gemeiniglich verstanden wird, wenn man Tinte schlechthin nennet. Unsichtbare, sympathetische Tinte. Du willst in die Tinte kommen, im gemeinen Leben, du wirst übel ankommen, wo Tinte für Brühe, Farbebrühe zu stehen scheinet, welches Wort in diesem Falle gleichfalls gebräuchlich ist. In der Tinte sitzen, sich in Verlegenheit, in einem übeln Handeln befinden. 2) In der Mahlerey wird von einigen jede künstliche oder zusammen gesetzte Farbe nach dem Ital. Tinto, und Franz. Teinte, die Tinte genannt. Die ganze Kunst des Colorits bestehet in der Wissenschaft der Tinten und halben Tinten. Diese Bedeutung ist aus dem Italiänischen entlehnet; könnte auch gar figürlich entbehret werden, weil dieses Wort nichts mehr sagt, als Farbe.

Anm. Bey vielen Dinte, welches doch so wohl der Hochdeutschen Aussprache als der Abstammung zuwider ist. Luthers mehrmahliges mit Dinten, für mit Dinte oder Tinte, ist eine Oberdeutsche Form, nach welcher daselbst mehrere weibliche Wörter auf c decliniret werden. Ich weiß nicht mit was für Grunde von vielen behauptet werden können, Tinte sey ein altes Gothisches und Deutsches Wort, welches von den Deutschen nach Italien und Spanien gebracht worden, wo es Tinto und Tinta, lautet. In den Monseeischen Glossen lautet dieses Wort ausdrücklich noch Tincla, und da auch einige Oberdeutsche Gegenden für Tinte noch Tinke sprechen, so ist wohl erweislich genug, daß es von dem mittlern Lat. Tincta, d. i. Tinctura, ein gefärbter flüssiger Körper, gebildet worden, wovon auch das Ital. Tinto, das Span. Tinta, und das Franz. Teinte, ein Farbenkörper, eine Farbe abstammen. Überdieß ist unsere heutige Art zu schreiben keine Deutsche, sondern ausländische Erfindung, welches die Beybehaltung eines fremden Wortes bey einer fremden Sache noch wahrscheinlicher macht. Die Niederdeutschen kennen dieses Wort nicht, sondern gebrauchen dafür Black, welches eigentlich schwarz bedeutet, aber auch von rother, grüner Tinte u. s. f. gebraucht wird. Auch die mit dem Niederdeutschen verwandten nordischen Sprachen haben nur dieses Black.


Tintenbeere (W3) [Adelung]


Die Tintenbeere, plur. die -n, ein Nahme verschiedener schwarzer Beeren, welche einen schwärzlichen Saft haben. 1) Einer Art Kirschen, welche auch Steinweichseln genannt werden; Prunus Mahaleb L. 2) Der Beeren der Rainweide oder des Hartriegels; Ligustrum vulgare L. 3) Der Beeren des Kreuzdornes, Rhamnus catharticus L.


Tintenfaß (W3) [Adelung]


Das Tintenfaß, des -sses, plur. die -fässer, ein Gefäß, die Tinte zum Schreiben darin vor sich stehen zu haben; Nieders. Blackhorn. Ist es von Horn, so daß man es bey sich tragen kann, so wird es auch wohl im Hochdeutschen das Tintenhorn genannt. Eine Flasche oder Bouteille hingegen, die Tinte darin aufzubewahren, heißt die Tintenflasche, Tinten-Bouteille.


Tintenfisch (W3) [Adelung]


Der Tintenfisch, des -es, plur. die -e, ein nackter Wurm mit Gliedmaßen, welcher sich im Meere aufhält; Sepia Loligo Linn. Er hat den Nahmen von dem schwarzen einer Tinte ähnlichen Safte, welchen er von sich läßt, wenn man ihn verfolgt, das Wasser dadurch undurchsichtig zu machen.


Tintenfleck (W3) [Adelung]


Der Tintenfleck, des -es, plur. die -e, ein Fleck von Tinte, besonders von schwarzer Tinte.


Tintenhorn (W3) [Adelung]


Das Tintenhorn, des -es, plur. die -hörner. S. Tintenfaß.


Tintenklecks (W3) [Adelung]


Der Tintenklecks, des -es, plur. die -e, ein Klecks von Tinte, ein aus Versehen verschütteter Tropfen Tinte.


Tintenwein (W3) [Adelung]


Der Tintenwein, des -es, plur. die -e, ein Alicanten-Wein von schwarzrother oder schwärzlicher Farbe, wie Tinte. Ital. Vino tinto. Indessen werden auch andere Arten Weintrauben, wenn sie einen dunkelrothen Saft haben, so genannt.


Tipfen,Tippen (W3) [Adelung]


Tipfen und Tippen, S. Tüpfen.


Tirann (W3) [Adelung]


Tirann, S. Tyrann.


Tiraß (W3) [Adelung]


Der Tiraß, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein viereckiges Garn von starkem Zwirn, dasselbe über Hühner, Wachteln, Schnepfen und Lerchen zu ziehen, und sie auf solche Art zu fangen. Daher tirassieren, auf solche Art decken oder fangen. Es ist aus dem Franz. tirer, Ital. tirare ziehen, und bedeutet ein Zuggarn, weil es über das auf dem Felde befindliche Geflügel gezogen wird.


Tisane (W3) [Adelung]


Die Tisane, S. Ptisane.


Tisch (W3) [Adelung]


Der Tisch, des -es, plur. die -e, Diminut. das Tischchen, Oberd. Tischlein. 1. Eigentlich, ein erhöhetes Blatt oder ebene Fläche, vor der selben stehend oder sitzend allerhand Geschäfte darauf vorzunehmen. Ein Aufschlagetisch oder Klapptisch ein Betttisch u. s. f. Besonders eine solche erhöhte Fläche auf einem Gestelle. Ein hölzerner Tisch, Marmortisch, Schiefertisch, Rechentisch, Schreibetisch, Werktisch, oder Arbeitstisch, Schenktisch, Spieltisch, Speisetisch oder Eßtisch, welcher auch oft nur der Tisch schlechthin genannt wird. Sich an den Tisch setzen. Vor dem Tische stehen, sitzen. Jemanden unter den Tisch stecken, im gemeinen Leben, seiner mächtig werden; ihn unter den Tisch trinken, ihn darnieder trinken. Wenn von einem Speisetische die Rede ist, so wird dieses Wort nur von den gewöhnlichen kleinen Flächen dieser Art für kleine häusliche Gesellschaften gebraucht; eine größere heißt eine Tafel. ( S. dieses Wort.) 2. Figürlich. 1) Die Handlung des Speisens vor einem Tische ohne Plural; wo es auch mir von dem Speisen kleiner häuslicher Gesellschaften oder geringerer Personen üblich ist, zum Unterschiede von der Tafel, welches in eben diesem Verstande theils von feyerlichen Mahlzeiten, theils von vornehmen Personen gebraucht wird, ( S. dieses Wort.) Es wird hier nur ohne Artikel gebraucht. Sich zu Tische setzen, um zu speisen. Zu Tische gehen. Noch bey Tische seyn oder sitzen. Vom Tische aufstehen. Über Tische, während der Mahlzeit. Über Tische wollen wie weiter davon reden. Bis auf den Abend bey Tische sollst du Zeit haben, Gell. Zu Tische, nicht zu Tische kommen, zur gewöhnlichen Mahlzeit. Vom Tische wegbleiben. Nach Tische wollen wir davon reden. Er kam noch vor tische. Zu Tische läuten, jemanden zu Tische rufen. Jemanden zu Tische laden, bitten. Er wollte mich zu Tische behalten. Machen sie, daß wir bald zu Tische kommen, Gell. Bey jemanden zu Tische bleiben. Der Tisch des Herren, in der Deutschen Bibel, das Abendmahl, welches im gemeinen Leben auch Gottes Tisch genannt wird. Zu Gottes Tische gehen, edler zum Tische des Herren. 2) Die gewöhnliche Handlung des Speisens mit Inbegriff der Speisen, wo es gewisser Maßen als ein Collectivum und gleichfalls ohne Plural gebraucht wird. Der Mittagstisch, der Abendtisch. Einen guten Tisch führen, gut speisen. Bey jemanden an den Tisch gehen, gewöhnlich bey ihm speisen; den Tisch bey ihm haben. Freyen Tisch bey jemanden haben. Den Tisch bezahlen. Jemanden den Tisch aufsagen, nicht mehr gewöhnlich bey ihm speisen wollen. Von Tisch und Bett geschieden seyn. Von vornehmen Personen wird auch hier das Wort Tafel gebraucht. 3) In dem Worte Nachtisch wird es auch für eine gewisse Art Speisen gebraucht, ( S. dasselbe); in welchem Verstande Nachtafel nicht eingeführet ist.

Anm. Bey dem Ottfried Dirg, bey dem Notker Dinke, Tisch, bey dem Willeram Disk, im Nieders. Disk, im Schwed. Disk, im Engl. Desk ein Schreibetisch, im Ital. Desco, ein Rechentisch, im mittlern Lat. Discus und Ders. Wenn es nicht mit dem Lat. Discus; welches eine jede Platte oder runde Scheibe, und in engerm Verstande einen Teller bedeutet, von einem gemeinschaftlichem Stamme herkommt so ist es vermuthlich aus demselben entlehnet; indem das Schwed. Disk, und das Engl. Dish, so wie das Latein. noch jetzt einen Teller bedeuten. Nach der ältesten Art zu speisen, saß jeder Speisender allein, und hatte eine runde oder viereckte Scheibe vor sich liegen, welche ihm die Stelle so wohl eines Tisches, als auch einer Schüssel und eines Tellers vertrat. Bey Einführung mehrerer Bequemlichkeit blieb daher der Nahme bald den Schüsseln und Tellern, bald aber auch der Fläche, worauf sie gesetzt wurden. Es scheinet auch, daß das Wort Tisch vor Ottfrieds Zeiten nicht im Deutschen bekannt gewesen; denn in dem Salischen Gesetze kommt dafür Beod, Bind, Bett vor, welches aus der ältesten Art zu speisen erkläret werden muß, und bey dem Kero Mias, welches letztere zu dem Lat. Mensa gehöret. Übrigens nennen die Niedersachsen einen Tisch auch Schive, Scheibe, und die Dänen Skiffue, welches mit dem Lateinisch-Deutschen Tisch im eigentlichen Verstande gleich bedeutend ist.


Tischbier (W3) [Adelung]


Das Tischbier, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, eine Art schwächern oder geringern Bieres, dessen man sich über Tische oder während der Mahlzeit bedienet.


Tischblatt (W3) [Adelung]


Das Tischblatt, des -es, plur. die -blätter, die ebene Fläche, welche der wesentlichste Theil eines Tisches ist; zum Unterschiede von dem Gestelle oder Fuße. S. Blatt.


Tischbursch (W3) [Adelung]


Der Tischbursch, des -en, plur. die -e, junge Personen männlichen Geschlechtes, so fern sie an einem Orte oder bey jemanden ihren gewöhnlichen Tisch haben, gewöhnlich bey ihm speisen; in der anständigern Sprechart Tischgänger, Kostgänger, und collective die Tischgesellschaft.


Tischen (W3) [Adelung]


Tischen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches noch im gemeinen Leben, besonders einiger Gegenden, üblich ist. 1) Den Tisch decken, bereiten und mit Speisen besetzen. Es ist nicht für dich getischet. ( S. auch Auftischen.) 2) Bey Tische sitzen, speisen, wofür man im Hochdeutschen auch tafeln gebraucht. Sehr lange tischen. Gut tischen, gut speisen, einen guten Tisch führen, im Oberdeutschen.


Tischer (W3) [Adelung]


Der Tischer, S. Tischler.


Tischfreund (W3) [Adelung]


Der Tischfreund, des -es, plur. die -e, Fämin. die Tischfreundinn, Personen, welche nur um einer guten Mahlzeit willen, oder so lange sie Wohlthaten und Nahrung von uns genießen, unsere Freunde sind. Etliche Tischfreunde halten nicht in der Noth, Sir. 6, 10.


Tischgänger (W3) [Adelung]


Der Tischgänger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Tischgängerinn, Personen, welche bey einer andern an den Tisch geben, gewöhnlich bey ihr speisen, besonders, wenn es für Geld geschiehet, in Beziehung auf diejenige Person, welche den Tisch hält; der Kostgänger. S. Tischgenoß.


Tischgebeth (W3) [Adelung]


Das Tischgebeth, des -es, plur. die -e, Dimin. das Tischgebethchen, Oberd. Tischgebethlein, ein Gebeth, welches man vor oder nach Tische, d. i. vor oder nach der Mahlzeit zu bethen pflegt; im Oberd. auch der Tischsegen.


Tischgeld (W3) [Adelung]


Das Tischgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches man für den Tisch, d. i. die gewöhnliche Kost, oder die gewöhnliche Speisung bezahlet; das Kostgeld.


Tischgenoß (W3) [Adelung]


Der Tischgenoß, des -ssen, plur. die -ssen, Personen, welche eines gemeinschaftlichen Tisches genießen, d. i. gewöhnlich mit einander speisen, eigentlich in Beziehung auf sich selbst; im gemeinen Leben auch Tischgesell. Oft aber in Beziehung auf diejenige Person, welche den Tisch hält, für Tischgänger. Jemandes Tischgenoß seyn. Das gemeine Tischbursch wird gleichfalls in beyden Beziehungen gebraucht.


Tischgeräth (W3) [Adelung]


Das Tischgeräth, des -es, plur. inus. alles Geräth, was zur Bereitung des Tisches zu einer Mahlzeit nothwendig ist, z. B. Schüsseln, Teller, Messer, Gabeln u. s. f. In engerer und ge- wöhnlicher Bedeutung verstehet man darunter das zu Bereitung eines Tisches gehörige leinene Geräth an Tischtüchern und Servietten; das Tischzeug.


Tischgesell (W3) [Adelung]


Der Tischgesell, des -en, plur. die -en, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, S. Tischgenoß.


Tischgesellschaft (W3) [Adelung]


Die Tischgesellschaft, plur. die -en, ein Collectivum, die sämmtlichen an Einem Tische speisenden Personen zu bezeichnen.


Tischgestell (W3) [Adelung]


Das Tischgestell, des -es, plur. die -e, dasjenige Gestell, worauf das Tischblatt ruhet.


Tischkorb (W3) [Adelung]


Der Tischkorb, des -es, plur. die -körbe, in der Haushaltung, ein Korb, das Tischgeräth zu jedesmahligem Gebrauche darin zu verwahren.


Tischlehen (W3) [Adelung]


Das Tischlehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lehengut, dessen Ertrag zur Bestreitung des Tisches oder der Tafel des Lehensherren, oder des damit Beliehenen bestimmt ist, und noch häufiger Tafellehen, Tafelgut genannt wird.


Tischler (W3) [Adelung]


Der Tischler, des -s, plur. ut nom. sing. ein zünftiger Handwerker, welcher Tische, und anderes feines Hausgeräth aus Holz verfertiget; dessen Gattinn, die Tischlerinn. Im gemeinen Leben der Hochdeutschen Tischer; im Oberd. Schreiner, von den Schreinen oder Schränken; ehedem Schnittger, von schnitzen, schneiden; in der Schweiz Tischmacher; im Osnabrück. Schatilger, von dem Franz. Chatoulle; im Pohln. Teszarz dagegen im Böhm. Tesar, so wohl einen Tischler als Zimmermann bedeutet. Die Form Tischer ist freylich der Analogie gemäßer, ob sie gleich in den gemeinen Mundarten am häufigsten ist. Tischler scheinet von einem veralteten Zeitworte tischeln, Tische machen, dem Frequentativum von tischen, abzustammen. Im gemeinen Leben hat man das Zeitwort tischern, Tischlerarbeit verfertigen, wie schneidern, schustern u. s. f.


Tischmesser (W3) [Adelung]


Das Tischmesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Messer, dessen man sich bey Tische, oder bey den Mahlzeiten bedienet; vor vornehmen Personen Tafelmesser. Zum Unterschiede von Messern anderer Art.


Tischrede (W3) [Adelung]


Die Tischrede, plur. die -n, aufgeweckte Reden, wie sie etwa bey Tische oder während der Mahlzeit vorzufallen pflegen. Luthers Tischreden sind bekannt genug.


Tischtrunk (W3) [Adelung]


Der Tischtrunk, des -es, plur. car. ein Trunk, d. i. Getränk, dessen man sich gewöhnlich bey Tische, d. i. bey den Mahlzeiten bedienet, e sey nun Tischbier, oder Tischwein, oder auch Wasser.


Tischtuch (W3) [Adelung]


Das Tischtuch, des -es, plur. die -tücher, ein leinenes Tuch, welches bey den Mahlzeiten über den Tisch gedecket wird; von großen Tischen und den Tischen vornehmer Personen, das Tafeltuch. Im Schwabenspiegel Tischlanen, im Niedersächsischen Dislaken.


Tischwein (W3) [Adelung]


Der Tischwein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, derjenige Wein, dessen man sich gewöhnlich über der Mahlzeit bedienet. In engerer Bedeutung, ein geringer oder leichter Wein, so fern er zu eben dieser Absicht gebraucht wird.


Tischzeit (W3) [Adelung]


Die Tischzeit, plur. inus. diejenige Zeit, da man gewöhnlich zu Tische zu gehen, oder zu speisen pflegt. Es ist schon Tischzeit. Die Tischzeit versäumen. Um Tischzeit, gegen die Tischzeit wieder kommen.


Tischzeug (W3) [Adelung]


Das Tischzeug, des -es, plur. inus. S. Tischgeräth.


Tischzucht (W3) [Adelung]


Die Tischzucht, plur. car. das sittliche Betragen bey Tische.


Titel (W3) [Adelung]


Der Titel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Titelchen, Oberd. Titellein. 1) Ein Punct, kleiner Strich im Schreiben. Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstab, noch ein Titel vom Gesetz, Matth. 5, 18, Luc. 16, 17. Es ist in dieser Bedeutung veraltet, außer daß im gemeinen Leben und bey gemeinen Schreibmeistern das Punct, so fern es im Schreiben gebraucht wird, noch zuweilen ein Titel und nach einer unrichtigen Schreibart Tüttel genannt wird. 2) Die Überschrift oder vielmehr Aufschrift, doch nur in engerer Bedeutung, die Aufschrift eines Buches, einer Schrift, oder beträchtlichen Theiles derselben; die Aufschrift. Ein Buch mit einem rothen Titel. Ein langer Titel. Der Haupt-Titel, Schmutz-Titel. Am üblichsten ist es alsdann, wenn diese Anzeige des Hauptinhaltes eines Buches oder einer Schrift ein eigenes Blatt einnimmt. Doch wird Columnen-Titel auch von der Überschrift der Columnen gebraucht. Ehedem sagte man auch der Titel einer Säule, eines Grabes u. s. f. welche aber im Hochdeutschen veraltet sind, wo man dafür lieber Aufschrift oder Überschrift gebraucht. Auch für Titel eines Briefes ist daselbst das erste üblicher. Von den Titeln oder vielmehr Überschriften der Psalmen gebraucht Notker Obescrift, Forezeichin, Zeichenscrift. 3) Eine Benennung, welche jemandes Würde und Rang in der bürgerlichen Gesellschaft bezeichnet. Diesen vornehmen, langen, großen Titel haben. Sich den Titel eines Hofrathes kaufen. Nur den Titel eine Königs führen. Jemanden seinen rechten Titel geben. Die Ehre bestehet nicht in Titeln, sondern in Verdiensten. 4) Ein Rechtsgrund, Vorwand, doch nur noch hin und wieder im gemeinen Leben. Etwas unter einem andern Titel suchen, Rechtsgrunde. Ein leerer Titel, Vorwand.

Anm. Schon der alte Übersetzer Isidors hat das Wort Titulo. Es ist ohne Zweifel aus dem Lat. Titulus entlehnet, obgleich dieses im Grunde mit unserm Zeitworte deuten Eines Geschlechtes zu seyn scheinet. Die Latein. Endsylbe -ulus kommt mit unserm -el überein, ein Werkzeug, Ding, Subject, zu bezeichnen.


Titelblatt (W3) [Adelung]


Das Titelblatt, des -es, plur. die -blätter, von Titel 2, dasjenige Blatt eines Buches oder einer Schrift, welches den Titel derselben enthält.


Titsche (W3) [Adelung]


+ Die Titsche, plur. die -n, ein nur in den niedrigen Sprecharten übliches Wort, eine Tunke zu bezeichnen, wo auch titschen tunken ist. S. Tunken.


Titular (W3) [Adelung]


Titular, aus dem Latein. Titularis, welches mit verschiedenen Hauptwörtern des Ranges, der Würde verbunden wird, solche Würden zu bezeichnen, von welchen jemand nur den Titel führet, ohne das damit sonst verbundene Amt zu bekleiden. Der Titular-Bischof, Titular-Fürst, Titular-Rath u. s. f. welcher nur den Titel eines Bischofes, Fürsten, Rathes führet, im Gegensatze eines wirklichen Bischofes u. s. f. Das Titular-Buch hingegen ist ein Buch, welches die gewöhnlichen Titel vieler in öffentlichen Ämtern stehender, oder mit Titeln versehener Personen enthält.


Titulieren (W3) [Adelung]


Titulieren, verb. reg. act. aus dem mittlern Lat. titulare, in der dritten Bedeutung des Hauptwortes Titel, jemanden bey einem Titel nennen; im gemeinen Leben. Jemanden Hofrath titulieren.


Tobak (W3) [Adelung]


Der Tobak, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, eine in Amerika einheimische Pflanze, deren getrocknete Blätter so wohl geschnitten und geraucht, als auch gepülvert und geschnupft werden, in welchen beyden Fällen sie auch nur Tobak schlechthin heißen; Nicotiana Linn. Tobak rauchen, daher Rauchtobak, welcher gerauchet wird, zum Unterschiede von dem Schnupftobake. Tobak schnupfen. Der Tobak ward zuerst 1530 in Portugal bekannt, worauf Johann Nicot, Französischer Gesandter in Portugal, ihn 1560 seinen Landesleuten kennen lehrete, daher er auch von ihm im Latein. Herba Nicotiana oder Nicotiana schlechthin heißt. Man pries ihn zuerst als eine Arzeney an, gebrauchte ihn aber nach dem Muster wilden Amerikaner gar bald, den leeren Raum der Gedanken damit auszufüllen. Es ist gemeiner Irrthum, daß man den Nahmen dieses Krautes von der Insel Tabago ableitet; Labat ließ ihn eben so ungegründet von der Stadt Tabasko in Neu-Spanien abstammen. Beyde Ableitungen gründen sich auf eine zufällige Ähnlichkeit der Nahmen. Gewisser ist es, daß die Spanier dieses Kraut und dessen Gebrauch schon unter dem Columbus bey Entdeckung der Insel Hispaniola historisch kennen lernten. Die Eingeborenen auf dieser Insel nannten es Cohiba, das Gefäß aber, woraus sie selbiges rauchten, Tabaco, welches Wort die Spanier aus Unkunde der Landessprache zum Nahmen des Krautes machten. In Brasilien wurde er Petun genannt, welcher Nahme in Frankreich lange üblich geblieben ist, so wie noch jetzt eine Art Rauchtobaks unter dem Nahmen Petum bekannt ist. ( S. Charlevoix Hist. de S. Domingo, Th. 1. S. 41.) Übrigens legt man in der Aussprache den Ton bald auf die erste, bald aber auch auf die letzte Sylbe. Die Schreib- und Sprechart Tabak klingt im Hochdeutschen gezieret, ob sie gleich der Abstammung nach richtig ist.


Tobaksbüchse (W3) [Adelung]


Die Tobaksbüchse, plur. die -n, eine Büchse, so wohl den Rauch, als Schnupftobak darin zu verwahren.


Tobaksdose (W3) [Adelung]


Die Tobaksdose, plur. die -n, eine Dose, so wohl den Rauch als Schnupftobak zum täglichen Gebrauche darin bey der Hand zu haben.


Tobaksklystier (W3) [Adelung]


Das Tobaksklystier, des -es, plur. die -e, eine Art Klystiere, da Tobaksrauch in den Mastdarm gebracht wird.


Tobakspfeife (W3) [Adelung]


Die Tobakspfeife, plur. die -n, eine Pfeife, d. i. Röhre mit einem Kopfe, Tobak daraus zu rauchen; auch nur die Pfeife schlechthin.


Tobaksspinner (W3) [Adelung]


Der Tobaksspinner, des -s, plur. ut nom. sing. ein unzünftiger Arbeiter, welcher die getrockneten Tobaksblätter zu Stangen spinnet. Daher die Tobaksspinnerey, die Anstalt, wo dasselbe in Menge geschiehet.


Tobel (W3) [Adelung]


* Der Tobel, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen fremdes, nur in der Schweiz und Oberdeutschland übliches Wort, ein Thal zu bezeichnen. Bey dem Notker Getubel. Es stammet von tief her, indem b und f sehr leicht in einander übergehen, die Endsylbe -el aber ist die Ableitungssylbe.


Toben (W3) [Adelung]


Toben, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) Einen hohen Grad des ungestümen Lärmens verursachen. Ein Zorniger tobet, wenn er ungestüm schreyet, mit den Füßen stampft u. s. f. Warum toben die Heiden? Die Tiefen toben, Ps. 77, 17. Die Winde toben, Sir. 39, 34. Und wenn er noch so tobte. Das tobende Meer. Der Most tobt in den Fässern. Die tobende Leidenschaft. Wenn über seinem Haupt der Wellen Donner tobt, Kleist. 2) Ehedem wurde es in engerer Bedeutung häufig für unsinnig, des Verstandes beraubt seyn, rasen, gebraucht, weil dieses oft mit einem eigentlichen Toben verbunden ist. Maniger spreche seht er tobt, Heinrich von Veldig. Daher ist im Tatian Tobunga, die Raserey, im Oberdeutschen noch jetzt tobicht, rasend, unsinnig, und Tobsucht, die Raserey. So auch das Toben.

Anm. Schon bey dem Notker toben, im dem Nieders. daven, im alt Engl. to taven, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es ist eine Nachahmung einer Art eines ungestümen Geräusches, wie etwa das Stampfen mit den Füßen u. s. f. ist. Im Nieders. ist dubben, klopfen, und davern, das Intensivum von davon, toben, erschüttert werden, schüttern. ( S. auch Taub.) In der gemeinen Mundart der Meißner hat man vermittelst der Endsylbe -sen davon das Intensivum tebsen, unangenehmes Geräusch machen, und Tebs, ein solches Geräusch, Lärm. Mit andern Endsylben gehören dahin das Nieders. döhlen, lärmen, toben, das alte Dos, Tos, für Getöse, toll u. s. f.


Tobias (W3) [Adelung]


Tobias, ein aus dem alten Testamente beybehaltener Taufnahme männlichen Geschlechtes, welcher von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , gut und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Herr, abgeleitet, und durch einen gütigen Herren, oder Güte des Herrn, erkläret wird. Im gemeinen Leben lautet dieser Nahme Tobies, Többe.


Tobias-Fisch (W3) [Adelung]


Der Tobias-Fisch, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme des Sandaales; Amodytes Tobianus Linn. im gemeinen Leben Tobies, Tobieschen. Doch wohl nicht, weil man ihn für den Fisch hält, mit dessen Herz, Galle und Leber Tobias glückliche Curen verrichtete, denn dieser wird als ein großer Fisch beschrieben, der ihn zu verschlingen drohete.


Tobin (W3) [Adelung]


Der Tobin, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Art gewässerter Taffets. Die Tugend selbst erschien in einem weißen Kleide, Dem Atlas und Tobin nicht zu vergleichen ist, Gryph. Im Franz. und Ital. Tabi. Dem Menage zu Folge hieß das Wort ehedem eigentlich Zatabis. Es ist vermuthlich in Ostindien einheimisch, aus welchem Lande die meisten Arten seidener und baumwollener Zeuge mit ihren Nahmen zu uns gekommen sind.


Tobsucht (W3) [Adelung]


Die Tobsucht, plur. car. ein im Hochdeutschen größten Theils veraltetes Wort, Unsinn, Raserey oder Tollheit, d. i. den Verslust des Verstandes und der Empfindung mit Bewußtseyn, zu bezeichnen. Von toben 2.


Tochter (W3) [Adelung]


Die Tochter, plur. die Töchter, Diminut. Töchterchen, Oberd. Töchterlein, ein Kind weiblichen Geschlechts, eine Person weiblichen Geschlechts, so fern sie ihr Wesen durch unmittelbare Mittheilung von einer andern empfangen hat; wie Sohn eine solche Person männlichen Geschlechtes bezeichnet. 1. Eigentlich in Beziehung auf die unmittelbaren Ältern. Jemandes Tochter seyn. Eine Tochter ausstatten, verheirathen. Mit einer jungen Tochter nieder kommen. Der Schwester Tochter, oder die Schwestertochter, des Bruders Tochter. 2. In weiterer und figürlicher Bedeutung. 1) Eine Person weiblichen Geschlechtes in Beziehung auf eine andere, so fern ein ähnliches Verhältniß der Erziehung, der Erhaltung, des Unterrichtes u. s. f. zwischen beyden Statt findet. Eine Pflegetochter, Stieftochter, Schwiegertochter, Beichttochter. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird eine Pathe auch eine Tauftochter genannt. 2) Ältere Personen pflegen daher jüngere Personen weiblichen Geschlechtes, welche den Jahren nach von ihnen abstammen könnten, in der vertraulichen Sprechart meine Tochter anzureden. 3) In der Deutschen Bibel werden die weiblichen Personen eines Landes oder eines Ortes häufig deren Töchter genannt, welche Figur auch noch jetzt in der höhern Schreibart üblich ist. Die Töchter des Landes, 1 Mos. 27, 46. Die Töchter Jerusalems, Babels, Zions u. s. f. Nach einer ähnlichen Figur nennet die höhere Schreibart eine Person oder auch ein Ding weiblichen Geschlechtes, welches auf irgend eine Art in einem andern Dinge gegründet ist, dessen Tochter. Liebe, du Tochter der Natur! Die Musik ist eine Tochter des Vergnügens. 4) Nach einer andern Figur heißt oft eine jede junge unverheiratete Person eine Tochter, besonders im Plural. Thun, was jungen Töchtern nicht geziemet. Anm. Bey dem Ulphilas Dauthar, im Isidor Dohter, bey dem Willeram Tohter, bey dem Ottfried Dohter, im Nieders. Dochter, im Angels. Dohtor, im Engl. Daughter, im Dän. Dotter, im Schwed. Doter, im Böhm. Dcera, im Pers. Dochter, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; woraus das hohe Alter und der weite Umfang dieses Wortes hinlänglich erhellet. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe -er, welche eine Person, ein Subject bezeichnet. Dietrich von Stade und Wachter leiten dieses Wort mit vieler Wahrscheinlichkeit von zeugen, alt Sächsisch tügen, bey dem Ulphilas tinhan, ab, so daß Tochter, eigentlich eine von einer andern unmittelbar gezeugte Person bedeuten würde. So wie man von Sohn ehedem im weiblichen Geschlechte die Sohninn oder Söhninn sagt, so scheint Tochter ehedem auch im männlichen Geschlechte für Sohn üblich gewesen zu seyn; wenigstens verstatten solches so wohl die Endsylbe als die Abstammung. Indessen muß dieser Gebrauch längst veraltet seyn. Im Oberdeutschen ist der Dichter, Diechter oder Tiechter noch jetzt so wohl ein Enkel, als eine Enkelinn, Urtiechter, ein Urenkel oder eine Urenkelinn, der Tiechtersmann, der Ehemann der Enkelinn, die Tiechtersfrau, die Ehefrau des Enkels u. s. f. welches mit unserm Tochter unstreitig ein und eben dasselbe Wort ist.


Tochterkind (W3) [Adelung]


Das Tochterkind, des -es, plur. die -er, ein Kind der Tochter, es sey männlichen oder weiblichen Geschlechtes, zum Unterschiede von dem Sohnskinde; ein Wort, welches das Wort Enkel und Enkelinn auf der einen Seite näher bestimmt, aber dafür auf der andern das Geschlecht unbezeichnet läßt.


Tochterkirche (W3) [Adelung]


Die Tochterkirche, plur. die -n, eine Kirche, welche einer andern eingepfarret ist, zum Unterschiede von dieser andern, oder der Mutterkirche; die Filial-Kirche, in Oberdeutschland Beykirche. Ein zu einer solchen Kirche gehöriger Pfarrbezirk heißt die Tochterpfarre, zum Unterschiede von der Mutterpfarre.


Tochtermann (W3) [Adelung]


Der Tochtermann, des -es, plur. die -männer, ein in vielen Gegenden, selbst im Hochdeutschen für Schwiegersohn übliches Wort.


Tochterpfarre (W3) [Adelung]


Die Tochterpfarre, plur. die -n, S. Tochterkirche.


Tochterrecht (W3) [Adelung]


Das Tochterrecht, des -es, plur. die -e, Gerechtsamen, welche einer Tochter als Tochter gebühren. Ingleichen collective und ohne Plural, der ganze Umfang dieser Gerechtsamen. Das Tochterrecht an einer Tochter thun, 2 Mos. 21, 9.


Tocke (W3) [Adelung]


Die Tocke, S. Docke.


Tockieren (W3) [Adelung]


Tockieren, verb. reg. act. aus dem Ital. toccare, welches nur in der Mahlerey üblich ist, fette und kecke Striche machen, nach Art einer Skizze. Ein tockiertes Gemählde, welches aus solchen freyen, starken und kühnen Strichen bestehet.


Tockmäuser (W3) [Adelung]


Der Tockmäuser, S. Duckmäuser.


Tod (W3) [Adelung]


Der Tod, des -es, plur. inus. 1. Eigentlich, das Ende des natürlichen oder thierischen Lebens, der Zustand und der Zeitpunct der Trennung der Seele von dem Leibe, welcher in der Theologie der zeitliche, leibliche oder natürliche Tod genannt wird, um ihn von dem folgenden geistlichen und ewigen zu unterscheiden; im Gegensatze des Lebens. Sich vor dem Tode fürchten. Jemanden von dem Tode erretten. Jemandes Tod beweinen. Von dem Tode übereilt werden. Ein herrlicher Tod nicht auf dem Rosenbette der weiblichen Muße, nicht gleichgültig dem Vaterlande, noch unberühmt bey den künftigen Enkeln. Der natürliche Tod, auch im Gegensatze eines gewaltsamen. Eines natürlichen Todes sterben, aus erschöpfter Lebenskraft. So auch eines gewaltsamen, schmähligen, schrecklichen, plötzlichen Todes sterben. Welche Wortfügung des Zeitwortes sterben mir der zweyten Endung dieses Zeitwortes, alsdann richtig ist, wenn die Todesart ausgedruckt werden soll. Das biblische des Todes sterben aber, für sterben, oder den Tod leiden, ist ein Hebraismus. In der dichterischen Schreibart drückt man die Art und Weise auch mit der vierten Endung aus. Den Tod fürs Vaterland sterben. Den Tod der Helden, den Tod der Sünder sterben. - Dem Tode unerschrocken entgegen gehen, Todes verbleichen, verfahren, im Oberdeutschen und in der feyerlichen Schreibart der Hochdeutschen, für sterben. Mit Tode abgehen, ehedem Todes halber abgehen, ist im Hochdeutschen für sterben völlig gangbar. Ich bin des Todes, ich möchte mich zu Tode erschrecken, verwundern, ärgern u. s. f. Ich wäre des Todes, wenn er es wüßte. Ich möchte vor Ärgerniß des Todes seyn. Noch bin ich des Todes für (vor) Schrecken, Zachar. Auf den Tod darnieder liegen, sterbenskrank, oder todkrank seyn, auf den Tod liegen. Mit dem Tode ringen. Für jemand in den Tod gehen. Die Krankheit ist nicht zum Tod, nicht gefährlich. Der Tod sitzt ihm schon auf der Zunge, er ist dem Tode nahe. Sich zu Tode trinken, arbeiten, lachen, grämen u. s. f. Man mochte sich darüber zu Tode, oder todt lachen. Das ist mir bis in den Tod, oder in den Tod zuwider, im höchsten Grade. Es ist eine sehr alte und gewöhnliche Figur, den Tod als ein für sich bestehendes Wesen zu betrachten, welche so wohl im gemeinen Leben als in der höhern Schreibart sehr gewöhnlich ist. Der Tod läuft mir übers Grab, sagt man, z. B. wenn man einen plötzlichen Schauer empfindet, ohne dessen Ursache zu wissen. Das Wort Tod wird in allen diesen Fällen entweder überhaupt von dem Ende des tierischen Lebens, oder von diesem Zustande bey einzelnen Personen gebraucht. In dem letzten Falle sind von vornehmen Personen und in der feyerlichen Schreibart, Todesfall, Absterben, Ableben, tödlicher Hintritt u. s. f. üblicher. Alle obige Arten des Ausdruckes sind von dem natürlichen Tode, und dem meisten Theile nach von diesem nur allein üblich. Auf einen gewaltsamen Tod beziehen sich folgende. Jemanden den Tod zuerkennen, ihn zum Tode verurtheilen, zur gewaltsamen Beraubung des Lebens. Jemanden zum Tode führen, begleiten, zur Hinrichtung. Den Tod leiden, erdulden, ausstehen. Jemanden den Tod anthun, wofür doch hinrichten üblicher ist. Sich selbst den Tod anthun, sich gewaltthätiger Weise um das Leben bringen. Jemanden vom Leben zum Tode bringen, nach Urtheil und Recht hinrichten. Auf den Tod gefangen sitzen, oder nur schlechthin, auf den Tod sitzen. Den Tod verdienet haben. 2) Figürlich ist in der Theologie der geistliche Tod, die Beraubung des geistlichen, und der ewige Tod, die Beraubung des ewigen Lebens. 3) Im gemeinen Leben, besonders Niederdeutschlandes wird der verdorrete Überrest der ehemahligen Blüthe an den Äpfeln und Birnen der Tod genannt, welches Wort von dem Niedersächsischen doen, sterben und vertrocknen, abdoen, abdorren, abstammet.

Anm. 1. Ungeachtet der Plural bey andern ähnlichen Wörtern, besonders von mehrern Arten, nicht ungewöhnlich ist, so klingt er hier doch allemahl vorzüglich fremd und widerwärtig, so oft er von einigen gewagt worden. Nicht deine brüllende Tode schrecken mich, Schlacht, Klopst. Alle Tode der Kinder Adam zu sehen, ebend. Luther machte ihn irrig Tode; ich wollte eher zehn Tode leiden.

Anm. 2. Bey dem Ulphilas Dauths, im Isidor Dodh, bey dem Kero Tod, bey dem Ottfried Doth, im Nieders. Dood, im Angels. und Engl. Death, im Schwed. Död, im Isländ. Daud. Es stammet von dem im Hochdeutschen veralteten Zeitworte toen, toden, sterben her, welches noch im Nieders. und allen damit verwandten Sprachen gangbar ist; Nieders. doen, Dän. doe, bey dem Ottfried douen, im Angels. dydan, im Engl. die, bey dem Ulphilas gadauthnan; wovon noch unser Factitivum tödten, sterben machen, abstammet, dagegen das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und das Franz. tuer, gleichfalls eine thätige Bedeutung haben. In einigen Niederdeutschen Gegenden wird der Tod, so fern er als ein für sich bestehendes Wesen betrachtet wird, der Hel genannt, ( S. Hölle) daher ist daselbst Helheß, das dreybeinige Pferd, worauf der Tod bey Pestzeiten herum reiten soll.


Todbett (W3) [Adelung]


Das Todbett, des -es, plur. die -e, figürlich die letzte Krankheit eines Kranken, woran er stirbt oder gestorben ist, schon im Schwabenspiegel Totbette; das Sterbebett. Das wird dich einmahl auf deinem Todbette gereuen.


Todesangst (W3) [Adelung]


Die Todesangst, plur. car. die Angst eines Sterbenden, besonders eines, der einen gewaltsamen Tod leidet, und figürlich, der höchste Grad der Angst ausstehen.


Todesart (W3) [Adelung]


Die Todesart, plur. die -en, die Art und Weise des Todes, d. i. der Beraubung des natürlichen Lebens. Hungers sterben ist eine der schmählichsten Todesarten.


Todesfall (W3) [Adelung]


Der Todesfall, des -es, plur. die -fälle, ein Fall, da jemand gestorben, mit Tode abgegangen ist. Jemanden den Todesfall seines Bruders berichten. Ein schmerzhafter Todesfall.


Todesgefahr (W3) [Adelung]


Die Todesgefahr, plur. die -en, die Gefahr, d. i. nahe Möglichkeit, das Leben zu verlieren, die Lebensgefahr, im gemeinen Leben auch die Todesnoth.


Todeskampf (W3) [Adelung]


Der Todeskampf, des -es, plur. die -kämpfe, der scheinbare Kampf, der mit der Trennung der Seele von dem Leibe verbunden ist, das Widerstreben der Natur wider den nahen Tod. Ach, wie ist mir geschehen! War das nicht härter als der Todeskampf, Weiße.


Todesnoth (W3) [Adelung]


Die Todesnoth, plur. die -nöthe, der doch nur mit einigen Vorwörtern in der dritten Endung gebraucht wird, Todesgefahr als eine Noth, als ein Unglück betrachtet. Ganz Israel war in Todesnöthen, Esth. 2, 3, Ich bin oft in Todesnöthen gewesen, 2 Cor. 11, 23. Ein besonders bey wässerigen Dichtern um des bequemen Reimes willen beliebtes Wort.


Todesschweiß (W3) [Adelung]


Der Todesschweiß, des -es, plur. inus. der kalte Schweiß eines Sterbenden, ingleichen der höchste Grad des Angstschweißes. Ich will ihm die Hölle so heiß machen, daß er Todesschweiß schwitzen soll.


Todesstrafe (W3) [Adelung]


Die Todesstrafe, plur. die -n, eine Strafe, welche in der Beraubung des zeitlichen Lebens bestehet.


Todesstunde (W3) [Adelung]


Die Todesstunde, plur. die -n, die Stunde in welcher jemand stirbt, oder gestorben ist. So auch Todestag oder Todesjahr..


Todesurtheil (W3) [Adelung]


Das Todesurtheil, des -es, plur. die -e, dasjenige Urtheil, worin jemanden die Todesstrafe zuerkannt wird.


Todfall (W3) [Adelung]


Der Todfall, des -es, plur. die -fälle, in manchen Gegenden ein Nahme der Baulebung, oder dasjenige Recht, da der Grundherr bey dem Absterben des Unterthanes dessen bestes Stück Vieh, (das Hauptrecht,) oder dessen bestes Kleid, (der Gewandfall,) oder einen gewissen Theil von der ganzen Erbschaft, (das Büdtheil,) erhält. Todfall ist eine alte Form für Todesfall, daher die Schreibarten Todtfall und Todtenfall unrichtig sind, und keinen begreiflichen Verstand geben. Daher Todfällig, diesem Rechte unterworfen. S. Baulebung.


Todfeind (W3) [Adelung]


Der Todfeind, des -es, plur. die -e, Fämin. die Todfeindinn, eine Person, welche eine andere bis auf den Tod hasset, den höchsten Grad des Hasses und der Feindschaft gegen dieselbe heget. So auch die Todfeindschaft. Gemeiniglich schreibt man dieses Wort Todtfeind, als wenn die erste Hälfte das Beywort todt wäre, welches hier aber keinen begreiflichen Verstand gewähret. Schon im Schwabenspiegel Todeveint.


Todkauf (W3) [Adelung]


Der Todkauf, des -es, plur. die -käufe, in den Deutschen Rechten der mittlern Zeiten, eine Art des Kaufes unbeweglicher Güter, welche bis zum Tode, d. i. Abgang der ganzen Familie, gültig bleibt. S. Todtheilung.


Todkrank (W3) [Adelung]


Todkrank, adj. et adv. bis auf den Tod krank, sehr gefährlich krank; wofür man im gemeinen Leben auch wohl todsterbenskrank sagt. Todtkrank, welches auch in der Deutschen Bibel vorkommt, als wenn es von dem Beyworte todt wäre, gibt keinen erträglichen Verstand.


Tödlich (W3) [Adelung]


Tödlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) * In dem Tode gegründet, zu demselben gehörig, ohne Comparation; eine veraltete Bedeutung, in welcher in der feyerlichen Schreibart nur nach der tödliche Hintritt, für Absterben, den Todesfall, üblich ist. Auch tödliche Feinschaft, für Todfeindschaft, tödliches Haß, jemanden tödlich hassen, für bis auf den Tod, sind im Hochdeutschen wenig mehr gebräuchlich. 2. Den Tod verursachend, oder doch mit Todesgefahr verbunden. Eine tödliche Krankheit, eine tödliche Wunde. Tödlich krank seyn. Jemanden tödlich verwunden. Ein tödlicher Schrecken, der höchste Grad des Schreckens, bey welchem man des Todes seyn möchte. Tödliches Geschoß, tödliche Waffen. Etwas tödliches trinken, Mark. 16, 18. Das ist mir tödlich, bringet mir den Tod.

Anm. Bey dem Stryker totleich, im Angels. deadlic, im Dän. dodelig, im Schwed. dödlig. Da die erste Hälfte hier allem Ansehen nach das Hauptwort Tod, und nicht das Beywort todt ist, so muß die gewöhnliche Schreibart tödtlich für unrichtig gehalten werden. Tödlich ist nach dem Muster von letalis gebildet, welches von Letum, der Tod, abstammet.


Tödlichkeit (W3) [Adelung]


Die Tödlichkeit, plur. car. in der zweyten Bedeutung des Beywortes, die Eigenschaft einer Sache, da sie tödlich ist. Die Tödlichkeit einer Krankheit, eines Giftes.


Todschlag (W3) [Adelung]


Der Todschlag, S. Todtschlag..


Todsünde (W3) [Adelung]


Die Todsünde, plur. die -n, in der Theologie, besonders der Römischer Kirche, Sünden, welche den ewigen Tod, d. i. die Verdammniß nach sich ziehen, und deren man daselbst sieben zählet; im Gegensatze der Erlaßsünden. In dem protestantischen Lehrbegriffe sind sie unter dem Nahmen der Bosheitssünden oder vorsetzlichen Sünden bekannt.


Todt (W3) [Adelung]


Todt, -er, -este, adj. et adv. welche Grade doch nur in einigen der figürlichen Bedeutungen üblich sind, dagegen in der eigentlichen die Natur der Sache sie nicht verstattet; des Lebens beraubt, gestorben. 1. Im eigentlichen Verstande, des natürlichen oder thierischen Lebens beraubt, von Körpern, welche mit demselben begabt werden; im Gegensatze des lebendig. Todt seyn, halb todt seyn, noch nicht ganz todt seyn, völlig todt seyn. Ein todter Körper, ein todter Leichnam. Ein todtes Thier. Man sagt ihn todt, man sagt, daß er gestorben, nicht mehr am Leben sey. Es sagte ohne alle Gnade Die ganze Stadt Nigrinen todt, Less. Todt niederfallen. Sich todt fallen. Hingegen sagt man in andern Fällen nicht sich todt arbeiten, sich todt trinken, u. s. f. sondern sich zu Tode arbeiten, zu Tode trinken. Sich todt lachen und zu Tode lachen, sich todt grämen und zu Tode grämen, sich todt hungern und zu Tode hungern, sind bey nahe gleich üblich, obgleich der Gebrauch des Beywortes der Sprache des gemeinen Umganges am gewöhnlichsten ist. Jemanden todt schlagen, stechen, schießen u. s. f. wofür doch die mit er zusammen gesetzten Zeitwörter edler sind, wenn man ihrer anders hat; jemanden erschlagen, erstechen, erhenken, erwürgen. Todt schlagen und zu Tode schlagen, sind auch noch verschieden; ersteres bedeutet mit einem oder wenigen tödlichen Schlägen des Lebens berauben, letzteres aber so lange schlagen, bis man stirbt. Todt machen, im gemeinen Leben, gewaltsam tödten, besonders von Thieren und Insecten. Ingleichen, als ein Hauptwort, ein Todter, eine gestorbene Person, welche in Absicht des Begräbnisses eine Leiche heißt. Dieses Hauptwort wird nur von verstorbenen Menschen gebraucht, da es denn als ein Masculinum von beyden Geschlechtern üblich ist. Einen Todten im Hause haben, eine vor kurzen gestorbene Person. Einen Todten begraben. Einen Todten wieder ausgraben. Wenn die eigennützige Schmeicheley ein prächtiges Denkmahl über die Gebeine des vergessenen Todten aufrichtet. Von den Todten auferstehen, eine biblische nach dem Griechischen gebildete R. A. Von dem Tode auferstehen, ist der Analogie der Deutschen Sprache angemessener. 2. Figürlich, wo es theils dem lebendig, theils dem lebhaft in ihren figürlichen Bedeutungen entgegen gesetzet wird. (1) In der Theologie ist geistlich todt, des geistlichen Lebens beraubt, und darin gegründet. Todt in Sünden seyn. Todte Werke, sündliche Handlungen. (2) Des vegetabilischen Lebens beraubt. Ein todter Baum, ein abgestorbener, vertrockneter. In einem etwas andern Verstande hat man auch todtes Fleisch in den Wunden. (3) Zuweilen wird es auch von Dingen gebraucht, welche kein eigentliches Leben haben können, für leblos. Ein todtes Bild, ein todtes Holz. (4) In einem andern Verstande wird im Forstwesen das Nadelholz todtes Holz genannt, weil es, wenn es einmahl abgetrieben worden, aus dem Stamme und den Wurzeln nicht wieder ausschlägt; im Gegensatze des lebendigen oder Laubholzes. (5) Eine todte Befriedigung, welche aus einer Mauer, einem Zaune, einer Planke u. s. f. bestehet, im Gegensatze einer lebendigen, d. i. einer Hecke. (6) Eine todte Sprache, welche nicht mehr die gewöhnliche Sprache einer ganzen Völkerschaft ist; wie z. B. die Hebräische, Alt-Griechische, Lateinische u. s. f. im Gegensatze einer lebendigen. (7) Das währe Rothe Todte, im Bergbaue, eine röthliche völlig taube Erd- oder Steinart, welche die Grundlage der Flötzgebirge ist, und den ursprünglichen Boden ausmacht, auf welchem sich die Schichten der Flötzgebirge angesetzt haben. (8) Die todte Hand, in dem Deutschen Staats- und bürgerlichen Rechte, ein Nahme immer fortdauernder Stiftungen und Aufhalten, doch nur in Rücksicht auf die unbeweglichen Güter, welche sie besitzen, und ohne Plural; im mittlern Lat. Manus mortua. Etwas an die todte Hand verkaufen, an eine Kirche oder ein Kloster. Vermittelst dieses Ausdruckes werden dergleichen Anstalten lebendigen Personen entgegen gesetzt, weil die an sie veräußerten Grundstücke nie wieder zur Veräußerung oder in Handel und Wandel kommen; folglich für den Staat todt und abgestorben sind, daher der Verkauf zur todten Hand oder an die todte Hand in den meisten Ländern weislich eingeschränket ist. (9) Todte Asche, todte Kohlen, im Gegensatze der glühenden, die man auch wohl lebendige zu nennen pflegt. (10) Eine todte Farbe, eine matte, welche weder Glanz noch Lebhaftigkeit hat; im Gegensatze einer lebhaften. Todte Augen, matte, welche weder Geist noch Leben verkündigen. (11) Ein todter Ort, wo es sehr stille und einsam ist, im Gegensatze eines lebhaften. Es ist hier sehr todt. Eine todte Gasse. Wie todt ist die Stille! (12) Eine todte Kraft, in der Mechanik, welche seine Bewegung hervor bringet, welche von einer andern in der Ruhe erhalten wird; zum Unterschiede von der lebendigen. (13) Eine Todte Erkenntniß, todte Wissenschaft, welche keinen Einfluß auf den Willen hat. Ein todter Glaube, welcher sich nicht durch Werke thätig beweiset. Beydes im Gegensatze des lebendig. (14) Ungültig. unkräftig, nur noch zuweilen, besonders in den Rechten. Die Handschrift soll todt und ab seyn.

Anm. Bey dem Kero tot, bey dem Ottfr. dot, im Nieders. dood, im Angels. dead. Es ist das Mittelwort der vergangenen Zeit von dem veralteten noch im Niederdeutschen gangbaren Zeitworte toden, doden, sterben, so daß es aus todet zusammen gezogen ist, und eigentlich gestorben bedeutet; woraus zugleich die Richtigkeit des dt erhellet. Da dieses Zeitwort ehedem auch toen, Nieders. doen, lautete, so läßt sich auch die alte Schreibart tot, für toet rechtfertigen. Die Zusammensetzungen mit diesem Worte werden mit den, wo das Hauptwort Tod die erste Stelle einnimmt, nicht bloß im gemeinen Leben, sondern selbst von Sprachlehrern häufig verwechselt, obgleich nur wenig Aufmerksamkeit nöthig ist, die wahre Schreibart zu finden. S. Todfeind, Todkrank, Tödlich, Todschlag.


Tödten (W3) [Adelung]


Tödten, verb. reg. act. des Lebens berauben. 1. Eigentlich, wo es ein allgemeiner Ausdruck ist, welcher die Art und Weise, ingleichen die Rechtmäßigkeit oder Unrechtmäßigkeit völlig unentschieden lässet. Die Mäuse tödten. Die Raupen, das Ungeziefer tödten, im gemeinen Leben, todt machen. Jemanden mit Gift, sich durch Hunger tödten. Das Schwert wird dich tödten, Nahum. 3, 15. Von einem herab gefallenen Ziegel getödtet werden; im gemeinen Leben, todt geschlagen werden. Du sollst nicht tödten. In dem gemeinen Sprachgebrauche kommt es in dieser eigentlichen Bedeutung wenig mehr vor, weil man daselbst eine Menge anderer Wörter hat, diesen Begriff mit den jedesmahligen Nebenumständen näher zu bezeichnen. Am üblichsten ist es noch in der edlern und höhern Schreibart. 2. Figürlich, (1) Quecksilber tödten, ihm seine Bewegsamkeit benehmen, es figiren; so auch in andern Fällen, der wirksamen Kraft berauben. Einen Contract tödten, aufheben, ungültig machen. Sein Fleisch tödten, seine Lüfte, seine Begierden tödten, in der Deutschen Bibel. Die Kürschner tödten die Haare an den Fellen, welche sie färben wollen, wenn sie selbige mit einer scharfen Beitze anstreichen, um sie ihrer natürlichen Kraft, sich der fremden Farbe zu widersetzen, zu berauben. (2) Durch ein gewaltsames Mittel aufhören machen, wofür in einigen Fällen dämpfen üblich ist; besonders in der höhern Schreibart. Mangel und Elend tödten auch die schönste Leidenschaft, Weiße. Stolz und Geringschätzigkeit tödten die Liebe, Gell. 3) Die Zeit tödten, eine von einigen Neuern aus dem Franz. tuer le tems entlehnte Figur, die Zeit verderben, jemanden um die Zeit bringen. (4) Das Gesetz tödtet den Menschen, in der Deutschen Bibel, wenn es ihm seinen geistlichen Tod, seine Strafbarkeit, entdeckt. So auch die Tödtung.

Anm. Bey dem Ottfried dottan, im Schwabensp. toeten, bey dem Ulphilas gadauthjan, im Schwed. döta. Unser tödten ist ein vermittelst der Endsylbe ten gebildetes Factitivum von dem veralteten Neutro toden, sterben, welches noch im Niedersächsischen gangbar ist, wo doen, sterben, döen aber tödten bedeutet, eigentlich döden, womit auch das Franz. tuer und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein kommt. S. Tod.


Todtenacker (W3) [Adelung]


Der Todtenacker, des -s, plur. die -äcker, in einigen Gegenden ein Nahme des Gottesackers oder Kirchhofes, weil die Todten darauf begraben werden.


Todtenamt (W3) [Adelung]


Das Todtenamt, des -es, plur. inus. in der Römischen Kirche, ein Amt, d. i. feyerliche Messe, oder Umfang mehrerer Messen, für einen Verstorbenen; eine Art der Seelmessen.


Todtenbahre (W3) [Adelung]


Die Todtenbahre, plur. die -n, die Bahre oder Trage, die Todten darauf zum Begräbnisse zu tragen; bey dem Pictorius Todtenbaum, Seelenbaum.


Todtenbein (W3) [Adelung]


Das Todtenbein, des -es, plur. die -e, Beine oder Knochen von verweseten menschlichen Körpern; im gemeinen Leben auch Todtenknochen. Figürlich bey einigen Neuern der Nahme eines Ostindischen Baumes, dessen Fruchtstiele den Todtenbeinen gleichen; Crataena Tapia Linn.


Todtenbeliebung (W3) [Adelung]


Die Todtenbeliebung, plur. die -en, bey den Handwerkern, eine Beliebung, d. i. freywillige Anstalt, arme Mitglieder ihrer Zunft auf gemeinschaftliche Kosten beerdigen zu lassen; eben das was in andern Fällen eine Leichen-Casse, Begräbniß-Casse heißt.


Todtenbitter (W3) [Adelung]


Der Todtenbitter, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden ein Nahme des Leichenbitters.


Todtenblume (W3) [Adelung]


Die Todtenblume, plur. die -n, an einigen Orten, gewisse Blumen, womit man das Grab eines Verstorbenen zu bestreuen pflegt.


Todteneule (W3) [Adelung]


Die Todteneule, plur. die -n, eine Art Nachteulen, deren klägliches Geschrey einen hervorstehenden Todesfall bedeuten soll; Strix funerea Linn. die Klage, Klagefrau.


Todtenfall (W3) [Adelung]


Der Todtenfall, S. Todfall.


Todtenfarbe (W3) [Adelung]


Die Todtenfarbe, plur. car. die bleiche oder gelblichblasse Farbe, eines Todten oder Verstorbenen; die Leichenfarbe. Daher todtenfarbig, leichenfarbig.


Todtenflagge (W3) [Adelung]


Die Todtenflagge, plur. die -n, in der Seefahrt, eine Flagge, welche zum Zeichen, daß eine vornehme Leiche auf dem Schiffe ist, auf die Hälfte des Mastes gesteckt wird.


Todtenfleck (W3) [Adelung]


Der Todtenfleck, des -es, plur. die -e, gelbliche, gräuliche oder blauliche Flecke, welche sich zum Zeichen der angehenden Verwesung bey einem Verstorbenen einzufinden pflegen. Auch ähnliche Flecke an gefunden lebendigen Personen, welche von einer Stockung des Geblütes entstehen, plötzlich zum Vorschein kommen und oft eben so bald wieder vergehen.


Todtengeleit (W3) [Adelung]


Das Todtengeleit, des -es, plur. die -e, das Geleit einer Leiche durch ein fremdes Gebieth, und die dafür bestimmte Abgabe.


Todtengeräth (W3) [Adelung]


Das Todtengeräth, des -es, plur. inus. das sämmtliche zur Beerdigung eines Todten gehörige Geräth; das Leichengeräth.


Todtengeripp (W3) [Adelung]


Das Todtengeripp, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, das Geripp von dem Verstorbenen; das Geripp, Skelett.


Todtengerüst (W3) [Adelung]


Das Todtengerüst, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben für Leichengerüst.


Todtengespräch (W3) [Adelung]


Das Todtengespräch, des -es, plur. die -e, ein Gespräch, in welchem Verstorbene mit einander redend eingeführet werden, ein Gespräch im Reiche der Todten.


Todtenglocke (W3) [Adelung]


Die Todtenglocke, plur. die -n, der Klang der Glocken, so fern selbige einen Todesfall oder ein Begräbniß verkündigen. Mit lauschenden Ohren höre ich die Todtenglocke der mir gestorbenen Stunden.


Todtengrab (W3) [Adelung]


* Das Todtengrab, des -es, plur. die -gräber, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort für Grab, welches noch Luc. 11, 44 vorkommt.


Todtengräber (W3) [Adelung]


Der Todtengräber, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, dessen Pflicht ist, die Gräber für die Todten zu verfertigen und sie begraben zu helfen; ehedem Grabprüchel, im Nieders. Kulengräver. In der Naturgeschichte ist der Todtengräber eine Art Käfer, welcher mit den Vorderfüßen die Erde sehr geschickt aufwühlen kann, und todte Mäuse und Maulwürfe begräbt, um seine Eyer darein zu legen, damit seine Jungen sogleich Nahrung finden; Silpha Linn.


Todtenhand (W3) [Adelung]


Die Todtenhand, plur. die -hände, die Hand eines Verstorbenen. In der Naturgeschichte wird, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, eine knorpelartige Thierpflanze, welche zu den Alcyonien oder Meernestern gehören, die Todtenhand genannt.


Todtenhemd (W3) [Adelung]


Das Todtenhemd, des -es, plur. die -en das lange Hemd, in welches man einen Verstorbenen zu kleiden und ihn darin zu begraben pflegt; das Sterbehemd, im gemeinen Leben der Todtenkittel, der Sterbekittel.


Todtenklage (W3) [Adelung]


* Die Todtenklage, plur. inus. die feyerliche Klage um einen Todten, ein mit der Sache selbst im Deutschen veraltetes Wort. Heimlich magst du seufzen, aber keine Todtenklage führen, Ezech. 24, 17.


Todtenkleid (W3) [Adelung]


Das Todtenkleid, des -es, die -er, das Kleid, welches man einem Verstorbenen anzulegen pflegt, ihn darin zu begraben; das Sterbekleid, im Osnabrück. Heinenkleed, verderbt Hemdekleed, richtiger Hünenkleed, von Hüne ein Todter. Es ist von dem Todtenhemde zuweilen noch verschieden.


Todtenknochen (W3) [Adelung]


Der Todtenknochen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Todtenbein.


