Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
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Adelung - Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
Z

A

Adelung, Johann Christoph
Hochdeutsches Wörterbuch
Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart,
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten,
besonders aber der Oberdeutschen [Adelung]

(E?)(L?) http://www.bastisoft.de/misc/adelung/

Zu den Daten

Hier finden Sie den vollständigen Text des "Grammatisch-kritischen Wörterbuchs der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen" von Johann Christoph Adelung. Er entspricht der Ausgabe von 1811, die vom Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm in Textform überführt wurde. Text und Bilder hat die sogenannte Digitale Bibliothek auf Ihrem Web-Server verfügbar gemacht, jedoch nicht als fortlaufenden Text. Das ist die Lücke, die diese Datei füllen soll.

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Sebastian Koppehel


Erstellt: 2010-02


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Q

R

S

T

U

V

W

X

Y

Z

Z (W3) [Adelung]


Z, der sechs und zwanzigste und letzte Buchstab des Deutschen Alphabetes, und der zwanzigste unter den Consonanten. Es ist der härteste unter den so genannten Sauselauten, welche den Graden der Härte nach so auf einander folgen: das gelinde s, in sehen, sieben, leise; das ß, oder einfach geschärfte nach gedehnten Vocalen, Spaß, spaßen, süß, fließen, außer; das doppelt geschärfte nach geschärften Vocalen, Wasser, wissen, lassen; und das harte, oder z, welches seiner Natur nach so wohl nach gedehnten, als geschärften Vocalen stehen kann, ob es gleich im Hochdeutschen nach gedehnten selten ist. Es wird, wie im Griechischen und Lateinischen, vermittelst eines starken Druckes der Zunge an die Zähne ausgesprochen, und stehet so wohl zu Anfange eines Wortes und einer Sylbe, Zahl, Zeit, zu, zur, als auch am Ende, und in diesem Falle am häufigsten nach gewissen Consonanten, besonders nach dem l, n, r, und t, schmelzen, Filz, Lenz, schmerzen, Schatz, Witz, schützen. Da dieser Buchstab mit einem Drucke der Zunge an die Zähne ausgesprochen werden muß, welcher einige Ähnlichkeit mit dem t hat, und auch im Hochdeutschen nicht leicht nach gedehnten Vocalen gesetzet wird, so haben viele diesen Buchstab für einen zusammen gesetzten gehalten, der aus tz entstanden sey, und daraus weiter die Folge gezogen, daß das tz überflüßig sey, indem schon in dem bloßen z ein t liege. Allein, es streiten so wohl wider die Voraussetzung, als die daraus gezogene Folge, folgende Gründe. 1. In der Figur des z ist keine Spur einer Zusammensetzung, sondern es ist ein bloßes einfaches Zeichen, so wie die übrigen. Die Zusammensetzung müßte also bloß in dem Laute liegen. Allein auch hier kann sie 2. nicht liegen, weil der Druck, mit welchem ein Buchstab vor andern seiner Classe ausgesprochen wird, noch keine Zusammensetzung macht. F, k, p und t sind gleichfalls die harten Buchstaben ihrer Classe, erfordern also auch einen Druck, der, wenn man ihn langsam auflöset, Ähnlichkeit mit einem h hat, ohne daß es bisher noch jemanden eingefallen wäre, diese Buchstaben für zusammen gesetzt zu halten. 3. Ein doppelter Buchstab fordert zwar der Regel nach einen geschärften Vocal vor sich, und wahr ist es, daß das z im Hochdeutschen fast allemahl nach geschärften Vocalen stehet. Allein, wäre es seiner Natur nach doppelt, so könnte es weder in den Mundarten noch in andern Sprachen nach gedehnten Vocalen stehen, welches doch häufig genug geschiehet: gaza, oryza, die eigenen Nahmen Buzo, Mozyr, Wizo, Rozan, die provinziellen kuzeln für kitzeln, Striezel, Kiez, biezeln, brökeln, und viele andere mehr, und selbst die Hochdeutschen Hiez, Miez, Katzen zu rufen, der Biez, u. s. f. 4. Die Etymologie zeiget sehr deutlich, daß das z am Ende einer Sylbe und in der Mitte der Wörter aus dem gelindern s entstanden ist, besonders wenn es nach gewissen Consonanten stehen sollte, die ihrer Natur nach dieses s gern in das härtere z verwandeln, wohin besonders l, n und r gehören: schmelzen, falzen, schmerzen, tanzen, u. s. f. wo es aus den Ableitungssylben sen und seln entstanden ist. Wenn das t ein s nach sich haben sollte, so theilet sich dessen eigenthümlicher Druck gern auch dem folgenden s mit, daher dasselbe gleichfalls in ein z übergehet: Platz, sitzen, Schatz, hetzen, schützen, reitzen, putzen u. s. f. Man sehe, was von jedem dieser Wörter in Ansehung der Ethymologie gesaget worden, so wird man allemahl finden, daß das z aus einem bloßen gelinden s entstanden ist, und daß folglich das t zur Wurzel gehöret; daher auch die Niederdeutschen, welche das s gern durch ein t aus- drucken, dergleichen Wörter oft vermittelst eines tt sprechen und schreiben: Schatt, sitten, schütten, außer wo die Onomatopöie noch zu merklich ist, wie in blitzen, platzen u. s. f. Es ist also eine wahre Verstümmelung und Verletzung der nächsten Abstammung, wenn man in solchen Fällen das t, da es doch zur Wurzel gehöret, weglassen, und Schaz, sizen, hezen u. s. f. schreiben wollte, weil dergleichen Wörter nicht anders als gedehnt gesprochen werden können, Schaz, sizen, hezen. Eben so groß ist die Verstümmelung, wenn man dem tz ein zz unterschieben will, weil zwar die Aussprache dadurch erhalten, aber der Bau des Wortes nicht minder zerstöret, und zugleich eine Wirkung ohne Ursache angenommen und angebracht wird; indem das z in allen diesen Fällen seinen Grund bloß in dem vorher gehenden t hat, und wieder in ein s übergehen müßte, wenn dieses wegfallen könnte, daher auch ein zz ganz wider die Analogie der Deutschen Sprache ist. Es ist dieses zugleich ein neuer Beweis, daß alle solche Neuerungen aus Unkunde der wahren Sprachgründe herrühren, und zwar einreißen und zerstören, aber niemahls bauen und bessern. S. auch was schon zu Ende des Buchstaben T von dem tz gesaget worden. Eben so wenig kann das z, wenn es zu Anfange eines Wortes stehet, für einen doppelten Buchstaben gelten, indem die Niederdeutsche Mundart, als eine Feindinn der Sauselaute, ihn gern mit dem zwar eben so harten, aber dennoch einfachen t vertauschet: tae, Tagel, Tack, Tahl, tehen u. s. f. für zähe, Zagel, Zacke, Zahl, ziehen; dagegen sie in manchen andern Fällen das sanftere Hochdeutsche s in das härtere z verwandelt: Zabel, zuften, für Säbel, seufzen. Den alten Mundarten hatte dieses z noch nicht Härte genug, daher sie es noch durch ein vorgesetztes e verdoppelten: erczaigen, Pfalczgraff, Maincz, czu, Getancz, churcz, Arczt, Erczeney, Churczweyl.


Zach (W3) [Adelung]


Zach, S. Zähe.


Zäcke (W3) [Adelung]


Die Zäcke, S. Zecke.


Zacklinie (W3) [Adelung]


Die Zacklinie, plur. die -n, in der Kriegsbaukunst, eine Art der Verschanzung, welche aus hinter einander befindlichen rechtwinkeligen Redans bestehet.


Zackern (W3) [Adelung]


+ Zackern, verb. reg. act. welches nur in der niedrigen Sprechart üblich ist, oft und in kleinen Absätzen ziehen. Am häufigsten ist es in den abgeleiteten abzackern, oder abzäckern, welches sowohl nach und nach abpflügen, als auch durch unaufhörliches Bitten von jemand erhalten, bedeutet. Es ist ein Iterativum von einem veralteten zacken, welches wiederum ein Intensivum von ziehen ist.


Zackig (W3) [Adelung]


Zackig, -er, -ste, adj. et adv. aus Zacken, oder Spitzen bestehend, Spitzen habend. Ein zackiger Tropfstein, welcher sich in Zacken bildet. Eine dreyzackige Gabel, welche drey Zacken hat. Im Nieders. ist zackig, viele Äste und Nebenäste habend.


Zackmotte (W3) [Adelung]


Die Zackmotte, plur. die -n, der neuere Nahme einer Art Nachtmotten, Phalaena Geometra erosata Hufnag.


Zaffera (W3) [Adelung]


Die Zaffera, plur. car. S. 1. Safflor.


Zagel (W3) [Adelung]


* Der Zagel, des -s, plur. ut nom. sing. ein provinzielles, im Hochdeutschen unbekanntes Wort, einen Schwanz, und einen ähnlichen langen, zugespitzten biegsamen Theil zu bezeichnen. Der Zagel eines Hundes, dessen Schwanz. Der Zagel eines Baumes, dessen Gipfel oder Zopf, daher Afterzagel in manchen Gegenden der Abgang von dem Bauholze an Gipfeln und Ästen ist. Ein Haarzagel, Haarzopf. Im Hüttenbaue ist der Zagel der vierte Theil von einem Teul des gefrischten Eisens.

Anm. In einigen Gegenden lautet dieses Wort Zahl, bey dem Notker Zagel, im Nieders. Tagel, wo es aber auch einen geflochtenen Strick zum Prügeln bedeutet, im Engl. Tail. Wenn man die Ableitungssylbe el abnimmt, so bleibt die Wurzelsylbe Zag übrig. Diese scheinet entweder zu zähe und ziehen zu gehören, oder auch etwas Spitziges zu bedeuten, in welchem letztern Falle Zacke das Intensivum davon seyn würde.


Zagen (W3) [Adelung]


Zagen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, vor Furcht zittern oder beben, und in weiterer Bedeutung kleinmüthig seyn. Fordert er mein Leben zurück, warum sollte ich zagen? Gell. Man gebraucht es besonders in Verbindung mit dem Worte zittern, zittern und zagen, theils und am häufigsten in dem abgeleiteten verzagen. ( S. dasselbe.) Ehedem war es auch für allein üblich. Ich habe gesagt, in meinem großen Zagen, in Luthers Bibel.

Anm. Schon in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter, zagen, im Nieders. gleichfalls zagen. Ehedem hatte man auch das Adverbium und Adjectivum zag, furchtsam, wofür wir jetzt zaghaft gebrauchen. Durch dehain zagen muot, Strick. Du arger zage, eben das. Das er den Held hielt für ein Zagen, im Theuerd.


Zaghaft (W3) [Adelung]


Zaghaft, -er, -este, adj. et adv. die Anwendung eines Übels für schwer unmöglich haltend, und darin gegründet; im Gegensatze des herzhaft, oder muthig. Ein zaghafter Mensch. Zaghaft seyn, werden. Schon im Stryker zagehaft, von zagen.


Zaghaftigkeit (W3) [Adelung]


Die Zaghaftigkeit, plur. car. derjenige Zustand des Gemüthes, da man die Überwindung eines Übels für schwer hält; im Gegensatze der Herzhaftigkeit, oder des getrosten Muthes. Weibliche Zaghaftigkeit.


Zagheit (W3) [Adelung]


Die Zagheit, plur. car. wie das vorige, nur daß es ein wenig seltener gebraucht wird. Es ist unmittelbar von dem veralteten zag abgeleitet, ( S. Zagen in der Anmerkung,) und lautet schon bey dem Ottfried Zagahait, der es aber für Trägheit, Faulheit, gebraucht.


Zähe (W3) [Adelung]


Zähe, -r, -ste, adj. et adv. fähig, sich ziehen, oder ausdehnen zu lassen. 1. Eigentlich, da man Körper zähe nennt, wenn sie sich mit leichter Mühe durch Ziehen ausdehnen lassen. Zäher Schleim, zäher Leim, zähes Leder, so zähe wie Pech. Das Fleisch ist zähe, wenn es sich unter den Zähnen dehnet, anstatt sich zerreiben zu lassen. 2. Figürlich. (a) Die Ausgabe, besonders des Geldes, so lange, als möglich, zurückhaltend. Er ist ein wenig zähe. Ein zäher Bezahler. Das Geld gehet zähe von ihm; eine sehr harte Figur. (b) Ein zähes Leben haben, im gemeinen Leben, schwer zu tödten seyn. 3. Im Hüttenbaue wird zähe von dem gepochten Erzte gebraucht, und da bedeutet es so viel als klar gepocht, klein. Zäher Schlamm.

Anm. Schon bey dem Stryker zehe, in einigen gemeinen Mundarten zach, im Bergbaue geziege, im Nieders. taa, tach, im Holländ. taey, im Engl. tough. Es ist von ziehen, oder vielmehr selbst die Wurzel desselben.


Zähheit (W3) [Adelung]


Die Zähheit, im gemeinen Leben, die Zähigkeit, plur. car. der Zustand, da ein Körper zähe ist, in allen Bedeutungen dieses Adverbii. Die Zähheit des Leders, Schleimes u. s. f.


Zahl (W3) [Adelung]


1. * Der Zahl, des -es, plur. die -e, ein nur in einigen Gegenden für Zagel, oder Schwanz übliches Wort, aus welchem es auch zusammen gezogen ist. ( S. dasselbe.) Bey den Fischern wird daher das spitzig zugehende Ende des Schleppsackes der Zahl genannt. S. auch Zahlstein.


Zahl (W3) [Adelung]


2. Die Zahl, plur. die -en. 1. Der bestimmte Begriff der Mehrheit, oder der wiederhohlten Einheit. Eine einfache, eine gedoppelte Zahl. Eine gerade, ungerade Zahl. Drey Zahlen zusammen addiren. Die Zahl zwey. Die goldene Zahl in der Astronomie, welche andeutet, das wievielste Jahr ein aufgegebenes in dem Mondzirkel ist. 2. Eine Zahlfigur, oder Ziffer. Römische Zahlen, Arabische Zahlen. 3. Im gemeinen Leben ist die Zahl zuweilen eine bestimmte Anzahl von Dingen. So bestehet im Fischhandel eine Zahl Platteiße, aus 110 Stück. Bey den Spinnerinnen halt eine Zahl oder ein Zaspel Garn 10, oft aber auch 20 Gebinde, jedes von 20 Faden, und jeden Faden von 4 Ellen. 12 Zahl machen ein Stück. Der Plural lautet in dieser Bedeutung nach dem Vorgange so vieler andern ähnlichen Wörter, welche ein Maß, u. s. f. bezeichnen, gemeiniglich, unverändert, Zahl. 4. Der Zustand, da ein Ganzes aus mehrern Einheiten bestehet, die Mehrheit; ohne Plural. Stark an der Zahl seyn. Es sind ihrer nur wenig an der Zahl, oder, der Zahl nach. Der erste an der Zahl, der Zahl nach. Ohne Zahl, d. i. in einer solcher Menge, welche nicht gezählet werden kann. Die Sterne, die sich ohne Zahl in dem weiten Raume des Himmels wälzen. 5. In der Sprachlehre ist die Zahl, Lat. Numerus, der Zustand, da ein individueller Begriff entweder einfach, oder mehrfach genommen wird, und da gibt es in den neuern Sprachen nur zwey Zahlen, den Singular, oder die Einheit, und den Plural, oder die Mehrheit. 6. Ein Collectivum, mehrere Dinge Einer Art in bloßer Rücksicht auf ihre Mehrheit zu bezeichnen; ohne Plural. Er gehöret nicht unter die Zahl meiner Freunde. Aus der Zahl der Heuchler seyn.

Anm. 1. Da die Zahl ein Begriff der Mehrheit ist, so kann eins eigentlich keine Zahl seyn, weil die Einheit nicht zugleich die Mehrheit seyn kann. Allein in der 1sten, 2ten, und 5ten Bedeutung gebraucht man es auch von der Einheit. Anm. 2. Zahl und Anzahl sind nicht gleich bedeutend. Gemeiniglich sagt man, Zahl sey numerus numerans. Anzahl aber numerus numeralus. Allein dieser Unterschied ist nicht ganz richtig, weil Zahl in der letzten Bedeutung gleichfalls numerum numeratum bezeichnet. Nach Stosch ist Anzahl eine aus einer großern Zahl ausgehobene Menge, und so wären Zahl und An- zahl als das Ganze und ein Theil desselben verschieden. So sage man: unter dieser großen Zahl von Menschen war nur eine kleine Anzahl, welche sich dazu entschließen wollte. Allein mich däucht, man kann es in diesem Falle auch umkehren, ohne den Sprachgebrauch zu verletzen, und sagen: unter dieser großen Anzahl von Menschen war nur eine kleine Zahl u. s. f. Der Unterschied liegt hier in der Vorsylbe an, und da deren Bedeutung in diesem Falle sehr dunkel ist, so werden auch Zahl und Anzahl oft für einander gebraucht; ich sage, oft, denn in vielen Fällen scheinet Zahl die Mehrheit überhaupt, Anzahl aber in Rücksicht auf die größere oder geringere Menge zu bezeichnen. So sagt man: unter die Zahl der Weisen, der Götter gerechnet werden, und, in starker, geringer Anzahl kommen; etwas nach der Zahl der vorhandenen Personen austheilen, und, eine beträchtliche Anzahl Bücher. So daß an hier eigentlich eine Intension zu bezeichnen scheinet.

Anm. 3. Das Wort ist alt, und lautet schon von des Kero Zeiten an Zala, im Nieders. Taal und Tall, im Engl. Tale, im Isländ. Tal, im Schwed. Tall. S. Zählen.


Zahlamt (W3) [Adelung]


Das Zahlamt, des -es, plur. die -ämter, ein Amt, oder Collegium, welches gewisse Ausgaben, oder Auszahlungen zu besorgen hat.


Zahlbar (W3) [Adelung]


Zahlbar, adj. et adv. von zahlen, fähig, oder verbunden, gezahlet oder bezahlet zu werden. Ein Wechsel ist zahlbar, wenn die Zeit, zu welcher die Zahlung in demselben bestimmt worden, vorhanden ist, welches man auch verfallen nennet. Zahlbare Kaufgelder.


Zählbar (W3) [Adelung]


Zählbar, adj. et adv. von zählen, fähig, gezählet, der Zahl nach bestimmt zu werden; im Gegensatze des unzählbar.


Zahlbret (W3) [Adelung]


Das Zahlbret, des -es, plur. die -er. 1. Ein mit einem Rande umgebenes Bret, Geld darauf zu zählen. 2. Im Bergbaue, ein Bret mit Löchern, die Zahl der ausgezogenen Kübel vermittelst eines Pflockes auf demselben zu bemerken.


Zahlbuchstab (W3) [Adelung]


Der Zahlbuchstab, des -en, plur. die -en, ein Buchstab, welcher zugleich zu einer Zahlfigur gebraucht wird, dergleichen Zahlbuchstaben die Griechen und Römer hatten.


Zahlen (W3) [Adelung]


Zahlen, verb. reg. act. welches nur von dem Gelde gebraucht wird, Geld durch Aufzählen übergeben. So wohl absolute: er kann nicht zahlen, kann seine Schulden nicht bezahlen. Zum voraus zahlen, richtig zahlen, für einen andern zahlen, für bezahlen. Als auch mit dem Accusativ der Sache, wofür doch bezahlen üblicher ist. Seine Schulden, einen Wechsel zahlen. Den Zoll zahlen. Schulden mit Schulden zahlen. Als auch mit dem Accusativ der Person, wenn die Sache nicht ausgedruckt ist. Die Soldaten zahlen. Einen redlich zahlen. Den Wirth zahlen. Auch in diesem Falle ist bezahlen im Hochdeutschen üblicher. Daher die Zahlung, S. solches an seinem Orte.

Anm. Zahlen und das folgende zählen scheinen ursprünglich nur der Mundart nach verschieden zu seyn. Indessen wird der Unterschied in der Bedeutung jetzt im Hoch- und Oberdeutschen sehr genau beobachtet. S. das folgende.


Zählen (W3) [Adelung]


Zählen, verb. reg. act. 1. * Reden, sprechen, besonders vernehmlich sprechen; eine längst veraltete Bedeutung, in welcher noch erzählen üblich ist, ( S. dasselbe.) 2. Die in der Mehrheit enthaltenen Einheiten oder Individua bestimmen. Geld zählen. Die Soldaten, die Stunden, die Sterne zählen. Er kann nicht drey zählen, ist im höchsten Grade einfältig. Etwas an den Fingern herzählen. 3. Einen Platz unter einer höhern Classe bestimmen; mit unter. Jemand unter die Gelehrten, unter seine Freunde zählen. Unter die Götter gezählet werden. So auch das Zählen, und die Zählung.

Anm. Von des Kero Zeiten an zellan, zelan, im Nieders. tellen, zählen, und talen, zahlen, im Angels. tellan, im Engl. tell, im Schwed. tälja, welche insgesammt nicht allein zählen, sondern auch reden, schwatzen, plaudern bedeuten, daher auch das Nieders. Taal, das Schwed. Taal, das Isländ. Thula, das Engl. Tale, die Sprache, ingleichen eine Erzählung, Nachricht, bedeuten. Es scheinet, daß es in der erstern weitern Bedeutung eine Onomatopöie des Sprechens, die zweyte Bedeutung aber bloß die engere von jener ist. Wachter und Ihre leiten es mit sehr sichtlichem Zwange von theilen, Schwed. tälja, schneiden, her.


Zahlende (W3) [Adelung]


Das Zahlende, des -s, plur. die -n, von Zahl, der Schweif, Schwanz, in einigen Gegenden, der Gipfel eines gefälleten Baumes; das Zopfende.


Zahler (W3) [Adelung]


Der Zahler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zahlerinn, eine Person, welche zahlet, oder bezahlet, oder vielmehr so fern sie zahlet, für das üblichere Bezahler. Ein guter, schlechter Zahler. Ein scharfer Mahner ist gemeiniglich ein böser Zahler.


Zähler (W3) [Adelung]


Der Zähler, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine Person oder Sache, welche zählet; doch nur selten. 2. In der Rechenkunst, diejenige Zahl eines Bruches, welche die Zahl der Theile des Ganzen anzeiget, welche der Bruch enthält; im Gegensatze des Nenners.


Zahlfigur (W3) [Adelung]


Die Zahlfigur, plur. die -en, eine Figur, so fern sie eine Zahl bezeichnet. Unsere heutige Zahlfiguren sind Arabisch, oder Indisch; die Griechen und Römer gebrauchen ihre Buchstaben zu Zahlfiguren.


Zählgeld (W3) [Adelung]


Das Zählgeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er. 1. Eine Belohnung an Geld für das Zählen, oder Auszahlen des Geldes. 2. An einigen Orten Obersachsens ist das Zählgeld so so viel als die Lehenwaare.


Zahlhaspel (W3) [Adelung]


Der Zahlhaspel, des -s, plur. die -n, S. Zahlweise.


Zahlmeise (W3) [Adelung]


Die Zahlmeise, plur. die -n, von Zahl, der Schwanz, in einigen Gegenden ein Nahme der kleinsten Meise, welche den längsten Schwanz hat. und auch Bergmeise, Mehlmeise Schneemeise, und Pfannenstiel genannt wird.


Zahlmeister (W3) [Adelung]


Der Zahlmeister, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zahlmeisterinn, ein Beamter, welcher gewisse Auszahlungen zu besorgen hat, und von dem Schatzmeister noch verschieden ist. So hat man an den Höfen Hofzahlmeister, Kammerzahlmeister, Kriegszahlmeister u. s. f.


Zahlperle (W3) [Adelung]


Die Zahlperle, plur. die -n, ein Nahme der größern Perlen, welche nach der Zahl verkauft werden, zum Unterschiede von den Brock- Karten- und Staubperlen.


Zahlpfennig (W3) [Adelung]


Der Zahlpfennig, S. Rechenpfennig.


Zahlreich (W3) [Adelung]


Zahlreich, -er, -ste, adj. et adv. reich an der Zahl, aus vielen Einheiten, oder Individua bestehend. Ein zahlreiches Volk. Eine zahlreiche Bibliothek.


Zahlstein (W3) [Adelung]


Der Zahlstein, des -es, plur. die -e, von Zahl, der Schwanz, bey den Fischern einiger Gegenden, der Stein, welcher den Zahl, oder das Ende des Schleppsackes auf dem Grunde erhält.


Zahltag (W3) [Adelung]


Der Zahltag, des -es, plur. die -e, derjenige Tag, an welchem gewisse Auszahlungen, oder Bezahlungen geschehen müssen. In den Messen ist der Zahltag derjenige Tag in der Zahlwoche, an welchem alle Wechsel bezahlet seyn müssen.


Zahlung (W3) [Adelung]


Die Zahlung, plur. die -en, von dem Verbo zahlen, die Handlung, da man Geld zahlet. Richtige Zahlung leisten, oder thun, richtig bezahlen. Für die Zahlung nicht sorgen dürfen. Etwas an Zahlungsstatt annehmen, anstatt baren Geldes.


Zahlweife (W3) [Adelung]


Die Zahlweife, plur. die -n, eine Weife, welche die Zahl der Fäden vermittelst eines schnappenden Spanes andeutet; die Schnappweise, in Niederdeutschland der Zahlhaspel.


Zahlwoche (W3) [Adelung]


Die Zahlwoche, plur. die -n, auf den Messen, die letzte Woche der Messe, in welcher alle Wechsel bezahlet werden müssen.


Zahlwort (W3) [Adelung]


Das Zahlwort, des -es, plur. die -wörter, ein Wort, welches die verlangte Zahl bezeichnet. Dahin gehören so wohl die allgemeinen Zahlwörter, viel, wenig, alle, kein u. s. f. als auch die bestimmten, unter welchen die Grundzahlen die vornehmsten sind.


Zahm (W3) [Adelung]


Zahm, -er, -ste, adj. et adv. der Wildheit beraubt, durch Cultur unschädlich, gesellig, folgsam gemacht; im Gegensatze des wild. 1. Eigentlich von Thieren. Zahme Thiere. Ein Thier zahm machen. Zahmes Geflügel. So zahm als ein Lamm. Zahme Bienen, welche von Menschen gepfleget und gewartet werden, im Gegensatze der wilden. Zahme Fische, welche in Teichen gepfleget werden, zum Unterschiede von den wilden; daher die zahme Fischerey, im Gegensatze der wilden. 2. In weiterer Bedeutung. (a) Von Menschen, biegsam, folgsam. Eine freundliche Miene macht ihn so zahm, wie ein Lamm. (b) Von Gewächsen, durch menschlichen Fleiß gebauet, auch im Gegensatze des wild. Zahme Hölzer. Nach einer noch weitern Figur sind im Hüttenbaue zahme Erze, welche sich auf die bereits bekannte Art schmelzen lassen; im Gegensatze der wilden. Im Oberdeutschen bedeutet es auch so viel als bewohnt: ein zahmes Land, ein bewohntes.

Anm. Schon bey dem Notker u. s. f. zam, im Nieders. taam, tamm, im Angels. und Engl. tame, im Schwed. und Möso-Goth. tam. Bey einem so alten Wurzelworte läßt sich die erste eigentliche Bedeutung nur vermuthen. Wachter, Frisch und andere halten es für einen Verwandten von Zaum; aber es kann auch der Begriff des Schweigens der Stammbegriff seyn, da es denn zu dem Hebräischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - so wohl schweigen, als gebändigt werden, gehören würde. Erwäget man, daß für zahm in vielen Gegenden auch heimlich üblich ist, von Heim, Haus, so hat auch die Vermuthung ihre Wahrscheinlichkeit, daß zahm ein Verwandter von Domus, das Haus, ist, weil zahme Thiere und Hausthiere in vielen Fällen gleich bedeutend sind. Übrigens sind das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, zähmen, das Lat. domare, und vielleicht auch Dominus genau damit verwandt. Im Nieders. ist Täms, Ruhe, Friede.


Zähmen (W3) [Adelung]


Zähmen, verb. reg. act. zahm machen. 1. Eigentlich von wilden Thieren. Ein wildes Thier zähmen. 2. Figürlich, von ungestümen Ausschweifungen abhalten, wie das härtere bändigen. Seine Begierden zähmen. Seine Zunge zähmen, in den gehörigen Schranken halten. Daher das Zähmen, und die Zähmung.

Anm. Im Tatian u. s. f. zeman, gizeman, im Nieders. tämen, bey dem Ulphilas tamjan, Lat. domare, Franz. domter. ( S. das vorige.) Das größten Theils Nieders. bezähmen, in Ruhe lassen, kann so wohl zu zahm und zähmen, als auch zu ziemen gehören. S. 2. Bezähmen.


Zähmer (W3) [Adelung]


Der Zähmer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zähmerinn, eine Person, welche zähmet, doch nur in der dichterischen Schreibart.


Zahn (W3) [Adelung]


Der Zahn, des -es, plur. die -zähne, Diminut. das Zähnchen, Oberd. Zähnlein, kleine hervor ragende Beine in den Kinnbacken der Menschen und Thiere, die Speisen damit zu zerreißen, und zu zermalmen. 1. Eigentlich. Zähne haben, bekommen. Die Zähne wechseln neue Zähne bekommen. Einen Zahn ausziehen, ausreißen. Die Zähne werden stumpf, wenn sie von einer Säure die Kraft zu beißen verlieren, ( S. Stumpf.) Einem die Zähne weisen, in einigen Gegenden, die Zähne bleken. Die Zähne schmerzen, thun wehe. Sprichwörtliche, aber nur in den niedrigen Sprecharten übliche Ausdrücke sind: Haare auf den Zähnen haben, mit einem starken Barte versehen seyn, d. i. Er- fahrung haben. Einem den Zahn, ihm auf den Zahn fühlen, den schmerzhaften Zahn durch Fühlen erforschen, d. i. ihn auszuforschen suchen. Mit langen Zähnen essen, begierig. Es thut ihm kein Zahn mehr weh, er ist lange verstorben. Einem etwas aus den Zähnen reißen, es ihm entziehen. 2. Figürlich werden viele Dinge und Theile, wegen ihrer hervor ragenden, zum Theil spitzigen Gestalt, Zähne genannt. Dergleichen sind die Zähne an den Rädern, welche in das Getriebe eingreifen; die Zähne an den Kämmen, an den Sägen, an den Spitzen, daher auch eine Art schmaler, mit Zähnen versehener Spitzen, Zähnchen, Franz. Dentelles, heißen. Die Zinken, oder Zacken an einer Gabel heißen in manchen Gegenden gleichfalls Zähne. Im Bergbaue sind die Zähne Zacken gediegenen Metalles, welche auf dem Erze hervor ragen. In den Hammerwerken und bey den Metall-Arbeitern sind die Zähne lange Stücken gegossenen, oder geschmiedeten Metalles, kleinere Arbeiten daraus zu verfertigen, z. B. bey den Nagelschmieden die zerschrotenen Eisenstäbe, woraus die Nägeln geschmiedet werden. In andern Fällen ist dafür das nahe verwandte Wort Zain üblich, S. dasselbe.

Anm. Dieses Wort lautet im Oberdeutschen von den frühesten Zeiten an, Zan, bey dem Ulphilas Tunth, im Nieders. Tän, im Isländ. Tan, im Angels. Toth, im Engl. Tine und Tooth, im Lat. Dens, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Pers. Dendon, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es scheinet, daß die hervor ragende Beschaffenheit der Grund der Benennung ist, so daß es als ein Verwandter von Zehe, Nieders. Taan, Zinke, u. s. f. und vielleicht auch von ziehen, angesehen werden muß. Bey dem Notker kommt das längst veraltete zanon, verschlingen, vor, womit das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, essen, verwandt ist.


Zahnarzt (W3) [Adelung]


Der Zahnarzt, des -es, plur. die -ärzte, ein Wundarzt, welcher sich vornehmlich mit den Gebrechen der menschlichen Zähne beschäftiget. Geschickte Zahnärzte werden auch wohl vorzugsweise Zahnkünstler genannt.


Zahnbalsam (W3) [Adelung]


Der Zahnbalsam, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein Balsam für schadhafte Zähne.


Zahnbrecher (W3) [Adelung]


Der Zahnbrecher, des -s, plur. ut nom. sing. ein ungeschickter Zahnarzt, aus Verachtung.


Zahnbürste (W3) [Adelung]


Die Zahnbürste, plur. die -n, eine kleine Bürste, die Zähne damit zu reinigen.


Zahneinguß (W3) [Adelung]


Der Zahneinguß, des -es, plur. die -güsse, bey den Gold- und Silberarbeitern, eine Eisenstange mit länglichen Gießfurchen, das Gold und Silber darin zu Zähnen zu gießen.


Zahneisen (W3) [Adelung]


Das Zahneisen, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Bey den Bildhauern, ein Meißel mit kleinen Zähnen, die Theile einer Figur damit anzulegen. 2. Bey den Eisenarbeitern, ein Collectivum, folglich ohne Plural, kraus geschmiedete Eisenstäbe, zu feinen Arbeiten; auch Zaineisen.


Zähneln (W3) [Adelung]


Zähneln, verb. reg. das Diminutivum von dem folgenden zahnen. 1. Ein Neutrum, mit haben, Zähne bekommen; nur im gemeinen Leben. Das Kind zähnelt. 2. Ein Activum, mit kleinen Zähnen versehen. Ein Uhrrad zähneln, bey den Uhrmachern.


Zahnen (W3) [Adelung]


Zahnen, verb. reg. welches auf gedoppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, die ersten Zähne bekommen. Das Kind zahnet. 2. Als ein Activum. (a) Mit Zähnen versehen. Ein Rad, einen Kamm zahnen. Gezahntes Eisen, kraus geschmiedetes Eisen, Zahneisen. (b) Eine Figur zahnen, bey den Bildhauern, sie mit dem Zahneisen bearbeiten.


Zahnfieber (W3) [Adelung]


Das Zahnfieber, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. ein Fieber, welches zuweilen mit dem Zahnen der Kinder verbunden ist.


Zahnfleisch (W3) [Adelung]


Das Zahnfleisch, des -es, plur. car. dasjenige rothe und harte Fleisch, welches die Zähne wurzeln und den Kinnbacken umgibt. Von dem Raban Maurus Bilorna, in den spätern Zeiten, die Bildern, im Nieders. Gachel.


Zahnhammer (W3) [Adelung]


Der Zahnhammer, des -s, plur. die -hämmer. 1. Bey den Steinhauern, ein zackiger Hammer in Gestalt eines halben Mondes, die viereckten Werkstücke damit aus dem Groben zu behauen. 2. Auf den Eisenhämmern, ein schwerer Hammer, mit einem vorstehenden schmahlen Stücke nach der ganzen Länge der Bahn, das Zahneisen damit kraus zu schmieden. 3. Bey den Goldschmieden, ein Hammer, die Gold- und Silberzähne damit zu strecken; auch Zainhammer.


Zahnhobel (W3) [Adelung]


Der Zahnhobel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Holzarbeitern, ein Hobel, dessen Eisen auf der Schneide mit Zähnen versehen ist, theils glatte Flächen damit rauh zu machen, theils aber auch widerspenstiges Holz damit zu bearbeiten.


Zahnhöhle (W3) [Adelung]


Die Zahnhöhle, plur. die -n, die Höhle in dem Kinnbacken, worin die Zahnwurzel ihren Sitz hat. Zuweilen auch eine Höhle, oder Öffnung in einem Zahne.


Zähnig (W3) [Adelung]


Zähnig, adj. et adv. Zähne habend, doch nur in einigen Zusammensetzungen, besonders mit Zahlwörtern. Eine zweyzähnige Gabel. Zweyzähnige Schafe, welche zwey Jahr alt sind, und auch Zweyschaufler heißen; zum Unterschiede von vierzähnigen, sechszähnigen u. s. f.


Zähnklappen (W3) [Adelung]


Das Zähnklappen, oder Zähnklappern, des -s, plur. car. das unwillkürliche Zusammenschlagen der Zähne, besonders vor Frost. Im Tatian Zeno stridunga.


Zahnkraut (W3) [Adelung]


Das Zahnkraut, des -es, plur. car. der Nahme einer Pflanze, welche für ein gutes Mittel bey dem Zahnen der Kinder gehalten wird; Zahnwurz, Schuppenwurzel, Dentaria Linn.


Zahnkünstler (W3) [Adelung]


Der Zahnkünstler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zahnkünstlerinn, S. Zahnarzt.


Zahn-Latwerge (W3) [Adelung]


Die Zahn-Latwerge, plur. von mehrern Arten, die -n, ein Zahnpulver mit Rosenhonig zu einer Latwerge gemacht.


Zahnlos (W3) [Adelung]


Zahnlos, adj. et adv. der Zähne beraubet. Ein zahnloser Mund. Daher die Zahnlosigkeit.


Zahnlücke (W3) [Adelung]


Die Zahnlücke, plur. die -n, eine Lücke in der Reihe der Zähne, so von einem fehlenden Zahne herrühret. Daher zahnlückig.


Zahnmittel (W3) [Adelung]


Das Zahnmittel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Mittel zur Erhaltung oder Heilung der Zähne.


Zahnmoos (W3) [Adelung]


Das Zahnmoos, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, eine Art Mooses, welches einem Zahne ähnlich ist.


Zahnmotte (W3) [Adelung]


Die Zahnmotte, plur. die -n, eine Art Schmetterlinge, welche sich auf den Eichbäumen aufhält, Phalaena Geometra lacertinaria Linn.


Zahnmuschel (W3) [Adelung]


Die Zahnmuschel, plur. die -n, der Nahme einer einschaligen ungewundenen Muschel mit Zähnen am Rande, Dentale.


Zahnpulver (W3) [Adelung]


Das Zahnpulver, des -s, plur. von mehrern Arten, ut nom. sing. ein Pulver, die Zähne damit durch Reiben zu reinigen.


Zahnrad (W3) [Adelung]


Das Zahnrad, des -es, plur. die -räder, ein an der Stirn mit Zähnen versehenes Rad, dergleichen es z. B. in den Uhrwerken gibt.


Zahnschmerzen (W3) [Adelung]


Die Zahnschmerzen, sing. inus. Schmerzen, welche man an den unter den Zähnen befindlichen Nerven empfindet; im gemeinen Leben, das Zahnweh.


Zahnschmid (W3) [Adelung]


Der Zahnschmid, des -es, plur. die -schmiede, in den Hammerwerken, ein Arbeiter, welcher das Zahneisen verfertiget.


Zahnschnitt (W3) [Adelung]


Der Zahnschnitt, des -es, plur. die -e, eine aus Einschnitten in Gestalt der Zähne bestehende Verzierung. In der Wapenkunst ist es eine Linie, welche gleichsam mehrere Zähne neben einander vorstellet. In der Baukunst ist eine Verzierung der Platte des Hauptgesimses, wo sie auch Kälberzähne genannt wird.


Zahnsichel (W3) [Adelung]


Die Zahnsichel, plur. die -n, bey den Dachdeckern, eine Sichel mit Zähnen, die Strohschauben damit zu beschneiden.


Zahnsilber (W3) [Adelung]


Das Zahnsilber, des -s, plur. inus. das zu Zähnen oder Zainen gegossene Silber; Zainsilber.


Zahnspindel (W3) [Adelung]


Die Zahnspindel, plur. die -n, bey den Drechslern, eine mit Zähnen versehene Spindel.


Zahnstocher (W3) [Adelung]


Der Zahnstocher, des -s, plur. ut nom. sing. ein zugespitztes Werkzeug, die zurück gebliebenen Speisen damit aus den Zähnen zu stochern.


Zahntrost (W3) [Adelung]


Der Zahntrost, des -es, plur. car. eine Art des Augentrostes, welche schon nach dem Plinius die Zahnschmerzen stillen soll; Euphralia Odontites Linn.


Zahnweh (W3) [Adelung]


Das Zahnweh, des -es, plur. car. die Zahnschmerzen.


Zahnwurz (W3) [Adelung]


Die Zahnwurz, plur. car. S. Zahnkraut.


Zahnzange (W3) [Adelung]


Die Zahnzange, plur. die -n, eine Zange, die Zähne damit auszuziehen.


Zähre (W3) [Adelung]


Die Zähre, plur. die -n, Diminut. das Zährchen, Oberd. Zährlein, ein mit Thräne gleich bedeutendes Wort, nur daß es dem gemeinen Sprachgebrauch wenig oder gar nicht mehr vorkommt, sondern nur noch in der dichterischen und höhern Schreibart gebraucht wird. Vielleicht begleiten einige wenige deine Zähre mit der ihrigen. Er lies't, und eine fromme Zähre Fließt von des Helden Angesicht, Gell. Dem starren Aug' entfiel der Wehmuth sanfte Zähre, Weiße.

Anm. Schon im Kero, Ottfried u. s. f. Zahar, Zaher, im Angels. und Engl. Tear, im Schwed. Tär, Isländ. Deor, bey dem Ulphilas Tagr, in Bretagne Daigr, welches mit dem alten Latein. Dacryma für Lacryma, und dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - überein kommt. Daß aber unser Zähre zu eben derselben Verwandtschaft gehöret, und sich bloß durch Milderung des Hauchlautes unterscheidet, scheinet auch daraus zu erhellen, weil dieses Wort noch im Ottfried Zachar lautet. Das Nieders. Tier, Geschrey, Wehklagen, Lärm, scheinet nicht hierher, sondern zu einem andern Stamme, zu gehören. Wachter macht einen sonderbaren, wenigstens überaus willkührlichen Unterschied, zwischen Thräne und Zähre, indem jenes bloß von dem Weinen und Schmerz, dieses aber von allen aus dem Auge rinnenden Tropfen gebraucht werden soll; ein Unterschied, welcher wider allen Sprachgebrauch, auch wider die Abstammung ist. Von Zähre ist zwar die Stammbedeutung jetzt unbekannt; allein von Thräne ist es das Rinnen. Wäre so ein Unterschied zwischen beyden Wörtern, wie Wachter will, so müßte vielmehr Thräne in der weitesten Bedeutung von jedem Tropfen gebraucht werden. Allein, wie gesagt, es ist zwischen beyden kein anderer Unterschied, als welchen die Würde macht. Thräne ist allen Arten des Styles gerecht; allein Zähre wird nur noch in der höhern Schreibart gebraucht.


Zährling (W3) [Adelung]


Der Zährling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme der Buchfinken, vielleicht wegen seines Geschreyes, von dem Nieders. tieren, schreyen, Engl. to tear, daher er aus einer ähnlichen Ursache in andern Gegenden auch Quäker heißt.


Zährtiegel (W3) [Adelung]


Der Zährtiegel, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, ein irdener Tiegel, Erze darin zu schmelzen; wo der Grund der Benennung mir unbekannt ist.


Zain (W3) [Adelung]


Der Zain, des -es, plur. die -e. 1. Bey verschiedenen Metall-Arbeitern, ein Stab, oder zu einem langen Stücke gegossenes Metall. Ein Zain Eisen, Silber, Gold u. s. f. Niedersächs. Teen. Das Wort ist unstreitig aus Zahn verderbt, welches bey manchen Metall-Arbeitern auch wirklich dafür gebraucht wird. Um dieser Abstammung Willen ist auch die Schreibart mit einem ai die richtigere, obgleich Frisch und andere es Zein schreiben. 2. Bey den Böttchern einiger Gegenden werden die weidenen Bänder Zaine genannt, welches zwar im Grunde auch zu diesem Nahmen gehöret, aber doch zunächst von dem Möso-Gothischen Tains, eine Gerte, Ruthe, Rebe, Holländ. Teene, und mit demselben zu ziehen und dehnen gehöret.


Zaineisen (W3) [Adelung]


Das Zaineisen, S. Zahneisen.


Zainer (W3) [Adelung]


Der Zainer, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Stabhämmern, wo das Eisen zu Zainen, oder Stäben geschmiedet wird, ein Nahme des Schmidemeisters.


Zainhammer (W3) [Adelung]


Der Zainhammer, des -s, plur. die -hämmer, eine Anstalt, wo das Eisen, vermittelst der von dem Wasser getriebenen Hämmer, zu Zainen oder Stäben geschmiedet wird; der Stabhammer.


Zake (W3) [Adelung]


* Die Zake, plur. die -n, ein nur in einigen Provinzen, besonders in der Lausitz, Schlesien und Mähren übliches Wort, eine Art großer, grob- und langwolliger Schafe zu bezeichnen, welche zum Theil sehr lange gedrehte Hörner haben, und für Bastarde von Schafen und Ziegen gehalten werden; das Zäkelschaf. Das Wort scheinet Sclavonischen Ursprunges zu seyn, im Grunde aber doch zu Ziege zu gehören.


Zämel (W3) [Adelung]


Zämel, Zämer, Zämmel, S. Ziemer.


Zampel (W3) [Adelung]


Der Zampel, des -s, plur. ut nom. sing. ein bey verschiedenen Zeug- und Seidenwebern übliches Wort, eine gewisse Einrichtung des Weberstuhles zu bezeichnen, welche aus Schnüren, Litzen u. s. f. bestehet, geblümte Zeuge darauf zu verfertigen. Ein Muster in den Zampel einlesen, ihn so einrichten, daß im Weben die von dem Muster verlangten Figuren entstehen. Daher der Zampelstuhl, ein Weberstuhl mit einem Zampel, die Zampel-Chorde, der Zampelstock, der Zampelhaken u. s. f. In Jacobsons technologischem Wörterbuche, welchem es, so freygebig es auch gepriesen worden, gar sehr an der zu einem solchen Werke nöthigen Deutlichkeit, Bestimmtheit und Präcision fehlet, wird weitläufig von dem Zampel und dessen Theilen gehandelt, aber so, daß wohl nicht leicht jemand einen klaren Begriff von dem Wesen dieser Einrichtung bekommen wird. Ich kann daher auch von der eigentlichen Bedeutung dieses Wortes nichts Bestimmtes sagen. Ist es an dem, daß der Zampel auch der Cymbel genannt wird, so würde es wohl aus diesem Worte verderbt seyn, da denn aber erst gezeiget werden müßte, wie fern der Zampel eine Ähnlichkeit mit Cymbeln hat. Allein, da derselbe eine Englische Erfindung ist, so scheinet mir das Wort mehr aus dem Englischen Sample, ein Muster, von dem Lat. Exemplum, verderbt zu seyn.


Zander (W3) [Adelung]


Der Zander, der Nahme eines Fisches, S. Sander.


Zange (W3) [Adelung]


Die Zange, plur. die -n, Diminut. das Zänglein. 1. Ein Werkzeug, welches aus zwey, gemeiniglich vorn gebogenen, um einen Punct beweglichen Theilen bestehet, etwas damit fest zu halten, oder zu ziehen. Etwas mit der Zange fassen, halten, ausreißen. Mit glühenden Zangen kneipen, oder zwicken. Daher die Feuerzange, Beiß- oder Kneipzange, Drahtzange, u. s. f. Bey den Tischlern führen die an der Hobelbank befindlichen Schrauben den Nahmen der Zangen. 2. Bey den Pferden werden die zwey vordern Zähne die Zangen genannt; vermuthlich auch weil sie die Nahrung damit fassen und an sich ziehen. 3. Im Festungsbaue figürlich ein Außenwerk in Gestalt einer Zange; das Zangenwerk.

Anm. Im Niederdeutschen Tange, im Angels. Tang, im Engl. Tongs, weil dieses Werkzeug aus zwey Theilen bestehet, im Schwed. Tang, im Epirotischen Daena. Der Begriff des Haltens, Fassens oder Ziehens ist vermuthlich der Stammbegriff, da denn das Wort ein Verwandter von dem alten Lat. tagere, für tangere, dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, dem Schwed. taga, Isländ. taka, dem Engl. to take u. s. f. seyn würde; so wie das Franz. Tenaille, und Ital. Tenaglia, gleichfalls von tenere ist. Daß das n gern ein Begleiter der Gaumenlaute ist, ist bekannt. Im Oberdeutschen wird eine Zange wegen ihrer gespaltenen Gestalt in manchen Fällen eine Kluse genannt.


Zängeln (W3) [Adelung]


Zängeln, verb. reg. act. mit der Zange fassen, nur bey einigen Handwerkern.


Zangenkäfer (W3) [Adelung]


Der Zangenkäfer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Käfer, welche vorn mit beweglichen Zangen versehen ist.


Zangenwerk (W3) [Adelung]


Das Zangenwerk, des -es, plur. die -e, in der Kriegsbaukunst, S. Zange 3.


Zank (W3) [Adelung]


Der Zank, des -es, plur. inus. ein Collectivum, einen bittern Streit mit Worten, eine unnöthige heftige Behauptung widersprechender Sätze zu bezeichnen. Einen Zank anfangen, Zank stiften. Immer in Zank und Hader leben; ( S. Hader.) Einen Zank stillen.

Anm. So alt das Wort auch seyn mag, so kommt es doch in unsern alten Oberdeutschen Schriften nicht vor; ich besinne mich auch nicht, dasselbe in den verwandten Sprachen gefunden zu haben. Im Nieders. ist dafür Krakeel üblich. Da die meisten Wörter dieser Art Nachahmungen des Lautes sind, oder doch von dem Laute und Geräusche entlehnet worden, so scheinet auch Zank einen ähnlichen Ursprung zu haben, und mit dem noch in einigen Oberdeutschen Gegenden üblichen zannen, heulen, weinen, zu dem Geschlechte des Wortes Ton zu gehören, zumahl da auch im Hebräischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - ein Zank heißt.


Zankapfel (W3) [Adelung]


Der Zankapfel, des -s, plur. doch seltener, die -äpfel, der Gegenstand eines Zankes, und Streites überhaupt, das, worüber gestritten wird; ein aus der Griechischen Mythologie entlehnter Trope, so wie das Lat. Pomum Eridos.


Zankeisen (W3) [Adelung]


Das Zankeisen, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Künstlich in eisernen Stäben verschlossene Ringe, deren Entstehungsart schwer zu begreifen ist, daher mehrere, wenn sie selbige errathen wollen, leicht in Zank darüber gerathen können; eine Erfindung des Nürnbergischen Witzes. 2. Figürlich, in einigen gemeinen Mundarten, eine zänkische Person.


Zänkeln (W3) [Adelung]


Zänkeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, ein wenig zanken, das Diminutivum des folgenden; ein seltenes aber völlig analogisches Wort. Seine Reden waren ein beständiges zänkeln.


Zanken (W3) [Adelung]


Zanken, verb. reg. widersprechende Sätze mit Heftigkeit behaupten, da es denn auf verschiedene Art gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum mir dem Hülfsworte haben. Über, oder um etwas zanken. Mit jemanden zanken. Den ganzen Tag zanken. Wer gern zankt, findet leicht eine Ursache. 2. Als ein Reciprocum. Sich zanken, widersprechende Sätze gegen einander mit Heftigkeit behaupten. So bald sie sich erblicken, so zanken sie sich auch. 3. Als ein Activum, durch Zanken in einen gewissen Zustand versetzen. Sie hat schon vier Männer in das Grab gezanket. Sich müde zanken. So auch das Zanken.

Anm. ( S. Zank.) In den gemeinen Mundarten hat man viele andere Wörter, diesen Begriff auszudrucken, dergleichen z. B. keifen, das Nieders. krakelen, das Thüringische und Obersächs. kampeln, das Baierische greinen u. a. m. sind.


Zänker (W3) [Adelung]


Der Zänker, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zänkerinn, eine zankende, oder zänkerische Person.


Zänkerey (W3) [Adelung]


Die Zänkerey, plur. die -en, die Handlung des Zankens, das Gezänk. Eine Zänkerey anstiften.


Zankflecken (W3) [Adelung]


Der Zankflecken, des -s, plur. ut nom. sing. kleine Flecken auf der Haut und an den Nägeln, welche von ausgetretener Galle herrühren sollen, und in der Rocken-Philosophie Zank bedeuten sollen; Lat. Plyctenae.


Zänkisch (W3) [Adelung]


Zänkisch, -er, -te, adj. et adv. Neigung zum Zanken und Fertigkeit in demselben besitzend. Zänkisch seyn. Ein zänkischer Mensch.


Zanksucht (W3) [Adelung]


Die Zanksucht, plur. car. herrschende Neigung zum Zanke, oder zu zanken.


Zanksüchtig (W3) [Adelung]


Zanksüchtig, -er, -ste, adj. et adv. Zanksucht besitzend, und in derselben gegründet, Zänkisch. Ein zanksüchtiger Mensch.


Zanksüchtigkeit (W3) [Adelung]


Die Zanksüchtigkeit, plur. car. die Fertigkeit, Zank, oder unnöthigen heftigen Streit zu suchen.


Zapfen (W3) [Adelung]


Der Zapfen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Zäpfchen, Oberd. das Zäpflein. 1. Ein beweglicher runder, ein wenig zugespitzter Körper, die Flüssigkeit aus einem Gefäße, besonders aus einem Fasse, durch das Zapfenloch abzulassen; wodurch sich der Zapfen von dem Spunde, Pflocke, und Stöpsel unterscheidet. Den Zapfen ausziehen. Das Faß gehet am Zapfen, im gemeinen Leben, ein Faß angestecket haben, in kleinen Quantitäten, aus demselben abfließen lassen, seine täglichen Bedürfnisse davon nehmen. Einen Wein am Zapfen haben, in eben derselben Bedeutung. Oft wird auch das künstliche zusammen gesetzte Werkzeug dieser Art, welches sonst unter dem Nahmen des Hahnes bekannt ist, der Zapfen genannt. Mit ähnlichen aber größern Zapfen wird das Gerinne eines Teiches geöffnet und verschlossen. 2. In weiterer Bedeutung, ein kurzer, schwächerer Theil an dem Ende eines andern Körpers, in vermittelst desselben zu befestigen u. s. f. Gemeiniglich ist dieser Zapfen rund, wie an der Welle, welche sich um denselben beweget. Aber nicht allemahl, denn so wird auch der viereckte schwächere Theil eines Zimmerholzes, womit dasselbe in dem Loche eines andern befestiget wird, der Zapfen genannt. 3. Figürlich. (a) Wegen einer Ähnlichkeit mit dem Zapfen der ersten Bedeutung werden verschiedene Körper mit diesem Nahmen belegt; z. B. in der Baukunst ein Zierath in Gestalt runder, oder eckiger Kegel unter den Triglyphen des Dorischen Hauptgesimses, Franz. Goutte. Besonders führen diesen Nahmen zwey Drüsen im Munde zu beyden Seiten hinten am Gaume, welche zur Verschließung des Schlundes und der Luftröhre dienen, in welcher Bedeutung das Wort im Diminutivo am üblichsten ist, das Zäpfchen, Oberd. Zäpflein. Sie werden auch das Blatt, die Mandeln, im Oberd. das Athemzünglein, Athemblatt, Gürglin, Hauchblatt, im Nieders. der Huuk, genannt. Die schuppige Frucht oder Samenkapsel des Nadelholzes wird gleichfalls Zapfen genannt. In Eiszapfen, Stuhlzäpfchen u. s. f. ist die Ähnlichkeit gleichfalls der Grund der Benennung. (b) Nach einer andern Figur wird ein betrunkener Mensch, ingleichen ein Trunkenbold in den niedrigen Sprecharten, ein voller Zapfen, oder Vollzapfen genannt.

Anm. In den Oberdeutschen Mundarten nur Zapf, im Nieders. Tappe, im Angels. Taeppa, im Schwed. Tapp, im Franz. Tapon, welches aus dem Niederdeutschen entlehnet ist, im Ital. Zasso, Zipolo, im Böhm. Czep. Es ist mit dem Griech. und Lat. Siphon, mit Zopf, und vielleicht auch mit zupfen, und vermittelst desselben mit ziehen verwandt, wenigstens deutet das pf auf eine Intension.


Zapfen (W3) [Adelung]


Zapfen, verb. reg. act. vermittelst des Zapfens ausfließen lassen. Ein Nößel Wein zapfen. Im gemeinen Leben wird dieses Wort oft absolute gebraucht, für Getränk im Kleinen verkau- fen. Aus dem Hause zapfen, das Getränk nach Maßen verkaufen.


Zäpfen (W3) [Adelung]


Zäpfen, verb. reg. act. vermittelst des Zapfens befestigen; nur bey den Zimmerleuten, besonders in dem zusammen gesetzten einzäpfen. Einen Balken einzäpfen.


Zapfenbaum (W3) [Adelung]


Der Zapfenbaum, des -es, plur. die -bäume, bey den Neuern, der Nahme einer Art des Silberbaumes, weil er kleine Zapfen; wie der Lärchenbaum, trägt, Protea conifera L.


Zapfenbier (W3) [Adelung]


Das Zapfenbier, des -es, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, Bier, welches aus dem verschlossenen Zapfen tröpfelt, und in dem Zapfenfasse aufgefangen wird.


Zapfenbirn (W3) [Adelung]


Die Zapfenbirn, plur. die -en, eine Art Birnen, welche einem Zapfen gleicht.


Zapfenbohrer (W3) [Adelung]


Der Zapfenbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bohrer mit einem dahinter befindlichen Theile, in Gestalt eines Zapfens, ein volles Faß damit anzubohren, damit nichts heraus laufe.


Zapfenfaß (W3) [Adelung]


Das Zapfenfaß, des -es, plur. die -fässer, ein kleines Faß, welches unter den Zapfen eines Bier- und Weinfasses gesetzt wird, die ausrinnende Flüssigkeit aufzufangen.


Zapfengerüst (W3) [Adelung]


Das Zapfengerüst, des -es, plur. die -e, in den Mühlwerken, das Zapfenlager mit dem dazu gehörigen Gerüste.


Zapfenhaus (W3) [Adelung]


Das Zapfenhaus, des -es, plur. die -häuser, am häufigsten im Diminut. das Zapfenhäuschen, ein verschlossenes Gebäude in einem Teiche über dem Orte, wo die Zapfen gezogen werden.


Zapfenholz (W3) [Adelung]


Das Zapfenholz, des -es, plur. car. 1. Holz, welches zu Zapfen geschickt ist, ingleichen derjenige Theil eines Stückes Holz, woraus der Zapfen bestehet. 2. In engerer Bedeutung wird der Faulbaum in manchen Gegenden Zapfenholz genannt, weil die Küfer die Zapfen daraus schneiden.


Zapfenkeil (W3) [Adelung]


Der Zapfenkeil, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, hölzerne Keile, die krummen Zapfen in der Welle damit zu verkeilen.


Zapfenklotz (W3) [Adelung]


Der Zapfenklotz, des -es, plur. die -klötze, ein rund ausgeschnittenes Stück Holz, oder Eisen, worin der Zapfen einer Welle läuft; sonst auch das Zapfenlager.


Zapfenkohle (W3) [Adelung]


Die Zapfenkohle, plur. die -n, länglich runde Kohlen, so wie sie von gebrannten Ästen erhalten werden.


Zapfenkraut (W3) [Adelung]


Das Zapfenkraut, oder Zäpfchenkraut, des -es, plur. inus. der Nahme eines Gewächses, welches ein gutes Heilmittel bey geschwollenen Zäpfchen oder Mandeln im Halse ist; Uvularia L. ( S. auch Halskraut.) In einem andern Verstande führet auch eine Art des Mäusedornes, dessen Blume mit einem kleinen Blättchen bedeckt ist, Ruscus Hypoglossum L. diesen Nahmen, wegen der Ähnlichkeit mit dem Zäpfchen im Halse.


Zapfenlager (W3) [Adelung]


Das Zapfenlager, des -s, plur. ut nom. sing. in den Mühl- und Uhrwerken, derjenige Theil, worauf der Zapfen einer Welle liegt; in dem Bergbaue der Zapfenklotz.


Zapfenloch (W3) [Adelung]


Das Zapfenloch, des -es, plur. die -löcher, das für einen Zapfen bestimmte Loch; z. B. das Loch dieser Art in einem Fasse; bey den Zimmerleuten, das viereckte Loch in einem Stücke Zimmerholz, worin ein Zapfen befestiget wird; bey den Uhrmachern, das Loch, worin die Welle eines Rades spielet, wo es auch die Pfanne genannt wird.


Zapfenrecht (W3) [Adelung]


Das Zapfenrecht, des -es, plur. inus. an einigen Orten, das Recht, Getränke im Kleinen zu verzapfen, oder zu verkaufen; das Schenkrecht.


Zapfenring (W3) [Adelung]


Der Zapfenring, des -es, plur. die -e, ein Ring, welcher an das Ende einer Welle, in der Gegend des Zapfens, um selbige geleget wird.


Zapfenschacht (W3) [Adelung]


Der Zapfenschacht, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, ein Schacht durch welches das Gestänge gehet.


Zapfenstreich (W3) [Adelung]


Der Zapfenstreich, des -es, plur. inus. das Zeichen, welches Abends für die Soldaten mit der Trommel gegeben wird, sich aus den Bierhäusern in ihre Quartiere zu begeben, vielleicht, weil dadurch der Zapfen gleichsam geschlossen wird.


Zapfenstück (W3) [Adelung]


Das Zapfenstück, des -es, plur. die -e, derjenige Theil an einer Kanone, an welchem sich die Zapfen befinden.


Zapfen-Topas (W3) [Adelung]


Der Zapfen-Topas, des -es, plur. die -e, ein Topas, welcher in Gestalt eckiger Zapfen gefunden wird.


Zapfenwein (W3) [Adelung]


Der Zapfenwein, des -es, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, Wein, welcher um den Zapfen aus einem Fasse tropfet.


Zapfenwurzel (W3) [Adelung]


Die Zapfenwurzel, plur. die -n, bey einigen die senkrechte Hauptwurzel eines Baumes, welche sonst auch die Pfahlwurzel, Haarwurzel genannt wird.


Zapfer (W3) [Adelung]


Der Zapfer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, dessen Pflicht es ist, einen flüssigen Körper vermittelst des Zapfens abzulassen. Im gemeinen Leben, Zäpfer.


Zappeln (W3) [Adelung]


Zappeln, verb. reg. neutr. welches auf gedoppelt Art üblich ist. 1. Mit dem Hülfsworte haben, Hände und Füße, oder den untern Theil des Leibes schnell hin und her bewegen. (a) Eigentlich. Das Kind zappelt in der Wiege, wenn es Hände und Füße schnell bewegt. Mit den Händen, mit den Füßen zappeln. Der Fisch zappelt noch, zeigt durch seine Bewegung, daß er noch Leben habe. Das Herz zappelt ihm vor Freude, in der niedrigen Sprechart. In manchen Gegenden wird es auch für zittern gebraucht. Vor Furcht zappeln. (b) Figürlich, doch nur im niedrigen Leben, gegen eine Widerwärtigkeit, eine Verlegenheit kämpfen. Man muß ihn noch eine Zeit lang zappeln lassen, ihn noch eine Zeit lang in der Noth stecken lassen. 2. Mit dem Hülfsworte seyn, mit kurzen und schnellen Schritten gehen. Er ist fort gezappelt. So auch das Zappeln.

Anm. Das eln am Ende zeigt ein Iterativum, das pp aber ein Intensivum an. Im Oberdeutschen ist dafür das mehr einfache zabeln üblich, welches figürlich auch sich bestreben bedeutet: Vor Wunder gleich mein Herz thut grünzen Ob diesen großen arbeiten und zabeln, Hans Sachs.


Zarge (W3) [Adelung]


Die Zarge, plur. die -n, eine Einfassung, ein Rand; ein nur noch in einigen einzelnen Fällen übliches Wort. So wird die Einfassung einer Violine an der Seite, oder die Seitentheile, die Zarge genannt. Eben diesen Nahmen führet die Einfassung einer Thür und eines Fensters, der Rand einer Dose, worein der Deckel schließt, das Gerinne einer Mühle, ein Kessel ohne Boden auf den Kupferhämmern, das Behältniß, oder die Einfassung in den Mühlen, worin die Mühlsteine umlaufen, die Seitentheile einer Schachtel ohne Boden, bey den Töpfern, der viereckte Rahmen, worauf der Ofen steht, der Rand eines Fasses über dem Boden, welcher auch die Kimminge heißt, u. s. f.

Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern ist Zarge die Zinne, gleichfalls so fern sie den obern Rand einer Mauer oder eines Gebäudes ausmacht. Im Niederd. lautet dieses Wort Sarge. Es ist mit unserm Sarg, Bezirk, dem Lat. Circus, u. a. m. genau verwandt.


Zart (W3) [Adelung]


Zart, zärter, zärteste, adj. et adv. aus sehr schwachen, feinen Theilen bestehend, und daher jeden Eindruck von außen leicht annehmend. 1. Eigentlich. Zu einem zarten Pulver reiben. Zarte Glieder haben, zart von Gliedern seyn. Zart gebildete Blätter. Zarte Leinwand, sehr feine. Eine zarte Schrift, sehr feine, oder klare. Zuweilen mit dem Nebenbegriff des schönen Verhältnisses. Mit ihren zarten Händen. 2. Figürlich. (a) Schwach, der Beschädigung leicht ausgesetzt. Von zarter Jugend an. (b) Jede Veränderung leicht annehmend, leicht empfindend; von der Empfindung. Die Empfindungen des schönen Geschlechtes sind zarte und flüchtige Empfindungen, Gell. Ihre Empfindung ist zu zart, als daß sie eine falsche Ruhe suchen sollte. Ein zartes Gewissen, die Fertigkeit, auch die geringste Abweichung von dem Gesetze bald zu bemerken. (c) Die angenehmen Empfindungen der Liebe, des Wohlwollens und des Mitleidens leicht, und in einem beträchtlichen Grade annehmend, und darin gegründet; wofür doch zärtlich so wohl bestimmter, als auch üblicher ist. Eine zarte Liebe, ein zartes Herz, zarte Thränen, u. s. f. besser, zärtlich. Trüg' ich mich, oder hör' ich den zärtesten Gesang, Geßn.

Anm. Im Nieders. teer, teder, im Angels. tydder, im Engl. tender, womit auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - verwandt ist. Zart scheint von zehren, vielleicht auch von zieren zu seyn, so wie das Latein. tener zu dehnen, tendere, zu gehören scheinet. Man hat mehrmahls versucht, ein Substantiv von diesem Worte zu bilden, ohne daß selbiges viel Glück machen können; Zärte, Zartheit, Zärtigkeit, wovon doch das mittelste noch das erträglichste ist. Siehe auch Zärtlich und Zärtlichkeit.


Zärte (W3) [Adelung]


Die Zärte, plur. die -n, eine Art kleiner eßbarer Flußfische, welche man in den Flüssen Ober- und Niedersachsens zu finden pflegt; Cyprinus Zerta. Im gemeinen Leben hält man diese Fische irrig für junge Brut der Sander, oder Seebärse, daher vielleicht auch der Nahme rühret, von zart.


Zärteln (W3) [Adelung]


Zärteln, verb. reg. act. zärtlich behandeln, welches doch nur in verzärteln üblich ist, ( S. dasselbe.) Es ist ein Diminutivum; das Stammwort zarten war ehedem im Oberdeutschen gangbar.


Zärtelwoche (W3) [Adelung]


Die Zärtelwoche, plur. die -n, S. Flitterwoche.


Zartheit (W3) [Adelung]


Die Zartheit, plur. car. das Abstractum von zart, die zarte Beschaffenheit zu bezeichnen; ein zwar analogisch richtiges, aber doch wenig gebräuchliches Wort, indem man den Begriff lieber umschreibet. Die Zartheit des Leibes.


Zartlänge (W3) [Adelung]


Die Zartlänge, plur. die -n, in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, die längste und beste Art des Stockfisches, welche auch nur Länge genannt wird.


Zärtlich (W3) [Adelung]


Zärtlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Wegen Schwachheit der Natur leicht jeden unangenehmen Eindruck von außen empfindend, und darin gegründet. Ein Kind zärtlich halten, zärtlich erziehen. Zärtlich gehen, als wenn man aus Schwachheit der Glieder leicht jeden Eindruck empfände. 2. Einen hohen Grad der Liebe empfindend, und darin gegründet. Ein zärtlicher Liebhaber. Seinen Freund zärtlich umarmen. Zärtliche Thränen. 3. Fertigkeit besitzend, leicht einen hohen Grad der Liebe anzunehmen. Ein zärtliches Herz haben.

Anm. Schon im Willeram zartlicho, wo es aber für angenehm, lieblich gebraucht wird. Es ist von zart, und von der Ableitungssylbe lich.


Zärtlichkeit (W3) [Adelung]


Die Zärtlichkeit, plur. die -en. 1. Zarte, d. i. feine, Beschaffenheit, ohne Plural; da es denn zuweilen für Zartheit gebraucht wird. Die Zärtlichkeit der Glieder. 2. Die Fertigkeit, jeden, auch schwachen unangenehmen Eindruck von außen leicht zu empfinden; ohne Plural. Die Zärtlichkeit des Körpers, der Gesundheit. 3. Übertriebene Vermeidung aller unangenehmen Eindrücke von außen; ohne Plural. 4. Hoher Grad der Liebe; auch ohne Plural. Viele Zärtlichkeit gegen jemand äußern, empfinden. 5. Die Fertigkeit, leicht einen hohen Grad der Liebe zu empfinden; gleichfalls ohne Plural. 6. Als ein Collectivum, ein äußeres Merkmahl der Zärtlichkeit; mit dem Plural. Sie weiß uns ihre Zärtlichkeiten kostbar zu machen, Gell. Ich wünsche mir auf dieser Welt Nur den Genuß der Zärtlichkeiten, Die Neid und Argwohn nicht vergällt, Haged.


Zärtling (W3) [Adelung]


Der Zärtling, des -es, plur. die -e, ein verzärteltes Kind, eine zärtliche, d. i. gegen alle unangenehme Eindrücke von außen übertrieben empfindsame Person. Es gibt große Tugenden, welche dem Zärtlinge des Glücks gänzlich verborgen bleiben, Dusch. Ein Zärtling mag den May erwarten, Kästn. Im Nieders. ein Pipperling, von pipen, pfeifen, stöhnen, Wittebrodskind, das bey weißem Brote erzogen worden.


Zaser (W3) [Adelung]


Die Zaser, plur. die -n, Diminut. das Zäserchen, Oberd. Zäserlein, ein mit Faser gleich bedeutendes Wort, welches besonders von den zarten, schwachen Faden ähnlichen Wurzeln an Bäumen und Gewächsen gebraucht wird. S. Faser, mit welchem es auch eines Stammes ist.


Zaserig (W3) [Adelung]


Zaserig, -er, -ste, adj. et adv. aus Zasern bestehend, viele Zasern habend, wie faserig, besonders von den Wurzeln. Zaserige Wurzeln habend, die aus lauter Zasern bestehen.


Zasern (W3) [Adelung]


Zasern, verb. reg. act. in Zasern auflösen, wie fasern. Sich zasern, sich in Zasern oder schwache Faden auflösen.


Zaspel (W3) [Adelung]


Die Zaspel, plur. die -n, ein Wort, welches mit Haspel einerley Ursprung und Bedeutung hat. Man gebraucht es vornehmlich in Ober- und Niedersachsen als ein Maß des gehaspelten, oder geweiften Gespinstes, da denn eine Zapsel 20 Gebinde, oder 400 Faden, jeden von 4 Ellen, hat, und auch Zahl genannt wird, ( S. dieses Wort.) Drey Zaspeln machen eine Strähn, zwölf Zaspeln aber ein Stück Garn.


Zätscheln (W3) [Adelung]


+ Zätscheln, verb. reg. act. welches nur in den niedrigen Sprecharten einiger Provinzen üblich ist, und zärtlich behandeln, liebkosen, bedeutet. Ein Kind zätscheln, verzätscheln, verzärteln. Es ist eine Onomatopöie, und eben so niedrig, als die provinziellen hätscheln, tätscheln, streichen, und zangeln, welches im Österreichischen gangbar ist. Schon im Ottfried ist filu zeizan, sehr liebenswürdig, wovon jenes ein Intensivum zu seyn scheinet.


Zauber (W3) [Adelung]


Der Zauber, des -s, plur. ut nom. sing. ein selten gewordenes Wort, welches ehedem in folgenden Bedeutungen üblich war. 1. Für Bezauberung. Ich weiß nicht, was Zaubers euch angethan worden, Leo Jud. Sie sieht, es braucht den Zauber aufzulösen, Was Außerordentlichs, Wiel. 2. Die Zauberey, magische Kunst; ohne Plural. Er thut es mit Zauber an ihnen, durch Zauberey, in Eckhardts Script. 3. Ein Zaubermittel, Zaubertrank u. s. f. 4. Figürlich, hoher Grad des Reitzes. Der Zauber ihrer Mienen. In allen diesen Bedeutungen, besonders in der letztern, ist es von dichterischen Schriftstellern, um der Kürze Willen, beybehalten worden.

Anm. Schon im Notker Zoufer, Zoubir, im Isländ. Tofur. S. Zaubern.


Zauberey (W3) [Adelung]


Die Zauberey, plur. die -en. 1. Die Kunst, oder Wissenschaft, zu zaubern, d. i. unbegreifliche Wirkungen hervor zu bringen, besonders durch Hülfe böser Geister, die schwarze Kunst, im gemeinen Leben Hexerey; ohne Plural. Zauberey treiben. Das gehet mit Zauberey zu. Geschwindigkeit ist keine Zauberey. 2. Eine zauberische Handlung; mit dem Plural. 3. Figürlich, hoher Grad des Reitzes und dessen Wirkung. Die Zauberey schöner Augen.


Zauberisch (W3) [Adelung]


Zauberisch, adj. et adv. in der Zauberey gegründet. Zauberische Mittel, Bücher, Beschwerungen, Charaktere.


Zauberkraft (W3) [Adelung]


Die Zauberkraft, plur. die -kräfte, die bezaubernde Kraft. Sein Stolz, diese heimliche Zauberkraft der Mannspersonen.


Zauberlaterne (W3) [Adelung]


Die Zauberlaterne, plur. die -n, in der Optik, der optische Kasten, die Laterna magica.


Zaubern (W3) [Adelung]


Zaubern, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert. 1. Wirkungen durch Hülfe der Geister, besonders der bösen, hervor bringen; als ein anständiger Ausdruck für das niedrige hexen. Zaubern können. Schlösser, Wetter zaubern, durch Zauberey hervor bringen. 2. Figürlich, durch einen hohen Grad der Reitze hervor bringen. Der mächtige Blick fährt in die Seele, und zaubert da, was er will, Sonnenf. So auch das Zaubern. S. auch Bezaubern.

Anm. Im Nieders. tövern, im Holländ. tooveren. Es ist noch ungewiß, ob das Verbum ein Iterativum oder Intensivum von einem veralteten zauben ist, oder ob zaubern von dem Substantivo Zauber, abstammet, welches vermittelst der Ableitungssylbe er, ein Werkzeug, Ding, wieder von einem Verbo zauben herkommen würde. Von diesem befindet sich im Schwed. noch ein Verbum, tubba, reitzen. Leibnitzens Ableitung von toben, Wachters von dem alten Zabel, der Teufel, Peiskers von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, schwarz, und Frischens von taub, gleichsam betäuben, haben nichts als den ähnlichen Wortklang zum Grunde. Mich wundert, daß keiner die Ähnlichkeit mit dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, er hat bezaubert, und Choverim, Zauberer im Plural, bemerket hat, welche wenigstens das hohe Alter dieses Wortes beweiset.


Zauberring (W3) [Adelung]


Der Zauberring, des -es, plur. die -e, ein zauberischer, oder bezauberter Ring; und so in vielen andern Zusammensetzungen, Zauberkette, Zauberbecher, Zauberkreis, Zaubersaal, Zauberstab u. s. f.


Zauberwerk (W3) [Adelung]


Das Zauberwerk, des -es, plur. inus. Zauberey. Es ist alles Zauberwerk.


Zauche (W3) [Adelung]


* Die Zauche, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, eine Hündinn, oder Petze zu bezeichnen. Im Hannöverischen Tache, im Isländ. Tiik, welche insgesammt mit dem Engl. Dog, ein Hund, verwandt zu seyn scheinen.


Zaudengericht (W3) [Adelung]


* Das Zaudengericht, des -es, plur. die -e, ein nur in Schlesien, besonders im Glogauischen, übliches Wort, ein daselbst befindliches Gericht zu bezeichnen, welches über erbliche und eigene Güter richtet; im Gegensatze eines Hof- oder Lehengerichtes. Daher das Zaudenrecht, das in diesem Gerichte übliche Recht. Das Wort ist ohne Zweifel fremden Ursprunges, und stammet von dem Sclavon. Scud, Recht, Gericht, so daß Zaudengericht eine Tavtologie ist.


Zauderer (W3) [Adelung]


Der Zauderer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Mensch, welcher zaudert, ein zauderhafter Mensch. Ein Fämininum ist von diesem Worte, so viel ich weiß, nicht üblich, wollte man es aber bilden, so müßte es Zauderinn heißen, und zwar aus eben dem Grunde, welcher bereits bey Zauberer in der

Anm. angegeben worden.


Zauderhaft (W3) [Adelung]


Zauderhaft, -er, -este, adj. et adv. geneigt zum Zaudern, Fertigkeit im Zaudern besitzend. Zauderhaft seyn. Ein zauderhafter Mensch. Daher die Zauderhaftigkeit.


Zaudern (W3) [Adelung]


Zaudern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, langsam seyn, da man eilen sollte, fehlerhaft langsam verfahren, zögern. Was zauderst du lange? Er hat lange genug gezaudert. Die Sache, welche dadurch aufgehalten wird, bekommt das Vorwort mit. Mit der Bezahlung, mit der Ausfertigung zaudern. So auch das Zaudern.

Anm. Im Nieders. taueln, welches doch in einigen Gegenden nur von der fehlerhaft langsamen und gedehnten Aussprache, in andern aber völlig, wie zaudern, gebraucht wird. Die Form zeigt schon, daß das Wort ein Iterativum, oder Intensivum ist, welches ein Primitivum zauden voraus setzet. Was dieses eigentlich bedeutet habe, ist unbekannt; gemeiniglich leitet man es von ziehen ab, von welchem das so ziemlich gleich bedeutende zögern unstreitig herstammet. Allein diese Ableitung ist doch zu sehr gewagt, und ungewiß, als man etwas darauf bauen könnte. Wenigstens hätte das Nieders. töwen, warten, und Schwed. Tof, Verzug, eben so viel Recht auf die Ehre, das Stammwort zu seyn. In den Provinzen hat man eine Menge Wörter, den Begriff des Zauderns mit allerley Nebenbegriffen auszudrucken. Dergleichen sind das Meißnische tempern, die Oberdeutschen und zum Theil auch Obersächsischen trandeln und trödeln, und die Nieders. talmen, tidellen, von Tüd, Zeit, tündeln, tändeln, nüsseln, von nusse, langsam, nälen, nuscheln, zörgen u. s. f.


