Etymologie, Étymologie, Etymology
DE Deutschland, l'Allemagne, Germany
Präfixe, Préfixes, Prefixes
Präfix (W3)
(E3)(L1) http://de.wikipedia.org/wiki/Präfix
Wo kommen die Wortanfänge her und was haben sie genau zu bedeuten?
A
B
b-, binnen, innen (W3)
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen "binnen" (wie in "Binnenhandel") und "innen" (wie in "Innenpolitik")? - Das "b". Diese "b" ist ein Überbleibsel von "bei". Das "binnen" setzt sich zusammen aus "bei" und "innen". Daraus folgt nach meinem Gefühl eine gewisse Unschärfe; "bei" ist eben leicht daneben und "bei innen" ist also etwa "ungefähr innen". Und so sind wir "binnen" kurzer Zeit zum Kern des "b" in "binnen" vorgestossen.
Die Ortsangabe "innen" hat sich aus den zwei Buchstaben "in" entwickelt. Und damit sind wir mitten in der Schwierigkeit. Das "in" findet man zwar in ungezählten Zusammensetzungen und in vielen Sprachen und kann womöglich sogar auf griech. "en" und lat. "in" zurückgeführt werden. Aber es scheint derart fundamental zu sein, dass darin nichts mehr weiter zu finden ist.
"In" ist halt "in", als Teil unzähliger Wörter in aller Munde.
Sie wissen ja wie weit man in den Wald gehen kann - bis zur Mitte, dann geht man wieder heraus.
be
z.B. in 'Besucher, behalten, beschließen, begreifen'
C
canoo - Index aller Wortbestandteile
(E?)(L1) http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=wordPartIndex
a | ab | abel | ad | ade | age | al | alisch | aller | ament | an | and | ane | aner | anisch | ans | ant | ante | anti | anz | ar | är | arisch | arium | ase | asma | asmus | ast | at | ate | ateur | ation | atisch | ativ | ator | atur | auf | aus | außen | außer | azee | bar | bei | bi | binnen | chen | co | dar | de | des | di | dings | dis | durch | dys | e | é | ee | ée | ef | ei | ein | el | ell | eln | em | en | end | ens | ent | enz | er | erchen | erei | erich | erie | erig | erlei | ern | erz | ese | esk | ess | esse | etisch | ett | ette | eur | euse | ex | extra | fach | falls | fehl | für | ge | gegen | grund | haft | halben | halber | haupt | heit | hinter | hyper | i | ia | iade | ial | ianer | ianisch | iat | ibel | id | ie | iell | ien | ier | iere | ière | ieren | ifizier | ifizieren | ig | igen | igkeit | ik | iker | ikon | ikum | il | iment | in | ine | infra | inisch | inne | innen | inner | inter | intra | intro | ion | iös | isch | isier | isieren | ismus | isse | ist | istisch | it | ität | iter | iteur | ition | itisch | itiv | itor | itur | ium | izier | izieren | keit | ko | kon | konter | kontra | land | lein | ler | lich | ling | lings | los | makro | mal | mals | maßen | mäßig | ment | meta | mini | miss | mit | multi | nach | neben | neo | ner | nis | non | o | ober | ol | om | on | or | orisch | os | ös | ose | otisch | para | per | post | prä | pro | pseudo | re | retro | rich | rück | s | sal | sam | sch | schaft | seits | sel | semi | sonder | sub | super | supra | teils | trans | tum | ual | über | uell | ultra | um | un | ung | unter | ur | ver | vize | vor | wärts | wegen | weise | wider | willen | yl | zer | zirkum | zu | zurecht | zwischen
D
E
ent-, ant-, entscheiden, Entgegnung, Antlitz, Antwort, Aufenthalt
Der Präfix "ent-", ahd. "int-" geht aus dem Präfix mhd., ahd. "ant-" = "gegen" (vgl. "anti-") hervor.
Die Vorsilbe "ent-" gibt wie "ant-" die "Ablösung" oder "Gegenüberstellung" zu einer Sache an, wie z.B. in "entgleiten" oder in "Antwort" = "Gegenwort".
Der "Kluge" führt "ent-" zurück auf ein germ. "*anda", got. "*and-", idg. "*hant-" = "gegenüber".
Der Präfix "ent-" ist zu unterscheiden von dem Präfix "end-" das nur in der Bedeutung "Ende von etwas" verwendet wird, wie etwa "endgültig", "endlich", "endlos", "Endpunkt", "Endsumme".
