Etymologie, Étymologie, Etymology
DE Deutschland, l'Allemagne, Germany
Agronomie, Agronomie, Agronomy
A
Agrarwende (W3)
(E3)(L1) http://www.hanisauland.de/info/allebegriffe.html
...
Das Wort stammt aus dem Wahlprogramm der Partei Bündnis 90/Die Grünen aus dem Jahre 2002. Es sollte eine Erneuerung der Landwirtschaftspolitik (Agrarpolitik) eingeleitet werden, eine Wende sozusagen. Die Bewirtschaftung des Landes sollte sich in Zukunft nicht an Erträgen und Gewinn, sondern stärker am Umwelt- und Tierschutz ausrichten, ohne dass die Natur dabei zerstört würde.
...
Agronomie (W3)
(E3)(L1) http://de.wikipedia.org/wiki/Agronomie
(E1)(L1) http://agora.qc.ca/mot.nsf/Dossiers/Agronomie
= "Lehre vom Ackerbau"; von griech. "agrós" = "Acker" und "nómos" = "Gesetz".
agrar
(E?)(L1) http://www.agrar.de/
(E?)(L?) http://www.agranet.de/
Die Bezeichnung, für alles, was mit Landwirtschaft zu tun hat geht zurück auf lat. "agrarius" = "Acker(bau) betreffend" und dieses weiter auf lat. "ager" = "Acker".
Der Link führt zu weiteren Links und Adressen aus Landwirtschaft, Natur und Umweltschutz.
AID (W3)
"AID" steht für "Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten".
Man findet hier verschiedene Informationen wie etwa:
(E?)(L?) http://www.aid.de/landwirtschaft/tierspecial/schafrassen/
Schaf- und Ziegenrassen in Deutschland: Beschreibungen mit Bildern (Merino, Ziegen)
(E?)(L?) http://www.aid.de/ernaehrung/fragenundantworten/fragenundantworten.html
Fragen und Antworten rund um eine gesunde Ernährung.
B
Bauer, Mauer, Nachbar, neighbour, Bure (W2)
(E2)(L2) http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/dossiers/woerterbuch/?em_cnt=24153
ist ein germ. Erbwort, während "Mauer" aus lat. "murus" entlehnt wurde.
Dieser Begriff passt auch in die Rubrik "Falsche Freunde". Denn der Bauer leitet sich nicht (direkt) von "bauen" ab.
Der westgermanische "gabura" war der "Mitbewohner (der Dorfgemeinschaft)" ("bur" = "Wohnort"). Der Zusammenhang ist noch ersichtlich im "Nachbar" und im englischen "neighbour" dem "nahebei Wohnenden".
Die Bezeichnung "Bure" für die europäischen Einwanderer in Südafrika steht ebenfalls hiermit in Zusammenhang.
Bauernhof, Hof (W3)
(E?)(L?) http://www.areion-online.de/linkausgabe11.html
(E?)(L?) http://www.bauernhof.net/
(E?)(L?) http://www.dwb.uni-trier.de/
Im "Deutschen Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm" findet man:
BAUERNHOF, m. villa rustica. Simpl. 1, 495; NIEBUHR kl. schr. 1, 5; von der erhaltung der bauernhöfe und der adlichen güter in massen hängt die erhaltung eines tüchtigen standes von landbewohnern ab. denkschr. des freih. VON STEIN 186.
Im Quellenverzeichnis ist für den "Simplicissimus 1" die Jahreszahl 1713 angegeben; für "Niebuhr 1828 und für "Stein" 1848.
Demnach könnte "Bauernhof" also im 17.Jh. als Lehnübersetzung von lat. "villa rustica" aufgekommen sein.
Dass der "Bauer" ein "Beiwohnender" ist, wird oben schon erklärt.
Der "Hof" könnte, lt. "Kluge", auf die Bedeutung "Höhle des Hauses", "Holzumfriedung" aber auch auf "Hochgelegenes" zurückgehen. (In Frankreich sind mir schon öfters neue Häuser aufgefallen, die auf einem kleinen künstlichen 1-2m hohen "Hügel" stehen.)