Zauen (W3) [Adelung]


* Zauen, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen fremd, aber im Cölnischen noch völlig gangbar, und der Gegensatz des vorigen Zaudern ist. Es ist nur als ein Reciprocum gebraucht: sich zauen, eilen, eilfertig seyn. Er zauet sich, daß er bald fertig werde. Sich mit einer Arbeit zauen. Es kommt noch in Luthers Bibel, 2 Sam. 5, 24 vor: zaue dich! eile. Im Cölnischen hat man davon noch die Ableitungen zauicht, hurtig, eilfertig, zaulich, geschwinde, eilig, u. s. f. Vielleicht lässet sich dieses Wort mit mehrerm Rechte von ziehen ableiten, als das vorige.


Zaufen (W3) [Adelung]


* Zaufen, verb. reg. welches im Hochdeutschen völlig fremd und nur in einigen Oberdeutschen Gegenden üblich ist. Es wird auf gedoppelte Art gebraucht. 1. Als ein Activum, für ziehen. Die Pferde zurück zaufen. 2. Als ein Neutrum, Ausflüchte suchen, besonders in der R. A. hinter sich zaufen, tergiversari. Es ist mit ziehen in dem Wurzellaute verwandt, und unterscheidet sich von demselben nur in dem Ableitungslaute, der in dem einen h, in dem andern f ist. Unser zupfen ist davon das Iterativum.


Zaun (W3) [Adelung]


Der Zaun, des -es, plur. die Zäune, Diminut. das Zäunchen, Oberd. Zäunlein. 1. Eine jede Befriedigung, das, womit etwas umgeben wird; welche Bedeutung ohne Zweifel die älteste ist, daher noch bey dem Notker Steinzun eine Mauer bedeutet. In dem Salzwerke zu Halle ist noch etwas von dieser Bedeutung übrig, indem die lehmerne Wand hinter der Feuermauer daselbst der Zaun genannt wird. In dieser weitern Bedeutung ist das Wort veraltet; indem man es 2. nur noch in engerer gebraucht, eine aus Reisholz geflochtene Befriedigung zu bezeichnen. Ein todter Zaun, eine solche Befriedigung von abgehauenem Reisholze, welche am häufigsten ein Zaun schlechthin genannt wird; im Gegensatze eines lebendigen Zaunes, welcher doch unter dem Nahmen einer Hecke am bekanntesten ist. Einen Zaun machen. Mit einem Zaune umgeben. Einen Vorwand vom Zaune brechen, im gemeinen Leben, den ersten den besten Vorwand zur Ursache anführen. Er ist nicht vom Zaune gebrochen, nicht hinter dem Zaune aufgewachsen, auch nur im gemeinen Leben, er ist nicht von verächtlicher Herkunft.

Anm. Im Oberd. von den frühesten Zeiten an Tune, im Nieders. Tuun. Gemeiniglich leitet man es von Möso-Gothischen Tains, eine Gerte, Angels. Tan, und Holländ. Teene, her. Allein, da das Wort ehedem unläugbar in weiterer Bedeutung gebraucht wurde, und man selbst noch im Oberdeutschen ein Plankenwerk, oder eine Befriedigung von Bohlen, einen Breterzaun nennet, so scheinet es wohl zu dem Angels. tynan, einschließen, umfangen, zu gehören, welches wieder ein Verwandter von unserm dehnen zu seyn scheinet, und wohin auch das alte Dun, Dunun, besonders an den eigenen Nahmen vieler alten Städte gehören kann, einen eingeschlossenen Ort zu bezeichnen, ob man es gleich gemeiniglich von Dun, ein Hügel, ableitet.


Zaunblume (W3) [Adelung]


Die Zaunblume, plur. die -n, der Nahme einer Pflanze, welche häufig an den Zäunen wächst, und wegen ihrer glockenförmigen Blume auch Zaunglocke genannt wird, Anthericum L.


Zäunen (W3) [Adelung]


Zäunen, verb. reg. neutr. mit haben, einen Zaun, oder Zäune verfertigen. In den Zusammensetzungen, abzäunen, bezäunen, umzaunen, u. s. f. wird es auch als ein Activum gebraucht.


Zaungericht (W3) [Adelung]


Das Zaungericht, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, eine Art der niedern Gerichtbarkeit, welche sich über einen bloßen Hof in eines andern Gebieth erstreckt, so weit nähmlich des Hofes Zaun gehet. Es wird daher auch das Pfahlgericht genannt.


Zaungerte (W3) [Adelung]


Die Zaungerte, plur. die -n, Gerten, oder Ruthen, welche zum Ausflechten der Zäune gebraucht werden; Zaunruthen, Zaunstecken.


Zaungilge (W3) [Adelung]


Die Zaungilge, plur. die -n, S. Zaunlilie.


Zaunglocke (W3) [Adelung]


Die Zaunglocke, plur. die -n, der Nahme verschiedener Pflanzen, welche mit glockenförmigen Blumen an den Zäunen wild wachsen. So wohl der Zaunblume, Anthericum L. als auch der Zauwinde, Weißglocke, oder Glockenblume, Convolvulus sepium L.


Zaunkirsche (W3) [Adelung]


Die Zaunkirsche, plur. die -n, ein Nahme der Heckenkirsche, ( S. dieses Wort,) Lonicera Xylosteum L.


Zaunkönig (W3) [Adelung]


Der Zaunkönig, des -es, plur. die -e, der Nahme eines kleinen Vogels, welcher zu den Grasmücken gehöret, und sich gern um den Zäunen aufhält; Motacilla Trochlodytes L. Er wird auch Zaunschliefer, Nesselkönig, Dornkönig, Schneekönig, Meisenkönig u. s. f. genannt.


Zaunlilie (W3) [Adelung]


Die Zaunlilie, plur. die -n, der Nahme eines Gewächses, mit lilienförmigen Blumen, welches an den Zäunen häufig ist, sowohl eine Art der Zaunblume, Anthericum Lilago L. als auch eine Art der Heckenkirsche, Lonicera Periclymenum L. Specklilie. Im Oberdeutschen Zaungilge.


Zaunpfahl (W3) [Adelung]


Der Zaunpfahl, des -es, plur. die -pfähle, ein in die Erde geschlagener Pfahl, um welchen die Zaungerten geflochten werden, da denn beyde den Zaun ausmachen.


Zaunrebe (W3) [Adelung]


Die Zaunrebe, plur. die -n, der Nahme einer rankenden Pflanze, welche häufig an den Europäischen Zäunen wächset; Bryonia L. Die zweyte Hälfte ihres Nahmens bezeichnet ihre zarten Reben, oder Ranken, daher es vermuthlich ein Mißverstand ist, wenn sie im gemeinen Leben gemeiniglich Zaunrübe genannt wird; wenigstens ist mir nicht bekannt, daß ihre Wurzel Ähnlichkeit mit einer Rübe hätte. Sie wird indessen auch Gichtrübe, Stickwurz genannt.


Zaunrecht (W3) [Adelung]


Das Zaunrecht, des -es, plur. die -e. 1. Das Recht, einen Platz zu umzäunen; ohne Plural. 2. Das Recht, oder die Gerechtsame, welche ein Zaun hat, z. B. daß er von andern nicht beschädigt werden darf, u. s. f.


Zaunreis (W3) [Adelung]


Das Zaunreis, des -es, plur. car. der Nahme einer Pflanze, welche häufig an den Zäunen wächset, und weil sich ihr borstiger Same gern an die Kleider anhängt, auch Kleberich, Klebekraut genannt wird; Galium Aparine L.


Zaunriegel (W3) [Adelung]


Der Zaunriegel, des -s, plur. inus. ein Nahme des Hartriegels, Ligustrum vulgare L.


Zaunruthe (W3) [Adelung]


Die Zaunruthe, plur. die -n, S. Zaungerte.


Zaunschliefer (W3) [Adelung]


Der Zaunschliefer, des -s, plur. ut nom. sing. der Oberdeutsche Nahme des Zaunköniges, ( S. dieses Wort.) Die Vögel haben die Gebüsche verlassen, nur der kleine Zaunschliefer hüpfet umher, Geßn.


Zaunwicke (W3) [Adelung]


Die Zaunwicke, plur. die -n, eine Art Wicken, welche wild an den Zäunen wächset, und ein gutes Futter abgibt; Vicia sepium L.


Zaunwinde (W3) [Adelung]


Die Zaunwinde, plur. die -n, S. Zaunglocke.


Zaupel (W3) [Adelung]


Die Zaupel, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden Obersachsens übliches Wort, zweyschürige Schafe zu bezeichnen, welche, weil sie gemeiniglich die Krätze haben, und daher immer geschmieret werden müssen, auch collective Schmiervieh genannt werden. Das Wort ist ohne Zweifel Wendischen, oder Sclavonischen Ursprunges.


Zausen (W3) [Adelung]


Zausen, verb. reg. act. durch verworrene Ausrausung der einzelnen Fäden rauch und ungestalt machen. Es wird noch am häufigsten von den Haaren gebraucht. Jemanden den Kopf zausen, ihm die Haare durch Raufen verwirren. Sich raufen und zausen. Daher vornehmlich zerzausen, besonders von den Haaren, in Unordnung bringen. So auch das Zausen. Anm. Im Nieders. tuseln, im Angels. taesan, im Isländ. taesa, im Engl. teaze, toaze, tose, towse. Es scheinet mit ziehen eines Stammes zu seyn, und sich von demselben nur durch den Ableitungsbuchstaben zu unterscheiden. Im Dithmars. ist tösen, schleppen, und im Bremischen teusen, verteusen, hin und wieder fallen lassen, im Hochd. verzetteln; woraus zugleich die Verwandtschaft mit dem Lat. ducere begreiflich wird.


Zechbrache (W3) [Adelung]


Die Zechbrache, plur. die -n, in einigen Gegenden, Felder, welche nach der Zeche, d. i. nach der Reihe, brach gelassen werden.


Zechbruder (W3) [Adelung]


Der Zechbruder, des -s, plur. die -brüder, Fämin. die Zechschwester, plur. die -n, von dem Verbo zechen, eine Person, welche gern zechet, Fertigkeit im Zechen besitzet, in der vertraulichen Sprechart.


Zechen (W3) [Adelung]


Zechen, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt. 1. Reichlich trinken; in der vertraulichen Sprechart. Wacker zechen. Sie haben die ganze Nacht mit einander gezecht. Ihr Freunde zecht, wie unsre Väter zechten, Haged. 2. Bey einem Wirthe für sein Geld essen und trinken; eine im Hochdeutschen seltene Bedeutung, in welcher es nur allein als ein Neutrum gebraucht wird. Für sein Geld zechen. Bey einem zechen. Daher das Zechen.

Anm. Auch dieses Wort ist im Hoch- und Oberdeutschen so einzeln und einsam, als das vorige; außer daß auch im Böhm. cechuje, ich zeche, ist, von welchem denn doch noch die Frage ist, ob es nicht aus dem Deutschen entlehnet worden. Es ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein Intensivum von ziehen, zumahl, da schon dieses von dem reichlichen Trinken gebraucht wird.


Zecheneisen (W3) [Adelung]


Das Zecheneisen, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Eisenhämmern, ein Hammer mit dem Zeichen des Hammerherren, das Stabeisen damit zu zeichnen.


Zechenhaus (W3) [Adelung]


Das Zechenhaus, des -es, plur. die -häuser, im Bergbaue, ein Haus, worin sich die Bergleute versammeln, ihr Gebeth darin zu verrichten, die Erze darin zu pochen u. s. f. Es wird auch das Hüttenhaus genannt.


Zechenholz (W3) [Adelung]


Das Zechenholz, des -es, plur. car. eben daselbst, ein Collectivum, das zu den Grubengebäuden einer Zeche nöthige Holz zu bezeichnen.


Zechenmeister (W3) [Adelung]


Der Zechenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Vorgesetzter der Bergleute einer Zeche, welcher die Rechnungen über Einnahme und Ausgabe führet.


Zechenregister (W3) [Adelung]


Das Zechenregister, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, das Verzeichniß, welches der Steiger über die täglichen Arbeiten und Vorfallenheiten bey einer Zeche hält.


Zecher (W3) [Adelung]


Der Zecher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zecherinn, eine Person, welche zecht, Fertigkeit, reichlich zu trinken, besitzt. War Calchas nicht ein hocherfahrner Zecher, Und, halb berauscht, ein Held im Prophezeyn? Haged.


Zechfuhre (W3) [Adelung]


Die Zechfuhre, plur. die -n, von Zeche, Reihe, in einigen Gegenden, Frohnfuhren, welche nach der Reihe geschehen.


Zechgenoß (W3) [Adelung]


Der Zechgenoß, des -en, plur. die -en, in einigen Gegenden, ein Genoß, ein Mitglied einer Zeche, d. i. einer Zunft oder Gemeinde.


Zechhuth (W3) [Adelung]


Die Zechhuth, plur. inus. auch nur in einigen Gegenden, diejenige Art der Huth, oder Hüthung des Viehes, da kein eigener Hirte gehalten, sondern das Vieh von den Einwohnern selbst nach der Reihe gehüthet wird.


Zechine (W3) [Adelung]


Die Zechine, plur. die -n, der Nahme einer Venetianischen Goldmünze, welche 22 Venetianische Lire, oder 2 1/2 Rthlr. Conventions-Geld hält. Das Wort ist aus dem Ital. Zecchino, welches wieder von Zecca, die Münze, das Münzhaus, abstammet.


Zechstein (W3) [Adelung]


Der Zechstein, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein Nahme, welchen die Bergleute an verschiedenen Orten mehrern Steinarten geben, vermuthlich, so wie selbige auf einer Zeche häufig brechen; so wohl dem gemeinen Kalksteine, welcher in den Hohensteinischen Flötzgebirgen diesen Nahmen führet; als auch an andern Orten dem weißen Spathe; als endlich auch der so genannten Ablösung in den Zwittergebirgen.


Zechtag (W3) [Adelung]


Der Zechtag, des -es, plur. die -e. 1. Von Zeche, Zunft, bey den Handwerkern einiger Gegenden, derjenige Tag, an welchen die Gesellen ihre vierteljährige Versammlung halten. 2. Von dem Verbo zechen, ein zum reichlichen Trinken bestimmter Tag.


Zecke,Zäcke (W3) [Adelung]


Die Zecke, oder Zäcke, plur. die -n, im gemeinen Leben, der Nahme eines Insectes, welches sich in den Gesträuchen der Wälder aufhält, und sich gern an Menschen und Thiere hänget, da es denn mit dem Kopfe in die Haut eindringt, und sich voll Blut sauget; der Holzbock, die Schaflaus, Hundelaus, Kuhlaus. Im Nieders. Teke, im Engl. Tick, Tike, im Franz. Tic, Tique, im Schwed. Tik, im Ital. Zecca. Es ist ohne Zweifel ein Intensivum von ziehen, weil dieses Insect das Blut an sich ziehet, oder sauget. Von eben derselben Form ist das in manchen Provinzen übliche Verbum zecken, welches so viel als necken bedeutet.


Zehe (W3) [Adelung]


Die Zehe, (mit dem hohen e,) plur. die -n. 1. Ein spitziges, gespaltenes Stück; eine Bedeutung, welche im Hochdeutschen fremd, und nur noch in einigen Oberdeutschen Gegenden bekannt ist, wo eine Ingwerzehe, eine Knoblauchzehe, ein kleines gespaltenes Stück ist. 2. Ein gespaltener biegsamer Theil des äußersten Vorderfußes an Menschen und Thieren, das, was die Finger an den Händen sind. Zehen haben. Die große Zehe, die kleine Zehe. Auf den Zehen gehen. Sich auf den Zehen herbey schleichen. Die Biegsamkeit unterscheidet die Zehen von den Klauen und Hufen. Indessen nennt man auch den vordern Theil der Wand des Pferdehufes figürlich die Zehe.

Anm. Im Oberdeutschen, von den frühesten Zeiten an, Zehe, im Nieders. Taan, im Angels. Ta, im Engl. Toe, im Schwed. Tä. Es ist mit Zahn, Zacke u. s. f. Eines Geschlechtes, indem die Hervorragung, spitzige, gespaltene Beschaffenheit ohne Zweifel der Grund der Benennung ist.


Zehen (W3) [Adelung]


Zehen, zusammen gezogen, zehn, (mit dem tiefen e,) eine Grundzahl, welche sich zwischen neun und elf in der Mitte befindet, und jederzeit unverändert bleibt. Zehen Tage, vor zehn Wochen, zehn Häuser u. s. f. Selbst wenn es ohne Substantiv stehet, bleibt es am besten unverändert, obgleich einige andere Grundzahlen hier die Biegung verstatten. Einer von zehen, besser, als von zehnen. Das Geld dieser zehen, oder zehn, besser als diese zehne. Ein Herr von zehen Sclaven, besser, als zehner Sclaven Herr. So auch in Zusammensetzungen, vierzehen, funfzehen, sechzehen u. s. f. zehen tausend.

Anm. Im Oberdeutschen von den frühesten Zeiten an, zehan, zin, cin, bey dem Ulphilas taihun, im Nieders. tain, im Lat. decem, im Griech. mit einer andern Ableitungssylbe, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Isländ. wieder mit einer andern, tiju, in andern Sprachen ohne Ableitungssylbe, wie im Wallis. deg, im Bretagnischen deo, im Irländ. deag. Die Sylbe en ist die Ableitungssylbe, entweder den Plural zu bezeichnen, oder, welches wahrscheinlicher ist, ein Umstandswort, dergleichen die Zahlwörter sind, anzudeuten, wie in sieben, unten, oben, außen. Es kommt hier also nur auf die Wurzelsylbe zeh, oder mit einem stärkern Hauptlaute, zech, tech u. s. f. an, welche sich aber nur muthmaßlich bestimmen läßt, weil die Nahmen aller Grundzahlen ein sehr hohes Alter haben, und die Grundzahlen selbst sehr abstracte Begriffe bezeichnen. Gemeiniglich leitet man es von dem vorigen Zehe ab, weil der Mensch an beyden Füßen zehen Zehen hat. Allein es ist wahrscheinlicher, daß die Wurzelsylbe zeh mit zig in zwanzig, dreyßig vierzig u. s. f. eine und eben dieselbe ist, und daß beyden von ziehen, Nieders. teihen, tehen, herstammen, weil man bey der ältesten einfachsten Art zu zählen und zu rechnen, zehen Einheiten zusammen legte, und dann eine solche Sammlung zurück auf einen Haufen zog. ( S. auch -Zig.) Übrigens läßt sich dieses Zahlwort, so wie alle Grundzahlen, mit vielen Adjectiven zusammen setzen, selbst mit solchen, welche außer der Zusammensetzung nicht als Adjective üblich sind, zehntägig, zehnjährig, zehnfüßig, zehnköpfig, zehnmahlig u. s. f.


Zehen (W3) [Adelung]


Die Zehen, plur. die -en, so wohl die Figur, welche die Zahl zehen bezeichnet. Eine Römische Zehn. Als auch ein Blatt in der Karte, welches mit zehen Augen bezeichnet ist. Die Pique Zehn.


Zehend (W3) [Adelung]


Das Zehend, des -es, plur. die -e, (nicht -en,) ein Collectivum, eine Zahl von zehen Einheiten zu bezeichnen. Den allen, die uns bessern können, Mehr Zehenden (Zehende) an Jahren gönnen, Das will die Pflicht, Haged. Das zweyte Jahrzehend dieses Seculi. Das Wort wird selten gebraucht, wird aber gemeiniglich mit dem folgenden, der Zehente, verwechselt, ungeachtet sie so wohl in der Form, als dem Geschlechte und der Bedeutung, sehr verschieden sind. Von dieser Verwechselung stammt denn vermuthlich der Plural, die Zehenden, für Zehende, her; ungeachtet nur dieser der analogisch richtige ist. S. auch Decher, welches in manchen Fällen für Zehend üblich ist.


Zehener (W3) [Adelung]


Der Zehener, Zehner, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine Zahl, welche so viel Mahl zehen Einheiten bezeichnet, als ihre Figur andeutet, folglich eine jede Zahl, welche in zusammen gesetzten Zahlen die zweyte Stelle von der rechten Hand zur linken bedeutet; im Gegensatze der Einer, Hunderter u. s. f. ( S. auch Einer.) 2. Eine Zahl von zehn Einheiten als ein Ganzes betrachtet. So sind die Zehner in einigen Gegenden ein Gerichts-Collegium von zehen Personen, welches auch das Zehnergericht genannt wird. Auch der Kaisergroschen wird, so fern er zehen Pfennige gilt, an einigen Orten ein Zehner genannt. 3. Ein Individuum aus einem solchen Collegio von zehen Personen; auch nur an einigen Orten.


Zehenerley (W3) [Adelung]


Zehenerley, Zehnerley, adj. indecl. et adv. von zehen verschiedenen Arten und Beschaffenheiten. Zehnerley Dinge unter einander mischen. Zehner ist in dieser Zusammensetzung der ehedem übliche Genitiv von zehen, z. B. zehner Kinder Vater, wofür man jetzt sagt, der Vater von zehn Kindern.


Zehenfach (W3) [Adelung]


Zehenfach, Zehnfach, adj. et adv. zehen Mahl genommen. Einen Zeug zehnfach legen. Einem etwas zehnfach ersetzen.


Zehenjährig (W3) [Adelung]


Zehenjährig, Zehnjährig, adj. et adv. zehen Jahre alt. Ein zehnjähriges Kind. S. Jährig.


Zehenmahl (W3) [Adelung]


Zehenmahl, Zehnmahl, adv. zu zehn verschiedenen Mahlen; richtiger, zehen Mahl, weil hier kein Grund der Zusammenziehung ist. Ich habe es dir schon zehn Mahl gesagt. Zehnmahl zehn ist hundert.


Zehenmahlig (W3) [Adelung]


Zehenmahlig, Zehnmahlig, adj. was zu zehen Mahlen geschiehet. Ein zehnmahliges Verboth.


Zehenstrahl (W3) [Adelung]


Der Zehenstrahl, des -es, plur. die -e, in der Naturgeschichte, eine Art aufgeritzter Seesterne mit zehen Strahlen, Decactis.


Zehentacker (W3) [Adelung]


Der Zehentacker, des -s, plur. die -äcker, ein Acker, von welchem der Zehente gegeben wird.


Zehentamt (W3) [Adelung]


Das Zehentamt, des -es, plur. die -ämter, ein Amt, oder Collegium solcher Personen, welche den Zehenten für den Zehentherren einnehmen.


Zehentbar (W3) [Adelung]


Zehentbar, adj. et adv. 1. Wovon der Zehent gegeben wird. Zehentbare Äcker. Zehentbares Vieh. 2. Zum Zehenten verpflichtet, wie zehentpflichtig. Zehentbare Bauern. So auch die Zehentbarkeit.


Zehente (W3) [Adelung]


Der, die, das Zehente Zehnte, adj. welches die Ordnungszahl von zehen ist. Der zehnte Tag im Jahr. Den zehnten dieses Monaths. Zum zehnten Mahle wieder kommen.


Zehente (W3) [Adelung]


Der Zehente, Zehnte, des -n, plur. die -n, das vorige Adjectiv als ein Substantiv gebraucht, den zehnten Theil zu bezeichnen. Es ist besonders von solchen Abgaben üblich, welche von Feld- und Gartenfrüchten, dem zahmen Viehe, der Wolle u. s. f. in Natura gegeben werden, da denn diese Abgabe von Alters her und noch jetzt am häufigsten in dem zehenten Individuo bestehet. Der Fruchtzehnte, der von Früchten gegeben wird; so auch Obstzehnte, Weinzehnte, Rauchzehnte, Sackzehnte, Viehzehnte, Schmalzzehnte, Wollzehnte, u. s. f. Den Zehnten geben, einfordern. Den Zehenten von etwas geben. An manchen Orten wird statt des zehnten Theils schon der dritte, vierte u. s. f. und an manchen nur der zwanzigste, dreyßigste u. s. f. gegeben, und doch behält diese Abgabe in solchen Fällen oft den Nahmen des Zehnten.

Anm. Schon im Kero Zehanto, im Nieders. Tegen, Tegede. In einigen Gegenden ist dafür das Lateinische Wort, der Decem, und verderbt, Deg, Dätz, üblich. Da dieses Wort die vorige Ordnungszahl ist, nur daß sie hier elliptisch und substantive gebraucht wird, so erhellet daraus, wie unrichtig es ist, wenn man dasselbe Zehend oder Zehent schreibt, und es mit dem obigen, ganz verschiedenem Worte, das Zehend, verwechselt.


Zehentel (W3) [Adelung]


Das Zehentel, Zehntel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Theil eines in zehen Theile getheilten Ganzen. Sieben Zehentel.


Zehenten (W3) [Adelung]


Zehenten, verb. reg. act. 1. Den Zehenten auflegen, nehmen, eintreiben. Ein Geistlicher zehentet den andern nicht. 2. Den Zehenten geben, doch nur in dem abgeleiteten verzehenten.


Zehenter (W3) [Adelung]


Der Zehenter, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Beamter, welcher den Zehenten im Nahmen des Zehentherren einnimmt, oder eintreibet, der Zehentmahler, Zehentsammler. In manchen Gegenden, obgleich unrichtig, Zehentner, Zehendner, indem Zehenter von zehenten gebildet ist, wie Geber von geben, Nehmer von nehmen, und tausend andere mehr. 2. An einigen Orten, Unterthanen, welche verpflichtet sind, dem Gutsherrn um die zehente Garbe das Getreide zu schneiden, zu dreschen u. s. f. welchen Nahmen sie auch beybehalten, wenn es gleich nur um den zwölften Schäffel geschiehet. An manchen Orten gleichfalls Zehentner, S. Zehentfröhner.


Zehentflur (W3) [Adelung]


Die Zehentflur, plur. die -en, eine Flur, welche den Zehenten zu geben verbunden ist.


Zehentfröhner (W3) [Adelung]


Der Zehentfröhner, des -s, plur. ut nom. sing. wie Zehenter 2, d. i. Unterthanen, welche dem Gutsherren für den Genuß des zehenten Theiles zu fröhnen verbunden sind. Müssen sie dafür dreschen, so heißen sie Zehentdrescher, und wenn sie ihm dafür das Getreide hauen, oder schneiden müssen, Zehentschnitter.


Zehentgarbe (W3) [Adelung]


Die Zehentgarbe, plur. die -n, die zehente Garbe, welche der Zehentherr als seinen Zehenten bekommt.


Zehentgeld (W3) [Adelung]


Das Zehentgeld, des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, welches anstatt des Zehenten gegeben wird; an einigen Orten, der Zehentschatz.


Zehentgericht (W3) [Adelung]


Das Zehentgericht, Zehntgericht, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, ein Gericht, welches die über die Zehenten entstehenden Streitigkeiten schlichtet; und welches weder mit Sendgericht, von Synodus, noch mit Zentgericht, von Centena, verwechselt werden muß.


Zehentgränze (W3) [Adelung]


Die Zehentgränze, plur. die -n, die Gränze einer Zehentflur, die Gränze, wo die Befugniß eines Zehentherren aufhöret.


Zehentherr (W3) [Adelung]


Der Zehentherr, des -en, plur. die -en, derjenige, welcher die Befugniß hat, den Zehenten in einem gewissen Bezirke einzufordern.


Zehenthof (W3) [Adelung]


Der Zehenthof, des -es, plur. die -höfe, an einigen Orten, derjenige Hof, wo der Zehente zusammen geführet, oder verwahret wird.


Zehentholde (W3) [Adelung]


Der Zehentholde, des -n, plur. die -n, nur an einigen Orten, besonders in Oberdeutschland, zehentpflichtige Unterthanen, S. Holde.


Zehentkorn (W3) [Adelung]


Das Zehentkorn, des -es, plur. inus. Korn, d. i. Getreide, welches aus dem Zehenten kommt. So auch Zehenthafer, Zehentgerste, Zehentrocken u. s. f.


Zehentmahler (W3) [Adelung]


Der Zehentmahler, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, wie Zehentsammler, S. 1. Mahlen.


Zehentmann (W3) [Adelung]


Der Zehentmann, des -es, plur. die -männer, derjenige, welcher den Zehenten zu geben verpflichtet ist, im Gegensatze des Zehentherren.


Zehentner (W3) [Adelung]


Der Zehentner, S. Zehenter.


Zehentpflichtig (W3) [Adelung]


Zehentpflichtig, adj. et adv. verpflichtet, oder verbunden, den Zehenten zu geben; zehentverwandt. So auch die Zehentpflichtigkeit.


Zehentordnung (W3) [Adelung]


Die Zehentordnung, pur. die -en, eine obrigkeitliche Verordnung in Ansehung des Zehenten.


Zehentrecht (W3) [Adelung]


Das Zehentrecht, des -es, plur. die -e. 1. Das Recht, die Befugniß, den Zehenten zu heben; ohne Plural. 2. Der Inbegriff der Gesetze in Ansehung des Zehenten; entweder im Singular allein, oder im Plural allein. 3. Ein Recht, oder Befugniß, welches dem Zehenten anklebt, z. B. daß er nicht mit Arrest belegt werden kann; mit dem Plural.


Zehentruthe (W3) [Adelung]


Die Zehentruthe, plur. die -n, eine Ruthe von einer bestimmten Länge, mit welcher man in solchen Gegenden, wo der Zehent nicht in Garben, sondern nach dem Maße des Feldes, gegeben wird, ( S. Stabzehent,) das Feld abzumessen pflegt.


Zehentsammler (W3) [Adelung]


Der Zehentsammler, des -s, plur. ut nom. sing. eine verpflichtete Person, welche den Zehenten für den Zehentherren einsammelt. S. Zehenter und Zehentmahler.


Zehentschatz (W3) [Adelung]


Der Zehentschatz, des -es, plur. car. S. Zehentgeld.


Zehentschnitter (W3) [Adelung]


Der Zehentschnitter, des -s, plur. ut nom. sing. ( S. Zehentfröhner.) Diese Art der Frohne, des Gerichtsherren Getreide um den Zehenten zu schneiden, wird in Meissen die Sensen- oder Sichelfrohne genannt.


Zehentscheuer (W3) [Adelung]


Die Zehentscheuer, plur. die -n, die Scheuer des Zehentherren, worein der Zehente von dem Getreide gebracht wird.


Zehentschreiber (W3) [Adelung]


Der Zehentschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schreiber, oder Actuarius in einem Zehentamte.


Zehentstein (W3) [Adelung]


Der Zehentstein, des -es, plur. die -e, Steine, so fern sie die Gränze der Befugniß eines Zehentherren anzeigen, die Zehentgränze machen.


Zehentstrich (W3) [Adelung]


Der Zehentstrich, des -es, plur. inus. an einigen Orten, diejenige Art des Zehenten, da anstatt der Garben ein bestimmtes Maß Getreide gegeben wird, welcher auch der Sackzehente genannt wird.


Zehentverwandt (W3) [Adelung]


Zehentverwandt, adj. et adv. an einigen Orten, wie zehentpflichtig. Zehenverwandte Bauern.


Zehentzug (W3) [Adelung]


Der Zehentzug, des -es, plur. die -züge, der Zug, d. i. die Hebung, oder Einsammlung des Zehenten.


Zehenzopf (W3) [Adelung]


Der Zehenzopf, Zehnzopf, des -es, plur. die -zöpfe, in der Naturgeschichte, eine Art vielstrahliger Seesterne, Decacnimos.


Zehig (W3) [Adelung]


Zehig, adj. et adv. von Zehe, Zehen habend, mit Zehen versehen; nur in einigen Zusammensetzungen, wie einzehig, zweyzehig, dreyzehig u. s. f.


Zehren (W3) [Adelung]


Zehren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. * Essen; eine längst veraltete Bedeutung, in welcher in einigen Oberdeutschen Gegenden noch das Abendzehren, Mittagszehren u. s. f. für Abendessen, und Mittagsmahlzeit üblich ist. 2. In weiterer Bedeutung, Speise und Trank zur Unterhaltung des Lebens zu sich nehmen; nur in solchen Fällen, wo die Art und Weise, und besonders die dazu nöthigen Mittel, bezeichnet werden. Von seinen Renten, von dem Seinigen zehren. Von der Schnur zehren, im gemeinen Leben, von seinem Capitale, so daß dasselbe durch die Bedürfnisse vermindert wird; wo die Figur freylich dunkel ist, ( S. Schnur.) Auch in dieser Bedeutung wird es, die letzte R. A. ausgenommen, im Hochdeutschen immer seltener, indem man dafür lieber das allgemeinere leben gebraucht. 3. In engerer Bedeutung, bey einem Wirthe für Geld essen und trinken. Bey einem Wirthe zehren. Für sein Geld, auf andrer Leute Kosten zehren. 4. Figürlich. (a) Der Wein, der Thee, das Wasser zehret, macht den Menschen mager; ingleichen, erweckt Appetit zum Essen. Der Wein zehret, aber das Bier nähret. ( S. auch Abzehren, Auszehren.) (b) Vermindert werden, sich verzehren, besonders von flüssigen Dingen, wenn sie durch Ausdünstung, oder vielleicht auch durch den Bodensatz abnehmen. Der Wein zehret im Fasse, daher muß er von Zeit zu Zeit nachgefüllet werden. Daher das Zehren, und die Zehrung. S. letzteres an seinem Orte.

Anm. Im Oberd. bey dem Notker u. s. f. zeran, im Nieders. teren. Bey dem Ulphilas ist tairan, und im Wendischen zeru verschlingen, im Angels. taeran und im Engl. to tear, zerren, zerreissen, im Schwed. tära, so wohl durchbohren, als verzehren, und nähren, wozu auch das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, durchbohren, das Lat. terere, und das Deutsche durch gehören. Der Hauptbegriff ist ohne Zweifel das Zerreiben und Zerreissen mit den Zähnen, so daß unser zerren das Intensivum davon ist.


Zehrer (W3) [Adelung]


Der Zehrer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher zehret, oder verzehret; ein ungewöhnliches, nur in der sprichwörtlichen R. A. übliches Wort: ein Sparer will einen Zehrer haben, oder, nach dem Sparer kommt ein Zehrer, d. i. ein Verschwender.


Zehrfrey (W3) [Adelung]


Zehrfrey, adv. Jemanden zehrfrey halten, die Unterhaltungskosten in einem Gasthofe für ihn bezahlen, ihn frey halten.


Zehrfreyheit (W3) [Adelung]


Die Zehrfreyheit, plur. car. das Recht, sich in einem Gasthofe, oder an einem fremden Orte frey unterhalten zu lassen, auf anderer Kosten zu leben.


Zehrgarten (W3) [Adelung]


Der Zehrgarten, des -s, plur. die -gärten, an den Höfen, selbst in Obersachsen, das Gewölbe oder Magazin von den noth- wendigen Lebensmitteln, so wohl an Gemüse, als Fleisch und Fischen; ein beyden Theilen nach sehr altes Wort, indem zehren hier noch so viel als essen, speisen, Garten aber einen eingeschlossenen, verschlossenen Ort bedeutet. Das Wort wird oft, aber irrig, Ziergarten geschrieben und gesprochen.


Zehrgärtner (W3) [Adelung]


Der Zehrgärtner, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Hofbedienter, welcher die Aufsicht über den Zehrgarten hat


Zehrgeld (W3) [Adelung]


Das Zehrgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, das zu seinem Unterhalte nothwendige Geld, besonders auf der Reise und an einem fremden Orte; der Zehrpfennig, im Oberd. die Wegezehrung. Einem Armen ein Zehrgeld geben, ein Almosen zum Unterhalte. S. auch Zehrpfennig.


Zehrkraut (W3) [Adelung]


Das Zehrkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme der Betonie, welches S.


Zehrling (W3) [Adelung]


Der Zehrling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden ein Nahme des Bergfinken, S. dieses Wort.


Zehrpfennig (W3) [Adelung]


Der Zehrpfennig, des -es, plur. inus. 1. Eine kleine Geldsumme zum Unterhalte auf der Reise, oder an einem fremden Orte; besonders so fern dieselbe als ein Almosen gegeben wird; wie Zehrgeld, Jemanden um einen Zehrpfennig ansprechen. 2. Das zu seinen täglichen Bedürfnissen, besonders zu dem Unterhalte erforderliche Geld. So sagt man z. B. ein guter Wirth müsse auf einen dreyfachen Pfennig bedacht seyn, auf einen Zehrpfennig, Ehrenpfennig und Nothpfennig.


Zehrung (W3) [Adelung]


Die Zehrung, plur. car. 1. Das Zehren, d. i. Essen und Trinken, an einem fremden Orte. Freye Zehrung haben. 2. Der Aufwand für Essen und Trinken an einem fremden Orte, oder in einem Gasthofe; eine größten Theils veraltete Bedeutung. Seine Zehrung bezahlen, was man verzehret hat. 3. Das dazu nothwendige Geld, wie Zehrgeld und Zehrpfennig. Jemanden um eine Zehrung ansprechen, ihm eine Zehrung geben.


Zehrwurm (W3) [Adelung]


Der Zehrwurm, des -es, plur. die -würmer, ein Nahme der Mitesser, S. dieses Wort.


Zehrwurzel (W3) [Adelung]


Die Zehrwurzel, plur. car. 1. Ein Nahme der Fieberwurzel, Arum maculatum Linn. weil sie wegen ihrer Schärfe zehret, und daher in Magenkrankheiten gebraucht wird. 2. Bey einigen auch das Dracontium Linn. aus eben derselben Ursache.


Zehrzoll (W3) [Adelung]


Der Zehrzoll, des -es, plur. car. bey den Wassermühlen, ein Zoll am Maße, welchen man zwischen dem Sicherpfahle und Fachbaume zugibt, weil dem Fachbaume mit der Zeit etwas im Wasser abgehet.


Zeichen (W3) [Adelung]


Das Zeichen, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Die Figur, die Ausbildung einer Sache, das Bild derselben; eine veraltete, und nur noch in einigen Fällen übliche Bedeutung. Das Zeichen des Kreuzes, die Figur desselben, auch wenn sie mit dem Finger in der Luft gemacht wird. Die zwölf himmlischen Zeichen, die zwölf Zeichen des Thierkreises, die zwölf Sternbilder, welche schon im Ottfried thie zwelf zeichan heißen. Das Zeichen des Krebses, der Fische u. s. f. In einigen glücklichen Zeichen geboren seyn. Es kann seyn, daß mit dieser Benennung zugleich auf die Vorbedeutung künftiger Schicksale gesehen worden; indessen ist doch die Bedeutung eines Bildes auch aus dem folgenden Verbo zeichnen unläugbar. 2. Etwas sichtbares, und in weiterm Verstande, etwas sinnliches überhaupt, so fern es bestimmt ist, eine Vorstellung zu erwecken. So wohl eine Vorstellung überhaupt; so sind die geschriebenen Worte Zeichen unserer Gedanken. Als auch von der Anwesenheit einer Sache; ein Merkmahl. Das ist ein Zeichen einer guten Gesundheit. Kein Zeichen des Lebens von sich geben. Ein Zeichen seiner Tapferkeit sehen lassen, besser, Merkmahl, Probe. Die Zeichen des jüngsten Tages. Ingleichen eine Vorstellung von seinem Willen zu erwecken, etwas sichtbares, welches zur Vorschrift der Handlung dienet. Einem ein Zeichen mit der Hand geben. Ein Zeichen mit der Trompete, der Trommel geben. Als endlich auch, ein Ding daran wieder zu erkennen; ein Kennzeichen. Ein Zeichen an etwas machen; ein Zeichen einbrennen. An dem Zeichen erkennet man es. Der Färber gibt bleyerne Zeichen aus, die Personen, welche ihm etwas zu färben gebracht haben, daran wieder zu erkennen. Viele Handwerker machen Zeichen an ihren Arbeiten, um sie daran wieder zu erkennen, u. s. f. So auch die Zeichen in einem Buche. 3. In einigen engern Bedeutungen. (a) Ein Merkmahl einer künftigen Sache. Das halte ich für ein böses, für ein gutes Zeichen. Ein Luftzeichen, Himmelszeichen u. s. f. so fern man ehedem alle seltene Erscheinungen in der Atmosphäre, oder an dem Himmel für Vorbedeutungen hielt. (b) Eine Veränderung, so fern sie eine unmittelbare Wirkung Gottes, ein Merkmahl seiner unmittelbaren Gegenwart ist, ein Wunder; eine veraltete, nur noch in der Deutschen Bibel und dem biblischen Style übliche Bedeutung, in welcher es oft mit Wunder verbunden wird, Zeichen und Wunder thun; oft aber auch allein stehet: Gott thue ein Zeichen an mir.

Anm. Von des Kero Zeiten an im Oberdeutschen zeichan, im Nieders. Teken, bey dem Ulphilas Taikus, im Angels. Tacu, im Schwed. Toku, im Engl. Token, im Lat. Signum, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Es ist mit zeigen und zeihen genau verwandt, S. diese Wörter.


Zeichenbuch (W3) [Adelung]


Das Zeichenbuch, des -es, plur. die -bücher, von dem Verbo zeichnen, ein Buch, worein man zeichnet. Ingleichen ein Buch mir vorgezeichneten Figuren, zeichnen daran zu lernen.


Zeichendeuter (W3) [Adelung]


Der Zeichendeuter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zeichendeuterinn, eine Person, welche aus gewissen Erscheinungen zufällig künftige Begebenheiten vorher sagen will; besonders, wenn solches aus den Gestirnen geschiehet, in welchem Falle der Zeichendeuter und Astrologe gleich bedeutend sind.


Zeichendeuterey (W3) [Adelung]


Die Zeichendeuterey, plur. die -en, die Vorhersagung künftiger Dinge aus gegenwärtigen Erscheinungen; im verächtlichen Verstande.


Zeichenhammer (W3) [Adelung]


Der Zeichenhammer, des -s, plur. die -hämmer, bey verschiedenen Metall-Arbeitern, ein Hammer mit dem Zeichen des Meisters auf der Bahn, die Arbeit damit zu zeichnen; bey andern der Zeichenstämpel.


Zeichenkunst (W3) [Adelung]


Die Zeichenkunst, plur. inus. von dem Verbo zeichnen, die Kunst oder Fertigkeit, zu zeichnen, Zeichnungen zu machen; die Zeichnungskunst.


Zeichenlehre (W3) [Adelung]


Die Zeichenlehre, plur. inus. 1. Im weitesten Verstande, die Lehre oder Wissenschaft, schickliche Zeichen gewisser Vorstellungen zu erfinden; ars characteristica. 2. In engerer Bedeutung, in der Medicin, die Wissenschaft, den Zustand einer Krankheit aus den Zeichen gehörig zu beurtheilen; die Semiotik.


Zeichenleiste (W3) [Adelung]


Die Zeichenleiste, plur. die -n, bey den Glasern, ein Lineal, das Maß zu den Fensterflügeln damit zu nehmen.


Zeichenmeister (W3) [Adelung]


Der Zeichenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Verbo zeichnen, derjenige, welcher Unterricht im Zeichnen, in der Kunst, Zeichnungen zu verfertigen, gibt.


Zeichenstämpel (W3) [Adelung]


Der Zeichenstämpel, des -s, plur. ut nom. sing. Zeichenhammer.


Zeichnen (W3) [Adelung]


Zeichnen, verb. reg. act. et neutr. 1. Die Umrisse eines Gegenstandes und jeder sichtbaren Partie desselben durch Linien nachbilden; wodurch es sich von Mahlen unterscheidet. Es ist hier so wohl ein Neutrum. Zeichnen können, zeichnen lernen. Nach der Natur zeichnen. Mit Bleystift, Röthel, der Feder, dem Pinsel zeichnen. Als auch ein Activum. Eine Figur, einen Baum zeichnen. 2. Ein Merkmahl an etwas machen, um es daran wieder zu erkennen. Einen Ballen Waare, eine Stelle in einem Buche, das Vieh zeichnen. Ein wohl gezeichnetes Pferd, welches schöne Unterscheidungsmerkmahle hat. Gott hat ihn gezeichnet, durch ein sichtbares Merkmahl von andern unterschieden; ein im gemeinen Leben von ungestalten, oder gebrechlichen Personen üblicher Ausdruck. So auch das Zeichnen.

Anm. Die Endsylbe nen verräth, daß es ein Intensivum von einem veralteten Verbo zeichen ist, welches noch im Kero, bey dem Ottfried u. s. f. vorkommt. Im Nieders. tekenen, bey dem Ulphilas taiknan, im Lat. signare. Das Griech - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ist so, wie unser zeigen, genau damit verwandt.


Zeichner (W3) [Adelung]


Der Zeichner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zeichnerinn, eine Person, welche zeichnet, oder so fern sie zeichnet, in der ersten Bedeutung des Verbi. Ein guter, ein schlechter Zeichner.


Zeichnung (W3) [Adelung]


Die Zeichnung, plur. die -en, von dem Verbo zeichnen, doch nur in dessen ersten Bedeutung. 1. Die Kunst, Fertigkeit zu zeichnen, die Zeichenkunst; ohne Plural. 2. Eine gezeichnete Figur, ein gezeichnetes Bild; mit dem Plural.


Zeidelbär (W3) [Adelung]


Der Zeidelbär, des -en, plur. die -en, eine Art kleiner Bären, welche nach dem Honige der wilden Bienen lüstern ist, und sie daher zeidelt, d. i. das Honig heraus nimmt; der Honigbär. ( S. Zeideln.) Man muß diesen Nahmen nicht mit Zeiselbär verwechseln, wie gemeiniglich geschiehet. S. dieses an seinem Orte.


Zeidelbaum (W3) [Adelung]


Der Zeidelbaum, des -es, plur. die -bäume, ein hoher und starker Baum, in welchen Beuten ausgehauen werden können.


Zeidelgericht (W3) [Adelung]


Das Zeidelgericht, des -es, plur. die -e, ein nur in Nürnberg befindliches Gericht über die Zeideler und ihre Streitigkeiten, welches dem Wald- und Forstgerichte untergeordnet ist.


Zeidelgut (W3) [Adelung]


Das Zeidelgut, des -es, plur. die -güter, in verschiedenen Provinzen, besonders im Nürnbergischen, ein Bauergut, welches das Recht hat, Bienen in dem Reichsforste zu halten und zu zeideln. Im Nürnbergischen gibt es dreyerley Güter dieser Art: Zeidelmütter, unmittelbare Zeidelgüter, welche mittelbare, oder Afterlehengüter von sich abhängen haben, welche letztern Zeideltöchter heißen, und einschichtige Zeidelgüter, welche zwar auch unmittelbar sind, aber keine Zeideltöchter haben.


Zeidelheide (W3) [Adelung]


Die Zeidelheide, plur. die -n, in einigen Gegenden, z. B. in der Lausitz, ein Stück eines Waldes, welches zur Bienenzucht bestimmt ist. In der Herrschaft Muskau in der Lausitz werden die Zeidelheiden in gewisse Maße getheilet, da denn ein Maß Zeidelheide ein Stück Wald ist, welches 60 Beuten oder Bienenstöcke fassen oder ernähren kann.


Zeidelhufe (W3) [Adelung]


Die Zeidelhufe, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Hufe Ackers, auf welcher das Zeidelrecht haftet, eine zu einem Zeidelgute gehörige Hufe.


Zeidelmeister (W3) [Adelung]


Der Zeidelmeister, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Überhaupt derjenige, welcher die Kunst, die Bienen zu zeideln, und in weiterer Bedeutung, die ganze Bienenpflege gehörig verstehet, nur noch in einigen Gegenden; in andern der Bienenmeister, Bienenvater, Bienenwärter. 2. In andern Gegenden, z. B. im Nürnbergischen, ein Vorgesetzter oder Richter der Zeidler, welcher ehedem zu Feucht seinen Sitz hatte, und im mittlern Latein. Magister mellicidarum, oder Zeidelariorum hieß. Er stand unter dem Oberrichter, welcher Butigularius, Butigler hieß, von Beute, ein Bienenhaus. S. Schwarzens Disp. de Butigulariis, Altorf, 1723, 1743.


Zeidelmesser (W3) [Adelung]


Das Zeidelmesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Messer, die Bienenstöcke damit zu zeideln, d. i. ihnen die Honigscheiben zu beschneiden.


Zeidelmutter (W3) [Adelung]


Die Zeidelmutter, plur. die -mütter, S. Zeidelgut.


Zeideln (W3) [Adelung]


Zeideln, verb. reg. act. 1. Schneiden überhaupt; eine im Hochdeutschen veraltete, nur noch hin und wieder in einigen Gegenden übliche Bedeutung. 2. Im engern Verstande, die Bienenstöcke beschneiden, d. i. ihnen so viel Honig nehmen, als sie ohne Gefahr zu verhungern entbehren können. Die Bienen zeideln.

Anm. Frisch gibt sich viele unnöthige Mühe, das Wort Zeidel, in den vorigen und folgenden Zusammensetzungen von dem Slavon. Wtschel, eine Biene, abzuleiten; eine Ableitung, welche sich schon durch ihren außerordentlichen Zwang verdächtig macht, und über dieß nicht einmahl das Verbum zeideln angewandt werden kann, dessen Bedeutung des Schneidens bestimmt genug ist. Das alte Wort zeideln, welches, von der Bienenzucht gebraucht, schon in vielen Urkunden von dem zehenten Jahrhunderte an vorkommt, ist mit dem Lat. caedere, und cidere in den Zusammensetzungen genau verwandt, und mit demselben aus einer und eben derselben ältern Quelle. Da das Zeideln oder mäßige Beschneiden oder Ausschneiden der Bienenstöcke eines der vornehmsten Stücke der Bienenpflege, besonders der Waldpflege der Bienen ist, so hat gar leicht die ganze Behandlung und Wartung derselben davon benannt werden können. Diese Ableitung wird zugleich durch das Lat. Mellicida bestätiget, welches in den mittlern Zeiten häufig genug für Zeidler vorkommt.


Zeidelordnung (W3) [Adelung]


Die Zeidelordnung, plur. die -en, eine Verordnung für die Zeidler und Zeidelgüter.


Zeidelrecht (W3) [Adelung]


Das Zeidelrecht, des -es, plur. die -e. 1. Das Recht, Bienen in einem Walde zu halten; ohne Plural. 2. Der Inbegriff der Rechte oder Gesetze, in Ansehung der Waldpflege der Bienen; so wohl im Singular, als Plural, allein.


Zeidelrichter (W3) [Adelung]


Der Zeidelrichter, des -s, plur. ut nom. sing. der Richter in einem Zeidelgerichte, der Vorgesetzte der Zeidler.


Zeideltochter (W3) [Adelung]


Die Zeideltochter, plur. die -töchter, S. Zeidelgut.


Zeidelweide (W3) [Adelung]


Die Zeidelweide, plur. die -n. 1. Ein Waldbezirk, so fern er mit Bienenstöcken besetzt wird. 2. Die Haltung der Bienen in einem Walde, und das Recht dazu; ohne Plural.


Zeidelzeichen (W3) [Adelung]


Das Zeidelzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. dasjenige Zeichen, womit jeder Eigenthümer seine Zeidelbäume bezeichnet.


Zeidelzins (W3) [Adelung]


Der Zeidelzins, des -es, plur. inus. die Abgabe, welche dem Grundherren eines Waldes für das Recht gegeben wird, Bienen in demselben zu halten.


Zeidler (W3) [Adelung]


Der Zeidler, des -s, plur. ut nom. sing. 1. In manchen Gegenden noch überhaupt derjenige, welcher die Kunst verstehet, die Bienen zu zeideln, und zu warten. 2. In engerer Bedeutung sind in manchen Provinzen noch Zeidler solche, welche das Recht besitzen, Bienen in einem Walde zu halten; dergleichen es in der Lausitz, in Sachsen u. s. f. gibt. In den Reichswäldern um Nürnberg waren die Zeidler ehedem sehr angesehen, indem sie von dem Kaiser und Reiche mit dem Zeidelrechte beliehen wurden, und ihr und der Zeidelgüter Nahme dauert daselbst noch fort, obgleich die Waldpflege der Bienen daselbst längst aufgehöret hat.


Zeigefinger (W3) [Adelung]


Der Zeigefinger, des -s, plur. ut nom. sing. der vordere Finger zunächst an dem Daumen, womit man auf etwas zu zeigen pflegt.


Zeigen (W3) [Adelung]


Zeigen, verb. reg. act. 1. Dem Auge sichtbar machen; so wohl durch Deuten auf einen Gegenstand, um ihn dadurch von andern zu unterscheiden. Einem etwas mit dem Finger zeigen. Auch als ein Neutrum, mit dem Finger auf etwas zeigen. Eine Uhr, welche die Stunden zeiget. Als auch überhaupt ein Ding vor andern seiner Art bemerkbar machen. Einem den rechten Weg zeigen, ihm eine Stelle in einem Buche zeigen, ihm zeigen, wie er es machen soll. Ingleichen, sehen lassen. Jemanden ein Buch, ein Gemählde u. s. f. zeigen. Zeige mir deinen Garten. 2. Als Wirkung einer Ursache sichtbar machen. Zeige mir deinen Glauben durch deine Werke. Er zeigte, daß er Herz hatte. Sich als Mensch zeigen. Zeige dich als einen Mann, oder, als Mann. Es wird sich am Ende schon zeigen, durch die Wirkung, durch den Ausgang äußern. So auch das Zeigen, und, doch nur in den Zusammensetzungen, die Zeigung.

Anm. 1. Zeigen und weisen sind völlig gleich bedeutend, nur daß zeigen edler ist, weisen aber auch in einigen figürlichen Bedeutungen gebraucht wird, in welchen zeigen nicht üblich ist.

Anm. 2. Dieses alte Verbum lautet von den frühesten Zeiten an, zeigen, im Nieders. tögen, im Isländ. tia, im Schwed. nur te. Es ist mit Zeichen, dem folgenden zeihen, und vielleicht auch mit zeugen genau verwandt; wenigstens bedeutet das Schwed. te nicht allein zeigen, sondern auch verkündigen, ingleichen bekennen, beichten, und bey dem Ulphilas ist gateihan gleichfalls verkündigen.


Zeiger (W3) [Adelung]


Der Zeiger, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine Person, welche etwas zeiget, Fämin. die Zeigerinn; ein für sich allein nur im gemeinen Leben für Vorzeiger, Vorzeigerinn, übliches Wort. Zeiger dieses, d. i. der Vorzeiger, oder Überbringer dieses Briefes, dieses Scheines. In den Zusammensetzungen Anzeiger u. s. f. ist es gangbarer. 2. Ein Werkzeug, damit zu zeigen, oder ein Ding, welches etwas zeiget. So wird der Zeigefinger oft auch der Zeiger genannt. Besonders an einer Uhr, das Werkzeug, welches die Stunden zeiget, es sey nun eine Sonnen- oder Räderuhr. Der Zeiger steht auf eins. In den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden, z. B. Meißens, wird daher die ganze Uhr, sie sey nun eine Sonnen- Sand- oder Räderuhr, nach einer verderbten Aussprache, der Seiger genannt, für Zeiger, obgleich Zeiger in der edlern Schreib- und Sprechart in dieser Figur für Uhr nicht üblich ist, und auch Hagedorn, einmahl Zeigerschlag für Glockenschlag gebraucht. Vermuthlich geschiehet es wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt mit dem Uhrzeiger, wenn die Gold- und Silberarbeiter ihre Grabsichel Zeiger nennen.


Zeigerstange (W3) [Adelung]


Die Zeigerstange, plur. die -n, der Zeiger an einer Sonnenuhr, d. i. die kleine Stange, oder der Stift, dessen Schatten die Stunden zeiget.


Zeigeruhr,Zeigeuhr (W3) [Adelung]


Die Zeigeruhr, oder Zeigeuhr, plur. die -en, eine Räderuhr, welche die Stunden bloß zeiget, zum Unterschiede von einer Schlageuhr.


Zeihen (W3) [Adelung]


Zeihen, verb. irreg. act. Imperf. ich zieh, Particip. geziehen, Imperat. zeihe, eines Vergehens, oder Verbrechens überführen, mit dem Accusativ der Person und dem Genitiv der Sache. Wer kann mich einer Sünde zeihen? überführen, in der Deutschen Bibel. Einen einer Lüge zeihen. Man hat ihn des Diebstahls geziehen. Obgleich diese Bedeutung nur ein Überrest des ehemahligen weitern Gebrauches ist, da zeihen für mehrere Arten des Erklärens, Sagens u. s. f. gebraucht wurde, ( S. Verzeihen,) so gehöret doch auch sie schon, so wie das ganze Verbum, unter die weniger gebräuchlichen, daher es nur noch hin und wieder in der höhern Schreibart gebraucht wird. Bey dem Notker, Ottfried und den Schwäbischen Dichtern kommt es für beschuldigen und anklagen sehr häufig vor. Sie ziegin'nan, sie beschuldigten ihn, Ottfr. Des wil ich niemant zeyhen, Horn. Im Nieders. teijen. Daher war Zicht, Nieders. Ticht, ehedem Anklage, Beschuldigung. ( S. Inzicht.) Es ist mit zeugen eines Stammes, und vermittelst desselben auch mit Zeichen und zeigen verwandt, zumahl da letzteres so wohl in den verwandten Sprachen, als auch in Zusammensetzungen, z. B. anzeigen, von Äußerungen durch Worte gebraucht wird.


Zeile (W3) [Adelung]


1. Die Zeile, plur. die -n, ein Kahn, ingleichen eine Art Flußschiffe, S. Zille.


Zeile (W3) [Adelung]


2. Die Zeile, plur. die -n. 1. Eine jede gerade Reihe oder Linie von Dingen einer Art; doch nur noch in einigen Fällen des gemeinen Lebens, indem sonst Reihe dafür üblicher ist. Im Feldbaue wird der Mist in Zeilen geschlagen, wenn er in Haufen in gerader Linie auf das Feld geführet wird. Das Kraut wird zeilenweise, oder in Zeilen gesteckt, in gerader Linie. Eben daselbst heißt eine Reihe nieder geschlagenes Buschholz, das gehauene und in eine Reihe gelegte Getreide u. s. f. eine Zeile, in manchen Mundarten auch eine Zahl, und in andern Gegenden ein Jahn. Eine Reihe über einander stehender Fruchtkörner in den Ähren heißt gleichfalls eine Zeile, so wie auch die Sporer die Reihen Zähne in den Striegeln Zeilen nennen. Eine Zeile Semmel, bey den Bäckern, eine Reihe an einander befindlicher Semmeln. In manchen Gegenden heißt eine Reihe Häuser, und folglich auch eine Gasse, eine Zeile. So ist z. B. die Wollzeil in Wien die Wollgasse. Ja, im Oberdeutschen wird dieses Wort in den gemeinen Sprecharten fast in allen Fällen für Reihe, oder gerade Linie gebraucht; eine Zeile Stühle, Gläser u. s. f. Die Bäume nach der Zeile pflanzen. Im Hochdeutschen gebraucht man es 2. nur in engerer Bedeutung, von einer Reihe Buchstaben oder Wörter. In der ersten, zweyten Zeile. Gerade, krumme Zeilen. Ein Paar Zeilen an jemanden schreiben, einen kurzen Brief.

Anm. Das Wort ist im Oberdeutschen alt, indem zila schon im Ottfried eine Linie ist. Es stammet allem Vermuthen nach von ziehen ab, und zwar aus eben dem Grunde, aus welchem auch Reiza, in den Monseeischen Glossen eine Linie bedeutet, von reißen, ducere, ziehen.


Zeilgerste (W3) [Adelung]


Die Zeilgerste, plur. car. eine Art Gerste, deren Körner in sichtbaren Zeilen oder Reihen über einander wachsen.


Zeilig (W3) [Adelung]


Zeilig, adj. et adv. aus Zeilen bestehend, Zeilen habend; nur in einigen Zusammensetzungen. Zweyzeilige, vierzeilige Gerste, welche so viele sichtbare Zeilen hat.


Zeischen (W3) [Adelung]


Das Zeischen, S. Zeisig.


Zeisel (W3) [Adelung]


Die Zeisel, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden bekanntes Wort, die Spitzmaus zu bezeichnen. Das Wort ist Slavonischen Ursprunges, indem eine solche Maus im Böhm. Sysel heißt, wovon auch das in einigen Gegenden übliche Zischmaus gebildet zu seyn scheinet; es mußten sich denn die Spitzmäuse durch ein ihnen eigenes Zischen unterscheiden.


Zeiselbär (W3) [Adelung]


Der Zeiselbär, des -en, plur. die -en, in einigen Gegenden der zahme Bär, welchen man zur Schau herum zu führen pflegt. So sagt man z. B. von einem mürrischen Menschen, er brumme wie ein Zeiselbär. Die erste Hälfte scheint Slavonischen Ursprunges zu seyn, von Sidlo, ein Strick, so daß Zeiselbär einen am Seile geführten Bären, einen Seilbären bezeichnen würde S. auch Seideln und Zeidelbär.


Zeisig (W3) [Adelung]


Der Zeisig, des -es, plur. die -e, Diminut. das Zeischen, Oberd. Zeislein, der Nahme eines kleinen grünlichen Vogels mit einer schwarzen Platte, welcher zu den Hänflingen gehöret, Linaria viridis Klein. Figürlich im gemeinen Leben, ein verschlage- ner leichtfertiger Mensch. Ein loser Zeisig hatte ihm das weis gemacht.

Anm. Im Nieders. Zieske, im Engl. Siskin, im Pohl. Czyk, Czyzyk, im Böhm. Tschischeck, im Norweg. Süschen; alle Nachahmungen seines eigenthümlichen Lautes. In einigen Gegenden ist das Wort sächlichen Geschlechtes, das Zeisig.


Zeisiggrün (W3) [Adelung]


Zeisiggrün, adj. et adv. der grünen Farbe des Zeisiges ähnlich.


Zeisigkraut (W3) [Adelung]


Das Zeisigkraut, des -es, plur. car. S. Gauchheil.


Zeit (W3) [Adelung]


Die Zeit, plur. die -en, ein Wort, welches eigentlich einen sehr abstracten Begriff bezeichnet, daher es von jeher auch sehr schwankend gebraucht worden, und erst in den spätern Zeiten genau bestimmt werden können. Es bedeutet: 1. Im schärfsten philosophischen Verstande, die Folge der auf einander kommenden endlichen Dinge; in welchem Verstande die Zeit der Ewigkeit, entgegen gesetzt wird. Vor der Schöpfung der Welt war keine Zeit, weil es daselbst keine endlichen Dinge gab, deren Folge den Begriff der Zeit ausmacht. In dieser Bedeutung ist der Plural ungewöhnlich. Die Zeit wird es lehren, die Folge der Dinge und die mit ihr kommenden Veränderungen. 2. In dem gewöhnlichen gesellschaftlichen Leben, wo eine solche scharfe Abstraction ungewöhnlich und unnöthig ist, wird dieses Wort in vielen Fällen, theils von einzelnen Theilen dieser Folge, theils von der Dauer desselben, theils aber auch von den zugleich mit erfolgenden Veränderungen gebraucht. Die vornehmsten Bedeutungen dieser Art mögen etwa folgende seyn. (a) Ein Theil dieser Folge, so fern er durch die Beysätze näher bestimmt wird; am häufigsten ohne Plural. Ich weiß die Zeit, da er heirathen wollte. Es wird schon eine Zeit kommen, da du es bereuen wirst. Er soll es zur andern Zeit wohl empfinden. Ich muß sie auf einige Zeit, auf kurze Zeit verlassen. Vor kurzer, vor langer Zeit. Nach langer Zeit. Die vergangene, die gegenwärtige, die künftige Zeit. (b) Ein Theil dieser Folge, so fern er zu einer Veränderung erfordert wird; ohne Plural. Du hast noch acht Tage Zeit. Lassen sie mir Zeit. Du hast noch Zeit genug dazu. Sich die gehörige Zeit zu etwas nehmen. Es ist keine Zeit zu versäumen, zu verlieren. Es gehöret viele Zeit dazu, die Sache erfordert viel Zeit. Die Zeit leidet es nicht. (c) Ein Theil dieser Folge, so fern gewisse Veränderungen in demselben gewöhnlich sind, oder so fern er zu gewissen Veränderungen der schicklichste ist, die gewöhnliche, die gehörige, die bestimmte Zeit; auch ohne Plural. Es ist hohe Zeit, daß wir gehen, es ist die höchste Zeit. Es ist noch nicht Zeit, zu sprechen. Die Zeit ist vorbey, ist verflossen; es ist nicht mehr Zeit. Etwas außer der Zeit thun, zur Unzeit, außer der gehörigen oder schicklichen Zeit. Die rechte Zeit versäumen. Zur rechten Zeit kommen. Vor der Zeit kommen. Will er mich vor der Zeit unter die Erde bringen? vor der mir von der Natur bestimmten Zeit, Gell. (d) Diese Folge, so fern ihre Dauer empfunden wird; auch ohne Plural. In diesem Verstande sagt man: die Zeit wird mir lang, wenn man aus Mangel der Beschäftigung diese Dauer als lange während empfindet. Zeit und Weile wird mir lang. Einem die Zeit vertreiben, verkürzen. S. Zeitvertreib. (e) Einzelne Theile dieser Folge mit Einschluß der Veränderungen, oder der Dinge, welche auf einander folgen; bald im Singular, bald im Plural. Sich in die Zeit schicken, sich nach den Umständen bequemen. Es sind jetzt schlechte Zeiten. Die Hoffnung besserer Zeiten. Die Zeiten sind jetzt schwer, im gemeinen Leben, wenn die Erwerbung des Unterhaltes mit Schwierigkeiten verbunden ist. Er hat gute Zeit, es geht ihm wohl. Gottesdienstliche Zeiten, Feste. (f) Die Dauer des Tages; nur im Singular und im gemeinen Leben. Welche Zeit ist es? fragt man in manchen Gegenden, für wie viel Uhr ist es? Es ist noch früh an der Zeit, d. i. der Zeit des Tages nach. Es ist schon spät an der Zeit. (g) Die Zeiten der Verborum, d. i. die Bestimmung der verschiedenen Arten der Zeit, in welcher das Prädicat dem Subjecte zukommt, so wohl der gegenwärtigen, als der vergangenen und zukünftigen; Lat Tempus. (h) Im gemeinen Leben nennt man oft die monathliche Reinigung des andern Geschlechtes, dessen Zeit. Sie hat ihre Zeit. (i) Endlich gehören hierher noch viele adverbische und elliptische Arten des Ausdruckes, in welchen dieses Wort bald im Singular, bald im Plural in einer der vorigen Bedeutungen gebraucht wird. Von Zeit zu Zeit, so wohl von einer Zeit zur andern; als auch für bisweilen. Nach der Zeit, nachher, hernach. Der Ort, wo er sich die Zeit her aufgehalten, diese Zeit her, seither. Zur Zeit, gegenwärtig, bis jetzt. Zur Zeit ist er noch nicht da. Zu Zeiten, im gemeinen Leben, für bisweilen. Aus Rache fiel mir ein Ein überflüssigs Huhn zu Zeiten abzulangen, sagt der Fuchs beym Hagedorn. Bey Zeiten, frühe genug, zur rechten, gehörigen Zeit. Zeit genug, im gemeinen Leben, für zeitig genug, frühe genug. Du sollst es Zeit genug erfahren. Zeit meines Lebens, so lange ich bisher gelebt habe. Mittler Zeit, unter der Zeit, für indessen. Vor Zeiten, ehedem. Zu meiner Zeit, als ich noch lebte, als ich mich noch daselbst befand, u. s. f. In den zu seiner Zeit angezeigten Briefen, im vorigen, ehedem. Die Vorwürfe, welche du dir hättest ersparen können, werden dich zu ihrer Zeit peinigen, künftig einmahl. Zweifel, welche zu ihrer Zeit wieder aufleben, künftig, wenn ihre Zeit gekommen ist, wenn die Umstände sie begünstigen. Liebe Zeit! ein Ausdruck der Verwunderung, des sanften Verweises u. s. f. Aber, liebe Zeit, wer konnte das wissen? Anm. Dieses Wort lautet von den frühesten Zeiten an im Oberdeutschen Zit, in den Slavonischen Mundarten Zhas, Czas, im Niederdeutschen Tied, im Angels. Tid, im Isländ. u. s. f. Tyd. Bey einem so hohen Alter und so sehr abstracten Begriffe muß die erste ursprüngliche Bedeutung nothwendig dunkel seyn. In den ältesten Schriftstellern kommt es mehrmahls für Stunde vor. Ja sint binoti zuelif dago ziti? hat nicht der Tag zwölf Stunden? Ottfr. Dagegen er in andern Stellen stunta für unser Zeit gebraucht: thio iro stunta werbent, die zu ihrer Zeit gehen. Es kann seyn, daß dieses Wort zu zauen, zaudern, ziehen gehöret; es kann aber auch seyn, daß es mit aetas, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, verwandt ist, indem der vorgesetzte Zischlaut, bey vielen Europäischen Völkern bloß zufällig ist.


Zeitalter (W3) [Adelung]


Das Zeitalter, des -s, plur. ut nom. sing. ein beträchtlicher Theil der Dauer der Welt von unbestimmter Länge; eine von den Altern des menschlichen Lebens entlehnte Figur. In allen Zeitaltern und Geschlechtsfolgen. Das goldene, silberne u. s. f. Zeitalter. Das mittlere Zeitalter.


Zeitbeere (W3) [Adelung]


Die Zeitbeere, plur. die -n, S. Johannis-Beere.


Zeitbeschreibung (W3) [Adelung]


Die Zeitbeschreibung, plur. car. 1. Die Beschreibung der verschiedenen Zeitmaße oder Eintheilungen der Zeit; die Chronologie. 2. Die Beschreibung der Begebenheiten nach der Zeit, wie sie auf einander gefolget sind; die Chronographie. So auch der Zeitschreiber, so wohl der Chronolog, (besser, Zeitforscher, Zeitrechner,) als auch der Chronograph.


Zeitbock (W3) [Adelung]


Der Zeitbock, des -es, plur. die -böcke, in der Landwirthschaft, ein junger Bock, der über zwey Jahr alt ist, und zur Zucht brauchbar zu werden anfängt. Wird er dazu wirklich gebraucht, so heißt er Schafbock, wenn er aber unter einem Jahr alt ist, ein Bocklamm, und wenn er ein Jahr alt ist, ein Jährling.


Zeitbuch (W3) [Adelung]


Das Zeitbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, worin die Begebenheiten ohne alle andere Verbindung, als der Zeitfolge aufgezeichnet werden; ein Jahrbuch, eine Chronik. Obgleich kein Zeitbuch noch von seinen Thaten schreibt, Can.


Zeitdauer (W3) [Adelung]


Die Zeitdauer, plur. inus. die Dauer der Zeit.


Zeitfolge (W3) [Adelung]


Die Zeitfolge, plur. die -n. 1. Die Ordnung, wie die Begebenheiten der Zeit nach auf einander gefolget sind; ohne Plural. Ein Geschichtschreiber beobachtet die Zeitfolge, wenn er die Begebenheiten so erzählet, wie sie wirklich auf einander gefolget sind; er verletzet sie, wenn er das Gegentheil thut. 2. Seltener, eine Reihe von Begebenheiten, so wie sie auf einander gefolget sind, mit dem Plural.


Zeitforscher (W3) [Adelung]


Der Zeitforscher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher so wohl die Zeit, wenn Begebenheiten geschehen sind, als auch die Zeitmaße überhaupt zu erforschen sucht, ein Chronolog, Zeitrechner. Daher die Zeitforschung, plur. car. die Erforschung der Zeit, und Zeitmaße.


Zeitgenoß (W3) [Adelung]


Der Zeitgenoß, des -en, plur. die -en, Fämin. die Zeitgenossinn, eine Person, welche mit einer andern zu einer und eben derselben Zeit lebet, ein Zeitverwandter. So waren z. B. Wolf, Lange und Buddeus Zeitgenossen.


Zeitglaube (W3) [Adelung]


Der Zeitglaube, des -ns, plur. car. in der Theologie, Glaube, welcher nur eine gewisse Zeit dauert, ein vorüber gehender Glaube.


Zeitgläubig (W3) [Adelung]


Zeitgläubig, adj. nur auf eine Zeit lang gläubig; eben daselbst.


Zeitgroschen (W3) [Adelung]


Der Zeitgroschen, des -s, plur. ut nom. sing. bey einigen Handwerkern u. s. f. eine Abgabe von einem Groschen, welche zu einer gewissen bestimmten Zeit entrichtet wird.


Zeithafen (W3) [Adelung]


Der Zeithafen, des -s, plur. die -häfen, in der Schifffahrt, ein Hafen, in welchen man nur zu gewissen Zeiten einlaufen kann.


Zeithalter (W3) [Adelung]


Der Zeithalter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Instrument der neuern Astronomen, die Zeit noch genauer als eine Uhr zu halten und zu bezeichnen, dergleichen z. B. Harrison angegeben hat; Engl. Tinte-keeper.


Zeithammel (W3) [Adelung]


Der Zeithammel, des -s, plur. die -hämmel, in der Landwirthschaft, ein junger Hammel, wenn er zwey Jahr alt ist, zum Unterschiede von dem Jährlingshammel und alten Hammel. S. Zeitbock.


Zeither (W3) [Adelung]


Zeither, adv. für die Zeit her, oder diese Zeit her, in welchen Ausdruck es auch wohl aufgelöset wird. Ich habe ihn zeither nicht gesehen, seit geraumer Zeit. Daher das Adjectiv zeitherig, welches doch in der anständigen Schreibart noch seltener ist. Unsere zeitherige Bekanntschaft, bisherige. Beyde werden oft seither und seitherig geschrieben und gesprochen; allein bey dem erstern Worte ist bereits angemerket worden, daß diese Form vermuthlich die unrichtigere ist.


Zeitig (W3) [Adelung]


Zeitig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Substantivo Zeit. 1. Was zur gegenwärtigen Zeit ist, oder geschiehet; nur allein im Oberdeutschen, für gegenwärtig. Der zeitige Bürgermeister. 2. Nur eine bestimmte Zeit dauernd; auch nur im Oberdeutschen und in einigen Hochd. Kanzelleyen. Eine zeitige Zuchthausstrafe zuerkennen, auf einige Zeit. 3. Was vor der gewöhnlichen Zeit ist, oder geschiehet. Zeitig kommen. Er kam ein wenig zeitig. Etwas zeitig merken, bey Zeiten, vor dem Ausbruche der Sache. Zeitig aufstehen, vor seiner gewöhnlichen Zeit; wodurch es sich von frühe unterscheidet, welches sich zunächst auf eine feste unbewegliche Zeit beziehet. Es wird in dieser Bedeutung am häufigsten als ein Adverbium gebraucht; seltener als ein Adjectiv, vermuthlich um die Zweydeutigkeit mit der folgenden Bedeutung zu vermeiden, welche z. B. in folgender Stelle auf- fällt: Seine Vernunft wurde über dieses zeitige Gefühl des jungen Mädchens nicht beunruhiget; wo es so wohl reif, als frühe bedeuten kann. 4. Reif, d. i. seine gehörige Zeit habend, zunächst von Früchten. Zeitige Kirschen. Die Äpfel sind noch nicht zeitig. Aber auch figürlich von andern Dingen. Der Anschlag ist noch nicht zeitig.

Anm. Bey dem Ottfried, Notker u. s. f. ziteg, citig, bey Kero citim, im Nieders. tidig.


Zeitigen (W3) [Adelung]


Zeitigen, verb. reg. welches nur in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes üblich ist, und zwar 1. als ein Activum, zeitig, oder reif machen. Die Sonne zeitiget alles. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, zeitig oder reif werden. In warmen Ländern zeitiget das Obst früher, als in kalten. Was bald zeitiget, vergehet auch bald.


Zeitigung (W3) [Adelung]


Die Zeitigung, plur. car. der Zustand, da etwas zeitiget, oder reif wird, die Reife. Zur Zeitigung kommen, bringen.


Zeitkuh (W3) [Adelung]


Die Zeitkuh, plur. die -kühe, in einigen Gegenden, eine junge zweyjährige Kuh, welche man in Meissen eine Kalbe nennet. S. Zeitbock und Zeithammel.


Zeitkunde (W3) [Adelung]


Die Zeitkunde, plur. car. die Kunde, d. i. Kenntniß und Wissenschaft der verschiedenen Eintheilungen der Zeit, die Chronologie.


Zeitkürzung (W3) [Adelung]


Die Zeitkürzung, plur. die -en. 1. Die Kürzung oder Verkürzung der Zeit, d. i. die Bewirkung, daß man die lange Dauer derselben nicht empfindet, daß sie ohne Bewußtseyn vorüber eilet, ohne Plural; auch die Zeitverkürzung, der Zeitvertreib. Etwas bloß zur Zeitkürzung thun, damit man ihre lange Dauer nicht empfinde. 2. Eine Beschäftigung, welche diese Wirkung gewähret, mit dem Plural; die Zeitverkürzung, im gemeinen Leben, Zeitvertreib.


Zeitlang (W3) [Adelung]


* Zeitlang, eine fehlerhafte Zusammensetzung, obgleich die meisten Sprachlehrer sie für richtig halten, eine gewisse Dauer der Zeit zu bezeichnen. Ich habe ihn eine kurze Zeitlang gehöret, eine kurze Zeit, besser, Zeit lang; denn lang ist hier ein bloßes Umstandswort, so wie man sagt, ein Jahr lang, ich habe ihn Tage lang nicht gesehen, eine lange Zeit hindurch, diese Tage her.


Zeitlauf (W3) [Adelung]


Der Zeitlauf, des -es, plur. die -läufe, ein Abschnitt der Zeit, d. i. der Folge der auf einander kommenden Dinge, besonders in Ansehung der Veränderungen in demselben; da man denn den Plural oft noch von dem veralteten Lauft bildet. In diesen beschwerlichen Zeitläuften, d. i. Zeiten. Die spätesten Zeitläufte, Zeiträume, Zeiten. S. Lauf.


Zeitlebens (W3) [Adelung]


Zeitlebens, adv. für in der Zeit meines Lebens; in der vertraulichen Sprechart. Ich werde es Zeitlebens nicht vergessen, so lange ich lebe. Dergleichen habe ich Zeitlebens, Zeit meines Lebens nicht gesehen, in meinem Leben.


Zeitlehen (W3) [Adelung]


Das Zeitlehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Lehen auf bestimmte Zeit, zum Unterschiede von einem Erblehen.


