Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
DE Deutschland, Alemania, Allemagne, Germania, Germany
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theodiscus (W3)

Das Wort mittellat. "theodiscus" = dt. "deutsch" erscheint zum ersten Mal in einem Dokument aus dem Jahre 786. In einer Kirchenversammlung seien die Beschlüsse "tam latine quam theodisce" (bei Georg von Ostia und Amiens 786) verlesen worden, also "sowohl lateinisch als auch in der Volkssprache".

Als weiteres Beispiel sei angeführt:

"quod theodisca lingua harisliz dicitur" (788, nach Akten des Ingelheimer Reichstags) u.a.

Als Wurzel wird ide. "*teuta" mit der Bedeutung dt. "Volk", "Land" und germ. "*þeudiska-", "*þeudiskaz" = dt. "völkisch" postuliert.

Das ahdt. "diutisk" läßt sich in schriftlichen Zeugnissen bis gegen 900 zurückverfolgen und ist abzuleiten aus einem westfränk. "*theudisk" mit der Bedeutung dt. "zum eigenen Stamm gehörig", das als Gegensatz zu ahdt. "walhisk" = dt. "welsch" vor 700 an der sich herausbildenden deutsch-französischen Sprachgrenze entstanden sein muß. Die Anbindung an lat. "teutonicus", dessen Bedeutung sich vom klassischen Latein ("teutonicus" = dt. "gallisch") zum Mittellatein ("teutonicus" = dt. "deutsch") gewandelt hat, verhalf dem Wort zu einer historischen Dimension.

Noch die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm glaubten, als sie im frühen 19. Jahrhundert die "Germanistik" erfanden, "Deutsch" und "Germanisch" wäre von ältester Urzeit her identisch. Doch der Name "Deutschland" lässt sich nicht auf den Namen eines Stammes zurückführen. Die Geschichte des deutschen Volksnamens begann mit dem 786 erstmals belegten lateinischen Wort "theodiscus", das von dem Substantiv "theoda" = dt. "Volk" abgeleitet wurde und "zum Volk gehörig" bzw. "volkstümlich" bedeutet. "Theodisca lingua" meinte nichts anderes als die "Volkssprache", im Unterschied zum "Lateinischen".

Der wohl älteste Beleg für dieses erste "Deutsch", das "Theodisk" hieß, findet sich im Bericht eines päpstlichen Nuntius von 786. Ihm zufolge wurde damals angeordnet, dass die Beschlüsse der Synode in England sowohl auf Lateinisch als auch auf "Theodisk" verlesen werden sollten, damit jeder sie verstehen könne. Vermutlich geht das Wort auf Karl den Großen zurück. Der wollte seine Sprache weder als "lingua vulgaris" (vulgär) noch als "lingua barbara" (barbarisch) oder gar als "lingua gentilis" (heidnisch) verstanden wissen. In seinem Werk »Capitulare Italicum« aus dem Jahr 801 hat sich Karl mit dieser Form der Volkssprache identifiziert; er meinte damit noch alle Sprachen von Stämmen und Völkern germanischen Ursprungs – im Gegensatz zum Latein und seinen Abkömmlingen, den romanischen Sprachen. Eine ethnische Differenzierung war damit aber noch nicht gemeint, es handelte sich um eine reine Sprachbezeichnung: Ursprünglich ist "Deutschland" also das "Land, in dem Deutsch gesprochen wird".

(E?)(L?) http://www.deutschboard.de/lexikon/Deutsch,bedeutung.htm

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Der Begriff "deutsch" stammt sehr wahrscheinlich von dem Wort "theodisk" aus dem längst ausgestorbenen und schriftlich nicht nachweisbaren Westfränkisch ab. Dies muss eine deutsche Mundart (Dialekt) gewesen sein, die die Franken auf dem Gebiet des heutigen Frankreich sprachen. Überliefert ist das Wort nur in der lateinischen Form "theodiscus".

Bis ins 8. Jahrhundert hinein sprachen die Franken, wenn sie ihre eigene germanische Sprache bezeichneten, von ihr als "frengisk". Als aber die Franken ihr politisches und kulturelles Zentrum ins Gebiet des heutigen Frankreich verlagerten, verlor dort der Begriff "frengisk" seine Eindeutigkeit, da im westfränkischen Gebiet manche Franken lateinisch, manche "Bauernlatein" ("rusticam romanam", das spätere "französisch") und manche "theodisk" ("deutsch") sprachen. So musste ein neues Wort gefunden werden, das die Sprache der theodisksprechenden Franken eindeutig abgrenzte. Es entwickelte sich aus den germanischen Wörtern "theoda" ("Volk") und "diska" ("sprechen" / "Sprache") und bedeutet also nichts anderes als "die Sprache, die das Volk spricht".

