Etymologie, Étymologie, Etymology
DE Deutschland, l'Allemagne, Germany
Archaismen, Archaïsme, Archaism
untergegangene Wörter, Archaismen, Archaïsme, Archaism
untergehende Wörter - nur in bestimmten Kombinationen und Formen benutzte Wörter

A

abgefeimt (W2)

= "von Unreinheit befreien" daraus entwickelte sich "geläutert", "geklärt", "schlau", "gerissen", "durchtrieben" und damit nicht mehr gerade "geläutert"; aber vergl. auch "mit allen Wassern gewaschen sein", was nicht unbedingt auf "Sauberkeit" hinweist; oder auch "das hat sich gewaschen" für "schwerwiegend" oder dergleichen.

Ablösung von alten Bezeichnungen durch Abkürzungen

(E?)(L?) http://www.spanishtranslator.org/
(E1)(L1) http://www.worldwidewords.org/
Beispiele: "Auto" für "Automobil"; "Bus" für "Omnibus";

ab, of, aber, abertausend, abermals, Aberglaube, Afterglaube (W3)

geht wie das engl. "of" auf idg. "*apo" = "von, weg" zurück. Alleinstehend kommt es nur noch selten vor und wurde durch "von" abgelöst, das wiederum auf idg. "po-ne" = "von, her" zurückgeführt wird.
In Verbindungen wie "abhanden", "Abkürzung", "Abgrund", "abgöttisch", "ablösen" ist es noch sehr aktiv.
Interessant ist auch die Verbindung zu "aber" = "wieder" (in "abertausend", "abermals"), "aber" = "miß-" (in "Aberglaube" ("Afterglaube"))

allmählich, gemach, Gemach, gemächlich, machen, all (W3)

Wer "allmählich" ohne "h" schreibt ist "nämlich dämlich" - oder so ähnlich.

Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass "allmählich" allmählich in die Ecke gedrängt wird. Aber man kann es noch hören und lesen. Es geht zurück auf mhd. "almechlich" = "langsam". Vielleicht kennen Sie ja noch "gemach, gemach" für "immer langsam".

Und "gemach" = "langsam" ist nun fast schon weiter in Vergessenheit geraten. Es geht zurück auf ahd. "gimah" = "passend", "bequem".

Interessant finde ich, dass das auch schon etwas in die Jahre gekommene "Gemach" = "Zimmer" ebenfalls hierher gehört und auf das ahd. "gimah" in der Bedeutung "Bequemlichkeit" zurückgeht.

Und natürlich findet man nun auch den Weg zu "gemächlich", das ahd. noch "gimahlh" hieß.

Verwandt sind alle diese Begriffe mit "machen", so daß dahinter in allen Fällen etwa die Bedeutung "gemacht sein" steckt, im Sinne von "alles zur Bequemlichkeit vorbereitet haben".

Bleibt also noch "machen", das ja auch nicht mehr ganz salonfähig ist. Es bezeichnete ursprünglich den Vorgang des "Formens von Lehm für den Hausbau" oder allgemeiner "kneten", was auch das "Teig machen" einschloß". Und nun findet man also wieder den Weg ins "gemachte" Nest, wofür einige Vögel ebenfalls Lehm verarbeiten.

Nun hätte ich beinah noch den ersten Teil von "allmählich" vergessen. Das unscheinbare "all" gehört zur Verwandtschaft von "alt" und hatte ursprünglich etwa die Bedeutung "erwachsen", "ausgewachsen". Damit wird "allmählich" also zum "ausgewachsen machen" - und das dauert halt seine Zeit.

als (W3)

ist die gekappte Form von "also" = "ebenso", "als ob", "weil".

Amboss (W3)

(E1)(L1) http://www.prismenfernglas.de/etymologie.html
Im "Amboß" (einer Lehnbildung zu lat. "incus") steckt das untergegangene mhd. Verb "bozen" = "schlagen".

Amtsschimmel (W2)

(E?)(L?) http://www.bedrohte-woerter.de/
Ebenso wie der Büro- und der Paragraphenhengst bevorzugt dieses Pferd eine natürliche Umgebung aus Yuccapalmen und Topfpflanzen und ernährt sich bevorzugt von Heftklammern und Ringlochverstärkern. Wenn Bürokraten den Amtsschimmel satteln, dann kann man sich auf lange Wartezeiten einstellen. Das alte Wort hat allerdings nichts mit verschimmelten Akten oder berittenen Amtmännern zu tun.
Sprachhistoriker leiten es von einem "simile" (lat. für "ähnlich") genannten Standardformular der österreichischen Monarchie her, das ursprünglich bürokratische Prozesse beschleunigen sollte. Dies lief irgendwann schief, wie der Seufzer aus dem Volksmund belegt: "Von der Wiege bis zur Bahre: Formulare, Formulare...". Heute versucht man die Amtsschimmel in den zu Kompetenzzentren und Jobagenturen umgetauften Behörden zu dressieren. Wer allerdings glaubt, dass ein vormaliger Amtsschimmel für die Galopprennbahn taugt, der kann sich schon mal eine Nummer ziehen.


anbiedern - sich anbiedern



Archaismen (W3)

(E3)(L1) http://de.wikipedia.org/wiki/Archaismus
Es gibt Sprachen, die vom Untergang bedroht sind.

Es gibt Wörter, die man heute nicht mehr benutzt und auch nicht mehr kennt, aber es gibt auch Wörter, die nur noch selten benutzt werden und von denen vielleicht einige in den nächsten Generationen auch untergehen werden.
Daneben gibt es auch Wörter, die wir zwar "jeden Tag" benutzen, die aber nur noch in Wort-Kombinationen existieren und deren eigene Bedeutung uns gar nicht mehr bewusst ist.

Zunächst einmal ein paar Gründe, weshalb Wörter untergehen können:


Argwohn

besteht aus zwei Wortteilen, die allein kaum noch auftauchen: "Arg" = "schlimm", "böse" und "Wohn" von "Wahn" = "Vermutung", "Verdacht".

B

baldowern, ausbaldowern

"baldowern" kommt hauptsächlich als "ausbaldowern" vor. Es geht zurück auf einen Ausdruck der Gaunersprache "baldower" = "Auskundschafter" in dem das hebr. "ba'al" = "Herr" und "davar" = "Sache" steckt. Somit ist der "baldower" also "Herr der Sache", weil er sich vorher "sachkundig" gemacht hat.

baren

kenne ich nur in Kombinationen wie "Gebaren" und "gebaren" wobei auch diese kaum noch benutzt werden.

bedrohte-woerter - Bedrohte Wörter

(E?)(L?) http://www.bedrohte-woerter.de/
(E?)(L?) http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499620774/etymologety0f-21
...
Bedrohte Wörter erkennt man daran, dass sie nur noch selten benutzt werden und einem altmodisch vorkommen. Es können alte Modewörter sein, die sich inzwischen überlebt haben, zum Beispiel "dufte" oder "knorke". Oder Wörter, die in Vergessenheit zu geraten drohen, weil die Dinge, die sie bezeichnen, aussterben, z.B. "Wählscheibe" oder "Jutebeutel". Ebenso alte Wörter, die von neuen Wörtern (Neologismen) verdrängt werden, wie "Hagestolz" (heute "Single") oder "Backfisch" (heute "Teenager").

Auf der zum Buch gehörenden Website (oder umgekehrt?) findet man folgende Beispiele:
(Zu den aufgeführten Beispielen auf der Website findet man auch - zwar etwas bescheidene - Hinweise zur Herkunft aber immer interessante Geschichten zur (ehemaligen) Verwendung der Wörter.)

Amtsschimmel | Charivari | Duttengretel | Elchtest | Flegel | Gabelfrühstück | Hupfdohle | intim werden | Jutebeutel | Kreiswehrersatzamt | Lorke | Mittelläufer | Neufünfländer | Ober | Philister | Quarre | Rauke | Sommerfrische | tofte | urst | Vollbeschäftigung | Wählscheibe | Xanthippe | Yuppie | zechen


(E3)(L1) http://www.bedrohte-woerter.de/cgi-bin/guestbook.php.cgi
Im Gästebuch kann man ebenfalls einige Hinweise zu "bedrohten Wörtern" finden.

bess, *bess, *bass, bass, bass erstaunt (W1)

(E1)(L1) http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/CL_Lehr/Wandel/Wandel_Rekonstruktion.html
...
Wir stellen z.B. im Neuhochdeutschen das Komparationsparadigma vom Typ "schön – schön-er – schön-st" fest, und ferner eine Ausnahme wie "gut – bess-er – be-st", wo Suppletion herrscht. Dann können wir vermuten, daß es zu dem Komparativ und Superlativ auch einmal einen Positiv von derselben Wurzel gegeben hat. Er kann "*bess" gelautet haben. Aber wenn wir wissen, daß Komparation Umlaut auslösen kann, wie in "hart – härt-er – härt-est", kann jenes Adjektiv auch "*bass" gelautet haben. Die Form des Superlativs "best" wäre dann durch die im Deutschen allgemeingültige Degemination aus "*bess-st" hervorgegangen.

Bis hierhin ist diese Rekonstruktion weitgehend spekulativ. Bestätigt wird sie dadurch, daß "baß" in der Tat existiert, wenn auch nur in der Kollokation "baß erstaunt" "äußerst erstaunt". Wie bekannt, werden Evaluativa ständig erneuert. Es sieht also so aus, als sei älteres "baß" im Positiv von "gut" verdrängt worden, habe jedoch im Komparativ und Superlativ überlebt. So weit würde die innere Rekonstruktion auf der Basis von Neuhochdeutsch führen. Tatsächlich weisen die deutsche Sprachgeschichte und der germanische Vergleich aus, daß "baß" seinerseits im Althochdeutschen ein Komparativ war, der durch "besser" regularisiert wurde. Das wiederum konnte man durch innere Rekonstruktion nicht herausbekommen.
...


bewenden - etwas bewenden lassen



bezechet, zechen, Zeche (W1)

(E?)(L?) http://answers.google.com/answers/threadview?id=42023
(E?)(L?) http://www.lunaburgia.de/liedertexte/0013.htm
(E?)(L?) http://www.payer.de/kommkulturen/kultur092.htm
Dieses Wort ist mittlerweile nicht mehr in Gebrauch. Im 16. Jh. bezeichnete es den Zustand nachdem man ausgiebig "gezecht" hatte, als "betrunken".

Das zu Grunde liegende Wort "Zeche" = "Rechnung" (seit dem 15. Jh.) war ursprünglich die bezeichnung für etwas, das man nicht unbedingt mit "Betrunkenheit" in Verbindung bringen würde. Es geht dabei zurück auf ein ahd. "zehon", "gizehon" = "in Ordnung bringen", "wiederherstellen", "färben" und nahm dann Bedeutungen an wie "geordnetes Arbeiten", "reihum gehende Verrichtung" (woher sich wohl der Zusammenhang zum "reihum gehenden Bierglas" ergibt, bzw. ursprünglich allgemein "gemeinsames Essen und Trinken"), "Ordnung", "Reihenfolge".

Aus der weiteren Bedeutung "Einrichtung", "Gesellschaft" entstanden "Zechen" als "genossenschaftliche Vereinigungen". Dieses waren wohl auch die ersten, die zuerst in einer Grube, dann in richtigen Bergwerken gemeinsam nach Bodenschätzen gruben, woraus dann die "Zeche" = "Bergwerk" entstand.

Bill, Unbill, Unbilden, billig, billigen

kommt vor z.B. in "Unbill" = "Unrecht" und "Unbilden" = "(sehr) schlechtes Wetter".
Wahrscheinlich gehen beide auf mhd. "unbil" = "ungemäß" zurück (vgl. das ist mir "billig", "billigen"). Dahinter steht das Bild des "Bildes". Ein Bild, das einem "gemäß" ist kann man durchaus "billigen". Und ein "Bild", das einem nicht "gemäß" ist, tut einem "Unrecht" evtl. in Form von "Unförmigkeit".
"billig" heisst also "im Wert angemessen sein". Heute hat dieses Wort allerdings eine negative Bedeutung erhalten: "Was billig ist kann ja nichts Wert sein." heißt aber genau genommen: "Etwas was seinem Wert entsprechend verkauft wird, kann nichts Wert sein." Man kann sagen, das Wort "billig" ist so "entwertet" worden, dass man heute geradezu von "Unbilligkeit" sprechen müsste.
Ja und "bill" (nicht zu vergessen) ist also etwa das "Gebilde".

Binsen, Binsenwahrheit, Binsenweisheit,in die Binsen gehen (W3)

(E2)(L2) http://www.blueprints.de/wortschatz/
Die Binsenwahrheit ist eine Verkürzung der "binsenglatten Wahrheit", also eine "Wahrheit, an der es keine Unebenheit, keinen Knoten gibt". Man vermutet die Herkunft von dem lat. Zitat "nodum in scirpo quaerere" = "einen Knoten an der (glatten) Binse suchen", was etwa dem Suchen nach "dem Haar in der Suppe" entspricht.

Die Binse ist eine ahd. "binu", eine "Pflanze mit grasartigen od. röhrenförmig ausgebildeten Blättern", die in Feuchtgebieten wächst. Und wenn nun etwas "in die Binsen geht", also "verloren oder kaputt geht", dann geht dies auf das Jägerlatein zurück. War die (Wild)Ente erst einmal in den Binsen (im Sinne von Schilf) verschwunden, so war sie vor den Schrotflinten gerettet.

