Etymologie-Newsletter 2003-04

Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
Die Lehre von der Wortherkunft

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Begrüssung / Feedback / Korrekturen / Vorwort

Liebe Etymologie-Amateure (und Profis),

ich begrüsse Sie zum neuen Etymologie-Newsletter

Heute gibt es wieder ein paar untergehende Begriffe zum goutieren.
Als Linktipp gibt es heute drei Lexikas - keine etymologischen aber mit etymologischen Hinweisen.
Und die Buchempfehlungen behandeln einmal etwas ganz Altes und einmal etwas ganz Neues. Entscheiden Sie selbst, wohin Sie tendieren.

Das Wort des Monats April ist "Alkohol".
Die Wortgeschichte von Christoph Gutknecht ist auf dem Etymologie-Portal in der linken Navigationsleiste unter "Das Wort des Monats auf http://www.etymologie.info/" aufzurufen.

Wortgeschichten

Heute möchte ich die Reihe "untergehende Begriffe" fortführen.
Vor ein paar Tagen hörte ich mich plötzlich sagen "Ich bin nicht davor 'gefeit' ...". Und gleichzeitig fragte ich mich, was das denn genau bedeute, d.h. was denn das vermutete 'feien' bedeutet. Ich nahm den Faden bei nächster Gelegenheit auf und gelangte von 'gefeit' zu 'feien', 'Fee', 'weihen', 'widmen', 'Witwe' zu 'grüne Witwe'.

feien (W2)

Ich kenne das Wort 'feien' nicht. Allerdings benutze ich ab und zu den Ausdruck 'gegen etwas gefeit sein' oder eine ähnliche Form. Dieses fast ausgestorbene 'feien' geht zurück auf ein mhd. 'veinen' = 'nach Art der Feen durch Zauber schützen' (mhd. 'fei(e)' = 'Fee').

Erstellt: 2003-04

Fee (W3)

Die "Fee", die "Zauberin" kommt meist im Paar vor, einmal als gute und einmal als böse "Fee". Beide stammen ab von der lat. "Fata" = "Schicksalsgöttin" (Das lat. "fatum" = "Schicksal" war neutral und konnte Gutes und Schlechtes gleichermassen bringen.)

"Fatalerweise" konnten beide ihrem Schicksal nicht entgehen über das frz. "fée" = "Fee", "Zauberin" in die deutsche Sprache einzugehen.

Erstellt: 2003-04

weihen (W3)

Obwohl man einen Zusammenhang von 'feien' mit 'weihen' vermuten könnte, geht 'weihen' auf ahd. 'wihen' bzw. 'wih' = 'heilig' zurück und bedeutet damit 'heiligen'. Zu erkennen ist dies noch in 'Weihnacht'. Die Bezeichnung lässt sich noch weiter auf heidnische Ursprünge zurückführen, dem lat. 'victima' = 'Opfer(tier)', das 'dem Opfer geweihte' (Tier). Im Englischen hat 'victim' noch diese Bedeutung.
Ich denke damit sollten Sie in die Geheimnisse von 'weihen' eingeweiht sein. - Und ich überlege, ob 'feihen' nicht doch etwas mit 'weihen' zu tun hat.

Erstellt: 2003-04

widmen (W3)

geht auf ein ahd. "widimen" bzw. "widimo", "Wittum" zurück. Dieses "Wittum" war nach germanischem Recht eine Vermögensleistung des Bräutigams an die Braut bei der Eheschließung und sollte u.a. im Falle des Falles die Versorgung der Witwe gewährleisten.

Ob die Zeit, die man einer Sache widmet immer einer Versorgungsvorsorge dient hängt heute allerdings stark von der Sache ab, der man seine Zeit widmet.

Über das griech. "hedna" ist es mit "Mitgift" verwandt. Und weiter hängt es mit dem ide. Stamm "*uedh" = "heimführen", "heiraten" zusammen. Im Litauischen heisst der "Freier" z.B. "vedys".

(Die Zeit, die ich dem Etymologie-Portal "widme" ist in diesem Sinne sicherlich schlecht investiert und trägt im Sterbensfall sicherlich nicht zur "Witwen"-Versorgung bei.)

Erstellt: 2003-04

Witwe (W3)

Die 'Witwe' von ahd. 'wituwa' ist 'die (ihres Mannes) Beraubte'. Interessant ist, dass die 'Witwe' auf einen Stamm ide. "*ueidh" = "trennen" zurückgeht (womit übrigens auch das lat. 'di-videre' = 'trennen' zusammenhängt. Wenn man dies nun mit dem Stamm '*uedh' = 'heimführen, heiraten' vergleicht, könnte diese auch die 'Trennung (der Frau) von der Familie' bedeutet haben.

Erstellt: 2003-04

Witwe - grüne Witwe (W3)

Eine Ehefrau, die das Pech hat(te) den Tag in ländlicher Umgebung (also 'im Grünen') allein in ihrer Wohnung verbringen zu müssen nennt man 'Grüne Witwe'.

