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DE Deutschland, Alemania, Allemagne, Germania, Germany
Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
W

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

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Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02

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V

W

[Adelung]

W (W3) [Adelung]


W, der drey und zwanzigste Buchstab des Deutschen Alphabets, und der achtzehnte unter den Consonanten oder Hauptlauten, welcher zu den Blaselauten gehöret, und zwar der weichste und sanfteste unter denselben ist, daher er eben den Laut hat, welchen die Franzosen, Italiäner und Ungarn dem v beylegen. Im Deutschen kann derselbe um dieses weichen Lautes Willen nur von einem Vocale stehen, wehen, weg, ewig, Löwe. Allein im Niederdeutschen findet man ihn auch vor einem r, wräcken, rächen, wringen, ringen, wriben, reiben u. s. f. welchem Beyspiele denn auch die Englische Sprache, als eine Tochter der Niederdeutschen, folgt. In allen diesen Fällen, wo das w vor einem r stehet, ist es ein müßiger Vorsatz, welcher bey Aufsuchung der Wurzel nicht in Betrachtung kommt. In den wenigen Fällen, wo die Hochdeutsche Mundart diesen Hauch ja behalten hat, da hat sie ihn in das s und b verwandelt: wrefeln, freveln, Wrack, Ausschuß, Brack. Daß das w aber auch in andern Fällen nicht wesentlich zur Wurzel gehöret, sondern allenfalls eine bloße Verstärkung des Tones ist, erhellet aus so vielen Wörtern in den verwandten Sprachen, die diesen Laut nicht haben; wie dem Schwed., Dän. und Isländ. ord, Deutsch Wort, dem Isländ. und Schwed. andra, wandern, dem Schwedischen ila, weilen, dem Gothischen aurt, Schwed. ört, Wurz, dem Schwed. önska, wünschen, und andere mehr. Man schließe indessen daraus nicht, daß das w überall bloß zufällig sey, und bey Aufsuchung der Wurzel eines Wortes allemahl weggeworfen werden könne. In den meisten Fällen ist es wesentlich, und bezeichnet eine eigene sehr merkliche Onomatopöie, wie in wehen, wegen, wiehern, wanken u. s. f. Ist diese Onomatopöie in hundert andern Fällen nicht mehr merklich, so rühret solches daher, weil die mehrmahls übergetragenen Bedeutungen die erste eigentliche verdunkelt und in Vergessenheit gebracht haben. Bey den alten Deutschen hatte dieser Buchstab einen Laut, welcher aus u und v zusammen gesetzt war, wie sich theils aus Ottfrieds Stelle in der Vorrede zu seinen, Evangelien vermuthen läßt: nam interdum tria u u u, ut puto, quaerit in sono, priores duo consonantes, ut mihi videtur, tertium vocalisono manente; theils aus der ehemahligen Art Frawe, schawen u. s. f. zu schreiben, welche letztern ohne Zweifel wie Frauwe, schauwen gesprochen wurden. In den spätern Zeiten, als Sitten und Aussprache, besonders in der Hochdeutschen Mundart, sich verfeinerten, ließ man unter mehrern andern Nebenlauten in den jetzt gedachten Fällen auch das w weg, und schrieb und sprach statt des rauhen uv ein bloßes u. Nur in dem Ew. der abstracten Ehrenwörter, für Euer, hat sich diese alte Schreibart noch erhalten. Zu diesen in den spätern Zeiten ausgemusterten müßigen Nebenlauten gehöret auch das h vor dem w, welches zu Anfange eines Wortes in den ältesten Mundarten so oft vorkommt; hwil, Welle, hwelcher, welcher; besonders in der Angelsächsischen, woraus nachmahls das wh der heutigen Englischen Sprache geworden ist. Einige gemeine Mundarten pflegen statt des w gern ein m zu sprechen: mir für wir, Mörsing für Wirsing.


Waage (W3) [Adelung]


Die Waage, S. Wage.


Waare (W3) [Adelung]


Die Waare, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine jede bewegliche leblose Sache, so fern sie ein Gegenstand des Handels ist, d. i. verkauft und gekauft wird. Am häufigsten gebraucht man es von solchen Gegenständen, welche durch die Kunst hervor gebracht sind. Hölzerne Waare, Eisenwaare, baumwollene, seidene Waaren. Aber auch oft von bloßen Erzeugnissen. Grüne Waare, Gartengewächse, als ein Gegenstand des Handels. In Westphalen heißen alle Erzeugnisse des Bodens Waare, daher man daselbst Erdwaare und Holzwaare hat. Sprichw. Jeder Kramer lobt seine Waare; gute Waare rühmt sich selbst; gute Worte verkaufen böse Waare.

Anm. Im Niederdeutschen und Englischen gleichfalls Ware, im Schwedischen und Isländischen wara. Die Abstammung und erste Bedeutung dieses vermuthlich sehr alten Wortes lässet sich nur errathen. Im Isländischen ist noch das Verbum werja, verkaufen, üblich. Das doppelte a ist nicht so wohl ein Zeichen der Dehnung, welches hier überflüssig scheinen könnte, weil der folgende einfache Consonant dieselbe schon hinlänglich bezeichnet, und da, wo sie noch besonders angedeutet werden soll, das h eingeführet ist; sondern vielmehr ein bloßes Hülfsmittel, diesem Worte, als dem Ausdrucke eines vollständigen sehr bestimmten Begriffes, ein wenig mehr Körper zu geben, welches besonders zu der Zeit nöthig scheinen konnte, da das e am Ende nur selten mit ausgedruckt wurde; die Waare für das ehemahlige die War. Jetzt, da das Ende e allgemein üblich ist, und dem Worte schon körperlichen Umfang genug gibt, könnte man es hier freylich eben so gut entbehren, als in Wage, und anderen ähnlichen.


Waarenlager (W3) [Adelung]


Das Waarenlager, des -s, plur. die -läger, ein Vorrath von Waaren zum künftigen Verkaufe, und der Ort, wo derselbe verwahret wird, auch nur das Lager schlechthin.


Wach (W3) [Adelung]


Wach, adj. et adv. im Stande des Wachens, wachend, nicht schlafend. Es ist als ein Adverbium am gewöhnlichsten. Wach seyn, wachen. Wach werden, erwachen. Sieht mich die Mitternacht bey meinem Sehrohr wach, So ahm' ich höchst vergnügt berühmten Männern nach, Haged. In der dichterischen Schreibart auch wohl als ein Adjectiv, welches aber keiner Comparation fähig ist: Dort, wo Cytherens waches Kind Den Schlaf vom Bette scheuchet, Musen-Alman. Was auch bey (in) wachen Stunden Ein deutscher, ja so gar ein Domherr ausgefunden, Haged. Anm. Im Niederdeutschen gleichfalls wach, wo es über dieß noch so wohl wachsam, als auch lebhaft, aufgebracht, bedeutet. Es ist das Stammwort einer zahlreichen Familie von Wörtern, wozu, außer den folgenden, besonders wacker gehöret, welches die intensive Form davon ist, so wie wach wieder eine Art eines Intensivi von weg in wegen, bewegen, zu seyn scheinet, so daß der Begriff der Bewegung in allen diesen Wörtern der herrschende ist. S. Wachen.


Wache (W3) [Adelung]


Die Wache, plur. die -n. 1. Der Zustand, da man wacht, doch nur im figürlichen Verstande, der Zustand, da man für die Sicherheit anderer wachet; ohne Plural. Es wird in dieser Bedeutung nur mit gewissen Verbis gebraucht, welche sich nicht mit andern vertauschen lassen. Wache halten. Ein alter Haushahn hielt auf einer Scheuer Wache, Haged. Die Wache haben, auf der Wache seyn. Wache stehen, elliptisch, für auf der Wache stehen, d. i. stehend Wache halten. Am häufigsten wird es im Kriegswesen gebraucht, da sich denn oft auch der Begriff des Ortes mit einmischet, obgleich die abstracte Bedeutung die herrschende ist. Auf die Wache ziehen, von der Wache kommen. 2. Personen, welche auf solche Art Wache halten, als ein Collectivum, auch wenn nur eine einzelne Person gemeint ist; am häufigsten im Kriegswesen. Die Wache ablösen, sie mag aus einer oder aus mehrern Personen bestehen. Wachen ausstellen. Jemanden die Wache geben, ihn wegen eines Vergehens von Soldaten bewachen lassen. Daher die Zusammensetzungen, Schildwache, Leibwache, Thorwache, Brandwache, Feldwache, Scharwache u. s. f. 3. Der Ort, wo Soldatenwache gehalten wird, und das für selbige bestimmte Gebäude. Auf die Wache, in die Wache gehen. Auf der Wache speisen. So auch die Thorwache, Hauptwache u. s. f.

Anm. Es ist vermittelst des abstracten e von dem vorigen Adverbio wach, oder auch von dem folgenden Verbo wachen, abgeleitet. Ehedem war dafür mit einer andern abstracten Ableitungssylbe Wacht üblich, schon bey dem Kero Wachtu, welches noch im Niederdeutschen und einigen gemeinen Mundarten gangbar ist, auch zuweilen noch in einigen Zusammensetzungen, z. B. Wachtmeister, vorkommt, ob sie gleich richtiger ohne t gebraucht werden. Um dieses alten Wacht Willen, welches unstreitig zu dem noch im Niederdeutschen üblichen wachten, warten, gehöret, wird es wahrscheinlich, daß in unserm Wache die Bedeutungen zweyer verschiedener Verborum zusammen geflossen sind, des Niederdeutschen wachten, warten, und des Hochdeutschen wachen. Es wird dieses auch dadurch bestätiget, daß die Niederdeutschen außer ihrem Wacht noch das Wort Wake haben, die Wache zu bezeichnen, welches von waken, wachen, abstammet.


Wächeln (W3) [Adelung]


Wächeln, verb. reg. welches nur in einigen Gegenden üblich ist, so wohl als ein Activum, die Lust gelinde bewegen, so wie das nahe verwandte fächeln. Sich wächeln, d. i. fächern, sich durch gelinde Bewegung der Luft abkühlen. Als auch als ein Neutrum, in eine solche gelinde Bewegung versetzt seyn. So sagt man in manchen Gegenden: die Stube wächelt vor Hitze, wenn die Luft in derselben vor Wärme gleichsam in eine gelinde Bewegung geräth.

Anm. Es ist intensive und zugleich verkleinernde Form von wehen, wegen in bewegen, und gehöret folglich mit fächeln zu einem zahlreichen Geschlechte von Wörtern, worin die Bewegung der Hauptbegriff ist, ( S. Wehen.) In Steiermark ist für wehen wacheln üblich.


Wachen (W3) [Adelung]


Wachen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben bekommt. Es bedeutet 1. eigentlich, sich in demjenigen Zustande des Bewußtseyns befinden, welcher dem Schlafen und Träumen entgegen gesetzt ist, d. i. sich in dem Zustande zusammen hängender klarer und deutlicher Vorstellungen befinden. Wachen und nicht schlafen. Besonders zu der zum Schlafen bestimmten Zeit. Bey jemanden wachen. Da es denn auch häufig den Accusativ der Zeit bekommt, ohne um deßwillen zu einem Activo zu werden. Eine Stunde, die ganze Nacht wachen. 2. Figürlich, ununterbrochene Sorge für etwas tragen. Für das Beste des Landes, für seine Ehre wachen. Die über alles wachende Vorsehung. So auch das Wachen, besonders in der ersten eigentlichen Bedeutung.

Anm. Im Ottfried, Tatian u. s. f. uuachen, im Niederdeutschen waken, im Englischen so wohl to wake, als to watch, im Schwed. vaka. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Verbum eine Art eines Intensivi von wegen in bewegen ist, indem der Stand des Wachens doch ein Stand der Bewegung, der Stand des Schlafens aber ein Stand der Ruhe ist. Bey dem Ottfried kommen noch zwey von wachen abgeleitete Verba vor, wachern und wachten, welche gleichfalls für wachen gebraucht wurden, und Intensiva und Reduplicativa davon sind. Unser wacker und das Niederdeutsche wachten, Wache halten, sind noch davon übrig. Auch das Lateinische vigilare ist nichts anders, als ein vermittelst der iterativen Endung el, il, von der alten Wurzelsylbe wach, weg, abgeleitetes Wort. Das Factitivum von wachen ist wecken. ( S. dasselbe.) Im Oberdeutschen wird auch wachen factitive gebraucht; wenigstens gebraucht Opitz erwachen und aufwachen active für erwecken und aufwecken.


Wachfeuer (W3) [Adelung]


Das Wachfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Feuer, welches auf der Wache stehende Personen anzünden, sich dabey zu wärmen.


Wachgeld (W3) [Adelung]


Das Wachgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1. Geld, welches man dem bezahlet, der die Nacht bey jemanden wachet. 2. Geld, welches jemand demjenigen bezahlet, der die Wache für ihn verrichtet; da es denn in manchen Städten eine Abgabe ist, welche die Bürger zur Unterhaltung der Lohnwächter oder Stadtsoldaten geben.


Wachhabend (W3) [Adelung]


Wachhabend, adj. eigentlich das Participium von der R. A. die Wache haben, eine nur im gemeinen Leben übliche Zusammenziehung. Der wachhabende Officier, welcher die Wache hat, auf der Wache ist.


Wachhaus (W3) [Adelung]


Das Wachhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus zum Behuf der Wache, auch nur die Wache schlechthin.


Wachholder (W3) [Adelung]


Der Wachholder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. der Nahme einer Art Nadelholzer, so gemeiniglich als ein Strauch, zuweilen auch als ein Baum, wächset, und gewürzartige Beeren trägt, Juniperus Linn. Daher der Wachholderbaum und der Wachholderstrauch, nachdem dieses Gewächs den Wuchs eines Baumes oder eines Strauches hat, obgleich für beyde auch nur Wachholder schlechthin üblich ist; die Wachholderbeere, das Wachholderöhl, das Öhl der Beeren; der Wachholdersaft, zu einem Muse eingekochte Wachholderbeeren; der Wachholderwein und Wachholderbranntwein; die Wachholderdrossel, der Krammetsvogel, ( S. dieses Wort.) Das Wachholderharz oder Sandarach, S. dieses Wort. Anm. Der Nahme dieses Gewächses ist zusammen gesetzt. Die letzte Hälfte Holder ist bekannt; es fragt sich nur, warum man gerade dieses Gewächs zu den Holdern gerechnet, ( S. Holunder,) indem Holder eigentlich einen hohlen Baum, oder einen Baum mit einer weiten Markröhre bedeutet, dergleichen sich, so viel ich weiß, an dem Wachholder nicht befindet. Die erste Hälfte ist unstreitig unser wach in der ältesten weitern Bedeutung, für lebhaft, lebendig, weil dieses Gewächs seine Nadeln nie verlieret, sondern das ganze Jahr hindurch grün bleibt, daher es unnöthig ist, mit Frischen das Wort von Queckholder abzuleiten, welchen Nahmen dieses Gewächs in andern Gegenden hat, und eine Verwandlung des q in das w anzunehmen. Wach und queck sind ursprünglich gleichbedeutend, folglich auch Wachholder und Queckholder. Da Holder, vollständiger Hohlunder, als eine Zusammensetzung von hohl und dem veralteten Der, Dru, Engl. tree, ein Baum, männlichen Geschlechts ist, so ist es auch der Wachholder, obgleich Luther es 1 Kön. 19, 4, 5 weiblich gebraucht, die Wachholder. Es ist merkwürdig, daß dieses Gewächs in den Deutschen Provinzen so verschiedene Nahmen hat, welche schwer zu erklären sind, und folglich von ihrem hohen Alterthume zeugen. In der Schweiz heißt es Reckholder, wo reck, als ein Intensivum von regen, mit wach und queck gleichbedeutend seyn kann; in Baiern und andern Oberdeutschen Gegenden Kronawet, Krammel, Krammetsbaum, ( S. dieses Wort;) in Schlesien Jachantel; im Bremischen und Osnabrückischen Wachandel; in dem letztern Lande auch Quäkelbusch, welches mit Queckholder gleichbedeutend ist; in Pommern Knirk, vermuthlich von dem Knirren und Prasseln, welches die dürren Zweige mit ihren Nadeln im Brennen machen; in Liefland und Preussen Kaddich, Kattich; in andern Gegenden Duxenbaum u. s. f.


Wachmeister (W3) [Adelung]


Der Wachmeister, oder nach alter Art Wachtmeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die nächste Aufsicht über die Wachen und Posten hat, wohin der Wachmeister bey den Stadtwächtern oder Stadtsoldaten gehöret. Bey den Feld-Truppen ist das Wort nur noch bey der Reiterey üblich, wo der Wachmeister ein Unter-Officier ist, welcher bey dem Fußvolke Sergeant heißt. Der Oberstwachmeister (bey dem Fußvolke der Major,) hat die Aufsicht über die Regimentswachen, so wie der General-Wachmeister über die Wachen einer Armee oder eines Corps.


Wachordnung (W3) [Adelung]


Die Wachordnung, plur. die -en, die Ordnung, nach welcher die Wachen zur Sicherheit verrichtet werden müssen.


Wach-Parade (W3) [Adelung]


Die Wach-Parade, plur. die -n, von dem Franz. Parade, bey den Truppen, der feyerliche Aufzug der Wache.


Wachposten (W3) [Adelung]


Der Wachposten, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Posten, welcher zur Wache an einen Ort gestellet wird.


Wachs (W3) [Adelung]


Der Wachs, des -es, plur. car. das jetzt für sich allein veraltete Substantivum von dem Verbo wachsen, wofür jetzt Wachsthum üblich ist. Es kommt nur noch in Mißwachs und in einer andern concreten Bedeutung in Zuwachs vor. Ehedem war es aber auch für sich allein gangbar. Gemeinen Nutz zu Wachs und Mehrung, heißt es in dem Spiegel der Rhetorik von 1509.


Wachs (W3) [Adelung]


Das Wachs, des -es, plur. inus. außer allenfalls von mehrern Arten, die -e, das auf eigene Art harzige oder öhlige Wesen, woraus die Bienen ihr Gewirk bilden, und dieses am Feuer zerlassene oder geläuterte Gewirk. Weißes, gelbes Wachs. So weiß wie Wachs; so gelb wie Wachs. In Wachs drucken. In Wachs bossiren. In einigen Fällen auch ein Compositum, worin Wachs der vornehmste Bestandtheil ist, wie in Bartwachs, Schuhwachs, Siegelwachs. Zuweilen auch ein dem Wachse ähnlicher Körper, wie in Erdwachs.

Anm. Schon im Willeram Vuahs, im Niederdeutschen Waß, im Engl. und Schwed. wax, im Sclavon. work. Es ist noch nicht ausgemacht, ob dieses Wort Sclavonischen Ursprungs, und mit der ganzen Bienenpflege aus den Pohlnischen und Russischen Wäldern zu unsern Vorfahren gekommen, oder ob es von weich, oder wachsen, oder auch einem andern ähnlichen Stamme entsprungen.


Wachsam (W3) [Adelung]


Wachsam, -er, -ste, adj. et adv. welches mehr in der figürlichen als eigentlichen Bedeutung des Wortes wachen üblich ist; ununterbrochene Sorge für die Sicherheit anderer tragend, und darin gegründet. Ein wachsamer Hund. Wachsame Soldaten. Der Mensch hat an seinem Gesichte den wachsamsten Hüther wider die Gefahren des Lebens, Gell. In noch weiterer Bedeutung, ununterbrochene Aufsicht über und Sorge für etwas an den Tag legend, und darin gegründet. Ein wachsames Auge auf etwas haben. Auch die wachsamsten werden betrogen.


Wachsamkeit (W3) [Adelung]


Die Wachsamkeit, plur. car. der Zustand, die Fertigkeit, da man wachsam ist, in den vorigen Bedeutungen.


Wachsband (W3) [Adelung]


Das Wachsband, des -es, plur. die -bänder. 1. Arten von Bändern, womit die Bienen das Gewirk an den Wänden und Sprießeln befestigen; auch Wachshaken. 2. Auf den Wachsbleichen, das gebänderte, d. i. zu Bändern gegossene Wachs. S. Bändern.


Wachsbank (W3) [Adelung]


Die Wachsbank, plur. die -bänke. 1. Eine Bank, worauf man Wachs bearbeitet, u. s. f. 2. In dem Vitriol-Werke zu Schwarzenberg in Sachsen wird der Satzkasten, d. i. das hölzerne Gefäß, worin sich die Lange krystallisiret, die Wachsbank genannt; wo aber die erste Hälfte von dem Verbo wachsen ist, weil hier der Vitriol gleichsam wächset.


Wachsbeule (W3) [Adelung]


Die Wachsbeule, plur. die -n, von dem Verbo wachsen, Beulen oder Drüsen, welche Knaben von zwölf Jahren oft an den weichen Schamseiten bekommen, wenn sie stark wachsen, und welche von sich selbst wieder vergehen; auch Wachsdrüsen.


Wachsbaum (W3) [Adelung]


Der Wachsbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Amerikanischer Baum, dessen Beeren ein dem Wachse ähnliches Fett enthalten, woraus man daselbst Kerzen oder Lichter macht; Myrica cerifera Linn. S. auch Kerzenbeere.


Wachsbild (W3) [Adelung]


Das Wachsbild, des -es, plur. die -er, ein aus Wachs bossirtes Bild.


Wachsbirn (W3) [Adelung]


Die Wachsbirn, plur. die -en, eine Art wachsgelber und rother, ziemlich großer Birnen, mit einem milden, schmelzenden Fleische, welche im October reift.


Wachsblatt (W3) [Adelung]


Das Wachsblatt, des -es, plur. die -blätter, in der Bienenzucht, die ledigen Scheiben in einem Bienenstocke.


Wachsbleiche (W3) [Adelung]


Die Wachsbleiche, plur. die -n, eine Anstalt, wo man das Wachs an der Luft und Sonne bleicht, und der Ort, wo solches geschiehet. Daher der Wachsbleicher, der dieses Bleichen verrichtet, einer solchen Anstalt vorgesetzet ist.


Wachsblume (W3) [Adelung]


Die Wachsblume, plur. die -n. 1. Eine aus Wachs bossirte Blume. 2. Der Nahme einer Pflanze, deren Blumen aussehen, als wenn sie aus Wachs bossiret wären, Cerinthe L.


Wachsboden (W3) [Adelung]


Der Wachsboden, des -s, plur. die -böden, ein rundes Stück Wachs, welches die Gestalt des Bodens der hölzernen Schüsseln hat, worein es gegossen worden; ein Boden Wachs. Siehe Boden.


Wachs-Bossirer (W3) [Adelung]


Der Wachs-Bossirer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher Fertigkeit besitzet, in Wachs zu bossiren.


Wachschiff (W3) [Adelung]


Das Wachschiff, des -es, plur. die -e, ein jedes Schiff, welches zur Wache auf einem Posten stehet, im Niederdeutschen Utligger, d. i. Auslieger.


Wachschreiber (W3) [Adelung]


Der Wachschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Städten ein Schreiber, welcher die Aufsicht über die Bürgerwachen hat.


Wachsdrüse (W3) [Adelung]


Die Wachsdrüse, plur. die -n, in der Mineralogie, eine Art Blätterdrusen, deren Blätter die Gestalt des Wachses haben.


Wachsdruse (W3) [Adelung]


Die Wachsdruse, plur. die -n, S. Wachsbeule.


Wachsen (W3) [Adelung]


Wachsen, verb. irreg. neutr. Präs. ich wachse, du wächsest, er wächset; Imperf. ich wuchs, Particip. gewachsen. Es bekommt das Hülfswort seyn, und bedeutet: 1. durch Ansetzung neuer Theile von innen größer werden; eigentlich von Thieren und Pflanzen, im weitern Verstande aber auch von dem Entstehen oder der Erzeugung der Mineralien. Thiere, Pflanzen wachsen; die Haare, den Bart, die Nägel wachsen lassen. Krumm, gerade wachsen. Um einen halben Kopf gewachsen seyn. Noch im Wachsen seyn. In die Höhe, in die Breite, in die Dicke, in die Länge wachsen. Wenn die Art der Ausdehnung nicht beygefüget wird, so verstehet man wachsen allemahl von der Ausdehnung in die Länge. Der Baum ist zwanzig Ellen hoch gewachsen. Der Baum wächset in das Holz, wenn er mehr in die Dicke, als in die Länge wächset. Eine Pflanze wächset in das Kraut, wenn sie viele Blätter treibet. Wohl gewachsen, vortheilhaft gewachsen seyn, einen guten Wachs haben. Das wächset mir in die Hand, wenn ich es selbst erzeuget habe. Dahin auch einige figürliche Arten des Ausdruckes. Gras wachsen hören, überklug seyn. Das ist auf seinem Miste nicht gewachsen, in den niedrigen Sprecharten, das hat er nicht erfunden, hat er nicht von sich selbst. Die Bissen wachsen mir vor Wehmuth in dem Munde, Günth. Einem zu Kopfe wachsen, eigentlich ihm an Leibeshöhe gleich kommen, am häufigsten figürlich, ihm an Einsicht, Stärke, Muth u. s. f. gleich kommen. Daher ferner, einem gewachsen seyn, ihm an Vermögen, Stärke, Muth, Einsicht u. s. f. gleich kommen; einer Sache gewachsen seyn, die nöthigen Fähigkeiten zu derselben haben, ( S. Gewachsen.) Es ist ihm an das Herz gewachsen, er liebt es sehr. 2. In weiterer Bedeutung, erzeuget werden, fortkommen, von Pflanzen und Gewächsen. Am Rhein wächset guter Wein. Das Getreide wächset nicht überall. Manches Kraut wächset auf Bergen, in Ebenen, in Sümpfen, im Wasser u. s. f. 3. Figürlich. (1) An Umfang der Theile zunehmen, größer werden. Das Wasser ist sehr gewachsen, wenn es sich vermehret hat. Der Mond wächset, ist im Wachsen, wenn er zunimmt, d. i. wenn seine helle Scheibe dem Gesichte nach größer wird. Das Buch wächst mir unter den Händen. Sein Vermögen wächst mit jedem Tage. (2) An innerer Stärke zunehmen. Ihm wächst der Muth. Das Verlangen, die Begierde, die Leidenschaft wächst mit den Jahren. Die Krankheit wächst. Je mehr wir die Unzulänglichkeit oder das Nichts unserer Kräfte einsehen, desto mehr wird unsere Demuth wachsen, Gell. (3) In einer Sache zunehmen, von Personen, da denn die Sache die Präposition an bekommt. An Tugend, an Einsicht, am Verstande, an Bosheit wachsen. So auch das Wachsen. S. auch Wachsthum und Wuchs.

Anm. Schon bey dem Ottfried, Willeram u. s. f. uuahsan, bey dem Ulphilas wahsjan, im Angels. weaxan, im Niederdeutschen wassen, im Schwed. växa, im Isländ. waxa. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, kommt so wohl in dem Laute, als in der Bedeutung, damit überein, so wie das Lat. augeri, auxi. Erwäget man, daß die Endsylbe sen eine intensive oder reduplicative Form andeutet, so wird es wahrscheinlich, daß die Wurzelsylbe wach, mir weg in bewegen gleichbedeutend ist, so daß der Begriff der Bewegung zu dem Begriffe des Wachsens Anlaß gegeben. Im Niederdeutschen hat man für wachsen auch das Verbum groyen, welches mit dem Engl. to grow, überein kommt.


Wächsern (W3) [Adelung]


Wächsern, adj. et adv. aus Wachs bereitet. Ein wächsernes Bild. In welcher eigentlichen Bedeutung es doch im Hochdeutschen selten ist, indem man dafür entweder die Composita mit Wachs, gebraucht, Wachsbild, Wachsblume, Wachspuppe, Wachslicht, oder auch umschreibet, Bilder von Wachs. Am üblichsten ist es im gemeinen Leben im figürlichen Verstande, wo man eine Sache eine wächserne Nase nennt, oder sie mit einer wächsernen Nase vergleicht, wenn man sie nach eigener Willkühr auslegen und erklären kann, oder doch so auszulegen sucht. Dem Texte eine wächserne Nase andrehen, ihn nach eigenem Gefallen auslegen. Jemanden eine wächserne Nase andrehen, ihn eine Unwahrheit glauben machen. S. auch Wachsnase.

Anm. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist dafür wächsen, mit einer andern Endsylbe, so wie im Niederdeutschen wassen üblich.


Wachsfackel (W3) [Adelung]


Die Wachsfackel, plur. die -n, eine Fackel, welche zum Theil aus Wachs verfertiget ist, zum Unterschiede von einer Pechfackel.


Wachsfarbe (W3) [Adelung]


Die Wachsfarbe, plur. die -n. 1. Die gelbe Farbe des Wachses; ohne Plural. 2. Ein Farbenkörper, welcher mit Wachs aufgetragen, oder zur Wachs mahlerey gebraucht wird, wo der Plural nur von mehrern Arten üblich ist.


Wachsfarbig (W3) [Adelung]


Wachsfarbig, adj. et adv. der gelben Farbe des Wachses gleich.


Wachsform (W3) [Adelung]


Die Wachsform, plur. die -en, eine Form, Wachsbilder darin abzudrucken.


Wachsgefäß (W3) [Adelung]


Das Wachsgefäß, des -es, plur. die -e, von dem Verbo wachsen, in den Salpeterhütten, Gefäße, worein die Salpeterlauge zum Wachsen, d. i. Krystallisiren, geschüttet wird; der Wachskasten.


Wachsgelb (W3) [Adelung]


Wachsgelb, adj. et adv. so gelb wie Wachs.


Wachsgeld (W3) [Adelung]


Wachsgeld, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, Geld, welches zum Ankaufe geweihter Wachskerzen bestimmt ist: in welchem Falle das Wachsgeld noch bey einigen Handwerken eine Art der Geldstrafe ist.


Wachshaken (W3) [Adelung]


Der Wachshaken, des -s, plur. ut nom. sing. S. Wachsband.


Wachshändler (W3) [Adelung]


Der Wachshändler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Wachshändlerinn, eine Person, welche mit Wachs handelt; auch Wachskrämer, Wachskrämerinn.


Wachskasten (W3) [Adelung]


Der Wachskasten, des -s, plur. ut nom. sing. S. Wachsgefäß.


Wachskerze (W3) [Adelung]


Die Wachskerze, plur. die -n, eine aus Wachs bereitete Kerze, ( S. Kerze.) In einigen Oberdeutschen Gegenden hat man davon das Substantivum Wachskerzler, derjenige, welche Wachskerzen auf den Verkauf verfertiget.


Wachskuchen (W3) [Adelung]


Der Wachskuchen, des -s, plur. ut nom. sing. ausgepreßte Honigwaben, in Gestalt eines Kuchens.


Wachslampe (W3) [Adelung]


Die Wachslampe, plur. die -n, eine Lampe, in welcher Wachs start des Ohls gebrannt wird.


Wachslappen (W3) [Adelung]


Der Wachslappen, des -s, plur. ut nom. sing. ein durch flüssiges Wachs gezogener Lappen, das Hausgeräth damit zu bohnen; der Bohnlappen.


Wachsleinwand (W3) [Adelung]


Die Wachsleinwand, plur. car. eine mit einem Öhlfirniß überzogene, und oft mit allerley Figuren bemahlte Leinwand; in Niederdeutschland Wachstuch. Da jetzt kein Wachs dieser Leinwand gebraucht wird, so scheinet es, daß die erste einfachste Art derselben bloß mit Wachs überzogen worden, um sie dadurch wasserdicht zu machen. Daher Wachsleinwand-Fabrik, Wachsleinwand-Tapete u. s. f.


Wachslicht (W3) [Adelung]


Das Wachslicht, des -es, plur. die -e, ein aus Wachs verfertigtes Licht.


Wachsmahlerey (W3) [Adelung]


Die Wachsmahlerey, plur. car. die Kunst mit dem auf besondere Art zubereiteten Wachse zu mahlen. Diese erst in den neuesten Zeiten wieder in Ausübung gebrachte Kunst, hat man auch wohl, obgleich sehr uneigentlich, die Enkaustik, und das dazu bereitete Wachs Punisches oder Eleodorisches Wachs genannt.


Wachsmehl (W3) [Adelung]


Das Wachsmehl, des -es, plur. car. derjenige Samenstaub der Blumen, welchen die Bienen eintragen, und zu ihrer Nahrung gebrauchen, daher er auch Bienenbrot genannt wird.


Wachsmilbe (W3) [Adelung]


Die Wachsmilbe, plur. die -n, eine Art Milben, welche das Wachs zernagen; auch Wachsschaben.


Wachsmotte (W3) [Adelung]


Die Wachsmotte, plur. die -n, eine Art Motten, deren Eyer von ihren Schmetterlingen in die Bienenstöcke geleget werden, auch Bienenmotte; Phalaena cereana Linn.


Wachsnase (W3) [Adelung]


Die Wachsnase, plur. die -n, eine wächferne Nase, am häufigsten in der figürlichen Bedeutung dieses Ausdruckes, eine Sache, die ein jeder nach Belieben drehen und auslegen kann. S. Wächsern.


Wachsöhl (W3) [Adelung]


Das Wachsöhl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, aus Wachs destillirtes Öhl.


Wachsperle (W3) [Adelung]


Die Wachsperle, plur. die -n, unechte, aus weißen Wachs gemachte und mit Fischleim überzogene Perlen.


Wachspflichtig (W3) [Adelung]


Wachspflichtig, adj. et adv. 1. Von Wachs, cera, verbunden, einen gewissen Zins an Wachs, ober Wachszins der Kirche zu entrichten; im mittlern Lateine Cerocensualis. 2. Von Wachs, Gewächs, ist wachspflichtig in den Urkunden einiger Gegenden so viel als leibeigen, glebae adscriptus, Nieders. waßrinsig. S. das Brem. Nieders. Wörterb. Th. 5, S. 204.


Wachsplatz (W3) [Adelung]


Der Wachsplatz, des -es, plur. die -plätze, bey den Brauern einiger Gegenden, derjenige Platz, wo da zum Malze eingeweichte Getreide auswachsen oder keinem muß.


Wachs-Pomade (W3) [Adelung]


Die Wachs-Pomade, plur. die -n, eine Pomade aus Wachs, Talg und wohlriechendem Öhle.


Wachspresse (W3) [Adelung]


Die Wachspresse, plur. die -n, eine Presse, das rohe Wachs damit von seinen Unreinigkeiten zu befreyen.


Wachsschabe (W3) [Adelung]


Die Wachsschabe, plur. die -n, S. Wachsmilbe.


Wachsschere (W3) [Adelung]


Die Wachsschere, plur. die -n, ein Werkzeug, einen Wachsstock daran zu winden, so daß das brennende Ende vermittelst einer metallenen Schere von dem übrigen abgesondert ist.


Wachsscheibe (W3) [Adelung]


Die Wachsscheibe, plur. die -n, das scheibenförmige Gewirk von Wachs in einem Bienenstocke, S. Wabe.


Wachsschläger (W3) [Adelung]


Der Wachsschläger, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher das in den bereits ausgepreßten Hülsen des Wachses noch befindliche Wachs durch Pressen und Schlagen völlig heraus zu bringen weiß.


Wachsseife (W3) [Adelung]


Die Wachsseife, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine aus Wachs bereitete Seife, dergleichen z. B. diejenige ist, welche ein Franzose Nahmens Bachelier, zu Reinigung der Gemählde erfunden hat.


Wachsstock (W3) [Adelung]


Der Wachsstock, des -es, plur. die -stöcke. 1. Ein langer dünner mit Wachs überzogener Faden, welcher zu einem Stock- oder Cylinder aufgewickelt, oder auch um eine Wachsschere gewunden wird; im mittlern Lat. Cereostata. 2. Nach einer niedrigen Figur, ein einfältiger Mensch.


Wachstafel (W3) [Adelung]


Die Wachstafel, plur. die -n. 1. Das einer Tafel ähnliche wächserne Gewirk der Bienen in dem Bienenstocke, die Wachsscheibe u. s. f. ( S. Wabe.) 2. Eine mit Wachs überzogene Tafel, dergleichen z. B. diejenigen waren, worauf die Alten zu schreiben pflegten.


Wachstein (W3) [Adelung]


Der Wachstein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, in dem Bergbaue einiger Gegenden, eine Art Eisenstein, welche auf hohen Gebirgen unmittelbar unter der Dammerde angetroffen wird. Wach ist hier vermuthlich mit Wabe gleichbedeutend oder doch verwandt, S. dieses Wort.


Wachsthum (W3) [Adelung]


Der Wachsthum, des -es, plur. car. der Zustand, da etwas wächset oder gewachsen ist, so wohl im eigentlichen als figürlichen Verstande; zum Unterschiede von Wuchs, welches die Art und Weise des Wachsens bezeichnet: Wärme befördert den Wachsthum der Gewächse. Einen schnellen Wachsthum haben, schnell wachsen. Zum Wachsthum im Guten gelangen. Das männliche Geschlecht ist bey diesem Worte im Hochdeutschen das gewöhnlichste, dagegen in andern Gegenden das sächliche üblich ist, das Wachsthum, S. -thum.


Wachstuch (W3) [Adelung]


Das Wachstuch, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -tücher, S. Wachsleinwand.


Wachstube (W3) [Adelung]


Die Wachstube, plur. die -n, die Stube, worin sich eine Wache aufhält, befindet.


Wachswinde (W3) [Adelung]


Die Wachswinde, plur. die -n, die Hülsen von dem ausgepreßten Wachse, nachdem sie in Ballen zusammen gedrücket worden. Allem Ansehen nach sollte das Wort eigentlich Wachsbinde lauten, indem diese Hülsen zunächst aus den zähen schwarzbraunen Wachsbinden oder Vorstoß bestehen, womit die Bienen ihren Bau an den Seiten der Körbe befestigen.


Wachszieher (W3) [Adelung]


Der Wachszieher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Wachszieherinn, eine Person, welche Wachsstöcke ziehet, und daraus ein Gewerbe macht.


Wachszins (W3) [Adelung]


Der Wachszins, des -es, plur. die -en, Zins, welcher in Wachs entrichtet wird, dergleichen Zinsen in katholischen Gegenden häufig sind, die Beleuchtung der Kirche damit zu bestreiten.


Wacht (W3) [Adelung]


Die Wacht, am Wagen, S. Wage.


Wacht (W3) [Adelung]


Die Wacht, von dem Verbo wachen. S. Wache.


Wachtel (W3) [Adelung]


Die Wachtel, plur. die -n, Diminut. das Wachtelchen, der Nahme eines Zugvogels, welcher sich den Sommer über in dem Getreide aufhält, und wegen seiner Stimme oder wegen seines Schlages merkwürdig ist. Die Wachtel schlägt, wenn sie ihre Stimme hören läßt, welches kein Singen genannt werden kann.

Anm. Im Dänischen gleichfalls Wachtel, im Norwegischen Vachtel, im Schwed. Vaktel. Man könnte dieses Wort mit Wachtern von dem Niederdeutschen wachten, wachen, ableiten, weil dieser Vogel auch zur Nachtzeit schläget; allein es ist wahr scheinlicher, daß sein Nahme eine Nachahmung eines Theiles seines Schlages ist, indem dessen Nahmen in andern Sprachen und Mundarten auf ähnliche Art erkläret werden müssen; wohin das Niederdeutsche Quakel und Kutjeblik, das Engl. Quail, Franz. Caille, Ital. Quaglia, Span. Coalla, das mittlere Lat. zu Carls des Großen Zeit übliche Quacara, und selbst das Lat. Coturnix gehören. In einigen Oberdeutschen Gegenden werden die Wachteln Ohrhühner genannt.


Wachtelfang (W3) [Adelung]


Der Wachtelfang, des -s, plur. die -fänge, der Fang der Wachteln mit Netzen.


Wachtelfänger (W3) [Adelung]


Der Wachtelfänger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Jäger, welcher sich vorzüglich mit dem Wachtelfange beschäftiget.


Wachtelgarn (W3) [Adelung]


Das Wachtelgarn, des -es, plur. die -e, ein niedriges Garn oder Netz, kleine Vögel, und besonders Wachteln, damit zu fangen, das Wachtelnetz, Steckgarn.


Wachtelhund (W3) [Adelung]


Der Wachtelhund, des -es, plur. die -e, eine Art Hunde, welche dazu abgerichtet sind, den Wachteln und Repphühnern so lange vorzustehen, bis sie gefangen oder geschossen werden; der Hühnerhund.


Wachtelkönig (W3) [Adelung]


Der Wachtelkönig, des -es, plur. die -e, eine Art Sumpfvögel oder so genannter Strandläufer, welcher zu dem Geschlechte der Rallen gehöret, mit den Wachteln aber nichts gemein hat, außer daß er ihr Führer und Wegweiser auf ihren Zügen seyn soll; eine schon alte Überlieferung, welche vermuthlich auch den Griechischen Nahmen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, d. i. Wachtelmutter, veranlasset hat; Crex Linn. Wegen seiner sonderbaren Stimme, welche dem Geschrey eines Laubfrosches gleicht, hat er in den Provinzen mancherley Nahmen, z. B. Schecke, Schryck, Schrecke, Schnerf, Heckschnarre, Wiesenknarre, Tauschnarre, Rall, Grall, Großel, Kreßler, Akerrire, Mattkern u. s. f. wohin auch der Latein. Nahme Crex gehöret, der eine unläugbare Nachahmung seines Geschreyes kretz! kretz! ist. Wegen seines Aufenthaltes wird er auch Grashuhn, Grasläufer, ingleichen Wiesenläufer genannt.


Wachtelnetz (W3) [Adelung]


Das Wachtelnetz, des -es, plur. die -e, S. Wachtelgarn.


Wachtelpfeife (W3) [Adelung]


Die Wachtelpfeife, plur. die -n, eine Lockpfeife, den Ruf der Wachteln damit nachzuahmen; der Wachtelruf.


Wachtelruf (W3) [Adelung]


Der Wachtelruf, des -es, plur. doch nur in der zweyten Bedeutung, die -e. 1. Der Laut, womit die Wachteln einander rufen. 2. Ein Werkzeug, diesen Laut nachzuahmen; die Wachtelpfeife.


Wachtelweitzen (W3) [Adelung]


Der Wachtelweitzen, des -s, plur. inus. eine Art des Kuhweitzens, Melampyrum arvense Linn.


Wächter (W3) [Adelung]


Der Wächter, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine Person, welche zur Sicherheit oder Bequemlichkeit anderer wacht, Fämin. die Wächterinn. 2. In manchen Fällen auch ein Theil einer Maschine, welcher dazu bestimmt ist, in gewissen Fällen das verlangte Zeichen zu geben. So ist der Wächter, oder wie er auch wohl genannt wird, der Wecker, ein Hammer an den Kunstgezeugen in den Bergwerken, welcher nach Bewegung des Kunstrades auf einen klingenden Körper schlägt, die Geschwindigkeit des Rades daran zu erkennen. Auf den Glashütten ist der Wächter oder das Wächterstück, eine Probescheibe, das Feuer darnach zu verstärken oder zu vermindern. Bey den Färbern ist es eine kleine Scheibe von Holz mit einem Läppchen, die Farbe in der Blauküpe damit zu versuchen, welche auch der Stahl genannt wird, u. s. f.

Anm. Beym Willeram Wahtar, und mit einer andern, aber ähnlichen, Ableitungssylbe bey eben demselben Wahtel. Es ist von dem alten Verbo wachten, wachen und warten, welches noch im Niederdeutschen gangbar ist.


Wächtergeld (W3) [Adelung]


Das Wächtergeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, Geld, welches zur Bezahlung eines oder mehrerer Wächter bestimmt ist; in manchen Fällen auch Wachgeld.


Wächterstück (W3) [Adelung]


Das Wächterstück, des -es, plur. die -e, S. Wächter 2.


Wachthaus (W3) [Adelung]


Das Wachthaus, Wachtschiff u. s. f. Siehe in Wach -


Wachtthurm (W3) [Adelung]


Der Wachtthurm, des -es, plur. die -thürme, ein Thurm, Wache darauf zu halten, in manchen Fällen auch eine Warte.


Wackelhaft (W3) [Adelung]


Wackelhaft, -er, -este, adj. et adv. so beschaffen, daß es wackelt.


Wackelig (W3) [Adelung]


Wackelig, -er, -ste, adj. et adv. wie das vorige; doch am häufigsten im gemeinen Leben. Die Ableitungssylbe ist hier ig, nicht lich, weil es sonst wackelich lauten müßte, auch nicht icht, weil wackelicht nur dem Wackeln ähnlich bedeuten würde.


Wackeln (W3) [Adelung]


Wackeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben bekommt. 1. Sich aus Mangel der nöthigen Festigkeit oft hin und her bewegen lassen. Der Tisch wackelt, wenn er nicht fest stehet; der Zahn, wenn er locker ist. Figürlich im gemeinen Leben, sich wackelnd oder gleichsam wackelnd fort bewegen. Im Gehen wackeln, wie die Anten. Mitwackeln, mitgehen. Er wackelte auf seiner Mähre fort. 2. Mit etwas wackeln, es wackelnd bewegen. Mit dem Kopfe, mit den Füßen, mit dem Tische wackeln. An etwas wackeln, es wackelnd zu bewegen suchen. So auch das Wackeln.

Anm. Die Form gibt es schon, daß dieses Verbum zugleich ein Intensivum und Iterativum, und, wenn man will, auch gewisser Maßen ein Diminutivum ist, welches eine oft wiederhohlte, starke, aber jedes Mahl kurze Bewegung bezeichnet, wodurch es sich von den verwandten wanken und schwanken unterscheidet. Diese Begriffe liegen theils in der Ableitungssylbe el, theils in dem doppelt verstärkten Gaumenlaute ck; vermittelst deren es ein Abkömmling von wegen in bewegen ist. In dem Buche der Natur, Augsburg 1482, kommt dafür noch das einfachere wagen vor, wem dann die Zen wagent, wem dann die Zähne wackeln; welches auch noch im Engl. to wag, wackeln, übrig ist. Im Niederdeutschen ist dafür wiggeln und wrackeln üblich. Das Latein. vacillare ist mit unserm wackeln genau verwandt.


Wacker (W3) [Adelung]


Wacker, -er, -ste, adj. et adv. 1. Wach, d. i. nicht schlafend, munter; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, welche noch in einigen Niederdeutschen Gegenden üblich ist, wo man sagt, jemand sey schon wacker, wenn er schon munter ist, d. i. nicht mehr schläft. 2. Wachsam; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher uuakar schon bey dem Ottfried vorkommt. Zu dieser und der vorigen Bedeutung gehören auch die biblischen Stellen: Da wurde seine Augen wacker, 1 Sam. 14, 27; Laß deine Augen wacker seyn, Sprichw. 20, 13; so seyd nun wacker allezeit und bethet, Luc. 21, 36. 3. Lebhaft, stark, einen gewissen Grad der Intension zu bezeichnen; am häufigsten in der vertraulichen Sprechart, und als ein Adverbium. Wacker fluchen, spielen, zechen, tanzen u. s. f. Er ist wacker abgetrumpfet worden. Jemanden wacker ausprügeln. 4. In seinem Berufe thätig. Ein wackeres Pferd, ein munteres, lebhaftes und gesundes. Ein wackerer Mann, der seine Pflichten mit Munterkeit und Thätigkeit erfüllet. O wie vielen wackern Leuten werde ich dafür Gutes thun können! Gell. Sich wacker halten. Anm. Es ist vermöge des ck eine intensive Form von wach. Bey dem Ottfried ist uuachoron, wachen, und bey dem Notker uuachero, frühe. Das Niederdeutsche wacker und Schwed. vacker bedeuten außer dem noch schön, in welcher Bedeutung es mit dem Angels. faeger, und Schwed. fager, schön, überein zu stimmen scheinet; obgleich auch diese Bedeutung als eine Figur von wach, munter, lebhaft, angesehen werden könnte.


Waddick (W3) [Adelung]


Die Waddick, plur. car. ein besonderes Niederdeutsches Provinzial-Wort, den abgeschiedenen wässerigen Theil der Milch, d. i. die Molken, zu bezeichnen, welche in Oberdeutschland Schotten und Zieger heißen. Vielleicht von dem Niederd. Water, Wasser. Einige weiche Mundarten, z. B. die Friesische, verkürzen es in Weye, womit das Engl. whey überein kommt.


Wade (W3) [Adelung]


Die Wade, plur. die -n, Diminut. das Wädchen, der hervor ragende muskulöse oder fleischige Theil an der hintern Seite des Schienbeines. Starke, schwache Waden haben.

Anm. Schon bey dem Raban Maurus uuado. Das Wort ist, so viel ich weiß, in allen Deutschen Mundarten üblich, woraus dessen hohes Alter erhellet, daher sich auch die Abstammung schwerlich mit Gewißheit wird angeben lassen, zumahl da es im Deutschen keine bestimmt bekannte Geschlechtsverwandte hat, denn daß es von dem alten waden, gehen, Lat. vadere, ( S. Waten) abstammen sollte, ist sehr unwahrscheinlich, weil dabey die Frage unbeantwortlich bleibt, warum gerade dieser Theil des Fußes, der bey dem Gehen am wenigsten in Betrachtung kommt, von der vornehmsten Bestimmung desselben bekannt seyn sollte. Da im Schwed. Vade nicht allein die Wade, sondern ursprünglich auch jeden fleischigen Theil des Leibes bedeutet, so ist es wahrscheinlicher, daß der Grund der Benennung in der hervor ragenden fleischigen Beschaffenheit zu suchen ist. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Wad, und im Österreichischen ist dafür der Wadel üblich.


Wadel (W3) [Adelung]


1. Der Wadel, ein Schweif, Schwanz, S. Wedel.


Wadel (W3) [Adelung]


2. * Der Wadel, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen unbekanntes und nur in einigen, besonders Niederdeutschen Provinzen, übliches Wort, die Zeit des Vollmondes zu bezeichnen, da es denn nach Niederdeutscher Art oft in Waal zusammen gezogen wird. Es ist Wadel, der Mond ist voll. Hernach wird auch die beste Zeit, Holz zu fällen, der Wadel, oder die Wadelzeit, genannt, vermuthlich weil sie in die Zeit des Vollmondes fällt, ( S. Holzwadel.) Wenn erweislich ware, daß jede Mondswandelung, oder scheinbare Ab- und Zunahme des Mondenlichtes, der Wadel genannt würde, so würde man das Wort von wandeln, sich verändern, herleiten können. Da es aber, wie es scheint, nur auf die Zeit des Vollmondes eingeschränkt ist, so scheint der Begriff der Fülle der herrschende zu seyn, da es denn mit Wade zu Einem Geschlechte gehören würde.


Wadelbirn (W3) [Adelung]


Die Wadelbirn, plur. die -en, eine Art gelber, saftiger, aber sehr herber Birnen, welche nur zum Braten tauglich ist; Kannenbirn, Ritterbirn, Mäusebirn, Strengling.


Waden (W3) [Adelung]


Waden, im Wasser gehen, S. Waten.


Wadenader (W3) [Adelung]


Die Wadenader, plur. die -n, Adern, welche durch die Waden gehen, besonders ein gewisser Ast der Brandader, vena suralis.


Wadenbein (W3) [Adelung]


Das Wadenbein, des -es, plur. die -e, ein Bein an dem obern und hintern Theile des Schienbeines, woran sich die Wade befindet; Lat. Fibula.


Wadsack (W3) [Adelung]


Der Wadsack, S. Watsack.


Waffe (W3) [Adelung]


Die Waffe, plur. die -n. 1. Ein jedes Werkzeug, so wohl zur Vertheidigung, als zum Angriffe, in weicher weitern Bedeutung noch manche Glieder und Theile derselben, womit die Natur die Thiere zu dieser Absicht versehen hat, bey den Jägern Waffen genannt werden. So heißen die Klauen des Habichts und anderer Raubvögel, die Klauen des Luchses, und die vier großen Zähne der wilden Schweme Waffen; da denn auch der Singular nicht sehen ist. Wenn der Habicht dem Hasen einen Griff gegeben hat, so hält er ihn mit der rechten Waffe fest, mit der linken aber ergreifet er die Erde. Die vier großen Zähne der wilden Schweine werden mit einem Collectivo auch das Gewäff genannt. Auf ähnliche Art werden alle Dinge, welche Menschen so wohl zur Vertheidigung, als zum Angriffe, gebrauchen, Waffen genannt, in welchem Verstande es aber, so wie im folgenden, im Plural am üblichsten ist. 2. In engerer Bedeutung, ein jedes künstliches, oder eigentlich dazu bestimmtes Werkzeug zur Vertheidigung oder zum Angriffe; gemeiniglich nur im Plural. Da diese Werkzeuge in den neuern Zeiten gar sehr verändert und vervielfältiget worden, folglich die Deutlichkeit erfordert hat, ihnen eigene bestimmte Nahmen zu geben, wohin besonders der Ausdruck Gewehr gehöret, so ist der allgemeinere, folglich nicht so bestimmte, Nahme Waffen nach und nach in Abgang gekommen, obgleich noch nicht ganz veraltet. Man gebraucht ihn noch: (a) von solchen Werkzeugen bey Personen, welche nicht zum Kriegsstande gehören, oder keinen Beruf haben, selbige zu tragen; doch nur als einen allgemeinen Ausdruck, wenn man sie nicht näher bestimmen will. Tödtliche Waffen bey einem Diebe antreffen. Verbothene Waffen tragen. Wo man zur Erklärung auch wohl noch das Wort Wehr beyzufügen pflegt, Wehr und Waffen, ohne daß eben das eine Werkzeug zum Angriffe, und das andere zur Vertheidigung bedeuten dürfte. (b) Als einen allgemeinen Ausdruck solcher Werkzeuge bey solchen Völkern, welche keine eigentlichen Feuergewehre haben, auf welche folglich die neuern Nahmen Gewehr, Geschütz u. s. f. nicht passen. Vulkan schmiedete dem Mars seine Waffen. (c) In manchen figürlichen Arten des Ausdruckes. Zu den Waffen greifen, sich zum kriegerischen Angriff oder zur kriegerischen Vertheidigung rüsten. Die Waffen tragen, ein Soldat seyn. Sein Recht durch die Waffen suchen, der Entscheidung der Waffen überlassen. Sich in den Waffen üben. Stillstand der Waffen oder Waffenstillstand. Die feindlichen Waffen haben gesieget. Gott wolle die gerechten Waffen des Königes segnen! Jemanden die Waffen wider sich in die Hände geben, die Mittel des Angriffes, auch wenn es nur Gründe u. s. f. sind. Ihre Waffen waren Thränen. (d) In den edlern und höhern Schreibarten, so wohl in den vorigen und andern ähnlichen figürlichen Bedeutungen, des Zustandes öffentlicher. Feindseligkeiten, der Vertheidigung und ihrer Hülfsmittel u. s. f. als auch wenn die im gemeinen Leben üblichen bestimmtern Ausdrücke, besonders Gewehr, zu unedel scheinen. In dieser ganzen Bedeutung ist das Wort als ein allgemeiner und collectiver Ausdruckt freylich nur im Plural gebräuchlich; allein da der collective Begriff demselben nicht wesentlich ist, so ist sein Grund vorhanden, warum wenigstens die höhere Schreibart den Singular nicht ohne Bedenken sollte gebrauchen können, wenn sie einem zwar an sich nicht unedlen, aber doch alltäglichen Ausdrucke, dergleichen Gewehr ist, dadurch ausweichen kann. Als man, trotz allem Flehn, ihr jede Waffe nahm, Alxinger. 3. In der weitesten Bedeutung pflegen manche Handwerker ihre Werkzeuge überhaupt, auch wenn sie zur Vertheidigung oder zum Angriffe völlig untauglich sind, Waffen zu nennen. So müssen die Kammmacher, die Hutmacher u. s. f. zur Verfertigung des Meisterstückes ihre eigenen Waffen haben.

Anm. Das Wort ist sehr alt, indem uuafan für arma schon selt des Kero Zeiten vorkommt. Die Niederdeutschen Mundarten und damit verwandten Sprachen haben statt des weichen Blaselautes in der Mitte nach ihrer Gewohnheit ein p, dahin das Niedersächs. Wapen, das Engl. weapon, das Schwed. vapn, das Isländ. wopn gehören. Auch bey dem Ulphilas lautet das Wort wepna. ( S. Wapen;) welches davon auch im Hochdeutschen üblich ist. Dieses hohe Alter macht zugleich die Abstammung schwer und schwankend. Wenn es erweislich wäre, daß dieses Wort, wie Ihre glaubt, ehedem eigentlich den Harnisch und was zur Rüstung gehöret, bedeutet hätte, so würde der Begriff des Umgebens, Bekleidens u. s. f. füglich als der Stammbegriff können angesehen werden, und dann würde es zu dem Gothischen bivaibam, umgeben, bekleiden, dem Isländ. wepa, ein Kleid, Decke u. s. f. gehören, wenn anders diese nicht vielmehr Abkömmlinge von weben sind. Die Stelle in dem Schwabenspiegel, mit suuerten und aun uuaffen, mit Schwertern und ohne Harnisch, scheint zwar diese Ableitung zu bestätigen. Allein da sie so viele und weit ältere Beyspiele wider sich hat, da uuaffen nicht bloß von der Rüstung, sondern von eigentlichen Gewehren, gebraucht wird, so kann der Begriff der Bekleidung wenigstens nicht als der erste und herrschende angesehen werden. Wachters und anderer Ableitungen von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, oder - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , verdienen keine Erwähnung. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt waffen, waffena! häufig als ein Ausruf in unangenehmen Fällen vor; z. B. Wafena wie hat mich minne gelassen! Fridr. v. Husen. Des erschrak mins herzens lere; Wafen wie geschah mir so! Gottfried von Riffen. Wafen wie bin ich gescheiden Von der lieben die ich da minne! Der Schenk von Limburg. Allein dieses hat nur eine zufällige Verwandtschaft mit unserm Worte, und gehöret zu dem längst veralteten Oberd. wafan, Nieders. und Angels. weapan, wipen, heulen, weinen, wovon es allem Ansehen nach eigentlich eine Onomatopöie ist. Waffen ist daher eine ähnliche Interjection, wie das noch im gemeinen Leben übliche Zeter! Im Niederdeutschen ist Wapenruchte das Zetergeschrey.


Waffeleisen (W3) [Adelung]


Das Waffeleisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein eisernes Werkzeug in Gestalt einer langen Zange, worin die Waffeln gebacken werden.


Waffelkuchen (W3) [Adelung]


Der Waffelkuchen, des -s, plur. ut nom. sing. wie 2. Waffel.


Waffen (W3) [Adelung]


Die Waffen, S. Waffe.


Waffenen (W3) [Adelung]


Waffenen, S. Waffnen.


Waffenglück (W3) [Adelung]


Das Waffenglück, des -es, plur. car. das Glück der Waffen, d. i. des Krieges, das Kriegesglück.


Waffenhammer (W3) [Adelung]


Der Waffenhammer, des -s, plur. die -hämmer. 1. Ein Hammerwerk, wo Waffen, d. i. so wohl Harnische, als Gewehre, verfertiget werden. 2. In einigen Gegenden ein Hammerwerk, wo eiserne Werkzeuge, als Sensen, Äxte u. s. f. verfertiget werden, von Waffen 3.


Waffenkammer (W3) [Adelung]


Die Waffenkammer, plur. die -n, ein Zimmer, in welchem allerley Waffen oder Gewehre verfertiget werden, wofür doch jetzt Rüstkammer oder Gewehrkammer üblicher sind.


Waffenkleid (W3) [Adelung]


Das Waffenkleid, des -es, plur. die -er, ehedem das Kleid, welches man über den Harnisch anlegte, der Waffenrock.


Waffenplatz (W3) [Adelung]


Der Waffenplatz, des -es, plur. die -plätze, überhaupt ein jeder Ort, wo sich Truppen mit ihren Kriegsbedürfnissen versammeln. So wird z. B. Im Kriege eine Gränzstadt zu einem Waffenplatze gemacht wenn man die nöthigen Truppen und Kriegesgeräthschaften daselbst zusammen ziehet. In engerer Bedeutung ist es in Festungen ein geräumiger Platz in dem verdeckten Wege, die Truppen daselbst zu versammeln.


Waffenrock (W3) [Adelung]


Der Waffenrock, des -es, plur. die -röcke, siehe Waffenkleid.


Waffensalbe (W3) [Adelung]


Die Waffensalbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine sympathetische Salbe der Abergläubigen, welche einen Verwundeten heilen soll, wenn man das Gewehr oder Werkzeug, womit er verwundet worden; damit bestreicht; die Wehrsalbe.


Waffenschau (W3) [Adelung]


Die Waffenschau, plur. inus. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort für Musterung.


Waffenschmid (W3) [Adelung]


Der Waffenschmid, des -es, plur. die -schmiede. 1. Ein Vorgesetzter oder Inhaber eines Waffenhammers; oft auch ein jeder Arbeiter in demselben. 2. Ein Schmid, welcher Waffen, d. i. Gewehre, verfertiget, wofür jetzt Büchsenschmid üblich ist. 3. In manchen Gegenden noch ein Grob- oder Hufschmid, entweder, so fern sie ehedem auch Waffen verfertigten, oder, so fern Waffen ein Nahme der Werkzeuge überhaupt ist.


Waffenstein (W3) [Adelung]


Der Waffenstein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Schwaben, eine harte Felsart, welche mit Pulver gesprengt, und gleichsam mit kriegerischen Waffen bezwungen werden muß.


Waffenstillstand (W3) [Adelung]


Der Waffenstillstand, des -es, plur. die -stände, der Stillstand der Waffen, d. i. Einstellung der Feindseligkeiten auf eine gewisse Zeit. Einen Waffenstillstand machen, schließen.


Waffentanz (W3) [Adelung]


Der Waffentanz, des -es, plur. die -tänze, ein Tanz mit Waffen, dergleichen Tänze noch bey wilden und halb wilden Völkern üblich sind.


Waffenträger (W3) [Adelung]


Der Waffenträger, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher seinem Herrn oder Obern die Waffen nachträget; eine ehedem übliche Art von kriegerischen Bedienten, wozu auch die Knappen oder Schildknappen der ehemahligen Ritter gehörten. Figürlich ist jemand des andern Waffenträger, wenn er unter dessen Leitung und Einfluß handelt und wirkt, besonders wenn er sich von ihm zu Bestreitung anderer gebrauchen läßt. Bey einigen neuern Naturforschern ist der Waffenträger die Phalaena bombyx bucephala Linn. welche andere den Mondvogel nennen.


Waffnen (W3) [Adelung]


Waffnen, zusammen gezogen aus waffenen, verb. reg. act. mit Waffen versehen, ausrüsten, auch nur noch in denjenigen Fällen, in welchen Waffen üblich ist. Sich mit Steinen, Keulen u. s. f. waffnen. Sich wider jemand waffnen, rüsten. Sich mit Gründen wider seinen Gegner waffnen. Mit gewaffneter Hand, mit Waffen in der Hand, mit Truppen. Obgleich dieses Verbum bey weitem noch nicht veraltet ist, so ist doch, den letzten Ausdruck, mit gewaffneter Hand, ausgenommen, das bestimmtere bewaffnen beynahe üblicher. Siehe auch Entwaffnen.

Anm. Bey dem Ottfried uuafnen, im Schwabenspiegel waufan, im Niederdeutschen wapnen, S. dieses Wort.


Wagamt (W3) [Adelung]


Das Wagamt, des -es, plur. die -ämter, von Wage, eine Anstalt, wo Waaren und Güter unter obrigkeitlicher Aufsicht gewogen werden; auch nur die Wage.


Wage (W3) [Adelung]


1. Die Wage, plur. car. von dem Verbo wagen, der Zustand, da man etwas wagt; ein nur noch in den niedrigen Sprecharten übliches Wort. Es ist eine Wage. S. Wagniß.


Wage (W3) [Adelung]


2. Die Wage, plur. die -n, ein altes Wort, in welchem der Begriff der Bewegung der herrschende ist, der doch sehr frühe auf besondere Arten und Fälle eingeschränket worden. Es bedeutet, 1. * Im weitesten Verstande, Bewegung überhaupt, eine längst veraltete Bedeutung, wovon sich nur noch eine Spur im Notker findet, wo es Ps. 64, V. 9. heißt: Vnde in uuaga ne liez er mine fuozze, wo es die Latein. Übersetzung gibt: et non dedit in commotionem pedes meos; wenn nicht Notker hier vielmehr das vorige Wort Wage, Gefahr, im Sinne gehabt hat. 2. In engerer Bedeutung, so daß der Begriff der gleichförmigen Bewegung und des Gleichgewichtes der herrschende ist. (1) Das Gleichgewicht; ohne Plural. So sagt man noch, einander die Wage halten, das Gleichgewicht, d. i. von gleicher Stärke, Güte, Werthe u. s. f. seyn. Ehedem war es in dieser Bedeutung häufiger. Herr so trett auf diesen plock do Unnd mest hinaus in freyen tag Anderhalb schuch, in der wag Müst ihr euch aber halten vest; d. i. im Gleichgewichte, heißt es im Theuerdanke Kap. 28. Tewrdank sich bald aus seiner Kraft Schwang mit den Füssen in den tag Durch dasselb er gewann die wag Und begreif den felsen wider Mit den eisen, eben das. Kap. 56. In einer gleichfalls ungewöhnlichen Bedeutung gebraucht es Kanitz, wenn es bey ihm heißt: Mein Mittag ist dahin, der ohngefär die Wage Des kurzen Lebens hielt, d. i. welcher ungefähr die Mitte meines kurzen Lebens war; wo er die obige R. A. jemanden die Wage halten, mißverstanden zu haben scheint. (2) Ein gewisses Werkzeug, in welchem der Begriff des Gleichgewichtes der herrschende ist, wo es besonders in drey Fällen gebraucht wird. (a) An einem Wagen ist es ein um einen Mittelpunct beweglicher Hebel auf der Deichsel, an welchem die Pferde vermittelst der Ortscheite oder Schwängel, ziehen; weil sie dazu diener, die gleichförmige Kraft des Zugviehes so wohl daran zu erkennen, als auch vermittelst derselben zu befördern. So hat man einspännige und zweyspännige Wagen; ferner eine Vorderwage und Hinterwage, von welchen die erstere auch die Riemenwage, ingleichen die Verlegewage genannt wird. In dieser Bedeutung lautet das Wort im Niederdeutschen die Wacht, und in einigen Oberdeutschen Gegenden die Wage, im Sclavonischen Waha. In manchen Gegenden wird sie auch der Ebener genannt, gleichfalls um des Gleichgewichtes willen. (b) In den Wasserkünsten im Bergbaue ist die Wage derjenige um einen Mittelpunct bewegliche Hebel, welcher den Wasserkasten trägt, und zwischen vier Standsäulen auf- und absteiget. (c) Ein Werkzeug, einen Körper zu wiegen, d. i. die unbekannte Schwere eines Körpers vermittelst der bekannten eines andern zu erforschen; in welchem Falle die Wage gleichfalls ein Hebel ist, an dessen einen Arm die bekannte, und an den andern die unbekannte Schwere angebracht wird. Dahin die Goldwage, Schnellwage, Hruwage u. s. f. Etwas auf die Wage legen, auf der Wage wiegen. Die Wage des Schicksals. Die Wage am Himmel, eines der zwölf Zeichen des Thierkreises. Figürlich wird auch der Ort, wo eine öffentliche Wage unterhalten wird, die Wage genannt. In einer etwas veränderten Bedeutung heißen auch Werkzeuge, vermittelst deren die horizontale oder senkrechte Stellung, ingleichen das Verhältniß einer Linie gegen die vier Haupttheile der Welt, erforschet wird, Wagen: wohin die Bleywage, die Wafferwage, und die Wage der Markscheider im Bergbaue gehören. (3) Ein gewisses bestimmtes Maß der Schwere, ein bestimmtes Gewicht, welches sich doch nicht an allen Orten gleich ist, und nach welchem auch nur gewisse Körper, besonders das Eisen, bestimmt werden. Eine Wage Eisen ist in Obersachsen zwey Stein, oder 44 Pfund. An andern Orten hält die Wage 120, und wohl gar 165 Pfund.

Anm. In der Bedeutung eines Werkzeuges zum Wiegen schon im Isidor und Notker uuagu, uuago, im Niedersächsischen gleichfalls Wage. In der ersten weitesten Bedeutung gehöret das Wort zu wegen in bewegen, in den folgenden engern aber zu wägen und wiegen, ( S. diese Wörter.) In einigen Gegenden bedeutet Wage auch die Unruhe in einer Uhr, in welchem Falle es gleichfalls zu der allgemeinsten Bedeutung der Bewegung zu gehören scheinet. Man hat dieses Wort lange mit einem doppelten a Waage geschrieben; aus einem mir zur Zeit noch unbekannten Grunde, man müßte es denn dadurch von Wagen, currus, haben unterscheiden wollen, welcher Unterschied doch sehr unnöthig ist, indem so wohl das Geschlecht, als die Endsylbe, Unterschiedes genug sind. Da Wagen, currus, wagen, audere, und Wage, libra, alle Eines Stammes sind, so müssen sie auch auf einerley Art geschrieben werden.


Wagebalken (W3) [Adelung]


Der Wagebalken, des -s, plur. ut nom. sing. der Hebel an einer Wage zum Wiegen, welcher der Haupttheil der Wage ist. Bey den Wachsziehern führet ein ähnlicher beweglicher Hebel, vermittelst dessen die Wachslichter gegossen werden, den Nahmen des Wagebalkens.


Wagebaum (W3) [Adelung]


Der Wagebaum, des -es, plur. die -bäume, an dem Feldgestänge eines Bergwerkes derjenige Baum, woran die Schwingen des Gestänges in ihren Scheren beweglich sind. Zuweilen wird auch wohl der Wagebalken einer großen Wage der Wagebaum genannt.


Wagegeld (W3) [Adelung]


Das Wagegeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, die Gebühr, welche man für das Wiegen der Waaren auf einer öffentlichen Wage entrichtet.


Wagegericht (W3) [Adelung]


Das Wagegericht, des -es, plur. die -e, der Kloben, in welchem der Balken einer Wage beweglich ist, welcher doch noch häufiger der Kloben, oder die Schere genannt wird.


Wagehals (W3) [Adelung]


Der Wagehals, des -es, plur. die -hälse, von dem Verbo wagen, ein Mensch, welcher sich auf eine unbesonnene Art in eine große Gefahr begibt. Wie mancher Waghals ist im Zufall umgekommen, Den weder Sturm noch Schlacht erlegt! Haged. Im Schwed. gleichfalls Vaghals. Wachter wollte hier Hals durch einen tapfern Mann erklären; aber ohne Noth und Grund. Wagehals bedeutet jemanden, der seinen Hals, d. i. sein Leben, wagt.


Wagehalter (W3) [Adelung]


Der Wagehalter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gestell, eine Wage zum Wiegen daran zu hängen.


Wagehaus (W3) [Adelung]


Das Wagehaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, in welchem eine öffentliche Wage zum Wiegen der Waaren befindlich ist, am häufigsten nur die Wage schlechthin.


Wageherr (W3) [Adelung]


Der Wageherr, des -en, plur. die -en, an einigen Orten, ein Rathsherr, welcher die Aufsicht über die öffentliche Wage hat.


Wagekloben (W3) [Adelung]


Der Wagekloben, des -s, plur. ut nom. sing. der Kloben, in welchem der Balken einer Wage beweglich ist. S. Wagegericht.


Wageknecht (W3) [Adelung]


Der Wageknecht, des -es, plur. die -e, ein Knecht, d. i. geringer Bedienter, bey einer öffentlichen Wage.


Wagekunst (W3) [Adelung]


Die Wagekunst, plur. inus. die Kunst, Wagen zum Wiegen zu verfertigen, und in weiterer Bedeutung, die Wissenschaft von der Schwere der Körper, die Statik, welche letztere auch wohl die Wägekunst genannt wird, von dem Verbo wägen.


Wagenmeister (W3) [Adelung]


Der Wagenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. der Vorgesetzte einer öffentlichen Wage.


Wagen (W3) [Adelung]


Wagen, verb. reg. act. 1. Der Gefahr des Verlustes aussetzen. Sich wagen, sein Leben wagen. Sich mitten unter die Feinde wagen. Er hat sich sehr gewagt. Das Äußerste wagen. Sein ganzes Vermögen für einen wagen. 2. In weiterer Bedeutung, auf bloße Wahrscheinlichkeit des guten Erfolges thun. Eine Bitte, eine Vermuthung, eine That, ein Geständniß, wagen. Sich auf die See, vor das Thor, in den Wald wagen. Weiter wage ich es nicht. Sein Geld im Spiele wagen. Zehn Thaler will ich daran wagen. So lange ich lebe, will ich alles an dich wagen, Gell. Das Laster denkt darum klein von Gott, weil es keinen Anspruch auf seine Güte wagen darf, eben ders. Etwas auf gut Glück wagen. Den ersten Schritt in die Welt wagen. Sprichw. Wagen gewinnt, wagen verliert. Frisch gewagt ist halb gewonnen. So auch das Wagen. Siehe auch 1 Wage, Waglich, Wagniß, und Verwegen.

Anm. Im Niedersächsischen gleichfalls wagen, Schwed. vaga, Isländ. voga, Engl. to wage. Wachter und andere haben allerley wunderliche Ableitungen dieses Wortes gewagt, welche ich hier nicht wiederhohlen will. Mir ist es überwiegend wahrscheinlich, daß auch dieses Verbum zu der zahlreichen Familie des Begriffes der Bewegung gehöret, so daß dadurch vornehmlich auf das Schwanken der Bestimmungsgründe, indem man etwas wagt, gesehen wird.


Wägen (W3) [Adelung]


Wägen, verb. reg. et irreg. act. im letztern Falle, Imperf. wog, Particip. gewogen, Imperat. wäge. 1. Eigentlich, das Gewicht, d. i. die Schwere eines Körpers, zu erforschen suchen, wie das Activum wiegen. Auf der Wage wägen. Einen Ballen Waare wägen lassen. Gott, der die Welten wägte, oder wog. Ich habe es gewägt oder gewogen. 2. In weiterer Bedeutung, die Abweichung einer Fläche von der wahren horizontalen Linie mit der Wasserwage zu bestimmen suchen. Einen Fluß wägen, dessen Fall zu messen suchen. Einen Platz, einen Bezirk wägen oder abwägen. 3. Figürlich, die Güte einer unkörperlichen Sache genau zu erforschen suchen. Seines Gegners Gründe wägen. Welch ein zartes Gewissen, alle Worte zu wägen, und dann noch um Warnung gegen die Bitterkeit zu bitten! Hermes.

Anm. Im Niedersächsischen wägen, im Angelsächs. waegan, im Schwedischen vaga. Wägen scheint eigentlich die Niederdeutsche, wiegen aber die mehr Oberdeutsche Form zu seyn, nur daß wiegen auch neutraliter, eine bestimmte Schwere haben, gebraucht wird, in welcher Bedeutung wägen nicht üblich ist. Im Hochdeutschen werden wägen und wiegen in der thätigen Form ohne Unterschied gebraucht, und im Imperfecto und Participio auf einerley irreguläre Art conjugiret, ich wog, gewogen. Die reguläre Form des Wägen, ich wägte, gewägt, kommt zwar auch zuweilen vor, ich aber bey weitem noch nicht die herrschende. Könnten einzelne Schriftsteller an der Sprache ändern, so würde ich den Vorschlag thun, wägen jederzeit regulär und als ein Activum, wiegen aber in seiner irregulären Form nur als ein Neutrum zu gebrauchen; in welchem Falle man die Analogie von tränken und trinken, senken und sinken, ersäufen und ersaufen, setzen und sitzen, und andere mehr vor sich haben würde. Man mag nun aber auch wägen im Imperfecto und Participio irregulär beugen, so gehet es doch im Präsenti regulär, ich wäge, du wägst, er wägt u. s. f. nicht wie manche Sprachlehrer, ich wäge, du wiegst, er wiegt. In der Abstammung kommt es mit wiegen völlig überein, Siehe dasselbe.


Wagenachse (W3) [Adelung]


Die Wagenachse, plur. die -n, die Achse an einem Wagen.


Wagenagel (W3) [Adelung]


Der Wagenagel, des -s, plur. die -nägel, der starke Nagel, um welchen die Wage auf der Deichsel beweglich ist.


Wagenburg (W3) [Adelung]


Die Wagenburg, plur. inus. eine Burg, d. i. Verschanzung von Wagen, ein in der Kriegskunst der Alten sehr übliches Wort, wenn man die Wagen der Armee zusammen führen ließ, und sich hinter denselben vertheidigte.


Wagenbürste (W3) [Adelung]


Die Wagenbürste, plur. die -n, eine besondere Art Bürsten, die Kutschen damit zu reinigen.


Wagendecke (W3) [Adelung]


Die Wagendecke, plur. die -n, eine Decke über einen Wagen.


Wagendeichsel (W3) [Adelung]


Die Wagendeichsel, plur. die -n, die Deichsel eines Wagens, gemeiniglich nur die Deichsel schlechthin.


Wagenflechte (W3) [Adelung]


Die Wagenflechte, plur. die -n, eine Flechte, oder geflochtener Korb, ihn auf einen Leiterwagen zu setzen; der Wagenkorb, in einigen Provinzen die Benne, Krätze.


Wagenfrohne (W3) [Adelung]


Die Wagenfrohne, plur. die -n, Frohndienste, welche mit Pferden und Wagen geleistet werden; Spannfrohne.


Wagengeleise (W3) [Adelung]


Das Wagengeleise, des -s, plur. ut nom. sing. das Geleise eines Wagens; in einigen Gegenden die Wagenspur, die Wagenleife.


Wagengestell (W3) [Adelung]


Das Wagengestell, des -es, plur. die -e, das Gestell, oder Holzwerk eines Wagens, welches man in das Vorder- und Hintergestell theilet.


Wagengeld (W3) [Adelung]


Das Wagengeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, an einigen Orten, Zoll oder Geleit von Wagen.


Wagenhalter (W3) [Adelung]


Der Wagenhalter, des -s, plur. ut nom. sing. an den Höfen, ein Bedienter bey dem Kutschenstalle, welcher die Aufsicht über die Staatswagen hat, und dem Wagenmeister untergeordnet ist.


Wagenhaus (W3) [Adelung]


Das Wagenhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Gebäude, Wagen darin vor der Witterung zu verwahren; die Wagen-Remise, der Wagenschauer, der Wagenschoppen, wenn es ein bloßer Schoppen ist.


Wagenkasten (W3) [Adelung]


Der Wagenkasten, des -s, plur. ut nom. sing. ein viereckiger, oben mit Leder überzogener Kasten, welcher statt des Koffers auf einen Wagen gepacket wird.


Wagenkette (W3) [Adelung]


Die Wagenkette, plur. die -n, eine Kette an einem Ende mit einer Schleife, und am andern Ende mit einem Haken, zum Behufe der Lastwagen.


Wagenkorb (W3) [Adelung]


Der Wagenkorb, des -es, plur. die -körbe, siehe Wagenflechte.


Wagenknecht (W3) [Adelung]


Der Wagenknecht, des -es, plur. die -e, der geringste Bediente bey einem Kutschenstalle an Höfen.


Wagenlader (W3) [Adelung]


Der Wagenlader, des -s, plur. die -läder, von dem Verbo laden, bestimmte Personen, welche die Fuhrmannswagen beladen und abladen; Abläder, Aufläder, S. Ablader.


Wagenleise (W3) [Adelung]


Die Wagenleise, plur. die -n, nicht Wagenleiste, wie es zuweilen geschrieben wird, S. Wagengeleise und Geleise.


Wagenleiste (W3) [Adelung]


Die Wagenleiste, plur. die -n, an Rüst- und Leiterwagen, eine Stange, welche mit dem untern Ende an der Achse befestigt ist, an dem obern aber den obern Baum der Wagenleiter trägt.


Wagenleiter (W3) [Adelung]


Die Wagenleiter, plur. die -n, eine Leiter, so fern sie die Seitenwand eines gewöhnlichen Bauerwagens ausmacht, der daher auch der Leiterwagen genannt wird.


Wagenmacher (W3) [Adelung]


Der Wagenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher das Holzwerk mit Einschluß der Räder zu einem Wagen verfertiget, der Stellmacher, Wagner.


Wagenmeister (W3) [Adelung]


Der Wagenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Aufsicht über mehrere beladene Wagen und die dazu gehörigen Personen hat. Dergleichen Wagenmeister es so wohl auf großen Postämtern, als bey dem Troß der Armeen, bey der Jagd-Equipage u. s. f. gibt. An den Höfen ist es ein Beamter des Kutschenstalles, welcher die Schirrmeister und Wagenhalter unter sich hat.


Wagenpferd (W3) [Adelung]


Das Wagenpferd, des -es, plur. die -e, ein Pferd, welches zum Ziehen vor einem Wagen gebraucht wird; zum Unterschiede von einem Reitpferde.


Wagenrad (W3) [Adelung]


Das Wagenrad, des -es, plur. die -räder, ein Rad an einem Wagen, zum Unterschiede von andern Arten von Rädern.


Wagen-Remise (W3) [Adelung]


Die Wagen-Remise, plur. die -n, von dem Franz. Remise, ein bedecktes Gebäude zu bezeichnen, worin Wagen vor der Witterung gesichert sind. S. Wagenhaus.


Wagenrennen (W3) [Adelung]


Das Wagenrennen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wettrennen zu Wagen oder mit Wagen.


Wagenschauer (W3) [Adelung]


Der Wagenschauer, des -s, plur. ut nom. sing. ein vorzüglich Niedersächsisches Wort, einen Wagenschoppen zu bezeichnen. S. Wagenhaus.


Wagenschmiere (W3) [Adelung]


Die Wagenschmiere, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine jede Schmiere, oder fetter Körper, womit die Achsen eines Wagens zum leichtern Umlaufe der Räder schlüpfrig gehalten werden; im Oberdeutschen Wagensalbe. Da der Theer die gewöhnliche Wagenschmiere ist, so führt derselbe auch wohl in engerer Bedeutung diesen Nahmen.


Wagenschoppen (W3) [Adelung]


Der Wagenschoppen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Wagenhaus.


Wagenschott (W3) [Adelung]


* Der Wagenschott, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein Niederdeutsches Wort, S. Wasserschuß.


Wagenschrot (W3) [Adelung]


Das Wagenschrot, des -es, plur. die -e, im Forstwesen und Holzhandel, aus dem Groben bearbeitetes Nutzholz, so wie die Wagner es gebrauchen.


Wagenspeichig (W3) [Adelung]


Wagenspeichig, adj. et adv. in der Landwirthschaft, wo die Räder wagenspeichig werden, wenn sie wandelbar werden, welches besonders dann geschiehet, wenn die Speichen in dem Bocke zu nahe an einander stoßen.


Wagensperre (W3) [Adelung]


Die Wagensperre, plur. die -n, ein Werkzeug, die Räder eines Wagens an abhängigen Orten damit zu sperren, d. i. am Umlaufe zu hindern. S. Radsperre.


Wagenspur (W3) [Adelung]


Die Wagenspur, plur. die -en, S. Wagengeleise.


Wagensterz (W3) [Adelung]


Der Wagensterz, des -es, plur. die -e, an den Rüst- und Bauerwagen, das hinten als eine Deichsel aus der hintern Achse vorragende Stück.


Wagentag (W3) [Adelung]


Der Wagentag, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein Tag, an welchem die Fröhner mit Pferde und Wagen fröhnen müssen; zum Unterschiede von Pflugtagen, Handtagen, Fußtagen u. s. f.


Wagenwinde (W3) [Adelung]


Die Wagenwinde, plur. die -n, eine Winde, beladene Wagen und Karren damit in die Höhe zu winden.


Wageordnung (W3) [Adelung]


Die Wageordnung, plur. die -en, die vorgeschriebene Ordnung, wie Güter und Waaren auf einer öffentlichen Wage gewogen werden sollen.


Wäger (W3) [Adelung]


Der Wäger, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche wägt; zuweilen auch ein Wieger. An manchen Orten führen der Wagenmeister, oder dessen Untergebene, diesen Nahmen.


Wagerecht (W3) [Adelung]


Wagerecht, adj. et adv. der Horizontal-Linie gleich, horizontal, von Wage, Gleichgewicht; wasserrecht, wasserpaß. Im Bergbaue ist dafür ebensöhlig üblich.


Wagesäule (W3) [Adelung]


Die Wagesäule, plur. die -n, an einigen Orten, eine Säule auf öffentlichem Markte mit einer Wage, die auf den Markt zum Verkaufe gebrachten Waaren sogleich darauf zu wiegen.


Wageschale (W3) [Adelung]


Die Wageschale, plur. die -n, die Schalen an einer Wage, welche an dem Wagebalken hängen.


Wagescheit (W3) [Adelung]


Das Wagescheit, des -es, plur. die -e, bey den Maurern, ein Bret, welches man auf die Mauer legt, wenn man die Setzwage darauf stellen will.


Wagestück (W3) [Adelung]


Das Wagestück, des -es, plur. die -e, eine gewagte Handlung.


Wagezettel (W3) [Adelung]


Der Wagezettel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zettel, auf welchem auf der öffentlichen Wage das Gewicht der gewogenen Sache bescheiniget wird.


Waglich (W3) [Adelung]


Waglich, -er, -ste, adj. et adv. von dem Verbo wagen, mit Gefahr verbunden. Eine wagliche Sache, wobey man viel wagt.


Waglichkeit (W3) [Adelung]


Die Waglichkeit, plur. inus. der Zustand, da eine Handlung mit Gefahr verbunden ist.


Wagner (W3) [Adelung]


Der Wagner, zusammen gezogen aus Wagener, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher das hölzerne Gestell zu Wagen aller Art verfertigt; der Wagenmacher, Gestellmacher, Stellmacher.


Wagniß (W3) [Adelung]


* Die Wagniß oder das


Wagniß (W3) [Adelung]


Wagniß, des -es, plur. car. ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, den Zustand zu bezeichnen, da man etwas wagt, von welchem Worte es vermittelst der Ableitungssylbe niß gebildet ist, S. dasselbe.


Wagpfahl (W3) [Adelung]


Der Wagpfahl, des -es, plur. die -pfähle, an vielen Orten ein Nahme des Mahlpfahles, weil er das Wasser gleichsam abwäget.


Wagschale (W3) [Adelung]


Die Wagschale, S. Wageschale.


Wahl (W3) [Adelung]


Der Wahl, S. Wahle.


Wahl (W3) [Adelung]


Das Wahl, des -es, plur. die -e, nur in einigen Gegenden, z. B. in Danzig, eine Zahl von 80 Stück. Eine Tonne Häring hat daselbst 13 Wahl, und ein Wahl 18 Stück.


Wahl (W3) [Adelung]


1. * Die Wahl, plur. die -en, ein längst veraltetes Wort, welches einen Abgrund bedeutete, und wovon Wachter v. Wal nachzusehen ist. Es ist nur noch in einem Falle im Niederdeutschen üblich, wo ein bey einem Deichbruche entstandener Sumpf, welcher rings herum mit Erde umgeben ist, eine Wahl genannt wird.


Wahl (W3) [Adelung]


2. Die Wahl, plur. die -en, von dem Zeitworte wählen, der Zustand, oder die Handlung, da man wählt, das ist, sich unter mehrern Sachen zu Einer durch Vorstellungen bestimmet. Sind die Vorstellungen deutlich, so heißt es eine Wahl im engern Verstande; sind sie undeutlich, so ist es bloße Willkühr. Die freye Wahl, welche in einer allgemeinen Erkenntniß, oder in allgemeinen Vorstellungen gegründet ist. Aus eigener Wahl nach vorläufiger Entschließung durch Bewegungsgründe. Die Wahl fällt mir schwer. Einem die Wahl lassen. Eine Wahl ansteilen. Eine Wahl treffen, ein feyerlicher Ausdruck für das kürzere wählen. Du hast unter beyden die Wahl. Die Wahl stehet bey dir. Zur Wahl schreiten. Eine Würde durch die Wahl erlangen. Die Wahl machen, in den Zuckersiedereyen, ( S. Wählen.) Wenn dieses Wort ein eigentliches Abstractum ist, so leidet es keinen Plural; allein wenn es von concreten Wahlhandlungen gebraucht wird, so ist derselbe nicht ungewöhnlich. Beglückt in ihren Wahlen, Zachar.

Anm. Schon bey dem Notker uuala, im Böhmischen wolenu. Im Niedersächsischen ist dafür noch Kör üblich. Siehe Köhren, Kiesen und Chur. Von der Etymologie des Wortes Wahl, (Siehe Wählen.) In der Bedeutung einer gewählten Person oder Sache, wie Röm. 2. 7. ist es im Hochdeutschen veraltet.


Wahl-Capitulation (W3) [Adelung]


Die Wahl-Capitulation, plur. die -en, eine Capitulation, oder gewisse Bedingungen, zu welcher sich ein Gewählter in manchen Fällen verbindlich machen muß. Dergleichen Capitulationen bey dem Wahlen der Kaiser und Bischöfe üblich sind.


Wahle (W3) [Adelung]


Der Wahle, des -n, plur. die -n, ein nur noch in einigen Gegenden übliches Wort, einen jeden Ausländer und besonders einen Italiäner zu bezeichnen. So werden diejenigen Italiäner, oder auch Fremde überhaupt, welche in gebirgigen Gegenden erzhaltige Steine und Sand aufsuchen sollen, noch von dem großen Haufen Wahlen genannt. S. Wälsch.


Wahleiche (W3) [Adelung]


Die Wahleiche, plur. die -n, in der Schweiz, ein Nahme der Steineiche.


Wählen (W3) [Adelung]


Wählen, verb. reg. act. sich unter mehrern Dingen zu Einer Sache nach Vorstellungen, oder Erkenntniß der Bewegungsgründe, bestimmen; ingleichen in weiterer Bedeutung, sich zu Einer Sache unter mehrern bestimmen. Du darfst nur wählen. Das schlimmste wählen. Hier ist nicht zu wählen. Einen König, einen Pfarrer, einen Bischof u. s. f. wählen. Jemanden zum Könige, zum Pfarrer, zum Bischofe wählen. In den Zuckersiedereyen ist wählen, oder die Wahl machen, die in jedem Fasse befindlichen verschiedenen Arten rohen Zuckers von einander absondern. Daher das Wählen, und die Wahl.

Anm. Schon bey dem Ulphilas valjan, bey dem Kero uuelan, im Schwedischen välja, im Slavonischen woliti; aus welchem ausgebreiteten Gebrauche zugleich das hohe Alter dieses Wortes erhellet. Es ist wohl mehr als wahrscheinlich, das es mit wollen und dem Lateinischen velle, Eines Geschlechtes ist, obgleich wählen jetzt eine eingeschränkte Art des Wollens ist. Diese Ableitung wird unter andern auch dadurch bestätiget, daß im Kero kiuuellan, wählen, niuuellan aber, nicht wollen, bedeutet. Ehedem war dafür auch kören und kiesen üblich, welche in den gemeinen Mundarten noch gangbar sind. S. diese Wörter.


Wahlendistel (W3) [Adelung]


Die Wahlendistel, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Mannstreu. Eryngium maritimum L. vielleicht weil sie von den Wahlen zu aber gläubigen Gebräuchen aufgesucht worden.


Wählerisch (W3) [Adelung]


* Wählerisch, adj. et adv. nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, in der Wahl sinnlicher Dinge aus verzärteltem Geschma- cke zu ekel oder bedenklich, besonders in der Wahl der Speisen, im Oberdeutschen auch häkelig, im Niederdeutschen körisch, körsk; ein Begriff, für welchen man im Hochdeutschen freylich keinen passenden Ausdruck hat; denn lecker und ekel erschöpfen ihn nicht, obgleich das letztere ihm am nächsten kommt. Wählerisch ist für die Schriftsprache zu unedel, weil es nach einer veralteten irregulären Analogie vermittelst der Sylbe er von dem Verbo wählen abgeleitet worden. Lessing suchte in seiner Dramaturgie das Wort wählig gangbar zu machen; welches aber den Begriff theils auch nicht erschöpft, theils eine unangenehme Zweydeutigkeit mit dem Niedersächsischen wählig, muthwillig, ausgelassen macht.


Wahlfolge (W3) [Adelung]


Die Wahlfolge, plur. inus. die Folge in einer Würde vermittelst der Wahl, zum Unterschiede von der Erbfolge.


Wahlfürst (W3) [Adelung]


Der Wahlfürst, des -en, plur. die -en, ein Fürst, welcher befugt ist, das gemeinschaftliche Oberhaupt mitwählen zu helfen; in welchem Verstande die Churfürsten zuweilen diesen Nahmen bekommen.


Wahlhandlung (W3) [Adelung]


Die Wahlhandlung, plur. die -en, die Wahl, als eine Handlung betrachtet, eine feyerliche Wahl.


Wahlherr (W3) [Adelung]


Der Wahlherr, des -en, plur. die -en, ein Herr, d. i. männliche Person von Stande, welche in gewissen Fällen das Wahlrecht besitzet. So sind in manchen Städten die Wahlherren gewisse Rathsherren, welche den neuen Rath erwählen.


Wahlkind (W3) [Adelung]


* Das Wahlkind, des -es, plur. die -er, ein ungewöhnliches, von einigen versuchtes Wort, ein adoptirtes Kind zu bezeichnen; welches aber den Fehler hat, daß es der Analogie der meisten übrigen mit Wahl zusammen gesetzten Wörter zuwider ist, wo es eine thätige Bedeutung hat, dagegen es hier eine passive haben müßte. Wahlkind kann nach dieser Analogie nichts anders bedeuten, als ein Kind, welches das Wahlrecht hat.


Wahlplatz (W3) [Adelung]


1. Der Wahlplatz, des -es, plur. die -plätze, der Ort, wo ein Treffen oder Gefecht vorgefallen ist, die Wahlstatt, und von einer Schlacht, das Schlachtfeld. Wahl ist in dieser Zusammensetzung das alte Wort Wal, welches so wohl Gesecht, als auch einen todten Körper, eine Leiche, bedeutete. Da Chunig Chunrat das Wal mit Sieg gehat hat, das Gefecht, Hornegk. Im Schwedischen ist Val noch jetzt eine Niederlage, und Valplats der Wahlplatz. Ehedem war auch das einfache Wahl für Wahlplatz üblich, wo von Schilter und Frisch Beyspiele anführen. Siehe auch Wahlfahrt.


Wahlplatz (W3) [Adelung]


2. Der Wahlplatz, des -es, plur. die -plätze, ein Platz oder Ort, wo eine Wahl gehalten oder angestellet wird.


Wahlrecht (W3) [Adelung]


Das Wahlrecht, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, oder einzelnen Rechten, die -e, das Recht, die Befugniß, zu wählen. Das Wahlrecht haben.


Wahlreich (W3) [Adelung]


Das Wahlreich, des -es, plur. die -e, ein Reich, dessen Beherrschar diese Würde durch die Wahl der Glieder erhält; im Gegensatze eines Erbreiches.


Wahlspruch (W3) [Adelung]


Der Wahlspruch, des -es, plur. die -sprüche, eine Sentenz oder ein sinnreicher Spruch, welchen man sich zur vorzüglichen Richtschnur seines Verhaltens gewählet hat; Lateinisch Symbolum.


Wahlstadt (W3) [Adelung]


Die Wahlstadt, plur. die -städte, eine Stadt, in welcher eine feyerliche Wahl gehalten wird. So heißt Frankfurt die Wahlstadt des Römischen Reiches, so fern die Kaiser in den neuern Zeiten daselbst gewählet zu werden pflegen.


Wahlstatt (W3) [Adelung]


Die Wahlstatt, plur. die -stätte, ein Wahlplatz, von Statt, Stätte, Ort.


Wahlstimme (W3) [Adelung]


Die Wahlstimme, plur. die -n, eine derjenigen Stimmen, vermittelst welcher eine Wahl geschiehet.


Wahltag (W3) [Adelung]


Der Wahltag, des -es, plur. die -e, derjenige Tag, an welchem eine feyerliche Wahl vorgenommen wird.


Wahlzimmer (W3) [Adelung]


Das Wahlzimmer, des -s, plur. ut nom. sing. ein zu einer Wahl bestimmtes Zimmer.


Währ (W3) [Adelung]


Das und die Währ, S. Wehr.


Wahr (W3) [Adelung]


1. Wahr, adv. vermittelst des Gesichtes empfunden, wofür, außer der Zusammensetzung, jetzt gewahr üblich ist. ( S. dasselbe.) Auch in der Zusammensetzung kommt es nur noch in wahrnehmen vor, ( S. dasselbe.) Bey Gewahr ist bereits bemerket worden, daß es zu dem noch in einigen Oberdeutschen Gegenden üblichen Verbo wahren, sehen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - gehöret.


Wahr (W3) [Adelung]


2. Wahr, adj. et adv. Comparat. wahrer, Superlat. wahrste. 1. Wirklich, in welcher Bedeutung es doch nur als ein Adverbium üblich ist, und auch in dieser Gestalt nur noch in wenig Fällen gebraucht wird. Besonders als ein Schwur: so wahr ich lebe! so wahr Gott ist! so wahr ich hier stehe! u. s. f. Wohin auch die Betheurungs-Formel Fürwahr zu gehören scheinet, ( S. dasselbe.) 2. Dem Begriffe des folgenden Substantives genau angemessen; nur als ein Adjectiv. Er ist ein wahrer Freund. Die wahre Tugend. Ich habe mir wahre Vorwürfe zu machen. Thränen der Tugendhaften sind die wahren Lobreden der Verstorbenen. Besonders 3. echt, wirklich, nicht scheinbar, im Gegensatze des falsch; auch nur als ein Adjectiv. Der wahre Gott, zum Unterschiede von falschen und erdichteren. Seinen wahren Nahmen verbergen. Die einige wahre Religion. Der wahre Glaube, die wahre Glückseligkeit, die wahre Liebe u. s. f. Ingleichen als ein Substantiv. Das Wahre von dem Falschen unterscheiden. 4. Mit der Sache selbst übereinstimmig, von Reden und Aussprüchen; die gangbarste Bedeutung, in welcher es so wohl als ein Adjectiv, als auch als ein Adverbium, gebraucht wird. Etwas für wahr halten, annehmen. Sie reden sehr wahr. Ein wahrer Satz, Ausspruch u. s. f. Es ist wahr, daß ich ihn gestern sahe. Nicht wahr? eine in der vertraulichen Sprechart übliche elliptische Formel, nach der Wahrheit einer Sache zu fragen. Nicht wahr, der gnädige Herr will kommen? Nicht wahr, du hast es gehört? Für, ist es nicht wahr? Es ist etwas wahres an der Sache. Mit der Verneinung, es ist nicht wahr, ist es in den meisten Fallen zu hart und ungesittet; daher man dafür lieber ungegründet gebraucht. 5. In engerer Bedeutung, ist wahr in den bildenden Künsten, mit dem Originale übereinstimmig, und in weiterm Verstande, der Natur genau angemessen. Ein wahres Portrait, welches dem Urbilde genau gleicht. 6. In einer andern engern Bedeutung ist wahr einer vorher gegangenen Versicherung angemessen; wo es doch nur als ein Adverbium, und auch hier nur mit den Verbis machen und werden, gebraucht wird. Etwas wahr machen, erfüllen. Es ist wahr geworden, ist eingetroffen.

Anm. 1. Aus der einfachen Beschaffenheit dieses Wortes, welches keine Spur einer Ableitung zeiget, erhellet schon dessen Alterthum, und wirklich findet es sich schon gleich bey dem Anfange der Schrift in Deutschland völlig gangbar; im Isidor und Kero uuaar, uuar, chiuuari; daher Wachter sehr irrete, wenn er es von dem Lateinischen verus ableitete. Zu der Zeit, da dieses Wort im Deutschen schon allgemein gangbar war, war die Bekanntschaft mit Roms Sprache noch zu jung, als daß es aus derselben hätte aufgenommene werden können; gesetzt auch, daß es den Deutschen bis dahin an dem Begriffe und einem Ausdrucke für denselben gesehlet hätte, welches doch sehr unwahrscheinlich ist. Wahr und verus stammen vielmehr, wie so viele andre alte Wörter, aus einer und eben derselben gemeinschaftlichen ältern Quelle her. Da wahr in seinen heutigen Bedeutungen etwas abstractes bezeichnet, so erhellet schon daraus, daß diese nicht die ursprüngliche seyn kann. Weiche es aber ist, läßt sich bey dem hohen Alter des Wortes nur muthmaßen. Vermuthlich ist es das vorige wahr, von wahren, sehen, so daß wahr eigentlich augenscheinlich bedeuten würde. Auf ähnliche Art bedeutet das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ; eigentlich unverdeckt, unverborgen. Vielleicht gehören auch das Imperfect von seyn, ich war, so wie werden, mit zur Verwandtschaft. Ehedem bedeutete wahr auch gut, in welchem Verstande es noch mehrmahls bey dem Ottfried vorkommt: ist iz ubil odo uwar, gut oder böse.

Anm. 2. Eigentlich leidet der Begriff des Wahren keine Steigerung, außer allenfalls in der ersten Bedeutung; daher wird es auch nur selten comparirt. Das allerwahrste wahr, Opitz. Ihr sollt sehen, daß ihr wahrere Freunde in uns findet, als an euch selbst, Weiße.


Wahren (W3) [Adelung]


* Wahren, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen längst veraltet ist. Es bedeutet 1. sehen, gewahr werden; in welchem Verstande es noch in einigen Oberdeutschen Mundarten vorkommt. Er habe weder grüne Farbe noch unbekannte Materi daran gewahret, Bluntschli. 2. Sich vorsehen, in welchem Verstande sich wahren noch im Niedersächsischen üblich ist. S. 1. Wahr, Gewahr, Bewahren.


Währen (W3) [Adelung]


Währen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben bekommt, fortfahren zu existiren; da es denn auch den Accusativ der Zeit bekommt, ohne um deßwillen zu einem Activo zu werden. Der Krieg währet noch. Die Predigt währet lange. Wie lange wird es noch währen? Der Tanz währete bis in die späte Nacht, währete die ganze Nacht durch. Unser Leben währet eine kurze Zeit. Ewig währen, viele Jahre währen. Es währete nicht lange, so ließ er mit sagen u. s. f. Es wird nicht lange mit ihm währen, in der vertraulichen Sprechart, er wird nicht lange mehr leben; ingleichen, er wird sich nicht lange mehr in dem gegenwärtigen Wohlstande befinden. Ewig währende Freuden. Ein immer währender Krieg. Währen beziehet sich zunächst auf die Zeit, dauern aber auf die unveränderte Beschaffenheit. Hingegen wird das Substantivum Dauer, und in manchen Fällen auch Zeitdauer anstatt der ungewöhnlichen das Währen und die Währung gebraucht.

Anm. Im Notker, Willeram u. s. f. uueren, im Nieders. waren. Im Schwed. ist vara, und im Isländ. vera, seyn; woraus erhellet, daß auch das Imperfect zu unserm seyn, ich war, hierher gehöret. ( S. auch Werden.) Der Infinitiv währen wird im gemeinen Leben häufig mit werden verwechselt. Es wird nicht lange werden, für währen.


Während (W3) [Adelung]


Während, das Participium des vorigen Zeitwortes, welches in seinem Gebrauche etwas besonderes hat. Als ein eigentliches Participium, folglich auch als ein Adjectiv, wird es für sich allein nur selten gebraucht. Der noch währende Krieg. Am üblichsten ist es noch mit ewig und immer; eine ewig währende Glückseligkeit, immer währende Strafen; wo es mit dem letzten Worte in eine Zusammensetzung übergehet. Am häufigsten gebraucht man es als ein Adverbium, welches die Gestalt einer Präposition hat, und den Genitiv nach sich hat. Während des Krieges; während des Sommers; während der Zeit, indessen. Fehlerhafte Arten des Gebrauches sind: 1. Die Verbindung mit den Dative, welche im Oberdeutschen häufig ist: während dem Kriege, dem Sommer. Für den Dativ lässet sich kein denkbarer Grund angeben. 2. Die Verbindung mit gewissen Präpositionen, welche hier unnöthig sind, indem während selbst schon die Gestalt einer Präposition annimmt: in währender Predigt, unter währender Mahlzeit, in oder bey wahrendem Kriege, unter währendem Gespräche, Opitz. Richtiger: während der Predigt, während der Mahlzeit oder über der Mahlzeit, in dem Kriege oder während des Krieges. 3. Die Zusammenziehung mit dem folgenden Artikel: währender Mahlzeit, währendes Krieges; welche nicht die geringste Analogie hat, obgleich Lessing Ein Mahl den letzten Ausdruck gebraucht. Daß hier keine Genitivi Consequentiä Statt finden können, wie im Griechischen, erhellet daraus, wenn man noch ein Pronomen dazu setzet. Denn noch hat niemand gesagt, währender deiner Abwesenheit, währender unsrer Mahlzeit, währendes meines Hierseyns, sondern während deiner Abwesenheit, während unserer Mahlzeit, während meines Hierseyns; folglich auch während der Abwesenheit u. s. f.


Währgeld (W3) [Adelung]


* Das Währgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, ein mit der Sache selbst im Hochdeutschen veraltetes Wort, die Geldstrafe für einen entleibten Menschen zu bezeichnen, im mittlern Lateine Werigeldum. Ohne Zweifel von dem alten war, ein Mann; S. Baron und Währwolf.


Währhaft (W3) [Adelung]


Währhaft, adj. et adv. von währen, dauern, fähig, fort zu existiren, wofür doch jetzt dauerhaft üblich ist; indem währhaft, vermuthlich um der Zweydeutigkeit mit wehrhaft willen, veraltet ist.


Wahrhaft (W3) [Adelung]


Wahrhaft, -er, -este, adj. et adv. 1. Dem Begriffe des folgenden Substantivi genau angemessen, wie wahr 2; in welchem Verstande es nur als ein Adjectiv gebraucht wird. Die wahrhafte Freundschaft, die wahre. Die wahrhaften Ursachen angeben, die wahren. 2. Mit der Sache selbst übereinstimmig, von Reden und Aussprüchen; wie wahr 4. Eine wahrhafte Vorstellung, eine wahre. da wahrhaft in beyden Bedeutungen nichts mehr saget, als wahr, so kann man es in denselben füglich entrathen; wie es denn auch in der That in denselben nur noch selten gebraucht wird. 3. Fertigkeit besitzend, in allen Fällen die Wahrheit zu reden, d. i. seine Versicherungen und Aussprüche der Sache selbst und seiner innern Gemüthsfassung gemäß einzurichten. Ein wahrhafter Mann. Gott ist wahrhaft Schon bey dem Ottfried uuarhaft.


Wahrhaftig (W3) [Adelung]


Wahrhaftig, -er, -ste, adj. et adv. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe ig von dem vorigen gebildet, und wird auf doppelte Art gebraucht. 1. Als ein Adjectiv und Adverbium, da es denn den Hauptton auf der ersten Sylbe hat, und zuweilen für wahrhaft gebraucht wird, besonders in der dritten Bedeutung. Ein wahrhaftiger Mann. Da es hier nichts mehr sagt, als das vorige, so dienet es auch nur vornehmlich dazu, das folgende Substantiv Wahrhaftigkeit zu bilden, welches sich nicht unmittelbar von wahrhaft machen läßt. 2. Als ein Adverbium allein, da es denn häufig als eine Betheurungs-Formel gebraucht wird, und den Hauptton auf der zweyten Sylbe hat, wahrhaftig! Es ist wahrhaftig also. Bey dem Notker uuarhafto.


Wahrhaftigkeit (W3) [Adelung]


Die Wahrhaftigkeit, plur. car. von wahrhaft 3, die Fertigkeit, seine Reden der Sache selbst und seiner innern Gemüthsfassung gemäß einzurichten.


Wahrheit (W3) [Adelung]


Die Wahrheit, plur. die -en, welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Abstractum und ohne Plural, die Übereinstimmung eines Dinges mit einem andern zu bezeichnen, doch nur in folgenden Fällen. (1) Die Übereinstimmung des Mannigfaltigen in einer Sache. So ist die Wahrheit Gottes die vollkommenste Übereinstimmung alles in demselben befindlichen. So schreibt man in der Moral einem Menschen Wahrheit zu, wenn sein Verhalten mit seinem Zwecke übereinstimmig ist. (2) Die Übereinstimmung eines Satzes mit andern bekannten Wahrheiten, die Anwesenheit eines erweislichen Grundes, welches man die logische Wahrheit zu nennen pflegt; im Gegensatze des Irrthums. Die Wahrheit eines Satzes, eines Ausspruches, eines Urtheiles be- weisen. (3) Die Übereinstimmung mit einem Urbilde, und in weiterer Bedeutung mit der Natur. So hat ein Porträt Wahrheit, wenn es dem Urbilde völlig ähnlich ist. Ein Gemählde hat Wahrheit, wenn die Vorstellung in allen Stücken der Natur gemäß ist. Die Rolle der Gleichgültigkeit mit vieler Wahrheit spielen, mit aller Übereinstimmung mit einem wirklich Gleichgültigen. (4) Die Übereinstimmung einer Rede so wohl mit der Sache selbst, als der Gemüthsfassung des Redenden, im Gegensatze der Unwahrheit, und im härtern Verstande der Lügen; welche nebst der folgenden Bedeutung in dem gesellschaftlichen Umgange die gewöhnlichsteist. In allen Fällen die Wahrheit lieben. Von der Wahrheit abweichen. Du bleibst nicht bey der Wahrheit. Der Wahrheit zu nahe treten. Neben der Wahrheit vorbey spazieren, im gemeinen Leben. Mit der Wahrheit in das Geschrey kommen, mit Grunde in ein übles Gerücht kommen. Hinter die Wahrheit kommen, die Wahrheit, oder die wahre Beschaffenheit der Sache, erfahren. Da denn in Wahrheit und in der Wahrheit auch als eine schwache Betheurungs-Formel gebraucht wird. In Wahrheit, ich bin recht unglücklich. Ich weiß es in Wahrheit nicht. (5) Die wahre Beschaffenheit der Sache. Die Wahrheit reden, sagen, verfehlen, gestehen, bekennen. Die reine Wahrheit gestehen. Die Wahrheit zu sagen. Die Wahrheit aus jemanden bringen, das Geständniß der wahren Beschaffenheit der Sache. (6) Die Fertigkeit, in allen Fällen nur das, was wahr ist, zu reden; in welchem Verstande doch Wahrhaftigkeit üblicher ist. 2. Als ein Concretum. (1) Ein wahrer Satz, ein wahrer Ausspruch; mit dem Plural. Philosophische, theologische Wahrheiten. Nützliche Wahrheiten lehren. Hirngespinnste für Wahrheiten halten. (2) Eine unangenehme Wahrheit; auch mit dem Plural. Jemanden die Wahrheit sagen, ihm einen Verweis geben. (3) Der Zusammenhang wahrer Sätze, der wahre Lehrbegriff; ohne Plural. Die Wahrheit predigen. Um der Wahrheit willen verfolget werden. Ein Zeuge der Wahrheit.

Anm. Bey dem Notker uuarheit; vor ihm waren dafür mit andern Ableitungssylben uuarnissi, nuarniss, uuarhafti und uuara üblich.


Wahrheitseifer (W3) [Adelung]


Der Wahrheitseifer, des -s, plur. car. der Eifer für die Wahrheit, d. i. wahre Beschaffenheit einer Sache, den wahren Lehrbegriff, einen wahren Satz. So auch die Wahrheitsliebe.


Wahrlich (W3) [Adelung]


Wahrlich, adv. welches nur als eine gelinde Betheurungs-Formel für gewiß gebraucht wird. Es ist wahrlich nicht an dem. Er ist wahrlich unschuldig.

Anm. Bey dem Ottfried uuarlich, der es aber als ein Adjectivum für wahr gebraucht. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe lich von wahr gebildet, und vermöge dieser Abstammung sollte die erste Sylbe gedehnt lauten, wahrlich, dagegen sie durchgängig geschärft gesprochen wird, als wenn das Wort warrlich geschrieben wäre; eine Erscheinung, welche viele befremdet hat, die daher entweder die Aussprache, oder die Schreibart verändert wissen wollten. Die Aussprache ändern zu wollen, möchte vergebens seyn, weil sie in allen Mundarten, so viel ich weiß, allgemein ist; und die Schreibart läßt sich um der nächsten Abstammung willen nicht ändern. Es kommt daher nur darauf an, diese Abweichung, da sie einmahl geduldet werden muß, zu entschuldigen, und den Grund, unter dessen Schutz sie sich eingeschlichen hat, aufzusuchen. Dieser ist nun leicht zu finden, wenn man nur erwäget, daß hier zwey streitige Analogien zusammen kommen, da denn nothwendig die eine nachstehen müß; eine, nach welcher die Wurzelsylbe in der Ableitung völlig unverändert bleibt, folglich wahrlich, und die andere, nach welcher zwey auf einen Vocal folgende Consonanten denselben schärfen, also warlich, wie mö- gen, ich mag, ich mochte, sehen, sicht, stehen, Stand, fliehen, Flucht, drey, dritte, groß, größte, wohl, Wollust, und hundert andere mehr. In diesem Worte suchte man, so wie in einigen andern, beyde streitige Analogien zu vereinigen, und folgte der ersten in Ansehung der Schrift, und der letzten in Ansehung der Aussprache; d. i. man schreibt wahrlich, und spricht warlich. Auf ähnliche Art schreibt man vierte, Viertel, vierzig, Pohlnisch, dieß, und spricht virte, Virtel, virzig, Polnisch, diß.


Währmann (W3) [Adelung]


Der Währmann, des -es, plur. die -männer, eine Person, welche für die Wahrheit einer Versicherung oder einer Rede zu stehen hat, wofür doch das vollständigere Gewährmann edler ist. S. dasselbe.


Wahrnehmen (W3) [Adelung]


Wahrnehmen, verb. irreg. act. ( S. Nehmen.) 1. Gewahr werden, erblicken. Etwas an jemanden wahrnehmen. Er ging weg, ohne daß jemand es wahrgenommen hätte. Den Feind von ungefähr wahrnehmen. Er hat sie schon an ihrem Fenster wahr genommen, Gell. Das Wild nimmt den Jäger wahr, wenn es ihn erblickt. Ich habe eine große Beängstigung in ihrem Gesichte wahrgenommen. Wo es im Oberdeutschen auch wohl mit dem Genitiv verbunden wird. - Nimmt seines Meisters wahr, Opitz. 2. In weiterer Bedeutung, obgleich seltener durch die Sinne empfinden. Eine Musik, einen Geruch wahrnehmen. Ich nahm es nicht wahr, daß mich etwas stach. Ingleichen, so viel als ersehen, erkennen. Ich habe aus diesem Briefe wahrgenommen, daß u. s. f. 3. Nach vorher gegangener Beobachtung gewahr werden, bemerken; eine im Hochdeutschen veraltete, wenigstens seltene Bedeutung, in welcher es im Oberdeutschen auch mit dem Genitiv gebraucht wird. Herr, nehmt daran der Kunst wahr, Theuerd. 4. * Betrachten, im Hochdeutschen gleichfalls veraltet; im Oberdeutschen gern mit dem Genitiv. Nehmet wahr der Raben, der Lilien auf dem Felde, Luc. 12. 5. * Wahrnehmen, um sich davor zu hüthen, im Oberdeutschen gleichfalls mit dem Genitiv; im Hochdeutschen wo nicht veraltet, doch wenigstens selten. Nehmt der heißen speys eben wahr, Theuerd. 6. Sorge für etwas tragen, mit dem Genitiv; im Hochdeutschen mehr in der dichterischen Schreibart, obgleich das Wort selbst nichts anschauliches hat, als in der Sprache des gesellschaftlichen Umganges. Nimm meines Lebens gnädig wahr, Gell. Du trauest dir zu viel, nimm deiner Wohlfahrt wahr, Schleg. 7. * Wahrnehmen, um es zu befolgen; mit dem Genitiv, im Hochdeutschen aber veraltet. Mein Herz nimmt nur deiner Satzung wahr, Opitz. 8. Wahrnehmen, um sich dessen zu bedienen, so wohl mit dem Accusativ, als mit dem Genitiv. Die oder der Zeit wahrnehmen, sich selbige zu Nutze machen. Ich nehme dieser Gelegenheit wahr, mit ihre Gewogenheit zu erbitten, Hermes. Daher die Wahrnehmung, S. solches besonders.