Im Gegensatz zu anderen Grasarten besitzen "Binsen" keine Knoten. Eine "Binsenwahrheit" (auch "Binsenweisheit") ist demnach eine "glatte Sache" ohne Verwicklungen und Verknotungen, d.h. ohne Schwierigkeiten.
Die Feststellung "Das ist eine Binsenwahrheit" bezieht sich auf einen zwar richtigen, aber so selbstverständlichen Satz, dass es sich nicht lohnt, ihn auszusprechen oder gar zu diskutieren. Es ist also eine Wahrheit, die überall so bekannt und verbreitet ist wie die Binsen.
(© blueprints Team)

bleib - Verbleib



Bohei, bohei (bohai)

(E?)(L?) http://www.ruhrgebietssprache.de/glossar.html
kenne ich in der Verwendung "Mach' nicht so einen Bohei" oder "Der macht einen Bohei", bedeutet sowas wie viel "Wind" machen, sich aufspielen, Unruhe oder Hektik verbreiten.
(A: woba)

habe ich in keinem Nachschlagewerk gefunden. Ich kenne diesen Begriff in der Verbindung "aus der Bohei kommen" (oder "in die Bohei gehen") im Sinne von "von weit her kommen" (mit abwertender Tendenz). Deshalb wage ich die Vermutung, dass es sich um "Böheim, Boheim" handeln könnte, das einen Landstrich an Elbe und Moldau bezeichnete, in dem es zu wechselnden Besiedlungen während der Völkerwanderung kam.
unsicher!
(A: hoco)

Borte



bot - Gebot, Verbot



Bret, Brät, Wildbret, Bratwurst, Rollbraten, Braten (W3)

= "Fleisch"; ist noch zu finden in "Wildbret", "Bratwurst", "Rollbraten" und letztlich in "Braten" = "schieres Fleisch".

C

c/o

= "Care of" ("bei"); Used when addressing a letter to somebody who is staying with another person.
Heute, wo jeder eine Single-Wohnung hat kommt diese Adressierung aus der Mode.

D

dächtig - bedächtig, verdächtig



dachteln, tachteln, Dachtel, Tachtel (W3)

In meiner Jugend hörte ich öfters den Ausdruck "dachteln" ("tachteln"). ("Ich dachtel dich gleich." war eine Drohung, die man ernst nehmen mußte.)
Nun ist mir dieses Wort beim Lesen des "MEWD" ("Materialien zu einem Etymologischen Wörterbuch des Dolomitenladinischen") wieder über den Weg gelaufen. Der Autor verwendete es im gleichen Sinn.
Der Hintergrund dieses Ausdrucks ist ein - mir bisher unbekanntes - Wort "Dachtel", "Tachtel" = "das Denken" (mhd. "daht"). Daraus ergab sich zunächst die Bedeutung "Denkzettel". Und aus dem "Denkzettel" uwrde der "Schlag an den Kopf", also die "Ohrfeige".

Dank, danken, revanchieren, Revanche (W3)

(E2)(L2) http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/dossiers/woerterbuch/?em_cnt=204086
Die Wörter "Dank" und "danken" gehören nicht wirklich zu den untergegangenen Begriffen. Sie sind auch nicht gefährdet unter zu gehen. Dennoch meine ich, man sollte öfters dieser beiden Wörter gedenken. Und das genau steckt auch in "danken". Der "Dank" ist eine Substantivierung von "danken"; und dieses geht auf "denken" zurück, im Sinne von "an jemandes Tat denken", "in Erinnerung behalten". Ursprünglich war es eher neutral, d.h. man gedachte auch schlechter Taten und bedankte sich entsprechend. Heute hat "danken" den positiven Part des "Gedenkens" übernommen, während den negativen Part Ausdrücke wie "das werd ich mir merken" übernommen haben.
Dieses entspricht in etwa dem negativen Sinn von "ich werde mich dafür revanchieren". Dabei ist bei "revanchieren" eine Bedeutungsverschiebung vom negativen zum eher neutralen Sinn passiert. Es geht ja auf das frz. "revancher" = "rächen" zurück und weiter auf lat. "re" + "vindicare" = "rächen, strafend einschreiten". Heute kann "revanchieren" auch im positiven Sinn als "sich durch eine (positive) Gegenleistung bedanken" gemeint sein.

darben



darob



derben - verderben



Dieselgedenkminute (W3)

(E?)(L?) http://www.gapinfo.de/gesundheitsamt/alle/umwelt/lex/g/041.htm
(E?)(L?) http://www.surfblau.de/webde_w123.html
Die "Dieselgedenkminute" ist ein untergegangener Begriff, der noch vor einigen Jahren ein Neologismus war.
Beim Starten von Diesel-Fahrzeugen sorgen Glühkerzen in dem noch kalten Verbrennungsraum des Motors für die zur Selbstzündung des Diesel-Luft-Gemischs nötige Temperatur. Anschließend schalten sie sich automatisch wieder ab. Die Glühkerzen gehören zur sogenannten Vorglühanlage von Dieselfahrzeugen, die man bei modernen Kfz - im Gegensatz zum früher oft längeren Vorglühen ("Dieselgedenkminute") - nur noch wenige Sekunden betätigen muß.

driessen, verdriessen, Verdruss, driezen, triezen, verdrossen, Verdrossenheit, unverdrossen, Verdriesslichkeit, Verdruss, Überdruss (W1)

Wenn Sie "driessen" nicht kennen, braucht Sie das nicht zu "verdriessen" - Denn wir gehen jetzt "unverdrossen" auf die Suche nach seiner Herkunft.
Nun - "driessen" ist in den bekannten Nachschlagewerken schon mal nicht zu finden. - Also doch "Verdruss"!?
Zu "verdriessen" findet man dann allerdings "Ärger bereiten" oder "missmutig machen". Und hier taucht auch das mhd. "driezen" = "drängen, treiben, drohen" auf. Und (zumindest im Saarland) gibt es umgs. noch "jdn. driezen / triezen" = "jdn ärgern" oder auch "jdn. stark belasten, schinden".
Und nun zeigt sich die grosse Verwandtschaft von "driessen". Da gibt es unterschiedliche Formen in verschiedenen germ. Sprachen wie u.a. nl. "verdrieten" oder schwed. "tryta" = "mangeln, fehlen, ausgehen". Auch im Lat. findet man "trudere" = "stossen, drängen". Selbst im Russ. findet man "trud" = "Mühe, Arbeit".
Bei den "Indogermanen" gab es angeblich ein "*treud" = "quetschen, stossen, drücken".
Die weitere Verwandschaft besteht nun aus "verdrossen" = "mürrisch, lustlos" und entsprechend "Verdrossenheit". Das Gegenteil ist "unverdrossen" = "unermüdlich". Weiter gibt es "Verdriesslichkeit", "Verdruss" und "Überdruss".
Bevor Sie diesen Wortes nun "überdrüssig" werden möchte ich mit dem Hinweis auf gr. "térys" = "zart, schwach" nun dem Ende "entgegendrängen".

Druß - Überdruß



Dutzend



E

Elle



erkiesen, auserkoren (W2)

(E?)(L?) http://www.dicologos.org/pls/dictionary/new_dictionary.dic.main
(E?)(L?) http://www.wordtheque.com/owa-wt/new_wordtheque.w.t?w=erkiesen&l=de
dieses Wort scheint wirklich komplett ausgestorben zu sein. Ich habe es auch nur in einem Nachschlagewerk gefunden. Und dennoch haben Sie fast alle eine Vergangenheitsform dieses Verbs schon 'mal benutzt. Lebendig ist es noch in Aussagen wie "Er hat sie auserkoren". - Ja - es ist die Präsenzform von "erkoren".
Der "Grimm" führt "kiesen" zurück auf eine Bedeutung "sehen". Deutlich wird das in der synonymen Aussage "Er hat sie ausersehen".
Textstellen finden sich z.B. bei "Richter Johann Paul Friedrich", "Liliencron Detlev Freiherr Von", "Scheffel Joseph Victor Von", "Fouqué Friedrich Heinrich Karl De La Motte".

F

Fasson, Fassong (W3)

"Fasson" ist vorzugsweise noch in der Schweiz und in Österreich anzutreffen, während sie in Deutschland im Untergehen begriffen ist.
"Fasson" tritt dabei in zwei varianten auf - als "die Fasson" = "Form", "Muster", "Art" und als "das Fasson" = "Revers (an Kleidungsstücken).

Die oder das "Fasson" geht zurück auf frz. "façon" = "Art", "Weise" und weiter auf lat. "factio" = "Machen", "Verfahren", lat. "facere" = "machen".

Es bedeutet also etwa "das Gemachte", "das in Form gebrachte".

(E2)(L1) http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_f_1.html
(E2)(L1) http://www.beyars.com/lexikon/lexikon_f_1.html
Fasson | Fassonpreis

(E2)(L1) http://www.beyars.com/lexikon/lexikon_r_1.html
Riviere-Fasson

(E1)(L1) http://www.ensheim-saar.de/ehp_49.htm
Im Saarland nennt man es auch "Fassong".

(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/register/f.php
Im übertragenen Sinne verwendet man es auch in der Redewendung "jeder nach seiner Fasson" = "jeder nach seiner Art und Weise".

Federleser, Federlesen (W3)

Der "Federleser" war ein "Schmeichler", einer, der dem Umschmeichelten die Federn und Flusen von der Jacke sammelte.

Und jemand der dies nicht nötig hatte, konnte agieren "ohne viel Federlesens".

(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/register/f.php
ohne viel Federlesens

(E1)(L1) http://www.staff.uni-marburg.de/~naeser/ra-mat.htm
nicht viel Federlesen(s) machen

(E?)(L?) http://www.wispor.de/wpx-rede.htm
Federlesen

feien, gefeit sein (W2)

Ich kenne das Wort "feien" nicht. Allerdings benutze ich ab und zu den Ausdruck "gegen etwas gefeit sein" oder eine ähnliche Form. Dieses fast ausgestorbene "feien" geht zurück auf ein mhd. "veinen" = "nach Art der Feen durch Zauber schützen" (mhd. "fei(e)" = "Fee").

... kann ich bereichern um den gebräuchlichen medizinischen Fachausdruck "Feiung". Eine "stille Feiung" ist das Erwerben einer Immunität nach natürlicher Infektion, ohne dass Krankheitserscheinungen auftreten. [Pschyrembel]
(A: S.-H. Zimmermann)

feim - abgefeimt



feixen, Feix (W3)

Der Ursprung von "feixen" = "grinsend lachen" oder "lachend grinsen" soll auf die Studentensprache des 17.Jh. zurückgehen mit der Verbindung zu nordd. "Feix" = "Unerfahrener, Dümmling".

femen - verfemt



Floskel

ist eine kleine Blume; (lat. "flosculus" = "Blümchen"); Es handelt sich also um einen kleinen bunten Spruch (der nicht allzuviel zum eigentlichen Gesprächsgegenstand beiträgt). Bei einer grösseren/längeren Ansprache spricht man eher von einer "blumigen Rede".

Fuchtel, fuchteln, herumfuchteln, unter der Fuchtel, fuchtig, fechten, Gefecht (W1)

Das Wort "Fuchtel" trifft man kaum noch allein an. Es ist - wenn überhaupt - in Ausdrücken wie "(herum)fuchteln" oder "jemanden unter die Fuchtel nehmen" anzutreffen.
Die "Fuchtel" wurde im 16.Jh. aus "fechten" hergeleitet und war die Bezeichnung für einen "Fechtdegen". Dieser "Fechtdegen" diente natürlich auch dazu Zucht und Ordnung (wieder) herzustellen. Und ein mit gezogenem Degen Abgeführter, stand "unter der Fuchtel". Mit der Zeit (z.B. mit dem Aufkommen von Handfeuerwaffen) verlor die "Fuchtel" ihre staatstragende Bedeutung. Der Umgang mit dem Fechtdegen wurde mehr und mehr auch im "nicht professionellen" Umfeld gepflegt, was dann für Aussenstehende mehr nach einem "Herumfuchteln" als nach "Fechten" ausgesehen haben mag.
In einigen Gegenden kann man noch vernehmen, dass jemand ganz "fuchtig" ist, wenn er zornig mit den Armen gestikuliert.
Das Wort "fechten" geht auf Wurzeln mit der Bedeutung "raufen, rupfen" (lat. "pectere" = "kämmen", gr. "pekteo" = "ich schere") zurück und machte eine Wandlung zur Bedeutung "kämpfen" durch. Das "Gefecht" muss also nicht unbedingt mit einem "Fechtdegen" erfolgen, es kann auch ganz allgemein "Kampf" bedeuten.
Eine interessante Verbindung gibt es auch zum sogenannten Rotwelschen. Auch heute spricht man beim sammeln von Beeren von "Beeren kämmen", wenn man Sie mit den zur Kamm geformten Hand herunterstreift. Die Zigeuner bezeichneten im 17.Jh. das "betteln" das "sammeln", "kämmen" von Almosen auch als "fechten".

Fug - Fug und Recht



Funzel

von frühnhd. "voncksel" = "Zündstoff, Zunder".

Furz (W3)

(E?)(L?) http://www.telefurz.de/


G

Gammler, gammeln (W3)

(E?)(L2) http://www.sociologicus.de/lexikon/
Heute sind die Begriffe "Gammler" und "gammeln" eher selten zu hören.

Der "Gammler" (und "gammeln") gehen zurück auf "gamana" n. "Freude", "Lustigkeit", "Spiel". an. "gaman" n. "Freude", "Lustigkeit", "Wollust"; as. "gaman", ags. "gamen" n. "Freude", "Vergnügen", "Spaß", "Spiel", engl. "gammon" und "game", afries. "game", "gome" f. "Freude"; ahd. "gaman" n., mhd. "gamen" n. m. f. "Spiel", "Spaß", "Lust".

Die Assoziationsverschiebung vom "Lustmolch" zum "arbeitsscheuen Jugendlichen" könnte sich über "Geschlechtslust", "Übermut", "Wohlleben", "Nichtstun" und "Arbeitsscheu" vollzogen haben.

"gammal" ist ein (schwedischer) Ausdruck für "alt", "schwach", "schmuddelig"; wurde in den sechziger Jahren Schimpfwort für angeblich arbeitsunlustige Jugendliche, die oft nur durch eine passive Haltung gegen die Industriegesellschaft protestierten.

