Etymologie, Étymologie, Etymology
DE Deutschland, l'Allemagne, Germany
Architektur, Architecture, Architecture
A
Architekt (W3)
Am 30.06.2008 fragte Herr Helmut Fischer (Coraton, FR):
Wie oder wo kann ich die korrekte Herkunft des Wortes Architekt finden: griech. "arch-" = "Ur-", "Erz-", "Alt-" ...; "tekt", lat. "tectum" (= "Dach", "Decke eines Zimmers", "Zimmer").
Der dt. "Architekt" geht zurück auf lat. "architectus", griech. "arkhitektn" und setzt sich zusammen aus "arkhi-", "archi-" = "erst", "oberst", "Haupt-", "Erz-", aber auch "schlimmst", "Riesen-" und "tékton" = "Erbauer", "Baumeister".
Gemeinsam mit vielen anderen Wörtern geht dt. "Architekt" auf eine ide. Wurzel "*teks-" = "weben", "wirken" zurück.
Arkade, Architektur, Erzbischof (W3)
Die "Arkade" besteht aus einer Reihe von Torbogen, meist überdacht und zusammen mit Geschäften auftretend. Benannt ist sie nach französischem Vorbild und weiter nach italienischem Beispiel und dem lat. "arcus" = "Bogen", "Wölbung".
Es wundert auch nicht, dass das griech. "archi-" in "Architektur" oder "Erzbischof" die Bedeutung "Haupt-", "Ober-" hat. Ist doch der Bogen immer nach oben gewölbt.
Architekt (W3)
Ist der Oberzimmermann. Er ist zusammengezimmert aus griech. "arch(i)" = "Ober", "Haupt" (vgl. "Erzbischof") und griech. "tekton" = "Zimmermann", "Handwerker".
Und die "Architektur" ist die "hohe Kunst des Bauens".
Architekten über Grenzen
(E?)(L?) http://www.Architekten-ueber-Grenzen
Das deutsche Pendant zu "Architekten ohne Grenzen" in Spanien, Italien, Belgien, Argentinien und Peru.
architektenkammer - Verzeichnis von Architekten
(E?)(L?) http://www.architektenkammer.de/
Architektur (W3)
(E3)(L1) http://de.wikipedia.org/wiki/Architektur
"Architekt" ist der Oberzimmermann. Er ist zusammengezimmert aus griech. "arch(i)" = "Ober", "Haupt" (vgl. "Erzbischof") und griech. "tekton" = "Zimmermann", "Handwerker".
Und die "Architektur" ist die "hohe Kunst des Bauens".
B
C
D
Denkmal (W3)
(E?)(L?) http://www.schaetze-der-welt.de/denkmaeler_a_z/index.php
Das "Denkmal" ist eine Lehnübertragung des griech. "mnemosynon" = "Gedächtnisstütze". "Mal" wird hier als "Erinnerungszeichen" verwendet.
deutschlandsarchitektur - 500 deutsche Baudenkmäler
(E?)(L?) http://www.deutschlandsarchitektur.org/
Deutschlands Architektur von Gary L. Catchen; Sammlung von Fotografien, die er in den letzten drei Jahren als Amerikaner in Deutschland aufgenommen hat. Architektur, von der Romanik bis zum Expressionismus; in Zusammenhang mit historischen Begebenheiten;
E
F
Fünffingerturm, Hochzeitsturm (W3)
(E?)(L?) http://www.dienstleistungen-darmstadt.de/Darmstadt/fuenffingerturm.htm
(E?)(L?) http://home.arcor.de/ruewen/gm_kurs/projekte/da1/ffturm.htm
(E?)(L?) http://home.arcor.de/pahaschi/augsburg.htm
(E?)(L?) http://www.darmstadt.de/kultur/
(E?)(L?) http://www.hessenweb.de/xxxmain/hessenlinks/darmstadt/sehen.htm
(E?)(L?) http://www.mathildenhoehe.info/
(E?)(L?) http://www.mathildenhoehe.info/gebaeude/
(E?)(L?) http://de.wikipedia.org/wiki/Hochzeitsturm
(E?)(L?) http://www.hschumacher.de/html/mathildenhohe.html
Eigentlich heisst der "Fünffingerturm" ja "Hochzeitsturm". Aber die Darmstädter haben von den Berlinern gelernt und eines ihrer markanten Bauwerke auf der Mathildenhöhe der Darmstädter Künstlerkolonie auch mit einem Zweitnamen belegt. Bei einer Führung durch und um den "Fünffingerturm" kann man verschiedene Version zum Hintergrund der architektonischen Erscheinung des Turms hören. Eine Variante besagt z.B. dass der Auftraggeber Großherzog "Ernst Ludwig" den Architekten "Joseph Maria Olbrich" explizit beauftragte, das Bauwerk bewusst als Symbol der schützenden Hand (des Herrschers) zu gestalten.