Anm. Das Wort ist alt, und lautet schon bey dem Ottfried u. s. f. uuar neman. Wahr ist hier das noch in gewahr übliche Wort, welches sehend bedeutete, und wovon man auch das noch im Oberdeutschen gangbare Verbum wahren, wahrnehmen, sehen, erblicken, hatte. Bey den Jägern ist dafür noch gewahr nehmen üblich, und Ottfried gebraucht dafür auch uuare toun. Wahrnehmen, und gewahr werden sind völlig gleich bedeutend, obgleich das erstere ursprünglich mehr eigene Thätigkeit als das letztere bezeichnet, welcher Unterschied aber wegen seiner Feinheit nicht beobachtet wird. Was die Construction betrifft, so ist der Genitiv nicht einer oder der andern Bedeutung eigen, sondern in allen Bedeutungen eine Eigenheit der Oberdeutschen Mundarten, welche denn zuweilen auch noch im Hochdeutschen beybehalten wird, obgleich hier der Accusativ am gangbarsten ist. Wegen der Vieldeutigkeit dieses Wortes, und da die eigentliche Bedeutung nicht alllemahl aus dem Zusammenhange ersehen werden kann, hat man einige Bedeutungen im Hochdeutschen veralten lassen. Übrigens wird wahrnehmen mit allem Rechte als ein zusammen gesetztes Wort betrachtet, indem wahr für sich allein nicht mehr gangbar ist; dagegen gewahr werden richtiger getheilet wird.


Wahrnehmung (W3) [Adelung]


Die Wahrnehmung, plur. die -en, von dem vorigen Verbo. 1. Die Erblickung eines Dinges; ohne Plural. 2. Die Erblickung nach vorher gegangener Beobachtung, und die beobachtete Sache, mit dem Plural; in welchem Falle man astronomische, physische, chymische u. s. f. Wahrnehmungen hat.


Wahrsagen (W3) [Adelung]


Wahrsagen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben bekommt, künftige Dinge vorher sagen. Wahr sagen können. Die Person, welcher man künftige Dinge vorher saget, bekommt den Dativ. Einem wahrsagen. Sich wahrsagen lassen. Aus der Karte, aus der Kaffeh-Schale wahrsagen. So auch das wahrsagen, und die Wahrsagung.

Anm. Ottfried gebraucht uuara zellan für vorher sagen, dagegen wahrsagen bey dem Kaisersberg die Wahrheit sagen, bedeutet. Wahr ist hier ohne Zweifel das Adverbium wahr, verum; daher wahrsagen eigentlich künftige Wahrheiten vorher sagen bedeutet; eine freylich sehr elliptische Bedeutung, um welcher Willen dieses Wort auch nur im gemeinen Leben, und von abergläubigen Vorhersagungen gebraucht wird. S. Weißagen.


Wahrsager (W3) [Adelung]


Der Wahrsager, des -s, plur. ut nom. sing. Fäm. die Wahrsagerinn, plur. die -en, eine Person, welche künftige Dinge durch abergläubige Mittel vorher sagen will. Im Niedersächsischen Wicker, Wickersche, von wicken, wahrsagen, einem alten, und dunkelen Worte.


Wahrsagerey (W3) [Adelung]


Die Wahrsagerey, plur. inus. die vorgegebene Kunst eines Wahrsagers, im verächtlichen Verstande; die Wahrsagerkunst.


Wahrschauen (W3) [Adelung]


* Wahrschauen, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen fremd und nur in einigen Oberdeutschen Gegenden für warnen üblich ist. Einen wahrschauen. Ein allem Ansehen nach auch sehr elliptisches Wort, welches eigentlich so viel zu bedeuten scheinet, als das Wahre, eine wahre Gefahr, vorher schauen. Es müßte denn wahrschauen so viel als warschen seyn, da denn dieses mit warnen gleiches Stammes seyn, und vermittelst der niedrigen Ableitungssylben schen, von war, in wahren, bewahren gebildet seyn würde.


Wahrscheinlich (W3) [Adelung]


Wahrscheinlich, -er, -ste, adj. et adv. dem Wahren ähnlich, den bloßen Schein des Wahren habend, wovon nur einige, aber noch nicht alle hinlängliche Gründe hat, es für wahr oder wirklich zu halten. Es ist wahrscheinlich, daß er kommen wird, wenn man mehr Gründe zu vermuthen hat, daß er kommen als daß er nicht kommen wird. Ein wahrscheinlicher Satz, eine wahrscheinliche Ursache, Erzählung. Wahrscheinlicher Weise.


Wahrscheinlichkeit (W3) [Adelung]


Die Wahrscheinlichkeit, plur. die -en. 1. Der Zustand, da eine Sache wahrscheinlich ist, ohne Plural. 2. Eine wahrscheinliche Sache; mit dem Plural.


Währung (W3) [Adelung]


1. Die Währung, plur. car. von dem Verbo währen, fortdauern, die Fortdauer; ein Wort, welches doch wenig gebraucht wird.


Währung (W3) [Adelung]


2. Die Währung, plur. inus. der Werth des Geldes nach einem gewissen Münzfuße. Tausend Thaler Meißnischer Währung, nach dem Schrote und Korne Meißnischen Geldes, tausend Thaler Sächsischen Geldes. Fünfzehn Mark Lübscher Währung nach dem Lübeckischen Gelde. Von dem alten Währ, Gewähr, Schätzung; wovon auch Werth ein abgeleitetes Wort ist. S. auch Wardein.


Währung (W3) [Adelung]


Die Währung, plur. die -en, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, diejenigen beweglichen Dinge zu bezeichnen, welche bey einem Grundstücke unveräußerlich sind, und jedem Besitzer mit überliefert werden, das Inventarium. Von Gewähr, Besitz. S. dasselbe.


Währwolf (W3) [Adelung]


Der Währwolf, des -es, plur. die -wölfe, ein in einen Wolf verwandelter Mensch, ein Uberrest des ehemahligen, noch an manchen Orten üblichen Aberglaubens, da man noch solche Verwandlungen glaubte. Nieders. Waarwulf, Engl. Werewolf, Franz. Loup garou, Mittell. Gerulphus. Die erste Hälfte ist ohne Zweifel das alte weit ausgebreitete War, ein Mann, Lat. ver, Gothisch wair, Angels. wer, ( S. Baron,) wovon noch im Niedersächsischen ein Änterich Waarte heißt.


Wahrzeichen (W3) [Adelung]


Das Wahrzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. ein sichtliches Zeichen, ein Ding daran zu erkennen oder andern zu unterscheiden; nur im gemeinen Leben. So nennt man eine Warze, ein Mahl, u. s. f. ein Wahrzeichen eines Menschen. Auch Städte haben ihre Wahrzeichen. In der edlern Schreibart gebraucht man dafür Kennzeichen, Merkmahl u. s. f. Wahr ist in dieser Zusammensetzung wieder das alte wahr, sichtbar, sehend.


Währzug (W3) [Adelung]


Der Währzug, des -es, plur. die -züge, im Bergbaue, ein Zug, welcher von einem dritten Markscheider geschiehet, wenn deren zwey in ihren gemachten Zügen abweichen; vermuthlich von währen in bewähren, beweisen.


Waid (W3) [Adelung]


Der Waid, des -es, plur. car. der Nahme einer Pflanze, welche zum Färben gebraucht, und in den wilden Waid und Feldwaid, oder Samenwaid unterschieden wird, Isatis L. In engerer Bedeutung wird der aus dieser Pflanze vermittelst der Gährung gezogene Farbenkörper Waid genannt, welcher, ehe der Indigo bekannt wurde, die gangbarste blaue Farbe in Europa war, und daher häufig gebauet wurde. Das Gewächs ist bey uns fremd, und in Frankreich einheimisch; wenigstens war der Nahme Glastum, welchen Plinius demselben gibt, ein Gallisches Wort; allein wenn man mit Salmasio dafür Guastum lieset, wie denn wirklich die Lesearten in Ansehung dieses Wortes sehr verschieden sind, so hat man in demselben das Stammwort nicht allein des Deutschen Nahmens, sondern auch der meisten Nahmen in andern Sprachen, wohin das Engl. Woad, das Alt-Franz. Guesde, und heutige Gaude, Guede, das Ital. Guado, die mittlern Lat. Guasdum, Guaisdium, Gaide, Gaudum, Guadum, Gesdium u. s. f. gehören. S. auch Wau.


Waidasche (W3) [Adelung]


Die Waidasche, plur. inus. die Asche von gebrannten Weinhefen, weil sich die Waidfärber derselben bedienen, und welche mit der Pottasche nicht verwechselt werden muß. Die Franzosen haben daraus ihr Vedasse gemacht. Sie wird auch Drusenasche genannt.


Waidballen (W3) [Adelung]


Der Waidballen, des -s, plur. ut nom. sing. der zu Ballen geformte gemahlne Waid; auch wohl der Waidball, des -es, plur. die -bälle.


Waidbau (W3) [Adelung]


Der Waidbau, des -es, plur. car. der Bau des Waids.


Waidbauer (W3) [Adelung]


Der Waidbauer, des -n, plur. die -n, Landleute, welche sich vorzüglich auf den Waidbau legen, dergleichen ehedem in Thüringen und der Lausitz häufig waren.


Waidblume (W3) [Adelung]


Die Waidblume, plur. die -n. 1. Die Blume oder Blüthe des Waides. 2. Bey den Färbern, der blaue Schaum des zum Färben gesetzten Waides.


Waideisen (W3) [Adelung]


Das Waideisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein gekrümmtes scharfes Eisen, mit einem Hefte, die Blätter des Waides damit abzustoßen.


Waidfarbe (W3) [Adelung]


Die Waidfarbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, die aus dem Waide bereitete blaue Farbe.


Waidfärber (W3) [Adelung]


Der Waidfärber, des -s, plur. ut nom. sing. Färber, welche mit Waid und Indigo färben, zum Unterschiede so wohl von den Schwarzfärbern, als auch von den Kunst- oder Seidenfärbern.


Waidgast (W3) [Adelung]


Der Waidgast, des -es, plur. die -gäste, ein Nahme, welchen ehedem die Waidhändler in manchen Städten führeten.


Waidhändler (W3) [Adelung]


Der Waidhändler, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher mit Waide handelt, und, wenn er ein Patricius war, ehedem auch Waidherr und Waidjunker genannt wurde.


Waidherr (W3) [Adelung]


Der Waidherr, des -en, plur. die -en. 1. ( S. das vorige.) 2. In einigen Städten ehedem Rathsherren, welche die Aufsicht über die Waidfärber hatten.


Waidknecht (W3) [Adelung]


Der Waidknecht, des -es, plur. die -e, geringe Arbeiter bey der Bereitung des Waids.


Waidküpe (W3) [Adelung]


Die Waidküpe, plur. die -n, bey den Färbern, ein Faß, worin der Waid zum Färben bereitet wird; ingleichen die darin befindliche zubereitete Waidfarbe, zum Unterschiede von der Indigo-Küpe. Beyde zusammen heißen Blauküpen. Eine Waidküpe anstellen, die Waidfarbe in der Küpe bereiten.


Waidmühle (W3) [Adelung]


Die Waidmühle, plur. die -n, eine Mühle, den Waid darauf zu mahlen.


Wailand (W3) [Adelung]


Wailand, S. Weiland.


Waise (W3) [Adelung]


Die Waise, plur. die -n, ohne Unterschied des Geschlechtes; oder der Waise, des -n, Fämin. die Waise, plur. beyde, die -n, Diminut. das Waischen, ein seiner Ältern beraubtes, besonders unmündiges Kind. Eine Waise werden, zur Waise werden. Eine vaterlose Waise, wenn es des Vaters beraubt ist. Eine mutterlose Waise, wenn es keine Mutter mehr hat. Am häufigsten gebraucht man es im Hochdeutschen als ein Fämininum, und da ist auch der Knabe eine Waise. Allein in andern Gegenden unterscheidet man es nach den Geschlechtern, und da ist der Knabe ein Waise, und das Mädchen eine Waise.

Anm. Das Wort lautet schon bey dem Ottfried uueiso, im Nieders. Wese. frisch gibt sich viele unnöthige Mühe, das Wort von weisen, zeigen, herzuleiten, und es nach einer unerhörten Ellipse, durch, des Weisers oder Führers beraubt, zu erklären. Waise, oder weise ist ursprünglich ein Adjectiv, welches, eines Dinges beraubt, bedeutete. Kroneweise, der Krone beraubt, kommt bey den Schwäbischen Dichtern vor. Auch Opitz gebraucht es noch häufig als ein Adjectivum. Wie steht die waise Stadt? wie steht sie so verlassen? - - Läßt aber unbesorgt die waisen Eyer stehen, eben ders. die verlassenen. Es ging mit bleichem Licht, die waise Mutter auf, eben ders. von der Aurora, die verlassene. Daß dieses waise mit dem Lat. viduus verwandt ist, wird der sehr wahrscheinlich finden, welcher weiß, wie gern s und t in den Sprachen und Mundarten mit einander vertauschet werden. ( S. Witwe.) Da dieses Wort nun eigentlich ein Adjectiv ist, so erhellet daraus zugleich, daß diejenigen Mundarten das Recht auf ihrer Seite haben, welche dieses Wort nach dem Geschlechte der Waise und die Waise biegen. Die Hochdeutschen scheinen durch das mildernde e um Ende, Waise, für das härtere Oberdeutsche Wais, verleitet worden zu seyn, dieses Wort für ein Fämininum zu halten. Was den Doppellaut ai betrifft, so findet er sich in den ältesten Schreibarten nicht, auch die Abstammung scheinet ihn nicht nothwendig zu machen; sondern er ist eine Eigenheit der spätern Oberdeutschen Mundarten, welche auch Getraide, haiter, Waise u. s. f. schreiben und sprechen. Die Hochdeutschen haben diesen unangenehmen Doppellaut in den meisten Fällen mit dem ih- nen angemessenern ei vertauscht; allein in diesem Worte scheinen sie ihn wirklich zum Unterschiede von weise, sapiens, bey behalten zu haben.


Waisenamt (W3) [Adelung]


Das Waisenamt, des -es, plur. die -ämter, an einigen Orten, ein obrigkeitliches Collegium, welches die Aufsicht über die Waisen und deren Vermögen führet; an andern Orten das Pupillen-Collegium, der Waisenrath, im Würtembergischen das Waisenrecht.


Waisengeld (W3) [Adelung]


Das Waisengeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, Waisen zugehörige Gelder; Pupillen-Gelder.


Waisenhaus (W3) [Adelung]


Das Waisenhaus, des -es, plur. die -häuser, eine Anstalt, wo arme Waisen unentgeldlich erzogen und unterrichtet werden.


Waisenherr (W3) [Adelung]


Der Waisenherr, des -en, plur. die -en, an einigen Orten, ein Rathsherr, welcher die Aufsicht über ein zur Stadt gehöriges Waisenhaus hat.


Waisenkind (W3) [Adelung]


Das Waisenkind, des -es, plur. die -er, ein verwaisetes Kind; ein Wort, welches für Waise nur von den in einem Waisenhause befindliche Kindern, und auch hier nur am häufigsten im Plural, gebraucht wird.


Waisenknabe (W3) [Adelung]


Der Waisenknabe, des -n, plur. die -n, ein Waise männlichen Geschlechtes, doch nur von den in einem Waisenhause befindlichen Waisen, zum Unterschiede von den Waisenmädchen.


Waisenmädchen (W3) [Adelung]


Das Waisenmädchen, des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige.


Waisenmutter (W3) [Adelung]


Die Waisenmutter, plur. die -mütter, eine weibliche, gemeiniglich bejahrte Person, welche in einem Waisenhause die Stelle der Mutter vertritt; zum Unterschiede von dem Waisenvater.


Waisenrath (W3) [Adelung]


Der Waisenrath, des -es, plur. die -räthe, siehe Waisenamt.


Waisenschreiber (W3) [Adelung]


Der Waisenschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. der Schreiber an einem Waisenhause, d. i. ein Unterbeamter, welcher die Rechnungen über die Ausgaben und Einnahmen führet.


Waisenvater (W3) [Adelung]


Der Waisenvater, des -s, plur. die -väter, eine männliche Person, welche in einem Waisenhause die Stelle des Vaters vertritt.


Wake (W3) [Adelung]


1. Die Wake, plur. die -n, ein vornehmlich in Niedersachsen übliches Wort, ein in dem Eise gehauenes Loch zu bezeichnen, welches an andern Orten eine Wuhne heißt. Nicht, wie in dem Brem. Nieders. Wörterbuche geglaubt wird, von dem Engl. wak, naß, und Woge, eine Welle, denn wie passen diese Begriffe zu einem Loche? sondern von dem noch im Schwed. und Isländ. üblichen vak, vauk, eine Öffnung, ingleichen eine Wunde, ein Fenster, welche wieder mit dem Lat. vacuus, leer, verwandt zu seyn scheinen.


Wake (W3) [Adelung]


2. Die Wake, plur. so wohl von mehrern Arten, als mehrern Individuis, die -n, der Nahme einer vermischten Art Felssteine, welche gemeiniglich aus Quarz, Sand und Glimmer bestehet, und so wohl ganze Ganggebirge ausmacht, als auch in einzelnen, oft großen Stücken auf der Oberfläche der Erde gefunden wird, in welchem letztern Falle ein solcher Stein eine Feldwake heißt. An andern Orten, z. B. im Bareuthischen, wird eine Art kalkartiger Steine, welche bey dem Eisenschmelzen als Zuschlag gebraucht wird, Wake genannt. Die Schreibart Wacke, welche bey vielen angetroffen wird, ist wider die gewöhnlichste Aussprache, indem das a gedehnt ist, S. auch Wachstein.


Wakengebirge (W3) [Adelung]


Das Wakengebirge, des -s, plur. ut nom. sing. von dem vorigen, ein Gebirge, welches aus Wake bestehet, dessen Steinart Wake ist.


Wakig (W3) [Adelung]


Wakig, adj. et adv. Wake enthaltend, aus Wake bestehend. Ein wakiges Gebirge, ein Wakengebirge.


Walch (W3) [Adelung]


Der Walch, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme einer Grasart, Aegilops.


Walchen (W3) [Adelung]


* Walchen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches in der Deutschen Bibel von der Bewegung der Wellen gebraucht wird, und mit wallen und walken sehr nahe verwandt ist. Siehe diese Wörter.


Walchern (W3) [Adelung]


Walchern, verb. reg. act. das Iterativum und Intensivum des vorigen, welches nur in den gemeinen Sprecharten vorkommt, rollend hin und her bewegen, in Obersachsen walgern, S. dasselbe.


Wald (W3) [Adelung]


Der Wald, des -es, plur. die Wälder, Diminut. das Wäldchen, Oberdeutsch Wäldlein. 1. Ein mit Oberholz bewachsener Bezirk von einem beträchtlichen Umfange; wodurch sich der Begriff dieses Wortes von Waldung, Gehölz, Hain u. s. f. unterscheidet. Der Thüringer Wald, der Schwarzwald, der Harzwald, der Böhmer Wald u. s. f. In den Wald, durch einen Wald gehen, fahren, reisen. Zu einem Walde werden, in einem beträchtlichen Umfange mit Oberholz bewachsen. Einen Wald verhauen. 2. In weiterer Bedeutung, ein jeder dick mit Oberholz bewachsener Platz, wenn er gleich nur klein ist. Ein Lustwald, Lustwäldchen, Lorberwald, u. s. f. 3. Bey den ältern Dichtern bedeutet Wälder im Plural, nach dem Latein. Sylvae, figürlich eine Sammlung vermischter Gedichte. "Wälder," sagt Opitz, "sind nicht allein solche Gedichte, die aus geschwinder Anregung von der Hand weg gemacht werden, die Quinotilian und Statius auch Sylvas nennt, sondern auch Sammlungen, Gedichte mancherley Arten." 4. In dem Forstwesen werden die grünen Äste an den Bäumen, in manchen Gegenden, collective Wald genannt. Bäume, die nicht viel Wald haben.

Anm. Schon bey dem Kero vuald, im Niedersächsischen Woold, im Angelsächs. Weald, Wald und Wold, im mittlern Lat. Gualdus, mit Ausstoßung des e im Engl. Wood, und im Schwedischen Ved, welche aber auch Holz, und einen Baum bedeuten. Der Stammbegriff läßt sich in diesem Worte nur errathen. Viele sind auf wild gefallen, weil ein Wald doch der wildeste Anblick in der Natur ist. Allein zu geschweigen, daß wild schon wieder ein übergetragener Begriff ist, so scheinet in Wald vielmehr das dicke, enge Beysammenseyn der Theile der herrschende Begriff zu seyn, indem man dicke, buschige Haare, nahe an einander stehende Gewächse u. s. f. mehrmahls mit einem Walde zu vergleichen pflegt. Und alsdann würde dieses Wort mit Wolle, Welt u. s. f. verwandt seyn. Ehedem bedeutete Wald auch Holz, wie das Englische Wood und Schwedische Ved, und auch im Deutschen Holz so wohl Lignum als Sylva ist. Vil waldes wart uf siner brust An rechter Tiost verswendet, Heinr. von Veldeck. (Siehe Holz, die Anmerkung.) Wenn im Osnabrückischen ein Bezirk, über welchen man zu gebiethen hat, eine Wälde genannt wird, so gehöret dieses Wort nicht hierher, sondern zu Gewalt, S. dasselbe. Das Wort Wald wird in sehr vielen Zusammensetzungen gebraucht, besonders mit Gewächsen, diejenige Art zu bezeichnen, welche vornehmlich in Wäldern angetroffen wird. Im folgenden können nur die vornehmsten davon aufgeführet werden, indem die meisten sich schon von sich selbst erklären.


Waldameise (W3) [Adelung]


Die Waldameise, plur. die -n, eine Art großer Ameisen, welche in den Wäldern angetroffen werden, zum Unterschiede von der kleinern Art; Formica rufa Linn.


Walddämmerling (W3) [Adelung]


Der Walddämmerling, des -es, plur. die -e, ein Nahme der Goldammer, weil sie in den Wäldern zu brüten pflegt.


Waldamt (W3) [Adelung]


Das Waldamt, des -es, plur. die -ämter. 1. Ein Amt, d. i. Collegium, welches die erste Instanz in Waldsachen hat. 2. Die Versammlung dieses Collegii. Ein Waldamt halten. 3. Ein Amt, das ist, eine Bedienung, bey dem Forstwesen. In allen diesen Fällen ist an den meisten Orten Forstamt üblicher.


Waldamtmann (W3) [Adelung]


Der Waldamtmann, des -es, plur. die -männer, der Vorgesetzte eines Waldamtes. An manchen Orten auch einer der vornehmsten Waldbeamten.


Wald-Anemone (W3) [Adelung]


Die Wald-Anemone, plur. die -n, eine Art Anemonen, welche in Wäldern angetroffen wird, Anemone sylvestris Linn. zum Unterschiede von der Garten-Anemone.


Waldäppich (W3) [Adelung]


Der Waldäppich, des -es, plur. die -e, ein Nahme des Epheues, Hedera Helix Linn.


Waldäsche (W3) [Adelung]


Die Waldäsche, plur. die -n, in manchen Gegenden, ein Nahme des gemeinen weißen Ahornes, Acer Linn. wegen einer Ähnlichkeit mit der Äsche, Fraxinus Linn.


Waldaxt (W3) [Adelung]


Die Waldaxt, plur. die -äxte, eine große Axt, Waldbäume damit zu fällen.


Waldbach (W3) [Adelung]


Der Waldbach, des -es, plur. die -bäche, ein Bach, der aus einem Walde kommt, seinen Ursprung in einem Walde nimmt; zum Unterschiede von einem Feldbache.


Waldbart (W3) [Adelung]


Der Waldbart, des -es, plur. die -bärte, in einigen Gegenden ein Nahme des Wasserwegeriches, S. dieses Wort.


Waldbauer (W3) [Adelung]


Der Waldbauer, des -n, plur. die -n, ein Bauer in einer waldigen Gegend, der folglich seine vornehmste Nahrung aus dem Walde hat, ein Holzbauer.


Waldbaum (W3) [Adelung]


Der Waldbaum, des -es, plur. die -bäume, Bäume, welche in Wäldern zu wachsen pflegen, zum Unterschiede von den Feld- und Gartenbäumen.


Waldbereiter (W3) [Adelung]


Der Waldbereiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Unterbeamter, welcher einen Wald zu bereiten, und für die Sicherheit desselben zu sorgen hat; Hägereiter, Heidereiter.


Waldbeute (W3) [Adelung]


Die Waldbeute, plur. die -n, in der Bienenzucht, Beuten, welche man in den Stämmen großer Waldbäume aushauet, und in welche man die zahmen Bienen zuweilen setzt.


Waldbiene (W3) [Adelung]


Die Waldbiene, plur. die -n, Bienen, welche wild in den Wäldern leben, Feldbienen, Heidebienen, an einigen Orten Wald heinzen; zum Unterschiede von den zahmen und Gartenbienen.


Waldbirn (W3) [Adelung]


Die Waldbirn, plur. die -en, Birnen, welche wild in den Wäldern wachsen, und unter dem Nahmen der Holzbirnen am bekanntesten sind.


Waldblume (W3) [Adelung]


Die Waldblume, plur. die -n, Diminut. das Waldblümchen. 1. Ende jede Blume, welche vorzüglich in den Wäldern wächset. 2. In engerer Bedeutung, ein Nahme des Wohlverley. S. dieses Wort.


Waldbock (W3) [Adelung]


Der Waldbock, des -es, plur. die -böcke, eine Art wilder Böcke, welche sich in manchen Ländern in den Wäldern aufhält, dessen Weibchen die Waldziege heißt.


Waldboth (W3) [Adelung]


* Der Waldboth, des -es, plur. die -en, ( S. Waldgraf.) Von Walt, Gewalt, war Waldbothe, oder richtiger, Waltbothe, ehedem ein mit hinlänglicher Vollmacht versehener Abgeordneter eines Obern, ein Commissarius, in welcher Bedeutung doch das Wort längst veraltet ist.


Waldbrand (W3) [Adelung]


Der Waldbrand, des -es, plur. die -brände, ein Brand in einem Walde, die Entzündung der Bäume eines Waldes.


Waldbrief (W3) [Adelung]


Der Waldbrief, des -es, plur. die -e, in den Westphälischen Holzmarken, die Polizey-Ordnung in Ansehung der Waldungen, welche jährlich bey jedem Waldgerichte verlesen wird.


Waldbruder (W3) [Adelung]


Der Waldbruder, des -s, plur. die -brüder, ein Einsiedler, der im Walde lebt, in der Römischen Kirche.


Waldbürger (W3) [Adelung]


Der Waldbürger, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Bürger, d. i. Bewohner eines Waldes. In diesem Verstande werden Vögel und wilde Thiere zuweilen figürlich Waldbürger genannt. 2. In manchen Gegenden, z. B. in Ungarn, heißen die Gewerken des Bergbaues Waldbürger.


Waldbuße (W3) [Adelung]


Die Waldbuße, plur. die -n, S. Waldstrafe.


Walddistel (W3) [Adelung]


Die Walddistel, plur. die -n. 1. Eine jede Art Disteln, welche in den Wäldern angetroffen wird. 2. Ein Nahme der Stechpalme, Ilex aquifolium L. ( S. Stechpalme.) 3. An andern Orten es die Mannstreu, Eryngium campestre L. S. Mannstreu.


Walddorn (W3) [Adelung]


Der Walddorn, des -es, plur. inus. ein Nahme eines Gewächses, welches frisch durch Agriacantha erkläret.


Walddosten (W3) [Adelung]


Der Walddosten, plur. inus. der gemeine braune Dosten, welcher auch Wohlgemuth und wilder Majoran genannt wird, Origanum vulgare L.


Waldeiche (W3) [Adelung]


Die Waldeiche, plur. die -n, eine Eiche, welche in einem Walde wächset, zum Unterschiede von einer Feld-Rasen- oder Raumeiche, welche auf einem offenen Platze angetroffen wird.


Waldeidechse (W3) [Adelung]


Die Waldeidechse, plur. die -n, Eidechsen, welche in Wäldern angetroffen werden.


Waldeisen (W3) [Adelung]


Das Waldeisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein eiserner Hammer, die zum Fällen bestimmten, oder verkauften Bäume damit zu bezeichnen; der Waldhammer, Forsthammer, Mahlhammer, das Mahleisen.


Waldenser (W3) [Adelung]


Der Waldenser, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Ketzer (nach Römischen en Begriffen,) welche vornehmlich von dem 12 ten Jahrhundert an bekannt wurden, und sich in vielen Stücken vor der herrschenden Kirche absonderten. Gemeiniglich leitet man diesen Nahmen von einem ihrer bekanntesten Lehrer, dem Petrus Waldus her, welcher um 1170 lebte. Allein da der Nahme schon früher vorkommt, so leitet man ihn richtiger von Vallensis ab, weil diese leute vornehmlich in den Piemontesischen Thälern wohnten.


Walderve (W3) [Adelung]


Die Walderve, plur. die -n, eine Art Erven, welche wild in den Wäldern wächset, und auch wohl Fasanenkraut genannt wird; Orobus hirsutus L.


Waldesel (W3) [Adelung]


Der Waldesel, des -s, plur. ut nom. sing. ein außer Luthers Bibel wenig bekanntes Wort, einen wilden Esel zu bezeichnen, welcher von manchen auch wohl der Feldesel genannt wird.


Waldeule (W3) [Adelung]


Die Waldeule, plur. die -n, ein Nahme derjenigen Eulenarten, welche sich gern in den Wäldern auf halten; zum Unterschiede von den Kircheulen, Steineulen u. s. f.


Waldfarn (W3) [Adelung]


Der Waldfarn, des -es, plur. inus. oder das Waldfarnkraut eine Art Farn oder Farnkraut, welche in den Wäldern angetroffen wird, Tanacetum vulgare L. Siehe Rainfarren.


Waldfink (W3) [Adelung]


Der Waldfink, des -en, plur. die -en, eine Art Finken, welche sich vornehmlich in den Wäldern aufhält, der Winterfink, Tannenfink; zum Unterschiede von den Buchfinken, Graufinken u. s. f.


Waldflachs (W3) [Adelung]


Der Waldflachs, des -es, plur. car. ein Nahme des Flachskrautes, oder Leinkrautes, Antirrhinum Linaria L. S. Flachskraut 2.


Waldfloh (W3) [Adelung]


Der Waldfloh, des -es, plur. die -flöhe, eine Art wilder Flöhe, welche in den Wäldern angetroffen werden, Podura nivalis L.


Waldflöte (W3) [Adelung]


Die Waldflöte, plur. die -n, 1. Eine Flöte, so wie man sie der poetischen Schäferwelt andichtet, die Schäferflöte. 2. In den Orgeln ist die Waldflöte eine Art Flöten, welche der Spitzflöte gleicht, nur daß sie oben weiter ist, S. Hohlflöte.


Waldforelle (W3) [Adelung]


Die Waldforelle, plur. die -n, Forellen, welche sich in Waldbächen aufhalten; zum Unterschiede von den Teichforellen.


Waldförster (W3) [Adelung]


Der Waldförster, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, z. B. im Österreichischen, ein geringer Forstbeamter, der sonst unter dem Nahmen des Försters am bekanntesten ist.


Waldfrevel (W3) [Adelung]


Der Waldfrevel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Frevel, d. i. ein Verbrechen, welches an den zu einem Walde gehörigen Dingen, oder wider die Waldordnung, begangen wird.


Waldfreveler (W3) [Adelung]


Der Waldfreveler, des -s, plur. ut nom. sing. der einem solchen Frevel begangen hat; der Waldverbrecher.


Waldgedinge (W3) [Adelung]


Das Waldgedinge, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gedinge in Waldsachen, d. i. eine Versammlung der Forstbeamten, in welcher die Holzverkäufe und vollzogen werden; an einigen Orten der Schreibetag.


Waldgeflügel (W3) [Adelung]


Das Waldgeflügel, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. Geflügel, welches sich im Walde aufhält; zum Unterschiede von dem Haus-Feld- und Wassergeflügel.


Waldgehäge (W3) [Adelung]


Das Waldgehäge, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gehäge des großen oder hohen Wildbretes, zum Unterschiede von dem Feldgehäge.


Waldgenoß (W3) [Adelung]


Der Waldgenoß, des -en, plur. die -en, derjenige, welcher mit andern gemeinschaftlichen Antheil an einem Walde hat.


Waldgeräume (W3) [Adelung]


Das Waldgeräume, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, geräumte, d. i. zu Acker gemachte Waldung; an andern Orten Rodeland, Rodeacker. S. auch Waldhube.


Waldgeist (W3) [Adelung]


Der Waldgeist, des -es, plur. die -er, ein erdichteter Geist, welcher seinen Aufenthalt in den Wäldern haben soll. Besonders werden die Satyren der Alten Waldgeister, und im harten Verstande wohl Waldteufel genannt.


Waldgerecht (W3) [Adelung]


Waldgerecht, -er, -este, adj. et adv. eines Waldes und der zu demselben gehörigen Dinge kundig, wie forstgerecht. Ein forstgerechter Jäger.


Waldgerechtigkeit (W3) [Adelung]


Die Waldgerechtigkeit, plur. inus. die Grundherrschaft, das Eigenthumsrecht über einen Wald.


Waldgericht (W3) [Adelung]


Das Waldgericht, des -es, plur. die -e, ein Gericht, welches in Waldsachen, oder über Waldfrevel gehalten wird, das Forstgericht, Holzgericht.


Waldgeschrey (W3) [Adelung]


Das Waldgeschrey, des -es, plur. inus. das Geschrey, welches bey einer Jagd in einem Walde gemacht wird. Siehe Jagdgeschrey.


Waldgesell (W3) [Adelung]


Der Waldgesell, des -en, plur. die -en, ein bey den Jägern üblicher Hundenahme, S. Gesellmann.


Waldgesetz (W3) [Adelung]


Das Waldgesetz, des -es, plur. die -e, Gesetze in Waldsachen; Forstgesetz.


Waldglöckchen (W3) [Adelung]


Das Waldglöckchen, Oberd. Waldglöcklein, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine Art kleiner Glockenblumen, welche in den Wäldern häufig ist, Digitalis L. Fingerhutblume. 2. Ein Nahme des Hals- oder Zapfenkrautes, Ruscus Hypophyllum L.


Waldgott (W3) [Adelung]


Der Waldgott, des -es, plur. die -götter, Fämin. die Waldgöttinn, plur. die -en, eine mythologische Untergottheit, welche ihren Sitz und ihr Reich in den Wäldern hat. Lat. Faunus, Fauna.


Waldgraf (W3) [Adelung]


Der Waldgraf, des -en, plur. die -en. 1. In einigen Niedersächsischen Gegenden, ein Graf, d. i. Richter, in einem Waldgerichte, ingleichen der Grundherr einer Holzmark, wenn er zugleich diese Gerichtbarkeit besitzet, ( S. Holzgraf.) 2. In höherm Verstande sind die Waldgrafen, gewisse Grafen in den ehemahligen waldigen Gegenden an dem Rhein, welche zu den Zeiten der Fränkischen Könige und ihrer nächsten Nachfolger die höchste Aufsicht über die Jagden in diesen Gegenden hatten, und auch Wild-Rau- und Reingrafen genannt wurden. Siehe diese Wörter.


Waldhäher (W3) [Adelung]


Der Waldhäher, S. Holzhäher.


Waldhammer (W3) [Adelung]


Der Waldhammer, des -s, plur. die -hämmer, Siehe Waldeisen.


Waldheinze (W3) [Adelung]


Die Waldheinze, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der wilden oder Waldbienen, S. Heinze.


Waldherd (W3) [Adelung]


Der Waldherd, des -es, plur. die -e, ein Vogelherd, welcher in einem Walde angerichtet wird, zum Unterschiede von einem Feldherde.


Waldherr (W3) [Adelung]


Der Waldherr, des -en, plur. die -en. 1. Der Eigenthümer eines Waldes. 2. An einigen Orten, z. B. in Nürnberg, sind die Wald herren diejenigen Rathsherren, welche die oberste Aufsicht über die Förste der Stadt haben, und das Forstgericht ausmachen. 3. An andern Orten wird der Neuntödter, Falco minimus L. der Waldherr genannt.


Waldhirsch (W3) [Adelung]


Der Waldhirsch, des -es, plur. die -e, Hirsche, welche sich in Wäldern aufhalten, zum Unterschiede von Land- und Gebirghirschen.


Waldhirse (W3) [Adelung]


Die Waldhirse, plur. inus. eine der Hirse ähnliche Grasart, welche in den Wäldern angetroffen wird, eine Art des Kuh- oder Wachtelweitzens, Melampyrum nemorosum L.


Waldhohlunder (W3) [Adelung]


Der Waldhohlunder, des -s, plur. inus. ein Nahme des Berg- oder Hirschhohlunders, oder Hirschholders, welcher in Wäldern angetroffen wird, Sambucus racemosa L. Siehe Berghohlunder.


Waldhonig (W3) [Adelung]


Das Waldhonig, des -es, plur. inus. das Honig von Waldbienen, wildes Honig.


Waldhopf (W3) [Adelung]


Der Waldhopf, des -es, plur. die -e, an einigen Orten ein Nahme des Wiedehopfes, S. dieses Wort.


Waldhorn (W3) [Adelung]


Das Waldhorn, des -es, plur. die -hörner, eine Art messingener Jagdhörner, welche ehedem bloß zur Jagd gebraucht wurden, jetzt aber auch außer derselben üblich sind. Sie stehen in Ansehung der Größe zwischen dem Parforce-Horne, und dem Jagd- oder Flügelhorne in der Mitte.


Waldhornist (W3) [Adelung]


Der Waldhornist, des -en, plur. die -en, ein Zwitter mit einer ausländischen Endung, derjenige, welcher das Waldhorn bläset, und so fern er es geschickt zu blasen weiß.


Waldhube (W3) [Adelung]


Die Waldhube, plur. die -n, eine Hube tragbaren Landes, welche aus ausgerotteter Waldung entstanden ist.


Waldhuhn (W3) [Adelung]


Das Waldhuhn, des -es, plur. die -hühner, eine allgemeine Benennung einer den Hühnern ähnlichen Art wilden Geflügels, mit zottigen oder wolligen Füßen und rothen Augenbraunen, welche auch Schnee- und Berghühner, ingleichen Rauchfüße genannt werden, Lagopus. L. Der Auerhahn, Birkhahn, das Haselhuhn und Schneehuhn sind Unterarten dieses Geschlechtes. Waldhuhn bezeichnet theils diesen Vogel ohne Unterschied des Geschlechtes, theils nur das Weibchen allein; in diesem Falle wird das Männchen der Waldhahn genannt. Siehe Huhn.


Waldhummel (W3) [Adelung]


Die Waldhummel, plur. die -n, eine Art Hummeln mit schwarzem Kopfe, und blaßgelben Brustschilde, welche sich in den Wäldern aufhält; Apis sylvarum L.


Waldhüther (W3) [Adelung]


Der Waldhüther, des -s, plur. ut nom. sing. ein geringer Forstbeamter, welcher einen Waldbezirk zu hüthen hat, unter dem Förster stehen, und auch Waldknecht, Forstläufer, Heideläufer, Forstknecht genannt wird.


Waldhütte (W3) [Adelung]


Die Waldhütte, plur. die -n, eine in einem Walde aufgeschlagene Hütte, z. B. eine Hütte bey einem Waldherde; zum Unterschiede von einer Feldhütte.


Waldicht (W3) [Adelung]


Waldicht, -er, -ste, adj. et adv. einem Walde ähnlich; ein Wort, welches, so wie der Begriff nur selten gebraucht wird, aber fehlerhaft ist, wenn es für das folgende waldig gebraucht wird. S. -icht.


Waldig (W3) [Adelung]


Waldig, -er, -ste, adj. et adv. mit Wald, d. i. Oberholz, bewachsen. Eine waldige Gegend, waldige Hügel. Das Land ist sehr waldig, S. -ig.


Waldine (W3) [Adelung]


Waldine, ein bey den Jägern, als ein eigener Nahme, übliches Wort, einen weiblichen Leithund damit zu benennen, so wie Waldmann als ein solcher Nahme eines männlichen Hundes gebraucht wird.


Waldjauchert,Waldjuchart (W3) [Adelung]


Das Waldjauchert, oder Waldjuchart, des -es, plur. die -e, im Oberdeutschen eine Art Jaucherte, Waldungen und Gehölze darnach zu messen. So hält in Bern ein Waldjuchart 45000, ein Feldjuchart aber 31250 Berner Quadrat-Fuß. Siehe Jauchert.


Waldkalk (W3) [Adelung]


Der Waldkalk, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, an einigen Orten, Kalk, welcher in dem Walde aus Rasensteinen gebrannt wird.


Waldkirsche (W3) [Adelung]


Die Waldkirsche, plur. die -n, an einigen Orten, ein Nahme der Vogelkirsche, Prunus Padus L. S. dieses Wort.


Waldknecht (W3) [Adelung]


Der Waldknecht, des -es, plur. die -e, der geringste Bediente bey einem Forste oder Walde. S. Waldhüther.


Waldknoblauch (W3) [Adelung]


Der Waldknoblauch, des -es, plur. inus. eine Art wilden Knoblauches, welcher in den Wäldern des mitternächtigen Europa wächset, und auch Ramsel, Läuchel und Germsel genannt wird, Allium ursinum L.


Waldknoten (W3) [Adelung]


Der Waldknoten, des -s, plur. ut nom. sing. ein besonderer, bey den Jägern üblicher Knoten, zerrissene Leinen damit im Walde geschickt zusammen zu knüpfen.


Waldkraut (W3) [Adelung]


Das Waldkraut, des -es, plur. die -kräuter, Kräuter, d. i. Gewächse, welche vorzüglich in den Wäldern und Gehölzen angetroffen werden.


Waldkresse (W3) [Adelung]


Die Waldkresse, plur. inus. eine Art wilder Kresse, welche in Wäldern einbeimisch ist.


Waldkümmel (W3) [Adelung]


Der Waldkümmel, des -s, plur. inus. eine Art Quendel, oder Feldkümmel, welche in den Wäldern wächset, Thymus Serpillum L.


Waldlatte (W3) [Adelung]


Die Waldlatte, plur. die -n, Latten, welche entweder aus ganzen, oder nur Ein Mahl gespaltenen jungen Fichtenstämmen bestehen, weil man sie gleich, so wie sie aus dem Walde kommen, gebrauchen kann; im Gegensatze der geschnittenen Latten.


Waldlehen (W3) [Adelung]


Das Waldlehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein zum Lehen gegebener Wald oder Theil desselben.


Waldlerche (W3) [Adelung]


Die Waldlerche, plur. die -n, ein Nahme der Heidelerche, Alauda sylvestris K. S. Heidelerche.


Waldleute (W3) [Adelung]


Die Waldleute, sing. car. Leute, welche in einem Walde wohnen, besonders wenn sie ihre Nahrung aus demselben haben. So werden die Bergleute an manchen Orten Waldleute genannt.


Waldlilie (W3) [Adelung]


Die Waldlilie, plur. die -n, an einigen Orten, ein Nahme des Geißblattes, Lonicera Caprifolium L. S. dieses Wort. An andern wird der Diptam, Origanum Diptamus Linn. so genannt.


Waldmalve (W3) [Adelung]


Die Waldmalve, plur. die -n, eine Art Malven, welche in den Wäldern einheimisch ist, Malva sylvestris Linn.


Waldmann (W3) [Adelung]


Der Waldmann, des -es, plur. die -männer, und in manchen Fällen -leute. 1. Ein im Walde wohnender Mann, besonders wenn er seine Nahrung aus demselben hat. So wird in manchen Gegenden ein Bergmann Waldmann genannt. 2. Ein wilder Mann, welcher sich nur in den Wäldern aufhält. ( S. Waldmensch.) 3. In der Geisterlehre des großen Hausens sind Waldmännchen im Diminutivo gewisse Mittelwesen, welche die Wälder bewohnen, und mit den Bergmännchen vermuthlich verschwistert sind. 4. Bey den Jägern wird Waldmann als ein eigenthümlicher Nahme des Leithundes gebraucht, siehe auch Waldgesell.


Waldmark (W3) [Adelung]


Die Waldmark, plur. die -en, oder die Waldmarkung, plur. die -en, eine Mark, d. i. begränzter Bezirk, in einem Walde, wie Holzmark, S. dasselbe.


Waldmaus (W3) [Adelung]


Die Waldmaus, plur. die -mäuse, eine Art Mäuse, welche sich in den Wäldern aufhält, zum Unterschiede von der Haus- und Feldmaus.


Waldmeise (W3) [Adelung]


Die Waldmeise, plur. die -n, eine Art Meisen, welche nur in den Wäldern angetroffen wird, Parus sylvaticus Klein. S. Holzmeise.


Waldmeister (W3) [Adelung]


Der Waldmeister, des -s, plur. ut nom. sing. 1. An einigen Orten, z. B. im Österreichischen, ein vornehmer Forstbeamter von Adel, vermuthlich das, was in andern Ländern ein Oberforstmeister ist. Er hat einen Waldschaffer, verschiedene Waldamts-Officier, einige Waldbereiter und viele Waldförster unter sich. 2. Der Nahme eines wohlriechenden Gewächses, welches am häufigsten in den Wäldern angetroffen wird, Asperula Linn. An einigen Orten führet auch das Labkraut, Galium verum Linn, und an noch andern das Bisamkraut, Adoxa Linn. diesen Nahmen. Goldener Waldmeister, ein Nahme des gelben Kreuzkrautes, Valantia cruciata Linn.


Waldmelde (W3) [Adelung]


Die Waldmelde, plur. inus. ein Nahme der gemeinen Melde, Atriplex patula Linn. S. Melde.


Waldmensch (W3) [Adelung]


Der Waldmensch, des -en, plur. die -en. 1. Wilde, nur allein in den Wäldern wohnende Menschen, dergleichen es in Asien in mehrern Gegenden gibt. 2. Eine dem Menschen ähnliche Art großer Affen, welche auch Satyren genannt werden.


Waldmesser (W3) [Adelung]


Der Waldmesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Feldmesser, so fern er besonders gebraucht wird, den Flächeninhalt der Wälder auszumessen.


Waldmiethe (W3) [Adelung]


Die Waldmiethe, plur. die -n, an einigen Orten, die jährliche Abgabe für die Nutzung eines Waldes, der Waldzins. Siehe Forstzins.


Waldmist (W3) [Adelung]


Der Waldmist, des -es, plur. inus. Laub, Nadeln und Moos aus den Wäldern, so fern es als Streu, und hernach als Mist oder Dünger gebraucht wird, S. Holzmist.


Waldmorgen (W3) [Adelung]


Der Waldmorgen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Morgen, nach welcher die Wälder gemessen werden, und welche oft noch von den Feldmorgen unterschieden ist.


Waldner (W3) [Adelung]


Der Waldner, des -s, plur. ut nom. sing. nur an einigen Orten, ein Nahme des Waldknechtes oder Heideläufers, siehe diese Wörter.


Waldnessel (W3) [Adelung]


Die Waldnessel, plur. die -n, eine Art Nesseln, welche in den Wäldern einheimisch ist.


Waldnutzung (W3) [Adelung]


Die Waldnutzung, plur. die -en, die Nutzung eines Waldes, d. i. der Genuß der in denselben befindlichen Dinge.


Wald-Nymphe (W3) [Adelung]


Die Wald-Nymphe, plur. die -n, in der Mythologie der Alten, Nymphen, welche ihren Sitz und ihre Herrschaft in den Wäldern hatten, zum Unterschiede von den Fluß- und Berg-Nymphen.


Waldochs (W3) [Adelung]


Der Waldochs, des -en, plur. die -en; eine Art wilder Ochsen, welche sich in größen Wäldern aufhält, und vermuthlich mit dem Auerochsen einerley ist.


Waldordnung (W3) [Adelung]


Die Waldordnung, plur. die -en, eine landesherrliche Verordnung in Waldsachen, eine Vorschrift, wie man sich in Ansehung eines Waldes und dessen Nutzung zu verhalten hat.


Waldpech (W3) [Adelung]


Das Waldpech, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein Nahme des gewöhnlichen Peches, so wie es in den Wäldern bereitet wird, zum Unterschiede von dem Berg- und Judenpeche.


Waldrabe (W3) [Adelung]


Der Waldrabe, des -n, plur. die -n, eine Art Wiedehopfe, welche in der Schweiz, Frankreich und Ober-Italien in den Wäldern, Felsen und altem Mauerwerke wohnet, und daher auch Steinrabe, von seinem Geschreye aber Scheller genannt wird. Upupa montana Klein. in der Schweiz Waldrapp, Steinrapp, sonst auch Berg-Eremit und Einsiedler genannt.


Waldrapunzel (W3) [Adelung]


Die Waldrapunzel, plur. inus. eine Art wilder Rapunzel, welche in den Wäldern einheimisch ist.


Waldrauch (W3) [Adelung]


Der Waldrauch, des -es, plur. inus. dasjenige Harz, welches man in den Haufen der großen Ameisen findet, und welches das feinste Tannenharz ist. Rauch bedeutet hier so viel als Räuchwerk oder Weihrauch.


Waldrebe (W3) [Adelung]


Die Waldrebe, plur. die -n, der Nahme eines windenden Gewächses, welches in den Wäldern häufig angetroffen, und auch Rehbinde, richtiger Rebwinde, genannt wird, weil sie einer Winde gleicht, Clematis Linn. von welcher es wieder verschiedene Arten gibt.


Waldrecht (W3) [Adelung]


Das Waldrecht, des -es, plur. die -e. 1. Gerechtsame, welche dem Waldherren oder Grundherren eines Waldes gebühren. So ist es an einigen Orten ein Waldrecht, daß dem Grundherren der Abfall von dem im Walde beschlagenen Bauholze gebühret. 2. Eine Verordnung in Wald- und Holzsachen. So heißt z. B. ein Gehölz nach Waldrecht abräumen oder ausrotten, wenn auf jeden Morgen eine gewisse Anzahl junger Stämme zur künftigen Beholzung stehen bleiben. 3. Den Inbegriff aller einem Walde anklebenden Befugnisse, und in Ansehung desselben erlassenen Verordnungen; ohne Plural.


Waldrechten (W3) [Adelung]


Waldrechten, verb. reg. act. welches nur bey den Zimmerleuten üblich ist, einen Stamm Bauholz in dem Walde nur aus dem Groben beschlagen; vielleicht, weil dadurch dem Grundherren sein Waldrecht erhalten wird.


Wald-Regal (W3) [Adelung]


Das Wald-Regal, des -es, plur. die -e, das Eigenthum eines Waldes, als ein Regal, oder Vorrecht des Landesherren betrachtet.


Waldreiter (W3) [Adelung]


Der Waldreiter, des -s, plur. ut nom. sing. S. Waldbereiter.


Waldröthe (W3) [Adelung]


Die Waldröthe, plur. inus. die schlechteste Art Färberröthe, oder Grapp, welche hin und wieder in den Wäldern gefunden wird.


Waldröthlein (W3) [Adelung]


Das Waldröthlein, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden ein Nahme des Rothkehlchens.


Waldrübe (W3) [Adelung]


Die Waldrübe, plur. die -n, eine Art wilder Rüben, welche in den Wäldern gefunden werden.


Waldruthe (W3) [Adelung]


Die Waldruthe, plur. die -n, eine Art Meßruthen, nach welcher die Wälder ausgemessen werden, zum Unterschiede von der Feldruthe.


Waldschaffer (W3) [Adelung]


Der Waldschaffer, des -s, plur. ut nom. sing. im Österreichischen ein Forstbeamter, welcher unter dem Waldmeister stehet.


Waldschlange (W3) [Adelung]


Die Waldschlange, plur. die -n, Schlangen, welche sich in den Wäldern aufhalten, zum Unterschiede von den Haus-, Feld- und Wasserschlangen.


Waldschnepfe (W3) [Adelung]


Die Waldschnepfe, plur. die -n, die gewöhnlichste Art Schnepfen, welche auch Holz-Busch- und Bergschnepfe genannt wird, zum Unterschiede von der Doppelschnepfe und andern Arten.


Waldschreiber (W3) [Adelung]


Der Waldschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schreiber in Wald- und Forstsachen, Forstschreiber, Holzschreiber.


Waldschritt (W3) [Adelung]


Der Waldschritt, des -es, plur. die -e, ein gewöhnlicher Schritt, so fern darnach Wälder und Jagen abgeschritten oder ausgemessen werden. Er hält gemeiniglich 2 1/2 Fuß.


Waldschwamm (W3) [Adelung]


Der Waldschwamm, des -es, plur. die -schwämme, eine allgemeine Benennung aller derjenigen Schwämme, welche in den Wäldern an den Wurzeln der Bäume wachsen, zum Unterschiede von den Feldschwämmen.


Waldseil (W3) [Adelung]


Das Waldseil, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, z. B. in Böhmen, ein Feldmaß, wornach die Wälder ausgemessen werden, und welches daselbst 42 Böhmische Ellen hält; dagegen das Landseil 52, das Weinbergseil aber 64 Ellen hält.


Waldsperling (W3) [Adelung]


Der Waldsperling, des -es, plur. die -e, eine Art Sperlinge, welche in den Wäldern wohnen, uns aus denselben die Felder bestehlen, der Baumsperling, Felddieb, Passer arboreus Klein, zum Unterschiede von dem Haus- und Kornsperling.


Waldstadt (W3) [Adelung]


Die Waldstadt, plur. die -städte, eine in oder an einem Walde gelegene Stadt, dergleichen die vier Waldstädte in der Schweiz sind.


Waldstein (W3) [Adelung]


Der Waldstein, des -es, plur. die -e, ein Gränz- oder Mahlstein, so fern er die Gränzen in einem Walde bezeichnet.


Waldstrafe (W3) [Adelung]


Die Waldstrafe, plur. die -n, Strafe wegen begangener Waldfrevel, an einigen Orten auch Waldbuße.


Waldstreu (W3) [Adelung]


Die Waldstreu, plur. car. abgefallenes Laub aus einem Walde, so fern es statt des Strohes zur Streu gebraucht wird.


Waldstroh (W3) [Adelung]


Das Waldstroh, des -es, plur. car. an einigen Orten ein Nahme des Labkrautes, Galium verum Linn. welches auch Wallstroh, Bettstroh genannt wird. S. Labkraut.


Waldstrom (W3) [Adelung]


Der Waldstrom, des -es, plur. die -ströme, ein Strom, welcher aus einem Walde kommt.


Waldtaube (W3) [Adelung]


Die Waldtaube, plur. die -n, ein Nahme der wilden oder Holztauben, S. dieses Wort.


Waldtenne (W3) [Adelung]


Die Waldtenne, plur. die -n, ein in einem Walde angerichteter Vogelherd, wie Waldherd.


Waldteufel (W3) [Adelung]


Der Waldteufel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, womit man wohl die Satyren der Alten zu belegen pflegt. In einem andern Verstande ist es eine Art großer Affen, vielleicht eben die, welche auch Waldmensch genannt wird. Auch eine Art Schmetterlinge, Papilio nymphalis Semele Linn. wird von einigen der Waldteufel genannt.


Waldthler (W3) [Adelung]


Das Waldthler, des -es, plur. die -e, in dem südlichen Deutschlande, eine Art Gemsen, welche sich unten an den Bergen und in den Wäldern aufhalten, zum Unterschiede von dem Grallthler, welches auf den höchsten Alpen wohnet.


Waldung (W3) [Adelung]


Die Waldung, plur. die -en, ein beträchtlicher, mit Wald, d. i. Oberholz bewachsener Bezirk. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe ing oder ung von Wald gebildet, und wird mehr in abstracten und unbestimmten, Wald aber mehr in concreten und bestimmten, Verstande gebraucht. Ein Gut hat schöne Waldung, oder viele Waldungen, wenn es schöne oder viele mit Oberholz bewachsene Gegenden hat. Drey Morgen Waldung.


Waldverbrechen (W3) [Adelung]


Das Waldverbrechen, des -s, plur. ut nom. sing. ein an einem Walde und den dazu gehörigen Dingen begangenes Verbrechen, wie Waldfrevel. Daher der Waldverbrecher.


Waldvogel (W3) [Adelung]


Der Waldvogel, des -s, plur. die -vögel, eine allgemeine Benennung aller derjenigen Vögel, welche sich in den Wäldern aufhalten, zum Unterschiede von den Feld- und Wasservögeln.


Waldwanze (W3) [Adelung]


Die Waldwanze, plur. die -n, eine Art länglicher Wanzen, welche in den Wäldern angetroffen werden, Cimex umbratilis und sylvestris Linn.


Waldwasser (W3) [Adelung]


Das Waldwasser, des -s, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, und nom. sing. Wasser, welches sich aus einem Walde, besonders aus einem gebirgigen Walde, ergießet.


Waldwicke (W3) [Adelung]


Die Waldwicke, plur. die -n, eine Art wilder Wicken, welche in den Wäldern angetroffen wird, Vicia sylvatica Linn.


Waldwiese (W3) [Adelung]


Die Waldwiese, plur. die -n, eine Wiese in einem Walde, oder zwischen Gehölzen.


Waldwinde (W3) [Adelung]


Die Waldwinde, plur. die -n, eine Art Winde, welche in den Wäldern einheimisch ist, Convolvulus sepium. An einigen Orten wird auch das Gewächs, welches die so genannten Hundsbeeren trägt, so wohl Waldholder als Waldwinde genannt, deren es aber mehrere gibt, S. Hundsbeere.


Waldwirthschaft (W3) [Adelung]


Die Waldwirthschaft, plur. inus. die Art und Weise, wie man einen Wald nutzet, und die Wissenschaft, ihn mit Vortheil zu unterhalten und zu nutzen.


Waldwurz (W3) [Adelung]


Die Waldwurz, plur. car. S. Wallwurz.


Waldzeichen (W3) [Adelung]


Das Waldzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. dasjenige Zeichen, welches mit dem Waldhammer an den zum Verkaufe angewiesenen Bäumen gemacht wird.


Waldzeisig (W3) [Adelung]


Der Waldzeisig, des -es, plur. die -e, noch häufiger im Diminutivo, das Waldzeischen, plur. ut nom. sing. der Nahme eines kleinen Waldvogels, S. Goldhähnchen.


Waldziege (W3) [Adelung]


Die Waldziege, plur. die -n, das Weibchen des Waldbockes, S. dieses Wort.


Waldzins (W3) [Adelung]


Der Waldzins, des -es, plur. die -e, der Zins, das ist, jährliche Abgabe für die Nutzung eines Waldes an den Waldherren, z. B. für die Freyheit, sein nöthiges Brennholz daraus hohlen zu dürfen; an andern Orten die Waldmiethe, der Forstzins.


Walgen (W3) [Adelung]


Walgen, Walgern, Wälgern, verb. reg. act. welche nur im gemeinen Leben üblich sind, und hin und her rollen bedeuten, aber nur von weichen Körpern gebraucht werden können; z. B. wenn man den zu Nudeln bestimmen Teig mit den Händen auf einem Brete zu einer Art von Wurft rollet. In den Küchen hat man daher das Walgerholz, ein um einen Stock befindlicher Cylinder, den Trig damit auszudehnen, und zu einem dünnen Blatte zu walgen, oder zu walgern, welches auch das Treibholz genannt wird. In einigen Provinzen ist walgen ein unpersönliches Neutrum, welches von der Neigung zum Erbrechen gebraucht wird; es walget mir, ich empfinde Neigung zum Erbrechen; wo gleichfalls die wellenförmige Bewegung der Stammbegriff ist.

Anm. Walgern und Wälgern sind Iterativa von walgen. In diesem ist, wenn man die Endung des Infinitivi en abziehet, Wal der Stammbegriff, der eine kreis- oder wellenförmige Bewegung bezeichnet, und mit Welle nahe verwandt ist. Die weiche Art dieser Bewegung wird hier durch die Ableitungssylbe g angedeutet. Härtere Arten dieser Bewegung, oder die Bewegung an festern Körpern, bezeichnen die Verba walken, wälzen, walzen, und zum Theil auch walten, ( S. diese Wörter.) Auch wallen be- zeichnet eine gewisse Art dieser Bewegung. In allen diesen Fällen wird der Hauptbegriff durch die Ableitungssylben g, k, l, t und z näher bestimmt. Im Theuerdanke kommt walgen für rollen oder wälzen vor. Neydelhart zu walgen über einen hohen Turn zu tall, Kap. 109.


Walkarbeit (W3) [Adelung]


Die Walkarbeit, plur. die -en. 1. Das Walken als eine Arbeit betrachtet; ohne Plural. 2. Zeuge, welche gewalket zu werden pflegen; wohin denn viele tuchartige Zeuge gehören.


Walke (W3) [Adelung]


Die Walke, plur. die -n. 1. Die Handlung des Walkens, die Bearbeitung der Zeuge durch das Walken. Oft werden die Tücher in der Walke verdorben. Die Walke muß dem Filze seine Festigkeit geben. Eigentlich als ein Abstractum und ohne Plural; zuweilen, obgleich seltener, von concreten Handlungen, und mit dem Plural. Einem Zeuge zwey Walken geben. 2. Eine Anstalt oder Maschine zum Walken, dergleichen, z. B. die Kürschner haben, welche von einer Walkmühle noch verschieden ist.


Walken (W3) [Adelung]


Walken, verb. reg. act. einen Körper von mittlerer Festigkeit durch eine kreisförmige Bewegung schlagen, oder stoßen und in weiterer Bedeutung, einen solchen Körper durch Schlagen, Stampfen oder Treten bearbeiten. Auf diese Art werden bey den Strumpfwirkern die wollenen Strümpfe, bey den Zeugmachern die tuchartigen Zeuge, bey den Hutmachern der Filz, und bey den Kürschnern und Gärbern die Felle gewalket, es mag nun solches in einigen Walkmühlen, wie bey den Zeugmachern und Strumpfwirkern, oder mit den Händen, wie bey den Hutmachern, oder mit den Füßen, wie bey den Kürschnern geschehen. Strümpfe, Zeuge, Felle walken. Gewalkte Strümpfe. Im niedrigen Scherze ist, jemand walken, ihn ausprügeln. So auch das Walken.

Anm. Im Niedersächsischen gleichfalls walken, im Schwedischen valka. Die Abstammung ist schon bey dem vorigen Worte walgen angegeben, daher diejenigen irren, welche den Begriff des Glanzes und der Weiße für den Stammbegriff halten, und das Wort von dem Gothischen vulthus, Glanz, ableiten; zu geschweigen, daß vulthus, wie sein Bau zeiget, schon ein mehrmahls abgeleites Wort ist, und der Begriff des Glanzes auf das Walken nicht einmahl passet. In dem Lateinischen Fullo, welches in seiner Sprache keinen bekannten Stamm hat, scheinet die Wurzelsylbe Ful mit unserm Wal gleich bedeutend zu seyn.


Walker (W3) [Adelung]


Der Walker, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher das Walken verrichtet, Fertigkeit im Walken besitzet. Daher der Tuchwalker.


Walkerde,Walkererde (W3) [Adelung]


Die Walkerde, oder Walkererde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine Art seinen Thones, dessen man sich zum Walken der Tücher bedienet, ihnen die Fettigkeit zu benehmen; Walkerthon, Wascherde.


Walkerroche (W3) [Adelung]


Der Walkerroche, des -n, plur. die -n, an einigen Orten ein Nahme des Stachelrochen, Raja Fullonica L.


Walkerthon (W3) [Adelung]


Der Walkerthon, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, S. Walkerde.


Walk-Etamin (W3) [Adelung]


Der Walk-Etamin, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein geringer Etamin, welcher seine Güte durch das Walken erhält.


Walkhaar (W3) [Adelung]


Das Walkhaar, des -es, plur. car. oder die Walkhaare, sing. car. in beyden Fällen als ein Collectivum, diejenigen Haare zu bezeichnen, welche bey dem Walken der Tücher und Zeuge abgestoßen werden.


Walkhammer (W3) [Adelung]


Der Walkhammer, des -s, plur. die -hämmer, die Hämmer in der Walkmühle, welche eigentlich das Walken verrichten.


Walkkessel (W3) [Adelung]


Der Walkkessel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Hutmachern, ein kupferner Kessel, in welchem der zum Walken bestimmte Filz eingeweichet wird.


Walkmühle (W3) [Adelung]


Die Walkmühle, plur. die -n, eine Mühle, d. i. eine von Rädern getriebene Maschine, in welcher Zeuge, Strümpfe u. s. f. gewalket werden; oft auch nur die Walke.


Walkmüller (W3) [Adelung]


Der Walkmüller, des -s, plur. ut nom. sing. der Inhaber einer Walkmühle, oder der Vorgesetzte derselben.


Walkrasch (W3) [Adelung]


Der Walkrasch, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, eine Art Rasch, welche ihre Güte durch das Walken erhält.


Walkribbe (W3) [Adelung]


Die Walkribbe, plur. die -n, bey dem Walken, fehlerhafte Falten, welche die Walkhämmer zuweilen in dem Tuche machen.


Walkstock (W3) [Adelung]


Der Walkstock, des -es, plur. die -stöcke, in den Walkmühlen, starke, viereckige Stücke Holz, worin die Walkhämmer befestiget sind.


Walktafel (W3) [Adelung]


Die Walktafel, plur. die -n, bey den Hutmachern diejenige Tafel, worauf der Filz gewalket wird.


Walktrog (W3) [Adelung]


Der Walktrog, des -es, plur. die -tröge, in den Walkmühlen, ein hölzerner Trog, in welchem die Zeuge gewalket werden.


Wall (W3) [Adelung]


1. Der Wall, des -es, plur. die Wälle, ein altes Wort, in welchem der Begriff einer Erhöhung, besonders einer Erhöhung von Erde, der herrschende ist. Man gebraucht es noch in folgenden Fällen: 1. * Eine jede Erhöhung von Erde, ein Haufen Erde; eine längst veraltete Bedeutung, wovon sich noch in bewallen und aufwallen Spuren finden, ( S. diese Wörter.) In den Niedersächsischen Torfgegenden wird ein in die Länge aufgesetzter Torfhaufen noch ein Wall genannt. 2. In der Schifffahrt wird die Küste häufig der Wall genannt, wo gleichfalls der Begriff einer in die Länge gestreckten Erhöhung der herrschende ist. 3. Am üblichsten ist es in dem Festungsbaue, besonders der Neuern, wo eine regelmäßige Erhöhung von Erde um einen Ort, ein Wall genannt wird. Einen Wall aufwerfen. Eine Stadt mit einem Walle umgeben. 4. In manchen Niedersächsischen Gegenden ist ein Wall eine Zahl von 80, in welchem Falle es, wie bey so vielen andern ähnlichen Wörtern, im Plural unverändert bleibt; zehn Wall Häringe, Eyer u. s. f. Im Schwedischen in dieser Bedeutung Val. Auch hier scheinet der Begriff eines Haufens der Stammbegriff zu seyn. Anm. Wall ist ein altes Wort, welches mit dem Lat. vallum, genau überein kommt: allein, da dieses eine Ableitungs-, wenigstens Declinations- und Geschlechtssylbe hat, das Deutsche aber nicht, so erhellet schon daraus, daß dieses älter ist, als jenes. So fern der Begriff der Erhöhung hier der herrschende ist, gehöret das Wort zu einem zahlreichen und sehr alten Geschlechte, welches sich in allen bekannten Sprachen ausgebreitet hat, wo bal, bol, val, vol u. s. f. insgesammt etwas Hohes, bald eigentlich, bald figürlich, bedeuten. Im Engl. ist wall in noch weiterer Bedeutung eine Wand, Mauer.


Wall (W3) [Adelung]


2. Der Wall, des -es, plur. obgleich seltener, die -e, das Aufwallen des siedenden Wassers, von dem folgenden Verbo wallen. Das Wasser einen Wall thun lassen, es nur Ein Mahl aufwallen lassen. Eyern Einen oder zwey Walle geben, das Wasser, worin sie sieden, Ein oder zwey Mahl aufwallen lassen, S. Wallen.


Wallach (W3) [Adelung]


Der Wallach, des -en, plur. die -en. 1. Einer aus der Wallachey. Fämin. die Wallachinn. 2. Der Wallach, des -es, plur. die -e, ein verschnittener Hengst; weil diese Art, die Pferde zu verstümmeln, aus der Wallachey und Ungarn in das westliche Europa gekommen ist, daher ein Wallach im Französischen Hongre, im Schwed. aber Vallack genannt wird. Nach Vegetii Versicherung nannten schon die Alten ein solches Pferd equum Hunnicum; welches denn wohl hinlänglich ist, Wachters Ableitung von gall, unfruchtbar, und Spegels von dem Engl. ballocke, ein Testikel, unnöthig und verwerflich zu machen. Der Unterschied in der Declination rühret wohl zunächst aus den Mundarten her, in dem Declination auf en auch in andern Fällen mehr der Oberdeutschen, die auf es, e, aber mehr der Hochdeutschen eigen ist.


Wallachen (W3) [Adelung]


Wallachen, verb. reg. act. einen Hengst zum Wallach machen, d. i. ihn verschneiden, welches auch legen, reißen, und wenn es vermittelst des Klopfens geschiehet, klopfen genannt wird. Im Nieders. ist dafür runen, rünken üblich, daher ein Wallach daselbst auch Rune genannt wird.


Wallacher (W3) [Adelung]


Der Wallacher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher einen Hengst wallacht, des Castrirens der Pferde kundig ist.


Wallachey (W3) [Adelung]


Die Wallachey, plur. car. der Nahme eines zur Türkey gehörigen Landes, welches von Wallachen in der ersten Bedeutung bewohnet wird; aus dem Lat. Wallachia.


Wallarbeit (W3) [Adelung]


Die Wallarbeit, plur. die -en, die Arbeit an einem Erdwalle, die Schanzarbeit.


Wallbirke (W3) [Adelung]


Die Wallbirke, plur. die -n, ein der Birke ähnlicher Baum, welcher aber in Deutschland fremd seyn, ein größeres und dunkleres Blatt, und ein festeres und dunkelbraunes Holz haben soll. Vermuthlich ist es die Betula lenta oder nigra L. welche letztere in Virginien einheimisch ist, und daher auch die Virginische Birke genannt wird.


Wallbreche (W3) [Adelung]


Die Wallbreche, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Feldwalze, die Erdklöße auf dem Acker damit zu zerdrücken. Wall ist in dieser Zusammensetzung so viel als Welle.


Wallbruder (W3) [Adelung]


Der Wallbruder, des -s, plur. die -brüder, ein ziemlich ungewöhnlich gewordenes Wort, einen Pilger zu bezeichnen, von wallen, wandern.


Wallen (W3) [Adelung]


Wallen, verb. reg. neutr. welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Mit dem Hülfsworte haben, sich wellenförmig bewegen. (1) Eigentlich von flüssigen Körpern, wenn sie sich in einer starken innern Bewegung befinden, welche Wellen auf der Oberfläche bildet. Das Wasser wallet in dem Topfe, wenn es kocht. Das Meer wallet, wenn es sich in einer starken Bewegung befindet, in welchem Verstande es doch wenig mehr gebraucht wird. Wenn gleich das Meer wüthete und wallete, Ps. 64 4. Das Blut wallet, wenn es stärker, als gewöhnlich; eine noch sehr übliche Bedeutung. Ein starkes Wallen des Geblütes empfinden. (2) In weiterer Bedeutung, auch von andern leichten oder biegsamen Körpern, sich wellenförmig bewegen, besonders als ein anschauliches Wort in der dichterischen Schreibart. So wallet das Getreide auf dem Felde, wenn es durch seine Bewegung gleichsam Wellen bildet. Die frohen Haine hallen, Da Zephyrs Hauch und Scherz in ihren Haaren wallen, Haged. Ein schimmerndes Gewand floß, gleich der Morgenröthe, Weit wallend um sich her, Dusch. Dort, wo der Rauch aus den Bäumen in die Luft empor wallt, dort wohnt meine Phyllis, Geßn. In goldnen Locken wallt sein Haar, eben ders. So lang in dieses Hafens Arme Segel wallen vom Ostwind aufgeschwellt, Raml. O ich sehe es mit Lust, wie der graue Bart schneeweiß über meine Brust herunter wallet, Geßn. Es webet, wallt und spielet, Das Laub um jeden Strauch, Haged. (3) Figürlich, von Leidenschaften und Empfindungen, eine ohne Zweifel von dem Wallen des hergenommene Figur. Auch am häufigsten in der dichterischen Schreibart. Das Herz wallet mir vor Freude. Noch haben sie uns Männer aufgespart, In deren Brust die Freyheitsliebe wallet, Weiße. In engerer Bedeutung zuweilen von der Empfindung des Erbarmens, der Liebe. Dein Herze wird dir wallen, Opitz. Noch ließ der große Gott sein Vaterherze wallen, eben ders. Laß dein Herz für einen Sünder wallen, Canitz. 2. Mit dem Hülfsworte seyn. (1) Sich auf einem flüssigen Körper wellenförmig fortbewegen, auch nur in der dichterischen Schreibart. Mit pestilenzialischem Fittig wallet auf Nebeln die Seuche daher, Zachar. (2) In weiterer Bedeutung, geben, zu Fuße reisen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, vermuthlich, weil die Figur hier nicht paßt, und man so viele andere Wörter an dessen Stelle hat. Im Oberdeutschen scheint es noch hin und wieder gangbar zu seyn. In der Fremde herum wallen. Im Hochdeutschen lebt es in dieser Bedeutung nur noch bey den Dichtern, ungeachtet das Bild hier zur Verschönerung nichts beyträget, da es nicht einmahl passend ist. Den Pilgram, welchen du siehest außer Weges wallen Und irrig gehn Wald ein, Opitz. Schon wall ich auf der Bahn, die und zur Ehre leitet, Zachar. Auf Erden wallen, figürlich, noch auf der Erde leben. So lang ich hier im Leibe walle Bin ich ein Kind, das strauchelnd geht, Gell. So auch das Wallen und die Wallung, S. das letztere besonders. Anm. Für gehen, wandern, schon bey dem Ottfried und Notker uuallon, im Schwed. valla, im Angels. vealian, wovon ohne Zweifel auch das Französische aller gebildet ist. Wallen ist ursprünglich eine Onomatopöie, welche, so wie das Lat. builire, den Laut des siedenden Wassers oder des wallenden Meeres nachahmet, worauf es nach einer sehr gewöhnlichen Figur auch auf solche Bewegungen übergetragen worden, welche nur für das Auge, nicht aber für das Ohr, wallend sind. Seiner Form nach ist es ein Intensivum, welches folglich einen stärkern Grad dieser Bewegung bezeichnet, als das einfache, aber ungewöhnliche, walen bezeichnen würde, welches nur noch in dieser und manchen andern Ableitungen lebt. ( S. Walgen.) Auch Schwall, schwellen und Quellen gehören hierher, wo nur der Grundbegriff durch Vorsylben anders bestimmt worden.


Wällen (W3) [Adelung]


Wällen, verb. reg. act. welches das Factitivum des vorigen ist; aber nur in einigen Gegenden gehöret wird, wallen, d. i. kochen, machen, nach der Analogie von fallen und fällen, schnallen und schnellen, schallen und schellen u. s. f. Fleisch in siedendem Wasser wällen, d. i. aufkochen lassen, sagt man in und um Leipzig.


Waller (W3) [Adelung]


Der Waller, des -s, plur. ut nom. sing. ein von einigen Neuern in der dichterischen Schreibart ohne Noth gewagtes Wort, einen Wanderer zu bezeichnen, indem es den Begriff weder bestimmter noch anschanlicher darstellt, als Wanderer. Bey den Schwäbischen Dichtern bedeutet Waller einen Landstreicher.


Wällerwand (W3) [Adelung]


Die Wällerwand, S. Wellerwand.


Wallfahrt (W3) [Adelung]


Die Wallfahrt, plur. die -en. 1. Eine Reise in die Ferne, besonders eine Reise zu Fuße; eine längst veraltete Bedeutung, welche nur noch als eine Figur übrig ist, da Wallfahrt so wie Wanderschaft zuweilen von dem irdischen Leben gebraucht wird. 2. In engerm Verstande ist es eine Andachtsreife zu einem heiligen Orte, in welchem es in der Römischen Kirche noch völlig gangbar ist. Eine Wallfahrt nach Rom thun, verrichten.

Anm. Das Wort kommt, so viel ich weiß, in unsern ältern Schriftstellern nicht vor, welche dafür Bethefahrt, Nieders. Bedefahrt, gebrauchen; daher läßt sich auch nicht mit Gewißheit behaupten, von welchem Stamme das Wort Wall hier abzuleiten ist. Wachter und Frisch hielten es hier für eben dasselbe Wort, womit Wahlplatz zusammen gesetzet worden, und erklären es durch eine Fahrt zu von Leichen der Heiligen. Allein dawider streitet theils die Aussprache, indem man nicht Wahlfahrt, sondern Wallfahrt spricht, theils die ehedem übliche weitere Bedeutung einer jeden Reise in die Ferne. Man leitet es daher am sichersten entweder von dem alten wall, fremd, ab, da es denn eine Reise in die Ferne bedeuten würde, ( S. Wälsch;) oder, noch richtiger, von dem vorigen wallen, da es denn, wenn es keine Tavtologie enthalten soll, eine Fahrt oder Reise zu Fuße bedeuten würde, indem wallen, so viel ich weiß, nie anders, als von dem Reisen zu Fuße gebraucht wird, auch eine Andachtsreife eigentlich und ursprünglich zu Fuße geschehen muß.


Wallfahrten (W3) [Adelung]


Wallfahrten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, eine Wallfahrt verrichten. Nach Rom wallfahrten.


Wallfahrter (W3) [Adelung]


Der Wallfahrter, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher eine Wallfahrt verrichtet, wofür doch Pilger üblicher ist; ehedem auch Wallbruder.


Wallfisch (W3) [Adelung]


Der Wallfisch, des -es, plur. die -e, eine Art sehr großer Fische, welche Lungen und warmes Blut haben, und daher die obere Luft nicht entbehren können. Sie sind in den nordischen Meeren am häufigsten, und begreifen wiederum verschiedene Unterarten.

Anm. Wegen der Vieldeutigkeit des Wortes Wal hat man auch die erste Hälfte dieses Nahmens auf vielfache Art zu erklären gesucht, indem man bald auf wal, der Abgrund, gefallen ist, weil sich dieser Fisch nur in den tiefsten Meeren aufhält, bald auf walo, laulich, weil er warmes Blut hat, bald auf wal, ein todter Körper, weil er nicht anders als todt gefangen wird, bald wieder auf wallen, weil das Meer da, wo er sich aufhält, wallet, bald auf Wall, das Meer u. s. f. Allein die Urheber aller dieser Ableitungen haben wohl nicht bedacht, daß in allen den Sprachen, warin dieser Fisch, und folglich auch dessen Nahme, einheimisch ist, der letztere nur Wall lautet, wie in dem Schwedischen und Dänischen Hval, dem Angels. Hwael, dem Engl. Whale, in dem Isländ. Hwalur, wo im Deutschen zu dem eigentlich Nahmen nur das Wort Fisch zur nähern Erklärung beygefüget worden. Hierauf passet nun keine der vorigen Ableitungen, weil darin immer wal als ein Bestimmungswort voraus gesetzet wird, welches sein bestimmtes bey sich hat. Es scheint daher wahrscheinlicher, daß Wall hier das sehr alte und weit verbreitete Wort bal, groß, ist, weil doch die Größe diesen Fisch von allen andern merklich unterscheidet, und daher auch am ersten zu dessen Benennung Gelegenheit geben können. In dem Lat. balaena und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - scheinet die erste Sylbe eben dasselbe Wort zu seyn. Auf ähnliche Art wird eine andere Art großer Fische der Stör genannt, d. i. der Große, von dem alten stor, groß. Uual für Wallfisch kommt schon im Tatian vor.


Wallfischfang (W3) [Adelung]


Der Wallfischfang, des -es, plur. inus. der Fang des Wallfisches.


Wallfischfänger (W3) [Adelung]


Der Wallfischfänger, des -s, plur. ut nom. sing. Seeleute, welche auf den Wallfischfang ausgehen.


Wallgang (W3) [Adelung]


Der Wallgang, des -es, plur. die -gänge, der innere Gang auf einem Walle, zwischen der Brustwehr und der innern Böschung.


Wallkatze (W3) [Adelung]


Die Wallkatze, plur. die -n, im Festungsbaue, eine Erhöhung an dem Walle, S. 7. Katze.


Wallkeller (W3) [Adelung]


Der Wallkeller, des -s, plur. ut nom. sing. gewölbte Keller unter einem Walle, die Truppen darin vor den Bomben zu sichern; wofür doch das ausländische Casematte üblicher ist.


Wallkirche (W3) [Adelung]


Die Wallkirche, plur. die -n. 1. Von Wall, vallum, eine nahe an dem Walle gelegene Kirche. 2. Von wallen, wallfahrten, in der Römischen Kirche, eine Kirche, zu welcher gewallfahrtet wird, vollständiger die Wallfahrtskirche.


Wallkugel (W3) [Adelung]


Die Wallkugel, plur. die -n, in der Artillerie, eiserne Kugeln mit einer Spitze, vermuthlich die Wälle damit zu beschießen.


Wallleine (W3) [Adelung]


Die Wallleine, plur. die -n, auf den Schiffen, die Leinen, welche horizontal zwischen den starken stehenden Tauen der Wände befestiget werden; entweder von wallen, weil sie auch den Matrosen statt der Leitern dienen, oder auch von dem Engl. wall, die Wand, so fern das stehende Tauwerk auf den Schiffen auch eine Wand genannt wird.


Wallnuß (W3) [Adelung]


Die Wallnuß, plur. die -nüsse, in den gemeinen Mundarten für wälsche Nuß, daher der Wallnußbaum, der wälsche Nußbaum, Iuglans Linn. ( S. Nuß.) Wall ist hier das alte wal, wahl, fremd, wo um des folgenden Consonanten Willen der gedehnte Ton in den geschärften übergehet, und das l verdoppelt wird. Im Nieders. Wallnut, im Schwed. valnöt, im Isländ. walhnit.


Wallrath (W3) [Adelung]


Der Wallrath, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein zarter, weißer, fetter Körper, welcher theils auf dem Meere schwimmend gefunden, und alsdann lange Zeit den verschütteten Samen des Wallfisches gehalten worden, theils aus dem Gehirne des Wallfisches gesotten wird. Daher der Wallrathsieder, die Wallrathsiederey, das Wallrathpflas=ter, dessen vornehmster Bestandtheil Wallrath ist, das Wallrathlicht, ein aus Wallrath gegossenes Licht u. s. f.

Anm. Im Schwed. Valraf. Wachter behauptet, Rath stamme hier von dem alten Celtischen rhit, Same, her. Dem sey, wie ihm wolle, so scheinet doch rath, so dunkel es auch ist, in dieser Zusammensetzung etwas ähnliches zu bedeuten, weil man diese Substanz von Alters her für den Samen des Wallfisches gehalten hat. Das Schwed. raf ist nicht deutlicher; wohl aber das in einigen Deutschen Provinzen übliche Wallrahm, wo die letzte Hälfte zu unserm Rahm zu gehören scheinet. Die erste Hälfte des Wortes ist unstreitig das alte Wal, ein Wallfisch. S. das letztere.


Wallroß (W3) [Adelung]


Das Wallroß, des -es, plur. die -e, ein Thier, mit vier unförmlichen Füßen, welches so wohl im Wasser, als an den Küsten, lebt; und vorn einem Rosse oder Pferde nicht unähnlich siehet; das Seepferd, Meerpferd, Rosmarus Linn. Wall ist hier das noch Niederdeutsche Wall, Küste, Ufer, weil sich dieses Thier häufig an den Küsten sehen läßt.


Wallsamen (W3) [Adelung]


Der Wallsamen, des -s, plur. inus. eine Art der Ranke, oder der Wasserkresse, Sisymbrium Sophia Linn. vermuthlich, weil sie an den Wegen wächset, wo viel gewallet wird. An andern Orten heißt sie Sophien-Kraut, Besenkraut und Wegesenf.


Wallscheit (W3) [Adelung]


Das Wallscheit, des -es, plur. die -e, im Festungsbaue, ein Scheit, d. i. eine lange Latte, nach welcher die Böschung eines Walles aufgeführet wird.


Wallschild (W3) [Adelung]


* Das Wallschild, des -es, plur. die -e, ein ungewöhnliches Wort, welches einige für das Franz. Ravelin einzuführen gesucht, weil es den Wall gleichsam als ein Schild decket.


Wallschlägel (W3) [Adelung]


Der Wallschlägel, des -s, plur. ut nom. sing. im Festungsbaue, ein vierecktes Bret mit einem schiefen Stiele, die Erde zu einem Walle damit fest zu schlagen.


Wallsetzer (W3) [Adelung]


Der Wallsetzer, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Arbeiter, welcher bey Verfertigung eines Walles die Erde fest stampfet.


Wallstroh (W3) [Adelung]


Das Wallstroh, des -es, plur. car. an einigen Orten ein Nahme des Labkrautes, Gallum mollugo Linn. weil es an den Wegen, wo gewallet wird, wächset, daher es auch Wegestroh heißt.


Wallung (W3) [Adelung]


Die Wallung, plur. die -en, von dem Verbo wallen, die lebhafte innere Bewegung eines flüssigen Körpers, wo es vornehmlich in zwey Fällen gebraucht wird, theils von dem Meere, wenn es durch seine Fülle, z. B. zur Zeit der Fluth, in eine starke, wellenförmige Bewegung geräth, welche von der Bewegung bey einem Sturme noch verschieden ist, theils von der stärkern Bewegung des Geblütes in dem menschlichen Körper. Das Blut geräth in Wallung. Häufige Wallungen empfinden.


Wallwind (W3) [Adelung]


Der Wallwind, des -es, plur. die -e, in der Schifffahrt, ein Wind, welcher von dem Walle, d. i. der Küste, kommt, der Landwind.


Wallwurz (W3) [Adelung]


Die Wallwurz, plur. car. in einigen Gegenden ein Nahme der Schwarzwurz, Symphitum officinale Linn. Vielleicht von der dicken, runden Gestalt der Wurzel, nach welcher sie einer Welle gleicht, und welche Ähnlichkeit auch den in andern Gegenden üblichen Nahmen, Beinwell, veranlasset haben kann.


Walm (W3) [Adelung]


1. Der Walm, des -es, plur. die -e, ein nur in einigen Sprecharten übliches Wort, eine gewisse wallende, oder doch ähnliche Bewegung zu bezeichnen. Denjenigen Ort, wo sich das Wasser im Kreise beweget, nennen die Fischer einen Walm. Es stammet ohne Zweifel vermittelst der Ableitungssylbe m von wallen her. Bey dem Kero ist Walm, Eifer, Hitze des Gemüthes.


Walm (W3) [Adelung]


2. Der Walm, des -es, plur. die -e, in der Baukunst, die schiefe Richtung eines Daches oder Gewölbes an der schmalen Seite. Ein Dach, ein Gewölbe, hat einen Walm, wenn die schmale Seite nicht senkrecht in die Höhe gehet, wie z. B. an einem Giebeldache, sondern gleichfalls anläuft, und sich an das Hauptdach oder Hauptgewölbe anschließt. (Siehe die folgenden Zusammensetzungen.) Die Abstammung des Wortes ist in dieser Bedeutung dunkel, welches von der eben nicht häufigen Ableitungssylbe m herrühret, woraus zugleich dessen hohes Alter erhellet. Es scheinet indessen, daß die runde oder schräge Richtung der Stammbegriff ist, da es denn zu dem Geschlechte des Wortes wölben gehören würde, welches sich nur durch eine andere Ableitungssylbe unterscheidet.. In einigen Mundarten schreibt und spricht man wirklich Walbe, Walbendach u. s. f. Im Holländischen ist walm, und im Schwedischen välm, ein Heuhaufe.


Walmdach (W3) [Adelung]


Das Walmdach, des -es, plur. die -dächer, ein mit einem Walme, oder Abhang auf der schmalen Seite, versehenes Dach, ein Zeltdach, zum Unterschiede von einem Giebeldache.


Walmen (W3) [Adelung]


Walmen, verb. reg. act. mit einem Walme versehen. Ein Dach walmen.


Walmgewölbe (W3) [Adelung]


Das Walmgewölbe, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gewölbe, welches auch an den zwey schmalen Seiten, folglich in allen vier Seiten, gewölbt ist, und auch ein Klostergewölbe.


Walmspurren (W3) [Adelung]


Walmspurren, des -s, plur. ut nom. sing. Sparren, welche den Walm eines Walmdaches bilden.


Walmstein (W3) [Adelung]


Der Walmstein, des -es, plur. die -e, oder der Walmziegel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Hohlziegel, womit die Ecken eines Walmdaches beleget werden, daher sie auch mit einer Nase versehen sind, dergleichen die übrigen ähnlichen Forststeine oder Forstziegel nicht bedürfen. Sie werden auch Ortziegel, und in einigen Gegenden Preisziegel, genannt.


Walpurgis (W3) [Adelung]


Walpurgis, der Nahme einer Heiligen in der Römischen Kirche, und des ihr gewidmeten Tages, welches der erste May ist; in den gemeinen Mundarten nur Walper. Daher der Walpurgis-Abend, die Walpurgis-Nacht u. s. f. im gemeinen Leben, der Walper-Abend, die Walper-Nacht. Da sich das Jahr bey den Deutschen so wohl, als den übrigen Europäischen Völkern, in den ältesten Zeiten mit dem ersten May anfing, so ist der in Ansehung der Walpurgis-Nacht bey dem großen Haufen noch herrschende Aberglaube vermuthlich ein Überrest davon, und der bey dem Jahreswechsel ehedem üblichem Gebräuche.


Walpurgis-May (W3) [Adelung]


Der Walpurgis-May, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme der Zaun- oder Heckenkirsche, Lonicera Xylosteum Linn.


Wälsch (W3) [Adelung]


Wälsch, adj. et adv. ein altes, aber jetzt großen Theils ungangbar gewordenes Wort. 1. Fremd, ausländisch überhaupt, eine in dem Hochdeutschen Sprachgebrauche veraltete, und nur noch in einigen Nahmen übliche Bedeutung. Ein wälscher Hahn, eine sehr übliche Benennung einer Art ausländischer Hühner, (Siehe Calecut und Truthahn.) Auch in Rothwälsch, und vielleicht auch in Kauderwälsch, hat die letzte Hälfte diese Bedeutung. (Siehe diese Wörter.) Besonders 2. Französisch, eine gleichfalls veraltete, und nur noch in einigen Nahmen übliche Bedeutung. Hierzu nun sollen uns auch ihre Stimmen lehnen. Die welschen Druides und Indischen Braminen, Opitz. Die wälsche Schweiz, der Theil, worin Französisch gesprochen wird. Wälsch Neuburg, Neuf-Chatel, zum Unterschiede von andern Orten, welche den Nahmen Neuburg führen. Das wälsche Flandern, das Französische. In den vereinigten Niederlanden heißt die Gemeinde der reformirten Franzosen, daher die Wallonische Gemeinde. 3. Italiänisch, in welcher Bedeutung es noch in manchen Oberdeutschen Provinzen gangbar ist, im Hochdeutschen aber wenig mehr gehöret wird. Die wälsche Sprache, die Italiänische. Wälsch reden, Italiänisch. Ein Wälscher, eine Wälsche, ein Italiäner, eine Italiänerinn. Die wälsche Nuß, eine Art ausländischer, ohne Zweifel aus oder über Italien zu uns gekommener Nüsse, welche im Niederdeutschen Wallnüsse heißen; und so in den Nahmen wälscher Quendel, wälsche Kirschen, wälscher Kümmel, und hundert andere mehr, Dinge zu bezeichnen, welche wir zunächst aus oder über Italien erhalten haben. Ein wälscher Band, bey den Buchbindern, wo der Rücken und die Ecken eines Buches mit Pergament bekleidet werden.

Anm. In uualescun heißt schon im Notker Lateinisch. Der Zischlaut sch, vollständiger isch, ist die Ableitungssylbe, daher es hier nur auf die Wurzel wal ankommt, welche in der Ableitung in wäl übergehet. Das Substantivum Wahl bedeutete ehedem überhaupt einen jeden Fremden, besonders einen Franzosen und Italiäner, ( S. Wahle) Im Schwedischen ist val, und im Angelsächsischen weal, gleichfalls fremd. Daß dieses Wahl oder wal mit den Nahmen Gallien, Gallier, Wallis, Wallachey, u. s. f. verwandt ist, ist wohl gewiß, aber welches davon das Stammwort ist, oder ob nicht beyde von wallen, wandern, abstammen, läßt sich nur muthmaßen. Aus dieser Ableitung erhellet zugleich, daß die Schreibart wälsch, der mit einem e, welsch, vorzuziehen ist. Die Ungarn haben unser Wahl in Olah verändert, daher heißt ein Italiäner bey ihnen Olasz.


Wälschland (W3) [Adelung]


Wälschland, -es oder -s, plur. car. Italien, wofür doch der letztere Nahme üblicher ist; ehedem Wahlland, Walland, welches aber auch zuweilen Frankreich bedeuten mußte.


Waltbothe (W3) [Adelung]


* Der Waltbothe, des -en, plur. die -n, ein veraltetes Wort einen mit Vollmacht versehenen Abgeordneten zu bezeichnen; so wohl einen solchen Abgeordneten höherer Art, einen Gesandten, Statthalter, als auch einen Gerichtsbedienten.


Walten (W3) [Adelung]


Walten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. Thätig seyn, wirken; eine längst veraltete Bedeutung, von welcher das noch zuweilen gangbare Mühwaltung, eine mit Mühe verbundene Thätigkeit, ein Überrest ist. Auch in dem Ausdrucke, jemanden schalten und walten lassen, leidet es zuweilen diese Bedeutung, obgleich auch die folgende daselbst Statt findet. 2. Das Veränderliche an einer Sache nach eigenem Gutdünken bestimmen; da denn die Sache die Präposition mit bekommt. Man gebraucht es in dieser Bedeutung nur in Verbindung mit dem Verbo schalten. Jemanden mit seinem Vermögen schalten und walten lassen. In einer Sache schalten und walten, in derselben nach Gutdünken verfahren. 3. Regieren, herrschen; eine zwar noch übliche Bedeutung, welche aber auch immer seltener zu werden anfängt. Der Gegenstand der Herrschaft bekommt die Präposition über. Am häufigsten gebraucht man es noch in der Theologie, nach Luthers Vorgange. Gott läßt seine Gnade walten über die, so ihn fürchten, Ps. 103, 11. Seine Gnade und Wahrheit walten über uns in Ewigkeit, Ps. 117, 2. Die über uns waltende Güte Gottes. Der unverrückte Schluß der Götter waltet hier, Schleg. Walts Gott! eine veraltete Wunschformel, Gott gebe es! Anm. Schon im Isidor uualden, bey dem Ottfried ualtan, im Schwedischen valda. Das Wort ist alt, und findet sich sogar in einigen weit entfernten Sprachen, z. B. in dem Russischen wladeti, dem Litthauischen waldyti und dem Finnischen wallitsema, welche insgesammt regieren bedeuten. Aus dem t erhellet, daß es ein Intensivum ist, welches aus einem veralteten walen gebildet worden, welches ursprünglich zu wallen, wollen u. s. f. gehöret haben kann. Ehe man die Sache und Person, über welche die Herrschaft ausgeübet wird, durch die Präpositionen mit und über ausdruckte, war dafür der Genitiv üblich. Uneltis thu thes liutes, du waltest über die Menschen, Ottfr. Thaz Kunig iro uualte, daß der König über herrsche, eben ders. Ehedem wurde es irregulär conjugiret, da es denn im Imperfecto wielt und im Participio gewolten hatte. ( S. auch die abgeleiteten Anwalt, Gewalt, Obwalten, Verwalten, Vorwalten, Gewaltigen, Überwältigen.


Walter (W3) [Adelung]


* Der Walter, des -s, plur. ut nom. sing. 1. * Derjenige, welcher mit oder über etwas waltet, ein längst veraltetes Wort, welches noch in Verwalter lebt. Auch der eigene Nahme Walther ist ein Überbleibsel davon. 2. In der Landwirthschaft einiger Gegenden, z. B. der Lausitz und Obersachsen, ist das Walterchen im Diminutivo ein Theil an dem so genannten Gestellchen des Pfluges, wo es hinten in zwey Theile getheilet, und mit hölzernen Keilen befestiget ist, vorn aber 1 1/4 Elle hervor gehet. Der Grund der Benennung ist mir unbekannt. Wenn es ein Cylinder ist, so kann es von dem Niederdeutschen wältern, wälzen, abstammen, und eine kleine Walze bedeuten.


Walze (W3) [Adelung]


Die Walze, plur. die -n, ein dicker Cylinder, welcher dazu bestimmt ist, sich zu gewissen Absichten langsam umzudrehen, und in manchen Fällen auch eine Welle genannt wird. (Siehe dieses Wort.) So schafft man eine Last, z. B. einen Stein, auf Walzen fort, wenn man ihn auf untergelegten hölzernen Cylindern fortschiebet. In der Landwirthschaft ist die Walze, oder wie sie an einigen Orten genannt wird, Wallbreche, ein schwerer Cylinder, welcher, wenn er von Pferden gezogen wird, die Erdschollen zerdrückt. Von ähnlicher Art sind die Wege- oder Straßenwalzen, die Wege damit so wohl fest, als auch eben, zu machen. In dem Bergbaue sind die Walzen um ihren Mittelpuncte bewegliche Cylinder, über welche die Zugseile gehen. In den Spieluhren sind die Walzen ähnliche mit Stiften versehene Cylinder, von welchen das Spielen und die gespielte Melodie abhänget. An den Kugelbüchsen ist die Walze oder der Kegel die kleine eiserne Zunge, welche auf der Nuß lieget, und das Losgehen des Gewehres befördert. Und so in hundert andern Fällen mehr. In der weitesten Bedeutung nennet man auch wohl einen jeden Cylinder eine Walze, auch wenn er nicht um seinen Mittelpunct beweglich ist. Figürlich ist die Walze eine musikalische Figur, und eine Art Läufer, welche aus vier Noten bestehet, wovon die erste und dritte auf eben derselben Stufe stehen. Stehen die zweyte und vierte auf eben derselben Stufe, so heißt sie ein Halbzirkel. S. Wälzen.


Walzen (W3) [Adelung]


1. Walzen, verb. reg. act. 1. Zunächst von dem vorigen Substantivo, mit einer Walze bearbeiten. So wird im Feldbaue der Acker gewalzet, wenn man ihn mit einer Walze überfähret, die Erdschollen, zu zerdrücken. 2. Die Gestalt einer Walze geben, nur bey den Uhrmachern, wo die Zähne eines Uhrrades gewalzet werden, wenn man sie rund feilet. 3. Bey den Bäckern ist, den Teig walzen, die letzte Arbeit des Knetens, da der Teig bald nach der Länge, bald nach der Breite der Beute oder des Troges gewalzet wird, welche Arbeit auch Ausstoßen heißt. Walzen stehet hier, nach Art der Oberdeutschen, für wälzen.


Walzen (W3) [Adelung]


2. Walzen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber nur in einigen wenigen Fällen gebraucht wird. 1. Walzende Stücke sind in einigen Gegenden Theile eines Grundstückes, welche nach Belieben davon wieder veräußert werden können. In einem noch etwas verschiedenen Verstande sind walzende Güter, welche unter die Erben ohne Unterschied vertheilet werden, zum Unterschiede von den Zins- und Lehengütern. An andern Orten, z. B. in dem Sächsischen Erzgebirge, sind walzende Gerichte solche, wo die Richter- und Schöppenämter die Reihe herum gehen, zum Unterschiede von den Erbgerichten. 2. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist walzen, Deutsch tanzen, welches auch wohl walzerisch tanzen genannt wird.

Anm. Walzen in den letzten Bedeutungen und wälzen sind eigentlich nur der Mundart nach verschieden, indem jenes mehr der Oberdeutschen, dieses aber mehr der Niederdeutschen eigen ist. Indessen findet sich doch auch ein Unterschied in der Bedeutung, indem in walzen der ursprüngliche Begriff des Wallens oder der wellenförmigen Bewegung merklicher ist, als in wälzen, Siehe dasselbe.


Wälzen (W3) [Adelung]


Wälzen, verb. reg. act. einen schweren Körper langsam um seine Achse drehen, und solcher Gestalt fortbewegen. Gemeiniglich gehöret zum Begriffe des Wälzens auch die Veränderung des Ortes, sehr oft aber wird es auch von der bloßen Bewegung um die Achse gebraucht, besonders, wenn sie langsam geschiehet. Wer wälzet uns den Stein von des Grabes Thür? Wolken von Puder wälzten sich gegen die Sonne, Zachar. Sich wälzen, wie manche Thiere. Figürlich, die Schuld von sich auf einen andern wälzen, schieben. Sich in allen Lastern wälzen, sich ihnen ohne Beobachtung einigen Wohlstandes überlassen. So auch das Wälzen, seltener die Wälzung.

Anm. Schon im Ottfried, Tatian u. s. f. uuelzan, uualzan. Der Ableitungslaut z deutet eine Intension an, die langsame Bewegung schwerer Körper um ihre Achse zu bezeichnen. Mit andern, aber ähnlichen, Intensions-Sylben lautet dieses Wort bey dem Kero uualden, im Schwedischen välta, im Angelsächsischen weltan, im Niedersächsischen weltern, in den Sclavonischen Mundarten waleti. Mit der bloßen Verdoppelung des l ist bey dem Ottfried uuallun, und im Englischen wallow, wälzen, ( S. Welle.) Das einfache wehlen ist in einigen Niederdeut- schen Gegenden noch für wälzen üblich, wo aber der Begriff freylich nur sehr allgemein und unbestimmt ausgedruckt werden kann, indem wal, wel jede kreis- oder wellenförmige Bewegung bezeichnet, welche erst durch Ableitungslaute näher bestimmt werden muß. Das Lateinische volvere unterscheidet sich gleichfalls nur durch diesen Ableitungslaut. S. auch Walgen, Wölben, Wallen, Welle u. s. f.


Walzenbolzen (W3) [Adelung]


Der Walzenbolzen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Glashütten, ein eiserner Cylinder, die Tuten zu den Glastafeln damit runden.


Walzenförmig (W3) [Adelung]


Walzenförmig, adj. et adv. die Gestalt einer Walze habend.


Walzengerüst (W3) [Adelung]


Das Walzengerüst, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, das viereckte Gerüst, worin sich die Feldwalze befindet.


Walzenkunst (W3) [Adelung]


Die Walzenkunst, plur. die -künste, im Bergbaue, eine Kunst, deren äußeres Feldgestänge auf Walzen gehet.


Walzenrad (W3) [Adelung]


Das Walzenrad, des -es, plur. die -räder. 1. In den Spieluhren, dasjenige Rad, welches die Walze umdrehet. 2. In andern Fällen ist ein Walzenrad, ein Rad in einer Maschine, welches einer Walze gleicht, d. i. welches in Verhältniß seines Durchmessers sehr breit ist.


Walzenscheit (W3) [Adelung]


Das Walzenscheit, des -es, plur. die -e, im Holzwesen, Scheite, welche aus Stücken von Ästen und Zweigen bestehen, daher sie Walzen gleichen, auch Kleppelscheite; zum Unterschiede von den Kern- und Stockscheiten.


Walzenschnecke (W3) [Adelung]


Die Walzenschnecke, plur. die -n, eine Art Meerschnecken, welche die Gestalt einer Walze haben, und daher auch Rollen heißen.


Walzenstein (W3) [Adelung]


Der Walzenstein, des -es, plur. die -e, ein Stein, welcher einer Walze gleicht. Besonders in der Mineralogie, eine gewisse Versteinerung, welche aus mehrern Trochiten oder Rädersteinen in Gestalt einer Walze zusammen gesetzt ist, und auch ein Entrochit genannt wird.


Wälzer (W3) [Adelung]


Der Wälzer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Körper, welcher so plump und schwer ist, daß man ihn nicht anders, als durch Wälzen fortbewegen kann. So wird ein ungewöhnlich großes und dickes Buch, im verächtlichen so wohl als komischen Verstande, ein Wälzer genannt.


Wälzhammer (W3) [Adelung]


Der Wälzhammer, des -s, plur. die -hämmer, bey den Grobschmieden, ein Hammer mit einer Finne auf der einen, und einer glatten Bahn auf der andern Seite, die Speerkegel zu den Sperrädern damit auszutreiben.


Walzholz (W3) [Adelung]


Das Walzholz, des -es, plur. die -hölzer, bey den Glasmachern, eine halbrunde hölzerne Walze mit runden Löchern, gewisse Arten Glas darin rund und glatt zu walzen.


Walzwerk (W3) [Adelung]


Das Walzwerk, des -es, plur. die -e, in den Münzen, und bey andern Metallarbeitern, eine Anstalt, in welcher das Metall zwischen stählernen Walzen ausgedehnet oder gestrecket wird; das Streckwerk.


Walzzapfen (W3) [Adelung]


Der Walzzapfen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Grobschmieden, ein eiserner Zapfen in Gestalt einer Walze, Tüllen um selbigen zu bilden.


Wambs (W3) [Adelung]


Das Wambs, S. Wamms.


Wamme (W3) [Adelung]


Die Wamme, plur. die -n. 1. Der herabhangende häutige Theil am Halse unter dem Kinne, besonders bey dem Rindviehe, da es denn in manchen Gegenden auch wohl die Wampe heißt; im Niedersächsischen Quabbe. Bey den Jägern wird auch der ähnliche häutige Theil an den Seiten des Wildbretes die Wamme genannt. 2. Das Gedärm in geschlachteten Thieren, mit dem Zugehör, das Geschlinge, die Kaldaunen; nur in einigen Provinzen. Rindswammen, Schafwammen u. s. f. 3. In einigen, besonders Obersächsischen Gegenden, wird das in- wendige Fett der geschlachteten Thiere, welches sonst auch die Blume heißt, die Wamme genannt. 4. Bey den Kürschnern werden die Bäuche an den Fellen der Thiere Wammen genannt. Daher Fehwamme, Fuchswamme, Hasenwamme und so ferner. Anm. Das herabhangende, schlotternde, ist der Stammbegriff in diesem Worte, woraus vermittelst eines stärkern Blaselautes, Wampe gebildet worden, S. dasselbe.


Wammer (W3) [Adelung]


Die Wammer, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort, einen in dem Holze verwachsenen Ast zu bezeichnen. Daher wammerig, solche verwachsene Äste habend, und in weiterer Bedeutung, sich in Spalten splitternd, wie das Holz bey verwachsenen Ästen zu thun pflegt.


Wamms (W3) [Adelung]


Das Wamms, des -es, plur. die Wämmser, Diminutivum Wämmschen, Oberdeutsch Wämmslein, eine kurze Bekleidung des Leibes, welche man ehedem unter dem Mantel trug, den Leib bis auf die Hüften bedeckt, und Ärmel und kurze Schöße hat. Seitdem die Französische Tracht in Deutschland üblich geworden, ist das Wort größten Theils veraltet, und wird nur noch zuweilen von solchen kurzen. Kleidungen unter dem Volke, besonders bey dem männlichen Geschlechte gebraucht; dagegen das ehemahlige Wamms in den obern Classen die Weste, Camisol, und in andern Fällen ein Leibchen genannt wird. Jemanden Hosen und Wamms ausziehen, figürlich, ihn seines ganzen Vermögens berauben.

Anm. Im Niedersächsischen gleichfalls Wammes, im Holländischen Wambeis, im mittlern Lateine Wambasium, Gambeso, Bombasium. Es ist noch ungewiß, ob es von Wamme, Wampe, der Unterleib, abstammet, weil es vornehmlich diesen bedecket, oder ob es als ein ausländisches Wort von Bombyx, herzuleiten ist, da es denn eigentlich eine jede baumwollene Kleidung bezeichnen würde. Die letztere Ableitung hat das mittlere Lateinische Bombasium für sich.


Wampe (W3) [Adelung]


Die Wampe, plur. die -n, Diminut. das Wämpchen, Oberd. Wämplein. 1. Der häutige oder fleischige Theil unter dem Kinne, welcher bey Menschen, in dem edlern Ausdrucke, das Unterkinn genannt wird; wie Wamme, ( S. dasselbe.) 2. Die weiche Seite des untern Schmerbauches, so wie die Dünnung eigentlich die Seite des abern Schmerbauches ist. 3. Der Unterleib, Schmerbauch selbst, nur im verächtlichen Verstande, von einem großen, hervor ragenden Bauche. Sich die Wampe füllen. Jemanden in die Wampe stoßen.

Anm. Wampe unterscheidet sich von Wamme nur durch den stärkern Ableitungslaut. Wambo, Wamba, ist in den ältesten Deutschen Schriften sehr gemein, den Unterleib zu bezeichnen, und zwar selbst in dem edelsten Verstande. Sinero muoter uuamba, seiner Mutter Leib, von Christo, im Tatian.


Wamsen (W3) [Adelung]


Wamsen, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben für prügeln üblich ist. Jemanden durchwamsen, ihn durchprügeln. Nicht von Wamms, wie viele geglaubt haben, weil die Schläge oft auf das Wamms gerichtet sind, sondern als eine eigene Onomatopöie. Siehe Bamsen, welches gleichfalls dafür gebraucht wird.


Wand (W3) [Adelung]


1. * Das Wand, des -es, plur. inus. ein im Hochdeutschen für sich allein längst veraltetes Wort, so wohl ein Gewebe, besonders ein wollenes Gewebe, als auch die daraus bereiteten Kleidungsstücke zu bezeichnen, welches noch in der ersten Bedeutung im Niedersächsischen üblich ist, wo Wand wollenes Tuch bedeutet. Im Hochdeutschen ist es nur noch in den Zusammensetzungen, Gewand und Leinewand, üblich; Siehe diese Wörter. Anm. Im Oberdeutschen hatte man dafür mit einer andern Ableitungssylbe Watt, Wad, welches bey dem Ottfried und andern häufig vorkommt, und so wohl Tuch, als auch ein Kleid, bedeutete. Daher ist uuattun bey dem Kero, bekleiden. Es ist schwer zu entscheiden, was in diesem so alten und so einfachen Worte der Stammbegriff ist, ob es der Begriff des Bekleidens ist, da es denn zu vestire gehören würde, oder der Begriff der Biegsamkeit, da es denn mit Band, Fahne, Winden u. s. f. Eines Geschlechtes seyn könnte. Dem sey, wie ihm wolle, so ist das Lat. Pannus augenscheinlich damit verwandt.


Wand (W3) [Adelung]


2. Die Wand, plur. die Wände, ein Wort, in welchem der Begriff einer senkrechten, oder meist senkrechten Fläche der herrschende zu seyn scheinet, besonders, wenn sich damit der Begriff des Unterschiedes verbindet. Man gebraucht es vornehmlich in folgenden Fällen. 1. Die abhängige Seite eines Berges oder Felsens wird häufig eine Wand genannt, besonders, wenn sie sich der senkrechten Linie merklich nähert. Indeß können meine Ziegen an der jähen Wand klettern, und vom Gesträuche reißen, Geßn. 2. Im Bergbaue wird auch das dem Bergmanne entgegen stehende Gestein oder Erde eine Wand genannt, besonders wenn es einen senkrechten Abhang hat. Eine Bergwand, eine Wand Erde, zum Unterschiede von einer Erzwand, wenn sie aus Erz bestehet. Daher sagt man daselbst, die Wand hat den Bergmann gefangen, wenn die Seite eines Berggebäudes einstürzet, und den Bergmann verschüttet. Die Wand ziehet sich, wenn sie einzustürzen drohet. Vermuthlich ist es eine Figur von dieser Bedeutung, wenn 3. im Bergbaue ein jeder Stein, er sey groß oder klein, eine Wand genannt wird. Daher eine Bergwand, ein Stück taubes Gestein, zum Unterschiede von einer Erzwand, wenn der Stein erzhaltig ist. Eine Wand zersetzen, zerstufen, ein Stück Stein zerschlagen. Selbst die Steine auf den Gassen und Feldern heißen bey den Bergleuten Wände. Pochwände, Steine, welche gepochet werden sollen. 4. In dem gewöhnlichsten Verstande ist die Wand der senkrechte Unterschied, welcher so wohl die Zimmer eines Gebäudes unter sich, als auch das Gebäude von dem äußern Raume absondert. Eine hölzerne Wand, eine steinerne; welche letztere unter dem Nahmen einer Mauer am bekanntesten ist. Die Scheidewand, wenn sie ein Zimmer von dem andern scheidet. Die Seitenwand, die Wand an der Seite eines Gebäudes. Die Vorderwand, an dem vordern Theile. Eine Spanische Wand, eine bewegliche leichte Wand, welche man zusammen legen, und nach Belieben wegnehmen kann. Eine Wand täfeln. Mit dem Kopfe wider die Wand laufen. Eine Wand führen, ausführen. 5. In der Schifffahrt werden die stehenden, oder größten Theils senkrecht ausgespannten Taue welche die Masten halten, Wände genannt. Daher, ein Schiff unter die Wand bringen, es mit dem nöthigen Tauwerk versehen. Diese Wände bekommen ihren Nahmen von den Masten, an welchen sie sich befinden; daher die große Wand, Befanwand, Fockewand, blinde Wand u. s. f. 6. In dem Jagdwesen werden die in einer Reihe senkrecht aufgestellten Klebegarne eine Wand genannt. Bey den Vogelstellern sind die Wände diejenigen Garne, womit man die Vögel auf dem Vogelherde zu fangen pflegt. 7. Wird Dieses Wort noch in vielen einzelnen Fällen gebraucht, eine senkrechte oder fast senkrechte Fläche zu bezeichnen, welche größten Theils Figuren der ersten und vierten Bedeutung sind. Bey den Jägern beißen die Rippenstücke der Hirsche und Thiere, Wände. Die Schärfe, oder der Rand an den Schalen des Hirsches, um der obere, von außen erhabene, Theil eines Pferdehufes heißt gleichfalls die Wand. In einem gezogenen Rohre sind die Wände die erhabenen Theile zwischen den Zügen. An einer Lassete sind die Wände die breiten und langen Seitenhöl- zer; und so in andern Fällen mehr, wo oft eine jede Seitenfläche eine Wand heißt.

Anm. Schon bey dem Ottfried Uuant, im Niedersächsischen gleichfalls Wand. Auch bey diesem allen Worte läßt sich die nächste Abstammung nur errathen. Frisch leitete es von wenden ab; zeiget aber nicht, wie sich beyde Begriffe dabey ohne Zwang vereinigen lassen. Wachter läßt es von winden abstammen, weil die ältesten Wände doch wohl nur aus Flechtwerk bestanden; wobey er denn voraussetzt, daß die vierte oder gangbarste Bedeutung die erste ist, welches er doch zu beweisen vergessen hat. Mir scheint der durch die Natur selbst veranlaßte Begriff der erste, und die Bedeutung der Höhe die nächste zu seyn. Andere Sprachen haben zwar etwas von der Wurzelsylbe behalten, aber statt des Ableitungslautes d oder nd andere vorgezogen; dahin das Schwedische Väg, das Holländische Waeg, das Gothische Vaddus, das Lappländische Hwados, das Engl. Wall, ( S. Wall,) das Latein. Paries, welche insgesammt eine Wand bedeuten.


Wandbank (W3) [Adelung]


Die Wandbank, plur. die -bänke, eine Bank, welche an die Wand befestiget wird, zum Unterschiede von einer frey stehenden.


Wandbein (W3) [Adelung]


Das Wandbein, des -es, plur. die -e, in der Anatomie, der Theil der Hirnschale am Vorderkopfe, welcher gleichsam die Wand desselben ausmacht, Osparientale.


Wandbesen (W3) [Adelung]


Der Wandbesen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Besen von Borsten, die Wände damit abzukehren; ein Borstwisch.


Wandel (W3) [Adelung]


* Wandel, adj. et adv. welches im Hochdeutschen fremd, und nur in einigen gemeinen Mundarten üblich ist, für wandelbar. Die Dächer werden wandel, im Churkreise. S. das folgende.


Wandel (W3) [Adelung]


1. * Der Wandel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur noch im eingeschränkten Verstande übliches Wort. Ehedem bedeutete es: 1. * den Tauschhandel; eine längst veraltete Bedeutung, wovon noch der Ausdruck, Handel und Wandel, üblich ist, d. i. alle Arten des Gewerbes in dem Nahrungsstande zu bezeichnen. Ein Land, wo Handel und Wandel blühen. Daß Wandel hier ursprünglich den Tauschhandel bezeichnet, erhellet so wohl aus dem Stammbegriffe des Wendens, Vertauschens, als auch aus andern alten Überbleibseln. In den Alemannischen Glossen ist uuantlunt, sie handeln, eigentlich wohl, sie treiben Tauschhandlung. 2. * Eine Veränderung; im Hochdeutschen gleichfalls veraltet, und nur noch in einigen Provinzen gangbar. So mußte nothwendig die bisherige Regierungsform Wandel erleiden, d. i. verändert werden, in einer Oberdeutschen Schrift. Diese Bedeutung lebt noch, obgleich in einem eingeschränkten Verstande, in unserm Verwandeln. ( S. auch Abwandeln.) Im Schwedischen ist vandla gleichfalls verändern. 3. * Eine nachtheilige Veränderung, besonders ein Mangel, Fehler; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung. Unschuldig und alls wandels frey, im Theuerdanke. In Luthers Bibel kommt sie noch mehrmahls vor. Das Gesetz des Herrn ist ohne Wandel, Ps. 19. 8. Im Pferdehandel werden die Hauptmängel eines Pferdes noch zuweilen Wandel genannt. 4. * Nach einer noch weitern Figur war Wandel ehedem die Genugthuung für einen begangenen Fehler, d. i. die Strafe, welche Bedeutung im Schwabenspiegel häufig ist, und noch in einigen Niedersächsischen Gegenden angetroffen wird. Auch das Befugniß, Fehler, d. i. geringe Verbrechen, zu bestrafen, d. i. die niedere Gerichtbarkeit ward daher zuweilen der Wandel genannt. S. Wandeln.