Gängelband, gängeln (W2)

(E1)(L1) http://www.blueprints.de/wortschatz/
= "Laufhilfe für Kleinkinder". Aber woher kommt "gängeln"?
Das "Gängelband" ist im Deutschen seit 1716 lexikalisch vertreten. Es bezeichnet das Band, an dem Kinder beim Laufen lernen festgehalten werden.
Es ist benannt nach dem seit Luther bezeugten Verb "gängeln" (ein Kind laufen lehren), was aber ebenfalls im übertragenen Sinne angewendet wurde bzw. wird.
Wenn Sie jemand "am Gängelband führt", dann leitet er Sie nach seinem Willen wie ein Kind, das noch nicht allein gehen kann. Man sagt auch "am Gängelband gehen", wenn man sich von fremdem Willen leiten lässt.
(© blueprints Team)

Das Wort "gängeln" kann weiter zurückgeführt werden auf "gengen" = "gehen machen". Noch im 16.Jh. war es eher neutral und man konnte auch eine Sache/Angelegenheit (im übertragenen Sinne) "gengen". Heute hat "gängeln" nur noch abwertenden Charakter.

(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/register/g.php
(E1)(L1) http://www.w-akten.de/deutsche-redewendungen-2.phtml
(E1)(L1) http://www.w-akten.de/reddeutsch2.phtml


gestüm, ungestüm (W3)

Das Wort "gestüm" mhd. "gestüeme" = "sanft", "still", "ruhig" kommt heute nur noch in der Negation vor, als "ungestüm" = "heftig", "unbändig". Es geht laut Literatur zurück auf das ahd. "gistemen" = "bezähmen" mit dem Stamm "stem-" = "stoßen", "anstoßen", "stottern", "stammeln", "hemmen". "stem" könnte zurückgehen auf die idg. Wurzel ohne m-Suffix , also "sta", "ste" = "stehen", "stellen".

Das "Ungestüm" heißt entsprechend "Heftigkeit", "Unbändigkeit" mit dem mhd "ungestüeme" = "Vorwärtsdrängen", "Anprall", "Drang", "Sturm".

gaukeln - vorgaukeln



gehöriger Abstand (W3)

Was bedeutet "gehörig" in diesem Zusammenhang genau?

gelackmeiert, abmeiern, Meierrecht, Meier, Meierbrief, Lack, lack, meiern, Gelackmeierter, gelackmeiert sein; der Gelackmeierte sein (W1)

Der eher umgangssprachliche Begriff "gelackmeiert" = "betrogen" ist vermutlich eine Zusammensetzung von "lacken" und "anmeiern". Das einzeln kaum bzw. nur noch in einigen Gegenden bekannte "anmeiern" hat die Bedeutung "betrügen". Vielleicht wurden die Vorläufer der heutigen "Meier", die "Majordomus", die "Hausverwalter" öfter angebettelt oder durch Betrügereien hintergangen. Der Anteil "lacken" könnte auf die Tatsache anspielen, dass "Lack" auch dazu dient, Materialfehler zu überdecken. Zusammen könnte es sich bei "gelackmeiert" also um einen Betrug handeln, der gar nicht oder erst spät zum Vorschein kommt, nachdem die Lackschicht anfängt abzubröckeln.

(E1)(L1) http://etymologie-forum.isthier.de/
Im Etymologie-Forum wurde am 26.07.2004 geposted:

Der Begriff "abmeiern" wurde gebraucht im Zusammenhang mit dem "Meierrecht", nach dessen Bestimmungen ein Bauernhof zur Pacht übernommen wurde. Die Bedingungen der Pacht wurden durch den "Meier" ("Maior" = "Gutsverwalter") im Auftrag des Grundherren in einem "Meierbrief" niedergelegt und für einige Jahre festgeschrieben. Wurde der "Meierbrief" z.B. wegen Unfähigkeit des Bauern nicht verlängert, sagte man: "er wurde abgemeiert". Die Kombination von "Lack" im Plattdeutschen "Fehler", "Makel" (English "lack") mit "meiern" wäre dann, "jemandem einen Makel anhängen". Wir haben den Ausdruck aber immer nur im Passiv benutzt und sprachen von einem "Gelackmeierten"; dabei war auch häufig Schadenfreude im Spiel, weil er es nicht schlau genug angestellt hatte und dadurch den Kürzeren zog.

"Lack" im Sinne von "Mangel" haben wir wohl aus dem Holländischen übernommen.


Das Wort "Lack" im Sinne von "Farbe" kommt ursprünglich aus dem Altindischen "laksa", und ist über persisch "lak", arabisch "lakk", italienisch "lacca" und mittellateinisch "laca" zu und gekommen.

Der Eintrag stammt von: (Kristian Siedenburg) / Peter Siedenburg, der sich hobbymässig mit Sprachforschung beschäftigt.

(E?)(L?) http://www.euphemismen.de/Alle/
Gelackmeierter

(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/register/g.php


genealogy - Historische Wörter

(E?)(L?) http://wiki.genealogy.net/index.php/Kategorie:Historische_W%C3%B6rter
Die Artikel dieser Kategorie erklären allgemeine alte Wörter, die nicht einer der spezielle Kategorien wie Krankheiten, Berufe, Latein, Familiennamen, Vornamen, etc. zugeordnet werden können.

gessen, vergessen


geht auf eine Wurzel mit der Bedeutung "fassen, ergreifen" zurück. Und wenn man das "Erfasste" wieder aus dem (geistigen) Besitz verliert, dann hat man es "vergessen".

geuden, vergeuden, gaffen, Gähnen (W2)

Das mhd. "giuden" = "prahlen" hängt im Sinne von "den Mund aufreissen" mit "gähnen" zusammen. Dies tut man auch oft beim (verwandten) "gaffen".
Und wenn man sieht, wie manche Menschen ihr Geld "vergeuden" bleibt einem wirklich der Mund offen stehen. Und wenn man an das eigene Konto denkt überkommt einen das grosse "Gähnen".

17.06.2005
... , ich bin im Rahmen einer bestimmten Suche hierher geraten und komme bestimmt bald wieder.
Gesucht habe ich nach dem Wort "vergeuden". Es liegt so nahe, und ich wollte wissen, ob es vielleicht auch mit "Gaudi" verwandt ist. Wenn ich mein Geld nur in Gaudi stecke, habe ich es ja auch vergeudet (das dann natürlich "vergäudet" geschrieben werden müsste) ...
Mit freundlichen Grüßen Jörn Schramm


Die Frage nach dem Zusammenhang von "Gaudi" und "(ver)geuden" habe ich mir auch schon gestellt. Aber ich habe hierzu bisher keinen Hinweis gefunden. Jedenfalls würde es mich nicht überraschen, wenn das lat. "gaudium" = "Freude" mit "(ver)geuden" zusammenhängen würde. In beiden Fällen kann man den Mund "aufreissen", sei es zum Jubeln oder zum Prahlen.

Gimpel (W3)

(E?)(L?) http://lexicon.ff.cuni.cz/etc/aa_texts.html
(E1)(L1) http://lexicon.ff.cuni.cz/pdf/pgmc_torp/pgmc_torp.pdf
Im "Wörterbuch Indogermanische Sprachen" findet man:

("gemp" und "gemb") "hüpfen". norw. mundartl. "gimpa" = "wippen", "gamp" m. "großer, plumper, schwerfälliger Kerl", "plumpes Pferd"; mhd. "gampf" m. das "Schwanken", und "gampen" "hüpfen", "springen", "gampel-man", "gumpel-man" = "Possenreißer", "gampel-spil" und "gumpelspil", mnd. "gammel-spel" = "Possenspiel", nhd. "Gimpel".

Der "Gimpel" ist also ein ungeschickter eher "hüpfender" als "normal gehender Mensch".

Glimpf, verunglimpfen, glimpfig, Unglimpf (W3)

Das Wort "verunglimpfen" = "schmähen", "beleidigen", "verächtlich machen", "verleumden" und der "Glimpf" = "Nachsicht", "Billigkeit" sind sicherlich noch allen (deutschsprachigen) Besuchern des Etymologie-Portals bekannt. Dennoch halte ich es für ein vom Untergang bedrohtes Wort.

Das ahd. "gilimpfen" hatte noch die Bedeutung "rücksichtsvoll", "nachsichtig", das mhd. "gelimpf" bedeutete "angemessen". In der Schweiz kennt man noch ein "glimpfig" = "biegsam", "geschmeidig".

Als idg. Wurzel wird "slembh" = "schlaff", "locker" angesetzt, woraus sich Bedeutungen wie "weich", "biegsam", "zart", "rücksichtsvoll", "nachsichtig", "angemessen", "schicklich" abgeleitet haben.

Die Negativversion "Unglimpf" wurde somit zu "Unnachsicht", "Strenge" und entsprechend "verunglimpfen" zu "Strenge spüren lassen" und als letztes Mittel (oder Mangels anderer Möglichkeiten, oder als "kulturelle" Variante) zu den heute noch gültigen Bedeutungen "verächtlich machen", "verleumden".

graulen, vergraulen, grauen (W2)

"graulen" kommt von "grauen" = "Furcht empfinden"; und "grauen" bedeutet "grau werden", "dämmern"; und mit der Dunkelheit kommt das "Grauen".
Früher war "vergraulen" vielleicht noch etwas handfester, heute beschränkt man sich (mormalerweise) auf eine unfreundliche Behandlung, um jemanden zu "vergraulen"; d.h. man schafft eine "fürchterliche" Atmosphere.

Grummet, Grumt (W3)

Das Wort "Grummet" ("Grumt") war bei meinen Großeltern, die noch eine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben, ein oft gebrauchtes Wort. Mittlerweile habe ich es schon lange nicht mehr gehört. Es bezeichnet das "Heu des zweiten (oder dritten) Schnittes des Jahres" und geht zurück auf mhd. "gruonmat", das seinerseits zurückgeht auf "grüejen, ahd. "gruoen" = "grünen" (im Sinne von "wachsen"). Der zeite Teil "mat" geht zurück auf "Mahd" = "das Gemähte", von mhd. "mat", ahd. "mad" = "mähen".

Bleibt die Frage, warum nur der zweite bzw. dritte Schnitt als "grünes Gemähtes" bezeichnet wird. Leider kann ich meine Großeltern nicht mehr fragen. Ich vermute jedoch, dass der erste Grasschnitt noch keine allzu gute (grüne) Qualität besaß/besitzt.

Grütze



Gugel, cagoule, Kukulle, Gugelbruder, Gugelherr, Hundsgugel (W3)

Den Begriff "Gugel" für eine "Komplett-Kopfmütze", "Kapuze" hörte ich vor einigen Wochen zum ersten Mal. Es ist eine kapuzenartige Kopfbedeckung. Im 14.Jh. entwickelte sie sich aus dem "cucullus", lat. "cuculla", einem langen Umhang, den Reisende, Jäger und Bauern trugen.

Auch die Bezeichnungen dt. "Kukulle" und fr. "cagoule" = "Kapuze" dürfte auf lat. "cuculla" zurück gehen.

(E2)(L1) http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_3723.html
"Gugel", "Gugele", "Kogel", "Kugel", von lateinisch "cucullus", "Kapuze",
1) Bezeichnung für die vom 12.-14. Jh. von Männern (zumeist der unteren Schichten) als Schutz getragene Kapuze mit angeschlossenem Schulterkragen. ...
...
2) Helmform; die Variante, bei der das Visier unter dem Sehschlitz wie eine Hundeschnauze spitz ausgebildet ist, heißt "Hundsgugel".


(E?)(L?) http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw/
mnd. "kagel", "kogel", "koggel"; mhd. "gugel", "kogel", "kugel"; mnl. "cogel" = "(Mantel mit) Kapuze", "Mütze".
...


(E?)(L2) http://www.mittelalter-lexikon.de/
"Gugel", "Kukulle" = "Gugel"

(E?)(L?) http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GG27236
"GUGEL", f., m., "kapuze", mlat. "cuculla", "cucullus", ahd. "cucalun" "cucullam" kl. ahd. sprachdenkm. 145 Steinmeyer; anu "cugulun" sine "cucullo" ahd. gl. 1, 139, 3; mit ypocrisi preitero blattun witero "chugelun" NOTKER 2, 249 Piper; mhd. "gugel" LEXER 1, 1114; nachtr. 222; ags. "cug(e)le", "cu(h)le" BOSWORTH - TOLLER 173a; suppl. 135b; neuengl. "cowl"; mnd. "kogel", "kagel" SCHILLER-LÜBBEN 2, 512; auf dem gesamten sprachgebiet bezeugt und obd. z. t. noch lebendig, s. FISCHER schwäb. 3, 906; SCHMELLER-FR. 1, 880; STAUB-TOBLER 2, 155.

Als weitere "Gugel-Wörter" sind aufgeführt:

GUGEL, adj. | GUGEL | GUGELFAHRT, f. | gugelfechten, v. | gugelfeuer, f. | gugelfranz, m. | gugelfränzin, f. | gugelfritz, m. | gugelfug, m. | GUGELFUHR(E), f. | gugelgans, f. | gugelgesang, m. | gugelhaube, f. | GUGELHUPF | gugelhupfblech | gugelhupfmodell | gugelhupfstück | gugelhupftanz | GUGELHUT, m. | GUGELIEREN, v. | GUGELKAPPE, f. | gugelkopf, m. | gugelmann, m. | gugelmäuslein, n. | gugelmönch, m. | gugelmütze, f. | GUGELN, v. | GUGELNARR, m. | gugeltuch, n. | gugelzipfel, m. | GÜGER, m. | GUGLE, n. | GUGLER, m.

(E?)(L?) http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/lexer/wbgui?lemid=LG05992
"gugele", "gugel", "kugel", "kogel" swstf. ( ib.) "kapuze über den kopf zu ziehen am rock oder mantel". "gugele" FRL. KOL. DSP. 2,198. BEH. 99,1. 386,29. 410,8. "gugel" PARZ. TRIST. H. MS. KRONE, LS. (2. 225,553).
...
"gugel", "kugel", "gogel", "kogel" capucium DFG. 99b. "kogel" WEIST. EILH. 7272. GA. 3. 238, 1579. 241,1688. DÜR. chr. 570. 681. aus mlat. "cuculla", lat. "cucullus";


(E?)(L?) http://www.digitale-bibliothek.de/band50.htm
Im "Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon" findet man: "Gugel", "Kapuze mit Hals- und Schulterstück", Kopfbedeckung der alten ägypt. Mönche, auch der Benediktiner; in Bayern noch jetzt bei königl. Leichenbegängnissen 24 Männer in der Gugel. ("Gugelmänner").