Der eigentliche Name "Hochzeitsturm" erinnert daran, dass es ein Geschenk der Darmstädter Bürger an ihren Großherzog Ernst Ludwig anlässlich seiner Hochzeit mit Prinzessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich am 2. Februar 1905 war.
Die Widmungsinschrift lautet: ZUM GEDÄCHTNIS DER VERMÄHLUNG I: I. K.K.H.H. DES GROSHERZOGS ERNST LUDWIG UND DER GROSHERZOGIN ELEONORE ERRICHTET VON DER STADT DARMSTADT; ANNO 1907-1908
Seinem Namen macht der Turm auch heute wieder Ehre. Das Standesamt von Darmstadt bietet als besonderen Service die Eheschliessung im prachtvollen Hochzeitszimmer des Turms an.
Dass das Symbol der Hand auch an anderen Türmen erscheint zeigt zumindest das Beispiel des Augsburger "Fünffingerturms".
G
Geländer, Linde (W3)
(E?)(L?) http://www.gelaender.de/
Das "Geländer" lehnt sich das spätmhd. "gelenter", "gelanter" und ist eine Kollektivbildung zu mhd. "lander" = "Stangenzaun". Das Wort "lander" gehört zu "Linde", ahd. "linta". Somit bedeutet "Geländer" eigentlich "Latte", "Stange aus Lindenholz".
H
haeuser - Architekturmagazin
(E?)(L?) http://www.haeuser.de/
(E?)(L?) http://www.haeuser.de/bestebauten
Welches Gebäude in Deutschland ist das schönste?
I
isodom (W3)
von griech. "iso" = "gleich" und griech. "doma" = "Haus".
(E2)(L1) http://www.pompeion.de/pompeion.htm
Mauerwerk aus gleich großen Steinquadern. Die Fugen sind innen und außen deckungsgleich.
J
janaszek - Garten- und Landschaftsarchitektur - Glossar
(E?)(L?) http://www.janaszek.de/ga/gartenarchitektur-glossar.html
Ca. 100 Fachbegriffe werden bebildert erklärt. Im Zentrum stehen Begriffe, die sich auf den `klassischen´ Renaissance- und Barock-Garten italienischen bzw. französischen Typs bzw. auf den englischen Landschaftsgarten beziehen.
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Portal (W3)
Leitet sich vom lateinischen 'porta' = 'Tor, Eingang' und über das mlat. 'portale' = 'Vorhalle' und 'portalis' = 'zum Tor gehörig' ab und wurde schon ab dem 15. Jahrhundert verwendet. Anfangs eher noch in der Bedeutung 'Vorhalle', ab etwa dem 16. Jh. – durch die Einflüsse der italienischen und französischen Architekten – in der heutigen Bedeutung als prunkvoller Eingang, großes, besonders gestaltetes Tor.
(A: gaed)
portalkunstgeschichte
(E?)(L?) http://www.portalkunstgeschichte.de/
Hier kann man auf den Datenbestand des "Marburger Bildarchivs" zugreifen. Dieses enthält ca. 1,5Mio. fotografische Aufnahmen von Kunst und Architektur. Weiterhin beinhaltet sie Dokumentationseinheiten zu Objekten, Künstlern und sonstigen Personen, ikonographischen Themen, Ausstellungen, Sekundärliteratur, Magisterarbeiten und Dissertationen.
