Etymologie-Newsletter 2003-09

Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
Die Lehre von der Wortherkunft

Etymologie-Portal - Newsletter

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Begrüssung / Feedback / Korrekturen / Vorwort

Liebe Etymologie-Amateure (und Profis),

ich begrüsse Sie zum neuen Etymologie-Newsletter

Urlaubsbedingt kommt er heute etwas verspätet.

Heute finden Sie hier ein kleines unscheinbares Wort mit einer grossen Familie und ein französisches Wort, das sich auch im Argot herumtreibt. Und dazu passend die Buchempfehlung. Der Linktipp

Das Wort des Monats September ist "Punsch"

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Die Wortgeschichte von Christoph Gutknecht ist auf dem Etymologie-Portal in der linken Navigationsleiste unter "Das Wort des Monats auf http://www.etymologie.info/" aufzurufen.

Wortgeschichten

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Als Wortgeschichten habe ich mir heute die Familie um den "Beutel" und das frz. 'berlingot' vorgenommen.

Beutel, Beule, Geldbeutel, Beutelschneider, gebeutelt, Windbeutel, böse, Bauch, Bausch, Puste, Busen, Busch, Böschung, Pausbacken, pauschal, Pause, durchpausen, Bouteille, boule, Boulevard, Bohlen (W1)

Auf den "Beutel" bin ich durch die Anfrage eines Besuchers zur Herkunft von "Kulturbeutel" gestossen. Und siehe da der unscheinbare "Beutel" entpuppte sich als wahres Füllhorn.

Der "Beutel" lässt sich zurückführen auf ein ahd. "butil", das "Aufgeschwollenes" bedeutet und mit der "Beule" zusammenhängt. Bleiben wir aber zunächst noch bei unserem "Beutel". Dieser steckt zum Beispiel noch im "Geldbeutel", der füher auch wirklich noch ein bauschiger "Beutel" war und dem "Beutelschneider" Gelegenheit gab, ihn vom Gürtel anderer Leute zu schneiden. Aber auch der Hodensack einiger Tiere wird als Beutel bezeichnet und niemand hält es für anrüchig statt vom Frankenwein vom "Bocksbeutel" zu sprechen (weil er in bauchigen Flaschen abgefüllt wird, die ...). In der Gattungsbezeichnung (?) "Beuteltier" diente allerdings die Hautfalte zur Aufbewahrung der Jungtiere als Namensgeber.

Und dass man heute auch "gebeutelt" sein kann liegt daran, dass die grossen Mehlsiebe der Müller auch als "Beutel" bezeichnet wurden. Und das heftige Schütteln zum Sieben des Mehles wurde demzufolge als "beuteln" bezeichnet. Man könnte also stattdessen auch "durchgesiebt" sagen. ;-)

Natürlich gibt es noch weitere Beutel wie z.b. den "Windbeutel", der von den Treibgasen "aufgeschwollen" wird und den (ubertragenen) Windbeutel, der nichts als Luft enthält). Aber wenden wir uns dem anderen Familienmitglied zu.

Die "Beule" bedeutete in alten Zeiten "Schwellung", was ja heute noch nachzuvollziehen ist, wenn man sich den Kopf anstösst. Dass man heute auch von "Beule" im Autoblech spricht, ist genaugenommen nicht ganz korrekt, da es sich dabei nicht um ein geschwollenes sondern um ein verbogenes Blech handelt.

Man geht davon aus, dass sich die "Beule" aus einem wortmalerischen Ursprung, dem Geräusch beim Aufblasen der Backen ("puh", "peuh") entwickelt hat. Und diese Eigenschaft hat die "Beule" dann nicht mehr abgelegt. Es hat sich immer weiter aufgeblasen und hat einen Begriff nach dem anderen produziert. Aus dem "aufgeblasenen" Mitmenschen wurde ein "böser" Mitmensch. Dieser schlägt sich auch heute noch auf anderer Leute Kosten den "Bauch" voll und macht sich noch in "Bausch" und "Bogen" lustig über die Geschröpften.

Aber immer noch geht der "Beule" die "Puste" nicht aus. Den Ärger im "Busen" unterdrückend, verdrückt sich der Geschädigte daraufhin zu allem Überdruss peinlich berührt hinter den nächsten "Busch" oder der nächsten "Böschung" (der "Aufbauschung").

Aber all das ist immer noch besser als die "Pocken" mit ihren aufgeschwollenen "Pusteln" zu bekommen. Und da kann man doch vor Erleichterung wieder die Luft aus den "Pausbacken" lassen und die Dinge etwas "pauschaler" (= "alles zusammengenommen" also "geschwollen") betrachten.

So - nun wird es aber doch Zeit, eine "Pause" zu machen. Diese hat jedoch nichts mit den "Pausbacken" zu tun sondern geht auf lat. "pausa" = "Innehalten" zurück.