Der "Bauernhof" ist also so etwas wie der "Nachbarhügel".
Bauernregeln (W3)
(E2)(L2) http://www.blueprints.de/wortschatz/
Bauernregeln sind meist in Form von Reimen dargebotene volkstümliche Regeln. Sie betreffen verschiedene Bereiche des bäuerlichen Lebens, so etwa das Wetter, die Ernte, Krankheiten der Tiere u.ä.
Die Ursprünge der Bauernregeln lassen sich bis weit vor Christus zurückverfolgen. Die meisten Regeln und Sprüche, wie z.B. "Bringt der Juli heiße Glut, gerät auch der September gut", stammen aus dem Zeitraum 13. - 14. Jahrhundert.
Bauernregeln beruhen zum Teil auf Aberglauben, aber auch auf Beobachtungen und Erfahrungen, die im Laufe der Zeit gesammelt wurden.
(© blueprints Team)
Bauernschläue
Der Begriff "bauernschlau" ist bei "Lutz Röhrich" zu finden. Er bezeichnet die Fähigkeit, in Alltagssituationen auf eine pfiffige Weise seinen Vorteil geltend zu machen.
Diese Seite des Bauern wurde gerne in Schwänken in den Vordergrund gerückt. (Beispiele sind bei "Lutz Röhrich" zu finden.) Dies sollte wohl dazu dienen, das Selbstwertgefühl der ansonsten als rohe und ungebildete Menschen angesehenen Bauern zu fördern.
Ein eigener interessanter etymologischer Aspekt ist dem Begriff nicht abzugewinnen. Allerdings möchte ich auf die einzelnen Begriffe "Bauer" und "schlau" hinweisen.
C
CMA (W3)
"CMA" steht für "Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH".
(E6)(L?) http://www.cma.de/
Informationen zum Einkauf, Essen und Geniessen, deutsche Agrarprodukte, Marketingmaßnahmen, Veranstaltungen etc.
Märkte & Profis | Wissen & Wissenschaft | Genuss & Leben | Young & Fun
CMA-Serviceangebote:
Deutsche Agrarprodukte | GesCMAck entdecken | Rezepte | Mediathek -Rezeptvideos | Restaurantführer | Saisonkalender | Menüplaner | Die CMA TV-Küche | CMA Kochlexikon | QS-Prüfsystem | Gewinnspiele
(E6)(L?) http://www.cma.de/genuss_warenkunde_butter.php
Alles in Butter - Alles über den beliebtesten Brotaufstrich
...
Die Butter gibt es in drei verschiedenen Sorten: Sauerrahmbutter, Süßrahmbutter und mildgesäuerte Butter - jede mit ihrem eigenen Geschmack und somit auch ihre eigenen Fans.
Lesen Sie mehr über die Geschichte, die Herstellung, die Sortenvielfalt und die verschiedenen Qualitätssicherungsanforderungen der Butter.
...