Wandel (W3) [Adelung]


2. Der Wandel, des -s, plur. car. zunächst von wandeln, gehen, wandern. 1. * Die Handlung des Gehens; eine längst veraltete Bedeutung, wovon sich noch einige Spur im Jagdwesen findet, wo das Wildbret an einem Orte seinen Wandel hat, wenn es sich daselbst spüren lässet, daselbst aus- und eingehet, welches auch der Wechsel genannt wird. Man gebraucht es nur noch 2. im figürlichen Verstande, von der ganzen Einrichtung der sittlichen Handlungen, und der Reihe derselben, am häufigsten in der Theologie, und mit Beywörtern, welche die Art und Weise desselben bezeichnen. Einen guten, unsträflichen, tugendhaften, üblen Wandel führen. Jemandes Leben und Wandel beschreiben. Dein Herz wird für dich stehn, Dein Wandel für dich sprechen, Schleg. S. Wandeln.


Wandelbar (W3) [Adelung]


Wandelbar, -er, -ste, adj. et adv. welches nach Maßgebung der Wörter Wandel und wandeln in verschiedenen Bedeutungen vorkommt. 1. * Von wandeln, wandern, reisen, ist eine wandelbare Gegend, durch welche gereiset, welche von Reisenden besucht wird; eine im Hochdeutschen fremde Bedeutung. In einigen Niederdeutschen Gegenden ist wandelbares Geld, gangbares. 2. Der Veränderung ausgesetzt, veränderlich, unbeständig; zwar noch nicht ganz veraltet, aber doch ziemlich ungewöhnlich. Das wandelbare Glück. Das Glück der Waffen ist wandelbar. - Der Mensch, der wandelbar, Nimmer bleibet, was er war, Cram. 3. In engerer Bedeutung, für baufällig, besonders von Gebäuden, Werkzeugen, Maschinen; in welchem Verstande es im Hochdeutschen am üblichsten ist. Das Haus wird wandelbar, wenn es baufällig wird; die Uhr, eine Maschine, wenn ihre Theile schadhaft werden. 4. * Fehlerhaft, mangelhaft überhaupt; im Hochdeutschen veraltete. In den Schwäbischen Dichtern kommt es in dieser Bedeutung mehrmahls vor. In einigen Niedersächsischen Gegenden ist wandelbar ungesund. 5. * Vergänglich; im Hochdeutschen gleichfalls veraltet, in welcher es Zachariä Ein Mahl gebraucht zu haben scheinet: Wie in der stillen Nacht, wenn auf die starre Welt, Der wandelbare Schein des blassen Nordlichts fällt. Bey dieser Vieldeutigkeit und der Unmöglichkeit, die, jedem Falle angemessene, Bedeutung aus dem Zusammenhange zu errathen, hat die Hochdeutsche Mundart die meisten derselben veralten lassen, zumahl, da es ihr an andern guten Ausdrücken für dieselben nicht fehlet. Das Substantiv, die Wandelbarkeit, wird allenfalls auch nur in der dritten engern Bedeutung gebraucht.

Anm. Schon bey dem Strycker wandelbere. Ottfried und Notker gebrauchen dafür mit einer andern Ableitungssylbe uuandellich, für veränderlich.


Wandeln (W3) [Adelung]


Wandeln, verb. reg. act. et neutr. in welchem der Begriff der Vertauschung und Veränderung der herrschende ist, und welches besonders in folgenden Fällen vorkommt. 1. * Vertauschen; eine nur noch in einigen Oberdeutschen Gegenden gangbare Bedeutung. Alten Freund für neuen wandel, Heißt für Früchte Blumen handeln, Logau. In der noch zuweilen im gemeinen Leben üblichen R. A. handeln und wandeln, Handel und Wandel treiben, scheint diese Bedeutung noch übrig zu seyn. 2. * Verändern, überhaupt; im Hochdeutschen gleichfalls veraltet, aber noch im Nieders. wandeln, so wie im Schwed. vandla. Wie wandeln jene sich Mit ihren Herrlichkeiten, Cram. Wir haben davon, obgleich in einer eingeschränkten Bedeutung, verwandeln. ( S. dasselbe.) Für dieses letztere das veraltete wandeln wieder einführen zu wollen, wie von einigen Neuern geschehen, z. B. wie die Morgenröthe jeden Augenblick die Wolken um sich her wandelt, ist desto weniger zu billigen, da die eingeschränkte Bedeutung, welche verwandeln von wandeln, verändern überhaupt, unterscheidet. Eigentlich in dem Vorworte ver lieget, und mit demselben verloren gehet. 3. * Ersatz thun, erset- zen, mit dem Accusativ; im Hochdeutschen gleichfalls fremd, und nur noch in einigen Provinzen gangbar. Der Verkäufer soll bey Hauptmängeln das Pferd zu wandeln gehalten seyn, d. i. zu ersetzen, heißt es in einer Braunschweigischen Verordnung. Daher war, eine Sache wandeln, ehedem auch oft so viel, als Strafe dafür geben. 4. Den Ort verändern, oder mit einem andern vertauschen, d. i. gehen, reisen, wandern, so wohl active, mit dem Accusativo des Weges, als auch als ein Neutrum, und in diesem Falle mit dem Hülfsworte haben. (a) Eigentlich; in welcher Bedeutung es noch in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt: stehe auf und wandele! und so in andern Stellen mehr. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es noch für reisen überhaupt gangbar. Im Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung eigentlich veraltet, außer daß sie noch in der Dichtkunst beybehalten wird, ohne Zweifel, weil die in dem Baue des Wortes liegende Onomatopöie eine anschauliche Darstellung des mit Leichtigkeit verbundenen Gehens ist. Man sieht die Nymphen da mit grünem Haupthaar unter den Bäumen wandeln, Geßn. Er wandelt unter Bäumen Der holde Schlaf mit holdern Träumen, Utz. Murner wandelte fort durch dicke cimmerische Nächte Über Plutons finstre Gefilde, Zachar. Was ist der beste Mensch, der auf der Bahn dieses Lebens noch so vorsichtig wandelt? Gell. Da es denn auch wohl figürlich von leblosen Dingen gebraucht wird, für, sich leicht und langsam fortbewegen. Wenn in dem finstersten Wald ein flimmernder Sonnenblick wandelt, Zachar. Und ein wandelndes Jauchzen durchdrang die Pforten des Abgrunds, Klopst. Wenn wandeln in dieser und der folgenden Bedeutung als ein Neutrum gebraucht wird, so bekommt es das Hülfswort haben, weil aus allen vorigen Bedeutungen erhellet, daß der Begriff der Thätigkeit mit diesem Worte genau verbunden ist. Wird der Weg beygefüget, und ohne Präposition ausgedruckt, so stehet er im Accusativ: einen Weg wandeln, die Bahn der Tugend wandeln. (b) Figürlich, die Reihe seiner sittlichen Handlungen auf eine gewisse Art einrichten; eigentlich ein Hebraismus, welcher in Luthers Deutscher Bibel häufig vorkommt, und sich aus derselben auch in die Sprache der Theologie und Moral eingeschlichen hat. Vor Gott wandeln, mit Gott wandeln, Gott würdiglich wandeln, in der Wahrheit, im Glauben, in der Hoffnung wandeln, behuthsam wandeln, in den Lüsten des Fleisches wandeln, die Wege Gottes wandeln u. s. f. So auch das Wandeln. Die Wandlung ist nur in einigen Zusammensetzungen üblich, wie Verwandlung, die Mondswandlung, die Brotwandlung in der Römischen Kirche, welche letztere daselbst auch wohl die Wandlung schlechthin genannt wird. Anm. Bey dem Ottfried und andern alten Schriftstellern uuandelen, im Nieders. gleichfalls wandeln. Die Endung eln verräth ein Iterativum, daher es hier nur auf die Sylbe wand ankommt, und diese ist, allem Ansehen nach, mit der Wurzel in wenden gleich bedeutend, weil doch der Begriff der Veränderung in den meisten Fällen der herrschende ist. Indessen kann es seyn, daß wandeln, gehen, keine Figur von wandeln, verändern, ist, sondern daß wand in beyden nur verschiedene Anwendungen eines und eben desselben Lautes auf mehrere ähnliche Fälle ist, so wie man von Wand, winden u. s. f. gleichfalls annehmen muß. Alsdann wird auch die Verwandtschaft des Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Bahn, Bein, mit der Wurzel in wandeln, gehen, noch mehr fremd scheinen. ( S. auch Wandern.) Die Substantiva, Wan- del, scheinen nicht von dem Verbo mit bloßer Weglassung der Endung des Infinitivi en oder n gebildet, sondern vermittelst ihrer eigenen Ableitungssylbe el, welche ein Ding, Subject bedeutet, unmittelbar von der Wurzel des Verbi, wand, ableitet zu seyn.


Wandelstein (W3) [Adelung]


* Der Wandelstein, des -es, plur. die -e, der Gränzstein, weil sich daselbst die Gränze wendet; ein im Hochdeutschen völlig veraltetes Wort.


Wandelstern (W3) [Adelung]


Der Wandelstern, des -es, plur. die -e, ein von einigen Neuern gebildetes Wort, einen Planeten zu bezeichnen, welches aber außer der Poesie unschicklich ist, theils, weil wandeln außer der Dichtung veraltet ist, theils aber auch, weil der Begriff, welchen es gewähret, nicht bestimmt ist, indem Wandelstern auch einen Kometen bedeuten kann.


Wanderer (W3) [Adelung]


Der Wanderer, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Verbo wandern, ein Reisender zu Fuße, nur in der edlern und dichterischen Schreibart, wofür im gemeinen Leben Wandersmann üblich ist. Ein Fämininum kommt von diesem Worte nicht leicht vor; brauchte man ja eines, so müßte man, um nicht so viele tonlose e auf einander folgen zu lassen, entweder das eine verbeißen, Wandrerinn, wo aber die Ellision zu hart wird; oder das eine er weglassen, Wanderinn, so wie man mit den ähnlichen Zauberer, Märtyrer, Wucherer, Plauderer, Kämmerer u. s. f. auf ähnliche Art verfahren müßte.


Wanderfalke (W3) [Adelung]


Der Wanderfalke, des -n, plur. -n, ein Nahme des edeln Falken, Falco gentilis Klein. welcher auch Fremdlingsfalke genannt wird; etwa, weil er bey uns nicht einheimisch ist, sondern sich nur als ein Fremdling sehen läßt.


Wandergeräth (W3) [Adelung]


Das Wandergeräth, des -es, plur. inus. oder plur. die Wandergeräthe, sing. inus. ein Collectivum, das zur Wanderschaft gehörige Geräth zu bezeichnen.


Wanderjahr (W3) [Adelung]


Das Wanderjahr, des -es, plur. die -e, bey den Handwerkern, diejenigen Jahre, welche ein Gesell zu wandern, oder auf der Wanderschaft zuzubringen verbunden ist, ehe er Meister werden kann.


Wandern (W3) [Adelung]


Wandern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn bekommt, wenn der Ort bestimmt wird, außer dem aber haben, zu Fuße reisen. 1. Eigentlich. In der Welt herum wandern. Sie sind durch ganz Deutschland gewandert; wir haben den ganzen Tag gewandert. Besonders bey den Handwerkern, von den Gesellen, fremde Orte besuchen, weil ihre reisen gemeiniglich zu Fuße geschehen. Der Gesell hat gewandert. Auf sein Handwerk wandern. Drey Jahre wandern müssen. Zuweilen für gehen überhaupt. Er wanderte die Straße zu seinem Tode mit aller Munterkeit, welche ein gutes Gewissen nur zu ertheilen vermag. 2. Figürlich. (a) Aus diesem Leben wandern, d. i. sterben. (b) Im Scherze sagt man zuweilen, eine Sache müsse wandern, wenn man sie veräußern will. So auch das Wandern und die Wanderung, S. letzteres an seinem Orte.

Anm. Wandern, im Engl. to wander, im Schwed. vandra, im Sclavon. wandrowati, unterscheidet sich nur durch die ähnliche Ableitungssylbe ern von wandeln, und ist, so wie dieses, ein Intensivum oder Iterativum, nur daß es den Nebenbegriff der Leichtigkeit oder Anmuth hat, wie dieses, wovon der Grund in dem härtern r lieget. Ohne Blaselaut ist im Schwed. andra, gehen, womit das Ital. andare überein kommt, so wie das Franz. aller mit wallen.


Wanderschaft (W3) [Adelung]


Die Wanderschaft, plur. inus. der Zustand, da man wandert, besonders bey den Handwerkern, der Zustand, da ein Gesell fremde Orte besucht. Auf der Wanderschaft seyn. In der Theologie, auch figürlich, das Leben in dieser Welt.


Wandersmann (W3) [Adelung]


Der Wandersmann, des -es, plur. die -leute, im gemeinen Leben, ein Mann, welcher wandert, d. i. zu Fuße reiset, wofür in der edlern Schreibart Wanderer gebraucht wird. Das Fämin. die Wandersfrau, ist nicht üblich, vielleicht, weil es weniger wandernde Frauen als Männer gibt.


Wanderstab (W3) [Adelung]


Der Wanderstab, des -es, plur. die -stäbe, ein Stab, dessen man sich bey einer Reise zu Fuße bedienet. Den Wanderstab ergreifen, figürlich, eine Reise zu Fuße antreten.


Wanderung (W3) [Adelung]


Die Wanderung, plur. die -en, von dem Verbo wandern. Man gebraucht dieses Wort am häufigsten von den ehemahligen Zügen der barbarischen Völker aus einem Lande in das andere, da es denn eigentlich nur eine Übersetzung des Lat. migratio ist. Die Wanderung der Völker, die Völkerwanderung.


Wandflechte (W3) [Adelung]


Die Wandflechte, plur. inus. eine Art Flechte, welche an den Wänden wächset, Lichen parietinus Linn. auch das Wandmoos.


Wandhaken (W3) [Adelung]


Der Wandhaken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Haken, welchen man entweder in die Wand schlägt, oder an die Tapeten hängt, etwas daran zu hängen. S. Wandschraube.


Wandkraut (W3) [Adelung]


Das Wandkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme des Glaskrautes, weil es gern an den Wänden und Mauern wächset, Parietaria Linn.


Wandlaus (W3) [Adelung]


Die Wandlaus, plur. die -läuse. S. Wanze.


Wandleuchter (W3) [Adelung]


Der Wandleuchter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Leuchter, welcher an die Wand befestigt werden kann.


Wandmoos (W3) [Adelung]


Das Wandmoos, des -es, plur. inus. S. Wandflechte.


Wandpfeiler (W3) [Adelung]


Der Wandpfeiler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Pfeiler, welcher aus der Wand oder Mauer hervor ragt, zum Theil in derselben steckt.


Wandruthe (W3) [Adelung]


Die Wandruthe, plur. die -n, im Bergbaue, Zimmerhölzer, welche an die Seiten der Schächte angelegt werden, das Einstürzen derselben zu verhindern.


Wandsäule (W3) [Adelung]


Die Wandsäule, plur. die -n, eine Säule, welche zum Theil in der Wand oder Mauer steckt, zum Unterschiede von einer frey stehenden Säule.


Wandschmid (W3) [Adelung]


Der Wandschmid, des -es, plur. die -schmiede, in einigen Gegenden ein Nahme des Holzwurmes, S. dieses Wort.


Wandschraube (W3) [Adelung]


Die Wandschraube, plur. die -n, ein Wandhaken, mit einer Schraube, ihn damit in die Wand zu schrauben.


Wanduhr (W3) [Adelung]


Die Wanduhr, plur. die -en, eine Uhr, welche man in dem Zimmer an die Wand hängt, zum Unterschiede von einer Thurm- und Taschenuhr.


Wange (W3) [Adelung]


1. Die Wange, plur. die -n, ein, so viel ich weiß, nur im Bergbaue übliches Wort, wo die Flügel oben an den Kunststangen Wangen genannt werden. Da es wahre Flügel sind, und sie auch im Französ. und Latein. durch Ailes und Alae gegeben werden, so scheinet das Wort in dieser Bedeutung zu Schwinge zu gehören.


Wange (W3) [Adelung]


2. Die Wange, plur. die -n. 1. Der fleischige Theil an der Seite des Gesichtes unter den Augen, wo dieses Wort vorzüglich in der edlern Schreibart anstatt des im gemeinen Leben üblichen Backe gebraucht wird. Die Gesundheit blühete auf seinen Wangen. Die Furcht, zu beleidigen, färbte ihre Wangen. Eine glänzende Thräne rollt über deine Wangen herab, Geßner. 2. Figürlich werden in manchen Fällen auch gewisse Seitentheile Wangen genannt. So sind die Wangen an einen Mastbaume oder die Mastwangen starke Bauhölzer, womit der Mast unten an den Seiten belegt wird, ihn zu verstärken. In andern Fällen scheinet dieses Wort zugleich den Begriff der Vertiefung mit einzuschließen. So sind die Wangen an einem Hebel die Seiten des Loches, worin das Eisen vermittelst des Keiles befestiget wird. Bey den Drechslern ist die Wange die Rinne, worin der Reitstock hin und her geschoben wird.

Anm. Von der Wange des Gesichtes schon seit Ottfrieds Zeiten, Uuang, im Schwed. Vang, im Angels. Veng, im Isländ. Vange, im Ital. Guancia. Es scheint, daß der Begriff der Erhöhung in diesem Worte der herrschende ist, und da dieser mit dem Begriffe der Vertiefung nahe verwandt ist, so werden auch die letzten Arten des Gebrauches begreiflich. Im Schwed. ist Vänge, ein Küssen. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist dieses Wort ein Masculinum, der Wang, dagegen es im Tatian als ein Neutrum vorkommt, daz Wang.


Wangenbein (W3) [Adelung]


Das Wangenbein, des -es, plur. die -e, in der Anatomie, dasjenige Bein des Kopfes, welches die Wangen bilden hilft, und auch das Jochbein genannt wird.


Wangeneisen (W3) [Adelung]


Das Wangeneisen, des -s, plur. ut nom. sing. von 1 Wange, im Bergbaue, ein Eisen, welches auf die Wangen der Kunststange genagelt wird, damit sich das Holz nicht abnutze.


Wangenhobel (W3) [Adelung]


Der Wangenhobel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Tischlern, ein Gesimshobel mit einem schmalen Eisen und Schafte, der mit dem Nuthhobel gemachten Nuth damit nachzuhelfen.


Wangenscheibe (W3) [Adelung]


Die Wangenscheibe, plur. die -n, in den Bienenstöcken, die äußersten Scheiben zu beyden Seiten eines Stockes.


Wank (W3) [Adelung]


Der Wank, des -es, plur. die -e, von dem Verbo wanken, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort. Keinen Wank thun, nicht wanken.


Wanke (W3) [Adelung]


Die Wanke, plur. die -n, bey den Tuchscherern, ein Klötzchen auf dem still liegenden Blatte der Tuchschere, woran der Riemen befestiget ist, der das zweyte Blatt regieren muß. Vermuthlich gehöret dieses Wort zu 2. Wange, und ist nur eine verderbte Aussprache davon.


Wankel (W3) [Adelung]


* Wankel, adj. et adv. welches im Hochdeutschen völlig veraltet ist, und nur zuweilen in den ältern Schriften für wankend, nicht fest, vorkommt. Unstetu fruintschaft machet wankeln mut, unbeständigen, Milo von Sevelingen. Auch Luther gebraucht noch, wankel werden, Ebr. 6, 12. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe el von der Wurzel des Verbi wanken gebildet, und ist um der folgenden Zusammensetzungen Willen zu merken, welche noch völlig gangbar sind, obgleich wankel für sich allein veraltet ist.


Wankelmuth (W3) [Adelung]


Der Wankelmuth, des -es, plur. car. die Unbeständigkeit des Gemüthes. Aus Wankelmuth entschließt er sich jeden Augenblick anders. Im Hochdeutschen ist das männliche Geschlecht in diesem Worte das üblichste, in andern Gegenden ist es das weibliche. ( S. Muth.) In dem alten Gedichte auf den heiligen Anno, wankeli muat, bey dem Hornegk nur Wank und Wanksal.


Wankelmüthig (W3) [Adelung]


Wankelmüthig, -er, -ste, adj. et adv. unbeständig in Ansehung des Gemüthes. Wankelmüthig seyn. Ein wankelmüthiger Mensch. Ein wankelmüthiges Betragen.


Wankelmüthigkeit (W3) [Adelung]


Die Wankelmüthigkeit, plur. car. der Wankelmuth, als eine Eigenschaft oder Fertigkeit betrachtet.


Wanken (W3) [Adelung]


Wanken, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, sich langsam hin und her bewegen. 1. Eigentlich. Das Erdbeben machte, daß die Häuser wankten. Das wankende Rohr. Ich will jetzt durch den kleinen Hain des wankenden Grases hinsehen, Geßn. Besonders vor Schwäche, Ohnmacht. Im Gehen wanken. Mit den Füßen wanken. Seine wankenden Schritte verrathen Angst und Entsetzen. Wenn meine Hand des plappern den Kindes wankenden Fußtritt leitete, Geßn. Ingleichen aus Mangel der gehörigen Festigkeit, da man das Wort in der edlern Schreibart gern für das niedrigere wackeln gebraucht, welches vermöge seiner Bildung, ein schnelleres Hin- und Herbewegen fester Körper bezeichnet. Der Tisch, der Stuhl wanket. 2. Figürlich. (a) Sich ein wenig aus seiner Lage bewegen, wie weichen. Wenn du wankest, so tödte ich dich. Die Armee fing an zu wanken. Nicht wanken noch weichen, unbeweglich da stehen. (b) Anfangen, sich zu verändern, besonders aus einem vortheilhaften Zustande in einen nachtheiligern zu gerathen. Der Sieg fing an zu wanken. Das wankende Glück. So manches Herz, das auf der Bahn der Tugend zu wanken anfing, hat an dem Freunde eine Stütze gefunden, Gell. (c) In der Rede wanken, nicht mit sich selbst übereinstimmen, eine Sache auf verschiedene Art vortragen. (d) In Ansehung der Entschließung, der Gemüthsstellung, anfangen, von seinem Entschlusse, von seiner Meinung abzugehen. Viele Aufrührer fingen bereits an, zu wanken. Diejenige Stärke der Seele, welche in keinem Sturme des Schicksals wanket. Sein Herz glaubt vielleicht schon fest zu seyn, o wie bald kann es wanken? So auch das Wanken.

Anm. Schon bey dem Ottfried und andern alten Schriftstellern uuankon, im Schwed. vanka. Es ist ein Intensivum von einem veralteten Verbo, wanen, oder wenn man das n für zufällig hält, von wegen; im erstern Falle unterscheidet es sich, dem Baue nach, von wandeln, wandern, wenden, winden u. s. f. nur durch die Ableitungssylbe. Ehedem hatte man davon auch das Substantivum Wank, welches so wohl eigentlich eine wankende Bewegung, als auch figürlich, den Zweifel, (ana wank, ohne Zweifel, Ottfried,) und das Ende bedeutete. Mit vorgesetztem Zischlaute, und darin gegründeter Änderung der Bedeutung, ist aus wanken, schwanken gebildet. Im Niederdeutschen ist wanken ein sehr gangbares und allgemeines Wort für gehen überhaupt, nach eben der Figur, nach welcher ehedem auch wallen, gehen bedeutete; zu Hause wanken, ohne daß dabey ein Nebenbegriff der Schwäche oder der unstäten Bewegung Statt fände. In dieser Bedeutung des Gehens kommt es auch bey dem Ottfried vor.


Wann (W3) [Adelung]


Wann, die Oberdeutsche Form der Partikel wenn, sie mag nun ein Adverbium der Zeit, oder eine bedingende Conjunction seyn. Da die Oberdeutsche Mundart da, wo sie es thun kann, immer die breiten und tiefen Vocale den höhern vorziehet, so thut sie es auch in diesem Worte, und diese Partikel lautet bey ihr in allen Fällen wann, so wie sie im Niederdeutschen in allen Fällen wenn gesprochen und geschrieben wird. Wann wird er kommen? wann man dich fragt, so antworte; wann es nicht regnet, so komme ich u. s. f. wo eigentlich der Niederdeutsche in allen Fällen wenn gebraucht. Im Hochdeutschen hat man dieses wann nur in der R. A. dann und wann, d. i. zuweilen, aus der Oberdeutschen Mundart beybehalten; in allen übrigen Fällen aber erfordert der Sprachgebrauch wenn, es mag nun ein Adverbium der Zeit, oder eine bedingende Conjunction seyn. Da wir, selbst im Hochdeutschen, unter dann und denn den Unterschied machen, daß jenes als ein Adverbium der Zeit, dieses aber als eine Conjunction gebraucht wird, so haben schon einige ältere Sprachlehrer geglaubt, daß wann und wenn eben dieser Analogie folgen müßten, und daß wann allemahl von der Zeit, wenn aber nur als eine Conjunction gebraucht werden müßte; und die meisten neuern Sprachlehrer sind ihnen darin gefolgt. Allein, da der beynahe völlig übereinstimmige Hochdeutsche Sprachgebrauch dawider ist, so sind einzelne Personen nicht befugt, demselben willkürliche Gesetze vorzuschreiben, wenigstens sind dergleichen Vorschriften unnütz und vergeblich, indem sie das Geziere einiger weniger einzelner Personen abgerechnet, an dem Sprachgebrauche doch nichts ändern, und noch nie etwas daran geändert haben. Dieß voraus gesetzt, ist nur übrig, die Ursachen aufzusuchen, warum die Hochdeutsche Mundart diesen Unterschied in dem wann und wenn nicht angenommen hat, welchen sie unter dem dann und denn so sorgfältig beobachtet. Ich glaube, diese Ursache ist nicht schwer zu finden. Dann und denn lassen sich als zwey ganz verschiedene Wörter betrachten, und wenn sie es auch nicht seyn sollten, (denn hier wird sich nie etwas gewisses bestimmen lassen,) so ist doch die Verbindung ihrer bey den Bedeutungen, oder die Art der Figur, welche aus einem Nebenworte der Zeit eine causale Conjunction macht, so dunkel, daß sie immer als zwey verschiedene Wörter angesehen werden konnten, und da war es leicht möglich, daß man beyde Mundarten im Hochdeutschen vereinigte, und das Oberdeutsche dann als ein Adverbium, das Niederdeutsche denn aber als eine Conjunction behielt. Eben so verfuhr man mit dem vor und für, welches sich in eben demselben Falle befindet. Allein, ganz anders verhält es sich mit dem wann und wenn. Beyde sind augenscheinlich nur ein und eben dasselbe Wort, und die bedingende Bedeutung ist sehr auffallend eine Figur der Bedeutung der Zeit. In solchen Fällen, wo das Band zweyer Bedeutungen so merklich ist, als hier, wäre es ein Fehler, einem Worte um zweyer verschiedener, aber nahe verwandter Bedeutungen willen, zwey verschiedene Gestalten zu geben, und ich getraue mir, zu behaupten, daß kein Volk diesen Fehler jemahls begangen hat, wenn anders das Band verschiedener Bedeutungen so merklich war, daß es von demselben wenigstens dunkel empfunden werden konnte. Dieß ist nun genau der Fall mit dem wann und wenn. Die Hochdeutschen empfanden, daß beyde nur ein und eben dasselbe Wort waren, und da sie unter beyden Formen eine wählen mußten, so bestimmten sie sich, wie in so vielen andern Fällen, für die Niedersächsische, ohne Unterschied der Bedeutung. Wer nun um zweyer verschiedener, aber nahe verwandten Bedeutungen willen, nicht bloß die Schreibart, sondern sogar die Aussprache eines und eben desselben Wortes verändern will, verdienet noch ein wenig mehr Tadel, als Gottsched, wenn er Mal, Mahl und Maal, gar und gahr, die Haabe und ich habe, Heyde, Heide und Hayde u. s. f. unterschieden lehrete, da er sich doch nur an der Orthographie vergriff, die Aussprache aber ungeändert ließ. S. Wenn.


Wanne (W3) [Adelung]


Die Wanne, plur. die -n, Diminut. das Wännchen, Oberd. Wännlein. 1. Ein Werkzeug, zum Wannen, d. i. Schwingen, in welchem Verstande doch nur die Schwingen oder Schwingfedern der Vögel, in manchen Gegenden Wannen, und bey den Jägern Pannen, genannt werden. ( S. Wannenweher.) 2. Ein Gefäß, das Getreide darin durch Wannen oder Schwingen, zu reinigen. In diesem Verstande ist die Wanne oder Futterwanne in der Landwirthschaft ein oval-rundes, von dünnen Holzspänen geflochtenes, Gefäß mit einem runden Boden, das Futter darin zu schwingen. 3. In weiterer Bedeutung ein oval-rundes Gefäß mit flachem Boden, von Böttcherarbeit oder auch von Metall, zum häuslichen Gebrauche, ohne Rücksicht auf die Größe. Daher die Badewanne, Waschwanne, Spühlwanne u. s. f.

Anm. In der zweyten Bedeutung im Schwed. gleichfalls Vanna, im Angels. Fanne, im Lat. Vannus. ( S. das folgende.) In der dritten Bedeutung kann es eine Figur der zweyten, wegen der Ähnlichkeit in der ovalen Gestalt, seyn; allein, es kann auch mit eben dem Rechte ein davon noch verschiedenes Wort seyn, in welchem der Begriff der Vertiefung der herrschende ist, da es denn zu Benne, Banse, Pfanne, Wanst u. s. f. gehören würde.


Wannen (W3) [Adelung]


Wannen, verb. reg. act. welches überhaupt mit schwingen gleich bedeutend, aber nur noch in engerer Bedeutung üblich ist, durch Wannen oder Schwingen reinigen. So wird das Getreide in der Landwirthschaft gewannet, wenn man es in und mit der Wanne schwinget; wofür doch im Hochdeutschen auch schwingen üblicher ist. So auch das Wannen.

Anm. Schon bey dem Ottfried, Notker u. a. uuannon, im Schwed. vanna. Das verdoppelte n in der Mitte zeiget, daß dieses Wort ein Intensivum ist, von einem veralteten wan, welches noch im Engl. to fan, dem Franz. vaner und andern übrig ist, wieder von wehen abstammet, oder doch mit demselben sehr nahe verwandt ist, und unter mehrern auch das Wort Wind zu seinem Abkömmlinge hat.


Wannen (W3) [Adelung]


Wannen, ein im Hochdeutschen veraltetes Adverbium des relativen Ortes, für wo, woher, an oder von welchem Orte, im Gegensatze des ehemahligen dannen, den positiven Ort zu bezeichnen, für das daher. Für wo oder an welchem Orte: Wir uuizun uuola uuanan er ist? wo ist er? Ottfr. Für woher, oder von welchem Orte: ander uuannen burdige, anders woher gebürtig, Notker. Ich wüßte nicht, wer der und wannen er entsprossen, Logau. Im Hochdeutschen ist es in dieser Gestalt längst veraltet, weil das wo und woher den Begriff wenigstens eben so gut ausdruckt. Am längsten hat es sich noch mit der Präposition von erhalten, für woher, von welchem Orte. Ich weiß nicht von wannen er kommt, woher. Ob es gleich in dieser Gestalt unnöthig und überflüßig ist, so kommt es in derselben doch noch zuweilen in der dichterischen Sprache vor. Außer dem gebraucht man dafür lieber woher, oder umschreibet oder ändert die ganze Verbindung, wenn dieses nicht passend ist. Er befand sich in Wien, von wannen er den folgenden Tag nach Trieft reisen wollte; aus welcher Stadt, oder auch mit Weglassung der an sich unnöthigen relativen Bestimmung des Ortes: er befand sich in Wien, und wollte den folgenden Tag u. s. f. weil sich der terminus a quo hier schon ohnehin verstehet.

Anm. Schon im übersetzten Isidor huuanon. Es ist, vermittelst der adverbischen Ableitungssylbe -en, von wann, der Oberdeutschen Form von wenn, gebildet, S. Wenn.


Wannenher,Wannenhero (W3) [Adelung]


* Wannenher, oder Wannenhero, eine im Hochdeutschen veraltete Partikel, wofür wir kürzere und bestimmtere Ausdrücke haben. Man gebraucht es noch im Oberdeutschen: 1. für woher, der relativen Partikel des Ortes. Wannher wissen wir, daß u. s. f. Opitz, für woher. 2. Als eine Conjunction für daher, in welcher Gestalt es in den Oberdeutschen Kanzelleyen noch häufig ist.


Wannenweher (W3) [Adelung]


Der Wannenweher, des -s, plur. ut nom. sing. der Nahme eines Raubvogels, welcher zu den Falken oder Habichten gehöret, und sich besonders dadurch von andern unterscheidet, daß er öfters in der Lust stehen bleibet, seinen Raub desto besser auszuspüren, und alsdann mit den Flügeln wehet oder wannet, um sich auf einer Stelle zu erhalten; Falco Cenchris Klein. bey andern Tinniculus, im gemeinen Leben Wannenweihe, Wandwehe, Wiegwehe, in Steiermark, Windwachel, im Engl. Windhover, in welchen allen die erste Hälfte von wannen, schwingen, ist. Weil er in alten Mauern und Felsen nistet, so wieder an andern Orten auch Steingalle, Steinschmatz, und, wegen seines grauen Kopfes, auch Graukopf genannt.


Wanst (W3) [Adelung]


Der Wanst, des -es, plur. die Wänste, der Schmerbauch an vierfüßigen Thieren, hernach aber auch, doch größten Theils im verächtlichen Verstande, an dem Menschen. Seinen Wanst füllen, unmäßig essen, und im verächtlichen Verstande, sich sättigen.

Anm. Das st ist ein sehr alter, und zugleich veralteter Ableitungslaut, welches vielleicht eine Intension, vielleicht aber auch etwas anders, bedeutet haben kann, daher es bey Aufsuchung des Stammbegriffes nur auf das wan ankommt. Dieses scheinet den Begriff der Höhe und Hervorragung, zugleich aber auch der Tiefe, zu haben, so daß Wanst mit Banze, Panzen und andern ähnli- chen Eines Geschlechtes ist. In einigen niedrigen Sprecharten ist dafür Pantsch, Ital. Pancia üblich.


Wanze (W3) [Adelung]


Die Wanze, plur. die -n, der Nahme eines Insectes, welches sich gern an den Wänden der Zimmer aufhält, und sich durch seinen widerwärtigen Geruch ankündiget. Das Wort ist aus Wandse zusammen gezogen, und bezeichnet ein Insect, welches in und an den Wänden wohnet, daher es auch oft die Wandlaus, Englisch Walllouse, genannt wird. Wegen einer Ähnlichkeit des Geruches wird auch ein gewisses an den Bäumen befindliches Insect, die Baum- oder Waldwanze genannt.


Wanzendille (W3) [Adelung]


Die Wanzendille, plur. inus. S. Koriander.


Wanzengesicht (W3) [Adelung]


Das Wanzengesicht, des -es, plur. inus. der Nahme einer Pflanze, Coreopsis Linn.


Wanzenkraut (W3) [Adelung]


Das Wanzenkraut, des -es, plur. inus. eine Sibirische Pflanze, welche wegen ihres heftigen Gestankes die Wanzen vertreibet, und unserm Schwarzkraute, Actaea nemorosa, Cimifuga Linn. gleicht. Auch die stinkende, oder taube Nessel, wird aus eben der Ursache, in einigen Gegenden, Wanzenkraut genannt.


Wanzensame (W3) [Adelung]


Der Wanzensame, des -n, plur. inus. der Nahme einer ausländischen Pflanze, deren Same einer Wanze gleicht, Corispermum Linn.


Wanzig (W3) [Adelung]


Wanzig, adj. et adv. voll Wanzen. Das Zimmer ist wanzig, hat Wanzen.


Wapen (W3) [Adelung]


Das Wapen, des -s, plur. ut nom. sing. ein mit Figuren bemahlter Schild, so fern derselbe ein Unterscheidungszeichen einzelner Personen, Familien oder Gesellschaften ist, und in engerer Bedeutung, diejenige Figur, welche den Haupttheil eines solchen Schildes ausmacht. Einen Löwen im Wapen führen. Sein Wapen ist ein Löwe.

Anm. Wapen und Waffen sind nur in der Mundart, oder, genauer zu reden, in der Ableitungssylbe verschieden; so daß Wapen den Niederdeutschen Mundarten, und den mit ihnen verwandten Sprachen, Waffen aber den Oberdeutschen mehr eigen ist; wie aus dem Schwed. vapn, dem Isländ. vopn, dem Gothischen wepna, dem Angels. vaepnu, dem Engl. weapon, und andern mehr erhellet, welche insgesammt so wohl Waffen als auch Wapen bedeuten. Indessen kommen beyde in den alten Oberdeutschen Schriftstellern schon sehr frühe, ohne Unterschied vor, indem so wohl Wapen für Waffen, als auch Waffen für Wapen gebraucht wird, wovon einige Beyspiele bey dem Schilter vorkommen. Das Niedersächs. Wapen bedeutet noch jetzt beydes. Daß beyde nur ein und eben dasselbe Wort sind, ist nun wohl unläugbar, daher nur noch die Frage ist, warum dieses bildliche Unterscheidungszeichen von den Waffen benannt worden. Die Ursache liegt ohne Zweifel in der ehemahligen weitern Bedeutung des Wortes Waffen, nach welchem auch der Schild mit darunter begriffen, und vielleicht ursprünglich und zunächst damit beleget wurde, welches sich doch bey dem Mangel hinlänglicher Entscheidungsgründe nur vermuthen läßt. Indessen muß Wapen auch sehr zeitig von der Wapenfigur allein seyn gebraucht worden, indem Schild und Wapen in den mittlern Zeiten mehrmahls mit einander verbunden werden. Übrigens unterscheidet sich ein Wapen von einem Sinnbilde theils dadurch, daß in dem letztern die körperliche Figur alle Mahl an eine unkörperliche Vorstellung erinnert, und um dieser willen da ist, welches bey dem Wapen nicht Statt, theils aber auch durch mancherley mit dem Wapen verbundene Vorzüge. Da in diesem Worte das a jederzeit gedehnt lautet, Wapen, so erhellet daraus, daß die Schreibart, Wappen, unrichtig und wider die Hochdeutsche Aussprache ist.


Wapenbild (W3) [Adelung]


Das Wapenbild, des -es, plur. die -er, diejenige Figur, welche den Haupttheil eines Wapens ausmacht, die Wapenfigur, zum Unterschiede von dem Schilde oder Wapenschilde.


Wapenbinde (W3) [Adelung]


Die Wapenbinde, plur. die -n, der Nahme einer Wapenfigur, welche aus einem Streife bestehet, und sich von einem Balken bloß durch die geringere Breite unterscheidet.


Wapenbrief (W3) [Adelung]


Der Wapenbrief, des -es, plur. die -e, eine Urkunde, vermittelst deren jemanden von einem Obern ein Wapen ertheilet wird.


Wapenbuch (W3) [Adelung]


Das Wapenbuch, des -es, plur. die -bücher. 1. Ein Buch, worin Wapen abgebildet sind. 2. Ein Buch, worin die Wapenkunst gelehret wird.


Wapendecke (W3) [Adelung]


Die Wapendecke, plur. die -n, eine Decke, gemeiniglich von Rauchwerk, welche den Schild eines Wapens umgibt; der Wapenmantel.


Wapenfigur (W3) [Adelung]


Die Wapenfigur, plur. die -en, S. Wapenbild.


Wapengenoß (W3) [Adelung]


Der Wapengenoß, des -en, plur. die -en, Personen, welche einerley Wapen führen.


Wapenhalter (W3) [Adelung]


Der Wapenhalter, des -s, plur. ut nom. sing. eine menschliche oder thierische Figur, welche den Wapenschild hält, wofür doch Schildhalter üblicher ist.


Wapenkönig (W3) [Adelung]


Der Wapenkönig, des -es, plur. die -e, in einigen Ländern, z. B. Frankreich, England u. s. f. verpflichtete Personen, welche die Wapenkunst verstehen, Wapen entwerfen, und zugleich die adeligen Geschlechts-Register in manchen Fällen zu untersuchen haben. In andern Ländern werden sie Herolde genannt.


Wapenkunde (W3) [Adelung]


Die Wapenkunde, plur. inus. die Kunde oder Kenntniß der Wapen und ihrer Theile.


Wapenkunst (W3) [Adelung]


Die Wapenkunst, plur. inus. der Inbegriff aller zur Wapenkunde gehörigen Regeln; zuweilen auch die Heroldskunst, und mit einem ausländischen Worte, die Heraldik.


Wapenmahler (W3) [Adelung]


Der Wapenmahler, des -s, plur. ut nom. sing. bey dem Reichshofrathe zu Wien, ein Mahler, welcher zugleich die Wapenkunst verstehet, und zum Mahlen der Wapen gebraucht wird.


Wapenmantel (W3) [Adelung]


Der Wapenmantel, des -s, plur. die -mäntel, S. Wapendecke.


Wapenschau (W3) [Adelung]


Die Wapenschau, plur. inus. von Schau, beschauen, die Besichtigung und Beurtheilung eines Wapens nach den Regeln der Kunst. Bey den ehemahligen Turnieren mußten sich diejenigen, welche denselben beywohnen wollten, und sonst in Ansehung ihrer ritterlichen Vorzüge nicht hinlänglich bekannt waren, einer förmlichen Wapenschau unterwerfen.


Wapenschild (W3) [Adelung]


Das Wapenschild, des -es, plur. die -e, die Figur eines Schildes, so fern es die eigentlichen Wapenfiguren enthält; auch nur der Schild schlechthin.


Wapenschneider (W3) [Adelung]


Der Wapenschneider, des -s, plur. ut nom. sing. ein Künstler, welcher Wapen in Stein oder Metall schneidet, und von einem Petschaftstecher zuweilen noch unterschieden ist.


Wapnen (W3) [Adelung]


Wapnen, verb. reg. act. welches sich von waffnen bloß in der Mundart unterscheidet, und eigentlich den Niederdeutschen eigen ist, aber doch auch hin und wieder im Hoch- oder Oberdeutschen vorkommt. Abraham wapnete seine Knechte, 1 Mos. 14, 14; und so in andern Stellen der Deutschen Bibel mehr, wo auch Gewapnete für Bewaffnete vorkommen. Im Hochdeutschen gebraucht man das Wort zuweilen noch in der edlern und dichterischen Schreibart, ungeachtet es nicht anschaulicher ist, als waffnen, man müßte denn in dem härtern p eine Art von mehrerm Nachdrucke finden. Damon wapnet sich im voraus, eine unverschuldete Armuth gelassen zu ertragen, Gell. In dem Substantivo, Wapen, lautet die erste Sylbe gedehnt, in wapnen aber geschärft, als wenn es wappnen geschrieben würde. Diese, auch in andern Fällen nicht ungewöhnliche Veränderung des Tones, rüh- ret von der Ableitungssylbe nen her, wodurch zwey Consonanten auf das a folgen, da denn dasselbe einer alten Analogie nach, geschärft wird, ( S. mein Lehrgeb. der Deutschen Spr. Th. 1. S. 265,) dagegen in andern Fällen der ursprüngliche Ton durch die Ableitung nicht verändert wird, wenn gleich zwey Consonanten auf einen gedehnten Vocal folgen.


ich (W3) [Adelung]


ich War, das Imperfect des Hülfswortes seyn, Conjunct. ich wäre, S. Seyn.


ich (W3) [Adelung]


ich Ward, das Imperfect von werden, S. dasselbe.


Wardein (W3) [Adelung]


Der Wardein, des -es, plur. die -e, ein verpflichteter Beamter, welcher den Gehalt der Metalle und Mineralien zu untersuchen hat. Daher der Münzwardein, wenn er dieses Amt in den Münzanstalten, Bergwardein, wenn er es bey einem Bergwerke verwaltet.

Anm. Es ist entweder unmittelbar aus dem mittlern Lateine Guardianus, oder von den davon gemachten Ital. Guardiano, und Französ. Guardien, gebildet, daher es ehedem auch Guardein geschrieben wurde. Allein, es scheinet nicht, daß Guardianus hier zunächst von Guarda, Aufsicht, abstamme, sondern von dem alten Deutschen werden, schätzen, würdigen, gemacht worden. S. das folgende.


Wardiren (W3) [Adelung]


Wardiren, verb. reg. act. ein noch hin und wieder in dem Berg- und Münzwesen übliches Wort, den Gehalt vermischter Metalle und Mineralien untersuchen und bestimmen, wofür doch in den meisten Fällen probieren üblicher ist. Das Wort ist, wie aus der Endung erhellet, ausländisch, aber doch im Grunde Deutschen Ursprunges, und von Franzosen und Italiänern von dem ehemahligen werden, schätzen, würdigen, von Werth gebildet, und uns mit der ausländischen Endung wieder zurück gegeben worden. Noch jetzt ist im Niedersächsischen warden, den Werth bestimmen, und unwarden, für unwerth erklären.


Warlich (W3) [Adelung]


Warlich, S. Wahrlich.


Warm (W3) [Adelung]


Warm, wärmer, wärmste, adj. et adv. ein Wort, welches überhaupt einen mittlern Grad derjenigen Empfindung ausdruckt, welche das Feuer und dessen Theilchen in uns erwecken, zum Unterschiede von heiß, einem höhern Grade, und kalt, der völligen Abwesenheit. 1. Eigentlich, so wohl diese Empfindung habend, nur als ein Adverbium. Man sagt, mir ist warm, mir wird warm, wenn man bey einem schnellern Umlaufe des Blutes diese Empfindung hat. Sich warm gehen, arbeiten u. s. f. Sich warm halten, sich vor Erkältung verwahren. Als auch, und zwar noch häufiger, diese Empfindung verursachend. Ein warmer Ofen. Das Zimmer warm machen. Warme Speisen. Etwas Warmes zu sich nehmen, d. i. warme Speise. Es wehet ein warmer Wind, es gehet eine warme Luft. Es ist warm, es wird warm, von der Witterung. Die Sonne scheinet warm. Da es denn in manchen Fällen auch wohl für heiß, ja selbst für glühend, gebraucht wird. Man muß das Eisen schmieden, weil es warm ist, d. i. glühend. Das Eisen warm machen, bey den Schmieden, glühend. Warmes Wasser, heißes. In weiterer Bedeutung auch von Kleidungsstücken, die äußere Kälte ab- und die natürliche Wärme beysammen erhaltend. Ein warmes Kleid, warme Handschuhe, warme Strümpfe. Sich warm anziehen. Warm sitzen, figürlich, sich in guten Vermögensumständen befinden. 2. Figürlich. (a) Von einem gewissen mittlern Grade lebhafter Empfindungen. Eine warme Einbildungskraft, warme Empfindung, warme Liebe, warme Zärtlichkeit, von angenehmen Empfindungen. Er ist weder kalt noch warm, wenn es ihm an dem verlangten Grade lebhafter Empfindung fehlet. Einem warm machen, ihm lebhafte Unruhe oder Furcht verursachen. Es wird mir warm um das Herz, wenn man lebhaftes Mitleiden, Liebe u. s. w. empfindet. Einem den Kopf warm machen, so wohl ihm lebhafte Unruhe verursachen, als auch ihn zu einem lebhaften Grade des Unwillens reitzen. (b) Für lebhaft überhaupt, von einem gewissen mittlern Grade der innern Stärke, doch nur in einigen einzelnen Fällen. Da ging es warm zu, von einem lebhaften Streite, Gefechte, Bestreben u. s. f. Ein warmer Tag, an welchem es warm oder lebhaft zugehet, auch wohl ein heißer Tag.

Anm. Im Kero uuaram, bey dem Ottfried und Notker uuarmo, im Gothischen bey dem Ulphilas, im Niedersächsischen, Englischen und Schwedischen gleichfalls warm, welche Übereinstimmung ein hinlänglicher Beweis von dem hohen Alter dieses Wortes ist. Das Äolische - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das alte Römische formus, und Persische Karm, welche alle warm bedeuten, sind genau damit verwandt.


Wärme (W3) [Adelung]


Die Wärme, plur. car. das Abstractum des vorigen. 1. Eigentlich. (a) Der Zustand, da man diejenige Empfindung hat, welche man durch warm ausdrückt. Eine Wärme in sich verspüren. Noch häufiger, (b) der Zustand eines Körpers, da er diese Empfindung in uns verursacht. Die Wärme des Ofens, eines Zimmers. Die natürliche Wärme des Leibes. Die Wärme der Luft, der Witterung, der Sonne. Bey den Schmieden wird die gewöhnliche Glühhitze Wärme genannt. 2. Figürlich, ein mittlerer Grad lebhafter Empfindung, besonders von angenehmen Empfindungen. Die Wärme des Herzens. Jemanden mir vieler Wärme danken.

Anm. Bey dem Notker uuermi, im Niederdeutschen Wärmde, in einigen Oberdeutschen Gegenden Wierm. Kero gebraucht dafür, mit einer andern Ableitungssylbe, Vualm.


Wärmen (W3) [Adelung]


Wärmen, verb. reg. act. warm machen. Wasser wärmen, eine Speise wärmen. Das Zimmer läßt sich leicht wärmen, heitzen. Sich am Ofen wärmen, sich die Hände, die Füße wärmen. Wollene Kleider wärmen. Bey den Schmieden ist wärmen so viel als glühen. So auch das Wärmen, und obgleich seltener, die Wärmung.

Anm. Im Tatian uuerman. Ehedem hatte man davon auch das Neutrum warmen, warm werden, welches noch zuweilen in erwarmen vorkommt, S. dasselbe.


Wärmeisen (W3) [Adelung]


Das Wärmeisen, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Blechhämmern, eiserne Platten, die gegleichten Sturze in dem Feuer darauf zu wärmen, d. i. zu glühen.


Wärmer (W3) [Adelung]


Der Wärmer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug zum Wärmen, am häufigsten in dem zusammen gesetzten Bettwärmer.


Wärmesse (W3) [Adelung]


Die Wärmesse, plur. die -n, auf den Kupferhämmern, eine Esse, das Kupfer zum Schmieden darin zu wärmen, oder zu glühen.


Wärmflasche (W3) [Adelung]


Die Wärmflasche, plur. die -n, eine mit heißem Wasser gefüllte Flasche, das Bett damit zu wärmen; die Bettflasche.


Warmgar (W3) [Adelung]


Warmgar, adj. et adv. bey den Lohgärbern, mit warmer Lohe gar gemacht, oder getrieben, anstatt des kaltgar, wenn es mit kalter geschiehet.


Wärmmesser (W3) [Adelung]


Der Wärmmesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug, die Wärme der Luft damit zu messen, welches gemeiniglich in einer mit Spiritus gefüllten gläsernen Röhre bestehet; das Thermometer.


Wärmpfanne (W3) [Adelung]


Die Wärmpfanne, plur. die -n. 1. Eine offene Pfanne, welche mit glühenden Kohlen gefüllet wird, Speisen, oder andere Dinge darauf zu wärmen; die Kohlenpfanne. 2. Eine, mit glühenden Kohlen gefüllte, verschlossene Pfanne an einem Stiele, das Bett damit zu wärmen, der Bettwärmer. 3. In den Salzwerken, eine Pfanne, die Sohle bey einem gelinden Feuer vorläufig abdünsten zu lassen, zum Unterschiede von der Siedepfanne.


Wärmstein (W3) [Adelung]


Der Wärmstein, des -es, plur. die -e, ein Stein, welcher am Feuer warm gemacht wird, manche Theile des Leibes damit zu erwärmen.


Wärmstock (W3) [Adelung]


Der Wärmstock, des -es, plur. die -stöcke. 1. Bey den Kammmachern, ein starker Stock, ein Stück Horn darein zu klemmen, wenn es über dem Feuer er wärmt werden soll. 2. Bey den Kürschnern, eine Tonne mit einem kupfernen Kessel statt des Bodens, die Felle darin zu erwärmen.


Wärmteller (W3) [Adelung]


Der Wärmteller, des -s, plur. ut nom. sing. ein hohler, zinnerner Teller, welcher mit heißem Wasser gefüllet wird, den Speiseteller darauf zu setzen, damit die Speisen warm bleiben.


Wärmzange (W3) [Adelung]


Die Wärmzange, plur. die -n, auf den Hammerwerken, große Zangen, die Stücke, welche geglühet werden sollen, damit zu halten.


Warnen (W3) [Adelung]


Warnen, verb. reg. act. von einer bevorstehenden Gefahr benachrichtigen, und selbige zu vermeiden, erinnern, mit dem Accusative der Person, und der Präposition vor vor der Sache. Jemanden warnen, ihn vor Gefahr, vor Schaden warnen. Man hat mich vor diesem Menschen gewarnet. Nachdem er so oft und so ernstlich ist gewarnet worden. Daher das Warnen, noch mehr aber die Warnung, plur. die -en, die Benachrichtigung vor einer bevorstehenden Gefahr. Alle Warnungen sind bey ihm vergebens. Sich etwas zur Warnung dienen lassen, es sich eine Warnung seyn lassen. Anm. Bey dem Ottfried, Notker und andern, uuarnon, im Schwedischen värna und varna. Aus der Endsylbe nen erhellet, daß es ein Iterativum oder Intensivum ist, welches ein Stammwort, waren oder wahren, voraus setzt. Da nun dieses sehr vieldeutig ist, so war auch warnen ehedem in mehr als Einer Bedeutung gebräuchlich, welche man aber nach und nach, bis auf die einzige noch gangbare, hat veralten lassen. Die vornehmsten dieser veralteten sind: 1. Befestigen, verwahren, von dem letztern; bey dem Ottfried und Notker. 2. Vertheidigen, beschützen, im Schwed. noch jetzt värna, wo värn auch ein Schloß, eine Mauer, ein Zaun ist. 3. Bereiten. Das sie sich warnen zu der wer, zur Gegenwehr bereiten, Stryck. 4. Aufmerken, von wahr in gewahr. Uuarnont juvnih, attendite, in den Monseeischen Glossen. 5. Sich vorsehen, sich hüthen, von eben demselben, und von wahren in bewahren. Giboth er tho in then notin thaz sie sich uuarnotin, hütheten, Ottfr. 6. Abwenden. Doch also, daß er unsern Schaden warnen, und unser Bestes werben soll, in einer Urkunde von 1485, und vielleicht noch andere mehr. In dem Stammworte, wahren, ist das a gedehnt, allein um des folgenden n willen wird es in der Ableitung geschärft, warnen; hingegen folgen einige Oberdeutsche Mundarten der entgegen gesetzten Analogie, und sprechen und schreiben wahrnen. Übrigens ist für warnen in der heutigen Bedeutung im Niederdeutschen auch wahrschauen üblich, S. dieses Wort.


Warner (W3) [Adelung]


Der Warner, des -s, plur. ut nom. sing. die Warnerinn, eine Person, welche warnet. Und wenn du fehlst, dein Warner seyn, Gell.


Warnglocke (W3) [Adelung]


Die Warnglocke, plur. die -n, in den Mahlmühlen, eine kleine Glocke in dem Schuhe des Rumpfes, welche klingelt, wenn der Rumpf vom Getreide leer ist. Warnen bedeutet hier erinnern überhaupt.


Warnung (W3) [Adelung]


Die Warnung, plur. die -en, S. in Warnen.


Warte (W3) [Adelung]


Die Warte, plur. die -n. 1. * Der Zustand, da man beobachtet, auf etwas Acht hat, Sorge dafür trägt; eine jetzt veraltete Bedeutung, in welcher man ehedem sagte, die Warte halten, d. i. Wache halten. 2. Ein erhabener Ort, von welchem man eine freye Aussicht hat, um sich her zu sehen, und zu beobachten. Mein Perseus flog in diesem Augen blicke herab von seiner Warte, Raml. Daher die Sternwarte. In engerer Bedeutung ist die Warte ein Thurm, von welchem man zur Zeit des Faustrechtes die umliegende Gegend übersehen konnte, die Ankunft eines Feindes zu entdecken.

Anm. Schon bey dem Ottfried und Notker Uuarta, im mittlern Lat. Guarda, Guarida, Garetta. Es ist nicht von warten in der heutigen Bedeutung, sondern so fern dieses Verbum ehedem eigentlich sorgfältig um sich sehen, beobachten, bedeutete. ( S. dasselbe.) Von warten in der heutigen Bedeutung war die Wart ehedem der Zustand des Wartens: wir bitten ein klein wart, so u. s. f. im Theuerdanke, in welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen veraltet ist.


Warten (W3) [Adelung]


Warten, verb. reg. welches auf gedoppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. (1) * Sehen, besonders scharf auf etwas sehen, als ein Intensivum von dem veralteten wahren, sehen; eine im Hochdeutschen längst veraltete Bedeutung, in welcher uuarten bey dem Notker, Willeram und andern ältern Schriftstellern häufig vorkommt. Uuarta fone himele, siehe, schaue vom Himmel, Notker. Wenn der Donner den Menschen schlecht (schlägt), so will er dann warten (um sich sehen), was da sey, und kert das antlitz vmb, Buch der Natur, 1482. (2) * Beobachten, mit dem Genitiv der Sache; gleichfalls veraltet. (3) In einer Stellung bleiben, bis eine Person oder Sache ankomme, und in weiterm Verstande, in einer Gemüthsstellung verbleiben, bis eine Sache erfolge. Warte hier, bis ich wieder komme! Ich kann nicht lange warten. Ich habe schon lange gewartet. Laß mich nicht lange warten! An der Thür, vor der Stadt warten. Auch als ein Reciprocum: ich habe mich ganz müde gewartet. Ingleichen mit dem Accusativo der Zeit, ohne daß es deßhalb zum Activo würde. Ich habe schon zwey Stunden gewartet. Die Person oder Sache, welche kommen, oder erfolgen soll, bekommt die Präposition auf. Auf jemanden warten; auf Briefe, auf Antwort, auf eine gute Gelegenheit warten. Die Juden warten auf den Messias. Er läßt lange auf sich warten, bleibt lange aus. Auf wen wartest du? Jemanden auf den Dienst warten, figürlich, in böser Absicht auf ihn warten, auf ihn lauern. Wenn, auf jemanden warten, von leblosen Dingen, gebraucht wird, so bedeutet es figürlich so viel, als bevorstehen. Die Strafe wartet auf sich. Es wartet ein Amt, eine Belohnung auf ihn. Weißt du denn nicht, was für ein Glück heute auf dich wartet? Statt des Vorwortes auf ist im Oberdeutschen der Genitiv häufig, eines, einer Sache warten; wir warten deiner Güte, Ps. 48, 10; welcher auch noch in der edlern und höhern Schreibart der Hochdeutschen zuweilen vorkommt. Er warte deines Winkes, Schleg. Schon lange warte ich deiner. Alles, was dich erheitern und vergnügen kann, soll deiner warten, Weiße. Wenn mit dem Warten zugleich die Vollziehung einer Sache aufgeschoben wird, so bekommt sie die Präposition mit. Mit dem Essen warten. Man hat schon lange mit dem Esse auf dich gewartet. Ich kann nicht länger damit warten. Im Imperativo wird es häufig als ein Formel des Unwillens gebraucht. Warte, warte, du sollst dafür büßen! Warten sie nur, ich will mich schon rächen! So auch das Warten. Das Verbale, die Wartung, wird nur in den Bedeutungen des folgenden Activi gebraucht. 2. Als ein Activum. (1) Sorge für etwas tragen, den Obliegenheiten in Ansehung einer Sache ein Genüge thun, mit dem Genitiv der Sache; eine Bedeutung, deren Gebrauch immer seltener wird. Seines Amtes, seines Berufes warten. Eines Dinge warten. Seiner Nahrung, seiner Arbeit warten. Mit dem Accusativo ist es in dieser Bedeutung nicht üblich, obgleich das zusammen gesetzte und gebräuchlichere abwarten damit verbunden wird. (2) Besonders, vermittelst der nöthigen Handreichung, Sorge für etwas tragen; mit dem Accusativo. Einen Kranken warten. Kinder warten. Die Pferde, das Vieh warten. Einen Garten warten. Im Oberdeutschen auch hier mit dem Genitivo, welcher im Hochdeutschen nur in der höhern Schreibart gebraucht wird. Ich will sie (die Sprossen) vor Unfall schützen, ich will ihres Wachsthumes warten, Geßn. So auch das Warten. Das Verbale, die Wartung, wird nur allein in der letzten Bedeutung des Activi gebraucht, die Leistung der nöthigen Handreichung. Die Wartung eines Kranken, eines Kindes. Gute Wartung haben, gut gewartet werden. Im gemeinen Leben nur Wart.

Anm. Bey allen alten Schriftstellern, von dem Ottfried an, schon uuarten, im Niederdeutschen, mir einer andern Ableitungssylbe an der Wurzel, wachten. Die Endsylbe ten beweiset, daß auch dieses Verbum ein Intensivum ist, von einem veralteten wahren, obgleich ein Intensivum von anderer Art, als warnen. Die Vieldeutigkeit dieses wahren machte, daß auch warten ehedem sehr vielfache Bedeutungen hatte, welche aber um der Zweydeutigkeit willen bis auf die schon gedachten veraltet sind. Von wahren, sehen, welches noch in gewahr üblich ist, war warten eigentlich scharf und genau auf etwas sehen, und davon ist unsere Bedeutung des expectare eine unmittelbare Figur. In dem jetzt gedachten Lateinischen herrschet eben dieselbe Figur, indem es von spectare, schauen, sehen, dem Intensivo von unserm spähen gebildet ist. Von Wahren, in bewahren, war warten ehedem auch hüthen, beschützen, vertheidigen, welche Bedeutung bey dem Ottfried und andern alten Schriftstellern noch häufig vorkommt, und wovon die Ausländer ihr Guardare, Guarda, garder, Garde u. s. f. gebildet haben.


Wärter (W3) [Adelung]


Der Wärter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Wärterinn. 1. Von der neutralen Bedeutung des Verbi warten, nur noch in einigen Zusammensetzungen, besonders in Thorwärter, Thürwärter, dessen Pflicht es ist, am Thore, an der Thür zu warten. Noch häufiger 2. von den thätigen Bedeutungen. (a) Eine Person, welche die nöthige Sorge für etwas träget, nur in einigen einzelnen Fällen, und einigen Zusammensetzungen. Der Zeugwärter, der das Geschütz in seiner Aufsicht hat. Am häufigsten, (b) Eine Person, welche durch Leistung der nöthigen Handreichung Sorge für etwas trägt. Keinen Wärter haben. Eine Wärterinn, im gemeinen Leben, eine Wartfrau. So auch Krankenwärter, Kinderwärterinn u. s. f. Anm. Ehedem war statt dieses Substantivi nur Wart üblich, welches schon im Tatian vorkommt, und in einigen Gegenden in manchen Zusammensetzungen noch jetzt gehöret wird, wie Zeugwart, Waldwart u. s. f.


Wartfrau (W3) [Adelung]


Die Wartfrau, plur. die -en, S. das vorige.


Wartgeld (W3) [Adelung]


Das Wartgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, Geld, welches man jemanden gibt, wenn er, ohne dazu verbunden zu seyn, auf etwas warten muß. Besonders eine Art Jahrgeld, welches jemand so lange bekommt bis er in eine ihm versprochene Stelle einrücken kann. Auf Wartgeld stehen, Wartgeld bekommen, Wartgeld haben.


Wärts (W3) [Adelung]


Wärts, ein Nebenwort des Ortes, eine Richtung zu bezeichnen, welches nur in Zusammensetzungen gebraucht wird, diese Rich- tung näher zu bestimmen, dergleichen abwärts, aufwärts, niederwärts, auswärts, anderwärts, einwärts, rückwärts, seitwärts, vorwärts, hinterwärts u. s. f. sind. Das s am Ende ist die Ableitungssylbe für Umstandswörter, welche aber in den ältesten Zeiten nicht an diesem Worte befindlich war, indem es ehedem nur wart lautete, und noch jetzt im Niederdeutschen nur wert lautet. Mit dem vorigen warten hat dieses Wort keinen, wenigstens keinen begreiflichen Zusammenhang, wohl aber mit dem Englischen Ward, eine Gegend, oder vielleicht noch mehr mit unserm fahren, Fahrt, und dem Lateinischen versus.


Wartschanze (W3) [Adelung]


Die Wartschanze, plur. die -n, im Festungsbaue, ein kleines Vollwerk, außer der Gleichung, an einem ein- oder ausspringenden Winkel, den Feind daraus zu beobachten, von dem alten, warten, sehen, beobachten.


Wartthurm (W3) [Adelung]


Der Wartthurm, des -es, plur. die -thürme, ein Thurm, von welchem man um sich sehen kann, besonders einen ankommenden Feind daraus zu beobachten; die Warte.


Wartung (W3) [Adelung]


Die Wartung, plur. inus. S. Warten, am Ende.


Warum (W3) [Adelung]


Warum, eine zusammen gezogene Partikel, für um weß Willen, oder um welcher Ursache Willen. Sie wird auf gedoppelte Art gebraucht. 1. Als ein Fragewort, nach der Ursache einer Veränderung zu fragen, und zwar so wohl, (1) gerade zu und unmittelbar in eigentlichen Fragen. Warum ist er nicht gekommen? Warum thust du das? Warum sagen sie es denn laut? Er muß es seyn; warum klopfte sonst mein Herz ihm entgegen? Warum nicht gar? eine in der vertraulichen Sprechart übliche Formel der Verneigung. Als auch, (2) mittelbar oder indirecte, da es doch mehr relativ zu werden anfängt. Ich weiß nicht, warum er nicht kommt. Du wirst mich fragen, warum ich es thue. In beyden Fällen wird auf warum oft mit darum geantwortet. Da die Ursache, nach welcher man mit warum fragt, eine Absicht mit Bewußtseyn voraus setzt, so kann man warum eigentlich auch nur alsdann gebrauchen, wo ein solches Bewußtseyn Statt finden kann; folglich der Strenge nach nicht von leblosen Dingen, wenn sie nicht auf einige Art personificirt sind. Es wird solches zwar selten beobachtet, es kann auch die unterlassene Beobachtung dieses Unterschiedes eben keinen Nachtheil, haben; indessen kommen doch oft Fälle, wo man es empfindet, daß, wenigstens in der bestimmten Schreibart, eine andere Art des Ausdruckes schicklicher ist. Warum schwillet der Fuß so auf? sagt man im gemeinen Leben, ohne Bedenken; ob ich gleich dafür lieber sagen würde: woher kommt es, daß der Fluß so aufschwillet? 2. Als eine bloße relative Partikel, für, um welcher (Ursache) Willen. Es ist keine Ursache da, warum er es verschweigen sollte. Ich wundere mich warum er nicht kommt. Ich sehe keine Ursache, warum ich es nicht glauben sollte. Anm. 1. In einigen gemeinen Sprecharten, worum, welches aber auch noch in einer andern mehr determinativen Bedeutung gebraucht wird, ( S. dasselbe;) in einiger Oberdeutschen Gegenden mit einer unnöthigen Veränderung am Ende, warummen. Es ist mit um und dem Relativo wa, wo, war, zusammen gesetzet, wie darum von da, oder dar und um. Im Notker und den Schwädischen Dichtern kommt es noch getheilt vor, uuar umbe, im Hornegk aber umgekehrt um wer. Notker gebraucht es gar als ein Substantivum, die Uuarumbe, die Ursache.

Anm. 2. Der Ton ist in dieses Wort veränderlich. In directen Fragen ruhet er gern auf der ersten Sylbe, warum thust du das? obgleich nicht immer, warum kommt er nicht? In den übrigen Bedeutungen liegt er am häufigsten auf der letzten Sylbe.


Wärwolf (W3) [Adelung]


Der Wärwolf, S. Währwolf.


Warze (W3) [Adelung]


Die Warze, plur. die -n, Diminut. das Wärzchen, Oberdeutsch Wärzlein, eine harte rundliche Erhebung auf der äußern Fläche eines Dinge, besonders auf der Haut. Die Warze an der Brust, oder Brustwarze, der runde weißliche Knopf an einer weiblichen Brust. Am häufigsten gebraucht man es von fehlerhaften und verhärteten Auswüchsen auf der Haut. Warzen auf den Händen haben. An den Füßen werden dergleichen Auswüchse Hühneraugen oder Leichdörner genannt. Im Bergbaue ist die Warze der runde Theil, in welcher sich der Pleulzapfen herum drehet.

Anm. Im Niedersächsischen Waarte, im Englischen wart, im Schwedischen Varta, im Angelsächsischen weart. Das z, und in den Niederdeutschen und Nordischen Mundarten das t, deuten auf ein Intensivum. Die einfache Wurzel ist noch in dem Holländ. Weer, Wier übrig, welches callus bedeutet. Da diese Wurzel gedehnt wird, so lautet auch Wärze gedehnt, ungeachtet ein Consonant auf das r folgt, obgleich in andern Wörtern der gedehnte Ton in ähnlichen Fällen in den geschärften übergehet. In dem Latein. Verruca kommt die erste Sylbe mit der vorigen Wurzel überein.


Warzenkraut (W3) [Adelung]


Das Warzenkraut, des -es, plur. inus. der Nahme eines Krautes, welches die Wanzen auf den Händen vertreiben soll; Scorpionen-Kraut, Scorpiurus Linn.


Warzenkürbs (W3) [Adelung]


Der Warzenkürbs, des -es, plur. die -e, eine Art Kürbse, oder vielmehr Citrullen, welche beynahe ganz rund, und mit kleinen Hügeln, wie mit Warzen, besetzt sind.


Warzenring (W3) [Adelung]


Der Warzenring, des -es, plur. die -e, in den Mahlmühlen, ein gekerbter, eiserner Ring, der den Rührnagel schüttelt.


Warzenstein (W3) [Adelung]


Der Warzenstein, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein Nahme derjenigen versteinerten Echiniten, welche auswendig mit kleinen Erhöhungen, wie mit Warzen, besetzt sind.


Warzig (W3) [Adelung]


Warzig, -er, -ste, adj. et adv. mit Warzen besetzt. Warzige Hände habend.


Was (W3) [Adelung]


Was, ein indeclinables Pronomen, welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein fragendes Pronomen, doch nur nach sehr unbestimmten Dingen zu fragen, von welchen nicht entschieden wird, ob es Personen oder Sachen sind, und zugleich ohne Rücksicht auf Zahl oder Geschlecht. Was ist das? Was sagst du? Was folgt daraus? Was gibt es? So unbestimmt nun auch dieses was an sich ist, so bestimmt kann es doch nach der Art oder Beschaffenheit eines Dinges fragen, wenn das für noch hinzu kommt. Was für ein Mensch ist das? Was für Bücher liesest du? Was für Geld ist das? Zu was für einem Zwecke? Aus was für einem Lande ist er? Da denn die Frage auch in einen Ausruf übergehen kann. Was für Menschen sind das! O, was für eine Thorheit! Was für ein liebliches Summsen schwärmet um mich her! Geßn. Das Pronomen hier von der Präposition zu trennen, ist zwar im gemeinen Leben sehr häufig, aber in der edlern Schreibart unerlaubt, weil es die ganze Construction zerrüttet. Was liesest du für Bücher? Was würden wir für große Männer haben! Gell. besser, was für große Männer würden wir haben! Was das für ein weiser Spruch ist! Was haben sie mir denn für einen Antrag zu machen? Noch unerlaubter ist es, das für nach Oberdeutscher Art wegzulassen. Was Volk! was Leute! Zu was Ende? Auf was Weise? Was Anmuth hat mir deine Red' erregt! Opitz. Welchem Übelstande durch den ehedem üblichen Genitiv nicht abgeholfen wird. Venus grämt sich ja, was ist Leides ihr geschehn? Gleim. In den gemeinen und vertraulichen Sprecharten wird dieses Fragewort häufig für warum gebraucht, welches aber in der edlern Schreibart zu vermeiden ist. Was lachtest du? Was flatterst du müßig hier im Rosenbusch? Geßn. Sagen sie mir nur, was sie mir so viel von den bösen Zeiten vorpredigen? Gell. Was quälen sie mich mir ihrer Gelehrsamkeit? Gell. Denn was sollte man sich eines Wortes wegen lange quälen? eben ders. Was wird so manches Wort von Schuld und Dank verloren? Schleg. Wo es noch dazu Dunkelheit macht. Zu den im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart üblichen Arten des Gebrauches dieses Vorwortes gehören noch folgende. (a) Wenn man jemandes Worte nicht verstanden hat, und man fragt elliptisch und absolute, was? für, was sagten sie? so ist es ungesittet. Ein wenig höflicher ist in solchen Fällen, wie? (b) Als eine Formel des Unwillens. Ey, was! Betrug? - Ey was Betrug! - Ach, was heirathen! was Frau! Leßing. (c) Für um wie viel. Was bist du nun glücklicher geworden? Was bist du nun damit gebessert? 2. Als ein indeclinables relatives Pronomen, einen Satz auf ein Etwas zurück zu führen, von welchem nicht bestimmt ist, oder nicht bestimmt werden soll, ob es ein selbstständiges Ding ist, oder nicht, folglich auch ohne Rücksicht auf das Geschlecht. Das, was du mir sagest. Alles, was ich weiß. Das schönste, was ich nur gesehen habe. Es sey, was es wolle. Du weißt, was er sagte. Thue, was ich dir befehle. Es ist nicht Unverschämtheit aber Habsucht, was mich so kühn macht. Was setzt in diesen Fällen alle Mahl entweder das Determinativum dasjenige oder das voraus, oder doch ein ähnliches Subject, dessen Selbstständigkeit nicht bestimmt ist, oder nicht bestimmt werden soll. Ist sie bestimmt, so wird ein persönliches Relativum erfordert. Die Liebe, welche ich empfinde, nicht was. Selbst wenn das Selbstständige, worauf sich das Relativum beziehet, ein Neutrum ist, sollte eigentlich nicht was, sondern welches, stehen, indem das erstere weder Person noch Geschlecht bestimmet, hier aber das letztere ausdrücklich bestimmt ist. Nicht, ein Kind, was noch unmündig ist, sondern welches. Ob nun gleich was ein Relativum ist, und also eigentlich im Nachsatze stehen sollte, so kann es doch auch sehr oft im Vordersatze stehen, oder vielmehr, der Nachsatz kann nach einer sehr gewöhnlichen Intension die Stelle des Vordersatzes einnehmen, da denn das was die Gestalt eines Determinativi bekommt, es mag der Vordersatz mit das darauf folgen, oder entweder das das, oder auch der ganze Vordersatz verschwiegen werden. Was ich dir sage, das thue. Was mich so kühn macht, ist nicht Unverschämtheit. Was von Katzen kommt, das mauset gern. Was ich sage, ist wahr. Aber was am schlimmsten ist, so u. s. f. Was mich betrifft u. s. f. Was kann indessen auch hier mit der Präposition, für, verbunden werden, die Art und Beschaffenheit genauer zu bezeichnen, und alsdann gilt wieder eben das, was schon oben von dem was für gesagt worden. Besonders erfordert die Deutlichkeit und die gewöhnliche Wortfolge auch hier, das was für nicht zu trennen. Sie wissen nicht, was Herrschaften für eine Noth mit dem Gesinde haben, Gell. besser, was für eine Noth Herrschaften u. s. f. Theils vertrauliche, theils provinzielle und fehlerhafte Gebrauchsarten dieses Relativi sind. (1) Für etwas; ein im gemeinen Leben aller Provinzen häufiger Fehler. Weißt du was Neues? Wollt ihr was? Wenn du was brauchst, so komme. Ich merke so was. Ich habe hier was zu thun. So was thue ich nur zur höchsten Noth. Der Tag ist hin, hast du was Nützliches gethan? Gell. (2) Besonders, wenn dieses etwas für ein wenig stehen sollte. Es müsse dieß was klärlich erscheinen, Opitz. (3) Für wie sehr und so sehr. Er läuft, was er kann; besser, so sehr als er kann. Du glaubest nicht, was die Leute heucheln können; besser, wie sehr. (4) Eine Versicherung zu begleiten; in der vertraulichen Sprechart. Was ich ihnen sage, sie können die Frau Muhme jetzt nicht sprechen, Gell. d. i. ich versichere ihnen u. s. f. Was ich ihnen sage, er ist wirklich todt.

Anm. 1. Da dieses Pronomen indeclinabel ist, so kann es nur alsdann gebraucht werden, wenn der Nominativ und Accusativ erfordert wird, weil diese bey den Casus im Deutschen ohnehin keine Declinations-Zeichen haben. In den übrigen Casibus müssen andere Pronomina statt dessen gebraucht werden.

Anm. 2. Weil nun dieses Pronomen so unbestimmt ist, daß es auch nicht einmahl Casus bezeichnen kann, so leidet es auch im Hochdeutschen keine Präposition vor sich, es sey nun fragend oder beziehend, sondern fließt, seiner Wurzel nach, mit der Präposition in eine relative Partikel zusammen, auch wenn die Präposition einen Accusativ erforderte. Nicht, an was liegt es? auf was verlässest du dich? aus was wird das gemacht? ich weiß nicht, durch was es verursacht worden; für was hältest du mich? sage, von was du lebst u. s. f. sondern woran, worauf, woraus, wodurch, wofür, wovon u. s. f. (Siehe Wo.) Nur wenn für mit dem was verbunden wird, stehet jedes besonders: aus was für Absicht; durch was für Mittel; mit was für einem Grunde; auf was für eine Art; zu was für einem. Ende.

Anm. 3. Im Kero huuaz, bey dem Ottfried uuaz, im Niederdeutschen hingegen wat, im Engl. what.


Waschbank (W3) [Adelung]


Die Waschbank, plur. die -bänke, eine Bank, leinenes Geräth, Wolle u. s. f. darauf zu waschen.


Waschbecken (W3) [Adelung]


Das Waschbecken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Becken, zum Waschen der Hände und des Gesichtes; im Österreichischen der Weidling.


Waschbesen (W3) [Adelung]


Der Waschbesen, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, ein Besen von Tannenreisern, das Erz auf dem Herde damit im Wasser hin und her zu streichen.


Waschblase (W3) [Adelung]


Die Waschblase, plur. die -n, eine Blase, d. i. kupfernes Gefäß, das zum Waschen des leinenen Geräthes nöthige Wasser darin heißt zu machen.


Waschbläuel (W3) [Adelung]


Der Waschbläuel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bläuel, das gebäuchte leinene Geräth in der Wäsche damit zu schlagen.


Waschbühne (W3) [Adelung]


Die Waschbühne, plur. die -n, im Hüttenbaue, eine Bühne, d. i. Art eines Tisches, die zum Waschen bestimmten Erze darauf zu stürzen.


Waschbütte (W3) [Adelung]


Die Waschbütte, plur. die -n, eine Bütte zum Waschen; besonders in den Vitriol-Hütten, ein hölzernes Faß, den Bodensatz aus der Schlammbütte darin zu waschen.


Wasche (W3) [Adelung]


Die Wasche, plur. die -n, nur im verächtlichen Verstande, eine geschwätzige Person, besonders weiblichen Geschlechtes, von waschen, plaudern.


Wäsche (W3) [Adelung]


Die Wäsche, plur. doch nur in einigen Fällen, die -n, das Abstractum von der Verbo, waschen. 1. Die Handlung des Waschens doch um von dem Waschen des leinenen Geräthes, der Erze u. s. f. besonders, wo Dinge in Menge gewaschen werden. Wenn man sich selbst wäschet, eine Leiche abwäschet u. s. f. kann solches keine Wäsche genannt werden. Eine Wäsche anstellen, das leinene Geräth zu waschen. In der Wäsche seyn, gewaschen werden. Die Erzwäsche, das Waschen des Erzes. Von mehrern Handlungen dieser Art ist der Plural nicht ungewöhnlich. 2. Das zur Kleidung oder in der Haushaltung nöthige leinene Geräth, weil es zu gewissen Zeiten gewaschen werden muß; ohne Plural, und als ein Collectivum. Weiße Wäsche, welche nach dem Waschen noch nicht gebraucht worden, zum Unterschiede von der schwarzen oder beschmutzten. Alle Wäsche schmutzig machen. Grobe Wäsche, feine oder klare Wäsche. Kinderwäsche, Tafelwäsche u. s. f. 3. In den Hüttenwerken, dasjenige Gebäude, in welchem die Erze gewaschen werden. Anm. In der ersten Bedeutung schon bey dem Ottfried Vuasgu, bey dem Willeram Vuaske.


Wascheisen (W3) [Adelung]


Das Wascheisen, des -s, plur. inus. Eisen, welches aus gepochten und gewaschenen Erzen geschmelzet wird, und geschmeidiger ist, als das gewöhnliche.


Waschen (W3) [Adelung]


Waschen, verb. irreg. ich wasche, du wäschest, er wäschet, oder wäscht; Imperf. ich wusch, Conj. wüsche, Particip. gewaschen. Es ist so wohl act. als neutr. und bekommt im letztern Falle das Hülfswort haben. Es wird in zwey verschiedenen, nur zufällig verwandten Bedeutungen, gebraucht. 1. Unbedeutende Sachen mit einer vorzüglichen Geläufigkeit der Zunge vortragen; im verächtlichen Verstande, wodurch es sich von schwatzen, plaudern u. s. f. unterscheidet. Das Verächtliche hat seinen Grund in der Onomatopöie, welche den niedrigsten Grad der Schwatzhaftigkeit nachahmet. Er thut nichts, als waschen. Was für ein Gemisch von Verstellung, Heucheley und Unsinn waschen sie mir da vor? Wer immer waschen will, Opitz. S. auch Gewäsch. 2. Vermittelst des Wassers reinigen, welches wieder auf verschiedene Art geschehen kann. (a) Durch Reiben mit Wasser oder einem ähnlichen flüssigen Körper; welches die gewöhnlichste Bedeutung ist, zum Unterschiede von spühlen, schwemmen, schlämmen u. s. f. Die Hände waschen, sich die Hände waschen. Sich waschen. Das leinene Geräth, das Küchengeschirr u. s. f. waschen. Das hat sich gewaschen, in den niedrigen Sprecharten, das ist vortrefflich. Einem den Kopf waschen, ihm einen derben Verweis geben; auch wohl, ihn raufen, prügeln, ( S. Kopf.) (b) Das Unreine oder Schlechtere von dem Reinen oder Bessern vermittelst des Wassers trennen, da denn eines von beyden auf den Boden sinkt, welches sonst Schlämmen, oft aber auch Waschen, genannt wird. So wäschet man im Hüttenbaue die gepochten Erze, wenn das taube Gestein von dem Wasser fortgeführet wird. Auf ähnliche Art waschen die Bäcker den Weitzen, wenn die guten Körner von den leichten, vermittelst des Wassers, in einem Siebe geschieden werden. (c) Im Reißen und Zeichnen ist waschen nach dem Französischen laver, eine aufgetragene Farbe mit Wasser vertreiben. Eine gewaschene Zeichnung. So auch das Waschen, und, in einigen Fällen, die Wäsche.

Anm. Schon im Kero uuasken, im Tatian uuasgan, bey dem Ottfried uuasganne, bey dem Notker uuaschen, im Niederd. wasken, im Engl. to wash, im Schwed. vaska. Nimmt man den verstärkten Zischlaut weg, so würde das einfachere wagen übrig bleiben, welches auf das veraltete zwangen führet, welches sich von waschen bloß dadurch unterscheidet, daß der verstärkende Laut hier voran gesetzt worden. Dieses zwagen, oder auch twagen, kommt in unsern alten Schriften häufig vor, und ist in einigen Oberdeutschen Mundarten noch gangbar. Indessen gründet sich dieser ganze Bau des Wortes, waschen, auf eine unmittelbare Onomatopöie, welche in demselben nicht leicht zu verkennen ist, und welche auch in dem Worte Wasser herrschet, ohne daß deßhalb waschen mit Bewußtseyn und Vorsatz von Wasser sey abgeleitet worden, wie gemeiniglich behauptet wird. Aus eben derselben Onomatopöie muß man die Erscheinung erklären, daß sich zwey so verschiedene Begriffe, als der des Plauderns, und der des Reinigens mit Wasser sind, in diesem Worte zusammen gefunden haben. Gemeiniglich siehet man die erste Bedeutung als eine Figur der letztern an; und in dem weitesten Verstande einer Figur kann sie es seyn. Allein, da die Ähnlichkeit hier bloß auf der Gleichheit des Lautes beruhet, so müssen beyde Bedeutungen vielmehr als gleichzeitig, und von einander unabhängig, betrachtet werden, wie in tausend andern Fällen ohnehin geschehen muß. Selbst im Arabischen ist washwascha murmeln, und Waschwa eine verworrene Rede. In waschen, plaudern, und dem ähnlichen schwatzen liegen einerley Wurzeln zum Grunde, nur daß in dem letztern die Verstärkung vorn und hinten zugleich angebracht worden. Übrigens ist in dem Präsenti, ich wasche, im Participio, gewaschen, und in dem Imperativo, wasche, das a geschärft, dagegen im Imperfecto, ich wusch, ich wüsche, das u gedehnt lautet.


Wäscher (W3) [Adelung]


Der Wäscher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Wäscherinn, eine Person, welche wäscht. 1. In der ersten Bedeutung des Verbi, wo es doch nur im männlichen Geschlechte gebraucht wird, nicht aber, oder doch nur selten, im weiblichen, vermuthlich die Zweydeutigkeit mit der folgenden Bedeutung zu vermeiden. Er ist ein Wäscher, trägt irrige oder unbedeutende Sachen mir einer vorzüglichen Geläufigkeit der Zunge vor. 2. Eine Person, welche andere Dinge vermittelst des Wassers reiniget, besonders, wenn sie ein Geschäft daraus macht. Erzwäscher, im Hüttenbaue. Silberwäscherinn, an den Höfen. Im engsten Verstande werden diejenigen weiblichen Personen, welche die leinenen Kleidungsstücke und Geräthschaften waschen, Wäscherinnen genannt.


Wascherde (W3) [Adelung]


Die Wascherde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine thonartige Erde, deren man sich zum Waschen der wollenen Tücher bedienet, und welche unter dem Nahmen der Walkerde am bekanntesten ist.


Wäscherey (W3) [Adelung]


Die Wäscherey, plur. die -en, nur in der ersten Bedeutung des Verbi waschen, so wohl das Waschen, ohne Plural, als auch unbedeutendes Geschwätz in verächtlichen Verstande, das Gewäsch.


Wäscherlohn (W3) [Adelung]


Das Wäscherlohn, des -es, plur. car. Lohn, welchen man für das Wuschen bezahlet; besonders der Lohn für die gewaschene häusliche Wäsche.


Wascherz (W3) [Adelung]


Das Wascherz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, in dem Hüttenbaue, Erz, welches gewaschen werden soll, oder bereits gewaschen worden.


Waschfaß (W3) [Adelung]


Das Waschfaß, des -es, plur. die -fässer, Diminut. Waschfäßchen, ein Faß, oder einem Fasse ähnliches Gefäß, Dinge darin zu waschen.


Waschfrau (W3) [Adelung]


Die Waschfrau, plur. die -en, eine Frau, welche ein Geschäft daraus macht, die Wäsche anderer zu reinigen; die Wäscherinn, in den niedrigen Sprecharten, das Waschweib.


Waschgelte (W3) [Adelung]


Die Waschgelte, plur. die -n, eine Gelte, womit man, bey dem Aufbrühen der Wäsche, das siedende Wasser über dieselbe gießet.


Waschgeschworne (W3) [Adelung]


Der Waschgeschworne, des -n, plur. die -n, in den Hüttenwerken, ein vereideter Beamter, welcher die Aufsicht über das Waschen der Erze hat.


Waschgold (W3) [Adelung]


Das Waschgold, des -es, plur. car. Gold, welches man durch Waschen, d. i. Schlämmen, aus dem Bodensatze der Ströme, oder andern goldhaltigen Erdarten, erhält.


Waschhaft,Waschhaftig (W3) [Adelung]


Waschhaft, oder Waschhaftig, -er, -ste, adj. et adv. nur von waschen in der ersten Bedeutung, Fertigkeit besitzend, unbedeutende Dinge mit großer Geläufigkeit der Zunge, vorzutragen. Daher die Waschhaftigkeit.


Waschgrube (W3) [Adelung]


Die Waschgrube, plur. die -n, im Hüttenbaue, die mit Bohlen ausgeschälte Grube, worin das Erz gewaschen wird.


Waschhandschuh (W3) [Adelung]


Der Waschhandschuh, des -es, plur. die -e, Handschuhe, von sämischen Leder, welche sich waschen lassen.


Waschhaus (W3) [Adelung]


Das Waschhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Gebäude, oft auch nur ein Theil eines Gebäudes, worin gewaschen wird, besonders, worin das in der häuslichen Wirthschaft nothwendige leinene Geräth in Menge gewaschen wird.


Waschherd (W3) [Adelung]


Der Waschherd, des -es, plur. die -e, im Hüttenbaue, der Herd, auf welchem das Erz gewaschen wird, der Herd der Waschgrube, oder des Waschtroges.


Waschjunge (W3) [Adelung]


Der Waschjunge, des -n, plur. die -n, eben daselbst, Knaben, welche bey dem Waschen der Erze gebraucht werden.


Waschkessel (W3) [Adelung]


Der Waschkessel, des -s, plur. ut nom. sing. ein großer eingemauerter Kessel, das Wasser zum Waschen der häuslichen Wäsche darin zu kochen.


Waschkorb (W3) [Adelung]


Der Waschkorb, des -es, plur. die -körbe, ein großer länglich runder Korb, die häusliche Wäsche bey dem Waschen derselben, darin hin und wieder zu tragen.


Waschkupfer (W3) [Adelung]


Das Waschkupfer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. gediegenes Kupfer, welches aus dem Sande der Flüsse oder andern Erdarten gewaschen, d. i. geschlämmet, worden.


Waschküste (W3) [Adelung]


Die Waschküste, plur. die -n, im Hüttenbaue, eine Küste oder Krücke, das gepochte Erz bey dem Waschen damit hin und wieder zu ziehen. S. 1. Küste.


Waschlappen (W3) [Adelung]


Der Waschlappen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lappen, das Küchengeschirr damit aufzuwaschen.


Waschlauge (W3) [Adelung]


Die Waschlauge, plur. inus. in den Alaunhütten, diejenige Alaunlauge, welche man durch das Waschen des Alaunmehles erhält.


Waschleine (W3) [Adelung]


Die Waschleine, plur. die -n, eine Leine, die gewaschene Wäsche zum trocknen darauf zu hängen.


Waschmagd (W3) [Adelung]


Die Waschmagd, plur. die -mägde, eine Magd, welche vornehmlich zum Waschen gebraucht wird.


Waschmarkt (W3) [Adelung]


Der Waschmarkt, des -es, plur. die -märkte, in der ersten Bedeutung des Verbi waschen, ein Ort, wo mehrere Personen zum Waschen oder Plaudern, im verächtlichen Verstande, zusammen kommen, und diese Versammlung selbst.


Wasch-Maschine (W3) [Adelung]


Die Wasch-Maschine, plur. die -n, eine Maschine, die häusliche Wäsche mit wenigern Umständen zu reinigen, als gewöhnlich ist, besonders durch Ersparung des Reibens mit den Händen, welches in derselben durch Klöppel geschiehet.


Waschsteiger (W3) [Adelung]


Der Waschsteiger, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, ein Steiger, welcher die Aufsicht über das Waschen der Erze hat.


Waschstein (W3) [Adelung]


Der Waschstein, des -es, plur. die -e, Eisensteine, welche auf oder nahe unter der Dammerde gefunden werden, und ehe man sie schmelzen kann, gepocht und gewaschen werden, Rasensteine. Sie geben das so genannte Wascheisen.


Waschthon (W3) [Adelung]


Der Waschthon, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, wie Wascherde und Walkthon.


Waschtrog (W3) [Adelung]


Der Waschtrog, des -es, plur. die -tröge, ein Trog, worin etwas gewaschen wird. Im Hüttenbaue ist es das Behältniß, worin die Erze gewaschen werden.


Waschwanne (W3) [Adelung]


Die Waschwanne, plur. die -e, eine Wanne, oder länglichrundes Gefäß, die häusliche Wäsche darin zu brühen und zu waschen.


Waschwasser (W3) [Adelung]


Das Waschwasser, des -s, plur. car. Wasser zum Waschen, besonders der Hände und des Gesichts.


Waschweib (W3) [Adelung]


Das Waschweib, des -es, plur. die -er, S. Waschfrau.


Waschwerk (W3) [Adelung]


Das Waschwerk, des -es, plur. die -e, im Hüttenbaue. 1. Eine Anstalt, wo die Erze gewaschen werden. 2. Dasjenige Erz, welches gewaschen worden, oder gewaschen werden soll, Wascherz; ohne Plural.


Waschwolle (W3) [Adelung]


Die Waschwolle, plur. car. bey den Zeugmachern, mit Seife gewaschene Wolle, zum Unterschiede von der Fettwolle.


Waschzettel (W3) [Adelung]


Der Waschzettel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Verzeichniß des leinenen Geräthes, welches man in die Wäsche gibt.


Wase (W3) [Adelung]


Die Wase, eine Verwandte, S. Base.


Wasen (W3) [Adelung]


1. Der Wasen, des -s, plur. ut nom. sing. der Dunst von warmen oder gährenden Körpern, ein nur im Niederdeutschen übliches Wort; wofür im Hoch- und Oberdeutschen Brodem üblicher ist. Vermuthlich ist der Begriff der Feuchtigkeit hier der herrschende, und alsdann würde es nicht allein zu dem Schwed. väsa, Isländ. veisa, Sclavon. wuza, ein Sumpf, Morast. gehören, sondern auch als die einfachere Wurzel von unserm Wasser angesehen werden können, welches nur das Intensivum davon ist.


Wasen (W3) [Adelung]


2. Der Wasen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches vornehmlich in zwey, vermuthlich verwandten Bedeutungen, üblich ist. 1. Ein Rasen, in welchem Verstande es doch im Oberdeutschen häufiger ist, am im Hochdeutschen. Wasen stechen, Rasen. Einen Wall mit Wasen belegen, mit Rasen. Im mittlern Latein, Guaso, im Franz. Gazon. Im Isidor ist Aerdhuuason, terrae moles. 2. Ein Reisbündel, ein Bündel Reisholz, am häufigsten im Niedersächsischen; wofür in Thüringen das Wort Welle üblich ist. Im Niederdeutschen werden auch die im Wasserbaue üblichen Faschinen, ingleichen Wülste, Lasten vermittelst derselben auf dem Kopfe zu tragen, Wasen genannt. Im Engl. und Schwed. gleichfalls wase, im Isländ. vasi.

Anm. Bey dem Pictorius kommt das Verbum wasen, wachsen, vor, welches das Stammwort von beyden zu seyn scheinet, und mit wachsen zwar verwandt, aber nicht davon abgeleitet ist, indem die Wurzel des letztern wach heißt, das s aber nur der Ableitungslaut ist. Auf ähnliche Art stammet unser Rasen, vermuthlich von dem alten riesen, in die Höhe steigen, her, ( S. Riese und Gras.) In der zweyten Bedeutung kann der Begriff der Ausdehnung der herrschende seyn, welcher mit dem vorigen genau verwandt ist.


Wasenamt (W3) [Adelung]


Das Wasenamt, des -es, plur. die -ämter, am häufigsten im Oberdeutschen, das Amt und die Bedienung des Abdeckers, S. Wasenmeister.


Wasenholz (W3) [Adelung]


Das Wasenholz, des -es, plur. car. am häufigsten im Niederdeutschen, Reisbündel, als Holz oder Feuerung betrachtet; Reisholz, Bundholz, zum Unterschiede von dem Kloben-Klafter- und Schockholze.


Wasenmeister (W3) [Adelung]


Der Wasenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. im Oberdeutschen, eine anständige Benennung des Abdeckers, und in weiterm Verstande auch wohl des Scharfrichters. Entweder weil er gemeiniglich außer den Städten auf dem Wasen wohnt, oder doch sein Amt als Abdecker auf dem Wasen oder Rasen verrichtet. Im Oberdeutschen wird daher auch wohl die Abdeckerey oder Scharfrichterey nur schlechthin der Wasen genannt.


Wasenwall (W3) [Adelung]


Der Wasenwall, des -es, plur. die -wälle, im Festungsbaue, ein aus Wasen oder Rasen aufgeführter Wall, ein Erdwall; zum Unterschiede von einem gemauerten Walle.


Waser (W3) [Adelung]


* Waser, ein im Hochdeutschen längst veraltetes Umstandswort, welches nur noch in der Deutschen Bibel vorkommt, für was für. Aus waser Macht thust du das? aus was für. Man hat davon im Oberdeutschen noch das indeclinable Adjectivum waserley, Nieders. watterly. Man thue es auch durch waserley Mittel man wolle, durch was für welche. Es kann seyn, daß waser aus was für zusammen gezogen worden, aber es kann auch seyn, daß es vermittelst der adverbischen Ableitungssylbe er von was gebildet worden, welche Sylbe besonders im Oberdeutschen gebraucht wird, Adverbia aus Adjectivis zu bilden: er ist krankes fortgereiset, krank; man hat ihm todter fortgetragen, todt.


Wasser (W3) [Adelung]


Das Wasser, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Sammlungen, ut nom. sing. derjenige flüssige Körper, welcher sich in dem Dunstkreise des Erdbodens sammelt, und sich auf mancherley Art in und über der Erde verbreitet. 1. Eigentlich als ein Materiale, da der Plural nur von mehrern Arten üblich ist. (a) Im eigentlichsten Verstande, von diesem über und unter der Erde verbreiteten natürlichen flüssigen Körper. Der Schnee wird zu Wasser. Wasser trinken. Ein Glas Wasser. Das Wasser ableiten. Kaltes, warmes Wasser. Hartes Wasser, welches viele erdige und mineralische Theile hat, zum Unterschiede von dem weichen. Ein Land unter Wasser setzen, machen, daß es überschwemmet wird. Zu Wasser reisen, zu Schiffe. Krieg zu Wasser und zu Lande. Das Wasser steigt, wenn es sich häuft, oder wenn es zunimmt; es fällt, wenn es abnimmt. Hohes Wasser, wenn es ungewöhnlich zugenommen hat. Brunnenwasser, Regenwasser, Flußwasser, Meerwasser u. s. f. Figürliche Arten des Ausdrucks sind: Der Mund läuft ihm voll Wasser, wenn er begierig nach einer Sache wird. Das ist Wasser auf seine Mühle, kommt ihm zu gelegener Zeit, dient in seinen Kram. Wasser in das Meer, in den Rhein, in den Brunnen tragen, vergebliche Arbeit, etwas im höchsten Grade überflüßiges thun. Im trüben Wasser fischen, sich die Zeit der Unruhe zu Nutze machen. Zu Wasser werden, vereitelt werden, vermuthlich von dem geschmolzenen Eise. Einem etwas zu Wasser machen, es ihm vereiteln. Er reicht ihm das Wasser nicht, d. i. er ist nicht werth, ihm das Wasser zu reichen, er kommt ihm nicht gleich, nicht bey; eine Figur, welche vermuthlich von der ehemahligen Gewohnheit, einem Gaste vor und nach Tische das Handwasser zu reichen, hergenommen ist. (b) Verschiedene Arten flüssiger Körper, welche diesem Naturkörper an Farbe und Flüssigkeit ähnlich sind. So hat man gebrannte oder destillirte Wasser. Auch manche Arten Branntwein werden in Zusammensetzungen Wasser genannt; Goldwasser, Magenwasser, Lebenswasser u. s. f. Ingleichen flüssige, dem Wasser ähnliche Arzeneyen. Augenwasser. Ungarisches Wasser, mit Weingeist destillirter Roßmarin. Die Augen stehen ihm voll Wasser, voll Thränen. (c) Im engsten Verstande bekommt der Urin diesen Nahmen. Einem Kranken das Wasser besehen. Das Wasser abschlagen, sein Wasser lassen, uriniren. Das Wasser nicht halten können. (d) Im gemeinen Leben wird zuweilen ein jeder flüssiger Körper, wenn man dessen eigentlichen Nahmen nicht weiß, oder ihn mit einem allgemeinen Ausdrucke benennen will, Wasser genannt, welches aber Zweydeutigkeit verursacht, und daher nicht nachzuahmen ist. 2. Eine Sammlung Wassers, als ein allgemeiner Ausdruck, welcher Flüsse, Seen, Teiche und das Meer unter sich begreift. Ein fischreiches Wasser. Ein reißendes Wasser. Diesseits des Wasser. Über ein Wasser fahren. Stille Wasser sind tief, oder wie Canitz singt: den stillen Wassern ist am wenigsten zu trauen, Mangel der Lebhaftigkeit ist kein Zeichen der Einfalt. In solchen Wassern fängt man solche Fische, solche Arbeit gibt solchen Lohn. 3. Bey gewissen Zeugen ist das Wasser das wässerige Ansehen. Der Mohr, der Taffet hat ein schönes Wasser, ( S. Wässern.) Bey den Perlen und Dementen hingegen ist es der reine, dem Wasser ähnliche Glanz.

Anm. Im Isidor uuazsar, im Ottfried uuazar, und im Niederdeutschen mit einem andern Ableitungslaute an der Wurzel, Water, im Angels. waeter, bey dem Ulphilas wate, im Schwed. vatn, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches, wie Plato in Kratvlo versichert, von den Barbaren entlehnet worden. Die letzte Sylbe ist eine neuere Ableitungssylbe, welche vermuthlich ein Ding, Subject bezeichnet; s und t sind in den Mundarten häufig gleich bedeutend. Dieß voraus gesetzt, sieht leicht, daß das Schwed. vat, das Lat. udus, und Sclavon, woda, welche insgesammt feucht bedeuten, die Wurzel davon sind. Im Niedersächsischen ist Wees die Feuchtigkeit, und Wasen der Brodem. Der Plural wird in den Mundarten häufig Wässer gemacht. Die Wässer fürchten sich, und fliehen vor dem Lande, Opitz. Süßer Balsam, theure Wässer, Gryph. Allein im Hochdeutschen ist es mit dem ungeänderten Vocale am üblichsten.


Wasserabschlag (W3) [Adelung]


Der Wasserabschlag, des -es, plur. die -schläge, im Teich- und Wasserbaue, Ableitungen des überflüssigen Wasser, über oder neben einem Teiche, Wehre u. s. f. Wasserablässe, auch nur Abschläge schlechthin.


Wasserader (W3) [Adelung]


Die Wasserader, plur. die -n, Adern, welche Wasser enthalten. In der Anatomie sind es Gänge, welche dem Blute seine wässerige Feuchtigkeit zuführen, Vasa lymphatica. Wasseradern in der Erde, Gänge des Wassers unter der Erde.


Wasseraiche (W3) [Adelung]


Die Wasseraiche, plur. inus. 1. In einigen Gegenden, das Aichen oder Bisieren der Weinfässer vermittelst des aus einem Gefäße von bestimmtem Gehalte eingelassenen Wassers. 2. Eine Art künstlichen Maßes, die Quantität Wasser zu messen, welche eine Röhre in einer gewissen Zeit gibt; das Wassermaß.


Wasserampfer (W3) [Adelung]


Der Wasserampfer, des -s, plur. inus. eine Art Ampfers, welche an und in dem Wasser wächset, Rumex aquaticus Linn.


Wasseramsel (W3) [Adelung]


Die Wasseramsel, plur. die -n. 1. Ein den Amseln ähnlicher Wasservogel, Charadrius Linn. 2. Die Bachamsel, Sturnus Cinclus Linn. Wassermerle, Wasserstahr.


Wasseramt (W3) [Adelung]


Das Wasseramt, des -es, plur. die -ämter, an einigen Orten, ein Amt oder obrigkeitliches Collegium, welches die Aufsicht über die Wasserableitungen, den Wasserbau u. s. f. eines Ortes führet.


Wasserandorn (W3) [Adelung]


Der Wasserandorn, des -es, plur. inus. 1. Eine Art der Roßpoley, Stachis palustris Linn. 2. Auch ein Nahme des Wolfsfußes, Lycopus Europaeus Linn. welcher auch Sumpfandorn genannt wird.


Wasserapfel (W3) [Adelung]


Der Wasserapfel, des -s, plur. die -äpfel, eine Art Annona, welche in dem wärmern Amerika an Wassern einheimisch ist, Annona palustris Linn.


Wasseräppich (W3) [Adelung]


Der Wasseräppich, des -es, plur. inus. eine Art des Äppiches, welche an Bächen einheimisch ist, Sium aquaticum Linn.


Wasserarche (W3) [Adelung]


Die Wasserarche, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Gerinne, Wasser darin zu leiten, oder abzuleiten, auch die Flutharche, S. Arche.


Wasserast (W3) [Adelung]


Der Wasserast, des -es, plur. die -äste, im Gartenbaue, falsche Äste eines Baumes, welche aus überflüssigem Safte entste- hen, und auch Wasserschüsse heißen, zum Unterschiede von de Holz- und Fruchtästen.


Wasserauge (W3) [Adelung]


Das Wasserauge, des -s, plur. die -n, bey den Ärzten, ein mit einer Wassergeschwulst behaftetes Auge, Hydrophthalmia.


Wasserbach (W3) [Adelung]


Der Wasserbach, des -es, plur. die -bäche, nur in der Deutschen Bibel, ein Bach, der beständiges Wasser hat, zum Unterschiede von den Feld- oder Zeitbächen, welche nur zu manchen Zeiten Wasser haben.


Wasserbad (W3) [Adelung]


Das Wasserbad, des -es, plur. die -bäder, eigentlich ein Bad von reinem ungekünstelten Wasser, im Gegensatze des Sandbades. Am häufigsten wird in der Theologie die Taufe tropisch das Wasserbad genannt, in welchem Falle ab e der Plural ungewöhnlich ist.


Wasserbaldrian (W3) [Adelung]


Der Wasserbaldrian, des -es, plur. inus. eine Art Baldrianes, welche am Wasser wächset.


Wasserbank (W3) [Adelung]


Die Wasserbank, plur. die -bänke, in den Wassermühlen, ein Berschlag von Bretern an der Seite des Wasserrades, wo das Wasser anschlaget.


Wasserbarke (W3) [Adelung]


Die Wasserbarke, plur. die -n, eine Barke, oder kleines Fahrzeug, Wasser damit herbey zu führen.


Wasserbathengel (W3) [Adelung]


Der Wasserbathengel, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Lachenknoblauches, Teucrium Scordium Linn.


Wasserbau (W3) [Adelung]


Der Wasserbau, des -es, plur. doch nur selten, die -bäue, oder -baue, ein jeder Bau an oder in dem Wasser, dergleichen Dämme, Wehren, Uferbefestigungen, Schleusen u. s. f. sind.


Wasserbaukunst (W3) [Adelung]


Die Wasserbaukunst, plur. car. die Kunst, dergleichen Gebäude auf eine dauerhafte Art zu führen.


Wasserbaum (W3) [Adelung]


Der Wasserbaum, des -es, plur. die -bäume. 1. In den Wasserkünsten, ein künstliches Wasserwerk wo das Wasser in Gestalt eines Baumes mit Ästen springt. 2. Ein Baum, quer über einem Flusse, die Fahrt zu versperren.


Wasserbecken (W3) [Adelung]


Das Wasserbecken, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Becken, oder bewegliches flaches Gefäß zum Wasser. 2. Ein vertiefter Platz, worin das Wasser eines Springbrunnens aufgefangen wird, Franz. Bassin.


Wasserbeschreibung (W3) [Adelung]


Die Wasserbeschreibung, plur. die -en, die Beschreibung der Wasser, d. i. der Flüsse und Seen einer Gegend, Hydrographia.


Wasserberg (W3) [Adelung]


Der Wasserberg, des -es, plur. die -e, eine hohe Masse Wasser, in Gestalt eines Berges. So nennt man hohe Wellen tropisch Wasserberge. Am Gipfel eines Wasserberges hing oft mein Kahn, hoch in der, Kleist.


Wasser-Betonie (W3) [Adelung]


Die Wasser-Betonie, plur. inus. eine Art der Betonie, welche an Wassern einheimisch ist, weißer Nachtschatten, Scrophularia aquatica Linn. welche mit dem Wasserbathengel nicht zu verwachseln ist.


Wasserbett (W3) [Adelung]


Das Wasserbett, des -es, plur. die -e, das Bett eines fließenden Wassers, besonders bey den Wassermühlen. Auch der Hauptabfluß eines Teiches und dessen Bett wird an manchen Orten das Wasserbett genannt.


Wasserbiene (W3) [Adelung]


Die Wasserbiene, plur. die -n, eine Art Bienen in den Bienenstöcken, welche den Arbeitsbienen das Wasser zutragen, und unter dem Nahmen der Thränen am bekanntesten sind, S. dieses Wort.


Wasserbirke (W3) [Adelung]


Die Wasserbirke, plur. die -n, eine Spielart der gewöhnlichen Birke mit aufrecht stehenden Zweigen, welche auch Rothbirke genannt wird.


Wasserbirn (W3) [Adelung]


Die Wasserbirn, plur. die -en, eine Art Birnen, welche vielen wässerigen Saft enthalten.


Wasserblase (W3) [Adelung]


Die Wasserblase, plur. die -n, Diminut. das Wasserbläschen. 1. Eine mit Wasser gefüllte Blase, an dem menschlichen Körper, dergleichen z. B. vom Verbrennen entstehet. 2. Eine Blase, welche die Luft macht, wenn sie häufig aus dem Wasser dringet. 3. Von Blase, eine Art eines Gefäßes, ein solches Gefäß, Wasser darin zu wärmen, zum Unterschiede von einer Destillir-Blase, Branntweinsblase u. s. f.


Wasserblatt (W3) [Adelung]


Das Wasserblatt, des -es, plur. inus. der Nahme eines Amerikanischen Gewächses, Hydrophyllum L.


Wasserblatter (W3) [Adelung]


Die Wasserblatter, plur. die -n, eine Art Blattern, welche Statt des Eiters mit Wasser gefüllt sind, in Niederdeutschland Wasserpocken.


Wasserblau (W3) [Adelung]


Wasserblau, adj. et adv. der blauen Farbe des Wassers gleich.


Wasserbley (W3) [Adelung]


Das Wasserbley, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein thonartiges Mineral, welches ein leichter, schwarzgrauer, abfärbender Glimmer ist, woraus Bleystifte und Schmelztiegel verfertiget werden; Molybdaena, Reißbley, Bleyschweif.


Wasserblüthe (W3) [Adelung]


Die Wasserblüthe, plur. inus. an einigen Orten ein Nahme des Wasserpfeffers, Polygonum hydropiper L.


Wasserbogen (W3) [Adelung]


Der Wasserbogen, des -s, plur. die -bögen, in den Wasserkünsten, eine Art Springwassers, wo das Wasser in Bögen springet.


Wasserbohne (W3) [Adelung]


Die Wasserbohne, plur. die -n, bey einigen ein Nahme eines ausländischen Wassergewächses, welches das Arum Colocasia L. seyn soll.


Wasserbort (W3) [Adelung]


Der Wasserbort, des -es, plur. die -e, auf den Schiffen, ein Bort längs dem Verdecke inwendig um das Schiff, mit Öffnungen oder Speygatten, das Wasser von dem Verdecke abzuleiten.


Wasserbrey (W3) [Adelung]


Der Wasserbrey, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein einfacher Brey von Mehl und Wasser.


Wasserbruch (W3) [Adelung]


Der Wasserbruch, des -es, plur. die -brüche. 1. In der Seefahrt, eine Untiefe im Meere, wo sich die Wellen brechen und schäumen, dergleichen auch eine Brandung genannt wird. 2. An dem menschlichen Leibe, eine Art des Bruches, Hernia, wo der dadurch verursachte Sack mit Wasser angefüllet ist, Hydrocele, Hernia aquosa.


Wasserbühne (W3) [Adelung]


Die Wasserbühne, plur. die -n, im Bergbaue, eine Bühne, d. i. ein Zimmerwerk, worein die Grubenwasser geleitet, und aus demselben durch Gerinne abgeführet werden.


Wasserbunge (W3) [Adelung]


Die Wasserbunge, plur. inus. an einigen Orten, ein Nahme der Bachbunge, Veronica Beccabunga und aquatica L. S. Bachbunge.


Wasserdamm (W3) [Adelung]


Der Wasserdamm, des -es, plur. die -dämme, ein Damm, welcher zur Abhaltung des Wassers geführet, und in Niederdeutschland ein Deich genannt wird.


Wasserdampf (W3) [Adelung]


Der Wasserdampf, des -es, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -dämpfe, der Dampf von siedendem Wasser.


Wasserdeich (W3) [Adelung]


Der Wasserdeich, des -es, plur. die -e, in Niederdeutschland, ein Deich, d. i. Damm, welcher kein Vorland, sondern zu allen Zeiten Wasser vor sich hat, und daher auch Gefahrdeich genannt wird.


Wasserdicht (W3) [Adelung]


Wasserdicht, adj. et adv. so dicht, daß kein Wasser durchdringt. So ist z. B. ein Damm wasserdicht, wenn er kein Wasser durchläßt.


Wasserdiele (W3) [Adelung]


Die Wasserdiele, plur. die -n, von dem Nieders. Diele, ein Bret an den Schiffen, ein Theil des Steuerruders, welcher aus einem starken Brete von 21 Schuh lang bestehet, und worauf die Standdiele ruhet.


Wasserdistel (W3) [Adelung]


Die Wasserdistel, plur. die -n, eine Art Disteln, welche an feuchten Orten wachsen.


Wasserdost (W3) [Adelung]


Der Wasserdost, des -es, plur. inus. eine dem Doste ähnliche Pflanze, welche in feuchten Gegenden wächset, Hirschklee, Eupatorium cannabinum L. welcher auch Wasserhanf, Wasserdürrwurz, und Wassersternkraut genannt wird.


Wasserdürrwurz (W3) [Adelung]


Die Wasserdürrwurz, plur. car. S. Wasserdost.


Wassereiche (W3) [Adelung]


Die Wassereiche, S. Wasseraiche.


Wassereidechse (W3) [Adelung]


Die Wassereidechse, plur. die -n, eine Art giftiger Eidechsen, welche sich im Wasser auf halten, zum Unterschiede von den Erd- oder Landeidechsen.


Wassereimer (W3) [Adelung]


Der Wassereimer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Eimer, Wasser damit zu schöpfen.


Wasserfall (W3) [Adelung]


Der Wasserfall, des -es, plur. die -fälle. 1. Ohne Plural, der Zustand, da das Wasser aus der Höhe in die Tiefe fällt. So wird im Bergbaue der Fall des Wassers aus dem Gerinne auf das Rad der Wasserfall genannt. Am häufigsten und mit dem Plural, ein Ort, wo sich das Wasser von einer jähen Höhe in die Tiefe ergießet.


Wasserfarbe (W3) [Adelung]


Die Wasserfarbe, plur. die -n. 1. Die dem Wasser eigenthümliche Farbe, ohne Plural. 2. Ein Farbenkörper, welcher mit Wasser aufgetragen wird; im Gegensatze der Öhlfarben, mit dem Plural. Mit Wasserfarben mahlen.


Wasserfarbig (W3) [Adelung]


Wasserfarbig, adj. et adv. der eigenthümlichen Farbe des Wassers ähnlich.


Wasserfaß (W3) [Adelung]


Das Wasserfaß, des -sses, plur. die -fässer. 1. Ein Faß, Wasser darin zuzuführen, oder aufzubehalten. 2. Bey den Feuerwerkern, ein mit Wasserkugeln und Schwärmern angefülltes Faß, welche es, indem es auf dem Wasser schwimmet, auswirft.


Wasserfeder (W3) [Adelung]


Die Wasserfeder, plur. die -n, der Nahme eine Wasserpflanze, welche theils in dem mitternächtigen Europa, theils in Ostindien einheimisch ist, Stratiotes L.


Wasserfenchel (W3) [Adelung]


Der Wasserfenchel, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. eine dem Fenchel ähnliche Pflanze, welche im Wasser wächset, Phellandrium L. Pferdesamen.


Wasserfeuer (W3) [Adelung]


Das Wasserfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Feuerwerkern, ein künstliches Feuer, welches auf dem Wasser brennet, zum Unterschiede von einem Erdfeuer.


Wasserfeuerwerk (W3) [Adelung]


Das Wasserfeuerwerk, des -es, plur. die -e, ein Feuerwerk, welches auf dem Wasser abgebrannt wird.


Wasserfläche (W3) [Adelung]


Die Wasserfläche, plur. die -n, die Oberfläche eines Wassers.


Wasserflachs (W3) [Adelung]


Der Wasserflachs, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme einer Art Schafgarbe, welche in dem Wasser wächset. S. Wassergarbe.