Q
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Schwibbogen (W3)
(E?)(L?) http://images.google.de/images?q=schwibbogen&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de&btnG=Google+Suche
(E?)(L1) http://www.icook.de/wissen/magazin/details.php4?art=1488
(E?)(L1) http://www.cis.uni-muenchen.de/cgi-bin/ahdeutsch/lex.pl?lemma=swibogo
Am 01.01.2004 wurde die Frage nach der Herkunft des "Schwippbogen" gestellt. - Ein solcher ist mir nicht bekannt. Allerdings gibt es einen "Schwibbogen", der vermutlich gemeint ist. Dieser ist sozusagen ein Zierbogen, d.h. ein Bogen, der eigentlich keine tragende Funktion hat (lediglich sich selbst muss er tragen). Da gerade die Weihnachtszeit vorüberging, ist die Frage vermutlich auch in Zusammenhang mit einem als "Schwibbogen" gestalteten Kerzenleuchter aufgekommen. Hier muss er allerdings immerhin noch die Kerzenhalter und die Kerzen tragen. - Nun, denn. Wortwörtlich genommen bedeutet der "Schwibbogen" "Schwebebogen", von ahd. "swibogo".
structurae
(E?)(L1) http://www.structurae.de/
weltweite Architektur-Gallerie und -Datenbank.
Diese Website bietet Ihnen Information zu Werken des Ingenieurbaus (oder auch der Architektur) aus der ganzen Welt. Es ist wahrscheinlich die einzige on-line-Datenbank dieser Art. Sie werden hier viele verschiedene Bauwerke finden, wie Brücken, Wolkenkratzer und Türme, aber auch Talsperren und Hochseeplatformen. Auch geschichtlich reicht structurae sehr weit: von den ägyptischen Pyramiden über gotische Kathedralen bis hin zu den längsten Brücken von heute.
Sprachen DE FR UK
Hinweise zur Namensgebung der Bauwerke habe ich allerdings bisher keine gefunden. (03.06.2003)
T
*teks- (W3)
(E?)(L?) http://www.bartleby.com/61/roots/IE523.html
Das postulierte ide. "*teks-" steht für "weben", "wirken", "herstellen", insbesondere "(mit einer Axt) bearbeiten", aber auch "Flechtwerk für (Schlamm-bedeckte) Hauswände herstellen". Davon abgeleitete Formen sind ide. "*teks-la-", "*sub-tela" ("thread passing under the warp"), "*teks-on-" ("Weber", "Hersteller von Flechtwerk für Hauswände", "Erbauer"), "*teks-tor" ("Erbauer"), "*teks-na-" ((Kunst-)Fertigkeit zum Weben), "*thahsuz" (= "badger" = "Dachs", wörtlich "(Höhlen-)Bauer").
Auf diesen Stamm gehen zurück:
- engl. "architect" = "Architekt", "Schöpfer"
- engl. "context" = "Kontext", "Zusammenhang", wörtlich "das Umgewobene", "das Mitverwobene"
- dt. "Dachs", wörtlich "(Höhlen-)Bauer"
- engl. "dachshund", dt. "Dachshund", von ahd. "dahs" = "Dachs"
- engl. "dassie", von mndl. "das" = "Dachs"
- engl. "polytechnic" = "polytechnisch"
- engl. "pretext" = "Vorwand", "Ausrede", wörtlich "das Davorgesponnene"
- lat. "subtilis" = "fein", "dünn", "zart" (aus "*sub-tela", "thread passing under the warp", "the finest thread")
- engl. "subtle" = "Subtil", "fein", von lat. "subtilis"
- engl. "technical" = "technisch"
- engl. "technology" = "Technik", "Technologie"
- engl. "technology", dt. "Technologie", von griech. "tekhne" = "Kunst", "Geschicklichkeit", "Fähigkeit"
- engl. "tectonic" = "Architektur", "tektonisch", "bauen", "entwerfen"
- griech. "tekton" = "Zimmermann", "Erbauer"
- lat. "tela" = "Gewebe", "Stoff", "Netz", "warp of a fabric", "weaver's beam" ("to which the warp threads are tied")
- lat. "texere" = "weben", "wirken", "herstellen"
- engl. "text" = "Text"
- "dt. Textur" (von lat. "textura" = "Gewebe")
- engl. "texture" = "Textur" (von lat. "textura" = "Gewebe")
- germ. "*thahsuz" = "Dachs" ("das bauende Tier") ("Dachsbau") (möglicherweise geht "Dachs" aber auch auf eine prä-ide. Wurzel zurück, aus der auch kelt. "*Tazgo-", Gaulish "Tazgo-", Gaelic "Tadhg" = "Dachs" hervorging
- engl. "tiller" = "(Acker-)Bauer", "Ackerfräse", "Ruderpinne", "Griff" (im Sinne von "drehen", "wirken")
- engl. "tissue" = "Zellgewebe", "Muskelgewebe", "feines Gewebe", "Flor", "Seiden(-papier)", "Papier(-taschen-)tuch", "Kohlepapier", "Lügengewebe"
- engl. "toil" = "schwer arbeiten", "Schlinge", "Netz"
Tektonik (W3)
Die "Tektonik" geht zurück auf griech. "tektonikós" = "die Baukunst betreffend" und "tékton" = "Baumeister".