(E?)(L?) http://www.cma.de/genuss_70969.php
Tipps für die Grillsaison
(E6)(L?) http://www.cma.de/genuss_3471.php
Warenkunde
- Fleisch: Teilstücke Rind | Teilstücke Schwein | Teilstücke Kalb | Teilstücke Lamm | Wurst
- Milch & Milchprodukte: Milch und Gesundheit | Milchfrischprodukte | Milchbearbeitung
- Käse: Käsekompass | Herstellung | Fakten | Kurioses | Geschichte | Genießertipps
- Eier: Ei love you | Herkunft & Verpackung | Die Güteklassen | Qualitätsmerkmale
- Rapsöl: Varianten | Herstellung | Erzeugung & Absatz | Historisches
- Geflügel:
- Brot: Rund ums Brotgetreide | Getreideerzeugnisse
- Bier: Rund ums Bier | Biersorten
- Butter: Geschichte | Sortenvielfalt | Inhaltsstoffe | Handelsklassen | Herstellung | Fakten
- Butterschmalz: Geschichte
- Molke: Fakten | Herstellung
- Gemüse frisch: Blattgemüse | Fruchtgemüse | Gemüsespezialitäten | Knollen-/Wurzelgemüse | Kohlgemüse | Kulturpilze | Speisezwiebeln | Stängelgemüse
- Gemüse verarbeitet: Feins. Delikatessen | Gemüsekonserven | Sauerkraut | Tiefkühlgemüse
- Obst frisch: Beerenobst | Kernobst | Steinobst
- Obst verarbeitet: Fruchtsäfte | Konfitüren | Obstkonserven
- Zucker:
- Honig:
(E6)(L?) http://www.cma.de/genuss_5565.php
(E?)(L?) http://www.cma.de/genuss_5565.php?mode=short_view&start=0&anzahl=452&cheese_id=&HEADLINE=Kurzprofile+der+K%26auml%3Bse&SUBLINE=&geschmack=0&geruch=0&aussehen=0&konsistenz=0&verwendung=&SEARCH=AUSWAHL&searchtext=&anzahl_oben=452
Käse-Finder
Suche nach Eigenschaften und Verwendung:
- Geschmack: mild | säuerlich | sahnig / rahmig | nussig | würzig | herzhaft | sehr kräftig
- Geruch/Aroma: neutral | Appetit anregend | aromatisch | pikant duftend | sehr intensiv
- Aussehen: weißer Schimmelrasen | rötlich-rote Rindeglatte Oberfläche | Naturrinde | blau-durchzogen | weißer Käseteig | gelblicher Käseteig | große Lochung | Bruch-o. Schlitzlochung | keine Lochung
- Konsistenz: streichfähig | weich | geschmeidig | halbfest | schnittfest | fest
- Käseverwendung: Brotbelag | Kochen | Überbacken | Hobeln und Reiben | Dips | kalte Platte | Dessert
(E?)(L?) http://www.slogans.de/
Die CMA warb mit folgenden Slogans:
- 1967: "Fleisch ist ein Stück Lebenskraft."
- 1970: "Milch ist gegen Maroditis."
- 1971: "Beim Fleischer schneidet man am besten ab."
- 1974: "Essen aus Deutschland: Qualität, die von der Frische kommt.
- 1975: "Essen aus Deutschland: Die ganze Vielfalt der Natur." und "Gut geschaut ... ist gutgekauft!"
- 1976: "Essen aus Deutschland: Die reiche Tafel guter Wurst.
- 1977: "Essen aus Deutschland. Durch und durch geprüfte Qualität."
- 1978: "Feiner macht's ein deutsches Ei.
- 1979: "Die Fitmacher aus Deutschen Landen."
- 1980: "Die Milch macht's!" und "Ich bin für Butter."
- 1981: "Brot ist gebackene Natur."
- 1989: "Ohne Blumen fehlt Dir was."
- 1985: "Blumen. Und der Mensch blüht auf".
- 1986: "Natürlich Deutsche Butter. Weil das Gute bei uns zu Hause ist!
- 1987: "Natürlich Butter!" und "Deutsches Fleisch. Ein Stück Lebenskraft."
- 1988: "Brotvielfalt bringt Geschmacksvielfalt."
- 1990: "Hähnchen ist gut. Kontrolle ist besser."
- 1991: "Milch macht müde Männer munter."
- 1994: "Ein Land gibt sein Bestes. Für die gute Küche."
- 1995: "Unsere Landwirtschaft. Wir brauchen sie zum Leben."
- 1997: "So nah, so gut."
- 1997: "Vielfach ausgezeichnet. Das deutsche Frisch-Ei."
- 1998: "Ihre deutschen Landwirte. Gutes für Land und Leute."
- 2000: "Aus deutschen Landen frisch auf den Tisch."
- 2002: "Fleisch: Ja klar!"