Wasserflasche (W3) [Adelung]


Die Wasserflasche, plur. die -n, eine Flasche zum Wasser, Wasser darein zu füllen, oder bey sich zu tragen.


Wasserflieder (W3) [Adelung]


Der Wasserflieder, S. Wasserhohlunder.


Wasserfloh (W3) [Adelung]


Der Wasserfloh, des -es, plur. die -flöhe, ein dem Flohe ähnliches springendes Insect, welches sich auf dem Wasser aufhält.


Wasserfluth (W3) [Adelung]


Die Wasserfluth, plur. die -en, eine große Überschwemmung, welche von dem Wasser verursacht wird.


Wasserfrohne (W3) [Adelung]


Die Wasserfrohne, plur. die -n, Frohnen oder Frohndienste, welche bey Wassermühlen, Dämmen, Deichen und andern Wasserarbeiten geleistet werden.


Wasserfrosch (W3) [Adelung]


Der Wasserfrosch, des -es, plur. die -frösche, Frösche, welche sich in dem Wasser aufhalten, zum Unterschiede von den Baum- oder Laubfröschen.


Wasserfurche (W3) [Adelung]


Die Wasserfurche, plur. die -n, Furchen, welche zur Ableitung des überflüßigen Wassers mit dem Pfluge auf den Äckern gezogen werden; in einigen Gegenden Strauchrinnen.


Wassergalle (W3) [Adelung]


Die Wassergalle, plur. die -n. 1. Ein Stück von einem Regenbogen am Himmel, ein unvollkommener Regenbogen, von welchem nur ein Theil sichtbar ist; auch Regengalle. 2. Nasse Adern auf den Äckern, in der Landwirthschaft; Ackergallen. 3. In einigen Gegenden wird auch ein Gerstenkorn am Auge, so lange es noch wässerig ist, eine Wassergalle genannt.


Wasser-Gallerie (W3) [Adelung]


Die Wasser-Gallerie, plur. die -n, in den Gärten, eine Gallerie, d. i. ein Gang, der auf beyden Seiten mit Wasserkünsten versehen ist.


Wassergällig (W3) [Adelung]


Wassergällig, adj. et adv. Wassergallen in der zweyten Bedeutung habend, von Wasserquellen morastig.


Wassergang (W3) [Adelung]


Der Wassergang, des -es, plur. die -gänge, eine jede Vertiefung, Wasser dadurch abzuleiten, eine Abzucht, Wasserleitung.


Wassergarbe (W3) [Adelung]


Die Wassergarbe, plur. die -n. Eine Art Schafgarbe, welche im Wasser wächset. 2. In den Wasserkünsten, ein Springwasser, wo das Wasser in vielen vereinigten Strahlen in Gestalt einer Garbe springt.


Wassergauchheil (W3) [Adelung]


Das Wassergauchheil, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme der Bachbunge, Veronica anagallis Linn.


Wassergefäß (W3) [Adelung]


Das Wassergefäß, des -es, plur. die -e. 1. Ein jedes Gefäß, Wasser darin zu hohlen oder aufzubehalten. 2. In der Anatomie sind die Wassergefäße zarte Röhren, den übrigen Theilen des Leibes, und besonders dem Blute, das nöthige Wasser zuzuführen, Vasa lymphatica.


Wassergeflügel (W3) [Adelung]


Das Wassergeflügel, des -s, plur. car. ein Collectivum, Wasservögel zu bezeichnen, zum Unterschiede von dem Landgeflügel.


Wassergeld (W3) [Adelung]


Das Wassergeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, im Bergbaue, eine Abgabe, welche eine Grube von der andern erhält, wenn sie ihre Wasser mit abführet; die Wassersteuer.


Wassergerechtigkeit (W3) [Adelung]


Die Wassergerechtigkeit, plur. die -en, eine Gerechtigkeit oder Recht, welches jemanden auf einem Wasser zustehet; z. B. das Recht zu fischen.


Wassergericht (W3) [Adelung]


Das Wassergericht, des -es, plur. die -e, ein Gericht, welches über Streitigkeiten erkennet, welche über fließende Wasser entstehen.


Wassergerinne (W3) [Adelung]


Das Wassergerinne, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gerinne, d. i. ausgezimmerter Canal, Wasser darin an einen bestimmten Ort zu leiten.


Wassergeschwulst (W3) [Adelung]


Die Wassergeschwulst, plur. doch seltener, die -en, eine mit Wasser angefüllte Geschwulst, Oedema.


Wassergewicht (W3) [Adelung]


Das Wassergewicht, des -es, plur. die -e, in den Salzwerken, dasjenige Wasser in dem Gefäße, welches zu dem Sohlengewichte der Salzproben hinzu gethan wird.


Wassergewächs (W3) [Adelung]


Das Wassergewächs, des -es, plur. die -e, ein jedes Gewächs, welches im Wasser oder an sumpfigen Orten einheimisch ist.


Wasserglas (W3) [Adelung]


Das Wasserglas, des -es, plur. die -gläser, ein Glas, Wasser daraus zu trinken, zum Unterschiede von einem Bier- oder Weinglase.


Wassergöpel (W3) [Adelung]


Der Wassergöpel, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Göpel, welcher von dem Wasser getrieben wird, zum Unterschiede von einem Pferdegöpel, S. Göpel.


Wassergott (W3) [Adelung]


Der Wassergott, des -es, plur. die -götter, Fämin. die Wassergöttinn, in der Mythologie der Alten, eine Gottheit, welche das Wasser beherrscht.


Wassergraben (W3) [Adelung]


Der Wassergraben, des -s, plur. die -gräben. 1. Ein Graben, das Wasser vermittelst desselben abzuleiten. 2. Ein mit Wasser angefüllter Graben, z. B. im Festungsbaue, zum Unterschiede von einem trocknen Graben.


Wassergraf (W3) [Adelung]


Der Wassergraf, des -en, plur. die -en, in einigen Gegenden, z. B. im Öttingischen, die Beysitzer in einem Wassergerichte, welche aus geschwornen Wassermüllern bestehen.


Wassergras (W3) [Adelung]


Das Wassergras, des -es, plur. die -gräser, ein grasartiges Gewächs, welches in dem Wasser wächset, Riethgras, siehe dieses Wort.


Wasserhahnenfuß (W3) [Adelung]


Der Wasserhahnenfuß, des -es, plur. inus. eine Art Hahnenfuß, welche in dem Wasser wächset, Ranunculus aquatilis Linn.


Wasserhalter (W3) [Adelung]


Der Wasserhalter, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, Arbeiter, welche das Wasser halten, d. i. mit Tonnen aus den Schächten und Gesenken ziehen.


Wasserhälter (W3) [Adelung]


Der Wasserhälter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Behältniß, Wasser darin zu sammeln und aufzubehalten; in manchen Fällen auch ein Wasserschatz.


Wasserhanf (W3) [Adelung]


Der Wasserhanf, des -es, plur. inus. S. Wasserdost.


Wasserharnisch (W3) [Adelung]


Der Wasserharnisch, des -es, plur. die -e, ein leichter, wasserdichter Harnisch, sich desselben im Wasser zu bedienen.


Wasserhart (W3) [Adelung]


Wasserhart, adj. et adv. bey einigen Handwerkern, z. B. den Töpfern, nicht härter, als die bloße Ausdünstung des Wassers den Thon macht. So heißen der Thon und thönerne Gefäße wasserhart, wenn sie an der Luft so fest getrocknet sind, daß man sie ohne Schaden angreifen kann.


Wasserhohlunder,Wasserholder (W3) [Adelung]


Der Wasserhohlunder, oder Wasserholder, des -s, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Mehl- oder Schlingbaumes, viburnum Opulus Linn. welcher auch Hirschholder genannt wird. Im Nieders. Wasserflieder. Auch ein Nahme der Mistel, Viscum Linn.


Wasserhose (W3) [Adelung]


Die Wasserhose, plur. die -n, eine Lufterscheinung, da ein Wirbelwind die Theile einer Wolke so nahe aneinander preßt, daß sie schnell in Wasser verwandelt wird, welches plötzlich herunter fällt, und im Herunterfallen von dem Wirbelwinde in einem Kreise herum getrieben wird; die Meerhose, S. 1. Hose.


Wasserhufe (W3) [Adelung]


Die Wasserhufe, plur. die -n, in einigen Gegenden, z. B. in der Mark Brandenburg, eine Abtheilung des Fischwassers nach Hufen, nach welcher die Fischer die Steuer davon entrichten.


Wasserhuhn (W3) [Adelung]


Das Wasserhuhn, des -es, plur. die -hühner. 1. Eine Art Wasservögel, welche den Hühnern gleichen, Fulica Klein. Das Blashuhn, Rohrhuhn, wohin auch der Meer- oder Wasserteufel gehöret, ( S. Bläßhuhn.) 2. Auch eine Art Sandläufer, welche wegen ihrer rothen Füße auch das Rothfüßchen genannt wird, Glarcola Klein.


Wasserhülse (W3) [Adelung]


Die Wasserhülse, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Maserle, S. dieses Wort.


Wasserhund (W3) [Adelung]


Der Wasserhund, des -es, plur. die -e. 1. Ein Hund, welcher abgerichtet ist, in das Wasser zu gehen, und was auf demselben geschossen worden, heraus zu hohlen; der Schießhund. 2. Im Bergbaue, eine kleine Pumpe, die das Wasser auf die Kunsträder hebt.


Wässerig (W3) [Adelung]


Wässerig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Mit Wasser angefüllt, nur in der im gemeinen Leben üblichen figürlichen R. A. jemanden den Mund (das Maul) nach etwas wässerig machen, ihm Be- gierde darnach erwecken, ( S. Wässern.) 2. Viel Wasser enthaltend. Der Wein ist wässerig, wenn er mehr Wasser als Geist hat. Ein wässeriges Geblüt haben. Wässeriger Natur seyn, feuchter. Ein wässeriger Boden, feuchter, sumpfiger. Wässerige Lufterscheinungen, zum Unterschiede von den luftigen glänzenden und feurigen. Figürlich ist wässerig ein Fehler des Styles, und besonders des poetischen, wenn ein Vortrag weitschweifig ist, und dabey weder Kraft noch Nachdruck hat; im Gegensatze des feurigen.


Wasserjagd (W3) [Adelung]


Die Wasserjagd, plur. die -en. 1. Eine Jagd, wobey das Wild durch ein Wasser getrieben wird. 2. Bey den Jägern auch wohl Wassergeflügel, im Gegensatze der Feldjagd, in welchem Falle es aber keinen Plural leidet. Es gibt hier viel Wasserjagd, Wassergeflügel.


Wasserkanne (W3) [Adelung]


Die Wasserkanne, plur. die -n, eine Kanne, Wasser darin zu hohlen, oder auch daraus zu trinken; zum Unterschiede von einer Bierkanne, Weinkanne.


Wasserkasten (W3) [Adelung]


Der Wasserkasten, des -s, plur. ut nom. sing. überhaupt ein mit Wasser gefüllter, oder zum Wasser bestimmter Kasten; z. B. die viereckten Kasten an einer Hebel-Maschine im Bergbaue, welche das Wasser schöpfen und ausgießen. Zuweilen führen auch große ausgezimmerte oder mit Steinen ausgesetzte Wasserbehälter diesen Nahmen.


Wasserkegel (W3) [Adelung]


Der Wasserkegel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Feuerwerkern, mit Schwärmern oder Racketen gefüllte Hülsen in Gestalt eines Kegels, welche auf dem Wasser abgebrannt werden.


Wasserkerze (W3) [Adelung]


Die Wasserkerze, plur. die -n, in den Wasserkünsten, viele Wasserstrahlen in einer Linie, in Gestalt der Kerzen.


Wasserkessel (W3) [Adelung]


Der Wasserkessel, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Kessel, Wasser darin zu sieden. 2. Oft auch ein Wasserhälter, welcher die Gestalt eines Kessels hat.


Wasserkies (W3) [Adelung]


Der Wasserkies, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein weißer arsenikalischer Kies, von einer glänzenden Farbe, welcher im Bergbaue gemeiniglich Mißpickel genannt wird.


Wasserkiste (W3) [Adelung]


Die Wasserkiste, plur. die -n, im Deichbaue, eine Kiste oder Abtheilung von Pfählen, wenn sie nicht auf dem Trocknen, sondern in dem Wasser, gemacht werden muß.


Wasserkitt (W3) [Adelung]


Der Wasserkitt, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein Kitt von Eisenschlacken, Kies, Glas u. s. f. welcher in und unter dem Wasser hält.


Wasserklee (W3) [Adelung]


Der Wasserklee, des -s, plur. inus. an einigen Orten ein Nahme des Bitterklees, S. Fieberklee.


Wasserkluft (W3) [Adelung]


Die Wasserkluft, plur. die -klüfte, im Bergbaue, Klüfte, d. i. Höhlen in Ganggebirgen, welche mit Wasser angefüllet sind, zum Unterschiede von den Schmerklüften.


Wasserknecht (W3) [Adelung]


Der Wasserknecht, des -es, plur. die -e, geringe Arbeiter, so fern man sie zum Wasserschöpfen oder Tragen gebraucht, z. B. im Bergbaue. An manchen Orten führen auch die Röhrenknechte diesen Nahmen.


Wasserknoblauch (W3) [Adelung]


Der Wasserknoblauch, S. Lachenknoblauch.


Wasserkolbe (W3) [Adelung]


Die Wasserkolbe, plur. die -n, ein Wassergewächs, welches seine Blumen in Gestalt rauher Kolben bringet, Rohrkolbe Typha Linn.


Wasserkopf (W3) [Adelung]


Der Wasserkopf, des -es, plur. die -köpfe, ein von widernatürlicher Anhäufung wässerige Feuchtigkeiten ungewöhnlich aufgetriebener Kopf, Hydrocephalus; eine Folge der Kopfwassersucht.


Wasserkraut (W3) [Adelung]


Das Wasserkraut, des -es, plur. die -kräuter, ein jedes Kraut, welches gern in und an dem Wasser wächset.


Wasserkresse (W3) [Adelung]


Die Wasserkresse, plur. inus. eine Art Kresse, welche gern in fließenden Wassern wächset, so wohl die Brunnenkresse, Sisymbrium Nastorium, als auch der Wasserrettig, Sisymbrium aquaticum Linn.


Wasserkropf (W3) [Adelung]


Der Wasserkropf, des -es, plur. die -kröpfe, Kröpfe, d. i. große, mit Wasser gefüllte Beulen, welche das Rindvieh und die Schafe zuweilen von allzu nassem Futter bekommen.


Wasserkröte (W3) [Adelung]


Die Wasserkröte, plur. die -n, eine Art Kröten, welche ihre Eyer in das Wasser legt, zum Unterschiede von den Erd- oder Feldkröten.


Wasserkrystall (W3) [Adelung]


Der Wasserkrystall, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein Nahme des gewöhnlichen Bergkrystalles, wegen seiner dem Wasser gleichen Heile.


Wasserkuh (W3) [Adelung]


Die Wasserkuh, S. Seekuh.


Wasserkugel (W3) [Adelung]


Die Wasserkugel, plur. die -n. 1. Bey den Feuerwerkern, gefüllte Luftkugeln, welche auf dem Wasser abgebrannt werden. 2. Die Erdkugel, so fern sie dem größten Theile nach mit Wasser umgeben ist.


Wasserkunst (W3) [Adelung]


Die Wasserkunst, plur. die -künste. 1. Eine Anstalt, wo das Wasser durch die Kunst gehoben wird, um es hernach an einen beliebigen Ort zu leiten. 2. Eine Anstalt, wo das Wasser durch die Kunst in verschiedenen Gestalten zu springen genöthiget wird. Jene wird eine stehende, diese aber eine springende Wasserkunst genannt.


Wasserlache (W3) [Adelung]


Die Wasserlache, plur. die -n, ein von dem Wasser auf den Wiesen ausgewühltes Loch; ehedem die Wonne (Wuhne), Arabisch Wuhonin.


Wasserlanze (W3) [Adelung]


Die Wasserlanze, plur. die -n, in den Wasserkünsten, ein schwacher Wasserstrahl, welcher zu einer beträchtlichen Höhe steigt.


Wasserlaub (W3) [Adelung]


Das Wasserlaub, des -es, plur. die -e, obgleich Laub sonst keinen Plural verträgt, bey den Schlössern, Verzierungen, in Gestalt des Laubes, mit gewässerten, d. i. wellenförmig gearbeiteten, Vertiefungen.


Wasserlauch (W3) [Adelung]


Der Wasserlauch, des -es, plur. inus. ein Nahme des Lachenknoblauches, Teucrium Scordium Linn.


Wasserlauf (W3) [Adelung]


Der Wasserlauf, des -es, plur. die -läufe, in manchen Fällen, z. B. im Bergbaue, ein Canal oder Graben.


Wasserläufer (W3) [Adelung]


Der Wasserläufer, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine Art Wasservögel, welche zu den Rallen gehören, und nicht allein über die Blätter der Seeblumen, sondern auch über das Wasser selbst weglaufen, Rallus aquaticus Klein. der schwarze Wassertreter. 2. Im Bergbaue, ein Gang, welcher nur in dem Gehänge des Gebirges bleibt, und weniges Erz führet.


Wasserlaus (W3) [Adelung]


Die Wasserlaus, plur. die -läuse, ein lang geschwänztes Insect, welches sich in dem Wasser aufhält, und auch die Wasserwanze genannt wird.


Wasserleim (W3) [Adelung]


Der Wasserleim, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des Vogelleimes, S. dieses Wort.


Wasserleitung (W3) [Adelung]


Die Wasserleitung, plur. die -en. 1. Die Kunst, die Wasser auf eine geschickte Art an einen bestimmten Ort zu leiten; ohne Plural. 2. Eine Anstalt, wo das Wasser durch die Kunst an einen bestimmten Ort geleitet wird. Am häufigsten gebraucht man dieses Wort von großen und kostbaren Anstalten dieser Art, wo das Wasser durch Röhren an einen Ort geleitet wird, Lateinisch Aquaeductus.


Wasserley (W3) [Adelung]


Wasserley, S. Waserley.


Wasserlinde (W3) [Adelung]


Die Wasserlinde, plur. die -n, eine Art Linde, welche an feuchten Orten wächset, zum Unterschiede von der Sandlinde.


Wasserlinie (W3) [Adelung]


Die Wasserlinie, plur. die -n, eine Linie, oder ein Streif außen an dem Schiffe, welcher zeiget, wie tief es in das Wasser gehen muß und kann, wornach denn die Ladung eingerichtet werden muß.


Wasserlinsen (W3) [Adelung]


Die Wasserlinsen, sing. inus. ein Wassergewächs, welches einige Ähnlichkeit mit den Linsen hat, und weil es eine angenehme Speise der Änten ist, auch Äntengrün oder Äntengrütze genannt wird, Lemna Linn. Meerlinsen, Wassermoos.


Wasserloch (W3) [Adelung]


Das Wasserloch, des -es, plur. die -löcher, im Bergbaue, eine Zeche, welche Noth vom Wasser leidet.


Wasserlösung (W3) [Adelung]


Die Wasserlösung, plur. die -en, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, ein Graben, durch welchen das Wasser gelöset, d. i. abgeleitet wird; im Oberdeutschen eine Abzucht.


Wasserlotte (W3) [Adelung]


Die Wasserlotte, plur. die -n, im Bergbaue, eine viereckte Rinne von Bretern, welche das Wasser durch einen Schacht in die Grubengebäude führt. S. Lotte.


Wasserlücke (W3) [Adelung]


Die Wasserlücke, plur. die -n, in der Landwirthschaft, Lücken, welche die alten Schafe in den Zähnen zu bekommen pflegen.


Wassermahlerey (W3) [Adelung]


Die Wassermahlerey, plur. die -en. 1. Die Kunst, mit Wasserfarben zu mahlen; ohne Plural. 2. Mit Wasserfarben gemahlte Gemählde.


Wassermann (W3) [Adelung]


Der Wassermann, des -es, plur. inus. der Nahme eines der zwölf Zeichen des Thierkreises, welches in der Gestalt eines Tritons mit seiner Urne abgebildet wird; Lat. Aquarius.


Wassermaß (W3) [Adelung]


Das Wassermaß, des -es, plur. die -e. 1. Ein jedes körperliches Maß, Wasser damit zu messen. 2. Ein besonders Maß, die Quantität des Röhrwassers zu messen, S. Wasseraiche.


Wassermauer (W3) [Adelung]


Die Wassermauer, plur. die -n, eine in dem Wasser aufgeführte Mauer, z. B. zu Befestigung steiler Ufer.


Wassermaus (W3) [Adelung]


Die Wassermaus, plur. die -mäuse, eine Art Feldmäuse, welche sich in sumpfigen Gegenden aufhält, und auch die Wasserratze genannt wird.


Wassermelone (W3) [Adelung]


Die Wassermelone, plur. die -n, eine Art sehr saftiger Melonen, welche in dem südlichen Europa einheimisch ist, Cucumis Anguria Linn. Angurien.


Wassermerk (W3) [Adelung]


Der Wassermerk, des -es, plur. die -e, ein Gewächs, welches in sumpfigen Gegenden wächset, und auch Wasseräppich, Wasserpetersilie genannt wird, Sium Linn.


Wassermerle (W3) [Adelung]


Die Wassermerle, plur. die -n, S. Wasseramsel.


Wassermolch (W3) [Adelung]


Der Wassermolch, des -es, plur. die -e, eine Art Molche oder Salamander, welche sich im Wasser aufhält; der Wasser-Salamander.


Wassermönch (W3) [Adelung]


Der Wassermönch, des -es, plur. die -e, der senkrechte Zapfen in dem Ablasse eines Teiches, und auch wohl der ganze Ablaß selbst, mit der dazu gehörigen Rinne, S. 1. Mönch.


Wassermoos (W3) [Adelung]


Das Wassermoos, des -es, plur. inus. S. Wasserlinsen.


Wassermörser (W3) [Adelung]


Der Wassermörser, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Feuerwerkern, hölzerne Mörser, Wasser-Racketen, Schwärmer und andere Wasserfeuer daraus zu werfen.


Wassermost (W3) [Adelung]


Der Wassermost, des -es, plur. inus. die schwächere und geringere Art Mostes, besonders Obstmostes, welche man erhält, wenn man auf die bereits ausgepreßten Treber Wasser gießet, und sie nochmahls presset; in den gemeinen Sprecharten Lauer.


Wassermotte (W3) [Adelung]


Die Wassermotte, plur. die -n, eine Art Motten oder Nachtvögel, welche sich Abends an den Wassern aufhält, Phrygaena Linn. der Wasser-Papilion, die Frühlingsfliege, siehe das letztere.


Wassermücke (W3) [Adelung]


Die Wassermücke, plur. die -n, eine Art kleiner Mücken, welche sich im Wasser erzeugen, und sich häufig am Wasser sehen lassen.


Wassermühle (W3) [Adelung]


Die Wassermühle, plur. die -n, eine Mühle, welche von dem Wasser getrieben wird, zum Unterschiede von den Windmühlen, Roßmühlen u. s. f. Im engern Verstande ist es eine von dem Wasser getriebene Mahl- oder Getreidemühle.


Wassermüller (W3) [Adelung]


Der Wassermüller, des -s, plur. ut nom. sing. der Inhaber einer Wassermühle, besonders einer solchen Getreidemühle.


Wassermünze (W3) [Adelung]


Die Wassermünze, plur. inus. verschiedene Arten von Münzen, welche in Wasser wachsen, wohin die Mentha aquatica, palustris und hirsuta Linn. gehören; auch Wasser Nept.


Wassermuß (W3) [Adelung]


Das Wassermuß, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein von Mehl und Wasser gekochtes Muß, ohne alle fernere Zuthat; der Wasserbrey.


Wässern (W3) [Adelung]


Wässern, verb. reg. welches auf doppelte Art üblich ist. 1. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben. (1) Sein Wasser lassen, doch nur bey den Jägern, besonders von wilden Thieren, welches auch feuchten und nässen genannt wird. Im Niedersächsischen ist watern gleichfalls sein Wasser abschlagen. 2. Der Mund wässert ihm, läuft ihm voll Wasser, am häufigsten im figürlichen Verstande, er bekommt ein lebhaftes Verlangen darnach. Das Maul wässert ihm bereits darnach, er wird darnach lüstern. ( S. Wässerig.) Opitz gebraucht dieses Verbum auf eine ungewöhnliche Art von den Zähnen. Die Zähne wässern ihm. 2. Als ein Activum. (1) Mit Wasser befeuchten, benetzen. So wässert man die Wiesen, wenn man sie unter Wasser setzt. Der Nil wässert Ägypten, befeuchtet es. Im figürlichen Verstande heißt es im Zachariä: Er saß bey vollen Fässern, Fern von des Herrn Geschrey, den dürren Hals zu wässern. (2) Mit Wasser vermischen, verdünnen. Den Wein, das Bier wässern. (3) In Wasser einweichen. Häringe, Stockfische, geräuchertes Fleisch, einen Braten u. s. f. wässern, welches oft bloß, wie z. B. bey frischem Fleische, in der Absicht des Waschens geschiehet. Flachs, Hanf wässern, im gemeinen Leben rösten, Nieders. röthen. Die Felle wässern, einweichen, bey den Gärbern. (4) Dem Wasser ähnlich machen. So werden manche Zeuge gewässert, wenn man sie anfeuchtet und presset, da sie denn einen der Wasserfläche ähnlichen Glanz bekommen, welches mit einem Französischen Worte auch moiren genannt wird. Die Schlösser wässern ihr Laubwerk von Eisen, wenn sie demselben am Rande eine wellenförmige Gestalt geben, S. Wasserlaub. So auch das Wassern und die Wässerung, doch letzteres nur in der ersten activen Bedeutung.


Wassernabel (W3) [Adelung]


Der Wassernabel, des -s, plur. die -näbel. 1. Der Nahme einer Wasserpflanze; Hydrocotyle Linn. 2. Die Heraustreibung des Nabels durch die Bauchwassersucht.


Wassernadel (W3) [Adelung]


Die Wassernadel, plur. die -n, ein Werkzeug von Weiden- oder Erlenholz, in Gestalt einer Magnet-Nadel, welches unter der Erde verborgene Quellen und Wasseradern anzeigen soll.


Wasser-Nept (W3) [Adelung]


Der Wasser-Nept, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme der Wassermünze, ( S. dieses Wort.) Nept ist hier aus dem Lat. Nepeta verderbt.


Wassernix (W3) [Adelung]


Der Wassernix, des -es, plur. die -e, ein erdichtetes Wassergespenst, welches auch nur der Nix schlechthin genannt wird, S. dieses Wort.


Wassernöthig (W3) [Adelung]


Wassernöthig, -er, -ste, adj. et adv. Noth von vielem Wasser leidend, ein nur im Bergbaue übliches Wort, wo eine wassernöthige Zeche eine solche ist, wo man durch das viele Wasser an der Arbeit gehindert wird.


Wassernuß (W3) [Adelung]


Die Wassernuß, plur. die -nüsse, die eßbare Frucht eines Wassergewächses, welche den Geschmack und die Gestalt einer Nuß hat, Trapa Linn. die Stachelnuß, Spitznuß.


Wasser-Nymphe (W3) [Adelung]


Die Wasser-Nymphe, plur. die -n. 1. In der Mythologie der Alten, Nymphen, welche sich in den Wassern aufhalten. 2. Eine Art Insecten, welche die größte Libella ist, und im gemei- nen Leben auch Jungfer, Heupferd und Schillebold genannt wird, S. die beyden ersten dieser Wörter.


Wasser-Papilion (W3) [Adelung]


Der Wasser-Papilion, des -s, plur. ut nom. sing. S. Wassermotte.


Wasserpaß (W3) [Adelung]


Wasserpaß, adj. et adv. welches vornehmlich in Niedersachsen üblich ist, mit der Oberfläche des still stehenden Wassers parallel, d. i. horizontal, wofür im Hochdeutschen wagerecht üblich ist. S. Paß, das Adverb.


Wasserpaß (W3) [Adelung]


Der Wasserpaß, des -es, plur. die -e. 1. In einigen Salzwerken, das Gewicht des Gefäßes mit süßem Wasser, gegen welches bey dem Probieren der Sohle eben so viele Sohle abgewogen wird, ( S. 1. Paß). 2. Im Nieders. ein Nahme der Wasserwage.


Wasserperle (W3) [Adelung]


Die Wasserperle, plur. die -n, eine Benennung der unechten oder nach gemachten Perlen, zum Unterschiede von den echten oder orientalischen.


Wasserpetersilie (W3) [Adelung]


Die Wasserpetersilie, plur. inus. S. Wassermerk.


Wasserpfanne (W3) [Adelung]


Die Wasserpfanne, plur. die -n, eine Pfanne, Wasser darin zu sieden: In den Vitriol-Werken ist es diejenige Pfanne, worin die erste Lange gesotten wird.


Wasserpfeffer (W3) [Adelung]


Der Wasserpfeffer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme des Flöhkrautes, Polygonum hydropiper L. S. Flöhkraut.


Wasserpflanze (W3) [Adelung]


Die Wasserpflanze, plur. die -n, eine Pflanze, welche im Wasser wächset.


Wasserpflug (W3) [Adelung]


Der Wasserpflug, des -es, plur. die -pflüge, ein Pflug, damit unter dem Wasser zu pflügen, z. B. den Grund eines Canales oder Grabens damit aufzulockern.


Wasserpfrieme (W3) [Adelung]


Die Wasserpfrieme, plur. inus. der Nahme einer Wasserpflanze, welche im mitternächtlichen Europa einheimisch ist, Subularia L.


Wasserplatz (W3) [Adelung]


Der Wasserplatz, des -es, plur. die -plätze, in der Seefahrt, ein bequemer Platz an der Küste, wo sich ein Schiff mit süßem Wasser versorgt.


Wasserpocke (W3) [Adelung]


Die Wasserpocke, plur. die -n, S. Wasserblatter.


Wasserprobe (W3) [Adelung]


Die Wasserprobe, plur. die -n, die Probe, welche mit einer Sache in dem Wasser, und vermittelst desselben angestellet wird. So bestehet die Wasserprobe der Metalle darin, daß man sie unter dem Wasser wieget. In den mittlern Zeiten bestand die Wasserprobe eines Beklagten, der das Verbrechen läugnete, darin, daß er entweder einen Stein aus siedendem Wasser heraus langen mußte, oder an Händen und Füßen gebunden in einen Fluß geworfen ward. Da die letzte Art bey den so genannten Hexen noch am längsten beybehalten worden, so wird sie auch die Hexenprobe genannt.


Wasserpumpe (W3) [Adelung]


Die Wasserpumpe, plur. die -n, eine Pumpe, damit Wasser zu pumpen, zum Unterschiede von einer Luftpumpe.


Wasserpürsche (W3) [Adelung]


Die Wasserpürsche, plur. die -n, das Pürschen oder Schießen des Wassergeflügels auf dem Wasser.


Wasserquelle (W3) [Adelung]


Die Wasserquelle, plur. die -n, eine Quelle, welche Wasser gibt, und welche am häufigsten Quelle schlechthin genannt wird.


Wasserrabe (W3) [Adelung]


Der Wasserrabe, des -n, plur. die -n, eine Art, großer schwarzer Taucher, Pelecanus Carbo L. Schlingrabe, Seerabe.


Wasserrad (W3) [Adelung]


Das Wasserrad, des -es, plur. die -räder, in den Wassermühlen und Wasserkünsten, dasjenige Rad, welches unmittelbar von dem Wasser getrieben wird, und entweder oberschlächtig oder unterschlächtig ist.


Wasser-Rackete (W3) [Adelung]


Die Wasser-Rackete, plur. die -n, bey den Feuerwerkern, Racketen, welche auf oder unter dem Wasser brennen.


Wasserrand (W3) [Adelung]


Der Wasserrand, des -es, plur. die -ränder, der Rand eines Schiffes, außerhalb des Wassers, welcher durch die Wasserlinie bestimmt wird.


Wasserratze (W3) [Adelung]


Die Wasserratze, plur. die -n, eine Art großer Wassermäuse.


Wasserranke (W3) [Adelung]


Die Wasserranke, S. Wasserrettich.


Wasserrebe (W3) [Adelung]


Die Wasserrebe, plur. die -n, in dem Weinbaue, Reden oder Sprossen, welche von den Wasserwurzeln getrieben werden, und auch Grundreben heißen.


Wasserrecht (W3) [Adelung]


Das Wasserrecht, des -es, plur. die -e, das Recht, ein gewisses Wasser nach seinem Gefallen zu nutzen, oder zu leiten.


Wasser-Regal (W3) [Adelung]


Das Wasser-Regal, des -es, plur. die -e, das Wasserrecht, als ein Regal betrachtet.


Wasserrehe (W3) [Adelung]


Die Wasserrehe, plur. inus. diejenige Rehe, welche entstehet, wenn ein Pferd nach großer Erhitzung getränket; oder in das Wasser geritten wird; zum Unterschiede von der Futter- und Windrehe.


Wasserreich (W3) [Adelung]


Wasserreich, -er, -ste, adj. et adv. reich an Wasser, vieles Wasser habend. Ein wasserreiches Land.


Wasserreich (W3) [Adelung]


Das Wasserreich, des -es, plur. inus. das Wasser, mit seinen Bewohnern und Producten, als ein Naturreich betrachtet.


Wasserreif (W3) [Adelung]


Der Wasserreif, des -es, plur. die -e, diejenige Art des Reifes, wobey die Gegenstände mit gefrornem Wasser überzogen werden zum Unterschiede von dem Rauchreife.


Wasserreis (W3) [Adelung]


Das Wasserreis, des -es, plur. die -er, diejenigen Reiser an den Bäumen, welche zum Fruchttragen untauglich sind, und den übrigen Zweigen nur die Nahrung benehmen; Wasserschösse, Wasserschüsse.


Wasserreise (W3) [Adelung]


Die Wasserreise, plur. die -n. 1. Eine Reise zu Wasser, zum Unterschiede von einer Landreise. 2. Eine Reibe Röhren, so fern sie zur Wasserleitung dienen. Eine Wasserreise von thönernen Röhren.


Wasserrettich (W3) [Adelung]


Der Wasserrettich, des -es, plur. die -e, eine Art Ranke, welche im Wasser wächset, und dem Rettiche gleich; die Wasserranke, Wasserkresse, Nasiurtium Sisymbrium aquaricum L.


Wasserrinne (W3) [Adelung]


Die Wasserrinne, plur. die -n, eine Rinne, Wasser damit an einen Ort zu leiten.


Wasserriß (W3) [Adelung]


Der Wasserriß, des -es, plur. die -e, eine von dem Wasser in dem Erdboden, besonders in Anhöhen gerissene Vertiefung; im gemeinen Leben eine Schlucht.


Wasserritze (W3) [Adelung]


Die Wasserritze, plur. die -n, eine Ritze, durch welche das Wasser eindringet, z. B. in den Schiffen.


Wasserröhre (W3) [Adelung]


Die Wasserröhre, plur. die -n, eine jede Röhre, Wasser dadurch zu leiten.


Wasserrose (W3) [Adelung]


Die Wasserrose, plur. die -n, ein Nahme der See- oder Wasserblume, Nymphaea L.


Wasserroßschwanz (W3) [Adelung]


Der Wasserroßschwanz, des -es, plur. inus. eine Art des Roßschwanzes, welche im Wasser wächset, Equiselum palustre und fluviatile L.


Wasserrübe (W3) [Adelung]


Die Wasserrübe, plur. die -n, eine Art gemeiner weißer Rüben, welche dick oder knollig wachsen, und wässerig schmecken, Knollenrüben; zum Unterschiede von den Steckrüben.


Wassersack (W3) [Adelung]


Der Wassersack, des -es, plur. die -säcke, im Bergbaue. 1. Ein Ort, in der Grube, wohin das Wasser zusammen fließet, und welcher auch der Sumpf genannt wird. 2. Der Raum zwischen den Schaufeln eines Wasserrades.


Wasser-Salamander (W3) [Adelung]


Der Wasser-Salamander, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Salamander, welche sich im Wasser aufhält. S. Wassermolch.


Wassersalat (W3) [Adelung]


Der Wassersalat, des -es, plur. inus. ein dem Salate ähnliches Gewächs der wärmern Erdtheile, welches auf dem Wasser schwimmet, Pistia L.


Wassersand (W3) [Adelung]


Der Wassersand, des -es, plur. car. Sand aus fließenden Wassern, zum Unterschiede von demjenigen Sande, welcher auf und unter der Erde angetroffen wird; Wasserkies.


Wasser-Saphier (W3) [Adelung]


Der Wasser-Saphier, des -s, plur. die -e, ein Saphier, dessen Farbe der Farbe des Wassers gleicht.


Wassersäule (W3) [Adelung]


Die Wassersäule, plur. die -n. 1. Ein Nahme der Wasserhose, ( S. dieses Wort). 2. Der starke Strahl in einer Wasserkunst, welcher einer Säule gleicht. 3. Eine Masse Wasser von der Oberfläche an bis auf den Grund, so fern man selbige als eine Säule betrachtet; zum Unterschiede von der Luftsäule.


Wasserschabe (W3) [Adelung]


Die Wasserschabe, plur. die -n, eine Art Schaben oder Motten, welche sich an feuchten Orten aufhält; die Wassermotte.


Wasserschacht (W3) [Adelung]


Der Wasserschacht, des -es, plur. die -schächte, ein Schacht, durch welchen das Grubenwasser gehoben wird, der Kunstschacht; zum Unterschiede von dem Fahr- und Förderschachte.


Wasserschade (W3) [Adelung]


Der Wasserschade, des -ns, plur. die -schäden, der von dem Wasser verursachte Schaden.


Wasserschatz (W3) [Adelung]


Der Wasserschatz, des -es, plur. die -schätze. 1. Ein Schatz, d. i. großer und schätzbarer Vorrath von Wasser. 2. Bey den Wasserkünsten ist es derjenige Vorrath von Wasser, welcher durch Röhren in die Kunst, oder zu dem Springbrunnen geleitet wird.


Wasserschierling (W3) [Adelung]


Der Wasserschierling, des -es, plur. inus. die giftigste Art Schierling, welche an feuchten Orten wächset, Cicuta virosa L.


Wasserschiff (W3) [Adelung]


Das Wasserschiff, des -es, plur. die -e, S. Kamel 2.


Wasserschildkröte (W3) [Adelung]


Die Wasserschildkröte, plur. die -n, diejenige Art Schildkröten, welche sich in dem Wasser aufhält, zum Unterschiede von den Erd- und Landschildkröten.


Wasserschlacht (W3) [Adelung]


Die Wasserschlacht, plur. die -en. 1. Eine Schlacht auf dem Wasser, wofür doch Seetreffen üblicher ist. 2. Von Schlacht, ein geflochtener Damm, ist die Wasserschlacht, ein Damm von Buschwerk und Rasen, dem Einreissen des Wassers Einhalt zu thun.


Wasserschlange (W3) [Adelung]


Die Wasserschlange, plur. die -n, eine Art Schlangen, welche im Wasser lebt.


Wasserschlauch (W3) [Adelung]


Der Wasserschlauch, des -es, plur. inus. ein Wassergewächs, welches an den Wurzeln mit kleinen Schläuchen voll Wasser versehen ist, Vtricularia vulgaris L.


Wasserschloß (W3) [Adelung]


Das Wasserschloß, des -es, plur. die -schlösser. 1. Ein in das Wasser gebauetes Schloß. 2. An einigen Orten wird auch der Wasserthurm der Wasserkünste mit diesem Nahmen belegt.


Wasserschmiele (W3) [Adelung]


Die Wasserschmiele, plur. inus. eine Art Schmiele, welche an feuchten Orten wächset, Aira aquatica L.


Wasserschnecke (W3) [Adelung]


Die Wasserschnecke, plur. die -n. 1. Eine Art Schnecken mit zwey Hörnern, welche sich in dem Wasser aufhalten, zum Unterschiede von den Landschnecken. 2. Eine Maschine, das Wasser zu heben, S. Wasserschraube.


Wasserschnepfe (W3) [Adelung]


Die Wasserschnepfe, plur. die -n, eine Art Schnepfen, welche sich an sandigen Flüssen und Bächen aufhalten, und auch Pfuhlschnepfen genannt werden, zum Unterschiede von den Wald- und Moosschnepfen.


Wasserschoß (W3) [Adelung]


Der Wasserschoß, des -es, plur. die -e, S. Wasserreis.


Wasserschraube (W3) [Adelung]


Die Wasserschraube, plur. die -n, eine Maschine, welche aus einer um einen Cylinder geführten Schraube bestehet, das Wasser durch Umdrehung derselben in die Höhe zu winden; auch die Wasserschnecke, die Archimedische Schraube, weil Archimedes sie erfunden hat.


Wasserschuß (W3) [Adelung]


Der Wasserschuß, des -es, plur. die -schüsse, wie Wasserschoß, S. Wasserreis.


Wasserschwalbe (W3) [Adelung]


Die Wasserschwalbe, plur. die -n, diejenige Art Schwalben, welche sich an den steilen Ufern tiefe Löcher graben, und in denselben überwintern; die Erdschwalbe, Uferschwalbe, Sandschwalbe, Rheinschwalbe, Hirundo riparia K.


Wasserschwamm (W3) [Adelung]


Der Wasserschwamm, des -es, plur. die -schwämme, ein Schwamm, welcher in dem Wasser erzeuget wird, Conserva bullosa L. zum Unterschiede von den Erd- und Landschwämmen.


Wasserschwarm (W3) [Adelung]


Der Wasserschwarm, des -es, plur. die -schwärme, bey den Feuerwerkern, ein Lustfeuerwerk, in Gestalt eines Bienenschwarmes, welches auf dem Wasser brennet, und aus Wasserschwärmern bestehet.


Wasserschwärmer (W3) [Adelung]


Der Wasserschwärmer, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, Schwärmer, welche auf dem Wasser brennen.


Wasserschwere (W3) [Adelung]


Die Wasserschwere, plur. von mehrern Arten, die -n. 1. Die Schwere des Wassers. 2. Bey den Münzproben, das von dem Scheidewasser bey dem Golde zurückgelassene Silber, der Hinterhalt des Scheidewassers.


Wasserschwimmer (W3) [Adelung]


Der Wasserschwimmer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Nagelschmieden, die kleinste Art Schloßnägel, deren 1500 in einer Eyerschale auf dem Wasser schwimmen; Kammzwecken.


Wassersegel (W3) [Adelung]


Das Wassersegel, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Schiffen, ein Segel, welches man zuweilen von dem Hintertheile in das Wasser hänget, und vermittelst dessen der Strom oder die Fluth das Schiff treiben.


Wasserseige (W3) [Adelung]


Die Wasserseige, plur. die -n. 1. Bey den Bäckern, ein Kasten mit einem Boden von Draht, das Wasser von dem genetzten Weitzen abzuseigen; an einigen Orten, die Kunst. 2. Im Bergbaue, die Grundfläche des Stollens, worauf das Wasser abfließet.


Wasserseite (W3) [Adelung]


Die Wasserseite, plur. die -n, die nach dem Wasser gerichtete Seite.


Wassersenf (W3) [Adelung]


Der Wassersenf, des -es, plur. inus. ein Nahme der Wasserranke, Sisymbrium aquaticum L.


Wassersnoth (W3) [Adelung]


Die Wassersnoth, plur. car. Noth, welche aus reißenden oder übergetretenen Wassern bestehet.


Wasserspiegel (W3) [Adelung]


Der Wasserspiegel, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Im Bergbaue, u. s. f. die Oberfläche des Wassers, weil sie im Stande der Ruhe einem Spiegel gleichet. 2. Bey den Wasserfällen, die zusammen hangende und herabstürzende Fläche Wassers, aus eben derselben Ursache.


Wasserspiel (W3) [Adelung]


Das Wasserspiel, des -es, plur. die -e, Spielwerke, z. B. Orgeln, Figuren, u. s. f. welche von dem Wasser in Bewegung gesetzt werden.


Wasserspinne (W3) [Adelung]


Die Wasserspinne, plur. die -n, eine Art Spinnen, welche sich auf dem Wasser aufhält.


Wasserspritze (W3) [Adelung]


Die Wasserspritze, plur. die -n, eine Spritze, das Wasser an einen entfernten Ort zu treiben, welche, wenn sie zu Auslöschung des Feuers gebraucht wird, eine Feuerspritze heißt.


Wasserstahr (W3) [Adelung]


Der Wasserstahr, des -es, plur. die -e, ein dem Stahre ähnlicher seltener Vogel der nördlichen Gegenden, welcher von Wasser-Insecten lebt, und sich oft tief unter das Wasser taucht, ob er gleich keine Schwimmfüße hat, Sturnus Cinclus L. S. Wasseramsel.


Wasserstand (W3) [Adelung]


Der Wasserstand, des -es, plur. inus. der Stand, d. i. die Höhe des Wassers in einem Flusse oder See.


Wasserständer (W3) [Adelung]


Der Wasserständer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ständer, d. i. stehendes Gefäß, (zum Unterschiede von einem tragbaren,) Wasser darin im Vorrath zu halten.


Wasserstein (W3) [Adelung]


Der Wasserstein, des -es, plur. die -e. 1. Ein Gränzstein, welcher die Gränzen in den Flüssen, Bächen und Fischwas sern bezeichnet. 2. An einigen Orten wird der Gußstein in den Küchen und ein jedes steinernes Behältniß, durch welches Unreinigkeiten abfließen, ein Wasserstein genannt. 3. So wie bey noch andern der Seigerstein diesen Nahmen führet. 4. Zuweilen auch diejenige Kalkerde, welche sich durch langwieriges Kochen des Brunnenwassers an den Kesseln in Gestalt eines Steines ansetzet.


Wasserstelze (W3) [Adelung]


Die Wasserstelze, plur. die -n, an einigen Orten, ein Nahme der Bachstelze. Diese kleine Wasserstelze, will sie den Weg uns weisen, Geßn.


Wasserstern (W3) [Adelung]


Der Wasserstern, des -es, plur. die -e, der Nahme eines Wassergewächses, welches in still stehenden Wassern wächset, Callitriche Linn.


Wassersternkraut (W3) [Adelung]


Das Wassersternkraut, des -es, plur. inus. Siehe Wasserdost.


Wassersteuer (W3) [Adelung]


Die Wassersteuer, plur. die -n, S. Wassergeld.


Wasserstiefel (W3) [Adelung]


Der Wasserstiefel, des -s, plur. die -n, lange, weite Stiefeln, damit in dem Wasser zu gehen.


Wasserstollen (W3) [Adelung]


Der Wasserstollen, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Stollen, das Wasser aus den Grubengebäuden abzuführen.


Wasserstrahl (W3) [Adelung]


Der Wasserstrahl, des -es, plur. die -en. 1. In den Wasserkünsten, das in Gestalt eines Strahles senkrecht in die Höhe steigende Wasser. 2. In der Physik des großen Haufen, ein Blitzstrahl, welcher das von einem Feuerstrahle entzündete Feuer wieder löschen soll, auch der Wasserstreich.


Wasserstrecke (W3) [Adelung]


Die Wasserstrecke, plur. die -n, im Bergbaue, eine Strecke, welche das Wasser in einen Schacht oder Stollen leitet; zum Unterschiede von Förderstrecken, und andern Arten von Strecken.


Wasserstreich (W3) [Adelung]


Der Wasserstreich, des -es, plur. die -e, S. Wasserstrahl.


Wasserstreife (W3) [Adelung]


Die Wasserstreife, plur. die -n, unausgebackene Stellen im Brote, Gestalt der Streifen.


Wasserstriefig (W3) [Adelung]


Wasserstriefig, adj. et adv. Wasserstreifen habend, von dem Brote; auch Wasserstriemig, im Oberdeutschen spundig oder spondig.


Wasserstube (W3) [Adelung]


Die Wasserstube, plur. die -n, bey den Wasserleitungen, ein Behältniß unter der Erde, wo die Röhren ausgetheilet werden, oder zusammen kommen.


Wasserstück (W3) [Adelung]


Das Wasserstück, des -es, plur. die -stücke, in den Gärten, ein Luststück, welches aus stehendem, fließendem und springendem Wasser bestehet.


Wassersucht (W3) [Adelung]


Die Wassersucht, plur. car. eine Krankheit, da sich in gewissen Theilen des Leibes Wasser anhäufet.


Wassersüchtig (W3) [Adelung]


Wassersüchtig, adj. et adv. mit der Wassersucht behaftet.


Wassersuppe (W3) [Adelung]


Die Wassersuppe, plur. die -n, eine geringe Suppe, deren vornehmster Bestandtheil Wasser ist.


Wassertaufe (W3) [Adelung]


Die Wassertaufe, plur. inus. in der biblischen Schreibart, die Taufe mit Wasser, welche am häufigsten die Taufe schlechthin genannt wird, zum Unterschiede von der Feuertaufe.


Wasserteufel (W3) [Adelung]


Der Wasserteufel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art des Blas- oder Wasserhuhnes, Fulica major Klein. auch Meerteufel.


Wasserthier (W3) [Adelung]


Das Wasserthier, des -es, plur. die -e, Thiere, welche in dem Wasser leben, zum Unterschiede von den Landthieren.


Wasserthor (W3) [Adelung]


Das Wasserthor, des -es, plur. die -e, dasjenige Thor einer Stadt, welches nach dem Wasser zugehet.


Wasserthurm (W3) [Adelung]


Der Wasserthurm, des -es, plur. die -thürme, ein im Wasser stehender Thurm. Im Festungsbaue ist es ein kleiner Thurm auf dem Grabendamme, diesen Damm zu bedecken und zu beobachten.


Wassertiefe (W3) [Adelung]


Die Wassertiefe, plur. von mehrern Arten, die -n, die Tiefe des Wassers. Die Wassertiefe eines Schiffes, das Maß desjenigen Theils, der sich in und unter dem Wasser befindet.


Wassertonne (W3) [Adelung]


Die Wassertonne, plur. die -n, eine Tonne, Wasser darin aufzubehalten, oder hin und her zu schaffen.


Wasserträger (W3) [Adelung]


Der Wasserträger, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Derjenige, welcher Wasser trägt, zum Wassertragen bestimmt ist. 2. Ein Nahme der Kropfgans, Pelecanus Onocrotalus Linn. welche auch Wasservielfraß genannt wird.


Wassertrense (W3) [Adelung]


Die Wassertrense, plur. die -n, eine Art Trense, bey den Pferden, welche auch die Knebeltrense genannt wird.


Wassertreter (W3) [Adelung]


Der Wassertreter, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Derjenige, welcher im Wasser aufgerichtet gehen kann. 2. Eine Art Ralle, welche über dem Wasser hinläuft, und auch Wasserläufer genannt wird, Rallus aquaticus Klein.


Wassertrinker (W3) [Adelung]


Der Wassertrinker, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Wassertrinkerinn, eine Person, deren gewöhnliches Getränk Wasser ist.


Wassertrog (W3) [Adelung]


Der Wassertrog, des -es, plur. die -tröge, ein Trog, Wasser darein zu thun oder darin aufzubehalten.


Wassertrommel (W3) [Adelung]


Die Wassertrommel, plur. die -n, im Bergbaue, eine Maschine, in Gestalt einer Trommel, durch dieselbe vermittelst des hinein geleiteten Wassers frische Luft in die Grubengebäude zu schaffen.


Wassertropfen (W3) [Adelung]


Der Wassertropfen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Tropfen Wassers, zum Unterschiede von den Tropfen anderer flüßigen Körper.


Wasseruhr (W3) [Adelung]


Die Wasseruhr, plur. die -en, eine Maschine, welche vermittelst des in derselben befindlichen und herab tropfenden Wassers die Stunden zeiget.


Wasseruhrwerk (W3) [Adelung]


Das Wasseruhrwerk, des -es, plur. die -e, ein Uhrwerk, welches von dem Wasser getrieben wird.


Wässerung (W3) [Adelung]


Die Wässerung, plur. inus. von dem Verbo wässern, das Wässern, als eine Handlung betrachtet. Das Wässerungsrecht, das Recht, einen Fluß zur Wässerung auf seine Felder und Wiesen zu leiten.


Wasserurtheil (W3) [Adelung]


Das Wasserurtheil, des -es, plur. die -e, in den mittlern Zeiten, eine Benennung der Wasserprobe, S. dieses Wort.


Wasserveilchen (W3) [Adelung]


Das Wasserveilchen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Wasserviole.


Wasservielfraß (W3) [Adelung]


Der Wasservielfraß, des -es, plur. die -e, siehe Wasserträger.


Wasserviole (W3) [Adelung]


Die Wasserviole, plur. die -n, Diminut. das Wasserveilchen, ein Europäisches Wassergewächs, welches einer Viole gleicht, Butomus Linn.


Wasservogel (W3) [Adelung]


Der Wasservogel, des -s, plur. die -vögel, eine allgemeine Benennung aller derjenigen Vögel, welche sich entweder auf dem Wasser, oder doch nahe an demselben aufhalten, und collective Wassergeflügel heißen.


Wasserwage (W3) [Adelung]


Die Wasserwage, plur. die -n. 1. Ein Werkzeug, das Gefäll eines fließenden Wassers und die Neigung einer jeden horizontalen Fläche zu wägen, d. i. zu bestimmen. Bey den Markscheidern wird sie der Gradbogen und die Hängewage genannt. 2. Eine Wage, den Gehalt des Salzwassers und anderer flüßigen Körper dadurch zu bestimmen.


Wasserwanze (W3) [Adelung]


Die Wasserwanze, plur. die -en, S. Wasserlaus.


Wasserwegerich (W3) [Adelung]


Der Wasserwegerich, des -s, plur. inus. ein dem Wegerich ähnliches Gewächs, welches in wässerigen Gegenden wohnet, und auch Froschlöffel und Waldbart genannt wird, Alisma Plantago Linn.


Wasserwehr (W3) [Adelung]


Das Wasserwehr, des -es, plur. die -e, ein Wehr oder Damm durch einen Fluß, welcher auch nur Wehr schlechthin genannt wird.


Wasserwerk (W3) [Adelung]


Das Wasserwerk, des -es, plur. die -e, ein von dem Wasser getriebenes Werk, ingleichen eine Wasserkunst, und deren einzelne Vorstellungen.


Wasserwirbel (W3) [Adelung]


Der Wasserwirbel, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Wirbel in dem Wasser. 2. Eine Benennung der Wasserhose. Siehe dieses Wort.


Wasserwoge (W3) [Adelung]


Die Wasserwoge, plur. die -n, eine große Welle, in der edlern Schreibart, auch nur Woge schlechthin.


Wasserwolf (W3) [Adelung]


Der Wasserwolf, des -es, plur. die -wölfe, eine Art Brachvögel, S. Regenvogel.


Wasserwurzel (W3) [Adelung]


Die Wasserwurzel, plur. die -n, diejenigen Wurzeln an dem Weinstocke und den Bäumen, welche nahe unter der Oberfläche liegen, und nur die Säfte von Thau und Regen an sich ziehen, daher sie auch Thauwurzeln genannt werden.


Wasserzoll (W3) [Adelung]


1. Der Wasserzoll, des -es, plur. die -e, bey den Brunnen- und Röhrmeistern, ein Maß die Quantität des fließenden Wassers zu messen, weil dessen Öffnung einen Zoll im Durchmesser hat, S. Wasseraiche.


Wasserzoll (W3) [Adelung]


2. Der Wasserzoll, des -es, plur. die -zölle, ein Zoll, welcher auf einem schiffbaren Wasser gegeben wird, und der Ort, wo dasselbe geschiehet; zum Unterschiede von dem Landzolle.


Wat (W3) [Adelung]


Die Wat, plur. die -en, ein nur in einigen Ober- und Niederdeutschen Gegenden übliches Wort, eine untiefe Stelle in einem Flusse zu bezeichnen, wo man durch denselben waten, d. i. gehen, kann, im Hochdeutschen eine Furt, Lat. Vadum, Ital. Guado. ( S. das folgende.) Im Niederdeutschen ist die Watte eine Untiefe in der See. S. Wattschiff.


Waten (W3) [Adelung]


Waten, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, im Wasser gehen. Der Fluß ist so seicht, daß man durch denselben waten kann. Sieh, der Bock dort wadet (watet) in dem Sumpfe, Geßn. Ingleichen figürlich: wenn die Schafe und die Kinder um uns her im hohen Grase waten, eben ders. So auch das Waten.

Anm. Schon im Notker uuaton, im Niederdeutschen, und einigen gemeinen Oberdeutschen Sprecharten waden, im Angels. wadan, im Engl. to wade. Die Ähnlichkeit mit Wasser, Niederd. Water, ist vermuthlich nur zufällig, obgleich viele dieses für das Stammwort gehalten haben. Es scheinet vielmehr, daß der Begriff des Gehens der herrschende ist, da es denn mit dem Schwed. vada, gehen, Latein. vadere, und Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - zu einem und eben demselben Stamme gehören würde.


Wathe,Watte (W3) [Adelung]


Die Wathe oder Watte, plur. die -n, ein großes Zugnetz zum Fischen, welches aus zwey starken Wänden, es daran zu ziehen, und einem Sacke in der Mitten, bestehet; in Österreich ein Segen, Franz. Sainette. Bey den Jägern sind die Waten kleinere Netze zum Ottern- und Biberfange. Im Niederdeutschen lautet es Wade, Wae. Sollte dieses Wort von dem vorigen waten abstammen, so müßte man es freylich ohne h, Wate, schreiben. Allein es scheinet vielmehr von dem alten Wadt, Wand, Gewand abzustammen, welches dadurch bestätiget wird, weil man dergleichen Netze auch das Zeug zu nennen pflegt.


Watsack (W3) [Adelung]


Der Watsack, des -es, plur. die -säcke, ein gemeiniglich ledernes Behältniß, Kleider und andere Geräthschaften darin auf der Reife bey sich zu führen, besonders auf den Reisen zu Fuße. In den meisten Gegenden ist dafür das Wort Felleisen üblicher. Watsack, in einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten Wätschger, Schwed. Vätsäck, stammet ohne Zweifel von waten, gehen, reisen ab, und bedeutet also eigentlich einen Reisesack. Ob das Sclavon. Wacek, Isländ. Vesk, Schwed. väska, Finnische Waskyt, und das an einigen Orten Deutschlandes übliche Wätschger, alle in der Bedeutung so wohl eines Watsackes, als auch eines Beutels überhaupt, aus eben derselben Quelle sind, oder nur eine bloß zufällige Ähnlichkeit haben, wird sich wohl schwerlich ausmachen lassen.


Watscheln (W3) [Adelung]


Watscheln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, sich im Gehen von einer Seite zur andern neigen, wie die Änten. Gleichfalls von waten, gehen, welcher Begriff hier so wohl durch das sch, als durch die iterative Endung eln, näher bestimmt wird. Im Engl. to waddle; im Osnabrück. ist dafür worteln üblich. Von watscheln heißt in Schlesien eine Änte, wegen dieses ihr eigenthümlichen Ganges, Watscha.


Watte (W3) [Adelung]


Die Watte, ein Zuggarn, S. Wathe.


Watte (W3) [Adelung]


Die Watte, plur. die -n, mit Leimwasser in einen schwachen Filz verwandelte Baumwolle, Seide oder Hanf, Kleidungsstücke damit zu unterlegen. Da man sich dazu der geringsten Art Baumwolle und Seide bedienet, welche nicht zum Spinnen tauget, so werden auch diese zuweilen Watte genannt. Im Engl. Wad, Wadding. Es ist ohne Zweifel ein Überbleibsel des alten Wad, gewebtes Tuch, wofür jetzt Wand und Gewand üblich ist. S. das letztere.


Wattschiff (W3) [Adelung]


Das Wattschiff, des -es, plur. die -e, in der Schifffahrt, ein bewaffnetes Schiff, die Schiffe auf den Watten, d. i. Untiefen zu decken. Von dem Niederdeutschen Watte, Untiefe. Siehe Wat.


Wau (W3) [Adelung]


Der Wau, des -es, plur. inus. der Nahme eines nützlichen Färbekrautes zur gelben Farbe, welches in Europa an den Wegen wild wächset; Reseda Luteola Linn. an manchen Orten Waude, Wied, Gilbkraut, im Engl. Weld. Der Nahme scheinet mit Waid verwandt zu seyn, S. dasselbe.


Weber (W3) [Adelung]


Der Weber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Weberinn, von der letzten Bedeutung des vorigen Verbi, eine Person, welche webet, besonders so fern solches ihr eigentliches Geschäft ist. Daher Leinweber, Zeugweber, Tuchweber, Damastweber, Sammtweber, u. s. f.


Weberbaum (W3) [Adelung]


Der Weberbaum, des -es, plur. die -bäume, ein starker, runder Baum quer über dem Weberstuhle, um welchen der Aufzug gewunden wird, und welcher eigentlich der Garnbaum heißt.


Weberblatt (W3) [Adelung]


Das Weberblatt, des -es, plur. die -blätter, der mit dünnen Stäben in Gestalt eines Kammes versehene Nahmen an einem Weberstuhle, welcher unter dem Nahmen des Kammes oder Blattes am bekanntesten ist, S. 5. Kamm.


Weberdistel (W3) [Adelung]


Die Weberdistel, plur. die -n, der Nahme einer Pflanze. S. Kardendistel.


Weberey (W3) [Adelung]


Die Weberey, plur. inus. im gemeinen Leben, das Geschäft eines Webers. Die Weberey treiben.


Weberkarde (W3) [Adelung]


Die Weberkarde, plur. die -n, der Nahme einer Pflanze, S. Kardendistel.


Weberknoten (W3) [Adelung]


Der Weberknoten, des -s, plur. ut nom. sing. eine den Webern eigene Art des Knotens, einen zerrissenen Faden eines Aufzuges geschickt wieder zusammen zu knüpfen.


Weberspuhle (W3) [Adelung]


Die Weberspuhle, plur. die -n, eine Spuhle, woraus die Fäden für die Weber gespuhlet werden.


Weberstuhl (W3) [Adelung]


Der Weberstuhl, des -es, plur. die -stühle, das Gestell, worauf gewebet wird; im Nieders. das Tau, Webertau.


Wechsel (W3) [Adelung]


Der Wechsel, des -s, plur. ut nom. sing. von dem folgenden Verbo wechseln, welches in verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird. 1. Von dem Zustande, der Zustand, da eine Veränderung auf die andere folgt, die Abwechselung, Veränderung; am häufigsten ohne Plural. Den Wechsel einer Sache abwarten, ihre Veränderung. In dieser allgemeinen Bedeutung ist es veraltet, und man gebraucht es nur noch zuweilen in der dichterischen Schreibart, um der Kürze willen, aber gewiß nicht um einer größern Anschaulichkeit willen, von der Zeitfolge und den mit derselben verbundenen Veränderungen. Die Tugend ist nicht dem Wechsel der Zeit unterworfen. Neunzig Mahl hab ich jetzt den Wechsel der Jahreszeiten gesehen, Geßn. Der Mondswechsel. Die scheinbare Veränderung an dem Monde. In dem Bergbaue ist der Wechsel der Wetter, der Zug der Luft, wenn die untere Luft aus- frische aber dafür einziehet. 2. Von der Handlung; auch ohne Plural. (1) Die Handlung, da man an einem Orte aus- oder eingehet; nur bey den Jägern, der Hirsch hat seinen Wechsel an einem Orte, wenn er mehrmahls dasellbst angetroffen wird. (2) Die Handlung, da man ein Ding gegen das andere gibt; wofür doch jetzt Tausch üblicher ist. Einen Wechsel treffen, einen Tausch. Man gebraucht es nur noch in einigen Zusammensetzungen. Briefwechsel, die Correspondenz. Der Geldwechsel, da man ein Geschäft daraus macht, eine Geldsorte für die andere zu geben, welches auch zuweilen der Wechsel schlechthin genannt wird. 3. Nach einer von der vorigen Bedeutung entlehnten Figur wird Wechsel oder Wechselbrief in der Handlung vor einer doppelten Art Verschreibungen gebraucht. (1) Ist der Wechsel, oder bestimmter, der eigene Wechsel, eine Schuldverschreibung, welche im Falle der Nichtzahlung zur Verfallzeit den Verhaft des Schuldners nach sich ziehet. Einen Wechsel ausstellen, Geld auf Wechsel borgen. Einem Geld auf Wechsel leihen. (2) Eine Anweisung, welche, wenn sie einmahl angenommen worden, die Rechte des vorigen Wechsels hat, und daher in der Handlung statt baren Geldes angenommen wird. Sie wird, zum Unterschiede von dem vorigen, ein trassirter Wechsel, oder auch eine Tratte (von einem Italiänischen Worte) genannt. Einem Geld durch Wechsel übermachen. Einen offenen Wechsel haben. Einen Wechsel auf jemand ziehen, d. i. ausstellen, annehmen, acceptiren, indossiren, protestiren lassen. (3) Nach einer noch weitern Figur wird zuweilen im Leben, besonders auf Universitäten auch wohl übermachtes bares Geld der Wechsel genannt. Seinen Wechsel bekommen, darauf warten. 4. Ein Ding, welches eine gewisse Folge von Veränderungen in dem andern hervor bringt. In dieser Bedeutung werden nur bey den Uhrmachern diejenigen Räder, welche den Stunden- und Minuten-Zeiger herum führen, Wechsel genannt. 5. Dasjenige, was mit einem andern abwechselt, nur in einigen Fällen. So ist im Bergbaue der Wechsel ein neues Stück Bauholz, welches statt eines schadhaften eingesetzet wird. 6. Derjenige Ort, wo zwey Dinge einer Art mit einander abwechseln, in vielen Fällen des gemeinen Lebens. Im Bergbaue wird so wohl der Ort, wo die Theile eines Flötzes von einem Gange oder einer Kluft getrennet werden, als auch überhaupt, wo ein Ding aufhöret, und ein anders gleicher Art anfängt, der Wechsel genannt. Der Wechsel der Fahrten, wo eine Grubenleiter aufhöret, und eine andere anfängt. Bey den Jägern ist es theils der Ort, wo die Jagdtücher zusammen stoßen, theils der Ort, wo ein Wildbret gern hin und wieder gehet, welcher letztere auch der Wandel genannt wird. In den Wasserkünsten ist der Wechsel so wohl der Ort, wo zwey Röhren zusammen stoßen, als auch eine kleine Röhre, welche zwey größere verbindet. Auch die Wagner nennen denjenigen Ort, wo zwey Felgen in der Mitte zusammen stoßen, den Wechsel.

Anm. Das Wort ist alt, und lautet schon im Isidor, und bey dem Kero uuexsal, uuehsal, wo es so wohl für Veränderung, als auch für Tausch, gebraucht wird; im Nieders. Wessel, im Schwed. Växel. S. Wechseln.


Wechselbalg (W3) [Adelung]


Der Wechselbalg, des -es, plur. die -bälge, eigentlich ein von Hexen mit dem Teufel erzeugtes, und einer Sechswöchnerinn untergeschobenes Kind, dergleichen von dem großen Haufen noch jetzt geglaubt werden. Schon bey dem Notker Wihseling, im Holländ. Wisseling, im Engl. Chanceling, im Isländ. Skipting, im Schwed. Byting, von byta, tauschen. Da sich der große Haufe von der Englischen Krankheit keinen Begriff zu machen weiß, so hält er die mit behafteten Kinder gemeiniglich für solche Wechselbälge. ( S. Kielkropf.) In weiterer Bedeutung ist Wechselbalg ein Scheltwort eines jeden ungearteten oder ungezogenen Kindes.


Wechselbank (W3) [Adelung]


Die Wechselbank, plur. die -bänke, und -banken. 1. Die Bank, d. i. der Tisch eines Geldwechslers, und in weiterer Bedeutung dessen Bude, Laden oder Gewölbe; am häufigsten nur noch an einigen Orten. Der Plural lautet hier, die Wechselbänke. 2. Zunächst von dem Ital. Banco, eine Bank, d. i. öffentliche gemeine Casse, welche Wechsel annimmt und ausstellet. Der Plural lautet hier die Wechselbanken.


Wechselbrief (W3) [Adelung]


Der Wechselbrief, des -es, plur. die -e, ein Brief, d. i. eine Urkunde, welche einen Wechsel in den zwey ersten Fällen der dritten Bedeutung enthält, und der am häufigsten nur Wechsel schlechthin genannt wird. S. daselbst.


Wechselbock (W3) [Adelung]


Der Wechselbock, des -es, plur. die -böcke, im Bergbaue, ein Bock an einen Feldgestänge, worauf die Stege des Gestänges zusammen gefüget werden; von Wechsel 6.


Wechselbuch (W3) [Adelung]


Das Wechselbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch der Handelsleute, worein sie ihre Wechselgeschäfte verzeichnen.


Wechsel-Cours (W3) [Adelung]


Der Wechsel-Cours, des -es, plur. die -e, in der Handlung, der Cours, d. i. Werth der Wechsel gegen bares Geld, in Ansehung der Zeit und des Ortes.


Wechselfeld (W3) [Adelung]


Das Wechselfeld, des -es, plur. die -er, in der Landwirthschaft, ein Feld, welches alle Jahre bestellet wird, und auch Jahrfeld heißt; zum Unterschiede von einem Artfelde, welches alle drey Jahre brach liegt.


Wechselfieber (W3) [Adelung]


Das Wechselfieber, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Fieber, dessen Aufall nur zu gewissen Zeiten kommt, und hernach wieder nachlässet, das nachlassende Fieber, worunter das kalte das vornehmste ist.


Wechselfurche (W3) [Adelung]


Die Wechselfurche, plur. die -n, in der Landwirthschaft, eine Furche, so fern sie neben einander liegende Äcker scheidet, zum Unterschiede von der Mittelfurche.


Wechselgeld (W3) [Adelung]


Das Wechselgeld, des -es, plur. von mehrern Arten, die -er, diejenige Geld-Sorte, auf welche Wechselbriefe gestellet werden können, welche in Wechseln üblich ist.


Wechselgericht (W3) [Adelung]


Das Wechselgericht, des -es, plur. die -e, ein Gericht, welches vornehmlich wegen der Streitigkeiten in Wechselsachen niedergesetzet, und an den meisten Orten mit dem Handelsgerichte verbunden ist.


Wechselhändler (W3) [Adelung]


Der Wechselhändler, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kaufmann, dessen vornehmstes Geschäft in Wechselbriefen bestehet, der doch unter den Nahmen eines Banquiers am bekanntesten ist. Ein angesehener Wechselhändler wird auch wohl ein Wechselherr genannt. S. auch Wechsler.


Wechselkundig (W3) [Adelung]


Wechselkundig, adj. et adv. bey den Jägern kundig, d. i. erfahren, wo das Wild seinen Wechsel hat, wo es gern aus- und eingehet.


Wechsellicht (W3) [Adelung]


Das Wechsellicht, des -es, plur. die -lichter, im Bergbaue, Lichter, welche zuweilen noch außer den Lichtern der Bergleute in der Grube angezündet werden.


Wechseln (W3) [Adelung]


Wechseln, verb. reg. welches in zwiefacher Form üblich ist: 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. (1) Auf einander folgende Veränderungen erleiden; nur noch selten. Es wechsele alles in der Welt, es ist alles der Veränderung unterworfen. Ihn entzückt jede Schönheit des wechselnden Jahres, Geßn. (2) Hin und wieder gehen, oder ziehen; nur in einigen Fällen. Bey den Jägern wechselt das Wild an einem Orte, wenn es daselbst gern aus- und einziehet. Im Bergbaue wechseln die Wetter, wenn die Luft ihren gehörigen Zug hat. (3) Von Wechsel, Wechselbrief sagt man, man wechselt von Leipzig nach Amsterdam, wenn zwischen beyden Orten ein Wechsel-Cours oder eine Wechselhandlung eingeführet ist. 2. Ein Activum. (1) Für ein Ding ein anderes eben derselben Art nehmen, oder bekommen. Die Kleider wechseln, andere Kleider anlegen. Nicht zu wechseln haben, d. i. nur Ein Kleid, nur Einen Anzug Wäsche haben. Die Pferde wechseln, frische Pferde nehmen. Die Zähne wechseln, neue Zähne bekommen. (2) Besonders unter zwey, oder mehrern Personen. Briefe mit jemanden wechseln, Briefe an ihn schreiben, und von ihm bekommen. Die Ringe wechseln, wenn das Brautpaar vor dem Altare die Ringe gegen einander vertauscht. Worte wechseln, eigentlich mit einander sprechen; oft auch im engern Verstande, sich streiten, zanken, ( S. Wortwechsel.) Kugeln wechseln, sich auf Pistolen duelliren. (3) Geld wechseln, kleine Münz-Sorten gegen grobe oder harte geben. Einen Ducaten wechseln lassen. So auch das Wechseln.

Anm. Schon im Tatian ist wechslen, tauschen, im Nieders. wesseln, im Schwed. växla. Die Endung seln enthält, außer der Endung des Infinitives, eine doppelte Ableitungssylbe, des -s, und el. Beyde scheinen hier eine Wiederhohlung und Verstärkung des Hauptbegriffes zu bezeichnen, vielleicht mit einem Nebenbegriffe der Verkleinerung. Die Wurzelsylbe wäre also wech oder weg, und diese scheinet mit weg in bewegen, überein zu kommen, so daß der Begriff der wiederhohlten Bewegung, der in der zweyten Bedeutung des Neutrius noch sehr merklich ist, der herrschende seyn würde. Das Lat. vices scheinet damit verwandt zu seyn.


Wechselpferche (W3) [Adelung]


Die Wechselpferche, plur. inus. in der Landwirthschaft, diejenige Art der Bepferchung, da ein Nachbar den andern seinen Acker bepferchen läßt, damit es keinen an dem nöthigen Dünger fehle.


Wechselrain (W3) [Adelung]


Der Wechselrain, des -es, plur. die -e, eben daselbst, ein Rain, welche beyde Feldnachbarn wechselsweise genießen.


Wechselrechnung (W3) [Adelung]


Die Wechselrechnung, plur. die -en, die Art und Weise, den Wechsel-Cours, ingleichen das Verhältniß einer Münz-Sorte gegen die andere zu berechnen.


Wechselrecht (W3) [Adelung]


Das Wechselrecht, des -es, plur. die -e. 1. Dasjenige Recht, welches Wechselbriefe vor andern Schuldverschreibungen genießen. 2. Ein Recht, d. i. Gesetz, in Ansehung solcher Wechsel. 3. Der Inbegriff dieser Rechte und Gesetze, ohne Plural.


Wechselrede (W3) [Adelung]


* Die Wechselrede, plur. die -n, ein veraltetes Wort, theils für Gegenrede, Antwort, theils aber auch für ein Gespräch.


Wechselreiterey (W3) [Adelung]


Die Wechselreiterey, plur. die -en, in der Handlung, derjenige Kunstgriff eines dem Bankerott nahen Kaufmannes, da er sich durch trassirte Wechsel noch eine Zeit lang von dem Falle rettet, denselben aber dadurch nur noch größer macht; dergleichen Wechsel Reiterwechsel genannt werden.


Wechselrichter (W3) [Adelung]


Der Wechselrichter, des -s, plur. ut nom. sing. der Richter oder Präsident in einem Wechselgerichte.


Wechselschrift (W3) [Adelung]


Die Wechselschrift, plur. die -en, ein seltenes Wort, eine Gegenschrift, eine Schrift, die Schrift eines andern zu widerlegen.


Wechselstreit (W3) [Adelung]


Der Wechselstreit, des -es, plur. inus. eben so selten, der Streit mehrerer Dinge wider einander, ein gegenseitiger Streit. Im Wechselstreit so vieler Hindernisse, Haged.


Wechselstunde (W3) [Adelung]


Die Wechselstunde, plur. die -n, im Bergbaue, diejenigen Stunden, welche auf dem Gruben-Compasse die Viertel eines halben Zirkels, und die Arten der streichenden Gänge von einander unterscheiden.


Wechselsweise (W3) [Adelung]


Wechselsweise, adv. 1. Auf gegenseitige Art. Sie leihen einander wechselsweise ihre Einsichten. Wechselsweise singen, so daß wenn einer aufhöret, der andere anfängt. 2. Abwechselnd, nach einander. Augen, aus welchen die Klugheit des Kopfes und die Güte des Herzens wechselsweise blickten. Freude und Leid folgen wechselsweise auf einander.


Wechselung (W3) [Adelung]


Die Wechselung, plur. die -en, in dem Schiffbaue, die abwechselnde Einrichtung der Fugen der Planken, so daß nicht zwey Fugen über eine Stelle zusammen stoßen.


Wechselweitzen (W3) [Adelung]


Der Wechselweitzen, des -s, plur. inus. eine Art des Weitzens, welcher so wohl über Winter, als über Sommer, gesäet werden kann, übrigens aber dem Sommerweitzen gleicht.


Wechselwerk (W3) [Adelung]


Das Wechselwerk, des -es, plur. die -e, bey den Uhrmachern, dasjenige Räderwerk, welches den Stunden- und Minuten-Zeiger herum führet, und auch nur der Wechsel genannt wird.


Wechselwinkel (W3) [Adelung]


Der Wechselwinkel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Geometrie, Winkel, welche einander entgegen stehen.


Wechselwirthschaft (W3) [Adelung]


Die Wechselwirthschaft, plur. inus. diejenige Art der Landwirthschaft, da man die Felder nach einer gewissen Zeit ruhen läßt.


Wechsler (W3) [Adelung]


Der Wechsler, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Geldwechsler, d. i. der ein Geschäft daraus macht, für grobe Münz-Sorten kleine, oder für eine Münz-Sorte andere zu geben. 2. Ein Kaufmann, welcher mit Wechselbriefen handelt, ein Banquier, Wechselherr.


Weck (W3) [Adelung]


Der Weck, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, die Wecke, plur. die -n. 1. * Ein Keil, eine im Hochdeutschen längst veraltete Bedeutung, welche noch in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich ist. 2. Eine Art seinen Weitzenbrotes, welches einiger Maßen die Gestalt eines doppelten, mit den breiten Oberflächen zusammen stoßenden Keiles hat, und an andern Orten eine Stolle, ein Strietzel genannt wird. Ein Christweck, dergleichen man um Weihnachten zu backen pflegt, an andern Orten eine Christstolle; Osterweck, Eyerweck, Spitzweck u. s. f. An andern Orten sind die Wecke oder Wecken eine Art viereckten, mit Milch angemachten, und vor dem Backen in Wasser gesottenen Weitzenbrotes, mit vier Zipfeln. 3. Eine Masse frischer Butter, welche eine ähnliche längliche, an beyden Enden zugespitzte Gestalt hat, ein Weck Butter, ein Butterweck, in manchen Gegenden ein Butterstrietzel.

Anm. Man könnte dieses Wort in der zweyten Bedeutung von dem Mittellat. Focacia ableiten, welches auch nur Focius, Foca lautete, und unter der Asche gebackene Kuchen bedeutete. Allein daß die Ähnlichkeit der Gestalt mit einem Keile der Grund der Benennung ist, erhellet theils daher, daß ein Weck Butter in einigen Oberdeutschen Gegenden wirklich ein Keil heißt; theils aber auch, daß Cuneus im mittlern Lateine häufig von obiger Art Weitzenbrotes gebraucht wird. Vno cuneo, h. e. albo pane, modicisque cibariis in hebdomada sustentabatur, heißt es in Buschii Chron. Windesem. bey dem Du Fresne. In der Picardie ist Cuignet eben dasselbe vierzipfelige, und mit Milch angemachte Weitzenbrot, welches man in Niedersachsen eine Wecke oder Wegge heißt.


Wecken (W3) [Adelung]


Wecken, verb. reg. act. zum Aufwachen bringen, erwachen machen. Das Gesinde des Morgens um fünf Uhr wecken. Sehr frühe geweckt werden. Daher das Wecken.

Anm. Bey dem Ottfried, Notker, Willeram u. s. f. uuegken, uuechen, uuecken. Es ist eigentlich das Intensivum von wegen in bewegen, stark und heftig bewegen, dergleichen nothwendig ist, wenn man einen fest schlafenden erwecken will. Notker gebraucht es daher noch für bewegen, des Sundigen hant ne uuegke mih; Hornegk aber für reitzen, das begund die Augen werchen. Zugleich ist es das Factitivum von wachen, erwachen machen.


Wecker (W3) [Adelung]


Der Wecker, des -s, plur. ut nom. sing. eine Maschine, oder Theil derselben, welche weckt, und in weiterer Bedeutung, welche ein gewisses Zeichen gibt. So ist der Wecker in den Uhren, ein Hammer, welcher zur verlangten Zeit vermittelst schneller Schläge an einer Glocke aus dem Schlafe erwecket. Im Berg- und Hüttenbaue, wo er auch der Wächter heißt, ist es ein Hammer, der die Umgänge des Kunstrades auf ein klingendes Metall anzeiget. In den Getreidemühlen ist der Wecker oder Rufer ein Glöckchen, welches anzeigt, daß der Rumpf leer ist. Bey den Jägern ist der Wecker oder Wichtel eine Wachtelpfeife, womit man den Wachtelhahn weckt, damit er schlage, und in das Garn gehe.


Weckuhr (W3) [Adelung]


Die Weckuhr, plur. die -en, eine mit einem Wecker versehene Uhr.


Weckwerk (W3) [Adelung]


Das Weckwerk, des -es, plur. die -e, dasjenige Räderwerk in einer Weckuhr, welches den Welcher treibt.


Wedel (W3) [Adelung]


Der Wedel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Wedelchen, Oberd. Wedellein. 1. Der bewegliche Schwanz an manchen vierfüßigen Thieren. So wird bey den Jägern der kurze Schwanz des Hirsches so wohl der Wedel, als der Purzel, an einigen Orten auch der Schwaden oder Hirschschwaden, genannt. Im Hochdeutschen wird es seltener gebraucht, außer etwa in der edlern Schreibart, dem niedrigen Schwanz auszuweichen. 2. Ein Werkzeug, in Gestalt eines harigen Schwanzes, damit theils zu wehen, theils zu sprengen. Der Löschwedel der Schmiede, ein solches Werkzeug von Stroh, die Kohlen in der Esse damit mir Wasser zu sprengen. Der Fliegenwedel, von Haaren oder Federn, die Fliegen wegzutreiben. Der Sprengwedel, Weihwedel, in der Römischen Kirche, Weihwasser damit zu sprengen.

Anm. Die Ableitungssylbe el, bedeutet hier ein Werkzeug; die Wurzelsylbe Wed aber gehöret zu dem alten wahen, jetzt wehen, so fern es auch hin und her bewegen bedeutet. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist Wedel ein Bündel Reisholz, welches aber allem Anscheine nach von einem andern Stamme ist, und zu dem gleich bedeutenden, in Thüringen üblichen, Welle gehöret.


Wedeln (W3) [Adelung]


Wedeln, verb. reg. neutr. hin und her bewegen, ein nur von dem Schwanze vierfüßiger Thiere übliches Wort. Der Hund wedelt mit dem Schwanze, im gemeinen Leben auch schwänzeln, im Nieders. wemeln. So auch das Wedeln. S. das vorige.


Weder (W3) [Adelung]


Weder, eine Partikel. 1. * Eine indirecte fragende Partikel, für ob; eine sehr alte, aber jetzt im Hochdeutschen völlig veraltete Bedeutung, welche noch in Niedersachsen üblich ist. Ich weiß nicht, weder ich es thun soll, ob. 2. * Eine vergleichende Partikel, für als, oder als nicht; ein im Hochdeutschen völlig veral- teter Gebrauch. Zweyfältig sammeln, weder sie sonst täglich sammeln, 2. B. Mos. 16, 5, zwey Mahl so viel, als. Weisheit ist besser weder Gold, als. Du redest besser noch und reiner weder er, Opitz. 3. Eine ausschließende Conjunction, wenn mehrere Dinge in einzelnen Gliedern oder Sätzen verneinet werden, da denn das erste weder, alle übrige aber noch bekommen. Ich setze nicht das geringste. Mißtrauen, weder in ihre Aufrichtigkeit, noch in ihre Freundschaft. Weder Freunde, noch Glück, noch Ehre, noch Ruhm, noch endlich Reichthum konnte ihn dazu vermögen. Im Oberdeutschen wiederhohlet man auch das weder vor dem zweyten, und dem folgenden Ausdrucke: wo weder ein Cameral-Dorf, weder ein treu gesinneter Stand angetroffen wird; welcher Gebrauch aber im Hochdeutschen veraltet ist. Eben so sehr es veraltet, anstatt weder - noch, das noch - noch zu gebrauchen. Verhindert, daß noch Recht noch Satzung reden kann, Opitz. S. Noch.

Anm. Diese Partikel ist sehr alt, indem huuedhar, schon im Isidor ob bedeutet. Bey spätern Schriftstellern lautet sie wither, uuedar, bey dem Ulphilas hwathar, im Angels. hwaether, im Engl. wether, im Nieders. wedder, weer. Da in allen Partikeln die Bedeutung höchst dunkel ist, so ist sie es auch in dieser, daher selbige so oft verändert worden. Es scheint, daß sie ehedem auch beyde bedeutet habe, denn eintweder und keintweder, bedeuten noch jetzt im Oberdeutschen eines von beyden, und keines von beyden, da sie denn wohl gar als Adjectiva decliniret werden, keintwedere Parthey, Bluntschli, d. i. keine von beyden Parteyen.


Weg (W3) [Adelung]


Weg, mit einem geschärften e, daher das g wie ein gelindes k lautet, wie wäk; eine Partikel, welche eine Entfernung bedeutet, und so wohl als eine Interjection gebraucht wird. Weg mit ihm! Weg mit der Hand! Als auch als ein Umstandswort, da es denn theils andern Umstandswörtern zugesellet wird, die es näher bestimmen. Schlecht weg, für ungekünstelt. ( S. auch Vorweg.) Noch häufiger aber mit Verbis, eine Entfernung zu bezeichnen, wie fort. Er ist schon weg, ist schon weit weg. Ingleichen mit der Inversion: Wie spielt die schöne Blase nicht So bunt am goldnen Sonnenlicht? Allein, ein Hauch, weg ist die Pracht! Und ihrer wird nicht mehr gedacht, Weiße. Da es denn gern mit den Verbis zu Einem Worte zusammen schmilzet, doch nur als eine trennbare Partikel, welche in den gewöhnlichen Fällen wieder hinter das Verbum tritt. Ich werde es bald weghaben, aber, nun habe ich es weg. S. die vornehmsten dieser Zeitwörter im Folgenden besonders.

Anm. Weg ist eine unmittelbare Onomatopöie des Eindruckes, welchen eine schnelle Bewegung auf das Ohr macht, und daher ist sie auch das erste und einfachste Stammwort, so wohl des folgenden Weg, via, als auch des Verbi bewegen, und aller damit verwandten Wörter. Um des Nachdruckes willen, besonders in der edlern Schreibart, setzet man gerne noch das hin voran, hinweg. d. i. von hinnen, von hier weg. S. Hinweg.


Weg (W3) [Adelung]


Der Weg, des -es, plur. die -e, (mit einem gedehnten e, daher das g seine eigentliche gelinde Aussprache behält.) Es bedeutet 1. Im weitesten und eigentlichsten Verstande, die Linie, oder den Raum in der Länge, welchen ein Körper in seiner Bewegung beschreibet. Unterirdische Dünste bahnen sich uns unbekannte Wege. Der Weg eines Himmelskörpers am Himmel, dessen Bahn oder Laufbahn. Der Weg eines Vogels in der Luft, eines Fisches im Wasser, eines Thieres auf dem Felde. Daher die figürlichen Ausdrücke: einem im Wege stehen, ihn hindern; einem etwas in den Weg legen, so wohl auch ihn hindern, als auch, ihn beleidigen. Einem in den Weg treten, auch, ihn zu hindern suchen. Einem aus dem Wege gehen, eigentlich, den Raum, in welchem er sich bewegen will, vermeiden; figürlich, seine Gegenwart meiden. Das liegt mir im Wege, ist mir im Wege, hindert mich. Packe dich deiner Wege, besser, geh deinen Weg, d. i. entferne dich. Auf bösen Wegen gehen, böse Absichten haben. Ein niedriger, provinzieller Ausdruck ist, bey Wege seyn, in der Nähe seyn. In noch weiterer Bedeutung. Es ist ein Fieber, eine Krankheit auf dem Wege, sie wird bald ausbrechen. Dann und wann nimmt die Fantasie des Dichters einen andern Weg. 2. In engerer Bedeutung, der Raum auf der Erdfläche, welchen man betritt, wenn man von einem Orte zum andern reiset, da denn Weg der allgemeine Ausdruck ist, welcher Straße, Steig, Fußsteig u. s. f. unter sich begreift. Ein gerader, krummer Weg, ein guter, böser, schlechter Weg, ein hohler Weg oder Hohlweg. Es ist ein weiter Weg von hier nach Paris, d. i. Paris ist weit von hier entfernet. Auf dem Wege nach Leipzig seyn. Einen Weg gehen, reisen, fahren u. s. f. Ehedem und noch jetzt zuweilen in der höhern Schreibart mit dem Genitive. Gehe dieses Weges. Ich möchte dieses Weges so bald nicht wieder kommen, Less. Im gemeinen Leben gebraucht man den Genitiv noch häufig mit gerade. Gerades Weges nach Berlin, den geraden Weg, d. i. unmittelbar, ohne sich an einem Orte aufzuhalten. Der Weg gehet durch den Wald, über einen Berg. Einen Weg nehmen, einschlagen, d. i. wählen, betreten. Sie können allemahl ihren Weg zu mir nehmen, wenn ihnen etwas mangeln sollte, d. i. zu mir kommen. Sich auf den Weg machen, eine Reise antreten. Den rechten Weg verfehlen. Jemanden den Weg zeigen, ihn wieder auf den rechten Weg bringen. Auf dem rechten Wege seyn. Einen Weg zurück legen. Es ist mir aus dem Wege, ist von dem Wege, welchen ich zu gehen habe, entfernt. Seinen Weg fortsetzen, seine Reise. Sein Weg trug ihn durch einen heiligen Hain. Eine Meile Weges, im gemeinen Leben, eine Meile. Ein gut Stück Weges, ein ziemlich weiter Weg. Wir haben schon ein gut Stück Weges gemacht. Unter Weges, auf dem Wege, während der Reise; wofür doch auf dem Wege edler ist. Den Weg aller Welt gehen, sterben. Nur im gemeinen Leben übliche Ausdrücke sind: Unter Wege bleiben, lassen, unterbleiben, unterlassen. Aller Wegen, an allen Orten, allenthalben. Zuwege bringen, hervor bringen, wirklich machen, ( S. Zuwege.) Es hat gute Wege, es eilet nicht; ingleichen, es hat nichts zu bedeuten. Mit dem Sohn hat es gute Wege, den überlassen sie nur mir, Less. Wenn du darüber unruhig, so hat es gute Wege, Gell. 3. Figürlich, (1) die Art und Weise eines Verfahrens. Mittel und Wege wissen. Keines Weges, d. i. auf keinerley Art. Die Scheidung im nassen oder trocknen Wege, in der Chymie. In alle Wege, allerdings, ist im Hochdeutschen veraltet, so wie die Oberdeutschen solcher Wege, solcher Gestalt, in einige Wege auf einige Art, ein so andern Weges, auf eine oder die andere Art. (2) Noch häufiger, die Art und Weise, zu etwas zu gelangen. Einem den Weg zu den Wissenschaften zeigen. Das ist nicht der rechte Weg, dazu zu gelangen. Krumme Wege gehen, etwas auf eine unerlaubte Art zu erhalten suchen. Der Weg zur Seligkeit. Er verachtet die niedrigen Wege zum Glück, Gell. Der gewisseste Weg zu den tugendhaften und seligen Empfindungen des Herzens gegen Gott zu gelangen, ist der Weg der Erkenntniß Gottes und seines Willens, eben ders. Ich will den sichersten Weg gehen. Den Weg Rechtens betreten, eine gerichtliche Klage erheben, einen Prozeß anfangen. (3) Den Weh der Tugend, der Menschheit gehen, sich derselben befleißigen. Von dem Wege der Tugend weichen. (4) In der Deutschen Bibel bedeutet der Weg des Herrn, die Wege Gottes, den Rathschluß Gottes, von den menschlichen Schicksalen. Eben daselbst sind die Wege des Menschen sein sittliches Verhalten.

Anm. Schon im Isidor Vuegh, im Ottfried Weg, bey dem Ulphilas Wigs, im Angels. Waeg, im Isl. Vegur, im Schwed. Väg, im Engl. Way, im Lat. Via, in den ältesten Zeiten Veha. Es ist unmittelbar von der vorigen Interjection weg, doch statt aller Ausbildung mit Veränderung des Zeitmaßes des e, und dar darin gegründeten Aussprache des folgenden g. In den folgenden Zusammensetzungen bekommt, um des gedehnten e und der weichen Aussprache des g willen, das letztere daher allemahl ein e, wenn die erste Hälfte dieses Substantivum ist, Weg weiser allein ausgenommen.


Wegarbeiten (W3) [Adelung]


Wegarbeiten, verb. reg. act. durch Arbeiten fortschaffen.


Wegbeißen (W3) [Adelung]


Wegbeißen, verb. irreg. act. ( S. Beissen,) durch Beissen fortschaffen.


Wegbeitzen (W3) [Adelung]


Wegbeitzen, verb. reg. act. durch Beitzen wegschaffen.


Wegblasen (W3) [Adelung]


Wegblasen, verb. irreg. act. ( S. Blasen,) durch Blasen fortschaffen.


Wegbleiben (W3) [Adelung]


Wegbleiben, verb. irreg. neutr. ( S. Bleiben,) mit dem Hülfsworte seyn, ausbleiben, nicht kommen.


Wegbrennen (W3) [Adelung]


Wegbrennen, verb. 1. Activum, da es so wohl regulär als irregulär gehet, durch Feuer vertilgen, durch Brennen wegschaffen. Eine Stadt wegbrennen. Eine Warze wegbrennen. 2. Neutrum, irregulär, ( S. Brennen,) und mit dem Hülfsworte seyn, durch Feuer vertilget werden. Die ganze Stadt ist weggebrannt.


Wegbringen (W3) [Adelung]


Wegbringen, verb. irreg. act. ( S. Bringen.) 1. An einen andern Ort bringen, entfernen. 2. Davon bringen. Er hat nichts mit weggebracht.


Wegdrängen (W3) [Adelung]


Wegdrängen, verb. reg. act. aus oder von einem Orte drängen.


Wegeamt (W3) [Adelung]


Das Wegeamt, des -es, plur. die -ämter, an einigen Orten, z. B. in Österreich, ein Collegium, welches die Aufsicht über die Landstraßen und Brücken hat, und aus einem Director, verschiedenen Ingenieurs und vielen Wege-Commissarien und Wegeaufsehern bestehet.


Wegeaufseher (W3) [Adelung]


Der Wegeaufseher, des -s, plur. ut nom. sing. der von der Obrigkeit über die Wegeausbesserung der Landstraßen bestellt ist.


Wegebau (W3) [Adelung]


Der Wegebau, des -es, plur. inus. die Ausbesserung der Landstraßen, wie Wegebesserung.


Wegebereiter (W3) [Adelung]


Der Wegebereiter, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Von reiten, ein verpflichteter Reiter, welcher für die Sicherheit der Landstraßen zu sorgen, und die Beeinträchtigung der Zölle zu verhindern hat. 2. Von bereiten, fertig machen, ist der Wegebereiter an einigen Orten, der für die Ausbesserung der Wege zu sorgen hat.


Wegebesserung (W3) [Adelung]


Die Wegebesserung, plur. die -en, die Ausbesserung der Wege und Straßen.


Wegebreit (W3) [Adelung]


Das Wegebreit, des -es, plur. inus. der Nahme einer Pflanze, welche häufig an den Wegen und Straßen wächset, Plantago Linn. Im Deutschen auch Wegerich.


Wegedistel (W3) [Adelung]


Die Wegedistel, plur. die -n, der Nahme einer Art Disteln, Onopordon Linn. Eselsfurz, Frauendistel.


Wegedorn (W3) [Adelung]


Der Wegedorn, des -es, plur. inus. ein stachelicher Strauch, der an den Wegen und Zäunen wild wächset, Rhamnus Linn. besonders dessen Rhamnus catharticus, der auch Kreuzdorn genannt wird.


Wegegeld (W3) [Adelung]


Das Wegegeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, Geld, welches Reisende für den Gebrauch der Wege und Straßen entrichten, Zoll. Ingleichen Geld, welches zur Ausbesserung der Landstraßen bestimmt ist.


Wegegras (W3) [Adelung]


Das Wegegras, des -es, plur. inus. S. Wegetritt.


Wegehaus (W3) [Adelung]


Das Wegehaus, des -es, plur. die -häuser, an einigen Orten, z. B. in Hannöverischen, das Haus des Wegeaufsehers an der Landstraße.


Wegeilen (W3) [Adelung]


Wegeilen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, von einem Orte eilen, eilen, um sich von einem Orte zu entfernen.


Wegekümmel (W3) [Adelung]


Der Wegekümmel, des -s, plur. inus. ein Nahme des gemeinen Feld- oder Wiesenkümmels. S. Feldkümmel.


Wegelagerung (W3) [Adelung]


Die Wegelagerung, plur. die -en, in den Rechten, diejenige Handlung, da man auf öffentlicher Straße im Hinterhalte auf jemanden lauert, in der Absicht, ihn zu berauben; eine Art des Landfriedenbruches. Geschiehet es nicht auf öffentlicher Landstraße, und ist bloße Privat-Rache die Absicht, so heißt es das Vorwarten.


Wegelerche (W3) [Adelung]


Die Wegelerche, plur. die -n, S. Haubenlerche.


Wegemesser (W3) [Adelung]


Der Wegemesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug die Länge eines Weges damit zu messen. Es bestehet gemeiniglich aus einem Räderwerke in einem Wagen, und wird auch der Schrittzähler genannt.


Wegen (W3) [Adelung]


* Wegen, verb. welches die Wurzel von bewegen, aber für sich allein im Hochdeutschen längst veraltet ist. Wan der Wint vil vn vast weget von mittag der sonne, heißt es noch in dem Liber Pestilenz, von 4500. Es stammet zunächst von der Interjection weg her, und ist wiederum eine fruchtbare Mutter vieler anderer Wörter, worunter wächeln, fackeln, wackeln, wecken, wachen, weigern u. s. f. nach sehr bekannten Formen davon abgeleitet sind. S. Bewegen Anm.


Wegen (W3) [Adelung]


Wegen, eine Präposition, welche jederzeit mit der zweyten Endung oder dem Genitive des Nennwortes verbunden wird, und das Verhältniß der bewegenden Ursache bezeichnet. Sie kann so wohl vor, als nach dem Nennworte stehen. Wegen einer Sache besorgt seyn, und einer Sache wegen. Sie dürfen sich dieses Geschenkes wegen nicht so wohl bey mir, als bey dieser liebreichen Frau bedanken, Gell. Meiner Jahre wegen könnte ich in der Kleidung noch sehr jung thun, eb. Die Freundschaft hält mich nie wegen der Liebe schadlos, eb. Eben der Leute wegen will er nur Abends kommen, Weiße. Fehlerhaft ist es, wenn diese Präposition im Oberdeutschen so gern mit dem Dative verbunden wird. Er ist wegen seinem Fleiße belohnet worden, für wegen seines Fleißes. Eben so fehlerhaft ist es, wenn in den gemeinen Mundarten dem wegen noch ein um oder von vorgesetzet wird, welche hier ganz mußig sind. Um wegen oder von wegen seines Fleißes. Wenn diese Präposition mit einem persönlichen Pronomine verbunden werden sollte, so gehet sie mit dem Genitive desselben in Ein Wort zusammen, so daß noch das t, vermuthlich es Wohl- klanges wegen, dazwischen gesetzt wird: meinetwegen, deinetwegen, seinetwegen, unsertwegen, euertwegen, ihretwegen. Es geschiehet meinetwegen. Ich habe es deinetwegen gethan. Die Wörter Halben und Willen werden auf eden dieselbe Art mit diesen Genitiven verbunden, ( S. dieselben,) ingleichen Dein. Im Oberdeutschen gebraucht man beyde auch einzeln und getheilt; was für Angst haben wir nicht wegen ihrer ausgestanden; welches aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Indessen ist die ganze Form mit wegen mehr der vertraulichen Schreibart eigen; die edlere gebraucht dafür die ähnliche Zusammensetzung mit willen, ( S. dasselbe.) Sage es ihm von meinetwegen, oder grüße ihn von meinetwegen, d. i. in meinem Nahmen, gehöret in die niedrige Sprechart. Wenn wegen mit den Genitiven einiger anderer Pronominum zusammen gezogen wird, so fällt das t weg, und der Genitiv selbst wird verkürzt: deßwegen, weßwegen, wofür in den gemeinen Sprecharten dessentwegen, derowegen, und wessentwegen gebraucht werden.

Anm. Auch diese Präposition stammet vermittelst der adverbischen Ableitungssylbe en von der Interjection weg her.


Wegerecht (W3) [Adelung]


Wegerecht, adj. der Wege kundig. Ein wege- und stegerechter Jäger, der alle Wege und Stege kennet.


Wegerich (W3) [Adelung]


Der Wegerich, des -s, plur. inus. der Nahme einer Pflanze, ( S. Wegebreit.) Die letzte Sylbe dieses Wortes ist die Ableitungssylbe rich, S. -Rich.


Wegesäule (W3) [Adelung]


Die Wegesäule, plur. die -n, eine Säule auf der Landstraße, welche entweder die Entfernung von einem Orte zum andern, wie ein Meilenzeiger, oder auch die Bestimmung mehrerer Wege, wie ein Wegweiser, zeiget.


Wegescheide (W3) [Adelung]


Die Wegescheide, plur. die -n, der Ort, wo sich zwey oder mehrere Wege scheiden, der Scheideweg.


Wegescheu (W3) [Adelung]


Wegescheu, adj. et adv. von Pferden, wenn sie sich vor Kreuz- oder Scheidewege scheuen.


Wegeschnecke (W3) [Adelung]


Die Wegeschnecke, plur. die -n, eine Art nackter Schnecken ohne Haus, welche sich häufig in den Wegen finden lassen, Limax Linn.


Wegesenf (W3) [Adelung]


Der Wegesenf, des -es, plur. inus. ein Nahme so wohl des Hederichs, Erysimum officinale Linn. als auch des Ackersenfes oder wilden Senfes, Sinapis arvensis Linn. ingleichen auch des Sophien-Krautes, Sisymbrium Sophia Linn.


Wegessen (W3) [Adelung]


Wegessen, verb. irreg. ( S. Essen). 1. Activum, durch Essen alle machen. Alles wegessen. 2. Neutrum. Frisch hinter einander wegessen, lebhaft und ohne sich unterbrechen zu lassen, essen.


Wegestein (W3) [Adelung]


Der Wegestein, des -es, plur. die -e, Steine, welche die Gränze oder Breite der öffentlichen Landstraßen bezeichnen.


Wegestroh (W3) [Adelung]


Das Wegestroh, des -es, plur. inus. ein Nahme des Labkrautes, Galium Linn. an andern Orten auch Wallstroh.


Wegetritt (W3) [Adelung]


Der Wegetritt, des -es, plur. inus. der Nahme einer Pflanze, welche an den Wegen und auf Rainen einheimisch ist, und auch Wegegras, Angerkraut genannt wird, Polygonum aviculare Linn. Kleiner Wegetritt, Seleranthus perennis Linn. wird auch wildes Johannis-Kraut und großer Knöterich genannt.


Wegewarte (W3) [Adelung]


Die Wegewarte, plur. inus. der Nahme einer Pflanze, welche an den Wegen und Ackerländern angetroffen wird, Cichorium Linn. besonders dessen Cichorium Indybus, welches auch Hundläufte und Cichorien-Wurzel heißt, und wovon die Gartenwegewarte nur eine veredelte Art ist. Stachelige Wegewarte, Cichorium spinosum Linn. Die gelbe Wegewarte, oder das Habichtskraut ist das Hieracium Linn.


Wegezehrung (W3) [Adelung]


Die Wegezehrung, plur. die -en, was man zur Zehrung auf dem Wege, d. i. auf der Reise, gebraucht, wofür doch Zehrgeld üblicher ist. Im Oberdeutschen wird das Abendmahl, welches man einem Kranken reicht, die heilige Wegezehrung genannt.


Wegfahren (W3) [Adelung]


Wegfahren, verb. irreg. ( S. Fahren.) Es ist: 1. Neutrum. (1) Sich vermittelst eines Fuhrwerkes entfernen. Die Gäste sind schon weggefahren. (2) Sich schnell von einem Orte entfernen. Wie der Wind will ich ihr unter dem Arme wegfahren. 2. Ein Activum, vermittelst eines Fuhrwerkes wegschaffen. Den Schutt wegfahren.


Wegfallen (W3) [Adelung]


Wegfallen, verb. irreg. neutr. ( S. Fallen,) mit dem Hülfsworte haben. 1. Sich durch Fallen entfernen. Es ist mir weggefallen, aus der Hand gefallen. 2. Wegbleiben können, von Sachen. Die angegebenen Kosten fallen weg, werden nicht mit in Rechnung gebracht. Der ganze Abschnitt hätte hier wohl wegfallen können.


Wegfangen (W3) [Adelung]


Wegfangen, verb. irreg. act. ( S. Fangen,) fangen, und dadurch von seinem gewöhnlichen Orte entfernen. Einem die Tauben wegfangen. Alles Wild wegfangen.


Wegfaulen (W3) [Adelung]


Wegfaulen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, durch die Fäulniß weggeschaffet werden. Die ganze Wurzel ist weggefaulet.


Wegfeilen (W3) [Adelung]


Wegfeilen, verb. reg. act. durch Feilen wegschaffen.


Wegfischen (W3) [Adelung]


Wegfischen, verb. reg. act. welches nur figürlich, und im vertraulichen Umgange gebraucht wird, mit List und Geschwindigkeit in seine Gewalt bringen. Er hat ihm die Braut vor dem Munde weggefischt, eben da er sie schon im Besitze zu haben glaubte.


Wegfliegen (W3) [Adelung]


Wegfliegen, verb. irreg. neutr. ( S. Fliegen,) mit dem Hülfsworte seyn, sich fliegend entfernen. Die Vögel sind weggeflogen.


Wegfliehen (W3) [Adelung]


Wegfliehen, verb. irreg. neutr. ( S. Fliehen,) mit dem Hülfsworte seyn, sich durch die Flucht entfernen, wofür doch entfliehen edler und üblicher ist.


Wegfließen (W3) [Adelung]


Wegfließen, verb. irreg. neutr. ( S. Fließen,) sich fließend entfernen.


Wegflößen (W3) [Adelung]


Wegflößen, verb. reg. act. das Factitivum des vorigen, wegschwimmen machen. Holz wegflößen.


Wegfressen (W3) [Adelung]


Wegfressen, verb. irreg. act. ( S. Fressen,) durch Fressen alle machen. Die Heuschrecken haben alles Getreide weggefressen.


Wegführen (W3) [Adelung]


Wegführen, verb. reg. act. von einem Orte führen. Jemanden bey der Hand wegführen. Ingleichen vermittelst eines Fuhrwerkes wegschaffen. Den Schutt wegführen. Daher die Wegführung.


Weggabeln (W3) [Adelung]


Weggabeln, verb. reg. act. nur im gemeinen Leben, und figürlich, wie wegfischen. Er hat ihm seine Braut vor der Nase weggegabelt.


Weggeben (W3) [Adelung]


Weggeben, verb. irreg. act. ( S. Geben,) von sich geben, andern geben. Alles weggeben.


Weggehen (W3) [Adelung]


Weggehen, verb. irreg. neutr. ( S. Gehen,) mit dem Hülfsworte seyn. 1. Von einem Orte gehen, sich vermittelst der Füße entfernen. Unverrichteter Sache weggehen. Keinen ungetröstet von sich weggehen lassen. 2. Zuweilen auch von Waaren, für abgehen. Die Waare gehet reißend weg.


Weggießen (W3) [Adelung]


Weggießen, verb. irreg. act. ( S. Gießen,) gießend entfernen, wegschaffen. Den verdorbenen Wein weggießen.


Weghaben (W3) [Adelung]


Weghaben, verb. irreg. act. ( S. Haben.) 1. Etwas weghaben, es bereits empfangen haben. Ja, das Küchenmädchen hat richtig eine Ohrfeige von ihr weg, Hermes. 2. Etwas weghaben, es einsehen, versiehen. Ich darf nur ein Wort mit jemanden reden, so habe ich den ganzen Menschen weg, so kenne ich seine ganze Gemüths- und Denkungsart, Less. 3. Er hat es bey mir weg, er hat es bey mir verdorben.


Weghängen (W3) [Adelung]


Weghängen, verb. reg. act. an einen andern Ort hängen.


Weghalten (W3) [Adelung]


Weghalten, verb. irreg. act. ( S. Halten,) entfernt halten. Die Hand, das Glas weghalten.


Weghaschen (W3) [Adelung]


Weghaschen, verb. reg. act. von einem Orte haschen, erhaschen.


Weghauen (W3) [Adelung]


Weghauen, verb. irreg. act. ( S. Hauen,) durch Hauen absondern, abhauen. Einen Ast, einem den Kopf weghauen.


Wegheben (W3) [Adelung]


Wegheben, verb. irreg. act. ( S. Heben,) von einem Orte heben. Einen Kasten wegheben.


Weghetzen (W3) [Adelung]


Weghetzen, verb. reg. act. durch Hetzen entfernen.


Weghinken (W3) [Adelung]


Weghinken, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, von einem Orte hinken, sich hinkend entfernen.


Weghohlen (W3) [Adelung]


Weghohlen, verb. reg. act. von einem Orte hohlen.


Weghüpfen (W3) [Adelung]


Weghüpfen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, von einem Orte hüpfen, davon hüpfen.


Wegjagen (W3) [Adelung]


Wegjagen, verb. reg. act. aus einem Orte jagen, davon jagen.


Wegkapern (W3) [Adelung]


Wegkapern, verb. reg. act. durch List und Geschwindigkeit in seine Gewalt bringen. Ein Schiff auf der See, einen Brief, einen Recruten wegkapern.


Wegkaufen (W3) [Adelung]


Wegkaufen, verb. reg. act. durch Kauf einem andern entziehen. Alles Getreide wegkaufen. Einem andern etwas wegkaufen.


Wegkehren (W3) [Adelung]


Wegkehren, verb. reg. act. 1. Von kehren, wenden, auf solche Art entfernen. Das Gesicht von etwas wegkehren, wegwenden. 2. Von kehren, verrere, auf solche Art entfernen. Eine Unreinigkeit wegkehren.


Wegkommen (W3) [Adelung]


Wegkommen, verb. irreg. neutr. ( S. Kommen,) mit dem Hülfsworte seyn. 1. Aus seiner Wohnung kommen; im gemeinen Leben. Ich bin heute nicht weggekommen, nicht aus dem Hause gekommen. 2. Davon kommen, in verschiedenen figürlichen Ausdrücken. Dießmahl kam ich mit der bloßen Furcht weg, außer der Furcht widerfuhr mir nichts. Ich bin mit ihm so ziemlich weggekommen, aus einander gekommen. Ich komme dabey am schlimmsten weg, leide dabey am meisten. 3. Verloren geben. Die Sache ist mir weggekommen, ich weiß nicht wie.


Wegkönnen (W3) [Adelung]


Wegkönnen, verb. irreg. neutr. ( S. Können,) mit dem Hülfsworte haben, für weggehen können. Er kann nicht weg, kann oder darf den Ort nicht verändern.


Wegkriechen (W3) [Adelung]


Wegkriechen, verb. irreg. neutr. ( S. Kriechen,) mit dem Hülfsworte seyn, sich kriechend entfernen, davon kriechen.


Weglassen (W3) [Adelung]


Weglassen, verb. irreg. act. ( S. Lassen.) 1. Von sich lassen, sich entfernen lassen. Einen Freund nicht weglassen wollen. 2. In eines andern Besitz nicht kommen lassen. Bey dem Verkaufe einer Sache, dieselbe nicht weglassen. 3. Nicht berühren, nicht erwähnen, auslassen. Im Schreiben eine Stelle weglassen, auslassen. Nicht weglassen, was zur Sache gehöret. Daher das Weglassen, und in der letzten Bedeutung auch die Weglassung.


Weglaufen (W3) [Adelung]


Weglaufen, verb. irreg. neutr. ( S. Laufen,) mit dem Hülfsworte seyn, sich laufend entfernen, davon laufen.


Weglegen (W3) [Adelung]


Weglegen, verb. reg. act. an einen andern Ort legen.


Wegleihen (W3) [Adelung]


Wegleihen, verb. irreg. act. ( S. Leihen,) an einen andern leihen, verleihen.


Wegleiten (W3) [Adelung]


Wegleiten, verb. reg. act. an einen andern Ort leiten. Das Wasser wegleiten.


Wegleuchten (W3) [Adelung]


Wegleuchten, verb. reg. act. einem Weggehenden leuchten.


Weglocken (W3) [Adelung]


Weglocken, verb. reg. act. von einem Orte locken. So auch das Weglocken und die Weglockung.


Wegmachen (W3) [Adelung]


Wegmachen, verb. reg. 1. Wegwischen, weglöschen, wegkehren, u. s. f. 2. Sich wegmachen, sich entfernen.


Wegmarschiren (W3) [Adelung]


Wegmarschiren, verb. reg. mit dem Hülfsworte seyn, von einem Orte marschieren. Das Regiment ist heute wegmarschiret.


Wegmüssen (W3) [Adelung]


Wegmüssen, verb. irreg. neutr. ( S. Müssen,) mit dem Hülfsworte haben. 1. Sich entfernen müssen. Er hat weggemußt, er mußte weggehen, wegreisen. 2. Fortgeschaffet werden müssen. Dieser Ast muß weg.


Wegnehmen (W3) [Adelung]


Wegnehmen, verb. irreg. act. ( S. Nehmen.) 1. Von einem Orte nehmen. Ein Buch von dem Tische wegnehmen. 2. Mit Gewalt in seinen Besitz bringen. Einen etwas wegnehmen, es ihm vor dem Munde wegnehmen. Ein Schiff auf der See wegnehmen. Eine Stadt wegnehmen, erobern. 3. Das nimmt mir viel Zeit weg, kostet mir viel Zeit. So auch die Wegnehmen, und die Wegnehmung.


Wegpacken (W3) [Adelung]


Wegpacken, verb. reg. act. 1. An einen andern Ort packen. 2. Sich wegpacken, in der harten und niedrigen Sprechart, sich entfernen, sich wegmachen.


Wegpartiren (W3) [Adelung]


Wegpartiren, verb. reg. act. nur im gemeinen Leben, durch List entwenden. Einem etwas wegpartiren; auch wegpractisiren.


Wegpeitschen (W3) [Adelung]


Wegpeitschen, verb. reg. act. mit der Peitsche entfernen, fortpeitschen.


Wegpractisiren (W3) [Adelung]


Wegpractisiren, verb. reg. act. im gemeinen Leben, wie wegpartiren.


Wegprügeln (W3) [Adelung]


Wegprügeln, verb. reg. act. mit dem Prügel forttreiben.


Wegputzen (W3) [Adelung]


Wegputzen, verb. reg. act. durch Putzen, d. i. Reinigen, fortschaffen.


Wegradieren (W3) [Adelung]


Wegradieren, verb. reg. act. durch Radieren wegschaffen, ausradieren.


Wegraffen (W3) [Adelung]


Wegraffen, verb. reg. act. Einem etwas wegraffen, wegreißen. Der Tod, die Pest rafft viele Menschen weg, es sterben viele Menschen.


Wegrauben (W3) [Adelung]


Wegrauben, verb. reg. act. durch Raub, oder als einen Raub einem andern entziehen. Einem etwas wegrauben.


Wegräumen (W3) [Adelung]


Wegräumen, verb. reg. act. an einen andern Ort räumen. So auch das Wegräumen und die Wegräumung.


Wegreiben (W3) [Adelung]


Wegreiben, verb. irreg. act. ( S. Reiben,) durch Reiben wegschaffen, entfernen. Den Schmutz wegreiben.


Wegreise (W3) [Adelung]


Die Wegreise, plur. inus. die Reise von einem Orte, wofür doch Abreise edler ist.


Wegreisen (W3) [Adelung]


Wegreisen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, von oder aus einem Orte reisen, sich reisend entfernen.


Wegreißen (W3) [Adelung]


Wegreißen, verb. irreg. act. ( S. Reißen.) 1. Einem etwas wegreißen, es aus seinem Besitze reißen. 2. Etwas wegreißen, z. B. ein angenageltes Bret, ein befestigtes Schloß, es mit Gewalt losmachen. Eine Mauer, ein Gebäude, ein Haus wegreißen, sie einreißen und wegschaffen. So auch das Wegreißen und die Wegreißung.


Wegreiten (W3) [Adelung]


Wegreiten, verb. irreg. neutr. ( S. Reiten,) mit dem Hülfsworte seyn, von einem Orte reiten.