Todtenkopf (W3) [Adelung]


Der Todtenkopf, des -es, plur. die -köpfe. 1. Eigentlich, die von allen weichen Theilen entblößte Hirnschale eines todten Körpers, mit den dazu gehörigen übrigen Knochen. 2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt. (1) Das Mutterkorn wird im gemeinen Leben einiger Gegenden der Todtenkopf genannt. (2) Eine Art Affen, dessen Kopf einem Todtenkopfe gleicht. (3) Eine Art Seeapfel, oder Echinus; Holländ. Doots Hooft. (4) Auch ein Insect, Sphinx Atropos Linn. (5) Wenn in der Chymie das Caput mortuum in der Retorte von einigen der Todkopf genannt wird, so ist solches eine eben so ungeschickte Übersetzung des Lateinischen Ausdrucks, als diese eine ungeschickte Benennung der Sache ist.


Todtenkrampf (W3) [Adelung]


Der Todtenkrampf, des -es, plur. die -krämpfe, bey den Ärzten, die krampfartige Erstarrung des ganzen Körpers; Tetanus.


Todtenkraut (W3) [Adelung]


Das Todtenkraut, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme des Sinngrünes, welches im Winter und Sommer grün bleibt, daher man es ehedem auf die Gräber der Verstorbenen pflanzte, auch verstorbenen Jungfrauen Kränze davon wand.


Todtenmahl (W3) [Adelung]


Das Todtenmahl, des -es, plur. die -e, oder -mähler, eine feyerliche Mahlzeit, welche bey dem Begräbnisse eines Verstorbenen gegeben wird, wie an einigen Orten noch üblich ist; das Leichenmahl, das Trauermahl, im Nieders. Bigraft.


Todtenopfer (W3) [Adelung]


Das Todtenopfer, des -s, plur. ut nom. sing. bey verschiedenen heidnischen Völkerschaften, das Opfer für einen Verstorbenen.


Todtenorgel (W3) [Adelung]


Die Todtenorgel, plur. die -n, eine figürliche Benennung, unter welcher auch die Karrenbüchse, d. i. diejenige Maschine bekannt ist, welche aus mehrern Flintenläufen bestehet, um auf einmahl viele Schüsse damit zu thun.


Todtenschein (W3) [Adelung]


Der Todtenschein, des -es, plur. die -e, der Schein, d. i. das schriftliche Zeugniß, daß jemand nicht mehr am Leben, daß er bereits gestorben ist.


Todtenschlaf (W3) [Adelung]


Der Todtenschlaf, des -es, plur. car. der höchste Grad eines festen, unerwecklichen Schlafes. Einen Todtenschlaf haben, sehr fest schlafen.


Todtensonntag (W3) [Adelung]


Der Todtensonntag, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, eine Benennung des Sonntags Lätare, weil man an demselben noch an manchen Orten, einem alten Gebrauche zu Folge, den Tod hinaus zu treiben, und in Gestalt eines scheuslichen Bildes in das Wasser zu werfen pflegt; von welchem alten Gebrauche Hilschers und Zeuners akademische Streitschrift mit mehrerm handeln. Todten stehet in dieser Zusammensetzung für Todes.


Todtentanz (W3) [Adelung]


Der Todtentanz, des -es, plur. die -tänze, eigentlich ein Tanz der Todten oder Verstorbenen. Am üblichsten ist es von einer sinnbildlichen Vorstellung, wo der Tod Personen von allen Ständen, Alter und Geschlechte zum Tanz auffordert, die Wahrheit der unvermeidlichen Sterblichkeit aller Menschen dadurch anschauend zu machen.


Todtentopf (W3) [Adelung]


Der Todtentopf, des -es, plur. die -töpfe, im gemeinen Leben ein Nahme der Urnen oder derjenige Töpfen, worin man vor Einführung des Christenthums die Asche einer verbrannten Leiche nebst einigen andern kleinern Geräthschaften zu vergraben pflegte, auch wohl die Todtenurne.


Todtenuhr (W3) [Adelung]


Die Todtenuhr, plur. die -en, eine figürliche Benennung des Holzwurmes, S. dieses Wort.


Todtenurne (W3) [Adelung]


Die Todtenurne, plur. die -n, S. Todtentopf.


Todtenvogel (W3) [Adelung]


Der Todtenvogel, des -s, plur. die -vögel. 1. Ein Nahme eines Schmetterlinges Sphinx atropos Linn. der auch Todtenkopf genannt wird. 2. Eine Art Brustwenzel oder Grasmücken, mit weißlich gesäumten Federn, von welcher man glaubt, daß sie häufig in die Gärten komme, wenn eine Pest bevorstehet; Syluia pestilentialis Frisch. Pestilenzvogel, Nosselfink.


Todtenwache (W3) [Adelung]


Die Todtenwache, plur. die -n, im gemeinen Leben, die Nachtwache bey einer Leiche; die Leichenwache.


Todtfall (W3) [Adelung]


Der Todtfall, S. Todfall.


Todtfeind (W3) [Adelung]


Todtfeind, S. Todfeind.


Todtkrank (W3) [Adelung]


Todtkrank, S. Todkrank.


Tödtlich (W3) [Adelung]


Tödtlich, S. Tödlich.


Todtschlag (W3) [Adelung]


Der Todtschlag, des -es, plur. der doch selten vorkommt, die -schläge, die unbefugte gewaltthätige Beraubung des Lebens eines Menschen, sie geschehe nun vorsetzlich, oder unvorsetzlich, oder mit welchem Werkzeuge sie wolle, ob es gleich im eigentlichsten Verstande die Beraubung des Lebens durch einen Schlag bezeichnet. Einen Todtschlag begehen; nicht thun, wie es einige Mahl in der Deutschen Bibel heißt. Ein vorsetzlicher Todtschlag, der unter dem Nahmen des Mordes am bekanntesten ist, zum Unterschiede von einem zufälligen und unvorsetzlichen. In engerer Bedeutung ist Todtschlag die unvorsetzliche Entleibung eines andern, man mag nun gar nicht Willens gewesen seyn, ihm Schaden zuzufügen, oder man mag die Absicht gehabt haben, ihm zu schaden, ohne doch ihn des Lebens zu berauben, wie z. B. in einem Zweykampfe; zum Unterschiede von einem Morde, welcher einen boshaften Vorsatz voraus setzt. ( S. Mord.) Schon bey dem Stryker Totflac, bey dem Ottfried und in den folgenden Zeiten auch Manslahta, im Lat. Homicidium. Die R. A. todt schlagen wird von vielen sehr unrichtig als Ein Wort geschrieben, wie auch in vielen Ausgaben der Deutschen Bibel geschiehet. S. Todt.


Todtschläger (W3) [Adelung]


Der Todtschläger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Todtschlägerinn, eine Person, welche einen Todtschlag begehet oder begangen hat; zum Unterschiede von einem Mörder, obgleich auch dieser in der Deutschen Bibel mehrmahls ein Todtschläger genannt wird.


Todttheilung (W3) [Adelung]


Die Todttheilung, plur. die -en, in dem Deutschen Staatsrechte, besonders der mittlern Zeiten, diejenige Theilung eines Landes, da es mit Aufhebung aller Gemeinschaft unter die Erden oder Glieder eines Geschlechtes so getheilet wird, daß jeder seinen Antheil für sich und alle seine Erben bis auf den Tod, d. i. Abgang der Linie, eigenthümlich besitzet; zum Unterschiede von einer Theilung mit beybehaltener Gemeinschaft. ( S. Todkauf.) Es ist indessen noch die Frage, ob die erste Hälfte dieses Wortes wirklich unser Tod ist, obgleich die Zusammensetzung sich so wie in Todkauf ganz erträglich erklären lässet. Frisch führet eine Stelle aus Bothens Chron. pictur. an, wo gesagt wird, Herzog Albrechts von Braunschweig drey Söhne hätten das Land in drey Todem unter sich getheilt; wo Todem unstreitig aus dem Lat. totus, tota, geformet ist. Wäre Todtheilung gleichfalls aus diesem Lateinischen Worte zusammen gesetzt, so ließe es sich durch eine gänzliche, völlige Theilung mit Aufhebung aller Gemeinschaft und Abhängigkeit, erklären, welches das wesentliche Unterscheidungsmerkmahl dieser Art von Theilung ist.


Tof (W3) [Adelung]


Der Tof, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, oder der Tofstein, des -es, plur. die -e, eine kalkartige sehr poröse Steinart, welche einem versteinerten Schwamme gleicht, und gemeiniglich viele Überbleibsel von Schalthieren in sich hält. In weiterer Bedeutung wird auch wohl eine jede poröse Steinart, auch wenn sie sandartig ist, Tofstein genannt.

Anm. Im gemeinen Leben Tuf, Tufstein, Duft, Duftstein, Tugstein, Tuchsstein, Duckstein, ( S. dieses Wort,) im Latein. bey dem Plinius und Vitruvius Tophus oder Tofus, im Franz. Tuf. Er hat den Nahmen vermuthlich vor, seiner löcherigen Beschaffenheit, da denn Tof. Tuf, mit Tiefe, und dem Oberd. Tobel, ein Theil, verwandt zu seyn scheint; oder auch von den durch eben diese Löcher verursachten Erhöhungen, denn das Lat. Tophus oder Tofus bedeutet auch eine Schwiele, Bäule, so wie das Schwed. Tufva, einen kleinen Erdhügel, bedeutet. Diejenigen, welche das Deutsche Wort unmittelbar von dem Latein. Tophus ableiten, (welches aber eben so oft auch Tofus gefunden wird,) schreiben es Toph und Tophstein, thun dadurch der Aussprache Gewalt und geben Gelegenheit, diesen Tophstein mit dem ganz verschiedenen Topfstein zu verwechseln. Tof scheinet indessen ein altes Europäisches Wort zu seyn, welches mit dem Lateinischen in der Seitenlinie verwandt ist, nicht aber von demselben abstammet.


Toferde (W3) [Adelung]


Die Toferde, plur. die -n, eine kalkartige mit kleinen Schalthieren vermischte Erde, aufgelöseter oder verwitterter Tofstein.


Toft (W3) [Adelung]


Das Toft, des -es, plur. die -e, ein nur in einigen Niederdeutschen Gegenden, z. B. im Holstein, übliches Wort, ein eingefriedetes Stück Feldes von geringer oder mittelmäßiger Größe nahe an einem Hause. Liegt es nicht an einem Hause, so heißt es eine Lücke, und wenn es groß ist, eine Koppel.


Toll (W3) [Adelung]


Toll, -er, -este, adj. et adv. ein Wert, in welchem der Begriff einer Art eines ungestümmen Geräusches der herrschende zu seyn scheinet. Es bedeutet überhaupt, ein solches ungestümes betäubendes Geräusch verursachend und darin gegründet. 1. Im weitesten Verstande, wo man es im gemeinen Leben noch in allen den Fällen gebraucht, wenn jemand ohne Noth ein betäubendes Geräusch verursacht, es geschehe aus welcher Bewegungen es wolle. Ein toller Mensch. Ein toller Lärm. In den gemeinen Sprecharten mancher Gegenden hat man auch das Zeitwort tollen, einen betäubenden Lärmen verursachen. 2. In einigen engern und theils figürlichen Bedeutungen. (1) Aus Zorn oder Trunkenheit ungestüm tobend. Ein toller Kopf, welcher leicht in einigen ungestümen Zorn geräth. Du wirst mich noch toll machen, ungestüm zornig. Da es denn in der vertraulichen Sprechart oft für zornig überhaupt gebraucht wird, besonders als ein Nebenwort. Da dieß der König hörte, ward er toll, 2 Macc. 7, 39. Ich bin so toll auf ihn, daß ich ihn prügeln möchte. Toll und voll seyn, im höchsten Grade betrunken. Etwas toller Weise thun, in der Trunkenheit. (2) Aus Beraubung des Verstandes und Bewußtseyns tobend und rasend. Ein toller Hund, ein rasender, wüthender. Toll werden. Tolle Personen, welche man einsperren oder an Ketten legen muß. Toll verbindet hier nebst dem Begriff des Wahnsinnes auch noch den Begriff des ungestümen und mit Beschädigung seiner und anderer begleiteten Tobens. (3) Figürlich. (a) Des gehörigen Gebrauches des Verstandes und Bewußtseyns beraubt, ohne den Nebenbegriff des ungestümen Lärmens, daher alsdann auch der harte Nebenbegriff wegfällt. Jemanden mit Schreyen den Kopf toll machen, zum vernünftigen Bewußtseyn unfähig. Der tolle Pöbel, der unvernünftige, ungestüme Pöbel. Bist du toll? des gesunden Verstandes beraubt? (b) Seltsam, wunderlich, in der vertraulichen Sprechart. Ein tolles Kleid. Ein tolles Betragen. Das wäre doch toll.

Anm. Im Nieders. dull, wo auch Dullerjaan, die tolle Laune, ein Anfall von Wuth und Zorn ist; im Schwed. mit vorgesetztem Zischlaute stollig, wo Stolle, ein Narr, toller Mensch ist, woraus zugleich die Verwandtschaft mit dem Lat. stolidus und stultus erhellet. Das doppelte l deutet auf ein Intensivum. Das Schwed. dalig, das alte Gothische dwala, und das alte Oseische dalivus, wahnsinnig, haben noch die einfachere Form. Es ist wenigstens sehr wahrscheinlich, daß der Begriff des ungestümen Lärmens der Stammbegriff ist. Verwandt sind damit das Englische doleful, traurig, Schwed. dalig, und das Lat. Dolor, vermuthlich, so fern der laute Ausbruch des Grames der Grund der Benennung ist. Bey dem Pictorius bedeutet toll auch stumpf und dumm, welche Bedeutung auch das Engl. dull hat. Wenn aber in einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten, einem etwas toll machen, so viel ist, als es ihm rauben, so scheinet es alsdann ein eigenes Wort zu seyn, welches ein Intensivum von dem Stammworte unsers tilgen, delere, seyn könnte. Mit andern Endlauten sind mit unserm Toll auch toben, welches gleichfalls von der Beraubung des Verstandes gebraucht wird, Thor, Tos in Getöse und andere mehr verwandt.


Tollapfel (W3) [Adelung]


Der Tollapfel, des -s, plur. die -äpfel, die einem Apfel ähnliche runde Frucht einer Art des Nachtschattens und diese Pflanze selbst; Solanum insanum Linn. Die Frucht hat ein narkotisches Gift, welches bey ihrem Genusse unter andern auch Tollheit verursacht.


Tollbeere (W3) [Adelung]


Die Tollbeere, plur. die -n, ein Nahme der gemeinen Wolfskirschen und der Pflanze, welche diese den Kirschen ähnlichen Beeren trägt, welche ein ähnliches narkotisches Gift enthalten; Atropa Bella Donna Linn. Tollkirsche, Schlafbeere, Teufelsbeere.


Tolle (W3) [Adelung]


Die Tolle, plur. car. S. Tollheit.


Tollhaus (W3) [Adelung]


Das Tollhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, in welchem tolle, d. i. des Verstandes bis zum schädlichen Toben und Wüthen beraubte Personen, eingesperret und von der menschlichen Gesellschaft abgesondert werden.


Tollheit (W3) [Adelung]


Die Tollheit, plur. die -en, von dem Beyworte toll. 1. Als ein Abstractum und ohne Plural, der Zustand, da ein Ding toll ist, besonders in der ersten und zweyten engern Bedeutung. (1) Der Zustand der Beraubung des vernünftigen Bewußtseyns aus Zorn, Trunkenheit u. s. f. im gemeinen Leben. Etwas in der Tollheit thun. Aber nicht, in Tollheit gerathen, welches nur in der folgenden Bedeutung üblich ist. (2) Die Beraubung des Verstandes und Bewußtseyns, mit dem Bestreben zu toben und Schaden zu thun verbunden, wodurch sich die Tollheit von geringern Graden des Wahnsinnes unterscheidet; in einigen Gegenden die Tolle, sonst auch die Wuth, und im Oberd. die Tobsucht, die Tollsucht. Die Tollheit eines Hundes, eines Pferdes, eines Menschen. In Tollheit gerathen. 2. Von toll, seltsam, ungereimt, werden im hohen Grade ungereimte, seltsame Handlungen in der vertraulichen Sprechart zuweilen Tollheiten genannt.

Anm. Schon der alte Verfasser des Gedichtes auf den heil. Anno braucht Doleheit, für Wahnsinn, Thorheit.


Tollkerbel (W3) [Adelung]


Der Tollkerbel, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Schierlinges, gleichfalls wegen seines narkotischen Giftes, daher er in andern auch Tollkraut genannt wird.


Tollkirsche (W3) [Adelung]


Die Tollkirsche, plur. die -n, S. Tollbeere.


Tollkopf (W3) [Adelung]


Der Tollkopf, des -es, plur. die -köpfe, im gemeinen Leben, die Gemüthsfassung, da jemand leicht in einen ungestümen Zorn geräth, und eine solche Person selbst.


Tollkörner (W3) [Adelung]


Die Tollkörner, S. Fischkörner.


Tollkraut (W3) [Adelung]


Das Tollkraut, des -es, plur. die -kräuter, ein Nahme verschiedener Kräuter, welche wegen ihres Giftes durch ihren Genuß Tollheit und Raserey verursachen. 1. Des Schierlinges, ( S. dieses Wort.) 2. Der Wolfskirschen, ( S. Tollbeere.) 3. Besonders des Bilsenkrautes, Hyoscyamus Linn. welches daher auch wohl tolle Bilse genannt wird.


Tollkühn (W3) [Adelung]


Tollkühn, -er, -ste, adj. et adv. kühn mit Unvernunft, d. i. alle mögliche und erlaubte Vermeidung der Gefahr unterlassend und darin gegründet. Ein tollkühner Mensch. Eine tollkühne That. Wandere nicht mit einem Tollkühnen, Sir. 8, 18.


Tollkühnheit (W3) [Adelung]


Die Tollkühnheit, plur. die -en, die Eigenschaft und Fertigkeit, da ein Ding tollkühn ist, als ein Abstractum und ohne Plural. Ingleichen eine tollkühne Handlung mit dem Plural.


Tollwurm (W3) [Adelung]


Der Tollwurm, des -es, plur. die -würmer, ein länglicher Wurm, welchen die Hunde unter der Zunge haben sollten, und welcher, wenn er ihnen nicht genommen wird, die Tollheit verur- sachen soll; ein altes Märchen, welches schon zu Plinii Zeiten gangbar war. Die Griechen nannten ihn - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - oder - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Klügere halten ihn für einen Nerven, ob es gleich eigentlich ein Muskel ist, der den Hunden zur Bewegung der Zunge nothwendig zu seyn scheinet, wenigstens ihnen von der Natur nicht umsonst gegeben ist.


Tollpatsch (W3) [Adelung]


Der Tollpatsch, des -en, plur. die -en, ein Ungarisches Wort, womit eine Art Ungarischer Soldaten zu Fuße beleget werden. Figürlich pflegt man im gemeinen Leben grobe härene Schuhe, welche man im Winter über die gewöhnlichen Schuhe ziehet, Tolpatschen zu nennen; vermuthlich, weil man den Gebrauch derselben von jenen gelernet hat.


Tölpel (W3) [Adelung]


Der Tölpel, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eigentlich, ein Klotz, das Wurzelnde eines gefälleten Baumes; eine veraltete Bedeutung, wovon aber noch ein Paar figürliche R. A. übrig sind. Über den Tölpel fallen, aus Ungeschicklichkeit einen Fehler begehen, eigentlich über einen Klotz fallen. Jemanden über den Tölpel werfen oder stoßen, einen Dummen oder Ungeschickten hintergehen. Wie schön sie mich über den Tölpel stoßen will, Less. d. i. ausfragen. Daher übertölpeln, in eben dieser Bedeutung. 2. Figürlich, eine aus Menge körperlicher Masse, aus Schwerfälligkeit, und hernach auch aus Dummheit ungeschickte Person, im höchsten Grade plump und ungeschickt; von Personen beyderley Geschlechtes. Ein grober, ein ungeschickter Tölpel. Weil dieses Wort einen so hohen Grad der plumpen Ungeschicklichkeit bezeichnet, so ist es auch nur in den harten und niedrigen Sprecharten üblich.

Anm. Im Schwed. ohne Ableitungssylbe nur Tolp, Tylp, auch in einigen Deutschen Mundarten, z. B. bey dem Hans Sachs nur Dölp, im Meklenburgischen Delf, im Böhm. Telpl und Tulpa, im Engl. mit einem andern End-Conson. Dolt. Frisch hatte den sonderbaren Einfall, dieses Wort von dem Nieders. Dürpel, Schwelle, abzuleiten, welches er selbst an einem andern Orte von Thürpfahl abstammen lässet. Allein, wenn gleich Pictorius Dörpel, Törpel, Turpel, für träge, plump, ungeschickt gebraucht, so stammet doch unser Tölpel gewiß nicht davon ab. Daß die Endsylbe -el hier bloß die Ableitungssylbe ist, also nicht zum Stamme gehöret, und noch weniger aus Pfahl verkürzt seyn kann, erhellet aus dem schon angeführten Schwed. Tolp, Tylp, und Deutschen Dölp und Delf. Allem Ansehen nach ist der Begriff der Masse, der Größe, Dicke und Unbeweglichkeit, der Stammbegriff, worauf es in engerer Bedeutung einen Klotz, und figürlich einen plumpen, schwerfälligen Körper bedeutet hat. Diese Figur ist nichts seltenes. Klotz wird in beyden Bedeutungen gebraucht. Das Lat. stupidus ist allem Ansehen nach mit dem Nieders. Stubbe, Wurzelende, und das niedrige Runks mit dem Lat. Truncus, verwandt, anderer Beyspiele zu geschweigen. Verwandte von Tölpel sind, das Engl. dull, stumpf, schwer, tölpisch, das Finnländ. tolwana, stumpf, und unser Stolle, Dolde, Stulpe u. s. f.


Tölpeley (W3) [Adelung]


Die Tölpeley, plur. die -en, ein tölpisches Betragen, in den niedrigen Sprecharten.


Tölpelhaft (W3) [Adelung]


Tölpelhaft, -er, -este, adj. et adv. einem Tölpel in der zweyten Bedeutung ähnlich, gemäß, in dessen schwerfälligen Ungeschicklichkeit gegründet, tölpisch. Ein tölpelhaftes Betragen. Ein tölpelhafter Mensch.


Tölpeln (W3) [Adelung]


Tölpeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, sich tölpelhaft, d. i. im höchsten Grade ungeschickt, betragen.


Tölpisch (W3) [Adelung]


Tölpisch, -er, -ste, adj. et adv. von dem veralteten Tölp, für Tölpel, wie tölpelhaft, aus Schwerfälligkeit oder Dummheit ungeschickt. Mein tölpischer Mann, Gell. Unsere Bauernfreude ist mir unter etwas tölpisch; aber sie fließt aus dem Herzen, Gotter. Denn was tölpisch dauert lange, Logau. Wo es mehr in eigentlichem Verstande, für stark von Masse stehet. Engl. dolpish, doltish.


Tomback (W3) [Adelung]


Tomback, S. Domback.


Ton (W3) [Adelung]


Der Ton, des -es, plur. die Töne. 1. Im eigentlichen Verstande. (1) Ursprünglich scheinet dieses Wort eine Art eines Klanges bedeutet zu haben, und zwar einer solchen Art, welche durch dieses Wort und das Zeitwort tönen genau nachgeahmet wird. Noch jetzt gebraucht man es zuweilen für Klang. Der Ton einer Glocke, ihr Klang. Einen Ton von sich geben. Der Ton einer Posaune, 2 Mos. 19, 16; der Schall oder Klang. (2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist der Ton ein Klang in Beziehung auf andere Klänge, ein Klang, welcher sich deutlich von andern unterscheiden und mit andern vergleichen läßt; in welchem Verstande es besonders in der Musik üblich ist. Ein tiefer, ein hoher Ton. Ein ganzer, ein halber Ton. Ein Instrument in den rechten Ton stimmen. Aus einem unrechten Tone anfangen. 2. In einigen engern und zum Theil figürlichen Bedeutungen. (1) In der Musik wird es oft für Tonart oder Tonleiter gebraucht, da es denn ein Collectivum ist, mehrere mit einander verbundene Töne zu bezeichnen, und daher auch wohl nicht leicht im Plural üblich ist. Aus welchem Tone geht das Stück? (2) Die Melodie eines musikalischen Stückes; eine größten Theils nur noch im gemeinen Leben übliche Bedeutung. Der Ton eines Liedes, dessen Melodie. Aus dem Tone kommen, aus der Melodie. Endlich kommt er in den Ton, in die rechte Melodie; ingleichen, figürlich, er kommt auf die Spur, er spricht, wie er sprechen sollte. (3) * Ehedem ward es auch häufig für ein Gedicht, ein Lied gebraucht. Die Schwäbischen Dichter und ihre Enkel, die Meistersänger, pflegten ihre Lieder oder singebaren Gedichte häufig Döne oder Töne zu nennen. In einigen Niedersächsischen Provinzen heißt Döhnken noch jetzt ein Liedchen. (4) Die Art und Weise, wie man die Stimme im Reden erhebet oder sinken lässet; ohne Plural. (a) Eigentlich. Den Ton verändern. In einem hohen Tone reden. Er sagte dieß in einem nachlässigen Tone. Etwas in einem befehlenden, bittenden, kläglichen Tone u. s. f. sagen. Immer in einem Tone reden, eintönig. (b) Figürlich, wo es 1. oft von der Art und Weise des Ausdruckes, ingleichen von dem Inhalte der Rede gebraucht wird. In einem hohen Tone reden, gebietherisch reden, ingleichen fordern, hoch hinaus wollen. Das ist nicht der kalte Lehrton, das ist der Ton der Begeisterung. 2. In noch weiterm Verstande ist der gute Ton nicht allein die gute Art und Weise sich in der Gesellschaft auszudrucken, sondern auch das ganze äußere Betragen in der menschlichen Gesellschaft; der Ton der guten Gesellschaft. Bist du so neu in der Welt, daß du nicht weißt, daß das Freye jetzt der gute Ton ist? Ein junger Mensch der durch den Umgang mit Personen vom guten Tone noch nicht gebildet ist. (5) In engerer Bedeutung wird in der Sprachkunst die Erhebung der Stimme auf einer Sylbe der Ton und mit einem Lateinischen Worte der Accent genannt; auch ohne Plural. So hat in dem Worte Vater, die erste Sylbe den Ton, die letzte aber hat keinen. Der Ton ist entweder ein merklicher, welchen man auch den ganzen Ton nennen könnte, oder ein unmerklicher oder halber. In Vaterland hat die erste Sylbe den ganzen oder vollen Ton, welcher auch nur der Ton schlechthin genannt wird, die letzte aber den halben, weil die Erhebung der Stimme hier nicht so merklich ist. Der Ton ist von dem Zeitmaße oder der Länge und Kürze der Sylben sehr weit unterschieden, obgleich beyde, selbst von Sprachlehrern, häufig miteinander verwechselt werden. (6) Endlich wird in der Mahlerey das Wort Ton auch von den Farben und deren Verhältniß gegen einander gebraucht, wo es doch nur von einigen Neuern nach dem Vorgange des Französ. Ton eingeführet worden. Es wird hier so wohl von einzelnen Farben im Verhältniß gegen andere, als auch collective, von allen Farben eines Gemähldes gebraucht, in welchen letztern Falle der Plural ungewöhnlich ist. Der schöne Ton eines Gemähldes, welcher so wohl von einem guten Gebrauche des Helldunkeln, als von der Freundschaft und Feindschaft der gebrauchten Farben abhanget. Zinnober und Blau machen einen unangenehmen Ton. Ein sumpfiger Ton, ein heller, schwarzer Ton, nachdem diese Farben mehr oder weniger herrschen. Die wenige Abwechselung in den Tönen des Colorits ist gemeiniglich ein Fehler der Schüler.

Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern Don, im Angels. Dyn, im Engl. Tone, Tune, Din, welche doch Töne verschiedener Art ausdrucken; wovon der Grund in den Selbstlauten o, u und i liegt. S. Tönen.


Tonart (W3) [Adelung]


Die Tonart, plur. die -en, in der Musik, die Art und Weise des in einem Stücke herrschenden Tones, welches auch nur der Ton schlechthin genannt wird. Eine harte Tonart, dur, zum Unterschiede von der weichen, moll.


Tönen (W3) [Adelung]


Tönen, verb. reg. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, einen Ton von sich geben, in der ersten eigentlichen Bedeutung des Hauptwortes. Ein tönend Erz, 1 Cor, 13, 1. Deine Empfindung töne deinem Geschlechte einartig, Herd. Da für die verschiedenen Arten der Töne eigene Zeitwörter üblich sind, selbige näher zu bestimmen, so wird dieses Wort in dem gemeinen Sprachgebrauche seltener gebraucht, als in der höhern Schreibart, wo man es häufig für die eigentlichern Zeitwörter findet. Unser Gesang tönet dann weiter umher, Geßn. für schallet. Munterkeit und Freude tönt jetzt durch Thal, eben ders. Tönt in meinen Lobgesang, Wellen, Felsen und Gestade, Raml. Das Tönen der Morgenglocke. Der biblische Gebrauch für jauchzen, blasen u. s. f. ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Das Volk tönete laut, daß man das Geschrey ferne hörete, Esra 3, 11, 13. Da riefen die Kinder Aaron laut, und bliesen mit Trommeten und töneten laut, Sir. 50, 18. Ich will sie wie eine Herde mit einander in einem festen Stall thun, daß es von Menschen tönen soll, Mich, 2, 12. 2. Als ein Activum, mit dem Tönen oder vermittelst der Töne zu erkennen geben; doch nur in der höhern Schreibart. Alle Thiere bis auf den stummen Fisch tönen ihre Empfindung, Herd. Wer kann Gestalten reden? Wer kann Farben tönen? Herd. Töne sanfte Leyer, Töne Lust und Wein, Less. So auch das Tönen. Anm. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno diunan, bey den Schwäbisch. Dichtern, welche es auch für singen, gebrauchen, dönen, im Nieders. dönen. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des tönenden Lautes, welcher sich durch keine andere Worte beschreiben läßt. Das Lat. Tonus und Sonus, sonare, sind auf das genaueste damit verwandt. In andern Sprachen bezeichnet es auch stärkere und zum Theil widerwärtige Arten des Schalles, wie das Schwed. dona, rauschen, brausen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und das Lat. Tonare, donnern, so wie unser donnern ein iteratives Intensivum davon ist. Auch das Lat. tinnire, bedeutet eine gewisse Art des Tönens. Der Analogie nach sollte dieses Wort Thon und thönen geschrieben werden, zumahl da es bey den Oberdeutschen Schriftstellern des mittlern Zeitalters beständig dönen lautet. Allein, theils um es von Thon, Argilla, zu unterscheiden, theils aber auch in der irrigen Voraussetzung, daß es von dem Lat. Tonus abstamme, ist in den neuern Zeiten die Schreibart ohne h allgemein geworden. Der erste Grund ist unbedeutend, wie schon bey mehrern Gelegenheiten gezeiget worden, und der zweyte unrichtig. Das Tönen ist eine so auffallende Art des Lautes, daß jede Sprache denselben nachahmen muß, und nicht erst zu einer fremden ihre Zuflucht nehmen darf, daher wird man dieses Wort in einer oder der andern Gestalt auch in allen Sprachen der Welt finden. Ehedem gebrauchte man dönen auch für donnern, tonare, wofür wir jetzt das schon gedachte abgeleitete donnern haben.


Tonkunst (W3) [Adelung]


Die Tonkunst, plur. car. ein für das Griechische und Lateinische Musik eingeführtes Wort, doch nur so fern dasselbe Kenntniß und Wissenschaft der Töne und ihres Verhältnisses gegen einander bezeichnet. Die Tonkunst verstehen, die Musik. Daher der Tonkünstler, der Musikus, der diese Kunst verstehet, und als Kunst ausübet; welches doch noch nicht so vielen Beyfall gefunden, als das erste.


Tonleiter (W3) [Adelung]


Die Tonleiter, plur. die -n, in der Musik eine Reihe in gleichen Entfernungen auf- oder absteigender Töne; nach dem Lat. Scala. Auch die Linien auf und zwischen welchen die Töne durch Noten angedeutet werden, führen zuweilen diesen Nahmen.


Tonmessung (W3) [Adelung]


Die Tonmessung, plur. die -en, ein von einigen Sprachlehrern für Prosodie angenommenes Wort, wofür andere lieber Tonsprechung haben wollen. Beyde Ausdrücke sind unrichtig, und rühren von der so gewöhnlichen Verwechselung des Tones und des Zeitmaßes der Sylbe her. Die Prosodie beschäftigt sich mit dem letztern, aber nicht zunächst mit dem erstern. S. Ton 2 (4).


Tonbret (W3) [Adelung]


Das Tonbret, im Bergbaue, S. Donbret.


Tonne (W3) [Adelung]


Die Tonne, plur. die -n, Diminut. das Tönnchen, Oberd. Tönnlein, ein Nahme, welchen in vielen Fällen ein großes Faß, oder ein Faß, welches mehr als einen Eimer hält, führet, obgleich auch hier in manchen Fällen das Wort Faß bey behalten wird. Eine Seetonne oder Bake, eine starke Tonne, welche in der in der Seefahrt auf dem Wasser schwimmend erhalten wird, das Fahrwasser damit zu bezeichnen. Im Mühlenbaue werden eine Art horizontaler Wasserräder, vermuthlich wegen ihrer Ähnlichkeit Tonnen genannt, um sie von den Muschelrädern zu unterscheiden. Besonders ein großes Faß, so fern es ein Behältniß verschiedener Dinge ist, da es denn seine bestimmte Größe hat, welche aber nach Maßgebung des Ortes und der Waare verschieden ist. Eine Tonne Bier, ist in Sachsen ein Viertheil oder 90 Kannen. In der Mark Brandenburg gehen zwey Tonnen auf ein Faß Bier, und eine Tonne hält daselbst vier Ähmchen oder 96 Quart oder Maß. In Westphalen bestehet eine Tonne Bier aus 27 Vierteln oder Stübchen, oder 108 Kannen. Hingegen hält in Cöln eine Tone, so fern sie ein Maß eines flüssigen Körpers ist, 160 Viertel oder 640 Maß. Eine Tonne Öhl hält in Sachsen 100 Kannen. Eben daselbst wird auch der Meißnische Landwein nach Tonnen berechnet, deren jede gleichfalls 100 Kannen enthält. Eine Tonne Häringe bestehet aus 1000 bis 1200 Stück. Auch Butter, Schmalz u. s. f. werden nach Tonnen gerechnet. In vielen Niederdeutschen Gegenden ist die Tonne auch ein Getreidemaß, welches in Ostfriesland z. B. vier Verps oder zwey Schäffel hält, da denn auch wohl der Flächeninhalt der Felder darnach bestimmt wird; eine Tonne Feldes, d. i. so viel Feld, als eine Tonne Getreide zur Aussaat erfordert. In der Seefahrt ist die Tonne ein Maß, so wohl des körperlichen Raumes eines Schiffes, als auch der Schwere; im ersten Falle bezeichnet sie einen Raum von 42 Quadrat-Fuß, im letzten aber eine Last von 2000 Pfund oder 20 Zentner. Zwey Tonnen machen eine Last oder Schiffslast. Eine Tonne Goldes, eine Summe von 100000 Thalern oder Gulden, nachdem nach einer oder der andern Münzsorten gerechnet wird.

Anm. Im Nieders. Tunne, im Engl. Tun, im Angels. Tunne, im Ital. Wend, und Irländ. Tonna, im Schwed. Tunna, im Böhmischen Tuna, im Franz. Tonneau, im Spanischen Tonel. Aus dem doppelten n erhellet, daß es ein Intensivum ist, und zwar allem Ansehen nach von Tiene, eine große Tiene zu bezeichnen.


Tonnenbojer (W3) [Adelung]


Der Tonnenbojer, des -s, plur. ut nom. sing. in Niederdeutschland, ein Bojer oder Art Schiffe, womit im Frühlinge die Baken oder Seetonnen in das Fahrwasser gelegt werden.


Tonnenfach (W3) [Adelung]


Das Tonnenfach, im Bergbaue, S. Donfach.


Tonnengeld (W3) [Adelung]


Das Tonnengeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, in den Seestädten, eine Abgabe von den zur See gehenden Kaufmannsgütern, die Kosten zur Erhaltung der Baken oder Seetonnen davon zu bestreiten; das Bakengeld.


Tonnengewölbe (W3) [Adelung]


Das Tonnengewölbe, des -s, plur. ut nom. sing. in der Baukunst, ein Gewölbe, welches ganz nach einem Bogen fortgeführet wird, und einem Stücke von einem ausgehöhlten Cylinder, oder einer der Länge nach durchschnittenen Tonne gleicht.


Tonnenhecht (W3) [Adelung]


Der Tonnenhecht, des -es, plur. die -e, eingesalzene und in Tonnen aufbewahrte Hechte.


Tonnenhonig (W3) [Adelung]


Das Tonnenhonig, des -es, plur. car. dasjenige Honig, welches nach der Ausbrechung mit den Scheiben in Tonnen gestampft wird, und auch Rauchhonig heißt; zum Unterschiede von dem Seimhonige.


Tonnenholz (W3) [Adelung]


Das Tonnenholz, des -es, plur. inus. 1. ( S. Donholz.) aus welchem Worte es im Bergbaue oft verstümmelt wird. 2. Im Holzhandel wird auch das Faßholz, oder dasjenige Holz, welches an die Küfer und Bötticher zu den Fässern und Tonnen verkauft wird, in einigen Gegenden Tonnenholz genannt.


Tonnenpech (W3) [Adelung]


Das Tonnenpech, des -es, plur. inus. eine Art Peches, welches in Tonnen gegossen und verführet, und auch Schusterpech genannt wird; zum Unterschiede von dem Schiffpeche u. s. f.


Tonnenstab (W3) [Adelung]


Der Tonnenstab, des -es, plur. die -stäbe, Stücke Stabholz, so fern die Dauben zu den Tonnen daraus gemacht werden; wie Faßstab.


Tonnenstein (W3) [Adelung]


Der Tonnenstein, des -es, plur. die -e, in dem Preußischen Bernsteinhandel, Stücke Bernstein von der zweyten Größe, vermuthlich weil sie in Tonnen gepackt und verführet werden; zum Unterschiede von den größern Sortiment-Steinen und den kleinern Knöbeln.


Tonnfach (W3) [Adelung]


Das Tonnfach, Tonnholz, im Bergbaue, Siehe Donfach, Donholz.


Tonsprechung (W3) [Adelung]


Die Tonsprechung, S. Tonmessung.


Tonsylbe (W3) [Adelung]


Die Tonsylbe, plur. die -n, diejenige Sylbe eines Wortes, welche den Ton hat, oder worauf der Ton liegt. In menschlich ist z. B. die Sylbe mensch die Tonsylbe.


Tonzeichen (W3) [Adelung]


Das Tonzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. 1. In der Grammatik, ein Zeichen, den Ton der Sylben damit zu bezeichnen. 2. In der Musik, Zeichen des musikalischen Tones, dergleichen heut zu Tage die Noten sind.


Top (W3) [Adelung]


Top, S. Topp.


Topas (W3) [Adelung]


Der Topas, des -es, plur. die -e, ein Edelstein von gelber Farbe, welcher nach dem Sapphier der härteste ist, und in den meisten Gegenden der alten und neuen Welt gefunden wird. Der Topas, welcher zu Großen-Ohren im Mansfeldischen gefunden wird, ist indessen nur ein Selenit, so wie der Böhmische After-Topas oder Rauch-Topas zu den Krystallen gehöret. Der Nahme ist aus dem Griech. und Lat. Topazius, welchen dieser Stein, dem Plinius zu Folge, von der Insel Topazo haben soll. Luthers Topaster für Topas ist veraltet.


Topas-Fluß (W3) [Adelung]


Der Topas-Fluß, des -sses, plur. die -Flüsse, so wohl ein durch die Kunst nachgemachter Topas, als auch ein dem Topas an Farbe ähnlicher Krystall. S. Fluß.


Topf (W3) [Adelung]


1. Der Topf, des -es, plur. die Töpfe, ein Wort, welches den Begriff der Erhabenheit, der erhabenen Ründe und des Gipfels hat, aber im Hochdeutschen wenig gebräuchlich ist. Im Niederdeutschen, wo es in dieser Bedeutung am gangbarsten ist, lautet es Topp, und da pflegen die Niedersachsen, wenn sie Hochdeutsch reden wollen, es zuweilen in Topf zu verändern. So ist in vielen Niederdeutschen Gegenden Topp oder Topf eine gewisse Quantität Flachses, welche aus 40 Risten bestehet, wo es den Begriff der Masse, eines Bündels u. s. f. hat. S. Topp und unser Zopf, welches gleichfalls nahe damit verwandt ist.


Topf (W3) [Adelung]


2. Der Topf, des -es, plur. die Töpfe, Diminut. Töpfchen, Oberdeutsch. Töpflein, ein hohler, besonders halbkugeliger oder cylindrischer Raum, so wohl einen andern Raum damit zu bedecken, als auch etwas darin aufzubehalten. 1. Im weitesten Verstande, wo es doch nur in einigen einzelnen Fällen gangbar ist. Ein Hohlkreisel heißt in Franken und andern Oberdeutschen Gegenden Topf, oder Dopf, Engl. Top, Franz. Toupie, welches aber wohl nicht, wie Frisch will, von Turbo abstammet. In andern Gegenden ist die Spülgelte unter dem Nahmen des Waschtopfes bekannt. In Schwaben heißt die Dülle in dem Leuchter der Topf oder Dopf. Der Thee-Topf, eine kleine Thee-Kanne, den Thee darin sieden zu lassen, könnte auch hierher gerechnet werden, wenn nicht glaublich wäre daß man sich dazu ehedem eines kleinen Topfes in der folgenden Bedeutung bedienet habe. Am üblichsten ist in dieser Bedeutung das Nieders. Dop, welches nicht nur sehr oft einen Deckel bedeutet, sondern auch in vielen Fällen gebraucht wird, wo im Hochdeutschen das Wort Schale üblich ist. Der Pfeifendop, der Deckel auf einer Tobakspfeife. Der Dop, der Deckel, auf einer Thee-Büchse. Auch im Hochdeutschen wird daher das oberste Ende der Hauptröhre an den Bassons der Topf genannt, ohne Zweifel, weil es einen ähnlichen Dop oder Deckel hat. Die Eyerschale heißt im Nieders. Eydop und auch wohl in einigen Oberdeutschen Gegenden der Eyerdopf. Eckerndop, ist in der erstern Mundart die halbkugelige Schale, worin die Eichel steckt. 2. In engerer Bedeutung führet ein cylindrisches irdenes oder metallenes Gefäß im Hochdeutschen am gewöhnlichsten den Nahmen eines Topfes, und da hat man Blumentöpfe, Nachttöpfe, Kochtöpfe u. s. f. welche letztern am häufigsten Töpfe schlechthin genannt werden. Ein zinnerner, kupferner, eiserner Topf, welcher letztere auch wohl ein Grapen heißt. Im engsten Verstande ist Topf schlechthin ein solches irdenes oder thönernes Gefäß, so wohl etwas darin aufzuhalten, als auch darin zu kochen. Den Topf an das Feuer setzen oder zum Feuer setzen. Da es denn auch wohl figürlich von dem, was darin befindlich ist, gebraucht wird. Der Topf siedet, läuft über u. s. f. In einigen Gegenden ist es auch ein bestimmtes Maß so wohl flüssiger als trockner Dinge, in welchem Falle es nach dem Muster so vieler anderer ähnlichen Wörter im Plural unverändert bleibt. So hält in Schlesien ein Eimer 20 Topf, ein Topf aber vier Quart. Im mittlern Lat. ist Olla, und im Nieders. Pott gleichfalls ein Maß.

Anm. In einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten Duppin, Tupp, Dupfe. Es ist gewiß nicht, wie Wachter, Frisch und Ihre glauben, durch Versetzung der Sylben aus dem Nieders. Pot, oder dieses aus jenem entstanden, von welcher Versetzung die Beyspiele in allen Sprachen äußerst selten sind. Es gehöret vielmehr zu unserm Tief, von welchem es ein Intensivum zu seyn scheinet. Im Nieders. ist in der zweyten engern Bedeutung dafür Pott üblich, ( S. dieses Wort,) dagegen in einigen Oberdeutschen Gegenden ein Topf Aul genannt wird, welches zu dem Lat. Olla gehöret. Der Töpfen, für Topf, Hiob 41, 22, ist eine veraltete Oberdeutsche, besonders Fränkische Form. Bey dem Pictorius ist die Düpfe, eine Pfanne ohne Stiel.


Topfen (W3) [Adelung]


Der Topfen, des -s, plur. car. ein nur in einigen Gegenden Oberdeutschlandes übliches Wort, geronnene Milch nach abgelaufenen Molken zu bezeichnen, welche an andern Orten Käse Quark, genannt wird. Es scheinet zu 1 Topf und Topp zu gehören, und den Begriff der Masse, der Dichte zu haben, welcher in mehrern Fällen mit dem Begriffe der Hervorragung verwandt ist.


Töpfer (W3) [Adelung]


Der Töpfer, des -s, plur. ut nom. sing. ein zünftiger Handwerker, dessen vornehmstes Geschäft es ist, Töpfe und andere Gefäße aus Thon zu verfertigen; dessen Gattinn, die Töpferinn. Im Tatian wird er noch Leimowurtho, Lehmwirker, genannt; im Oberdeutschen heißt er Hafner, von Hafen, eine Art irdener Geschirre, im Nieders. Pottjer, Pottbecker, Holl. Pottbacker, von Pott, Topf.


Töpferarbeit (W3) [Adelung]


Die Töpferarbeit, plur. inus. dasjenige, was der Töpfer durch seine Arbeit hervor bringet, irdene Geschirre, irdene Öfen u. s. f. im Gemeinen Leben Töpferzeug, und so fern es als Waare betrachtet wird, Töpferwaare.


Töpfererde (W3) [Adelung]


Die Töpfererde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, diejenigen Erdarten, deren sich die Töpfer zu ihren Arbeiten bedienen, wohin Lehmen, Thon und die Porzellan-Erde gehören.


Töpferhandwerk (W3) [Adelung]


Das Töpferhandwerk, des -es, plur. die -e, 1) Ohne Plural, das Handwerk des Töpfers, die mechanische Fertigkeit allerley irdene Geschirre zu verfertigen. 2) Die sämmtlichen in ein Handwerk, d. i. eine Zunft vereinigten Töpfer eines Ortes; die Töpferinnung, Töpferzunft.


Töpfern (W3) [Adelung]


* Töpfern, adj. et adv. welches im gemeinen Leben für thönern oder irden üblich ist, ein töpferner Ofen; aber unrichtig ist, auch wenn man es, von dem Töpfer bereitet, erklären wollte, indem die mit dem n von Hauptwörtern gemachten Beywörter nur eine Materie bezeichnen können.


Töpferofen (W3) [Adelung]


Der Töpferofen, des -s, plur. die -öfen, ein Ofen, worin die Töpfer, die aus Thon bereiteten Arbeiten brennen, um ihnen die gehörige Festigkeit zu geben.


Töpferscheibe (W3) [Adelung]


Die Töpferscheibe, plur. die -n, die bewegliche Scheibe, auf welcher der Töpfer die runden irdenen Gefäße drehet; auch nur die Scheibe schlechthin.


Töpferthon (W3) [Adelung]


Der Töpferthon, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, die gemeine mehrentheils blauliche Thon, dessen sich die Töpfer zu den irdenen Gefäßen bedienen, Nieders. Pottierlehm; zum Unterschiede von dem Pfeifenthon, Porzellanthon, Farbenthon u. s. f.


Töpferzeug (W3) [Adelung]


Das Töpferzeug, des -es, plur. car. S. Töpferarbeit.


Topfkäse (W3) [Adelung]


Der Topfkäse, des -s, plur. car. in einigen Gegenden, alter Käse, welchen man in einem Topfe gähren und scharf werden läßt, worauf er durchgeknetet wird, und sich wie Butter streichen läßt; Streichkäse, Nieders. Pottkese.


Topfkuchen (W3) [Adelung]


Der Topfkuchen, S. Aschkuchen.


Topfmarkt (W3) [Adelung]


Der Topfmarkt, des -es, plur. die -märkte, ein Markt, wo Töpfe verkauft werden, so wohl von der Zeit, als dem Orte.


Topfstein (W3) [Adelung]


Der Topfstein, des -es, plur. inus. ein thonartiger Stein, oder eigentlich, ein mit Glimmer vermischter Seifenstein, welcher sich schneiden und drehen läßt, und daher in manchen Gegenden häufig zu Töpfen und andern Gefäßen verarbeitet wird, welche aber hernach in blechernen Büchsen in einem Töpferofen gebraucht werden müssen; Lavetzstein. Man muß diese Steinart nicht mit dem Tofstein verwechseln, welcher von einigen auch Tophstein geschrieben wird, und kalkartig ist.


Toph (W3) [Adelung]


Toph Tophstein, S. Tof, Tofstein.


Topp! (W3) [Adelung]


Topp! eine Interjection, welche noch im gemeinen Leben sehr häufig ist die Gültigkeit einer Wette oder eines mit dem bloßen Handschlage geschlossenen Vertrages auszudrucken. Topp! es gilt. Topp! was gilt die Wette? Hast du Lust zu wetten? Topp! d. i. es gilt, ich halte dich bey deinem Worte. Im Nieders. sagt man auch Topp oder Tipp halten, Wort halten, die Wette Halten. Eben daselbst hat man auch das Zeitwort toppen, wetten, Franz. toper, bey welchen tope! eben so wie unser topp gebraucht wird.

Anm. Im Schwed. gleichfalls topp! Menage leitet in seinem Französischen etymologischen Wörterbuche das Franz. tope! von dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, gut, her. Dreyer aber, der in seinen vermischten Abhandl. p. 900 von diesem Worte handelt, siehet es als eine Zusammenziehung von to hoop an. Die erste Ableitung würde scheinbarer seyn, wenn man sonst nur die geringste Spur hätte, daß top in irgend einer Europäischen Sprache gut bedeutet hätte. Richtiger erkläret man dieses Wort aus der alten ehedem in Deutschland und den mitternächtigen Ländern üblichen Gewohnheit, bey einer Wette oder einem jeden andern mündlichen Vertrage, statt des noch üblichen Handschlages die Daumen zusammen zu halten, oder vielmehr zusammen zu stoßen, von welcher Gewohnheit Dreyer am angeführten Orte handelt. Bey dieser Zusammenhaltung der Daumen sagte man das Wort topp, welches ohne Zweifel zu dem Nieders. tippen, mit der Spitze des Fingers berühren, abstammet, zumahl, da man für topp im Nieders. auch tipp sagt. Toppen bedeutet vermöge des ründern o eine stärkere Berührung als tippen. ( S. auch Tappen.) In Bretagne lautet diese Interjection toca, touca, welche unstreitig zu dem Ital. toccare, Franz. toucher, Latein. tangere, berühren, und zu unserm ticken, mit der Spitze berühren, gehöret. Wegen des obgedachten Gebrauches, vermittelst Zusammenstoßung der Daumen zu wetten, heißt dieser Finger noch in einigen Niederdeutschen und Holländischen Gegenden der Wödenfinger oder Wönlett, nicht von Wodan, dem Herkules der nordischen Völker, sondern von wöden, wetten. Von einem Reichen sagt man daher noch in Westphalen, daß er etwas von den Daumen zu schieben habe, oder viel verwetten könne. S. Toppschilling.


Topp (W3) [Adelung]


Der Topp, des -es, plur. die -e, ein altes nur noch im Niederdeutschen übliches Wort, welches theils das oberste, den Gipfel eines Dinges, theils ein spitz zulaufendes, kegelförmiges Ding, theils auch einen Büschel bedeutet, da es denn von einigen Niederdeutschen, wenn sie Hochdeutsch reden wollen, nicht selten in Topf verwandelt wird, obgleich Zopf der eigentliche gleichlautende Hochdeutsche Ausdruck ist. Im Angels. Engl. Schwed. u. s. f. hat Topp eben dieselben Bedeutungen. Im Nieders. ist der Topp eines Berges, dessen Gipfel, der Topp eines Baumes, der Wipfel, Zopf, der Topp des Mastbaumes, dessen Spitze, ein Haartopp, ein Haarzopf. Das Pers. Tab hat fast eben dieselben Bedeutungen. ( S. Zopf und Zipfel.) Im Niederdeutschen ist ein Topp Flachs, eine Quantität von 40 Risten, wo zugleich der Begriff der Masse mit einzutreten scheinet, ( S. Topfen.) Wenn bey den Schustern Toppchen einen hölzernen Keil bedeutet, welcher auf dem Obertheile des Fußes unter die Unterlage hinein getrieben wird, so hat es hier vermuthlich die Bedeutung eines spitzigen Dinges.


Toppeh (W3) [Adelung]


Das Toppeh, des -es, plur. die -e, die erhaben gekämmten oder erhaben gekräuselten Haare zunächst über der Stirn. Daher das Toppeheisen oder die Toppehzange, eine Zange mit zwey langen Schnäbeln, das Toppeh damit aufzubiegen, das Schnabeleisen. Es ist aus dem Franz. Toupet, und könnte, wenn man dafür ein Deutsches Wort gebrauchen wollte, durch Stirnhaar gegeben werden. Das Französische gehöret gleichfalls zu dem vorigen Topp. Im Isländischen werden die Stirnhaare der Pferde Toppur genannt, Engl. Tuft, Schwed. Tofs. Gemeiniglich schreibt man dieses Wort Toppe oder Toppee; besser hängt man ein h am Ende an, das scharfe betonte e zu bezeichnen, welches desto eher geschehen kann, da dieses Wort seine Französische Form und Aussprache ohnehin schon verloren hat, auch eigentlich aus dem Deutschen herstammet.


Toppenant (W3) [Adelung]


Der Toppenant, des -es, plur. die -e, ein Holländisches Niederdeutsches nur in der Seefahrt übliches Wort, gewisse Taue zu bezeichnen, welche von dem Marskreuze und dem Eselshaupte herunter gehen, an den beyden Enden der Segelstange über Rollen laufen, und dieselben in Gleichgewichte erhalten. Ohne Zweifel auch von Topp, der Gipfel.


Toppreif (W3) [Adelung]


Der Toppreif, des -es, plur. die -e, eben daselbst, ein starkes Tau, welches an den großen Mast und die Focke befestigt wird, Kanonen und andere schwere Lasten damit in das Schiff zu winden. Vermuthlich, weil es an den Topp oder die Spitze des Mastbaumes befestigt wird.


Toppschilling (W3) [Adelung]


Der Toppschilling, des -es, plur. die -e, ein noch im Niederdeutschen übliches Wort, dasjenige Handgeld zu bezeichnen, welches zur Versicherung eines Kaufes oder Vertrages gegeben wird. Von der Interjection topp.


Toppsegel (W3) [Adelung]


Das Toppsegel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Schifffahrt, das oberste Segel an den Topp, oder der Spitze des Mastbaumes, welches auch das Bramsegel genannt wird. Engl. Topsail, Holländ. Topzeyl.


Torf (W3) [Adelung]


Der Torf, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden auch Törfe. 1. Ohne Plural und als ein Ausdruck der bloß die Materie bezeichnet. 1) Ein Rasen, und die aus Graswurzeln und Erde bestehende oberste Decke der Erdfläche, ein nur in einigen Gegenden, besonders Niederdeutschlandes, übliches Wort, im Schwed. Torf, und mit andern Endlauten im Wallis. Tywarch, und im Böhmischen Drn. 2) Eine brennbare Erde, welche gemeiniglich aus den Wurzeln verschiedener Pflanzen bestehet, oft aber auch mit einem Erdharze durchdrungen ist. Torf graben. Torf brennen. ( S. Blättertorf, Papiertorf, Pechtorf, Sandtorf.) Daher Torfasche, Torfkohlen, Torfhitze u. s. f. 2. Ein einzelnes Stück Torf, in der letzten Bedeutung, in welchem Verstande es nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist, und alsdann den Plural leidet. Die ausgestochenen untersten Torfe oder Törfe, d. i. Torfstücke. Ein Tagewerk Torf hält 2048 Quadrat-Fuß, auf jeden Quadrat-Fuß vier Torfe, also 8192 Torfe.

Anm. In der Bedeutung einer brennbaren Erde, schon in den Alemannischen Gesetzen Torft, bey andern alten Oberdeutschen Schriftstellern Zurufft, Zurb, Zurf, Zurbe, Turben, im Nieders. Schwed. und Isländ. gleichfalls Torf, im mittlern Latein. Curffodi, Turba, im Franz, Tourbes, im Ital. Torba, im Angels. Tyrb, Tyrf, Turfe, im Engl. Turf. Die Abstammung dieses so alten und weit ausgebreiteten Wortes ist noch ungewiß. Menage hielt es für ein ursprüngliches Arabisches Wort; allein, da weder erweislich noch glaublich ist, daß die Europäer den Gebrauch des Torfes von den Arabern gelernet haben sollten, so ist das Arabische Wort, wenn es anders wie unserm gleich lautend und gleich bedeutend ist, mehr als ein Seitenverwandter desselben zu halten, als für die Quelle anzusehen. Andere sind auf das Isländische torfa gefallen, welches so wohl graben, als brennen bedeutet; welche Ableitung sehr wahrscheinlich seyn würde, wenn nur Torf nicht von einem so weiten Umfange wäre; denn im Schwedischen bedeutet es auch dick stehende Saat. Es scheinet daher, daß der Begriff der Verwickelung, Dicke, Vielheit, der herrschende und folglich auch der Stammbegriff ist, welcher sich auf Torf in allen seinen Bedeutungen sehr gut anwenden lässet. Alsdann würde es mit unserm Dorf, dem Lat. Turba, Menge, dem alten Gothischen tharih, zotig, rauch, dem Isländ. Thar, Schilf und andern, verwandt seyn. Übrigens wird der Torf in einigen Gegenden auch Modt, und in der Lausitz Loh genannt.


Torfboden (W3) [Adelung]


Der Torfboden, des -s, plur. die -böden. 1) Ohne Plural, der Boden, d. i. Oberfläche der Erde, so fern dieselbe Torf enthält, aus Torf bestehet. 2) Ein Boden, Torf darauf zu verwahren.


Torfen (W3) [Adelung]


Torfen, verb. reg. act. welches nur in einigen Gegenden üblich ist. Einen Acker torfen, ihn mit Torf und Asche von Reisholz düngen.


Torfkohle (W3) [Adelung]


Die Torfkohle, plur. die -n, Kohle von ausgebranntem Torfe. Ingleichen nach der Kunst verkohlter oder zu Kohlen gebrannter Torf.


Torfmohr (W3) [Adelung]


Das Torfmohr, des -es, plur. die -e, ein Mohr, in welchem Torf gegraben wird, oder gegraben werden kann.


Torfsemse (W3) [Adelung]


Die Torfsemse, plur. inus. eine Art Semse, welche in Europäischen Sümpfen wohnet, und daselbst den Torf erzeugen hilft; Scirpus cespitosus Linn.


Torkel (W3) [Adelung]


Die Torkel, plur. die -n, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches und nur im Oberdeutschen gangbares Wort, die Kelter oder Weinpresse zu bezeichnen. Schon bey dem Notker Torcula, Torcile. Es ist ohne Zweifel mit dem Weinstocke und der Behandlung des Weines aus dem Lat. Torcular nach Deutschland gekommen. Das Latein. stammet von torquere ab, welches mit dem folgenden verwandt ist.


Torkeln (W3) [Adelung]


Torkeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den niedrigen Sprecharten für taumeln üblich ist, ( S. dieses Wort.) Da kriegt er eins ans Ohr, daß er übern Haufen torkelte, Weiße in der Jagd. Ihm wird der trunkne Kopf zu schwer, Er sinkt und torkelt auf die Erde, Haged. Es scheint eine Onomatopöie des Taumelns, der Form nach aber mit torquere, stürzen, dem veralteten Tortsche, eine gedrehte Fackel u. s. f. verwandt zu seyn. Bey dem Jeroschin ist das Beywort turg, ungewiß, und das Hauptwort Turg, Abweichung.


Tormentill (W3) [Adelung]


Die Tormentill, plur. inus. eine Pflanze, welche auf den trocknen Wiesen und in den Wäldern Europens wohnet, und wegen ihrer zusammen ziehenden Kraft schon lange als ein Heilkraut bekannt ist, Tormentilla Linn. woraus auch der Deutsche Nahme gebildet ist, außer welchem sie auch Blutwurz, weil sie das Blut stillet, Feigwurz, Rothwurz, Heilwurz, Burkwurz und Siebenfingerkraut genannt wird. Den Lateinischen Nahmen hat sie, wegen der ihr zugeschriebenen Kraft, die Tormina, d. i. die Schmerzen im Unterleibe zu stillen.


Tornister (W3) [Adelung]


Der Tornister, des -s, plur. ut nom. sing. ein vornehmlich bey den Soldaten übliches Wort, den aus gegerbten Fellen verfertigten Reisesack zu bezeichnen, worin sie ihre Wäsche, Brot u. s. f. auf dem Marsche auf dem Rücken bey sich tragen. das Wort ist ohne Zweifel aus einer fremden Sprache aufgenommen worden, ob sich gleich diejenige Sprache, welcher er eigentlich zugehöret, noch nicht bestimmen läßt. Die Muthmaßung, daß es aus dem Ital. Canestro, Brotkorb, verderbt worden, ist in Ansehung der ersten Sylbe sehr unwahrscheinlich. Noch eher könnte das Ungarische Tar, ein Vorrath, und Tarisznya, ein Vorratssack in Betrachtung kommen. Indessen bedeutet schon das mittlere Lat. Turnicella etwas ähnliches.