- 2003: "Bestes vom Bauern." und "Deutschland hat Geschmack." und "Die Milch macht's!" und "Deutsche Pute. Die Gute."
- 2004: "Schweinfleisch: Macht Lust und Laune.
D
Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln (W3)
Diese Redewendung bringt folgende ökonomische Erkenntnis auf den Punkt:
"Der Umfang der subterritorialen Knollengewächse steht in reziprokem Verhältnis zum Intellekt des Agrarökonoms."
(E?)(L?) http://www.linguist.de/sprichwort.html
Sprichwörter und Redewendungen — parodiert und verballhornt
oder:
Warum die dicksten Bauern die dümmsten Kartoffeln haben.
Inhalt
- 1. Einleitung
- 2. Vorüberlegungen zur Terminologie
- 2.1 Definitionen sprachlicher Formeln
- 2.2 Definitionen der Parodie und verwandter Begriffe
- 3. Klassifikation parodierter Parömien
- 3.1 Klassifikation nach Koller
- 3.1.1 Das Syntagma–interne Sprachspiel
- 3.1.2 Das Syntagma–externe Sprachspiel
- 3.1.3 Anzeige der wörtlichen Bedeutung des Redensart–Syntagmas...
- 3.1.4 Redensartenspiel in kritischer Form
- 3.2 Phänomenologische Klassifikation
- 3.2.1 Addition
- 3.2.2 Omission
- 3.2.3 Substitution
- 3.2.4 Inversion
- 3.2.5 Kontamination
- 3.2.6 Einfügen in einen besonderen Kontext / Kotext
- 3.3 Semantische Klassifikation
- 3.3.1 Veränderungen im sprachlichen Bildbereich
- 3.3.2 Veränderungen im Bereich des Lexikons
- 3.3.3 Veränderungen im Bereich des Sinns und der Logik der Aussage
- 4. Motiviertheit der Parodien
- 5. Zusammenfassung
- 6. Anhang: Beispiele parodierter Sprichwörter
- 7. Verzeichnis verwendeter und weiterführender Literatur
- Fußnoten
(E2)(L2) http://www.nextz.de/glossen/kartoffel.htm
...
Wer die "größten Kartoffeln" hat, ist vielleicht ein einflussreicher Mensch, ironischerweise aber auch der dümmste Bauer.
...
(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/register/b.php
Der dümmste Bauer erntet die grössten Kartoffeln
Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln
Dreschdere (W3)
(E?)(L?) http://omnibus.uni-freiburg.de/~post/gabsh_mu/
Die "Dreschdere" ist nicht die "Dreschtüre" sondern die Bezeichnung für "Preßrückstände von der Kelter", "Trestern", wobei "Trester" "Hefe", "Bodensatz" bedeutet und sprachlich mit "treiben" zusammenhängt.
Dreschderwai, Dreschderwain (W3)
(E?)(L?) http://omnibus.uni-freiburg.de/~post/gabsh_mu/
minderwertiger Wein aus Trestern
Dresche (W3)
(E2)(L2) http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/dossiers/woerterbuch/?em_cnt=495957
(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/register/d.php#Dr
(E?)(L?) http://www.ruhrgebietssprache.de/lexikon/dresche.html
dreschen, abgedroschen, Stroh, leeres Stroh dreschen
(E?)(L?) http://www.politik-digital.de/archiv/fun/phrasendrescher/
(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/
Das Getreide wurde "gedroschen", bis alle Körner herausgelöst waren und nur noch leeres "Stroh" = "Aus-, Hingestreutes" übrigblieb. Und manche Reden oder Aussagen sind so "abgedroschen", dass ihnen jedes Körnchen Wahrheit und Weisheit abhanden gekommen ist, werden aber immer wieder "unters Volk gestreut".
Das Wort "dreschen" gehört wohl eher zu den sehr alten Worten. Es wird zurückgeführt bis auf idg., gotische Formen mit der Bedeutungsvielfalt "schlagen", "reiben", "stampfen", "mahlen", "quetschen", "pressen", "melken", "zerkleinern", "kauen", "trampeln". Sprachlich und inhaltlich scheint mir noch "drücken" am naheliegensten zu sein.
