Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
DE Deutschland, Alemania, Allemagne, Germania, Germany
Studentensprache, Jerga Estudiantil, Langage des Étudiants, Gergo Studentesco, Student Slang

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picheln (W3)



Im Saarland und in angrenzenden Regionen - vielleicht auch in weiteren Regionen - wird eine leichte bis mittelschwere Alkoholisierung mit: "der hat einen gepitcht", oder mit "der hat ganz schön gepitcht", kommentiert. Also: "Der hat einiges getrunken." Etymologisch und sinngemäß verwandt ist auch der Ausdruck dt. "bechern" bzw. "einiges gebechert haben".

Im Wörterbuch findet man dazu lediglich engl. "pitch" = dt. "werfen", "schleudern", und dazu engl. "pitchen" = dt. "einen Pitchshot schlagen" (beim Golf). Ein engl. "Pitchshot", "pitch shot" = wörtlich dt. "Schlagschuss" wird als "Schlag, bei dem der Ball zunächst steil ansteigt und nach dem Auffallen kaum noch rollt" beschrieben.

Dies und engl. "pitcher" = dt. "Werfer" dürfte also nichts mit der dt. "Betrunkenheit" zu tun haben.

Allerdings findet man auch engl. "pitcher" = dt. "Krug", "Becher" (mit Henkel) und ebenso frz. "pichet" = dt. "Kanne", "Krug". Und je nachdem, was in dem Krug ist, bzw. war, könnte es doch einen Zusammenhang zur Trunkenheit geben.

Andererseits findet man seit dem 18. Jh. das umgangssprachliche allgemeine dt. "picheln" = dt. "trinken", "zechen".

Die Sprachwissenschaftler haben dazu eine Verwandtschaft zu dt. "Pegel" hergestellt - zumal auch ein niederd. "pegeln" = dt. "saufen", "zechen" bekannt ist. Der Zusammenhang ergibt sich durch die einstige Bedeutung von mndt. "pegel" = dt. "Wasserstandsmesser", "Merkzeichen an Gefäßen", "Eichstrich", "Markierungszeichen an Trinkgefäßen". An diesen Eichzeichen orientierten sich sowohl die Wirtsleute als auch die zechenden Kunden. Neben dt. "picheln" gehört auch dt. "peilen" (zu mnddt. "pegelen" = dt. "die Wassertiefe messen") zur Verwandtschaft von dt. "Pegel".

Das frz. "pichet" = dt. "Kanne", "Krug" war ein kleiner bauchiger Henkelkrug, mit dem z.B. Wein serviert wurde. Ähnliche Gefäße sind auch heute noch in Gasstätten und Restaurants vorzufinden. Der frz. "pichet de cidre" dürfte etwa dem hessischen "Bembel" (zu umgangssprachlich "bampeln" = dt. "baumeln", "pendeln") nahekommen. Frühere Formen waren altfrz. "piché", "picket", "pichez", "piches", "pichier", "picher" (1170), "picier" (1188), auch "bichier", "bichet".

Frz. "pichet" kann zurück geführt werden auf lat. "picarium", "bicarium", "peccarium", "pigarium" = frz. "récipient pour les liquides".

Erwähnt sei auch noch ital. "bicchierata" = dt. "Umtrunk" und ital. "bicchiere" = dt. "Glas", ital. "bicchiere da vino" = dt. "Weinglas", ital. "un bicchiere di vino" = dt. "ein Glas Wein".

So wurde also aus dem Vorläufer von dt. "Pegel", einem "Markierungszeichen", ein "Gefäß" als Maß für die aufgenommene Alkoholmenge und schließlich ein Verb dt. "picheln", "pitchen" als Bezeichnung für die Aufnahme von Alkohol - ähnlich dem dt. "bechern".

Vielleicht lief die Entwicklung aber auch umgekehrt: Aus dem Gefäß wurde eine Maßangabe (ähnlich den Mengenangaben beim Kochen: "ein Kaffeelöffel", "eine Tasse", "eine Messerspitze") und nach reichlicher Bemessung der die Bezeichnung für "trinken" bzw. den Vorgang des Zuviel-Bemessens.

Das Verb dt. "picheln" scheint im Studentenmilieu aufgekommen zu sein.