Wegrollen (W3) [Adelung]


Wegrollen, verb. reg. act. von einem Orte rollen. Große Steine wegrollen.


Wegrudern (W3) [Adelung]


Wegrudern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, sich vermittelst der Ruder von einem Orte entfernen.


Wegrücken (W3) [Adelung]


Wegrücken, verb. reg. 1. Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, von einem Orte rücken, d. i. langsam ziehen. Die Armee ist von der Ebene weggerücket. 2. Activum, von seinem Orte rücken. Den Tisch wegrücken.


Wegrufen (W3) [Adelung]


Wegrufen, verb. irreg. act. ( S. Rufen,) von einem Orte rufen.


Wegsägen (W3) [Adelung]


Wegsägen, verb. reg. act. mit der Säge wegschaffen.


Wegsaugen (W3) [Adelung]


Wegsaugen, verb. irreg. act. ( S. Saugen,) durch Saugen wegschaffen.


Wegschaben (W3) [Adelung]


Wegschaben, verb. reg. act. durch Schaben wegbringen.


Wegschaffen (W3) [Adelung]


Wegschaffen, verb. reg. act. machen, daß etwas wegkomme, oder entfernet werde; ein sehr allgemeiner Ausdruck, welcher die Art und Weise, oder das Mittel völlig unbestimmt läßt. Einen Bedienten wegschaffen, ihn mit Unwillen abdanken. Einen Müssiggänger wegschaffen, aus der Stadt schaffen. Man schaffet etwas weg, wenn man es verkaufet. Der Arzt schafft das Fieber weg, wenn er es vertreibet. Und so in andern Fällen mehr. So auch das Wegschaffen und die Wegschaffung.


Wegschauen (W3) [Adelung]


Wegschauen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, für wegsehen, nur im Oberdeutschen; allenfalls auch in der höhern Schreibart der Hochdeutschen.


Wegschaufeln (W3) [Adelung]


Wegschaufeln, verb. reg. act. mit der Schaufel, oder mit Schaufeln wegschaffen.


Wegscheren (W3) [Adelung]


1. Wegscheren, verb. irreg. act. ( S. Scheren,) mit dem Schermesser wegschaffen. Den Bart wegscheren.


Wegscheren (W3) [Adelung]


2. Wegscheren, verb. irreg. recipr. ( S. Scheren,) welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, weggehen, sich entfernen.


Wegschenken (W3) [Adelung]


Wegschenken, verb. reg. act. aus seinem Besitze schenken, verschenken. Ein Gut verschenken. Alles wegschenken.


Wegscheuchen (W3) [Adelung]


Wegscheuchen, verb. reg. act. von einem Orte scheuchen, verscheuchen.


Wegschicken (W3) [Adelung]


Wegschicken, verb. reg. act. an einem andern Ort schicken. Einen Bedienten wegschicken, Waaren wegschicken.


Wegschieben (W3) [Adelung]


Wegschieben, verb. irreg. act. ( S. Schieben,) von einer Stelle schieben, schiebend entfernen. Einen Kasten, einen Tisch wegschieben.


Wegschießen (W3) [Adelung]


Wegschießen, verb. irreg. act. ( S. Schießen,) durch Schießen wegschaffen. Alles Wild wegschießen.


Wegschiffen (W3) [Adelung]


Wegschiffen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, sich zu Schiffe entfernen.


Wegschlagen (W3) [Adelung]


Wegschlagen, verb. irreg. act. ( S. Schlagen,) mit Schlägen entfernen. Den Feind von der Stadt wegschlagen.


Wegschläudern (W3) [Adelung]


Wegschläudern, verb. reg. act. durch schläudern entfernen.


Wegschleichen (W3) [Adelung]


Wegschleichen, verb. irreg. recipr. ( S. Schleichen.) Sich wegschleichen, sich schleichend entfernen, davon schleichen.


Wegschleifen (W3) [Adelung]


Wegschleifen, verb. irreg. act. ( S. Schleifen,) durch Schleifen wegschaffen.


Wegschleifen (W3) [Adelung]


Wegschleifen, verb. reg. act. auf der Schleife wegschaffen. Waaren wegschleifen.


Wegschleppen (W3) [Adelung]


Wegschleppen, verb. reg. act. von einem Orte schleppen.


Wegschmeißen (W3) [Adelung]


Wegschmeißen, verb. irreg. act. welches im gemeinen Leben für wegwerfen üblich ist. S. Schmeißen.


Wegschmelzen (W3) [Adelung]


Wegschmelzen, verb. irreg. zuweilen auch reg. ( S. Schmelzen.) Es ist 1. ein Neutrum, wo es jederzeit irregulär gehet, schmelzen und wegfließen. 2. Ein Activum, wo es von einigen auch regulär conjugiret wird, durch Schmelzen wegschaffen.


Wegschnappen (W3) [Adelung]


Wegschnappen, verb. reg. act. schnappend wegfangen, und nach einer niedrigen Figur, durch Geschwindigkeit in seinem Besitz bringen.


Wegschneiden (W3) [Adelung]


Wegschneiden, verb. irreg. act. ( S. Schneiden,) schneidend, durch einen oder mehrere Schnitte wegschaffen.


Wegschnellen (W3) [Adelung]


Wegschnellen, verb. reg. act. schnellend, durch einen Schneller entfernen.


Wegschrecken (W3) [Adelung]


Wegschrecken, verb. reg. act. durch Schreck entfernen.


Wegschütten (W3) [Adelung]


Wegschütten, verb. reg. act. aus einem Behältnisse schütten, und auf solche Art entfernen. Von flüssigen Körpern auch weggießen.


Wegschwemmen (W3) [Adelung]


Wegschwemmen, verb. reg. act. wegschwimmen machen; ingleichen durch vieles Wasser wegfließen machen. Die Fluth schwemmet den Damm weg.


Wegschwimmen (W3) [Adelung]


Wegschwimmen, verb. irreg. neutr. ( S. Schwimmen), mit dem Hülfsworte seyn, sich schwimmend entfernen.


Wegsegeln (W3) [Adelung]


Wegsegeln, verb. reg. neutr. auch mit dem Hülfsworte seyn, sich vermittelst der Segel entfernen.


Wegsehen (W3) [Adelung]


Wegsehen, verb. irreg. neutr. ( S. Sehen,) mit dem Hülfsworte haben, die Augen von etwas wegwenden, entfernen. Von einem Dinge wegsehen.


Wegsenden (W3) [Adelung]


Wegsenden, verb. irreg. act. welches zuweilen in der edlern Schreibart für wegschicken gebraucht wird. Daher die Wegsendung.


Wegsengen (W3) [Adelung]


Wegsengen, verb. reg. act. durch Sengen wegschaffen.


Wegsetzen (W3) [Adelung]


Wegsetzen, verb. reg. act. 1. Von einem Orte setzen, an einen andern Ort setzen. Einen Stuhl wegsetzen. 2. Ein Kind wegsetzen, es heimlich an einen öffentlichen Ort setzen, um dessen los zu werden. 3. Sich über andere wegsetzen, sich besser, vornehmer, weiser dünken. 4. Sich über etwas wegsetzen, es nicht achten, es für geringe halten. Er glaubt, daß sein Adel ihn über diese Pflicht wegsetze, ihn dazu nicht verbinde. So auch die Wegsetzung.


Wegseyn (W3) [Adelung]


Wegseyn, verb. irreg. neutr. ( S. Seyn,) welches sich selbst zum Hülfsworte nimmt. 1. Abwesend seyn, entfernt seyn. Er ist schon drey Jahre von Hause weg. 2. Vergangen, verloren, verstrichen seyn. Die Zeit ist weg. Weg ist die Furcht! 3. Über etwas weg seyn, sich durch Fleiß oder Mühe desselben entschlagen, erlediget haben. Über diese Pedanterey bin ich lange hinweg.


Wegsprechen (W3) [Adelung]


Wegsprechen, verb. irreg. ( S. Sprechen.) 1. Ein Neutrum, mit haben. Frey vom Herzen wegsprechen, ohne Zurückhaltung. 2. Ein Activum, sich durch die Sprache, durch Worte entledigen. Als er seine erste Angst von dem Herzen weggesprochen hatte.


Wegsprengen (W3) [Adelung]


Wegsprengen, verb. reg. act. wegspringen machen. Ein hervorragendes Felsstück mit Pulver wegsprengen.


Wegspringen (W3) [Adelung]


Wegspringen, verb. irreg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, sich springend entfernen, von einem Orte springen.


Wegspühlen (W3) [Adelung]


Wegspühlen, verb. reg. act. durch Wasser, oder im Wasser wegfließen machen. Der Fluß spühlet die Erde, das Ufer weg.


Wegstechen (W3) [Adelung]


Wegstechen, verb. irreg. act. ( S. Stechen,) durch Stiche entfernen, mit einem spitzigen Werkzeuge wegschaffen.


Wegstecken (W3) [Adelung]


Wegstecken, verb. reg. act. 1. An einen andern Ort stecken. Die Blumen wegstecken. 2. Mit der Nadel an einem andern Orte befestigen. Die Schleife wegstecken. 3. Verstecken.


Wegstehlen (W3) [Adelung]


Wegstehlen, verb. irreg. act. ( S. Stehlen,) durch einen Diebstahl entwenden. Einem sein Geld wegstehlen. Sich wegstehlen, heimlich entfernen, sich wegschleichen.


Wegsterben (W3) [Adelung]


Wegsterben, verb. irreg. neutr. ( S. Sterben,) mit seyn, durch den Tod entfernt werden. Alle meine Freunde sind indessen weggestorben.


Wegstoßen (W3) [Adelung]


Wegstoßen, verb. irreg. act. ( S. Stoßen,) durch einen Stoß entfernen.


Wegstreichen (W3) [Adelung]


1. Wegstreichen, verb. irreg. neutr. ( S. Streichen,) mit seyn, sich streichend entfernen, besonders von den Zugvögeln, wenn sie die kältern Gegenden im Herbste verlassen.


Wegstreichen (W3) [Adelung]


2. Wegstreichen, verb. irreg. act. ( S. Streichen.) 1. Streichend entfernen. Sein Geld wegstreichen, einstreichen. 2. Ausstreichen. Ein Wort, eine Zeile wegstreichen.


Wegthun (W3) [Adelung]


Wegthun, verb. irreg. act. welches so wie wegschaffen, eigentlich ein allgemeiner Ausdruck ist, aber doch am häufigsten im gemeinen Leben für weglegen gebraucht wird. S. Thun.


Wegtraben (W3) [Adelung]


Wegtraben, verb. reg. neutr. mit seyn, sich trabend entfernen.


Wegtragen (W3) [Adelung]


Wegtragen, verb. irreg. act. ( S. Tragen,) von einem Orte tragen. So auch die Wegtragung.


Wegtreiben (W3) [Adelung]


Wegtreiben, verb. irreg. act. ( S. Treiben,) von oder aus einem Orte treiben. Die Fliegen, das Vieh wegtreiben.


Wegtreten (W3) [Adelung]


Wegtreten, verb. irreg. ( S. Treten,) 1. Neutrum, mit seyn, von einem Orte treten, sich durch einen Tritt entfernen. Von etwas wegtreten. 2. Activum, durch Treten wegschaffen. Die Absätze wegtreten, durch vieles Gehen abnutzen.


Wegwallen (W3) [Adelung]


Wegwallen, verb. reg. act. sich wallend entfernen, nur in der dichterischen Schreibart. Schön wallet dein dunkles Haar unter dem Blumenkranz weg, und spielet mit den Winden, Geßner.


Wegwälzen (W3) [Adelung]


Wegwälzen, verb. reg. act. von einem Orte wälzen. Einen Stein wegwälzen.


Wegwandern (W3) [Adelung]


Wegwandern, verb. reg. neutr. mit seyn, von einem Orte wandern.


Wegwaschen (W3) [Adelung]


Wegwaschen, verb. reg. act. waschend entfernen. Das Wasser wäschet die Erde weg.


Wegwehen (W3) [Adelung]


Wegwehen, verb. reg. act. wehend entfernen, von dem Winde.


Wegweisen (W3) [Adelung]


Wegweisen, verb. irreg. act. ( S. Weisen,) von einem Orte wegweisen. Einen wegweisen, d. i. weggehen heißen.


Wegweiser (W3) [Adelung]


Der Wegweiser, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine Person, welche einem andern den Weg weiset, oder zeiget. 2. Eine Säule mit Armen, welche auf die Wegscheiden gesetzt wird, und den Ort, wohin jeder Weg gehet, benennet; ehedem Leitsage. Es ist von Weg, via, und das einzige von dessen Zusammensetzungen, welches das e nach dem g nicht hat, obgleich dieses deßhalb doch gelinde lautet.


Wegwenden (W3) [Adelung]


Wegwenden, verb. irreg. act. ( S. Wenden,) von etwas wenden. Sich wegwenden. Die Augen wegwenden.


Wegwerfen (W3) [Adelung]


Wegwerfen, verb. irreg. act. ( S. Werfen,) von sich werfen, durch einen Wurf entfernen. Figürlich, zuweilen so viel als weglassen, nicht zählen, sprechen, schreiben u. s. f. Daher einige den Apostropi in der Orthographie das Wegwerfungszeichen, nennen.


Wegwetzen (W3) [Adelung]


Wegwetzen, verb. reg. act. durch Wetzen wegschaffen.


Wegwischen (W3) [Adelung]


Wegwischen, verb. reg. act. durch Wischen wegschaffen.


Wegwitzeln (W3) [Adelung]


Wegwitzeln, verb. reg. act. durch witzige Gründe wegschaffen, aufhören machen. Es gibt schöne Geister, welche uns die Religion ganz wegwitzeln wollen.


Wegwünschen (W3) [Adelung]


Wegwünschen, verb. reg. act. wünschen, daß etwas weg sey.


Wegzaubern (W3) [Adelung]


Wegzaubern, verb. reg. act. durch Zauberey wegschaffen.


Wegzerren (W3) [Adelung]


Wegzerren, verb. reg. act. von einem Orte zerren.


Wegziehen (W3) [Adelung]


Wegziehen, verb. irreg. ( S. Ziehen.) Es ist: 1. Activum, etwas von einem Orte ziehen, ziehend entfernen. Auch figürlich durch Überredung. Jemanden aus der Stadt wegziehen, ihn bereden, selbige zu verlassen. 2. Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, einen Ort verlassen, in solchen Fällen, wo das einfache ziehen gebraucht wird. Der Feind ist von der Stadt weggezogen. Wegziehen, sich an einem andern Ort niederlassen.


Wegzug (W3) [Adelung]


Der Wegzug, des -es, plur. inus. das Wegziehen, doch nur von dem Neutro wegziehen.


Weh,Wehe (W3) [Adelung]


Weh oder Wehe, eine Partikel, welche auf gedoppelte Art gebraucht wird. 1. Als eine Interjection, welches ihre erste und ursprüngliche Bestimmung ist. (1) Als ein natürlicher und thierischer Ausruf eines empfundenen heftigen Schmerzens. Weh! An Weh! Ach und weh schreyen. In welchem Falle sie nie ein e am Ende bekommt. (2) Ein bevorstehendes oder schon gegenwärtiges Unglück anzukündigen, mit dem Dative der Person; in welcher Bedeutung sie das e am Ende bald bekommt, bald nicht bekommt. Wehe mir Armen! Wehe den Heuchlern! Wehe den Gottlosen! Wehe mir, wehe des nahmenlosen Jammers! Weiße. Weh dem zerrissenen Staat, Der Wollen zu Gesetzen, zu Bürgern Frevler hat, Dusch. 2. Als ein Adverbium, Comparat. weher, Superlat. am wehesten, Schmerzen verursachend, doch nur mit einigen Verbis; bald weh, bald wehe. Am häufigsten mit thun. Es thut mir wehe, es schmerzet mir, so wohl von physischen als moralischen Schmerzen. Wenn dir der Kopf wehe thut, wenn du Kopfschmerzen empfindest. Es that ihm kein Finger wehe. Einem wehe thun, ihm Schmerzen verursachen. Es mag dir wohl weh thun, das deine Schwester so reich heirathet, es mag dich kränken, Gell. Es thut mir in der Seele weh. Ein Lobspruch, den ich mir nicht zueignen kann, thut mir weher, als ein verdienter Verweis, Gell. Was mir am wehesten thut, ist ec. Im Oberdeutschen gebraucht man es auch noch mit dem Verbis seyn und werden, mit welchen es aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Es ist mir wehe, ich befinde mich nicht wohl, es ist mir übel. Es wird mir wehe, übel. Ingleichen figürlich, es ist ihm weh darnach, er sehnet sich darnach.

Anm. Die Interjection lautet schon von den ältesten Zeiten an we, bey dem Ulphilas vai, im Wallisischen gwae, im Angelsächsischen wa, we, im Englischen wo, woe, im Lat. vae, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - u. s. f. daher man sie, so wie ach! o! und andere ähnliche immer einen Naturlaut halten kann.


Weh (W3) [Adelung]


Das Weh, des -es, plur. die -e, oder das Wehe, des -s, plur. ut nom. sing. die vorige Interjection als ein Substantiv gebraucht. Das Wehe über jemanden ausrufen. Alle diese Wehe treffen mich nicht, diese mit dem Worte Wehe! verbundenen Ankündigungen eines Unglückes.


Wehen (W3) [Adelung]


Wehen, verb. reg. act. et neutr. im letzten Falle mit dem Hülfsworte haben, welches eigentlich von der gewöhnlichen Bewe- gung des Windes gebraucht wird. Der Wind wehet. Der Wind hat diese Nacht gewehet. Weil eben ein frisches Lüftchen wehete. Ingleichen von den Fahnen, wenn sie von dem Winde beweget werden. Die Fahnen wehen lassen. Auch als ein Activum. Der Wind hat allen Sand auf einen Haufen gewehet. Daher das Wehen.

Anm. Bey den alten Oberdeutschen Schriftstellern waien, im Niederd. weihen, bey dem Ulphilas waian, im Pohln. wieie, ich wehe, im Sclavonischen witi, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es ist eine unmittelbare Onomatopöie der von dem Winde bewegten Luft, daher sie in so vielen andern gewiß nicht verwandten Sprachen angetroffen wird, z. B. in der Patagonischen, wo Oui, der Wind ist. Unser Wind und das Lat. Ventus, sind davon gebildet, so wie wächeln, fächeln; und andere mehr.


Wehfrau (W3) [Adelung]


Die Wehfrau, plur. die -en, eine Frau, welche den Gebärenden in den Wehen beystehet, d. i. eine Hebamme, welche auch wohl Wehmutter genannt wird.


Wehklage (W3) [Adelung]


Die Wehklage, plur. die -n. 1. Laute Klage über einen hohen Grad des Schmerzens, oder über ein drückendes Übel. Besonders das ehemahlige Klagegeschrey vor den Sterbehäusern. 2. Bey dem großen Haufen, eine Art Gespenst; welches durch sein Klagegeschrey Menschen vor gefährlichen Örtern warnen soll; die Klagefrau. Ein noch von den Wenden herrührender Aberglaube, welcher 1798 einem Stückknechte sehr traurig ward, der bey der Nacht in den sumpfigen Rohrteich bey Wermsdorf gerieth, und darin umkommen mußte, ungeachtet er drey Tage und Nächte um Hülfe schrie, weil man sein Geschrey für die Stimme der Wehklage hielt, welche jedermann vor dieser Gegend warne. 3. Eine Art Nachtvogel, besonders auf dem Harze, welcher zu gewissen Zeiten eine klägliche Stimme hören läßt, die Klagemutter, Todtenuhr. S. Klagefrau.


Wehklagen (W3) [Adelung]


Wehklagen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, eine solche Klage führen, oder hören lassen; im gemeinen Leben, lamentiren. Über etwas wehklagen. Daher das Wehklagen.


Wehmuth (W3) [Adelung]


Die Wehmuth, plur. car. ein hoher Grad der Traurigkeit, derjenige Zustand der Seele, da sie auf allen Seiten von unangenehmen Empfindungen angegriffen wird, ohne doch denselben unterzuliegen. Ich konnte mich der Wehmuth kaum erwehren, Gell. Mein Herz, von deinen Tönen erweicht, schmilzt in süßer Wehmuth. Man siehet leicht, daß es mit dem Adverbio weh zusammen gesetzt ist, so wie Schwermuth, Kleinmuth, Großmuth u. a. m.


Wehmüthig (W3) [Adelung]


Wehmüthig, -er, -ste, adj. et adv. Wehmuth empfindend, ingleichen in der Wehmuth gegründet. Ein wehmüthiges Herz. Wehmüthig bitten. Eine wehmüthige Bitte.


Wehmuthigkeit (W3) [Adelung]


Die Wehmuthigkeit, plur. car. die Wehmuth als einen Zustand betrachtet, wofür doch Wehmuth üblicher ist.


Wehmutter (W3) [Adelung]


Die Wehmutter, plur. die -mütter, eine Hebamme, wie Wehfrau, im gemeinen Leben Kindermutter.


Wehr (W3) [Adelung]


Die Wehr, zuweilen auch die Wehre, plur. die Wehren, von dem Verbo wehren. 1. Die Handlung, da man sich wehret, sich gegen einen Angriff vertheidiget; eine veraltete Bedeutung, welche nur noch in der R. A. übrig ist, sich zur Wehre stellen, sich vertheidigen wollen, Anstalt zur Vertheidigung machen. Üblicher ist es noch in den Zusammensetzungen Gegenwehr, und Nothwehr. 2. Dasjenige, womit man sich wehret, da es ehedem mit Waffe gleich bedeutend war, und alle Werkzeuge, so wohl zum Angriffe, als zur Vertheidigung, bezeichnete, z. B. Degen, Spieße, Lanzen, Dolche u. s. f. Die Wehr blößen. Jemand mit entblößter Wehr anfallen. Wehr und Waffen, allerley Gewehr. Auch in dieser Bedeutung ist es veraltet, seitdem Gewehr üblicher geworden ist, daher es nur noch zuweilen theils in dem Gerichtsstyl, theils in der dichterischen Schreibart, vorkommt. Blitzet ein fürchterlich Gemisch entblößter Wehren um ihn her, Denis. Bey den Jägern werden noch zuweilen die Klauen und Hauzähne der fleischfressenden Thiere, so wohl Waffen, als Wehren, genannt. 3. Zum Feldbaue nöthige Werkzeug, und, in weiterer Bedeutung, alles, was zur Landwirthschaft nothwendig ist, besonders die so genannten Inventarien-Stücke; vermuthlich, so fern jedes Werkzeug ehedem auch so wohl Wehr, als Waffe, genannt wurde. Diese Bedeutung ist noch mehr veraltet, es eine der vorigen, und nur noch in den Zusammensetzungen Hofwehr und Wehrvieh übrig. ( S. dieselben.) In Westphalen ist der Wehr ein freyer Laubbesitzer, die Wehre; dessen Haus mit dem innern Hofraum, der Wehrfester, der Hauswirth, und das Wehrgut, dessen Gut. 4. Ein Werk, welches einen Feind abzuhalten, ihm zu wehren, geschickt ist; ein ehedem sehr allgemeines Wort, welches nicht allein Festungswerke, Wälle, Mauern, Dämme und Schlösser, sondern auch den Schutz selbst, bezeichnete. Gott ist mein Schloß und hohe Wehre, Opitz. Auch diese Bedeutung ist für sich allein veraltet, ob sie gleich noch in den Zusammensetzungen Brustwehr, Landwehr, Schutzwehr u. s. f. lebt Bey den Jägern ist eine lebendige Wehr, wenn ein Ort statt des Jagdzeuges mit Menschen besetzet wird, das Wild abzuhalten, gleichsam eine lebendige Mauer. Das folgende, das Wehr, ist noch ein Überbleibsel davon, nur daß es sein Geschlecht verändert hat.

Anm. Schon bey dem ältesten Oberdeutschen Schriftstellern wer und wara, welches letztere schon bey dem Ottfried Schutz bedeutet, und zunächst zu dem nahe verwandten wahren in bewahren zu gehören scheinet. ( S. Wehren.) Mit dem weiblichen e, Wehre, ist diese Wort im Hochdeutschen seltener, als ohne dasselbe.


Wehr (W3) [Adelung]


Das Wehr, des -es, plur. die -e, das vorige Wort, nur mit verändertem Geschlechte, welches besonders in einer doppelten Bedeutung üblich ist. 1. Ein Damm durch einen Fluß oder anderes Wasser, das elbe dadurch in einer gewissen Höhe zu halten. Das Mühlwehr, zur Erhöhung des Mühlwassers; das Kunstwehr, zum Behuf einer Wasserkunst oder Wasserleitung. Im Niedersächsischen lautet es in dieser Bedeutung Ware, in Schwaben und der Schweiz aber Wuhr, welches Wort schon im Schwabenspiegel vorkommt. Der Bär im Festungsbaue, der gleichfalls einen Damm in einem Festungsgraben bezeichnet, scheinet eben dasselbe Wort, aber ein wenig mehr veranstaltet, zu seyn. 2. Im Bergbaue ist das Wehr ein Feldmaß von 2 Lehen oder 14 Klaftern, da es denn, wenn ein Zahlwort vorher gehet, im Plural, wie andere Wörter dieser Art, unverändert bleibt. Zwey Wehr machen daselbst eine Maß, drey Wehr aber eine Fundgrube. Es scheinet in dieser Bedeutung nicht unmittelbar von wehren, abwenden, sondern zunächst von währ in Gewähr, abzustammen, und eigentlich den versicherten Besitz und hernach den Gegenstand desselben zu bezeichnen. Dahin gehöret denn auch, wenn Wehr ehedem im Niederdeutschen einen jeden versicherten und ruhigen Besitz, Haus und Hof, Habe und Gut u. s. f. bedeutete.


Wehrbaum (W3) [Adelung]


Der Wehrbaum, des -es, plur. die -bäume, derjenige Baum an einem Wehre, welcher das Wasser in der gesetzmäßigen Höhe erhält, und der auch unter dem Nahmen des Fachbaumes bekannt ist. S. dasselbe.


Wehrbock (W3) [Adelung]


Der Wehrbock, des -es, plur. die -böcke, im Bergbaue, an den Feldgestängen, ein Bock oder Gerüst mit einem Nebengestänge, damit nicht die ganze Last an einem krummen Zapfen allein hängen möge; auch der Wendebock.


Wehrdamm (W3) [Adelung]


Der Wehrdamm, des -es, plur. die -dämme, im Wasserbaue, ein Damm, welcher vor einem andern Damme aufgeführet wird, dessen Beschädigung von dem Wasser abzuwehren.


Wehreisen (W3) [Adelung]


Das Wehreisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Eisen, etwas abzuwehren, besonders im Bergbaue, wo so wohl ein gewisses Eisen, womit ein Geschlepp an die Kunst gehänget wird, als auch ein Eisen in dem Schürloche des Brenners, die Beschädigung des Mauerwerkes zu verhüthen, diesen Nahmen führet.


Wehren (W3) [Adelung]


Wehren, verb. reg. act. welches in einer doppelter Bedeutung gebraucht wird. 1. Einhalt thun, machen, daß ein Ding und dessen Wirkung sich nicht verbreite, so wohl mit dem Dativ der Person, und dessen was ihre Stelle vertritt, allein, als auch, obgleich seltener, mit beygefügtem Accusativ der Sache. Man wehret einem, wenn man ihm in einer Bewegung, oder auch in einer Sache, Einhalt thut. Er läßt sich nicht wehren. Sie beuth sich an, du aber wehrest ihr, Gell. Einem etwas wehren. Es wird dirs niemand wehren. Man wollte ihm das Reden wehren. Dem Feuer, dem Wasser wehren, dessen Ausbreitung Einhalt thun. Einem Übel, eines Wuth, seinen Begierden wehren. Dem Müßiggange wehren. Man muß seinem Ernste wehren, daß er nicht mürrisch werde. Ihre bey derseitige Treue wehrt dem feindseligen Verdachte und der tödtenden Eifersucht, Gell. 2. Widerstand leisten, als ein Reciprocum, sich wehren, es geschehe nun auf welche Art es wolle. Sich gegen einen Feind wehren. Sich seiner Haut wehren, seine Person und sein Loben vertheidigen. Die Besatzung hat sich bis auf das äußerste, bis auf den letzten Mann gewehret. Daher das Wehren, doch nur zuweilen in der ersten Bedeutung; in der zweyten ist dafür Gegenwehr üblich.

Anm. In beyden Bedeutungen schon von des Kero Zeiten an weren und piweren, im Niederdeutschen gleichfalls wehren, im Angels. weran, im Schwed. värja, im Isländ. veria. Es ist mit wahren in bewahren genau verwandt. Wenn man den Bau des Wortes genau untersucht, so scheint es ein Iterativum zu seyn, welches vermittelst des r von wehen, so fern es, als ein Verwandter von wegen in bewegen, ehedem der Ausdruck einer jeden mäßigen Bewegung war, abstammet, daher es eigentlich, durch wiederhohlte Bewegung der Gliedmaßen abwenden, und Einhalt thun, bedeuten würde.


Wehrgehäng (W3) [Adelung]


Das Wehrgehäng, des -es, plur. die -e, nur in einigen Fällen, das Gehäng, worin das Seitengewehr getragen wird, besonders bey den Jägern. In andern Fällen ist dafür Degengehäng und Kuppel üblicher.


Wehrgeld (W3) [Adelung]


Das Wehrgeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, in der ehemahligen Rechten, der Preis, um welchen jemand in der bürgerlichen Gesellschaft geschätzt war, welchen denn dessen Mörder den Verwandten erlegen mußte; von Wehre, der Werth, valor, und Geld, Ersatz, gleichsam valoris valor.


Wehrhaft (W3) [Adelung]


Wehrhaft, -er, -este, adj. et adv. 1. Fähig, eine Wehr, d. i. ein Gewehr, zu tragen, jetzt nur noch bey den Jägern, wenn sie freygesprochen werden, und aus dem Stande der Lehrlinge, da ihnen denn das Seitengewehr mit gewissen Feyerlichkeiten angeleget wird. Ehedem war es auch von den Rittern üblich. 2. Fähig, sich zu wehren, oder zu vertheidigen. Ein wehrhafter Mann. Die Stadt ist nichts weniger als wehrhaft, haltbar. Nur Tugend, die allein die Seelen wehrhaft macht, Wird durch Gefahr und Noth nie um den Sieg gebracht, Hag. So auch die Wehrhaftigkeit.


Wehrlatte (W3) [Adelung]


Die Wehrlatte, plur. die -n, von das Wehr, die Fläche des obersten Holzes bey hölzernen Wehren, welche zugleich den höch- sten Wasserstand zeiget. In weiterer Bedeutung ist es die höchste horizontale Fläche, welche das Wasser vermittelst eines Wehres erreichen kann.


Wehrlinie (W3) [Adelung]


Die Wehrlinie, plur. die -n, im Festungsbaue, die Linie, welche aus dem Streichwinkel zum Bollwerkswinkel gezogen wird, weil die Gegenwehr aus dem kleinen Gewehre darnach gerichtet ist. Die streichende Wehrlinie, wenn sie in gleicher Richtung mit der Stirnseite gehet; zum Unterschiede von der bohrenden, wenn sie davon abweicht.


Wehrlos (W3) [Adelung]


Wehrlos, -er, -este, adj. 1. Eines Wehres oder Gewehres beraubt. Wehrlose Soldaten. 2. Der Gegenwehr beraubt. So auch die Wehrlosigkeit.


Wehrstand (W3) [Adelung]


Der Wehrstand, des -es, plur. inus. derjenige Stand, d. i. diejenige Classe Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft, welcher die Vertheidigung der übrigen oblieget, der Soldatenstand, der Kriegesstand; im Gegensatze des Lehr- und Nährstandes.


Wehrstämpel (W3) [Adelung]


Der Wehrstämpel, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, bewegliche Walzen, in krummen Schächten woran das Seil hinunter gehet, indem sie gleichsam wehren, daß es sich an dem Hangenden nicht zu sehr abreibe.


Wehrvieh (W3) [Adelung]


Das Wehrvieh, des -es, plur. car. an einigen Orten, 1. das zu dem Inventario einer Landwirthschaft gehörige Vieh, welches sonst auch eisernes Vieh genannt wird. ( S. die Wehr 3.) 3. Die guten Schafe, welche, nachdem die schwachen und überflüssigen ausgemerzet worden, überwintert werden sollen.


Wehrwasser (W3) [Adelung]


Das Wehrwasser, des -s, plur. inus. dasjenige Wasser, welches sich über das Wehr ergießet, durch ein Wehr erhöhet wird.


Wehrwolf (W3) [Adelung]


Der Wehrwolf, Wärwolf.


Wehrzahn (W3) [Adelung]


Der Wehrzahn, des -es, plur. die -zähne, die vier Hauzähne der wilden Schweine, welche collective das Gewehr, das Gewerf, ingleichen die Waffen, genannt werden.


Wehrzins (W3) [Adelung]


Der Wehrzins, des -es, plur. die -en, in einigen Gegenden, ein Nahme des Kutscherzinses, S. dieses Wort.


Wehrzoll (W3) [Adelung]


Der Wehrzoll, des -es, plur. die -zölle, in einigen Gegenden, ein Zoll, welcher an der Landwehre, d. i. an der Gränze, entrichtet wird, der Gränzzoll.


Wehrzug (W3) [Adelung]


Der Wehrzug, des -es, plur. die -züge, im Bergbaue, der Zug, d. i. Abmessung, einer streitigen Zeche, welche von einem dritten Markscheider geschiehet, wenn die beyden ersten von einander abweichen. Vielleicht von dem alten Wehr, Besitz, oder auch von währen in bewähren, in welchem letztern Falle es Währzug heißen müßte.


Wehtage (W3) [Adelung]


Die Wehtage, sing. car. Tage, an welchen man Schmerzen empfindet, und dann Krankheit, Schmerzen u. s. f. überhaupt.


Weib (W3) [Adelung]


Das Weib, des -es, plur. die -er, Diminut. Weibchen, Oberd. Weiblein. 1. Eine Person weiblichen Geschlechtes, ohne Rücksicht auf Alter, Stand und Heirath. Sich als ein Weib verkleiden. Die Natur weinet, wenn ein Weib geboren wird. Alle Weiblein in unserer Haushaltung, alle weibliche Personen. In weiterer Bedeutung wird auch ein weibliches Individuum von alle Thieren ohne Unterschied, doch nur im Diminutivo, das Weibchen, im Oberd. Weiblein, genannt; im Gegensatze des Männchens oder Männleins. Die natürliche Form Weib ist in diesem Verstande so wenig üblich als von Mann. Das Weibchen des Elephanten, des Hahnes, des Karpfen, des Sperlinges u. s. f. im gemeinen Leben die Sie. 2. Eine verheirathete weibliche Person, eine Frau. Ein Weib nehmen. Jemanden seine Tochter zum Weibe geben. 3. Alte Weiber, ein Nahme, welcher zwey Arten von Fischen gegeben wird, so wohl dem Labrus Tinca Linn. als auch der größten Art Stockfische, Balistes Vetula Linn. Beyde heißen im Franz. Vielles, im Engl. Oldwife. Nach einer niedrigen Figur ist ein altes Weib eine feige zur Unzeit weichherzige Mannsperson.

Anm. 1. So wenig das Wort im Hochdeutschen als veraltet angesehen werden kann, so eingeschränkt ist doch dessen heutiger Gebrauch. In den mittlern Zeiten wurde es in den angegebenen beyden Bedeutung in allen Fällen, und selbst von vornehmen Personen, ohne Anstoß gebraucht, daher es in denselben in der Deutschen Bibel noch so häufig ist. Allein, daß man schon sehr frühe angefangen hat, etwas Unedles in dem Worte zu empfinden, erhellet aus dem Walther von der Vogelweide, welcher um den Anfang des 13ten Jahrhunderts lebte, und dawider eifert, daß man dem Worte Weib das Wort Frau vorzuziehen anfing. Wib muos jemer sin der wibe hohste name Und tuiret bas danne Frowen als ichs erkenne Swa der deheiniu si die sich ir Wibheit schame Die merke e disen Sanc und kiese ouch denne Under Frowen sint unwip Under Wiben sint sie tiure, u. s. f. S. 116. der Manessischen Sammlung. Und S. 119. sagt er von Deutschland: Sem mir Got so swiureich wol das da diu Wib Bessers sint danne anderswa die Frowen. Woraus zu erhellen scheinet, daß schon zu seiner Zeit das Wort Weib mehr von niedrigen, Frau aber mehr von vornehmen Personen gebraucht worden. Ist in den spätern Zeiten dieser Unterschied großen Theils wieder verloren gegangen, so rühret es vermuthlich daher, weil nach den Zeiten der Hohenstaufen der wenige Geschmack und seine Empfindungen wieder abzunehmen anfingen, und erst in den neuesten Zeiten wieder erwachten. Jetzt wird dieses Wort im Hochdeutschen noch in folgenden Fällen gebraucht. 1. Im gemeinen Leben von geringen verheiratheten, oder doch bejahrten weiblichen Personen. Ein Bauerweib, Bettelweib u. s. f. 2. In der vertraulichen Sprechart von einer verheiratheten Person, doch in Oberdeutschland häufiger, als in Obersachsen. Dort ist nichts gewöhnlicher, als daß man mein Weib für meine Frau höret. 3. In der Dichtkunst und höhern Schreibart, doch gemeiniglich nur von einer herzhaften, männlichen weiblichen Person. Dieser Nebenbegriff der Stärke und Rüstigkeit scheint auch die wahre Ursache zu seyn, warum dieses Wort in den obern Classen von der Zeit an verächtlich geworden, da man mehr Sanftmuth, Milde und Zärtlichkeit, als Stärke und Männlichkeit, von dem andern Geschlechte erwartet. Indessen ist das Diminutivum Weibchen, wo dieser Nebenbegriff wieder sehr geschwächt wird, von verheiratheten weiblichen Personen in den vertraulichen Sprecharten üblicher. In vielen der folgenden Zusammensetzungen, wo Weib voran siehet, und folglich das Bestimmungswort ist, verlieret sich der verächtliche Nebenbegriff, dagegen er wieder kommt; wenn es hinten stehet, oder das bestimmte ist, Eheweib, Soldatenweib u. s. f. S. Frau, Gattinn, Gemahlinn.

Anm. 2. Dieses Wort ist so alt, als die Sprache, und lautet schon von den ältesten Zeiten an Wip, Wib, und im Plural Wibo, im Nieders. Wief, im Schwed. Vif, und Angelsächs. Wife. Dieses hohe Alter und die einfache Beschaffenheit, da es ein völlig nacktes Wurzelwort ist, macht auch dessen ursprüngliche Bedeutung äußerst dunkel. Wachters Ableitung von weben weil das Weben eine der ältesten Beschäftigungen ist, ist so albern als möglich, und zwar aus mehr als Einer Rücksicht. Weib ist ein wahres Wurzelwort, an welchem sich keine Spur einiger Ableitung findet; allein weben ist abgeleitet, wie aus der Endung des Infinitives en erhellet. Ein Wurzelwort von einem abgeleiteten abzuleiten, ist etymologischer Unsinn. Von weben können wohl Webe, Gewebe, Weber u. s. f. abstammen, aber gewiß nicht Weib. Und über dieß ist dieses Wort in der Deutschen und den verwandten Sprachen älter, als die Kunst, zu weben. An eine Ableitung ist also bey diesem Worte so leicht nicht zu gedenken, eher an einen ältern ursprünglichen Begriff, den ich, wenn es bloß Rathens gelte, eher in dem Ulphilanischen waibjan, binden, zu finden hoffte, und da würde Weib eigentlich eine Gebundene heißen, und dem ältesten Zustande der Rohheit, da die Weiber immer Sclavinnen waren, angemessen seyn. Daraus würde denn auch begreiflich werden, warum Weib und Frau, eigentlich eine Freye, einander schon so frühe entgegen gesetzt worden. Doch der Etymologe muß gerade nicht alles ableiten wollen; wenn er es aber will, so muß er ein Paar Ungereimtheiten nicht achten.


Weiberadel (W3) [Adelung]


Der Weiberadel, des -s, plur. car. derjenige Adel, welcher von der weiblichen Seite fortgepflanzet wird, der durch eine adelige Mutter erhalten wird.


Weiberarbeit (W3) [Adelung]


Die Weiberarbeit, plur. die -en, Arbeit, welche dem weiblichen Geschlechte eigen und angemessen ist; weibliche Arbeit.


Weibergeschwätz (W3) [Adelung]


Das Weibergeschwätz, des -es, plur. die -e, in den niedrigen Sprecharten, ein unbedeutendes, nur von weiblichen Personen herrührendes Geschwätz.


Weiberhaft (W3) [Adelung]


Weiberhaft, -er, -este, adj. et adv. in den Schwachheiten des weiblichen Geschlechtes gegründet, und denselben ähnlich; in noch härterer Bedeutung weibisch. Ein weiberhaftes Klangen, Plaudern u. s. f.


Weiberhaß (W3) [Adelung]


Der Weiberhaß, des -es, plur. car. 1. Der Haß des weiblichen Geschlechtes. 2. Der Haß oder die Abneigung gegen das weibliche Geschlecht.


Weiberlehen (W3) [Adelung]


Das Weiberlehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lehen, welches auch auf das weibliche Geschlecht fallen kann; Frauenlehen, Kunkellehen, Schleyerlehen, im Gegensatze des Mannlehen. Weiberlehen haben, im Scherze, unter der Herrschaft seiner Frau stehen.


Weiberliebe (W3) [Adelung]


Weiberliebe, plur. car. 1. Die Liebe von Seiten des weiblichen Geschlechtes. 2. Die Liebe gegen dasselbe.


Weiberlist (W3) [Adelung]


Die Weiberlist, plur. car. die dem weiblichen Geschlechte eigene List.


Weibermann (W3) [Adelung]


Der Weibermann, des -es, plur. die -männer, im gemeinen Leben. 1. Ein Mann, der seinem Weibe mehr ergeben ist, als es die Würde eines Mannes verstattet; in welcher Bedeutung aber die Zusammensetzung mit dem Plural nicht die beste ist. 2. Eine Mannsperson, welche dem andern Geschlechte auf eine ungeordnete Art ergeben ist. In beyden Fällen in den niedrigen Sprecharten, ein Weibernarr.


Weiberraub (W3) [Adelung]


Der Weiberraub, des -es, plur. car. die Entführung weiblicher Personen.


Weibersattel (W3) [Adelung]


Der Weibersattel, des -s, plur. die -sättel, ein Sattel für das weibliche Geschlecht, in demselben quer auf dem Pferde zu sitzen; der Quersattel.


Weibisch (W3) [Adelung]


Weibisch, -er, -te, adj. et adv. 1. * In dem weiblichen Geschlechte gegründet, demselben eigen und angemessen; eine veraltete Bedeutung, welche noch 1 Petr. 3, 7, vorkommt. Gebet dem weibischen, als dem schwächsten Werkzeuge seine Ehre, für dem weiblichen. 2. In engerer Bedeutung, in den niedrigen Schwachheiten des weiblichen Geschlechts gegründet, und denselben ähnlich; allemahl im harten und verächtlichen Verstande. Eine weibische Stimme, eine unanständig helle oder klare Stimme. Etwas weibisches an sich haben. Besonders für feige, auf eine unanständige Art leicht gerührt, unmännlich empfindsam; im Gegensatze des männlich. Weibisch klagen. Ein weibisches Herz.


Weiblich (W3) [Adelung]


Weiblich, adj. et adv. in der Natur des andern Geschlechtes gegründet, demselben eigen, angemessen; im Gegensatze des männlich. Die weibliche Gestalt. Das weibliche Geschlecht. Weibliche Gerechtigkeiten. Die strengste weibliche Tugend. Zart in der Emfindung des Werthes eines weiblichen Herzens. Ein weiblicher Reim, der aus zwey Reimsylben bestehet, im Gegensatze des männlichen.


Weiblichkeit (W3) [Adelung]


Die Weiblichkeit, plur. die -en. 1. Die weibliche Natur, das weibliche Geschlecht; ohne Plural. Die Jungfrauen der Asceten schämten sich ihrer Weiblichkeit. 2. Weibliche Schwachheit, Fehler, mit dem Plural. Richardson hat viele Weiblichkeiten gerügt, aber diese verdient eine neue Geißel, Hermes. 3. In vielen Gegenden ist die Weiblichkeit ein anständiger Ausdruck der Geburtstheile des andern Geschlechtes; daher man sich zu hüthen hat, daß bey dem Gebrauche der vorigen Bedeutungen keine Zweydeutigkeit mit dieser entstehe.


Weibsbild (W3) [Adelung]


Das Weibsbild, des -es, plur. die -er, eine Person weiblichen Geschlechtes, nur im gemeinen Leben, oder auch im verächtlichen Verstande. In der Deutschen Bibel kommt es noch ohne diesen verächtlichen Nebenbegriff vor. Alle Kinder, die Weibsbilder sind. S. Bild 3.


Weibsen (W3) [Adelung]


Das Weibsen, des -s, plur. ut nom. sing. nur in den niedrigen Sprecharten, eine Person weiblichen Geschlechtes, im Gegensatze des Mannsen. Von der Endsylbe S. -Sen.


Weibsleute (W3) [Adelung]


Die Weibsleute, sing. car. weibliche Personen, auch nur von geringen Personen, und im verächtlichen Verstande.


Weibsperson (W3) [Adelung]


Die Weibsperson, plur. die -e, eine weibliche Person, in fast eben so verächtlichem Verstande, als Weibsbild, wenigstens nur von geringen Personen.


Weibsstück (W3) [Adelung]


Das Weibsstück, des -es, plur. die -e, eine weibliche Person im verächtlichsten Verstande, noch niedriger als die vorigen; wofür in manchen Gegenden das eben so verächtliche Weibsmensch üblich ist.


Weibsvolk (W3) [Adelung]


Weibsvolk, plur. car. ein Collectivum, niedrige weibliche Personen im verächtlichen Verstande zu bezeichnen. Opitz gebraucht dieses niedrige Wort oft ohne Bedenken, so gar von einer einzelnen Person. Ein Weibesvolk, wie keusch es auch mag seyn, Wird oftermahls bezwungen durch den Wein.


Weich (W3) [Adelung]


Weich, -er, -este, adj. et adv. 1. Eigentlich, einem Drucke leicht nachgebend, ohne den Zusammenhang zu verlieren; im Gegensatze des hart. Weiche Eyer, ein Ey weich sieden. Weiches Brot. So weich wie Wachs. Ein weiches Bett, weiches Küssen, weiche Federn. Weich liegen, sitzen, auf weichen Küssen. Weiches Getreide, der Hafer, im Gegensatze des harten, d. i. des Rockens, Weitzens und der Gerste. In das Weiche fallen, in den Koth. Weiches Wetter, kothiges. In etwas weiterer Bedeutung ist weich, was sich mit weniger Kraft theilen läßt. Welches Holz, im Gegensatze des harten. Weiches Eisen. 2. In weiterer Bedeutung. Weiche Speisen, welche leicht zu verdauen sind, Gegensatze der harten. Weiches Wasser, welches wenige erdige Theile bey sich hat, im Gegensatze des harten. 3) Figürlich. (1) Weiche Buchstaben, in der Grammatik, welche zu ihrer Aussprache weniger Anstrengung erfordern, als ihre ähnlichen harten. So sind b, d, und g die weicher Buchstaben von den harten p, t und k. (2) Die weiche Tonleiter, der weiche Ton, wo die Tertie nur Einen ganzen und Einen großen halben Ton in drey Stufen enthält, die kleine; im Gegensatze der harten oder großen, wo sie zwey ganze Töne in drey Stufen enthält; mit fremden Wörtern moll und dur. (3) Weich machen, eine weiche Manier, ein weicher Pinsel, wenn bey sanften Umrissen die Farben auf eine angenehme Art verschmolzen sind, im Gegensatze des harten. (4) Im moralischen Verstande, von jemandes Vorstellungen oder Zustande leicht gerühret. Sich weich finden lassen, nachgeben. Ein weiches Herz, welches durch anderer Noth leicht gerühret wird. (5) Im nachtheiligen Verstande verzärtelt, wollüstig, wie weichlich. O weiche Söhne tapfrer Franken, sprechet Helvetien um Männer an! Raml. Geschwächt vom Gifte weicher Sitten, Utz.

Anm. Schon im Isidor, Ottfried u. s. f. weich, im Nieders. week, im Angels. wac, im Schwed. vek. Ehedem bedeutete es auch krank, ingleichen schwach, welches letztere bloß vermittelst des vorgesetzten Zischlautes davon gebildet ist. Es ist mit dem Verbo weichen, cedere, genau verwande, und ohne Zweifel die Wurzel desselben.


Weichbild (W3) [Adelung]


Das Weichbild, des -es, plur. die -er. 1. Eine Stadt mit ihrem unmittelbaren Gebiethe; besonders die Stadtflur außerhalb der Ringmauern. Das Weichbild der Stadt Leipzig. 2. Eine Stadt. Einen Flecken zum Weichbilde machen, ihn zur Stadt erheben. 3. Der Inbegriff der Stadtgesetze oder Rechte. In den beyden letzten Bedeutungen ist es jetzt am seltensten.

Anm. Die Ableitung dieses alten Wortes ist noch dunkel und ungewiß; indem man bey nahe eben so viel Grund hat, es von vicus, im Deutschen ehedem Wiek, Weich, daher Weichhaus, das Rathhaus, anzuleiten, da es denn eigentlich das Bild einer Stadt bedeuten würde, vermuthlich so fern es zunächst auf den Stadtsiegeln angetroffen wurde; als von den geweiheten Bildern oder Crucifixen, mit welchen man ehedem die Gränze der Stadtflur zu bezeichnen pflegte. S. Wachters und Haltaus Glossar. ingleichen Assert. libertat. Reipubl. Bremens. S. 523 f.


Weichbottich (W3) [Adelung]


Der Weichbottich, des -es, plur. die -e, bey den Brauern und Mälzern, ein Bottich, in welchem das zum Malze bestimmte Getreide eingeweicht, und zum keimen gebracht wird; die Weichkufe, der Weichstock, Quellbottich. S. Bottich.


Weiche (W3) [Adelung]


1. Die Weiche, plur. die -n, von dem Adverbio Weich. 1. Das Abstractum dieses Adverbii, die weiche Beschaffenheit, ohne Plural; wofür doch Weichheit analogischer, und weniger zweydeutig, Weichigkeit aber niedrig, und nach einer längst veralteten Analogie gebildet ist. 2. Der weiche Theil an Menschen und vierfüßigen Thieren zwischen den Rippen und Lenden; im gemeinen Leben die Dünnung. 3. In einigen Gegenden wird auch die Karpie oder Charpie, welche die Mundärzte auf die Munden legen, die Weiche, Nieders. Wieke, genannt.


Weiche (W3) [Adelung]


2. Die Weiche, plur. car. von dem Verbo weichen, der Zustand, da etwas eingeweichet wird. Die Wäsche aus der Weiche waschen.


Weichen (W3) [Adelung]


1. Weichen, verb. irreg. neutr. Imperf. ich wich, Particip. gewichen, mit dem Hülfsworte seyn, einem Drucke langsam nachgeben, sich von demselben aus seiner Stelle bringen lassen. 1. Eigentlich, Es weicht und wankt nicht, wenn ein Ding nicht aus seinem Orte zu bringen ist. Die Brust mit Flor bedeckt, Der jedem Lüftchen wich, Less. Nicht einen Fußbreit weichen wollen. Den Feind zum Weichen bringen. Die Nacht weicht dem Tage. 2. In weiterer Bedeutung, sich langsam von seinem Orte entfernen. Aus den Gliedern weichen. Aus dem Wege weichen. 3. Figürlich. (1) Einer überlegenern Gewalt, einem größern Ansehen nachgeben. Alles weicht der Liebe. Der höhern Macht weichen. Dem Unglücke weichen. (2) An Vorzug geringer seyn. Er muß ihm an Verdiensten, an Gelehrsamkeit weichen.

Anm. Schon bey dem Notker und Willeram weichen, im Nieders. weken, im Schwed. väga. Es ist mit dem Adverbio weich, und dem folgenden Verbo genau verwandt.


Weichen (W3) [Adelung]


2. Weichen, Verb. reg. welches so wohl in Gestalt eines Neutrius, als auch eines Activi gebraucht wird, Als ein Neutrum, und mit dem Hülfsworte haben, sollte es eigentlich weich werden bedeuten; allein es ist hier nur im engern Verstande üblich, in einem flüßigen Körper nach und nach weich oder mürbe werden. Das Leder liegt im Wasser, und weicht. Als ein Activum kommt es nur in den Zusammensetzungen, abweichen, einweichen, erweichen u. s. f. vor.

Anm. Schon in dem Kero uueichan. Es ist unmittelbar von dem Adverbio weich. S. dasselbe.


Weichenbruch (W3) [Adelung]


Der Weichenbruch, des -es, plur. die -brüche, bey den Ärzten, ein Bruch, wo die Därme in die Weichen fallen, und alsdann Erhöhungen bilden; der Leistenbruch, Bubonocele, Hernia inguinalis.


Weichfasten (W3) [Adelung]


Die Weichfasten, S. Weihfasten.


Weichfriede (W3) [Adelung]


* Der Weichfriede, des -ns, plur. car. ein jetzt veraltetes Wort, der Friede, d. i. untersagte Gewaltthätigkeit, innerhalb eines Weichbildes oder der Stadtgränzen; wo die erste Hälfte mit Weich im Weichbild ein und eben dasselbe Wort ist.


Weichheit (W3) [Adelung]


Die Weichheit, plur. car. das Abstractum von dem Adverbio weich, der Zustand, da etwas weich ist. S. 1. Weiche.


Weichherzig (W3) [Adelung]


Weichherzig, -er, -ste, adj. et adv. so wohl wirklich gerührt, d. i. zu sanften Empfindungen bewogen, als auch fähig, leicht gerührt zu werden. Weichherzig seyn, werden.


Weichherzigkeit (W3) [Adelung]


Die Weichherzigkeit, plur. car. der Zustand, da man weichherzig ist; ingleichen die Fähigkeit, leicht gerührt zu werden.


Weichhufig (W3) [Adelung]


Weichhufig, adj. et adv. einen weichen Huf habend, besonders von Pferden. Daher die Weichhufigkeit.


Weichkübel (W3) [Adelung]


Der Weichkübel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Papiermachern, ein Kübel oder Trog, das zur Pappe bestimmte Papier in demselben einzuweichen.


Weichkufe (W3) [Adelung]


Die Weichkufe, plur. die -n, S. Weichbottig.


Weichlich (W3) [Adelung]


Weichlich, -er, -ste, adj. et adv. ein wenig weich. 1. Eigentlich, in welchem Verstande es doch wenig mehr gebraucht wird. Häufiger, 2. figürlich. (1) Der gehörigen Kraft beraubt, von Speisen. Weichliche Speisen. Weichlich schmecken. (2) In der Mahlerey, der gehörigen Kraft beraubt. Weichlich mahlen. Ein weichliches Gewand. Eine weibliche Behandlung. (3) Unfähig, wahre oder eingebildete Beschwerden und unangenehme Empfindungen zu ertragen, im Gegensatze des hart. Weichlich seyn. Weibliche Soldaten. Eine weibliche Pflege des Körpers. Auf dem Rosenbette der weichlichen Muße.


Weichlichkeit (W3) [Adelung]


Die Weichlichkeit, plur. inus. der Zustand, da etwas weichlich ist, in allen Bedeutungen des vorigen. Die Spartaner liebten die Beschwerlichkeiten, die Sybariten die Weichlichkeit. Ein Mißbrauch ist es, wenn man in der Mahlerey dieses Wort für Weichheit gebraucht, z. B. die Weichlichkeit des Fleisches, dessen weiche und sanfte Beschaffenheit für das Auge. Weichlich und Weichlichkeit bezeichnen allemahl nur Fehler.


Weichling (W3) [Adelung]


Der Weichling, des -es, plur. die -e. 1. Eine weichliche Person, in der dritten Bedeutung des Wortes weichlich, ein Zärtling; ein gutes altes Wort. Auch die Weichlinge werden das Reich Gottes nicht ererben, 1 Cor. 6, 10. Schon im Hornegk Wächelein. ( S. -Ling.) 2. Bey einigen Neuern wird eine Ostindische Pflanze, vielleicht wegen ihrer welchen Blätter, der Weichling genannt, Mollugo Linn.


Weichmüthig (W3) [Adelung]


Weichmüthig, -er, -ste, adj. et adv. weich vom Gemüthe, d. i. leicht zu rühren, und wirklich gerührt, wie weichherzig. Warum machen sie mich weichmüthig? Gell. So auch die Weichmüthigkeit.


Weichschwanz (W3) [Adelung]


Der Weichschwanz, des -es, plur. die -schwänze, eine Art Krebse mit weichen unbedeckten Schwänzen; die Krebskrabbe, der Einsiedler.


Weichsel (W3) [Adelung]


Die Weichsel, plur. die -n, ein Nahme, welcher in verschiedenen Gegenden so wohl den rothen, als auch den schwarzen sauern Kirschen beygeleget wird. In Niedersachsen hingegen werden die im Hochdeutschen so genannten Vogelkirschen mit einem ähnlichen Worte, Wispelbeeren genannt. Die Ähnlichkeit dieses Wortes mit dem Nahmen des Flusses Weichsel in Pohlen ist vermuthlich nur zufällig. Im Italiänischen heißt diese Kirsche Vischiola, im Pohlnischen Wisn, im Böhmischen Wissne, im Türkisch. Wischna, und bey den neuern Griechen Wisna. Auch der Französische Nahme einer gewissen Art Kirschen Guisnes oder Guignes scheint damit verwandt zu seyn. Wüßte man gewiß, aus welcher Gegend diese Art Kirschen zuerst zu uns gekommen ist, so würde sich eher ausmachen lassen, in welcher von den angeführten Sprachen der Nahme derselben einheimisch ist.


Weichselzopf (W3) [Adelung]


Der Weichselzopf, des -es, plur. die -zöpfe, der Nahme einer unauflöslichen Verfilzung der Haare an verschiedenen Theilen des Leibes, besonders an dem Haupte, welche von verdorbenen und unreinen Säften herrühret. Er ist besonders in Pohlen, der kleinen Tartarey und Ungarn epidemisch, und wird daher, weil die Juden aus den gedachten Ländern denselben mehrmahls haben, der Judenzopf, so fern aber die Unwissenheit ihn von dem Alpe oder der Mahre herleitet, auch Aplzopf, Alpklatte, Mahrenklatte, (Schwed. Martofva,) Nieders. Elsklatte, im Hannöverischen Sellkensteert genannt. Allein ich kam auch an, wie Hagel in die Töpfe; Die Narren dankten mir durch ihren Peitschenstiel, Und Mädchen henkten mich an alle Wichtelzöpfe, Günth. Auch hier ist die erste Hälfte des Wortes noch dunkel. Da diese Krankheit in Pohlen sehr häufig ist, daher sie im Lat. auch Trica Polonica heißt, so würde die Ableitung von dem Nahmen der Weichsel in diesem Lande nicht unwahrscheinlich seyn. Allein, da dieses Wort in vielen Gegenden Wichtelzopf lautet, wie unter andern aus der obigen Stelle im Günther erhellet, so kann auch Wicht, so fern es ehedem einen bösen Geist bedeutete, das Stammwort seyn, und dann würde es mit Altzopf und Mahrenklatte einerley Bedeutung haben.


Weidlich (W3) [Adelung]


Weidlich, -er, -ste, adj. et adv. ein nur im Scherze, oder den vertraulichen Sprecharten übliches Wort. 1. Tapfer, stark, und in weiterer Bedeutung, tüchtig, brav, wohlhabend. Ein weidlicher Mann, Ruth 2, 1. 1 Sam. 9, 1. Nicht fröhlicher, weidlicher, kühner, Schwang vormahls der braune Sabiner Mit männlicher Freyheit den Hut, Haged. 2. Lebhaft, hurtig; am häufigsten als ein Adverbium. Weidlich arbeiten. 3. In einem hohen Grade; auch nur als ein Adverbium. Weidlich zechen. Jemanden weidlich abprügeln.

Anm. Schon im Willeram ist waihlich, vortrefflich. Bey dem Hornegk bedeutet waydenlich so wohl tapfer, als hurtig und emsig, ingleichen wohl gestalt. Allem Ansehen nach gehöret es zu keinem der oben angeführten Wörter Weide, sondern vermuthlich zu dem Schwedischen vat, hvat, hurtig, vortrefflich, dem Angels. hwate, in gleichen Bedeutungen, Hwet, Tapferkeit, Vortrefflichkeit. Auch im Isländischen ist hwatur, hurtig, schnell. Da nun das Stammwort im Hochdeutschen längst veraltet ist, folglich die bestimmte Bedeutung in jedem einzelnen Falle nicht anders als schwankend und dunkel seyn kann; so ist dieß ohne Zweifel die Ursache, warum die edlere und höhere Schreibart dieses Wort hat veralten lassen, zumahl da es nicht an bestimmtern fehlet, jeden darin liegenden Begriff mit mehrerer Klarheit auszudrucken.


Weife (W3) [Adelung]


Die Weife, plur. die -n. 1. Ein Werkzeug, das gesponnene Garn vermittelst desselben von der Spuhle zu winden oder zu weisen; im Niederdeutschen ein Haspel. Daher die Handweife, als die einfache Gattung, und die Zahl- oder Schnappweife. ( S. diese Wörter.) 2. Ein gewisses bewegliches Gatter an den Sägemühlen, welches auch das Sägegatter genannt wird. S. das folgende.


Weifen (W3) [Adelung]


Weifen, verb. reg. vermittelst der Weife abwinden; am häufigsten in den Zusammensetzungen abweifen und aufweifen, wofür im Niederdeutschen abhaspeln und aufhaspeln gebraucht werden. Ohne Zweifel liegt der Grund der Benennung in der Art der Bewegung, so daß dieses Wort mit Schweifen und Weben, in der weitern Bedeutung des letztern, Eines Stammes ist.


Weih (W3) [Adelung]


Weih, in Geweih, S. das letztere.


Weihbischof (W3) [Adelung]


Der Weihbischof, des -es, plur. die -schöfe, in der Römischen Kirche, ein geweiheter Bischof, der aber kein eigenes Bisthum hat, sondern nur Vicarius eines ordentlichen Bischofes, besonders zu Weihungen und andern bloß bischöflichen Handlungen, ist, und auch Chor-Bischof genannt wird. Im Niederdeutschen Wigelbischop. Die erste Hälfte ist unstreitig von weihen, entweder weil ein solcher Vicarius wirklich zum Bischof geweihet ist, oder auch so fern er Gewalt hat, Kirchen u. s. f. zu weihen. Andere leiten es mit geringerer Wahrscheinlichkeit von dem alten Wik, ein Dorf, her, und erklären es durch einen Bischof auf dem Lande.


Weihbrunnen (W3) [Adelung]


Der Weihbrunnen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Römischen Kirche einiger Gegenden, das Gefäß in den Kirchen, worin sich das Weihwasser befindet.


Weihe (W3) [Adelung]


1. Die Weihe, plur. die -n, der Nahme eines Raubvogels, welcher zu den Geyern gehöret. Die graue Weihe, Vultur cinereus Klein, die Hühnerweihe, Vultur albicans Klein. Im gemeinen Leben werden oft alle Arten Geyer Weihen genannt. Im Notker Wio, Nieders. Wije. Der Nahme ist ohne Zweifel von wehen, indem dieser Vogel in der Luft langsam über seinem Raube schwebet; daher er auch im Dänischen Glede, von gleiten, heißt.


Weihe (W3) [Adelung]


2. Die Weihe, plur. die -n, von dem folgende Zeitworte, die Handlung des Weihens. Die Weihe verrichten. Die vier untern Weihen haben, in der Römischen Kirche, wo es die durch die Weihe ertheilten kirchlichen Orden bedeutet. Daher die Priesterweihe, Kirchweihe, Glockenweihe u. s. f. Schon bey dem Ottfried Wihi, der es auch in weiterer Bedeutung für Segen gebraucht.


Weihen (W3) [Adelung]


Weihen, verb. reg. act. 1. Mit gewissen feyerlichen Gebräuchen zum gottesdienstlichen Gebrauche widmen, und dadurch eine Art von Heiligkeit und Kraft ertheilen; in welcher Bedeutung es besonders in der Römischen Kirche üblich ist, wo man Kirchen, Kirchhöfe, Kapellen, Altäre, Glocken, Wein, Brot, Wasser, Kerzen u. s. f. weihet. Eine Nonne weihen. Eben daselbst gebraucht man es noch in zwey Nebenbedeutungen, theils von der Consecration der Hostie, eine geweihete Hostie, theils auch von der feyerlichen Übertragung der kirchlichen Würden. Jemanden zum Bischof, zum Priester, zum Diaconus u. s. f. weihen. 2. Figürlich, in den edlern Schreibarten. (1) Gott und seinem Dienste bestimmen. Ich habe den Rest meiner Tage Gott geweihet. (2) Eine gewisse Ehrwürdigkeit, Heiligkeit ertheilen, ehrwürdig machen. Die Frömmigkeit weihet alle andere Tugenden. Das Glück weihet oft die größten Laster, und sie werden Tugenden, so bald der Erfolg sie krönet. (3) Zu einem vorzüglichen Gebrauche bestimmen widmen. Sein Leben dem Dienste seines Vaterlandes weihen. Ich würde, hätt' ich Kronen, Sie dem Vergnügen weihn, ganz deiner Treu zu lohnen, Weiße. So auch das Weihen, und die Weihung, für welches letztere doch im Hochdeutschen die Weihe üblicher ist.

Anm. Das Wort ist sehr alt, und lautet schon im Isidor und Kero wihan, Niederd. wijen, wigen, im Schwed. viga. Es ist von dem alten Adverbio wie, wei, Angels. wiha, wig, heilig, und wurde ehedem auch für segnen, ingleichen, loben, preisen, gebraucht, wovon im Ottfried und Tatian häufige Beyspiele vorkommen.


Weiher (W3) [Adelung]


Der Weiher, des -s, plur. ut nom. sing. vorzüglich im Oberdeutschen übliches Wort, einen Teich, und besonders einen Fischteich zu bezeichnen. Im Ottfried und Willeram wiar. Es ist von dem Latein. Vivarium gebildet, und da Teich eben dasselbe saget, und echter Deutsch ist, so hat man jenes nicht mit in das Hochdeutsche aufgenommen, sondern den Provinzen überlassen.


Weihetrunk (W3) [Adelung]


Der Weihetrunk, Weihtrunk, des -s, plur. inus. nur in der dichterischen Schreibart, ein geweiheter Trunk, oder auch ein Trunk, womit man gleichsam weihet. Dem Neumond und der Mitternacht, Sey dieser Weihtrunk ausgebracht, Haged.


Weihfasten (W3) [Adelung]


Die Weihfasten, sing. inus. in der Römischen Kirche, ein Nahme derjenigen Fasten, welche vorzüglich beobachtet werden müssen, da Priester und andere Diener der Kirche geweihet werden, d. i. diejenigen Fasten, welche auf die Quatember fallen.


Weihkessel (W3) [Adelung]


Der Weihkessel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Römischen Kirche, dasjenige Gefäß, worin das Weihwasser aufbehalten wird.


Weihmesse (W3) [Adelung]


Die Weihmesse, plur. die -n, in der Römischen Kirche, eine Messe, in und mit welcher etwas geweihet wird.


Weihnachten (W3) [Adelung]


Die Weihnachten, sing. inus. dasjenige Fest, welches in der christlichen Kirche zum Andenken der Geburt Christi gefeyert wird. Es hat den Nahmen von den geweiheten, d. i. heiligen, Nächten, in welchen es noch jetzt in der Römischen Kirche vorzüglich gefeyert wird, daher es denn auch nur im Plural allein üblich ist. Nachten für Nächte ist freylich eine irreguläre Form; allein sie ist einmahl allgemein gangbar. Indessen war das Wort ehedem auch im Singular üblich, weil in der Römischen Kirche vorzüglich die Nacht auf den ersten Weihnachtstag feyerlich begangen wird. Die Wihennaht, im Schwabenspiegel.


Weihnachtsabend (W3) [Adelung]


Der Weihnachtsabend, des -es, plur. die -e, der Tag vor dem Weihnachtsfeste, und besonders der Abend desselben; der Christ-Abend.


Weihnachtsfest (W3) [Adelung]


Das Weihnachtsfest, des -es, plur. die -e, die Weihnachten, als ein kirchliches Fest betrachtet, das Fest der Geburt Christi.


Weihnachtstag (W3) [Adelung]


Der Weihnachtstag, des -es, plur. die -e, einer von den drey feyerlichen Tagen dieses Festes.


Weihrauch (W3) [Adelung]


Der Weihrauch, des -es, plur. inus. 1. Ein geweiheter, d. i. heiliger, Rauch, ein wohlriechender Rauch, welcher in der Römischen Kirche bey manchen Theilen des Gottesdienstes gemacht wird; eine nur noch im gemeinen Leben einiger Oberdeutschen Gegenden übliche Bedeutung. 2. Der Nahme eines gewissen wohl riechenden Harzes, welches vornehmlich zu diesen und andern Arten des Räuchwerkes gebraucht wird, und von einigen ausländischen Arten des Wachholders kommt, besonders von dem Iuniperus thurifera und phoenicea Linn. 3. Figürlich, so wohl Lob und Dank gegen Gott, als auch Lobeserhebungen überhaupt, eine Anspielung auf die alte morgenländische Gewohnheit, wo das Beräuchern mit Räuchwerk eine Ehrenbezeugung ist. Allen seinen Weihrauch an jemanden verschwenden, ihn so sehr erheben, als man kann. Wenn er nur Weihrauch opfert, so mag er immer im Dampfe ersticken. Wenn er durch Weihrauchwolken zeucht, Die Krieges-Furie gefesselt an dem Wagen Des Überwinders keucht, Raml. Schon bey dem Ottfr. und Willeram Wirouch, Wiroche, im Niedersächs. Wirik, von dem alten wih, weih, heilig. S. Weihen.


Weihrauchvogel (W3) [Adelung]


Der Weihrauchvogel, des -s, plur. die -vögel, S. Goldamsel.


Weihsalz (W3) [Adelung]


Das Weihsalz, des -es, plur. car. geweihetes Salz, in der Römischen Kirche.


Weihwasser (W3) [Adelung]


Das Weihwasser, des -s, plur. inus. geweihetes Wasser, in der Römischen Kirche.


Weihwedel (W3) [Adelung]


Der Weihwedel, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, derjenigen Wedel, womit das Weihwasser gesprenget wird.


Weil (W3) [Adelung]


Weil, eine Partikel, welche auf eine gedoppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Adverbium der Zeit. (1) So lange als; eine großen Theils veraltete Bedeutung, welche um der Kürze willen noch zuweilen von den Dichtern gebraucht wird; außer dem aber noch im gemeinen Leben üblich ist. Das ist nicht geschehen, weil ich denken kann. Man wird dich, Herr, mit Ehrfurcht preisen, Weil Gott und Monde sind, Opitz. Ps. 72. O mein Dank soll nicht ermüden, Weil mein Busen athmen kann, Raml. Wo es aber mit der folgenden Conjunction leicht eine Zweydeutigkeit machen kann. (2) Indem, diejenige Handlung zu bezeichnen, während welcher etwas geschehen ist, wie dieweil; am häufigsten in der vertraulichen Sprechart. Er brachte fünf Gulden, weil ich zu Hause war, Gell. Weil ich vorhin mit der Frau Nachbarinn auf dem Saale rede, so fällt etwas in der Küche, eb. ders. Im Englischen in dieser Bedeutung whilst. 2. Als eine causale Conjunction, einen Beweis und Grund des Vorhergehenden oder Nachfolgenden auszudrucken. Der Himmel weiß, daß ich bloß deßwegen so betrübt bin, weil sie mein Herz für so niedrig halten, u. s. f. Gell. Weil du gefehlet haft, so mußt du Strafe leiden.

Anm. Diese Partikel ist mit dem folgenden Hauptworte Weile Eines Stammes, und ohne Zweifel die Wurzel desselben, indem auch die Conjunction denn bloß eine Figur von dem Adverbio denn ist. Indessen besinne ich mich doch nicht, diese Partikel bey unsern ältesten Oberdeutschen Schriftstellern angetroffen zu haben. Kero gebraucht für die Conjunction weil, danta, dann. Im Oberdeutschen ist dafür noch um willen üblich.


Weiland (W3) [Adelung]


Weiland, ein großen Theils veraltetes und unabänderliches Bestimmungswort, welches in gedoppelter Gestalt gefunden wird, 1. Als ein Adverbium der vergangenen zeit, für vor diesem, ehedem. Der uns weiland verfolgete, Gal. 1, 23. Wir waren auch weiland unweise, Tit. 2, 3. Weiland war die Lieb' ein Feuer, wärmen war ihr nützer Brauch, Logau. Es war weiland ein König. In dieser Bedeutung wird es außer der komischen Schreibart selten mehr gebraucht. Stumm saß ich da, wie weiland Daphnis felsigen Andenkens. 2. Als ein indeclinables Adjectiv, welches nur noch in dem Kanzel- und Kanzelley-Style üblich ist, und den Nahmen und Titeln vor kurzem verstorbener Personen vorgesetzet wird, wenn man ihrer auf eine feyerliche und rühmliche Art gedenkt. Weiland Kaiser Carl 6. Der weiland Durchlauchtigste u. s. f. Der weiland Hochedle u. s. f. Da es denn im Kanzel-Style auch von geringen Personen gebraucht wird. Anm. In der ersten Bedeutung ist dieses Wort sehr alt, ob es gleich mehrmahls mit veränderten Endsylben vorkommt. Im Ottfried lautet es wila, in dem alten, Gedichte auf den heil. Anno wilen, bey den Schwäbischen Dichtern wilent, alle für ehedem, olim, welches Latein. Adverbium selbst damit verwandt zu seyn scheinet. Die Endsylbe ist dunkel, denn ob man gleich Spuren von einer alten Ableitungssylbe and hat, so ist doch diese nur gebraucht worden, Substantiva, nie aber Adverbia, zu bilden; da her es scheinet, daß and hier aus der adverbischen Ableitungssylbe -en entstanden, welche erst in end und dann in and verwandelt worden. Was die zweyte Bedeutung betrifft, so ist Wachters Muthmaßung, der es in derselben für das Participium des veralteten Verbi weilen, ruhen, ( S. Weile,) hält, nicht unwahrscheinlich, welches dadurch bestätiget wird, weil weiland hier wirklich als ein Adjectiv obgleich indeclinabel gebraucht wird, und man dafür in dem Kanzel- und Kanzelley-Style auch der in Gott ruhende u. s. f. gebraucht. Übrigens kommt das erste wilent, bey den Schwäbischen Dichtern auch mehrmahls für, eine Zeitlang, vor.


Weilarbeit (W3) [Adelung]


Die Weilarbeit, plur. die -en, im Bergbaue, Arbeit, welche in der Weile, d. i. in den Feyerstunden, geschiehet.


Weile (W3) [Adelung]


Die Weile, plur. car. Diminut. das Weilchen. 1. Ein jeder unbestimmter Zwischenraum der Zeit, ein jeder Zeitraum, er sey gegenwärtig, vergangen oder künftig, am häufigsten im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Sich die nöthige Weile zu etwas nehmen, Zeit. Vor einer kleinen Weile, über eine Weile, nach einer langen Weile. Es dauerte noch eine Weile, einige Zeit. Ich schreibe Sinngedichte, die dürfen nicht viel Weile, Logau. Wohin geht sie nächtlicher Weile? Geßn. Der alles schuf aus nichts, soll er nicht auch die Theile Ergänzen, sind sie gleich verstreut vor langer Weile? Opitz. Ich wartete eine gute Weile vergebens. Gut Ding will Weile haben. Eile mit Weile. Das Diminutivum Weilchen gehöret noch mehr der vertraulichen Sprechart zu. Ich muß ein Weilchen ausruhen. Ich blieb ein feines Weilchen stehen. 2. Müßige Zeit, Muße. In der Weile arbeiten, bey den Bergleuten, in den Feyerstunden. ( S. Weilarbeit.) Dahin gehöret auch der Ausdruck lange Weile, die unangenehme Empfindung der müßigen, geschäftlosen Zeitdauer, welches irrig zusammen gesetzt Langeweile geschrieben wird, obgleich langweilig völlig richtig ist, ( S. Lang.) Lange Weile haben. Vor lieber langer Weile. Will er nicht müßige Weile haben, so muß er sich doch was zu thun machen, Less.

Anm. Dieses Wort ist alt, und lautet schon bey dem Ulphilas hveila, der es für Zeit überhaupt gebraucht; bey dem Kero und Ottfried wilu, wila, wo es auch für Stunde gebraucht wird, bi theru wilu, in dieser Stunde, ingleichen für einen noch kleinern Zeittheil, in thia wila, so gleich, den Augenblick; im Schwed. bile, im Engl. while, im Pohlnischen chwila. Bey dem Ottfried ist wila, und bey dem Kero twala, auch Verzug. Unmittelbar verwandt ist damit folgende weilen, welches ehedem auch ruhen bedeutete, das Schwed. hvila, ruhen, und ila, Angels. ildan, verziehen, verweilen. S. auch Weil.


Weilen (W3) [Adelung]


Weilen, verb. reg. neutr. einem Orte oder Dinge eine Weile gegenwärtig bleiben, welches doch für sich allein veraltet ist, und nur in verweilen vorkommt, wo die Vorsylbe ver die schwankende Bedeutung näher bestimmt, da sie nicht weggelassen wer- den sollte, wie von einigen Neuern geschiehet. Was weilen wir uns? Was dürfen wir weilen?


Weiler (W3) [Adelung]


Der oder das Weiler, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, eine Sammlung weniger ländlicher Wohnungen, ohne eigenes Gericht, zu bezeichnen, welche noch nicht den Nahmen eines Dorfes verdienet. Ohne Zweifel aus dem Lat. villare, woher auch das Französische villiers ist. Weil, wil, weiler, an vielen Ortsnahmen im Oberdeutschen, z. B. Rothwil, Badenweiler, Rappoltswil ist eben dasselbe Wort.


Wein (W3) [Adelung]


Der Wein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten die -e, der Saft der Weintrauben, so bald er gegoren hat, und nicht mehr Most ist. Junger, alter, süßer, saurer Wein. Noch eh die junge Welt die alten Weine sah, So bald der Mensch erschien, war schon die Liebe da, Withof. Zu Weine gehen, in das Weinhaus. Jemanden reinen Wein einschenken, figürlich, ihm die reine Wahrheit sagen. 2. Das Gewächs, dessen Trauben den Wein geben, doch nur theils collective, theils, wenn von der Art die Rede ist. Den Wein gäten, hacken, binden. Der Wein ist erfroren. Wenn der Wein blühet.

Anm. Im Kero Vin, im Willeram, Tatian u. s. f. Wine, Nieders. Wyn. Da die Deutschen, so wie alle nördliche und abendländliche Länder, den Weinbau von den Römern bekommen haben, so haben sie mit dem Gewächse auch den Nahmen angenommen, so wie das Lat. vinum, wieder aus dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und dieses aus dem morgenländischen herstammet. Dahin gehören das Angels. Vin, das Engl. Wine, das Schwed. Via, das Nieder-Bretagnische Guin, das Wallachische Ginu, das Wendische Vinu, das Pohlnische Wino.


Weinapfel (W3) [Adelung]


Der Weinapfel, des -e, plur. die -äpfel, eine Art weinsaurer Äpfel, woraus der Äpfelmost gepresset wird; in einigen Gegenden Weinling.


Weinbau (W3) [Adelung]


Der Weinbau, des -es, plur. car. der Bau des Weinstockes um des Weines willen. Den Weinbau treiben. Ein Land, welches vielen Weinbau hat.


Weinbauer (W3) [Adelung]


Der Weinbauer, des -s, 1. Von Bauen, colere, derjenige, welcher Wein bauet, plur. ut nom. sing. 2. Von Bauer, rusticus, ein Landbesitzer, dessen vornehmste Nahrung in dem Weinbaue bestehet, plur. die -n.


Weinbeere (W3) [Adelung]


Die Weinbeere, plur. die -n, die Beeren der Weintraube; schon im Notker und Tatian Winbere.


Weinberg (W3) [Adelung]


Der Weinberg, des -es, plur. die -e. 1. Ein mit Weinstöcken bepflanzter Berg oder Hügel. 2. Eine mit Weinstöcken bepflanzte gebirgige Gegend, so viel davon einem einzelnen Besitzer gehöret. 3. Zuweilen auch eine mit Weinstöcken bepflanzte Ebene, welche im Oberdeutschen richtiger ein Weingarten genannt wird. 4. Figürlich, die in einem Weinberge befindlichen Weinstöcke. Den Weinberg beschneiden, gäten, lesen u. s. w.


Weinbergsseil (W3) [Adelung]


Das Weinbergsseil, des -es, plur. die -e, in Böhmen, ein Längenmaß, die Weinberge damit zu messen, welches 64 Ellen in die Länge hält; zum Unterschiede von dem Land- und Waldseile, welches nur 52 hält.


Weinbergsschnecke (W3) [Adelung]


Die Weinbergsschnecke, plur. die -n, eine Art eßbare Schnecken, welche sich in den Weinbergen aufhält, Helix pomatica Linn.


Weinbirn (W3) [Adelung]


Die Weinbirn, plur. die -en, eine Art weinsaurer Birnen.


Weinblatt (W3) [Adelung]


Das Weinblatt, des -es, plur. die -blätter, das Blatt des Weinstockes.


Weinblume (W3) [Adelung]


Die Weinblume, plur. die -n, der Nahme eines einheimischen giftigen Gewächses, Wasser-Filipendel-Wurz, Oenanthe Linn.


Weinblüthe (W3) [Adelung]


Die Weinblüthe, plur. die -n. 1. Die Blüthe oder Blume des Weinstockes. 2. Die Zeit, wenn der Weinstock blühet. In der Weinblüthe.


Weinbrühe (W3) [Adelung]


Die Weinbrühe, plur. von mehrern Arten, die -n, eine Brühe, deren vornehmster Bestandtheil Wein ist, zu welcher Wein kommt.


Weinen (W3) [Adelung]


Weinen, verb. reg. neutr. et act. 1. Eigentlich, Thränen vergießen. So wohl als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. Sich des Weinens nicht enthalten können. Jemanden weinen machen. Über etwas weinen. Vor Freude, vor Betrübniß weinen. Er klagt und weint in ihre Klagen, Gell. Und wer bey dem Gefühl der Unschuld fühllos scheinet, Ist werth, daß auf sein Grab nie ein Gerechter weinet, Weiße. Ingleichen von den Augen. Sein Auge weint. Mit weinenden Augen, vielleicht besser mit nassen, mit Thränen in den Augen. Als auch als ein Activum, mit dem Accusativ der Thränen, oder was ihre Stelle vertritt. Bittere Thränen weinen. Man möchte Blut weinen. 2. Figürlich, tropfen rinnen lassen, nur in einigen Fällen. So sagt man von dem Weinstocke, wenn er beschnitten worden, daß er weine, oder thräne, da man denn auch die Tropfen, welche er rinnen läßt, Thränen zu nennen pflegt. So auch das Weinen.

Anm. Schon im Ottfried weinan, im Niederdeutschen wenen. im Isländ. weina, bey dem Ulphilas queinan, im Angels. vanian, im Schwed. venga. Dem heutigen Sprachgebrauche nach bezeichnet es bloß die Vergießung der Thränen; allein das schon gedachte Gothische queinan bedeutete lamentari. Wäre dieses die ursprüngliche Bedeutung, so würde es eine Onomatopöie des mit dem Weinen oft verbundenen Lautes seyn, welches auch das davon abgeleitete winseln zu bestätigen scheinet. In den gemeinen Sprecharten hat man sehr viele Ausdrücke, theils weinen überhaupt, theils mit einem gewissen Laute weinen, zu bezeichnen; wohin theils flennen, theils die Oberdeutschen zannen, greinen, grauen, theils die Niederdeutschen liren, wupen, ninneln u. s. f. gehören.


Weinerlich (W3) [Adelung]


Weinerlich, adj. et adv. Neigung zum Weinen habend und verrathend. Es ist so weinerlich. Ein weinerlicher Brief, ein kläglicher. Herbst, dein weinerlich Gesicht, störe meine Freude nicht. Das Wort ist nur in den gemeinen Sprecharten üblich, weil die Analogie, nach welcher es so wie esserlich, spielerlich, tanzerlich, trinkerlich u. s. f. gebildet worden, niedrig und provinziell ist, und nur das einzige lächerlich hier eine Ausnahme macht. Man hätte es daher in den neuern Zeiten nicht gebrauchen sollen, eine rührende Komödie damit zu bezeichnen, zumahl da auch die Bedeutung nicht recht passet.


Weinernte (W3) [Adelung]


Die Weinernte, S. Weinlese.


Weinessig (W3) [Adelung]


Der Weinessig, des -es, plur. inus. aus Wein bereiteter Essig, zu Essig gemachter oder gewordener Wein.


Weinfächser (W3) [Adelung]


Der Weinfächser, des -s, plur. ut nom. sing. die Fächser, d. i. zur Fortpflanzung, bestimmten Reden des Weinstockes, S. Fächser.


Weinfaß (W3) [Adelung]


Das Weinfaß, des -es, plur. die -fässer, ein Faß, Wein darin aufzubewahren.


Weinflasche (W3) [Adelung]


Die Weinflasche, plur. die -n, eine Flasche, Wein darin zu hohlen, oder aufzubewahren. Zuweilen bekommt auch die Wein-Bouteille diesen Nahmen.


Weingarten (W3) [Adelung]


Der Weingarten, des -s, plur. die -gärten, ein Garten, d. i. befriedigter Ort, welcher mit Weinstöcken bepflanze ist, besonders wenn es eine Ebene ist, zum Unterschiede von einem Weinberge. Im Oberdeutsche ziehet man dieses Wort im gemeinen Leben in Wingart zusammen, und gebraucht es auch wohl für Weinberg. Im Willeram Wingarton, im Angels. Wingeard, im Engl. Vineyard.


Weingärtner (W3) [Adelung]


Der Weingärtner, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gärtner, welcher sich vornehmlich auf den Bau des Weinstockes verstehet; ein Winzer.


Weingebirge (W3) [Adelung]


Das Weingebirge, des -s, plur. ut nom. sing. ein mit Weinstöcken bepflanztes Gebirge, eine Reihe mehrerer Weinberge.


Weingegend (W3) [Adelung]


Die Weingegend, plur. die -en. 1. Eine mit Weinstöcken bepflanzte Gegend. 2. Eine Gegend, in welcher Wein wächset.


Weingeist (W3) [Adelung]


Der Weingeist, des -es, plur. doch nur zuweilen von mehrern Arten, die -er, der geistigste Theil de Weines, nachdem derselbe von allem Wässerigen geschieden worden. In weiterer Bedeutung wird auch ein jeder rectificirter Branntwein Weingeist, und im Lat. Spiritus vini, genannt.


Weingeländer (W3) [Adelung]


Das Weingeländer, des -s, plur. ut nom. sing. dasjenige Geländer, woran Weinstöcke befestiget und gebunden werden.


Weingelehrt (W3) [Adelung]


Weingelehrt, -er, -este, adj. et adv. im Scherze, in der Kenntniß des Weines und seiner Güte erfahren. Ihr, der Trauben Kenner, weingelehrte Männer! Haged.


Weinglas (W3) [Adelung]


Das Weinglas, des -es, plur. die -gläser, ein Glas, woraus man Wein zu trinken pflegt.


Weingott (W3) [Adelung]


Der Weingott, des -es, plur. inus. in der Mythologie der Griechen und Römer, ein Beynahme des Bacchus.


Weingrau (W3) [Adelung]


Weingrau, adj. et adv. eine Art der grauen Farbe, besonders auf Wolle, welche aus Roth und Schwarz entstehet.


Weingrün (W3) [Adelung]


Weingrün, adj. et adv. welches von Fässern gebraucht wird, worin schon Wein gelegen hat, welche folglich den Geschmack vom frischen Holze verloren haben. Ein weingrünes Faß.


Weinhacke (W3) [Adelung]


Die Weinhacke, plur. die -n, eine Hacke, die Erde damit in den Weinbergen aufzuhauen; die Weinhaue.


Weinhandel (W3) [Adelung]


Der Weinhandel, des -s, plur. car. der Handel mit Wein im Großen; zum Unterschiede von dem Weinschanke. Daher der Weinhändler, der mit Wein im Großen handelt.


Weinhaue (W3) [Adelung]


Die Weinhaue, plur. die -n, S. Weinhacke.


Weinhaus (W3) [Adelung]


Das Weinhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, in welchem Wein geschenket, d. i. einzeln verkauft wird.


Weinheber (W3) [Adelung]


Der Weinheber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Heber, Wein damit aus dem Fasse zu heben, zum Unterschiede von einem Bierheber u. s. f.


Weinhefen (W3) [Adelung]


Die Weinhefen, sing. inus. die Hefen des Weines, welche auch wohl die Mutter genannt werden.


Weinherr (W3) [Adelung]


Der Weinherr, des -en, plur. die -en, an einigen Orten, z. B. zu Braunschweig, Aschersleben u. s. f. gewisse Rathsherren, welche über den Wein und Weinkeller des Rathes die Aufsicht haben.


Weinholz (W3) [Adelung]


Das Weinholz, des -es, plur. car. 1. Das Holz des Weinstockes. 2. Der Weinstock mit seinen Zweigen und Reben.


Weinhügel (W3) [Adelung]


Der Weinhügel, des -s, plur. ut nom. sing. ein mit Weinstöcken bepflanzter Hügel; ein Weinberg.


Weinhülse (W3) [Adelung]


Die Weinhülse, plur. die -n, die Hülse oder Schale der Weinbeere.


Weinhüther (W3) [Adelung]


Der Weinhüther, des -s, plur. ut nom. sing. ein Hüther oder Wächter in einem Weinberge oder Weingarten, auch Weinbergshüther.


Weinicht (W3) [Adelung]


Weinicht, adj. et adv. dem Weine am Geschmacke ähnlich. Ein weinichter Geschmack, Weingeschmack.


Weinjahr (W3) [Adelung]


Das Weinjahr, des -es, plur. die -e, die Fruchtbarkeit des Jahres in Rücksicht auf den Weinbau. Ein gutes, ein schlechtes Weinjahr, nachdem man vielen und guten, oder wenig und schlechten Wein im demselben bauet.


Weinkauf (W3) [Adelung]


Der Weinkauf, des -es, plur. doch selten, die -käufe. 1. Der Kauf des Weines. 2. An einigen Orten, Wein, welcher zum Zeichen eines geschlossenen Kaufes oder Vertrages, und zu dessen Bestätigung von beyden Theilen getrunken wird; daher denn auch die Bestätigung eines Vertrages figürlich der Weinkauf heißt. Den Weinkauf trinken. Die Zeugen eines geschlossenen Kaufes heißen daher in einigen Gegenden die Weinkaufsleute. 3. Im Osnabrückischen und andern Gegenden ist die Lehenwaare unter dem Nahmen des Weinkaufes bekannt.


Weinkeller (W3) [Adelung]


Der Weinkeller, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Keller, Wein darin zu verwahren. 2. Ein solcher Keller mit Zimmern, Wein darin zu schenken.


Weinkelter (W3) [Adelung]


Die Weinkelter, plur. die -n, eine Kelter, Wein darin zu keltern; die Weinpresse.


Weinkern (W3) [Adelung]


Der Weinkern, des -es, plur. die -e, die Kerne in den Weinbeeren.


Weinkieser (W3) [Adelung]


Der Weinkieser, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Oberdeutschen Orten, eine verpflichtete Person, welche den eingehenden Wein kieset, d. i. kostet, damit die gehörigen Abgaben davon entrichtet werden; der Weinkoster, in Sachsen, der Wein-Visierer.


Weinkirsche (W3) [Adelung]


Die Weinkirsche, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Toll- oder Schafbeere, Atropa Belladonna Linn.


Weinkoch (W3) [Adelung]


Der Weinkoch, des -es, plur. inus. ein Beynahme des August-Monathes, weil in demselben die Sonnenwärme den Weinbeeren ihre Güte geben muß.


Weinkoster (W3) [Adelung]


Der Weinkoster, S. Wein-Visierer.


Weinkranz (W3) [Adelung]


Der Weinkranz, des -es, plur. die -kränze, ein Kranz, so fern derselbe ein Zeichen eines öffentlichen Weinhauses ist.


Weinlager (W3) [Adelung]


Das Weinlager, des -s, plur. die -läger. 1. Das Gerüst in einem Weinkeller, worauf die Weinfässer liegen. 2. Ein Vorrath von Wein in Fässern. Ein starkes Weinlager haben.


Weinland (W3) [Adelung]


Das Weinland, des -es, plur. die -länder, ein Land, in welchem Wein gebauet wird.


Weinlaub (W3) [Adelung]


Das Weinlaub, des -es, plur. car. das Laub oder die Blätter des Weinstockes.


Weinlaube (W3) [Adelung]


Die Weinlaube, plur. die -n, eine mit Weinstöcken bepflanzte Laube.


Weinlese (W3) [Adelung]


Die Weinlese, plur. die -n, die Einsammelung der reisen Weintrauben; die Weinernte. Weinlese halten. In der Weinlese. Bey dem Willeram der Wintemod, in der Schweiz die Wemme, daher den Wein lesen daselbst wemmen, und ein Weinleser Wemmer genannt wird.


Weinleser (W3) [Adelung]


Der Weinleser, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Weinleserinn, eine Person, welche den Wein lieset, d. i. die Weintrauben einsammelt.


Weinling (W3) [Adelung]


Der Weinling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme verschiedener Früchte von einem weinsäuerlichen Geschmacke, als der Weinäpfel, Weinbirnen, einer Art Pflaumen u. s. f. In manchen Gegenden werden auch die Berberis-Beeren Weinlinge genannt.


Weinmarkt (W3) [Adelung]


Der Weinmarkt, des -es, plur. die -märkte. 1. Ein Markt oder öffentlicher Verkauf des Weines, dergleichen z. B. zu Mainz 1750 angelegt wurde. 2. Der Ort, wo, und 3. die Zeit, wenn derselbe gehalten wird.


Weinmaß (W3) [Adelung]


Das Weinmaß, des -es, plur. die -e. 1. Ein jedes Maß, mit welchem der Wein gemessen wird. 2. Ein bestimmtes Maß für den Wein, so fern es von eben demselben Maße für andere Körper noch verschieden ist. Eine Kanne Weinmaß, zum Unterschiede von einer Kanne Biermaß.


Weinmeister (W3) [Adelung]


Der Weinmeister, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Derjenige, welcher den Weinbau verstehet, die Weinberge anderer besorget; als eine anständige Benennung für Winzer. 2. An manchen Höfen ein Beamter, welcher die landesherrlichen Weinberge und einheimischen Weinvorräthe in seiner Aufsicht hat, und auch wohl der Bergmeister genannt wird.


Weinmonath (W3) [Adelung]


Der Weinmonath, des -es, plur. die -e, der Deutsche Nahme des Octobers, weil in den Weinländer die Weinlese in denselben fällt; ein Nahme, welchen er bereits von Carln dem Großen bekommen hat.


Weinmotte (W3) [Adelung]


Die Weinmotte, plur. die -n, eine Art Motten, welche sich auf den Weinstöcken aufhält. Die große Weinmotte, Sphinx Elpenor Linn. die kleine, Sphinx Porcellus Linn.


Weinmuß (W3) [Adelung]


Das Weinmuß, des -es, plur. die -e, in den Küchen, ein Muß von feinem Mehle, Eyern und Wein.


Weinmutter (W3) [Adelung]


Die Weinmutter, plur. inus. die Mutter, d. i. Hefen des Weines, sie Weinhefen, S. Mutter.


Weinpalme (W3) [Adelung]


Die Weinpalme, plur. die -n, eine Art Palmen, deren Saft, (Palmwein,) eine Ähnlichkeit mit dem Weine hat, und dessen Stelle vertritt.


Weinpfahl (W3) [Adelung]


Der Weinpfahl, des -es, plur. die -pfähle, Pfähle, woran die Weinstöcke in den Weinbergen befestiget werden.


Weinpflaume (W3) [Adelung]


Die Weinpflaume, plur. die -n, eine Art röthlicher Pflaumen von einem weinsäuerlichen Geschmacke; im gemeinen Leben Weinling.


Weinpresse (W3) [Adelung]


Die Weinpresse, plur. die -n, eine große Presse, die Weintrauben damit auszupressen; die Weinkelter, Kelter.


Weinraupe (W3) [Adelung]


Die Weinraupe, plur. die -n, eine Art Raupen, welche sich auf den Weinblättern aufhält. S. Weinmotte.


Weinrausch (W3) [Adelung]


Der Weinrausch, des -es, plur. die -räusche, ein Rausch vom Weine, zum Unterschiede von einem Bierrausche.


Weinraute (W3) [Adelung]


Die Weinraute, plur. inus. ein Nahme der gewöhnlichen Gartenraute, wegen ihres weinsäuerlichen Geruches, Ruta graveolens Linn.


Weinrebe (W3) [Adelung]


Die Weinrebe, plur. die -n, der junge Zweig eines Weinstockes, und zuweilen auch wohl der ganze Weinstock. ( S. Rebe.) Schon im Tatian Winreba.


Weinsauer (W3) [Adelung]


Weinsauer, adj. et adv. einen angenehmen sauern Geschmack wie Rheinwein habend.


Weinsauerlich (W3) [Adelung]


Weinsauerlich, adj. et adv. den säuerlichen Geschmack des Rheinweins habend; wie das vorige.


Weinsäure (W3) [Adelung]


Die Weinsäure, plur. inus. der saure oder säuerliche Geschmack des Rheinweines.


Weinsäuerling (W3) [Adelung]


Der Weinsäuerling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme gewisser Äpfel von einem weinsäuerlichen Geschmacke, welche in andern Weinäpfel und Weinlinge heißen.


Weinschädling (W3) [Adelung]


Der Weinschädling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, z. B. Österreich, ein Nahme der Berberis-Beeren, welche in andern Weinlinge heißen, wegen ihres weinsäuerlichen Geschmackes. S. Berberis.


Weinschank (W3) [Adelung]


Der Weinschank, des -es, plur. car. der Verkauf des Weines in kleinen Quantitäten, zum Unterschiede von dem Weinhandel; ingleichen das Recht, den Weinschank zu üben.


Weinschein (W3) [Adelung]


Der Weinschein, des -es, plur. die -e, ein wenig mehr gebräuchliches Wort, den Neumond in dem Weinmonathe, d. i. October, zu bezeichnen. S. Schein.


Weinschenke (W3) [Adelung]


Der Weinschenke, des -n, plur. die -n, derjenige, welcher Wein schenket, d. i. denselben in kleinen Quantitäten verkauft.


Weinschenke (W3) [Adelung]


Die Weinschenke, plur. die -n, ein Weinhaus im verächtlichen Verstande.


Weinschlauch (W3) [Adelung]


Der Weinschlauch, des -es, plur. die -schläuche. 1. Ein lederner Schlauch, den Wein dadurch in die Fässer eines Kellers zu leiten. 2. Ein starker Weintrinker im verächtlichen Verstande.


Weinschmaus (W3) [Adelung]


Der Weinschmaus, des -es, plur. die -schmäuse. 1. Ein Schmaus, bey welchem der Wein den vornehmsten Theil ausmacht. 2. Bey den Handwerkern, eine Erfrischung von Wein und Kuchen.


Weinschröter (W3) [Adelung]


Der Weinschröter, des -s, plur. ut nom. sing. verpflichtete Abläder, welche den Wein in die Keller und aus denselben schroten.


Weinstein (W3) [Adelung]


Der Weinstein, des -es, plur. inus. das mit Kalkerde vermischte Salz des Weines, welches sich in den Weinfässern in Gestalt einer harten trockenen Masse ansetzt. In weiterer Bedeutung wird auch die ähnliche Materie, welche sich im Munde an den Zähnen ansetzt, Weinstein genannt.


Weinsteinrahm (W3) [Adelung]


Der Weinsteinrahm, des -es, plur. inus. das gereinigte Salz des Weinsteines, Cremor Tartari, welches auch saures Weinsteinsalz und Weinsteinsäure genannt wird.


Weinsteinsalz (W3) [Adelung]


Das Weinsteinsalz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, das durch Calciniren aus dem Weinsteine bereitete feuerbeständige Laugensalz, Sal Tartari.


Weinsticher (W3) [Adelung]


Der Weinsticher, des -s, plur. ut nom. sing. Insect, S. Rebensticher.


Weinstock (W3) [Adelung]


Der Weinstock, des -es, plur. die -stöcke, dasjenige Gewächs, dessen Beeren den Wein geben, Vitis Linn. S. Stock.


Weinsuppe (W3) [Adelung]


Die Weinsuppe, plur. die -n, eine Suppe von Wein.


Weinträber (W3) [Adelung]


Die Weinträber, sing. inus. die Hülsen der ausgepreßten Weintrauben, in manchen Gegenden die Weintriester.


Weintraube (W3) [Adelung]


Die Weintraube, plur. die -n, die Frucht des Weinstockes; schon bey dem Willeram Wintrubo.


Weintrinker (W3) [Adelung]


Der Weintrinker, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher Wein zu trinken pflegt, zum Unterschiede von einem Wassertrinker und Biertrinker.


Wein-Visierer (W3) [Adelung]


Der Wein-Visierer, des -s, plur. ut nom. sing. eine verpflichtete obrigkeitliche Person, welche zum Behufe der Abgaben den ein gehenden Wein visieren und kosten muß. S. Weinkieser.


Weinwachs (W3) [Adelung]


Der Weinwachs, des -es, plur. car. der Zustand, da in einem Lande Wein wächset. Ein Land hat guten Weinwachs, wenn es vielen und guten Wein bauet.


Weinwage (W3) [Adelung]


Die Weinwage, plur. die -n, eine hydrostatische Wage, die Güte des Weines damit zu prüfen, so wie man dergleichen Salzwagen, Bierwagen u. s. f. hat.


Weinwurz (W3) [Adelung]


Die Weinwurz, plur. car. ein Nahme des Benedicten-Krautes, Geum Linn.


Weinzehente (W3) [Adelung]


Der Weinzehente, des -n, plur. die -n, der Zehnte, welcher von dem Weine gegeben wird.


Weinzeichen (W3) [Adelung]


Das Weinzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zeichen, daß an einem Orte Wein geschenket wird.


Weinzoll (W3) [Adelung]


Der Weinzoll, des -es, plur. die -zölle, ein Zoll, welcher von dem Weine gegeben wird.


Weis (W3) [Adelung]


Weis, adv. welches nur noch im gemeinen Leben und den niedrigen Sprecharten üblich ist, und auch hier nur mit dem Verbo machen, und, obgleich seltener, mit werden gebraucht wird. Es bedeutet überhaupt so viel als wissend. Einem etwas weis machen, bedeutete ehedem, ihm Nachricht davon geben, ingleichen ihn in etwas unterrichten. Wenn nun kommen wird die rechte zeit So will ich solches mit allem fleys Mein frawen die Küniginn machen weis, Theuerd. Er machet auch die scheflewt weys Wie des Helds schifflein gestalt was, eben ders. Welche Bedeutung noch jetzt zuweilen vorkommt. Er hat von Jugend auf arbeiten müssen, ich habe es ihm nicht besser weis gemacht. In engerer Bedeutung ist einem etwas weis machen, ihn einer Unwahrheit überreden, ihm etwas aufheften. Laß dir nichts weis machen. Die Leute könnten Böses denken, und der gnädigen Frau was weis machen, Weiße. Seltener wird es mit dem Verbo werden gebraucht. Etwas weis werden, es merken, inne werden. Anm. Es ist die in der edlen Schreibart veraltete Wurzel von weise, so fern es ehedem wissend bedeutete, und zum Theil auch von weisen. Da das s am Ende scharf lautet, wieß, so sollte es billig weiß geschrieben werden, welche aber vermuthlich um des Willen nicht geschiehet, weil das Wort, als ein bloßes Adverbium am Ende nicht wächset, daher auch das s nicht anders als scharf gesprochen werden kann. Im Nieders. lautet es wies. Ehedem wurde es im Oberdeutschen gemeiniglich mit dem Accusativ der Person gebraucht, wie aus den obigen, und noch einigen andern im Frisch befindlichen Beyspielen erhellet. S. das folgende und Wissen.


Weise (W3) [Adelung]


Weise, -r, -ste, adj. et adv. 1. Viel wissend, mehr Erkenntniß als andere besitzend, welches zwar die erste, aber jetzt minder gebräuchliche Bedeutung ist. Daher wurde ehedem ein jeder, welcher den großen Haufen an Kenntnissen und Einsichten übertraf, ein Weiser genannt. Noch jetzt ist unter dem großen Haufen ein weiser Mann, eine weise Frau, eine Person, welche andere in der Kenntniß natürlicher Dinge übertrifft, und oft wohl gar ein Hexenmeister und eine Hexe. In der Deutschen Bibel kommt es für erfahren, geschickt, gelehrt, noch häufig vor, welche Bedeutung auch außer dem noch in der höhern Schreibart nicht selten ist. 2. In engerer Bedeutung, den vernünftig n Absichten und den Umständen in einem hohen Grade angemessen; ingleichen Fertigkeit besitzend, seine Worte und Handlungen nach den Umständen und vernünftigen Absichten abzumessen. Ein weiser Mann, ein Weiser. Ein weiser Ausspruch. Die Verwegenheit des Jünglings wird durch die Ausbildung zu einer weisen Herzhaftigkeit und Entschlossenheit in Gefahren, Gell. Es sagt in dieser Bedeutung etwas mehr, ist auch über dieß edler, als klug.

Anm. Schon im Isidor, Ottfried u. s. f. uuise, uuiza, im Nieders. witt, wies, Engl. wise, Schwed. vis. Es ist das vorige weis; nur mit dem hinzu gefügten mildernden e. Wissen und Witz sind Intensiva davon. Einer Sache nicht weise seyn, u ar ehedem so viel, als ihr nicht gewachsen seyn.


Weise (W3) [Adelung]


Der Weise, des -n, plur. die -n, mit dem Artikel der Einheit, ein Weiser, das vorige Adjectiv als ein Substantivum gebraucht, S. dasselbe.


Weise (W3) [Adelung]


Die Weise, plur. die -n, die zufällige Beschaffenheit eines Dinges, die Bestimmung des zufälligen Mannigfaltigen an demselben, wodurch es sich von Art unterscheidet, welches auch, obgleich nicht allein, die wesentliche Beschaffenheit ausdruckt, daher man oft beyde mit einander zu verbinden pflegt, Art und Weise, die wesentliche und zufällige Beschaffenheit zugleich zu bezeichnen. Da indessen Art auch häufig von der zufälligen gebraucht wird, und so in fern mit Weise gleich bedeutend ist, so wird der zusammen gesetzte Ausdruck, Art und Weise, auch sehr oft um der größern Bestimmtheit Willen für eines Wörter allein, d. i. von der bloß zufällige Beschaffenheit, gebraucht. 1. Von dieser zufällige Beschaffenheit überhaupt; ohne Plural. Auf einerley Weise, auf einerley Art und Weise gekleidet seyn. Der Stein ist auf eine ganz besondere Weise (Art) gebildet. Auf gleiche Weise, auf mancherley Weise, auf vielerley Weise. In welchem Falle es mit Weglassung der Präposition auch oft im Genitive gebraucht wird, wenn anders das vorhergehende Adjectiv diesen Casum bezeichnen kann. Eine Person, welche lediger Weise in die Wochen gekommen, ist im ledigen Stande. 2. Von besondern Arten dieser zufälligen Beschaffenheit. (a) Die gehörige oder gewöhnliche Art, gleichfalls ohne Plural; eine vorzüglich noch im Oberdeutschen übliche Bedeutung. Das ist aus der Weise, ist ungewöhnlich, außerordentlich. Aus der Weise verfahren, auf eine ausschweifende, übertriebene Art. Maß und Weise halten. Er ward ihr aus der Weise gram, Lichtw. (b) Die Art zu handeln und zu verfahren, eine der gewöhnlichsten Bedeutungen; auch ohne Plural. Aus diese Weise gehet es nicht. Es auf eine andere Weise anfangen. Auf eine ganz besondere Weise. Eine listige Weise, geld zu bekommen. Auch mit dem Genitive. Unbesonnener Weise, thörichter, grausamer Weise. (c) Jemandes gewöhnliche, angenommene Art zu denken und zu handeln; gleichfalls ohne Plural. Nach seiner Weise leben. Er kommt wieder auf seine alte Weise. Seine Weise gefällt mir nicht. Sich in jemandes Weise schicken. Er steht ziemlich schlecht bey ihr, so sehr sie sich auch nach seiner Weise richten scheint, Less. Doch, halt! ihr kennt der Eifrer Weise, Haged. (d) Die zur dunkeln Fertigkeit gewordene Art in einzelnen Fällen zu handeln, die Gewohnheit, der Gebraucht; wo der Plural wenigstens selten ist. Das soll euch eine ewige Weise seyn, in der Deutschen Bibel. Nach der Weise des Landes. (e) In einigen Sprachlehren wird die Art, wie der Begriff eines Verbi von einem Gegenstande prädiciret wird, der Modus, die Weise genannt, wofür doch andere das Wort Art gebrauchen. Beyde aber zu unbestimmt und zu allgemein, daher ihnen das Lateinische vorzuziehen ist, welches wenigstens für diesen Fall bestimmter ist. (f) Die Melodie eines Liedes, mit dem Plural; eine im Hochdeutschen größten Theils veraltete Bedeutung, vermuthlich auch, weil sie für diesen einzelnen Fall zu schwankend und unbestimmt ist. Indessen war dafür ehedem auch Sangweise und Gesangweise üblich.

Anm. Schon im Isidor Vuiss, im Tatian Wis und Wisa, in den heutigen Bedeutungen, im Nieders. Wise, im Engl. Wise, im Schwed. Vis. Das hohe Alter dieses Wortes, und die Vieldeutigkeit des Verbi weisen, welche ehedem noch größer war, machen die Abstammung ungewiß. Wachter und mit ihm die meisten übrigen Etymologen, selbst Ihre nicht ausgenommen, nehmen das Verbum wesen, seyn, zum Stamm- worte an, weil die Weise in dem Wesen oder der Existenz gegründet sey. Allein sie haben nicht bedacht, theils, daß Weise selten und vielleicht nie von der wesentlichen Beschaffenheit gebraucht wird, theils aber auch, daß dieser Begriff viel zu sein und abstract ist, als daß man ihn dem rohen Zeitalter, in welches der Ursprung dieses Wortes fallen muß, zutrauen könnte. Es ist daher wahrscheinlicher, daß Weise ursprünglich die äußere Gestalt eines Dinges bedeutet hat, und in so fern von weisen, sich zeigen, darstellen, abstammet; eine Ableitung, welche der Analogie des rohen Menschenverstandes wenigstens angemessener ist. Es läßt sich zwar diese Bedeutung der Gestalt aus unsern Deutschen Alterthümern nicht erweisen, aber doch aus den verwandten Sprachen, indem im Franz. und Engl. Guise so wohl von der äußern Gestalt, der Miene und Geberde, als auch von der Gewohnheit, Weise, üblich ist. An das Gu statt des W wird sich kein Sprachkenner stoßen, weil bekannt ist, daß diese Laute häufig mit einander wechseln. Im Ital. ist die zufällige Beschaffenheit, Weise, noch jetzt Guisa. Ob sich gleich die letzte Bedeutung der Melodie füglich als einen besondern Fall der allgemeinen Bedeutung ansehen läßt, so wird es doch wahrscheinlich, daß Weise in derselben ein eigenes verschiedenes Wort ist, indem im Schwed. visa, ein Lied, Gesang, und im Finnischen weisan, singen bedeutet, welches mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, singen, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ein Lied, verwandt ist. Bey den Schwäbischen Dichtern ist Vnwise, der Mißton, Mißklang.


-weise (W3) [Adelung]


-weise, das vorige Wort, so fern es in Zusammensetzungen gebraucht wird, Adverbia zu bilden, eine Art und Weise zu bezeichnen, welche durch das vorher gehende Wort näher bestimmt wird. Scherzweise, als im Scherze; haufenweise, in Haufen; wechselsweise, auf eine abwechselnde Weise; stufenweise, bittweise, in Gestalt einer Bitte; kreuzweise, in Gestalt eines Kreuzes; den Wein nur faßweise verkaufen, in Fässern; paarweise gehen, in Paaren u. s. f. Die härtere Oberdeutsche Mundart, welche das mildernde e scheuet, verbeißet es auch hier, und spricht scherzweis, herdenweis u. s. f. Das Substantivum kann in diesen Zusammensetzungen nur Adverbia bilden, daher es ganz wider die Analogie ist, wenn einige solche Wörter als Adjectiva gebrauchen wollen; ein eimerweise Verkauf, für ein Verkauf nach Eimern. Was wahre Zusammensetzungen sind, oder getheilt geschrieben werden muß, muß aus der Sprachlehre erlernet werden. So kann z. B. thörichter Weise nicht thörichterweise geschrieben werden, weil das bestimmende Wort seine völlige Biegungszeichen hat, daher auch Weise noch seine ganze substantivische Gestalt unverletzt behalten muß.


Weisel (W3) [Adelung]


Der Weisel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Weiser.


Weisen (W3) [Adelung]


Weisen, verb. irreg. act. Imperf. ich wies, Particip. gewiesen, Imperat. weise, im gemeinen Leben weis, dem Auge bemerkbar machen, sehen lassen. 1. Eigentlich, wie das edlere zeigen. Jemanden eine Stelle in einem Buche, eine Seltenheit, ein neues Kleid weisen, d. i. sehen lassen, zeigen. Einem das Rathhaus, die Gasse, den rechten Weg weisen. Einem das Stricken, das Nähen u. s. f. weisen, ihm zeigen, wie es gemacht wird. Einem etwas mit dem Finger weisen, es ihm vermittelst des Fingers sehen lassen; aber mit dem Finger auf etwas weisen, den Finger darauf richten, um es bemerkbar zu machen. Jemanden zurecht weisen, ihm den rechten Ort zeigen. Das wird sich weisen, der Erfolg wird es lehren. Figürliche R. A. sind: einem die Thür weisen, einem die Wege weisen, ihm fortzugehen befehlen; einem etwas anders weisen, härtere Mittel gegen ihn vorkehren. 2. Figürlich. (a) Den Ort vorschreiben, wohin man sich wenden soll. Die Soldaten in die Quartiere weisen. Jemanden mit seiner Bittschrift an dem Rath weisen. Einen Verbrecher aus der Stadt weisen. (Siehe auch Verweisen.) (b) In etwas unterrichten, jemand belehren. Er läßt sich weisen, er nimmt Belehrung, Unterricht an. Man wirds euch weisen, lehren, im ironischen Verstande, d. i. euch dazu zwingen. Am häufigsten ist diese Bedeutung in der Zusammensetzung unterweisen. (c) * Mit Worten bestrafen; eine veraltete Bedeutung, von welcher nur noch Weisung und Verweisen übrig. S. das letztere. Daher das Weisen und die Weisung. S. das letztere an seinem Orte besonders.

Anm. Das Wort ist sehr alt, und lautet schon bey den ersten Oberdeutschen Schriftstellern wison, im Angels. witan und wisan, im Nieders. wisen, im Schwed. vysa, und selbst im Wend. wesu. In den Zusammensetzungen wird der Hauptbegriff dieses Wortes auf verschiedene Art näher bestimmt. ( S. Abweisen, Anweisen u. s. f.) Es scheint, daß dieses Wort ursprünglich so wohl sehen, als sehen lassen, bedeutete habe, denn im Kero ist gan wison, und im Ottfried wison, besuchen, da es denn mit dem Lateinischen videre, visus, visitare u. s. f. Eines Geschlechtes seyn würde. Auf der andern Seite aber muß es ehedem auch ein Verbum weisen oder wizan gegeben haben, welches zunächst einen gewissen Laut bezeichnet hat, und wovon so wohl Weise in der Bedeutung der Melodie, als auch verweisen, so fern es mit Worten bestrafen bedeutet, Überbleibsel find. S. 2. Verweisen.


Weiser (W3) [Adelung]


Der Weiser, des -s, plur. ut nom. sing. vom dem vorigen Verbo überhaupt, eine Person oder Sache, welche etwas weiset. Besonders, 1. eine Person, welche etwas weiset oder zeiget; nur in einigen Zusammensetzungen, ein Vorweiser, Wegweiser. 2. Ein Werkzeug, welches etwas zeiget, oder auch leitet. Der Weiser an einer Uhr, auch der Zeiger. Bey den Drahtplättern ist der Weiser eine an die Plättmühle angeschrobene gebogene Feder, wodurch der Draht auf die Walzen läuft, weil sie den Draht gleichsam dahin weiset; und so in andern Fällen mehr. 3. In einem Bienenstocke ist der Weiser die Mutterbiene oder die Königinn, welche bey dem Schwärmen voraus flieget, und den übrigen gleichsam den Weg zeiget; da es denn im gemeinen Leben häufig Weisel lautet, weil el und er gleich bedeutende Ableitungssylben sind.

