Etymologie-Newsletter 2002-08 (Sonntag 2002-08-11)

Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
Die Lehre von der Wortherkunft

Etymologie-Portal - Newsletter

(E1)(L1) http://www.etymologie.info/
Die HTML-Version finden Sie auf dem Etymologie-Portal in der Rubrik "Newsletter".

Begrüßung

Liebe Etymologie-Amateure (und Profis),


Inhalt



Feedback

Interne Links innerhalb des Newsletters lassen sich genauso realisieren, wie auf der Homepage. Allerdings muss man darauf achten, dass in der Verlinkung keine "target"-Angabe gemacht wird.

Der nächste "kleine" Etymologie-Newsletter mit der Liste der auf http://www.etymologie.info/ gesuchten Begriffe kommt im Laufe der nächsten Woche. Der nächste "grosse" Etymologie-Newsletter erscheint in 4 Wochen.

Wortgeschichten

Nachdem ich im "nullten" Newsletter im Juli auf das gar nicht so harmlose Wörtchen 'Hehl' aufmerksam gemacht habe, möchte ich heute auf zwei weitere Worte aufmerksam machen, die alleinstehend kaum anzutreffen sind und eventuell dem Untergang geweihte Archaismen sind.

Fuchtel (W3)

Das Wort 'Fuchtel' trifft man kaum noch allein an. Es ist - wenn überhaupt - in Ausdrücken wie '(herum)fuchteln' oder 'jemanden unter die Fuchtel nehmen' anzutreffen.
Die 'Fuchtel' wurde im 16.Jh. aus 'fechten' hergeleitet und war die Bezeichnung für einen 'Fechtdegen'. Dieser 'Fechtdegen' diente natürlich auch dazu Zucht und Ordnung (wieder) herzustellen. Und ein mit gezogenem Degen Abgeführter, stand 'unter der Fuchtel'. Mit der Zeit (z.B. mit dem Aufkommen von Handfeuerwaffen) verlor die 'Fuchtel' ihre staatstragende Bedeutung. Der Umgang mit dem Fechtdegen wurde mehr und mehr auch im 'nicht professionellen' Umfeld gepflegt, was dann für Aussenstehende mehr nach einem 'Herumfuchteln' als nach 'Fechten' ausgesehen haben mag.
In einigen Gegenden kann man noch vernehmen, dass jemand ganz 'fuchtig' ist, wenn er zornig mit den Armen gestikuliert.
Das Wort 'fechten' geht auf Wurzeln mit der Bedeutung 'raufen, rupfen'(lat. 'pectere' = 'kämmen', griech. 'pekteo' = 'ich schere') zurück und machte eine Wandlung zur Bedeutung 'kämpfen' durch. Das 'Gefecht' muss also nicht unbedingt mit einem 'Fechtdegen' erfolgen, es kann auch ganz allgemein 'Kampf' bedeuten.
Eine interessante Verbindung gibt es auch zum sogenannten Rotwelschen. Auch heute spricht man beim Sammeln von Beeren von 'Beeren kämmen', wenn man Sie mit der zum Kamm geformten Hand herunterstreift. Die Zigeuner bezeichneten im 17.Jh. das 'betteln' das 'sammeln, kämmen' von Almosen auch als 'fechten'.

Harm (W3)

'Harm' gehört auch zu den Begriffen, die ich noch nicht alleinstehend gesehen habe. Es ist anzutreffen in Verbindungen wie 'harmlos' oder 'abgehärmt'.
'Harm' wird auf eine Wurzel mit der Bedeutung 'Kränkung, Kummer, Qual, Scham, Schande, Schmach' zurückgeführt. Demnach steht 'harmlos' für 'ohne Qual, ohne Leid' und hat wohl über 'keinen Kummer bereitend' mittlerweile den Bedeutungsinhalt 'unschädlich, ungefährlich' angenommen.

