Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
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Sprachlich relevante Ereignisse im Jahr +1901

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Zweite orthographische Konferenz
2. orthographische Konferenz (W3)

Die "Zweite orthographische Konferenz" fand im Juni 1901 in Berlin statt. Dort beriet man sich über die "Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung". Eines der Ergebnisse war der Beschluss, Fremdwörter konsequenter in die deutsche Sprache zu integrieren.

Die wenigen erzielten Gemeinsamkeiten wurden allerdings auch von Österreich und der Schweiz angenommen. Streitschriften, Arbeitskreise, Reformvorschläge, Kommissionen halten die Diskussion um die Rechtschreibung allerdings bis heute am Laufen.

(E?)(L?) http://www.sprachlog.de/2009/03/12/ethymo-und-etnologie/

Ethymo– und Etnologie

Heute hat jemand das Schplock mit dem Suchbegriff "ethymologisch" gefunden (der Suchmaschinen-Rechtschreib-Korrektur sei Dank!) – auch ein Fall von Hyperkorrektur: Weil wir bei Fremdwörtern aus dem Griechischen dauernd irgendwelche "th"s schreiben, wird das auch manchmal in Fällen gemacht, bei denen das "t" der Buchstabe der Wahl wäre. (Schnell gegooglet: 271.000 Treffer für Ethymologie mit "th", 289.000 mit "t" – *puh* Das war knapp!)

Wie kommt es, dass zwei Wörter, die aus derselben Sprache entlehnt wurden und an der entscheidenden Stelle gleich klingen, verschieden geschrieben werden?

Die Etymologie von Etymologie

Kluge verweist für "Etymologie" auf altgriech. "etymologia" "Lehre vom Wahren", das über das Lateinische ins Deutsche entlehnt wurde.

"Ethnologie" hingegen geht auf altgriech. "éthnos" "Volk", "Schar" zurück.
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Das "th" in der Orthografie

Dass wir das "th" weiterhin fleissig schreiben, liegt daran, dass es in der deutschen Rechtschreibung kein starkes Prinzip zur Eingliederung von Fremdwörtern gibt. Im anderen Sprachen wird auf die Originalschreibung wenig Rücksicht genommen – "Orthographie" heißt im Spanischen z.B. "ortografía", "Ethnologie" ist "etnología". Das Deutsche scheut sich vor so etwas. Dazu schreibe ich vielleicht mal mehr.

Es gab einst ein "th" auch in Wörtern deutschen Ursprungs wie "Thal", "Thür", "thun", "Noth". Das "h" in solchen Wörtern wird im Grimmschen Wörterbuch als Dehnungszeichnen interpretiert: “[…] wobei "h" vor oder nach langem oder gedehntem vocal nur ein dehnungszeichen ist.”

Das “deutsche” "th" wurde bei der "II. Orthographischen Konferenz" in Berlin 1901 abgeschafft, das Fremdwort-"th" wurde ausdrücklich belassen.

Auch "ph" geht übrigens auf ein "p?" zurück, und das "ch" in Wörtern griechischen Ursprungs auf "k?". Dass "ph" im Deutschen als [f] ausgesprochen wird (wie im modernen Griechischen übrigens auch), kann ich nicht so gut erklären, es könnte etwas mit dem Lateinischen als Zwischenschritt zu tun haben. Da werde ich aber noch nachforschen.

Fußnoten:

1. Im Neugriechischen gibt es kein [t?] mehr, dieser Laut wird jetzt als [?] ausgesprochen, das klingt wie das engl. "th" in "thorn".)

2. Plosive sind Konsonanten, die erzeugt werden, indem man den Mundraum komplett verschließt und dann plötzlich öffnet, sodass die Luft explosionsartig entweicht. [p], [t], [k], [b], [d], [g] sind Plosive, Laute wie [f] oder [s] hingegen nicht.
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4. Unser heutiges [d] hingegen kommt von idg. "t" > germ. "?" > ahd. "d".)