Gemeinsam mit vielen anderen Wörtern geht dt. "Tektonik" auf eine ide. Wurzel "*teks-" = "weben", "wirken" zurück.
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wohnen, beiwohnen (W3)
(E?)(L?) http://www.morgenwelt.de/kultur/000508-gernwohnen.htm
geht zurück auf ein mhd./ahd. "wonen" = "nach etw. trachten". Später nahm es die Bedeutung "sich gewöhnen" an. Und wenn man sich an einen Aufenthaltsort "gewöhnt" hatte, dann konnte man auch gleich dort "wohnen".
Und auch das Individuum macht ja heute noch diese Entwicklung durch. In der Mietwohnung "trachtet" man nach einer Eigentumswohnung oder einem Haus. Ob man nun sein Wunschobjekt findet oder nur eine Kompromisslösung - auch an die eigenen vier Wände muss man sich erst "gewöhnen" - bis man dann schliesslich wirklich von "bewohnen" sprechen kann.
Und auch das verschleiernde "beiwohnen" trägt noch den "Wunsch" und später die "Gewohnheit" in sich.
In dem verlinkten Artikel mit dem Titel:
"Ich wohne gern!" - Trivial und existenziell zugleich: unsere Art zu wohnen, prägt auch unsere Gesellschaft. von Robert Kaltenbrunner
wird auch auf diesen Zusammenhang hingewiesen: "Ohnehin ist das Wohnen an sich konservativ und wird, wie die Etymologie uns erläutert, von Gewohnheiten bestimmt."
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Seidl, E.
Lexikon der Bautypen
Funktion und Formen der Architektur
(E?)(L?) http://www.amazon.ca/exec/obidos/ASIN/3150105722/etymologety01-20
(E?)(L?) http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3150105722/etymologety0f-21
(E?)(L?) http://www.amazon.fr/exec/obidos/ASIN/3150105722/etymologetymo-21
(E?)(L?) http://www.amazon.co.uk/exec/obidos/ASIN/3150105722/etymologety0d-21
(E?)(L?) http://www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/3150105722/etymologetymo-20
599S.
(E?)(L?) http://www.reclam.de/
Klar erkennbare Bauten wie Rathaus, Kirche, Oper oder Schloss geben Städten ein Gesicht. Vor allem über ihre Funktion, aber auch über ihren historischen Kontext haben diese Bauten einen eigenen Typus entwickelt. Knapp 350 solcher Bautypen der abendländischen Kultur seit der Antike stellt dieses Lexikon in Funktion und Form wie auch in der Entwicklungsgeschichte dar und benennt signifikante Beispiele. Ein Essay zum "Bautypus als architekturwissenschaftliche Kategorie" bietet das wissenschaftshistorische Fundament.
Leseprobe
"Backhaus", n (ahd. "bahhan", "backan" = "durch heiße Luft garen"), gemeinschaftlich genutzter, freistehender Ofen als eigenständiges Bauwerk. Das B. tritt meist in ländlichen Gegenden auf und dient als Hof- oder Gemeindebackofen.
Eine Übergangsform vom Stubenbackofen zum B. bildeten zunächst kuppelförmige Öfen, die an die Außenwand eines Wohngebäudes angebaut waren und von der Küche aus bestückt wurden. Erst mit der Loslösung des Backofens vom Wohnhaus spricht man vom B.; davon zu unterscheiden ist das freistehende Backgewölbe. Eine Vergil-Illustration des frühen 16. Jh. von Joh. Grüninger belegt eine Frühform dieses Bautyps. Bevorzugt wurden B. aufgrund ihrer Feuergefahr in der Nähe von Gewässern errichtet.
