Etymologie-Newsletter 2004-04

Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
Die Lehre von der Wortherkunft

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Begrüssung / Feedback / Korrekturen / Vorwort

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Das Wort des Monats April ist "Kokotte"

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Die Wortgeschichte von Christoph Gutknecht ist auf dem Etymologie-Portal in der linken Navigationsleiste unter "Das Wort des Monats auf http://www.etymologie.info/" aufzurufen.

Wortgeschichten

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Als Wortgeschichten habe ich mir heute die Familie um die drei Buchstaben "bar" vorgenommen.
Ausserdem den Neologismus "abkanzlern".

Bar, bar, barrista, Barren, Barriere, Barcode, barring, barrier, barrister, barfuss, Bargeld, barer Unsinn, Barometer, Buer, Bürde, gebären, Geburt, Tragbahre, Barium, Baryt, Bariton, -bar, Baron (W1)

(E1)(L1) http://www.etymonline.com/b2etym.htm


(E1)(L1) http://www.takeourword.com/TOW151/page4.html#fubar


(E1)(L1) http://www.takeourword.com/Issue072.html


(E1)(L1) http://www.takeourword.com/Issue073.html


(E1)(L1) http://www.word-detective.com/093098.html#bar


(E?)(L?) http://de.wikipedia.org/wiki/Bar


(E6)(L?) http://www.industrie.gouv.fr/metro/aquoisert/etymol.htm


(E6)(L?) http://www.woerterbuchnetz.de/DWB/
"Bar" ist ein schönes Wort - kurz und bündig. Und es zeigt sich immer wieder, dass die kleinsten Wörter die grössten Schwierigkeiten bereiten. Sie sind furchtbar schwer greifbar und dabei offenbar ungemein fruchtbar.
Bar jeglichen Verständnisses fand ich es schon als Jugendlicher wunderbar, dass die Buchstabenfolge "bar" so unterschiedliche Bedeutungen wie in "bar (bezahlen)", "Bardame", "barfuss", "Bargeld" oder "Barcode" haben kann. Ich bin der Frage allerdings nicht nachgegangen. Dies möchte ich heute nachholen.

Man kann also zunächst einmal folgende "bar" unterscheiden.

"Bar" = "Nachtlokal" "Schanktisch", "intimes Nachtlokal". Diese "Bar" geht zurück auf ein altfrz. "barre" = "Schranke", durch die Ausschank und Gastraum getrennt sind.

Ein ital. "barrista" serviert Espressos (über die Theke, die Barriere).
Hier findet man auch den "Barren" und die "Barriere" oder den "Barcode" = "Balkencode" oder die engl. "chocolate bar" = "Schokolade-Riegel/-Tafel".
Die engl. Begriffe "barring" = "abgesehen von", "barrier" = "Hindernis, Sperre" and "barrister" = "Rechtsanwalt" gehen ebenfalls auf die (Gerichts-)Schranke zurück.

"bar" = "nackt", "frei von" auch "pur", "rein". Diese ahd. "bar" wird zurückgeführt auf ein ide. "*bhoso" = "nackt".
Hierher gehört z.B. "barfuss" = "nackter Fuss", "bar bezahlen" = "frei (aus der Hand) bezahlen" mit "Bargeld" = "freies (verfügbares) Geld".
Auch spricht man vom "baren Unsinn", dem "puren Unsinn". Dann ist die Rede "bar jeder Vernunft", also "ohne Vernunft", "befreit von jeder Vernunft".

"Bar" zur Messung des Luftdrucks. Diese Einheit geht zurück auf griech. "báros" = "Schwere, Gewicht".
Das Gerät um den Luftdruck zu messen nannte man entsprechend "Barometer". (Die Bezeichnung für das Luftdruckmessgerät bezieht sich also auf die "Schwere" der Luft.)

Als "Bür" bezeichnete man auch ein "eisernes Fallgewicht an Schmiedehämmern und Rammen". Und damit kommt man auch zur "Bürde", die auf "beran" = "Last" zurückgeht. "Bürde" bezeichnete zunächst das von der Mutter ausgetragen Kind. Dazu gehört auch "gebären" von germ. "*bera" = "tragen", "bringen" und das zugehörige "Geburt" = "Austragung".
Die "Tragbahre" enthält gleich zweimal den Bedeutungsinhalt "tragen".

Auch das chemische Element "Barium" (chemisches Zeichen "Ba") geht über das Mineral "Baryt" = "Schwerspat", in dem "Barium" zum ersten mal entdeckt wurde, auf griech. "barýs" = "schwer" zurück. Seltsamerweise zählt "Barium jedoch zu den Leichtmetallen.
Dieses ist auch im "Bariton" (engl. "baritone") anzutreffen, das auf das griech. "barýtonos" = "volltönend" ("schwertönend) zurückgeht.