Drescher, Trescher (W3)
(E?)(L?) http://www.deutsches-rechtswoerterbuch.de/
Die Familiennamen "Drescher" und "Trescher" gehen auf Vorfahren zurück, die "mit dem Dreschflegel Gedreide ausdroschen". Als Berufsbezeichnungen scheinen sie um 1300 aufgekommen zu sein "Trescher" (um 1284), "Drescher" (um 1398).
Dresch | dreschen | Drescher | Dreschergeld | Drescherhebe | Drescherlohn | Drescherspesen | Dreschgärtner | Dreschgeld | Dreschgut | Dreschpfennig | Dreschtag
E
F
G
H
I
J
K
Kultur, Agrarkultur, Acker, Kult, Kulturbanause, Banause (W3)
(E?)(L?) http://www.forumromanum.org/literature/cato_agriculture.html
(E?)(L?) http://www.judithmathes.de/rom/republik/cato_censorius.htm
Die "Kultur" ist ein Beispiel eines Wortes, das seine bodenständige Herkunft verleugnet. Wer denkt bei diesem Wort schon an die Mühen des Menschen, seine Ernährungsgrundlage zu schaffen. Und dennoch bedeutete das lat. "cultura" soviel wie "Landbau". Von der "Pflege" des Landes kam man dann zur "Esskultur" und damit zur "Pflege" von Körper und Geist. Und nachdem die Lebensgrundlage sichergestellt war, entwickelte sich daraus dann die Bezeichnung für den schöngeistigen Überbau der Gesellschaft. So wurde die "Kultur" "kultiviert".
In Begriffen wie "Zellkultur" oder "Bodenkultur" (auch "Kulturboden") ist die ursprüngliche Bedeutung "colere" = "bebauen", "pflegen" noch zu erkennen.
Die Agrarkultur (von lat. "agrarius" = "den Acker betreffend", lat. "ager" = "Acker") ist demnach worthistorisch gesehen ein "weisser Schimmel". Aber bereits der Römer "Marci Porcii Catonis Censoris" gab einem seiner Werke den Titel "De Agri Cultura" ("Von der Landwirtschaft").
Interessant ist, dass der Wortteil "kul" auch im russ. "kulak" = "Großbauer" (im zaristischen Russland) vorkommt.
Denkbar wäre auch, dass der indische "Kuli", der "Lastträger", der auf den Namen eines Volksstammes zurückgeht, eigentlich "Bauernvolk" oder dergleichen bedeutete. (Allerdings habe ich dazu keinen Hinweis gefunden.)
Anerkannt ist dagegen die Herkunft von "kulinarisch" von lat. "culina" = "Küche", die ja auch zur Esskultur gehört.
Auch in der Religion ging es nicht ohne "Pflege". Schliesslich mussten die Götter und die religiösen Bräuche "gepflegt" werden. Die übertriebene "Pflege" bestimmter Rituale wird demnach auch als "Kult" bezeichnet. (Allerdings kommt es immer auf den Standpunkt an, was man als "Kult" und was man als "Religion" bezeichnet.)
Eine geschichtliche Ungerechtigkeit ist meines Erachtens dem "Kulturbanausen" widerfahren. War doch der griech. "bánausos" der "Handwerker", der auch seinen Teil zur Entwicklung und Pflege der menschlichen "Kultur" beigetragen hat. Und dennoch ist er heute ein Synonym für einen Menschen ohne "kulturelle" Ambitionen. Da mangelt es heute etwas an "Erinnerungskultur".
Die Agrarkultur hat also sprachlich gesehen einen gesellschaftlichen Aufstieg erfahren, während der Handwerker einen gesellschaftlichen Abstieg hinnehemen musste.