Das Wort "theodisk" ist wohl erst langsam über die Jahrhunderte von der Sprachgrenze ins Zentrum des ostfränkischen Teiles (aus dem sich "Deutsch-Land" = "deutschsprachiges Land", entwickelte) des Frankenreiches gewandert, denn im ostfränkischen Inneren benutzte man für die eigene Sprache noch viel länger das Wort "fränkisch", weil man sich nicht von Franken abgrenzen musste, die anders sprachen. So verwendete 865 Otfrid von Weißenburg in seinem Evangelienbuch zwar das lateinische Wort "theodisce", übersetzt es aber mit "frenkisg".

Lat. "theodiscus" bzw. das germanische Wort "theodisk" bezeichnete generell eine nichtlateinische, aber westgermanische Sprache oder Ausdrucksweise im germanischsprachigen Mitteleuropa (also Altsächsische bzw. spätere niederdeutsche, mittel- und oberdeutsche Mundarten). Es wurde sowohl im frühen Großbritannien als auch im gesamten teutschsprachigen Raum (Teutschland, einschließlich Niederlande und Schweiz) benutzt und zum Ausgang des Mittelalters zu "düdesch" ("niederdeutsch", z.B. de Kooplüde vun de düdesche Hanse, übersetzt: die Kaufleute von der deutschen Hanse) und "teutsch" ("deutsch") abgeschliffen. Aus diesem Wortstamm leiten sich die Worte "dutch" ("deutsch", im englischen gemeint für "Niederdeutsch" bzw. "Niederländisch") und "deutsch" ("mittelhochdeutsch") ab. Erstmals als Regionalbegriff wurde es wohl im Sachsenspiegel von 1369 verwendet, wo es heißt: Iewelk düdesch lant hevet sinen palenzgreven: sassen, beieren, vranken unde svaven (Jegliches deutschsprachige (bzw. deutsche) Land habet seinen Pfalzgrafen: Sachsen, Baiern, Franken und Schwaben).


(E?)(L?) http://www.franceschini.de/wp-content/uploads/2012/01/Lino-Franceschini_-Entstehung-Entwicklung-und-Urbaust.-d.-menschl.-Sprache.pdf


(E?)(L?) http://www.franceschini.de/wp-content/uploads/2011/12/Über-den-Namen-Deutschland1.pdf

Über den Namen Deutschland
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Welches Volk soll aber mit diesem Namen ["Deutschland"] gemeint gewesen sein? Im Altertum wohnten im Gebiet, den Römern als "Germania" bekannt, so viele Stämme, dass von den römischen Historikern nicht alle erfasst werden konnten.

Es ist nicht überliefert, dass diese Stämme eine Einheit bildeten. Vielmehr existierten schon damals unter ihnen Fehden und Kriege, verursacht auch durch die umfangreiche Ausdehnung des Gebietes. Auch das Mittelalter wurde geprägt von ständigen Kämpfen zwischen Fürsten, die sich untereinander bekriegten und mal mit, mal gegen den Kaiser kämpften. Erst im 19. Jahrhundert gelang es Preußen, die vielen einzelnen Staaten in eine Nation zusammenzufügen und zu einigen.

Einige behaupten, "deutsch" als Volksname sei entstanden in der Karolingerzeit mit der Bedeutung "in der Volkssprache", als Karl der Grosse verordnete, dass öffentliche Erklärungen nicht nur auf Lateinisch, sondern auch in der Volkssprache "theodiscus" abgefasst würden.

Es stimmt zwar, dass Karl d. Gr. im Jahre 901 auf lombardischem Boden für sich in Anspruch nimmt "theodische" zu sprechen, um seine Sprache gegen die romanische abzuheben und mit "fränkisch" das nicht tun kann, weil ein Teil der Franken romanisiert war (Kluge, Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache, 1975).

Karl d. Gr. spricht aber hier von "theodische", seiner eigenen Sprache - nicht der des Volkes - , die sicher gesprochen wird auch in dem Gebiet, wo er gewachsen ist und residiert.

Das Wort ist schon um 700 bekannt, lange also vor Karl d. Gr., in afrz. "tieis", das ein "*thiudisck" voraussetzt.