Ein Hinweis bezieht das Verb dt. "picheln" = dt. "trinken", "saufen" auf dt. "pichen" = dt. "mit Pech überziehen", "Holzfässer mit Brauerpech auszukleiden". Dieses dt. "pichen" nahm entsprechend auch die Bedeutung dt. "kleben", "heften" an. In diese Ecke gehört z.B. dt. "erpicht" = dt. "begierig" (auf etwas sein). Dieses Adjektiv hat sich in Zusammenhang mit dem Fangen von Vögeln mit Hilfe von mit Pech eingestrichenen Ruten ("Pechruten") ergeben.

Bei Adelung findet man dazu passend:


"Harzen", verb. reg. neutr. welches das Hülfswort "haben" erfordert, "das Harz von den Fichten abscharren", um Pech daraus zu brennen, welche Verrichtung auch "Harz scharren", "Harz schaben", "Harz reißen", "härzern", "lachen", "pechen", "picheln" genannt wird.


Der Zusammenhang zwischen dt. "Pech" und dt. "picheln" = dt. "trinken", "saufen" scheint mir jedoch eher unwahrscheinlich.

(E?)(L?) http://www.gutenberg.org/files/39762/39762-h/39762-h.htm

Gustav Goedel: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

"Pegel", der. Maß zum Messen des Wasserstandes bei Meeren, Seen, Flüssen. Es bedeutet im Mittelalter ganz besonders ein "Maß zum Messen von Getränken", wobei die messende Skala an der inneren Wand des Trinkgefäßes angebracht war. Das von einigen Gelehrten Ende des 18. Jahrhunderts herausgegebene "Bremer Wörterbuch" bemerkt hierzu:

„Vor Zeiten bedeutete Pegel ein gewisses Maß flüssiger Sachen. Nächstdem nannte man hier auch also einen inwendigen Ring einer Kanne, der zum Abmessen des Trunkes bei den Gelagen diente. Unter den Meisterstücken der hiesigen Zinngießer ist noch jetzt eine Kanne mit Pegeln gebräuchlich. Da eine solche Kanne mit verschiedenen dergleichen Ringen versehen gewesen, so hatte ehedem ein jeder der Saufbrüder grade bis auf einen solchen Ring, ohne abzusetzen, trinken müssen. Hatte er diesen verfehlt, so war er genötigt, zur Strafe auf den folgenden zu trinken. Wobei der ziemlich unhöfliche Zuruf gewöhnlich gewesen: "Suup up den Pegel, du Flegel!" Daher sagt man auch noch: "enen goden Pegel supen", "einen guten Trunk verstehen können", "ein großer Säufer sein"."

Daher also stammt der Ausdruck "picheln" für "Trinken". Man sieht, die Deutschen befleißigten sich von jeher des Trunkes nach allen Regeln der Kunst. Doch tat der Pegel gute Dienste beim Einschenken, indem man, wie bei den Kindersaugflaschen, durch die Striche an der Wand genau den Inhalt des Gefäßes sehen konnte. So konnte jeder wissen, ob er für sein Geld auch sein rechtes Maß bekam.

"Sed to, ys dat recht getappet? Is dar doch ein gantz pegel weggeschnappet", beklagte sich im Mittelalter ein Mecklenburger beim Wirt. Ebendaher stammt auch der Vers: "Is it ein mester, moet man en firen, so moet he am ersten sinen pegel utliren." Der alte Kilianus Duffläus erklärt "peghel" mit "capacitas sive mensura vasis"; "peghelen" mit "metiri", "mensurare" und sagt auch schon öfters "peylen" anstatt "peghelen" (s. "peilen").

Nordfriesisch heißt "Pegel" nicht nur ein Maß an oder in einem Trinkgefäß, es kommt der Ausdruck auch beim Kornmessen vor. Also ist die Bedeutung ganz allgemein die eines Maßes. Die Verwandtschaft mit "Beil" ist wahrscheinlich. "Beil" hieß altnordisch "biegel", althochdeutsch "pigil" und heißt in Bayern heute noch "Beichel". Man hat sich also die Sache so zu denken, daß ursprünglich die Maße am Rande des (hölzernen) Gefäßes "Einschnitte oder Kerben, mit einem Beile gehauen", waren.