Torsche (W3) [Adelung]


Die Torsche, plur. die -n, eine nur im Oberdeutschen übliche Benennung der Erdrüben, welche oft irrig mit den Kohlrüben verwechselt werden. Vermuthlich wegen des langen Stängels oder Strunkes der Pflanze, welcher im Lat. Thyrsus, in einigen gemeinen Mundarten aber auch Dors, Torsch heißt. In der Monseeischen Glosse wird Repatorsum durch Thyrso erkläret.


Tort (W3) [Adelung]


* Der Tort, des -es, plur. inus. ein nur im gemeinen Leben aus dem Franz. Tort, mit Deutscher Aussprache, entlehntes Wort, Nachtheil zu bezeichnen. Er hat mir vielen Tort gethan. Das wird dir Tort thun.


Torte (W3) [Adelung]


Die Torte, plur. die -n, Diminut. das Törtchen, Oberdeutsch Törtlein, in den Küchen, ein Gebackenes, welches gemeiniglich aus einem Butterteige in einer eigenen Pfanne bereitet, und hernach in einem Backofen gebacken wird. Man hat sie gefüllt und ungefüllt. Apfeltorte, Pflaumentorte, Kirschtorte, Mandeltorte, Brottorte, Markstorte u. s. f. Ehedem wurden auch die Pasteten Torten genannt, indem in Schillers Gloss. S. 68 in dem Jahre 1446 auch der Hühnertorten gedacht wird. Das Wort ist ausländisch, so wie die Sache selbst. Es ist aus dem mittlern Lat. Torta, Ital. Torta, woher auch die Franzosen ihr Tourte, die Engländer ihr Tart, die Schweden ihr Torta, und die Walliser ihr Torth haben. Man leitet es von torrere, törren, ab, weil es eigentlich eine Art unter der Asche gebackenen Brotes oder Kuchen bedeutet haben soll, dergleichen in Bretagne noch jetzt Tors genannt wird.


Tortenbäcker (W3) [Adelung]


Der Tortenbäcker, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Tortenbäckerinn, eine Person, welche ein vorzügliches Geschäft daraus macht, Torten für andere zu backen.


Tortenblech (W3) [Adelung]


Das Tortenblech, des -es, plur. die -e, blecherne Formen, die Torten darin zu backen, oder auch nur flache Bleche, worauf sie gebacken werden.


Tortenpfanne (W3) [Adelung]


Die Tortenpfanne, plur. die -n, eigene Pfannen, die Torten darin zu backen.


Tortur (W3) [Adelung]


Die Tortur, plur. die -en, diejenige Marter oder körperliche Schmerzen, womit man einen Verbrecher belegt, ihn zum Geständniß oder zur Bestätigung der Wahrheit zu bringen. Jemanden auf die Tortur bringen. Ihm die Tortur zuerkennen. Die Tortur ausstehen. Es ist aus dem Mittlern Lat. Tortura, welches wieder von torquere abstammet. Im Deutschen hat man dafür die Ausdrücke peinliche Frage, Marter, welches nur noch in einigen Gerichten üblich ist, Folter, welches doch nur eine besondere Art der Tortur ist. Ehedem nannte man sie Unvornunft, als den Gegensatz des veralteten Vornunft, mündliche Befragung oder Untersuchung.


Tos (W3) [Adelung]


Tos, ein veraltetes Stammwort, welches noch in Getöse üblich ist, ( S. dasselbe.) In einigen gemeinen Mundarten gebraucht man noch tosten, lärmen, ein Getöse machen, in Meißen tebsen, wo Tebs, ein Getöse ist.


Toupe (W3) [Adelung]


Das Toupe, S. Toppeh.


Tourmalin (W3) [Adelung]


Der Tourmalin, des -es, plur. die -e, ein brauner, glasartiger, halb durchsichtiger Stein, welches unter die Edelsteine gerechnet wird, und durch die Erwärmung elektrisch gemacht werden kann, da er denn einen anziehenden und zurück stoßenden Pol hat. Der Nahme ist aus dem Franz. Tourmaline, außer welchem er auch Tripp und Aschenzieher genannt wird, weil er die Asche an sich ziehet.


Tournier (W3) [Adelung]


Das Tournier, S. Turnier.


Trab (W3) [Adelung]


1. Der Trab, des -es, plur. car. eine Krankheit der Schafe, bey welcher sie sich niederlegen und mit dem Maule an den Füßen beißen, oder sich das Knie reiben, und endlich verlahmen und sterben. Sie ist eine Art der Auszehrung. Das Wort lautet in den gemeinen Sprecharten auch Drap und Trap. Vielleicht stammet es auch von traben ab, den Hinkenden Gang solcher Schafe zu bezeichnen, oder von treffen, wovon der Tropf oder Tropfen im gemeinen Leben mancher Gegenden häufig die Lähmung und den Schlagfluß bezeichnet.


Trab (W3) [Adelung]


2. Der Trab, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, von dem Zeitworte traben, die Handlung des Trabens, und diese Art der Bewegung lebendiger Geschöpfe, welche in einer durch schnelle wechselseitige Bewegung der Füße bewirkten Veränderung des Orts bestehet. Am üblichsten ist es von vierfüßigen Thieren, und unter diesen von den Pferden, den schnellen Gang zu bezeichnen, welcher in der geschwinden abwechselnden Bewegung zweyer in den Kreuz gegen einander über befindlicher Füße bestehet; wodurch sich der Trab von dem Schritt und Sprunge, oder Galoppe unterscheidet. Das Pferd gehet den Trab, gehet einen sanften, einen harten Trab. Ein Pferd in den Trab reiten. Den Trab reiten, von dem Reiter.

Anm. Im Nieders. Drav, im Schwed. Traf, und mit einem andern Endlaute auch der Trott, Ital. Trotto. ( S. Traben.) So fern dieses Zeitwort ehedem schnell gehen überhaupt bedeutete, wird es in den Zusammensetzungen Vortrab und Nachtrab von dem vordersten und hintersten Theile eines Kriegsheeres gebraucht, wofür aber die Französischen Avant-Garde und Arriere-Garde im Kriegswesen üblicher sind.


Trabant (W3) [Adelung]


Der Trabant, des -en, plur. die -en, eine Art Leibwache zu Fuß vornehmer Heeren, bewaffnete Bediente zu Fuß, fürstliche Personen zu bewachen und zu begleiten. An manchen Höfen hat man Hof-Trabanten, Leib-Trabanten, Schweizer-Trabanten u. s. f. Figürlich werden in der Astronomie diejenigen Planeten, welche sich zunächst um andere Planeten bewegen, Trabanten der letztern genannt. So haben der Jupiter und Saturn ihre Trabanten. Der Trabant der Erde ist unter dem Nahmen des Mondes am bekanntesten, welcher Nahme auch wohl den Trabanten der übrigen Planeten beygeleget wird.

Anm. Im Schwed. Drabant, im Böhm. Drabanti, im Ital. Trabante. Verelius leitet dieses Wort von draga, tragen, und Fant, Last, her, und erkläret es durch einen Lastträger, Ihre von den Pers. Derbaan, ein Thürsteher, Boxhorn von dem Pers. Satrapa, andere von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, noch andere zu geschweigen. Der Ton auf der Ableitungssylbe ist schon ein Beweis, daß wir dieses Wort aus einer fremden Sprache entlehnet haben, und diese ist unstreitig das Ital. Trabante. Dieses aber stammet der größten Wahrscheinlichkeit nach wiederum von unserm traben, in dessen ältern weitern Bedeutung ab, so daß dieses Wort eigentlich mit Lackey gleichbedeutend ist, und einen Bedienten zu Fuß, oder auch einen Wächter zu Fuß bedeutet. Aus dem Fronsberg erhellet, daß der Profoß ehedem bey den Truppen sechs Trabanten hatte, welche ihm helfen mußten, die Verbrecher in Verhaft zu nehmen. Nachmahls ist dieses Wort zu einem edlern Art Fußwächter erhöhet worden. Im Meklenburgischen ist trabandeln, herum gehen.


Traben (W3) [Adelung]


Traben, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. * Gehen, treten, mit dem Hülfsworte seyn, eine jetzt veraltete Bedeutung, welche indessen noch in einigen Gegenden üblich ist, wo man noch sagt, die Bedienten traben ihren Herren nach, für treten ihnen nach; dem Heere nachtraben, hinter dem Heere marschieren, daher noch die Zusammensetzungen Vortrab, Nachtrab, der vor oder nach dem Hauptheere marschierende Haufen. Eben daselbst sagt man auch prächtig einher traben, für treten. Daher war figürlich, hoch traben, hoch einher gehen, stolz einher gehen, und sich stolz betragen überhaupt. Der darf so hoch nicht traben, Der solchen Freunden dient, die ihm zu schaffen (zu befehlen) haben, Opitz. Wir haben noch davon das Mittelwort hochtrabend, für schwülstig, ( S. dasselbe.) Werdt (wäret) ir darüber gemelig trapt, allmählich gegangen, Theuerd. Es ist in dieser Bedeutung eine unmittelbare Nachahmung des durch Auftreten verursachten Lautes, wovon das Intensivum trappen ist, und das Stammwort von Trabant. Treten ist davon nur im Endlaute unterschieden. 2. Lau- fen, auch als Nachahmung des durch schnelles Auftreten im Laufen verursachten Schalles. 1) Im weitesten Verstande dieses Wortes, da es ehedem auch von Menschen für laufen gebraucht wurde, in welcher Bedeutung es aber veraltet ist. 2) In engerer Bedeutung von vierfüßigen Thieren, ohne Springen laufen, mit schneller abwechselnder Bewegung der Füße über das Krenz den Ort verändern. Im Traben erhebt das Thier den rechten Vorder- und linken Hinterfuß, oder linken Vorder- und rechten Hinterfuß zugleich. Alle vierfüßige Thiere traben, wenn sie auf diese Art laufen. Langsam trabet nunmehr der Hirsch mit stolzem Geweihe Über die Heide zum Forst, Zachar. Besonders von diesem schnellen Gange eines Pferdes, zum Unterschiede von dem Gehen im Schritte und dem Galoppieren. Das Pferd traben lassen. Ein Pferd trabet hoch, schwer, leicht. Ein Pferd, welches hoch oder schwer trabet, wird daher ein Traber oder Hochtraber genannt. Die starken Rosse traben daher, Jer. 47, 3. Ingleichen von dem Reiter, den Trab reiten, oder das Pferd den Trab gehen lassen. Der Reiter trabt. Sie trabten langsam über manche steinige Ebnen, Zachar. Daher das Traben. S. auch der Trab.

Anm. In der zweyten Bedeutung in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter thraven, bey dem Stryker draben, im Nieders. draven und traffen, im Schwed. thraswa, im Engl. to trap. Es ist in beyden Bedeutungen eine Nachahmung des Lautes. Schon Ottfried gebraucht das nahe verwandte drephan, für gehen, und unser treffen selbst hat davon noch einige figürliche Bedeutungen. Das Intensivum von traben ist trappen. Im Nieders. ist dravaljen, geschäftig hin und her laufen, welche Bedeutung das vermuthlich davon abstammende Franz. travailler, arbeiten, anfänglich gleichfalls hatte. Übrigens ist für traben auch trotten, noch mehr aber trottieren üblich, welches ein Intensivum von treten ist.


Träber (W3) [Adelung]


Die Träber, sing. inus. die Hülsen von dem ausgebraueten Malze, welche im gemeinen Leben, besonders Niederdeutschlandes, auch Sej, Seihe, von seihen, und im Osnabrückischen Ant, Aat, genannt werden. In manchen Gegenden ist dieses Wort in weiterm Verstande von den Überbleibseln aller ausgepreßten Dinge, z. B. den Weinhülsen nach ausgepreßten Weine, ( S. Triester,) den Überresten der ausgepreßten Öhlbeeren, ( S. Drüse,) u. s. f. üblich.

Anm. In einigen Gegenden die Traben, im Nieders. Draf, im Holländ. Draf und Drabbe, im Schwed. Draf. Es scheinet von traben, in der veralteten Bedeutung des Tretens abzustammen, Überbleibsel von ausgetretenen Dingen zu bezeichnen, oder auch von treiben, so fern dieses auch von einem starken Pressen und Drücken gebraucht wird, und alsdann läßt sich auch die Schreibart Treber rechtfertigen, obgleich das ä um des in den verwandten Sprachen und Mundarten befindlichen a willen am richtigsten zu seyn scheinet. Mit andern Endlauten sind damit das Franz. Drague, das Engl. Dregs und Draines, das mittlere Latein. Druscus, und unser Druse und Triester verwandt.


Träbergrube (W3) [Adelung]


Die Träbergrube, plur. die -n, in den Brauhäusern, eine gemauerte Grube, die Träber darin zu sammeln, und zu erhalten.


Tractament (W3) [Adelung]


Das Tractament, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Lat. Tractamentum und Franz. Tractement, ein nur im gemeinen Leben und den niedrigen Sprecharten übliches Wort. 1) Die Begegnung, Behandlung. 2) Ein Schmaus. Ein Tractament ausrichten. 3) Das Monathsgeld eines Bedienten.


Tractat (W3) [Adelung]


Der Tractat, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Tractatus. 1) Eine gedruckte Schrift oder Abhandlung, ein kleines Buch, Franz. Traite. 2) Ein Vertrag, Vergleich. Einen Tractat mit jemanden schließen. 3) Unterhandlungen, doch nur im Plural allein, welcher alsdann die Tractaten hat. Mit jemanden in Tractaten stehen, mit ihm unterhandeln. Die Friedens-Tractaten abbrechen, die Friedenshandlungen.


Tractieren (W3) [Adelung]


Tractieren, verb. reg. act. aus dem Lat. tractare, nur im gemeinen Leben. 1) Behandeln. Der Thon läßt sich gut tractieren. Jemanden niederträchtig tractieren, behandeln, begegnen. 2) Unterhandlungen pflegen, unterhandeln; als ein Neutrum. Mit jemanden tractieren. 3) Mit einem Schmause bewirthen. Jemanden bewirthen. Absolute und als ein Neutrum bedeutet es auch einen Schmaus geben.


Trad (W3) [Adelung]


* Die Trad, plur. die -en, ein im Hochdeutschen fremdes und nur in einigen Provinzen, besonders Oberdeutschlandes, übliches Wort. 1) Die Spur, besonders eines Wagens, das Geleise; in welcher Bedeutung es in der Jülichischen Polizey-Ordnung bey dem Frisch vorkommt. 2) Eine Viehtrifft, daher sind die Tradsteine daselbst die Gränzsteine einer solchen Trifft. Es stammet von treten ab, wird aber dessen ungeachtet richtiger Trad als Trat oder Tratt geschrieben, indem der Endbuchstab in der Aussprache sehr gelinde lautet.


Tragaltar (W3) [Adelung]


Der Tragaltar, des -es, plur. die -äre, ein tragbarer, beweglicher Altar, welchen man auf der Reise bey sich führen, oder von einem Orte zum andern tragen kann, dergleichen in der Römischen Kirche üblich sind.


Traganth (W3) [Adelung]


Der Traganth, des -es, plur. inus. ein weisliches Gummi ohne Geruch, von einem süßlichen unkräftigen Geschmacke, welches zäher und schleimiger ist, als das Arabische Gummi, und aus der in dem wärmern Europa einheimischen Traganth-Staude fließet, Astragalus Tragacantha Linn. welche auch Bocksdorn, ingleichen Traganth schlechthin genannt wird. Der Deutsche Nahme ist aus dem Griech. und Lat. Tragacantha zusammen gezogen.


Tragbar (W3) [Adelung]


Tragbar, -er, -ste, adj. et adv. von dem Zeitworte tragen, doch nur in einigen Bedeutungen desselben. 1. In der gewöhnlichsten, was sich tragen läßt, getragen werden kann. Ein tragbarer Altar, Tragaltar. Jemanden eine tragbare Last auflegen. 2. Von tragen, Frucht bringen, Frucht bringend. 1) Von dem Boden und Gewächsen, für fruchtbar. Ein tragbarer Acker, welcher im Staude ist, Früchte zu tragen, im Gegensatze eines noch nicht urbar gemachten; ingleichen ein fruchtbarer, im Gegensatze eines unfruchtbaren. Im engsten Verstande ist ein tragbarer Acker, welcher wirklich Früchte trägt, im Gegensatze eines Brachackers. Ein tragbarer Baum, welcher wirklich Früchte träget. 2) Von Thieren ist tragbar in der anständigen Sprechart so viel als trächtig im gemeinen Leben. Eine tragbare Kuh, Hündinn, Katze u. s. f. Im Nieders. mit einer andern Ableitungssylbe dragsam, ehedem auch berig, berhast, von bären, tragen.


Trage (W3) [Adelung]


Die Trage, plur. die -n, ein Werkzeug, eine Last darauf zu tragen, doch nur in einigen Fällen. Am üblichsten ist es von einem häuslichen Werkzeuge, welches aus zwey gemeiniglich etwas gekrümmten, und mit Quersprossen verbundenen Stangen bestehet, Holz, Steine, Mist u. s. f. darauf zu tragen, welches in den gemeinen Sprecharten, besonders Niederdeutschlandes die Bahre genannt wird. Die Misttrage, Holztrage, Steintrage u. s. f. Die Leichen- oder Todtentrage, ist ein ähnliches Gestell, welches sich vornehmlich durch die hohen Füße, womit es versehen ist, unterscheidet. Auch die Tracht, d. i. ein Achseljoch, ein Paar Eimer Wasser daran zu tragen, führet in einigen Gegenden diesen Nahmen. In andern heißt sie die Schande, ( S. dieses.) Bey den Färbern ist diese Trage eine hölzerne Leiter über der Blauküpe, den gefärbten Zeug zu tragen.


Tragebahre (W3) [Adelung]


Die Tragebahre, plur. die -n, eine Bahre zum Tragen, welche man auch nur schlechthin die Bahre oder Trage nennet. Bahre stehet hier im weitesten Verstande, eines jeden Werkzeuges, eine Last fortzuschaffen, daher Tragebahre kein Pleonasmus ist, sondern den Unterschied von einer Radebahre oder einem Schubkarren bestimmt.


Tragebalken (W3) [Adelung]


Der Tragebalken, des -s, plur. ut nom. sing. ein jeder Balken, so fern er bestimmt ist, eine Last zu tragen, da er denn in der Zimmermannskunst unter dem Nahmen eines Trägers am bekanntesten ist. Im Schiffbaue sind die Tragebalken, Nieders. Dragtbalken, so wohl diejenigen Balken, welche das Verdeck tragen, als auch die Balken längs dem Verdecke, worauf diese ruhen.


Trageband (W3) [Adelung]


Das Trageband, des -es, plur. die -bänder, ein jedes Band, eine Last vermittelst dessen zu tragen, dergleichen z. B. an den Tragekörben sind. In der Zimmermannskunst sind die Tragebänder kurze schiefstehende Bauhölzer, eine Last tragen zu helfen, welche, so fern sie zugleich stützen, auch Stützbänder, und so fern ihre Wirkung zunächst in einem Streben bestehet, Strebebänder und Streben heißen.


Tragebaum (W3) [Adelung]


Der Tragebaum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum oder starke Stange, eine Last vermittelst desselben zu tragen.


Tragebett (W3) [Adelung]


Das Tragebett, des -es, plur. die -e, und -en. 1) Ein Bett, d. i. Liegestätte, jemanden liegend darin zu tragen, dergleichen z. B. die Palankins der Morgenländer sind. Im Plural die -e. 2) Ein großes weiches Küssen, zarte Kinder darin zur Taufe oder von einem Orte zum andern zu tragen, heißt gleichfalls ein Tragebett, plur. die -en.


Tragebock (W3) [Adelung]


Der Tragebock, des -es, plur. die -böcke, ein hölzerner Bock, etwas zu tragen. Einen solchen Tragebock setzen die Färber auf die Küpe, die gefärbten Zeuge darauf zu legen, damit die überflüssige Brühe von denselben ablausen könne.


Tragebüche (W3) [Adelung]


Die Tragebüche, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der gemeinen Rothbüche, weil sie allein die zur Mastung dienlichen Bucheicheln trägt, und in so fern tragbar ist; zum Unterschiede von der Hage- oder Steinbüche.


Tragehebel (W3) [Adelung]


Der Tragehebel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Mechanik, eine Art Hebel, vermittelst dessen die Last getragen oder aufgehoben wird; zum Unterschiede von einem Druckhebel.


Tragehimmel (W3) [Adelung]


Der Tragehimmel, des -s, plur. ut nom. sing. ein beweglicher Prachthimmel oder Baldachin, welcher über Personen oder Sachen getragen wird. S. Thronhimmel.


Trageknospe (W3) [Adelung]


Die Trageknospe, plur. die -n, an den Gewächsen, die Frucht- oder Blüthknospen, zum Unterschiede von den Blätterknospen.


Tragekorb (W3) [Adelung]


Der Tragekorb, des -es, plur. die -körbe, ein Korb, etwas darin zu tragen, doch nur in engerer Bedeutung, eine Last darin auf dem Rücken zu tragen; zum Unterschiede von einem Handkorbe, Hebekorbe, Marktkorbe u. s. f. obgleich selbige in weiterm Verstande insgesammt Tragekörbe sind.


[Adelung]

Träger (W3) [Adelung]


Der Träger, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Person, welche etwas trägt, in dem eigentlichen Sinne der dritten Hauptbedeutung. Daher der Briefträger, Fackelträger, Leichenträger, welche auch nur Träger schlechthin heißen, Sänftenträger, Sackträger, Schwertträger u. s. f. Fämin. die Trägerinn. Daher der Trägerlohn, für gemeine Träger. 2) Ein Ding, welches etwas trägt. So wird in der Zimmermannskunst ein Balken, welchen man in tiefen Zimmern, entweder quer unter andere Balken ziehet, oder auch über dieselben legt, und selbige daran befestigt, damit sie sich nicht biegen, ein Träger oder Durchzug, und wenn er unter dem Balken liegt, ein Unterzug genannt, welchen Nahmen des Trägers auch wohl die schief stehenden Tragehalken bekommen, ( S. dieses Wort.) In der Anatomie ist der Träger das erste Wirbelbein des Rückgrathes, welches den Kopf träget; Atlas. Und so in andern Fällen mehr, wenn dasjenige, was ein Last trägt, keinen eigenen Nahmen hat.


Tragereff (W3) [Adelung]


Das Tragereff, des -es, plur. die -e, ein Reff, d. i. hölzernes Gestell, eine Last darin auf dem Rücken zu tragen. S. Reff.


Tragering (W3) [Adelung]


Der Tragering, des -es, plur. die -e, oder weil er groß ist, der Tragerinken, des -s, plur. ut nom. sing. an den Last- und Leiterwagen ein Rinken oder großer Ring, vermittelst dessen der Rungstock auf die Achse gesteckt wird. Auch ein Ring von Stroh, Lasten auf dem Kopfe zu tragen.


Trageschaf (W3) [Adelung]


Das Trageschaf, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein weibliches Schaf, welches bereits getragen oder gelammet hat, ein Mutterschaft.


Trageseil (W3) [Adelung]


Das Trageseil, des -es, plur. die -e, ein Seil, vermittelst desselben eine Last zu tragen.


Tragesessel (W3) [Adelung]


Der Tragesessel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Sessel, d. i. gepolsterter zierlicher Stuhl, sich darin tragen zu lassen, und welcher so wohl von dem Tragestuhl, als auch von der Sänfte, noch unterschieden ist. Die letzte ist ein verschlossener Tragesessel.


Tragespritze (W3) [Adelung]


Die Tragespritze, plur. die -n, Feuerspritzen von mittelmäßiger Größe, welche man dahin, wo sie nöthig sind, tragen kann, zum Unterschiede so wohl von den großen Feuerspritzen, als auch von den kleinen Handspritzen.


Tragestämpel (W3) [Adelung]


Der Tragestämpel, des -s, plur. ut nom. sing. Stämpel, d. i. aufrecht stehende Bäume in den Schächten, die Querhölzer zu tragen.


Tragestütze (W3) [Adelung]


Die Tragestütze, plur. die -n, in der Zimmermannskunst und andern Fällen, eine Stütze, so fern sie zugleich eine Last trägt oder tragen hilft.


Trägewerk (W3) [Adelung]


Das Trägewerk, des -es, plur. die -e, in Bergbaue, ein hölzernes Gerüst von Bretern, welches in einem Stollen eine halbe Lachter von der Grundfläche aufgeführet wird, auf demselben Ein- und auszufahren. Die erste Hälfte dieses Wort ist dunkel. Wenn träge hier von dem Nieders. drägen, tragen, ist, so kann es so wohl ein Werk oder Gerüst bedeuten, welches getragen wird, als auch, worauf etwas getragen oder gezogen wird; weil auf dieser Art Brücke die Erze und der Schutt aus dem Stollen geführet werden.


Trägheit (W3) [Adelung]


Die Trägheit, plur. inus. von dem Beyworte träge. 1) Der Zustand und die Fertigkeit, da man aus Empfindung einiger Schwere die Bewegung scheuet, und in weiterm Verstande, da man die mögliche Anwendung seiner Kräfte in seinen Geschäften unterläßt, Unlust zur Bewegung und zur Anwendung seiner Kräften; im gemeinen Leben die Faulheit. Zur Trägheit in den Armen einer wollüstigen Muße gewöhnt. Die geistliche Trägheit, in der Theologie, die Abneigung, seine Kräfte zum Guten zu gebrauchen. 2) In der Physik ist die Trägheit oder die Kraft der Trägheit, Vis inertiae, diejenige Kraft eines jeden Körpers, mit welcher er auf das, was ihn in Bewegung oder Ruhe setzen will, zurück wirkt, und welche noch von der Schwere unterschieden wird, die Disposition eines Körpers in seinem Zustande zu bleiben.

Anm. Bey dem Notker Dragheite, im Nieders. Traagheit, bey dem Ottfried mit einer andern Ableitungssylbe Druagi und nach in einigen Oberdeutschen Gegenden, die Träge.


Tragisch (W3) [Adelung]


Tragisch, -er, -te, adj. et adv. Mitleiden und Betrübniß erweckend, traurig, aus dem Lat. tragicus und Franz. tragique. Eine tragische Begebenheit. S. Tragödie.


Träglich (W3) [Adelung]


* Träglich, -er, -ste, adj. et adv. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort für erträglich, was sich ertragen läßt. Es kommt noch mehrmahls in der Deutschen Bibel vor. Dem Lande der Sodomer - wird er träglicher ergehen am jüngsten Gericht, denn solcher Stadt, Matth. 10, 15.


Tragödie (W3) [Adelung]


Die Tragödie, (viersylbig,) plur. die -n, aus dem Griech. und Lat. Tragoedia, ein Trauerspiel, zum Unterschiede von einer Komödie oder einem Lustspiel, ( S. Trauerspiel.) Ingleichen figürlich, im gemeinen Leben, eine traurige Begebenheit. Das Griechische Wort ist von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Gesang, zusammen gesetzt. Es ist eine alte, aber um deßwillen nicht minder alberne Meinung, die erste Hälfte dieses Wortes für das Hauptwort - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Bock, zu halten, und es bald durch einen Gesang zu erklären, welcher dem Bacchus bey dem Opfer eines Bockes gesungen wurde, bald durch ein Schauspiel, welches dem Erfinder mit einem Bocke belohnet worden; eine Ableitung, welche sich bloß darauf gründet, weil jeder wußte, daß - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Griechischen einen Bock bedeutete, aber nicht, daß auch traurig, bezeichnete, wovon das Lat. tragicus, ein deutlicher Beweis ist, welches sonst eigentlich böckisch heißen müßte. Hesychius erklärt - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ausdrücklich durch - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, er weinet. Selbst im alten Oberdeutschen ist Trego, der Schmerz, im Nieders. träge, matt, traurig, und im Schwedischen träga, trauern, und Träge, Gram; welche alle mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - oder - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - verwandt sind. Tragödie bedeutet also eigentlich ein trauriges Lied, wie Komödie ein lustiges. Daß aber - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - im Griechischen so wohl traurig, als einen Bock bedeutet hat, ist eben so zufällig, als wenn im Deutschen Ramm so wohl einen Bock, als ein Geräusch bedeutet.


Trahn (W3) [Adelung]


Trahn, S. Thran.


Traille (W3) [Adelung]


Traille, S. Tralje.


Trakeln (W3) [Adelung]


Trakeln, verb. reg. act. welches nur bey den Schneidern in einigen Gegenden, besonders Niederdeutschlandes üblich ist, das Futter mit weitläufigen Stichen an das Oberzeug fest nähen, damit es ohne Falten glatt anliege; im Hochdeutschen anschlagen. Schwedisch trackla, welches Ihre von Trad, ein Faden, Draht ableitet.


Tralje (W3) [Adelung]


Die Tralje, plur. die -n, ein Gitter, daher Traljenwerk, ein Gitterwerk. Im Holländischen Traali. Es ist aus dem Französischen Treillis, Treillage, und da im Deutschen schon der erste Vocal verändert worden, so kann man füglich das ganze Wort nach Deutscher Art schreiben, statt der sonst gewöhnlichen Schreibart Traille. Das Französische scheinet von einem veralteten Deutschen Worte abzustammen; wenigstens werden im Bergbaue die Eisen, worauf die Muffel in dem Probier-Ofen zu stehen kommt, Trageln oder Trahlen genannt, wenn anders dieses nicht von tragen abstammet, oder gar aus dem Franz verderbt ist.


Trällern (W3) [Adelung]


Trällern, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit dem Hülfsworte haben, eine Melodie ohne Worte mit nichts bedeutenden Sylben singen. Im Hause herum trällern. Jungfer Philippine mag den Tanz trällern, Gell. Es ist eine Onomatopöie der Sylben tra und la, mit welchen eine solche Melodie gesungen wird, und mit trillern verwandt. Im Lat. ist Iallare, auf ähnlicher Art bey der Wiege singen, und im Niederdeutschen trallalben auf eine wüste Art laut und ohne Bewußtseyn singen.


Tram (W3) [Adelung]


Der Tram, des -es, plur. die -e, ein nur in den gemeinen Sprecharten Ober- und Niederdeutschlandes übliches Wort, welches einen Balken oder starken Baum bezeichnet. Was siehestu ein Dorn in dem Aug deines Bruders, aber den Tram in deinem Aug merkestu nicht, Kaiserb. bey dem Frisch. Im Niedersächsischen heißen die beyden Balken oder Tragestangen an einem Schubkarren Trame, welchen Nahmen auch die Sprossen einer Leiter daselbst bekommen. In der Deutschen Bibel lautet es 1 Kön. 6, 6, Thram, ( S. dieses Wort.) Im Böhm. und Pohln. gleichfalls Tram. Es ist ein sehr altes Wort, indem schon bey dem Ulphi- las Thrams, ein Baum ist. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - bedeutet gleichfalls einen Balken, und macht den Übergang in das Lat. Trabs aus. In noch weiterem Verstande mit der herrschenden Bedeutung der Ausdehnung in der Länge bedeutet es ehedem auch den Einschlag eines Gewebes, ( S. Tramseide,) ingleichen den Strohm eines Flusses, und unser Strohm selbst ist nur vermittelst des vorgesetzten intensiven Zischlautes daraus gebildet. Siehe die folgenden Zusammensetzungen, ingleichen Trumm und Trümmer.


Trambaum (W3) [Adelung]


Der Trambaum, des -es, plur. die -bäume, von dem vorigen Worte, im Hüttenbaue bey den Poch- und Schmiedehämmern, ein starker Baum oder Zimmerholz acht Ellen lang und drey Viertheil Ellen ins Gevierte, welcher die Tramsäulen, auf welchen er liegt, zusammen hält.


Trämel (W3) [Adelung]


Der Trämel, des -s, plur. ut nom. sing. gleichfalls von dem vorigen Tram, ein kleiner Baum oder Balken, ein Knüttel, ein Scheit oder ähnliches kurzes dickes Holz; besonders im Oberdeutschen.


Traminer (W3) [Adelung]


Der Traminer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. eine Art Weintrauben und Weinstöcke, deren es so wohl weiße, als rothe gibt. Der weiße Traminer wird wegen der Gestalt seiner Blätter auch Gänsefuß genannt. Der rothe Traminer gibt einen süßen, wohlschmeckenden Wein, welcher aber doch mehr weiß, als roth ist. Lat. Vitis Aminea, von der Landschaft gleiches Nahmens in Campanien, welche wegen ihres schönen Weinbaues bekannt war. In Böhmen wird der sonst so genannte leberrothe Wein Drumin genannt.


Trampe (W3) [Adelung]


Die Trampe, plur. die -n, eine Stange zum trampen, d. i. stoßen, ein Wort, welches in dem zusammen gesetzten Fischtrampe am bekanntesten ist, S. dasselbe, ingleichen Trampen.


Trampel (W3) [Adelung]


Der Trampel, des -s, plur. ut nom. sing. von trampen und der Ableitungssylbe -el, ein Subject, ein nur in den niedrigen Sprecharten übliches Wort, eine grobe ungeschickte Person, besonders weiblichen Geschlechtes zu bezeichnen, welche aus Ungeschicklichkeit hart auftritt und alles mit Plumpheit verrichtet, und welche man auch wohl ein Trampelthier zu nennen pflegt.


Trampeln (W3) [Adelung]


Trampeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches das Iterativum von trampen, aber nur im gemeinen Leben, besonders Niederdeutschlandes, üblich ist, zu wiederhohlten Mahlen mit den Füßen trampen oder strampfen; in einigen Mundarten auch strampeln.


Trampeltonne (W3) [Adelung]


Die Trampeltonne, plur. die -n, bey den Kürschnern, eine Tonne, in welcher die mit Öhl oder Butter eingeschmierten Felle durch Trampeln oder Treten geschmeidig gemacht werden.


Trampen (W3) [Adelung]


Trampen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, in den gemeinen Sprecharten, besonders Niederdeutschlandes, derb mit den Fuße auf die Erde stoßen, als eine Onomatopöie dieses Stoßens. Bey einigen Hochdeutschen trampfen, noch häufiger aber strampfen, ( S. dasselbe.) Einher trampen wie ein Bauer, strampfen. Im Schwed. trampa. Trappen ist genau damit verwandt, und gleichfalls eine Onomatopöie dieses Lautes, S. dasselbe.


Tramrecht (W3) [Adelung]


Das Tramrecht, des -es, plur. inus. von Tram, ein Balken, ein im Oberdeutschen für Balkenrecht übliches Wort, ( S. dasselbe.) In einigen Mundarten verderbt Traumrecht.


Tramsäule (W3) [Adelung]


Die Tramsäule, plur. die -n, im Hüttenbaue, S. Trambaum.


Tram-Seide (W3) [Adelung]


Die Tram-Seide, plur. inus. in den Seiden-Manufacturen diejenige Seide, welche zum Einschlage der seidenen Zeuge gebraucht, und nicht so fest gezwirnet wird, als die Organsin-Seide, oder Seide der Kette. Die erste Hälfte ist das Ital. Trama, der Einschlag des Webens.


Tran (W3) [Adelung]


Der Tran, S. Thran.


Trändeln (W3) [Adelung]


Trändeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, mit unerheblichen Bewegungen oder Bemühungen zaudern oder zögern, wie tändeln, trödeln und das Meißnische tempern, ( S. diese Wörter.) Es ist von dem Nieders. Trant, Kinderey, Unerheblichkeit, wie tändeln von Tand.


Trank (W3) [Adelung]


Der Trank, des -es, plur. die Tränke, Diminut. das Tränkchen, Oberd. Tränklein. 1. Derjenige flüssige Körper, welchen man zu Stillung des Durstes zu sich nimmt oder trinket; als ein Collectivum ohne Plural und Verkleinerung. Wasser ist der natürlichste Trank. Gott sey Dank für Speis und Trank! Es ist in dieser Bedeutung im Hochdeutschen wenig mehr üblich, indem Getränk, und im gemeinen Leben auch Trunk, dafür gangbarer sind, außer wenn es mit Speise zusammen gesetzt wird; Speise und Trank, die sämmtlichen festen und flüßigen Nahrungsmittel. In engerer Bedeutung ist der Trank in einigen Gegenden, besonders Niederdeutschlandes, ein für die Schweine bestimmtes dickliches Getränk, welches aus dem Spühlwasser der Küche und andern untauglichen Überresten und Abgängen der Speisen, bestehet. Daher die Tranktonne, worin derselbe gesammelt wird. Im Schwed. ist Drank, Bodensatz, Hefen, welches Ihre von Drägge, Hefen und em Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ableitet. 2. Eine flüssige Arzeney, welche getrunken wird, wo es so wohl den Plural, als auch die Verkleinerung leidet. Ein Kräutertrank, Brusttrank, Laxir-Trank, Wermuthtrank, Liebestrank, Gifttrank, Holztrank. Der Umstand, daß diese Arzeney getrunken wird, unterscheiden sie von den Tropfen, Tincturen u. s. f. der Umstand, daß sie als Arzeney getrunken wird, von dem Gerstenschleim und andern zur Stillung des Durstes verordneten medicinischen Arte des Getränkes, und der Begriff der Flüssigkeit der Arzeney selbst von medicinischen Thee und andern Aufgüssen.

Anm. Bey dem Ulphilas Draggk, (spricht Drank,) bey dem Kero Dranch, bey dem Notker Trang, im Engl. Drench und Drink. Es stammet von trinken her, S. dasselbe und Trunk.


Tränke (W3) [Adelung]


Die Tränke, plur. die -n, der Ort, wo das Vieh gewöhnlich trinkt, oder getränket wird. Die Schafe, die Kühe zur Tränke führen. Ingleichen der Trog, aus welchem das Vieh getränket wird. Rebecca goß den Krug aus in die Tränke, 1. Mos. 24, 20.


Tränkelbeere (W3) [Adelung]


Die Tränkelbeere, plur. die -n, eine Art wilder Beeren, welche den großen Heidelbeeren gleichen, aber größer und blaulicher sind, auch auf höhern Sträuchen wachsen. Man findet sie an einigen Orten des Sächsischen Gebirges.


Tränken (W3) [Adelung]


Tränken, verb. reg. act. welches das Factitivum von dem Neutro trinken ist, trinken machen, zu trinken gehen. 1. Eigentlich, wo man dieses Zeitwort in der Sprache des täglichen Umganges so wohl von Thieren als Menschen gebraucht. Thiere tränken man, wenn man sie entweder zur tränke führet, oder ihnen auch das Getränk zum Mund hält; im Nieders. söpen. In diesem letzten Verstande ist es auch von Menschen üblich. Eine Mutter tränket ihr Kind, wenn sie ihn die Brust reicht, wofür auch stillen üblich ist. Man tränket jemanden, wenn man ihm das Getränke einflößet, oder zum Munde hält. Hagar füllete die Flasche mit Wasser und tränkte den Knaben, 1 Mos. 21, 19. In weiterm Vertande, das Getränk darreichen oder geben, kommt es nur noch zuweilen in der höhern Schreibart vor, indem in der Sprache des täglichen Umganges zu trinken geben, dafür üblicher ist. In der Deutschen Bibel findet es sich in dieser Bedeutung mehrmahls. Und tränket ihn mit gutem Traubenblute, 5 Mos. 32, 14. Sie gaben ihm Brot, daß er aß, und tränken ihn mit Wasser, 1 Sam. 31, 11. Dürstet ihn, so tränke ihn, Röm. 12, 20. Und so in andern Stellen mehr. 2. Figürlich. 1. Die Erde mit Wasser tränken, sie mit Wasser versorgen; die Wiesen tränken, sie wässern; mit Wollust, mit Thränen, mit Wermuth u. s. f. tränken, in der Deutschen Bibel, im reichen Maße veranstalten. Alle diese und andere ähnliche Arten der Ausdrücke sind nur in der höhern und dichterischen Schreibart üblich. 2. Im gemeinen Leben tränket man auch einen trocknen Körper, wenn man ihn von einem flüssigen durchziehen lässet. Holz mit Leim tränken, Leimwasser darauf streichen und es einziehen lassen, um die Luftlöcher damit auszufüllen, welches auch gründen genannt wird. Papier mit Öhl, Leder mit Thran, einen Hut mit Leim tränken. Mit Öhl getränktes Papier. 3. Ehedem wurde es auch für ertrinken machen gebraucht, wofür jetzt ertränken üblich ist. Im Theuerdanke kommt es in dieser Bedeutung noch vor. So auch das Tränken.

Anm. Bey dem Ottfried drenkan, bey dem Notker drangon, im Angels. drencan, im Engl. to drench. Es ist von trinken gebildet, wie senken von sinken, henken von hangen u. s. f. Siehe Trinken.


Tränkherd (W3) [Adelung]


Der Tränkherd, des -es, plur. die -e, bey den Vogelstellern, ein Vogelherd mit einem kleinen Brunnen, wo die Vögel, wenn sie trinken wollen, gefangen werden; in einigen Gegenden die Tränktenne.


Trankopfer (W3) [Adelung]


Das Trankopfer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den ältern Juden und in der Deutschen Bibel, ein Trank oder Getränkt, so fern es Gott zum Opfer gebracht wurde, ein Opfer, so fern es aus einem flüssigen Körper, besonders Wein bestand.


Trankrinne (W3) [Adelung]


Die Trankrinne, plur. die -n, eine hölzerne Rinne, woraus das Vieh getränket wird. 1 Mos. 30, 38.


Tranksteuer (W3) [Adelung]


Die Tranksteuer, plur. die -n, in verschiedenen Provinzen, z. B. in Sachsen, diejenige Steuer, welche dem Landesherren von dem Getränke entrichtet wird, und wohin sowohl die Bier- als Weinsteuer gehöret. Daher das im gemeinen Leben übliche Zeitwort vertranksteuern, die Tranksteuer von einem Getränke entrichten.


Tränktenne (W3) [Adelung]


Die Tränktenne, plur. die -n, S. Trenkherd.


Tranktonne (W3) [Adelung]


Die Tranktonne, plur. die -n, S. Trank 1.


Transport (W3) [Adelung]


Der Transport, des -es, plur. die -e, aus dem Französischen Transport. 1. Die Fortschaffung eines Dinges von einem Orte zum andern; ohne Plural. Der Transport der Waaren, er geschehe nun zu Wasser oder zu Lande. Der Transport eines Gefangenen, dessen Fortschaffung unter einer Bedeckung. Daher das Zeitwort transportieren, von einem Orte zu andern schaffen. 2. In einigen Fällen, z. B. im Kriegswesen, ist der Transport auch dasjenige, was unter einer Bedeckung fortgeschaffet wird, es seyen nun Lebensmittel, Kriegsbedürfnisse, Gefangene und so ferner. Einen Transport aufheben.


Transporteur (W3) [Adelung]


Der Transporteur, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Franz. Transporteur, in der Mathematik, ein Werkzeug, einen Winkel nicht nur zu messen, sondern auch ihn auf eine andere Fläche zu übertragen; der Winkelmesser. Er bestehet gemeiniglich aus einem halben Zirkel, dessen Umkreis in 180 Grade getheilet ist.


Transport-Schiff (W3) [Adelung]


Das Transport-Schiff, des -es, plur. die -e, ein Lastschiff, so fern es dazu gebraucht wird, Truppen, Pferde und Kriegsgeräth aus einem Hafen in den andern zu bringen.


Trapp (W3) [Adelung]


Trapp, eine Interjection, das derbe Auftreten im Gehen, noch mehr aber den mit dem Laufen verbundenen Laut nachzuahmen, wo es doch nur in gemeinen Leben üblich ist. Mein Junker kam den Berg herunter geritten, trapp, trapp, trapp! Weiße. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Lautes und das Stammwort so wohl von traben, als dessen Intensivo trappen. (Siehe diese Wörter. Im gemeinen Leben einiger Gegenden gebraucht man es auch wohl als ein Hauptwort, der Trapp, der derbe Tritt.


Trapp (W3) [Adelung]


Der Trapp, des -es, plur. die -en, ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, die Stiele der Weinbeeren an der Weintrauben zu bezeichnen, welche unter den Nahmen der Kämme am bekanntesten sind. Es wird alsdann auch wohl im Singular collective gebraucht. Es stammet wohl nicht von trappen, treten, austreten, her, wie Frisch will, wozu kein begreiflicher Grund vorhanden ist, sondern scheinet von dem Französ. Grape, Ital. Grappolo, nur in dem Vorlaut verschieden zu seyn.


Trappe (W3) [Adelung]


Die Trappe, plur. -n, von dem Zeitworte trappen. 1. Von trappen, treten, werden die Tritte, das ist die Spuren des Ganges im gemeinen Leben häufig Trappen genannt; in der edlern Sprechart Tritte. Die Trappen eines Esels, eines Löwens u. s. f. bey den Jägern, die Fährte. 2. * Von trappen, ertappen, bedeutet es noch in einigen Mundarten eine Falle, ein Werkzeug, ein Thier damit zu ertappen; schon im Salischen Gesetze Trappa. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung unbekannt. Im Ital. Trappola, im Angels. Trapp, im Engl. Trap, im Franz. Trape.


Trappe (W3) [Adelung]


Der Trappe, des -n, plur. die -n, eine Art Sumpfvögel mit kurzem Schnabel, einem langen grauen Halse, einem mit schwarzgrau und roth gesprengten Rücken, einem weißen Bauche, hohen starken Füßen, und bunten Schwanze; Otis tarda Linn. Er ist die größte Art unsers Feldgeflügels, hat die Größe einer Gans und wird auch Trappgans genannt. Wegen seiner Größe kann er nicht nur schwer auffliegen, sondern er hat auch einen schweren lauten Gang, wovon er auch den Nahmen hat, nähmlich von dem folgenden Zeitworte trappen. Einige nennen ihn im weiblichen Geschlechte die Trappe; doch ist das männlich das gewöhnlichste. Im Böhmischen heißt er Droff.


Trappel (W3) [Adelung]


Die Trappel, plur. die -n, bey den Papiermachern, Breter mit Löchern, die Stangen oder härenen Stricke, worauf die Bogen getrocknet werden, darin zu befestigen.


Trappen (W3) [Adelung]


Trappen, verb. regul. welches in doppelter Gattung üblich ist. 1. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben, im Gehen derb auftreten, wofür zuweilen auch wohl tappen gebraucht wird. Getrappt kommen. Die Treppe herauf trappen. 2. * Als ein Activum, durch Geschwindigkeit in seine Gewalt bekommen, eigentlich durch traben oder schnelles Gehen erwischen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, wofür man jetzt ertappen gebraucht. Im Nieders. ist es noch völlig gangbar. Angels. treppan. Die Franzosen haben davon ihr attraper. S. auch die Trappe 2. So auch das Trappen.

Anm. Im Nieders. gleichfalls trappen, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es ist das Intensivum von traben, ( S. dasselbe.) Im gemeinen Leben hat man davon das Iterativum trappeln, und die verkleinernden träppeln und trippeln, schnelle aber kleine und kurze Schritte machen, ingleichen ohne Veränderung des Ortes, oft und kurz mit den Füßen auftreten. S. auch Treppe.


Trappenbüchse (W3) [Adelung]


Die Trappenbüchse, plur. die -n, ein langes, wie eine Flinte geschäftetes Rohr, welches auf einem eigenen dazu verfertigten Wagen gefahren wird, auf Trappen daraus zu schießen.


Trappgans (W3) [Adelung]


Die Trappgans, plur. die -gänse, S. der Trappe.


Traß (W3) [Adelung]


Die Traß, Steinstaub, S. Tarraß.


Trassieren (W3) [Adelung]


Trassieren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, aus dem mittlern Lat. trassare, und dieß von trahere, ein nur in der Wechselhandlung übliches Wort. Auf jemanden trassieren, einen Wechsel auf ihn schreiben, daß er denselben auszahle, wofür man auch auf jemanden ziehen sagt. Daher der Trassierer, derjenige, welcher auf einen andern trassieret oder ziehet; der Trassat, des -en, plur. die -en, derjenige, auf welchen gezogen wird; der Trassant, welcher die gezogenen Summe von dem Trassaten in Empfang nimmt; die Tratte, plur. die -n, der Wechselbrief selbst, aus dem Ital. Tratta.


Trau (W3) [Adelung]


Die Trau, plur. inus. ein nur im gemeinen Leben für Trauung, Copulation, übliches Wort. Nun heute führt man mich zur Trau Und morgen bin ich eine Frau, Gleim. S. 1. Trauen.


Traube (W3) [Adelung]


Die Traube, plur. die -n, Diminut. das Träubchen, Oberd. Träublein. 1. * Im weitesten und eigentlichen Verstande, eine Menge mehrerer nahe beysammen befindlicher Dinge. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung zwar veraltet, allein, sie ist noch aus ihren Ableitungen und den verwandten Sprachen erweislich, wo dieses Wort theils eine Menge mehrerer einzelner Dinge, theils auch einen Klumpen, eine Masse bedeutet. Zum ersten Falle gehöret unser Intensivum Trupp, das im gemeinen Leben übliche Trippel oder Trüppel, das Angels. Drafe und Schwed. Dreif, ein Haufen Menschen, und andere mehr. Im Nieders. ist Druffel so wohl eine kleine Traube, aber auch eine Mehrheit nahe bey einander befindlicher Dinge. Ein Drüffel Birnen, ein kleiner Zweig mit nahe bey einander sitzenden Birnen. Drüffel-Äpfel, welche nahe bey einander sitzen. Zur Bedeutung des Klumpens, der Masse, gehöret das Schwed. Drifva, ein Schneehaufe, eine Trift Schnee, das Böhm. Trapel, ein Erdklos, und unser Traube in Traubenbohrer, ingleichen Truffel. 2. In engerer Bedeutung ist eine Traube ein Zusammenhang mehrerer nahe bey einander befindlicher Blumen oder Beeren, welche vermittelst kurzer Stängel an einem gemeinschaftlichen Hauptstiele befestigt sind. Eine Blumentraube. Im engern und gewöhnlichern Verstande wird es von solchen bey einander befindlichen Beere gebraucht. Eine Johannis-Beertraube, Weintraube u. s. f. Im engste Verstande steht Traube oft für Weintraube, Die Trauben sind noch nicht reif. Disteln tragen keine Trauben. Trauben lesen. Der Saft der Trauben, in der dichterischen Schreibart, der Wein.

Anm. In der zweiten Bedeutung bey dem Ottfried Trubo, bey dem Notker Drubo, im Nieders. Druve, im Dän. Drue, im Schwed. Drufva, und mit einem andern Endlaute in einigen gemeinen Mundarten auch Trauch, ( S. Traubenbohrer,) im Isländ. Druga, und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es stammet allem Anscheine nach von treiben ab, indem die Bedeutung der Menge und Masse in mehrern Fällen eine Figur der heftigen Bewegung ist.


Träubelkirsche (W3) [Adelung]


Träubelkirsche, Träubelweitzen, u. s. f. S. Trauben -


Traubenbeere (W3) [Adelung]


Die Traubenbeere, plur. die -n, bey einigen, obgleich seltener, die Weinbeeren.


Traubenblut (W3) [Adelung]


Das Traubenblut, des -es, plur. car. eine außer der dichterischen Schreibart ungewöhnliche Benennung des rohen Mostes oder Weines, welche 5 Mos. 32, 14 vorkommt.


Traubenbohrer (W3) [Adelung]


Der Traubenbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bohrer, welcher sich an einem gekrümmten Holze oder Eisen umdrehen lässet, wenn man auf die am untern Ende befindliche Traube mit der Brust oder Hand drücket; bey einigen Trauchbohrer, von Trauch, Traube, bey andern die Brustleyer. Traube hat hier entweder noch die allgemeine Bedeutung eines Klumpens oder Klotzes, weil sich am Ende eines solchen Bohrers ein kleiner Klotz befindet, oder es hat dieser ehedem auch die Gestalt einer Traube gehabt.


Traubenbräme (W3) [Adelung]


Die Traubenbräme, plur. die -n, in einigen Gegenden, eine Art kleiner Brämen oder Brombeeren, welche in langen Ranken niedrig an der Erde fortwachsen, und ihre Beeren vermuthlich in Trauben bringen.


Traubengamander (W3) [Adelung]


Der Traubengamander, S. Traubenkraut.


Traubengebirge (W3) [Adelung]


Das Traubengebirge, des -s, plur. ut nom. sing. in der dichterischen Schreibart, ein Weingebirge.


Traubenhagel (W3) [Adelung]


Der Traubenhagel, des -s, plur. inus. ein Nahme derjenigen Cartätschen, welche in der Gestalt eines abgekürzten Kegels mit einer Schnur umwunden werden, und fast die Gestalt einer Traube haben.


Traubenholder (W3) [Adelung]


Der Traubenholder, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme der Berg- oder Hirschholders, dessen Blumen und Beeren nicht Doldenweise, sondern in Gestalt einer Traube stehen.


Trauben-Hyacinthe (W3) [Adelung]


Die Trauben-Hyacinthe, plur. die -n, eine Art Hyacinthen, deren Blumen die Gestalt einer Trauben haben; Hyacinthus racemosus Linn.


Traubenkirsche (W3) [Adelung]


Die Traubenkirsche, plur. die -n. 1 Eine Art Kirschen, wo ihrer mehrere an Einem Hauptstängel sitzen; Traubelkirschen, Träubelkirschen. 2. S. auch Elsebeere.


Trauben-Perrücke (W3) [Adelung]


Die Trauben-Perrücke, plur. die -n, eine Art Perrücken, welchen hinten unter der Bandschleife etliche Reihen Lochen über einander führen; im gemeinen Leben ein Fuchsschweif.


Traubenschimmel (W3) [Adelung]


Der Traubenschimmel, des -s, plur. inus. der gemeinste schwarzgraue Schimmel, dessen Samengefäße Trauben vorstellen, wenn man sie durch ein Vergrößerungsglas betrachtet; Mucor Linn.


Traubenstrauch (W3) [Adelung]


Der Traubenstrauch, des -es, plur. die -sträuche, ein Ostindischer Strauch, dessen zahlreiche eßbare Beeren in Trauben wachsen; Uvaria Linn.


Traubenweitzen (W3) [Adelung]


Der Traubenweitzen, des -s, plur. car. eine Art Weitzens, dessen Ähre von vielen kleinen Ähren in Gestalt einer Traube umgeben ist; Traubelweitzen, Träubelweitzen, Reichweitzen.


Traubig (W3) [Adelung]


Traubig, adj. et adv. eine oder mehrere Trauben enthaltend; ein Wort, welches nur selten gebraucht wird.


Träublich (W3) [Adelung]


Träublich, -er, -ste, adj. et adv. einer Traube ähnlich


Trauchbohrer (W3) [Adelung]


Der Trauchbohrer, S. Traubenbohrer.


Trauen (W3) [Adelung]


1. Trauen, verb. reg. act. welches in einem doppelten Verstande üblich ist. 1. * Heirathen, eine im Hochdeutschen veraltete, im Niederdeutschen aber noch völlig gangbare Bedeutung. Eine Witwe trauen. Ihrer viel wollen freyen aber nicht trauen. Er hat getraut, geheiratet. 2. Als ein Factitivum, heirathen machen, d. i. ein verlobtes Paar priesterlich einsegnen, es copuliren. Der Priester traut ein Paar, wenn er es copuliret, ehelich zusammen gibt. Sich mit einer Person trauen lassen. Getraut, nicht getraut seyn. Daher die Trauung, die Copulation, die Trau.

Anm. Im Niederdeutschen tronen. Es scheinet nicht, daß dieses Wort mit dem folgenden unmittelbar verbunden ist; indem es schwer fallen würde, einen leicht begreiflichen Vergleichungsgrund zwischen beyden auszugeben; man müßte denn annehmen wollen, daß die Bedeutung des Vertrauens eine Figur der Liebe, der Freundschaft sey, welcher Begriff in diesem Worte allem Ansehen nach der herrschende ist. So fern die erste noch Niederdeutsche Bedeutung, wie es scheinet, die älteste ist, so scheinet dieses trauen von freyen, lieben, heirathen, Freund, Frau, und vielleicht auch von Braut nur in dem Wortlaute verschieden zu seyn, indem von zwey Anfangs-Consonanten der erste selten zum Stamme gehöret. Siehe auch Traut, welches gleichfalls zu diesem Worte zu gehören scheinet.


Trauen (W3) [Adelung]


2. Trauen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. Glauben, jemandes Worte für wahr halten, mit der dritten Endung der Person, eine noch gangbare Bedeutung, welche aber in den meisten Fällen mit der folgenden zusammen schmilzt. Weder Gott noch Menschen trauen, glauben. Trauen sie meinen Worten. Wer leicht traut (glaubt,) wird leicht betrogen. 2. In engerer und theils figürlicher Bedeutung. (1) Jemandes Versprechungen und Versicherungen für wahr halten, die Leistung eines Gutes mit Zuversicht von ihm erwarten. Auch mit der dritten Endung. Es ist niemanden zu trauen. Sprichw. trau, schau, wem. Ich traue ihm nicht recht. Man kann ihm schon trauen. Es ist nicht wohl zu trauen. Trauen ist doch der Vorsehung, Gell. Die Wortfügung mit auf kommt jetzt im Hochdeutschen seltener vor. Ihre Götter, darauf sie trauen, 5 Mos. 32, 37. Auf Gott traut, Ps. 18, 3. Wer redlich ist und auf die Götter traut, der wandelt nicht auf triegendem Sumpf, Geßn. (2) In noch weiterm Verstande auch von leblose Dingen, sich verlassen. Der Fuchs trauet dem Eise nicht. Es ist dem Wetter nicht zu trauen. Die Wortfügung mit auf ist hier noch seltener. Traue nicht auf das Vermögen, Sir. 16, 2. (3) Als ein Reciprocum, sich trauen, Fähigkeit und Kräfte, zuweilen auch Recht zu etwas zu haben glauben. Ich traue mir nicht, dieses zu unternehmen. Er trauerte sich nicht, die Augen aufzuschlagen. Sich nicht trauen zu verantworten, Weish, 17, 12. Darft ir euch trauen diesem Ritter anzusygen? Theuerd. Kap. 77. Aus den vorigen Bedeutungen erhellet schon, daß dieses einfache Zeitwort auch hier die dritte Endung haben müsse; daher er irrig ist, wenn einige die vierte gebrauchen: ich traue mich nicht, ihn anzureden. Indessen ist diese Bedeutung nur noch in gemeinen Leben gangbar, indem in anständigern Sprecharten getrauen üblicher ist. ( S. dasselbe.) So auch das Trauen.

Anm. Schon bey dem Ulphilas thravahn, bey dem Notker thruuuen, im Nieders. trouen, im Angels. treowian, im Engl. to trow, in Schwed. tro, im Isländ. trua. Wachter leitete dieses Wort sehr unschicklich von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - her, welches eher mit dürfen und dem veralteten dürsten, sich unterstehen, verwandt seyn könnte. Es scheinet, daß die heutige Bedeutung dieses Zeitwortes eine Figur der Ruhe ist, daher es vermittelst des intensiven Vorlautes t von diesem Worte gebildet seyn kann. Auch Trost ist allem Ansehen nach damit verwandt. Siehe dasselbe, noch mehr aber Treue.


Trauer (W3) [Adelung]


Die Trauer, plur. inus. von dem Zeitworte trauern. 1. Eigentlich und als ein Abstractum, der Zustand, da man trauert oder traurig ist; eine nur noch zuweilen in der höhern Schreibart übliche Bedeutung, indem Traurigkeit in allen übrigen Fällen dafür gangbarer ist. Dein Auge verräth die Trauer deines Herzes. 2. Figürlich, die Trauerkleidung, diejenige Kleidung, durch welche man seine Traurigkeit über eine Verstorbenen an den Tag leget; als ein Collectivum. Die Trauer anlegen, ablegen. In der Trauer seyn oder gehen. Die Trauer tragen. Die tiefe Trauer, zum Unterschiede der leichten. An den Höfen hat man die große und kleine Trauer, die Hoftrauer, Kammertrauer u. s. f. Die zur Trauer gehörigen Kleidungsstücke werden gleichfalls mit diesem Worte zusammen gesetzt, Trauerflor, Trauerhut, Trauerkappe, Trauerschuhe, Trauerkleid, Trauerdegen u. s. f. Im Österreichischen ist dafür das Wort Klage üblich; die Hofklage, Kammerklage, große Klage und so ferner. Im Niederdeutschen bedeutet dieses Wort auch das Leichengefolge, und alsdann ist in Bremen die enge Trauer, das Gefolge der nächsten Verwandten des Verstorbenen, die kurze Trauer, das Gefolge der Vornehmen, welche keine Verwandten sind, und die lange Trauer, das Gefolge der übrigen geringen Freunde und Bekannten. Anm. Im Nieders. Troor. Dieses Hauptwort ist vermittelst der Ableitungssylbe er von dem veralteten Zeitworte trauen, im Tatian thruwen, leiden, Schmerzen empfinden, eigentlich diese Schmerzen durch sein Geschrey und Wehklagen verrathen, gebildet, von welchem unser heutiges trauern das Intensivum zu seyn scheinet. ( S. dasselbe.) In der Bedeutung der Trauerkleidung ist Trauer in einigen wenigen Gegenden männlichen Geschlechtes, der Trauer.


Trauerbaum (W3) [Adelung]


Der Trauerbaum, des -es, plur. die -bäume, bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches der Nahme eines Ostindischen Baumes, welcher zu den Nachtblumen gehöret, weil er nur des Nachts blühet, mit dem Aufgange der Sonne aber seine Blumen fallen lässet; Nyctanthes Arbor tristis Linn.


Trauerbinde (W3) [Adelung]


Die Trauerbinde, plur. die -n, eine Binde um den Arm, mit welcher man um einen Verstorbenen trauert, S. Florbinde.