Und wenn wir schon bei der Musik gelandet sind:
"Bar" = "regelmäßig gebautes, mehrstrophiges Lied des Meistergesangs". Dieses geht jedoch nicht zurück auf den "Bariton" sondern wird zurückgeführt auf die Linien "bars", die zur Abgrenzung verschiedener Takte und Rhythmen benutzt wurden.

"-bar" = Suffix, um auszudrücken, dass etwas machbar (erreichbar, fassbar, lieferbar) ist. Dieses wird ebenfalls zurückgeführt auf das ahd. "beran" = "tragen, bringen" ("tragbar" ist also so etwas wie eine "weisser Schimmel").

Eventuell geht der "Baron", ein germ. Ausdruck für "streitbarer Mann" auch auf das griech. "baros" zurück, oder hängt zumindest damit zusammen. Und ein "grosser/schwerer Mann" kann natürlich auch besser streiten. Der spätere frz. "Baron" war dann wohl nicht mehr so streitbar, hatte dafür aber gesellschaftlich umso mehr Gewicht.
(Schliesslich geht auch der "Ombudsmann" auf einen "gewichtigen Mann" zurück.)
Der "Baron" wird übrigens weiter zurückgeführt auf das germ. "baro" = "freier Mann". Und damit gibt es zumindest einen assoziativen Zusammenhang zwischen "schwer" und "frei".

Nun fehlt eigentlich nur noch der Blick in Grimm's Deutsches Wörterbuch. Dort findet man, dass das Suffix "-bar" mit lat. "-fer" oder "-ferus" auf den Bedeutungsinhalt "tragen" zurückgeht. Ausdücklich wird darauf verwiesen, dass in "tragbar""tragen" und "bären" nebeneinander erscheinen und "bar" = "pari" schon an sich "ferendus" oder "portabilis" war.

Was sich so alles hinter der "Bar" versteckt!?
Gibt es nun einen Zusammenhang zwischen diesen "bar" und eine gemeinsame Wurzel, oder sind es zufällige Übereinstimmungen?
Leider scheint kein Berufs-Etymologe bisher die Frage nach einem gemeinsamen Ursprung dieser "bar" gestellt zu haben. Jedenfalls habe ich noch keinen Hinweis gefunden, der dies bestätigt oder widerlegt. Aber ist es wirklich zu weit hergeholt, zwischen "tragen" und "Gewicht" einen Zusammenhang zu sehen? Oder zwischen "Gewicht" und "Schranke, Sperre"? Lediglich das "freie" "bar" passt nicht in diese Assoziationskette.
Um nicht in unseriöse Spekulationen abzugleiten möchte ich es bei diesen Anmerkungen belassen.

Siehe auch die Stichwörter:

Erstellt: 2004-04

abgekanzlert, Kanzler, Kanzlei, Kanzleischrift, abkanzeln, Kanzel, Traufe (W3)

(E3)(L1) http://www.susas.de/MA3_2.htm#kanzlei


(E?)(L1) http://moorstation.org/typoasis/designers/steffmann/samples/k/kanzlei.htm


(E?)(L1) http://www.fontgrube.gmxhome.de/de/hermdec.htm


(E?)(L2) http://www.typolexikon.de/k/kanzleischrift.html


(E?)(L?) http://www.typografie.info/


(E?)(L?) http://www.bundeskanzler.de/


(E?)(L?) http://www.bundeskanzler.at/


(E?)(L?) http://www.kanzelgruss.de/
Am 11.03.2004 war in einer Radiosendung zu hören, dass Gerhard Schröder Journalisten "abgekanzlert" habe. Damit war gemeint, dass er ihnen seine besondere Beachtung entzogen hatte.
Es ist also ein Wortspiel mit "Kanzler" und "abkanzeln".

Der "Kanzler" war ursprünglich ein "Vorsteher einer Behörde", ein "cancellarius". Bei den Römern war er sogar nur ein "Amtsdiener", der die Anträge und Bittschriften der Bürger, die hinter der "Schranke", lat. "cancelli", warten mussten und den eigentlichen Amtsinhabern hin und her trug. Aber er arbeitete sich hoch bis zum "Amtsvorsteher". Schliesslich war er ja auch für die Ausfertigung von Staatsurkunden zuständig, was ihn schon zu römischen Zeiten zum hohen Beamten, dem lat. "cancellarius" machte. Er übertrug also die Bezeichnung für seinen eng umgrenzten Arbeitsplatz an den "Schranken" auf das ganze Amt und nannte es "Kanzlei".
Die "Kanzlei" bestand aus einzelnen Zellen, die mit "Schranken" vom Publikum getrennt waren.
Nach den in Kanzleien verwendeten Schriften wurde auch eine spezielle "Kanzleischrift" benannt:

Standartisierte Schreibschrift, die ab dem Mittelalter zur Abfassung offizieller Schriftsätze benutzt wurde.