(E?)(L?) http://www.sprachlog.de/2010/04/04/einhallig-und-aufwendig/

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Die 2. Orthographische Konferenz

Wann und warum war Schluss mit dem Nebeneinander von "einhellig" und "einhällig"? Mein Verdacht fiel auf ein einschneidendes Ereignis im Jahre 1901: Die "2. Orthographische Konferenz". (Bei der ersten hatte man nicht viel erreicht.) Da traf man sich in Berlin und standardisierte die deutsche Rechtschreibung. Damals beschäftigte man sich auch mit den Umlauten – stellte aber eher den Status quo fest:

"ä" und "äu" schreibt man als Bezeichnung des Umlautes

1. regelmäßig mit den Wörtern, die in ihrer Grundform "a" oder "au" zeigen, z.B. "älter", "Länder"; "Räume", "läuft";

2. gewöhnlich auch in solchen Wörtern, denen ein verwandtes Wort mit "a" oder "au" zur Seite steht, z.B. "rächen", "Ärmel"; "räumen", "gläubig".

In vielen Wörtern erscheint aber auch "ä" und "äu", ohne daß eine verwandte Form mit "a" oder "au" vorhanden ist oder nahe liegt, z.B. "Ähre", "jäten", "räuspern".

Umgekehrt schreibt man in machen Wörtern "e", obwohl ein verwandtes Wort mit "a" nicht fern liegt, z.B. "behende", "edel", "Eltern", "Stengel", "Wildbret", "stets", "fertig".

Der Morphemkonstanz wird also in 1. und 2. Rechenschaft getragen. Die "Ähre"–Beispiele sind solche, bei denen man entweder das etymologisch korrekte "ä" bewahrt wurde, obwohl keine stützenden Wörter (mehr) existieren ("Ähre"), oder bei denen man ein "ä" schreibt, obwohl man nie eine "a"-Form hatte ("jäten"). Die "behende"–Beispiele sind solche, die eigentlich ein "ä" bräuchten, weil sie z.B. mit "Hand", "Adel", "alt", "Stange", "Braten", "statt" und "Fahrt" verwandt sind. Diese nachgetragenen Feststellungen scheinen keine wirkliche Begründung zu haben, sondern eher die bisherigen Schreibungen festzuschreiben – wahrscheinlich hat man sich nicht an Wörter herangetraut, bei denen der bisherige Gebrauch einhellig war.

Schaut man sich ein bißchen im angehängten Wörterverzeichnis um, so findet man dort auch das heute "einhellig" – ich schätze also, damit war das Ende der "ä"-Schreibungen aus vororthographischer Zeit gekommen. (Hier auf Seite 16.)

So, jetzt ist aber gut mit "e" und "ä". Euch allen schöne Ostern!


(E?)(L?) http://www.sprachlog.de/2011/01/01/orthographie-ngrams/

Von thun zu tun: Orthographie bei Ngrams

In den letzten Tagen sind mir noch tausend Spielereien eingefallen, die man mit Ngrams machen kann. Unter anderem lässt sich damit recht gut sichtbar machen, wie schnell orthographische Standardisierung und Änderung sich in Büchern durchsetzen konnten.

Wichtige Zeitpunkte sind dabei zum einen die II. Orthographische Konferenz (1901), bei der erstmals eine verbindliche Rechtschreibung festgelegt wurde, und zum zweiten die Rechtschreibreform von 1996.

Standardisierung 1901

1901 wurde z.B. das "h" aus "th" in deutschen Erbwörtern beseitigt: Von "Thal" zu "Tal", von "Muth" zu "Mut" usw. (Während es in Fremdwörtern wie "Orthographie" bleiben durfte.) Bis dahin gab es keine einheitliche Regelung, es kamen also beide Formen vor.

Bei manchen Wörtern stand es zum Zeitpunkt der Konferenz fast unentschieden, so z.B. bei "Rath" und "Rat": Schon im Jahr 1900 hatte "Rat", das seit 1880 stete Zunahme zu verbuchen hatte (vielleicht infolge der insgesamt wenig erfolgreichen I. Orthographischen Konferenz), seinen "h"-Kollegen knapp überholt. Hier schrieb die Konferenz also die modernere Form fest, die sich gerade durchgesetzt hatte. (Ähnlich verhält sich auch "Mut(h)".)

Bei anderen Wörtern war die II. Konferenz wohl ausschlaggebend. So setzt der Wechsel von mehrheitlich "thun" zu "tun" erst Mitte 1901 ein. Der ganze Prozess dauerte nicht einmal zwei Jahre, spätestens 1903 hat die neue Form die alte zurückgedrängt:

Eine verwickelte Sache ist die "ss/ß"-Schreibung. Bei "muß" vs. "muss" zeigt sich zwischen 1860 und 1900 eine temporäre Vorherrschafft von "muss". Ähnlich, aber schwächer, bei "Haß" und "Hass". (Die Suchbegriffe "mufz" und "mufs" decken die Texterkennungsfehler ab, bei denen das lange "?" als "f" analysiert wurde. Das permanente niedrige "ss" von 1920 bis 1996 ist wahrscheinlich schweizerischen Texten geschuldet.)