Trauerfahne (W3) [Adelung]


Die Trauerfahne, plur. die -n, eine schwarze Fahne, welche bey vornehmen Leichenbegängnissen hinter dem Freudenpferde, so wie die Freudenfahne hinter dem Freudenpferde, getragen wird.


Trauerfall (W3) [Adelung]


Der Trauerfall, des -es, plur. die fälle. 1. Überhaupt ein jeder trauriger Zufall. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein Todesfall, so fern er betrauert zu werden verdienet.


Trauerflor (W3) [Adelung]


Der Trauerflor, des -es, plur. von einzelnen Stücken, die -flöre, ein Stück schwarzen Flores, mit welchem man um einen Verstorbenen trauert. Zuweilen wird auch diejenige Art schwarzen Flores, welche zu dieser Absicht gebraucht wird, materialiter Trauerflor genannt.


Trauergedicht (W3) [Adelung]


Das Trauergedicht, des -es, plur. die -e, ein trauriges Gedicht, worin der Dichter einen Verlust trauert. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein Leichengedicht, worin man um einen Verstorbenen trauert.


Trauergeläut (W3) [Adelung]


Das Trauergeläut, des -es, plur. die -e, das Geläut oder Läuten mit den Glocken, so fern es ein Zeichen der Trauer um einen vornehmen Verstorbenen ist.


Trauergepränge (W3) [Adelung]


Das Trauergepränge, des -s, plur. inus. das Leichengepränge, des Gepränge bey der Beerdigung eines Verstorbenen.


Trauergesang (W3) [Adelung]


Der Trauergesang, des -es, plur. die -sänge, ein Gesang bey der Beerdigung eines Verstorbenen; das Trauerlied.


Trauergeschichte (W3) [Adelung]


Die Trauergeschichte, plur. die -n, eine traurige Geschichte oder Begebenheit, und deren Erzählung.


Trauerjahr (W3) [Adelung]


Das Trauerjahr, des -es, plur. die -e. 1. Ein Jahr, so fern man so lange um einen verstorbenen nahen Verwandten trauert. 2. In engerer Bedeutung ist es das erste Jahr nach dem Todesfalle eines Ehegatten, theils so fern die Witwe sich während desselben nicht zum zweyten Mahle verheirathen darf, theils auch so fern sie während desselben die Besoldung ihres verstorbenen Mannes entweder ganz oder zum Theil genießet, in welchem letztern Falle es auch das Gnadenjahr genannt wird.


Trauerkleid (W3) [Adelung]


Das Trauerkleid, des -es, plur. die -er, ein Kleid, in welchem man um einen Verstorbenen trauert.


Trauermahl (W3) [Adelung]


Das Trauermahl, des -es, plur. die -e, in der anständigen Sprechart, ein Nahme derjenigen feyerlichen Mahlzeit, welche an einigen Orten bey dem Begräbnisse eines Verstorbenen den Leichenbegleitern gegeben wird; im gemeinen Leben das Leidessen, Begräbnißschmaus, Leichentrunk u. s. f.


Trauermantel (W3) [Adelung]


Der Trauermantel, des -s, plur. die -mäntel, eigentlich ein schwarzer Mantel, so fern man in demselben um einen Verstorbenen trauert. Figürlich auch der Nahme eines Schmetterlinges, welcher sich auf Birkenbäumen aufhält, Papilio (Nymphalis) Antiopa, l. Morio Linn.


Trauer-Musik (W3) [Adelung]


Die Trauer-Musik, plur. die -en, eine traurige Musik bey dem Leichenbegängnisse eines Verstorbenen.


Trauern (W3) [Adelung]


Trauern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, 1. Traurig seyn, Traurigkeit oder Gram empfinden, und durch äußere Merkmahle an den Tag legen, mit den Vorwörtern um und über. Niemand wird im deinen Schaden trauern, Nahum 3, 19. Über einen Todten trauern, Sir. 22, 10. Nach dem Lachen kommt Trauern, Sprichw. 14, 13. Es wird in dieser Bedeutung am häufigsten in der edlen und höhern Schreibart gebraucht, indem in der Sprache des gesellschaftlichen Umganges traurig seyn; sich grämen, kranken u. s. f. üblicher sind, obgleich trauern einen etwas höhern Grad zu bezeichnen scheinet, als traurig seyn, wovon der Grund in der Form dieses Zeitwortes lieget, indem es eigentlich ein Intensivum ist. Dein Verlust ist werth, daß du um denselben trauerst. Wenn ein verlornes Gut der Gegenstand der Traurigkeit ist, so stehet das Vorwort um, in andern Fällen über; indessen erhellet aus den angeführten biblischen Stellen, daß es nicht allemahl so genau genommen wird. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, seine Traurigkeit um einen Verstorbenen durch eine besondere Kleidung an den Tag legen; am häufigsten mit dem Vorworte um, seltener mit über, im gemeinen Leben auch mit wegen. Um seinen Vater trauern. Um einen Sohn trauert man hier nur ein halbes Jahr. Tief trauern, mit ganz schwarzer Kleidung, Leicht trauern. So auch das Trauern.

Anm. Bey dem Ottfried in der ersten Bedeutung druren, bey den Schwäbischen Dichtern truren, im Nieders. troren. In dem alten Fragmente auf Carl den Großen bey dem Schilter kommt es thätig vor für betrauern, einen troren, und im Angelsächsischen hatte man davon das Factitivum dryrmian, traurig machen. Trauern ist ein vermittelst der Endsylbe ern gebildetes Intensivum von dem veralteten trauen, thruwen, welches noch im Tatian, bey den Schwäbischen Dichtern u. s. f. vorkommt, und so wohl leiden Schmerz empfinden, als auch, und zwar eigentlich, selbigen durch äußere Merkmahle an den Tag leben, bedeutet. Dieser letzte Begriff ist unstreitig auch der Stammbegriff, so daß trauern eigentlich kläglich schreyen, wehklagen, bedeutet hat, und vermittelst des Vorlautes t von Ottfried riuwan, heulen, weinen, abstammet, ( S. Reue und Röhren, schreyen.) Unser betrübt, das Holl. troef, und das lat. tristis, unterscheiden sich nur durch die Endlaute. Unser trauern in der zweyten Bedeutung ist noch ein Überbleibsel der sehr alten Gewohnheit, seinen Schmerz um einen Verstorbenen durch ein trauriges Klagegeschrey an den Tag zu legen. Die Schreibart trauren für trauern ist nur harten Mund- und Sprecharten eigen, auch unrichtig, indem die intensive Endung ern und nicht ren lautet, obgleich traurig, wie anderer ähnlich Wörter, wenn ein Vocal folget, das vorher gehende e ausstoßen.


Trauerpferd (W3) [Adelung]


Das Trauerpferd, des -es, plur. die -e, bey vornehmen adeligen Leichenbegängnissen ein schwarz behangenes Pferd, welches traurig hinter der Leiche herführet wird. Zum Unterschiede von dem Freudenpferde.


Trauerrede (W3) [Adelung]


Die Trauerrede, plur. die -n, eine jede Rede, welche bey einem Trauerfalle, d. i. bey jemandes Absterben oder Leichenbegängniß gehalten wird, da denn auch die Leichenpredigten diesen Nahmen bekommen. In engerer Bedeutung pflegt man eine Parentation im Deutschen auch wohl eine Trauerrede zu nennen. Daher der Trauerredner, der eine solche Rede hält.


Trauerspiel (W3) [Adelung]


Das Trauerspiel, des -es, plur. die -e, die dramatische Nachahmung einer menschlichen Handlung, Furcht und Mitleiden zu erregen, mit einem Griechischen Ausdrucke die Tragödie; zum Unterschiede von dem Lustspiele oder Komödie.


Trauerzeit (W3) [Adelung]


Die Trauerzeit, plur. inus. die Zeit der Trauer, diejenige Zeit, in welcher man die Trauer für einen Verstorbenen trägt.


Traufbohrer (W3) [Adelung]


Der Traufbohrer, S. Traubenbohrer, woraus es verderbt ist.


Traufe (W3) [Adelung]


Die Traufe, plur. die -n, von dem Zeitworte traufen oder träufen. 1. Eigentlich, das von einem höhern Orte herab träufelnde oder tropfende Wasser, besonders das von den Dächern, bey einem Regen oder schmelzenden Schnee, tropfende Wasser, wo der Plural nur von diesem Wasser an mehrern Orten oder von mehrern Dächern üblich ist; der Tropfenfall, im Nieders. Öhse. Unter die Traufe gerathen. Sprichw. Aus dem Regen in die Traufe kommen, aus einem kleinen Übel in ein großes gerathen. 2. Der Ort auf der Erde, auf welchen das von dem Dache tropfende Wasser fällt, da denn auch der Raum von der Grundmauer bis an diesen Ort, die Traufe genannt wird. Daher das Traufrecht, so wohl das Recht, kraft dessen kein Nachbar so nahe an des andern Traufe bauen darf, daß durch der Abfluß des Wassers gehindert werde, als auch das Recht, seine Traufe auf des andern Dach, oder in des andern Bezirk zu leiten; das Dachrecht. 3. In einigen Gegenden führet auch die Dachrinne, welche dieß Wasser auffänget und ausgießet, den Nahmen der Traufe. In weiterm Verstande ist die Traufe eine Rinne um die Bürte der Papiermache, in welche das überflüssige Wasser von der Form abtrieft. S. Träufen.


Träufeln (W3) [Adelung]


Träufeln, verb. reg. welches das verkleinernde Iterativum von träufen ist, und so wie dieses in doppelter Gattung gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben, in vielen und kleinen Tropfen herab fallen. Der träufelnde Thau. Von den Bergen träufeln gutthätige Wasser, Gell. 2. Als ein Activum, solche Tropfen fallen lassen, in solchen Tropfen fallen lassen. Träufelt ihr Himmel, Es. 45, 8. O träufte Tropf auf ihn herab, du, zu dem sich mein Herz voll Ungeduld aufschwingt! von Brawe. Ihr Wolken senkt euch aus der Höh Und träufelt Balsam auf die Wälder, Gryph. In beyden Gattungen ist es in der edlern und höhern Schreibart am gangbarsten, indem in der Sprache des gesellschaftlichen Umganges tröpfeln dafür üblicher ist.


Träufen (W3) [Adelung]


Träufen, verb. reg. welches in doppelter Gattung vorkommt. 1. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben, tropfenweise rinnen oder fließen. Ist dieß verrätherisch Blut, das für die Freyheit träuft? Schleg. In dieser Form kommt es am seltener vor; sie ist auch allem Ansehen nach diesem Zeitworte nicht angemessen, indem das Neutrum eigentlich traufen oder triefen lautet, wie saufen und säufen, tränken und trinken u. s. f. 2. Als ein Activum oder Factitivum, tropfenweise fließen oder fallen lassen, als das Activum von triefen. Ein dritter Theil von einem Hin Öl auf das Semmelmehl zu treufen, Ezech. 46, 14. Dieß Maul, das Frevel träuft, Schleg. In der Deutschen Bibel kommt es, so wie träufeln, mehrmahls in der sonst ganz ungewöhnlichen Figur des Drohens, Strafens vor. Du Menschenkind, treufe gegen dem Mittage und weißage, u. s. f. Ezech. 20, 46. Weißage nicht wider Israel, und treufte nicht wider das Haus Isaac., Amos 7, 16. So auch das Träufen.

Anm. Dieses ganze Zeitwort kommt, selbst in der thätigen Form, im Hochdeutschen selten vor, indem es höchstens noch in der dichterischen Schreibart gebraucht wird. In dem gemeinen Sprachgebrauch sind dafür tropfen und tröpfeln gangbar. Traufe, das veraltete traufen, tropfenweise rinnen, träufeln, triefeln und tropfen, sind alle Zeitwörter Eines und eben desselben Ursprungs. S. Triefen und Tropfen.


Traufrecht (W3) [Adelung]


Das Traufrecht, des -es, plur. inus. S. Traufe.


Traum (W3) [Adelung]


Der Traum, des -es, plur. die Träume, so wohl im Abstracto und ohne Plural, der Zustand verworrener Vorstellungen im Schlafe, ein mittlerer Zustand zwischen Schlafen und Wachen. Im Traume reden. Es kann mir im Traume vor. Wie im Traum herum gehen, ohne deutliches Bewußtseyn, im Stande verworrener Vorstellungen. Es ist mir noch wie im Traume. Jemanden aus dem Traume helfen, so wohl eigentlich, einen Träumenden erwecken; noch häufiger aber figürlicher, seine undeutlichen und verworrenen Begriffe deutlich machen, ihn zurecht weisen, seine Zweifel heben u. s. f. Als auch die verworrene Vorstellung selbst. Mit schweren Träumen geplagt seyn. Ängstliche Träume haben. Einen Traum haben. Der Traum bedeutet nichts gutes. Einen Traum deuten, noch mehr auslegen; ( S. Traumdeuter.) Auf Träume halten, sie für Anzeigen künftiger Wirklichkeiten halten. Da gehet mir mein Traum aus, im gemeinen Leben, er wird damit erfüllet, wahr gemacht. Wer weiß, gehet dein Traum nicht heute aus, Weiße. Figürlich werden auch wohl veworrene Vorstellungen eines Wachenden, Einbildungen, Meinungen, welche dem gewöhnlichen und nothwendigen Zusammenhange der Dinge widerstreiten, Träume genannt. S. Träumer.

Anm. Schon bey dem Kero Traum, bey dem Ottfr. Droum, im Nieders. Droom, im Engl. Dream, im Schwed. Dröm, im Isländ. Draumur. S. Träumen.


Traumbuch (W3) [Adelung]


Das Traumbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, in welchen Träume ausgeleget, ihre vermeinten Bedeutungen angegeben werden.


Traumdeuter (W3) [Adelung]


Der Traumdeuter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Traumdeuterinn, eine Person, welche ein Geschäft daraus macht, die Träume anderer zu deuten, oder auszulegen. Gehorchet nicht euren Traumdeutern, Jer. 27, 9. So auch die Traumdeutung, die Auslegung eines Traumes. Notker gebraucht dafür Troumsceidere und Troumsceidt.


Träumen (W3) [Adelung]


Träumen, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert. 1. Schlummern, in einem leichten Schlafe liegen, als ein Neutrum; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, in welcher aber im Nieders. so wohl drömen, als das verkleinernde trömken, üblich sind. Mit einem andern Endlaute ist eben daselbst auch drufen üblich. 2. In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, im Schlafe reden, und im weitern Verstande, verworrene Vorstellungen im Schlaf haben. Es wird auf eine doppelte Art gebraucht. (a) Als ein persönliches Zeitwort, mit der ersten Endung der Person, solche Vorstellungen in Schlafe haben. Man sagt, es träume jemand, wenn er im Schlafe redet. Ich habe diese Nacht viel geträumet, habe die ganze Nacht geträumet. Verhüllet im Dampf, vergraben in Federn, träumt er den Morgen vorbey, Zach. Am üblichsten ist es in dieser Gestalt, im figürlichen Verstande, verworrene Vorstellungen und Begriffe haben. Ih glaube, du träumst. Er träumt von lauter Glückseligkeit. Wenn sich die größten Geister so entsetzlich daran irrten, so heillos darüber träumten, Herd. (b) Als ein unpersönliches Zeitwort oder doch wenigstens in der dritten Person, mit der dritten Endung der Person. Demo daz traumet, Notk. Im traum ein traume swere, Stryker. Und ihm träumete, und stehe u. s. f. 1. Mos. 28, 17. Höret, was mir geträumet hat, Kap. 37, 6. Was ist das für ein Traum, der dir geträumet hat? V. 10. Gleichwie einem Hungrigen träumet, daß er esse, Es. 29, 8. Es hat mir nichts davon geträumt, auch figürlich, ich habe nichts weniger als das vermuthet. Es träumte mir, er wäre gestorben. Laß dir nicht träumen, figürlich, stelle dir das nicht vor. Welche Beyspiele nebst der Analogie ähnlicher Zeit- wörter hinlänglich genug sind, zu beweisen, daß die vierte Endung, mit welcher dieses Zeitwort von manchen verbrauchen wird, es träumet mich, unrichtig und fehlerhaft ist. So auch das Träumen.

Anm. Im Oberd. traumen, im Nieders. dromen und drommen, im Schwed. drömma. Viele sehen es als eine Versetzung von dormire an, Casaubonus leitete es von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine Fabel, ab, und Ihre von dem Celt. Drem, ein Gesicht, Erscheinung. Das letzte scheint allerdings damit verwandt zu seyn, kann aber nicht als das Stammwort angesehen werden. Es scheinet, daß träumen eine Nachahmung des unvernehmlichen leise Redens im Schlummer ist, da es denn nach Abzug des Vorlautes zu reimen, rühmen u. s. f. gehören, wenigstens, so wie sie, einen gewissen ähnlichen Laut nachahmen würde.


Träumer (W3) [Adelung]


Der Träumer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Träumerinn, eine Person, welche eine Fertigkeit in verworrenen Vorstellungen, in unwahrscheinlichen und dem bekannten Zusammenhange der Dinge widersprechenden Meinungen hat. Seht, der Träumer kommt, 1 Mos. 37, 19. Daß nicht jeder neue Träumer seine Grille ersinnen konnte, Herd.


Träumerey (W3) [Adelung]


Die Träumerey, plur. die -en, das Träumen im figürlichen Verstande, und ohne Plural, der Zustand verworrener Vorstellungen. Aus der Heiterkeit der Seele folgt eine angenehme Träumerey; die Seele ist sich dessen, was sie empfindet, nicht mehr bewußt, Sulz. Ingleichen dergleichen Vorstellungen selbst.


Träumerisch (W3) [Adelung]


Träumerisch, adj. et adv. dem Traume und dessen Zustande ähnlich. Träumerisch einher gehen, als wenn man träumte. Ingleichen in der figürl. Bedeutung des Zeitwortes träumen in verworrenen Vorstellungen und unwahrscheinlichen Meinungen gegründet.


Traumgott (W3) [Adelung]


Der Traumgott, des -es, plur. inus. in der Mythologie der Alten, eine erdichtete Gottheit, welche die Träume regieren und austheilen sollte; Morpheus.


Traun (W3) [Adelung]


Traun, eine Partikel, welche als ein Nebenwort der Versicherung, der Betheurung gebraucht wird, und entweder zu Anfang eines Satzes, oder auch nach einigen Worten stehet. Das Hebräische Volk ist traun nicht zu verachten, Judith 10, 20. Es ist traun wahr. Im Hochdeutsche ist diese Partikel in den gemeinen Sprecharten veraltet, obgleich die Niedersachsen sie noch haben, wo sie trouen lautet. Sie scheinet im Oberdeutschen, wenigstens in einigen Gegenden, am gangbarsten zu seyn. Gottsched und andere Sprachlehrer rechnen sie zu den Interjectionen; allein diesen Nahmen verdienet sie mit nicht mehrerm Rechte als wahrhaftig, ja, gewiß und andere versichernde Nebenwörter.

Anm. In dem Heldenbuche und bey dem Kaisersberg entrawen. Daß dieses Wort von trauen, oder vielmehr von Treu abstammet, ist wohl gewiß, obgleich die Form oder Ableitungsart nach ein wenig dunkel ist. Indessen hat man im Schwed. eine ähnliche Partikel, welche tra lautet, aber mehr zu Verwünschungen gebraucht wird; trä mig! wofür der Deutsche Pöbel hohl mich! sagt; tra dig! hohl dich! Ihre glaubte, daß dieses tra ursprünglich der Nahme eines bösen Geistes sey, zumahl da der Teufel im Isländischen noch jetzt Thraen und Tramen genannt werde. Ob dieses tra und unser traun einander zur Erläuterung dienen können, mögen andere untersuchen.


Traurede (W3) [Adelung]


Die Traurede, plur. die -n, die Rede des Geistlichen bey der Trauung, die Trauungsrede.


Traurig (W3) [Adelung]


Traurig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Hauptworte Trauer in der ersten weitern Bedeutung, und der Ableitungssylbe ig. 1. Trauer, d. i. einen merklichen Grad der Unlust über ein gegenwärtiges Übel, besonders über ein verlornes Gut empfindend, und solche an den Tag legend. Traurig seyn, werden. Jemanden traurig machen. Eine traurige Person. Eine traurige Miene. Das traurige und eingeschränkte Wesen, welches man in der Liebe annimmt, Gell. Figürlich auch von leblosen Dingen. Traurig und blaß hängen die Blumen am Borde der Schale herunter, Geßn. 2. Diese Unlust erweckend, oder doch fähig, selbige zu erwecken. Eine traurige Geschichte. Ein trauriges Ende nehmen. Muß man denn diese traurige Platze (die Liebe) fühlen? Gell. Die besten Absichten gewinnen oft einen traurigen Ausgang, eben ders. Wie traurig wird das Ende dieses Tages für mich! eben ders. O, das ist traurig!

Anm. Bey dem Notker trureg, bey dem Strycker traurich, traurik, im Nieders. trorig, im Angels. dreorig, Siehe Trauern.


Traurigkeit (W3) [Adelung]


Die Traurigkeit, plur. car. das Abstractum des vorigen Wortes, doch nur in der ersten Bedeutung, der Zustand, da man traurig ist. Bey dem Notker mit einer andern Ableitungssylbe Trurigi.


Trauring (W3) [Adelung]


Der Trauring, des -es, plur. die -e, von dem Zeitworte trauen, copulieren, derjenige Ring, womit zwey Personen getrauet, oder ehelich verbunden werden.


Trauschein (W3) [Adelung]


Der Trauschein, des -es, plur. die -e, von eben diesem Zeitworte, ein Schein oder schriftliches Zeugniß von dem Geistlichen, oder der Obrigkeit, daß ein Paar Personen wirklich getrauet oder ehelich verbunden worden. Zuweilen auch, z. B. bey den Soldaten, ein Schein des Vorgesetzten, daß sein Untergebener von ihm die Erlaubniß habe, sich trauen zu lassen; Vollmacht für den Geistlichen, ein Paar zu trauen.


Träuschen (W3) [Adelung]


Träuschen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden als ein unpersönliches Zeitwort üblich ist, heftig regnen. Es träuscht. Im Ital. crosciare und strosciare, wo auch Troscia ein Regenguß ist. Es ist eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, und in so fern mit dreschen verwandt, welches einen ähnlichen Laut, obgleich eine ganz verschiedene Handlung bedeutet.


Trauschling (W3) [Adelung]


Der Trauschling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme einer Art Schwämme, welche unter dem Nahmen des Heiderlinges am bekanntesten ist; in einigen Mundarten Drüschling. Ohne Zweifel von dem provinzielle Träusch, Drüsch, welches von Traube und Trauch nur im Endlaute verschieden ist, und so wie dieses mehrere nahe bey einander befindliche Dinge bezeichnet, weil diese Schwämme in Trauben bey einander wachsen.


Traut (W3) [Adelung]


Traut, adj. sehr geliebt, werth. Ephraim ist mein trautes Kind, Ier. 31, 20. Ein trauter Freund. Zuweilen auch im Superlativo, trauteste Madame. In dem gewöhnlichen Sprachgebrauche der Hochdeutschen kommt es jetzt seltener vor, dagegen es im Ober- und Niederdeutschen gangbarer zu seyn scheinet. Nieders. truut, truten, wo es ein Schmeichelwort geliebter Personen ist. Im Wallisischen ist drud gleichfalls zärtlich geliebt. Es stammet ohne Zweifel von 1 Trauen her, so fern es ehedem lieben bedeutete, welche Bedeutung aus dem Niederdeutschen am erweislichsten ist. Im Ital. ist daher Drudo ein Buhler, Liebhaber. So fern der Begriff der Treue eine Figur der Liebe ist, war traut ehedem auch so viel wie getreu. Gottes druter, der Gott getreu ist, Ottfried; wo aber auch der Begriff eines Geliebten Statt findet. In dieser Bedeutung wird es jetzt nicht mehr gebraucht, so wie es denn auch in der ersten Bedeutung in der Adverbial-Form ungewöhnlich ist. Im Alt-Franz. ist drud, getreu, und Drurie, die Treue. S. 1 Trauen.


Trauung (W3) [Adelung]


Die Trauung, plur. die -en, von dem Zeitworte trauen, copulieren, ehelich zusammen geben, diese Handlung; mit einem Lateinischen Kunstworte die Copulation. S. 1. Trauen.


Treber (W3) [Adelung]


Die Treber, S. Träber.


Treckband (W3) [Adelung]


Das Treckband, des -es, plur. die -bänder, auf den Hammermünzen, ein eisernes Werkzeug auf einem starken Bande, die Zähne oder Zeine zu dem kleinen Gelde vermittelst desselben zu trecken oder gleich zu ziehen; das Ziehband. S. das folgende.


Trecken (W3) [Adelung]


* Trecken, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert. Es ist im Hochdeutschen unbekannt, dagegen aber in ganz Niederdeutschland für ziehen üblich, in dessen sämmtlichen Bedeutungen es daselbst gebraucht wird, hier aber nur um einiger Kunstwörter willen einen Platz findet. Es ist ein Intensivum von tragen, so fern es ehedem auch ziehen bedeutete, und von dem Latein. trahere. In einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten lautet dieses Wort trächten, trochen, trähen. Auch recken ist damit verwandt. ( S. beyde.) Auch im Bergbaue Ober- und Niedersachsens ist trecken, Berge oder Erz auf den Stollen und Strecken fortziehen, daher die Knaben, welche dazu bestimmt sind, Treckjungen genannt werden.


Treckschüte (W3) [Adelung]


Die Treckschüte, plur. die -n, in Niederdeutschland und Holland, eine Art Schüten oder Fahrzeuge, welche auf den Kanälen und Flüsse von Menschen oder Pferden fortgetrecket oder fortgezogen werden. Die Straße zu beyden Seiten des Ufers, auf welcher die ziehenden Menschen oder Pferden, wird der Treckweg, das Seil aber, vermittelst dessen das Fahrzeug fortgezogen wird, das Treckseil genannt.


Treff (W3) [Adelung]


Der Treff, des -es, plur. die -e, ein nur in den gemeinen Sprecharten übliches Wort, welches einen derben Schlag bedeutet. Jemanden einen Treff geben. Es ist, so fern es ursprünglich eine Interjection ist, welche den Laut eines derben Schlages nachahmet, das Stammwort des folgenden Zeitwortes. Im Schwedischen ist Drypa gleichfalls ein Schlag.


Treffen (W3) [Adelung]


Treffen, verb. irreg. act. ich treffe, du triffst, er trifft; Conj. ich treffe, du treffest u. s. f. Imperf. ich traf; Conj. ich träfe; Mittelw. getroffen; Imperat. triff. Es ist eine unmittelbare Nachahmung eines gewissen Lautes, daher es ehedem verschiedene Handlungen bedeutete, welche mit diesem Laute verbunden sind, oder unter demselben gedacht wurden. Es bedeutet daher, 1. * Gehen, und in weiterer Bedeutung, den Ort verändern, bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern drephan, treffan. Es scheint in dieser Bedeutung ein Intensivum von traben, oder wie es ehedem lautete, trawan, trafan, schnell gehen, zu seyn, und eigentlich derb und stark gehen, bedeutet zu haben. Indessen ist es in diesem Verstande, vermuthlich um der Vieldeutigkeit willen, längst veraltet, obgleich unser eintreffen, so fern es ankommen bedeutet, noch davon übrig ist. Siehe Traben und Trappen. 2. Mit einem Schlage, Stoße, Wurfe oder einer andern ähnlichen heftigen Bewegung berühren, als eine Nachahmung des Lautes, mit welchem eine solche Berührung verbunden ist. (1) Eigentlich. Nach jemanden schlagen und ihn nicht treffen. Mit der Schleuder treffen, Richt. 20, 16. Jemanden das Herz, oder ihn in das Herz treffen, es sey nun mit einem Stiche, Stoße, Schusse u. s. f. Von einer Kugel getroffen werden. Von dem Donner, von dem Blitzstrahle getroffen werden. Er stand, wie von dem Donner getroffen. Neben dem Ziele treffen. Das Ziel treffen. Wer oft schießt, trifft endlich einmahl. Das Gelenk im Zerlegen treffen. Der Wundarzt hat die Ader nicht getroffen. Wo sich das Zeitwort bald auf das Werkzeug, bald auf die Person, welche sich desselben bedienet, beziehet. Im figürlichen Verstande, fühlt man sich getroffen, wenn man einen Ausspruch auf sich anzuwenden Ursache findet. Daher wurde es ehedem auch sehr häufig für schlagen, stoßen und zuweilen auch für schießen gebraucht, daher denn Treff im gemeinen Leben auch einen Schlag oder Stoß bedeutet. Den Nächsten treffen, daß er stirbt, 5 Mos. 19, 5. Untreu trifft (schlägt) seinen eigenen Herren. Mit dem Feinde treffen, mit ihm schlagen, ihm eine Schlacht, ein Treffen liefern. Von traffen, von nüwen, mit den synden, in dem verdeutschten Livius von 1514. Daß er vff der Syten treffen solt, angreifen, eben daselbst. Er het geren Von stund an getroffen mit in, Theuerd. Kap. 90. In dieser Bedeutung ist es jetzt veraltet, doch wird das Hauptwort das Treffen noch in derselben gebraucht. Im Schwedischen ist drabba und dräpa, im Angels. thrawan, und im Arab. darab, gleichfalls schlagen. (2) Figürlich. a) Jemanden treffen, ihn an einem Orte persönlich gegenwärtig finden. Ich habe ihn gesucht, aber ich kann ihn nirgends treffen. Jemanden zu Hause treffen. Wenn er dich hier treffen wird. Mein Brief hat ihn nicht getroffen. ( S. auch Antreffen, welches gewöhnlicher ist.) Ehedem gebrauche man es in noch gewöhnlicherm Verstande für finden überhaupt, welche Bedeutung das Ital. trovare, und Franz. trouver noch haben. b) In weiterm Verstande bedeutet es oft in rinen gewissen Zustand gerathen, gleichfalls von einer Sache als mit dem Schlage getroffen werden. Die Reihe trifft dich. Wenn mich die Reihe treffen wird. Wen wird die Reihe in unserm Hause treffen, mich oder meine Tochter? Gell. Am häufigsten von Dingen, welche als ein Übel angesehen werden. Was ich gesorget, hat mich troffen, (getroffen,) Hiob 3, 25. Ihn trifft Plage und Schande, Sprichw. 6, 33. Die Fluth wird uns treffen, Es. 28, 10. Das Unglück trifft mich. c) Das Gesuchte oder das Verlangte von ungefähr oder durch Versuche, durch Muthmaßung ausfündig machen. Den rechten Weg treffen. Rathen und nicht treffen. Getroffen! Die rechte Melodie eines Liedes treffen. In der Musik ist daher treffen, die Noten und alle durch dieselben vorgeschriebenen Intervalla genau und richtig ausdrucken. Der Mahler trifft, wenn er einen Gegenstand, und besonders die Gesichtszüge einer Person genau nachahmet und ausdruckt. Ein treffendes Band, welches sich genau zu den Umständen schickt. Das ist nicht treffend, schickt sich hierher nicht. d) In einigen Fällen bedeutet es auch so viel wie veranstalten, oder vielmehr eine verlangte Absicht durch seine Veranstaltung gleichsam als von ungefähr erreichen; wo doch die Hauptwörter, mit welchen es in dieser Bedeutung gebraucht werden kann, bereits durch den Gebrauch bestimmt sind. Eine Heirath treffen, heirathen. Eine gute Heirath, eine gute Partie treffen. Eine Wahl treffen, wirklich wählen. Eine gute, eine schlechte Wahl treffen. Eine Allianz, ein Bündniß, einen Vergleich, einen Waffenstillstand treffen. Anstalten zu etwas treffen, machen. Nicht so häufig sagt man auch einen Frieden treffen, d. i. machen oder schließen. e) Berühren, eine im Deutsche veraltete Bedeutung, in welcher es noch bey dem Notker vorkommt. Die Schwedischen trefva und treffa, und das Pohlnische trafiam, haben diese Bedeutung gleichfalls noch. Mit dem vorgesetzten Zischlaute bezeichnet unser streifen eine Art des Berührens. So auch das Treffen.

Anm. Bey dem Notker treffan, im Nieders. drapen. Das Hochdeutsche scheinet, vermöge des starken verdoppelten Blasenlautes, ein Intensivum eines veralteten einfachen Wortes zu seyn, welches in unserm traben noch zum Theil vorhanden ist. Da alle Zeitwörter Nachahmungen bestimmter Laute sind, ein und eben derselbe Laut aber mehrern ganz verschiedenen Handlungen eigen ist, so lässet sich daraus die außer dem seltsame Erscheinung nicht nur in der Deutschen, sondern auch in allen Sprachen erklären, daß mehrere ganz verschiedene Dinge mit Einem und eben demselben Zeitworte bezeichnet worden. So sind unser traben, triefen, treffen, streifen, treiben (traben machen,) die fremden trouver, Trabs, und hundert andere lauter sehr nahe mit einander verwandte Laute, und tönende Zeichen sehr verschiedener Dinge.


Treffen (W3) [Adelung]


Das Treffen, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Gefecht, die Handlung, da zwey gegenseitige Parteyen mit einander handgemein werden; wo es, ohne Rücksicht auf die Stärke beyder Parteyen, oder auf die Art des Gefechtes, üblich ist, und daher noch zuweilen von einzelnen Personen gebraucht wird, ob es gleich von zwey aus mehrern Personen bestehenden Parteyen am gewöhnlichsten ist. Ein Treffen halten oder liefern, welches besonders von zahlreichen Haufen gebraucht wird. Das Treffen geht an. Einem Treffen ausweichen. Es auf ein Treffen ankommen lassen. Es kommt zum Treffen, zum Gefecht, zur Schlägerey. Als es zum Treffen kam, auch figürlich, als es zur Sache selbst kam. Wenn von Kiegesheeren die Rede ist, so sind Schlacht und Treffen von einem Gefechte zwischen zwey zahlreichen Heeren am üblichsten, dagegen man von einzelnen Haufen derselben die Wörter Gefecht, Scharmützel u. s. f. gebraucht. Im gemeinen Leben hingegen wird Treffen in seiner alten ursprünglichen Bedeutung noch von einem jeden Gefechte gebraucht. 2. In dem Kriegeswesen wird auch eine aus drey oder mehrern Reihen Soldaten bestehende und in Schlachtordnung befindliche Linie Soldaten, ein Treffen genannt. Das Vordertreffen, das Hintertreffen ? welche man mit dem Vortrabe und Nachtrabe nicht verwechseln muß. Das erste Treffen, das zweyte Treffen und so ferner.

Anm. Es scheinet nicht, daß dieses Wort der bloße Infinitiv des vorigen Zeitwortes sey; es hat vielmehr alles Ansehen eines eigenen vermittelst der substantiven Ableitungssylbe -en gebildeten Hauptwortes. Der Stammbegriff ist nicht so wohl der Begriff der Begegnung, des auf einander Treffens, als vielmehr des Schlagens, welcher auch in dem Wort Schlacht herrschet. Wenn dieses aber mehr von großen und blutigen Gefechten, Treffen aber von minder großen gebraucht wird, so scheinet solches daher zu rühren, weil Schlacht ein Intensivum von schlagen ist. Ehedem waren für Treffen auch die Wörter Volkwig, Puneife, (pugna, pugnatio,) Streit, Volksstreit u. s. f. üblich.


Treffer (W3) [Adelung]


Der Treffer, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur um Spielen und in Lotterien übliches Wort, ein Los, eine Nummer, welche trifft, d. i. einen Gewinn erhält; im Gegensatze eines Fehlers, oder einer Miete. Ob ihr Los unter den Treffer oder Fehlern stehen wird. Gell.


Trefflich (W3) [Adelung]


Trefflich, -er, -ste, adj. et adv. von dem Zeitworte treffen. 1. * Eigentlich, nähmlich, als ein Nebenwort; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, in welcher die Niederdeutsche ihr dreplik gebrauchen. Es scheinet hier von treffen, den rechten Gegenstand berühren, abzustammen. 2. Einen hohen Grad der äußern Würde, des äußern Glanzes und Vorzuges habend. (1) Eigentlich. Eine treffliche Gesandtschaft, welche aus vornehmen und vielen Personen bestehet. Ein trefflicher Glanz. Ein treffliches Haus, ein prächtiges. Eine treffliche Schönheit. Eine treffliche Summe, Zach. 11. 13. Nicht bloß mit Schein und Farben prangen, Die nur der Pöbel trefflich heißt, Haged. (2) In weiterm und figürlichem Verstande. 1. Einen hohen Grad des innern Vorzuges, der innern Güte habend. Naemann, der Syrer, war ein trefflicher Mann vor seinem Herrn, 2 Kön. 5, 1. Ein trefflicher Verstand. Ein trefflicher Kopf. Eine treffliche Arzeney. Es hat mir trefflich gefallen. O, das ist trefflich! in einem hohen Grade vorzüglich. Die Munterkeit und Lebhaf- tigkeit des weiblichen Charakters schickt sich trefflich zu dem Ernste des männlichen, Gell. Sich trefflich halten. 2. Wichtig, eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, wofür daselbst triftig üblich ist. Eine ernsthafte und treffenliche Sache, Bluntschli. In den Niederdeutschen Gerichten waren drepelike Saken, ehedem wichtige Klagesachen, Criminal. Sachen. 3. In noch weiterm Verstande wurde es ehedem sehr häufig gebraucht, einen jeden hohen Grad, eine Intension zu bezeichnen. Wie oft hat doch ihr Murren und Gelüsten Ihn trefflich sehr erbittert in der Wüsten, Opitz Ps. 78. In welchem Verstande es zwar noch nicht veraltet ist, aber gemeiniglich nur im Scherze gebraucht wird, mit Anspielung auf den Begriff der vorzüglichen Güte. Trefflich saufen können. Jemanden trefflich ausprügeln. Du bist trefflich mit dem Maule. Man fing an, sie trefflich anzugaffen. Salmasius macht über diese Stelle einen trefflichen Wirrwarr, Less.

Anm. Im Oberd. treffenlich, im Nieders, dreplik, bedreplik, im Schwedischen, wo es aber aus dem Deutschen angenommen seyn soll, drapelig, dräpelig, dreflig. Daß es von treffen abstamme, ist wohl gewiß, aber nicht so gewiß ist die Bedeutung dieses Zeitwortes, welche die Figur veranlasset hat. Wachter leitet es von treffen taugen, tüchtig seyn, und erkläret trefflich durch tüchtig; allein zu geschweigen, daß die Bedeutung des Taugens noch unterwiesen ist, so ist in ihr kein Grund von dem hohen Grade der Tüchtigkeit zu finden, den trefflich in allen seinen Bedeutungen hat. Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß trefflich aus vortrefflich oder dem alten übertrefflich verkürzt seyn sollte, indem jenes ohne Zweifel älter ist. Mir scheint es wahrscheinlicher, daß treffen in der Bedeutung des schnellen und heftigen Berührens ehedem besonders von den Lichtstrahlen gebraucht worden, das Auge schnell und heftig rühren, da denn der Begriff des Glanzes, des äußern Ansehens, der Stammbegriff seyn würde. Auf ähnliche Art ist prächtig von brechen, glänzen, gebildet. Übrigens wird trefflich im Hochdeutschen in allen den Bedeutungen, in welchen es noch üblich ist, nicht so häufig gebraucht, als das verlängerte vortrefflich, welches eigentlich einen noch höhern Grad bezeichnen sollte, aber gemeiniglich mit trefflich als gleichbedeutend angesehen wird. S. auch Triftig.


Trefflichkeit (W3) [Adelung]


Die Trefflichkeit, plur. die -en, das Abstractum des vorigen Wortes. 1. Die Eigenschaft eines Dings, da es trefflich ist, ohne Plural, doch nur theils von dem äußern Glanze und Ansehen, theils von einem hohen Grade der innern Güte. 2. In einem hohen Grade vorzügliche Eigenschaften. Der Helden Trefflichkeit. Haged. Er ist durch eigne Trefflichkeiten Von Vorurtheilen frey, eben ders.


Treibebeet (W3) [Adelung]


Das Treibebeet, des -es, plur. die -e, bey den Gärtnern, ein Beet, die Gewächse in demselben zu treiben, d. i. durch verstärkte künstliche Wärme zum schnellern und vollkommnern Wachsthume zu bringen, da denn bald ein jedes Mistbeet, bald aber auch nur ein Glashaus, oder mit Fenstern versehenes Mistbeet, ein Treibebeet, und so fern es in Gestalt eines Kastens umschlossen ist, ein Treibekasten genannt wird.


Treibeblatt (W3) [Adelung]


Das Treibeblatt, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme einer Pflanze, S. Katzenklee.


Treibebogen (W3) [Adelung]


Der Treibebogen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Goldarbeitern, ein Bohrer, welcher vermittelst eines Bogens getrieben oder in Bewegung gesetzt wird; bey den Goldschmieden Bogendrelle.


Treibebrief (W3) [Adelung]


Der Treibebrief, des -es, plur. die -e, bey den Handwerkern, Briefe, wodurch widerspenstige Gesellen bey den Handwerksgenossen anderer Orten anrüchtig gemacht, und dadurch vertrie- ben werden, indem sie alsdann von keinem Meister in Arbeit genommen werden können.


Treibebühne (W3) [Adelung]


Die Treibebühne, plur. die -n, in dem Wasserbaue, eine Art Bühnen, d. i. von dem Ufer aus in den Strom geführte Werke, die Strombahn zu lenken; zum Unterschiede von den bloßen Schutzbühnen.


Treibebunzen (W3) [Adelung]


Der Treibebunzen, S. Bunzen.


Treibefaß (W3) [Adelung]


Das Treibefaß, des -sses, plur. die -fässer, bey den Gärbern, ein Faß, worin die Felle getrieben, d. i. mit Lohe gar gemacht werden.


Treibegarn (W3) [Adelung]


Das Treibegarn, des -es, plur. die -e, eine Art Fischernetze, besonders bey dem Nachtfischen, in welches die Fische getrieben werden; das Klebegarn, Klebenetz.


Treibehammer (W3) [Adelung]


Der Treibehammer, des -s, plur. die -hämmer, bey verschiedenen Metallarbeitern, ein Hammer, ein Metall damit zu treiben, d. i. entweder in die Länge oder in die Ründe auszudehnen. Einen solchen Treibehammer mit runder Bahn haben die Klämpener, ein gerades Stück Blech rund heraus zu schlagen.


Treibehaus (W3) [Adelung]


Das Treibehaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus zum Treiben, etwas darin zu treiben. 1. Im Hüttenbaue wird das Gebäude, worin das Erz getrieben wird, so wohl die Treibehütte, als das Treibehaus genannt. 2. Bey den Gärtnern ist es ein Gebäude oder nur ein Theil eines Gebäudes, die Gewächse durch künstlichen Wärme zum schnellern und vollständigern Wachsthume zu bringen, als ohne dieselbe möglich seyn würde; das Glashaus, weil es vorn ganz mit Glasfenstern versehen ist. Es ist von einem Gewächshause, worin die Gewächse nur vor der Winterkälte verwahret werden, noch verschieden.


Treibeherd (W3) [Adelung]


Der Treibeherd, des -es, plur. die -e, im Hüttenbaue, ein Herd, auf welchem getrieben, d. i. das Silber von dem Bleye geschieden wird. S. Treiben.


Treibeherr (W3) [Adelung]


Der Treibeherr, des -en, plur. die -en, eben daselbst, der Herr oder Eigenthümer einer Treibhütte oder eines Treibehauses.


Treibeholz (W3) [Adelung]


Das Treibeholz, des -es, plur. car. 1. Eben daselbst, dasjenige lange Scheitholz, womit der Herd bey dem Treiben oder Scheiden des Silbers von dem Bleye, geheitzet wird. 2. Holz, welches auf dem Wasser daher getrieben kommt, da denn so wohl dasjenige Holz, welches die See und reißende Flüsse an manchen Orten wegspühlen und an einem andern ansetzen, als auch dasjenige, welches in einzelnen Scheiten in einen Fluß geworfen wird, um es an einen bestimmten Ort zu flößen, (Flößholz,) diesen Nahmen führen. 3. In den Küchen ist es eine kleine hölzerne um einen Stock bewegliche Walze, Kuchen- und andern Teig damit zu treiben, d. i. zu dünnen Blättern auszudehnen, das Walgerholz; in welchem Falle es auch den Plural, die -hölzer, leidet.


Treibehut (W3) [Adelung]


Der Treibehut, des -es, plur. die -hüte, im Hüttenbaue, ein eiserner mit Lehm ausgeschlagener Deckel, welcher bey dem Treiben über den Herd gesetzet wird, und die Stelle einer Muffel vertritt.


Treibehütte (W3) [Adelung]


Die Treibehütte, plur. die -n, eben daselbst, eine Hütte, d. i. leichtes Gebäude, in welchem sich der Treibeherd befindet, welche wenn sie dauerhafter gebauet ist, das Treibehaus genannt wird.


Treibejagen (W3) [Adelung]


Das Treibejagen, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Jagdwesen, eine Art der Jagt, wenn das Wild aus einem ganzen Reviere zusammen und in den Zeug getrieben wird; die Treibejagd, das Hauptjagen, die Hauptjagd, im Unterschiede von einem Bestätigungsjagen.


Treibekasten (W3) [Adelung]


Der Treibekasten, des -s, plur. ut nom. sing. S. Treibebeet.


Treibekorn (W3) [Adelung]


Das Treibekorn, des -es, plur. die -körner, im Hüttenbaue, diejenigen Körner, welche bey dem Treiben des Silbers abspritzen, und sich in den Herd verbergen; Herdkörner, Hähne, S. Hahn 1.


Treibeleute (W3) [Adelung]


Die Treibeleute, sing. inus. im Jagdwesen, diejenigen Landleute, welche bey einem Treibejagen das Wild aus einer Gegend in den Zeug treiben müssen; die Treiber.


Treiben (W3) [Adelung]


Treiben, verb. irreg. ich treibe, du treibst, er treibt u. s. f. Imperf. ich trieb; Mittelw. getrieben; Imper. treib. Es ist, wie alle Zeitwörter, ursprünglich eine Nachahmung eines gewissen Lautes, und das sich einerley aber doch ein ähnlicher Laut bey sehr verschiedenen Handlungen befinden kann, so rühret es daher, daß auch dieses Zeitwort, so wie manche andere, in mehrern dem Ansehen nach sehr verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird, und den Sinn des Plauderns, Trabens, Treffens, (welches ein Intensivum davon seyn scheinet,) in sich vereiniget, wozu in ältern Zeiten noch manche andere Bedeutungen kommen, die man aber im Deutschen vorlängst hat veralten lassen, vermuthlich die Vieldeutigkeit zu vermeiden. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, welches so wohl mit haben, als mit seyn, verbunden wird. 1. * Plaudern, besonders von einem zum andern plaudern, klatschen, (welches ebenfalls so wohl die Bedeutung des Plauderns als des Schlagens hat;) eine im Hochdeutschen ungewöhnliche, aber im Niederdeutschen völlig gangbare Bedeutung, wo drieve, plaudern, klatschen, Drive, ein plauderhaftes Weib, Driverie, Klatscherey, und Drivehus, ein solches Haus ist, wo über andere geklatschet wird. 2. Stark gehen, ohne Zweifel, als eine Onomatopöie des starken und schnellen Ganges. (1) Eigentlich. Man sagt noch im gemeinen Leben, müßig herum treiben, er hat den ganzen Tag müßig herum getrieben, wofür man auch thätiger Weise sagt, sich herum treiben, müßig herum gehen; außer welchem Falle es im Hochdeutschen nicht mehr gehöret wird, indem in andern Fällen traben dafür üblicher ist, welches nur in der Mundart davon verschieden ist. Im Schwed. ist drifva, gleichfalls müßig herum gehen. Das Nieders. drivends bedeutet im Laufe, und figürlich unbesonnen; eben daselbst ist Dreve der Gang. Siehe auch Trifft und Streifen, welche gleichfalls davon abstammen. (2) Figürlich, wo es besonders von leblose Körpern gebraucht wird, wenn sie ohne sichtbare äußere Gewalt langsam fortbeweget werden. a) Eigentlich. Der Sand, der Schnee treibet, wenn er von dem Winde in großen Maßen oder Haufen fortbeweget wird, ( S. Triebsand.) Daher in manchen gemeinen Mundarten Drifft, Trifft, Schwed. Drive, ein solcher Haufen von dem Winde fortgewälzten Schnees oder Sandes ist. Die Wolken treiben, wenn sie sich in Menge in der Luft fortwälzen. Das Schiff treiben lassen, es dem Winde und den Wellen überlassen. Es kam ein Schiff ohne Masten getrieben. Es konnte Holz getrieben, geschwommen. Es scheinet, daß es in allen Fällen, wenn kein Ort bezeichnet wird, das Hülfswort haben erfordere; wird aber der Umstand des Ortes ausgedruckt, so bekommt es, wie verschiedene andere Neutra, das Hülfswort seyn. Das Schiff ist von dem Ufer getrieben. Es ist Holz an das Land getrieben. Die Schiffe sind an einander getrieben. Auch im Hüttenbaue gebraucht man dieses Wort als ein Neutrum, von dem mit dem Silber vermischten Bleye; das Silber treibet, wenn es auf dem Treibeherde in den Fluß kommt, und sich von dem Bleye scheidet, (Siehe gleich hiernach in dem Activo.) b) Gewächse treiben, wenn sie merklich stark wachsen. Die Bäume haben sehr stark getrieben. S. auch Trieb. II. Als ein Activum oder vielmehr Factitivum, treiben machen, in der zweyten Hauptbedeutung des vorigen Neutrius, durch unwiderstehliche Bewegungsgründe den Ort verändern machen. Da diese unwiderstehlichen Bewegungsgründe von sehr vielfacher Art seyn können, so wird dieses Wort auch in einem verschiedenen Verstande gebraucht. 1. Im eigentlichen Verstande, durch schlagen oder stoßen den Ort verändern machen. Einen Nagel in den Balken, einen Reif an das Faß, einen Pfahl in die Erde, einen Keil in den Spalt, einen Kreisel mit der Peitsche treiben; wo es alle Mahl eine unwiderstehliche körperliche Gewalt bezeichnet. Das dieses Zeitwort ehedem auch schlagen, stoßen, hauen u. s. f. überhaupt bedeutet haben, ist sehr leicht erweislich. Im Nieders. ist driven und im Schwed. drifra, noch jetzt schlagen, stoßen, todriven, einen Schlag geben; im Holländ. bedeutet Dreve, eine Ohrfeige. Unser Treffen, so fern es eigentlich auch schlagen bedeutet, ist das Intensivum davon, so wie das Lat. Tribulum, ein Dreschwagen, gleichfalls damit verwandt. Bey dem Ulphilas bedeutet dreiban auch hauen; Hlaiba gradaban us Steina, ein Grab aus Stein gehauen. In engerm Verstande ist treiben, in vielen Fällen durch Schlagen, Stoßen oder Drücken ausdehnen. In den Küchen wird der Teig getrieben oder aus einander getrieben, wenn er mit dem Treibeholz ausgedehnet wird. Noch häufiger kommt es in diesem Verstande bey den Metallarbeitern vor, wo treiben, von außen erhabene Figuren durch Schlagen von innen hervor bringen. Figuren in Silber, in Kupfer treiben. Man treibet auch Bley oder Kütte, wenn man das Metall, welches auf solche Art getrieben werden soll, auf Bley oder Kütte legt. Getriebene Arbeit. Schon Ulphilas gebraucht in diesem Verstande dreiban. 2. In weiterm Verstande treibet man, so oft man einen Körper durch unwiderstehliche physische Mittel in eine merkliche Bewegung bringt, oder seine Kraft zur Thätigkeit bestimmt. (1) Im weitesten Verstande. Der Wind treibt das Schiff, die Mühlenflügel. Das Wasser treibt das Rad. Arzeneyen, welche den Schweiß, den Urin, den Stein treiben. Das Gewicht treibt die Uhr. Ein Keil treibt den andern. In den Uhrwerken treibet ein Rad das andere. Und so in vielen andern Fällen, wo für die bewegende Kraft und ihre genauere Bestimmung nicht eigene Wörter üblich sind, wohin z. B. ziehen, schieben u. s. f. gehören. 2) Im engern Verstande, wo dieses Wort in verschiedenen Fällen des bürgerlichen Lebens als ein Kunstwort üblich ist. (a) In dem Hüttenbaue heißt treiben, das mit dem Silber vermischte Bley durch Schmelzung der ganzen Masse in Testen vermittelst des Windes der Bälge zur Verglasung bringen, und solcher Gestalt von dem Silber scheiden, da denn das Silber in der Höhlung des Testes als Blicksilber zurück bleibt, das in Glätte verwandelte Bley oder von dem Winde zu einer Öffnung getrieben, und durch dieselbe abgezogen wird. (Siehe Treibeherd, Treibeofen u. s. f.) Da das durch das Treiben erhaltene Silber noch nicht vollkommen rein ist, so wird es durch das Feinbrennen von allen noch dabey befindlichen Unreinigkeiten befreyet. Als ein Hauptwort gebraucht, ist ein Treiben so viel Erz oder vermischtes Metall, als auf Ein Mahl getrieben wird; welches gemeiniglich 40 Zentner sind. (b) Die Papiermacher treiben den geschöpften Zeug, wenn sie ihn in der Form schütteln, damit die Bogen überall gleich dick zu machen. (c) In dem Gartenbaue werden die Gewächse getrieben, wenn man durch künstliche Wärme ihren Wachsthum beschleuniget. (d) Die Lohgärber treiben die Rindshäute wenn sie selbige in die Farbe oder Beitze legen, bis sie anfangen aufzuschwellen und locker zu werden. (e) Im Bergbaue gebraucht man dieses Zeitwort noch in einem andern Verstande, als in dem Hüttenbaue; denn dort ist treiben so viel, als Berge und Erze vermittelst des von Pferde gezogenen Göpels aus der Grube ziehen. Erz oder Berge treiben, vollständiger, aus der Grube treiben. Nachdem das Treiben in die Tiefe gehet und schwertreibig ist, sind zwey bis vier Pferde nöthig. Und so noch in andern Fällen mehr. 3. In noch weiterm Verstande, durch Furcht und Drohungen und andere dringende und unwiderstehliche Bewegungsgründe zur Veränderung des Ortes bewegen, und im weiterm Verstande, zu einer Veränderung bestimmen; da denn nur allein lebendige Geschöpfe getrieben werden können. 1) Eigentlich, durch Furcht oder Drohungen fort bewegen, zur Veränderung des Ortes bestimmen; so wohl von Menschen als Thieren. Ein hoher Grad des Treibens, wo die Bewegung noch mehr beschleuniget wird, heißt jagen. Das Vieh auf die Weide, von der Weide, in den Stall, vor sich her treiben. Einen Hund aus der Stube, die Vögel von der Saat treiben. Thiere an einen Ort zusammen treiben. Ochsen, Schweine, Esel treiben, ihren Weg durch Furcht vor der Strafe bestimmen. Bey den Jägern treibt der Geißbock die Geiß, wenn er in der Brunft ist, und sie verfolget. Eben daselbst ist treiben auch eine Art der Jagd, wenn das Wildbret, welches man jagen will, durch Frucht an einen Ort zusammen gebracht wird; auf welche Art denn nicht nur das Roth- und Schwarzwild, sondern auch Federwildbret getrieben wird. ( S. Treibejagen, Treibezeug.) Ingleichen von Menschen. Jemanden in die Flucht treiben. Den Feind aus der Stadt treiben. Jemanden aus dem Hause, aus dem Besitze seiner Güter, von einem Amte treiben. Jemanden in die Enge treiben, figürlich, ihn in einen Stand versetzen, wo er sich nicht vertheidigen oder verantworten kann; eine vermuthlich aus dem Jagdwesen entlehnte R. A. wo das Wild bey einem Hauptjagen zuletzt in die Enge zusammen getrieben wird. Jemanden zu Paaren treiben, ihn in Ordnung bringen, ingleichen, ihn überwältigen. 2) In weiterm und figürlichem Verstande. (a) Durch dringende Bewegungsgründe zu einer Veränderung oder deren Beschleunigung bestimmen. Ein hoher Grad durch Anwendung äußerer Gewalt heißt zwingen. Jemanden an die Arbeit treiben, durch Befehl, Furcht, dringendes Erinnern. * Einen säumigen Schuldner zur Bezahlung treiben. Jemanden treiben, durch Erinnern, Befehle, ungestümes Bitten ihn zur Beschleunigung bewegen. Wer treibet euch? Jemanden aus einem Pachte treiben, durch ein höheres Geboth. Die Noth treibt mich dazu. Uns alle treibt ein natürlicher Trieb zu dem Glücke, diesem Ziele unserer Wünsche. Eine Sache treiben oder betreiben, sie durch dringendes Anhalten zu befördern oder zu beschleunigen suchen. (b) Figürlich. Etwas weit treiben. Mein Herr, sie treiben die Sache weit, Gell. Den Spaß zu weit treiben. Eine Sache auf das äußerste treiben. Das heiß ich die Zärtlichkeit, die Verläugnung u. s. f. weit treiben. Eine Untersuchung bis zur Sündfluth hinauf treiben. (c) Nach einer andern Figur ist eine Sache treiben, sie oft und viele ausüben, wo es so wohl im nachtheiligen Verstande, von der mehrmahligen Ausübung unerlaubter Fertigkeiten und Neigungen gebraucht wird. Hurerey, Unzucht, Blutschande treiben. Possen, Kurzweile, Unfug treiben. Einen Spott mit etwas treiben. Wucher, Gewinn treiben. Das Diebeshandwerk treiben. Muthwillen treiben. Als auch im gleichgültigen Verstande. Scherz treiben. Scherz mit etwas treiben, damit scherzen. So oft wir Worte ohne deutliche Begriffe fassen, treiben wir mit unserm Gedächtnisse den unnatürlichsten Gebrauch, Gell. Besonders von Berufsgeschäften. Eine Kunst treiben. Handlung treiben, handeln. Die Handlung im Großen treiben. Kaufmannschaft treiben. Die Studia treiben. Ein Handwerk treiben. Wirthschaft treiben. Was wundersam ist, sey es noch so unnöthig, Euklio treibt es, Gell. übt es, beschäftigt sich damit. Indessen gebraucht man es in dieser unschädlichen Bedeutung in der anständigen Schreibart nicht gern mehr, wegen des anklebenden Nebenbegriffes einer lasterhaften Fertigkeit. Selbst mit diesem Nebenbegriffe ist es im Hochdeutschen nicht in allen Fällen mehr gewöhnlich. Die biblischen, böse Stücke, Hoffahrt, Stolz, Übermuth, Falschheit, Morden und Schlagen, Schalkheit, Bosheit, Geiz, Wollust, Raub, Gewalt, Überfluß u. s. f. treiben, sind veraltet. Noch weniger würden sich folgende Ausdrücke nachahmen lassen. Sie trieb solche Worte täglich, 1 Mos. 39, 10. Das Evangelium treiben, Ephes. 16, 15. Das Werk des Herrn treiben, 1 Cor. 16, 10. Oft stehet es in dieser nachtheiligen Bedeutung absolute. Sie treiben es zu arg, machen es zu arg. Sie habens ja getrieben genug, Weiße. Sie treibens mehr denn die gegen den Aufgang und sind Tagewähler, Es. 2, 6. Wie mans treibt, so geht es. Wo es unerlaubte Fertigkeiten aller Art ausüben bezeichnet. Das Schwed. drifva wird in eben dieser figürlichen Bedeutung gebraucht; aber es ist unnöthig, es in derselben als ein eigenes verschiedenes Zeitwort anzusehen, und es mit Ihre von dem Isländ. dryggia, ausüben, abzuleiten. Der Übergang von dem Dringen, Befördern oder Beschleunigen der Bewegung, zur mehrmahligen Ausübung, ist sehr natürlich und faßlich; daher die Figur nichts ungewöhnliches hat, die sich schon in dem Lat. agere findet, welches so wohl treiben als ausüben, und in noch weiterm Verstande thun bedeutet, und unstreitig mit unserm jagen verwandt ist. So auch das Treiben, welches sehr häufig als ein Hauptwort gebraucht wird.

Anm. Schon im Isidor driban, bey dem Ottfried und seinen Zeitgenossen triban, bey dem Ulphilas dreibon, im Nieders. driren, im Angelsächs. dryfan, im Engl. to drive, im Schwed. drifva, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, bey den Krainerischen Wenden dervim. Es ist mit Traben, treffen, Trupp, und wenn man den Vorlaut abrechnet, welcher hier ein Intensivum zu machen scheinet, auch mit reiben u. s. f. verwandt. Das Lat. trudere, unterscheidet sich nur im Endlaute, so wie Gladius und Gleve, laudare und loben u. s. f. Da das b in diesem Zeitworte sehr gelinde lautet, so kann es auch in den Zusammensetzungen, besonders wenn sich das folgende Wort mit einem Mitlaute anfängt, das e euphonicum nicht entbehren, wenn es nicht wider den Gebrauch in ein p übergehen soll; obgleich harte Mundarten Treibtagen, Treibknospen u. s. f. schreiben und sprechen. Alte Zusammensetzungen mit Ableitungssylben sind auch hier, wie in andern Fällen, ausgenommen, wie Treibling. S. auch Trieb und Trifft.


Treibeofen (W3) [Adelung]


Der Treibeofen, des -s, plur. die -öfen, im Hüttenbaue, ein Ofen, worin das Silber getrieben, d. i. durch den Fluß von dem Bleye geschieden wird, und der auch der Treibeherd heißt.