Und nun finde ich doch im Kluge den Hinweis, dass 'Harm' auf Grund von Sprachvergleichen mit 'p' angelautet haben muss, und schließlich die Wurzel ide. "*pek" = "die Haare raufen" sein könnte. (Ich kann mir zwar noch vorstellen, dass man von '*pek' auf 'pectere' und dann auf 'fuchteln' kommt; aber wie man von'*pek' auf 'Harm' kommt kann ich nicht ganz nachvollziehen. Aber die professionellen Etymologen werden sich etwas dabei gedacht haben.) Jetzt wäre es doch wirklich interessant, die sprachliche Entwicklung von '*pek' in einem Schnelldurchlauf wiederholen zu können und zu beobachten wann und wo die Gabelung in 'Fuchtel' und 'Harm' erfolgte, aber es ist wirklich 'zum Haare raufen' - diese Gelegenheit werden wir nicht mehr bekommen.

Linktipp

prismenfernglas

(E1)(L?) http://www.prismenfernglas.de/etymologie.html
Die Seite bietet einige Erläuterungen zur Lehre von der Herkunft und Bedeutung der Wörter. - Homepage von Hartmut Blessing
Etymologie, Hobbies, Animierte Gifs, Artikel, Galerie, Links

Buchtipps

Bartels, Klaus
Wie der Steuermann im Cyberspace landete
77 neue Wortgeschichten

176S., Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998

Folgende Wörter läßt der Autor sprechen: (und sie haben viel und Interessantes zu erzählen)
Affäre und Skandal, Agenda, Amateur und Dilletant, Amüsement, Anekdote, Auto, Autorität, Belletristik, Bikini, Börse und Bursche, Bravo!, Castor, Chance, Cyberspace, Demokratie, Diner, Dinosaurier, Direktor, Droge, Effizienz, Eventuell, Experte, Fasten, Fest- und Feiertage, Glas, Gratis, Grill, Grippe, Grotesk, His Story, Hybrid, Individuum, Infotainment, Installation, Investition, Kalender, Katastrophe, Kavalier, Klischee, Klonen, Kolumne, Kompost, Kontakt, Kostüm, Kritik, Labor, Manager, Mobing, Multimedia, Nano-, Panik, Pauschal, Pause, Pavillon, Pedant, Philologie, Pille, Proaktiv, Profit und Defizit, Proliferation, Prominent, Qualifikation, Quote, Radar, Raffiniert, Rap, Rivalen, Sekretär und Sekretärin, Service, Skizze und Stegreif, Spargel, Sparte, Stil, Symposion, Synergie, Tresor, Visionen, Zins

Grimm, Jacob und Wilhelm

(E?)(L?) http://www.amazon.ca/exec/obidos/ASIN/3423590459/etymologporta-20


(E?)(L?) http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3423590459/etymologety0f-21


(E?)(L?) http://www.amazon.fr/exec/obidos/ASIN/3423590459/etymologetymo-21


(E?)(L?) http://www.amazon.co.uk/exec/obidos/ASIN/3423590459/etymologety0d-21


(E?)(L?) http://www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/3423590459/etymologpor09-20
Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854ff. (33 Bde.)
Eine gute Abhandlung zum Thema 'Etymologie' mit dem Titel "Etymologie und Wortgeschichte in sprachhistorischer Lexikographie" gibt es von Carsten Brettschneider im Netz. Daraus ist folgender Auszug zur Buchbesprechung entnommen.