L
Landwirtschaft (W3)
(E3)(L1) http://de.wikipedia.org/wiki/Landwirtschaft
M
mähen (W2)
Das Wort "mähen" wird zurückgeführt auf germanische und griechische Wurzeln mit der Bedeutung "schneiden", "ernten", "herausreissen" und hängt möglicherweise auch mit griech. "amálla" = "Garbe" und lat. "ampla" = "Griff", "Handvoll" zusammen und evtl. auch mit lat. "manus" = "Hand".
Mist - auf jemandes Mist gewachsen sein (W2)
(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/register/m.php
If you missed the mist - here it is: dt. "Mist" = "das Dampfende", engl. "mist" = "der Nebel", frz. le "fumier" = "der Rauchende".
Im Deutschen ist der Zusammenhang zwischen "Mist" und "Nebel", "Dampf" nicht mehr zu erkennen. Im Englischen findet man jedoch engl. "mist" = "Nebel", "feuchter Dunst". Das frz. "fumier" bedeutet ja ebenfalls "der Dampfende" (Misthaufen).
Im ahd. "mist" = "Harn", ("Kot") steht auch noch der flüssige Anteil im Vordergrund und läßt die ursprüngliche Bedeutung "harnen" erahnen.
Erst später wurde aus dem flüssig-flüchtigen "(Harn-)Mist" der festere Mist als Mischung aus Stroh, Kot und Harn. Und diese Mischung war vor der Zeit des Kunstdüngers ein begehrter Rohstoff. Und so konnte ein Bauer froh sein, wenn seine Ernte komplett "auf dem eigenen Mist gewachsen" war. Das deutete einerseits auf einen grösseren Tierbestand hin und andererseits musste er keinen Mist dazu erwerben.
Heute schwankt dieser Ausdruck zwischen positiv und negativ hin und her. In der Frage "Ist das etwa auf deinem Mist gewachsen?" wird das Ergebnis eher negativ bewertet und als "stinkend" abgetan.
In der "negativen" Frage "Das kann ja wohl nicht auf deinem Mist gewachsen sein?" hingegen wird das Ergebnis als so gut angesehen, dass man es dem Angesprochenen nicht zutraut. Diese letztere Variante kommt jedenfalls der ursprünglichen Bedeutung am nächsten.
N
O
P
Q
R
Remise
(E?)(L?) http://www.lok-remise.ch/
Zu diesem Stichwort erhielt ich am 27.01.2003 eine E-Mail mit folgendem Hilfeschrei:
"es geht um eine kleine Wette. Woher stammt das Wort Remise? Ein Kollege behauptet, es stamme ursprünglich aus dem Eisenbahnbereich (Lokschuppen). Meiner Auffassung nach ist das Wort jedoch älter als das Eisenbahnwesen. Ich vermute, daß Geräteschuppen in der Landwirtschaft oder auch Unterstände für Tiere damit bezeichnet wurden."
Das Lexikon gibt für "Remise" zwei Bedeutungen an.
Da ist zunächst der "Wagen-, Geräte- oder Abstellschuppen" und dann auch die weidmännische Bezeichnung für "natürliche oder künstlich angelegte Feldgehölze, die vor allem dem kleinen Niederwild als Deckung und Unterschlupf dienen."
"Remise" ist die weibliche Substantivierung von frz. "remis" und dieses wieder das Part.Perf. von frz. "remettre" = "wiederherstellen", "zurückstellen". Im Schach bezeichnet "Remis" ein "Unentschieden", sozusagen die Wiederherstellung des Ausgangszustandes (mit gleichen Chancen) bzw. "Zurückstellung der Entscheidung" bis zur nächsten Schachpartie.
Auf lat. "remittere" gehen auch die "Remittenden", die "zurückgehenden" Exemplare von Zeitungen zurück.
Da einige Bezeichnung des Eisenbahnzeitalters (z.B. "perron" = "Bahnsteig" - in Deutschland veraltet, aber in der Schweiz noch benutzt) aus dem Französischen entlehnt wurden, war es auch naheliegend, die Wartungshallen, in denen die Loks "zurückgestellt" und "wiederhergestellt" (repariert) wurden auch mit dem frz. "Remise" zu bezeichnen.