Treibepech (W3) [Adelung]


Das Treibepech, des -es, plur. die -e, bey dem Goldschmieden, ein Klumpen Pech, Gold und Silber darauf zu treiben; die Pechkugel.


Treibepferd (W3) [Adelung]


Das Treibepferd, des -es, plur. die -e, im Jagdwesen, ein abgerichtetes Pferd, welches nach dem Willen des Jägers den Kopf beständig auf die Erde hält, als wenn es grasete, auch sich von demselben nach jeder Seite treiben lässet, hinter demselben das Wildbret zu erschleichen, und demselben einen Schuß anzubringen; das Schießpferd.


Treiber (W3) [Adelung]


Der Treiber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Treiberinn, eine Person, welche treibet, fast in allen eigentlichen und weitern Bedeutungen des Activi. Im Jagdwesen, werden die Treibeleute, im Hüttenbaue die zum Treiben des Silbers gehörigen Hüttenleute, im Bergbaue diejenigen, welche das Erz vermittelst des Göpels aus der Stube treiben, Treiber genannt, und so in andern Fällen mehr. So auch Eseltreiber, Schweinstreiber, Pflugtreiber u. s. f. Das biblische Treiber, der andere Menschen mit Gewalt zur Arbeit treibet, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich.


Treiberad (W3) [Adelung]


Das Treiberad, des -es, plur. die -räder, im Hüttenbaue, dasjenige Rad, welches bey dem Treiben des Silbers die Bälge treibet. In andern Fällen wird ein solches Rad, welches einen Körper in Bewegung setzet, das Triebrad genannt.


Treibesand (W3) [Adelung]


Der Treibesand, S. Triebsand.


Treibeschacht (W3) [Adelung]


Der Treibeschacht, des -es, plur. die -schächte, im Bergbaue, ein Schacht, vemittelst dessen das Erz aus der Erde getrieben, d. i. von Pferden heraus gezogen wird.


Treibeweg (W3) [Adelung]


Der Treibeweg, des -es, plur. die -e, S. Trifft.


Treibewerk (W3) [Adelung]


Das Treibewerk, des -es, plur. inus. im Hüttenbaue, dasjenige Bley, welches das Silber auf dem hohen oder Stichofen an sich gezogen hat, und hernach durch das Treiben wieder von demselben geschieden wird.


Treibezeug (W3) [Adelung]


Das Treibezeug, des -es, plur. die -e, im Jagdwesen, ein Garnsack, der vorn weit und hinten enger ist, die Repp- und Feldhühner in denselben zu treiben und sie hernach zu fangen; der Hamen.


Treibling (W3) [Adelung]


Der Treibling, des -es, plur. die -e, in der Bienenzucht, diejenigen Bienen, welche man aus vollen Körben ledige treibt. Die Endsylbe ist die Ableitungssylbe -ling.


Tremmen (W3) [Adelung]


Tremmen, verb. reg. act. welches nur in den Pfeifen-Manufacturen üblich ist, den überflüßigen Thon von der geformten Pfeife mit dem Messer wegstreichen. Daher der Tremmer, derjenige Arbeiter, welcher diese thut, und der Tremmknopf, ein von Horn gedrehter Pfropf, der runden Mündung des Pfeifenkopfes nachzuhelfen. Es gehöret, ohne Zweifel zu dem alten noch Niederdeutschen und Englischen trim, geputzt, geschmückt, trimmen, Engl. to trim, putzen, schmücken, betrimmed, geputzt, Engl. trimmed, trimly.


Trempel (W3) [Adelung]


Der Trempel, des -s, plur. ut nom. sing. bey dem Minieren, eine Stütz oder Strebe, wider ein Bret, welches gegen einen Klumpen Erde gestellet wird, daß die Erde nicht herunter falle. Es gehöret zu dem Oberdeutschen Tram, ein Balke, und dem in den gemeinen Sprecharten üblichen Trämel, Tremel, ein Knüttel, Hebebaum.


Tremse (W3) [Adelung]


Die Tremse, plur. die -n, ein nur im Niederdeutschen üblicher Nahme der blauen Kornblumen, welcher in einigen Gegenden der Trems, die Tremisse lautet.


Tremulant (W3) [Adelung]


Der Tremulant, des -en, plur. die -en, aus dem Latein. tremulare, ein bebender Ton, ein langsamer Triller. Besonders ist der Tremulant oder Tremulanten-Zug in den Orgeln, ein Zug, den Pfeifen bey traurigen Musiken einen melancholischen bebenden Ton zu geben.


Trendeln (W3) [Adelung]


Trendeln, S. Trändeln.


Trennbar (W3) [Adelung]


Trennbar, -er, -ste, adj. et adv. fähig getrennet zu werden. So auch die Trennbarkeit.


Trennen (W3) [Adelung]


Trennen, verb. reg. act. den Zusammenhang der Theile eines Körpers, und in weiterm Verstande, die Verbindung zweyer oder mehrerer Dinge aufheben. Im eigentlichsten Verstande von der körperlichen Verbindung, es geschehe übrigens auf welcher Art es wolle. Gott hat meine Feinde durch meine Hand zertrennet., wie sich das Wasser trennet, 1 Chron. 15, 11. Der die Wasser trennete vor ihnen her, Es. 63, 12. Den Kopf mit einem Hiebe von dem Rumpfe trennen. Da es ein sehr allgemeines Zeitwort ist, welches die Art und Weise unbestimmt läßt, so wird es in diesem eigentlichsten Verstande nur selten gebraucht, außer in solchen Fällen, wo kein näher bestimmen des Zeitwort hergebracht ist; die Glieder der Soldaten, eine Schlachtordnung trennen. Im engern Verstande ist es bey den Schneidern und Nähterinnen üblich, die Fäden einer Naht nach einander aufschneiden. Zwey zusammen genähete Stücke von einander trennen. Eine Naht trennen oder auftrennen. ( S. Auftrennen, Abtrennen, Zertrennen.) Figürlich, die Verbindung, zwischen zwey oder mehr Dingen aufheben. Besonders die Verbindung in Ansehung des Ortes und der Zeit. Die Kinder von den Ältern trennen. Freunde, die schon viele Jahre von einander getrennet sind. Der Tod trennt Leib und Seele von einander, ist eine Trennung des Leibes und der Seele. Aber auch in weiterm Verstande, von jeder Art der Verbindung, der Gemeinschaft. Ein Bündniß trennen. Ein Paar Eheleute trennen, wofür doch scheiden üblicher ist. Es soll uns nichts trennen. Ein Paar Kaufleute trennen sich, wenn sich gemeinschaftlich handelten und nunmehr diese Verbindung aufheben. Doch endlich trennte sie (die Eintracht) der Bosheit Höllenkraft, Haged. Wo es in engerer Bedeutung für uneins machen stehet. So auch die Trennung in allen obigen Fällen. Anm. Dieses Wort kommt bey dem Stryker zuerst vor, bey dem entrant, getrennet ist. Viele Oberdeutsche, z. B. Opitz, gebrauchen es in eben derselben irregulären Form, ich trannte, getrannt, welche aber in Hochdeutschen veraltet ist. Eine andere veraltete Form hat sich noch in abtrünnig erhalten. Da dieses Wort weder in der Niederdeutschen noch in den verwandten Sprachen vorkommt, so läßt sich dessen Abstammung nur wahrscheinlich bestimmen. Das voranstehende t scheint eine Intension zu bezeichnen, oder auch ein Activum aus einem Neutro zu bilden; wenigstens gehöret es nicht zum Stamme. Es bleibt also rennen übrig, welches das noch jetzt übliche Zeitwort zu seyn scheinet, und zwar in dem weitesten Umfange der Bedeutung, da es ursprünglich eine Onomatopöie verschiedener heftiger Bewegungen war, und mit dem Schwed. remna, bersten, dem Lat. Rima, Spalt, u. s. f. verwandt ist. ( S. Rennen.) Daher kommt vermuthlich auch die Ähnlichkeit in der irregulären Form; ich rannte, ich trannte. Das Franz. trancher, schneiden, zerschneiden, Ital. trinciare scheint davon abzustammen. Ehedem war trennen auch als ein Neutrum üblich, sich absondern, oder getrennet werden. Es hanget eine (Schuppe) an der andern, daß sie nicht von einander trennen, Hiob. 4, 8; wofür jetzt das Reciprocum sich trennen üblich ist. S. auch Scheiden, aus dessen Zusammenhaltung mit diesem Zeitworte sich der Unterschied beyder leicht bestimmen lässet.


Trense (W3) [Adelung]


Die Trense, plur. die -n. 1) * Eine runde Schnur, eine Rundschnur, Litze; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, welche aber im Niederdeutschen noch völlig gangbar ist. Auch im Schwed. ist Trens, eine runde Schnur. 2) Ein leichter Pferdezaum, dessen Mundstück ohne Stangen ist; ohne Zweifel, weil man sich statt desselben anfänglich einer bloßen starken Schnur oder eines dünnen Strickes bediente. Ein Pferd an der Trense oder mit der Trense reiten.

Anm. In der letzten Bedeutung im Nieders. gleichfalls Trense, im Schwed. Trens, im Holländ. Trensse. Es ist mit Strehne verwandt. Im Niedersächsischen ist auch das Zeitwort trensen, zähmen, zahm machen, üblich.


Trensen (W3) [Adelung]


Trensen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur bey den Jägern von dem Hirsche üblich ist. Der Hirsch trenset, wenn er nicht aus lautem Halse schreyet, sonders sich nur dann und wann hören lässet. Auch das schwache Schreyen junger Hirsche wird trensen genannt. Es ist eine unmittelbare Nachahmung dieses Geschreyes. Im mittlern Lat. kommt drensare von dem Geschrey der Schwäne, drindire, drinolare und drinorare aber, (nicht drivorare,) von der Stimme der Wiesel oder Marder vor.


Trendeln (W3) [Adelung]


Trendeln, S. Trändeln.


Trepan (W3) [Adelung]


Der Trepan, des -es, plur. die -e, ein Bohrer der Mundärzte in Gestalt einer Rennspindel, die Hirnschale in Verwundungen des Kopfes damit zu durchbohren. Der Nahme ist aus dem Franz. Trepan, Ital. Trepano, welche wieder von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - abstammen. Im Deutschen könnte man ihn Schädelbohrer oder Kopfbohrer nennen. Das von einigen versuchte Hirnbohrer ist unschicklich.


Treppe (W3) [Adelung]


Die Treppe, plur. die n, Dimin. das Treppchen, Oberd. Trepplein, eine aus mehrern Stuffen bestehende Anstalt, darauf in die Höhe oder in die Tiefe zu steigen, welche in den gemeinen Mundarten eine Steige oder Stiege heißt. Die Stufen unterscheiden eine Treppe von einer Leiter, welche nur Sprossen hat. Eine steinerne, hölzerne Treppe. Die Kellertreppe, Bodentreppe, Schnecken- oder Wendeltreppe, Freytreppe. Die gebrochene Treppe, welche mit Ruheplätzen versehen ist. Die Treppe hinauf, hinab steigen, gehen oder laufen. Im Hochdeutschen erfordert eine Treppe viele Stufen, daher man daselbst nicht sagt, die Altartreppe oder Throntreppe, wie in einigen Provinzen üblich ist, sondern die Altarstufen, oder die Stufen zum Altar, zum Throne, oder des Altares, des Thrones.

Anm. Im Nieders. gleichfalls Treppe, im Schwed. Trappa, im Holländ. Trap. Es stammet von Trappen her, so fern es ehedem treten oder steigen überhaupt bedeutete, wie Steige oder Stiege von steigen. Im Pohln. ist Drab, Drabina, die Leiter.


Treschak (W3) [Adelung]


Das Treschak, des -es, plur. car. eine Art des Kartenspieles, welche besonders unter dem großen Haufen üblich ist, und im Franz. Brelan lautet. Treschak spielen, welches auch wohl treschaken genannt wird. Da hier der Ton wider die Gewohnheit aller Deutschen Wörter auf der Ableitungssylbe lieget, so erhellet schon daraus, daß es in einer fremden Sprache zu Hause ist, ob ich gleich dieselbe jetzt nicht näher bestimmen kann. Die gemeine Niederdeutsche Mundart hat noch das Zeitwort treschaken, trischiken dreschaken, welches daselbst für prügeln gebraucht wird, welches aber auch den Ton auf die ausländische Endsylbe aken hat, und daher gleichfalls entlehnet zu seyn scheinet, obgleich die erste Hälfte unstreitig unser dreschen ist.


Tresekammer (W3) [Adelung]


Die Tresekammer, plur. die -n, nur in einigen Gegenden ein Nahme einer Schatzkammer, ingleichen de Sacristey an den Kirchen, oder desjenigen Ortes, wo die Schätze, Geräthschaften de Kirche verwahret waren, und endlich eines Archives, weil man die Urkunden ehedem mit dem Schatze an Einem Orte, oder als einen Schatz, verwahrete. In der letzten Bedeutung eines Archives ist es noch in Hamburg, von einer Sacristey aber, an mehrern Orten üblich. In einigen Gegenden verderbt Treweskammer, Trewenskammer. Die erste Hälfte ist das veraltete Threso, Tres, Tris, Dres, in Lipsii Glossen Trise, ein Schatz, welches entweder von dem Franz. Tresor, und mit demselben von dem Lat. Thesaurus, abstammet, oder doch mit denselben Einer Quelle angehöret. Im mittlern Lat. Triscamera, daher Triscamerarius, der Schatzmeister oder Kämmerer.


Trespe (W3) [Adelung]


Die Trespe, plur. car. ein Nahme, welcher nicht allein in Schriften, sondern auch in gemeinen Leben einer vierfachen Art eines unter dem Getreide wild wachsende Unkrautes beygeleget, und dadurch viele Verwirrung verursachet wird. 1) Dem Wind- oder Taubhafer, Avena paniculata L. 2) Dem Raden, Agrostema, Githago L. 3) Dem Schwindelhafer oder Lolch, Lolium L. welcher auch Dorten, Twalch, Tewer, Tausch genannt wird. Und endlich 4) dem Bromus secalinus L. der diesen Nahmen vielleicht mit dem meisten Rechte führet, ob er gleich auch in vielen Gegenden dem Lolche beygeleget wird. Dieses Unkraut siehet dem Rocken ähnlich, und viele Landwirthe behaupten, daß er in einem feuchten nassen Boden aus dem Rocken entstehe, und in einem trocknen und guten wieder in denselben übergehe. Der Nahme lautet, nachdem die Mundarten sind, bald Trespe, Drespe, bald auch Trebs, und in Thüringen Dreff, wo man aber den Lolch darunter verstehet.


Tresse (W3) [Adelung]


Die Tresse, plur. die -n, Diminut. das Treßchen, ein aus Gold- und Silberfäden, zuweilen auch aus Seide gewebter Streifen in Gestalt eines Bandes, womit man die Ränder oder Nähte verschiedener Kleidungsstücke einzufassen oder zu besetzen pflegt. Die Bandtresse, Lahntresse, durchbrochene Tresse, goldene, silberne Tresse u. s. f. Ein Kleid mit Tressen besetzt, ein Tressenkleid. Ein mit Tressen besetzter Hut, ein Tressenhut. Mit Tressen besetzt, wofür auch das aus dem Französischen entlehnte bordiert üblich ist.

Anm. Es ist ohne Zweifel aus dem Franz. Tresse entlehnet, indem die Sache selbst eine Französische, wenigstens eine ausländische Erfindung ist. Das Franz. Tresse bedeutete ehedem ein jedes geflochtenes Band, und scheinet echt Deutschen Ursprunges zu seyn, und von dem Nieders. Trasse, Trosje, ein dünner Strick auf den Schiffen, eine Leine, abzustammen, welches wieder von einem veralteten trassen, ziehen, (ehedem tragen, Nieders. trecken, Latein. trahere, Ital. trassare,) abstammet von welchem Worte Trietze in manchen Niederdeutschen Gegenden eine Winde bedeutet. ( S. auch Trense.) Das Franz. Dresse, wovon auch unsere Perrückenmacher ist Dresse haben. ( S. dieses Wort,) scheinet mehr von dresser abzustammen, welches mit unserm richten verwandt ist. Einige Obersachsen schreiben und sprechen dieses Wort irrig Dresse.


Trester (W3) [Adelung]


Die Trester, sing. inus. die unbrauchbaren Überbleibsel eines ausgepreßten oder ausgekochten vegetabilischen Körpers, welche in manchen Fällen auch Träber oder Drüsen genannt werden. In engerer Bedeutung sind die Trester, die von den ausgepreßten Weintrauben übrig gebliebene Hülsen und Kämme; die Weintrester, Weinträber. Daher der Tresterwein, ein schlechter Wein, der vermittelst aufgegossenen Brunnenwasser aus den Trestern ausgepresset wird; Nachwein, Lauer, in den niedrigen Sprecharten Lurke.

Anm. Schon bey dem Notker Trester, in den gemeinen Sprecharten Triester, Tröster. Es ist von Drusen, so fern es gleichfalls solchen unnützen Überrest bedeutet, und unserm Träber nur im Endlaute unterschieden. Träber und Trester werden nur im Plural gebraucht, und dieser Plural setzet einen veralteten Singular voraus, welcher Trab oder Träb und Trest geheißen. Hat aber der Singular, wie wahrscheinlicher ist, Traber oder Träber und Trester gelautet, so sollte der Plural billig ein n bekommen: die Träbern, die Trestern. Indessen ist es doch ohne n am gewöhnlichsten.


Treten (W3) [Adelung]


Treten, verb. irreg. ich trete, du trittß, er tritt, wir treten u. s. f. Imperf. ich trat; Mittelw. getreten; Imper. tritt. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn. 1. Eigentlich, in der Bewegung des Fußes mit dessen untern Fläche berühren, wo es auf verschiedene Art gebraucht wird. Absolute und als ein Neutrum, von der Art und Weise des Ganges. Leise treten, sanft treten, im Gehen leise oder sanft auftreten. Der Ort oder das Ding, welche man auf solche Art berühret, wird hier mit einem Vorworte ausgedruckt. Im Gehen derb auf den Boden treten. Auf etwas treten. In den Koth, in das Wasser, in die Pfütze treten. In jemandes Fußstapfen treten, auch figürlich seinem Beyspiele folgen, ihm nachahmen. Auf ein Bret, auf den Stein treten. Oft beziehet sich die Präposition auf den Fuß, oder dessen Theile. Auf die Füße treten, d. i. aufstehen, von einem Sitzenden oder Liegenden. Ich trat auf meine Füße, Ezech. 2, 2. Auf die Zehen treten. 2. In weiterer und figürlichen Bedeutung. 1) Für Gehen, doch nur, wenn eine Veränderung des Ortes vermittelst Eines oder weniger Tritte oder Schritte bezeichnet werden soll. An das Fenster, auf die Seite, vor den Tisch, zum Altar treten. Zu jemanden treten. Einem unter die Augen treten, sich ihm nahen. Bey Seite treten. Von ferne treten. Ans Land treten, steigen. Herein treten, in das Zimmer treten, in die Thür treten. Hervor treten. Zusammen treten, auch figürlich, sich verbinden, vereinigen. Daher die figürlichen R. A. Jemandes Ehre zu nahe treten, seine Ehre kränken, beleidigen. Der Wahrheit, der schuldige Achtung zu nahe treten. Auf jemandes Seite treten, seine Partie nehmen, ihn vertheidigen, es mit ihm halten. Ins Mittel treten, zwey streitige Personen zu vereinigen suchen. An jemandes Stelle treten. Ängstliche Träume traten an die Stelle froher Gedanken. 2) In weiterer Bedeutung auch von leblosen Dingen, wenn sie ohne äußere sichtbare bewegende Kraft den Ort verändern. Im Frühling, wenn der Saft in die Bäume tritt. Das Wasser tritt in die Röhre, der Wein tritt in den Arm des Hebers. Wenn die Sonne in den Stier tritt. Die Geschwulst trat immer weiter, Gell. Die Thränen traten ihm in die Augen. 3) Figürlich, sich in einen Zustand begeben, zuweilen auch in einen Zustand gerathen; doch nur in einigen Fällen. In ein Amt treten, ein Amt antreten. Bey jemanden in Dienste treten. In jemandes Dienst treten. In einen Orden, in den Ehestand treten. In das funfzigste Jahr seines Alters treten. Zu einer Religion treten. Der Hirsch tritt in die Brunft, wenn er anfängt zu brunften. II. Als ein Activum mit der vierten Endung. Sich einen Dorn, einen Nagel in den Fuß treten, im Gehen oder Treten in den Fuß stoßen. Etwas entzwey, in Stücke treten. Die Schuhe schief treten. Etwas in den Koth treten. Jemanden mit Füßen treten. Etwas unter die Füße treten, auch figürlich, es verächtlich behandeln und hintan setzen. Die Gesetze der Ordnung unter die Füße treten. Jemanden treten, ihn mit der Fußsohle stoßen oder drücken. Ihn auf den Fuß treten. Einen Wurm treten. Auch das friedlichste Würmchen beißt, wenn man es treten will. Besonders durch Treten bearbeiten oder eine Art der Zurichtung geben. Die Töpfer treten den Thon, die Gärber die Felle. Die Weintrauben oder den Wein treten, im Oberdeutschen auch trotte, den Saft mit den Füßen ausquetschen, eine Art des Kelterns. Die Bälge der Orgel, oder die Orgel treten, die Blasebälge durch Treten in Bewegung setzen. Das Pflas=ter treten, figürlich, müßig auf der Gasse herum gehen, ( S. Pflas=tertreter.) In der dichterischen Schreibart wird dieses Activum zuweilen für betreten gebraucht. Der Staub, den ich jetzt trete, der Staub war ihr Geheim, Dusch. Bezeichne seinem Schüler den blumenreichen Pfad Zum Heiligthum der Wahrheit, den er getreten hat, eben ders. Als er den Boden trat, Ließ er Violen und Hyacinthen im Fußtritt zurücke, Raml. Figürlich gebraucht man dieses Activum sehr häufig von dem männlichen Geschlechte der Vögel und alles Federviehes für befruchten. Der Hahn tritt die Henne, der Täuber die Taube. Im mittlern Lat. kommt calcare gleichfalls für coire vor. So auch das Treten. S. auch Tritt, ingleichen die Zusammensetzungen Abtreten, Antreten, Auftreten, Austreten, Betreten, Beytreten, Eintreten, Nachtreten, Vertreten, Übertreten, Zutreten, Zertreten u. s. f.

Anm. Schon bey dem Ulphilas trudan, bey dem Ottfried dretan und (intensive) drettan, bey dem Notker (intensive) tretten, im Imperf. trettoto, in Oberschwaben noch jetzt dretten, im Österreich. tretten, (wovon tritt und trittst herstammen,) am Rhein trotten, in Nieders. treden, zusammen gezogen treen, im Fries. tridden, im Angels. tredan, im Engl. to tread, im Isländ. troda, im Schwed. träda, gehen, schreiten, und trada, treten calcare, im Lat. tero, tritum. Daher ist im Wallisischen Trout und Trud, und im Isländ. Troith, der Fuß. Treten ist eine Nachahmung des Lautes, welcher durch das Niedersetzen des Fußes verursacht wird, und dem Laute des Stampfens und Stoßens ähnlich ist, daher treten ehedem auch stoßen bedeutete, trudere, welche Bedeutung das Niederdeutschen treiten noch hat. Der dem andern sin vihe trett mit sinem wagen, quetschet oder stößet, in dem Augsburgischen Stadtbuche aus dem 13ten Jahrhunderte. ( S. auch Reiten in Reittenne und streiten in Bestreiten.) Die Niedersachsen haben von treten das Iterativum tredden, oft und lange treten, Oberd, tretten. Eben daselbst bedeutete treden ehedem auch betreffen, angehen, wo es für treffen stehet, von welchem es, so wie von traben, (im Lat. hat das Perf. von tero, trivi, und das Sup. tritum,) ingleichen von trappen, Treppe u. s. f. nur im Endlaute verschieden ist.


Treter (W3) [Adelung]


Der Treter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Treterinn, eine Person, welche tritt, am häufigsten in den Zusammensetzungen, Orgeltreter oder Bälgentreter, Keltertreter oder Weintreter, Pflas=tertreter, Leisetreter, Austreter, Nachtreter, Übertreter u. s. f. In engerer Bedeutung sind die Treter, im Oberdeutschen Trottknechte, diejenigen, welche die Weintrauben mit den Füßen zertreten, um den Most von den Hülsen und Kämmen abzusondern.


Tretrad (W3) [Adelung]


Das Tretrad, des -es, die -räder, ein Rad, welches durch Treten umgedrehet wird, welches entweder von innen oder von außen, entweder von Menschen oder von Thieren, geschiehet; in einigen Gegenden des Trittrad, Krahnrad.


Tretstock (W3) [Adelung]


Der Tretstock, des -es, plur. die -stöcke, bey den Kürschnern, eine Tonne auf einem kupfernen dreybeinigen Kessel, die Pelze darin mit Sägespänen rein zu treten. Eine ähnliche Tonne heißt bey den Gärbern die Trampeltonne.


Treu (W3) [Adelung]


Treu, -er, -este, adj. et adv. ein in verschiedenen Bedeutungen übliches Wort, wofür auch getreu gebraucht wird, ohne daß sich genau bestimmen ließe, welchem von beyden der Vorzug gebühret, indem sie beyde gleich üblich zu seyn scheinen. So fern getreu länger, und daher zur Erhaltung der Ründe der Rede bequemer ist, wird es dem treu in der anständigen Schreib- und Sprechart oft, obgleich nicht alle Mahl, vorgezogen. Es bedeutet, 1. Der Wahrheit völlig gemäß; im Gegensatze des untreu. Ein treues Gemählde, eine treue Copie, eine treue Ab- fangen; ein Fallstrick. Stricke legen. Daher das Wort Strick in der Deutschen Bibel häufig figürlich für Nachstellung, Verführung u. s. f. gebraucht wird. Eben daselbst wird es auch zuweilen für Seil gebraucht. Stricke an die Stadt werfen und in den Bach reißen, 2 Sam. 17, 13. Die Stricke vom Kahn abhauen, Apost. 27, 32. In welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen veraltet ist, außer etwa in den niedrigen Sprecharten oder im verächtlichen Verstande.

Anm. Im Nieders. gleichfalls Strick, im Tatian Stricu, bey dem Notker Strigh, bey dem Winsbeck Strik, im Schw. Strek. Es scheinet nicht von Strang, strenge, stringere, binden u. s. f. abzustammen, sondern mit stricken zu drehen zu gehören, von welchem es ein doppeltes Intensivum ist. Denn in der Verfertigungsart scheinet das eigenthümliche Unterscheidungsmerkmahl eines Strickes zu liegen, Ein Strick ist eine Seilerarbeit, welche nur einfach zusammen gedrehet, oder aus vier oder acht einfachen Faden gesponnen wird, dagegen Stränge und andere dauerhaftere Seilerwaaren aus gezwirnten Faden bestehen. Und aus dieser einfachen und schlechten Verfertigungsart rühret auch der verächtliche Nebenbegriff dieses Wortes her. Übrigens unterscheidet sich ein Strick durch die größere Dicke oder Stärke von einer Schnur, und durch die geringere Länge von einem Seile oder einer Leine, obgleich diese zuweilen auch nur aus einfachen Faden, wie ein Strick gesponnen werden. Wenn in den niedrigen Sprecharten ein liederlicher nichtswürdiger Mensch ein Strick genannt wird, so kann solches theils eine Figur von einem Stricke zum Hängen seyn, einen des Stranges würdigen Menschen zu bezeichnen, in welchem Verstande auch wohl Galgenstrick gebraucht wird, oder von streichen, Nieders. striken, einen Landstreicher zu bezeichnen, welcher um das Jahr 1482 im Oberdeutschen noch Strickling heißt. Im Nieders. ist Strick auch eine liederliche Weibesperson, und Huren pflegt man doch eben nicht zu hängen.


Treue (W3) [Adelung]


Die Treue, plur. car. das Abstractum des vorigen Wortes. 1. Die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie der Wahrheit völlig gemäß ist. Die Treue eines Gemähldes, einer Abschrift. Noch häufiger ist es die Eigenschaft oder Fertigkeit einer Person, da sie sich der Wahrheit mit Anwendung aller Kräfte zu befleißigen sucht; doch auch nur in einigen Fällen. Die Treue eines Mahlers, eines Geschichtschreibers. 2. Die Fertigkeit des beständigen und möglichsten Gebrauches seiner Kräfte. Seine Kräfte mit möglichster Treue gebrauchen. Die Treue eines Arbeiters. Sich der Treue befleißigen. Jemanden mit aller Treue pflegen und warten. 3. In engerer Bedeutung, diese Fertigkeit in Beförderung des Besten anderer, man mag dazu verpflichtet seyn oder nicht. Im ersten Falle gehöret es eigentlich zur folgenden vierten Bedeutung. Treue an jemanden beweisen, jemanden viele Treue erweisen. Die Treue eines Hundes. Sich jemandes Treue befehlen. 4. Diese Fertigkeit in Erfüllung seiner Pflichten. 1) Im weitesten Verstande. Jemandes Treue auf die Probe stellen. 2. In einigen engern Bedeutungen. (a) Diese Fertigkeit in pflichtmäßiger Beförderung des Besten anderer, in welchem Verstande die Treue eine Pflicht der Unterthanen gegen ihre Obrigkeit, der Bedienten gegen ihre Herren u. s. f.; im Gegensatze der Untreue und der Treulosigkeit. Die Treue halten, eine veraltete R. A. Die Treue verletzen, brechen. Zuweilen wird auch dieses feyerliche Versprechen der Treue gegen den Landesherren und die Obrigkeit die Treue genannt. ( S. Handtreue.) Der Obrigkeit Treue und Pflicht leisten. (b) Diese Fertigkeit in unverletzter Erhaltung der einer Person andern Geschlechtes versprochene Liebe; im Gegensatze der Untreue. Die Treue eines Liebhabers. In engerer Bedeutung ist die eheliche Treue, die Enthaltung vor allen Beywohnung fremder Personen. (c) Diese Fertigkeit in pflichtmäßiger Haltung und Beobachtung seines Versprechens, die Wahrhaftigkeit in Ansehung seiner Zusagen; in welcher Bedeutung das Beywort treu nicht gewöhnlich ist. Seine Treue zum Pfande setzen. Treu und Glauben. Das ist wider Treu und Glauben. Auf Treu und Glauben handeln. Bey meiner Treu! Auf meine Treu! eine im gemeinen Leben übliche Art der Versicherung, mea fide, Franz. ma foi. (d) Diese Fertigkeit alle Entwendung des Eigenthums anderer pflichtmäßig zu vermeiden; im Gegensatze der Untreu. Die Treue des Gesindes. Jemandes Treue auf die Probe stellen. Seine Treue ist mir verdächtig.

Anm. Bey dem Willeram Truiuua, bey dem Notker Triuua, im Nieders. Troue, welches daselbst aber auch eine Eheversprechung, ein Verlöbniß, ingleichen ein Brautgeschenk bezeichnet. ( S. 1. Trauen,) im Angels. Treova, im Schwed. Tro, im Epirot. Droe. Treu. treue, 1 und 2 Trauen trau und Traut, sind insgesammt Wörter Eines Geschlechtes; allein alle ihre heutigen Bedeutungen sind figürliche, indem die eigentliche veraltet ist, daher sich dieselbe so wohl, als das Band zwischen diesen figürlichen Bedeutungen nur muthmaßlich errathen lässet. ( S. Trauen.) Daß Treue ehedem auch Zutrauen bedeutet haben müsse, erhellet unter andern auch aus dem folgenden treuherzig. Das e an dem Hauptworte Treue, als das Zeichen des Abstracti, wird im gemeinen Leben oft verbissen, besonders, wenn ein Selbstlaut folgt; Treu und Glauben. Im Oberdeutschen pflegt man dieses Wort statt der dritten Endung des Singulars gern in die dritte Endung des Plurals zu setzen; mit Treuen. Die ich mit Triuwen minne, einer der Schwäbischen Dichter. Auf Recht und in Treuen, Opitz. Euch, euch wird er und eurer Kinder Schaar Mit allen Treuen meynen, eben ders. Das Volk, das du regierest, Das dich mit Treuen meynt, eben ders. Das zeig ich euch an aus Trewen, Theuerd. Welche Form aber im Hochdeutschen unbekannt ist.


Treuge (W3) [Adelung]


+ Treuge, -r, -ste, adj. et adv. ein provinzielles, nur in einigen gemeinen Mundarten, besonders Meißens und Niedersachsens, für trocken übliches Wort. Das Meer treuge machen. Nahum 1, 4. Die Wasser werden treuge werden, Es. 19, 6. Meine Schäfchen sind im Treugen, Less. So auch das Zeitwort treugen, für trocken. Die Wäsche treugen. Daher der Treu- geplatz, ein freyer Platz, wo die Wäsche getrocknet wird, der Trockenplatz. Aus dem Nieders. dröge, drögen, welches eigentlich das Stammwort des davon gebildeten intensiven trocken und trocknen ist; indessen sind doch diese in der anständigen Sprechart der Hochdeutschen üblicher geworden, und haben das ältere Stammwort den gemeinen Sprecharten der Ober- und Niedersachsen überlassen. S. Trocken.


Treuherzig (W3) [Adelung]


Treuherzig, -er, -ste, adj. et adv. eigentlich Zutrauen zu einem andern habend, doch am häufigsten nur noch in engerer Bedeutung, aus überwiegendem Zutrauen zu einem andern vertraulich in Entdeckung solcher Dinge, welche von ihm übel empfunden werden können, und darin gegründet. Treuherzig seyn. Ein treuherziger Mensch. Machen sie ihn treuherzig. Ein treuherziges Bekenntniß. Daher die Treuherzigkeit, diese Eigenschaft ohne Plural, und zuweilen auch ein solches Betragen, mit dem Plural.

Anm. Es ist aus treu und Herz zusammen gesetzet, ein treues Herz habend; wo treu noch eine jetzt veraltete Bedeutung hat, Zutrauen zu jemanden habend.


Treulich (W3) [Adelung]


Treulich, adv. welches von treu und der Ableitungssylbe -lich zusammen gesetzet ist, auf treue oder getreue Art, in allen Bedeutungen des Beywortes. 1) Auf eine der Wahrheit gemäße Art. Es ist mir treulich leid, Theuerd. Treulich nach dem Leben gezeichnet. Etwas treulich bekennen. 2) Mit pflichtmäßiger Anstrengung aller Kräfte. Treulich dienen, 1 Mos. 30, 26. Treulich arbeiten. Ein Amt treulich verwalten. 3) Mit anhaltender Bemühung jemandes Bestes zu befördern. Es treulich mit jemanden meynen. Jemanden treulich pflegen und waten. Ihn treulich warnen. Ihm treulich helfen oder beystehen. Treulich für jemanden sorgen. 4) Mit anhaltender Bemühung seine Pflichten zu erfüllen. Treulich Wort halten. Sein Versprechen treulich erfüllen.

Anm. Bey dem Ottfried driulih und drutlicho, im Nieders. troulik und trouliken, auch wohl bey einigen Oberdeutschen treulichen. Manche Schriftsteller gebrauchen es auch als ein Beywort, in welcher Gestalt es doch im Hochdeutschen seltener vorkommt; wohl aber gebraucht man für treulich oft das verlängerte getreulich.


Treulos (W3) [Adelung]


Treulos, -er, -este, adj. et adv. der Treue beraubt, doch nur in engerer Bedeutung, der pflichtmäßigen oder angelobten Treue beraubt, und darin gegründet, wofür auch wohl das gelindere untreu gebraucht wird, welches aber übrigens von weiterer Bedeutung ist. Man ist oder nicht treulos, wenn man die jemanden schuldige Treue bricht. Ein treuloser Ehegatte, Unterthan, Soldat, Freund u. s. f. Treulos an jemanden handeln. An seinem Herren, oder auch seinem Herrn treulos werden. Ein treuloses Betragen. Daher die Treulosigkeit, diese Eigenschaft, ohne Plural, zuweilen auch eine treulose Handlung, mit demselben.

Anm. Im Schwabenspiegel triuuueloz. Es ist von dem Hauptworte Treue. Notker gebraucht dafür zurtrinuue.


Treusche (W3) [Adelung]


Die Treusche, S. Aalraupe.


Treuschling (W3) [Adelung]


Der Treuschling, ein Schwamm, S. Träuschling.


Triangel (W3) [Adelung]


Der Triangel, des -s, plur. ut nom. sing. eine von drey Linien oder Seiten eingeschlossene Figur. Aus dem Lat. Triangulum, wofür im Deutschen Dreyeck üblich ist. Bey einigen verderbt Dreyangel.


Tribulieren (W3) [Adelung]


Tribulieren, verb. reg. act. durch unnöthige und gleichsam zur Lust verursachte Beschwerden beunruhigen und plagen; plagen placken, in den niedrigen Sprecharten scheren. Man tribulieret jemanden, so wohl durch anhaltendes beschwerliches Bitten, als durch Verursachung anderer unnöthigen Beschwerden. Im Ital. tribolare, tribulare, aus dem mittlern Lat. tribulare, und dieß nicht von Tribulum, sondern als ein Iterativum eines andern Zeitwortes, welches mit unserm treiben Eines Geschlechtes ist. Bey dem Hornegk ist Triblian, Plage, Qual.


Tribunal (W3) [Adelung]


Das Tribunal, des -es, plur. die -e, bey einigen auch die -näle, aus dem Lat. Tribunal, ein Gerichtshof, da denn in einigen Provinzen nur die höchsten Gerichtshöfe oder Gerichte diesen Nahmen führen.


Tribut (W3) [Adelung]


Der Tribut, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Summen, die -e, eine von einem höhern aufgelegte Abgabe, wo dieses Wort so wohl von solchen Abgaben gebraucht wird, welche man überhaupt den bezwungenen Völkern oder Gesellschaften ohne besondere Bestimmung derjenigen Dinge, wovon sie gegeben werden, aufleget. Den Heide Tribut geben, Hos. 8, 9. Als auch von denjenigen Abgaben an den Landesherren, welche theils von den liegenden Gründen, theils auch von den Personen, gegeben werden, wofür doch in den meisten Ländern Steuer, Schatzung u. s. f. üblicher sind. Dem Könige Tribut bringen, Jes. 4, 6. Einem Tribut auflegen. Den Tribut einfordern, bezahlen. Daher tributbar, dem Tribute unterworfen. Ingleichen figürlich, was man von andern als eine Schuldigkeit zu fordern berechtigt zu seyn glaubt. Der Stolze würde trostlos seyn, wenn die Welt nur einen Theil seiner Mängel sähe, und gleichwohl fordert er von der Welt den Tribut der Ehre und Bewunderung, Gell. Es ist aus dem Lat. Tributum, wovon schon im Tatian Tribuz vorkommt.


Trichter (W3) [Adelung]


Der Trichter, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Trichterchen, Oberd. Trichterlein, ein hohles Werkzeug in Gestalt eines Kegels, mit einer weiten Öffnung und engen Röhre am Ende, flüssige oder aus kleinen Theilen bestehende feste Körper dadurch in ein Gefäß zu bringen. Durch einen Trichter gießen oder schütten. Ein blecherner, gläserner, hölzerner Trichter. Der große hölzerne Trichter in den Mühlen, das Getreide dadurch auf den Stein zu schütten, ist unter dem Nahmen des Rumpfes am bekanntesten, so wie man einen großen Trichter von einer andern Gestalt in den Brauhäusern auch Füllfaß nennet, weil er aus einem oben offenen Fasse mit einem hohlen Fuße bestehet, das Bier dadurch in die Fässer zu füllen. Figürlich ist der Trichter oft eine kegelförmige Öffnung, deren Spitze nach unten gekehret ist; z. B. in der Ingenieurkunst, der Trichter einer Mine, die kegelförmige Öffnung oder Gruft, welche die gesprungene Mine durch den Auswurf der Erde verursacht, welche auch wohl der Auswurf genannt wird.

Anm. In einigen gemeinen Mundarten Trächter, in Nieders. Trechter, in Böhm. Trychtyr, im Isländ. Trekt, im Schwed. Tratt. Einige haben es sehr gezwungen von dem Alt. Traiectorium abgeleitet. Die Endsylbe -er ist die Ableitungssylbe, welche so wohl ein Werkzeug, als auch ein Subject, bedeutet. Das vorher gehende t kann ein Zeichen eines Intensivi seyn. Trichter scheinet entweder überhaupt den Begriff eines hohlen Raumes oder Gefäßes zu haben, da es denn mit Truhe und Trog verwandt seyn würde, oder auch ein Werkzeug zu bedeutet, durch welches etwas läuft, da es denn von triefen sich nur im Endlaute, und von dem veralteten richan, fließen, laufen, ruere, regen, sich nur durch das vorgesetzte vermuthlich intensive oder factitive t unterscheiden würde. In einigen Gegenden ist Rechter ein Sieb, welches zu Räder und 2 Reiter gehöret, S. diese Wörter.


Trichtern (W3) [Adelung]


Trichtern, verb. reg. act. welches nur in dem zusammen gesetzte eintrichtern, und auch hier nur im figürlichen Verstande üblich ist.


Trichterwinde (W3) [Adelung]


Die Trichterwinde, plur. die -n, eine Art ausländischer Winde mit einer trichterförmigen Blumenkrone; Ipomaea L.


Trieb (W3) [Adelung]


Der Trieb, des -es, plur. die -e, das Abstractum des Zeitwortes treiben, welches in verschiedenen Bedeutungen desselben gebraucht wird. 1. Von dem Neutro treiben, sind die Triebe, die jungen Schößlinge eines Baumes oder Gewächses, welche der Same oder das Gewächs seit kurzem getrieben hat. Die jungen Triebe vor dem Viehe verwahren. 2. Von dem Activo treiben. 1) Die Handlung des Treibens, gemeiniglich, ohne Plural und nur in einigen Fällen. So ist der Trieb des Viehes, die Handlung, da man das Vieh auf die Weide treibt. Bey den Jägern ist der Trieb zuweilen das Treiben oder Treibejagen. Den Trieb blasen, mit dem Hiefhorn das Zeichen zur Fortsetzung des Treibens geben. In Abtrieb, Antrieb, Betrieb, Vertrieb, kommt diese Bedeutung noch in mehrern Fällen vor. In engerer Bedeutung ist es auch das Recht zu treiben, besonders in der Land- und Hauswirthschaft, das Recht, sein Vieh, so wohl durch einen Ort auf die Weide zu treiben, der Durchtrieb, als auch, es auf des andern Grund und Boden zur Weide zu treiben, der Viehtrieb, das Triebrecht, die Huth, die Weide, die Trifft. Ohne Plural. Ingleichen der Ort, so wohl durch welchen das Vieh auf die Weide getrieben wird, wofür doch Trifft üblicher ist, als auch, auf welchen das Vieh zur Weide getrieben wird; die Trifft, die Weide, die Huth, im Oberd. die Trat. In dieser Bedeutung mit dem Plural. 2) Dasjenige, was getrieben wird, doch nur in einigen Fällen. So ist ein Trieb Ochsen, Schafe, so viel als zugleich getrieben werden, eine Herde. 3) Dasjenige, was ein anders Ding treibt, oder dessen Kraft zur Thätigkeit bestimmt; Nieders. Drift. Auch nur in einigen Fällen. So wird das Treibrad oder Triebrad, d. i. dasjenige Rad, welches ein anderes treibt, zuweilen der Trieb genannt, so wie das, welches getrieben wird, das Getriebe heißt. In moralischen Verstande ist es in Antrieb üblich 4) Der Zustand, da man treibt, ohne Plural, und auch nur in einigen wenigen Fällen. Ein Schießgewehr hat einen guten Trieb, wenn es gut treibt, oder die Kugel weit treibt. 5) Der Zustand, da man getrieben wird, auch ohne Plural. In den Trieb kommen, welches ift auch in weiterer Bedeutung so viel ist, als in den Gang, in die Bewegung kommen. In langen Kanonen oder Läufen verlieret die Kugel einen Theil ihres Triebes, ehe sie zur Mündung kommt. Im Nieders. Dreve, Trift, auch bey einigen Hochdeutschen Trifft. Frisch führet aus dem Pictorius an: ich bin auf dem Triff dir Gutes zu thun, im Begriffe, im Triebe, in der Laune. 6) Die Bestimmung der Kraft eines lebendigen Geschöpfes, nach welcher sie wirksam zu werden sich bemühet; eine Figur der vorigen fünften, vielleicht auch der dritten Bedeutung; das es denn so viele Arten von Trieben gibt, als es Arten der Kraft oder auch der Bestimmung gibt. Im Nieders. Drift. In Ansehung der letztern verstehet man gemeiniglich eine solche Bestimmung der wirkenden Kraft, welche nicht bloß von unserm Vorsatze herrühret. Äußert sie sich ohne deutliche Erkenntniß, so heißt sie Instinct, Naturtrieb, wovon die Kunsttriebe der Thiere eine Art sind. Einen Trieb zum Stuhlgange, zum Schlafen, zum Beyschlafe empfinden. Uns alle treibt ein natürlicher trieb zu dem Glücke, diesem Ziele unserer Wünsche. Der Trieb der Schamhaftigkeit des Gewissens. Keinen Trieb zu etwas haben. Einen Trieb bey sich empfinden. Es gibt daher auch Triebe, welche aus lebendiger Erkenntniß überwiegender Bewegungsgründe herrühren. Etwas aus eigenen Triebe oder Antriebe thun. Trieb wird in dieser ganzen Bedeutung so wohl von dem unbekannten Etwas, welches unsere wirkende Kraft zu Thätigkeit bestimmt, als auch von dieser auf solche Art bestimmten Kraft selbst, gebraucht. Die Neigung ist eine Bestimmung des Wollens, und Trieb eine Bestimmung der Kraft. Beyde werden indessen häufig mit einander verwechselt, besonders, wenn der Wille oder das Wollen als eine wirkende Kraft angesehen wird; woraus zugleich erhellet, daß Trieb eine stärkere Bestimmung bedeuten muß, als Neigung. Um der Bequemlichkeit des Reims willen, wird Trieb bey den Dichtern häufig im engsten Verstande für Liebe gebraucht. Entdecke Sylvien die Regung deiner Triebe, Gell.


Triebe (W3) [Adelung]


Die Triebe, plur. die -n, nur in einigen Provinzen, z. B. in Meißen für Trieb 2. 1), oder Trifft, da es denn in einigen Gegenden auch Tröbe und Treibe lautet.


Triebel (W3) [Adelung]


Der Triebel, des -s, plur. ut nom. sing. von dem veralteten trieben für treiben, ein Werkzeug zum Treiben, doch nur in einigen Fällen. Bey den Böttichern ist es ein Werkzeug, die Reife damit anzutreiben. An den Spuhlrädern ist der Triebel der krumme Arm an der Welle, dieselbe, und mit ihr das Rad umzudrehen; in andern Fällen der Drehling, die Kurbe. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist der Triebelmeister, so viel als Zeidel- oder Bienenmeister, und das Triebelgericht, so viel als Zeidler- oder Zeidelgericht; in welchen Fällen es aber allem Ansehen nach zu einem andern Stamme, oder doch zu einer andern Bedeutung des Zeitwortes treiben gehören.


Triebfeder (W3) [Adelung]


Die Triebfeder, plur. die -n, eine elastische Feder, so fern sie die Theile einer Maschine zur Bewegung bestimmt. So sind die Uhrfeder wirkliche Triebfedern. Am häufigsten im figürlichen Verstande, eine jede Vorstellung, ein jedes Ding, welches die wirkende Kraft in uns zur Thätigkeit bestimmt; von einer Vorstellung auch nach einer ähnlichen Figur der Bewegungsgrund. Der Geist des Mißtrauens, der List, des Betruges, haben alle Triebfedern der Seele entwickelt. Der Gewinn ist die große Triebfeder der Handlung. Ein Weltweiser kann sich nicht edler als mit der Untersuchung der Triebfedern der Natur beschäftigen.


Triebrad (W3) [Adelung]


Das Triebrad, des -es, plur. die -räder, ein Rad, welches eine Maschine treibt, oder ihre wirkende Kraft zur Thätigkeit bestimmt, in einigen Gegenden der Trieb, Nieders. Drift.


Triebsand (W3) [Adelung]


Der Triebsand, des -es, plur. car. von dem Neutro treiben, ein treibender, d. i. unfläter, lockerer oder flüssiger Sand, welchen die Quellen, Flüsse und Winde von einem Orte zum andern treiben, in welchen man hinein sinket, weil er keine Festigkeit hat. Nieders. Quicksand, Quellsand, Sluupsand, Drievsand, Loopsand, Suugsand. Der Flugsand ist eine Art davon.


Triebschwefel (W3) [Adelung]


Der Triebschwefel, S. Tripschwefel.


Triefauge (W3) [Adelung]


Das Triefauge, des -s, plur. die -n, ein gewöhnlich triefendes Auge, und im verächtlichen Verstande, auch eine Person mit solchen Augen, Thränenauge, Rinnauge. Daher triefäugig, solche Augen habend.


Triefen (W3) [Adelung]


Triefen, verb. reg. et irreg. im letztern Falle, ich triefe, du triefst, (Oberd. treufst,) er trieft, (Oberd. treuft); Imperf. ich troff; Conj. tröffe; Mittelw. getroffen; Imperat. trief, (Oberd. treuf). Es ist ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert, in langsamen Tropfen herab fallen, da es denn eigentlich und zunächst von dem Körper gebraucht wird, welcher auf solche Art herab fällt. Das Blut trieft aus der Wunde. Die Thränen troffen (bey einigen trieften) ihm aus den Augen. Der Regen trieft von den Dächern. Der Regen troff nicht mehr auf Erden, 2 Mos. 9, 33. Aber auch von dem festen, aus oder von welchem der flüssige trieft. Die Augen triefen. Es regnete, daß die Dächer troffen. Durch hinlässige Hände wird das Haus triefend, Pred. 10, 18; d. i. es regnet überall hinein, eine ungewöhnliche Art des Gebrauchs. Wenn der flüssige Körper dabey ausgedruckt wird, so geschieht solches vermittelst des Vorwortes von. Die Kleider triefen von dem Regen, die Augen von Thränen. Deine Fußstapfen triefen von Fett, Ps. 65, 2. Nicht mit, wie in andern Stellen der Deutschen Bibel. Der Himmel und die Wolken triefen mit Thau, Hiob 33, 28. Die Berge triefen mit süßen Wein, Joel 3, 18. Welche Wortfügung im Hochdeutschen so ungewöhnlich ist, als es die biblischen figürlichen Bedeutungen des Fortdauerns u. s. f. sind. So auch das Triefen.

Anm. Bey dem Willeram trieffen, truiffen, im Engl. to drip, im Schwed. drypa. Traufen, träufen, triefen und das veraltete trofen oder troffen, wovon noch das Imperf. und Mittelw. troff, getroffen abstammen, sind eigentlich nur in der Mundart verschieden; obgleich traufen und triefen mehr als Neutra üblich sind, träfen aber mehr als ein Activum gebraucht wird. In Betriefen kommt jenes aber auch als ein Activum vor. Tropfen ist das Intensivum von beyden, oder vielmehr von dem veralteten troffen, so viel tröpfeln wider das Diminutivum jenes Intensivi ist. Alle diese Zeitwörter sind unmittelbare Nachahmungen des Lautes, welches ein mit treffen verwandter Laut ist, daher drypa, triefen im Schwedischen auch fallen überhaupt bedeutet. ( S. Tropfen, Triefeln, das Diminutivum von Triefen, ist im Hochdeutschen wenig gangbar.) Die Schafe schütteln den Regen von der triefelnden Wolle, Geßn. Lecken, Stekern, Nieders. stepen, stepern, fappen, bezeichnen besondere Arten des Triefens. Die irreguläre Conjugation ist im Hochdeutschen am üblichsten, obgleich einige Schriftsteller es regulär gebrauchen. Es triefte, hat getrieft. In Oberdeutschen verbindet man es gern mit dem Hülfsworte seyn; welches aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Die Onomatopöie sticht in diesem Worte noch merklich vor, und alle Neutra, welche eigentlich einen gewissen Laut von sich geben bedeuten, erfordern das Hülfswort haben.


Triegen (W3) [Adelung]


1. * Triegen, verb. reg. recipr. welches nur in einigen Gegenden üblich ist, sich auf etwas triegen, sich darauf verlassen. Als die noch zarte Welt lag gleichsam in der Wiegen, Durft einer sich auf nichts als auf die Unschuld triegen, Canitz. Im Hochdeutschen ist es fremd. Es gehöret unmittelbar zu trauen, und scheint ein Intensivum davon zu seyn; wenigstens haben trauen, Treue u. s. f. in mehrern Sprachen und Mundarten einen harten Hauchlaut in der Mitte.


Triegen (W3) [Adelung]


2. Triegen, verb. irreg. ich triege, du triegst, (Oberd. treugst,) er triegt, (Oberd. treugt;) Imperf. ich trog; Conj. ich tröge; Mittelw. getrogen; Imper. triege. Es bedeutet überhaupt, jemandes Erwartungen oder Vertrauen zu dessen Nachtheil unerfüllet lassen, und ist in doppelter Gestalt üblich. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, wo es absolute und ohne Meldung der Person, deren Erwartungen unerfüllet bleibt, gebraucht wird, auch nur von Sachen üblich ist. Das Eis triegt, man kann sich nicht darauf verlassen. Das Wetter, die Hoffnung triegt. Die Sinne triegen oft. Wer redlich ist und auf die Götter traut, der wandelt nicht auf triegendem Sumpf, Geßn. 2) Als ein Activum mit der vierten Endung der Person, jemanden triegen, dessen gegründete Hoffnung zu dessen Schaden hintergehen, oder unerfüllet lassen, so wohl von Personen als Sachen. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet, wo Betrieben dafür üblicher ist, ( S. dasselbe.) Man gebraucht es nur noch zuweilen als ein Reciprocum, sich triegen, sich irren. Trieg ich mich, oder hör ich den zärtesten Gesang? Geßn. So auch das Triegen.

Anm. Bey dem Notker in thätiger Form triegen, in mittlern Lat. mit einem andern Endlaute trufare, im Ital. truffare. Da fast alle Zeitwörter, welche eine Hintergehung bedeuten, Figuren der geschwinden Bewegung sind, durch welche solche am ersten und gewöhnlichsten bewerkstelliget wird, so scheinet triegen vermittelst des vorgesetzten intensiven t von regen gebildet zu seyn. Das Hauptwort lautet Trug; viele haben dieses als das Stammwort angesehen, und wollen daher wider alle Aussprache und Gewohnheit trügen, betrügen, Betrüger u. s. f. geschrieben wissen. Allein, die Hauptwörter stammen alle Mahl von Zeitwörtern her und nicht umgekehrt, und dieses Zeitwort wird im Deutschen sehr bestimmt triegen gesprochen. Die Selbstlaute sind in den Wörtern keinen Regeln unterworfen, und gehen in der Abstammung und Beugung durch alle Schattierungen durch. Wie man sagt, triegen, trog, Trug, so sagt man auch, schließen, schloß, Schluß; fließen, floß, Fluß; fliehen, floh, Flucht; schieben, schob, Schub; stechen, Sucht; ziehen, zog, Zucht u. s. f.


Triegerey (W3) [Adelung]


Die Triegerey, plur. die -en, ein für Betriegerey und Betrug im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches noch zuweilen von den Dichtern gebraucht wird. Ihre Trügerey (Triegerey) ist eitel Lügen, Ps. 119, 118. Die Anschläge der Gottlosen sind Trügerey, Sprichw, 12, 5. So sagte man ehedem auch Trieger für Betrieger.


Trieglich (W3) [Adelung]


Trieglich, -er, -ste, adj. et adv. von dem Neutro triegen, jemandes Erwartung zu dessen Nachtheil nicht erfüllend. Das Eis, die Hoffnung, das Wetter ist trüglich. Von dem Activo triegen, ist betrieglich üblicher, obgleich trüglich in dieser Bedeutung noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Trüglich handeln, Röm. 3, 13. Trügliche Arbeit, 2 Cor. 11, 13. So auch die Trieglichkeit. Dieses Beywort kann so wohl von dem Zeitworte triegen, als von dem Hauptworte Trug abstammen, ( S. -Lich,) daher lassen sich beyde Schreibarten vertheidigen. Indessen läßt es sich in der neutralen Bedeutung bequemer von triegen, in der activen aber besser von Trug ableiten, daher man auch lieber betrüglich als betrieglich spricht und schreibt.


Trieltrappe (W3) [Adelung]


Trieltrappe, S. Grieltrappe.


Triester (W3) [Adelung]


Triester, S. Trester.


Trietze (W3) [Adelung]


Die Trietze, plur. die -n, nur in einigen Gegenden, besonders Niederdeutschlandes, eine Rolle, Scheibe oder Rad, eine Last über dieselbe in die Höhe zu ziehen; ingleichen eine Winde, Lasten daran aufzuziehen. Daher trietzen, vermittelst einer solchen Scheibe oder Rolle aufziehen. Es ist das Intensivum von dem noch hin und wieder im Niederdeutschen üblichen drysen, tryssen, winden, vermittelst einer Rolle oder Winde ziehen; welches wieder von dem alten trahen, trahere, tragen, Franz. trasser, ziehen, oder auch von drehen abstammet. Im Nieders. ist Trisel, ein Wirbel, Kränsel, und triseln, sich im Kreise umdrehen. Eben daselbst ist Trye, das kleine Rad in der Winde, um welches das Seil läuft. S. Tresse und Tragen.


Trift (W3) [Adelung]


Die Trift, plur. die -en, von dem Zeitworte treiben, ein mit Trieb im Ganzen gleich bedeutendes Wort, ob es gleich im Hochdeutschen nur in einigen Fällen angenommen ist. 1. Der Zustand, da ein Körper getrieben, zur Bewegung bestimmt wird, ohne Plural; im Hochdeutschen gewöhnlicher der Trieb. Die Trift einer Kugel, ihr Trieb. Figürlich ist es im Niederdeutschen auch was Gang, Gebrauch im Hochdeutschen ist. Eine Sache ist in der Trift, wenn sie im Gange, in der Bewegung ist. Ein Stück Wäsche ist in der Trift, wenn es zum gewöhnlichen Gebrauche angewandt wird. 2. Dasjenige, was treibt, die bewegende Kraft zur Thätigkeit bestimmt, nur in einigen gemeinen Sprecharten. Im Niedersächs. ist die Trift das Triebrad einer Maschine. Im Bergbaue ist es der Baum im Göpel welche quer durch die Spindel geht, und mit Docken versehen ist, den Schwang zu befördern; der Schwingebaum. 3) Was getrieben wird, doch nur so viele Vieh, als zusammen aus- oder fortgetrieben wird; ein Trieb, Herde. Ein Trift Schafe, Schweine, Kühe. 4. Der Ort, worauf getrieben wird. 1) In der Landwirthschaft ist es ein breiter gemeiniglich eingeschlossener Weg, auf welchem das Vieh auf und von der Weide getrieben wird, in welcher Bedeutung es im Hochdeutschen am gewöhnlichsten ist; die Viehtrift, der Viehweg, Treibeweg, in Obersachsen auch Treibe, Triebe, Tröbe. 2) Der Ort, auf welchen das Vieh zur Weide getrieben wird; der Trieb, die Huth, im Oberdeutschen Trat, Trott, in Obersachsen, Treibe, Trebis. In weiterer Bedeutung wird jeder Ort dieser Art eine Trift genannt; in engerer aber nur das Brachfeld, so fern es dem Viehe zur Weide dienet, zum Unterschiede von der Weide. 3) Ohne Plural, auch das Recht, sein Vieh, so wohl über des andern Grund und Boden auf die Weide zu treiben, als auch, es auf des andern Brachfelder zur Weide zu treiben; das Triebrecht, Triftrecht, die Triftgerechtigkeit, der Weidegang, die Huth u. s. f. 5. * Endlich wird Trift im Niederdeutschland auch für Trieb, in der letzten und figürlichen Bedeutung für Bestimmung des Willens zur Thätigkeit gebraucht, in welchem Verstande es aber im Hochdeutschen unbekannt ist. Seinen bösen Triften folgen. Trieben. Anm. Trieb ist mehr der Oberdeutschen, Trift aber mehr der Niederdeutschen Mundart eigen, wo es Drift oder Drivt lautet, und vermittelst des t von driven, treiben, abgeleitet ist, wie Schrift, von schreiben, Nieders, schriven, Kluft, von klieben, Nieders. klöven u. s. f.


Triftgeld (W3) [Adelung]


Das Triftgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, von Trift 4. 2) und 3), dasjenige Geld, welches man einem andern für die Trift auf seinem Grundstücken bezahlet.


Triftgerechtigkeit (W3) [Adelung]


Die Triftgerechtigkeit, plur. car. oder das Triftrecht, das Recht, sein Vieh so wohl über eines andern Grund und Boden, als auch auf demselben zur Weide zu treiben. ( S. Trift 4.) Im letzten Falle auch die Huthgerechtigkeit, das Huthrecht.


Triftig (W3) [Adelung]


Triftig, -er, -ste, adj. et adv. eigentlich Trift habend. 1) * Von dem Nieders. Trift, Trieb, anhaltende Bestimmung der Kraft zu wollen, ist triftig in dieser Mundart so viel als eifrig, heftig, mit lebhafter Anstrengung der Kraft zu wollen. Eine triftige Begierde, heftige. Triftig arbeiten, mit Eifer. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung unbekannt, wo man in einigen Fällen dafür auch betriebsam gebraucht, Nieders. bedrieflik, bedrerern. 2) Was treibt, oder dringet, d. i. lebhaft auf den Willen wirkt oder doch wirken kann. Triftige Ursachen, Bewegungsgründe zu etwas haben. Der Grund ist triftig. Daher die Triftigkeit, diese Eigenschaft.