Anm. In der letzten Bedeutung ist das Wort sehr alt, indem das alte Oberdeutsche wiso, das Angelsächs. wisa, und das Alt-Schwed. vise bereits einen Heerführer bedeuten. Auch im Wend. ist wesu leiten, führen.


Weiserdraht (W3) [Adelung]


Der Weiserdraht, des -es, plur. die -e, in den Pfeifen-Manufacturen, derjenige Draht, womit das Loch in die Pfeife gebohret wird.


Weiserhaus (W3) [Adelung]


Das Weiserhaus, des -es, plur. die -häuser, in den Bienenstöcken, die Mutterpfeife für den Weiser; Nieders. Wiespipe, Wieshus.


Weiserlos (W3) [Adelung]


Weiserlos, adj. et adv. des Weisers beraubt, keinen Weiser habend; weisellos. Ein weiserloser Bienenstock.


Weiserwerk (W3) [Adelung]


Das Weiserwerk, des -es, plur. die -e, in den Uhren dasjenige Räderwerk, welches dem Weiser oder Zeiger seine bestimmte Bewegung ertheilet.


Weisheit (W3) [Adelung]


Die Weisheit, plur. car. 1. Der Zustand, da man viel weis, mehr Kenntnisse und Einsichten, als andere; die erste und älteste Bedeutung, welche unmittelbar in den Abstammung gegründet ist, und so wohl noch im gemeinen Leben, als in der höhern Schreibart, gebraucht wird. Auch bey den Griechen war - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - so viel als Gelehrsamkeit, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein Gelehrter. Seine Weisheit ausschütten, im gemeinen Leben. 2. In engerer Bedeutung ist es die Fertigkeit, zu rechtmäßigen Absichten die bequemsten Mittel zu wählen; wo es mit Klugheit beynahe gleich bedeutend ist, nur daß es theils edler ist, theils einen höhern Grad dieser Klugheit bezeichnet. Die Weisheit schränkt sich nicht auf kaltes Wissen ein: Ein Kopf im Doctor-Hut kann noch sehr thöricht seyn. Dusch. 3. In der Deutschen Bibel ist Weisheit, im Gegensatze der Thorheit, die Fertigkeit, seine vorzügliche Erkenntniß des Guten thätig zu machen, d. i. die Fertigkeit eines tugendhaften Wandels. 4. In einigen alten Städten ist Ew. Weisheit, Ew. Wohlweisheit, Ew. Hochweisheit, ein abstracter Ehren-Titel vornehmer obrigkeitlicher Personen, z. B. der Regierungsräthe, da es denn von mehrern Personen auch im Plural üblich ist.

Anm. Bey dem Ottfried und Notker schon wisheit, bey dem Willeram und andern mit einer andern Ableitungssylbe weistuom, wistum. Es ist von weise, oder vielmehr dem alten weis, in der R. A. einem etwas weis machen, und vermittelst desselben mit wissen nahe verwandt. Ehedem war auch Spehin, Spahida und Kefinecheda für Weisheit üblich; erstere von spähen, und letzteres vermuthlich von Sinn.


Weisheitsgürtel (W3) [Adelung]


Der Weisheitsgürtel, des -s, plur. ut nom. sing. Bey den Ärzten, eine baumwollene Binde, welche in einem aus Eyweiß und Quecksilber zusammen gerührten Schaum getaucht, und, wenn sie trocken, um die Lenden gewunden wird, die Krätze und andere Ausschläge zu vertreiben.


Weisheitszahn (W3) [Adelung]


Der Weisheitszahn, des -es, plur. die -zähne, ein Nahme der Stockzähne, weil sie gemeiniglich erst in den Jahren des Verstandes zum Vorscheine zu kommen pflegen.


Weislich (W3) [Adelung]


Weislich, adv. aus eine weise, d. i. den rechtmäßigen Absichten, den Umständen angemessene Art. Etwas weislich verschwiegen halten. Seine Sache weislich einrichten. Dieses Wort als ein Adjectiv anstatt weise zu gebrauchen, wie von einigen geschiehet, ist ungewöhnlich. Schon bey dem Ottfried und Notker wislicho.


Weisung (W3) [Adelung]


Die Weisung, subst. plur. die -en, von dem Verbo weisen, nur daß es für sich allein und außer der Zusammensetzung nur noch in einigen Fällen in den Kanzelleyen gebraucht wird. 1. Als ein glimpflicher Ausdruck für das härtere Befehl. Jemanden eine Weisung geben, ihm etwas auflegen. 2. Ein Verweis. 3. An einigen Orten wird auch der Ausspruch eines Bergamtes eine Weisung genannt.


Weiß (W3) [Adelung]


Weiß, -er, -este, adj. et adv. diejenige Farbe habend, welche unter allen die helleste ist, aus dem völligen Lichte, und dem noch nicht zertheilten Lichtstrahl bestehet. 1. Eigentlich. Die weiße Farbe. Ein weißes Kleid. Weiß wie Schnee, schneeweiß, im gemeinen Leben auch Schloßweiß, Hagelweiß, weiß wie Schlossen oder Hagelkörner, Kreidenweiß. Etwas weiß anstreichen. Das Weiße im Auge, das Weiße in einem Eye. Das Silber weiß sieden, bey den Gold- und Silberarbeitern, die Oberfläche des verarbeiteten Silbers durch Sieden mit Weinstein und Küchensalz reinigen, welches ehedem auch weiß brennen hieß; daher die figürliche R. A. sich weiß brennen wollen, sich für unschuldig ausgeben. 2. In einigen theils engern, theils figürlichen Bedeutungen. (a) Unbeschrieben, von dem Papiere. Weißes Papier, unbeschriebenes. Schwarz auf weiß haben, eine schriftliche Versicherung. (b) Unbeschmutzt, frisch gewaschen, von der Wäsche. Weiße Wäsche. (c) Der weißen Farbe näher kommend, als ein anderer Körper gleicher Art. So ist weißes Brot, Brot von Weitzenmehl, im Gegensatze des schwarzen, oder des von Rockenmehle. Weißer Wein, gelblicher, im Gegensatze des rothen. (d) Der weißer Sonntag, in der Römischen Kirche, der Sonntag Quasi modo, oder der erste Sonntag nach Ostern, wegen der weißen Kleidung der Katechumenen; der daher auch dominica in albis heißt. (e) Im Münzwesen war weiß ehedem so viel als von seinem Silber, im Gegensatze des Kupfers. Weiße Pfennige, silberne; S. Weißpfennig. Anm. Schon im Ulphilas hueits, bey dem Willeram uuiz, im Engl. white, im Nieders. witt, im Oberd. ehedem auch bieß. Das hohe Alter macht die Abstammung dieses Wortes ungewiß; indessen kann es seyn, daß es mit Byssus, dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und den verwandten Arabischen Wörtern, aus Einer Quelle ist.


Weiß (W3) [Adelung]


Das Weiß, des Weiß, plur. inus. das Adverbium weiß als ein Substantiv gebraucht. 1. Ein weißer Farbenkörper, z. B. Schieferweiß, Bleyweiß. 2. Ein weißer Körper, vielleicht nur in Eyerweiß. Bey den Jägern wird indessen auch das Fett oder Unschlitt des Rothwildbretes das Weiß genannt. ( S. Feist.) 3. Die weiße Farbe. Ein schmutziges Weiß, ein reines Weiß. Anm. Wenn ein Beywort in der adverbischen Form als ein Substantiv gebraucht wird, so ist es der Regel nach indeclinabel, das Blau, das Schwarz u. s. f. Weiß sollte es also auch seyn; allein Eyweiß, Bleyweiß, Schieferweiß werden nun einmahl ordentlich decliniret, des -es, u. s. f. So auch das Weiß und die Weiße.


Weissagen (W3) [Adelung]


Weissagen, verb. reg. act. im Particip. geweissaget, zufällige künftige Dinge vorher sagen, besonders solche Dinge, welche aus keiner nothwendigen Folge des vorhergehenden und nachfolgenden eingesehen werden können; ein im gemeinen Sprachgebrauche großen Theils veraltetes Wort, welches theils nur noch im biblischen Style, theils in den höhern Schreibart gebraucht wird. Im gemeinen Leben ist dafür prophezeyen, in der edlern Schreibart aber vorhersagen üblich. So auch das Weissagen.

Anm. Schon bey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern wizzagan, im Sclavon. westiti. Die erste Hälfte ist ohne Zweifel von weis, wissend oder weise; denn daß die zweyte unser sagen ist, siehet ein jeder. Daher ist die gewöhnliche Schreibart weißagen für weissagen, oder besser weissagen die unrichtigere. Ehedem lautete das Particip. im Oberd. weisgesaget, welches aber jetzt veraltet ist.


Weissager (W3) [Adelung]


Der Weissager, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Weissagerinn, eine Person, welche künftige Dinge vorher saget, ein Prophet; auch nur noch in der höhern Schreibart. Ehedem nur der Weissage.


Weissagung (W3) [Adelung]


Die Weissagung, plur. die -en. 1. Das Weissagen, als ein Abstractum, und ohne Plural. Die Gabe der Weissagung haben. 2. Eine Rede, welche eine Vorhersagung künftiger zufälliger Begebenheiten enthält, mit dem Plural.


Weißath (W3) [Adelung]


Die Weißath, plur. die -en, ein nur in einigen Provinzen übliches Wort, die kleinen Zinsen, als Hühner, Butter, Eyer u. s. f. zu bezeichnen, wofür auch wohl Weißung üblich ist. Die Endsylbe ath ist ohne Zweifel die alte Ableitungssylbe, welche auch noch in Heimath angetroffen wird, und für das abstracte de stehet; die erste Hälfte scheinet weiß zu seyn, ob mir gleich die Ursache dieser Benennung nicht bekannt ist.


Weißback (W3) [Adelung]


Der Weißback, des -es, plur. die -e, der Nahme einer Art Falken mit weißen Backen, welcher auch Schmerl genannt wird. Nach andern ist es der Baum- oder Lerchenfalk. Sonst wird auch eine Art Wasservögel der Weißback genannt, Plautus arcticus Klein. Bey andern heiß er Buttelnase.


Weißbacken (W3) [Adelung]


Das Weißbacken, des -s, plur. car. das Recht, weißes oder Weitzenbrot zu backen, im Gegensatze des Schwarzbackens.


Weißbäcker (W3) [Adelung]


Der Weißbäcker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bäcker, welches weißes oder Weitzenbrot backen darf, der Losbäcker; zum Unterschiede von dem Schwarz- oder Fastbäcker.


Weißbaum (W3) [Adelung]


Der Weißbaum, des -es, plur. die -bäume, an einigen Orten ein Nahme des Pappelbaumes; weil die Blätter auf der einen Seite weiß sind.


Weißbier (W3) [Adelung]


Das Weißbier, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, weißes Bier, d. i. Bier, welches aus Luftmalz gebrauet worden, weil es heller von Farbe ist, als das Braunbier.


Weißbinder (W3) [Adelung]


Der Weißbinder, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Faßbinder, welche nur kleine Gefäße aus welchem weißem Holze verfertigen, und auch Kleinbinder und Kübler heißen, zum Unterschiede von Großbindern, Roth- oder Schwarzbinder oder Küfern.


Weißbirke (W3) [Adelung]


Die Weißbirke, plur. die -n, die gemeine einheimische Birke, Betula alba Linn. zum Unterschiede von der ausländischen Schwarzbirke u. s. f.


Weißbüche (W3) [Adelung]


Die Weißbüche, plur. die -n, eine Art Büchen, deren Holz und Rinde von weißer Farbe ist, S. Hagebüche und Büche.


Weißbüchen (W3) [Adelung]


Weißbüchen, adj. et adv. aus dem Holze der Weißbüche verfertiget, hagebüchen.


Weißdornvogel (W3) [Adelung]


Der Weißdornvogel, des -s, plur. die -vögel, eine Art Schmetterlinge, welche auf dem Weißdorne häufig sind, Papilio Danaus Crategi Linn.


Weiße (W3) [Adelung]


Das Weiße, des -n, plur. car. das Substantivum des Adjectives weiß, einen weißen Körper zu bezeichnen. Das Weiße im Eye, in dem Auge, in der Scheibe. S. auch das Weiß.


Weiße (W3) [Adelung]


Die Weiße, plur. car. das Abstractum des Adjectives weiß, die weiße Farbe eines Körpers. Wie blendend ist die Weiße der Narzisse! kein Schnee gleicht ihres Armes Weiße, Utz.


Weißen (W3) [Adelung]


Weißen, verb. reg. act. weiß machen. Man gebraucht es nur in engerer Bedeutung für tünchen. Ein Zimmer weißen lassen. In manchen Gegenden gebraucht man es auch für bleichen, in welchem Verstande es aber im Hochdeutschen unbekannt ist. Schon im Notker wizon. Daher das Weißen.


Weißer (W3) [Adelung]


Der Weißer, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Nahme der Tüncher.


Weißerle (W3) [Adelung]


Die Weißerle, plur. die -n, ein Nahme der Grauerle. Siehe dieses Wort.


Weißerz (W3) [Adelung]


Das Weißerz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, eine Art mit Arsenik versetzter Silber- und Kupfererze von weißer Farbe, welches in beyden Fällen eine Unterart des grauen oder Fahlerzes ist.


Weißfichte (W3) [Adelung]


Die Weißfichte, plur. die -n, eine Art Fichten oder Kiefern, deren Rinde weißer und glätter ist, als an der Rothfichte; auch Weißtanne, Pinus Abies alba Linn. Ihre Äpfel hangen gerade herunterwärts, dagegen sie bey der Rothfichte in die Höhe stehen. S. Fichte.


Weißfieber (W3) [Adelung]


Das Weißfieber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme der weiblichen Bleichsucht.


Weißfisch (W3) [Adelung]


Der Weißfisch, des -es, plur. die -e. 1. Ein Nahme aller kleinen Fische, welche weiße oder silberfarbene Schuppen haben; und auch Speisefische genannt werden. Besonders diejenige Art, welche auch Gangfische und Blicke heißt, und vermutlich der Cyprinus Alburnus Linn. ist. Im Niedersächs. Wittling. 2. Auch eine Art Wallfische von weißlicher Farbe führet diesen Nahmen, Balaena albicans, Linn.


Weißgar (W3) [Adelung]


Weißgar, adj. et adv. bey den Lederarbeitern, mit Kalk, Alaun und Salz gar gemacht; zum Unterschiede von dem loh- oder rothgar. Weißgares Leder.


Weißgärber (W3) [Adelung]


Der Weißgärber, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Gärber, welche das Leder weißgar bearbeiten; zum Unterschiede von den Loh- oder Rothgärbern.


Weißglocke (W3) [Adelung]


Die Weißglocke, plur. die -n, eine Art Glockenblumen von weißer Farbe, welche an den Zäunen wild wächset, und daher auch Zaunglocke genannt wird.


Weißglühend (W3) [Adelung]


Weißglühend, adj. et adv. den Eisenarbeitern, so glühend, daß das Eisen im Feuer eine weiße Farbe bekommt; zum Unterschiede von dem schwächern Grade, welche rothglühend genannt wird.


Weißgrau (W3) [Adelung]


Weißgrau, adj. et adv. eine graue Farbe, welche mehr in das Weiße fällt, zum Unterschiede von dem schwarzgrau.


Weißgroschen (W3) [Adelung]


Der Weißgroschen, des -s, plur. ut nom. sing. ehedem ein Nahme aller aus Silber geprägten Groschen. Jetzt ist es nur noch der Nahme einer Böhmischen Münze, welche sechs Pfennige gilt.


Weißgülden (W3) [Adelung]


Weißgülden, adj. et adv. der Nahme eines reichhaltigen Silbererzes, welches hellgrau und glänzend von Farbe ist; zum Unterschiede von dem rothgülden. Weißgüldenes Erz. Da es denn auch wohl als ein Substantiv gebraucht wird, Weißgülden, oder besser Weißgüldenes. (Von der letzten Hälfte S. Gülden.) In den Ungarischen Bergwerken wird das weißgüldene Erz der Blechmann genannt.


Weißhafer (W3) [Adelung]


Der Weißhafer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. eine Art des Hafers von weißer Farbe, zum Unterschiede von dem Grauhafer und Schwarzhafer.


Weißharz (W3) [Adelung]


Das Weißharz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein Nahme des Tannenharzes, wegen seiner weißen Farbe.


Weißhuhn (W3) [Adelung]


Das Weißhuhn, des -es, plur. die -hühner, in die Schweiz auch ein Nahme des Schnee- oder Steinhuhnes. Siehe Schneehuhn.


Weißkehlchen (W3) [Adelung]


Das Weißkehlchen, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine Art Brustwenzel mit weißer Kehle, Sylvia gutture albo Klein. zum Unterschiede von dem Rothkehlchen, Graukehlchen u. s. f. 2. Eine Art ausländischer Baumkletten von himmelblauer Farbe, mit weißer Kehle, Falcinellus cyaneus Klein.


Weißklar (W3) [Adelung]


Weißklar, adj. et adv. weiß von Farbe und dabey durchsichtig; ein besonders von dem Bernsteine übliches Wort.


Weißkohl (W3) [Adelung]


Der Weißkohl, des -es, plur. car. eine Art Kohles von weißer Farbe; zum Unterschiede von dem blauen, braunen und grünen Kohle. S. auch Weißkraut.


Weißkopf (W3) [Adelung]


Der Weißkopf, des -es, plur. die -köpfe, ein Nahme verschiedener Vögel mit weißen Köpfen. 1. Einer Art Habichte oder Adler, welche auch Gelbschnabel heißt, Aquila Pygargus Klein. 2. Einer Art Falken mit blauen Füßen, Falco Piscator Cyanopus Klein. 3. Eine Art schwarzer Sperlinge mit weißem Kopfe, Passer niger vitta alba Klein. 4. Einer Art Finken, Fringilla capite albo Klein. 5. Einer Art Tauben, Columba capite albo Klein. Und endlich 6. einer Art Mewen, Larus Hirundo marina minor Klein.


Weißkram (W3) [Adelung]


Der Weißkram, des -es, plur. inus. der Handel mit weißer Leinwand.


Weißkraut (W3) [Adelung]


Das Weißkraut, des -es, plur. car. ein Nahme des weißen Kopfkohles, S. Kopfkohl.


Weißkümmel (W3) [Adelung]


Der Weißkümmel, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. eine Art des Kümmels, S. Kümmel.


Weißkupfer (W3) [Adelung]


Das Weißkupfer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. Kupfer, welchem durch einen Zusatz von Arsenik und Weinstein eine weiße Farbe gegeben worden, so daß es von außen dem Silber ähnlich stehet.


Weißlich (W3) [Adelung]


Weißlich, adj. et adv. der weißen Farbe ähnlich, in das Weiße fallend. Weißliches Haar, helles, blondes. Im Oberdeutschen weißlet.


Weißling (W3) [Adelung]


Der Weißling, des -es, plur. die -e, in manchen Gegenden, ein Ding von weißer Farbe. So werden die Waldkirschen oder Weißkirschen in Franken Weißlinge genannt. In andern Gegenden führen die Weißfische diesen Nahmen. Siehe -ling.


Weißlober (W3) [Adelung]


Die Weißlober, plur. die -n, in einigen Provinzen, ein Nahme der Maserle, S. dieses Wort.


Weißloth (W3) [Adelung]


Das Weißloth, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, bey den Gürtlern, weißes und weiches Loth, welches aus Zinn und Messing bestehet, damit zu löthen.


Weißnacken (W3) [Adelung]


Der Weißnacken, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Sperlinge mit weißen Nacken, Passer nivalis cervice alba Klein.


Weißnagelschmid (W3) [Adelung]


Der Weißnagelschmid, des -s, plur. die -schmiede, eine Art Nagelschmiede, welche weiße, d. i. verzinnte, Nägel verfertigen; zum Unterschiede von dem Schwarznagelschmide.


Weißpappel (W3) [Adelung]


Die Weißpappel, plur. die -n, eine Art Pappeln, deren Blätter auf der untern Seite silberfarbend sind, Populus alba Linn. S. auch Alber.


Weißpfennig (W3) [Adelung]


Der Weißpfennig, des -es, plur. die -e, ehedem ein Nahme aller aus Silber geprägten Scheidemünzen, welcher jetzt nur noch in einigen Gegenden üblich ist. So ist in Oberdeutschland der Weißpfennig so viel als ein halber Batzen, oder acht Pfennige. ( S. auch Albus.) In Niedersachsen hingegen ist der Weißpfennig, Nieders. Witten, eine Münze von 1 1/2 bis 2 Pfennige. In Böhmen ist ein Weißpfennig 1 1/3 Pfennige.


Weißpinsel (W3) [Adelung]


Der Weißpinsel, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Verbo weißen, ein starker Borstpinsel der Maurer, damit zu weißen.


Weißschimmel (W3) [Adelung]


Der Weißschimmel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schimmel, dessen Farbe einen hohen Grad der Weiße hat; zum Unterschiede von dem Schwarzschimmel, Grauschimmel, Rothschimmel u. s. f.


Weißschnabel (W3) [Adelung]


Der Weißschnabel, des -s, plur. die -schnäbel, ein Vogel mit einem weißen Schnabel. Besonders, 1. eine Art Königsfischer, Ispida rostro albo Klein. 2. Eine Art Amerikanischer Brustwenzel, Sylvia avicula Americana altera Klein.


Weißsieden (W3) [Adelung]


Das Weißsieden, des -s, oder der Weißsud, des -es, plur. car. die Handlung der Metallarbeiter, da sie das verarbeitete Silber oder Messing mit Weinstein und Küchensalz sieden, um es dadurch zu reinigen, und ihm eine weiße Farbe zu geben; von der R. A. weiß sieden.


Weißspecht (W3) [Adelung]


Der Weißspecht, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme des großen Buntspechtes, Picus discolor Klein.


Weißsud (W3) [Adelung]


Der Weißsud, des -es, plur. car. 1. Die Handlung des Weißsiedens, ( S. dasselbe.) 2. Bey den Nadlern wird auch die Brühe mit dem gekörnten Zinne, worin sie die Nadeln weiß sieden, der Weißsud genannt.


Weißtanne (W3) [Adelung]


Die Weißtanne, plur. die -n, S. Weißfichte und Fichte.


Weißwasser (W3) [Adelung]


Das Weißwasser, des -s, plur. inus. bey einigen Schriftstellern, eine Art der Wassersucht, da das Wasser eine weiße Farbe hat, Anasarce; zum Unterschiede von dem Gelbwasser, Ascitis Hydrops.


Weißwurz (W3) [Adelung]


Die Weißwurz, plur. car. ein Nahme verschiedener Pflanzen mit einer vorzüglich weißen Wurzel. Besonderes einer Art der Mayblume, Convallaria Polygonatum Linn. welche wegen der Eindrücke auf der Wurzel auch Salomons-Siegel genannt wird.


Weißzopf (W3) [Adelung]


Der Weißzopf, des -es, plur. die -zöpfe, eine Art wilder Änten mit einem weißen Zopfe, Ahas albella Klein.


Weit (W3) [Adelung]


Weit, -er, -este, adj. et adv. einen Abstand zweyer Dinge, eine Entfernung zu bezeichnen. 1. Eigentlich. (1) Von dem Abstande, der Entfernung überhaupt, ohne die Größe derselben zu bezeichnen; nur als ein Adverbium. Wie weit ist es von hier bis Berlin? So weit stehet der Tisch von der Wand. Sie stehen zu weit aus einander. Es ist weiter von hier nach Berlin, als von hier nach Dresden. Ich kann nicht weiter gehen. Wird das Maß der Entfernung ausgedruckt, so stehet dasselbe im Accusativ. Drey Meilen weit von hier. Sechs Zoll weit von der Wand. Wo aber weit überflüssig ist, weil von die Entfernung bereits hinlänglich ausdruckt. Zu weit gehen, zu weit kommen. Der Weg ist für mich zu weit. Der Scharfsinn des Menschen gehet nicht weit, erstreckt sich nicht tief in die Unterschiede. (2) Von einer großen aber beträchtlichen Entfernung, wie das edlere und mehr Oberdeutsche fern. Vornehmlich als ein Adverbium. Das Licht ist schon weit herab gebrannt. Ich habe nicht weit nach Hause. Ein weit entlegener, entfernter Ort. Sich weit weg machen. Jemanden weit entgegen gehen. Weit und breit, in einem großen Raume umher. Sie schlief, und weit und breit erschallten keine Nachtigallen, Less. Ihr Nahme ist schon weit und breit bekannt, Weiße. In dem edlern Style ist dafür weit umher üblicher. Unser Gesang tönet dann weit umher, Geßn. Die weit ausgebreitete Gegend. Weit von einander abstehen. Der Terminus a quo bekommt von. Weit von dem Flusse. Nicht weit von hier. Ein weit aussehender Handel, figürlich, der von vielen entfernten Folgen ist. Etwas weit herhohlen, entfernte Ähnlichkeit, Gründe u. s. f. aufsuchen. Weit hören, sehen, reichen, schießen, gehen u. s. f. in die Ferne. Als ein Adjectiv ist es in dieser Bedeutung nur mit wenig Substantiven üblich, wovon Weg, Reise und Feld vielleicht die vornehmsten sind. Ein weiter Weg, der sich weit in die Ferne erstreckt. Mein Weg ist der weiteste, der Ort, wohin ich will, ist am meisten entlegen. Eine weite Reise, an einem entfernten Ort. Die Sache stehet noch in weitem Felde, figürlich, ist noch sehr ungewiß. Von weiten, nicht von weitem, oder vom weiten, aus der Ferne. Ich habe schon etwas von weiten gehöret, dunkel, durch Umschweife, Ich sehe ihn von weiten. Einem von weiten nachfolgen, von fern. 2. In weiterer und figürlicher Bedeutung. (a) Von der Zeit, eine beträchtliche Entfernung der Zeit zu bezeichnen; nur als ein Adverbium. Die Zeit ist nicht mehr weit entfernet. Der Sommer ist noch weit. Erst zwey Uhr? Es muß weiter seyn. (b) Von dem innern Raume eines Dinges. 1. So wohl absolut, und überhaupt. Dieses Kleid ist weiter als jenes; der eine Schuh ist weiter als der andere. Das Gefäß ist drey Fuß weit, nach dem Umfange des innern Raumes. Wo es nur als ein Adjectiv gebraucht werden kann, wenn das Maß der Weite mit ausgedruckt wird. Ein drey Fuß weites Gefäß. 2. Einen großen, beträchtlichen innern Raum auf allen Seiten habend, so wohl adverbisch, als adjective. Das Kleid ist sehr weit. Die Thür weit aufsperren. Weit offen stehen. Einen weiten Umschweif nehmen. Ein weites Zimmer, ein weites Gefäß. Eine weite Ebene, welche sich auf allen Seiten weit erstreckt. In die weite Welt gehen. Ein weiter Kamm, ein weites Sieb, wo die Zwischenräume beträchtlich sind; im Gegensatze des engen. Ein weites Gewissen haben, wenig Handlungen durch das Gewissen für bestimmt halten; im Gegensatze eines engen Gewissens. Die weitere Bedeutung eines Wortes, welche mehr einzelne Fälle unter sich begreift, der weitere Verstand, im Gegensatze des engern. (c) Von einem gewissen Grade, so wohl des Fortganges einer Sache, als auch der innern Stärke, oft von beyden zugleich; nur als ein Adverbium. So weit ist es mit der Sache gekommen, bis auf diesen Punct, bis auf diesen Grad. Weiter laß ich es nicht kommen. Die Sache ist schon zu weit gekommen. Eine Sache sehr weit, zu weit treiben. Ich will es so weit bringen, daß u. s. w. Wie weit hast du sie durch deine Gründe gebracht? Gell. Kann man sich wohl vorstellen, daß die Verblendung so weit gehen sollte? So weit hast du Recht, bis auf diesen Punct, so fern. Ich will ihnen in so weit baldige Besserung wünschen, als sie dieselbige für gut befinden, Gell. So weit ist mirs gelungen, so fern, bis dahin. Man kommt jetzt mit Betriegern weiter, als mit ehrlichen Leuten, man kann mehr mit ihnen ausrichten, Less. Da denn auch der Comparativ weiter, (nicht weiters,) so wie ferner; häufig gebraucht wird, eine Fortsetzung, ein Fortfahren zu bezeichnen. Fahre weiter fort. Weiter kann ich die nicht helfen. Es würde mir weiter doch nichts helfen. Nun lacht ihm weiter keine Flur, keine Flur mehr, Gell. Weiter nichts, als, sonst nichts. Wollen sie sich nicht weiter erklären? nicht deutlicher. Es ist nichts weiter in der Sache geschehen. Was kann ich weiter thun? Was wollt ihr weiter? Ein ander Mahl wollen wir weiter sprechen. Was weiter (außer diesem) daraus werden wird, mag die Zeit lehren. Wir brauchen einander weiter, können einander in Zukunft noch gebrauchen. welcher Comparativ denn auch als ein Adjectiv gebraucht werden kann. Sie nahm die Einladung ohne weitere Umstände an, ohne fernere. Verlangen sie keine weitere Erklärung von mir. Bis auf weitern Befehl. (d) Als eine intensive Partikel, für sehr, so wohl mit Verbis, doch nur mit einigen. Jemanden weit übertreffen. Ich ziehe dir ihn weit vor. Weit gefehlt, für es fehlet sehr viel. Doch weit gefehlt, daß ich gesagt hätte, so u. s. w. Als auch, und zwar am häufigsten vor Comparativen, ihren Grad zu erhöhen, wie viel. Sie haben weit mehr Verdienste als ich. Ich habe ihn weit lieber, als u. s. f. Im Felde leben wir zwar schlechter, Allein weit ruhiger als hier, Michael. Die Dichtkunst ist weit was Edlers, Gottsch. Besser, ist etwas weit Edleres, oder ist weit edler. (e) Bey weiten (nicht bey weitem,) wird auf ähnliche Art gebraucht, den folgenden Ausspruch zu verstärken. Am häufigsten vor Verneinungen. Das ist bey weiten noch nicht alles. Er kommt ihm bey weiten nicht gleich. Das rührt ihn bey weiten nicht so viel, als u. s. f. In bejahenden Sätzen ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. Der Krokodill ist bey weiten das fürchterlichste Thier in Ägypten; wo der Superlativ dieser Erhöhung ohnehin nicht bedarf. Es ist bey weiten größer, besser, weit größer.

Anm. Schon bey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern wito, Nieders. wit, Schwed. vid, Engl. wide. Es ist vermutlich mit dem Franz. vuide, leer, vielleicht auch mit dem Lat. patere, verwandt. Da es ein wahres Adverbium ist, so macht es mit den Verbis, welchen es zugesellet wird, auch keine Composita, so wenig als andere gewöhnliche Adverbia. Folglich weit bringen, weit kommen, weit reifen, und nicht, weitbringen u. s. f. ( S. meine Sprachlehre.) In von weiten, und bey weiten, ist weit nicht das Adjectiv, sondern ein neues vermittelst der Endsylbe en gebildetes Adverbium, wie von fernen, von vornen, von außen, von innen u. s. f. Daher auch von weitem und bey weitem irrig sind.


Weite (W3) [Adelung]


Das Weite, des -n, plur. car. das vorige Adjectiv als ein Substantivum gebraucht, doch nur in einigen figürlichen R. A. Eine Sache in das weite spielen, sie ungebührlich verlängern, ihre Beendigung langwierig und ungewiß machen.


Weite (W3) [Adelung]


Die Weite, plur. die -n, das Abstractum von weit, 1. Die Entfernung zweyer dinge von einander; wofür doch Entfernung edler und üblicher ist. Bäume in gehöriger Weite von einander pflanzen. Die Weite der Sonne von der Erde, die Entfernung, der Abstand. 2. Ein in die Länge ausgedehnter Raum, die Ferne. Die Weite des Weges. Nicht gut in die Weite sehen können. 3. Der Umfang des innern Raumes. Die Weite eines Hauses, eines Gebäudes, eines Gefäßes. 4. Im Bergbaue sind Weiten und Weitungen ausgehauene Räume in einer Grube, aus welchen das Erz bereits gewonnen worden. In eine Weite schlagen, auf einen alten, schon ausgehauenen Ort kommen. Schon im Ottfried und Notker Weiti.


Weiten (W3) [Adelung]


Weiten, verb. reg. act. weit machen, doch nur als ein Reciprocum, sich weiten, weiter werden, durch Ausdehnung mehr Umfang des innern Raumes bekommen. So weiten sich Handschuhe, Schuhe, enge Kleider u. s. f.


Weitern (W3) [Adelung]


Weitern, verb. reg. act. weiter machen, welches doch nur in dem zusammen gesetzten erweitern üblich ist. Im Nieders. widen, eigentlich weiten, von dem Primitivo weit. Das Hochdeutsche von dem Comparativo gebildete weitern druckt den comparativen Begriff nicht allein bestimmter aus, sondern hat auch die Analogie von vergrößern, verkleinern u. s. f. für sich.


Weiterung (W3) [Adelung]


Die Weiterung, die -en, von dem vorigen Verbo, doch nur mit einer eingeschränkten figürlichen Bedeutung, und auch hier größten Theils nur im Kanzelley-Style, wo Weiterungen unangenehme weitere Verfügungen oder Folgen sind. Man warnete ihn, es durch seine Widersetzlichkeit nicht zu Weiterungen kommen zu lassen. Zuweilen werden daselbst auch Weitläufigkeiten überhaupt Weiterungen genannt.


Weitfeld (W3) [Adelung]


Das Weitfeld, des -es, plur. die -er, in Obersachsen, von einem Gute entlegene oder unter fremde Gerichte gehörige Felder; im Gegensatze der Heimfelder, oder nahen einheimischen Äcker.


Weitläufig (W3) [Adelung]


Weitläufig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Weit von einander entfernt; doch nur als ein Adverbium. Die Bäume stehen sehr weitläufig. Weitläufig schreiben, die Zeiten weit aus einander rücken. Besonders 2. von der Verwandtschaft. Weitläufig mit jemanden verwandt seyn, im Gegensatze des nahe. Ein weitläufiger Vetter. 3. Mit allen Umständen und Nebenbegriffen, umständlich. Ich werde dir nächstens weitläufiger schreiben. Sehr weitläufig seyn, viele Umstände, oder Umstände machen. Eine weitläufige Schreibart, wo man die Hauptbegriffe durch viele Nebenbegriffe und Bestimmungen von einander entfernet, auch wohl die Hauptbegriffe in mehrere schwächere auflöset. Die Weitläufigkeit ist zuweilen nothwendig; allein die Weitschweifigkeit ist alle Mahl ein Fehler.

Anm. Es ist von weit und laufen, in seinem Gange oder Laufe eine beträchtliche Weite umfassen. Gemeiniglich schreibt und spricht man es weitläufig, welches denn zunächst von dem veralteten Lauft für Lauf gebildet ist. Allein, da das Stammwort nicht mehr gangbar ist, so sollte man billig auch das Abgeleitete der neuern richtigern Form nähern; so wie es auch in geläufig, beyläufig u. s. f. geschehen ist. Im Oberdeutschen ist dafür auch weitwendig und weitschichtig üblich.


Weitläufigkeit (W3) [Adelung]


Die Weitläufigkeit, plur. die -en. 1. Die Beschaffenheit, da etwas weitläufig ist, besonders in der dritten Bedeutung; ohne Plural. 2. Weitläufiges Verfahren, gedäufte Umstände und Nebenbegriffe; mit dem Plural. Viele Weitläufigkeiten machen.


Weitsäulig (W3) [Adelung]


Weitsäulig, adj. et adv. in der Baukunst, wie Fernsäulig, welches S.


Weitschweifig (W3) [Adelung]


Weitschweifig, -er, -ste, adj. et adv. ein besonders von dem schriftlichen oder mündlichen Vortrage übliches Wort, fehlerhaft weitläufig, d. i. die Hauptbegriffe in mehrere Worte auflösend, und sie durch unnöthige Nebenbegriffe und Bestimmungen von einander entfernend. Ein weitschweifiger Styl, Vortrag. So auch die Weitschweifigkeit. Schon im Notker witsueifte.


Weitsichtig (W3) [Adelung]


Weitsichtig, -er, -ste, adj. et adv. entfernte Gegenstände deutlich, nahe oder undeutlich sehend, presbyta; im Gegensatze des Kurzsichtig. So auch die Weitsichtigkeit.


Weitung (W3) [Adelung]


Die Weitung plur. die -en, ein nur in manchen Fällen für Weite übliches Wort. 1. Der Umfang des innern Raumes, die Weite. 2. Im Bergbaue, ein ausgehauener Platz von beträchtlichem Umfange.


Weitzen (W3) [Adelung]


Der Weitzen, des -s, plur. car. der Nahme einer bekannten Getreideart, welche sich besonders durch ihr weißes und feines Mehl auszeichnet, Triticum Linn. Sommerweitzen, Winterweitzen. Polnischer Weitzen, Triticum Polonicum Linn. mit zweyblüthigen Kelchen und Blüthen, welcher auch Gomer und Gümmer genannt wird. Rauher Weitzen, Rauhweitzen, hat an seiner Ähre solche Grannen als die Gerste. Vielähriger Weitzen oder Wunderkorn. Wegen der Ähnlichkeit des Mehles werden auch manche andere Gewächse, besonders in der Zusammensetzung Weitzen genannt, welche sonst keine Ähnlichkeit mit demselben haben. Türkischer Weitzen, Türkisches Korn, oder Mays, Zea Linn. In manchen Gegenden wird auch das Perl- oder Hafergras, Melica ciliata Linn. Türkischer Weitzen genannt. S. auch Buchweitzen, Kuhweitzen.

Anm. Das Wort ist sehr alt, und lautet schon bey dem Ulphilas waitis, bey dem Kero, Ottfried u. s. f. Weizze, Hweizzi, Niedersächs. Weten, Angelsächs. Hwaet, Englisch Wheat, Schwed. Hvete; ohne Zweifel von der weißen Farbe. In Niederdeutschland hat man noch ein andres Wort, diese Getreideart zu benennen, nähmlich das Neiders. Tarwe und Holländ. Tarw oder Tarwe.


Weitzenacker (W3) [Adelung]


Der Weitzenacker, des -s, plur. die -äcker, ein Acker, welcher mit Weitzen bestellet wird; ingleichen, welcher geschickt ist, Weitzen zu tragen.


Weitzenbier (W3) [Adelung]


Das Weitzenbier, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, Bier, welches aus Weitzen gebrauet wird.


Weitzenbrot (W3) [Adelung]


Das Weitzenbrot, des -es, plur. die -e, aus Weitzen gebackenes Brot, so wohl materialiter und ohne Plural, Weitzenbrot essen; als individualiter und mit dem Plural, zwey Weitzenbrote.


Weitzenernte (W3) [Adelung]


Die Weitzenernte, plur. die -n, die Einerntung des Weitzens, und die Zeit, wenn solches geschiehet.


Weitzenessig (W3) [Adelung]


Der Weitzenessig, des -es, plur. inus. aus Weitzenmalz gebrauter Essig.


Weitzenfeld (W3) [Adelung]


Das Weitzenfeld, des -es, plur. die -er, mit Weitzen bestelltes, zum Weitzen bestimmtes Feld.


Weitzengraupe (W3) [Adelung]


Die Weitzengraupe, plur. die -n, Graupen, welche aus Weitzenkörnern gestampfet werden.


Weitzengries (W3) [Adelung]


Der Weitzengries, des -es, plur. inus. aus Weitzenkörnern bereiteter Gries.


Weitzenkleye (W3) [Adelung]


Die Weitzenkleye, plur. inus. die Kleye von dem gemahlnen Weitzenmehle.


Weitzenkorn (W3) [Adelung]


Das Weitzenkorn, des -es, plur. die -körner, das Samenkorn des Weitzens, welches zugleich das Mehl enthält.


Weitzenmalz (W3) [Adelung]


Das Weitzenmalz, des -es, plur. car. das aus Weitzen bereitete Malz.


Weitzenmehl (W3) [Adelung]


Das Weitzenmehl, des -es, plur. car. Mehl aus gemahlnen Weitzenkörnern.


Weitzenschröpfe (W3) [Adelung]


Die Weitzenschröpfe, plur. die -n, in der Landwirthschaft, die Handlung, da man die obersten Gipfel des allzu frech wachsenden Weitzens schröpfet, d. i. mit der Sichel abschneidet.


Welcher (W3) [Adelung]


Welcher, welche, welches, ein bieasames Bestimmungswort, welches auf zweyerley Art gebraucht wird. I. Als ein Pronomen, und zwar: 1. Als ein Relativum, einen Satz oder Ausspruch auf ein vorher genanntes Subject zurück, da es denn das vollständigste Relativum ist, welches nicht nur bestimmter als das kürzere der ist, sondern sich von dem gleichfalls relativen was darin unterscheidet, daß sich dieses nur auf unbestimmte Neutra, wenn sie im Nominativ und Accusativ des Singulars stehen, welcher aber auf unbestimmte Individua beziehet. Alles, was ich weiß; das beste, was ich noch gesehen habe; aber das Haus, welches ich bewohne. So auch in andern Geschlechtern. Du bist nicht der erste, welcher mir das sagt. Die Lage derjenigen Örter, an welchen man Versuche angestellet hat. Derjenige Mensch, mit welchem ich sprach. Welches von beyden du willst. Für den Genitiv so wohl im Singular, als Plural, ist statt welcher und welches, dessen und derer üblicher. Der Freund, dessen du erwähntest, nicht wessen; die Summen, deren wir bedürfen, nicht welcher. Die Ursache liegt wohl darin, weil dieser Casus eine schärfere Bestimmung in sich schließt und erfordert, und daher ein Determinativum statt eines bloßen Relativi nothwendig macht. 2. Als ein Interrogativum, und zwar wiederum. (1) Nach bestimmten Individuis zu fragen, wodurch es sich von wer und was unterscheidet, welche unbestimmter fragen. Fragt man mit dem letztern: wer hat dir das gesagt? so wird hier zwar nach einer Person gefragt, aber sehr unbestimmt, ohne Rücksicht auf das Geschlecht und die individuelle Beschaffenheit. Ist die Antwort, dein Bruder, und es gibt der Brüder mehrere, so würde welcher? die Frage fortsetzen müssen. Es stehet so wohl in directen als indirecten Fragen. Welchem von beyden hast du es gegeben? Ich weiß nicht, welchen von beyden ich wähle. In welcher von beyden Sprachen er will. Welches Lob ist größer, blühende Wangen oder eine schöne Seele? Da es denn, wenn es sich auf ein nachfolgendes Substantiv beziehet, oft im Nominativo des Neutrius gebraucht wird, alle Geschlechter und Zahlen zu vertreten. Welches sind denn deine Mörder? Welches ist der Jünger, den Jesus lieb hatte? (2) Nach der Beschaffenheit einer Sache zu, fragen. Besonders (a) wenn die Frage in einen bewundernden Ausruf eingekleidet ist; für was für. Welche derbe, grobe Speise! Welche Angst! Welche heimlich vergossene Thränen: Welche Größe! Wenn ein darauf folget, so verlieret es seine Biegungssylben, und lautet nur welch. Welch eine Veränderung! Welch ein grober Mensch! Welches euch wohl in andern Fällen geschiehet. Welch unaussprechlich Glück ist die Liebe! Dieser ganze Gebrauch fängt an, in der edlern Schreibart seltener zu werden, und dem bestimmtern was für, was für ein zu weichen. (b) In directen Fragen. Weißt du noch mit welcher Geduld ich mich zu allen Erniedrigungen herab ließ? (c) In indirecten Fragen, welche eine bloße Ungewißheit verrathen. Ich weiß nicht, in welchem Zustande er sich befindet. Wer weiß, in welches gottlose Haus er gehet. (d) Im gemeinen Leben wird es häufig als ein relatives Fragewort gebraucht, so wohl nach bestimmten Individuis, als nach der Beschaffenheit zu fragen. Wer hat dir das gesagt? Antw. Dein Bruder. Weitere Frage, was für welcher? So auch: es ist Mehl. Frage: was für welches? Allein der edlern Schreibart ist dieser Gebrauch fremd; indem im ersten Falle, wenn nähmlich nach Individuis gefragt wird, was für überflüssig, und welcher allein schon hinlänglich ist, im zweyten Falle aber, wenn man nach der Beschaffenheit fragt, das Substantiv lieber wiederhohlet wird: was für Mehl? II. Als ein unbestimmtes oder allgemeines Zahlwort, welches doch dabey auch relativ ist, und sich auf vorher genannte Dinge beziehet, für einige, einiges. Ich habe Äpfel, wollt ihr welche? Von diesen Früchten waren welche sauer, welche süß. Ich hatte welche sonst bey mir, Gell. Wenn ich das Glück tragen könnte, so würde mir der Himmel gewiß auch welches geben. Auch dieser Gebrauch ist ebenfalls, nur der vertraulichen Schreibart angemessen, für die höhere aber nicht edel genug. Ehedem war dafür etwelches, etwelche üblich.

Anm. Das Wort ist so alt, wie eines in der Sprache, indem es im Kero, Isidor u. s. f. schon huuelich, welicher, uuele, im Ulphilas hweileiks, im Angels. hwilc lautet. Im Nieders. lautet es welk, und im Osnabrück. nur wel, im Schwed. hvilken. Es ist unstreitig aus dem alten wa, der Wurzel von wer, was und lich abgeleitet. Das Lat. qualis ist augenscheinlich damit verwandt. Im Nieders. bedeutete es ehedem auch jemand. S. auch Jeglicher, welches gleichfalls davon abstammet.


Welcherley (W3) [Adelung]


* Welcherley, ein unabänderliches Adjectiv, für von welcher Art, oder von was für Art, welches aber im Hochdeutschen veraltet ist, und unter andern noch Matth. 7, 2 vorkommt.


Welgern (W3) [Adelung]


Welgern, S. Walgen.


Welk (W3) [Adelung]


Welk, -er, -este, adj. et adv. 1. Eigentlich, von Gewächsen, wenn sie viele zum Leben und zur Festigkeit gehörige Säfte verlieren, und dadurch schlaff werden; der Anfang des Verdorrens. Die Blätter werden welk. Welke Blätter. Welke Blumen. In weiterer Bedeutung auch von manchen Theilen des thierischen Körpers, wenn sie die gehörige Festigkeit verlieren. Welke Brüste, Ohren. 2. In noch weiterer Bedeutung wird es häufig für gedörret gebraucht. Welkes Obst, welke Rüben, welke Trauben, welke Äpfel. S. Welken.


Welkboden (W3) [Adelung]


Der Welkboden, des -s, plur. die -böden, ein Boden, auf welchem man das ausgewachsene Malz welken oder trocknen lässet; in einigen Gegenden der Schwelkboden.


Welken (W3) [Adelung]


Welken, verb. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit haben, welk werden, in der ersten Bedeutung des Adjectives. Sie steht da, die welkende Rose, und haucht die letzten Gerüche, Geßn. Figürlich, Kraft, Thätigkeit, Muth verlieren. Der Einfall welkt, die Worte fließen matt, Haged. Und von dem Muthe: Jetzt nun ich König bin, welkt mein beklemmtes Herz, eben derselbe. S. auch Verwelken. 2. Als ein Activum, welk machen, am häufigsten in der zweyten Bedeutung des Wortes welk für dörren; wo es in einigen gemeinen Mundarten auch schwelken lautet. Obst welken. Gewelktes Obst. S. auch das Welken. Anm. Schon im Ottfried welken. Das k ist ein Zeichen einer Intension, daher das einfache Verbum welen gelautet haben muß, und dieses ist noch im Niedersächsischen üblich; dagegen bey der Winsbeckinn velwen für welken vorkommt; woraus, wahrscheinlich wird, das die fahle Farbe verwelkter Blätter der Grund der Benennung ist.


Wellbank (W3) [Adelung]


Die Wellbank, plur. die -bänke, von dem folgenden Welle, das Lager, worauf sich die Zapfen der Welle eines Rades umdrehen. Bey den Töpfern ist es das Bret vor der Scheibe, worauf der Töpfer sitzet.


Wellbaum (W3) [Adelung]


Der Wellbaum, des -es, plur. die -bäume. 1. Ein Baum, welcher die gehörige Stärke hat, Wellen zu Mühlwerken abzugeben. Daher werden im Forstwesen solche Stämme Nadelholz, welche 32 bis 34 Zoll im Durchmesser haben, so wohl Mastbäume als Wellbäume genannt, weil sie zu beyden tauglich sind. 2. Eine starke Welle selbst, z. B. in Mühlwerken. Auch am Bortenwirkerstuhl wird der Baum, worauf die fertige Arbeit gewickelt wird, der Wellbaum genannt.


Welle (W3) [Adelung]


Die Welle, plur. die -n, Diminut. Wellchen. 1. Eine vorüber gehende Erhöhung auf der Oberfläche des in Bewegung gesetzten Wassers; wo Welle von allen solchen Erhöhungen, ohne Rücksicht auf die Größe, Woge aber nur von großen, langen, Wellen gebraucht wird. Das Meer wirft oder schlägt Wellen, wenn die Oberfläche in Bewegung gesetzt ist. Figürlich bedeuten die Wellen auch wohl das Meer, oder sonst ein großes Wasser. Von den Wellen verschlungen werden, auf einem Flusse, See, u. s. f. untergehen. 2. Ein um seine Axe beweglicher Cylinder, so fern er ein Rad, oder andere Theile einer Maschine in Bewegung setzt. So werden die körperlichen Axen der Räder in den meisten Fällen Wellen genannt. Die Wellen der Orgelbauer und Bortenwirker hingegen, tragen keine Räder, dienen aber, andere Bewegungen hervor zu bringen. 3. Ein Bündel Reisholz, ein Reisbündel, im Festungs- und Wasserbaue, eine Faschine. 4. In manchen Gegenden wird auch eine hervor ragende Sandbank in einem Flusse, eine Welle, Sandwelle genannt, wofür an andern Orten Häger, Horst u. s. f. üblich sind.

Anm. In allen diesen Bedeutungen scheint die wallende und wälzende Bewegung der Grund der Benennung zu seyn. In den beyden ersten ist sie es gewiß. In der dritten kann die Figur von der cylindrischen Ründe, und in der vierten von der den Wellen ähnlichen Erhöhung hergenommen seyn; ob sich gleich die vierte Bedeutung vielleicht noch schicklicher von Wall ableiten lassen würde. Übrigens lautet Welle in der ersten Bedeutung schon bey dem Notker wello, womit das Engl. Wheel, und Schwed. Hjul, beyde in der Bedeutung eines Rades, genau verwandt sind. Auch im Slavonischen ist Wall, die Welle, Achse, und walam, ich wälze.


Wellen (W3) [Adelung]


1. Wellen, aufsieden lassen, S. Wällen.


Wellen (W3) [Adelung]


2. Wellen, verb. reg. act. welches in den Hammerwerken für schweißen üblich ist. Eisen an einander wellen, schweißen.


Wellenbruch (W3) [Adelung]


Der Wellenbruch, S. Brandung.


Wellenförmig (W3) [Adelung]


Wellenförmig, adj. et adv. einer Welle in der Gestalt ähnlich, in den beyden ersten Bedeutungen des Wortes Welle. Besonders ist wellenförmig die Gestalt einer Schlangenlinie habend, schlangenformig.


Wellenholz (W3) [Adelung]


Das Wellenholz, des -es, plur. car. ein Collectivum, in Wellen gebundenes Reisholz zu bezeichnen.


Wellenrahmen (W3) [Adelung]


Der Wellenrahmen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Orgelbauern, der hölzerne Rahmen, worin die Wellen der Claves liegen.


Wellenschlag (W3) [Adelung]


Der Wellenschlag, S. Brandung.


Wellenschnecke (W3) [Adelung]


Die Wellenschnecke, plur. die -n, eine Art conischer Schnecken mit wenigen Spiralen, welche einer Papier-Tüte ähnlich sehen, und auch Regelschnecken genannt werden. S. dieses Wort.


Wellenschnitt (W3) [Adelung]


Der Wellenschnitt, des -es, plur. die -e, in der Wapenkunst, die Theilung eines Schildes vermittelst einer Schlangenlinie oder wellenförmigen Linie.


Weller (W3) [Adelung]


Der Weller, des -s, plur. ut nom. sing. in den Pfeifen-Manufacturen, ein Cylinder von Thon, woraus die Pfeife in der Form gebildet wird. Gleichfalls von Welle.


Wellerarbeit (W3) [Adelung]


Die Wellerarbeit, plur. inus. aus bloßem Lehm mit vermischtem Stroh verfertigte Arbeit. S. Wellern.


Wellerdecke (W3) [Adelung]


Die Wellerdecke, plur. die -n, die Decke eines Zimmers, so fern sie aus Lehm und Stroh bestehet; eine Lehmdecke.


Wellerer (W3) [Adelung]


Der Wellerer, des -s, plur. ut nom. sing. der dergleichen Arbeit verrichtet, Lehmwände macht; an andern Orten Kleiber.


Wellermauer (W3) [Adelung]


Die Wellermauer, plur. die -n, eine Art Mauern oder Wände auf dem Lande, welche statt der Steine aus Lehm und Stroh aufgeführet werden; eine Lehmmauer, Lehmwand.


Wellern (W3) [Adelung]


Wellern, verb. reg. act. et neutr. Wellerarbeit verrichten, d. i. mit Lehm und Stroh kleiben; ingleichen auf eine solche Art verfertigen oder ausfüllen. Eine Wand wellern, die Zwischenräume zwischen dem Zimmerholze vermittelst der Wellerstöcke mit Lehm und Stroh ausfüllen. So auch das Wellern.

Anm. Dieses Wort ist mit seinen Zusammensetzungen vornehmlich im gemeinen Leben Ober- und Niedersachsens üblich, denn im Oberdeutschen gebraucht man für wellern, so viel ich weiß, kleiben. Frisch leitet es von Welle her, weil man die Lehmmauern oben mit Reiswellen zu belegen pflege. Allein zu geschweigen, daß dieses nur selten geschiehet, so scheinet die Art der Arbeit vielmehr der Grund der Benennung zu seyn. Das Wellern der Wände und Decken bestehet eigentlich darin, daß Würste oder Wellen, d. i. Cylinder, von Lehm und langem Stroh um die Wellerstöcke geflochten werden. Ist es aber gewiß, daß, wie in dem Brem. Wörterb. versichert wird, in und um Bremen wellern so viel ist, als mit Kalk bewerfen, so müßte freylich eine andere Ableitung versucht werden, denn die eben daselbst auch von Welle angegebene, weil eine Wand vorher mit Ruthen oder Rohr benagelt werde, ist viel zu weit gesucht. Vielleicht stammt das Wort von Wall ab, so fern es eine Wand überhaupt bezeichnet, so daß wellern überhaupt eine Wand verfertigen, bedeuten würde.


Wellerstock (W3) [Adelung]


Der Wellerstock, des -es, plur. die -stöcke, starke Stöcke, welche zwischen dem Holzwerke der Wände und Decken eingeschlagen, und hernach mit Lehm und Stroh umflochten werden; in Niedersachsen auch Lehmstaken.


Wellerwand (W3) [Adelung]


Die Wellerwand, plur. die -wände, eine von Lehm und Stroh verfertige Wand, eine Lehmwand.


Wellsamen (W3) [Adelung]


Der Wellsamen, im gemeinen Leben mancher Gegenden, verderbt für Wallsamen, S. dieses Wort.


Wels (W3) [Adelung]


Der Wels, des -es, plur. die -e, der Nahme eines großen Raubfisches, welcher sich in großen Strömen und Landseen aufhält, und auch Scheide- oder Scheidfisch, im Österreichischen Schaden, in Baiern Waller genannt wird. Der Nahme scheint mit Wall in Wallfisch verwandt zu seyn, und vielleicht nur einen großer Fisch überhaupt zu bedeuten. Im Slavonischen heißt er Sum. Er ist der Silurus Plin. Silurus Glanis Linn.


Welsch (W3) [Adelung]


Welsch, S. Wälsch.


Welt (W3) [Adelung]


Die Welt, plur. doch nur von einigen Bedeutungen, die -en, ein altes Wort von mehrern schwankenden Bedeutungen, und da zugleich die Abstammung dunkel und ungewiß ist, so bleibt dem Wortforscher nichts weiter übrig, als die verschiedenen Arten des Ge- brauches nach wahrscheinlichen Gründen unter einander zu ordnen. Es bedeutet: 1. * Die Zeit und ein Theil derselben, ein Zeitalter, wie das Lat. saeculum; wo nicht die erste, doch eine der ältesten Bedeutungen, in welcher es bey dem Ottfried, Notker u. s. f. häufig vorkommt. Worolt, worolti, saecula saeculorum, Ottfr. Allo worolti, zu allen Zeiten. Da es denn auch wohl das Lebensalter eines Menschen bedeute. Mina worolt nuzzo einluzzo, ich werde mein Leben einsam zubringen, Ottfr. Doch in dieser ganzen Bedeutung ist es jetzt veraltet. 2. Die zu gleicher Zeit lebenden Menschen, und in weiterer Bedeutung, der Inbegriff aller zu einer und eben derselben Zeit existirenden zufälligen Dinge; eine eben so alte, noch jetzt gangbare Bedeutung, in welcher aber der Plural ungewöhnlich ist. Alt worolti ist dem Ottfried die Zeit des alten Testaments, und jungera worolti, die Nachwelt. Die heutige, die jetzige Welt. Die Vorwelt, die Nachwelt. Ein Mann aus der alten, oder nach der alten Welt. Er redet und denkt noch nach der alten Welt. Sich zum Dienst der Welt geschickt machen. Sie hat eben so geblühet, wie du; die vorige Welt sagt es uns, die nun schon der unsrigen Platz macht. Dahin auch die R. A. gehören: auf die Welt kommen, in die Reihe der zugleich existirenden endlichen Dinge wirklich werden. Ein Kind zur Welt gebären. Jemanden in die andere Welt schicken, ihn des Lebens berauben. Sich mit Ehren durch die Welt bringen. 3. Eine Menge Menschen, und in weiterer Bedeutung, eine Menge von Dingen Einer Art, besonders von lebendigen Geschöpfen. Kaiser Albrecht sammelte eine große Welt zu einer großen Heerfahrt, der Pirnaische Mönch in Menkens Scriptor. Es folgte ihnen nach aufs Veld eine merkliche Welt, Tschudi. Eine Bedeutung, welche jetzt selten ist. Eine Welt von Geschäften und Bestimmungen liegt um den Menschen her. Die Körperwelt, der Inbegriff aller körperlichen Dinge. Die Geisterwelt. Die Oberwelt, die Unterwelt u. s. f. 4. Menschen überhaupt, besonders die Menge Menschen und Dinge um uns her; als ein Collectivum und ohne Plural. Was wird die Welt dazu sagen? Von sich weg in die Welt fliehen, aus der Einsamkeit in die menschliche Gesellschaft. Etwas öffentlich, vor den Augen aller Welt thun. Wer getrauet sich das vor dem Richterstuhle der Welt zu verantworten? Wenn das die Welt erfahren sollte. Werde ich nicht eigennützig und leichtsinnig in den Augen einer Welt seyn, die auf unsre kleinsten Handlungen Acht gibt? Weiße. Der Stolze würde trostlos seyn, wenn die Welt nur Einen Theil seiner Mängel sähe, Gell. Alle Welt, jedermann. Alle Welt weiß es, spricht davon. Das macht bey aller Welt gelitten. In alle Welt gehen, in die Ferne. 5. Menschen von einer gewissen Classe; auch als ein Collectivum und ohne Plural. Die gelehrte Welt, der Inbegriff der Gelehrten. Die junge Welt, junge Personen überhaupt. Die große Welt, die obersten Classen der bürgerlichen Gesellschaft. Wo die schöne Welt beym Spieltische sich sammelt, Geßn. Die schöne Welt sing. an, die Ruhe zu verlassen, Zach. das schone Geschlecht. Deine Bestimmung ist die große, die geschäftige Welt. 6. Practische Kenntniß der feinern Welt und ihrer Sitten, als ein Abstractum und ohne Plural und Artikel; eine der neuesten, nach dem Französischen monde geformte Bedeutung. Er hat Welt, gute Lebensart. Wenn sie nur mehr Welt hätte. 7. Die bürgerliche Gesellschaft, im Gegensatze der kirchlichen; auch ohne Plural. In der Welt bleiben, in Gegensatze des Klosterlebens. Aus der Welt ge- hen, die Welt verlassen, in ein Kloster gehen. 8. Der Inbegriff der mit einander verbundenen irdischen und sinnlichen Dinge, im Gegensatze der geistlichen und ewigen; besonders in der Bibel und Theologie, auch ohne Plural. Die Welt lieben. Die Welt hassen. Der Welt absterben. 9. Irdisch oder sinnlich gesinnte Menschen; eine gleichfalls biblische Bedeutung, wo es als ein Collectivum gleichfalls keinen Plural leidet. Die Welt liegt im Argen. Die blinde Welt, verblendete sinnliche Menschen. 10. Der Erdkörper und die darauf befindlichen Dinge. Die vier Theile der Welt. Bis an das Ende der Welt reisen. Die Welt umsegeln. Eine Reise um die Welt. Ingleichen eine Hälfte desselben. So pflegt man die drey von Alters her bekannten großen festen Länder der einen Halbkugel die alte, Amerika aber die neue Welt zu nennen. Du führst in deinen Schiffen einen Feuerfunken, Der beyde Welten frißt, Raml. Ingleichen eines dieser großen festen Länder, ein Welttheil. Ein Prinz aus einer andern Welt, der unsere Europäische Welt will kennen lernen. Da er sich mit entschloss'ner Seele zweyen Welten Allein entgegen warf, Raml. 11. Ein Himmelskörper, und in weiterer Bedeutung, ein System in einander gegründeter Himmelskörper; mit dem Plural. Die Mehrheit der Welten, d. i. solcher in einander gegründeter und von Wesen bewohnter Systeme. Der Raum zwischen den Welten. Ernsthaft schauet auf uns der majestätische Himmel Mit seinen zahllosen Welten herab, Giesecke. 12. Der ganze Inbegriff aller vorhandenen endliche Dinge. In diesem Verstande ist Welt eines allgemeinsten Collectiven, welches alles endliche, was ist oder gewesen ist, in sich begreift. Gott, die Seele der Welt, der Schöpfer der Welt. Die beste Welt. Bis an der Welt Ende. 13. Endlich wird dieses Wort im gemeinen Leben auch häufig als ein verstärken, der Ausdruck gebraucht. Das geschiehet in der Welt, in aller Welt nicht, schlechterdings nicht. Unsere Sache ist auf dem besten Wege von der Welt. Womit kann ich ihnen dienen? Antiv. Mit nichts auf der Welt, mit gar nichts. Ich lasse mir alles von der Welt gefallen, schlechterdings alles, alles ohne Ausnahme. Das begreife ich doch in aller Welt nicht, auf keine Weise. Aller Welt Reichthum, aller Welt Schande, der höchste Grad. Ich habe die auf Gottes Welt nichts zu thun, gar nichts. So wie in aller Welt ein gewöhnlicher Ausdruck der Verwunderung ist.

Anm. Das Wort lautet von den frühesten Zeiten an, so wohl im Deutschen als den verwandten Sprachen Werolt, Worolt, Weralt, daher noch das Schwed. und Holländische Werld und Engl. World. Aus dieser alten Form erhellet, daß dieses Wort entweder ein abgeleitetes oder ein zusammen gesetztes ist, dessen beyde Bestandtheile wer und olt oder alt lauten. Auf diesem Wege haben denn auch die meisten Etymologen die Abstammung dieses Wortes gesucht. Wachter hält die erste Sylbe für das alte Wer, Vir, ein Mann, Mensch, und die zweyte für Old, das Alter, und siehet folglich die Bedeutung des menschlichen Alters als den Stammbegriff an; aus welchem sich aber die übrigen nicht anders, als sehr gezwungen und unanalogisch, herleiten lassen. Leibnitzen war die Bedeutung des Erdkörpers der Stammbegriff, daher leitete er es von wiren, Wirbel, Lat. gyrare, umdrehen, her. Nur Schade, daß das Wort zu einer Zeit und bey Menschen üblich geworden, da man von der Bewegung der Erdkugel um ihre Achse sich gewiß noch träumen ließ. Frischen ist der Begriff der Zeitdauer der ursprüngliche, daher er es von währen, durare, abstammen läßt. Allein für einen Stammbegriff ist dieser Begriff zu abstract, ist auch bey weiten nicht der herrschende. Wenn man alle Bedeutungen dieses Wortes aufmerksam betrachtet so siehet man bald, daß der Begriff der Menge der herrschende ist, der in allen hervor sticht, nur daß er immer auf andere Art modificirt ist. Dieß scheinet mir daher auch der Stammbegriff zu seyn, daher ich die erste Sylbe von wiren, weren, wirren ableiten würde, so fern es der nachgeahmte Laut einer beweglichen Menge ist, welcher Begriff auch in verwirren hervor sticht. Die letzte Sylbe ist entweder eine veraltete Ableitungssylbe, wie in Herold, oder auch ein eigenes längst veraltetes und folglich unbekanntes Wort. Wenn aber Werelt in das heutige Welt zusammen gezogen worden, läßt sich nicht genau bestimmen. Vermuthlich ist es aus dem dunkeln Bewußtseyn geschehen, daß die neuern Bedeutungen dem Wurzelbegriffe nicht mehr angemessen sind, daher man die Abstammung durch die Zusammenziehung mit Fleiß unkenntlich gemacht, welches auch der Fall mit Beicht, Braut u. a. m. ist. In dem Lat. mundus, die Welt, dessen Gleichlaut mit mundus, rein, gewiß nur zufällig ist, und zwar eben so zufällig, als zwischen dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, die Welt, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Schönheit, Schmuck, scheinet die Menge gleichfalls der herrschende Begriff zu seyn, indem es von der Wurzel mein, in gemein, und selbst in Menge abzustammen scheinet. Ulphilas verwechselte die gleich lautenden Griechischen Wörter, und übersetzte daher - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - die Welt, durch Fairghus, gleichsam schöne Wohnung. Übrigens ist dieses Wort in den neun ersten Bedeutungen am ältesten, besonders so fern sie mit dem Lat. Saeculum überein kommen, welches die alten Schriftsteller alle Mahl durch worold übersetzen. In der Bedeutung des Erdkörpers ist es neuer, indem man dafür andere Wörter hatte, z. B. das Isidor befindliche Mittingard, im Tatian Mittiligart, in dem alten Gedichte auf den h. Anno Merigarten, bey dem Ulphilas Midjungard, im Angels. Middanarde; vermuthlich, weil man die Erdkugel für den Mittelpunct des Weltgebäudes hielt.


Weltachse (W3) [Adelung]


Die Weltachse, plur. die -n, eine Linie, welche man sich durch den Mittelpunct der Erdkugel, und von dadurch das ganze Weltgebäude denkt, und um welche sich dasselbe um die Erde herum zu drehen scheinet; die Himmelsachse, welches doch nicht so bestimmt ist. Ihre beyden äußersten unbeweglichen Puncte geben die Welt-Pole, oder, wie man sie auch, obgleich nicht so schicklich, nennet, die Weltangeln.


Weltall (W3) [Adelung]


Das Weltall, des Weltall, nicht Weltalles, plur. car. die ganze Welt mit allen darin befindlichen Himmelskörpern. Das Wort ist neuern Ursprunges, aber eines der schlechtesten, womit wir in den neuern Zeiten beschenket worden, so wohl der Analogie der Zusammensetzung nach, (Weltall, d. i. das All der Welt, wie doch niemand spricht,) als auch der bestimmten Bedeutung nach, welche hier nur sehr dunkel und schwankend ist. All, ist die adverbische Form; wenn mit solchen Wörtern Zusammensetzungen gemacht werden, so bleiben sie, der Regel nach, unbiegsam. Folglich des Weltall, dem Weltall u. s. f. wie das Blau, das Beinschwarz, u. s. f. Siehe meine Sprachlehre.


Weltalter (W3) [Adelung]


Das Weltalter, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Das Alter der Welt, d. i. die Zeit ihrer verflossenen Dauer; ohne Plural. 2. Ein beträchtlicher Theil dieses Alters. So pflegt man die angenommene oder muthmaßliche Dauer der Welt oft in sechs Weltalter zu theilen.


Weltangel (W3) [Adelung]


Die Weltangel, plur. die -n, S. Weltachse und Angel.


Weltapfel (W3) [Adelung]


Der Weltapfel, des -s, plur. die -äpfel, bey einigen Oberdeutschen Schriftstellern, eine Benennung des Reichsapfels, S. dieses Wort.


Weltauge (W3) [Adelung]


Das Weltauge, des -s, plur. die -n, eine Art Opale, welche ihre Durchsichtigkeit durch die Verwitterung verloren haben, sie aber im Wasser wieder erhalten. Bey manchen auch ein jeder Opal.


Weltbau (W3) [Adelung]


Der Weltbau, des -es, plur. car. 1. Der Bau, d. i. die Einrichtung des Mechanischen, der Welt und aller dazu gehörigen Himmelskörper; als ein Abstractum. 2. Die Welt mit allen dazu gehörigen Himmelskörpern; als ein Concretum, und wie Weltgebäude.


Weltbegebenheit (W3) [Adelung]


Die Weltbegebenheit, plur. die -en. 1. Eine wichtige Begebenheit unter den Nationen auf der Erdkugel. 2. Eine Begebenheit, welche sich an den zur Welt gehörigen Erd- und Himmelskörpern ereignet.


Weltberühmt (W3) [Adelung]


Weltberühmt, adj. et adv. eigentlich, in der ganzen Welt, d. i. auf dem ganzen Erdboden, berühmt, aber nach einer gewöhnlichen Hyperbel gemeiniglich nur so viel als sehr berühmt, weit und breit berühmt. Ein weltberühmter Mann.


Weltbeschreibung (W3) [Adelung]


Die Weltbeschreibung, plur. die -en. 1. Die Beschreibung der Welt und aller dazu gehörigen Himmelskörper; die Kosmologie. 2. Ein Buch, welches diese Beschreibung enthält. Daher der Weltbeschreiber, der Kosmologe, der Verfasser einer solchen Weltbeschreibung.


Weltbrauch (W3) [Adelung]


Der Weltbrauch, des -es, plur. die -bräuche, die gewöhnliche Art zu handeln der meisten Menschen um uns her.


Weltbürger (W3) [Adelung]


Der Weltbürger, des -s, plur. ut nom. sing. der Mensch, als ein Bürger oder freyer Einwohner der Welt, d. i. des Erdbodens, betrachtet; der Kosmopolit, nach dem Griechischen.


Welt-Zirkel (W3) [Adelung]


Der Welt-Zirkel, des -s, plur. ut nom. sing. in der mathematischen Geographie, Zirkel, welche man in dem hohlen Raume des Weltgebäudes annimmt, Himmels-Zirkel; zum Unterschiede von den Erd-Zirkeln.


Weltgebäude (W3) [Adelung]


Das Weltgebäude, des -s, plur. ut nom. sing. alle Himmelskörper zusammen genommen, und als ein künstliches Gebäude betrachtet, der Weltbau.


Weltgegend (W3) [Adelung]


Die Weltgegend, plur. die -en, wie Himmelsgegend, siehe Gegend 2.


Weltgeist (W3) [Adelung]


Der Weltgeist, des -es, plur. inus. ein geistiges Wesen, welches von einigen als die wirkende Ursache aller Veränderungen in der Welt angenommen, oft auch die Weltseele genannt, und von Gott oft noch unterschieden wird.


Weltgeistlich (W3) [Adelung]


Weltgeistlich, adj. et adv. nur in der Römischen Kirche, wo ein Weltgeistlicher, ein Geistlicher ist, der zu keinem der Kloster-Orden gehöret, zum Unterschiede von einem Ordens-Geistlichen. Daher die Weltgeistlichkeit, die sämmtlichen Weltgeistlichen eines Bezirkes, zum Unterschiede von der regulären oder Ordens-Geistlichkeit.


Weltgericht (W3) [Adelung]


Das Weltgericht, des -es, plur. die -e, das Ende des gegenwärtigen Zusammenhanges der Dinge in der Welt, so fern damit das feyerliche Gericht über die Handlungen aller Menschen verbunden ist.


Weltgeschichte (W3) [Adelung]


Die Weltgeschichte, plur. die -n, eine Erzählung der vornehmsten Veränderungen der merkwürdigsten Nationen auf der Erdkugel.


Weltkarte (W3) [Adelung]


Die Weltkarte, plur. die -n, eine Karte, worauf die ganze Erdkugel abgebildet ist, welche, wenn sie als eine Kugel oder runde Scheibe vorgestellet wird, auch ein Globus heißt.


Weltkind (W3) [Adelung]


Das Weltkind, des -es, plur. die -er, in der Theologie, ein irdisch oder sinnlich gesinnter Mensch.


Weltklug (W3) [Adelung]


Weltklug, adj. et adv. in den Angelegenheiten der menschlichen Gesellschaft erfahren, und in dieser Erkenntniß gegründet. Geistliche, deren weltkluges und sanftes Verfahren ihrem Stande Ehre macht.


Weltklugheit (W3) [Adelung]


Die Weltklugheit, plur. car. die Fertigkeit sich in alle Umstände der menschlichen Gesellschaft zu schicken; gemeiniglich nur im Gegensatze der geistlichen Klugheit.


Weltkörper (W3) [Adelung]


Der Weltkörper, des -s, plur. ut nom. sing. ein dem unbegränzten Raume des Himmels befindlicher Körper, als ein Theil der Welt betrachtet.


Weltkreis (W3) [Adelung]


Der Weltkreis, des -es, plur. inus. 1. Der Umfang der ganzen Welt, mit allen dazu gehörigen Himmelskörpern. 2. Der Umfang der Erdkugel, wie Erdkreis.


Weltkugel (W3) [Adelung]


Die Weltkugel, plur. die -n. 1. Eine Kugel mit einem darauf befindlichen Kreuze, so fern sie ein Sinnbild der Erdkugel, und der Herrschaft über die selbe ist; in welchem Verstande der Reichsapfel oft diesen Nahmen führet. 2. Die Abbildung der Erde in Gestalt einer Kugel, wofür doch Erdkugel schicklicher ist.


Weltkündig (W3) [Adelung]


Weltkündig, adj. et adv. in der ganzen Welt, d. i. weit und breit, bekannt, weltbekannt.


Weltlauf (W3) [Adelung]


Der Weltlauf, des -es, plur. car. der gewöhnliche Lauf der Dinge in der Welt, die Reihe der in einander gegründeten Veränderungen in derselben; besonders, die gewöhnliche Art und Weise zu handeln der Menschen in der Welt.


Weltlehre (W3) [Adelung]


Die Weltlehre, plur. die -n, die Lehre von den Himmelskörpern und ihren Verhältnissen gegen einander, und ein Buch, welches diese Lehren enthält, die Kosmologie, wie Weltbeschreibung.


Weltlich (W3) [Adelung]


Weltlich, -er, -ste, adj. et adv. welches nur in einigen engern Bedeutungen des Substantives Welt üblich ist. 1. Zur Welt, im Gegensatze der Kirche, gehörig, und darin gegründet; weltlich, im Gegensatze des kirchlich und geistlich. Der weltliche Arm, das weltliche Recht, die weltliche Obrigkeit, die weltlichen Churfürsten, der weltliche Stand, alles zum Unterschiede von dem geistlich. Geist und weltliche Sachen. Ein weltliches Kleid. Ein Bisthum weltlich machen, es säcularisiren. 2. In der Theologie, zu den Angelegenheiten des gegenwärtigen Lebens, zur äußern Glückseligkeit gehörig, und darin gegründet; im Gegensatze des geistlich. Weltliche Dinge. 3. In noch engerer Bedeutung, eben daselbst, irdisch, sinnlich gesinnet, und darin gegründet; auch im Gegensatze des geistlich. Weltlich gesinnet seyn. In weltlichen Dingen lesen. Ihr empfindliches Gewissen Hasset was so weltlich steht, Haged. Anm. Im Ottfried woroltlich, im Notker wertlich, aber schon im Schwabenspiegel weltlich.


Weltlichkeit (W3) [Adelung]


Die Weltlichkeit, plur. die -en. 1. In der ersten Bedeutung des vorigen Wortes. (a) Die Eigenschaft, da etwas weltlich ist, nicht zum geistlichen Stande gehöret, ohne Plural; eine nur selten vorkommende Bedeutung, im Gegensatze der Geistlichkeit. (b) Weltliche Gerichtbarkeit und Gewalt; auch ohne Plural. So hat der Bischof von Würzburg die Weltlichkeit, d. i. weltliche Gerichtbarkeit in seiner Diöces. (c) Ein mit der weltlichen höchsten Gewalt verbundenes Vorrecht, in welchem Verstande die Regalia zuweilen Weltlichkeiten genannt werden. (b) Der weltliche Stand, und die dazu gehörigen Personen, als ein Collectivum, und im Gegensatze der Geistlichkeit. In allen diesen Bedeutungen kommt das Wort im Hochdeutschen wenig mehr vor. 2. In dessen zweyter und besonders dritter Bedeutung, irdische, sinnliche Gesinnung und darin gegründete Beschaffenheit, auch nur selten.


Weltling (W3) [Adelung]


Der Weltling, des -es, plur. die -e, ein neues, aber richtig gebildetes Wort, einen weltlich, d. i. irdisch oder sinnlich gesinnten Menschen zu bezeichnen. Der Weltlinge Lüste verschwinden vor ihm bey jedem Blicke in die ernste Ewigkeit.


Weltlust (W3) [Adelung]


Die Weltlust, plur. inus. in der Theologie, Vergnügen an irdischen, sinnlichen Gegenstanden.


Weltmann (W3) [Adelung]


Der Weltmann, des -es, plur. die -männer. 1. Ein weltlich, d. i. irdisch und sinnlich gesinnter Mann. 2. Ein der Sitten und der Verfahrungsart der großen Welt, d. i. der obersten Classen der menschlichen Gesellschaft kundiger Mann.


Weltmeer (W3) [Adelung]


Das Weltmeer, des -es, plur. die -e. 1. Diejenige große Wassermasse, welche den größten Theil der Erdkugel umgibt, als ein Ganzes, folglich ohne Plural; der Ocean. 2. Ein beträchtlicher Theil desselben; der Ocean. Das Atlantische, Indische, südliche Weltmeer.


Weltmensch (W3) [Adelung]


Der Weltmensch, des -en, plur. die -en, in der Theologie; weltlich, d. i. irdisch und sinnlich, gesinnte Menschen, wie Weltkind und Weltling.


Welt-Pol (W3) [Adelung]


Der Welt-Pol, des -es, plur. die -e, die äußersten unbeweglichen Puncte der Weltachse, S. dieses Wort.


Weltpriester (W3) [Adelung]


Der Weltpriester, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in der Römischen Kirche übliches Wort, einen Priester zu bezeichnen, der zu keinem der Kloster-Orden gehöret, ehedem auch Laienpriester.


Weltseele (W3) [Adelung]


Die Weltseele, plur. inus. S. Weltgeist.


Weltsinn (W3) [Adelung]


Der Weltsinn, des -es, plur. car. in der Theologie, weltliche, d. i. irdisch, sinnliche, Gesinnung und Neigung.


Weltstrich (W3) [Adelung]


Der Weltstrich, des -es, plur. die -e, ein zuweilen für Erdstrich, Himmelsstrich, oder Zone übliches Wort.


Welt-System (W3) [Adelung]


Das Welt-System, des -es, plur. die -e. 1. Die Lehre von den sämmtlichen Welt: oder Himmelskörpern, ihrer Lage, und ihren Verhältnissen gegen einander. Das Tychonische, Copernicanische Welt-System. 2. Eine körperliche Abbildung desselben im Kleinen.


Welttheil (W3) [Adelung]


Der Welttheil, des -es, plur. die -e, einer der vier Haupttheile der Erdkugel, eines von den vier großen festen Ländern der Erbkugel, bestimmter der Erdtheil. So ist Europa der kleinste Amerika der größte Welttheil.


Weltweise (W3) [Adelung]


Der oder die Weltweise, des oder der -n, plur. die -n, und mit dem Artikel der Einheit, ein Weltweiser, eine Weltweise, eine Person, welche sich der Weltweisheit befleißiget, derselben kundig ist, ein Philosoph, eine Philosophinn. S. das folgende.


Weltweisheit (W3) [Adelung]


Die Weltweisheit, plur. car. die Kenntniß der natürlichen Dinge in der Welt, wie und warum sie sind, und die Sammlung der dazu gehörigen Vernunftwahrheiten; ein Ausdruck, welcher schon vor langen Zeiten statt des ausländischen Philosophie eingeführet worden; denn schon im Willeram ist Werltwiso, ein Philosoph. Dem Baue des Wortes nach ist es eigentlich denjenigen Lehren entgegen gesetzt, welche positiven oder willkührlichen Ursprunges sind, wohin besonders die Theologie und Rechtsgelehrsamkeit gehören, daher in manchen Fällen auch noch jetzt alle übrige Wissenschaften zur Weltweisheit oder Philosophie im weitesten Verstande gerechnet werden. Beyde Ausdrücke, so wohl der Griechische, Philosophie, eigentlich Liebe zur Weisheit und Gelehrsamkeit, d. i. zu deutlichen Begriffen, als der Deutsche, Weltweisheit, sind freylich sehr unbestimmt, allein in dem Deutschen ist das Unbestimmte merklicher und auffallender, als in dem ausländischen, und dieß ist vermuthlich die Ursache, warum Philosoph und Philosophie noch immer gewöhnlicher sind, als Weltweiser und Weltweisheit. Philosoph hat über dieß noch den Vortheil, daß sich davon das Adjectivum philosophisch bilden lässet, welches von Weltweisheit nicht angehet; indem weltweise, wenn es auch als ein Adjectivum üblich wäre, sich nur selten philosophisch würde gebrauchen lassen.


Wende (W3) [Adelung]


Wende, adv. nur in der Landwirthschaft einiger Gegenden, wo wende fahren, den Acker wenden, d. i. noch der Brache pflügen, ist. Daher die Wendefahrt dieses Pflügen. S. Wenden.


Wende (W3) [Adelung]


Die Wende, plur. die -n, in einigen Gegenden Niedersachsens, ein Feldmaß, welches einen halben Morgen, oder 60 Ruthen hält, vielleicht eigentlich so lang, als man mit dem Pfluge fähret, ohne zu wenden.


Wendebank (W3) [Adelung]


Die Wendebank, plur. die -bänke, in den Salzwerken zu Halle, eine Bank, woraus der Zuber stehet, worein die Sohle gezapfet wird, ihn desto leichter abzuwenden, und aufzuheben; die Zapfenbank.


Wendebock (W3) [Adelung]


Der Wendebock, des -es, plur. die -böcke, im Bergbaue, S. Wehrbock.


Wende-Zirkel (W3) [Adelung]


Der Wende-Zirkel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Wendekreis.


Wendeeisen (W3) [Adelung]


Das Wendeeisen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Hammerwerken, eiserne Werkzeuge, die Maße Eisen, woraus ein Amboß verfertiget werden soll, damit zu wenden.


Wendefahrt (W3) [Adelung]


Die Wendefahrt, plur. die -en, S. oben das Adverb. Wende.


Wendegraben (W3) [Adelung]


Der Wendegraben, des -s, plur. die -gräben, im Weinbaue, ein Graben, worein bey Anlegung eines Weinberges die Fächser gelegt werden, von wenden, einen Weinberg anlegen; auch der Gewand, am Rhein der Rottgraben.


Wendehals (W3) [Adelung]


Der Wendehals, des -es, plur. die -hälse, eine Art Spechte, welche, wenn man sie in der Hand hält, den Hals drehen, als wenn sie sich umschlingen wollten. Picus Torquilla K. Drehhals, Natterhals, Natterzwang, Natterwendel, Gießvogel, Wettervogel, Brachdrossel, Halsdreher.


Wendekreis (W3) [Adelung]


Der Wendekreis, des -es, plur. die -e, Kreise oder Zirkel am Himmel, wo sich die Sonne in ihrem jährlichen Laufe zu wenden, d. i. nach Norden oder Süden zu drehen, pflegt; der Wende-Zirkel, Lat. Tropicus. Der nördliche Wendekreis, Tropicus cancri; der südliche, Tropicus capricorni.


Wendeacker (W3) [Adelung]


Der Wendeacker, des -s, plur. die -äcker, S. Wendelgerte.


Wendelbeere (W3) [Adelung]


Die Wendelbeere, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der schwarzen Johannis-Beere, S. dieses Wort.


Wendelboden (W3) [Adelung]


Der Wendelboden, des -s, plur. die -böden, ein Boden, wo der Zwischenraum zwischen den Balken mit Stabholz ausgefüllet, und dieses mit Stroh oder Lehm umwunden wird; gleichsam ein gewundener Boden.


Wendelgerte (W3) [Adelung]


Die Wendelgerte, plur. die -n, besonders in der Landwirthschaft Thüringens, wo solche Äcker, welche quer vor andern liegen, daß beym Pflügen der andern die Pferde darauf wenden müssen, Wendeläcker, Angewende oder Anwendel heißen. Weil sie nun dadurch von den Aufstößern, oder daran stoßenden Äckern, Schaden leiden, so haben sie zuweilen die Wendelgerte, d. i. das Vorrecht, daß sie um die Hälfte breiter seyn dürfen, als sonst seyn könnten. Gerte scheint hier, wie Ruthe, ein bestimmtes Maß zu bedenken.


Wendelstein (W3) [Adelung]


* Der Wendelstein, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort für Wendeltreppe von Stein, welches noch 1 Kön. 6, 8 vorkommt.


Wendeltreppe (W3) [Adelung]


Die Wendeltreppe, plur. die -n, eine Treppe, deren Stufen sich um eine Spindel nach einer Schneckenlinie winden, von welchem winden die erste Hälfte gebildet ist, vielleicht auch von wenden, weil man sich dabey beständig wenden muß; die Schnecke, Schneckentreppe, Wendelschnecke, im Nieders. Windeltreppe; im Schwed. Vändtrappa.


Wenden (W3) [Adelung]


Wenden, verb. irreg. et reg. folglich so wohl Imperf. wandte als wendete, Particip. gewandt als gewendet. Es ist: I. Ein Activum, und bedeutet, die horizontale Richtung eines Dinges ändern, besonders wenn es durch Bewegung um einen gewissen Punct geschiehet. 1. Überhaupt und eigentlich. Den Wagen wenden, seine horizontale Richtung verändern. Das Schiff wenden. Die Augen auf etwas wenden, sie von etwas wenden. Ingleichen als ein Reciprocum. Der Wind hat sich gewandt aber gewendet, hat seine Richtung verändert. Das Glück hat sich gewendet, verändert, begünstiget nunmehr einen andern. Der Elephant kann sich nicht wenden, ohne einen großen Umfang zu nehmen. Sich zu jemanden wenden, eigentlich, seinen Körper gerade auf ihn zu richten, wenn man ihn z. B. anredet. Das Blatt wendet sich, figürlich, die Sache gewinnet eine andere Gestalt. Gott wende es zum Besten! er gebe der Sache einen guten Ausgang. 2. In einigen engern und figürlichern Bedeutungen. (1) Für umwenden, nur in einigen Fällen. Das Getreide wenden, es umstechen. Den Braten wenden, ihn am Spieße umdrehen. (2) * Für abwenden; im Hochdeutschen veraltet. Ein Unglück wenden, abwenden. Gott wende es! verhüthe es. Des Reichs Schaden wenden, in den Oberdeutschen Kanzelleyen. Wende Schaden und Verdruß, Canitz. (3) Ein Kleid wenden, die inwendige Seite des Oberzeuges auswärts bringen. Handschuhe, welche sich wenden lassen. (4) Den Rücken wenden, sich entfernen, gemeiniglich nur von kleinen Entfernungen. Kaum wandte ich den Rücken, so ging der Streit an. (5) Sein Gemüth auf etwas wenden, richten. Sein Herz zu jemanden wenden, seine Neigung auf ihn richten. Sein Herz hat sich von mir gewandt, er ist mir abgeneigt geworden. (6) Sich an jemand wenden, etwas von ihm verlangen. Sich mit seiner Klage an den Richter, mit einer Bitte an seinen Freund wenden. (7) Eine Unterredung wenden, die Gegenstande derselben unvermerkt bestimmen. Sie hatte völlige Freyheit, die Unterredung so zu wenden, wie es ihr am besten gefiel. (8) Mit dem Nebenbegriffe der fortgesetzten Bewegung. Sich zur Rechten, zur Linken wenden, seine Richtung ändern, und rechts oder links gehen. Er weiß nicht, wohin er sich wenden soll, wohin er seinen Weg nehmen soll. (9) Fleiß auf etwas wenden, es zum Gegenstande seines Fleißes machen. Seine Zeit, seine Kräfte auf eine Sache wenden. Viel Geld auf etwas wenden. Er will nichts darauf wenden. Ist aber der Gegenstand des Aufwandes eine Person, so bekommt sie die Präposition an. Viel Geld an jemand wenden. Ich habe viel an dich gewandt, viel Geld. (10) Den Acker wenden, ein Feld wenden, in der Landwirthschaft, einen Acker zum zweyten Mahle pflügen, vermutlich, weil alsdann die Oberfläche eigentlich umgewandt wird; zum Unterschiede von dem Brachen oder Stürzen, dem ersten Pflügen, und von dem Rühren, dem dritten Pflügen. In einigen Provinzen wird dieses zweyte Pflügen die Wendefahre oder Wendefahrt genannt. (11) In Franken hat das Wort wenden noch eine andere Bedeutung, nähmlich einen Weinberg anlegen; vermuthlich auch, weil der Boden vorher umgewandt oder bearbeitet wird. Am Rheine heißt solches anrotten. Endlich wird (12) noch das Mittelwort gewandt in einer besondern Bedeutung gebraucht, indem es so viel ist, als erfahren, fähig, sich in alle Fälle zu schicken, eigentlich, fähig, sich nach Maßgebung der Umstände zu wenden. Ein gewandter Mann, ein erfahrner, geschickter Mann. Es heißt, ich läg im Sode Und wäre nicht gewandt, Günth. Die in der Heilungskunst gewandt, Sind andrer Meinung als Purgant, Haged. II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, welche ganze Form doch im Hochdeutschen wenig mehr üblich ist. 1. Für das Activum und Reciprocum wenden und sich wenden. Mit dem Schiffe, mit dem Wagen wenden, das Schiff, den Wagen wenden. Wenn ein Schiff gegen die Fahrlinie des andern wendet, sich wendet. Ein Acker, wo die Pferde wenden, im Pflügen sich umdrehen, müssen, ( S. Wendelgerte.) 2. * Sich endigen; im Hochdeutschen ganz veraltet. Hier wendet meines Herren Gebieth. Daher das Wenden und die Wendung, S. das letzte an seinem Orte besonders.

Anm. Schon im Isidor und bey allen alten Schriftstellern wendan, wentan, im Niederdeutschen wennen, bey dem Ulphilas wandja, im Schwed. vända. Winden ist genau damit verwandt. Die irreguläre Conjugation ist in diesem Worte, wie in allen übrigen ähnlichen Fällen, die älteste; die reguläre ist neuer. Ich habe in meiner Sprachlehre hin und wieder bemerket, daß die Hochdeutsche Mundart seit langer Zeit die irregulären Formen zu verdrängen, und dafür die regulären einzuführen sucht. Eben daselbst habe ich gezeigt, daß dasselbe, nicht anders, als nach und nach, und nach einem gewissen dunkeln Gefühle geschehen kann; daher denn beyde Formen eine gewisse Zeit gleich üblich sind. Wenden ist eins von diesen Wörtern, welche sich unvermerkt der regulären Conjugation nähren; doch zur Zeit nur noch am häufigsten in der ersten allgemeinen und eigentlichen Bedeutung, dagegen in manchen engern und figürlichen, besonders in der 12ten, die irreguläre Form nur allein üblich ist; ein gewandter Mann, nicht ein gewendeter.


Wendepflug (W3) [Adelung]


Der Wendepflug, des -es, plur. die -pflüge, eine Art des Pfluges in hohen gebirgigen Gegenden, wo man seitwärts pflügen, und folglich oft umwenden muß, daher derselbe so eingerichtet ist, daß man mit dem hintern Theile gleichfalls umwenden kann.


Wender (W3) [Adelung]


Der Wender, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person oder Sache, welche wendet, doch nur in dem zusammen gesetzten Bratenwender.


Wendering (W3) [Adelung]


Der Wendering, des -es, plur. die -e, S. Wendehaken.


Wenderohr (W3) [Adelung]


Das Wenderohr, des -es, plur. die -e, das bewegliche Rohr an einer Feuerspritze, weil es nach jeder Richtung gewendet werden kann.


Wendeschämel (W3) [Adelung]


Der Wendeschämel, des -s, plur. ut nom. sing. an einem Wagen, ein horizontales Holz, welches auf der Achse um einen eisernen Nagel beweglich ist, einen Theil des Vorderwagens träget, und das Wenden des Wagens erleichtert; der Lenkschämel.


Wendeschatten (W3) [Adelung]


Der Wendeschatten, des -s, plur. ut nom. sing. in der Mahlerey, diejenige Art des Schattens, welche rundlichen Theilen an den Wendungen gegeben wird, ihre Erhabenheit dadurch auszudrucken. S. Wendung.


Wendespindel (W3) [Adelung]


Die Wendespindel, plur. die -n, bey den Handschuhmachern, ein Wendestock mit einem glatten Knopfe, die Nähte damit glatt zu reiben.


Wendestange (W3) [Adelung]


Die Wendestange, plur. die -n, in den Hammerwerken und Schmieden, ein Schweif, welcher an große Eisenmassen geschmiedet wird, sie in der Esse und auf dem Amboße bequem zu wenden.


Wendestecken,Wendestock (W3) [Adelung]


Der Wendestecken, des -s, plur. ut nom. sing. oder, der Wendestock, des -s, plur. die -stöcke, bey den Handschuhmachern, ein zugespitzter Stock, die Finger der Handschuhe vermittelst desselben umzuwenden.


Wendig (W3) [Adelung]


* Wendig, adj. et adv. welches von wenden abstammet, im Hochdeutschen aber nur noch in den abgeleiteten abwendig, auswendig und inwendig lebt. Bey den ältern Dichtern kommt wendig mehrmahls für abwendig vor. Niemand macht mich von euch wendig, Gryph. Du hast nicht verstatten wollen, Daß der Feind dein Eigenthum Von dir wendig machen sollen, eben ders.


Wendung (W3) [Adelung]


Die Wendung, plur. die -en, das Verbale von wenden: 1. Die Handlung des Wendens, in dem mehr eigentlichen Bedeutungen. Die Wendung des Leibes, des Wagens. Allerley Wendungen mit dem Leibe machen. Die Wendung eines Pferdes, dessen Schwenkung. Ingleichen, der Ort, wo man wendet, z. B. das Ende eines Ackers, wo man mit dem Pfluge umwendet. Daher der Wendungs-Punct, der Punct, in welchem sich eine krumme Linie wendet. In manchen Fällen wird auch der gekrümmte Theil selbst die Wendung genannt, z. B. in der Kriegsbaukunst, wo die gekrümmten Theile eines Laufgrabens an den Enden Wendungen heißen. 2. Die Wendung einer Sache, die Richtung derselben, andere Bestimmung derselben in zufälligen Umständen. Die Sache hat eine andere Wendung bekommen. 3. In der Sprach- und Redekunst sind Wendungen, Verbindungen der Hauptgedanken und Hauptbegriffe, besonders so fern sie von den gewöhnlichen abweichen. Sind sie sehr neu und unerwartet, so heißen sie Schwünge. 4. In der Mahlerey ist die Wendung derjenige Theil eines erhabenen oder rundlichen Körpers, welcher dem Umrisse am nächsten ist, und durch den Wendeschatten angedeutet wird.


Wenigkeit (W3) [Adelung]


Die Wenigkeit, plur. inus. das Abstractum des vorigen Wortes. 1. Die Eigenschaft, du etwas wenig, der Zahl und Quantität nach geringe ist. Wilde Menschen sind auf eine fast unbegreifliche Wenigkeit von Ideen eingeschränkt. 2. Eine geringe Quantität oder Anzahl; am häufigsten im gemeinen Leben. Es ist nur eine Wenigkeit, eine Kleinigkeit. 3. Meine, seine, unsere Wenigkeit, d. i. weniger, geringe Person, doch nur im Scherze.


Wenigstens (W3) [Adelung]


Wenigstens, adv. für zum wenigsten. Die wahre Freundschaft setzt allezeit gegenseitige Verdienste voraus; wenigstens die Meinung derselben.


Wenn (W3) [Adelung]


Wenn, eine Partikel, welche auf gedoppelte Art gebraucht wird. I. Als ein Nebenwort der Zeit, für zu welcher Zeit. So wohl 1. in der behauptenden oder geraden Form der Rede. Komm, wenn du willst, zu welcher Zeit du willst. Es sey, wenn es wolle. Man merkt es nicht, wenn das Alter geschlichen kommt. Als auch 2. in Fragen. Wenn wirst du kommen? Wenn gehet die Post ab? Wenn ist er angekommen? Seit wenn ist er dein Freund? besser, seit welcher Zeit? Wenn hätte ich denn mit mir allein geredet? wo der Conjunctiv nicht von dem wenn, sondern von dem ungewissen Gemüthszustande herrühret. Auch in weiterer Bedeutung, für unter welcher Bedingung? oder, in welchem Falle? Wenn ist ein Dreyeck einem andern gleich? Wenn soll ich das Geld bekommen? Kann so wohl auf die Zeit als auch auf die Bedingung gehen. 3. In Verbindung mit dann, dann und wann, d. i. zuweilen, zu manchen Zeiten, gehet es um des Gleichlautes Willen in das Oberdeutsche wann über. II. Als eine Conjunction, welcher Gebrauch bloß eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung, und eine unläugbare Figur derselben ist. 1. Als eine consecutive Conjunction, eine Zeitfolge zu bezeichnen, da es diejenige Veränderung ankündiget, mit deren Wirklichkeit die Wirklichkeit einer andern verbunden ist, sie mag nun im Vordersatze oder Nachsatze stehen, da denn in der behauptenden oder geraden Redeform dann oder so darauf folgen. Wenn ich daran denke, so grauet mir davor; oder, mir grauet davor, wenn ich daran denke. Wenn du da gewesen wärest, so hättest du auch etwas bekommen. Wenn ich dich sehe,. o dann hüpft mir das Herz vor Freude, Geßn. Oft wenn du bey meiner schwachen Seite für die Ruhe des matten Alters Freudenthränen weinest, wenn du dann gen Himmel blickest, ach was empfind' ich dann? Geßn. Dem wenn in diesem Falle noch ein daß nachschleichen zu lassen, ist im Hochdeutschen fremd. Wenn daß dein Herze nur die großen Thaler siehet, Opitz. Wird der Fall als ungewiß oder bloß möglich prädiciret, so folget der Conjunctiv. Wenn er Arzeney eingenommen hätte, so lebte er noch. Besonders in Fragen. Was wäre daran gelegen, wenn er nun auch käme? Wenn ich es nun thäte, was würdest du sagen? Wo oft noch ein wie vorher gehet. Wie, wenn er nun käme? Aber wenn der andere Fall, nicht aber der, der das wenn vor sich hat, ungewiß ist, so ist der Conjunctiv in diesem fehlerhaft. Er möchte sonst eine Entzündung dazu kommen, wenn ich so lange stünde, richtiger stehe, Gell. Hierher gehöret es auch, wenn diese Partikel einen Wunsch begleitet: O wenn ich König wäre! Wenn ich nur wüßte, wer es gethan hat! Wenn mir meine Braut das schon wäre, was sie nach ihrem Urtheile werden wird! Gell. Wo die Bedeutung im Grunde consecutiv ist, nur daß der Nachsatz verschwiegen ist. 2. Als eine conditionale Conjunction, eine Bedingung zu bezeichnen, unter welcher eine Veränderung möglich werden soll; da denn alle Mahl so darauf folget. Wenn es seyn kann, so thue es. Wenn man dich fragt, so antworte. Wenn du nicht mein Freund wärest, so hätte ich geschwiegen. Wo aber auch das so verschwiegen werden kann, in welchem Falle aber der Nachsatz voran treten muß. Thue es, wenn es seyn kann. Ich hätte geschwiegen, wenn du nicht mein Freund wärest. Aber auch das wenn kann verschwiegen werden, in welchem Falle aber das Verbum voran tritt. Kann es seyn, so thue es. Wärest du nicht mein Freund, so hätte ich geschwiegen. Will er nicht müßige Weile haben, so muß er sich doch etwas zu thun machen. Ist dieses kein Glück, so muß gar keins in der Welt seyn, Gell. 3. Als eine concessive Conjunction, da es denn gleich, auch oder schon zu sich nimmt, und so wohl im Vordersatze stehen kann, da denn so - doch oder dennoch im Nachsatze folgen. Wenn du gleich reich bist, so bist du doch nicht weise. Wenn gleich ihr Auge zürnt, so zürnt es dennoch schön, Gell. Und von einem bloß möglichen Falle mit dem Conjunctive. Wenn du auch hundert Augen hättest, so würde er dich dennoch betriegen. Als auch im Nachsatze. Cajus ist verständiger als Titius, wenn dieser gleich gelehrter ist. Wo auch das wenn verschwiegen werden kann, in welchem Falle aber die Wortfolge geändert wird. Bist du gleich reich, so bist du doch nicht weise. Hättest du auch hundert Augen u. s. f. 4. Als eine comparative Conjunction, doch nur nach dem als, und wenn das vergleichende als bloß möglich vorgestellet wird, folglich mit dem Conjunctive. Er schmeichelt mir, als wenn ich ein Fürst wäre. Sie ist so geputzt, als wenn es heute ein Festtag wäre. Wo das wenn auch weggelassen werden kann. Es war mir, als rückten mir alle, die mich sahen, mein Vergehen vor. Du stellest dich, als wüßtest du nicht u. s. f.

Anm. Im Isidor huanda, bey dem Kero wenne, bey den Schwäbischen Dichtern swenne, im Engl. when. Das Latein. quando ist genau damit verwandt. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort in allen Fällen mit dem breitern Vocal wann, im Niederdeutschen wenn. Die Hochdeutschen haben die letzte Gestalt beybehalten, das einzige dann und wann, d. i. zuweilen, ausgenommen. Von dem nicht bloß unnöthigen, sondern selbst irrigen Unterschiede, welchen einige unter wann und wenn machen wollen, ist schon bey Wann das nöthige gesagt worden.


Wenzel (W3) [Adelung]


Der Wenzel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im gemeinen Leben Ober- und Niederdeutschlandes übliches Wort. 1. Als ein männlicher Taufnahme, da es denn aus Wenceslaus verkürzt, und so, wie andere auf ähnliche Art verstümmelte Nahmen, z. B. Hans, Franz, Toms u. s. f. nur im gemeinen Leben üblich ist. 2. In manchen Arten Deutscher Kartenspiele werden die vier Buben oder Untern Wenzel genannt. In einem solchen Spiele, welches daher Scherwenzel heißt., sind diese vier Buben die Hauptwenzel, die vier Neunen aber gemachte Wenzel. 3. Eine gewisse Classe von Vögeln, welche sich durch ihre gewölbte Brust von mancherley Farben auszeichnet, und wohin das Rothkehlchen, Blaukehlchen u. s. f. gehöret, werden Wenzel und Brustwenzel genannt, Sylvia Klein. der Buntwenzel, Sylvia versicolor Klein. und der rothe Wenzel mit schwarzer Haube, Sylvia rubra rostro longiori Klein. der grüne Wenzel u. s. f. sind Arten davon. 4. In den niedrigen Spracharten wird der einheimische Land-Tabak im verächtlichen Verstande Lausewenzel genannt.

Anm. Es ist unwahrscheinlich, daß in allen diesen Bedeutungen der eigene Nahme Wenzel zum Grunde liegen sollte. Es scheinet vielmehr, daß es in der zweyten und den folgenden Bedeutungen ein eigenes Wort ist, welches vermittelst der Ableitungssylbe el von wenden und dessen veralteten Intensivo wendsen gebildet worden, so daß Wenzel ein bewegliches Ding bedeuten würde, welches sich leicht wenden und drehen, und zu allem gebrauchen läßt; welche Bedeutung das zusammen gesetzte Scherwenzel wirklich hat. S. dasselbe.


Wer (W3) [Adelung]


Wer, Genit. wessen, zusammen gezogen weß, Dat. wem, Accusat. wen, plur. car. ein Pronomen, welches eine oder mehrere Personen sehr unbestimmt bezeichnet, folglich ohne Unterschied des Geschlechtes und der Zahl, daher es nur im Singular gebraucht wird. Nur muß es eine Person seyn, was es bezeichnen soll, oder doch als Person können betrachtet werden; ist es eine Sache, oder ist es noch ungewiß, ob es eine Person oder Sache ist, so stehet was. ( S. dasselbe an seinem Orte.) Es wird auf verschiedene Art gebraucht. 1. Als ein fragendes Pronomen, nach Personen ohne Unterschied des Geschlechtes oder der Zahl, folglich sehr unbestimmt zu fragen. So wohl (1) in unmittelbaren Fragen. Wer hat das gethan? fragt ganz unbestimmt, ohne Rücksicht auf individuelle Umstände. Ist die Antwort, dein Freund, so bezeichnet dieses die Gattung näher. Will der Fragende nun das Individuum dieser Gattung wissen, so setzt welcher? die Frage fort. Wessen Haus ist das? Wem gehört das? Wen hattest du gesehen? Oft fragt es auch nach der Beschaffenheit. Wer ist die Frau? wie heißt sie? was ist sie? u. s. f. Wer sind diese da? Wer kann dabey gelassen bleiben? welcher Mensch. Ja, wer hier hätte reden dürfen! (2) Als auch in mittelbaren Fragen, eine bloße Ungewißheit der Person zu bezeichnen. Hast du noch nicht erfahren, wer sie sind? Man stehet es ihm gleich an, weß Geistes Kind er ist. Ich weiß nicht, wem ich es gegeben habe. Ich weiß nicht, von wem er umgebracht worden. Es ist mir gleich viel, wer es ist. Wer es auch sey. Welcher würde in allen diesen Fällen schon auf etwas individuelles gehen. 2. Als ein Determinativum, eine unbestimmte Person zu bezeichnen, auf welche ein Prädicat vermittelst des der zurück geführet wird. Wer Ohren zu hören hat, der höre. Wer reich werden will, der fällt in Versuchung. Wo oft noch ein da dazu kommt, wer da will reich werden. Da sich diese Sätze in den meisten Fällen auch umdrehen lassen, der fällt in Versuchung, wer reich werden will, so läßt sich das wer so wohl determinative als relative gebrauchen. 3. Als ein Relativum. Gebt's, wem ihr wollt, wo eigentlich das Determinativum dem ausgelassen ist. 4. * Als ein eigentliches Pronomen, doch sehr unbestimmt, für jemand; ein nur in den niedrigen Sprecharten, besonders Niedersachsens, üblicher Gebrauch, der aber doch der älteste zu seyn scheinet. Es ist wer da, jemand. Ich höre wen kommen, jemand.

Anm. Alle Pronomina gehören mit zu den ältesten Wörtern in der Sprache, folglich auch dieses. Es lautet von den frühesten Zeiten an hwe, hwer, im Angels. hwa, im Niederdeutschen we, wer, im Engl. who, im Schwed. ho, hvar, Das Lateinische quis, quae, ist genau damit verwandt. S. auch Was.


Werbegeld (W3) [Adelung]


Das Werbegeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1. Zur Werbung bestimmtes Geld. Die Werbegelder angreifen. 2. Zuweilen wird auch wohl das Handgeld ein Werbegeld genannt.


Werbel (W3) [Adelung]


Der Werbel, des -s, plur. ut nom. sing. in manchen Fällen des gemeinen Lebens für Wirbel, S. dasselbe.


Werben (W3) [Adelung]


Werben, verb. irreg. ich werbe, du wirbst, er wirbt, wir werben, u. s. f. Prät. ich warb, Conj. daß ich würbe; Particip. geworben; ein sehr altes Wort, ehedem von einem sehr weiten Umfange der Bedeutung, welches jetzt nur noch in einigen wenigen Fällen gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1. Im Umlaufe, oder vielmehr im Gewerbe seyn, circuliren; eine seltene Bedeutung, welche mir nur in einigen Chursächsischen Verordnungen vorgekommen ist. Von seinem in hiesigen Landen gelegenen oder werbenden Vermögen. - Die von werbenden baren Mitteln fällige Zinsen. 2. Etwas zu erhalten suchen, sich Mühe um etwas geben, wie sich bewerben, da denn der Gegenstand um bekommt, um etwas werben. Aber auch in dieser Bedeutung ist es von einem sehr eingeschränkten Gebrauche, indem man es von der Bemühung gebraucht, ein Amt, jemandes Gunst, und besonders die Einwilligung eines Frauenzimmers zur Ehe, zu erhalten. Um ein Amt, um einen Dienst werben. Durch Drohn und Schmeicheleyen warb er um meine Gunst, Weiße. Um eine Person werben, sie zur Gattinn zu erhalten suchen. Für einen andern werben. Für seinen Sohn um jemandes Tochter werben. S. auch Anwerbung. 2. Als ein Activum. 1. Durch Bemühung, durch Arbeit bekommen, wie gewinnen; nur noch in der gemeinen Sprechart mancher Gegenden. Viel Heu werben, einernten, gewinnen. Daher die Heubewerbung, der Heugewinn, Heuwachs. Die Mühle hat auf dem See die Rohrwerbung, hat das Recht, das Rohr zu bauen und zu nutzen. 2. Soldaten werben, Truppen werben, zu Kriegesdiensten annehmen. Mit Gewalt werben, zu Kriegesdiensten zwingen. Auch absolute. Man wirbt jetzt hier, es wird stark geworben. S. auch Anwerben. So auch das Werben und die Werbung. Das letztere vielleicht nur allein in der letzten Bedeutung, von der Handlung des Annehmens zum Kriegesdienst. Alle fremde Werbungen verbiethen.

Anm. Schon im Kero und Isidor hwerban, im Ulphilas quairban, im Schwed. verfva, im Nieders. warben. Der erste ursprüngliche Stammbegriff ist ohne Zweifel die Bewegung um seine Achse, wovon noch Wirbel ein Überbleibsel ist. Nach einer gewöhnlichen Figur bedeutete es hernach eine jede lebhafte Bewegung, und die damit verbundene Handlung; besonders gehen, reifen, eine der ältesten, schon im Kero befindliche Bedeutung, ferner arbeiten, durch Arbeit bekommen, erwerben, Handel und Wandel treiben, wovon noch Gewerbe übrig ist, streben, trachten, verursachen, einem Ungemach werben, u. s. f. Im Niedersächs. ist wervelik noch jetzt hurtig. Werfen ist genau damit verwandt.


Werbeplatz (W3) [Adelung]


Der Werbeplatz, des -es, plur. die -plätze, der Ort, die Stadt, wo Truppen geworben, zum Dienste angenommen werden.


Werber (W3) [Adelung]


Der Werber, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher zum Behuf der Truppen wirbt, d. i. Menschen zu Kriegesdiensten zu bekommen sucht. Fremde Werber in feinem Lande dulden. In den Zusammensetzungen Brautwerber und Freywerber bedeutet es jemanden, der für einen andern feyerlich um eine Person wirbt, um ihre und ihrer Verwandten Einwilligung zur Ehe anhält.


Werd (W3) [Adelung]


Werd, eine Insel, S. Werder.


Werder (W3) [Adelung]


Der Werder, des -s, plur. ut nom. sing. eine Insel in einem Flusse, ein mehr in dem gesellschaftlichen Umgange vieler Provinzen besonders Ober- und Niederdeutschlandes, als in Schriften übliches Wort, in welchen letztern man das allgemeine Insel vorziehet. Es lautet um Bremen Werel, in vielen Gegenden aber ohne Ableitungssylbe nur Werd, Wörth und Wuhrt, wovon das erste unter andern Ezech. 26, 5 vorkommt. Der Stammbegriff ist die Höhe oder Erhöhung, da denn dieses Wort zu Bär, so fern es einen Damm bedeutet, Wehr, ein Damm Oberd. Wuhr, und zu Warze gehöret. Im Nieders. ist noch jetzt Wuhrt ein erhöhetes, mit Gras bewachsenes Erdreich, ein grüner Hügel, und im Angels. bedeutet Warth, das Ufer, gleichfalls von der Erhöhung, in Rücksicht der Wasserfläche. Von diesen Anhöhen haben auch das Land Würden an der Weser, und die Wursaten, die in niedrigen Gegenden auf solchen Anhöhen wohnen, ihren Nahmen. Von diesem Begriffe der Anhöhe ist es eine bloße, und zwar sehr gewöhnliche Figur, wenn eine Haus- und Hofstelle in den niedrigen Gegenden Niedersachsens eine Wuhrt genannt wird, weil man daselbst auf solchen Anhöhen zu bauen genöthiget ist, um vor dem Wasser sicher zu seyn. In Donauwerth, Kaiserswerth und andern eigenen Nahmen ist die letzte Hälfte auch kein anderes als dieses Wort.


Werfen (W3) [Adelung]


Werfen, verb. irreg. act. Präs. ich werfe, du wirfst, er wirft, wir werfen, u. s. f. Conj. werfe; Imperf. warf, (ehedem wurf,) Conj. würfe; Particip. geworfen. Es bedeutet, einen Körper mit Heftigkeit durch den freyen Luftraum forttreiben, und zwar: 1. Eigentlich, da es denn in der edlern Sprechart für das niedrige schmeißen gebraucht wird. Es wird häufigsten von Dingen gebraucht, welche man aus freyer Hand wirft: einen Stein in das Wasser, Holz ins Feuer werfen; aber auch in manchen Fällen, wenn dieses Werfen vermittelst künstlicher Maschinen geschiehet: Bomben werfen, Bomben in die Stadt werfen. Überhaupt wird entweder die Sache, welche man wirft, in den Accusativ gesetzt, da denn der terminus ad quem eine Präposition bekommt. Einen Stein nach jemanden werfen, den Stein in das Wasser, den Ball an die Wand, das Getreide in den Fluß, die Waaren über Bort werfen. Etwas von sich werfen. Einem etwas vor die Füsse werfen. Das Los über etwas werfen. Die meisten Augen werfen, im Würfelspiele. Einem etwas in den Weg werfen, ihm ein plötzliches Hinderniß verursachen. Oder der terminus ad quem stehet in dem Accusativo, da denn die geworfene Sache die Präposition mit bekommt. Jemanden mit Roth, mit Steinen werfen. Sich mit Schnee werfen. Jemanden die Augen aus dem Kopfe werfen. Zuweilen bekommen beyde eine Präposition: mit Steinen, mit Roth nach einem werfen. Mit Scheltworten, mit Lateinischen Brocken u. s. f. um sich werfen, sie häufig gebrauchen. 2. In theils weiterer, theils engerer, theils figürlicher Bedeutung. (2) Für stoßen. Jemanden zu Boden werfen, ihn stoßen, daß er zur Erde fällt. Einen über den Haufen werfen, in der vorigen Bedeutung. Den Staat, die Gesetze, u. s. f. über den Haufen werfen, eine niedrige Figur. Jemanden über den Tölpel werfen, noch niedriger, einen Einfältigen hintergehen. (2) Mit Heftigkeit oder Geschwindigkeit bewegen, in vielen einzelnen Fällen. Jemanden in das Gefängniß werfen, ein harter Ausdruck. Truppen in eine Festung werfen, die Truppen haben sich in die Festung geworfen. Einen Mantel, die Kleider über sich werfen. Sie warf den nächtlichen Anzug von ihren Schultern. Sich vor jemanden auf die Knie, sich ihm zu Füßen werfen. Sich auf das Bett, in den Wagen, in einen Stuhl, unter einen Baum werfen. Sich jemanden um den Hals werfen, ihm um den Hals fallen. Sich einem in die Arme werfen, ihn schnell und mit Heftigkeit umarmen; auch figürlich, sich ganz seiner Gewalt, seinem Schutze anvertrauen. Die Nase in die Höhe werfen, mit Hohn verbun- denen Stolz durch schnelle Erhebung des Kopfes an den Tag legen. (3) Oft verschwindet auch der Begriff der Geschwindigkeit und der Heftigkeit, und da bleibt der bloße Begriff der Bewegung oder der Richtung übrig. Ein Körper wirft einen Schatten, wenn er ihn macht. Das Holz wirft sich, wenn es von der Witterung krumm gezogen wird. Einen Blick auf jemand werfen, ihn ansehen. Die Augen auf etwas werfen, so wohl auch, es ansehen, als ein Verlangen darnach nähren. Die Schuld auf jemanden werfen, schieben. Haß, Liebe, Zorn auf jemanden werfen. (4) Bey den bildenden Künstlern wird werfen von der Anordnung der Falten und Umrisse eines Gewandes gebraucht. Ein Mahler wirft seine Gewänder gut, wenn er sie natürlich anordnet. Ein wohl geworfenes Gewand. (5) Jemanden werfen, seinen Bankerott, seinen Untergang verursachen; eine Ellipse für zu Boden werfen. Dieser Wechsel hat ihn geworfen. (6) Von vielen vierfüßigen Thieren ist werfen so viel als Junge gebären, da es denn so wohl als ein Neutrum, als auch als ein Activum, gebraucht wird, für das niedrigere jungen. Die Hündinn hat geworfen, sie hat sechs Junge geworfen. Von vielen Thieren hat man eigene Verba, z. B. füllen, Nieders. fohlen, kalben, ferkeln; welche aber unedler sind, werfen. Außer dem ist das allgemeinere werfen für die besondern Verba nothwendig, wenn der Nahme des Geborenen mit ausgedruckt wird, d. i. wenn das Verbum active stehen sollte. Die Stutte hat ein schönes Füllen geworfen. (7) Bey den Falkenieren ist werfen, von den Falken gebraucht, den Leib ausleeren, als ein Neutrum. Daher das Werfen. S. auch Wurf.