Und durchpausen" geht auch nicht auf die "Beule" zurück. Dieses ist nach dem "Bimsstein" = frz. "ponce" benannt auf den es über frz. "poncer" = "mit dem Bimsstein bearbeiten" und daraus frz. "ébaucher" = "entwerfen" zurückgeht.

Dennoch würde es auch zur "Beule" passen, da bei einigen "Pausverfahren" ja minimale "Bausen" (saarl.) entstehen.

Allerdings würde es mich nicht wundern, wenn die frz. "Bouteille" = "Flasche" (lat. "butticula") aus der aufgeblasenen Familie des Beutels stammen würde. (Im 17.Jh. hatte es die Bedeutung "bulle" = "Blase".) Und irgendwie dürfte hier auch die "Buddel" voll Rum hingehören.

Und natürlich gehört auch das frz. "boule" = "Kugel" hierher (und damit auch der frz. "Boulanger"), das auf lat. "bulla" zurückgeführt wird.

Der frz. "Boulevard" allerdings scheint zumindest nicht direkt mit "Boule" zusammenzuhängen. Der "Boulevard" ist eigentlich ein deutsches "Bollwerk" (über ndl. "bolwerc"), das widerum "Schutzwerk aus Bohlen" bedeutet. Diese kantigen Holzteile scheinen ja gar nichts bauchiges zu haben. Allerdings wird "Bohlen" dann wieder mit "Balken", "Baum" (anord. "bolr, bulr") und auch mit ahd. "bolen" = "rollen, wälzen" (vgl. "Böller") in Zusammenhang gebracht. Und von da ist es ja dann auch nicht mehr weit zur "boule" und zum "Beutel".

Jedenfalls wurden die Bollwerke irgendwann nicht mehr gebraucht. Die Städte wuchsen ausserdem über die ursprüngliche Begrenzung hinaus und so lag es nahe, die Bollwerke niederzureissen und an ihrer Stelle (breite) Strassen anzulegen. Diese übernahmen die Bezeichnung und wurden schliesslich sogar zu Nobelstrassen. Den gesellschaftlichen Aufstieg hat ganz ähnlich auch die engl. "Wallstreet" geschafft, die an Stelle des "Schanzwalls" geschaffen wurde.

Auf dem "Boulevard" findet man Klatsch und Tratsch von Hollywood bis Adel.

Für die Autorin ist Winnie Pooh (der bausbäckige Bär) einer der tollsten Bären der Welt. - Aus diesem Grund hat sieihm und seinen Freunden, diese Seiten gewidmet.

(E?)(L1) http://winnie.designcms.de/index2.php


(E?)(L3) http://www.laboulebleue.fr/


Erstellt: 2003-09

Berlingot, berline, berlingue (W1)

(E1)(L1) http://www.berlingot-de-carpentras.com/


(E?)(L?) http://www.mathcurve.com/surfaces/berlingot/berlingot.shtml


(E?)(L?) http://staging.foodtv.com/foodtv/recipe/0,6255,24977,00.html
Die angegebenen Links führen einige Erklärungen zur Herkunft der Bezeichnung für die französische Bonbon-Sorte auf (die weiter unten teilweise zitiert sind). Eine schöne Wortgeschichte dazu findet sich auch in dem franz. Büchlein "Les mots d'origine gourmande" von Colette Guillemard, das im Verlag Belin erschienen ist. Hier sinngemäss die Wortgeschichte:

Demnach benutzten Victor Hugo und Octave Feuillet "Berlingot" irrtümlicherweise für "berline", der Bezeichnung für eine Kutsche, deren Bezeichnung auf "Berlin" zurückgeht, da sie dort um 1670 in Mode gekommenen war und auch in Frankreich anscheinend Anklang fand.
Aber eigentlich bezeichnete "Berlingot" ab dem 17Jh. eine Bonbon-Sorte. Diese wurden in lange Stangen gepresst und dann in noch zähem Zustand auf einem Tisch in mundgerechte Stücke geschnitten. Dieser Tisch wurde mit einem ital. umgangssprachlichen Wort "berlingozzo" bezeichnet, das sich als "Berlingot" auf die Bonbons übertrug.
Durch die beschriebene Herstellungsmethode erhielten die Bonbons eine charakteristische Tetraederform. Das führte wiederum dazu, dass "Berlingot" zur Bezeichnung entsprechender Milchbehälter aus Karton benutzt wurde. Auch nachdem die Form der Milchbehälter modernen Herstellungsmethoden angepasst wurde (also nicht mehr tetraedrisch geformt war), konnte sich die Bezeichnung erhalten. Heute ist es vielfach durch das "franglaisische" "pack" ersetzt worden.
Auch Zigarren können "coupés en berlingots" sein.
Abbildungen von "Berlingots" können Sie auf den angegebenen Seiten finden.
Aber die Wortgeschichte ist damit noch nicht zu Ende.
Die Franzosen können "Berlingot" auch zur Bezeichnung der männlichen Hoden benutzen (wegen der Ähnlichkeit der Form). Genauso leicht assoziieren sie es aber auch mit der Form der weiblichen Klitoris, das um 1925 "dans la langue argotique" aufkam. Daraus wiederum leitet sich die Bedeutung "berlingue" = "Jungfräulichkeit", das elliptisch (aussparend) aus "berlingot intact" entstand. Und so ist die Anstandsdame eine "Madame, qui protége le berlingot de la demoiselle".