Eine polizeiliche Verordnung aus dem 17. Jh. zur Eindämmung von häufig auftretenden Bränden führte offiziell zur Ablösung des häuslichen Backofens durch das B. Vor allem in dörflichen Siedlungen Mittel- und Süddtld. wurde es als selbständiger Bau errichtet, teilw. war es in andere gemeinschaftliche Zweckbauten, wie z. B. das Gemeindehaus, integriert.
In seiner endgültigen Gestalt wies das B. ein kuppel- oder tonnenförmiges Backgewölbe auf, das an allen Seiten von einer Mauer umschlossen war. Vorgezogene Seitenwände ließen einen Vorraum entstehen, der als Windschutz sowie als Abstellraum von Backgerät diente. Der Backraum enthielt neben der Ofenanlage ein Wandgestell zum Ablegen der Brote. Der Eingang war meist bogenförmig und besaß keine Tür, während die Backöffnung mit einer Eisenvorrichtung verschlossen wurde. Ein Satteldach aus Ziegeln mit kleinem Schornstein schloss den Bau ab. In Mitteldtld. sind B. oft in Form von Fachwerkhäuschen anzutreffen. Heute findet das alltägliche Backen weitestgehend in industrialisierten oder handwerklichen Bäckereien, aber auch wieder im häuslichen Back-ofen statt, was zur Aufgabe und zum Abbruch vieler B. führte. Daher kommt dem Bautypus B. meist nur noch kulturhist. Bedeutung zu. Vereinzelt sind B. auch heute noch in Dörfern zu finden.
Lit: P. GEIGER / R. WEISS, Atlas der Schweizerischen Volkskunde, Basel 1953. - F. BLÜMEL / W. BOOG, 5000 Jahre Backofen, Ulm 1977.
"Freibad", n (ahd./rf, mhd. "vri" = "frei"; "Bad"), institutionalisierte Badestelle im Freien als Freizeit- und Sporteinrichtung, meist mit einfach gestalteten Umkleide- und Sanitäranlagen.
Das erste große Schwimmbecken unter freiem Himmel existierte in Olympia im 5. Jh. v. Chr. Auch die natatio (Freibecken) bei röm. Thermen war nicht überdacht. Kennzeichnend für das ma. Badewesen waren Becken im Freien außerhalb von Städten (Wildbad), häufig von Herbergen umgeben. (Baden/Aargau, Wiesbaden, Bagno Vignoni bei Pienza). Im 15. Jh. wurde das F. oft durch eine Badstube ersetzt. Nach dem Erlöschen der ma. Badetradition im 16. und 17. Jh. entwickelte sich im 18. Jh. mit der Hinwendung zur Natur das F.-Wesen rasch, und durch die Turnbewegung im 19. Jh. verbreitete sich das Schwimmen, auch durch (Militär-)Schwimmschulen (Paris, 1801; Wien, 1813; Berlin, 1817).
Zunächst ausschließlich zu Therapiezwecken bestimmt, entstand baulich der Typus der Flussbadeanstalt als Badeschiff (Paris, 1760; Wien, 1781; Frankfurt a. M., 1800) und als Anlage mit umlaufendem Steg auf Pontons (Mannheim, 1777) oder Pfahlwerk (Hamburg, 1888) im Fluss. Im 20. Jh. entwickelte sich der Typus des massiven Baus am Ufer (Berlin, 1929). Der Typus der Seebadeanstalt findet seinen Vorgänger in den Badekarren. Seebadeanlagen lassen sich in Anlagen auf Pontons, auf Pfahlwerk im Meer und in feste (Holz-)Bauten am Ufer unterscheiden. Charakteristisch für den festen Bau ist ein Pfahlunterbau und eine symmetrische Gruppierung der Anlage mit oft hervorgehobenem Mittel- und Eckbau. Typisch ist der provisorische, sehr einfache Charakter. Mit zunehmender Freizeit und Verbreitung schwimmsportlicher Aktivitäten entstand ab E. d. 19. Jh. das F. mit meist gekachelten Bassins und Liegewiesen. Anf. d. 20. Jh. wurden die fest angelegten Seebadeanstalten massiv fundamentiert (Strandbad Wannsee, Berlin, 1930, M. Wagner: Klinkerverkleideter Stahlskelettbau). Seit den 1920er-Jahren werden F. auch mit Hallenbädern verbunden (Pirmasens, 1926). Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Dtld. zahlreiche F. mit künstlichen Becken und massiven Flachdachgebäuden für technische Funktionen zur Wasseraufbereitung, für Umkleideräume und sanitäre Nutzung. Wesentlichste Änderungen in den 1970er-Jahren waren die deutliche Vergrößerung der Wasserflächen für Nichtschwimmer sowie des Liegewiesenareals, die Ausstattung mit Anlagen für Sport und Spiel sowie Restaurationsbereiche. Seit den 1980er-Jahren werden Erlebnisbecken mit Wasserattraktionen und Sauna hinzugefügt. Beim wandelbaren Bad wird die Wasserfläche je nach Wetterlage kurzfristig durch eine Leicht- oder Massivkonstruktion überdacht und mechanisch wieder geöffnet (Westbad, Regensburg, 1987).