Anm. Von den ältesten Zeiten an schon im Oberdeutschen werfan, im Niederd. warpen, bey dem Ulphilas wairpan, im Schwed. und Isländ. varpa. im mittlern Lateine guerpire. S. auch Wirbel und Werben, welche ohne Zweifel damit verwandt sind.


Werft (W3) [Adelung]


1. Das Werft, des -es, plur. die -e, diejenige Anstalt en einem schiffreichen Wasser, wo Schiffe gebauet und ausgebessert werden; auch das Schiffswerft. Im Nieders. und Holländ. Warf und Werf, im Schwed. Hvarf. Es bedeutet, so wie Werd und Werder, eigentlich einen erhöheten Ort, und ist von diesen nur in der Ableitungssylbe unterschieden, Im Angelsächsischen ist Wharsa, das Ufer, und das Niedersächs. Warf bedeutet nicht allein einen jeden Hügel, sondern auch ein durch Bollwerk befestigtes Ufer.


Werft (W3) [Adelung]


2. Das Werft, des -es, oder


die (W3) [Adelung]


die Werfte . plur. inus. bey den Webern mancher Provinzen, der Aufzug des künftigen Gewebes, die Kette. Das sächliche Geschlecht ist in den meisten Gegenden das gewöhnlichste; im weiblichen kommt es 3 B. Mos. 13, 48 vor. Es scheint entweder von werben abzustammen, so fern es ehedem arbeiten, bewegen, weben u. s. f. bedeutete; oder auch von werfen, weil der Einschlag dadurch geworfen wird. In manchen Gegenden heißt dieser Einschlag das Werft, und dann scheinet es unläugbar von werfen abzustammen.


Werftbruch (W3) [Adelung]


Der Werftbruch, des -es, plur. die -brüche, bey den Tuchmachern, Fehler in dem Tuche, welche von gerissenen und nicht wieder geknüpften Fäden, so wohl in der Kette, als dem einschlage entstehen; von 2 Werft.


Werfte (W3) [Adelung]


1. Die Werfte, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, den Weidenbaum, die Weide, und der verschiedene Arten derselben zu bezeichnen. Besonders führet die Saalweide in manchen Gegenden diesen Nahmen. Es ist ursprünglich ein Slavisches Wort, welches durch die Wenden in Deutschland eingeführet worden. Im Böhmischen heißt die Weide Wrba. S. Werftweide.


Werfte (W3) [Adelung]


2. Die Werfte, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Kornrolle, oder des stehenden Getreidesiebes. Von dem Verbo werfen, weil das Getreide dadurch geworfen wird.


Werftenhänge (W3) [Adelung]


Die Werftenhänge, plur. die -n, bey den Tuchmachern, ein Gestell, das geleimte Werft, oder die Kette zu den Tüchern darauf zu trocknen.


Werftzähler (W3) [Adelung]


Der Werftzähler, des -s, plur. ut nom. sing. bey verschiedenen Arten der Weber, eine Person, welche die Gänge und Fäden des Aufzuges zählet.


Werftkäfer (W3) [Adelung]


Der Werftkäfer, des -d, plur. ut nom. sing. eine Art Käfer, welche sich auf der Werftweide aufhält, Chrysomela caprea Linn.


Werftmotte (W3) [Adelung]


Die Werftmotte, plur. die -n, eine Art Motten, vielleicht auch von dem Orte ihres Aufenthaltes, Phalaena Geometra undulata Linn.


Werftstrauch (W3) [Adelung]


Der Werftstrauch, des -es, plur. die -sträuche, an einigen Orten ein Nahme der Baumwollenweide.


Werfzeug (W3) [Adelung]


Das Werfzeug, des -es, plur. die -e, ein allgemeiner Nahme der vor Erfindung der Schießpulvers üblichen Maschinen, große Pfeile, Steine u. s. f. damit zu werfen; auch Wurfzeug.


Werg (W3) [Adelung]


Das Werg, S. 1. Werk.


Werk (W3) [Adelung]


2. Das Werk, des -es, plur. die -e, Diminut. Werkchen, Oberd. Werklein, ein sehr allgemeines Wort, wofür daher in den meisten Fällen bestimmtere üblich sind. Es bedeutet: 1. Eine äußere Handlung in der engsten Bedeutung, eine vollbrachte Verrichtung; am häufigsten in der Theologie und der biblischen Schreibart. Gute Werke, rechtmäßige Handlungen. Ein gutes Werk, ein christliches Werk verrichten. Ein Werk der Liebe, der Barmherzigkeit. Böse Werke. Werke des Fleisches, der Finsterniß u. s. f. in der Deutschen Bibel. Ein christliches Werk vorhaben, zum Abendmahl gehen wollen. Die Werke Gottes, in der Theologie, die Schöpfung, Erhaltung und Regierung der Welt, die Erlösung und Heiligung. 2. Der Zustand, da etwas wirklich gemacht oder hervor gebracht wird; ohne Plural, und nur in einigen einmahl eingeführten R. A. Etwas ins Werk stellen oder richten, es ausführen, bewerkstelligen. Zu Werke richten, im gemeinen Leben für das vorige. 3. Die Arbeit, Anwendung seiner Kraft, auf eine unbestimmte Art, so daß es den Gegenstand und das Product dunkel mit in sich schließet; ohne Plural. Das Werk einstellen. Das angefangene Werk vollenden. Es ist schon im Werke, in der Arbeit, es wird daran gearbeitet. Das ist nicht Eines Menschen Werk, dazu reichen die Kräfte Eines Menschen nicht hin. Die letzte Hand an das Werk legen. Das Werk liegen lassen. Zum Werke schreiten, gehen, greifen, an das Werk geben, eine Arbeit anfangen. Das ist mein Werk nicht, ich verrichte dergleichen nicht, und in noch weiterer Bedeutung, ich habe keine Meinung dazu. Complimente sind mein Werk nicht. 4. Ein hervor gebrachtes, zur Wirklichkeit gebrachtes Ding, ein Product. (1) In der weitesten Bedeutung, ohne Unterschied, wie sie sind hervor gebracht worden. So heißen alle endliche Dinge Werke Gottes. Das Werk lobt den Meister. Die Freundschaft ist in den meisten Fällen ein Werk der Natur und des Umganges. Diese Eitelkeit ist das Werk seiner Schmeicheley. Die Vorzüge, welche sie an mir loben, sind ganz ihr Werk, ich habe sie ganz ihnen zu danken. Ein künstliches Werk. (2) In engerer Verstande, von besondern Arten durch Kunst hervor gebrachter Dinge. (a) Ein Gebäude wird oft ein Werk genannt. Das ganze Werk stehet auf Pfählen. Das neue Werk, ist in vielen einzelnen Fällen, das neue Gebäude. (b) Brustwehren und Gräben zur Vertheidigung. Festungswerke. Werke aufwerfen. Ein Außenwerk, Hornwerk, Kronwerk u. s. f. Die feindlichen Werke schleifen, die Verschanzungen. (c) Eine künstliche Maschine. Besonders in den Zusammensetzungen, Uhrwerk, Orgelwerk, Fuhrwerk u. s. f. welche, wenn kein Mißverstand zu besorgen ist, auch nur das Werk schlechthin genannt werden. Ein altes Werk. (d) Eine Schrift von einigem Umfange, wie das Lat. Opus. Ein gelehrtes Werk. Ein nützliches Werk schreiben. Luthers Werke, Schriften. (e) Das Gebäude der Bienen in einem Stocke, welches auch das Gewirke heißt. (f) Im Hüttenbaue wird das durch Schmelzen erhaltene Gemisch von allerley Metallen, das Werk genannt. ( S. Werkbley.) (g) In dem Salzwerke zu Halle wird die ganze Arbeit des Siedens, von der Stellung des Herdes an, bis zur Reinigung der Pfanne, das Werk genannt, da denn auch die Quantität Salz, welche dadurch erhalten wird, und welche aus zwey Stücken bestehet, ein Werk heißt. Und so in andern Fällen mehr. 5. Viel Werks aus etwas machen, viel Geräusch, viel Aufhebens.

Anm. Das Wort ist alt, und lautet schon im Kero Werach, bey dem Willeram Wercho, bey dem Ottfried Werk, im Angels. Weorc, im Engl. Work. Es ist mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - genau verwandt, ( S. Wirken.) Bey dem Ottfried bedeutet es auch eine Sache, ein Ding: In notlichen werkon, in bedrängten Umständen. In vielen Zusammensetzungen bekommt dieses Wort noch manche andere Modificationen. So bedeutet es in Bergwerk, Hammerwerk, Messingwerk, Farbenwerk, Vorwerk, Ackerwerk, u. s. f. einen Inbegriff mehrerer Anstalten Einer Art; in Feuerwerk, Rauchwerk, Flechtwerk, Holzwerk, Muschelwerk u. s. f. ist es gleichfalls ein Collectivum, mehrere Dinge Einer Art zu bezeichnen, besonders wenn sie Werke der Kunst sind.


Werkbank (W3) [Adelung]


Die Werkbank, plur. die -bänke, bey den Handwerken, die Bank, d. i. der starke Tisch, auf welchem sie arbeiten.


Werkbiene (W3) [Adelung]


Die Werkbiene, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Arbeitsbienen in einem Bienenstocke.


Werkbley (W3) [Adelung]


Das Werkbley, des -es, plur. die -e. 1. Im Hüttenbaue, dasjenige Bley, welches bey dem Durchsetzen der Erze das Silber in sich gezogen hat, ohne Plural. Auch nur schlechthin das Werk. 2. Bey den Klempenern, eine bleyerne Platte, das Blech darauf auszuarbeiten.


Werkbret (W3) [Adelung]


Das Werkbret, des -es, plur. die -er, bey verschiedenen Handwerkern, ein Brei, auf welchen sie zuschneiden, oder andere Arbeiten verrichten.


Werkbund (W3) [Adelung]


Der Werkbund, des -es, plur. car. in der Theologie, der erste Bund Gottes mit dem Menschen im Stande der Unschuld, weil er unter der Bedingung eines völligen Gehorsams errichtet wurde; im Gegensatze des Gnadenbundes.


Werkbütte (W3) [Adelung]


Die Werkbütte, plur. die -n, bey den Papiermachern, die Bütte, woraus das Werk, d. i. der flüssige Zeug, geschöpfet wird.


Werkeisen (W3) [Adelung]


Das Werkeisen, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Bey den Hufschmieden, dasjenige Werkzeuge, womit den Pferden der Huf ausgewirket wird; daher es eigentlich Wirkeisen heißen sollte. 2. Bey verschiedenen Handwerken führet auch das Werkmesser diesen Nahmen.


Werkeltag (W3) [Adelung]


Der Werkeltag, S. Werktag.


Werken (W3) [Adelung]


Werken, adj. et adv. von Werk oder Werrig, daraus bestehend. Werkenes Garn. Werkene Leinwand, Werkleinwand. S. 1. Werk.


Werker (W3) [Adelung]


Der Werker, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Zusammensetzungen, wie Feuerwerker, Handwerker u. s. f. übliches Wort. Es ist hier vermittelst der Ableitungssylbe er von Werk gebildet.


Werkgarn (W3) [Adelung]


Das Werkgarn, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, aus Werk oder Werrich gesponnenes Garn; werkenes Garn.


Werkhammer (W3) [Adelung]


Der Werkhammer, des -s, plur. die -hämmer, im Hüttenbaue, ein Hammer mit einer Spitze auf der einen Seite und einer breiten Bahn auf der andern, die Röste damit zu schlagen.


Werkhaus (W3) [Adelung]


Das Werkhaus, des -es, plur. die -häuser, so wie Arbeitshaus, eine glimpfliche Benennung eines Zuchthauses, weil schädliche, oder auch nur müßige Leute darin zur Arbeit angehalten werden.


Werkheilig (W3) [Adelung]


Werkheilig, -er, -ste, adj. et adv. gute Handlungen um des Scheines der Heiligkeit, d. i. einer vorzüglichen Frömmigkeit willen, verrichtend, und darin gegründet; wodurch es sich von dem bloßen scheinheilig unterscheidet.


Werkheiligkeit (W3) [Adelung]


Die Werkheiligkeit, plur. car. eine Frömmigkeit, welche bloß in äußern guten Handlungen bestehet; die Fertigkeit, gute Handlungen um des Scheines der Heiligkeit Willen zu verrichten.


Werkhof (W3) [Adelung]


Der Werkhof, des -es, plur. die -höfe, an einigen Orten, wie Zimmerhof.


Werkholz (W3) [Adelung]


Das Werkholz, des -es, plur. inus. 1. An einigen Orten so viel als Bauholz, im Gegensatze des Brennholzes. 2. Im Hüttenbaue, das zum Abtreiben der Erze nöthige Brennholz, wir Treibeholz.


Werkleinwand (W3) [Adelung]


Die Werkleinwand, plur. car. aus Werk oder Werrich gewebte Leinwand, werkene Leinwand. S. 1. Werk.


Werkleute (W3) [Adelung]


Die Werkleute, sing. inus. die Arbeitsleute, besonders die zu einem Baue nothwendigen Handwerker, Arbeitsleute. Im Notker Werkliute. S. Werkmann.


Werklich (W3) [Adelung]


* Werklich, -er, -ste, adj. et adv. nur in den gemeinen Sprecharten einiger, besonders Oberdeutscher Gegenden. 1. Arbeitsam, thätig, geschäftig. 2. Künstlich. 3. Sonderbar, seltsam, wunderlich. Ein werklicher Mensch, ein seltsamer, närrischer.


Werkloch (W3) [Adelung]


Das Werkloch, des -es, plur. die -löcher, in den Glasöfen, das Loch, wodurch das Werk, oder die geschmolzene Masse aus dem Hafen gelanget wird.


Werklos (W3) [Adelung]


Werklos, -er, -este, adj. et adv. in der Theologie, der werke, d. i. guten Handlungen, beraubt. Ein werkloser Glaube, der sich nicht durch pflichtmäßige Handlungen äußert. Daher die Werklosigkeit.


Werkmann (W3) [Adelung]


* Der Werkmann, des -es, plur. die -männer, oder Werkleute, ein Arbeitsmann, Arbeiter; ein im Hochdeutschen veraltetes Wort. Im Kero Werachman.


Werkmeister (W3) [Adelung]


Der Werkmeister, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ehedem derjenige, welcher die Krieges-Maschinen und das grobe Geschütz in seiner Aufsicht hat, und damit umzugehen weiß, ein Zeugmeister, Feuerwerker u. s. f. 2. Derjenige, welcher die Aufsicht über einen Bau hat, der Baumeister; im Hochdeutschen gleichfalls veralten. 3. Der Aufseher oder Vorsteher einer Fabrik. 4. Bey vielen Handwerkern, wird der erste oder vornehmste Gesell, welcher die Arbeit regieret und anordnet, der Werkmeister genannt.


Werkmesser (W3) [Adelung]


Das Werkmesser, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Lederarbeitern, dasjenige Messer, womit die Arbeit zugeschnitten wird.


Werkofen (W3) [Adelung]


Der Werkofen, des -s, plur. die -öfen, in den Glashütten, derjenige Ofen, worin das Werk, d. i. die Glasmasse, schmilzet, der Glasofen.


Werkprobe (W3) [Adelung]


Die Werkprobe, plur. die -n, in Hüttenbaue, die Probe des Werkbleyes, den Silbergehalt desselben zu erforschen.


Werkruthe (W3) [Adelung]


Die Werkruthe, plur. die -n, bey den Tuchmachern, eine Ruthe, d. i. Schiene, das Kreuz der Kette hinter den Schäften damit abzusondern.


Werksatz (W3) [Adelung]


Der Werksatz, des -es, plur. die -sätze, bey den Zimmerleuten, die Aufrichtung eines hölzernen Gebäudes, durch Verbindung aller einzelnen Theile, die Zulage.


Werkschuh (W3) [Adelung]


Der Werkschuh, des -es, plur. die -e, und wenn ein Zahlwort vorher gehet, ungeändert, Werkschuh, die Länge eines Schuhes, als ein Längenmaß betrachtet, ein Fuß; besonders, so wie dieses Längenmaß unter den Werkleuten, d. i. Zimmerleuten Mauern, üblich ist, zum Unterschiede von dem geometrischen Schuhe oder Fuße,


Werksilber (W3) [Adelung]


Das Werksilber, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. 1. Das in dem Werkbleye enthaltene, oder daraus geschmelzte Silber. 2. Silber, welches aus altem Silbergeräthe zusammen geschmelzet ist; Bruchsilber.


Werksohle (W3) [Adelung]


Die Werksohle, plur. car. in den Salzhütten, die zu einem Werke Salz erforderliche Sohle.


Werkstatt (W3) [Adelung]


Die Werkstatt, plur. die -stätte, oder die Werkstätte, plur. die -n, ein eingeschlossener Raum, worin gearbeitet wird, besonders bey Künstlern und Handwerkern. Figürlich, der Ort, wo etwas zubereitet wird, sein Daseyn erhält.


Werkstätter (W3) [Adelung]


Der Werkstätter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen sich die Kupferschmiede in den Städten beylegen, zum Unterschiede von den Hammerschmieden in den Kupferhämmern.


Werkstellig (W3) [Adelung]


Werkstellig, adv. welches aus der R. A. in das Werk stellen, gebildet ist, wirklich gemacht; zur Ausführung gebracht. Einen Entwurf, einen Anschlag werkstellig machen, ihn ausführen. Als ein Adjectiv ist es ungewöhnlich. Daher bewerkstelligen, S. dasselbe.


Werkstube (W3) [Adelung]


Die Werkstube, plur. die -n, auf den Blechhütten, dasjenige Zimmer, worin die geschmiedeten Bleche beschnitten werden.


Werkstück (W3) [Adelung]


Das Werkstück, des -es, plur. die -e, ein viereckt zugehauenes Stück Stein, so wie es zu Gebäuden gebraucht wird, von Werk, ein Gebäude. Sonst auch ein Quaterstein.


Werkstuhl (W3) [Adelung]


Der Werkstuhl, des -es, plur. die -stühle, bey den Lichtziehern, das Gestell, auf welchem die gezogenen Lichter abtropfen und erkalten.


Werktag (W3) [Adelung]


Der Werktag, des -es, plur. die -e, derjenige Wochentag; an welchem gearbeitet wird, oder gearbeitet werden darf, zum Unterschiede von einem Sonn- oder Feyertags. Im gemeinen Leben Werkeltag.


Werkthätig (W3) [Adelung]


Werkthätig, adj. et adv. 1. Durch die werke, d. i. Handlungen, thätig; eigentlich eine Tautologie; indem thätig schon eben dasselbe sagt, daher es in dieser Bedeutung auch nur in den Oberdeutschen Kanzelleyen am häufigsten ist. Ein werkthätiger Eifer, ein thätiger. 2. Zur Wirklichkeit gebracht, wie werkstellig. Etwas werkthätig machen. Im Oberdeutschen hat man davon das Verbum bewerkthätigen, nach der Analogie von bewerkstelligen.


Werktisch (W3) [Adelung]


Der Werktisch, des -es, plur. die -e, bey vielen Handwerkern und Handarbeitern, der Tisch, vor oder auf welchem sie arbeiten, wie Werkbank.


Werkzange (W3) [Adelung]


Die Werkzange, plur. die -n, bey den Goldschlägern, eine hölzerne Zange, die Gold- und Silberblätter damit hin und wieder zu heben.


Werkzeug (W3) [Adelung]


Das Werkzeug, des -es, plur. die -e, 1. Ein körperliches Ding, womit etwas verfertiget, oder auch nur eine körperliche Arbeit erleichtert wird; da es denn so wohl collective als distributive gebraucht wird. Die Werkzeuge der Sinne, Augen, Ohren, u. s. f. 2. Figürlich, eine jede Person oder Sache, deren man sich als eines Mittel zu Erreichung einer Absicht bedienet. Der Himmel, der sich nur die Rache vorbehält. Wählt sich zum Werkzeug nie die Edelsten der Welt. Weiße. Bey dem Opitz und in einigen Oberdeutschen Gegenden der Werkzeug, bey den ältern Schriftstellern das Gezeug.


Wermuth (W3) [Adelung]


Der Wermuth, des -es, plur. car. Der Nahme einer bekannten Pflanze von sehr bitterem Geschmacke, Absinthium Linn. In einigen Oberdeutschen Gegenden Alssen, Alsen, Wiegenkraut. Im Niederd. lautet dieses Wort Wörmde, Warmke, Warmöge. In beyden Mundarten ist der Bau dieses Wortes verunstaltet, daher Wachter es von Wärme, wegen seiner erwärmenden Kraft, und Popowitzsch, von wehren, und Mod, Made, Ungeziefer, ableitete. Allein das Angelsächsische hilft uns auf die wahre Abstammung, indem es daselbst Wormwood, und Wyrmwyrt, d. i. Wurmkraut, lautet, weil dieses Kraut wegen seiner Bitterkeit schon sehr frühe als ein Gegenmittel gegen die Würmer, besonders im menschlichen Leibe, bekannt wurde. Das Dänische Malurt, und Schwed. Malört kommen damit gleichfalls überein, von Mal, ein Wurm. In einigen Deutschen Provinzen wird es daher wirklich Wurmkraut genannt.


Wermuthbier (W3) [Adelung]


Das Wermuthbier, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, Bier, welchem mit zugesetztem Wermuth ein bitterer Gesch nach gegeben worden.


Wermuthtrank (W3) [Adelung]


Der Wermuthtrank, des -es, plur. die -tränke, ein Trank, dessen vornehmster Bestandtheil Wermuth ist.


Wermuthwein (W3) [Adelung]


Der Wermuthwein, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, Wein, welcher über Wermuth gebrauset, und davon einen bittern Geschmack angenommen hat.


Werre (W3) [Adelung]


Die Werre, plur. die -n, in den gemeinen Sprecharten einiger Provinzen, z. B. in Thüringen, ein Nahme desjenigen Insectes, welches auch unter dem Nahmen der Erdgrille, oder des Reitwurmes bekannt ist. ( S. Erdgrille) Der Nahme Werre rühret vielleicht von dessen schwirrenden Stimme her, daher es auch Grille genannt wird.


Werrig (W3) [Adelung]


Das Werrig, der Abgang von dem Flasche oder Hanfe, Siehe 1. Werk.


Wersig (W3) [Adelung]


Wersig, S. Wirsig.


Werth (W3) [Adelung]


Werth, -er, -este, adj. et adv. 1. Einen bestimmten Anspruch auf die Schätzung anderer habend, in Vergleichung mit dem bekannten Grade der Schätzung eines andern Dinges. (a) In Vergleichung mit dem Geide, dem einmahl angenommen Maßstabe des Werthes der Dinge, da denn dessen Begriff in Accusative stehet. Der Ring ist zehn Thaler, das Haus ist tausend Thaler werth. Wie viel ist das Gut werth? Es ist viel werth, nichts werth. (b) In Vergleichung mit einem jeden andern Dinge von bekannter Schätzung, da denn dieses entweder durch das circumscriptive daß ausgedruckt wird. Die Sache ist nicht werth, daß ich daran gedenke. Du bist nicht werth, daß dich die Sonne bescheine. Er wäre werth, daß man ihn henkte, er hätte es verdient. Oder vermittelst eines Nennwortes, da denn dieses gemeiniglich im Genitive stehet. Es ist der Mühe nicht werth. Es ist der rede nicht werth. Er ist ihrer alle Stunden werth. Ein Held, der sich durch manche Schlacht, Durch manch verheertes Land des Lorbers werth gemacht, Gell. Aller Ehren werth, im gemeinen Leben, nicht unbeträchtlich. Aber auch zuweilen im Accusative. Er ist die Kugel nicht werth. In dieser ganzen Bedeutung wird das Wort fast nur allein als ein Adverbium gebraucht. Denn ob man gleich sagt, eine nichts werthe Sache, so sagt man doch nie, wenigstens nicht richtig, ein zehn Thaler werther Ring. Auch die Comparation ist in dieser Bedeutung nicht üblich, sondern muß durch mehr, weniger, am meisten, am wenigsten umschrieben werden. Er ist mehr werth als du. Es ist der Rede weniger werth, als u. s. f. 2. Einen hohen Grad des Anspruches auf jemandes Schätzung habend, und darin gegründet, so wohl als ein Adverbium, als auch ein Adjectiv. Etwas werth halten, werth schätzen. Ein werth geschätzter Freund. Die Sache ist mir sehr werth. Ein mir sehr werther Freund. Er ist mir werther als du. Um der vielen r willen wird der Comparativ nicht leicht als ein Adjectiv gebraucht, wohl aber der Superlativ: mein werthester Herr. Die werthesten Gegenstände unseres Herzens. Anm. Schon im Ulphilas vairths, im Schwed. värd. Es stammet, so wie das folgende Substantiv, vermittelst des Ableitungslautes th oder d von dem alten Worte Währ, Schätzung, und währen, schätzen, her, ( S. 2. Währung, und Würde;) und da in diesem die erste Sylbe gedehnt ist, so hat auch wehrt diese Dehnung behalten, ungeachtet es wegen der zwey folgenden Consonanten eigentlich geschärft, werth lauten sollte.


Werth (W3) [Adelung]


Der Werth, des -es, plur. car. der Grad des Vorzuges, in Rücksicht auf die Schätzung anderer, die Meinung von dem Vorzuge, der Güte einer Sache. Einer Sache einen großen Werth beylegen. im hohen werthe seyn. Die Wissenschaften behalten ihren Werth. Etwas in seinem Werte lassen, dessen Werth unentschieden lassen. Der innere Werth, die innere Güte, welche unter allen Umständen geschätzet wird; zum Unterschiede von dem äußern Werthe, welcher von zufälligen Umständen abhänget, und auch der Preis genannt wird. Besonders in Rücksicht auf das Geld, den angenommenen Maßstab des Werthes. Ein Gut, 10000 Rthlr. am Werthe. Ein Ring von großem Werthe, Münzen von schlechtem Werthe, wo es aber den innern Werth, oder den Gehalt bezeichnet. Den Werth für etwas empfangen, d. i. den Betrag des Werthes dem Gelde nach. Da es denn zuweilen auch für Preis gebraucht wird. Im Werthe steigen. Der Werth der Güter fällt. Etwas um einen geringen Werth verkaufen.

Anm. Bey dem Ottfried, Notker u. s. f. Werd, Werdi, im Nieders. Weerd, in Engl. Worth, im Pohln. Wart. S. das vorige, und Würde.


Wesen (W3) [Adelung]


Wesen, im Verwesen, durch die Fäulniß aufgelöset werden. Einige neuere Dichter haben in diesem, so wie in andern Zeitwörtern, angefangen, die Ableitungssylben wegzulassen, und wesen für verwerfen zu gebrauchen. Hier ruht und wes't, Gott seys gedankt, Mein Weib, das immerdar gezankt, u. s. f. Wenn man sich dieser Freyheit bedienen will, so gehöret wenigstens Sprachkenntniß dazu, damit man nicht Sylben weglasse, welche zum Verstande des Wortes wesentlich sind. Ich habe bey 1 Verwesen gezeiget, daß dieses Wort aus dem alten Infinitive wesen, seyn, und der destruirenden Partikel ver, gebildet ist, und eigentlich aufhören zu seyn bedeutet. Man urtheile nun selbst, was wesen bedeuten kann, wenn man die Vorsylbe davon trennet.


Wesen (W3) [Adelung]


Das Wesen, des -s, plur. der doch nur in der einzigen concreten Bedeutung gebraucht wird, ut nom. sing. Da dieses Wort in seinen heutigen Bedeutungen eines der abstractesten ist, abstracte Begriffe aber erst durch die Länge der zeit und Aufklärung aus concreten entstanden sind, so halte ich es der Natur der Sache gemäß, auch hier, so wie in andern ähnlichen Fällen, die anschaulichste Bedeutung, so fern sie sich noch auffinden lässet, zum Grunde zu legen, und vor ihr stufenweise zu der abstractesten fortzuschreiten. Nach diesem Gesetze müssen die bekanntesten Bedeutungen dieses Wortes folgender Gestalt geordnet werden. 1. Geräusch, ohne Plural; eine noch im gemeinen Leben, besonders Oberdeutschlandes, übliche Bedeutung. Was ist das für ein Wesen? für ein Lärm. Das böse Wesen, die Epilepsie. In weiterer Bedeutung sagt man, jedoch auch nur im gemeinen Leben, viel Wesens von etwas machen, viel Geräusch, viel Aufhebens, viel Geschwätz. In noch weiterer Bedeutung ist Wesen Weitläufigkeit, besonders, unangenehme, lästige Weitläufigkeit. Es wird nicht viel Wesens brauchen, nicht viel Umstände. Wenn du mir des Wesens zu viel machst, so schreibe ich alles an, Weiße. Es scheinet, daß in Leidwesen, wehklage, eben dieselbe Bedeutung der lauten Klage zum Grunde lieget. 2. Der Inbegriff mehrerer zusammen gehöriger Dinge Einer Art, doch für sich allein nur in dem Ausdrucke, das gemeine Wesen, die Verbindung einzelner Gesellschaften zur gemeinschaftlichen Beförderung der äußern Wohlfahrt, nach dem Lat. res publica. Am häufigsten ist diese Bedeutung in den Zusammensetzungen, das Hauswesen, Kriegeswesen, Forstwesen, Münzwesen. Jagdwesen, Fuhrwesen, Postwesen u. s. f. welche doch nicht nach Willkühr vermehret werden dürfen, indem diese Bedeutung schon zu den veralteten gehöret. Es scheinet, daß auch hier das mit der Mehrheit verbundene Geräusch der Grund der Benennung ist. 3. * Der Aufenthalt an einem Orte, besonders so fern er mit Handlungen verbunden ist, oder um des Gewerbes Willen geschiehet; eine veraltete Bedeutung, welche aber noch in der Deutschen Bibel häufig ist. Sein Wesen an einem Orte haben, sich daselbst aufhalten, sein Gewerbe daselbst treiben. 4. Das äußere Betragen eines Menschen, dessen Sitten; auch als ein Collectivum, und am häufigsten im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Ein Mensch von einem stillen Wesen. Sein wesen gefällt mir nicht, seine Sitten. Das traurige und eingeschränkte Wesen, das man in der Liebe annimmt. Er ist von einem wilden, ungestümen Wesen. 5. Die Art und Weise des Daseyns, der Zustand; auch ohne Plural, wie alle vorige, und nur mit einigen Verbis und nur in einigen Fällen. Etwas in baulichem Wesen, in seinem Wesen erhalten. 6. Das Daseyn, die Existenz; ohne Plural, und am häufigsten im Oberdeutschen. Das Schloß war schon in seinem Wesen, als der Krieg anging, war schon vorhanden. Mein wesen wird nicht bald gerathen Auf seines Bleibens letzten Tag, Opitz. d. i. ich werde so bald nicht sterben. Doch sagt man auch im Hochdeutschen, einem Dinge das Wesen geben, das Daseyn. 7. Die wahre, wirkliche Beschaffenheit eines Dinges, im Gegensatze des Scheines. Den Schein, aber nicht das Wesen der Tugend haben. 8. Das Wesen eines Dinges, das, was es von allen andern unterscheidet, was es zu dem macht, was es eigentlich ist, was in allen Fällen, und unter allen Veränderungen bey demselben angetroffen wird, im Gegensatze des Zufälligen; eine sehr abstracte Bedeutung, welche nach dem Lateinischen essentia gebildet worden. Man muß auf das Wesen sehen, nicht auf das Zufällige. Das Wessen Gottes, der Umfang aller seiner Vollkommenheiten. 9. Ein selbstständiges Ding, an welchem man weiter nichts, als diese Selbstständigkeit, bezeichnen will, ohne Rücksicht, ob es körperlich ist, oder nicht, eine gleichfalls sehr abstracte Bedeutung, und zugleich die einzige, in welcher es einen Plural leidet. Alle Wesen in der Welt. Gott ist ein unendliches Wesen, die Seele ist ein geistiges Wesen. Alle Körper sind vergängliche Wesen.

Anm. Es ist eigentlich der sehr alte Infinitiv von dem Verbo seyn, der schon bey dem Ulphilas wisan, im Isidor und Kero wesan, im Angels. wesan, und jetzt im Nieders. wesen lautet, und wovon unser gewesen noch ein Überbleibsel ist. ( S. Seyn) das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und das Latein. esse sind in ihren Quellen unstreitig auch damit verwandt.


Wesenheit (W3) [Adelung]


* Die Wesenheit, plur. inus. ein in Hochdeutschen unbekanntes, und nur im Oberdeutschen gangbares Wort, für Wesen in der vorigen siebenten achten Bedeutung. Die Wesenheit einer Sache, ihr Wesen. In der Wesenheit, de wahren, eigentlichen Beschaffenheit nach.


Wesenlos (W3) [Adelung]


Wesenlos, adj. et adv. der Selbstständigkeit beraubt, keine Wirklichkeit habend, von Wesen 8. Die alle fliehen hin, wie vor dem Morgenlichte Die wesenlose Brut der nächtlichen Geschichte, Dusch.


Wesentlich (W3) [Adelung]


Wesentlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Wahr, wirklich, im Gegensatze des vorgegebenen, scheinenden, oder erdichteten, eine unbequeme Bedeutung, welche mit der folgenden dritten Zweydeutigkeit macht, daher man sich ihrer enthalten sollte. Sich wesentlich an einem Orte aufhalten, wirklich. Die wesentliche Bekehrung, die wahre, wirkliche. 2. Die vornehmsten Bestandtheile von etwas enthaltend, darin gegründet; eben so unbequem und der Beybehaltung unwerth. Der Brief war des wesentlichen Inhaltes, des vornehmsten. Das wesentlichste von einer Geschichte erzählen. In der Chymie sind wesentliche Salze, wesentliche Öhle, welche den Geschmack, Geruch u. s. f. der Körper behalten, woraus sie gezogen werden. 3. Zu dem Wesen eines Dinges gehörig, in demselben gegründet, in der abstractesten Bedeutung des Wortes Wesen; im Gegensatze des zufällig. Die wesentliche Beschaffenheit des Menschen, dessen wessentliche Theile. Die zum Leben wesentliche Bewegung.

Anm. Es ist durch Einschaltung des t euphonici von dem Substantivo Wesen abgeleitet.


Wespe (W3) [Adelung]


Die Wespe, plur. die -n, der Nahme eines Insectes, welches den Bienen gleicht, nur daß es einen schlankern und glattern Leid hat, der nach der Quere braun und gelb, oder schwarz und gelb gestreifet ist. Genug, wer Wespen stört, kriegt Beulen ins Gesicht, Can.

Anm. In einigen Gegenden Wefftze, im Ober- und Niederd. Wespe, im Angels. Waespe, im Engl. Wasp, im Dän. Hvepst, im Franz. Guespe, Guepe, in Lotharingen Voisses, Vases, in Gascogne Vespo, im Böhm, Wosa, im Lat. und Ital. Vespa, alle vermuthlich von dem diesem Thiere eigenen Laute.


Wespenfresser (W3) [Adelung]


Der Wespenfresser, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Mausefalken, Falco Buten vulgaris Klein. welcher seine Jungen mit Wespen und Bienen ernähren soll, daher er auch Bienenfraß und Bienenfresser genannt wird.


Wespennest (W3) [Adelung]


Das Wespennest, des -es, plur. die -er, das Gewirk oder Gewebe der Wespen, welches aus einer dunkelgrauen Materie bestehet, welche dem Löschpapiere gleicht. In ein Wespennest stö- ren, mehrere zugleich wider sich ausbringen. Wegen der Ähnlichkeit der Gestalt wird auch ein Gebackenes von Mehl, Eyern, Milch und Butter, ein Wespennest genannt.


Weß (W3) [Adelung]


Weß, vollständiger


Wessen (W3) [Adelung]


Wessen, der Genitiv von Wer, welches S.


Weßhalb,Weßwegen (W3) [Adelung]


Weßhalb, und Weßwegen, zwey gleich bedeutende relative Partikeln, für wegen welches, oder welches wegen, welches aus dem vorigen Genitive und den Präpositionen halb und wegen zusammen gesetzt sind. Ich weiß nicht, weßwegen er mit mir zürnt, warum. Die im gemeinen Leben üblichen weßhalber und wessenthalben, wessentwegen, sind unnöthige Verlängerungen.


West (W3) [Adelung]


West, von der Himmelsgegend, S. Westen.


West (W3) [Adelung]


Der West, des -es, plur. die -e, der Wind, welcher aus Abend kommt, doch nur in der dichterischen Schreibart für das vollständige Westwind. S. Westen.


Weste (W3) [Adelung]


Die Weste, plur. die -n, Diminut. das Westchen, Oberd. Westlein, ein kurzes Kleidungsstück des männlichen Geschlechtes, welches den Leib bedeckt, noch nicht bis an die Knie reicht, und bey einer vollständigen Kleidung zunächst unter dem Rocke getragen wird. Im Schwed. Väst, im Engl. Vest. Es könnte aus dem Lat. Vestis gebildet seyn, so fern diese Kleidung aus Italien oder Frankreich in Deutschland bekannt geworden ist. Allein, da schon im Ulphilas vastja, ein Kleid, und vasjan, bekleiden, bedeutet, so scheinet es vielmehr ein altes Deutsches Wort zu seyn, welches aber mit dem Lat. vestis in der Quelle verwandt ist.


Westen (W3) [Adelung]


Westen, und ohne adverbische Endung nur West, ein Adverbium, diejenige Himmelsgegend zu bezeichnen, wo die Sonne untergehet. Es wird indessen nur mit einigen Präpositionen gebraucht. Der Wind kommt aus Westen. Es ziehet sich ein Gewitter in Westen zusammen. Gegen Westen fahren, segeln. Das Wort ist alt, und wurde schon von Carln dem Großen zwar nicht erfunden, aber doch aus einer der Deutschen Mundarten statt eines andern nicht so schicklichen Nahmens ausgehoben, da es denn bey ihm Westroni lautet, bey dem Notker westere, im Engl. West. Es scheinet, daß es mit dem Lat. Vespera im Grunde Eines Stammes ist. Andere lassen es von wehen abstammen, weil die Abendwinde in Europa die häufigsten und stärksten zu seyn pflegen. In der Schifffahrt ist das verkürzte West am üblichsten, da man denn allerley Zusammensetzungen damit macht, die zwischen den Hauptgegenden möglichen Gegenden zu bezeichnen, nordwest, westnordwest, westwestnordwest u. s. f. Von der Form dieses Wortes S. Ost, Osten und Süden. Als ein Substantiv, folglich mit dem Artikel, kommt es nur zuweilen bey den Dichtern vor.


Westerhemd (W3) [Adelung]


Das Westerhemd, des -es, plur. die -en, ein noch in manchen Gegenden übliches Wort, ein weißes zierliches, besonders mit Kreuzchen durchnähetes Hemd oder Kleid zu bezeichnen, worin die Kinder zur Taufe getragen, und darin getaufet werden; in einigen Gegenden auch das Westerkleid. Das Wort in dieser Bedeutung schon alt, und zwar so alt, als der Gebrauch selbst; allein die Abstammung ist dunkel. Die meisten sind auf das Lat. vestire, investire, gefallen, weil ein solches Kind dadurch gleichsam zum Christen eingekleidet wird, oder auf vestiarium, weil dergleichen Hemden ehedem in der Kleiderkammer der Kirchen verwahret wurden; anderer Abteilungen zu geschweigen. Noch wahrscheinlicher ist die Abteilung von weiß, indem in dem alten Gedichte auf den heil. Anno wole wister wad, ein sehr weißes Kleid bedeutet. Daher heißt ein solches Hemd auch im mittlern Lat. Alba, und in albis positi, oder albati sind eben daselbst neu getaufte Kinder, in dem alten Gedichte auf Carln den Großen bey dem Schilter westbarn. Auch bey den alten Schweden heißt ain solches Westerhemd Hvitavadum. S. Andr. Esse disp. de mortuis in Huitauadum Upsal, 1766. Indessen ist Wester in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. um Nürnberg, auch für sich allein üblich, und bedeutet alsdann die Taufhandlung. So schickt man einer Wöchnerinn etwas in das Wester, wenn man ihr noch der Taufe einige Erfrischungen zum Geschenke macht. Daher es scheinet, als wenn es auch Baptisterium verderbt worden, welches sehr häufig auch die Taufe selbst bedeutete.


Westlich (W3) [Adelung]


Westlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Gegen Westen oder Abend gelegen, gerichtet. Die westlichen Länder. Sich westlich wenden. 2. Aus Abend kommend, obgleich seltener. Die westlichen Winde, die Westwinde, Abendwinde.


Westphale (W3) [Adelung]


Der Westphale, des -n, plur. die -n, Fämin. die Westphälinn, eine Person, welche aus Westphalen gebürtig ist, für das niedrigere Westphälinger.


Westwärts (W3) [Adelung]


Westwärts, adv. nach Westen gerichtet. Westwärts segeln, fahren. Sich westwärts wenden.


Westwind (W3) [Adelung]


Der Westwind, des -es, plur. die -e, ein Wind, der aus Westen kommt, der Abendwind, in der dichterischen Schreibart, der West.


Wett (W3) [Adelung]


Wett, adv. welches nur im gemeinen Leben in einigen Fällen üblich ist. 1. Etwas wieder weit machen, es vergüten, ersetzen, vergelten. 2. Sich wett bauen, im Bergbaue, den Bergbau aus Mangel der Ausbeute liegen lassen, sich verbauen; vielleicht eigentlich, sich arm bauen. S. Wetten.


Wette (W3) [Adelung]


Die Wette, plur. die -n, ein Wort, welches ehedem sehr viele Bedeutungen hatte, welche aber um der Bestimmtheit Willen im Hochdeutschen veraltet sind. Die Bedeutungen eines Gesetzes, einer Geldstrafe, und eines Unterpfandes sind noch jetzt im Niedersächsischen üblich. Im Hochdeutschen hat es nur noch folgende Bedeutungen. 1. Ein Vertrag über eine ungewisse Sache, daß der, nach dessen Meinung sie eintritt, den gesetzten Preis erhalten soll. Jemanden eine Wette anbiethen. Eine Wette eingeben. Es gilt eine Wette. Die Wette gewinnen, verlieren. 2. In (besser, um) die Wette, mit Bestrebung, es dem andern zuvor zu thun, als wenn es eine Wette gälte. Um die Wette laufen. Die schnellen Flügen der zeit fahren mit dem Strahle des Lichts in die Wette, Dusch. In Cuba war ein Papagey, Den neckt ein jeder um die Wette, Haged. S. Wetten.


Wetteifer (W3) [Adelung]


Der Wetteifer, des -s, plur. car. der Eifer um die wette, d. i. eifrige Bestreben, es dem andern zu thun, wie Nacheifer, das Bestreben, es ihm gleich zu thun. Einen edlen Wetteifer erregen. In monarchischen Regierungen ist der Wetteifer geringer, als in denen, wo mehrere eine große That bemerken.


Wetteifern (W3) [Adelung]


Wetteifern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, sich bestreben, es einem andern zuvor thun. Mit jemanden wetteifern.


Wetten (W3) [Adelung]


Wetten, verb. reg. welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Activum, als den Preis einer Wette setzen, mit dem Accusative des Preises. Ich wette Hundert gegen eines. Was wollt ihr wetten? Noch häufiger, 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, eine Wette vorschlagen, ingleichen verabreden; da denn der Preis das Vorwort um bekommt. Sie haben um zehn Thaler gewettet. Die ungewisse Sache, welche der Gegenstand der wette ist, wird entweder mit daß ausgedruckt. Ich wette, daß er heute nicht kommt. Oder, wenn sie ein Nennwort ist, mit auf. Ich wollte wohl darauf wetten. Oder auch mit auf und daß zugleich. Ich wette darauf, daß sie nun wieder eilen muß, Rost.

Anm. Die heutige Bedeutung dieses Wortes scheinet neuern Ursprunges zu seyn; desto älter hingegen sind die Bedeutungen, wegen einer Sache überein kommen, Angels. weddian, verabre- den, gegen Unterpfand Geld ausleihen, zum Pfande nehmen, Strafe leiden, oder geben, Bürgschaft leisten, u. s. f. Alle diese, dem Anscheine nach verschiedenen Bedeutungen, lassen eine höhere und allgemeinere vermuthen, von welcher sie ausgegangen sind; welche diese aber ist, läßt sich bey Mehrheit gleichlautender Wörter nur errathen. Schon im Kero ist Wizzi Straße, und im Ottfried Wizi, Strafe, Schmerz. Im Lotharingischen ist voidgi, vouadgi, wetten, zum Pfande geben.


Wetter (W3) [Adelung]


Der Wetter, des -s, plur. ut nom. sing. von dem vorigen Verbo, eine Person, welche wettet. Ja, wenn noch für den Bauer sich Auch Wetter eingefunden hätten, Gieseke.


Wetter (W3) [Adelung]


1. Das Wetter, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in der Landwirthschaft Obersachsens übliches Wort, wo das Pflugwetter ein zwieseliges Holz an dem Pfluge ist, welches durch Pflugstöckchen gehet, auch die Leyer genannt wird, und die Pflugwage träget. Eben daselbst ist das Spillwetter, ein hölzerner Nagel, der durch die hintere Säule gehet, und woran sich die Ohren befinden. Vielleicht von dem alten Wette, Wied, ein Band, Angels. Withthe, ein Riemen, Band, S. Wiede und 3. Weide.


Wetter (W3) [Adelung]


2. Das Wetter, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Der Zustand oder die Beschaffenheit des veränderlichen Dunstkreises; ohne Plural. Es ist schönes, heiteres, helles, schlechtes, trübes, feuchtes, kaltes, warmes, unfreundliches, angenehmes u. s. f. Wetter. Wenn es besseres Wetter werden wird. Auf gutes Wetter warten. Sich nach dem Wetter richten. Das Wetter ändert sich. Wir bekommen anders Wetter. 2. Ein Gewitter, Donnerwetter. Es ziehet sich ein Wetter auf. Das Wetter hat eingeschlagen. Von dem Wetter getroffen werden. Es wird in dieser Bedeutung theils nur noch im gemeinen Leben gebraucht, weil die edle Prosa das bestimmtere Gewitter vorziehet; theils in der dichterischen Schreibart, weil der Poesie an dieser genauen Bestimmung nichts liegt, ihr vielmehr das Wort wegen seiner Kürze und seines Nachdruckes bequemer ist. 3. Ein Sturm; auch nur im gemeinen Leben. Es entstand ein Wetter, ein Sturm. Eine Figur dieser und der vorigen Bedeutung ist es, wenn das Wort in den niedrigen Sprecharten für einen ungestümen Lärm, besonders eines Zornigen, gebraucht wird. Ein Wetter anfangen, machen, toben, lärmen. 4. Luft und Dünste; doch nur im Bergbaue, wo es wohl in Singular als Plural gebraucht wird. Frische Wetter in die Gruben bringen, frische äußere Luft. Die Wetter ziehen, die Luft. Faule Wetter, eine faule Luft. Faule Dünste.

Anm. Im Ottfried und Willeram Wetar, Wetere, im Nieders. Weder, Weer, im Engl. Weather. Die Sylbe er ist die Ableitungssylbe, das doppelt tt des Hochdeutschen Wortes aber deutet auf einen Intensivum. Es ist wahrscheinlich, daß das Wort von wehen abstammet, und eigentlich die bewegte Luft oder den Wind bedeutet. In den Slavonischen Mundarten ist Wit, Weter, gleichfalls Wind, und witi, wehen; womit denn auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und Lat. aether verwandt sind. Bey dem Notker bedeutet Wetere, auch stilles, heiteres Wetter, in Gegensatze des Ungewitters: er gemachota, daz ungewitere ze wetere.


Wetterableiter (W3) [Adelung]


Der Wetterableiter, des -s, plur. ut nom. sing. eine künstliche Vorrichtung an den Gebäuden, den Blitz von denselben abzuleiten, besser, Blitzableiter.


Wetterbaum (W3) [Adelung]


Der Wetterbaum, des -es, plur. die -bäume, eine dicke Wolke, welche sich oberwärts in helle Streifen, wie ein Palmbaum, ausbreitet, und aus deren Wurzel oder untern Theil der Landmann gut Wetter oder Regen vorher saget. Da gemeiniglich der Wind bald darauf aus derjenigen Gegend kommt, wo, der Wetterbaum stehet, so wird er auch die Windwurzel genannt.


Wetterbläser (W3) [Adelung]


Der Wetterbläser, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, eine jede Maschine oder Anstalt, Wetter, d. i. frische Luft, in die Grubengebäude zu blasen, oder zu führen, den Kreislauf der Luft in den selben zu befördern, wohin der Wetterhut, die Wetterlotte, der Wetterkasten u. s. f. gehören


Wetterdach (W3) [Adelung]


Das Wetterdach, des -es, plur. die -dächer, ein Dach von Bretern über den Thüren und Fenstern, Sturm und Regen von denselben abzuhalten.


Wettereilung (W3) [Adelung]


Die Wettereilung, plur. die -en, im gemeinen Leben; ein plötzlicher Sturm, der aber nicht lange anhält, sondern bald vorüber eilet.


Wetterfahne (W3) [Adelung]


Die Wetterfahne, plur. die -n, Diminut. das Wetterfähnchen, Oberd. Wetterfähnlein, eine bewegliche Fahne von Blech, welche die Gegend zeiget, woher der Wind kommt; die Windfahne.


Wetterfang (W3) [Adelung]


Der Wetterfang, des -es, plur. die -fänge, im Bergbaue, ein Windgang, d. i. ein beweglicher horizontaler Canal auf der Wetterlotte, damit sich der Wind darein fange, und in die Lotte geführet werde; auch der Wetterhut.


Wetterglas (W3) [Adelung]


Das Wetterglas, des -es, plur. die -gläser, eine allgemeine Benennung dergleichen gläsernen Werkzeuge, welche die Veränderungen in der Witterung andeuten, und wohin so wohl der Wärmmesser oder das Thermometer, als der Schwermesser oder Barometer gehören.


Wetterglocke (W3) [Adelung]


Die Wetterglocke, plur. inus. im gemeinen Leben, das Anschlagen der Bethglocke bey heftigen Gewittern.


Wetterhaufen (W3) [Adelung]


Der Wetterhaufen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Landwirthschaft, mittelmäßige Haufen, in welche das gehauene und noch nicht ganz trockene Heu auf den Wiesen gesetzet wird, damit es von dem Regen nicht zu sehr beschädiget werde. Um Stade heißt ein solcher Haufen eine Ruke; an andern Orten ein Windhaufen.


Wetterhäuschen (W3) [Adelung]


Das Wetterhäuschen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug in Gestalt eines kleinen Häuschens, welches de Grad der Feuchtigkeit der Luft zeiget; ein Hygrometer.


Wetterhut (W3) [Adelung]


Der Wetterhut, des -es, plur. die -hüte, S. Wetterfang.


Wetterhütte (W3) [Adelung]


Die Wetterhütte, plur. die -n, ein Gerüst mit einem Dache, aber ohne Wände, Getreide und andere Dinge darin vor dem Regen zu sichern; ein Feldschoppen.


Wetterkasten (W3) [Adelung]


Der Wetterkasten, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein mit Ventilen versehener Kasten, welcher auf die Wetterlotte gesetzt wird, frische Luft in die Grubengebäude zu führen. Durch eine geringe Veränderungen, besonders in Ansehung der Ventile, wird ein solcher Wetterkasten in einen Wettersauger und Wettersatz verwandelt.


Wetterkluft (W3) [Adelung]


Die Wetterkluft, plur. die -klüfte, in dem Forstwesen, Klüfte, d. i. starke Risse in den Bäumen, welche von dem Froste entstehen, und nachmahls zwar wieder zuwachsen, ihn aber doch zum Bauen untauglich machen; die Eiskluft.


Wetterklüftig (W3) [Adelung]


Wetterklüftig, adj. et adv. solche Wetterklüfte habend.


Wetterläunisch (W3) [Adelung]


Wetterläunisch, -er, -te, adj. et adv. im gemeinen Leben, von übler Witterung zu unwillkührlicher mißmüthiger Laune bestimmt; eigentlich von den Hunden, oft aber auch von den Menschen. Wird gleich auch manchen Tag der Sonnenschein vermißt, Genug, daß unser Geist nicht wetterläunisch ist, Can.


Wetterläuten (W3) [Adelung]


Das Wetterläuten, des -s, plur. car. das Läuten der Glocken bey Gewittern.


Wetterleuchten (W3) [Adelung]


Wetterleuchten, verb. impers. im gemeinen Leben, für blitzen. Es wetterleuchtet, hat gewetterleuchtet. Das Wetterleuchten. In engerer Bedeutung ist das Wetterleuchten, ein Blitz ohne Donner; auch wohl der Wiederschein eines entfernten Blitzes, wobey der Donner wegen der großen Entfernung nicht mehr hörbar ist. Von dergleichen Blitzen oder Donner sagt man auch, das Wetter kühle sich ab. In Niedersachsen heißt ein solches Wetterleuchten das Heideleuchten.


Wetterloch (W3) [Adelung]


Das Wetterloch, des -es, plur. die -löcher, Löcher, oder enge Höhlen in den Bergen, aus welchen in heißen Sommertagen eine kalte Luft heraus gehet, im Winter aber hinein gehet, und welche besonders bey bevorstehenden Gewittern heftig blasen.


Wetterlosung (W3) [Adelung]


Die Wetterlosung, plur. die -en, im Bergbaue. 1. Die Beförderung des Kreislaufes der Luft in den Grubengebäuden; ohne Plural. 2. Eine Anstalt oder Vorrichtung wodurch solches geschiehet. Vermuthlich von los, lösen, weil dadurch die Grubenwetter gleichsam gelöset oder abgelöset werden.


Wetterlotte (W3) [Adelung]


Die Wetterlotte, plur. die -n, eben daselbst, ein Canal von Bretern, vermittelst dessen die Wetterlosung geschiehet, oder die obere Luft durch Hülfe des Wetterkastens in die Grubengebäude geleitet wird. S. Lotte.


Wettermännchen (W3) [Adelung]


Das Wettermännchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein hölzernes Männchen in einem Barometer, die verschiedene Schwere der Luft zu zeigen; eine Art von Windzeiger, welche von Dito von Guerike erfunden worden.


Wettermaschine (W3) [Adelung]


Die Wettermaschine, plur. die -n, im Bergbaue, eine jede Maschine oder Anstalt, den Luftzug in den Grubengebäuden zu befördern.


Wettern (W3) [Adelung]


Wettern, verb. reg. neutr. seltener act. welches nur im gemeinen Leben üblich ist. 1. Donnern, als ein Impersonale. Es wettert, es donnert. 2. Fluchen, weil der große Haufe das Wort Wetter, so wie Donner, Blitz, Hagel, u. s. f. zu Flüchen mißbraucht. Wettere so viel, als du willst. Torf, der es freudig hört, wenn man ihm Beyfall wettert, flucht, Zachar.


Wetterprophet (W3) [Adelung]


Der Wetterprophet, des -en, plur. die -en, eine Person, welche künftige Veränderungen der Witterung vorher verkündiget.


Wetterrad (W3) [Adelung]


Das Wetterrad, des -es, plur. die -räder, in den Bergwerken, eine Art Wetterbläser, oder Wettermaschinen, vermittelst eines Rades und einiger in einem verschlossenen Cylinder angebrachten Flügel, Wetter, d. i. frische Luft, in die Berggebäude zu bringen, welche auch Wettertrommel, und Windtrommel genannt wird.


Wetterrehe (W3) [Adelung]


Die Wetterrehe, plur. die -n, im gemeinen Leben einiger Gegenden, eine Ritze in dem Dache, durch welche Schnee und Regen dringen.


Wetterrose (W3) [Adelung]


Die Wetterrose, plur. die -n, plur. die -n, ein jähriges Blumengewächs, dessen purpurrothe Blumen sich nur wenige Stunden, wenn die Sonne am heißesten scheinet, öffnen. sie wird von einigen Lateinisch Alcea Veneta genannt.


Wettersatz (W3) [Adelung]


Der Wettersatz, des -es, plur. die -sätze, im Bergbaue, eine Art Wettermaschine, vermittelst eines mit Wasser gefällten Fasses, in welchem sich ein anderes leeres Faß befindet, Wetter oder frische Luft in die Berggebäude zu bringen. S. Wetterkasten.


Wettersauger (W3) [Adelung]


Der Wettersauger, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, eine Wettermaschine, so fern sie aus einem Feuerkessel oder Windkessel bestehet.


Wetterschacht (W3) [Adelung]


Der Wetterschacht, des -es, plur. die -schächte, eben daselbst, ein Schacht, Wetter oder frische Luft in die Berggebäude zu leiten.


Wetterschaden (W3) [Adelung]


Der Wetterschaden, des -s, plur. die -schäden, Schäden, welche Platzregen, besonders aber Hagelwetter an den Feldfrüchten verursachen; der Hagelschaden.


Wetterscheibe (W3) [Adelung]


Die Wetterscheibe, plur. die -n, bey den Katholiken, eine runde mit einer gläsernen Scheibe geschlossene, und mit geweihten Bildchen, Reliquien u. s. f. gefüllte Capsel, welche an ein Haus gehänget wird, in welches der Blitz nicht einschlagen soll.


Wetterscheide (W3) [Adelung]


Die Wetterscheide, plur. die -n, oder die Wetterscheidung, plur. die -en, ein Ort auf der Erdfläche, über welchen die Gewitterwolken nicht leicht wegziehen, sondern daselbst entweder aufgehalten werden, oder vorbey ziehen, oder auch sich theilen. Sie bestehen gemeiniglich aus Örtern, wo Dünste aufsteigen, die keine Materie des Blitzes abzugeben fähig sind.


Wetterschenkel (W3) [Adelung]


Der Wetterschenkel, des -s, plur. ut nom. sing. ein überhangender Rand an den Querstücken der Fensterflügel, das am Glase herunter laufende Regenwasser abzuleiten; Wasserschenkel, Wassernasen.


Wetterschlag (W3) [Adelung]


Der Wetterschlag, des -es, plur. die -schläge, der Fall eines großen und heftigen Hagels, und die dadurch geschehene Zerschlagung der Feldfrüchte.


Wettersegen (W3) [Adelung]


Der Wettersegen, des -s, plur. ut nom. sing. eine abergläubige Gebethsformel, besonders bey den Katholiken, welche das Einschlagen des Blitzes verhindern soll.


Wetterstrahl (W3) [Adelung]


Der Wetterstrahl, des -es, plur. die -en, der Blitzstrahl, Blitz.


Wetterstrecke (W3) [Adelung]


Die Wetterstrecke, plur. die -n, im Bergbaue, eine Strecke, Wetter, d. i. frische Luft, von einem Schachte zum andern zu führen.


Wetterstrick (W3) [Adelung]


Der Wetterstrick, des -es, plur. die -e, eine Art Hygrometer, welcher aus einem Stricke verfertiget wird, die Veränderung der Feuchtigkeit oder Trockenheit der Luft anzudeuten.


Wetterthür (W3) [Adelung]


Die Wetterthür, plur. die -en, eine Thür oder Fallthür in den Schächten der Bergwerke, den Kreislauf der Luft zu befördern.


Wettertrommel (W3) [Adelung]


Die Wettertrommel, plur. die -n, S. Wetterrad.


Wettervogel (W3) [Adelung]


Der Wettervogel, des -s, plur. die -vögel, ein Nahme unseres gewöhnlichen Brachvogels, Numenius arquata Klein, weil er Regen und Gewitter ankündiget; Regenvogel, Windvogel. S. auch Wendehals.


Wetterwechsel (W3) [Adelung]


Der Wetterwechsel, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, der Kreislauf der Wetter, d. i. der Luft, der Luftzug.


Wetterwendisch (W3) [Adelung]


Wetterwendisch, -er, -te, adj. et adv. 1. Von der Witterung und deren Veränderung abhängend. So nennet man z. B. wetterwendische Wasser, Quellen, Bäche u. s. f. welche bey Regenwetter ergiebig, bey trocknem Wetter aber schwach sind. 2. Die Veränderung der Witterung durch üble Laune verrathend, wie wetterläunisch. 3. Veränderlich, unbeständig. Ein wetterwendischer Mensch. 4. Nach entgegen stehenden Richtungen; eine vermuthlich von dem veränderlichen und sich oft entgegen gesetzten Stande einer Wetterfahne entlehnte Figur. So nennet man im gemeinen Leben wetterwendischer Haar, welches in einem Wirbel gewachsen ist, wie z. B. an den Pferden, vor der Stirn, auf der Brust und an den Seiten.


Wetterwolke (W3) [Adelung]


Die Wetterwolke, plur. die -n, eine Gewitterwolke.


Wetterzeiger (W3) [Adelung]


Der Wetterzeiger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug, welches die Veränderungen der Witterung anzeiget, dergleichen, z. B. der Hygrometer ist.


Wetterzote (W3) [Adelung]


Die Wetterzote, plur. die -n, eine weiße pelzige Materie, wie Schwamm oder Baumwolle, mit welcher das Holzwerk und die Wände bey feuchter Luft überzogen werden. S. Zote.


Wetterzug (W3) [Adelung]


Der Wetterzug, des -es, plur. die -züge, im Bergbaue, der Luftzug, wie Wetterwechsel und Wetterlosung.


Wettlauf (W3) [Adelung]


Der Wettlauf, des -es, plur. die -läufe, das Laufen um die Wette; das Wettrennen.


Wettrennen (W3) [Adelung]


Das Wettrennen, des -s, plur. ut nom. sing. wie das vorige. Ein Wettrennen halten.


Wettstreit (W3) [Adelung]


Der Wettstreit, des -es, plur. die -e, eine jede Beeiferung zweyer oder mehrerer Individuen, es einander zuvor zu thun. Der Wettstreit der Ehre und der Liebe.


Wetzen (W3) [Adelung]


Wetzen, verb. reg. welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. (1) Heftig, und mit diesem Worte eigenen Laute reiben, besonders mit Hin- und Herstreichen reiben; in welcher Bedeutung es doch nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich ist. Sich an etwas wetzen, ist für reiben noch im gemeinen Leben hin und wieder üblich. Eben daselbst sagt man auch, das Rad hat den Ballen (Waare) durchgewetzt, für durchgerieben. Am häufigsten ist wetzen, den Degen auf dem Pflas=ter hin und her streichen. Drauf wetzt die ganz Schar, Die Gluth fährt aus den Steinen Daß sie im Strahl und Glanz, wie Meteore scheinen, Zach. (2) Die langen Kleider im Gehen auf dem Boden schleifen lassen; nur im gemeinen Leben einer Gegenden, und von dem andern Geschlechte. Mit den Kleidern über die Gasse wetzen, die Kleider schleppen lassen. Mit seidenen Kleidern daher wetzen. Eben daselbst hat man in dieser Bedeutung auch das Iterativum wetzeln, im eben demselben Verstanden. 2. Als ein Activum, welches aber nur doch im eingeschränkten Verstande gebraucht wird, durch hin und her reiben, hin und her streifen scharf machen. So wetzet man ein Messer, wenn man es auf der Schwelle durch hin und her streichen schärfet; eine Art, ein Beil, wenn man sie auf einem dazu dienlichen Steine hin und her reibet. Der Vogel wetzet den Schnabel, wenn er ihn auf einen harten Körper hin und her streicht. Wo das Reiben oder streichen nicht so heftig und merklich ist, da gebraucht man dafür auch die Wörter, abziehen und schleifen, welches letztere besonders alsdann üblich ist, wenn sich der Stein beweget, nicht aber der Körper, welcher geschärfet werden soll. Ehedem gebrauchte man es auch im figürlichen Verstande, für schärfen. Den Verstand wetzen. Du hast von Wiegen an, der Bücher Lust geliebet, Die unsre Sinnen wetzt, Opitz; welche Figur aber im Hochdeutschen veraltet ist. So auch das Wetzen.

Anm. Schau bey dem Ottfried wezzan, für schärfen, bey den Schwäbischen Dichtern mit dem vorgesetzten s, Swassen, im Nieders. wetten, im Angels. hwettan, im Schwed. hvässa, im Dän. hvädse, im Wendischen wotsin. Im Oberdeutschen hatte man davon auch das Wort waß, wets, scharf, welches von dem Kero an bis in das 15te Jahrh. häufig vorkommt, und auch im figürlichen Verstande gebraucht wurde. Wetz als ein Schwert, in den Sprichw. Sal. von 1400; wasso sehan, scharf sehen, bey dem Willeram. Im Ottfried. ist Wassida, die Schärfe, Schneide. Auch im Schwed. ist noch jetzt hvass, scharf, spitzig. Die Lat. acus, acies, acuere, u. s. f. sind genau damit verwandt. Aus allem erhellet, daß dieses Wort eine intensive Form ist, welches nicht allein aus dem Hochdeutschen tz, sondern auch aus dem tt oder ss anderer Mundarten und Sprachen erweislich ist. Nimmt man das Zeichen der Intension weg, so bleibt wat, wet, oder vielmehr, da auch das harte t schon eine Intension verräth, wad, wed übrig, und dieses leitet uns auf wedeln, Wadel, fiedeln, für reiben, welches iterative und verkleinernde Formen von eben demselben wad, wed, sind, so daß der Begriff des Reibens, und in noch weiterem Verstande der Bewegung, der Stammbegriff ist, und wetzen eigentlich ein heftiges Reiben bedeutet, welches auch durch den heutigen Gebrauch bestätiget wird. Hieraus erhellet aber auch, daß das tz in unserm heutigen Worte, seinen guten etymologischen Grund hat, und nicht willkührlich mit z oder zz vertauscht werden darf. das t gehört zur Wurzel; das gewöhnliche Zeichen der Intension ist in Hochdeutschen s, folglich wetsen; aber dieses s gehet nach harten Consonanten, und besonders dem t gern in das eben so harte z über, wie in hetzen, beitzen, schätzen, letzen, und taufend andern. Wer wezzen schreibt, zerstöret den Bau des Wortes ohne alle Noth und Nutzen, und wer wezen schreibt, zerstöret sogar die Aussprache, weil dieses nach dem Eigenen der Deutschen Sprache nicht anders als wezen ausgesprochen werden kann.


Wetzstein (W3) [Adelung]


Der Wetzstein, des -es, plur. die -e, ein Stein, Messer und andere Steine durch Wetzen, d. i. hin- und her reiben, darauf zu schärfen; zum Unterschiede von einem Schleifsteine, der um seine Axe beweglich ist.


Wichsen (W3) [Adelung]


Wichsen, verb. reg. act. 1. Mit Wachs überziehen, oder bestreichen, nur in einigen Fällen. Einen Faden wichsen. Leder wichsen. Gewichste Stiefeln. Schon stand der Grenadier, und wichste seinen Bart, Zach. 2. Figürlich, doch nur in den niedrigen Sprecharten. (1) Prügeln. Jemanden wichsen, ihn abwichsen. (2) Auswichsen, auftragen, besonders Speisen auftragen und vorsetzen, auftischen. So auch das Wichsen. Anm. Im Nieders. wessen. Es ist von Wachs gebildet, und da das a des Stammwortes hier in ein i verändert worden, so erhellet daraus, daß das Wort schon alt ist. In der zweyten figürlichen, aber nur in den niedrigen Sprecharten gangbaren Bedeutung, scheinet es ein Intensivum von wiegen zu seyn, für wiegsen.


Wicht (W3) [Adelung]


Der Wicht, des -es, plur. die -e, und die -en, ein für sich allein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches aber ehedem in verschiedenen Bedeutungen üblich war, und in manchen derselben in den Provinzen noch lebt. Es bedeutete: 1. Ein etwas; eine längst veraltete Bedeutung, welche noch aus dem alten eoweht, bey dem Kero, etwas, erhellet. Im Oberdeutschen kommt, selbst noch im Haus Sachs, das abgeleitete entwicht vor, welches eigentlich vernichtet, hernach aber auch unnütz, unbrauchbar, bedeutete. Die Riegel hat er zerbrochen und entwicht gemacht, im Buche Belial von 1479. Und weren dein kostlich gericht Zu Freud und wollust gar entwicht, H. Sachs; verdorben, unnütz. 2. Ein Geschöpf, eine Creatur; im Angels. Wiht, im Engl. Wight. Besonders ein Mensch. Arme wihti, arme Leute, bey dem Ottfried, bey welchem auch krumbu wihti, Krüppel, Lahme sind. 3. In engerer Bedeutung, ein unnützer, unbrauchbarer Mensch, ein Mensch im verächtlichen Verstande. Du bist ein untrewer wicht, im Theuerd. In dieser und der vorigen Bedeutung lebt es noch in unserem Bösewicht, ( S. dasselbe.) Ehedem ward aber auch Wicht häufig für sich allein in der Bedeutung eines Bösewichts gebraucht. Was poßheit in dem wicht waren verporgen, Theuerd. Bey den Schwäbischen Dichtern ist daher wihteklich, nichtswürdig. 4. Ein kleines Kind, noch häufig im Niederdeutschen.


Wichtel (W3) [Adelung]


1. Das Wichtel, des -s, plur. ut nom. sing. das Diminutivum des vorigen, welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist, wo es einen Berggeist, Kobold, oder Alp bedeutet.


Wichtel (W3) [Adelung]


2. Das Wichtel, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. in Österreich, eine kleine Art Eulen, Vögel damit zu fangen. Daher die Wichtelpfeife, bey den Jägern, eine Pfeife mit welcher man den Laut des Wichtels nach ahmt, die Vögel damit herbey zu locken. Frisch irret, wenn er die Pfeife selbst das Wichtel nennet.


Wichtelzopf (W3) [Adelung]


Der Wichtelzopf, S. Weichselzopf.


Wichtig (W3) [Adelung]


Wichtig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Ein beträchtliches Gewicht habend, schwer im eigentlichsten Verstande; eine seltene Bedeutung, welche nur noch zuweilen in der höhern Schreibart vorkommt, wofür doch das eben so seltene gewichtig schicklicher wäre, um die Zweydeutigkeit mit den folgenden Bedeutungen zu vermeiden. Ein wichtiges, besser, gewichtiges Schwert, wo ein schweres Schwert einen Mißlaut machen würde. 2. Das gehörige Gewicht habend. Der Ducaten ist wichtig. Wichtige Ducaten. Vollwichtig, in eben derselben Bedeutung. Überwichtig, schwerer als erforderlich ist. 3. Figürlich. (1) Viel vermögend. Ein wichtiger Mann. (2) Eine beträchtliche moralische Schwere habend, d. i. stark auf den Verstand oder Willen wirkend. Eine wichtige Ursache. Ein wichtiger Beweisgrund. (3) Viele Folgen habend, mit vielen Folgen verbunden, und darin gegründet. Eine wichtige Sache. Das ist mir überaus wichtig. Es stammet von wiegen her, S. dasselbe


Wichtigkeit (W3) [Adelung]


Die Wichtigkeit, plur. car. die Eigenschaft, da eine Sache wichtig ist. 1. In der zweyten Bedeutung des Adverbii. Die Wichtigkeit eine Ducaten. 2. In den figürlichen Bedeutungen. Ein Mann von Wichtigkeit, von Ansehen, der viel vermag. Ferner, die Eigenschaft, da eine Sache lebhaft auf die obern und untern Kräfte wirkt. Die Wichtigkeit einer Ursache, eines Beweises. Noch mehr aber, die Eigenschaft, da etwas von vielen und beträchtlichen Folgen ist. Eine Sache von Wichtigkeit. Die Wichtigkeit einer Sache.


Wickbohne (W3) [Adelung]


Die Wickbohne, plur. die -n, an einigen Orten, ein Nahme der Feigbohne, S. dieses Wort und Wicke.


Wicke (W3) [Adelung]


Die Wicke, plur. die -n, der Nahme einer bekannten Hülsenfrucht und ihres Gewächses, welche zum Futter für das Vieh gebraucht wird, Vicia Linn. Wicken säen, futtern u. s. f. Das Wort ist alt, und in mehrern Sprachen vorhanden; es lautet schon im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Lat. Vicia, im mittlern Latein. Bex, im Engl. Vetch, im Schwed. Viker, im Wallis. Gwygg, im Slavon. Wyhew. Die rundliche Gestalt der Frucht scheint der Grund der Benennung zu seyn, da es denn ein Verwandter von Feige und Feigbohne seyn könnte, wovon Wicke ein altes Intensivum, vielleicht auch Diminutivum ist.


Wickel (W3) [Adelung]


Der Wickel, des -s, plur. ut nom. sing. ein gewickelter, d. i. mehrmahls um sich selbst zusammen gelegter Körper; ein Wort, welches wenig mehr gehöret wird. Ehedem, als die Mannspersonen ihre Strümpfe noch zu wickeln pflegten, hieß dieser gewickelte Theil ein Wickel. Wickel tragen. Zuweilen nennt man auch noch ein mehrmahls zusammen gelegtes Papier, z. B. Zwirn darauf zu wickeln, einen Wickel.


Wickelband (W3) [Adelung]


Das Wickelband, des -es, plur. die -bänder, ein langer schmaler Streifen Zeuges, neu geborne Kinder darein zu wickeln, die Wickelschnur, am häufigsten die Windel.


Wickelflechte (W3) [Adelung]


Die Wickelflechte, plur. inusit. eine Art Flechte oder Mooses mit durch einander laufenden, verwickelten Fäden oder Ästen; Lichen plicatus Linn. das Wickelmoos.


Wickelfrau (W3) [Adelung]


Die Wickelfrau, plur. die -en, an einigen Orten, die Gehülfinn der Hebamme, weil sie das neugeborne Kind wickelt; die Beyfrau.


Wickelkind (W3) [Adelung]


Das Wickelkind, des -es, plur. die -er, ein gewickeltes Kind; ingleichen ein zartes Kind, welches noch gewickelt wird.


Wickelmoos (W3) [Adelung]


Das Wickelmoos, des -es, plur. inus. S. Wickelflechte.


Wickeln (W3) [Adelung]


Wickeln, verb. reg. act. 1. Mehrmahls um sich selbst oder einen andern Körper winden, oder zusammen legen. Die Strümpfe wickeln, den obern Theil mehrmahls um sich selbst zusammen legen. Die Strümpfe gewickelt tragen. Garn auf einen Knäuel wickeln. Garn, Zwirn, Seide wickeln, auf einen Knäuel aus ein zusammen gelegtes Papier, oder auch nur um sich selbst. Er ist so zahm, daß man ihn um einen Finger wickeln kann, daß er zu allem folgsam ist. 2. In einen mehrmahls zusammen gelegten Körper verwahren. Etwas in ein Papier wickeln. Ein Kind wickeln, es mit Windeln umgeben, es windeln. 3. Sich aus einer Sache wickeln, fig. sich aus einer verworrenen Sache, aus einer Verlegenheit, helfen. Wie er sich so künstlich aus dem Vorwurfe zu wickeln weiß. So auch das Wickeln. Siehe auch die Zusammensetzungen Abwickeln, Aufwickeln, Auswickeln, Einwickeln, Entwickeln, Verwickeln u. s. f.

Anm. Die Endsylbe eln zeiget, daß dieses Wort ein Iterativum ist, das doppelte k oder ck aber, daß die Stammsylbe ein Intensivum ist. Löset man dasselbe in den einfachen Gaumenlaut auf, so kommt man auf das Verbum wegen in bewegen, wovon wackeln auf ähnliche Art, obgleich in einer andern Bedeutung, gebildet ist. Von der Wurzel wegen, wigen kommen die Intensiva wicken, wacken, und davon die Iterativa wickeln, wackeln. Die Unkunde des Baues der Wörter, welche Frischen, Wachtern und hundert andere Etymologen so oft irre geführet hat, machte, daß erster unser wickeln, bloß um des l in der iterativen Ableitungssylbe Willen, von dem Latein. volvere abstammen ließ. Allein vol vere gehöret zu unserm wal-zen, oder wäl-zen; die Wurzelsylbe ist in beyden einerley, nur die Ableitungs- und Biegungssylben sind verschieden.


Wickelraupe (W3) [Adelung]


Die Wickelraupe, plur. die -n, eine Art einsamer Raupen, welche sich zur Sicherheit vor der Witterung in ein Blatt wickelt, und weil sie springen kann, auch der grüne Springer heißt.


Wickelschnur (W3) [Adelung]


Die Wickelschnur, plur. die -schnüre, S. Wickelband.


Wickelzeug (W3) [Adelung]


Das Wickelzeug, des -es, plur. car. ein Collectivum, das sämmtliche zu dem Wickeln eines Kindes gehörige Geräth zu bezeichnen, die Windeln mit ihrem Zubehör.


Wickenklee (W3) [Adelung]


Der Wickenklee, des -s, plur. car. ein Nahme der Esparsette, oder des Türkischen Klees.


Wickfutter (W3) [Adelung]


Das Wickfutter, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. in der Landwirthschaft, ein Gemenge von Wicken und Hafer, und oft noch andern Getreidearten, welche zum Futter für das Vieh unter einander gesäet werden; Wickengemenge, Mischling, Mengekorn, Nieders. Mangkorn.


Wickstroh (W3) [Adelung]


Das Wickstroh, des -es, plur. car. die dürre Stande der Wicken, als Stroh gebraucht, wie Erbsenstroh, Erbsstroh, Haferstroh u. s. f.


Widder (W3) [Adelung]


Der Widder, des -s, plur. ut nom. sing. das männliche Individuum des Schafviehes, der Schafbock, im gemeinen Leben mancher Gegenden, der Stähr, im Niederdeutschen, Holländischen und Engl. Ramm, Rammbock. Ein geschnittener Widder heißt ein Hammel, oder Schöps. Ingleichen der Nahme eines der zwölf Gestirne des Thierkreises. Die Sonne tritt in den Widder.

Anm. Bey dem Notker Vider, im Engl. Weather, im Angels. Wether, im Schwed. Väder, Vädur. Die Abstammung ist ungewiß. Die meisten fallen auf die stößige Beschaffenheit dieses Thieres und sehen Widder und wider als nahe Verwandte an: Dietrich von Stade aber und andere auf das alte War, Bar, ein Mann, welche letzte Ableitung aber zu gezwungen und unanalogisch ist. Die Endsylbe er ist die Ableitungssylbe, und bedeutet ein Ding, Subject, von welchem etwas gesagt wird; es kommt daher hier bloß auf die Sylbe Widd oder Wid an. Da hier zur Zeit nur noch Muthmaßungen Statt finden, so könnte man auf das alte wedan, weiden, leiten, führen, rathen, weil der Schafbock gemeiniglich vor der Herde herzugehen pflegt. ( S. Weiden.) Was mich auf diese Vermuthung bringt, ist, daß der Widder bey dem Notker wirklich der Leite der scaffo heißt. Das Lat. aries hingegen kann zwar mit dem alten war, Bar, Vir, Eines Stammes seyn, aber auch eben so wahrscheinlich von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, leiten, führen, abstammen.


Wide (W3) [Adelung]


Die Wide, S. Wiede.


Wider (W3) [Adelung]


Wider, eine Präpositionen, welche nur allein mit dem Accusative gebraucht wird. Sie bezeichnet: 1. Eigentlich, die Richtung einer Bewegung in gerader Linie gegen einen andern Körper, doch daß damit ein Widerstand verbunden sey, derselbe mag nun von dem Subjecte oder von dem Objecte, oder von beyden zugleich herrühren, welcher letztere Fall der gewöhnlichste ist. Wider den Strom schwimmen. Mir dem Kopfe wider die Wand laufen. Wider den Stachel lecken. Der Begriff der Widerstandes ist so wohl in dieser, als der folgenden figürlichen Bedeutung, dem heutigen Gebrauche nach nothwendig, und dadurch unterscheidet es sich von gegen, welches in viel weiterer Bedeutung gebraucht wird, und die bloße Richtung bezeichnet. ( S. dieses Wort.) Ehedem gebrauchte man auch wohl wider auf ähnliche Art. Wid er den Altar rufen, die Hand wider jemanden ausrecken, für gegen, 1 Kön. 13, 2.4. Richte dein Angesicht wider Jerusalem, Ezech. 21, 2. Und du, Bruder, fing ich wider Buchnern an, Opitz. Im gemeinen Leben ist auch dieser Gebrauch noch nicht ganz veraltet, wohl aber in der anständigen Schreibart. 2. Figürlich, einen Gegenstand des Widerstandes, der Beleidigung, der Übertretung, der Abneigung zu bezeichnen. Des Widerstandes und Widerspruches. Jemanden Schutz wider seine Feinde gewähren. Wider jemand streiten. Da wider ihn mehr Feinde sich gestellten, Als dir die Nachwelt glauben darf, Raml. Reine Thräne ruft wider ihn um Hülfe. Die Demuth ist im Himmel und auf Erden angenehm, alles hingegen ist wider den Stolz. Sich wider eine Sache erklären. Er ist sehr dawider. Wider sein, gewissen handeln, etwas thun, was man als Unrecht erkennet. Wider Gewalt kann ich nicht. Sich wider jemand setzen. Ein Schirm wider die Hitze. Ein Mittel wider das Fieber. Sich wider die Kälte verwahren. Es geschahe wider meinen Willen. Wider alle meine Erwartung. Der Übertretung. Wider seine Pflicht, wider das Gesetz handeln: Wider Recht und Billigkeit. Wider alle Wahrheit. Wider die Gebühr. Wider besser Wissen und Gewissen. Wider sein Versprechen. Anm. 1. Dieses alte Wort lautet schon von den frühesten Zeiten an widhar, und ward ehedem auch häufig mit dem Dative gebraucht, widar mir, Notker. Im Niederdeutschen wedder, im Ulphilas vithra. im Schwed. veder. Von dem seit langen Zeiten eingeführten orthographischen Unterschiede zwischen dieser Präpositionen wider und dem Adverbio wieder, stehe das letztere.

Anm. 2. Die Verba, mit welchem diese Präpositionen zusammen gesetzt wird, sind in Ansehung der Form von gedoppelter Art. In einigen wenigen ist die Präposition trennbar, indem sie in der Conjugation hinter das Verbum tritt, da denn dieses im Participio das gewöhnliche Augment bekommt. In diesen ruhet der Ton allemahl auf der Präposition. In andern ist die Präposition untrennbar, daher der Ton auf dem Verbo ruhet, und das Augment wegfällt. Von der ersten Art sind: widerbellen, widerdruken, widerhalten, widerreden; von den letztern aber: widerfahren, widerlegen, widerrathen, widerrufen, widersetzen, widersprechen, widerstehen, widerstreben und widerstreiten. Folglich: ich belle wider, widergebellet; aber ich widerspreche, widersprochen. Die letzte Klasse ist älter und von allgemeinerm Gebrauche; die erste neuer und seltener. In den mit wider zukommen gesetzten Nennwörtern ruhet der Ton gleichfalls auf der Präposition; außer wenn das Wort vier oder mehrsylbig ist. Widerhalt, Widerspruch, Widerstand; aber Widerrechtlichkeit, Widersetzlichkeit.


Widerbellen (W3) [Adelung]


Widerbellen, ich belle wider, widergebellet, verb. reg. neutr. ( S. Bellen) mit dem Hülfsworte haben, ein verächtlicher und harter Ausdruck für widersprechen; wofür zuweilen auch wohl wiederbelfern gebraucht wird.


Wider-Christ (W3) [Adelung]


* Der Wider-Christ, des -en, plur. die -en, ein ungewöhnliches, nur 1 Joh, 2, 18. 22. befindliches, und nach Anti-Christ gebildetes Wort, einen falschen Lehrer der christlichen Kirche zu bezeichnen.


Widerdruck (W3) [Adelung]


Der Widerdruck, des -es, plur. inus. bey den Buchdruckern, der Abdruck eines Bogens auf der Rückseite, d. i. auf der dem Schöndrucke entgegen gesetzten Seite.


Widerdruß (W3) [Adelung]


* Der Widerdruß, des -es, plur. car. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort für Verdruß, welches noch im Oberdeutschen gangbar ist.


Widerfahren (W3) [Adelung]


Widerfahren, verb. irreg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn; ich widerfahre, es ist mir widerfahren. Begegnen, im figürlichen Verstande, eine gewisse Veränderung von außen erfahren, so wohl von angenehmen als unangenehmen Veränderungen, mit dem Dativ der Person. Es ist mir ein großes Unglück, ein großes Glück widerfahren. Es widerfahren dem Menschen allerley Zufälle. Was ist dir widerfahren? Es ist mir oft widerfahren, daß u. s. f. ich habe es oft erfahren. Einem Gerechtigkeit widerfahren lassen, gerecht von ihm urtheilen, gerecht gegen ihn handeln. Was recht ist, soll dir widerfahren.

Anm. Es liegt in diesem Worte eben derselbe Trope zum Grunde, als in begegnen, und dem Lat. obvenire; denn fahren und gefahren wurden ehedem häufig für geschehen gebraucht. So fare iz, so geschehe es, Notker. Das wider druckt die Richtung aus, und zwar in der ehemaligen weitern Bedeutung, da es eben nicht alle Mahl einen Widerstand in sich schloß. Im Oberdeutschen war dafür ehedem auch widergehen üblich.


Widergelten (W3) [Adelung]


* Widergelten, verb. irreg. act. ( S. Gelten.) ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, für vergelten. Ich muß ihm das widergelten. Günther gebraucht davon noch das im Hochdeutschen gleichfalls unbekannte Widergelt, für Vergeltung, Schadloshaltung: Kein hoch, kein kostbar Zeichen Ist vor der Ältern Treu ein würdig Widergelt.


Widerhaken (W3) [Adelung]


Der Widerhaken, des -s, plur. ut nom. sing. ein Haken an einem Dinge, welcher der gewöhnlichen Bewegung oder Richtung desselben widerstehet.


Widerhalt (W3) [Adelung]


Der Widerhalt, des -es, plur. inus. 1. Der Zustand, da ein Körper widerhält, der Bewegung, dem drucke u. s. f. widerstehet. 2. Dasjenige, was der Bewegung, dem Drucke u. s. f. widerstehet. Reinen Widerhalt haben.


Widerhalten (W3) [Adelung]


Widerhalten, verb. irreg. neutr. ( S. Halten,) ich halte wider, widergehalten. Es ist mit dem Hülfsworte haben verbunden, und bedeutet einem Drucke, einer Bewegung von außen widerstehen, mit Wiederstande fortdauern. So sagt man im gemeine Leben, leichte Speisen halten nicht lange wider, widerstehen der Verdauung nicht lange. Im Oberdeutschen gebraucht man es oft für widerstehen überhaupt; gegen seinen Feind widerhalten.


Widerlage (W3) [Adelung]


Die Widerlage, plur. die -n. 1. Ein Ding, welches widerhält; nur noch in einigen Fällen. So wird in der Baukunst eine Mauer, ein Pfeiler u. s. f. welcher dem Drucke eines Gewölbes oder eines Bogens widerstehet, eine Widerlage genannt. 2. In den Rechten, dasjenige, was der Frau in Ansehung ihres Brautschatzes und zu dessen Sicherheit von dem Manne ausgesetzet wird; das Gegenvermächtniß.


Widerläger (W3) [Adelung]


Der Widerläger, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Arbeiter, der den Raum zu den Widerlagen in dem Gesteine aushauet.


Widerlegen (W3) [Adelung]


Widerlegen, verb. reg. act. ich widerlege, habe widerlegt, die Unrichtigkeit eines Sache mit Gründen beweisen. Ein Vorgeben widerlegen. Jemanden widerlegen, ihn von einem Irrthume überführen. Daher die Widerlegung, plur. die -en, so wohl die Handlung, als auch die Sch. st, welche sie enthält.


Widerleglich (W3) [Adelung]


Widerleglich, adj. et adv. was sich widerlegen läßt; im Gegensatze des Unwiderleglich.


Widerlich (W3) [Adelung]


Widerlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Den äußern Sinnen zum der, Widerwillen, ekel erweckend, am häufigsten von sinnlichen Ekel, so wie widrig mehr von der Empfindung des Gemüthes gebraucht wird; da es dennet vas weniger sagt, als ekelhaft, in beträchtlichem Grade unangenehm. Eine widerliche Speise. Widerlich schmecken, riechen. Eine Arzeney, welche widerlich zu nehmen ist. Eine Gesicht, das nicht widerlich, aber auch nicht einnehmend ist. Ein widerlicher Anblick, Geruch. Eine widerliche stimme. 2. Widerwillen verrathend, mürrisch, verdrießlich; am häufigsten in Niedersachsen. Ein widerlicher Mensch, wo aber diese Bedeutung eine Zweydeutigkeit mit der vorigen macht, daher die im Hochdeutschen billig veraltet. So auch die Widerlichkeit. Es ist nicht zunächst von der Präposition wider gebildet, sondern von dem folgenden Verbo widern, und bedeutet eigentlich, was uns widert. S. auch Widrig.


Widern (W3) [Adelung]


Widern, verb. reg. act. 1. Widerwillen, besonders sinnlichen Widerwillen erwecken, nur in der dritten Person, und ohne Passivum. Eigentlich mit dem Accusative. Die Speise widert mich, oder, es widert mich vor dieser Speise. Es widert mich, vor ihr zu essen. Ingleichen, Überdruß erwecken. Es widert ihn etwas sehr bald, er wird einer Suche sehr bald überdrüssig. Es widert mich, zu leben. In der Deutschen Bibel kommt dieses Wort Ein Mahl dem Dative der Person vor: was meiner Seele widerte, zuwider war, Hiob 6, 7; welcher Casus doch seltner ist. 2. * Widerwillen gegen etwas empfinden, es verabscheuen, hassen. Den Gestank widern. Diese Bedeutung scheinet die älteste zu seyn, indem widaron für respuere schon im Kero und Ottfried vorkommt. 3. * Sich widern, sich widersetzen. Wollten sich der Fahrt gewidert han, Theuerd. In einigen Oberdeutschen Provinzen hat man auch das Substantiv, die Widerung, einen geringern Grad des Ekels oder sinnlichen Abscheues zu bezeichnen. Widerung vor oder gegen etwas haben.

Anm. Die beyden letzten Bedeutungen sind im Hochdeutschen veraltet, und schon die erste kommt daselbst seltener vor. Es ist von der Präposition wider. Im Oberdeutschen ist Widerung auch Ekel, Abscheu.


Widernatürlich (W3) [Adelung]


Widernatürlich, -er, -ste, adj. et adv. den Gesetzten der Natur widersprechend, zum Unterschiede von unnatürlich, den Gesetzten der Natur nicht gemäß, und übernatürlich, aus ihren bekannten Gesetzen nicht begreiflich. Ein widernatürliches Verbrechen. So auch die Widernatürlichkeit.


Widerpart (W3) [Adelung]


Der Widerpart, des -es, plur. die -e, die letzte Hälfte von dem Lat. pars, oder Franz. partie ein nur in den gemeinen Sprecharten übliches Wort. 1. Ein Gegner, der Gegentheil, im gemeinen Leben auch Gegenpart. Der Widerpart vor Gericht, in einer Disputation, der Gegentheil, Gegner. 2. Der Widerspruch, Widerstand; ohne Plural und Artikel. Einem Widerpart halten, ihm widersprechen, das Gegentheil behaupten.


Widerrathen (W3) [Adelung]


Widerrathen, verb. irreg. act. ( S. Rathen.) Ich widerrathe, Particip. widerrathen. Durch guten Rath zu hindern suchen. Eine Sache widerrathen, einem eine Dache widerrathen, rathen, daß man sie nicht thue, nicht unternehme. Er that es, alles Widerrathens ungeachtet.


Widerrechtlich (W3) [Adelung]


Widerrechtlich, -er, -ste, adj. et adv. dem Rechte, den positiven bürgerlichen Gesetzen widersprechend. Ein widerrechtliches Verfahren. So auch die Widerrechtlichkeit.


Widerrede (W3) [Adelung]


Die Widerrede, plur. die -n, der Widerspruch. Die Freude, welche Ältern über ihre Kinder empfinden, ist ohne Widerrede die lebhafteste. Das Verbum widerreden für widersprechen ist in Hochdeutschen längst veraltet.


Widerrist (W3) [Adelung]


Der Widerrist, des -es, plur. die -e, der erhabene Theil an dem Halse der Pferde zwischen der Mähne und Schulter, welcher auch nur der Rist schlechthin, in Meißen aber der Widerhorst genannt wird. S. Rist.


Widerruf (W3) [Adelung]


Der Widerruf, des -es, plur. inus. die förmliche Erklärung seiner geänderten Überzeugung oder Gesinnung, die Aufhebung einer Behauptung oder eines Befehles, durch eine nachfolgende Erklärung. Widerruf thun, etwas widerrufen. Wenn er sein Wort einmahl gegeben hat, so ist an keinen Widerruf zu denken.


Widerrufen (W3) [Adelung]


Widerrufen, verb. irreg. ich widerrufe, widerrufen, förmlich erklären, daß man seine Überzeugung oder Gesinnung geändert habe. So wohl als ein Neutrum, mit haben, widerrufen, Widerruf thun; als auch active, etwas widerrufen. S. auch Wiederrufen.


Widerruflich (W3) [Adelung]


Widerruflich, adj. et adv. was sich widerrufen läßt, im Gegensatze des Unwiderruflich. So auch die Widerruflichkeit.


Widersacher (W3) [Adelung]


Der Widersacher, des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich ein feindseliger Gegner vor Gericht, und in weiterer Bedeutung, eine Person, welche uns aus Feindlichkeit in allem zu hindern sucht. Indessen ist das Wort in dem gewöhnlichen Sprachgebrauche veraltet, und ist nur noch in der Theologie und dem Kanzelstyle so wohl von dem Teufel, als auch von den Feinden des Christen, unter dem Menschen üblich, in welchen beyden Bedeutungen es in der Deutschen Bibel häufig ist. Das Wort ist sehr alt, und lautet schon im Kero, Notker u. s. f. Widersachcho, im Angels. Withersacco. Im Schwed. ist vedersaka, adversari. Es ist von der alten Bedeutung des Wortes Sache, nach welchem es Streit, und besonders feindseligen Streit vor Gerichte, bedeutet. ( S. dasselbe.) Im 10ten und 11ten Jahrh. kommen dafür auch Widarwarto und Witharsneco vor.


Widerschein (W3) [Adelung]


Der Widerschein, S. Wiederschein.


Widersetzen (W3) [Adelung]


Widersetzen, verb. reg. act. ich widersetze, widersetzt. Es wird nur ein als Reciprocum gebraucht, sich widersetzen, seine Kräfte und sein Vermögen zur thätigen Hinderung der Absicht eines andern anwenden; da denn die Person oder Sache, welche man zu hindern sucht, im Dativo stehet. Sich einem widersetzen, sich entweder durch körperliche oder moralische Kraft wider ihn setzen. Sich der Obrigkeit widersetzen. Daher die Widersetzung.


Widersetzlich (W3) [Adelung]


Widersetzlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Den Willen, die Absicht eines andern thätig hindernd, und darin gegründet. Ein widersetzliches Betragen. 2. Dem man sich widersetzen kann; in welcher Bedeutung doch nur der Gegensatz unwidersetzlich zuweilen gebraucht wird.


Widersetzlichkeit (W3) [Adelung]


Die Widersetzlichkeit, plur. die -en. 1. Die thätige Hinderung des Willens eines andern, ingleichen die Fertigkeit, den Willen eines andern thätig zu hindern; ohne Plural. 2. Eine solche Handlung, mit dem Plural. Die Widersetzlichkeit des Kindes gegen Ältern und Lehrer wird mit dem Jahren Aufruhr und Empörung in allen Verhältnissen des Lebens, Gell.


Widersinn (W3) [Adelung]


Der Widersinn, des -es, plur. inus. 1. Die entgegen gesetzte Gesinnung oder Neigung; eine seltene Bedeutung. 2. Der entgegen gesetzte Sinn, d. i. Verstand, oder Bedeutung einer Rede. Die meisten Anspielungen sind mit der Zeit dem Buchstaben nach verstanden worden, durch diesen Widersinn sind viele Irrthümer in die Wissenschaften gekommen. 3. Was dem Sinne, d. i. dem gefunden Menschenverstande entgegen gesetzt, wo dieser Ausdruck ein wenig gelinder ist, als Unsinn.


Widersinnig (W3) [Adelung]


Widersinnig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Der Neigung oder Gesinnung eines andern entgegen gesetzt und darin gegründet; in welcher Bedeutung es weniger sagt, und folglich gelinder ist, als widerspenstig, und widersetzlich, obgleich diese Bedeutung mit den beyden folgenden leicht Zweydeutigkeiten machen kann. Ein widersinniger Mensch, der immer andere Gesinnungen hat, als andere. 2. Den entgegen gesetzten Verstand enthaltend, und darin gegründet. Eine Rede widersinnig verstehen. Ein widersinniger Verstand. 3. Dem gesunden Menschenverstande entgegen gesetzt. Ein widersinniges Betragen. Eine Sache widersinnig anfangen. 4. Der Gewohnheit, dem gemeinen Gebrauche entgegen gesetzt. Sich widersinnig kleiden. 5. Der gewöhnlichen Richtung entgegen gesetzt. Ein widersinniges Gehörn, bey den Jägern, wenn die Enden eines Gehörnes krumm und gegen einander stehen. Die Haare widersinnig streichen, wider ihre gewöhnliche Richtung. Widersinnige Gänge, im Bergbaue, die ihr Streichen und Fallen oft verändern. In allen diesen Bedeutungen in den gemeinen Sprecharten widersinnisch. So auch die Widersinnigkeit, in allen obigen Bedeutungen, besonders in den vier ersten.


Widerspänstig (W3) [Adelung]


Widerspänstig, -er, -ste, adj. et adv. sich thätig weigernd, den Willen eines andern zu gehorchen, und darin gegründet. Widerspänstig seyn. Sich widerspänstig bezeigen. Wenn man mit Kindern anfängt, zu vernünfteln, so ist es kein Wunder, wenn sie widerspänstig werden, Weiße. Widerspänstige Unterthanen. Widerspänstig druckt mehr die thätige Verweigerung des Gehorsams, widersetzlich aber mehr den thätigen Widerstand aus. Jenes ist ein Abkömmling von spannen in der heutigen Bedeutung, oder auch von dem alten spanen, reden, bereden, da es denn eigentlich widersprechend bedeuten würde. ( S. Abspänstig) Im Oberdeutschen ist dafür noch jetzt widerspännig üblich. So auch die Widerspänstigkeit, die thätige Verweigerung des Gehorsams, und die Fertigkeit dieser Verweigerung.


Widerspiel (W3) [Adelung]


Das Widerspiel, des -es, plur. die -e, das Gegentheil einer Sache, das Widerspiel darthun, beweisen, das Gegentheil. An Statt des Befohlnen das Widerspiel thun. Ihre Schwester hält gerade das Widerspiel in ihrer Aufführung, Gell. Im Oberdeutschen ist im Widerspiel, im Gegentheil, hingegen. Es ist von einer jetzt veralteten Bedeutung des Wortes Spiel, S. dasselbe.


Widersprechen (W3) [Adelung]


Widersprechen, verb. irreg. neutr. ( S. Sprechen,) welches mit haben gebraucht wird; ich widerspreche, widersprochen; das Gegentheil behaupten, jemandes Ausspruch für falsch erklären, mit der dritten Endung der Person. Einem widersprechen. Jemanden in das Gesicht widersprechen. Widersprechende Sätze, wovon der eine den andern für unrichtig erklärt. Einer Sache widersprechen. Der im Oberdeutschen übliche Gebrauch mit dem Accusative der Sache, etwas widersprechen, ich widerspreche es nicht, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Schon im Notker widersprehhen; bey dem Ottfried kommt dafür sirsprechan, versprechen, vor.


Widersprecher (W3) [Adelung]


Der Widersprecher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Widersprecherinn, eine Person, welche widerspricht.


Widersprechlich (W3) [Adelung]


Widersprechlich, adj. et adv. dem sich widersprechen läßt; ein nur in dem Gegensatze unwidersprechlich übliches Wort.


Widerspruch (W3) [Adelung]


Der Widerspruch, des -es, plur. die -sprüche. 1. Die Handlung, da man der Behauptung oder dem Verlangen eines andern widerspricht. Etwas ohne Widerspruch einräumen. In einer Sache vielen Widerspruch leiden, erfahren. 2. Der Zustand, da eine Behauptung die andere, und in weiterer Bedeutung, ein Ding das andere, aufhebt. Der Widerspruch den Pflichten, wenn eine mit der andern nicht bestehen kann, eine die andere aufhebt. Schon im Notker Widerspruch.


Widerstand (W3) [Adelung]


Der Widerstand, des -es, plur. inus. der Zustand, da eine Person oder Sache eine Handlung nicht zulässet, die Schwierigkeit eine Handlung zuzulassen, so wohl im leidenden als thätigen Verstande, daher es von weiterer Bedeutung ist, als Widersetzung, welches nur von einer thätigen Hinderung gebraucht wird. Eine Mauer leistet Widerstand, wenn sie einer Bewegung nicht nachgibt. Großen Widerstand thun. Die Besatzung ergab sich ohne Widerstand. Vielen Widerstand finden. Allen Widerstand überwinden.


Widerstehen (W3) [Adelung]


Widerstehen, verb. irreg. neutr. ( S. Stehen,) mit dem Hülfsworte haben; ich widerstehe, widerstanden. 2. Sich bestreben, eine Handlung nicht zuzulassen, so wohl im leidenden als thätigen Verstande; mit der dritten Endung der Person. Kupfer widerstehet der Witterung länger, als Eisen. Einem in einer Sache widerstehen. Der Versuchung widerstehen. Der Traurigkeit, der Reitzung widerstehen. 2. In engerer Bedeutung sagt man, diese Speise, diese Arzeney widerstehet mir, wenn man einen lebhaften Widerwillen wider sie empfindet, so daß man sie nicht zu sich nehmen kann. Bey dem Ottfried und Notker widarstan.


Widerstehlich (W3) [Adelung]


Widerstehlich, adj. et adv. dem man widerstehen kann; am häufigsten in dem Gegensatze unwiderstehlich.


Widerstreben (W3) [Adelung]


Widerstreben, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, ich widerstrebe, widerstrebt, sich bestreben, eine Handlung zu hindern, sich widersetzen, mit der dritten Endung der Person. Einem widerstreben. Es fängt an, zu veralten, indem widersetzen und widerstehen dafür üblicher sind. So auch das Widerstreben.


Widerstreiten (W3) [Adelung]


Widerstreiten, verb. reg. act. ich widerstreite, widerstritten, mit Worten wider etwas streiten, demselben widersprechen; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort. Eine Meinung widerstreiten, so wohl ihr widersprechen, als auch sie bestreiten. Eben so ungewöhnlich ist der Widerstreit; für Widerspruch.


Widertheil (W3) [Adelung]


Der Widertheil, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnliches Wort, für Gegentheil, Gegner.


Widerthon (W3) [Adelung]


Der Widerthon, des -es, plur. inus. eine Art Mooses, von welchem es verschiedene Arten gibt. Rother Widerthon, Asplenium Trichumanes L. außer welchem man auch goldnen und weißen Widerthon hat. Der große Haufe gebraucht es als ein Mittel wider die Bezauberung, woraus sich die erste Hälfte des Wortes erkläret; nur die zweyte ist mir dunkel. Auch Widertod ist der Nahme eines Gewächses, von welchem ich doch nicht weiß, ob es von diesem noch verschieden ist, oder nicht.


Widerwärtig (W3) [Adelung]


Widerwärtig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Einer Richtung oder Bewegung entgegen gesetzt; in welcher Bedeutung es doch nur zuweilen in der Seefahrt von dem Winde gebraucht wird. Ein widerwärtiger Wind, ein widriger Wind, Gegenwind. In weiterer Bedeutung für entgegen gesetzt, der widerwärtige Verstand, eine widerwärtige Meinung, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich. 2. Geneigt, andern zu widersprechen, immer das Gegentheil zu behaupten, und zu thun. 3. Der Neigung, der Empfindung entgegen gesetzt, im hohen Grade unangenehm, widrig. Eine widerwärtige Stimme. Ein widerwärtiger Mensch.

Anm. Schon bey dem Kero sind Widarwartiu entgegen gesetzte Dinge, contraria, und im Ottfried ist Widarwert, ein Gegner, Widersacher. Die letzte Hälfte ist von dem alten Wart, Richtung, Gegend, wovon noch unser abstammet. Nach dem Festus war bey den alten Lateinern vidvartas, calamitas, Widerwärtigkeit, welches genau unser Deutsches Wort ist, welches vermuthlich aus Gallien oder Deutschland nach Latium gekommen ist.


Widerwärtigkeit (W3) [Adelung]


Die Widerwärtigkeit, plur. die -en. 1. Der Zustand, da etwas widerwärtig ist, in den vorigen Bedeutungen, besonders der zweyten und dritten; ohne Plural. Die Widerwärtigkeit eines Menschen, dessen Fertigkeit, andern zu widersprechen und entgegen zu handeln. Die Widerwärtigkeit einer Stimme, ihre unangenehme, widrige Beschaffenheit. 2. Eine widerwärtige, und unangenehme Begebenheit, ein unangenehmer Vorfall; mit dem Plural. Häusliche Widerwärtigkeiten.


Widerwille (W3) [Adelung]


Der Widerwille, des -ns, plur. car. hoher Grad der Abneigung, Begierde, eine Vorstellung und Empfindung zu hindern, da es denn mehr ist, als Abneigung, und weniger, als Abscheu und Ekel. Einen Widerwillen gegen etwas haben, eine starke Abneigung. Ohne einigen Widerwillen. Seinen Widerwillen gegen etwas überwinden.


Widerwillig (W3) [Adelung]


Widerwillig, adj. et adv. ein im Hochdeutschen seltenes Wort. 1. Abneigung äußernd, und darin gegründet. 2. Widerspänstig. Ist es nicht verwegen mit dem Schicksale zu streiten, welches das willige führet, und das widerwillige fortreißt? Kästn.


Widmen (W3) [Adelung]


Widmen, verb. reg. act. zu etwas bestimmen, besonders auf eine feyerliche Art zu etwas bestimmen; wie weihen. Sich dem Dienste des Staates widmen. Jemanden ein Buch widmen, es ihm dediciren. Eine Summe Geldes zu Werken der Wohlthätigkeit widmen. So auch das Widmen.

Anm. Das Wort ist alt, ob es gleich in den Ältesten Deutschen Überbleibseln nicht vorkommt. Will man dessen Abstammung auf eine zuverlässige Art erforschen, so muß man es vorher in seine Bestandtheile auslösen. Die Endsylbe en ist, wie bekannt, die Biegungssylbe des Infinitives; m ist ein alter Ableitungslaut Intensiva, vielleicht auch Iterativa zu bilden, wie in malmen, von mahlen, reiben. Es bleibt also nur wid übrig, und dieses ist unstreitig das alte wetan, geben, wovon unser Wette, ein Intensivum anderer Art, und Witthum, abstammen. Daher wird Widmut, Widum und Witthum noch hin und wieder für ein Kirchengut, Pfarrgut gebraucht, ein einer Kirche gewidmetes Gut, im Nieders. Wedem, im Angels. Weotuma. ( S. auch Witthum.) Die Schreibart wiedmen ist unrichtig, weil die erste Sylbe im Hochdeutschen geschärft, und nur in einigen Provinzen gedehnt wird.


Widrig (W3) [Adelung]


Widrig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Entgegen gesetzt. Ein widriger Wind, ein widerwärtiger Wind, Gegenwind. Die widrige Meinung behaupten, die entgegen gesetzte. Widrig gesinnet seyn. Widrigen Falls, im entgegen gesetzten Falle. Im Widrigen, im Oberdeutschen, im Gegentheil. 2. Den Wünschen, dem Verlangen, den Absichten entgegen gesetzt, unangenehm. Widriges Glück. Widrige Schicksale. So hält uns die Gelassenheit auch unter der Last der widrigsten Begebenheiten aufrecht, Gell. 3. Den äußern Sinnen unangenehm, oder zuwider, einen geringern Grad des Ekels oder des Abscheues zu bezeichnen, wie widerwärtig und widerlich, nur daß dieses letztere, wegen feiner unmittelbaren Abstammung von widern, die sinnliche Abneigung stärker ausdruckt. Widrig süß, widrig fett. Ein widriges Gesicht. Was ist die freche Stirn einer unkeuschen Person für ein widriger Anblick! Gell.

Anm. Es ist aus widerig zusammen gezogen, und stammet unmittelbar von der Präposition wider ab.


Widrigkeit (W3) [Adelung]


Die Widrigkeit, plur. inus. der Zustand, da etwas widrig ist. 1. Entgegen gesetzte Beschaffenheit. Die Widrigkeit der Meinungen. 2. Unangenehme Beschaffenheit. Die Widrigkeit des Glückes, der Schicksale. 3. Die Empfindung, welche diese unangenehme Beschaffenheit erwecket, Abneigung, geringer Grad des Abscheues. Einer persönlichen Widrigkeit Luft machen. Eine Widrigkeit vor etwas empfinden. Diese letzte Bedeutung ist wegen ihrer Zweydeutigkeit die seltenste. Im Oberdeutschen hingegen ist Widrigkeit auch sinnliche Abneigung, d. i. ein geringer Grad des Ekels, wie Widerung. Widrigkeit gegen etwas haben, empfinden.


Wie (W3) [Adelung]


Wie, eine Partikel, welche auf doppelte Art gebraucht wird. I. Als ein Umstandswort, die Beschaffenheit, Art und Weise zu bezeichnen, und zwar 1. Als ein Fragewort, nach der Art und Weise zu fragen, da es denn theils mit Verbis verbunden wird. Wie ist das zugegangen? auf welche Art. Wie gehet es dir? Wie heißt die Stadt? Wie käme ich dazu? Wie hast du das angefangen? Wie bist du dazu gekommen? Da es denn auch als ein höfliches Fragewort für das härtere was gebraucht wird: Wie? - Wie sagten sie? Theils mit Adverbiis und andern Umstandswörtern. Wie groß war es? Wie lange ist es her? Wie oft kam er? Wie bald wird es geschehen? Wie theuer ist es? Wie viel war es? Besonders mit Adverbiis, wenn ein Ausruf in eine Frage eingekleidet wird. Wie bald ist es um uns geschehen! Wie wohl hast du gethan! Wie sehr hast du geirret! Wie viel verbirgt eine Stunde vor den Augen der Menschen! Wie gern hätt' ich ihn noch Ein Mahl gesprochen? Wie ungeduldig ist nicht die Liebe! Wo auch das Verbum in manchen Fällen versetzt werden kann. Wie ungeduldig nicht die Liebe ist! Oft stehet es in solchen Ausrufungen elliptisch für wie sehr. O, wie hab' ich um dich geweint! wie sehr. Allein, wie erschrack er, als er mich sahe. Wie strahlt das Feuer schöner Augen! Wie blinkt der helle Rebensaft! Haged. Oft dienet es bloß, eine Frage einzuleiten oder anzukündigen. Wie? habe ich es dir nicht gesagt? Wie? Sie hätten mich reden hören? Besonders, wenn ein möglicher Fall als ein Einwurf in eine Frage eingekleidet wird. Wie wenn ich niemahls glücklich würde? Aber wie, wenn ich es nun selbst ge macht hätte? Wie, wenn er es nun thäte? Wo wie so viel sagen will, als, was würde erfolgen? was würde geschehen? Wie so? Wie denn das? sind Formen der vertraulichen Sprechart, nach der Ursache, nach der nähern Art und Weise zu fragen. Wie anders? für, wie kann es anders seyn? ist viel zu dunkel und elliptisch, als daß es nachahmt zu werden verdiente. Hätten Engel die Sprache erfunden, wie anders, als daß ihr ganzer Bau ein Abdruck von ihrer Denkart seyn müßte? Wo die ganze Wendung des Gedankens gezwungen und ungewöhnlich ist. 2. Als ein relatives Umstandswort, eine gewisse Art und Weise zu bezeichnen. So wohl vor Verbis. Ich weiß nicht, wie ich es anfange, auf welche Art. Sage ihm, wie er es machen soll. Ich begreife nicht, wie es geschehen ist. Wenn die Liebe nichts ist, als eine Pflicht, so wundert mich's, wie sie so viele Herzen an sich ziehen kann, Gell. Es ist mir, ich weiß nicht wie. Es geschahe, ich weiß nicht wie. Dem sey, wie ihm wolle. Als auch vor Adverbiis, diese Art und Weise näher zu bezeichnen. Siehe, wie fleißig ich bin. Du hast noch nicht erfahren, wie stark es ist. Ich weiß, wie viel es ist. Sehr überflüssig ist es, so wohl diesem als dem vorigen wie noch ein nach nachschleichen zu lassen, welches zur Bestimmung nichts beytragen kann. Wie nach soll denn Herr Simon an Jungfer Lorchen denken? Gell. Es ist unbegreiflich, wie nach man solches behaupten könne. II. Als eine Conjunction, da es denn wieder mancherley Arten der Verbindung bezeichnen kann. 1. Eine Ähnlichkeit, versteckte Vergleichung, als eine Conjunctio comparativa. So wohl auf eine verstecktere Art, welche den Übergang des vorigen Umstandswortes in die Conjunction ausmacht. Wie ich sehe, so ist es sehr groß, nach dem zu urtheilen, was ich sehe. Wie ich höre, so können sie auch spotten. Als auch auf eine unmittelbare Art, wie als, so wohl vor Nennwörtern. Er ist, wie du. Machs, wie ich. Ich habe nicht so viele Zeit, wie dein Freund. Schön, wie ein Engel. So reitzend, wie der Morgen. Ich thäte es, wenn ich wie du wäre, besser, wenn ich an deiner Stelle wäre. Als auch vor einigen Adverbiis. Wie gewöhnlich. Das ist ihm wie nichts. Er ist heute, wie gestern. Sie kommen wie gerufen, als wenn sie wären gerufen worden; eine in der vertraulichen Sprechart übliche Ellipse. Er ist wie todt, sie sahe wie tiefsinnig zur Erde, sind härtere Ellipsen, welche man lieber vermeidet. Am häufigsten mit Verbis und ganzen Sätzen. Du wirst behandelt werden, wie du es verdienest. Es ich geschehen, wie ich es gesagt habe. Ich will ihn ziehen, wie ich ihn mir wünsche. Er lebt, wie es einem rechtschaffenen Manne gebühret. Besonders nach einem vorhergegangenen so. Laß die Welt, wie sie ist. So wie mein Herz ihn liebt. Ingleichen im Vordersatze, mit einem nachfolgenden so. Wie du gedienet hast, so sollst du belohnet werden. Überflüssig ist es, diesem vergleichenden wie noch ein gleich bedeutendes als vortreten zu lassen. Sie siehet einem Affen ähnlicher, als wie ihnen; wo eines von beyden hinlänglich ist. Aber das wenn nach dem wie und als hat seine Bedeutung. Ich höre ein Plätschern, wie wenn die Wellen wider den Nachen schlagen, Geßn. Aber eine beynahe unverzeihliche Härte ist es, dieses vergleichende wie oder als völlig zu verschweigen. Ein Tiger, dem man seine Wuth geraubt, schäumt Pharao für Wuth; für als ober wie ein Tiger. 2. Eine Zeitfolge zu bezeichnen, consecutiv; für als oder da. Wie er gefragt ward, läugnete er es. Wie er mich reden hörte, schlich er sich weg. Und wie er vor Freuden weinte, da weintest du auch vor Freude, Geßn. Dieser Gebrauch ist keiner der besten, und man siehet leicht, warum; indem er Zweydeutigkeit mit dem Umstandsworte wie macht; wenigstens der ersten dunkeln Empfindung nach, und daher den Leser nur ohne Noth aufhält. 3. Eine Erläuterung des vorher gehenden zu begleiten, explanativ; mit dem denn. Von vielen nicht gekannt, von andern auch vernichtet, Wie denn die schnöde Welt nur nach den Augen richtet, Opitz. Die Brust ist nicht so hell, wie denn auch der Rücken nicht so dunkel ist. 4. Eine Ursache anzudeuten, Causal, im Vordersatze, für da. Wie man den Verstand nicht immer anstrengen kann, so ist es auch erlaubt, zuweilen etwas seichtes zu lesen, Gell. Wie der Mensch das Meisterstück der Schöpfung ist, so ist er auch für den Menschen das lehrreichste Studium, eben ders. Auch diesen Gebrauch sollte man um der Zweydeutigkeit Willen veralten lassen, zumahl da da diesen Begriff weit bestimmter ausdruckt. 5. Circumscriptiv, in Verbindung mit dem daß; ein fehlerhafter Pleonasmus, der indessen im Opitz häufig vorkommt. Man hat Nachricht erhalten, wie daß die Feinde geschlagen worden. Sie haben gesehen, Wie daß auf eine Zeit sie alle mußten sterben, Opitz. Es ist ihm unentfallen, Wie daß wir nichts als Starb und Asche sind, eben ders. Eben derselbe gebraucht wie daß auch, aber eben so fehlerhaft, für damit. Er schlägt beherzt den Feind, wie daß er Lob gewinnt. Aber erlaubt ist es, wie für das circumscriptive daß allein zu gebrauchen, wenn keine Zweydeutigkeit zu besorgen ist, besonders, wenn mehrere circumscriptive daß auf einander folgen sollten. Ich hörte, daß er sagte, sein Bruder habe behauptet, wie er es nicht gesehen habe. Aber außer diesem Falle kann das wie für daß leicht Zweydeutigkeit machen. Man hat nunmehr Nachricht erhalten, wie der Feind geschlagen worden. 6. In Gesellschaft mancher Partikeln druckt es noch verschiedene andere Verbindungsarten aus. So wird es mit dem auch copulativ. Ich, dein Bruder, wie auch dessen Schwager. Ingleichen adversativ. Wie gelehrt er auch ist, so u. s. f. Mit wohl concessiv, S. Wiewohl an seinem Orte.