Mlat. "theodiscus" wird 786 vom Bischof Georg von Ostia gebraucht und steht für das Angelsächsische. Nach einem Bericht von 786 werden Verschlüsse in einer Synode unter König Offa von Merzien verlesen "tam latine, quam teodisce, quo ommnes intellegere possent". Hier ist es mit "omnes" nicht "populus" ("Volk") gemeint, sondern "alle, die kein Latein verstehen".

Die eigentliche Bedeutung von ahd. "diutisc", mhd. "tiusch", "tiutsch", ags. "thiudisk", got. "dhiudisko" ist nicht "deutsch", sondern "heidnisch".

Bei Luther, von dem man annehmen sollte, dass er die Volkssprache gut beherrschte, so wie auch bei anderen Gelehrten herrschte bis zum 19. Jhdt. noch die Meinung, "teutsch" sei aus einem Stammvater Namens "Teut" hervorgegangen.

Nirgendwo ist es also in der Überliferung die Rede von "deutsch" als "Sprache des Volkes".

Die Form "Volk", in allen germanischen Sprachen vorhanden (mhd. mnd. mnl. "volc", ahd. "folc", "folch", nnl. "volk", asächs. anord. afries. schwed. dän. "folk", anfr. ags. "folc") und zur Zeit Karl d. Grosse gut bekannt, wäre sicher damals benutzt worden, hätte man damit die vom Volk gesprochene Sprache bezeichnen wollen.

Deutschland müsste danach heute korrekterweise "Folkischland" heissen.

Es ist stark anzunehmen, dass das Gebiet, das wir heute "Deutschland" nennen, schon in der Vorzeit diesen Namen besass, um das Gebiet nicht nur zu benennen, sondern auch um es zu bezeichnen und lokalisieren und von anderen Gebieten zu unterscheiden.
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(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/idg/4A/idg.html

"*teu-", "*teu-", "*teue-", "*tuo-", "*tu-", "*teuh-", idg., V.: nhd. "schwellen";
ne. "swell" (V.);
RB.: Pokorny 1080 (1873/50),
ind., iran., arm., phryg./dak., gr., ill., alb., ital., kelt., germ., balt., slaw., toch., heth.; Hw.:
s. "*teuta", "*teuk-", "*teuko-", "*tubha", "*tulo-", "*tumo-", "*turo-", "*tuska-", "*tuen-", "*teutonos", "*tuel-", "*tauros", "*teuk-";


(E?)(L?) http://www.koeblergerhard.de/idg/idg_vorwort.html

"*teuta", idg., F.: nhd. "Volk", "Land"; ne. "people" (N.), "country"; RB.: Pokorny 1084; Hw.: s. "*teu-", "*teutonos"; E.: s. "*teu-";


(E?)(L?) http://www.lateinlexikon.com/lexicon_latinum_hodiernum_parsgeographica.pdf

"Deutschland", n "Germania", "Germaniae", f [vet.; KLW p.357,2; GEO]; "terra Teutonicorum", f [ORB p.431,2] {natio Europaea} - Ostdeutschland - Westdeutschland // deutsch Germanicus, a, um [vet.; LEA p.156; KLW p.357,2; SYS: Nicrophorus germanicus]; "Theodiscus", a, um [~CVS p.11; de.wiktionary.org]; "Germaniensis", is, e [www.stern.de: „homo sapiens germaniensis“]


(E6)(L1) http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/GermLat/Acta/Boehm.htm

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Der Kongreß thematisiert gleichwohl eine "Latinitas teutonica", also mit einem Adjektiv, das sich anlehnt an die römische Benennung der vorchristlichen "Teutonen". Im 9./10. Jahrhundert begleitete dieser antikisierende Stammesname besonders im romanisch-germanischen Grenzraum den Auflösungsprozeß des karolingischen Frankenreiches und die Entstehung des ostfränkischen Teilreiches. In Italien vital geblieben, diente der Terminus im Investiturstreit der Papst-Rhetorik zur demütigenden Verweisung Heinrichs IV. als "rex teutonicorum" in die Grenzen eines "regnum Teutonicum". Das eher politische Attribut "teutonicus" verdrängte vorübergehend den ebenfalls seit der Karolingerzeit bekannten mittellateinischen Terminus für eine "lingua theodisca" im Gegensatz zur "lingua Romana".

Interessant daran: Der Begriff entstand vermutlich in lautlicher und semantischer Kontamination mit dem germanischen Wort für "Volk", "theot". Das Adjektiv "thiudisk" leitet sich nicht, wie "teutonicus", her vom Namen eines Stammes, einer "natio" wie der Franken, Alemannen usw. Das Wort "thiudisk" hatte zunächst keinen exklusiven Bezug zum Regnum der Ostfranken; auch in England und Italien bezeugt, meinte es die Sprache gentiler, ethnischer Gruppen. Unser Wort "deutsch" leitet sich also her aus einer latinisierten Form althochdeutscher Lehnübersetzung von "vulgaris" oder "gens". Ab rd. 1200 vollzog sich die Übertragung auf teutsches Land und Leute.