Zeitlich (W3) [Adelung]


Zeitlich, adj. et adv. 1. Was zur gegenwärtigen Zeit ist, oder geschiehet, gegenwärtig nur im Oberdeutschen, wo auch zeitig auf eben dieselbe Art gebraucht wird. Der zeitliche Innhaber des Gutes, der gegenwärtige. 2. Vor der gewöhnlichen, oder bestimmten Zeit, zeitig; am häufigsten im gemeinen Leben, mit der Comparation, zeitlicher, zeitlichste. Zeitlich kommen. Zeitlich aufstehen. 3. Zur gehörigen, zur rechten Zeit geschehend, und darin gegründet, wie zeitig; auch nur im gemeinen Leben. Zeitliche Hülfe verschaffen. Wenn du nicht zeitlich dazu thust. 4. Zur gegenwärtigen Folge der veränderlichen Dinge gehörig, und darin gegründet. (a) Im Gegensatze des Ewigen, wie irdisch. Zeitliche Güter, zeitliche Dinge, die zeitliche Glückseligkeit. Zeitlich und ewig strafen. Auch als ein Substantivum. An dem Zeitlichen kleben. Nach dem Zeitlichen trachten. (b) Im Gegensatze des geistlichen, oder vielmehr kirchlich, wie weltlich; am häufigsten in der Römischen Kirche. Ein Verwalter im Zeitlichen. Zeitliche Güter, weltliche.

Anm. Schon bey dem Kero, Notker u. s. f. citlihh, zitelich, Nieders. tidelich.


Zeitlichkeit (W3) [Adelung]


Die Zeitlichkeit, plur. die -en. 1. Die gegenwärtige Verbindung der auf einander folgenden veränderlichen Dinge; ohne Plural, im Gegensatze der Ewigkeit. In dieser Zeitlichkeit, in dem gegenwärtigen irdischen Leben. Diese Zeitlichkeit verlassen, aus der Zeitlichkeit in die Ewigkeit versetzet werden, in der feyerlichen Sprechart, für sterben. 2. Der Inbegriff weltlicher Güter und Gerechtsamen, am häufigsten in der Römischen Kirche. Einen Bischof mit den Zeitlichkeiten belehnen, mit den weltlichen Gerechtsamen.


Zeitlose (W3) [Adelung]


Die Zeitlose, plur. die -n, ein Nahme, welchen besonders zwey wild wachsende Blumengewächse führen. 1. Die Maßliebe, Bellis Linn. welche auch Gänseblümchen genannt wird. Vermuthlich führet sie diesen Nahmen, weil sie für ihre Blüthe keine gewisse Zeit hält, sondern den ganzen Sommer hindurch blühet. 2. Ein im späten Herbst blühendes Zwiebelgewächs, welches auf feuchten Wiesen wohnet, Colchicum Linn. Herbstblume. Die röthliche Zeitlose, der einsame Bothe des Winters, Geßn. Bey dieser ist der Grund der Benennung dunkel. Im Nieders. heißt sie Tiloot, Tierliesken, Holl. Tyloos, welcher Nahme vermuthlich aus Zeitlose verderbt ist, welchen daselbst aber auch eine Art früher gelber Narzissen bekommt.


Zeitmaß (W3) [Adelung]


Das Zeitmaß, des -es, plur. die -e. 1. Überhaupt, ein jedes Maß der Zeit, eine jede bestimmte Dauer, nach welcher die Zeit gemessen wird. So sind Jahre, Monathe, Tage, Stunden u. s. f. Zeitmaße. 2. In engerer Bedeutung werden so wohl in der Musik der Tact, als auch in der Prosodie die Quantität der Sylben das Zeitmaß genannt.


Zeitmesser (W3) [Adelung]


Der Zeitmesser, des -s, plur. ut nom. sing. ein jedes Werkzeug, die Dauer der Zeit zu messen, wohin folglich Uhren, Zeithalter u. s. f. gehören.


Zeitordnung (W3) [Adelung]


Die Zeitordnung, plur. inus. die Art und Weise, wie die Dinge in der Welt, und besonders die Begebenheiten auf einander folgen. Ein Fehler wider die Zeitordnung, wenn die Begebenheiten anders erzählet werden, als sie auf einander gefolget sind.


Zeitpacht (W3) [Adelung]


Der Zeitpacht, des -es, plur. die -e, eine Pacht auf eine gewisse bestimmte Zeit, zum Unterschiede des Erbpachtes. Ein Gut in Zeitpacht geben.


Zeit-Punct (W3) [Adelung]


Der Zeit-Punct, des -es, plur. die -e, ein durch eine gewisse Begebenheit, durch einen Umstand bestimmter Theil der Zeit. So ist die Geburt Christi derjenige Zeit-Punct, bey welchem sich die christliche Jahrrechnung anfängt.


Zeitraum (W3) [Adelung]


Der Zeitraum, des -es, plur. die -räume, ein Theil der Zeit von unbestimmter Dauer. In dem Zeitraume des dreyßigjährigen Krieges, so lange derselbe dauerte.


Zeitrechner (W3) [Adelung]


Der Zeitrechner, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Fertigkeit besitzet, die verschiedenen Arten der Eintheilung und Messung der Zeit zu berechnen; der Chronolog.


Zeitrechnung (W3) [Adelung]


Die Zeitrechnung, plur. die -en. 1. Die Art, die Zeit einzutheilen und zu berechnen; mit dem Plural. Die Christliche, Mahomedanische, Indische u. s. f. Zeitrechnung. 2. Die Wissenschaft, die Eintheilung der Zeit und die verschiedenen Arten derselben zu berechnen, die Chronologie; ohne Plural. 3. Zuweilen, obgleich nicht auf die beste Art, für Zeitordnung. Ein Fehler wider die Zeitrechnung.


Zeit-Register (W3) [Adelung]


Das Zeit-Register, des -s, plur. ut nom. sing. ein Register oder Verzeichniß von Begebenheiten, wie sie auf einander gefolget sind; ein Zeitbuch, Jahrbuch, Chronik, Annalen.


Zeitschaf (W3) [Adelung]


Das Zeitschaf, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein zweyjähriges Schaf, zum Unterschiede von einem Jährlinge und alten Schafe. S. auch Zeitbock, Zeithammel und Zeitkuh.


Zeitung (W3) [Adelung]


Die Zeitung, plur. die -en. 1. * Die Witterung; eine längst veraltete Bedeutung, in welcher das Wort noch Apost. 14, 17. in einigen Ausgaben der Deutschen Bibel vorkommt. 2. Eine Nachricht von einer geschehenen Begebenheit; in der edlen Schreibart gleichfalls veraltet, und nur noch im gemeinen Leben gangbar. Bald ich viel neuer Zeitung erfar, Hans Sachs. Eine gute Zeitung bekommen, besser, Nachricht. 3. Eine periodische, gedruckte oder geschriebene Nachricht von den von Zeit zu Zeit vorgefallenen Begebenheiten; am häufigsten collective im Plural. Zeitungen lesen. Etwas in die Zeitungen setzen lassen. Politische, gelehrte Zeitungen. Daher der Zeitungsschreiber, edler, Zeitungsverfasser, der Zeitungsleser, Zeitungsträger u. s. f.

Anm. Im Nieders. Tidung, im Engl. Tidings, im Schwed. Tidningar, welche nebst unserm Zeitung nicht von Zeit abstammen, sondern von dem Angels. Verbo tidan, getidan, geschehen, sich zutragen, welches noch in dem Schwed. und Isländ. tida, in eben derselben Bedeutung, völlig gangbar ist; so daß Zeitung eigentlich eine geschehene Sache, eine Begebenheit, und figürlich die Nachricht davon bedeutet. Die Zeitungen in der zweyten Bedeutung sind eine Erfindung der neuern Zeiten. Die ersten regulären wöchentlichen gedruckten Blätter dieser Art erschienen um den Anfang des vorigen Jahrh. zu Venedig, und da jedes Blatt mit einer Gazelta, einer damahls üblichen Scheidemünze, bezahlet ward, so bekamen sie in Italien den Nahmen der Gazetten, welchen auch Theophr. Renaudot behielt, als er 1631 zu Paris die erste Französische Zeitung heraus gab. Im Niederdeutschen heißen sie Avisen, von dem Franz. Avis.


Zeitverderb (W3) [Adelung]


Der Zeitverderb, des -es, plur. car. die unnütze Anwendung einer zu bessern Beschäftigungen bestimmten Zeit.


Zeitverkürzung (W3) [Adelung]


Die Zeitverkürzung, plur. die -en, eine angenehme Beschäftigung, so fern sie bloß dazu dienet, den langsamen Fortschritt der müßigen Zeit weniger zu empfinden; die Zeitkürzung, im gemeinen Leben, der Zeitvertreib. Unschuldige Zeitverkürzungen.


Zeitverlust (W3) [Adelung]


Der Zeitverlust, des -es, plur. car. 1. Verlust oder Einbuße an der zu nothwendigen Geschäften bestimmten Zeit. Jemanden vielen Zeitverlust verursachen. 2. Ohne Zeitverlust, sogleich ohne Aufschub.


Zeitvertreib (W3) [Adelung]


Der Zeitvertreib, des -es, plur. obgleich seltener, die -e, von der R. A. die Zeit vertreiben. 1. Die Verhinderung der unangenehmen Empfindung des langsamen Fortschrittes der müßigen Zeit; ohne Plural. Etwas zum Zeitvertreibe thun. Sich mit etwas einen Zeitvertreib machen. 2. Eine dazu dienende Beschäftigung; allenfalls mit dem Plural. Er ist ein Feind aller Zeitvertreibe. Beydes nur im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, für Zeitverkürzung und Zeitkürzung.


Zeitvertreiber (W3) [Adelung]


Der Zeitvertreiber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die -inn, eine Person oder Sache, welche die Zeit vertreibet. Der Kaffeh-Satz wird nun der Neugier Zeitvertreiber, Utz.


Zeitverwandte (W3) [Adelung]


Der Zeitverwandte, des -n, plur. die -n, der mit einem andern zu einer und eben derselben Zeit lebet, wie Zeitgenoß.


Zeitwort (W3) [Adelung]


Das Zeitwort, des -es, plur. die -wörter. 1. Überhaupt ein jedes Wort, welches eine Zeit bedeutet. So könnte man die Adverbia Temporis Zeitwörter nennen. 2. In einem andern Verstande hat man in den Sprachlehren die Verba Zeitwörter genannt, weil sie unter andern auch die Zeit bezeichnen, wenn eine Handlung geschiehet. Allein, da dieses nur Eine von den vielen Bestimmungen ist, welche die Verba bezeichnen, und nicht einmahl eine der vornehmsten, indem der Begriff der thätigen oder leidenden Handlung der Hauptbegriff ist, die Bezeichnung der Zahl, Zeit u. s. f. aber nur Nebenbestimmungen sind; so ist diese Benennung unschicklich, weil sie zunächst an die Adverbia Temporis erinnern muß, welche wahre Zeitwörter sind. Da der Begriff eines Verbi sehr zusammen gesetzt ist, so wird sich wohl nicht leicht ein schickliches Deutsches Wort ausfindig machen lassen, welches auch nur den Hauptbegriff mit Präcision und Geschmack ausdruckte; daher man lieber den Lateinischen Ausdruck beybehält, bey welchem man an die Wortbedeutung nicht mehr denkt, daher man jeden Begriff damit verbinden kann.


Zeitzahl (W3) [Adelung]


Die Zeitzahl, plur. die -en, ein Zahlwort, welches zugleich eine Zeit bedeutet, z. B. ein Neunziger, ein Mann von 90 Jahren; ein Achtundvierziger, ein Wein von 1748.


Zelge (W3) [Adelung]


* Die Zelge, plur. die -n, ein im Hochdeutschen fremdes, nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, den dritten Theil einer Hufe, in Ansehung der Bestellung zu bezeichnen, welchen man im Hochdeutschen eine Art oder vielmehr Ahrt nennet. Die Sommerzelge, der Theil einer Hufe, welche mit Sommergetreide bestellet wird, das Sommerfeld, zum Unterschiede von der Winter- und Brachzelge. Zelge scheint von Zeile, Reihe, gebildet zu seyn. In andern Oberdeutschen Gegenden ist dafür Ösch oder Esche üblich.


Zelken (W3) [Adelung]


* Der Zelken, des -s, plur. ut nom. sing. ein ursprünglich Niederdeutsches Wort, einen Ast oder Zweig zu bezeichnen, welches eigentlich Telken lautet, aber von den Niedersachsen, wenn sie Hochdeutsch reden wollen, in Zelken umgewandelt wird, um dem Worte ein Hochdeutsches Ansehen zu geben. Das Niederd Telken, Telge, Angels, Telga, Schwed. Telning, scheinet entweder von telen, erzeugen, erzielen, oder auch von delen, theilen, spalten abzustammen.


Zelle (W3) [Adelung]


Die Zelle, plur. die -n, Diminut. das Zellchen. 1. Ein kleines Zimmer, besonders eines Mönches oder einer Nonne. Sich in seine Zelle verschließen. Auch die kleinen Zimmer im Vatican für die Cardinäle bey den Papstwahlen führen diesen Nahmen. 2. Ein kleines Kloster, oder eine Priorie, welche von einer Abtey abhängt; jetzt am häufigsten nur noch in manchen eigenen Nahmen solcher Örter, welche vermittelst solcher Klöster entstanden sind. 3. Ein kleiner leerer Raum neben andern, eine kleine Höhlung oder Abtheilung neben andern. So werden so wohl die kleinen eckigen Höhlen in den Wachsscheiben der Bienen, als auch die kleinen Höhlen in dem Gehirne u. s. f. Zellen genannt.

Anm. Schon bey dem Kero Cello. Es ist aus dem Lat. cella, welches aber wieder mit Höhle, Kelle u. s. f. verwandt ist.


Zellengang (W3) [Adelung]


Der Zellengang, des -es, plur. die -gänge, in den Klöstern, der Gang über dem Kreuzgange zu den Zellen der Mönche oder Nonnen.


Zellengewebe (W3) [Adelung]


Das Zellengewebe, des -s, plur. ut nom. sing. die Einrichtung eines Körpers, nach welcher er aus mehrern neben einander befindlichen Fächern bestehet. Das Zellengewebe der Haut, des Gehirnes, der Wachsscheiben.


Zellig (W3) [Adelung]


Zellig, adj. et adv. aus Zellen bestehend, Zellen enthaltend; wofür doch zellenförmig üblicher ist.


Zelt (W3) [Adelung]


1. Der Zelt, des -es, plur. inus. ein mehr im Ober- als Hochdeutschen übliches Wort, denjenigen Gang eines Pferdes zu be- zeichnen, welchen man im letztern den Antritt oder Dreyschlag, im Niedersächsischen aber den Paß zu nennen pflegt; ( S. diese Wörter.) Ein Pferd gehet den Zelt. Ein Pferd im Zelte reiten.

Anm. Es ist ohne Zweifel aus dem Lat. tolutim incedere, den Zelt gehen, tolutarius, ein Zelter, wovon ehedem vermuthlich auch ein Substantivum üblich war.


Zelt (W3) [Adelung]


2. Das Zelt, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, -er, eine spitz zugehende Wohnung von Leinwand oder Fellen, welche mit Stangen und Stricken befestigt wird, und jetzt nur noch bey den Armeen im Felde gebraucht wird. Die Zelte aufschlagen, abschlagen u. s. f. Zelt ist im gemeinen Leben am gangbarsten, und wird um der Kürze Willen auch noch zuweilen von Dichtern gebraucht; außer dem ist Gezelt im Hochdeutschen üblicher, nur daß in den Zusammensetzungen lieber das kürzere Zelt, als Gezelt, gebraucht wird.

Anm. Das Wort ist alt, und lautet schon bey dem Notker und Willeram Kezelt, Gezelt, im Angels. Geteld, und ohne Vorsylbe, im Nieders. Telt, im Angels. Tyld, im Engl. Tilt, im Isländ. Tiald, im Schwed. Tält. Es ist von dem alten Selida, Seldo, Wohnung, Sitz, giselidon, wohnen, wovon auch Sidel abstammet. Außer diesem hat man auch im Nieders. Tent, im Engl. und Holländ. Tent, Franz. Tente, ein Gezelt zu bezeichnen, welches mit dem Lat. Tentorium überein stimmt, und von tendere, dehnen, spannen, abzustammen scheinet. Der Plural Zelter ist den Niederdeutschen Mundarten eigen, und wird daher im Hochdeutschen nur im gemeinen Leben gebraucht.


Zelt (W3) [Adelung]


3. Der Zelt, ein Kuchen, S. Zelten.


Zeltbett (W3) [Adelung]


Das Zeltbett, des -es, plur. die -en, ein Bettgestell mit Vorhängen in Gestalt eines Zeltes.


Zeltbude (W3) [Adelung]


Die Zeltbude, plur. die -n, eine Bude in einem Gezelte.


Zeltdach (W3) [Adelung]


Das Zeltdach, des -es, plur. die -dächer, ein auf allen vier Seiten spitzig zulaufendes Dach, wie ein Gezelt.


Zeltdecke (W3) [Adelung]


Die Zeltdecke, plur. die -n, Decken, womit der Fußboden eines Gezeltes belegt, auch wohl das Gezelt selbst bedecket wird.


Zelten (W3) [Adelung]


* Der Zelten, des -s, plur. ut nom. sing. auch wohl ohne Ableitungssylbe, der Zelt, des -es, plur. die -e, ein Oberdeutsches, besonders Baierisches, im Hochdeutschen fremdes Wort, einen flachen Kuchen zu bezeichnen. Daher der Lebzelten, ein Honig- oder Pfefferkuchen. In den Hochdeutschen Apotheken hat man davon hin und wieder das Diminutivum Zeltlein, Arzeneymittel in Gestalt kleiner flacher Kuchen zu bezeichnen, z. B. Wurmzeltlein, Brustzeltlein.


Zelter (W3) [Adelung]


Der Zelter, des -s, plur. ut nom. sing. von 1. Zelt, ein Pferd, welches einen Zelt oder Antritt gehet, am häufigsten im Oberdeutschen; ein Paßgänger.


Zeltpfahl (W3) [Adelung]


Der Zeltpfahl, des -es, plur. die -pfähle, ein Pfahl, die langen Zeltseile damit auszuspannen und zu befestigen.


Zeltpflock (W3) [Adelung]


Der Zeltpflock, des -es, plur. die -pflöcke, Pflöcke, so wohl das Gezelt selbst, als auch die kürzern und schwächern Zeltseile damit in der Erde zu befestigen.


Zeltschneider (W3) [Adelung]


Der Zeltschneider, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schneider, welcher die Gezelte für die Truppen verfertiget.


Zeltseil (W3) [Adelung]


Das Zeltseil, des -es, plur. die -e, Seile oder Stricke, das Gezelt damit auszuspannen.


Zeltstange (W3) [Adelung]


Die Zeltstange, plur. die -n, eine Stange, das Gezelt damit in der Mitte aufrecht zu erhalten.


Zeltwagen (W3) [Adelung]


Der Zeltwagen, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Wagen, worauf den Truppen die Gezelte mit ihrem Zugehör zugeführet werden. 2. Ein Wagen, mit einem darüber gespannten Gezelte.


Zemer (W3) [Adelung]


Der Zemer, S. Ziemer.


Zemmel (W3) [Adelung]


* Der Zemmel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in Franken übliches Wort, eine junge Weinrebe zu bezeichnen, welche noch nicht über ein Jahr alt ist.


-zen (W3) [Adelung]


-zen, eine Ableitungssylbe für Verba, den Hauptbegriff eines Primitivi durch Nebenbegriffe zu verändern, und näher zu bestimmen Besonders. 1 Intensiva und Iterativa zu bilden, in welchem Falle es mit dem groben schen, und feinern sen beynahe gleich bedeutend ist, nur mit dem Unterschiede, daß zen eigentlich einen noch stärkern Grad andeutet, als sen, weil z der härteste Buchstab seiner Classe ist. Besonders gehet das sen nach gewissen Consonanten des Primitivi gern in ein z über, als nach dem ch, ächzen, schluchzen, krächzen, jauchzen, lechzen; nach dem f, seufzen, bäffzen, in einigen Provinzen für bällen; nach dem n, grunzen, blinzen, glänzen, hunzen, tanzen; nach dem r, scherzen, schmerzen, stürzen; besonders aber nach dem t, da sich der mit diesem Laute verbundene Druck natürlich auch dem folgenden s mit theilet, und dasselbe in ein z verwandelt, ritzen, reitzen, von riten, reiten, stutzen, verletzen, von einem alten, mit laedere verwandten, Stammworte, schlitzen, vom Nieders. sliden, herzen, beschmutzen, wetzen u. s. f. Aus diesen letzten Beyspielen erhellet zugleich, wie irrig manche Neulinge daran sind, wenn sie in solchen Verbis das t weglassen, und rizen, reizen, hezen schreiben, wodurch nicht allein die Abstammung verdunkelt, sondern auch die Aussprache verändert wird. ( S. Z.) Durch Einschaltung des l oder el lassen sich aus den Verbis aus zen wieder Diminutiva oder neue Iterativa mit dem Nebenbegriffe der Verkleinerung bilden: runzeln, schmunzeln, blinzeln, kitzeln, metzeln, u. s. f. 2. Factitiva, nur in einigen: beitzen, beißen machen, ätzen, essen machen, füttern, ergetzen, freuen machen, von einem alten, mit gaudere verwandten Stamme.

3. Imitativa, doch sparsamer, und zwar nur im gemeinen Leben, müchzen, müffzen, muffig, d. i. dumpfig riechen; besonders von einigen Pronominibus: "duzen", "du nennen", nicht dutzen, welches keine Analogie hat, "ihrzen", "ihr nennen", "erzen", "mit er anreden".

In vielen andern Verbis gehöret das z zur Wurzel, daher auch keine der obigen Bedeutungen auf sie passen kann: herz-en, würzen, schätz-en, schürz-en, witz-eln, platz-en, u. s. f. von Herz, Würze, Schatz, Schurz, Witz.


Zendel (W3) [Adelung]


Der Zendel, eine Art leichten Taffets, S. Sendel.


Zenne (W3) [Adelung]


* Die Zenne, plur. die -n, ein nur in der Lausitz übliches Wort, die zähe Weide, oder Flechtweide zu bezeichnen, deren man sich zu den Körben bedienet. Es ist von dem Wendischen Sczina, welches wieder von czenu, dehnen, ziehen, abstammen, wovon eben daselbst Zenlicht, ein gezogenes Licht bedeutet.


Zephyr (W3) [Adelung]


Der Zephyr, des -s, plur. die -e, eine kühle angenehme Luft aus Abend, ein schwacher Abendwind, ein West; nur in der dichterischen Schreibart, aus dem Griech. und Lat. zephyrus. Rausche sanft, du rieselnde Quelle, erschüttert nicht die Blume und das Gras, ihr Zephyre, Geßn.


Zepter (W3) [Adelung]


Das Zepter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Stab, so fern er ein Ehrenzeichen der kaiserlichen und königlichen Würde ist. Das Zepter tragen. Daher denn figürlich auch die kaiserliche oder königliche Würde und Gewalt mit diesem Nahmen belegt wird. Zum Zepter gelangen, zur Regierung. Das Zepter, oder Kron und Zepter niederlegen, die Regierung.

Anm. Schon im Schwabenspiegel Zepter. Es ist aus dem Lat. Sceptrum gebildet, daher man es auch oft Scepter zu schreiben pflegt. Allein, da dieses Wort in seiner letzten Hälfte schon eine völlig Deutsche Gestalt angenommen hat, so kann es selbige auch in der ersten ertragen, zumahl da der Laut sc im Deutschen keine Analogie hat. Was das Geschlecht betrifft, so ist das sächliche theils am gewöhnlichsten, theils dem Lateinischen am angemessensten. Indessen findet man es auch oft im männlichen, der Zepter, und zwar nach dem Vorgange mehrerer fremder Wörter, welche ihr Geschlecht verändern, wenn sie mit dem Deutschen Bürgerrechte begabet werden, z. B. das Labyrinth, der Punct, der Altar, der Pact u. s. f.


Zepterbaum (W3) [Adelung]


Der Zepterbaum, des -es, plur. die -bäume, bey den Neuern, der Nahme eines gewissen Äthiopischen Baumes, Brabeium L.


Zepterlehen (W3) [Adelung]


Das Zepterlehen, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Deutschen Staatsrechte, ein Reichslehen, welches von dem Kaiser vermittelst des Zepters verliehen wird, dergleichen denn alle geistliche fürstliche Lehen sind, dagegen die weltlichen fürstlichen Lehen vermittelst einer Fahne verliehen werden, und daher Fahnlehen heißen. Schon im Schwabenspiegel Zepterlehen.


Zer (W3) [Adelung]


Zer -, eine alte untrennbare Vorsylbe, welche Verbis, und einigen davon abgeleiteten Wörtern vorgesetzt wird, eine Trennung. Auflösung der Theile durch den Begriff des Verbi zu bezeichnen. 1. Eigentlich eine völlige Trennung, oder Auflösung der Theile durch den Begriff des Verbi; zerfallen, aus einander fallen zerlegen, aus einander legen, zerfließen, aus einander fließen, zerschlagen, in Stücke schlagen, und so in den meisten folgenden Verbi. 2. Figürlich. (1) Die Erstreckung des Begriffes des folgenden Verbi über den ganzen Gegenstand, und die dadurch bewirkte Verderbung desselben, zu bezeichnen, welche Bedeutung denn oft in eine Art bloßer Intension übergehet. Jemanden zerprügeln, ihn über und über prügeln, ihn gleichsam kraftlos prügeln, sehr prügeln; zerlöchern, überall mit Löchern versehen, und dadurch unbrauchbar machen; zerstechen, zerlumpt u. s. f. (2) Die eigene Entkräftung durch den Begriff des Verbi, ein Übermaß der Handlung desselben, als ein Reciprocum; aber in den allermeisten Fällen nur in den niedrigen Sprecharten und im gemeinen Leben, wo man diese Vorsylbe fast allen Verbis vorzusetzen pflegt, wenn man den obigen Begriff auszudrucken will: sich zerarbeiten, zerargern, zerplagen, zermartern, zerängstigen, zerlachen, zerlaufen, zerfragen, zergucken, zersinnen, zerstreiten u. s. f. Da diese Bedeutung, wie schon gesagt, den edlern Schreibarten fremd ist, und höchstens nur in der vertraulichen Statt findet, auch täglich neue Ableitungen dieser Art gemacht werden können, so werde ich die meisten davon im Folgenden übergehen.

Anm. Da diese Vorsylbe außer der Ableitung völlig veraltet ist, so gehöret sie auch zu den untrennbaren Vorsylben, welche ihr Verbum in keinem Falle verlassen, und daher auch im Präterito das sonst gewöhnliche Augment ge verdrängen: ich zerschlage, zerschlug, habe zerschlagen. Sie ist zugleich tonlos, und kann daher in der Dichtung nicht anders als kurz gebraucht werden. Zer ist ohne Zweifel die Wurzel von zehren, und dem Intensivo zerren, weil beyde in dem Hauptbegriffe der Trennung der Theile überein kommen. Ehedem wurde zu, und in noch frühern Zeiten zi, häufig für zer gebraucht: zuschlagen, bey dem Ottfried zislagen, für zerschlagen. S. Zu.


Zerbeißen (W3) [Adelung]


Zerbeißen, verb. irreg. act. ( S. Beißen.) 1. In Stücke beißen. Eine Nuß zerbeißen. 2. Durch Beißen unbrauchbar machen.


Zerbersten (W3) [Adelung]


Zerbersten, verb. irreg. neutr. ( S. Bersten.) mit dem Hülfsworte seyn, berstend aus einander fallen.


Zerblasen (W3) [Adelung]


Zerblasen, verb. irreg. act. ( S. Blasen,) auseinander blasen. Den Rauch mit einem Hauche zerblasen.


Zerbläuen (W3) [Adelung]


Zerbläuen, verb. reg. act. heftig bläuen, oder prügeln. Jemanden zerbläuen.


Zerbrechen (W3) [Adelung]


Zerbrechen, verb. irreg. ( S. Brechen.) Es ist: 1. Ein Activum, in Stücke brechen, entzwey brechen. Einen Stock, ein Glas zerbrechen. Seine, oder jemandes Fessel zerbrechen, sich, oder einen andern in Freyheit setzen, von der Sclaverey befreyen. Lucie, mein männliches Herz zerbrach deine stolzen Fesseln. Sich den Kopf über etwas zerbrechen, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, heftig über etwas nachsinnen. Ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes Herz, in der Theologie nach einer sehr harten Figur, ein hoher Grad der Traurigkeit über seine Unvollkommenheit, ( S. Zerknirschen.) 2. Ein Neutrum mit dem Hülfsworte seyn, zerbrochen werden. Das Glas, der Stock ist zerbrochen. So auch das Zerbrechen und die Zerbrechung, letzteres nur in der activen Bedeutung.

Anm. Bey dem Kero ziprehhan und farprehhan, bey dem Ottfried sirbrechan und zibrechan, in den spätern Zeiten zubrechen, Nieders. tobreken.


Zerbrechlich (W3) [Adelung]


Zerbrechlich, -er, -ste, adj. et adv. fähig, zerbrochen, und in engerer Bedeutung, leicht zerbrochen zu werden. Ein zerbrochenes Glas. So auch die Zerbrechlichkeit.


Zerbröckeln (W3) [Adelung]


Zerbröckeln, verb. reg. act. in kleine Stücke bröckeln. Das Brot zerbröckeln. Im gemeinen Leben, zerbröseln.


Zerdreschen (W3) [Adelung]


Zerdreschen, verb. irreg. act. 1. Entzwey dreschen, in Stücke dreschen. Das Stroh, die Halmen zerdreschen. 2. Sehr dreschen, d. i. schlagen; im gemeinen Leben. Jemanden zerdreschen, heftig prügeln.


Zerdrücken (W3) [Adelung]


Zerdrücken, verb. reg. act. in Stücke drücken, entzwey drücken. Ein Ey zerdrücken.


Zerfahren (W3) [Adelung]


Zerfahren, verb. irreg. ( S. Fahren.) 1. Als ein Activum, obgleich seltener, entzwey, in Stücke fahren. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, aus einander, sich zertheilen. Der Rauch ist zerfahren. Eine zerfahrene Suppe, in den Küchen, von aus einander gequerleten Eyern.


Zerfallen (W3) [Adelung]


Zerfallen, verb. irreg. ( S. Fallen.) 1. Activum, im Fallen zerschlagen. Sich den Kopf zerfallen. 2. Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, in Stücke fallen, aus einander fallen. Die Stunde ist nicht mehr fern, in welcher die Hütte zerfallen wird. Ein zerfallenes Gebäude. Zerfallen und verfallen sind sich in der Bedeutung zwar ähnlich, aber doch nicht gleich. Siehe Verfallen.


Zerfeilen (W3) [Adelung]


Zerfeilen, verb. reg. act. 1. In Stücke feilen. 2. Durch allzu vieles Feilen unbrauchbar machen.


Zerfetzen (W3) [Adelung]


Zerfetzen, verb. reg. act. 1. Auf eine ungeschickte Art zerschneiden. 2. Durch Fetzen, d. i. ungeschicktes Hauen oder Schneiden, ungestalt, unbrauchbar machen. Ein zerfetztes Gesicht. Beydes nur in der vertraulichen Schreibart.


Zerflattern (W3) [Adelung]


Zerflattern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, aus einander flattern, leicht aus einander fahren.


Zerfleischen (W3) [Adelung]


Zerfleischen, verb. reg. act. die fleischigen Theile eines Körpers durch häufige Wunden trennen. Ein zerfleischter Leichnam.


Zerfließen (W3) [Adelung]


Zerfließen, verb. irreg. neutr. ( S. Fließen,) mit dem Hülfsworte seyn, aus einander fließen. Wie Wachs zerfließen. Wenn nun alle betrügliche Nebel von seinen Blicken zerfließen werden. Figürlich, in Thränen zerfließen, häufige Thränen vergießen; in Wehmuth, in Mitleiden, in Wollust zerfließen, von diesen Empfindungen auf das lebhafteste durchdrungen werden.


Zerfoltern (W3) [Adelung]


Zerfoltern, verb. reg. act. in einem hohen Grade foltern. Siehe, wie der Gram um dich ihn zerfoltert, Weiße.


Zerfressen (W3) [Adelung]


Zerfressen, verb. irreg. act. ( S. Fressen,) überall anfressen und dadurch unbrauchbar machen. Von den Würmern, von dem Roste zerfressen werden.


Zergänglich (W3) [Adelung]


Zergänglich, adj. et adv. ein veraltetes Wort, für das bessere vergänglich. So auch die Zergänglichkeit.


Zergänzen (W3) [Adelung]


Zergänzen, verb. reg. act. in seine Theile auflösen, zertheilen; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches zugleich wider die Analogie der mit zer- zusammen gesetzten Wörter ist. So auch die Zergänzung.


Zergehen (W3) [Adelung]


Zergehen, verb. irreg. neutr. ( S. Gehen,) mit dem Hülfsworte seyn. 1. Schmelzen, besonders in einen flüssigen Körper. Der Zucker ist noch nicht zergangen. 2. Vergehen; im Hochdeutschen veraltet.


Zergen (W3) [Adelung]


* Zergen, verb. reg. act. welches nur im Niederdeutschen üblich ist, durch Neckerey zum Zorne reitzen. Jemand zergen. Einen Hund zergen. Es ist aus dem Nieders. targen gebildet, und wird nur von Niederdeutschen gebraucht, wenn sie Hochdeutsch sprechen wollen. Es ist mit zerren, und dem Engl. to tear, zerren, genau verwandt, indem das zergen eigentlich in einem Zupfen oder Rupfen bestehet. Schon im Griech. ist - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und im An- gels. tyrian, vexare. Im Hochdeutschen gebraucht man dafür necken, ob sich gleich dessen Bedeutung ein wenig weiter erstrecket.


Zergliedern (W3) [Adelung]


Zergliedern, verb. reg. act. einen thierischen Körper in seine Glieder auflösen, ihn zerschneiden. Man gebraucht es nur noch in engerer Bedeutung für anatomiren. Ehedem nannte man auch das Zerlegen der Fleischspeisen, oder das Tranchiren, zergliedern. Figürlich ist einen Satz zergliedern, ihn in seine Glieder oder einzelnen Theile auflösen, und selbige einzeln erklären. So auch die Zergliederung, Zergliederungskunst, die Anatomie, der Zergliederer, der Anatomicus.


Zergreifen (W3) [Adelung]


Zergreifen, verb. irreg. act. ( S. Greifen,) welches nur bey den Bäckern üblich ist. Den Teig zergreifen, ihn mit den Händen klein drücken, zerdrücken, welches auch ihn ankneipen genannt wird.


Zerhacken (W3) [Adelung]


Zerhacken, verb. reg. act. 1. In Stücke hacken, entzwey hacken. 2. Durch mehrmahliges Hacken verderben.


Zerhämmern (W3) [Adelung]


Zerhämmern, verb. reg. act. in Stücke hämmern. Einen Stein zerhämmern.


Zerhauchen (W3) [Adelung]


Zerhauchen, verb. reg. act. aus einander hauchen. Weit besser spieltest du Mit Seifenblasen, die die Luft zerhaucht, Weiße.


Zerhauen (W3) [Adelung]


Zerhauen, verb. irreg. act. ( S. Hauen.) 1. In Stücke hauen. Ein Bret, ein Stück Fleisch zerhauen. 2. Durch mehrmahliges Hauen verderben.


Zerkauen (W3) [Adelung]


Zerkauen, verb. reg. act. in Stücke, in kleine Theile kauen. Die Speisen gehörig zerkauen.


Zerklopfen (W3) [Adelung]


Zerklopfen, verb. reg. act. 1. In Stücke klopfen. 2. Sehr klopfen oder schlagen.


Zerknacken (W3) [Adelung]


Zerknacken, verb. reg. act. in Stücke knacken. Eine Nuß zerknacken.


Zerknicken (W3) [Adelung]


Zerknicken, verb. reg. act. entzwey knicken. Ein zerknickter Halm. Die ganze Schöpfung braucht sich aber nicht zu rüsten; das schwache Rohr, den Menschen, zu zerknicken, Herd.


Zerknirschen (W3) [Adelung]


Zerknirschen, verb. reg. act. 1. In Stücke knirschen, zerquetschen, ( S. Knirschen.) Ein Glas, einen Wurm zerknirschen. 2. Figürlich, mit einem hohen Grade des Grames, des Kummers erfüllen. Ein zerknirschtes Herz, in der Theologie, das lebhafte Gefühl der Reue über seine Vergehungen; im Notker fermulet herza.


Zerkochen (W3) [Adelung]


Zerkochen, verb. reg. act. et recipr. durch Kochen in seine Theile auflösen. Ingleichen, durch allzu langes Kochen verderben. Das Fleisch zerkochen.


Zerkratzen (W3) [Adelung]


Zerkratzen, verb. reg. act. durch vieles Kratzen ungestalt machen. Im Gesichte ganz zerkratzt seyn.


Zerkrümeln (W3) [Adelung]


Zerkrümeln, verb. reg. act. in Krumen oder Krümel verwandeln. Das Brot zerkrümeln.


Zerlappen (W3) [Adelung]


Zerlappen, verb. reg. act. in Lappen zerreißen. Zerlappt einher gehen.


Zerlassen (W3) [Adelung]


Zerlassen, verb. irreg act. ( S. Lassen,) zerfließen lassen, d. i. schmelzen. Wachs, Talg, Bley u. s. f. zerlassen, flüssig machen. Schon im Notker zelazen.


Zerlästern (W3) [Adelung]


Zerlästern, verb. reg. act. im hohen Grade verunstalten; nur im gemeinen Leben, wo es oft für verstümmeln gebraucht wird. Das Fleisch zerlästern, bey den Fleischern, es ungeschickt zubereiten und zuhauen. S. Laster.


Zerlechzen (W3) [Adelung]


Zerlechzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, vor großer Dürre aus einander gehen, und unbrauchbar werden, von hölzernen Gefäßen. Die Tapferkeit taugt ungeübt So wenig, als zerlechzte Nachen, Günth.


Zerlecken (W3) [Adelung]


Zerlecken, verb. reg. act. durch vieles Lecken unscheinbar machen, verderben.


Zerlegen (W3) [Adelung]


Zerlegen, verb. reg. act. aus einander legen. Eine Uhr, eine Maschine zerlegen. In weiterer Bedeutung, eine zur Speise bestimmten thierischen Körper zertheilen; so wohl bey den Jägern, wie zerwirken, als auch von dem Zerschneiden oder Tranchiren bey Tische. Ein Huhn, einen Braten zerlegen. So auch die Zerlegung.


Zerlöchern (W3) [Adelung]


Zerlöchern, verb. reg. act. überall mit fehlerhaften Löchern versehen, durch viele Löcher unbrauchbar machen, durchlöchern. Eine zerlöcherte Mauer.


Zerlumpt (W3) [Adelung]


Zerlumpt, adj. et adv. von dem ungewöhnlichen Verbo zerlumpen, in Lumpen verwandelt, in Lumpen zerrissen. Ein zerlumptes Kleid. Zerrissen und zerlumpt einher gehen.


Zermahlen (W3) [Adelung]


Zermahlen, verb. reg. act. nur daß im Participio zermahlen hat, zu kleinen Stücken mahlen.


Zermalmen (W3) [Adelung]


Zermalmen, verb. reg. act. einen festen Körper mit Gewalt in kleine Theile verwandeln. Einen Stein zermalmen. Mose nahm das goldene Kalb, und zermalmte es zu Pulver, 2 Mos. 32, 20. O Gedanke, der mein Innerstes gleich dem Donner zermalmet. So auch die Zermalmung und das Zermalmen. Anm. Das einfache malmen ist im Hochdeutschen längst veraltet, doch kommen Malm und Mulm in den Mundarten und verwandten Sprachen noch für Sand oder Staub vor. ( S. dieselben.) Malmen ist ein Intensivum, welches vermittelst der Ableitungssylbe men oder nen von mahlen, zerreiben, gebildet worden, daher der Nebenbegriff der heftigen Gewalt. Notker und andere alte Schriftsteller brauchen für zermalmen das einfache fermulen.


Zermartern (W3) [Adelung]


Zermartern, verb. reg. act. in einem hohen Grade martern, bis zur Entkräftung martern.


Zermetzeln (W3) [Adelung]


Zermetzeln, verb. reg. act. ungeschickt zerhauen oder zerschneiden. S. Metzeln.


Zernagen (W3) [Adelung]


Zernagen, verb. reg. act. durch Nagen verderben.


Zernichten (W3) [Adelung]


Zernichten verb. reg. act. zu nichts oder zu nichte machen. 1. Zu nichte machen, d. i. zerstören, die Verbindung der Theile eines Dinges aufheben. Ein Kunstwerk zernichten. 2. In nicht verwandeln, aus der Reihe der existirenden Dinge wegnehmen. Der Gottlose wünscht, daß Gott seine Seele zernichte. In beyden Fällen wie vernichten. So auch die Zernichtung.


Zerplagen (W3) [Adelung]


Zerplagen, verb. reg. act. sehr plagen.


Zerplatzen (W3) [Adelung]


Zerplatzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, in Stücke platzen. Die Bombe, die Blase, die Flasche ist zerplatzt.


Zerpressen (W3) [Adelung]


Zerpressen, verb. reg. act. 1. In Stücke pressen. 2. Durch allzu vieles Pressen verderben.


Zerpülvern (W3) [Adelung]


Zerpülvern, verb. reg. act. in Pulver verwandeln, wofür doch pülvern hinlänglich und üblicher ist.


Zerquetschen (W3) [Adelung]


Zerquetschen, verb. reg. act. einen weichen Körper mit plötzlicher Gewalt zerdrücken oder zerstoßen. Einen Wurm zerquetschen. Sich den Fuß zerquetschen.


Zerreiben (W3) [Adelung]


Zerreiben, verb. irreg. act. ( S. Reiben,) in kleine Theile reiben. Farben zerreiben. Den Teig zerreiben oder aufreiben, bey den Bäckern, ihn mit den Händen klein reiben. So auch das Zerreiben und die Zerreibung.


Zerreiblich (W3) [Adelung]


Zerreiblich, -er, -ste, adj. et adv. fähig zerrieben zu werden; in engerer Bedeutung, fähig, mit leichter Mühe zerrieben zu werden. So auch die Zerreiblichkeit.


Zerreißen (W3) [Adelung]


Zerreißen, verb. irreg. ( S. Reißen.) Es ist: 1. Ein Activum, in Stücke reißen, den Zusammenhang der Theile durch plötzliches und heftiges Ziehen trennen. 2. Eigentlich. Einen Strick, einen Brief u. s. f. zerreißen. Etwas mit den Zähnen zerreißen. 3. Figürlich. (a) Gewaltsam umbringen, von großen Raubthieren. Der Löwe hat das Schaf zerrissen. Ein von dem Wolfe zerrissenes Lamm. (b) Die Fortsetzung einer Sache auf eine plötzliche und gewaltsame Art unterbrechen. Einen Landtag, Reichstag zerreißen. (c) Jemandes Herz zerreißen, ihm den lebhaftesten Schmerz verursachen. Habe Mitleiden mit diesem Herzen, das du zerreißest, Weiße. Da ward mein klopfend Herz von Furcht und Angst zerrissen, Schleg. 2. Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, in Stücke zerrissen werden; wofür doch das einfache reißen üblicher ist. Der Strick zerreißt, ist zerrissen. So auch das Zerreißen und die Zerreißung.


Zerren (W3) [Adelung]


1. Zerren, verb. reg. act. heftig hin und her ziehen. Jemanden aus dem Hause, in den Koth zerren, ihm die Kleider von dem Leibe zerren. So auch das Zerren.

Anm. Es ist ein Iterativum und Intensivum von ziehen, vermittelst der Ableitungssylbe ren, zerren für ziehen, Nieders. tiren, Franz. tirer, bey dem Ottfried scerren.


Zerren (W3) [Adelung]


2. Zerren, verb. reg. act. Auf den Eisenhämmern wird das zweyte Schmelzen des Eisens, um es weicher und geschmeidiger zu machen, zerren genannt; ohne Zweifel als eine Zusammenziehung von dem folgenden zerrennen, welches auf den Eisenhämmern für schmelzen gebraucht wird, welches dadurch wahrscheinlich wird, weil das Zerrenfeuer und der Zerrenherd auch Rennfeuer und Rennherd, und der Arbeiter, der das Zerren verrichtet, der Zerrenner genannt werden. So auch das Zerren.


Zerrenbaum (W3) [Adelung]


Der Zerrenbaum, des -s, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, ein Nahme des Buchbaumes, aus dem Ital. Cerro.


Zerrenfeuer (W3) [Adelung]


Das Zerrenfeuer, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. von 2. Zerren, dasjenige Feuer, oder derjenige Grad des Feuers, bey welchem das Zerren geschiehet; auch das Rennfeuer, von rennen oder zerrennen, zerrinnen machen, d. i. schmelzen.


Zerrenherd (W3) [Adelung]


Der Zerrenherd, des -es, plur. die -e, derjenige Herd, auf welchem das Zerren geschiehet.


Zerrennen (W3) [Adelung]


Zerrennen, verb. reg. act. zerrinnen lassen, d. i. schmelzen, ein nur auf den Eisenhämmern von dem Schmelzen des Eisens übliches Wort, welches in einem Falle auch in zerren zusammen gezogen wird. S. dasselbe.


Zerrenner (W3) [Adelung]


Der Zerrenner, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Eisenhämmern, derjenige Arbeiter, der das Zerren oder zweyte Schmelzen des Eisens besorget.


Zerrer (W3) [Adelung]


Der Zerrer, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Nahme des Mistlers, einer Art Krammetsvögel, vermuthlich wegen seiner Stimme, um welcher Willen er in manchen Gegenden auch der Schnarrer genannt wird.


Zerringen (W3) [Adelung]


Zerringen, verb. reg. act. durch vieles Ringen unbrauchbar, schadhaft machen. Die Wäsche zerringen. Mit Händen, die zerrungen waren, Gell.


Zerrinnen (W3) [Adelung]


Zerrinnen, verb. irreg. neutr. ( S. Rinnen,) mit dem Hülfsworte seyn, aus einander rinnen oder fließen. Butter am Feuer zerrinnen lassen, schmelzen. Sprichw. Wie gewonnen, so zerronnen.


Zerritzen (W3) [Adelung]


Zerritzen, verb. reg. act. durch vieles Ritzen ungestaltet, unbrauchbar machen.


Zerrühren (W3) [Adelung]


Zerrühren, verb. reg. act. aus einander rühren. Ausgeschlagene Eyer zerrühren.


Zerrütten (W3) [Adelung]


Zerrütten, verb. reg. act. eigentlich, durch rütten, d. i. heftiges hin und her bewegen, die Theile eines Dinges in Unordnung bringen. Die Räder einer Uhr zerrütten. Am häufigsten in weiterer Bedeutung, die Theile eines Dinges auf eine gewaltsame Art in Unordnung bringen. Den Staat zerrütten. Daher die Zerrüttung, gewaltsame Unordnung unter den Theilen eines Dinges. Die Herrschsucht entspinnet Zerrüttungen und blutige Kriege.

Anm. Die zweyte Hälfte ist das außer dieser Ableitung veraltete Verbum rütten, von welchem wir noch das Iterativum rütteln haben. Rütten selbst ist ein Iterativum von dem gleichfalls veralteten ruten, reiten, hin und her bewegen, von welchem Reiter noch an manchen Orten ein Sieb bedeutet.


Zersägen (W3) [Adelung]


Zersägen, verb. reg. act. in Stücke sägen. Ein Bret, ein Stück Holz zersägen.


Zerschaben (W3) [Adelung]


Zerschaben, verb. reg. act. durch vieles Schaben unbrauchbar machen. Ein zerschabeter Rock, ein abgeschabter.


Zerschäumen (W3) [Adelung]


Zerschäumen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, sich in Schaum auflösen. Die Fruchtbaren Waldströme zerschäumen, und ihre Wuth wird sich legen am Fuße des Felsen, Löw.


Zerscheitern (W3) [Adelung]


Zerscheitern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, in Stücke scheitern, wofür doch das einfache scheitern üblicher, und auch hinlänglich ist. Das Schiff ist an dem Felsen zerscheitert, gescheitert.


Zerschellen (W3) [Adelung]


Zerschellen, verb. reg. welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Activum; mit einem lauten Schalle zerschlagen. Die Bänke Steinsalzes mit einer Axt zerschellen, zerschlagen. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, mit einem lauten Schalle in Stücke gebrochen werden. Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen, Matth. 21, 44. So auch das Zerschellen. Es ist von Schall, kommt aber außer der dichterischen Schreibart in beyden Formen wenig mehr vor.


Zerschießen (W3) [Adelung]


Zerschießen, verb. irreg. act. ( S. Schießen,) ein Ding durch viele darein geschossene Löcher unbrauchbar machen. Eine zerschossene Mauer.


Zerschirbeln (W3) [Adelung]


Zerschirbeln, verb. reg. act. welches nur im Hüttenbaue üblich ist, das gefrischte Eisen in Scherben, d. i. kleine Stücke, schlagen, zerschlagen, zersetzen.


Zerschlagen (W3) [Adelung]


Zerschlagen, verb. irreg. act. ( S. Schlagen.) 1. Über und über schlagen, durch vieles Schlagen kraftlos machen. Ich bin wie zerschlagen. Figürlich, ein zerschlagenes Herz, in der Theologie, wie ein zerknirschtes. 2. In Stücke schlagen. (a) Eigentlich. Einen Stein, ein Gefäß zerschlagen. (b) Figürlich. (1) Sich in mehrere Äste theilen, als ein Reciprocum; nur in einigen Fällen. Im Bergbaue zerschläget sich ein Gang, wenn er sich in mehrere Trümmer, oder schmale Gänge theilet. (2) Durch Theilung der Gesinnungen fruchtlos werden; auch als ein Reciprocum. Die Zusammenkunft, der Kauf, die Heirath hat sich zerschlagen, ist nicht zu Stande gekommen. Eine zerschlagene Heirath, ist unrichtig, weil das Verbum in dieser Bedeutung ein Reciprocum ist, von den Reciprocis aber die Participia nur selten gebraucht werden können.


Zerschlitzen (W3) [Adelung]


Zerschlitzen, verb. reg. act. durch mehrere in etwas gemachte Schlitze unbrauchbar machen; zuweilen auch in Stücke schlitzen.


Zerschmeißen (W3) [Adelung]


Zerschmeißen, verb. irreg. act. ( S. Schmeißen,) in Stücke schmeißen.


Zerschmelzen (W3) [Adelung]


Zerschmelzen, verb. reg. et irreg. ( S. Schmelzen,) welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Activum, durch Schmelzen in seine Theile auflösen; obgleich nur selten, weil das einfache schmelzen diesen Begriff bereits ausdruckt. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, durch Schmelzen aus einander fließen. Der Schnee der nach und nach zerschmilzt, läßt die Quellen im Sommer nie versiegen, Gell. Figürlich, in Liebe, vor Liebe zerschmelzen, den höchsten Grad der Zärtlichkeit empfinden. So auch das Zerschmelzen.


Zerschmettern (W3) [Adelung]


Zerschmettern, verb. reg. act. einen festen Körper mit der höchsten Gewalt in Stücke werfen. Zerschmettere die Erde durch deine Macht, Judith. 9, 9. Ein Glas zerschmettern. Sich den Kopf an einer Mauer zerschmettern. So auch das Zerschmettern, und die Zerschmetterung.


Zerschneiden (W3) [Adelung]


Zerschneiden, verb. irreg. act. ( S. Schneiden.) 1. In Stücke schneiden. Ein Papier, ein Stück Zeug zerschneiden. Figürlich, ein zerschnittener Styl, ein unperiodischer, der aus lauter kurzen Sätzen bestehet. 2. Durch zu vieles Schneiden unbrauchbar machen.


Zerschroten (W3) [Adelung]


Zerschroten, verb. reg. act. nur daß es im Participio zerschroten und nicht zerschrotet hat, in Stücke schroten, in allen den Fällen, in welchem das einfache Verbum schroten gebraucht wird. So zerschrotet man in den Werkstätten ein Stück Eisen, wenn man es mit dem Schroteisen theilet. Man zerschrotet einen Baum, wenn man ihn mit der Schrotsäge zersäget u. s. f.


Zersetzen (W3) [Adelung]


Zersetzen, verb. reg. ein nur im Bergbaue für zerschlagen übliches Wort. Man zersetzet eine Erzstufe, einen Stein u. s. f. wenn man sie mit dem Fäustel in Stücke schlägt.


Zerspalten (W3) [Adelung]


Zerspalten, verb. reg. act. nur daß es im Participio zerspalten hat, in Stücke spalten. Ein Stück Holz zerspalten, es spalten.


Zersplittern (W3) [Adelung]


Zersplittern, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit seyn, in Splitter auflösen, in Splitter verwandeln, und darein verwandelt werden. Figürlich, doch am häufigsten im Oberdeutschen, die Zeit zersplittern, sie verderben, unnütz anwenden. So auch die Zersplitterung.


Zersprengen (W3) [Adelung]


Zersprengen, verb. reg. act. in Stücke sprengen, durch Sprengen zertheilen. Eine Blase zersprengen.


Zerspringen (W3) [Adelung]


Zerspringen, verb. irreg. neutr. ( S. Springen,) mit dem Hülfsworte seyn, in Stücke springen, zersprenget werden. Das Glas ist vor Hitze zersprungen.


Zerstäuben (W3) [Adelung]


Zerstäuben, verb. reg. act. in Staub verwandeln und aus einander treiben; ingleichen als Staub zerstreuen. Einen Haufen Thiere zerstäuben, sie plötzlich aus einander treiben, sie zerstreuen. Es ist das Factitivum von dem folgenden zerstieben.


Zerstechen (W3) [Adelung]


Zerstechen, verb. irreg. act. ( S. Stechen,) ein Ding durch viele darein gestochene Löcher verunstalten, unbrauchbar machen. Sich in den Dornen die Haut zerstechen.


Zerstieben (W3) [Adelung]


Zerstieben, verb. irreg. neutr. ( S. Stieben,) mit dem Hülfsworte seyn, sich wie Staub zerstreuen; wie Staub zerstreuet werden.


Zerstören (W3) [Adelung]


Zerstören, verb. reg. act. die Theile eines Dinges auf eine gewaltsame Art aus ihrer Verbindung bringen. Ein Insecten-Nest, ein Kunstwerk, eine Stadt, ein Haus, ein Reich zerstören. So auch die Zerstörung.

Anm. Im Notker zerstoren, bey dem Ulphilas distairan. S. Stören.


Zerstörer (W3) [Adelung]


Der Zerstörer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zerstörerinn, eine Person, welche etwas zerstöret, oder zerstöret hat.


Zerstoßen (W3) [Adelung]


Zerstoßen, verb. irreg. act. ( S. Stoßen.) 1. In Stücke stoßen. Gewürz in einem Mörser zerstoßen. 2. Durch vieles Stoßen ungestalt oder unbrauchbar machen. So auch das Zerstoßen und die Zerstoßung.


Zerstreuen (W3) [Adelung]


Zerstreuen, verb. reg. act. 1. Eigentlich, aus einander streuen. Staub welchen der Wind zerstreuet. 2. Figürlich. (a) Auf eine fehlerhafte Art aus einander theilen. Der Mahler zerstreuet seine Lichter, wenn sie nicht genug durch Schatten contrastiret sind, und daher das Auge verblenden. (b) Theilen und dadurch unwirksam oder unmerklich machen. Jemandes Furcht zerstreuen. Wir müssen den Verstand anwenden, durch sein Licht den falschen Glanz des Lasters zu zerstreuen, Gell. Die Sonne, die den Nebel zerstreuet. Jemandes Besorgnisse zerstreuen. (c) Die Aufmerksamkeit auf mehrere fremdartige Dinge lenken. So zerstreuet man einen Bekümmerten, wenn man dessen Aufmerksamkeit von dem Gegenstande seines Grames an andere Dinge lenket. Sich ein wenig zerstreuen, seine Aufmerksamkeit von den gewöhnlichen Gegenständen auf andere Dinge lenket. Sich ein wenig zerstreuen, seine Aufmerksamkeit von den gewöhnlichen Gegenständen auf andere richten. In engerer Bedeutung zerstreuet man sich und andere, wenn man die Aufmerksamkeit auf eine fehlerhafte Art theilet, sie von einem pflichtmäßigen Gegenstande auf fremdartige Dinge lenket. Das Participium zerstreuet wird gemeiniglich in noch engerer Bedeutung von der Fertigkeit gebraucht, sich des Zusammenhanges seiner Vorstellungen mit sich selbst unbewußt zu seyn, oder die Aufmerksamkeit mehr auf fremdartige Gegenstände, als auf sich, zu lenken. Zerstreut seyn, den Zerstreuten spielen.

Anm. Schon im Ottfried in eigentlicher Bedeutung gistreuan; ingleichen zispreitan. Die letztere figürliche Bedeutung scheinet neuern Ursprunges, und nach dem Franz. distrait gebildet zu seyn.


Zerstreuung (W3) [Adelung]


Die Zerstreuung, plur. die -en. 1. Die Handlung des Zerstreuens, in allen Bedeutungen des Verbi und ohne Plural. 2. Der Gemüthszustand, da die Aufmerksamkeit auf mehrere fremdartige Dinge gerichtet wird, und im engsten Verstande, da man sich des Zusammenhanges seiner fremdartigen Vorstellungen mit sich selbst unbewußt ist; ohne Plural. 3. Eine Beschäftigung des Gemüthes, wobey die Aufmerksamkeit von dem pflichtmäßigen Gegenstande abgezogen wird; mit dem Plural. Sein Leben in lauter Zerstreuungen zubringen.


Zerstückeln (W3) [Adelung]


Zerstückeln, verb. reg. act. in kleine Stücke theilen; als das Diminutivum des folgenden.


Zerstücken (W3) [Adelung]


Zerstücken, verb. reg. act. in Stücke theilen. Auf zerstückten Bretern kommen Kriegesheere angeflogen, Kleist. Ein zerstücktes Gebirge, im Bergbaue, wo die Bergarten stückweise und abgebrochen über und neben einander liegen.


Zerstufen (W3) [Adelung]


Zerstufen, verb. reg. act. in Stücken schlagen, ein vornehmlich im Bergbaue übliches Wort, wie zersetzen. S. Stufe.


Zerstümmeln (W3) [Adelung]


Zerstümmeln, verb. reg. act. durch Verstümmelung ungestalt, unbrauchbar machen; wofür doch verstümmeln üblicher ist.


Zerte (W3) [Adelung]


Die Zerte, plur. die -n, oder der Zerter, des -s, plur. ut nom. sing. ein im Hochdeutschen mit der Sache selbst veraltetes Wort, diejenige Art von Urkunden zu bezeichnen, da ein Vertrag auf einem und eben demselben Bogen zwey Mahl geschrieben, und hernach der Bogen in der Mitte eckig, oder auf andere irreguläre Art durchschnitten ward, da denn im Fall der Klage beyde Theile zusammen passen mußten; daher denn in weiterer Bedeutung auch wohl ein jeder Vertrag eine Zerte genannt wurde. In manchen Gegenden, besonders auf dem Lande, ist diese Art von Urkunden noch üblich, und dort kennet man auch noch dessen Nahmen.

Anm. Frisch und andere lassen dieses Wort auf eine sehr unschickliche Art von dem Lat. certus abstammen. Wahrscheinlicher ist die Ableitung derer, die Zerte auch Charta verderbt seyn lassen, zumahl da bekannt ist, daß dergleichen Urkunde ehedem Chartae indentatae genannt wurden. Indessen läßt es sich, auch füglich als ein altes echt Deutsches Wort betrachten, von zerren, reissen, oder vielmehr von dessen Stammworte zaren, theilen, spalten, welches noch in dem alten Gedichte auf Carln den Großen bey dem Schilter vorkommt, so daß Zerte eigentlich eine getheilte, oder gespaltene Urkunde bedeuten würde, welches sie denn auch wirklich ist.


Zertheilen (W3) [Adelung]


Zertheilen, verb. reg. act. ein Ganzes in mehrere Theile theilen, besonders in solchen Fällen, wo der Begriff so allgemein ausgedruckt werden soll, oder nicht anders als allgemein gegeben werden kann. Der Wind zertheilet die Wolken. Ein Pflas=ter, welches die stockenden Säfte zertheilet. Ein Stück Feld, einen Garten zertheilen. In andern Fällen, wo sich der Begriff bestimmter ausdrucken läßt, sich zerschneiden, zersägen, zerhauen, zerreißen u. s. f. üblich. So auch die Zertheilung.


Zertrennen (W3) [Adelung]


Zertrennen, verb. reg. act. aus einander trennen. So zertrennet der Schneider ein Kleid. In weiterer Bedeutung, Din- ge, welche ein Ganzes ausmachen, vereinzeln, und dadurch trennen. Seine Bibliothek zertrennen. So auch die Zertrennung.


Zertreten (W3) [Adelung]


Zertreten, verb. irreg. act. ( S. Treten.) 1. In Stücke treten. Ein Glas, einen Wurm zertreten. 2. Durch Treten unbrauchbar machen oder verunstalten. Ein Beet im Garten zertreten.


Zertrümmern (W3) [Adelung]


Zertrümmern, verb. reg. act. ein Ding in Trümmer verwandeln, mit der größten Gewalt zerstücken, oder zertheilen. Einen Stein zertrümmern.


Zerweichen (W3) [Adelung]


Zerweichen, verb. reg. act. et neutr. im letzten Falle mit dem Hülfsworte seyn, allzu sehr weichen, und weichen lassen. Der Stockfisch ist zerweicht, wenn man ihn im Wasser hat lassen zu weich werden.


Zerwerfen (W3) [Adelung]


Zerwerfen, verb. irreg. act. ( S. Werfen,) in Stücke werfen.


Zerwirken (W3) [Adelung]


Zerwirken, verb. reg. act. ein besonders bey den Jägern für zerlegen oder zerhauen übliches Wort. Man zerwirkt ein Wild, wenn man ihm die Haut abziehet, und das Wildbret in Stücke zerleget.


Zerwühlen (W3) [Adelung]


Zerwühlen, verb. reg. act. die Theile durch Wühlen trennen, durch Wühlen verderben. So zerwühlen die Schweine den Acker.


Zerzausen (W3) [Adelung]


Zerzausen, verb. reg. act. durch Zausen verwirren, oder ungestalt machen. Zerzausete Haare.


Zerzupfen (W3) [Adelung]


Zerzupfen, verb. reg. act. durch Zupfen in seine Theile auflösen. Seidene Läppchen zerzupfen.


Zeter (W3) [Adelung]


Zeter, ein sehr alter Ausruf so wohl des höchsten Schmerzens, der höchsten Gewalt, als auch eines geringern Grades des Unwillens. Im ersten Falle wird es noch an manchen Orten bey peinlichen Prozessen gebraucht, wo bey Verurtheilung eines Mörders eine von der Obrigkeit verordnete Person im Nahmen des Ermordeten über die erlittene Gewalt öffentlich Zeter schreyen muß, daher diese Person der Zeterschreyer, und an manchen Orten der Blutschreyer genannt wird. Zeter über jemand schreyen, aus Verzweiflung über die von ihm erlittene Gewalt schreyen. Im letztern Falle ist dieses Wort noch unter dem großen Haufen üblich, wo es nicht nur in geringen Graden des Unmuths, der Verwunderung u. s. f. gebraucht wird, Zeter über den Menschen sondern auch in vielen Zusammensetzungen üblich ist: ein Zeterjunge, ein boshafter, leichtfertiger Junge, ein Zetermädchen, ein Zeterding u. s. f. Anm. Das Wort ist in Obersachsen und Oberdeutschland am üblichsten; in Niedersachsen kennet man es hin und wieder auch, aber in manchen Gegenden ist dafür Jodute üblich. ( S. dasselbe.) Wachters, Frischens und anderer Ableitung von dem Lateinischen citatur hat nichts, als die zufällige Ähnlichkeit des Klanges, und nicht ein Mahl eine Ähnlichkeit der Begriffe zum Grunde. Das gerichtliche Zeterschreyen geschiehet ja nicht in der Absicht, den Mörder zu citiren, sondern bey der Verurtheilung eines Mörders, die von ihm dem Ermordeten zugefügte Gewalt desto sinnlicher zu machen. Der Zeterschreyer scheint die Stelle des Bluträchers der ältern Völker zu vertreten. Zeter scheint vielmehr ein alter Ausruf des rohen Volkes zu seyn, eine Interjection ohne Sinn, oder auch eine Verstümmelung eines jetzt unbekannten verständlichen Wortes. Die Schreibart Zetter ist wider die Aussprache, indem das erste e jederzeit gedehnet wird.


Zetergeschrey (W3) [Adelung]


Das Zetergeschrey, des -es, plur. inus. 1. Ein lautes Geschrey über erlittene Gewalt. 2. Ein jedes heftiges Geschrey. Die Sprache der Liebe ist im Neste der Nachtigall süßer Gesang, und im Winkel der Katze Zetergeschrey, Herd.


Zeterschreyer (W3) [Adelung]


Der Zeterschreyer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Zeter.


Zettel (W3) [Adelung]


1. Der Zettel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Zettelchen, ein kleines Stück Papier, worauf etwas verzeichnet ist, oder auch etwas darauf zu verzeichnen. Etwas auf einen Zettel schreiben. Einem einen Zettel geben, ein kleines beschriebenes Papier, Franz. ein Billet. So auch Beichtzettel, Denkzettel, Empfangzettel, Freyzettel, Fuhrzettel, Steuerzettel, Thor- zettel, Bankzettel u. s. f. Im Nieders. Zedel. Er ist vermuthlich aus dem Latein. Schedula gebildet.


Zettel (W3) [Adelung]


2. Der Zettel, des -s, plur. inus. bey den Webern, der Aufzug oder die Kette, im Gegensatze des Einschlages oder Eintrages. Man siehet leicht, daß dieses Wort mit dem vorigen eine bloß zufällige Ähnlichkeit des Klanges gemein hat; aber nicht so leicht ist dessen Abstammung zu bestimmen. Frischens Ableitung von Zeile, im Oberd. Zeilete, weil die Fäden des Aufzuges gleichsam aus Zeilen bestehen, ist zu gezwungen. Vielleicht ist es aus Kette verderbt, vielleicht auch von dem Verbo 2 Zetteln in verzetteln, in kleinen Theilen verthun, abgeleitet, weil der Aufzug aus Fäden, als kleinen Theilen, bestehet, welche auf eine kleinliche Art behandelt seyn wollen. Im Oberdeutschen hat man noch ein anderes gleich lautendes Wort, welches vermuthlich mit keinem von beyden verwandt ist; im Österreichischen nähmlich ist Weinzettel, oder Weinzeidel, der Verwalter der Weingärten.


Zettelbank (W3) [Adelung]


Die Zettelbank, plur. die -en, in der Handlung, eine Geldbank, wo der Umsatz des Geldes durch Überlieferung gewisser Zettel oder Banknoten geschiehet; zum Unterschiede von einer Giro-Bank, wo der Umsatz durch bloße Ab- und Zurechnung geschiehet.


Zettelende (W3) [Adelung]


Das Zettelende, des -s, plur. die -n, bey den Webern, der Rand an den beyden Enden des Tuches, wo der Zettel, d. i. der Aufzug, anfängt und aufhöret.


Zetteln (W3) [Adelung]


1. Zetteln, verb. reg. act. von 2 Zettel, der Aufzug eines Gewebes, ein nur in Anzetteln übliches Wort, S. dasselbe.


Zetteln (W3) [Adelung]


2. Zetteln, verb. reg. act. einzeln und in kleinen Theilen fallen lassen, auch nur in der im gemeinen Leben üblichen Ableitung Verzetteln, welches S. dieses Wort scheinet der Abstammung nach von dem vorigen ganz verschieden zu seyn. Es ist der Form nach gedoppelt abgeleitet; so wohl vermittelst der Sylbe el, ein Iterativum oder Diminutivum zu bilden, von zetten, einem noch in Oberdeutschland völlig gangbaren Worte, fallen lassen, und dadurch verlieren; als auch vermittelst des gedoppelten t, ein Intensivum zu bilden, von einem veralteten Verbo zeten. Allein dieses ist seiner Bedeutung nach sehr dunkel, wenn es nicht das zetan, abhauen, bey dem Ottfried ist: thie esti thie sie zetitun, welche sie abhieben; welches so wohl mit dem Lat. caedere, als auch mit cadere, so wohl dem Laute als der Bedeutung nach verwandt ist.


Zeug (W3) [Adelung]


Der und das Zeug, des -es, plur. der doch nur in einigen Bedeutungen üblich ist, die -e, ein Wort, welches überhaupt theils den Stoff, die Materie, woraus etwas bereitet wird, theils das Werkzeug, wo mit solches geschiehet, theils aber auch die verfertigte Sache, und dann in weiterer Bedeutung, ein jedes Ding, eine jede Sache, bedeutet. Es wird so wohl im männlichen als sächlichen Geschlechte, obgleich nicht ohne Unterschied gebraucht; allein da das Geschlecht sich nicht genau nach den eben gedachten Bedeutungen richtet, so muß jedes besonders abgehandelt werden. Im Hochdeutschen unterscheidet man beyde so: I. Der Zeug im männlichen Geschlechte. 1. Der Stoff, die Materie, woraus etwas bereitet worden, oder bereitet werden soll. (a) * Überhaupt; eine Bedeutung, welche man im Hochdeutschen um der Vieldeutigkeit dieses Wortes Willen veralten lassen. Der Zeug der Lüste, Opitz. Denn er kennt wohl den Zeug, der an uns allen Zu finden ist, es ist ihm unentfallen Wie daß wir nichts als Staub und Asche sind, eben ders. Ps. 102. (b) In engerer Bedeutung, da es denn noch in vielen Handwerken und Gewerben für den Stoff gewisser Art gebraucht wird. So nennen die Papiermacher die gestampften Lumpen, woraus das Papier verfertiget wird, den Zeug. Der halbe Zeug sind bey ihnen Lumpen, welche nur ein Mahl gestampfet worden. Bey den Mäurern heißt der Mörtel an manchen Orten der Zeug, und bey den Bäckern wird in einigen Oberdeutschen Gegenden auch der Teig der Zeug genannt; daher der Butterzeug, Mandelzeug, Pasteten-Zeug, Pillenzeug u. s. f. Im Weinbaue heißen die Weinbeeren, und figürlich auch die Weinstöcke der Zeug, so wie bey den Buchdruckern die Materialien zu den Schriften, und folglich auch abgenutzte Schriften, welche wieder eingeschmolzen werden. Und so in vielen andern Fällen mehr. Besonders (c) im engsten Verstande, ein Gewirk, so fern es das Materiale, oder der Stoff zu den Kleidungsstücken ist. So wohl überhaupt. Sich den Zeug zu einem Kleide aussuchen, es sey Tuch oder sonst ein Gewirke. Als auch, und zwar am häufigsten, im engsten Verstande, da nur gewisse leichte Gewirke von Leinwand, Seide, Baumwolle oder Wolle, Zeuge genannt werden, und zwar von den wollenen nur solche, welche entweder nie gewalket werden, oder doch nur die halbe Walke bekommen. Ein wollener Zeug, seidener Zeug, Sommerzeug u. s. f. Tuch, Sammet und Leinwand gehören in dieser engsten Bedeutung nicht unter die Zeuge. In dieser ganzen Bedeutung ist das Wort ein Collectivum, oder vielmehr ein Materiale, daher der Plural nur von mehrern Arten und Quantitäten üblich ist. 2. Dasjenige, vermittelst dessen etwas verrichtet wird. Eigentlich ist es in dieser Bedeutung im Hochdeutschen sächlichen Geschlechtes; allein da man es im Oberdeutschen in diesem Verstande im männlichen gebraucht, so ist dieses auch im Hochdeutschen in einigen Fällen üblich geworden. Diese sind: a) Ein lebloses Hülfsmittel, etwas zu bewerkstelligen. 1. Ein Werkzeug, wo es nur in einigen Fällen im männlichen Geschlechte gebraucht wird. Besonders im Bergbaue, wo eine Pumpe und eine jede Wasser-Maschine der Zeug, vollständiger, der Kunstzeug, Kunstgezeug genannt wird. Den Zeug stellen, stehen lassen. Ingleichen bey den Jägern, wo theils alle zum Jagen gehörigen Geräthschaften, theils aber auch nur die Tücher und Netze collective der Zeug heißen. Der finstere Zeug, die Tücher und Planen; der lichte Zeug, die Netze. Bey den Bäckern wird ein jedes Gährungsmittel zu den Semmeln, welches weder Sauerteig noch Bierhefen ist, der Zeug genannt. Auf den Zeug backen, sich dieses Mittels bedienen. Auch im Kriegswesen wurden das Geschütz und alle übrige Geräthschaften ehedem der Zeug genannt, welche Bedeutung zwar im Hochdeutschen veraltet ist, aber doch die Zusammensetzungen Zeughaus, Zeugmeister u. s. f. zurück gelassen hat. b) * Personen, durch welche man eine Absicht erreicht, oder etwas verrichtet; als ein Collectivum, folglich ohne Plural. In dieser Bedeutung wurde ehedem ein Kriegsheer und ein einzelner Theil desselben häufig der Zeug genannt; in welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen veraltet ist. Der reisige Zeug, die Reiterey. Ein wohlgerüsteter Zeug zu Roß und zu Fuß, in dem Deutschen Livius von 1514. So will ich mit dem andern Zeug nachrucken, mit den andern Truppen, Theuerd. In der Deutschen Bibel kommt diese Bedeutung noch häufig vor. II. Das Zeug, im sächlichen Geschlechte. 1. Ein mechanisches Hülfsmittel, etwas zu bewerkstelligen, ein Werkzeug, als ein Collectivum, folglich ohne Plural, außer in manchen Fällen von mehrern Arten. Es ist in diesem Verstande im gemeinen Leben sehr häufig, in der anständigern Schreibart aber gebraucht man es am häufigsten in Zusammensetzungen. Das Hebezeug, Rüstzeug, Reißzeug, Schreibezeug, Spielzeug, Reitzeug, Pferdezeug u. s. f. In manchen Fällen wird es von einzelnen Dingen gebraucht, das Fahrzeug, Werkzeug, Rüstzeug, im figürlichen Verstande u. s. f. Im Oberdeutschen ist es in dieser Bedeutung männlichen Geschlechtes, welches daher auch häufig in der Deutschen Bibel vorkommt, wo selbst Paulus ein auserwähltes Rüstzeug genannt wird. 2. Das Geräth, Geräthschaften; nur in einigen Fällen. So wird leinenes Geräth collective leinen Zeug oder weißes Zeug genannt. Irdenes, hölzernes, zinnernes u. s. f. Zeug, Geräthe. Das Kopfzeug, eine Bekleidung des Kopfes. Das Nachtzeug, Nachtgeräth, nächtliche Kleidung, Tischzeug, Silberzeug. 3. Eine verfertigte Sache, doch nur in weiterer Bedeutung, ein Ding, eine Sache überhaupt, sie sey von welcher Art sie wolle, aber nur im verächtlichen Verstande, und auch als ein Collectivum. Liederliches Zeug, schlechte Dinge, schlechte Geräthschaften. Albernes Zeug reden. Wer hat ihm dieses Zeug in den Kopf gesetzt? Ja selbst von Personen im gemeinen Leben. Liederliches Zeug, liederliches Gesindel. Diebeszeug, Zigeunerzeug u. s. f.

Anm. Zeug im Niedersächs. Tütz, im Schwed. Tyg, stammet ohne Zweifel von zeugen her, so fern es ehedem machen, hervor bringen überhaupt bedeutete, und ist in so fern mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, von - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, machen, bereiten, verwandt.


Zeugamt (W3) [Adelung]


Das Zeugamt, des -es, plur. die -ämter, ein Amt, Collegium solcher Personen, welche die Aufsicht über die Kriegsgeräthschaften; haben nur an einigen Orten, z. B. zu Wien, wo es so wohl ein Feld- und Haus-Artillerie-Zeugamt, als auch ein Artillerie-Oberzeugamt gibt.


Zeugart (W3) [Adelung]


Die Zeugart, plur. die -en, eine Art gewirkter Zeuge, besonders der leichtern Art. Eine wollene, seidene Zeugart.


Zeugbaum (W3) [Adelung]


Der Zeugbaum, des -es, plur. die -bäume, bey den Webern, derjenige Baum an dem Weberstuhle, auf welchen der fertige Zeug gewickelt wird, und welcher unter dem Streichbaume liegt.


Zeugbütte (W3) [Adelung]


Die Zeugbütte, plur. die -en, bey den Papiermachern, ein hölzerner Kasten, woraus der Zeug, d. i. die zerstampften Lumpen, mit der Papierform geschöpfet wird.


Zeuge (W3) [Adelung]


Der Zeuge, des -n, plur. die -n. 1. Eigentlich, eine Person, welche die Wahrheit der Aussage eines andern mit ihrer Erfahrung bestätiget. Cajus ist mein Zeuge, daß ich das Geld bezahlet habe, wenn er dabey gegenwärtig gewesen, und dieses aussaget. Jemanden zum Zeugen nehmen, zum Zeugen anrufen. Ich nehme Gott zum Zeugen, berufe mich auf die Allwissenheit Gottes. Einen Zeugen stellen. Falsche Zeugen aufstellen. O wie lange, ihr Götter, soll ich noch eurer Gütigkeit Zeuge seyn! Geßn. In weiterer Bedeutung, so wohl eine Person, welche etwas mit ansiehet, oder anhöret. Ich brauche keinen Zeugen meiner Klagen, Weiße. Zu meiner Zärtlichkeit verlang' ich keine Zeugen, Gell. Als auch eine leblose Sache, so fern sie ein sinnliches Denkmahl eines Vorganges ist. Dieser Ring sey der Zeuge unsers Bundes. 2. Figürlich werden die kleinen Steine, welche um die Wurzel eines Gränzsteines geleget werden, zu einem Merkmahle, daß derselbe richtig gesetzt worden, Zeugen genannt.