Und spätestens mit Bismarck wurde der vom Deutschen Kaiser ernannte Reichs-Kanzler zum Vorsitzenden des Bundesrats, der Schritt für Schritt viele Regierungsgeschäfte übernahm.
Und als dann Kaiser Wilhelm II. am 09.11.1918 abdankte, nach Niederlande ins Exil ging und damit die Institution des Kaisers auflöste, war es am damaligen Reichs-Kanzler Prinz Max von Baden, die Regierungsgeschäfte komplett zu übernehmen.

Und nun noch zum zweiten Teil des Wortspiels, dem "abkanzeln". Dies könnte natürlich bedeuten, dass jemand "in seine Schranken verwiesen" wird. Dies bedeutet es auch in gewisser Weise. Aber die Herkunft des Wortes geht auf die Weiterentwicklung der "Schranke" in der Kirche zurück. Dort wurde aus den "cancelli" eine erhöhte "Kanzel", damit auch alle Kirchgänger die Predigt hören konnten. Und es war Sitte am Sonntag von der Kanzel herab die moralischen Leitlinien zu predigen. Und ab und zu gab es dort auch missbilligende Worte zu aktuellen Vorkommnissen in der Gemeinde. Und wenn es Einzelne zu arg getrieben haben wurden Sie auch persönlich vom Kanzelprediger angesprochen, "von der Kanzel herab" gerügt, also "abgekanzelt".

Dass man heute versucht von der Kanzel herab nicht mehr abzukanzeln sondern zu grüssen zeigt die Site: "www.kanzelgruss.de". Dort geht es um Gottesdienst und Predigt.
Dort gab es auch eine Rubrik "Traufe". Dabei handelt es sich um ein Wortspiel ("Trauung und Taufe").
Beim Wort genommen geht "Traufe" zurück auf "triefen", also "die Triefende". Das lässt darauf schliessen, dass die "Dach(-regen-)traufen" in früheren Zeiten nie ganz dicht waren.
(Nach "Traufe" suchen.)

In "susas - Fachbegriffe-Lexikon Mittelalter" findet man:

Erstellt: 2004-04

heinrich-tischner
Heinrich Tischner
Etymologie-Site - Wort- und Begriffserklärungen - Länder- und Völkernamen

(E1)(L1) http://www.heinrich-tischner.de/anlag/verz/22spra.htm
Die komplette Site ist eine etymologische Fundgrube. Allerdings ist keine übergreifende Wort-Liste vorhanden. Und so muss man alle Seiten durchklicken. (deshalb (L3)) Dann kann man immer wieder neue etymologische/sprachliche Kleinode entdecken (deshalb (E1)).

Erstellt: 2004-04

Buchtipp

Die Buchempfehlung für heute ist:

Duden - Lexikon der Vornamen

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Herkunft, Bedeutung und Gebrauch von mehreren Tausend Vornamen
Duden-Verlag


Kurzbeschreibung
Ist Eike ein Mädchen- oder Jungenname? Weshalb wurde der Name Wolfgang so beliebt? Was haben die Vornamen Ossip, Joseph, Jakob, Jascha, James und Giacomo gemeinsam? Was bedeutet eigentlich der Name Konrad?
Das Lexikon der Vornamen beantwortet diese und viele andere Fragen; es klärt Bedeutung und Herkunft von mehr als 3000 weiblichen und männlichen Vornamen. Zahlreiche Abbildungen zeigen historische Persönlichkeiten, die mit ihren Namen auf die Namengebung entscheidend eingewirkt haben.
Ein übersichtliches Register am Ende des Buches gibt Eltern, die für ihr Kind einen Namen suchen, Hinweise auf die schönsten und beliebtesten Vornamen unserer Zeit.


Erstellt: 2004-04

Impressum

Erscheinungsdatum2004-04
TitelEtymologie-Newsletter
ISSN
International Standard Serial Number
- ISSN 1610-2320 (2002-07-10) (E-Mail-Version)
- ISSN 1610-3165 (2002-07-22) (Internet-Archiv-Version)
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Erscheinungsweisewöchentlich die Liste der gesuchten Begriffe auf "http://www.etymologie.info/"
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Errare humanum est, perseverare diabolicum, corrigere divinum!
Irren ist menschlich, am Irrtum festhalten teuflisch, (sich) korrigieren (können) göttlich!

oder

(E?)(L?) http://fr.wikipedia.org/wiki/Errare_humanum_est,_perseverare_diabolicum
Humanum fuit errare, diabolicum est per animositatem in errore manere.
(Aurelius Augustinus, 353-430 n. Chr., Bischof von Hippo in Nordafrika) Sermons (164, 14)
Menschlich ist es zu irren, teuflisch ist es, leidenschaftlich im Irrtum zu verharren.