(E?)(L?) http://www.digitale-bibliothek.de/band111.htm
In "Wenz: Lehrreiches Exempelbuch. Merkwürdige Literatur" findet man auch eine "Kaminfegergugel".

...
Der Caminfeger, welcher froh war, daß er Arbeit bekommen, packte alsobald seinen bey sich habenden Bündel aus; zoge die Schuh ab; schürtzte sich um mit einem Vorfell; steckte darzwischen das Feg-Eisen; zoge über den Kopf und Schultern seinen "Caminfeger-Gugel"; sprange auf den Herd hinauf; nahme eine Leiter, und setzte sie an das Camin.


(E?)(L?) http://www.digitale-bibliothek.de/band124.htm
Dem "Atlas Namenkunde" ist zu entnehmen, dass die "Gugel" auch in vielen Familiennamen vorkommt, wie etwa in "Gugel" selbst aber auch in abgewandelten Formen wie ndt. "Kogel", "Kagel" oder in zusammengesetzten Formen wie "Leinkugel", "Leinekugel", "Linnekugel", "Linnenkugel" = "Leinenkapuze", "Riefkogel" = "gestreifte Kapuze", "Stippekohl" = "gesteppte Kapuze", "Blakogel" = "Blaue Kapuze", "Rotkegel" = "rote Kapuze".

Als weitere "Gugel-Wörter" sind aufgeführt:

gugele, swstf. | gugel, swstf. | kugel, swstf. | kogel, swstf. | gugelen, swv. | gugel-giege, swm. | gugel-gopf, stm. | gugel-han, stm. | gugel-huot, stm. | kugel-huot, stm. | gugelîn, stn. | gugel-kotze, swm. | Gugel-miure | gugel-roc, stm. | gugel-vuore, stf. | gugel-zipf, stm. | gugel-zipfel, stm. | gugen, swv. | gugen, swv. | gugen-gêre, swm. | gugen-gouch, stm. | gügerël, stmn. | gugg-aldei, stm. | gugger, stm. | gug-gouch, stm. | gug-gug, stm. | gugken, swv. | gugler, stm.

(E?)(L?) http://www.wispor.de/wpx-k-g.htm


(E?)(L?) http://www.chefkoch.de/
Aus dem Newsletter vom 08.02.2005: Karnevalumzug: Noch heute ist für den echten Narren eine "Narrenkappe" ein Muss. Den Narren der vergangenen Zeit wurde der Kopf geschoren und eine runde Mütze mit Eselsohren und Hahnenkamm aufgesetzt, die "Gugel". Wir kennen diese Mütze auch vom Till Eulenspiegel. Die heute meist verwendeten Narrenkappen sehen etwas anders aus und gehen auf den Generalmajor Baron von Czettritz zurück, der diese Art von Faschingskappen Anfang 1827 in Köln einführte. Sie haben als Vorbild nicht mehr die alte "Gugel" sondern die Jakobinermützen. Markant dafür ist die nach vorn gebogene Spitze. Der Schmuck aus Federn und buntem Tand sollte die lächerliche Eitelkeit des Narren symbolisieren. Heute hat man oft den Eindruck, dass die Kappenträger vergessen haben, dass sie die Eitelkeiten belächeln und nicht zu ihrem Programm machen sollen.

(E?)(L?) http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw/
Gugelbruder

zu Lüneburg wird die bürgerschaft in vier stände getheilet, als die "geschlechter", "brauer", "kagelbrüder", unter welchen die kaufleute, gewandschneider, factorn, gastgeber und andere vornehme bürger gehören, und endlich "handwercker".
1722 Beier, HdwLex. 204


(E?)(L?) http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw/
Gugelherr

Ordensbruder des gemeinsamen Lebens
"kugelherr"
oJ. DWB. V 2541
Meyer, KonvLex.6 III 487
Rheingau Kdm. 89


(E2)(L1) http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_4197.html
(E?)(L2) http://www.mittelalter-lexikon.de/
...
Die "Hundsgugel" bezeichnet eine * Beckenhaube, deren Visier an die Form einer spitzen Hundeschnauze erinnert (vgl. * Gugel).
...


H

halber - einfachheitshalber



Häme



hanebüchen (W2)

(E1)(L1) http://www.heinrich-tischner.de/anlag/verz/22spra.htm
(E1)(L1) http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/9sp-ecke/fragen/2004/hanebuch.htm
"hanebüchen" = "grob", "unerhört"

(E2)(L2) http://www.nextz.de/glossen/woerter.html
(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/register/h.php
Die mittelhochdeutsche "hagenbuochen" = "Hagebuche" bzw. "hanbuchen" = "Hainbuche" hatte ein derbes, knorriges Holz. Was lag näher, Menschen, die aus solchem "Holze geschnitzt" waren, als "haynbüchen", und ihre oftmals "unverständlichen" Handlungen eben auch als "hanebüchen" zu bezeichnen.

(E?)(L?) http://www.hanebuechlein.de/
Literaturmagazin im Internet

Harke (W3)



Harke - jemandem zeigen, was 'ne Harke ist (W3)



Harm, harmlos, abgehärmt (W2)

(E1)(L1) http://www.etymonline.com/
(E?)(L?) http://dict.leo.org/?lp=ende&lang=de&searchLoc=0&cmpType=relaxed&relink=on§Hdr=on&spellToler=std&search=harm
"Harm" gehört auch zu den Begriffen, die ich noch nicht alleinstehend gesehen habe. Es ist anzutreffen in Verbindungen wie "harmlos" oder "abgehärmt".
"Harm" wird auf eine Wurzel mit der Bedeutung "Kränkung", "Kummer", "Qual", "Scham", "Schande", "Schmach" zurückgeführt. Demnach steht "harmlos" für "ohne Qual", "ohne Leid" und hat wohl über "keinen Kummer bereitend" mittlerweile den Bedeutungsinhalt "unschädlich", "ungefährlich" angenommen.

Und nun finde ich doch im Kluge den Hinweis, dass "Harm" auf Grund von Sprachvergleichen mit "p" angelautet haben muss, und schließlich die idg. Wurzel "*pek" = "die Haare raufen" sein könnte. Jetzt wäre es doch wirklich interessant, die sprachliche Entwicklung von "*pek" in einem Schnelldurchlauf wiederholen zu können und zu beobachten wann und wo die Gabelung in "Fuchtel" und "Harm" erfolgte.

Am 18.04.2005 schrieb Matthias Beck:

Zufällig stiess ich auf Ihre Seite bzgl. der Abstammung des Wortes "Harm". Dort schrieben Sie: '"Harm" gehört auch zu den Begriffen, die ich noch nicht alleinstehend gesehen habe...'
Dieses Wort gibt es aber sehr wohl noch alleinstehend in der englischen Sprache: "to harm" (vgl. http://dict.leo.org/). Folglich scheint es sich um ein Ur-Germanisches Wort zu handeln...

Vielen Dank für den Hinweis. - Allerdings: Die Tatsache, dass ein Wort schon sehr alt ist widerspricht sich ja nicht mit der (individuell empfundenen oder auch statistisch nachweisbaren) Vermutung, dass der Gebrauch des Wortes zurückgeht.

Haube

kennt man kaum noch als Kopfbedeckung. Lebendig ist sie noch in "Motorhaube" und in "jemanden unter die Haube bringen".

Hege, hegen, Hag, Hag (Kaffee) (W2)

(E?)(L?) http://www.hag.de/historie/f_historie.html
Dieses Wort kennt sicherlich noch jeder, dennoch klingt es etwas alltertümlich und kommt eher als "umhegen" oder in dem Wortpaar "hegen und pflegen" vor. Es hat die Bedeutung "mit einem Hag umgeben" wobei "Hag" = "Zaun" bedeutet. Daraus entwickelte sich dann die Bedeutung "pflegen, bewahren".
"Hag", der Name des (zumindest ehemals) bekannten Schonkaffees lässt leicht eine gedankliche Verbindung zu "hegen und Pflegen" zu. Dennoch ist der Name ganz banal die Abkürzung von "Handels-Aktien-Gesellschaft", die im Jahre 1906 das Patent für das Entcoffeinierungsverfahren erteilt bekam. Ludwig Roselius gründete die erste Gesellschaft der Welt, die entcoffeinierten Kaffee auf den Markt brachte.

Hehl - keinen Hehl aus etwas machen, Hehler, hehlen, verhehlen, Hülle, hüllen, Halle, Eukalyptos, Okkultismus, Keller, color, Helm, Hölle, Hülse (W1)

Das Substantiv "Hehl" kommt heute kaum noch frei vor. Es ist nur noch in Gesellschaft zu finden, z.B. als "keinen Hehl aus etwas machen".
Andere Formen führen allerdings noch ein Eigenleben, so der "Hehler" oder "(ver)hehlen".
Die idg. Wurzel "*kel" bedeutete etwa "verhüllen", "verbergen", "schützen". Auf diese Wurzel lassen sich auch "Hülle", "hüllen" und "Halle" zurückführen.
Auch der "Eukalyptos" hängt über das griech. "kalýptein" = "verhüllen" damit zusammen. Das Kunstwort aus dem 18.Jh. für den australischen Baum nimmt Bezug auf den haubenartig geschlossenen Blütenkelch, der sich beim Aufblühen deckelförmig ablöst.
Kaum noch erkennbar ist es als "celere" im Latein zu finden, und diente so - quasi "verhüllt" - als Grundlage für "Okkultismus".
Und auch "cella" = "(Vorrats)Kammer", "Zelle" und "Keller" gehören in diesen Zusammenhang.
Und noch ein bunter Geselle gehört hierher - die Farbe im engl. "color" in der ursprünglichen Bedeutung "Hülle", "Schutz".
Hinweis von H. Zimmermann (10.12.2004):
"color" ist Amerikanisch; der Brite schreibt "colour" nach der französischen "couleur". Die ollen Römer hingegen waren mit der Doppelbedeutung von "color" vertraut.
Aber damit noch nicht genug. Die Verwandtschaft ist groß. Auch der "Helm" ("Beschützer"), "Hölle" (ursprünglich "die Bergende"), "Hülse" ("umschließende Hülle") finden sich wie selbstverständlich ein.
So - lassen wir die Verwandschaft noch etwas feiern. Hehl geht also zurück auf mhd. "haele" = "Verheimlichen" und ahd. "hala" = "das Verbergen".
Und dies alles wollten wir natürlich nicht vor Ihnen verbergen!

heischen, erheischen, ask

geht zurück auf die Bedeutung "fordern, fragen"; ist z.B. noch in engl. "ask" = "fragen" zu erkennen;

historisches-woerterbuch - Historisches Wörterbuch

(E?)(L?) http://www.historisches-woerterbuch.de/woerterbuch/index1.html
Historische Wörter - deutsch Wortliste (Auszug - ohne Wortbeschreibungen) - Rund 10250 obsolete Wörter aus allen Bereichen des täglichen Lebens, aus Haus und Hof, Werkzeuge, Gerätschaften, Tätigkeiten, aus Stadt und Land, Natur und Landschaft, juristische Begriffe und Formulierungen, Begriffe aus dem kirchlichen und politischen Leben, alte botanische und andere wissenschaftliche Fachbegriffe.
(leider sind nur Beispiele von Wortlisten zu finden. Die komplette Ausgabe mit Erklärungen gibt es nur als CD-ROM.)

hold



Horde

(E?)(L?) http://www.wu-wien.ac.at/usr/h95b/h9505289/sprache.htm


hunzen, verhunzen

veraltet, noch landsch. für "wie einen Hund behandeln, beschimpfen"; daraus "verhunzen" = "eine Sache durch schlechte Ausführung oder Behandlung zunichte machen".
Es müsste also eigentlich "verhundsen" heissen.

I

irgend, je, irgendein, irgendwann, irgendwas, irgendwer, irgendwie, irgendwo, nirgend, nirgends, nirgendwann, nirgendwer, nirgendwie, nirgendwo, irgendjemand (W2)

(E?)(L?) http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1567136,00.html
Das alleinstehende "irgend" ist irgendwie antiquiert. Zwar ist es wahrscheinlich in jedem Gespräch, in jedem Buch, in jeder Zeitschrift irgendwo zu finden - aber eben immer nur in Zusammensetzungen wie "irgendein", "irgendwann", "irgendwas", "irgendwer", "irgendwie", "irgendwo". Und seltsam ist es auch. Kommt das Adverb doch laut Duden nur im deutschen Sprachgebiet vor. SOnst ist es nirgendwo zu finden.
Im Althochdeutschen hiess es noch "io wergin" = "je irgend(wo)". Und da taucht nun schon wieder ein seltsames unscheinbares Altagswort auf - "je". Dieses kommt zwar auch alleinstehend vor, hat sich aber auch in vielen anderen Begriffen versteckt, z.B. in "immer", "irgend", "jeder", "jeglich", "jemand". Und alle diese "je"-Wörter gehen auf ein Substantiv mit der Bedeutung "Zeit" zurück und hängt mit "ewig" zusammen.
Aber nun sollten wir irgendwann wieder auf "irgend" zurückkommen. Der zweite Teil von "je wergin" setzt sich zusammen aus ahd. "hwar" = "wo" und einem unbestimmten Partikel "*gin". Wörtlich heisst es also etwa "wo immer" = ("jeder") und entsprechend "irgendein" = "ein wo immer" (= "jeder"), "irgendwann" = "wann wo immer" (= "jederzeit"), "irgendwas" = "wann was immer" (= "jedes (Teil)"), "irgendwer" = "wer wo immer" (= "jeder"), "irgendwie" = "wie wo immer" (= "auf jede Art"), "irgendwo" = "wo wo immer" (= "überall").