Anm. Im Schwabenspiegel Geziug, im Nieders. Tüge, bey dem Ulphilas Tuggo. Von der Abstammung S. das Verbum zeugen. Gemeiniglich und der Regel nach ist dieses Wort, dem Geschlechte nach, eine commune, d. i. es wird ungeändert von beyden Geschlechtern gebraucht. Deine Schwester sey mein Zeuge. Indessen gibt es doch auch mehrere Schriftsteller, welche ein eigenes Fämininum, die Zeuginn, davon ableiten. Wahrheit, Zeuginn meiner Triebe, Leiste selber die Gewähr, Haged. So bring' ich diese Schal' ihr dar, Die Zeuginn unsers Bundes war, Raml. Mir scheint diese Ableitung unnöthig und unanalogisch zu seyn, weil wir viele andere ähnliche Wörter haben, welche in beyden Geschlechtern gebraucht werden, z. B. Bürge, Gast, Kunde, Pathe, Waise, Gatte, Kind, Liebling, Zwilling u. s. f. Den Fall höchstens ausgenommen, wenn das weibliche Geschlecht an dem Subjecte unkenntlich wäre, und doch dessen Bezeichnung nothwendig ist.


Zeugefall (W3) [Adelung]


Der Zeugefall, des -es, plur. die -fälle, bey einigen Sprachlehrern, ein Nahme der zweyten Endung der Nennwörter; eine buchstäbliche Übersetzung des Lateinischen Genitivus. Allein, da diese Benennung den Begriff nur sehr unvollkommen und einseitig ausdruckt, so gebraucht man statt dieses und der übrigen ähnlichen Nahmen, Nennfall, Gebefall, Klagefall, Ruffall, lieber die Ausdrücke, erste, zweyte u. s. f. Endung.


Zeugemutter (W3) [Adelung]


Die Zeugemutter, plur. die -mütter. eine Mutter, welche zeuget, etwas aus sich selbst hervor bringet; eigentlich ein Pleonasmus, weil der ganze Begriff schon in Mutter liegt. Indessen wird das Wort zuweilen, um des Nachdrucks Willen, von einer fruchtbaren Mutter gebraucht, besonders im figürlichen Verstande. Die Natur, die fruchtbare Zeugemutter der Dinge.


Zeugen (W3) [Adelung]


1. Zeugen, verb. reg. act. ein Ding seiner Art aus sich selbst, oder durch unmittelbare Mittheilung seines Wesens hervor bringen. 1. Eigentlich; da es denn allein von vernünftigen Wesen, zunächst nur von dem Vater gebraucht wird. Er hat nur einen Sohn gezeuget. Kinder mit seiner Frau zeugen. Oder von Vater und Mutter zugleich. Sie haben in ihrer Ehe keine Kinder gezeuget. Von der Mutter allein ist dafür gebären üblich. 2. In weiterer Bedeutung, durch veranstaltete Fortpflanzung vermehren; im Hochdeutschen nur selten. Canarien-Vögel zeugen, besser, ziehen. Bäume zeugen, ziehen. Weizen, Hanf, Flachs zeugen, bauen. 3. Figürlich. (a) In der Theologie, wo die erste Person der Gottheit die zweyte gezeuget hat, bedeutet es so viel, als sein Wesen auf seine unmittelbare Art mittheilen. (b) Die wirkende Ursache seyn, hervor bringen; nur in der höhern Schreibart. Alles, was die Erde zeuget. Überfluß zeuget Stolz, Stolz zeuget Übermuth. So auch die Zeugung, S. solches an seinem Orte besonders.

Anm. Im Notker ziugan, im Nieders. tügen, ingleichen teen, welches so wohl ziehen als zeugen bedeutet. Es scheinet, daß dieses Wort ehedem überhaupt machen, hervor bringen, bedeutet habe, und alsdann würde es mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, ehedem - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, verwandt seyn. Merkwürdig ist, daß zeugen, generare, das folgende zeugen, testari, zeihen, zeigen, und ziehen, in ihren Bedeutungen und Ableitungen sehr oft in einander übergehen, welches unter andern auch aus den Intensivis Zucht und bezüchtigen erhellet. Es scheinet daraus zu erhellen, daß alle drey ehedem in einer dritten allgemeinern Bedeutung überein gekommen, und vielleicht nur ein und eben dasselbe Wort gewesen sind. So ist auch im Lat. testis, so wohl ein Zeuge, als ein Theil der Zeugungsglieder, Diminut. testiculus.


Zeugen (W3) [Adelung]


2. Zeugen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. Feyerlich, mit Ernst und Theilnehmung aussagen; eine längst veraltete Bedeutung, von welcher sich noch einige Spuren in Luthers Neuen Testamente befinden, z. B. Jesus zeugete, lehrte mit Ernst und Lebhaftigkeit. 2. Ein Zeugniß ablegen, die Wahrheit einer Sache durch seine Erfahrung bestätigen. Ein Weib kann nicht zeugen, kann keinen Zeugen abgeben. Für, wider jemand zeugen. Im Oberdeutschen gebraucht man es aber auch mit dem Dativo, einem zeugen, ein Zeugniß in seiner Sache ablegen. 3. Ein Merkmahl, ein Beweis einer Sache seyn. Von ihm (von Gott) zeugt jeder Gedanke unserer Seele, Gell. So auch, obgleich nur selten, das Zeugen.

Anm. Im Nieders. tügen, im Schwed. tyga. Es war gewiß eine sehr armselige Ableitung, wenn Frisch und andere Zeuge und zeugen von ziehen ableiteten, weil man die Zeugen ehedem bey dem Ohre zu ziehen pflegte. Von solchen zufälligen Nebenumständen benennet der gesunde Menschenverstand keine Hauptbegriffe. Zeugen bedeutete ehedem überhaupt, sagen, verkündigen, aussagen, in welcher Bedeutung teihan und gateihan noch in dem Ulphilas vorkommt. Unser zeihen ist genau damit verwandt.


Zeugenfällig (W3) [Adelung]


Zeugenfällig, adj. et adv. welcher nur noch in den Rechten einiger Gegenden üblich ist, in solche Umstände versetzt, wo man nicht befugt ist, seine Sache durch Zeugen zu beweisen; Nieders. tügborstig.


Zeugenführer (W3) [Adelung]


Der Zeugenführer, des -s, plur. ut nom. sing. in den Rechten, derjenige, welcher zum Beweise seiner Sache Zeugen aufführet.


Zeugen-Rotel (W3) [Adelung]


Das Zeugen-Rotel, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst das Protokoll über die Aussage mehrerer Zeugen. Die letzte Hälfte ist aus dem Lat. Rotulus.


Zeugen-Tobak (W3) [Adelung]


Der Zeugen-Tobak, des -es, plur. car. eine Art der Tobaks-Pflanze, welche dicke und große Blätter, 8 Zoll breit und 26 Zoll lang träget. Der Grund der Benennung ist mir unbekannt.


Zeugenverhör (W3) [Adelung]


Das Zeugenverhör, des -es, plur. die -e, in den Rechten, das Verhör eines oder mehrerer Zeugen.


Zeuger (W3) [Adelung]


Der Zeuger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zeugerinn, eine Person, welche etwas zeuget, oder gezeuget hat; ein sehr ungewöhnliches und daher hart auffallendes Wort, indem die Analogie der Sprache nicht verstattet, von allen Activis dergleichen Personenwörter zu bilden.


Zeug-Fabrik (W3) [Adelung]


Die Zeug-Fabrik, plur. die -en, eine Fabrik, oder Anstalt, wo wollene Zeuge, in der engern Bedeutung dieses Wortes, in Menge gewirket werden; besser, Zeug-Manufactur.


Zeugfeiler (W3) [Adelung]


Der Zeugfeiler, des -s, plur. ut nom. sing. in den Gewehr-Fabriken, ein Arbeiter, welcher das messingene Beschläge zu den Feuergewehren verfertiget, und auch der Messingfeiler genannt wird.


Zeughaus (W3) [Adelung]


Das Zeughaus, des -es, plur. die -häuser. 1. Überhaupt, ein jedes Gebäude, in welchem Geräthschaften, oder Werkzeuge einer gewissen Art in Menge verwahret werden. So heißen in den Seestädten die Vorrathshäuser, worin die zum Bau und zur Ausrüstung der Schiffe nothwendigen Geräthschaften aufbehalten werden, Zeughäuser. In dem Jagdwesen ist Zeughaus, dasjenige Gebäude, worin der Jagdzeug verwahret wird, wo es auch der Zeugstadel heißt. 2. In engerer Bedeutung ist es ein Gebäude, worin das Geschütz und andere Kriegesgeräthschaften aufbewahret werden. 3. Bey den Papiermachern ist es ein Zimmer, in welchem der halbe Zeug so lange verwahret wird, bis man ihn in dem Holländer zu ganzem Zeuge macht.


Zeugherr (W3) [Adelung]


Der Zeugherr, des -en, plur. die -en, in einigen Städten, ein Rathsherr, welcher die Aufsicht das Zeughaus der Stadt hat.


Zeugjagen (W3) [Adelung]


Das Zeugjagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Jagen, oder eine Jagd, wo das Wildbret mit Zeugen, d. i. Tüchern oder Netzen eingestellet wird.


Zeugkammer (W3) [Adelung]


Die Zeugkammer, plur. -n, in vielen einzelnen Fällen, eine Kammer, worin man verschiedene Geräthschaften, oder Werkzeuge einer Art verwahret.


Zeugkasten (W3) [Adelung]


Der Zeugkasten, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Papiermachern, ein Kasten in dem Zeughause, in welchen der halbe Zeug zur Aufbewahrung eingestampfet wird; welches vermittelst der Zeugpritsche geschiehet.


Zeugkleid (W3) [Adelung]


Das Zeugkleid, des -es, plur. die -er, ein Kleid von leichtem wollenen Zeuge; zum Unterschiede von einem Tuchkleide.


Zeugknecht (W3) [Adelung]


Der Zeugknecht, des -es, plur. die -e, in der Jägerey, Arbeiter, welche den Jagdzeug, d. i. die Tücher und Netze stellen helfen, und die Aufsicht bey denselben haben.


Zeugkosten (W3) [Adelung]


Die Zeugkosten, sing. car. im Bergbaue, die zur Unterhaltung der Kunstgezeuge, oder der Wasser-Maschinen nöthigen Kosten.


Zeugmacher (W3) [Adelung]


Der Zeugmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Weber, welcher nur leichte wollene Zeuge verfertiget; der Zeugweber, Zeugwirker, zum Unterschiede von einem Tuchmacher.


Zeugmantel (W3) [Adelung]


Der Zeugmantel, des -s, plur. die -mäntel, ein Mantel von einem leichten wollenen Zeuge, zum Unterschiede von einem Tuchmantel.


Zeug-Manufactur (W3) [Adelung]


Die Zeug-Manufactur, plur. die -en, S. Zeug-Fabrik.


Zeugmeister (W3) [Adelung]


Der Zeugmeister, des -s, plur. ut nom. sing. 1. In der Jägerey, ein Jäger, welcher die Aufsicht über den Zeug und die Zeugknechte hat, und auch der Zeugwärter genannt wird. 2. Ein Kriegesbeamter, welcher die Aufsicht über das Geschütz und die übrigen Kriegesgeräthschaften hat; am häufigsten in dem zusammen gesetzten Feldzeugmeister.


Zeugniß (W3) [Adelung]


Das Zeugniß, des -es, plur. die -e. 1. In der engsten Bedeutung, die Bekräftigung der Aussage eines andern vermöge seiner eigenen Erfahrung; in welchem Verstande das Zeugniß mehr als Aussage ist, und eine Vergleichung zweyer Aussagen erfordert. Sich auf jemandes Zeugniß berufen. Ein Zeugniß für jemanden ablegen. Ein falsches Zeugniß ablegen. Ein Zeugniß der Wahrheit von jemanden fordern. 2. In weiterer Bedeutung, die feyerliche Aussage dessen, was man in Ansehung der moralischen Beschaffenheit eines andern für wahr hält. Jemanden ein gutes, ein rühmliches, ein schlechtes Zeugniß geben, ihm ein Zeugniß des Fleißes, des Wohlverhaltens geben. 3. Eine jede Sache, so fern sie ein Beweis, oder ein Merkmahl einer andern ist; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung, welche noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Eben daselbst ist 4. Zeugniß oft eine jede feyerliche Behauptung, in welchem Verstande es im Hochdeutschen gleichfalls veraltet ist. Anm. Im Nieders. Tugniß, Betuge. Im Kero kommt dafür noch Kiwiszida, und im Tatian Giwiscaf vor.


Zeugpritsche (W3) [Adelung]


Die Zeugpritsche, plur. die -n, S. Zeugkasten.


Zeugrad (W3) [Adelung]


Das Zeugrad, des -es, plur. die -räder, das Kunstrad, in dem Bergbaue.


Zeugrasch (W3) [Adelung]


Der Zeugrasch, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, eine Art leichten Rasches, zum Unterschiede von dem Tuchrasche.


Zeugschacht (W3) [Adelung]


Der Zeugschacht, des -es, plur. die -schächte, im Bergbaue, der zum Behuf einer Wasserkunst gegrabene Schacht, der Kunstschacht.


Zeugschmid (W3) [Adelung]


Der Zeugschmid, des -es, plur. die -schmiede, ein Eisenarbeiter, welcher vornehmlich eiserne und stählerne Werkzeuge für Handwerker und Künstler macht, der Zirkelschmid, weil er auch eiserne Zirkel verfertiget. Seine Werkstätte, die Zeugschmiede, plur. die -n.


Zeugschneider (W3) [Adelung]


Der Zeugschneider, des -s, plur. ut nom. sing. ein Schneider, welcher den Jagdzeug verfertiget und ausbessert.


Zeugschnur (W3) [Adelung]


Die Zeugschnur, plur. die -schnüre, bey den Hutmachern, die Schnur an dem Fachbogen, womit das Bogenleder fest angespannet wird.


Zeugschreiber (W3) [Adelung]


Der Zeugschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. der Schreiber in und bey einem Zeughause.


Zeugstadel (W3) [Adelung]


Der Zeugstadel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Zeughaus.


Zeugsteuer (W3) [Adelung]


Die Zeugsteuer, plur. die -n, im Bergbaue, eine Abgabe, welche eine Zeche für den Gebrauch eines fremden Kunstgezeuges, d. i. einer fremden Wasserkunst, entrichtet.


Zeugteich (W3) [Adelung]


Der Zeugteich, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, ein Teich, die Kunstgezeuge oder Wasserkünste mit Wasser zu versorgen; der Kunstteich.


Zeugung (W3) [Adelung]


Die Zeugung, plur. die -en, von dem Verbo zeugen, generare, am häufigsten im thätigen Verstande, die Handlung, da man seines Gleichen hervor bringet. Daher das Zeugungsglied, oder der Zeugungstheil.


Zeugwagen (W3) [Adelung]


Der Zeugwagen, des -s, plur. die -wägen, auch -wagen, in der Jägerey, ein Wagen, auf welchem der zur Jagd gehörige Zeug, d. i. die Tücher und Netze, gefahren werden.


Zeugwärter (W3) [Adelung]


Der Zeugwärter, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welchem die Aufsicht über den Zeug, d. i. über die Werkzeuge, oder Geräthschaften gewisser Art, anvertrauet ist, dergleichen Zeugwärter man so wohl bey der Jägerey, als bey den Armeen in Ansehung des Geschützes, hat. S. auch Zeugmeister.


Zibebe (W3) [Adelung]


Die Zibebe, der Nahme einer Asiatischen Frucht, von dem Ital. Zibibo und Cibibo, und dieß wieder von dem Syrischen und Arab. Alcibib, S. Cubebe.


Zibeth (W3) [Adelung]


Der Zibeth, des -es, plur. inus. ein stark riechender dicklicher Liquor, welchen man von einem Asiatischen Thiere erhält, welches einer Katze ähnlich ist, und daher die Zibeth-Katze, oder das Zibeth-Thier genannt wird. Ital. Zibetto, Sibetto, Franz. Civette, Engl. Civet, alle von dem Arab. Zibet oder Zebed, Schaum, weil der Zibeth in seinem frischen Zustande einem weißen Schaume gleicht. S. Bisam.


Zick (W3) [Adelung]


Zick, adv. fehlerhaft säuerlich, besonders von dem Biere und Weine, nur in einigen gemeinen Sprecharten. Das Bier wird zick. So auch das Verbum zicken, anfangen sauer zu werden. Der Wein zickt.


Zicke (W3) [Adelung]


Die Zicke, plur. die -n, Diminut. das Zicklein, ein nur in den gemeinen Sprecharten übliches Wort, eine junge Ziege bezeichnen. Schon im Willeram Zikki. Es ist ein Diminutivum von Ziege, aber nach einer veralteten Form, vermittelst der Verdoppelung und Verhärtung des Consonanten. Da nun die verkleinernde Form in den neuern Zeiten unkenntlich ward, so machte man ein neues Diminutivum, Zicklein, daraus.


Zickeln (W3) [Adelung]


Zickeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Junge werfen, doch nur von den Ziegen, und auch hier nur im gemeinen Leben, nach der Analogie von lammen, kalben, wölfen u. s. f.


Zickzack (W3) [Adelung]


Der Zickzack, des -es, plur. die -e, eine Linie, welche aus wechselsweise ein- und ausspringenden Winkeln bestehet, wie z. B. das Lateinische Z. So werden in der Belagerungskunst die Laufgräben in einem Zickzack geführet, da sie denn auch wohl selbst diesen Nahmen bekommen. Das Wort scheint aus dem Niedersächsischen herzustammen, wo man die Verdoppelung eines Wortes mit veränderten Vocalen liebt, eine Mehrheit zu bezeichnen, z. B. Wirrwarr. ( S. Mischmasch, welches auch im Hochdeutschen üblich ist.) Zickzack würde also eine Mehrheit von Zacken in einer und eben derselben Linie bedeuten. Die Franzosen haben es in ihrem Sicsac gleichfalls beybehalten.


Zieche (W3) [Adelung]


+ Die Zieche, plur. die -n, ein nur in den gemeinen Mundarten, besonders Obersachsens, für Züge übliches Wort, den Überzug eines Bettes, oder Küssens zu bezeichnen. Die Kissenzieche, Deckzieche, Bettzieche. Ob sich gleich das Wort sehr bequem von ziehen und Zug in Überzug herleiten läßt, da es denn nach einer sehr veralteten Form davon gebildet seyn würde, so scheinet es doch ein ursprünglich Wendisches Wort zu seyn, von Zycha, eine Decke, ein Gezelt, und dieß ist denn auch die Ursache, warum es nie in die edlere Schriftsprache gekommen, sondern jederzeit provinziell geblieben ist.


Ziefer (W3) [Adelung]


Ziefer, in Geziefer und Ungeziefer, S. das letztere.


Ziege (W3) [Adelung]


Die Ziege, plur. die -n, das Individuum eines bekannten Thiergeschlechtes, da denn dieses Wort am häufigsten von den Weibchen dieser Thiere gebraucht wird, zum Unterschiede von den Ziegenbocke, oder Bocke. Selten kommt es als eine allgemeine Benennung ohne Unterschied des Geschlechtes vor, wozu es auch wegen seines grammatisch weiblichen Geschlechtes unschicklich ist. Sprichw. Er hat es in sich, wie die Ziegen das Fett, man siehet ihm nicht an, was hinter ihm verborgen ist; weil die Ziegen oft sehr viel Talg in sich haben, ohne daß man es ihnen von außen ansiehet.

Anm. Nieders. Zege, Angels. Ticken. Ziga kommt schon im Ottfried vor, aber nur von einem jungen Bocke, Hoedus. Im Oberdeutschen ist für Ziege das Wort Gaiß, oder Geiß üblicher, so wie in einigen andern Mundarten das Wort Kits üblich ist. In einigen Oberdeutschen Mundarten wird auch die Kiefer Ziege, und Kiefernholz Ziegenholz genannt, wo es aber unstreitig von einem andern Stamme ist.


Ziegel (W3) [Adelung]


Der Ziegel, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein jeder aus Lehm, oder Thonerde verfertigter Stein, ein Backstein, daher man auch die Mauersteine wohl Ziegel, oder Ziegelsteine zu nennen pflegt. Ungebrannte Ziegel, ungebrannte Mauersteine. Ziegel brennen, Backsteine. Ziegel streichen, Backsteine aus der Masse formen. In dieser weitern Bedeutung scheint es, viele der folgenden Zusammensetzungen ausgenommen, vornehmlich in Niedersachsen üblich zu seyn. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein solcher Backstein, so fern er zur Belegung eines Daches bestimmt ist, ein Dachstein, Dachziegel, da man denn Flachziegel, Hohlziegel, Forstziegel, Kehlziegel u. s. f. hat.

Anm. Im Tatian Ziegala, in dem alten Gedichte auf dem heil. Anno Cigeso, im Nieders. Tegel, im Angels. Tigla, im Schwed. Tegel, im Ital. Tegola, im Franz. Tuile, im Engl. Tile, Till, im Pohln. Cegla; alle von dem Lat. Tegula, und dieß von tegere, decken, indem die ganze Erfindung für die nordischen Völker ohne Zweifel Römischen Ursprunges ist. Nach dem Lat. sollte es weiblichen Geschlechtes seyn; allein im Hochdeutschen hat es das männliche angenommen, vermuthlich weil die meisten Deutschen Wörter auf -el dieses Geschlecht haben. Doch ist es in einigen Mundarten weiblichen Geschlechtes, die Ziegel, plur. die -n.


Ziegelbrenner (W3) [Adelung]


Der Ziegelbrenner, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher eine Fertigkeit besitzet, Backsteine zu brennen, und, im weitern Verstande, zu verfertigen. Eigentlich ist Ziegelstreicher, derjenige, welcher sie streicht, d. i. die Masse zu Ziegel formt, und Ziegelbrenner, der das Brennen verrichtet, oder die Aufsicht über eine Ziegelhütte hat. S. auch Ziegler.


Ziegelbrennerey (W3) [Adelung]


Die Ziegelbrennerey, plur. die -en, eine Anstalt, wo Ziegelsteine aller Art geformt und gebrannt werden. S. auch Ziegelhütte, Ziegelofen, und Ziegeley.


Ziegeldach (W3) [Adelung]


Das Ziegeldach, des -es, plur. die -dächer, ein mit Ziegeln belegtes Dach, zum Unterschiede von einem Strohdache, Schindeldache, Schieferdache, Kupferdache u. s. f.


Ziegeldecker (W3) [Adelung]


Der Ziegeldecker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Dachdecker, welcher mit Ziegeln decket, zum Unterschiede von einem Strohdecker, Schieferdecker u. s. f.


Ziegelerde (W3) [Adelung]


Die Ziegelerde, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, Erde, woraus sich Ziegelsteine brennen lassen. S. Ziegellehm.


Ziegeley (W3) [Adelung]


Die Ziegeley, plur. die -en, eine Anstalt, wo Ziegel in Menge gebrannt werden.


Ziegelfarbe (W3) [Adelung]


Die Ziegelfarbe, plur. inus. die blasse braunröthliche Farbe der Ziegelsteine.


Ziegelfarben,Ziegelfarbig (W3) [Adelung]


Ziegelfarben, oder Ziegelfarbig, adj. et adv. diese Farbe habend; ziegelroth.


Ziegelform (W3) [Adelung]


Die Ziegelform, plur. die -en, bey den Ziegelbrennern, die hölzerne Form, worin die Ziegelsteine ihre Gestalt erhalten.


Ziegelhütte (W3) [Adelung]


Die Ziegelhütte, plur. die -n, ein Gebäude, in welchem die Ziegel geformet, und vor dem Brennen zum Austrocknen aufgestellet werden; die Ziegelscheuer. Beyde Wörter werden auch wohl in weiterm Verstande von einer Ziegelbrennerey gebraucht.


Ziegellatte (W3) [Adelung]


Die Ziegellatte, plur. die -n, bey den Ziegeldächern, diejenigen Latten, auf welchen die Ziegel zu liegen kommen.


Ziegellehm (W3) [Adelung]


Der Ziegellehm, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein eisenschüssiger thonartiger Lehm, so wie er zu Ziegelsteinen erforderlich ist; Ziegelerde, Ziegelthon.


Ziegelmehl (W3) [Adelung]


Das Ziegelmehl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, zu einem Mehl, d. i. unfühlbarem Staube, gestoßene oder geriebene Ziegel.


Ziegelofen (W3) [Adelung]


* Der Ziegelofen, des -s, plur. die -öfen, der Ofen, in welchem die Ziegelsteine gebrannt werden. In weiterer Bedeutung auch oft eine Ziegelbrennerey, wie Ziegelhütte.


Ziegelöhl (W3) [Adelung]


Das Ziegelöhl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein über glühende Stücke Ziegelstein in einer Retorte destillirtes, und dadurch gereinigtes Öhl.


Ziegelroth (W3) [Adelung]


Ziegelroth, adj. et adv. der blassen braunröthlichen Farbe der Ziegelsteine gleich, ziegelfarben. Im Weinbaue ist der ziegelrothe Wein eine Art Weinstöcke, welche diesen Nahmen von der Farbe ihrer Trauben haben.


Ziegelscheuer (W3) [Adelung]


Die Ziegelscheuer, plur. die -n, S. Ziegelhütte.


Ziegelschicht (W3) [Adelung]


Die Ziegelschicht, plur. die -en, im Bergbaue, eine Lage Steinkohlen, wo die Kohlen häufig mit Erde vermengt sind, eine geringhaltige Schicht Steinkohlen; vielleicht von der Farbe der mit ihnen vermischten Erde.


Ziegelschläger (W3) [Adelung]


Der Ziegelschläger, des -s, plur. ut nom. sing. in einer Ziegelhütte, ein Arbeiter, welcher die Erde zu den Ziegeln schlägt und zubereitet.


Ziegelschoppen (W3) [Adelung]


Der Ziegelschoppen, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten für Ziegelscheuer, oder Ziegelhütte im engern Verstande.


Ziegelsparren (W3) [Adelung]


Der Ziegelsparren, des -s, plur. ut nom. sing. starke Sparren, so wie sie zu einem Ziegeldache erfordert werden. In Obersachsen gebraucht man dieses Wort oft für einen jeden Dachsparren, und alsdann scheinet es ein Überbleibsel des Wendischen Zycha, das Dach, die Decke, zu seyn.


Ziegelstein (W3) [Adelung]


Der Ziegelstein, des -es, plur. die -e, ein aus Lehm geformter und gebrannter Stein, ein Backstein; zum Unterschiede von den Bruch- und Quadrat-Steinen. In engerer Bedeutung bekommen nur die gebackenen Mauersteine diesen Nahmen, zum Unterschiede von den Ziegeln, womit das Dach belegt wird.


Ziegelwerk (W3) [Adelung]


Das Ziegelwerk, des -es, plur. car. ein Nahme, welchen man im Hüttenbaue den unreinen gepochten Zwitter gibt.


Ziegenbart (W3) [Adelung]


Der Ziegenbart, des -es, plur. die -bärte. 1. Der Bart einer Ziege. 2. Ein dem Ziegenbarte ähnlicher Bart. 3. Der Nahme einer Art eßbarer Schwämme, S. Rehling.


Ziegenbein (W3) [Adelung]


Das Ziegenbein, des -es, plur. die -e. 1. Das Bein oder der Fuß von einer Ziege. 2. In einigen Gegenden, besonders Obersachsens, nennet man eine Art Unkrautes unter dem Getreide Ziegenbein, welches ich doch nicht näher bestimmen kann.


Ziegenbock (W3) [Adelung]


Der Ziegenbock, des -es, plur. die -böcke, das Männliche des Ziegenschlechtes, der Mann der Ziege, welcher auch oft nur der Bock schlechthin genannt wird. In den niedrigen Sprecharten ist es eine schimpfliche Benennung eines Schneiders.


Ziegenfuß (W3) [Adelung]


Der Ziegenfuß, des -es, plur. die -füße. 1. Der Fuß einer Ziege. 2. Figürlich, verschiedene andere Körper, so fern sie eine Ähnlichkeit mit dem Fuße einer Ziege haben. So wird eine gewisse Ostindische Art der Winde, Convolvulus Pes caprae Linn. der Ziegenfuß genannt. Auch eine Art des Sauerklees führet diesen Nahmen, Oxalis Pes caprae Linn. Ferner das gespaltene Ende einer Brechstange, daher denn auch wohl die Brechstange selbst der Ziegenfuß oder Geißfuß genannt wird.


Ziegenhaar (W3) [Adelung]


Das Ziegenhaar, des es, plur. die -e, oder Collective so wohl im Singular das Ziegenhaar, plur. car. als im Plural Ziegenhaare, sing. car. Haare von Ziegen, besonders aus ihrem Barte und an den Keulen. Das Ziegenhaar, welches die Perrücken-Macher verarbeiten, ist von Ziegenböcken.


Ziegenhirt (W3) [Adelung]


Der Ziegenhirt, des -en, plur. die -en, ein zur Aufsicht über weidende Ziegen bestellter Hirt.


Ziegenkäse (W3) [Adelung]


Der Ziegenkäse, des -s, plur. ut nom. sing. Käse, welcher aus geronnener Ziegenmilch bereitet wird.


Ziegenkraut (W3) [Adelung]


Das Ziegenkraut, des -es, plur. car. in einigen Gegenden, ein Nahme der Geißraute oder Pestilenzwurz, Galega Linn.


Ziegenlab (W3) [Adelung]


Das Ziegenlab, des -es, plur. car. das Lab aus dem vierten Magen der Ziegen; zum Unterschiede von dem Kälberlab, Hasenlab u. s. f. S. Lab.


Ziegenmelker,Ziegensauger (W3) [Adelung]


Der Ziegenmelker, oder Ziegensauger, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, ein Nahme des Nachtraben, weil er nach einem alten Mährchen den Ziegen in der Nacht die Milch aussaugen soll. S. Nachtrabe.


Ziegenschurz (W3) [Adelung]


Der Ziegenschurz, des -es, plur. die -e, bey den Böttchern eine schimpfliche Benennung eines Lehrlinges, welcher losgesprochen werden soll, oder noch nicht lange losgesprochen ist, eines neuen Gesellen, wie Fuchs auf den Universitäten; vermuthlich, weil ein solcher ehedem einen Schurz von einem Ziegenfelle tragen mußte.


Ziegenspeckig (W3) [Adelung]


Ziegenspeckig, adj. ein nur im Bergbaue übliches Wort, wo ein Gang von weißem Quarze, woran Wolfram liegt, ein ziegenspeckiger Gang genannt wird.


Zieger (W3) [Adelung]


* Der Zieger, des -s, plur. car. ein im Hochdeutschen unbekanntes, nur in dem südlichen Deutschlande, besonders in der Schweiz übliches Wort, welches überhaupt eine geronnene Feuchtigkeit zu bezeichnen scheinet. Man gebraucht es vornehmlich in folgenden Fällen. 1. In der Schweiz, wo die Milch eine in dem übrigen Deutschlande ungewöhnliche Fettigkeit hat, werden nach Bereitung des Käses, die zurück gebliebenen Molken noch einmahl zum Gerinnen gebracht, da denn die daraus entstehende Masse eigentlich Zieger, und der daraus bereitete Käse Ziegerkäse, oft auch nur schlechthin Zieger genannt wird. 2. Die geronnene Feuchtigkeit im Auge heißt in einigen Oberdeutschen Gegenden gleichfalls der Zieger; daher ein Ziegerauge, ein rinnendes Auge, an welchem sich die Feuchtigkeit verhärtet. 3. Vermuthlich ist es eine Figur der ersten Bedeutung, wenn in den Schieferbrüchen in der Schweiz die fehlerhaften Quarzadern in dem Schiefer Zieger genannt werden; vielleicht wegen ihrer Ähnlichkeit in der Farbe mit dem Zieger aus der Milch. Das Wort scheinet mit ziehen, zähe verwandt zu seyn.


Ziegerkäse (W3) [Adelung]


Der Ziegerkäse, des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige.


Ziegler (W3) [Adelung]


Der Ziegler, des -s, plur. ut nom. sing. von Ziegel, für Ziegeler, der Meister oder Vorgesetzte einer Ziegelbrennerey, welcher auch wohl der Ziegelbrenner genannt wird.


Zieglerklinge (W3) [Adelung]


Die Zieglerklinge, plur. die -n, eine Art viereckter schmahler Degenklingen zum Hieb und Stich. Sie haben den Nahmen von der Fabrik des ehemahligen Sächsischen Ministers, Ziegler, zu Dresden, wo sie häufig verfertiget wurden.


Zieharm (W3) [Adelung]


Der Zieharm, des -es, plur. die -e, an verschiedenen Maschinen, ein länglicher Theil, welcher einen andern Theil der Ma- schine an sich zieht, und dadurch in Bewegung setzt. Sie werden in den Stampfmühlen, Hammerwerken u. s. f. die Zapfen in der Welle, welche die Stampfen und Hämmer heben, so wohl Zieharme als auch Hebearme genannt.


Ziehband (W3) [Adelung]


Das Ziehband, des -es, plur. die -bänder. 1. Ein Band, vermittelst dessen man etwas ziehet. 2. Ein eisernes Band, welches durch Schrauben angezogen werden kann, z. B. an einem Wagen, an den Rädern u. s. f. An den Pochwerken ist es ein eiserner Ring um die Welle, welcher durch Schrauben enger zusammen gezogen wird.


Ziehbank (W3) [Adelung]


Die Ziehbank, plur. die -bänke, eine Bank, d. i. ein starker Tisch, auf welchem gewisse Arbeiten vorgenommen werden, welche man mit dem Nahmen des Ziehens belegt. Bey den Metall-Arbeitern ist es der starke Tisch, worauf das Metall zu Draht gezogen wird. Bey den Glasern, die Bank, worauf das Fensterbley gezogen wird. Bey den Büchsenmachern, die ganze Maschine, vermittelst deren die Büchsen- und Flintenläufe gezogen, d. i. inwendig mit Reifen versehen werden. Bey den Holzarbeitern, eine starke Bank, die Breter auf der hohen Kante abzuziehen, d. i. horizontal zu hobeln, bey den Tischlern die Nothbank u. s. f.


Ziehbrunn (W3) [Adelung]


Der Ziehbrunn, des -en, plur. die -en, oder Ziehbrunnen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Brunnen, aus welchem das Wasser vermittelst eines Eimers gezogen wird, zum Unterschiede von einer Pumpe.


Ziehe (W3) [Adelung]


+ Die Ziehe, plur. car. ein nur in den niedrigen Sprecharten, besonders Obersachsens, übliches Wort. 1. Die Erziehung eines fremden Kindes mit Inbegriff der Nahrung zu bezeichnen. Ein Kind in die Ziehe geben, einer andern Person zur Erziehung für die Bezahlung übergeben. Zwey Kinder in der Ziehe haben. 2. Die Handlung des Aufziehens oder Verspottens, in der R. A. jemanden zur Ziehe haben, ihn aufziehen.


Zieheisen (W3) [Adelung]


Das Zieheisen, des -s, plur. ut nom. sing. bey verschiedenen Arbeitern, ein Eisen, mit welchem oder durch welches etwas gezogen wird. Besonders werden bey den Metall-Arbeitern die stählernen Platten, durch deren Löcher das Metall nach und nach zu Draht gezogen wird, Zieheisen genannt.


Zieher (W3) [Adelung]


Der Zieher, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person oder Sache, welche ziehet. Besonders bey den Kammmachern ein krumm gebogenes Eisen, die Zähne der Kämme damit abzuziehen, d. i. zu ründen.


Ziehgarn (W3) [Adelung]


Das Ziehgarn, des -es, plur. die -e, bey den Vogelstellern eine Art Garne, welche an einem Seile hängen und an demselben, wie ein Vorhang auf- und zugezogen werden; auch Hängegarn.


Ziehgatter (W3) [Adelung]


Das Ziehgatter, des -s, plur. ut nom. sing. in den Mühlen, ein Gatter, vermittelst dessen die Pansterwelle mit dem Pansterrade in die Höhe gezogen wird.


Ziehgeld (W3) [Adelung]


Das Ziehgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, Geld, welches man für die Kost und Erziehung eines Kindes bezahlet. Nach den Dresdener Statuten wird bey Theilung der Erbschaften den Unmündigen bis ins 12te Jahr jederzeit ein wöchentliches Ziehgeld ausgesetzet.


Ziehhaken (W3) [Adelung]


Der Ziehhaken, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Haken, vermittelst desselben das Gestänge des Bergbohrers aus dem Bohrloche zu ziehen; auch der Gewinnhaken.


Ziehhechel (W3) [Adelung]


Die Ziehhechel, plur. die -n, bey den Perrücken-Machern, eine grobe Hechel, worein man die Haare schlägt, um sie desto besser aus einander zuziehen.


Ziehkind (W3) [Adelung]


Das Ziehkind, des -es, plur. die -er, im gemeinen Leben, ein Kind, welches von einer fremden Person unterhalten und erzogen wird; ein Pflegekind.


Ziehklinge (W3) [Adelung]


Die Ziehklinge, plur. die -n, bey den Tischlern ein dünnes breites Stück Stahl mit einer scharfen Schneide, saubere Arbeiten damit abzuziehen, d. i. glatt zu schaben.


Ziehkloben (W3) [Adelung]


Der Ziehkloben, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Werkzeug, worein man die Leisten spannt, wenn sie geschnitten, oder gekehlet werden.


Ziehkopf (W3) [Adelung]


Der Ziehkopf, des -es, plur. die -köpfe, bey den Badern, S. Schröpfkopf.


Ziehleiter (W3) [Adelung]


Die Ziehleiter, plur. die -n, bey den Damastwebern, ein Rahmen über den Weberstuhl, worin das Tabulet liegt.


Ziehloch (W3) [Adelung]


Das Ziehloch, des -es, plur. die -löcher, in der Bienenzucht einiger Gegenden, das Loch in einem Bienenstocke, durch welches die Bienen aus- und einziehen; am häufigsten das Flugloch.


Ziehmutter (W3) [Adelung]


Die Ziehmutter, plur. die -mütter, im gemeinen Leben, eine weibliche Person, welche ein fremdes Kind erziehet, im Gegensatze dieses Kindes; die Pflegemutter.


Ziehpanster (W3) [Adelung]


Das Ziehpanster, des -s, plur. ut nom. sing. in den Wassermühlen, ein Panster, welches gezogen, d. i. nach Befinden hoch oder niedrig gehänget werden kann; zum Unterschiede von dem unbeweglichen Stockpanster.


Ziehrad (W3) [Adelung]


Das Ziehrad, des -es, plur. die -räder, in den Panstermühlen, dasjenige Rad, vermittelst dessen das Ziehpanster in die Höhe gezogen wird.


Ziehring (W3) [Adelung]


Der Ziehring, des -es, plur. die -e, ein Ring, vermittelst dessen etwas gezogen, oder zusammen gezogen wird. Im Bergbaue ist es ein Ring mit einer Schraube, die zerbrochenen Stangen des Kunstzeuges damit zusammen zu ziehen. In andern Fällen heißt ein solcher Ring auch ein Ziehband. S. dasselbe.


Ziehschacht (W3) [Adelung]


Der Ziehschacht, des -es, plur. die -schächte, im Bergbaue, ein Schacht, durch welchen die Erze und Gänge aus den Gruben gezogen werden. der Förderschacht.


Ziehscheibe (W3) [Adelung]


Die Ziehscheibe, plur. die -n, eine Scheibe, vermittelst derselben etwas zu ziehen. Bey den Wachslichtziehern ist es die Scheibe, durch deren Löcher die Wachsstöcke gezogen werden. In den Panstermühlen, ein Rad mit Sprossen, wodurch das Ziehrad in Bewegung gesetzt wird.


Ziehschlacke (W3) [Adelung]


Die Ziehschlacke, plur. die -n, im Hüttenbaue, Schlacken, welche, nachdem das Gußeisen abgelassen worden, sitzen bleiben, und daher abgezogen werden müssen.


Ziehschraube (W3) [Adelung]


Die Ziehschraube, plur. die -n, im Schiffbaue, ein Werkzeug, vermittelst desselben die Verkleidung nach den Gliedern des Schiffes zu ziehen, oder zu biegen.


Ziehseil (W3) [Adelung]


Das Ziehseil, des -es, plur. die -e, ein Seil, vermittelst dessen etwas gezogen wird, z. B. womit die Schiffe gegen den Strom gezogen werden.


Ziehstock (W3) [Adelung]


Der Ziehstock, des -es, plur. die -stöcke, ein Stock, vermittelst dessen etwas gezogen, oder der zum Ziehen gebraucht wird. Z. B. bey den Damastwebern, der Stock, welcher bey dem Ziehen der Litzen des Zampelzuges zwischen die gezogenen Zampelschnüre gesteckt wird.


Ziehung (W3) [Adelung]


Die Ziehung, plur. die -en, die Handlung des Ziehens; doch am häufigsten nur von dem Ziehen der Lose, oder der Lotterien. Die zu einer Lotterie bestimmten Lose sind gemeiniglich in mehrere Ziehungen vertheilt.


Ziehweg (W3) [Adelung]


Der Ziehweg, des -es, plur. die -e, der Weg an den Flüssen und Canälen, für die Menschen oder Pferde, welche die Fahrzeuge ziehen.


Ziehwelle (W3) [Adelung]


Die Ziehwelle, plur. die -n, in den Panstermühlen, die Welle des Ziehrades, welche die Pansterwelle mit ihrem Rade in die Höhe ziehet.


Ziehwerk (W3) [Adelung]


Das Ziehwerk, des -es, plur. die -e, eine Maschine, oder Einrichtung zum Ziehen. Bey den Goldschmieden ist es eine Maschine, den Gold- oder Silberlohn länger und dünner zu ziehen. An den Panstermühlen eine Einrichtung, daß die Pansterwelle mit ihrem Rade höher gezogen werden kann.


Ziel (W3) [Adelung]


Das Ziel, des -es, plur. die -e, im Oberd. die -er. 1. Das bestimmte Ende eines Raumes, die Gränze. Unserm Leben ist ein Ziel gesetzt, welches wir nicht überschreiten können. Das Lebensziel. Einem Mast und Ziel setzen, ihm Gränzen vorschreiben, ihn in einer Sache einschränken. Das Ziel überschreiten, die vorgeschriebenen Gränzen überschreiten. 2. Eine zu einer gewissen Handlung vorgeschriebene oder bestimmte Zeit, ein Termin, nur im Oberdeutschen, besonders von Zahlungs-Terminen. In drey Zielen bezahlen, in drey Terminen. Bey dem Reichskammergerichte bedeutet es zugleich die Summe welche ein Reichsstand in jedem Termine zur Unterhaltung des Kammergerichtes zu bezahlen hat, da es denn im Plural die Zieler lautet. ( S. Kammerziel.) 3. Der Körper, das Ding, nach welchem man zielet. Nach dem Ziele schießen, werfen, laufen, nach einem ausgesetzten Körper. Ein Ziel setzen, oder stecken. Das Ziel treffen, verfehlen. Einem das Ziel verrücken, auch figürlich seine Absicht vereiteln. In weiterer Bedeutung ist das Ziel der Gegenstand, worauf man seine Wünsche, sein Bemühen richtet. Das ist das Ziel meiner Wünsche. Wir streben alle nach einem Ziele. Hierher gehöret vermuthlich auch die figürliche R. A. sich zum Ziele legen, sich nach eines andern Absicht bequemen, sich gleichsam nach dem Ziele seiner Wünsche fügen.

Anm. Bey dem Notker und andern alten Oberdeutschen Schriftstellern Zil, in den Slavonischen Mundarten Cyl, Cil, im Angels. Tell. Es ist noch ungewiß, ob es mit dem Griechischen - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Ende, verwandt, oder mit dem folgenden Zielen, ein Intensivum von sehen, ist. In dem letztern Falle müßte die dritte Bedeutung als die erste und eigentliche betrachtet werden.


Zielen (W3) [Adelung]


1. Zielen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, scharf auf etwas sehen, um es zu treffen. 1. Eigentlich, da denn der Gegenstand die Präposition nach bekommt. Nach einem Vogel zielen. Es zielete nach mir, traf mich aber nicht. 2. In weiterer Bedeutung. (a) Durch eine versteckte Rede etwas anzudeuten suchen; mit auf. In der Rede auf etwas zielen. (b) Etwas zur Absicht haben; mit dahin. Meine Reise zielete dahin, ihn zur Rückkehr zu bewegen. Alles zielet dahin, ihn unglücklich zu machen. So auch das Zielen.

Anm. Im Nieders. telen. Schon bey dem Kero, Ottfried u. a. von den frühesten Zeiten an, zilon, wo es aber in weiterer Bedeutung vorkommt, nicht allein für beobachten, sondern auch für sich bemühen, sich bestreben. Es scheinet, daß es ein Intensivum von sehen ist, sehelen, zusammen gezogen, stehlen, zielen, scharf sehen. Bey dem Schwäbischen Dichtern kommt es in einer activen, aber verwandten Bedeutung vor, gezilt, hoch gezilt stehen, auf einem hohen Orte stehen, wo man von vielen gesehen wird.


Zielen (W3) [Adelung]


2. Zielen, verb. reg. act. 1. * Zeugen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Kinder zielen. 2. Ziehen, bauen; in welchem Verstande es noch zuweilen in erzielen vorkommt, ( S. dasselbe.) Nelken aus Samen zielen, ziehen. Viel Getreide zielen, bauen.

Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort zieglen und züglen, woraus denn erhellet, daß es ein Intensivum von ziehen, oder zeugen ist. S. diese Wörter.


Zieler (W3) [Adelung]


Der Zieler, des -s, plur. ut nom. sing. von 1. Zielen. 1. Derjenige, welcher nach etwas zielet. 2. Bey den Scheibenschiessen wird derjenige, welcher nach dem Schusse die in dem Ziele oder der Scheibe getroffene Stelle zeiget, an manchen Orten der Zieler genannt.


Zielgeld (W3) [Adelung]


Das Zielgeld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, nur im Oberdeutschen, Geld, welches in Terminen, oder an einem bestimmten Termine bezahlet werden muß; von Ziel, Termin.


Zielstange (W3) [Adelung]


Die Zielstange, plur. die -n, bey dem Wasserwägen, eine Stange mit einem beweglichen Zeichen, durch die Dioptern der Wasserwage darnach zu zielen.


Ziemen (W3) [Adelung]


Ziemen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, der Zeit und den Umständen, besonders dem Wohlstande gemäß seyn, wie geziemen, welches üblicher ist, nur daß ziemen, um der Kürze Willen, noch zuweilen von den Dichtern gebraucht wird. Der Klageton, Mit dem du sprichst, ziemt nicht ein männlich Herz, Weiße. Nein, Göttern ziemt kein Spaß, Lichtw. S. Geziemen, wo auch von der Abstammung bereits das nöthigste gesagt ist.


Ziemer (W3) [Adelung]


2. Der Ziemer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches besonders in einer gedoppelten Bedeutung üblich ist. 1. An einem zerwirkten Hirsche wird der Rücken nach abgelöseten Keulen der Ziemer genannt; da man denn drey Ziemer hat, den hintern, mittlern und vordern. In engerer Bedeutung heißt der hintere nur schlechthin Ziemer. Eben so heißt das Schwanzstück von einem Rinde bey den Fleischern der Ziemer. 2. Das männliche Glied eines größern Thieres, z. B. eines Hirschen, eines Ochsen u. s. f. Daher der Ochsenziemer, das gedörrete männliche Glied eines Ochsen, so fern es statt einer Peitsche gebraucht wird.

Anm. Das Wort wird in den gemeinen Sprecharten sehr verunstaltet, indem es bald Ziem, bald Ziemen, Zämmel, Zämmer, Zimmel u. s. f. lautet. Die Ausdehnung in die Länge, vielleicht auch die Spitze, scheint der Grund der Benennung zu seyn, so daß es mit dem Franz. Cimier und Ital. Cima verwandt ist.


Ziemlich (W3) [Adelung]


Ziemlich, adj. et adv. von dem Verbo ziemen. 1. * Was sich ziemet, wie es sich ziemet, acziemend; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es ehedem auch compariret wurde. Einem allen ziemlichen Gehorsam erweisen. Nothdürftiges und ziemliches Essen. 2. Weder in keinem vorzüglich großen, noch vorzüglich kleinem Grade, mittelmäßig, doch mit einem schwachen Nebenbegriffe des mehr großen Grades. Er ist von ziemlicher Größe. Sie ist von ziemlicher Schönheit. Einen ziemlichen Hang zur großen Welt haben. Noch mehr als ein Adverbium, da sich denn der Nebenbegriff oft verlieret. Der Weg ist noch ziemlich. Ich habe ziemlich gut geschlafen. Oft aber auch merklich vorsticht. Sie ist schon ziemlich alt. Es ist schon ziemlich spät. Das kränkte seine Eigenliebe ziemlich, in einem beträchtlichen Grade. 3. Beynahe; nur allein als ein Adverbium, und nur in einigen Fällen. Er wird ziemlich so alt seyn, als ich.

Anm. Im Nieders. tämlik. Es ist von dem Verbo ziemen. In der ersten veralteten Bedeutung hatte man ehedem auch das Substantivum die Ziemlichkeit, welches aber nunmehr gleichfalls veraltet ist.


Ziepen (W3) [Adelung]


* Ziepen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, denjenigen Laut von sich geben, welchen man im Hochdeutschen durch pfeifen ausdruckt, und von welchem es eine unmittelbare Onomatopöie ist. Es ist nur in einigen gemeinen, besonders Niederdeutschen Mundarten üblich, wo daher auch die Pfeifdrossel die Ziepdrossel genannt wird.


Zier (W3) [Adelung]


Die Zier, plur. car. die Wurzel des davon abgeleiteten Zierde, welche in dem gewöhnlichen Sprachgebrauche veraltet ist, und um der Kürze Willen nur noch zuweilen in der dichterischen und höhern Schreibart gebraucht wird. Eh' als der schöne Morgen Der Erde schickt des großen Lichtes Zier, Opitz.

Anm. Bey dem Ottfried Ziar, Ziaro, bey dem Notker Ziera. S. Zierde und Zieren.


Zieraffe (W3) [Adelung]


Der Zieraffe, des -n, plur. die -n, Diminut. das Zieräffchen, in der vertraulichen Sprechart, eine Person, welche sich ziert, d. i. affectirte Bewegungen und Complimente macht. So auch die Zierpuppe, ein solches Mädchen.


Zierath (W3) [Adelung]


Der Zierath, des -es, plur. die -en, etwas, das zur Verschönerung eines Dinges von außen hinzu kommt. Zierathen an Säulen und Gesimsen, an Tischlerarbeit, an den Glocken, an einem Gebäude, u. s. f. Zierathen von Messing, von Gold, von Silber u. s. f. Ein Zimmer mit Zierathen überladen.

Anm. Zierath und Zierde sind eigentlich nur in der Würde unterschieden, indem Zierath mehr im gemeinen Leben, Zierde aber mehr in der edlern Sprechart, und den ihr eigenen Figuren oder Arten des Ausdruckes üblich ist. Der Grund des Unterschiedes liegt in der Endsylbe ath, welches die in den gemeinen Mundarten verunstaltete Ableitungssylbe heit oder de ist. Zierheit war ehedem für Zierde, bey dem Willeram Zieredo, sehr üblich. Wir haben diese alte verdorbene Ableitungssylbe noch in Heimath und Heirath; daher sich diejenigen irren, welche dieses Wort als eine Zusammensetzung von Zier und Rath ansehen, und es daher Zierrath schreiben. Freylich sollte es eigentlich weiblichen Geschlechtes seyn, weil ath eine abstracte Ableitungssylbe ist, auch Heirath und Heimath weiblich sind; und in einigen Oberdeutschen Gegenden ist es auch wirklich weiblichen Geschlechtes, die Zierath, plur. die -e. Allem, auch dieß gehöret mit zu den Abweichungen, welche durch die verunstaltete Ableitungssylbe veranlasset worden. Im Osnabrück lautet das Wort Sieraut.


Zierde (W3) [Adelung]


Die Zierde, plur. die -n, das Abstractum des Verbi zieren, welches aber mehr im concreten als abstracten Verstande gebraucht wird, und etwas bedeutet, was einem andern Dinge zur Verschönerung dienet, da es denn vorzüglich in der edlern Schreibart gebraucht wird, so wie Zierath mehr im gemeinen Leben üblich ist. Er ist die Zierde seines Standes, die Zierde der Stadt; sie ist die Zierde ihres Geschlechtes. Etwas, das nur zur Zierde da ist, ein anderes Ding bloß zu verschönern. Lange spitzige Schuhe waren ehedem eine Zierde der männlichen Kleidung. Obgleich bey dem concreten Gebrauche der Plural natürlich scheinet, auch nicht ungewöhnlich ist, so klingt er doch immer ein wenig fremd; ohne Zweifel, weil das Wort eigentlich zu einem Abstracto gemünzet ist. Die ihr die Zierden Deutschlands heißet, Rab. So findet die verborgnen Zierden, Hall. Geschmacklos ist der Reitz, sind alle sanfte Zierden Der eigennützigen und tobenden Begierden, Dusch. In welcher letztern Stelle es auf eine ungewöhnliche Art für Reitz zu stehen scheinet.

Anm. Es ist vermittelst der abstracten Ableitungssylbe de von der obigen Wurzel Zier abgeleitet, und in dieser Gestalt schon alt, indem Zierda schon bey dem Notker vorkommt. S. das folgende.


Zieren (W3) [Adelung]


Zieren, verb. reg. welches auf eine dreyfache Art gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, einem Dinge zur Verschönerung gereichen. Ehedem zierte der Bart den Mann. Bildsäulen zieren einen Garten. Tropen, wenn sie mit Verstande angebracht werden, zieren eine jede Schreibart. In dieser Form ist zieren mit schmücken und dem vertraulichen putzen gleich bedeutend, nur daß schmücken einen größern Grad der Verschönerung bedeutet, als zieren. ( S. dasselbe.) 2. Als ein Activum, ein Ding durch einen Zusatz von außen verschönern. Eine Stadt mit Tempeln, einen Garten mit Bildsäulen zieren. Seine Seele mit christlichen Tugenden zieren. Wenn die Morgenröthe sich mit Rosen zieret. Im Oberdeutschen sagt man noch: eine Braut zieren, eine wohlgezierte Braut, ein geziertes Zimmer, eine schlechte Waare zieren, u. s. f. wofür man im Hochdeutschen theils schmücken, theils putzen gebraucht. ( S. auch Auszieren und Verzieren.) 3. Ein Reciprocum; sich zieren. (1) Unnatürliche, oder gezwungene Geberden aus einer übel verstandenen Wohlanständigkeit machen. Schau an den Sauertopf, der sich so fromm kann zieren, Opitz. - - Jeder Mund, der ohne Kraft und Geist Sich kindisch ziert, und nur die Zähne weis't, Haged. (2) Sich wider seine Neigung aus übel verstandener Wohlanständigkeit weigern. Sie ziert sich ja, wie ein Kind von acht Jahren. Zur Unzeit stellen sich die Bürgermädchen spröde. Kein Fräulein ziert sich so, Zach. Hierher gehöret eigentlich auch (3) die gezierte Schreibart, worunter man eine gekünstelte oder affectirte Schreibart verstehet, obgleich die Form des Ausdrucks nicht ganz richtig ist, weil zieren in dieser Bedeutung ein Reciprocum ist, die Reciproca aber eigentlich keine Participia Passiva leiden.

Anm. Das Verbum ist alt, und lautet schon bey dem Ottfried zieran, im Nieders. tehren, im Engl. to tire. Die Grundbedeutung ist dunkel. Vielleicht ist unser schier, helle, schön, bey dem Ottfried scioro, schön, die Wurzel. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno Cieri, Kostbarkeiten, Juwelen. Das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, reinigen, vielleicht auch das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, die Gestalt, scheinen damit verwandt zu seyn.


Ziererey (W3) [Adelung]


Die Ziererey, plur. die -en, von dem Reciproco sich zieren, affectirte Geberden und Weigerungen; für das bessere Geziere. Der Grund der Niedrigkeit liegt in der niedrigen, veralteten Ableitungsform -erey.


Ziergarten (W3) [Adelung]


Der Ziergarten, des -s, plur. die -gärten, ein bloß zum Vergnügen eingerichteter Garten, wofür doch Lustgarten üblicher ist; zum Unterschiede von einem Küchengarten, Obstgarten u. s. f. Man verwechsele dieses Wort nicht mit dem Zehrgarten, welches in den gemeinen Sprecharten oft auch Ziergarten lautet. S. dasselbe.


Zierleder (W3) [Adelung]


Das Zierleder, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Sattlern, dasjenige Leder, welches mit einem Riemen eingefasset, und auf den Schwanzriemen eines Pferdes aufgestochen wird.


Zierlehm (W3) [Adelung]


Der Zierlehm, des -es, plur. car. bey den Glockengießern, eine Art feinen flüssig gemachten Lehms, welcher über die Zierathen einer Glockenform gestrichen wird.


Zierlich (W3) [Adelung]


Zierlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. In den Rechten ist ein zierlicher Eid, der mit den gewöhnlichen feyerlichen Umständen abgelegt wird, ein feyerlicher Eid; eine außer diesem Falle veraltete Bedeutung. 2. Verschönert. Eine zierliche Hand schreiben, zierlich schreiben. Ein zierlicher Gang, ein schöner. Eine zierliche Schreibart, eine schöne, lebhafte. Zierlich Deutsch schreiben. Das Wort fängt in vielen Fällen, wo man es sonst gebrauchte, an, zu veralten, oder doch weniger edel zu seyn, indem schön, artig, u. s. f. üblicher sind.

Anm. Es ist von dem alten Adverbio zier, welches noch bey dem Willeram vorkommt, und schön bedeutete, abgeleitet.


Zierlichkeit (W3) [Adelung]


Die Zierlichkeit, plur. die -en. 1. Der Zustand, da etwas zierlich, oder verschönert ist; ohne Plural. Er besitzt einen seltenen Fluß der Rede und eine ungemeine Zierlichkeit des Ausdruckes. 2. Was zur Verschönerung dienet, Zierde, Zierath; größten Theils veraltet.


Ziermeißel (W3) [Adelung]


Der Ziermeißel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Klempenern, ein Meißel, Figuren damit in die blecherne Arbeit zu hauen.


Zierling (W3) [Adelung]


Der Zierling, des -es, plur. die -e, eine Person, welche sich zieret, sich auf eine gezwungene Art geberdet, oder weigert, in der vertraulichen Sprechart.


Zierpuppe (W3) [Adelung]


Die Zierpuppe, plur. die -n, S. Zieraffe.


Zieselmaus (W3) [Adelung]


Die Zieselmaus, plur. die -mäuse, in einigen Gegenden, ein Nahme der Bilchmaus, S. dieses Wort.


Zieser (W3) [Adelung]


Zieser, S. Ziser.


Ziffer (W3) [Adelung]


Die Ziffer, plur. die -n. 1. Eine Zahlfigur. Arabische, Römische Ziffern. Mit Ziffern rechnen. 2. Ein geheimer, oder willkührlicher Schriftzug, ein verborgenes Schriftzeichen; eine im Hochdeutschen seltene Bedeutung. In Ziffern, mit Ziffern schreiben, mit verborgenen Charaktern, oder Schriftzeichen. Das Wort ist aus dem Ital. Ciffra, Franz. Chifre, Mittell. Ciffara, welches wieder aus dem Arabischen herstammet, und mit dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, er hat gezählet, verwandt ist.


Zifferblatt (W3) [Adelung]


Das Zifferblatt, des -es, plur. die -blätter, die äußere Scheibe an einer Uhr, worauf die Stundenzahlen befindlich sind.


Ziffern (W3) [Adelung]


Ziffern, verb. reg. neutr. mit haben, Zahlen schreiben, rechnen. Sie zählt und ziffert mit der Kreide an der Schrankthür, Gell.


-zig (W3) [Adelung]


-zig, eine Ableitungssylbe für Zahlwörter, Zehner von den Einern abzuleiten, vierzig, vier Zehner, oder viermahl zehen, achtzig, acht Zehner; neunzig, neun Zehner. Da die auf diese Art abgeleiteten Zahlwörter schon sehr alt sind, so ist es kein Wunder, daß die Nahmen der Einer dabey allerley Veränderungen erlitten haben, oder vielmehr Überreste sehr alter Formen sind: zwanzig für zweyzig, funfzig in den gewöhnlichen Hochdeutschen Sprecharten fufzig, für fünfzig, sechzig für sechszig, siebzig für siebenzig. In dem einzigen dreyßig ist das z in das gelindere ß übergegangen. Die mit dieser Sylbe abgeleiteten Wörter sind dem Geschlechte und der Declination nach eben so unveränderlich, als alle Grundzahlen von drey an. Zwanzig Thaler, ein und zwanzig Weiber, drey und dreyßig Groschen. Nur wenn sie ohne Substantiv stehen, so bezeichnen sie den Dativ: einer von zwanzigen; er hat es wohl funzigen gesagt. Von den auf diese Art gebildeten Zahlwörtern lassen sich wieder mancherley Ableitungen bilden. So wohl Ordnungszahlen, der, die, das zwanzigste, dreyßigste u. s. f. als Verhältnißzahlen von diesen Ordnungszahlen, ein Zwanzigstel, Dreyßigstel, Vierzigstel; als Zeitzahlen, ein Zwanziger, ein Mensch von zwanzig Jahren, ingleichen ein Wein von 1720, ingleichen ein Mitglied eines Collegii von zwanzig Personen. So auch Dreyßiger, Vierziger u. s. f. Ferner halbirende Zahlwörter, zwanzigsthalb, dreyßigsthalb u. s. f.

Anm. Diese alte Ableitungssylbe lautet schon in dem Galischen Gesetze toc, bey den spätern Alemannischen und Fränkischen Schriftstellern zoch, zug, zuc, zeg, im Angelsächsischen und Niedersächsischen tig, im Schwed. tio, im Isländ. tiga, im Engl. ty. Gemeiniglich glaubt man, daß sie aus Zug entstanden sey, indem man in den ältesten Zeiten der rohen Einfalt immer zehn Einheiten zusammen gelegt, dann eine solche Sammlung zu der ersten gezogen, und folglich jede solche Sammlung einen Zug genannt. Vierzig würde also so viel als vier Züge bedeuten. Die Ableitung ist dem ersten Anblicke nach nicht unwahrscheinlich, und wird durch die alten Schreibarten, z. B. finfzugi bey dem Ottfried achtuzug im Tatian, u. s. f. bestätigt; allein sie verliert bey einer genauern Untersuchung viel von ihrer Scheinbarkeit. Denn 1. ist die angegebene alte Art zu zählen noch mit nichts erwiesen, sondern wird zum Behuf dieser Ableitung bloß voraus gesetzt und vermuthet. 2. Die von diesen Grundzahlen abgeleiteten Ordnungszahlen sind bereits sehr alt, vermuthlich so alt, als jene. Im Kero ist ahtozogosto, der achtzigste, finfzugosto, der funfzigste, zehanzugosto, der hundertste. Wäre zig so viel als Zug, so wäre eine solche Ableitung Unsinn, und kein vernünftiger Mensch würde darauf haben fallen können, von dem Hauptworte Zug eine Ordnungszahl zu bilden. Es ist daher wahrscheinlicher, daß zig nichts anders als zehn bedeutet, und aus einer alten Mundart entlehnet ist, welche das h mit einem starken Hauche aussprach, wie im Lat. dec om, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Im Schwed. gebrauchte man dafür ehedem das Substantivum Tiug, Tijugh, welches Decadem, ein Decher, oder Zahl von zehen bedeutete; faem tijugh, fünf Decher, oder funfzig.


Zigeuner (W3) [Adelung]


Der Zigeuner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die -inn, der Nahme eines herum streifenden ausländischen Gesindels, welches bald nach dem Anfange es 15ten Jahrh. in Deutschland und dem westlichen Europa bekannt ward, aus den östlich, Gegenden kam, und aus Ägypten herstammen wollte, daher sie in manchen Europäischen Sprachen auch Ägyptier genannt werden. Einigen neuern Entdeckungen zu Folge soll dieses Volk von der Indostanischen Gränze herstammen; doch hier haben wir es nur mit dessen Nahmen zu thun, der im Ital. Zingaro, im Pohln. Cygan, im Böhmischen aber Cykani lautet. Frisch hatte den sonderbaren Einfall, das Wort von dem Lat. cingulum, circulari abzuleiten, weil sie ein wanderndes, herum streifendes Leben führten. Der Nahme ist aus dem Pers. Zengi, Türk. Tschingane, daher denn das Russ. und Ungar. Tzigan. In Niedersachsen nennet man sie Tatarn, weil man sie daselbst für Tartarischer Abkunft hält.


Zille (W3) [Adelung]


Die Zille, plur. die -n, ein nur im Oberdeutschen übliches Wort, einen Kahn, oder kleines Fahrzeug auf Flüssen zu bezeichnen, so wie Zeile in Österreich und Baiern eine Art langer Donau-Schiffe bedeutet, wovon es das Diminutivum zu seyn scheinet. Das Wort ist alt, und mit dem Angels. und Normannischen Ciula, ein Fahrzeug, genau verwandt. S. 1. Kiel, wo mehr von der Abstammung gesagt worden.


Zimmel,Zimmer (W3) [Adelung]


Der Zimmel, oder Zimmer, S. Ziemer.


Zimmer (W3) [Adelung]


1. Das Zimmer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Zahl von 40, ein nur in einigen Fällen, besonders im Pelzhandel, übliches Wort. Ein Zimmer Zobeln, 40 Stück Felle. Dagegen bestehet an einigen Orten ein Zimmer Füchse nur aus 20 Stück. Das Wort lautet im Mittellat. Timbrum, Timbria, im Englischen und Franz. Timbre, im Schwed. Timmer. Da es, so viel ich weiß, nur in dem Handel mit ausländischen Pelzwaaren üblich ist, so ist es vermuthlich auch in einer der östlichen Gegenden, woher dergleichen Pelze kommen, einheimisch. Rudbeck glaubte, es sey das alte Parthische Wort - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, welches bey dem Hesychius vorkommt, und eine Art Hamster, deren Felle man zur Kleidung gebrauchte, bedeutete. Wahrscheinlicher ist es ein Zahlwort.


Zimmer (W3) [Adelung]


2. Das Zimmer, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Zimmerchen, Oberd. Zimmerlein. 1. * Die Materie, der Stoff, alles dasjenige, woraus etwas bereitet wird; eine im Deutschen längst veraltete Bedeutung, von welcher sich doch nur manche Spuren finden, indem im Alemannischen ehedem so gar das Erz, woraus die Metalle geschmelzet werden, Zimbra hieß. Skaffelosa zimber ist dem Ruodpert im Goldast, informis materia. 2. * In engerer Bedeutung, der Stoff zum Bauen, Bauholz, Zimmerholz, da es auch als ein Concretum von einem Stücke Bauholz, einem Balken u. s. f. gebraucht wurde, in welcher Bedeutung es in einigen Mundarten noch üblich ist. Im Hennebergischen bedeutet Zimmer, oder Traam einen Balken. 3. * Das Bauen, die Erbauung, selbst im figürlichen Verstande, in welchem Zimbere bey dem Kero vorkommt; ist im Hochdeutschen längst veraltet. 4. * Ein Gebäude, alles, was gebauet ist; in welchem Verstande Zimbri und Gizimbri noch bey dem Ottfried und Notker angetroffen werden. Auch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen längst veraltet, wo man es 5, nur noch in der anständigern und edlern Sprechart gebraucht, eine zum Aufenthalte für Menschen bestimmte Abtheilung eines Gebäudes zu bezeichnen, welche man in den gemeinen Sprecharten eine Stube oder Kammer nennet. Ein Wohnzimmer, Speisezimmer, Schlafzimmer, Putzzimmer, Vorzimmer u. s. f. Auf sein Zimmer, in sein Zimmer gehen. Das Zimmer hüthen, nicht ausgehen, besonders krank, unpaß seyn. Zimmer ist in dieser Bedeutung vorzüglich dem edlern Style eigen, das niedrigere Stube zu vermeiden; aber da es ein allgemeiner Ausdruck ist, der Stuben und Kammern unter sich begreift, so kann man doch diese Wörter nicht entbehren, wenn ein genauer Unterschied nothwendig ist. 6. Eine Person, doch nur in dem zusammen gesetzten Frauenzimmer. S. dasselbe.

Anm. In der Niederdeutschen und den verwandten nordischen Sprachen Timmer, Timber. Bey dem hohen Alter dieses Wortes bleibt es immer noch ungewiß, welche von den vielen Bedeutungen desselben die erste und eigentliche ist. Wäre es die eines Baues oder Gebäudes, so könnte es mit Kimme, Franz. Cimier, die Höhe, Spitze verwandt seyn; wäre es aber die fünfte, so würde es zu Kammer gehören. S. Zimmern.


Zimmerarbeit (W3) [Adelung]


Die Zimmerarbeit, plur. die -en. 1. Die Arbeit, d. i. pflichtmäßige Beschäftigung eines Zimmermannes; ohne Plural. 2. Dasjenige, was der Zimmermann verfertiget, vermöge seines Handwerkes verfertigen muß.


Zimmeraxt (W3) [Adelung]


Die Zimmeraxt, plur. die -äxte, die Art, womit der Zimmermann das Bauholz aus dem Groben bearbeitet.


Zimmerfackel (W3) [Adelung]


Die Zimmerfackel, plur. die -n, eine Art viereckiger Fackeln, welche aus vier an einander befestigen Kerzen bestehen, und in den Zimmern gebraucht werden.


Zimmerflöße (W3) [Adelung]


Die Zimmerflöße, plur. die -n. 1. Eine Anstalt, wo Bau- oder Zimmerholz auf einem Flusse fortgeflößet wird; zum Unterschiede von einer Scheitflöße. 2. An einander befestigtes Bau- oder Zimmerholz, um es auf einem Flusse fortzuflößen; in manchen Gegenden in dieser Bedeutung auch im sächlichen Geschlechte, das Zimmerfloß, des -es, plur. die -flöße.


Zimmergesell (W3) [Adelung]


Der Zimmergesell, des -en, plur. die -en, ein Gesell des Zimmerhandwerkes.


Zimmerhandwerk (W3) [Adelung]


Das Zimmerhandwerk, des -es, plur. inus. die Fertigkeit, Gebäude und deren Theile aus Holz aufzuführen. Wird diese Fertigkeit als eine Kunst betrachtet. so heißt sie die Zimmermannskunst, oder Zimmerkunst.


Zimmerhäuer (W3) [Adelung]


Der Zimmerhäuer, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Arbeiter, der die zum Grubenbaue nöthige Zimmerarbeit verrichtet; der Zimmerling.


Zimmerhieb (W3) [Adelung]


Der Zimmerhieb, des -es, plur. car. im Forstwesen, die Bearbeitung und Zurichtung des Bauholzes in dem Walde. Der Zimmerhieb ist den Wäldern schädlich.


Zimmerhof (W3) [Adelung]


Der Zimmerhof, des -es, plur. die -höfe, ein Hof, d. i. befriedigter offener Platz, das zu den Gebäuden nothwendige Bauholz auf demselben zu bearbeiten. Ist ein solcher Platz unbefriediget, so heißt er ein Zimmerplatz.


Zimmerholz (W3) [Adelung]


Das Zimmerholz, des -es, plur. car. ein Collectivum, Holz, welches zum Bauen erforderlich oder tauglich ist; Bauholz.


Zimmerkane (W3) [Adelung]


Die Zimmerkane, plur. die -n, im Bergbaue, eine Kane, d. i. Hütte, das zum Grubenbaue erforderliche Holz darin zuzurichten.


Zimmerkunst (W3) [Adelung]


Die Zimmerkunst, plur. car. die Kunst, Gebäude und deren Theile aus Holz aufzuführen; die Zimmermannskunst. S. Zimmerhandwerk.


Zimmerlaus (W3) [Adelung]


Die Zimmerlaus, plur. die -läuse, in der niedrigen Sprechart der Zimmerleute, ein eingeflicktes Stück Zimmerholz.


Zimmerling (W3) [Adelung]


Der Zimmerling, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, S. Zimmerhäuer.


Zimmermann (W3) [Adelung]


Der Zimmermann, des -es, plur. die -leute, derjenige, welcher das Zimmerhandwerk erlernet hat, oder übet; da es denn als ein allgemeiner Ausdruck gebraucht wird, welcher die Lehrlinge, Gesellen und Meister unter sich begreift. Siehe, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat, mache dich zur Thür hinaus, mache dich fort.


Zimmermannskunst (W3) [Adelung]


Die Zimmermannskunst, plur. car. S. Zimmerkunst.


Zimmermeister (W3) [Adelung]


Der Zimmermeister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Meister des Zimmerhandwerkes, oder unter den Zimmerleuten.


Zimmern (W3) [Adelung]


Zimmern, verb. reg. act. das zu einem Gebäude erforderliche Holzwerk zurichten und zusammen setzen. Ein Haus zimmern. Figürlich aber nur im gemeinen Leben, wird es oft für verfertigen, machen, überhaupt gebraucht. Daher die Zimmerung, S. solches an seinem Orte.

Anm. Bey dem Ulphilas timrjan, im Nieders. timmern, bey dem Kero und den spätern Oberdeutschen Schriftstellern kezimbron, zimboron, zimbran, oft für bauen überhaupt, daher Kero zimbirrono so gar für erbaulich gebraucht. Es ist schwer zu sagen, ob zimmern von Zimmer, oder dieses von jenem ist. Im letztern Falle ist zimmern der Form nach, ein Intensivo-iterativum, welches vermittelst der Verdoppelung des m und der iterativen Ableitungssylbe er von einem alten Worte zimen gebildet worden, welches allenfalls mit dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, schneiden, und Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, niederhauen, verwandt seyn könnte.


Zimmerplatz (W3) [Adelung]


Der Zimmerplatz, des -es, plur. die -plätze, S. Zimmerhof.


Zimmer-Polierer (W3) [Adelung]


Der Zimmer-Polierer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zimmergesell, welcher in Abwesenheit des Meisters über die übrigen die Aufsicht hat.


Zimmerrecht (W3) [Adelung]


Das Zimmerrecht, des -es, plur. inus. ein fast völlig veraltetes Wort, das Recht zu bezeichnen, Gebäude auf seinem Grund und Boden aufzuführen, einen Theil des Grundrechtes.


Zimmersteiger (W3) [Adelung]


Der Zimmersteiger, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Steiger, d. i. Unterbeamter, welcher die Zimmerung in den Grubengebäuden in seiner Aufsicht hat.


Zimmerung (W3) [Adelung]


Die Zimmerung, plur. inus. das Zimmerwerk, das Holzwerk an einem Gebäude; besonders in dem Bergbaue.


Zimmerwerft (W3) [Adelung]


Das Zimmerwerft, des -es, plur. die -e, der Ort, wo Schiffe gebauet werden, wie Schiffswerft und Werft.


Zimmerwerk (W3) [Adelung]


Das Zimmerwerk, des -es, plur. inus. ein Collectivum, von dem Zimmermanne verfertigte Arbeit, gezimmerte Arbeit, was gezimmert ist.


Zimmet (W3) [Adelung]


Der Zimmet, zusammen gezogen Zimmt, des -es, plur. car. die zusammen gerollte und getrocknete innere Rinde des Zimmtbaumes, welche als ein Gewürz gebraucht wird; vollständig, die Zimmetrinde, im gemeinen Leben auch Canehl, von dem Ital. Cannella. Der weiße Zimmt ist die ähnliche gewürzhafte Rinde des weißen Zimmtbaumes. ( S. das folgende.) Das Wort Zimmet, Lat. Cinnamum, ist morgenländischen Ursprunges, und lautet schon im Hebr. Kinnamon, daher es in Luthers Bibel noch Cinnamet geschrieben wird.


Zimmtbaum (W3) [Adelung]


Der Zimmtbaum, des -es, plur. die -bäume, ein in den Ostindischen Inseln einheimischer gewürzhafter Baum, dessen getrocknete Rinde unter dem Nahmen des Zimmtes bekannt ist, Laurus Cinnamomum Linn. Der weiße Zimmtbaum ist von ihm ganz verschieden, und in Amerika einheimisch, Winterania L.


Zimmtfarbe (W3) [Adelung]


Die Zimmtfarbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, die braunröthliche Farbe des Zimmtes.


Zimmtkoch (W3) [Adelung]


Der Zimmtkoch, des -es, plur. die -köche, in den Küchen, eine Art Torten aus Reiß, Zucker und Zimmt. S. Koch.


Zimmtmandel (W3) [Adelung]


Die Zimmtmandel, plur. die -n, geschälte Mandeln, welche mit gestoßenem Zucker und Zimmt überzogen worden. Werden sie vorher in heißem Schmalze gebacken, so bekommen sie den Nahmen gebrannter Mandeln.


Zimmtöhl (W3) [Adelung]


Das Zimmtöhl, des -es, plur. inus. das aus der Zimmtrinde destillirte Öhl.


Zimmtrinde (W3) [Adelung]


Die Zimmtrinde, plur. die -n, S. Zimmet.


Zimmtrose (W3) [Adelung]


Die Zimmtrose, plur. die -n, eine Art Rosen, deren Blumen wie Zimmt riechen, Rosa cinnamomea Linn.


Zimmtwasser (W3) [Adelung]


Das Zimmtwasser, des -s, plur. inus. 1. Über Zimmtrinde destillirtes Wasser. 2. Über Zimmtrinde abgezogener Branntwein.


Zimpern (W3) [Adelung]


Zimpern, verb. reg. neutr. mit haben, auf eine fehlerhafte Art zärtlich und kläglich thun, in der vertraulichen Sprechart. Ich dachte es wohl, daß sie nicht maulen oder zimpern würden, Hermes.


Zindel (W3) [Adelung]


Der Zindel, S. Sendel.


Zinge (W3) [Adelung]


Die Zinge, der Nahme eines Fisches, S. Alose.


Zingeln (W3) [Adelung]


Zingeln, verb. reg. act. welches nur in Umzingeln üblich ist. ( S. dasselbe.) Es ist aus dem Lat. Cingulum, wovon man ehedem auch das Substantiv Zingel, für Kreis, hatte.


Zink (W3) [Adelung]


Zink, ein Zahlwort, welches nur im Würfelspiele üblich ist, fünf bedeutet, und eigentlich das Franz. cinque ist. Alle Zinken, alle Fünfen.