Diese Bezeichnung wird - zumindest im Französischen - allerdings auch für andere Geräteschuppen verwendet. "Banal gesehen" ist es eine "Abstellkammer".
Meiner Meinung nach bezeichnete "Remise" also schon vor dem Eisenbahnzeitalter z.B. die Gebäudeteile alter Schlösser, in denen die Pferdekutschen abgestellt wurden.
S
Scheunendrescher - essen wie ein Scheunendrescher
Schaierdrescher, Schaeinerdrescher (W3)
(E?)(L?) http://omnibus.uni-freiburg.de/~post/gabsh_mu/
Zu diesem Ausdruck habe ich keinen Hinweis in der Literatur gefunden.
Ich gehe aber davon aus, dass man hier gar nicht lange suchen muss: Das Dreschen (in einer Scheune) war eine außerst anstrengende Tätigkeit. Und nach getaner Arbeit hatten diese armen Bauern oder deren Tagelöhner mit Sicherheit einen grossen Hunger. Dementsprechend war eben ihr Appetit.
In einigen Gegenden wird der "Scheunendrescher" auch "Schaierdrescher" oder "Schäinerdrescher" genannt.
Schlag (W3)
In der Landwirtschaft wird mit "Schlag" ein "zusammenhängendes Stück Ackerland" bezeichnet, auf dem nur eine Art von Pflanzen angebaut wird.
Einen etymologischen Hinweis dazu habe ich nicht gefunden. Ich kann nur spekulieren, dass dieser Begriff noch von der Rodung, dem Kahlschlag, herrührt, um in früheren Zeiten ein Stück Land zum Ackerland umzuwandeln.
T
Tölpel, Clown (W3)
Im "Tölpel" findet man eine sprach manifestierte Diskriminierung.
(E?)(L?) http://www.weiz.com/Inhalt/WeizerZeitung/News/newseinzeln.asp?ID=5764
...
Aus dem "Dörper" dem "Dorfbewohner" wurde das abwertende "Tölpel". Im Englischen wird die Nähe zum Narren noch deutlicher, aus "colonus" dem lateinischen Ausdruck für "Bauer", wurde schließlich die Bezeichnung "Clown".
...
(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/register/b.php
Bauerntölpel (fast schon ein weisser Schimmel) | Tölpel
(E6)(L?) http://gutenberg.spiegel.de/autoren/andersen.htm
Tölpel-Hans
(E1)(L1) http://www.sfs.uni-tuebingen.de/~lothar/nw/Archiv/alphabetisch/
Auswärtstölpel
U
Urlaub auf dem Bauernhof (W3)
(E?)(L?) http://www.bauernhofurlaub.de/
(E?)(L?) http://www.bauernhofurlaub-deutschland.de/
(E?)(L?) http://www.bauernverband.de/
(E?)(L?) http://www.cma.de/
(E?)(L?) http://www.dlg.org/de/landwirtschaft/landtourismus/
Nun erhielt ich am 17.12.2003 folgende Anfrage:
Ich bin M. T. und studiere Fremdsprachen und Wirtschaft an der Universität in Brescia "Italien". Ich werde mein Studium in Kürze abschliessen. Des Weiteren verfasse ich eine Dissertation über das Marketing des Agriturismus in Italien und die entsprechenden Bauernhofe in Deutschland.
Ich möchte wissen in welchem Zeitalter sich die Vokabel "Bauernhof" mit der touristischen Konnotation angereichert hat. Oder besser, wenn Sie über eine Datenbank verfügen, wann, in der Geschichte, der Ausdruck "Urlaub auf dem Bauernhof" zum ersten Mal erschienen ist.
Für Ihre Bemühungen danke ich Ihnen im voraus.