Triftrecht (W3) [Adelung]


Das Triftrecht, des -es, plur. inus. S. Triftgerechtigkeit.


Triftschäfer (W3) [Adelung]


Der Triftschäfer, des -s, plur. ut nom. sing. in der Landwirthschaft, ein Schäfer, welcher seine ganz eigene Trift oder Herde Schafe hat; zum Unterschiede von einem Lohn- und Setzschäfer.


Triftstein (W3) [Adelung]


Der Triftstein, des -es, plur. die -e, Steine, so fern sie die Gränzen der Trift, in der vorigen Bedeutung bezeichnen; Oberd. Tratstein, Trottstein, Triebstein.


Triglyph (W3) [Adelung]


Der Triglyph, aus dem Griech. und Alt. Triglyphus, in der Baukunst, das große Glied in der Dorischen Ordnung, welches mit drey Schlitzen gezieret ist; im Deutschen der Dreyschlitz.


Trigonelle (W3) [Adelung]


Die Trigonelle, plur. die -n, aus dem Griech. und Lat. Trigonella. 1) In der Botanik, eine Pflanze, wovon Eine Art in Sibirien, zwey andere aber in dem mittägigen Europa einheimisch sind; Tigonella Linn. Das Bocks- horn, T. foenum Graecum Linn ist eine Art davon. 2) Im Thierreiche ist es eine glatte zweyschalige Muschel, an welcher jede Schale in drey Lappen getheilet ist. Man kennet sie vornehmlich versteinert.


Trigonometrie (W3) [Adelung]


Die Trigonometrie, plur. inus. außer von mehrern Lehrbüchern, die -trien, zweysylbig; von dem Griech. und Lat. Trigonometria, eine mathematische zunächst zur Geometrie gehörige Wissenschaft, welche aus einigen bekannten Theilen eines Triangels, die übrigen durch Rechnung finden lehret. Daher trigonometrisch, dazu gehörig, in derselben gegründet.


Trillen (W3) [Adelung]


Trillen, von drehen. S. Drillen.


Triller (W3) [Adelung]


Der Triller, des -s, plur. ut nom. sind. Diminut. das Trillerchen, in der Musik, die mehrmahlige geschwinde Abwechselung zweyer Töne. Einen Triller schlagen, im gemeinen Leben trillern.

Anm. Im Schwed. Drill, im Italiän. Trillo. Es ist ohne Zweifel eine Nachahmung dieser schnell abwechselnden Töne selbst, und daher mit Trällern zwar dem Laute nach verwandt, in der Bedeutung aber sehr von demselben verschieden, S. dasselbe.


Trillerkette (W3) [Adelung]


Die Trillerkette, plur. die -n, eben daselbst, mehrere mit Trillern versehene Töne hinter einander, gleichsam eine Kette von Trillerns.


Trillich (W3) [Adelung]


Trillich, S. Drilling.


Trilling (W3) [Adelung]


Der Trilling, S. Drilling.


Trillion (W3) [Adelung]


Die Trillion, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. Trillio, Franz. Trillion, in der Rechenkunst, eine Zahl von tausend Mahl tausend Billionen, oder eine Million Billionen.


Trinkbar (W3) [Adelung]


Trinkbar, -er, -ste, adj. et adv. was sich trinken läßt, getrunken werden kann. Das Gold trinkbar machen. trinkbares Gold, Trinkgold, Gold-Tinctur. Der Wein ist nicht mehr trinkbar, wenn er schal oder verdorben ist. Daher die Trinkbarkeit.


Trinken (W3) [Adelung]


Trinken, verb. irreg. ich trinke, du trinkst, er trinkt; Imperf. ich trank; Conj. ich tränke; Mittelw. getrunken. Imperat. trink oder trinke. Es wird so wohl als ein Activum, als auch absolute, und als ein Neutrum gebraucht, in welchem letztern Falle es das Hülfsworte haben erfordert, einen flüssigen Körper durch den Schlund in sich ziehen. Ich habe schon getrunken. Wir haben noch nichts getrunken. Thee, Kaffeh, Wasser, Wein, Bier trinken. Ein Glas Bier, zwey Gläser Wein, eine Tasse Thee trinken. Jemanden zu trinken geben, ihm ein Getränk zu Löschung seines Durstes darreichen. Sich voll trinken, sich in einem starken Getränke berauschen. Aus einem Becher, aus einem Glase, den Wein aus Kelchgläsern trinken. Jemandes Gesundheit trinken, wo das Vorwort auf ausgelassen ist. Vielerley Gesundheiten trinken. Sich ein Herz trinken, durch starkes Getränk Muth zu bekommen suchen. Das Vieh trinken lassen, dem Viehe zu trinken geben. In den gemeinen Sprecharten gebraucht man von allen Thieren das niedrigere saufen, dagegen die Jägern von den Hunden frischen oder sich frischen sagen. In einigen engern Bedeutungen. 1) Einen flüssigen Körper als sein gewöhnliches Getränk zu sich nehmen. Wasser trinken, Wein, Bier trinken. Den Brunnen trinken, die Brunnenkur gebrauchen. 2) Fertigkeit oder Gewohnheit besitzen, starke Getränke reichlicher, als die Nothdurft es erfordert, zu sich nehmen; als ein anständiger Ausdruck für das niedrigere saufen Bibax trinkt. Stark trinken. Sich auf das Trinken legen, sich das Trinken angewöhnen. Branntwein, Wein, Bier trinken, ( Siehe Trunken und Betrinken.) Figürlich. 1) Begierig in sich ziehen, in der dichterischen Schreibart. Und ihr, ihr Blumen, ihr trin- ket meine Thränen, wie Thau, Geßn. Jetzo trinkt er die freyere Luft des heitern Abends, Zach. Es trinken die Felder Geitzig das segnende Licht, das so wohlthätig sich ausgießt, Zach. O, welch Entzücken Trink mein erloschnes Aug aus diesen sanften Blicken, Weiße. Hier trinkt nicht mächtig Unrecht des Schwachen Blut und Schweiß, Dusch. 2. In eben dieser dichterischen Schreibart auch zuweilen für sehr benetzet werden. Der Dolch hier, siehst du ihn? trinkt bald der Prinzen Blut, Weiße. Daher das Trinken, welches im gemeinen Leben auch das gewöhnliche Getränk bezeichnet.

Anm. Bey dem Ottfried drinkan, bey dem Notker trinchen, bey dem Ulphilas driggkan, (spricht drinkan,) im Angels. drincan, im Nieders. drinken, im Engl. to drink, im Schwed. ohne Nasenlaut dricka, und im Isländ. drecka. Um dieser Form willen leiten Wachter und Ihre es von dem alten tragen, ziehen, trahere, Niedersächs. trecken her, zumahl, da man Zug, ziehen, und im Franz. Trait, auch von de Handlung des Trinkens gebraucht, wovon denn auch zechen, das Intensivum ist. Das Franz. trinquer und Ital. trincare, in der zweyten engern Bedeutung, sind aus dem Deutschen entlehnet. Tobak trinken, für Tobak rauchen, vermuthlich auch wegen des an sich Ziehens, ist nur in einigen Provinzen gangbar. Die biblische Wortfügung mit der zweyten Endung des Weins trinken, 1 Mos. 9, 21. ist im Hochdeutschen veraltet. Tränken ist das Activum von trinken. Siehe auch Trunk und Trunken.


Trinker (W3) [Adelung]


Der Trinker, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Trinkerinn, eine Person, welche trinkt, doch gemeiniglich nur im Scherze, und in den engern Bedeutungen. Ein schlechter Trinker, der wenig trinkt. Ein Wassertrinker, dessen gewöhnliches Getränk Wasser ist; so auch Biertrinker, Weintrinker u. s. f. Ingleichen in der zweyten engern Bedeutung, eine Person, welche Fertigkeit besitzet, starke Getränke über die Nothdurft zu trinken, ein Zecher, in der niedrigen Sprechart ein Säufer. O, schäme dich Ein Trinker hat ein gut Gewissen, Less.


Trinkgast (W3) [Adelung]


Der Trinkgast, des -es, plur. die -gäste, S. Tinkhaus.


Trinkgeld (W3) [Adelung]


Das Trinkgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, ein kleines Geschenk, welches man geringer Personen für eine geringe Bemühung gibt, eigentlich sich dafür durch einen Trunk zu erquicken. Jemanden ein Trinkgeld geben. Im gemeinen Leben auch Biergeld, im mittlern Lat. Biberagium, Ital. Beveraggio, S. auch Nadelgeld.


Trinkglas (W3) [Adelung]


Das Trinkglas, des -es, plur. die -gläser, ein gläsernes Gefäß, das gewöhnliche Getränk daraus zu sich zu nehmen, wohin denn die Weingläser, so wohl als Biergläser gehören.


Trinkgold (W3) [Adelung]


Das Trinkgold, des -es, plur. car. S. Trinkbar.


Trinkhaus (W3) [Adelung]


Das Trinkhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, wo man sich für Geld beym Trunke erheitert. Pred. 7, 3. Ier. 16, 8. Wohin denn so wohl Bier- als Wein- und Branntweinhäuser gehören. Im gemeinen Leben die Schenke. Diejenigen Personen, welche dahin kommen, um zu trinken, werden Trinkgäste genannt. Wenn das Maß der Fröhlichkeit in einem solchen Hause überschritten wird, so sind die Ausdrücke Saufhaus und Saufgäste üblich.


Trinklied (W3) [Adelung]


Das Trinklied, des -es, plur. die -er, ein fröhliches Lied, sich damit bey dem Trunke aufzuheitern. Ein Sauflied heißt es, wenn das Maß der weisen Fröhlichkeit dabey überschritten wird.


Trinkstube (W3) [Adelung]


Die Trinkstube, plur. die -n, eine Stube welche vornehmlich dazu bestimmt ist, sich in derselben bey dem Trunke zu vergnügen. Auch auf den Rathhäusern und in andern Collegiis gibt es noch Stuben dieser Art, in welchem sich die Rathsherren, Beysitzer u. s. f. bey sehr langen Sitzungen durch einen Trunk Wein zu erfrischen pflegen. In Frankreich, wo es dergleichen Stuben in allen Gerichtshöfen und Collegiis gibt, heißen sie Beuvettes.


Trio (W3) [Adelung]


Das Trio, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Ital. Trio, in der Musik, ein musikalisches Stück mit drey concertierenden Stimmen. Besonders eine Sonate dieser Art.


Trip (W3) [Adelung]


Der Trip, S. Tripp.


Tripel (W3) [Adelung]


Der Tripel, des -s, plur. inus. eine feine Erde in Gestalt eines Steines, welche von einigen für glasartig, von andern aber für einen zarten eisenschüssigen Lehm gehalten, und zur Politur fester Körper gebraucht wird. Sie soll den Nahmen von der Stadt Tripolis haben, wo man sie zuerst gefunden, daher sie im Lateinischen auch terra Tripolitana genannt wird.


Tripel (W3) [Adelung]


Tripel, ein nur in einigen Zusammensetzungen übliches und aus dem Lat. triplus entlehntes Wort. Daher die Tripel-Hufe, in einigen Gegenden, z. B. im Pommern, eine dreyfache Hufe, welche aus drey Hakenhufen oder 45 Morgen besteht. Der Tripel-Tact in der Musik, ein dreytheiliger, aus drey Vierteln bestehender Tact.


Trip-Madame (W3) [Adelung]


Das Trip-Madame, des -es, plur. car. eine Art des Sedums mit pfriemenförmigen ohne Ordnung stehenden Blättern, welches als ein Salat gegessen wird; Sedum reflexum L. Der Nahme ist aus dem Franz. Tripe-Madame.


Tripp (W3) [Adelung]


1. Der Tripp, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Art Zeuges, welches einem feinen Fälbel gleicht, dessen Aufzug aus leinenem Garne, die Pohle aber aus roher Seide bestehet; Trippsammet. Im Ital. Trippa, woraus auch der Deutschen Nahme entlehnt ist.


Tripp (W3) [Adelung]


2. Der Tripp, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welchen derjenige glasartige Stein in einigen Gegenden führet, welcher unter dem Nahmen des Tourmalins oder Aschenziehers am bekanntesten ist. Auch hier scheint das Wort fremden Ursprunges, zu seyn.


Trippel (W3) [Adelung]


Der Trippel, ein kleiner Haufe, S. Trüppel.


Trippeln (W3) [Adelung]


Trippeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, viele und kleine Schritte machen, so wohl im Gehen, als auch die Füße im Stehen kurz und oft aufheben, ohne von der Stelle zu kommen. Im Angels. dripan, im Dän. drippe, Schwed. trippa. Das im Deutschen nicht ganz unbekannte trippen, ist das Verkleinerungswort von trappen, wovon trippeln wieder das Iterativum ist.


Tripper (W3) [Adelung]


Der Tripper, des -s, plur. ut nom. sind der Nahme einer Krankheit, welche aus unreinem Beyschlafe entspringet, und in einem anhaltenden Tröpfeln des verderbten Samens bestehet; im Griech. und Lat. Gonorrhoea, die Gonorrhee. Es stammet aus dem Niederdeutschen her, wo diese Krankheit Drupper heißt, von druppen, tropfen, daher das Wort richtiger Trüpper geschrieben und gesprochen wird. Indessen haben auch das Dän. Drippert, der Trüpper, und das Angels. dripan, tropfen, ein i. S. auch das folgende.


Trisenet (W3) [Adelung]


Das "Trisenet", des -es, plur. die -e, aus dem Franz. "Trisenet", bey den Ärzten, ein gröblich zerstoßenes Pulver. In den Küchen hingegen, bestehet das "Trisenet" aus gebäheten Semmelschnitten, welche mit Wein begossen und mit Trisenet-Pulver, d. i. gröblich gestoßenem Gewürze bestreuet werden.


Tristachel (W3) [Adelung]


Der Tristachel, S. Dreystachel.


Triterne (W3) [Adelung]


Die Triterne, plur. die -n, aus dem mittlern Lat. Triterna, bey den Buchdruckern, eine Lage von drey in einander gesteckten und mit Einer Signatur bezeichneten Bogen; wie Duerne, Quaterne u. s. f.


Tritt (W3) [Adelung]


Der Tritt, des -es, plur. die -e, von dem Zeitworte treten. 1. Die Handlung des Tretens, jede einzelne Bewegung der Füße im Treten. Ich höre seine Tritte. Einen Tritt thun. Einen falschen Tritt thun. ( S. Fehltritt.) Auf dem Eise hat man keinen gewissen Tritt. Ingleichen die Entfernung der beyden Füße von einander im Treten, so wie Schritt von schreiten. In diesem Verstande ist der Tritt eine Länge von zwey bis drey Schuh, da denn zwey Tritte auf einem Schritte gehen. Zuweilen auch collective von den Art und Weise, wie man im Gehen auftritt. Einen leisen, schweren, harten Tritt haben. 2. Die zurück gebliebene Spur des Trittes, der Eindruck des Fußes in dem Boden; der Fußtritt, die Spur, die Fußspur, die Fußstapfe, bey den Jägern die Fährte, die aber auch das Wort Tritt von dem Hirsche gebrauchen. Daher der Schlußtritt, Kreuztritt, Beytritt und Blendetritt, lauter Arten der Fährte des Hirsches, wo Tritt auch im Singular collective gebraucht wird. 3. Dasjenige, worauf man tritt, dich nur in einigen Fällen. Eine kleine Erhöhung über dem Fußboden, um darauf zu treten, z. B. vor einem Fenster, heißt ein Tritt. Eben diesen Nahmen führet auch ein bewegliches Werkzeug von zwey oder mehr Stufen, darauf zu treten, um etwas aus der Höhe herunter zu langen. Ferner der Theil an einem Tischgestelle, worauf man die Füße setzt; der Theil an einem Wagen, worein man tritt, wenn man aus- und einsteiget; ein Bret, worauf man tritt, eine Maschine dadurch in Bewegung zu setzen, dergleichen Tritte an dem Weberstuhle, an einer Drehbank, an einem Spinnrade, Schleifsteine u. s. f. sind.

Anm. Bey dem Winsbeck Trit, im Nieders. Tredde, im Engl. Tread, In Abtritt, Antritt, Austritt, Beytritt, Eintritt, Zutritt u. s. f. hat dieses Wort noch mehrere und zum Theil figürliche Bedeutungen.


Tritteisen (W3) [Adelung]


Das Tritteisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Fangeisen für Raubthiere, worin sie gefangen werden, wenn sie auf einen gewissen Theil der Maschine treten, S. Tellereisen.


Trittrad (W3) [Adelung]


Das Trittrad, S. Tretrad.


Triumph (W3) [Adelung]


Der Triumph, des -es, plur. die -e, aus dem Lat. Triumphus. 1. Ein hoher Grad frohlockender Freude. Besonders die frohlockende Freude über einen erfochtenen Sieg. Die Entdeckung eines Wortes, das ein süßes Gefühl der Seele ausdruckt, war für sie ein Triumph, Weiße. 2. Ein wichtiger, herrlicher Sieg, besonders in der höhern und dichterischen Schreibart. 3 Das feyerliche Gepränge des Siegers nach einem erfochtenen Siege, oder einer vollbrachten rühmlichen Handlung. einen Triumph halten. Im Triumph in die Stadt ziehen. Daher der Triumphbogen, ein Ehrenbogen oder Ehrenpforte, durch welche der Sieger seinen Zug hält; der Triumphwagen, worauf er sitzt. Der Wagen des Triumphs mag ihn zum Himmel heben, Wir sehen doch das Blut an seinen Lorbern kleben, Weiße.


Triumphieren (W3) [Adelung]


Triumphieren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. Über einen erhaltenen Vortheil frohlocken. Über etwas triumphieren. Mit triumphierendem Hohne auf jemandes Un- glück herab sehen. Besonders über einen erfochtenen Sieg frohlocken. 2. Siegen, einen herrlicher und wichtigen Sieg erlangen, über den Feind triumphieren.


Trochlit (W3) [Adelung]


Der Trochlit, des -en, plur. die -en, aus dem Griech. und Lat. Trochlitus, ein Nahme einer versteinten, gewundenen, einfächerigen Schnecke, welche eine kräuselförmige, fast dreyeckige Gestalt hat; die Kräuselschnecke.


Trocken (W3) [Adelung]


Trocken, -er, -ste, adj. et adv. welches überhaupt dem feucht und naß entgegen stehet. 1. Eigentlich, auf der Oberfläche der Feuchtigkeit beraubt, nicht naß. Trockene Hände haben. Die Erde ist sehr trocken. Das Geschriebene trocken werden lassen. Hinter den Ohren noch nicht trocken seyn, figürlich, im gemeinen Leben, noch ein Kind, noch nicht mannbar seyn. Der Weg ist sehr trocken. Trockene Farben, welche ohne einen flüssigen Körper gebraucht werden. Trockne Witterung, da es nicht regnet oder nebelig ist, im Gegensatze der feuchten oder nassen. Eine trockne Luft. Ein trockner Sommer. Trocken sitzen, im Trocken sitzen, von der Nässe bedeckt sitzen. Ein trockner Graben, der kein Wasser hat. Ingleichen, in einigen engern Bedeutungen. Mit trocknen Augen, ohne Thränen. Trockenes Brod essen, ohne Butter. Eine trockne Mahlzeit, wobey wenig getrunken wird. Eine trockene Messe, in der Römischen Kirche, welche nur der Priester hält, wobey nicht communiciret wird. Ein trockener Husten, der mit keinem Auswurfe verbunden ist. Trocken beziehet sich zunächst, auf die äußere Fläche, dürre aber, welches ohnehin in einen sehr hohen Grad der Beraubung der Feuchtigkeit bezeichnet, auf die innere Beschaffenheit. Trockne Luft, trockne Witterung, gehören mit zu den Ausnahmen. 2. Figürlich. (1) Trocknes Vieh, in der Landwirthschaft, welches keine Milch gibt, geltes, güstes Vieh, im Gegensatze des Melkviehes. Eine Kuh steht trocken, wenn sie keine Milch gibt. (2) In vielen Fällen ist trocken ein Fehler des gesellschaftlichen Umganges, der dem munter, aufgeweckt, angenehm, entgegen stehet. Sehr trocken in der Gesellschaft seyn, nicht unterhaltend. Ein trockner Mensch. Eine trockne und langweilige Erzählung. Wie oft erweckt man uns in den ersten Jahren durch trockne und langweilige Erklärungen einer Glaubenslehre, einen Ekel an der Religion! Gell. Oft ist trocken, so viel, wie ernsthaft, doch in verschiedenen Beziehungen. (1) Jemanden trocken die Wahrheit sagen, ohne gefällige Einkleidung, gerade zu. Ferner; (2) gebraucht man trocken bey Scherzen, wenn jemand bey einem Scherze eine ernsthafte Mine oder Stellung annimmt. Bey einem Spaße sehr trocken aussehen. Ein trockner Scherz, der mit einer ernsthafte Mine vorgebracht wird. In einer andern Einschränkung ist trocken der freundschaftlichen Gefälligkeit beraubt. Jemanden sehr trocken begegnen, kalt und ohne Freundschaft. Ein trockner Empfang. Ein trocknes Compliment. Bey den Mahlern ist trocken, Härte in dem Übergange von dem Lichte zu dem Schatten habend, wenn Lichter und Schatten zu nahe neben einander stehen, oder ohne Halbschatten verbunden sind. Trocken mahlen. Eine trockne Manier. In der Bildhauerkunst ist ein Werk trocken, wenn ihm das Weiche, Zärtliche, Markige fehlt. Es scheint, daß diese ganze Figur von trocken Speisen hergenommen ist, die einer schmackhaften Brühe beraubt sind. Dürr wird in einigen ähnlichen figürlichen Fällen gebraucht.

Anm. Bey dem Notker truehen, und im Oberdeutschen noch jetzt trucken, truchen. Es ist der Form nach ein Intensivum von dem noch im Niederdeutschen üblichen droge, im gemeinen Leben der Obersachsen treuge, trocken, womit auch das Angels. drugoth, (mit dem Endsylbe -er,) und das Engl. drought, und noch einfacher dry, verwandt sind. Es scheint von einem veralteten Zeitworte drogen, drögen, oder ohne Vorlaut regen, abzu- stammen, welches reiben, bedeutet hat und mit der nicht ungewöhnlichen Versetzung des e noch in dem Latein. tergere, übrig ist. Im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, gleichfalls trocken. Das Lat. siccus stammet von stegen in verstegen. S. Trocknen.


Trockene (W3) [Adelung]


Die Trockene, plur. car. ein im Hochdeutschen nur selten gebräuchliches Abstractum des vorigen Wortes, für Trockenheit. Im Oberdeutschen auch die Trockene. Die Trockene des Erdreiches.


Trockenheit (W3) [Adelung]


Die Trockenheit, plur. inus. der Zustand eines Dinges, da es trocken ist, in allen Bedeutungen dieses Wortes. Die Trockenheit des Erdreichs, der Witterung, der Luft. Eine Trockenheit im Halse empfinden. Die Landleute klagten über Trockenheit und zuletzt gar über Dürre. Auch in den figürlichen Bedeutung. Jemanden mit vieler Trockenheit begegnen, mit Kaltsinn, Gleichgültigkeit. Auch in der Theologie ist die Trockenheit des Gemüthes der Inbrunst entgegen gesetzt, wo sie gleichfalls in der gleichgültigen Unempfindlichkeit besteht.


Trockenplatz (W3) [Adelung]


Der Trockenplatz, des -es, plur. die -plätze, ein freyer Platz, die Wäsche daselbst zu trocknen, im gemeinen Leben der Obersachsen Treugeplatz.


Trockentrommel (W3) [Adelung]


Die Trockentrommel, plur. die -n, bey den Perrückenmachern, ein Fäßchen ohne Boden mit einem Deckel, inwendig mit einem Netze, die Kräusehölzer darauf zu trocknen. Franz. Etuve.


Trockenwein (W3) [Adelung]


Der Trockenwein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Art ungarischen Weines, welcher aus fast trocken gewordenen Beeren gepresset wird; vollständiger Trockenbeerwein. Er ist die beste Art des Ungarischen Weines. Man bereitet ähnliche Weine auch in Italien und andern Ländern, da denn ein solcher Wein Secco genannt wird, S. Sect.


Trocknen (W3) [Adelung]


Trocknen, eigentlich trockenen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, trocken werden, d. i. die auf der Oberfläche habende Nässe oder Feuchtigkeit verlieren, so fern es durch Ausdünstung derselben geschiehet. Bey feuchtem Wetter will nichts trocknen. Die Gassen sind schon wieder getrocknet. Eine gescheuerte Stube trocknen lassen. In den zusammen gesetzten Zeiten kommt es seltener vor. S. Abtrocknen, Austrocknen, Eintrocknen, Vertrocknen. 2. Als ein Activum, trocken machen, d. i. die auf der Oberfläche befindliche Nässe oder Feuchtigkeit wegschaffen, es geschehe auf welche Art es wolle, durch Ausdünstung, Abwischung u. s. f. Die Sonne trocknet die Erde, Sir. 43, 3. Sie fing an, seine Füße mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, Luc. 7, 38. Jesus trocknete ihre Füße mit dem Schurz, Joh. 13, 5. Die Wäsche trocknen. Nasse Kleider an dem Feuer, an der Sonne trocknen. Kräuter an der Luft trocknen. Dieses Zeitwort beziehet sich auf die äußere Fläche, so wie dörren und darren auf das Innere. Daher das Trocknen und die Trocknung, doch letzteres nur in der thätigen Bedeutung. Anm. Die Endsylbe -nen zeiget, daß trocknen ein Iterativum von dem veralteten trocken ist, welches wiederum das Intensivum von dem gemeinen Obersächsischen treugen und Niedersächs. drögen ist. Im Angels. ist das Neutrum von dem Activo verschieden; jenes lautet drugan, dieses drygan. Im Englischen lauten beyde dry. Im Oberdeutschen sagt man für trocknen auch truckeln.


Troddel (W3) [Adelung]


Die Troddel, plur. die -n, ein herab hangender Faden oder anderer ähnlicher beweglicher Theil. So werde bey den Webern einiger Gegenden, die Fäden an Weberstuhle von dem am Ende abgeschnittenen Gewirke, woran der Aufzug des künftigen Gewebes geknüpft wird, Troddeln genannt. In den meisten Gegenden hei- ßen sie Trumme, Nieders. Dromt. Die hervor stehende langen Fäden an manchen Arten des Gewirkes, z. B. an Mützen und Strümpfen, heißen gleichfalls Troddeln; die Troddelmütze, Troddelstrümpfe. Noch häufiger sind die Troddeln kleine Quasten von Knötchen, Schmelz, Korallen u. s. f. verschiedene Arten Kleidungsstücke auszuzieren.

Anm. Der Grund der Benennung liegt ohne Zweifel in der Beweglichkeit, so daß man dieses Wort als einen Verwandten von rütteln ansehen kann. Indessen kann auch das in einigen gemeinen Sprecharten übliche ausdrötteln, für ausdrieseln, die Fäden eines Gewirkes ausziehen, mit in Betrachtung kommen. Die Schreibarten Trottel oder Drottel, sind wider die Hochdeutsche Aussprache. Im Nieders. heißt eine Troddel Tost, Engl. Tassel, welches den Begriff der Verbindung, der Masse hat, und zum Franz. Tas, ein Haufe, gehöret. S. auch Trollen.


Trödel (W3) [Adelung]


Der Trödel, des -s, plur. ut nom. sing. der öffentliche Platz, wo die Trödelleute alte Kleider und Geräthschaften feil haben, der, wenn es ein Markplatz ist, der Trödelmarkt heißt. Im Österreichischen der Tändelmarkt, Grämpelmarkt, für Gerümpelmarkt, in andern Gegenden die Vendite, aus dem Latein. vendere, im Nieders. der Kleerwinkel, für Kleiderwinkel, in Danzig die Tagnete, aus dem Pohln. tanj, wohlfeil. S. 3 Trödeln.


Trödeler (W3) [Adelung]


Der Trödeler, zusammen gezogen Trödler, derjenige, welcher trödelt. 1. Von trödeln, zaudern, ist der Trödler Fämin. die Trödlerinn, in manchen Gegenden, eine Person, welche in ihren Verrichtung auf eine fehlerhafte Art zaudert oder zögert; Nieders. Dröteler, in andern Gegenden Tändler, Trändler, in Meißen Temperer. 2. Von trödeln, mit allen Geräthschaften handeln, ist Trödler eine Person männlichen Geschlechtes, deren Geschäft dieser Handel ist, noch häufiger der Trödelmann. Für das weibliche Trödlerinn, sagt man in dieser Bedeutung lieber Trödelfrau, oder im verächtlichen Verstande Trödelweib. Im Österreichischen heißt ein Trödelmann, Tändler, von Tand, Trödelwaare, Grampler, für Gerümpeler, in Nürnberg Altgewandler, an andern Oberdeutschen Orten Sonnenkrämer, weil sie oft unter freyem Himmel feil haben, im Nieders. Plunkenkrämer, von Plunken, Lumpen, Plunder. In großen Städte, wo sich solche Krämer über die niedrige Classe des Volkes zu erheben suchen, und wo ihnen der Nahme Trödeler, oder Trödelmann, zu gemein ist, pflegen sie sich mit dem Französischen Nahmen Meubleurs zu nennen.


Trödelfrau (W3) [Adelung]


Die Trödelfrau, plur. die -en, S. das vorige.


Trödelhaft (W3) [Adelung]


Trödelhaft, -er, -este, adj. et adv. von 2 Trödeln, zaudern, im gemeinen Leben, für zauderhaft.


Trödelkram (W3) [Adelung]


Der Trödelkram, des -es, plur. car. 1. Der Kram, d. i. der Handel mit alten Geräthschaften. 2. Trödelwaaren, alte Geräthschaften, als ein Gegenstand dieses Handels; als ein Collectivum.


Trödelmann (W3) [Adelung]


Der Trödelmann, des -es, plur. die -männer, oder -leute, ( S. Trödeler.) Trödelleute sind auch von mehrern Personen beyderley Geschlechtes gebraucht.


Trödelmarkt (W3) [Adelung]


Der Trödelmarkt, des -es, plur. die -märkte, Siehe der Trödel.


Trödeln (W3) [Adelung]


1. Trödeln, verb. reg. act. welches nur in einigen Gegenden für ziehen üblich ist. S. Treideln.


Trödeln (W3) [Adelung]


2. Trödeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben mancher Gegenden für zaudern, zögern, gebraucht wird. Nieders. dröteln, in andern Hochdeutschen Gegenden trändeln, tändeln, tempern, ( S. diese Wörter.) Wachter leitet es von trotten, trotteln, langsam gehen, her, welches eine unmittelbare Onomatopöie des Gehens ist; vielmehr scheinet es von dem vorigen trödeln, treideln, ziehen, eine Figur zu seyn; so wie zögern und zaudern von ziehen abstammen.


Trödeln (W3) [Adelung]


3. Trödeln, verb. reg. neutr. gleichfalls mit haben, mit alten Geräthschaften handeln. In vertrödeln hat es auch eine thätige Bedeutung. Im Oberdeutschen tändeln, trändeln, treideln, grämpeln, von Gerümpel. Daher das Trödeln.

Anm. Viele Sprachlehrer leiten es von tragen her, andere von trahere, ziehen, ehedem auch tragen, da es denn Krämer bedeuten würde, welche ihre Waaren herum tragen, und damit herum ziehen. Allein, keiner von beyden Begriffen paßt genau auf das Trödeln. Es scheinet vielmehr von dem Laute entlehnet zu seyn, welchen alte Geräthschaften machen, wenn man damit handthieret. Solche alte Geräthschaften pflegt man im gemeinen Leben noch jetzt im verächtlichen Verstande Trudel zu nennen. Gerümpel, Nieders. Rummel, eine andere Onomatopöie, hat eben dieselbe Bedeutung, und ist das Stammwort des Österreichischen grempeln oder grämpeln, trödeln, Grämpelmarkt, Trödelmarkt u. s. f. und des mittlern lat. Rumbula, ein Trödelweib.


Trödelordnung (W3) [Adelung]


Die Trödelordnung, plur. die -en, eine obrigkeitliche Verordnung, wie sich die Trödelleute bey dem Einkaufe alter Geräthschaften zu verhalten haben.


Trödelweib (W3) [Adelung]


Das Trödelweib, des -es, plur. die -er, S. Trödeler 2.


Trog (W3) [Adelung]


Der Trog, des -es, plur. die Tröge, Diminut. das Trögelchen, Oberd. Tröglein, im gemeinen Leben Trögel. 1. * Im weitesten Verstande, in welchem es ehedem einen jeden Kasten, eine Kiste, einen Schrank bedeutet zu haben scheinet, und in einigen Oberdeutschen Gegenden noch bedeutet. Alle geschlossene Gemächer und Tröge öffnen, alle Schriften daraus zu nehmen, Wurstisen bey dem Frisch. Gewandtrog, bey dem Pictorius, ein Kleiderkasten. Ein Reisetrog, ein Koffer oder Reisekasten, Stettler. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung veraltet, im Oberdeutschen ist dafür in den meisten Gegenden auch Truhe üblich, ( S. dasselbe.) 2. In engerer Bedeutung, ein längliches Behältniß, gemeiniglich halb rund; oft aber auch ins Gevierte, gemeiniglich aus Einem Stücke gehauen, oft aber auch aus mehrern zusammen gesetzt. Im Bergbaue werden die Mulden, worin man Erz und Kohlen herbey trägt, noch Tröge genannt. In andern Fällen ist der Trog nur ein sehr langes Behältniß dieser Art, es sey übrigens halb rund ausgehöhlet, oder auch ins Gevierte gearbeitet, es bestehe aus einem Stücke, oder aus mehrern. Daher der Backtrog, Waschtrog, Lohtrog, Stampftrog, Wassertrog, der in manchen Fällen auch die Krippe heißt, Fischtrog, Stoßtrog, Tränktrog.

Anm. Im Nieders. Angels. und Schwed. gleichfalls Trog, im Angels. auch Troc und Trige, im Ital. Truogo, Truogolo, Trogolo, im Isländ. Thro, im Engl. Trough, im Böhm. Truky. Bey dem Willeram ist Trugelin, ein Kanal. Es hat ehedem wohl den allgemeinen Begriff des Behältnisses, des hohlen Raumes, gehabt, so daß es mit dem Franz. Trou, ein Loch, sehr nahe verwandt ist. S. auch Truhe.


Trogscharre (W3) [Adelung]


Die Trogscharre, plur. die -n, bey den Bäckern, eine eiserne breite Klinge an einem gekrümmten Stiele, den Bachtrog damit auszuscharren und zu reinigen.


Trolle (W3) [Adelung]


Die Trolle, plur. die -n, eine in den niedrigen Sprecharten übliche verächtliche Bedeutung einer groben, plumpen Weibesperson. Eine faule oder grobe Trolle. Von trollen, plump einher traben.


Trollen (W3) [Adelung]


Trollen, verb. reg. act. et neutr. im letzten Falle mit seyn und haben, welches eine Onomatopöie eines rollenden oder trollenden Lautes ist, und daher in allen den Fällen gebraucht wurde, in welchen dieser Laut Statt findet. 1. * Eine Art widerwärtigen Geschreyes erheben, in welcher Bedeutung es nur in einigen gemei- nen Sprecharten vorkommt, in welchen trölen auch zanken, hadern ist; als ein Neutrum mit haben. Im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Gemurmel, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, murren. Daher bedeutet ohne Zweifel im Schwed. trolla, behexen, bezaubern, nach dem mittlern Lat. incantare, Franz. enchanter, eigentlich beschreyen, berufen, und Troll, eine Hexe, ingleichen ein Gespenst. 2. * Hin und her wanken oder wackeln, eine veraltete Bedeutung, wovon Troll in Baiern für Troddel üblich ist. 3. Wälzen, einen schweren runden Körper durch Umdrehen fort bewegen, nur in einigen gemeinen Sprecharten, Nieders. trulen, Engl. to trowl, Franz. rouler, im Deutschen zuweilen auch rollen. Daher vermuthlich auch das in einigen gemeinen Mundarten übliche troll, groß; Trollbirn, eine große Birn, ein Trollmaul, ein großes herabhangendes Maul. Ob Troll, der Kamm an den Weintrauben, in einigen Gegenden, in andern Trapp, Grappe, auch hierher gehöret, kann ich nicht bestimmen. 4. Mit kurzen plumpen Schritten einher traben, eine Onomatopöie dieses Ganges, besonders auf einem hohlen Raume; als ein Neutrum mit seyn. In dieser Bedeutung ist es im gemeinen Leben noch sehr häufig, wo es gemeiniglich im verächtlichen Verstande für gehen gebraucht wird. Er kommt daher getrollt. Er ist fortgetrollt. Ingleichen als ein Reciprocum sich trollen, wo es zunächst eine Figur der vorigen Bedeutung zu seyn scheinet, sich gleichsam fortwälzen. Trolle dich! packe dich fort! Sich forttrollen. Er trollte sich mit vielem Pochen, Haged. er machte sich fort, So, daß sich Wirth und Gast urplötzlich trollen müssen, eben ders. Die Jäger gebrauchen trollen noch in dem mehr eigentlichen Verstande für kurz einher traben, da sie es denn so wohl von dem Wolfe als Hirsche gebrauchen. Der Wolf trollt, trabt. Im Englischen ist to troll, herum gehen, im Niedersächsischen aber Tralte, ein plumper Fuß.


Tromm (W3) [Adelung]


Das Tromm, S. Trumm.


Trommel (W3) [Adelung]


Die Trommel, plur. die -n, ein Werkzeug, auf welchem derjenige dumpfige und zitternde Laut hervor gebracht werden kann, welche die Interjection trom ausdruckt, deren es dann verschiedene gibt. Die Maultrommel, ein kleines eisernes Werkzeug, deren elastische Zunge diesen Laut hervor bringet, ( S. dieses Wort.) Die Pauke wird in machen Gegenden noch die Kesseltrommel genannt, weil sie einem Kessel gleicht. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist es ein kriegerisches Werkzeug, welches aus einem hohlen Cylinder bestehet, dessen offene Enden mit einem scharf gespannten Pergament überzogen werden, worauf man mit Klöppeln schlägt, da es denn einen sehr starken und zugleich dumpfigen und zitternden Ton von sich gibt. Die Trommel schlagen oder rühren. Der Trommel oder dem Kalbsfelle folgen müssen, ein Soldat werden müssen. Daß, weil er nicht gehorchen wollte, Johann der Trommel folgen sollte, Gell. Sprichw. er bleibt bey seinen Worten, wie der Hase bey der Trommel, von einem Menschen, welcher bey der geringsten Veranlassung von seinen Worten und Versicherung abweicht. In der Anatomie ist Trommel eine Höhle des Ohres, welche mit einem dünnen trocknen Häutchen überzogen ist, und vermittelst des dazu gehörigen Hammers die Empfindung des Gehöres verursacht. In weiterer und theils figürlicher Bedeutung, werden verschiedene hohle cylinderförmige Behältnisse Trommeln genannt, zumahl, wenn sie in der Handthierung einen ähnlichen Laut von sich geben. In Niedersachsen heißt eine jede große blecherne Büchse eine Trommel. Eben daselbst führet diesen Nahmen auch diejenige blecherne Röhre, welche das Wasser von Dächern ableitet. In den Küchen ist die Trommel ein blechernes Gehäuse um den Braten, die Hitze zusammen zu halten. Ein blecherner hohler Cylinder, den Kaffeh darin zu brennen, wird eben daselbst die Kaffehtrommel, bey einigen die Kaffehpauke genannt. Bey den Uhrmachern ist die Trommel ein kleiner horizontaler Cylinder, über welchen die Gewichtschnur auf und nieder gehet. Bey den Siebmachern ist der hölzerne Cylinder, welcher das Sieb einschließt und auch der Lauf genannt wird. Nach einer noch weitern Figur führt bey den Jägern so wohl der Garnsack, worin die Stahre des Nachts mit einem Lichte auf den Teichen gefangen werden, als auch derjenige leinene Sack mit einem Reifen auf dem Boden, worin die gefangenen Hühner nach Hause getragen werden, den Nahmen der Trommel. Anm. In den gemeinen Mundarten Trummel. Die Endsylbe ist kein Zeichen einer Verkleinerung, wie viele glauben, sondern die Ableitungssylbe, welche ein Werkzeug, ein Subject bezeichnet. Die Trommel bedeutet ein Ding, welches den Laut trom oder trum hervor bringt. Andere Mundarten und Sprachen haben andere Endlaute, oder lassen sie gar weg, wie das Oberdeutsche Tromme, Trumme, das Nieders. Trumme, das Schwed. Trumma, welches Trommel und Trompete bedeutet, das Englische Drumm. Die Trommel ist das älteste musikalische Werkzeug, besonders für den Krieg, welches die Spanier bey Entdeckung von Amerika sogar bey den dasigen Wilden antrafen; es ist aber auch von jeher von verschiedener Gestalt und Einrichtung gewesen, und da alsdann auch der Laut, welchen es hervor bringt, seine Abänderungen leidet, so hat es auch noch verschiedene andere Nahmen bekommen, welche doch alle den starken, dumpfigen und zitternden Laut ausdrucken. Dahin gehöret das alte Oberdeutsche Tamber. Mich froewet niht der Tamber noch diu Gige, Schenk Ulrich von Winterstetten. Wovon das Franz. Tambour, und das Ital. Tamburro abstammen. Das Griech. und Lat. Tympanum kommt damit genau überein. ( S. Tambur.) Bey dem Hornegk heißt die Trommel Sumpper, und noch in einigen Oberdeutschen Gegenden Sumber; im Nieders. aber Bunge. Da die Trompete einen ähnlichen Laut von sich gibt, so hat sie auch einen ähnlichen Nahmen bekommen. Figürlich hat hernach dieses Wort dazu dienen müssen, in vielen Fällen den Begriff des hohlen Raumes, der Kürze und Dicke u. s. f. auszudrucken, weil solche Körper in der Behandlung einen ähnlichen dumpfigen Laut von sich geben. ( S. Trumm.) In Ansehung des zitternden Lautes gehöret auch tremere mit zur Verwandtschaft, wo aber das helle e das Dumpfige ausschließt.


Trommelblech (W3) [Adelung]


Das Trommelblech, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine eigene Art messingenen Bleches, woraus die jetzt üblichen Soldatentrommeln verfertiget werden.


Trommelhäutchen (W3) [Adelung]


Das Trommelhäutchen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Anatomie, das dünne trockne Häutchen, welches sich über der Trommelhöhle des Ohres befindet S. Trommel


Trommeln (W3) [Adelung]


Trommeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, denjenigen starken und zitternden Laut hervor bringen, welchen die Sylbe trom bezeichnet. Auf den Tisch trommeln, wenn, man mit beyden Fäusten schnell hinter einander auf den Tisch schlägt. Eben diese schnelle abwechselnden Schläge auch auf andern Körpern machen, nennet man sehr oft gleichfalls trommeln, wenn gleich kein dumpfiger und zitternder Schall hervor gebracht wird. So trommelt der Hase, wenn er auf den Hinterläufen sitzend, die Vorderläufe auf und nieder bewegt. In eigentlicherm Verstande trommelt eine Art Tauben, wenn sie mit der Brust und Kehle einen diesem Worte ähnlichen Laut hervor bringen. ( Siehe Trommeltaube.) Im engsten Verstande ist trommeln, das unter dem Nahmen der Trommel bekannte musikalische Werkzeug schlagen. Es wird getrommelt. Da es denn auch wohl als ein Activum ge- braucht wird, Feuerlärm trommeln; wofür aber das Zeitwort schlagen üblicher ist. Feuerlärm, Allarm, Zapfenstreich u. s. f. schlagen. S. auch Austrommeln.

Anm. In den gemeinen Sprecharten trummeln. Es ist das Intensivum oder Iterativum des im Hochdeutschen veralteten trommen oder trummen, welches noch in den gemeinen Mundarten üblich ist. ( S. Trommel.) Dieses Zeitwort und der Schall, welchen es bezeichnet, sind mit rummeln und rumpeln sehr nahe verwandt; das vorgesetzte t druckt die Intension des r oder des zitternden Lautes aus.


Trommelschlag (W3) [Adelung]


Der Trommelschlag, des -es, plur. die -schläge. 1. Ein Schlag auf die Trommel. 2. Collective und ohne Plural, das Rühren oder Schlagen der Trommel. Nach dem Trommelschlage, nachdem die Trommel gerührt worden. Etwas bey öffentlichem Trommelschlage bekannt machen.


Trommelschlägel (W3) [Adelung]


Der Trommelschlägel, des -s, plur. ut nom. sing. Schlägel oder Stäbe, womit die kriegerische Trommel geschlagen wird; im gemeinen Leben auch wohl Trommelstock.


Trommelschläger (W3) [Adelung]


Der Trommelschläger, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die kriegerische Trommel zu schlagen versteht, dessen Pflicht es ist, sie zu schlagen; der Tambur, ( S. dieses Wort.) Bey den Schwäbischen Dichtern Trumbunere.


Trommelsucht (W3) [Adelung]


Die Trommelsucht, plur. car. eine Art der Windsucht, zuweilen auch der Wassersucht, bey Menschen und Thieren, wobey der Unterleib, wegen des darin eingeschlossenen Windes oder Wassers wie eine Trommel gespannt ist. Nieders. die Bungensucht von Bunge, die Trommel. Zuweilen sind Winde und Wasser mit einander vereiniget, de sie denn auch die Windwassersucht genannt wird.


Trommeltaube (W3) [Adelung]


Die Trommeltaube, plur. die -n, eine Art Haustaube, welche eine Stimme von sich geben, die dem Trommelschlage ähnlich ist; Columba tympanista. Sie sind stärker als die Feldtauben, haben Büschel auf den Köpfen, und werden, weil sie alle Monathe Eyer legen und brüten, auch Mondtauben oder Monathstauben genannt.


Trompeten (W3) [Adelung]


Trompeten, verb. regul. act. et neutr. im letzten Falle mit dem Hülfsworte haben, auf der Trompete blasen, in die Trompete stoßen. Wenn ihr trommetet, so sollen die Läger aufbrechen, 4 Mos. 10, 5 f. Und ließ trommeten, 1 Macc. 5, 33. und so in andern Stellen mehr. Trommeten für trompeten ist im Hochdeutschen veraltet. Aber auch das letzte wird nur noch theils im Scherze, theils von einem ungeschickten Blasen auf diesem Instrumente gebraucht, indem statt dieses Zeitwortes in die Trompete stoßen, oder die Trompete blasen üblicher sind. Einen Marsch trompeten, besser, einen Marsch auf der Trompete blasen.


Trompetenschall (W3) [Adelung]


Der Trompetenschall, des -es, plur. car. der Schall oder Laut der geblasenen Trompete. Etwas bey Trompetenschall bekannt machen; im gemeinen Leben, er austrompeten.


Trompeter (W3) [Adelung]


Der Trompeter, des -s, plur. ut nom. sing. der die Trompete nach den Regeln der Kunst zu blasen verstehet, doch mehr aber, der ein Geschäft daraus macht, die Trompete in den nöthigen Fällen zu blasen. Der Feldtrompeter, welcher auch nur der Trompeter schlechthin heißt, der Hoftrompeter, der Stadttrompeter. Im Oberd. Trumetter, Trommeter. Im Tatian wird Tibicen durch Trumbar übersetzt.


Trompetergang (W3) [Adelung]


Der Trompetergang, des -es, plur. die -gänge, ein kleiner Gang von einem Gebäude, oder auch um einem Thurme, von welchem der Trompeter in den gewöhnlichen Fällen das Zeichen mit der Trompete gibt; z. B. an Höfen, von einem solchen Gange zur Tafel zu blasen.


Trompeterstückchen (W3) [Adelung]


Das Trompeterstückchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein kurzes musikalisches Stück, so wie es auf einer Trompete geblasen werden kann.


Tropf (W3) [Adelung]


1. * Der Tropf, des -n, plur. car. oder der Tropfen, des -s, plur. car. ein in Hochdeutschen veraltetes; nur noch im Oberdeutschen übliches Wort, welches daselbst diejenige Krankheit bezeichnet, welche unter dem Nahmen des Schlages oder Schlagflusses am bekanntesten ist. Nicht, wie Frisch will, weil diese Krankheit von gewissen Tropfen, guttis, herrühret, die von dem Gehirn fallen, obgleich das Italiänische Gotta und mittlere Lat. Gutta, der Schlagfluß, aus einer ähnlichen Mißdeutung entstanden zu seyn scheinen, sondern als das Intensivum von treffen, schlagen, wie Schlag von schlagen abstammet. Im Schwed. ist Dryp gleichfalls ein Schlag. S. Treff und Treffen.


Tropf (W3) [Adelung]


2. Der Tropf, des -en, plur. die -en, eine mitleidige Benennung eines armen einfältigen Menschen, welcher sich in einer Verlegenheit weder zu rathen noch zu helfen weiß. Ein armer Tropf. Ein elender Tropf. Gleich weint er mit, der arme Tropf, Weiße. Durch diese (Gottes Kraft) wirst du nun, elender Tropf, entgöttert, Gryph. Im Oberdeutschen ist auch das weibliche Geschlecht Tröpfinn, üblich, welches aber im Hochdeutschen ungangbar ist; die faule Tröpfinn, Matthes.

Anm. Die meisten Wortforscher sehen auch diese Bedeutung als eine Figur von Tropfen an, und Frisch erklärt es sehr seltsam und gezwungen von einem Menschen, der sich nicht eher rührt, als bis er nach der Schwere, wie ein Tropfen, abfällt. So künstlich pflegen die Erfinder der Sprachen das Vergleichungsmittel niemahls aufzusuchen. Da indessen der Begriff, welchen man mit diesem Worte verbindet, so ausgemacht noch nicht ist, so läßt sich auch die Abstammung nur muthmaßlich bestimmen. Ist es der Begriff der Faulheit, der Unbehülflichkeit, so kann es ein Intensivum von Traube seyn, so fern es überhaupt eine Masse bedeutet. Kloß, Klotz und andere ähnliche Wörter werden in ähnlichen Figuren gebraucht. Ist aber der Begriff eines leidenden, hülflosen, trübseligen Menschen, der herrschende, so scheinet es zu trüben in betrüben, zu dem alten Alemannischen thruwen, leiden, dulden, im Angels. throvian, wo auch Trowere, ein Märtyrer ist, zu gehören, von welchem es gleichfalls das Intensivum seyn würde. Im Böhmischen ist Traup, ein Narr, dropet aber, wenig.


Tropfbad (W3) [Adelung]


Das Tropfbad, des -es, plur. die -bäder, bey den Ärzten, eine Art des Bades, da man ein flüssiges Arzneymittel von einer Höhe tropfenweise auf den kranken Theil fallen lässet; Embrocatio.


Tröpfeln (W3) [Adelung]


Tröpfeln, verb. reg. welches das Verkleinerungswort von dem Zeitworte tropfen ist, und so wie dieses in doppelter Gestalt gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben, in kleinen Tropfen herunter fallen. Das Blut tröpfelt aus der Wunde. Es wird regnen, denn es tröpfelt schon. 2. Als ein Activum, in Gestalt kleiner Tropfen fallen lassen. Eine Arzeney auf Zucker tröpfeln. Mit Fett betröpfeln. So auch das Tröpfeln.

Anm. Im Nieders. druppeln, drüppeln, im Engl. to tribble. Es ist das Intensivum von träufeln, wie tropfen von traufen. S. diese Wörter.


Tropfen (W3) [Adelung]


Tropfen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt vorkommt. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, in Gestalt der Tropfen herabfallen, von flüssigen Körpern. Das Blut tropft aus der Wunde. Es wird regnen, denn es tropfet schon. Sprichw. wenn es auf die Herren regnet, so tropfet es auf die Knechten. Da es denn nach einer gewöhnlichen Figur auch von dem Körper gesagt wird, von welchem der flüssige tropft. Die Dächer tropfen. Die Nase tropft ihm. Die Reben tropfen. Selbst am zärtlichsten Reh tropft noch die blutende Wunde, Zach. 2. Als ein Activum, in Gestalt der Tropfen fallen lassen. Arzeney auf Zucker, in Wasser tropfen. Fett auf den Braten tropfen. So auch das Tropfen. Anm. Bey dem Notker trophen, im Nieders. druppen, im Schwed. drypa, im Isländ. dropa, im Angels. dypan. Es ist das Intensivum von traufen und triefen, und mit demselben eine Onomatopöie des Herabfallens eines Tropfens selbst. Mit andern intensiven Endlauten kommt bey dem Willeram troffezen, und in einigen Oberd. Gegenden trofnen noch jetzt für tropfen vor.


Tropfen (W3) [Adelung]


Der Tropfen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Tröpfchen, Oberd. Tröpflein, ein kleiner Theil eines flüssigen Körpers, welcher die Gestalt einer kleinen Kugel annimmt. Ein Tropfen Thau, wenn sich die Feuchtigkeit des Thaues in kleinen Kugeln auf den Gewächsen vereiniget. Ein Tropfen Wasser, Wein. Es regnet große Tropfen. Figürlich gebraucht man dieses Wort, 1. eine sehr geringe Quantität eines flüssigen Körpers zu bezeichnen. Ich habe heute noch keinen Tropfen getrunken. Es ist kein gesunder Tropfen Blut in ihm. Ein Tröpfchen Wein trinken, ein wenig. 2. Die Tropfen im Plural bezeichnen eine flüssige Arzeney, welche tropfenweise eingenommen wird. Tropfen einnehmen. Magentropfen, Brusttropfen u. s. f.

Anm. Bey dem Notker Truphu, im Tatian Tropho, im Nieders. Druppe, im Angels. Dropa und Drype, im Engl. Drop, im Dänischen Draabe, von welchem letztern das Deutsche das Intensivum ist. Es ist nicht Infinitiv des vorigen Zeitwortes, sondern von tropf und der Ableitungssylbe en zusammen gesetzt, ein Ding, welches im Herabfallen den Laut tropf verursacht. Einige gemeine Mundarten gebrauchen es auch ohne Endsylbe, der Tropf. Ein Tropf im Eimer, Es. 40, 15. Welche Form aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist.


Tropfenfall (W3) [Adelung]


Der Tropfenfall, des -es, plur. inus. 1. Die Traufe, de Fall der Wassertropfen von dem Dache; Nieders. Druppenfall. Den Tropfenfall in des andern Hof haben. 2. In machen Gegenden ist auch für Traufrecht üblich, S. dieses Wort.


Tropfhahn (W3) [Adelung]


Der Tropfhahn, des -es, plur. die -hähne, in den Gradierwerken, Hähne mit ihren Tropfzapfen, durch welche die Sohle, welche gradiert werden soll, aus dem Tropftroge tropfet.


Tropfnaß (W3) [Adelung]


Tropfnaß, adj. et adv. so naß, daß es tropfet. Tropfnaß seyn.


Tropfstein (W3) [Adelung]


Der Tropfstein, des -es, plur. die -e. 1. In der Mineralogie, eine kalkartige Steinart, welche entstehet, wenn mit Kalkerde geschwängertes Wasser in den unterirdischen Höhlen herab tropfet, und nach Abdunstung des Wassers die Kalkerde in Gestalt eines Steines zurück lässet; ohne Pural und nur von der Art. Sinter, Steinsinter, Stalactites. 2. Auch der Filtrierstein, und ein daraus bereitetes Gefäß, das Wasser zum Trinken dadurch zu filtrieren, wird in einigen Gegenden Tropfstein genannt.


Tropftrog (W3) [Adelung]


Der Tropftrog, des -es, plur. die -tröge, in den Gradier-Häusern, ein Trog, aus welchem die Sohle auf die Dornwände tropfet.


Tropfwein (W3) [Adelung]


Der Tropfwein, des -es, plur. inus. verdorbener Wein, welcher aus dem Hahne oder Zapfen eines Fasses tropfet; Leckwein, in einigen Gegenden Ausbruch, in Österreich Spänwein.


Tropfzapfen (W3) [Adelung]


Der Tropfzapfen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Gradier-Häusern, S. Tropfhahn.


Tropfzinn (W3) [Adelung]


Das Tropfzinn, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, sehr reines Zinn, welches auf den Brennörtern aus dem Zinnerze tropfet, und von einigen für gediegenes Zinn ausgegeben wird.


Trophee (W3) [Adelung]


Die Trophee, (dreysylbig,) plur. die -n, aus dem Franz. Trophee, und dieß aus dem Griech. und Latein. Tropaeum, ein Siegeszeichen, zum Zeichen des Sieges ausgestellte Kriegsgeräthe und Waffen. Wo Wanderer Trophee eines Volks, Das für die Tugend fiel, mit Schaudern sehn, Weiße.


Tropp (W3) [Adelung]


Tropp, S. Trupp.


Troßbube,Troßjunge (W3) [Adelung]


Der Troßbube, oder Troßjunge, des -n, plur. die -n, ein Bube, d. i. junger Mensch geringen Standes, der sich bey dem Trosse eines Kriegsheeres aufhält, z. B. als Packknecht, Reitknecht, Marketenderknecht u. s. f. doch nur im verächtlichen Verstande.


Troßjunge (W3) [Adelung]


Der Troßjunge, S. Troßbube.


Troßpferd (W3) [Adelung]


Das Troßpferd, des -es, plur. die -e, S. Troß.


Trostamt (W3) [Adelung]


Das Trostamt, des -es, plur. die -ämter, ein nur un der Theologie übliches Wort, wo das Trostamt des heiligen Geistes, dasjenige Geschäft desselben ist, nach welchem er die Menschen in Widerwärtigkeiten und Leiden aufrichtet.


Tröstbar (W3) [Adelung]


Tröstbar, -er, -ste, adj. et adv. wer sich trösten läßt, doch am häufigsten in dem Gegensatze untröstbar, wofür doch untröstlicher üblicher ist.


Trostbrief (W3) [Adelung]


Der Trostbrief, des -es, plur. die -e, ein Brief, worin man jemanden Trost zu ertheilen sucht; das Trostschreiben.


Tröster (W3) [Adelung]


Der Tröster, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Trösterinn, eine Person, welche tröstet, auch nur noch in der letzten Bedeutung des Zeitwortes. Keinen Tröster haben, Pred. 4, 1. Ihr seyd alle leidige Tröster, Hiob 16, 2. Deine Tröster verführen dich, Es. 3, 12. Wo bist du hin, du Tröster in Beschwerde, Mein goldner Schlaf? Haged. O Laura, du bist eine leidige Trösterinn! Weiße. Ihr Schönen, ihr solltet Trösterinnen der Männer seyn! Wenn man im gemeinen Leben ein altes Buch im Scherze und verächtlichen Verstande einen alten Tröster nennet, so scheinet dieser Ausdruck zunächst von einem alten Gebethbuche, dem Tröster der Andächteley, entlehnet zu seyn.

Anm. Ehedem bedeutete dieses Wort auch theils einen Bürgen, in welchem Verstande es in alten Urkunden vorkommt, und noch in der Schweiz üblich ist; theils einen Beystand, einen Fürsprecher vor Gericht, in welcher Bedeutung der heil. Geist noch in der Deutschen Bibel der Tröster genannt wird, das Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - auszudrucken. Im Tatian heißt der heil. Geist in dieser Bedeutung Fluobareri, im Angels. aber Frefrigend, Frefriend, frofre Gast.


Trostgrund (W3) [Adelung]


Der Trostgrund, des -es, plur. die -gründe, eine Vorstellung, wodurch man eine unangenehme Empfindung, besonders einen Kummer oder Gram, bey sich und andern zu überwiegen sucht.


Trostlos (W3) [Adelung]


Trostlos, -er, -este, adj. et adv. des Trostes beraubt. Ein trostloser Mensch, welcher nichts hat, womit er sich in seinem Leiden trösten kann. Ein trostloser Zustand. Trostlos seyn. Untröstlich ist der, welcher sich nicht trösten läßt, keinen Trost annehmen will; der also nicht alle mahl trostlos ist. Bey dem Ottfried schon drostolos.


Trostlosigkeit (W3) [Adelung]


Die Trostlosigkeit, plur. inus. der Zustand, da man trostlos ist.


Trostquelle (W3) [Adelung]


Die Trostquelle, plur. die -n, die Quelle des Trostes. d. i. dasjenige, woraus Trost im Leiden hergenommen werden kann.


Trostreich (W3) [Adelung]


Trostreich, -er, -ste, adj. et adv. reich an Trost, vielen Trost habend und gewährend, im hohen Grade tröstlich. Ein trostreicher Zuspruch. Eine trostreiche Vorstellung.


Trostschreiben (W3) [Adelung]


Das Trostschreiben, des -s, plur. ut nom. sing. S. Trostbrief.


Trostschrift (W3) [Adelung]


Die Trostschrift, plur. die -en, eine Schrift, worin man jemanden tröstet.


Tröstung (W3) [Adelung]


Die Tröstung, plur. die -en, von dem Zeitworte trösten und der Ableitungssylbe -ung. 1) * Die Handlung, da man tröstet; als das Verbale dieses Zeitwortes; eine ungewöhnliche Bedeutung, wofür das Trösten üblicher ist. 2) Der Zustand, da man Trost empfindet. Wer aber weissaget, der redet den Menschen zur Besserung und zur Ermahnung, und zur Tröstung, 1 Cor. 14, 3. Eine ungewöhnliche Bedeutung, wofür Trost üblicher ist. 3) Dasjenige, was Trost gewähret. Auch hier ist Trost üblicher, außer, wenn man den Plural nöthig findet, welchen dieses Hauptwort nicht leidet. Sollten Gottes Tröstungen so gering vor dir gelten! Hiob 15, 11. Das Elend des andern durch Liebe und Tröstung zu versüßen, Gell. Der Engel der Liebe möge seine lieblichsten Tröstungen auf dich herab schütten, Weiße.


