Etymologie-Newsletter 2003-11

Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
Die Lehre von der Wortherkunft

Etymologie-Portal - Newsletter

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Inhalt



Begrüssung / Feedback / Korrekturen / Vorwort

Liebe Etymologie-Amateure (und Profis),

ich begrüsse Sie zum neuen Etymologie-Newsletter



Das Wort des Monats November ist "Miete - das ist schon die halbe Miete"

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Die Wortgeschichte von Christoph Gutknecht ist auf dem Etymologie-Portal in der linken Navigationsleiste unter "Das Wort des Monats auf http://www.etymologie.info/" aufzurufen.

Wortgeschichten

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Als Wortgeschichten habe ich mir heute eine Familie vorgenommen, deren Vertreter den unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen angehören. Ich beginne jedoch mit dem schwarzen Schaf der Familie.
Ausserdem stelle ich noch eine anstrengende Wortfamilie vor.

Scheisse, shit, scheiden, consciousness, science, conscience, conscientiousness, entscheiden, scissors, Schere, Schizophrenie (W1)

(E1)(L?) http://www.phrases.org.uk/meanings/
Ich hoffe, ich brüskiere Sie mit dieser Überschrift nicht allzusehr.

Ich kann mich daran erinnern, einmal bei Tucholsky gelesen zu haben: "... der pfeift immer so unanständige Lieder ...". Seit ich mich mit Etymologie beschäftige komme ich mehr und mehr zur Einsicht, dass man diese Ironie verallgemeinern könnte zu: "... der sagt immer so unanständige Wörter ...".

Was ich damit sagen will: die Wertigkeit von Wörtern entsteht in unserem Kopf. - Aber genug dieser Philosophiererei, kümmern wir uns also um die "Scheisse".

Geht man ganz weit zurück, so findet man ein ide. "*skei-". Dieses hatte noch gar nichts anrüchiges an sich. Es bedeutete soviel wie "schneiden, teilen, scheiden". Und nicht zufällig sagen wir ja heute auch noch, "dass etwas mit dem Stuhlgang ausgeschieden wird". Aber dieses unscheinbare Wörtchen, das natürlich auch das engl. "shit" hervorgebracht hat, kann auch auf ganz noble Abkömmlinge verweisen.

Nichts weniger als das "Bewusstsein" und die "Wissenschaft" hat "*skei-" hervorgebracht, nämlich im engl. "consciousness" und "science" (auch dt. "gescheit" = dt. "unterscheidungsfähig"). (Und entsprechende Abkömmlinge, wie "conscience" = "Gewissen", "conscientiousness" = "Gewissenhaftigkeit".)

Das lat. "scio" = "scheiden" heisst auch "wissen", "verstehen", "entscheiden". Und die Wissenschaft schafft Wissen, indem sie das Wesentliche vom Nutzlosen "scheidet". Und der lat. "scissor", der die Speisen vorschnitt und die engl. "scissors (pair of)" und entsprechend die dt. "Schere" sind auch Abkömmlinge, zwar weniger nobel, aber auch nicht vulgär.

Aber auch andere Abkömmlinge lassen sich finden. So ist das engl. schedule" = "Zeitplan" ein Instrumentarium um die Zeit "einzuteilen".

Und dann haben wir auch noch einen Vertreter, der es in die medizinisch-psychologische Abteilung geschaft hat, die "Schizophrenie", das gespaltenen Bewusstsein. (Einige haben es allerdings geschafft, daraus Kapital zu schlagen indem sie es zur dichterischen Aussage erhöhten: "... zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust ...").

Nun bleibt mir nur noch die Hoffnung, dass Sie diesen Beitrag mit wissenschaftlichen Augen sehen und es kein Grund ist, sich vom Etymologie-Portal zu "scheiden".

Erstellt: 2003-11

Treidelpfad, traktieren, Trailer, Traktat, Traktor, trainieren, train, Trakt, Trainee, Trainingsanzug, Kontraktion, Kontrakt, Subtraktion, Attraktion, abstrakt, Extraktion, traiter, malträtieren, trait, Porträt, traire, traite (W1)