Zink (W3) [Adelung]


Der Zink, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, ein weißbläuliches Halb-Metall, welches unter den übrigen Halb-Metallen noch das geschmeidigste ist, und in manchen Gegenden auch Spiauter genannt wird, ( S. dieses Wort.) Es ist ungewiß, woher der Nahme Zink rühret; vielleicht von der Ähnlichkeit mit dem Zinne, vielleicht auch, weil es sich in manchen Fällen in Zinken, oder Zacken in dem Ofenbruche anlegt. In manchen Gegenden ist es sächlichen Geschlechtes, das Zink.


Zinkasche (W3) [Adelung]


Die Zinkasche, plur. inus. das Schwere, was bey dem Verbrennen des Zinkes zurück bleibet, und von dem weißen Nicht wenig unterschieden ist; Zinkkalk.


Zinkblumen (W3) [Adelung]


Die Zinkblumen, sing. inus. zarte weiße Flocken, welche bey dem Verbrennen des Zinkes aufsteigen, und sich, wie Wolle, an feste Körper hängen. Sie werden auch weißer Nicht genannt.


Zinke (W3) [Adelung]


Die Zinke, plur. die -n. 1. Ein zugespitztes Ding, oder zugespitzter Theil eines Dinges, er sey übrigens gerade oder krumm: ein nur in manchen einzelnen Fällen des gemeinen Lebens übliches Wort. So werden die Zacken einer Gabel, die Zähne in einem Rechen, oft Zinken genannt. Bey den Jägern heißen die spitzigen Enden an einem Hirschgeweihe Zinken; bey den Tischlern die kleinen Zapfen, womit die Zargen vereiniget werden. Im Theuerdanke heißen die Zehen an den Füßen Zinken, und im gemeinen Leben nennet man eine große Nase im verächtlichen Verstande, und im männlichen Geschlechte einen Zinken. 2. Der Nahme eines musikalischen Blase-Instrumentes, deren man wohl gerade, als krumme, und beyde wieder von verschiedenen Arten, hat, Ital. Cornetto, ohne Zweifel von der Ähnlichkeit in der Gestalt. In den Orgeln sind die Zinken eine Art Pfeiffen, welche den Ton der vorigen nachahmen. In manchen Fällen und Gegenden wird es in dieser Bedeutung im männlichen Geschlechte gebraucht, der Zink. S. auch Jagdzink.

Anm. In der ersten Bedeutung auch im Böhm. Cynk, welches daselbst auch eine Posaune bedeutet. Es ist mit Zahn, Zacke, Zehe u. s. f. genau verwandt.


Zinkerz (W3) [Adelung]


Das Zinkerz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, oder Quantitäten, die -e, dasjenige Erz, woraus der Zink erhalten wird.


Zinkfang (W3) [Adelung]


Der Zinkfang, des -es, plur. die -fänge, eine Einrichtung an den Schmelzöfen, den in den Erzen befindlichen Zink aufzufangen; auch der Zinkstuhl.


Zinkglas (W3) [Adelung]


Das Zinkglas, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -gläser, ein glasartiger, weißer, halbdurchsichtiger Körper, welchen man erhält, wenn man den Zink durch die Destillation aus seinen Erzen bringt.


Zinkkalk (W3) [Adelung]


Der Zinkkalk, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ( S. Zinkasche.) Zuweilen nennt man auch die Tutia, eine Art grauer Zinkblumen, Zinkkalk.


Zinkstein (W3) [Adelung]


Der Zinkstein, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welchen in Goslar der Schwefelkies, wenn er auf Zink bereitet wird, nach seiner ersten Röstung bekommt.


Zinkstuhl (W3) [Adelung]


Der Zinkstuhl, des -es, plur. die -stühle. 1. S. Zinkfang. 2. Das Gestell von Steinen, worauf der Zinkstein in dem Schmelzofen gelegt wird.


Zink-Vitriol (W3) [Adelung]


Der Zink-Vitriol, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, ein weißlicher, oder röthlicher Vitriol, welchem Zink in Gestalt eines Salzes beygemischet ist.


Zinn (W3) [Adelung]


Das Zinn, des -es, plur. doch nur im gemeinen Leben von mehrern Arten und Quantitäten, die -e. 1. Ein weißes unedles Metall, welches unter allen das leichteste ist. Englisches Zinn, ein mit Zink, Spießglaskönig, Wismuth oder Kupfer versetztes Zinn, dagegen das Deutsche Zinn mit Bley versetzet wird. 2. Figürlich, zinnernes Geräth, zinnerne Geschirre; als ein Collectivum, und ohne Plural. Auf Zinn speisen. Vieles Zinn haben. Das Zinn scheuern.

Anm. Im Nieders. Engl. Schwed. u. s. f. Tinn, in den Slavon. Mundarten Cyna, im Wallisischen und Bretagnischen Ystaen, im Franz. Estain, Etain; alle aus dem Lat. stannum, oder doch mit demselben, aus einer gemeinschaftlichen ältern Quelle.


Zinnafter (W3) [Adelung]


Das Zinnafter, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. in dem Hüttenbaue, ausgewaschener leerer Zinnstein.


Zinnasche (W3) [Adelung]


Die Zinnasche, plur. inus. calcinirtes, oder verkalktes Zinn, wie Zinnkalk.


Zinnballen (W3) [Adelung]


Der Zinnballen, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Hüttenbaue, ein Ballen zusammen gerolltes und wie ein Gitter gegossenes Zinn.


Zinnbergwerk (W3) [Adelung]


Das Zinnbergwerk, des -es, plur. die -e, ein Bergwerk, wo Zinnerz oder Zinnstein gebrochen, welches auf Zinnerz gebauet wird.


Zinnbett (W3) [Adelung]


Das Zinnbett, des -es, plur. inus. in einigen Oberdeutschen Bergwerken, der Nahme eines braunen, bläulichen Kupfererzes, welches halbkugelig bricht; vielleicht, weil es unter dem Zinnsteine bricht.


Zinnblende (W3) [Adelung]


Die Zinnblende, plur. von mehrern Arten, oder Quantitäten, die -n, eine mit Zinnstein, oder Zinnerz verbundene Blende.


Zinne (W3) [Adelung]


Die Zinne, plur. die -n, der oberste, mit Einschnitten oder Schießscharten versehene Theil einer Mauer, ingleichen eine ähnliche Einfassung des flachen Daches eines Gebäudes. Die Zinne einer Stadtmauer. Die Zinne des Tempels, in der Deutschen Bibel, der obere flache Theil. Das Wort ist im Hochdeutschen ungewöhnlich geworden, und wird nur zuweilen in der höhern und dichterischen Schreibart gebraucht.

Anm. Im Oberdeutschen von Alters her Zinne, im Schwed. Tinne. Vermuthlich von Zahn, oder Zinke, weil der obere Rand einer ehemahligen Festungsmauer aus zehnartigen Einschnitten bestand. Im Nieders. ist Tinne, die Zinke in einem Rechen. S. auch Siebelzinne.


Zinner (W3) [Adelung]


Der Zinner, des -s, plur. ut nom. sing. in den Blechhämmern, ein Arbeiter, welcher die Bleche mit Zinn überziehet; der Zinngesell.


Zinnern (W3) [Adelung]


Zinnern, adj. aus Zinn bestehend. Eine zinnerne Schüssel. Zinnerne Gefäße. Im Niederd. rinnen, im Oberd. zinnen.


Zinnerz (W3) [Adelung]


Das Zinnerz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, eine Steinart, welche vererztes Zinn bey sich führet, wohin die Zinngraupen, Zinnsteine u. s. f. gehören.


Zinnfeile (W3) [Adelung]


Die Zinnfeile, plur. die -n, bey den Zinngießern, Feilen, Sachen von Zinn damit zu feilen.


Zinnflötz (W3) [Adelung]


Das Zinnflötz, des -es, plur. die -e, im Bergbaue, ein Flötz, in welchem Zinnerz bricht.


Zinn-Folie (W3) [Adelung]


Die Zinn-Folie, plur. die -n, zu einer dünne Folie, einem dünnen Blättchen, geschlagenes Zinn; Blattzinn, Stagniol.


Zinngang (W3) [Adelung]


Der Zinngang, des -es, plur. die -gänge, im Bergbaue, ein Gang, in welchem Zinnerz bricht.


Zinngatter (W3) [Adelung]


Das Zinngatter, des -s, plur. ut nom. sing. im Hüttenbaue, eine Tafel gatterweise gegossenes Zinn, so lange es noch nicht zu einem Zinnballen zusammen gerollet ist.


Zinngebirge (W3) [Adelung]


Das Zinngebirge, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gebirge, in welchem Zinngänge, oder Zinnflötze streichen.


Zinngekrätz (W3) [Adelung]


Das Zinngekrätz, des -es, plur. inus. ein Collectivum, die Abgänge zu bezeichnen, welche bey dem Schmelzen der Zinnerze erfolgen.


Zinngeschiebe (W3) [Adelung]


Das Zinngeschiebe, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, Zinnerze, wenn sie als Geschiebe angetroffen werden, aus ihren Geburtsstätten von dem Wasser fortgeschwemmet worden.


Zinngesell (W3) [Adelung]


Der Zinngesell, des -en, plur. die -en, S. Zinner.


Zinngießer (W3) [Adelung]


Der Zinngießer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher allerley Geräthschaften aus Zinn gießet; im Nieders. ein Kannengießer.


Zinngranate (W3) [Adelung]


Die Zinngranate, plur. die -n, eine Art dunkelbrauner Granaten, welche zinnhaltig sind.


Zinngraupe (W3) [Adelung]


Die Zinngraupe, plur. die -n, eine Art vieleckigen Zinnerzes, welches aus Zinn, Eisen und einer unmetallischen Erde bestehet. Sind sie klein, dem Anscheine nach ohne Ecken, und andern Gesteine eingesprengt, so werden sie Zwitter genannt. Sind die Zinngraupen mit Kieß überzogen, so nennen die Bergleute sie, Zinngraupen in der Haut.


Zinngrube (W3) [Adelung]


Die Zinngrube, plur. die -n. 1. Im Bergbaue, ein Grubengebäude, in welchem auf Zinn gearbeitet wird. 2. Im Hüttenbaue, der Herd, auf welchem das geschmelzte Zinn aus dem Ofen fließet.


Zinnhammer (W3) [Adelung]


Der Zinnhammer, des -s, plur. die -hämmer, bey den Orgelbauern, ein Hammer mit einer großen polirten Bahn, die gegossenen Zinntafeln damit fester zu schlagen, damit die Pfeifen heller klingen.


Zinnhaus (W3) [Adelung]


Das Zinnhaus, des -es, plur. die -häuser, in den Blechhämmern, die Werkstätte, in welcher die eisernen Bleche verzinnet werden.


Zinnhobel (W3) [Adelung]


Der Zinnhobel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Orgelbauern, ein Hobel, das zu den Pfeifen auf der Gießbank ausgegossene Zinn glatt zu hobeln.


Zinnkalk (W3) [Adelung]


Der Zinnkalk, des -es, plur. von mehrern Arten, oder Quantitäten, die -e, verkalktes, oder in Kalk verwandeltes Zinn.


Zinnkraut (W3) [Adelung]


Das Zinnkraut, des -es, plur. car. S. Kannenkraut.


Zinnkrücke (W3) [Adelung]


Die Zinnkrücke, plur. die -n, bey den Orgelbauern, ein hölzerner, oben und unten offener Kasten mit beweglichen Querbretern, das zu den Pfeifen gegossene Zinn damit zu plätten; die Gießkrücke, Schleuße.


Zinn-Krystalle (W3) [Adelung]


Die Zinn-Krystalle, plur. die -n, Quarz-Krystallen, welche Zinngraupen enthalten.


Zinnloth (W3) [Adelung]


Das Zinnloth, des -es, plur. inus. ein flüssiges Schnellloth, zinnerne Sachen, oder verzinntes Blech damit zusammen zu löthen.


Zinnmutter (W3) [Adelung]


Die Zinnmutter, plur. car. bey den Zinngießern, in Scheidewasser aufgelösetes und aus demselben wieder niedergeschlagenes Zinn, welches zu geschmolzenem Zinne gesetzet wird, dasselbe dadurch geschmeidiger und schöner zu machen.


Zinnober (W3) [Adelung]


Der Zinnober, des -s, plur. inus. ein rothes Mineral, welches aus Quecksilber und Schwefel entstehet. Der gewachsene Zinnober, Bergzinnober, der in scharlachrother Farbe in manchen Erzgebirgen gefunden wird, und ein mit Schwefel vererztes Quecksilber ist. Der künstliche Zinnober, welcher aus Quecksilber und Schwefel bereitet wird.

Anm. Der Nahme ist aus dem Lat. Cinnabaris, und dieß von dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Kothgeruch, weil der gegrabene Zinnober einen solchen Geruch haben soll.


Zinnobererz (W3) [Adelung]


Das Zinnobererz, des -es, plur. die -e, Erz, welches Zinnober enthält.


Zinnoberglanz (W3) [Adelung]


Der Zinnoberglanz, des -es, plur. inus. eine Art Zinnobererze, welche die Hände schwarz färbet.


Zinnoberroth (W3) [Adelung]


Zinnoberroth, adj. et adv. die lichtrothe, sich ein wenig in das Gelbe ziehende Farbe des Zinnobers habend; scharlachroth.


Zinnoberstufe (W3) [Adelung]


Die Zinnoberstufe, plur. die -n, eine Stufe, d. i. ein Stück, Zinnobererz.


Zinnofen (W3) [Adelung]


Der Zinnofen, des -s, plur. die -öfen. 1. Ein Schmelzofen, worin das Zinn aus dem Zinnsteine und Zwitter geschmolzen wird. 2. In den Blechhämmern ein Ofen, in welchem das Zinn zur Verzinnung der Bleche geschmolzen wird.


Zinnopel (W3) [Adelung]


Der Zinnopel, S. Sinopel.


Zinnpfanne (W3) [Adelung]


Die Zinnpfanne, plur. die -n, in den Blechhämmern, die eiserne Pfanne, worin das Zinn zur Verzinnung der Bleche in dem Zinnofen geschmolzen wird.


Zinn-Probe (W3) [Adelung]


Die Zinn-Probe, plur. die -n, die Probe, oder die Untersuchung der Güte des Zinnes, besonders bey den Orgelbauern.


Zinnquarz (W3) [Adelung]


Der Zinnquarz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, im Bergbaue, zinnhaltiger Quarz, Quarz, in welchem Zinnstein, eingesprenget ist.


Zinnrost (W3) [Adelung]


Der Zinnrost, des -es, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, im Hüttenbaue, gerösteter Zinnstein.


Zinnsand (W3) [Adelung]


Der Zinnsand, des -es, plur. inus. im Bergbaue, sehr kleine Zinngraupen, in Gestalt des Sandes.


Zinnschörl (W3) [Adelung]


Der Zinnschörl, des -s, plur. inus. im Bergbaue, eine taube räuberische Bergart, welche den Zinngraupen gleicht; Wolfram. S. Schörl.


Zinnseife (W3) [Adelung]


Die Zinnseife, plur. die -n, eine Anstalt, wo Zinnsand oder Zinnzwitter aus dem Sande, oder der Erde geseifet, d. i. gewaschen wird; die Zinnwäsche.


Zinnspath (W3) [Adelung]


Der Zinnspath, des -es, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein weißes blätteriges Zinnerz, ein zinnhaltiger Spath.


Zinnstein (W3) [Adelung]


Der Zinnstein, des -es, plur. die -e. 1. Ein Stein, in welchem Zinnerz eingesprenget ist. 2. Im Hüttenbaue, das gebrannte, gepochte und gewaschene Zinnerz, welches nur noch geschmolzen werden darf.


Zinnstock (W3) [Adelung]


Der Zinnstock, des -es, plur. die -stöcke. 1. Derjenige Ort in einem Gebirge, wo das Zinnerz ein Stockwerk ausmacht, d. i. einen großen weiten Raum in die Breite und Höhe einnimmt; das Zinnstockwerk. 2. In dem Hüttenbaue, ein hölzerner Stock, über welchem das gegossene Zinn zu Ballen geschlagen wird.


Zinnstufe (W3) [Adelung]


Die Zinnstufe, plur. die -n, eine Stufe, d. i. ein Stück Zinnerz.


Zinnwäsche (W3) [Adelung]


Die Zinnwäsche, plur. die -n. 1. Im Bergbaue, eine Anstalt, wo Zinnerz aus dem Sande, oder der Erde gewaschen wird; wie Zinnseife. 2. Im Hüttenbaue, eine Anstalt, wo das gepochte Zinnerz vor dem Schmelzen gewaschen, d. i. durch das Wasser von den tauben Steinarten geschieden wird.


Zinnwäscherinn (W3) [Adelung]


Die Zinnwäscherinn, plur. die -en, an den Höfen, eine weibliche Person, welche das zinnerne Geräth zu waschen und rein zu erhalten hat; zum Unterschiede von der Silberwäscherinn.


Zinnzug (W3) [Adelung]


Der Zinnzug, des -es, plur. die -züge, in dem Hüttenbaue, das in gitteriger oder anderer künstlicher Gestalt gegossene, und gleichsam gezogene, Zinn.


Zinnzwitter (W3) [Adelung]


Der Zinnzwitter, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. im Bergbaue, kleine Zinngraupen, an welchen die eckige Gestalt nicht kenntlich ist, und welche anderm Gesteine eingesprenget sind. ( S. Zwitter.) Sind sie noch kleiner, so heißen sie Zinnsand.


Zins (W3) [Adelung]


Der Zins, des -es, plur. die -e. 1. * Eine jede Abgabe, welche man dem Landesherren entrichtet, dergleichen Kopfgeld, Steuer, Schatzung, Schoß u. s. f. sind. Dem Kaiser Zins geben, in Luthers Bibel. In dieser weitern Bedeutung ist es im Hochdeutschen längst veraltet. 2. Eine Abgabe, welche sich der Grundbesitzer von dem einem andern zur Nutzung überlassenen Grund und Boden vorbehält, und welcher in einem Theile von dem reinen Gewinne bestehet; der Grundzins, zum Unterschiede von der folgenden Bedeutung. Ein Gut auf Zins weggeben. Daher Erbzins, Zeitzins, Pachtzins, u. s. f. Zins ist in dieser Bedeutung ein allgemeiner Ausdruck, die Abgabe mag in Geld, oder in Producten bestehen, daher man auch Zinskorn, Zinshafer, Zinshühner u. s. f. hat. Wenn indessen Zins für sich allein gebraucht wird, so verstehet gemeiniglich eine solche Abgabe in Geld, und in manchen Oberdeutschen Gegenden bedeutet Zins diese nur allein, im Gegensatze der Gülte, oder einer solchen Abgabe in Producten. 3. Die Abgabe, welche man dem Eigenthümer eines Hauses für den Genuß, oder eines Theiles desselben entrichtet; die Miethe, und zum Unterschiede von dem vorigen, der Miethzins. Ein Haus in Zins nehmen, miethen. Den Zins bezahlen, entrichten, erhöhen. In einem theuren Zinse sitzen, viel Zins geben. Daher der Hauszins, Kellerzins, Ladenzins, Gewölbzins, Stubenzins, Stallzins u. s. f. 4. Eine gemiethete, oder zu vermiethende Wohnung; nur im Oberdeutschen. In diesem Hause sind drey Zinse zu verlassen, drey Wohnungen gegen Zins. 5. Die Abgabe von dem Genusse fremden Geldes, das Interesse; in welcher Bedeutung aber das Wort im Hochdeutschen im weiblichen Geschlechte üblicher ist, S. Zinse.

Anm. Schon im Ottfried und andern alten Deutschen Schriftstellern Zinsa, Czins, wo es auch für Zoll gebraucht wird, im Niedersächsischen und Schwed. Tins, im Franz. Cens; alle aus dem Lat. Census.


Zinsbar (W3) [Adelung]


Zinsbar, adj. et adv. Zins in der 2ten Bed. zu geben verpflichtet, zinspflichtig. Ein zinsbares Gut. So auch die Zinsbarkeit.


Zinsbauer (W3) [Adelung]


Der Zinsbauer, des -s, plur. die -n, ein Bauer, welcher für den Genuß seiner Grundstücke dem Grundbesitzer Zins zu entrichten verbunden ist.


Zinsbrief (W3) [Adelung]


Der Zinsbrief, des -es, plur. die -e, eine Urkunde, in welcher der Eigenthümer ein Grundstück gegen einen jährlichen Grundzins einem andern überlässet.


Zinsbuch (W3) [Adelung]


Das Zinsbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, in welches die Grundzinse eingetragen werden.


Zinsbuße (W3) [Adelung]


Die Zinsbuße, plur. die -n, die Strafe für nicht bezahlten Grundzins.


Zinse (W3) [Adelung]


Die Zinse, plur. die -n, das vorige Zins, nur im weiblichen Geschlechte gebraucht, in welchem es im Hochdeutschen allemahl üblich ist, wenn es die Abgabe der Nutzung geborgten Geldes bezeichnet, da es denn, so wie Interesse, zugleich im Plural am üblichsten ist, im Singular aber fast gar nicht gebraucht wird. Ein Capital auf Zinsen austhun. Die Zinsen von einem Capitale bezahlen. Wucherliche Zinsen.


Zinsen (W3) [Adelung]


Zinsen, verb. reg. Es ist 1 ein Neutrum, Zins eintragen, Zins geben. Das Gut A, zinset nach B, entrichtet seinen Grundzins dahin. Ein Haus zinset hoch, wenn es vielen Miethzins einträgt, auch wenn es vielen Grundzins zu entrichten hat. 2. Ein Activum, als Zins entrichten. Ein Gut zinset zehn Thaler, sechs Schäffel Hafer, ein Schock Eyer u. s. f. In dem zusammen gesetzten verzinsen bedeutet es, Zinsen von einem Capitale geben.


Zinser (W3) [Adelung]


Der Zinser, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher Grundzins zu geben verpflichtet ist, der Zinsmann, der Zinsgeber.


Zinsfällig (W3) [Adelung]


Zinsfällig, adj. et adv. verpflichtet, Grundzins zu bezahlen, zinsbar.


Zinsfrey (W3) [Adelung]


Zinsfrey, adj. et adv. 1. Frey von dem Grundzinse. Ein zinsfreyes Gut. 2. Frey von dem Miethzinse. Zinsfrey wohnen, so daß man keinen Miethzins entrichten darf.


Zinsgans (W3) [Adelung]


Die Zinsgans, plur. die -gänse, eine Gans, so fern sie als Grundzins entrichtet wird.


Zinsgeber (W3) [Adelung]


Der Zinsgeber, des -s, plur. ut nom. sing. S. Zinser.


Zinsgericht (W3) [Adelung]


Das Zinsgericht, des -es, plur. die -e, an manchen Orten ein eigenes Gericht, welches die über die Grundzinse entstandenen Streitigkeiten richtet.


Zinsgroschen (W3) [Adelung]


Der Zinsgroschen, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine Abgabe von einem Groschen an die höchste Landesobrigkeit; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche noch in Luthers neuem Testamente vorkommt. 2. Ein Grundzins, so fern er in einem Groschen bestehet.


Zinsgut (W3) [Adelung]


Das Zinsgut, des -es, plur. die -güter, ein Gut, dessen Inhaber zwar das völlige Eigenthum darüber hat, aber dem Grundbesitzer zu einem gewissen Grundzinse verpflichtet ist. Die Zinsgüter wurden ursprünglich von Freygelassenen, so wie die Bauergüter von Leibeigenen, die Freygüter aber von Freyen und Herren besessen.


Zinshafer (W3) [Adelung]


Der Zinshafer, des -s, plur. car. Hafer, so fern er als ein Grundzins entrichtet wird.


Zinshahn (W3) [Adelung]


Der Zinshahn, des -es, plur. die -hähne. 1. Ein Hahn, so fern er als ein Grundzins gegeben wird. 2. Im gemeinen Leben, ein zorniger, erhitzter Hahn. Du bist erhitzt, wie ein Zinshahn, Less. Vielleicht, weil zu den Zinshähnen die muthigsten und stärksten ausgesucht werden mußten.


Zinshaus (W3) [Adelung]


Das Zinshaus, des -es, plur. die -häuser. 2. Ein Haus, welches Grundzins zu geben verpflichtet ist. 2. Ein Haus, welches vermiethet, oder zur Miethe bewohnet wird; wofür doch im Hochdeutschen Miethhaus üblicher ist.


Zinsheber (W3) [Adelung]


Der Zinsheber, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Derjenige, welcher den Grundzins zu fordern berechtiget ist, im Gegensatze des Zinsgebers. 2. Derjenige, welcher die Grundzinse für den vorigen heben, oder eintreibet.


Zinshenne (W3) [Adelung]


Die Zinshenne, plur. die -n, eine Henne, so fern sie als ein Grundzins gegeben wird.


Zinsherr (W3) [Adelung]


Der Zinsherr, des -en, plur. die -en, der Grundeigenthümer, so fern er von dem Inhaber Grundzins zu fordern berechtiget ist; im Gegensatze des Zinsmannes.


Zinshof (W3) [Adelung]


Der Zinshof, des -es, plur. die -höfe, ein Hof, d. i. Gut, welches zum Grundzinse verpflichtet ist, wie Zinsgut.


Zinshufe (W3) [Adelung]


Die Zinshufe, plur. die -n, eine Hufe Acker, von welcher Grundzins gegeben wird.


Zinshuhn (W3) [Adelung]


Das Zinshuhn, des -es, plur. die -hühner, ein Huhn, so fern es als ein Grundzins gegeben wird.


Zinslehen (W3) [Adelung]


Das Zinslehen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Leben, von welchem der Besitzer Grundzins zu geben verbunden ist, wohin die Zinsgüter, Zinshäuser, u. s. f. gehören.


Zinsleisten (W3) [Adelung]


Der Zinsleisten, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. im Chursächsischen, eine Verschreibung über rückständige Zinsen. Eine landschaftliche Obligation nebst den dazu gehörigen Zinsleisten. Leisten bedeutet hier ohne Zweifel so viel, als ein schmahles Stück Papier, worauf man dergleichen Verschreibungen zu schreiben pflegt, daher sie mit einem halb Franz. Worte auch Zins-Coupons heißen. S. die Leiste.


Zinsleute (W3) [Adelung]


Die Zinsleute, plur. car. Leute, welche Grund- oder Miethzins zu geben verbunden sind.


Zinsmann (W3) [Adelung]


Der Zinsmann, des -es, plur. die -männer, oder auch -leute. 1. Derjenige, welcher zum Grundzinse verpflichtet ist, in einigen Gegenden der Zinser, Zinsgeber, im Gegensatze des Zinsherren. 2. Derjenige, welcher zum Miethzinse verpflichtet ist, bey einem andern zur Miethe wohnet, wofür doch im Hochdeutschen Miethmann üblicher ist.


Zinsmeister (W3) [Adelung]


Der Zinsmeister, des -s, plur. ut nom. sing. an einigen Orten, der Einnehmer herrschaftlicher Grundzinse.


Zinspflichtig (W3) [Adelung]


Zinspflichtig, adj. et adv. verpflichtet, Grund- oder Miethzins zu bezahlen, wie zinsbar. So auch die Zinspflichtigkeit.


Zinstag (W3) [Adelung]


Der Zinstag, des -es, plur. die -täge, ein bestimmter Tag, an welchem gewisse Grund- oder Erbzinse bezahlet werden müssen.


Zinszahl (W3) [Adelung]


Die Zinszahl, plur. die -en, ein nur in der Chronologie üblicher Ausdruck, wo der Römer Zinszahl, Lat. Indiction, oder Cyclus Indictionum, eine wiederkehrende Reihe von 15 Jahren ist, welche sich mit dem 1sten Jan. anfängt. Sie hat den Nahmen von einem Gebrauche der alten Römischen Kaiser, alle 15 Jahre in den Provinzen einen gewissen Kopfzins einfordern zu lassen.


Ziper (W3) [Adelung]


Ziper, u. s. f. S. Cyper.


Zipf (W3) [Adelung]


Der Zipf, eine Krankheit der Hühner, S. Pfipps.


Zipfel (W3) [Adelung]


Der Zipfel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Zipfelchen, der zugespitzte äußere Theil eines, besonders biegsamen, Körpers. Der Zipfel an einem Tuche, Kleide, Küssen. Der Zipfel einer Wurst, das äußerste Ende. Etwas bey allen vier Zipfeln anfassen, figürl. zu Erreichung einer Absicht die sichersten Maßregeln nehmen.

Anm. Zipfel, Tipfel, Tüpfel, Zopf u. s. f. sind insgesammt genau verwandt, indem der Begriff der Spitze in allen der herrschende ist. Zipfel besonders ist von der Wurzel Zipf, welche schon um des kleinlichen i Willen etwas kleineres, oder niedrigeres als Zopf, bedeutet, und der Ableitungssylbe -el, ein Ding, Subject, zusammen gesetzt.


Zipfelläufer (W3) [Adelung]


Der Zipfelläufer, S. Riemenläufer.


Zipfelig (W3) [Adelung]


Zipfelig, adj. et adv. Zipfel habend.


Zipfelpelz (W3) [Adelung]


Der Zipfelpelz, des -es, plur. die -e, eine Art Pelze, an welchem zwey Zipfel auf dem Rücken herab hängen.


Zips (W3) [Adelung]


Der Zips, S. Pfipps.


Zirbelbaum (W3) [Adelung]


Der Zirbelbaum, des -es, plur. die -bäume, der Oberd. Nahme einer nur in Oberdeutschland, besonders der Schweiz und Tirol, einheimischen Art Fichten mit fünf verbundenen Nadeln, Pi- nus Cembra Linn. der Cember-Baum, in der Schweiz die Arben. Zuweilen, aber irrig, wird auch der Pignolen-Baum, Pinus Pinea Linn. mit diesem Nahmen belegt. ( S. Fichte.) Der Nahme ist aus dem Ital. Cerro, Lat. Cerrus, daher der Zirbelbaum auch in manchen Gegenden Zerrenbaum genannt wird.


Zirbeldrüse (W3) [Adelung]


Die Zirbeldrüse, plur. die -n, eine gewisse Drüse zu oberst in dem Gehirne, in welcher sich die Nerven und verschiedene Adern vereinigen, und welche daher von vielen für den Sitz der Seele gehalten wird. Oft schallt hier bis zur Zirbeldrüse Ein auserles'ner Dudelsack, Haged. Vielleicht von dem veralteten sich zerben, sich im Kreise drehen, sich wälzen, welches noch im Ottfried vorkommt, wegen der verflochtenen Vereinigung der Nerven.


Zirbelnuß (W3) [Adelung]


Die Zirbelnuß, plur. die -nüsse, der Samenzapfen des Zirbelbaumes. Zuweilen auch, obgleich nicht so richtig, der Samenzapfen des Pignolen- oder Pinien-Baumes.


Zirgelbaum (W3) [Adelung]


Der Zirgelbaum, des -es, plur. die -bäume, der Nahme eines in dem mittägigen Europa einheimischen Baumes, welcher auch Nesselbaum und Bohnenbaum genannt wird; Celtis L. In dem Nahmen Zirgelbaum, scheinet die erste Hälfte fremden Ursprunges zu seyn.


Zirkelbogen (W3) [Adelung]


Der Zirkelbogen, des -s, plur. die -bögen, ein Theil einer Zirkellinie.


Zirkelfigur (W3) [Adelung]


Die Zirkelfigur, plur. die -en, eine Zirkelfläche, als eine Figur betrachtet.


Zirkelfläche (W3) [Adelung]


Die Zirkelfläche, plur. die -n, eine Fläche, welche von einer Zirkellinie umschlossen wird.


Zirkelhäring (W3) [Adelung]


Der Zirkelhäring, des -es, plur. die -e, in der Handlung, Häringe, deren Fässer, worein sie gepackt worden, mit einem Zirkel bezeichnet sind.


Zirkellinie (W3) [Adelung]


Die Zirkellinie, plur. die -n, der Zirkel als eine Linie betrachtet, d. i. eine krumme Linie, welche in allen Puncten gleich weit von ihrem Mittelpuncte entfernet ist.


Zirkeln (W3) [Adelung]


Zirkeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, mit dem Zirkel (dem Instrumente dieses Nahmens,) abmessen. Über etwas zirkeln.


Zirkelpunct (W3) [Adelung]


Der Zirkelpunct, des -es, plur. die -e, der Mittelpunct eines Zirkels.


Zirkelrund (W3) [Adelung]


Zirkelrund, adj. et adv. so rund wie ein Zirkel, völlig rund.


Zirkelründe (W3) [Adelung]


Die Zirkelründe, plur. inus. die Ründe eines Zirkels, und eine jede ihr ähnliche Ründe, eine vollkommene Ründe.


Zirkelschmid (W3) [Adelung]


Der Zirkelschmid, des -es, plur. die -schmiede, ein Schmid, welcher Zirkel und andere Werkzeuge von Eisen und Stahl für die Handwerker verfertiget; wie Zeugschmid.


Zirken (W3) [Adelung]


* Zirken, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, eine nur im gemeinen Leben übliche Onomatopöie, welche von der ähnlichen Stimme der Heuschrecken, Grillen, Sperlinge u. s. f. gebraucht wird. S. auch Zirpen.


Zirlammer (W3) [Adelung]


Die Zirlammer, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Fettammer, von ihrer Stimme, zi! zi!


Zirneiche (W3) [Adelung]


Die Zirneiche, plur. die -n, eine Art Eichen, welche sehr hoch wächset, wenige kleine Eicheln träget, aber zum Bauen sehr gut ist. Vermuthlich von dem Lat. Cerrus.


Zirnenbaum (W3) [Adelung]


Der Zirnenbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Oberdeutschen Gegenden, ein Nahme des Zirkelbaumes, von dem Ital. Cerro; in andern ein Nahme der Zirneiche.


Zirpen (W3) [Adelung]


Zirpen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, eine Onomatopöie, den ähnlichen Ausdruck kleiner Vögel, der Grillen u. s. f. auszudrucken; welches ein wenig edler ist, als die im gemeinen Leben üblichen zirken, schirpen, und tschirpen. Welch ein Concert! die kleine Grille Mischt leise zirpend auch sich ein, Mus. Alman.


Zischeln (W3) [Adelung]


Zischeln, verb. reg. neutr. et act. im ersten Falle mit haben, das Diminut. von dem folgenden zischen, welches für flistern, leise reden, gebraucht wird. So zischelt er ihm in die Ohren, Gell. So auch das Zischeln.


Zischen (W3) [Adelung]


Zischen, verb. reg. welches eine Onomatopöie eines Lautes ist, welcher dem Laute dieses Verbi gleich kommt. Es ist: 1. Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, diesen Laut von sich geben, verursachen. Jetzt gleich sein wüthend Herz dem glühend heißen Stahl, Der Tropfen zischt darauf und trocknet auf einmahl, Weiße. Die Schlangen zischen. ( S. auch Auszischen.) Figürlich, leise reden, wie zischeln. Der Herr, zischt er dem Nachbar in die Ohren, Gell. 2. Activum, leise sagen, wie zischeln, flistern, wispern. Einem eine Neuigkeit in das Ohr zischen. So auch das Zischen.

Anm. Es ist eine unmittelbare Onomatopöie, welche sich mit wenig Veränderungen in allen Sprachen wieder findet, wie in dem Angels. hiscean, in dem Engl. hiss, in dem Ital. sischare, in dem Holländ. hissen, kissen, in dem Dänischen hvidske, in dem Krainischen shvisgam, in dem Pohln. kszyk, in dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, und Lat. sibilare.


Zischmaus (W3) [Adelung]


Die Zischmaus, plur. die -mäuse, S. Ziesel.


Zise (W3) [Adelung]


Die Zise, S. Accise.


Ziser (W3) [Adelung]


Die Ziser, plur. die -n, oder die Zisererbse, plur. die -n, von dem Lat. Cicer, S. Kicher.


Ziserlein (W3) [Adelung]


Das Ziserlein, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Oberdeutsch. Gegenden ein Nahme der Cornel-Kirsche, S. Kornelle.


Zither (W3) [Adelung]


1. Die Zither, (sprich Zitter,) plur. die -n, ein musikalisches Saiten-Instrument, gemeiniglich mit vier Chören Saiten, welches eigentlich eine unvollkommene Laute ist. Auf der Zither spielen, die Zither spielen. Eine Art kleiner Zithern, welche unten offen sind, werden Cithrinchen, oder Zithrinchen genannt.

Anm. Schon im Notker Ziterun, im Ital. Guitarra, im Franz. Guitarre, im Lat. Cithara, im Arab. Kithar. Da das Instrument selbst sehr alt, und morgenländischen Ursprunges ist, ( S. Psalter,) so ist es der Nahme auch, welcher vermuthlich von dem Persischen Ciar, vier, und tar, Saite, abstammet.


Zither,Zitter (W3) [Adelung]


2. * Die Zither, oder Zitter, plur. die -n, in einigen Gegenden, besonders Niederdeutschlandes, ein Nebengebäude an einer Kirche, welches entweder zu einer Sacristey oder auch zu einem Archive gebraucht wird. So wird an der hohen Stiftskirche zu Magdeburg derjenige Dom-Vicarius, der die Aufsicht darüber hat, der Cither- oder Sytermeister genannt. In Deutschen Urkunden Sytere, Syttere. Die Ableitung ist noch dunkel. Da das Wort, so viel ich weiß, nur in Niederdeutschland vorkommt, so könnte es von dem Nieders. Sied, Syt, niedrig, oder Siede, Siete, Seite, abstammen, entweder ein niedriges Gebäude, oder auch ein Seitengebäude zu bezeichnen.


Zits (W3) [Adelung]


Der Zits, des -es, plur. von mehrern Arten, oder Quantitäten, die -e, eine Art feinen bunten Kattunes, besonders desjenigen, welcher nicht gedruckt, sondern mit dem Pinsel gemahlet ist. Der Nahme ist, so wie der Zeug selbst, Ostindischen Ursprunges, von dem Bengalischen Chits.


Zitscherlein (W3) [Adelung]


Das Zitscherlein, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, der Nahme einer Art Hänflinge, von ihrer zwitschernden Stimme, S. Gräßlein und Hänfling.


Zitter (W3) [Adelung]


Der Zitter, des -s, plur. ut nom. sing. S. Zittermahl.


Zitteraal (W3) [Adelung]


Der Zitteraal, des -es, plur. die -e, eine Art elektrischer Aale, Gymnotus electricus L. der mit dem Zitterfische oder Krampffische, Raja Torpedo Linn. nicht zu verwechseln ist.


Zitteräspe (W3) [Adelung]


Die Zitteräspe, plur. die -n, eine Art Äspen, deren Blätter an langen schwachen Stielen hängen, daher sie bey der geringsten Bewegung der Luft zittern; Populus tremula Linn. die Zitterpappel.


Zitteressig (W3) [Adelung]


Der Zitteressig, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, oder Quantitäten, die -e, in den Seestädten, eine aus Obst oder Obstwein bereiteter Essig; ein aus Cider-Essig verderbtes Wort, S. Cider.


Zitterfisch (W3) [Adelung]


Der Zitterfisch, S. Krampffisch.


Zittergras (W3) [Adelung]


Das Zittergras, des -es, plur. inus. eine Grasart, welche bey der geringsten Bewegung der Luft zittert, und in der Schweiz und Italien einheimisch ist; Briza. Linn.


Zittergrün (W3) [Adelung]


Zittergrün, adj. et adv. eine Art grün, welche mit stahlgrün einerley ist, ( S. dasselbe.) Der Grund der Benennung ist mir unbekannt. Etwa für Cider-grün?


Zittermahl (W3) [Adelung]


Das Zittermahl, des -es, plur. die -e, eine Entzündung auf der Haut, welche plötzlich entstehet, und eben so geschwinde wieder vergehet; in einigen Gegenden der Zitter. S. Flechte.


Zitterer (W3) [Adelung]


Der Zitterer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche zittert. Besonders ein Nahme, welchen man auch wohl den Quakern beylegt, weil sie bey Erscheinung des innern Lichtes in ein heftiges Zittern gerathen.


Zitternadel (W3) [Adelung]


Die Zitternadel, plur. die -n, ein Stück des weiblichen Schmuckes, welcher aus einem Edelsteine an einem schwachen gewundenen elastischen Drahte bestehet, welcher sich mit einer Nadel endiget, da denn der Stein in einer beständigen zitternden Bewegung ist.


Zitterpappel (W3) [Adelung]


Die Zitterpappel, plur. die -n, S. Zitteräspe.


Zitterwurzel (W3) [Adelung]


Die Zitterwurzel, plur. die -n, oder, die Zitterwurz, plur. car. in einigen Gegenden ein Nahme des Sauerampfers, Rumex acetosa Linn. weil er gut wider die Zittermahle seyn soll.


Zitwer (W3) [Adelung]


Der Zitwer, des -s, plur. inus. die gewürzhafte Wurzel einer Ostindischen Pflanze, und diese Pflanze selbst, welche eine Art des Galgantes ist Kaempferia rotunda Linn. Zitwerwurzel, um die Wurzel von der Zitwerpflanze zu unterscheiden. Der Nahme ist so ausländisch als das Gewächs selbst, und lautet im Ital. und Lat. Zedoaria.


Zitz (W3) [Adelung]


Zitz, feiner Kattun, S. Zitz.


Zitze (W3) [Adelung]


Die Zitze, plur. die -n, die Warze an der weiblichen Brust, besonders der Thiere, die Brustwarze; am häufigsten im gemeinen Leben. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Zitz.

Anm. Das Wort ist sehr alt, und findet sich in vielen Sprachen wieder. Im Niederdeutschen lautet es Titte, im Angels. Tit, im Engl. Teat, Tett, im Schwed. Disse, Tisse, im Ital. Ciccia, Zizza, Tetta, im Franz. Teton, im Span. Teta, in den Slavon. Mundarten Cecy, Cyc, im Albanisch. Sisa, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - . Bey dem Ulphilas ist daher daddjan, säugen, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , im Wallis. diden, im Schwed. di, im Dänischen die, welche beyden letztern, als die einfachsten, das Stammwort zu seyn scheinen.


Zobel (W3) [Adelung]


Der Zobel, des -s, plur. ut nom. sing. der Nahme einer Art Felle, welche aus den nördlichsten Gegenden zu uns kommen, und nächst dem Hermelin das kostbarste Pelzwerk sind. Es wird als ein Materiale so wohl im Singular allein, als auch im Plural allein, gebraucht. Ein Mantel mit Zobel, oder, mit Zobeln gefüttert.

Anm. Zobele kommt schon in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter vor. Das Wort ist ausländisch, und vermuthlich in den nördlichen Gegenden zu Hause. Im Engl. lautet es Sable, im Ital. Zibellina, im Schwed. Sabel, im Pohlnischen und Ungarischen Sobol, Zobel, im Isländ. Safala, im mittlern Lateine Sabelum, bey dem Jornandes Pelles Saphirinae.


Zobelfärber (W3) [Adelung]


Der Zobelfärber, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Kürschner, welche die Felle, und besonders die Zobelfelle, zu färben wissen, und auch Rauchfärber heißen.


Zobelfell (W3) [Adelung]


Das Zobelfell, des -es, plur. die -e, das Fell des Zobelthieres, der Zobel individuell betrachtet.


Zobelpelz (W3) [Adelung]


Der Zobelpelz, des -es, plur. die -e, ein mit Zobel gefütterter Pelz.


Zobelthier (W3) [Adelung]


Das Zobelthier, des -es, plur. die -e, dasjenige Thier, von welchem der Zobel kommt, eine Art Marder, oder Feldmäuse.


Zofe (W3) [Adelung]


Die Zofe, plur. die -n, Diminut. das Zöfchen, eine weibliche Bediente, welche unter dem Nahmen der Kammerjungfer am bekanntesten ist. Das Wort ist in dem gewöhnlichen Hochdeutschen Sprachgebrauche veraltet, und bloß für die höhere und dichterische Schreibart aufgesparet worden. Ich schmeichle keiner großen Zofe, Günth. Sie stürzt Minister bald, bald Zofen die regierten, Zach.

Anm. Die Abstammung des Wortes ist ungewiß. Aus einigen Beyspielen bey dem Frisch erhellet, daß zofen, für ziehen, erziehen, gebraucht worden: ein wohl gezofter Mann, ein wohl gezogener, und in dieser Bedeutung kann zofen das Stammwort des Intensivi zupfen seyn. In Baiern ist zaufen für ziehen noch völlig gangbar. Allein diese scheinen hierher nicht zu gehören, wohl aber das veraltete Zofe, so fern es ehedem den Schweif, oder die Schleppe eines Kleides bedeutete, und mit den Intensivis Zopf und Zipfel verwandt ist. Von diesem Worte war Zofmagd und verkürzt Zofe, eine Bediente, welche ihrer Frau die Schleppe des Kleides nachtrug.


Zögel (W3) [Adelung]


Das Zögel, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Eisenhämmern, ein Stück eines Teuls, oder vielmehr Theiles des geschmolzenen Eisens, welches auch das Zögelschirbel genannt wird. Vielleicht von ziehen, weil es von dem Theil abgezogen wird.


Zögern (W3) [Adelung]


Zögern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, langsamer verfahren, als man soll, zu einer Veränderung mehr Zeit anwenden, als man wünscht; wie zaudern. In einer Sache zögern. Das viele Zögern ist mir sehr peinlich. Sie seufzte schon nach der zögernden Abendstunde. Anm. Zögern, Nieders. tögern, ist ein Iterativum von ziehen, zog, Nieders. tehen, welches schon in verziehen, bleiben, warten, eine ähnliche Bedeutung hat. Zaudern und zögern sind sich so wohl in der Abstammung als Bedeutung gleich, indem jenes von dem alten zauen, für ziehen, herkommt; nur daß zaudern im Hochdeutschen ein wenig üblicher ist, als zögern. Auch das Nieders. töfwen, warten, verziehen, stammet von dem alten zauen, Nieders. tauen, ab. Der Begriff des Fehlerhaften, welcher so wohl dem zaudern als dem zögern anklebt, rühret von der iterativen Form ern her.


Zögling (W3) [Adelung]


Der Zögling, des -es, plur. die -e, eine junge Person, welche man erziehet und unterrichtet, oder ehedem erzogen und unterrichtet hat, da es denn von beyden Geschlechtern gebraucht wird. Er, sie ist mein Zögling, ich habe ihn, oder sie erzogen. Zögling ist vermittelst der Ableitungssylbe ling, von ziehen, erziehen gebildet; aber auf eine irreguläre und jetzt veraltete Art, wobey die Wurzel sehr verunstaltet worden. Indessen kann man es in manchen Fällen nicht füglich entrathen, weil es an einem bessern Worte fehlet, welches den ganzen Begriff erschöpfte; denn Untergebener, Schüler u. s. f. lassen sich wohl in manchen Fällen, aber nicht jederzeit, dafür gebrauchen.


Zoll (W3) [Adelung]


1. Der Zoll, des -es, plur. die -e, ein Längenmaß, welches ungefähr der Breite eines starken Daumens gleich ist, und den zwölften Theil eines Rheinländischen Fußes ausmacht. Etwas nach Zollen messen. Die Zolle nicht mitzählen. Wenn dieses Wort ein Zahlwort vor sich hat, so bleibt es, wie so viele andere ähnliche Wörter, im Plural unverändert. Sechs Zoll lang, zehn Zoll hoch. Außer, wenn eine Präposition vorher gebet, die den Dativ erfordert, da man es auch wohl zu decliniren pflegt. Eine Länge von sechs Zollen.

Anm. Im Nieders. Toll. Die Abstammung ist ungewiß. Frisch leitet es von theilen her, aber mit eben so vieler Wahrscheinlichkeit könnte es von Dolde, die Spitze, der Gipfel, Schwed. Tull, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, das Ende, herkommen, oder auch von dem alten zellen, Nieders. tellen, schneiden, einschneiden, Franz. tailler.


Zoll (W3) [Adelung]


2. Der Zoll, des -es, plur. die -zölle, eine Abgabe für die Freyheit, durch einen Ort, oder ein Gebieth zu reisen, da denn der Zoll so wohl von Personen, als Sachen gegeben wird. Zoll von etwas geben. Einen Zoll auf etwas legen. Das Land mit Zöllen beschweren. Den Zoll verfahren, einen Umweg bey dem Zollhause vorbey nehmen. Daher der Judenzoll, Pferdezoll, Waarenzoll, Brückenzoll, Wegezoll, Marktzoll u. s. f. Anm. Schon in den ältesten Oberdeutsch. Schriftstellern Zoll, im Nieders. Toll, im Engl. Toll, im Böhmischen Celny, alle, wie es scheinet, aus dem Lat. telonium, und dieß aus dem Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, indem der Zoll allem Ansehen nach eine Römische Erfindung ist. Telonium und - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - aber können wieder von einem Worte abstammen, welches mit unserm zahlen verwandt gewesen. Das Ital. Taglia und Franz. Taille sind von einem andern Stamme, und von tagliare, tailler, auf eben die Art gebildet, wie Accise von accidere. ( S. dasselbe.) Im Oberdeutschen ist für Zoll das Wort Mauth üblich.


Zollamt (W3) [Adelung]


Das Zollamt, des -es, plur. die -ämter. 1. Das Amt, die Stelle und Obliegenheit eines Zollbeamten. 2. Ein Amt, d. i. Collegium mehrerer Personen, welches die Aufsicht über die Zölle einer Gegend hat.


Zollbank (W3) [Adelung]


Die Zollbank, plur. die -bänke, in einigen Gegenden für Zollstätte, Zollhaus.


Zollbar (W3) [Adelung]


Zollbar, adj. et adv. verbunden, Zoll zu geben. Zollbare Personen. Ingleichen, wovon Zoll gegeben werden muß. Zollbare Waaren. So auch die Zollbarkeit.


Zollbeamte (W3) [Adelung]


Der Zollbeamte, des -n, plur. die -n, ein Beamter, welcher die Aufsicht über einen, oder mehrere Zölle hat.


Zollbediente (W3) [Adelung]


Der Zollbediente, des -n, plur. die -n, ein Zollbeamter geringern Standes.


Zollbereiter (W3) [Adelung]


Der Zollbereiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zollbedienter, welcher die Straßen bereitet, damit niemand den Zoll verfahre, oder umgehe.


Zollbeseher (W3) [Adelung]


Der Zollbeseher, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Oberdeutschen Gegenden, der Visitator bey einer Zollstätte.


Zollen (W3) [Adelung]


Zollen, verb. reg. act. Zoll geben. Figürlich, als eine Schuldigkeit geben, oder entrichten. Ihr edlen Mütter opfert Specereyen, die Maraba den Tempeln zollt, Raml.


Zollfrey (W3) [Adelung]


Zollfrey, adj. et adv. von der Verbindlichkeit, Zoll zu bezahlen, befreyet. Zollfreye Waaren. Eine Waare zollfrey einführen. So auch die Zollfreyheit.


Zollgerechtigkeit (W3) [Adelung]


Die Zollgerechtigkeit, plur. inus. das Recht, einen Zoll von durchgehenden Gütern, oder Personen zu fordern.


Zollhaus (W3) [Adelung]


Das Zollhaus, des -es, plur. die -häuser, dasjenige Haus, wo der Zoll entrichtet wird.


Zollherr (W3) [Adelung]


Der Zollherr, des -en, plur. die -en, der Grundherr, welcher an einem Orte die Zollgerechtigkeit hat.


Zöllig (W3) [Adelung]


Zöllig, adj. et adv. von 1. Zoll, ein Längenmaß, einen oder mehrere Zoll enthaltend, nur in Zusammensetzungen mit Zahlwörtern. Ein zehnzölliges Fernglas, welches zehn Zoll lang ist.


Zollmaß (W3) [Adelung]


Das Zollmaß, des -es, plur. die -e, von eben demselben Worte, ein Maß nach Zollen, welches nach Zollen bestimmt wird.


Zöllner (W3) [Adelung]


* Der Zöllner, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher den Zoll einnimmt; ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches nur noch in der Deutschen Bibel vorkommt, aber noch im Oberdeutschen gangbar ist, wo es doch Zollner lautet. Im Hochdeutschen gebraucht man dafür Zolleinnehmer, Zollbedienter, oder Zollbeamter.


Zollordnung (W3) [Adelung]


Die Zollordnung, plur. die -en, eine von dem Zollherren vorgeschriebene Ordnung, nach welcher der Zoll eingenommen werden muß.


Zollpflichtig (W3) [Adelung]


Zollpflichtig, adj. et adv. verpflichtet, den Zoll zu bezahlen. So auch die Zollpflichtigkeit.


Zollrolle (W3) [Adelung]


Die Zollrolle, plur. die -n, eine Rolle, d. i. Verzeichniß der Personen und Güter, welche, und wie viel Zoll jedes zu entrichten hat; mit einem halb Französischen Worte auch der Zoll-Tarif.


Zollsäule (W3) [Adelung]


Die Zollsäule, plur. die -n, eine Säule; so fern sie das Merkmahl einer Zollstätte ist.


Zollschreiber (W3) [Adelung]


Der Zollschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. der Schreiber eines Zolleinnehmers.


Zollstab (W3) [Adelung]


Der Zollstab, des -es, plur. die -stäbe, von 1. Zoll, ein nach Zollen eingetheilter Maßstab; im gemeinen Leben der Zollstock.


Zollstadt (W3) [Adelung]


Die Zollstadt, plur. die -städte, eine Stadt, wo durchgehende Güter oder Personen Zoll erlegen müssen.


Zollstätte (W3) [Adelung]


Die Zollstätte, plur. die -n, eine Stätte, d. i. ein Ort, wo Zoll entrichtet wird.


Zollstock (W3) [Adelung]


Der Zollstock, des -es, plur. die -stöcke, S. Zollstab.


Zoll-Tarif (W3) [Adelung]


Der Zoll-Tarif, des -es, plur. die -e, S. Zollrolle.


Zone (W3) [Adelung]


Die Zone, plur. die -n, ein von Morgen gegen Abend gehender Streifen auf der Erdkugel, so fern er durch die größere Wärme oder Kälte bestimmt wird; das Clima, der Erdgürtel. Die heiße Zone, der Erdstrich zwischen den zwey Wendekreisen. Die gemäßigte Zone, der Theil zwischen den Wendekreisen und den Polar-Zirkeln. In weiterer Bedeutung wird, besonders in der höhern und dichterischen Schreibart, auch wohl ein jeder Erd- oder Himmelsstrich, ein jeder beträchtlicher Theil der Erdkugel, Zone genannt. Das Wort ist aus dem Lat. und Griech. Zona, ein Gürtel, und stammet eigentlich aus der mathematischen Geographie her.


Zopf (W3) [Adelung]


Der Zopf, des -es, plur. die Zöpfe, der äußere zugespitzte Theil eines Dinges, doch nur noch in zwey Fällen. 1. Im Forstwesen wird der Gipfel der Bäume, besonders des Nadelholzes, zuweilen noch der Zopf genannt. 2. Am üblichsten ist es von zusammen geflochtenen, oder mit einem Bande umwundenen Haupthaaren; der Haarzopf. Die Haare in einen Zopf flechten. Einen Zopf tragen. Ein steifer Zopf, wo die Haare nicht geflochten, sondern mit einem Bande fest umwunden werden.

Anm. Von einem Haarzopfe schon im Schwabenspiegel Zopfe. Es ist der Form nach ein Intensivum von dem veralteten Zaufe, ein Schweif, und zaufen, ziehen, ( S. Zofe.) Unser Schopf, das Nieders. Toop und Schwed. Tufva, ein Erdschwamm, sind genau damit verwandt.


Zopfen (W3) [Adelung]


Zopfen, S. Zupfen.


Zopfende (W3) [Adelung]


Das Zopfende, des -s, plur. die -n, im Forstwesen, der Wipfel eines Baumes, das oberste Ende desselben mit dem Wipfel.


Zopfhaar (W3) [Adelung]


Das Zopfhaar, des -es, plur. inus. oder die Zopfhaare, sing. inus. ein Collectivum, die langen Haupthaare zu bezeichnen, welche gemeiniglich in einen Zopf geflochten, oder gebunden werden.


Zopfholz (W3) [Adelung]


Das Zopfholz, des -es, plur. inus. dasjenige Holz, welches aus den Wipfeln der Bäume genommen wird. Zopfholz und Afterschlag, Wipfeln und Äste.


Zopfstange (W3) [Adelung]


Die Zopfstange, plur. die -n, in dem Feldbaue einiger Gegenden, diejenige Stange an einem vierspänigen Pfluge, an welcher die zwey vordern Ochsen ziehen; die Ziehstange, der Ziehstock.


Zorn (W3) [Adelung]


1. Die Zorn, oder Zorne, plur. die -en, in einigen Gegenden, ein Nahme der gemeinen wilden Änte, vermuthlich aus dem Lat. Cerra, welchen Nahmen sie bey einigen Schriftstellern führet.


Zorn (W3) [Adelung]


2. Der Zorn, des -es, plur. car. die Äußerung eines hohen Grades des Unwillens über eine zugefügte Beleidigung. Zum Zorn geneigt seyn. In Zorn gerathen, kommen. Jemanden zum Zorn reitzen, in Zorn bringen. Vor Zorn wüthen. Seinen Zorn an jemanden auslassen. Seinen Zorn fahren lassen, unterdrücken. Etwas im Zorne thun. Gottes Zorn auf sich laden. Uneigentlich gebraucht man dieses Wort zuweilen von der heftigen Bewegung lebloser Dinge. Der Zorn der Winde, der Wellen. So wie man es zuweilen bloß von dem Unwillen, oder Mißvergnügen über jemand gebraucht, auch wenn beyde mit keiner Äußerung derselben verbunden sind. Seinen Zorn fahren lassen, seinen Unwillen. Ehedem bedeutete es auch Zwist, Zank, Verdruß, Gram u. s. f. Das thut mir von Herzen Zorn, Das ist die Zeit hab verlorn, Theuerd. Das kränket mich. Und mit sein knecht ein zorn hett, eben das. einen Streit.

Anm. Schon bey dem Ottfried und andern alten Schriftstellern Zorn, im Niederdeutschen Toorn, im Angels. Torn. Es ist ohne Zweifel eine Onomatopöie des Knirschens mit den Zähnen, oder anderer Äußerung des Zornes bey rohen ungebildeten Menschen, und so wohl mit dem Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, zornig seyn, als dem Lat. Ira, Angels. Yrre, Zorn, verwandt. S. auch Zürnen.


Zornig (W3) [Adelung]


Zornig, -er, -ste, adj. et adv. 1. In Zorn gerathen, versetzt. Zornig seyn, zornig werden. Auf jemanden zornig seyn. Ein zorniger Mensch. 2. Zum Zorne geneigt. Ein zorniger Mensch. 3. In dem Zorne gegründet, aus demselben herfließend. Ein zorniger Blick. Ein zorniges Schreiben. 4. Heftig, nur im Oberdeutschen. Ein zorniger Wind, ein zorniges Donnerwetter.

Anm. Das ehemahlige Adverbium zorniglich, für zornig, ist im Hochdeutschen veraltet, aber im Oberdeutschen noch gangbar.


Zornruthe (W3) [Adelung]


Die Zornruthe, plur. die -n, ein bildlicher, nur in dem Kanzelstyle üblicher Ausdruck, Übel, so fern sie als Wirkungen des göttlichen Zornes betrachtet werden.


Zote (W3) [Adelung]


Die Zote, plur. die -n, Diminut. das Zötchen, Oberd. Zötlein. 1. Eine Anzahl herab hangender und zusammen klebender Haare. Die Zoten an der rohen Wolle. Eine Haarzote, dergleichen zusammen klebende Haare. Sie (die Bären) schüttelten brummend die gießenden (triefenden) Zoten, Kleist. Wetterzoten, eine weiße pelzige Materie wie Baumwolle, welche sich bey feuchter Luft an das Holzwerk anhängt. Zuweilen werden auch herab hangende Lumpen oder Lappen, besonders an den Kleidungsstücken, Zoten genannt. 2. Ein niedrig schmutziger Ausdruck aus Hang zur Unkeuschheit, ein Scherz, welcher den Wohlstand in hohem Grade beleidigt. Zoten vorbringen. Zoten reißen, das ist, vorbringen, Siehe Reißen.

Anm. Das Wort scheinet von ziehen, so fern es sich langsam bewegen, vielleicht auch herab hangen, bedeutet hat, abzustammen, und mit dem Schwed. Tätte, ein Seil, verwandt zu seyn.


Zoteln (W3) [Adelung]


Zoteln, verb. reg. neutr. mit haben, Zoten reißen, oder vorbringen.


Zotenreißer (W3) [Adelung]


Der Zotenreißer, des -s, plur. ut nom. sing. von der R. A. Zoten reißen, ein Mensch, welcher Zoten, niedrige schmutzige Scherze, vorbringt, und sein Vergnügen daran findet.


Zoticht (W3) [Adelung]


Zoticht, -er, -ste, adj. et adv. einer Zote ähnlich. Ein zerrissenes zottichtes Kleid.


Zotig (W3) [Adelung]


Zotig, -er, -ste, adj. et adv. 1. Zoten, in der ersten Bedeutung des Wortes habend. Eine zotige Decke. Ein zotiger Hund, ein zotiger Bär. Zotige Haare haben, unordentlich herab hangende und in einander verwickelte. 2. Eine Zote in der zweyten Bedeutung enthaltend; nur im gemeinen Leben.


Zottel (W3) [Adelung]


Die Zottel, plur. die -n, das Intensivum von Zote, welches doch nur im gemeinen Leben wie Zote 1 gebraucht wird. Daher wird eine gewisse Art Bären mit langen zotigen Haaren im gemeinen Leben der Zottelbär genannt.


Zotteln (W3) [Adelung]


Zotteln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, sich im schwerfälligen Trabe fortbewegen, gleichsam als wenn man mit Zotteln behangen wäre. Er zottelte hinter drein.


Zottelroth (W3) [Adelung]


Zottelroth, adj. et adv. Im Weinbaue ist der zottelrothe Wein, eine Art Weinstöcke, welche rothe lange Trauben mit kleinen Beeren trägt, und wenig geschätzt wird. Vielleicht, weil die langen Trauben wie Zotteln an dem Stocke hängen.


Zu (W3) [Adelung]


Zu, eine Partikel, welche auf eine dreyfache Art gebraucht wird, als eine Präposition, als ein eigentliches Adverbium oder Beschaffenheitswort, und als ein Umstandswort. In den beyden ersten Fällen hat sie allemahl den Ton, in dem letzten aber nur in Einer Bedeutung. I. Eine Präposition, welche allemahl die dritte Endung des Nennwortes erfordert, in welcher Gestalt sie in mehrern dem Anscheine nach verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird, welche sich zwar in gewisse Classen bringen lassen, wo sich aber die Fälle, welche in jede Classe gehören, nicht leicht allgemein bestimmen lassen, weil es bey dieser Präposition mehr, als bey irgend einer andern, auf den Gebrauch und das Herkommen ankommt, in welchem Falle man in einer oder eben derselben Bedeutung zu, oder eine andere Präposition zu gebrauchen hat. Aus dieser Ursache ist es auch nicht leicht möglich, bey jeder Bedeutung alle dahin gehörige Fälle einzeln anzugeben. Sie bezeichnet aber: 1. Einen Stand der Ruhe, an oder in einem Orte, oder Dinge. (a) Eigentlich, wo doch ihre Bedeutung sehr eingeschränkt ist. Überhaupt leidet sie in dieser Bedeutung nicht gern den Artikel, ob sie gleich in manchen Fällen den Casum durch ein angehängtes m oder r bezeichnet, oder vielmehr den Artikel nur sehr schwach anzeiget. Zu Hause seyn. Ich war gestern nicht zu Hause. Zu ebener Erde wohnen, für im ersten oder untersten Stocke. Zu Tische sitzen, am. Zu Bette liegen, im Zu Hofe dienen. Gut zu Pferde sitzen. Hier zu Lande, in unserm Lande. Es ist mir nicht zur Hand, nicht bequem. Einem zur Seite sitzen, an seiner Seite. Ich habe niemand zur Seite, der mir aufwarte, in der Nähe, zu meiner Bequemlichkeit. Ein Treffen zur See, zu Lande. Einem zur Rechten sitzen, auf der rechten Seite. Einem zur Linken gehen. Zur Ader lassen, Blut aus der Ader lassen. Nur im Plural, (welche Fälle doch selten sind,) stehet der Artikel, weil zun das Ohr beleidigen würde. Einem zu den Füßen liegen. Zu den Barfüßern, zu den Predigern wohnen, im gemeinen Leben, für in der Gegend des Barfüßerklosters, der Predigerkirche oder der Predigerhäuser. Ingleichen vor eigenen Nahmen des Ortes, für in. Die Gesandten zu Regensburg. Er lebt zu Berlin. Zu London ist es sehr theuer, besser, in. Er spielte zu Dresden eine ganz andere Rolle. Der Bischof zu Speyer, Churfürst zu Sachsen, besser, von. Freyherr von Freyberg zu Hohenau, wofür auch auf üblich ist. Zu Jerusalem ist die Stätte, wo man anbethen soll. Zu Paris geboren. Die Universität zu Leipzig, zu Halle u. s. f. Das Schloß zu Braunschweig. Zu Jena studieren. Im Lande zu Sachsen, besser, in Sachsen. Prediger zu St. Thomä, an der Thomas-Kirche. (b) Eine Zeit. 1. Wenn etwas ist, oder geschiehet, auch nur in einigen eingeführten Fällen. Zu Anfange, besser, an Anfange, anfänglich. Zu Mittag fand ich ihn, besser, um den Mittag, oder am Mittage. Zu derselben Stunde, in. Zur Stunde aber bedeutet so viel als sogleich, auf der Stelle: einem zur Stunde willfahren. Heut zu Tage, besser, zu unsern Zeiten, gegenwärtig, jetzt. Zu Nacht essen, besser, Abends speisen, oder Abendmahlzeit halten. Besonders mit dem Worte Zeit. Zu der Zeit, damahls. Zu meiner Zeit, als ich noch lebte, oder als ich mich noch in solchen Umständen befand. Sie kamen zu einer und eben derselben Zeit. Zu früher Tageszeit. Zu rechter Zeit. Zur Zeit der Noth. Zur Zeit bleibt es noch unter uns, jetzt. Zur Unzeit schweigen. Zur andern Zeit. Zu Zeiten, zuweilen. 2. Eine Zeitdauer zu bezeichnen. Zu halben Stunden plaudern. Zu ganzen Tagen spielen. Zu halben Nächten trinken. Welche Fälle man doch in der edlern Schreibart lieber umschreibet. (c) Eine Art und Weise. 1. Eigentlich: auch nur in einigen Fällen. Zu Wasser, zu Lande reisen. Zu Pferde, zu Fuße kommen. Hundert Mann zu Pferde, tausend Mann zu Fuß. Zu Deutsch, zu Latein, besser, auf Deutsch, auf Lateinisch. Ihm ist nicht wohl zu Muthe. Zur Noth. Zur Genüge haben, genug. Zum Überfluß. Zum öftern, oft. Zur Ungebühr mit etwas groß thun, auf eine ungebührliche Art. Sie kommen zu Paaren, in Paaren, Paarweise. Sie fliegen zu Scharen empor. Da starben sie zu tausenden. Besonders von den Superlativen, sie als Adverbia zu gebrauchen, da denn das Merkmahl des Datives an das zu gehänget wird. Zum wenigsten, auf das wenigste. Ich bin zum höchsten verbunden. Sich zum schönsten bedanken, im gemeinen Leben für auf das beste, verbindlichste. Er machte es unter allen zum besten. Die ganze Form gehöret höchstens in die vertrauliche Sprechart, indem man in der edlern dafür die Form mit auf das vorziehet, auf das höchste verbunden. Besonders 2. eine Zahlordnung. Zum ersten, zum andern, zum dritten u. s. f. erstens, zweytens, drittens. Zum ersten, zweyten, dritten Mahle u. s. f. Zuerst kommen, der erste seyn. Zuletzt kommen, der letzte seyn. Zum letzten Mahle. Zu guter Letzt. 3. Ein Verhältniß; nur in einigen wenigen Fällen. Alle Ausgaben mit zur Hälfte tragen. Den Gulden zu 16 Groschen gerechnet. Die Elle zu zwey Fuß, das Pfund zu 16 Unzen gerechnet. Wie sich verhält 2 zu 4, so verhält sich 6 zu 12. 2. Die Richtung einer Bewegung, oder Handlung nach einem Gegenstande; auch nur in manchen Fällen, indem in andern andere Präpositionen hergebracht sind. (a) Eigentlich, die Richtung einer Bewegung nach einer Person, oder einem Gegenstande. Komm zu mir. Gehe zu ihm. Zu einem eilen, laufen, fahren, reisen, schwimmen, u. s. f. Sich zu einem kehren, wenden, setzen, legen, nahen. Seine Augen zu jemanden aufheben. Zu wem wollt ihr? Ich will dich zu ihm führen. Zu jemanden in das Haus ziehen. Etwas zu sich nehmen, zu sich stecken. Da denn die Richtung oft durch ein Umstandswort noch näher bestimmt wird. Zum Fenster hinaus fallen, zum Fenster hinein steigen. Zur Thür hinein, hinaus gehen. Den Weg zum Lande hinaus suchen. Besonders in sehr vielen adverbischen Ausdrücken, wo zu, mit dem Substantive ohne Artikel gebraucht, die Stelle eines Adverbii vertritt. Zu Tische, zu Bette, zur Kirche gehen. Zum Tanze gehen, kommen. Zu Felde ziehen. Zur Beicht, zum Abendmahl gehen. Zur Mahlzeit gehen. Zu Hause kommen. Zur Stadt kommen. Waaren zu Markte bringen. Zu Winkel kriechen. Zu Gaste gehen. Zur Schule kommen. Zu Neste tragen. Zu Baume steigen, zu Baue kriechen, bey den Jägern. Zur Hochzeit, zur Leiche gehen. Zu Boden sinken, fallen, werfen. Zu Schiffe gehen. Sich zu Pferde setzen. Zu Stuhle gehen. Eine Leiche zu Grabe tragen. Zu Grunde gehen. Die Haare stehen mir zu Berge. Besonders mit Auslassung des ander. Von Haus zu Haus gehen, von einem Hause zum andern. Von Thür zu Thür betteln. Ich will von Insel zu Insel schweifen. Von Tag zu Tage, von Stunde zu Stunde, von Jahr zu Jahr. S. Ander. Eben so häufig in vielen figürlichen Ausdrücken, wo zwar zu die obige eigentliche Bedeutung behält, der ganze Ausdruck aber figürlich ist. Einem zu Leibe gehen, im gemeinen Leben, auf ihn losgehen. Etwas zu Papiere bringen, aufschreiben. Jemanden zur Verantwortung ziehen, Red' und Antwort von ihm fordern. Ihn zur Rede setzen. Sich zur Ruhe setzen. Einen nicht zu Worte kommen lassen. Sich zum Ziele legen. Wenn es zum Bezahlen kommt. Und von Worten kams zu Schlägen. Wie bist du dazu gekommen, wie hast du es bekommen? Wie komme ich zu der Strafpredigt? Etwas zu Herzen nehmen. Das ging ihm zu Herzen. Einem etwas zu Gemüthe führen. Er wächst mir zu Kopfe, wird mir zu mächtig, überlegen. Zum Kreuze kriechen, sich demüthigen. Von Kopf bis zu Fuß, bis auf die Füße. Jemanden zu sich selbst bringen, wieder zu sich kommen. Zu Rathe gehen, rathschlagen. Zu Rathe ziehen, um Rath fragen. Zu Schaden kommen, Schaden nehmen, beschädigt werden. Wieder zu seinem Vorhaben kommen. Es gehet zu Ende, ist zu Ende, ist geendigt. Etwas zu Ende bringen, endigen. Zu Fleisch kommen, im gemeinen Leben, für fett werden. Zum Vermögen kommen, reich werden. Er kann zu nichts kommen, erwischt nichts. Einem zu Hülfe kommen, eilen. Zu Stande bringen, kommen, bewerkstelligen. Zu Werke gehen, etwas anfangen. Zu Werke richten, vollenden. (b) Die Richtung einer Handlung, oder auch des Gemüthes auf einen Gegenstand. Zu Gott bethen. Luft zu etwas haben. Zur Arbeit, zum Müßiggange, zum Sitzen gewöhnt. Zu etwas treiben, nöthigen, zwingen, bitten, berufen. Sich zu etwas bequemen, rüsten, bereiten u. s. f. Es kommt zum Treffen. Jemanden zu etwas einladen, zum Tanze, zu Gaste bitten. Zu einer Sache etwas beytragen. (c) Eine zufällige Verbindung eines Dinges mit dem andern, eine Gesellschaft; nur in einigen Fällen. Brot zum Fleische essen. Zu meiner Zärtlichkeit verlang ich keine Zeugen, Gell. Zu etwas schweigen. Zu allem lachen. Zu etwas ja sagen. Jemanden etwas zum neuen Jahre, zu seinem Geburtstage schenken, wo es auch die obige Bedeutung der Zeit haben kann. Die Pflästerchen schicken sich gut zu deinem Gesichte. Die Knöpfe schicken sich nicht zu der Farbe. (d) Eine Bestimmung. Ein Gefäß zur Milch. Rauchwerk zu einem Pelze, Tuch zu einem Kleide. Wasser zum Trinken, zum Waschen. Papier zum Drucken, Schreiben. Ein Pinsel zum Mahlen. Ein Keller zum Wein. Ein Pferd zum Reiten. Holz zum verbrennen. Geld zum Spielen. Wo sich die ganze Redensart sehr oft in ein Compositum zusammen ziehen läßt. Spielgeld, Brennholz, Reitpferd, Weinkeller, Trinkwasser, Waschwasser u. s. f. Zum Leiden gemacht, zur Freude bestimmt. Das reicht zu seinem Unterhalte nicht zu. Einem etwas zu einem Kleide schenken. Zu nichts taugen. Zu etwas tüchtig, fähig, geschickt seyn. Zum Todeverurtheilen. Meine Zeit ist mir zu solchen Beschäftigungen zu kostbar. (e) Die Endursache, der Endzweck, Bewegungsgrund. Dir zum Nutzen, zum Besten, zum Vortheil; mir zum Schaden, zum Nachtheil. Das gereicht zu deiner Ehre, zu deiner Schande. Jemanden etwas zum Possen, zum Verdrusse, zu Liebe, zum Gefallen thun. Es stehet ihnen zu Diensten, zu Gebothe, zu Befehl. Was ist zu ihrem Befehle? Zu dem Ende. Halten sie es mir zu Gute, verzeihen sie es mir, nehmen sie es nicht übel. Wollen sie mir's zur (aus) Dankbarkeit geben, so nehme ich es an, Gell. Du wirst es zu deiner Qual wählen. Das ist dir zu Gut geschehen, zu deinem Besten. Etwas zur Schau herum tragen. Zu meinem Glücke, Unglücke. Bey jemanden zum Besuche seyn. (f) Die Hervorbringung einer neuen Qualität an einem Dinge, vor der neuen Qualität. Zu Erde, zu Staub, zu Stein werden. Zu Wasser werden, auch figürlich, vereitelt werden. Etwas zu Pulver stoßen, reiben, mahlen. Etwas zu Gelde machen, es verkaufen. Jemanden zum Pabst wählen, zum Kaiser krönen, zum Statthalter ernennen. Zum Priester weihen. Zur Frau, zum Mann nehmen. Zum Doctor, Magister machen. Zum Narren machen werden. Sich zum Herren aufwerfen. Es wird mir zu Theil. Sich jedermann zum Feinde machen. Jemanden zum Gevatter bitten. Ihr bekommt ihn zum Vater. Das Leben wird mir zur Last. An einem zum Mörder, zum Verräther werden. Eine Person zur Frau verlangen. Sich zum Fürsten aufwerfen. Das werde dir zum Fluche. Zum armen, zum reichen Manne werden. Ein Latinismus ist es, wenn man hier das zu wegläßt, welches in der Deutschen Bibel mehrmahls geschiehet. Z. B. Ich habe dich gemacht vieler Völker Vater. 1. Mos. 17, 5. Du machest mich ein Haupt, Ps. 18, 44. Er ist verordnet von Gott ein Richter, Apost. 10, 42. (g) Eine Stellvertretung, das Verhältniß, da ein Ding eine gewisse Quantität vorstellet. Jemand zum Zeugen nehmen. Gott zum Zeugen anrufen. Das soll dir zum Zeichen, zum Merkmahl dienen. Etwas zum Beyspiel, zum Muster nehmen. Einer Gesellschaft etwas zum Besten geben, es ihr Preis geben, unter selbige austheilen. Jemanden zum Besten haben, ihn aufziehen, äffen. Etwas zum Frühstücke essen. Zum Beschluß. (h) Zuweilen dienet es bloß, eine Apposition näher zu bestimmen. Sie hat einen liederlichen Menschen zum Bruder. Er hatte einen großen Mann zum Vater. Jemanden zum Nachbar haben. Ich habe ihn zum Freunde, er ist mein Freund. (i) Die Wirkung einer Handlung. Sich zu Tode trinken, grämen, freuen. Das ist zum todt lachen, man möchte sich darüber todt lachen. O, ich freue mich zum närrisch werden. Das ist zum toll werden. II. Als ein Adverbium, oder Beschaffenheitswort, welches folglich nur mit Verbis gebraucht werden kann, ihren Begriff näher zu bestimmen. Es hat in diesem Falle nur eine einzige Bedeutung, indem es so viel als verschlossen, zugemacht, bezeichnet, im Gegensatze des offen. Die Thür ist zu. Die Thür ging nicht zu. Es ist in dieser Bedeutung nur in der Zusammensetzung mit Verbis üblich: zumachen, zuschließen, zusiegeln, zudrehen, zubinden, zuschnüren u. s. f. weil zu für sich allein in dieser Bedeutung veraltet ist, daher die Verba, welchen es zugesellet wird, als Composita betrachtet werden müssen. In einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten hingegen wird es so gar noch als ein Adjectiv gebraucht: ein zues Haus, ein zugemachtes, verschlossenes. III. Als ein Umstandswort, welches einen bloßen Umstand bezeichnet, und daher so wohl Verbis, als Nennwörtern, Adverbiis und andern Umstandswörtern zugesellet werden kann. Es kommt hier in doppelter Gestalt vor. 1. Betont. (a) Eine Beschleunigung, oder Verstärkung der Bewegung zu bezeichnen. So wohl für sich allein und als eine Interjection: zu! zu! die Beschleunigung anzubefehlen; als auch in der Zusammensetzung mit Verbis, in eben derselben Bedeutung: zugehen, seinen Gang beschleunigen. So auch zulaufen, zuschlagen, zureiten, zufahren u. s. f. Doch diese ganze Bedeutung ist nur im gemeinen Leben üblich. (b) Die Richtung einer Bewegung näher zu bestimmen, da es denn allemahl andern Umstandswörtern und Präpositionen zugesellet wird. Gerade auf etwas zu gehen; im gemeinen Leben, gleich zu gehen. Schaue zum Meere zu, 1 Kön. 18, 43. besser, nach dem Meere hin. Der Hase lief nach dem Walde zu. Der Fremde ritt nach der Stadt zu; wo es oft nur eine ungefähre Richtung bezeichnet. Bestimmter ist die Richtung nach dem auf: da lief er auf mich zu. So auch auf etwas zu reiten, fahren, eilen, schlagen, stoßen, hauen u. s. f. Da zu hier bloß die Präposition näher bestimmet, so folget daraus, daß es unnöthig ist, wenn diese die Richtung schon bestimmt genug bezeichnet. Folglich nicht, er wandte sich nach mir zu, weil das nach hier keiner nähern Bestimmung bedarf. Wohl aber, er ritt nach der Stadt zu, weil es hier bloß eine ungefähre Richtung bezeichnen soll, die das nach für sich allein nicht ausdrücken kann. Eine andere Frage ist, ob das zu in dieser Bedeutung mit dem Verbo ein Compositum ausmacht. Wenn die Zusammensetzung nicht auf bloße Willkühr, sondern auf Grundsätze beruhen soll, so muß die Frage mit nein beantwortet werden. Denn 1. gehöret das zu hier unstreitig zu dem Adverbio, oder der Präposition; diese bestimmt es unmittelbar, dagegen das Verbum nur mittelbar bestimmt wird. Fände eine Zusammensetzung Statt, so müßte sie mit dem Adverbio, oder der Präposition geschehen: geradezu, darauf zu gehen; welches aber nicht üblich ist, und zwar aus dem gleich folgenden Grunde. 2. Die Zusammensetzung findet unter andern nur in solchen Fällen Statt, wenn ein Wort entweder für sich allein veraltet ist, oder eine sehr elliptische Bedeutung bekommt. Allein keines von beyden läßt sich hier anwenden, daher die Zusammenziehung fehlerhaft seyn würde, besonders wenn man den vorigen Grund mit dazu nimmt. 2. Unbetont, so daß es den Ton, welchen es in den vorigen Fällen hatte, auf das folgende Wort wirft. Es dienet in dieser Gestalt zur nähern Bestimmung theils des Infinitives, theils eines Adverbii, oder Umstandswortes. (a) Eines Infinitives, wobey vorläufig zu bemerken, daß man diesen Infinitiv mit zu gemeiniglich das Gerundium nennet, weil er unter andern auch zur Umschreibung des Lateinischen Gerundii dienet; welches doch ein wenig unschicklich ist, theils weil dessen Gebrauch sich weiter erstreckt, als des Lateinischen, theils aber auch, weil es eine wahre Umschreibung ist, und aus zwey ganz verschiedenen Wörtern bestehet. Diesen Infinitiv mit zu gebraucht man vornehmlich in folgenden Fällen. (1) Nach vielen Verbis, den Gegenstand derselben, eine Absicht, eine Möglichkeit und Nothwendigkeit zu bezeichnen, und zuweilen auch zwey Sätze in Einen zusammen zu ziehen. a. Einen Gegenstand der Handlung des vorhergehenden Verbi. Es fängt an zu regnen. Er höret auf zu spielen. Ich befehle dir zu kommen. Ich fürchte zu fallen. Er bath mich, es nicht zu thun. Ich werde es herbey zu schaffen suchen. Ich werde mich bemühen, dir zu gehorchen. Laß dir nicht einfallen, wieder zu kommen. Er weiß viel davon zu sagen. Man zwang mich zu gehen. Er pflegt nach dem Essen zu schlafen. Ich wünsche, es zu erleben. Ich habe dir viel zu sagen. Nichts zu essen haben. Einem zu thun geben. So auch mit dem Participio Präteriti, so wohl im passiven als activen Verstande. Im passiven. Die Schöpfung schien einem ewigen Tode übergeben zu seyn. Es kränkte ihn, sich übertroffen zu sehen. Im activen. Er behauptet, es gesehen zu haben. Er bekannte, es gethan zu haben. In allen diesen Fällen läßt sich der Infinitiv mit zu nur gebrauchen, wenn das Prädicat kurz ist; ist es lang, oder macht es einen eigenen Satz aus, besonders wenn es wieder sein eigenes Subject hat, so muß der Infinitiv mit daß aufgelöset werden. b. Eine Absicht. Ich kam nur her, dich zu sehen. Ich reisete nur hin, ihn zu sprechen. Wenn die Absicht, oder der Bewegungsgrund noch näher bestimmt werden soll, so wird noch um hinzu gesetzet: wir leben nur, um zu essen. ( S. Um.) c. Eine Möglichkeit, doch nur nach dem Verbo seyn. Hier ist etwas zu sehen. Bey der Sache ist nichts zu verdienen. Er ist immer daselbst anzutreffen. d. Eine Nothwendigkeit, nach seyn und haben. Was ist bey der Sache zu thun. Mit dem Tode ist nicht zu scherzen. Es sind noch zehn Thaler zu berechnen. Ich habe zu schreiben. Du hast mir viel zu verdanken. e. Zwey Sätze in Einen zusammen zu ziehen. Theils, wenn sie mit und verbunden werden sollten. Ich darf mich nicht der Gefahr aussetzen, diesen Menschen zu sehen, für, und diesen Menschen sehen. Dieß läßt sich nur thun, wenn sich der zweyte Satz ausdrücklich als der Gegenstand, oder die Absicht zu den ersten verhält; in andern Fällen wird es ein fehlerhafter Gallicismus. Theils und am häufigsten, nach dem ohne, wenn ein Verbum finitum mit daß darauf folgen sollte. Ich sprach mit ihm, ohne zu wissen, wer er war, für, ohne daß ich wußte, wer es war. S. Ohne. Noch gehöret hierher der elliptische Gebrauch des Infinitives mit zu, einen mit Verwunderung vermischten Verweis zu bezeichnen. Mir so zu begegnen! Das Netz, sprach dieser, nicht zu sehn? Dir, Flattergeist, ist recht geschehn, Gell. Fehlerhaft hingegen wird der Infinitiv mit zu. 1. Wenn der Infinitiv das bloße Subject der Rede ist. Berühmt werden, ist keine Kunst, nicht, berühmt zu werden. So auch, Gott dienen ist die erste Pflicht. Wohl aber, wenn die Rede umgekehrt wird, so daß die Bedeutung des Gegenstandes wieder eintritt: es ist keine Kunst berühmt zu werden. 2. Nach solchen Verbis, welche einen bloß allgemeinen Umstand der Handlung bezeichnen, denen folglich diese bloß im Infinitive beygefüget wird. Solche Verba sind: dürfen, können, lassen, mögen, müssen, sollen, werden, wollen; und in manchen Fällen auch: fühlen, heißen, helfen, hören, lehren, lernen, sehen, finden, gehen, haben, machen, nennen, seyn, thun u. s. f. Siehe diese Verba, ingleichen die Sprachlehre. 3. Wenn das Eigenthümliche der Deutschen Sprache, und die ihr eigenen Begriffe der Deutlichkeit und des Wohlklanges die Auflösung mit daß erfordern. Nicht: er glaubte es entschieden zu seyn, der Staat scheinet sich einen allgemeinen Nutzen davon versprechen zu können; sondern, er glaubte, daß es entschieden sey, es scheinet, daß der Staat sich u. s. f. Eben so fehlerhaft ist der pleonastische Gebrauch dieses Infinitives mit zu: man hätte es kürzer zu seyn gewünscht, kürzer und besser, man hätte es kürzer gewünscht; er ist im Stande etwas dazu beytragen zu können, besser, etwas dazu beyzutragen. (2) Nach Substantiven, wenn der Gegenstand des Begriffes eines Verbi durch den Infinitiv ausgedruckt werden muß, da denn dieser allemahl das zu bekommt. Es ist Zeit, zu gehen. Lust zu lachen haben. Du hast keine Ursache, dich zu beklagen. Die Ehre, ihn zu sehen. In Gefahr, zu ertrinken. Erlaubniß, zu gehen. Freyheit zu kommen. Der Befehl, etwas zu thun. Der Eifer Gutes zu thun. Macht zu schaden. (3) Nach Adverbiis, gleichfalls wenn deren Begriff, und besonders der Gegenstand, durch ein Verbum bestimmt werden muß, besonders nach solchen, welche eine Möglichkeit, Leichtigkeit, Schwierigkeit, Nothwendigkeit, Pflicht, Neigung u. s. f. bezeichnen. Leicht zu bewerkstelligen. Schwer zu thun. Möglich zu glauben. Begierig zu hören. Geneigt zu folgen. Hart zu beißen. Bereit zu folgen. Da denn der Infinitiv bald thätig, bald leidend erkläret werden muß, je nachdem der Sinn des Adverbii es erfordert. Einige Adverbia bedürfen des zu nicht. Hier ist gut wohnen. Du hast gut sagen. Hier ist schlecht gehen. (b) Eines Adverbii, oder andern Umstandswortes, einen Grad des folgenden Begriffes, der die gegenwärtige Absicht übertrifft, zu bezeichnen. Die Sache ist für mich zu theuer. Das Haus ist für mich zu groß. Ich bin zu zärtlich gerührt, als daß ich viel reden könnte. Er saß zu fern, als daß er es hätte hören können. Wenn nur oder gar vorher gehet, so bezeichnet der ganze Ausdruck eine Intension. Ich bleibe gar zu gern zu Hause, sehr gern. Ich bin nur zu gewiß, daß er es war, vollkommen gewiß. Ich fürchte, daß mir diese unglückliche Entdeckung nur mehr als zu sehr bekannt ist, Gell. Eigentlich hat das zu den Ton auch hier nicht; allein, wenn man den übertriebenen Grad vorzüglich will hervor stechen lassen, so pflegt man es oft zu betonen: o das ist viel zu groß!