(E?)(L?) http://www.mitmachwoerterbuch.lvr.de/detailansicht.php?Artikel=picheln&Eintrag1=1612

"picheln": (ähnlich: "ankrämmeln") "trinken", "Alkohol zu sich nehmen"; "sich ein picheln" - "sich mäßig betrinken"; "Picheltour" - "mit mehreren Freunden mehrere Gaststätten hintereinander besuchen"; "Pichelpott" - "Kneipe", "Gaststätte"


(E?)(L?) http://www.mundmische.de/bedeutung/80-picheln

picheln


(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/register/p.php

einen picheln


(E?)(L1) http://www.ruhrgebietssprache.de/lexikon/picheln.html

picheln


(E6)(L1) http://masematte.susisoft.de/

"picheln" = "trinken"


(E?)(L?) http://www.staff.uni-marburg.de/~nail/pdf/studentensprache.pdf

... so erweist sich bei Verben zumeist "heimischer" Herkunft die Infinitiv-Bildung auf "-en", "-n" als produktiv und in die Zukunft weisend: ..., "picheln", ...


(E?)(L?) http://www.woerterbuchnetz.de/Wander

Wander, Karl Friedrich Wilhelm - Deutsches Sprichwörter-Lexikon

"Picheln": He hett "to viel pichelt". (Detmold.) – Firmenich, I, 360, 7. "Zu viel getrunken". (S. Molum.)


(E1)(L1) http://books.google.com/ngrams/graph?corpus=8&content=picheln
Abfrage im Google-Corpus mit 15Mio. eingescannter Bücher von 1500 bis heute.

Dt. "picheln" taucht in der Literatur um das Jahr 1880 auf.

(E?)(L?) http://corpora.informatik.uni-leipzig.de/


Erstellt: 2016-07

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Uni Marburg - NNGiGo
Nail, Norbert
Go-in / Go-out
Kontinuität und Wandel in der deutschen Studentensprache des 19. und 20. Jahrhunderts
Ein Versuch

(E?)(L?) http://www.staff.uni-marburg.de/~nail/pdf/studentensprache.pdf

Studentisches Sprachleben im frühen 19. Jh. läßt sich mit den Worten des Göttinger Studenten der Jurisprudenz Daniel Ludwig Wallis (1813, 90) in der Substanz folgendermaßen umreißen:

„Der Student, der durch sein ganzes Wesen sich von allen nicht studirenden Jünglingen unterscheidet, und oft sorgfältig zu unterscheiden sucht, hat auch eine Anzahl eigenthümlicher Ausdrücke und Phrasen. Bey allen Studirenden aller Universitäten findet sich ein mehr oder weniger wortreiches Idiotikon. Viele Wörter sind auf jeder Universität zu finden; viele hingegen sind nur auf einer gebräuchlich. Manche sind so ziemlich sinnlos, manche hingegen sehr naiv und ihrer Bedeutung angemessen. Kürze und Derbheit sind das Gepräge der meisten. – Man muß selbst Student seyn, um Wohlgefallen daran zu finden. Sobald man der Burschenwelt entrückt ist, fallen nach und nach die fremdartigen Wörter weg, so wie sich allmählig die Studenten-Manieren abschleifen.“
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Erstellt: 2017-02

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Kluge, Friedrich - DS
Deutsche Studentensprache

(E?)(L?) https://www.jpc.de/jpcng/books/detail/-/art/friedrich-kluge-deutsche-studentensprache/hnum/4249512

Verlag der Wissenschaften
Einband: Kartoniert / Broschiert, Paperback
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 9783957008305
Umfang: 176 Seiten
Gewicht: 262 g
Maße: 210 x 148 mm
Stärke: 12 mm
Erscheinungstermin: 11.8.2016

Wenn ich im Verlauf meiner Arbeiten zur Entstehung unserer Schriftsprache und während der lexikalischen Sammlungen auf den Anteil der einzelnen Stände am Wachsen und Werden unserer Gemeinsprache geführt worden bin, so lud mich die Studentensprache noch aus andern Gründen zu einer zusammenhängenden Betrachtung ein. Die Geschichte der Universitätsstadt, in der ich diese Studien begonnen, legte mir oft genug den Gedanken an die Studentensprache nahe.

Das vorliegende Buch ist ein Versuch zu wissenschaftlichen Ergebnissen über Wesen und Geschichte der Studentensprache zu führen.

Der Verlag der Wissenschaften verlegt historische Literatur bekannter und unbekannter wissenschaftlicher Autoren. Dem interessierten Leser werden so teilweise längst nicht mehr verlegte Werke wieder zugängig gemacht.

Dieses Werk über die deutsche Studentensprache ist ein unveränderter, hochwertiger Nachdruck der Originalausgabe aus dem Jahr 1895.


(E?)(L?) https://www.weltbild.de/artikel/buch/deutsche-studentensprache_17366737-1

Friedrich Kluge: Deutsche Studentensprache


Erstellt: 2017-05

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