Bleibt nun noch die Negierung aller "irgend"-Wörter, also "nirgend" = "nicht wo immer" und entsprechend "nirgendwann" = "nicht wann wo immer" (= "nie"), "nirgendwer" = "nicht wer wo immer" (= "keiner"), "nirgendwie" = "nicht wie wo immer" (= "auf keine Art"), "nirgendwo" = "nicht wo wo immer" (= "an keinem Ort").

Logisch gesehen entspricht allerdings "nicht wo immer" nicht "nirgends" (= "an keinem Ort") sondern "nicht überall", also möglicherweise doch "an einem oder mehreren Orten", aber eben nicht "an jedem Ort". Aber die Sprache ist nun mal nicht immer logisch.

Interessant ist auch noch "irgendjemand", in dem zweimal das "je" versteckt ist, und das "wo immer immer Mann" = "(jeder) jeder Mann" = "jede Person" bedeutet.

J

K

kapitelfest



Kebse (W3)

(E?)(L?) http://www.wu-wien.ac.at/usr/h95b/h9505289/sprache.htm
Die "Kebse" bezeichnete als ahd. "kebis" ursprünglich eine "Sklavin", "Dienerin". Daraus wurde die "Nebenfrau" und die "Konkubine".
Heute trifft man das Wort kaum noch an.

Klafter

entspricht 6Fuss = 1,5m.

klimmen, erklimmen



knusen, verknusen, Knust, Knast, Knaus, Knäuschen, kn-Worte, Knauf, Knopf, Knüppel, Knospe, Knödel, Knirps, Knubbel, Knie, kneipen, knappen, knautschen, knutschen, kneten, knuddeln, knüllen, knacken, knicksen, Kneipe, Knoten (W2)

= "zerdrücken, mit den Zähnen zermalmen" - Die Bedeutung von "knusen" geht also auf "verdauen" zurück; und wenn man eine Sache (auch im übertragenen Sinne) nicht richtig "verdauen" kann, dann kann man sie eben nicht "verknusen".
Beim Verdauen entsteht übrigens auch ein ziemlicher "Knust" (ein "zerdrückter" Verdauungsbrei).
Der "Knast" geht allerdings auf jid. "Knast" = "Geldstrafe" zurück. Vermutlich ging die Bezeichnung auf die "zwangsweise Einquartierung" über, da diese ersatzweise (bei fehlenden finanziellen Mitteln) verordnet wurde.

Am 03.04.2004 erreichte mich folgender Hinweis:
... möchte ich es nicht versäumen, auf eine Wortverwendung hinzuweisen, die mir aus meiner Kindheit (50er Jahre in Ostwestfalen) noch geläufig ist: "Knust" steht dort für den "Anschnitt bzw. das Endstück eines Laibes Brot".
Da dieser Teil in hohem Maße aus Brotkruste besteht, also vergleichsweise großen Kau-Aufwand benötigt, erscheint mir die Wortverwandtschaft zu "knusen" recht einleuchtend.
(A: miha)

Dieser Zusammenhang erscheint mir recht plausibel. Der "Kluge" führt den "Knust" (auch "Knaus", "Knäuschen") auf eine gemeinsame "kn-"-Wortgruppe zurück, die durch "Knolle" repräsentiert wird. Alle diese "kn-"Wörter haben ein verdicktes Ende gemeinsam, wie etwa "Knauf", Knopf", "Knüppel", "Knospe", "Knödel", "Knirps", "Knubbel" oder auch das "Knie".
Allerdings hat diese Wortgruppe auch eine Verbindung zur Wortgruppe um "kneipen" = "kneifen", wie etwa "knappen", "knautschen", "knutschen", "kneten", "knuddeln", "knüllen", "knacken", "knicksen". Und auch die "Kneipe" geht auf die ein studentensprachliches "Kneipschenke" zurück, in der man in beengten Verhältnissen zusammensaß. Mancherorts wird sie auch "Quetsche" genannt.
Insgesamt schein mir die Verbindung zwischen den "Knüppel-"Wörtern und den "kneif-"Wörtern gar nicht so weit her geholt. "Knoten" haben immer auch etwas "Drückendes" an sich.

Knute - unter jemandes Knute stehen (W3)

Die "Knute" ist heute kaum noch bekannt und wenn dann nur in der Verbindung "unter jemandes Knute stehen". Hier meint die Knute eine "Peitsche", genauer gesagt eine "Knotenpeitsche". Und diese gaben der "Knute" auch ihren Namen.

koeblergerhard
Köbler, Gerhard
Germanisches Wörterbuch
Neuhochdeutsch-germanisches Wörterbuch
Neuenglisch-germanisches Wörterbuch

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/publikat.html
(E?)(L?) http://www.koeblergerhard.de/germwbhinw.html
Köbler, Gerhard, Germanisches Wörterbuch, (3. Auflage) 2007

Das Germanische ist die Vorstufe des Deutschen und damit für dieses das Bindeglied einerseits zu den anderen germanistischen Sprachen (z. B. Friesisch, Englisch, Skandinavisch) und andererseits zum Indogermanischen und dessen zahlreichen Einzelsprachen (z. B. Indisch, Persisch, Slawisch, Griechisch, Lateinisch[, Rumänisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch]). Weil die Sprachwissenschaft kein meinen Vorstellungen vollständig entsprechendes Wörterbuch aufwies, versuchte ich schon 1980 ein germanisches Wörterbuch (2. Auflage 1982) und 1981 ein germanisch-neuhochdeutsches und neuhochdeutsch-germanisches Wörterbuch. Mit Hilfe der modernen Elektronik kann ich sie im Rahmen meiner Internationalen Germanistischen Etymologischen Lexikothek in maschinenlesbarer Form der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

Das ins Internet gestellte Wörterbuch wird nach den einzelnen Buchstaben aufgeteilt in

(E?)(L?) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/germanischeswoerterbuch/Vorwort-Germanisch.pdf
Vorwort

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T TH U V W X Y Z.

Geordnet ist es streng alphabetisch. Der einzelne Artikel besteht aus dem Lemma in einer normalisierten Hauptform und eventuellen Nebenformen, Sprachangabe (germ.), grammatikalischer Bestimmung, neuhochdeutschen Bedeutungsangaben und Angaben zur Rekonstruktionsbasis (in eckiger Klammer Weiterlebensangaben).

Möge damit die Germanistik um ein weiteres einfaches Hilfsmittel bereichert sein. Fördernde Hinweise werden gern aufgegriffen. Jedermann ist es unbenommen, Besseres zu bieten.

Auf dem germanischen Wörterbuch beruht ein germanisches rückläufiges Wörterbuch. Ebenso baut darauf

(E?)(L?) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/germanischeswoerterbuch/nhd-germ.doc
ein neuhochdeutsch-germanisches Wörterbuch und

(E?)(L?) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/germanischeswoerterbuch/ne-germ.doc
ein neuenglisch-germanisches Wörterbuch auf.

Vielleicht werden eines Tages zusätzliche Erweiterungen möglich.

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Derzeit ist leider eine einwandfreie Umsetzung aller Zeichen dieser Schrift durch Acrobat Writer und Acrobat Distiller von Adobe noch nicht gewährleistet, so dass in den pdf-Dateien an einzelnen Stellen unrichtige Zeichen erscheinen.


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Köbler, Gerhard
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Wörterbuch der gotischen Namen
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(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/publikat.html
(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/gotwbhin.html
(2. Auflage) 1989

Das Gotische ist die aus dem Germanischen erwachsene älteste, allerdings am Ende der Völkerwanderungszeit im Kern untergangene und auch in Ausläufern als selbständige Sprache erloschene germanisch/germanistische Einzelsprache. Weil die Sprachwissenschaft kein meinen Vorstellungen vollständig entsprechendes Wörterbuch aufwies, versuchte ich schon Mit Hilfe der modernen Elektronik kann ich das Wörterbuch im Rahmen meiner Internationalen Germanistischen Etymologischen Lexikothek in maschinenlesbarer Form der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.
Das ins Internet gestellte Wörterbuch wird nach den einzelnen Buchstaben aufgeteilt.

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/VorwortGotisch.pdf
Vorwort

Mit Hilfe der modernen Elektronik kann ich das Wörterbuch unter Vorbehalt meiner Urheberrechte im Rahmen meiner Internationalen Germanistischen Etymologischen Lexikothek in maschinenlesbarer Form der Allgemeinheit zur privaten Nutzung zur Verfügung stellen.

Das ins Internet gestellte Wörterbuch wird nach den einzelnen Buchstaben aufgeteilt in
Vorwort
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(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/Fragmente.pdf
Anhang 1 Fragmente des Gotischen (Das PDF-Dokument hat 1 Seite.)

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/BibelNamen.pdf
Anhang 2 Wörterbuch der biblisch-gotischen Namen (Das PDF-Dokument hat 18 Seiten.)

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/GotischeNamen.pdf
Anhang 3 Wörterbuch der gotischen Namen (Das PDF-Dokument hat 23 Seiten.)

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/Ostgermanisch.pdf
Anhang 4 Wörterbuch der (sonstigen) ostgermanischen Wörter (Burgundisch, Wandalisch, Swebisch, Gepidisch). (Das PDF-Dokument hat 8 Seiten.)

Geordnet ist es streng alphabetisch. Der einzelne Artikel besteht aus dem Lemma in einer normalisierten Hauptform und eventuellen Nebenformen, Sprachangabe (got.), grammatikalischer Bestimmung, neuhochdeutschen Bedeutungsangaben, neuenglischen Bedeutungsangaben, griechischen Übersetzungsgleichungen, lateinischen Übersetzungsentsprechungen, Verweisen, Hinweisen, Quellenangaben, Interferenzen, Etymologien, vollständigen Stellenangaben und knappsten Literaturangaben. Der weitere Ausbau ist geplant.

Möge damit die Germanistik um ein weiteres einfaches Hilfsmittel bereichert sein. Fördernde Hinweise der Allgemeinheit werden gern aufgegriffen. Jedermann ist es unbenommen, Besseres zu bieten.

Auf dem gotischen Wörterbuch beruht auch

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/Ruecklaeufig.pdf
ein gotisches rückläufiges Wörterbuch.

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/NHD-GOT.pdf
Ebenso bauen darauf ein neuhochdeutsch-gotisches Wörterbuch
Das PDF-Dokument hat 103 Seiten.

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/NE-GOT.pdf
ein neuenglisch-gotisches Wörterbuch
Das PDF-Dokument hat 215 Seiten.

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/LAT-GOT.pdf
ein lateinisch-gotisches Wörterbuch
Das PDF-Dokument hat 64 Seiten.

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/GRIECH-GOT.pdf
und ein griechisch-gotisches Wörterbuch auf.
Das PDF-Dokument hat 81 Seiten.

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/gram-got.pdf
Zusätzlich bestehen noch ein Grammatikalisches Wörterbuch,

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/freq-got.pdf
ein Häufigkeitswörterbuch

(E1)(L1) http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/gotischeswoerterbuch/chrono-got.pdf
und ein Chronologisches Wörterbuch des Gotischen.

Vielleicht werden eines Tages zusätzliche Erweiterungen möglich.

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kraus



Kufe, Kübler, Kübel, Küfer (W2)

von lat. "cuparius"; heute ist daraus "Kübel" geworden.
"Kufen" waren eigentlich die einzelnen Holzscheite, aus denen ein dichter Holzbehälter gebaut wurde. Über den "Kübler" (derjenige, der die "Kufen" zusammenfügte) ging "Kübel" auf den fertigen Behälter über. Wenn "Küfer" heute überhaupt noch verwendet wird, dann zur Bezeichnung eines Handwerkers, der speziell Weinfässer herstellt.
Die "Kufen" findet man heute noch am Schlitten und an den Schlittschuhen.

Kuffnucke, Kuffnukke, Kufnucke, Kufnukke, Kuff, Nucke, nuckeln (W3)

Folgender Eintrag wurde am 10.04.2003 im Etymologie-Forum geposted:
Ich bin wiederholt gefragt worden, wo denn dieses Wort herstamme. Die Bedeutung scheint klar, als pejorative Bezeichnung für (zumeist ausländische) Menschen. Hat jemand eine Idee?!
(A: caot)

Mir ist die Bezeichnung nicht bekannt, aber vielleicht kennt Sie ja ein Besucher.

Als Erklärungsversuch kann man beim ersten Wortteil entweder an "Kuff" = veraltete ostfriesische Bezeichnung für "Küstenboot mit geringem Tiefgang", "plattbodiges Fahrzeug mit zwei Masten" oder an "Kufe" = "Kübel", "Brett" (vgl. "Küfer" = "Böttcher" = "Fassmacher") denken. Beides könnte auf lat. "cupa" = "Tonne", "Stange" zurückgehen.

Es gibt auch ein von frz. "couffe" abgeleitetes "Kuff", "Kuffe", ein Weidenkorb der in der Levante zur Verpackung diente. ("Levante" ist eine veraltete Bezeichnung für die "Mittelmeerländer östlich von Italien", wörtlich etwa "(Länder der) aufgehenden Sonne".

Ein weiteres "Kuff" kommt (in der Architektur bei der Erstellung von Kreuzgewölben) in der Redewendung "auf Kuff" vor und bezeichnet eine Methode der Einwölbung, bei der die Wölbsteine parallel zur Gewölbeachse verlegt werden, z.B. bei Kappen- oder Tonnengewölben. Dabei ist stets eine Lehrschalung erforderlich.

Der zweite Wortteil könnte ein ndd. "Nucke" = "unerwartete, unangenehme Angelegenheit mit einer Sache oder Person". So gibt es den Ausdruck "seine Nücken und Tücken haben" ("Nucke" = "Bosheit", "Falschheit") oder man spricht von einer "Nuckelpinne", wenn man ein klappriges Auto meint, oder von "nuckeln" für "saugen", "in kleinen Schlucken trinken".

Aber wie kann man dies nun zur Herleitung von "Kuffnucke" verwenden. Eventuell als "Kiste mit Kleinigkeiten" bzw. im übertragenen Sinn "Kiste voller unangenehmer Überraschungen".