Anm. Zu ist ein uralter Wurzellaut, welcher ursprünglich eine Onomatopöie der Richtung, der Annäherung ist, von welchem Begriffe alle übrige Bedeutungen entsprungen sind. Im Nieders. lautet es so. Es wird diese Partikel in Zusammensetzungen sehr häufig gebraucht, da denn fast alle vorige Bedeutungen wieder vorkommen, aus welchen denn oft neue figürliche entstehen. In Ansehung des Tones merke man noch, daß, wenn es mit Verbis und denn davon abgeleiteten Nennwörtern zusammen gesetzet ist, es allemahl den Ton hat: zudecken, Zubuße, zuwerfen u. s. f. aber wenn es mit Umstandswörtern zusammen gesetzet ist, oder in der Zusammensetzung mit einem Nennworte ein Umstandswort bildet, es den Ton auf das folgende Wort wirft: zugegen, zunächst, zuweilen, u. s. f. Was aber in diesem Falle wahre Zusammensetzungen sind oder nicht, läßt sich hier nicht ausführen, daher ich auf meine Sprachlehre und auf mein Lehrgebäude verweisen muß, wo solches hinlänglich geschehen. Ein den Niederdeutschen Mundarten sehr gewöhnlicher Fehler ist es, dieses zu in der Zusammensetzung mit Verbis, mit zer zu verwechseln: zubrechen, zustören u. s. f. für zerbrechen, zerstören. S. Zer.


Zubauen (W3) [Adelung]


Zubauen, verb. reg. act. durch Bauen, oder durch einen Theil des Gebäudes verschließen. Einen Gang zubauen.


Zubehör (W3) [Adelung]


Das Zubehör, S. Zugehör.


Zubeißen (W3) [Adelung]


Zubeißen, verb. irreg. neutr. ( S. Beißen,) mit dem Hülfsworte haben, anfangen, wacker zu beißen. Voll Begierde biß er zu, Weiße.


Zubereiten (W3) [Adelung]


Zubereiten, verb. reg. act. zu einem gewissen Gebrauche geschickt machen, wo das zu die Absicht, die Richtung, näher bestimmt, als bereiten. Das Leder zubereiten. Jemanden die Speisen zubereiten. Kinder zum Empfange des Abendmahles zubereiten.


Zubereitung (W3) [Adelung]


Die Zubereitung, plur. die -en. 1. Das Zubereiten, als eine abstracte Handlung betrachtet, ohne Plural. 2. Eine einzelne Handlung dieser Art, mit dem Plural. Zubereitungen zur Reise, zur Hochzeit machen.


Zubetten (W3) [Adelung]


Zubetten, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit haben, ein nur in der Bienenzucht übliches Wort. Die Bienen betten zu, wenn sie die Zellen derjenigen jungen Bienen, die sich in Püppchen verwandeln wollen, zuschmieren.


Zubiegen (W3) [Adelung]


Zubiegen, verb. irreg. act. ( S. Biegen,) durch Umbiegung eines Theiles verschließen.


Zubilligen (W3) [Adelung]


Zubilligen, S. Abbilligen.


Zubinden (W3) [Adelung]


Zubinden, verb. irreg. act. ( S. Binden.) 1. Mit einem angezogenen Bande verschließen. Den Sack, einen Beutel zubinden. 2. Mit einer darüber gelegten Binde verschließen; verbinden. Einem die Augen zubinden. So auch das Zubinden.


Zublasen (W3) [Adelung]


Zublasen, verb. irreg. ( S. Blasen.) Es ist: 1. Neutrum, mit haben, wacker anfangen, zu blasen. Blase zu! Ingleichen eifrig fortfahren, zu blasen; im gemeinen Leben. Der Wind bläset immer zu. 2. Activum. (1) Durch Blasen verschließen. So blasen die Glasarbeiter auf den Glashütten eine Öffnung in dem Glase zu. 2. Einem etwas zublasen, so wohl eigentlich, nach ihm hin blasen; als auch figürlich, ihm etwas zuflistern, leise nach dessen Ohre zu sagen. So auch das Zublasen.


Zubrennen (W3) [Adelung]


Zubrennen, verb. irreg. act. ( S. Brennen.) 1. Durch Brennen verschließen. Eine Wunde, eine Öffnung zubrennen. 2. Einen Meister zubrennen, bey dem Kohlenbrennern, ihn bey verschlossenem Feuer brennen lassen, ehe man einen Bruch hinein macht. 3. Die Erze zubrennen, im Hüttenbaue, sie durch Rösten von den beygemischten Unarten reinigen. So auch das Zubrennen.


Zubringen (W3) [Adelung]


Zubringen, verb. irreg. act. ( S. Bringen.) 1. Zu jemanden bringen, mit dem Dativ der Person. Jemanden Wasser, Wein zubringen. Sie hat ihm ein schönes Vermögen zugebracht, durch die Heirath zu ihm gebracht. Zugebrachte Kinder, welche man nicht selbst erzeuget, sondern mit dem einen Theile erheirathet hat. 2. Die Zeit mit etwas zubringen, damit vergehen lassen. Den Tag mit Spielen, sein Leben mit Kleinigkeiten zubringen. So auch das Zubringen. 3. Einem ein Glas zubringen, zutrinken.


Zubringer (W3) [Adelung]


Der Zubringer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Pumpe mit einem Schlauche, das Wasser aus der Tiefe in die Höhe der Feuerspritze zuzubringen.


Zubrocken (W3) [Adelung]


Zubrocken, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben im figürlichen Verstande üblich ist. Ich habe dabey zehn Thaler zugebrockt, nach und nach aus meinem Vermögen dabey aufgewandt.


Zubrot (W3) [Adelung]


Das Zubrot, des -es, plur. car. S. Zuspeise.


Zubrüsten (W3) [Adelung]


Zubrüsten, verb. reg. act. welches nur im Berg- und Hüttenbaue üblich ist. Das Gestein zubrüsten, es eben hauen, damit man mit dem Bohrer dazu kann. Die Vorwand zubrüsten, in der Schmelzhütte, sie verschmieren, oder verwahren. So auch das Zubrüsten.


Zubühnen (W3) [Adelung]


Zubühnen, verb. reg. act. gleichfalls nur im Bergbaue, mit Holzwerk belegen und verschließen. Einen Schacht, oder Bruch zubühnen. So auch das Zubühnen.


Zubuße (W3) [Adelung]


Die Zubuße, plur. doch nur von mehrern Summen oder Quantitäten, die -n, der Beytrag zu Bestreitung der Kosten einer Unternehmung; ein nur noch im Bergbaue und ähnlichen Anstalten übliches Wort, wo es den Beytrag an den Kosten bedeutet, welchen die Gewerken oder Interessenten nach Abzug der Ausbeute noch zuschießen müssen. Daher die Zubußzeche, oder Zubußgrube, eine Zeche, welche noch nicht so viel einträgt, daß die Kosten davon bestritten werden können, sondern, wozu die Gewerken nachschießen müssen. Der Zubußzettel, worauf dieser Nachschuß verzeichnet ist. Der Zubußbothe, der dergleichen Zettel den Gewerken überbringt, und die Zubuße einnimmt.


Zubüßen (W3) [Adelung]


Zubüßen, verb. reg. act. 1. Zubuße geben. Alle Vierteljahre zehen Thaler zubüßen. 2. In weiterer Bedeutung, wie zubrocken. Sein Vermögen bey etwas zubüßen, aufwenden, zusetzen.


Zucht (W3) [Adelung]


Die Zucht, plur. doch nur in wenigen Fällen, die Züchte, von dem Verbo ziehen, doch nur in einigen Bedeutungen desselben. 1. In der eigentlichen Bedeutung, ein Werkzeug oder Ding zum Ziehen, in welcher doch nur in der Landwirthschaft einiger Gegenden die Kette am Pfluge, welche den Pflug und die Räder zusammenhält, die Zucht genannt wird. In einem andern Verstande bedeutet es in Abzucht einen Canal. In beyden Fällen ist der Plural üblich. 2. Von ziehen, die Fortpflanzung und den Wachsthum veranstalten, ist Zucht, und zwar ohne Plural. (1) Die Fortpflanzung eines Thieres, oder einer Art Thiere; doch nur in den Redensarten; gut zur Zucht seyn; einen Bullen zur Zucht halten; eine Sau zur Zucht gehen lassen. Ingleichen in Zusammensetzungen, so daß Zucht voran stehet: eine Zuchtsau, eine Zuchtstutte, ein Zuchtschaf, u. s. f. welche man zur Fortpflanzung bestimmet hat. (2) Die Veranstaltung der Fortpflanzung mit Einschluß des groß Ziehens, der Pflege und Wartung. In dieser Bedeutung wird es nur in Zusammensetzungen gebraucht, so daß Zucht hinten stehet, und auch hier nur von Thieren, obgleich ziehen auch von Gewächsen üblich ist. Die Lämmerzucht ist dieses Jahr nicht gerathen. So auch die Viehzucht, Pferdezucht, Schafzucht, Bienenzucht u. s. f. Von leblosen Dingen gebraucht man Bau: Honigbau, Seidenbau, Flachsbau, Getreidebau u. s. f. (3) Gezogene junge Thiere; als ein Collectivum. Die junge Zucht, aufgezogene Thiere. Von Kindern wird es nur im verächtlichen Verstande gebraucht. (4) Eine Menge zugleich gezogener Thiere einer Art; nur in einigen, besonders Niederdeutschen Gegenden. Eine Zucht Schafe, eine Herde. Eine Zucht junger Hühner, eine Brut. S. auch Gezücht. 3. Von ziehen, zu einem pflichtmäßigen Verhalten anleiten, ist Zucht, und zwar gleichfalls ohne Plural. (1) Die Anleitung zu einem pflichtmäßigen Verhalten, wo der Begriff der Schärfe in den nöthigen Fällen, bald mehr, bald weniger vorsticht. Seine Kinder in guter Zucht halten; gute Zucht unter seinen Kindern, unter den Soldaten halten. Eine scharfe Zucht einführen. Der Zucht entwachsen seyn, sich Altershalber nicht mehr ziehen lassen. Sich der Zucht unterwerfen. Aus der Zucht kommen. Nicht mehr unter der Zucht stehen. Ein Kind jemandes Zucht übergeben. So auch Kinderzucht, Mannszucht, Kirchenzucht; ingleichen mit mehr hervor stechendem Begriff der Schärfe, Zuchthaus, Zuchtmeister u. s. f. (2) Die Wirkung dieser Zucht, wo es besonders noch für Sittsamkeit, Schamhaftigkeit und Ehrbarkeit gebraucht wird. Ohne Zucht und Ehrbarkeit leben. Alle Zucht an den Nagel hängen. Sprichw. Wo Zucht ist, da ist Ehre. In dieser Bedeutung ist es, um der Zweydeutigkeit mit der vorigen Willen, wenig mehr gebräuchlich; ganz veraltet aber ist, außer der komischen Schreibart, der ehedem gangbare Plural, die Züchte: in Züchten und in Ehren, auf eine anständige, die guten Sitten nicht beleidigende Art. Siehe auch Unzucht. Ehedem war es in dieser Bedeutung sehr gangbar, indem es halb gute Sitten überhaupt, bald Sittsamkeit und Schamhaftigkeit, bald Bescheidenheit, bald auch Ehrbezeugung besonders bedeutete. In zuichten leben, die Winsbeckin. Wider menschlichen zuichten, wider die Ehrbarkeit, im Schwabenspiegel. Sie zu im mit zuichten sprach, auf eine bescheidene Art, die Winsbeckin. Er bot im alle zucht und eer, Gros reverenz und alles mer, alle Ehre, im Theuerdanke.

Anm. Im Nieders. Tucht, ( S. Ziehen.) Ehedem bedeutete es noch, theils eine Geschlechtsfolge, Generation, in welchem Verstande zuuachta bey dem Ottfried vorkommt; theils ein Kind, di zuht was wahsenti, der Knabe wuchs, Ottfried; theils Nahrung, Unterhalt, dia dagalihun zuhti, unser tägliches Brot, im Ottfried, von welcher Bedeutung noch unser Leibzucht ein Überbleibsel ist.


Zuchtamt (W3) [Adelung]


Das Zuchtamt, des -es, plur. inus. die Verbindlichkeit, andere zu einem pflichtmäßigen Verhalten anzuleiten. Besonders in der Theologie, wo man dem heil. Geiste ein Zuchtamt beyleget.


Zuchtbiene (W3) [Adelung]


Die Zuchtbiene, plur. die -n, Bienen, welche man zur Zucht, zur Fortpflanzung ihres Geschlechtes bestimmt. In einer andern Bedeutung wird die Bienenköniginn oder Mutterbiene zuweilen die Zuchtbiene genannt, weil sie allein alle Eyer der künftigen jungen Zucht leget.


Zuchtgericht (W3) [Adelung]


Das Zuchtgericht, des -es, plur. die -e, nur an einigen Orten, z. B. zu Strasburg, ein Gericht, welches über die Zucht, d. i. über die Sitten, der Einwohner wacht.


Zuchthaus (W3) [Adelung]


Das Zuchthaus, des -es, plur. die -häuser, eine Anstalt, in welchem lasterhafte Glieder der Gesellschaft durch Arbeit und Schärfe zu einem pflichtmäßigen Verhalten gewöhnet werden, das Besserungshaus. S. auch Arbeitshaus.


Züchtig (W3) [Adelung]


Züchtig, -er, -ste, adj. et adv. der Zucht, d. i. den guten Sitten, gemäß, doch nur noch in engerer Bedeutung, der wohlanständigen Schamhaftigkeit gemäß, und darin gegründet, im Gegensatze des unzüchtig. Züchtig seyn. Züchtige Geberden. Indessen fängt es immer mehr an, zu veralten, indem man den darin liegenden dunkeln Begriff lieber in die bestimmtern schamhaft, sittsam, bescheiden, anständig u. s. f. auflöset. So auch die Züchtigkeit.


Züchtigen (W3) [Adelung]


Züchtigen, verb. reg. act. sinnliche Empfindung der Folgen seiner Vergehung zur künftigen Besserung verschaffen; wodurch sich züchtigen von strafen unterscheidet, obgleich beyde in manchen Fällen für einander gebraucht werden. Ein Kind mit der Ruthe züchtigen. Gott züchtiget den Menschen, wenn er ihn durch veranstaltete Übel zu bessern sucht. Mit Worten, mit der Peitsche züchtigen.

Anm. Dieses Verbum hat mit dem vorigen Worte nichts als die gemeinschaftliche Wurzel gemein. Es ist ein Intensivum, von einem veralteten zuchten, mit Schärfe zur Zucht anhalten, welches noch in dem Nieders. tuchten, und dem Schwed. tukta vorhanden ist.


Züchtigung (W3) [Adelung]


Die Züchtigung, plur. die -en. 1. Das Züchtigen, als eine abstracte Handlung betrachtet; folglich ohne Plural. Sich der Züchtigung widersetzen. 2. Eine einzelne Handlung dieser Art; mit dem Plural. 3. Das zur Besserung veranstaltete Übel; auch mit dem Plural. Züchtigungen Gottes.


Züchtling (W3) [Adelung]


Der Züchtling, des -es, plur. die -e, eine Person, welche in einem Zuchthause zu einem pflichtmäßigen Verhalten angehalten wird.


Zuchtlos (W3) [Adelung]


Zuchtlos, -er, -este, adj. et adv. der Zucht, d. i. der guten Sitten, ingleichen des pflichtmäßigen Verhaltens beraubt. So auch die Zuchtlosigkeit.


Zuchtmeister (W3) [Adelung]


Der Zuchtmeister, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die -inn. 1. * Eine Person, welche die guten Sitten und das pflichtmäßige Verhalten anderer bildet; eine jetzt veraltete Bedeutung, in welcher dieses Wort ehedem sehr gangbar war, so wohl für einen Hauslehrer, Hofmeister, und Lehrer überhaupt als auch für einen Censor, oder Sittenrichter. 2. In härterm Verstande, der Vorgesetzte in einem Zuchthause, welcher die Züchtlinge zu einem pflichtmäßigen Verhalten nöthigen.


Zuchtochs (W3) [Adelung]


Der Zuchtochs, des -en, plur. die -en, ein Ochs, welcher zur Fortpflanzung seines Geschlechtes gehalten wird; der Stamochs, Bulle.


Zuchtrichter (W3) [Adelung]


Der Zuchtrichter, des -s, plur. ut nom. sing. nur an einigen Orten, z. B. zu Straßburg, der Beysitzer in einem Zuchtgerichte. S. dasselbe.


Zuchtruthe (W3) [Adelung]


Die Zuchtruthe, plur. die -n. 1. Eine zur Züchtigung bestimmte Ruthe; ehedem auch der Zuchtbesen. 2. Figürlich, ein Übel, so fern es von Gott zur Besserung verhängt wird.


Zuchtsau (W3) [Adelung]


Die Zuchtsau, plur. die -säue, in einigen Gegenden eine Sau, oder ein Mutterschwein.


Zuchtschule (W3) [Adelung]


Die Zuchtschule, plur. die -n, bey einigen so viel als Pflanzschule, oder Seminarium, wofür es aber wegen des dem Worte Zucht anklebenden harten Nebenbegriffes unbequem ist.


Zuchtstute (W3) [Adelung]


Die Zuchtstute, plur. die -n, in den Stutereyen, eine bloß zur Fortpflanzung bestimmte Stute; die Gestütstute.


Zuchtvieh (W3) [Adelung]


Das Zuchtvieh, des -es, plur. car. in der Landwirthschaft, Vieh, welches bloß um der Fortpflanzung Willen gehalten wird, zum Unterschiede von dem Zugviehe, Schlachtviehe u. s. f.


Zucken (W3) [Adelung]


Zucken, verb. reg. welches auf gedoppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, eine kurze geschwinde Bewegung machen. Zucke nicht! Wenn du zuckest, so u. s. f. Der Theil, womit diese Bewegung geschiehet, bekommt die Präposition mit; mit dem Munde, mit den Fingern, mit den Füßen zucken. Daher die Zuckung, plur. die -en, welches besonders von solchen unwillkührlichen Bewegungen der Theile des Leibes gebraucht wird, welche Lat. Convulsionen heißen, und welche zu Verzuckungen werden, wenn sie einen Theil des Leibes entstellen. Zuckungen bekommen. 2. Als ein Activum, mit einer kurzen geschwinden Bewegung ziehen, in welcher Gestalt es ehedem üblicher war, als jetzt, und oft für ziehen überhaupt gebraucht wurde. Der große Strom hat uns hinab gezuckt, Opitz. Der Held hort den knall, sich tuckhet, und seinen koph an sich zucket, Theuerd. Jetzt sind dafür ziehen, reißen, u. s. f. üblich, und man gebraucht zucken als ein Activum nur noch theils von den Achseln, theils von dem Degen, oder Schwerte. Die Achseln zucken, die Achseln zum Zeichen der Bedenklichkeit, eines geheimen Mißfallens, des Mitleidens u. s. f. schnell in die Höhe ziehen, welches man in Oberdeutschland die Achseln schupfen nennet. Das Schwert zucken, den Degen zucken, zum Schaden thun bewegen. Das schon gezuckte Schwert Starrt in des Würgers Hand, Wiel. Daher das Zucken.

Anm. Von des Ottfrieds Zeiten an zucken, im Nieders. tucken. Es ist ein Intensivum von ziehen, welches durch den kurzen Ton zugleich die Kürze der Bewegung ausdruckt.


Zucker (W3) [Adelung]


Der Zucker, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, ut nom. sing. der Nahme eines süßen wesentlichen Salzes, welches man aus dem Pflanzenreiche, am häufigsten aber aus dem Zuckerrohre erhält. Süß, wie Zucker. Zucker sieden, ihn vermittelst des Siedens aus dem Zuckerrohre verfertigen. Ein Hut Zucker, eine Masse gesottenen Zuckers in Gestalt eines zugespitzten Kegels; wie man ehedem die Hüte trug. Anm. Im Nieders. gleichfalls Zucker, im Engl. Sugar, im Franz. Sucre, im Ital. Zuccaro, im Span. Acucar, im Böhm. Cukr, alle aus dem Lat. Saccharum, im Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, im Albanischen Scheker, und im Pers. Schakar; alle aus dem Malayischen Dschaggrie, welches mit der Sache selbst aus Ostindien nach den übrigen Welttheilen gekommen ist.


Zuckeralaun (W3) [Adelung]


Der Zuckeralaun, S. Alaunzucker.


Zuckerbäcker (W3) [Adelung]


Der Zuckerbäcker, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Kunst verstehet, den Zucker so wohl zu allerhand Backwerk, als auch zu eingemachten Sachen, anzuwenden; der Confect-Bäcker, und von dem Candiren, der Conditor. Daher die Zuckerbäckerey, so wohl die Kunst des Zuckerbäckers, ohne Plural, als auch der Ort, wo er sie ausübet; in beyden Fällen auch die Conditorey.


Zuckerbirke (W3) [Adelung]


Die Zuckerbirke, plur. die -n, eine Art schwarzer Birken in Nord-Amerika, aus deren Safte man Zucker bereitet.


Zuckerbirn (W3) [Adelung]


Die Zuckerbirn, plur. die -en, eine Art kleiner fast eyrunder gelblicher süßer Birnen; Franz. Petit Blanquette, Honigbirn, Perlbirn.


Zuckerbohne (W3) [Adelung]


Die Zuckerbohne, plur. die -n, eine Art Phaseolen, oder Schminkbohnen, welche klein sind, und sich wie Zucker brechen lassen.


Zuckerbretzel (W3) [Adelung]


Die Zuckerbretzel, plur. die -n, eine Art kleiner Bretzeln, deren Teig mit Zucker angemacht wird.


Zuckerbrot (W3) [Adelung]


Das Zuckerbrot, des -es, plur. die -e, ein Backwerk von Mehl, Zucker und Eyern, in Gestalt kleiner Brote, da es denn so wohl collective und materialiter, folglich ohne Plural, als auch individuell, folglich mit dem Plural, gebraucht wird. Im letztern Falle ist auch das Diminutivum Zuckerbrötchen üblich. In weiterer Bedeutung bekommt oft ein jedes Confect oder Backwerk mit und von Zucker den Nahmen des Zuckerbrotes.


Zuckercand (W3) [Adelung]


Der Zuckercand, des -es, plur. car. krystallisirter Zucker; ein aus dem Ital. Zuccaro candito, oder Franz. Sucre candi zusammen gezogenes Wort; Kandel-Zucker.


Zuckereis (W3) [Adelung]


Das Zuckereis, des -es, plur. car. bey den Zuckerbäckern, ein Überzug von Zucker, welcher auf Torten und anderes Zuckerwerk gegossen wird; der Eisspiegel.


Zuckererbse (W3) [Adelung]


Die Zuckererbse, plur. die -n, eine Art dünnschälliger Gartenerbsen von süßem Geschmacke.


Zuckererde (W3) [Adelung]


Die Zuckererde, plur. inus. bey den Zuckersiedern, der Thon, womit der in die Formen gefüllte Zucker zur Reinigung bedeckt wird.


Zuckerform (W3) [Adelung]


Die Zuckerform, plur. die -en, in den Zuckersiedereyen, eine thönerne kugelförmige Form, worin der Gesottene Zucker seine Gestalt erhält.


Zuckergebackene (W3) [Adelung]


Das Zuckergebackene, des -n, plur. car. und ohne Artikel, Zuckergebackenes, Gebackenes, oder Backwerk aus Mehl, Eyern und Zucker; zum Unterschiede von dem Buttergebackenen.


Zuckerglas (W3) [Adelung]


Das Zuckerglas, des -es, plur. die -gläser, ein cylindrisches Glas, trockene und nicht flüchtige Materien darin aufzubehalten.


Zuckerhonig (W3) [Adelung]


Das Zuckerhonig, des -es, plur. car. eine Art weißen körnigen Honiges, welches dem Zucker gleicht, und wegen seiner Durchsichtigkeit auch Glashonig genannt wird; zum Unterschiede von dem gemeinen braunen Honige.


Zuckerhut (W3) [Adelung]


Der Zuckerhut, des -es, plur. die -hüte, in Gestalt eines ehemahligen Hutes, d. i. eines zugespitzten Kegels, geformter Zucker, ein Hut Zucker. Hutzucker hingegen bedeutet Zucker, welcher in Hüten geformet ist.


Zuckerkorn (W3) [Adelung]


Das Zuckerkorn, des -es, plur. die -körner, bey den Zuckerbäckern, Samenkörner, oder andere kleine runde Körper, welche mit Zucker überzogen worden.


Zuckerlauch (W3) [Adelung]


Der Zuckerlauch, des -es, plur. inus. eine Art Lauchs, welche mit der so genannten Winterzwiebel vermuthlich einerley ist. S. dieses Wort.


Zucker-Melone (W3) [Adelung]


Die Zucker-Melone, plur. die -n, eine Art süßer trockner Melonen, wovon man so wohl graue, als runde und gestreifte, hat.


Zuckermühle (W3) [Adelung]


Die Zuckermühle, plur. die -n, eine Mühle, das Zuckerrohr zum Behuf der Zuckersiedereyen zu zermalmen.


Zuckern (W3) [Adelung]


Zuckern, verb. reg. act. mit Zucker süß machen. Den Kaffeh zuckern. So auch das Zuckern.


Zuckerplätzchen (W3) [Adelung]


Das Zuckerplätzchen, des -s, plur. ut nom. sing. d. i. kleine dünne runde Kuchen, von Eyern, Mehl und Zucker, Zuckergebackenes in Gestalt der Plätzchen.


Zuckerpapier (W3) [Adelung]


Das Zuckerpapier, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, starkes blaues Papier, welches um die Zuckerhüte geschlagen wird.


Zuckerpuppe (W3) [Adelung]


Die Zuckerpuppe, plur. die -n, in Formen gebildete Puppen, oder Bilder von gereinigtem Zucker.


Zuckerrohr (W3) [Adelung]


Das Zuckerrohr, des -es, plur. inus. ein rohrartiges Gewächs, welches in beyden Indien einheimisch ist, und aus welchem der Zucker gesotten wird; Saccharum Linn.


Zuckerrose (W3) [Adelung]


Die Zuckerrose, plur. die -n, eine Art blaßrother Rosen, welche zu dem einfachen Rosenzucker genommen wird.


Zuckerrübe (W3) [Adelung]


Die Zuckerrübe, plur. die -n, S. Zuckerwurzel.


Zuckerschachtel (W3) [Adelung]


Die Zuckerschachtel, plur. die -n, ein metallenes Behältniß in Gestalt einer Schachtel, den geschlagenen Zucker zum Thee u. s. f. darin vorzusetzen.


Zuckerschote (W3) [Adelung]


Die Zuckerschote, plur. die -n, die Schote der Zuckererbse, und oft auch die ganze Pflanze. Gemeiniglich nennt man die veredelten Erbsen, welche man in den Gärten bauet, Zuckererbsen oder Zuckerschoten, zum Unterschiede von den Felderbsen oder Feldschoten.


Zuckersiederey (W3) [Adelung]


Die Zuckersiederey, plur. die -en, eine Anstalt, wo der Zucker aus dem Zuckerrohre gesotten wird. Daher der Zuckersieder, ein Arbeiter in einer solchen Anstalt.


Zuckertanne (W3) [Adelung]


Die Zuckertanne, plur. die -n, eine Art Tannen, welche auf den Alpen und Tirolischen Bergen einheimisch ist, ein braunes festes Holz hat, und daher so wohl zum Furniren, als zu den Violinen, gebraucht wird. Der Grund der Benennung ist mir unbekannt.


Zuckervogel (W3) [Adelung]


Der Zuckervogel, des -s, plur. die -vögel, in einigen Gegenden ein Nahme des Canarien-Vogels, weil er gern Zucker isset.


Zuckerwerk (W3) [Adelung]


Das Zuckerwerk, des -es, plur. inus. aus Zucker verfertigte Arbeiten, besonders Zuckergebackenes.


Zuckerworte (W3) [Adelung]


Zuckerworte, sing. inus. figürlich, einnehmende Worte, Schmeicheleyen.


Zuckerwurzel (W3) [Adelung]


Die Zuckerwurzel, plur. die -n, eine Art Wasser-Petersilie mit sehr süßen eßbaren Wurzeln, Zuckerrübe, Klingelmöhre, Gierlein, Geyerlein, Sium Sisarum Linn.


Zuckung (W3) [Adelung]


Die Zuckung, plur. die -en, S. Zucken.


Zudämmen (W3) [Adelung]


Zudämmen, verb. reg. act. durch fest gestoßene Erde, Mist u. s. f. verstopfen, oder verschließen. Ein Thor mit Mist, eine Öffnung mit Erde zudämmen.


Zudecken (W3) [Adelung]


Zudecken, verb. reg. act. 1. Mit der Decke auf allen Seiten bedecken. Sich im Bette fein warm zudecken. Jemanden zudecken, figürlich und im gemeinen Leben, ihm einen derben Rausch zutrinken. 2. Mit einer Decke oder einem Deckel verschließen. Einen Topf zudecken. 3. Mit einer Decke bedecken; nur im gemeinen Leben. Das Gesicht zudecken, bedecken; verdecken. 4. Eine Öffnung in einem Dache mit Ziegeln, Stroh u. s. f. verschließen.

Anm. Das im gemeinen Leben übliche jemanden zudecken, für ihn ausprügeln, ist ohne Zweifel von einem andern Stamme, und gehöret zu dem Nieders. Däcks, ein derber Schlag, Lat. tax, und mit demselben vielleicht auch zu Stock.


Zudeichen (W3) [Adelung]


Zudeichen, verb. reg. act. welches nur in dem Niederdeutschen Deichbaue üblich ist, mit einem Deiche, d. i. Erddamme, verschließen.


Zudenken (W3) [Adelung]


Zudenken, verb. irreg. act. ( S. Denken,) zu denken geben, einem etwas bestimmen. Wir denken ihm von unserer Seite ein kleines Compliment zu, Gottsch. Am üblichsten ist davon das Participium Präteriti zugedacht. Der Mann, den deine Ältern dir zugedacht haben, die zu geben beschlossen, für dich bestimmt haben. Das mir zugedachte Geschenk.


Zudrehen (W3) [Adelung]


Zudrehen, verb. reg. 1. Neutrum, anfangen zu drehen und wacker damit fortfahren. Drehe zu! 2. Activum, durch Drehen verschließen.


Zudrängen (W3) [Adelung]


Zudrängen, verb. reg. recipr. sich zudrängen, und zudringen, zwey Verba, welche zuweilen für sich hinzu drängen, oder hinzu dringen, sich dringend, mit einer Art von Gewalt nähern, gesetzt werden. Er weiß sich überall zuzudrängen.


Zudringlich (W3) [Adelung]


Zudringlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Sich jemanden dringend, d. i. wider dessen Willen, mit einer Art von Gewalt, nähernd. Zudringlich seyn, ein zudringlicher Mensch. 2. Figürlich nennt man denjenigen zudringlich, welcher sich wider des andern Willen in eine Sache mischet, ingleichen, der wider des andern Willen und Veranlassung Streit mit ihm suchet.


Zudringlichkeit (W3) [Adelung]


Die Zudringlichkeit, plur. die -en. 1. Die Eigenschaft, da eine Person oder Sache zudringlich ist; ohne Plural. 2. Eine zudringliche Handlung, mit dem Plural. Nieders. Indrang.


Zudrücken (W3) [Adelung]


Zudrücken, verb. reg. 1. Neutrum, anfangen, wacker zu drücken. 2. Activum, drückend, oder mit einem Drucke verschließen. O Doris, drücke du Mir dort dereinst die Augen weinend zu! Kleist. Ein Auge bey etwas zudrücken, figürlich, sich stellen, als sähe man es nicht, es unbemerkt, ungeahndet lassen.


Zuduften (W3) [Adelung]


Zuduften, verb. reg. act. duftend nähern, vermittelst des Duftes nahe bringen; nur in der dichterischen Schreibart. Vergebens duften ihr Orangen Freude zu, Zach. Und doch voll Liebreitz duftest du, So bald man dich nur pflückt, Uns süß're Wohlgerüche zu, Als manche, die sich schmückt, Weiße.


Zudüngen (W3) [Adelung]


Zudüngen, verb. reg. neutr. mit haben, in der Landwirthschaft, den nöthigen Dünger völlig auf die Felder führen.


Zueignen (W3) [Adelung]


Zueignen, verb. reg. act. 1. Eigentlich, eigen machen, als ein Eigenthum in Besitz nehmen, oder geben, doch häufiger von dem nehmen, als geben. Sich etwas zueignen. Gefällt ihm nicht die Göttinn der Schönheit und Liebe, wenn sie von allen Bäumen die kleine Myrthe sich zueignet? für ihr Eigenthum erkläret, Jacobi. 2. Widmen, dediciren, von Schriften. Einem ein Buch zueignen, zuschreiben. Daher die Zueignung, die Dedication, und die Zueignungsschrift, die Schrift, worin solches geschiehet. 3. Als ein Prädicat beylegen, etwas von jemanden prädiciren; wofür doch beylegen und zuschreiben üblicher sind. Einem ein Buch zueignen, behaupten, daß er es geschrieben habe; besser beylegen. 4. Auf etwas anwenden, in der Redekunst; in welcher Bedeutung doch nur noch das Substantivum, die Zueignung üblich ist, denjenigen Theil einer Rede zu bezeichnen, in welchem der vorher gehende Vortrag auf den Zustand der Zuhörer angewendet wird.


Zueilen (W3) [Adelung]


Zueilen, verb. reg. neutr. mit seyn, zu einer Person oder Sache eilen. Der Held verläßt den Baum, und eilt dem Freunde zu, Haged.


Zuentbiethen (W3) [Adelung]


Zuentbiethen, verb. irreg. act. ( S. Biethen,) zu Wissen thun, entbiethen; nur noch in den Kanzelleyen. Einem seinen Gruß zuentbiethen.


Zuerkennen (W3) [Adelung]


Zuerkennen, verb. irreg. act. ( S. Kennen.) 1. Durch ein Urtheil für jemandes Eigenthum erklären. Einem den Preis zuerkennen. 2. Durch ein Urtheil auflegen. Einem 50 Thaler Strafe, die Bezahlung der Kosten, zuerkennen.


Zuerst (W3) [Adelung]


Zuerst, adv. der Zeit und der Ordnung. 1. Vor allen andern. Zuerst kommen. Dieß muß zuerst geschehen. Im gemeinen Leben ist dafür erst und erstlich üblich. 2. Das erste Mahl. Als ich ihn zuerst sahe.

Anm. Bey dem Ottfried zu herost, im Isidor azs erist, im Kero azerist, im Tatian zi eristen. Da die Bedeutung dieses Wortes sehr elliptisch ist, so wird es billig zusammen gezogen; folglich nicht zu erst.


Zufahren (W3) [Adelung]


Zufahren, verb. irreg. neutr. ( S. Fahren,) mit dem Hülfsworte seyn. 1. Anfangen, zu fahren; nur im Imperative und Infinitive. Kutscher, fahre zu! 2. Hurtig fahren. 3. Auf etwas zufahren, sich demselben im Fahren nähern. Figürlich ist 4, auf etwas zufahren, sich demselben mit Ungestüm nähern, mit Ungestüm darnach greifen. In noch weiterer Figur, eine Handlung mit Heftigkeit oder Ungestüm anfangen. Gleich zufahren. Blind zufahren, ohne Prüfung und Überlegung handeln. So auch das Zufahren.


Zufall (W3) [Adelung]


Der Zufall, des -es, plur. die -fälle. 1. Derjenige Zustand, da etwas unvermuthet und aus unbekannten Ursachen geschiehet; ohne Plural. Er ist durch einen Zufall hierher gekommen. Da es denn, so wie Ungefähr und Schicksal, oft von demjenigen Wesen gebraucht wird, welches nach der Philosophie des großen Haufens, alle unvermuthete Begebenheiten, deren Ursachen ihm unbekannt sind, regieret. Sich dem Zufalle überlassen. Nur der ist unglücklich, der sich unter den Streichen des Zufalles beuget. 2. Eine jede unerwartete Begebenheit oder Veränderung, deren Ursachen uns unbekannt sind; mit dem Plural. Sie müssen wissen, daß das ein bloßer Zufall ist. Widrige Zufälle mit Standhaftigkeit ertragen. Sich in alle Zufälle zu schicken wissen. Ein ungefährer, ein blinder Zufall. 3. In engerer Bedeutung, eine unerwartete merkliche Veränderung der Gesundheit, welche man nicht näher bezeichnen will, oder kann. Sie bekommt einen Zufall über den andern, Gell. Ist ihr Zu- fall vorüber? eben ders. Gichtische, hysterische, epileptische Zufälle.

Anm. Es ist von dem folgenden zufallen, nur daß es in seinen Bedeutungen mehr dem Lat. accidere, als diesem folget.


Zufallen (W3) [Adelung]


Zufallen, verb. irreg. neutr. ( S. Fallen,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1. Niederfallen und verschließen. Der Deckel, die Klappe ist zugefallen. 2. Durch den Fall eines andern Dinges verschlossen werden. Das Loch ist wieder zugefallen, von herab gefallener Erde ausgefüllet worden. Die Augen fielen ihm vor Schlaf zu. 3. Herbey fliegen; bey den Jägern. Die Haselhühner fallen zu, wenn sie auf die Lockpfeife zufliegen. 4. Durch einen Zufall, von ungefähr zu Theil werden. Es ist ihm eine ansehnliche Erbschaft zugefallen. 5. * Einfallen, in die Gedanken kommen; eine längst veraltete Bedeutung. Unfallo fiel ein anderes zu, Theuerd. 6. * Beypflichten, beyfallen; im Hochdeutschen gleichfalls veraltet.


Zufällig (W3) [Adelung]


Zufällig, -er, -ste, adj. et adv. von dem Substantivo Zufall. 1. Was durch einen Zufall ist oder geschiehet, in einem Zufalle gegründet, nicht vorher gesehen. Eine zufällige und gelegentliche Unterredung. Zufälliger Weise, von ungefähr. Zufällige Gedanken. 2. In der Philosophie wird zufällig, theils dem nothwendigen entgegen gesetzt, und da ist alles zufällig, was seinen hinreichenden Grund nicht in sich selbst, sondern außer sich hat, d. i. alles außer Gott; theils dem wesentlich, und da ist zufällig, was seinen Grund nicht in dem Wesen des Dinges hat. So ist z. B. die Schwere jedem Körper wesentlich, aber Farbe und Gestalt sind oft nur zufällig. 3. Zufällige Lichter, in der Mahlerey, welche durch Nebenöffnungen einfallen; zum Unterschiede von dem Hauptlichte.


Zufälligkeit (W3) [Adelung]


Die Zufälligkeit, plur. car. die Eigenschaft, da ein Ding zufällig ist, in allen vorigen Bedeutungen. Die Zufälligkeit der Welt.


Zufertigen (W3) [Adelung]


Zufertigen, verb. reg. act. zuschicken, besonders in den Kanzelleyen. Einem etwas zufertigen.


Zuflechten (W3) [Adelung]


Zuflechten, verb. irreg. act. ( S. Flechten,) durch Flechten, durch ein Flechtwerk, verschließen.


Zuflicken (W3) [Adelung]


Zuflicken, verb. reg. act. durch Flicken verschließen. Ein Loch in einem Kleidungsstücke zuflicken.


Zufliegen (W3) [Adelung]


Zufliegen, verb. irreg. neutr. ( S. Fliegen,) mit dem Hülfsworte seyn, herbey fliegen.


Zufließen (W3) [Adelung]


Zufließen, verb. irreg. neutr. ( S. Fließen,) mit seyn. 1. Sich fließend nähern. Der Bach fließt auf mich zu. Noch häufiger. 2. Figürlich, sich auf eine häufige und dabey sanfte Art nähern, von Dingen, deren Bewegung mit einem Fließen verglichen werden kann. Was für ein sanftes Entzücken fließt aus dir mir zu, herbstliche Gegend, Geßn. Die Worte fließen ihm häufig zu. In noch weiterer Bedeutung sagt man, einem eine Wohlthat zufließen lassen, sie ihm auf eine unvermerkte Art zu Theil werden lassen.


Zuflößen (W3) [Adelung]


Zuflößen, verb. reg. act. flößend nähern. Einem Holz zuflößen. Daher der Zuflößer, bey den Holzflößen, Arbeiter, welche das Flößholz in das Wasser bringen und es den Auswäschern zuflößen.


Zuflucht (W3) [Adelung]


Die Zuflucht, plur. car. 1. Die Flucht um Hülfe zu jemand, oder an einen Ort, und in weiterer Bedeutung, die Erwartung der Hülfe, oder des Schutzes von einer Person oder Sache. Seine Zuflucht zu jemanden, zu etwas nehmen. Zuflucht zu jemanden haben, von ihm Hülfe oder Schutz erwarten können. 2. Die Person oder Sache, von welcher man Schutz oder Hülfe erwartet. Gott ist meine Zuflucht, Ps. Das ist meine letzte Zuflucht, mein letztes Hülfsmittel.

Anm. Bey dem Notker zuofluht, ingleichen nur fluht. Es ist von fliehen, Flucht.


Zuflug (W3) [Adelung]


Der Zuflug, des -es, plur. car. das Herbeyfliegen. Der Zuflug der Vögel. Von zufliegen.


Zufluß (W3) [Adelung]


Der Zufluß, des -es, plur. die -flüsse, von zufließen. 1. Das Herbeyfließen eines flüssigen Körpers; ohne Plural. Den Zufluß des Wassers hindern. Meine Thränen ergossen sich mit solchem Zuflusse, daß u. s. f. 2. Häufige Annäherung solcher Dinge, welche mit einem Flusse verglichen werden können; auch ohne Plural. Ein Ort, wo ein großer Zufluß von Menschen und Waaren ist. Der Zufluß an Mitteln, an Gedanken, an Worten. 3. Solche sich nähernde Dinge selbst; mit dem Plural. Einem alle Zuflüsse abschneiden, die Erlangung aller ihm zufließenden Hülfsmittel hemmen.


Zufolge (W3) [Adelung]


Zufolge, S. in 3. Folge.


Zufördern (W3) [Adelung]


Zufördern, verb. reg. act. nur im Bergbaue, aus der Tiefe an den Füllort bringen.


Zuförderst (W3) [Adelung]


Zuförderst, S. Zuvörderst.


Zufragen (W3) [Adelung]


Zufragen, verb. reg. neutr. mit haben, um etwas anfragen; im gemeinen Leben. Bey einem nach etwas zufragen. Frage morgen wieder zu.


Zufrieden (W3) [Adelung]


Zufrieden, -er, -ste, adj. et adv. welches in verschiedenen Bedeutungen, bald als ein Adverbium allein, bald als ein Adverbium und Adjectiv zugleich, gebraucht wird. 1. Als ein Adverbium allein, und ohne Comparation. (1) In Ruhe von außen, unbeunruhigt; im gemeinen Leben. Laß mich zufrieden, beunruhige mich nicht. (2) In Ansehung seiner Ansprüche oder Beschwerden befriedigt; nur mit dem Verbo stellen. Jemanden zufrieden stellen, ihn klaglos stellen, befriedigen. (3) Gemüthsruhe nach vorher gegangener Unruhe empfindend, von einer vorher gegangenen Leidenschaft befreyet, dem Gemüthe nach beruhigt. Einen Zornigen zufrieden sprechen, ihn mit Worten zu besänftigen suchen. Seltener mit dem Verbo stellen: einen zufrieden stellen. Sich zufrieden geben. Der Gegenstand bekommt über. Gib dich nur über deinen Irrthum zufrieden. 2. Als ein Adjectiv und Adverbium, da denn zufrieden so viel, als kein Mißvergnügen empfindend, keine Wünsche habend, bedeutet, und der Mittelstand zwischen mißvergnügt und vergnügt ist. Ein zufriedenes Gemüth, welches weder durch Wünsche noch Mißvergnügen beunruhiget wird. Sehr zufrieden leben, mit einem leichten Nebenbegriffe des Wohlgefallens, welcher doch mehr von dem Adverbio sehr, als von zufrieden, herrühret. Übel zufrieden seyn, mißvergnügt seyn. Der Gegenstand bekommt hier mit. Mit etwas zufrieden seyn. Mit seinem Bedienten, mit seinem Stande, mit seinem Schicksale zufrieden seyn. Sie war mit ihrer Wahl äußerst zufrieden, Gell. Das Adverbium wird in der vertraulichen Sprechart, anstatt des Vorwortes mit, auch häufig mit dem bloßen Accusative verbunden. Ich bin es zufrieden, bin damit zufrieden, lasse es mir gefallen. Ich bin alles zufrieden. Er wird es ganz wohl zufrieden seyn. Ich kann alles zufrieden seyn, Gell. Ingleichen figürlich, Zufriedenheit gewährend; doch nur selten, weil die Figur ein wenig hart ist. Mit dem Substantivo Ehe wird es in dieser Figur häufig gebraucht: gedenken sie eine zufriedene Ehe mit ihr zu führen? Aber nicht leicht mit andern Substantiven, daher eine zufriedene Armuth zu hart ist.

Anm. Es ist aus zu und Friede zusammen gesetzt. Da die Bedeutung sehr elliptisch ist, so ziehet man es billig als ein Wort zusammen.


Zufriedenheit (W3) [Adelung]


Die Zufriedenheit, plur. car. von dem vorigen, doch nur in der letzten Bedeutung, derjenigen Gemüthszustand zu bezeichnen, welcher aus der Abwesenheit des Mißvergnügens so wohl, als der Wünsche entstehet, und der Mittelstand zwischen Vergnügen und Mißvergnügen ist. Die Zufriedenheit des Gemüthes ist mehr werth als schimmerndes Glück. Welche Zufriedenheit ist es, für mich, daß u. s. f.


Zufrieren (W3) [Adelung]


Zufrieren, verb. irreg. neutr. ( S. Frieren,) mit dem Hülfsworte seyn, durch den Frost verschlossen werden. Der Fluß, der Teich ist ganz zugefroren. Die Öffnung in dem Eise frieret wieder zu.


Zufügen (W3) [Adelung]


Zufügen, verb. reg. act. etwas Unangenehmes widerfahren lassen; am häufigsten mit den Substantivis Schaden, Nachtheil, Verdruß. Einen vielen Schaden, allen Verdruß zufügen. In andern Fällen sind verursachen, thun, u. s. f. üblicher.


Zufühlen (W3) [Adelung]


Zufühlen, verb. reg. neutr. mit haben, anfangen, zu fühlen, an etwas fühlen; nur im gemeinen Leben.


Zufuhre (W3) [Adelung]


Die Zufuhre, plur. inus. die Herbeyschaffung gewisser Bedürfnisse vermittelst des Fuhrwerkes und der Schiffe. Einer Armee die Zufuhre abschneiden, die Herbeyschaffung der Lebensmittel. Die Stadt hat viele Zufuhre an Getreide aus den umliegenden Gegenden.


Zuführen (W3) [Adelung]


Zuführen, verb. reg. act. 1. Auf Wagen oder Schiffen nähern. Einer Armee Lebensmittel zuführen. Steine, Holz, zum Baue zuführen. 2. Zu etwas leiten oder führen, mit dem Dativ der Sache. Ich will deinem Willen folgen, vielleicht führst du mich ödern Gegenden zu, Geßn. 3. Im Bergbaue ist zuführen, einen Ort erweitern.


Zufüllen (W3) [Adelung]


Zufüllen, verb. reg. act. 1. Hinzu füllen, einen flüssigen Körper hinzu gießen. Wein zufüllen. 2. Durch Ausfüllen verschließen. Einen Graben, einen Teich zufüllen. 3. Durch Ausfüllung ebenen. Ein Thal, eine Vertiefung zufüllen.


Zug (W3) [Adelung]


Der Zug, des -es, plur. die Züge, das Abstractum des Verbi ziehen. 1. Die Handlung des Ziehens, und zwar (a) diese Handlung, als ein wahres Abstractum, folglich ohne Plural, für das Ziehen; in vielen Bedeutungen des Verbi. Den Zug der Luft, des Wassers befördern. Die Truppen wurden in ihrem Zuge gehindert. Der Zug der Prozession dauerte lange. Der Zug der gegenseitigen Liebe. Der Zug des Vaters, in der Theologie, nach Joh. 6, 44, die Veranstaltung der entfernten Vorbereitung zur Bekehrung. Mein Herz war schon einmahl im Zuge, sich zu ängstigen, die Angst hatte sich desselben bereits bemächtiget. Bey den Markscheidern ist der Zug, das Abziehen, d. i. Abmessen, der Grubengebäude unter der Erde. In den Rechten wird die eigentliche Folter in vielen Gegenden der Zug genannt, weil der Verbrecher dabey auf der Folterbank, der Leiter, oder dem Stuhle ausgedehnet wird. (b) Diese Handlung als ein Concretum, d. i. von einzelnen Handlungen dieser Art, folglich mit dem Plural. Ein Zug im Trinken, das Trinken in einem Athem. Etwas auf einen Zug, auf zwey Züge austrinken. Einen guten Zug thun, mit dem Retze, ingleichen im Spielen. Zug für Zug handeln, so daß so gleich Geld für Waare, oder auch Waare für Waare gegeben werden. In den letzten Zügen liegen, in den letzten Athemzügen, d. i. mit dem Tode ringen, wofür man im Niederdeutschen das Verbum seeltagen hat. 2. Diejenige Sache, welche ziehet; in manchen einzelnen Fällen, so wohl von dem Neutro als Activo ziehen. So ist der Zug einer Prozession, die in Prozession ziehende Menge Menschen. Wenn Truppen, welche in Reihen stehen, diese Reihen brechen, und hinter einander marschiren, so heißt solches sich in Züge setzen, (Fr. defiler) und eine bestimmte Anzahl hinter einander marschirender Soldaten, ein Zug. Auch die an einem Orte durchziehende, oder durchstreichende Luft, wird der Zug, vollständiger die Zugluft, der Zugwind genannt. Im Zuge sitzen, in der Zugluft. In den Handwerkern und Künsten kommt es in dieser Bedeutung mehrmahls vor. So ist in den Pumpen, Feuerspritzen u. s. f. der Zug, der an der Zieh- oder Zugstange befestigte Pfropf, welcher das Wasser durch das Ventil in die Röhre ziehet. Auch die Rolle mit ihrem Seile, vermittelst deren man schwere Sachen in die Höhe ziehet, heißt oft der Zug. 3. Dasjenige, was gezogen wird; gleichfalls in vielen einzelnen Fällen. Ein Zug mit der Feder, der mit der Schreibfeder gezogen wird; besonders eine zierlich verschlungene Linie. Auch der Umriß einer Figur und ihrer Theile wird in der Zeichnung ein Zug genannt. Die ersten Züge einer Figur entwerfen. Daher figürlich, mahlerische Züge in einem Gedichte. Die Züge des Gesichts, die Gesichtszüge, die Lineamenten. Ein Zug von Würde zwischen den Augen. Daher figürlich, ein Zug des Charakters, der Denkungsart, eine eigenthümlicher Theil. Ich habe ihn genau erforscht, mir ist kein Zug von seiner Denkungsart entwischt. In den Schmelzöfen, Orgeln u. s. f. sind die Züge gewisse Theile, welche geöffnet oder gezogen werden. In einem gezogenen Flintenlaufe heißt die Vertiefung der Zug, bey einigen auch der Drall. Und so in andern Fällen mehr. 4. Mehrere Dinge Einer Art, welche mit einander ziehen, oder zugleich gezogen werden. Ein Zug Pferde oder Ochsen, ein Gespann. Der nach der Alten Brauch mit seinen eignen Zügen Das väterliche Feld bemüht ist, zu bepflügen, Can. Ein Zug Drahtsaiten, zwölf Rollen von verschiedener Stärke. Im Bergbaue die auf einem Gange liegenden Grubengebäude ein Zug genannt.

Anm. Schon bey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern Zug, Zuog, im Nieders. Tog, im Engl. Tug. S. Ziehen.


Zugabe (W3) [Adelung]


Die Zugabe, plur. die -n, was bey einer verkauften oder verschenkten Sache zugegeben wird. Etwas als eine Zugabe bekommen. Zuweilen wird auch ein Zusatz, oder was nicht wesentlich zur Hauptsache gehöret, eine Zugabe genannt.


Zugang (W3) [Adelung]


Der Zugang, des -es, plur. die -gänge, von der R. A. hinzu gehen. 1. Die Handlung des Hinzugehens oder der Annäherung; ohne Plural. Jemanden den Zugang zu einem Orte erlauben, verhindern. Der Luft den Zugang verstatten. Sie dürfen nur dem Grame den Zugang zu ihrem Herzen verschließen. Freyen Zugang zu jemanden haben. ( S. auch Zutritt.) 2. Der Ort, durch welchen man hinzu gehet, sich einem Dinge nähert; mit dem Plural. Alle Zugänge verstopfen, versperren. 3. Was sich nähert; in welcher Bedeutung man es doch nur zuweilen im figürlichen Verstande, für Hülfe, Unterstützung, gebraucht. Vielen Zugang, viele Zugänge von jemanden haben, vielen Zufluß, von ihm reichlich unterstützet werden; in welcher Bedeutung es doch anfängt, ungewöhnlich zu werden. Schon bey dem Kero Zuokanc.


Zugangel (W3) [Adelung]


Die Zugangel, plur. die -n, von Zug und Angel, in der Fischerey, mehrere an einem Seile befindliche Angeln, welche quer über einen Fluß gezogen werden.


Zugänglich (W3) [Adelung]


Zugänglich, adj. et adv. wozu man gehen, wozu man mit leichter Mühe kommen kann; im Gegensatze des unzugänglich. Ein zugänglicher Ort. Ein zugänglicher Mann, der einem jeden den freyen Zutritt verstattet. So auch die Zugänglichkeit.


Zuganker (W3) [Adelung]


Der Zuganker, des -s, plur. ut nom. sing. im Bauwesen, ein Anker, oder Stück Eisen, eine Mauer senkrecht zu erhalten, welcher durch ein Loch des horizontal eingemauerten Zugbandes gestecket wird.


Zugarbeit (W3) [Adelung]


Die Zugarbeit, plur. die -en, bey den Webern, diejenige Weberey, da allerley Figuren vermittelst des gezogenen Zampels in den Zeug gewebet werden.


Zugband (W3) [Adelung]


Das Zugband, des -es, plur. die -bänder, im Bauwesen, ein horizontales eingemauertes Eisen mit einem Loche am Ende, durch welches der Anker gesteckt wird, eine Mauer senkrecht zu erhalten. S. Anker.


Zugbaum (W3) [Adelung]


Der Zugbaum, des -es, plur. die -bäume, an den Zugbrücken, die um einen Zapfen beweglichen Bäume, vermittelst welcher die Brücke aufgezogen und niedergelassen wird.


Zugbohrer (W3) [Adelung]


Der Zugbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Böttchern, ein Werkzeug in Gestalt eines Bohrers, den Boden eines Fasses bey dem Einsetzen damit zu handhaben.


Zugbrücke (W3) [Adelung]


Die Zugbrücke, plur. die -n, eine Brücke, welche nach Belieben aufgezogen und niedergelassen werden kann.


Züge (W3) [Adelung]


Die Züge, plur. die -n, der Überzug eines Bettes oder Küssens, die Bettzüge, Küssenzüge; im Nieders. Büre. Es ist gleichfalls von dem Verbo ziehen, aber wegen seiner irregulären Form statt des anständigern Überzug nur in den gemeinen Sprecharten gangbar.


Zugeben (W3) [Adelung]


Zugeben, verb. irreg. act. ( S. Geben.) 1. Bey dem Verkaufe einer Sache noch etwas freywillig mit geben. Auf zwanzig Äpfel einen zugeben. ( S. Zugabe.) 2. Im Kartenspiele ist zugeben, auf eine ausgespielte Karte eine andere von geringerm Werthe geben, welches auch bedienen genannt wird. 3. Die Wahrheit einer Sache einräumen, eingestehen. Ich gebe es zu, daß der Mond ein dunkler Körper ist. Einem alles zugeben. 4. Eine Handlung verstatten, seinen Willen dazu geben. Er wollte die Heirath seines Sohnes nicht zugeben, oder, er wollte nicht zugeben, daß sein Sohn heirathen durfte.


Zugedacht (W3) [Adelung]


Zugedacht, S. Zudenken.


Zugegen (W3) [Adelung]


Zugegen, adv. gegenwärtig, anwesend; doch nur mit dem Verbo seyn. Wenn er nur hier noch zugegen ist. Bey einer Handlung zugegen seyn. Seltener mit der dritten Endung als eine Präposition. Gott ist allen Dingen zugegen, besser, gegenwärtig. Im Schwabenspiegel zegagen. Im Oberdeutschen wird es auch für entgegen gebraucht. Da du ihr zugegen kamest, heißt es noch in einigen alten Deutschen Bibeln, Es. 14, 9. Es ist von mir gethan, was dir zugegen läuft, Opitz; entgegen, zuwider ist. Welche Bedeutung im Hochdeutschen veraltet ist.


Zugehen (W3) [Adelung]


Zugehen, verb. irreg. neutr. ( S. Gehen,) mit dem Hülfsworte seyn. 1. Im Gehen eilen; im gemeinen Leben. Gehe zu! gehe hurtig. 2. Sich verschließen, zumachen lassen. Die Thür, das Schloß will nicht zugehen. 3. Geschehen, erfolgen, doch nur in Rücksicht der Art und Weise, und am häufigsten unpersönlich. Es ging sehr hitzig zu, die Sache geschahe mit vieler Hitze. Nirgends gehet es ehrlicher zu, als in der Welt, Raben. Es gehet in diesem Hause sehr ordentlich zu. Die Sache, welche auf diese oder jene Art geschiehet, bekommt das Vorwort mit. Ist es mit seinem geschwinden Tode natürlich zugegangen? Zuweilen auch bey. Es ging bey seinem Tode nicht natürlich zu. Die Art und Weise, oder das Hülfswort bekommt, wenn es ein Substantiv ist, gleichfalls mit. Es ging mit seinem Tode mit Kräutern zu, sein Tod ist auf eine unerlaubte, unnatürliche Art befördert worden. Das gehet nicht mit (nicht von) rechten Dingen zu, nicht auf eine natürliche, leicht begreifliche Art. Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn er käme; in der niedrigen Sprechart.


Zugehör (W3) [Adelung]


Das Zugehör, des -es, plur. inus. was zu einem Dinge gehöret, ein Theil desselben als eines Ganzen ist; als ein Collectivum. Ein Gut mit allem Zugehör. Die Brauerey mit allem Zugehör, dazu gehörigen Geräthschaften. Im Oberdeutschen und andern Mundarten lautet dieses Wort oft Zubehör, Zubehörde, Zugehörde, Zugehörung, Zubehörung worunter doch Zugehör der Hochdeutschen Mundart am angenehmsten ist. In einigen Gegenden ist es weiblichen Geschlechtes, die Zugehör.


Zugehören (W3) [Adelung]


Zugehören, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. Durch das Recht des Eigenthums oder Genusses mit jemanden verbunden seyn; da denn zugehören bestimmter und nachdrücklicher, als gehören, und der Bedeutung nach enger ist, als gehören, mit zu. Es wird mit der dritten Endung der Person verbunden. Das gehöret mir zu, ist mein Eigenthum. Der Mensch gehöret mir zu, ist in meinem Dienste; aber er gehöret zu mir, er ist von meiner Gesellschaft, aus meinem Gefolge. Die Rache gehöret Gott zu, ist ein Eigenthum Gottes. 2. Gebühren, jemandes Pflicht seyn; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Fürchte Gott und halte seine Gebothe, denn das gehöret allen Menschen zu, Pred. 12, 13.


Zugehörig (W3) [Adelung]


Zugehörig, adj. et adv. einem zugehörend, in dessen Dienst und Eigenthum stehend; da es denn in engerer Bedeutung gebraucht wird, als gehörig und angehörig. Gleichfalls mit der dritten Endung. Der mir zugehörige Garten. Das Haus ist ihm zugehörig, gehöret ihm zu.


Zugeisen (W3) [Adelung]


Das Zugeisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein eisernes Werkzeug, womit etwas gezogen wird, bey verschiedenen Handwerkern. Bey den Böttchern ist es ein krummes Eisen, den durchlöcherten Boden eines Bottiches damit heraus zu ziehen. Bey den Drechslern eine durchlöcherte Platte, die blechernen Röhren zu den Mundstücken der Pfeifenröhre dadurch zu ziehen, u. s. f.


Zügel (W3) [Adelung]


Der Zügel, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug zum Ziehen, doch nur noch in engerer Bedeutung, derjenige Theil eines Pferdezaumes, vermittelst dessen der Kopf des Pferdes gelenket wird. Ein Pferd kurz im Zügel halten, ihm den Zügel schießen lassen. Mit verhängtem Zügel reiten, im Galopp. Dem Pferde in den Zügel fallen, es von außen bey dem Zügel aufhalten. Seinen Leidenschaften den Zügel schießen lassen; ihnen die Herrschaft lassen. Jemanden im Zügel (im Zaume) halten, ihn einschränken. Figürlich ist der Zügel auch das, was einschränkt. Die Begierden haben des Zügels der Vernunft vonnöthen. Die richtende Natur legt durch gemäße Qualen Dem Willen Zügel an, und bändigt Cannibalen, Dusch.

Anm. Im Nieders. Tögel. Die Endsylbe el bedeutet ein Werkzeug, Ding; die Wurzelsylbe Züg aber ist von Zug, ziehen, ein Ding, womit man ziehet, zu bezeichnen.


Zügelhand (W3) [Adelung]


Die Zügelhand, plur. car. auf der Reitbahn, die linke Hand, in welche der Reiter den Zügel fasset.


Zügellos (W3) [Adelung]


Zügellos, -er, -este, adj. et adv. des Zügels beraubt. Er ritt zügellos fort. Figürlich, der nothwendigen Einschränkung beraubt, und darin gegründet. Sie können sich kaum einbilden, wie zügellos es da zuging. Eine zügellose Schwärmerey.


Zügellosigkeit (W3) [Adelung]


Die Zügellosigkeit, plur. die -en, in der figürlichen Bedeutung des vorigen. 1. Die Eigenschaft, da etwas zügellos. der nöthigen Einschränkung beraubt ist; ohne Plural. Die Zügellosigkeit der Sitten. 2. Eine zügellose Handlung; mit dem Plurale. Sich alle Zügellosigkeit erlauben.


Zugemüse (W3) [Adelung]


Das Zugemüse, des -s, plur. ut nom. sing. eine Speise aus dem Pflanzenreiche, welche zu dem Fleische, oder nach dem Fleische gegessen wird, z. B. Kohl, Rüben, Erbsen, Linsen, Grütze u. s. f. Eine Suppe und zwey Gemüse. ( S. auch Gemüse.) Im Nieders. Zukost, Zuspeise.


Zugenahmt (W3) [Adelung]


Zugenahmt, adv. welches nur im gemeinen Leben üblich ist, mit einem gewissen Zunahmen versehen. Alexander, zugenahmt der Große, besser, mit dem Zunahmen der Große, oder, Alexander der Große.


Zugesellen (W3) [Adelung]


Zugesellen, verb. reg. act. zur Gesellschaft, zum Umgange vereinigen, mit der dritten Endung der Person. Sich einem zugesellen. Figürlich, verbinden, vereinigen. Darum hätt' ich diesen Klagen Bald mein Jawort zugesellt, Can.


Zugestehen (W3) [Adelung]


Zugestehen, verb. reg. act. ( S. Stehen.) 1. Die Wahrheit einer Sache einräumen, wie zugeben. Ich gestehe ihm allerdings Vorzüge zu, gebe es zu, daß er sie besitzet. 2. Bewilligen, erlauben; nur selten, und fast wie zugeben. Er wollte seinem Sohn die Heirath nicht zugestehen.


Zugethan (W3) [Adelung]


Zugethan, S. in Zuthun.


Zugfisch (W3) [Adelung]


Der Zugfisch, des -es, plur. die -e, Fische, welche zu gewissen Zeiten des Jahres kommen und wieder wegziehen, z. B. die Häringe.


Zuggarn (W3) [Adelung]


Das Zuggarn, des -es, plur. die -e, in der Fischerey, ein langes Netz ohne Spiegel, mit einem Sacke in der Mitte, worein sich die Fische sammeln, worauf beyde Enden mit den Fischen an das Land gezogen werden; das Zugnetz, Streichgarn, Schleppgarn, die Wathe, Fischwathe, im Österreichischen der Segen.


Zuggraben (W3) [Adelung]


Der Zuggraben, des -s, plur. die -gräben, ein Graben, dem Wasser einen Abzug zu verschaffen, das Wasser abzuleiten.


Zugießen (W3) [Adelung]


Zugießen, verb. irreg. ( S. Gießen.) Es ist: 1. Neutrum, anfangen, wacker zu gießen. Gieß zu! 2. Activum. (1) Hinzu gießen, dazu gießen. Wasser zugießen, zu dem Biere. (2) Durch Gießen eines geschmolzenen Körpers verschließen. Ein Loch mit Bley zugießen.


Zugift (W3) [Adelung]


* Die Zugift, plur. die -en, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, für Zugabe. Ehedem bedeutete es auch die Mitgabe einer Braut, Dos.


Zuglauben (W3) [Adelung]


Zuglauben, verb. reg. act. Glauben beymessen. Einem etwas zuglauben, es ihm glauben.


Zugleich (W3) [Adelung]


Zugleich, adv. temp. 1. Mit einem andern Dinge zu einer und eben derselben Zeit. Er kam zugleich mit mir. Wir sind beyde zugleich abgereiset. 2. Figürlich deutet es an, daß sich ein Begriff auf eine und eben dieselbe Art auf mehrere genannte Begriffe erstrecket. Die ersten Eindrücke der Natur müssen zugleich Eindrücke der Religion und des Vergnügens seyn, Gell. Wie reitzend wird nicht die Freundschaft, wenn sie sich zugleich auf Natur und auf Tugend gründet! eben ders. Anm. Bey dem Ottfried nur gilicho. Es ist ein elliptischer Ausdruck für zu gleicher Zeit.


Zugleichen (W3) [Adelung]


Zugleichen, verb. irreg. act. gleich, d. i. eben machen; besonders in den Münzen, wo der Rand, nachdem mit der Benehmschere etwas abgenommen worden, wieder zugeglichen wird.


Zugleine (W3) [Adelung]


Die Zugleine, plur. die -n, eine Leine, oder schwaches Seil, etwas damit zu ziehen.


Zugloch (W3) [Adelung]


Das Zugloch, des -es, plur. die -löcher, ein Loch, den Zug der Luft zu befördern, dergleichen z. B. in verschiedenen Arten von Öfen sind.


Zugluft (W3) [Adelung]


Die Zugluft, plur. inus. eine auf eine merkliche Art ziehende, durch eine schmale Öffnung sich fortbewegende Luft; oft auch nur schlechthin der Zug. Ist die Zugluft stark, so heißt sie ein Zugwind.


Zugmaus (W3) [Adelung]


Die Zugmaus, plur. die -mäuse, eine Art Feldmäuse, welche zu gewissen Zeiten in großen Haufen fortziehen; dergleichen es z. B. in den nördlichen Gegenden gibt.


Zugmesser (W3) [Adelung]


Das Zugmesser, des -s, plur. ut nom. sing. bey verschiedenen Holzarbeitern, ein Messer mit zwey nach einem rechten Winkel gebogenen Handhaben, im Ziehen damit zu schneiden.


Zugnetz (W3) [Adelung]


Das Zugnetz, des -es, plur. die -e, S. Zuggarn.


Zugochs (W3) [Adelung]


Der Zugochs, des -en, plur. die -en, Ochsen, welche zum Ziehen gebraucht werden, zum Unterschiede von den Schlacht- oder Mastochsen und Zuchtochsen.


Zugramme (W3) [Adelung]


Die Zugramme, plur. die -n, eine große Ramme, welche mit Seilen gezogen wird, zum Unterschiede von einer Handramme.


Zugrecht (W3) [Adelung]


Das Zugrecht, des -es, plur. inus. ein nur in den Rechten einiger, besonders Oberdeutschen Gegenden übliches Wort. 1. Das Recht, Abzug oder Abschoß zu fordern, das Abzugsrecht, ( S. dieses.) 2. Das Einstandsrecht, oder Näherrecht, ( S. diese Wörter.) 3. Das Recht, Appellationes von niedern Gerichten anzunehmen, von Zug, Bezug, welches im Oberdeutschen ehedem für Appellation üblich war. Das Zugrecht haben.