Lit: W. SCHLEYER, Bäder und Badeanstalten, Leipzig 1909.- D. FABIAN, Handbuch für Bäderbau und Badewesen, München 1960. - H. ENGEL, Das Strandbad am Großen Wannsee, Berlin 2003.
"Zoo", m (griech. "zoon" = "Lebewesen", nlat. "zoologia" = "Tierkunde"; auch "Zoologischer Garten"), eine publikumsorientierte Gartenanlage mit Gehegen und Tierhäusern zur Präsentation und Haltung lebendiger, meist exotischer Wildtiere.
Unter dem Einfluss der naturphilosophischen Diskussion des 18. Jh., der Entfaltung der Histoire Naturelle sowie den Eindrücken exotischer Welten, entstand vor allem für die bürgerliche Gesellschaft auch der Z. Zum Prototyp in formaler und funktionaler Hinsicht wurde das Muséum National d'Histoire Naturelle (1793, Paris), das sich im Zuge der Reorganisation des Jardin du Roy und aus dem Tierbestand der kgl. Menagerie entwickelte. Es war museal organisiert und verbreitete sich im 19. Jh. als urbane Institution in ganz Europa. Ausgestellt wurde das lebende Tier. Zeitgenössische Beschreibungen des Muséum charakterisieren es als Park, in dem Tiere nach ästhetischen Gesichtspunkten in Gehegen und Käfigen unterschiedlichster Form und Größe präsentiert wurden. Nach seinem Vorbild entstanden in Europa und den USA zwischen 1794 und 1910 in zahlreichen Großstädten Z. (London, 1828; Antwerpen, 1843; Berlin, 1844; Hamburg, Moskau und Wien, 1863; Hannover, 1864; Central Park, New York und Lincoln Park, Chicago, 1868; S. Francisco, 1889-92; München und Rom, 1910).
Für die neue Bauaufgabe des Z. wurde meist das "demokratisch-freiheitliche" Konzept des Engl. Gartens adaptiert. Kennzeichnend ist die organische Verbindung der zahlreichen Kompartimente, die über ein entsprechend konzipiertes Wegesystem erschlossen werden können. Die Form der Tierhäuser und die Bepflanzung der Gehege sollten im Rahmen der klimatischen Möglichkeiten die Herkunftsländer der Tierarten nachempfinden, was zu einem bemerkenswerten Formund Stilpluralismus der Tierhausarchitektur führte. Charakteristisch ist seit dem frühen 19. Jh. die Adaption exotischer Bauelemente, die ihren monumentalen Höhepunkt während des imperialistischen Wettbewerbs der Nationen fand (Antilopenhaus als Moschee, Z. Antwerpen; Orientalisches Portal des Z. Berlin). Seit dem letzten Drittel des 19. Jh. vervollständigten "Eingeborene" aus den entsprechenden Ländern, die in traditioneller Landeskleidung scheinbar ihren alltäglichen Arbeiten nachgingen, diesen Eindruck (C. Hagenbecks "Völkerschauen" in den 1870er-Jahren). Mit der technischen Entwicklung der industriellen Revolution werden die Z. um neue Baumaterialien, aufwändige Belüftungs- und Temperierungsanlagen und damit auch um neue Tierhäuser (Aquarium, Terrarium) bereichert und nach modernen, verstärkt publikumsorientierten Kriterien gestaltet. Durch die Einrichtung von Restaurants, Cafés und Festveranstaltungen wurde der Z. zu einem gesellschaftlichen Ort. Damit verlor aber auch die urspr. angestrebte Einheit von Wissenschaft, Kunst und Natur kontinuierlich an Bedeutung. Mit dem Hagenbeckschen Tierpark entstand in der 2. H. d. 19. Jh. ein bis dahin neuartiges Konzept, dessen zum Publikum durch einen Graben abgesicherte, unvergitterte Gehegeform in Gestalt künstlicher Felslandschaften zum normativen Vorbild wurde.