Trostwort (W3) [Adelung]


Das Trostwort, des -es, plur. inus. noch mehr aber, die Trostworte, sing. inus. eine tröstliche, Trost gewährende Rede, als ein Collectivum.


Trott (W3) [Adelung]


Der Trott, des -es, plur. car. von dem Zeitworte trotten, traben. 1) Der Trab, besonders von dem Trabe der Pferde, von welchem man so wohl das Wort Trab als Trott gebraucht. Das Pferd gehet den Trott. Den Trott reiten. Ital. Trotto, Engl. Trot, im mittlern Lat. Troctus. 2) In einigen Oberdeutschen Gegenden wird der Trieb oder die Triftgerechtigkeit, so wohl der Trott als die Trat genannt. S. Trotten.


Trottbaum (W3) [Adelung]


Der Trottbaum, des -es, plur. die -bäume, im Oberdeutschen der Baum in einer Trotte oder Kelter; der Kelterbaum.


Trottbett (W3) [Adelung]


Das Trottbett, des -es, plur. die -e, eben daselbst, der vertiefte Platz in der Kelter, in welchem die Trauben zu liegen kommen; das Bett, Kelterbett.


Trotte (W3) [Adelung]


Die Trotte, plur. die -n, ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, eine Presse, und besonders eine Weinpresse oder Kelter zu bezeichnen. Daher wird eine Öhlmühle eben daselbst auch eine Öhltrotte genannt. S. Trotten 1.


Trottel (W3) [Adelung]


Die Trottel, S. Troddel.


Trotten (W3) [Adelung]


Trotten, verb. reg. welches das Intensivum von treten ist, und in doppelter Gestalt vorkommt. 1) Als ein Activum, von treten, so fern es ehedem auch stampfen, stoßen bedeutete; in welchem Verstande trotten noch in einigen Oberdeutschen Gegenden für pressen so wohl als stampfen, üblich ist. Den Wein trotten, ihn keltern. Da dieses vor dem Pressen auch häufig von Menschen mit den Füßen geschiehet, so könnte man dieses trotten füglich als ein Intensivum der gewöhnlichsten Bedeutung des Zeitwortes ansehen, wenn nicht erweislich wäre, daß treten ehedem auch stampfen, stoßen, bedeutet hätte. Daher man den Wein trottet, es mag durch Treten oder Pressen geschehen. Im Oberdeutschen sagt man auch Öhl trotten für stampfen, und im Niederdeutschen ist treiten und tröten die Hauf- und Fluchsstängel vor dem Brechen entzwey stoßen, und Treite das gereifelte Bret, womit solches geschiehet. 2) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, von der üblichsten Bedeutung des Zeitwortes treten, mit schnellen und kurzen Schritten einher laufen, wie traben, ob es gleich eigentlich ein härteres Auftreten, wie dieses, zu bezeichnen scheinet. Das Pferd trottet hart. Daher getrottet kommen, auch von dem menschlichen Gange, plump daher gelaufen kommen. Indessen ist im Hochdeutschen dafür traben, bey vielen aber auch trottieren üblich, welches wieder aus dem Italiän. trottare, und Franz. trotter, traben, entlehnet ist, ungeachtet diese von dem Deutschen trotten abstammen. So auch das Trotten 2.


Trottieren (W3) [Adelung]


Trottieren, S. Trotten.


Trottknecht (W3) [Adelung]


Der Trottknecht, des -es, plur. die -e, im Weinbaue, sowohl diejenigen, welche die Weintrauben vor dem Auspressen derselben mit den Füßen zertreten; die Treter. Als auch diejenigen Arbeiter, welche nachmahls das Auspressen verrichten.


Trottmeister (W3) [Adelung]


Der Trottmeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Aufsicht über die Trottknechte hat; der Keltermeister.


Trottspindel (W3) [Adelung]


Die Trottspindel, plur. die -n, an der Trotte oder Kelter die große senkrechte Schraube, vermittelst welcher das Keltern oder Pressen geschiehet; die Kelterspindel.


Trotz (W3) [Adelung]


Der Trotz, des -es, plur. car. ein Wort, welches die Begriffe, der Zuversicht, des Drohens, des muthigen Widerstandes, und der Herausforderung in sich vereiniget, und wenigstens in einigen Fällen ein Intensivum so wohl von Trost in der veralteten Bedeutung der Zuversicht und Kühnheit, als auch von drohen ist. Es bedeutet. 1) * Kühnheit, eine veraltete Bedeutung, in welcher noch das Beywort trutzlich für kühn, verwegen, im Theuerdanke vorkommt. Wenn ich ewrs geleichen wer Vnnd in solchem grossen gelück So wohl ich bestan ein trutzlich stück, Kap. 85. 2) Hoher Grad des Vertrauens auf eigene Vorzüge oder fremde Hülfe, verbunden mit der festen Entschließung, allen Hindernissen muthig entgegen zu gehe; in welchem Verstande sich dem Trotze Zuversicht, Stolz und Kühnheit vereinigen. Sie verlassen sich auf ihren Harnisch und sind voll Trotzes, 2 Macc. 8, 18. Ich will mit edlem Trotz den Weg der Tugend gehen, Weiße. Da es denn in der höhern Schreibart auch wohl figürlich den Gegenstand der festen Zuversicht bezeichnet. Der Herr ist dein Trotz, Sprichw. 3, 26. Der Weg des Herren ist des Frommen Trotz. Kap. 10, 29. Worauf verlässet er sich, wer ist sein Trotz? Sir. 34, 18. 3) In vielen Fällen ist mit einiger Abänderung der Trotz, die herrschende Neigung mit Beyseitsetzung aller glimpflichen Maßregeln, einem andern so wohl öffentlich Widerstand zu leisten, als auch ihn zum Widerstande gegen unsere Beleidigungen aufzufordern. Einen Trotz beweisen, eine veraltete Redensart, wofür man lieber sagt, trotzig gegen ihn seyn, oder in manchen Fällen auch, ihm Trotz biethen, so wohl durch offenbaren Widerstand, als auch durch dreiste Ausforderung zum Widerstande. Trotz sey dir gebothen! Er biethet aller menschlichen Gewalt trotz. Jemandes Trotz demüthigen. Jemanden etwas zum Trotze thun, mit offenbarem Widerstande gegen dessen Willen, Meinung u. s. f. Der ganzen Welt zum Trotz, wenn gleich die ganze Welt anders will oder denkt. Da es denn oft auch als eine Partikel zur Bezeichnung eines offenbaren Widerstandes oder einer offenbaren Ausforderung gebraucht wird. Trotz! und mache sich einer an Jacob! 2 Sam. 20, 11; d. i. Trotz sey dem gebothen, der sich an Jacob macht. Am üblichsten ist es in diesem Verstande mit der dritten Endung der Person. Trotz dem, ders besser macht! Trotz dem, der sich widersetzt! Er bleibt, Trotz allen Gründen, bey seiner Meinung, mit Verachtung aller Gründe, ungeachtet aller Gründe. Der, Trotz der Schärpe, die er trug, Nicht weiser war, als der, den er vernünftig schlug, Gell. Sie sieht, Trotz seiner Mummerey, Daß alles eitel sey, Uz; d. i. ungeachtet. In welcher Bedeutung, (so fern es nähmlich für ungeachtet steht,) die zweyte Bedeutung noch üblicher ist: Trotz aller Einwendungen, für Trotz allen Einwendungen. Du wirst den Prozeß Trotz deines vielen Geldes, für Trotz dei- nem vielen Gelde, nicht gewinnen. Nach einer noch weitern Figur bedeutet dieses in ein Zwischenwort umgeformte Trotz oft weiter nichts als, eben so gut, da es aber nur allein die dritte Endung leidet. Er läuft, trotz einem Läufer, so gut als ein Läufer. Trotz einer Älster schwatzt Ursin, Haged. In allen diesen Fällen ist die R. A. elliptisch, und läßt sich durch Trotz sey dem gebothen, auflösen; woraus zugleich erhellet, daß die dritte Endung die richtigste ist, außer wenn Trotz die Gestalt eines Vorwortes annimmt und für ungeachtet stehet. Um deßwillen wird dieses Trotz auch am richtigsten mit einem großen T geschrieben, indem es ein wahres Hauptwort ist, wenn es gleich durch den elliptischen Gebrauch die Gestalt einer Partikel annimmt. Die Hauptwörter Glück, Heil, Dank u. s. f. werden in ähnlichen Ellipsen gleichfalls allemahl mit einem großen Buchstabe geschrieben. Glück dem Könige! Heil dir! Er hat die Krankheit, Dank seinem guten Arzte, glücklich überstanden. 4. Endlich ist der Trotz auch thätige Erweisung herrschender Widerspenstigkeit, da es denn oft auch in engerm Verstande von der thätigen Erweisung der herrschenden Abneigung von der Versöhnung gebraucht wird. Der Trotz eines Kindes. Jemandes Trotz demüthigen.

Anm. In einigen alten Mundarten Trutz, welches noch in dem, im Hochdeutschen aber auch seltenen, Trutzbündniß, ein Bündniß zum Angriffe, im Gegensatze eines bloßen Schutzbündnisses, gangbar ist. S. das folgende.


Trotzen (W3) [Adelung]


Trotzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. * Einen hohen Grad der Kühnheit besitzen, und solchen thätig erweisen; eine im Hochdeutschen völlig veraltete Bedeutung. 2. Einen hohen Grad des Vertrauens auf eine Sache hegen, und solchen mit Beyseitsetzung alles Glimpfes thätig erweisen; mit dem Vorworte auf. Die sich verlassen auf ihr Gut und trotzen auf ihren großen Reichthum, Ps. 49, 7. Sie trotzen auf den Gott Israel, Es. 48, 2. Arphaxad trotzete auf seine Macht, Judith 1, 5. Trotze nicht auf dein Amt, Sir. 10, 31. Ein Midas trotzt auf den Besitz der Schätze, Haged. Auf etwas pochen, wird in ähnlichem Verstande gebraucht. 3. Oft verschwindet ein Theil des Begriffes der Zuversicht, und da sticht die thätige Erweisung am stärksten vor, und alsdann ist trotzen, im hohen Vertrauen auf sich oder andere, mit Beyseitsetzung alles Glimpfes, so wohl zum thätigen Widerstande bereit seyn, als auch andere dreist zum Widerstande ausfordern, wie Trotz biethen; da es denn auch, so wie diese R. A. die dritte Endung der Person erfordert. Einem trotzen. Allen Gefahren trotzen. Trotz biethen. Viele, besonders Oberdeutschen Schriftsteller gebrauchen es in dieser Bedeutung mit der vierten Endung. Weswegen sie sich entschlossen, - und das sonst unerbittliche Recht der Gräber zu trotzen, Gryph. Den Herren trotzen, Ier. 50, 24. 1 Cor. 10, 22. Wollt ihr mich trotzen? Joel 3, 9. Man trotzt die Sterblichkeit, Günth. Hast du in ihrer Brust ein Feuer angefacht, Das die Gefahren trutzt? Schleg. Sie trotzte gar die Schwachheitssünden, Haged. Diese im Hochdeutschen fehlerhafte Wortfügung scheint im Oberdeutschen einheimisch, und aus Verwechselung mit dem in einigen Provinzen gangbaren tratzen, zum Zorne reitzen, entstanden zu seyn, welches aber allem Ansehen nach nicht hierher gehöret, sondern ein Intensivum von reitzen ist, auch den Begriff des dreisten Ungestümes nicht hat, welcher mit trotzen verbunden ist. Da dieses im Hochdeutschen kein Activum, sondern ein Neutrum ist, und man daher nicht sagen kann, ich werde getrotzt, so kann man auch nicht sagen, einen trotzen. Die ähnlichen R. A. einem pochen, einem Drohen, einem widerstehen u. s. f. deren Begriffe sich in trotzen vereinigen, leiden gleichfalls nur die dritte Endung. 4. Seine herrschende Abneigung von der Versöhnung auf thätige Art an den Tag legen, wo es absolute, und höchstens mit dem Vorworte mit gebraucht wird. Ein Kind trotzt, wenn es seinen Widerwillen gegen den eingebildeten Beleidiger auf eine herrschende Art an den Tag legt. Mit jemanden trotzen, im glimpflichern Verstande, mit ihm zürnen, in den niedrigern Sprecharten, mit ihm maulen. S. auch das Trotzen.

Anm. In einigen Oberdeutschen Mundarten trutzen, bey dem Notker trotzen, im Schwed. trotsa, im Isländ. tratzast. Im Nieders. ist trotseren, stolz und trotzig thun, und in der Schweiz trätzeln, schimpfen, welches aber, so wie das Baierische tratzen, reitzen, nicht hierher, sondern zu reitzen zu gehören scheinet. Trotzen stehet für trotsen, und zeigt schon dadurch, daß es ein Intensivum von einem andern Zeitworte ist, vielleicht von treten, Oberd. trotten, da es denn vor Trotz auf die Erde stampfen bedeuten würde. Noch wahrscheinlicher ist es ein Intensivum so wohl von drohen, als auch von trauen und Trost, in der alten Bedeutung der Zuversicht, indem alle diese Begriffe in diesem Worte zusammen fließen. Im Angels. ist Threata, Engl. Threat, Drohung, und threatian, Engl. threat, drohen, woraus mit angehängter Ableitungssylbe -sen, leicht trotzen werden können. In einigen gemeinen Mundarten wird auch protzen in manchen Fällen für trotzen gebraucht. Die Lat. trux und atrox, das Franz. brusque, das Ital. bravazzare, trotzen, scheinen gleichfalls damit verwandt zu seyn.


Trotzig (W3) [Adelung]


Trotzig, -er, -ste, adj. et adv. Trotz an den Tag legend, in dem Trotze gegründet, doch nur in der dritten Bedeutung des Hauptwortes. Ein trotziger Mensch. Jemanden sehr trotzig begegnen. Eine trotzige Antwort. Ein trotziges Betragen. Im gemeinen Leben beziehet sich trotzig oft bloß auf die Mienen. Trotzig aussehen, einen mürrischen Ernst durch seine Mienen verrathen. Luthers trotziglich für das Nebenwort trotzig ist im Hochdeutschen veraltet.


Trotzkopf (W3) [Adelung]


Der Trotzkopf, des -es, plur. die -köpfe, eine Gemüthsfassung, ingleichen eine Person, welche Trotz besitzet oder äußert, doch am häufigsten nur in der vierten Bedeutung so wohl des Hauptwortes Trotz, als des Zeitwortes trotzen.


Trübe (W3) [Adelung]


Trübe, -r, -ste, adj. et adv. 1. In eigentlichsten Verstande, in denjenigen Zustand versetzt, da die Durchsichtigkeit eines Körpers durch in Bewegung gebrachte kleine Theilchen gehindert wird; in welchem Verstande es besonders von flüssigen Körpern gebraucht wird, im Gegensatze des hell und klar. Das Wasser, der Wein, das Bier ist trübe. Das Wasser ist trübe. Im trüben Wasser fischen, oder im Trüben fischen, da man mehr Fische bekommt, weil alsdann die Fische ihre Gefahr nicht gewahr werden; figürlich, sich einer allgemeinen Verwirrung zu seinem Vortheile zu Nutzt machen. Trübe Luft, trüber Himmel, trübe Witterung. Aber auch, ein Spiegel ist trübe, wenn dessen Durchsichtigkeit durch darauf befindliche fremdartige Theile unterbrochen wird. In weiterer Bedeutung wird trübe auch von glänzenden Körpern gebraucht, wenn ihr Glanz durch darauf befindliche fremdartige Theile unterbrochen wird. Trübe Augen haben, wenn der Glanz der Hornhaut durch eine darauf befindliche Feuchtigkeit verdunkelt wird. In dieser eigentlichen Bedeutung gebrauchen die Niedersachsen zwar auch druuv, noch mehr aber, von flüssigen Körpern floom, gloom, Engl. gloom, von dem Himmel und der Luft hevenschemig, von Heven, Himmel, und schemig, schattig, dußig, düsig, munkelig. 2. Figürlich. 1) Trübe aussehen, im Gegensatze des heiter. Trübe Gedanken, im Gegensatze des muntern oder heitern. In beyden Fällen bezeichnet es den ersten Grad der Unlust über ein gegenwärtiges Übel, welcher Grad oft nur in der Abwesenheit der Munterkeit oder Heiterkeit des Gemüthes bestehet. 2) Nach einer weitern Figur wurde es ehedem auch häufig für das einen höhern Grad der Unlust bezeichnende betrübt gebraucht, in welchem Verstande die Niedersachsen noch dröve sagen. Ir lutter spiegel varwes leben Kan trueben herzen froeide geben, Markgr. Heinrich von Meißen. In welcher Bedeutung es aber nur noch zuweilen bey den Dichtern gebraucht wird.

Anm. Bey dem Notker troube, im Nieders. druuve und dröve. S. Trüben.


Trubel (W3) [Adelung]


Der Trubel, des -s, plur. ut nom. sing. ein im gemeinen Leben noch häufiges Wort, eine geräuschvolle Verwirrung, eine Menge geräuschvoller Geschäfte, Unruhen u. s. f. zu bezeichnen. Es ist ein großer Trubel im einem Hause, wenn eine Menge geräuschvoller Geschäfte in demselben vollbracht werden. Auf den Messen ist immer viel Trubel. Der Kriegstrubel, der Lärm, das Geräusch des Krieges. Im Franz. Trouble. Wenn einige im Plural die Kriegs-Trubeln mit einem n sagen, als wenn das Wort weiblich wäre, so ist es alsdann eine bloße Nachahmung des Franz. Troubles. Trubel ist ein altes gutes Deutschen Wort, welches vermittelst der Ableitungssylbe -el ein Ding, Subject, von dem folgenden truben, trüben, Verwirrung, Unruhe verursachen, abstammet. Schon im Kero ist truabaler, unruhig turbidus. In den gemeinen Mundarten hat man auch das Zeitwort trubeln, unruhige, geräuschvolle Geschäfte verrichten.


Trüben (W3) [Adelung]


Trüben, verb. reg. act. trübe machen. 1. Eigentlich, von flüssigen Dingen, durch Auftreibung oder Aufrührung fremdartiger Theile ihre Durchsichtigkeit unterbrechen. Das Wasser trüben, Ezech. 32, 2. Im gemeinen Leben sagt man im figürlich Verstande, er hat kein Wasser betrübt, für getrübt. Am häufigsten ist dieses einfache Zeitwort noch in der dichterischen Schreibart, indem im gesellschaftlichen Umgange trübe machen gewöhnlicher ist. Wenn die getrübte Fluth bis an die Wolken klimmt, Opitz. Daß keiner Dir trübe deinen Fluß, eben ders. Wenn Boreas die Lüfte trübt, Uz. Einsam im Zimmer, zufrieden mit sich, durchlebte sie Tage, Nicht vom Neide getrübt, Zachar. In weiterer Bedeutung auch von der Oberfläche glänzender Körper, wenn ihr Glanz durch fremdartige Dinge unterbrochen wird. So hätt' ich nicht Thränen gesehn, durch die mächtige Liebe Dein blaues siegendes Auge getrübt, Zachar. 2. Figürlich. 1) Durch Verursachung eines Grames die Heiterkeit der Gesichtszüge unterbrechen, auch nur in der dichterischen Schreibart. Sie trübte keine Klage. 2) * Betrübt, traurig machen, eine veraltete Bedeutung, in welcher jetzt betrüben gewöhnlicher ist, ( S. dasselbe.) So auch das Trüben.

Anm. In der ersten Bedeutung auch im Nieders. dröven. Es scheinet, daß es in dieser Bedeutung zunächst von treiben abstammet, und eigentlich das Auftreiben fremdartiger Theile in einem flüssigen Körper bezeichnet, indem dieses Zeitwort ehedem einen stärkern Begriff der heftigen Bewegung bey sich hatte. Bey dem Kero ist truabpen, und bey dem Notker getruoben, in Unruhe, Unordnung, Verwirrung bringen, turbare, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches mit versetztem r gleichfalls hierher gehöret, und nur turba, Haufe, Menge, eben so verwandt ist, als treiben und trüben mit Trupp, und Trab in Nachtrab, Vortrab. In den Monseeischen Glossen ist Gitruopido, die Fluth, Welle, eigentlich das aufgetriebene Meer. So schön auch die Figur der Betrübniß von der trüben Beschaffenheit durchsichtiger Körper ist, so ist sie doch für die rohen Zeiten, in welchen die Sprache gebildet und gemodelt wurde, zu fein und schön, und die Wahrscheinlichkeit derselben verliert sich ganz, wenn man diesem Worte in seinem Alterthume nachspüret. Man findet daselbst zwey hierher gehörige Zeitwörter; das vorige Activum truoben, druaban, trüben, turbare, welches, so wie treiben, auch plagen, Schmerz und Unruhe des Gemüthes verursachen, bedeutet, bey dem Ulphilas draiban, im Angels. drefan, Lat. turbare, und welches unser trüben in betrüben ist; und das Neutrum thruuen, getrieben oder geplagt werden, leiden, Angels. throvian, wovon unser Intensivum trauern. Man muß also die Bedeutungen vielmehr so ordnen: Traben, Treffen, Treiben sind Ausdrücke ähnlicher Laute heftiger Bewegungen verschiedener Art. Treiben, durch äußere Gewalt in eine heftige Bewegung versetzen. 1. Dadurch verwirren, turbare, eine veraltete Bedeutung. 2. Dadurch undurchsichtig machen; daher unser Trübe und trüben. 3. Dadurch plagen, Gram verursachen; daher betrübt, betrüben, und das Neutrum trauern, Gram empfinden, leiden. Hieraus erhellet zugleich, daß auch die scheinbare Ableitung nicht alle Mahl die wahre ist, und wie behutsam man in einer jeden Sprache seyn müsse, nicht jeder auch noch so auffallenden Ähnlichkeit ohne weitere Untersuchung zu trauen; wenigstens muß man die rohen Zeiten, in welchen die Sprache gebildet wurde, nicht dabey aus den Augen setzen. Der Begriff der Betrübniß würde für unsere Zeiten eine vortreffliche Figur von der trüben Beschaffenheit durchsichtiger Körper seyn; aber für das Knabenalter der menschlichen Gesellschaften, wo Nerven, Empfindungen und Sprachwerkzeuge eben so roh waren, als der Boden und die Lebensart, ist sie zu fein und zu künstlich. S. auch Trauern.


Trübsal (W3) [Adelung]


Die Trübsal, plur. die -en, oder das Trübsal, des -s, plur. die -e, von trüben, in der veralteten figürlichen Bedeutung, Leiden verursachen, und dem Suffixo -sal. 1) Derjenige Zustand, da man Leiden, oder einen hohen Grad der Unlust über ein unvermeidliches Übel empfindet; ohne Plural. Sein Leben in Trübsal zubringen. Vor Trübsal vergehen. Gott erhöret mich zur Zeit meiner Trübsal, 1 Mos. 35, 3. In andern Stellen steht es hingegen im ungewissen Geschlechte. Lasset euch diese helfen zur Zeit eures Trübsals, Richt. 10, 14. Der Tag des Trübsals, Es. 37, 3. 2) Dasjenige, was diesen hohen Grad der Unlust verursacht, ein Übel, welches mit einem hohen Grad des Kummers der Betrübniß empfunden wird. Nach so vielen Trübsalen. Darum kommt nun diese Trübsal über uns, 1 Mos. 42, 21. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, Hiob 5, 19. Wenn Trübsal da ist, so suchet man dich, Kap. 26, 16.

Anm. In beyden Bedeutungen fängt dieses Wort in der edlern Schreibart an zu veralten. Am ungewöhnlichsten ist es im Hochdeutschen im ungewissen Geschlechte, indem man es da, wo es noch vorkommt, am liebsten im weiblichen gebraucht. Ob dieses Wort gleich bey unsern alten Schriftstellern nicht vorkommt, auch den verwandten Sprachen unbekannt ist, so hat es doch allen Anschein eines sehr alten Wortes. Es stammet von dem veralteten thruuen, leiden, her, und daher kommt es, daß es einen höhern Grad der Unlust bezeichnet, als Betrübniß, und ungefähr mit Elend, Noth gleich bedeutend ist. Von der Ableitungssylbe, S. -Sal.


Trübselig (W3) [Adelung]


Trübselig, -er, -ste, adj. et adv. Trübsal habend oder empfindend, ingleichen darin gegründet. Den Trübseligen Handreichung thun, 1 Tim. 5, 10. Trübselige Zeit, Dän. 12, 1. Trübselige Gedanken, traurige. Ingleichen, im Scherze. Trübselig aussehen, kläglich. Du sprichst ja mit einer so trübseligen Stimme, Engel. ( S. -Selig.) Das Hauptwort die Trübseligkeit, für Trübsal in beyden Bedeutungen, ist im Hochdeutschen auch gangbar.


Trübsinn (W3) [Adelung]


Der Trübsinn, des -es, plur. car. anhaltende, oder zur Fertigkeit gewordene Traurigkeit des Gemüthes; der erste Grad der Schwermuth oder Melancholie, ob es gleich mit beyden Wörtern oft auch gleich bedeutend gebraucht wird. Daher trübsinnig, -er, -ste, damit behaftet, darin gegründet, und die Trübsinnigkeit, plur. car. dieser Zustand, der Trübsinn.


Truchseß (W3) [Adelung]


Der Truchseß, des -ssen, plur. die -ssen. 1) Ein Bedienter, dessen Amt es ist, die Speisen bey feyerlichen Vorfällen auf die Tafel zu tragen; in welchem Verstande man so wohl an einigen alten Höfen, als auch bey feyerlichen bürgerlichen Gastmahlen, gewisse Bedienten mittlerer Art, welche diese Verrichtung auf sich haben, Truchsessen zu nennen pflegt. 2) In engerer und höherer Bedeutung, an fürstlichen Höfen und bey geistlichen Stiftern ein vornehmer Hofbeamter, welcher die Aufsicht über die Küche und Tafel seines Lehensherren hat, und jetzt gemeiniglich der Oberküchenmeister genannt wird. Man gebraucht es nur noch von den erblichen Würden dieser Art fürstlichen Höfen und bey geistlichen Stiftern, da denn diejenigen, welche damit bekleidet sind, auch bey feyerlichen Gelegenheit die Speisen auf die Tafel des Lehensherren setzen, der Erz-Truchseß, Erb-Truchseß.

Anm. Dieses Wort kommt so, wie es jetzt lautet, allem Ansehen nach zuerst im Schwabenspiegel vor, wo es Kap. 51 heißt: Diu gaistlichen und diu uueltlichen fürsten ampt, diu sint von ersten gestiftet mit fürsten ampten, mit ainem Kamrer, mit einem Truchsaezzen und mit ainem Marschalk. Ein halbes Jahrhundert darauf lautet es in Oberdeutschland Drugtsatz, bey dem Königshof. Trosesse, im Nieders. im Sachsensp. Drutzte. Die Böhmen haben dieses Wort auch, vermuthlich von den Deutschen, angenommen, und da lautet es Trucksas. Das Schwed. Drottsät bedeutete ehedem gleichfalls einen vornehmen Hofbeamten, der zunächst die Tafel des Landesherren zu besorgen hatte, außer dem aber der zweyte nach den Könige war, und daher auch zu andern wichtigen Reichsgeschäften gebraucht wurde; in ältern Schwed. Urkunden Trockezes. Die Abstammung dieses alten und dunkeln Wortes hat mancherley Meinungen veranlasset, wovon aber keine befriedigend ist. Ich will nur die vornehmsten anführen. 1) Schilter sahe die Schwedische Form Drottsät, als die echte und wahre an, und leitete es von dem alten Druht, Drukt, Herr, und Set und Sez, ein Gesetzter, Vorgesetzter, ab, und erklärete es durch einen Vorgesetzten so wohl des königlichen Pallastes, als auch einer Provinz. Allein, dawider streitet theils, daß das Hauptwort Saß, Seß, Nieders. Sat, in Zusammensetzungen von einem Sitzenden, aber nie von einem Gesetzten, gebraucht wird; z. B. Beysaß, Landsaß, Freysaß, Kotsaß u. s. f. theils auch, daß diese Ableitung keinen Begriff von der Auftragung der Speisen gewähret, welcher doch in diesem Worte der herrschender zu seyn scheinet. 2) Wachter war von diesem Begriffe sehr wohl überzeugt, und sahe es daher, wie schon andere vor ihm gethan hatten, als eine Zusammenziehung der R. A. er trugs Essen an, da es denn zugleich eine buchstäbliche Übersetzung des Latein. Dapifer seyn würde. Das ist denn nun wohl aller möglicher Zwang, welchen man einem Worte anthun kann, und ein Mann, wie Wachter, hätte wissen können, daß weder die Deutsche, noch irgend eine andere Sprache aus solchen ganzen Redensarten Wörter zu bilden, oder Redensarten in der gegenwärtigen und vergangenen Zeit in einem einzigen Hauptworte zusammen zu ziehen pflegt. Hätten diese Begriffe in Einem Worte vereiniget werden sollen, so würde des Wort nach der Analogie der Deutschen Sprache Essenträger haben lauten müssen, wenn auch erwiesen werden könnte, daß Essen für Speise, oder Gericht, so alt ist, als Truchseß. Über dieß ist noch nicht ausgemacht, ob Truchseß nach Dapifer gebildet ist, oder ob nicht vielmehr dieses spätere Lateinische Wort nach Truchseß geformet worden. 3) Ottfried übersetzt B. 2. Kap. 8. V. 75. Triclinium durch Thriosezzo, und dieß gab Frischen Gelegenheit, dieses Ottfriedische Wort als das Stammwort von Truchseß anzusehen. Allein, so scheinbar diese Ableitung bey dem ersten Anblicke ist, so unbedeutend wird sie bey einer genauern Untersuchung. Ottfried pflegt in mehrern Fällen Wörter, für welche er in seiner damahls noch armen Sprache keinen gleichgültigen Ausdruck wußte, buchstäblich zu übersetzen. Dieß ist auch der Fall mit seinem Thriosezzo, welches er buchstäblich nach Triclinium modelte, ohne vielleicht selbst etwas dabey zu denken. Ist es nun wohl glaublich, daß man ein von einem unbedeutenden Mönche ausgehecktes Wort sogleich in die Sprache aufgenommen, und es zur Benennung vornehmer Hofbeamten gebraucht haben sollte? 4) Ihre endlich hält sein Drottsät, für eine Zusammensetzung von Drott, Herr, und Sät, Saß, und erkläret es durch einen, der in den Versammlungen zunächst neben dem Landesherren sitzet; indessen ist er noch ungewiß, ob dieses Wort bey ihm einheimisch ist, oder aus einer fremden Sprache eingeführet worden. Wenn man alles zusammen nimmt, so wird man leicht einräumen, daß von diesem Worte noch keine genugthuende Ableitung aufgefunden worden. Der Begriff der Auftragung der Speisen scheinet allerdings der Stammwort zu seyn, zumahl, da im mittlern Lat. der Truchseß Dapifer, Discophorus, Disciser, und noch früher in dem Salischen Gesetze Inferior, (nicht, wie es in Herolds Ausgabe heißt, Infestor,) genannt wird. Daß diese Benennung nachmahls auch einem vornehmen Hofbeamten beygeleget worden, darf man sich nicht befremden lassen, indem Marschall, Schenke, Richter, Kanzler, und hundert andere in ähnlichem Falle sind. Es ist außer allen Streit ein zusammen gesetztes Wort, welches unter andern auch daraus erweislich ist, weil beyde Sylben den Ton haben. Da sich nun dieser Begriff aus der Deutschen Sprache auf keine leichte und ungezwungene Art herleiten lassen will, so ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Wort im Deutschen fremd, und bey dem aufkeimenden Luxus mit der Sache selbst von einem fremden Volke entlehnet worden ist. Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß das Niederdeutsche Drost, Amts- oder Landeshauptmann, Holländ. Drossaert, mit unserm Truchseß einerley sey, indem dieser mit der Auftragung der Speisen nichts zu thun hatte; ob man gleich in der Schwedischen Sprache den Truchseß, als man ihn daselbst eingeführet, mit dem Drottsät oder Drost verwechselt, und ihm dem Nahmen des letztern beygeleget haben kann, da denn das ältere Schwed. Trockezes, aus Unkunde der Bedeutung, mit dem Drottsät zusammen schmelzen können. Denn daß dieses ursprüngliche einen Statthalter in der Provinz bedeutet hat, nochmahls aber auch für Truchseß gebraucht werden, ist aus Ihre Gloss. v. Drott unläugbar. Vielleicht findet sich dieses Wort einmahl in einer der morgenländischen Sprachen.


Trudel (W3) [Adelung]


Der Trudel, des -s, plur. car. ein im gemeinen Leben übliches Collectivum, abgenutzte unbrauchbare Geräthschaften, Kleidungsstücke u. s. f. zu bezeichnen, S. Troddel.


Trüffel (W3) [Adelung]


Die Trüffel, plur. die -n, ein Art eßbares Staubschwämme, welche in runder Gestalt, ungefähr in der Größe Wälscher Nüsse unter der Erde wachsen, übrigens aber, als eine Pflanze betrachtet zugleich Wurzel, Stängel und Frucht sind, indem ihre innere Substanz von allen Seiten aufschwillt, und sich auf diese Art entwickelt. Wenn sie einen gewissen Grad der Reife erlanget haben, so verrathen sie sich durch ihren starken fast urinhaften Geruch. Lycoperdon Tuber L. in einigen Gegenden Erdnuß, in Franken Erdmorch, Erdmorchel, Lorch, im Oberdeutschen Grübling. Anm. Der Nahme lautet im Engl. Truff, Truffle, im Ital. Triffolo, Tartuffo, im Franz. Truffle. Es stammt von dem Niederdeutschen Druffel, eine kleine Traube, oder mehrere in Gestalt einer Traube bey einander befindlicher Dinge an, weil die Trüffeln gemeiniglich bey einander gefunden werden. S. Traube und Trupp.


Trüffelhund (W3) [Adelung]


Der Trüffelhund, des -es, plur. die -e, eine Art kleiner abgerichteter Pudelhunde, welche die Trüffeln an ihrem Geruch über die Oberfläche der Erde auszuspüren wissen. Die besten Hunde dieser Art kommen aus Piemont.


Trüffeljagd (W3) [Adelung]


Die Trüffeljagd, plur. die -en, eine uneigentliche Benennung des Aufsuchens der Trüffeln durch abgerichtete Hunde oder Schweine. Die sich damit beschäftigen, nennen sich Trüffeljäger, obgleich die wahren Jäger ihnen nur den Nahmen Trüffelsucher zugestehen.


Trug (W3) [Adelung]


1. Der Trug, des -es, plur. car. ein nur in der Bienenzucht einiger Gegenden übliches Wort, so wohl dasjenige zu bezeichnen, was in den Bienenstöcken auf den Boden fällt, und was in andern Gegenden das Grießig, der Gruß, das Afterig heißt, als auch was von dem Rooß oder den ledigen Wachstafeln, wenn sie ausgeschmelzet worden, nach der Presse übrig bleibt, Wift, Bienenwift, Bienendreck. Die Ähnlichkeit des Klanges mit dem folgenden Wort ist bloß zufällig, indem dieses unstreitig zu dem Schwed. Drägg, Hefen, unnützer Überrest ausgekochter und ausgepreßter Sachen u. s. f. Engl. Dregs, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, vielleicht auch zu Dreck gehören, und von Drusen, Traster u. s. f. nur im Endlaute verschieden ist.


Trug (W3) [Adelung]


2. Der Trug, des -es, plur. car. diejenige Handlung, da man die gegründete Hoffnung anderer mit böslichem Vorsatze unerfüllet lässet, die bösliche Hintergehung anderer. Sein Mund ist voll Trugs, Ps. 10, 7. Er wird ihre Seele aus dem Trug und Frevel erlösen, Ps. 72, 14. Es ist eitel Trug mit den Narren, Sprichw. 14, 8. Das Wort Trug druckt diese Handlung allgemein ohne Rücksicht auf einen persönlichen Gegenstand aus; da dieser aber selten davon ausgeschlossen werden kann, so wird auch Trug wenig mehr gebraucht, desto häufiger aber Betrug, welches diese Beziehung auf einen gewissen Gegenstand näher bestimmt. Man hört es noch am häufigsten in Gesellschaft mit Lug. Es ist lauter Lug und Trug, vorsetzliche Unwahrheit und bösliche Hintergehung anderer. Anm. Bey den alten Oberdeutschen Schriftstellern Troh, Troc, im Nieders. Drog, mit einer Ableitungssylbe bey dem Notker Triugeheit. Es stammet von triegen ab, ( S. dasselbe.) Im Niederdeutschen bedeutet das Hauptwort Drog, Trog, Trug, auch einen Betrieger, einen Schalk. Er ist ein feiner Trug.


Trügen (W3) [Adelung]


Trügen, Trügerey, Trüglich, S. Triegen u. s. f.


Trugschluß (W3) [Adelung]


Der Trugschluß, des -sses, plur. die -schlüsse, ein von einigen eingeführtes Wort, einen irrigen fehlerhaften Schluß zu bezeichnen. Das Trug allemahl im harten Verstande von einer bös- lichen Hintergehung gebraucht wird, so ist der Ausdruck nicht glücklich gewählet. Zwar hat triegen diesen Nebenbegriff des böslichen Vorsatzes nicht; aber alsdenn müßte es Triegeschluß heißen. Am schicklichsten wäre, wenn man ja ein einziges Wort haben wollte, Fehlschluß.


Truhe (W3) [Adelung]


Die Truhe, plur. die -en, Diminut. Trühlein, Trühel, ein im Hoch- und Niederdeutschen unbekanntes, nur im Oberdeutschen gangbares Wort, einen Kasten, gemeiniglich einen verschlossenen Kasten, eine Kiste, Lade, zu bezeichnen. Daher ist die Betttruhe, daselbst eine Bettlade, die Geldtruhe, ein Geldkasten, die Todtentruhe, ein Sarg u. s. f. In den Obersächsischen Bergwerken ist die Truhe, oder mit einem andern Endlaute Truhne, ein länglicher viereckiger Kasten, die Zwitter darin fortzubringen, so wie in den Böhmischen Bergwerken die Truche ein Kohlenmaß ist, welches 20 Füllfaß hält. In Leipzig nennet man eine Wäschkiste mit gewölbten Deckel eine Truhne.

Anm. In den gemeinen Oberdeutschen Mundarten Truche, Druche, Druho, im Diminut. auch Trückle, im Böhmischen Truhla. Im Pohlnischen ist Truna, ein Sarg. Es ist mit Trog genau verwandt, S. dasselbe.


Trumm (W3) [Adelung]


Das Trumm, des -es, plur. die Trümmer, Diminut. das Trümmchen, Oberd. Trümmlein, eigentlich ein kurzes dickes Stück eines Ganzes, und in weiterer Bedeutung ein jedes von einem Ganzes abgerissene, abgebrochene oder auf andere Art abgesonderte Stück, ein Stück. Ein Trumm oder Trümmchen von einem Lichte, ein Stumpf, Stümpfchen. Ein Trumm von einem Seile oder Stricke, von einem Faden, von einem Stücke Zeuges u. s. f. Ein Trumm abschneiden. Bey den Webern werden die übrig gebliebenen Fäden des Aufzuges von dem abgeschnittenen Gewirke in vielen Gegenden collective das Trumm genannt. Engl. Thrum, Nieders. Drum, Drähmt. In dieser ganzen Bedeutung ist es in den gemeinen Mundarten verschiedener Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, am gangbarsten, wo es denn zuweilen auch so, wie unser Stück, von einer bestimmten Länge gebraucht wird; vier Trümmer Spitzen, nicht abgerissene oder abgeschnittene Enden, sondern ganze Stücke von einer bestimmten Ellenzahl. An andern Orten bedeutet es auch das Ende, das Äußerste eines Körpers, und nach einer noch weitern Figur, das Ende einer Handlung, einer Zeitdauer. Bis an des Ertereiches Drum, in einem alten Deutschen Gedichte bey dem Eccard nach dem Frisch. Von Ort unz an das Trum, von Anfang bis zu Ende, ebendas. Alles sparen bis auf das letzte Trum, Narrenschiff, bis an das Ende des Lebens. Das Schlachten nahm ein Drum, ein Ende, Jeroschin. In dem Bergbaue ist dieses Wort besonders in einer doppelten Bedeutung üblich. 1) Eine Erz- oder Steinart, welche sich in die Länge in Gestalt eines Bandes durch das Gestein erstreckt, heißt daselbst ein Trumm, und wenn es sehr dünne ist, ein Trümmchen. Das Fahlerz setzt Trümmerweise durch den Schiefer. 2) Ein Trumm eines Ganzes ist, wenn ein schmaler in einer andern Richtung kommender Gang sich mit einem Hauptgange vereiniget; gleichsam ein Arm oder Ast eines Hauptganges. ( S. auch Gegentrum.) Oft theilet sich ein Gang in drey, vier und mehr Trümmer, welche sich oft wieder mit dem Gange vereinigen, oft aber auch nicht. In keinen von beyden Fällen werden sie Gange, sondern Trümmer, genannt. Man siehet leicht, daß auch hier in beyden Bedeutungen der Begriff eines Ende, Überrestes, einer kurzen Ausdehnung in die Länge der herrschende ist. Im Hochdeutschen ist dieses Wort im Plural am üblichsten, und da sind die Trümmer Stücke von einem zerbrochenen oder zerschlagenen festen Körper, Bruchstücke, und in weiterer Bedeutung auch wohl alle Überreste eines zerstörten festen Körpers. Die Trümmer von einem Glase, zerbrochenen irdenen Gefäße, von einem Gebäude, (die Ruinen.) Die Trümmer eines gescheiterten Schiffes. Ja, sollte schon die Welt zu tausend Trümmern gehn, Opitz. Daß noch der Staat nicht ganz zu Drümmern geht, Can. Wo die Figur untadelhaft ist. Wenn es aber Hos. 19, 14 heißt: zur Zeit des Streits, da die Mutter über den Kindern zu Trümmern ging; so ist sie zu hart und ungewöhnlich. Verschiedene Schriftsteller, denen der wahre Nominativ dieses Wortes nicht bekannt war, glaubten, er heiße der Trümmer, und machten daher den Plural auch Trümmern. Beydes ist unrichtig und wider allen Sprachgebrauch. Kann ich sie nicht auf diesem Trümmer retten, So sterb ich wenigstens mit ihr, Zachar. Von welchem Nominativ man sonst wohl nicht leicht ein Beyspiel wird anführen können.

Anm. Im Nieders. Droom, Drum, wo Drümmel auch ein Prügel, Knüttel, Oberd. Drämel, Trämel ist. Schon im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Stück. Im Schwed. ist Tram, Trum, ein Strunk, Isländ. Trumba, und im Angels. Trume, der Stamm. Der stumpfe dumpfige Laut dieses Wortes druckt den Begriff der Kürze und Dicke sehr bestimmt aus, entweder, so fern ein so beschaffenes Stück in der Handhabung oft diesen Laut von sich gibt, oder auch so fern das Zerschlagen oder Zerbrechen mancher festen Körper mit diesem Laute verbunden ist. Trumm ist eigentlich ein Intensivum von dem noch Niederd. Droom, Drum, wo der einfache Lippenlaut und das lange ungewöhnlich oder nicht stumpfe o den Begriff einer größern Ausdehnung in die Länge gewähret; wohin denn auch das Oberd. Tram, ein Balken, gehöret, ( S. dasselbe), ingleichen Trumpfen und Strumpf.


Trummel (W3) [Adelung]


Die Trummel, u. s. f. S. Trommel.


Trümmern (W3) [Adelung]


Trümmern, verb. reg. act. in Trümmer oder Stücke brechen oder schlagen, welches doch nur in zertrümmern üblich ist. Es scheint nicht von dem Plural Trümmer abzustammen, sondern vielmehr das Intensivum des veralteten drumen, trummen, in Stücke schlagen, zu seyn, welches noch bey verschiedenen alten Schriftstellern vorkommt. Bey den Jeroschin ist verdrumen, stutzen, abstumpfen.


Trummerz (W3) [Adelung]


Das Trummerz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, im Bergbaue, Erz, welches in Trümmern oder Trümmerweise bricht, in beyden bergmännischen Bedeutungen des Wortes Trumm.


Trummscheit (W3) [Adelung]


Das Trummscheit, des -es, plur. die -e, ein musikalisches Instrument, welches aus dünnen Bretern zusammen gesetzt, in die Länge zugespitzt, und oben mit Einer oder auch wohl mehrern Saiten bezogen ist, welche mit einem Bogen gestrichen werden, da es denn den Klang einer oder mehrerer Trompeten nachahmet. Es ist aus dem Monochordo entstanden, welches den Deutschen Nahmen Trummscheit zuerst geführet zu haben scheinet. Es hat den Nahmen von Scheit, ein Bret, weil die Saiten anfänglich vermuthlich nur auf ein einfaches Bret gespannet wurden, und den dumpfigen zitternden Laut trum, welchen es mit einer Trommel und Trompete gemein hat.


Trumpelbeere (W3) [Adelung]


Die Trumpelbeere, S. Trunkelbeere.


Trumpf (W3) [Adelung]


Der Trumpf, des -es, plur. die Trümpfe, Diminut. das Trümpfchen, Oberd. Trümpflein, in den Kartenspielen, diejenige Farbe, welche alle übrigen sticht, ohne Plural; ingleichen ein Blatt aus dieser Farbe, ein Trumpfblatt, mit dem Plural. Careau ist Trumpf. Drey Trümpfe haben. Trumpf bekennen, auf den ausgespielten höhern Trumpf einen geringern zu geben. Mit einem Trumpfe stechen. Einen Trumpf auf etwas setzen, auch im gemeinen Leben figürlich, einen harten, gemeiniglich mit einem Schmähworte verbundenen Ausspruch über etwas thun; ingleichen mit einem Fluche bekräftigen.

Anm. Im Niederdeutschen und Schwed. Trumf, im Engl. Trump, im Franz. Triomphe. Unser Trumpf scheinet nicht so wohl von dem letztern und dem Latein. Triumphus entlehnet zu seyn, als vielmehr von dem noch nicht ganz veralteten trumpfen, hauen, schlagen, stechen, abzustammen. S. das folgende.


Trumpfen (W3) [Adelung]


1. Trumpfen, verb. reg. act. verkürzen, abstumpfen, ein nur noch hin und wieder in einigen Fällen übliches Wort. So trumpfen die Zimmerleute in manchen Gegenden einen Balken, wenn sie ihn abkürzen. Es gehöret in dieser Bedeutung zu Trumm, und noch vorgesetztem Zischlaute zu Strumpf, strümpfen, ingleichen mit veränderten Endlaute zu truncare, Strunk, u. s. f. In weiterer Bedeutung ist trumfen im Schwedischen hauen, schlagen, stechen, trumfa upp en, jemanden ausprügeln; wovon unser Trumpf und trumpfen in den Kartenspielen noch ein Überbleibsel zu seyn scheinet.


Trumpfen (W3) [Adelung]


2. Trumpfen, verb. reg. act. in gewissen Kartenspielen, mit einem Trumpfen stechen, wo es doch nur unter dem großen Haufen üblich ist. Jemanden abtrumpfen, ihn abstechen, ihn übertrumpfen, mit einem höhern Trumpfe stechen. Figürlich, doch auch nur im gemeinen Leben, ist jemanden trumpfen, ihm eine derbe Antwort geben, ihn abtrumpfen, ihn durch eine derbe Antwort zum Stillschweigen bringen.


Trunk (W3) [Adelung]


Der Trunk, des -es, plur. car. von dem Zeitworte trinken. 1. Die Handlung des Trinkens; das Trinken. 1) Eigentlich. Jemanden im Trunke hindern. Einen guten Trunk thun. Auf Einen Trunk. Da trinken eigentlich einen flüssigen Körper mit starken Zügen in sich ziehen bedeutet, so äußert sich diese Bedeutung (vermuthlich, um des ungewöhnlich willen,) in diesem Worte noch deutlicher; indem man wohl sagt; einen Trunk Wasser, Bier, Wein thun, von Brantwein, Thee, Kaffeh, u. s. f. aber lieber das Wort Schluck gebraucht. 2) In engerer und figürlicher Bedeutung. (a) Die Handlung, da man sich durch geistige Getränke aufzumuntern sucht. Etwas bey dem Trunke verabreden. Zum Trunke zusammen kommen. (b) Die Handlung, da man im Trinken geistiger Getränke das Maß der weisen Fröhlichkeit überschreitet. Sich dem Trunke ergeben. Zum Trunke geneigt seyn. Sich vor dem Trunke hüthen. Jemanden den Trunk abgewöhnen. 2. So viel als man auf Ein Mahl trinkt. Jemanden einen Trunk Wasser versagen. Du hast uns einen bittern Trunk Weins gegeben; Ps. 60, 5. 3. Ein flüssiger Körper, welchen man trinkt. Der Herr, unser Gott, wird uns helfen mit einem bittern Trunk, Jer. 8, 14. Von flüssigen trinkbaren Arzeneyen gebraucht man jetzt dafür das Wort Trank, von flüssigen Dingen aber, welche man zur Stillung des Durstes zu sich nimmt, Getränk. Doch ist Trunk in dieser letzten Bedeutung noch nicht ganz veraltet. Man kann in dieser Stadt keinen guten Trunk bekommen, kein gutes Getränk. Ein Haustrunk, ein Getränk, welches man zu seinem gewöhnlichen Gebrauche selbst bereitet, oder doch wenigstens im Hause hat. Der Schlaftrunk, was man vor Schlafengehen zu sich nimmt; doch aber auch eine Arzeney, welche schlafen macht, ein Schlaftrank.

Anm. Bey dem Stryker, Trunch, im Böhm. Trunk, im Pohln. Trunck. S. Trinken.


Trunkelbeere (W3) [Adelung]


Die Trunkelbeere, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der großen Heidelbeere, weil sie trunken macht, daher sie auch Rauschbeere genannt wird. S. Heidelbeere 2.


Trunken (W3) [Adelung]


Trunken, -er, -ste, adj. et adv. von trinken, doch nur in dessen engerer Bedeutung, im Trinken, das Maß der Nothdurft oder weisen Fröhlichkeit überschreiten. 1) Von unmäßig zu sich genommenen geistigen Getränken in den Zustand verworrener Begriffe versetzt. Vom Wein trunken werden, 1 Mos. 9, 20. Taumeln, wie ein Trunkener, Ps. 107, 27. Jedermann gibt zum ersten guten Wein, und wenn die Gäste trunken worden, den geringern, Joh. 2, 10. Man gebraucht es in dieser Bedeutung nur noch zuweilen in der höhern Schreibart, indem außer dem betrunken, dafür üblicher ist. 2) Figürlich ist trunken auch, durch andere heftige Empfindungen in den Stand undeutlicher und verworrener Begriffe versetzt, und darin gegründet; mit den Vorwörtern vor und von. Vor Schlaf trunken seyn, oder schlaftrunken seyn. Eine trunkene Betäubung scheint sie fühllos gemacht zu haben. Besonders durch heftige Leidenschaften. Trunken vor Vergnügen, Gell. Unglücklicher, der schon von Hoffnung trunken, Des Oceans Gebiether ist, Raml. Welch' Aussicht öffnest du der Freude trunknen Blicken! Weiße. Alles lächelt entzückt von trunkner Freude verschönert, Zachar. In welcher ganzen figürlichen Bedeutung betrunken nicht gewöhnlich ist.

Anm. Schon bey dem Kero, Willeram, Notker trunkan, bey dem Ottfried drunken, im Schwed. druck. S. Trinken.


Trunkenbold (W3) [Adelung]


Der Trunkenbold, des -es, plur. die -e, so wohl ein trunkener oder betrunkener Mensch in einzelnen Fällen, als auch derjenige, welcher eine Fertigkeit besitzet, geistige Getränke bis zur Unmäßigkeit, oder bis zur Beraubung der Vernunft zu sich zu nehmen; beydes in hartem und verächtlichem Verstande; ein Säufer. Taumeln, wie ein Trunkenbold, Es. 19, 14. Die Trunkenbolde werden das Reich Gottes nicht ererben, 1 Cor. 6, 10. Von dem außer dieser Zusammensetzung veralteten Worte Bold, S. -Bold und Bald Anm.


Trunkenheit (W3) [Adelung]


Die Trunkenheit, plur. car. 1) Der Zustand, da man trunken ist, so wohl eigentlich, wofür auch Betrunkenheit üblich ist, etwas in der Trunkenheit thun; als auch in der figürlichen Bedeutung, in welcher Betrunkenheit nicht gebraucht wird. 2) Seltener, doch nicht ganz ungewöhnlich, die Fertigkeit, geistige Getränke bis zur Beraubung der Vernunft und der Sinne zu sich zu nehmen, in welcher Bedeutung Betrunkenheit gleichfalls nicht üblich ist; die Völlerey, der Trunk. Sich der Trunkenheit ergeben.

Anm. Schon im achten Jahrhunderte Druncauheidi. Kero gebraucht dafür Vbartruncka und Opitz Trunkenschaft.


Trupp (W3) [Adelung]


Der Trupp, des -es, plur. die -e, Diminut. das Truppchen, Oberd. Trüpplein, im gemeinen Leben Trüppel, ein Haufe bey einander befindlicher lebendiger Geschöpfe. Es stehet ein Haufe Menschen auf einem Trupp, nahe bey einander; wenn der Haufe klein ist, im gemeinen Leben auch auf einem Trüppel. Ein Trupp Reiter, von unbestimmter Anzahl. Ehedem war es so viel als eine Schwadrone, so wie man von den Fußvölkern das Wort Trupp auch wohl für das heutige Battallion gebrauchte. Ein Trupp Wildbret, bey den Jägern, wo auch die Wörter Rudel und Schaar üblich sind. Ein Trupp Vögel, ein Flug, ein Haufe. Truppenweise kommen, in Haufen, so daß mehrere beysammen sind.

Anm. In den gemeinen Sprecharten, in welchen dieses Wort überhaupt noch am üblichsten ist, auch Tropp, im Schwed. Tropp, schon in dem Alemannischen Gesetze Troppus, im Ital. Truppa, im Franz. Trouppe. Es ist ein Intensivum von Trab, in Vortrab und Nachtrab, ingleichen von Trift, und stammet mit denselben von traben und dem Neutro treiben, her, so daß dadurch die Bewegung mehrerer bey einander befindlicher Dinge, besonders lebendiger Geschöpfe, ausgedruckt wird. Unser Traube, Trüffel, das Lat. Tribus, das Franz. Trouppeau, eine Herde, und trop, zu viel, und mit versetztem r, Dorf, Turba u. s. f. gehören alle mit zu der Verwandtschaft. S. Trab, Traben und Treiben.


Truppe (W3) [Adelung]


Die Truppe, plur. die -n, ein erst in den neuesten Zeiten unmittelbar aus dem Französischen la Trouppe entlehntes Wort, eine Gesellschaft Schauspieler zu bezeichnen, seitdem das Wort Bande für Schauspieler von bessern Sitten und Fähigkeiten zu niedrig geworden. Allein, warum zog man das ohnehin schon übliche weit bessere Gesellschaft nicht vor, zumahl, da das Französische Trouppe keinen edlern Begriff gewähret, als Bande und Trupp?


Truppen (W3) [Adelung]


Die Truppen, sing. inus. ein gleichfalls aus dem Französischen les Trouppes, aber bereits seit langer Zeit, entlehntes Collectivum, Kriegsvölker zu bezeichnen. Truppen werden. Die Truppen ausrücken lassen. Die Truppen in Schlachtordnung stellen. Die Reichstruppen, Kreistruppen, Hülfstruppen. Die Vortruppen, der Vortrab, die Nachtruppen, der Nachtrab. Man gebraucht es alle Mahl, entweder sehr unbestimmt von Kriegsvölkern überhaupt, oder von der gesammten Kriegsmacht eines Herren, oder doch von einem beträchtlichen Theile derselben. Kleine Hausen Soldaten bekommen, wenn sie bestimmt bezeichnet werden sollen, den Nahmen der Truppen nicht. Übrigens ist das Franz. Trouppes gleichfalls von unserm Trupp.


Trupper (W3) [Adelung]


Der Trupper, S. Tripper.


Trusche,Trüsche (W3) [Adelung]


Die Trusche, oder Trüsche, plur. die -n, ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden üblicher Nahme der Aalraupe, ( S. dieses Wort;) im Franz. Truite, im mittlern Lat. Trutta, daher sie auch in einigen Deutschen Gegenden Trutte genannt wird.


Trüschling (W3) [Adelung]


Der Trüschling, ein Schwamm, S. Träuschling.


Truthahn (W3) [Adelung]


Der Truthahn, des -es, plur. die -hähne, Fämin. die Truthenne, plur. die -n, eine Art ausländischer großer Hühner, wovon der Hahn viele Stücke Fleisch an dem Kopfe hängen hat; Gallina Meleagris Linn. Im gemeinen Leben nennt man den Hahn auch Trut, die Henne aber Trute. Truthühner im Plural aber wird von beyden Geschlechtern dieser Thiere, ohne Bestimmung des Geschlechtes gebraucht, wo aber der Singular das Truthuhn nicht sehr gewöhnlich ist. Der Nahme Trut ist eine unmittelbare Nachahmung des eigenthümlichen Lautes, welchen diese Thiere von sich geben, wenn sie ihre Jungen locken, daher man auch diese im gemeinen Leben trut, trut zu locken pflegt. Ihre Stimme hat indessen, so wie ihr muthmaßliches Vaterland, noch mehrere Benennungen derselben veranlasset. ( S. Calecut.) Zu den daselbst bereits angeführten kann man noch hinzu setzen, daß sie in Preußen Kurren, in Österreich und Ungarn Pockerle, in Siebenbürgen Kartschhühner, in Liefland Kalkuhnen genannt werden.


Trutte (W3) [Adelung]


Die Trutte, in einigen Gegenden ein Nahme der Aalraupe, siehe Trusche.


Trutz (W3) [Adelung]


Trutz, S. Trotz.


Tscherper (W3) [Adelung]


Der Tscherper, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur bey den Obersächsischen Bergleuten übliches Wort, ein großes Messer zu bezeichnen. Bey ihnen ist der Grubentscherper ein großes bergmännisches Messer, welches sie in der Grubentasche bey sich führen, das Gezimmer in der Grube damit zu bestechen, um zu sehen, ob es noch gut oder faul ist. Der harte den Deutschen ungewöhnliche Zischlaut tsch zeiget schon, daß dieses Wort einer der Slavischen Mundarten zu Hause gehöret, da es denn vermuthlich ein Überrest der ehemahligen Wenden in Obersachsen ist. Im Pohln. ist Szärpacz zerstückeln, zerschneiden, im Russischen aber Serp, eine Sichel, wohin auch das Franz. Serpe und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, eine Sichel, gehören. Das tsch, als ein einfacher Laut, ist den Deutschen eben so fremd, als der einfache Laut tz; denn wo sie vorkommen, da sie bloß durch zufällige Zusammenkunft der Stamm- sylbe t und der Ableitungssylbe sen, zen, oder schen entstanden; quet-schen, let-zen, set-zen u. s. f. Daher Popowitschens und anderer Vorschlag, ein eigenes Schriftzeichen für das tsch auch im Deutschen einzuführen, nicht nur unnöthig ist, indem wir diesen Laut, als einen einfachen Stammlaut, nicht haben, sondern auch nachtheilig, weil solches die Ableitung erschweren und verwirren würde. S. auch Tz.


Tschockel (W3) [Adelung]


Der Tschockel, des -s, plur. ut nom. sing. gleichfalls nur bey den Obersächsischen Bergleuten, der Nahme eines andern großen Messers, womit die Späne gerissen werden, woraus man die Bergkörbe zu flechten pflegt. Auch dieses ist ein Wendisches Wort, welches aber, wenn man den harten Slavischen Zischlaut tsch mildert, zu unserm Sichel, und zu secare, gehöret.


Tübel (W3) [Adelung]


Der Tübel, in einigen gemeinen Mundarten, eine Art Weißfische, S. 1 Dobel, woraus es verderbt ist.