Allerdings führt der "Kluge" das Wort "Ende" ebenfalls auf idg. "*hant" = "Vorderseite", "Stirn", "Ende" zurück. Demnach wäre "Ende" ursprünglich im Sinne von "etwas Gegenüberstehen", "Grenze", "Rand" zu verstehen.
Die Vorsilben "end-" und "ent-" haben also durchaus eine eigene Entwicklung durchgemacht, unterschiedliche Endformen hervorgebracht und werden auch unterschiedlich gebraucht, aber der Ausgangspunkt dürfte für beide der Gleiche sein.
Am 24.11.2008 fragte Marika Marcuzzi:
Können Sie mir bitte sagen, was "ent-" im Wort "Entscheidung" bedeutet?
Ich würde es nämlich gerne zum Wort "Unterscheidung" abgrenzen. Mir fehlt aber die Bedeutung vom Präfix "ent-".
Was bedeutet "ent-" in "Entschuldigung" bitte?
Das Verb dt. "entscheiden" geht aus der Bedeutung "sondern", "richterlich bestimmen" hervor.
Das Verb dt. "unterscheiden" geht aus der Bedeutung "trennen", "festsetzen", "erklären" hervor.
Das Verb dt. "entschuldigen" geht aus der Bedeutung "lossagen", "freisprechen" hervor.
- Die "Entgegnung" ist ein "weisser Schimmel", da "ent" bereits ein "gegen" beinhaltet.
- Das "Antlitz" geht aus der Bedeutung "Entgegenblickendes" hervor. Das "Antlitz" ist das, was einem "entgegenblickt". Der zweite Teil wird auf ein untergegangenes "wleitan" = "sehen" zurückgeführt und weiter wird ein idg. "*uel" postuliert. (Obwohl ohne Belegtext, fällt mir dazu das engl. "look" und das, in einem kleinen Teil des Saarlandes noch aktive, "luu" ein ("luu mo loo" = "schau mal da").)
- Die "Antwort" ist das "Gegenwort".
- Der "Aufenthalt" erklärt sich also dadurch, dass einem "Weggehen" etwas "entgegensteht". Das heisst, das Primäre ist die "Bewegung". Und nur durch ein Hindernis kommt es zum Stillstand, zum "Aufenthalt".
Ein Besucher schickte folgenden Beitrag zu "ent-":
Mir ist gerade bewußt geworden, wie fragwürdig unser aller Sprachgebrauch doch (geworden?) ist.
Für viele ist der Satz verständlich: "Ich entwickle gerade ein Knäuel an Gedanken über dieses Thema." Für mich ist er paradox. Welchen Sinn hat die Vorsilbe: "ent-"?
Was bedeutet das Wort "Entwicklung" im allgemeinen Sprachgebrauch? Beinhaltet es wohl meist ein "dazu" statt "weniger", "komplizierter" statt "einfacher", oder? Nimmt man das Wort auseinander, im Sinne von "ent"-"wicklung" gleicht der Sinn doch eher einem Fadenknäuel das man "ent-heddert", kommt letztlich die ganze "ent-wickelte" Schnur mit Anfang und Ende zum Vorschein.
Auf der einen Seite gibt es Worte wie:
- ent-binden: Verbindung durchtrennen ("weniger")
- ent-eisen: vom Eis befreien (weniger)
- ent-salzen: vom Salz befreien
andererseits:
- ent-fremden: weniger fremd werden?
- ent-fernen: weniger Ferne?
- ent-blöden: weniger Blödheit?
Wie ist das zu verstehen?
Gibt es vielleicht Literatur über die "Entstehung" derartiger Wortverbindungen? Darüber, wann sie im Sprachgebrauch "entstanden" sind, worin der eigentliche Sinn liegt/lag? Die genannten Beispiele ließen sich mit anderen Wortsilben ja endlos fortsetzen, wie mir scheint.
(A: tisc)
Im Duden kann man folgende Hinweise zu "ent-" finden:
- drückt mit Adjektiven aus, dass etwas so wird, wie es das Adjektiv besagt: entanonymisieren, entblößen, entleeren.
- drückt mit Substantiven das Entfernen aus: entbuschen, entmotten, entpersonalisieren.
- drückt mit Verben das Herstellen eines Ausgangszustands aus: entbürokratisieren, entnuklearisieren, entproblematisieren.
- drückt mit Verben das Weggehen oder Entfernen aus: entflutschen, entschreiten, entschweben.
- drückt mit Verben ein Verlassen aus: entkriechen, entreißen, entsteigen.
- drückt mit Verben den Beginn von etwas aus: entbrennen, entzünden.
- drückt mit Verben den Gegensatz aus: entadeln, entsichern, entwarnen.