Erstellt: 2003-04

klor (W2)

Das saarländische Wort 'klor' ist ein sehr vielschichtiges Wort. In der Aussage 'das ist klor' bedeutet es etwa 'das ist interessant, spassig, sonderbar'. Wohingegen es in der Aussage 'du bischt velleicht klor!' bedeuten kann 'bist du jetzt durchgedreht?'. Es kann also je nach dem Kontext zwischen einem freudigen Bewundern und einem ablehnenden Verachten pendeln. Und es gibt Mitmenschen, die das Wort sehr häufig verwenden.
Jedenfalls habe ich mich schon seit langem gefragt, wo dieses Wort wohl herkommt. Ich habe schon viele Einheimische darauf angesprochen, aber niemand hatte eine Idee.
Ich versuchte es mit 'Chlor' dem chemischen Element, das ja ätzend ist, aber ich konnte keine Verbindung dazu finden.
Nun ist mir gestern Abend das Wort 'glorreich' = 'rühmlich, ehrenhaft' aufgefallen. Damit hängt auch die 'Gloriole' = 'Heiligenschein' und 'mit Glanz und Gloria' zusammen.
Meine (bisher allerdings unbestätigte) Theorie lautet nun folgendermassen: Die Saarländer haben in ihrer wechselvollen Geschichte das frz. 'gloire' = 'Ruhm, Ehre' (im Deutschen gibt es auch ein veraltetes 'Glorie') bzw. das Adjektiv 'gloreux, gloreuse' = 'ruhmvoll' in ihren Sprachschatz aufgenommen und im Laufe der Zeit zu einem schillernden Begriff abgeschliffen.

Falls Sie eine bessere Erklärung kennen, bitte ich Sie es mir mitzuteilen.

Erstellt: 2003-04

Linktipps

beyars - Edelsteinlexikon, Kunstlexikon, Schmucklexikon

(E1)(L1) http://www.beyars.com/
hat drei hervorragende Lexika ins Netz gestellt. Und wenn man noch Platz im Bücherregal hat, ist man sofort geneigt, sich die Print-Ausgaben zuzulegen.
Auch etymologische Hinweise kommen in den Lexika nicht zu kurz. Alle können über die Startseite unproblematisch erreicht werden.
(Auf der ersten Seite des jeweiligen Lexikons auf den Link "Hier steigen Sie in das xxx-lexikon zur Auswahl der Buchstaben ein".)
Neben den aufgeführten Lexika gibt es noch weitere interessante Rubriken: Also ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Erstellt: 2003-04

Buchtipps

Die beiden Buchempfehlungen für heute sind:

50 Klassiker Mythen

(E?)(L?) http://www.amazon.ca/exec/obidos/ASIN/3806725128/etymologporta-20


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Gerstenberg Verlag
Die bekanntesten Mythen der griechischen Antike
dargestellt von Gerold Dommermuth-Gudrich
unter Mitarbeit von Ulrike Braun

In den 50 kurzweilig geschriebenen Geschichten erhält man einen guten Überblick über die griechischen Mythologie. Nebenbei werden einige Begriffe geklärt, die wir heute noch benutzen.
Als Beispile seien genannt: Unter den Rezensionen bei Amazon sind noch einige weitere Beispiele zu finden.

Erstellt: 2003-04

Scholz & Friends (Hrsg.)

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Werbisch
Werbisch-Deutsch
Das ultimative Wörterbuch der Werbung - unzählige Stichwörter und Wendungen aus der europäischen Top-Kreativ-Agentur
REDLINE WIRTSCHAFT bei ueberreuter
184S.

Das kleine Taschenbuch liefert zwar keinerlei etymologische Herleitungen; aber die Zusammenstellung von Begriffen aus der Werbekultur ist ja auch schon ein Hinweis zur Herkunft der Neologismen.
Die Erklärungen sind nicht immer ganz ernst zu nehmen, was aber die Lesbarkeit deutlich verbessert.

Erstellt: 2003-04

Impressum

Erscheinungsdatum2003-04
TitelEtymologie-Newsletter
ISSN
International Standard Serial Number
- ISSN 1610-2320 (2002-07-10) (E-Mail-Version)
- ISSN 1610-3165 (2002-07-22) (Internet-Archiv-Version)
Die Deutsche Nationalbibliothek


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Herausgeber
Postanschrift
Horst Conrad
Kneippstr.6
D-66482 Zweibrücken
E-Mail mailto:conrad-horst@etymologie.info
Erscheinungsweisewöchentlich die Liste der gesuchten Begriffe auf "http://www.etymologie.info/"
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(E?)(L?) http://www.tantalosz.de/latinum/e.php
Errare humanum est, perseverare diabolicum, corrigere divinum!
Irren ist menschlich, am Irrtum festhalten teuflisch, (sich) korrigieren (können) göttlich!

oder

(E?)(L?) http://fr.wikipedia.org/wiki/Errare_humanum_est,_perseverare_diabolicum
Humanum fuit errare, diabolicum est per animositatem in errore manere.
(Aurelius Augustinus, 353-430 n. Chr., Bischof von Hippo in Nordafrika) Sermons (164, 14)
Menschlich ist es zu irren, teuflisch ist es, leidenschaftlich im Irrtum zu verharren.