(A: mato)
Wie also wurde aus dem "Bauernhof" ein "Hotelbetrieb"? Und wann tauchte der Begriff "Urlaub auf dem Bauernhof" auf?
Auf den angegebenen Sites konnte ich leider keine Hinweise auf diese Fragen finden. Immerhin gibt es folgenden Anhaltspunkt:
Die Bundesarbeitsgemeinschaft wurde 1991 mit dem Ziel gegründet, den "Urlaub auf dem Bauernhof" zu fördern und bekannter zu machen, die politischen Interessen der Urlaubsbauernhöfe zu vertreten und die Landesarbeitsgemeinschaften bei ihren Marketingaktivitäten zu unterstützen. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die interne Zusammenarbeit in Fragen der Qualitätsverbesserung.
Ich vermute, dass es diese Urlaubsform (frz. "vacances à la ferme") schon lange gegeben hat. Schon die reichen Römer dürften die stinkende Kloake, "Rom" genannt, verlassen haben, um sich auf dem Land zu erholen. Dort hatten Sie entweder einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb, oder sie wurden von reichen Bekannten eingeladen. Die "ville rustica" wurde von Sklaven bewirtschaftet die von einem Verwalter beaufsichtigt wurden.
Etwa 2000 Jahre später dürften die ersten grösseren Urlaubswanderungen Richtung Land aufgetreten sein.
Das Auftreten als Massenphänomen und insbesondere der Werbeslogan" "Urlaub auf dem Bauernhof" könnte aufgetreten sein, als sich viele Bauernhöfe nicht mehr tragen konnten und nach Nebenerwerbsmöglichkeiten suchten. Auf jeden Fall ist der Begriff vor 1991 entstanden.
Ich habe die Frage an die obigen Site-Betreiber gesendet. Vielleicht erhalte ich ja eine Rückmeldung.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich betreibe eine kleine private Homepage, die sich mit der Herkunft und der Geschichte von Worten und Begriffen befasst. Ich erhielt nun die Anfrage nach dem ersten Auftreten des Begriffs und der kommerziellen Vermarktung von "Urlaub auf dem Bauernhof". Folgenden Beutrag habe ich dazu verfasst. Leider fehlen mir jedoch exakte Jahresangaben und Hinweise, in welchen Publikationen der Begriff nachweislich zum ersten Mal in Erscheinung trat.
Ich würdemich freuen, wenn Sie mir weiter helfen könnten.
V
W
X
Y
Z
Bücher zur Kategorie:
Etymologie, Étymologie, Etymology
DE Deutschland, l'Allemagne, Germany
Agronomie, Agronomie, Agronomy
amazon - Agronomie, Agronomie, Agronomy
A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
Mieder, Wolfgang - Phrasen verdreschen
Antiredensarten aus Literatur und Medien
(E?)(L?) http://www.amazon.ca/exec/obidos/ASIN/3494012814/etymologety01-20
(E?)(L?) http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3494012814/etymologety0f-21
(E?)(L?) http://www.amazon.fr/exec/obidos/ASIN/3494012814/etymologetymo-21
(E?)(L?) http://www.amazon.co.uk/exec/obidos/ASIN/3494012814/etymologety0d-21
(E?)(L?) http://www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/3494012814/etymologetymo-20
Quelle & Meyer
399 Seiten
Gesellschaft für deutsche Sprache (Hrsg.)
Broschiert
Sprache: Deutsch
1999
Erscheinungsdatum: Juli 2000
Autorenporträt
Wolfgang Mieder ist Professor für Germanistik und Volkskunde an der University of Vermont (USA). Neben zahlreichen Buchveröffentlichungen in deutscher und englischer Sprache ist er seit 1984 auch der Herausgeber des internationalen Jahrbuchs Proverbium.
Und falls Sie sich wundern, warum dieses Buch nicht unter "DE Zitate" zu finden ist. Diese Seite ist schon sehr beladen und da "dreschen" ja etwas mit Landwirtschaft zu tun hat ...
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z