Tuch (W3) [Adelung]


Das Tuch, des -es, plur. die Tücher, Oberd. Tuche. 1. Ein Gewebe, ein Gewirk, es sey von welcher Art oder Materie es wolle; wo der Plural nur von mehrern Arten gebraucht wird. In dieser weitesten Bedeutung, wenn es anders dieselbe jemahls gehabt hat, so daß es mit dem verwandten Zeug gleich bedeutend gewesen seyn würde, ist es jetzt veraltet, indem man es nur in engerer Bedeutung von einigen Arten fest oder derb geschlagener Zeuge gebraucht. 1) Eine Art fest geschlagener Leinwand. So wird eine sehr feine, zu Cambray gewirkte, aber sehr fest geschlagene Leinwand Kammertuch genannt. Am üblichsten ist es in dieser Bedeutung von einem groben, starken fest geschlagenen Gewebe, welches gemeine Leute zu Hemden tragen, und in Obersachsen nicht Leinwand, sondern Tuch genannt wird. Leinen Tuch weben. 2) Eine Art wollenen Gewebes, welches derb und fest geschlagen wird, und hernach die volle Walke bekommt; ein dickes Gewebe, wo die Wolle des Einschlages den Faden der Kette bedeckt, und durch die Walke auf derselben in einen zarten Filz verwandelt wird. Dadurch unterscheidet es sich so wohl von den Zeugen, welche ungewalkt bleiben, oder nur die halbe Walke bekommen, als auch von den tuchartigen Zeugen, welche mehr oder weniger gewalkt, und dadurch dem Tuche ähnlich gemacht werden, auch alle Mahl ihre eigenen Nahmen haben, wohin der Kirsey, Perpetueil, Molton, Flanell, Frieß u. s. f. gehören. Zur Verfertigung des eigentlichen Tuches gehören dreyerley Arbeiter, der Tuchmacher oder Tuchweber, der Walker und der Tuchbereiter, welche doch nur eine einzige Zunft ausmachen. Im Nieders. wird dieses Tuch so wohl Laken als Wand genannt. 2. So viel eines solchen Gewebes, als auf Ein Mahl verfertiget wird. In diesem Verstande ist es nur in einigen Gegenden üblich, indem im Hochdeutschen dafür Stück üblicher ist. In Nürnberg hält Ein Tuch 32 Ellen. An andern Orten ist Ein Tuch Leinwand (in Obersachsen ein Stück, eine Webe) 50 Ellen. Der Plural lautet alsdann, nach dem Muster so vieler andern Wörter, welche eine Zahl, Maß oder Gewicht bedeuten, entweder unverändert Tuch, sechs Tuch, oder auch nach Oberdeutscher Art Tuche. 3. Ein gemeiniglich vierecktes Stück gewirkten Zeuges, es sey von welcher Materie oder Art es wolle; Diminut. Tüchlein, im gemeinen Leben Tüchelchen, Oberd. Tüchel. Man gebraucht es in diesem Verstande ohne Unterschied der Größe, besonders in solchen Fällen, wo ein solches Stück keinen eigenen Nahmen hat, da denn dessen nähere Bestimmung durch die Zusammensetzung bezeichnet wird. Ein Altartuch, (von Wolle, Seide, Sammt oder Leinwand, gestickt oder ungestickt,) das Betttuch, (von Leinwand) Tischtuch, Handtuch, Regentuch, Windeltuch, Schnupftuch, Wischtuch, Halstuch, Kopftuch, Nachttuch. Seidene Tücher, Schnupf- oder Halstücher. Die haben mit dir gehandelt mit seidenen und gestickten Tüchern, Ezech. 27, 24. Etwas durch ein leinen Tuch seihen, durch ein vierecktes Stück Leinwand. Etwas mit dem Tuche abwischen. Sich mit warmen Tüchern reiben. Ein solches kleineres Stück heißt im Niederdeutschen gleichfalls Dook, ein größeres aber, dergleichen ein Tischtuch oder Betttuch ist, Laken. Im Jagdwesen sind die Jagdtücher oder auch nur schlechthin Tücher Wände von starker Leinwand, womit bey dem Bestätigungsjagen ein Revier im Walde umstellet wird, und welche auch collective der Zeug heißen. Man hat daselbst hohe Tücher, Mitteltücher, Lauftücher u. s. f. In einigen, obgleich nur wenigen Fällen, ist Tuch auch der Nahme eines Kleidungsstückes; z. B. ein Brusttuch. Im Oberdeutschen ist Vortuch die Schürze. In einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten ist tücheln so viel wie kleiden. Die Eine Frau war hübsch getüchlet, Stettler.

Anm. Schon bey dem Ottfried ist Duaho, Leinwand, und Duah, ein Kleid. Im Tatian lautet dieses Wort Tuoch, im Schwabensp. Tuch, im Schwed. und Isländ. Duk, welches daselbst ein jedes grobes starkes Gewebe bedeutet. Wachter leitete dieses Wort von tegere, decken, her, wovon auch Toga abstammet, Frisch aber von Tunica, (im Dän. ist auch Dung, Tuch.) Beyde Ableitungen haben ihre Wahrscheinlichkeit erschöpfen aber das Ganze nicht. Es scheinet vielmehr, daß sich zufälliger Weise zwey verschiedene gleichlautende Wörter in unserm Tuch vereiniget haben; Eines, welches mit Decke, tegere, Toga, Tunica, Eines Geschlechtes ist, und wohin unser Tuch in der dritten Bedeutung, das Niedersächsische Dook, ein Tuch, döken und doken, mit einem Tuche bedecken, und das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Tuch, Decke, Vorhang, gehören, ( S. auch Zeug,) und Eines, welches ein dickes, derbes und festes Gewebe bedeutet. Von dem letztern findet sich das Zeitwort noch bey dem Ottfried, wo duachen, constipare, comprimere, filzen, und giduahit, verfilzt ist, welches das Stammwort unseres Tuch in der ersten Bedeutung, und ein Verwandter von dick zu seyn scheint.


Tuchartig (W3) [Adelung]


Tuchartig, adj. et adv. dem wollenen Tuche ähnlich. Tuchartige Zeuge, S. Tuch.


Tuchbereiter (W3) [Adelung]


Der Tuchbereiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein zünftiger Handwerker, welcher das gewebte und gewalkte wollene Tuch in der engern Bedeutung dieses Wortes bereitet, d. i. ihm durch Rauhen, Scheren und Pressen ein gutes Ansehen gibt, wohin auch die Tuchfrisierer und Tuchscherer gehören, Nieders. Wandbereder, Drögscherer.


Tuchen (W3) [Adelung]


Tuchen, adj. et adv. von wollenem Tuche bereitet. Ein tuchenes Kleid.


Tücherknecht (W3) [Adelung]


Der Tücherknecht, Tücherlappen, S. Tuchknecht und Tuchlappen.


Tuchfärber (W3) [Adelung]


Der Tuchfärber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme der Schön- oder Kunstfärber, weil sie besonders auch wollenen Tüchern schöne helle und dauerhafte Farben zu geben wissen.


Tuchfrisierer (W3) [Adelung]


Der Tuchfrisierer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Tuchbereiter, welche diejenigen Tücher und tuchartigen Zeuge auf welchen die Wolle frisieret, d. i. in krause Knötchen verwandelt werden soll, bereiten.


Tuchhaken (W3) [Adelung]


Der Tuchhaken, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Färbern, ein eiserner breiter Haken mit einem kurzen Stiele, das Tuch in der Blauküpe darauf nach der Breite zu ziehen.


Tuchhalle (W3) [Adelung]


Die Tuchhalle, plur. die -n, an einigen Orten, eine Halle, oder überbaueter Gang, in welchem die Tuchhändler ihre Tücher feil haben. In Cöln ist es auch ein Gericht, welches die Streitigkeiten, die in den Kaufhause entstehen, schlichtet.


Tuchhandel (W3) [Adelung]


Der Tuchhandel, des -s, plur. car. der Handel mit wollenen Tüchern.


Tuchhändler (W3) [Adelung]


Der Tuchhändler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Tuchhändlerinn, ein Kaufmann oder Krämer, welcher mit wollenen Tüchern handelt. Wenn er sie ausschneidet, d. i. Ellenweise verkauft, so wird er an einigen Orten auch Gewandschneider, Nieders. Wandsnider, Wandrieter, genannt, und alsdann ist der Tuchhändler in engerer Bedeutung, der sie nur in ganzen Ballen oder Stücke verkauft.


Tuchhaus (W3) [Adelung]


Das Tuchhaus, des -es, plur. die -häuser, an einigen Orten, ein Gebäude, in welchen die wollenen Tücher öffentlich verkauft und aufbewahret werden. In Nürnberg hingegen ist das Tuchhaus ein Amt oder obrigkeitliches Collegium, welches aus vier Raths-Deputierten, einem Cassierer und Gegenschreiber bestehet, und die Abgaben von dem Getreide und Malze einnimmt; vermuthlich, weil es seine Sitzungen in dem Tuchhaus hält, oder doch ursprünglich gehalten hat.


Tuchknappe (W3) [Adelung]


Der Tuchknappe, des -n, plur. die -n, ein Nahme, welchen noch an vielen Orten die Gesellen der Tuchmacher führen. S. Knappe.


Tuchknecht,Tucherknecht (W3) [Adelung]


Der Tuchknecht oder Tucherknecht, des -es, plur. die -e, im Jagdwesen, ein Arbeiter oder Bedienter, welcher die Jagdtücher von dem Wagen wirft und selbige aufstellen hilft; der Zeugknecht, an andern Orten Plahenknecht.


Tuchlappen,Tucherlappen (W3) [Adelung]


Der Tuchlappen oder Tucherlappen, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, Lappen oder Streifen von grober Leinwand, welcher an Leinen genähet, und im Nothfalle anstatt der Tücher gebraucht werden.


Tuchmacher (W3) [Adelung]


Der Tuchmacher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin die Tuchmacherinn, ein zünftiger Handwerker, welcher wollene Tücher und tuchartige Zeug webet, und mit den Tuchbereitern und Walkmüllern nur eine Zunft ausmacht; der Tuchweber, Nieders. Wandmaker.


Tuchnadel (W3) [Adelung]


Die Tuchnadel, plur. die -n, sehr starke und dicke Stecknadeln, die wollenen Tücher, wenn sie zum Trocknen aufgehänget werden sollen, damit anzustecken und auszuspannen; Kattunnadeln.


Tuchpresse (W3) [Adelung]


Die Tuchpresse, plur. die -n, eine große Presse der Tuchbereiter, in welcher die fertigen wollenen Tücher zwischen zwey erhitzten eisernen Platten gepresset werden, um ihnen Steife und Glanz zu ertheilen. Eine andere kleine Presse, worin die Tücher kalt gepresset werden, heißt die Stichpresse.


Tuchrahmen (W3) [Adelung]


Der Tuchrahmen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Rahmen oder Gestell, worin die Tuchbereiter die Tücher spannen, wenn sie selbige trocknen, ausspannen und streichen; Nieders. Wandraam.


Tuchrasch (W3) [Adelung]


Der Tuchrasch, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Art Rasch, welcher tuchartig ist, und auf der rechten Seite wie Tuch gewalket und geschoren wird; Walkrasch, Tuchsarsche, Borat oder Bourat, vermuthlich von dem Franz. Bourre, grobe filzige Wolle.


Tuchschere (W3) [Adelung]


Die Tuchschere, plur. die -n, eine große Schere der Tuchbereiter und Tuchscherer, womit die gewalkten und gerauheten Tücher geschoren werden.


Tuchscherer (W3) [Adelung]


Der Tuchscherer, des -s, plur. ut nom. sing. eine geringe Art Tuchbereiter, welche nur die gemeinen Landtücher scheren, aber die Kunst nicht verstehen, tuchartige und andere Zeuge zu appretieren, wie jene; Nieders. Drögscherer, von drög, trocken.


Tüchtig (W3) [Adelung]


Tüchtig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Die zu einer Absicht erforderliche Stärke und körperliche Festigkeit habend, eine in der gewöhnlichen Sprache des täglichen Umganges noch völlig gangbare Bedeutung. Ein tüchtiger Baum, der die verlangte Größe und Stärke hat. Ein tüchtiger Mensch, der die zu einer Absicht erforderliche Größe und Stärke hat. Ein tüchtiger Messer, ein großes und starkes. Daher es denn im gemeinen Leben noch häufig für groß und stark überhaupt gebraucht wird. Ein tüchtiger Mensch, von vorzüglicher Größe und Stärke. Ein tüchtiges Stück Brot, ein großes und dickes. Nach einer noch weitern Figur wird das Adverbium im gemeinen Leben häufig für sehr gebraucht, eine Intension zu bezeichnen. Jemanden tüchtig durchprügeln. Tüchtig arbeiten, essen, trinken könne, brav, sehr, viel. 2. In weiterer Bedeutung, auch andere erforderlichen Eigenschaften zu einer Sache im vorzüglichen Grade habend, so daß tüchtig einen höhern Grad bezeichnet, als tauglich, von welchem es ein Intensivum ist. Gott gibt ihr zu Zeiten einen tüchtigen Regenten, Sir. 10, 4. einen geschickten. Tüchtige Mittel zu etwas anwenden, taugliche. Nichts tüchtiges (taugliches, zur Sache dienliches,) vorbringen. Es ist in dieser Bedeutung als ein Beywort nur noch im gemeinen Leben üblich; von Personen gebraucht man lieber geschickt, vermuthlich, um die Zweydeutigkeit mit der ersten Bedeutung der körperlichen Stärke zu vermeiden. Als ein Nebenwort wird es auch hier häufig ohne Anstoß gebraucht. Tüchtig zu etwas seyn, im Gegensatze des untüchtig, von allen zu einer Sache erforderlichen Eigenschaften. Nicht, daß wir tüchtig sind, Rath zu finden, 2 Cor. 3, 5. Gott hat uns tüchtig gemacht, u. s. f. V. 6.

Anm. Schon bey dem Ottfried dohti, der es aber auch für gut gebraucht, im Nieders. dugtig, im Engl. dougthy, im Schwed. dugtig. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe -ig von dem alten Tuch gebildet, welches eigentlich körperliche Stärke, und hernach auch Tugend, dienliche Beschaffenheit, bedeutete. Dieses Tuch ist ein Intensivum so wohl von digen, dihen, deihen, ( S. Gedeihen,) körperliche Größe erlangen, wovon auch dicht abstammet, als auch von taugen, die nöthige Größe und Stärke zu etwas haben; und daher kommt es, daß tüchtig im eigentlichen Verstande noch den Begriff der körperlichen Größe und Stärke hat, im zweyten aber auch mehr saget, als tauglich. Einfachere Formen dieses Wortes sind die Nieders. degen, tüchtig, und deger, sehr. S. auch Tugend.


Tüchtigkeit (W3) [Adelung]


Die Tüchtigkeit, plur. inus. die Eigenschaft, da ein Ding tüchtig ist, in beyden Bedeutungen. Doch wird in der zweyten, wenn von Personen die Rede ist, und nicht bloß körperliche Größe und Stärke angedeutet werden soll, lieber Geschicklichkeit, Fähigkeit oder ein anderer Ausdruck gebraucht. Im Nieders. Dögt, für Dögheit, welches aber auch Tugend bedeutet.


Tuchweber (W3) [Adelung]


Der Tuchweber, S. Tuchmacher.


Tück (W3) [Adelung]


Der Tück, des -es, plur. die -e, eine tückische Handlung, ein Übel, welches man einem andern vermittelst eines vortheilhaft scheinenden Verhaltens zufügt. Sie wollen mir einen Tück beweisen, Ps. 55, 4. Daß die Feinde nicht unversehens ihm einen Tück beweiseten, 2 Macc. 14, 22. Die Tücke werden zu Schanden, Sprichw. 12, 8. Der Gottlosen Tücke sind keine Klugheit, Sir. 19, 19. Ob dir vergeben werden möcht der Tück deines Herzens, Apost. 8, 22. Aus eim valschen Dückh, Theuerd. Kap. 71. Wo kühne Tücke schleichen, Uz. Im Hochdeutschen wird dieses Wort wenig gebraucht, am allerwenigsten aber im Singular, indem dafür entweder das folgenden Tücke oder auch ein tückischer Streich üblich ist. Anm. Es ist ein altes Wort, welches in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten Duck, Tuck, Tucks lautet und im weitern Verstande auch einen jeden listigen oder heimlichen Betrug bedeutet. Im Hebräischen ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gleichfalls ein solcher Betrug. Im gem. Leben hat man auch das Wort duckeln, welches besonders betriegliche Handgriffe mit den Händen machen bedeutet. Das ck ist schon ein Merkmahl eines Intensivi; das einfachere Stammwort ist noch in dem Nieders. Tog, ein böser Streich, Possen, vorhanden. Nachdem man den Begriff des Schleichens, der Verborgenheit, oder auch den Begriff der Geschwindigkeit, als den Stammbegriff, annimmt, läßt sich das Wort auch auf verschiedene Art ableiten. Im ersten Falle würde es zu den alten toug, taug, geheim, verborgen, tougen, verborgen, im letztern Falle aber, zu ziehen Nieders. tehen, Zug. Nieders. Tog, Intens. Tuck gehören, indem man für listig betriegen auch beziehen, Nieders. betrecken, sagt. S. auch Duckmauser.


Tücke (W3) [Adelung]


Die Tücke, plur. die -n, das Abstractum des vorigen Wortes. 1. Die Gemüthsbeschaffenheit, Fertigkeit, jemanden vermittelst eines vortheilhaft scheinenden Verhaltens zu hintergehen oder zu schaden, wo die Tücke eine Act des Betruges ist; ohne Plural. Ich kenne seine Tücke schon. Er hat seine Tücke. Jemanden hinter seine Tücke kommen. Das Narren Tücke ist Sünde, Sprichw. 24, 9. Im gemeinen Leben wird es auch wohl von dem heimlichen, mit Stillschweigen verbundenen Widerwillen oder Zorn gebraucht, welchen man in der niedrigen Sprechart das Maulen, in der vertraulichen aber das Schmollen nennet. ( S. Tückisch) 2. Eine tückische Handlung, ein Übel, welches man einem andern vermittelst eines vortheilhaft scheinenden Verhaltens zufügt; ein Tück. Jemanden eine Tücke spielen. Und freut sich der gelungnen Tücke, Haged. Obgleich diese Bedeutung den Plural leidet, so ist derselbe doch im Hochdeutschen nur wenig gebräuchlich. S. auch Heimtücke.


Tückisch (W3) [Adelung]


Tückisch, -er, -ste, adj. et adv. 1. Tücke habend und darin gegründet. Ein tückischer Mensch. Ein tückisches Pferd. Tuckisch handeln, verfahren. Tückisch aussehen. Ein tückischer Streich. Ein tückisches Gesicht haben. Siehe auch Heimtückisch. 2. Im gemeinen Leben auch heimlich zornig, doch nur als ein Nebenwort. Tückisch auf jemanden seyn, heimlich zornig.


Tuckmäuser (W3) [Adelung]


Der Tuckmäuser, S. Duckmäuser.


Tuf (W3) [Adelung]


Der Tuf, Tufstein, S. Tof.


Tügen (W3) [Adelung]


Tügen, S. Taugen.


Tugend (W3) [Adelung]


Die Tugend, plur. die -en, ein Wort, welches in einem verschiedenen Umfange der Bedeutung gebraucht worden, und noch gebraucht wird. 1. * Körperliche Stärke, Kraft; eine veraltete Bedeutung welche indessen doch die erste und ursprüngliche ist. Im Niedersächsischen ist tauger noch stark, und bey dem Pictorius kommt noch Tucht für Kraft und Macht vor. In engere Bedeutung wurde es ehedem auch häufig für Tapferkeit gebraucht, in welcher Bedeutung es gleichfalls veraltet ist. 2. In engerer Bedeutung, Kraft, Fähigkeit gewisse Veränderungen, besonders heilsame Veränderungen, hervor zu bringen; eine größten Theils auch schon veraltete Bedeutung, in welcher die Tugenden eines Krautes, einer Arzeney, ehedem ihre Heilkräfte waren. 3. Figürlich ist die Tugend. (1) Der Zustand, da ein Ding die zu seiner Bestimmung nöthigen Eigenschaften besitzt, wo es wieder auf doppelte Art gebraucht wird. (a) Als ein Abstractum und ohne Plural, die Beschaffenheit eines Dinges, da es alle zu seiner Bestimmung nöthigen Eigenschaften besitzet. Die Tugend eines Hauses, eines Pferdes. Auch diese Bedeutung gehöret in der edlern Schreibart zu den veralteten, ob man gleich noch im gemeinen Leben von der Tugend eines Messers, eines Werkzeuges u. s. f. höret, dessen Tauglichkeit oder Tüchtigkeit zu bezeichnen. Nieders. Döge. In engerer und höherer Bedeutung war Tugend ehedem auch Vortrefflichkeit, und diese Bedeutung hat es vermuthlich noch 1 Pet. 2, 9. wo es heißt: die Tugend des, der euch berufen hat, im Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . (b) Als ein Concretum und mit dem Plural, einzelne der Bestimmung gemäße oder brauchbare, gute Eigenschaften. Ein Pferd von vielen Tugend. Die Treue ist die vorzüglichste Tugend eines Hundes, die Leichtigkeit und Bequemlichkeit, die Tugend an einem Werkzeuge. Der Rheinwein hat die Tugend, daß er nicht so leicht rauscht, als der Französische. Ehedem sprach man auch von den Tugenden des Verstandes, d. i. nützlichen Fähigkeiten desselben. (2) In engerer moralischer Bedeutung ist die Tugend der Zustand, da ein vernünftiges Geschöpf seiner Bestimmung oder Absicht gemäß handelt; wo es wieder in verschiedenen Einschränkungen gebraucht wird. (a) Als ein Abstractum und ohne Plural, so wohl von der ganzen pflichtmäßigen Beschaffenheit, von der Übereinstimmung des moralischen Zustandes mit dem Gesetze oder der Bestimmung, als auch von der Fertigkeit zur möglichsten Leistung seiner Pflicht. Etwas aus Tugend thun. Jemandes Tugend für zweydeutig halten. Wir haben kein Zeichen der Tugend beweiset, Weish. 8, 14. Sich der Tugend befleißigen. (b) Als ein Concretum und mit dem Plural, einzelne in diesem Zustande gegründete, daraus herfließende Neigungen und Fertigkeiten, jede pflichtmäßige und lobenswürdige Neigung oder Fertigkeit. Bürgerliche Tugend, Fertigkeiten, die bürgerliche Gesetze, die Pflichten der menschlichen Gesellschaft zu erfüllen. Natürliche Tugenden, deren Bewegungsgrund der natürliche Erfolg der Handlungen ist, zum Unterschiede von den christlichen, welche ihre Bewegungsgründe aus der Religion hernehmen. Mäßigkeit, Verschwiegenheit, Fleiß, Treue u. s. f. sind Tugend. Aus der Noth eine Tugend machen. Die Tugend stehet hier der Untugend, ingleichen dem Laster entgegen. (3) In der engsten Bedeutung wird die Keuschheit oft nur Tugend schlechthin genannt. Die Tugend einer Person in Verdacht ziehen. Was der Tugend eines Frauenzimmers nachtheilig ist. Si hat tugent und ere, einer der Schwäbischen Dichter. Und diese Bedeutung hat das Wort vermuthlich auch, wenn es in einigen Reichsstädten als ein Abstractum, ein Titel adeliger Frauenzimmer ist. In Nürnberg z. B. werden die Frauenzimmer aus patricischen Geschlechtern Ihre Hochadelige Tugend genannt.

Anm. 1. Fast in allen Sprachen ist der engere moralische Begriff der Tugend eine Figur der Leibesstärke, Virtus, von Vis, Vires, Kraft, Gewalt, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, stark; nicht, weil die Tugend moralische Kraft gegen einen Widerstand, gegen sinnliche Kraft ist, sondern in dem rohen Jugendalter der Welt und der Nationen Leibesstärke und darin gegründete Tapferkeit, die einzige bürgerliche Tugend, wenigstens der einzige bürgerliche Vorzug war.

Anm. 2. Dieses Wort kommt in seiner heutigen Gestalt zuerst in dem alten Gedichte auf dem heil. Anno vor, wo es Dugint lautet, im Wallisischen Digoniant. Ältere Sprachen und Mundarten haben statt der Sylbe -end, die Sylbe de oder et, wie Willerams Tugede, Notkers Tuged, das Angels. Duguth, das Nieders. Dögt, das Schwed. Dycht, das Holländ. Deugt. Aus diesem Tugde ist ohne Zweifel, durch Einschaltung des müßigen Nasenlautes, Tugend entstanden, so wie aus Jungde auf ähnliche Art Jugend geworden ist. Tugde und Tugend stammen von taugen her, so fern es ehedem ursprünglich stark seyn bedeutete, und zu dem veralteten degen, groß, stark, tapfer, gehörete, von welchem Worte Theganheit bey dem Ottfried noch für Tugend vorkommt. Das Nieders. Dögt bedeutet nicht allein Tugend, sondern auch Tüchtigkeit, so wie Döge daselbst die Tauglichkeit ist. S. Dick, Deihen, in Gedeihen, Tüchtig u. s. f.


Tugendadel (W3) [Adelung]


Der Tugendadel, des -s, plur. car. derjenige Adel, welcher durch Tapferkeit erworben wird, zum Unterschiede von dem Erb- und Kunstadel; von der veralteten Bedeutung des Wortes Tugend.


Tugendhaft (W3) [Adelung]


Tugendhaft, -er, -este, adj. et adv. welches ehedem in allen Bedeutungen des Hauptwortes Tugend üblich war, jetzt aber nur noch in der engern moralischen gebraucht wird, Tugend habend, besitzend, und in derselben gegründet, im Gegensatze des lasterhaft. Ein tugendhafter Mann. Tugendhaft seyn. Ein tugendhaftes Gemüth. Tugendhafte Handlungen. Oft auch in der dritten engsten Bedeutung für keusch, sittsam. Eine tugendhafte Person.

Anm. Schon bey den Schwäbischen Dichtern tugendhaft, bey dem Notker mit einem andern Endlaute tugedig, im Nieders. degelik, ehedem dögetbeue.


Tugendheld (W3) [Adelung]


Der Tugendheld, des -en, plur. die -en, Fämin. die Tugendheldinn, eine Person, welche sich auch durch den stärksten Widerstand nicht von der Ausübung der Tugend abhalten lässet.


Tugendlehre (W3) [Adelung]


Die Tugendlehre, plur. doch nur von mehrern Büchern dieser Art, die -n, ein von einigen für Moral und Sittenlehre angenommenes Wort, die Lehre von der Tugend, d. i. den pflichtmäßigen Fertigkeiten des Menschen, zu bezeichnen.


Tugendreich (W3) [Adelung]


Tugendreich, -er, -ste, adj. et adv. reich an Tugend oder Tugenden, im hohen Grade tugendhaft; ein vorzüglich noch in den Titeln weiblicher Personen übliches Wort.


Tugendsam (W3) [Adelung]


Tugendsam, -er, -ste, adj. et adv. wie tugendhaft. Ein tugendsames Weib, Ruth 3, 11. Es ist in der edlen Schreibart veraltet, und wird auch nur noch hin und wieder in den Titeln weiblicher Personen gebraucht. In Niedersachsen dögdsam, wo dugdsam auch kräftig, stark, bedeutet. Eben diese Bedeutung hatte ehedem auch unser tugendsam. Han er ist so tugentsam, Er kan heilen alle wunden, für kräftig, Brud. Eberh. von Sax.


Tugendstolz (W3) [Adelung]


Der Tugendstolz, des -es, plur. car. der Stolz auf das Bewußtseyn seiner Tugend oder pflichtmäßigen Beschaffenheit.


Tülle (W3) [Adelung]


Die Tülle, S. 1. Dille.


Tumm (W3) [Adelung]


Tumm, S. Dumm.


Tummel (W3) [Adelung]


Der Tummel, des -s, plur. inus. das Intensivum von Taumel, statt dessen es im gemeinen Leben sehr häufig ist, so wohl einen Schwindel, als auch einen Rausch, zu bezeichnen. Einen Tummel haben, so wohl schwindelig als auch berauscht seyn; wo man im Scherze auch wohl das Diminutivum braucht, sich ein Tümmelchen trinken, ein Räuschchen. Nieders. Tümel, Tum- mel. Es ist mit dem Latein. temulentus und Temulentia, berauscht, der Rausch, verwandt. ( S. Tummeln.) Daher ist tummelig oder tummelicht, im gemeinen Leben taumelig, Siehe dasselbe.


Tümmelchen (W3) [Adelung]


Das Tümmelchen, des -s, pur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Nahme der kleinen runden Bechertassesn, oder kleinen Becher in Gestalt einer halben Kugel; in andern Gegenden Tummler, Engl. Tumbler, Schwed. Tumlare. Es ist das Diminutivum eines veralteten Tümmel, welches ein kurzes gleichsam abgestumpftes Gefäß bedeutet haben muß, und mit stumpf und stümpfen verwandt gewesen ist.


Tummeln (W3) [Adelung]


Tummeln, verb. reg. welches eine Nachahmung eines heftigen dumpfigen und ungestümen Lautes ist, und daher in mehrern, dem Anscheine nach sehr verschiedenen Fällen gebraucht wird. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben. 1. * Im Gehen mit schwerem Kopfe von einer Seite zur andern wanken, als ein Intensivum von taumeln; in welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen fremd, und nur in einigen gemeinen Mundarten gangbar ist. Nieders. tümeln, Engl. to tumble, Schwed. tumla. 2. * Einen Lärm, Getümmel verursachen. Und sind von dannen heraufgezogen mit Freuden, daß die Stadt tummelt, 1 Kön. 1, 45. Was tummelt und weinet ihr? Das Kind ist nicht gestorben, Marc. 5, 39. Auch in dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet, indessen stammen Getümmel und Tumult von derselben ab. II. Als ein Activum, so wohl taumeln machen, als auch mit einem Getümmel heftig bewegen, doch nur noch in einigen besondern Fällen. 1. Jemandes tummeln, ihn sich heftig bewegen machen, besonders um ihn dadurch abzurichten. So tummelt man ein Pferd auf der Reitbahn, wenn man es im Kreise galoppieren lehret; wo doch dieses Wort nur im gemeinen Leben üblich ist, indem die heutige Reitkunst dafür ausländische Kunstwörter angenommen hat. Der Soldat muß getummelt und ausgearbeitet werden. Sich mit jemanden herum tummeln, so wohl sich mit ihm balgen, als andere heftige Bewegungen mit ihm vornehmen. Drum tummle sich im Thal der Posse, Wer sich nicht höher schwingen kann, Gottsch. Der Soldat tummelt sich um die Ehre. 2. Sich tummeln, ist auch so viel wie eilen, eigentlich sich heftig bewegen, seine Bewegungen beschleunigen. Tummle dich! Ich will mich tummeln, so viel ich kann. Tummle dich mit dem Essen! mache, daß das Essen fertig wird! So auch das Tummeln.

Anm. Im Nieders. gleichfalls tummeln. Es ist ein intensives Iterativum von einem veralteten tumen oder tumben, von welchem das Franz. tomber, fallen, das Angels. tumban, tanzen, springen, das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Wuth, und andere mehr abstammen; woraus denn wohl deutlich genug erhellet, daß der heftige dumpfige Laut der Stammwort ist. Im Engl. ist tumble hin und her werfen. S. auch Getümmel und Tumult.


Tummelplatz (W3) [Adelung]


Der Tummelplatz, des -es, plur. die -plätze, ein Platz, wo Pferde und Reiter getummelt, d. i. durch heftige Bewegungen abgerichtet werden. Ingleichen, ein Platz, wo sich zwey Parteyen gebalget, geraufet, geschlagen, mit einander scharmutzieret, gefochten haben; am häufigsten im gemeinen Leben.


Tummelsattel (W3) [Adelung]


Der Tummelsattel, des -s, plur. die -sättel, eine Art Sättel auf der Reitbahn, welche den Pferden aufgeleget werden, wenn sie getummelt werden sollen.


Tümmler (W3) [Adelung]


1. Der Tümmler, des -s, plur. ut nom. sing. S. das Tümmelchen.


Tümmler (W3) [Adelung]


2. Der "Tümmler", des -s, plur. ut nom. sing.

1. Eine Art Delphine, welche sich mit großer Geschwindigkeit im Wasser herum tummelt, wovon er auch den Nahmen hat; "Delphinus Delphis Linn." Nieders. "Tümelev". Es gehöret mit den Meerschweine zu Einem Geschlechte, ist aber von demselben noch verschieden.

2. Eine Art kleiner Tauben, welche sich im Fliegen oft herum werfen, oder tummeln.


Tümpel,Tümpfel (W3) [Adelung]


Der Tümpel oder Tümpfel, S. Dümpel.


Tumult (W3) [Adelung]


Der Tumult, des -es, plur. die -e. 1. Das Getümmel, eigentlich, der laute dumpfige Ton einer heftigen Bewegung wider einander streitender Körper, und diese heftige Bewegung selbst. Der Tumult der Geschafte. In dem Tumult des Aufruhrs seinen Arm In Blut zu haben, Weiße. Ach, wüßten sie, welch ein Tumult, welch ein Kampf widerwärtiger Bewegungen diese Brust zerreißt! von Brawe. 2. In engerer Bedeutung ist der Tumult die ungestüme und unordentliche Versammlung mehrerer, besonders sich wegen einer Beleidigung Recht zu verschaffen; ein hoher Grad des Auflaufs. Einen Tumult erregen, anfangen. Den Tumult stillen. Es erhebt sich ein Tumult. Die damit verbundene Unordnung und das Getümmel unterscheiden den Tumult von einem Aufstande. Der Aufruhr ist eine gewaltsame Auflehnung mehrerer gegen die Unterobrigkeit; Empörung und Rebellion aber gegen den Landesherren.

Anm. Der Ton auf der Ableitungssylbe beweiset schon, daß dieses Wort zunächst aus dem Lateinischen Tumultus entlehnet ist, obgleich dieses mit unserm Getümmel und tummeln zu Einem Geschlechte gehören. Eben daher sich auch tumultuiren, einen Tumult oder Auflauf erregen, der Tumultuant, des -en, plur. die -en, Personen, welche tumultuiren, tumultuarisch, auf eine ungestüme und unordentliche, geräuschvolle Art, und in weiterer Bedeutung, im höchsten Grade unordentlich und ungestüm. Tumultuarisch verfahren, mit Beseitigung der gehörigen Ordnung.


Tunche (W3) [Adelung]


Die Tunche, plur. doch nur von mehrern Arte, die -e, dasjenige, womit getünchet wird, der flüssige Körper, welcher auf einen andern gestrichen wird, doch nur noch in engerer Bedeutung, eine weiße aus Kalk und Wasser bereitete Farbe, die Wände und Mauern damit zu bestreichen. Die Tünche fällt ab, der als Tünche aufgetragene Kalk.

Anm. Schon bey dem Notker Tunicho, im Böhm. Dynchowani, im Pohln. Tynk. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es männlichen Geschlechts, der Tünch, in welchem es auch in der Deutschen Bibel vorkommt. Der schöne Tünch an der schlechten Wand, Sir. 22, 20. S. das folgende.


Tünchen (W3) [Adelung]


Tünchen, verb. reg. act. eigentlich, mit einem flüssigen Körper überstreichen. Es ist indessen nur noch in engerer Bedeutung gangbar, eine Wand oder Mauer mit flüssig gemachtem Kalke überstreichen, welches im gemeinen Leben weißen genannt wird. Die getünchte Wand, Apost. 23, 3. Wo ist nun das Getünchte, das ihr getüncht habt? Ezech. 13, 12. Mit Kalk tünchen. So auch das Tünchen.

Anm. In den Monseeischen Glossen tunichen, im Pohln. tynkowac, in einigen Niederdeutschen Gegenden dünken. Entweder als ein Verwandter von tingere, wenn es nicht gar mit der Sache selbst aus diesem Lateinischen Worte entlehnet ist, da es denn ein Verwandter von tunken seyn würde; oder auch mit dem herrschenden Begriffe des Bekleidens, Bedeckens. Bey dem Kero ist in dieser letzte Bedeutung Tunihhu, und bey dem Ottfried Dunichu, ein Rock, Lat. Tunica. Im Dänischen ist dynnicke, täfeln. Im Hebr. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, tünchen, welches zunächst zu Decke, Lat. Toga, zu gehören scheinet.


Tüncher (W3) [Adelung]


Der Tüncher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher tüncht, ingleichen, der ein Geschäft daraus macht, die Wände und Mauern zu tünchen, da denn diejenigen Maurer, welche sich vornehmlich mit dem Tünchen abgeben, diesen Nahmen bekommen, im gemeinen Leben Weißer. Die Flachmahler und Zimmer-Polierer sind eine bessere Art Tüncher.


Tünchscheibe (W3) [Adelung]


Die Tünchscheibe, plur. die -n, bey den Tünchern, ein Bret mit einem Griffe, den Kalk zum Verschmieren von dem Tünchen darauf in der linken Hand zu halten.


Tüngel (W3) [Adelung]


Der Tüngel, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden, besonders Niederdeutschlandes, ein Nahme einer doppelten Art Unkrautes, welches theils unter der Gerste, theils aber auch in den Hecken und an den Wegen wächset; Galium Aparine, und Valantia Aparine Linn. Beyde werden auch Klebekraut genannt, weil der rundliche Same an den Kleidern kleben bleibet, worin vielleicht auch der Grund des Nahmens Tüngel liegt, der alsdann zu tünchen, tingere, gehören würde.


Tunke (W3) [Adelung]


1. Die Tunke, plur. die -n, eine in die Erde gegrabene, und oben mit Balken und darauf geschütteter Erde bedeckte Grube, deren man sich im Nothfalle statt eines Kellers bedienet; ingleichen in weiterer Bedeutung, ein jeder ungewölbter Keller, ein Balkenkeller, weil er statt des Gewölbes oben mit Balken belegt wird.

Anm. In andern gemeinen Mundarten Tunch. Es scheinet eine Tiefe, eine Grube überhaupt zu bedeuten, und vermittelst des zufälligen Nasenlautes von Teich abzustammen. ( Siehe dasselbe.) Tauchen und tunken sind auf eben diese Art verwandt.


Tunke (W3) [Adelung]


2. Die Tunke, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine flüssige aber dickliche Speise, andere festere darein zu tunken oder zu tauchen, wodurch sie sich von der flüssigern Brühe unterscheidet. Senf, Meerrettig, mit Wein zerrührtes Kirsch- oder Pflaumenmuß u. s. f. sind solche Tunken. In den niedrigen Sprecharten wird eine Tunke Titsche oder Tütsche genannt, von tütschen, tunken; Nieders. Stippels.


Tunken (W3) [Adelung]


Tunken, verb. reg. act. in einen flüssigen Körper halten oder stecken, wie das edlere tauchen. Tunken den Büschel Isopp in das Blut, 2 Mos. 12, 22. Er soll mit seiner rechten in das Öhl tunken, 3 Mos. 14, 16. Tunke deinen Bissen in den Essig, Ruth 2, 14. So wirst du mich doch tunken in den Koth, Hiob 9, 31. Die Feder in die Dinte tunken, eintunken. So auch das Tunken.

Anm. Im Tatian thuncan, bey dem Notker tunchen. Es stammet von dem im Oberdeutschen, ingleichen in der höhern Schreibart üblichen rauchen her. Von rauchen hieß das Intensivum tucken, ducken, woraus durch eingeschalteten Nasenlaut tunken ward. In den niedrigen Sprecharten ist dafür titschen oder tütschen, im Nieders. aber ist stippen üblich. S. Tauchen.


Tunkform (W3) [Adelung]


Die Tunkform, plur. die -en, bey den Lichtziehern, das tiefe schmale Gefäß, worin sich der geschmolzene Talg befindet, in welchen man die Dochte tunkt, um sie zu Lichtern zu ziehen.


Tüpfel (W3) [Adelung]


Der Tüpfel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Tüpfelchen, Oberd. Tüpflein, ein Punct oder kleiner Fleck in Gestalt eines Punctes. In Hochdeutschen wird es wenig mehr gebraucht, wo dafür Punct oder Fleckchen üblicher sind. Am wenigsten ist es von einem Puncte im Schreiben oder Zeichnen üblich, obgleich auch, dieser im gemeinen Leben so wohl Tüpfel als Tüttel genannt wird. Es ist kein Diminutivum, wie viele glauben, sondern vermittelst der Ableitungssylbe el, ein Subject, Ding, von tüpfen gebildet. Die Niedersachsen gebrauchen dafür Stipp und Tipp, welches letztere aber auch die Spitze eines Dinges bezeichnet. Siehe Tüpfen


Tüpfelig (W3) [Adelung]


Tüpfelig, -er, -ste, adj. et adv. mit Tüpfen, d. i. Puncten oder kleinen Flecken versehen, getüpfelt; am häufigsten im gemeinen Leben.


Tüpfeln (W3) [Adelung]


Tüpfeln, verb. reg. act. mit Tüpfeln, d. i. Puncten oder kleinen Flecken versehen, das verkleinernde Iterativum von tüpfen. Die Miniatur-Mahler tüpfeln die Figuren, welche sie mahlen, d. i. sie punctieren sie, oder verfertigen sie vermittelst kleiner Puncte, daher der Miniatur-Mahler in einigen gemeinen Mundarten auch der Tüpfelmahler genannt wird.


Tüpfen,Tupfen (W3) [Adelung]


Tüpfen und Tupfen, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit dem Hülfsworte haben, mit der Spitze eines Dinges stoßen oder berühren. Dupfen, tupfen und tüpfen, welche doch im Hochdeutschen nur selten gehöret werden, sind nicht ganz einerley, wovon der Grund theils in dem härtern oder weichern Mitlaut, theils in dem breitern u oder spitzigern ü liegt. Dupfen heißt mit einem stumpfen oder weichen Körper leicht anstoßen, oder berühren tupfen setzt eine stärkere Berührung, tüpfen aber nebst derselben ein spitzigeres Werkzeug oder einen spitzigern Theil eines Dinges voraus. Die Wundärzte dupfen mit angefeuchteter Baumwolle auf eine Wunde, sie bedupfen den Beinfraß mit Scheidewasser. Die Kupferstecher tupfen auf die hintere Seite der Kupferplatte, wenn sie mit dem Ballen der Hand darauf stoßen, damit sich der Firniß auf der polierten Seiten fein eben ausbreite. Andere bedienen sich statt dessen eines Tupfballens, Franz. tampon. Man tüpfet oder tipfet jemanden, wenn man ihn mit der Spitze des Fingers, oder einem andern spitzigen Werkzeug, anstößt. Tüpfeln ist davon das Iterativum.

Anm. Alle drey sind Nachahmungen des verschiedenen eigenthümlichen Schalles, daher man nicht eigentlich sagen kann, daß eins von dem andern abstamme. Für tüpfen gebrauchen die Niedersachsen tippen und stippen, welches letztere auch tunken bedeutet, die Engländer to tip, und die Schwed. tippa. Tappen bezeichnet eine weit gröbere Art des Berührens, wovon der Grund in dem breitern a und stärkern Blaselaut liegt.


Tuphstein (W3) [Adelung]


Der Tuphstein, S. Tof.


Turban (W3) [Adelung]


Der "Turban", des -s, plur. die -e, aus dem Persischen "Dylbent", "baumwollener Zeug", ein Kopfschmuck des männlichen Geschlechtes unter den Türken und andern Morgenländern, welcher aus einem um eine steife Mütze in gemeiniglich kugelicher Gestalt gewundenem Zeuge bestehet; der Kopfbund, Türkische oder morgenländische Bund. Das "l" ist hier, wie in mehrern Fällen geschiehet, in das verwandte "r" übergangen. Italiänisch "Turbante" und "Tulpante". (S. "Tulpe") Bey den Türken heißt der "Turban" "Sarik", d. i. "winden".


Turf (W3) [Adelung]


Turf, S. Torf.


Türk (W3) [Adelung]


Der Türk, des -en, plur. die -en, Fämin. die Türkinn. 1. Eigentlich, ein Individuum derjenigen Nation, welche anfänglich zwischen dem schwarzen und Kaspischen Meere wohnete, sich aber nachmahls nicht nur des ganzen westlichen Asiens, sondern auch des Griechischen Reiches bemächtigte. Lat. Turca, Nieders. Tork. Der Nahme ist alt, und wird am wahrscheinlichsten von dem alten fast in allen Sprachen befindlichen Tor, Berg, Gebirge abgeleitet, weil diese Nation ursprünglich die gebirgigen Gegenden zwischen den gedachten beyden Meeren bewohnete. Der Türk oder Großtürk, eine nur noch im gemeinen Leben übliche Benennung des Groß-Sultanes oder Türkischen Kaiser. 2. Figürlich (1) Im gemeinen Leben wird oft ein jeder Mahomedaner ein Türk genannt, weil sich diese unter allen Mahomedanern den Europäern am furchtbarsten gemacht haben. (2) Nach einer andern Figur ist Türk, aber auch nur im gemeinen Leben, ein barbarischer Mensch, ein Mensch von rohen, wilden und grausamen Sitten.


Türkenkopf (W3) [Adelung]


Der Türkenkopf, des -es, plur. die -köpfe, in einigen Gegenden eine figürliche Benennung einer Art Kirbisse, welche auch Pfebe genannt wird; Cucurbita Pepo L. Wegen einiger Ähnlichkeit mit einem Türkischen Bunde. Im Österreichischen werden sie Plutzer genannt.


Türkenspiel (W3) [Adelung]


Das Türkenspiel, des -es, plur. inus. eine Art Kartenspieles, welches mit 36, mit Türkischen Figuren bemahlten Blättern gespielet wird, welche daher auch Türkenkarten genannt werden. Es ist besonders unter den Franciscanern üblich.


Türkey (W3) [Adelung]


Die Türkey, plur. inus. das Gebieth des Türkischen Kaisers. Die Europäische Türkey, dessen Gebieth in Europa, zum Unterschiede von der Asiatischen.


Türkisch (W3) [Adelung]


Türkisch, adj. et adv. Zu den Türken gehörig, aus der Türkey gebürtig, in den Sitten und Gebräuchen der Türken gegründet. Das Türkische Reich. Der Türkische Kaiser. Der Türkische Bund, auch figürlich eine Art Lilien mit zurück gerollten Blumenkronen, Lilium Martagon L. Feldlilie. Türkische Bohnen. Faseolen. Türkische Hühner, Truthühner. Türkische Klee, Esparsette. Türkische Kresse, Tropaeolum L. Türkischer Weitzen. ( S. Weitzen.) Und so werden mehrere Producte der drey Naturreiche, welche aus der Levante zu uns gekommen, mit dem Worte Türkisch bezeichnet. Die Türkische Naht, bey den Nähterinnen, welche auf beyde Seiten recht ist. 2. Figürlich. (1) Mahomedanisch, doch nur im gemeinen Leben. Der Türkische Glaube. Die Türkische Religion. (2) Barbarisch, grausam. Jemanden Türkisch prügeln. Türkisch mit jemanden umgehen.


Türkiß (W3) [Adelung]


Der Türkiß, des -sses, plur. die -e, ein steinartiges Mineral, welches gemeiniglich unter der Edelsteine gerechnet wird, aber nach des la Brosse und Reaumür Beobachtungen der versteinerte Zahn eines noch unbekannten Seethieres ist. Es ist, seinem innern Gewebe nach, einem Knochen völlig ähnlich, nimmt indessen eine Politur an, und ist von weißer, gelber, grüner und grünblaulicher Farbe, Turcoides. Der Deutsche Nahme ist aus dem Ital. Turchesa entlehnet, weil man sie zuerst aus dem Türkischen Gebiethe zu uns gebracht. Derjenige Edelstein, welchen Luther in der Deutschen Bibel Türkiß nennet, heißt bey Michaelis, doch nur muthmaßlich, Chrysolith; im Hebräischen heißt er Tarschisch.


Turnier (W3) [Adelung]


Das Turnier, des -es, plur. die -e, eine sehr alte Benennung feyerlicher Ritterspiele, besonders so fern sie in kriegerischen Übungen bestanden, wohin besonders das Lanzenbrechen, Ringrennen u. s. f. gehören, in welcher Bedeutung an den Höfen noch jetzt zuweilen Turniere angestellt werden. Daher ein Roß-Turnier, zum Unterschiede von einem Fuß-Turnier; ferner, die Turnier-Lanze, Turnier-Ordnung, der Turnier-Platz, das Turnier-Pferd, der Turnier-Helm, der Turnier-Kragen, der Turnier-Richter oder Vogt, u. s. f.

Anm. Im Deutschen ehedem Turney, nach den Franz, Tournoy, im Ital. Torneo, im mittlern Lat. Torneamentum, im Engl. Turnament, Turney, im Schwed. Torney. Bey dem Hornegk kommt auch jetzt das veraltete Tyostewr von einem Turniere vor, welches vermuthlich zu dem alt Franz. Jouste, Jauste, im mittlern Lat. Iusta, ein solches Lustgefecht zwischen einzelnen Personen, gehöret. S. 2. Turnieren.


Turnieren (W3) [Adelung]


1. Turnieren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben üblich ist, wo es lärmen, rasen, toben, bedeutet. Es turnieret in einem Hause, wenn ein Gespenst darin lärmet. Das Wort ist auch im Wendischen bekannt, ist aber, seiner ausländischen Endung ungeachtet, gewiß keine Figur des folgenden, ob es gleich in der Quelle mit demselben verwandt ist. Im Wendischen ist torny, toll, und tornowazy, to- ben, turnieren, welches zu unserm Zorn, Nieders. Torn, gehöret, in welchem der Begriff des Lärmes, Tobens, gleichfalls der herrschende ist.


Turnieren (W3) [Adelung]


2. Turnieren, verb. reg. act. ein Turnier halten, im Turniere fechten; ein Wort, welches noch mehr veraltet ist, als das Hauptwort. Schon die ausländische Endung zeiget, daß dieses Wort zunächst aus einer fremden Sprache entlehnet ist, welche das Ital. und mittlere Lat. torneare ist. Die Turniere sind in Deutschland eine fremde Erfindung, obgleich viele sie aus übertriebenem Patriotismus für Deutschen Ursprungs halten. Indessen ist doch die Quelle dieses fremden Wortes im Wortes im Deutschen zu finden. Die meisten leiten es von dem noch im Notker befindlichen turnen, lenken, wenden, Französ. tourner her, Angels. turnan, tyrnan, Engl. turn; als wenn die Turniere vornehmlich um deßwillen angestellet worden, die Ritter und ihre Pferde in geschickten Wendungen und Lenkungen zu üben. Im Nieders. ist tornen, im Laufe aufhalten; ein Pferd tornen, es aufhalten; sich tornen, figürlich, sich fassen, sich begreifen. Allein, es scheinet vielmehr, daß es von dem Schwed. torna, fechten, streiten, Isländ. turna, abstammet, indem die Turniere wahre Gefechte, obgleich zur Lust und zur Übung waren. In dieser Bedeutung ist torna, eine Figur von dem vorigen turnieren, lärmen, weil Krieg und Gefechte ihren Nahmen in den meisten Sprachen von dem damit verbundenen Geräusch und Getöse haben.


Turnipse (W3) [Adelung]


Die Turnipse, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme gewisser großen weißer Rüben, von welchen oft neu bis zehn Stück einen Zentner wiegen; Runkelrüben, Futterrüben, weil sie nur für das Vieh gut sind. Der Nahme Turnipse ist aus dem Englischen Turnep, eine Rübe, plur. Turneps.


Turteltaube (W3) [Adelung]


Die Turteltaube, plur. die -n, die kleinste Art wilder Tauben, welche auf dem Rücken etwas bräuner und am Bauche weißer ist, als die Lachtaube; Columba Turtur L. Das Männchen heißt der Turteltäuber. Bey dem Willeram Turtultubo. Die erste Hälfte des Nahmens ist eine unmittelbare Nachahmung ihres eigenthümlichen Lautes, welchen man in gemeinen Leben noch durch turteln ausdruckt. Ital. tortorare, daher diese Art Tauben schon im Lat. Turtur, im Ital. Tortora, Tortorella, im Engl. Turtle, im Wallachischen Turtura, im Albanischen Turtul, genannt wird. In einigen Gegenden heißt sie Kirre, ingleichen Frauentaube.


Tusche (W3) [Adelung]


Die Tusche, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, ein Nahme, welchen ehedem alle trockne Farben und Farbenstifte, womit man trocken zu mahlen pflegt, geführet zu haben scheinen. Jetzt ist es nur noch von einer schwarzen festen Farbe üblich, welche leicht im Wasser gerieben, mit einem Pinsel aufgetragen und verwaschen wird, und welche zuerst aus China zu uns gekommen, daher sie auch Chinesische Dinte genannt wird. Indessen hat man auch ähnliche Farbenkörper von andern Farben, welche auf eben dieselbe Art gebraucht werden. Wenn der Nahme nicht mit der Sache selbst aus China zu uns gekommen, so scheinet er aus dem Franz. Touche und toucher entlehnet zu seyn, weil diese Farbe mit einem gelinden Reiben so wohl zubereitet, als auch vertreiben oder verwaschen wird.


Tuschen (W3) [Adelung]


1. Tuschen, verb. reg. act. mit Tusche zeichnen oder mahlen. Ein getuschtes Gemählde. Ingleichen in weiterer Bedeutung, Wasserfarben flach auftragen und mit dem in Wasser getauchten Pinsel vertreiben; Französ. laver, ehedem vielleicht toucher, daher diese Art zu zeichnen oder mahlen noch im Ital. toccare, heißt. Im gemeinen Leben ist dafür auch tuschieren üblich, welches in den niedrigen Sprecharten auch wohl die Bedeutung einer geringen, aber doch empfundenen Beleidigung hat, von dem Franz. toucher, anrühren, daher eben daselbst der Tusch auch eine solche Beleidigung ist.


Tuschen (W3) [Adelung]


2. Tuschen, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen nur in den Zusammensetzungen vertuschen und untertuschen, und auch hier nur im gemeinen Leben üblich ist, wo es in der Stille verbergen und unterdrücken bedeutet. ( S. diese Wörter.) Auch im Arabischen ist dasscha, er hat verborgen. In einigen gemeinen Mundarten tüschen, tütschen. Es ist das noch im Niederdeutschen gangbare tussen, mit Geberden und Worten glimpflich zum Stillschweigen bringen, und in weiterm Verstande, glimpflich Einhalt thun, Dänisch. tysse, Schwed. tysta, welche wiederum von der gleichfalls noch im Niedersächsischen üblichen Interjection tuß! tusse! abstammen, womit man einen Redenden oder Geräusch machenden zur Stille ermahnet, wofür im Hochdeutschen der Laut st! oder im gemeinen Leben auch sch! üblich ist. Daher ist im Schwed. tyst, Isländ. thus, schweigend, womit auch das Franz. taiser und Lat. tacere verwandt sind.


Tute,Tüte (W3) [Adelung]


Die Tute oder Tüte, S. Düte.


Tüte (W3) [Adelung]


Die Tüte, ein Vogel, S. Gütvogel.


Tüten (W3) [Adelung]


Tüten, S. Düten.


Tutia (W3) [Adelung]


Die Tutia, (sprich Tuzia,) plur. car. im Hüttenbaue, ein graues, schweres und dichtes Product, welches bey dem Schmelzen des Zinkes in die Höhe steigt, und eine Art Zinkkalk ist. Das Pompholir, der weiße Nicht und die Zinkasche, sind ähnliche, aber noch verschiedene Producte. Der Nahme ist Morgenländisch und lautet auch im Persischen Tutia. Die gemeinen Hüttenleute sprechen ihn Tutzi aus. Im Dithmarsischen ist Tuutz, eine Kröte, in andern Niederdeutschen Gegenden Utze, Uetze, dreysylbig.


Tütsche (W3) [Adelung]


Tütsche, Tütschen, S. Tunke, Tunken.


Tüttel (W3) [Adelung]


Der Tüttel, ein Punct, S. Titel.


Twalch (W3) [Adelung]


Der Twalch, des -es, plur. car. in einigen gemeinen, besonders Niederdeutschen Mundarten, ein Nahme des Schwindelhafers oder Lolches, Lolium L. der in andern Gegenden Tewer, Dorten, Tausch, Taubkorn, in machen auch Trespe genannt wird. S. Dorten.


Twäre (W3) [Adelung]


Die Twäre, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Erdgrille, welche in andern Werre und Werle genannt wird. S. Erdgrille.


Tyger (W3) [Adelung]


Der Tyger, S. Tieger.


Tymf,Tympf (W3) [Adelung]


Der Tymf oder Tympf, des -es, plur. die -e, der Nahme einer Pohlnischen Silbermünze, welche auch in Schlesien gangbar ist, und daselbst 6 Silbergroschen oder 18 Pohln. Groschen gilt. Sie hat nach Lengnichs Pohln. Gesch. S. 274 den Nahmen von einem Münzmeister Tymf, der sie zuerst gepräget.


Tyne (W3) [Adelung]


Die Tyne, ein hölzernes Gefäß, S. Tiene.


Tyrann (W3) [Adelung]


Der Tyrann, des -en, plur. die -en. 1. Dem Ursprunge nach, ein jeder Landesherr, Landesfürst, besonders unabhängiger Fürst oder Herr, in welcher Bedeutung es aber im Deutschen nicht üblich ist, obgleich ungeschickte Übersetzer es oft da beyzubehalten pflegen, wo das Lateinische Tyrannus und Griechische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , in dieser Bedeutung vorkommen. 2. Ein Landesherr oder Fürst, welcher sich auf widerrechtliche Art der Herrschaft bemächtiget, sich zum Nachtheil des rechtmäßigen Herren zum Regenten aufgeworfen hat; eine im Deutschen um der Mißdeutung willen, gleichfalls seltene Bedeutung. Weil dergleichen Regenten gemeiniglich grausam und gewaltthätig zu regieren pflegen, so ist 3. im figürlichen Verstande der Tyrann, ein Regent, welcher seine Gewalt zur Grausamkeit und Gewaltthätigkeit mißbraucht; dergleichen Tyrannen die alte und neue Geschichte häufig genug auf- weisen hat. Nach einer noch weitern Figur ist Tyrann, 4. ein jeder, welcher grausam gegen andere verfähret, oder im hohen Grade hart und fühllos gegen das Übel anderer ist, ein Wütherich. In einigen Gegenden wird der Zaunkönig im Diminut. das Tyrannchen genannt. S. Goldhähnchen.

Anm. Es ist aus dem Griech. und Lat. Tyrannus, welches wieder von dem alten tor, tyr, groß, stark, mächtig, abzustammen scheinet. Ottfried gebraucht dafür Goteuuoto, wo die letzte Hälfte zu unsern wüthen gehöret. Am gewöhnlichsten wird dieses Wort von beyden Geschlechtern gebraucht, indessen hat doch Klopstock die Tyrannin gewagt, welches wenigstens erträglicher ist, als die Tyranne eines andern Schriftstellers.


Tyranney (W3) [Adelung]


Die Tyranney, plur. die -en, nur in den beyden letzten Bedeutungen des vorigen Wortes. 1. Der Mißbrauch seiner Stärke oder Gewalt zur Grausamkeit und Gewaltthätigkeit gegen andere und diese Fertigkeit; ohne Plural. Es wird so wohl von Regenten, als Privat-Personen gebraucht. 2. Einzelne Handlungen dieser Art, Grausamkeiten; in welcher Bedeutung es doch am wenigsten vorkommt. Es ist aus dem mittlern Lat. Tyrannia für Tyrannis. Kero gebraucht dafür Rihhidom und Rihchida.


Tyrannisch (W3) [Adelung]


Tyrannisch, -er, -te, adj. et adv. in der Tyranney gegründet, im hohen Grade gewaltthätig und grausam. Tyrannisch verfahren, regieren. Eine tyrannische That.


Tyrannisieren (W3) [Adelung]


Tyrannisieren, verb. reg. act. et neutr. im letzten Falle mit dem Hülfsworte haben, aus dem mittlern Lat. tyrannizare, tyrannisch verfahren. Ich habe mir nichts vorzuwerfen, als daß ich mich vom Anfange von ihnen so habe tyrannisieren lassen, Weiße.


Tyraß (W3) [Adelung]


Der Tyraß, S. Tiraß.


Tz (W3) [Adelung]


Tz, ein zusammen gesetzter Buchstab, welcher in der Reihe der Buchstaben gemeiniglich an das Ende verwiesen wird, ob er gleich, wenn man ihn ja mit aufführen wollte, gleich nach dem t stehen sollte. Vermuthlich wieß ihm das Vorurtheil, daß dieser Buchstab ein zz vorstelle, diesen Platz an, wodurch auch einige Neulinge sich verleiten lassen, statt dessen entweder ein zz oder auch nur ein ein- faches z zu schreiben. Das letzte ist offenbar wider die Aussprache, indem der vorher gehende geschärfte Vocal schlechterdings einen doppelten Mitlaut fordert; beyde Arten aber streiten wider den erweislichen Ursprung dieses Zeichens. Es ist in einzelnen Fällen sehr leicht zeigen, daß das dem t angehängte z aus einem s entstanden, und zwar in den meisten Fällen aus einem intensiven s, welches in Zeitwörtern in die intensive Endung -sen oder nach einem t in das härter -zen, im Nieders. -ten übergehet, daher auch alle Wörter, in welchen dieser Buchstab vorkommt, Intensiva sind. Platz, sitzen, setzen, hetzen, schwitzen, schützen, ritzen, Schatz, putzen u. s. f. zeigen sich bey einer nähern Untersuchung alle Mahl als Abkömmlinge eines ältern Plat, siten, seten, heten, schwiten u. s. f. welche durch das angehängte Zeichen der Intension s oder sen ihre gegenwärtige Gestalt erhalten haben. Man schlage die einzelnen Wörter nach, worin das tz vorkommt, so wird man davon überzeuget werden. Man würde die Aussprache und Ableitung beleidigen, und die Aufsuchung des Ursprunges erschweren, wenn man das tz verbannen oder es durch andere Zeichen ersetzen wollte, und bloß Unwissenheit der ersten Anfangsgründe der Abstammung Deutscher Wörter kann solche Neuerungen anrathen und vertheidigen. Es erhellet daraus zugleich, daß man da kein tz schreiben dürfe, wo sich der Laut nicht in t und s auflösen lässet; Hertzog, Frantzose, tantzen u. s. f. sind unrichtig, weil weder Aussprache noch Etymologie hier etwas von einem t wissen. Wenn die Alten statt tz cz schrieben, so war das c wohl ein übel gebildetes, oder vielleicht hegten sich auch die irrige Meinung, daß tz ein doppeltes z seyn solle, und daß man das erste um der Bequemlichkeit willen durch ein c ausdrucken könne. Die Niederdeutschen drucken die Intensiva statt des Oberdeutschen Zischers durch t und ten aus; daher heißt sitzen bey ihnen sitten, Schatz, Schatt u. s. f. in andern Wörtern aber, wo die Onomatopöie noch zu auffallend ist, haben sie auch das tz, wie in platzen, blitzen u. s. f. Die Holländer schreiben in allen solchen Fällen, wo ich nicht irre, ts, und sind dadurch dem Ursprunge dieses Schriftzeichens getreuer geblieben.


U

V

W

X

Y

Z