Am 28.12.2003 erhielt ich dazu folgenden Hinweis:

Hallo, habe ja selbst die E-Mail-Adresse der "Kuffnukke", daher eine kurze Info, wie ich dazu komme:

Im Sprachgebrauch eines weitläufigen Bekannten war "Kuffnukke" Bezeichnung für alles mögliche "Kleinzeug, was irgendwie störte und unangenehm war", (Flusen, kleines Insektenzeug, undefinierbares...). Also schon pejorativ.

Ich selbst habe daraus die Geschichte der "Kuffnukken" gemacht, ein reines Fantasieprodukt: kleine, garstige, sich vom Haarbalgtalg ausgewählter Säugetiere incl. Menschen ernährender Tierchen, die erst vor kurzem entdeckt wurden und zwar zufällig unter Einsatz einer Gegenlichtveredlungskamera usw.usf.

Das gab sogar ein komplettes Referat im Fach Deutsch in der Berufsausbildung... :-) Und seither kursiert die Geschichte und wird immer weiter ausgebaut.

Außerdem hatte ich mal gehört, dass "Kuffnucken" ein Volksstamm in der Mongolei seien.
Und ein Kollege erwähnte mal, dass das im Bereich Mannheim ein ganz besonders übler Ausdruck für Ausländer sei...
(A: si??)

Am 25.10.2004 ergänzte Ralf R. Eichmann:

Der Ausdruck stammt aus dem Ruhrgebiet. Laut meinem früheren Chef (immerhin Direktor einer dt. Großbank), der den Ausdruck ständig verwendete (er stammte allerdings auch nur aus Lippstadt, also nicht aus dem Pütt selbst) bedeutet dieser Ausdruck die Umschreibung für einen "aus- oder fremdländischen Mitbürger ohne regionale Spezifikation". Um es etwas einzugrenzen: EU-15-Europäer dürften keine sein, allerdings sämtliche Osteuropäer, Afrikaner, Asiaten (wahrscheinlich nicht alle) aber ich bin kein Spezialist. Bücher sagen auch nichts dazu, nur das Ruhrgebiets-Deutsch-Lexikon, welches ich leider verkauft habe, enthielt eine Definition für "Kuffnucke". Wahlweise auch nur mit einem "f". Naheliegend, dass der Begriff – allein lautmalerisch wirkt er schon so – in abwertiger bzw. geringschätziger Weise benutzt wird.

Am 06.07.2008 ergänzte Jan Woitas

zum Eintrag Kufnucke (oder Kufnukke oder wie auch immer):

Ich kenne diesen Begriff noch aus DDR-Zeiten. Er wurde bei uns im Zusammenhang mit dem Export von LKWs in irgendwelche Wüstenstaaten gebracht. Es waren an diesen LKWs (W50 und L60) Dachluken verbaut, die ganz klar für militärische Zwecke gedacht waren, uns aber als Belüftung für das Führerhaus verkauft werden sollten.

Jedenfalls sind die Abnehmer dieser LKWs, die Bewohner dieser Schurken-/Wüstenstaaten samt und sonders "Kufnukken" gewesen. Oder "Mutschakken". Oder "Mollukken", je nachdem.
Es ist in jedem Fall negativ konnotiert, allerdings humorvoll/freundlich. Keinesfalls unfreundlich gemeint.

L

Leisten, leisten, Folge leisten, Gleise, Geleise, Leiste, Leistung, alles über einen Leisten schlagen, Liste, Gewähr leisten (W1)

(E3)(L1) http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1335615,00.html
Die Wörter "Leisten" und "leisten" werden zwar immer noch benutzt, aber mir scheinen sie doch etwas antiquiert zu sein. Zumindest ist der Zusammenhang zwischen dem Substantiv "Leisten" und dem Verb "leisten" in keiner Weise ersichtlich. Und dann gibt es auch noch den Unterschied zwischen "etwas leisten" und "sich etwas leisten". Die lat. Entsprechung ist "lîtra" = "Furche".

Also bleiben wir erst 'mal bei dem "Leisten". Der erste Hinweis auf "Leisten" zeigt, dass die Einordnung in die Rubrik "untergegangene Wörter" gar nicht so verkehrt ist. Und zwar geht der "Leisten" zurück auf ein ahd. "leist" = "Spur", "Weg", "(Fuß)abdruck". Und damit bekommt auch das Verb "leisten" wieder zu seiner alten Bedeutung ahd. "leisten" = "befolgen", "erfüllen", "ausführen" eben in der Bedeutung "einer Spur nachgehen". Dazu gibt es Beispiele im altfrz. "lesta" und als ein postuliertes germ. "*laistija" = "folgen". Und spätestens hier fällt uns der Ausdruck "Folge leisten" ein und wir entdecken darin den "weissen Schimmel" "Folge folgen".

Ein weiterer interessanter Verwandter ist das Wort "Gleise", das eine Verkürzung von "Geleise" ist und eindeutig eine "Spur" durch die Landschaft legt.

Weiterhin findet man die "Leiste", die z.B. als "Randleiste" ihre "Spur" zieht und dabei nicht selten "Spuren" unsauberer Arbeit überdeckt. Und damit erhalten wir auch die ursprüngliche Bedeutung von "Schuster's Leisten", der also die Spur vorgibt, der der Schuster bei der Herstellung oder Reparatur eines Schuhes folgt.

Beinahe hätte ich nun die anfangs gegebenen Beispiele vergessen. Wenn man etwas "leistet" legt man also eine Spur. Und wenn man "sich etwas leisten" kann, dann profitiert man von der vorher "gelegten Spur", der "Leistung".
Und gibt es nicht den Ausdruck "Die Folgen (Spuren) seines Schaffens sind überall zu erkennen."

Der Ausdruck "alles über einen Leisten schlagen", der natürlich auf den "Schusterleisten" zurückgeht, erhält nun aber noch seine tiefere Bedeutung als "alles nach einer Spur ausrichten", "immer den selben Weg nehmen".

Als letztes interessantes Beispiel ist mir die "Liste" aufgefallen. Die "Liste", die über den Umweg ital. "lista" auf das ahd. "lîsta" zurück geht, besteht aus einer Anzahl von querliegenden (manchmal auch vertikal angeordneten) Spuren, Leisten.

Halt! - Noch eins: In dem Ausdruck "Gewähr leisten" erkennt man nun auch das ursprüngliche "Der Wahrheit Folge leisten" oder wie wir nun gelernt haben besser "der Wahrheit folgen".

(E?)(L?) http://www.gartenatelier.de/pflanzenportraets/goldleistengras.htm
(E?)(L?) http://www.mein-schoener-garten.de/de/site/pflanzenlexikon/Pflanzenlexikon.jsp
(E?)(L?) http://www.sandfrauchen.de/08_graslex4.htm
Kennen Sie übrigens das "Goldleistengras"?

lieren - verlieren



lotter, Lotterleben, *leu, *sleu, liddrich, liederlich (W3)

Am 03.02.2008 fragte Nina Hänel:

... Ich habe mich auch schon oft gefragt, woher das eine oder andere Wort wohl kommen mag. Zum Beispiel das Wort: "Lotterleben". ...

Diese Frage kostete mich einige Zeit - was kein Wunder ist, bei der großen Verwandtschaft von "lotter", die nach und nach zum Vorschein kam.

Zum "Lotterleben" selbst findet man nur einige schwache Hinweise, wie "lockeres Leben" oder "ein liederliches Leben" oder "faules Leben", "liederlicher Lebenswandel"

Immerhin findet man in "Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache", dass das "Lotterleben" im 19. Jh. aufkam.

Das war alles nicht sehr aufschlussreich, weshalb ich den Fehler beging, nach der Geschichte des losgelöst kaum noch vorkommenden "lotter" zu suchen. Dabei stieß ich auf die postulierten ide. Wurzeln "*leu" und "*sleu". Und diese beiden sind die Ahnen einer wirklich großen "lockeren" Familie. Je nach Bedarf ändern sie Vor- und Nachsilben und treten in Formen wie "Schluri", "Schliere", "schlottern", "Schlot" ("hohler, wankender Halm"), "schludern", "schleudern", "Schlaraffe(nland)", "schlockern", "Schloße, "schloßen", "locker", "lose", "Loden(mantel)", "verlottern" in Erscheinung.

Von den postulierten Urahnen "*leu" und "sleu" stammen viele Begriffe ab, die sich nur durch ein "sch" unterscheiden und ähnliche Bedeutungen haben. So etwa "(er)läutern" (wörtlich etwa "herauslösen" (des Wichtigen)) und "schleudern" (von mhd. "sludern" = "schlendern", "schlenkern"), "los" und "Schlosse", "locker" und "schlockern", "(ver)lottern" und "schlottern". Das saarländische "liddrich", dessen Bedeutungspalette man wohlwollend mit "unordentlich" zusammenfassen könnte, enthält Anklänge sowohl von "liederlich" als auch von "lotterlich". Und - was man zunächst weniger vermutet - alle aus dem Griechischen stammenden Wörter mit "lyse" wie "Analyse", "Katalyse", "Paralyse" gehen auf das ide. "*leu" = "lösen" zurück.

Wenn man nicht päpstlicher ist als der Papst kann man in diese Familie auch engl. "log" = "gefällter Baumstamm", also "losgelöster Baumstamm" aufnehmen, aus dem in der Seefahrt das "Logbuch" entstand, dann das noch sehr junge "weblog" und durch Weglassen von "we" das "Blog", das im Internet wiederum viele Ableger gebildet hat wie "Blogger" und "Blogging".

Und möglicherweise kann man sogar das Wort "Etymologie" in diese Großfamilie aufnehmen. Über das lat. "légein" = "lesen", "zählen", "sagen", besteht durchaus die Verbindung zu "Buchstaben auflesen" und damit zu "loslösen". "Etymologie" = "(die) Lehre von der wahren (Bedeutung eines Wortes)" müßte man demnach wörtlich übersetzen als "(das) Loslösen (Herauslösen) der wahren (Bedeutung eines Wortes)".

Aber zurück zu "lotter", das verwandt ist mit "lieder(lich)" und ursprünglich "schlaff", "schwach" bedeutete. Im Mittelalter trat es als mhd. "loter" oder "lotter", ahd. "lotar" = "locker", "schlaff", "nichtig", "leichtfertig" in Erscheinung.

Diese Eigenschaften sah man auch bei bestimmten Bevölkerungsgruppen und bezeichnete mit "Lotter" auch "Taugenichtse", "Schelme", "Gaukler" und "Possenreißer". Diese traten bei verschiedenen Anlässen (13.-15. Jh.) auf, um Marktbesucher oder Hochzeitsgäste zu unterhalten.

In einigen Mundarten kann "lotter" auch noch auftreten in Bezeichnungen wie "lotterer Zahn", "etwas ist lotter" (= "locker") oder als "Lotter" oder "Lotterer" für "Landstreicher".

In einigen Fällen kann es auch zur Vermengung mit "Laster" gekommen sein, so daß man in älteren Schriften (z.B. bei Notker) auch "Loter" in der Bedeutung "Boßheit", "Laster" findet.

In ferner Vergangenheit findet man als Urahne von "lotter" die Bedeutung "lösen", "teilen". Und diese Bedeutung steckt auch in allen Nachkommen von "Lotterie" bis "Analyse" und in engl. "a lot of" = "eine Menge von", wörtlich "ein (losgelöstes) Teil von" das dann wohl im Sinne von "ein schönes/großes Teil" die Bedeutung "eine große Menge" annahm.

Die folgenden Beiträge anderer Internetquellen führe noch viele weitere Abkömmlinge von "*leu" und "*sleu" auf.

(E1)(L1) http://www.bartleby.com/61/roots/IE280.html
Im "American Heritage® Dictionary of the English Language: Fourth Edition." findet man im "Appendix I, Indo-European Roots" das Lemma ide. "*leu", "*sleu" = "loosen", "divide", "cut apart", also "lösen", "teilen".

Als Abkömmlinge von "*leu", "*sleu" sind aufgeführt:

"leusa": "verlieren", "forlorn", "forliása", "fraliusan", "verliezen"

(E?)(L?) http://lexicon.ff.cuni.cz/etc/aa_texts.html
(E?)(L?) http://lexicon.ff.cuni.cz/texts/pgmc_torp_about.html
(E?)(L?) http://lexicon.ff.cuni.cz/pdf/pgmc_torp/pgmc_torp_20061216.pdf
In dem 4MB großen PDF-File mit dem Titel "Wörterbuch der Indogermanischen Sprachen: Dritter Teil: Wortschatz der Germanischen Spracheinheit" findet man den folgenden Abschnitt: "lûtria" = "nichtsnutzig", "schlecht", "ludra" = "nichtsnutzig", "locker". ags. "lytre" = "nichtsnutzig", "schlecht", "elend"; mhd. "liederlich", "leicht", "geringfügig", "leichtfertig", nhd. "liederlich", ahd. "lotar", mhd. "loter", "lotter" = "locker", "nichtsnutzig", "leichtfertig" (auch "träge", vgl. "loterbank"), nhd. "Lotterbube", "Lotterbank", ags. "loddere" = "Bettler". Vgl. auch mnd. "loi", "loie" (aus "ludja") = "träge", "faul". Vgl. ir. "lott" Hure (aus "*lutna"?).
(375:3)


(E3)(L1) http://www.deutsches-rechtswoerterbuch.de/
"bierlotter" | "herberglotter" | "herbergslotter" | "lotter" | "lotterbuch" | "lotterei" | "lotterer" | "lottern" | "lotterpfaffe" | "lotterregister"

(E?)(L?) http://www.digitale-bibliothek.de/band36.htm
"Lotterleben", n
liederlicher Lebenswandel. Seit dem 19. Jh.
[Wörterbuch: Lotterleben. Wörterbuch der deutschen Umgangssprache, S. 17050 (vgl. Küpper-WddU, S. 505) (c) Marianne Küpper]


(E1)(L1) http://www.geocities.com/alijecipuri/etymology5
Root / lemma: "*leu-", "*sleu-"

Meaning: "loosely hanging", "loose", "feeble"
Note: esp. with extensions; beyond Germanic only barely provable, in this however, very richly unfolded
Material: Unextended perhaps in: Gothic "slawan" = "keep mum", "keep quiet" ("*slawen" = "*be faint", "languid" from an Adj. "*slawa-"?);

with m-suffix: Norwegian "slum" = "slack", "thin" (from blade of grass), "sluma" = "go limpy and sluggishly", Danish older "slum" = "slumber", Old English "sluma" m. = "slumber", late Middle High German (md.) "slumen", "slummern", "schlummern" = "drowse"; Norwegian "sløyma" = "schnell zu langem, weichen Stroh wachsen";

with n-suffix: Alemannian "schlune" = "drowse", Middle High German "slun" = "idler";

with r-suffix: Norwegian "slure" = "sluggish person", "sluren" = "faint", "languid", "sleepy", "slora", "slura" = "loose hang", "drag", Middle High German "slur" m. = "stroll"; "slacker", "lazy person", Middle Low German "sluren" = "hang loose", "swerve", "be lazy"; Dutch (abl.) "sleuren" ds., "sloor" = "slovenly person"; Middle High German "slier" ("*sleura-") m. n. = "slime", "mud", "loam", "clay" (Modern High German dial. "Schlier" ds., "Schliere" = "slimy mass", Tirol "schlieren" = "glide", "slide", "slip", "stumble"), English "slear", "sleer" = "smear", "slur" = "slime", "mud", Verb. "smear", "glide", "slide".