Beide Termini, "teutonicus" und "theodiscus", obwohl von so unterschiedlicher Provenienz, eigneten sich übrigens klanglich dazu, in Verbindung gebracht zu werden einerseits mit "Theut", dem ägyptischen Gott, den Platon in seinem Phaidros-Dialog als mythischen Erfinder der Schrift eindrucksvoll thematisiert hatte, und mit dem Riesen "Theuton", andererseits mit dem von Tacitus in der Germania (c. 2) genannten erdentsprossenen Gott "Tuisco", Urahn oder Erzkönig aller germanischen Völker.
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(E?)(L?) https://de.wikipedia.org/wiki/Althochdeutsch

Als Althochdeutsch (abgekürzt Ahd.) bezeichnet man die älteste schriftlich bezeugte Form der hochdeutschen Sprache in der Zeit etwa von 750 bis 1050 n. Chr.

Das Wort "deutsch" erscheint zum ersten Mal in einem Dokument aus dem Jahre 786 in der mittellateinischen Form "theodiscus". In einer Kirchenversammlung seien die Beschlüsse "tam latine quam theodisce" verlesen worden, also "sowohl lateinisch als auch in der Volkssprache".

Die althochdeutsche Form des Worts ["diutisce"] ist erst deutlich später belegt: In der Abschrift eines antiken Sprachlehrbuches in lateinischer Sprache, vermutlich im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts angefertigt, fand sich der Eintrag eines Mönches, der offenbar das lateinische Wort "galeola" (Geschirr in Helmform) nicht verstanden hatte. Er muss sich bei einem Mitbruder nach der Bedeutung dieses Wortes erkundigt und die deutsche Bedeutung hinzugefügt haben. Für seine Notiz verwendete er die althochdeutsche Frühform "diutisce gellit" ("auf Deutsch ‚Schale‘").
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(E?)(L?) https://en.wikipedia.org/wiki/Theodiscus

"Theodiscus" (the Latinised form of a Germanic word meaning "vernacular", "of the common people", or "native") is a Medieval Latin adjective referring to the Germanic vernaculars of the Early Middle Ages. It is the precursor to a number of terms in West Germanic languages, namely the English exonym "Dutch", the German endonym "Deutsch", and the Dutch exonym "Duits" and endonym "Diets".

The word "theodism", a neologism for a branch of Germanic neopaganism, is based on the Old English form of the word.

Etymology

It is derived from Proto-Germanic "*þiudiskaz". The stem of this word, "*þeudo", meant "people" in Proto-Germanic, and "*-iskaz" was an adjective-forming suffix, of which "-ish" is the Modern English form. The Proto-Indo-European root "*tewtéh" ("tribe"), which is commonly reconstructed as the basis of the word, is related to Lithuanian "tautà" ("nation"), Old Irish "túath" ("tribe", "people") and Oscan "touto" ("community"). The various Latin forms are derived from West Germanic "*þiudisk" and its later descendants.

The word came into Middle English as "thede", but was extinct in Early Modern English (although surviving in the English place name "Thetford", "public ford"). It survives as the Icelandic word "þjóð" for "people", "nation", the Norwegian (Nynorsk) word "tjod" for "people", "nation", and the word for "German" in many European languages including German "deutsch", Dutch "Duits", Yiddish "daytsh", Danish "tysk", Norwegian "tysk", Swedish "tyska", Spanish "tudesco" and Italian "tedesco".

Proto-Slavic borrowed the word as "*tud" with the meaning "not one's own" (the opposite of "*svoj"), giving rise to modern Polish "cudzy", Czech "cizí", Serbo-Croat "tudi", Russian "???" etc.
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(E1)(L1) http://books.google.com/ngrams/graph?corpus=8&content=theodiscus
Abfrage im Google-Corpus mit 15Mio. eingescannter Bücher von 1500 bis heute.

Dt. "theodiscus" taucht in der Literatur um das Jahr 1830 / 1920 auf.

(E?)(L?) http://corpora.informatik.uni-leipzig.de/


(E?)(L?) http://www.wordmap.co/#theodiscus

This experiment brings together the power of Google Translate and the collective knowledge of Wikipedia to put into context the relationship between language and geographical space.


Erstellt: 2016-11

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