Zugreifen (W3) [Adelung]


Zugreifen, verb. irreg. neutr. ( S. Greifen,) mit haben, nach etwas greifen, anfangen, darnach zu greifen. Er griff mit beyden Händen zu. Seine Finger heißen greif zu, er stiehlt gern; im gemeinen Leben.


Zugring (W3) [Adelung]


Der Zugring, des -es, plur. die -e, ein Ring, welcher um einen Körper gelegt wird, denselben zusammen zu ziehen, oder zusammen zu halten.


Zugschraube (W3) [Adelung]


Die Zugschraube, plur. die -n, eine Schraube, etwas damit zusammen zu ziehen.


Zugseil (W3) [Adelung]


Das Zugseil, des -es, plur. die -e, ein Seil, etwas damit zu ziehen.


Zugstange (W3) [Adelung]


Die Zugstange, plur. die -n, eine Stange zum Ziehen, oder welche etwas ziehet, z. B. in den Wasserkünsten und Pumpen, die Stange, wodurch der Kolben in der Kolbenröhre auf und nieder gezogen wird.


Zugstiefel (W3) [Adelung]


Der Zugstiefel, des -s, plur. ut nom. sing. die -n, Stiefeln, deren Schäfte bis an die Wade gewalkt sind, welche sich folglich nach dem Fuße ziehen lassen.


Zugstuhl (W3) [Adelung]


Der Zugstuhl, des -es, plur. die -stühle, ein Weberstuhl, auf demselben allerley Figuren vermittelst der gezogenen Kegel in die Zeuge zu wirken; der Kugelstuhl, Zampelstuhl.


Zugtau (W3) [Adelung]


Das Zugtau, des -es, plur. die -e, ein Tau, daran zu ziehen, etwas damit zu ziehen.


Zugthor (W3) [Adelung]


Das Zugthor, des -es, plur. die -e, derjenige Theil einer Zugbrücke, welche das Thor verschließt.


Zugürten (W3) [Adelung]


Zugürten, verb. reg. act. vermittelst eines Gurtes verschließen.


Zugvieh (W3) [Adelung]


Das Zugvieh, des -es, plur. car. ein Collectivum, Vieh zu bezeichnen, welches zum Ziehen gebraucht wird, dergleichen Ochsen und Pferde sind.


Zugvogel (W3) [Adelung]


Der Zugvogel, des -s, plur. die -vögel, Vögel, welche im Herbste in wärmere Länder ziehen, und im Frühlinge wiederkommen; Streichvögel.


Zugwind (W3) [Adelung]


Der Zugwind, des -es, plur. die -e, ein durch einen an zwey Seiten eingeschlossenen Ort ziehender Wind, eine sehr schnelle Zugluft.


Zugwinde (W3) [Adelung]


Die Zugwinde, plur. die -n. 1. Eine jede Winde, vermittelst welcher etwas in die Höhe gezogen wird. 2. In einigen Gegenden führet der Kloben den Nahmen der Zugwinde. 3. Eine Art Winden, welche völlig den Wagewinden gleicht, nur daß sie keinen hölzernen Stock, wohl aber ein auf allen Seiten verschlossenes Gehäuse hat.


Zugzehent (W3) [Adelung]


Der Zugzehent, des -en, plur. die -en, in einigen Gegenden ein Nahme des Garben- oder Mandelzehenten, zum Unterschiede von dem Sack- oder Schäffelzehenten.


Zuhaben (W3) [Adelung]


Zuhaben, verb. irreg. act. ( S. Haben,) welches nur im gemeinen Leben üblich ist. 1. Als eine Zugabe bekommen; nur im Infinitiv. Er will etwas zuhaben, verlangt eine Zugabe. 2. Zugeschlossen, zugemacht haben. Sein Haus immer zuhaben.


Zuhäfteln (W3) [Adelung]


Zuhäfteln, verb. reg. act. mit Häfteln verschließen. Ein Kleidungsstück zuhäfteln.


Zuhäkeln (W3) [Adelung]


Zuhäkeln, verb. reg. act. mit kleinen Haken verschließen; wie das vorige.


Zuhaken (W3) [Adelung]


Zuhaken, verb. reg. act. vermittelst eines oder mehrerer Haken verschließen, oder zumachen.


Zuhalten (W3) [Adelung]


Zuhalten, verb. irreg. ( S. Halten.) Es ist: 1. Activum. (1) Verschließen, zumachen, von Theilen des Leibes. Die Hand, den Mund, die Augen zuhalten. (2) Vermittelst der Hand bedecken, oder verschließen. Einem den Mund, die Augen, sich die Nase, die Ohren zuhalten. Ein Gefäß zuhalten. Die Thür zuhalten. (3) Verschlossen halten. Sein Haus den ganzen Tag zu halten, verschlossen haben. 2. Neutrum, mit haben. (1) Mit jemanden zuhalten, einen vertrauen, besonders unerlaubten Umgang mit ihm haben; im gemeinen Leben. (2) Sein Versprechen halten. Ein Schuldner hält zu, wenn er zu rechter Zeit bezahlt, eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung, für einhalten. So auch das Zuhalten.


Zuhaltung (W3) [Adelung]


Die Zuhaltung, plur. die -en, an den Französischen und Englischen Schlössern, ein besonderer Riegel, der, wenn der ordentliche Riegel die Thür verschließt, in ihn einfällt, und ihn gleichsam zuhält, so daß er nicht zurück geschoben werden kann.


Zuhauen (W3) [Adelung]


Zuhauen, verb. irreg. ( S. Hauen.) 1. Neutrum, mit haben, anfangen, wacker zu hauen. Auf jemanden zuhauen. Haue zu! 2. Activum, zurecht hauen, durch Hauen zu dem bestimmten Gebrauche vorbereiten. Bauholz zuhauen, so daß es auf der Baustätte aufgerichtet werden kann. Die Kammmacher hauen den Kamm zu, wenn sie der Hornplatte mit dem Haumesser die Gestalt des Kammes geben.


Zuheilen (W3) [Adelung]


Zuheilen, verb. reg. 1. Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, sich durch heilen verschließen. Eine Wunde heilet zu, wenn sie sich mit neuem Fleische ausfüllet und verschließet. 2. Activum, zuheilen machen. So heilet der Wundarzt eine Wunde zu.


Zuhorchen (W3) [Adelung]


Zuhorchen, verb. reg. neutr. mit haben, auf etwas horchen, leise, oder in geheim auf etwas hören.


Zuhören (W3) [Adelung]


Zuhören, verb. reg. neutr. mit haben, auf etwas hören, das Gehör auf etwas richten. So wohl absolute, aufmerksam zuhören. Als auch mit der dritten Endung der Person, einem aufmerksam zuhören.


Zuhörer (W3) [Adelung]


Der Zuhörer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zuhörerinn, eine Person, welche der andern zuhöret; besonders, welche dem Lehrvortrage eines andern zuhöret. Die Zuhörer eines Predigers, Lehrers u. s. f.


Zujauchzen (W3) [Adelung]


Zujauchzen, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit haben, jauchzend zurufen. Einem zujauchzen, ihm Beyfall zujauchzen.


Zukehr (W3) [Adelung]


Die Zukehr, plur. car. ein seltenes Wort, für Zuneigung, im Gegensatze der Abkehr. Die Zukehr des Herzens zu Gott, die überwiegende Neigung.


Zukehren (W3) [Adelung]


Zukehren, verb. reg. act. zu etwas kehren, oder wenden, mit der dritten Endung der Person. Einem den Rücken, das Gesicht zukehren.


Zukeilen (W3) [Adelung]


Zukeilen, verb. reg. act. vermittelst eines oder mehrerer Keile verschließen, verstopfen.


Zuketteln (W3) [Adelung]


Zuketteln, verb. reg. act. vermittelst einer kleinen Kette verschließen. Eine Thür von innen zuketteln.


Zuklammern (W3) [Adelung]


Zuklammern, verb. reg. act. mit Klammern verschließen.


Zuklatschen (W3) [Adelung]


Zuklatschen, verb. reg. act. et neutr. im letztern Falle mit haben, entgegen klatschen, durch Klatschen zu erkennen geben. Jemanden seinen Beyfall zuklatschen.


Zukleben (W3) [Adelung]


Zukleben, seltener Zukleiben, verb. reg. act. vermittelst eines Klebers verschließen. Ein Loch zukleben.


Zukleistern (W3) [Adelung]


Zukleistern, verb. reg. act. vermittelst eines Kleisters verschließen. Eine Öffnung, ein Loch in einem Fenster zukleistern. Seitdem, daß uns der Wahn die Augen zugekleistert, figürlich, für verschlossen, Canitz.


Zuklinken (W3) [Adelung]


Zuklinken, verb. reg. act. vermittelst der Klinke verschließen. Die Thür zuklinken.


Zuknöpfen (W3) [Adelung]


Zuknöpfen, verb. reg. act. vermittelst eines, oder mehrerer Knöpfe zumachen. Den Rock, die Weste zuknöpfen.


Zuknüpfen (W3) [Adelung]


Zuknüpfen, verb. reg. act. vermittelst eines geknüpften Knotens verschließen. Ein Bündel zuknüpfen.


Zukommen (W3) [Adelung]


Zukommen, verb. irreg. neutr. ( S. Kommen,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1. Zu etwas kommen; in welcher Bedeutung es doch theils veraltet, theils nur im gemeinen Leben üblich ist. Wegen eines Grabens nicht zukommen können, besser, nicht dazu kommen können. Zukomme dein Reich, im Vater Unser, besser, zu uns komme. 2. Überbracht, überliefert werden. Die Nachricht, welche mir von Wien zukommen ist, welche ich von Wien erhalten habe. In einer etwas andern Bedeutung ist, einem etwas zukommen lassen, es ihm ablassen, mittheilen, verkaufen, überlassen. Einem Lebensmittel zukommen lassen, verkaufen. 3. Jemandes Pflicht und Befugniß gemäß seyn. (1) Seiner Pflicht gemäß seyn. Es kommt den Unterthanen zu, zu gehorchen. Er blieb liegen, wie es einem Sandreiter zukommt. (2) Seinen Befugnissen, Gerechtsamen gemäß seyn. Diese Kleidung kommt dir nicht zu, ist deinem Stande nicht gemäß, ist dir nicht erlaubt. Ich fordere nicht mehr, als mir zukommt. Es kommt einem jungen Menschen nicht zu, in alles zu reden. Das kommt mir von Gott und Rechts wegen zu. 4. Im gemeinen Leben wird zukommen von dem Viehe gebraucht, theils für sich begatten, theils auch für empfangen. Die Sau ist zugekommen, hat sich begattet, hat empfangen. Den Teig zukommen lassen, bey den Bäckern, den gesäuerten Teig eine Zeitlang stehen lassen, damit er den Sauerteig gehörig annehme.


Zukost (W3) [Adelung]


Die Zukost, plur. car. im gemeinen Leben, für Gemüse, oder Zugemüse, ( S. das letztere;) in andern Gegenden Zuspeise. Dagegen Zubrot, zuweilen auch Zuspeise, in manchen Gegenden dasjenige ist, was zu dem Brote gegessen wird, z. B. Butter, Käse, Muß, Häring u. s. f.


Zukunft (W3) [Adelung]


Die Zukunft, plur. car. 1. * Die Ankunft; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche nur noch im Kirchenstyle üblich ist, wo die Zukunft Christi ins Fleisch, oder zum Gericht, dessen Ankunft, Erscheinung ist. 2. Die künftige Zeit, oft mit dem Nebenbegriffe der in derselben möglichen, oder wahrscheinlichen Veränderungen. Sorgen für die Zukunft. Die Furcht vor einer traurigen Zukunft. Die Hoffnung erhebet uns zur Zukunft, und entziehet uns das Gefühl des Gegenwärtigen. In Zukunft, künftig.


Zukünftig (W3) [Adelung]


Zukünftig, adj. et adv. welches sehr häufig für das kürzere künftig gebraucht wird, ob es gleich nichts mehr sagt. Die zukünftige Ernte, die künftige. Auf das Zukünftige sehen.


Zulächeln (W3) [Adelung]


Zulächeln, verb. reg. 1. Neutrum, mit haben. Einem zulächen, auf ihn lächeln. 2. Activum, durch Lächeln zu erkennen geben. Jemanden Beyfall zulächeln.


Zulage (W3) [Adelung]


Die Zulage, plur. die -n, von dem Verbo zulegen. 1. Die Handlung des Zulegens; ohne Plural, und nur in einigen Fällen. Bey den Zimmerleuten ist die Zulage die Zusammenlegung und Verzimmerung des Zimmerwerkes auf der Erde, damit es so gleich zusammen gelegt werden kann. 2. Was zugelegt wird; mit dem Plural. Z. B. was an jemandes Besoldung zugelegt wird. Zulage bekommen; um Zulage anhalten. Bey den Fleischern werden die Stücke geringern Fleisches, welche sie dem bessern zulegen und sich gleich diesem bezahlen lassen, die Zulage genannt; in einigen Gegenden die Beystücke. 3. Dasjenige, womit etwas zugeleget wird, z. B. die Zulage einer Brücke, die obere Bedeckung.


Zulangen (W3) [Adelung]


Zulangen, verb. reg. 1. Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. (1) Nach etwas langen oder greifen. Bey Tische zulangen, sich Speise aus der Schüssel nehmen. (2) Lang genug seyn, et- was zu erreichen. Der Strick, die Stange langet nicht zu, wenn sie nicht die erforderliche Länge hat. Noch häufiger figürlich, genug zu etwas seyn. Seine Besoldung langet zu einem solchen Aufwande nicht zu. 2. Activum. Einem etwas zulangen, es ihm mit der ausgestreckten Hand nähern, es ihm zureichen.


Zulänglich (W3) [Adelung]


Zulänglich, adj. et adv. welches nur in der zweyten Bedeutung des Neutrius üblich ist, der Zahl und dem Grade nach vermögend, eine Absicht hervor zu bringen, zureichend, hinlänglich. Dazu ist mein Vermögen nicht zulänglich. Zulängliche Kräfte zu etwas haben. So auch die Zulänglichkeit.


Zulaß (W3) [Adelung]


Das Zulaß, des -es, plur. mit einem Zahlworte, ut nom. sing. ein Weinmaß am Rheine, welches von einem Stückfasse noch verschieden ist.


Zulassen (W3) [Adelung]


Zulassen, verb. irreg. act. ( S. Lassen.) 1. Verschlossen lassen. Eine Büchse zulassen, sie nicht öffnen. 2. Sich nahen lassen, den Zugang verstatten. Jemanden in das Schlafzimmer zulassen. In der Landwirthschaft läßt man den Ochsen, das Pferd u. s. f. zu, wenn man sie sich begatten läßt, welches auch beylassen genannt wird. 3. Nicht hindern, was man hindern könnte. Gott läßt manches Böse in der Welt zu. Daher der zulassende Wille Gottes. Das läßt ihm nicht zu, an etwas anders zu denken. So auch die Zulassung.


Zulässig (W3) [Adelung]


Zulässig, adj. et adv. in der letzten Bedeutung des vorigen, fähig, zugelassen, verstattet zu werden. So auch die Zulässigkeit.


Zulast (W3) [Adelung]


Die Zulast, plur. die -en, ein vornehmlich in den Rheinischen Gegenden übliches Wort, ein Stückfaß zu bezeichnen. Eine Zulast Rheinwein, ein Stückfaß.


Zulauf (W3) [Adelung]


Der Zulauf, des -es, plur. car. die Handlung des Zulaufens und die zulaufende, sich eilfertig versammelnde Menge Menschen. Es war bey der Leiche ein großer Zulauf von Menschen. Ein Prediger hat vielen Zulauf, wenn sich viele Menschen versammeln, ihn zu hören.


Zulaufen (W3) [Adelung]


Zulaufen, verb. irreg. ( S. Laufen.) Es ist: 1. Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn. (1) Anfangen, wacker zu laufen. Lauf zu! (2) Hurtig laufen. Er lief tapfer zu. (3) Einen Gegenstand im Laufen erreichen, ihn zum Ziel des Laufens machen. Er lief auf mich zu. Blind zulaufen. (4) Nach einer gewissen Richtung laufen. Wo lauf' ich zu, daß wir einander treffen? wohin laufe ich. (5) Herbey laufen, sich eilfertig versammeln. Alles Volk lief zu. Es laufen viele Menschen zu. ( S. Zulauf.) (6) Spitzig zulaufen, sich auf eine Spitze endigen. 2. Activum, in welcher Form es doch nur auf den Glashütten üblich ist, wo ein Glas zulaufen, so viel ist, als dessen Hals nach oben zu enger machen.


Zulegen (W3) [Adelung]


Zulegen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Activum. (1) Durch Legung eines andern Dinges verschließen. Eine Grube mit Bretern zulegen. In einem etwas andern Verstande legt man einen Brief zu, wenn man ihn durch Umbiegung einiger Theile verschließt. (2) Durch Beyfügung eines Theils eben derselben Art vermehren. Jemanden 100 Thlr. zu seiner Besoldung zulegen. Der Käufer leget noch 10 Thlr. zu, wenn er zu einem vorigen Geboth noch 10 Thlr. hinzu thut. Durch Murren und Unmuth seinem Übel selbst ein größeres Gewicht zulegen, Gell. (3) Beylegen, zuschreiben; doch nur selten. Sich große Verdienste zulegen; besser, beylegen. (4) Anschaffen; in der vertraulichen Sprechart. Sich ein Pferd, einen Garten, eine Frau zulegen. (6) Zurecht legen, zusammen legen; nur in einigen Fällen. Die Zimmerleute legen ein Gebäude zu, wenn sie das Zimmerwerk auf der Erde so zurichten, daß es nochmahls sogleich aufgesetzet werden kann. ( S. Zulage.) (7) Bey den Markscheidern ist, einen Riß, einen Gru- benzeug zulegen, ihn auf das Papier in einen Riß bringen, welches vermittelst des Zulege-Compasses oder Zulege-Instrumentes geschiehet. 2. Als ein Neutrum, mit haben. Einem zulegen, seine Partey nehmen, ihn mit Worten vertheidigen; nur im gemeinen Leben.


Zuleimen (W3) [Adelung]


Zuleimen, verb. reg. act. vermittelst des Leimens verschließen, zumachen.


Zuletzt (W3) [Adelung]


Zuletzt, ein Nebenwort so wohl der Zeit, für zum letzten Mahle. Du siehest mich heute zuletzt; in welcher Gestalt es doch nur in der vertraulichen Sprechart üblich ist. Als auch der Ordnung, als das letzte der Ordnung nach. Zuletzt gehen, im Gehen der letzte seyn. Da es denn auch als ein Bindewort gebraucht wird. Er sträubte sich gegen alle Vorstellungen; zuletzt gab er doch nach, endlich. Bey dem Ottfried zi lezist, bey dem Notker zelezzest.


Zulieben (W3) [Adelung]


* Zulieben, verb. reg. neutr. mit haben, welches im Hochdeutschen völlig veraltet ist, und freundlich zurufen, mit Liebkosen anreden, bedeutet hat. Es kommt noch 2 Sam. 22, 42 vor. Bey dem Opitz ist Zuliebung so viel als Schmeicheley.


Zulp (W3) [Adelung]


+ Der Zulp, des -es, plur. die -e, ein nur in den niedrigen Sprecharten übliches Wort, den Zuckerbeutel zu bezeichnen, woran man die kleinen Kinder saugen läßt, und welcher in manchen Gegenden Dolle heißt. Eben daselbst ist zulpen so viel als saugen.


Zumachen (W3) [Adelung]


Zumachen, verb. reg. act. Es ist: 1. Activum. (1) Machen, daß etwas zu, d. i. verschlossen, werde, da es denn ein sehr allgemeiner Ausdruck ist, welcher alle Arten des Verschließens unter sich begreift. Ein Loch zumachen, es geschehe, auf welche Art es wolle. Das Haus, die Thür zumachen. Einen Brief zumachen, ihn zusammen legen und versiegeln. Den Rock zumachen, zuknöpfen. (2) Zurecht machen, zurichten; nur im Hüttenbaue. Den Ofen zumachen, ihn zum Schmelzen zubereiten. 2. Ein Neutrum, mit haben, in, oder mit einer Sache eilen, wie fortmachen; doch nur im gemeinen Leben. Mache zu, eile, fördere dich.


Zumahl (W3) [Adelung]


Zumahl, ein erläuterndes Bindewort, welches zugleich eine Steigerung des Bewegungsgrundes oder der Ursache bezeichnet, und alle Mahl ein da nach sich hat. Ich muß mich seiner annehmen, zumahl da er mein Freund ist, besonders, vorzüglich deßwegen, weil er mein Freund ist. Es ist aus zu und Mahl zusammen gesetzt, aber der Bedeutung nach sehr elliptisch. Im Oberdeutschen ist dafür bevorab üblich.


Zumauern (W3) [Adelung]


Zumauern, verb. reg. act. mit Mauerwerk verschließen. Eine Thür, ein Fenster zumauern.


Zumessen (W3) [Adelung]


Zumessen, verb. irreg. act. ( S. Messen.) 1. In jemandes Gegenwart messen und ihm übergeben. Einem das Getreide zumessen. 2. Beymessen, beylegen, zuschreiben, obgleich seltener. Sich alles zumessen, zuschreiben. Jemanden die Schuld zumessen, beylegen.


Zumpfen (W3) [Adelung]


Zumpfen, verb. reg. neutr. mit haben, welches nur in den niedrigen Sprecharten einiger Gegenden üblich ist, sich auf eine gezwungene Art sittsam stellen. Daher verzumpft thun, in eben derselben Bedeutung. Zümpferlich, auf eine gezwungene Art sittsam. Da das pf hier bloß ein Ableitungslaut ist, so scheint zähmen, ziemen, oder vielleicht auch zäumen die Wurzel zu seyn.


Zumurmeln (W3) [Adelung]


Zumurmeln, verb. reg. act. murmelnd nahe bringen, zu erkennen geben. Der Bach murmelt dir Beyfall zu.


Zumuthen (W3) [Adelung]


Zumuthen, verb. reg. act. etwas von jemanden muthen, d. i. verlangen, ohne doch zu bestimmen, ob es bittweise, befehlsweise, oder auf andere Art geschiehet. Einem etwas zumuthen. Muthen sie mir das nicht zu. Die Mama konnte mir vorhin zumuthen, ich sollte ihn hassen, Gell. So auch die Zumuthung. Im gemeinen Leben ist dafür auch anmuthen üblich. Beyde sind von muthen, begehren, verlangen, S. dasselbe.


Zunächst (W3) [Adelung]


Zunächst, eine Partikel, welche vornehmlich als eine Präposition gebraucht wird, und alsdann die dritte Endung erfordert, sehr nahe, im höchsten Grade nahe. Er saß zunächst mir, unmittelbar bey mir. Zuweilen aber auch als ein Adverbium, mit bey. Er saß zunächst bey mir. Zunächst bey Italien seyn. Figürlich bezeichnet zunächst als ein Adverbium, das, was das erste und eigentliche an einem Dinge ist. Das Wort Diabolus bedeutet zunächst und eigentlich einen Zweyzüngigen. Als ein Nebenwort der Zeit für nächstens, in kurzem, ist es nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich.


Zunageln (W3) [Adelung]


Zunageln, verb. reg. act. vermittelst eines oder mehrerer Nägel verschließen. Eine Kiste zunageln.


Zunähen (W3) [Adelung]


Zunähen, verb. reg. act. durch Nähen verschließen. Eine Öffnung in einem Kleidungsstücke zunähen.


Zunahme (W3) [Adelung]


Die Zunahme, plur. car. von dem Verbo zunehmen, der Zustand, da etwas zunimmt, im Gegensatze der Abnahme. Die Zunahme eines Übels, einer Krankheit. Die Zunahme an Kräften, an Vermögen.


Zunahme (W3) [Adelung]


Der Zunahme, des -ns, plur. die -n. 1. Der Geschlechtsnahme, im Gegensatze des Vor- oder Taufnahmens. In Christoph Müller ist der letzte Nahme der Zunahme. 2. Oft ist es auch so viel als Beynahme, d. i. derjenige Nahme, welchen eine Person außer ihrem Vor- und Geschlechtsnahmen noch von einem gewissen Umstande bekommt. Alexander, mit dem Zunahmen der Große.


Zunähter (W3) [Adelung]


Der Zunähter, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Verbo zunähen, eine verächtliche Benennung, mit welcher die Kürschner die Pfuscher ihres Handwerkes zu belegen pflegen.


Zunasen (W3) [Adelung]


Zunasen, verb. reg. act. welches nur in den Schmelzhütten üblich ist, wo sich die Form zunaset, wenn sie durch Schlacken verstopft wird, so daß der Wind aus dem Gebläse nicht durchstreichen kann.


Zünden (W3) [Adelung]


Zünden, verb. reg. neutr. mit haben. 1. Feuer fangen. Nasses Schießpulver zündet nicht. Noch häufiger 2. in Brand setzen; auch nur als ein Neutrum, und ohne Accusativ. Das Pulver will nicht zünden. 3. * Leuchtchen; eine längst veraltete Bedeutung. Und zündet mit dem Licht darein, so mügt er sy schawen deß baß, Theuerd. Ein Paar andere Beyspiele führet Frisch an.

Anm. Bey dem Notker zunten, in Baiern auch kenten, im Engl. to tind und to tine, im Angels. tynan, im Gothischen tandjan, im Latein. cendere in accendere und incendere. In einigen Oberdeutschen Gegenden gehet es irregulär; Particip. gezunden. S. auch Anzünden.


Zunder (W3) [Adelung]


Der Zunder, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein brennbarer Körper, welcher von einem darauf fallenden Funken zum Glimmen gebracht, und zum Feueranmachen gebraucht wird. Man hat besonders zwey Körper dieser Art, Lappen- oder Lumpenzunder, welcher auch nur Zunder schlechthin genannt, und aus Lumpen gebrannt wird, und Schwammzunder, welcher aus einer Art Baumschwämme bereitet wird. 2. Oft wird auch der glühende Hammerschlag Zunder, und in manchen Gegenden Zünder genannt; ohne Zweifel, so fern er von dem glühenden Eisen in Gestalt großer glühender Funken abspringet. Wenn er erkaltet ist, bekommt er erst den Nahmen des Hammerschlages.

Anm. In der ersten Bedeutung schon im Kero Zuntru, im Nieders. Tunder, im Engl. Tinder, im Angels. Tender, Tyndre, im Schwed. Tunder. Ehedem bedeutete es auch eine Kohle, und besonders eine glühende Kohle, von welcher Bedeutung die heutige des Hammerschlages vermuthlich abstammet. Es ist von zünden, nach der alten Oberdeutschen Form, in welcher es zunden lautet, ein Ding, welches zündet, leicht Feuer fängt.


Zünder (W3) [Adelung]


Der Zünder, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Glühender Hammerschlag, ( S. das vorige.) 2. Bey den Kohlenbrennern wird der Meiler, so lange er noch nicht völlig aus dem dazu bestimmten Holze aufgesetzt ist, ein Zünder genannt. 3. Bey den Feuerwerkern ist der Zünder eine mit Pulver gefüllte Röhre, welche bis zu dem Hauptpulver reicht, dasselbe anzuzünden, und welche auch die Zündröhre, der Brand genannt wird. Es ist gleichfalls von zünden.


Zunderbaum (W3) [Adelung]


Der Zunderbaum, des -es, plur. die -bäume, S. Alpenkiefer und Fichte.


Zunderbüchse (W3) [Adelung]


Die Zunderbüchse, plur. die -n, eine Büchse, den Zunder darin zu verwahren.


Zunderschwamm (W3) [Adelung]


Der Zunderschwamm, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -schwämme, eine Art Baumschwämme, welche den Schwammzunder gibt.


Zündfeld (W3) [Adelung]


Das Zündfeld, des -es, plur. die -er, derjenige Theil einer Kanone, oder eines Mörsers, in welchem sich das Zündloch befindet.


Zündkern (W3) [Adelung]


Der Zündkern, des -es, plur. die -e, an den Feuergewehren, ein kleines hohles Eisen, welches von der Zündpfanne hinein in das Gewehr geschoben wird, und das Zündloch bildet.


Zündkraut (W3) [Adelung]


Das Zündkraut, des -es, plur. car. Schießpulver, oder auch eine aus Schießpulver bereitete Masse, Feuerwerke, oder Theile eines Feuerwerkes damit anzuzünden; im gemeinen Leben Zündpulver. S. Kraut.


Zündkugel (W3) [Adelung]


Die Zündkugel, plur. die -n, mit Feuer fangenden Dingen gefüllte Kugeln, Gebäude u. s. f. damit anzuzünden, wohin Bomben, Granaten u. s. f. gehören.


Zündloch (W3) [Adelung]


Das Zündloch, des -es, plur. die -löcher, ein Loch, einen Körper durch dasselbe in Brand zu setzen, dergleichen das Zündloch in einem Kohlenmeiler ist. Am häufigsten an den Feuergewehren, dasjenige Loch, wodurch das Feuer in den Lauf dringet, und den Schuß anzündet.


Zündpfanne (W3) [Adelung]


Die Zündpfanne, plur. die -n, die kleine Pfanne vor dem Zündloche der Feuergewehre, in welche das Zündkraut geschüttet wird.


Zündpulver (W3) [Adelung]


Das Zündpulver, des -s, plur. inus. S. Zündkraut.


Zündröhre (W3) [Adelung]


Die Zündröhre, plur. die -n, S. Zünder.


Zündruthe (W3) [Adelung]


Die Zündruthe, plur. die -n, in der Artillerie, ein schwacher Stab mit einer brennenden Lunte am Ende, Kanonen und Mörser damit abzufeuern.


Zündstange (W3) [Adelung]


Die Zündstange, plur. die -n, bey den Kohlenbrennern, eine Stange, vermittelst welcher der Meiler durch das Zündloch in Brand gestecket wird.


Zündwurst (W3) [Adelung]


Die Zündwurst, plur. die -würste, in der Artillerie, ein mit Pulver angefüllter Schlauch, eine Mine damit anzuzünden.


Zunehmen (W3) [Adelung]


Zunehmen, verb. irreg. ( S. Nehmen,) welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, an Zahl, Umfang, Dauer und innerer Stärke vermehret werden, im Gegensatze des Abnehmens. Der Mond nimmt zu, wenn seine Scheibe dem Anscheine nach vergrößert wird. Der Mond ist im Zunehmen, der zunehmende Mond. Die Zuschauer nehmen zu, es werden ihrer mehrere. Die Tage nehmen zu, wenn sie länger werden. Die Hitze, die Kälte nimmt täglich zu. Ein Mensch nimmt zu, wenn er fetter wird. Dasjenige, woran die Zunahme geschiehet, bekommt die Präposition an. An Kräften, am Verstande, am Vermögen, an Gelehrsamkeit zunehmen. Zuweilen auch in. In der Tugend, in der Länge, in der Dicke zunehmen. ( S. auch Zunahme.) 2. Als ein Activum, doch nur absolute und ohne Accusativ, auch nur im Stricken, wo zunehmen so viel ist, als die Maschen ver- mehren, um das Gestrick breiter oder weiter zu machen; im Gegensatze des Abnehmens.


Zuneigung (W3) [Adelung]


Die Zuneigung, plur. inus. die Neigung des Willens zu einer Person oder Sache, wo das vorgesetzte zu die Richtung schärfer bestimmt, als das bloße Neigung, daher Zuneigung auch nicht in so weiter Bedeutung üblich ist, als jenes. Am häufigsten wird Zuneigung von der Neigung des Willens zu einer Person gebraucht. Viele Zuneigung zu jemanden äußern, viele Gewogenheit. Die Zärtlichkeit ist alles, wodurch ich die Zuneigung belohnen kann, die er zu mir trägt. Von Sachen ist das bloße Neigung üblicher und hinlänglich. Das Wort ist ein Überrest von dem ehemahligen Verbo zuneigen, welches im Hochdeutschen veraltet ist.


Zunesteln (W3) [Adelung]


* Zunesteln, verb. reg. act. mit Nesteln, d. i. schmalen ledernen Bändern, zubinden; ein im Hochdeutschen eben so fremdes Wort, als Nestel.


Zunft (W3) [Adelung]


Die Zunft, plur. die Zünfte. 1. Eine Anzahl, oder Menge Menschen Einer Art; in welcher weitesten Bedeutung z. B. ein Stand ehedem eine Zunft genannt wird. Die Zunft der Junggesellen, die Weiberzunft. In welchem Verstande es noch jetzt zuweilen gebraucht wird. 2. In engerer Bedeutung, eine Gesellschaft verbundener Menschen Einer Art; auch nur noch selten. In Cöln gibt es eine Ritterzunft. Die Diebeszunft, Schelmenzunft. In dem alten Rom wurden die Einwohner nach dem Unterschiede des Standes und Gewerbes in gewisse Classen oder Zünfte getheilet. 3. In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung werden die im eine geschlossene Gesellschaft vereinigten Handwerker Einer Art, eine Zunft genannt. In die Zunft aufgenommen, aus der Zunft gestoßen werden. Die Zunft, oder die Zünfte zusammen fordern. Die Schneiderzunft, Schmiedezunft, Maurerzunft, Schusterzunft, Kramerzunft u. s. f. In manchen Gegenden wird eine solche Zunft eine Innung, eine Zeche, ein Gewerk, in Niedersachsen ein Amt, in Aachen eine Gaffel, in den Niederlanden eine Rotte genannt.

Anm. Bey dem Kero ist Zumfti Versammlung überhaupt, daher es scheint, daß Zunft ehedem eine jede Zusammenkunft, Versammlung bedeutet habe, und alsdann würde es von dem veralteten samen, sammen, zusammen kommen, nach eben der alten Form gebildet seyn, nach welcher Kunst von kommen, Vernunft von vornehmen, Kunst von können und Gunst von gönnen gebildet sind. Ungizunft, welches bey dem Ottfried und Notker Uneinigkeit, Unordnung bedeutet, scheinet davon verschieden zu seyn, und von ziemen oder zähmen, obgleich nach eben derselben Form, abzustammen.


Zunftbrief (W3) [Adelung]


Der Zunftbrief, des -es, plur. die -e, der Stiftungs- oder Freyheitsbrief einer Handwerkszunft.


Zunftbuch (W3) [Adelung]


Das Zunftbuch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, worein eine Handwerkszunft die bey derselben vorfallenden Merkwürdigkeiten verzeichnet.


Zünfter (W3) [Adelung]


Der Zünfter, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, übliches Wort, ein Glied einer Zunft, ein Zunftglied, einen Zunftgenossen, Zunftverwandten zu bezeichnen.


Zunftgenoß (W3) [Adelung]


Der Zunftgenoß, des -en, plur. die -en, S. das vorige.


Zunftherr (W3) [Adelung]


Der Zunftherr, des -en, plur. die -en, ein Rathsherr, welcher einer Zunft vorgesetzt ist, so wohl die innere Ordnung in derselben zu handhaben, als auch ihr Bestes in dem Rathe zu besorgen.


Zünftig (W3) [Adelung]


Zünftig, adj. et adv. 1. In eine Zunft vereiniget, Zunftrecht habend. Ein zünftiges Handwerk, im Gegensatze eines unzünftigen und freyen. 2. Zu einer Zunft gehörig, in derselben gegründet. So auch die Zünftigkeit.


Zunftgemäß (W3) [Adelung]


Zunftgemäß, adj. et adv. 1. Einer geschlossenen Zunft gemäß. 2. Den Gesetzen, oder Gebräuchen einer gewissen Zunft gemäß.


Zunftmeister (W3) [Adelung]


Der Zunftmeister, des -s, plur. ut nom. sing. der Vorgesetzte einer Zunft. So pflegt man das Tribunus der alten Römer oft durch Zunftmeister zu übersetzen, obgleich eben nicht auf die schicklichste Art, weil man sich bey Zunft immer gern eine Deutsche Handwerkszunft denkt. An einigen Orten werden die Zunftherren mit diesem Nahmen belegt.


Zunftrecht (W3) [Adelung]


Das Zunftrecht, des -es, plur. die -e. 1. Das Recht, in eine geschlossene Handwerkszunft vereiniget zu seyn; ohne Plural. 2. Gerechtsamen und Verbindlichkeiten, welche mit einer Zunft verbunden sind.


Zunftverwandte (W3) [Adelung]


Der Zunftverwandte, des -n, plur. die -n, S. Zünfter.


Zunftzwang (W3) [Adelung]


Der Zunftzwang, des -es, plur. car. diejenige Einrichtung, da Personen einer Art in eine Zunft, oder geschlossene Gesellschaft vereiniget seyn, und sich ihren Gesetzen und Gebräuchen unterwerfen müssen.


Züngel (W3) [Adelung]


Das Züngel, des -s, plur. ut nom. sing. das im gemeinen Leben aus Zünglein verderbte Diminut. des vorigen, S. dasselbe.


Züngel (W3) [Adelung]


Der Züngel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art sehr schmackhafter Donau-Fische, welcher gemeiniglich halbpfündig wird, und von braunrother Farbe mit großen schwarzen Flecken ist. Der Grund seiner Benennung ist mir unbekannt.


Züngeln (W3) [Adelung]


Züngeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, die Zunge hin und her bewegen, mit der Zunge spielen. Die Nattern züngelten um den bewundnen Leib, Günth. Des Ulysses getreuer Hund bey dem Hagedorn. Naht sich mit regem Ohr, riecht, wedelt, züngelt, schmeichelt. Ehedem war züngeln auch schwatzen, plaudern, ein Züngeler, ein Schwätzer, und das Gezüngel, das Geschwätz.


Zungen-Aloe (W3) [Adelung]


Die Zungen-Aloe, plur. inus. eine Art Aloe, deren Blätter einer Zunge gleichen, Aloe linguiformis Linn.


Zungenband (W3) [Adelung]


Das Zungenband, des -es, plur. die -bänder, ein Häutchen unter der Zunge, welches dieselbe mit dem Kinne verbindet, in einigen Gegenden das Zungenhäutchen, Zäumchen, Nieders. der Käkelrem, Kakelriemen, von kakeln, plaudern, weil es, wenn es zu kurz ist, das Reden hindert, daher es alsdann gelöset, d. i. durchschnitten, wird.


Zungenbein (W3) [Adelung]


Das Zungenbein, des -es, plur. die -e, ein Bein, welches die Gestalt eines Hufeisens hat, und die Zunge im Schlunde befestiget, Oshyoideum, linguale.


Zungenblatt (W3) [Adelung]


Das Zungenblatt, des -es, plur. inus. Der Nahme einer Pflanze, welche eine Art des Zapfenkrautes ist, und ein kleines Blatt in Gestalt einer Zunge auf dem größern liegen hat, Zungenkraut.


Zungendrescher (W3) [Adelung]


Der Zungendrescher, des -s, plur. ut nom. sing. eine Benennung eines zanksüchtigen und ränkevollen Advocaten, welchen man auch wohl einen Rabulisten nennet. Die letzte Hälfte ist ohne Zweifel von dreschen, plaudern, ( S. dasselbe und Dräuschen;) daher Zungendrescher eigentlich bloß einen Schwätzer bedeutet, folglich den Begriff sehr unvollkommen ausdrückt. Da überdieß die Zusammensetzung sehr elliptisch ist, und einen Menschen bezeichnet, der mit der Zunge drischt, so ist das Wort dieser Mängel wegen der Beybehaltung unwerth, wenn man auch die darin liegende Tavtologie mit der Nothwendigkeit entschuldigen wollte, einen Drescher in diesem Verstande von Dreschern in der gewöhnlichen Bedeutung zu unterscheiden.


Zungenfehler (W3) [Adelung]


Der Zungenfehler, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Fehler in der Sprache, welcher von der Zunge herrühret, z. B. wenn jemand kein r oder l aussprechen kann. 2. Ein Fehler, welcher mit der Zunge begangen wird, S. Zungensünde.


Zungenfisch (W3) [Adelung]


Der Zungenfisch, des -es, plur. die -e, S. Zunge.


Zungenform (W3) [Adelung]


Die Zungenform, plur. die -en, bey den Orgelbauern, eine Form, die Zungen der Pfeifen darin zu bilden.


Zungenförmig (W3) [Adelung]


Zungenförmig, adj. et adv. die Gestalt einer Zunge habend.


Zungenfreund (W3) [Adelung]


Der Zungenfreund, des -es, plur. die -e, ein Freund, dessen Freundschaft sich bloß durch Worte äußert, in leeren Versiche- rungen bestehet; in den niedrigen Sprecharten ein Maulfreund. Da auch diese Zusammensetzung wider die neuere Analogie zu elliptisch ist, so verdienet auch dieses Wort keine weitere Aufbewahrung.


Zungenfrey (W3) [Adelung]


Zungenfrey, adj. et adv. die Zunge frey lassend, ein nur von solchen Mundstücken der Pferde übliches Wort, welche der Zunge ihre Freyheit lassen, und auch offene, oder gekröpfte genannt werden.


Zungenhäutchen (W3) [Adelung]


Das Zungenhäutchen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Zungenband.


Zungenheld (W3) [Adelung]


Der Zungenheld, S. Maulheld.


Zungenkraut (W3) [Adelung]


Das Zungenkraut, des -es, plur. inus. S. Zungenblatt.


Zungenkrebs (W3) [Adelung]


Der Zungenkrebs, des -es, plur. car. eine Krankheit des Rindviehes, welche in einer bloßen Mundfäule bestehet, und nicht ansteckend ist.


Zungensünde (W3) [Adelung]


Die Zungensünde, plur. die -n, Sünden, welche mit der Zunge begangen werden, und z. B. in unnützen Worten, unanständigen Ausdrücken u. s. f. bestehen.


Zunicken (W3) [Adelung]


Zunicken, verb. reg. act. et neutr. 1. Neutrum, mit haben, auf jemanden nicken. Der Rathsherr nicht ihr zu in langer Staatsperücke, Zach. 2. Activum, durch Nicken zu erkennen geben. Jemanden Beyfall zunicken.


Zunöthigen (W3) [Adelung]


Zunöthigen, verb. reg. recipr. Sich einem zunöthigen, wider dessen Willen mit ihm in Verbindung zu kommen suchen, sich ihm aufdringen, zudringen; ein seltenes Wort. Üblicher ist das Substantiv die Zunöthigung, plur. die -en, Handlungen zu bezeichnen, da man sich jemanden aufzudringen sucht, besonders solche, da man wider dessen Willen mit ihm Streit zu bekommen sucht.


Zuordnen (W3) [Adelung]


Zuordnen, verb. reg. act. Einem jemand zuordnen, ihm selbigen an die Seite setzen, zum Gehülfen in einem Geschäfte verordnen. In den Reichskreisen sind die Zugeordneten, Reichsstände, welche dem Kreisobersten mit Rath und That an die Hand gehen müssen, und im Nothfalle dessen Stelle vertreten. Der erste unter ihnen heißt der Nachgeordnete.


Zupeitschen (W3) [Adelung]


Zupeitschen, verb. reg. neutr. mit haben, anfangen, zu peitschen, ingleichen wacker fortfahren, zu peitschen. Peitsch zu! Auf etwas zupeitschen.


Zupfeisen (W3) [Adelung]


Das Zupfeisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Eisen, damit zu zupfen; besonders bey den Geldgießern, ein Dreheisen mit einer dreykantigen Spitze, den Überfluß auf glatten und erhabenen Flächen damit wegzunehmen. S. das folgende.


Zupfen (W3) [Adelung]


Zupfen, verb. reg. act. 1. Mit den zusammen gedrückten zwey vordern Fingern in kurzen Absätzen ziehen. Jemanden bey dem Barte, bey dem Ärmel, bey den Haaren zupfen. Zupfe dich bey deiner Nase, sagt man, wenn jemand einem andern Fehler verweiset, deren er sich selbst schuldig macht. Jemanden an dem Rocke, an dem Mantel zupfen. 2. Durch Zupfen bearbeiten. Rosen zupfen, die Blumenblätter auszupfen. Die Bürstenmacher zupfen die Borsten, wenn sie die Borsten von einer Länge aus einem Bunde Borsten ziehen. Die Wollarbeiter zupfen die Wolle, wenn sie selbige mit den Fingern aus einander ziehen. Seide zupfen, verarbeitete Seide wieder in einzelne Fäden auflösen.

Anm. Zupfen, im Nieders. toppen, ist nicht von Zopf, wie Frisch und andere wollen, sondern ein Intensivum, von dem noch im Oberdeutschen gangbaren zaufen, welches für ziehen üblich ist, und mit demselben von einer und eben derselben Wurzel abstammet.


Zupfseide (W3) [Adelung]


Die Zupfseide, plur. car. seidene Fäden, welche aus gewebten Zeugen gezupfet worden.


Zupflöcken (W3) [Adelung]


Zupflöcken, verb. reg. act. mit einem Pflocke verschließen.


Zupflügen (W3) [Adelung]


Zupflügen, verb. reg. act. 1. Durch Pflügen ausfüllen. Einen Graben zupflügen. 2. Das Pflügen beschließen, den Samen unterpflügen; gemeiniglich als ein Neutrum.


Zupichen (W3) [Adelung]


Zupichen, verb. reg. act. mit Pech vermachen, verschließen.


Zuplatzen (W3) [Adelung]


Zuplatzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, plötzlich zufahren, in einer Sache übereilt und ohne vernünftige Überlegung handeln.


Zuplumpen (W3) [Adelung]


Zuplumpen, verb. reg. neutr. auch mit seyn, auf eine plumpe, ungeschickte Art zufahren, ohne gehörige Vorsicht, oder Bescheidenheit handeln.


Zuposten (W3) [Adelung]


Zuposten, verb. reg. act. im Forstwesen, Postenweise, d. i. in Haufen, zuzählen und übergeben. So wird das Floß- oder Kohlholz dem Käufer von dem Förster zugepostet.


Zurathen (W3) [Adelung]


Zurathen, verb. irreg. act. ( S. Rathen,) zu etwas rathen; im Gegensatze des abrathen. Jemanden zurathen, ihm etwas zurathen.


Zurauschen (W3) [Adelung]


Zurauschen, verb. reg. act. durch Rauschen nahe bringen, zu empfinden geben. Jammernd irr' ich an der Silberquelle, die uns lieblich Wonne zugerauscht, Wiel. Im rauschten die Linden Beyfall zu, Zach.


Zurechnen (W3) [Adelung]


Zurechnen, verb. reg. act. 1. Auf jemandes Rechnung schreiben; im Gegensatze des abrechnen. In engerer Bedeutung ist zurechnen, auf jemandes Credit schreiben; auch im Gegensatze des abrechnen. 2. Zuschreiben, als eine Wirkung von etwas ansehen. Ich rechne es deiner Kindheit zu. Rechnen sie es mir nicht zu, daß die Sache verunglückt ist. In engerer Bedeutung, der Verbindlichkeit der Schuld und Strafe nach zueignen. Jemanden eines andern Sünde zurechnen. Was mit und nach eigener Wahl geschiehet, ist mit einer Sittlichkeit und Zurechnung verbunden.


Zurecht (W3) [Adelung]


Zurecht, adv. gehörig zubereitet, in die gehörige Lage, Verfassung. Sich zurecht machen, sich zubereiten, besonders in Ansehung der Kleidung. Die Speisen, das Essen zurecht machen, es zum Auftragen zubereiten. Etwas zurecht setzen, es in die gehörige, zur gegenwärtigen Absicht nöthige Lage setzen. So auch, zurecht legen, stellen u. s. f. Jemanden den Kopf zurecht setzen, ihn mit Ernst nach seinem Willen lenken. Ich will ihm den Kopf schon zurecht rücken, Gell. Mit etwas zurecht kommen, im gemeinen Leben, seine Absicht damit erreichen. Nach einer andern Figur geht zurecht kommen, zunächst auf den bürgerlichen Wohlstand. Wie kommt er zurecht? wie kommt er fort? wie gehet es ihm? Bey der Waare würde ein Kaufmann schlecht zurecht kommen, er würde dabey wenig gewinnen, Schaden leiden. Ich würde am schlimmsten dabey zurecht kommen, wenn nichts daraus würde, Weiße; ich würde am meisten dabey leiden.

Anm. Es ist von dem Adverbio recht und der Präposition zu. Da die Bedeutung hier sehr elliptisch ist, so schreibt man es billig als Ein Wort.


Zurede (W3) [Adelung]


Die Zurede, plur. inus. eine Rede, wodurch man jemanden zu bewegen sucht; wofür doch der Infinitiv des folgenden, das Zureden, üblicher ist.


Zureden (W3) [Adelung]


Zureden, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, durch Worte und Gründe zu bewegen suchen, mit dem Dativ der Person. Rede ihr doch zu, daß sie ihren Eigensinn fahren läßt, Gell. So auch das Zureden. Er hat es auf mein Zureden gethan.


Zureichen (W3) [Adelung]


Zureichen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Activum, hinreichen, damit der andere es nehme. Der Handlanger reicht dem Maurer die Steine und den Mörtel zu. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, zu einer Absicht genug, hinlänglich seyn. Mein Vermögen, meine Kräfte reichen zu dieser Sache nicht zu. Daher das Partici- pium zureichend, hinlänglich. Der zureichende Grund, in der neuern Philosophie, dasjenige, woraus sich alles an einem Dinge herleiten lässet, so daß kein anderer Grund weiter nöthig ist. In beyden Formen ist zureichen ein edlerer Ausdruck für das niedere zulangen, obgleich zulänglich von dieser Niedrigkeit frey ist.


Zureiten (W3) [Adelung]


Zureiten, verb. irreg. ( S. Reiten,) welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn. (1) Anfangen zu reiten, ingleichen hurtig reiten. Reit zu! (2) Auf jemanden zureiten, sich ihm reitend nähern. 2. Als ein Activum. Ein Pferd zureiten, es zu einem Reitpferde abrichten, und in engerer Bedeutung, es schulgerecht abrichten. Ein zugerittenes Pferd.


Zurichten (W3) [Adelung]


Zurichten, verb. reg. act. 1. Die gehörige Richtung, und in weiterer Bedeutung, die zu einer Absicht nöthige Beschaffenheit ertheilen, doch nur in manchen einzelnen Fällen, dagegen in den meisten bereiten und zubereiten üblicher sind. Die Speisen zurichten, bereiten. So auch die Zurichtung. Bey den Bäckern hat das Wort seine Zurichtung, wenn es genug Gahre hat. In weiterer Bedeutung ist es zuweilen so viel als veranstalten. Einem ein Unglück zurichten. 2. Figürlich, doch nur im gemeinen Leben. (a) Beschmutzen. Sich zurichten. (b) Verunstalten, verderben. Jemanden sehr übel zurichten, durch Schläge, in einem Duell, u. s. f.


Zuriegeln (W3) [Adelung]


Zuriegeln, verb. reg. act. vermittelst des vorgeschobenen Riegels verschließen, verriegeln. Ein Zimmer zuriegeln.


Zürnen (W3) [Adelung]


Zürnen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Zorn äußern. Auf ungezähmten Rossen - - zürnet hinter mir ein zweyter Ferdinand, Raml. Auf jemanden zürnen. So auch das Zürnen.

Anm. Schon bey dem Ottfried zurnan. Es ist von Zorn, daher es auch in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter zornan lautet.


Zurollen (W3) [Adelung]


Zurollen, verb. reg. 1. Neutrum, mit haben, anfangen, zu rollen, ingleichen das Rollen beschleunigen. 2. Activum, durch Rollen nähern. Jemanden ein Faß zurollen.


Zurosten (W3) [Adelung]


Zurosten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, durch Rost verschlossen werden. Das Loch ist zugerostet.


Zurück (W3) [Adelung]


Zurück, adv. in einer der Bewegung nach vorn zu entgegen gesetzten Richtung, wieder nach dem Orte hin, wo die Bewegung ausgegangen ist. 1. Eigentlich. Zurück gehen, fallen, fliegen, eilen, laufen, reiten, prallen, prellen, reifen, rufen, schlagen, sehen, springen, weichen, ziehen u. s. f. Er fuhr vor Schrecken zurück. Er stieg den Berg hinan und fiel des Augenblick beladen in das Thal zurück, Gell. 2. Figürlich, mit manchen Verbis. (a) In das Vergangene gerichtet. Zurück denken, blicken, sehen. Mit Zufriedenheit in die Reihe guter Thaten zurück blicken. Warum erröthest du, wenn du an diesen Tag zurück denkest? Ohne Vorwurf in die vorigen Zeiten zurück sehen. Aber Abts, sich an etwas zurück erinnern, ist ein Oberdeutscher Pleonasmus, weil der Gegenstand der Erinnerung schon etwas Vergangenes voraus setzet. (b) An den vorigen Besitzer. Etwas zurück fordern, zurückgeben. Fordert er mein Leben zurück, warum sollte ich zagen? Gell. Sein Leben dem gelassen zurück geben, von welchem man es empfangen hat. (c) In den vorigen Zustand. In die vorige Krankheit zurück fallen. Besonders in den vorigen schlechtern Zustand. In seiner Nahrung zurück gesetzt werden. (d) Die Sache gehet zurück, die Heirath ist zurück gegangen, es ist nichts daraus geworden. (e) Sein Wort zurück nehmen, sein Versprechen wiederrufen. Seinen Entschluß zurück nehmen, ändern. Zurück treten, von seinem Worte abgehen. (f) Zu- rück stehen müssen, andern nachstehen. Zurück gesetzet werden, vernachlässiget, nicht geachtet werden. (g) In den vorigen einfachern Zustand. Die Schönheit ist die Einheit im Mannigfaltigen, oder das Mannigfaltige auf Einheit zurück gebracht, oder zurück geführt. (h) Seine Meinung zurück halten, geheim halten, nicht äußern. ( S. Zurückhaltend.) Und so mit noch andern Nebenbegriffen mehr.

Anm. Bey dem Ottfried zi rugge, bey dem Notker zerukke, im Niedersächsischen to rugge. Es ist aus zu und Rücken zusammen gezogen, und bezeichnet eigentlich eine Richtung, die von dem Rücken ausgehet und in gerader Linie fortschreitet. Ehedem bedeutete es auch in den Rücken. Die Römer kamen ihnen zurück, in den Rücken, im Deutschen Livius von 1514. Da Rücken hier sehr verkürzt und in die nackte Wurzel rück aufgelöset worden, so wird es billig als ein zusammen gesetztes Wort angesehen. Da es aber ein wahres noch jetzt für sich allein völlig gangbares Adverbium ist, so darf es mit seinem Verbo, welches es bestimmt, eben so wenig zusammen gezogen werden, als rückwärts, vorwärts, hinauf, hinunter, u. s. f. welche Zusammenziehung doch in dem Participio Activi, dem Infinitiv, wenn er substantive gebraucht wird, und den Substantivis auf ung Statt findet, weil hier gemeinschaftliche Artikel und Biegungssylben sind. Folglich schreibt man an den vorigen Ort zurück kehren, und zurückkehrende Verba, die Zurückkehrung. Man sehe meine Sprachlehre.


Zurückhaltend (W3) [Adelung]


Zurückhaltend, adj. et adv. das Particip. von der R. A. zurück halten, seine wahre Gesinnung, oder Meinung verbergend, nicht äußernd. Gegen jemanden sehr zurückhaltend seyn. In engerer Bedeutung, keine Freundschaft äußernd, kaltsinnig. Er erwiederte seine Höflichkeit sehr zurückhaltend.


Zurückhaltung (W3) [Adelung]


Die Zurückhaltung, plur. inus. der Zustand, da man zurückhaltend ist. Ich überließ mich ohne Zurückhaltung dem süßen Schmerz des Mitleidens.


Zurückkehr (W3) [Adelung]


Die Zurückkehr, plur. car. der Zustand, da man zurück kehret, kürzer, die Rückkehr.


Zurückkehrend (W3) [Adelung]


Zurückkehrend, adj. et adv. eigentlich das Particip. von zurück kehren. Besonders pflegen einige Sprachlehrer die Verba reciproca zurückkehrende Zeitwörter zu nennen, weil sie eine Rückkehr ihres Begriffes auf das Subject bezeichnen: er tadelt sich.


Zurückkunft (W3) [Adelung]


Die Zurückkunft, plur. car. der Zustand, da man zurück kommt, kürzer, die Rückkunft.


Zuruf (W3) [Adelung]


Der Zuruf, des -es, plur. doch nur selten, die -rüfe. 1. Die Handlung, da man jemanden zurufet, ihm etwas zuruft; ohne Plural. 2. Die zugerufenen Worte; im Nothfalle mit dem Plural.


Zurufen (W3) [Adelung]


Zurufen, verb. irreg. ( S. Rufen.) Es wird so wohl als ein Neutrum gebraucht: einem zurufen, auf ihn rufen; als auch active, einem etwas zurufen, es ihm rufend zu erkennen geben. Jemanden Beyfall zurufen.


Zurüsten (W3) [Adelung]


Zurüsten, verb. reg. neutr. mit haben, zu etwas rüsten. Der Schiffer rüstet zu, wenn er sich zur Abfahrt fertig macht. So auch die Zurüstung, welches auch in weiterer Bedeutung von jeder geschäftigen Zubereitung gebraucht wird.


Zusäen (W3) [Adelung]


Zusäen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, in der Landwirthschaft, das Säen vollenden. Der Landmann hat zugesäet, wenn er die Aussaat vollbracht hat.


Zusage (W3) [Adelung]


Die Zusage, plur. die -n, die Handlung des Zusagens, das Versprechen. Seine Zusage halten, brechen. Gott hat alles Vermögen, die Erfüllung seiner Zusagen zu gewähren.


Zusagen (W3) [Adelung]


Zusagen, verb. reg. welches in einer doppelten Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. (1) Zu jemanden sagen, Schuld geben; eine provinzielle Bedeutung. Ich sagte ihr auf den Kopf zu, daß dieß ihr Geliebter seyn müsse, sagte es ihr das Gesicht, Hermes. (2) Gleich, gemäß seyn, überein stimmen; auch nur im gemeinen Leben einiger Gegenden. Die Eckständer müssen an beyden Seiten an Dicke den folgenden Ständern zusagen. Weil aber ihre Arbeit der himmlischen nicht zugesagt, nicht gleich war, Opitz. (3) Es hat mir nicht zugesagt, ist mir nicht bekommen; auch nur im gemeinen Leben. 2. Als ein Activum, sagen, daß man etwas thun wolle, wie versprechen. Einem etwas zusagen. Jemanden seine Tochter zusagen. So auch das Zusagen.


Zusammen (W3) [Adelung]


Zusammen, adv. welches von einer gemeinschaftlichen Richtung, oder Bewegung mehrerer Dinge nach einem Orte gebraucht wird, so wie beysammen ein gemeinschaftliches Daseyn in einem Orte bezeichnet. Etwas in ein Bündel zusammen binden. Zusammen brechen, stürzen, fallen, im gemeinen Leben, für einbrechen, einstürzen, einfallen. Viele Truppen zusammen bringen. Fäden zu einem Faden zusammen drehen. Zusammen fahren, in einander fahren. In dem Begriffe von Gott muß alles zusammen gefasset werden, was nur vollkommen heißt, Gell. Der Ort, wo zwey Flüsse zusammen fließen. Die Einwohner eines Ortes zusammen fordern, sie versammeln. Zwey Stücke zusammen fügen. Ein Brautpaar zusammen geben, copuliren. Dinge, welche zusammen gehören, als Theile eines Ganzen, aber außer einander, bestehen. Zusammen kommen, sich versammeln. Wie käme ich und so vieles Geld zusammen? in der vertraulichen Sprechart, wie käme ich zu so vielem Gelde. Die Mühle zusammen lassen, bey den Müllern, den obern Stein niedriger stellen. Ein Pferd zusammen reiten, in der Reitkunst, es dahin bringen, daß es mit seinen Theilen wohl vereinigt werde, und den Kopf senkrecht trage. Zusammen setzen, aus Theilen, welche außer einander befindlich sind, hervor bringen. Zusammen gesetzte Dinge, Körper. Ein zusammen gesetztes Wort, welches aus Verbindung zweyer, oder mehrerer für sich bestehender Wörter zu einem Ganzen entstanden ist, z. B. Windstille; zum Unterschiede von einem abgeleiteten, wenn das eine nicht mehr für sich allein, oder doch nicht in der Form und Bedeutung, üblich ist, wie bestehen. In der menschlichen Seele stimmt alles zu weisen Absichten zusammen. So auch zusammen laufen, legen, leiten, machen, nähen, nehmen, packen, raffen, rechnen, rollen, rotten, rücken, scharren, schleppen, schmelzen, schrauben, stecken, stoppeln, thun, tragen, treten, ziehen u. s. f. wo immer eine Richtung mehrerer Dinge nach einem gemeinschaftlichen Mittelpuncte bezeichnet wird. In einigen wenigen Fällen scheinet es für beysammen zu stehen, z. B. zusammen halten, so fern es als ein Neutrum gebraucht wird, zusammen hängen, mit einander verbunden seyn, zusammen kleben; vermuthlich, weil man sich den Begriff des Verbi thätig und wirksam gedacht hat.

Anm. Schon bey dem Ottfried zisamane, cesamine. Es ist aus zu und dem alten sammen zusammen gesetzt, ( S. Sammt und Versammeln,) so daß das zu die Richtung nach einem Orte bezeichnet. In Ansehung der Zusammenziehung gilt auch von diesem Worte, was schon bey Zurück angemerket worden. Es ist ein eigenes für sich bestehendes Adverbium, das folglich mit einem Verbo so wenig zusammen gezogen werden kann, als andere Adverbia, die davon abgeleiteten Substantiva ausgenommen, wo der gemeinschaftliche Artikel und die gemeinschaftlichen Biegungssylben die Verbindung zu einem Ganzen erfordern; also zusammen setzen, zusammen gesetzt, wie schlecht machen, schlecht gemacht; aber Zusammensetzung.


Zusammenfluß (W3) [Adelung]


Der Zusammenfluß, des -es, plur. die -flüsse, von zusammen fließen. 1. Der Zustand, da zwey oder mehrere flüssige Körper in einander fließen, und der Ort, wo dasselbe geschiehet. 2. Figürlich, die Versammlung, Verbindung. Ein großer Zusammenfluß von Menschen. Durch einen besondern Zusammenfluß mehrerer Umstände.


Zusammenhang (W3) [Adelung]


Der Zusammenhang, des -es, plur. car. von zusammen hangen, der Zustand, da die trennbaren Theile eines Dinges mit einander verbunden sind. Der Zusammenhang der Materie, eines Vortrages. Eine Predigt, in welcher kein Zusammenhang ist, in welcher die Theile nicht gehörig verbunden, in einander gegründet sind.


Zusammenklang (W3) [Adelung]


Der Zusammenklang, des -es, plur. inus. von zusammen klingen, der Zustand, da mehrere Töne in dem gehörigen Verhältnisse gegen einander stehen; die Symphonie, Zusammenstimmung. Die wahre Tugend ist des höchsten Guten Liebe, Ist ein Zusammenklang der wohlgestimmten Triebe, Dusch.


Zusammenkunft (W3) [Adelung]


Die Zusammenkunft, plur. inus. von zusammen kommen, der Zustand, da sich mehrere Dinge an einem gemeinschaftlichen Orte versammeln. Vor unserer Zusammenkunft zu Berlin. Die Zusammenkunft verschiedener Umstände.


Zusammensetzung (W3) [Adelung]


Die Zusammensetzung, plur. die -en. 1. Die Handlung des Zusammensetzens, der Vereinigung zweyer, oder mehrerer Dinge zu einem Ganzen; ohne Plural. Die Zusammensetzung eines Wortes, ( S. Zusammen.) 2. Mehrere zu einem Ganzen verbundene Dinge. Zusammensetzungen, zusammen gesetzte Wörter.


Zusammenstimmung (W3) [Adelung]


Die Zusammenstimmung, S. Zusammenklang.


Zusammenstoß (W3) [Adelung]


Der Zusammenstoß, des -es, plur. die -stöße, der Zustand, da zwey oder mehrere Dinge an einander stoßen. Der Zusammenstoß der Körper.


Zusammenziehung (W3) [Adelung]


Die Zusammenziehung, plur. die -en. 1. Die Handlung, da man zwey oder mehrere Dinge in eins zusammen ziehet; ohne Plural. 2. Zwey oder mehrere zusammen gezogene Dinge; mit dem Plural. In der Sprachlehre sind Zusammensetzung und Zusammenziehung, Compositio und Crasis sehr verschieden. Die erstere ist, wenn zwey oder mehr Wörter nach gewissen Regeln zu einem einzigen verbunden werden; die letztere, wenn sie bloß verbunden geschrieben werden, ohne zu untersuchen, ob sie ein Ganzes ausmachen können, oder nicht. Rückkunft ist ein zusammen gesetztes, zurückkommen aber bloß ein zusammen gezogenes Wort. S. meine Sprachlehre.


Zusammt (W3) [Adelung]


Zusammt, ein Pleonasmus für Sammt, S. dieses.


Zuschalken (W3) [Adelung]


Zuschalken, verb. reg. act. welches nur in der Seefahrt vorkommt, wo es so viel ist, als mit Nägeln zuschlagen, zunageln. S. Schalken.


Zuschanzen (W3) [Adelung]


Zuschanzen, verb. reg. act. in der vertraulichen Sprechart. Einem etwas zuschanzen, auf eine gute Art veranstalten, daß er es erhalte. Könnte er uns nicht ein Paar reiche Parthien zuschanzen? Gell. Einem eine Erbschaft zuschanzen. Es ist ohne Zweifel von Schanzen, so fern es in dem Würfelspiele werfen, und in weiterer Bedeutung, spielen ist, so daß zuschanzen eigentlich im Spiele gewinnen lassen bedeutet, so wie abschanzen ehedem für abgewinnen üblich war. S. Schanzen.


Zuscharen (W3) [Adelung]


Zuscharen, verb. reg. recipr. et neutr. welches nur im Bergbaue üblich ist, sich vereinigen, S. Scharen.


Zuschärfen (W3) [Adelung]


Zuschärfen, verb. reg. act. scharf oder spitzig machen; am häufigsten in der Landwirthschaft. Die Zaunpfähle zuschärfen, zuspitzen.


Zuscharren (W3) [Adelung]


Zuscharren, verb. reg. act. durch Scharren ausfüllen, bedecken.


Zuschauen (W3) [Adelung]


Zuschauen, verb. reg. neutr. mit haben, welches nur im Oberdeutschen, und in der dichterischen Schreibart der Hochdeutschen für zusehen üblich ist. S. Schauen. Einem zuschauen.


Zuschauer (W3) [Adelung]


Der Zuschauer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zuschauerinn, ein Wort, welches ungleich üblicher ist, als das vorige Verbum, und überhaupt eine Person bedeutet, welche einer Sache zusiehet, indem Zuseher nicht gangbar ist.


Zuschaufeln (W3) [Adelung]


Zuschaufeln, verb. reg. act. vermittelst der Schaufel zumachen, ausfüllen. Eine Grube zuschaufeln, mit darein geschaufelter Erde ausfüllen.


Zuschicken (W3) [Adelung]


Zuschicken, verb. reg. act. 1. Einem etwas zuschicken, es ihm schicken. Figürlich sagt man von Gott, daß er uns etwas zuschicke, wenn er veranstaltet, daß es uns widerfähret. Was Gott mir zuschickt, hätte es auch die Gestalt des Elends, wird Wohlfahrt seyn, Gell. 2. Zubereiten, Anstalt zu etwas machen; nur im gemeinen Leben. Ein Gastmahl zuschicken.


Zuschieben (W3) [Adelung]


Zuschieben, verb. irreg. ( S. Schieben.) 1. Neutrum, mit haben, anfangen, wacker zu schieben, ingleichen, hurtig schieben. Schiebe zu! 2. Activum. (1) Einem etwas zuschieben, es ihm durch Schieben nähern. Einem den Eid zuschieben, die Ablegung des Eides vor Gericht von ihm verlangen. (2) Durch Schieben verschließen, im Gegensatze des Aufschiebens. Den Riegel zuschieben.


Zuschießen (W3) [Adelung]


Zuschießen, verb. irreg. act. ( S. Schießen,) welche nur von dem Gelde gebraucht wird. Zehn Thaler zuschießen müssen, zu der von einem andern gegebenen Summe noch zehn Thaler zulegen müssen, für dazu schießen.


Zuschlag (W3) [Adelung]


Der Zuschlag, des -es, plur. die -schläge. 1. Die Handlung des Zuschlagens, in verschiedenen Bedeutungen des Verbi. Wer das meiste biethet, dem soll der Zuschlag geschehen, dem soll es zugeschlagen werden. In dem Deichbaue wird die letzte Zudeichung eines Dammes, ingleichen die Ausfüllung eines Deichbruches, der Zuschlag genannt. In einigen Niederdeutschen Gegenden ist der Zuschlag so viel als die Sperre, das Verboth der Ausfuhre oder Nutzung. Der Kornzuschlag. das Verboth der Ausfuhre, die Getreidesperre. Die Wiesen in Zuschlag legen, sie hägen, die Huth auf denselben verbiethen. 2. Dasjenige, was zugeschlagen wird, in welchem Verstande besonders im Hüttenbaue dasjenige, was zur Beförderung des Flusses der Erze denselben zugesetzet wird, als Schlacken, Bley, Kalkstein u. s. f. der Zuschlag, zuweilen auch wohl der Vorschlag genannt wird.


Zuschlagen (W3) [Adelung]


Zuschlagen, verb. irreg. ( S. Schlagen.) Es ist: 1. Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. (1) Anfangen, wacker zu schlagen, ingleichen, hurtig schlagen. Schlage zu! Sie schlugen wacker darauf zu. (2) Wohl bekommen; am häufigsten im gemeinen Leben. Die Arzney hat mir nicht zugeschlagen, ist mir nicht bekommen. Frankreich hat ihm wohl zugeschlagen, sein Aufenthalt in Frankreich ist ihm wohl bekommen. 2. Ein Activum. (1) Mit einem oder mehrern Schlägen verschließen. Die Thür zuschlagen, mit einem Schlage zumachen, sie zuwerfen. Ein Faß zuschlagen, den Boden mit Schlägen eintreiben. Im Deichbaue ist es so viel als zudämmen. (2) Mit einem Schlage zuerkennen, zusprechen, eigentlich in Auctionen, wo solches vermittelst des Schlages mit einem Hammer geschiehet. Wenn kein höheres Geboth erfolget, soll das Gut ihm zugeschlagen werden. In weiterer Bedeutung auch von andern Ar- ten des Verkaufes. Einem etwas zuschlagen, es ihm vor andern Liebhabern überlassen. (3) Zusetzen, besonders im Hüttenbaue, wo man dem Erze Bley, Schlacken u. s. f. zuschlägt, wenn man sie zur Beförderung des Flusses zusetzet.


Zuschläger (W3) [Adelung]


Der Zuschläger, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Münzen, derjenige Arbeiter, der bey dem Prägen mit dem Hammer auf den obern Stämpel des Prägestockes schlägt.


Zuschleppen (W3) [Adelung]


Zuschleppen, verb. reg. act. Einem etwas zuschleppen, es zu ihm schleppen. In weiterer Bedeutung und im verächtlichen Verstande, theils es ihm in Menge zubringen: der belagerten Stadt viele Lebensmittel zuschleppen; theils einem etwas verstohlner Weise zubringen: einem Gefangenen etwas zuschleppen.


Zuschließen (W3) [Adelung]


Zuschließen, verb. irreg. act. ( S. Schließen,) durch Schließen, vermittelst eines Schlosses zumachen. Die Thür, das Haus zuschließen.


Zuschmeißen (W3) [Adelung]


Zuschmeißen, verb. irreg. ( S. Schmeißen.) 1. Neutrum mit haben, anfangen, ingleichen fortfahren, wacker zu schmeißen, d. i. zu werfen, ingleichen zu schlagen. 2. Activum, für zuwerfen, oder zuschlagen. Die Thür zuschmeißen.


Zuschmiegen (W3) [Adelung]


Zuschmiegen, verb. reg. recipr. Sich zuschmiegen, sich schmiegend nahen. Figürlich, sich schmiegend und schmeichelnd in jemandes Gunst zu setzen suchen.


Zuschmieren (W3) [Adelung]


Zuschmieren, verb. reg. act. durch einen eingeschmierten Körper ausfüllen, oder verstopfen. Risse in dem Holze zuschmieren.


Zuschnallen (W3) [Adelung]


Zuschnallen, verb. reg. act. vermittelst einer, oder mehrerer Schnallen zumachen.


Zuschnappen (W3) [Adelung]


Zuschnappen, verb. reg. 1. Neutrum. (1) Mit seyn, mit einem schnappenden Laute zufahren. Das Schloß ist zugeschnappt. (2) Mit haben, nach etwas schnappen. Es (das Fischchen,) naht sich schon, jetzt schnappt es zu, Weiße. (2) Activum, mit einem schnappenden Laute zumachen. Er nimmt voll Ernst Tobak, und schnappt die Dose zu, Zachar.


Zuschneiden (W3) [Adelung]


Zuschneiden, verb. irreg. ( S. Schneiden.) 1. Neutrum, mit haben, anfangen, ingleichen fortfahren, wacker zu schneiden. Schneide zu! 2. Activum, zu fernern Gebraucht, zur Bearbeitung schneiden. So schneidet der Schneider den Zeug zu einem Kleide zu; der Tischler schneidet die Breter zu.


Zuschnitt (W3) [Adelung]


Der Zuschnitt, des -es, plur. inus. die Handlung des Zuschneidens, in der letzten Bedeutung. Der Zuschnitt eines Hemdes.


Zuschnüren (W3) [Adelung]


Zuschnüren, verb. reg. durch Zuziehung einer Schnur vorschließen. Den Beutel, die Schnürbrust zuschnüren.


Zuschrauben (W3) [Adelung]


Zuschrauben, verb. irreg. ( S. Schrauben.) 1. Neutrum, mit haben, anfangen, ingleichen, fortfahren, wacker zu schrauben. 2. Activum, vermittelst einer Schraube, durch Zudrehung der Schraube, zumachen, verschließen.


Zuschreiben (W3) [Adelung]


Zuschreiben, verb. irreg. act. ( S. Schreiben.) 1. An jemanden schreiben, eine seltene und um der Zweydeutigkeit Willen meist veraltete Bedeutung. Einem eine Nachricht zuschreiben, sie ihm überschreiben. ( S. Zuschrift.) 2. Dediciren. Einem ein Buch zuschreiben. ( S. Zuschrift.) 3. Für den Urheber ausgeben, beylegen. Jemanden ein Buch zuschreiben, ihn für dessen Verfasser ausgeben. Sich etwas aus Stolz zuschreiben. 4. Einem etwas zuschreiben, es ihm zu Gute auf seine Rechnung schreiben, im Gegensatze des Abschreibens. Jemanden zehn Thaler zuschreiben. Einem ein Haus zuschreiben, es auf seinen Nahmen schreiben.


Zuschreyen (W3) [Adelung]


Zuschreyen, verb. irreg. ( S. Schreyen,) theils als ein Neutrum, mit haben, einem zuschreyen, auf ihn schreyen; theils als ein Activum, einem etwas zuschreyen, es ihm mit einem Geschreye bekannt machen.


Zuschrift (W3) [Adelung]


Die Zuschrift, plur. die -en, von zuschreiben, doch nur in den beyden ersten Bedeutungen desselben. 1. Ein Brief, in der feyer- lichen Schreibart. Dero angenehme Zuschrift habe wohl erhalten, u. s. f. in einem Briefe. 2. Eine Dedication.


Zuschüren (W3) [Adelung]


Zuschüren, verb. irreg. act. et neutr. im letzten Falle mit haben. Holz zuschüren, oder auch nur schlechthin zuschüren, Holz zu dem Feuer schüren. Figürlich ist zuschüren im gemeinen Leben, einen Streit heftiger zu machen suchen.


Zuschuß (W3) [Adelung]


Der Zuschuß, des -es, plur. die -schüsse, von dem Verbo zuschießen. 1. Dasjenige, was man zu Erfüllung einer Summe eines andern dazu gibt. 2. Der häufige Zufluß, nur selten und ohne Plural. Das Kind kann den Zuschuß der Milch nicht ertragen.


Zuschütten (W3) [Adelung]


Zuschütten, verb. reg. 1. Neutrum, mit haben, anfangen, ingleichen fortfahren, lebhaft zu schütten. 2. Activum. (1) Durch Schütten ausfüllen oder zumachen. Eine Grube zuschütten, mit darein geschütteter Erde ausfüllen. (2) Dazu schütten, oder gießen. Wasser zuschütten, zu dem Weine gießen.


Zuschwellen (W3) [Adelung]


Zuschwellen, verb. irreg. neutr. ( S. Schwellen,) mit dem Hülfsworte seyn, vermittelst einer Geschwulst verschlossen werden. So schwellen in den Blattern die Augen zu.


Zuschwören (W3) [Adelung]


Zuschwören, verb. irreg. act. ( S. Schwören.) Einem etwas zuschwören, es ihm vermittelst eines Schwures versichern.


Zusehen (W3) [Adelung]


Zusehen, verb. irreg. neutr. ( S. Sehen,) welches das Hülfswort haben erfordert, gegenwärtig seyn und sehen, ein Zuschauer seyn. 1. Eigentlich, so wohl absolute. Der Sohn tanzt, und der Vater siehet zu. Als auch mit der dritten Endung der Person, oder Sache. Dem Taschenspieler, dem Schauspieler zusehen. O, warum kann nicht die ganze Welt ihrer Großmuth zusehen! Gell. Da seyn wir mit gesetztem Triebe, Noch öfters unsrer ersten Liebe. Im Bilde junger Hirten zu, Rost. 2. Figürlich. (1) Ungeahndet lassen. Man kann dem Unwesen nicht länger zusehen. (2) Sorge tragen. Siehe zu, daß nichts verloren gehe. Da siehe du zu, das ist deine Sorge. (3) Sich hüthen. Siehe zu, daß du nicht fallest. Schon im Ottfried zuasehan.


Zusehend,Zusehends (W3) [Adelung]


Zusehend, oder Zusehends, ein Adverbium, so daß man es sehen, mit den Augen bemerken kann. So hat die schöne Stadt zusehend abgenommen, Opitz. Er wird zusehends kränker. Es ist eigentlich das Participium Activum des vorigen, bekommt aber hier, wider die Analogie, eine passive Bedeutung, welche es in der edlern Schreibart verwerflich macht. Es kommt dazu, daß der Ton auf der zweyten Sylbe liegt, da er doch auf der ersten ruhen sollte. Wollte man es gleich um des Tones Willen als eine Zusammenziehung von zu sehend ansehen, so ist auch dieß auf mehr als eine Art wider alle Analogie.