Der Z. von heute lässt sich mit dem des 19. Jh. nur bedingt vergleichen. Im Idealfall werden die Tiere heute im Rahmen einer geographischen Ordnung als Sozialverbände in artgerechten Großgehegen und Bauten gehalten. Die Architektur ist in dieser Hinsicht viel mehr funktionalen Aspekten unterworfen und hat nur in sekundärer Bedeutung ästhetischen Präsentationsvorstellungen zu folgen. Die Aufgaben moderner Z. liegen heute auch in der Erhaltung bedrohter Tierarten, um Zuchttiere gegebenenfalls wieder auszuwildern.
Lit: G. LOISEL, Histoire des Ménageries de l'Antiquité à Nos ]ours, 3 Bd., Paris 1912. - A. HOFMANN, Der Zoologische Garten als Bauaufgabe des 19. Jh., Frankfurt a. M. 1999. - E. BARATAY: Z., London 2002.
Pressestimmen
"Auf nichts hat man so sehnsüchtig gewartet wie auf ein Lexikon der Bautypen", das wäre angesichts dieser grandiosen Idee ein vielleicht nicht allzu übertriebener Ausruf. Allemal erstaunlich ist, dass es ein Lexikon dieser Art - ein Lexikon der Baufunktionen und der damit einher gehenden typischen architektonischen Gestalten - bisher nicht gab. (...) Die fast durchweg eingelöste Stärke des Lexikons ist die Verschränkung von Bau- und Sozialgeschichte. So ist das Buch nicht nur Nachschlagewerk für Architekturinteressierte, sondern Skizze der kultur- und sozialgeschichtlichen Bedingungen der Architektur unter Verwendung soziologischer Begriffe und Einbezug technikgeschichtlicher Details. Das Lexikon versammelt mit 350 Einträgen eine überaus überraschende Fülle kulturell und historisch verschiedener Baufunktionen und beinhaltet so auch eine Weltgeschichte der Architektur. Die Artikel verweisen auf die Gesellschaft, deren in der Architektur sich zeigende Differenzierung, Herrschafts- und Disziplinierungsform, Individualisierung und Industrialisierung. In der Differenz der Artikel sowie an ausgestorbenen und aussterbenden Baufunktionen wird zugleich der soziale Wandel ablesbar. (...) Das Fazit klingt begeistert - ein nützliches, gut gemachtes, umfassendes, höchst interessantes Nachschlagewerk...
sehepunkte
Ein Werk nicht nur für Spezialisten, sondern für alle geeignet, die sich für Architektur und Kunstgeschichte begeistern. Zumal das in handlichem Format gehaltene Lexikon nicht in der Vergangenheit verharrt: Erläutert werden auch Gebäudetypen wie die Mall, das Kernkraftwerk oder die Tankstelle.
Kölner Stadt-Anzeiger
Hier erfährt man Wissenswertes über die Architektur von Einfamilienhäusern oder Freibädern, kann sich aber genauso solide über Form und Funktion rarer Bauwerke wie Dormitorien oder Stupas informieren.
Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel
350 Typen der europäischen Geschichte bis zur Antike zurück sind in diesem Nachschlagewerk charakterisiert und bilden erstmals einen umfassenden Katalog der abendländischen Bautypen, allesamt etymologisch hergeleitet, historisch aufgearbeitet und mit wichtigen Beispielen erläutert. Studierende an der Universität Tübingen haben ein längst fälliges Standardwerk von der Bogenbrücke, Festung, Mietshaus bis zum Zentralbau gründlich recherchiert und im besten Sinne eines guten Lexikons versammelt und verdichtet. Im Zeitalter der Zeichen sind Definitionen typischer, stilbildender und klar lesbarer Symbole wieder wichtig geworden. Sie bringen Klärung und Orientierung und legen die Basis für nachhaltige Innovationen aus dem Selbstverständnis unserer gewachsenen Kultur heraus.
www.kunst & bücher.at
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