Schon damals konkurrierten zwei Modelle zur "ss/ß"-Schreibung, nämlich das von Adelung ("daß") und das von Heyse ("dass"). Im entsprechenden Wikipediaeintrag steht, dass die Heyseregel von 1879 bis 1901 in Österreich in der Schule unterrichtet wurde (Es würde mich jedoch wundern, wenn alle "ss"-Fälle daher kämen, die Schweiz scheint ja auch nicht so stark zu Buche zu schlagen.), Adelung sonst aber dominierte. 1901 setzte sich dann auf der Konferenz die adelungsche Regelung duch.

Die Integration von fremdem "c" mit "k" oder "z" sieht man auch schön als Konferenzfolge: "central" zu "zentral" und "Accent" zu "Akzent". Bei "Cognac" und "Kognak" hat sich heute lustigerweise wieder die alte Schreibung durchgesetzt (werbewirksam und frankophil).

Natürlich gab's solche Anpassungen auch schon vor der Konferenz, "Redakteur" hatte 1901 das Rennen schon längst für sich entschieden.

Neue Rechtschreibung
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(E?)(L?) https://de.wikipedia.org/wiki/Orthographische_Konferenz_von_1901

Auf der Orthographischen Konferenz von 1901 in Berlin (auch II. Orthographische Konferenz genannt) wurde eine gemeinsame deutsche Orthographie aller deutschsprachigen Staaten festgelegt, die zu großen Teilen auf der preußischen Schulorthographie beruhte, aber darüber hinaus auch Vorschläge der Orthographischen Konferenz von 1876 übernahm, die von Preußen noch nicht übernommen worden waren.

Die damals standardisierte deutsche Rechtschreibung wurde in den deutschsprachigen Ländern (Länder des Deutschen Reiches, Österreich, Schweiz) mit geringen Änderungen einheitlich verwendet (abgesehen vom ß, das sich in der Schweiz in der Antiqua nie durchsetzen konnte und ab 1934 an den Schulen auch nicht mehr gelehrt wurde). Die nach der Konferenz noch zahlreich vorhandenen Doppel- und Dreifachformen wurden in unterschiedlichen Hausorthographien beseitigt, insbesondere durch den Buchdruckerduden von 1903. Schon bald nach der Konferenz wurden von verschiedenen Seiten Mängel beklagt und weiterer Reformbedarf gesehen, der nur sehr spärlich angenommen wurde.
...
Beschlüsse

Es wurden die nachfolgenden Beschlüsse gefasst, die auf dem preußischen Regelschulwerk und dem Wörterverzeichnis aufbauten.

In heimischen Wörtern sollte das "h" nach "t" grundsätzlich fallen ("Tal", "Tür" statt "Thal", "Thür"). In Fremdwörtern wie "Thron" und "Theater" sowie germanischen Begriffen wie "Thing" und "Thor" wurde die th-Schreibung beibehalten.

Auslautendes "ß" in Wörtern auf "-niß" wurde zu "-nis" wie in "Geheimnis", da diese Silbe nicht betont wird. Die bereits 20 Jahre zuvor beschlossene Änderung wurde somit bestätigt.

Fremdwörter sollten konsequenter in das deutsche Schriftsystem integriert werden. Dies führte jedoch nicht zu einer weitgehenden Ersetzung von "c" durch "k" oder "z", sondern vielmehr konnten Tausende von Fremdwörtern auf zwei Arten geschrieben werden. (z. B. "Accent" neben "Akzent", "central" neben "zentral", "social" neben "sozial".). Bei vielen anderen Fremdwörtern waren ebenfalls zwei Schreibweisen möglich (z. B. "Shawl" neben "Schal", "Guitarre" neben "Gitarre", "Liqueur" neben "Likör"). In einigen Fällen waren sogar drei Schreibweisen möglich (z. B. "Compagnie" neben "Kompagnie" und "Kompanie", "detto" neben "ditto" und "dito", "desinficieren" neben "desinfizieren" und "de?infizieren"). Einzelne Fremdwörter konnten sogar auf vier Arten geschrieben werden (z. B. "Baccheus" neben "Bacchius", "Bakcheus" und "Bakchius"). In einzelnen Fällen wurde eine einheitliche Schreibweise festgelegt (z. B. "Redakteur" statt "Redacteur", "Literatur" statt "Litteratur", "Droge" statt "Drogue").