Zusenden (W3) [Adelung]


Zusenden, verb. irreg. act. ( S. Senden,) an jemanden senden, für das weniger edle zuschicken. Einem Waaren, Briefe zusenden.


Zusetzen (W3) [Adelung]


Zusetzen, verb. reg. welches in einer doppelten Gestalt üblich ist. 1. Als ein Activum. (1) Zu einem andern Dinge setzen, oder nähern, absolute und mit Verschweigung dieses andern Dinges. Besonders in den Küchen, wo man die Speisen zusetzt, wenn man sie an das Feuer setzt. (2) Durch Hinzuthuung vermehren; wieder auf verschiedene Art, für dazu setzen. Im Spiele setzt man, z. B. acht Groschen zu, wenn man sie zu dem schon stehenden Gelde hinzu thut. Man setzt in einer Erzählung zu, wenn man unwahre Umstände als wahr beyfügt. (3) Nach und nach verlieren; eine Figur der vorigen Bedeutung, vornehmlich des Zusetzens im Spiele. Hundert Thaler bey einer Sache zusetzen, sie aus seinem Vermögen dabey verlieren. Er hat sein ganzes Vermögen bey der Handlung zugesetzt. Auch absolute und als ein Neutrum: du wirst dabey zusetzen. (4) Durch ein davor gesetztes Ding verschließen, oder zumachen. Den Ofen zusetzen, durch eine davor gesetzte Thür. In der Schifffahrt setzt man die Segel zu, wenn man ihre Winkel vorwärts bieget. 2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. (1) Einem zusetzen, stark in ihn dringen, es sey nun mit Worten, oder auf andere Art. Jemanden mit Worten zusetzen. Du weißt, wie oft ich ihm mit Thränen zugesetzt. Einer Festung mit Kanonen zusetzen, sie lebhaft beschießen. Dem Feinde scharf zusetzen, ihn nachdrücklich angreifen. Einem mit dem Trunke zusetzen, ihn zum Trinken nöthigen. (2) In der Landwirthschaft setzen die Schafe zu, wenn sie vier Jahr alt werden, und folglich keine Zähne mehr bekommen, dergleichen Schafe daselbst auch zusetzige genannt werden. So auch das Zusetzen. S. auch der Zusatz.


Zusichern (W3) [Adelung]


Zusichern, verb. reg. act. Einem etwas zusichern, es ihm reichlich versprechen. So auch die Zusicherung.


Zusiegeln (W3) [Adelung]


Zusiegeln, verb. reg. act. vermittelst des ausgedruckten Siegels verschließen. Einen Brief zusiegeln. Daher das Zusiegeln und die Zusiegelung.


Zuspeise (W3) [Adelung]


Die Zuspeise, plur. die -n, eine Speise, welche zu einer andern gegessen wird, besonders dasjenige, was zu dem Brote gegessen wird, als Butter, Käse u. s. f. Noch häufiger eine Speise, welche zu dem Fleische gegessen wird. S. Zugemüse und Zukost.


Zusperren (W3) [Adelung]


Zusperren, verb. reg. act. was aufgesperret war, zumachen. Die Thür, den Mund zusperren. In manchen Gegenden ist es so viel als zuschließen.


Zuspitzen (W3) [Adelung]


Zuspitzen, verb. reg. act. spitzig zugehen machen. Die Nadeln zuspitzen, bey den Nadlern, wo daher der Zuspitzer derjenige Arbeiter ist, der die Nadeln auf die Zuspitzbank vermittelst des Spitzringes und Spitzrades spitzig schleift. Daher ist zugespitzt oft so viel als spitzig überhaupt.


Zusprache (W3) [Adelung]


Die Zusprache, plur. die -n, die Handlung, da man einem zuspricht, und die Rede, wodurch es geschiehet; ein seltenes, im Hochdeutschen großen Theils veraltetes Wort, wofür Zuspruch üblicher ist. 1. Eine tröstende, beruhigende Anrede. Dem Strauchelnden half deine Zusprache auf, Michaelis Hiob 4, 4. 2. Ein Besuch. Viele Zusprache haben, vielen Zuspruch.


Zusprechen (W3) [Adelung]


Zusprechen, verb. irreg. ( S. Sprechen.) 1. Activum. (1) Durch Sprechen einzuflößen suchen. Einem Muth, Trost zusprechen. (2) Einem etwas zusprechen, ihm durch ein gerichtliches Urtheil zuerkennen. Das Gut ist ihm zugesprochen worden. Im Gegensatze des Absprechens. 2. Neutrum, mit haben. (1) Zu jemanden sprechen, absolute, mit der dritten Endung der Person. Einem freundlich zusprechen, ihn freundlich anreden; ingleichen ihn durch freundliche Worte zu bereden suchen. (2) Einem zusprechen, noch häufiger, bey einem zusprechen, ihn auf kurze Zeit besuchen, wie einsprechen. Uns spricht der Scheinfreund, so wie du, Allein bey guten Tagen zu, Haged.


Zuspringen (W3) [Adelung]


Zuspringen, verb. irreg. neutr. ( S. Springen,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1. Hurtig laufen; im gemeinen Leben. 2. Herbey, herzu springen, d. i. eilen. Als er fiel, sprang alles zu. 3. Vermittelst eines Sprunges, einer schnellen elastischen Bewegung, verschlossen werden. Das Schloß ist zugesprungen.


Zuspruch (W3) [Adelung]


Der Zuspruch, des -es, plur. obgleich nur selten, die -sprüche, von dem Verbo zusprechen, für das veraltete Zusprache. 1. * Ein Anspruch, vermeintes Recht an etwas; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Alle diejenigen, welche An- und Zuspruch daran zu haben vermeinen. 2. Die Zusprechung des Trostes, Aufmunterung durch Worte. Jemanden durch seinen Zuspruch aufrichten. 3. Ein Besuch auf kurze Zeit; in der vertraulichen Schreibart. Gönnen sie uns ihren Zuspruch.


Zuspünden (W3) [Adelung]


Zuspünden, verb. reg. act. vermittelst eines Spundes verschließen. Ein Faß zuspünden.


Zustand (W3) [Adelung]


Der Zustand, des -es, plur. doch nur selten, die -stände, die Einrichtung des Veränderlichen an einem Dinge, und dessen Inbegriff. Das Haus findet sich in einem guten Zustande. Der Zustand der Gesundheit. Sich in einem schlechten Zustande befinden. Leidenschaftliche Zustände der Seele, solche Erscheinungen, wenn die Seele von Leidenschaften beweget wird. S. auch Stand.


Zuständig (W3) [Adelung]


Zuständig, adj. et adv. von dem vorigen Worte, so fern es ehedem den Besitzstand bedeutete, gehörend, jemandes Eigenthum ausmachend. Das Gut ist einem Fremden zuständig, gehöret einem Fremden. Daher die Zuständigkeit, welches doch im Oberdeutschen üblicher ist, als im Hochdeutschen, was einem zustehet, ihm gehöret.


Zustechen (W3) [Adelung]


Zustechen, verb. irreg. ( S. Stechen.) 1. Neutrum, mit haben, anfangen, ingleichen fortfahren, wacker zu stechen. 2. Activum, mit Stichen, d. i. mit Nähnadel und Zwirn, zumachen. Ein Loch zustechen.


Zustecken (W3) [Adelung]


Zustecken, verb. reg. act. 1. Vermittelst eines eingesteckten Werkzeuges, z. B. einer Stecknadel, zumachen, verschließen. Das Hemd zustecken. 2. Einem etwas zustecken; es ihm heimlich zu Handen bringen. Bis der das Geld ihm zugesteckt, Haged.


Zustehen (W3) [Adelung]


Zustehen, verb. irreg. ( S. Stehen.) 1. Activum. (1) Einem etwas zustehen, im Oberdeutschen für zugestehen, welches S. Ich steh es gerne zu, Opitz. (2) Erlauben; wofür im Hochdeutschen gleichfalls zugestehen üblicher ist. 2. Neutrum, mit haben, jemandes Befugnissen, ingleichen jemandes Pflicht gemäß seyn. Es stehet dir nicht zu, das zu thun, du bist dazu nicht befugt. Kinder stehet es zu, die Alten zu ehren, es ist ihre Pflicht.


Zustellen (W3) [Adelung]


Zustellen, verb. reg. act. 1. Durch ein davor gestelltes Ding zumachen, verschließen. In dem Jagdwesen stellet man ein Jagen zu, wenn man den mit Netzen umstellten Jagdbezirk völlig einschließet. In dem Hüttenbaue wird der Ofen zugestellet, wenn man das Gestell in den hohen Ofen einsetzet. 2. Einem etwas zustellen, es ihm einhändigen. Jemanden einen Brief zustellen. 3. Einer Person oder Sache Glauben zustellen, beymessen; eine im Hochdeutschen schon sparsame Bedeutung, welche anfängt, unedel zu werden.


Zusterben (W3) [Adelung]


Zusterben, verb. irreg. neutr. ( S. Sterben,) mit dem Hülfsworte seyn, durch den Tod anheim fallen. Seine Güter sind Fremden zugestorben, sind nach seinem Tode an Fremde gefallen.


Zustopfen (W3) [Adelung]


Zustopfen, verb. reg. act. durch einen eingestopften Körper verschließen, oder zumachen. Ein Loch mit Leinwand zustopfen.


Zustoßen (W3) [Adelung]


Zustoßen, verb. irreg. ( S. Stoßen.) Es ist: 1. Neutrum. (1) Mit haben, anfangen, ingleichen fortfahren, wacker zu stoßen. (2) Mit seyn, plötzlich widerfahren. Es ist ihm eine Ohnmacht zugestoßen. Sagen sie mir, was ihnen zugestoßen ist, Gell. Wenn ihnen eine Noth zustößt. 2. Activum, durch Stoßen verstopfen.


Zustreichen (W3) [Adelung]


Zustreichen, verb. irreg. ( S. Streichen.) 1. Neutrum, mit haben, anfangen, ingleichen fortfahren, lebhaft zu streichen. 2. Activum, durch einen eingestrichenen Körper ausfüllen.


Zuströmen (W3) [Adelung]


Zuströmen, verb. reg. neutr. mit seyn, stromweise zufließen. Segen des Himmels strömet dir zu. Werd' ich alsdann nicht deiner Umarmung zuströmen? Zachar. eine viel zu harte Figur.


Zutappen (W3) [Adelung]


Zutappen, verb. reg. neutr. mit haben, plump und ungeschickt zugreifen.


Zuthat (W3) [Adelung]


Die Zuthat, plur. die -en, dasjenige, was zur Verfertigung einer Sache erfordert wird, dazu gethan werden muß, wenn sie entstehen soll. In dieser weitern Bedeutung heißt jedes Material, was zu einem Werke erfordert wird. z. B. Holz, Steine, Kalk, u. s. f. zu einem Gebäude, gesponnene Wolle, Seide, Flachs zu einem Gewirke, u. s. f. die Zuthat. In engerer Bedeutung ist die Zuthat bey den Schneidern, die kleinern Bedürfnisse, außer dem Zeuge und Futter, zu einem Kleidungsstücke z. B. Seide, Zwirn, Leinwand, weil der Schneider dieselbe dazu zu thun pflegt. Am gewöhnlichsten wird das Wort collective im Singular, seltener im Plural gebraucht.


Zuthätig (W3) [Adelung]


Zuthätig, -er, -ste, adj. et adv. entweder von einer jetzt veralteten Bedeutung des vorigen, oder auch unmittelbar von zuthun, sich einen Höhern zuthuend, sich durch Gefälligkeit um seine Gunst bewerbend; wofür im gemeinen Leben auch zuthulich üblich ist. Sehr zuthätig seyn, gefällig. So auch die Zuthätigkeit, im gemeinen Leben die Zuthulichkeit.


Zutheilen (W3) [Adelung]


Zutheilen, verb. reg. act. zu jemandes Theil bestimmen, ihm als seinen Theil geben. Einem etwas zutheilen. Wem soll ich den Preis zutheilen, ihr schönen Sänger? Geßn.


Zuthulich (W3) [Adelung]


Zuthulich, Zuthulichkeit, S. in Zuthätig.


Zuthun (W3) [Adelung]


Zuthun, verb. irreg. ( S. Thun,) welches in dreyfacher Gestalt gebraucht wird. 1. Als ein Activum, zumachen, als ein allgemeiner Ausdruck, so wie dieses; doch nur noch in einigen Fällen. Die Augen zuthun. 2. Als ein Reciprocum, sich zuthun, sich einem zuthun, sich durch Gefälligkeit beliebt zu machen suchen, doch nur von Geringern gegen Höhere. Er weiß sich gar sehr zuzuthun. 3. Als ein Neutrum, in welcher Form es doch nur als ein Defectivum gebraucht wird, indem nur einzelne Theile davon üblich sind. (1) Das Zuthun, der Infinitiv als ein Substantiv gebraucht, ist so viel als Mitwirkung, Beyhülfe. Es ist ohne mein Zuthun geschehen. (2) Das Participium zugethan wird häufig für geneigt gebraucht. Dem Aberglauben zugethan seyn. Jemanden zugethan seyn, geneigt. So auch in den Kanzelleyen, wo große Herren so zu schließen pflegen: und bleiben euch oder ihnen mit königlicher (fürstlicher) Huld zugethan. Indessen wird es nur als ein Adverbium, und wohl nicht leicht als ein Adjectiv gebraucht. Schon im Kero zuatun.


Zutragen (W3) [Adelung]


Zutragen, verb. irreg. act. ( S. Tragen.) 1. Durch Tragen nahe bringen, zu jemanden tragen. Dem Maurer Steine und Kalk zutragen. Ich trage dir die Speise zu Schon mit dem frühsten Morgen, Weiße. 2. Sich zutragen, von ungefähr, oder durch einen Zufall geschehen. Es hat sich ein großes Unglück zugetragen. Das hat sich mit mir in meiner Jugend zugetragen.


Zuträglich (W3) [Adelung]


Zuträglich, -er, -ste, adj. et adv. jemandes Bestes befördernd, nützlich, heilsam. Das wird dir sehr zuträglich seyn. Dergleichen Abwesenheiten sind dem guten Nahmen eines jungen Mädchens nicht zuträglich. So auch die Zuträglichkeit. Es ist von dem Neutro einem zutragen, ihm wohl bekommen, ihm heilsam, nützlich seyn, welches aber im Hochdeutschen längst veraltet ist. Im Oberdeutschen ist dafür für träglich üblich.


Zutrauen (W3) [Adelung]


Zutrauen, verb. reg. act. trauen, oder versichert seyn, daß jemand einer Sache fähig sey, mit dem Accusativ der Sache und dem Dativ der Person. So viel Kräfte hätte ich dir nicht zugetrauet. Jemanden viel Gutes, alles Böse zutrauen.


Zutrauen (W3) [Adelung]


Das Zutrauen, des -s, plur. car. 1. Das zuversichtliche Vertrauen auf des andern Wohlwollen. Da denn Zutrauen eine engere Art des Vertrauens ist. Etwas mit vielem Zutrauen von jemanden bitten. 2. Das Vertrauen, eine unedle und unschickliche Bedeutung. Sein Zutrauen auf Gott setzen.


Zutraulich (W3) [Adelung]


Zutraulich, -er, -ste, adj. et adv. Zutrauen hegend und darin gegründet. Sie sahe mich so zutraulich an, Herm. Sie fordern sehr zutraulich, daß ich wieder gut machen soll, was sie verdorben haben. So auch die Zutraulichkeit.


Zutreffen (W3) [Adelung]


Zutreffen, verb. irreg. neutr. ( S. Treffen,) mit haben, einer Versicherung, der Sache selbst gemäß seyn, damit überein kommen. Stax sagte mir, es würde geschehen, und es traf richtig zu. Die Rechnung trifft nicht zu, ist nicht mit der Wahrheit übereinstimmig.


Zutreiben (W3) [Adelung]


Zutreiben, verb. irreg. ( S. Treiben.) 1. Neutrum, mit haben. (1) Anfangen, ingleichen fortfahren, lebhaft zu treiben. (2) Im Hüttenbaue ist zutreiben, bey dem Abtreiben mehr Silber ausbringen, als man sich von der Beschickung versprochen hatte; da denn dieser Überschuß der Zutrieb genannt wird. 2. Activum, durch Treiben, d. i. heftig schlagen, verschließen, zumachen. Im Deichbaue wird der Deich zugetrieben, wenn er mit einem krummen Pfahle fest geschlagen wird.


Zutreten (W3) [Adelung]


Zutreten, verb. irreg. ( S. Treten.) 1. Neutrum, mit haben, anfangen, ingleichen fortfahren, lebhaft zu treten. 2. Activum, durch Treten verstopfen, ausfüllen. Ein Maul wurfsloch zutreten.


Zutrieb (W3) [Adelung]


Der Zutrieb, des -es, plur. inus. S. in Zutreiben.


Zutrinken (W3) [Adelung]


Zutrinken, verb. irreg. act. et neutr. im letzten Falle mit haben, ( S. Trinken.) Einem zutrinken, ihn durch einen Trunk gleichfalls zum Trinken nöthigen; in weiterer Bedeutung, jemandes Gesundheit trinken. Einem ein großes Glas zutrinken, dasselbe austrinken, damit der andere es gleichfalls ausleere.


Zutritt (W3) [Adelung]


Der Zutritt, des -es, plur. inus. 1. Die Freyheit, zu jemanden zu treten, d. i. sich ihm zu nähern, die Freyheit der persönlichen Annäherung, der unmittelbaren Unterhandlung. Freyen Zutritt zu jemanden haben, sich ihm ungehindert persönlich nähern dürfen. Bald wird der Zutritt mir zu ihm nicht offen stehn, Weiße. Das bescheidene Verdienst öffnet sich den Zutritt bey den Hohen und Niedrigen zugleich, Gell. 2. In weiterer Bedeutung, der Zugang, die Annäherung; nur in einigen Fällen. Den Zutritt der Luft hindern.


Zuverlässig (W3) [Adelung]


Zuverlässig, -er, -ste, adj. et adv. worauf man sich verlassen, dem man ohne Furcht zu irren glauben, worauf man seine Handlungen ohne Furcht zu wagen einrichten kann; so wohl von Personen, als von Sachen. Ein zuverlässiger Mann, auf dessen Worte oder Versicherungen man sich verlassen kann. Eine zuverlässige Nachricht. Es gehet zunächst auf gegenwärtige und künftige, so wie glaubwürdig zunächst auf vergangene Dinge. So auch die Zuverlässigkeit.

Anm. Es ist von einem veralteten Substantivo Zuverlaß, welches Zuflucht bedeutete, und wieder von sich verlassen abstammet, so daß zu bloß um des Nachdruckes Willen vorgesetzet worden, die Richtung des Vertrauens schärfer zu bezeichnen. Im Oberdeutschen ist dafür verlässig und verläßlich üblich.


Zuversicht (W3) [Adelung]


Die Zuversicht, plur. car. der höchste Grad des Vertrauens, die Erwartung seines Wohles von einer Person oder Sache aus überzeugenden Gründen. Sich einer Person oder Sache mit Zuversicht anvertrauen. Deine Güte erweckt in mir die Zuversicht, daß u. s. f. Seine Zuversicht auf etwas setzen, mit Zuversicht etwas erwarten.

Anm. Es ist ein altes Wort, welches schon in dem Notker zuofirsiht lautet, und das R. A. sich eines Dinges versehen, und dem nachdrücklichen zu, die Richtung des Gemüthes näher zu bezeichnen, gebildet.


Zuversichtlich (W3) [Adelung]


Zuversichtlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Subjective, Zuversicht hegend und darin gegründet; nur von Sachen. Ein zuversichtliches Vertrauen. Der zuversichtlichen Hoffnung leben. In weiterer Bedeutung, mit scheinbarer Zuversicht auf die Wahrheit seiner Worte. Er spricht sehr zuversichtlich. Reden sie nicht so gar zuversichtlich, Gell. 2. Objective, worauf man seine Zuversicht setzen kann, worauf man sich mit Zuversicht verlassen kann; eine um der Zweydeutigkeit Willen unschickliche Bedeutung, welche auch der Ableitung nicht ganz angemessen ist, daher man dafür lieber zuverlässig gebraucht. Ein zuversichtlicher Freund. Daher die Zuversichtlichkeit, in der ersten Bedeutung.


Zuvor (W3) [Adelung]


Zuvor, ein Adverbium der Zeit, für vorher, so wohl. 1. in Rücksicht auf eine vorher genannte Zeit oder Handlung. Ich sprach ihn heute zum ersten Mahle, denn zuvor hatte ich ihn nicht gesehen. In welcher Bedeutung doch vorher edler und üblicher ist. 2. In Rücksicht auf die vorher verstrichene Zeit überhaupt, für ehedem, ehemahls, vormahls; eine im Hochdeutschen größten Theils veraltete Bedeutung. 3. Absolute, wenigstens in sehr dunkler Rücksicht auf eine im folgenden dunkel bestimmte Zeit oder Handlung; nur noch mit einigen Verbis. Jemanden zuvor kommen, eigentlich eher kommen, als er. Figürlich, theils eine ähnliche Handlung eher verrichten, als er. So kommt man jemanden in dem Kaufe eines Gutes zuvor, wenn man es kauft, ehe er den beschlossenen Kauf vollführen konnte. Theils, jemanden eine Gefälligkeit erweisen, ehe er noch darum bittet. Daher die zuvorkommende oder zuvorlaufende Gnade Gottes, in der Theologie, die Bearbeitung des Menschen, welche vor dessen Vorsatz vorher gehet. Es einem zuvor thun, ihn in einer Fertigkeit oder Handlung übertreffen; wo man auch beyde zusammen ziehen kann, zuvorthun, indem die Bedeutung sehr figürlich ist.

Anm. Im Oberdeutschen ist dafür auch zuvorhin, ehevor, hiebevor und oft nur vor üblich.


Zuvörderst (W3) [Adelung]


Zuvörderst, ein Adverbium der Ordnung, vor allen Dingen. Wir wollen zuvörderst die Sache in Ordnung bringen. Es ist aus zu und vorderste zusammen gesetzt, daher die Schreibart zuförderst unrichtig ist, so häufig sie auch seyn mag. Bey dem Stryker zu vodrift. Im Oberdeutschen ist dafür auch alforderst, alvorderist üblich.


Zuwachs (W3) [Adelung]


Der Zuwachs, des -es, plur. car. von dem folgenden Verbo. 1. Was jemanden zuwächst, d. i. was er an Getreide, Heu, Wein u. s. f. erbauet. Der jährliche Zuwachs. 2. Von einer andern, aber jetzt veralteten Bedeutung des Verbi, ist es figürlich so viel als Vermehrung. Meine Liebe gewinnet dadurch einen großen Zuwachs. Die Erfahrung ist oft der stärkste und deutlichste Beweis der Wahrheit, und in so fern auch ein Zuwachs der Vernunft, Gell.


Zuwachsen (W3) [Adelung]


Zuwachsen, verb. irreg. neutr. ( S. Wachsen,) mit seyn. 1. Durch den Wachsthum verschlossen werden. So wächset eine Wunde zu, wenn sie von dem nachwachsenden Fleische verschlossen wird. 2. Zu jemandes Gebrauche wachsen. So wachsen dem Landmanne die Feldfrüchte zu, wenn er sie selbst bauet, und nicht erst laufen darf.


Zuwege (W3) [Adelung]


Zuwege, adv. zur Wirklichkeit, nur mit einigen wenigen Verbis. Etwas zuwege bringen, seltener, zuwege richten, zur Wirklichkeit bringen. Es ist von zu und Weg zusammen gesetzet, und da die Bedeutung sehr elliptisch und figürlich ist, so wird es billig als eine Zusammensetzung behandelt. Ehedem war es in noch andern Bedeutungen gangbar. So heißt es in dem Deutschen Livius von 1514: sie brachten viel Volks zuwegen, zusammen.


Zuwehen (W3) [Adelung]


Zuwehen, verb. reg. act. durch Wehen nahe bringen. Gerüche wehn vom kräuterreichen Hybla aufs neu uns zu, Schleg.


Zuweilen (W3) [Adelung]


Zuweilen, adv. zu manchen Zeiten, dann und wann, wie bisweilen, und das niedrigere unterweilen. Wie man den Verstand nicht immer anstrengen kann, so ist es auch erlaubt, zuweilen etwas seichtes zu lesen, Gell. Ehedem nur wilon, ( S. Bisweilen.) Das vorgesetzte je, je zuweilen ist ein unnützer Überfluß.


Zuweisen (W3) [Adelung]


Zuweisen, verb. irreg. act. ( S. Weisen.) Einem etwas zuweisen, ihm zeigen, oder sagen, wo er es bekomme. Einem jemand zuweisen, ihn an ihn weisen.


Zuwenden (W3) [Adelung]


Zuwenden, verb. irreg. act. ( S. Wenden.) 1. Mit etwas verbinden; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher nur noch in der Schweiz die mit den eigentlichen Cantons verbundenen Landschaften, oder die nähern Bundesverwandten der Cantons, zugewandte Orte heißen. 2. Zu jemanden wenden, nach ihm zu richten; wofür doch zukehren üblicher ist. Einem den Rücken zuwenden. 3. Einem etwas zuwenden, veranstalten, daß er dasselbe genieße, oder bekomme. Wenden sie mir diesen Verdienst, ihre Arbeit zu, sagt der Handwerker. Einem viel Gutes zuwenden. Aber in folgender Stelle Hagedorns: Ein betrübter Esel heulte Weil des Schicksals karge Hand Ihm nicht Hörner zugewandt, stehet es um des Reims Willen, weil hier das bestimmtere geben, oder ertheilen hätte stehen sollen.


Zuwerfen (W3) [Adelung]


Zuwerfen, verb. irreg. ( S. Werfen.) 1. Neutrum, mit haben, anfangen, ingleichen fortfahren, wacker zu werfen. 2. Activum. (1) Mit einem Wurfe verschließen. Die Thür zuwerfen. Ingleichen durch Werfen ausfüllen. Eine Grube zuwerfen, durch hinein geworfene Erde. (2) Einem etwas zuwerfen, es ihm durch einen Wurf nähern, damit er es nehme. Figürlich, jemanden etwas mit Ungestüm, mit Widerwillen geben.


Zuwider (W3) [Adelung]


Zuwider, eine Präposition, welche die dritte Endung erfordert, und allemahl hinter ihrem Nennworte stehet. 1. Thätig wider die Absicht und den Willen eines andern gerichtet. Jemanden in einer Sache zuwider handeln, seine Absicht dabey zu hindern suchen. Dem Gesetze zuwider handeln, wider die Vorschrift und den Willen des Gesetzes. Er ging, dem Befehle zuwider, fort. 2. Die Neigung eines andern beleidigend. Eine Sache ist uns zuwider, wenn wir sie nicht leiden können, eine starke Abneigung dagegen empfinden. Mich däucht, Herr Damis ist ihr nicht zuwider, sie kann ihn leiden, er ist ihr nicht verhaßt, Gell. Im Oberdeutschen setzt man es häufig vor das Nennwort: zuwider der goldenen Bulle. Bey dem Ottfried lautet es nur widari.


Zuwinken (W3) [Adelung]


Zuwinken, verb. reg. act. et neutr. im letzten Falle mit haben. Einem freundlich zuwinken, ihm zum Zeichen seines Wohlwollens winken. Einem seinen Beyfall zuwinken, ihm demselben durch Winken zu erkennen geben.


Zuwintern (W3) [Adelung]


Zuwintern, verb. reg. neutr. mit seyn, von der Winterkälte und dem Schnee verschlossen werden. Wenn alles überschneyt und zugewintert ist, Opitz.


Zuwölben (W3) [Adelung]


Zuwölben, verb. reg. act. vermittelst eines Gewölbes verschließen. Der Backofen muß sich allgemach zuwölben und schließen.


Zuzählen (W3) [Adelung]


Zuzählen, verb. reg. act. nach der Zahl übergeben, vor jemandes Augen zählen, um es ihm zu übergeben. Einem etwas zuzählen.


Zuzäunen (W3) [Adelung]


Zuzäunen, verb. reg. act. vermittelst eines Zaunes verschließen.


Zuziehen (W3) [Adelung]


Zuziehen, verb. irreg. neutr. ( S. Ziehen.) 1. Durch Ziehen verschließen. Die Thür, den Beutel zuziehen. 2. Zur Vermehrung der bereits vorhandenen Anzahl groß ziehen. So ziehet sich der Landmann junges Vieh zu. 3. Dazu ziehen, zu etwas ziehen; doch nur figürlich, sich jemandes Rath, oder Mitwirkung bedienen, in welcher Bedeutung aber auch nur das Substantiv die Zuziehung üblich ist. Mit Zuziehung des Raths. Ohne jemandes Zuziehung, ohne jemanden mit dazu zu ziehen. 4. Ursache seyn, daß jemanden ein Übel widerfahre. Das wird dir noch großen Verdruß zuziehen. Sich durch Unmäßigkeit eine Krankheit zuziehen. Sich Händel zuziehen.


Zuzucht (W3) [Adelung]


Die Zuzucht, plur. car. junges zugezogenes Vieh; nur im gemeinen Leben. S. das vorige.


Zwackeisen (W3) [Adelung]


Das Zwackeisen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Glashütten, ein länglich rund zusammen gebogenes elastisches Eisen mit zwey Spitzen, dasselbe als eine Zange zu gebrauchen. Von dem folgenden Verbo.


Zwacken (W3) [Adelung]


Zwacken, verb. reg. act. mit zusammen gedrückten zwey stumpfen Spitzen klemmen oder drücken. 1. Eigentlich, in welchem Verstande zwacken und zwicken gleich bedeutend sind, bis auf den Unterschied, welchen das vollere a und das kleinliche i der Natur der Sache nach machen, daher ersteres theils von einer größern Fläche der zusammen gedrückten Spitzen, theils von einem größern Umfange der gedrückten Fläche gebraucht werden sollte. Indessen ist das einfache zwacken in dieser eigentlichen Bedeutung wenig mehr üblich, sondern lebt nur noch in abzwacken, und bezwacken. 2. Figürlich, jemanden zwacken, ihn aufziehen, schrauben, oder vexieren. In einem andern Verstande sagt man zuweilen, die leichten Truppen zwacken den Feind, wenn sie ihn beunruhigen.

Anm. Im Engl. to thwack. Im Niederd. und Angels. ist dafür gleichfalls zwicken üblich. S. dasselbe.


Zwagen (W3) [Adelung]


* Zwagen, verb. reg. et irreg. act. welches im Hochdeutschen völlig veraltet ist, aber ehedem häufig für waschen und baden gebraucht wurde. Thaz horo thana thuag, er wusch den Koth ab, bey dem Ottfried. Figürlich bedeutete es ehedem auch, einen scharfen Verweis geben, einem den Kopf waschen. Wiefern das in den Glashütten übliche zwagen, ein Glas nach der aufgegebenen Größe verfertigen, hierher gehöret, kann ich nicht bestimmen.

Anm. In den ältesten Zeiten thwagen, bey dem Ulphilas twahan, im Angels. twehan, im Schwed. tva und tvätta. Es ist unstreitig mit Wage, Woge, Wasser, waschen u. s. f. verwandt, indem das vorgesetzte z oder t bloß eine Verstärkung, oder auch eine Eigenheit einer Mundart ist.


Zwang (W3) [Adelung]


Der Zwang, des -es, plur. car. von dem Verbo zwingen. 1. Der Zustand, da ein Theil des Körpers heftig zusammen gezogen, oder heftig zu etwas gedrungen wird; nur in einigen einzelnen Fällen. So ist bey den Pferden der Zwang eine stete, aber vergebliche Bemühung, den Urin zu lassen. ( S. auch Hufzwang, Ohrenzwang und Stuhlzwang,) 2. der Zustand, da man sich ängstlich bemühet, etwas zu äußern, oder zu verbergen. Der Zwang des ältesten Hetrurischen Styles in Bildwerken, die darin sichtbare Ängstlichkeit. Der Zwang im gesellschaftlichen Leben, die ängstliche Beobachtung des Wohlstandes und des Cerimonielles, ängstliche Einschränkung seiner Worte und Handlungen. Der Zwang, ein steifer Geist, der alle Freuden störet. Mit Bücken alles spricht, mit Lächeln alles höret, Zachar. Sich Zwang anthun. 3. Der Zustand, da man die freyen Handlungen anderer durch Gewalt, oder Vorstellung der Strafübel einschränket. Der Zwang des Gesetzes. Zwang leiden. Zwang macht keine gute Christen. Noch häufiger, 4. der Zustand, da jemandes freye Handlungen durch äußere Gewalt eingeschränket werden, die Nothwendigkeit, etwas zu thun und zu leiden. Ich habe es bloß aus Zwang gethan. 5. Bey den Jägern ist der Zwang die Erde, welche der Hirsch im Gehen vermittelst der scharf zusammen gezwängten Schalen heraus wirft.


Zwangbrief (W3) [Adelung]


Der Zwangbrief, des -es, plur. die -e, in den Rechten, einiger Gegenden, ein Befehl, die gerichtlichen Acten dem Appellanten bey Strafe abfolgen zu lassen, Litterae compulsoriales.


Zwangdienst (W3) [Adelung]


Der Zwangdienst, des -es, plur. die -e, Dienste, zu welchen jemand gezwungen ist, zu welchen er durch Strafübel angehalten werden kann, z. B. Frohndienste.


Zwangdrescher (W3) [Adelung]


Der Zwangdrescher, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, Häusler, so fern sie gehalten sind, dem Grundherren sein Getreide für einen gewissen Lohn auszudreschen.


Zwange (W3) [Adelung]


Die Zwange, plur. die -n, ein vornehmlich im Bergbaue übliches Wort, theils eine Art Schraubenzwingen zu bezeichnen, die Felgen und Laschen an dem Wasserrade zusammen zu halten, theils aber auch Hölzer, welche bey Verzimmerung des Stollens nach der Quere eingezwänget werden.


Zwängen (W3) [Adelung]


Zwängen, verb. reg. act. Zwang anthun, wie zwingen, doch nur noch in engerer Bedeutung, mit Gewalt zusammen drücken. Einen Pfropf hinein zwängen, durch heftiges Zusammendrücken hinein treiben.


Zwanggesinde (W3) [Adelung]


Das Zwanggesinde, des -s, plur. car. Gesinde, welches gehalten ist, dem Grundherren für einen geringern Lohn zu dienen, als freyes Gesinde.


Zwanghüfig (W3) [Adelung]


Zwanghüfig, adj. et adv. den Hufzwang habend, S. dieses Wort.


Zwangmühle (W3) [Adelung]


Die Zwangmühle, plur. die -n, eine Mahlmühle, auf welcher gewisse Leute ihr Getreide mahlen zu lassen gehalten sind; im Oberdeutschen eine Bannmühle, sonst auch Frohnmühle.


Zwangofen (W3) [Adelung]


Der Zwangofen, des -s, plur. die -öfen, ein Backofen in welchem die ganze Gemeinde ihr Brot backen, oder dagegen eine gewisse Abgabe erlegen muß; Oberd. der Bannofen.


Zwangrecht (W3) [Adelung]


Das Zwangrecht, des -es, plur. die -e, das Recht, oder Befugniß, vermittelst dessen man andere zwingen, d. i. anhalten kann, etwas zu thun, oder zu leiden. So gehören die Zwangdienste, Zwangöfen, Zwangmühlen, u. s. f. zu den Zwangrechten des Grundbesitzers.


Zwangschenke (W3) [Adelung]


Die Zwangschenke, plur. die -n, eine Schenke, welche gezwungen ist, ihr Getränke von dem Grundherren zu nehmen.


Zwangsmittel (W3) [Adelung]


Das Zwangsmittel, des -s, plur. ut nom. sing. das Mittel, andere zu zwingen, ihre Handlungen von außen einzuschränken. Obrigkeitliche Zwangsmittel. Solche Bewegungsgründe sind wohl nicht viel besser, als wahre Zwangsmittel, Gell.


Zwangspflicht (W3) [Adelung]


Die Zwangspflicht, plur. die -en, in den Rechten, eine Verbindlichkeit, deren Leistung im Falle der Noth erzwungen werden kann, Officium perfectum; zum Unterschiede von den Liebespflichten und Gewissenspflichten.


Zwangtreiben (W3) [Adelung]


Das Zwangtreiben, des -s, plur. ut nom. sing. in der Jägerey, ein Treiben, in welchem das Wildbret nach dem ersten Treiben enger eingestellet wird.


Zwanzig (W3) [Adelung]


Zwanzig, eine unabänderliche Hauptzahl, zwey zehen Mahl, oder zehen zwey Mahl genommen. Zwanzig Thaler, zwanzig Meilen, zwanzig Häuser, alle zwanzig. Nur muß es, wenn es ohne Substantiv stehet, wie andere Zahlwörter, den Dativ bezeichnen können. Einer von den zwanzigen; dagegen die Endung wegfällt, wenn das Substantiv dabey stehet; einer von den zwanzig Mitgliedern.

Anm. Es ist so, wie alle Zahlwörter von einem sehr hohen Alter. Bey dem Ulphilas lautet es twaintigi, in dem Galischen Gesetze thuotoc, bey dem Kero zueinzic, bey dem Ottfried, im Tatian u. s. f. zueinzug, noch jetzt in einigen Oberdeutschen Gegenden zwainzig, im Niederdeutschen twintig, im Angels. twentig, im Engl. twenty, im Isländ. tutugu, im Schwed. tjugu. Es ist von zween, nach einer alten Mundart zwain, und zig, S. in -zig. Es läßt sich wie andere Zahlwörter, mit vielen Adjectiven zusammen setzen, selbst solchen, welche außer der Zusammensetzung nicht üblich sind; zwanzigjährig, zwanzigpfündig, zwanzigtägig u. s. f.


Zwanziger (W3) [Adelung]


Der Zwanziger, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein Mitglied eines Collectivum von zwanzig Personen. 2. Ein Ding, welches zwanzig Jahre alt ist. Er ist ein Zwanziger. Wo man auch wohl das Fämininum bildet. Sie ist eine Zwanzigerinn. Ein Zwanziger, ein Wein, welcher 20 Jahr alt ist; aber auch 3. ein Wein, welcher 1720 gebauet worden.


Zwanzigste (W3) [Adelung]


Zwanzigste, adj. welches die Ordnungszahl von zwanzig ist. Der zwanzigste Theil. Es ist heut der zwanzigste May. Bey dem Kero zueinzicosti.


Zwar (W3) [Adelung]


Zwar, Conj. concessiva, die scheinbare Ansehung zweyer Sätze zu verneinen, da denn zwar in dem Vordersatze stehet, und im Nachsatze aber, allein, doch, seltener nichts destoweniger, oder hingegen nach sich hat. Es stehet so wohl zu Anfange des Satzes. Zwar eine lange Nacht wird uns trennen; allein du verlierest nicht alles in mir. Zwar lagen hier Palmen Vom begleitenden Volk, zwar klang dort ihr lautes Hosanna, Aber umsonst, Klopst. Zwar lehren wir und lernen beyde, Doch unsre Wissenschaft ist Freude Und unsre Kunst Gefälligkeit, Haged. Als auch nach einigen Worten. Es wird uns zwar eine lange Nacht trennen, u. s. f. oder: eine lange Nacht wird uns zwar trennen u. s. f. Du hast zwar, o Winter, alles entlaubt; aber du sollst es nicht hindern, daß ich einen Kranz flechte. Für ob zwar ist obgleich edler und üblicher. Anm. Diese Conjunction lautet in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter zewaren, in dem Isidor ziuuare, bey den Schwäbischen Dichtern zeware, im Nieders. twaar. Seiner ersten und ältesten Bedeutung nach war es ein Versicherungswort, für gewiß, in welchem Sinne es bey allen alten Schriftstellern vorkommt, und im Niederdeutschen noch üblich ist. Es erhellet daraus, und aus den obigen alten Schreibarten, daß es aus ist wahr, oder vielleicht richtiger, aus doch wahr zusammen gezogen worden, indem in der alten Alemannischen Mundart auch tho-war, und im Alt Schwed. tho-waro für zwar vorkommt. In einigen gemeinen Mundarten hängt man demselben gern ein müßiges en oder n an, zwaren, zwarn.


Zweck (W3) [Adelung]


Der Zweck, des -es, plur. die -e. 1. Ein kleiner Nagel mit einem runden Kopfe, besonders so wie die Schuster sie gebrauchen, die Schuhsohlen gemeiner Leute damit zu beschlagen. Hölzerne Zwecke, Sattelzwecke, Schloßzwecke, Schuhzwecke u. s. f. In welcher Bedeutung es oft auch der Zweck, des -en, plur. die -en, decliniret wird. 2. Der Nagel in der Scheibe, wornach der Schütze zielet, und in weiterer Bedeutung auch das Ziel, wornach man läuft. Wie wenn im Wettelaufen Sich einer ganz bemüht, vor dem gemeinen Haufen Zu treffen auf den Zweck, sticht seinen Kleppen an, u. s. f. Opitz. 3. Dasjenige, warum eine Handlung geschiehet, die im Gemüthe vorher bestimmte Wirkung eines Mittels, so wohl in Rücksicht auf die handelnde Person, als auch auf das Mittel. So ist die Besserung der Zweck so wohl des Predigers, als seiner Predigt; dagegen Absicht nur von der handelnden Person gebraucht wird, und hier so wohl von der Richtung des Gemüthes auf den Zweck, als auch von dem Zwecke selbst. Endzweck sollte eigentlich den letzten und höchsten Zweck bedeuten, von Ende, Finis; allein es wird jederzeit, obgleich mit mehr Nachdruck, mit Zweck gleich bedeutend gebraucht, ( S. Endzweck.) Seinen Zweck erreichen, verfehlen. Das ist wider meinen Zweck. Du hättest kürzer zum Zwecke kommen können. Die Liebe ist eine Übereinstimmung zweyer Willen zu gleichen Zwecken, Gell.

Anm. In der ersten Bedeutung eines kleinen Nagels lautet es im Nieders. Zwick, welches aber auch einen Zapfen, so wie das Schwed. Svicka einen Spund, bedeutet. Es ist mit zwicken verwandt, daher die Zwecke auch oft Zwicknägel genannt werden. Im Pohln. ist Cwieczek gleichfalls ein kleiner Nagel.


Zwecken (W3) [Adelung]


Zwecken, verb. reg. 1. Activum, mit Zwecken oder kleinen Nägeln befestigen; doch nur in anzwecken, aufzwecken u. s. f. 2. Neutrum, mit haben, auf etwas, als den Zweck gerichtet seyn. Das zwecket dahin. Der Art Vollkommenheit ward als zum Ziel gesteckt, Wo aller Geister Wunsch aus eignem Zuge zweckt, Hall. eine sehr harte, dunkle und elliptische Stelle; für wohin wohin-zweckt.


Zweckendruse (W3) [Adelung]


Die Zweckendruse, plur. die -n, ein Nahme, welchen in Sachsen der graue krystallisirte Kalkspath bekommt, wenn er in Drusen oder einzelnen Stücken vorhanden ist.


Zweckenholz (W3) [Adelung]


Das Zweckenholz, des -es, plur. car. in einigen Gegenden, das Holz des Spindelbaumes, und dieser Baum selbst, weil die Schuster ihre hölzerne Zwecke daraus zu schnitzen pflegen. S. Spindelbaum.


Zweckhammer (W3) [Adelung]


Der Zweckhammer, des -s, plur. die -hämmer, bey den Grobschmieden, ein Spitzhammer mit einer abgekürzten Spitze und einer halben Kugel auf derselben, Zierathen mit demselben auf dem Eisen zu machen.


Zween (W3) [Adelung]


Zween, zwo, zwey, S. in Zwey.


Zwehle (W3) [Adelung]


Die Zwehle, S. 2. Quehle.


Zweifel (W3) [Adelung]


Der Zweifel, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Der Gemüthszustand, da man Gründe hat, die Wahrheit oder Thunlichkeit einer Sache nicht für ausgemacht zu halten; ohne Plural. In Zweifel stehen oder seyn, sich in diesem Zustande befinden. Ich stehe in Zweifel, ob ich es glauben soll, oder nicht, ob ich mich dazu entschließen soll. Etwas in Zweifel ziehen, dessen Wahrheit aus Gründen noch nicht für erwiesen oder ausgemacht halten. Jemanden in Zweifel setzen, durch Gründe diesen Gemüthszustand in ihm erregen. In Zweifel gerathen. 2. Der Grund, um dessen Willen man die Wahrheit oder Thunlichkeit einer Sache nicht für ausgemacht hält, ein Grund des Gegentheils; mit dem Plural. Es steigen allerley Zweifel bey mir auf. Es ist kein Zweifel, daß er der Urheber davon ist. Jemandes Zweifel beantworten, ihm seinen Zweifel benehmen. Ohne Zweifel, außer Zweifel, seltener mehr Zweifels frey und Zweifels ohne, ohne allen Grund die Wahrheit oder Thunlichkeit einer Sache nicht für ausgemacht zu halten, gewiß.

Anm. Schon bey dem Kero Zuifal, Zuifalunga, bey dem Ottfried Zuivul, im Nieders. Twivel, im Schwed. Tvifvel. Es stammet unstreitig von zwey her, und vielleicht von dem alten Adjective zuivele, zwiefältig, indem der Zweifel ein getheilter Gemüthsstand ist. S. Zweifeln.


Zweifeler (W3) [Adelung]


Der Zweifeler, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche zweifelt. In engerer Bedeutung, eine Person, welche eine Fertigkeit besitzet, an allem, auch an moralisch gewissen Wahrheiten, zu zweifeln.


Zweifelhaft (W3) [Adelung]


Zweifelhaft, -er, -este, adj. et adv. 1. Zweifel habend, empfindend, Gründe des Gegentheils habend. Ich bin zweifelhaft, ob ich es glauben, ob ich es thun soll. 2. Objective, Gründe des Gegentheils gegen sich habend, ungewiß. Die Sache ist noch sehr zweifelhaft. Das Glück im Kriege ist zweifelhaft. So auch die Zweifelhaftigkeit, welches doch selten vorkommt.


Zweifeln (W3) [Adelung]


Zweifeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Zweifel oder Gründe des Gegentheils haben. Ich zweifele noch, ob ich es thue. An etwas zweifeln, Gründe haben, warum man die Wahrheit einer Sache noch nicht für ausgemacht halten kann. Ich zweifele keinen Augenblick an seiner Redlichkeit. So auch das Zweifeln.

Anm. Bey dem Ottfried, Willeram u. s. f. zuivolon, im Schwed. tvifla. ( S. Zweifel.) Man hatte ehedem noch ein anderes Wort, welches sich nur durch die Ableitungssylbe unterscheidet, im Tatian zuuchan, zuchon, im Angels. tweogan, twigan, im Schwed. tveka, welches gleichfalls zweifeln bedeutete, und dessen erste Hälfte auch zwey ist. Auf ähnliche Art stammen das Lat. Dubium, und das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, zweifeln, von duo, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, her.


Zweifelsgrund (W3) [Adelung]


Der Zweifelsgrund, des -es, plur. die -gründe, der Grund, warum man zweifelt, der Grund des Gegentheils. Ist der Grund sehr triftig, so heißt er ein Zweifelsknoten.


Zweifelsucht (W3) [Adelung]


Die Zweifelsucht, plur. car. die ungeordnete Begierde, oder Fertigkeit, an allem, auch an erwiesenen Wahrheiten zu zweifeln.


Zweig (W3) [Adelung]


Der Zweig, des -es, plur. die -e, Diminut. das Zweiglein, derjenige Theil eines Gewächses, welcher von dem Stamme über der Erde ausgehet, und mit demselben von einerley Materie ist. 1. Eigentlich, da überhaupt alle Theile dieser Art Zweige heißen. In engerer Bedeutung bekommen an den Bäumen nur diejenigen Theile, welche sich von den Ästen absondern, zum Unterschiede von diesen, den Nahmen der Zweige. Ein grüner Zweig. Zweige von einem Baume abbrechen. Ein Lorbeerzweig, Öhlzweig, Palmzweig, u. s. f. Auf keinen grünen Zweig kommen, figürl. zu keiner Verbesserung seiner Umstände gelangen. 2. Figürlich, ein Theil, welcher sich als ein Zweig von einem Dinge absondert. So werden die Adern, welche aus einer größern entspringen, die Seitenlinien eines Geschlechtes u. s. f. Zweige genannt.

Anm. Bey dem Ottfried und andern alten Oberdeutschen Schriftstellern Zuig, Zuih, im Angels. Twig, im Nieders. Twieg, im Engl. Twig. Es ist gleichfalls von zwey, weil sich da, wo der Zweig abgehet, der Stamm oder Ast gleichsam in zwey Theile theilet.


Zweigen (W3) [Adelung]


Zweigen, verb. reg. act. welches in einigen Gegenden für pfropfen üblich ist.


Zweigrecht (W3) [Adelung]


Das Zweigrecht, des -es, plur. inus. bey den Jägern, das Recht, in einem fremden Walde Zweige zum Behuf der Jagd und des Gehäges abhauen zu dürfen.


Zwerch (W3) [Adelung]


Zwerch, adv. über eine Sache nach dessen Breite gerichtet; ein größten Theils Oberdeutsches Wort, wofür im Hochdeutschen quer üblicher ist. Zwerch über das Feld reiten, quer. Überzwerch, quer über. Es kommt im Hochdeutschen nur noch in einigen wenigen Zusammensetzungen vor, welches doch auch mit Quer - üblicher sind, Zwerchfell ausgenommen, wofür man nicht Querfell sagt. S. Quer, mit welchem es eines Stammes ist.


Zwerchaxt (W3) [Adelung]


Die Zwerchaxt, plur. die -äxte, die Queraxt, S. dieses Wort.


Zwercheisen (W3) [Adelung]


Das Zwercheisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Meißel der Bildhauer, welcher hinter der zirkelrunden Schneide als ein Schwalbenschwanz zusammen läuft, die Bildungen in das Feine zu arbeiten.


Zwerchen (W3) [Adelung]


Zwerchen, verb. reg. neutr. et act. quer über das Holz hobeln, bey den Tischlern.


Zwerchfell (W3) [Adelung]


Das Zwerchfell, des -es, plur. die -e, eine starke Haut in dem menschlichen und thierischen Körper, welche quer durch den Leib gehet, und die Brusthöhle von der Höhle des Unterleibes scheidet; das Brustfell, Lat. Diaphragma. Einem das Zwerchfell erschüttern, ihn heftig lachen machen.


Zwerchstück (W3) [Adelung]


Das Zwerchstück, des -es, plur. die -e, ein jeder Theil, welcher sich in die Quere über etwas erstreckt; ein Querstück.


Zwerg (W3) [Adelung]


Der Zwerg, des -es, plur. die -e, Diminut. Zwerglein, eine Person, welche ungewöhnlich kleiner ist, als es die gewöhnliche Größe erfordert, so wie Riese einen Menschen von ungewöhnlich größerer Statur bezeichnet. Man gebraucht es am häufigsten ungeändert von beyden Geschlechtern, besonders wenn nur die Kleinheit ausgedruckt werden soll. Sie ist ein Zwerg. Muß aber das weibliche Geschlecht vorzüglich mit bezeichnet werden, so ist auch Zwerginn üblich. Es läßt sich eine Zwerginn sehen, ein weibli- cher Zwerg. In weiterer Bedeutung heißet ein jedes Ding, welches eine in seiner Art ungewöhnliche Kleinheit hat, ein Zwerg, wohin auch die folgenden Zusammensetzungen gehören.

Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern Getwerg. Im Nieders. Dmarf, Dorf, im Angels. Dweorg, im Engl. Dwarf und Durgen, im Schwed. Dwerg, im Isländ. Dwergur. Es ist allem Ansehen nach ein sehr altes Wort, daher auch dessen Abstammung dunkel und ungewiß ist. Martinius leitete es von dem Lat. Divergium, gleichsam Divergium naturae her, Gutmund Ardreä von dem Griech, - hier nichtlateinischer Text, siehe Image -, Wachter von zwerch, so fern es im figürlichen Verstande böse bedeuten kann, wegen der Volksmährchen von bösartigen unterirdischen Zwergen, Frisch von zwerch, so fern es das kürzere im Gegensatze des längern bedeutet; anderer eben so unwahrscheinlicher und gezwungener Ableitungen zu geschweigen.


Zwerg-Aloe (W3) [Adelung]


Die Zwerg-Aloe, plur. die -n, eine Art sehr kleiner Aloe, Aloe pumila Linn.


Zwergbaum (W3) [Adelung]


Der Zwergbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum von ungewöhnlicher Kleinheit in seiner Art. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung sind Zwergbäume in den Gärten, solche Bäume, welche durch Propfen und Wartung so gezogen worden, daß sie keinen Stamm in die Höhe treiben, sondern sich bald über der Wurzel in Zweige verbreiten.


Zwergbirke (W3) [Adelung]


Die Zwergbirke, plur. die -n, S. Alpenbirke.


Zwergbohne (W3) [Adelung]


Die Zwergbohne, plur. die -n, eine Art kleiner Gartenbohnen, welche auch Franzbohne genannt wird.


Zwergbüche (W3) [Adelung]


Die Zwergbüche, plur. die -n, S. Hagebüche.


Zwergerbse (W3) [Adelung]


Die Zwergerbse, plur. die -n, eine Art kleiner Zuckererbsen; Franzerbsen, in Niedersachsen Krüper.


Zwergkäse (W3) [Adelung]


Der Zwergkäse, des -s, plur. ut nom. sing. S. Quarkkäse.


Zwerg-Kastanie (W3) [Adelung]


Die Zwerg-Kastanie, plur. die -n, eine Art kleiner Kastanien-Bäume.


Zwergmandel (W3) [Adelung]


Die Zwergmandel, plur. die -n, eine Art kleiner Mandelbäume, Amygdalus nana Linn.


Zwergmispel (W3) [Adelung]


Die Zwergmispel, plur. die -n, eine Art kleiner Mispelbäume, Mespilus Cotoneaster Linn.


Zwetschke (W3) [Adelung]


Die Zwetschke, plur. die -n, eine im gemeinen Leben übliche Benennung der kleinen länglichen Pflaumen, in Baiern Zwespe, in Niederdeutschland Quetsche. ( S. Pflaume.) In der Lotharingischen Volkssprache Quoeches, Quoetches, im Böhm. Sswestka.


Zwick (W3) [Adelung]


Der Zwick, des -es, plur. die -e, ein nur in einigen Fällen für Zweck, ein kleiner Nagel, übliches Wort. So nennen die Böttcher die eisernen Stifte, womit die Bodenstücke eines Fasses zusammen gedöbelt werden, Zwicke.


Zwickbohrer (W3) [Adelung]


Der Zwickbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Bohrer womit das Zapfenloch in ein Faß gebohret wird; der Zapfenbohrer. Von dem Niederdeutschen zwicken, ein Faß durch ein gebohrtes Loch anzapfen. Zuweilen werden auch die kleinen Bohrer zu dem Holze mit diesem Nahmen belegt.


Zwickel (W3) [Adelung]


Der Zwickel, des -s, plur. ut nom. sing. ein zugespitzter Theil, besonders so fern er in einen andern eingesetzet wird, doch nur in verschiedenen einzelnen Fällen. An den Strümpfen ist der Zwickel eine Verzierung zu beyden Seiten über der Ferse, in der Gestalt eines Keiles. Bey den Nähterinnen ist es ein schief zulaufendes, oder zugespitztes Stück, welches an solchen Orten eingesetzet wird, wo ein Kleidungsstück nicht spannen soll. An den Fenstern mit runden Scheiben heißen die dreyeckigen Stücke zwischen den Scheiben Zwickel, und eben diesen Nahmen führet auch in der Baukunst der dreyeckige Theil zwischen den Bögen einer Kuppel.

Anm. Im Nieders. gleichfalls Zwickel. Er hat vermuthlich den Nahmen von der Spitze, und ist mit Zweck, ein Nagel, und zwicken genau verwandt.


Zwickelbart (W3) [Adelung]


Der Zwickelbart, des -es, plur. die -bärte, ein zugespitzter Bart in Gestalt eines Zwickels, d. i. ein Bart, welcher aus den in zwey Spitzen vereinigten Haaren über der Oberlippe bestehet.


Zwicken (W3) [Adelung]


Zwicken, verb. reg. act. 1. Mit zwey zusammen gedrückten stumpfen Spitzen drücken, fast wie kneipen. Eigentlich sollte es nur von kleinern Spitzen und einer damit gedrückten kleinern Fläche, wie zwacken von größern gebraucht werden; allein dieser Unterschied wird selten beobachtet, indem zwicken in den meisten Fällen für zwacken üblich ist. Jemanden in den Arm zwicken, mit den Fingern kneipen. Einen Verbrecher mit glühenden Zangen zwicken. Einen Nagel abzwicken, ihn mit der Zange abkneipen; ihn auszwicken, mit der Zange ausziehen. 2. Figürlich, einen Schmerz verursachen, welcher dem obigen Zwicken nahe kommt. So sagt man, es zwickt mich im Leibe, wenn man einen solchen Schmerz in den Gedärmen empfindet, wofür auch kneipen üblich ist. 3. In manchen Fällen ist es so viel als kurz und geschwinde drucken. So zwickt der Kupferdrucker kleine Platten, wenn er sie ein Paar Mahl schnell durch die Walze gehen läßt. 4. In einigen Fällen scheint der Begriff der Spitze der herrschende zu seyn. So ist das Leder aufzwicken bey manchen Handwerkern, es mit Zwecken auf etwas befestigen, für aufzwecken. So auch das Zwicken.

Anm. Im Nieders. twicken und zwicken, im Angels, twiccan, im Engl. to twitch. Es ist der Form nach ein Intensivum, von einem veralteten zweigen, zwigen, und es kann seyn, daß auch hier, so wie in Zweig, auf die Zahl zwey gesehen worden, indem das Zwicken eigentlich mit zwey Spitzen oder scharfen Flächen geschiehet.


Zwicker (W3) [Adelung]


Der Zwicker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug, womit man zwickt, bey verschiedenen Handwerkern, wo es eine Art Zange bezeichnet, dergleichen der stählerne mit zwey elastischen Schenkeln versehene Zwicker der Hutmacher ist. Im Bergbaue wird das untere Stück eines jeden Bergbohrers der Zwicker genannt, vermuthlich von dem Niedersächsischen zwicken, bohren.


Zwickmühle (W3) [Adelung]


Die Zwickmühle, plur. die -n, indem Mühlenspiele, eine solche Stellung der Steine, wo man durch Öffnung der einen Mühle immer die andere schließen kann. Es scheinet hier nicht zunächst von zwicken, sondern unmittelbar von zwey abzustammen, weil eine solche Mühle wirklich eine zwiefache, oder doppelte Mühle ist. ( S. Mühle 2.) Es müßte denn von dem Nieders. zwickern, schnell und leise laufen, schlüpfen, abstammen, von welchem daselbst Zwickloch, in Schlupfloch, ein Schlupfwinkel ist. In einigen Gegenden heißt die Zwickmühle eine Fickmühle.


Zwickzange (W3) [Adelung]


Die Zwickzange, plur. die -n, in vielen Fällen eine kleine Zange, etwas damit abzuzwicken oder auszuziehen.


Zwiebel (W3) [Adelung]


Die Zwiebel, plur. die -n, Diminut. das Zwiebelchen. 1. Eine Art Lauches mit einem nackten unten bauchigen Schäfte und hohlen Blätter, Allium Cepa Linn. 2. Eine jede länglich runde, oder fast runde Wurzel, welche, wie die Wurzel des vorigen, aus vielen auf einander liegenden Häuten bestehet; vollständig, eine Zwiebelwurzel. Die Tulpen-Zwiebel, Hyacinthen-Zwiebel u. s. f. In noch weiterer Bedeutung wird auch wohl eine jede rundliche Wurzel, wenn sie gleich aus einer festen und zusammen hangenden Masse, nicht aber aus Häuten bestehet, als die Wurzel des Safrans, u. s. f. eine Zwiebel genannt.

Anm. In der ersten Bedeutung im Niederdeutschen Zipolle, im Engl. Clubbol, im Franz. Ciboule, im Böhm. Cybule, im Pohln. Cebula, alle aus dem Ital. Cipolla, und dieß von dem Latein. Cepula, dem Diminutivo von Cepa. Da dieses Gewächs aus Italien zu uns gekommen ist, so hat es auch seinen Nahmen von daher mit gebracht. In der zweyten Bedeutung ist dafür im Niederd. Bolle, Lat. bulbus, üblich.


Zwiebelbirn (W3) [Adelung]


Die Zwiebelbirn, S. Junkerbirn.


Zwiebelgewächs (W3) [Adelung]


Das Zwiebelgewächs, des -es, plur. die -e, ein jedes Gewächs, dessen Wurzel eine Zwiebel ist.


Zwiebeln (W3) [Adelung]


Zwiebeln, verb. reg. act. mit Zwiebeln reiben, wie z. B. die Öhlgemählde gereinigt werden. Da die Zwiebeln in der ersten Bedeutung Thränen aus den Augen locken, so heißt jemanden zwiebeln im gemeinen Leben oft figürlich, ihn hart behandeln, ihm gleichsam Thränen auspressen.


Zwiebrachen (W3) [Adelung]


Zwiebrachen, verb. reg. act. et neutr. in der Landwirthschaft einiger Gegenden, einen Acker zum zweyten Mahle pflügen. Im Weinbaue hingegen wird die dritte Hacke die Zwiebrache genannt. Die erste Hälfte ist gleichfalls das alte zwie für zwey.


Zwiefach (W3) [Adelung]


Zwiefach, adj. et adv. ein vermehrendes Zahlwort, zwey Mahl genommen, doppelt. Es soll dir zwiefach vergolten werden, doppelt. Einen Strick zwiefach nehmen. Es ist von dem alten zwie für zwey gebildet, daher auch zweyfach hin und wieder üblich ist.


Zwiefalter (W3) [Adelung]


Der Zwiefalter, S. Zweyfalter.


Zwiefältig (W3) [Adelung]


Zwiefältig, adj. et adv. auch ein vermehrendes Zahlwort, wie zwiefach, und in eben derselben Bedeutung, nur daß es, so wie die meisten Zahlwörter mit -faltig und -fältig im Hochdeutschen größten Theils veraltet ist. Im Nieders. twevoldig, bey dem Kero zuuifalda, bey dem Ottfried zuuifalta.


Zwieke (W3) [Adelung]


Die Zwieke, plur. die -n, in einigen Gegenden ein Nahme der Hauptkarpfen, S. dieses Wort.


Zwiemark (W3) [Adelung]


Die Zwiemark, plur. die -en, im gemeinen Leben, ein zweyseitiger Gränzstein, die Gränze zweyer Herrschaften zu bezeichnen; zum Unterschiede von einer Drey- und Viermark.


Zwier (W3) [Adelung]


* Zwier, ein veraltetes Adverbium für zwey Mahl, welches noch in Luthers Bibelübersetzung vorkommt. Ich faste zwier in der Woche. Zuiro sechs jaro, zwey Mahl sechs Jahre, bey dem Ottfried. Zuiren zehenzoy, zwey hundert, im Willeram. Mein Trinken ist nicht falsch; ich darf mir nicht gedenken Es sey gebrauen zwier, vom Brauer und vom Schenken, Logau. Und Flora heißet es hier zweymahl Frühling seyn, Beblümet zwier das Feld, Opitz.

Anm. Bey dem Kero zuiror, im Schwabenspiegel zwierunt, im Niederdeutschen, wo es aber auch veraltet ist, twie, twier, und twigge. Es ist von zwie für zwey, und einer in diesem Verstande jetzt längst veralteten Ableitungssylbe.


Zwiewuchs (W3) [Adelung]


Der Zwiewuchs, des -es, plur. car. im gemeinen Leben, ein Nahme der Englischen Krankheit bey den Kindern, besonders so fern sie in derselben schief, und gleichsam doppelt zu wachsen pflegen. Den Zwiewuchs haben. Daher zwiewüchsig, mit dieser Krankheit behaftet.


Zwiewüchsig (W3) [Adelung]


Zwiewüchsig, adj. et adv. zweyerley Wuchs habend. In der Landwirthschaft heißt das Getreide zwiewüchsig, wenn es ungleich aufgehet und reift. Zwiewüchsige Wolle, die nicht zu rechter Zeit geschoren wird.


Zwinge (W3) [Adelung]


Die Zwinge, plur. die -n, ein Werkzeug der Holzarbeiter, zwey Stücke Holz zusammen zu zwingen. Die Schraubenzwinge, wenn solches vermittelst einer Schraube geschiehet. Die Leimzwinge, wenn man zwey Breter, die auf ihren Schärfen sollen zusammen geleimet werden, zwischen zwey senkrechten Zapfen zusammen keilet.


Zwingeisen (W3) [Adelung]


Das Zwingeisen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Werkzeug der Messerschmide, die Beschläge der Messerschalen darauf auszupressen und zu bilden.


Zwingelreif (W3) [Adelung]


Der Zwingelreif, des -es, plur. die -e, bey den Böttchern, der zweyte Reif nach dem Bauche zu; der das Faß am meisten zusammen halten muß.


Zwingen (W3) [Adelung]


Zwingen, verb. irregul. act. Imperf. ich zwang, Conj. zwänge, Particip. gezwungen; die Veränderungen eines Dinges auf eine gewaltsame Art bestimmen. 1. Eigentlich, so wohl von leblosen Dingen; in welchem Verstande doch zwängen oft üblicher ist. Einen Pfropfen in die Bouteille zwingen, zwängen. Zwey Breter zusammen zwingen. Als auch und zwar am häufigsten, von lebendigen und noch mehr von vernünftigen Geschöpfen, jemandes Willen mit Gewalt bestimmen. Jemanden zwingen, etwas zu thun. Ich bin dazu gezwungen worden. Etwas gezwungen thun. Die Noth zwang mich. Jemanden mit Drohungen, mit Schlägen zwingen. Eine Stadt zur Übergabe zwingen. 2. In engerer Bedeutung den Widerstand eines Dinges mit Gewalt überwinden, für bezwingen, am häufigsten in der dichterischen Schreibart. Gleich dem Tone, der Götter und Delphine zwang, Raml. 3. Figürlich ist gezwungen, wobey der Zwang, oder das ängstliche Bestreben sichtbar ist, und darin gegründet; im Gegensatze des natürlich. Eine gezwungene Stellung. Ein gezwungener Ausdruck. In welcher Bedeutung doch nur dieses Participium allein üblich ist.

Anm. Bey dem Kero kedwingen, bey dem Ottfried thwingan, im Nieders. twingen, im Schwed. tvinga.


Zwinger (W3) [Adelung]


Der Zwinger, des -s, plur. ut nom. sing. 1. Eine Person oder Sache, welche zwingt; doch nur selten, und auch hier nur zuweilen in Zusammensetzungen. 2. Ein eingeschränkter, umschlossener Raum; auch nur in einigen Fällen. So wird in den nach alter Art befestigten Städten, der enge Platz zwischen zwey Stadtmauern, oder vielmehr zwischen der Stadtmauer und den Häusern, der Zwinger genannt. In der Jägerey ist der Zwinger, oder Hundezwinger ein eingeschlossener, oben offener Platz, in welchem die Jagdhunde aufbehalten werden.


Zwirl (W3) [Adelung]


Der Zwirl, des -s, plur. die -e, bey den Kunstdrechslern, eine stählerne Spindel mit drey scharfen Spitzen, das Holz, welches man drehen will, darein zu schlagen. Vermuthlich von dem Oberdeutschen zwirlen, Engl. to thwirl, schnell umdrehen, wohin auch unser querlen gehöret.


Zwirlbohrer (W3) [Adelung]


Der Zwirlbohrer, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, ein Werkzeug mit einer scharfen Spitze und zwey schneidenden Seiten, vorgebohrte Löcher damit zu erweitern.


Zwirn (W3) [Adelung]


Der Zwirn, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, oder Quantitäten, die -e, ein stark zusammen gedreheter doppelter Faden von flächsenem Garne, als ein Materiale. Ein Faden Zwirn. Feiner, grober, roher, gebleichter Zwirn. Im Niederd. Tweern. Ohne Zweifel von Zwier zweymahl, doppelt, indem der Zwirn gemeiniglich aus doppelten Fäden bestehet, Siehe Zwirnen.


Zwirnbret (W3) [Adelung]


Das Zwirnbret, des -es, plur. die -er, bey den Seidenarbeitern, ein Kästchen mit zwey Pfosten, die rohe Seide darauf zu zwirnen.


Zwirnen (W3) [Adelung]


Zwirnen, adj. et adv. aus Zwirn verfertiget; im gemeinen Leben. Zwirnene Strümpfe, von Zwirn.


Zwirnen (W3) [Adelung]


Zwirnen, verb. regul. act. et neutr. zwey, oder mehr Fäden zu einem zusammen drehen. Das Substantivum Zwirn wird nur allein von flächsenen Fäden, zwirnen aber auch von seidenen und wollenen gebraucht. Garn, Seide zwirnen. Gezwirnte Seide. Bey den Kürschnern ist zwirnen, die in Zeilen oder Reihen zusammen genährten Felle zum Futter zusammen setzen; vielleicht weil solches vorzüglich mit Zwirn geschiehet. Figürlich sagt man, die Katzen zwirnen, wenn sie aus Behaglichkeit einen anhaltenden Laut von sich geben, welcher dem Laute eines Zwirnrades gleicht.

Anm. Im Nieders. tweernen, im Schwed. tvinna, erstens von zwier, doppelt, und letzteres von tvain, zween.


Zwirnmühle (W3) [Adelung]


Die Zwirnmühle, plur. die -n, eine künstliche Maschine, viele Fäden darauf zu einer und eben derselben Zeit zu zwirnen.


Zwirnrad (W3) [Adelung]


Das Zwirnrad, des -es, plur. die -räder, ein Spinnrad, Fäden darauf zu zwirnen. Bey den Schwertfegern ist es ein Rad, zwey messingene Drahte darauf zu einem zusammen zu drehen.


Zwischen (W3) [Adelung]


"Zwischen", eine Präposition, welche eine Richtung nach dem Raume, welcher zwey Dinge trennet, und ein Daseyn in demselben, bezeichnet, und in dieser Rücksicht bald den Dativ, bald aber auch den Accusativ des Nennwortes erfordert.

1. Den Dativ, wenn es ein Daseyn, oder einen Stand der Ruhe, in der Mitte zweyer Dinge andeutet. Der Raum zwischen zwey Häusern. Er ging zwischen beyden. Wittenberg liegt zwischen Leipzig und Berlin. Er sitzet zwischen Thür und Angel. Es ist nur ein Schritt zwischen mir und dem Tode. Der Haufe sey Zeuge zwischen mir und dir, 1 Mos. 13, 8. Zwischen Furcht und Hoffnung schweben. Sich zwischen zwey Stühlen niedersetzen. Es ist ein Unterschied zwischen mir und dir. Auch von der Zeit. Zwischen Weihnachten und Ostern. Er ist zwischen 18 und 20 Jahre alt. Suche Freundschaft zwischen ihnen zu stiften.

2. Den Accusativ, wenn es eine Richtung, oder Bewegung, nach dem Raume bezeichnet, welcher zwey Dinge trennet. Die Wolkensäule kam zwischen das Heer der Egyptier und das Heer Israel, 2 Mos. 14, 20. Sich zwischen zwey streitige Parteyen mengen. Zwischen die Räder kommen. Etwas zwischen zwey Finger fassen.

"Zwischen" beziehet sich immer auf den Raum, welcher in der Mitte zweyer Dinge ist, "unter" aber auf eine mit andern Dingen vermengte örtliche Coexistenz: "zwischen zwey Geistlichen gehen", aber "unter den Geistlichen gehen". Es ist daher irrig, wenn es Matth. 13, 25 heißt: "Unkraut zwischen den Weitzen säen"; wo es "unter" heißen müßte. (S. "Unter".) Es ist ein Provinzial-Fehler der Niedersachsen, wenn sie Hochdeutsch reden und schreiben, daß sie gern "zwischen" für "unter" setzen. Indessen gibt es doch auch Fälle, wo beyde mit gleichem Rechte gebraucht werden können. Feindschaft unter, oder zwischen Freunden stiften. So lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied, Gal. 4, 1; wo es auch "zwischen" heißen kann.

Anm.

In dem alten Gedichte auf den heil. Anno "zusch in", im Notker, Tatian und Willeram, "zeuuisken", "zuisgene", "zuischon", bey den Schwäbischen Dichtern "entzwischent", im Nieders. "twusken", "tüschen". Es ist ohne Zweifel von "zwey" abgeleitet, vermuthlich vermittelst der Ableitungssylbe "-isch", "wey-isch-en", welches aus dem Angels. und Engl. noch mehr erhellet, wo es "betweonan", "betwynan", "betwixt" und "between" lautet, gleichsam "in der Mitte von zweyen". Es kann mit vielen Substantiven zusammen gesetzet werden, etwas zu bezeichnen, das dem Orte, oder der Zeit nach zwischen zwey andern Dingen ist, z. B. ein "Zwischen-Actus" in den Schauspielen, ein "Zwischendamm", eine "Zwischenwand", u. s. f.


Zwischenraum (W3) [Adelung]


Der Zwischenraum, des -es, plur. die -räume, ein Raum zwischen zwey Dingen. Der Zwischenraum, zwischen zwey Häusern. Figürlich: die hellen Zwischenräume der Vernunft, nach dem Lat. Intervalla lucida.


Zwischenreich (W3) [Adelung]


Das Zwischenreich, des -es, plur. die -e, in den Wahlreichen, die Zeit von dem Tode eines Regenten, bis zur Wahl eines andern; nach dem Lat. Interregnum, wo aber Reich eine im Deutschen ungewöhnliche Bedeutung annehmen muß.


Zwischenspiel (W3) [Adelung]


Das Zwischenspiel, des -es, plur. die -e, ein kurzes Schauspiel, welches zwischen zwey größern aufgeführet wird; nach dem Ital. Intermezzo.


Zwischenwall (W3) [Adelung]


Der Zwischenwall, des -es, plur. die -wälle, in der Befestigungskunst, der Theil eines Walles, welcher zwey benachbarte Bollwerke an einander hängt, Franz. die Courtine, besser, der Mittelwall.


Zwischenwind (W3) [Adelung]


Der Zwischenwind, des -es, plur. die -e, ein Wind, welcher zwischen den vier Hauptgegenden des Himmels wehet; besser, Mittelwind oder Nebenwind.


Zwischenwort (W3) [Adelung]


Das Zwischenwort, des -es, plur. die -wörter, in der Sprachlehre, eine sehr unschickliche Benennung eines Redetheiles, welcher im Lat. die Interjection genannt wird, nach welcher Benennung das Deutsche Wort gemodelt ist. Da die Interjectionen die Empfindung als Empfindung ausdrucken, so nennet man sie richtiger Empfindungswörter, dagegen die Benennung Zwischenwort von einem bloß zufälligen Umstande hergenommen ist, der nicht einmahl in allen Fällen Statt findet, indem die Interjectionen eben so oft allein, und zu Anfange einer Rede stehen, als zwischen andern Wörtern.


Zwischenzeit (W3) [Adelung]


Die Zwischenzeit, plur. die -en, eine Zeit, welche zwischen zwey Handlungen verfließet.


Zwischgold (W3) [Adelung]


Das Zwischgold, des -es, plur. car. Blattgold, welches auf der einen Seite Silber ist. Die erste Sylbe ist allem Ansehen nach mit zwischen eines Ursprunges, und gleichfalls aus zweyisch gebildet, weil diese Blätter aus zwey Metallen entstanden sind, und daher beyder Farbe haben.


Zwitschern (W3) [Adelung]


Zwitschern, verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte haben, eine Onomatopöie desjenigen Lautes, welchen Sperlinge und andere junge und kleine Vögel von sich geben. Sprichw. wie die Alten sungen, so zwitscherten die Jungen. Kaum hört man noch im Gebüsch ein Vögelchen zwitschern, Weiße. Der Sperling theilt sein kurzes Leben In Zwitschern und in Lieben ein, Haged. Zuweilen, aber nicht angemessen genug, auch von der Stimme der Grillen und Heuschrecken. Die Grille und die Heuschrecke zwitscherten unter dem Schatten der Blätter im gesenkten Grase, Geßn.


Zwitterstock (W3) [Adelung]


Der Zwitterstock, des -es, plur. die -stöcke, im Bergbaue, ein Stockwerk, in welchem Zinnzwitter bricht, oder Zinnzwitter in Gestalt eines Stockwerkes. S. Stockwerk.


Zwo (W3) [Adelung]


Zwo, S. in Zwey.


Zwölf (W3) [Adelung]


Zwölf, eine Hauptzahl, welche zwischen eilf und dreyzehen in der Mitte stehet, und, wie andere Hauptzahlen, in allen Fällen unverändert bleibt. Zwölf Männer, zwölf Frauen, zwölf Häuser; der zwölf Männer, den zwölf Frauen u. s. f. Nur daß sie den Dativ bezeichnen muß, wenn sie ohne Substantiv stehet. Einer von den zwölfen. Ich komme vor zwölfen.

Anm. Bey dem Kero zuelifin, bey dem Ottfried zuelif, bey dem Ulphilas twalif, im Nieders. twelf, im Engl. twelve. Es ist aus zwey und dem alten lyfan, so wie eilf aus ein und lyfan zusammen gesetzt. S. Eilf.


Zwölfeck (W3) [Adelung]


Das Zwölfeck, des -es, plur. die -e, eine Figur von zwölf Ecken.


Zwölfer (W3) [Adelung]


Der Zwölfer, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben 1. Einer aus einem Collegio von zwölf Personen. 2. Ein Wein von 1712.


Zwölfstündner (W3) [Adelung]


Der Zwölfstündner, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, welcher von 24 Stunden deren zwölf arbeitet.


Zwölfte (W3) [Adelung]


Zwölfte, adj. die Ordnungszahl von zwölf. Der zwölfte Theil eines Zentners. Es ist heut der zwölfte, Monathstag. Bey dem Kero zuuelifto.


Zwölftel (W3) [Adelung]


Das Zwölftel, des -s, plur. ut nom. sing. der zwölfte Theil eines Ganzen. Ein Zwölftel eines Zentners, ein Zwölftel Zentner.


Zwölftens (W3) [Adelung]


Zwölftens, adv. im gemeinen Leben, zum zwölften.