Zunächst fiel mir beim "Treidelpfad" die Assoziation "treideln" / "trillern" (umgs. "drehen") ein, wonach es auf die "gedrehten" Seile zurückgehen könnte, mit denen die Schiffe vom Ufer aus gezogen wurden.
Ein Blick in die Wort-Vergangenheit lehrt uns allerdings, dass "treideln" mit engl. "trail" = "ziehen, schleppen" zusammenhängt. Demnach ist der "Treidelpfad" also der "Schlepppfad".
Damit hängt auch "traktieren" (= "schlecht behandeln, schlagen") zusammen, das auf das lat. "tractare" = "herumzerren, bearbeiten" zurückgeht.
Beim Film wird auch noch ein Stück nachgeschleppt, der "Trailer".
Und das "Traktat" ist die nachgezogene Abhandlung. Und dienten die "Traktätchen" nicht auch dazu, uns moralisch wieder nach oben zu ziehen?
In der Landwirtschaft kennt man noch den "Traktor", den "Schlepper".
Auch im Sport kommt man ohne "schleppen" nicht aus; oder warum "trainieren" die Sportler permanent? Immerhin haben sie es nicht so schwer wie der engl. "train", der schon einiges mehr zu schleppen hat. Und ausserdem können sie sich in den lang-"gezogenen" "Trakten" der "Trainingslager" erholen.
Während nun der "Trainer" andere zum "Schleppen" bringt wird der "Trainee" durch alle Abteilungen eines Unternehmens geschleppt, um die Firma kennen zu lernen.
Der "Trainingsanzug" ist mittlerweile allerdings zum Hausanzug verkommen. Dort schleppt man sich nur noch von der Couch zum Kühlschrank.
Weiter gehört hierher die "Kontraktion" = "Zusammenziehung" und der "Kontrakt", der Vertrag, der zwei "Kontrahenten" zusammenbindet.
Aber was man zusammenziehen kann kann man auch auseinanderziehen. Und so gibt es auch die "Subtraktion" (eigentlich "Herunterziehung"), die den Schulanfängern so viel Freude bereitet. Dabei gäbe es ausserhalb der Schule viel interessantere "Attraktionen", die einen magisch anziehen.
Und wenn man jetzt von all diesem absieht (und alles "abzieht"), wenn man sich nur noch auf den Kern der Sache konzentriert, dann wird es "abstrakt". (Das Gegensatzpaar "abstrakt" - "konkret" wurde übrigens von dem Römer Boethius in die Philosophie eingeführt.)
In der Marmelade möchte ich allerdings keine Kerne, da schmeckt mir die "Extraktion" (d.h. der herausgezogene und verdickte Saft) besser.
Das lat. "trahere" = "ziehen" hat aber auch im Französischen seine Spuren hinterlassen. Da gibt es z.B. "traiter" = "behandeln", das u.a. das deutsche "malträtieren" = "schlecht behandeln" nach sich zog.
In diese grosse Familie gehört auch "le trait" = "der Charaker-/Gesichtszug", der in einem "Porträt" (frz. "portrait") ans Licht der Öffentlichkeit gezogen wird.
Sicher sind noch viele Begriffe durchs Schleppnetz (lat. "tragula") gegangen; aber wir haben "treideln" nun genug gemolken (frz. "traire"), (frz. "la traite" = "das Melken").

Erstellt: 2003-11

galli-institut
Das Wichtigste auf dieser Welt - Geld

(E1)(L1) http://www.galli-institut.de/geld.htm
Die Seite ist nicht mehr erreichbar.


Redewendungen: Oft verwendet, Ursprung unbekannt?!
von Anton Zacharias
Wenn Ihnen jetzt als unbelehrbarer Romantiker beim Wichtigsten auf dieser Welt spontan "Liebe" eingefallen ist, dann gratuliere! Sie leben auf dem falschen Planeten!
Natürlich ist das Geld viel wichtiger, denn notfalls kann man mit Geld u.a. auch Liebe, oder was manche Leute dafür halten, bedarfsgerecht einkaufen. Bekanntlich regiert Geld die Welt, d.h. unsere persönliche potentielle Zahlungsfähigkeit spielt in so ziemlich allen Lebenslagen die entscheidende Rolle. So bestimmen die vorhandenen oder geliehenen "Moneten" (vom lateinischen "monetae" = "Münzen") z.B. unsere Attraktivität beim anderen Geschlecht.
...
Es folgt ein Artikel, in dem weitere Ausdrücke für 'Geld' erklärt werden (Ich möchte nicht alles kopieren, deshalb sollten Sie die Seite am Besten direkt aufrufen und lesen.):


Erstellt: 2003-11

Buchtipp

Die Buchempfehlung für heute ist:

Schmid, Ulrich
275 populäre Irrtümer über Pflanzen und Tiere

(E?)(L?) http://www.amazon.ca/exec/obidos/ASIN/3440090280/etymologporta-20


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Von blühenden Algen, fliegenden Fischen und singenden Seekühen
KOSMOS, 222S.

Wie dem Titel zu entnehmen ist, behandelt das Buch aus dem Kosmos-Verlag keine Sprachirrtümer sondern Irrtümer bzgl. der Vorstellungen zur Biologie von Pflanzen und Tieren. Dennoch findet man auch viele sprachliche Hinweise und kleine Wortgeschichten, die auch dem etymologisch interessierten Anregungen und Hinweise geben, z.B.: und dergleichen mehr.

Erstellt: 2003-11

Impressum

Erscheinungsdatum2003-11
TitelEtymologie-Newsletter
ISSN
International Standard Serial Number
- ISSN 1610-2320 (2002-07-10) (E-Mail-Version)
- ISSN 1610-3165 (2002-07-22) (Internet-Archiv-Version)
Die Deutsche Nationalbibliothek


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Herausgeber
Postanschrift
Horst Conrad
Kneippstr.6
D-66482 Zweibrücken
E-Mail mailto:conrad-horst@etymologie.info
Erscheinungsweisewöchentlich die Liste der gesuchten Begriffe auf "http://www.etymologie.info/"
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(E?)(L?) http://www.tantalosz.de/latinum/e.php
Errare humanum est, perseverare diabolicum, corrigere divinum!
Irren ist menschlich, am Irrtum festhalten teuflisch, (sich) korrigieren (können) göttlich!

oder

(E?)(L?) http://fr.wikipedia.org/wiki/Errare_humanum_est,_perseverare_diabolicum
Humanum fuit errare, diabolicum est per animositatem in errore manere.
(Aurelius Augustinus, 353-430 n. Chr., Bischof von Hippo in Nordafrika) Sermons (164, 14)
Menschlich ist es zu irren, teuflisch ist es, leidenschaftlich im Irrtum zu verharren.