Von seinen Begründern als "philologisch orientiertes Belegwörterbuch mit sprachhistorischer Ausrichtung" konzipiert und die "vollere, lebendige" Sammlung aller deutschen Wörter anstrebend, gilt es heutzutage als "worthistorisches Grundlagenwerk für die deutsche Sprache." Wenngleich es kein rein auf etymologische oder wortgeschichtliche Ansprüche konzipiertes Wörterbuch darstellt, darf es hier dennoch nicht fehlen.
Das Deutsche Wörterbuch von Grimm strebt, wie in der Neubearbeitung formuliert, an, ein Verzeichnis des hochdeutschen, schriftsprachlichen Wortbestand von der Mitte des 15. Jahrhunderts, dem Beginn des Buchdrucks, bis zur Gegenwart zu liefern, wobei es sich, wie oben schon angedeutet, auf den im älteren Neuhochdeutschen gebräuchlichen Wortschatz beschränkt.
Nach "Grimm" ist Etymologie "das Salz, die Würze des Wörterbuches", "ohne deren Zuthat seine Speise noch ungeschmack bliebe."
Die Neubearbeitung des Grimm, die 1958 auf zehn Bände angelegt wurde, wartet vor allem mit einer klareren Gliederung und einer stärkeren Straffung der Wörterbuchartikel auf. Längere Wörterbuchartikel verfügen so zum Beispiel über einen Einleitungsteil, in dem neben etymologischen Informationen auch gesondert phonologische, sowie bei Bedarf grammatische und wortgeographische Informationen gegeben werden. In Ausnahmefällen wird auch eine Übersicht der nachfolgenden Bedeutungsgliederung gegeben. Des weiteren wurde auf eine stärkere Vernetzung des Wortschatzes geachtet. Lemmata, Zitate, Nummern und Erläuterung werden durch unterschiedliche Zeichensatzattribuierungen entsprechend hervorgehoben. Insgesamt ist die Neubearbeitung des Grimm übersichtlicher und systematisch durchdachter als die alte Ausgabe, wovon vor allem die wortgeschichtliche Darstellung profitiert, während die etymologischen Angaben in erster Linie auf den aktuellen Stand gebracht worden sind.
Mehr dazu unter den angegebenen Link-Adressen.

Wer kennt das Wort

Und wer kennt seine Geschichte?

Folgende Ausdrücke kenne ich aus einem teils umgangssprachlichen Kontext. Wenn Sie diese Worte kennen und eine Erklärung zu ihrer Herkunft haben, lassen Sie es mich wissen!!!

BegriffBedeutung
Bierernstkann jemand erklären, wo der Ausdruck 'Bierernst' herkommt und was er genau zu bedeuten hat?
bosselnetwas basteln, in Ruhe, qualitativ eher wertfrei
faselnetwas ungeordnet reden
petzenetwas verraten


Impressum

ErscheinungsdatumMittwoch 2002-08-28
TitelEtymologie-Newsletter
ISSN
International Standard Serial Number
- ISSN 1610-2320 (2002-07-10) (E-Mail-Version)
- ISSN 1610-3165 (2002-07-22) (Internet-Archiv-Version)
Die Deutsche Nationalbibliothek
weltweites Verzeichnis des ISSN International Centre in Paris
Herausgeber
Postanschrift
Horst Conrad
Kneippstr.6
D-66482 Zweibrücken
E-Mailmailto:conrad-horst@etymologie.info
Erscheinungsweisewöchentlich die Liste der gesuchten Begriffe auf "http://www.etymologie.info/"
Etymologie-Mailingliste
Etymologie-Newsletter
Die Anmeldeformulare gibt es unter
(E1)(L1) http://www.etymologie.info/
In der linken Navigationsleiste unter
"Etymologie-Mailingliste"
"Etymologie-Newsletter"
HaftungshinweisTrotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.
eine Initiative von http://www.etymologie.info/ Diesen Newsletter erhalten Sie als kostenlosen Service.
Bei Fragen, Kommentaren und Anregungen wenden Sie sich bitte an
mailto:conrad-horst@etymologie.info
(c) http://www.etymologie.info/


(E?)(L?) http://www.tantalosz.de/latinum/e.php
Errare humanum est, perseverare diabolicum, corrigere divinum!
Irren ist menschlich, am Irrtum festhalten teuflisch, (sich) korrigieren (können) göttlich!

oder

(E?)(L?) http://fr.wikipedia.org/wiki/Errare_humanum_est,_perseverare_diabolicum
Humanum fuit errare, diabolicum est per animositatem in errore manere.
(Aurelius Augustinus, 353-430 n. Chr., Bischof von Hippo in Nordafrika) Sermons (164, 14)
Menschlich ist es zu irren, teuflisch ist es, leidenschaftlich im Irrtum zu verharren.