(s)leug-:

Low German "sluk" = "slack", Dutch "sluik" = "lean", "hager", "smooth", English "slouch" = "sit or stand with the head and shoulders drooping forward", "walk with a relaxed drooping gait"; Old Icelandic "slokinn" = "die", "be extinguished", "slokna" = "be extinguished", "die"; "sløkkva" = "extinguish", "put out", "slay"; Norwegian "sloka" = "be rotten", Low German "slokeren" = "be slack", "hang loose".

with kk: "slukkern" ds. (Modern High German "Schlucker"), "slukk" = "sad", "slokk" = "slack", "weak", Norwegian "slauk" = "limp person", "slauka" = "trudge", "lumber", Old English "sleac" = "slack";

without s-: Old Icelandic "loka" = "let hang down limply", Norwegian "lukr", "lugr" = "loose", "hanging loose"; besides with expressive voiced-nonaspirated gemination Norwegian Swedish "slugga" = "be clumsy" (English "slug", "sluggish" = "sleepy", "idle" is Scandinavian loanword), Middle Low German "luggich" ds.; presumably Lithuanian "slúgstu", "slúgau", "slúgti" = "abate", "become small".

(s)leut-:

Middle Irish "lott" ("lot"?) = "whore" = "Hure" seems Germanic loanword; compare under Old Icelandic "lodda", in addition "lydda" = "laggard woman";

Old English "liedre" = "useless", "evil", "bad", "woeful", "wretched", "miserable", Middle High German "liederlich" = "light and dainty", "slight", "frivolous", Modern High German "liederlich" ("*liuÞri-"); Old High German "lotar", Middle High German "loter", "lotter" = "lax", "frivolous" (Modern High German "Lotterbube"), also "idle" (Modern High German "Lotterbank"), Old English "loddere" = "beggar", Old Swedish "lyddare" f. "incompetent person", Old Icelandic "lodda" f. = "wife", "woman"; here with the meaning "hanging loose cloth", "scrap", "shred" perhaps Old High German "luthara", "ludara" = "diaper", "cradle", Old Saxon "luthara" = "child diaper"; with "u" Old High German "lodera" ds., Old Saxon "lodara" = "scrap", "shred" and Old High German "ludo", "lodo" = " coarse woolen stuff", "mantle", Modern High German "Loden", Old Saxon "lotho", Old English "loÞa" m. = "mantle", Old Icelandic "loði" = "loden coat" (in the meaning influenced by "loðenn", above S. 685,);

Serbian "lûtâm", "lútati" = "amble", vowel gradation Russian "lytát?" = "be on the gad", "wander restlessly"; presumably also altcech. "lútový" = "frail", "fragile", "easily broken"; "unstable", "dilapidated"; "vain", Latvian "lutêt", "lutinât" = "spoil", "pamper";

With s-: Gothic "af-slauÞjan" = "move into dismay" (if "* make slack", "feeble", from an Adj. "*slauÞa-"), "af-slauÞnan" = "get in dismay"; Old Icelandic "sloðra" = "be dragged forward", "slyðra" = "fibre", "filament", Middle High German "slot(t)ern", "sloten" = "wobble", "sway", "tremble", Modern High German "schlottern", Dutch "slodderen" ds., "slodder" = "slovenly person"; Middle High German "sludern" = "swerve", "toss", "fling", "sluder" = "slingshot", "sluderer" = "who works hasty and dissolutely", "slu(de)r-affe" = "bummer", "idler" ("Schlaraffe"), Bavarian "schlaudern" also " drive loose back and forth";

Icelandic "slydda" = "snow and rain in a mess", "sludda" = "clump saliva or nasal mucus", English dial. "slud" = "slime", "mud", South German "schludern" = "to snow and rain at the same time", Middle High German "slate" = "slime", "mud", "thaw", Modern High German dial. "schlott", "schlutt" ds.; vowel gradation Middle High German "slote" = "slime", "mud", "loam", "clay";

Maybe alb. Geg ("*sly") "shkri" = "thaw".

with Germanic t-: Old Frisian "slat", Middle Low German "slot" m. = "moat", "protective body of water surrounding a town or fortress", "puddle", "slop", "swamp", "marsh", English "sleet" (Old English "*sliete"), = "partly frozen rain", "mixture of snow and rain", "graupel", Low German "slöten" = "hail", Middle High German "sloz", "sloze", Modern High German "Schloße", Norwegian "slutr" = "rain and snow in a mess", Old Icelandic "slota" = "hang down", Swedish dial. "be rotten", with lengthened zero grade Old Icelandic "sluta" = "hang down", "hang", "be loose", Modern High German dial. "schlossen" = "become slack", "thaw" ("schlotzen" = "make, have dirt", "be careless", "neglectful" with -tt-).

References: WP. II 708 ff., Wissmann Nomina postverb. 84, Vasmer 2, 76.

Page(s): 962-963


(E3)(L1) http://www.redensarten-index.de/register/v.php
"verlottern"

(E?)(L?) http://www.ling.upenn.edu/~kurisuto/germanic/pgmc_torp_about.html
355 355 laika - leuskan
356 356 lak - lêkia

(E1)(L1) http://www.dwb.uni-trier.de/
Das 1854-1960 erschienene "Deutsche Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm" als Neubearbeitung im Internet
Darstellung des hochdeutschen Wortschatzes seit Mitte des 15. Jahrhunderts

"LOTTER" [Lfg. 12,7], adj. "schlaff", "nicht fest sitzend", "hangend"; ahd. "lotar", cassus, vanus, inanis GRAFF 2, 204; mhd. "loter", "locker", "leichtsinnig", "leichtfertig"; die sinnliche bedeutung tritt im bairischen (hier neben der übertragenen) und im Fuldaischen noch heute auf: "lotter", "locker", "abgespannt" SCHM. 1, 1540; "lotter", "locker", "wackelig", "schlaff" VILMAR 254 (vgl. auch "lottericht", "lotterig"); wann derselbig stein, der doch mit einem kalch oder katt wurd vergossen, anfahe lotter werden und wacken. Zimm. chron. 3, 131, 24; damit aber solche helm und sturmhüt durch die hitz und schweisz des kopfs nicht von einander fallen und "lotter" werden. FRONSPERGER kriegsb. 3, 149b; wickelt das hun mit ein oder zwei kälbernetzlein über und über ein, das netz aber musz ganz lotter über dem hun sein. HOHBERG 3, 3, 54b. auch STEINBACH 1, 1081 kennt "lotter" für "locker".

Der stamm von "lotter" tritt als "lod-" in einer sp. 1116 fgg. aufgeführten und als "lud-" in einer unten folgenden reihe von worten auf, in denen gemeinsam mehr oder weniger deutlich der begriff der "zotte" und des "lumpens" zu tage tritt. das schwanken der dentale wie in dem wol auch verwandten verbum "schlottern", für das sich, namentlich mitteldeutsch, auch "slodern", bei LUTHER "schloddern" findet. [Abschnitt reduzieren]

"LOTTER" [Lfg. 12,7], m. nequam. das wort bezeichnet bei seinem frühesten vorkommen als ags. "loddere", schlechthin einen "zerlumpten kerl": ac se rîca besihð on his pällenum gyrlum, and cwyð: nis se loddere mid his tættecum (lumpen) mîn gelîca. ÄLFRIC Homil. 1, 256; im mhd. und noch später geht "loter", "lotter", "loder" vornehmlich auf den herumziehenden "gaukler" und "spaszmacher", "possenreiszer" um geld, mit schimpflichem nebens ...[weiter]

"LOTTER" [Lfg. 12,7], f. in Baiern die "lotterbank", "faulbank hinter dem ofen". SCHM. 1, 1541 Fromm. in Schwaben aber bezeichnet die "lotter" das "gehänge am schnurrrade". SCHMID 360. in Hessen bedeutet die "lotter" die "latte". VILMAR 253.

"LOTTERBALG" [Lfg. 12,7], m. nichtsnutziges, lasterhaftes weibsbild; hier bezeichnung einer pfaffenköchin: die do gern wolten sich zu gott keren, und ein sölchen lotterbalg hant an inen hangen. KEISERSBERG bilg. 192b; ist es nit ein grosze dorheit, d? du dîn bilgerfart underwegen lost und verzerst, do zu alle din hab umb einer sölchen gaffelstirn willen, und ein wüsten loterbalg, die doch so bald din vergiszt, und glich eines andren mer acht nimpt weder din? 193d; du hast ouch din eigen fleisch, d? reizt und stupft dich zu bösem, d? sint die lüsz, wilt du dich diser lüsz erweren durch ein lotterbalg, du wilt ein kellerin han, so uberkümpst du erst wentelen. 213b.

"LOTTERBANDE" [Lfg. 12,7], f. nichtsnutzige bande: die ganze bonapartistische lotterbande. aus einem zeitungsartikel von 1873.

"LOTTERBANK" [Lfg. 12,7], f. faulbank hinter dem ofen. in Baiern. SCHM. 1, 1541 Fromm.

"LOTTERBETTLEIN" [Lfg. 12,7], n.: ein edelmann der lag auf dem lotterbettlein. PAULI schimpf 80.

"LOTTEREI" [Lfg. 12,7], f. wesen und art eines lotters, mhd. loterîe, lotterîe. SCHM. 1, 1540 Fromm.; armut, lumperei: dasz mancher durch spielen um das seinige gekommen, an den bettelstab [12,1213] oder in lotterei gerathen. corpus constitut. Brandenb.-Culmb. 2, 1, 575; liederlichkeit, liederliches thun: ...

"LOTTERHAFT" [Lfg. 12,7], adj. nach art eines lotters; vgl. unter lotterisch.

"LOTTERHOLZ" [Lfg. 12,7], n. holz, welches die lotter führten, zu ihren gaukelkünsten verwendeten, und beim spruchsprechen in der hand hielten: man spricht gemeinlich, hut dich vor dem geteilten. die mit dem lotterholz geben eim das selb holz zwischen beide hend, und machent ein heilant (binde) dorumb, und wettent mit eim, ob es härab gang, oder nit. welches er denn erwelet, so ist es verloren. KEISERSBERG postill (1522) ...[weiter]

"LOTTERHOSE" [Lfg. 12,7], f. vgl. lodderhose sp. 1117.

LOTTERIG [Lfg. 12,7], LOTTERICHT, adj. das da lottert, schlaff ist, lumpig herunterhängt: loddericht laceratus SCHOTTEL 1358; es ward selbst in den unteren ständen im allgemeinen eben so sehr, als man sich jetzt lotterig oder ungezogen gehen läszt, nach einer gewissen vornehmigkeit und zierlichkeit gestrebt. ARNDT leben 12. niederdeutsch loddrig, loddrige arbeit, eine arbeit worauf keine mühe, kein fleisz verwandt ist, dat tüg sitt em so loddrig upp'n lîw, er wendet nicht die geringste sorgfalt auf seinen anzug. DANNEIL 127b; im Waldeckschen ludderig, unordentlich CURTZE 483a. vgl. auch unter lotterei.

"LOTTERISCH" [Lfg. 12,7], adj. und adv. nach der weise eines lotters: lotterisch, leichtfertigklich, mit schamperen schimpfworten, scurriliter MAALER 274d; lotterisch, lotterhaft, scurrilis, vernilis, scurriliter, verniliter STIELER 1174;

"LOTTERKEIT" [Lfg. 12,7], f. art eines lotters: scurrilitas lotirkyt DIEF. nov. gloss. 333a; ...

"LOTTERN" [Lfg. 12,7], verb. 1) schlaff sein, schlaff herabhangen: vertreibt die lottrenden und hangenden brüst der weiber. TABERNAEM. 740; die allerreichesten (Deutschen) ... kennet man an den kleidern, die nicht weit umher lottern, wie die Sarmaten und Parthen, sondern eng sind und jedes glied in seiner gestalt darbieten. abentheur von allerhand mineralien (1656) 924.
2) schlendern, bummeln: lottern, umlottern umher schlendern. SCHMID schwäb. wb. 360; er hatte kein geschäft, sondern lotterte in den wirthshäusern. AUERBACH dorfgesch. 1, 398; wenn es (ein zum ersten male eingespanntes füllen) scharf anzieht .. so macht es den nebengaul nur irr, dasz er gar nichts mehr thut und nur so neben her lottert. 499.
3) wie ein lotter verfahren: lodderen, lotteren, scurrari, risum salsum ab omnibus captare, nulla verecundiae habita ratione. SCHOTTEL 1358.
4) lottern, im Nassauischen, rollen, eine last mittelst eines seiles (lotterseiles), das über eine rolle läuft, in die höhe ziehen. KEHREIN 267.