Und nun noch ein paar Zitate aus den verlinkten Seiten:

...
Une légende voudrait que ce fût un pâtissier du Pape Clément V (1305-1314) résidant à Carpentras, qui pour fêter la dissolution de l'Ordre des Templiers, confectionna une gourmandise.
Ce serait donc au cours d'un banquet, qu'un dénommé Sylvestre, ayant confectionné un flan caramélisé se trouva avec une quantité de sirop inutilisé. Il eut donc l'idée de recuire ce caramel en rajoutant du citron et de la menthe. Il l'étira en bâtonnets et l'offrit au Pape avec ces mots : " Honneur à Bertrand de Got, à découper avec des ciseaux d'or "
Clément V , sujet français, ancien évêque de Bordeaux, de son vrai nom 'Bertrand de Got', aurait donné ce nom à ce bonbon. Au fil des ans, la partie centrale de son nom se serait transformé dans le langage courant en 'BER-LIN-GOT'.
D'autres pensent que le nom viendrait de l'italien 'berlingozzi', désignant les célèbres sucres d'orge italiens.
La transition entre tian et berlingot est facile quand on découvre que Frédéric Mistral ( 1830-1914), écrivain français d'expression provençale, prix Nobel de littérature en 1904 , employait le mot berlingueto pour désigner une brouillade d'œufs aux herbes accompagnée d'une sauce verte. Peut être parce que du temps de Voltaire (1694-1778) le mot 'berlingot' désignait une 'berline coupée', c'est à dire n'ayant qu'un fond.. Il ecrivit : " Comme il partait, passa sur cette terre , en berlingot, certain pair d'Angleterre " Le mot berlingueto désignait-il pour Frédéric Mistral un récipient tel un plat non couvert?
Ce même Mistral, comparait les berlingots à des osselets, berlingaù en provençal ou berleng en vieux français, désignant " jeu de dés ".
...

Erstellt: 2003-09

workpage - Kleines etymologisches Lexikon

(E1)(L1) http://www.workpage.de/etym.php
der Gustav-Heinemann-Schule in Mülheim a.d.Ruhr
Hier hat sich anscheinend eine kleine Projektgruppe viel Mühe gegeben.

Am 2003-07-17 waren folgende Begriffe zu finden:

Erstellt: 2003-09

Buchtipp

Die Buchempfehlung für heute ist:

Guillemard, Colette

(E1)(L1) http://www.amazon.fr/exec/obidos/ASIN/2701115922/etymologiepor-21
Les mots d'origine gourmande
Belin, 287S.

Das Büchlein enthält viele französische Wortgeschichten zu Wörtern rund ums Essen. Es ist Teil einer ganzen Reihe von Büchern unter der Bezeichnung "Collection Le Français Retrouvé". Natürlich sollte man Französisch soweit können, um sich mit Hilfe des Wörterbuchs einzuarbeiten. Viele Begriffe sind für Nichtfranzosen vielleicht uninteressant. Aber es gibt auch sehr viele Begriffe, die ihren Weg in andere Sprachen, insbesondere in die deutsche Sprache, gefunden haben. Und da kann man dann schon einige interesante Erklärungen finden.

Erstellt: 2003-09

Impressum

Erscheinungsdatum2003-09
TitelEtymologie-Newsletter
ISSN
International Standard Serial Number
- ISSN 1610-2320 (2002-07-10) (E-Mail-Version)
- ISSN 1610-3165 (2002-07-22) (Internet-Archiv-Version)
Die Deutsche Nationalbibliothek


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Horst Conrad
Kneippstr.6
D-66482 Zweibrücken
E-Mail mailto:conrad-horst@etymologie.info
Erscheinungsweisewöchentlich die Liste der gesuchten Begriffe auf "http://www.etymologie.info/"
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(E?)(L?) http://www.tantalosz.de/latinum/e.php
Errare humanum est, perseverare diabolicum, corrigere divinum!
Irren ist menschlich, am Irrtum festhalten teuflisch, (sich) korrigieren (können) göttlich!

oder

(E?)(L?) http://fr.wikipedia.org/wiki/Errare_humanum_est,_perseverare_diabolicum
Humanum fuit errare, diabolicum est per animositatem in errore manere.
(Aurelius Augustinus, 353-430 n. Chr., Bischof von Hippo in Nordafrika) Sermons (164, 14)
Menschlich ist es zu irren, teuflisch ist es, leidenschaftlich im Irrtum zu verharren.