Anm. 1. Wenn wie als ein bloßes Umstandswort vor Adverbiis stehet, so ist es irrig, es mit denselben zusammen zu ziehen, weil es hier eine bloße abgesonderte Bestimmung ist. Wie groß, wie sehr, wie viel u. s. f. nicht wiegroß, wiesehr, wieviel. Nur im Superlativ des letzten Wortes ist diese Zusammenziehung erlaubt, der wievielste, weil hier nicht allern ein gemeinschaftlicher Artikel, sondern auch eine gemeinschaftliche Biegung Statt findet. S. meine Sprachlehre.

Anm. 2. Diese Partikel erscheinet von den frühesten Zeiten an in mannigfaltigen Gestalten. Im Kero und Isidor lautet sie huueo, bey dem Ottfried, der sie auch für daß gebraucht, wio, im Tatian so, soso, im Willeram suie, bey dem Notker ziu, im Angels. hu, hwa, im Engl. how, im Nieders. wo, im Dänischen hvor.


Wiede (W3) [Adelung]


Die Wiede, plur. die -n, in der Landwirthschaft, eine Art Bandes von gedreheten biegsamen und zähen Ruthen, z. B. von den Ruthen der Haseln, der Weiden, des Faulbaumes u. s. f. So werden z. B. die Bäume in den Gärten mit Wieden an die Pfähle oder Spalliere gebunden. Daher heißt auch an den Ernte- und andern Wagen der breite eiserne Bügel mit zwey Ringen, in deren einem die Leiste, und in dem andern die Runge steckt, die Leiter daran zu hängen, die Wiede, weil sie an den gemeinen Bauerwagen eine wahre Wiede ist. Sonst wird sie auch der Leistbügel genannt. Ob die Wiede, ein an beyden Enden ausgezacktes Holz an dem Weberstuhle, und besonders an dem Kammblatte und den Tritten, einen ähnlichen Grund der Benennung hat, ist mir unbekannt.

Anm. Wiede ist ein sehr altes Wort, und bedeutete ehedem binden überhaupt. Schon bey dem Ulphilas ist withan, Engl. to with, binden. ( S. Weide, welches gleichfalls daher stammet.) Das Lat. vieo, ich biege, Wend. viem, ist genau damit verwandt.


Wiedebaum (W3) [Adelung]


Der Wiedebaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, ein Nahme des Faulbaumes, weil seine Zweige zu Wieden sehr brauchbar sind.


Wiedehopf (W3) [Adelung]


Der Wiedehopf, des -es, plur. die -e, der Nahme eines bekannten, den Farben nach schönen Vogels, mit einem bunten Federbusche auf dem Kopfe, welcher aber den Koth liebet, und sein Nest damit füllet, sich auch durch die ihm eigene Stimme unterscheidet. Nach dem Klein gehöret er zu den Brachern. Im 15ten Jahrhunderte Wedehuppe, im Nieders. Wiehop. Frischens Ableitung in Ansehung der ersten Hälfte dieses Wortes, nach welcher Wied so viel als das noch bey den Jägern übliche Weide, Koth, ist, ist noch die wahrscheinlichste, weil dieser Vogel wegen seiner Unreinlichkeit auch in vielen Gegenden Kothhahn, im Holländ. aber Kackhahn heißt. Die zweyte Hälfte ist ihm so viel wie Schopf, von heben, daher auch hopfen und hüpfen. Allein sie scheinet vielmehr eine Nachahmung der ihm eigenthümlichen Stimme zu seyn, von welcher dieser Vogel auch im Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , im Lat. Upupa, im Engl. Hoop, Hoopoop, im Franz. Huppe, im Bremischen Pup-oß, genannt wird. Sonst nennet man ihn auch im Osnabrück. Halvermann, aus einem mir unbekannten Grunde.


Wieder (W3) [Adelung]


Wieder, ein Adverbium, oder vielmehr ein Umstandswort, welches vornehmlich eine dreyfache Bedeutung hat. 1. Der Wiederhohlung einer Handlung oder eines Zustandes, oder vielmehr, daß ein Prädicat aufs neue Statt finde, also schon vorher müsse Statt gesunden haben. Es regnet schon wieder, setzt voraus, daß es schon vorher geregnet habe. Wieder zu sich selbst kommen. Er hat mit versprochen, lange nicht wieder von der Liebe zu reden. Etwas wieder vor die Hand nehmen. Jemanden wieder zu Gnaden annehmen. Etwas wieder in den vorigen Stand setzen. Um wieder auf den vorigen Gegenstand zu kommen. Es kann in dieser Bedeutung nur mit Verbis und den davon abgeleiteten Substantiven verbunden werden, denn ob es gleich scheinet, daß es auch Adverbia bestimmen könnte, wieder hart werden, wieder aus einander gehen, so beziehet es sich doch in allen diesen Fällen zunächst auf das Verbum, und da hier mehrere Bestimmungswörter sind, so tritt wieder, als das schwächste, den übrigen vor. 2. Der Rückkehr oder Versetzung in den vorigen Zustand. Etwas wieder erstatten. Ich soll mein Geld noch wieder haben. Ich will es schon wieder gut machen. So auch wiederfinden, wiedergeben, etwas wieder herstellen, u. s. f. Diese Bedeutung fließt oft mit der vorigen zusammen, ist aber oft noch davon unterschieden. So ist etwas wiederbringen, nicht, es noch Ein Mahl bringen, sondern es an seinen vorigen Ort bringen; etwas wiedersuchen, nicht es noch Ein Mahl suchen, sondern es suchen, damit es an seinen Besitzer zurück komme. 3. Der Vergeltung der vorher gegangenen ähnlichen Handlung eines andern, die Wiederhohlung der Handlung eines andern, in der Absicht der Vergeltung. In dem ersten Falle geschahe die Wiederhohlung von einer und eben derselben, hier von einer andern Person. Es schallet wieder, wenn der Schall des einen Dinges von dem andern wiederhohlet wird. Daher denn der Begriff des zurück, oder der Rückkehr, bald deutlicher, bald dunkler damit verbunden ist. Etwas wiederschicken, nicht, es noch Ein Mahl schicken, sondern, es an den, der es uns geschickt hatte, zurück schicken. So auch wiederfordern, wiedergeben, u. s. f.

Anm. 1. Dieses Wort ist vorzüglich um deß Willen merkwürdig, weil sich die vornehmsten und wichtigsten Regeln der Zusammensetzung der Wörter bey demselben anbringen, und durch dasselbe erläutern lassen. Einer der vornehmsten Fälle, in welchem zwey Wörter zu einem einigen verbunden werden, ist immer der, wenn die Bedeutung elliptisch ist, und noch Eines oder mehrere Worte erfordert, wenn sie einen klaren Begriff geben soll. In der ersten Bedeutung des Wortes wieder ist das der Fall nicht: es regnet schon wieder, der Kranke geht schon wieder aus u. s. f. bedürfen zu einem klaren Begriffe keiner weitern Bestimmung: wohl aber in den beyden folgenden Bedeutungen, wo man sich den Begriff des vorigen Zustandes oder Ortes; oder der vorher gegangenen ähnlichen Handlung eines andern, wenigstens dunkel denken muß, wenn man einigen Begriff mit demselben verbinden will: wiederkehren, zurück an den vorigen Ort; wiederbellen, ein vorher gegangenes Bellen durch Bellen erwiedern. Daher kommt es in den beyden letzten Bedeutungen am häufigsten, und fast nur allein in Zusammensetzungen vor. Eine andere Regel ist, daß wenn sonst zwey getrennte Wörter gemeinschaftliche Biegungszeichen und Artikel bekommen, sie in ein und eben dasselbe Wort übergehen. Sich einer Sache wieder erinnern, etwas wieder erlangen, wieder genesen, sind keine Composita, weil hier wieder nichts mehr ist, als ein jedes anderes Adverbium, und auch die Bedeutung nicht elliptisch ist; allein die Wiedererinnerung, Wiedererlangung, Wiedereroberung, Wiedergenesung, sind allerdings Composita, weil hier gemeinschaftliche Artikel und Biegungszeichen sind, welche nicht Statt finden können, wenn nicht der Begriff beyder Wörter als ein Ganzes gedacht wird. Andere ähnliche Bemerkungen werden im Folgenden bey den einzelnen Wörtern dieser Art vorkommen. Der Hauptton ruhet in diesen Zusammensetzungen, wie in allen übrigen Fällen, auf der ersten Hälfte, wiederkommen, das einzige wiederhohlen ausgenommen.

Anm. 2. So wohl dieses Adverbium, als die vorige Präposition wider, lauten von den frühesten Zeiten an widari, withere, und bey dem Ulphilas vithra. Die Endsylbe er ist die Ableitungssylbe, daher es hier nur auf die Sylbe wird ankommt, deren erste und ursprüngliche Bedeutung sich bey einem so hohen Alterthume schwerlich wird abgeben lassen. Indessen scheinet der Begriff der Wiederhohlung, der Wiederkehr einer der ältesten, und die erste Sylbe in den Latein. iterum (wiederum,) iterare, item, itidem, damit nahe verwandt zu seyn. Dieses id oder it, für das Latein. re - findet sich so wohl in der alten Alemannischen Mundart, als im Angelsächsischen und Schwedischen. Bey dem Willeram ist Itlon, Wiedervergeltung, retributio, itporan werdan, wiedergeboren werden, im Angelsächs. edgyldan, wiedervergelten, im Schwed. idisla, wiederkäuen u. s. f. Von diesem wieder, von neuen, zurück, ist der Begriff der Präposition wider eine bloße Figur.

Anm. 3. Ob nun gleich beyde Wörter im Grunde Eines Stammes sind, so ist es doch in der neuern Hochdeutschen Mundart seit dem 16ten Jahrh. gewöhnlich, selbige durch die Orthographie zu unterscheiden, und die Präposition wider, ohne e, das Adverbium aber mit dem e, wieder zu schreiben. Es ist der Mühe werth, die Ursache aufzusuchen, durch welche man dazu bewogen worden; und dieses liegt ohne Zweifel in der Klarheit und Deutlichkeit des Ausdruckes. Wider ist eine Präposition, wieder aber ein Adverbium; beyde sind schon als Redetheile verschieden. Die Bedeutung jener ist zwar eine Figur von dieser, aber eine so weit entfernte und dunkele Figur, daß man sie ohne Schaden für eine eigene Bedeutung ansehen kann. Und dann können beyde, wenn sie auf einerley Art geschrieben werden, wirklich Zweydeutigkeit verursachen, oder doch wenigstens den Leser auf einige Augenblicke ungewiß machen, welcher Redetheil gemeinet sey. Dieser Unbequemlichkeit konnte durch ein leichtes, in der Sprache selbst an die Hand gegebenes Mittel, durch das e gehoben, und dadurch die leichte Verständlichkeit, die erste Absicht der Sorache, befördert werden. Aus ähnlichen Ursachen unterschied man auch für und vor, dann und denn, und hundert andere, nicht bloß durch die Schreibart, sondern selbst durch die Aussprache; oder vielmehr, die neuere Hochdeutsche Mundart, welche sich aus ältern Oberdeutschen und der Niederdeutschen bildete, nahm aus beyden verschiedene Formen auf, wenn sie selbige zur Klarheit nöthig fand, aus der Oberdeutschen für und dann, und aus der Niederdeutschen vor und denn. Auf ähnliche Art schrieb sie die Präposition nach der alten Art ohne e, wider, das Adverbium aber nach der neuern Art, wieder. Man hat dagegen eingewandt: 1. Die Alten schrieben nicht so, sondern ohne Unterschied wider. Sehr wohl; aber wer hat je behauptet, daß alte und veraltete Formen, sie betreffen nun, was sie wollen, zur Richtschnur der neuen dienen können? In den ausgestorbenen Sprachen ist das Alte ein Gesetz, aber nicht in den lebendigen, wo es, im Falle eines Widerspruches, gerade das verwerfliche ist. Was würde geschehen, wenn wir unsere heutige Sprache nach der alten ummodeln wollten? Der Einwurf beweiset also viel zu viel, folglich eigentlich nichts. 2. Die Etymologie setzet sich dawider, und diese ist doch eine Richtschnur der Orthographie. Allerdings; aber nur die nähere Abstammung, welche in der Biegung, Ableitung und Zusammensetzung der Wörter bestehet, aber nicht die entferntere, welche dem größten Theile der Schreibenden dunkel und unbekannt ist. Wir haben tausend Wörter in der Sprache, welche sich nicht allein in der Schreibart, sondern selbst in der Aussprache und andern Umständen, von ihren Quellen entfernet haben. Der seltsame Einfall, die Wörter einer Sprache nach der entfernten Etymologie umzubilden, hat zu allen Zeiten tausend Thorheiten und Ungereimtheiten ausgehecket. Man sehe darüber eine Abhandlung in meinem Magazine. 3. Die Unterscheidung der verschiedenen Bedeutungen eines Wortes durch die Orthographie, ist eine Grille, welche in tausend Fällen nicht einmahl anwendbar ist. Sehr richtig, wenn dieser Unterschied willkührlich von einzelnen Person gemacht wird. Aber hier kommt es bloß auf die Beybehaltung eines alten, nützlichen Unterschiedes an, der seit dem 16ten Jahrh. beynahe allgemein ist, der also von einzelnen Personen eben so wenig aufgehoben werden kann und darf, als sie befugt sind, neue einseitige Unterschiede einzuführen.


Wiederbeißen (W3) [Adelung]


Wiederbeißen, verb. irreg. act. ( S. Beißen,) den Biß eines andern durch beißen erwiedern.


Wiederbekommen (W3) [Adelung]


Wiederbekommen, verb. irreg. act. ( S. Bekommen,) eine vorher besessene aber verlorne Sache, in seinen Besitz bekommen.


Wiederbiethen (W3) [Adelung]


Wiederbiethen, verb. irreg. act. ( S. Biethen,) nach dem Gebothe eines andern biethen; nur in dem im gemeinen Leben üblichen Sprichworte: Biethen und Wiederbiethen macht Kaufleute.


Wiederbringen (W3) [Adelung]


Wiederbringen, verb. irreg. act. ( S. bringen.) 1. Zurück bringen, dem vorigen Inhaber bringen. 2. In den vorigen Zustand wieder herstellen, eine Figur der vorigen Bedeutung, in welcher aber nur das Substantiv, die Wiederbringung aller Dinge, üblich ist, denjenigen zukünftigen Zeitraum zu bezeichnen, in welchem alle Dinge in den gegenwärtigen Zustand wieder hergestellet werden, den vorigen Kreislauf von neuen antreten sollen; wo aber der Ton auf der dritten Sylbe liegt, als wenn das Verbum wieder bringen gesprochen würde.


Wiederbringlich (W3) [Adelung]


Wiederbringlich, adj. et adv. was sich wiederbringen, in seinen vorigen Zustand wieder herstellen läßt; doch nur in dem Gegensatze unwiederbringlich.


Wiederdonnern (W3) [Adelung]


Wiederdonnern, verb. imperf. neutr. mit dem Hülfsworte haben, den Schall des Donners wiederhallen lassen; nur in der dichterischen Schreibart. Es donnert an den Felsen wieder.


Wiederdruck (W3) [Adelung]


Der Wiederdruck, S. Widerdruck.


Wiedererinnerung (W3) [Adelung]


Die Wiedererinnerung, plur. inus. von der R. A. sich wieder erinnern, die Erinnerung an eine vorher gewußte, aber vergessene Sache.


Wiedererlangung (W3) [Adelung]


Die Wiedererlangung, plur. inus. von der R. A. wieder erlangen die Erlangung einer vorher besessenen, aber nachmahls verlornen Sache.


Wiedererstattung (W3) [Adelung]


Die Wiedererstattung, plur. inus. von der R. A. wieder erstatten, die Erstattung einer vorher besessenen Sache.


Wiederfährte (W3) [Adelung]


Die Wiederfährte, plur. die -n, bey den Jägern, die Fährte eines zurück gehenden Wildes; auch die Nachfährte, Rückfährte, Hinterfährte, S. Wiedergang.


Wiederfinden (W3) [Adelung]


Wiederfinden, verb. irrig. act. ( S. Finden,) nicht, von neuen finden, sondern, eine besessene oder gewußte, aber nachmahls verlorne Sache finden, und dadurch in seinen vorigen Besitz bringen.


Wiederflug (W3) [Adelung]


Der Wiederflug, des -es, plur. die -flüge, bey den Jägern, die Rückkehr der Streichvögel zu Anfange des Frühlinges; noch häufiger der Wiederstrich.


Wiederfordern (W3) [Adelung]


Wiederfordern, verb. reg. act. eine vorher besessene Sache zurück fordern.


Wiedergabe (W3) [Adelung]


Die Wiedergabe, plur. inus. von dem Verbo wiedergeben, die Zurückgabe einer Sache an den vorigen Inhaber.


Wiedergang (W3) [Adelung]


Der Wiedergang, des -es, plur. die -gänge, bey den Jägern, der Rückgang oder die Rückkehr eines Wildes an den Ort seines Aufenthaltes. Auf dem Wiedergange macht es die Wiederfährte.


Wiedergebären (W3) [Adelung]


Wiedergebären, verb. irreg. act. von neuen gebären, doch nur in der Theologie, im figürlichen Verstande, in einen neuen geistlichen Zustand versetzen, am häufigsten im Passivo, wieder- geboren werden, ein Wiedergeborner. So auch Wiedergeburt. Daher wieder hier so viel als von neuen heißt, so würde es in seiner eigentlichen Bedeutung kein Compositum seyn, welches es nur durch die figürliche Bedeutung wird. Bey dem Notker aberbäran, bey dem Ottfried erbäran.


Wiedergeben (W3) [Adelung]


Wiedergeben, verb. irreg. act. ( S. Geben,) an den vorigen Inhaber geben, zurück geben.


Wiedergeboren (W3) [Adelung]


Wiedergeboren, S. Wiedergebären.


Wiedergeburt (W3) [Adelung]


Die Wiedergeburt, plur. car. in der Theologie, die innere Sinnesänderung des Menschen, die Errichtung einer neuen rechtmäßigen Fähigkeit in dem Menschen, da es denn bald in engerer, bald in weiterer Bedeutung gebraucht wird. Bey dem Ottfried Zuisgungiburti, bey dem Notker Abirburte, aber auch schon Widerburt.


Wiedergeld (W3) [Adelung]


Das Wiedergeld, des -es, plur. car. ein im Hochdeutschen unbekanntes Provinzial-Wort, für Vergeltung. Kann ich vor (für) deine Treue kein Wiedergeld entrichten, Günth.


Wiederglänzen (W3) [Adelung]


Wiederglänzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, den Glanz eines andern Körpers zurück schicken; ein seltenes Wort. So könnte man sagen, der Mond glänzet wieder.


Wiedergrüßen (W3) [Adelung]


Wiedergrüßen, verb. reg. act. einen Gruß durch einen Gegengruß erwiedern.


Wiederhaben (W3) [Adelung]


Wiederhaben, verb. irreg. neutr. ( S. Haben,) etwas, was man vorher hatte, von neuen haben, eigentlich zurück in seinen Besitz haben, oder bekommen. Wenn ist es wieder haben werde.


Wiederhall (W3) [Adelung]


Der Wiederhall, des -es, plur. die -e, der zurück geworfene Hall oder Schall, in der dichterischen Schreibart, für Wiederschall. Es donnert ferne Wiederhalle, Cron.


Wiederhallen (W3) [Adelung]


Wiederhallen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, einen Hall oder Schall zurück schicken, in der dichterischen Schreibart für wiederschallen. Die Felsen hallen wieder.


Wiederherstellung (W3) [Adelung]


Die Wiederherstellung, plur. die -en, von der R. A. wieder herstellen, die Versetzung eines Dinges in seinen vorigen Zustand. Die Wiederherstellung eines Kranken, die Bewirkung seiner Genesung.


Wiederhohlen (W3) [Adelung]


Wiederhohlen, verb. reg. act. welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Wiederhohlen, der Ton auf dem Adverbio, folglich im Particip. wiedergehohlt, zurück hohlen, an den vorigen Ort hohlen. Ich habe es schon wiedergehohlt, will es wiederhohlen. 2. Wiederhohlen, der Ton auf dem Verbo, folglich im Participio wiederhohlt, von neuen sagen oder thun. Eine Handlung wiederhohlen, sie noch Ein oder mehr Mahl verrichten. Wiederhohlte Schläge des Schicksals machen das Herz weich und fühlbar. Jemandes Worte wiederhohlen, eben dieselben Worte noch Ein Mahl sprechen. Wiederhohlter Dingen, von neuen, nochmahls, doch nur in den Oberdeutschen Kanzelleyen.

Anm. Beyde Formen und Bedeutungen sind Figuren von wieder hohlen, noch Ein Mahl hohlen, welches aber nicht üblich ist. Da sie nun figürliche Bedeutungen sind, so liegt auch darin der Grund, warum sie als Composita behandelt werden müssen. Aber daß beyde Bedeutungen auf verschiedene Art betont, und folglich auch conjugiret werden, ist besonders. Vielleicht hielt man anfänglich die zweyte Bedeutung für eine Figur der Präposition wider, welche in ihren meisten Zusammensetzungen dieser Form folgt.


Wiederhohlung (W3) [Adelung]


Die Wiederhohlung, plur. die -en, von wiederhohlen, die nochmahlige Verrichtung einer und eben derselben Handlung, sowohl in eigentlichen Handlung, als auch in Worten. Die Wiederhohlung eines Wortes einer Handlung. Daher das Wieder- hohlungszeichen, ein besonders in der Musik gewöhnliches Zeichen, daß eine Stelle wiederhohlet werden soll.


Wiederkäuen (W3) [Adelung]


Wiederkäuen, verb. reg. die bereits gekäueten und in den Magen gebrachten Speisen durch den Schlund herauf hohlen, und nochmahls käuen; so wohl als in Neutrum: alles Rindvieh käuet wieder, wiederkäuende Thiere; als auch active, mit dem Accusativo der genossenen Speise: das Futter wiederkäuen. Ingleichen figürlich, doch nur im verächtlichen Verstande, sich eines gewissen Zustandes, einer gewissen Handlung mit Vergnügen wieder erinnern. So auch das Wiederkäuen.

Anm. Da der Ton auf der Präposition, und nicht auf dem Verbo ruhet, so ist es irrig, wenn Gottsched conjugiren lehret, ich wiederkäue, wiederkäuete, habe wiederkäuet. Die Partikel hat den Ton, und ist daher, wie in andern ähnlichen Fällen, trennbar. Obgleich wieder hier die Bedeutung des von neuen hat, so ist sie hier doch wirklich elliptisch. Denn wiederkäuen sagt nicht etwa nur so viel, als schon wieder käuen, sondern schränkt sich auf die bereits gekäuete und hinunter geschluckte Speise ein. Um dieser Ellipse Willen wird es auch als ein Compositum behandelt. Wiederkauen ist eine minder edle Niedersächsische Form.


Wiederkauf (W3) [Adelung]


Der Wiederkauf, des -es, plur. die -käufe, in den Rechten, das Recht, eine Sache, welche man verkauft, zu einer gewissen Zeit wieder zurück und an sich kaufen zu können. Etwas auf Wiederkauf veräußern.


Wiederkaufen (W3) [Adelung]


Wiederkaufen, verb. reg. act. eine verkaufte Sache wieder an sich kaufen. In einigen Oberdeutschen Gegenden hat dieses Verbum eine andere, im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung, denn da ist es so viel, als eine aufgekaufte Waare im Einzelnen wieder verkaufen, höfen; daher im Logau ein Wiederkäufler so viel als ein Höke ist.


Wiederkäuflich (W3) [Adelung]


Wiederkäuflich, adj. et adv. in den Wiederkaufe gegründet, denselben enthaltend, mit Vorbehaltung des Wiederkaufes. Etwas wiederkäuflich veräußern.


Wiederkehr (W3) [Adelung]


Die Wiederkehr, plur. inus. die Rückkehr; doch im eigentlichen Verstande nur selten, indem Rückkehr in den meisten Fällen üblicher ist. Für mich nur, wenn ich sterbe, ist keine Wiederkehr, Dusch. Die tägliche und periodische Wiederkehr der Gestirne, wenn sie wieder an dem vorigen Orte sichtbar werden. Bey den Zimmerleuten ist die Wiederkehr die Zusammenstoßung zweyer Dächer in einen Winkel; bey den Webern aber die gegen einander gekehrte Richtung der Körperstreifen, nach welcher sie gleichsam ein Zickzack bilden.


Wiederkehren (W3) [Adelung]


Wiederkehren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, zurück kehren, gleichfalls nur selten. Im Oberdeutschen wurde es ehedem auch als ein Activum gebraucht, da es denn ersetzen bedeutete. Einen Schaden wiederkehren, ersetzen.


Wiederklage (W3) [Adelung]


Die Wiederklage, plur. die -n, in den Rechten, die von dem Beklagten gegen den Kläger wegen eben derselben ausgeklagten Sache angestellte Klage: die Gegenklage, Reconventions-Klage. Daher der Wiederkläger, der eine solche Klage anstellet. Wieder kann in dieser Zusammensetzung eine Rückkehr bedeuten, welches der Latein. Ausdruck, Reconventio, wovon es eine Übersetzung ist, zu bestätigen scheinet. Wer aber glaubt, daß der Begriff des gegen der herrschende ist, kann dieses Wort immer Widerklage schreiben, obgleich alsdann eine jede Klage eine Widerklage seyn würde, weil sie alle Mahl gegen jemand gerichtet ist.


Wiederklingen (W3) [Adelung]


Wiederklingen, verb. reg. neutr. mit haben, ( S. Klingen,) einen Klang wieder zurück schicken, wie wiederschallen; doch nur selten.


Wiederkommen (W3) [Adelung]


Wiederkommen, verb. irreg. neutr. ( S. Kommen,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1. Zurück kommen, an den vori- gen Ort kommen. Wenn wirst du wiederkommen? 2. Figürlich, auf das neue wirklich werden. Man bemerket, daß in dem gemeinen Laufe der Dinge einerley Erfolge oft wiederkommen. So auch das Wiederkommen und die Wiederkunft.


Wiederkunft (W3) [Adelung]


Die Wiederkunft, plur. car. die Rückkunft, ingleichen der Zustand, da etwas von neuen wirklich wird.


Wiederlösen (W3) [Adelung]


Wiederlösen, verb. reg. act. welches doch wenig mehr gebraucht wird, durch Einlösung wieder an sich zurück bringen, wieder einlösen. So auch die Wiederlösung und das Wiederlösungsrecht, die Einlösung und das Einlösungsrecht.


Wiedernehmen (W3) [Adelung]


Wiedernehmen, verb. irreg. act. ( S. Nehmen,) eine gegebene Sache zurück und an sich nehmen. Eine gegebene Sache wieder nehmen, welches von, einem etwas wieder nehmen, noch verschieden ist, ob es gleich häufig damit zusammen fließet.


Wiedersagen (W3) [Adelung]


Wiedersagen, verb. reg. act. etwas, das einem gesagt worden, einem andern sagen, besonders wenn es dem ersten unter der Bedingung der Verschwiegenheit war gesagt worden.


Wiederschaffen (W3) [Adelung]


Wiederschaffen, verb. reg. act. machen, veranstalten, daß eine Sache zurück an ihren vorigen Inhaber komme. Einem etwas wiederschaffen.


Wiederschall (W3) [Adelung]


Der Wiederschall, des -es, plur. doch seltener, die -schälle, ein zurück geworfener Schall, der Wiederhall, das Echo.


Wiederschallen (W3) [Adelung]


Wiederschallen, verb. reg. neutr. mit haben. 1. Einem Schall zurück werfen. Die Felsen schallen wieder. 2. Als Schall zurück geworfen werden. Das Tönen der Morgenglocke, das aus den Dörfern wiederschallete.


Wiederschein (W3) [Adelung]


Der Wiederschein, des -es, plur. die -e, ein zurück geworfener Schein oder Glanz, z. B. der Wiederschein des Blitzes in den Wolken. An beyden Ufern der Quelle steht das fette Gras, und glänzt im vielfarbigen Wiederscheine, Geßn. In dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter Witherscin, Witherslah, bey dem Hornegk Widerglaß.


Wiederschelten (W3) [Adelung]


Wiederschelten, verb. irreg. neutr. ( S. Schelten,) mit dem Hülfsworte haben, Schelten mit Schelten erwiedern. So auch das Wiederschelten.


Wiederschicken (W3) [Adelung]


Wiederschicken, verb. reg. act. zurück, an den vorigen Inhaber schicken.


Wiederschimpfen (W3) [Adelung]


Wiederschimpfen, verb. reg. act. Schimpfen mit Schimpfen erwiedern. So auch das Wiederschimpfen.


Wiederschlagen (W3) [Adelung]


Wiederschlagen, verb. irreg. act. et neutr. ( S. Schlagen,) einen Schlag mit einem andern vergelten, Schlagen mit Schlagen erwiedern.


Wiederschreiben (W3) [Adelung]


Wiederschreiben, verb. irreg. act. et neutr. ( S. Schreiben,) an den, welcher geschrieben hat, zurück schreiben, eine Zuschrift erwiedern.


Wiedersehen (W3) [Adelung]


Das Wiedersehen, des -s, plur. car. das Sehen und Sprechen nach vorher gegangener Trennung. Adieu bis auf Wiedersehen! eine im vertraulichen Umgange gewöhnliche Formel. Das Verbum, sich wieder sehen, bleibt getheilt, weil wieder hier die einfache Bedeutung des von neuen, der Wiederhohlung hat. Aber das Substantiv ist zusammen gesetzt, weil wieder und sehen einen gemeinschaftlichen Artikel haben, der beyde zu einem einigen Ganzen vereiniget.


Wiedersenden (W3) [Adelung]


Wiedersenden, verb. irreg. act. ( S. Senden,) zurück, an den vorigen Inhaber senden; in der höhern Schreibart, für wiederschicken.


Wiedersprung (W3) [Adelung]


Der Wiedersprung, des -es, plur. die -sprünge, bey den Jägern, die kurzen Wendungen, welche der Leithund seitwärts und zurück auf der Fährte macht, ohne sie zu verlieren.


Wiederstatten (W3) [Adelung]


* Wiederstatten, verb. reg. act. welches aber im Hochdeutschen veraltet ist, für wieder erstatten. Es kommt noch 2 Kön. 5, 14 vor. Im Nieders. wedderstaden.


Wiederstrahlen (W3) [Adelung]


Wiederstrahlen, verb. reg. act. et neutr. im letzten Falle mit dem Hülfsworte haben, einen Strahl und strahlenden Glanz zurück werfen; ingleichen, als Strahl oder strahlender Glanz zurück geworfen werden.


Wiederstrich (W3) [Adelung]


Der Wiederstrich, des -es, plur. die -e, die Rückkehr der Strichvögel im Frühlinge, der Wiederzug, Herstrich; im Gegensatze des Hin- oder Rückstriches.


Wiedersuchen (W3) [Adelung]


Wiedersuchen, verb. reg. act. was verloren worden, suchen, um es in den Besitz des vorigen Inhabers zurück zu bringen.


Wiedertaufe (W3) [Adelung]


Die Wiedertaufe, plur. die -n, die wiederhohlte Taufe einer und eben derselben Person. Das Verbum wieder taufen, ist seltener.


Wiedertäufer (W3) [Adelung]


Der Wiedertäufer, des -s, plur. ut nom. sing. eine eigene Religions-Partey, welche behauptet, daß die Taufe nur in einem reifen Alter Statt finde, und daher diejenigen, welche von andern Kirchen zu ihr treten, von neuen taufet. Sie werden auch Anabaptisten, Taufgesinnte, und von einem ihrer ersten Lehrer Mennon, Mennoniten, Mennonisten genannt.


Wiedertönen (W3) [Adelung]


Wiedertönen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. Einen Ton oder mehrere Töne zurück schicken. Die Wälder tönen wieder von dem frohen Jubel. 2. Als Ton zurück geschickt werden. Wenn der frohe Jubel aus den Wäldern wiedertönet.


Wiedertritt (W3) [Adelung]


Der Wiedertritt, des -es, plur. die -e, ein zurück kehrender Tritt; doch sehr ungewöhnlich. Ehedem waren die Wiedertritte, Gedichte, wo ein und eben derselbe Reim in umgekehrter Ordnung wiederhohlet ward; z. B. Morhofs: Der Wassergott sah einst den Paris eilen, Durch seine Fluth sich mit der Beut zu heilen; Sprach bey sich selbst: der meinet sich zu heilen, Und schlägt sich wund mit seinem Raub und Eilen.


Wiederum (W3) [Adelung]


Wiederum, adv. von neuen, zum wiederhohlten Mahle, für das kürzere wieder. Er ist wiederum da, wiederum angelanget, wiederum verreiset, u. s. f. Die Endsylbe um scheint die Präposition zu seyn, welche den Begriff der Rückkehr verstärket. Da diese Verstärkung in den meisten Fällen unnöthig ist, so wird auch wiederum für das kürzere wieder nur alsdann gebraucht, wenn der Numerus der Rede ein dreysylbiges, oder auch die Feyerlichkeit ein volltöniges Wort erfordert. Das hinwiederum der Oberdeutschen Kanzelleyen ist noch länger und volltöniger, wird aber im Hochdeutschen noch seltene gebraucht.


Wiedervergeltung (W3) [Adelung]


Die Wiedervergeltung, plur. inus. von der R. A. wieder vergelten, die Vergeltung einer empfangenen Beleidigung, durch eine andere ähnliche.


Wiedervergeltungsrecht (W3) [Adelung]


Das Wiedervergeltungsrecht, des -es, plur. die -e, das Recht, eine empfangene Beleidigung durch eine andere ähnliche zu vergelten, Lat. Jus talionis. Das Wort ist für ein seines Gehör zu lang und schwerfällig, daher gebraucht man dafür lieber entweder das Vergeltungsrecht, zumahl da dasselbe schon den Begriff des wieder mit in sich schließt, oder auch die Umschreibung, das Recht der Wiedervergeltung.


Wiederwechsel (W3) [Adelung]


Der Wiederwechsel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Handlung, ein mit Protest zurück gekommener Rückwechsel, wenn er auf das neue auf den Remittenten zurück trassiret wird.


Wiederwuchs (W3) [Adelung]


Der Wiederwuchs, des -es, plur. inus. 1. Der Zustand, da etwas von neuen wächset. Der Wiederwuchs des abgetriebenen Holzes. 2. Dasjenige, was wieder wächset, als ein Collectivum. So wird im Forstwesen das auf abgetriebenen Schlägen wieder hervor gewachsene Holz, der Wiederwuchs genannt.


Wiedmen (W3) [Adelung]


Wiedmen, S. Widmen.


Wiege (W3) [Adelung]


Die Wiege, plur. die -n, ein Werkzeug, damit zu wiegen besonders: 1. ein auf Walzen bewegliches kleines Bett, ein Kind darin zu wiegen. Von der Wiege an, von der ersten Kindheit an. Figürlich, der erste Ursprung, das Entstehen einer Sache. Einen Aufruhr in der Wiege ersticken. Ingleichen der Ort, wo etwas entstehet, seinen Ursprung nimmt. Griechenland war die Wiege der bildenden Künste. 2. Bey den Kupferstechern ist die Wiege, Franz. Berceau, ein Werkzeug mit einer runden und mit Zähnen versehenen Unterfläche, die Kupferplatte zur schwarz n Kunst damit aufzureißen.

Anm. In der ersten Bedeutung bey dem Ottfried Wagu, in einigen gemeinen Mundarten noch jetzt Wagen, Wange, im Schwed. Wigy, im Engl. Wedge, im Franz. Fiche, Ficheron. ( S. Wiegen.) In einigen Provinzen heißt eine Wiege eine Hotze, und wiegen, hotzen. In Boxhorns Glossen wird Cunabula durch das dunkle Wort Lakaridum übersetzt.


Wiegeln (W3) [Adelung]


Wiegeln, verb. reg. act. welches ein Iterativum von wiegen und wegen in bewegen ist, aber nur in dem zusammen gesetzten aufwiegeln vorkommt S. dasselbe.


Wiegemesser (W3) [Adelung]


Das Wiegemesser, des -s, plur. ut nom. sing. in den Küchen, eine Art Messer mit einer zirkelförmigen Schneide und zwey senkrechten Handhaben, Fleisch, Gemüse u. s. f. vermittelst einer der Wiege ähnlichen Bedeutung damit zu zerschneiden.


Wiegen (W3) [Adelung]


1. Wiegen, verb. irreg. Imperf. ich wog, Particip. gewogen. Es wird auf gedoppelte Art gebraucht: 1. Als ein Activum, die Schwere eines Körpers zu erforschen suchen, besonders vermittelst einer Wage, wie wägen. Kaffeh, Eisen, Wolle wiegen. Der, welcher junge Welten aus ihrem Chaos zog, Der Himmel Raum umspannend, die neuen Sonnen wog, Dusch. Wiegen, ist in dieser thätigen Gestalt so wohl im gemeinen Leben, als der edlern Schreibart, üblich, wägen aber kommt nur in der letztern vor. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, eine gewisse bestimmte Schwere haben, mit dem Accusative des Gewichtes. Eine Sache wieget zehn Pfund, zwey Loth, wenn sie so viel am Gewichte hält. Im gemeinen Leben sagt man auch, eine Sache wiegt schwer, wiegt leicht, wenn sie schwer oder leicht ist. So auch das Wiegen. S. Wägen und das folgende.


Wiegen (W3) [Adelung]


2. Wiegen, verb. reg. act. sanft hin und her bewegen. 1. Eigentlich, auf einer runden oder zirkelförmigen Unterfläche sanft hin und her bewegen. So wiegt man junge Kinder in der Wiege. In den Schlaf wiegen. Auf ähnliche Art gebraucht man das Wort in der Schifffahrt, so der Schiffer das Both wiegt, wenn er es an dem Winde führet, und das Ruder hinten beweget, da es denn eine Bewegung, wie eine Wiege, macht. 2. Mit einer Art zirkelförmigen Messers schneiden. ( S. Wiegemesser.) So wiegt man in den Küchen den Spinat, das Fleisch u. s. f. wenn man es mit dem Wiegemesser zerschneidet. Der Kupferstecher wieget seine Platte, wenn er sie mit der Wiege bearbeitet. 3. Sanft bewegen, sanft hin und her bewegen. Welch eine bunte Blume wieget sich dort an der Quelle? Geßn. Ich höre den lispelnden West, der sich auf schlanken Zweigen wiegt, eben ders. Lisette wiegte sich in süßer Morgenruh, Zach. 3. In allen Sachen gewiegt, d. i. erfahren seyn, eine ziemlich dunkle Figur, wenn sie nicht von dem vorigen Verbo wiegen oder wägen entlehnet ist.

Anm. Dieses und das vorige Verbum sind im Grunde ein und eben dasselbe Wort, welches zu der zahlreichen Familie des Verbi wegen in bewegen gehöret, indem der Begriff der Bewegung in beyden nur auf nähere Art bestimmt wird. ( S. auch Wage, Wa- gen, Gewicht u. s. f.) Daß es in der einen Bedeutung, in welcher es von einer sanften auf- und absteigenden Bewegung irregulär, in der andern aber von einer sanften horizontalen Bewegung regulär gehet, ist ein Beweis, daß jene Bedeutung, so wie jene Form, die ältere, diese aber die neuere ist.


Wiegenband (W3) [Adelung]


Das Wiegenband, des -es, plur. die -bänder, ein Band, das Deckbett in einer Kinderwiege damit zu befestigen.


Wiegenbret (W3) [Adelung]


Das Wiegenbret, des -es, plur. die -er, ein doppeltes Kreuz von Bretern auf dem Fußboden unter den Walzen einer Kinderwiege, ihnen eine sanfte und gleiche Bewegung dadurch zu ertheilen.


Wiegenkraut (W3) [Adelung]


Das Wiegenkraut, des -es, plur. inus. im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Nahme des Wermuthes, weil es, in die Wiegen gelegt, den Schlaf befördern, und die Zauberey vertreiben soll.


Wiegenlied (W3) [Adelung]


Das Wiegenlied, des -es, plur. die -er, ein Lied, ein Kind in der Wiege damit in den Schlaf zu singen.


Wiegenpferd (W3) [Adelung]


Das Wiegenpferd, des -es, plur. die -e, ein hölzernes. Pferd mit einer zirkelförmigen Unterfläche für Kinder.


Wiegentuch (W3) [Adelung]


Das Wiegentuch, des -es, plur. die -tücher, ein Tuch, welches über eine Kinderwiege gebreitet wird, die Fliegen von dem Kinde abzuhalten.


Wiegewage (W3) [Adelung]


Die Wiegewage, plur. die -n, eine Wage zum Wiegen; eigentlich ein Pleonasmus, weil der Begriff der ersten Hälfte schon in der zweyten liegt. Indessen ist das Wort doch in den Hüttenwerken üblich, eine Wage zu bezeichnen, worauf das Erz zum Probieren abgewogen wird.


Wiegwehe (W3) [Adelung]


Die Wiegwehe, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme des Wannenwehers, wegen seines sanften schwebenden Fluges. S. Wannenweher.


Wiehern (W3) [Adelung]


Wiehern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches eine eigene Onomatopöie derjenigen lauten Stimme ist, welche die Pferde, und besonders die Hengste, in manchen Fällen von sich geben. Die wiehernden Rosse Tragen ihn hoch auf Leichnamen her, Zach. So auch das Wiehern.

Anm. Bey dem Stryker, in einer mehr einfachen Form, waien. In den gemeinen, besonders Niederdeutschen Mundarten sind dafür rämsken, rünsken, wriensken, Schwed. wrena und wrenska, frenschen, hiensken, Lat. hinnire, üblich.


Wieke (W3) [Adelung]


Die Wieke, plur. die -n, ein welcher Pfropf von ausgefaserter oder geschabter Leinwand, welchen die Wundärzte mit Balsam beträufeln und die Wunde legen. S. auch Meißel.


Wienach (W3) [Adelung]


Wienach, besser, wie nach, obgleich auch dieses keinen Werth hat, für das einsache wie. Wienach soll ich denn an sie denken? Gell. S. in Wie.


Wiener (W3) [Adelung]


Der Wiener, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine Person aus der Stadt Wien, Fämin. die Wienerinn, plur. die -en. 2. Ein in Wien verfertigtes, daher gekommenes Ding, nur in einigen einzelnen Fällen. Zu Logaus Zeiten scheint ein Wiener eine Art Österreichischer Münzsorten gewesen zu seyn: Wer den Herren um hilft stoßen, dieser ist ein treuer Diener, Wer den Herren auf hilft heben, dieser gilt nicht einen Wiener. Daher das Adjectivum Wienerisch, nach Art der Stadt Wien und ihrer Einwohner, ingleichen in Wien bereitet, daher kommend.


Wienz (W3) [Adelung]


Wienz, ein Nahme der Katzen, S. Winz.


Wiesbaum (W3) [Adelung]


Der Wiesbaum, des -es, plur. die -bäume, eine lange starke Stange, welche der Länge nach über ein Fuder Heu oder Garben befestiget wird, damit nichts herunter falle; der Heubaum, im gemeinen Leben auch Wieselbaum, im Nieders. Bindelboom. Dieses Wort von Wiese herzuleiten, weil das Hau auf den Wiesen wächst, ist wider alle etymologische Analogie, und hat einen viel zu entfernten Benennungsgrund, zumahl da auch Getreide und Stroh mit einem Wiesbaume auf dem Rüstwagen befestiget werden. Es stammet vielmehr von dem Slavonisch. Weslo, eine starke Stange, her, welches durch die Form Wieselbaum noch mehr bestätiget wird.


Wiese (W3) [Adelung]


Die Wiese, plur. die -n, ein Stück Land, welches zu Gras geheget wird, besonders wenn es einen niedrigen feuchten Boden hat. Das ist Wasser auf seine Wiese, wie man auch sagt, das ist Wasser auf seine Mühle, das ist seinen Wünschen, seinen Absichten gemäß.

Anm. Bey dem Stryker Wise, im Nieders. Wische, im Slavon. Vasha. Der Begriff der Feuchtigkeit scheinet dem Worte wesentlich anzukleben, in dem man einen hoch gelegenen Grund, auch wenn er zu Gras geheget wird, zwar einen Anger, aber keine Wiese, nennt. Im Angels. ist Waes Feuchtigkeit, und im alten Englischen Wos, Woose, ein Sumpf. ( S. auch 1 Wasen.) Unser Wasser ist davon bloß eine intensive Form, eine Menge Feuchtigkeit zu bezeichnen. Im Anspachischen scheint man eine Wiese und eine Wäße zu unterscheiden; denn so heißt es in einer gewissen Verordnung von 1772: die Mühle ist befugt, 9 Tagewerk Wiesen, und 13 Tagewerk Wääßen gemeinschaftlich zu behüthen.


Wiesel (W3) [Adelung]


Das Wiesel, des -s, plur. ut nom. sing. ein bekanntes kleines Raubthier, etwas länger als ein Eichhorn, welches nicht allein den Mäusen und Ratzen, sondern auch dem Geflügel nachstellet. Im Nieders. Weselke, im Angels. Wesle, im Engl. Weesel, im Schwed. Wesla, im Franz. Fisseau. Der Grund der Benennung ist unbekannt, obgleich gewiß ist, daß el und la nur Ableitungssylben sind, daher es nur auf die Sylbe Wis oder Wes ankommt. Im Osnabrückischen wird dieses Thier auch Hermken genannt. In den Niederdeutschen Provinzen ist Wiesel weiblichen Geschlechts, die Wiesel, plur. die -n.


Wiesenammer (W3) [Adelung]


Die Wiesenammer, plur. die -n, eine Art Ammern, welche von ihrem Geschreye auch Ziepammer genannt wird; Emberiza Cia Linn.


Wiesenbrahne (W3) [Adelung]


Die Wiesenbrahne, plur. die -n, in Obersachsen ein Gebüsch, so fern es das Vorholz eines Waldes ausmacht, und an eine Wiese stößt, von Brahne, ein Rand, S. Brähme.


Wiesenerz (W3) [Adelung]


Das Wiesenerz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten. die -e, eine Art Eisenerz, welches oft an feuchten Orten unter dem Rasen gefunden, und auch Sumpferz, Rasenerz, Morasterz genannt wird. Einzelne Stücke dieses Erzes heißen Wiesensteine.


Wiesenflachs (W3) [Adelung]


Das Wiesenflachs, des -es, plur. car. der Nahme einer Pflanze, S. Flachsgras.


Wiesengeld (W3) [Adelung]


Das Wiesengeld, des -es, plur. car. der Nahme einer Pflanze, welche auf den Wiesen häufig ist, und deren Same einige Ähnlichkeit mit kleinen Geldstücken hat; Lysimacha Nummularia Linn. auch Pfennigkraut.


Wiesenglocke (W3) [Adelung]


Die Wiesenglocke, plur. die -n, ein Nahme der kleinen randblätterigen Glockenblume, welche auch Milchglöcklein und Glasglöcklein genannt wird; Campanula rotundifolia Linn.


Wiesengras (W3) [Adelung]


Das Wiesengras, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -gräser, ein jedes Gras, welches auf den Wiesen gewöhnlich ist, zum Unterschiede von dem Gartengrase u. s. f.


Wiesengrund (W3) [Adelung]


Der Wiesengrund, des -es, plur. die -gründe, eine niedrige, mit Gras bewachsene, und als Wiese gebraucht Gegend.


Wiesenhafer (W3) [Adelung]


Der Wiesenhafer, des -s, plur. car. eine dem Hafer ähnliche Grasart, welche auf feuchten Wiesen wächset, und eines der besten Futterkräuter ist, Avena elatior Linn.


Wiesenhobel (W3) [Adelung]


Der Wiesenhobel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Landwirthschaft, ein Werkzeug, die Maulwurfshaufen auf den Wiesen wegzuschaffen, und dadurch die Wiesen zu ebenen; auch die Wiesenschleppe, und in einigen Gegenden der Raupenpflug.


Wiesenhummel (W3) [Adelung]


Die Wiesenhummel, plur. die -n, eine Art kleiner schwarzhaariger Hummeln, welche auf den Wiesen lebt; Apis pratorum Linn.


Wiesenklee (W3) [Adelung]


Der Wiesenklee, des -s, plur. car. ein Nahme des gemeinen Klees, welcher auf den Wiesen wild wächset, Himmelbrot, Trifolium pratense Linn. S. Klee.


Wiesenknarre (W3) [Adelung]


Die Wiesenknarre, plur. die -n, S. Wachtelkönig.


Wiesenknopf (W3) [Adelung]


Der Wiesenknopf, des -es, plur. die -knöpfe, der Nahme einer Pflanze, welche auf den Wiesen einheimisch ist; Sanguisorba Linn.


Wiesenkohl (W3) [Adelung]


Der Wiesenkohl, des -es, plur. car. auch eine Pflanze, welche dem Kohle gleicht, und auf den Wiesen einheimisch ist; Kratzkraut, Stechkraut, Cnicus Linn.


Wiesenkresse (W3) [Adelung]


Die Wiesenkresse, plur. inus. eine Art wilder Kresse, welche auf den feuchten Wiesen einheimisch ist; Cardamine pratensis Linn.


Wiesenkümmel (W3) [Adelung]


Der Wiesenkümmel, des -s, plur. inus. eine Art wilden Kümmels, welche auf den Europäischen Wiesen angetroffen wird, Karbe; Carum Carvi Linn. S. Kümmel.


Wiesenläufer (W3) [Adelung]


Der Wiesenläufer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme des so genannten Wachtelköniges, welcher sich häufig auf den Wiesen antreffen lässet, daher er auch Grasläufer genannt wird. S. Wachtelkönig.


Wiesenlerche (W3) [Adelung]


Die Wiesenlerche, plur. die -n, eine Art Lerchen, welche sich in den Wäldern, auf den Wiesen und Brachäckern aufhält, und daher auch Heidelerche, Brachlerche, Waldlerche, Mittellerche und Steinlerche genannt wird, Alauda sylvestris Klein. zum Unterschiede von der Sanglerche, und Häubellerche. In einigen Gegenden wird auch der Wiesensperling, Passer pratorum Klein. die Wiesenlerche genannt.


Wiesenmaht (W3) [Adelung]


Die Wiesenmaht, plur. car. S. Wiesewachs.


Wiesenmohn (W3) [Adelung]


Der Wiesenmohn, des -es, plur. inus. ein Nahme der Kornrose, oder des Feldmohnes, S. das letztere Wort.


Wiesenpflug (W3) [Adelung]


Der Wiesenpflug, des -es, plur. die -pflüge, eine besondere Art Pflüge, die Wiesen damit aufzureißen.


Wiesenpreis (W3) [Adelung]


Der Wiesenpreis, des -es, plur. car. der Nahme einer Art wilden Klees, S. Klee.


Wiesenraute (W3) [Adelung]


Die Wiesenraute, plur. inus. eine Art Raute, welche auf den Wiesen einheimisch ist, und auch Alpenraute und Heilblatt genannt wird, Thalictrum flavum und speciosum Linn.


Wiesenrode (W3) [Adelung]


Die Wiesenrode, plur. inus. ein nur in einigen Provinzen, besonders Niederdeutschlandes, übliches Wort, die Urbarmachung sumpfiger Gegenden zu Wiesen zu bezeichnen; von dem Niedersächsischen Zeitworte roden, rotten, ausrotten.


Wiesenschleppe (W3) [Adelung]


Die Wiesenschleppe, plur. die -n, S. Wiesenhobel.


Wiesenschwingel (W3) [Adelung]


Der Wiesenschwingel, des -s, plur. inus. eine Grasart und Unterart des Schwingels, welche auf den Europäischen Wiesen einheimisch ist; Festuca elatior Linn.


Wiesensperling (W3) [Adelung]


Der Wiesensperling, des -es, plur. die -e, eine Art Sperlinge mit einem kürzern Schnabel, welche sich auf den Wiesen aufhalten, und auch Erdsperlinge, ingleichen Wiesenlerchen genannte werden, ob sie gleich nicht zu den Lerchen gehören; Passer pratorum Klein.


Wiesenstein (W3) [Adelung]


Der Wiesenstein, des -es, plur. die -e, ein einzelnes Stück des Wiesenerzes, S. dieses Wort.


Wiesenvogt (W3) [Adelung]


Der Wiesenvogt, des -es, plur. die -vögte, auf großen Landgütern, ein Wirthschaftsbedienter, welcher die Aufsicht über die Wiesen hat.


Wiesenwanze (W3) [Adelung]


Die Wiesenwanze, plur. die -n, eine Art Wanzen, welche auf den Wiesen angetroffen wird, Cimex pratensis Linn.


Wiesenwinde (W3) [Adelung]


Die Wiesenwinde, plur. die -n, eine Art Winde, Convolvulus Linn. welche auf den Wiesen einheimisch ist.


Wiesenwolle (W3) [Adelung]


Die Wiesenwolle, plur. car. ein Nahme zweyer verschiedenen Pflanzen. 1. Des Flachsgrases, Eriophorum polyliacium Linn. welches auch Wiesenflachs, Mattenflachs, und Wollgras heißt. ( S. Flachgras.) 2. Einer Art Ruhrkrautes, vielleicht das Gnaphalium uliginosum Linn.


Wiesenzehnte (W3) [Adelung]


Der Wiesenzehnte, des -n, plur. die -n, derjenige Zehnte, welcher von der Wiesen, und dem darauf gewonnenen Heue gegeben wird.


Wiesenzeitlose (W3) [Adelung]


Die Wiesenzeitlose, plur. die -n, eine Art Zeitlosen, welche auf feuchten Wiesen wächset, und eine der ersten Frühlingsblumen ist, Colch?cum Linn. In einigen Gegenden wird sie Uchtblume genannt.


Wiesewachs (W3) [Adelung]


Der Wiesewachs, des -es, plur. car. ein Collectivum, ein Vorrath von Wiesen in Ansehung des darauf wachsenden Grases; der Heugewinn. Ein Gut hat vielen Wiesewachs, wenn sich viele Wiesen bey demselben befinden. Nicht so üblich sind die Formen Wiesenwuchs und Wiesenwachs. Im Oberdeutschen ist dafür Wiesmaht, Wiesenmaht üblich, im Schwabensp. Wismat, wo die letzte Hälfte das Substantivum Mahd, oder Maht, von mähen ist.


Wievielste? (W3) [Adelung]


Der, die, das Wievielste? die fragende und relative Ordnungszahl, der einfachern wie viel. Der wievielste war es? Ich weiß nicht mehr, der wievielste es war. Wie viel ist kein Compositum, weil es sonst wie alt, wie sehr, wie groß u. s. f. auch seyn müßten; wohl aber der wievielste, weil hier nicht allein eine gemeinschaftliche Biegungssylbe, sondern auch ein gemeinschaftlicher Artikel. S. meine Sprachlehre in dem Kapitel von zusammen gesetzten Wörtern, ingleichen im vorigen Wie.


Wiewohl (W3) [Adelung]


Wiewohl, eine concessive Conjunction, die scheinbare Aufhebung zweyer Sätze zu verneinen, wie obgleich. Es wird so wohl im Nachsatze gebraucht: ich weiß es nicht gewiß, wiewohl ich etwas davon gehöret habe. Als auch im Vordersatze: wiewohl er mich nicht erkannte, so ward er mir doch geneigt. Man verwechsele diese Conjunction, welche um ihrer elliptischen und figürlichen Bedeutung Willen mit Recht als ein Compositum geschrieben wird, nicht mit dem getrennten wie wohl, wo keine Ursache zur Zusammenziehung vorhanden ist. Wie wohl ist mir! Er hat es nicht mehr, wie du wohl weißt.


Wigand,Weigand (W3) [Adelung]


* Der Wigand, oder Weigand, des -es, plur. die -e, ein längst veraltetes Wort, welches ehedem einen Kriegesmann, braven Soldaten, tapfern Helden bedeutete, und von dem alten Wig, Krieg, Treffen, und der veralteten Ableitungssylbe and, abstammet. S. von diesem Worte Frischens, Schilters und anderer Glossarien.


Wild (W3) [Adelung]


Wild, -er, -este, adj. et adv. ein Wort, welches überhaupt der durch Cultur und Kunst veredelten und erhöheten Beschafheit entgegen gesetzet ist. 1. Der physischen Cultur entgegen gesetzt und ihrer beraubt, wo es in den meisten Fällen dem zahm entgegen gesetzt ist, und von Gegenständen aus allen drey Reichen der Natur gebraucht wird. Wilde Gewächse, Kräuter, Pflanzen und Bäume, welche in Freyen ohne vorzügliche Wartung wachsen, im Gegensatze der Garten und Feldgewachse. Eine Pflanze wächset wild, wenn sie im Freyen ungebauet wächset. In einer engern Einschränkung sind wilde Baumstämme, Stämme von Gartenbäumen, welche noch nicht gepfropfet sind. ( S. Wildling.) So auch von Thieren, im Gegensatze der zahmen und häuslichen Thiere. Wilde Thiere. Wildes Geflügel. Wilde Schweine, Pferde, Ochsen, Änten, Gänse, Tauben u. s. f. Selbst von Fischen gebraucht man dieses Wort, im Gegensatze der in Teichen gehegten Fische. Wilde Fische, Fische in Strömen, Bächen, Seen und Meeren. Die wilde Fischerey, die Fischerey auf solchen Wassern. Ingleichen von Gegenständen des leblosen Körperreiches. Ein wilder Ort, ein wilder Boden, ein ungebaueter. Ein wilder Wald, welcher der menschlichen Aufsicht, des menschlichen Besitzes beraubt ist. Wildes Wasser, welches nicht durch Kunst an einen Ort geleitet und geheget wird. Ein wildes Bad, gewöhnlicher, Wildbad, ein mineralisches, von der Natur selbst bereitetes Bad. Wilde Erde, die Erde unter der Dammerde, welche noch nicht gebauet worden, folglich auch noch keine Gewächse getragen hat. Ein wildes Gestein, ist im Bergbaue in engerer Bedeutung, ein Gestein, welches wegen seiner Härte nicht zu gewinnen ist; oft aber auch taubes Gestein, welches keine brauchbaren Mineralien enthält. 2. Der gesellschaftlichen Cultur beraubt und ihr entgegen gesetzt, im Gegensatz des gesittet. Im diesem Verstande sind wilde Menschen, und substantive Wilde, Menschen, welche außer der engern gesellschaftlichen Verbindung leben, und daher der Kenntnisse, Fertigkeiten, Sitten des gesellschaftlichen Menschen ermangeln. Da diese engere gesellschaftliche Verbindung sehr vieler Grade fähig ist, so gibt es auch mancherley Arten von Wilden, und da es keine Menschen gibt und geben kann, welche aller gesellschaftlichen Verbindung beraubt seyn sollten, so gebraucht man das Wort nur von solchen Menschen, welche keinen stätigen Aufenthalt haben, und denen die Cultur des Bodens und der Thiere nicht das erste und vornehmste Erhaltungsmittel, daher ihre gesellschaftliche Verbindung auch nur schwach seyn kann. Die Menschen bestehen in Ansehung der Cultur aus drey großen Classen, aus Wilden, Barbaren und gesitteten Menschen. Der alte Deutsche war ursprünglich ein Wilder, in den spätern Zeiten ein roher Barbar. Der Wilde lebt, als der sorglose Pflegsohn der Natur, nicht von dem Eigenthume oder dem Werke seiner Hände, und unterscheidet sich dadurch von dem Barbaren. 3. Der moralischen Cultur beraubt und ihr entgegen gesetzt, auch unter gesitteten Menschen. Ein wilder Mensch, ein ungestümer und ungesitteter. Ein wildes und wüstes Leben führen. Wilde Blicke, ungesittete, bey der Winsbeckinn. Ein wildes Vergnügen, ein ungesittetes. Ein Vater war, wie viele Väter, Mit einem wilden Sohn geplagt, Gell. Eine wilde Unordnung. Ein wildes Geschrey. Der wilden Peitsche Knall betäubt die Straße ganz, Zach. 4. In einigen engern und besondern Bedeutungen. Wildes Fleisch in den Wunden, gefühlloses unechtes Fleisch, welches die Heilung hindert, und daher weggeschaft werden muß. Wildes Feuer, S. Hitzblatter.

Anm. Das Wort ist sehr alt, und die Wurzel selbst, ohne alle Ableitungssylbe, daher lautet es selbst im Schwed. und Engl. ungeändert wild. Aus eben dieser Ursache ist auch der eigentliche Wurzelbegriff schwer mehr aufzufinden. Alle mir bekannten Etymologen halten es mit Wald für ein und eben dasselbe Wort, indem sich zwischen wild und wald einige Verwandtschaft der Be- deutung findet. Es kann seyn, daß beyde von einer höhern dritten Bedeutung abstammen, aber unmittelbar ist wohl keines von dem andern abgeleitet, weil alsdann eines von beyden mit einer Ableitungssylbe versehen seyn müßte. Mir scheint der Begriff des Ungestümes in dem Worte wild der herrschende zu seyn. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt es häufig für fremd vor. Swer si siht dem ist truren wilde, dem ist das Trauern fremd, Burkhard von Hohenfels.


Wild (W3) [Adelung]


Das Wild, des -es, plur. car. das vorige Wort als ein Substantivum gebraucht. 1. Wilde jagdbare Thiere und Geflügel, als ein Collectivum. Edles Wild, eßbare wilde Thiere, im Gegensatze der Raubthiere, Rothes Wild, oder Rothwild, Hirsche, Hirschkühe und Rehe, zum Unterschiede von dem schwarzen Wilde oder Schwarzwilde, den wilden Schweinen. Federwild, wildes Geflügel. Auch in dieser Bedeutung ist das Wort alt, indem es schon in dem Gedichte auf den heil. Anno vorkommt. 2. In engerer Bedeutung, das weibliche Geschlecht des Hirschwildbretes, welches im gemeinen Leben die Hirschkuh, bey den Jägern aber auch das Thier genannt wird; gleichfalls als ein Collectivum, daher, wenn man es einzelnen Thieren gebrauchen will, man das Wort Stück vorsetzen muß. Vier Stücke Wild. Ein Stück Wild.


Wildacker (W3) [Adelung]


Der Wildacker, des -s, plur. die -äcker, ein Stück Feldes, welches zum Behuf des Wildes in einem Thiergarten oder Wildforste mit Feldfrüchten bestellet wird.


Wildbad (W3) [Adelung]


Das Wildbad, des -es, plur. die -bäder, ein mineralisches Bad, weil es ohne Zuthun der Kunst von der Natur selbst bereitet wird.


Wildbahn (W3) [Adelung]


Die Wildbahn, plur. die -en. 1. Von dem Substantivo, das Wild. (a) Ein geackerter oder aufgegrabener Weg in einem Jagdbezirk, damit man das hin- und herwechselnde Wild darauf verspüren möge; die Wildfuhre, Wildfahre, der Wildweg. (b) Ein Jagdbezirk, Jagdgehege oder Forst-Revier, weil, wie man sagt, das Wild daselbst gehäget, und dessen Bahn, oder Wechsel und Stege geduldet werden. Allein, da dieser Gebraucht des Wortes Bahn sehr gezwungen ist, so scheint es, daß Wildbahn in dieser Bedeutung mit dem folgenden Wildbann verwechselt worden, für welches diese Bedeutung wenigstens analogischer ist. 2. Von dem Adjectivo wild, gleichsam eine wilde Bahn, ist im Fuhrwesen die Wildbahn der ungebahnte Weg neben dem ordentlichen Fahrwege. Wenn man drey Pferde vor einem Wagen neben einander spannet, so gehet das dritte auf der Wildbahn. Im mittlern Lateine heißt ein solches Pferd Funarius, weil es, außerhalb des Joches, fune allegatus, ist.


Wildbann (W3) [Adelung]


Der Wildbann, des -es, plur. der doch wenig vorkommt, die -bänne, von dem Substantiv, das Wild, und dem alten Worte Bann. 1. Die höhere Gerichtbarkeit über alles Jagdwesen in einem Lande; wodurch sich Wildbann von dem Jagdrechte noch unterscheidet. Den Wildbann haben, d. i. das Recht, einen gebannten, in seinen Gränzen eingeschlossenen und andere ausschließenden Jagdbezirk zu halten. 2. Ein solcher in seine Gränzen eingeschlossener Jagdbezirk, der, wenn er ein Wald ist, ehedem ein Bannforst genannt wurde. In dieser Bedeutung ist jetzt im gemeinen Leben die Wildbahn üblich, vermuthlich aus einer Verwechselung beyder Wörter.


Wildbaum (W3) [Adelung]


Der Wildbaum, des -es, plur. die -bäume, Kieferbäume, welche man zur Winterzeit in den Wäldern zur Erhaltung des Wildes zu fällen pflegt.


Wildbraten (W3) [Adelung]


Der Wildbraten, des -s, plur. ut nom. sing. ein Braten von einem Stücke Wild, zum Unterschiede von einem Braten von einem zahmen Thiere; ein Wildbretsbraten.


Wildbret (W3) [Adelung]


Das Wildbret, des -es, plur. car. ein Collectivum, oder vielmehr Materiale. 1. Das Fleisch wilder eßbarer Thiere oder des Wildes. Wildbret ist verdaulicher und gesünder, als das Fleisch zahmer Thiere. Wildbret einsalzen. Schweinwildbret, Hirschwildbret u. s. f. Bey den Jägern wird alles Fleisch wilder Thiere, sie seyen eßbar oder nicht, Wildbret genannt. 2. Wilde eßbare Thiere selbst, Wild. Ein Wald enthält viel Wildbret, wenn er viele dergleichen Thiere enthält. In dem Jagdwesen theilet man die eßbaren wilden Thiere ein in rothes Wildbret, schwarzes Wildbret, und Federwildbret. 3. Bey den Jägern werden die Hoden des Hirsches das kurze Wildbret genannt.

Anm. Das Wort ist alt, und lautet im Isländ. Willubrad, im Schwedischen aber Wildbrad. Die letzte Hälfte ist ein wenig dunkel. Viele leiten sie von dem Lat. praeda, Wallis. praidd, Isländ. brad, her, so daß Wildbret ein gejagtes, als Beute erhaschtes Wild bedeuten würde. Allein, da sich von diesem Worte im Deutschen sonst keine Spur findet, so scheinet Bret, zu Brot, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, zu gehören, und Speise überhaupt, besonders aber Fleisch, zu bedeuten. Nach der ersten Ableitung würde sich die gewöhnliche Schreibart Wildpret rechtfertigen lassen; nach der zweyten aber würde Wildbret die richtigere seyn. Im Nieders. bedeutet Wildbradt, Wilbradt, sauer gekochtes Fleisch, so wohl von zahmen, als wilden Thieren.


Wilddieb (W3) [Adelung]


Der Wilddieb, des -es, plur. die -e, derjenige, welcher gehegtes Wild auf eine unbefugte und diebische Art fänget, oder fället; im Oberdeutschen ein Wilderer. Daher die Wilddieberey, und die Wilddeube, in den Rechten, eine an dem Wilde begangene Deube, d. i. Diebstahl.


Wildenhirt (W3) [Adelung]


Der Wildenhirt, des -en, plur. die -en, in den Stutereyen einiger Gegenden, derjenige, welcher die Belegung der Mutterpferde zu besorgen hat, der Wildenmeister, gewöhnlicher, der Stutenmeister. Vermuthlich ursprünglich nur von solchen Stutereyen, wo die Pferde im Freyen und wild gezogen werden.


Wildenzen (W3) [Adelung]


Wildenzen, S. Wildpern.


Wildern (W3) [Adelung]


Wildern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. Von dem Comparativo wilder, wilder werden, ein im Hochdeutschen, nur in dem zusammen gesetzten verwildern, übliches Wort. Im gemeinen Leben kommt es zuweilen für sich allein vor. Wenn die Weinstöcke nicht gestäbelt werden, so fangen sie an, zu wildern, und herbe Trauben zu tragen. 2. Von Wild, Wildbret, in manchen Gegenden, das Wild auf eine unbefugte Art jagen oder tödten. Daher der Wilderer, der Wilddieb; die Wilderung, die Wilddieberey.


Wilderz (W3) [Adelung]


Das Wilderz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, der Nahme eines gewissen Golderzes auf dem Harze, welches ich doch nicht näher bestimmen kann.


Wildfahre,Wildfuhre (W3) [Adelung]


Die Wildfahre, oder Wildfuhre, plur. die -n, ( S. Wildbahn, Fahre, oder Fuhre,) bedeutet im gemeinen Leben so viel als Furche, weil ein solche Wildbahn nur aus einigen Furchen bestehet. In einigen Gegenden sind die Wildfuhren auch die Raine, welche zwischen den Äckern liegen bleiben, vielleicht so fern sie als wilde, d. i. uneigentliche und ungebahnte, Wege angesehen werden.


Wildfang (W3) [Adelung]


Der Wildfang, des -es, plur. die -fänge. 1. Von dem Substantivo Wild, der Fang des Wildes, im Gegensatze des Schießens desselben; ohne Plural. 2. Von dem Adjectivo wild. (a) Ein jedes wild gefangenes Thier oder Ding, welches daher erst gezähmet oder cultiviret werden muß. So werden in der Wildniß aufgewachsene, noch ungebändigte Pferde, Wildfänge genannt. Ein alter wild gefangener und gezähmter Habicht oder Falke heißt ein Wildfang, zum Unterschiede von einem Nestlinge oder Ästlinge, welcher jung gezähmet worden. Bey den Gärtnern werden die in die Gärten verpflanzten wilden Stämme, zahme Bäume darauf zu pfropfen, Wildfänge genannt, ( S. Wildling.) (b) Ein Fremder, Ausländer, nur noch in einigen Gegenden, besonders in der Pfalz, ein herrenloser Ausländer, über welchem dem Churfürsten von der Pfalz ein gewisses Recht zustehet, welches das Wildfangsrecht genannt wird, nach welchem er von ihm den so genannten Fahegulden bekommt, auch, im Falle er stirbt, sein Vermögen einziehet. Auch in Frankreich heißen solche Fremdlinge oder Aubaius, an einigen Orten Espaves, das Jus albinagii oder droit d'Aubaine, Espavite. (c) Ein wilder, unbesonnener Mensch.


Wildforst (W3) [Adelung]


Der Wildforst, des -es, plur. die -förste, ein Forst, worin Wild gebäget wird.


Wildfraß (W3) [Adelung]


Der Wildfraß, des -es, plur. car. der Schade, welchen das gehägte Wild an den Feldfrüchten verursacht.


Wildfremd (W3) [Adelung]


Wildfremd, adj. et adv. vollkommen fremd, ganz fremd, in der vertraulichen Sprechart. Ein wildfremder Mensch.


Wildfuhre (W3) [Adelung]


Die Wildfuhre, plur. die -n. 1. Eine Wildbahn, oder ein Wildweg, auch Wildfahre, ( S. Wildbahn.) Fahre, Fuhre, ist hier noch das alte Wort, welches so viel als eine Furche bedeutet. 2. Ein Jagdbezirk, wie Wildbahn 2, besonders ein kleiner Jagdbezirk, zum Unterschiede von einem größern. 3. Eine Fuhre, besonders Frohnfuhre, zur Fortschaffung des erlegten Wildes. 4. Ein Ackerrain, S. Wildfahre.


Wildgarn (W3) [Adelung]


Das Wildgarn, des -es, plur. die -e, in der Jägerey, eine Art niedriger und leichter Garne oder Netze, welche in Ermangelung der kostbaren Tücher, Hirsch- und Saunetze, zu den Jagden gebraucht werden; das Wildnetz.


Wildgefälle (W3) [Adelung]


Die Wildgefälle, sing. car. die Gefälle, d. i. Einkünste, von dem gejagten oder geschossenen Wilde.


Wildgraf (W3) [Adelung]


Der Wildgraf, des -en, plur. die -en, ein Nahme einiger reichsgräfl. Familien am Rheine, vermuthlich, weil sie wilde, waldige und ungebauete gebirgige Gegenden zu bevölkern und urbar zu machen bekamen, daher sie auch Rauhgrafen, und Lat. Comites hirfuti et sylvestres genannt werden. S. Rauhgraf.


Wildgras (W3) [Adelung]


Das Wildgras, des -es, plur. inus. an einigen Orten ein Nahme des Reihgrases.


Wildhafer (W3) [Adelung]


Der Wildhafer, des -s, plur. inus. wilder Hafer, welcher taube Körner hat, welche von dem Winde weit verführet werden, daher er auch Flughafer und Windhafer genannt wird, Avena fatua Linn.


Wildheit (W3) [Adelung]


Die Wildheit, plur. die -en. 1. Der Zustand, da etwas wild ist, ohne Plural. Eigentlich in allen Bedeutungen des Wortes wild; aber doch am häufigsten in der letzten moralischen. Die Wildheit siehet ihm aus den Augen. Die Wildheit des Genies. Uns Weibern ist es leicht, Der Männer Wildheit zu ersticken, Gell. 2. Eine wilde ungestüme Handlung, mit dem Plural.


Wildholz (W3) [Adelung]


Das Wildholz, des -es, plur. car. ein Nahme des Ginsters, S. Geniste.


Wildhuhn (W3) [Adelung]


Das Wildhuhn, des -es, plur. die -hühner, besser, wildes Huhn, ein Nahme des Schneevogels in der Schweiz. S. dieses Wort.


Wildhüther (W3) [Adelung]


Der Wildhüther, des -s, plur. ut nom. sing. Hüther oder Wächter zur Abhaltung des Wildes von den Feldfrüchten und Weinbergen.


Wildigkeit (W3) [Adelung]


Die Wildigkeit, plur. car. ein nur im gemeinen Leben für das edlere Wildheit übliches Wort, besonders in dem physischen Verstande des Wortes wild. Die Wildigkeit der Erze im Bergbaue.


Wildkalb (W3) [Adelung]


Das Wildkalb, des -es, plur. die -kälber, ein junges Wild, d. i. eine junge Hirschkuh, zum Unterschiede von einem Hirschkalbe; von Wild, die Hirschkuh.


Wildling (W3) [Adelung]


Der Wildling, des -es, plur. die -e, ein Ding, welches noch wild, d. i. durch Cultur noch nicht veredelt ist. In diesem Verstande werden besonders bey den Gärtnern junge wilde Obststämme aus den Wäldern, oder auch aus dem Samen gezogene gute Baumstämme, so lange sie durch Pfrovfen noch nicht veredelt sind, Wildlinge genannt. In einigen Gegenden heißen sie auch Wildfänge.


Wildmeister (W3) [Adelung]


Der Wildmeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Beamter, welcher die Aufsicht über das Wild in einem gewissen Bezirke hat, und auch Forstmeister genannt wird, wenn er dabey zugleich die Aufsicht über den Wald und dessen Nutzung hat.


Wildmeisterey (W3) [Adelung]


Die Wildmeisterey, plur. die -en, das Amt und die Wohnung eines Wildmeisters.


Wildnetz (W3) [Adelung]


Das Wildnetz, des -es, plur. die -e, S. Wildgarn.


Wildniß (W3) [Adelung]


Die Wildniß, plur. die -e, eine wilde, ungebauete und unbewohnte Gegend, besonders eine solche waldige Gegend. Um mich her sah ich nur Wildniß, Geßn. Im Oberdeutschen ist es sächlichen Geschlechtes: Alles Wildniß in den Wäldern Schmeckt die süße Liebeskost, Opitz. wo es zugleich in der im Hochdeutschen völlig unbekannten Bedeutung für Wild stehet. Von dem Geschlechte, S. Niß.


Wildpern (W3) [Adelung]


Wildpern, verb. reg. act. mit dem Hülfsworte haben, nach riechendem Wildbret riechen oder schmecken, anbrüchig riechen oder schmecken, besonders von dem Wildbrete. Es ist nur im gemeinen Leben üblich; in der anständigen Schreibart muß man den Begriff umschreiben, indem wildpern, oder wilpern, eine fehlerhafte Verkürzung des noch in manchen Gegenden üblichen wildbräunen in eben dieser Bedeutung ist, welches aber eben so dunkel ist. In noch andern Gegenden ist dafür wildenzen üblich.


Wildpret (W3) [Adelung]


Das Wildpret, S. Wildbret.


Wildschade (W3) [Adelung]


Der Wildschade, des -ns, plur. die -schäden, Schaden, welchen das gehägte Wild, an den Feldern, Gärten und jungen Hölzern thut.


Wildschuppen (W3) [Adelung]


Der Wildschuppen, des -s, plur. ut nom. sing. Schuppen, welche in den Wäldern errichtet werden, das Wild im Winter darunter zu füttern.


Wildschur (W3) [Adelung]


Die Wildschur, plur. die -en, eine Art großer Wolfspelze, an welchen die Haare auswendig sind. Das Wort ist mit der Sache selbst aus den Slavischen Ländern zu uns gekommen. Im Pohlnischen ist Wilczura ein Wolfspelz, von Wilk, ein Wolf. In der um 1300 gereimten Braunschweigisch. Chronik in Leibnitzens Script. Th. 3, S. 116. V. 86. lautet das Wort Wintschur.


Wildstand (W3) [Adelung]


Der Wildstand, des -es, plur. die -stände. 1. Der Stand des Wildes in einem Walde, d. i. derjenige Ort, wo es sich am häufigsten und liebsten aufhält. 2. Der Vorrath an gehägtem Wilde. Einen beträchtlichen Wildstand haben.


Wildtrage (W3) [Adelung]


Die Wildtrage, plur. die -n, in der Jägerey, eine Trage, das erlegte Wild damit auf einen Haufen zusammen zu tragen.


Wildwage (W3) [Adelung]


Die Wildwage, plur. die -n, eben daselbst, eine Wage, das gefällete Wild darauf zu wiegen.


Wildweg (W3) [Adelung]


Der Wildweg, des -es, plur. die -e, S. Wildbahn.


Wilhelm (W3) [Adelung]


Wilhelm, ein ursprünglich Deutscher männlicher Taufnahme, Lat. Wilhelmus, Guillielmus; im weiblichen Geschlechte mit einer Lateinischen Endung, Wilhelmina, verkürzt, in der vertraulichen Sprechart, Minna, Mienchen.


Wille (W3) [Adelung]


Der Wille, des -ns, plur. doch nur in der ersten Bedeutung, und auch hier nur selten, die -n. 1. Das Vermögen, zu wollen, da denn dieses Wort, besonders in der Philosophie, in verschiedenem Umfange der Bedeutung gebraucht wird, und bald nur die obere Kraft der Seele, nach Erkenntniß zu wollen und nicht zu wollen, bedeutet, bald aber auch das ganze Begierden-System des Menschen ausdrückt. Verstand und Willen haben. Der Verstand beschließt, der Wille führet aus. Der Wille des Menschen ist verderbt, in der Theologie, wo es auch die Begierden mit in sich schließet. Der freye Wille, das Vermögen, nach eigener Entschließung zu handeln. Seinen freyen Willen haben; jemanden seinen freyen Willen lassen. In der Theologie ist der freye Wille das natürliche Vermögen und Unvermögen in geistlichen Dingen. In dieser Bedeutung wird es zuweilen im Plural gebraucht. Die Liebe ist eine Übereinstimmung zweyer Willen zu gleichen Endzwecken, sagt der Magister bey Gellert. 2. Die Äußerung dieses Vermögens in einzelnen Fällen, es gründe sich nun auf klare, oder dunkele und sinnliche Erkenntniß, so daß es gemeiniglich die gewollte Sache mit einschließet. Auf seinen Willen bestehen. Das ist mein Wille. Er will seinen Willen haben, er verlangt, daß das geschehe, was er will. Du hast darinn deinen Willen, kannst nach eigenem Gutdünken, nach eigener Entschließung verfahren. Jemandes Willen brechen, ihn nöthigen, wider seine Begierden zu handeln. Es war nicht mein Wille, daß dieses geschehen sollte. Sein Wille muß geschehen. Den Leithund kurz fassen, damit er nicht so vielen Willen habe, damit er sich nach Willkühr bewegen könne. Besonders, 3. der Vorsatz, Entschluß. Ich habe es mit Willen gethan. Das ist mit willen ausgelassen worden. Ich habe alles gehöret, ohne daß es mein Wille war. Hierher gehöret auch der adverbische Gebrauch, Willens seyn, entschlossen seyn. Ich bin nicht Willens, zu ihm zu gehen. Dieß ist die einzige gute Hochdeutsche Form, weil das Verbum seyn in mehrern ähnlichen Fällen mit dem Genitive ohne Artikel gebraucht wird, daher die provinziellen, in Willens haben, Willens haben, im Willens haben, in Willen seyn, unanalogisch und unrichtig sind. Auch in Willens mit Auslassung des Verbi seyn, vertauscht man lieber mit üblichern Ausdrücken: ich ging zu ihm, in Willens, mit ihm von der Sache zu sprechen, besser, in der Absicht, mit dem Vorsatze, Entschlusse. 4. Gefallen, Neigung, Wunsch. Etwas wider seinen Willen thun, wider seine Neigung, ungern. Einem zu Willen leben, ihm zu Willen seyn, am häufigsten im gemeinen Leben. Der Wille des Menschen ist sein Himmelreich, die Erfüllung seiner Wünsche, Befriedigung seiner Neigungen. Oft im Gegensatze der That. Den Willen für die That annehmen. Ich sehe doch seinen guten Willen. In der niedrigen und nur im gemeinen Leben üblichen R. A. etwas für Willen nehmen, damit fürlieb nehmen, es sich gefallen lassen: Mit diessem Danke nehmt für Willen, Günth. scheint es nicht unser Substantiv Wille, sondern das noch hin und wieder im Niederdeutschen übliche Adverbium will, angenehm, zu seyn, ( S. Willkommen.) 5. Einwilligung, Beyfall. Es geschiehet mit meinem guten Willen. Mit meinem Willen ist das nicht geschehen. Etwas mit jemandes Willen thun. Er hat seinen Willen darein gegeben. Ohne mein Wissen und Willen, wider mein Wissen, mit meinem Wissen und Willen. Endlich 6. wird willen oder Willen mit der Präposition um auch häufig adverbisch gebraucht, einen Bewegungsgrund anzudeuten, da denn das Substantiv, von welchem der Bewegungsgrund hergenommen wird. im Genitiv zwischen beyden stehet; woraus erhellet, daß Willen hier zwar als ein Adverbium gebraucht wird, aber doch seine substantivische Eigenschaft nicht ganz abgeleget hat. Ich bitte dich um deines eigenen Besten, um unserer Liebe, um Gottes Willen. Es wird in dieser Gestalt am häufigsten in Bitten und Ermahnungen, und mit Pronominibus gebraucht, um meinetwillen, um deinetwillen, um deßwillen, ( S. davon Dein in der Anmerk.) In andern Fällen ist es seltener, obgleich nicht ungewöhnlich. Es geschiehet um Le- bens und Sterbens willen, d. i. in Rücksicht auf einen möglichen Todesfall. Etwas um Lobes willen thun, besser, um gelobt zu werden, in der Absicht, Lob zu erlangen. Er wird um seiner Nachlässigkeit willen gestraft, besser, wegen. Ich thue es bloß um deines Bruders willen, in Rücksicht auf deinen Bruder, aus Liebe zu ihm. Um des Himmels willen! ein gewöhnlicher Ausdruck der Verwunderung über eine unangenehme Sache.

Anm. Dieses überaus alte Wort lautet von des Kero Zeiten an Wille, bey dem Ulphilas Willja, im Angels. Vylla, im Engl. Will, im Slavon. Wule, Wola, Vola. Das Lat. Voluntas ist genau damit verwandt. S. Wollen.


Willfahren (W3) [Adelung]


Willfahren, verb. reg. act. ich willfahre, gewillfahret, eines Willen, dessen Verlangen erfüllen, mit dem Dative der Person. Einem willfahren. Ihm ist darin gewillfahret worden. So auch die Willfahrung. Obgleich dieses Wort in unsern alten Überresten nicht angetroffen wird, so hat es doch alles Ansehen eines sehr alten Wortes. Es ist von Wille und fahren in der alten weitern Bedeutung für handeln, zusammen gesetzt, nach jemandes Willen handeln. Es ist dabey eine untrennbare Zusammensetzung, welche den Ton auf der ersten Sylbe hat, folglich in der Conjugation nicht getrennet werden darf, und das Augment vor das Ganze bekommt, gewillfahret. Fahren wird zwar irregulär conjugiret, allein in dieser Zusammensetzung gehet es regulär, welches auch von bewillkommen, rathschlagen, handhaben, veranlassen, u. a. m. gilt.


Willfährig (W3) [Adelung]


Willfährig, -er, -ste, adj. et adv. geneigt, andern zu willfahren, ihr Verlangen zu erfüllen. Willfährig seyn. Ein willfähriger Mensch. Im Oberdeutschen ist dafür willfertig üblich, vermuthlich aus Verwechselung, weil die Ellipse hier zu hart und dunkel ist, obgleich dienstfertig klar genug ist.


Willfährigkeit (W3) [Adelung]


Die Willfährigkeit, plur. inus. die Neigung, Fertigkeit, andern zu willfahren.


Willig (W3) [Adelung]


Willig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Guten Willen habend, bereit, etwas zu thun oder zu leiden. Zu allen willig seyn. Ein willig Mensch. Die willige Ergebenheit in die Rathschlüsse Gottes. Willig sterben. Jemanden willig anhören. Ein williger Gehorsam. Figürlich sind im Bergbaue willige Erze, leichtflüßige. 2. * Aus freyen Willen, unbefohlen; eine veraltete Bedeutung, in welcher das bestimmtere freywillig üblich ist. Indessen kommt willig in dieser Bedeutung noch im Oberdeutschen vor. Anm. Schon im Isidor, Willeram u. s. f. willig, willich. Es ist von Wille, und der Ableitungssylbe ig, Willen habend. In unwillig, muthwillig u. s. f. wird die Bedeutung noch auf andere Art bestimmt.


Willigen (W3) [Adelung]


Willigen, verb. reg. act. seinen Willen zu etwas geben. So wohl mit dem Accusative, in welcher Gestalt doch bewilligen üblicher ist. Die Bürgerschaft hat tausend Thaler gewilliget. Als auch, und zwar am häufigsten, mit der Präposition in. In etwas willigen. Sie haben noch nicht darein gewilliget. So auch das Willigen. ( S. auch Einwilligen.) Es ist nicht von willig, sondern eine intensive Form von dem alten Verbo willen für wollen, wovon wir noch das Participium gewillet haben. ( S. in Wollen.) Auf ähnliche Art ängstigen, beherzigen, peinigen, reinigen, bekräftigen u. s. f. von ängsten, beherzen, peinen, reinen und bekräften gebildet.


Willigkeit (W3) [Adelung]


Die Willigkeit, plur. inus. der Zustand, da man willig ist, ingleichen die Fertigkeit, etwas willig zu thut oder zu leiden.


Williglich (W3) [Adelung]


* Williglich, adv. welches im Hochdeutschen veraltet ist, weil es nichts mehr und nichts weniger sagt, als das Adverbium willig. Die Oberdeutsche Mundart hing den Adverbiis auf ig immer gern noch ein lich an, um nur vielsylbige Wörter zu bekommen.


Willkommen (W3) [Adelung]


Willkommen, adj. et adv. 1. Bey der Ankunft angenehm, an genehm in Ansehung der Ankunft; da denn dieses Wort eine gewöhnliche Grußformel bey der Ankunft eines andern ist, und nur als ein Adverbium gebraucht wird. Willkommen! vollständiger, sey willkommen! sey mir willkommen! Seyd willkommen, liebliche Blümchen, umher, gestern waret ihr Knospen, jetzt stehet ihr offen da, Geßn. Jemanden willkommen heißen, ihn mit diesem Gruß empfangen; in der anständigern Sprechart, ihn bewillkommen. 2. Der Gegenwart nach angenehm überhaupt. Am häufigsten auch als ein Adverbium. Wer was bringt, ist überall willkommen. Ein Mensch, welcher wegen seiner Höflichkeit überall willkommen ist. Seine Liebe würde bey zehn andern Damen willkommen seyn. Ich weiß, wie wenig willkommen guter Rath gemeiniglich ist. Aber auch nicht selten als ein Adjectivum. O willkommen Thränen, fließt! Weiße. Das war ihm eine willkommne Nachricht. Das erste willkommene Gesicht, das ich seit der Sonnen Aufgang gesehen habe, Weiße.

Anm. Diese Grußformel ist bey den Deutschen und allein mit ihnen verwandten Völkern schon sehr alt, daher das Wort in allen verwandten Sprache, ja selbst in den meisten fremden Ländern, angetroffen wird, in welchen die Deutschen einigen Einfluß gehabt haben. Wis willechomen lieber man, sey willkommen, Stryker. Und hies sie willechomen sin, eben ders. Schon in dem alten Gedichte auf den heil. Anno ist willicumen, angenehm; im Schwed. wälkomma. Im Angels. ist velcumian, willkommen heißen. Schon die Art der Zusammensetzung verräth das hohe Alter. Will ist hier nicht das Substantivum Wille, so andern das alte noch in einigen Niederdeutschen Gegenden übliche Adverbium will, angenehm, kommen aber scheint der Infinitiv zu seyn, und für Kunft, oder auch für das Participium gekommen zu stehen. Es erhellet solches aus dem mittlern Lateine, wo Bonventus, der Willkommen ist, d. i. ein Schmaus, bey der Ankunft einer angenehmen Person. Zwar lautet das Wort im Theuerdanke, willig khumen: Seyn mir hieher got willig khumen, Kap. 96, und den Theuerdank er willig khumen hieß, Kap. 85. Allein zu geschweigen, daß diese Form weit neuer ist, so scheint sie eine bloße poetische Verlängerung zu seyn, obgleich auch willig ehedem die Bedeutung des angenehm gehabt haben kann.


Willkommen (W3) [Adelung]


Der Willkommen, des -s, plur. doch seltener, ut nom. sing. 1. Der Gruß die Begrüßung bey der angenehmen Ankunft eines andern. Ein trauriger Willkommen. Den Willkommen trinken, zur angenehmen Ankunft trinken, daher nicht allein ein solcher Trunk der Schmaus, sondern auch eine Art großer Gläser, aus welchen bey solcher Gelegenheit getrunken wurde, Willkommen genannt wurden; im Angels. Fildcumb, und selbst im Ital. Bilcomo. 2. Figürlich wird auch eine gewisse Anzahl Schläge, welche ein zum Zuchthause verurtheilter Verbrecher in manchen Fällen bey der Ankunft erhält, der Willkommen genannt.

Anm. Im Nieders. Willkumst. Das vorige Adverbium hat den Ton gemeiniglich auf der zweyten, das Substantiv aber auf der ersten Sylbe.


Willkühr (W3) [Adelung]


Die Willkühr, plur. car. 1. Das Vermögen, nach eigenem Gefallen zu handeln. Ich überlasse es deiner Willkühr. In engerer Bedeutung ist die Willkühr, das Vermögen, nach eigenen undeutlichen Vorstellungen zu handeln, zum Unterschiede von Wahl, welche sich auf deutliche Vorstellungen gründet; welche engere Bedeutung in dem folgenden Adjective am üblichsten ist. 2. * Die freye Wahl; im Hochdeutschen veraltet, aber noch Oberdeutschen gangbar. Die Willkühr haben.

Anm. Auch dieses Wort ist alt, und von Wille und dem alten Kuhr, Wahl, zusammen gesetzt. Schwed. Willkor. Im Hoch- deutschen ist es weiblichen, in manchen Provinzen aber sächlichen Geschlechtes, das Willkühr. Ehedem wurde dieses Wort noch von manchen andern Dingen gebraucht, besonders von solchen, welche von der freyen Wahl und Bestimmung Eines oder mehrerer abhangen. So ist es bald ein Vertrag, und willkühren, einen Vertrag, Vergleich machen; bald bedeutet es Statuten und Stadtgesetze, so fern sie ehedem durch die meisten Stimmen gemacht wurden, und willkühren, solche Gesetze machen; bald aber auch eine nach Willkühr oder Gutbefinden aufgelegte Strafe, und dergleichen mehr, welche man in den Glossarien aufsuchen kann.


Willkührlich (W3) [Adelung]


Willkührlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Vermögend, nach Vorstellungen zu handeln, und darin gegründet. In diesem weitesten Verstande haben, z. B. die Thiere eine willkührliche Bewegung, die Pflanzen und Mineralien aber nicht. 2. Keinen andern Grund als jemandes Willen habend, und darin gegründet. Willkührliche Strafen, welche von dem Willen des Gesetzgebers abhangen; im Gegensatze der natürlichen, welche aus der Übertretung des Gesetzes selbst begreiflich sind. 3. In der engsten Bedeutung, nach dunkeln Vorstellungen handelnd und darin gegründet, in welchem Verstande es dem, was aus Wahl, oder nach deutlich erkannten Gründen geschiehet, entgegen gesetzt wird. Willkührlich verfahren. Eine Sprache willkührlich, ohne allen Grund der Wahl, erfinden, verändern.


Willkührlichkeit (W3) [Adelung]


Die Willkührlichkeit, plur. inus. der Zustand, die Eigenschaft, da etwas willkührlich ist, in allen vorigen Bedeutung. Die Willkührlichkeit einer Bewegung, eines Verfahrens.


Wimbel (W3) [Adelung]


Der Wimbel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur bey den Jägern übliches Wort, wo der Hirsch den Wimbel macht, oder wimbelt, wenn er die Ameisenhaufen mit dem Gehörne und den Läusten aus einander schlägt. Vielleicht von dem folgenden wimmeln.


Wimbeln (W3) [Adelung]


Wimbeln, verb. reg. neutr. mit haben, S. das vorige.


Wimmer (W3) [Adelung]


Die Wimmer, plur. die -n, ein harter, verworrener Theil in einem weichern. So werden die Knorren oder Überbleibsel ehemahliger Äste in dem Holze Wimmern genannt. Im Bergbaue führen diesen Nahmen ähnliche harte Theile in dem Gesteine, welche gleichsam aus verworrenen in einander geschlungenen Fäden bestehen. Auch dieses Wort hat einen ähnlichen Ursprung, von dem veralteten wimen, nur daß es hier in einer figürlichen Bedeutung gebraucht worden.


Wimmerig (W3) [Adelung]


Wimmerig, adj. et adv. Wimmern enthaltend. Wimmeriges Holz, Gestein. Erlenholz ist wimmerig, und reißt daher nicht so leicht als anderes.


Wimmern (W3) [Adelung]


Wimmern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, einen schwachen, zitternden Laut der leidenden Ohnmacht von sich geben, wie kleine Kinder, und zuweilen auch Hunde; ein Laut, welcher von dem Winseln noch unterschieden ist. Seufzen und wimmern. Nur verzärtelte Seelen haben immer zu wimmern und zu winseln. Über das Verderben der Welt wimmern. Der Hund verrieth mich durch sein Wimmern. So auch das Gewimmer und das Wimmern.

Anm. Nieders. wemern, Engl. whimper. Es ist eine Onomatopöie des Lautes, welchen es eigentlich ausdruckt, der Form nach aber gleichfalls ein Iterativum. In den gemeinen Oberdeutschen Mundarten ist dafür kürbeln, in den Niederdeutschen aber mirren, krönken, zünsern u. s. f. üblich.


Wimmerling (W3) [Adelung]


Der Wimmerling, des -es, plur. die -e, ein immer wimmerndes Geschöpf. Du bist auch ein solcher Wimmerling.


Wimpel (W3) [Adelung]


Der Wimpel, des -s, plur. ut nom. sing. bey manchen auch Wimpel, plur. die -n, auf den Schiffen, lange schmale Fahnen, so wohl bey feyerlichen Gelegenheiten zum Staate, als auch Signale und Befehle damit zu geben; wodurch sie sich von den Flaggen unterscheiden. Schon flattern die Flaggen und Wimpel um den wankenden Mast, Zach. Wohlan, mein Lied, spann alle deine Segel, bis den Wimpel auf, Raml. Die Wimpel ist vermittelst der Wimpelscheide an dem Wimpelflocke befestiget.

Anm. Im Nieders. Wimpel, im Schwed. wimpla, im mittlern Lat. Gimpla, Impla, Implex. Es hat den Nahmen von der leichten flatternden Bewegung. ( S. Wimmeln.) Ehedem bedeutete daher Wimpel, Engl. Wimple, auch einen Schleyer.


Wimper (W3) [Adelung]


Die Wimper, plur. die -n, der Rand des obern Augenliedes, und dieses obere Augenlied selbst; vollständig, die Augenwimper.


Wimpern (W3) [Adelung]


Wimpern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, in einer zitternden Bewegung seyn, und diese Bewegung hervor bringen. Es wird nur noch zuweilen von der ungewöhnlich häufigen Bewegung der Augenlieder gebraucht. Mit den Augen wimpern, blinzeln. S. die

Anm. zu Wimmeln.


Wind (W3) [Adelung]


Der Wind, des -es, plur. die -e. 1. Die starke Bewegung eines beträchtlichen Theiles der Luft-Masse. Der Grad der Stärke unterscheidet den Wind von der schwächern Luft und Lüftchen und dem stärkern Sturme. Wind machen, die Luft in eine starke Bewegung setzen. Es gehet ein Wind, ein starker Wind. Es entstehet ein Wind. Der Wind erhebt sich. Der Wind hat sich gelegt. Einem Schiffe den Wind abschneiden, sich mit seinem Schiffe so legen, daß der Wind den Pulverdampf auf das feindliche Schiff wehen muß. An den Wind steuern, eben das. das Vordertheil gegen den Wind wenden, um mit einem Seitenwinde zu fahren. Bey dem Winde liegen, eben das. die Segel so stellen, daß sie keinen Wind fassen. An den Wind kommen, sich mit seinem Schiffe nahe an ein anders legen, als ob man gegen dessen Strich steuerte. Das Schiff läuft durch den Wind, wenn es sich wider Willen des Steuermannes umdrehet. Der Wind springt, wenn er schnell von einer Richtung zur andern gehet. Unter dem Winde eines Schiffes seyn, zwischen sich und der Gegend, aus welcher der Wind kommt, ein anders Schiff haben. Einem vor dem Winde seyn, der Gegend, woher der Wind kommt, näher als ein anderes Schiff seyn. Figürliche Ausdrücke sind: den Mantel nach dem Winde hängen, sich in die Zeit und Umstände schicken: in den Wind reden, etwas in den Wind sagen, vergeblich reden, ohne daß es Eindruck mache; etwas in den Wind schlagen, es nicht achten; in den Wind bauen, sich vergebliche Hoffnung machen. 2. Die Bewegung einer in den Gedärmen verschlossenen Luft, wie Blähung; in welcher Bedeutung es in dem Plural am häufigsten ist. Das Gemüse macht Winde. Von Winden geplagt werden. 3. Figürlich. (a) Geräusch ohne Wirklichkeit, besonders ein solches Wortgeräusch; ohne Plural. Wind machen, prahlen. Unwahrheiten erzählen. Mit Wind handeln. Glaube es nicht, es ist lauter Wind. (b) Geheime, dunkle Nachricht; im gemeinen Leben, auch ohne Plural. Wind von etwas bekommen. In der Schweiz ist Nachwind so viel als Nachricht. (c) * Ein Windspiel oder Windhund; im Hochdeutschen veraltet.

Anm. Dieses alte Wort lautet von des Kero Zeiten an, und in allen verwandten Mundarten, von dem Ulphilas an, unverändert Wind. So einfach es zu seyn scheinet, so ist es doch von wehen abgeleitet, und vermuthlich aus wehend zusammen gezogen. Das Lat. Ventus ist genau damit verwandt.


Windbeutel (W3) [Adelung]


Der Windbeutel, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein windiger Mensch, welcher vieles Geräusch ohne Gründlichkeit, viele und leere Worte ohne That und Wahrheit macht; ein sehr harter Ausdruck, wofür Windmacher ein wenig gelinder ist. 2. Eine Art Gebackenes von Mehl, Eyern und Butter, welches inwendig hohl ist.


Windblase (W3) [Adelung]


Die Windblase, plur. die -n, Diminut. das Windbläschen, eine statt des Eiters mit Luft angefüllte Blase an dem menschlichen Leibe.


Windblatter (W3) [Adelung]


Die Windblatter, plur. die -n, unechte Blattern, welche statt des Eiters mit Luft angefüllet sind, im Niederd. Windpocken. Sind sie statt der Luft mit Wasser angefüllet, so heißen sie Wasserblattern, und, wenn sie eine harte Materie enthalten, Steinblattern.


Windbohne (W3) [Adelung]


Die Windbohne, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Schminkbohnen, oder Phaseolen; ohne Zweifel von winden, ranken.


Windbret (W3) [Adelung]


Das Windbret, des -es, plur. die -er, an der Holländischen Windmühlen, ein Bret, welches jede Hälfte der Windflügel ausfüllet, und den Stoß des Windes am ersten empfängt.


Windbruch (W3) [Adelung]


Der Windbruch, des -es, plur. die -brüche. 1. Im Forstwesen, ein von dem Winde am Baume verursachter Bruch. Ist es ein Spalt oder Riß, so heißt es ein Windriß; ist aber der ganze Baum von dem Winde umgerissen worden, so wird es ein Windfall, Windschlag oder Windwurf genannt. Auch das auf solche Art beschädigte oder gefällte Holz wird Windbruch, Windriß, Windfall und Windschlag genannt. 2. Bey den Ärzten, ein Bruch an dem menschlichen Leibe, welcher mit Luft angefüllet ist.


Windbüchse (W3) [Adelung]


Die Windbüchse, plur. die -n, eine Kugelbüchse, welche statt des Pulvers mit Luft geladen wird.


Winddorn (W3) [Adelung]


Der Winddorn, des -es, plur. die -e, eine Geschwulst der Knochen und der über denselben liegenden welchen Theile, von einem innern Beinfraße, Arthrocace.


Winddürre (W3) [Adelung]


Winddürre, adj. et adv. 1. Von der Luft oder dem Winde dürre oder trocken. ( S. Windtrocken.) 2. Figürlich und im Scherze, so dürre, daß man von dem Winde weggeführet werden könnte. Ein alter winddürrer Officier.


Winde (W3) [Adelung]


Die Winde, plur. die -n, von dem Verbo winden. 1. Der Nahme einer Pflanze, welche sich um andere Gegenstände windet, Convolvulus Linn. deren es wieder viele Arten gibt; auch Windeglöcklein, Windekraut, Aufrechte Winde, Evolvulus Linn. 2. Ein Werkzeug, Fäden damit ab- oder auf einen Knäuel zu winden. ( S. Garnwinde.) 3. Ein Werkzeug, Lasten damit in die Höhe zu winden, dessen es wieder verschiedene Arten gibt, als Baumwinden, Wagenwinden u. s. f. Auch der Kloben oder Flaschenzug wird in einigen Gegenden eine Winde oder Zugwinde genannt.


Windebaum (W3) [Adelung]


Der Windebaum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum oder starkes Holz, einen Kloben daran zu befestigen. Von dieser Art sind die Windebäume der Brunnenmeister, vermittelst deren sie die Pumpenröhren aus den Brunnen winden.


Windebret (W3) [Adelung]


Das Windebret, des -es, plur. die -er, bey den Seidenarbeitern, senkrecht stehende Breter, die Seide vermittelst derselben abzuwinden.


Windehals (W3) [Adelung]


Der Windehals, der Nahme eines Vogels, S. Wendehals.


Windeisen (W3) [Adelung]


Das Windeisen, des -s, plur. ut nom. sing. von Wind, an den Fenstern, quer über die Scheiben und an denselben befestigte Eisen, damit der Wind die Scheiben nicht beschädige. S. Fenstereisen.


Windeeisen (W3) [Adelung]


Das Windeeisen, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Verbo winden, eiserne Werkzeuge, etwas damit zu winden. Bey den Schlössern und Metall-Arbeitern ist das Windeeisen ein starker Hebel mit einem Loche, Schrauben und andere Dinge mit großer Gewalt damit umzudrehen. Bey den Weißgärbern ist es ein gekrümmtes Eisen, das Leder damit auf der Windestange auszuwinden.


Windeglöcklein (W3) [Adelung]


Das Windeglöcklein, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme der Winde, Convolvulus; S. dieses Wort.


Windekraut (W3) [Adelung]


Das Windekraut, des -es, plur. inus. S. eben daselbst.


Windel (W3) [Adelung]


Die Windel, plur. die -n, schmale Streifen von Zeug, neugeborne Kinder damit zu umwinden; in einigen Gegenden, das Wickelband, in Österreich die Fatsche, von fascia, in Hamburg der Bund; ein Kind in den Bund bringen, es windeln; in andern Gegenden Bundel. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe el, ein Ding, Werkzeug, von dem Verbo winden gebildet.


Windelband (W3) [Adelung]


Das Windelband, des -es, plur. die -bänder, ein Band, die Windeln damit zusammen zu bilden. Ist es eine Schnur, womit die Windeln umgeben werden, so heißt es eine Windelschnur.


Windelboden (W3) [Adelung]


Der Windelboden, S. Wendelboden.


Windelkind (W3) [Adelung]


Das Windelkind, des -es, plur. die -er, ein gewindeltes Kind, ein kleines Kind, welches noch gewindelt wird, ein Wickelkind.


Windeln (W3) [Adelung]


Windeln, verb. reg. act. mit Windeln umgeben, nur noch von kleinen Kindern; in manchen Gegenden wickeln, im Oberdeutschen fatschen, in Hamburg bünken, von Bund, Windel. Ein Kind wickeln. Ein gewickeltes Kind. Ottfried gebraucht dafür fandon, welches unser binden oder winden ist. Windeln hat das Ansehen eines Diminutivi oder Iterativi von winden; allein es scheinet vielmehr unmittelbar von Windel abgeleitet zu seyn.


Windelschnur (W3) [Adelung]


Die Windelschnur, plur. die -schnüre, S. Windelband.


Windeltreppe (W3) [Adelung]


Die Windeltreppe, S. Wendeltreppe.


Winden (W3) [Adelung]


Winden, verb. reg. act. welches nur bey den Jägern üblich ist, wo es so viel als riechen bedeutet, und besonders von den Jagdhunden gebraucht wird, wenn sie die Nase gegen den Wind richten, um den Geruch desto besser zu empfinden. Eben daselbst sagt man auch, das Wildbret hat den Jäger in den Wind bekommen, wenn es ihn riecht oder wittert; der Hund hat was in Wind, riecht, wittert etwas. Man siehet leicht, daß winden in dieser Bedeutung von Wind gebildet ist, so fern derselbe die Gerüche sehr weit verführet.


Winden (W3) [Adelung]


Winden, verb. irreg. act. Imperf. ich wand, ehedem wund, Conjunct. wände, Particip. gewunden. Es bedeutet eigentlich theils eine schlangenförmige, theils eine um einen Punct gehende Bewegung ertheilen. 1. Eine gekrümmte, schlangenförmige Bewegung ertheilen. Sich krümmen und winden. Der Weg windet sich durch das Gebüsch. Wo der murmelnde Quell durch Gras und Blumen sich windet, Zach. Sich mühsam durch eine enge Öffnung winden. Sich durch Hunger und Verachtung hindurch winden. Die Hände winden, ringen. Ir hen- de si ser wunden, Stryker. Nasse Wäsche winden, ringen. Einem etwas aus der Hand winden. Kränze winden, flechten. Verflucht sey dieser Schmeichler, sey diese Sclavenhand, Die um den Schlaf der Ruhmsucht den ersten Lorber wand! Dusch. Den seidnen Hals umgab ein schwarzes seidnes Band, Das sich bey seinem Kinn in eine Schleife wand, Zach. 2. Um einen Punct, um eine feste Welle bewegen; fast wie wickeln. Er ist so geschmeidig, man könnte ihn um einen Finger winden. Faden auf einen Knäuel winden. So auch aufwinden, abwinden, bewinden, überwinden, umwinden u. s. f. 3. Vermittelst einer um einen beweglichen Punct geführten Kraft bewegen. So windet man, vermittelst eines um eine Welle oder Scheibe bewegten Seiles, Lasten in die Höhe. So windet man einen Wagen aus dem Kothe, vermittelst einer um einen Punct beweglichen Kurbel. Lasten in das Schiff, aus dem Schiffe winden. Das Getreide auf den Boden winden. Etwas in die Höhe winden. Baumstämme aus der Erde winden. Daher das Winden, die Winde, und die Windung. S. die beyden letztern an ihrem Orte.

Anm. Schon im Kero wintan, im Engl. to wind, im Schwed. wind. Es scheinet ein altes Intensivum von einem veralteten wihen, drehen, zu seyn, welches noch in dem Sclavonischen Mundarten vorhanden ist, und wovon auch unser Wiede abstammet. Im Schwed. ist wind, schief. Es ist mit wenden und binden nahe verwandt, nur daß in Ansehung des letzteren das gelindere w eine schwächere Bewegung bezeichnet, als das härtere b. In erwinden, überwinden, und unterwinden scheinet es von winnen abzustammen. S. jene Wörter.


Windenagel (W3) [Adelung]


Windenagel, des -s, plur. die -nägel, bey den Färbern, ein hölzerner Nagel in einem Balken, das gefärbte Garn daran auszuwinden, oder auszuringen.


Windenmacher (W3) [Adelung]


Der Windenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher die gemeinen Wagenwinden verfertiget.


Winder (W3) [Adelung]


Der Winder, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, die Nase des Hirsches und der Hirschkuh, von dem Verbo winden, riechen.


Windeseil (W3) [Adelung]


Das Windeseil, des -es, plur. die -e, ein Seil, eine Last damit in die Höhe zu winden; wenn es sehr stark ist, das Windetau.


Windestange (W3) [Adelung]


Die Windestange, plur. die -n. 1. Bey den Weißgärbern, eine hölzerne Stange, worauf das Leder ausgewunden, oder ausgerungen wird; der Windestock. 2. Bey den Färbern, eine eiserne Stange mit einer Kurbel, die Leinwand darauf zu winden, oder zu wickeln.


Windetau (W3) [Adelung]


Das Windetau, des -es, plur. die -e, S. Windeseil.


Windey (W3) [Adelung]


Das Windey, des -es, plur. die -er, unfruchtbare Eyer, welche das Geflügel zuweilen ohne vorher gegangene Begattung legt, und welche daher zur Brut untauglich sind; Sporeyer. Sie heißen Windeyer, vermuthlich aus dem alten Vorurtheile, daß Thiere zuweilen von dem Winde empfangen könnten, daher solche Eyer Lat. Ova zephirina, subventanea, und favonia, Griech. aber - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - heißen, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Wind.


Windfackel (W3) [Adelung]


Die Windfackel, plur. die -n, Fackeln aus Harz, Pech und Wachs, welche der Wind nicht auslöschen kann.


Windfahne (W3) [Adelung]


Die Windfahne, plur. die -n, eine Fahne, so fern sie die Richtung des Windes anzeiget; zum Unterschiede von andern Arten von Fahnen. Auf den Schiffen sind die Windfahnen, oder Flügel dadurch von den Wimpeln und Flaggen unterschieden.


Windfall (W3) [Adelung]


Der Windfall, des -es, plur. die -fälle. 1. Im Forst wesen, der Fall eines von dem Winde umgerissenen Baumes; noch häufiger, von dem Winde umgerissene Bäume. S. Windbruch. In einigen Gegenden ist dafür auch Wurbs üblich, vermuthlich für Wurf, von werfen. 2. In der Seefahrt, ein heftiger, unvermutheter Windstoß.


Windfang (W3) [Adelung]


Der Windfang, des -es, plur. die -fänge, ein Werkzeug, oder eine Anstalt, den Wind, d. i. die bewegte Luft, zu einem gewissen Behufe aufzufangen. An den Blasebälgen heißt die mit einer Klappe versehene Öffnung, welche die Luft einlässet, der Windfang. Im Bergbaue ist Windfang, Wetterfang, oder Luftfang, bald ein allgemeiner Nahme aller Wetter-Maschinen, frische Luft in die Grubengebäude zu bringen, bald ein einzelner Theil derselben, welcher eigentlich zum Auffangen der Luft bestimmt ist. An den Schlageuhren ist der Windfang am Schlagewerke das, was der Englische Haken der dem Gehwerke ist, zwey Flügel auf einer Welle, den schnellen Lauf der Räder durch den Widerstand der Luft zu hemmen. Daher das Windfangsrad, wodurch derselbe in Bewegung gebracht wird. Auch im gemeinen Leben sind die Windfänge, Anstalten, den Wind von Thüren u. s. f. abzuhalten. Eben daselbst nennet man offene Windfänge, solche Orte, wo der Wind vor andern heftig empfunden wird, Kirchhöfe, offene Ebenen u. s. f.


Windfaß (W3) [Adelung]


Das Windfaß, des -es, plur. die -fässer, im Bergbaue, ein Windfang oder eine Wetter-Maschine in Gestalt eines Fasses.


Windfeder (W3) [Adelung]


Die Windfeder, plur. die -n, S. Feder 2.


Windfege (W3) [Adelung]


Die Windfege, plur. die -n, in der Landwirthschaft, eine Maschine, das Getreide durch die bewegte Luft zu reinigen, welche auch eine Getreidmühle genannt wird, obgleich die letzte Benennung zweydeutig ist.


Windflügel (W3) [Adelung]


Der Windflügel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Flügel, so fern er bestimmt ist, den Wind aufzufangen und dadurch bewege zu werden. So werden die Flügel an den Windmühlen, Windflügel genannt.


Windgalle (W3) [Adelung]


Die Windgalle, plur. die -n, ein heller Schein am Himmel, der Sonne gegen über, in Gestalt des Fußes eines Regenbogens; weil derselbe ein Zeichen eines bevorstehenden Sturmes ist. S. Galle.


Windgeschwulst (W3) [Adelung]


Die Windgeschwulst, plur. die -en, bey den Ärzten, eine mit Luft angefüllte Geschwulst; Pneumatosis.


Windglocke (W3) [Adelung]


Die Windglocke, plur. die -n, Diminut. das Windglöckchen, in einigen Gegenden, ein Nahme derjenigen Pflanze, welche am üblichsten Winde heißt, Convolvulus L.


Windgöpel (W3) [Adelung]


Der Windgöpel, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Göpel, welcher von dem Winde in Bewegung gesetzet wird; zum Unterschiede von einem Pferdegöpel.


Windgott (W3) [Adelung]


Der Windgott, des -es, plur. die -götter, in der Mythologie der Alten, ein Gott des Windes, Äolus.


Windgriff (W3) [Adelung]


Der Windgriff, des -es, plur. die -e, ein Griff in den Wind, d. i. ein vergeblicher Griff. In weiterer Bedeutung, ein jedes Versehen, Fehler, fehlgeschlagene Hoffnung u. s. f.


Windhafer (W3) [Adelung]


Der Windhafer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. S. Wildhafer; weil dessen taube Samenkörner weit von dem Winde verführet werden.


Windhalm (W3) [Adelung]