Fremdwörter auf "-iren" sollten einheitlich mit "-ieren" geschrieben werden (z. B. "regieren", "addieren"). Dadurch wurde eine weitere, etwa 20 Jahre lang in der Schule gelehrte Änderung bestätigt.

Beim "c" in deutschen Ortsnamen war man ebenfalls nicht konsequent; einerseits einigte man sich auf "Kassel" statt "Cassel", "Köln" statt "Cöln" und "Köthen" statt "Cöthen", andererseits blieb man bei den Schreibweisen "Coburg", "Cottbus" usw., obwohl auch für diese Städte eine Schreibung mit "K" schon recht verbreitet war, noch heute abzulesen an Berliner Straßennamen wie "Kottbusser Damm".

Regelungen auf Basis des phonetischen Prinzips (d. h. Anpassung der Rechtschreibung an die Aussprache) wurden außer bei der Schreibung von Fremdwörtern kaum umgesetzt. (z. B. "Epheu" wurde zu "Efeu".)

In vielen Fällen wurden Doppelschreibungen zugelassen (vgl. oben, außerdem z. B. "Brennessel" neben "Brennnessel", "Morgens" neben "morgens", "Britte" neben "Brite", "Beete" neben "Bete", "Sahlweide" neben "Salweide", "mit nichten" neben "mitnichten", "teigicht" neben "teigig"). Bei auf "-ie" und "-ee" endenden Wörtern gab es im Plural zwei mögliche Schreibweisen (z. B. "Monarchieen" neben "Monarchien", "Alleeen" neben "Alleen"). (Erst in den folgenden Jahren wurde die Zulassung mehrerer Schreibungen eingeschränkt, nicht zuletzt auch durch die Zusammenfassung des allgemeinen Dudens mit dem Buchdruckerduden 1915, den Konrad Duden 1903 erstmals veröffentlicht hatte.)

Bezüglich der Worttrennung am Zeilenende wurde festgelegt, dass "pf" und "dt" immer, "st" (in den Fällen, in denen nach den Regeln des Fraktursatzes ein langes "s" gesetzt wird) jedoch nie getrennt werden dürfen (z. B. "kämp-fen", "Verwand-te", "lu-stig"). Vorher durfte "dt" nicht getrennt werden, während "pf" und "st" nur getrennt werden durften, wenn ihnen ein Vokalbuchstabe voranging (z. B. "trop-fen", aber "käm-pfen"; "Verwan-dte"; "lus-tig", aber "dur-stig"). Eine aus einem einzelnen Buchstaben bestehende Silbe sollte besser nicht abgetrennt werden, jedoch war dies nicht verboten.

Ein weiterer Punkt waren Veränderungen, die die Verteilung von rundem und langem "s" betrafen.

Zur Getrennt- und Zusammenschreibung und zur Zeichensetzung (Interpunktion) wurden keine Regeln formuliert.

Auf weitergehende Neuerungen, wie sie bei der gescheiterten Ersten Orthographischen Konferenz geplant waren, wurde verzichtet, um das gewohnte Schriftbild nicht zu sehr zu verändern. Zudem befürchteten die Konferenzteilnehmer, dass einzelne Landesregierungen nicht zustimmen würden. Daher wurde z. B. auf die Einführung der Heyseschen s-Schreibung verzichtet und die Adelungsche s-Schreibung beibehalten. Österreich opferte „im Interesse der Einheitlichkeit“ die eigene Regelung.

Diese Beschlüsse wurden im Laufe des Jahres 1902 durch die Regierungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in amtliche Regelungen umgesetzt. Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. war anfangs gegen einen Gebrauch der neuen Rechtschreibung durch die Behörden. Er ließ sich jedoch überzeugen und stimmte im Dezember 1902 der amtlichen Verwendung zu, bestand aber bis 1911 darauf, dass ihm vorgelegte Schriftstücke in der alten Rechtschreibung geschrieben sein mussten.

Aufgrund der vielen Doppelformen entstanden in den folgenden Jahren mehrere Hausorthographien. Insbesondere der bereits oben erwähnte Buchdruckerduden prägte das Schriftbild zahlreicher Veröffentlichungen, darf jedoch nicht mit der amtlichen Regelung gleichgesetzt werden.

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Erstellt: 2017-04

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