"LOTTERSEIL" [Lfg. 12,7], n., vgl. lottern 4.

"LOTTIGKRAUT" [Lfg. 12,7], n. huflattich, nach dem niederdeutschen namen dieser pflanze loddik, lödke. NEMNICH 4, 1515. brem. wb. 3, 79; ...

"lottern" (heute meist "verlottern") Vswschwaches Verb erw. erweiterter Standardwortschatz obs. obsolet (16. Jh., "lotar" adj. 8. Jh.)Stammwort. Vgl. ae. "loddere" = "Bettler". Hierzu "Lotter-" in Zusammensetzungen wie "Lotterbett" n., "Lotterbube" m. Ebenso Heidermanns (1993), 386f.; liederlich. deutsch gw


Lotterbube (W3)

(E3)(L1) http://www.deutsches-rechtswoerterbuch.de/
"lotterbube"

(E3)(L1) http://www.textlog.de/johann-eberhard.html
(E?)(L?) http://www.textlog.de/37667.html
988. Lotterbube. Taugenichts

...
Daher heißt dann das Wort soviel wie: "nichtswürdiger Landstreicher", der sich schlaff und schlapp herumtreibt und überall Unfug stiftet.
...


(E1)(L1) http://www.dwb.uni-trier.de/
Das 1854-1960 erschienene "Deutsche Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm" als Neubearbeitung im Internet
Darstellung des hochdeutschen Wortschatzes seit Mitte des 15. Jahrhunderts

"LOTTERBUBE" [Lfg. 12,7], m. "bube eines lotters", "lotter" selbst, "gaukler" (vergl. auch unter "lotterholz"): histrio "lodderboeve" DIEF. 279a; scurra "loterbuob" 522a; in der fürsten hofe vindet man loterbuben, spilleute, schmaicher. A. V. EYBE 41a; begert sich aber mit musziggehn zu erneren, darum übt er sich in reimen und sprechen, wie dann solche lotterbuben vor jaren in sondren deliciis bei unsern vordern sein gewest. Zimm. chr. 3 ...[weiter]

"LOTTERBÜBEREI" [Lfg. 12,7], f.: schandpossen (lotterbüberei) sol mit höchstem fleisz vermeidet werden. COMENIUS sprachenthür von DOCEMIUS § 843. in der form lottersbüberei: glaubet nur, das alles frauenzimmer bei allen kurzweiligen gelagen und zusammenkünften von nichts anderes saget, als von eurer lottersbüberei, wodurch ihr euch alle speranz und hoffnung eines vortheilhaftigen heiraths ganz entziehet und auszlöschet. franz. Simpl. (1683) s. 66.

"LOTTERBÜBISCH" [Lfg. 12,7], adj. und adv.: es schickt sich nicht, wenn einer predigen, leren, oder für gericht reden solt, das er daher keme mit reimen gefaszt, als wolt er ein lied singen, oder lotterbübisch spielen. LUTHER 8, 16a.


Lug - Lug und Trug



M

mässig - regelmässig



merzen, ausmerzen, Rotte, ausrotten, korrumpieren (W3)

kommt heute nur noch in "ausmerzen" = "ausrotten" vor. In der Schafzucht wurden im März die Schafe sortiert; die guten ins Töpfchen die schlechten ins Kröpfchen. (Wobei es hier vielleicht etwas anders war; die guten in den Pferch, die schlechten in den Topf.) Jedenfalls könnte sich "ausmerzen" aus diesem "Aussortieren im März" gebildet haben. (Allerdings weist der Duden darauf hin, dass es sich hierbei auch um eine volksetymologische Deutung handeln könnte.)

Bei dieser Gelegenheit stellt sich auch die Frage, ob "ausrotten" auf mndd. "rotten" = "faulen" (vgl. "verrotten") zurückgeht oder auf "aus der Rotte aussortieren".
Wenn man allerdings noch etwas weitergeht und berücksichtigt, dass die "Rotte" über mhd. "rot(t)e" und afrz. "rote" auf das lat. "rupta" = "Abteilung, (Räuber)schar" zurückgeht, und dieses wiederum auf lat. "rumpere" = "ab-, zersprengen", kann man die gemeinsame Wurzel durchaus erahnen. Im einen Fall handelt es sich um die "abgesprengte" Menschengruppe im andern Fall z.B. um einen Baumstamm, der sich in Einzelteile auflöst.
Und wenn sich ein Mitglied der Gesellschaft aus dieser "herauslösen" lässt, dann ist er "korrumpierbar" (bestechlich) und wendet sich anderen Zielen und/oder Gruppen zu.

munkeln



N

netzen -

kenne ich nur als "benetzen"
(A: hoco)

netzen - Klassischer Anglizismus, von Internet oder besonders LAN (Lokales Netzwerkt), Verb für die Benutzung desselben, Jugendsprech für "Laß uns im Netz spielen".
(A: woba)

"Vernetzen" ist bei mir Alltag: Computer, Personen, HTML-Dateien, Organsationseinheiten miteinander kommunizieren lassen. Den Jugendsprech "netzen" habe ich hiermit in meinen aktiven Wortschatz eingesaugt.
(A: S.-H. Zimmermann)

nied - niedlich



O

obdachlos, Obdach, Dach (W3)

(E?)(L?) http://www.baulexikon.de/Bautechnik/Begriffe_Bautechnik/d/BAUlexikon_dachformen.htm
Die Bezeichnung für ein Leben ohne Wohnung setzt sich zusammen aus dem veralteten "Obdach" und "los". "Obdach" entstammt der Verwaltungssprache für "Überdach". Der Suffix "-los" bedeutet das "Nichtvorhandensein" einer Sache.
"Dach" wiederum geht auf einen idg. Stamm "*teg" = "decken" zurück.

Der "Dachdecker" ist also ein Pleonasmus.
(A: S.-H. Zimmermann)

Omnibus

(E?)(L?) http://www.spanishtranslator.org/
(E1)(L1) http://www.wordsmith.org/awad
(E1)(L1) http://www.worldwidewords.org/
Dativ Plural von lat. "omnes" = "alle" => "für alle"
(A: roge)

The word "bus", from the Latin "omnibus", is curious in that it's a nominalized inflectional morpheme - the ablative (I believe) of "omni". - Can anyone think of any similar cases?
(ADSL, 30.08.2002)

oostfreeske-taal - Sprachensterben

(E?)(L?) http://www.oostfreeske-taal.de/sprachensterben.htm
(E?)(L?) http://www.geo.de/GEO/kultur_gesellschaft/gesellschaft/2001_02_GEO_sprachwelten_index
Neben untergehenden und untergegangenen Wörtern gibt es auch ganze Sprachen, die bereits untergegangen sind bzw. vom Untergang bedroht sind. Sprachforscher rechnen damit, dass im 21.Jh. zwischen 70 und 90% der Sprachen untergehen werden. Damit bleiben von den 6.000 noch existierenden Sprachen noch 1000 lebendig. Und auch das wird nicht das Ende der Entwicklung sein.

P

passen, aufpassen, verpassen (W3)

"Die Hose passt" kann man noch hören, dennoch hat das Wort "passen" etwas Antiquiertes. Es kommt von frz. "passer" = "passieren" und hatte entsprechend im Mittelhochdeutschen noch die Bedeutung "das Ziel erreichen". Entsprechend hat "aufpassen", die Bedeutung "den richtigen Zeitpunkt abwarten (um ein Ziel zu erreichen)" und "verpassen" geht am Ziel vorbei.

Pech, erpicht - auf etwas erpicht sein, Pech haben, Pechvogel (W3)

Vögel fing man in früheren Zeiten mit "Pechruten" = "Stöcke, die mit Pech bestrichen waren". Die Vögel, die das "Pech" hatten, sich darauf zu setzen, waren so "erpicht" von diesem Gerät, dass Sie sich gar nicht mehr loslösen konnten.
Seit dem 16.Jh. wurde der Ausdruck auch im übertragenen Sinn verwendet.

Pech wurde auch zum Abdichten von Booten benutzt. (Wer da kein Pech hatte, hatte wirklich Pech.)

Zum "Pech haben" könnte auch die Bezeichnung "höllisches Pech" für die "Hölle" beigetragen haben.

Und damit erklärt sich auch die Herkunft des "Pechvogels".

Das "Pech" geht übrigens über mhd. "bech", "pech" auf lat. "pix" zurück.

pönen, verpönen

"pönen" habe ich noch nicht frei vorkommen gesehen. Es tritt normalerweise in der Form "verpönen", "verpönt" auf. Es geht jedenfalls zurück auf die Bedeutung "Strafe", was noch erkennbar ist in "Pein", lat. "poena" = "Buße", "Sühnegeld", engl. "pain" = "Schmerz", "Qual", "Sorge". "Verpönt" ist also etwas, das "bei Strafe verboten" bzw. etwas abgemildert "verrufen, missbilligt, abgelehnt" ist/wird.

Pferge



pochen



Q

R

rappen - berappen



Rast - Rastplatz - ausrasten - Raster



Ross



ruchlos, Ruchlosigkeit (W3)

Das Wort "ruchlos" kommt in freier Wildbahn kaum noch vor. Eher trifft man noch die "Ruchlosigkeit" an. Weder "ruchlos" noch die "Ruchlosigkeit" kann man "riechen". Aber nicht etwa, weil sie "ohne Geruch" wären, sondern weil sie auf mhd. "ruochelos" = "sorglos", "unbekümmert" zurückgehen und der erste Teil "ruoch", "ruoche" = "Bedacht", "Sorgfalt" heißt. Heute versteht man unter "Sorgfaltlosigkeit" etwa "Skrupellosigkeit", "Gewissenlosigkeit", "Gemeinheit".

Rüge (W3)

Am 17.12.2007 fragte Herr J. Spautz nach den Wurzeln des Wortes Rüge.

Im Mittelalter hieß die "Rüge" noch mhd. "rüege", ahd. "ruoge", mnd. "wroge" = "Anklage".

(E2)(L2) http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/dossiers/woerterbuch/?em_cnt=336837
...
Das ist nun lange her. Heute ist die Rüge, die ein rein germanisches Gewächs ist und nur ganz zufällig klanglich an den wesensverwandten Rüffel erinnert, bloß noch ein Tadel, ein Verweis. In der Privatsphäre kommt sie so gut wie gar nicht vor, denn da würde das Aussprechen einer Rüge eher als lächerlich und unangemessen, weil allzu gravitätisch, gerügt werden.
...


(E?)(L2) http://www.mittelalter-lexikon.de/
Rüge | Rügegericht | Rügegeschworene | Rügelied | Scheltlied - Rügelied

(E?)(L?) http://germazope.uni-trier.de/Projects/DWB
"Online-Wörterbuch aufschlagen" anklicken und nach "Rüge" suchen.

(E?)(L?) http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?word=R%C3%BCge&wb=G&mode=hierarchy&lemmode=lemmasearch&lemid=GA00001&textsize=600&query_start=1
In
"Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971."
findet man folgende "Rüge"-Einträge:

RÜGE, f. | RÜGE, adj. | RÜGEAMT, n. | RÜGEBLICK, m. | RÜGEBUCH, n. | RÜGEFALL, m. | RÜGEGERICHT, n. | RÜGEGERICHTSBARKEIT, f. | RÜGEGRAF, m. | RÜGEHAFER, m. | RÜGEHEER, m. | RÜGELN, v. | RÜGELSAM, adj. | RÜGEMEISTER, m. | RÜGEN, v. | RÜGEN, v. | RÜGEN, v. | RÜGENSWERTH, adj. | RÜGEOPFER, n. | RÜGEORDNUNG, f. | RÜGER, m. | RÜGER, m. | RÜGERICHTER, m. | RÜGERIN, f. | RÜGESACHE, f. | RÜGESCHMERZ, m. | RÜGESCHREIBER, m. | RÜGESCHWERT, n. | RÜGESTRAFE, f. | RÜGESTUBE, f. | RUGET | RÜGETAG, m. | RÜGEURTHEIL, n. | RÜGEWASSER, n. | RÜGEWEIS, adv. | RÜGEWORT, n. | RÜGEZEIT, f. | RÜGEZETTEL, m.

"RÜGE", f. "anzeige", "beschuldigung", "tadel". mhd. "rüege", mnd. "wroge", ahd. noch nicht belegt. die andern dialekte zeigen abweichende bildungen: goth. "wrohs", f. "anklage", altn. "rógr", m., später "róg", n. "verleumdung", "zwist", alts. und angels. "wrôht", f. "streit".

über die etymologie vergl. "rügen".
...
1) zunächst bezeichnet "rüge" die "handlung des rügens", und zwar, den verschiedenen Bedeutungen von rügen entsprechend,
a) die "anzeige eines vergehens", denunciatio ...
b) die "gerichtliche untersuchung", wenig gebräuchlich, s. ADELUNG. eine rüge anstellen.
c) die "gerichtliche ahndung eines vergehens", die "geldbusze", mit der die rüger (s. das.) kleinere vergehen bestraften, besonders im niederd. (s. brem. wb. 5, 295). rug, animadversio in delatos, mulcta. FRISCH 2, 133a.
d) der "tadel", "verweis". in dieser Bedeutung jetzt fast allein gebräuchlich: ...
...


rügen (W3)

Im Mittelalter hieß "rügen" noch mhd. "rüegen", ahd. "ruogen", "ruagen", ndd. "wrugen", "wrogen" = "anklagen".
"rügen" war in vergangenen Zeiten ein "juristischer" Begriff, das die "Anzeige und Bestrafung" eines Vergehens bedeutete, also einen offizieller "Tadel" darstellte. Heute bezeichnet es jede Form von Tadel und hat im Sprachverständnis keine Beziehung mehr zur Gerichtsbarkeit

(E?)(L?) http://germazope.uni-trier.de/Projects/DWB
"Online-Wörterbuch aufschlagen" anklicken und nach "rügen" suchen.

(E?)(L?) http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?word=R%C3%BCgen&wb=G&mode=hierarchy&lemmode=lemmasearch&lemid=GA00001&textsize=600&query_start=1
"RÜGEN