- drückt den Gegensatz zu Verben auf ver- aus: ver-/entgesellschaften, ver-/entkrampfen, ver-/entzaubern;
- drückt den Gegensatz zu Verben auf be- aus: be-/entkleiden, be-/entvölkern, be-/entwaffnen;
Dies bestätigt lediglich die fehlende Logik bei der Verwendung von "ent-". Einmal dient es dazu das "Mehr-werden", ein andermal dazu das "Weniger-werden" zu bezeichnen.
Vielleicht kann ja jemand diesen Widerspruch auflösen.
In einer zweiten E-Mail vom 27.11.2008 führt Marika Marcuzzi aus:
"Ent-" hat also aus dem indogermanischen "Hant-" seine sowohl privative als auch inchoative Bedeutung.
Privativ = Ähnelt also dem englischen "un-" wie "do - undo", und dem französischen und französischen "de-" und "dé-".
In dem Sinne wäre nicht die Frage, ob es mehr oder weniger wird, sondern dass X in einen gegensätzlichen Zustand gebracht wird :
- ent-binden : Gebunden, nicht mehr gebunden lier, délier
- ent-eisen : Vereist, nicht mehr vereist
- ent-salzen : gesalzen, nicht mehr gesalzen saler, déssaler
- ent-kalken : Kalk, kein Kalk mehr
- ent-problematisieren : Problem, kein Problem mehr dramatiser, dédramatiser
- ent-warnen : Warnen, nicht mehr warnen
- ent-sichern : Sichern, nicht mehr sichern Armer, désarmer
- ent-kleiden : Kleid and, kein Kleid mehr Habiller, déshabiller
- ent-spannen : Spannung, keine Spannung mehr Tendre, détendre
- ent-schuldigen : moralische Schuld, keine Schuld mehr
- ent-schädigen : Schaden, kein Schaden mehr endommager, dédommager
- ent-sorgen : Sorge (Müll als Last), keine Sorge mehr Décharge (charge = Last)
- ent-wurzeln : Wurzeln, keine Wurzeln mehr enraciner, déraciner
- ent-lasten : Last, keine Last mehr
Inchoativ: Aktion mit der zusätzlichen Idee: Aus einer Ausgangssituation entfernen, in Bewegung setzen. Die Aktion wird intensiviert, psychiche oder physische Bewegung. Es bezeichnet das Eintreten in einen Zustand. Würde dem englischen und französischen "in-" oder "en-" oder "é-" entsprechen.
- ent-fremden: sich in die Richtung "fremd" entwickeln
- ent-fernen: sich in die Richtung "fern" entwickeln "s'éloigner"
- ent-blöden: in den Zustand "blöd" eintreten (wobei in der Literatur "sich erdreisten" sowohl mit "sich entblöden" als auch mit "sich nicht entblöden" ausgedrückt wird)
- Ent-stehen: sich in die Richtung "stehen" entwickeln
- Ent-leeren: in den Zustand "leer" bringen - "vider - évider" (le poisson)
- Ent-blößen: in den Zustand "Blöße" bringen
- Ent-brennen: in den Zustand "Brennen" kommen - "s'enflammer"
- Ent-zünden: in den Zustand "zünden" bringen - "inflammation"
- Ent-schweben: Sich entfernen im Schweben - "s'envoler"
- Ent-kriechen: Sich entfernen im Kriechen
- Ent-steigen: Sich entfernen im Steigen - "s'élever"
- Ent-wenden: von .... weg-nehmen
- Ent-führen: von .... weg-führen - "enlever"
- Ent-senden: von .... weg-senden - "envoyer"
- Ent-stammen: Stammen aus, Idee der Bewegung, in einen neuen Zustand bringen/kommen. Idee des Anfangs.
- Ent-springen: idem.
F
G
H
I
in-
Der Präfix "in" mit der Bedeutung "nicht", "ohne" geht allerdings auf idg. '*n, *ne, *nei* zurück, das auch noch in 'nein, nicht, nie, nur' zu finden ist.
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
trans-
von lat. 'trans-' = 'darüber hinaus, hindurch, hinüber, jenseits, extrem'
U
V
W
wr- (W3)
Am 2005-01-02 wurde folgender Beitrag im Etymologie-Forum von http://www.etymologie.info/~e/ geposted:
Die Kombination der Konsonanten "wr" kommt im Hochdeutschen, soviel ich weiß, nur in zwei Wörtern vor, nämlich in "wringen" und "Wrack". (Im Niederdeutschen, Niederländischen und Englischen viel häufiger.) Dann ist "wr" wohl im H.d. zu "fr" geworden?
(A: EDo)
X
Y
Z